september 2013 wildlife conservation & research column

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september 2013 wildlife conservation & research column

6 september 2013 wildlife conservation & research column

Gondwana

GEOLOGY

In this column Gondwana Collection

Namibia publishes stories about

geological phenomena

in Namibia

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Auf den Spuren der

ersten Reptilien

– Mesosaurus tenuidens

Nicole Grünert

ie wohl bekanntesten fossilen

Reptilien-Hinterlassenschaften

Namibias sind

sicherlich die Dinosarier-

Spuren bei Kalkfeld, die vor etwa

180 Millionen Jahren in feuchtem

Wüstensand entstanden sind. Desweiteren

sind auch Überreste anderer

Reptilien der späten Karoo-Zeit

rund um den Etjo-Berg gefunden

worden. Rekonstruktionen dieser

urweltlichen Echsen sind im Geologischen

Museum am Südrand Windhoeks

zu besichtigen.

Die jedoch ältesten Reptilien-Vertreter

Namibias entstammen Ablagerungen

der frühen Karoo-Zeit vor

ca. 270 Millionen Jahren, was dem

mittleren Perm entspricht, und sind

vorwiegend im Süden des Landes

zu finden. Damals wurde die Landschaft

Namibias vom Abschmelzen

der Gletscher der Gondwana-Vereisung

geprägt (siehe Tourismus-

Beilage vom Mai 2013). Ähnlich wie

wir es heute von der Tundra und

Taiga Sibiriens oder Kanadas kennen,

breiteten sich große Seen bzw.

flache Meere auf dem Gondwana-

Kontinent aus. Die kühlen Gewässer

waren von üppiger Vegetation

umrandet und boten Lebensraum

für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten

jener Zeit.

Auf den Böden der Gewässer bildeten

sich typische Sedimente, wie

z.B. Tonsteine, die aufgrund der vorhandenen

Fauna und Flora reich an

organischem Material waren. Nach

ihrem Absterben sanken die Organismen

zu Boden und wurden unter

anaeroben Bedingungen (unter Sauerstoffabschluss)

in die Sedimente

eingebettet. Insofern ist es nicht

verwunderlich, dass viele dieser

Lebensformen heute als Fossilien

überliefert sind. Diese können nun

den Wissenschaftlern als Grundlage

zur Rekonstruktion der damaligen

Lebensräume dienen. Neben

zahlreichen Funden von Pflanzen,

wirbellosen Tieren, Fischen (Palaeoniscus

capensis), Insekten und

Spurenfossilien sind besonders die

fossilen Überreste früher Reptilien

hervorzuheben.

Im GesteIn verborGen

Die Fossilien befinden sich in einem

bis zu 200 m mächtigen Tonstein,

der ein charakteristisches, schon

von weitem sichtbares Gesteinsband

enthält. Dies ist die sogenannte

Whitehill Formation, deren

namensgebende weiße Färbung allerdings

erst durch Verwitterungsprozesse

an der Erdoberfläche mit

Luftsauerstoff entstanden ist. So

zeigt ein frisch angeschlagenes

Stück ,,weißen" Tonsteins an der

Bruchstelle eine grau-schwarze Färbung.

Die Whitehill Formation lässt sich

durch die gesamten karoozeitlichen

Ablagerungen hinweg nachweisen,

und ist sogar vom Großen Karoo-

Becken Südafrikas bis nach Südamerika

hinein zu verfolgen. Solch

ein Horizont wird in der Geologie als

Leithorizont bezeichnet. Die Ähnlichkeit

dieser Formation über heutige

Kontinente hinweg, ist schon

seit mehr als 100 Jahren bekannt

und hat letztendlich mit dazu beigetragen,

dass Alfred Wegener 1910

seine Theorie der Kontinental-Drift

entwickelte. Neben der Ähnlichkeit

der Formationen hat auch das Vorkommen

eines Fossils wesentlich

zur Entwicklung dieser, im wahrsten

Sinne des Wortes, weltbewegenden

Theorie angeregt.

Dabei handelt es sich um Vertreter

einer frühen Repitilien-Form,

den sogenannten Mesosaurus tenuidens.

Fossilien dieses wasserliebenden

Reptils wurden unter anderem

auch in Brasilien, Südafrika und in

Namibia gefunden.

Weite Bereiche des südlichen Afrikas

wurden von der sogenannten Mesosaurus-See

bedeckt, einem großen

Binnenmeer, das sich in westlicher

Richtung bis nach Süd-amerika hinein

erstreckte. Diese riesigen Wasserflächen

waren der Lebensraum

von Mesosaurus tenuidens.

Mesosaurus tenuidens ist palaeontologisch

eine Besonderheit. Dieses

urweltliche Tier repräsentiert eines

der ältesten Reptilien, die bisher

durch Fossilienfunde belegt wurden.

Aufgrund zahlreicher Fossilienvorkommen,

nicht nur in Namibia, aber

auch in der Karoo Südafrikas und

besonders im Irati-Parana-Becken

in Südamerika, konnten sehr genaue

Rekonstruktionen dieser Echse hergestellt

werden.

erste reptIlIen

Mesosaurus war im Schnitt etwa

70 cm lang, unvollständige Skelettbruchstücke

einiger Exemplare lassen

jedoch auch auf größere Echsen

schließen. Er zeichnete sich durch

einen schmalen Kopf mit sehr feinen,

dünnen Zähnen aus. Die fragilen

Zähne sind für ein fleisschfressendes

Reptil eher ungewöhnlich. Es

wird angenommen, dass Mesosaurus

sein Futter in Form von Algen und

kleinen Weichkörper-Organismen

durch seine feinen Zähne aus dem

Wasser herausgefiltert hat. Ähnlich

wie bei heutigen Krokodilen, lagen

die Nasenlöcher und Augen auf

der Oberseite des Schädels, was das

Atmen und Sehen oberhalb der Wasseroberfläche

einfacher machte. Der

Brustkorb war stark und mit zahlreichen

Muskeln besetzt.

Dies deutet zusammen mit

dem Vorhandensein eines starken

Schwanzes darauf hin, dass

er ein sehr guter Schwimmer

gewesen sein muss. Zusätzlich

wird diese These durch Fossilienfunde

belegt, die sowohl den

ufernahen Bereichen, als auch

tiefen Seewasser-Gebieten zuzuordnen

sind. Starke Hinterbeine

standen im Gegensatz zu kümmerlich

entwickelten Vordergliedmaßen,

die nur als Ruder wärend

des Schwimmens genutzt werden

konnten. Die Zehen waren höchstwahrscheinlich

durch Schwimmhäute

verbunden.

Wie alle Reptilien ging auch Mesosaurus

zur Eiablage an Land. Seine

starken Hinterbeine waren sehr

hilfreich beim Eingraben der Eier, so

wie es heutzutage von den Krokodilen

oder Schildkröten bekannt