Mechthild von Magdeburg

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Mechthild von Magdeburg

Mechthild von Magdeburg.

„O Kaiser aller Ehren, o Krone aller Fürsten,

o Weisheit aller Meister, o Geber aller Gabe,

o Löser aller Gefängnisse“.(I,XII)

So lobt die Seele Gott in fünf Dingen,

Die ihr süß und lieblich klingen.

„Welcher Mensch die Welt überwindet

und seinem Leib allen unnützen Willen nimmt

und den Teufel überwindet,

Das ist die Seele, die Gott minnt.

Tut ihr die Welt einen Stoß,

Davon leidet sie kleine Not.

Tut ihr das Fleisch ein Schwanken,

Davon wird der Geist nicht kranken.

Tut ihr der Teufel einen schnellen Tritt,

Des achtet die Seele aber nicht.

Sie minnet und sie minnet

Und sie kann anderes nicht beginnen.“(I,X)

Drei Dinge kann der überwinden,

Wird er nur in Minne finden

Seine Seele Gott geweiht.

Gotteslieb sie ganz befreit.

„O du brennender Berg,

o du auserwählte Sonne,

o du voller Mond,

o du grundloser Brunnen

o du unerreichbare Höhe,

o du Klarheit ohne Maßen,

o du Weisheit ohne Grund,

o Barmherzigkeit ohne Hindernis,

o Stärke ohne Widerstand,

o Krone aller Ehren!

Dich lobt der Geringste,

den du je schufst.“(I,VIII)

Ist der Mensch auch nur gering,

Wie Gottes Schöpfung ihn umfing,

So sieht er Gott in allen Dingen,

Muss sie loben, sie besingen.

Der Dinge zehn sind hier genannt,

Wo Bewunderung übermannt.

„Ich komme zu meiner Lieben

Wie ein Tau auf den Blumen.“(I,XIII)

Zart, erquickend kommt Gott in die Seele,

Wie Tau mit der Blume sich vermähle.


„Sie ist willkommen, meine liebe Taube,

du bist auf der Erde so sehr geflogen,

dass deine Federn sind gewachsen

in das Himmelreich.“(I,XV)

So empfängt Gott die liebe Seele.

Sie fliegt wie eine Taube

Zu Gott in die Höhe.

Geheimnisvoll, der Mystik Stimme,

Erfüllt von Lieb`und Gottesminne,

Dichtet Mechthild als Begine,

Demütig, wie es ihr gezieme,

Offen für der Gottheit Licht,

Das fließend aus dem Himmel bricht.

Die Seele möchte Gott empfangen,

Die höchste Seligkeit erlangen.

Sie möchte sich mit Gott vereinen,

Mit ihm im Himmelslicht erscheinen.

Mechthild sehnt sich, Gott zu loben

Vom Erdkreis bis zum Himmel droben.

Bei Magdeburg ward sie geboren

Und jugendlich schon auserkoren,

Gottes Nähe zu erleben,

Sich der Mystik hin zu geben.

Man ermuntert sie schon bald:

Bring dein Erlebnis zur Gestalt:

Schreibe sorgsam alles auf,

Dass da schau’n auch andre drauf.

Heinrich von Halle, ihr Berater,

Dominikaner und Beichtvater,

Nahm sich der Begine an,

Erkannte schnell: o was die kann!

Gewiss war sie von echtem Adel,

Ihre Bildung ohne Tadel.

Bereit war sie, dem Herrn zu dienen

In der Gemeinschaft der Beginen.

Frei ertönen Lobgesänge,

Und nicht in des Klosters Enge.

Der Bücher sind es ganze sieben,

Die mit Klugheit sie geschrieben.

Manches ist wohl auch diktiert,

In altem Deutsch fein vorgeführt.

In dem Jahrhundert ist sie wohl

Der Minnesänger ein Idol.

Nicht allen ist das immer recht.

Sie heißen eine Frau nur schlecht.

Dennoch hält auch diese Zeit

Gelehrte Frauen voll bereit.

Mechthild ist nicht stets entrückt,

Von ihrer Kirche nicht beglückt.


Sie sieht die Kirche in Gefahr.

Die Gottesminne ist da rar.

Domherrn stinken, sind wie Böcke.

Es ist ihr gleich, dass sie anecke.

Die Minne hat sie ja getrieben,

Hier und da Kritik zu üben.

Den Kirchherrn will das gar nicht passen.

Sie müssen solche Frau doch hassen.

Sie bleibt voller Zuversicht.

Auch Krankheit bricht die Minne nicht.

Sie schreibt, wie Gott es ihr befohlen,

Mönch Heinrich sagt es unverhohlen.

Er richtet sechs der Bücher ein,

Versieht sie mit Kapiteln fein.

Doch ist aus Magdeburg entronnen,

Im Kloster Helfta aufgenommen

Mechthild, Dichterin, Begine.

Die Nonnen machen gute Miene,

Nehmen sie von Herzen auf.

Da setzt sich fort ihr Lebenslauf,

Und den Nonnen zum Belieben

Schreibt sie da noch das Buch sieben.

Den Nonnen will das wohl ersprießen,

Das Licht der Gottheit soll da fließen.

Mit viel Verstand und offnem Sinn

Nehmen sie die Verse hin.

„Eya Herre, ich bitte dich,

dass du dieses Buch wollest bewahren

vor den Augen der falschen Gefahr,

denn sie ist aus der Hölle unter uns gekommen.

Sie wurde nie aus dem Himmelreich genommen.

Sie ist gezeugt in Lucifers Herzen

und ist geboren im geistlichen Hochmut

und ist gebeugt in dem Hass

und ist gewachsen in dem gewaltigen Zorn

so groß, dass sie des dünket,

dass keine Tugend sie ihr genoss.

So müssen Gottes Kinder untergehen

und müssen sich mit der Schmähung,

unterdrücken lassen,

wollen sie die höchste Ehre mit Jesus empfangen.

Eine heilige Gefahr müssen wir auf uns selber

zu allen Stunden tragen,

dass wir uns vor dem Gebrechen bewaren.

Eine minnigliche Gefährtheit

sollen wir zu unsern Ebenchristen haben,

so sie misstun, dass wir ihnen allein das

treulich sagen.

So mögen wir vor mancher unnützer Rede

bewahren.

Amen.“ II,XXVI.


„Ich sündige, träge, ich sollte

zu einer Stunde beten.

Da tat Gott, als wollte er mir keine

Gnade geben.

Da wollte ich mich betrüben,

jämmerlich um meine fleischliche Krankheit,

die mich dünkte ein Hindernis geistlicher

Gebräuche.

Eya nein, sprach meine Seele,

gedenke noch aller Treue

und lobe deinen Herrn also:

Gloria in excelsis Deo!

In dem Lobe erschien ein großes Licht

meiner Seele,

und in dem Lichte erwies sich Gott in großer Ehre

und unerzählbarer Klarheit.

Da hob unser Herr zwei goldene Kelche

in seinen Händen.

Die waren beide voll lebendigen Weines.

In der linken Hand war der rote Wein der Pein

und in der vorderen Hand der weiße Wein

des überwiegenden Trostes.

Da sprach unser Herr:

Selig sind die, die diesen roten Wein trinken.

Denn allein ich schenke beide aus göttlicher Liebe.

So ist doch der weiße Wein edler in ihm selber.

Und am alleredelsten sind die, die beide trinken,

weißen und roten.“ (II,VII)

Wir soll`n aus beiden Kelchen trinken,

Aus dem der Schmerzen, aus dem der Freude.

Unser Herrgott füllt sie beide

Mit seiner Rechten, seiner Linken.

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