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Essstörungen bei Übergewicht

20.09.2012, Zentrum Paul Klee Bern

Sportsucht

Essstörungen und Adipositas –

Geschlechterspezifische

Aspekte des Essverhalten

Dr. med. Bettina Isenschmid, M.M.E.

Übergangs- und

Mischformen

Männer und Knaben

Selbstverletzung

bettina.isenschmid@spitalzofingen.ch

Substanzabhängigkeit

Orthorexie

Körperbild und Geschlecht

• Das Körperbild ist die Summe der Engramme einer

menschlichen Psyche über den eigenen Körper,

die im Laufe der intrauterinen und auch späteren

Entwicklung durch Aussen- und Innenreize

zustande kommt.

(Winnicott, 1988; Bischoff, 1989; Brähler, 1992)

• Geschlecht ist

- nicht nur eine e biologische og (sex), sondern

zugleich eine fundamentale soziale Kategorie

(gender) – kein anderes menschliches

Merkmal hat so grundsätzliche Auswirkungen

auf Erleben und Verhalten, auf soziale

Chancen und soziale Erwartungen.

- einerseits eine zentrale kognitive Kategorie,

mit deren Hilfe das Individuum Informationen

organisiert, und andererseits eine zentrale

soziale Kategorie, die soziale Ungleichheit

zwischen Frauen und Männern produziert.

(Tillmann, 1999)

Schönheitsbezogene Aktivitäten

„Schönheit und Attraktivität sind für Frauen und

Mädchen sehr wichtig. Für das Aussehen wird

viel getan.“

„Frauen jeden Alters stellen sich öfter auf die

Waage, um ihr Körpergewicht zu kontrollieren als

Männer. [...] Frauen versuchen auch häufiger, ihr

Körpergewicht zu reduzieren als Männer.“

Schon sehr junge Mädchen konsumieren

Medien, die sich zu einem erheblichen Teil mit

Figur, Aussehen usw. beschäftigen.

Hurrelmann 1991

Kluge et al., 2001


Paradoxe Effekte

• „Doppelter Standard“ in Medien: positives

Selbstverständnis (Wohlfühlgewicht etc.) ↔

untergewichtige, erfolgreiche Models und Promis.

• Bekleidungshersteller für Übergrössen werben mit

Models, die durchschnittliche Kleidergrössen

tragen.

• Bekleidungshersteller für Normalgrössen werben

mit untergewichtigen Models.

Frauen mit durchschnittlichem Gewicht werden als

übergewichtig wahrgenommen, da die Medien ein

Bild der Untergewichtigkeit vermitteln.

• Obwohl Frauen wissen, dass die meisten Models zu

dünn sind, wollen sie dennoch so aussehen:

„They make me sick. They are too thin. But I would

kill for one of their bodies.“

Grogan 1999

Anzeichen einer Essstörung

Übermässige Beschäftigung mit Essen, Figur und Gewicht,

Body Checking

Panische Angst vor Gewichtszunahme

Perfektionismus, selbstabwertende Vergleiche

Zwangsgedanken, -handlungen

Weniger Ressourcen für andere Interessen

Stimmungslabilität, sozialer Rückzug

Schwindel, Kollapsneigung, Schwäche, Frieren

Bewegungsdrang, Laxanzien, Erbrechen

ständiges Kaugummikauen, Hamsterbacken, Zahnprobleme

Verdauungsprobleme, Zyklusstörungen,

Missbrauch Appetitzügler, Diuretika, Laxanzien


Anorexia nervosa

• Negative Bemerkungen bezüglich Gewicht

oder Figur trotz Normal- oder Untergewicht

(BMI < 18,5 kg/m2)

• Nahrungsmittelrestriktion und -selektion

• Überschätzung der Körperproportionen (v.a.

Bauch, Hüfte, Oberschenkel),

Gewichtsphobie

• Exzessive körperliche Aktivität

• Körperliche Folgen

• Persönlichkeit: Ehrgeiz, Fleiß, Beharrlichkeit,

Introvertiertheit, Harmoniebedürfnis, gute

bis überdurchschnittliche Intelligenz,

Perfektionismus

Bulimia nervosa / Binge Eating

Essanfälle

Kontrollverlust

Grosse Mengen

ohne Hunger und trotz Völlegefühl

Selbstekel, Selbstvorwürfe

+/- Kompensationsverhalten

Weitere Ess-Störungen

• Polyphagie („reine“ Vielesser?)

• Psychogener Appetitverlust

• Essattacken bei anderen psychischen

Störungen

• Problem-, Sweet-, Night-Eating etc.

• Erbrechen bei anderen psychischen

Störungen

• Rumination

• Pica-Syndrom im Erwachsenenalter

Orthorexie

Steven Bratman, 1997

• Komplexe, zeitintensive Ernährungsvorschriften

• (Vermuteter) Gesundheitswert prioritär, Genuss schwindet

• Zunehmender Verzicht, Auswahl von Lebensmitteln verringert

sich ständig

• „Überlebensration" erlaubter Lebensmittel

• Bei Regel-Verletzung Versagens- und Schuldgefühle,

Selbstbestrafung

• Überlegenheitsgefühl denjenigen gegenüber, die sich „nicht im

Griff“ haben

• „Foodumentalismus“


Dichotomes Denken

Selbstschädigendes

Verhalten als Emotionsregulator

Gut, richtig, heilsam, gesund, erlaubt

Böse, falsch, sündig, ungesund, verboten

• Selbstverletzendes Verhalten i.e.S.

• Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch

• Starke Essanfälle bzw. Essensverweigerung

• Rücksichtsloses Autofahren (d.h. zu schnell, sehr riskant

oder betrunken fahren)

• Riskantes Sexualverhalten (z.B. Geschlechtsverkehr ohne

Verhütungsmittel, mit kaum bekannten Personen u.ä.)

• andere riskante Verhaltensweisen

(Glücksspiel, Zugsurfen etc.)

Sieg, Triumph, Entlastung, Klarheit

Scham, Schuld, Trauer, Frustration

Völlerei (Fress-Sucht,

Gefräßigkeit, Maßlosigkeit oder

Unmäßigkeit)

Warum tun wir uns so schwer?

„Die Völlerei (lat. gula) ist ein

(niederträchtiges) Laster des Menschen,

welches ihn zu einem ausschweifenden

und maßlosen Leben führt und ihn

undankbar gegenüber g dem Schöpfer und

der Gabe des Lebens werden lässt.“

Die Strafe für diese Todsünde ist in der

katholischen Mythologie die Verbannung

in die Hölle und die Erleidung ewiger

Schmerzen.

Das Schwein und der Dämon Beelzebub

verkörpern die Völlerei.


Risiko Sport...

Rigide Gewichtskontrolle bei:

• Ausdauer: Langstreckenlauf, Langlauf,

Triathlon

• Ästhetik, Beweglichkeit: Kunstturnen, Tanz,

Rhythmische Sportgymnastik, Eiskunstlauf

• Gewichtsklassen: Boxen, Ringen,

Gewichtheben, Rudern, Jockeys

• Leichtgewichtigkeit: Hochsprung, Skispringen,

Rudern, Radfahren

„Sport ist für viele Frauen wohl nur zu einer

weiteren Waffe in einem Arsenal geworden,

das der rigiden Kontrolle des Körpergewichts

gewidmet ist.“

GARNER et al. 1985

Female Athlete Triad

• 1992 vom American College of Sports Medicine

beschrieben

• 15 - 78 % gestörtes Essverhalten bei Athletinnen

• Komplexe Trias: Gestörtes Essverhalten -

Amenorrhoe - Osteoporose

• Fortgeschrittene Problematik, Gefahr bleibender

Schäden gross

• Häufig bei Sportarten, bei denen ein tiefes

Körpergewicht von Vorteil ist

• bewusste Verringerung des Körpergewichts

durch Training und Diät

• Hohe Anforderungen, Leistungsdruck, Fitness

Byrne S, McLean N. J Sci Med Sport. 2001; 4: 145-159.

(Dr. A. Burki, Baspo Magglingen)

Ab wann ist Sport ein Zwang?

• Ausdauersport zu betreiben ist zum zentralen Motiv mit

Fixierungscharakter geworden. Der Ausdauersüchtige will sich

dadurch "gut fühlen"

• Vermeiden von Entzugssymptomen und Erledigungszwang

• Ständig höhere Beanspruchung wird benötigt und toleriert

• Entzugserscheinungen treten auf, wenn der Sport nicht betrieben

werden kann

• Missachtung körperlicher Signale: körperliche Schädigung,

Missachtung von Verletzung, evtl. Lebensgefahr

• Gefahr des sozialen Verfalls (Zerrüttung von Beziehungen,

defizitäres Wahrnehmen von Verantwortung)

• Das sportbezogene Verhalten kontrolliert die Person, nicht

umgekehrt

Essstörungen im Sport – Was tun?

Verhaltensauffälligkeiten (Körperschema-

Störungen, Gewichtsphobie, Hyperaktivität etc.)

Gewichtskontrollen, Hormonstatus, Elektrolyte

Leistungskurve, Ermüdung, Verletzungen

(Frakturen!)

Differenzierung Erfolg/Versagen und Gewicht

Äusserungen zu Gewicht/Figur

Thematisierung der Anorexia athletica

Keine rigiden Ernährungsregimes, individualisierte

Ernährungs- und Trainingsberatung

Gegen Laxanzien, Amphetamine, Erbrechen etc.

auftreten

Vorbildfunktion der TrainerInnen, Ausbildung!

Frauen- und Männerbild im Sport

Nach J. Knobloch, H. Allmer,T. Schack: "Nicht nur Drogen machen süchtig - Entstehung und

Behandlung von nichtstoffgebundenen Süchten"


Essstörungen bei Männern

• Seltener und länger unentdeckt, ca. 1 : 10

• Häufigkeitsgipfel zwischen 18 und 26 Jahren

• Hoher Anteil homosexueller Männer

• Kombinationen mit Substanzmissbrauch, Zwangs- und

Persönlichkeitsstörungen

• Unterschiede zu Frauen:

• weniger strikte Gewichtskontrolle

• weniger Abführmittel, Diuretika und Diätpillen

• Mehr Proteinkonzentrate und Hormone

• Geringere Körperwahrnehmungsstörung

• werden eher depressiv wegen Untergewicht und/

oder ungenügender Muskulatur

• Auslöser: (Leistungs-)Sport, Ängste bzgl. Sexualität,

Übergewicht, persönliche Stressoren

Diabetes und Essstörungen

• Kombination häufig (8-12%) bei jungen

Frauen

• Die Probleme beginnen mit

Gewichtszunahme bei Aufnahme der

Insulintherapie (anaboler Effekt)

• Die Betroffenen erkennen, dass sie durch

Verringerung der Insulindosis oder durch

Insulinauslassungen Gewicht verlieren

(Insulin-Purging)

• Chronische Überzuckerung mit vermehrter

und beschleunigter Entwicklung von

Spätkomplikationen (Retino- und

Nephropathie etc.).

Essstörungen und Fruchtbarkeit

• Fertilität allg. beeinträchtigt, SS bei aktiver Anorexie

selten (Hypogonadismus, Anovulation)

• Erhöhte SS-Komplikationen bis 8 Jahre nach

Erkrankung (Aborte, Hypoglykämien, Infektionen,

IUWR, IUFT)

• Erhöhte Geburtskomplikationen, mehr kindliche

Fehlbildungen (Neuralrohrdefekte!)

• Kindliches Outcome: Mangel- und Frühgeburten,

kleiner Kopfumfang, schlechte Apgar-Werte, Sectio-

Rate erhöht, Laktations- und Fütterprobleme

• Insuffizienzgefühle (Mütter glauben, Kind sei zu dick/

zu dünn), Gedeihstörungen des Säuglings

• Verhaltensmuster: rigide Gewichtskontrolle,

restriktives Essverhalten, Erbrechen, exzessiver Sport,

Substanzen (Laxanzien, Diuretika, Amphetamine) und

damit Unterversorgung und teratogene Schädigung

des Fötus

Lacey et al 1987; Bulik CM 2007; Peterson et al 2004; James et al

2001, 2005

Psychiatrische Erkrankungen bei

Essstörungen

• 50% leiden zusätzlich unter depressiven

Störungen

• 10 % weisen zusätzlich eine Zwangsstörung

auf

• Bei Bulimia Nervosa:

• Angststörungen 40%

• Substanzmissbrauch 40%

• Bipolare Störungen 10%

• Persönlichkeitsstörungen 60% (BPS: 17%)

40-62% der Patienten mit schweren und

dauernden psychischen Störungen sind

bereits vor Beginn der Pharmakotherapie

übergewichtig!

Holderness CC, Brooks-Gunn J, Warren MP. Int J Eat Disord. 1994;

Allison et al. J Clin Psychiatry 1999; Stanton J, Schizophr Bull 1995


Substanzmissbrauch bei Essstörungen

• Bulimia nervosa und Alkoholmissbrauch oder –abhängigkeit

ca. 23 % + andere Subst.: 17,5%

• Anorexia nervosa und Substanzabhängigkeit (3%-13%)

• Alkohol: Wein, Bier, Spirituosen-Mix

• Coffein: Cola, Kaffee, Tabletten

• Cannabis

• Appetitzügler, Amphetamine, Kokain

• Abführmittel, harntreibende Mittel

• Schilddrüsenhormone

• Unverdauliches Material

Holderness CC, Brooks-Gunn J, Warren MP. Int J Eat Disord. 1994

Biologie/Genetik:

Energiehaushalt

Wahrnehmung von

Hunger und Sättigung

Soziales:

Vorbilder/Ideale

Rollenkonflikte

Familienkonstellation

Life Events

Ursachen?

Psychologie:

Selbstwert fremdbestimmt

Dysfunktionale Gedanken

Ineffektive Stressbewältigung

g

STÖRUNG DES

ESSVERHALTENS

Liebe geht durch den Magen...

Psychodynamische Ansätze:

• Nichtbeachtung/Missinterpretation

von kindlichen Bedürfnissen: später

undifferenzierter „oraler“ Trieb

• Fehlende Unterstützung von

Autonomie: Probleme in Aneignung

der weiblichen Geschlechtsidentität;

Körperwahrnehmungsstörung

Die Situation der Angehörigen

• Schuld und Scham, Versagen,

Inkompetenz, Wut, Angst, Trauer,

Ohnmacht, Verzweiflung, Hilf- und

Orientierungslosigkeit

• „Wo eine Wille ist...“

Gewalt(tät)ige Spannungen, während

den Mahlzeiten...

Nicht allein bleiben!

Krankheit braucht die Energien aller

Beteiligten auf. Die Angehörigen

müssen sich einen Raum reservieren...


Soziokultureller Ansatz

Bulimischer Zyklus

Schlankheits- und Schönheitsideale

• Rebellion gegen patriarchal definiertes

Frauenbild und ambivalente Frauenrolle

• Etablierter Normverstoss gegen die von

Frauen geforderte Affekt- und

Körperkontrolle

• Anorexie: Unangreifbarkeit, Kontrolle

eigener Triebwünsche

• Bulimie: „Wollen und nicht dürfen“

• Adipositas: Schutz gegen Übergriffe, selbst

Raum nehmen

Selbstunzufriedenheit

Diät

Gewichtsverlust,

Gestörte Wahrnehmung von

Hunger und Sättigung

• Nahrung verliert Bedeutung des Hunger-

Stillens, wird zum Instrument für

Körperkontrolle und Affektbefriedigung

Fasten

Erbrechen

Abführen

Angst vor

dem Dickwerden

Schuld, Scham, Ekel

Kontrollverlust

Überessen

Ursachen sind auch Folgen...

Therapeutische Ansätze

Gula

Temperantia

Mangelndes Selbstbewusstsein

Depressionen, soziale Ängste

Ausgrenzung, Integrationsprobleme

Ausbildungsprobleme

Einsamkeit, unerfüllte Sexualität

Substanzmissbrauch

Essstörungen

?

Hendrick Goltzius


Ansprechen?

• Sprechen Sie die Betroffene alleine an. Zeigen Sie Verständnis, ohne das

problematische Essverhalten gut zu heissen. Geben Sie ihren Gefühlen

Ausdruck, ohne verletzend zu sein.

• Übernehmen Sie nicht die Verantwortung oder eine Kontrollfunktion für

das Verhalten der Betroffene. Bieten sie aber in regelmässigen

Abständen das Gespräch an.

• Falls Dritte kontaktiert werden müssen, nur nach Absprache mit der

Betroffenen.

• Nehmen Sie selbst Kontakt zu einer unterstützenden Fachperson auf.

• Machen Sie die Betroffene auf Fachstellen und Hilfsangebote

aufmerksam. Bieten Sie Hilfe bei der Suche an.

• Reduzieren Sie die Betroffen nicht auf Essverhalten oder Gewicht und

schaffen Sie keinen künstlichen Schonraum. Versuchen Sie vielmehr, die

gesunden Anteile zu stärken.

Therapeutische Ziele

• Langsame Normalisierung von Gewicht und EV (verhindert

Fortschreiten/Tod resp. Jojo-Effekt und Entwicklung Bulimie)

• Auslösende und aufrechterhaltende Faktoren des Essverhaltens

Zusammenhänge zwischen Essverhalten, Emotionen und Selbstwert

• Wahrnehmung von Hunger und Sättigung

• Abbau des dichotomen Denkens (Schwarz-Weiss-Denken)

• Identifizierung dysfunktionaler Überzeugungen betreffend

Körperbild und Selbstwertregulation

• Alternativer Umgang mit spannungsreichen psychischen

Verfassungen

• Hilfe bei Aufbau adäquater Beziehungen, Nachholen verpasster

Entwicklungsschritte

• Verhinderung von Risiken und Spätschäden

• Chirurgie ist die Ultima Ratio in der Adipositastherapie

Nach: Herpertz S, Dtsch Arztebl 2003; 100: A 1367–1373

Indikationen für Psychopharmaka

• Depressive Verstimmung

• Zwänge und Ängste, die

Verhaltensmodifikationen

verhindern

• Selbstverletzungen

• Inappetenz

• Food-Craving, Binges

• Körperwahrnehmung stark verzerrt

• V.a. Antidepressiva, teilw.

Neuroleptika und Mood-Stabilizer

Indikationen für Hospitalisation

• Kritische Zustands-

Verschlechterung, v.a.

Elektrolyte, kardial

• BMI < 13, > 50 kg/m 2 ?

• Schwere Depression, Zwänge,

akute Suizidalität

id • Eskalierende

Impulskontrollstörung

• Mehrfachabhängigkeit

• Zunehmende soziale Isolation

• Trennung des sozialen Systems

akut erforderlich


Unerwünschte Therapieeffekte

Verlauf/Prognose

• Jojo-Effekt durch übermäßig schnelle

Gewichtsabnahme

• Entwicklung von Ess-Störungen

• Orthopädische oder kardiovaskuläre

Komplikationen unter inadäquater

körperlicher Belastung

• Verringerung der

Wachstumsgeschwindigkeit

(bei Kindern)

• Psychische Destabilisierung durch

Auseinandersetzung mit erhöhtem

Körpergewicht/ Gewichtsabnahme,

Essverhalten etc.

Monate bis

ca. 1 Jahr

meist gute

Prognose

2-4 Jahre

mittlere Prognose,

Suchtentwicklung,

erste Folgeschäden

4 und mehr Jahre

ungünstige Prognose,

schwerere, körperliche

Folgeschäden

Todesfälle (Herz- oder

Nierenversagen, Infekte,

Suizid)

Anorexie: ca. 10% (Suizide!)

Bulimie: ca. 4%

(unterschätzt!)

J Am Diet Assoc. 2006;106:559-568.

Steinhausen HC, 2002; Jacobi, 2004; Keel& Herzog, 2004

Prävention von Essstörungen

bei Jugendlichen – Evidenz?

Prognose mit Früherkennung und Frühbehandlung klar besser, v. a.

interdisziplinäre, schul- und gemeindebasierte Programme wirksam

Prinzip: „no harm“, Wirkung bei high-risk-Gruppen geringer

Übergewichtige Adoleszente haben grösseres Risiko, Gewicht

durch Erbrechen oder Abführmittel zu kontrollieren. Übergewicht

korreliert mit erhöhten Risiko für Bulimie und Binge Eating.

3/2000, U.S. Eating Disorders Prevention, Awareness and Education

Act: „...to improve the identification of students with eating

disorders, increase awareness of such disorders among parents and

students and train educators(...) on effectice eating disorder

prevention and assistance methods.“

Piran N. Isr J Psychiatry Relat Sci. 2005; Santonastaso P et al. Psychother Psychosom.1999:; Austin SB.

Psychol Med. 2000; Pratt BM, Woolfenden SR.Cochrane Database Syst Rev. 2002; SB Austin, AE Field,

J Wiecha, KE Peterson. 2005

Körperselbstbild - wichtig für Jugendliche?

• Steigender Druck auf Kinder und Jugendliche, äußerlich perfekt

wirken zu müssen.

• 6 von 10 jungen Mädchen glauben, „…dass sie glücklicher wären,

wenn sie dünner wären“.

(Umfrage zu Körperbewusstsein, 2004, Britisches Magazin „Bliss“)

• Jungen zwischen 10 und 11 Jahren wollen einen muskulöseren

Körper, während 12- bis 13-Jährige sich einen schlankeren Körper

wünschen

British Medical Association 2000: models and actresses today

generally have 10-15% body fat whereas the average body fat for a

healthy woman is 22-26%.

Levine MP, Harrison K. Effects of media on eating disorders and body image. In J Bryant and MB Oliver (Eds),

Media Effects: Advances in Theory and Research (3rd ed, pp. 490-515). NY: Routledge/Taylor & Francis, 2009.

Body shape perceptions of preadolescent and young adolescent children, K. N. Parkinson, M. J. Tovée, E. M.

Cohen-Tovée, Eur Eat Disorder Rev,6, 126-135 1998


Empfehlungen zur Prävention von

Essstörungen

• An Selbsterfahrung orientierte Einheiten zur

Lebenskompetenzentwicklung (Life-Skills-Modell)

• Ich-Stärkung

• Stärkung der Beziehungsfähigkeit

• Erkennen und Äussern von Bedürfnissen und Gefühlen

• Erlernen von Konfliktwahrnehmung und –lösung

• Verstärkung der Gemeinschaftsfähigkeit

• Stärkung der Genussfähigkeit

• Entwicklung eines positiven Körperbildes

• Entwicklung einer gesunden Geschlechtsidentität

• Vermittlung der Freude an Bewegung und Entspannung

Berger U, Ziegler P, Strauss B, 2008: Barbie goes PriMa; Psychosom Med Psychotherapy

www.hsl-online.org

Was ist Body Talk?

• BodyTalk unterstützt im Sinne der alltagsnahen

Gesundheitsförderung Ressourcen und

Kompetenzen von Jugendlichen.

• BodyTalk hilft jungen Menschen, ein positives

Selbstwertgefühl zu entwickeln, indem sie mit

ihren Gefühlen für Körper, Figur und Gewicht

umzugehen lernen.

• BodyTalk ist ein Gruppenworkshop, der ca. eine

Doppelstunde dauert. Am besten wird er mit

einer einzelnen Klasse veranstaltet.

Zielpublikum sind 13- bis 16-jährige Jugendliche.

• Um einen verantwortlichen Umgang mit der

Problematik und eine nachhaltige

Integrationsmöglichkeit in die Unterrichtsinhalte

zu gewährleisten, werden diese Workshops von

Fortbildungen für Lehrer begleitet.

Leitfaden BodyTalk 2006

www.pepinfo.ch/bodytalk; www.essstoerungen-frankfurt.de/bodytalk

Take Home

Störungen des Essverhaltens sind häufig und bleiben oft

lange unerkannt und unbehandelt.

„Neue“ Risikogruppen: Männer, Kinder und Ältere, Sportler,

Psychisch Kranke, Patienten mit Stoffwechselstörungen u. a.

Körperliche und psychische Begleit- und Folgeerkrankungen

sind relevant und führen zu Komplikationen, Rezidiven und

Chronifizierung.

Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser ist die

Prognose.

Über- oder Unterbehandlung sowie Alleingänge sollen

vermieden werden.

Prognose nach wie vor kritisch, Prävention und

Früherkennung und -intervention sind daher zentral!

Fachstelle PEP

www.pepinfo.ch

KEA Spital Zofingen AG

062 746 56 56

kea@spitalzofingen.ch

ZAEP Inselspital Bern

031 632 08 00

eating@insel.ch

PEP – KEA - ZAEP

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