Rundgang für die Rückengesundheit - SVLFG

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Rundgang für die Rückengesundheit - SVLFG

❘ ❘ ❘ ❘ ❘ ■ Sicherheit

Rundgang für die

Rückengesundheit

„Ich wollte nur schnell etwas

auf die Ladefläche heben.

Doch plötzlich ging nichts

mehr. Bandscheibenvorfall,

ich fiel für drei Wochen aus“,

so Versicherte oft nach der

Diagnose des Arztes.

Viele solcher Fälle wären vermeidbar,

würde man dem

Thema Rückengesundheit am Arbeitsplatz

ein bisschen mehr Aufmerksamkeit

widmen. Oft heißt es:

„Dafür haben wir keine Zeit“. Da

muss man dann einfach der Wahrheit

einmal ins Auge sehen, denn wer

eine rückenbelastende Tätigkeit ausübt

und nichts dagegen tut, läuft irgendwann

Gefahr, nicht schmerzfrei

durch das Berufsleben zu kommen

oder sogar das berufliche Aus droht.

„Die meisten von uns müssen schwere

Arbeit verrichten. Da ist es wichtig,

sich rückengerecht zu verhalten. Das

beugt gesundheitlichen Schäden vor,“

sagt Michael Reiffenschneider, Firmeninhaber

eines Garten- und Landschaftsbaubetriebes.

Unternehmer, die etwas verändern

möchte, gehen am besten nach dem

„Technik-Organisation-Person“-Prinzip

vor. Können Rückenbelastungen

mit Hilfe technischer Maßnahmen reduziert

werden? Welche arbeitsorganisatorischen

Maßnahmen, Veränderungen

können eine Entlastung herbeiführen

bzw. wie kann man durch

personenbezogene Maßnahmen in

Hilfsmittel beim Lastentransport einzusetzen ist der erste (richtige) Schritt

Form von Schulungen und Informationen,

Mitarbeiter zu rückengerechten

Verhaltensweisen informieren

und motivieren?

Den Problemen auf der Spur

Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung

ist im ersten Schritt zu klären,

wo die Risikofaktoren für Rückenprobleme

im Betrieb liegen. Fragestellungen

könnten lauten:

n Klagen Mitarbeiter im Betrieb

über Rückenbeschwerden?

n Bei welchen Tätigkeiten wird der

Rücken besonders belastet?

n Müssen Mitarbeiter lange Zeit in

gebückter Haltung arbeiten oder

sich beim Arbeiten verdrehen?

n Sind Mitarbeiter beim Fahren von

Fahrzeugen/Arbeitsmaschinen

starken Vibrationen ausgesetzt?

Wichtig in diesem Zusammenhang

ist es, die Mitarbeiter aktiv einzubeziehen.

Sie kennen ihren Arbeitsplatz

am Besten und wissen in der Regel

ganz genau, was den Rücken belastet

und wo konkreter Handlungsbedarf

besteht.

Hilfsmittel am Arbeitsplatz prüfen

Es gilt der Grundsatz: Trage nichts,

was man auch rollen kann. Wo

immer es im Arbeitsprozess möglich

ist, sollten Hilfsmittel zum Transport

von Lasten zum Einsatz kommen.

Möglichkeiten bieten Sackkarren,

Hubwagen, Schubkarren, Krane,

Plattenheber und vieles mehr. Damit

Hilfsmittel von den Mitarbeitern akzeptiert

und im Umkehrschluss am

Arbeitsplatz kontinuierlich eingesetzt

werden, sollten sie möglichst

früh, bei der Auswahl und Anschaffung

der Hilfsmittel einbezogen und

in der Handhabung unterwiesen werden.

Bei der Neuanschaffung von

Maschinen, Geräten und Werkzeugen

gilt die Empfehlung nicht nur auf

den Preis, sondern auch auf ergonomische

Aspekte (z.B. vibrationsarme

Fahrersitze) zu achten.

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Sicherheit ■ ❘ ❘ ❘ ❘ ❘

Tätigkeitswechsel (Job-Rotation)

und Pausen

Besonders Zwangshaltungen, wie

beispielsweise lange sitzende oder

stehende Tätigkeiten, sollten möglichst

oft unterbrochen werden, um

Muskeln und Gelenke zu entlasten.

Eine Möglichkeit bietet in diesem Zusammenhang

die „Job-Rotation“, wo

sich Mitarbeiter bei rückenbelastenden

Arbeiten möglichst oft mit andersartigen

Tätigkeiten abwechseln.

Auch sollte die Arbeit öfters durch

Kurzpausen (fünf Minuten), anstelle

einer langen Pause, unterbrochen

werden. Oft haben schon wenige Minuten

einen sehr hohen Erholungswert,

besonders in arbeitsintensiven

Zeiten. Gleichzeitig können die Arbeitsunterbrechungen

für kurze Bewegungseinheiten

zur Auflockerung

und Dehnung der belasteten Muskulatur

genutzt werden.

Haltung bewahren

Eine entscheidende Rolle für die Rückengesundheit

spielt die am Arbeitsplatz

eingenommene Körperhaltung

wie beispielsweise bei Hebe- und Tragevorgängen.

So entlastet ein richtig

ausgeführter Hebe- und Tragevorgang

nicht nur den Rücken und entlastet

Gelenke, sondern kräftigt die

Muskeln. Grundsätzlich gilt:

n Schwere und unhandliche Lasten

nicht alleine bewegen. Den Einsatz

von Hilfsmittel prüfen bzw. Kollegen

um Hilfe bitten.

n Lasten nie ruckartig oder mit

Schwung anheben.

n Beim Heben von Lasten möglichst

beide Arme einsetzen.

n Lasten eng am Körper tragen und

beide Körperseiten gleichmäßig

belasten.

n Besonders schwere Lasten ab 10 bis

15 kg aus der Hocke mit der Kraft

der Beine heben, nicht aus der

Vorbeugung des Rückens.

Geteilte Last ist halbe Last

Schulung und Unterweisung

der Mitarbeiter

Mitarbeiter müssen wissen, wie sie

am Arbeitsplatz den Rücken und ihre

Gelenke bei der Arbeitsausführung

optimal entlasten können, zum Beispiel

beim Heben und Tragen schwerer

Lasten. Im Rahmen von Unterweisungen

oder Schulungen sollte auf

mögliche Maßnahmen zur Reduzierung

der Rückenbelastungen eingegangen

und die Mitarbeiter zum Einsatz

vorhandener Hilfsmittel motiviert

werden. Im Zuge dessen sind die

Erfahrungen der Mitarbeiter im Umgang

mit Hilfsmitteln, Ausgleichsübungen

oder auch rückenentlastenden

Arbeitshaltungen einzubeziehen,

um sie aktiv in einen kontinuierlichen

Verbesserungsprozess zu beteiligen.

Um das Thema „Rückengesundheit

am Arbeitsplatz” nachhaltig im Betrieb

zu verankern, sollte mindestens

einmal jährlich eine Unterweisung

oder Schulung, so arbeitsplatznah wie

möglich, durchgeführt werden.

Ausgleichsübungen/-sport als

Ausgleich zur Arbeit

Jeder Einzelne kann viel durch sein

Verhalten in der Freizeit und am Arbeitsplatz

für die Rückengesundheit

tun. Eine zentrale Rolle bei der

Vorbeugung von Rückenproblemen,

spielt die eigene körperliche und psychische

Verfassung. Schon mit kleinen

in den Arbeitsalltag integrierte

Ausgleichs- und Entspannungsübungen

entlasten den Rücken. Auch

Ausgleichssport und gezielte Fitnessprogramme

in der Freizeit oder

im Rahmen von Betriebssportangeboten

als Teil der betrieblichen Gesundheitsförderung

tragen dazu

bei Stress abzubauen, die Muskulatur

zu entlasten und im Ergebnis

die Gesundheit und Leistungsfähigkeit

langfristig zu erhalten. Entsprechende

Angebote können bei der

SVLFG und den gesetzlichen Krankenkassen

nachgefragt werden. n

Ina Siebeneich

Rückengerechter Hebevorgang

Aktive Pause - Dehnungsübung am Arbeitsplatz

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