Wir amüsieren uns zu Tode… Die Anzahl der jährlichen Aids

junge.liberale.nrw.de

Wir amüsieren uns zu Tode… Die Anzahl der jährlichen Aids

Zeitschrift für jungliberale Politik in NRW

www.julis-nrw.de

julimagazin2/07

Wir amüsieren uns

zu Tode…

Die Anzahl der jährlichen Aids-Neuinfektionen steigt wieder

Seite 3

Landeskongress

Rückblick

Seite 6

Verboten!

Regulierungswut im Deutschen Bundestag

Seite 8


Inhalt

Seite

Vorwort

Liebe JuLis,

Die Schlagzeilen sind wieder voll mit Terrorwarnungen. Bundesnachrichtendienst,

der Außenminister oder unser Innenminister warnen abwechselnd

– und die Debatte um Sicherheit vor Freiheit ist wieder

brandaktuell. Wir haben sie bereits im letzten Magazin aufgenommen.

Dieses Mal beschäftigen wir uns mit der Frage nach persönlichen

Daten, die wir vielleicht alle viel zu freizügig freiwillig herausgeben.

Ein Interview mit einer „Terroristin“ (bitte genauer nachlesen) soll verdeutlichen,

dass die Frage nach Freiheit im Zuge der Sicherheit im

Alltag auf ungewöhnliche Art und Weise auf der Strecke bleiben und

sogar Konsequenzen mit sich bringen kann.

Ein stummer Terror, der leider viel zu wenig Medienecho bekommt, ist

Aids. Nach einer Aufklärungswerbungswelle Mitte der 90er, die teilweise

lustig war („Rita, wie teuer sind die Kondome?“ ), oder niedlich

(Bananen, Gummibärchen etc.), aber auch erschreckend (Benetton), ist

das Thema weitgehend wieder in der Versenkung verschwunden.

Die Anzahl der jährlichen Neuinfektionen steigt wieder, und das nicht

in einem Land, in dem die Krankheit allgegenwärtig ist, sondern bei

uns. Sex ist nichts Schlechtes – aber wer heutzutage noch leichtfertig

unsafer Sex praktiziert bei wechselnden Partnern, der spielt mit

seinem Leben. Neben einem ausführlichen Artikel gibt es in dieser Ausgabe

sogar eine Kondom-Flatrate, powered by den CSD-erfahrenen

Kölner Julis, zu gewinnen.

Ansonsten blicken wir auf den Landeskongress im April in Wuppertal

zurück, beschreiben einen Moscheebesuch im „Blickpunkt“ und

machen uns Gedanken zur Regulierungswut im Deutschen Bundestag.

Nun wünsche ich Euch wieder viel Spaß

beim Lesen und einen tollen Sommer!

Eure Katrin Schmidt

02 Vorwort, Inhalt, Impressum

03-05 Wir amüsieren uns zu Tode

06 Gewinnspiel /

Impressum

Herausgeber und Verlag

Junge Liberale Landesverband NRW e.V.

Sternstraße 44

40479 Düsseldorf

Fon 0211.4925185

Fax 0211.490028

julimagazin@julis-nrw.de

Chefredaktion/V.i.s.d.P.

Katrin Schmidt, katrin.schmidt@julis.de

Redaktion

Katrin Schmidt, Sven Görgens, Henning Höne,

Jan Schiller, Alexander Plahr, Florian Matthey,

Marcel Hafke, Thorsten Palicki ua.

Fotos

Katrin Schmidt, photocase.de

Design

MSPS Werbeagentur, Köln

Druck

Linsen Druck, Kleve

Rückblick Landeskongressl

07 Party-Pics

08-09 Verboten!

10 Blickpunkt Moscheebesuch

11 Kommentar Datenschutz

12 Interview: Achtung, Terrorist!

13 Düsseldorf Inside

14 Julis NRW – News

15 News, Termine, Liberaler Mund

Das JuLi-Magazin ist die Zeitschrift des

Landesverbandes NRW der Jungen Liberalen.

Es erscheint viermal jährlich. Für Mitglieder

der Jungen Liberalen ist der Bezugspreis mit

dem Mitgliedsbeitrag abgegolten.

Die im JuLi-Magazin abgedruckten Beiträge

und Artikel geben alleine die Meinung des

jeweiligen Verfassers und nicht unbedingt

der Redaktion oder der Herausgeber wieder.

www.julis-nrw.de

2

JULI MAGAZIN


Wir amüsieren uns

zu Tode…

2611 Menschen haben im letzten Jahr erfahren, dass sie HIV-

Positiv sind. Für diese 2611 Menschen ist das Leben, wie sie es

kennen, damit vorbei. Ein Todesurteil, welches als solches nicht

mehr erkannt wird – mit schwerwiegenden Folgen.

Die Frage, woher die Immunschwächekrankheit HIV kommt,

ist fast 25 Jahre nach ihrem (von der Öffentlichkeit bemerkten)

Auftreten längst nur noch zweitrangig. Könnte eine Antwort

darauf theoretisch einen Beitrag zur Entwicklung eines Heilmittels

beitragen, so konzentriert sich vor allem die Pharmaindustrie

sinnvoller weise auf den Virus in seiner bestehenden

Form. Und trotz dieser intensiven Bemühungen ist ein Heilmittel

nicht in Sicht.

Die Tatsache, dass HIV oder vielmehr die daraus entstehende

Krankheit AIDS noch immer tödlich verläuft, sollte Grund zur

Annahme sein, dass die Krankheit dort, wo Mittel und Wege zu

ihrer Verhütung bestehen, mehr und mehr eingedämmt wird.

HIV bekommt man nicht durch kuscheln, nicht durch gemeinsames

benutzen von Gläsern mit HIV-Positiven, auf dem Toilettensitz

kann man es sich ebenfalls nicht holen – im Grunde

gibt es zwei sichere Übertragungswege. Entweder man

kommt in Kontakt mit HIV verseuchten Blutkonserven oder

man tauscht mit einer HIV-Positiven Person genügend Körperflüssigkeiten

aus, die zu einer Infektion führen können 1 . Letzteres

bedeutet in einem Großteil der Fälle, dass beim Sexualkontakt

nicht auf sicheres Verhalten geachtet wurde. Geschlechtsverkehr

ohne Kondom oder die bewusste orale Aufnahme

von Sperma sind ideale Übertragungswege für den

HI-Virus. Und hat man ihn erst einmal, dann gibt es kein

Zurück mehr.

Dass es Unfälle geben kann, wie z.B. ein geplatztes Kondom,

kann nicht bestritten werden. Doch die steigenden Infektionsraten

können so nicht erklärt werden. Im Vergleich zu den neu

diagnostizierten HIV-Infektionen im Jahr 2001 (1433) hat die

Neuinfektionsrate ( bzw. Diagnose, die Dunkelziffern ist unbekannt

) um 81% auf die bereits erwähnten 2611 Menschen zugenommen.

Kurzsichtigkeit, Unwissen und eine unvorstellbare

Unvernunft scheinen die häufigeren Gründe darzustellen.

Wichtig ist vor allem, und das scheint oftmals nicht berücksichtigt

zu werden, die Infektion ist nicht nur ein großes Problem

für die Infizierten selbst, sondern sie fordert auch einen

erheblichen Beitrag von der Gesellschaft. Infizierte, die auch

nach einer Infektion weiterhin „unsafer sex“ betreiben, riskieren

die Gesundheit anderer Menschen 2 , sie werden im Laufe

ihrer Krankheit auch das Gesundheitssystem in hohem Maße

in Anspruch nehmen (müssen). Die Kosten für eine antiretrovirale

Therapie sind durchaus mit Krebsbehandlungen gleichzusetzen

und je länger die Krankheit dauert, desto höher werden

die Kosten. Bei steigenden Infektionsraten und den verbesserten

Therapiemöglichkeiten multiplizieren sich die Kosten

schnell in immense Höhen.

1

Blut, Sperma (umstritten ist hierbei, ob der sog. Lusttropfen zur Infektion

führen kann)

2

Die natürlich ebenfalls die Bringschuld in Bezug auf Safer Sex innehaben,

hier treffen immer 2 oder mehr Menschen die Entscheidung.

Fortsetzung Seite 4

JULI MAGAZIN 3


Wir amüsieren uns

zu Tode

Fortsetzung von Seite 3

Und spätestens hier eröffnet sich die Frage, ob sich die Politik

hier stark machen muss, und ob sie es überhaupt kann. Gerade

jedem Liberalen dürfte die Vorstellung eines Staates, der sich

in die Geschehnisse im Schlafzimmer der Bürger einmischt, ein

Graus sein, und selbst wenn er es wollen würde, so gäbe es

kaum eine Möglichkeit, dies auch umzusetzen. Lediglich das

Ergebnis, also das Vorhandensein einer Infektion, könnte der

Staat nach der Entdeckung sanktionieren, doch wäre dies weder

gesetzlich möglich noch auch nur entfernt wünschenswert.

So bleibt dem Staat nur eine andere Stellschraube: die

der Prävention. Die Bemühungen der Bundesregierung, durch

eine Erhöhung der finanziellen Zuwendungen eine breitere

Wirkung zu erzielen, sind zumindest löblich, doch es stellt sich

die Frage, ob dies letztlich auch ausreichen wird.

Denn Prävention ist nicht gleich Prävention. Ob die „Junge

Gemüse“ – und „Gummibärchen“- Kampagne den Schrecken

von AIDS tatsächlich vermitteln kann, darf bezweifelt werden.

Zwar können auch ernste Inhalte besonders Jugendlichen anders

vermittelt werden, aber wie Tod und Siechtum sich durch

Gummibären veranschaulichen lässt und vor allem die Botschaft

dann auch zu einem vernünftigen Umgang mit den eigenen

sexuellen Handlungen führt, das konnte bisher noch

nicht erläutert werden. Und am großen Problemkreis der

(überwiegend männlichen) Homosexuellen scheint diese

Kampagne ohnehin abzuprallen. Mit einer fast suizidalen Promiskuität

riskieren die Homosexuellen nicht nur ihre Gesundheit,

sondern vor allem auch ihre eigene Glaubwürdigkeit. Wer

sich 25 Jahre nach dem Auftreten von AIDS neu infiziert, dem

kann mitunter eine eigene Mitschuld zugesprochen werden.

Dabei ist die Promiskuität auch keineswegs das Problem, diese

dürfen sich und sollen sich die Bürger auch nach wie vor gönnen,

wenn sie dies möchten, sie dürfen nur die Gefahr nicht

unterschätzen. Und eine HIV-Infektion kann man seinem potentiellen

Sexualpartner nun einmal nicht ansehen – es

bleibt in der heutigen Zeit also keine andere Möglichkeit

als auf das Kondom beim Sex (also bei jenen

Handlungen, die zur Übertragung geeignet sind)

zurückzugreifen. Auch die Frage „Du bist doch gesund,

oder?“ ist wohl kaum ein ausreichendes Mittel

zur Prävention. Zum einen gibt es viele Menschen, die

ihren HIV-Status gar nicht kennen, oder aber, sofern sie

getestet sind, muss dieser nicht zwingend aktuell und damit

korrekt sein. Es kann nicht sein was nicht sein darf, diese

Prämisse scheint ebenfalls für Viele zu gelten und so wird der

längst fällige HIV-Test wieder ein halbes Jahr oder noch viel

länger hinausgezögert. Und leider darf man jene nicht vergessen,

denen die ganze Angelegenheit völlig

egal zu sein scheint und die ungehindert

ihrer Infektion auch ungeschützten Sex

praktizieren. Es ist also Vorsicht geboten.

Die sicherste Variante ist noch immer

der Gebrauch des Kondoms und

4

JULI MAGAZIN



das wird sich erst ändern, wenn die Krankheit

vernichtet werden kann. Die Benutzung eines

Kondoms mag nicht immer praktisch sein, das

mag nicht immer romantisch oder aber „geil“

sein, aber eine HIV–Infektion ist es auch nicht –

und das müssen die Menschen erkennen, bevor

es zu spät ist.

Aber nicht nur die Prävention als solches muss überdacht

werden. Es ist dringend angeraten, den Pharmakonzernen

zu vermitteln, dass ihre Art, sich dem Thema zu nähern,

zumindest bedenklich ist. Sicherlich forschen sie zum Wohl der

Menschen und dafür gebührt ihnen Dank, aber vollkommen

uneigennützig tun sie das auch nicht. Einen wirksamen HIV-

Blockbuster im Programm zu haben kann durchaus dem betriebswirtschaftlichen

Gesamtergebnis einen Aufschwung geben.

Und Kunden haben die Konzerne leider schon jetzt mehr

als genug, da sind Hochglanzkampagnen in Homosexuellen-

Magazinen, die den Eindruck vermitteln, eine HIV-Infektion

wäre heute kaum mehr als eine leichte Bronchitis, fehl am

Platz.

Wenn junge Männer in weißen Anzügen ihre gigantische

Dachgeschosswohnung einrichten und sich dabei

in den Armen liegen, der Sonnenschein auf ihre

gebräunte Haut fällt – dann ist das vielleicht wirklich

„Zukunft erleben!“, wie eine Kampagne eines großen

Pharmakonzerns aufzeigte. Doch die Realität sieht anders

aus. Und das einzige weiße was HIV-Positive Menschen

letztlich zu Gesicht bekommen werden ist das weiß der

Arztkittel und des Krankenhauses, in denen die Menschen verzweifelt

versuchen sie am Leben zu erhalten.

An dieser Stelle sollte der Staat durchaus in Erscheinung treten

und sicherstellen, dass dem ohnehin bestehenden Leichtsinn

nicht noch Vorschub geleistet wird.

Und an noch einem Punkt kann der Staat aktiv werden. Den

besten und direktesten Zugang zu jungen Menschen hat er

noch immer in den Schulen. Hier muss verstärkt Prävention

betrieben werden. Ein weiterer Schritt wäre zudem die Bereitstellung

von Kondomen ( in Form von Automaten ) in weiterführenden

Schulformen. Man darf die gesellschaftliche Realität,

dass die Jugendlichen heute wesentlich früher sexuelle

Kontakte haben, nicht als Ablehnungsgrund vorschieben, bzw.

die Meinung vertreten, man würde diese Entwicklung damit

noch weiter beschleunigen. Die Tatsache, dass Eltern sich wünschen,

ihre Kinder würden mit solchen Erfahrungen länger

warten, schützt diese letztlich nicht vor den Risiken von sexuell

übertragbaren Krankheiten. Und dass die Pille nicht gegen

eben diese schützt, ist leider auch nicht allen jungen Menschen

tatsächlich bekannt.

Doch was können wir JuLis tun? Unsere Beschlusslage ist gut,

und leider können wir HIV nicht einfach per Beschluss

aus der Welt schaffen. Aber wir können informieren,

wir können mahnen, wir können uns selbst und andere

sensibilisieren. Wir können auf unseren eigenen

Kongressen und PPWs dafür sorgen, dass der

Zugriff auf Kondome gegeben ist, denn Kongressabende

dürfen auch gern aus mehr als nur Politik bestehen

– solange die Vernunft auch hier nicht ausgeblendet

wird. Und zuletzt ist es unsere Pflicht, nicht zu

stigmatisieren. Denn ob durch einen Unfall oder durch mangelnde

Vorsicht – Infizierte brauchen die Unterstützung der

Gesellschaft.

Sven Görgens (26) ist Leiter des LAK Gesundheit und unter

goergens@julis.de zu kontaktieren.

JULI MAGAZIN 5


Rückblick Landeskongress

„Zurück in die Zukunft – Handlungsfähigkeit

statt Schuldenlast“ hieß es

beim diesjährigen Landeskongress der

Jungen Liberalen NRW am letzten Aprilwochenende

in Wuppertal. Neben den

Vorstandswahlen stand die Generationengerechtigkeit

programmatisch im Focus.

Als besonderes Highlight durften die Julis

den Finanzminister des Landes NRW, Dr.

Helmut Linssen, zu einer Rede begrüßen.

Die Workshops am Samstagmorgen waren

nicht nur gut besucht, sondern bereiteten

die Delegierten auf streitbare Diskussionen

vor.

Ein Interview mit dem Finanzminister

findet ihr in Kürze auf unserer Homepage

www.julis-nrw.de

ewinnspiel

Hol dir die Kondom-Flatrate!

Kreativität gefragt

Ich will dich – aber Safe! Gewinne eine Kondomflatrate

für ein Jahr (also 365 Kondome). Dafür brauchst du keine

Frage zu beantworten, sondern sende uns deinen

Vorschlag für ein Motto, mit dem wir Julis NRW auf die

Thematik Aids aufmerksam machen können!

Schick uns deine Idee bis

zum 30. September 2007 an:

julimagazin@julis-nrw.de

und gewinne die Flatrate der

jungliberalen Art!

Mach(‘s) mit!!!

6

JULI MAGAZIN


LaKo-Party in der Börse

JULI MAGAZIN 7


Verb

„Verbieten“, „Regeln“, „Kontrollieren“, „Überwachen“. Das sind

wohl derzeit die meistgebrauchten Worte im Deutschen Bundestag.

Während der letzten Monate wurden offenbar alle Parteien

im Parlament – glücklicherweise abgesehen von der FDP – von

einer Reglementierungswut erfasst, die ihresgleichen sucht.

Deutschland ist ein hoch zivilisiertes Land. So hört man uns

immer von uns selbst sprechen. Dabei wird der Begriff „zivilisiert“

offenbar gemessen an der Regelungsdichte, die innerhalb

eines Landes herrscht. Ein gewisses Maß an gesetzlichen

Festlegungen ist sicher in einer komplexen Gesellschaft unerlässlich.

Doch bedenkt man, dass Deutschland zum Beispiel

über mehr Steuergesetzgebung verfügt als alle anderen „zivilisierten“

Länder zusammen, dann kommt man ins Grübeln.

Entfernt sich ein Land derart weit vom „Durchschnitt“, kann

man denke ich ohne genaueres Hinsehen davon ausgehen,

dass in diesem Punkt über die Stränge geschlagen wurde. Und

auch in den meisten anderen Gesetzgebungsbereichen ist

Deutschland quantitativ mit großem Abstand führend.

Doch offenbar haben die meisten Politiker in Berlin davon

noch immer nicht genug. Jagt doch seit einigen Wochen ein

dämlicher Verbotsvorschlag den nächsten durch die politischen

Gassen. Und dabei wagt man sich insbesondere von Seiten

der Altkoalitionäre SPD und Grüne in privateste Bereiche

des Bürgers vor. Rauchverbot, Glühbirnenverbot, Feinstaubverbot,

Killerspielverbot, Tempolimit, Trinkverbot etc. sind nur ein

paar Beispiele für die geistreichen Vorschläge. Der Ruf unseres

CDU-Bundesinnenministers nach immer mehr staatlicher

Überwachung spielt dazu die misstönende Begleitung.

Dabei sind die Vorschläge oft auch noch kaum durchdacht und

nichts als populistisch: Wer beispielsweise denkt, er könne die

Kinderzimmer durch ein Verbot von Killerspielen gewaltfrei

halten, der dürfte kaum in der Lage sein, den Begriff „Internet“

auch nur zu buchstabieren.

Die Diskussion um die sog. „Flatrate-Partys“ hat diesen wahrscheinlich

eher Vorschub geleistet und greift in einer Weise in

die Selbstbestimmung der mündigen Bürger ein, der schon

grotesk ist. Natürlich ist es bedenklich, dass junge Menschen

sich besinnungslos betrinken. Und dass es dabei auch gelegentlich

zu Koma- und Todesfällen kommt, ist nichts weniger

als tragisch. Doch reicht das aus, um einem ganzen Volk jetzt

seine private Lebensführung und den Gastronomen ihre Berufsausübungsfreiheit

derart zu beschränken? Ich meine, eindeutig

nicht! Es wäre besser, es würde darauf geachtet, dass

keine unter-18-jährigen an solchen Veranstaltungen teilnehmen

können.

Die aktuelle Feinstaub-Diskussion ist nur ein Randproblem der

insgesamt extrem teuer gewordenen Mobilität in Deutschland.

Das Auto, das zentrale Fortbewegungsmittel, ist in den

vergangenen 10 Jahren bei vorsichtiger Schätzung um zwei

Drittel teurer geworden! Während die Politik einerseits die Autofahrer

mit immer höheren Abgaben (aus meiner Sicht ist

auch die Maut für PKW nur eine Frage der Zeit) belegt, wird die

einzige brauchbare Alternative, die Bahn, auf die profitablen

Langstrecken zusammengestampft, Kurzstrecken werden geschlossen,

die Fahrpreise sind für den gebotenen Komfort

nichts weniger als unverschämt. Hier ist eine völlig verfehlte

Politik betrieben worden. Ich bin vielleicht in diesem Punkt mit

Teilen unserer Beschlusslage nicht konform. Aber die Mobilität

der Bürger ist Voraussetzung für die Persönlichkeitsentfaltung

und Grundpfeiler der Leistungsfähigkeit unserer Gesellschaft.

Damit ist sie im Sinne von ausreichend vorhandenen und gewarteten

Straßen und der bedarfsgerechten Ausrichtung der

Bahn eine zentrale Aufgabe des Staates. Und sie kann, wenn

sie wirklich bedarfsgerecht sein soll, nicht profitabel gestaltet

werden. Die Bahn an die Börse zu bringen, ist in diesem Zusammenhang

genau der falsche Schritt, denn dies wird weiter

dazu führen, dass der Kurz- und Mittelstreckenverkehr abgebaut

wird und sich der Verkehr noch stärker auf die Straße verlagert.

Dümmliche Aussagen einiger, man könne ja einfach mit

dem Fahrrad zur Arbeit fahren oder umziehen, bedürfen angesichts

der familiären Realitäten hier wohl keiner weiteren Behandlung.

Ähnliches gilt für das Rauchverbot. Sicher ist Rauchen gefährlich.

Aber das weiß doch jeder! Und da es eben auch jeder

weiß, kann doch auch jeder entscheiden, ob er in eine verrauchte

Kneipe gehen möchte oder nicht. Und ganz abgesehen

davon kann ich mir nicht vorstellen, dass es der Gesundheit

derart abträglich sein soll, wenn man einmal in der Woche einen

Abend in einer verrauchten Kneipe verbringt, als dass dies

ein Verbot rechtfertigen würde. Was das Kneipenpersonal betrifft,

zu dessen Schutz dieses Verbot ja auch dienen soll: Diese

Personengruppe ist sicher höher gefährdet als der Durchschnittsbürger.

Aber mit diesem Argument müsste konsequenterweise

auch jede Zeche, Stahlkocherei, Chemiefabrik

etc. geschlossen werden, weil das Personal einer selbst gewählten

(!) höheren Gesundheitsbelastung ausgesetzt wird!

Die logische Stringenz ist hier wohl auf der Strecke geblieben.

Das Verbot von Glühbirnen ist der neueste kongeniale Einfall.

Damit könne man in Deutschland auf die Energie von ganzen

zwei Kernkraftwerken verzichten. Toll. Dass Energiesparlampen

aber in ihrer Herstellung und Entsorgung erheblich umweltschädlicher

sind als gewöhnliche Lampen, lässt man dabei

aus Dummheit, ideologischer Verblendung oder weil es einfach

gerade nicht ins politische Konzept passt, unter den Tisch

fallen. Länder wie Amerika, Russland und China verschleudern

völlig bedenkenlos täglich Energiemengen, angesichts derer

unsere schon erheblichen Bemühungen lächerlich wirken. Und

doch lassen wir uns von Künasts und Gabriels ständig ein

schlechtes Gewissen einreden und uns von ihnen mit immer

neuen unausgegorenen, extrem teuren und wirtschaftlich be-

8

JULI MAGAZIN


ten!

lastenden Schnapsideen (siehe z.B. das Dosenpfand) in Punkto

Umweltschutz geißeln, anstatt uns darauf zu konzentrieren,

die wirklichen Problemverursacher zur Räson zu bringen. Unsere

Technologie im Bereich der Atomenergie war bis zum

Amtsantritt von Rot-Grün weltweit in Sicherheit und Effizienz

führend und ein Export-Schlager. Dieser gesamte Bereich ist

politisch aus ideologischen Gründen erwürgt worden. Stattdessen

bauen wir munter Kohlekraftwerke und beziehen

Strom aus Tschernobyl-baugleichen Reaktoren aus Tschechien!

An Idiotie ist dieses Vorgehen wirklich kaum zu überbieten.

Diese Beispiele zeigen, in was für eine Gesellschaft wir uns hineinbewegen.

Die Zahl der real existierenden Verbote wächst

kontinuierlich, und die über hohe Steuern und nicht zu bewältigenden

bürokratischen Aufwand geschaffenen faktischen

Verbote wachsen in noch höherem Maße.

Völlig aus dem Blick geraten zu sein scheint die bürgerliche Eigenverantwortung.

Dass es gewisse, abgesehen von den generellen

Gesetzen wie z.B. dem Strafgesetzbuch, unregulierte gesellschaftliche

Bereiche gibt, scheint vielen in Berlin ein gewaltiger

Dorn im Auge zu sein. Dabei gibt es doch genügend praktische

Erfahrung mit der Wirkung von überbordendem

Staatsdirigismus auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit

einer Gesellschaft. Lässt man den Menschen keine

Luft zum Atmen, keine Freiräume, in denen man sich nicht

ständig fragen muss, ob man vielleicht gegen eine EU-Verordnung,

ein Gesetz, eine Verordnung oder eine Satzung verstößt,

von deren Existenz selbst ausgebildete Juristen nichts wissen,

und dabei auch noch gefilmt oder über den PC ausspioniert

wird, würgt man regelrecht jede Kreativität und jede gesellschaftliche

Dynamik ab.

Die Menschen werden gleichgültig gegenüber dem politischen

System, denn sie haben ja egal von wem sowieso nichts als

neue Verbote, neue Steuern und eine ganze Menge Populismus

zu erwarten.

Ich sehe unsere Aufgabe als Liberale – und das wird

unsere zentrale Herausforderung in den nächsten

Jahren sein – darin, dieser tumben Verbotspolitik

eine echte Alternative zu sein. Wir müssen den

Menschen nachdrücklich bewusst machen,

dass unser Weg der Weg zu mehr Freiheit,

mehr Selbstbestimmung UND einem gesunden

Maß an Sicherheit und Umweltschutz

ist. An dieser Stelle erwarte ich von der FDP

ein noch stärkeres Eintreten für unsere und

gegen die Methoden der Kleingeister. Unsere

Parteispitze ist hier aus meiner Sicht noch zu

zaghaft, die sonst so markigen und richtigen

Statements bleiben zahm und werden von

den Medien auch eher im Halbsatz aufgegriffen

als in der Schlagzeile. Hier müssen

wir viel entschlossener auftreten!

Jan Schiller (26) ist stellvertretender

Landesvorsitzender der Julis NRW. Er ist unter

jan.schiller@julis-nrw.de erreichbar.

JULI MAGAZIN 9


- B L I C K P U N K T -

Miteinander

statt gegeneinander

Vom Besuch einer Moschee

Es war kein Auftrag wie jeder andere. Als Journalist hat man coole,

seltsame und ganz furchtbare Termine, aber die Verabschiedung

des Imams sollte eine außergewöhnliche Erfahrung für

mich werden. Schon immer reizte mich die Moschee, wollte gerne

mal bei einem „Gottesdienst“ dabei sein. Als Protestantin finde

ich aber schon katholische Rituale manchmal seltsam, und

auch wenn wir als Christen den gleichen Glauben haben, fühle

ich mich auch hier in einer fremden Welt. Was sollte mich dann

erst in der Moschee erwarten?

Ganz alleine traute ich mich aber zunächst doch nicht dahin

und nahm meine türkische Freundin Fatma mit. „Ich hab doch

keine Ahnung vom Islam. Ich geh sonst auch nie dahin. Ich

kann dir nichts erzählen“, sagte sie immer wieder. Als Dolmetscherin

war sie jedoch unentbehrlich für mich, denn mehr als

„Merhaba, benim adim Katrin“ ist bei mir im türkischen nicht

drin. Gut, und noch ein paar Schimpfwörter. Als wir dann

Sonntags morgens zur Moschee fahren, traue ich meinen Augen

nicht. Im Gegensatz zu den zwar gut besuchten, aber lange

nicht vollen Kirchen finde ich hier erst gar keinen Parkplatz.

„Presse“, rufe ich dem Parkplatzwächter zu und ernte neidische

Blicke von zig wartenden Autos, an denen ich vorbei fahre.

Menschenmassen tummeln sich vor der Moschee. Ein reges

Treiben. Im Gegensatz zur andächtigen Stille vor unseren Kirchen

ist hier südländisches Temperament spür- und hörbar.

Ich will auf den Haupteinganz zugehen, schließlich will ich

mich als Presse ankündigen, und laufe auf die Horde Männer

zu. „Spinnst du“, pflaumt mich meine Freundin an, „das ist

doch der Eingang für die Männer“ und zieht mich nach links.

„Aber…“ Nichts aber, anstatt den prächtigen, großen Haupteingang

zu benutzen, laufen wir auf die Seiteneingangstür zu.

„Hier ist der Fraueneingang.“ Fraueneingang? Aber ich bin

doch keine Muslime, ich bin doch Presse, will ich sagen. „Wenn

du wirklich darüber schreiben willst, wie es bei uns ist, dann

musst du dich auch an die Regeln halten.“ Undenkbar sei es,

dass ich in den Männerbereich ginge.

Okay, Regel Nummer eins im Umgang mit anderen Religionen:

respektiere die Regeln. Verstehe sie nicht, aber respektiere sie.

Also gehe ich durch den Fraueneingang. „Halt“, ruft Fatma

wieder und zieht mich von der Schwelle zurück. „Wir müssen

doch erst ein Kopftuch aufsetzen.“ Kopftuch??? „Aber…“ will es

wieder aus mir raus. Regel Nummer zwei: halte dich an die Regeln.

Ein rotes Kopftuch setzen wir also auf. Das müssen alle

Ilahi, Schülerinnen des Islams. Die Schuhe werden ausgezogen

und dann kniet man sich zusammen auf die Teppiche – und

sieht dem Imam bei seiner Predigt zu. Ja, aber wo ist er denn?

Wir sind doch in einem Raum, der keinen Durchgang zum Innenraum

hat? Ich traue meinen Augen nicht. Die Frauen

schauen alle auf einen kleinen Fernseher. Mein verdutztes Gesicht

ist nicht zu übersehen. „Wir dürfen dem Imam nicht direkt

ansehen“, erklärt mir ein junges Mädchen. Wow, das ist

krass, denke ich und komme mir vor wie im Mittelalter. Schnell

erinnere ich mich wieder an Regel Nummer eins: respektiere

es. Okay. Ich lasse mir übersetzen, was der Imam sagt. Ich beobachte,

wie währenddessen ein reges Treiben in der Küche

herrscht, denn nach dem Gebet wird zusammen gegessen und

gefeiert. Alle sind sehr freundlich zu mir, bieten mir Tee und

Gebäck an, ich muß alles kosten. Ich bin beeindruckt von der

Freundlichkeit und sage das auch, werde daraufhin kurzerhand

von einer halben Million Frauen umarmt und geküsst. Sie

sprechen auf türkisch über mich, gestikulieren und lachen. Etwas

dumm aus der Wäsche gucke ich Fatma an. „Sie mögen

dich, und sie finden es lustig, wie verdattert du bist. Du sollst

aber öfter kommen.“

Als ich am späteren Nachmittag in der Redaktion sitze und

über meinen Zeilen brüte, bin ich noch immer von den Eindrücken

gefesselt. Eine ganz andere Welt durfte ich heute erleben.

Und ich respektiere sie, auch wenn ich es nicht verstehen

kann. Denn das ist deren Religion, nicht meine. Ich will kein Urteil

fällen, ich will ja auch nicht konvertieren. Aber mir wird bewusst:

nur im Dialog werden wir uns gegenseitig verstehen.

Und nur im Dialog, im gegenseitigen Respekt vor der jeweiligen

Religion, können wir ein Miteinander schaffen. Und da

kann ich jedem einzelnen nur empfehlen: entdeckt in der Praxis,

nicht in der Theorie. Und nehmt euch einen Dolmetscher

mit, um möglichen Verständigungsproblemen vorzubeugen.

Katrin Schmidt, Chefredekteurin

julimagazin, (katrin.schmidt@julis.de)

10

JULI MAGAZIN


SCHÜTZT EURE DATEN

Immer schön

wachsam sein!

Welche meiner personenbezogenen Daten

der Staat speichert und nutzt, können

gerade wir Julis uns nicht nur vorstellen

– wir kontrollieren diese Sammelwut

auch sehr genau. Wenn ein Datenfreund

wie Wolfgang Schäuble

Bundesinnenminister ist, sollte diese Aufgabe

auch mit doppelter Vorsicht angegangen

werden.

Uns allen sind die Datenschutzdebatten

auch hinreichend bekannt: Welche Daten

muss der Staat sammeln und speichern,

welche gehen ihn nichts an? Seit

dem Anschlägen vom 11. September

2001 und dem danach fokussierten

Kampf gegen den Terror eine ständige

Diskussion. Wie in vielen anderen Dingen

sollte auch beim Daten sammelnden

Staat der Grundsatz gelten: „So viel

wie nötig, so wenig wie möglich“.

So misstrauisch viele Menschen in Sachen

Datenschutz dem Staat gegenüber

auch sind ist es doch sehr wunderlich,

dass immer mehr Menschen personenbezogene

Daten bereitwillig ins Internet

stellen. Es seien an dieser Stelle

nur MySpace.com, StudiVZ.net und

stayfriends.de genannt. Und dabei werden

nicht nur Fotos für die versammelte

Internet-Öffentlichkeit hochgeladen,

und Steckbriefe ausgefüllt. Teilweise

finden sich auch Adressen und Telefonnummern

unter den veröffentlichten

Angaben. Natürlich kann ich mir in diesem

Fall selbst aussuchen, welche Daten

ich veröffentliche. Bei einer Passfoto-Datenbank

für Reisepässe hätte ich

diese Wahl nicht. Doch trotzdem ist es

doch ein Widerspruch, dass alle Welt

Sturm läuft gegen solche Datenbanken

(zu Recht!), und nur sehr wenig über

den Datenschutz dieser Internet-Plattformen

gesprochen wird.

An dieser Stelle wage ich die provokante

These aufzustellen, dass meine Daten

beim Staat sicherer aufgehoben sind,

als bei einer kommerziellen Internetplattform.

Jeder kennt doch die nervigen

Anrufe die beginnen mit „Herzlichen

Glückwunsch! Sie haben die Chance

auf…“. Woher diese Firmen an die Daten

kommen? Vom Staat? Eher nicht.

Diese Daten wurden entweder freiwillig

bei diversen Gewinnspielen abgegeben,

oder aber über das Internet verbreitet.

Für Marketing- und Werbeexperten

sind Adressen und die Kategorisierung

dieser Daten bares Geld wert. Doch es

soll nicht nur um die lästige Werbung

gehen. Immer mehr Firmen nutzen die

genannten Internetplattformen auch,

um Bewerber von einer anderen Seite

„kennen zu lernen“. Eine Zweckentfremdung

sondergleichen. Denn ohne

Zweifel kommt da die StudiVZ-Gruppenmitgliedschaft

„Champus auf ex“

gepaart mit wilden Partyfotos eher suboptimal

an.

Und irgendwie bewahrheitet sich nun

doch in kleinen Stücken, was gerade die

ältere Generation bei Handys, E-Mails

und dem Internet kritisiert: Persönlicher

Kontakt zwischen den Menschen geht

verloren. Natürlich sind in den letzten

Jahren unzählige neue Wege der Kommunikation

möglich geworden. Aber es

ist doch auch nicht normal, wenn man

die neue Freundin oder den neuen

Freund eines Cliquenmitglieds schon

aus dem Netz „kennt“, bevor man diese

überhaupt einmal gesehen hat.

Deshalb mein Appell: Mehr Vorsicht mit

Euren Daten. Nicht nur gegenüber dem

Staat, sondern auch gegenüber dem Internet

und allen dort aufzufindenden

Kommunikationsplattformen. Denn es

ist weder angenehm, ständig mit Werbung

bombardiert zu werden, noch

wünschenswert, wenn sich Jeder schon

ein Bild über eine Person machen kann,

ohne diese jemals getroffen zu haben.

Henning Höne (20) ist Beisitzer im

Landesvorstand.

Unter henning.hoene@julis-coe.de könnt

ihr ihn kontaktieren.

JULI MAGAZIN 11


Die Schläfer

unter uns

„Terrorgefahr in Deutschland“ titeln in regelmäßigen Abständen

die Medien. Warnungen vom Innenministerium werden hinterher

geschoben. Kofferbomber in Köln, Attentate in England, unser

Sicherheitsgefühl wird durch solche Nachrichten nicht gestärkt.

Wir werden alle sensibler, schauen zwei Mal hin, was sicherlich

nicht schlecht ist. Wozu es mittlerweile jedoch kommen

kann, zeigt dieses Interview mit einer Kölner Journalistin.

(Name der Redaktion bekannt)

Was für Erfahrungen hast du mit Terroranschlagssensibilität

gemacht?

Es war ungefähr ein Jahr nach 9/11. Ich habe damals bei RTL

gearbeitet und gerade mit einem anderen Kollegen zusammen

gekündigt. Das wollten wir in der Mittagspause mit einem weiteren

Kollegen feiern: wir sind Kartfahren gegangen. Unter

dem Helm muss man ja so eine Sturmhaube tragen, die haben

auch nur einen Euro gekostet, also haben wir sie mitgenommen.

Was ist dann passiert?

Auf dem Rückweg in dem Uralt-Lada meines Kollegen hatten

wir noch viel Zeit und haben noch Bierchen gekauft. An einer

Straße im Ossendorfer Medienzentrum haben wir am Rand angehalten,

laut Musik gehört und Bier getrunken. Einer von uns

– wer ist unklar – hat die Sturmhaube angezogen und die anderen

dann auch. Leider kamen an der Straße immer Linienbusse

und UPS-Fahrzeuge vorbei, aber die waren uns egal.

Hat euch jemand angehalten?

Nein, wir sind dann ganz unschuldig wieder an die Arbeit gegangen.

Im Coloneum. Das ist so über L gebaut und in der Mitte

ist der Parkplatz. Auf den konnten wir aus dem Büro, und auch

aus allen anderen Büros, gucken. So haben alle mitbekommen,

als zwei Streifenwagen die Zufahrt sicherten, ein Mannschaftswagen

vor die Tür fuhr und zwei weitere Streifenwagen an dem

Lada hielten. Wir sind dann runter und die haben den Lada untersucht

– und die eingeleitete Rasterfahndung im Bereich Köln

abgebrochen. Alles unter den Augen der gesamten RTL-Kollegen

an den Bürofenstern.

Wie ist es dann ausgegangen?

Wir wurden angezeigt. Man hat uns für Terroristen gehalten

und wir mussten letztlich einen feinen Geldbetrag überweisen,

weil wir gegen das Vermummungsgesetz verstoßen haben.

Ein teurer Spaß…

Katrin Schmidt

12

JULI MAGAZIN


Düsseldorf inside

Aufhebung der Schulbezirke voller Erfolg

Erfolgreich lief das erste Schuljahr ohne Schulbezirke

in den Optionskommunen, die von der neuen Regelung

der freien Schulwahl bereits Gebrauch gemacht

haben. Es zeigt sich schon jetzt, dass sich Eltern intensiver

mit der Schulwahl auseinander setzen und gute

Schulen eher bevorzugt werden. Die Schulen, die nun

in einem Wettbewerb stehen, zeigten sich transparenter

und haben mit Tagen der offenen Tür und anderen

Veranstaltungen um Schüler geworben. Nach Beschlusslage

des neuen Schulgesetzes werden 2008 alle

Schulbezirke wegfallen.

KiBiz: Das Gesetz zur frühen Bildung und Förderung

von Kindern

Zur Förderung der Kleinkinder wurde nun das KiBiz

von der Landesregierung in einer ersten Lesung vorgestellt.

Rund 200 Mio. Euro wird die NRW-Landesregierung

bis 2010 in die Förderung der Kinderbetreuung

zusätzlich stecken. Sprachförderung, U3-Betreuung

und vorschulische Bildung sind drei große Bereiche,

die man verstärkt fördern will.

So wird unter anderem das Sprachvermögen der

4jährigen seit diesem Jahr in NRW getestet. Ziel ist es,

festzustellen, ob die Sprache altersgemäß entwickelt

ist und ob die Kinder die deutsche Sprache hinreichend

beherrschen. Werden hier Probleme festgestellt, soll

ihr Sprachvermögen in vorschulischen Sprachförderkursen

verbessert werden. Hierdurch soll eine faire Bildungschance

für alle Kinder entstehen. Weitere

Aspekte des KiBiz sind: der Gesundheitsschutz des Kindes

wird gestärkt, die unterdreijährigen Betreuung

wird massiv ausgebaut und die private Kindertagespflege

wird erstmals gesetzlich geregelt und gefördert.

Lehrer zurück an die Schulen: PEM

Teile der Landesverwaltung überaltern, während in anderen

Bereichen zuviel Manpower vorhanden ist. Um

dem entgegen zu wirken, gibt es zukünftig im öffentlichen

Dienst erstmals ein professionelles Personaleinsatzmanagement

(PEM). Die Verwaltungsbereiche, in

denen es derzeit zuviel Bürokratie und zu viele Stellen

gibt, werden durch das neue PEM-Gesetz des Landtags

nun verschlankt und in andere Verwaltungsbereiche,

in denen in absehbarer Zeit ein Mangel entstehen wird

(Bildung, Polizei), untergebracht. Ausgebildete Lehrer,

die vor einigen Jahren aufgrund des schlechten Arbeitsmarkts

enttäuscht in die Verwaltung wechseln

mußten, können jetzt motiviert in den Schuldienst

zurück. Durch das PEM sollen zwei Fliegen mit einer

Klappe geschlagen werden: Unnötige Bürokratie wird

abgeschafft, und nach Möglichkeit können andere Verwaltungsbereiche,

in denen es Bedarf gibt, aufgestockt

werden.

Landeslexikon

D iätenurteil

Das Bundesverfassungsgericht hat den Weg zum «gläsernen»

Abgeordneten geebnet. Bundestagsabgeordnete

müssten ihre Nebeneinkünfte umfassend und detailliert

offen legen,entschieden die Karlsruher Richter am

Mittwoch. Sie wiesen die Klagevon neun Parlamentariern

gegen die verschärfte Transparenzregelung im Abgeordnetengesetz

zurück. Bundestagspräsident Norbert

Lammert (CDU) kündigte daraufhin an, «unverzüglich»

die ihm mitgeteilten entsprechenden Angaben der Bundestagsabgeordneten

wie vorgesehen zu veröffentlichen.

Zugleich wurde deutlich, dass es nachträgliche

Korrekturen an einzelnen Regelungen geben dürfte.

Grund dafür ist, dass der achtköpfige Zweite Senat mit

einem Patt von vier zu vier Richterstimmen entschied

und sich die beiden Richter-Lager diametral widersprachen.

Die Anträge der klagenden Bundestagsabgeordneten

hatten damit im Ergebnis keinen Erfolg.

(Quelle: ddp)

DJULI MAGAZIN 13


Euer neuer Landesvorstand:

(oben von li. nach re.) Michael Postel, Sebastian Stachelhaus, Alexander Plahr,

Daniela Rechberger, Marcel Hafke

(unten von li. nach re.) Andreas Rademachers, Simon West, Sven Petersen,

Jan Schiller, Henning Höne, Niko Böckly

JuLis NRW-News

Landesvorstand 2007

Auf dem Landeskongress in Wuppertal

habt ihr den neuen Landesvorstand gewählt.

Außer eines Beisitzerpostens

wurde der Vorstand in der bestehenden

Form bestätigt. Als Landesvorsitzender

wurde der Wuppertaler Marcel Hafke

(25) wiedergewählt. Auch in diesem

Jahr sind als Stellvertreter Alexander

Plahr (27, Neuss, Programmatik), Jan

Schiller (26, Bornheim, Organisation)

und Sven Petersen (27, Duisburg, Pressesprecher)

tätig. Als Landesschatzmeister

kümmert sich der Krefelder Sebastian

Stachelhaus (24) um die Finanzen

des Landesverbandes. Als Beisitzer wiedergewählt

wurden Niko Böckly (25, Leverkusen),

Andreas Rademachers (22,

Heinsberg), Henning Höne (20, Coesfeld),

Daniela Rechberger (28, Köln) und

Simon West (24, Essen). Für Sebastian

Magerstedt, der nicht erneut kandidierte,

ist nun Michael Postel (23, Recklinghausen)

als Beisitzer dabei. Als kooptierte

Landesvorstandsmitglieder sind auch

in diesem Jahr Ronald Mayer (27,

Sprockhövel, Internet) und Katrin

Schmidt (25, Essen, Chefredakteurin

Julimagazin) wieder mit dabei.

Porträts über die Vorstandsmitglieder

findet ihr in Kürze auf www.julisnrw.de

Aufgerüstet: www.julis-nrw.de

„Alles neu macht der Juli“

Auf dem Landeskongress in Wuppertal

hatte euch der Landesvorstand angekündigt,

noch in diesem Sommer mit

einer neuen Homepage durchzustarten.

Im Juli sind wir also mit einem neuen

Design und vielen neuen Funktionen

durchgestartet. Wie auch beim alten System

haben wir vor allem viel Wert darauf

gelegt, dass auch die Bezirks-, Kreisund

Ortsverbände im gleichen Design

und mit den gleichen Funktionen im Internet

präsent sein können.

Diese Voraussetzungen konnten wir mit

dem neuen Internetauftritt verwirklichen.

Alle Verbände in NRW haben die

Möglichkeit, das Content-Management-

System (CMS) der Julis NRW für 1,95 Euro

monatliche Servergebühren zu bestellen

und dann selbst zu pflegen. Der

Clou: Termine und News von der Landesseite

können abboniert werden,

ebenso tauchen eure Termine vor Ort

auf der Landesseite auf.

Ansprechpartner für Fragen und die Bestellung

ist Henning Höne (0178-

2637382, henning.hoene@julis-nrw.de).

Bei ihm könnt ihr auch das Bestellformular

für die Homepage anfordern.

Arbeitskreise laden zum Mitmachen ein

Landesarbeitskreise (LAKs) bieten jedem

JuLi die Möglichkeit, sich auf Landesebene

über Fachthemen zu beraten

und die Position der Jungen Liberalen zu

aktuellen Fragestellungen mit zu gestalten.

In diesem Jahr gibt es sechs

Landesarbeitskreise, die zum Mitmachen

einladen: Den LAK Internationale

Politik, den LAK Bildung, Forschung und

Kultur, den LAK Umwelt und Verkehrsinfrastruktur,

den LAK Familie Soziales

und Gesundheit, den LAK Innen- und

Rechtspolitik sowie Grundsatzfragen

und den LAK Wirtschaft und Finanzen.

Eine gute Möglichkeit, bei den LAKs einmal

reinzuschauen, bietet sicherlich das

Politisch-Programmatische Wochenende

des Landesverbandes vom 10.-12.

August, an dem alle LAKs tagen werden.

Aber auch zu anderen Terminen treffen

sich die Landesarbeitskreise und beraten

zu spannenden Themen. Wer bei einem

(oder mehreren) Arbeitskreisen

mitmachen, oder erstmal weitere Infos

bekommen möchte, kann sich entweder

direkt an den jeweiligen LAK-Leiter

wenden oder einfach Niko Böckly, Co-

Programmatiker des Landesverbandes,

eine Mail schreiben (niko.boeckly@julisnrw.de).

14

JULI MAGAZIN


News

Liberaler

Landtagsfraktion lädt ein

Die FDP-Landtagsfraktion NRW lädt

auch in diesem Jahr wieder zu "Jugend

in der Politik" nach Düsseldorf in den

Landtag ein. Wir Julis können hier am

7.9.2007 ab 18 Uhr den Plenarsaal

stürmen, mit Abgeordneten diskutieren

und uns danach am Buffet stärken.

Eine Einladung folgt.

Neuer Vorstand in Westfalen-Süd

gewählt

Wanderpokal bleibt in Krefeld

Beim „Kick in den

Juli“ konnte der

ausrichtende Kreisverband

Krefeld

den Hallenfußballwanderpokal

bei

sich behalten.

Insgesamt traten 8

Mannschaften gegeneinander

an.

Vorstandsaustausch in Bielefeld

Der neue Kreisvorsitzende ist Moritz

Meyer. Als Stellvertreter sind Andre

Kurzwig, Marvin Hartwig und Daniel

Franke gewählt worden.

Geseker Julis musikalisch

Mund

Landesvorstandssitzung.

Henning stellt neue Homepage vor.

Andreas: „Was machen die denn bitte

da auf dem Bild?“

Jan (lacht): „Gruppensex!“

Marcel: „Passt ja zu den Julis…“

Jan: „Na dann – Arschpolonaise“

Alex: „Zu VertansprachderHahn kann

ich nichts sagen – ich bin nicht der Geflügelbeauftragte

des Lavos.“

Michael: „Wir haben ein Thema vergessen:

Frauen. Wir haben zu wenig

Frauen im Verband und zu viele, die es

gerne wären.“

Beim „Frühshoppen“ der Mülheimer

Julis:

Susanne Schaperdot: „Bei der FDP

wird keiner diskriminiert, nur weil er

eine Frau ist.“

Auf der Rückfahrt vom Buko im NRW-

Bus fahren wir auf der A1 bei Bramsche

vorbei.

Marcel Hafke: „Guckt mal! Hier bin ich

geboren worden.“

Tanja Schätz: „Und? Hast Du irgendwelche

Schäden davon getragen?“

Auf dem Bundekongress fällt auf,

dass viele Namen seit neuesten amerikanisch

ausgesprochen werden.

Ronald Mayer: „Was ist los? Aus Patrick

wird Paetrig, aus Erik wird AErig.

Dann nenn ich jetzt auf Bukos auch

nur noch Rroenalt.“

Darauf Simon West zu Henning Höne,

der ein paar Monate in den USA war:

„Sag mal, wie haben die Amis eigentlich

"Henning" ausgesprochen?“

Henning: „Henning.“

Liberaler Mund

Urs Fabian Frigger aus Soest hat Philipp

Wehrend als Bezirksvorsitzenden

in Westfalen-Süd abgelöst. Philipp

bleibt jedoch als Schatzmeister weiter

dabei. Maren Reinecke (Welver) und

Julius Will (Lünen) sind die neuen

Stellvertreter. Als Beisitzer komplettieren

Martina Sitko (Hamm), Gero Bangerter

(Fröndenberg), Sebastian Plenkers

(Brilon) und Julian Kirchherr

(Werl) das neue Team.

Rund 80 Gäste kamen im Juni zum ersten

musikalischen Abend der Julis

Geseke. Der Abend stand unter dem

Motto: Liebe. Svenja Kröger, Kenny Koa

und Tobias Levenig trugen Lieder aus

Musical, Pop und Klassik vor. Zu hören

waren Evergreens aus Musicals wie

König der Löwen, Aladdin oder Les Miserables

genauso wie gefühlvolle Balladen

von Robbie Williams und Co.

Termine

10.-12.08.: ................... Landes-PPW, Aachen

12.08.: ......................... Kreisverbandskonferenz, Aachen

12.08.: ......................... Polit-Früh-Schoppen, Mülheim, Wasserbahnhof

18.-19.08.: ...................... „Julis Live“ des BV Düsseldorf, Jugendherberge Wuppertal

02.09.: .............................. Drachenbootrennen, Mülheim

07.09.: ......................... Jugend in der Politik, Landtag NRW, Düsseldorf

13.-14.10.: ................... Landeskongress Julis NRW

02.-04.11.: ................... Bundeskongress

Killerspiel-Debatte auf dem Bundeskongress:

„Gehören PC-Spiele zur

Kultur?“

Kolia Ohmann: „Dann könnten wir uns

ja auch anmaßen, Auto fahren, Golf

spielen oder Brot zur Kultur erklären.

Oder Jughurt, der hat ja schon genug

Kulturen.“

Marco Buschmann auf dem BuKo:

„Es gilt hier wohl zum guten Ton, vor

den Reden ein Bekenntnis abzugeben.

Also, ich rauche nicht, trinke nicht und

kiffe nicht…“

Stefan Magerstedt: „Langweiler!“

Beim Landeskongress:

Mauritz: „Ach, ganz praktisch das jetzt

der Krankenwagen kommt, ein Taxi

hätte ich mir eh nicht mehr leisten

können.“

Aktion „Der Jugend steht das Wasser

bis zum Hals“ in der Fußgängerzone.

Passantin erblickt Felix Hemmer in

der Regentonne sitzend und kommentiert

staubtrocken: „Schön ist das

aber nicht ...“

Gleiche Aktion, Passanten tippen immer

wieder ihre Finger in das Wasser,

um dessen Temperatur zu prüfen.

Felix: „Hallo, Flyer nehmen!

Nicht Händewaschen!“

JULI MAGAZIN 15


Junge Liberale Landesverband NRW e.V. - Sternstr. 44 - 40479 Düsseldorf

MSPS Werbeagentur, Köln - www.msps.de

Wir freuen uns, euch beim

Landespolitischen programmatischen Wochenende

vom 10.-12. August 2007 in Aachen

wieder zu sehen!

(Anmeldungen und weitere Infos unter www.julis-nrw.de)

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine