Silent Screams - Wenn der Tod nicht das Ende ist

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Silent Screams - Wenn der Tod nicht das Ende ist

Ein kurzes Vorwort

Silent Screams ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die auf Orte

eingeht, an denen es spuken soll und wie es dazu kommen konnte.

Die Informationen, die in diesem Buch geteilt werden, basieren

größtenteils auf Fakten, bei einigen Dingen jedoch, musste die

Fantasie der Autorin herhalten, da man keine oder nur schwammige

Informationen erhalten konnte.

Die Orte, die hier um- und beschrieben werden, hat die Autorin

selbst besucht, und dort natürlich auch ihre eigenen Erfahrungen

gesammelt, die sie hier wiedergibt.

Die Kurzgeschichten sind in jeweils drei Teile aufgeteilt.

Der erste Teil gibt eine kurze Information zum Ort des Geschehens,

der zweite Teil beschreibt das Erlebnis, weswegen die spukenden

Seelen sich immer noch dort aufhalten, der dritte Teil beinhaltet den

Spuk, der heute noch an den betreffenden Orten vorkommen soll.

Ein besonderer Dank gilt hier den Ghost Hunter Teams, für ihre

Arbeit mit und um Geister herum, den vielen Historikern, die in die

Tiefen der Geschichten dieser Orte eingetaucht sind, und diese durch

ihre Verbreitung lebendig halten und den vielen Zeugen, und deren

Tatsachenberichte, denn ohne sie, währe dieses Buch niemals

entstanden.

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Verstummende Schreie

Nevada 1902.

Nachdem in Goldfield die ersten Goldfunde gemacht wurden, war

der Andrang groß.

Bis 1904 hatten Arbeiter in den Mienen Gold im Wert von über

2.000.000 Dollar abgebaut.

1906 Erreichte Goldfield eine Einwohnerzahl von über 30000

Bürgern.

1908 Errichtete George Wingfield das Goldfield Hotel.

154 Zimmer, von denen jedes seine eigene Geschichte hat.

Eine dieser Geschichten wird hier niedergeschrieben, es ist die

Geschichte von Elizabeth, die die letzten Stunden ihres Lebens in

Zimmer 109 verbrachte ...

***

Elizabeth krümmte sich erneut unter einer Welle starker Schmerzen,

die ihren Unterleib zerreißen zu schienen. Wie hatte das alles nur

passieren können? Vor wenigen Monaten nur hatte sie ihr weiteres

Leben klar vor Augen gehabt, doch nun ...

Sie versuchte sich, trotz der Ketten, die um ihre Handgelenke lagen,

in eine Position zu setzen, in der der Schmerz nicht ganz so schlimm

war. Sie biss ihre Zähne zusammen um den Schrei, der sich in ihrer

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Kehle hocharbeitete, zu unterdrücken. Es war, als würde sich Feuer

durch ihre Eingeweide fressen.

Ihr Blick verschwamm und Elizabeth versuchte an bessere Zeiten zu

denken. Zeiten, in denen sie die beliebteste und begehrteste

Gesellschafterin hier war. Nun, Gesellschafterin war natürlich ein

Ausdruck, der nicht ganz passte. Die Männer, denen sie ihre

Aufmerksamkeit schenkte, nannten sie nur gerne so, weil sie sich

dann besser fühlten. Und sie hatte jedem Mann ihre Aufmerksamkeit

geschenkt, solange er nur genug hatte zahlen können.

Elizabeth versuchte ihren Atem zu kontrollieren und merkte wie der

Schmerz langsam nachließ. Die Ruhe täuschte. Es würde nicht lange

dauern, bis die nächste Schmerzwelle Besitz von ihr ergreifen würde.

Sie versuchte, während dieser kurzen Phase der Ruhe Kraft zu

tanken.

Sie blickte hinauf zu ihren wund gescheuerten Handgelenken, die mit

den schweren Ketten an das Heizungsrohr gefesselt waren. Niemals

hätte sie gedacht ... Nun, das würde nun auch nichts mehr ändern.

Seit mehreren Monaten nun schon war das Zimmer, auf dessen Tür

außen in goldenen Zahlen 109 stand, ihr Gefängnis. Sie hatte

gepokert und verloren. Wie hatte sie sich nur so sehr täuschen

können? Hatte sie nicht alles für ihn getan?

Eine neuerliche Welle des Feuers, das ihren Körper nun schon

mehrere Stunden malträtierte, durchfuhr sie. Dieses Mal konnte

Elizabeth einen Schrei nicht zurückhalten. Sie hatte in den letzten

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Monaten nun schon so oft geschrien, doch niemand hatte sie gehört.

Oder niemand wollte sie hören. Zu groß war die Angst vor ihrem

Peiniger.

Sie hatte gleich zu Beginn, bei der Eröffnung 1908 angefangen als

Prostituierte hier zu arbeiten. Goldfield in Nevada ...

Seit den ersten Goldfunden 1902 versprach dieser Ort für viele

Menschen Reichtum und Macht. Wohin sonst sollte eine ehrgeizige

Hure sich wenden, wenn nicht hier?

Und sie hatte Erfolg gehabt. Schon von Beginn an. Schnell war sie in

der Lage gewesen, sich nur die reichen Männer auszuwählen und

ihre Preise dem auch anzupassen. Und dann war er aufmerksam auf

sie geworden. Nie hätte sie sich träumen lassen, dass ein Mann wie

er sie zu seiner Geliebten machen würde.

Schnell musste sie überhaupt keine Kunden mehr bedienen, weil er

schnell eifersüchtig wurde. Er untersagte ihr, weiter Kunden

anzunehmen und von da an war sie nur noch dafür zuständig, ihn

zufriedenzustellen und die anderen Mädchen zu überwachen.

Sie hatte dieses Leben genossen. Sie fand es herrlich, ihren Körper

nur noch einem Mann hingeben zu müssen und bei ihm hatte sie es

sogar gerne getan. Doch dann ...

Der Schmerz ließ nach und Elizabeths Gedanken brachen ab. Sie

zitterte und ihre blondes, einstmals so glänzendes Haar, hing in

losen Strähnen wirr um ihren Kopf herum. Schweiß ließ es an ihrem

Gesicht kleben. Elizabeth schluckte und sah an sich herunter. Das

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Kleid, das sie nun schon so viele Monate tragen musste, war von

Dreck durchsetzt und stank nach ihrem eigenen Schweiß und

Ausscheidungen. Sie hatte versucht, solange es für sie möglich

gewesen war, darauf zu achten, es nicht zu sehr zu verschmutzen,

doch nun war dies nicht mehr möglich. Doch neben all dem Dreck

machte ihr etwas anderes Sorgen. Der rote Fleck zwischen ihren

Beinen, der immer größer und größer wurde.

Wieder kam der Schmerz. So oft sie es sich auch vornahm, Elizabeth

konnte sich einfach nicht darauf vorbereiten. Ihr Oberkörper drückte

sich durch und sie biss erneut ihre Zähne zusammen. Sie wollte sich

nicht noch mal die Blöße geben zu schreien. Auch wenn er sich nicht

zeigte, sie wusste, dass er sie hören konnte.

Wie konnte sie etwas, was ihr Leben so auf den Kopf gestellt hatte,

was ihre ganze Zukunft, all ihre Träume zerstört hatte, so sehr

lieben. Sie brauchte es, so wie es sie auch brauchte. Obwohl es für

all ihre Qualen verantwortlich war, wollte sie nicht, dass ihm etwas

passierte. Sie musste darauf vertrauen, dass er, sobald er es

ebenfalls erkannte, sie einfach ziehen lassen würde. Sie würde ihm

versprechen nie wieder hier aufzutauchen, wenn er sie nur gehen

lassen würde. Sie würde ihm alles versprechen, wenn er sie nur

endlich aus diesem stinkenden, dunklen Hotelzimmer lassen würde.

Der Schmerz ließ erneut nach. Elizabeth atmete tief ein und

unterdrückte die Tränen, die versuchten, sich in ihre Augen zu

schleichen. Weinen brachte sie nicht weiter! Sie musste sich etwas

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einfallen lassen. Es musste etwas geben was ihn dazu brachte,

Erbarmen zu haben.

Als der Schmerz erneut kam lachte sie auf, beinahe hysterisch. Wie

konnte sie nur glauben, dass er Erbarmen haben würde. Er war

Geschäftsmann, mehr nicht. Er hatte sie sich nur zur Geliebten

genommen, weil sie die begehrteste aller Huren war, nicht weil er sie

liebte. Und sie war blöd genug gewesen sich von seinem Reichtum,

seiner Macht und seinem Charme blenden zu lassen. Nun sah sie ja,

was sie davon hatte. Sie saß eingeschlossen, in dem Zimmer 109 und

war an eine Heizung gekettet, gepeinigt und gequält von

unerträglichen Schmerzen.

Der Druck wurde stärker und ihr wurde klar, dass sich an dem

Schmerz etwas verändert hatte. Es war an der Zeit, dass sie presste.

Wenn sie nicht irgendetwas unternahm würden sie beide sterben, sie

und ihr Baby.

Irgendwann, es war noch gar nicht so viele Monate her, war ihre

Regel ausgeblieben. Sie hatte gedacht er würde sich genau so freuen,

wie sie. Sie hatte wirklich geglaubt, er würde sie heiraten. Sie war so

verdammt dumm gewesen. So unglaublich naiv. Sie war zu ihm

gegangen, als sie ganz sicher war, und hatte es ihm gesagt. Er hatte

sie ausgelacht. Dann war er wütend geworden und hatte darauf

bestanden, dass dieses Kind, ihrer beider Kind, niemals das Licht

der Welt erblicken durfte. Er hatte einen Arzt aus einer anderen

Stadt kommen lassen, der sich „dem Problem,“ wie er es nannte,

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annehmen sollte. Sie hatte vor ihm gelegen und seine Instrumente

gesehen. In dem Augenblick, in dem sie sah, wie er ein wenig

Chloroform auf einen Lappen träufelte, wurde ihr klar, dass sie es

nicht konnte. Es war ihr Baby und es sollte leben. Ein böser

Fehler ...

Als der Schmerz dieses Mal nachließ brachen ihre Gedanken nicht

ab. Sie war gefangen in dem Tag vor vier Monaten.

Nachdem der Arzt gegangen war, kam er in den Raum gestürmt. Er

schlug sie, bis sie zu Boden ging, beschimpfte sie und trat auf sie ein.

Elizabeth hatte sich zusammengekauert um ihren Bauch, um das

ungeborene Leben dort drinnen zu schützen und irgendwann hatten

die Schläge tatsächlich nachgelassen. Sie hatte gehofft, er würde sie

gehen lassen, doch er hatte eine Kette hervorgeholt und sie an ihrem

Haar zu der Heizung gezogen. Während er sie mit den Ketten an der

Heizung fesselte, flehte sie ihn an, versprach ihm, alles zu tun,

solange sie nur mit dem Baby gehen durfte. Doch er hatte sie keines

Blickes mehr gewürdigt. Er hatte das Zimmer verlassen und war nur

noch sporadisch wieder gekehrt. Essen und Trinken erhielt sie so

unregelmäßig, dass sie oftmals dachte, verdursten oder verhungern

zu müssen.

Inzwischen waren ihre einladenden Kurven verschwunden. Sie war

abgemagert, ihre Wangen waren eingefallen und ihr gewölbter

Bauch gab ihrem Körper eine ungewöhnliche Form. Eine neuerliche

Presswehe kam und Elizabeth spannte ihren Körper an und presste

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so fest sie konnte. Sie spürte, wie sich etwas tat. Der Schmerz war

unerträglich, doch zwischen ihren Beinen konnte sie spüren, wie ihr

Baby sich seinen Weg auf diese Welt bahnte. Wenn sie es doch nur in

ihre Arme schließen könnte. Doch mit ihren Fesseln war ihr das

leider unmöglich. Einmal noch presste sie und schließlich spürte sie,

wie ihr Körper sich entspannte, und hörte ein leises hohes Wimmern.

Elizabeth lachte erschöpft und erleichtert. Sie hatte es geschafft. Sie

hatte ihr Baby geboren und sie waren beide noch am leben. Nun,

mehr oder minder.

Das Schreien des Säuglings, der immer noch zwischen ihren Beinen

lag, wurde drängender. Sofort überkamen Elizabeth Schuldgefühle.

Wie konnte sie ihr Kind nur in eine solche Welt bringen? Sie hörte

ein Geräusch von der Tür her, das sich über das Wimmern hinweg

seinen Weg zu ihr bahnte. Sie blickte auf und starrte gebannt auf die

Tür. Der goldschimmernde Türknauf drehte sich und die Tür öffnete

sich langsam. Er trat ein und betrachtete die Situation. Elizabeth,

geschwächt durch die Strapazen der Geburt, war unfähig, etwas zu

sagen, oder sich zu rühren. Er kam auf sie zu und kniete vor ihr

nieder. Wenn sie die Kraft gehabt, und ihr neugeborenes Kind nicht

zwischen ihren Beinen gelegen hätte, hätte sie ihm einen Tritt

versetzt. Er hob mit kaltem Blick den Rock ihres Kleides an und zog

ihr kleines Wunder hervor. Er tat es nicht sanft oder umsichtig, was

ihr Baby noch mehr zum Schreien brachte.

Er schüttelte seinen Kopf: „Und dafür gibst du all das auf, was ich

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dir ermöglicht habe.“

In seiner Stimme schwang falsches Mitleid mit, was in Elizabeth

Übelkeit hervorrief. Sie blickte auf das wimmernde Kind in seinen

Händen. Ein Mädchen! Nun traten ihr doch Tränen in die Augen. Sie

hatte eine Tochter. Er stand, mit dem wimmernden Säugling in

seinen Händen, auf und blickte gefühllos auf sie herab. Ein

diabolisches Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Er packte das

Kind bei den Füßen und ließ es, mit dem Kopf in Richtung Boden,

vor ihr herunterhängen. Ihre Tochter schrie nun kläglich.

„Bitte nicht!“, flüsterte Elizabeth.

Er lachte, kalt und berechnend: „Arme Liz. Trotz all der

Läuterungen bist du nicht ein bisschen schlauer geworden.“

Er war der Teufel! Wieso sah sie das erst jetzt? Er hob das Kind ein

wenig höher und betrachtete es uninteressiert. Ihre Tochter schrie

noch lauter. Er seufzte und holte aus und schmiss das kleine

Geschöpf gegen die Wand. Während das Wimmern des Kindes sofort

erstarb, brach nun ein lauter, gequälter, leidender Schrei aus

Elizabeth Kehle hervor.

„Du Monster! Der Teufel soll dich holen.“ Sie schrie immer weiter.

Er drehte sich langsam zu ihr um und kniete wieder vor ihr nieder.

Sie trat nach ihm, bespuckte ihn und warf ihm Verwünschungen

entgegen mit der wenigen Kraft, die ihr noch geblieben war.

Während sie all das tat liefen ihr unablässig Tränen über ihre

Wangen.

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„Ich verfluche dich George Wingfield!“

Das war das Letzte, was sie sagte, bevor sich seine Hände um ihre

Kehle legten und zudrückten. Sie versuchte sich zu wehren, während

der Druck immer stärker wurde und ihr die Luft zum Atmen nahm.

Durch die Mangelernährung in den letzten Monaten waren ihre

Knochen geschwächt, und so war das Letzte, was Elizabeth in ihrem

Leben hörte, das Knacken, mit dem ihr Genick brach.

***

Bis heute weiß niemand, ob Elizabeth tatsächlich von George

Wingfield getötet wurde, oder wie es geschah. Tatsache ist nur, dass

Elizabeths verschwinden plötzlich und ohne Grund geschah.

Bis zum heutigen Tage hält sich das Gerücht, dass der Geist

Elizabeths sich immer noch im Goldfield Hotel aufhält, auf der

Suche nach ihrem Kind und um sich an George Wingfield zu rächen.

Zeugen berichten von seltsamen Vorkommnissen, die sie in dem

Hotel erlebt haben wollen, von dem Schreien eines Babys, das nachts

zu hören ist, bis hin zum Wahrnehmen mehrerer Präsenzen.

Weiteren Gerüchten zufolge hält sich auch George Wingfield

weiterhin in dem Hotel auf, in dem er einst die junge Frau ermordete

und schließlich sein eigenes Kind, das ihm ebenfalls zum Opfer

gefallen war, in einem stillgelegten Minenschacht entsorgt hat.

Auffällig ist, das unter dem Hotel mehrere Leylines verlaufen, und

sich genau unter dem Punkt, an dem das Hotel erbaut wurde,

zusammentreffen.

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Die Aktivitäten reichen von Poltergeistaktivitäten, über Stimmen

oder dem Wahrnehmen von Berührungen bis hin zu tätigen

Angriffen.

Auch berichten viele Besucher des Hotels von nicht zu erklärenden

Gefühlsregungen oder auch von kalten Stellen, die in dem Hotel

immer wieder auftreten.

***

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Raum 109 heute.

Goldfield-Hotel, Nevada heute.

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Schreie in der Nacht

Villisca.

Ein abgelegenes Städtchen in Iowa.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Villisca überschaubare 2500

Einwohner.

Am frühen Morgen des 10.06.1912 wurde dieses kleine Dorf in

Aufruhr versetzt.

In einem kleinen Haus fand man die Leichen von Joe B. Moore (43),

seiner Frau Sarah (39), ihren gemeinsamen Kindern Herman (11),

Katherine (10), Boyd (7), Paul (5) sowie der beiden Nachbarskinder

Lena (11) und Ina (8) Stillinger.

Am Abend vorher hatten sie am "Cildrens´s Day" ihrer Kirche

teilgenommen.

Was war in der Nacht passiert?

Wer brachte den Geschäftsmann und seine Familie so grausam um?

***

Er hockte in der kleinen Abstellkammer im Dachboden und wartete.

Er konnte hören, wie sie sich im Haus bewegten, ihre Kinder zu Bett

brachten, ihnen noch eine gute Nacht wünschten.

Die Nacht würde für keinen von ihnen gut werden.

Er hockte nun schon so lange in dem kleinen Raum, am liebsten

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würde er sich bewegen, nur um seine Muskeln ein bisschen strecken

zu können, denn sie schmerzten nach der langen Zeit, in der gleichen

Position, schon sehr.

Jemand ging direkt an dem Raum, in dem er sich nun schon so viele

Stunden versteckte vorbei.

Blieb er nicht gleich vor der Tür stehen?

Er hielt seinen Atem an und hoffte im Stillem, dass niemand auf die

Idee kam, die Tür zu öffnen.

Nach einigen Sekunden stille, konnte er hören, wie sich die Schritte

von der Tür entfernten und er atmete leise auf.

Er umpackte den Holzstiel in seiner Hand noch fester und lächelte

angespannt.

Heute Nacht war es so weit. Nach der heutigen Nacht würde nichts

mehr so sein wie früher. Nie wieder.

Er hatte alles genaustens geplant, hatte sogar den Childrens Day mit

allen gemeinsam gefeiert. Dann hatte er sich weggeschlichen und in

sein Versteck gegangen.

Seit dem saß er hier, mit der Axt in der Hand und wartete. Erst wenn

sich alle schlafen gelegt hatten, würde er seinen Plan ausführen

können.

Der Abstellraum war gleich am Zimmer der Eltern, sodass er

beschlossen hatte, bei ihnen anzufangen. Nun, eigentlich hatte er es

ohnehin vorgehabt.

Die Kinder waren nun wohl im Bett, denn er konnte hören, wie sich

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die Eltern nun in ihr Schlafzimmer begaben. Dafür mussten sie

erneut an seinem Versteck vorbei.

Erneut hielt er die Luft an. Er konnte seinen eigenen Herzschlag so

laut hören, dass er befürchtete, er könnte ihn verraten.

Natürlich entdeckte man ihn nicht. Er hörte zu, wie sie sich eine

angenehme Nachtruhe wünschten und dann ebenfalls ins Bett legten.

Der Tag war lang gewesen, besonders für Sarah, die aktiv in der

Gemeinde war und mitgeholfen hatte, den heutigen Tag zu

organisieren, sodass sie beinahe gleich einschliefen.

Er wartete trotzdem noch ein wenig, nur um sicherzugehen.

Sie waren um elf Uhr in der Nacht heimgekommen, das wusste er,

weil er die Schläge der Standuhr gehört hatte, als sie das Haus

betreten hatten. Wie viel Zeit war seit dem vergangen?

Wie lange sollte er warten, bis er sein Versteck verlassen konnte?

Wenn sie nicht wirklich alle schliefen, dann wäre seine ganze

Vorbereitung umsonst gewesen.

Der kleinste Schrei würde alle Bewohner des Hauses und vielleicht

sogar die Nachbarn alarmieren.

Er wusste nicht, wie viel Zeit verging, bis er die schwere Standuhr

Mitternacht schlagen hörte.

Ob er es nun wagen konnte?

Grade als er sich erheben wollte, um sein Versteck zu verlassen,

konnte er ein Geräusch hören und er erstarrte in seiner halb

stehenden, halb hockenden Position.

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War da jemand noch mal aufgestanden?

Er wagte es kaum zu atmen, geschweige denn, sich wieder

hinzusetzen.

Nachdem er einige Minuten kein weiteres Geräusch vernommen

hatte, setzte er sich wieder hin. Es war besser, wenn er noch etwas

wartete.

Als die Standuhr schließlich eins schlug, beschloss er, dass es nun an

der Zeit war zu handeln.

Wieder erhob er sich und diesesmal hörte er kein Geräusch, das ihn

aufhalten konnte.

Leise verließ er sein Versteck und wandte sich nach rechts um.

Nur wenige Schritte und er stand direkt vor dem Bett von Joe und

Sarah. Sie schliefen beide tief und fest.

Er packte den Stiel in seiner Hand fester und zögerte kurz. Dann hob

er den Stiel der Axt über seinen Kopf. Wieder ein zögern ...

Schließlich schlug er zu, direkt in Joes Gesicht.

Es war ein komisches Gefühl, doch er achtete gar nicht auf das Blut,

die Knochensplitter, sondern löste seine Axt aus dem zerschlagenen

Gesicht des Geschäftsmannes und hob sie erneut. Durch den Ruck,

den sein erster Schlag ausgelöst hatte, war Sarah wach geworden.

Sein Glück war, dass sie nicht gleich realisierte, was passiert war,

denn so konnte er, bevor sie auch nur zu einem Schrei ansetzen

konnte, auch sie mit einem Hieb seiner Axt zum Schweigen bringen.

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Wieder traf er genau das Gesicht und die Blutspritzer verteilten sich

auf seiner Kleidung, seinen Händen, seinem Gesicht.

Er achtete nicht darauf. Er war von seinem Blutrausch vollkommen

gefangen genommen worden.

Er ging weiter, nur über den Flur, dann war er im Zimmer der

Kinder.

Sie alle hatten von dem, was sich im Schlafzimmer abgespielt hatte,

nichts mitbekommen.

Hier würde es schwieriger werden. Sie waren zu viert. Er schüttelte

seinen Kopf. Er musste nur schnell genug sein.

Als er im Kinderzimmer stand, überlegte er kurz, welchem Bett er

sich zuerst zuwenden sollte. Dem der Jungen oder dem des

Mädchens.

Er entschied sich für die Jungen. Jungen waren wagemutiger. Wenn

einer von ihnen wach werden würde, dann könnten sie auf die Idee

kommen, sich auf ihn zu stürzen, oder wegzulaufen, um Hilfe zu

holen. Da musste er gleich verhindern, indem er sie zuerst tötete.

Erst den älteren. Wieder hob er seine Axt und ließ sie dieses Mal auf

seine Brust knallen. Die Schneide schnitt durch den Stoff seines

Schlafanzuges, genau wie durch seine Haut, sie machte keinen

Unterschied bei dem, was sie zerschnitt.

Nach Herman wandte er sich Boyd zu. Der siebenjährige Junge

schlief immer noch.

Ein weiterer Schlag mit seiner Axt, und er schlief für immer.

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Nun war Paul dran, der Kleinste von ihnen. Fast tat er ihm ein

bisschen leid, doch er musste es tun!

Noch ein Schlag, und auch er würde nicht mehr unter den Lebenden

weilen.

Er drehte sich langsam und immer noch sehr leise zu dem

schlafenden Mädchen um.

Das sie immer noch schlief wunderte ihn, doch wahrscheinlich kam

er sich lauter vor, als er in Wirklichkeit war.

Er trat zu ihnen ans Bett, den vor Blut verschmierten Axtgriff mit

beiden Händen umklammert.

Er schluckte, als er sah, wie unschuldig das Mädchen, in ihrem

Schlaf, aussah.

Einen Atemzug später jedoch hob er die Axt erneut an und ließ sie

heruntersausen. Dieses Mal war Kathrine sein Opfer.

Als er dafür gesorgt hatte, dass auch Kathrine nie wieder erwachen

würde, ließ er die Axt, mit zitternden Händen, sinken.

Seine Arbeit war noch nicht getan, doch die Standuhr schlug bereits

zwei. Er hatte nicht mehr viel Zeit.

Er drehte sich, mit einem letzten Blick auf Kathrine, um und verließ

das Kinderzimmer, um dann leise die Treppe hinunter.

Er hatte heute in der Kirche gehört, dass die Moores nicht alleine im

Haus sein würden, in dieser verhängnisvollen Nacht. Zu schade für

die beiden Mädchen. Sie waren einfach zur falschen Zeit am falschen

Ort.

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Als er die letzte Stufe der Treppe genommen hatte, ging er

gradewegs zum Wohnzimmer. Es war die einzige Verbindung zum

Nähzimmer, in dem Lena und Ina schliefen.

Er betrat es und ging sogleich auf das Bett zu. Nur noch die beiden,

und er konnte den Rest seiner Aufgabe erfüllen.

Als er vor dem Bett der beiden Kinder stand, befiel ihn mit einem

Mal ein sehr eigenartiges Gefühl.

Er sah plötzlich alles nur noch wie durch einen roten Filter.

Er hob die Axt und schlug zu. Immer und immer und immer wieder.

Er schlug so lange auf die beiden Mädchen ein, bis er schließlich

erschöpft zu Boden sank. Schwer atmend und mit zitternden Armen.

Er brauchte einige Minuten, bis er sich erheben konnte.

Der rote Filter, der sich über seine Sicht gelegt hatte, war

verschwunden, doch da war immer noch dieses Gefühl ...

Er schüttelte sehr langsam seinen Kopf und blickte emotionslos auf

die beiden Mädchen, die als solche gar nicht mehr zu erkennen

waren.

Er musste noch etwas machen, bevor er ging.

Ohne darüber nachzudenken, wieso er es tat, begann er die Leichen

der beiden Kinder zuzudecken.

Als er das getan hatte, verhing er auch sämtliche Spiegel und

Fenster im Haus.

Als Letztes ging er erneut nach oben, um auch dort die Leichen und

sämtliche Fenster und Spiegel zu verhängen.

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Als er mit seinem Werk zufrieden war, stieg er die Treppe wieder

hinab und verließ das Haus.

***

Am Morgen nach dieser Nacht wunderte sich die Nachbarin Mary

Peckham der Familie Moore über die ungewöhnliche Stille, die über

dem Haus lag. Sie ging hinüber und stellte fest, dass die Vordertür

verschlossen war.

Als sie bis zum Nachmittag weder etwas von Sarah, noch von den

Kindern gehört hatte, rief sie aus Sorge Ross Moore, den Bruder von

Joe, an.

Dieser kam so schnell wie möglich und betrat gemeinsam mit Mary

das Haus.

Sie fanden die Leichen und riefen darauf hin sofort die Polizei.

Natürlich waren auch sogleich sämtliche Nachbarn alarmiert, und so

mussten die Polizisten bei ihrem Ankommen feststellen, dass es

keine verwertbaren Spuren gab, da die Nachbarschaft bereits im

Haus gewesen war.

Sehr eigenartig fanden sie, dass sämtliche Fenster und Spiegel im

Haus verhangen waren.

Die Leichen von Lena und Ina waren so entstellt, dass man sie

lediglich an ihrer Kleidung und ihren Bibeln identifizieren konnte.

Im Laufe der Ermittlungen fanden sich vier verdächtige, doch weder

Frank F. Jones, William Mansfield, Reverend George Kelly noch

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Andy Sawyer konnte der Mord an der Moore Familie und den beiden

Nachbarskindern nachgewiesen werden.

Reverent Kelly hatte ebenfalls den Childrens Day besucht, reiste aber

in den frühen Morgenstunden des darauffolgenden Tages mit dem

Zug ab. Ein älteres Paar gab später an, dass er im Zug über die

Morde gesprochen haben soll, bevor man die Leichen in Villisca

entdeckt hatte. Kelly bekannte sich Jahre später zu den Morden, aber

die Klage wurde fallen gelassen. Nach einigen Problemen mit der

ersten Jury, und Kellys Wiederrufung seines Geständnisses, hatte ihn

die Zweite freigesprochen.

William Mansfield, war zu dieser Zeit grade aus dem Gefängnis

entlassen worden. Er hatte 1904 seine eigene Frau und Baby mit

einer Axt erschlagen. Zudem ähnelten sich die Tatorte sehr stark.

Dann ging das Gerücht um, dass Mansfeld von Frank Jones

angeheuert worden war. Man brachte ähnliche Axtmorde in Kansas

und in Colorado damit in Verbindung. Theoretisch hätte Mansfield

die Möglichkeit gehabt, an jedem dieser Tatorte gewesen zu sein.

Mehrere Ghost Hunter Teams haben im Laufe der vergangenen Jahre

das Haus auf paranormale Phänomene untersucht und dabei

erstaunliche und beängstigende Ergebnisse zutage gebracht.

Neben visuellen Aufnahmen auf Fotos und physischen Attacken gab

es auch Audio aufnahmen.

2010 erhielt eines dieser Teams ein EVP (Electronic voice

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phenomenon / Tonbandaufnahmen von Geisterstimmen) das

folgende Nachrichten enthielt.

Auf die Frage, wer anwesend sei, ertönte auf dem EVP die Antwort:

I killed six kids (Ich habe sechs Kinder getötet)

Auf die Frage, wieso der Täter die Kinder ermordet hatte, antwortete

die gleiche Stimme:

'cause they don't step in haven yet (Weil sie nun nicht in den Himmel

kommen)

Was bewegte den Mörder dazu, eine ganze Familie auf so grausame

Weise auszulöschen?

Und wieso verhüllte er sämtliche Spiegel und Fenster?

Wollte er verhindern, sein eigenes Gesicht zu erblicken, um nicht zu

sehen, wie ein wahres Monster aussieht?

***

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Villisca Axe murderer house heute.

Bilder der Opfer

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Klagende Schreie

Wilder Kentucky.

In einem Schlachthaus wurde 1896 die damals schwangere, Pearl

Bryan umgebracht. Sie war grade 22 Jahre alt.

Ihr Kopf, der unter dem fünften Halswirbel abgetrennt wurde, wurde

niemals gefunden.

Ihre Mörder, Scott Jackson und Alonzo Walling wurden gut ein Jahr

später gehangen. Man ging davon aus, dass sie in dem stillgelegten

Schlachthaus ein satanisches Ritual abgehalten hatten.

Dies war nur der Auftakt zu einer langen und traurigen Geschichte.

In den 1920er Jahren bekam das Schlachthaus einen neuen Besitzer,

der es zu einem Club umbaute. Seine Tochter Johanna arbeitete doch

als Tänzerin. Sie verliebte sich in Robert Randall, doch ihr Vater war

gegen diese Beziehung und wählte den für sich einfachsten Ausweg.

Er brachte Robert Randall um.

Johanna zerbrach daran, ihre große Liebe zu verlieren und beschloss,

den Tod ihres Liebsten zu rächen.

***

Johanna hob ihren Kopf, während sie darauf wartete, dass das

Wasser begann zu kochen. In den letzten Wochen hatte sie sich selbst

ständig davon abhalten müssten zu weinen, so wie auch in diesem

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Moment.

Alles war so dunkel, seit er weg war. Seit er ihr genommen wurde,

durch die Hand ihres Vaters.

Sie hatte schon die gesamte Zeit den Verdacht gehabt, dass ihr Vater

etwas mit dem Verschwinden von Robert zu tun hatte, doch seit

letzter Nacht hatte sie nun Gewissheit.

Sie hatte ein Gespräch belauscht, zwischen ihrem Vater und einem

seiner Geschäftspartner, und seit dem wusste sie es.

Sie schlang ihre Finger ineinander, um das Zittern ihrer Hände unter

Kontrolle zu bekommen. Ihre Tränen schluckte sie runter.

Er durfte ihr nicht anmerken, dass sie immer noch um Robert

trauerte.

Der Kessel pfiff und Johanna wandte sich zum Herd um. Mit einem

Handtuch, das sie vorsichtig um den Griff legte, hob sie den Kessel

vom Herd herunter und stellte ihn daneben.

Während sie den Tee zubereitete, wurde sie immer ruhiger. Es war

erschreckend, wenn man bedachte, was vor ihr lag.

Sie wartete, bis der Tee fertig war, und zog dann das kleine braune

Fläschchen aus der Tasche ihrer Schürze, dass sie heute am frühen

Morgen bei einem hiesigen Apotheker erstanden hatte.

Als sie den kleinen, schwarzen Deckel abdrehte, zitterten ihre Hände

nicht mehr.

Der Inhalt des gesamten Fläschchens landete in dem Tee, den sie für

ihren Vater zubereitet hatte.

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Er trank ihn jeden Morgen, und sie musste ihn jeden Morgen für ihn

zubereiten.

Als sie den Tee umgerührt und kräftig gesüßt hatte, stellte sie die

Kanne zusammen mit einer Tasse auf ein Tablett.

Johanna atmete noch einmal tief durch, hob dann das Tablett an und

machte sich auf den Weg in das Arbeitszimmer ihres Vaters.

Als sie vor der Tür stand, lagerte sie das Tablett so, dass sie es auf

einer Hand balancieren konnte und klopfte mit der anderen Hand an

die Tür.

Die Stimme ihres Vaters forderte sie auf, einzutreten.

„Guten Morgen“, sagte sie und zwang sich zu einem Lächeln. Ihr

Vater musterte sie kalt und schüttelte dann seinen Kopf.

„Jammerst du etwa immer noch wegen dem Kerl, der dich sitzen

gelassen hat? Lass es bleiben! Du hast heute Abend einen Auftritt,

vergiss das nicht. Bereite dich darauf vor und sorge dafür, dass du

ordentlich aussiehst!“

Johanna schluckte, konnte jedoch als Antwort nur nicken.

Sie stellte das Tablett auf den Tisch und wartete, ob er noch eine

andere Anweisung für sie hatte.

Als er nichts sagte, verließ sie das Arbeitszimmer und schloss die

Tür hinter sich.

Draußen lehnte sie sich gegen die Wand und atmete mehrere Male

tief durch.

Sie hatte es getan! Sie hatte ihren eigenen Vater vergiftet und so

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würde er für das bezahlen, was er ihren geliebten Robert angetan

hatte.

Sie ging hinunter in ihr Ankleidezimmer, der Ort, wo sie ganz allein

für sich sein konnte. Der Ort, wo sie so viele heimliche Küsse mit

Robert ausgetauscht hatte, und noch so viel mehr.

In dem Wissen, dass ihr Vater heute noch sterben würde, traf sie

einen Entschluss.

Sie nahm sich einen Stift zur Hand und begann aus einem Impuls

heraus zu schreiben, direkt auf die Wand.

Meine Liebe ist tief wie das Meer,

Sie fließt für alle Zeiten,

Du fragst mich, wann wird sie Enden?

ich sage dir, nie!

Meine Liebe ist hell wie die Sonne

du fragst mich, wann wird sie Enden?

Ich sage dir, nie!

Wie eine Sandburg, mag die Welt versinken,

Ich werde hier stehen und warten

mein Herz in der Hand

du fragst mich, wann werde ich sterben?

Ich sage dir, nie!

Als sie den Stift wieder absetzte, starrte sie auf ihre Worte und

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dachte an Robert. An den Mann, den sie über alles auf der Welt

liebte. An den Mann, der nun Tod war, durch die Hand ihres eigenen

Vaters.

Sie wollte und konnte nicht ohne ihn weiterleben.

Sie erhob sich und ging hinüber zu ihrem Schminktischen.

Hier würde sie alles finden, was sie benötigte, um ihren Leben ein

Ende zu setzten.

Sie würde ohnehin in die Hölle kommen, was machte es da schon

aus, wenn sie sich selbst das Leben nahm?

Doch bevor sie es tat, musste sie sichergehen,

dass auch ihr Vater nicht mehr lebte, ansonsten würde sie es nicht

tun können.

Johanna stand auf und ging wieder hinauf, in das Arbeitszimmer

ihres Vaters.

Vor der Tür blieb sie erneut stehen und klopfte. Sie erhielt keine

Antwort.

Sie klopfte erneut, doch auch dieses Mal blieb alles stumm.

Vorsichtig öffnete Johanna die Tür und sah in den Raum hinein.

Ihr Vater lag vornübergebeugt auf seinem Schreibtisch, neben seiner

rechten Hand, lag eine umgekippte Tasse Tee.

Wirkte das Gift wirklich so schnell? Oder war es einfach die Dosis,

die sie genommen hatte.

Sie ging hinüber zu ihm und betrachtete ihn genau. Er atmete nicht

mehr.

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Sie ging noch näher heran, betrachtete sein Gesicht, nur um

sicherzugehen.

Als sie feststellte, dass er wirklich tot war, lächelte sie, das erste Mal

seit Roberts Verschwinden.

Nun konnte auch sie sterben. Sie hatte nichts mehr, wofür es sich

lohnte, noch auf dieser Welt zu bleiben.

Sie beschloss den gleichen Weg zu nehmen, den sie auch für ihren

Vater gewählt hatte.

Die Kanne mit dem Tee war noch halb voll, so konnte sie den Rest

trinken.

Sie nahm die Tasse ihres Vaters in ihre Hand und füllte sie.

Johanna blieb noch eine Weile so neben ihren Vater stehen und

betrachtete ihn, dann hob sie die Tasse an ihre Lippen, um sie in

einem Zug zu leeren.

***

Johanna wurde später im heutigen Keller des Clubs gefunden. Die

Autopsie ergab, das sie, genau, wie Pearl Bryan, damals bei ihrem

Tod, im fünften Monat schwanger gewesen war.

1978 kaufe Bobby Mackey den Club, renovierte ihn und machte

daraus eine Country Bar.

Obwohl die seltsamen Vorkommnisse um den Club herum bis heute

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anhalten, leugnet Bobby Mackey, dass er jemals etwas von dem Spuk

mitbekommen hätte.

Anders seine Freunde und seine Familie.

Als er damals den Club übernahm, war seine Frau schwanger. Als sie

im fünften Monat war, fiel sie die Treppe hinunter. Bis heute

behauptet sie, jemand hätte sie gestoßen.

Ihre Tochter wurde zu früh geboren, doch sie überlebten beide.

Bobby Mackeys Tochter weigert sich noch heute den Club ihres

Vaters zu betreten, sie sagt, es würde dort nach Rosen, die man auf

ein Grab gelegt hat, riechen.

Sein ehemaliger Mitarbeiter und bester Freund Carl Lawson, hat

zeitweise über dem Club gelebt und dort auch als Hausmeister

gearbeitet.

Er erlebte viele unerklärliche Dinge dort. Jeden Morgen gegen drei

Uhr, wurde er von unerklärlichen Geräuschen wach, als er in den

Club hinunter ging, waren sämtliche Stühle, die er zuvor auf die

Tische gestellt hatte, quer im Raum verteilt.

In einer stürmischen Nacht ging er in den Keller des Clubs, dort fand

er ein mit Holzbohlen abgedecktes Loch. Bei näherer Betrachtung

fand er dort sogar einige Fragmente eines menschlichen

Schädelknochens.

Die rätselhaften Ereignisse rissen nicht ab, und Carls Umgebung

bemerkte, dass er sich immer mehr zurückzog, und ein für ihn

vollkommen untypisches Verhalten annahm. Er war oft in einer

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aggressiven oder auch überängstlichen Stimmung und schien oft

desorientiert. Schließlich wurde er, mit Zustimmung der katholischen

Kirche, exorziert.

Während des Exorzismus sprach Carl in verschienenen Stimmen, die

immer wieder riefen:

„This body is mine!“ (Dieser Körper gehört mir)

Lawson selbst hatte an diese Zeit keine Erinnerung, doch bis heute

gibt es ein Video seines Exorzismus.

Lawson verstarb am 27.01.2012 im Alter von 53 Jahren.

Bobby Mackey selbst hat eine sehr intensive Verbindung zu dem

ehemaligen Schlachthaus.

Als er am 23.03.1948 geboren wurde, gab ihm seine Mutter den

Namen Randy Mackey. Aber schon nach einigen Wochen benannte

sie ihn um in Robert Randall Mackey.

Der Liebhaber von Johanna hieß Robert Randall.

Er wuchs einige Kilometer entfernt von dem Schlachthaus auf, an

einer Bahnlinie, die an dem Haus seiner Eltern, sowie auch an dem

Schlachthaus vorbeiführte.

Nachdem er den Club damals übernahm, schrieb er in seinen ersten

Tagen dort innerhalb weniger Minuten den Song Johanna.

(Den Song Johanna kann man auf www.bobbymackey.com

downloaden)

Er selbst erklärt heute immer noch gerne, dass er den Text des

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gesamten Songs innerhalb von 15 Minuten niedergeschrieben hätte.

Bobby Mackey erlaubte mehreren Ghost Hunter Teams eine

Untersuchung seines Clubs, die alle ähnliche Ergebnisse

hervorbrachten.

Es kam zu Sichtungen von Schattenfiguren, zu tätigen Angriffen

sowie zu aufnahmen von Stimmen.

Aufgrund der vielen Vorkommnisse hängt noch heute ein Schild über

der Bar, auf dem Bobby Mackey seine Kunden darauf hinweißt, dass

er keine Haftung für Schäden übernimmt, die durch eventuelle

paranormale Phänomene entstehen.

Noch heute findet sich im Keller des Clubs das Loch, in das

Gerüchten zufolge der Kopf von Pearl Bryan geworfen wurde.

Außerdem kann man im ehemaligen Ankleidezimmer von Johanna,

das ebenfalls im Keller liegt, immer noch das Gedicht sehen, das

Johanna kurz vor ihrem Tod an Robert Randall geschrieben hatte.

***

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„Gate to Hell“. Das Loch, in dem Pearl Bryans Kopf gefunden wurde. Karl

Lawson fand dort später Teile eines menschlichen Schädels.

Die Wand, an der das von Johanna verfasste Gedicht steht.

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