Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

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Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

gletscherungen und damit vom Niederschlag in

den Alpen und in Mitteleuropa ab. Eine Abschätzung

über das Ausmass zukünftiger Vorlandvergletscherungen

ist daher stark von der Klimaentwicklung

abhängig.

Das Institut für Klima- und Umweltphysik der Universität

Bern bearbeitete das insgesamt zweijährige

Projekt «Klimamodellierung Würm-Eiszeit» bis

Ende September 2012. Ziel war der Vergleich zwischen

Früh- und Hochphase der letzten Kaltzeit

(Würm-Eiszeit) vor 65000 bzw. 21000 Jahren mit

unterschiedlichen Szenarien für die Höhe der globalen

Eisschilde für die Frühphase der Würm-Eiszeit.

Durch die Klimamodellierung wurden Luftdruckverhältnisse,

Sturmpfade und Niederschläge

beider Eiszeitphasen betrachtet. Diese wurden untereinander

und mit vorindustriellen Werten (im

Jahr 1850) verglichen. Im Ergebnis sollte ein verbessertes

Verständnis der atmosphärischen Zirkulation

im Verlauf einer Eiszeit erreicht werden

Projektziele des Berichtjahres

und deren Umsetzung

Vorangehende Simulationen hatten eine dominante

Beeinflussung der atmosphärischen Zirkulation

und Niederschlagsverteilung in Europa durch

die Höhe des eiszeitlichen Laurentischen Eisschildes

in Nordamerika aufgezeigt (siehe Abbildung 24).

Um diesen Einfluss vertiefter zu untersuchen,

wurde in einer zusätzlichen Klimasimulation für die

Frühphase der Würm-Eiszeit eine Laurentische Eisschildhöhe

von 125% im Vergleich zum letzten

Glazialen Maximum vor ca. 21 000 Jahren angenommen.

Dieses Szenario beschreibt eine Situation,

wie sie beispielsweise von älteren Eiszeitzyklen

her bekannt ist. Die weitere Erhöhung des

Eisschildes bewirkt eine noch ausgeprägtere südwärtige

Verlagerung des winterlichen Nordpolarfront-Jetstreams

und somit eine Zunahme der Winterniederschläge

über Südwest- und teilweise auch

über Mitteleuropa. Im Sommerhalbjahr verlagert

sich hingegen die Niederschlagszunahme auf Höhe

der Britischen Inseln. Dabei ist zu berücksichtigen,

dass Europa während der Würm-Eiszeit allgemein

deutlich weniger Niederschlag erhielt, verglichen

mit der heutigen Situation; dies lag an den wesentlich

tieferen Temperaturen und der dadurch verringerten

Aufnahme von Luftfeuchtigkeit über dem

Atlantik.

Weiterführende Analysen der bestehenden Glazialsimulationen

zu kurzfristigen Variationen, insbesondere

Veränderungen in den Grosswetterlagen

sowie extreme Niederschlagsereignisse, brachten

neue Einblicke in das europäische Klimageschehen.

Für das Referenzjahr 1850 sowie für die heutige Situation

überwiegen Druckverteilungen in der Atmosphäre,

welche grösstenteils zonale, d. h. West-

Ost-gerichtete Strömungen zur Folge haben. Die

glazialen Simulationen unterscheiden sich davon

deutlich. In den würmeiszeitlichen Berechnungen

Abbildung 24:

Schematischer Einfluss

der Topographie [m]

auf die atmosphärische

Winter-Zirkulation im

Klimamodell CCSM4

(jeweils links Nordamerika

und rechts Eurasien).

Oben: Der heutige

Warmzeit-Zustand

ohne grosse Eisschilde

führt zu ausgeprägten

Niederschlägen

über Skandinavien

und Grossbritannien.

Unten: Während einer

Eiszeit mit stark ausgeprägten

Eisschilden

werden die Windsysteme

abgelenkt und

die Zugbahnen der

Regen-bringenden Tiefdruckgebiete

über dem

Nordatlantik nach Süden

verschoben. Quelle:

Universität Bern.

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