Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die ... - Focke-Windkanal

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Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die ... - Focke-Windkanal

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie

die Menschheit. Bereits in der Antike

gab es erste Versuche, sich nach dem

Vorbild der Natur in die Luft zu erheben.

Ein Thema, das auch den Bremer

Henrich Pocke zeitlebens faszinierte.

Bis ins hohe Alter widmete der Flugpionier

jede freie Minute der aerodynamischen

Forschung und Entwicklung.

Sein letztes Fluglabor wurde 1997

in einem Hinterhof der Bremer Innenstadt

wiederentdeckt und mit viel Liebe

zum Detail restauriert. Spannende

Einblicke in Technik und Geschichte

der Luftfahrt sind hier garantiert.

In diesem Jahr feiert Brennen WO Jahre

Luftfahrt. Seit dem ersten Motorflug, den

die Brüder Wilbur und Orville Wright Anfang

des 19. Jahrhunderts in den USA

unternahmen, hat die Technik sich auch

hierzulande rasant weiterentwickelt.

Errungenschaften engagierter Wissenschaftler

wie Henrich Focke legten den

Grundstein für den heute international

bedeutenden Standort der Luft- und

Raumfah rtin dustrie.

Als Sohn von Johann Focke, dem Gründer

des gleichnamigen Focke-Museums,

wurde Henrich Focke am 8. Oktober 1890

geboren. Bereits als Kind war er von der

Fliegerei begeistert und baute gemeinsam

mit seinem Bruder Wilhelm zahlreiche

Flugmodelle und Gleiter, die am

Osterdeich auf ihre Flugtauglichkeit getestet

wurden. Ab 1908 nahm Henrich

Focke ein Maschinenbaustudium an der

Technischen Hochschule in Hannover

auf, das er kriegsbedingt erst im Jahr

1920 abschließen konnte. Zusammen

mit dem befreundeten Georg Wulf konstruierte

er in dieser Zeit erste Motorflugzeuge,

bei denen ihm der Aspekt der

Flugsicherheit bereits sehr wichtig war.

Als Startbahn für die Testflüge diente


ihnen der damalige Exerzierplatz und

heutige Flughafen auf dem Neuenlander

Feld.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges mussten

die Arbeiten an den Fluggeräten

eine Zeitlang ruhen - wurden jedoch

später im Keller des Focke-Museums

fortgeführt. Um dem Verbot des Flugzeugbaus

in Deutschland nach dem

Krieg zu entgehen, wurde das aktuelle

Modell die „A6", kurzerhand als Museumsstück

deklariert und stetig verbessert.

So konnte mit ihrer Weiterentwicklung,

der ,A7", bereits 1921 das erste

Bremer Verkehrsflugzeug offiziell zugelassen

werden.

Drei Jahre später gründete Henrich

Focke zusammen mit Georg Wulf und

dem Kaufmann Dr. Werner Naumann

die Focke-Wulf Flugzeugbau AG und

startete mit der Serienproduktion. Bis

1933 entstanden 29 verschiedene Flugzeugmuster,

darunter die „FI9 Ente". Der

Name war auf ihrer besonderen Form

begründet: Bei nach hinten verlagerten

Tragflügeln befand sich das Höhenleitwerk

weit vorne. Im Flug entstand dadurch

das Bild einer Ente mit lang aus-

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Original-Propeller von Henrich Focke zum

Antrieb des Windkanals (Quelle: Focke-Windkanal).

Der erste voll steuerbare Hubschrauber der Welt:

FW 61 beim Erstflug (Quelle: Focke-Windkanal).

gestrecktem Hals. Trotz ihrer ausgezeichneten

Flugstabilität verungiückte Georg

Wulf am 29. September 1927 bei der Erprobung

des Prototyps tödlich. Er wollte

das Steuerverhalten der Maschine bei

der Landung mit nur einem Motor untersuchen,

wurde dabei von einer Windböe

erfasst verlor die Kontrolle über die

FI9 und stürzte ab.

Ein paar Jahre zuvor hatten sich Henrich

Focke und sein Partner bereits mit der

„A16" einen Namen gemacht. Der für

den Seebäderdienst konzipierte Schulterdecker

bot Platz für vier Personen und

wurde in einer für damalige Verhältnisse

hohen Auflage von 22 Stück gefertigt.

Nach der Fusion von Focke-Wulf mit den

Albatros Flugzeugwerken im Jahr 1931

widmete Henrich Focke sich allerdings

verstärkt dem Bau von Drehflüglern. Als

er sich 1933 der NS-Regierung gegenüber

weigerte, Kampfflugzeuge in seinem

Werk zu fertigen, drängten die Nazis

ihn aus seiner Firma. Die technischen

Einrichtungen durfte er jedoch weiter

nutzen. Als Folge jahrelanger Forschungsarbeit

präsentierte der Flugzeugkonstrukteur

im Juni 1936 mit dem „FW61 "sein

neuestes Projekt: Den ersten voll steuerbaren

Hubschrauber der Welt. Das Fluggerät

konnte senkrecht starten und landen,

und überbot sämtliche zu der Zeit

gültigen Drehflügler-Weltrekorde. Beim

ersten Hubschrauber-Hallenflug der Welt

kam der FW61 ebenfalls zum Einsatz:

Zwei Jahre nach seiner Erstvorstellung

flog die Pilotin Hanna Reitsch Fockes

Neuentwicklung vier Wochen lang

täglich auf einer Revue in der Berliner

Deutschlandhalle.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete

Focke zunächst als Kriegsgefangener

in der französischen Hubschrauberentwicklung.

1948 kehrte er nach

Deutschland zurück und eröffnete ein

kleines Ingenieurbüro in Bremen. Aufgrund

des Flugzeugbau-Verbotes durch

die Alliierten übertrug er sein Wissen vor

allem auf die Konstruktion von Schiffen,

Fahrzeugen und Bauwerken. Aufgaben,

die dem flugbegeisterten Wissenschaftler

kaum Freude bereiteten.

Drei Jahre später bat der Brasilianische

Staat um seine Unterstützung, die Henrich

Focke gerne gewährte. Ergebnisse seines

Südamerika-Aufenthalts sind der

große, viermotorige Senkrechtstarter

„Heliconair" und der zweisitzige Leichthubschrauber

„Beija-Flor".

Parallel dazu war Focke in Bremen für

den Bremer Automobilfabrikanten Carl

F.W. Borgward tätig, der eine Marktlücke

in der Produktion von Hubschraubern

für Bundeswehr, Polizei und Rettungskräfte

sah. Der Erstflug des so genannten

„Kolibri" erfolgte 1958. Zur Abnahme

durch das Luftfahrtbundesamt sollte es

aufgrund der Schließung der Borgward-

Werke im Jahr 1961 allerdings nicht mehr

kommen.


Henrich Focke, zu diesem Zeitpunkt bereits

71 Jahre alt fasste den Entschluss,

sich fortan als „Flugpionier im Ruhestand"

flugtechnischen Problemen und

deren Verbesserung zu widmen. In einer

ehemaligen Tischlerei unweit des ersten

Focke-Wulf-Büros in der Löningstraße

richtete er sich ein privates Fluglabor

ein. Mit einfachsten Mitteln wie Sperrholz,

Pappe und Blumendraht fertigte er

bis 1963 einen voll funktionstüchtigen

Windkanal, in dem er vor allem die Optimierung

der Flugsicherheit durch sichere

Aerodynamik und hohe Flugstabilität

verfolgte. Aber auch schwer entflammbare

Treibstoffe zur Minimierung der

Brandgefahr bei Bruch- oder Notlandungen

fanden sein Interesse. Seinen Untersuchungen

widmete Focke die meiste

Zeit des Tages, bis der Gesundheitszustand

des herzkranken Forschers dies

Mitte der 70er Jahre nicht mehr zuließ.

Am 25. Februar 1979 starb einer der Väter

der modernen Luftfahrt im Alter von

88 Jahren in Bremen. Sein Fluglabor

überlebte den Pionier, wurde jedoch

nicht mehr genutzt und geriet langsam

in Vergessenheit. Lange Zeit war es dem

Verfall preisgegeben - bis zu seiner zufälligen

Wiederentdeckung 18 Jahre nach

Henrich Fockes Tod.

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