Polizei - bei Polizeifeste.de

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LIZEI

EIN ARTNER

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Kreisgruppe Minden-Lübbecke

Gewerkschaft der Polizei

Minden

12. März 2011

Öffentlicher

Festabend

33.

der Polizei


www.VDPolizei.de

12.03.2011,

20.00 Uhr

Stadthalle

Minden

POLIZEI -

Gewerkschaft der Polizei

Kreisgruppe Minden-Lübbecke

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xxxx Claus Kynast, Minden

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DTP & Druck GmbH & Co. KG, Düsseldorf

© 2011

33. Öffentlicher

Festabend der Polizei

Grußworte

Programm

Artikel

Danksagung

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21

56

05/2011/12

VERLAG DEUTSCHE POLIZEILITERATUR GMBH

© 2011

Anzeigenverwaltung


Grußwort

Ihre Treue beweist, dass dieser Festabend

zu einem stets wiederkehrenden

Bestandteil in Ihrem Terminkalender

geworden ist. Diese Treue ist aber

auch ein Beweis für Ihre Verbundenheit

mit der Polizei.

Sehr verehrte Gäste,

Zeit, so sagt man, ist das knappste Gut im

21. Jahrhundert. Daher freue ich um so

mehr, dass Sie heute Abend hier in der

Mindener Stadthalle gemeinsam mit mir

zu Gast sind beim 33. Festabend der

Gewerkschaft der Polizei im Kreis Minden-Lübbecke.

Ein bunter Mix der verschiedenen

Künstler wird uns allen sicherlich

wieder einen unvergesslichen Abend

bereiten.

Viele von Ihnen, meine Damen und Herren,

sind bereits über Jahre Gäste dieser

Traditionsveranstaltung. Seit mehr als drei

Jahrzehnten steht dieser Abend für festliche

und abwechslungsreiche Stunden.

Ihre Treue beweist, dass dieser Festabend

zu einem stets wiederkehrenden Bestandteil

in Ihrem Terminkalender geworden

ist. Diese Treue ist aber auch ein Beweis

für Ihre Verbundenheit mit der Polizei.

Wir alle wissen, dass Polizeibeamte einen

anspruchsvollen und häufig anstrengenden

Beruf ausüben. Unsere Sicherheit ist

bei ihnen in guten Händen. Dieses wertvolle

Gut können wir gemeinsam stärken

und bewahren, indem wir unsere Ordnungshüter

bei der Bewältigung ihrer Aufgaben

aktiv und couragiert unterstützen.

Dazu möchte ich Ihnen Mut machen.

Ein lockerer Abend bietet den Rahmen für

Begegnungen zwischen den Bürgerinnen

und Bürgern dieser Stadt mit ihren Polizeibeamten

zur Pflege eines vertrauensvollen

Verhältnisses. Von diesem Gedanken

haben sich die Gründungsväter der

Veranstaltung damals leiten lassen. Ein

Gedanke, der aus meiner Sicht stete Aktualität

besitzt. Ein Abend, der zu einem

Erfolgsmodell wurde.

Das Organisationsteam um Claus Kynast

und Joachim Odermann hat es auch in diesem

Jahr wieder geschafft, um Sie, liebe

Gäste, gut zu unterhalten. Wir alle haben

uns heute Zeit genommen, Zeit, die mit

Blick auf ein attraktives und schwungvolles

Programm gut angelegt ist. Deshalb

möchte ich den Verantwortlichen für ihre

Vorbereitungsarbeit herzlich danken.

Ich freue mich, dass ich heute dabei sein

kann, um mit Ihnen gemeinsam zu feiern.

Für die nun vor uns liegenden Stunden

wünsche ich uns allen gute Unterhaltung

und viel Spaß.

Dr. Ralf Niermann

Landrat

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Grußwort

Für die Bürger Mindens ist es besonders

wichtig, dass sie sich sicher

in dieser, unserer Stadt fühlen.

Und dazu tragen die Beamtinnen

und Beamten hier vor Ort einen

maßgeblichen Teil bei. Ihre Präsenz

wird geschätzt und ihre Arbeit verdient

höchste Anerkennung.

Hochkarätige Unterhaltung und Showbusiness

vom Feinsten erwartet die Gäste

des Festabends der Gewerkschaft der

Polizei am 12. März in der Stadthalle. Die

Organisatorinnen und Organisatoren

haben ein abwechslungsreiches Programm

zusammengestellt, das den Eintrittspreis

absolut wert ist. Vom Bauchredner

über Trampolinspringer bis hin zu

Slapstick reicht das Spektrum. Darüber

hinaus verleiht Bühnenstar Edwina de

Pooter dem Abend prominenten Glanz.

Nicht nur für die aktiven Beamtinnen und

Beamten, sondern auch für deren Partner

und viele Gäste bietet diese Veranstaltung

den Rahmen für Geselligkeit und das Pflegen

von Kontakten bei Musik und Tanz.

Auch schafft der Festabend die Möglichkeit

für die Polizistinnen und Polizisten

mit den Bürgerinnen und Bürger ins

Gespräch zu kommen, für die sie jeden

Tag im gesamten Kreisgebiet tätig sind.

Bereits zum 33. Mal wird in diesem Jahr

der Festabend gefeiert. Er ist damit traditioneller

Bestandteil im Mindener Veranstaltungskalender.

Erneut hat die Kreisgruppe

Minden-Lübbecke der Gewerkschaft

der Polizei, die Herausforderung

angenommen, eine solche Großveranstaltung

auf die Beine zu stellen. Da steckt –

trotz einer gewissen Routine – viel Arbeit

drin. Deshalb möchte ich allen Polizistinnen

und Polizisten ganz herzlich danken,

die diesen Abend organisiert haben!

Ich freue mich, dass das Konzept dieser

Veranstaltung seit vielen Jahren aufgeht.

Die Besucherzahlen sprechen dafür.

Die Arbeit der Polizei hat sich im Laufe

der Jahre gewandelt. Das Aufgabenspektrum

ist anspruchsvoll und vielfältig. Für

die Bürger Mindens ist es besonders wichtig,

dass sie sich sicher in dieser, unserer

Stadt fühlen. Und dazu tragen die Beamtinnen

und Beamten hier vor Ort einen

maßgeblichen Teil bei. Ihre Präsenz wird

geschätzt und ihre Arbeit verdient höchste

Anerkennung.

Der Festabend bietet für die Polizistinnen

und Polizisten im Kreis Minden-Lübbecke

eine willkommene Abwechslung zum

immer härter werdenden Dienst. Auch

dient eine solche Veranstaltung dazu, die

Institution „Polizei“ in einem anderen,

zwangloseren Licht zu zeigen.

Ich wünsche uns allen einen schönen

Abend. Ich wünsche den Gästen gute

Unterhaltung und gute Gespräche sowie

den Organisatorinnen und Organisatoren

viel Erfolg!

Michael Buhre

Bürgermeister

3


Grußwort

Das Polizeifest trägt dazu bei, dass im

Miteinander des Zusammentreffens

von BürgerInnen und Polizei, jedes

Jahr ein Stückchen mehr Verständnis

füreinander und Vertrauen zueinander

aufgebaut wird.

Das ist gut und richtig so und auch

beispielgebend.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

am 12. März findet bereits zum 33. Mal das

Polizeifest im Mühlenkreis statt.

Die ausrichtende Kreisgruppe der

Gewerkschaft der Polizei in Minden-Lübbecke

kann mit Recht auf eine stolze Bilanz

zurückblicken:

Das Polizeifest erfreut sich seit mehr als

drei Jahrzehnten großer Beliebtheit im

Mühlenkreis und stellt auch ein gesellschaftliches

Highlight dar.

Es trägt dazu bei, dass im Miteinander des

Zusammentreffens von BürgerInnen und

Polizei, jedes Jahr ein Stückchen mehr Verständnis

füreinander und Vertrauen zueinander

aufgebaut wird.

Das ist gut und richtig so und auch beispielgebend.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund in Ostwestfalen-Lippe

und die unter dem Dach

des DGB zusammengeschlossenen

Gewerkschaften grüßen die Kreisgruppe

Minden-Lübbecke der Gewerkschaft der

Polizei und wünschen der 33. Festveranstaltung

gutes Gelingen.

Zugleich wünschen wir den Kolleginnen

und Kollegen der GdP, dass sie den Weg

erfolgreicher Interessenvertretung künftig

noch erfolgreicher gehen können.

Die Anforderungen an jede und jeden Einzelnen

sind nach wie vor hoch.

Deshalb benötigen wir insgesamt ein möglichst

weitreichendes und möglichst

unkompliziertes Mitbestimmungsrecht im

Rahmen des Landespersonalvertretungsgesetzes

NRW.

Die politischen Voraussetzungen hierfür

haben sich inzwischen günstiger gestaltet,

die Verschlechterungen unter der

„alten“ Landesregierung will die „neue“

nun wieder zurückfahren und hat dies

inzwischen bereits in Angriff genommen.

Dies ist auch insofern zu begrüßen, als die

derzeit noch geltenden Regelungen u. a,

dazu geführt haben, dass die lange vorherrschende

Kultur der „vertrauensvollen

Zusammenarbeit“ zwischen Personalräten

und Dienststellen stark geschädigt

wurde, Mitbestimmungsrechte abgebaut

und die Rechte von PersonalrätInnen

erheblich eingeschränkt worden sind.

Die erneute Novellierung soll unter Beteiligung

des DGB und der betroffenen

Gewerkschaften erfolgen.

Eine schnelle Vorlage und Verabschiedung

des neuen LPVG NRW hilft neben allen

anderen auch den PolizeikollegInnen im

Mühlenkreis bei der Bewältigung der

bestehenden und noch kommenden Aufgaben.

Wir wünschen uns weiterhin motivierte

und engagierte KollegInnen innerhalb der

Polizei. Dies kann aber nur umgesetzt werden,

wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Ein Mittel hierzu ist daher eben auch

ein „nutzbares“ und effektives Personalvertretungsgesetz.

In diesem Sinne wünschen wir den VeranstalterInnen

und allen TeilnehmerInnen

einen schönen Abend in der Stadthalle

Minden und ein gutes Gelingen.

Astrid Bartols

Vorsitzende der DGB-Region

Ostwestfalen-Lippe

4


Grußwort

Ich bitte daher um Ihre Unterstützung

unserer vielfältigen Aufgaben. Wenn

ich Sie heute Abend begrüße, ist das

immer mit einem Dankeschön für Ihre

Hilfsbereitschaft und Anerkennung

verbunden.

Festabend der Polizei in Minden-Lübbecke

im 33. Jahr! Eine Zahl, die uns selbst

überrascht. Hat sich doch in den vielen

Jahren gezeigt, dass ein solcher Festabend

die richtige Entscheidung war, um Menschen

aus Minden-Lübbecke und dem

Umkreis für eine gute Sache zu gewinnen.

Als gute Sache bezeichne ich nach wie vor,

eine Verbesserung des Verhältnisses zwischen

Polizei und der Bevölkerung zu

erreichen, bzw. zu erhalten.

Zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern

haben wir als Polizisten schon viel

erreicht. Nicht nur durch diese traditionellen

Festabende, sondern auch in vielen

Gesprächen auf der Straße, an den Runden

Tischen, in öffentlichen politischen

Veranstaltungen und in Einzelgesprächen

mit „Verantwortungsträgern“ aller Richtungen.

Denkt man an Katastrophen wie bei der

Love-Parade in Duisburg, an Demonstrationen

mit bürgerrechtlichem Hintergrund

bei der Atomendlagerung im Wendland

oder auch an so manche unserer heimischen

Probleme, wird nach der Meinung

der Gewerkschaft der Polizei gefragt. Oft

zu spät! Leider scheint es so, dass immer

mehr Menschen öffentliche Vorgänge im

Land und in ihrer Stadt nicht mehr verstehen.

Nicht immer ist es ein finanzielles

Problem, dass allgemein Sinnvolles „auf

der Strecke bleibt“. Den Bürgerinnen und

Bürgern fehlen häufig logische Erklärungen.

Ihre Verdrossenheit politischen Entscheidungen

gegenüber ist ihnen in „Bürgergesprächen“

deutlich anzumerken.

Immer mehr kommen wir als so genannte

Vertreter des Staates in die Schusslinie,

uns nachvollziehbaren Frust aus der

Bevölkerung anhören zu müssen und nach

Möglichkeit an die richtigen Stellen weiter

zu geben.

Solche Gespräche werden auch beim Festabend

mit meinen Kolleginnen und Kollegen

geführt und das ist gut so. Wir sind

gern bereit, weiter zu helfen. Auch das

sehen wir als unseren Aufgaben, denn wir

sind die Polizei aller Bürger. Nicht auszudenken,

wenn sich Politikverdrossenheit

wie jüngst in Griechenland brutal entlädt

und trifft eigentlich nur die Polizei.

Ich bitte daher um Ihre Unterstützung

unserer vielfältigen Aufgaben. Wenn ich

Sie heute Abend begrüße, ist das immer

mit einem Dankeschön für Ihre Hilfsbereitschaft

und Anerkennung verbunden.

Freuen wir uns wieder auf einen schönen

Abend in der Mindener Stadthalle mit tollen

Künstlern und unserer Showband.

Während wir das Tanzbein schwingen

und uns amüsieren, sind meine Kolleginnen

und Kollegen mit Einsatzfahrzeugen

unterwegs und gewähren Schutz, helfen

Schwachen und Verletzten und sorgen für

die Sicherheit, die wir uns alle wünschen.

Auch in ihrem Namen wünsche ich

allen Anwesenden einen angenehmen

Festabend.

Claus Kynast

Vorsitzender

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Programm

Gewerkschaft der Polizei

Kreisgruppe Minden-Lübbecke

Programm

ANDREAS RÖMER

BAUCHREDNER-SHOW

JEAN FERRY

THE ART OF COMEDY TRAMPOLINE

EDWINA DE POOTER

ONE WOMAN SHOW

Wir wünschen allen Besuchern

des heutigen Festabends frohe

Stunden in beschwingter und

heiterer Atmosphäre.

VALENDRAS

SHOW BAND

SHOWBAND DER SPITZENKLASSE

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Programm

ANDREAS RÖMER

Two in one – eine Bauchredner-Show, die es in sich hat...

Seine Figuren werden zu liebenswerten Freuden!

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Programm

JEAN FERRY

Erleben Sie den Senkrechtstarter auf dem Trampolin

mit Höhenflügen, Bauchlandungen und

waghalsiger Slapstick! Hoch, weit und schräg!

„THE ART OF COMEDY TRAMPOLINE“

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Programm

Sie präsentiert die wichtigsten Elemente

des Showbusiness in einer faszinierenden

Harmonie und Perfektion... und sie

verleiht den Promis ihre ganz

persönliche Ausstrahlung.

Legendär, rockig, crazy, provokant!

EDWINA DE POOTER

9


Programm

VALENDRAS

Die Valendras sind eine internationale Showband

der Spitzenklasse, die mit aktuellem

Sound internationale Tanz- und Unterhaltungsmusik

in verschiedenen Stilrichtungen

präsentiert.

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Polizei

ZURÜCKGEBLÄTTERT

in alten Zeitungen von Günter Vorrath, Lübbecke

Lübbecker Kreiszeitung Nr. 65 vom Freitag, 18. März 1955:

Neue Maßnahmen der Polizei:

Funk-Großeinsatz gegen Verkehrssünder

Beobachtungsposten und Funksprecher von der Bereitschaftspolizei

Lübbecke. „Ich bitte Sie, Wachtmeister“, meinte Mittwoch

Mittag ein Volkswagenfahrer, der mit der rot-weißen „Haltekelle“

der Polizei bei der Fiesteler Spar- und Darlehnskasse gestoppt

wurde, „ich soll die Stoppstraße überfahren haben? Das müssen

Sie mir erst einmal beweisen!“ Es war schnell geschehen. Der

Wachtmeister wies stumm auf einen Zivilisten, der sich in einem

Hauseingang regengeschützt untergestellt hatte und ein Funksprechgerät

mit ausgefahrener Antenne trug. Jetzt ging dem Pkw-

Fahrer ein Licht auf.

Die Kreispolizeibehörde führte nämlich am Mittwoch ihren ersten

Großeinsatz gegen Verkehrsünder im Kreisgebiet durch. Fast 50

Beamte waren an dem Einsatz beteiligt. Um ihn bewältigen zu

können, hatte man eine Anzahl Bereitschaftspolizisten aus Bochum

und Bork angefordert.

Fünf Beobachtungsposten

Die Leitung der Aktion hatte Polizei-Oberkommissar Bauerfeind

(Lübbecke). Nach seinem Plan wurden fünf besonders wichtige

Verkehrspunkte ausgewählt und besetzt: in Lübbecke der Bahnübergang

an der Bohlenstraße, in Rahden die Ecke an der Post, in

Arrenkamp die Abzweigung Lübbecke-Rahden, in Fiestel die

Stoppstraße bei Spreen und in Oberbauerschaft die Doppelabzweigung

Horst-Höhe.

An diesen Stellen waren je ein Beobachtungsposten und ein

Funksprecher postiert, die jeden, die Verkehrsvorschrift übertretenden

Kraftfahrer registrierten.

Unter Angabe des Fahrzeugtyps und der Kennziffer wurde er

sofort durch den auf zwölf Kanälen laufenden Sprechfunk an die

in entsprechender Entfernung befindlichen Halteposten durchgegeben.

Selbstverständlich waren die Fahrer oft mehr als verblüfft, las man

ihnen hier die einzelnen Verkehrsdelikte auf den Kopf zusagte.

Verwarnungen und Anzeigen

Es blieb größtenteils bei gebührenpflichtigen Verwarnungen und

Vorladungen zum Verkehrsunterricht. In sieben Fällen allerdings

musste eine Übertretungsanzeige erstattet werden. Beobachtungsposten

und Funker übten ein verantwortungsvolles Amt aus, denn

sie müssen unter Umständen ihre Angaben vor Gericht beeiden.

An verschiedenen Punkten im Kreisgebiet standen Posten mit

dem Funksprechgerät und übermittelten sofort zur nächsten

Kontrollstelle die „Sünden“ der vorbeifahrenden Kraftfahrer.

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Polizei

Auch dieser Wagen fuhr in die „Falle“ beim Großeinsatz der

Polizei gegen Verkehrssünder im Kreisgebiet.

Mancher Kraftfahrer war über die Art

der Kontrollen zunächst entrüstet,

obwohl es hier um seine eigene

Sicherheit ging.

Nach drei Kontrollstunden wurde

der Einsatz beendet und die Auswertung

vorgenommen, die statistischen

Erhebungen dienen wird. Man war

sich allgemein darüber einig, dass bei

besserem Wetter und zwangsläufig

stärkerem Fahrzeugverkehr, die

Übertretungen wesentlich höher

gewesen wären.

Bei der ersten Kontrollaktion wurden

bestimmte Vergehen gewertet.

Schwerpunkte waren: Nichtanzeigen

der Fahrtrichtung, Überfahren von

Stoppstraßen und falsches Verhalten

in Kurven. Diese Großeinsätze gegen

Verkehrssünder sollen an unbestimmten

Tagen zu einer ständigen

Einrichtung auch im Kreis Lübbecke

werden.

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Polizei

Bemerkenswerte Entdeckung: Mindens erste Kriminaldienstmarke

100 JAHRE KRIPO-

DIENSTMARKEN IN MINDEN

Um den Hals, in der Hosentasche oder unter dem Revers trugen die Kriminalpolizisten ihre Dienstmarken in den Anfängen.

Denn, die Zivilbeamten waren ja ohne Uniform unterwegs und somit nicht sofort als Polizisten zu erkennen.

Wolfgang Richter aus Minden hat verschiedene historische Identifizierungsmedaillen für das „Mindener Tageblatt“

zusammengestellt und erläutert ihre Bedeutung.

Dem Enkel des Polizeikommissars Otto Arendt ist das Auffinden

der ersten Dienstmarke der Mindener Polizeiverwaltung zu

verdanken. Im Nachlass aus der Dienstzeit seines Großvaters fand

er dieses sicherlich einmalige Stück Mindener Polizeigeschichte.

Wie aber ist die Historie dieser Mindener Kriminaldienstmarke

und wie ging es weiter?

Im Jahre 1907 beschloss der Mindener Stadtrat aus dem Kreis der

uniformierten Polizeibeamten einige davon in ziviler Kleidung

speziell für die Verbrechensbekämpfung einzusetzen, da die formelle

Dienstkleidung einen verdeckten Polizeieinsatz nur schwer

ermöglichte. Bis dahin lag diese Aufgabe in den Händen einiger

Polizeisergeanten oder Wachtmeister, die sich bei der Aufklärung

von Straftaten verdient gemacht hatten. Insbesondere durch den

Zuzug vieler auswärtiger Arbeitskräfte zum Bau des Kanals war

die Zahl der Eigentumsdelikte sprunghaft angestiegen. 2.500 Arbeiter,

insbesondere Ausländer, wurden hier eingesetzt.

Dem Beispiel vieler anderer Städte im Deutschen Reich folgend,

wurde in Minden ein Büro zur Kriminalitätsbekämpfung bei der

Städtischen Polizeiverwaltung eingerichtet. Zunächst nur drei,

dann später sieben Beamte waren nun für die Verbrechensbekämpfung

im Stellenplan der Kommune. In den Polizeipräsidien der

großen Zentren des Reichs hatte man seit 1820 gute Erfahrungen

damit gemacht, diese Detektive mit eigens hierfür hergestellten

Dienstmarken auszustatten. Zunächst wurden diese Stücke um

den Hals, unter dem Jackenrevers oder an Bändern in der Hosentasche

getragen. So konnten auch in Minden diese Identifizierungsmedaillen

beim Einschreiten vorgewiesen werden, da ja die Männer

nicht mehr durch die Uniform erkennbar waren.

Im Jahre 1910 wurden die ersten Dienstmarken für die Mindener

Kriminalbeamten geprägt und an jeden kompetenten Kripobeamten,

mit einer individuellen Registriernummer versehen und gegen

Quittung ausgehändigt.

Das Verfahren bewährte sich. Um 1927, nachdem Kaiser Wilhelm

II abgedacht hatte, wurden die mit den kaiserlichen Insignien –

Krone, Reichszepter und Weltkugel – hergestellten Stücke für

ungültig erklärt, eingezogen und eingeschmolzen.

Die Marke von Otto Arendt blieb erstaunlicherweise erhalten

und fand sich nun zufällig wieder an und kann als das Unikat

für die Mindener Kriminalpolizei angesehen werden.

Ab 1926 durften nach den staatlichen Kriminalbeamten auch

die kommunalen Kriminalisten im Freistaat Preußen – so auch

in Minden – einheitliche Dienstmarken mit dem preußischen

Adler und der Aufschrift „Polizeiverwaltung Minden“ tragen.

Minden erhielt am 1. 05. 1926 neue Erkennungsmarken, die bis

1934 mitgeführt wurden.

Polizeioffiziere trugen versilberte, die anderen Sachbearbeiter

bronzene Stücke. So durfte nur der Kriminalkommissar Kemena

eine dieser silberfarbenen Identifizierungsmarken bei sich

haben.

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Polizei

Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen, wurden

sofort Veränderungen eingeleitet. Ab Januar 1934 erhielten

sowohl staatliche als auch gemeindliche Kriminalbeamte, sowie

einige Polizeiposten mit kriminalistischen Aufgaben, neue Stücke.

Sie zeigten nun neben dem Adler auf der einen, das Hakenkreuz

mit der Ortsbezeichnung auf der Rückseite der Ausweismarke.

Im Altkreis Lübbecke blieb ein Stück des Einzelpostens Wilhelm

Kottkamp erhalten. Sein Sohn fand es in den Hinterlassenschaften

des Trägers, sodass es hier gezeigt werden kann.

Durch die Verordnung über die Gestaltung des Hoheitszeichens

des Reiches vom 7.3.1936 wurde eine Änderung des Aussehens

der polizeilichen Ausweismarke notwendig. So wurden dann

1936 im gesamten Reichsgebiet gleiche Erkennungsmarken ausgegeben,

die sich nur geringfügig unterschieden. Bei kommunalen

Kripobeamten befand sich auf dem Avers der neue Reichsadler

und auf dem Revers die Prägung „Gemeindekriminalpolizei“

allerdings ohne Ortsbezeichnung.

Weiterhin gab es noch Marken mit den Prägungen „Staatliche

Kriminalpolizei“ und „Geheime Staatspolizei“.

Wahrscheinlich noch vor der Kapitulation dürften die Marken

der Mindener Kripo eingezogen und vernichtet worden sein, da

auch bei alten Mindener Beamten kein Musterstück erhalten

blieb. Das hier gezeigte Exponat stammt nicht aus Minden ist

aber mit hier getragenen Marken identisch.

Nach dem Kriege wurden 1945 in Minden erfahrene entnazifizierte

Beamte und einige junge unbelastete Kriegsteilnehmer von

der alliierten Besatzungsmacht England zur der Verbrechensbekämpfung

eingesetzt.

Während in anderen Städten teilweise Dienstmarken getragen

wurden, bei denen das Hakenkreuz heraus geschliffen worden

war, blieb den Mindener Beamten lediglich ein entnazifizierter

Dienstausweis als Identifizierungsalternative.

Erst 1947 wurden neue Dienstausweismarken präsentiert. Sie

zeigten auf der einen Seite jetzt schon das neue NRW Landeswappen,

auf der Rückseite den Namen unseres Landes, eine fortlaufende

Nummer und die Kennzeichnung der zuständigen

Behörde.

Es gab in NRW zwei unterschiedlichen Formen, die Stadtkreispolizei

(z. B. SK Bielefeld) und Regierungsbezirkspolizei (z. B.

hier RB Detmold). Diese Begriffe wurden eingraviert. Organisatorisch

war die kommunale Polizei in Minden dem „Chef der

Polizeibeim Regierungspräsidenten in Detmold unterstellt,

der zusammen mit einem bürgerlichen Polizeiausschuss und

natürlich den Alliierten die Dienstaufsicht führte. Mindener Kriminalbeamte

führten nun diese Behördenbezeichnung auf der

Marke.

Erstmalig verrichteten bei der Kriminalpolizei Minden Frauen

Polizeidienst, die natürlich gleiche Marken trugen.

Eine neuerliche Änderung der Ortsbezeichnung ergab sich aus

der Neuorganisation der Polizei im Jahre 1953 und der Auflösung

der vorgenannten SK und RB Polizei. Der Oberkreisdirektor

in Minden übernahm als politischer Beamter und im Auftrage

der Landesregierung die Dienstaufsicht über die gesamte Polizei

in Stadt und Kreis Minden. Das Aussehen der Dienstmarken

änderte sich insofern, als nun anstelle der Behördenbezeichnung

„RB Detmold“ jetzt unsere Behörde, nämlich der „OKD Minden“

zu sehen war.

Die letzten und heute gültigen bundeseinheitliche Dienstmarken

wurden 1977 durch die Innenministerkonferenz beschlossen

und dann hergestellt. Diese 1978 ausgegebenen Marken werden

auch heute von den Mindener Beamtinnen und Beamten

getragen. Sie unterscheiden sich durch die verschiedenen Ländernamen

auf den Legitimierungsstücken.

So sollen sich Mindener Dienstkräfte heute mit einer solchen

Dienstmarke zu erkennen geben. Auf der einen Seite ist das

Landeswappen und der Name „Nordrhein-Westfalen“ sowie die

individuelle Identifizierungszahl zu sehen. Die Rückseite zeigt

den Schriftzug „Kriminalpolizei“.

Interessant ist die Tatsache, dass bereits in der Weimarer Republik

mit Randprägungen – wie bei Münzen – die Marken möglichst

fälschungssicher gefertigt werden sollten. Das Verfahren

blieb aber ungenutzt und wird erst jetzt wieder angewandt.

„Bundesrepublik Deutschland“ ist dort zu lesen.

Abschließend noch ein Satz zur Verpflichtung der Kriminalbeamten,

sich beim Einschreiten dem Bürger gegenüber auszuweisen.

Grundsätzlich kann dies sowohl mit der Marke, als

auch mit dem Dienstausweis geschehen – oder mit beiden. Bei

einer besonderen Dringlichkeit in der Phase des spontanen Einschreitens

oder bei einer für den Beamten erkennbaren Gefahr,

kann sich die Ausweispflicht verzögern.

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Karin Lange

Gesundheit

POSTTRAUMATISCHE

BELASTUNGSSTÖRUNGEN

UND PHOBIEN

Ursachen und Auswirkungen

Unter Phobien leiden viele Menschen. Es gibt rund 600 verschiedene Phobien.

Ein Mensch kann unter einer oder auch mehreren Phobien leiden. Es ist dann

von einer Phobie die Rede, wenn jemand übermäßige Angst vor scheinbar

gefährlichen Dingen oder Situationen hat. Darunter zählen zum Beispiel auch

die Angst vor geschlossenen Räumen (Klaustrophobie).

Kennzeichen der Phobie ist, dass der

Betroffene nicht die bestimmten Objekte

oder Ereignisse fürchtet, sondern die

mit deren Kontakt verbundenen Konsequenzen.

Der Betroffene weiß oft, dass

seine Angst unbegründet ist; trotzdem

schafft er es nicht, sich in diese für ihn

angstauslösende Situation zu begeben.

Sofern er weit von der Gefahrensituation

entfernt ist, fühlt er sich sicher. Einen

Großteil seiner Zeit verbringt der Betroffene

damit, diese Situation zu meiden.

Dadurch erfährt er jedoch nicht, dass er

die Situation aushalten kann und sie für

ihn ungefährlich ist. Mit der Zeit wird

die Phobie immer schlimmer und kann

letztendlich den gesamten Tagesablauf

beeinflussen.

Es werden drei Unterformen von Phobien

unterschieden:

• Agoraphobie

• Soziale Phobie

• Spezifische Phobie.

Foto: Forgiss/Fotolia.com

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Karin Lange

Gesundheit

Foto: schmetterling01/Pixelio.de

Agoraphobie (Platzangst) bedeutet, wenn

eine krankhafte Furcht vorliegt, einen

freien Platz zu überqueren oder Angst vor

bestimmten Orten zu haben. Soll die Person

ihre gewohnte Umgebung verlassen

tritt diese Phobie ein. Zu den typischen

Situationen gehören unter anderem Menschenmengen,

große öffentliche Plätze,

Supermärkte, Busse und Bahnen, Fahrstühle

usw. Außerdem bemüht sich der

Betroffene, nicht allzu weit von zu Hause

wegzugehen. Der eigentliche Grund der

Angst ist, dass im Notfall niemand da ist,

der helfen kann. Zudem tritt eine Furcht

vor einer peinlichen Situation auf. Dieses

bewirkt meistens, dass sich die Person

sozial immer mehr abgrenzt, weil sie sich

nicht in „gefährliche Situationen“ begeben

will. Entsprechend wird vermieden

mit Freunden ins Kino, in die Kneipe oder

sonst irgendwohin zu gehen. Am liebsten

bleibt man zu Hause.

Symptome der sozialen Phobie

Ebenfalls tritt hier die Angst in der Öffentlichkeit

auf; jedoch in der Form, dass sich

die Betroffenen minderwertig, nicht

gemocht, ausgelacht oder überfordert fühlen.

Sie beziehen alles auf sich, sie richten

ihren Blick andauernd auf sich selbst, ob

sie wieder etwas falsch gemacht haben

und steigern sich somit immer tiefer in die

Phobie. Sozialphobiker sind angespannt

und versuchen sich zu kontrollieren, was

natürlich der Umwelt irgendwann auffällt.

Meistens werden sie als abweisend oder

unnahbar bewertet, manchmal sogar als

faul oder dumm. Diese Faktoren verstärken

wiederum das negative Gefühl des

Erkrankten. Ein Teufelskreis entsteht.

Typische Denkmuster von

Sozialphobikern

• Sich selbst negativ sehen

(„Ich kann nichts“).

• Sich selbst falsch sehen

(„Wenn man mich kennenlernt,

mag man mich nicht“).

• Überzogene Vorstellungen über das

eigene Sozialverhalten („Ich muss

immer gut und freundlich sein“).

Diese Denkmuster treiben den Betroffenen

immer tiefer in die Phobie. Die eigenen

negativen Erwartungen lösen eine

negative Selbstbewertung aus. Hierüber

tritt eine Angst auf, wenn man in eine

„gefährliche Situation“ kommt. Diese

führt dazu, dass man befürchtet, von anderen

negativ bewertet zu werden. Daraufhin

werden die Betroffenen weitestgehend

verunsichert und versagen tatsächlich.

Somit traut sich der Sozialphobiker nichts

mehr zu. Oftmals entwickeln sie auch

Standartverhaltensweisen, die sie abspielen,

wenn sie in schwierige Situationen

kommen; das bedeutet: Sätze oder eingeübte

Handlungen sollen ihnen helfen.

Zieht sich der Betroffene vor gefährlichen

Situationen immer mehr zurück, kann dieses

zur Isolation und zu einem Verlust des

Selbstvertrauens führen.

Diese Phobie ist weitaus stärker im Vergleich

zu dem, was man als Schüchternheit

kennt. Im äußersten Fall vermeidet

der Betroffene das Zusammentreffen mit

fremden Personen. An dieser sozialen

Phobie leiden bei uns bis zu dreizehn Prozent

der Bevölkerung. Das erste Auftreten

dieser Symptome erfolgt meistens im

Jugendalter. Das Verhältnis der erkrankten

Männer und Frauen hält sich die Waage.

Sozialphobiker leiden auch unter anderen

Phobien. Im Laufe der Erkrankung

können sie auch Depressionen bekommen,

ferner kann es zum Alkohol- oder

Medikamentenmissbrauch kommen,

wenn nicht rechtzeitig etwas dagegen

unternommen wird. Schätzungen zu folge

können bis zu 10 Prozent der Bevölkerung

in ihrem Leben eine Neigung zu einer

solchen Phobie entwickeln.

Spezifische Phobien

Diese Phobie wird durch einen bestimmten

Gegenstand, einen Ort, ein Tier oder

eine Situation ausgelöst. Die Folge ist, dass

solche Angstauslöser gemieden werden.

Meistens wissen die Betroffenen, dass die

Phobie übertrieben ist und sie nichts dagegen

tun können.

Traumatische Erfahrungen

und akute Belastungsreaktionen

Zustände emotionaler Beeinträchtigung

und die des subjektiven Leidens treten

häufig im Zusammenhang mit belastenden

Lebenssituationen auf, zum Beispiel

Krisen in der Partnerschaft, Konflikte mit

Kollegen sowie andauerndem alltäglichen

Ärger und Lebensveränderungen; unter

anderem die Geburt des ersten Kindes,

Beginn bzw. Ende wichtiger Beziehungen

oder Pensionierung. Bezogen auf diese

Erfahrungen wird eine Neuanpassung

gefordert, jedoch kann diese auch zu

Anpassungsstörungen führen. Traumatische

Ereignisse sind dadurch charakterisiert,

dass sie die Betroffenen mit existentiellen

Grenzsituationen konfrontieren.

Die Klassifikation der Weltgesundheitsbehörde

definiert traumatische Stressoren

als „Ereignis außergewöhnlicher Bedrohung

oder katastrophalen Ausmaßes, die

bei jedem tief greifende Verzweiflung auslösen

würden“ (WHO 1993). In Verbindung

mit dem präziseren Klassifikationssystem

der Amerikanischen Psychiatrischen

Gesellschaft unterscheidet man bei

der Traumadefinition zwischen den emotionalen

Reaktionen der betroffenen Personen

und den genau definierten Ereignisfaktoren.

Es müssen beide Aspekte vorliegen,

damit ein Ereignis als „traumatisch“

bewertet werden kann. Situationen

sind nicht nur dann potentiell traumati-

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Karin Lange

Gesundheit

sierend, wenn eine Person selbst in

Lebens- oder Verletzungsgefahr gerät,

sondern der Anblick anderer Menschen,

die beispielsweise ernsthaft verletzt oder

getötet werden, trägt ebenfalls dazu bei.

Schließlich kann auch die Mitteilung über

die Bedrohung oder den plötzlichen Tod

nahestehender Menschen diese Wirkung

haben. Aus diesem Grund sind Katastrophen,

Terroranschläge und Gewalttaten

nicht nur für die primären Opfer, sondern

genauso für die helfenden Berufsgruppen,

wie zum Beispiel Rettungskräfte,

Bergungsmannschaften, Feuerwehrleute

oder Polizisten potentiell traumatisierend.

Fast alle Menschen entwickeln während

und nach traumatischen Ereignissen

Beschwerden, die sich in den meisten Fällen

wieder zurückbilden. Mit einer Art

Betäubung, Bewusstseinsverengung oder

Desorientierung beginnen typischerweise

akute Belastungsreaktionen. Dissoziative

Zustände (in Verbindung mit dem

Bewusstsein erfolgt eine Auflösung

zusammenhängender Vorstellungen) können

darauf folgen: Ein Gefühl von emotionaler

Taubheit oder fehlender emotionaler

Reaktionsfähigkeit. Außerdem kann

eine Veränderung des vertrauten Selbst-,

Umwelt- und Zeiterlebens einsetzen. Häufig

erinnern sich Überlebende schwerer

Unfälle daran, dass sie die Ereignisse

extrem verlangsamt, absolut emotionslos,

wie aus einer großen Entfernung oder vergleichsweise

durch einen Filter wahrgenommen

haben. Zeichen von panischer

Angst können auch auftreten (Zittern,

Schwitzen, Hyperventilation) sowie Unruhe

oder Überaktivität. Oft ist in diesem

Zusammenhang die bewusste Wahrnehmung

eingeschränkt, die Aufmerksamkeit,

die Urteilskraft sowie die Fähigkeit,

Foto: S. Thomas/Pixelio.de

Begebenheit

Als am 11. September 2001 der

Südturm des World Trade Centers

in New York einstürzte, riss das

plötzliche Vakuum die 40-jährige

Polizistin Terry Tobin aus ihren Schuhen

und schleuderte sie quer über

die Straße. Eine Staubwolke verdunkelte

die Sicht. Sie hörte in der

Nähe jemanden stöhnen, sie tastete

um sich herum, spürte eine Hand

und ergriff sie. „Ich hielt sie und sagte,

dass alles in Ordnung käme.

Dass man mich aber nicht loslassen

sollte. Dann merkte ich, dass ich

nur eine Hand mit einem Arm daran

festhielt.“ Anschließend brachte

sie mit zwei Polizisten Menschen,

die sich retten konnten, zu den Fähren.

Über Funk forderten ihre Kollegen

Hilfe für einen verletzten Polizisten

an. Terry Toben war verwundert,

weil sie keinen verletzten Kollegen

sah. Sie kam nicht auf die Idee, dass sie selbst gemeint sein könnte. Weder fühlte sie

sich beeinträchtigt noch spürte sie Schmerzen. Erst im Krankenhaus wurde ihr allmählich

bewusst, dass ihr Fußgelenk gebrochen war und sie schwere Verletzungen am Rücken davon

getragen hatte.

(Possemeyer, 2002, S.149)

Reize zu verarbeiten. Man muss es sich so

vorstellen, dass sich die sehr konkreten

Erinnerungen an das traumatische

Geschehen dem wachen Bewusstsein

unkontrollierbar aufdrängen und schließlich

in den Schlaf eindringen, das heißt

Schlafstörungen treten auf. Oft sind grauenhafte

Eindrücke zunächst sprachlich

nicht fassbar. Meistens besteht eine Unfähigkeit,

sich an einen wichtigen Aspekt

des Traumas zu erinnern. Bedingt durch

ein erhöhtes körperliches Erregungsniveau

kann es zu Schlaf- und Konzentrationsstörungen,

übertriebene Schreckreaktionen

und Reizbarkeit kommen.

Akute Belastungsreaktionen sind ein Zeichen

dafür, dass das Bewusstsein noch

nicht fähig ist, extreme Eindrücke zu ordnen;

außerdem benötigen die Betroffenen

Schutz, Ruhe, Entlastung und Mitgefühl,

um diese Erlebnisse zu ertragen und

Schritt für Schritt zu verarbeiten. In der

Regel klingen die Reaktionen innerhalb

weniger Tage oder Stunden ab. Über längere

Zeit dagegen können Erinnerungsattacken,

Konzentrations- und Schlafstörungen

sowie eine Minderung der vertrauten

Leistungsfähigkeit bestehen bleiben.

17


Karin Lange

Gesundheit

Akute Belastungsstörung (ABS)

Es wird dann die Diagnose einer akuten

Belastungsstörung (ABS) in Betracht gezogen,

wenn die Beschwerden massiv ausgeprägt

sind, das bedeutet länger als zwei

Tage nach dem traumatischen Ereignis

andauern. Sie verursachen ein heftiges

subjektives Leiden sowie starke Beeinträchtigungen

in sozialen und beruflichen

Funktionsbereichen und schließlich führen

die Beschwerden dazu, dass ein Austausch

über die traumatischen Erlebnisse

sogar mit nahestehenden Menschen vermieden

wird. Bezogen auf die Wahrnehmung

und Bewertung der traumatischen

Störung beeinflusst die Qualität des sozialen

Umfeldes die Erholungsphase entscheidend

mit. Dauer und Intensität der

Konfrontation mit Lebens- und Verletzungsgefahr

sowie das Ausmaß von

mentalem Kontrollverlust sind von

Bedeutung. In Verbindung mit einem

gezielten Training und klaren Einweisungen

in die Arbeitsaufgaben besteht für

Einsatzkräfte die Möglichkeit, ein Gefühl

der Kontrolle zu erhalten und sie somit

vor der Überflutung durch hoch belastende

Erfahrungen zu schützen. Die Einsatzkräfte,

die als erste an einem

Unglücksort eintreffen, werden oft völlig

unvorbereitet mit Schwerverletzten,

Toten oder extremen Sinneseindrücken

konfrontiert und sind deshalb stärker

gefährdet im Vergleich zu den Kollegen,

die vorinformiert eintreffen. In dem Fall,

wo katastrophale Ereignisse lange andauern,

besteht die Gefahr, dass die Konfrontation

mit extremen Sinneseindrücken

und Emotionen die Bewältigungskraft

erschöpft. Rettungskräfte können bei

einer massiven Überforderung, lebensgefährlichen

Bedrohungen oder wenn sie

sogar einer Vielfalt grauenhafter Eindrücke

ausgesetzt sind, in veränderte

Bewusstseinszustände geraten. Was das

betrifft, funktionieren die Betroffenen

völlig automatisch „wie ein Roboter“

oder „wie im Traum“. Sie nehmen die

Anstrengungen oder Verletzungen nicht

angemessen oder überhaupt nicht wahr,

schätzen Risiken falsch ein und müssen,

manchmal geschieht dieses massiv, an

einer Weiterarbeit gehindert werden.

Letztendlich tragen Ärger und Schuldzuweisungen

dazu bei, dass technische und

vom Menschen verursachte Unglücksfälle,

im Vergleich zu Naturkatastrophen, sowohl

von Opfern und Hinterbliebenen als auch

von Helfern schlechter bewältigt werden.

Eine akute Belastungsstörung (ABS)

beinhaltet folgende Diagnosekriterien:

a Konfrontation mit einem/mehreren

traumatischen Ereignissen und intensive

emotionale Reaktion.

b Dissoziative Symptome: Fehlende emotionale

Reaktionsfähigkeit, Beeinträchtigung

der bewussten Umweltwahrnehmung,

Amnesie (Gedächtnisstörung,

vorübergehender Gedächtnisverlust).

c Ständiges Wiedererleben des traumatischen

Ereignisses.

d Deutliche Vermeidung von Reizen, die

an das Trauma erinnern.

e Deutliche Symptome von Angst und

erhöhter körperlicher Erregung.

f Die Störung verursacht in klinisch

bedeutsamer Weise ein Leiden oder eine

Beeinträchtigung in sozialen, beruflichen

oder anderen wichtigen Funktionsbereichen.

Sie beeinträchtigt die

Fähigkeit, notwendige Aufgaben zu

bewältigen.

g Die Störung dauert mindestens zwei

Tage und höchstens vier Wochen. Sie

tritt innerhalb von vier Wochen nach

dem traumatischen Erlebnis auf.

Grauenhafte Eindrücke und

veränderte Bewusstseinszustände

Unsicherheiten, unter anderem über die

Dauer der Bedrohung, nächtliche Einsätze,

Bedrohung durch nicht sichtbare

Gefahren (zum Beispiel Unfälle in Chemiefabriken),

können die Belastung

erhöhen. Misslungene Rettungs- und

Bergungsaktionen lösen oft Versagensund

Schuldgefühle aus. Hilflosigkeit und

Schuldgefühle verstärken die Belastungsintensität.

In Notfallsituationen müssen

oft schnell Entscheidungen getroffen und

verantwortet werden, die in der Regel Vorgesetzte

übernehmen. So tragen zum Beispiel

Rettungsassistenten und Rettungssanitäter

vor Eintreffen des Arztes eine

sehr hohe Verantwortung.

Eine gute Einsatzleitung, eine geschulte

problemorientierte Konzentration auf die

Arbeit und kognitive (auf Erkenntnis beruhend)

Distanzierungstechniken können

Einsatzkräfte in gewissem Ausmaß vor

einem Zusammenbruch der mentalen

Kontrolle schützen. Ein wesentlicher

Aspekt für eine gute Bewältigung ist die

Offenheit für die emotionale Bedeutung

des Erlebens und der Gefühlsausdruck.

Dieser wird unmittelbar nach den Belastungen

gefördert, vor allem durch das Verständnis

von Bezugspersonen und vertrauten

Kollegen.

Entsprechend gibt es auch verschiedene

Faktoren, die dazu beitragen können, dass

eine akute Belastungsstörung nicht

erkannt wird. Das bedeutet, gefährdete

Personen werden nicht angemessen

betreut. Befürchtungen können schließlich

dazu führen, für „verrückt“ gehalten oder

für eine nicht optimale Leistung kritisiert

zu werden, so dass starke Beeinträchtigungen

heruntergespielt bzw. verharmlost

oder verschwiegen werden.

Quellen- und Literaturverzeichnis:

www.palverlag.de/Phobien.html

www.angst-phobie-panik.de

www.soziale-phobie.net/

Frauke Teegen, Posttraumatische

Belastungsstörungen bei gefährdeten

Berufsgruppen, Verlag Hans Huber,

1. Auflage Bern 2003

Foto: dr/Pixelio.de

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Drogen

BIS NICHTS MEHR GEHT

Exzessiver Alkoholkonsum unter Jugendlichen

Was sich in der Nacht vom 24. auf den

25. Februar 2007 in der Charlottenburger

Cocktailbar „Eye T“ abspielt, ist ein ebenso

sinnloses wie ungleiches Duell: Gegen

vier Uhr morgens betritt der 16-jährige

Gymnasiast Lukas W. die für ihren Alkoholausschank

an Jugendliche bekannte Bar

am Spandauer Damm, um eine Privatparty

von Freunden zu besuchen. Bereits angetrunken

und von der guten Stimmung

euphorisiert, fordert er nur wenige Minuten

nach seinem Eintreffen Aytac G., den

Wirt und Besitzer des „Eye T”, zu einem

Tequila-Wetttrinken heraus. Beide kennen

sich schon länger und hatten sich in der

Vergangenheit immer wieder vor anderen

mit Ihrer Trinkfestigkeit

gebrüstet –

in dieser Nacht soll

nun der Gewinner

des fragwürdigen

Wettstreits ermittelt

werden. Die Regeln sind einfach: „Wer

zuerst kotzt, hat verloren“, verkündet

Lukas W. und gibt sich siegesgewiss. Was

der Schüler zu diesem Zeitpunkt nicht

weiß: Sein Kontrahent spielt falsch. Aytac

G. nimmt mit Unterstützung dreier anderer

junger Leute lediglich Wasser anstatt

des hochprozentigen Tequilas zu sich,

während Lukas W. unter dem Gejohle der

anwesenden Gäste ein Glas des klaren

Agavenschnaps nach dem anderen in sich

hinein schüttet. Etwa 40 bis 50 „Shots“

soll Lukas W. nach Schilderungen von Zeugen

innerhalb von nur 30 Minuten getrunken

haben – zu viel für den Jugendlichen.

Kurze Zeit später bricht er zusammen, fällt

ins Koma und wird mit einem Blutalkoholwert

von 4,4 Promille ins Weddinger

Virchow-Klinikum eingeliefert. Dort können

die Ärzte trotz aller Anstrengungen

nichts mehr für ihn tun: Sechs Wochen

nach seiner Einlieferung – Lukas ist nicht

mehr aus dem Koma erwacht – verstirbt

der 16-Jährige am 29. März 2007 an den

Folgen einer Alkoholvergiftung.

Der Fall des Lukas W. löste bundesweit

Entsetzen aus und richtete den Fokus von

Öffentlichkeit und Medien wieder verstärkt

auf ein Phänomen, dass auch als

„Jeder fünfte Jugendliche betrinkt sich

mindestens einmal im Monat mit mindestens

fünf oder mehr Gläsern Alkohol.“

„Binge-Drinking” oder „Koma-Trinken”

bekannt ist: Jugendliche konsumieren

dabei in kürzester Zeit teilweise bis zur

Bewusstlosigkeit sehr hohe Mengen von

Alkohol. „Der Trend zum exzessiven Trinken

bei Jugendlichen ist weiterhin ungebrochen.

Jeder fünfte Jugendliche betrinkt

sich mindestens einmal im Monat mit mindestens

fünf oder mehr Gläsern Alkohol“,

warnt Sabine Bätzing, Drogenbeauftragte

der Bundesregierung, in einer Presseerklärung

Ende 2008 zur Initiative „Stay

Gold” (siehe auch Infokasten).

Längst hat der Alkohol Cannabis, Ecstasy

und Kokain als beliebteste Jugenddroge

hinter sich gelassen: Gegenüber der

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

(BZgA) gaben 2008 im Rahmen

einer Repräsentativbefragung rund drei

Viertel der Zwölf- bis Siebzehnjährigen an,

innerhalb des letzten Jahres mindestens

einmal Bier, Wein, Spirituosen oder alkoholische

Mixgetränke konsumiert zu

haben. Der Anteil von Kindern und

Jugendlichen, die in dieser Altersgruppe

regelmäßig jede Woche Alkohol trinken,

beträgt 17,4 Prozent und mehr als 20 Prozent

der Befragten praktizierten nach eigener

Aussage innerhalb der letzten 30 Tage

einmal Binge-Drinking.

Vom Rauschtrinken besonders betroffen

sind männliche Jugendliche im Alter von

16 bis 17 Jahren: Knapp zwei Drittel von

ihnen neigen zu dem, was Experten einen

episodischen exzessiven Alkoholkonsum

nennen. Gemeint sind damit beispielsweise

Treffen von Jugendlichen an Wochenenden,

bei denen von allen Beteiligten

mindestens fünf Standardeinheiten Alkohol

verzehrt werden, was ungefähr fünf

Gläsern Bier und einer reinen Alkoholmenge

von 50 bis 60 g entspricht. Um diese

Zahlen im Bezug auf Jugendliche einordnen

zu können, hilft der Vergleich mit

Grenzwerten, die von der Deutschen

Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) festgelegt

wurden. Demnach beginnt für

erwachsene Frauen der riskante Konsum

19


Drogen

Polizei setzt Zeichen gegen Binge-Drinking

Initiative „Stay Gold“ ist 2009 bundesweit angelaufen

Dem ungebrochenen Trend zu Alkoholexzessen bei Jugendlichen setzt die Polizei seit Februar 2009 bundesweit eine

aufwändige Präventionskampagne entgegen: Unter dem Motto „Stay Gold“ werben prominente Botschafter wie die

Fußballstars Vedad Ibišević und Per Mertesacker sowie die Olympiasieger Lena Schöneborn und Hinrich Romeike über

Videobotschaften für einen maßvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit Alkohol. Zusätzlich wird mit einprägsamen

Motiven auf die Schattenseiten des Binge-Drinking hingewiesen. In Anzeigen, auf Plakaten und Kampagnen-Bierdeckeln

sowie in so genannten Aktionsspots warnen die Polizei und ihre Partner vor den gesundheitlichen Folgen und

raten den Jugendlichen, das eigene Verhalten kritisch zu hinterfragen. Denn nicht nur der Konsum an sich kann gesundheitliche

Folgen haben, Alkohol gilt unter Experten auch als der Gewaltkatalysator Nummer eins. Fast jeder dritte Tatverdächtige

unter 21 Jahren steht nach Angaben der Polizei Baden-Württemberg bei der Begehung eines Gewaltdeliktes

unter Alkoholeinfluss. Die einschreitenden Polizisten würden häufig mit erschreckender Gewaltbereitschaft konfrontiert

und dabei zunehmend selbst zum Opfer.

Bewusst wurde deshalb für die Kampagne das Motto „Don’t drink too much – Stay Gold“ gewählt, um Akzeptanz und

Aufmerksamkeit bei der Zielgruppe der 17- bis 19-Jährigen zu erreichen. Die Botschaft lautet sinngemäß: „Trink nicht zu

viel – Bleib Dir selbst treu.“

„Stay Gold“ im Internet: http://www.staygold.eu/

STAY GOLD ist eine Initiative der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und

des Bundes unter der Schirmherrschaft von Sabine Bätzing, der Drogenbeauftragten

der Bundesregierung.

www.staygold.eu

DON‘T DRINK

TOO MUCH

STAY GOLD

Eine Initiative der Polizei gegen Komasaufen.

In Kooperation mit:

Cardiac Communication Ltd.

20


Drogen

Foto: arkna - Fotolia.com

bereits bei einer täglichen Menge von 12

g reinem Alkohol, für Männer sollten es

nicht mehr als 24 g am Tag sein. Weil sich

der Körper bis zu einem Alter von 20 Jahren

noch in seiner Entwicklung befindet,

empfiehlt die BZgA daher Jugendlichen

höchstens 12 g reinen Alkohol, also nicht

mehr als ein Glas Bier – pro Woche.

Die Realität sieht oft anders aus: Im Jahr

2007 wurden über 23.000 Kinder, Jugendliche

und Heranwachsende im Alter zwischen

10 und 20 Jahren in volltrunkenem

Zustand in bundesdeutschen Kliniken

aufgenommen. Außerdem übertraf die

Anzahl der mit Alkoholvergiftungen in

Krankenhäuser eingelieferten Mädchen

(1.942) erstmals die Anzahl der Jungen

(1.837). Das „Komasaufen” von Kindern

und Jugendlichen wird auch für die Krankenkassen

immer mehr zum Problem. Die

Entwicklung sei beängstigend, sagt beispielsweise

Inga Lund, Sprecherin der

Techniker Krankenkasse (TK) der Frankfurter

Rundschau im Juli 2008. Die TK verfügt

über detaillierte Zahlen über Krankenhaus-Einweisungen

von Jugendlichen

wegen akuten Alkoholrauschs. Danach

haben sich in den vergangenen fünf Jahren

die Fälle exzessiven Trinkens praktisch

verdoppelt. Bundesweit wurden im Jahr

2007 insgesamt 1.822 TK-Versicherte unter

20 Jahren volltrunken in deutsche Kliniken

eingeliefert. Sie blieben dort im Durchschnitt

1,2 Tage und verursachten Kosten

von jeweils knapp 540 Euro. Insgesamt

summieren sich die akuten Entgiftungsbehandlungen

auf mehr als 980.000 Euro.

„Unsere Daten betreffen nur Fälle mit der

100-prozentigen Diagnose „akuter Alkoholrausch”.

Anschließende Folgebehandlungen

tauchen hier gar nicht auf. Wahrscheinlich

sieht das tatsächliche Bild noch

schlimmer aus“, sagte TK-Sprecherin Inga

Lund.

Wie die unterschiedlichen Konsequenzen

aus dem ungehemmten Alkoholrausch

aussehen können, weiß kaum jemand besser

als Prof. Dr. Rainer Thomasius. Der

ärztliche Leiter des Deutschen Zentrums

für Suchtfragen des Kindes und Jugendalters

(DZSKJ) führt im Universitätsklinikum

Hamburg-Eppendorf zusätzlich den

Bereich „Suchtstörung” und hat regelmäßig

mit von Binge-Drinking betroffenen

Jugendlichen zu tun. „Die direkten Auswirkungen

sind sehr vielfältig: Hier geht

es um Intoxikationen, um die Gefahr des

Erstickens an Erbrochenem, um Verkehrsunfälle,

Delinquenz, Unterkühlungen

sowie insbesondere bei Mädchen um

Alkohol und Tabak sind oft die ersten bewusstseinserweiternden Substanzen, mit denen

Kinder und Jugendliche in Berührung kommen. Der frühe Konsum macht weitere

Drogenerfahrungen wahrscheinlicher.

ungewollte Sexualität und ungewollte

Schwangerschaften.“ Besonders brisant

wird das Thema nach Meinung von Thomasius,

weil im internationalen Vergleich

in kaum einem anderen Land Jugendliche

derart über die Stränge schlagen wie in

Deutschland. „Beim Binge-Drinking unter

Jugendlichen liegt Deutschland europaweit

hinter Irland an zweiter Stelle.“

Die Ursache für den sorglosen Umgang

mit Alkohol liegt neben den persönlichen

Motiven der Jugendlichen auch in der traditionellen

Akzeptanz von alkoholischen

Produkten in der Gesellschaft sowie in der

relativ leichten Verfügbarkeit. Um herauszufinden,

wie leicht Jugendliche an Bier,

Wein und Spirituosen kommen, startete

die Stadt Hannover in Zusammenarbeit

mit der zuständigen Polizeidirektion im

Jahr 2008 eine Testserie. Dabei wurden

Kinder und Jugendliche als Testkäufer eingesetzt

und versuchten unter Beobachtung

von zivilen Polizeibeamten in 158

verschiedenen Geschäften Alkohol zu

kaufen. Das Ergebnis: 110 Mal gelang den

16- und 17-jährigen Testpersonen der

Kauf, somit wurde in knapp 70 Prozent

der Fälle gegen das Jugendschutzgesetz

verstoßen. „Das befürchtete, in seinem

Ausmaß aber dann doch erschreckende

Ergebnis der Testkäufe zeigt: Dem Problem

des Alkoholkonsums bei jungen Leuten

muss auch an der Quelle begegnet werden“,

gab der Hannoveraner Polizeipräsident

Uwe Binias bei der Präsentation der

Zahlen zu Protokoll. Es könne nicht sein,

dass Jugendlichen Alkohol verkauft werde,

weil sich das Personal nicht traue, nach

dem Ausweis zu fragen oder weil der

Umsatz wichtiger genommen werde.

„Diese Verkäufe sind kein Kavaliersdelikt,

sondern gesetzwidrig“, so Binias.

Das Verlangen der jungen Leute nach alkoholischen

Getränken wird von der Alkoholindustrie

angeregt. „Nicht zu unterschätzen

ist hier der Einfluss der Alkoholwerbung,

die teilweise ganz offensiv

jugendliche Lebenswelten und Images

anspricht“, kritisiert Sabine Bätzing. 2006

betrugen die Werbeaufwände der Alkoholindustrie

über 500 Millionen Euro, ein

wesentlicher Anteil davon wird in Werbung

für süß und fruchtig schmeckende

Alkoholika investiert, die erfahrungsgemäß

gerade bei jungen Leuten gut ankommen.

Die negativen Folgen des übermäßigen

Alkoholkonsums kämen darin nicht

vor, so Bätzing. Zwar steckt die Erfor-

21


Drogen

Die unkontrollierte Kombination verschiedener Spirituosen mit Bier führt bei Jugendlichen Vieltrinkern teilweise

zu starken Ausfallerscheinungen.

schung der langfristigen Folgen des Binge-Drinking

im Jugendalter im Vergleich

zu den USA in Europa noch in den Kinderschuhen,

schwere Schäden seien aber

nicht unwahrscheinlich, warnen Experten

wie Rainer Thomasius. „Durch regelmäßiges

Binge-Drinking kann Nervenzellengewebe

im Hirn zugrunde gehen“, bestätigt

der Wissenschaftler. Im schlimmsten

Fall drohen Beeinträchtigungen in der

Wahrnehmung, die sich in Bereichen wie

Lernen, Informationsaufnahme, Aufmerksamkeit

und Orientierung bemerkbar

machen können.

Ein weiterer Grund, warum das Thema

Alkohol in Zusammenhang mit der Suchtund

Drogenprävention eine so wichtige

Rolle spielt, ist, dass der Genuss vielen

Jugendlichen zum ersten Mal ein Rauscherlebnis

beschert. In einem aktuellen

Aufsatz für die Fachzeitschrift „pädiatrie

hautnah” erklärt Martin Stolle vom DZSKJ

dazu: „Alkohol spielt wie auch Tabak als

legale und leicht zugängliche psychotrope

(bewusstseinsändernde, Anm. d. Red.)

Substanz eine bedeutsame Rolle für den

Einstieg in den Konsum illegaler Drogen.

Belegt ist, dass Erfahrungen […] mit

Alkoholräuschen den Konsum von Cannabis

oder anderer Drogen wahrscheinlicher

machen.“ Hierbei sei vor allem der

frühe Einstieg in den Alkoholkonsum als

Risikofaktor für die Entwicklung späterer

Drogenstörungen anzusehen.

Bei Lukas W. spielten andere Drogen

noch keine Rolle, ihm wurde schon der

Alkoholrausch im

„Eye T” zum Verhängnis.

„Ich habe es

bis heute nicht verkraftet“,

sagte seine

Mutter zum Auftakt

des Prozesses gegen

Aytac G. vor dem

Berliner Landgericht.

Hatte der Wirt zu

Beginn der Ermittlungen

noch von

einem „tragischen

Unglück“ gesprochen,

gab er sich im

Laufe der Verhandlung

reumütig. „Es

war falsch ohne

Wenn und Aber“, ließ

er in einer Erklärung

verlesen. Er habe

nicht mit dem Tod

des Jungen gerechnet

und ihn auch nicht

gewollt. Die Staatsanwaltschaft

wirft dem

Gastwirt Körperverletzung

mit Todesfolge

vor. Drei von vier

17- bis 21-jährigen

Jugendlichen, die

den Wirt bei seinem Betrug unterstützten,

wurden bereits verurteilt. Zwei müssen

wegen Beihilfe zur schweren Körperverletzung

an einem zehnmonatigen

sozialen Trainingskurs teilnehmen; der

„Schiedsrichter” des Saufduells muss die

Anwaltskosten der Mutter bezahlen.

Aytac G. wurde zu drei Jahren und fünf

Monaten Haft verurteilt.

Nur ein Leben

Kokain hält nicht, was es verspricht

„Wahrscheinlich ist Kokain die geilste Droge, die es gibt, und genau deswegen

kann ich nur sagen: Lasst die Finger davon. Ich weiß worüber ich

rede, war selbst mal vier Monate krass auf dem Zeug unterwegs, jeden Tag

bis zu drei Gramm. Seine wirklichen Freunde kennt man nicht mehr, und

man würde fast alles machen, um nicht auf dem Trockenen zu sitzen. Wenn

du riskieren willst, ob du mit der Droge fertig wirst, probier ´s. Allerdings

sollte dir dann klar sein, dass du nur ein Leben hast und verdammt schnell

zu den Verlieren gehören kannst.“

(Quelle: Krass – Das Magazin gegen Drogen, VDP 2006)

22


Karin Lange

Gesundheit

ÜBERGEWICHT

UND FETTLEIBIGKEIT

bei Kindern und Erwachsenen

Generation Fastfood

und die veränderten

Gesellschaftsstrukturen

Was führt eigentlich in unserer Gesellschaft

zu immer mehr übergewichtigen

Menschen und vor allem zur Fettleibigkeit

(Adipositas) bereits schon bei Kindern?

Typische Merkmale werden schnell

deutlich. Unsere Gesellschaft ist um einiges

schneller geworden. Arbeitsplätze

befinden sich nicht mehr unmittelbar vor

der Haustür; viele Kinder, die in den Großstädten

leben, haben nicht ausreichend

Platz zum Spielen. Außerdem befinden

sich an fast jeder Ecke Imbissbuden oder

Fastfood-Ketten, so dass kaum einer heute

noch weiß, wo diese Nahrungsmittel

überhaupt herkommen. Alles ist ohnehin

im Überfluss vorhanden: Im Supermarkt

quellen die Regale über, ein Produkt

scheint besser und obendrein auch gesünder

als das andere zu sein. Auf größere,

bessere und billigere Produkte setzt die

Werbung.

Bei alledem tritt völlig in den Hintergrund,

was der Mensch wirklich braucht, wie es

zubereitet wird, welche Mengen gesund

und notwendig sind. Nicht unberücksichtigt

bleiben sollte in diesem Zusammenhang

der Wandel in der Arbeitswelt,

gefolgt von der Frage nach der Vereinbarung

von Familie und Beruf. Die daraus

resultierende Doppelbelastung der berufstätigen

Frauen ist ebenfalls zu betrachten.

Nach einer Gesundheitsstudie des Berliner

Senats leiden acht Prozent aller Schulabgänger,

die aus Familien mit höherem,

gesellschaftlichen sozialen Status kommen,

an Übergewicht. Bezogen auf die

finanziell weniger gut gestellten Familien

sind es 16 Prozent der Kinder. Essen diese

Kinder das Falsche oder einfach nur zu

viel? Fehlt es an regelmäßigen warmen

Mahlzeiten? Was sie essen, tut ihnen jedenfalls

nicht gut. Tatsache ist: Fastfood schadet

nicht nur der gesunden Ernährung, es

schadet auch dem Geldbeutel. Die Kinder

ernähren sich nicht nur ungesünder,

sondern auch teurer.

Im Vergleich zu ihren in ländlichen Regionen

wohnenden Altersgenossen, haben

Stadtkinder oft weniger Spielräume, wo

sie sich im Freien angemessen bewegen

können. Was das betrifft, wäre es schon

die erste Verbesserung, Schulhöfe auch

nachmittags für Kinder zu öffnen.

Bis zum Jahr 2002 stieg der Prozentsatz

von fettleibigen Kindern kontinuierlich

auf 4,7 Prozent an. Krankheiten, die durch

Adipositas hervorgerufen werden, sind

deshalb besonders tückisch, weil sie selten

von alleine wieder verschwinden und

entsprechend chronische Schäden verursachen.

Leidet ein 50-Jähriger unter Bluthochdruck,

ist dieses sicherlich bedenklich.

Dass jedoch zehnjährige Kinder medikamentös

behandelt werden, weil sie

23


Karin Lange

Gesundheit

unter Krankheiten leiden, die früher nur

die Erwachsenen betrafen, ist sehr alarmierend.

Adipositas ist ein Zustand, der durch eine

übermäßige Ansammlung von Fettgewebe

im Körper gekennzeichnet ist. Heute

wird die Adipositas als eine chronische

Gesundheitsstörung verstanden. Etwa

jeder zweite erwachsene Bundesbürger ist

deutlich übergewichtig und sollte aus

medizinischen Gründen sein Gewicht

reduzieren.

Was lässt Kinder und

Erwachsene dicker werden?

Durchaus sind Kinder für die Werbung ein

lohnendes Publikum. Die meisten unter

ihnen erhalten regelmäßig ein eigenes

Taschengeld, andere wiederum verfügen

über ein kleines Sparbuch. Natürlich ist

diese Kundschaft nicht so kritisch wie die

Erwachsenen und hat keine Hemmungen,

sich Konsumwünsche zielstrebig zu erfüllen.

Manchmal sind Werbespots für Kinder

eine tolle Unterhaltung; vor allem,

wenn das Produkt mit allerlei Spaß und

Gags, sogar mit aktueller Musik effektiv

aufgepeppt wird. Eine Studie der Bundeszentrale

für politische Bildung ermittelte,

dass sich im Alter bis zu neun Jahren die

positive Einstellung zur Werbung am

deutlichsten darstelle. Wie bekannt die

Werbung ist, hängt natürlich vom jeweiligen

Medium ab. Die Fernsehwerbung

erreicht bei Kindern einen Bekanntheitsgrad

von 95 Prozent. Zeitungen und Zeitschriften

liegen bei unter 10 Prozent. Dagegen

erreichen die Werbespots im Radio

das junge Publikum mit 28 Prozent.

Gewiss schafft das Fernsehen einen

Anreiz, ein bestimmtes Produkt zu kaufen.

Die eigentliche Entscheidung, bezogen

auf die Nahrungsmittelprodukte,

wird zum Beispiel von extrem bunten

Milchreisbechern mindestens genauso

mitbestimmt.

Ein Blick ins Wohnzimmer von Ehepaar

Müller, die sich gerade die Haare raufen,

weil ihr aufmüpfiger Sohn Dennis seine

Gemüsemahlzeit mal wieder nicht essen

will, sondern mit entschlossener Stimme

nach seiner Milchschnitte verlangt. Von

der befindet sich sogar ein Zehnerpack im

Kühlschrank. Mit einem schlagfertigen

Argument kommentiert er seine Handlung:

„Erst gestern haben sie im Fernsehen

berichtet, das die „Extra Portion

Milch“ etwas tolles Gesundes sei“. Die

Eltern schauen sich für ein paar Sekunden

verdutzt an; sie denken, dass es stimmt.

Dennis bekommt seine Milchschnitte. Hätte

sein Vater nicht resigniert und ihm stattdessen

erzählt, was er kürzlich gelesen hat,

wäre es möglich gewesen, seinen Sohn zur

Einsicht zu bringen. Somit müsste Dennis

17 Milchschnitten essen, um seinen täglichen

Kalziumbedarf – gut für Knochen

und Zähne – zu decken. Höchst unwahrscheinlich,

dass Dennis 17 Milchschnitten

auf einmal essen wird. Nicht nur, dass ihm

übel davon wird, damit nähme er auch

etwa 40 Würfelzucker und ein halbes

Paket Butter zu sich. Wie viele Stücke Würfelzucker

enthält eigentlich ein Glas Nuss-

Nougat-Creme? Es sind genau 77 Stücke.

Jeder kennt die gerösteten Maisflocken,

mit denen Dr. John Harvey Kellog 1906

einen Siegeszug um die Welt begann. Von

Anfang an begleitet durch Werbekampagnen,

zum Beispiel in Form von Anzeigen

und Radiospots. Außerdem kennt jeder

das Schweizer Müsli des Arztes und

Homöopathen Maximilian Bircher-Benner,

das zur gleichen Zeit als Mischung

aus eingeweichtem Getreide, Äpfeln,

Milch und Nüssen zum Inbegriff gesunden

Frühstückens wurde. Während man

sich damals auf den natürlichen

Geschmack ebenso wie auf den natürlichen

Gehalt an Mineralien und Vitaminen

verließ, sind heute dagegen Cerealien

enorm angereichert mit Vitaminzusätzen

und mit Zucker. Kinder wissen sehr wohl,

dass viele Leckereien, auch die vermeintlich

gesunden Frühstückszutaten, in der

Regel eins gemeinsam haben: Sie sind

lecker, weil sie süß sind.

Milliarden Beträge werden in

die Werbung des Lebensmittelhandels

investiert

Im Jahr 2002 hat die Nahrungsmittelindustrie

in Deutschland nach Angaben des

Zentralverbandes der Werbewirtschaft

insgesamt 2,5 Milliarden Euro in die Werbung

investiert. Hinzu kommt die spezielle

Werbung des Lebensmittelhandels, die

mit nochmals zwei Milliarden Euro Werbeinvestitionen

bedacht wird. Das sind

bereits 4,5 Milliarden Euro. Welchen Einfluss

schließlich Werbung auf das Essverhalten

von Kindern ausübt, hängt sicherlich

auch davon ab, wie oft und wie lange

ein Kind vor dem Fernseher sitzt, wie

stark Mütter und Väter sich während des

Einkaufens von der Werbung leiten lassen

oder wie gesundheitsbewusst sich die

Eltern ernähren.

Wie können Eltern letztendlich

herausfinden, wann ihr Kind

mehr isst, als ihm gut tut?

In der Regel sind Fettdepots bereits mit

dem bloßen Auge zu sehen. Es werden

zum Beispiel beim Arzt die Hautfalten

unter den Schultern gemessen, um die

Fettgewebsdichte zu bestimmen und herauszufinden,

ob die überzähligen Pfunde

sich bald von selbst verflüchtigen oder sich

weiter steigern werden. Grundsätzlich

gibt das äußere Erscheinungsbild Aufschluss

darüber, ob ein Kind unter ernäh-

24


Karin Lange

Gesundheit

rungsbedingtem Übergewicht leidet. Vorab

sollte jedoch geklärt werden, was Übergewicht

überhaupt ist. Im Prinzip gerät

beim Übergewicht eine Bilanz aus dem

Gleichgewicht, die auf den Gleichklang

von Energiezufuhr und Energieverbrauch

angewiesen ist. Dieses ist wie folgt vorstellbar:

Wer über längere Zeit enorme

Mengen Nahrung in sich aufnimmt,

jedoch gleichzeitig kaum einen Schritt zu

Fuß unternimmt, wird die überschüssige

Energie als Fett speichern. Mit der Zeit

wächst der Energiespeicher immer weiter.

Das große Überangebot an Nahrung und

der Mangel an Bewegung lassen das

Gleichgewicht kippen. Für Kinder und

Erwachsene gilt, dass sie auf eine ausgeglichene

Energiebilanz achten müssen,

wenn sie nicht zu dick werden wollen.

Anders deutlich gemacht: Wenn Kinder

und Erwachsene sich dazu entscheiden,

die Abende nicht vor dem Fernseher oder

dem Computer zu verbringen, sondern

Rad zu fahren, Fußball zu spielen oder zu

joggen, sorgen sie dafür, die ein oder andere

Pizza ohne Fettrückstände verkraften

zu können. Klar müssen sie dafür ordentlich

laufen. Nur die Mengen an Essen und

Getränken zu sich nehmen, die der Körper

verbraucht, das ist ein Traum. Ohne

Nahrung und Wasser kann ein Mensch

nicht leben. Selbst wenn er nichts tut, zum

Beispiel im Schlaf, wird Energie benötigt,

um die Körperfunktionen aufrecht zu

erhalten.

Der Body-Mass-Index (BMI)

als Anhaltspunkt

Einen wichtigen Anhaltspunkt stellt der

Body-Mass-Index (abgekürzt BMI) dar, zu

Deutsch Köpermassenindex. Der Body-

Mass-Index wird berechnet aus dem Körpergewicht

in Kilogramm, dividiert durch

das Quadrat der Körpergröße in Metern.

Befindet sich der BMI eines Erwachsenen

zwischen 20 und 25, so ist alles in der

Norm. Bei einem BMI von unter 20 handelt

es sich um Untergewicht, befindet sich

dieser zwischen 25 und 30 ist von Übergewicht

die Rede, gemäß der Weltgesundheitsorganisation

(WHO). Liegt die Zahl

eindeutig über 30, wird von Fettleibigkeit

gesprochen. Diese Werte sind als Richtwerte

zu sehen, die nicht jede individuelle

Eigenart berücksichtigen können. Der

BMI sagt beispielsweise nichts über die

Zusammensetzung der Körpermasse aus

Fett- und Muskelgewebe aus. Ein dickhäutiger

„Büromensch“ kann den gleichen

BMI haben wie ein „Bodybuilder“.

Die Grenzziehung zwischen Normal-,

Übergewicht und Adipositas ist stets ein

klein wenig willkürlich. Eine Studie belegt,

dass manche Kinder doppelt so viele Kalorien

zu sich nehmen wie andere, ohne das

sie deshalb dicker werden. Kinderärzte

empfehlen unter anderem, zu beobachten,

ob ein Kind trotz seiner guten Ernährung

aktiv ist. Die Chancen, dass somit die Nahrungszufuhr

ausgewogen ist, stehen gut.

Abgewöhnen sollte man sich, Übergewicht

bei Kindern, den besagten Babyspeck,

zu verharmlosen und niedlich zu finden.

Von selbst wird sich in dieser Hinsicht

nichts auswachsen. Oft werden aus

dicken Kindern auch dicke Erwachsene.

Jedes fünfte Grundschulkind hat

Gewichtsprobleme.

Das Thema „Gewichtsprobleme bei Kindern“

gewinnt in Zeiten von Computern,

DVD und Gameboys zunehmend an

Bedeutung. Eine Vielzahl fällt bereits bei

der Einschulung durch Übergewicht auf.

Dadurch treten weitere Erkrankungen

besonders bei Kindern und Jugendlichen

auf, wie zum Beispiel Diabetes mellitus

Typ 2 und Störungen im Essverhalten.

Eine Studie der Universität Ulm hat fast

1.100 Schüler im Alter von sechs bis neun

Jahren untersucht. Das Ergebnis: 17 Prozent

der Schüler waren übergewichtig,

davon vier Prozent adipös. In Verbindung

mit den adipösen Fällen muss noch unterschieden

werden, dass es bei Nicht-

Migranten eher die Mädchen sind, die zu

viele Kilos auf die Waage bringen, während

bei den Migranten ein deutliches

Gewichtsplus bei den Jungen zu verzeichnen

ist. Knapp zehn Prozent sind hier

adipös, bei den Mädchen dagegen vier

Prozent.

Gesundheitliche Probleme

im Kindes- und Erwachsenenalter

Eine Studie an der Universitätsklinik Ulm

hat gezeigt, dass die Adipositas bei Kindern

und Jugendlichen nicht erst im

Erwachsenenalter die Gesundheit beeinträchtigt,

sondern bereits in jungen Jahren

erhebliche Konsequenzen beinhalten

kann. Es wurden 281 Mädchen und 231

Jungen zwischen neun und 19 Jahren

untersucht. Das Ergebnis fiel wie folgt aus:

Bei 42 Prozent der Jungen und 34 Prozent

der Mädchen wurde ein erhöhter Cholesterinspiegel

festgestellt. Besonders auffallend

war, dass jedes dritte Kind eine Fettleber

aufwies, die Rate von Gallensteinerkrankungen

betrug zwei Prozent und lag

damit zehnmal höher als bei normalgewichtigen

Kindern. Die Befunde gleichen

denen, die bei Erwachsenen erhoben werden.

Im Vergleich zu normalgewichtigen

Kindern haben übergewichtige Kinder,

vor allem dicke Mädchen, häufiger Asthma.

Dieses ist das Ergebnis der Schuleingangsuntersuchungen

in Bayern. Durch

ein extremes Übergewicht wird die Lungenfunktion

beeinträchtigt, außerdem die

Sauerstoffversorgung des Blutes vermindert.

Das wiederum kann zu Schlafstörungen

führen und sich somit negativ auf die

Lern- und Gedächtnisfunktion auswirken.

Der Blick auf die Langzeitfolgen ist vor

allem wichtig. Aus 60 Prozent der adipösen

Kinder werden dicke Erwachsene.

Trifft es zu, dass ein Elternteil oder beide

Eltern adipös sind, steigt das Risiko, dass

ein fettleibiges Kind auch als Erwachsener

fettleibig bleiben wird. Die häufigsten

auftretenden Krankheiten, die im

Laufe der Zeit bei einer Fettleibigkeit vorkommen,

sind Gallensteine, Fettleber,

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen

und Krankheiten des Stützund

Bewegungsapparates. Hauptsächlich

bestehen Gallensteine aus Cholesterin.

Durch zu viel Cholesterin wird ihre Entstehung

im Blut begünstigt, ebenfalls

durch Adipositas. Die Steine können zu

einem Verschluss des Ausgangs der Gallenblase

führen und somit nicht nur starke

Schmerzen verursachen, sondern auch

die Leber schädigen. Die Aufnahme von

zu viel Fett, besonders im Zusammenhang

mit Alkoholgenuss, zu hohen Blutfetten

und Diabetes mellitus führt letztendlich

zu einer Verfettung der Leberzellen (Fettleber)

und langfristig betrachtet zu einem

Funktionsverlust der Leber.

Eine Folgeerscheinung von Fettleibigkeit

ist, wie bereits erwähnt, ein hoher Blutdruck.

Im Zusammenhang mit anderen

Faktoren führt die krankhafte Veränderung

der Blutfettwerte zu Ablagerungen

an den Blutgefäßen und damit zu einer

Verengung der Blutgefäße. In dem Fall

25


Karin Lange

Gesundheit

liegt eine Arteriosklerose vor. Stelle man

sich eine Wasserleitung vor, die im Innern

verkalkt ist, wobei jedoch dieselbe Menge

Wasser in der gleichen Zeit ein freies

wie ein verkalktes Rohr passiert, steigt in

dem verengten Rohr der Druck. Das

bedeutet, dass Herz muss viel heftiger

pumpen, um diesen Widerstand zu überwinden;

wird jedoch damit auf Dauer

übermäßig belastet und zwar so, bis der

Muskel eines Tages nicht mehr kann

(Herzinsuffizienz). Die Ablagerungen in

den Arterien können mit der Zeit lebenswichtige

Gefäße, wie die Arterien, verschließen,

die den Herzmuskel oder das

Gehirn versorgen. Herzinfarkt oder

Schlaganfall drohen. Während des Verlaufs

eines Herzinfarktes sterben Herzmuskelzellen

ab, weil sie nicht mehr ausreichend

durchblutet und mit Sauerstoff

versorgt werden. Ein Herzinfarkt kann

zum sofortigen Tod führen. Der Schlaganfall

oder Hirninfarkt wird durch die mangelnde

Durchblutung und Sauerstoffversorgung

des Gehirns ausgelöst.

Fettstoffwechselstörungen: Alle umfassenderen

Studien bestätigen eine Verbindung

zwischen hohem Körpergewicht

und Anstieg der Blutfettwerte (Lipoproteine).

In einigen Fällen kann der hohe

Cholesterinspiegel im Blut erblich bedingt

sein. In den meisten Fällen gibt es hierfür

den Grund, dass zu viel Fett oder Cholesterin

vorhanden ist.

Zuckerkrankheit: In Verbindung mit Diabetes

mellitus unterscheidet man Typ 1 und

Typ 2. Typ 1 entsteht, weil die Bauchspeicheldrüse

kein Insulin mehr produziert. Die

Ursache ist in den meisten Fällen nicht

genau bekannt. Bei dem häufigeren Typ 2

wirkt das produzierte Insulin nicht mehr

richtig (Insulinresistenz). Er wird auch

Altersdiabetes genannt. Die Entstehung

dieser Diabetes mellitus Erkrankung (Typ

2) steht in direktem Zusammenhang mit

Übergewicht und falscher Ernährung.

Nach einigen Jahren hat Diabetes unbehandelt

schwerwiegende Folgen wie zum Beispiel:

Nervenprobleme, „offene Beine“,

Blindheit, Nierenversagen usw. Bedenklich

ist vor allem, dass vom „Altersdiabetes“

mittlerweile häufig Kinder betroffen sind,

sofern ihr Gewicht ein bestimmtes individuelles

Maß überschreitet.

Thrombose: Innerhalb des Blutgefäßes

stockt bei einer Thrombose das Blut und

bildet eine Gefäßverengung oder einen

Verschluss (häufig tritt dieses an den Beinvenen

auf). Es besteht auch die Möglichkeit,

dass sich ein Thrombus lösen kann

und andere lebenswichtige Organe blockiert.

Die Ursachen hierfür sind vielfältig.

Meistens geht dem eine Schädigung

der Gefäßinnenwand voraus. Außerdem

kann ebenfalls ein langsamer Blutstrom

die Entstehung einer Thrombose begünstigen.

Dieses wird bei Krampfadern deutlich,

die oft durch langes Sitzen oder mangelnde

Bewegung entstehen können.

Arthrose: Man spricht dann von einer

Arthrose, wenn die Gleitfähigkeit eines

Gelenkes durch eine Knorpelzerstörung

beeinträchtigt ist. Durch „Verschleiß“

kann es im Alter dazu kommen. Handelt

es sich um sehr schwergewichtige Menschen,

kommt es zu einer frühzeitigen

Abnutzung allein durch das Gewicht. Dieser

Prozess wird zusätzlich durch mangelnde

Bewegung unterstützt.

Depressionen: Verhaltensauffälligkeiten

und Depressionen lassen sich bei Übergewichtigen

vermehrt nachweisen. Es

besteht zwar nicht immer ein direkter

Zusammenhang mit dem Übergewicht,

jedoch ist es in vielen Fällen zutreffend,

dass Übergewichtige an ihrem Übergewicht

und damit an der sozialen Ausgrenzung

leiden.

Psychische Störungen

als Ursache

und Folge des

Übergewichts

Einsamkeit, zu wenig

Zuwendung, Langeweile,

Enttäuschungen, Schulstress,

Ängste, Scheidung der Eltern,

Überforderungen – es gibt endlose Beispiele

für Kriterien, die im Zusammenhang

mit stark übergewichtigen Kindern

zu sehen sind. Bevor ein Kind adipös wird,

zeigt es über einen langen Zeitraum deutliche

Anzeichen von Übergewicht, ohne

dass dieses als störend oder behindernd

empfunden wird. Oft führen erlittene

Frustrationen bei Kindern, die dazu neigen,

zu viel Gewicht anzusetzen, zu den

selben Konsequenzen: Sie essen noch

mehr. Kleine Kinder, die zu oft allein sind

und die meiste Zeit vor dem Fernseher

oder dem Computer sitzen, erleben ihren

Alltag als langweilig. Für die sensorische

(bezogen auf die Sinnesorgane) und motorische

Entwicklung (bezogen auf die Körperbewegung)

fehlen wichtige Anregungen.

Stattdessen heißt die negative Begleiterscheinung

Kummerspeck. Die Kinder

futtern maßlos in sich hinein. Mit Hilfe

diverser Diätpläne, Ermahnungen usw.

lassen sich stark übergewichtige Kinder,

die unter ihrem Zustand leiden, nicht in

eine schlanke Zukunft führen. Wenn Essen

und Trinken bereits Suchtcharakter annehmen,

dann dürfte die vernünftigste und

behutsamste Ernährungsumstellung nur

Erfolg haben, wenn diese therapeutisch

begleitet wird. Meistens ist auch eine

Gruppentherapie hilfreich. Nach dem

Motto: Nicht mehr allein sein, sich mit

ebenfalls betroffenen Kindern austauschen

können und Anerkennung erleben.

Wesentliches hierzu können Eltern im

Gespräch mit dem Kinderarzt herausfinden.

Bei alledem bleibt es niemanden

erspart, für sich selbst und für die Kinder

zu lernen, was gesunde Ernährung im Verhältnis

zu einer gesunden Lebensweise

beinhaltet. Außerdem kann das richtig

Spaß machen. Wenn im Leben der Erwachsenen

die Wertschätzung des Essens sinkt,

nimmt sie durchaus mit großer Wahrscheinlichkeit

bei den Kindern ab. Entsprechend

sinkt die Fähigkeit, den Signalen

des Körpers (Hunger, Appetit,

Sättigung) zu folgen.

Literatur- und Quellenangabe:

Silke Lautenschläger, Dicke Kinder ,

Fischer Taschenbuch Verlag GmbH,

Frankfurt am Main, September 2004.

Rheinische Post, Samstag 17. Juli 2010 D

14 Im Blickpunkt

www.adipositas-gesellschaft.de

www.aktuelle_nachrichten.htm

www.gesundheit-heute.de

www.gesund-heilfasten.de

www.sozial-oekologische-forschung.de

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Karin Lange

Gesundheit

AKTUELLE FAKTEN ZUM

THEMA ADIPOSITAS

Verdreifachung der Adipositas

in EU-Ländern

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO)

hat sich in vielen EU-Ländern seit 1980

die Adipositas verdreifacht. Besonders

erschreckend und Besorgnis erregend ist

die Adipositas im Kindesalter. Derzeit wird

geschätzt, dass etwa drei Millionen europäische

Schulkinder fettleibig sind und dieses

Jahr etwa 85.000 Kinder dazu kommen

– eine Wachstumsrate, die äußerst

alarmierend ist. Eine sogenannte Kinderfettleibigkeit

bedeutet, dass viele dieser

Kinder Erwachsenenkrankheiten entwickeln,

wie zum Beispiel Diabetes Typ 2.

Insgesamt wird geschätzt, dass gut die

Hälfte der erwachsenen EU-Bevölkerung

sowie ein Viertel der Schulkinder übergewichtig

sind. Oft besteht die Gefahr, dass

übergewichtige Schulkinder ebenfalls im

Erwachsenenalter zu viele Kilos auf die

Waage bringen, so gesehen mit höherer

Wahrscheinlichkeit zur Fettleibigkeit neigen.

Die wichtigste Ursache für diese Entwicklung

ist der Lebensstil. Untersuchungen

zeigen, dass einer von drei Europäern

in seiner Freizeit überhaupt keinen Sport

treibt. Der Durchschnittseuropäer verbringt

jeden Tag über fünf Stunden täglich

sitzend. Außerdem reicht bei zwei von

drei Erwachsenen die sportliche Betätigung

nicht aus, um gezielt etwas für ihre

Gesundheit zu tun.

Was die männliche Fettverteilung betrifft,

ist hier das Fett überwiegend im Bauchraum

bzw. am Körperstamm gespeichert.

Der Bauch ist dick, während Gesäß und

Oberschenkel relativ dünn sind. Man

spricht auch von dem sogenannten

„Apfeltyp“. Diese Form geht mit einem

höheren Risiko für Folgekrankheiten einher.

Bei der weiblichen Fettverteilung

befindet sich das Fett vor allem in der

Unterhaut an Hüften, Po und Oberschenkeln.

In diesem Fall ist vom sogenannten

„Birnentyp“ die Rede. In Verbindung mit

dieser Fettverteilung ist viel seltener mit

Folgeschäden zu rechnen. Auf die Speicherung

von Fett sind Frauen von Natur

aus besser vorbereitet. Eine Schwangerschaft,

die immerhin 80.000 zusätzliche

Kilokalorien kostet, lässt sich nur durch

vorher angesammeltes Fett durchhalten.

Dadurch wird es ebenfalls erklärt, weshalb

sich das Fett bei Frauen vor allem an

den Hüften und am Po ablagert. Im Bauch

bleibt Platz für die Schwangerschaft.

Ein erhöhtes Risiko für Folgekrankheiten

besteht bei folgenden Taillenmaßen:

Für Männer besteht bei einem Taillenumfang

von 94 cm ein leicht erhöhtes Risiko.

Ein mäßig erhöhtes Risiko liegt ab 102 cm

vor und ein stark erhöhtes Risiko besteht

ab 112 cm.

Für Frauen dagegen liegt ein leicht erhöhtes

Risiko ab einem Taillenumfang von 80

cm vor, dagegen handelt es sich um ein

Foto: Harald Wanetschka/Pixelio.de

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Karin Lange

Gesundheit

mäßig erhöhtes Risiko ab 88 cm und ein

stark erhöhtes Risiko ist ab 96 cm gegeben.

Aktuelle Daten des Statistischen

Bundesamtes

Was die aktuellen Daten des Statistischen

Bundesamts betreffen, tragen 51 Prozent

der Bundesbürger zu viel Gewicht mit

sich herum. Vor zehn Jahren waren es

noch 45 Prozent. Zwar stehen die Deutschen

im Dicken-Vergleich noch hinter

den USA, belegen jedoch seit Kurzem in

Europa Platz eins. Die Wiesbadener

Bundesstatistiker haben zum vierten

Male das Körpergewicht der Deutschen

genauer untersucht. Demnach lassen ihre

Ergebnisse keine Zweifel: Zwischen

Emmerich und Frankfurt an der Oder,

zwischen Flensburg und Konstanz grassiert

geradezu das Übergewicht. Dabei

ist es besonders ausgeprägt bei den Männern,

deren Dickenquote innerhalb von

zehn Jahren von 56 Prozent bis auf 60 Prozent

gestiegen ist. Dagegen entwickelte

sich bei Frauen die Dickenquote von 40

auf 43 Prozent. Man spricht dann von

einer deutlichen Adipositas, wenn der

Body-Mass-Index (BMI) jenseits der 30

liegt. Ab hier ist es tatsächlich gefährlich.

Immerhin werden diese Werte von

16 Prozent der Frauen und 14 Prozent der

Männer erreicht.

In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern

leben mit 58 Prozent die meisten

Dicken. Witwer und Verheiratete sind

bei den Männern zu mehr als zwei Dritteln

übergewichtig, während Ledige auf

43 Prozent kommen. Wenn der Partner für

die Männer regelmäßig kocht oder aber

gestorben ist, treten die größten Gewichtsprobleme

auf. Außerdem sind Witwen

dicker als Ehefrauen und die wiederum

sind dicker als weibliche Singles. Was Letztere

betrifft, haben gerade 25 Prozent Übergewicht;

dafür erreichen sie mit einem

Anteil von sieben Prozent Untergewichtigen

einen absoluten Spitzenwert. Hierbei

handelt es sich um einen deutlichen Hinweis

darauf, dass der Schlankheits- und

Diätenwahn bei den Frauen stärker ausgeprägt

ist. Dieses ist zum Teil abhängig

davon, ob sich eine Frau noch auf Partnersuche

befindet.

Die meisten Fettleibigen befinden sich mit

20 Prozent in den Verkehrsberufen. Dazu

zählen zum Beispiel die Taxi-, Bus-, Lkwund

Straßenbahnfahrer. Eine logische

Erklärung hierfür besteht darin, dass sich

Vielfahrer extrem wenig bewegen.

Risiken der Fettleibigkeit

Trifft es zu, dass bereits heute die indirekten

Auswirkungen der Adipositas, wie

zum Beispiel die Frühberentung, krankheitsbedingte

Produktionsausfälle und

der Verlust von Lebensjahren rund die

Hälfte der Folgekosten ausmachen, spricht

dieses Indiz dafür, dass die Fettleibigkeit

als ein systemisches Risiko betrachtet werden

sollte. Fettleibigkeit kann wirtschaftliche,

soziale, ökologische und politische

Risiken nach sich ziehen. Unter systemischen

Risiken sind die Risiken zu verstehen,

die von möglichen Beeinträchtigungen

der körperlichen Gesundheit oder der

Umwelt ausgehen und dadurch in andere

Bereiche hineinwirken. Ein nicht minder

facettenreiches Geschehen stellt das

Zustandekommen von Übergewicht und

Fettleibigkeit dar, dessen Erforschung ein

Zusammenwirken verschiedener Wissenschaftsdisziplinen

erfordert.

Übergewichtige doppelt so

oft im Krankenhaus und

dreimal so häufig beim Arzt

Was die neuesten Berechnungen des Forschungszentrums

für Umwelt und

Gesundheit betreffen, belaufen sich die

jährlichen Kosten, die durch Fettleibigkeit

entstehen, auf 530 Millionen Euro. Rechnet

man die Kosten für Erkrankungen

infolge von Fettleibigkeit dazu, entstehen

jährliche Kosten von rund fünf Milliarden

Euro. Die Gesundheit des Menschen wird

durch Fettleibigkeit entschieden verschlechtert,

vor allem wegen Diabetes und

auch das Herzinfarktrisiko nimmt zu.

Ebenfalls werden schwerwiegende Herz-

Kreislauf-Störungen durch erhöhtes

Gewicht hervorgerufen. Außerdem müssen

Übergewichtige doppelt so oft ins

Krankenhaus wie Normalgewichtige.

Einen Allgemeinmediziner suchen Übergewichtige

etwa dreimal so häufig auf im

Vergleich zu Menschen mit einem Normalgewicht.

Während Fettleibige in Verbindung

mit einem Krankenhausaufenthalt

circa 1.630 Euro an Kosten verursachen,

beträgt der Kostenaufwand bei den

Normalgewichtigen nur etwa 600 Euro.

Die Kosten, die entstehen, wenn Übergewichtige

einen Arzt aufsuchen, liegen bei

etwa 73 Euro, die bei einem Normalgewichtigen

dagegen bei 45 Euro.

Fettleibigkeit ist sowohl in Deutschland

als auch in anderen Ländern mehr und

mehr zur Volkskrankheit geworden, weil

in den letzten Jahren die Zahl an Übergewichtigen,

bezogen auf Kinder, Jugendliche

und junge Erwachsene enorm zugenommen

hat. Nach Angaben der Experten

werden, bedingt durch diese Entwicklung,

noch größere Gesundheitsausgaben

entstehen. Die wirtschaftliche Produktivität

wird außerdem durch diese Entwicklung

sinken, weil Übergewichtige häufiger

krank sind.

Wichtig: Lebensgewohnheiten

ändern!

Das Gewicht allein ist noch nicht entscheidend

für die Gesundheit. Was vor allem

einen Nutzen für die Gesundheit darstellt,

ist eine Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit

sowie die Umstellung auf

eine bessere Ernährung. Entscheidender

ist für unsere Gesundheit, wie wir abnehmen.

Die Forschungsergebnisse der letzten

Jahre zeigen:

• Bereits eine Umstellung auf eine gesündere

Ernährung senkt Blutfette und

Blutdruck – mit oder ohne Gewichtsreduktion.

• Körperliche Bewegung schützt langfristig

gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen

– diese Schutzwirkung ist zu

einem großen Teil vom Körpergewicht

unabhängig.

• Schulungsprogramme der Krankenkassen

zeigen zum Beispiel im Vergleich

zu diätorientierten Schulungsprogrammen,

dass Bewegung für das

Abnehmen entscheidend ist.

• Nicht zu vergessen ist: Die Vermeidung

zusätzlicher Gesundheitsrisiken

ist für die Gesundheit mindestens genauso

wichtig. Mit dem Rauchen aufzuhören

kann ebenfalls wichtig sein.

Das erste Ziel in der Behandlung von Fettleibigkeit

heißt: Lebensgewohnheiten

ändern!

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Danksagung

VIELEN

www.VDPolizei.de

DANK!

Liebe Inserenten!

Mit der Beteiligung in der Festschrift anlässlich unseres Festabends

haben Sie uns sehr geholfen. Wir danken Ihnen dafür sehr herzlich!

Liebe Leser!

Alle Inserate dieser Festschrift verdienen Ihre Aufmerksamkeit.

Bitte berücksichtigen Sie diese Unternehmen bevorzugt bei Ihrer

nächsten Disposition.

Ihre

Gewerkschaft der Polizei

Kreisgruppe Minden-Lübbecke

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