Die öffentlichen Uhren. Zeit für Zürich. - Stadt Zürich

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Die öffentlichen Uhren. Zeit für Zürich. - Stadt Zürich

Die öffentlichen Uhren.

Zeit für Zürich.


Zürich tickt richtig.

Seit fast 100 Jahren.

Öffentliche Fassadenuhr.

Europas grösstes Zifferblatt am Turm

der Kirche St. Peter.

ewz geht nicht nur mit der

Zeit – wir befassen uns auch

mit der Zeit. Seit seiner

Gründung betreibt das städtische

Elektrizitätswerk Uhren

und sorgt dafür, dass Zürich

richtig tickt. Die einst für

die Tarifsteuerungen bedeutsamen

Schaltuhren sind

zwar inzwischen der Rundsteuertechnik

gewichen, und

das Ticken der alten Hauptuhren

ist mit der Einführung

modernster Elektronik weitgehend

verstummt. Aber die

über 300 öffentlichen Uhren

des ewz werden auch heute

überaus geschätzt. Sie sind

ausgerüstet mit modernster

Technik, äusserst präzise und

erlauben beim Wechsel von

Winter- und Sommerzeit

eine rasche, problemlose Umstellung.

Die drei Mitarbeiter

der ewz-Uhrengruppe werden

mit ihrem Know-how und ihrer

Erfahrung auch in Zukunft

dafür sorgen, dass Zürich mit

der Zeit geht.


Die Anfänge der

öffentlichen Zeitanzeige

Die erste Uhrenzentrale der

Stadt Zürich wurde beim Bau

des Amtshauses II im Jahre

1904 in die Uhrenstube des

vierten Obergeschosses eingebaut.

Konstrukteur dieser

mechanischen und äusserst

robusten Zentrale war der

Neuenburger Uhrenmacher

Hipp. Sie wurde durch ein

rund 20 Kilogramm schweres

Gewicht angetrieben, welches

bis ins dritte Obergeschoss

hinunterreichte und alle zwei

Tage von Hand aufgezogen

werden musste. Die Zentrale

verfügte über ein Präzisions-

Hauptuhrwerk mit Graham-

Ankerhemmung sowie temperaturkompensiertem

Quecksilber-Sekundenpendel

und

wies für die damalige Zeit eine

beachtliche Ganggenauigkeit

auf. Sie hatte acht abgehende

Minutenlinien, über welche

die Minutenimpulse an die

Nebenuhren weitergegeben

wurden.

Im Jahr 1943 baute man im

Amtshaus II eine moderne

Uhrenzentrale der W. Moser-

Bär AG in Sumiswald ein.

Als Zeitsteuerung dienten zwei

synchronisierte Präzisions-

Uhrwerke mit Graham-Ankerhemmung

und temperaturkompensiertem

Sekundenpendel.

«Sprüngli-Uhr» am Paradeplatz.

Öffentliche Uhr an der Europabrücke.

Zeitmessung «im Grünen».


Öffentliche Uhr an einem Abspannmast.

Dreifache Uhr am Albert Näf-Platz.

Ausbau des städtischen

Uhrennetzes.

Bis 1965 war man der Auffassung,

dass möglichst viele

Nebenuhren von einer Uhrenzentrale

aus zu steuern seien.

In der ganzen Innenstadt,

in den Amtshäusern und an

den öffentlichen Plätzen

sollte die gleiche Zeit angezeigt

werden. Man baute

das Uhrennetz immer weiter

aus, und es wurden stets

neue Nebenuhren angeschlossen.

Genutzt wurde dazu das

öffentliche Telefonnetz der

PTT. Zuletzt waren acht sogenannte

Stromkreise (Uhrenlinien)

mit einigen hundert

Nebenuhrenanschlüssen

in Betrieb. Bis zu jener Zeit

wurden Hauptuhren der unterschiedlichsten

Fabrikate

eingesetzt – etwa 2-Tage-

Gewichtsuhren von Magneta

oder 8-Tage-Gewichtsuhren

von Bäuerle, um nur zwei

Typen zu nennen. Sie mussten

alle zwei bzw. acht Tage

von Hand aufgezogen werden,

was pro Monat mehr als

20 Manntage beanspruchte.

Öffentliche Uhr beim Central.


Bedienungskonsole der computergesteuerten

Uhrenzentrale.

Servicearbeiten an der «Sprüngli-Uhr».

Sekundengenaue Zeit

über Funk und Kabel

Die Unterwerke werden bis

heute über Kabelverbindungen

mit dem so genannten

DCF-Funksignal versorgt,

welches die Zeit- und Datumsinformation

für Messgeräte

und Rundsteuerungsanlagen

liefert. Der täglich um

16.00 Uhr gesendete Richtimpuls

dient der Synchronisierung

der öffentlichen

Uhren. Nach und nach wurden

die alten Hauptuhren

ersetzt und die neueren mit

einer Synchronisierungseinrichtung

versehen. Heute

können alle Hauptuhren täglich

über die Rundsteuerung

gerichtet werden. Bei der

Fertigstellung des neuen ewz-

Werkhofs Herdern an der

Pfingstweidstrasse wurde

1971 eine vollelektronische

Quarzuhrenzentrale der

Genfer Patek Phillippe AG

montiert. Sie wurde ständig

durch den Zeitzeichensender

HBG-Prangins (Schweiz) synchronisiert

und bestand aus

zwei Quarzhauptuhren, die

sich gegenseitig überwachten,

zwei Sekundenlinien und

15 Minutenlinien. Sie steuerte

die Nebenuhren im Werkhof

sowie in den Unterwerken

und übernahm ausserdem die

Funktion der Zeitzentrale im

Amtshaus II. Ende 1995 wurde

sie durch eine vollcomputerisierte

Zeitzentrale abgelöst.


Testlauf von Nebenuhren in der

Werkstatt.

Revision einer mechanischen

Hauptuhr.

Mehrarbeit durch Einführung

der Sommerzeit.

Das städtische Uhrennetz in

der schon erwähnten Grösse

wurde wegen zu hoher Störanfälligkeit

nach und nach auf

kleinere Uhrengruppen reduziert.

Gleichzeitig entschied

man sich, nur noch zwei

Fabrikate von Hauptuhren

einzusetzen.

Im Jahre 1981 wurde in der

Schweiz die Sommerzeit

eingeführt. Für die Uhrenabteilung

von ewz entstand

dadurch eine grosse Mehrarbeit,

mussten doch die

etwa 600 Hauptuhren zweimal

jährlich von Hand umgestellt

werden. Anfänglich war

man der Ansicht, es handle

sich bei der Sommerzeit um

eine vorübergehende Erscheinung.

Als sie zu einer

Selbstverständlichkeit wurde,

musste eine Automatisierung

ins Auge gefasst werden. Die

Uhrenfabrik W. Moser-Bär AG

in Sumiswald entwickelte eine

vollelektronische Quarzuhr,

die allen unsern Vorstellungen

entsprach. Mit Hilfe der

neuen IC-Technik und mit den

elektronischen Rundsteuer-

Sendeanlagen in den Unterwerken

konnte eine sehr

zuverlässige Steuerung inklusive

Sommer/Winterzeit-

Umstellung erreicht werden.


Meilensteine in der Entwicklungsgeschichte

der elektrischen Uhr

1815 elektrisches Pendel (Ramis)

1825 Elektromagnet (Sturgeon)

1839 Regulierung von Nebenuhren

über Telegraphenleitungen

(Steinheil)

1843 elektromagnetischer Pendelantrieb

(Hipp)

1864 erste Zeitverteilungssysteme

in der Schweiz (Hipp)

1912 Zeitzeichen in Paris

(vom Eiffelturm)

1930 erste Quarzuhr

1952 elektronische Kontakte im

Uhrenbau

1955 Atomuhr

ab 1960 Beginn der Entwicklung von

der elektrischen zur elektronischen

Uhr


Das steckt hinter den öffentlichen Uhren.

Die Technologie.

Öffentliche Uhren am Bürkliplatz.

Genaue Zeit an der Tramhaltestelle.

Hauptuhren

Eine Uhrenanlage besteht im

Minimum aus einer Hauptund

einer Nebenuhr. Grosse

Uhrenanlagen enthalten eine

Hauptuhr und einige Dutzend

Nebenuhren, Signalgeräte,

Zeiterfassungsgeräte

usw. Moderne Hauptuhren

sind quarzstabilisiert und beziehen

ihre Energie über

das 230-V-Netz oder werden

von Batterien gespeist.

Nebenuhren

Die angeschlossenen Nebenuhren

besitzen kein eigentliches

Uhrwerk. Sie erhalten

ihre Minuten- oder Sekundenimpulse

über Zweidrahtleitungen

von der Hauptuhr. Die

meisten Nebenuhren werden

mit Impulsen von 24 V Gleichspannung

betrieben. Die

Polarität wird jede Minute geändert.

Das «Uhrwerk» einer

Nebenuhr besteht aus zwei

Magnetspulen und einem

Drehanker. Jede Minute macht

der Anker eine halbe Drehung

und schaltet den Zeiger

um eine Minute weiter. Der

Vorteil einer Uhrenanlage besteht

darin, dass alle Nebenuhren

immer dieselbe Zeit

anzeigen. Zudem sind Nebenuhren

preisgünstiger und

zuverlässiger als Uhren mit

eigenem Uhrwerk.

Richten der Hauptuhren

Auch quarzstabilisierte elektronische

Hauptuhren weichen

im Laufe eines Jahres

mehrere Sekunden bis

Minuten von der Sollzeit ab.

Wenn man erreichen will,

dass Hauptuhren über Jahre

hinweg die genaue Zeit anzeigen,

ist es notwendig, sie

von Zeit zu Zeit zu richten.

Daher wird täglich um 16.00

Uhr ein Richtimpuls über die

Rundsteuerung gesendet. In

allen 15 Unterwerken der

Stadt Zürich befindet sich

eine Rundsteuersendeanlage,

welche für die Tarif-, Beleuchtungs-

und Boilersteuerung

bei unsern Kunden eingesetzt

wird. Über die normalen

Starkstromleitungen gelangen

die Steuersignale in jedes

Haus und können dort aus

dem 230-V-Netz herausgefiltert

werden. Drei der möglichen

127 Rundsteuerbefehle

steuern die ewz-Hauptuhren:


«Wegweisende» Zeitmesser.

• täglicher Richtbefehl um

16.00 Uhr

• Aktivierung der Sommerzeit

• Aktivierung der Winterzeit

Genauigkeit

Die Rundsteuersender in den

Unterwerken werden über

Kabel – beinahe atomuhrengenau

– mit der DCF-Zeitinformation

versorgt. Die

quarzstabilisierten elektronischen

Hauptuhren weichen in

24 Stunden höchsten eine

Sekunde von der Sollzeit ab

(tägliches Richten via Rundsteueranlage).

Die Nebenuhren

weichen – je nach

Grösse der Zeiger und der

Ansteuerung des Werks –

maximal 2,5 Sekunden von

der Sollzeit ab.

Fassadenuhr an der Rathauswache.

Öffentliche Uhr an der unterirdischen

VBZ-Haltestelle Waldgarten.


Die Sprache der Zeit.

Fachbegriffe.

Anker

Der in das Hemmungsrad eingreifende

ankerähnliche Teil

der Ankerhemmung. Der

Anker stellt die Verbindung

zwischen Räderwerk und

Unruh her. Durch wahlweises

Eingreifen der Ein- oder Ausgangsseite

in das Gangoder

Hemmungsrad führt der

Anker einen gleichmässigen

Ablauf des Uhrwerks herbei.

Der Anker zählt zu den am

meisten strapazierten Teilen

im mechanischen Uhrwerk.

Hemmung

Sorgt für schrittweisen, regelmässigen

Ablauf mechanischer

Uhren (erkennbar am

Ticken).

Ankerhemmung

Das Hemmungsrad überträgt

schubweise die Energie vom

Räderwerk auf den Gangregler

(Pendel oder Unruh),

indem es diesen bei jeder

Schwingung anstösst. Nach

dem Anstoss schwingt

das Pendel oder die Unruh

ohne Antrieb und blockiert

das Hemmungsrad bis zum

nächsten Anstoss.

Unruh

Taktgebendes Schwungrad,

welches das gleichmässige

Vorrücken der Zeiger über

das Räderwerk ermöglicht.

Pendel

Gangregler aus Stange und

Pendellinse. Wurde von

Christian Huygens (1629–1695)

zur Erhöhung der Ganggenauigkeit

im Jahre 1656 erstmals

mit einer Wanduhr verbunden.

Durch die Verschiebung

der Linse erreicht man

eine Grobregulierung der

Ganggeschwindigkeit (nach

oben = schneller, nach unten

= langsamer).

Schwingungsdauer

(Periode, Frequenz)

Dauer einer Schwingung

(Oszillation) von einem Umkehrpunkt

zu anderen und

wieder zurück in die Ausgangsstellung.

Das Sekundenpendel

benötigt dazu zwei

Sekunden.

Gewichtsantrieb

Seit den Anfängen der Uhrmacherei

benutzter, gleichmässiger

Antrieb der Räderwerke

durch Gewichte (Eisen,

Blei, Steine), die an einer

Schnur oder Kette hängend

auf das erste Rad des Werks

wirken. Wird bis heute bei

Stand- und Wanduhren eingesetzt.

Uhrenzentrale

Hauptuhr mit verschiedenen

unabhängigen Linien, Kontrolluhr

sowie Überwachungseinrichtung.

Für jede Linie

ist eine Kontrolluhr eingebaut.

Signaluhren

Signaluhren sind elektrische

Einzeluhren oder Nebenuhren.

Sie enthalten ein Kontaktsystem,

durch das zu gewissen

Zeiten bestimmte Stromkreise

geschlossen und

Signalapparate eingeschaltet

werden (Schulklingeln,

Arbeitssignale, Schaufensterbeleuchtungen

usw.).

Quarzuhr

Zeitmesser, in dem weder

Feder, Unruh noch Hemmung

vorhanden ist. In einem

Quarzwerk wird ein Kristall

zum Schwingen gebracht. Die

gleichmässige Schwingung

wird genutzt, um mit Hilfe

einer integrierten Schaltung

einen Motor anzutreiben. Im

Rhythmus der zugeführten

Impulse dreht dieser ein

Räderwerk.


Mitteleuropäische Zeit

(MEZ)

Mittlere Ortszeit (Zonenzeit)

des 15. Längengrades. Sie gilt

u.a. für Deutschland, Österreich,

die Schweiz, Schweden

und Italien.

Zonenzeituhr

Uhr mit zwei oder mehr

Zifferblättern, bei denen

gleichzeitig die Zeit verschiedener

Regionen angezeigt

wird.

Rundsteuerung

In den ewz-Unterwerken

sind Sendeanlagen installiert,

welche über Starkstromleitungen

so genannte Steuersignale

zu allen unsern

Kunden senden. Spezielle

Empfänger dekodieren die

Signale und führen die gewünschte

Funktion aus (z.B.

Schalten der öffentlichen

Beleuchtung, des Tarifs, der

Boiler oder Richten der

öffentlichen Hauptuhren usw.).

Weltzeituhr

Zeitmesser, der die Zonenzeiten

der Erde an verschiedenen

Orten anzeigt.

Zeitsynchronisation

über DCF

Der in Deutschland stationierte

Sender DCF 77,5 strahlt

auf Langwelle Zeitsignale aus,

die unter normalen Bedingungen

in Europa und Nordafrika

empfangen werden

können. Die Signale enthalten

die folgenden Informationen

in Ortszeit: Stunde, Minute,

Sekunde, Jahrestag, Wochentag,

Monat, Jahr, Sommer/

Winterzeit, Feiertage. Eine

Aktivantenne synchronisiert

Hauptuhren oder funkgeführte

autonome Uhren und

vermittelt automatisch die

offizielle Zeit.


Die öffentlichen Uhren der Stadt Zürich.

Kennzahlen.

Art und Verwendung der Hauptuhren

Standorte Zifferblätter

Funkhauptuhren 30 47

Hauptuhren,

kombiniert mit privaten Anlagen 13 62

separate Hauptuhren für

öffentliche Uhren 103 229

Total 146 338

Grösse der Zifferblätter

über 80 cm Durchmesser 5

80 cm Durchmesser 176

60 cm Durchmesser 117

unter 60 cm Durchmesser 40

Beleuchtung der

Zifferblätter

Von den total 338 Zifferblättern

der öffentlichen Uhren in

der Stadt Zürich sind 251

beleuchtet und 87 unbeleuchtet.

Die gesamte Anschlussleistung

der Lampen beträgt

5974 Watt.

ewz

Tramstrasse 35

8050 Zürich

Telefon 058 319 41 11

Telefax 058 319 41 80

www.ewz.ch

Partner von Swisspower

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