viertei jahresschrift des instituts eur deutsche ostarbeit krakau

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viertei jahresschrift des instituts eur deutsche ostarbeit krakau

BEITRÄGE ZUR KULTURGESCHICHTE DER ZEIT DER

SACHSENKÖNIGE AUF DEM POLNISCHEN THRON

I. TEIL

DER EINZUG AUGUSTS DES STARKEN IN KRAKAU UND SEINE KRÖNUNG ZUM

POLNISCHEN KÖNIG

V O N D R . E R W I N W I E N E C K E , R I E S A

Das Ereignis der Erhebung eines deutschen Kurfürsten zum König stellte immerhin in der zeitgenössischen

Publizistik kein alltägliches Ereignis dar, war doch August von Sachsen zwar

nicht der erste1), aber immerhin einer der ersten Fürsten Deutschlands, deren Rang sich durch

diese Weise erhöhte2). Bedenkt man ferner, daß es sich bei August um einen der prachtliebendsten

Fürsten, vor allem aber um einen an Rang im Kurfürsten-Collegium ungemein hochstehenden

Fürsten handelte, der dazu berufen war, im Falle des Ablebens des Kaisers Reichsverweser zu

sein — weshalb ja August zeitlebens mit dem Gedanken spielte, selbst Kaiser zu werden bedenkt

man ferner seine Stellung im corpus evangelicorum innerhalb des protestantischen Deutschland

und nicht zuletzt das Aufsehen, das sein Konfessionswechsel hervorgerufen hatte, so müßte

man eigentlich eine enorme Fülle von Druckschriften erwarten, gerade in Anbetracht dieser

seiner Popularität, die damals noch nicht ausschließlich auf Skandalgeschichten oder Liebes-

händeln beruhte. Dem ist aber nicht so! Das Gegenteil ist der Fall.

Über seine Krönung gibt es zwar eine Anzahl von „Sensationsbroschüren“, fast ausschließlich von

kursächsischer Seite gedruckt und verlegt oder zumindest von solchen außersächsischen Verlagsanstalten,

die mit Sachsen lebhafte Geschäftsverbindungen unterhielten oder Zweiggeschäfte

und Niederlagen in Sachsen besaßen und so ein gutes Geschäft witterten. Aufs Ganze gesehen

ist aber die Zahl klein.

Während über mittelalterliche Dinge sich sorgsame Hände breiten, jede Urkunde gesammelt

und möglichst photographiert wurde, ist es das Schicksal der neuzeitlichen Literatur, bei den

Zeitgenossen übersehen, einige Jahrhunderte gering geachtet oder gar für wertlos angesehen

um so allmählich vergessen und eines Tages gesucht zu werden. Wenigstens für die Zeit

des 17. und 18. Jahrhunderts kann man dies getrost behaupten. Weder — um zwei Beispiele

zu nennen — die sächsische Landesbibliothek Dresden, trotz ihrer gerade für diese Zeit ungemein

reichen Bestände, noch die Staatsbibliothek Krakau besitzen eine auch nur annähernd vollzählige

Sammlung jener Neuerscheinungen, die bei der einen den kursächsischen, bei der anderen

den königlichen Landesherrn betrafen.

Die verbreitetste Schrift ist ein mehrseitiges Flugblatt „Beschreibung des grossen Herzogs und

Churfürsten zu Sachsen Friderici Augusti... Einzug zu Cracau... samt Crönung 2). Dasselbe

erschien unter Verwendung desselben Bildmaterials4) und derselben Druckstöcke, das heißt

') W ohl aber im corpus evangelicorum .

i) £)er Kurfürst von Brandenburg folgte 1701 durch Annahme der seit 1693 erstrebten W ürde eines K önigs von

Preußen, der bayerische H erzog wurde ebenso wie der H annoveraner Kurfürst.

3) Beschreibung des grossen H erzogs und Churfürsten zu Sachsen Friderici Augusti als N eu erwehlten K önigs von

Pohlen etc. Magnifiquen gehaltenen Einzug zu Cracau / Sam t der hierauf erfolgten Crönung den 5./15. Septembr.

1697 Nürnberg bey Ch. S. Froberg.

*) Einer großen Darstellung des Festzuges, in deren oberer linken E cke sich eine kleine 9 X 7 m m große Abbildung

der kirchlichen Krönungszeremonie befindet.

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