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08.07.2007, Hardenburg, Pfarrer Friedhelm Hans

Gustav-Adolf-Werk 175 – Aktion 175 Gottesdienste

5. n. Trinitatis

Orgel

EG 268, 1-5 Strahlen

Votum

E-Wort

Gebet kyrie - gloria

EG 272, 2x Ich lobe

Lesung

EG 249, 1+4+5 Verzage nicht

Text Lukas 14, 25-33 (Zürcher Bibel 2007) Von den Kosten der Nachfolge

25 Es zogen aber viele Leute mit ihm. Und er wandte sich um und sagte zu ihnen: 26 Wer zu

mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Bruder und Schwestern und dazu

auch sein eigenes Leben hasst, kann nicht mein Jünger sein. 27 wer nicht sein Kreuz trägt

und m meine Nachfolge tritt, kann nicht mein Jünger sein. 28 Wer von euch wird sich, wenn

er einen Turm bauen will nicht zuerst hinsetzen und die Kosten berechnen, ob er auch genug

habe zur Ausführung. 29 Es könnten sonst, wenn er das Fundament gelegt, den Bau aber

nicht fertig gestellt hat, alle, die es sehen, sich über ihn lustig machen: 30 Dieser Mensch hat

zu bauen angefangen und war nicht in der Lage, es fertig zu stellen. 31 Oder welcher König

wird sich, wenn er auszieht, um mit einem anderen König Krieg zu führen, nicht zuerst

hinsetzen und überlegen, ob er imstande ist, mit zehntausend Mann dem entgegenzutreten,

der mit zwanzigtausend Mann gegen ihn anrückt? 32 Andernfalls schickt er eine

Gesandtschaft, solange jener noch weit weg ist, und bittet um Frieden. 33 So kann denn

keiner von euch, der sich nicht von allem lossagt, was er hat, mein Jünger sein.

Liebe Gemeinde!

Ein haariges Jesuswort steht über dem Sonntag, an dem wir einen von rund

250 Jubiläumsgottesdiensten des Gustav-Adolf-Werkes feiern. Was ein

Jubiläum ist, haben viele in den Kirchenbänken am eigenen Leibe erfahren:

Man wird geehrt, weil man etwas geleistet oder viel erlebt hat, und geraume

Zeit auf ein Datum zurückblicken kann. Chöre, Schulfreunde, Sportler, alle

gedenken ihrer Jubiläen. Doch schwingt immer ein bisschen Wehmut mit.

Zeit, auch erfüllte Zeit, vergeht. Wir werden älter. Unter Senioren kursiert der

Spruch vom „metallenen Zeitalter“: Gold in den Zähnen, Silber im Haar …

Gustav-Adolf Werk hat 175 Jahre auf dem Buckel. Doch wie bei Senioren

heißt alt nicht gleich schlecht. In guten Unternehmen weiß um den

Erfahrungsschatz und die Zuverlässigkeit älterer Mitarbeiter. Die Alten sind

nicht automatisch gestern stehen geblieben. Bei Hausbesuchen staune ich

nicht selten über die Urteilskraft von Älteren, und das oft pfälzisch gekreuzt

mit einem Schuss Frohsinn und Lebensfreude.

Wer den Projektkatalog des GAW ansieht, wird viele junge Gedanken finden.

Die Projekte greifen mitten ins Leben: Liebe Gemeinde, das Gustav-Adolf-

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Gustav-Adolf-Werk 175 – Aktion 175 Gottesdienste

Werk zeichnet sich als Aushängeschild unserer Kirche aus! Wir werfen 175

Jahre Kompetenz in die Waagschale, um evangelischen Christen in

Minderheit ein modernes kirchliches Leben zu ermöglichen. Lebensstrahlen

gehen etwa in Buenes Aires aus, wenn die Kirche ihre Predigt mit der

Ausbildung verwahrloster Kinder verbindet, wenn sie wie in Portugal ein Alter

in Würde in einem evangelischen Altenheim ermöglicht. Kirchenbauten in

Österreich sollen keinem morbiden Zerfall ausgesetzt sein. Eine Pfarrfamilie

in Ungarn soll selbstverständlich an mitteleuropäische Maßstäbe anknüpfen

können und ihre Kinder in gute Schulen schicken, und das sind in Ungarn

oder der Slowakei die evangelischen Schulen. 10.000 Euro reichen, um im

Nordosten Brasiliens oder in Bolivien eine Kirche hinzustellen, meist ist das

zugleich der Unterrichts- und Gemeinderaum.

Von Sachen will ich nicht so viel reden. Der Gewinn liegt in der menschlichen

Verbundenheit, die mit der Hilfe einhergeht. Stipendiaten kommen nach

Deutschland oder Hermannstadt, manche gehen von uns umgekehrt nach

Sao Leopoldo oder Rom an die Waldenserfakultät. Wenn unsere Kirche nicht

über das GAW Verbundenheit pflegt, ginge viel verloren. Es hätte es die

Versöhnung mit Polen nicht in der Weise gegeben. Kirche darf die Kontakte

nicht nur der Politik, der Unterhaltungsindustrie oder dem Sport überlassen.

Es liegt im Wesen der Kirche begründet: Weltweit wissen wir uns mit den

Schwestern und Brüdern in unserem Glauben verbunden.

In Hardenburg haben die Pfarrerin und das Presbyterium geschaltet, als sie

vom Angebot eines Gustav-Adolf-Gottesdienstes gehört haben. Kluge Köpfe

wissen: Denken hängt zusammen mit danken: Sie haben nicht vergessen,

dass Ihre Kirche in den dürftigen Fünfziger Jahren mit Geldern des GAW

gebaut wurde, eine gemeinschaftliche Leistung, die sie bis heute mit den

Helfern verbindet. Das GAW brachte diese Gemeinde mit anderen

zusammen, ob sie nun ein paar Kilometer weiter im Umkreis wohnten: die

vom Krieg gebeutelten Dürkheimer und Wachenheimer, die Winzer von der

Haardt, und noch viele andere in der Pfalz und in ganz Deutschland haben

diese Kirche mitbezahlt. Sie haben sich mit ihnen gefreut, als sie diese

Kirche bezogen. Schon damals hat man gewusst, dass „glauben verbindet“.

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Gustav-Adolf-Werk 175 – Aktion 175 Gottesdienste

Glauben, liebe Gemeinde, das ist ein aktives Wort, ein Hoffnungswort gegen

den alten Jammer: „Wir haben kein Geld!“ An dieser Stelle nähern wir

unserem haarigen Bibeltext. Ist Jesus wirklich so grob, dass er gegen das

Gebot zum Eltern-, Ehe- oder Kinderhass aufruft, und kompromisslos meint:

„Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger

sein“? - Wir können heute seine Rede nicht völlig ausschöpfen. Jesus denkt

an den Turmbauer, der vor dem ersten Spatenstich kalkuliert, um ein

Scheitern und den Spott zu vermeiden, oder den König, der den Kriegszug

abbläst, wenn seine Kräfte unterlegen sind. Alles Berechnen und Streben

nach Sicherheit sollen die Jünger erst einmal beiseite lassen. Wir auch, wie

ich meine, und das mag Sie erstaunen. Also, Sie haben sich Zeit für den

Gottesdienst genommen. Allein diese Tat weist in die Richtung, in die uns

Jesus bringen will. Der Sonntag mit seinem Gottesdienst unterbricht das

übliche Wirtschaftsstreben, die Suche nach Erfolg, und führt uns schließlich

unabhängig von Eltern, Kindern oder Ehepartner an einen Platz in der

Kirche, an dem wir ganz für uns sind und uns ungestört auf Gott besinnen.

Liebe Gemeinde, wer auf Christus hört, macht sich innerlich frei. Wir

erlauben uns den vermeintlichen Luxus und lassen uns auf die Zwiesprache

mit seinem Wort ein. Christus stärkt uns, dass wir den Alltag bewältigen. So

sehr wir mit Worten die Ehe, die Eltern und Kinder hochhalten - es geht uns

oft ums Prestige -, so nüchtern sieht es doch in vielen Familien aus und

unsere Erfolge sind nicht so weltbewegend, wie wir meinen. Wer sich die

Freiheit nimmt und auf Christus besinnt, und ihm nachfolgt, selbst wenn das

Kreuz drückt und es ein Opfer kostet, steht in der Welt besser da und kann

als innerlich freier Menschen standhalten und sein Leben trotzdem ohne

Einschränkung führen. Wer frei für Gott ist, ist auch frei für den Nächsten und

in der Lage, Gutes zu tun. Andere werden Sklaven ihres Geldes, kommen

nie aus dem Dunstkreis ihrer Familie heraus oder verlassen diese auf

Nimmerwiedersehen. Ehen zerbrechen, weil jeder nur sich sieht und sich

nicht die Freiheit nimmt, aus der Distanz, und das heißt hier, aus der

Perspektive Jesu, auf sein Leben zu sehen. Wie Jesus auf uns sieht,

brauche ich nur anzudeuten, Sie wissen: Sein Wesen ist die Liebe. Wer ihm

nachfolgt, muss mit dem Kreuz rechnen, aber er gewinnt: an Menschlichkeit,

Offenheit und Standfestigkeit. Christus ist mein Leben, Sterben ist mein

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Gustav-Adolf-Werk 175 – Aktion 175 Gottesdienste

Gewinn, schreibt Paulus. In Kallstadt steht dieses Wort über dem alten

Friedhofseingang.

Zum Schluss ein Blick in die Geschichte: Die Hardenburg war ein Rückhalt

für die Reformation im Leininger Land. Sie war Zuflucht im Dreißigjährigen

Krieg und danach. Die umliegende Bevölkerung fand hier bei Gefahr Schutz.

Wer es nicht schaffte, floh ins Gebirge. Ein Kirchenbuch berichtet 1690 von

der Nottaufe eines Kindes durch seine eigene Mutter im Winterstal oder eben

von Taufen auf der Burg.

Das ist lange her; die meisten wissen heute nichts vom Hunger oder dem

mörderischen Chaos, das im März 1945 das Isenachtal in ein Todestal

verwandelt hat. Schlimm war damals die totale Besitzergreifung des

Menschen durch die Parteiideologie, die schließlich am Konfirmationstag

nicht nur Bad Dürkheim ein Inferno bereitet hat, sondern Unzähligen den Tod

gebracht und sie, heimatlos oder für ihr Leben krank gemacht hat. Frau

Elisabeth Köhler, damals Pfarrfrau, hat aufgeschrieben, wie ihr Mann bei

jeder Predigt bespitzelt worden ist und nur um Haaresbreite an einer die

Verschleppung vorbei gekommen ist.

Die Bindung an Jesus führt zur Freiheit. Wir entgehen dem Krampf vor uns

selbst, werden wach und Parolen gegenüber immun. Vor allem schärfen wir

die Sinne für die Nachrichten aus der Diaspora. Wer von draußen ein Projekt

in den Katalog des GAW landet, muss ein Mensch voll Hoffnung sein, denn

er will etwas für die Menschen seines Dorfes und seiner Stadt erreichen und

hat dafür ein Konzept. Ich danke Ihnen, dass Sie sich heute der Hilfe des

GAW für Hardenburg entsinnen. Ich danke Ihnen, dass Sie unserem Werk

jahrein, jahraus Ihre Gabe entrichten. Ich danke Ihnen, dass Sie über den

Horizont hinaus blicken, und hoffe, dass Sie dabei bleiben, sich im Glauben

verbunden wissen mit vielen fröhlichen, hoffnungsvollen Menschen, die für

Sie beten und Ihnen herzlich danken. Im Gesang sind wir über Kontinente

vereint. Loben wir Christus, der uns immer zu Menschen mit Herz wandelt,

das Sie ihm schenken und darum das Gute tun, daheim, in Ihrer und in der

Gemeinde, die die Welt umspannt. Amen.

Cantai ao Senhor

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Gebet

Vaterunser gesungen

Abk.

EG 347, 1-4 Ach bleib

Segen

Chor

Gustav-Adolf-Werk 175 – Aktion 175 Gottesdienste

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