Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

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Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

5. Strategie und Ausblick

Mit dem ENSI verfügt die Schweiz über eine funktionell,

institutionell und finanziell unabhängige

Aufsichtsbehörde für den gesamten Kernenergiebereich,

welche die nukleare Sicherheit und die Sicherung

abdeckt. Sie setzt damit die Vorgaben des

Kernenergiegesetzes und des internationalen Übereinkommens

über die nukleare Sicherheit um. Das

ENSI steht vor einer Reihe grosser Herausforderungen.

Hierzu gehören die Aufsicht über den

Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke,

die Vorbereitungen zur Stilllegung der Anlagen,

das Sachplanverfahren zur Standortsuche für geologische

Tiefenlager, die Überarbeitung des bestehenden

Regelwerks sowie der Erhalt und weitere

Aufbau der Fachkompetenz. Gezielte Forschung

und gute nationale und internationale Vernetzung

spielen eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung dieser

Aufgaben.

Bei der Auswahl der Forschungsprojekte hat die

Anwendbarkeit der Resultate in der regulatorischen

Praxis für das ENSI eine hohe Priorität. Zentrale Forschungsthemen

mit Relevanz für die aktuelle

und zukünftige Aufsichtstätigkeit sind:

Langzeitbetrieb der Kernkraftwerke, insbesondere

Fragen der Alterung von Materialien;

Stilllegung und Entsorgung mit dem Näherrücken

der Stilllegung einzelner Kernkraftwerke

und dem Fortschreiten des Sachplans geologische

Tiefenlager;

extreme externe Ereignisse.

Im Zusammenhang mit den Untersuchungen des

ENSI zu Fukushima hat sich gezeigt, dass eine intensivere

Zusammenarbeit auf Bundesebene

im Bereich der Gefährdungsanalysen für extreme

Naturereignisse sinnvoll ist. Gemeinsam

mit dem Bundesamt für Umwelt, dem Bundesamt

für Energie und der MeteoSchweiz wurde die

«Plattform Extremereignisse» PLATEX ins Leben gerufen.

Derzeit befasst sich dieses Gremium mit

Hochwasseranalysen. Ziel ist die Erstellung einer

Gefährdungsanalyse, welche einen neuen Stand

von Wissenschaft und Technik definieren wird.

Wie aus Probabilistischen Sicherheitsanalysen bekannt

ist, tragen Erdbeben wesentlich zum Kernschadensrisiko

der Schweizer Kernkraftwerke bei.

Obwohl auf diesem Gebiet in der Vergangenheit

bereits umfangreiche Forschungen durchgeführt

wurden, bleibt die Erdbebengefährdung für das

ENSI weiterhin ein wichtiges Thema.

Die Integrität des Brennstoff-Hüllrohrs als erster

Barriere ist ein weiterer Schwerpunkt, auch in der

internationalen Forschung. Durch die rasch voranschreitende

Weiterentwicklung von Brennstoffund

Hüllrohrmaterialien, abgestimmt mit einer optimierten

Reaktorauslegung, wird versucht, die

Anzahl von Brennstabschäden weiter zu minimieren.

Der Übergang zu höheren Abbränden hat

neue Fragestellungen zum Betriebs- und Störfallverhalten

aufgeworfen. Zudem können einige

Schädigungsmechanismen noch nicht abschliessend

geklärt werden.

Durch die Mitwirkung in internationalen Forschungskonsortien

und die in Kapitel 3 beschriebenen

Mitgliedschaften und Abkommen ist die internationale

Vernetzung des ENSI seit Jahren

hervorragend und soll in Zukunft noch weiter ausgebaut

werden. Das ENSI beteiligt sich aktiv an den

Arbeiten verschiedener Gremien der IAEA und der

OECD. Seit Ende 2011 hat der Direktor des ENSI

den Vorsitz in der «Western European Nuclear

Regulators‘ Association» (WENRA), welche auch in

den kommenden Jahren eine kontinuierliche

Verbesserung und Vereinheitlichung der Sicherheitsanforderungen

in Europa anstreben

wird.

Der bilaterale Austausch mit den Nachbarländern

wird im Rahmen regelmässiger Treffen gepflegt.

Ferner ist das ENSI in diversen Hochschulgremien,

internationalen Behördenorganisationen, Fachverbänden

und Normenorganisationen vertreten und

vertritt die Schweiz bei der Erarbeitung und der

Umsetzung internationaler Übereinkommen, wie

beispielsweise der Convention on Nuclear Safety

(CNS). Anlässlich der ausserordentlichen Konferenz

zur CNS im August 2012 setzte sich das ENSI für

mehr Verbindlichkeit und Transparenz im Bereich

der nuklearen Sicherheit ein und engagiert

sich seitdem in der «Effectiveness and Transparency

Working Group», welche bis 2014 zur Verbesserung

der CNS und ihrer Prozesse beitragen soll.

Der Schweizer Länderbericht zur 6. CNS im Jahr

2014 wird derzeit erarbeitet.

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