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Neue Norm DIN/EN 15232 als guter Wegweiser

Energieeffizienz und Automation

von Gebäuden

Energieeffizienz geht uns alle an: Das Thema beschäftigt private Verbraucher,

Unternehmen und öffentliche Einrichtungen – es betrifft also

jeden. Energieverbrauch in Immobilien spielt eine immer größere Rolle

beim Kauf, bei der Nutzung und Planung von Gebäuden sowie bei

deren Wiederverkauf.

Wenn man bedenkt, dass 40 Prozent des

gesamten Energieverbrauchs in Europa auf

Gebäude entfallen, wird schnell klar, dass ein

Umdenken bei der Errichtung und Sanierung

von Bauobjekten stattfinden muss. Richtlinien

wie die neue Norm DIN/EN 15232 zum Thema

„Energieeffizienz von Gebäuden – Einfluss

von Gebäudeautomation und Gebäudemanagement“

helfen, das Einsparpotenzial von

Energie durch Gebäude- und Raumautomation

zu ermitteln.

Lösungen für gesamtheitliche

Gebäudesysteme

Von der klassischen Nur-Schalter-Funktion bis zur Zentralen Steuerung eines ganzen Hauses

(Bilder: Berker, Gira)

Wer Gebäude energieeffizient betreiben

möchte, benötigt ein innovatives Automationssystem,

das sämtliche Komponenten der

technischen Gebäudeausrüstung integrieren

kann. Denn die Gebäude- und Raumautomation

steigert die Energieeffizienz von

Gebäuden wirksam und nachhaltig. Sie erschließt

Energieeinsparpotenziale, die durch

Maßnahmen wie verbesserte Dämmung oder

effektivere Anlagentechnik nicht oder nur mit

mehr Aufwand erschlossen werden können.

Wichtig ist also das wirkungsvolle Zusammenspiel

der einzelnen Anlagen und nicht

deren Einzelaktivität. Heute reicht es nicht

mehr aus, die Wärme- und Kälte-Energiezentralen,

Raumklimasysteme, Beschattungsanlagen,

Fassadensteuerungen, die Beleuchtung

etc. als autarke Bereiche zu behandeln.

Vielmehr werden alle Gewerke wie Elektro,

Heizung, Lüftung, Klima, Sonnenschutz, Aufzüge

usw. als ein aufeinander abgestimmtes

Gesamtsystem betrieben.

Innovative Automationskonzepte berücksichtigen

bei optimaler Energieausbeute sämtliche

Gebäudezustände und steuern die Gewerke

unabhängig voneinander. Ob BACnet, KNX/

EIB, DALI, M-Bus, Modbus, Profibus oder

weitere – alle Netzwerke kommunizieren untereinander.

Basis dieser Aktivitäten sind die Richtlinie

2002/91/EG des Europäischen Parlaments

und des Rates über die „Gesamtenergieeffizienz

von Gebäuden“, das deutsche Energieeinsparungsgesetz

(EnEG), die überarbeitete

Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) sowie

die Normen DIN V 18599 und DIN/EN 15232.

Die Gebäude- und Raumautomation wird

durch diese Normen, insbesondere durch die

neue Norm DIN/EN 15232, im Bereich der

Energieeinsparung immer mehr an Gewicht

gewinnen. In Untersuchungen wurden hohe

Einsparpotenziale ermittelt: 60 % elektrische

Energieeinsparung bei Beleuchtung, 40 %

elektrische Energieeinsparung in der Klimatechnik,

25 % Wärmeenergieeinsparung.

Neue Norm DIN/EN 15232

Die neue Norm „Energieeffizienz von Gebäuden

– Einfluss von Gebäudeautomation

und Gebäudemanagement“ spezifiziert die

Methoden zur Einschätzung von Gebäudeautomationssystemen

(GAS) und technischen

Gebäudemanagementfunktionen

(TGM) bezüglich der Energieeffizienz von

Gebäuden. Außerdem umfasst sie eine

Methode zur Festlegung der minimalen

Anforderungen an diese Funktionen. Sie

werden in Gebäuden verschiedener Arten

und Größen umgesetzt.

Dazu werden, je nach Ausstattung mit

Gebäu deautomationssystemen, vier Energieeffizienzklassen

A bis D eingeführt. Für jede

Klasse kann in Abhängigkeit von Gebäudetyp

und Gebäudenutzung das Einsparpotenzial

für thermische und elektrische Energie berechnet

werden. Die Werte der Energieeffizienzklasse

C werden als Referenz-/ Basiswerte

zugrunde gelegt.

• Klasse A entspricht hoch energieeffizienten

GA-Systemen und TGM.

• Klasse B entspricht weiterentwickelten

GA-Systemen und einigen speziellen TGM-

Funktionen.

• Klasse C entspricht Standard-GA-Systemen.

• Klasse D entspricht GA-Systemen, die

nicht energieeffizient sind. Gebäude mit

derartigen Systemen sind zu modernisieren.

Neue Gebäude dürfen nicht mit derartigen

Systemen gebaut werden.

Die Grafik oben rechts zeigt für einige Gebäudetypen

die Abweichungen des Energieverbrauchs

in den Energieeffizienzklassen A,

B und D in Bezug auf die Basiswerte in Klasse

C. Mit Klasse A kann man zum Beispiel in

Büros 30 % thermischer Energie einsparen.

Beispiel Beleuchtung, Blendschutz

und Tageslichtnutzung

Konstantlichtregelung: Ein Sensor zur

Erfassung der Raumhelligkeit sorgt für die

exakte Anpassung des Beleuchtungsniveaus

im Zusammenspiel von künstlicher und

natürlicher Beleuchtung. Die hierfür erforderlichen

dimmfähigen DALI – Vorschaltgeräte

gibt es für alle gängigen Beleuchtungssysteme.

Durch die optimale Nutzung des Tageslichts

ist die Konstantlichtregelung in der

Lage, über 50 % der Beleuchtungsenergie

einzusparen.

Tageslichtschaltung: Der „kleine Bruder“

der Konstantlichtregelung ist dort einsetzbar,

wo die Beleuchtung nicht dimmbar ist. Zur

Erfassung der Helligkeit ist ebenfalls ein Sensor

erforderlich. Unterschreitet das Tageslicht

Energieeffizienzklassen nach EN 15232

A

B

C

D

Hoch energieeffiziente Raumautomation

und vernetzte Gewerke

Höherwertige, Gewerke-optimierte

Einzellösung, partiell vernetzt

Standard Raumautomation,

Referenzgrundlage

Keine Raumautomation,

nicht energieeffizient

die erforderliche Mindesthelligkeit, wird automatisch

Kunstlicht zu- oder auch abgeschaltet.

Auch hier ist die Kombination mit der

Belegungsauswertung sinnvoll, auch wenn

das Einsparpotenzial geringer ist als bei der

Konstantlichtregelung.

Automatiklicht: In Räumen ohne ausreichende

Tageslichtversorgung, wie in Fluren,

Archiv- oder Nebenräumen, lässt sich Energie

sparen, indem die Beleuchtung nur temporär,

z.B. über Präsenzmelder, eingeschaltet

wird. Eine einstellbare Abschaltverzögerung

sorgt für Beleuchtungskomfort.

Sonnenautomatik: Jalousien sorgen neben

thermischen Effekten vor allem für Blendfreiheit

an Arbeitsplätzen und sind insofern

unverzichtbar – trotz der unvermeidlichen

Reduzierung des Tageslichteinfalls. Aufwendige

Systeme sorgen in Verbindung mit einer

Wetterstation dafür, dass der Sonnenstand

ermittelt wird und der Sonnenschutz eine

einstellbare Blendschutzposition immer dann

einnimmt, wenn eine bestimmte Strahlungsintensität

überschritten wird.

Fazit: Vorteile der Norm DIN/EN 15232

Die neue Norm ermöglicht zwei wesentliche

Dinge: Zum einen führt sie über Checklisten

zu einer strukturierten Bewertung der

Automationsmöglichkeiten von Gebäuden.

Zum anderen bewertet sie den Beitrag zur

Energieeffizienz. Sie ermöglicht zugleich

Maßnahmen inklusive grober Bewertung zu

erwartender Einsparungen. So kann durch

die neue Norm genau ermittelt werden, wo

Automation im Gebäude sinnvoll ist und wo

nicht. Für einen einfachen Zugang zu den

Informationen der DIN/EN 15232 wurde das

kostenlose Tool „Gebäude IQ“ entwickelt. Es

wurde um die Themenbereiche „Sicherheit“

und „Komfort“ ergänzt. Zu finden ist es unter

http://www.gebaeude-iq.de.

Einsparpotenziale

bei thermischer Energie

Einsparpotenziale

bei elektrischer Energie

Büro Schule Hotel Büro Schule Hotel

0,70 0,80 0,68 0,87 0,86 0,9

0,80 0,88 0,85 0,93 0,93 0,95

1 1 1 1 1 1

1,51 1,20 1,31 1,10 1,07 1,07

A

B

C

A

Heizbetrieb/Kühlbetrieb

- Integrierte Einzelraumregelung einschließlich

bedarfsgeführter Regelung (durch

Nutzung, Luftqualität usw.)

- Bedardsgesteuerte oder außentemperaturgesteuerte

Vorlauftemperatur

- Vollstädige Verriegelung zwischen Heizund

Kühlbetrieb

- Einzelraumregelung mit Kommunikation

zwischen den Regeleinrichtungen und der

Gebäudeautomation

- Bedardsgesteuerte oder außentemperaturgesteuerte

Vorlauftemperatur

- Teilweise Verriegelung zwischen Heiz- und

Kühlbetrieb (abh. vom HLK-System)

- Automatische Regelung oder durch elektronische

Regeleinrichtungen

- Bedardsgesteuerte oder von der Außentemperatur

abhängige variable Vorlauftemperatur

- Teilweise Verriegelung zwischen Heiz- und

Kühlbetrieb (abh. vom HLK-System)

- Zentrale automatische Regelung oder

keine automatische Regelung

- Konstante Vorlauftemperatur

- Keine Verriegelung zwischen Heiz- und

Kühlbetrieb

Funktionsliste und Zuordnung zu den

Klassen der Gebäude automation –

Energieeffizienz am Beispiel Heizen

und Beleuchtung, (Ausschnitt aus

Tabelle 1 der EN 15232:2007 [D])

Weitere Informationen

erhalten Sie über:

manfred.flierl@sonepar.de

Beleuchtung

- Konstantlichtregelung

- Ein-/Ausschalten

über Präsenzmelder

- Außenlichabhängige

Lichtsteuerung

- Ein-/Ausschalten

über Präsenzmelder

- Beleuchtungsstärke

von Hand einstellbar/dimmbar

- Ein-/Ausschalten

von Hand mit

übergeordneter

Ausschaltung

- Manuelles Ein-/

Ausschalten

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