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Karin Lange

Gesundheit

sierend, wenn eine Person selbst in

Lebens- oder Verletzungsgefahr gerät,

sondern der Anblick anderer Menschen,

die beispielsweise ernsthaft verletzt oder

getötet werden, trägt ebenfalls dazu bei.

Schließlich kann auch die Mitteilung über

die Bedrohung oder den plötzlichen Tod

nahestehender Menschen diese Wirkung

haben. Aus diesem Grund sind Katastrophen,

Terroranschläge und Gewalttaten

nicht nur für die primären Opfer, sondern

genauso für die helfenden Berufsgruppen,

wie zum Beispiel Rettungskräfte,

Bergungsmannschaften, Feuerwehrleute

oder Polizisten potentiell traumatisierend.

Fast alle Menschen entwickeln während

und nach traumatischen Ereignissen

Beschwerden, die sich in den meisten Fällen

wieder zurückbilden. Mit einer Art

Betäubung, Bewusstseinsverengung oder

Desorientierung beginnen typischerweise

akute Belastungsreaktionen. Dissoziative

Zustände (in Verbindung mit dem

Bewusstsein erfolgt eine Auflösung

zusammenhängender Vorstellungen) können

darauf folgen: Ein Gefühl von emotionaler

Taubheit oder fehlender emotionaler

Reaktionsfähigkeit. Außerdem kann

eine Veränderung des vertrauten Selbst-,

Umwelt- und Zeiterlebens einsetzen. Häufig

erinnern sich Überlebende schwerer

Unfälle daran, dass sie die Ereignisse

extrem verlangsamt, absolut emotionslos,

wie aus einer großen Entfernung oder vergleichsweise

durch einen Filter wahrgenommen

haben. Zeichen von panischer

Angst können auch auftreten (Zittern,

Schwitzen, Hyperventilation) sowie Unruhe

oder Überaktivität. Oft ist in diesem

Zusammenhang die bewusste Wahrnehmung

eingeschränkt, die Aufmerksamkeit,

die Urteilskraft sowie die Fähigkeit,

Foto: S. Thomas/Pixelio.de

Begebenheit

Als am 11. September 2001 der

Südturm des World Trade Centers

in New York einstürzte, riss das

plötzliche Vakuum die 40-jährige

Polizistin Terry Tobin aus ihren Schuhen

und schleuderte sie quer über

die Straße. Eine Staubwolke verdunkelte

die Sicht. Sie hörte in der

Nähe jemanden stöhnen, sie tastete

um sich herum, spürte eine Hand

und ergriff sie. „Ich hielt sie und sagte,

dass alles in Ordnung käme.

Dass man mich aber nicht loslassen

sollte. Dann merkte ich, dass ich

nur eine Hand mit einem Arm daran

festhielt.“ Anschließend brachte

sie mit zwei Polizisten Menschen,

die sich retten konnten, zu den Fähren.

Über Funk forderten ihre Kollegen

Hilfe für einen verletzten Polizisten

an. Terry Toben war verwundert,

weil sie keinen verletzten Kollegen

sah. Sie kam nicht auf die Idee, dass sie selbst gemeint sein könnte. Weder fühlte sie

sich beeinträchtigt noch spürte sie Schmerzen. Erst im Krankenhaus wurde ihr allmählich

bewusst, dass ihr Fußgelenk gebrochen war und sie schwere Verletzungen am Rücken davon

getragen hatte.

(Possemeyer, 2002, S.149)

Reize zu verarbeiten. Man muss es sich so

vorstellen, dass sich die sehr konkreten

Erinnerungen an das traumatische

Geschehen dem wachen Bewusstsein

unkontrollierbar aufdrängen und schließlich

in den Schlaf eindringen, das heißt

Schlafstörungen treten auf. Oft sind grauenhafte

Eindrücke zunächst sprachlich

nicht fassbar. Meistens besteht eine Unfähigkeit,

sich an einen wichtigen Aspekt

des Traumas zu erinnern. Bedingt durch

ein erhöhtes körperliches Erregungsniveau

kann es zu Schlaf- und Konzentrationsstörungen,

übertriebene Schreckreaktionen

und Reizbarkeit kommen.

Akute Belastungsreaktionen sind ein Zeichen

dafür, dass das Bewusstsein noch

nicht fähig ist, extreme Eindrücke zu ordnen;

außerdem benötigen die Betroffenen

Schutz, Ruhe, Entlastung und Mitgefühl,

um diese Erlebnisse zu ertragen und

Schritt für Schritt zu verarbeiten. In der

Regel klingen die Reaktionen innerhalb

weniger Tage oder Stunden ab. Über längere

Zeit dagegen können Erinnerungsattacken,

Konzentrations- und Schlafstörungen

sowie eine Minderung der vertrauten

Leistungsfähigkeit bestehen bleiben.

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