Warum sich die SPD Steinfurt für den Neubau des ... - SPD in Steinfurt

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Warum sich die SPD Steinfurt für den Neubau des ... - SPD in Steinfurt

Warum sich die SPD Steinfurt für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses mit

Sanierung der Fassade der Villa Heimann einsetzt

Fakten

‣ Erforderlicher Neubau des FWG-Hauses

‣ Einbindung der Fassade ist technisch möglich

‣ Bürgerschaftliches Engagement für den Erhalt und Integration ins Gebäude

‣ Sicherstellung einer funktionsfähigen Feuerwache

‣ Finanzierung außerhalb des städtischen Haushaltes durch Spenden,

Eigenleistungen und Fördergelder

‣ Bewahrung des historischen und sozialgeschichtlichen Erbes der Stadt

‣ Bewahrung zeitgeschichtlicher baulicher Identität

‣ einzigartige Architektur als Feuerwehrgebäude (Alleinstellungsmerkmal)

‣ zukünftige Erklärungen der städtischen Vergangenheit am tatsächlichen

Objekt

Aktueller Sachstand

Im Rahmen des geplanten Neubaus des Feuerwehrgerätehauses in Steinfurt-

Borghorst besteht die Möglichkeit, die Fassade des auf dem Grundstück befindlichen

Gebäudes „Villa Heimann“ an der Anton-Wattendorff-Straße in den Neubau zu

integrieren und als sozialgeschichtliches und bauliches Element zu erhalten.

In der Beschlussvorlage 706/2013 nebst Anlagen der Verwaltung für den

Bauausschuss wird der Erhalt in der Planvariante 2 dargestellt.

Die Variante 1 beinhaltet einen reinen Neubau.

In der Begutachtung der Fachfirma k-plan und in diversen Schreiben und

Mitteilungen der Verwaltung ist die technische Wiederherstellung und die

kostenmäßige Beurteilung beschrieben.

Zunächst muss festgestellt werden, dass die Diskussion über den Neubau des

Feuerwehrgebäudes, und den Fassadenerhalt der Villa Heimann nur unter

finanziellem Aspekt gesehen wird.

Auch vorschnelle Schuldzuweisungen zu fehlerhaften Berechnungen oder

Darstellungen dienen keiner objektiven Betrachtung.

Für die SPD greift die bisherige Argumentation wesentlich zu kurz. Darum wollen

wird die Betrachtungsweise ausdehnen und dazu informieren.

Ausgangslage

Nach dem 2. Weltkrieg dauerte es in der ehemaligen Stadt Borghorst eine lange Zeit,

bis die Judenverfolgung im Dritten Reich in Borghorst ins öffentliche Licht gerückt

wurde. Zum Gedenken an die sogenannte „Reichskristallnacht“ am 09. November


1938 wurde am Standort der am gleichen Tag zerstörten Synagoge an der

Lechtestraße ein Gedenkstein mit Pflanzbeet zum Gedenken errichtet.

Seit Anfang der 1980’er Jahre richtet der SPD-Ortsverein jährlich am 09. November

eine Veranstaltung zum Gedenken an die Pogrome von 1938 aus. Weiterhin will die

SPD damit ein Zeichen setzen ,,jeglicher Gewalt und jeglichem Extremismus von

Rechts oder Links zu widerstehen“.

Ab Ende der 1980’er Jahre, z. B. zum 50. Jahrestag am 09. November 1988, wurden

die Veranstaltung mit einer nächtlichen Mahnwache durchgeführt.

In den Jahren darauf wurde die Veranstaltung bis heute mit unterschiedlicher

Resonanz fortgeführt. Vor einigen Jahren wurde mit dem Verein „Stolpersteine“ eine

weitere Initiative in die Veranstaltung einbezogen. .

Auch andere Parteien und Gruppen beteiligen sich mehr und mehr an der jährlichen

Gedenkveranstaltung.

Die Feuerwehr stellte sich mit ihrer Beteiligung der Verantwortung für ihre damaligen

Kameraden da in der Pogromnacht die Parole ausgegeben worden war: „Die

Schläuche bleiben trocken.“ Hieraus entstand die Zusammenarbeit der Gruppen und

auch Gespräche zum Erhalt der Villa Heimann.

In den 1990’er Jahren gab es aus der SPD Borghorst, hier ist das Engagement des

damaligen Vorsitzenden Jürgen Schwering zu nennen, Bestrebungen zum Erhalt der

Villa Heimann, die damals bereits abgerissen werden sollte. Die SPD-Fraktion hat

den Erhalt damals unterstützt. Zu einem Abriss kam es aus verschiedenen Gründen

nicht.

Eine Unterschutzstellung als Denkmal wurde nicht genehmigt, allerdings wurde die

Wertigkeit „erhaltenswert“ bescheinigt.

Die Beschäftigung mit dem Thema führte auch zu Initiativen von Lehrerinnen und

Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Borghorst, das jüdische

Leben in Borghorst zu erforschen. Hierüber wurde eine Schrift erstellt. Auch der

Heimatverein beschäftigte sich mit dem Thema.

Mit den Jahren wurde das jüdische Leben in Borghorst offener diskutiert und sich

dem Thema öffentlich gewidmet.

Leider stehen in Borghorst keine weiteren repräsentativen öffentlichen Zeugnisse

jüdischen Lebens.

Mit der einzigartigen Möglichkeit des Erhalts der Fassade und ihrer Integration in das

neue Feuerwehrgebäude besteht die wohl letzte Möglichkeit, ein historisches Erbe

für die Gegenwart und zukünftige Generationen zu sichern.

In diesem Gebäude wohnte die Familie Heimann, eine im bürgerlichen Leben von

Borghorst integrierte Familie, die mit den Wirren der Judenverfolgung

auseinandergerissen wurde. Große Teile der Familie wurden deportiert und in den

Vernichtungslagern der Nazis ermordet.


Gebäude „Villa Heimann“

Zustand

Aktuell drehen sich die Diskussionen um die Kosten der Restaurierung der Fassade.

Zur technischen und finanziellen Umsetzbarkeit werden in der Beschlussvorlage

706/2013 und weiteren Begutachtungen und Schreiben von der Fachfirma und des

technischen Fachbereichs der Verwaltung hinreichend Ausführungen gemacht.

Der Gebäudezustand ist als marode zu bezeichnen. Da die technischen

Möglichkeiten der Fassadenrestaurierung und Integration in das neue Gebäude

bestehen, kann eine Instandsetzung erfolgen.

Die Argumentation, der Zustand würde keine Sanierung vertragen, kann aufgrund

diverser restaurierter Fassaden in Deutschland widerlegt werden.

Sind Sanierungen oder Konzepte zur Bewirtschaftung allerdings nicht umsetzbar, so

haben wir bisher immer einem Abriss zugestimmt, s. Websäle Kock, Wattendorff,

BWS. Damit wird unsererseits Augenmaß bei der Umsetzung solcher Maßnahmen

bewiesen.

Möglichkeit der Erhaltung

Wer behauptet, das Gebäude müsse aufgrund von Zustand und Kosten abgerissen

werden, verkennt die Möglichkeit und Verpflichtung des Erhalts von Historie in

unserer Stadt.

In der Vergangenheit hat sich die SPD gegen teilweise massive Widerstände für den

historischen Erhalt der Stadtgeschichte stark gemacht, wenn es möglich und sinnvoll

war. Hier sind die Historische Innenstadt in Burgsteinfurt mit Stadtweinhaus, die

Regionale 2004 und die Restaurierung des Konzertsaales im Bagno als

Großprojekte zu nennen. Viele weitere Objekte würden heute nicht mehr stehen,

wenn nicht für den Erhalt gekämpft worden wäre. Unsere Stadt sähe anders aus und

hätte deutlich weniger Attraktivität.

In Borghorst wurden ab den 1960’er auch historische Gebäude massiv dem

Erdboden gleichgemacht. Viele Objekte, sicher auch aus heutiger Sicht

erhaltenswerte, wurden abgerissen. Gründerzeitgebäude oder Häuser aus dem 19.

Jahrhundert sind im Verhältnis zur städtischen Bebauung kaum vorhanden. Auf den

Erhalt historischer Gebäude wurde keinen Wert gelegt. Industriedenkmäler ließen

und lassen sich aufgrund der Substanz und des Erhaltungsaufwandes nicht erhalten.

Erfreulich ist, dass aufgrund großer Initiativen das ehemalige Rathaus als

Heimathaus und in den letzten Jahren eines der ältesten Gebäude im Buckshook

erhalten werden konnten. Hier war der Heimatverein federführend.

In Borghorst existiert kein ähnliches Gebäude mit entsprechendem Hintergrund.


Aktuell beschäftigen sich mehrere Initiativen mit dem Erhalt des Gebäudes Villa

Heimann. Dieses ehrenamtliche Engagement unterstützt die SPD grundsätzlich. Die

Finanzierung und ein erforderlicher Arbeitseinsatz werden organisiert und sind auf

gutem Wege.

Finanzierung

Nur bei Genehmigung der Haushaltes mit Kosten für den Neubau des FWG-Hauses

von 4,7 bzw. 4,8 Mio. € kann die Umsetzung erfolgen. Da der Neubau zwingend

erforderlich ist, wird auf die Genehmigung gehofft.

Bei den ergänzenden Mitteln im Wert von 100.000 € für den Erhalt der Villa Heimann

wird es sich nach diversen Absprachen und Informationen um externe Mittel

außerhalb des Haushaltes der Stadt Steinfurt handeln.

Die bereits geflossenen bzw. zugesagten Summen sind aus der Ratsvorlage

ersichtlich.

Obwohl es bisher keinen Ratsbeschluss zum Neubau des Feuerwehrgerätehauses

in der Variante mit Einbau der Fassade gibt, ist schon eine enorme Vorarbeit in Form

von Spendenzusagen und Zusagen zum Arbeitseinsatz geleistet worden.

Daher muss das ehrenamtliche Engagement nicht gemindert, sondern gefördert

werden. Den beteiligten Gruppen gebührt unsere Unterstützung. Wir wollen helfen,

Hürden zu überwinden und warnen, ihnen Steine in den Weg zu legen.

Umsetzung

Nach Befürwortung des Erhalts durch die Gremien können alle Beteiligten mit großer

Überzeugung und Engagement weitere Mittel und Aktive sammeln. Der aktuelle

Stand ist ohne großen Werbeaufwand zustande gekommen.

Die Restaurierung der Fassade ist für Mitte 2014 geplant. Bis zu diesem Zeitpunkt

kann durch Aktivitäten und Engagement die Absicherung des Projektes erfolgen.

Dabei können sich die Beteiligten auf die SPD verlassen.

Auch Mitglieder der SPD werden sich in verschiedenster Form finanziell und/oder mit

Hand- und Spanndiensten engagieren.

Zukunft

Mit dem Neubau des FWG-Hauses mit Integration des Gebäudes hat die Stadt

Steinfurt ein bundesweit- ja vielleicht europaweit einzigartiges Objekt. Unsere Stadt,

unsere Wehr kann sich darauf berufen, damit einen großen Beitrag zur Aufarbeitung

unserer Stadtgeschichte geleistet zu haben. Bei Erhalt ist davon auszugehen, dass

diese bauliche Verbindung das Interesse von Medien verschiedenster Art wecken

kann.


Neben der Geschichte des jüdischen Lebens in unserer Stadt kann dieses Gebäude

auch auf die Geschichte der Textilindustrie verweisen und auf die sogenannten

Gastarbeiter, die teilweise hier untergebracht waren.

Weitere Möglichkeiten bieten sich der Feuerwehr, die im Rahmen der

angesprochenen Bildungsreihen für die Rekrutierung neuer Feuerwehrleute werben

kann. Potentielle Bewerber werdenins Haus geholt“.

Fazit

Die SPD hat in ihrer Historie immer die Erinnerung von Verfolgten bewahrt. In der

Nazizeit war sie selbst verboten, unsere Mitglieder wurden verfolgt und umgebracht.

Dieser Hintergrund ist für uns Maßstab unserer sozialdemokratischen Identität und

unseres Handelns.

Deshalb werden wir uns auch bei diesem Projekt engagieren und wollen es im Sinne

von Demokratie und Völkerverständigung mit breitem Engagement der Bevölkerung

umsetzen.

Wir laden Jede und Jeden ein, daran teilzunehmen.

Allen politisch Verantwortlichen und der Bevölkerung möchten wir den Mut geben,

sich für einen Erhalt einzusetzen. Die Zukunft wird ihnen in der Entscheidung Recht

geben.

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