INTERNATIONALE ORGANISATIONEN

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INTERNATIONALE ORGANISATIONEN

8. Januar 2014

INTERNATIONALE

ORGANISATIONEN

INTERNATIONALE BEZIEHUNGEN UND EUROPASTUDIEN,

WS 2013-2014

Lekt. Dr. Christian Schuster


I.O.-POLITIKFELDER

Welche Sachbereiche & Problemfelder

decken die Internationalen Organisationen?


„policy determines politics“

(Theodore J. Lowi: Four Systems of Policy, Politics, and Choice, in: Public Administration

Review, Vol. 32, No. 4. (Jul. - Aug., 1972), pp. 298-310)


Sachbereiche & Problemfelder – was ist

was?

•Problem = eine „Soll-Ist-Differenz“

•Problemfeld (issue-area) = alle jene Situationen, die

von Seiten der beteiligten Akteure als eng miteinander

verknüpft aufgefasst werden.

=> eher subjektive Verortung, ohne objektive Grenzen


Sachbereiche & Problemfelder – was ist

was?

•Sachbereich = umfasst mehrere Problemfelder, die

inhaltliche und strukturelle Gemeinsamkeiten

aufweisen;

•auch hier nicht klar definierbar und abgrenzbar

=> Eingrenzung durch Konventionen im Bereich der

Internationalen Beziehungen.


Sachbereiche der I.O.

Sicherheit

Wohlfahrt

Herrschaft

(nach E.-O. Czempiel (1981): Internationale Politik. Ein Konfliktmodell)


Sachbereiche der I.O.

Sicherheit

• Gewährleistung der

physischen Existenz eines

politischen Kollektivs;

• dessen Schutz vor innerer

und äußerer Bedrohung;

• dessen Freiheit, die

eigene Entwicklung zu

steuern.

Wohlfahrt

• Verteilung materieller

Lebenschancen zwischen

Gesellschaften

unterschiedlicher Staaten.

Herrschaft

• Freiheits- und

Partizipationschancen für

einzelne Menschen;

• Schranken der

Herrschaftsausübung.


Sachbereich Sicherheit

•Das Sicherheitsdilemma: Staaten existieren

nebeneinander, ohne eine Garantie der eigenen

Existenz oder Freiheit durch eine übergeordnete

Autorität zu haben

=> Sie sind genötigt, eigene Instrumente und Mittel zur

Abwehr möglicher Bedrohungen auszubilden

(Selbsthilfe).


Sachbereich Sicherheit

Selbsthilfe durch:

•Aufrüstung

•Bildung von Allianzen

•Neutralitätspolitik usw.

•das sind problematische Kooperationshindernisse.


Sachbereich Sicherheit

•Größtes Kooperationshindernis: die

Ununterscheidbarkeit von offensiven und defensiven

Maßnahmen.

•Mögliche Folgen: Rüstungswettlauf, Präemptivkriege,

wechselseitiges Misstrauen in der internationalen

Politik.


Sachbereich Sicherheit

•Mehr Sicherheit für die Opponenten = weniger eigene

Sicherheit!

•Folge: so genannte Interessenkonflikte über relativ

bewertete Güter.


Sachbereich Sicherheit

Weitere Kooperationshindernisse:

•Verlust der Sicherheit kann endgültig sein.

•Geringe Transparenz der Sicherheitsmaßnahmen.

•Innergesellschaftliche Interessengruppen.

Folge: sehr geringe Kooperationswahrscheinlichkeit!


Sachbereich Sicherheit

Weitere Kooperationshindernisse:

•Verlust der Sicherheit kann endgültig sein.

•Geringe Transparenz der Sicherheitsmaßnahmen.

•Innergesellschaftliche Interessengruppen.

Folge: sehr geringe Kooperationswahrscheinlichkeit!


Problemfelder im Sachbereich Sicherheit

1. Gewaltsame Selbsthilfe

2. Rüstungsdynamik

- Wie gelangen wir vom Sicherheitsdilemma zu einem

Mindestmaß an Erwartungsverläßlichkeit über das

Verhalten der Anderen?


Sicherheitspolitik der Vereinten Nationen

Satzung der Vereinten Nationen, Artikel 1:

The Purposes of the United Nations are:

• To maintain international peace and security, and to that end:

to take effective collective measures for the prevention and

removal of threats to the peace, and for the suppression of

acts of aggression or other breaches of the peace, and to

bring about by peaceful means, and in conformity with the

principles of justice and international law, adjustment or

settlement of international disputes or situations which might

lead to a breach of the peace.


Sicherheitspolitik der Vereinten Nationen

•das Sicherheitsprogramm der VN detailliert auch in

“An Agenda for Peace” (VN-Akte A/47/277 - S/24111

vom 17 Juni 1992)

= regulatives Programm für die Regelung des

Konfliktverhaltens der Staaten untereinander.

Stellt das Sicherheitsstreben der Mitgliedsstaaten

unter den Vorbehalt der Gewaltlegitimation durch den

Sicherheitsrat der VN.


Waffenverbot

• Höchstes Prinzip: allgemeines Waffenverbot

Satzung der Vereinten Nationen, Artikel 2:

• Ziff. 4: All Members shall refrain in their international relations

from the threat or use of force against the territorial integrity

or political independence of any state, or in any other manner

inconsistent with the Purposes of the United Nations.


Friedliche Streitbeilegung

• Ergänzend: Pflicht zur friedlichen Streitbeilegung

Satzung der Vereinten Nationen, Artikel 2:

• Ziff. 3: All Members shall settle their international disputes by

peaceful means in such a manner that international peace

and security, and justice, are not endangered.

Man geht davon aus, dass es Konflikte in den

internationalen Beziehungen auch weiterhin geben wird.


Recht zur Selbstverteidigung

• Trotzdem: Recht zur Selbstverteidigung bleibt bewahrt

Satzung der Vereinten Nationen, Artikel 51:

• Nothing in the present Charter shall impair the inherent right

of individual or collective self-defence if an armed attack

occurs against a Member of the United Nations, until the

Security Council has taken measures necessary to maintain

international peace and security. (...)


Sicherheitspolitik der Vereinten Nationen

Wie unterscheiden wir aber Selbstverteidigung von

feindlicher Aggression?


Sicherheitspolitik der Vereinten Nationen

• Definition von “Aggression” erst 1974 zustandegekommen!

Resolution 3314 (XXIX) der UN Artikel 1:

• Aggression is the use of armed force by a State against the

sovereignty, territorial integrity or political independence of

another State, or in any other manner inconsistent with the

Charter of the United Nations, as set out in this Definition.


Resolution 3314 (XXIX) der UN, Artikel 3:

Any of the following acts (...) qualify as an act of aggression:

a) The invasion or attack by the armed forces of a State of the territory of another State

(...),

b) Bombardment by the armed forces of a State against the territory of another State or

the use of any weapons by a State against the territory of another State;

c) The blockade of the ports or coasts of a State by the armed forces of another State;

d) An attack by the armed forces of a State on the land, sea or air forces, or marine

and air fleets of another State;

e) The use of armed forces of one State which are within the territory of another State

with the agreement of the receiving State (...);

f) The action of a State in allowing its territory, which it has placed at the disposal of

another State, to be used by that other State for perpetrating an act of aggression

against a third State;

g) The sending by or on behalf of a State of armed bands, groups, irregulars or

mercenaries, which carry out acts of armed force against another State (...).


Interventionsverbot

Satzung der Vereinten Nationen, Artikel 2, Ziff. 7:

• Nothing contained in the present Charter shall authorize the

United Nations to intervene in matters which are essentially

within the domestic jurisdiction of any state or shall require

the Members to submit such matters to settlement under the

present Charter; but this principle shall not prejudice the

application of enforcement measures under Chapter Vll.


Relativierung des Prinzips der

Nichtintervention

• Als Folge der Erweiterung des Begriffs der Friedensbedrohung

auf zwei weitere Bereiche:

1. innerstaatliche, mit Waffengewalt ausgetragene Konflikte;

2. anhaltende gravierende Menschenrechtsverletzungen

innerhalb von Staaten.


Die erbetene Intervention

= eine Intervention, die auf förmliches Ersuchen einer

Regierung eines anderen Staates erfolgt.

• kollidiert nicht direkt mit den Normen der VN

• ... ermöglicht aber das Umgehen des allgemeinen

Gewaltanwendungs- und Gewaltandrohungsverbots.

stark umstritten.


Der Sicherheitsrat

•Trotz der Lücken und Ausnahmen (erbetene

Intervention, Selbstverteidigung usw.) das

sicherheitspolitische Programm der VN überträgt das

Gewaltlegitimierungsmonopol in den internationalen

Beziehungen dem Sicherheitsrat (VN-Satzung Kap. V-

VIII, XII).


Operative Tätigkeiten der VN im

Sicherheitsbereich

• In zwei parallelen Sicherheitssystemen:

1. Kollektive Sicherheitsmaßnahmen und Zwangsmaßnahmen

2. Konsensuale Sicherheit

1. Verfahren friedlicher Streitbeilegung;

2. Friedenserhaltung und Friedensmissionen.


Kollektive Sicherheit

•Vornehmlich nach innen gerichtet;

= ein Bündnis, das sich gegen einen Aggressor richtet,

der aus den eigenen Reihen kommt.

•Zentrales Organ dieses Systems ist der Sicherheitsrat

der VN.


Kollektive Sicherheit

•Große Lücke zwischen Theorie und Praxis der

kollektiven Sicherheit, vor allem bei militärischen

Zwangsmaßnahmen

•zum Beispiel: NATO-Operation im Kosovo-Konflikt

1999 rekurriert auf Art. 51 (Selbstverteidigungsrecht)


Konsensuale Sicherheitssysteme

•Ebenfalls nach innen gerichtete Systeme.

•Zielen auf die friedliche Beilegung der Konflikte =>

keine Zwangsmaßnahmen, sondern Konsens aller

Streitparteien.

•VN als Vermittler und Garant des Rechts.


Konsensuale Sicherheitssysteme

•Nicht immer durch bloße Verhandlungen und reinem

Konsens möglich

=> Ausweitung des Handlungsrepertoire der VN in

richtung „Peacekeeping“.


Peacekeeping

Vier Generationen des Peacekeeping:

1. Klassisches Peacekeeping: Überwachung von

Waffenstillständen und Pufferbildung.

2. Multidimensionales Peacekeeping: zusätzlich

Schaffung von Bedingungen für den Frieden

(Wahlbeobachtung, Beteiligung an

Demokratisierung, Entwaffnung,

Ordnungsfunktionen in staatlicher Bürokratie usw.)

„Agenda for Peace“ (1992)


Peacekeeping

3. Robustes Peacekeeping: Schaffung eines

sogenannten “secure environment” – notfalls sogar

mit Waffengewalt.

4. Komplexes Peacekeeping: verbindet militärische

Einsätze mit zivile Friedenskonsolidierung.

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