Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

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Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

Simulatortests, an denen massgeblich auch Forscher

des Paul Scherrer Instituts PSI beteiligt sind.

Im Jahre 2012 wurde ein neuer Schwerpunkt untersucht,

nämlich wie die Forschergruppen einerseits

die für Analysen notwendigen Szenarien planen

und durchführen, und wie sie andererseits die

in den Versuchen ermittelten Daten auswerten.

Dieser Ansatz ist wichtig, um beurteilen zu können,

inwiefern die Versuchsansätze und die Auswertung

die Ergebnisse beeinflussen können. Die ersten

Auswertungen zeigten Differenzen zwischen den

Forschergruppen, die zum Teil auf der Anwendung

unterschiedlicher HRA-Methoden beruhen. Es liegen

aber noch keine abschliessenden Resultate vor,

die Arbeiten laufen im Jahre 2013 weiter.

Im Forschungsfeld Mensch-Maschine-Schnittstellen

(Human-Systems Interface HSI) wurden 2012

unter anderem portable Informationssysteme

getes tet, die zum Beispiel dem Pickett-Ingenieur

bereits ausserhalb des Kontrollraums Informationen

vermitteln sollen. Die beteiligten Tester beurteilten

diese Geräte in ersten Tests positiv in dem

Sinne, dass sie den Eindruck hatten, bei einem Störfall

schneller die Situation erfassen zu können. Allerdings

stellen sich bei diesem Ansatz auch noch

zahlreiche Fragen im Hinblick auf eine praktische

Anwendung. Neben Aspekten der Sicherung zählt

dazu, ob mit solchen kleinen Geräten tatsächlich

die bei einem Störfall auflaufenden grossen Datenmengen

sinnvoll übermittelt werden können.

Schliesslich hat das HRP unter dem Stichwort «Future

Operational Concepts» ein FutureLab eingerichtet,

in dem innovative HSI-Elemente für neue

Reaktoren getestet werden können. Damit soll der

Kontakt zwischen Entwicklern und Anwendern

verbessert werden, sodass in kürzerer Zeit Prototypen

überprüft werden können. Eine der ersten

getesteten Neuentwicklungen ist ein mit 65 Zoll

sehr grosser berührungsempfindlicher Bildschirm

(Touch Screen), an dem Arbeitsgruppen zum Beispiel

bei Revisionen ihre Tätigkeiten planen und abstimmen

können.

Der Aspekt Revisionen war auch eines der Themen

beim Workshop «Integrated Human System Interface

(HSI) Concepts for Near Term Applications»,

der im Mai 2012 in Halden durchgeführt wurde.

Die dabei im HAMMLAB präsentierten Designs entsprachen

in etwa denjenigen von derzeit verfügbaren

neuen Kontrollräumen.

Bedeutung des Projekts,

Beitrag zur nuklearen Sicherheit

Die Studien im Bereich HRA dienen dazu, Analysemethoden

für Auslöser und Wahrscheinlichkeit von

menschlichem Versagen weiter zu verbessern. Die

immer grösser werdende Abhängigkeit auch der

nuklearen Sicherheitstechnik von rechnerbasierten

Systemen ist ein weiteres zentrales Forschungsthema

im HRP. Die diesbezüglichen Arbeiten dienen

dazu, die Zuverlässigkeit solcher Systeme weiter

zu verbessern.

Das Ziel im Bereich HSI-Design ist es, Stärken und

Schwächen der Schnittstellen zwischen Mensch

und technischen Systemen zu bestimmen und Lösungen

zu deren Optimierung zu erarbeiten. Daraus

folgen auch innovative Ansätze, wie Kontrollräume

am benutzerfreundlichsten zu gestalten

sind. Experimente zeigen, inwieweit die Einführung

neuer Technologien die Leistungsfähigkeit der

Operateure in kritischen Situationen beeinflusst.

Die Resultate liefern gleichzeitig erste Antworten

auf die Frage, wie die Operateure in Zukunft geschult

werden sollen. Elektronische Visualisierungs-

Instrumente, die mit virtueller Realität arbeiten,

können dazu beitragen, die Strahlenexposition bei

Arbeiten im Kernkraftwerk zu reduzieren.

Ausblick

Die Arbeiten des Projekts im Bereich MTO liegen

weitestgehend im Zeitplan. Lediglich ein Teilprojekt

zur Modernisierung von Kontrollräumen ist verzögert,

weil zu diesem Thema weniger Erfahrungen

aus früheren Modernisierungsprojekten zusammengetragen

werden konnten als ursprünglich

vermutet.

Mit dem Jahr 2013 beginnt bereits die Planung für

die Projektphase 2015–2017. Das HRP hat wie geplant

einen Berichtsentwurf für die längerfristige

Perspektive erstellt, der nun als Basis für die weitere

Diskussion dienen soll. Insbesondere für den Bereich

MTO wird dabei zu klären sein, ob das HRP in

Zukunft auch Themen zu Ausserbetriebnahme und

Rückbau von Reaktoren behandeln soll. Voraussichtlich

wird, wie vor der laufenden Phase, gegen

Ende 2013 oder Anfang 2014 eine Veranstaltung

durchgeführt werden, bei der die Schweizer Beteiligten

ihre Anliegen für die kommenden Jahre zusammen

mit der HRP-Projektleitung erörtern können.

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ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012