Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

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Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

Im Rahmen des NORA-Projekts wurde die Wirkung

verschiedener Einflussfaktoren wie z. B. Einspeiserate,

Strömungsgeschwindigkeit des Wassers und

Oberflächenbeschaffenheit der Proben, auf die

Platin-Abscheidung systematisch untersucht. Der

eigens für dieses Projekt erstellte Hochtemperaturkreislauf

wurde im Laufe des Berichtjahres einer

umfangreichen Revision unterzogen. In diesem

Jahr wurden insgesamt sieben Versuchsreihen gefahren,

bei denen die Zugabe des Platins bzgl.

Menge und Dosiergeschwindigkeit zum Kreislauf

variiert wurde. Aufwändige analytische Nachuntersuchungen

der Probenoberflächen wurden an

den im PSI sowie an den im KKL ausgelagerten Proben

durchgeführt.

Die Ergebnisse zeigen, dass voroxidierte Proben

generell eine etwas höhere Platin-Belegung aufweisen

als Proben, welche vor dem Einsatz nicht

explizit vorbehandelt wurden. Niedrigere Dosierraten

von Platin führen im Vergleich zu höheren bei

gleicher Gesamteinspeisemenge zu besseren Ergebnissen.

Beim Einspeisen der Platin-Lösung in

den Kreislauf ist eine schnelle Strömung des Wassers

von Vorteil. Auf Proben, welche nie während

einer Platin-Applikation im Kreislauf waren, sind

keine Platin-Partikel nachweisbar. Das bedeutet,

dass nach der Applikation kein im Wasser gelöstes

Platin mehr vorhanden ist, bzw. dass im Reaktorsystem

keine nennenswerte Umverteilung des

schon abgelagerten Platins stattfindet.

Bedeutung des Projekts,

Beitrag zur nuklearen Sicherheit

Weltweit wenden mittlerweile sehr viele BWR-Anlagen

das OLNC-Verfahren an. Das Projekt stösst

deshalb auch ausserhalb der Schweiz auf grosses

Interesse. Die Wirksamkeit dieser Technologie in

Kraftwerken ist noch nicht vollumfänglich nachgewiesen

und verstanden. Laboruntersuchungen haben

gezeigt, dass bei einem stöchiometrischen

Wasserstoffüberschuss und einer ausreichenden

Oberflächenbedeckung mit extrem fein verteilten

Pt-Partikeln die Anfälligkeit gegenüber Spannungsrisskorrosion

deutlich reduziert werden kann. Jedoch

ist sehr wenig über das Ablagerungs- und

Verteilungsverhalten sowie die Haftfähigkeit dieser

Pt-Partikel unter Strömungsverhältnissen, wie sie in

einem Reaktor herrschen, bekannt. Deshalb befasst

sich das Projekt NORA intensiv mit dem Ablagerungsverhalten

von Pt unter simulierten SWR-Bedingungen

in einem eigens dafür konzipierten PSI-

Kreislauf und in einem realen SWR sowie mit der

Entwicklung einer zerstörungsfreien Technik, um

Pt-Partikel auf verschiedenen Komponenten im Reaktor

charakterisieren zu können.

Diese Arbeiten des PSI sind für die Aufsicht wichtig,

da das ENSI dadurch von einem unabhängigen Forschungslabor

Ergebnisse zu OLNC erhält. Da mittlerweile

das KKM und das KKL die OLNC-Fahrweise

anwenden, ist es umso wichtiger, möglichst alle beobachteten

Effekte, die bei dieser Fahrweise bereits

aufgetreten sind, zu verstehen. Das Projekt NORA

kann dazu einen massgeblichen Beitrag liefern.

Ausblick

In den nächsten sechs Monaten, in denen das

NORA-Projekt noch läuft, werden die letzten Versuche

im Hochtemperaturkreislauf gefahren. Die

noch ausstehenden Analysen an den KKL- und PSI-

Proben werden durchgeführt. Anschliessend werden

alle Ergebnisse in einem umfangreichen Projekt-Abschlussbericht

zusammengefasst. Man

kann davon ausgehen, dass das PSI alle die für

NORA definierten Projektziele am Ende der 3½

Jahre erreicht haben wird.

Da es noch weitere offene Fragen gibt, die im Rahmen

der OLNC zu klären sind und aus zeitlichen

Gründen nicht während des laufenden NORA-Projekts

untersucht werden konnten, wird über die

Fortsetzung des NORA-Projekts (NORA II) diskutiert.

1.1.8 PISA-II – Pressure Vessel Integrity

and Safety Analysis

Auftragnehmer: Paul Scherrer Institut PSI

ENSI-Projektbegleiter: Klaus Germerdonk

Bericht der Forscher in Anhang A

Einleitung

Als Voraussetzung für den Langzeitbetrieb der

Schweizer Kernkraftwerke ist nachzuweisen, dass

für Laufzeiten über 40 Jahre hinaus die Integrität

des Reaktordruckbehälters (RDB) für Normalbetrieb,

Betriebsstörungen und postulierte Auslegungsstörfälle

gewährleistet bleibt. Das im Berichtjahr

gestartete Projekt PISA-II behandelt spezifische

Fragestellungen zur Integritätsbewertung des RDB.

Die darin geplanten probabilistischen Berechnungen

basieren auf den im Projekt PISA-I entwickelten

Modellen und sollen diese weiterentwickeln.

Bei der Definition der Projektziele wurden

die Ergebnisse der im Projekt PISA-I durchgeführten

Literaturstudie zum Stand von Wissenschaft

und Technik auf dem Gebiet der Integritätsbewertung

des RDB berücksichtigt. Als wesentliche

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ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012

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