AM BÄNDCHEN - Piega SA

piega.ch

AM BÄNDCHEN - Piega SA

TEST

LAUTSPRECHER

merkollektion vertraut zu machen. Dabei

konnten wir natürlich einen ersten Höreindruck

von einigen der Neuheiten

gewinnen. Was

da zu fortgeschrittener

Stunde aus

den Wandlern

AM

LAUFENDEN

BÄNDCHEN

Ein helles Köpfchen war notwendig, um in Rudi Carrells Spielshow tänzelte, hielten wir seinerzeit jedoch augenblicklich

für einen Trugschluss, raumakustische

Spielereien oder eine Folge des

bestehen zu können. Piegas TP3 wäre da genau die richtige

Kandidatin gewesen – der flinken Box entgeht nämlich kein Detail viel zu leckeren Abendessens (oder vielleicht

auch der geistigen Getränke, die dazu

gereicht wurden). Die Schweizer konnten

doch nicht, so erschien es uns in diesem

Moment, einfach eine Formel gefunden haben,

um ihre ohnehin ultrapräzise aufspielenden

Alukreationen noch ein derartiges

Stück nach vorn zu katapultieren.

Dass Essen, Getränke und Räumlichkeiten

wohl in Ordnung waren, bestätigte sich,

als wir im Dezember dann ein Paar taufrischer

TC70x bekamen, das mit genau denselben

aufpolierten Eigenschaften glänzte.

Was genau hatte Piega aber verändert, dass

sich der Effekt so deutlich und unüberhörbar

in allen Modellen widerspiegelte?

Die Antwort auf diese Frage ist viel einfacher

als man zunächst vermuten würde und

lautet schlicht: „Kleber“. Wichtige Bauteile

in den berühmten Bändchen der Schweizer

sind vernickelt und verchromt. Das ist einerseits

toll, da die Lebensdauer der Einzelteile

damit ins geradezu Unendliche

steigt. Beide Beschichtungen

widerstehen enormer Hitze

und Kälte, platzen auch bei

größerem Druck nicht ab und

lassen sich – wenn überhaupt –

selbst von richtig biestigen Säuren

nur mit Geduld anlösen.Wer

allerdings weder Tod noch Teufel

scheut, dem dürfte ein Tröpfchen

Leim auch so ziemlich egal

sein. Kurz gesagt: Bislang war die

Haftung einiger Teile innerhalb

der Hoch- und Mitteltöner nicht zur vollen

Zufriedenheit des Herstellers gelöst.

Das änderte sich aber im vergangenen

Jahr, als man einen Spezialisten auftat, der

es nicht nur versteht, die Materialien durch

Plasmabeschuss so vorzubehandeln, dass

sie sich optimal verkleben lassen. Mit einem

Hightech-Superkleber, der mikroskopisch

kleine Abstandhalter beinhaltet,

sorgt er dabei außerdem für eine äußerst

befriedigende Serienkonstanz.

Messtechnisch lasse sich der Unterschied

zwischen den alten und den aktuellen

Chassis kaum feststellen, teilte uns Firmenmitbegründer

und Chefentwickler Kurt

Scheuch während einer Werksbesichtigung

im Plauderton mit. Die klangliche Auswirkung

sei jedoch phänomenal. Manchmal

Die Natürlichkeit

im Klangbild

der handlichen

Piega hat

uns schlicht und

ergreifend den

Atem verschlagen

von Carsten Barnbeck

Wie kleine Dinge doch manchmal

die Welt – oder zumindest einen

Teil derselben – verändern können:

Vor ziemlich genau einem Jahr hatten

wir die Gelegenheit, uns in Mannheim mit

Piegas kommender Frühjahrs- und Somliegt

der Teufel eben im Detail. Und tatsächlich:

Es ist kaum möglich, den Fortschritt in

Worte zu fassen. Im Charakter ist sich das

Bändchen, das in zwei unterschiedlichen

Formen in beinahe allen Piega-Lautsprechern

Verwendung findet, treu geblieben.

Nach wie vor erfasst es jedes noch so kleine

Detail, bringt diese aber viel geschmeidiger,

ausgewogen und vor allem um ein Vielfaches

natürlicher zum Hörer.

Stellen Sie sich einfach vor, Sie sitzen in einer

umwerfenden Limousine, brausen

schnittig durchs Land und sind rundum

zufrieden mit sich, Ihrem Leben und all den

farbenfrohen Dingen drumherum. Und

dann – ganz unvermittelt – verschwindet

ein leises, unterschwelliges Nebengeräusch,

das man eigentlich gar nicht

wahrgenommen hat, und die

Fahrt gewinnt an Qualitäten, die

man vorher nie vermisst hätte.

So ungefähr fühlt sie sich an,

die neue kleine TP 3. Der Kompaktwandler,

selbstverständlich

stilecht aus massivem Aluminium

gefertigt, verschlägt einem

schlicht und ergreifend den

Atem und als gäbe es Begriffe

wie „Einspielzeit“,„Aufstellung“

oder „Ausrichtung“ überhaupt

nicht, musiziert sie bereits auf dem Fußboden

so harmonisch, ausgewogen und

klangvoll, dass man sich unweigerlich suchend

im Raum umdreht, um die tatsächliche

Quelle dieses Klanges auszumachen.

Technisch ist das handliche Päckchen aus

Der 13-Zentimeter-Bass besteht fast nur

aus Magneten. In der Öffnung dahinter

erkennt man die gut gemeinte Dämmung

des Gehäuseinneren

In die beiden Bassreflexöffnungen

bekommt man kaum

einen Zeigefinger.

Dennoch arbeiten sie

effizient und vor

allem ohne Strömungsgeräusche

Wohlklang und Verarbeitungsqualität

dann aber wieder ganz weltlich: Den Kern

des Wandlers bildet ein geschwungenes

Alu-Gehäuse mit fest verklebter Schallwand,

Boden- und Deckenplatte. Abgerundete

Kanten und ein flauschiges Innenfutter

verringern Resonanzen und bedämpfen

den gesamten Klangkörper. Mit knapp sieben

Kilogramm bringt die TP3 zudem ein

für diese Größe ausgesprochen stattliches

Eigengewicht auf die Waage.

In zwei großen Fräsungen an der Front

sitzen ein 13 Zentimeter durchmessender

MDS-Tief-Mitteltöner und der erwähnte

Bändchen-Hochtöner, der es sich zum

Sport gemacht hat, den schwarzen

Treiber unter ihm zum Nebendarsteller

zu degradieren. Die

filigranen Bändchen-Träger werden

übrigens als

„Rohstoff“ von

Philips geliefert

und erst direkt

in Horgen in liebevoller

Handarbeit

zu den hochkomplexen

Chassis

verarbeitet. Ganz

ohne ist aber auch der konventionelle

Treiber nicht, da hier in jüngerer Vergangenheit

einige Verbesserungen bei Aufhängung

und Antrieb eingeführt wurden, um

das Chassis an den Tweeter anzupassen.

Familienangelegenheit

Piegas neue TP-Linie bietet Lautsprecher-

Varianten für jeden Geschmack

So sagenhaft die winzige TP3 auch spielen mag,

in gewissen Disziplinen, zum Beispiel in Tiefbass

und Raumabbildung, kommt sie nicht gegen einen

ausgewachsenen Standlautsprecher an. Als Alternative

bietet der Hersteller daher gleich zwei größere

Modelle an, die im Charakter allerdings ungemein

dicht bei der schnittigen, kleinen Box liegen:

Mehr Volumen und Kraft in den unteren Lagen verspricht

die TP5 (Paarpreis um 2540 Euro), die dem

Tief-Mitteltöner der Nummer drei noch einen

Basstreiber hinzufügt

und in einem immerhin

schon 110 Zentimeter

hohen Gehäuse

steckt.

Ultimativ wird es

dann mit der 160 Zentimeter

hohen TP7

(Abbildung, Paarpreis

um 4000 Euro). Sage

und schreibe vier

Bässe und ein diskreter

Mitteltöner sorgen

dafür, dass auch

große Räume flächendeckend

ausgeleuchtet

werden.

Der samtige Oberton

einer TP3 ist dank

identischer Bändchen

aber auch in den beiden

großen Modellen

inklusive.

66 STEREO 12/2006

12/2006 STEREO 67


TEST

LAUTSPRECHER

Die Rückseite der Box wird schließlich

von einem Single-Wire-Terminal in extrem

robuster WBT-Ausführung geziert, das bei

Bananen-Steckern wie bei Gabelschuhen

hervorragenden Kontakt gewährleistet.

Darüber befinden sich zwei kleine Bassreflexöffnungen,

die kaum größer sind als die

Grifflöcher einer Bowlingkugel, ihren Einsatzzweck

aber mehr als zufriedenstellend

erfüllen.

Eine einsame Schraube

an der Rückwand verrät

außerdem, dass die

Schweizer an die Möglichkeit

einer Wand- oder

Deckenmontage gedacht

haben. Die Bodenplatte

bietet übrigens keine

Bohrungen für Spikes

oder zumindest kleine

Gummifüße zur Bedämpfung.

Will man die TP 3 auf einen

Ständer oder in einem Regal platzieren,

sollte man bereits beim Kauf an geeignete

Füße oder Kegel denken.

TEST-KETTE

CD-SPIELER: Marantz

SA-15S1, Naim CD5i

VOLLVERSTÄRKER:

Marantz PM-15S1, Symphonic

Line RG14 Ed.

VOR-/ENDSTUFE: NAD

C162/C272

LAUTSPRECHER: Dynaudio

Focus140

In Verbindung mit einer flotten

Elektronik lief die Piega in

unseren Hörräumen zu Höchstleistungen

auf und ließ die Musik

geradezu aus ihren Membranen

sprudeln. Dabei begeisterte

uns immer wieder die Anmut,

mit der sie ihre enorme Auflösung

und den hohen Detailgehalt

in den Höhen mit einer geschmeidigen,

samtigen Wiedergabe

verbindet. Selbst poppige

Produktionen, wie das stark komprimierte

„Stadium Arcadium“ von den Red Hot

Chili Peppers wirkt da weder zu scharf

noch schneidend. Im Gegenteil: Die funkig

groovende Gangart des Albums kommt

über die wieselflinke und scharfsinnige Box

erst so richtig hervorragend zur Geltung.

Ebenfalls betörend sind ihre ausgewogenen,

präsenten und natürlichen Mitten, die

zum Beispiel die facettenreiche, weibliche

Gesangsstimme auf Friend’n Fellows „Covered“

plastisch und lebendig in den Raum

projiziert. Die verspielten Vocals werden

Alles Handarbeit:

Jede Box

wird von den

Schweizern mit

großer Sorgfalt

und Fachkenntnis

zusammengesetzt

richtiggehend greifbar und haben

realistische Dimensionen.

Überhaupt leuchten die Wandler

den Hörraum sehr gleichmäßig

aus, treten – eine sorgsame

Aufstellung vorrausgesetzt –

als Schallquelle nicht in Erscheinung.

Auch aus dem Tiefton holen

die Piegas das Beste heraus:

Natürlich entlockt man der TP3

keinen Infraschall, dafür bleibt

der Grundton aber auch bei hohen Pegeln

kontrolliert und sauber und hat vor allem

einen gehörigen Punch, durch den eine

Kickdrum ebenso kraftvoll wirkt, wie ein

perkussiv angeschlagener E-Bass. Auch

wenn der kleinen gegenüber einem ausgewachsenen

Standlautsprecher ein bis zwei

Oktaven fehlen, klingt sie doch verblüffend

vollständig. Nur in größeren

Räumen wird man sich nach einem

Subwoofer oder einer der beiden

größeren Alternativen aus der TP-Linie

(siehe Kasten)sehnen.

Die überragenden Fähigkeiten dieses

formschönen und tadellos verarbeiteten

Alu-Wandlers haben einen

bleibenden Eindruck in unserer Redaktion

hinterlassen. Betrachtet man den Preis, so

wächst sich unser Zuspruch gar zu echter

Begeisterung aus. Selten zuvor haben wir in

dieser Bauform ein so klares, intelligentes

Köpfchen mit hoher Detailfülle und einer

derart sonoren und vor allem gesamtheitlichen

Spielweise erlebt. Da wird das Hören

mit Piegas neuer TP3 jedes Mal aufs Neue

zu einer wirklichen Entdeckungsreise.

PIEGA TP 3

Paarpreis ca. €1380

Maße: 19 x 31 x 21 cm

(BxHxT)

Garantie: 6 Jahre

Vertrieb: Piega, Tel.:

0041/44/7259042

www.piega.ch

Die kleine TP3 ist der smarte Überflieger

der neuen Lautsprecher-Linie. Vom Klang

bis zum Preis stimmt hier einfach alles!

LABOR

FREQUENZGANG/IMPEDANZ

Ortsbegehung

STEREO durfte einen Blick hinter die Kulissen

von Piega werfen

Wie könnte ein Lautsprecher auch schlecht

klingen, der in so einem traumhaften

Ambiente erschaffen wird: Piegas Stammsitz,

in dem die meisten größeren Wandler montiert

werden, liegt so romantisch am Zürichsee,

dass es unserer Meinung nach verboten gehörte

– oder zumindest gemein hoch besteuert!

Doch lange bevor die schönen Gehäuse Bekanntschaft

mit dieser Idyllle machen, beginnt

ihr Weg bei Alcan in Singen am Bodensee. In

einer der riesigen Werkshallen befinden sich

gigantische Pressen, die mit einem Druck von

mehreren hundert Bar vorgewärmte Aluminiumzylinder

von der Größe einer Badewanne

In Piegas herrlich gelegenem Stammsitz werden

neben den Bändchen-Chassis auch alle größeren

Lautsprecher-Modelle montiert

durch überdimensionale „Spritzgebäckformen“

drücken. Heraus kommt ein dutzende Meter

langer Alu-Strang, der im Querschnitt das Profil

eines Lautsprechers hat.

Zur weiteren Verarbeitung geht es anschließend

ins Kanton Uri, wo die Rohgehäuse Feinschliff,

Bohrungen, Fräsungen für die Chassis

und ihre edle Oberfläche erhalten. „Das Design

gibt’s bei uns übrigens gratis obendrauf“, witzelt

Leo Greiner, einer der beiden Geschäftsführer

an dieser Stelle. Das stimmt, denn

die Optik der Wandler ergibt sich aus

dem verwendeten Material und

seiner Verarbeitung, und auch

wenn Piega ein Pionier in

Sachen Aluminium war, sollte

man nicht den Fehler begehen,

die Firma als Design-Schmiede

misszuverstehen.

Bei diesem Prozedere hört man das Alu regelrecht

schreien: Eine gigantische Presse drückt

die Zylinder durch eine Art „Plätzchenform“...

Relativ unspektakulär nehmen die Lautsprecher

von Piega ihren Anfang – als tonnenschwerer

Aluminiumzylinder bei Alcan in Singen

In Horgen selbst werden in filigraner Handarbeit

schließlich alle Bändchen gefertigt. Vor

allem der Koax-Treiber, den man unter

anderem in der TC70x vorfindet, fordert

viel Geschick von den Fachkräften.

Nur wenige Exemplare

können pro Tag produziert werden.

Das Bändchen selbst wird

von Philips geliefert, muss in

der Schweiz aber noch mit seiner

markanten Struktur versehen

...und am anderen Ende kommt eine meterlange

Rohform heraus – hier PKW-Teile – die anschließend

in handlichere Portionen gesägt wird

Piega-Entwickler und -Mitbegründer Kurt

Scheuch (r.) erläutert STEREO-Mitarbeiter

Michael Lang (l.) und Michael Höchtl (M.) vom

HiFi-Forum Baiersdorf die gehäusetechnischen

Finessen des Anniversary-Modells „Twen“

werden, um anschließend mit Magneten und

Gehäuse versehen zu einem vollwertigen Chassis

zu mutieren.

Damit sind alle Rohmaterialien für die wohlklingenden

Lautsprecher gesammelt, die dann

ebenfalls direkt vor Ort zusammengefügt werden,

um aus dem überraschend großen Lager

im Erdgeschoss des Firmengebäudes ihre Reise

in aller Herren Länder anzutreten.

Vorher und nachher:

Die von Philips hergestellten

und angelieferten

Rohbändchen

(links im Hintergrund)

bekommen

in Horgen eine

klangverbessernde

Struktur „aufgestempelt“,

bevor sie zu

Hochtönern verarbeitet

werden

(unten)

SPRUNGANTWORT

Kein Anlass zur Klage in Piegas Kompaktklasse:

Auch im Frequenzgang gibt sich die

kleine Box gelassen und souverän, spielt

von 300 Hertz bis 20 Kilohertz vorbildlich linear,

und selbst bei einer Achsenabweichung

von 30 Grad (gestrichelte Linie) zeigen

sich keine nennenswerten Unterschiede.

Um Bereich unterhalb von 300 Hertz

sorgt ein satter Hub für mehr Volumen und

Bass-Druck. Hierbei hat der Hersteller

ganze Arbeit geleistet, denn trotz dieses

akustischen Kniffs klingt die TP3 im

Tiefton knochentrocken und strukturiert.

Weiterhin ist der Impedanzverlauf unkritisch,

und auch die Sprungantwort kann

sich durchaus sehen lassen.

68 STEREO 12/2006

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