1090_Sachverhalt
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Assessorkurs Bayern<br />
- Klausur <strong>1090</strong> / Seite 1 -<br />
Klausur Nr.<strong>1090</strong><br />
- Strafrecht -<br />
(Bearbeitungszeit: 5 Stunden)<br />
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Auszug aus den Akten 6 Js 1769/11 der StA Würzburg gegen Anton und Kati Rössl,<br />
sowie Peer Kusmagic<br />
Polizeiinspektion Würzburg<br />
Augustiner Str. 24 02.05.2013<br />
Strafanzeige<br />
Es erscheint der Zahnarzt Dr. Hartmut Cordal, geb. am 25. Juli 1958, verheiratet, wohnhaft<br />
in 97082 Würzburg, Oberer Dallenbergweg 7 und zeigt an:<br />
Heute Nacht wäre fast in mein Haus eingebrochen worden. Gegen 2.55 Uhr wachte ich<br />
auf, weil ich im unteren Stockwerk Geräusche hörte. Ich nahm meine Pistole, für die ich<br />
einen Waffenschein besitze, und ging vorsichtig die Treppe ins untere Stockwerk hinunter.<br />
Das untere Stockwerk in meinem Haus ist in offener Bauweise errichtet, da ich immerhin<br />
einen hohen Zaun um das Grundstück habe. Vom oberen Treppenabsatz konnte ich sehen,<br />
wie sich zwei Einbrecher an der Terrassentür zu schaffen machten. Sie tasteten gerade<br />
an ihr herum, wobei einer ein Stemmeisen oder ein ähnliches Werkzeug in der Hand<br />
hatte. Ich zielte mit meiner Pistole auf die neben der Tür befindliche Glaslampe und<br />
schoss. Es gab einen lauten Knall, woraufhin die Einbrecher fluchtartig mein Gelände verließen.<br />
Ein Schaden ist mir nur am Gartentor entstanden; offenbar haben die Täter das<br />
Schloss mit einem Schraubenzieher, oder etwas ähnlichem verkratzt. Aber das ist eigentlich<br />
kaum der Rede wert.<br />
Die beiden Einbrecher erkannte ich nicht. Dazu war es zu dunkel. Ich möchte aber, dass<br />
diese in jedem Fall bestraft werden.<br />
Aufgenommen<br />
Selbst gelesen und unterschrieben<br />
Zenker, KOM<br />
Dr. H. Cordal<br />
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Polizeiinspektion Würzburg<br />
Augustiner Str. 24 03.05.2013<br />
Aktenvermerk:<br />
Wir wurden heute am späten Vormittag wegen eines Einbruchs nach Reichenberg gerufen.<br />
Die Täter müssen in der vorangegangenen Nacht eingestiegen sein; sie konnten dies,<br />
weil sie zuvor ein Stück Glas aus der Terrassentür geschnitten haben. Sie erbeuteten<br />
Bargeld und einige Vasen. Die Tat dürfte wohl mit einem Artikel in der MAIN POST zusammenhängen;<br />
dort wurde der Hauseigentümer Herr Bauer als begeisterter Sammler<br />
alter Vasen vorgestellt.
Assessorkurs Bayern<br />
- Klausur <strong>1090</strong> / Seite 2 -<br />
Die Einbrecher vergaßen auf der Toilette eine geladene Pistole, Marke "Baretta Spezial",<br />
die von uns sofort zur Feststellung von Fingerabdrücken abgegeben wurde.<br />
Zenker, KOM<br />
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Polizeiinspektion Würzburg<br />
Augustiner Str. 24 03.05.2013<br />
Strafanzeige<br />
Es erscheint der Bankdirektor Mathieu Bauer, geb. am 5. Juni 1955, verheiratet, wohnhaft<br />
in 97234 Reichenberg, Guttenberger Straße 5 und zeigt an:<br />
Heute Nacht ist in mein Haus eingebrochen worden. Ich kam heute Vormittag mit dem<br />
Zug von einer Geschäftsreise aus Berlin zurück und bemerkte sofort die Spuren. Die Terrassentür<br />
wurde aufgebrochen, indem die Täter Glas aus der Tür schnitten. Es fehlt Bargeld<br />
in Höhe von etwa 3.000,- €. Dieses hatte ich im Schreibtisch liegen. Außerdem ließen<br />
die Täter mehrere Vasen mitgehen. Eine davon ist tatsächlich antik und etwa 30.000,- €<br />
wert. Die anderen habe ich aus dem Baumarkt und sind billige Imitate für maximal 25,- €.<br />
Die meisten wirklich wertvollen Vasen blieben stehen, weil die Täter sich offenbar nicht<br />
auskannten und gewiss nicht alle tragen konnten. Auf der Toilette lag eine Pistole, die<br />
ganz offensichtlich einer der Täter vergessen hatte.<br />
Ich stelle hiermit Strafantrag.<br />
Aufgenommen<br />
Selbst gelesen und unterschrieben<br />
Zenker, KOM<br />
M. Bauer<br />
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Polizeiinspektion Würzburg<br />
Augustiner Str. 24 13.05.2013<br />
Aktenvermerk:<br />
Gestern Abend erreichte uns ein anonymer Anruf, der vorgab, einiges über die uns - so<br />
sagte er - "gewiss bekannten Einbrüche am Dallenberg und in Reichenberg" mitteilen zu<br />
können. Er wolle auf keinen Fall sagen, wer er sei und warum er anrufe. Er wolle aus der<br />
Sache herausgehalten werden. Er spreche aus einer Telefonzelle und breche sofort ab,<br />
wenn er das "Gefühl bekomme", es würde eine Fangschaltung eingerichtet.<br />
Er sagte, er habe aus zuverlässiger Quelle erfahren, wer hinter den beiden "Brüchen"<br />
steckt. Es handele sich um zwei Halunken, die in der Würzburger Kneipe "Zum letzten<br />
Hieb" immer auf den Putz hauen würden. Sie hießen Anton Rössl und Peer Kusmagic und<br />
seien meist im "Zum letzten Hieb" anzutreffen. Weiterhin würde aber ein gewisser Heribert<br />
Helpmann dahinter stecken. Dieser hätte auf Bitten Rössl vorher schon seine Hilfe beim<br />
Absetzen der Beute zugesagt, müsste also auch als Mittäter angesehen werden.<br />
Helpmann ist uns einschlägig bekannt. Er wohnt in Bad Kissingen und ist wegen Aufkaufes<br />
von Diebesgut mehrfach vorbestraft. Nach unseren Erkenntnissen betreibt er diesbezüglich<br />
auf eigene Rechnung ein einträgliches Geschäft.
Assessorkurs Bayern<br />
- Klausur <strong>1090</strong> / Seite 3 -<br />
Der anonyme Anrufer gab uns den Tipp, dass er zufällig erfahren habe, dass in der Nacht<br />
gegen 1.30 Uhr an der Autobahnraststätte Gramschatzer Wald (nördlicher Landkreis<br />
Würzburg) die Übergabe einiger Vasen an Helpmann erfolgen solle.<br />
Wir postierten einige Beamte an der Autobahnraststätte. Außerdem beobachtete einer<br />
sicherheitshalber die Wohnung der Familie Rössl. Gegen 1.25 Uhr verließ Frau Rössl das<br />
Haus, stieg in ihren Wagen und fuhr in Richtung Fuldaer Autobahn. Etwa zwei Kilometer<br />
vor der Raststätte Gramschatzer Wald befuhr sie einen kleinen Parkplatz. Dort stand ihr<br />
Ehemann, dessen Wagen offensichtlich einen Defekt hatte. Dieser bemerkte den Wagen<br />
des seiner Frau folgenden Beamten und wollte zu Fuß in den Wald flüchten. Er wurde<br />
aber ebenso wie seine Frau gleich festgenommen. Dabei wurden in seinem Kofferraum<br />
Vasen sichergestellt, die aus dem Einbruch in Reichenberg stammten.<br />
Helpmann verließ kurz darauf die Raststätte und ist bis heute flüchtig. Er muss inzwischen<br />
gewarnt worden sein, dass wir ihn suchen.<br />
Zenker, KOM<br />
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Polizeiinspektion Würzburg<br />
Augustiner Str. 24 21. Mai 2013<br />
Vernehmungsniederschrift:<br />
Zur Person: Anton Rössl, geboren am 25. Oktober 1968 in Haßfurt, verheiratet, arbeitslos,<br />
wohnhaft Frankfurter Str. 64, 97082 Würzburg.<br />
Nach ordnungsgemäßer Belehrung gem. § 136 StPO:<br />
Zur Sache: Ja, es stimmt. Die Vasen stammen aus einem Einbruch in eine Reichenberger<br />
Villa, den ich und mein Kumpel Peer Kusmagic am 03. Mai machten. Aber irgendwie<br />
muss man ja zu Geld kommen um die hervorragenden Einstiegschancen am Aktienmarkt<br />
nutzen zu können.<br />
Auf Frage: Helpmann wusste vor dem Diebstahl Bescheid. Mir war bekannt, dass Helpmann<br />
mit solchen Sachen handelt. Ich fragte ihn beim Lesen des MAIN POST- Artikels<br />
über den Bankier, ob er so etwas brauchen könne. Helpmann sollte den Wert schätzen<br />
und die Ware dann ankaufen. Der hat wie man hört immer gewaltige Gewinnspannen,<br />
hätte das also nicht in erster Linie gemacht, um uns zu unterstützen, sondern um selbst<br />
den großen Reibach zu machen.<br />
Auf Frage: Halten Sie meine Frau da raus, die hat mit der Sache nichts zu tun. Sie wollte<br />
mir nur den Wagen bringen und wusste gar nicht, worum es geht.<br />
Auf Frage: Von einem Einbruch am Dallenberg weiß ich nichts. Oder haben Sie da irgendeine<br />
Beute bei mir gefunden?<br />
aufgenommen selbst gelesen und unterschrieben<br />
Zenker, KOM<br />
A. Rössl<br />
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Polizeiinspektion Würzburg<br />
Augustiner Str. 24 21. Mai 2013
Vernehmungsniederschrift:<br />
Assessorkurs Bayern<br />
- Klausur <strong>1090</strong> / Seite 4 -<br />
Zur Person: Kati Rössl, geb. am 12. März 1972, verheiratet, Hausfrau, wohnhaft Frankfurter<br />
Str. 64, 97082 Würzburg.<br />
Nach ordnungsgemäßer Belehrung gemäß § 52 III bzw. § 136 StPO:<br />
Zur Sache: Es stimmt, dass ich zur Raststätte Gramschatzer Wald bzw. zum letzten kleinen<br />
Parkplatz davor hinaus fuhr. Ich sollte meinem Mann den anderen Wagen bringen. Er<br />
hatte kurz zuvor angerufen, er habe eine Panne und sei gerade noch zu dem Parkplatz<br />
gekommen. Er müsse dringend weiter an die Raststätte, weil dort ein Herr Helpmann wegen<br />
der Übergabe der Vasen auf ihn warte. Vorher wurden wir aber schon ergriffen.<br />
Auf Frage: Ja, sicher ist mir bekannt, dass mein Mann die Vasen geklaut hatte. Erfahren<br />
habe ich dies aber erst, als er mich anrief und darum bat, mit dem Wagen zu kommen.<br />
Was genau geschehen war, weiß ich ohnehin nicht. Ich habe mich zur Mithilfe bereit erklärt,<br />
weil wir kein Geld haben. Wir können nicht einmal mehr unsere Miete bezahlen. Außerdem<br />
wollte mir mein Mann vom Erlös ein neues Kleid kaufen.<br />
Aufgenommen<br />
Selbst gelesen und unterschrieben<br />
Zenker, KOM<br />
K. Rössl<br />
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Polizeiinspektion Würzburg<br />
Augustiner Str.24 22. Mai 2013<br />
Vernehmungsniederschrift<br />
Zur Person: Peer Kusmagic, geb. am 14. August 1965, ledig, arbeitslos, wohnhaft Konradstr.<br />
1, 97072 Würzburg<br />
Nach ordnungsgemäßer Belehrung gem. § 136 StPO:<br />
Zur Sache: Nachdem Anton schon gestanden hat, erzähle ich lieber gleich alles und hoffe<br />
dafür auf eine milde Strafe für diesen Dumme-Jungen-Streich.<br />
Am 01.05.2013 traf ich abends meinen Freund Anton Rössl. Wir waren beide völlig abgebrannt.<br />
Anton kam auf die Idee, wir könnten ja mal einen Einbruch versuchen, er wüsste<br />
auch, wo sich das lohnt. Er kenne einen Zahnarzt am Oberen Dallenbergweg, der eine<br />
Menge Kies habe. In der Nacht des 02. Mai fuhren wir daher mit Antons Auto zum Dallenbergbad.<br />
Dort parkten wir das Auto. Dann meinte Anton, wir sollten erst die Lage erkunden.<br />
Er hatte ein Stemmeisen und einen Glasschneider im Kofferraum; wir wollten aber<br />
erst ein mögliches Vorgehen prüfen. Daher ließen wir sämtliches Werkzeug im Wagen. Er<br />
meinte auch, er habe zuhause einiges an Spezialwerkzeug, und deswegen sei es wohl<br />
ohnehin besser, jetzt nur mal nachzusehen, und erst morgen dann perfekt ausgerüstet<br />
einzusteigen. Einen Schraubenzieher hat er aber sicherheitshalber einmal mitgenommen.<br />
Auf dem Weg zum Haus, das waren etwa 400 bis 500 Meter den Berg rauf, erzählte mir<br />
Anton, dass es sich bei dem Zahnarzt um den Vater einer Freundin seiner Frau handele.<br />
Er wäre schon im Haus gewesen und kenne sich dort aus. Er war sich außerdem sicher,<br />
dass die Familie im Moment im Urlaub war. Am Haus angekommen, knackte Anton mit<br />
dem Schraubenzieher das Schloss am Gartentor, dann gingen wir durch den riesigen Garten<br />
auf die Terrasse, und Anton kniete sich an der Tür nieder, um sie genauer anzusehen.<br />
Auf einmal hörten wir einen lauten Knall, und neben der Terrassentür explodierte etwas.
Assessorkurs Bayern<br />
- Klausur <strong>1090</strong> / Seite 5 -<br />
Wir bekamen einen solchen Schreck, dass wir - auch aus Angst, entdeckt worden zu sein<br />
- schnell davonliefen. Wir konnten uns nicht erklären, was passiert war.<br />
Auf Frage: Nein, wir hatten keine Schusswaffe oder ähnliches dabei.<br />
Am nächsten Tag, 03. Mai, traf ich mich erneut mit Anton in einer Kneipe. Wir kippten einige<br />
Biere und fühlten uns wieder so gut, dass wir beschlossen, woanders einen neuen<br />
Versuch zu wagen. Anton besorgte irgendwoher eine Pistole, die wir aber nach unserer<br />
Absprache keinesfalls wirklich einsetzen wollten. Damit diesmal alles klappt, observierten<br />
Anton und ich den ganzen Tag eine Villa in Reichenberg, von der Anton meinte, dass ein<br />
Einbruch dort lohnenswert sei. Er habe in der MAIN POST gelesen, dass dort ein Bankdirektor<br />
wohne, der wertvolle Vasen sammle. Unser Kumpel Heribert Helpmann aus Bad<br />
Kissingen hätte auch schon Bereitschaft signalisiert, die Ware abzukaufen. Um all das<br />
wollte sich Anton kümmern.<br />
Nachdem den ganzen Tag über niemand auftauchte, entschlossen wir uns nachts, dort<br />
einzusteigen. Wir brachen kurz nach Mitternacht die Terrassentür auf und gingen ins<br />
Haus. Wir nahmen insgesamt 3.000,- € und einige Vasen mit. Letztere wollte Anton gewinnbringend<br />
veräußern. Vom erbeuteten Geld habe ich nichts mehr übrig; davon haben<br />
Anton und ich bei Wöhrl italienische Klamotten eingekauft.<br />
Aufgenommen selbst gelesen und unterschrieben<br />
Zenker, KOM<br />
P. Kusmagic<br />
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Polizei-Inspektion Würzburg<br />
Augustiner Str.24 7. Juni 2013<br />
Aktenvermerk:<br />
Unter den Fingerabdrücken, die sich auf der in Reichenberg sichergestellten, geladenen<br />
Baretta fanden, wurden durch Gutachten der Spurensicherung u.a. die der Beschuldigten<br />
Anton Rössl und Peer Kusmagic identifiziert.<br />
Die Beschuldigten Anton Rössl und Peer Kusmagic, die wir vorübergehend freigelassen<br />
hatten, wurden heute aufgrund Haftbefehls des Ermittlungsrichters am Amtsgericht Würzburg<br />
vom 6. Juni 2013 wegen Fluchtgefahr in der JVA Würzburg inhaftiert. Beiden wurden<br />
daraufhin jeweils einen Pflichtverteidiger bestellt.<br />
Zenker, KOM<br />
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Polizeiinspektion Würzburg<br />
Augustiner Str. 24 10. Juni 2013<br />
Zeugenvernehmung<br />
Es erscheint der Zahnarzt Dr. Hartmut Cordal, geb. am 25. Juli 1958, verheiratet, wohnhaft<br />
in Würzburg, Oberer Dallenbergweg 7 und erklärt:<br />
Wenn Sie mich so genau fragen, dann muss ich sagen: Ich habe nicht genau gesehen, ob<br />
die beiden Täter wirklich ein Stemmeisen oder ähnliches dabei hatten, als sie an meiner<br />
Terrassentür standen. Es ist gut möglich, dass ich mich insoweit getäuscht habe, dass ich<br />
nur als selbstverständlich davon ausgegangen bin, weil ein Eindringen ohne Gewalt gegen<br />
die Tür oder ein Fenster immerhin gewiss gar nicht möglich ist. Aber irgendeine kriminelle<br />
Absicht hatten die beiden ganz gewiss.
Assessorkurs Bayern<br />
- Klausur <strong>1090</strong> / Seite 6 -<br />
Aber wissen Sie was: Die ganze Sache kostet inzwischen schon viel zu viel Zeit, die ich<br />
nicht habe. Falls es von mir abhängen sollte, möchte ich nun keine Bestrafung der beiden<br />
Täter mehr, weil ich für eine Aussage vor Gericht wohl meine Praxis schließen müsste,<br />
um dann zum Dank 20 Euro die Stunde oder so zu bekommen.<br />
Aufgenommen<br />
Selbst gelesen und unterschrieben<br />
Zenker, KOM<br />
Dr. H. Cordal<br />
_______________________________________________________________________<br />
Polizeiinspektion Würzburg<br />
Augustiner Str. 24 17. Juni 2013<br />
Urschriftlich mit den Akten<br />
an die Staatsanwaltschaft<br />
Würzburg.<br />
Zenker, KOM<br />
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Lothar Leinstein Würzburg, 18. Juni 2013<br />
Rechtsanwalt<br />
Bockgasse 12a<br />
97070 Würzburg<br />
An die<br />
Staatsanwaltschaft<br />
Würzburg<br />
97070 Würzburg<br />
Hiermit zeige ich nun auch offiziell und unter Vollmachtsvorlage die Vertretung von Frau<br />
Kati Rössl an.<br />
Ich beantrage, das Verfahren gegen meine Mandantin, die sich absolut nichts hat zuschulden<br />
kommen lassen, unverzüglich einzustellen. Meine Mandantin hat zwar tatsächlich<br />
den Wagen auf die Autobahn fahren wollen, weil ihr Mann eine Autopanne hatte. Dies<br />
aber ist kein strafbares Vergehen. Von etwaigen kriminellen Machenschaften ihres Mannes,<br />
sollten die überhaupt existiert haben, wusste Frau Rössl jedenfalls absolut nichts. Ihr<br />
eine Beihilfe zur Hehlerei vorzuwerfen, ist wirklich an den Haaren herbeigezogen. Die telefonische<br />
Äußerung des Herrn Staatsanwalts Dr. Silvaner-Reichlich, es handle sich seiner<br />
Ansicht nach sogar um eine vollendete Tat, ist sogar unabhängig von den Kenntnissen<br />
meiner Mandantin völlig falsch.<br />
Die Aussage, die meine Mandantin unmittelbar nach ihrer Ergreifung machte, wird hiermit<br />
widerrufen. Sie ist nur auf die völlige Verwirrung zurückzuführen, die bei meiner Mandantin<br />
infolge der nächtlichen Turbulenzen entstanden war. Die Aussage, deren Verlesung in<br />
einer etwaigen mündlichen Verhandlung ohnehin nicht zulässig wäre, ist auch darüber<br />
hinaus unverwertbar, weil meiner Mandantin keine ausreichende Hilfe bei der Suche nach<br />
einem geeigneten Verteidiger gewährt wurde, wie es rechtlich notwendig ist. Es wäre die<br />
Pflicht des Vernehmungsbeamten gewesen, die Vernehmung solange zu unterbrechen<br />
bzw. ganz zu verschieben, bis es dann gegen Morgen möglich gewesen wäre, eine Anwaltskanzlei<br />
zu erreichen.<br />
Sollte dieses Verhalten "nur" zu einem eingeschränkten Verwertungsverbot führen, bei<br />
dem - wie bei § 136 StPO - ein Protest in der mündlichen Verhandlung nötig ist, so kündige<br />
ich bereits jetzt an, dass wir einen solchen Protest erheben werden.
Assessorkurs Bayern<br />
- Klausur <strong>1090</strong> / Seite 7 -<br />
Leinstein<br />
_______________________________________________________________________<br />
Polizei-Inspektion Würzburg<br />
Augustiner Str.24 24. Juni 2013<br />
An die<br />
Staatsanwaltschaft<br />
Würzburg<br />
97070 Würzburg<br />
Auf das Schreiben des Verteidigers hin möchte ich hiermit folgendes dienstlich versichern:<br />
Von Verwirrung der Beschuldigten kann im Moment der Aussage keine Rede gewesen<br />
sein. Frau Rössl wurde ordnungsgemäß belehrt, insbesondere darauf hingewiesen, dass<br />
sie ohne Verteidiger nicht aussagen müsse. Sie machte eine ruhige und klare Aussage,<br />
ohne größere Anzeichen von Hektik. Ihre Verzweiflung über das Dilemma, in dem sie sich<br />
befand, war ihr allerdings sehr wohl anzumerken.<br />
Zugeben muss ich allerdings, dass wir ihre Bemühungen, einen Verteidiger zu bekommen,<br />
nicht weiter unterstützten. Ich reichte ihr ein Telefonbuch. Daraufhin telefonierte sie<br />
bei drei verschiedenen Kanzleien an, doch ging jeweils - es war gegen 2.30 Uhr - nur der<br />
Anrufbeantworter an. Ich bot ihr an, die Vernehmung bis zum Morgen zu unterbrechen,<br />
wenn sie dies denn wünsche, um einen Anwalt beizubringen. Daraufhin meinte sie, "ach<br />
was, ich will heim, dann sing ich lieber jetzt" und machte die protokollierten Angaben, von<br />
deren Glaubhaftigkeit ich voll überzeugt bin.<br />
Zenker, KOM<br />
_______________________________________________________________________<br />
Aus dem erholten Bundeszentralregisterauszug ergibt sich, dass die Beschuldigten Anton<br />
Rössl und Peer Kusmagic wegen gemeinschaftlichen Einbruchdiebstahls vorbestraft sind.<br />
Kati Rössl ist nicht vorbestraft.<br />
_______________________________________________________________________<br />
Staatsanwaltschaft<br />
Würzburg Würzburg, 01. Juli 2013<br />
Die Ermittlungen sind abgeschlossen.<br />
Dr. Silvaner-Reichlich<br />
Staatsanwalt<br />
_______________________________________________________________________<br />
Bearbeitervermerk:<br />
Die Abschlussverfügungen gegen Anton Rössl, Peer Kusmagic und Kati Rössl sind zu<br />
fertigen.<br />
Soweit es dabei nicht auf die Prüfung des hinreichenden Tatverdachts bzgl. dieser drei<br />
Beschuldigten ankommt, ist dieser - ebenso wie ein hinreichender Tatverdacht im Hinblick<br />
auf Heribert Helpmann - in einem zusätzlichen Gutachten zu untersuchen.