Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

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Erfahrungs- und Forschungsbericht 2012 - Ensi

Die WGIAGE befasst sich mit der Integrität und

Alterung mechanischer Komponenten und Betonstrukturen

sowie der Erdbebensicherheit von

Kernanlagen und umfasst drei Untergruppen zu

diesen Themen. Im April 2012 fand die Jahressitzung

der Hauptgruppe statt. Ein Schwerpunkt beschäftigte

sich mit spezifischen Anforderungen an

den Langzeitbetrieb von Kernanlagen (Long Term

Operation LTO). Besonders interessant war die Fragestellung,

welche Erkenntnisse sich dazu aus dem

Unfall von Fukushima ergeben, und welche Zielsetzung

zukünftige Forschungsprojekte zu diesem

Thema verfolgen können. Interessant für das ENSI

ist insbesondere ein inzwischen gestartetes Projekt

zu Sicherheitsmargen bezüglich starker Erschütterungen

(Metallic Component Margins under High

Seismic Loads).

Die WGAMA beschäftigt sich mit der Thermohydraulik

des Reaktorkühlsystems sowie der Sicherheits-

und Nebensysteme, dem Verhalten eines beschädigten

Reaktorkerns, dem Verhalten und

Schutz des Sicherheitsbehälters (Containment)

und den Vorgängen, die bei der Freisetzung von

Spaltprodukten auftreten. Eine wichtige Grundlage

für die Arbeitsgruppe sind experimentelle

Forschungsarbeiten, die helfen, die bei Störfallen

auftretenden Phänomene zu verstehen und Computerprogramme

für die Modellierung von Störfallabläufen

zu entwickeln. Folgende neue Aktivitäten

wurden im Berichtsjahr von der WGAMA

geplant:

Ein Vergleich von schnell laufenden Modellierungen

von schweren Unfällen, die bei Notfällen

genutzt werden können. Sie tragen bei zur Bestimmung

des Quellterms, der Ausbreitung von

radioaktiven Stoffen und der radiologischen

Aus wirkungen.

Erarbeitung eines Papiers zum technischen

Stand der gefilterten Containment-Entlastung.

Erstellung eines Papiers zu Entstehung, Transport

und Risikomanagement von Wasserstoff bei

schweren Unfällen.

Vergleichende Berechnungen zur Auflösung einer

Schichtung von Gasen im Containment bei

einem schweren Unfall.

Erstellung eines Papiers zum Verlust der Kühlung

bei Brennelementbecken als Basis für einen umfassenderen

Überblicksbericht.

Zudem wurden Berichte von der WGAMA fertig

gestellt, unter anderem zu einem Workshop, der

sich mit sogenannten Best-Estimate-Methoden befasste.

Während Unsicherheiten bei Auslegung

vielfach durch die Wahl konservativer Werte abgedeckt

werden, werden beim «best-estimate»-Vorgehen

die Unsicherheiten des Berechnungsergebnisses

explizit quantifiziert und analysiert.

Die WGRISK hat die Aufgabe, die Entwicklung und

Anwendung der Probabilistischen Sicherheitsanalyse

(PSA) voranzutreiben. Im Berichtsjahr wurden

folgende neue Aktivitäten gestartet:

die Durchführung eines Workshops für die quantitative

Bestimmung des Risikos von Bränden.

die Durchführung eines Workshops zum Thema

probabilistische Gefährdungsanalyse naturbedingter

externer Gefährdungen wie Erdbeben

und extreme Wetterbedingungen.

Zudem wurden von der WGRISK drei Berichte zur

PSA bei neuen Reaktoren, zum Wissenstransfer bei

der PSA und zur Nutzung sowie dem Entwicklungsstand

der PSA fertig gestellt.

Die WGHOF soll das Verständnis über den Einfluss

von Mensch und Organisation auf die nukleare Sicherheit

weiter verbessern. Zudem fördert die Arbeitsgruppe

die Entwicklung und Anwendung von

Methoden zur Analyse und Bewertung der sicherheitsrelevanten

Aspekte im Bereich Mensch und

Organisation. Im abgelaufenen Jahr schlug die

WGHOF eine neue Aktivität zur menschlichen Leistungsfähigkeit

unter extremen Bedingungen vor.

Dazu soll ein Bericht erstellt werden, der den Wissensstand

darstellt und die wichtigsten Herausforderungen

identifiziert. Dieser Vorschlag wurde

vom CSNI gutgeheissen. Der vom WGHOF erstellte

Bericht zur Aufsicht und der Beeinflussung von

Führung und des Managements von Beaufsichtigten

wurde ebenfalls akzeptiert.

Die WGFS befasst sich mit der Sicherheit von Kernbrennstoffen.

Ein wichtiges Thema sind Sicherheitskriterien

für das Verhalten von Brennstoffen

unter Störfallbedingungen. Dazu zählen Kühlmittelverlust-Störfälle

(Loss of Cooling Accidents

LOCA) und Reaktivitätsstörfälle (Reactivity Initiated

Accidents RIA). Im Rahmen der WGFS fand ein

Workshop statt, bei dem Rechenprogramme für

das Brennstoffverhalten bei RIAs verglichen wurden

und an welchen sich Organisationen aus insgesamt

14 Ländern beteiligt haben. Im 2012

wurde ein Bericht zu den Brennstoff-Sicherheitskriterien

veröffentlicht. Er enthält Beiträge des ENSI

zu den in der Schweiz verwendeten thermohydraulischen

Kriterien und zu den Grenzwerten des

Brennstoffabbrands. Besonderes Augenmerk legt

der Bericht auf aktuelle offene Fragen im Brennstoffbereich,

wie z. B. der Hüllrohrversprödung

und der Brennstofffragmentierung. Die WGFS

schloss zudem einen Bericht zu mechanischen

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