Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

static.ensi.ch

Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

logischen, geophysikalischen, geochemischen und

felsmechanischen Daten. Diese sollen in einem

Bericht zusammengestellt werden. Berücksichtigt

werden nur diejenigen Tongesteinsformationen,

die heute als Wirtgesteine für geologische Tiefenlager

vorgesehen sind und mit den aktuellsten Methoden

umfassend charakterisiert wurden. Es sind

dies der Callovo-Oxfordian-Ton (Frankreich), der

Boom-Clay und der Ypresian-Clay (Belgien), der

Queenstone Shale und die Georgian Bay Formation

(Kanada) sowie der Opalinuston (Schweiz). Einbezogen

werden auch alle Tongesteinsformationen,

in denen Felslabors errichtet wurden (HADES, Bure,

Tournemire und Mont Terri). Ein spezielles Kapitel

wird den Stellenwert der Geologie und der sicherheitsrelevanten

Eigenschaften der Tongesteine für

den Sicherheitsnachweis darlegen. Die Nuclear

Waste Management Organisation NWMO, Kanada,

koordiniert das Projekt.

Bedeutung des Projekts für

die nukleare Sicherheit

Der Clay Club der OECD/NEA ist eine wichtige internationale

Plattform für die Tongesteinsforschung,

in der Vertreter der Aufsichtsbehörden, der

Hochschulen, der Industrie und der Endlagerprojektanden

ihr Wissen einbringen und austauschen.

Die Mitwirkung des ENSI im Clay Club liefert wichtige

Grundlagen für die sicherheitstechnische Beurteilung

geologischer Tiefenlagerprojekte.

Ausblick

Ein erster Entwurf des oben erwähnten Berichtes

zu Tongesteins-Daten soll bis Ende 2013 zusammengestellt

und im Jahre 2014 finalisiert werden.

Um die Zusammenarbeit mit Industrie und Forschung

zu fördern und zu verstärken, ist für 2014

geplant, das Clay Club Steering Meeting zusammen

mit der Jahrestagung der Clay Mineral Society

(CMS) durchzuführen. Der Clay Club schlägt für

diese internationale Tagung eine spezielle Sitzung

zur geologischen Tiefenlagerung in Tongesteinen

unter dem Thema «Further development of

microscopic observation, modelling technique and

upscaling of argillaceous formations for Performance

Assessments» vor.

Für 2014 ist zudem eine Aufdatierung der Arbeitsprogramme

von IGSC und Clay Club durch das

RWMC vorgesehen. Gemeinsam mit der IGSC werden

deshalb 2013 die Themen, Arbeitsschwerpunkte

und Ziele der kommenden Jahre besprochen

und neu festgelegt werden.

1.7.5 Forschungsprojekte zu den Themen

Monitoring, Pilotlager und

Lagerauslegung

ENSI-Projektbegleiter/in: Erik Frank (Monitoring),

Ann-Kathrin Leuz (Pilotlager), Meinert Rahn (Lagerauslegung)

Einleitung

In der schweizerischen Kernenergieverordnung

werden die notwendigen Teile eines geologischen

Tiefenlagers für radioaktive Abfälle festgelegt: Das

Hauptlager dient zur Einlagerung der Hauptmenge

der Abfälle, das Pilotlager enthält einen kleinen,

aber repräsentativen Anteil des Lagerinventars und

die Testbereiche bilden das lokale Felslabor für Experimente

zu Betrieb, Verschluss und Langzeitsicherheit.

Mit Hilfe des Pilotlagers wird bis zum Ablauf

der Beobachtungsphase das Verhalten der

Abfälle, der Endlagerbehälter, der technischen Barrieren,

der Verfüllung und Versiegelungsstrecken

sowie des Wirtgesteins überwacht. Die Ergebnisse

dieser Überwachung müssen auf das Hauptlager

übertragbar sein und dienen der Erhärtung des

Langzeitsicherheitsnachweises. Die Ergebnisse aus

dem Pilotlager bilden somit eine wichtige Grundlage

für den die Beobachtungsphase abschliessenden

Entscheid des Lagerverschlusses.

Im schweizerischen Standortauswahlverfahren

(Sachplan geologische Tiefenlager) wurden am

Ende von Etappe 1 sechs geologische Standortgebiete

für ein SMA-Lager (schwach und mittelaktive

Abfälle) und drei Standortgebiete für ein HAA-Lager

(hochaktive Abfälle) in die Raumplanung aufgenommen,

nachdem die Behörden und die verschiedenen

Expertengremien dem Vorschlag der

Nagra zugestimmt hatten. Es handelt sich dabei

ausschliesslich um tonreiche Wirtgesteine, die das

geologische Tiefenlager in den Standortgebieten

aufnehmen sollen. Deshalb können die weiteren

Betrachtungen zur Lagerauslegung und Lagerüberwachung

(Monitoring) nun auf Aspekte solcher

Gesteine fokussieren.

Seit 2010 laufen drei Forschungsprojekte zur Auslegung

eines geologischen Tiefenlagers, zum darin

integrierten Pilotlager und zum Monitoring. Mit ihnen

wird abgeklärt, ob über die aktuelle Richtlinie

zur geologischen Tiefenlagerung (ENSI-G03) hinausgehend

zusätzliche regulatorische Anforderungen

zu stellen sind. Alle drei Projekte werden vom

ENSI geleitet, sind aber zugleich Teil des Forschungsprogramms

«Radioaktive Abfälle» des

Bundesamts für Energie BFE. Dieses Forschungs-

64

ENSI Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine