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3R Special Regenwasserbewirtschaftung (Vorschau)

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www.3R-Rohre.de

10 | 2013

ISSN 2191-9798

Fachzeitschrift für sichere und

effiziente Rohrleitungssysteme

LESEN SIE IN DIESER AUSGABE:

Special Regenwasserbewirtschaftung

www.hobas.de

GFK-Rohrsysteme für die Sanierung

Schachtsanierung

Relining

Sonderprofile


3. Praxistag am 29. Oktober 2013 in Essen

Wasserversorgungsnetze

Programm

Moderation: Prof. Th. Wegener,

iro Institut für Rohrleitungsbau, Oldenburg

Wann und Wo?

Themenblock 1: Netzbetrieb - Analysieren und Optimieren

Auf zu neuen Ufern -

aktuelle Fragestellungen in der Wasserversorgung

Th. Rücken, Timo Wehr, Rechenzentrum für Versorgungsnetze Wehr

GmbH, Düsseldorf

Einflüsse auf die Entscheidungsfindung im Asset Management

M. Beck, Fichtner Water & Transportation GmbH, Berlin

Themenblock 2: Strategien zur Netzspülung

Zustandsorientierte Spülung von Trinkwassernetzen

Dr. A. Korth, TZW, Außenstelle Dresden

Softwarebasierte Ermittlung von Spülprogrammen

zur Unterstützung systematischer Netzspülungen

Dr. J. Deuerlein, 3S Consult GmbH, Garbsen

Strategische Planung von Netzspülungen mit Hilfe

von Trinkwasseranalysen

M. Geib, OOWV Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband, Brake

Themenblock 3: Netzüberwachung

Multiparameter-Sensorik und Online-Überwachung

für Wasserversorgungsnetze - Einsatz im Rahmen des

Forschungsprojektes IWaNet

W. Geiger, GERO Meßsysteme GmbH, Braunschweig

Watercloud: Neue Wege im Wasserverlustmanagement

H.-P. Karle, F.A.S.T GmbH, Langenbrettach

Interdisziplinäre Planung von Netzspülungen durch neue Untersuchungsmethode

mit Berücksichtigung der biologischen

Trinkwasserqualität

M. Scheideler, Scheideler Dienstleistungen, Haltern am See

Themenblock 4: Netzbetrieb - Anwendungen aus Sicht

der Wasserversorger

Handlungsempfehlungen zur Minimierung von Rohrschäden

an Hauptleitungen des Hamburger Versorgungsnetzes

K. Krieger, HAMBURG WASSER, Hamburg; Dr. Ch. Sorge, IWW, Mülheim

Umsetzung einer Netzmanagementstrategie bei der RWW–

Rheinisch-Westfälischen Wasserversorgung

J. Erbel, RWW GmbH, Mülheim, Dr. G. Gangl, RBS Wave GmbH, Stuttgart

Veranstalter:

Veranstalter

3R, ZfW, iro

Termin: Dienstag, 29.10.2013,

9:00 Uhr – 17:15 Uhr

Ort:

Zielgruppe:

Essen, Welcome Hotel

Mitarbeiter von Stadtwerken

und Wasserversorgungsunternehmen,

Dienstleister im Bereich

Netzplanung, -inspektion und

-wartung

Teilnahmegebühr*:

3R-Abonnenten

und iro-Mitglieder: 390,- €

Nichtabonnenten: 420,- €

Bei weiteren Anmeldungen aus einem Unternehmen

wird ein Rabatt von 10 % auf den jeweiligen

Preis gewährt.

Im Preis enthalten sind die Tagungsunterlagen

sowie das Catering (2 x Kaffee, 1 x Mittagessen).

* Nach Eingang Ihrer schriftlichen Anmeldung (auch per Internet

möglich) sind Sie als Teilnehmer registriert und erhalten eine

schriftliche Bestätigung sowie die Rechnung, die vor Veranstaltungsbeginn

zu begleichen ist. Bei Absagen nach dem 15.

Oktober 2013 oder Nichterscheinen wird ein Betrag von 100,- €

für den Verwaltungsaufwand in Rechnung gestellt. Die Preise

verstehen sich zzgl. MwSt.

Mehr Information und Online-Anmeldung unter

www.praxistag-wasserversorgungsnetze.de

Fax-Anmeldung: 0201-82002-40 oder Online-Anmeldung: www.praxistag-wasserversorgungsnetze.de

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Ort, Datum, Unterschrift


EDITORIAL

Den richtigen Rahmen setzen

Über die Energie-Infrastruktur wird generell in Europa

und speziell in Deutschland intensiv diskutiert. Die „Energiewende“

made in Germany ist leider noch nicht zum

Exportschlager geworden, was angesichts der derzeitigen

Schwierigkeiten nicht verwundert. Auf technischer Seite sind

allerdings auch positive Fortschritte erkennbar, wie man

auf der diesjährigen gat erleben konnte. Power-to-Gas ist

eine der aussichtsreichsten Möglichkeiten, die Umstellung

der deutschen Energie-Infrastruktur zu ermöglichen und

die erforderliche Zwischenspeicherung der mit Windkraft

oder Photovoltaik erzeugten Energie technisch zu realisieren.

Dennoch bleibt die Aufgabe, einen rechtlichen sinnvollen

Rahmen zu setzen.

Reform des Enerneuerbare-Energien-Gesetz

erwartet

Unabhängig davon, welche Koalition am Ende der noch

laufenden, langwierigen Verhandlungen stehen wird: Die

Energiewirtschaft in Deutschland wartet „händeringend“

auf eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Die

vor Jahren sinnvolle Förderung von regenerativen Energien

wird zunehmend zum finanziellen Hemmschuh. Gleichzeitig

verschlechtert sich die wirtschaftliche Basis konventioneller

Kraftwerke derart, dass deren Weiterbetrieb in Frage gestellt

wird. Der Vorrang von regenerativ erzeugtem Strom bei der

Einspeisung hat fatale Folgen. Die Zwischenspeichung dieses

Stroms, z. B. durch Umwandlung und Speicherung in den

Gasnetzen, kann dieses Problem lösen und wird über den

Erfolg der Energiewende entscheiden.

Auch jenseits der Energiethemen gibt es

Infrastrukturaufgaben!

In der öffentlichen Wahrnehmung scheint es ausnahmslos

um die Frage der zukünftig richtigen Gestaltung unserer

Energie-Infrastruktur zu gehen. Dies verwundert nicht, da

der Bürger in erster Linie sensibel auf persönliche monetäre

Auswirkungen reagiert.

Die Aufrechterhaltung der Wasser- und Abwasserinfrastruktur

ist allerdings ebenso dringlich und auch hierfür werden

hohe Investitionen benötigt – dies sollte bei allem Treiben

um die Energiewende nicht vergessen werden.

Einen Bogen zwischen Energie- und Abwasserthemen

schlägt die Nutzung von Abwärme in Abwasserkanälen,

wie der Beitrag „50 % weniger Primärenergie mit Kanalwärmenutzung

in Bad Cannstadt“ ab Seite 56 zeigt.

Nico Hülsdau

3R, Vulkan-Verlag GmbH

Förderprogramm der EU für die europäische

Energie-Infrastruktur

„Die Macht des Geldes“ lautet die Überschrift eines Artikels

in der jüngsten Spiegel-Ausgabe (14.10.2013). Darin wird die

Initiative der Europäischen Kommission beschrieben, die EU-

Kommissar Günther Oettinger am 14. Oktober vorgestellt

hat. Es geht um die Verabschiedung einer Liste mit 248

wichtigen Energie-Infrastrukturprojekten. Diese „Projekte

von gemeinsamem Interesse“ werden u. a. von beschleunigten

Planungsverfahren und verbesserten regulatorischen

Bedingungen profitieren. Zudem ist eine finanzielle

Unterstützung für den Zeitraum 2014 bis 2020 in Höhe von

5,85 Mrd. Euro vorgesehen. Von den 248 Projekten entfallen

119 Projekte auf den Bereich Strom und 113 Projekte auf

den Bereich Gas. Für Deutschland ist die Unterstützung von

15 Strom- und fünf Gasprojekten geplant. Die vollständige

Liste finden Sie auf der 3R-Internetseite www.3R-Rohre.de.

10 | 2013 1


INHALT

NACHRICHTEN

12

21

Ausbildung zum Zertifizierten Kanal-Sanierungs-Berater:

Prüfingenieure machen mit

Podiumsdiskussion auf dem 2. Deutschen Reparaturtag

INDUSTRIE & WIRTSCHAFT

6 Streicher verlegt 18-m-Produktenrohre für MIDAL-Süd-Loop

6 Benchmark für zerstörungsfreie Prüfverfahren

7 Bau-Mediations-Team gegründet

PERSONALIEN

EDITORIAL

01 „Den richtigen

Rahmen setzen“

Nico Hülsdau

8 Dr.-Ing. Wulf Lindner in den Ruhestand verabschiedet

8 Prof. Dr. Ulrich Panne ist neuer Präsident der BAM

9 DVGW-Präsidium neu besetzt

9 Dr.-Ing. Ehlers zum Professor für Bauverfahrenstechnik nach Osnabrück berufen

10 Änderungen im Vorstand der DWA

10 resinnovation baut Vertrieb aus

VERBÄNDE

11 Konventionelle Kraftwerksparks sind kein Auslaufmodell

12 Ausbildung zum Zertifizierten Kanal-Sanierungs-Berater: Prüfingenieure machen mit

2 10 | 2013


45

Bohranlagen und Zubehör für jeden Untergrund

VERANSTALTUNGEN

14 TAW bietet Soft Skill-Training für Ingenieure

15 Tube 2014: Kunststoffrohre in der Industrie

17 Mehr als 100 Aussteller bei Tiefbaumesse InfraTech

in Essen

18 Kanäle kombiniert bewirtschaften

21 Branchentreff beim 2. Deutschen Reparaturtag

PRODUKTE & VERFAHREN

44 Wettercockpit für die Bauwirtschaft

44 Korrosionsschutz von Klöpperböden

45 Bohranlagen und Zubehör für jeden Untergrund

45 PP-Rohrmaterial mit verbesserten Eigenschaften

46 DIBt-Zulassung für PERFECT-Liner erteilt

46 Brandschutzmanschette durch Handel und Praxis

ausgezeichnet

47 Variabler Ausgleichsring für Rohrverbindungen

47 Universelle Rohrkupplung für Abwasserrohrleitungen

47 Endlos schwenkbarer Fräsarm mit 360° drehbarer

Kamera

Das Oldenburger Rohrleitungsforum als Treffpunkt

der Wirtschaft und der Wissenschaft, als Marktplatz

von Know-how und dem Neuesten aus der Rohrleitungswelt.

28. Oldenburger Rohrleitungsforum

06./07. Februar 2014

über 3.000 Besucher aus Versorgungswirtschaft,

Behörden, Ingenieurbüros, Bauunternehmen und

Rohr- und Zubehörherstellern

über 100 Fachvorträge in sechs parallelen Vortragsveranstaltungen

vermitteln Wissen für die Praxis und

bringen Impulse in die Hochschule

über 350 internationale Aussteller mit dem Neuesten

aus ihren Entwicklungsabteilungen

in den Pausen: Kommunikation pur in den Gängen,

auf dem Gelände und auf den Abendveranstaltungen

Anmeldungen und weitere Informationen:

Institut für Rohrleitungsbau

an der Fachhochschule Oldenburg e.V.

Ofener Straße 18 / 26121 Oldenburg

Frau Ina Kleist

Tel. 0441 361039-0 / Fax 0441 361039-10

E-mail ina.kleist@iro-online.de / www.iro-online.de

10 | 2013 3


INHALT

FACHBERICHTE

48

54

Unzureichende Planung, Ausschreibung und Ausführung

bei Kanalsanierungen können Folgekosten erzeugen

Nach Fertigstellung zum Neuzustand sanierter

Mischwassersammler

RECHT & REGELWERK

24 Die neue HOAI 2013 - Änderungen und Auswirkungen auf die Honorare in der

Kanalsanierung

Dipl.-Ing. Peter Kalte, Dipl.-Ing. Arnulf Feller

28 Neue Technische Regeln für Steinzeugrohre DIN EN 295 – 2013

Bauass. Dipl.-Ing. Karl-Heinz Flick

32 Änderung von Rohrleitungen - Teil 3: Änderung von Rohrfernleitungen zum

Befördern wassergefährdender Stoffe, § 20 Abs. 2 S. 4 UVPG

Dr. Bettina Keienburg, Dr. Michael Neupert

38 DVGW-Regelwerk

SERVICES

19 Messen | Tagungen

91 Marktübersicht

100 Inserentenverzeichnis

101 Buchbesprechung

102 Seminare

105 Impressum

42 DWA-Regelwerk

ABWASSERENTSORGUNG / SANIERUNG

48 Auswirkungen und Folgekosten unzu reichender Planung, Ausschreibung und

Ausführung bei Kanalsanierungen

Dipl.-Ing. Roland Wacker

53 Abwasser-Pumpenschacht mit Epoxidharz-Beschichtung dauerhaft saniert

54 Cottbus saniert Mischwassersammler mit GFK-Sonderprofilen

56 50 % weniger Primärenergie mit Kanalwärmenutzung in Bad Cannstadt

Klaus W. König

4 10 | 2013


Kompetenz, die

verbindet

60

Löschwasserradien in einem Versorgungsgebiet

WASSERVERSORGUNG

60 Löschwasserkosten sind nicht gleich

Trinkwasserkosten

Dr.-Ing. Esad Osmancevic, Steffen Mayer

68 Bau von drei 36 m langen DN 3000-GFK-

Trinkwasserröhrenspeichern

70 Einflüsse auf die Entscheidungsfindung im

Asset Management

Mike Beck

KORROSIONSSCHUTZ

74 Beeinflussung von Wasserleitungen durch

Streuströme: Messtechnische Erfassung und

Schutzmaßnahmen

Dr. Markus Büchler, David Joos , Carl-Heinz Voûte

80 Anwendungsbeispiele für die Prüfung von

Rohrleitungen mit Guided Waves

Dipl.-Ing. Hermann Schubert, Dr. Thomas Vogt

GASVERSORGUNG

& PIPELINETECHNIK

86 LDACS-Leckerkennungssystem: Mehr Sicherheit

durch verteilte akustische Sensoren

Natalija Psöl, Dmitrij Pleschkow,

Dr. Enwer Achmedov, Dr. Aleksey Turbin

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10 | 2013 5


NACHRICHTEN INDUSTRIE & WIRTSCHAFT

Streicher verlegt 18-m-Produktenrohre

für MIDAL-Süd-Loop

Zur Erweiterung der Kapazitäten der bestehenden Erdgasleitung

MIDAL wird auf einer Strecke von insgesamt

90 km eine Parallelleitung DN 1000 gebaut. Der Betreiber

der MIDAL, die GASCADE Gastransport GmbH,

beauftragte die MAX STREICHER GmbH & Co. KG

aA mit dem dritten von insgesamt drei Baulosen des

MIDAL-Süd Loop. Die 31 km lange Trasse zwischen

Wertheim nahe Bad Orb und Thomashof bei Schlüchtern

verläuft über weite Bereiche parallel zur Bundesautobahn

A 66, die im Bereich des STREICHER-Loses viermal

gequert wird.

An der nördlichsten

der vier Querungen

begannen kürzlich

die Bohrarbeiten im

Microtunnelling-Verfahren.

Für das grabenlose

Einbringen

der 18 m langen Rohrstücke

griff Streicher

auf diese Verlegemethode

zurück.

Benchmark für zerstörungsfreie Prüfverfahren

In der Kunststoffindustrie existieren große Potenziale für

zerstörungsfreie Prüfverfahren (ZfP). Häufig fehlt jedoch

die geeignete Verbindung von Prüfsystemanbietern zu

den real existierenden Anwendungen. Zudem kann eine

einzelne ZfP-Technologie nie für sich alleine betrachtet

werden. Es müssen immer auch die Wettbewerbstechnologien

berücksichtigt werden, die ebenfalls Lösungen

für eine spezifische Aufgabenstellung bieten können und

damit im direkten Wettbewerb stehen.

Zahlreiche, verschiedene zerstörungsfreie Prüfverfahren

sind mittlerweile am Markt erhältlich. Mit einem neuen

Kooperationsprojekt möchte das SKZ die Verbindung

von Prüfsystemanbietern zu real existierenden Anwendungen

fördern. Die Fähigkeiten der Messverfahren der

teilnehmenden Prüfsystemanbieter sowie deren Marktbegleiter

werden anhand konkreter Fragestellungen in

einem Benchmark gegenübergestellt. Damit können die

Systemgrenzen ausgelotet und Trends erkannt werden.

Zudem profitieren die Prüfanbieter durch die Darstellung

ihrer Leistungsfähigkeit, der Erschließung neuer Märkte

und Rekrutierung neuer Kundenkreise.

Die Vielfalt der heute existierenden Verfahren macht es

erforderlich, einen Benchmark der Verfahren anhand

real existierender Aufgabenstellungen zu erarbeiten.

Das SKZ möchte dies den ZfP-Anbietern mit diesem

Kooperationsprojekt ermöglichen. An zahlreichen

Kunststoff-Bauteilen aus praktischen Anwendungen

können die Grenzen der jeweiligen Messsysteme ausgelotet

und verglichen werden. Die Anonymität bleibt

hierbei zu jedem Zeitpunkt bestehen. Die teilnehmenden

Prüfanbieter erhalten hierdurch einen Überblick

über die Leistungsfähigkeit von Konkurrenztechnologien

und eine entsprechende Einordnung ihrer eigenen

Verfahren. Somit können Trends erkannt und

Methoden zielorientiert weiterentwickelt werden. Die

resultierenden Referenzmessungen ermöglichen zudem

einen gezielten Marktzugang sowie die Rekrutierung

neuer Kunden.

KONTAKT:

SKZ - Das Kunststoff-Zentrum, Würzburg, Dipl.-Ing. Giovanni Schober,

Tel. +49 931 4104-464, E-Mail: g.schober@skz.de

6 10 | 2013


PERSONALIEN NACHRICHTEN

Bau-Mediations-Team gegründet

Durch den Zusammenschluss von mehreren Baupraktikern mit

jahrzehntelanger Erfahrung in verantwortungsvollen Positionen

im Bauwesen wurde im Mai die BAU-MEDIATION-NRW

gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören öffentlich

bestellte und vereidigte Sachverständige aus verschiedenen

Sparten des Baubereichs, die in den Standorten Bonn, Köln

und Krefeld angesiedelt sind.

Diese sehen ihre Aufgabe darin, die Lösung von Konflikten mit

dem wechselseitigen Austausch der Hintergründe zu erhellen

und das Ergebnis in einer verbindlichen, in die Zukunft

weisenden Vereinbarung zu dokumentieren. Dabei steht im

Gegensatz zum Gerichtsverfahren die Schuldfrage nicht im

Vordergrund.

Neben dem eigentlichen Ziel der Mediation gibt es auch die

Berücksichtigung von Interessenlagen, die in einem Zivilprozess

unbeachtet bleiben würden:

»»

Reduzierung der Verfahrenskosten und der

Konfliktfolgekosten

»»

Möglichkeit eines unbürokratischen und flexiblen

Verfahrens

»»

Schonung personeller und betrieblicher Ressourcen

»»

keine Öffentlichkeit durch Berichte in den

Massenmedien.

Die Mediation entwickelte sich aus der Praxis der außergerichtlichen

Konfliktregelung. In Deutschland hat sich das Verfahren

seit etwa 1990 zunehmend etabliert. Wichtigste Grundidee

der Mediation ist die Eigenverantwortlichkeit der Konfliktparteien:

Der Mediator ist verantwortlich für den Prozess, die

Parteien sind verantwortlich für den Inhalt. Dahinter steht der

Gedanke, dass die Beteiligten eines Konflikts selbst am besten

wissen, wie dieser zu lösen ist, und vom Mediator lediglich

hinsichtlich des Weges dorthin Unterstützung benötigen.

Das Bau-Mediations-Team: Dipl.-Ing. Thomas Nordmann, Dipl.-Ing.

Heinrich Schöneseiffen, Dipl.-Ing. Werner Bezela (v. l. n. r.)

Die Konfliktlösung mit Unterstützung eines stundenweise

honorierten Mediators kann insbesondere bei hohen

Streitwerten kostengünstiger sein als die streitige Austragung

vor Gericht mit Hilfe eines Rechtsanwalts. Sinnvoll

ist gerade bei großen Bauprojekten die baubegleitende

Mediation, die der Entstehung und Verfestigung von

Konflikten gleich im Ansatz entgegenwirkt. Die Vorzüge

der Mediation hat auch bereits der Gesetzgeber erkannt

und mit Datum vom 21.7.2012 das Mediationsgesetz

verabschiedet, in dem der Ablauf des Verfahrens formalrechtlich

geregelt wird.

KONTAKT: www.bau-mediation-nrw.de

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10 | 2013 7


NACHRICHTEN PERSONALIEN

Dr.-Ing. Wulf Lindner in den Ruhestand verabschiedet

Am 27. September 2013

wurde Dr.-Ing. Wulf Lindner,

Vorstand des Erftverbandes

und Geschäftsführer der Erftverband

aqua tec GmbH, im

Rahmen einer festlichen Feierstunde

auf Schloss Paffendorf

in den Ruhestand verabschiedet.

Seine herausragenden

Leistungen und Verdienste

für den Erftverband und für

das Wasserfach würdigten

der Verbandsratsvorsitzende,

Bürgermeister Albert

Bergmann (Stadt Zülpich),

der stellvertretende Vorsitzende

des Verbandsrats, Dr.

Dieter Gärtner (RWE Power

AG), Prof. Dr. Wolfgang Firk (Wasserverband Eifel-Rur) als

Vertreter der Arbeitsgemeinschaft der Wasserwirtschaftsverbände

agw und sein ständiger Stellvertreter als Vorstand

des Erftverbandes und designierter neuer Vorstand, Norbert

Engelhardt in ihren Ansprachen.

Wulf Lindner studierte von 1971 bis 1977 Bauingenieurwesen

an der Universität Stuttgart. Nach einem kurzen Intermezzo

als Bauleiter beim Zweckverband Bodensee Wasserversorgung

Stuttgart wurde er 1978 Mitarbeiter an den Instituten für

Siedlungswasserwirtschaft und Wasserbau der Universität

Stuttgart. Hier promovierte er 1983 über numerische Optimierungsmodelle

zur Steuerung von Grundwasserentnahmen

nach ökologischen Kriterien. In gleichem Jahr kam Dr.

Wulf Lindner als Fachbereichsleiter Wasserversorgung zum

Erftverband. Er wurde zuständig für die Sicherstellung der

Wasserversorgung im Tätigkeitsbereich des Verbandes und

war insbesondere verantwortlich für viele interdisziplinäre

Forschungs- und Entwicklungsarbeiten.

1995 verließ er den Verband und wechselte zum Deutschen

Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), einem technischwissenschaftlichen

Verein, wo er zunächst den Bereich Wasserversorgung

leitete und später zum Leiter des Gesamtbereichs

Wasser der Hauptgeschäftsführung berufen wurde.

2003 kam Wulf Lindner als Vorstand zurück zum Erftverband.

In der Folgezeit entwickelte er den Erftverband zu einem

modernen Dienstleistungsunternehmen. Seine Vorstandszeit

war vor allen Dingen geprägt durch ein gelebtes Leitbild und

die Einführung eines integrierten Managementsystems, das

ein Qualitäts-, Umwelt- und technisches Sicherheitsmanagement

einschloss, durch zahlreiche kontinuierliche Verbesserungsprozesse

und durch viele Forschungs- und Entwicklungsprojekte

im Wasser- und Abwasserbereich.

Wichtige Bauprojekte wie die energetische Modernisierung

von Kläranlagen und der Verbandsverwaltung, der Neubau

des Labors, des Zentrallagers und der zentralen Instandhaltung

sowie von Gewässermeistereien fallen ebenso in seine

Amtszeit wie die Neustrukturierung der inneren Organisation.

Dr. Wulf Lindner war in zahlreichen nationalen und internationalen

Vorständen aktiv. Hervorzuheben ist sein Engagement

z. B. als deutsches Vorstandsmitglied von EUREAU,

dem Dachverband der europäischen Ver- und Entsorger, als

Vorstandsvorsitzender des Instituts zur Förderung der Wassermengen

und Wassergütewirtschaft und als Vorsitzender

des Bundes der Wasser- und Kulturbauingenieure in NRW.

Sein breitgefächertes Wissen zu fast allen Themen des Wasserfachs,

vom Grundwasserschutz bis zur Hausinstallation,

von mathematischen Modellen bis zur Wasserpolitik und von

Klimafragen bis zur Qualitätsanforderung an Unternehmen

stellte Dr. Lindner in über 150 Veröffentlichungen und Vorträgen

unter Beweis.

Prof. Dr. Ulrich Panne ist neuer Präsident der BAM

Prof. Dr. Ulrich Panne hat ab dem 1. September 2013 die

Leitung der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und

-prüfung übernommen. Der Chemiker löste Professor Dr.

Manfred Hennecke ab, der elf Jahre die BAM als Präsident

leitete und nun in den Ruhestand gegangen ist.

Bei seiner Ernennung zum BAM-Präsidenten betonte Ulrich

Panne, dass er die Verbindung von Ingenieurwissenschaften

und Naturwissenschaften der BAM weiter ausbauen ausmöchte.

Nur so können die herausfordernden Themen der

Chemie bzw. der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik

multidisziplinär bearbeitet werden. Der 49-jährige analytische

Chemiker ist seit 2004 an der BAM tätig und leitete

die Abteilung 1 Analytische Chemie, Referenzmaterialien.

Darüber hinaus ist er Professor für Instrumentelle Analytische

Chemie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Professor

Panne ist Mitinitiator und seit 2012 einer der Sprecher der

Graduiertenschule für Analytical Sciences Adlershof (SALSA)

innerhalb der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder.

Panne hat an der Universität Dortmund und am University

College London Chemie studiert und an der Technischen

Universität München promoviert und dort auch nach einem

Postdoc-Aufenthalt am JRC Ispra 2001 habilitiert. Nach

einem abgelehnten Ruf an die Universität Leipzig, wechselte

der Chemiker 2004 an die BAM und die Humboldt-Universität

zu Berlin. Schwerpunkt seiner Forschungsaktivitäten

ist die instrumentelle Analytik, insbesondere im Bereich der

Entwicklung neuer spektroskopischer Methoden.

Für seine Verdienste auf diesem Gebiet ist er 2009 von der

Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) mit dem Fresenius-

Preis ausgezeichnet worden.

8 10 | 2013


PERSONALIEN NACHRICHTEN

DVGW-Präsidium neu besetzt

Dr. Thomas Hüwener und Dietmar Bückemeyer sind zu

neuen Vizepräsidenten Gas bzw. Wasser des Deutschen

Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) gewählt

worden. Die Wahl erfolgte am 30. September 2013 in

Nürnberg einstimmig durch den DVGW-Bundesvorstand.

Dr. Thomas Hüwener und Dietmar Bückemeyer folgen

Dr. Jürgen Lenz und Dr. Georg Grunwald nach, die nicht

wieder kandidierten. In ihren Ämtern bestätigt wurden

DVGW-Präsident Dr. Karl Roth sowie Michael Riechel als

dritter Vizepräsident.

Dr. Thomas Hüwener ist seit März 2013 Mitglied der

Geschäftsführung der Open Grid Europe GmbH mit

dem Schwerpunkt Technik. Bevor er 2010 Bereichsleiter

Leitungstechnik beim Essener Fernleitungsnetzbetreiber

wurde, hatte er verschiedene technische Führungspositionen

bei der E.ON Ruhrgas AG inne. Im Rahmen der

DVGW-Mitgliederversammlung wurde Dr. Hüwener in

den Bundesvorstand des Vereins gewählt. Er ist zudem

Obmann des Technischen Komitees „Gastransport“ des

DVGW. Dr. Thomas Hüwener (42), in Haltern geboren,

hat Maschinenbau in Bochum und College Station (USA)

studiert und ist mit einer Arbeit über Strömungsmaschinen

an der Universität Essen promoviert worden.

Dietmar Bückemeyer ist seit 2002 Technischer Vorstand

der Stadtwerke Essen AG und zudem Geschäftsführer

der Essener Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft mbH.

Bevor er in den Vorstand wechselte, war er Abteilungsleiter

und Prokurist im Bereich Planung und Bau der

Stadtwerke Essen AG. Dietmar Bückemeyer gehört dem

DVGW-Bundesvorstand seit 2004 an. Darüber hinaus

ist er Vorstandsvorsitzender der DVGW-Landesgruppe

Nordrhein-Westfalen und Obmann des DVGW-Lenkungskomitees

„Wasserversorgungssysteme“. Dietmar

Bückemeyer (53), in Gelsenkirchen geboren, hat sein

ingenieurwissenschaftliches Diplom in der Fachrichtung

Maschinenbau erworben.

Dietmar Bückemeyer, neuer

Vizepräsident Wasser des DVGW

Dr. Thomas Hüwener, neuer

Vizepräsident Gas des DVGW

Dr.-Ing. Ehlers zum Professor für Bauverfahrenstechnik

nach Osnabrück berufen

Prof. Dr.-Ing. Michael Ehlers, Jahrgang 1966, ist seit dem

1. September 2013 an der Hochschule Osnabrück im

Bereich der Bauverfahrenstechnik tätig.

Ehlers studierte nach der Ausbildung zum Maurer von

1988 bis Ende 1994 an der Universität Hannover Bauingenieurwesen

mit der Vertiefungsrichtung Baubetrieb

und Baubetriebswirtschaft. Mit über 14 Jahren Tätigkeit

in mittelständischen Bauunternehmen als Bauleiter, Oberbauleiter

und Abteilungsleiter ist er ein ausgewiesener

Praktiker und hat den für eine praxisnahe Ausbildung

notwendigen Erfahrungshorizont. Besondere Erfahrungen

hat er im Erd-, Tief- und Straßenbau, aber auch im Bereich

des industriellen Schlüsselfertigbau sammeln können.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Baubetrieb

und Baubetriebswirtschaft der Leibniz Universität

Hannover hat er bereits Lehrveranstaltungen in den Bereiche

Ausschreibung und Vergabe von Bauleistungen, Kalkulation

und Preisbildung, Termin- und Kostenplanung,

Bauverfahrenstechnik, Sicherheitstechnik, Baubetriebswirtschaftliche

Sonderprobleme in der Bauausführung

sowie Grundlagen des Baurechts abgehalten. Außerdem

war er im Rahmen der Aufstellung und Prüfung von Nachtragsforderungen

und der baubetrieblichen Beratung und

Begleitung laufender Baumaßnahmen gutachtlich tätig.

Seine Promotion hat er zu dem Thema der „Untauglichkeit

des üblichen Preises für die Anpassung der

Vergütung“ verfasst. Er hat sich dort mit der aktuellen

Diskussion rund um ein von einer Arbeitsgruppe im Bundesministerium

der Justiz erarbeiteten Entwurfs zu einem

möglichen Bauvertragsrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch

beschäftigt.

Prof. Dr.-Ing. Michael Ehlers ergänzt das nunmehr fünf

Lehrende umfassende Team Baubetrieb der Hochschule

Osnabrück in idealer Weise. Seine Berufung bekräftigt

die starke baubetriebliche Ausrichtung des Osnabrücker

Standortes und schärft hier das Profil der Hochschule.

10 | 2013 9


NACHRICHTEN PERSONALIEN

Änderungen im Vorstand der DWA

Dr. Jochen Stemplewski

(Essen) ist neuer Vizepräsident

der Deutschen Vereinigung für

Wasserwirtschaft, Abwasser

und Abfall e. V. (DWA). Die

Mitgliederversammlung hat

ihn am 24. September 2013 in

Berlin in dieses Amt gewählt.

Neues Mitglied im Präsidium

ist Dipl.-Ing. Wolfgang Schanz

(Stuttgart). Erstmalig in den

Vorstand gewählt wurden

Prof. Dr. Beate Jessel (Bonn),

Dr. Uwe Müller (Dresden) und

Dipl.-Ing. Jörg Simon (Berlin).

Als Vorstandsmitglieder wiedergewählt

wurden Dipl.-Ing.

Dr. Jochen Stemplewski ist neuer

Vizepräsident der Deutschen

Arndt Bock (Ansbach), Prof.

Vereinigung für Wasserwirtschaft, Dr.-Ing. Harro Bode (Essen),

Abwasser und Abfall e. V.

Dr.-Ing. Georg Grunwald

(Bremen), Prof. Dr.-Ing. Heribert

Nacken (Aachen), Dr. Frank Andreas Schendel (Bergisch

Gladbach) und Dipl.-Ing. Robert Schmidt (München). Die Amtszeiten

laufen jeweils vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember

2017. Zum 31. Dezember 2013 scheiden aus dem Vorstand

aus der bisherige Vizepräsident Dipl.-Ing. Eberhard Jüngel

(Neidhardtsthal) und Prof. Dr.-Ing. Markus Disse (München).

Dr. Jochen Stemplewski (64) ist Vorstandsvorsitzender von

Emschergenossenschaft und Lippeverband in Essen und seit

vielen Jahren in der DWA aktiv. Dem Präsidium gehört er

bereits seit 2010 an. Daneben ist er Vorsitzender des Hauptausschusses

Wirtschaft, seit der Gründung des Gremiums;

auch in dieser Funktion wurde er bis 2017 von der Mitgliederversammlung

bestätigt.

Wolfgang Schanz (58) ist Leiter des Tiefbauamts der Stadt

Stuttgart und dort außerdem 1. Betriebsleiter des Eigenbetriebs

Stadtentwässerung. In der DWA wirkt er als Vorsitzender

des Landesverbands Baden-Württemberg und ist in dieser

Rolle seit 2004 Mitglied des Vorstands auf Bundesebene.

Beate Jessel (51) bringt als Präsidentin des Bundesamts für

Naturschutz besondere Kompetenz in Landschaftspflege,

-planung und -entwicklung in die DWA ein.

Uwe Müller (50) ist nicht nur in der Fachwelt gut bekannt,

sondern auch ein in den Medien vielgefragter Hochwasser-

Experte. Er ist Leiter des Referats „Wasser, Boden, Wertstoffe“

des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

des Freistaates Sachsen, und zu seinem Referat gehört das

Landeshochwasserzentrum. In der DWA tritt er die Nachfolge

von Markus Disse (TU München) als Vorsitzender des Hauptausschusses

„Hydrologie und Wasserbewirtschaftung“ an.

Jörg Simon (51) bringt als Vorstandsvorsitzender der Berliner

Wasserbetriebe die Expertise eines der größten wasserwirtschaftlichen

Unternehmen Europas in den DWA-Vorstand ein.

Die DWA ist fachlich in zehn „Hauptausschüsse“ gegliedert.

Neben der Neuwahl von Uwe Müller wurden vier weitere

Hauptausschussvorsitzende in ihren Ämtern bestätigt: für

„Gewässer und Boden“ Arndt Bock (63), Leiter des Wasserwirtschaftsamts

Ansbach, für „Recht“ Frank Andreas Schendel

(66), früher Bayer AG, für „Bildung und Internationale Zusammenarbeit“

Robert Schmidt (49), Technischer Werkleiter der

Münchner Stadtentwässerung, sowie für Wirtschaft der neue

Vizepräsident Jochen Stemplewski.

Harro Bode (62), Vorstandsvorsitzender und Vorstand Technik

und Flussgebietsmanagement des Ruhrverbands, und Georg

Grunwald (52), früher hansewasser Bremen und Berliner Wasserbetriebe,

bringen durch ihre Wiederwahl auch weiterhin

ihre Erfahrung aus großen wasserwirtschaftlichen Unternehmen

in die DWA und ihren Vorstand ein.

Heribert Nacken (52), Lehr- und Forschungsgebiet Ingenieurhydrologie

der RWTH Aachen, wurde als Leiter der Fachgemeinschaft

Hydrologische Wissenschaften in der DWA und

damit als Vorstandsmitglied der DWA bestätigt.

resinnovation baut Vertrieb aus

Die resinnovation GmbH, Rülzheim,

einer der führenden Anbieter von

maßgeschneiderten Kunstharz-Problemlösungen

für die Kanalsanierung,

baut den Vertrieb weiter aus.

Seit dem 1. September 2013 verstärkt

Dipl.-Betriebswirt (VWA)

Peter Drüen das resinnovation-

Team als Vertriebsleiter für NRW,

Dipl.-Betriebswirt Peter Drüen (50) ist neuer resinnovation-

Ansprechpartner „vom Westerwald bis zur Nord- und Ostsee“

Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Nordhessen

und nördliche Rheinland-Pfalz. Der 50-Jährige ist

damit quasi „vom Westerwald bis zur Nord- und Ostsee“

der Ansprechpartner des Marktes für die stetig wachsende

resinnovation-Produktpalette.

Reichlich Erfahrung mit Werkstoffen und Anwendungen

in der Kanalsanierung bringt Drüen mit. Von 2003

bis 2010 war er Gebietsverkaufsleiter NRW bei einem

namhaften Marktbegleiter; anschließend lernte er den

Kanalsanierungsmarkt quasi aus der Gegenperspektive,

als Bauleiter und Vertriebler eines regional tätigen Sanierungsdienstleisters

kennen.

10 10 | 2013


VERBÄNDE NACHRICHTEN

Konventionelle Kraftwerksparks sind kein Auslaufmodell

Eine sichere Energieversorgung in Deutschland ist auf lange

Sicht nur mithilfe konventioneller thermischer Kraftwerke zu

gewährleisten. „Selbst wenn die Ausbauziele für die erneuerbare

Stromerzeugung bis 2030 erreicht werden, muss der

konventionelle Kraftwerkspark fast unverändert vorgehalten

werden – und das bis 2050“, betont FDBR-Geschäftsführer

Dr. Reinhard Maaß.

In der politischen Debatte um die Energiewende in Deutschland

ist zuletzt u. a. der Eindruck entstanden, dass konventionelle

Kraftwerke in Deutschland ein Auslaufmodell sind

und allein erneuerbare Energien in einem umgebauten Energiesystem

nach 2030 die Energieversorgung Deutschlands

sicherstellen können. Dem widerspricht der FDBR in seinem

Positionspapier „Thermische Kraftwerke liefern mehr als Strom

– Fünf Missverständnisse in der energiepolitischen Diskussion“

nachdrücklich.

„Tatsache ist, dass erneuerbare Energien ebenso wie Speicherausbau

oder Stromimporte nur unzureichend zur Sicherung

von Energieversorgung, Netzstabilität und Energiequalität in

Deutschland beitragen werden. Entsprechend ist thermische

Kraftwerksleistung nahezu unverändert vorzuhalten. Tatsache

ist auch, dass konventionelle Kraftwerke für System- und

Versorgungssicherheit unverzichtbar bleiben und deshalb mit

der Modernisierung des Kraftwerksparks zügig begonnen

werden muss. Und schließlich ist es Fakt, dass Großkraftwerke

auch bei dezentraler Stromerzeugung erforderlich sind. Große

Verbundnetze sorgen zudem für die notwendige Netzstabilität

– und sichern damit Standort- und Investitionsentscheidungen“,

so Dr. Maas.

Darüber hinaus zeigt das FDBR-Positionspapier, dass eine

Lastsicherung allein durch GuD-Kraftwerke ineffizient sowie

Das Steinkohlekraftwerk in Duisburg (Walsum 10) verfügt über

eine installierte Leistung von 750 MW und wurde von Hitachi

Power Europe schlüsselfertig errichtet

riskant ist und kleine Gasturbinen nur geringe Wirkungsgrade

erreichen und daher unwirtschaftlich sind. Dagegen können

moderne Kohlekraftwerke einen insgesamt vergleichbaren

Beitrag zur flexiblen Stromversorgung in Deutschland leisten

– und dies mit rund 30 % geringeren CO 2

-Emissionen.

„Die Erneuerung des konventionellen Kraftwerksparks zur

Anpassung an künftige Herausforderungen im Strommarkt

ist zwingend notwendig und technisch machbar“, konstatiert

Maaß. „Ein weiterer Investitionsstau wiederum birgt energiewirtschaftliche

Risiken und hat einen Kapazitätsabbau bei

den Technologieanbietern mit Verlust von Arbeitsplätzen und

Know-how zur Folge.“

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NACHRICHTEN VERBÄNDE

Ausbildung zum Zertifizierten Kanal-Sanierungs-Berater:

Prüfingenieure machen mit

Bild 1: Gruppenfoto nach bestandener Prüfung: Die Kursleiter Mario

Heinlein (1. v. li.) und Norbert Heidbrink (1. Reihe, 2. v. re.), mit

den erfolgreichen Absolventen des ZKS-Berater-Lehrgangs bei den

Stadtentwässerungsbetrieben Köln, AöR

Die im Rahmen des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG)

§§ 60f. sowie der Eigenkontrollverordnungen einiger Bundesländer

festgelegte Verpflichtung zur Sanierung schadhafter

Kanäle hat zu einem großen Beratungsbedarf bei

öffentlichen und privaten Netzbetreibern geführt. Gefragt

sind treffende Beurteilungen von Schadensbildern und

-ursachen, eine umfassende Kenntnis der zahlreichen

Verfahren und fachlich fundierte Sanierungskonzepte.

Wie wähle ich als Verantwortlicher bei einer Kommune

oder als Planer für das konkrete Schadensbild ein

geeignetes Sanierungsverfahren? Diese Frage wird sich

jeder verantwortungsbewusste Netzbetreiber oder Planer

stellen, der neben wirtschaftlichen Aspekten auch Parameter

wie die Nutzungsdauer im Blick hat. Die richtige

Auswahl des Verfahrens und eine qualifizierte Ausführung

tragen zu nachhaltigen Sanierungsergebnissen bei. Doch

wie geht man richtig vor und was muss man beachten,

Bild 2: Beleg für eine Erfolgsgeschichte: 1.326 Absolventen haben bis 2012 mit Erfolg an der

Weiterbildung zum Zertifizierten Kanal-Sanierungs-Berater teilgenommen (Quelle: DWA)

damit von der Planung über die Ausschreibung bis hin

zur Ausführung alles den gewünschten Anforderungen

entspricht?

Hierzu sind in erster Linie Sachkenntnis und Fachwissen

gefragt. Angesichts der Vielzahl an angebotenen

Sanierungsverfahren können für spezifische Rahmenbedingungen

technisch und wirtschaftlich optimierte Konzepte

zur Substanzerhaltung erstellt werden. Nicht nur

zur Ausarbeitung der Konzepte, sondern auch zu deren

Umsetzung wird qualifiziertes Personal benötigt. Auch

um sicherzustellen, dass bei Instandhaltung, Planung

und Bauausführung eine Qualität erreicht wird, die den

langfristigen, generationsübergreifenden Nutzungsansprüchen

gerecht wird.

Angebot geschaffen

Aus diesem Grund hat die Fördergemeinschaft für die

Sanierung von Abwasserleitungen und -kanälen 1997

das Angebot der „Fortbildung zum Zertifizierten Kanal-

Sanierungs-Berater“ geschaffen. Zu den Trägern dieser

Fördergemeinschaft zählt neben der DWA Deutsche

Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall

e. V., dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

e. V., dem Rohrleitungssanierungsverband e. V. und dem

Zentralverband des Deutschen Baugewerbes e. V. die

RAL-Gütegemeinschaft Güteschutz Kanalbau e. V.

Erfolgreich absolviert

Doch das Engagement der Gütegemeinschaft geht

über die Mitwirkung in der Fördergemeinschaft hinaus:

Mittlerweile sind acht der vom Güteausschuss der

RAL-Gütegemeinschaft Kanalbau beauftragten Prüfingenieure

selbst Zertifizierte Kanalsanierungsberater.

Die Gütegemeinschaft verfolgt hiermit zwei Ziele: Zum

einen werden die notwendigen Kenntnisse zur Bewertung

von Ausschreibung, Bauüberwachung und Ausführung

geschaffen. Zum anderen verfügt die Gütesicherung über

Spezialisten, die Auftraggebern, Planern und ausführenden

Unternehmern kompetent zur

Seite stehen können.

„Die Fortbildung zum Zertifizierten

Kanal-Sanierungs-Berater erweitert

Grundkenntnisse zur Beurteilung

der Einsatzfähigkeit von bekannten

und neuen Sanierungsverfahren

und schafft damit wichtiges Grundlagenwissen“,

meint Prüfingenieur

Dipl.-Ing. Norbert Heidbrink, der

gemeinsam mit Dipl.-Ing. (FH)

Mario Heinlein, Stadtentwässerung

und Umweltanalytik Nürnberg, als

Kursleiter tätig ist.

12 10 | 2013


VERBÄNDE NACHRICHTEN

Umfangreicher Lehrplan

2012 fanden sieben jeweils vierwöchige Fortbildungsmaßnahmen

statt, bei denen Fachwissen zur Schadensfeststellung,

-analyse und Sanierungsplanung von Abwasserleitungen

und -kanälen vermittelt wurde. Dabei standen

neben rechtlichen und technischen Grundlagen im

Kanalbau folgende Themen auf dem Lehrplan: Verfahren

der Kanalreinigung, Inspektionsverfahren, Arbeits- und

Gesundheitsschutz, Abwasser und Probenahmen, Reparatur-,

Renovierungs- und Erneuerungsverfahren, Standsicherheit,

Materialkunde, Umgang mit Sanierungsfehlern,

Entwicklung von Sanierungskonzepten und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen,

Grundlagen der Bauausführung,

Ausschreibung, Vergabe sowie Überwachung und Qualitätssicherung.

Zugangsvoraussetzung zum Lehrgang ist

ein Abschluss als Abwassermeister, Meister oder Diplom-

Ingenieur bzw. Techniker mit mindestens fünf Jahren

Berufserfahrung im Bereich Planung und Bau, Betrieb

und Unterhalt von Entwässerungssystemen. Fundierte

Kenntnisse in den Bereichen Kanalbau und Kanalinspektion

sind ebenso Voraussetzung wie Grundkenntnisse über

die einschlägigen Sanierungsverfahren. Das erforderliche

Wissen zur Untersuchung von Kanälen, die Erarbeitung

von Sanierungskonzepten sowie die Durchführung von

Sanierungen werden durch Ablegen einer Prüfung nachgewiesen.

Laut Prüfungsordnung gehören zur Prüfung

eine Arbeitsprobe (Befahren einer Kanalhaltung mit Schadensansprache)

sowie drei schriftliche Prüfungen und eine

mündliche Prüfung (Diskussion des Sanierungskonzeptes).

Mit bestandener Prüfung erhalten die Teilnehmer das Zertifikat

„Zertifizierter Kanal-Sanierungs-Berater“.

Positive Rückmeldungen

Der Fortbildungslehrgang und die Ausbildungsinhalte kommen

an – das belegen die unverändert hohen Anmeldungen zu

den Lehrgängen ebenso wie die positiven Rückmeldungen der

Teilnehmer. In 2012 fanden insgesamt sieben Schulungen von

je vier Wochen Dauer statt. Hierzu zählte eine Blockschulung in

Kerpen (24 Teilnehmer) sowie sechs Modulare Schulungen über

einen Zeitraum von etwa zwei bis drei Monaten in Feuchtwangen

(zwei Veranstaltungen: 23 bzw. 12 Teilnehmer), Dresden

(25 Teilnehmer), Kerpen (18 Teilnehmer) und Köln (zwei Veranstaltungen:

26 bzw. 29 Teilnehmer).

Das Personal bei Betreibern, in Ingenieurbüros und in der

Baubranche verfügt oft über eine gute Erstausbildung, das

Thema Weiterbildung wird dagegen häufig stiefmütterlich

behandelt. Doch nach wie vor gilt: Mehr Wissen bedeutet

mehr Können. Deshalb gehört lebenslanges Lernen zum

Beruf, in dem sich die Arbeitsbedingungen und Produkte

ständig wandeln, unabdingbar dazu. „Qualifiziertes Arbeiten

ist nicht zuletzt ein Garant für die nötige Sicherheit

vor Ort auf den Baustellen sowie für eine hochwertige

Ausführungsqualität, bringt aber auch den mit Planung und

Ausschreibung beauftragten Ingenieur einen Mehrwert“,

so Heidbrink weiter. In diesem Zusammenhang weist der

Prüfingenieur auf die Güte- und Prüfbestimmungen RAL-

GZ 961 hin. So heißt es z. B. im Punkt 3.16.2.1 Personal

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NACHRICHTEN VERBÄNDE / VERANSTALTUNGEN

u. a. das Zertifikat ‚Zertifizierter Kanal-Sanierungs-Berater‘“,

erklärt Heidbrink, der den Lehrgang im Jahr 2003

selbst absolviert hat.

Bild 3: Sein Fachwissen als Kanal-Sanierungs-Berater bringt

Norbert Heidbrink (li.) in seine Tätigkeit als Prüfingenieur der

Gütegemeinschaft Kanalbau mit ein

unter den Anforderungen der Beurteilungsgruppe ABS

(Ausschreibung und Bauüberwachung bei grabenloser

Sanierung) hinsichtlich der personellen Ausstattung der

Unternehmen: Verantwortliche mit erfolgreicher dreijähriger

Tätigkeit in der Ausschreibung und Bauüberwachung

von Kanalsanierungsarbeiten sowie Fachpersonal

in angemessener Zahl entsprechend dem jeweiligen

Auftragsumfang. In beiden Fällen gilt der Nachweis der

Fachkunde als erbracht durch Vorlage geeigneter Schulungsnachweise.

„Zu den geeigneten Nachweisen zählt

Wichtige Impulse

Seine Erfahrungen gibt er seitdem in seiner Funktion als

Kursleiter an die Lehrgangsteilnehmer weiter. Er ist gemeinsam

mit Mario Heinlein unter anderem für organisatorische

Fragen während der Ausbildungszeit zuständig. „Bis auf

wenige Ausnahmen stehen die Frauen und Männer, die die

Zusatzausbildung absolvieren, mitten im Berufsleben und

werden von ihren Arbeitgebern für die Qualifizierungsmaßnahme

freigestellt“, weiß Heidbrink, der darüber hinaus

auch als Dozent und im Prüfungsausschuss tätig ist. Das

Drücken der Schulbank – üblicherweise geht der Unterricht

täglich von 8 bis 17 Uhr – fordert viel Kraft und Engagement,

bringt aber für das Berufsleben wichtige Impulse, so

die Rückmeldungen vieler Absolventen. Eine Einschätzung,

die Heidbrink teilt. „Der Lehrgang ist ein ideales Rüstzeug

für den Prüfingenieur aber auch für den Planer und die

Mitarbeiter ausführender Unternehmen“, so das Fazit des

Kursleiters. „Der Kurs vermittelt ein stabiles Fundament

an Fachwissen, das jedem ermöglicht, bei den wichtigen

Themen rund um die Leitungsinfrastruktur auch einmal über

den Tellerrand hinauszuschauen“.

KONTAKT: RAL-Gütegemeinschaft Güteschutz Kanalbau, Bad Honnef,

E-Mail: info@kanalbau.com, www.kanalbau.com

TAW bietet Soft Skill-Training für Ingenieure

Teamfähigkeit, Redegewandtheit oder Eigeninitiative

– so genannte Soft Skills werden auch in technischen

Berufen zunehmend wichtiger. Aus diesem Grund

hat die der Technischen Akademie Wuppertal (TAW)

angegliederte Akademie für Personalmanagement und

Unternehmensentwicklung (afpu) das zweitägige Seminar

„Professionelle Rhetorik für Ingenieure und Techniker“ (25.-

26.11.2013, Technische Akademie Wuppertal) ins Leben

gerufen. In den Kursen lernen die Teilnehmer, ihr Wissen

auch „Fachfremden“ überzeugend zu vermitteln.

In typischen Gesprächssituationen bekommen die Teilnehmer

Techniken vermittelt, um eigene Statements auf den Punkt

zu bringen, Gesprächspartner zu überzeugen und souverän

auf Kritik zu reagieren.

Ein Garant für den Erfolg der Veranstaltungen ist die

homogene Zusammensetzung der Gruppen. „Hier sind die

Techniker quasi unter sich“, so Ulrike Ligges, Leiterin der

afpu. In kleinen Gruppen von maximal zehn Personen bleibt

genügend Raum, um das Programm flexibel auf die speziellen

Anforderungen der Teilnehmer zuzuschneiden. Ligges:

„Praxisnahe Seminarinhalte sind uns besonders wichtig.

Teilnehmer haben die Möglichkeit, Problemstellungen aus

dem eigenen Berufsalltag vorzustellen und unmittelbar im

Seminar erste Lösungsansätze zu entwickeln.“

Für viele Techniker werden Soft Skills insbesondere dann

interessant, wenn der nächste Schritt in der beruflichen

Laufbahn erfolgt und sie Führungsverantwortung

übernehmen. Speziell für deren Bedarf hat die TAW

ein dreiteiliges Qualifizierungsprogramm entwickelt.

Zusätzlich zum Rhetorik-Kurs lernen die Teilnehmer

im Seminar „Führungstraining für Ingenieure und

Techniker“ (Wuppertal), den eigenen Führungsstil

weiterzuentwickeln, Mitarbeiter zu motivieren und

Personalgespräche richtig zu führen. Das Modul

„Projektmanagement” hilft den technischen

Führungskräften, die Effizienz in ihren Projekten zu

steigern. Ingenieure und Techniker, die ihre rhetorischen

Fähigkeiten im Anschluss noch weiter vertiefen möchten,

können ab 2014 außerdem am neuen „Aufbautraining:

Professionelle Rhetorik und Schlagfertigkeit für Ingenieure

und Techniker“ der TAW teilnehmen.

KONTAKT: Technische Akademie Wuppertal e.V., www.taw.de/seminare

14 10 | 2013


VERANSTALTUNGEN NACHRICHTEN

Tube 2014: Kunststoffrohre in der Industrie

Kunststoffrohre haben in den letzten 60 Jahren in vielen

unterschiedlichen Anwendungsbereichen Einzug gehalten

und in zahlreichen Marktsegmenten sogar die Marktführerschaft

erobert. Ein wesentlicher Grund für den Erfolg ist

das hohe Innovationspotenzial. Neue und weiterentwickelte

Kunststoffe sowie Verbesserungen der Produktions- und

Verfahrenstechniken ermöglichen die Entwicklung anwendungsspezifischer

Problemlösungen. Auch zukünftig werden

sich nach Ansicht des Kunststoffrohrverbandes KRV in

Bonn (www.krv.de) für Kunststoffrohrsysteme neue Märkte

eröffnen, z. B. durch den Ausbau der erneuerbaren Energien

sowie der Informations- und Telekommunikationsnetze.

Der Industriebereich nimmt unter den Anwendungsgebieten

von Kunststoffrohren zwar nur eine kleinere Rolle ein, doch

sind die Anforderungen an Industrierohrsysteme meist sehr

anspruchsvoll und komplex. Moderne Kunststoffe, Rohrkonstruktionen

und Verbindungstechniken erlauben hier nachfragegerechte

und immer breitere Anwendungsfelder. So

werden Kunststoffrohrsysteme erfolgreich in der Industrie

und im Anlagenbau verwendet und ersetzen zunehmend

herkömmliche Werkstoffe. Für den Einsatz von Kunststoff

sprechen vor allem Aspekte wie Korrosionsbeständigkeit,

Handhabung, Energieeinsparung, Wirtschaftlichkeit und

Sicherheit.

Rohre, Behälter und Formteile aus Kunststoff werden in den

verschiedensten Industriebereichen genutzt. Eine große

Bedeutung haben Kunststoffe für die chemische Industrie.

Besondere Anforderungen an die Leitungskomponenten

stellt der Transport von Chemikalien oder speziellen Wasserqualitäten.

An erster Stelle ist hier die Medienbeständigkeit

der Produkte zu nennen. Hohe Ansprüche werden außerdem

an die Sicherheit, Standzeiten und Wirtschaftlichkeit

gestellt. Zudem sollten Wartung, Reparatur und Verlegung

möglichst einfach sein. Aus diesen Anforderungen resultiert

eine große Vielfalt an unterschiedlichen Polymermaterialien

im Kunststoffrohrleitungsbau.

Werkstoffe für unterschiedlichste Anwendungen

In der chemischen Verfahrenstechnik werden vor allem

Polyolefine, Fluorkunststoffe, PVC-C, GFK und oft auch Verbundmaterialien

wie z. B. Kombinationen von Thermo- und

Duroplasten verwendet. ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol)

beispielsweise eignet sich aufgrund seiner mechanischen

Eigenschaften, seiner guten chemischen Beständigkeit und

seiner hohen Schlagzähigkeit auch im unteren Temperaturanwendungsbereich

für eine Vielzahl von Anwendungen

speziell in der Kälte- und Klimatechnik.

GFK (Glasfaserverstärkter Kunststoff) ist ein hochfester Verbundwerkstoff,

der besonders bei mechanisch, thermisch

oder chemisch hoch beanspruchten Rohrleitungssystemen

zum Einsatz kommt. Über die Kombination unterschiedlicher

Rohstoffe lassen sich GFK-Rohre herstellen, die den spezifischen

Anforderungen der Anwendung entsprechen. GFK

weist auch bei hohen Temperaturen und einem chemischen

Bild 1: PVC-Trinkwasserrohr (Quelle: KRV)

Angriff eine hohe Steifigkeit und Festigkeit auf. Zusammen

mit dem geringen Gewicht bietet der Werkstoff laut KRV

besonders bei großen Nennweiten Vorteile.

Die Weiterentwicklung der PE-Formmassen führte in den

letzten Jahren zu einer deutlich verbesserten Leistungsfähigkeit

von PE-Rohren und Formteilen. Das UV-beständige PE

(Polyethylen) lässt sich sehr gut verarbeiten und kombiniert

eine hohe chemische Widerstandsfähigkeit mit Zähigkeit

und Steifigkeit. Zudem ist PE in einem weiten Temperaturbereich

sowohl bei Minus- als auch bei Plus-Graden verwendbar.

PE wird heute nicht mehr nach der Dichte eingeteilt,

sondern in Festigkeitsklassen nach ISO 9080 (PE 63, PE

80, PE 100). Im Vergleich zu anderen Thermoplasten weist

PE nach Angaben der Frank GmbH (www.frank-gmbh.de)

eine ausgezeichnete Diffusionsbeständigkeit auf und wird

deshalb seit vielen Jahren für den sicheren Transport von

Gasen verwendet. Weitere wesentliche Vorteile des Materials

sind die UV-Stabilität und die Flexibilität des Werkstoffs.

Mechanische Eigenschaften verbessert

Bei PE 100 handelt es sich um eine Weiterentwicklung,

die durch ein modifiziertes Polymerisationsverfahren eine

höhere Dichte und verbesserte mechanische Eigenschaften

wie eine erhöhte Steifigkeit und Härte aufweist. Außerdem

konnte die Zeitstandfestigkeit deutlich verbessert werden.

Das Material eignet sich u. a. zum Herstellen von Druckrohren

größerer Dimensionen.

PE-Rohre lassen sich grundsätzlich auch im Bereich energiereicher

Strahlung verwenden, beispielsweise zum Ableiten

radioaktiver Abwässer aus heißen Laboratorien oder

als Kühlwasserleitungen in der Kernenergietechnik. Nach

Unternehmensangaben werden PE-Rohrleitungen auch

nach jahrelangem Einsatz nicht radioaktiv. Dank der physiologischen

Unbedenklichkeit sind Rohre und Formteile

aus PE andererseits auf Trinkwassertauglichkeit überprüft

10 | 2013 15


NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN

und mit fallender Temperatur ab. PP-R weist nach Angaben

der Frank GmbH im Vergleich zu PP-H eine bessere

Schlagzähigkeit auf.

PP gilt als beständig gegenüber vielen Säuren und Laugen

wie Alkalilaugen, Phosphorsäure oder Salzsäure. Gegenüber

freiem Chlor und Ozon sowie Kohlenwasserstoffen – und

damit auch gegen Benzin – ist PP dagegen nur bedingt

beständig. Aufgrund seiner hohen Temperaturbeständigkeit

betrachtet man PP bei Frank als ideal für den Einsatz

in Beizanlagen, der chemischen Industrie oder bei hochaggressiven

Abwässern. Zu beachten ist auch, dass die

chemische Beständigkeit von der Betriebstemperatur, dem

Betriebsdruck und eventuell von außen wirkenden Beanspruchungen

abhängig ist.

Bild 2: Verlegtes PVC-Kanalrohrsystem (Quelle: KRV)

und zugelassen. Zu den besonderen Eigenschaften von PE

gehört seine chemische Widerstandsfähigkeit. So weist PE

eine ungewöhnlich hohe Beständigkeit gegenüber einer

Vielzahl von Säuren und Laugen auf. Dazu zählen wässrige

Lösungen von Salzen ebenso wie nicht oxidierende Säuren

und Alkalien. Gegen starke Oxidationsmittel wie Salpetersäure,

Ozon, Oleum, Wasserstoffperoxid oder Halogene ist

PE aber nur bedingt bis nicht widerstandsfähig.

Erwähnt sei an dieser Stelle auch PE-el (elektrisch leitfähiges

Polyethylen), dass man häufig für den Transport von

leicht brennbaren Medien wie z. B. Treibstoffen oder zum

Transport von Stäuben bei Temperaturen bis 60 °C verwendet.

Gegenüber dem Standard-PE ist bei PE-el eine

verringerte Schlagzähigkeit und Zeitstandfestigkeit sowie

eine geringfügig veränderte chemische Widerstandsfähigkeit

zu beachten.

PP (Polypropylen) bietet eine hohe mechanische Festigkeit,

gute chemische Widerstandsfähigkeit und physiologische

Unbedenklichkeit. Weitere Eigenschaften sind eine hohe

chemische Beständigkeit und gute Langzeiteigenschaften

gegenüber vielen Medien selbst bei hohen Temperaturen.

Dank der im Vergleich zu PE höheren Wärmebeständigkeit

gilt PP als günstiger Standardwerkstoff für den Einsatz bei

höheren Temperaturen. Deshalb verwendet man PP bevorzugt

bei oberirdischen Rohrinstallationen.

Bei PP unterscheidet man verschiedene Polymertypen. Während

das Homopolymere PP-H ausschließlich aus Propylen-

Molekülen besteht, sind bei den beiden Copolymeren PP-B

(Polypropylen Blockcopolymerisat) und PP-R (Polypropylen

Randomcopolymerisat) Ethylenmonomere eingebaut. Beide

Arten sind hoch wärmestabilisiert und gut geeignet zum

Herstellen von druckbeanspruchten Rohrleitungssystemen.

Die Schlagzähigkeit nimmt mit steigender Temperatur zu

Sicherheit durch schwerentflammbare Kunststoffe

Um statische Aufladungen abführen zu können, die beim

Betrieb von thermoplastischen Rohrleitungssystemen in

explosionsgeschützten Bereichen mit Flüssigkeiten oder

Stäuben auftreten können, müssen die Werkstoffe elektrisch

leitfähig sein. Die Zugabe von Leitruß verringert allerdings

die Schlagzähigkeit und Zeitstandfestigkeit der elektrisch

leitfähigen Werkstoffe PE-el und PPs-el, wohingegen die

chemische Widerstandsfähigkeit weitgehend erhalten bleibt.

Der schwerentflammbare Polypropylentyp PPs ist durch

die Zugabe von Flammschutzmitteln in die Baustoffklasse

B1 (gemäß DIN 4102 ) eingestuft und wird oft für Lüftungs-

und Abgasleitungen in Gebäuden genutzt. PPs-el

(schwer entflammbar, elektrisch leitfähig) vereint laut Frank

die positiven Eigenschaften der schwer entflammbaren

und elektrisch leitfähigen PP-Typen. Man verwendet den

Werkstoff deshalb aus Sicherheitsgründen vor allem für den

Transport von leicht entzündbaren Medien.

Schwer entflammbar sind auch die beiden PVC (Polyvinylchlorid)

Varianten PVC-U und PVC-C. Beim weichmacherfreien

PVC-U handelt es sich um einen universellen Werkstoff

mit guter Wirtschaftlichkeit und einfacher thermo-mechanischer

Bearbeitbarkeit. Durch Nachchlorierung von PVC

entsteht PVC-C, das gegenüber PVC-U eine höhere Temperaturbeständigkeit

sowie in einigen Fällen eine verbesserte

chemische Beständigkeit aufweist.

Als letzter Werkstoff sei hier noch PVDF (Polyvinylidenfluorid)

erwähnt, das zu den hochkristallinen thermoplastischen

Hochleistungskunststoffen zählt und über eine hohe

Steifigkeit auch im oberen Temperaturbereich verfügt.

Der Werkstoff ist sehr widerstandsfähig gegenüber vielen

organischen und anorganischen Medien. Weil PVDF

ein Homopolymer ohne Zusatzstoffe wie beispielsweise

Stabilisatoren und Farbstoffe ist, gilt es als physiologisch

unbedenklich und lässt sich im Reinstmedienbereich verwenden.

Neben der hohen mechanischen Festigkeit hat

PVDF eine sehr gute chemische Widerstandsfähigkeit

und ist im Vergleich zu anderen Fluorkunststoffen einfach

und gut zu verarbeiten. Außerdem verfügt PVDF

aufgrund seiner chemischen Struktur über eine gute

Beständigkeit gegen UV- und Gammastrahlung und ist

sehr alterungsbeständig.

16 10 | 2013


VERANSTALTUNGEN NACHRICHTEN

Neue Rohrgeneration mit erhöhter Abriebfestigkeit

Die beschriebene große Werkstoffvielfalt ermöglicht es

der Kunststoffrohrindustrie, für viele Anwendungsfälle die

bestmögliche Problemlösung zu entwickeln. Ein Beispiel

ist der Transport von feststoffhaltigen Medien, bei dem

das zu transportierende Flüssig-/Feststoffgemisch aufgrund

der hohen mechanischen Reibung die Innenflächen des

Kunststoffrohres hoch belastet. Prinzipiell sind für solche

Anwendungen sowohl PE 80- als auch PE 100-Rohre

geeignet, denn sie verbinden gute mechanisch hydraulische

Materialeigenschaften mit hoher Korrosions- und Inkrustationsbeständigkeit.

Um diese guten Eigenschaften weiter

zu verbessern und die wirtschaftliche Nutzungsdauer von

Rohrleitungssystemen in diesen Anwendungsbereichen zu

erhöhen, hat die Simona AG (www.simona.de) eine neue

Rohrgeneration entwickelt. Dafür werden im Coextrusionsverfahren

in der Schmelze unterschiedliche PE-Materialien

zusammengefügt.

Im vorliegenden Fall wird ein PE 100-Basisrohr mit einer

Innenschicht eines höher molekularen PE-Werkstoffes kombiniert.

Die coextrudierte, verschleißfeste Innenschicht ist

in die genormte Rohrwandgeometrie integriert. Damit entsprechen

die Rohre in ihrer Dimension den Anforderungen

der DIN 8074 und können mit den bekannten und am Markt

erhältlichen Formteilen verbunden und verarbeitet werden.

Untersuchungen wie z. B. Zeitstandinnendruckversuche

haben laut Hersteller ergeben, dass die Anforderungen der

DIN 8075 an die Festigkeitseigenschaften erfüllt werden. Für

diese Materialkombination wird eine Standzeiterhöhung des

Rohrleitungssystems in Abhängigkeit des Fördermediums

von 30 bis 50 % erwartet.

KONTAKT: www.tube.de

Mehr als 100 Aussteller bei Tiefbaumesse InfraTech

in Essen

Die InfraTech 2014 findet vom 15. bis zum 17. Januar 2014

in der Messe Essen statt. Als „Volltreffer“ bezeichnet

Roland Stud, Vertriebsleiter Mall GmbH, die Fachmesse.

„Im Hinblick auf den Tief- und Infrastrukturbau eröffnen

uns die von der neuen Messe ausgehenden Impulse

enorme Chancen. In einem Bundesland wie Nordrhein-

Westfalen besteht auch der Bedarf für eine interessante

und innovative Fachmesse auf dem Infrastruktursektor.

Wir bei Mall sind davon überzeugt, dass die InfraTech

Deutschland ein großer Erfolg werden und dem Herzstück

von NRW positive Impulse geben wird”, so Stud.

Deutsch-Niederländische Handelskammer

Die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK)

unterstützt bereits seit mehr als 100 Jahren Unternehmen

aus beiden Ländern bei ihren Geschäftstätigkeiten auf

dem Nachbarmarkt. Mit ihren 1.000 Mitgliedern bildet

die DNHK gleichzeitig das größte deutsch-niederländische

Geschäftsnetzwerk.

Günter Gülker ist seit Juli 2013 Geschäftsführer der DNHK

und sagt zur InfraTech Deutschland: „Die Niederlande haben

einen hervorragenden internationalen Ruf auf dem Gebiet

von Infrastrukturprojekten. Wir freuen uns daher sehr über

die Initiative, die Fachmesse InfraTech auch in Deutschland

einzuführen. Das neue Konzept bietet niederländischen

Unternehmen die Möglichkeit, ihr Fachwissen dem deutschen

Geschäftsmarkt zu präsentieren. Das unterstützen wir voll

und ganz.“

Auch die Erwartungen beim Organisator Ahoy Rotterdam

liegen hoch. Die Teilnehmerliste zählt inzwischen

mehr als 100 Unternehmen, von denen etwa 80 % aus

Deutschland und 20 % aus den Niederlanden stammen.

Sicherlich hat sich der Organisator die Entscheidung,

auch in Deutschland eine Infrastruktur-Fachmesse zu

organisieren, nicht ganz leicht gemacht hat, doch jetzt

übertrifft das Interesse der Wirtschaft alle Erwartungen.

Europas wichtigste Region für Infrastrukturbau

Nordrhein-Westfalen ist, was den Infrastrukturbau

betrifft, die wichtigste Region Europas. Die deutsche

Regierung geht davon aus, dass der Personenverkehr

von heute bis zum Jahr 2025 um 16 % zunehmen wird

und der Frachtverkehr sogar um 71 %. Allein im Bundesland

NRW sind 300 Brücken an Bundesstraßen nicht gut

erreichbar oder schlecht befahrbar. Die Kostenschätzung

für ihre Erneuerung liegt bei mindestens 3,5 Mrd. Euro (!).

Ein besserer Ort für eine Infrastruktur-Fachmesse als die

Messe in Essen ist nach Meinung des Organisators kaum

denkbar, vor allem deshalb, weil dort zur gleichen Zeit

die Fachmessen DEUBAUKOM und DCOnex stattfinden.

Die Messebesucher schlagen also eigentlich drei Fliegen

mit einer Klappe.

KONTAKT: www.infratech.de/de

10 | 2013 17


NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN

Kanäle kombiniert bewirtschaften

Kanäle können mehr als nur Abwasser ableiten. Das ist das Fazit des 1. Deutschen Kanalnetzbewirtschaftungstages, der

am 6. Juni 2013 in Geisingen an der Donau stattgefunden hat. Bei einer für das jeweilige Kanalnetz programmierten

Bewirtschaftung lassen sich mehrere Funktionen gleichzeitig steuern – und damit sowohl Energie als auch Investitionen

sparen. Doch die Umstellung dauert, sie verlangt von den Mitarbeitern der kommunalen Eigenbetriebe ein Umdenken und

ändert deren Arbeitsweise.

Der Titel des Kongresses

lässt erwarten, dass es

Nachfolgeveranstaltungen

in bestimmtem Turnus

geben wird. Nach

dem Erfolg des Auftakts

mit 21 Referenten, 34

Ausstellern und knapp

300 Teilnehmern werden

beim Ausrichter, der Firma

Uhrig, als auch beim

Veranstalter Technische

Akademie Hannover e. V.

(TAH) entsprechende Pläne

geschmiedet. Dr.-Ing.

Igor Borovsky, Vorsitzender

der TAH, ist zufrieden

Bild 1: Wehrturm kurz vor dem Einbau in ein mit dem Verlauf der Premiere.

„Wir hatten eine

bestehendes Kanalnetz

(Quelle: Uhrig Straßen- und Tiefbau GmbH) stattliche Teilnehmerzahl

aus Deutschland, Frankreich,

Belgien, Spanien, Portugal und USA. Dank Synchronübersetzung

in verschiedene Sprachen konnten sich diese aus

dem Ausland angereisten Fachleute gut an der Diskussion

beteiligen.“

Hintergrund

Unsere Abwasserinfrastruktur hat sich sozial und räumlich

ausgewogen entwickelt. Sie ist, überwiegend getragen von

den Kommunen, über viele Jahrzehnte als zentrales System

gewachsen. Dies gewährleistet uns heutzutage eine flächendeckende

Entsorgung mit hoher Entwässerungssicherheit.

Damit einher geht eine extrem lange technische und ökonomische

Lebensdauer.

Die Folge davon ist mangelnde Flexibilität – ein Hindernis im

Hinblick auf die einschneidenden Veränderungen, vor denen

Kanalnetzbetreiber zukünftig stehen werden. Industrialisierung,

verändertes Konsumentenverhalten und demografische

Umbrüche führen in vielen Regionen zur Reduktion des

Wasserverbrauchs, was auch bei der Entwässerung erhebliche

Rück- und Umbaukosten zur Folge hat. Kanalnetze sind

grundsätzlich verschieden – und doch gibt es Gemeinsamkeiten.

Es lohnt sich, Erfahrungen zu technischen Neuerungen

sowie besondere Vorteile bei Organisation, Vergabe, Bau

und Betrieb zu vergleichen, zu hinterfragen und zu diskutieren.

Diese Möglichkeit bot der 1. Deutsche Kanalnetzbewirtschaftungstag.

In zwei parallel laufenden Vortragsblöcken

konnten sich die Teilnehmer über die Themen „Kanalnetzbewirtschaftung

und Kanalsanierung“ sowie „Energie aus

Abwasser“ genauer informieren.

Intelligente Netzbewirtschaftung ist flexibel

Die Intelligenz eines Kanalnetzes hängt zusammen mit der

Fähigkeit, auf die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen

flexibel zu reagieren. Ob den daraus erwachsenden

Anforderungen in der Zukunft konventionelle

Systeme mit Regenüberlaufbecken sowie Trenn- und Drosselbauwerken

zufriedenstellend gewachsen sind? Diese und

ähnliche Fragen wurden diskutiert. Prof. Dr.-Ing. Theo G.

Schmitt, der Siedlungswasserwirtschaft an der TU Kaiserslautern

lehrt und Obmann des DWA-Fachausschusses ES-2

„Systembezogene Planung“ ist, eröffnete die Veranstaltung

mit seinem Vortrag „Zukunftsherausforderung Netzbewirtschaftung“

und gab bekannt, dass trotz der auffälligen Häufung

lokaler Starkregenereignisse pauschale Bemessungszuschläge

in der Siedlungsentwässerung nicht zu empfehlen

sind. Vielmehr müsste die Überflutungsvorsorge als kommunale

Gemeinschaftsaufgabe betrachtet werden, bei der

neben der unterirdischen Kanalisation auch die Gegebenheiten

der Oberfläche und lokaler Objektschutz einbezogen

werden. Er empfiehlt eine Neuausrichtung der Bewertung

und Betrachtung im Sinne eines Risikomanagements, das bei

zunehmenden Ungewissheiten mit höherer Flexibilität und

Anpassungsfähigkeit reagieren müsse – letztlich ein Plädoyer

für eine stärker dezentrale Ausrichtung der Siedlungsentwässerung

in Verbindung mit einer optimalen Bewirtschaftung

vorhandener Kanalnetze.

Die intelligente Kanalnetzbewirtschaftung darf aber kein

Selbstzweck sein, so der Tenor der weiteren Vorträge. Es

müssen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, Nutzungsdauer und

Werterhalt im Vordergrund stehen. Insofern ist es schon für

anstehende Sanierungsmaßnahmen wichtig, das Ziel zu kennen

und zu wissen, wie das Kanalnetz der Zukunft aussehen

soll. Nur so wird vermieden, in die falsche Richtung zu investieren,

viele Jahrzehnte lang ins Hintertreffen zu geraten und

der Entwicklung hinterher zu laufen. Massive substanzielle

und finanzielle Probleme wären über eine längere Zeitspanne

zu verkraften, möglicherweise verursacht durch bekannte

Phänomene wie zunehmend aggressive und übel riechende

Ablagerungen im Kanal, stark schwankende Abwasserkon-

18 10 | 2013


VERANSTALTUNGEN NACHRICHTEN

zentration oder Rückstau bei Hochwasser. Laut DWA-Leistungsvergleich

kommunaler Kläranlagen 2011 besteht „bei einigen Anlagen

(Kanalnetz und Kläranlage) noch immer Anpassungsbedarf an den

Stand der Technik“. Könnten dort vielleicht schon fortschrittlichere

Konzepte realisiert werden, statt weitere Becken zu bauen und aufwändige

Hochwasserpumpwerke zu betreiben, statt vermeidbaren

Austrag von Ablagerungen in Becken und Flüsse zu riskieren? Mit

solchen und ähnlichen Fragen wurden die Aussteller in den Veranstaltungspausen

konfrontiert.

Energieeffizienz senkt Betriebskosten deutlich

Den Präsentationen des 1. Deutschen Kanalnetzbewirtschaftungstages

nach zu urteilen bestehen die viel versprechenden Aspekte

einer intelligenten Netzbewirtschaftung aus Kombinationen von

Nutzen des Kanalvolumens als Stauraumkanal sowie Einbauen von

Spülschiebern und Wehranlagen zum Drosseln und Kaskadieren.

Dies ermöglicht Staustufen mit und ohne Entlastung. Der Überflutungsschutz

kann mit beweglichen Wehren meteorologisch gesteuert

flexibel nach tatsächlicher Wettersituation erfolgen. Permanent

saubere Kanäle sind die erwünschte Folge mit kontinuierlich weitergeleiteten

Sedimenten. Auf der Kläranlage führt das zu gesteigerter

Effizienz und sinkenden Betriebskosten aufgrund Vergleichmäßigung

der Abwasserkonzentration und somit weitgehend konstanten

CSB-Frachten im Zulauf.

Bekanntermaßen sind Kläranlagen und Pumpwerke die größten

Stromverbraucher einer Kommune. Deren Betriebskosten steigen

und fallen entscheidend mit dem Stromverbrauch. Und hier darf bei

neuartigen technischen Komponenten zur Kanalnetzbewirtschaftung

eine spürbare und nachhaltige Einsparung durch Energieeffizienz

erwartet werden. Wenn Wasser nicht aus Rückhaltebecken nach

oben gepumpt werden muss, weil es im Kanalrohr auf normalem

Niveau gestaut wird, spart das bereits elektrische Energie.

Ein Verfahren zur Ermittlung der Wirtschaftlichkeit einer Kanalnetzbewirtschaftung

hat Marko Siekmann vom FIW Aachen (Forschungsinstitut

für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen e.V.)

vorgestellt, ergänzt durch Erfahrungsberichte von Betreibern – z. B.

zur frachtbezogenen Steuerung des Kanalnetzes in Wuppertal, zum

Hochwasserschutz von Abwasseranlagen in Mainz und zur Nutzung

von vorhandenem Stauraumvolumen durch Kaskadierung in Hürth

(NRW). Drei Speicherkaskaden im Hauptschluss beinhalten dort die

bisher fehlenden 3.400 m³ zur Rückhaltung und als zusätzliches Extra

ein für den Hochwasserschutz aktivierbares Stauraum-Volumen

von 2.500 m³.

Bei Regen wird von oben nach unten gestaut, bei Trockenwetter von

unten nach oben freigegeben – optimiert durch ein eigenes Prozessleitsystem.

Laut Kai Wapenhans, Abteilungsleiter Entwässerung der

Stadtwerke Hürth, kann die Kaskadierung eine wirtschaftlich sinnvolle

Lösung sein, sobald die Mitarbeiter sich an die im Kanalbetrieb

noch ungewohnte Hydraulik, an die größere Anzahl beweglicher Teile

und entsprechend geänderte Verhaltensregeln sowie die größere

Komplexität der Steuerung gewöhnt haben. Vermutlich ist die Arbeit

dann auch körperlich weniger anstrengend und für die Gesundheit

unbedenklich.

MESSEN UND TAGUNGEN

3. Praxistag Wasserversorgungsnetze

29.10.2013 in Essen; b.pflamm@vulkanverlag.de,

www.praxistagwasserversorgungsnetze.de

8. Deutsches Symposium für grabenlose Leitungserneuerung

05./06.11.2013 mit Fachausstellung; sgl@unisiegen.de,

www.sgl.uni-siegen.

de

ROHRBAU Weimar

18.-19.11.2013 in Weimar; IAB Weimar,

rohrbau@fitr.de, www.iabweimar.de

TÜV NORD Pipeline Symposium

18.-19.11.2013 in Hamburg; c.jakubzig@

tuev-nord.de, www.tuev-nord.

de/weiterbildung/seminare/

Pipeline-Symposium-2013

DWA-Inspektions- und Sanierungstage

11.-12.12.2013 in Dortmund; www.dwa.de

Tiefbaumesse InfraTech

15.-17.01.2014 in Essen; www.infratech.de/de

Tagung Rohrleitungsbau

21./22.01.2014 in Berlin; borkes@rbv-gmbh.

de, www.brbv.de

28. Oldenburger Rohrleitungsforum

06./07.02.2014 info@iro-online.de, www.iroonline.de

GEOTHERM 2014

20./21.02.2014 in Offenburg; geotherm@

messe-offenburg.de, www.

geotherm-offenburg.de

14. Göttinger Abwassertage

25.-26.02.2014 in Göttingen; www.tahannover.de

Tube 2014

07.-11.04.2014 in Düsseldorf; www.tube.de

IFAT 2014

05.-09.05.2013 in München; info@ifat.de,

www.ifat.de

10 | 2013 19


NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN

erforderlichen Sanierungsmaßnahmen im Kanalnetz sinken

die Investitionen für nachträgliche Abwärmenutzung auf ein

attraktives Niveau.

Foto: www.netzbewirtschaftung.de

Bild 2: Knapp 300 Teilnehmer kamen zum 1. Deutschen Kanalnetzbewirtschaftungstag

am 6. Juni 2013 in Geisingen – darunter auch Fachleute aus

Deutschland, Frankreich, Spanien, Belgien, Portugal und USA

Wirtschaftlich sinnvolle Netzerneuerung

In der Publikation „Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft

2011“ stellen die Verfasser unter der Überschrift Netzerneuerung

fest: „Trinkwasser- und Abwassernetze haben

eine Lebensdauer von bis zu 100 Jahren. Dies bedeutet, dass

die kontinuierliche Instandhaltung und Erneuerung der Netze

eine Daueraufgabe ist. Die technisch und wirtschaftlich

sinnvolle Netzerneuerungsrate muss jedes Unternehmen unter

Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten wie z. B.

Rohrnetzmaterial, Netzalter, Schadensraten, Leckagen ermitteln“.

Ca. 31 % der vorhandenen Abwasserkanäle wurden in den

letzten 25 Jahren gebaut, 39 % sind zwischen 25 und 50

Jahren alt. Etwa 70 % der Abwasserkanäle sind demnach

jünger als 50 Jahre. Die mittleren Kosten für die Kanalsanierung,

ermittelt aus den Kostenangaben für Reparatur-, Renovierungs-

und Erneuerungsmaßnahmen, lagen im Zeitraum

von 2004 bis 2008 bei rund 908 € je Meter instand gesetzten

Kanals. Im Mittel sind Investitionen in der Größenordnung

von 8.000 € pro Jahr und Kilometer Kanalnetz von den Betreibern

vorgesehen. Für eine Großstadt mit einem Kanalnetz

von 2.000 km Länge entspricht dies einer Investition von 16

Mio. € pro Jahr (Quelle: DWA-Umfrage 2009).

Kanal als Nahwärmenetz?

Sehen wir Kanalnetzbewirtschaftung unter dem Aspekt der

Wirtschaftlichkeit, müssen wir auch das Potential der Wärmeenergie

betrachten und diesen verborgenen Schatz heben, d.

h. die verfügbare Energie in klingende Münze verwandeln.

Dem Netzbetreiber fällt hier die entscheidende Rolle zu. Er

kennt die besonders interessanten Stellen, wo stetig ein hoher

Volumenstrom mit viel Wärme eingeleitet wird und diejenigen,

bei denen diese Energie besonders effektiv als Abwärme,

unter bestimmten Umständen sogar mit zusätzlicher

Unterstützung durch staatliche Förderung, genutzt werden

kann. Die optimale Betriebstemperatur der Kläranlage im

Blick, kann die thermische Bewirtschaftung des Kanalnetzes

eine lukrative Zusatzaufgabe sein. Im Zuge von ohnehin

Kraftwerke, Industrie und Gewerbe könnten unter bestimmten

Voraussetzungen darüber hinaus gezielt Abwärme in

den Kanal abgeben, statt Flüsse und Atmosphäre damit zu

belasten. Laut Univ.-Prof. Dr.-Ing. Karsten Körkemeyer von

der Fakultät Baubetrieb und Bauwirtschaft der Universität

Kaiserslautern ließen sich bei höherem Wärmepotential im

Kanal und damit höheren Vorlauftemperaturen auch Wärmepumpen

effektiver betreiben. Er plädierte im abschließenden

Vortrag der Tagung in Geisingen dafür, die bauliche

Sanierung zu kombinieren mit dem Einbau von Wärmetauschern

und damit finanzielle Mittel effizient zu verwenden.

Projekte zum Thema Nahwärmenetz Kanal sind derzeit in Lünen/NRW

und im französischen Valenciennes/Nord-Pas-de-

Calais beantragt bzw. in Planung. Bereits 2011 hat das Institut

für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung

(IER) der Universität Stuttgart eine Potential-Studie erstellt.

Sie zeigt den Zusammenhang von Kläranlagen, geeigneten

Abwasserkanälen, Industriegebieten und Gebieten mit hohem

Wärmebedarf. Das Ergebnis zeigt, dass mit der vorhandenen

Abwasserwärme in den Kanälen 8,9 % des deutschen

Energiebedarfs für Raumwärme und Warmwasser gedeckt

werden können. Durch die Einspeisung von Abwärme lässt

sich das Potential für die Wärmeversorgung aus Abwasser

um den Faktor 3 auf 28 % steigern. Es ist genügend Abwärme

aus Kraftwerken und Industrieprozessen vorhanden, um

das Potenzial zu decken. Die Studie schließt mit dem Hinweis,

durch Abwärmenutzung blieben Wertschöpfung und

Arbeitsplätze im eigenen Land. Wahrscheinlich bleiben sie

sogar in der eigenen Kommune.

Fazit

Ziel könnte sein, so das Meinungsbild mehrerer Diskussionsrunden

während der Veranstaltung in Geisingen, die hydraulische

und die thermische Bewirtschaftung langfristig als

Kombination zu planen und zu organisieren. Wenn Zustand,

Sanierungsbedarf, freie Kapazitäten des vorhandenen Netzes

und geplante Entwicklung neuer Entwässerungsabschnitte

bekannt sind sowie verfügbare Wärmepotentiale festgestellt

werden, kann mit speziell dafür entwickelten Verfahren ein

Vergleich der Wirtschaftlichkeit zwischen traditioneller Bauund

Betriebsweise einerseits und moderner Netzbewirtschaftung

andererseits angestellt werden.

Mehr zum 1. Deutschen Kanalnetzbewirtschaftungstags

am 6. Juni 2013 in Verbindung mit dem Fachkongress

Kanalsanierung / Energie aus Abwasser

ist zu finden unter www.netzbewirtschaftung.de

KONTAKT: www.netzbewirtschaftung.de, Dipl.-Ing. Klaus W. König,

www.klauswkoenig.com

20 10 | 2013


VERANSTALTUNGEN NACHRICHTEN

Branchentreff beim 2. Deutschen Reparaturtag

Es war eine gelungene Veranstaltung, die mit ihren

Themenschwerpunkten und ihren fundierten Vorträgen

konsequent an das erfolgreiche Debüt im vergangenen

Jahr anknüpfen konnte – so der Tenor unter den Teilnehmern

am 2. Deutschen Reparaturtag in Kassel. Rund

270 Netzbetreiber, Planer und Mitarbeiter ausführender

Unternehmen waren der Einladung vom Verband Zertifizierter

Sanierungsberater für Entwässerungssysteme

e.V. (VSB) und der Technischen Akademie Hannover e.V.

(TAH) gefolgt, um am 19. September im Kongress Palais

Kassel „Erfahrungen über den Einsatz und Wirkung der

Reparaturtechniken aus Sicht der Nutzer“ auszutauschen.

Offen und neutral berichteten kommunale Netzbetreiber

und Planer aus Ingenieurbüros, unter welchen Gesichtspunkten

und mit welchem Ergebnis Reparaturverfahren

wie Injektions-, Kurzliner-, Roboter-, Manschetten- und

Flutungstechnik in ihren Kommunen eingesetzt wurden.

Mögliche Entscheidungskriterien für die „Technikauswahl

bei Planung und Ausführung“ stellten einen weiteren

Programmschwerpunkt dar. Eine Podiumsdiskussion und

eine begleitende Fachausstellung mit 40 Herstellern und

Verbänden rundeten den 2. Deutschen Reparaturtag in

Kassel ab.

„Erstmal reparieren oder gleich richtig sanieren?“

Diese Frage stellte Dipl.-Ing. Michael Hippe, Vorsitzender

des Vorstands, VSB e. V. Sie macht die Spannbreite der

seit Jahren geführten Diskussion deutlich. Immer noch

haftet den Reparaturtechniken der zweifelhafte Charakter

der so genannten Feuerwehrstrategie an: Schnell

und billig reparieren und dann sehen, wie lange es hält.

Aber repariert ist eben nicht gleich neu. Lohnt es sich

unter diesem Aspekt überhaupt, Geld für eine Reparatur

auszugeben? Hinzu kommt die Vielfalt an Verfahren

und Techniken: Welches Verfahren ist denn das für mein

Vorhaben geeignete – nicht zuletzt im Sinne einer nachhaltigen

und wirtschaftlichen Kanalunterhaltung? Dass

detaillierte Qualitätsanforderungen und Normungen nach

wie vor fehlen, macht eine Entscheidung auch nicht unbedingt

leichter, sondern sorgt für weiteren Informationsbedarf.

Dieser wurde auf dem 2. Deutschen Reparaturtag

nachhaltig befriedigt. Ausstellung, Vorträge und die von

Prof. Dr.-Ing. Volker Wagner von der Hochschule Wismar

moderierte Diskussion machten deutlich, dass sich der

Reparaturbereich und die in den letzten Jahren entwickelten

Verfahren weiter etablieren konnten. Reparaturverfahren

sind nicht nur unverzichtbar bei Vorsanierungen

oder Ergänzungsarbeiten für die Renovierungsverfahren,

sie sind eine wirtschaftliche Alternative bei vielen Einzelschadensbildern

und -situationen: So lautet folgerichtig

das Fazit von Herstellern, ausführenden Unternehmen,

Auftraggebern und Planern nach dem Erfahrungsaustausch

in Kassel. Von entscheidender Bedeutung für den

Erfolg ist allerdings der fach- und sachgerechte Umgang

Die Teilnehmer an der Podiumsdiskussion waren sich einig, dass eine detaillierte

Planung und Ausschreibung sowie eine konsequente Bauüberwachung und

die Qualifikation der ausführenden Firma zu den Erfolgsbausteinen von

Reparaturverfahren zählen (Quelle: TAH)

mit dem gesamten Themenbereich – angefangen bei

der Auswahl des Verfahrens über die detaillierte Ausschreibung

bis hin zur Qualität der Ausführung und einer

konsequenten Bauüberwachung.

Generationsübergreifende Aufgaben

Wie wichtig schlagkräftige Konzepte für den Erhalt unserer

unterirdischen Infrastruktur sind, legte Dr.-Ing. Igor

Borovsky von der Technischen Akademie Hannover zum

Auftakt der Veranstaltung dar. Traditionsgemäß verwies

er in seiner Begrüßungsansprache auf die letzte von der

Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser

und Abfall e.V. (DWA) durchgeführte Umfrage zum

Zustand der Kanalisation. Die Ergebnisse verdeutlichen

die Notwendigkeit, dem Thema Kanalsanierung mehr

Aufmerksamkeit zu widmen. „Die Branche steht hier

vor generationsübergreifenden Aufgaben“, erklärte der

1. Vorsitzende der TAH mit Blick auf die Verantwortung,

die wir für die Erhaltung eines der größten Sachwerte in

Deutschland haben. Es gibt zwar eine Tendenz zu höheren

Investitionen, von einer Verbesserung des Gesamtzustandes

sind wir aber noch weit entfernt. Allerdings

– auch das ein Ergebnis der Umfrage von 2009 – sind

Reparaturverfahren auf dem Vormarsch. In konkreten

Zahlen bedeutet dies, dass mehr als 36 % aller Sanierungsverfahren

in 2009 mit Ausbesserungs-, Injektionsoder

Abdichtungsverfahren ausgeführt wurden.

Positive Bilanz

Hierbei stehen dem Markt mittlerweile vielfältige, allerdings

auch sehr unterschiedliche Verfahren zur Verfügung.

Die gängigsten Verfahren und der Stand der

Technik waren Gegenstand des ersten Vortragsblocks

10 | 2013 21


NACHRICHTEN VERANSTALTUNGEN

in Kassel. Dr.-Ing. Joachim Beyert berichtete über seine

Erfahrungen mit Injektionsverfahren, eine Technik, „ohne

deren Einsatz kein größeres Wasserbauwerk vorstellbar

wäre“, so der Referent von der RWTH Aachen. Mit Injektionen

lassen sich undichte Rohrverbindungen, schadhafte

Stutzen, Risse, fehlende Wandungsteile und Scherbenbrüche

reparieren. Entweder werden Schadstellen im

Bauwerk oder Boden und Hohlräume verfüllt, wobei

eine unbegrenzte Injektionsmenge sowie die Möglichkeit

zur Steuerung und Kontrolle von Injektionsdruck

und -menge zu den charakteristischen Merkmalen dieser

Technik gehören. Nach der Vorstellung der gängigsten

Verfahren und Materialien fällte Beyert in Bezug auf die

Bewertung der Nutzungsdauer ein positives Urteil: „Die

Beständigkeit der Werkstoffe Kunstharz und Zementmörtel

seien gut, das Ausführungsrisiko eher gering und

Wirkprinzip und Abnutzungsvorrat äußerst gut“, so die

Bilanz von Beyert, der gleichzeitig darauf hinwies, dass

der erfolgreiche Einsatz der Injektionstechnik von Faktoren

wie einer eingehenden Werkstoffüberwachung und

einer Kontrolle der Ausführung abhängt.

Reparieren, renovieren, erneuern

Auf eine hochwertige Ausführungsqualität setzt man

auch in Köln. Laut Dipl.-Ing. Marius Korczak, Stadtentwässerungsbetriebe

Köln, AöR, hat die Kurzlinertechnik

einen Anteil von knapp 12 % an den eingesetzten Reparaturtechniken

im Nennweitenbereich < DN 1200. Erklärtes

Ziel ist eine technisch und wirtschaftlich optimierte

schnellstmögliche Beseitigung der vorgefundenen Schäden

unter besonderer Berücksichtigung der finanziellen

Bereitstellung, der Umsatzkapazitäten und der genehmigten

wasserwirtschaftlichen und netzspezifischen

Randbedingungen. „Dabei können die Bautätigkeiten

in den einzelnen Stadtteilen vor Ort mit der gestuften

Reihenfolge der Sanierungsverfahren nach Reparatur

geschlossen und offen, Renovierung sowie Erneuerung

verkehrsrechtlich und betrieblich gut koordiniert werden“,

führte der Redner aus. Mit dem Einsatz von Kurzlinersystemen

hat man in Köln dabei gute Erfahrungen gemacht.

Sie werden insbesondere im Nennweitenbereich von

DN 150 bis DN 600 eingesetzt, um punktuelle Schäden

wie zum Beispiel Radialrisse und bedingt Streckenschäden

aufgrund von leichteren Strukturschäden zu beseitigen,

wobei für Korczak der erfolgreiche Einsatz des Produktes

von einer detaillierten Beschreibung der Anforderungen

und der Qualitätssicherung auf der Baustelle abhängig ist.

Rahmenbedingungen wichtig

Für Dipl.-Ing. Meike Rau von KASSELWASSER kommt es

auch bei den so genannten Spachtel- und Verpressverfahren

auf die Rahmenbedingungen an. „Zum Beispiel

auf den Einsatz der Blasentechnik, mit deren Anwendung

der Erfolg der Reparaturmaßnahme steht und fällt.“ So

schilderte die Referentin von Anwendungsgrenzen der

Verfahren, etwa wenn sich die Blase nicht positionieren

lässt oder der zu reparierende Kanalabschnitt ein

zu großes Gefälle aufweist bzw. Scherbenbildung und

Risse zu ausgeprägt oder verzweigt sind. Gleiches gilt für

schadhafte Rohrverbindungen mit zu großen vertikalen

Lageversätzen. Ein bis zwei Roboterprojekte werden pro

Jahr in Kassel ausgeschrieben, wobei es Vorgaben aus

der „Zusätzlichen technischen Vertragsbedingung KAS-

SELWASSER“ zu Robotersystem, Material, Ausführung,

Qualitätssicherung und Dokumentation zu beachten gilt.

Von der Vielfältigkeit bei den Typen von Innenmanschetten

berichtete Dipl.-Ing. (FH) Walter Widdenhöfer, Stadt

Bergisch Gladbach. Neben Elastomerprofilen, die mit

Spannringen im Kanal fixiert werden, gibt es Edelstahlhülsen,

die mittels Elastomeren bzw. mittels Reaktionsharzen

mit der Kanalwandung abgedichtet werden sowie Innenmanschetten

aus PVC mit PE-Schaumdichtung oder Stahl

mit PU-Schaumdichtung. Deren Einsatz richtet sich – so

Widdenhöfer – u. a. nach der Nennweite der beschädigten

Leitung sowie nach der Rohrgeometrie. Bei Schäden

wie Radial-, Quer- und Längsrissen, Scherbenbildung,

Löchern, undichten Rohrverbindungen und Infiltration hat

man in Bergisch Gladbach mit Innenmanschetten gute

Erfahrung gemacht, zumeist bei Kreisprofilen. Zu den

Vorteilen zählen für Widdenhöfer eine kurze Einbauzeit

sowie die Anwenderfreundlichkeit und Einfachheit des

Verfahrens.

Erfahrung unabdingbar

Verzweigte Grundleitungen ab einer Nennweite von DN

100 sind das Einsatzgebiet für Flutungsverfahren. Laut

Dipl.-Ing. (FH) Wilfried Günzel, Ingenieurbüro für Kanalinstandhaltung,

Lage, wird es seit Anfang der 1990er Jahre

in der Kanalsanierung eingesetzt. Es handelt sich um ein

reines Abdichtungsverfahren, das die statische Tragfähigkeit

des Kanals nicht wieder herstellen kann. Die Anwendung

erfolgt in engen Grenzen gemäß der jeweiligen

DIBt-Zulassungen bzw. Verfahrenshandbücher. „Die Ausführung

sollte nur durch erfahrene Fachfirmen erfolgen“,

so der Rat Günzels, „wobei es sich für den Auftraggeber

empfiehlt, einen Verfahrenstechniker des jeweiligen Systemanbieters

für die Baustelle heranzuziehen.“

Ähnliches gilt für die Reparatur begehbarer Kanäle und

Schächte, wobei die Begehung des zu reparierenden

Abschnitts, die Festlegung von Reparaturziel und Qualitätskriterien,

die Herstellung der Abwasserfreiheit, eine

gründliche Reinigung bzw. Untergrundvorbereitung, die

regelmäßige Kontrolle vor Ort und die Überprüfung von

Reparaturzielen und Qualitätskriterien für Sven Lietzmann

von der Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH zu den

Voraussetzungen einer erfolgreichen Reparatur zählen.

Insbesondere berichtete der Referent von praktischen

Erfahrungen bei der Wiederherstellung oder Verbesserung

der statischen Tragfähigkeit, der Wiederherstellung

der Dichtheit, der Erhöhung der Widerstandsfähigkeit

gegen Korrosion und Abrieb, den Ersatz von durch Verschleiß

abgetragenem Material und die Verbesserung

der hydraulischen Eigenschaften. „Die Reparatur von

gemauerten Kanälen ist eine sinnvolle Alternative bei

22 10 | 2013


VERANSTALTUNGEN NACHRICHTEN

beschränkt zugänglichen Örtlichkeiten und wenn das

Schadensbild vor Ort geprüft und das Reparaturziel klar

ist“, lautet das Fazit von Lietzmann, für den eine qualifizierte

und erfahrene Firma, eine fach- und sachgerechte

Untergrundvorbereitung sowie die regelmäßige Kontrolle

während der Arbeiten ebenso wie für seine Vorredner

Voraussetzung für ein gutes Reparaturergebnis sind.

Planung, Ausschreibung und Qualifikation das A und O

Neben der Bausubstanz und den baulichen Rahmenbedingungen

zählen in erster Linie eine detaillierte Planung

und Ausschreibung sowie eine konsequente Bauüberwachung

und die Qualifikation der ausführenden Firma

zu den Erfolgsbausteinen von Reparaturverfahren. Eine

Einschätzung, die sich wie ein roter Faden durch den

Vortragsblock dieser Veranstaltung zog. Hinzu kommen

planerische Aspekte, die bei der Auswahl der geeigneten

Reparaturtechnik von entscheidender Bedeutung sind.

Eine Standardsanierungstechnik gibt es nicht – hierin

bestand in Kassel Konsens. Folgerichtig auch das Statement

von Dipl.-Ing. (FH) Markus Vogel, VOGEL Ingenieure,

Kappelrodeck, der in seinem Vortrag die Sicht des Planers

darstellte. „Die Qualität des Sanierungsergebnisses steht

im direkten Zusammenhang mit der Qualität und der

Weitsicht der Planung. Hinzu kommt, dass kein Unternehmen

über alle geeigneten und bewährten Reparaturverfahren

und Einzeltechniken verfügt“, so Vogel, der

maßgeblich an der Konzeption der Veranstaltungsreihe

beteiligt war.

Innerhalb der Verfahrensgruppen gibt es teils signifikante

Unterschiede zwischen Einzeltechniken, z. B. hinsichtlich

des gerätetechnischen Aufbaus und der Systemkomponenten,

der Grundmaterialien und Materialkombinationen,

der schadensbildbezogenen Einsatzmöglichkeiten (Art

und Ausdehnung), der Einsatzgrenzen (Zugänglichkeit

und Ausführungssicherheit), der Abhängigkeit von örtlichen

Randbedingungen. „Deshalb ist eine dezidierte

Technikauswahl je Schadensbild und örtlicher Situation

durch Planer von Nöten“, so Vogel weiter. „Parameter wie

Aufgabe, Technik, Nutzung und Kosten-Nutzen-Relation

sind bei der Technikauswahl zu beachten.“

Erfahrungswerte schaffen

Hieraus lassen sich für den Planer verschiedene Erkenntnisse

ableiten. Der funktionale Nutzen ist das prioritäre

Ziel der Sanierung. Wobei die optische Erscheinung des

Ergebnisses grundsätzlich von nachrangiger Bedeutung

ist, denn die Qualität von Prospektfotos ist in der Realität

kaum erreichbar. Auch die Rückkoppelung der Sanierungsergebnisse

ist für den Planer enorm wichtig. „Der

Abgleich von Ergebnis und Planung verschafft Erfahrungswerte

und die Erfahrungswerte schaffen Sicherheit

bei der Technikzuweisung“, ist Vogel überzeugt.

Schlechte Sanierungsergebnisse haben in der Regel eine

hohe Korrelation zur Qualität der Planung oder Bauüberwachung,

sieht der erfahrene Ingenieur die Auftraggeber

in der Verantwortung.

Und Qualität hat letztendlich ihren Preis. So jedenfalls

lautete das Fazit des ursprünglich von Dr.-Ing. Robert

Stein, S & P Consult GmbH, Bochum, geplanten Vortrags

zum Thema „Entscheidungskriterien zur Auswahl von

Reparaturverfahren auf Basis einer Risikoanalyse“. Da

der Referent seine Teilnahme kurzfristig absagen musste,

übernahm Markus Vogel die Aufgabe, die ersten Arbeitsergebnisse

der Arbeitsgemeinschaft LEWEKA vorzustellen.

Die ARGE – die zwischenzeitlich in einem neuen Fachausschuss

des VSB e.V. aufgegangen ist – beschäftigt sich

mit empirischen, ingenieurtechnischen Überlegungen zur

Quantifizierung von potenziellen Risikofaktoren, die die

Nutzungsdauer von Kanalsanierungsarbeiten beeinflussen.

Die in der Arbeitsgruppe erarbeiteten Überlegungen

sollen vor Veröffentlichung den Technikherstellern und

Anwendern zur Diskussion gestellt werden, um im besten

Falle eine breite Trägerschaft der Ergebnisse erreichen

zu können.

Stark verzahnt

Dass Planung und Ausschreibung sehr stark miteinander

verzahnt sind, bestätigte M. Eng. Markus Dohmann, Stadt

Backnang, in seinem abschließenden Vortrag über die

„Art der Ausschreibung von Reparaturarbeiten“. Anhand

von Ausschreibungen für eine Stutzensanierung und Fräsarbeiten

machte der Redner deutlich, dass bereits weit vor

der Ausführung die Weichen zu stellen sind, wenn man

ein qualitativ hochwertiges Sanierungsergebnis erhalten

möchte. „Da während bzw. nach der Bauausführung

nur das überprüft oder eingefordert werden kann, was

zuvor in der Ausschreibung detailliert beschrieben wurde,

schreiben Sie nur Leistungen aus, die realistisch umsetzbar

sind“, so Dohmanns Appell ans Auditorium.

Die Beispiele aus der Praxis machten eines deutlich: Egal,

wer draußen arbeitet, jemand muss ihm sagen, was zu

machen ist. Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis, die

die Teilnehmer am 2. Deutschen Reparaturtag mit nach

Hause genommen haben. Darüber hinaus wurden Antworten

auf viele Fragen gegeben. Wie ist der Stand der

Technik bei den verschiedenen Reparaturverfahren? Wie

kommt die richtige Technik bezüglich des Schadensbildes,

der Rahmenbedingungen und in Bezug auf den Erfolg

einer Sanierungsmaßnahme auf die richtige Baustelle?

Die, die in Kassel dabei waren, haben mit ihrem Interesse

und ihrem Engagement wesentlichen Anteil daran,

dass ein für die Sanierungsbranche wichtiges Thema die

notwendige Wertschätzung erfährt. Die neutrale und

offene Diskussion trägt entscheidend dazu bei, weitere

Entwicklungen anzustoßen und Impulse zu setzen. Nicht

nur in technischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf

die Schaffung von klaren Regelungen und Normen, wie

sie bei anderen Verfahren bereits Standard sind. In diesem

Sinne bleibt abzuwarten, was sich in den nächsten

Monaten tut. Für genügend Gesprächsstoff auf dem 3.

Deutschen Reparaturtag ist jedenfalls gesorgt.

KONTAKT: www.reparaturtag.de

10 | 2013 23


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK

Die neue HOAI 2013 - Änderungen und

Auswirkungen auf die Honorare in der

Kanalsanierung

Die HOAI 2013 gilt seit dem 17.07.2013. Mit der Wiedereinführung der mitzuverarbeitenden Bausubstanz und dem

Wesentlichkeitskriterium beim Umbau ändert sich auch die Honorarermittlung bei der Kanalsanierungsplanung. Für die

Berücksichtigung der mitzuverarbeitenden Bausubstanz und des Umbauzuschlages muss auch zukünftig zwischen den

Sanierungsverfahren unterschieden werden. Der Leistungsumfang wurde insbesondere mit einer verstärkten Kostenund

Terminkontrolle erweitert. Die Bedarfsplanung des Auftraggebers als Grundlage der Objektplanung wurde deutlich

aufgewertet. Mit einer Erhöhung der Tafelwerte von im Mittel 17 % gegenüber denen der HOAI 2009 werden zukünftig

auskömmlichere Honorare zu erzielen sein.

1. DIE NEUE HOAI 2013

Seit 17.07.2013 gilt die HOAI 2013 [1]. Die Gliederung der

HOAI 2009 wurde auch bei der HOAI 2013 beibehalten,

lediglich die Anlagenstruktur wurde geändert. Für die

Kanalsanierung sind die folgenden Teile, Abschnitte und

Anlagen der HOAI 2013 maßgebend:

»»

Teil 1 – Allgemeine Vorschriften

»»

Teil 3 – Objektplanung, Abschnitt 3

Ingenieurbauwerke

»»

Anlage 12.1 – Leistungsbild Ingenieurbauwerke

»»

Anlage 12.2 – Objektliste Ingenieurbauwerke

Die folgenden Abschnitte erläutern die für die Kanalsanierung

wichtigen Neuerungen der HOAI 2013.

2. ÄNDERUNGEN IN TEIL 1 – ALLGEMEINE

VORSCHRIFTEN

§ 10 Abs. 1 HOAI 2013 – Änderung Leistungsumfang

bei geänderten anrechenbaren Kosten

Der neue § 10 HOAI 2013 fasst nun zentral alle Leistungsänderungen

zusammen. Dafür entfallen die §§ 3 Abs. 2,

7 Abs. 5 und 10 HOAI 2009.

Neu ist in § 10 Abs. 1 und 2 HOAI 2013, dass sich jetzt

Auftraggeber und Auftragnehmer über die Änderung

des Umfangs der Leistungen einigen müssen.

Mit der Formulierung „Einigung“ ist jedoch keine Weisungsbefugnis

des Auftraggebers verbunden. Es besteht

hier nicht die rechtliche Verpflichtung des Auftragnehmers

ein neues Vertragsverhältnis zu vereinbaren. D. h.

ohne Einigung keine Leistungspflicht des Auftragnehmers.

Einigen sich hingegen Auftraggeber und Auftragnehmer

auf eine Änderung des Leistungsumfangs mit

der Folge, dass sich auch die anrechenbaren Kosten

ändern, muss gem. § 10 Abs. 1 HOAI 2013 die Honorarberechnungsgrundlage

angepasst und schriftlich

vereinbart werden.

§ 10 Abs. 2 HOAI 2013 – Wiederholung von

Grundleistungen

Die HOAI 2013 definiert mit dem § 10 Abs. 2 HOAI 2013

zum ersten Mal überhaupt, dass Planungsänderungen wiederholte

Grundleistungen darstellen und als solche auch

zu vergüten sind. Dies kann sowohl ganze Leistungsphasen

als auch nur Teilleistungen umfassen. So ist jetzt die

Änderung der Ausführungsplanung eine Wiederholung von

Grundleistungen der Leistungsphase 5. Eine Vergütung der

Änderung der Ausführungsplanung nach anderen Abrechnungsvereinbarungen,

wie z. B. nach Stundenansätzen, ist

damit nicht mehr konform zur HOAI.

§ 11 Abs. 1 HOAI 2013 – Objektweise Abrechnung

bei Auftrag über mehrere Objekte

Der bisherige § 11 HOAI 2009 wurde mit der Neufassung in

der HOAI 2013 neu strukturiert. Der § 11 Abs. 1 HOAI 2013

besteht jetzt nur noch aus einem Satz und gibt den Regelfall

der objektweisen Abrechnung bei mehreren Objekten

in einem Auftrag vor. Getrennte Objekte liegen dann vor,

wenn jedes seine bestimmungsgemäße Funktion eigenständig

erfüllen kann.

§ 11 Abs. 2 HOAI 2013 – Zusammengefasste Abrechnung

bei Auftrag über mehrere Objekte

Der neu formulierte § 11 Abs. 2 HOAI 2013 ersetzt die

schwer verständlichen §§ 11 Abs. 1 Satz 2 und 11 Abs. 2

HOAI 2009.

Dieser gilt nun für vergleichbare Objekte mit gleicher

Gründung, baulicher Gestaltung und Nutzung sowie derselben

Honorarzone, die als Teil einer Gesamtmaßnahme

geplant und errichtet werden. Liegen diese Bedingungen

vor, sind die anrechenbaren Kosten zu addieren.

Dies könnte z. B. auch bei der Kanalsanierung eines Stadtteils

zutreffen, die im Rahmen einer Gesamtmaßnahme

geplant und ausgeführt werden würde. Der zeitliche und

örtliche Zusammenhang ist jedoch immer einzelfallbezogen

zu prüfen.

24 10 | 2013


RECHT & REGELWERK FACHBERICHT

3. ÄNDERUNGEN IN TEIL 1 – ALLGEMEINE

VORSCHRIFTEN – PLANEN UND BAUEN IM

BESTAND

§ 2 Abs. 5 HOAI 2013 – Umbauten

Gemäß Verordnungsbegründung zu § 4 Abs. 3 HOAI 2013

hatte sich die Umbauregelung der HOAI 2009 in der Praxis

nicht bewährt. Daher erfolgte eine Rückführung der

Regelungen der HOAI 1996/2002. In § 2 Abs. 5 HOAI 2013

wurde deshalb wieder das Wesentlichkeitskriterium eingeführt.

Demnach sind Planungsleistungen nur als Umbau einzuordnen,

sofern das Objekt umgestaltet wird und dabei ein

wesentlicher Eingriff in Konstruktion oder Bestand erfolgt.

Soweit in der Kanalsanierungsplanung eine Umgestaltung

mit wesentlichen Eingriffen in den bestehenden Kanal

erfolgt, ist die Planung als Umbau einzuordnen. Das trifft

in der Regel dann zu, wenn bestehenbleibende Bauteile

des zu sanierenden Kanals zusammen mit neuen Bauteilen

nach der Sanierung insgesamt ein neues Bauwerk „Kanal“

bilden. Das trifft bei Renovierungsverfahren, die in Verbindung

mit dem Altrohr ein neues dichtes und standsicheres

Kanalbauwerk ergeben, in der Regel zu. Reparaturverfahren

ohne planerische Umgestaltung der vorhandenen Substanz

sind hingegen nicht als Umbauten einzuordnen.

§ 2 Abs. 7 HOAI 2013 – Mitzuverarbeitende

Bausubstanz

Mit der Wiedereinführung des Wesentlichkeitskriteriums

beim Umbau wurde

auch die Mitzuverarbeitende Bausubstanz

wieder eingeführt.

Kanalsanierungsmaßnahmen sind

immer Planungs- und Bauleistungen im

Bestand. Dementsprechend kann Mitzuverarbeitende

Bausubstanz, sofern diese

durch Planungs- oder Überwachungsleistungen

technisch mitverarbeitet wird,

bei Kanalsanierungsplanungen dem

Grunde nach immer angesetzt werden.

Hierbei ist jedoch die technische Mitverarbeitung

im Rahmen der Planung/Bauüberwachung

als Abgrenzungskriterium

für deren Berücksichtigung/Nichtberücksichtigung

näher zu betrachten.

Sanierungsverfahren für die Beseitigung

örtlicher begrenzter Schäden, also

i. d. R. Reparaturverfahren, „bearbeiten“

nur die vorhandene Bausubstanz. Der

Sollzustand soll dabei wiederhergestellt

werden. Die vorhandene Bausubstanz

wird dabei nicht technisch umgestaltet

oder verändert. Folglich kann Mitzuverarbeitende

Bausubstanz bei Reparaturverfahren

grundsätzlich nicht berücksichtigt

werden.

Bei Sanierungsverfahren, die jedoch

eine nachhaltige Gebrauchswerterhöhung

und eine Verlängerung der Nutzungsdauer zum Ziel

haben, wird hingegen die vorhandene Kanalsubstanz als

ein Bestandteil des neuen Bauwerks technisch mitverarbeitet.

Zusammen mit neuem Material wird die vorhandene

Bausubstanz zu einem neuen Kanalbauwerk umgestaltet.

Dies ist i. d. R. bei Renovierungsverfahren gegeben. Entsprechend

ist Mitzuverarbeitende Bausubstanz bei Renovierungsverfahren

meist zu berücksichtigen.

§ 4 Abs. 3 HOAI 2013 – Berücksichtigung der Mitzuverarbeitenden

Bausubstanz

Nach § 4 Abs. 3 HOAI 2013 muss die Mitzuverarbeitende

Bausubstanz zum Zeitpunkt der Kostenberechnung schriftlich

vereinbart werden. Das ist insofern nachvollziehbar, da

erst am Ende der Leistungsphase 3 der genaue Umfang

der Mitzuverarbeitenden Bausubstanz bekannt ist.

Der Wert der Mitzuverarbeitenden Bausubstanz ist gem.

Ziffer 3.3.6 der DIN 276-1:2008-12 [2] in den betreffenden

Kostengruppen auszuweisen und damit in die Kostenschätzung

und Kostenberechnung aufzunehmen. Deren

Wert ist bspw. mit den Parametern Fläche, Volumen oder

als Bauteile oder Kostenanteile mit ortsüblichen Preisen

zu ermitteln. Gem. der bisherigen BGH-Rechtsprechung

(BGH, 27.02.2003 – VII ZR 11/02) zu § 10 Abs. 3a HOAI

10 | 2013 25


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK

1996/2002 ist die Mitzuverarbeitende Bausubstanz mit

einem Wertfaktor (< 1) aufgrund von Beeinträchtigungen/Schäden

und einem Leistungsfaktor (< 1) für die

Mitverarbeitung in den einzelnen Leistungsphasen zu

beaufschlagen.

§ 6 Abs. 2 HOAI 2013 – Umbauzuschlag

Sofern eine Umbaumaßnahme vorliegt, regelt nun § 6 Abs. 2

HOAI 2013 die Vereinbarung des Umbauzuschlages dem Grunde

nach. Die Höhe des Umbauzuschlages wird in den Honorarregelungen

der Leistungsbilder der Teile 3 und 4 geregelt.

Sofern keine schriftliche Vereinbarung über den Umbauzuschlag

erfolgt, gilt im Leistungsbild Ingenieurbauwerke nun

erst ab Honorarzone III ein Zuschlag von 20 %. Diese Regelung

stellt keinen Mindestumbauzuschlag, sondern eine Auffangregelung

dar.

§ 12 Abs. 2 HOAI 2013 – Instandsetzungszuschlag

Mit der Neufassung des § 36 Abs. 1 HOAI 2009 wird nun

klargestellt, dass der Prozentsatz für die Leistungsphase 8

(Objektüberwachung oder Bauoberleitung) um bis zu 50 %

erhöht werden kann. Der Instandsetzungszuschlag gilt nicht

für die Örtliche Bauüberwachung im Leistungsbild Ingenieurbauwerke,

da deren Honorar in der HOAI 2013 weiterhin frei

vereinbar bleibt.

4. ÄNDERUNGEN IN ANLAGE 12.1 – LEISTUNGSBILD

INGENIEURBAUWERKE

Leistungsphase 1

Die im zweiten Satzteil neu formulierte Teilleistung a) fordert

nun Vorgaben oder eine Bedarfsplanung des Auftraggebers

(bspw. nach DIN 18205:1996-04 [4]) vor Beginn der

objektbezogenen Planung. Diese Untersuchungen sind nicht

Bestandteil der Leistungsphase 1, siehe hierzu Kaufhold [5]. In

der Kanalsanierung stellen Generalentwässerungsplanungen,

die die baulichen und hydraulischen Defizite von Kanälen

oder Kanalsystemen aufzeigen, die Bedarfplanung dar. Ohne

Vorgaben oder einer Bedarfsplanung vom Auftraggeber ist

der Auftragnehmer in seiner Leistungserbringung behindert.

Statt § 3 Abs. 8 HOAI 2009 wurde nun jeweils in den Leistungsphasen

1 bis 3 das „Zusammenfassen, Erläutern und

Dokumentieren der Ergebnisse“ verordnet.

Leistungsphase 2

In der Teilleistung h) erfolgt beim Mitwirken der Erläuterung

des Planungskonzeptes gegenüber Dritten erstmals eine

Begrenzung auf bis zu zwei Termine. Mit „Dritten“ sind hier

z. B. Stadtwerke, Versorgungsunternehmen oder Bürger

gemeint.

Leistungsphase 3

Bereits in der Leistungsphase 3 sind jetzt die wesentlichen

Bauphasen unter Beachtung von Verkehrslenkungsmaßnahmen

und der Aufrechterhaltung des Betriebs zu ermitteln.

Ebenso sind mit der Teilleistung i) nun Bauzeiten- und Kostenpläne

zu erarbeiten.

Leistungsphase 6

Zukünftig sind mit der Teilleistung e) die Leistungsverzeichnisse

zu verpreisen. Mit der Teilleistung f) sind die bepreisten

Leistungsverzeichnisse mit der Kostenberechnung zu

vergleichen.

Leistungsphase 7

Als weitere Kostenkontrolle sind im Rahmen der Teilleistung

g) die Ausschreibungsergebnisse mit den bepreisten

LV und der Kostenberechnung zu vergleichen.

Leistungsphase 8

Die letzte Leistung der Teilleistung a), das „Prüfen von Plänen“

wurde nun auf ein einmaliges Prüfen im Rahmen der

Grundleistung begrenzt. Mit „fachlich Beteiligten“ sind hier

die anderen Planer gemeint, nicht Dritte.

In der Teilleistung j) wurde die bisherige Teilleistung d) der

Leistungsphase 9 der Anlage 12 HOAI 2009, das Zusammenstellen

der Dokumentation der Maßnahme, nun in die

Leistungsphase 8 vorgezogen.

Das „Prüfen von Nachträgen“ ist nun wie die Örtliche Bauüberwachung

eine Besondere Leistung der Leistungsphase 8.

Leistungsphase 9

In der Teilleistung a) der Leistungsphase 9 soll nun eine „fachliche

Bewertung der festgestellten Mängel innerhalb der

Verjährungsfristen“ erfolgen. Die Verordnungsbegründung

führt hierzu aus, dass damit in erster Linie die Zuordnung

des Mangels zu einem Bau- oder Planungsbeteiligten aus

fachlicher Sicht sichergestellt werden soll. Eine Bewertung

mit der Qualität und Ausführlichkeit eines Sachverständigengutachtens

sei nicht Gegenstand dieser Grundleistung.

Die Überwachung der Mängelbeseitigung wurde aus den

Grundleistungen der Leistungsphase 9 in die Besonderen

Leistungen verschoben. Damit ist das Honorar für diese Leistung

frei vereinbar.

§ 44 Abs. 1 HOAI 2013 – Änderungen Tafelwerte

Die Erhöhungen der Tafelwerte im Leistungsbild Ingenieurbauwerke

gegenüber den Tafelwerten der HOAI 2009 reichen

von +4,13 % bis +34,06 %, siehe [6].

§ 44 Abs. 6 HOAI 2013 – Umbauzuschlag

Der Umbauzuschlag kann im Leistungsbild Ingenieurbauwerke

bei Vorliegen der Honorarzone III mit bis zu 33 %

vereinbart werden. Die Zuschlagshöhe bei Vorliegen der

Honorarzonen I, II, IV und V ist nicht geregelt. Ein Mindestumbauzuschlag

ist nicht verordnet, was so in der Verordnungsbegründung

mehrfach erläutert wird.

5. FAZIT

Auch in der HOAI 2013 ist nur die objektbezogene Planung

bei Kanalsanierungen verordnet. Die im Vorfeld dieser Planung

durch den Auftraggeber zu erstellende Bedarfsplanung

erfährt mit der Nennung in der Leistungsphase 1, Teilleistung

a) eine deutliche Aufwertung als Grundlage der Objektplanung

des Auftragnehmers.

26 10 | 2013


RECHT & REGELWERK FACHBERICHT

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Bei der wieder eingeführten Mitzuverarbeitenden Bausubstanz

und auch beim Umbauzuschlag ist weiterhin zwischen

den Sanierungsverfahren abzugrenzen: Nur bei Renovierungsverfahren

wird die vorhandene Bausubstanz i. d. R.

technisch mitverarbeitet und umgestaltet, was zu deren Anrechenbarkeit

und zur Berücksichtigung des Umbauzuschlags

führt. Bei Reparaturverfahren sind diese Voraussetzungen in

der Regel nicht gegeben.

Der Leistungsumfang wurde insbesondere mit einer verstärkten

Kosten- und Terminkontrolle ab der Leistungsphase 2 und

insbesondere in den Leistungsphasen 6 und 7 erweitert. Die

Tafelwerte werden im Mittel um 17 % gegenüber denen der

HOAI 2009 erhöht.

LITERATUR

[1] Bundesgesetzblatt Jahrgang 2013 Teil I Nr. 37, Seite 2276:

Verordnung über die Honorare für Architekten- und

Ingenieurleistungen (Honorarordnung für Architekten und

Ingenieure – HOAI) vom 10. Juli 2013, Bonn, 16.07.2013

[2] DIN 276-1:2008-12, DIN 276-4:2009-04: Kosten im Bauwesen, Teil

1: Hochbau, Teil 4: Ingenieurbau, Deutsches Institut für Normung

e. V., Berlin, 2008/2009

[3] Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung:

Evaluierung HOAI - Aktualisierung der Leistungsbilder -

Abschlussbericht, 02.11.2011

[4] DIN 18205:1996-04: Bedarfsplanung im Bauwesen, Deutsches

Institut für Normung e. V., Berlin, 1996

[5] Kaufhold, W.: Ingenieurleistungen und Honorare bei der

Kanalsanierung, Heft Nr. H1 der Schriftenreihe der Gütestelle

Honorar- und Vergaberecht e. V. (GHV), 4. Ausgabe, Stand

03.08.2012

[6] GWT, Technische Universität Dresden, Börgers Rechtsanwälte,

Arch.- u. Ing.-Büro Dipl.-Ing. W. Kalusche, Siemon Sachverständige

+ Ingenieure GmbH: Aktualisierungsbedarf zur Honorarstruktur der

Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) – Studie im

Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie,

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10 | 2013 27


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK

Neue Technische Regeln für

Steinzeugrohre DIN EN 295 – 2013

Die Neuausgabe der DIN EN 295 Steinzeugrohrsysteme für Abwasserleitungen und -känale wurde am 1. Mai 2013 als

europäische Norm in Deutschland veröffentlicht; die Umsetzung in nationale Normen der anderen europäischen Länder

erfolgt zeitgleich. Die Überarbeitung der Normenreihe DIN EN 295 erfolgte komplett für alle sieben Teile (Tabelle 1).

DIN EN 295 Teil 1

DIN EN 295 Teil 2

DIN EN 295 Teil 3

DIN EN 295 Teil 4

DIN EN 295 Teil 5

DIN EN 295 Teil 6

DIN EN 295 Teil 7

Änderungen an Rohre, Formstücke und Verbindungen

Bewertung der Konformität und Probenahme

Prüfverfahren

Tab. 1: Überarbeitete Normenreihe

Anforderungen an Übergangs- und Anschlussbauteile und flexible Kupplungen

Anforderungen an gelochte Rohre und Formstücke

Anforderungen an Bauteile für Einstieg- und Inspektionsschächte

Anforderungen an Rohre und Verbindungen für Rohrvertrieb

DIN EN 295 Datum / Fristen Zeitpunkt

Zeitbunkt der Verfügbarkeit

DAV (date of availability)

Zeitpunkt der spätesten Ankündigung

DOA (date of latest announcement)

Zeitpunkt der spätesten Veröffentlichung

DOP (date of latest publication)

Zeitpunkt der Zurückziehung der

früheren Ausgabe

DOW (date of withfrawal)

Februar 2013 Februar 2013

Der Teil 3 der DIN EN 295 „Prüfverfahren“ erschien bereits

im März 2012, da er ausschließlich Prüfverfahren enthält

und nicht unter das Mandat zur Erarbeitung europäischer

harmonisierter Normen fällt. Die Gültigkeit wurde so geregelt,

dass sie erst mit der Veröffentlichung aller anderen

Teile beginnt.

Derzeit ist noch ein technischer Bericht CEN/TR 16626

„Steinzeugrohrsysteme für Abwasserleitungen und -kanäle

– Leitfaden für Verfahren zur freiwilligen Fremdüberwachung“

bei CEN in Bearbeitung und wird voraussichtlich

Ende 2013/Anfang 2014 erscheinen. Die Angaben hierzu

waren bislang in Teil 2 erschienen. Aufgrund europäischer

Regeln mussten aus DIN EN 295 Teil 2 alle Verweise und

Regelungen zur Fremdüberwachung herausgenommen werden.

Diese werden nun mit gleichem Inhalt in einem eigenen

europäischen technischen Bericht bei CEN veröffentlicht.

Auch dieser Teil wird Teil des nationalen Normenwerks.

Damit sind dann wieder für alle Hersteller zur freiwilligen

Anwendung die Grundlagen zur Fremdüberwachung gegeben.

Alle europäischen Steinzeugrohr-Hersteller haben diese

Regelung mitgetragen und wenden diese auch an.

Mit dieser Normenreihe steht Bauherren, Planern, Bauunternehmern

und Herstellern nun ein aktuelles und komplettes

Normenwerk zur Verfügung.

Die Bearbeitung der Normenteile erfolgte im Technischen

Komitee TC 165 „Abwassertechnik“ in der Arbeitsgruppe

WG 2 (CEN TC 165/WG2).

Zum Überblick der Stimmengewichte bei europäischen Normungen

siehe Bild 1, zur Übersicht der Beteiligung an der

„Gemeinschaftsaufgabe Normung“ siehe Bild 2 und zur

„Normung und den Standards“ siehe Bild 3.

Stand DIN

Deutschland

DAV + 3 Monate Mai 2013 Mai 2013

DAV + 6 Monate

6 Monate nach

DOP

Tab. 2: Veröffentlichung der DIN EN 295 durch CEN

November

2013

Erledigt

Mai 2014 Mai 2014

DIE FRISTEN ZUR UMSETZUNG

Für die Fristen zur Umsetzung der europäischen

Normen (DIN EN 295) in nationale

Normen (DIN EN 295) werden von

CEN klare Regeln vorgegeben. Die Daten

in Tabelle 2 beziehen sich auf die Veröffentlichung

der DIN EN 295 durch CEN

mit Datum von Februar 2013.

Diese Fristen wirken sich auf die Rohrherstellung

im Werk und den Einbau auf

der Baustelle, aber insbesondere auf die

Planung und Ausschreibung von Bauleistungen

aus. Mit der Veröffentlichung der

DIN EN 295 im Mai 2013 durch DIN ist

klar, dass die neue Norm verfügbar ist,

dass sie angewendet werden kann, und

dass die Verwendung von Bauteilen nach

dieser neuen Norm zu empfehlen ist.

GRUNDSÄTZE ZUR

STEINZEUG-NORM

Steinzeugrohre und -formstücke für die

offene und geschlossene Bauweise sind

einschließlich der Rohrverbindungen in

der DIN EN 295 genormt. Ein wesentlicher

Grundsatz dieser Norm ist, dass

keine Anforderung ohne die zugehörige

Prüfung festgelegt ist, und dass für eine

Vielzahl technischer Lieferbedingungen

28 10 | 2013


RECHT & REGELWERK FACHBERICHT

die Mindestanforderungen mit einer Öffnungsklausel für

weitergehende Anforderungen versehen sind. Die Bearbeitung

der Norm erfolgt grundsätzlich und konsequent

in Zusammenarbeit mit den Anwendern.

Europäische Normen sind im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet,

dass statt der Vorgabe von Einzelbestimmungen

Anforderungen und Prüfungen festgelegt werden. Normen

stellen in Form von Mindestanforderungen ein nicht zu

unterschreitendes Anforderungsniveau dar.

Ein wichtiger Bestandteil von Normen ist der Anwendungsbereich

und der Verweis darauf, dass Auftraggeber/Kunden

selbstverständlich eigene Anforderungen hinsichtlich der

in der Norm enthaltenen unterschiedlichen Tragfähigkeitsklassen,

Verbindungssysteme, Baulängen und Formstücke

formulieren können. Europäische Normen können und müssen

den gesamten europäischen Raum abdecken und sind

daher mit der Bezugnahme auf einzelne, länderbezogene

Anforderungen eingeschränkt. Deshalb müssen seitens

der Anwender Entscheidungen hinsichtlich der speziellen

technischen Anforderungen getroffen werden.

ÄNDERUNGEN IN DER NEUAUSGABE 2013

Werkstoff (Tabelle 3)

Die Nachweise an den Werkstoff Steinzeug wurden aufgrund

der Anforderungen an die Kanalisation erweitert,

das Qualitätsniveau damit deutlich erhöht. Mit der neuen

Norm gilt für Steinzeugbauteile, dass die Wasseraufnahme

maximal 6 % beträgt. Dieser wichtige Grenzwert war

in der Vorgängerversion nicht enthalten. Damit wird ein

wesentlicher Beitrag zum Nachweis des Langzeitverhaltens

hinsichtlich der Dauerhaftigkeit erdverlegter Steinzeugbauteile

geleistet.

•Entstehung von europäischen Normen (3)

•DIN Deutsches Institut für Normung e. V.

•Bulgarien

•Österreich

•Schweden

•Schweiz

•Belgien

•Griechenland

•Portugal

•Tschech. Rep.

•Ungarn

•Dänemark

•Finnland

•Irland

•Kroatien

•Litauen

•Norwegen

•Slowakei

•10

•Ehemalige

jugoslawische

•Republik Mazedonien

•Estland

•Lettland

•Luxemburg

•Slowenien

•7

•12

•4

•1

3

•Island

•Malta

•Zypern

•3

•Niederlande

•Rumänien

•2

7

•29

•Schlussabstimmung

•Polen

•Spanien

•Deutschland

•Frankreich

•Italien

•Ver. Königreich

•Türkei

Bild 1: Stimmengewichte •Stimmengewichte der Länder bei der Länder Entstehung von

europäischen Normen

•Gemeinschaftsaufgabe Normung

•DIN Deutsches Institut für Normung e. V.

•Eine demokratische Legitimation der Normung erfordert das

Engagement aller interessierten Kreise

•Anwender

•Wissenschaft

•und Forschung

•Umweltschutz

•Wirtschaft

• • •

• • •

•NORMUNG


•Gewerkschaften

• •

•Öffentliche

Hand

•Regelsetzende

•Institutionen

•Arbeitsschutz

Festigkeit (Tabelle 3)

Mit der erfolgten Neugliederung der Tragfähigkeitsklassen

der verschiedenen Steinzeugrohre konnte die Gruppe L

entfallen, da die hier definierten geringen Tragfähigkeiten

nicht mehr den statischen und bautechnischen Anforderungen

entsprachen. Den Herstellern wurde die Möglichkeit

eingeräumt, ab der Nennweite DN 700 – entsprechend den

Marktanforderungen – Rohre mit höheren Scheiteldruckfestigkeiten

herzustellen; die Schrittweite der Erhöhungen ist

jetzt auf 10 kN/m festgelegt (bisher 40). Daraus resultieren

verbesserte Produktionsmöglichkeiten und kostenoptimierte

Anwendungen im Kanalbau.

Verbesserte Festigkeiten sind auch im Abschnitt für die

Vortriebsrohre eingearbeitet: Ihre Mindest-Druckfestigkeit

errechnet sich nun mit einer spezifischen Druckfestigkeit

von 100 N/mm2, der bisherige Wert von 75 N/mm2 wird

damit deutlich überschritten. Folglich entstehen einerseits

höhere Vortriebskräfte, andererseits auch höhere Reserven

bei Beanspruchungen. Das zugehörige Prüfverfahren

wurde mit der Vorgabe dahingehend erweitert, dass die

Prüfkörper ab DN 400 über den Wandquerschnitt verteilt

zu entnehmen sind. Damit entsteht eine deutliche

Qualitätsverbesserung.

•Verbraucherschutz

Bild 3: Normung und deren Standards

•Prüfinstitute

Bild 2: Übersicht der Beteiligung an der Gemeinschaftsaufgabe

Normung

10 | 2013 29


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK

Dichtheit (Tabelle 3)

Der Wert für die Wasserzugabe bei der Dichtheitsprüfung

wurde von 0,07 l/m2 auf 0,04 l/m2 bei Steinzeugbauteilen

reduziert. Damit gelingt ein weiterer Schritt in

Richtung verbesserter Produkteigenschaften. Die Anforderungen

an die Prüfung mit Luftdruck sind unverändert.

Werkstoffeigenschaften

Wesentliche Eigenschaften für den Betrieb von Abwasserkanälen

sind nun in Teil 1 enthalten und mit Mindestanforderungen

definiert:

»»

Wandrauheit

- Typische k-Werte für die hydraulische Rauheit

der Steinzeugoberfläche: zwischen 0,02 mm und

0,05 mm

»»

Oberflächenhärte

- Die Steinzeugoberfläche: Härte nach Mohs von 7

»»

Abriebfestigkeit

- Abrieb der Steinzeugoberfläche: maximal 0,25 bis

0,50 mm nach Prüfung mit 100.000 Lastwechseln

»»

Beständigkeit gegen Hochdruckwasserstrahl

- Prüfung mit den Mindestanforderungen von

12 MPa (120 bar) bei beweglicher Düse, 28 MPa

(280 bar) bei stationärer (punktförmiger)

Belastung

Mit den Vorgaben aus dem Mandat der Europäischen

Kommission sind begrüßenswerter Weise nun auch Angaben

enthalten zu:

»»

Brandverhalten (Klasse F ohne weitere Nachweise),

das heißt:

- Steinzeug ist nicht brennbar

- der Anteil der Verbindungen ist besonders klein;

keine Brandübertragung durch die Verbindungen

an der Innen- oder Außenseite

»»

Dauerhaftigkeit (Erfahrungen über eine lange Zeit),

das heißt:

- die Dauerhaftigkeit ist durch die Erfüllung der

Eigenschaften in EN 295 und die Erfahrungen mit

dem Werkstoff Steinzeug gegeben

»»

Gefährlichen Substanzen (Verweis auf europäische

Anforderungen), das heißt:

MJ/kg Steinzeug

% kg co2

/kg Steinzeug

%

Strom prim. 1,42 20 0,085 20

Bereitstellung

Brennstoffe

Verbrauch

Brennstoffe

Bereitstellung

Rohstoffe

0,58 8 0,033 8

4,98 69 0,286 68

0,20 3 0,015 4

Summe 7,18 100 0,419 100

Tab. 3: Spezifischer Energieaufwand und spezifische

CO 2

- Emissionen für Steinzeugrohre

- Rohstoffe sind naturrein und ohne gefährliche

Substanzen

- keine Verwendung gefährlicher Stoffe bei der Verarbeitung

- keine Abgabe gefährlicher Stoffe bei der Nutzung an

Boden / Grundwasser / Abwasser

Maße

Die Austauschbarkeit von Verbindungen von Steinzeugrohren

und -formstücken ist weiterhin gegeben über die

vollständige Angabe von:

»»

Innendurchmesser (DN)

»»

Verbindungssystem (C oder F)

»»

Scheiteldruckfestigkeit (kN/m)

»»

Tragfähigkeitsklasse (TKL)

Die Kennzeichnung der Bauteile enthält diese Angaben.

Entfallen sind die Verbindungssysteme A und B, die seit

vielen Jahren in Europa nicht mehr produziert werden.

EMPFEHLUNGEN FÜR PLANUNG, EINBAU UND

BETRIEB (ANHANG B)

Dieses Kapitel in Teil 1 der DIN EN 295 im Anhang B ist

neu. Es enthält für Planer und Betreiber grundlegende,

maßgebliche Daten und Fakten für Steinzeugrohrsysteme:

»»

Hydraulische Auslegung (u.a. Wandrauheit)

»»

Statische Berechnungen (u.a. biegesteifes

Verhalten)

»»

Einbau (u. a. Verweis auf DIN EN 1610)

»»

Betrieb und Wartung (u. a. Reinigung und

Reparaturmöglichkeiten)

»»

Wirtschaftlichkeit (u. a. Nutzungsdauer)

»»

Umweltbezogene Eigenschaften (u. a. Energieverbrauch

und Recycling)

Wesentliche Punkte daraus sind:

1. Die Eigenschaften von Rohren und Formstücken, die

den Anforderungen der vorliegenden Norm entsprechen,

sind unveränderlich während der gesamten

Nutzungsdauer von Abwasserleitungen und -kanälen.

2. Die Werte der Wandrauheit sind für die Langzeitberechnungen

ausgelegt.

3. Steinzeugrohre und -formstücke werden als biegesteif

klassifiziert und können aufgrund ihrer eigenen

Tragfähigkeit unmittelbar Erd- und Verkehrslasten

aufnehmen. Rohrverformungen oder Änderungen

des Rohrdurchmessers treten während der gesamten

Nutzungsdauer von Abwasserleitungen und -kanälen

weder unter äußerer noch unter innerer Lasteinwirkung

auf. Die statische Berechnung beruht auf der

Tragfähigkeit (Scheiteldruckkraft) unter Berücksichtigung

der Erd- und Verkehrslasten sowie anderer

Lasteinwirkungen.

4. Die Festigkeit von Steinzeugrohren und -formstücken

ist unveränderlich während der gesamten Nutzungsdauer

von Abwasserleitungen und -kanälen.

5. Steinzeugrohre sind darüber hinaus widerstandsfähig

gegenüber Wechselbeanspruchung durch Straßen- und

Schienenverkehr.

30 10 | 2013


RECHT & REGELWERK FACHBERICHT

6. Der Einbau von Steinzeugrohren und -formstücken

erfolgt entsprechend den Anforderungen nach

DIN EN 1610 in offener Bauweise, nach DIN EN 12889

in geschlossener (grabenloser) Bauweise.

7. Die Beweglichkeit von Entwässerungssystemen aus

Steinzeugrohren und -formstücken wird durch den

Einbau flexibler Verbindungen erreicht. Dadurch

werden Setzungen und andere Bodenbewegungen

aufgenommen.

8. Entwässerungs- und Abwassersysteme aus Steinzeugrohren

und -formstücken erfüllen die Anforderungen

nach EN 752, EN 12056-2 und EN 12056-3. Sie werden

als jederzeit betriebsbereit und voll funktionsfähig

angesehen aufgrund von:

- hoher chemischer Beständigkeit von Steinzeugrohren

und -Formstücken und deren Verbindungen

- unveränderlicher Funktionseigenschaften im

Abwasser

- leichter Beseitigung vorhandener Ablagerungen

- hoher Beständigkeit gegenüber Reinigung mit

Hochdruckwasserstrahl

- hoher Beständigkeit gegenüber den Auswirkungen

mechanischer Reinigungsausrüstung und anderer

Wartungsgeräte

- hoher mechanischer Beständigkeit gegen

Abriebbeanspruchungen

- nicht notwendigen Einschränkungen bei der Anwendung

üblicher Sanierungsverfahren durch den Austausch

von Rohren in offener oder in geschlossener

(grabenloser) Bauweise, oder durch Reparatur- oder

Renovierungsverfahren

Besonders hervorzuheben ist Punkt 9 „Wirtschaftlichkeit“:

9. Wirtschaftlichkeit (Anhang B 6). Die Langzeiterfahrungen

mit Steinzeugrohren und -formstücken für Entwässerungs-

und Abwassersysteme entsprechend den

Anforderungen der Normenreihe EN 295 belegen, dass

sie für eine übliche Nutzungsdauer von mindestens

100 Jahren zuverlässig sind. Diese Langlebigkeit liegt

in den mineralogischen Eigenschaften von Steinzeug

begründet:

- diese bleiben nach der Rohrherstellung unverändert

- konstante Festigkeit unter Betriebsbedingungen

- Dauerhaftigkeit des Systems

- umfangreiche Erfahrungen aus dem Langzeitverhalten

sowie Punkt:

10. Umweltbezogene Eigenschaften (Anhang B 7). Die

umweltbezogenen Eigenschaften von Steinzeugrohren

und -formstücken beinhalten:

»»

den geringen Energieverbrauch bei der Herstellung

»»

die Herstellung unter Berücksichtigung umweltbezogener

Aspekte

»»

den Schutz von Boden und Grundwasser unter

Betriebsbedingungen

»»

die lange Nutzungsdauer von Abwasserleitungen

und -kanälen

»»

die unproblematische, vollständige Verwertung

Der spezifische Energieverbrauch bei der Herstellung von

Steinzeugrohren ist Tabelle 3 [1] zu entnehmen.

Bewertung der Konformität und Probenahme

Für die Hersteller von Steinzeugrohrsystemen ist der

Nachweis der Konformität und die Gütesicherung aus

Eigen- und Fremdüberwachung selbstverständlich und

unverzichtbar. Die Anwender erwarten zudem den Nachweis

einer fremd überwachenden Stelle. Allerdings sehen

die europäischen Vorgaben hier nur noch ein freiwilliges

Vorgehen vor. Daher mussten, wir neue Wege gehen, um

sicherzustellen, dass unsere Leistungen durch Eigen- und

Fremdüberwachung belegt und dokumentiert werden.

Dies erfolgt über die Zusammenarbeit mit DIN Certco

und die Zertifizierung der Produkte auf der Grundlage

der ZP WN 295.

Kennzeichnung der Bauteile nach DIN EN 295-1

Für jedes Steinzeugbauteil gilt die Angabe seiner wesentlichen

technischen Merkmale in dauerhafter Weise auf

dem Produkt. Folgende Daten sind für die Verwendung

der Bauteile und Verbindungen unverzichtbar:

»»

Europäische Norm DIN EN 295

»»

Herstellerkennzeichen

»»

Herstellungsdatum

»»

Verbindungssystem

»»

Nennweite

»»

Tragfähigkeit

Auf freiwilliger Basis beruht die Kennzeichnung durch den

Fremdüberwacher und dessen Grundlagen.

Die Kennzeichnung mit dem CE-Zeichen richtet sich an

Behörden, nicht aber an Verbraucher. Sie bestätigt die

vollständige Einhaltung der „Grundlegenden Sicherheitsanforderungen“,

die in den EU-Richtlinien festgelegt sind;

das CE-Zeichen ist kein Qualitätszeichen.

LITERATUR

[1] Lorenz, Specht: Vergleich der kumulativen spezifischen CO 2

-

Emissionen von Steinzeug mit anderen Werkstoffen am Beispiel

der Herstellung von Abwasserrohren, in: Keramische Zeitschrift

01/2012

Bauass. Dipl.-Ing. KARL-HEINZ FLICK

AUTOR

FVST Fachverband Steinzeugindustrie e.V.,

Frechen

Tel. +49 2234 507-271

E-Mail: info@fachverband-steinzeug.com

www.fachverband@steinzeug.com

10 | 2013 31


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK

Änderung von Rohrleitungen - Teil 3:

Die Änderung von Rohrfernleitungen

zum Befördern wassergefährdender

Stoffe, § 20 Abs. 2 S. 4 UVPG

Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender Stoffe unterliegen nicht hinsichtlich der materiellen

Zulassungsvoraussetzungen, aber hinsichtlich der formellen Anforderungen engeren Zulassungserfordernissen als sonstige

Rohrfernleitungen. Das soll mit diesem Fachbericht dargelegt werden. Zuvor sollen kurz die Historie der gesetzlichen Regelung

von Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender Stoffe sowie die Frage, wann überhaupt eine Rohrleitungsanlage

zum Befördern wassergefährdender Stoffe vorliegt, behandelt werden.

HISTORIE

Rohrleitungen zum Befördern wassergefährdender Stoffe

und ihre Genehmigung waren ursprünglich in §§ 19a ff.

WHG geregelt. Errichtung und Betrieb sowie die wesentliche

Änderung von Rohrleitungen zum Transport wassergefährdender

Stoffe erforderten seit dem Jahr 1964 ein

Genehmigungsverfahren auf Grundlage des § 19a Abs. 1

S. 1 WHG. 1 Im Jahre 1990 wurde mit dem UVPG in seiner

ersten Fassung zur Umsetzung der UVP-Richtlinie 85/337/

EWG zunächst nur die UVP-Pflicht von Errichtung und

Betrieb sowie der wesentlichen Änderung von Rohrleitungsanlagen

für den Ferntransport von Öl und Gas, die

einer Genehmigung nach § 19a WHG bedurften, geregelt.

Die Umweltverträglichkeitsprüfung wurde im Genehmigungsverfahren

nach § 19a WHG durchgeführt.

Mit der UVP-Änderungsrichtlinie 97/11/EG wurde der Katalog

UVP-pflichtiger Rohrleitungen erweitert. Öl-, Gas- und

Chemikalienpipelines mit einem Durchmesser > 800 mm

und einer Länge > 40 km waren nunmehr zwingend UVPpflichtig.

2 Sonstige Anlagen der Industrie zum Transport

von Gas, Dampf und Warmwasser 3 sowie sonstige Öl- und

Gaspipelines und Wasserfernleitungen 4 wurden als fakultativ

UVP-pflichtig geregelt. Der deutsche Gesetzgeber

musste daher den Katalog UVP-pflichtiger Rohrleitungen

erweitern. Dem kam er mit Gesetz vom 27.07.2001 nach,

indem in Ziffer 19 des Anhangs 1 des UVPG alle UVPpflichtigen

Leitungsvorhaben aufgeführt wurden. Für diese

Leitungsvorhaben fehlte es weitgehend an einem Zulassungsverfahren

als Trägerverfahren für die Umweltverträglichkeitsprüfung.

Deshalb entschloss sich der Gesetzgeber,

in § 20 Abs. 1 UVPG ein Trägerverfahren, nämlich das

Planfeststellungsverfahren für Rohrfernleitungsvorhaben

1 §§ 19a ff. WHG wurden durch Gesetz vom 06.08.1964,

BGBl I S. 611, eingefügt.

2 Anhang I Nr. 16 der Richtlinie 97/11/EG.

3 Anhang II Nr. 3b der Richtlinie 97/11/EG.

4 Anhang II Nr. 10i u. j der Richtlinie 97/11/EG.

zu implementieren. Dieses ersetzte ab dem 03.08.2001

das bisherige, auf Rohrleitungen zum Transport wassergefährdender

Stoffe beschränkte Genehmigungsverfahren

des § 19a WHG und galt auch für Rohrfernleitungen zum

Transport anderer Stoffe. Allein für Gasversorgungsleitungen

und für Hochspannungsfreileitungen wurde das Trägerverfahren

der Umweltverträglichkeitsprüfung außerhalb

des UVPG und innerhalb des für diese Anlagen gültigen

speziellen Gesetzes, dem EnWG geregelt.

ABGRENZUNG ROHRLEITUNGSANLAGE ZUM

BEFÖRDERN UND ZUM UMGANG

Rohrfernleitungsanlagen zum Befördern wassergefährdender

Stoffe sind von Rohrleitungsanlagen zum Umgang

mit wassergefährdenden Stoffen abzugrenzen. Dies richtet

sich nach den unterschiedlichen Funktionsschwerpunkten

beider Anlagen: Beförderungszweck auf der einen

oder Umgangszweck im Zusammenhang mit betrieblichen

Tätigkeiten auf der anderen Seite. Abhängig von

der Zuordnung einer Rohrleitungsanlage als Anlage zum

Befördern oder zum Umgang gelten unterschiedliche Kriterien

zur Bestimmung wassergefährdender Stoffe und

unterschiedliche Auslegungsanforderungen.

Leitungen, die das Werksgelände nicht überschreiten,

Zubehör- und Verbindungsleitungen

Ausdrücklich aus der Begrifflichkeit von Rohrleitungsanlagen

zum Befördern wassergefährdender Stoffe ausgenommen

sind in Ziffer 19.3 der Anlage 1 des UVPG Rohrleitungsanlagen,

die

• den Bereich eines Werksgeländes nicht überschreiten,

• Zubehör einer Anlage zum Umgang mit wassergefährdenden

Stoffen sind oder

• Anlagen verbinden, die in einem engen räumlichen

und betrieblichen Zusammenhang miteinander stehen

und kurzräumig durch landgebundene Verkehrswege

getrennt sind.

32 10 | 2013


RECHT & REGELWERK FACHBERICHT

Diese Rohrleitungsanlagen sind in etwa von der Auflistung des

§ 62 Abs. 1 S. 2 WHG als Rohrleitungsanlagen, die

• den Bereich eines Werksgeländes nicht überschreiten,

• Zubehör einer Anlage zum Umgang mit wassergefährdenden

Stoffen sind oder

• Anlagen verbinden, die in einem engen räumlichen und

betrieblichen Zusammenhang miteinander stehen

erfasst und stellen Rohrleitungsanlagen zum Umgang mit

wassergefährdenden Stoffen dar.

Das Werksgelände wird durch ein räumlich zusammengehörendes

und nach außen als einheitliches Werk wahrgenommenes

Gelände gekennzeichnet. Nicht erforderlich

ist, dass das Gelände von einem Betreiber genutzt wird.

Auch Chemie- oder Industrieparks können ein einheitliches

Werksgelände darstellen, wenn das Gelände nach außen

als einheitliches Werk wahrgenommen wird. Eine Unterbrechung

eines Werksgeländes durch öffentliche Verkehrswege

oder sonstige Flächen führt dann nicht zur Teilung eines

Werksgeländes in mehrere Gelände, wenn der betriebliche

Zusammenhang der Anlagen trotz kurzräumiger Trennung

gewahrt und wahrnehmbar bleibt. 5

Werden dagegen verschiedene Werksgelände durch eine

Rohrleitung verbunden, handelt es sich um eine Verbindungsleitung,

wenn die durch die Rohrleitung verbundenen

Anlagen in einem räumlichen und betrieblichen Zusammenhang

stehen. Während aber Ziffer 19.3 der Anlage 1 des

UVPG nur eine kurzräumige Trennung durch öffentliche

Verkehrswege zulässt, nennt § 62 Abs. 1 S. 1 WHG das einschränkende

Kriterium einer kurzräumigen Trennung durch

öffentliche Verkehrswege nicht (mehr) 6 . Das bedeutet,

dass auf Grundlage der derzeitigen Gesetzeslage Rohrleitungen,

die Anlagen auf verschiedenen Werksgeländen

verbinden, Rohrfernleitungen i.S.d. Ziffer 19.3 der Anlage

1 des UVPG darstellen, wenn sie durch andere Grundstücke

als solche, auf denen sich öffentliche Verkehrswege

befinden, getrennt sind, obwohl § 62 Abs. 1 WHG diese

Rohrleitungen als Verbindungsleitungen erfassen will.

Dieses Ungleichgewicht entsteht nur dann nicht, wenn

die verbundenen Anlagen – gleichgültig, durch welche

Grundstücke sie getrennt werden – sich trotz Trennung auf

einem einheitlichen Werksgelände befinden. Anderenfalls

löst in Nordrhein-Westfalen der Erlass des Ministeriums für

Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

vom 28.08.2013 das Ungleichgewicht zugunsten

des § 62 Abs. 1 WHG: Rohrleitungsanlagen, die Anlagen auf

verschiedenen Werksgeländen in einem engen räumlichen

und betrieblichen Zusammenhang verbinden, sind nach

Maßgabe des § 62 Abs. 1 WHG zu behandeln, unabhängig

davon, welcher Nutzung trennende Grundstücke dienen.

5 Czychowski/Reinhardt, WHG, 10. Aufl. 2010, § 62 Rn. 34; Gößl in

Sieder/Zeitler, WHG/AbwAG, 44. Erg.-Lfg. 2012, § 62 Rn. 6.

6 Mit der Novelle des WHG im Jahre 2009 entschied sich der Gesetzgeber

bewusst, das einschränkende Kriterium einer nur kurzräumigen Trennung

durch Verkehrswege, das in § 19g WHG a.F. noch enthalten war,

aufzugeben, um Leitungen, die Anlagen auf verschiedenen Werksgeländen

verbinden, dann wenn ein räumlicher und betrieblicher Zusammenhang

zwischen den verbundenen Anlagen besteht, denselben Regelwerken zu

unterwerfen, wie Rohrleitungen, die Anlagen verbinden, die auf demselben

Werksgelände liegen; vgl. BT-Drs. 16/12275, S. 70 f.

Diese Wertung ist zutreffend. Zwar kann ein ministerieller

Erlass keine formellen Gesetze und damit auch nicht das

UVPG überregeln. Der Gesetzgeber selbst hat aber mit der

Neufassung des § 62 Abs. 1 WHG im Jahre 2009 betont,

dass er Verbindungsleitungen unabhängig davon, durch

welche Grundstücke verbundene Anlagen getrennt werden,

nicht dem Anwendungsbereich des UVPG unterwerfen

will, sondern dem Anwendungsbereich des WHG. Der

Erlass beinhaltet damit eine in Würdigung des Willens des

Gesetzgebers gesetzeskonforme Auslegung.

Zubehörleitungen schließlich, die aus dem Anwendungsbereich

der Ziffer 19.3 der Anlage 1 des UVPG ausgenommen

und von § 62 WHG erfasst sind, sind durch ihre

dienende Funktion für die Betriebszwecke einer Hauptanlage

gekennzeichnet.

Sind die einschränkenden Kriterien der Ziffer 19.3 der

Anlage 1 des UVPG i.V.m. des § 62 Abs. 1 S. 2 WHG

erfüllt, handelt es sich bei einer solchen Rohrleitungsanlage

nicht um eine Anlage zum Befördern wassergefährdender

Stoffe i.S.d. UVPG. Die Rohrleitungsanlage

unterliegt damit nicht dem Planfeststellungs- oder Plangenehmigungserfordernis

des § 20 Abs. 1 u. 2 UVPG. Erforderlich

ist allein eine behördliche Eignungsfeststellung

oder eine gleichwertige Zertifizierung gem. § 63 Abs. 1

u. 3 WHG i.V.m. den materiellen Kriterien der landesrechtlichen

Regelungen in Verordnungen über Anlagen

zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, wenn die

Anlage dem Umgang mit wassergefährdenden Stoffen

i.S.d. § 62 Abs. 3 WHG dient.

Wassergefährdende Stoffe

Ziffer 19.3 der Anlage 1 des UVPG verweist hinsichtlich der

Klassifizierung wassergefährdender Stoffe auf § 21 Abs. 4 S. 7

UVPG. § 21 Abs. 4 S. 7 UVPG wiederum regelt, dass in einer

von der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrats

zu erlassenden Rechtsverordnung die Stoffe, die geeignet

sind, die Wasserbeschaffenheit nachteilig zu verändern, d. h.

wassergefährdende Stoffe, bestimmt werden können. Auf

Grundlage dieser Ermächtigung wurde zur Bestimmung wassergefährdender

Stoffe für Rohrfernleitungen eine abschließende

Regelung in § 2 Abs. 1 S. 2 RohrFltgV getroffen. Dort

ist geregelt, dass es sich bei wassergefährdenden Stoffen

handelt um:

• brennbare Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt kleiner als

100 °C sowie brennbaren Flüssigkeiten, die bei Temperaturen

gleich oder oberhalb ihres Flammpunktes befördert

werden (§ 2 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 RohrFLtgV),

• Stoffe mit den R-Sätzen R 14, R 14/15, R 29, R 50, R 50/53

und R 51/53 (§ 2 Abs. 1 S. 1 Nr. 3 RohrFLtgV) und

• Stoffe mit den Gefahrenmerkmalen T, T+ oder C (§ 2 Abs. 1

S. 2 RohrFLtgV).

Diese Aufzählung ist abschließend. Wassergefährdende

Stoffe i.S.d. Ziffer 19.3 der Anlage 1 des UVPG sind damit

alle (aber auch allein) die in § 2 Abs. 1 S. 2 i.V.m. S. 1

Nrn. 1 u. 3 RohrFLtgV aufgeführten Stoffe, ohne dass dies

einer Disposition der Behörde oder des Vorhabenträgers

unterläge. Die Vorgaben des § 2 Abs. 1 S. 2 RohrFLtgV sind

10 | 2013 33


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK

Bild 1: Errichtung und Betrieb einer Rohrfernleitung zum Befördern wassergefährdender Stoffe

entscheidend für die Bewertung einer Rohrleitung als Rohrfernleitung

zum Befördern wassergefährdender Stoffe 7 .

Die nicht für Rohrfernleitungen, sondern allein für Rohrleitungsanlagen,

die das Werksgelände nicht überschreiten

oder Zubehör- oder Verbindungsleitungen darstellen, maßgebliche

Definition wassergefährdender Stoffe enthält § 62

Abs. 3 WHG. Danach sind wassergefährdende Stoffe feste,

flüssige und gasförmige Stoffe, die geeignet sind, dauernd

oder in einem nicht nur unerheblichen Ausmaß nachteilige

Veränderungen der Wasserbeschaffenheit herbeizuführen.

§ 62 Abs. 3 WHG beinhaltet aufgrund der Öffnungsklausel

„die geeignet sind“ keinen abschließenden Katalog wassergefährdender

Stoffe. Vielmehr bedarf es auf Grundlage

des § 62 Abs. 3 WHG einer wertenden Beurteilung im

Einzelfall, ob ein Stoff wassergefährdend ist, gemessen an

dem unbestimmten Kriterium der Eignung eines Stoffs, eine

nicht nur unerhebliche nachteilige Veränderung der Wasserbeschaffenheit

herbeizuführen. Dies richtet sich bisher

nach den für Anlagen und Betriebsplätze zum Umgang

mit wassergefährdenden Stoffen maßgeblichen Kriterien

landesrechtlicher Verordnungen über wassergefährdende

Stoffe und den dortigen Regelungen verschiedener Wassergefährdungsklassen

und soll zukünftig in einer bundesrechtlichen

Verordnung über Anlagen zum Umgang mit

wassergefährdenden Stoffen (VAUwS) 8 bundeseinheitlich

geregelt werden.

Materielle Vorgaben

Die technischen Anforderungen an Rohrfernleitungen zum

Befördern wassergefährdender Stoffe i.S.d. § 2 Abs. 1 S. 2

RohrFltgV, die den Bereich eines Werksgelände überschreiten

und weder eine Verbindungs- noch eine Zubehörleitung

7 Ebenso auch der Erlass des MKUNV des Landes NRW vom 28.08.2013.

8 Ein Entwurf einer Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden

Stoffen liegt mit Stand vom 27.01.2012 vor.

darstellen, ergeben sich aus der RohrFLtgV.

Das gilt sowohl für Rohrfernleitungen, die

aufgrund UVP-Pflicht gem. § 20 Abs. 1 UVPG

planfeststellungspflichtig sind, als auch für

Rohrfernleitungen, die keine UVP und nur

eine Plangenehmigung gem. § 20 Abs. 2

UVPG erfordern und folgt aus den in § 21

Abs. 1 Nr. 1 UVPG geregelten Zulassungsvoraussetzungen,

deren Konkretisierung die

RohrFLtgV dient.

Rohrleitungsanlagen zum Umgang mit wassergefährdenden

Stoffen i.S.d. § 62 Abs. 1

S. 2 WHG sind dagegen nicht Planfeststellungs-

oder Plangenehmigungspflichtig gem.

§ 20 UVPG. Sie unterliegen daher nicht der

RohrFLtgV, da deren Anwendungsbereich

ausweislich § 2 Abs. 2 Nrn. 1 u. 2 RohrFLtgV

Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender

Stoffe nur dann erfasst, wenn

sie nach § 20 UVPG eine Planfeststellung

oder Plangenehmigung erfordern. Die von

diesen Rohrleitungsanlagen einzuhaltenden

Regeln der Technik ergeben sich aus den Verordnungen

der Länder über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden

Stoffen.

»»

Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender

Stoffe können nur solche Leitungen sein, die den

Bereich eines Werkegeländes überschreiten und keine

Zubehör- und Verbindungsleitungen sind.

»»

Die Kriterien wassergefährdender Stoffe ergeben sich

für Rohrfernleitungen aus § 2 Abs. 1 S. 2 RohrFLtgV

und für Rohrleitungsanlagen zum Umgang mit wassergefährdeten

Stoffen aus § 60 Abs. 3 WHG.

»»

Die einzuhaltenden Regeln der Technik folgen für

Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender

Stoffe aus der RohrFLtgV und für Rohrleitungsanlagen

zum Umgang mit wassergefährdenden

Stoffen aus den Verordnungen der Länder über den

Umgang mit wassergefährdenden Stoffen.

ZULSSUNGSERFORDERNISSE DER ÄNDERUNG VON

ROHRFERNLEITUNGEN ZUM BEFÖRDERN WASSER-

GEFÄHRDENDER STOFFE

Errichtung und Betrieb von Rohrfernleitungen zum Befördern

wassergefährdender Stoffe erfordern, wie in Ausgabe 3R

3/2013 ausgeführt, dann, wenn sie gemessen an den Schwellenwerten

der Ziffer 19.3 der Anlage 1 des UVPG ggf. nach

Vorprüfung UVP-pflichtig sind, eine Planfeststellung gem. § 20

Abs. 1 UVPG. Ist eine UVP entbehrlich, entfällt das in § 20

Abs. 1 UVPG geregelte Planfeststellungserfordernis. Errichtung

und Betrieb einer Rohrfernleitung zum Befördern wassergefährdender

Stoffe erfordern dann gem. § 20 Abs. 2 S. 1 u. 4

UVPG zwingend eine Plangenehmigung. Die Entbehrlichkeit

einer Plangenehmigung in Fällen unwesentlicher Bedeutung

gem. § 20 Abs. 2 S. 2 u. 3 UVPG gilt, wie ebenfalls bereits

in Ausgabe 3R 3/2013 dargelegt, für Rohrfernleitungen zum

Befördern wassergefährdender Stoffe – anders als für sonstige

34 10 | 2013


RECHT & REGELWERK FACHBERICHT

Rohrfernleitungen i.S.d. Ziffern 19.4 bis 19.8 der

Anlage 1 des UVPG – bei erstmaliger Errichtung

nicht. Dies ergibt sich aus der Sonderregelung in

§ 20 Abs. 2 S. 4 UVPG.

Änderungen einer Rohrfernleitung zum Befördern

wassergefährdender Stoffe können dagegen –

wenn sie nicht UVP-pflichtig sind und damit keine

Planfeststellung gem. § 20 Abs. 1 UVPG erfordern

– plangenehmigungsfrei sein. Dies ergibt sich aus

einer Rückausnahme in § 20 Abs. 2 S. 4 UVPG, die

allerdings schwer verständlich ist. Um die Schwierigkeiten

zu verdeutlichen, ist § 20 Abs. 2 UVPG

in seiner Gesamtheit abzudrucken:

„Sofern keine Verpflichtung zur Durchführung

einer Umweltverträglichkeitsprüfung besteht,

bedarf das Vorhaben der Plangenehmigung. Die

Plangenehmigung entfällt in Fällen von unwesentlicher

Bedeutung. Diese liegen vor, wenn die

Prüfwerte nach § 3c UVPG für Größe und Leistung,

die die Vorprüfung eröffnen, nicht erreicht

werden oder die Voraussetzungen des § 74 Abs. 7

Satz 2 des Verwaltungsverfahrensgesetzes erfüllt

sind; § 3b Abs. 2 und 3 UVPG gilt entsprechend.

Die Sätze 2 und 3 gelten nicht für Errichtung,

Betrieb und Änderung von Rohrleitungsanlagen

zum Befördern wassergefährdender Stoffe sowie

für Änderungen ihres Betriebs, ausgenommen

Änderungen von unwesentlicher Bedeutung.“

ERRICHTUNG UND BETRIEB ERFORDERN ZWINGEND

EINE PLANGENEHMIGUNG

Gemäß § 20 Abs. 2 S. 4 UVPG gelten Sätze 2 und 3 und

damit die Befreiung von einer Plangenehmigung in Fällen

unwesentlicher Bedeutung nicht für Errichtung und Betrieb

einer Rohrfernleitung zum Befördern wassergefährdender

Stoffe; umgekehrt gewendet: Errichtung und Betrieb einer

Rohrfernleitung zum Befördern wassergefährdender Stoffe

erfordern auch in Fällen unwesentlicher Bedeutung zwingend

eine Plangenehmigung.

Plangenehmigungsfreiheit nur einer unwesentlichen

Änderung des Betriebs oder auch der Rohrleitung

selbst?

Auch für Änderungen von Rohrfernleitungen zum Befördern

wassergefährdender Stoffe sowie für Änderungen ihres

Betriebs gelten Sätze 2 und 3 und damit die Ausnahme von

dem Plangenehmigungserfordernis in Fällen unwesentlicher

Bedeutung gem. § 20 Abs. 2 S. 4, Halbsatz 1 UVPG nicht:

„Die Sätze 2 und 3 gelten nicht für Errichtung, Betrieb und

Änderung von Rohrleitungsanlagen zum Befördern wassergefährdender

Stoffe sowie für Änderungen ihres Betriebs

…“. Davon ausgenommen sind gemäß Satz 4, Halbsatz 2

allerdings Fälle unwesentlicher Bedeutung: „… ausgenommen

Änderungen von unwesentlicher Bedeutung.“ Satz 4 Halbsatz

2 beinhaltet damit eine Rückausnahme.

Ob diese Rückausnahme mit der Konsequenz einer Befreiung

vom Plangenehmigungserfordernis bei Änderungen von

Bild 2: Änderung einer Rohrfernleitung zum Befördern wassergefährdender Stoffe

unwesentlicher Bedeutung nur für unwesentliche Änderungen

des Betriebs einer Rohrfernleitung zum Befördern wassergefährdender

Stoffe gilt, oder sowohl für unwesentliche Änderungen

des Betriebs als auch für unwesentliche Änderungen

der Rohrfernleitungsanlage als solcher, d. h. ihrer baulichen

Ausgestaltung und ihrer Trassierung, ist nach dem Wortlaut

fraglich.

Grammatikalisch bietet sich zunächst an, die Rückausnahmeregelung

in Satz 4, 2. Halbsatz nur auf die unmittelbar

davor aufgeführten Änderungen des Betriebs einer

Rohrfernleitung zum Befördern wassergefährdender Stoffe

zu beziehen. 9 Da sich eine entsprechende Beschränkung

aber nicht ausdrücklich in Satz 4, 2. Halbsatz findet,

ist grammatikalisch ebenso eine dahingehende Lesart

möglich, dass unwesentliche Änderungen generell und damit

sowohl dann, wenn es sich um unwesentliche Änderungen

des Betriebs, als auch dann, wenn es sich um unwesentliche

Änderungen der Rohrfernleitung selbst handelt, plangenehmigungsfrei

sind. 10

Der Wortlaut des Satzes 4 ist nicht eindeutig. Zur Auslegung

ergänzend heranzuziehen ist daher der in der amtlichen

Begründung des Gesetzes erklärte Wille des Gesetzgebers.

Ausweislich der amtlichen Begründung des § 20 UVPG

9 So wohl Beckmann in: Hoppe/Beckmann, UVPG, 4. Auflage 2012,

§ 20 Rn. 41.

10 So ohne detaillierte Auseinandersetzung mit dem Wortlaut des § 20

Abs. 2 S. 4 UVPG Zeitler in: Sieder/Zeitler, WHG/AbwAG, 44. Erg.-Lfg.

2012, § 19a WHG a.F. Rn. 49r; gänzlich ohne Differenzierung zwischen

Änderungen des Betriebs und der baulichen Gestaltung spricht Hagmann

von der Plangenehmigungsfreiheit von Änderungen von unwesentlicher

Bedeutung, in Landmann/Rohmer, Umweltrecht, 68. Erg.-Lfg. 2013,

§ 20 Rn. 40.

10 | 2013 35


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK

Themenübersicht 2013

Zulassungsverfahren für Errichtung und Betrieb von Rohrfernleitungen

- Teil 1: Gasversorgungsleitungen im Sinne des EnWG

3R, Ausgabe 1-2/2013, S. 36-41

Zulassungsverfahren für Errichtung und Betrieb von Rohrfernleitungen -

Teil 2: Rohrfernleitungen i.S.d. Ziffern 19.3 bis 19.8 der Anlage 1 des UVPG

3R, Ausgabe 3/2013, S. 36-39

Zulassungsverfahren für Errichtung und Betrieb von Rohrfernleitungen

- Teil 3: Anforderungen des Bundesberggesetzes (BBergG) und des

Kohlendioxidspeichergesetzes (KSpG)

3R, Ausgabe 4-5/2013, S. 44-49

Änderung von Rohrfernleitungen - Teil 1: Zulassungserfordernisse

und Zulassungsverfahren

3R, Ausgabe 7-8/2013, S. 34-42

Änderung von Rohrfernleitungen - Teil 2: Die UVP-Relevanz von

Änderungen

3R, Ausgabe 9/2013, S. 24-32

Änderung von Rohrfernleitungen - Teil 3: Die Änderung von

Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender Stoffe,

§ 20 Abs. 2 S. 4 UVPG

3R, Ausgabe 10/2013, Erscheinungstermin 23. Oktober 2013

Konversion - Wo verläuft die Grenze zwischen Änderung und Aliud?

3R, Ausgabe 11-12/2013, Erscheinungstermin 12. November 2013

wurde die Norm dem ursprünglich maßgeblichen § 19a

WHG nachempfunden; in der amtlichen Begründung heißt

es: „Absatz 2 Satz 4 stellt sicher, dass im Hinblick auf Rohrleitungsanlagen

zum Befördern wassergefährdender Stoffe,

für die bereits nach dem bisherigen § 19a Abs. 1 und Abs.

3 WHG ein Genehmigungserfordernis besteht, in jedem Fall

ein Plangenehmigungsverfahren durchgeführt wird.“ 11 § 19a

Abs. 1 S. 1 WHG regelte eine Genehmigungspflicht von

Errichtung und Betrieb sowie der wesentlichen Änderung

einer Rohrleitungsanlage und ihres Betriebs: „Die Errichtung,

der Betrieb und die wesentliche Änderung einer Rohrleitungsanlage

zum Befördern wassergefährdender Stoffe

sowie die wesentliche Änderung ihres Betriebs bedürfen

der Genehmigung der für das Wasser zuständigen Behörde,

wenn der Genehmigungsantrag vor dem 3. August 2001

gestellt wurde.“ 12 Unwesentliche Änderungen sowohl des

Betriebs als auch der Rohrleitung waren damit auf Grundlage

des § 19a Abs. 1 S. 1 WHG genehmigungsfrei.

Es ist nicht ersichtlich, dass der Gesetzgeber mit der Neuregelung

des § 20 Abs. 2 S. 4 UVPG eine Verschärfung der

bis dahin maßgeblichen Genehmigungspflicht des § 19a

Abs. 1 S. 1 WHG bewirken wollte. Im Gegenteil spricht

die Inbezugnahme der früheren Regelung des § 19a WHG

11 BR-Drs. 674/00, S. 97.

12 Auf Genehmigungsanträge ab dem 03.08.2001 findet § 20 UVPG Anwendung.

in der amtlichen Begründung des § 20 UVPG dafür, dass

die dortigen Vorgaben beibehalten bleiben sollten, d.h.

Errichtung und Betrieb einer Rohrfernleitungsanlage zum

Befördern wassergefährdender Stoffe sowie die wesentliche

Änderung sowohl der Rohrleitung als auch ihres Betriebs

zulassungspflichtig sein sollen, unwesentliche Änderungen

aber unabhängig von ihrem Bezugspunkt des Betriebs oder

der Anlage zulassungsfrei sind.

Bei diesem Verständnis beinhaltet § 20 Abs. 2 S. 4 UVPG

eine zwingende Plangenehmigungspflicht der erstmaligen

Errichtung und des Betriebs einer Rohrfernleitung zum

Befördern wassergefährdender Stoffe sowie nachträglicher

wesentlicher Änderungen von Errichtung oder Betrieb,

nicht aber von Änderungen von unwesentlicher Bedeutung,

gleichgültig, ob diese die Rohrfernleitungsanlage oder ihren

Betrieb betreffen.

KRITERIEN EINER UNWESENTLICHEN ÄNDERUNG

Wann eine Änderung von unwesentlicher Bedeutung

vorliegt, ergibt sich grundsätzlich aus den Kriterien des

§ 20 Abs. 2 S. 3 UVPG. Danach liegt eine unwesentliche

Änderung vor, wenn entweder die Schwellenwerte,

die gem. § 3c UVPG eine Vorprüfung eröffnen, nicht

erreicht werden (1. Alt.), oder die Voraussetzungen des

§ 74 Abs. 7 S. 2 VwVfG erfüllt sind (2. Alt.); dazu bereits

in 3R 7-8/2013 unter Punkt 3, S. 38.

Ob allerdings beide Alternativen des § 20 Abs. 2 S. 3

UVPG auf Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender

Stoffe anwendbar sind, ist fraglich.

Die erste Alternative (Schwellenwerte der Vorprüfung

werden unterschritten) ist, wie in Ausgabe 3R 7-8/2013

ausgeführt, auf Änderungen nicht solitär anwendbar.

Nicht jede Änderung, die solitär betrachtet die Schwellenwerte

einer Vorprüfung unterschreitet, ist unwesentlich.

Vielmehr gilt dies nur dann, wenn in additiver Betrachtung

von Änderung und vorhandenem Bestand die

Schwellenwerte der Vorprüfung unterschritten werden.

In einem solchen Fall war grundsätzlich – außer im Falle

einer Rohrleitung zum Befördern wassergefährdender

Stoffe – bereits die Errichtung plangenehmigungsfrei.

Auch eine spätere Änderung, die nicht zu einem Überschreiten

der Schwellenwerte der Vorprüfung führt, ist

dann plangenehmigungsfrei.

Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender

Stoffe erfordern dagegen bei ihrer erstmaligen Errichtung

auch dann eine Plangenehmigung, wenn die Schwellenwerte

einer Vorprüfung unterschritten werden. Die bei

anderen Rohrleitungen geltende Ausgangslage ist damit

auf Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender

Stoffe nicht übertragbar. Deshalb ist zweifelhaft,

ob eine Änderung einer Rohrfernleitung zum Befördern

wassergefährdender Stoffe allein deshalb, weil sie nicht

zu einem Erreichen der Schwellenwerte führt, als unwesentlich

gewertet werden kann.

Damit ist noch nicht gesagt, dass eine Änderung einer

Rohrfernleitung zum Befördern wassergefährdender Stoffe,

die nicht zu einem Erreichen der Schwellenwerte führt,

36 10 | 2013


RECHT & REGELWERK FACHBERICHT

zwingend wesentlich wäre. Ein taugliches Kriterium zur

Prüfung der Unwesentlichkeit einer Änderung ergibt sich

auch für Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender

Stoffe jedenfalls aus der zweiten Alternative des

§ 20 Abs. 2 S. 3 UVPG und dem dortigen Verweis auf

§ 74 Abs. 7 S. 2 VwVfG. Denn dieses Kriterium erfordert

keine Gesamtbetrachtung der Rohrfernleitung,

sondern kann im Falle einer Änderung mit Blick allein

auf die Änderung gewürdigt werden. Unwesentlich ist

eine Änderung danach dann, wenn durch die Änderung

andere öffentliche Belange nicht berührt werden oder die

erforderlichen behördlichen Entscheidungen vorliegen

und der Änderung nicht entgegenstehen (§ 74 Abs. 7

S. 2 Nr. 1 VwVfG) und Rechte anderer nicht beeinflusst

werden oder mit den Betroffenen entsprechende Vereinbarungen

getroffen worden sind. Die Anforderungen des

§ 74 Abs. 7 S. 2 VwVfG sind, wie bereits in 3R 1-2/2013,

unter Punkt 4, S. 40 f. dargelegt, eng. Eine Beeinflussung

von Rechten Dritter ist bereits dann zu bejahen, wenn

Rechte Dritter in mehr als nur geringfügiger Weise negativ

berührt werden; ein unmittelbarer Eingriff in Rechte Dritter

ist dafür nicht erforderlich. Eine Berührung öffentlicher

Belange ist bereits dann zu bejahen, wenn etwa Belange

der kommunalen Planungshoheit, Umweltbelange oder

Belange des Wasserschutzes negativ tangiert werden

und damit umgekehrt nur dann zu verneinen, wenn ein

Vorhaben unter keinem denkbaren Gesichtspunkt Einfluss

auf andere öffentliche Belange haben kann.

Damit dürften die Fälle unwesentlicher Änderungen von

Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender Stoffe

eng zu umgrenzen sein. Nur ein derart enges Verständnis

steht auch in Übereinstimmung mit der jüngsten Änderung

der RohrFLtgV vom 14.08.2013. Mit der Änderung wurde

nunmehr in § 4a RohrFLtgV auch die wesentliche Änderung

von Rohrfernleitungsanlagen, die die Schwellenwerte der

Vorprüfung unterschreiten und damit keiner Planfeststellung

und keiner Plangenehmigung bedürfen, geregelt. Die noch

in Ausgabe 3R 7-8/2013 unter Punkt 3, S. 39, geschilderte

Einschränkung des Anzeigeverfahrens des § 4a RohrFLtgV

auf Errichtung und Betrieb ist damit Makulatur. Die nunmehrige

Ausdehnung des Anzeigeverfahrens auf wesentliche

Änderungen gilt aber nur für Rohrfernleitungen i.S.d.

ebenfalls neu gefassten § 2 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 RohrFLtgV

und damit nur für Rohrfernleitungen i.S.d. Ziffern 19.4

bis 19.6 der Anlage 1 des UVPG, die die Schwellenwerte

einer Vorprüfung unterschreiten und nicht auch für Rohrfernleitungen

zum Befördern wassergefährdender Stoffe

i.S.d. Ziffer 19.3 der Anlage 1 des UVPG. Rohrfernleitungen

zum Befördern wassergefährdender Stoffe sind ausweislich

der amtlichen Begründung des Verordnungsgebers

deshalb aus § 2 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 RohrFLtgV gestrichen

worden, weil diese unabhängig von den Schwellenwerten

der UVP-Pflicht ohnehin mindestens einer Plangenehmigung

bedürfen und daher aufgrund § 2 Abs. 1 RohrFLtgV

unter den Anwendungsbereich der Verordnung fallen. 13

13 BR-Drs. 55/1/13, S. 5.

Das ist für Errichtung und Betrieb zutreffend. Für Änderungen

gelten, wie dargelegt, Ausnahmen von der Plangenehmigungspflicht.

Nur wenn diese Ausnahmen eng

umgrenzt sind, führt der Umstand, dass Änderungen von

Rohrfernleitungen zum Befördern wassergefährdender

Stoffe keinesfalls über § 4a RohrFLtgV anzeigepflichtig

sind, nicht dazu, dass es zu einem Missverhältnis im

Vergleich zu anzeigepflichtigen Änderungen sonstiger

Rohrfernleitungen kommt.

ZUSAMMENFASSUNG

Das Zulassungsverfahren von Rohrfernleitungen zum

Befördern wassergefährdender Stoffe ist insoweit gegenüber

den Zulassungsverfahren sonstiger Rohrfernleitungen

erschwert, als Errichtung und Betrieb gem. § 20

Abs. 2 S. 4 UVPG mindestens und ohne Ausnahme plangenehmigungspflichtig

sind, wenn nicht aufgrund UVP-

Pflicht ohnehin das vorrangige Planfeststellungsverfahren

durchzuführen ist. Für Änderungen sowohl des Betriebs

als auch der Rohrleitungsanlage selbst gilt dagegen nach

hiesiger Auffassung trotz des komplizierten Wortlauts des

§ 20 Abs. 2 S. 4 UVPG der Grundsatz der Plangenehmigungsfreiheit

bei unwesentlicher Bedeutung der Änderung

ebenso wie für sonstige Rohrfernleitungen. Fälle

von unwesentlicher Bedeutung dürften aber nur dann

vorliegen, wenn die Voraussetzungen des § 20 Abs. 2 S. 3

2. Alternative UVPG erfüllt sind. Gegen eine Anwendbarkeit

der 1. Alternative des § 20 Abs. 2 S. 3 UVPG spricht,

dass diese Alternative – anders als die 2. Alternative –

eine Gesamtschau des vorhandenen Bestands und der

Änderung erfordert und über diese Gesamtschau nicht

negiert werden kann, dass Errichtung und Betrieb einer

Rohrfernleitung trotz Unterschreitens der Schwellenwerte

einer Vorprüfung plangenehmigungspflichtig sind;

allein der Umstand, dass eine nachträgliche Änderungen

nicht zu einem Überschreiten der Schwellenwerte führt,

scheint daher kaum geeignet, ihre Unwesentlichkeit zu

begründen.

Dr. BETTINA KEIENBURG

Kümmerlein Rechtsanwälte & Notare, Essen

Tel. +49 201 1756-624

E-Mail: bettina.keienburg@kuemmerlein.de

Dr. MICHAEL NEUPERT

Kümmerlein Rechtsanwälte & Notare, Essen

Tel. +49 201 1756-624

AUTOREN

E-Mail: michael.neupert@kuemmerlein.de

10 | 2013 37


DVGW RECHT & REGELWERK

Regelwerk

W 400-3-B1 Entwurf „Technische Regeln Wasserverteilungs anlagen

(TRWV); Teil 3: Betrieb und Instandhaltung - Beiblatt 1: Inspektion

und Wartung von Ortsnetzen“

Einspruchsfrist 31.12.2013

NEUERSCHEINUNG

Inspektion und Wartung dienen sowohl dem technisch

sicheren und zuverlässigen als auch dem wirtschaftlichen

Betrieb von Rohrnetzen, wobei das Beiblatt W 400-3-B1

nicht nur Rohrleitungen und ihre Bauteile, sondern auch

deren unmittelbare Umgebung und zugehörige Einrichtungen

(Schachtbauwerke, Straßenkappen, Schutzstreifen,

Hinweisschilder) berücksichtigt.

Das Beiblatt übernimmt und aktualisiert somit die Ausführungen

zur Inspektion und Wartung im DVGW-Arbeitsblatt

W 392 vom Mai 2003. Es wird bei der zukünftigen Überarbeitung

des DVGW-Arbeitsblatts W 400-3 „Technische

Regeln Wasserverteilungsanlagen (TRWV); Teil 3: Betrieb

und Instandhaltung“ integriert. Allerdings bedeutet hier

„aktualisiert“ eine ziemlich weitreichende Neuerung!

Bereits die alte W 392 enthält das Schlagwort „zustandsorientierte

Instandhaltung“. Sie stellt bei der Inspektion

des Rohrnetzes konkret aber nur auf den Wasserverlust ab

und bleibt im Zusammenhang mit der Schadensrate vage.

Ansonsten, insbesondere zu Armaturen und Hydranten,

bietet die alte W 392 nur interpretationsbedürftige Hinweise,

die wiederum ausschließlich auf mögliche Fristverkürzungen

zielen.

Zwar kann das Beiblatt nicht die ganze Vielfalt inspektionsund

wartungsrelevanter Faktoren in einem Fristenschema

erfassen, das gleichzeitig einfach, übersichtlich und einzelfallgerecht

ist. Doch wie die Tabelle beispielhaft am Rohrnetz

zeigt, nehmen die zustandsorientierten Vorgaben wesentlich

deutlichere Konturen an. Dabei sind der Wasserverlust nach

W 392 und die Schadensrate nach einer weiteren Tabelle

des Beiblatts zu bewerten.

Das Beiblatt enthält erstmalig auch eine Tabelle mit Richtwerten

für die jeweiligen Schadensraten und den Inspektionsturnus

von Absperrarmaturen und Hydranten. Im Übrigen

gilt für Fern- und Zubringerleitungen weiterhin das DVGW-

Arbeitsblatt W 392-2.

Ausgabe 8/2013, EUR 17,27 für DVGW-Mitglieder, EUR 23,03

für Nicht-Mitglieder

Einspruchsfrist 31.12.2013

W 392 Entwurf „Wasserverlust in Rohrnetzen - Ermittlung,

Überwachung, Bewertung, Wasserbilanz, Kennzahlen“

NEUERSCHEINUNG

Mit seinen Ausführungen zu Inspektion und Wartung

behandelt das DVGW-Arbeitsblatt W 392 vom Mai 2003

zwei Kernaspekte des im September 2006 erschienenen

DVGW-Arbeitsblatts W 400-3 „Technische Regeln Wasserverteilungsanlagen

(TRWV); Teil 3: Betrieb und Instandhaltung“.

Im Hinblick auf die weitere Entwicklung des Regelwerks

und seine Anwenderfreundlichkeit liegt es somit

nahe, alle konkreten Ausführungen zur Instandhaltung

zukünftig in W 400-3 zusammenzufassen. So wurden nun

die Ausführungen der alten W 392 zu Inspektion und Wartung

grundlegend revidiert und in ein Beiblatt zur W 400-3

ausgegliedert („W 400-3-B1“), das bei der zukünftigen

Überarbeitung von W 400-3 integriert wird.

Die neue W 392 konzentriert sich folglich ganz auf den

Rohrnetz-Wasserverlust, seine Ermittlung, Überwachung

und Bewertung. Dazu gehören die Erstellung der Wasserbilanz

und die Bildung von Kennzahlen. Hier findet sich der

eigentliche Anlass zur Überarbeitung des Regelwerks. Die

alte W 392 basiert auf dem „spezifischen realen Wasserverlust“

qVR). Die International Water Association (IWA)

verwendet jedoch den „Infrastructure Leakage Index“ (ILI),

um die Dichtheit von Netzen der öffentlichen Trinkwasserversorgung

zu beurteilen. In der neuen W 392 wird

deshalb der ILI zusätzlich aufgenommen und die Beziehung

zwischen qVR und ILI dargestellt.

Der ILI berücksichtigt neben der Länge der Haupt- und Versorgungsleitungen

zusätzlich auch die Länge und Zahl der

Anschlussleitungen, den durchschnittlichen Betriebsdruck

sowie einen „unvermeidbaren jährlichen realen Verlust“.

Was in Bezug auf Wasserverlust unvermeidbar ist, wird

letztlich durch Erkennungs- und Eingriffsmöglichkeiten vorgegeben.

Nach der neuen W 392 werden dieser unvermeidbare

jährliche reale Verlust auf Basis einer internationalen

Konvention berechnet und der ILI als Verhältnis des (tatsächlichen)

jährlichen realen Verlusts zum unvermeidbaren

jährlichen realen Verlust definiert.

So kann es dazu kommen (besonders bei neuen Netzen),

dass das „vermeintliche“ Minimum - ILI = 1,0 - sogar unterschritten

wird. Setzt man allerdings ein viele Jahrzehnte

bestehendes und immer nur schrittweise rehabilitierbares

Netz voraus, das höchstens marginal ausgebaut wird, ist

die Erreichung und Einhaltung dieses Minimums durchaus

anspruchsvoll bzw. eine dauerhafte, deutliche Unterschreitung

eher unrealistisch. Im Ergebnis ist der ILI bezüglich

38 10 | 2013


RECHT & REGELWERK DVGW

seiner Einflussfaktoren deutlich umfassender und realitätsnäher

als der qVR. Demnach ist davon auszugehen, dass

sich der ILI als aussagefähigere Kennzahl durchsetzen wird.

Im Gegensatz zu qVR und ILI berücksichtigt der in der

öffentlichen Diskussion meistens benutzte reale Wasserverlust

in Prozent der Netzeinspeisung keinerlei Netzfaktoren

(Netzlänge etc.). So führen bei gleichem absolutem

Wasserverlust (in m 3 ) hohe Netzeinspeisungen (z. B. in Städten

mit hohen Netzabgaben je Netzlänge) zu niedrigen

Prozentwerten, geringe Netzeinspeisungen (z. B. auf dem

Land mit niedrigen Netzabgaben je Netzlänge) zu hohen

Prozentwerten. Im Vergleich erscheint daher ein Versorgungsunternehmen

mit hoher spezifischer Netzeinspeisung

besser als eines mit niedrigerer spezifischer Netzeinspeisung.

Demzufolge ist der reale Wasserverlust in Prozent der

Netzeinspeisung für Vergleiche (Benchmarks) ungeeignet.

Auch anhand qVR und ILI können Versorgungsunternehmen

mit unterschiedlichen Rohrnetzeinspeisungen nur bedingt

verglichen werden. Vor diesem Hintergrund werden im

neuen W 392 Äquivalenzwerte gebildet, die den qVR und

ILI gewissermaßen auf eine einheitliche Rohrnetzeinspeisung

(in diesem Fall 40 000 m³/a) normieren, um numerische

Bewertungen und Vergleiche sowohl dieser beiden Verlustkennzahlen

untereinander als auch zwischen verschiedenen

Rohrnetzen/Versorgungsunternehmen angemessen

zu ermöglichen.

Die neue W 392 folgt also bezüglich der Berechnung des

ILI der internationalen Konvention, orientiert sich aber

hinsichtlich der Bewertung an der alten W 392. Denn die

Überarbeitung soll durchaus einen internationalen Vergleich

von Wasserverlusten ermöglichen, jedoch nicht den hiesigen

Standard preisgeben. Welche Schlüsse aus einer konkreten

Bewertung hinsichtlich Verlustvermeidung bzw. Netzinstandhaltung

zu ziehen sind, hängt allerdings von weiteren

Randbedingungen ab: Wasserdargebot und -beschaffenheit,

Betriebsmanagement, Netzfaktoren, Umgebungsbedingungen.

Dieser Aspekt wird jedoch nicht in W 392

vertieft, sondern ist W 400-3 zugeordnet.

Der Begriff Wasserverlustmanagement wird weder in der

alten, noch in der neuen W 392 verwendet. Er beinhaltet

nämlich in der internationalen Diskussion zur Minimierung

des Wasserverlusts u.a. die gezielte Drucksteuerung (mit

Druckabsenkungen in Zeiten niedrigen Bedarfs bis hin zu

temporären Lieferunterbrechungen) und widerspricht insofern

dem Anspruch einer hochwertigen, möglichst störungsfreien

Wasserversorgung. Dessen ungeachtet bietet die

neue W 392 auch weiterhin eine Basis für die Festlegung

Bild: Lokalisation des Lecks mit einem Korrelator

(Fotoquelle: Hermann Sewerin GmbH, Gütersloh)

von Maßnahmen im Hinblick auf eine langfristige Minimierung

des Wasserverlusts.

Wie so oft, gilt hier ebenfalls: Die Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit

der verantwortlichen Personen ist ausschlaggebend

für die Güte der Wasserbilanz und Kennzahlberechnung.

Schließlich sind einige Wasserentnahmen und weitere

Faktoren abzuschätzen, die grundsätzlich nicht bzw. nur

mit unverhältnismäßigem Aufwand direkt messbar sind.

Die Abschätzung konkreter Werte bei Mess-, Ablese- und

Abgrenzungsfehlern erfordert gleichfalls eine gründliche

Plausibilitätskontrolle. Diese Fehler können im Einzelnen

nur begrenzt minimiert werden, sollten sich aber über die

Jahre ausgleichen.

Die Ausführungen zu den genannten Fehlern wurden revidiert

und nach Möglichkeit präzisiert, so dass die Wasserbilanz

eine solidere Grundlage erhält. Im gleichen Sinne

wurden die Methoden zur Überwachung des Wasserdurchflusses

und zur Leckortung dem Stand der Technik angepasst.

Zu guter Letzt kann die neue W 392 analog auch

auf nichtöffentliche Netze (Arealnetze) sowie Roh- und

Brauchwassernetze angewendet werden.

Ausgabe 7/2013, EUR 22,27 für DVGW-Mitglieder, EUR 29,69

für Nicht-Mitglieder

Betrieb und Instandhaltung von Rohrnetzen

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10 | 2013 39


DVGW RECHT & REGELWERK

GW 306 „Verbinden von Blitzschutzsystemen mit metallenen Gasund

Trinkwasser-Installationen“

NEUERSCHEINUNG

Dieses Arbeitsblatt wurde gemeinschaftlich vom DVGW Deutscher

Verein des Gas- und Wasserfaches e.V. und VDE Verband

der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V.,

Ausschuss für Blitzschutz und Blitzforschung (ABB) erarbeitet.

Das Arbeitsblatt ist dem neuesten Stand der technischen und

wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst.

Zielgruppen sind:

»»

Fachbetriebe Gas- und Trinkwasser-Installation

»»

Gas- und Wasserversorger

»»

Fachbetriebe Blitzschutz

»»

Betreiber der Installation

Gegenüber DVGW-Arbeitsblatt GW 306:1982-08 wurden

folgende Änderungen vorgenommen:

a) Aktualisierung der Verweise

b) Anpassung an den Stand der Technik

c) Aufführung von Hinweisen für die Praxis

Ausgabe 9/2013, EUR 17,27 für DVGW-Mitglieder, EUR 23,03

für Nicht-Mitglieder (Frühere Ausgaben: DVGW GW 306:1982-

08, DVGW GW 306:1968, DVGW GW 306:1953, DVGW GW

306:1937, DVGW GW 306:1932, DVGW GW 306:1921)

GW 309 „Elektrische Überbrückung bei Rohrtrennungen“

NEUERSCHEINUNG

Dieses Arbeitsblatt wurde vom Projektkreis „Elektrotechnische

Fragestellungen“ im Technischen Komitee „Außenkorrosion“

überarbeitet. Die Überarbeitung wurde notwendig,

da zu Grunde liegende, andere technische Regelwerke

überarbeitet wurden.

In den Erläuterungen werden auch Hinweise auf die Verfahrensweise

in Sonderfällen gegeben. Zur Erleichterung für

den Anwender wurde eine Checkliste erstellt.

Gegenüber DVGW-Arbeitsblatt GW 309:1986-11 wurden

folgende Änderungen

vorgenommen:

a) Aktualisierung der Verweise

b) Anpassung an den Stand der Technik

c) Aufführung von Hinweisen für die Praxis

Ausgabe 9/2013, EUR 17,27 für DVGW-Mitglieder, EUR

23,03 für Nicht-Mitglieder (Frühere Ausgaben DVGW GW

309:1986-11)

GW 381 Entwurf „Bauunternehmen im Leitungstiefbau

- Mindestanforderungen“

Einspruchsfrist 31.12.2013

NEUERSCHEINUNG

Das Arbeitsblatt wurde von einem Projektkreis erarbeitet,

in dem die Sparten Fernwärme, Gas, Strom, Telekommunikation

und Trinkwasser vertreten waren. Seitens der

verschiedenen Sparten und Straßenbaulastträger haben

sich im Lauf der Zeit die jeweiligen Anforderungsprofile

für Bauunternehmen im Leitungstiefbau eigenständig

entwickelt. Dabei stimmen die meisten Aspekte des Leitungstiefbaus

vom Straßenaufbruch über die Grabenerstellung

und -verfüllung bis zur Wiederherstellung der

Straßenoberfläche und der begleitenden Verkehrssicherung

für die verschiedenen Sparten überein, auch unter

Berücksichtigung der einschlägigen Rechtsvorschriften.

Somit lag es auf der Hand, eine Zusammenfassung der

formalen, personellen und sachlichen Mindestanforderungen

sowie von optionalen Kriterien vorzunehmen und

eine einheitliche Bezugsgrundlage zu schaffen.

Für den Bau der Leitung selbst und die diesbezüglichen

Aspekte (insbesondere hinsichtlich sparten- und bauweisenspezifischer

Kabel/Rohre/Umhüllungsmaterialien,

Verbindungen, Überdeckungshöhen, Abstände, Bettungsbedingungen

sowie zugehöriger Einbau-/Montagetechnologien,

Gefahrenabwehrmaßnahmen und Qualifikationsanforderungen)

gelten weiterhin uneingeschränkt die

einschlägigen technischen Regeln und Rechtsvorschriften.

Dies gilt nicht nur im Zusammenhang mit der offenen

Bauweise, sondern insbesondere auch für die verschiedenen

grabenlosen Bauweisen, mit denen zum Teil besondere

Anforderungen hinsichtlich der oben genannten

Aspekte verbunden sind. Schließlich werden verschiedene

Bauweisen oftmals kombiniert (z. B. offene Bauweise für

Versorgungsleitungen und Bodenverdrängungshammer

für Anschlussleitungen).

Man sieht den neun Textseiten (samt Vorwort) nicht an,

wie viel an Arbeit und Abstimmung dahinter steht. Der

unvorbelastete Leser kann mit hoher Wahrscheinlichkeit

davon ausgehen, dass an Stellen, über die er stolpert,

40 10 | 2013


RECHT & REGELWERK DVGW

wo er sich ein Mehr - oder vielleicht auch Weniger -

an Inhalt, Deutlichkeit oder Verbindlichkeit wünschen

würde, der Projektkreis hart und gelegentlich mehrfach

um den ausgewogenen Kompromiss gerungen hat. Im

Mittelpunkt stand allzeit die Frage, wie man das wirklich

Unverzichtbare, den gemeinsamen Nenner der zahllosen

denkbaren Baustellen klar herausarbeitet und dennoch

vermeidet, dass den vielen, oft auf lokale Bedürfnisse

spezialisierten Tiefbauunternehmen irgendwelche unnötigen

Steine in den Weg gelegt werden. Leitbild: Am

Ende müssen alle Leitungen und Verkehrswegeflächen

gemäß den Anforderungen der Leitungsbetreiber bzw.

Straßenbaulastträger dauerhaft gebrauchstauglich sein.

Dabei unterscheidet man zwei Arten von Mindestanforderungen.

Nämlich solche, wonach das Tiefbauunternehmen

ohne Wenn und Aber über einen gewissen Bestand

an Personal und Ausstattung uneingeschränkt verfügen

können muss, unabhängig davon, ob das Unternehmen

an einem bestimmten Gerät etwa das volle Eigentumsrecht

hat oder dieses „nur“ least. Und solche, wonach

bestimmte Geräte auch durch einen Vertragspartner

bereitgestellt bzw. entsprechende Leistungen durch Einsatz

eines Nachunternehmers erbracht werden können.

Im ersten Fall denke man schlicht an Geräte, die praktisch

zu jeder Baustelle gehören, also tägliches Handwerkszeug

bilden (z. B. Geräte zum Grabenverbau und zur Verdichtung

der Grabenverfüllung). Im zweiten Fall geht es um

Geräte, deren Bedeutung von lokalen Umständen und

Bedürfnissen geprägt ist (z. B. zum Leerrohreinbau oder

zur Oberflächenwiederherstellung).

So erscheint folgender Hinweis im Vorwort theoretisch

selbstverständlich, praktisch ist er es keineswegs: „Die

Einhaltung der einschlägigen technischen Regeln und

Rechtsvorschriften mit entsprechend qualifiziertem Personal

und geeigneten Arbeitsmitteln für die Ausführung der

Leistungen steht außer Frage.“ Denn genau dieser Hinweis

offenbart den Rahmen, der bei der Auslegung der

oben genannten Unterscheidung nicht verlassen werden

darf. Er bildet die Richtschnur dafür, wie im konkreten

Fall Fragen danach zu beantworten sind, wie etwa der

folgende zentrale Satz des Arbeitsblattes auszulegen

ist: „Die Ausstattungselemente nach Tabelle 5 bis 18

sind nach Art, Anzahl und sonstigem Umfang jeweils so

zu wählen/bemessen, dass alle betroffenen Baustellen/

Mitarbeiter bedient bzw. berücksichtigt werden und diese

Personen wiederum für die Bedienung der jeweiligen

Ausstattung geeignet sind.“

Auftraggeber erhalten damit nicht einfach ein Werkzeug,

um ungeeignete Anbieter auszusieben. Zertifizierungsstellen

und Gütegemeinschaften steht es frei, ihre

Dienstleistungen anzubieten und sich dafür akkreditieren

zu lassen. Doch unabhängig davon, ob ein Auftraggeber

das Arbeitsblatt zur Präqualifikation nutzt bzw. Konformitätsbewertungen

Dritter in Anspruch nimmt, gilt

immer folgender Satz des Anwendungsbereichs: „Der

Begriff Mindestanforderungen bedeutet hier, dass sich

aus technischen Regeln und Rechtsvorschriften weitergehende

Anforderungen ergeben können bzw. dass

der Auftraggeber, insbesondere aufgrund besonderer

Merkmale, Schutzbedürfnisse und sonstiger Randbedingungen,

weitergehende Anforderungen stellen kann.

Die optionalen Kriterien sind insofern, ohne Anspruch

auf Vollständigkeit, als Hinweise für den Auftraggeber

zu betrachten, der die Notwendigkeit weitergehender

Anforderungen prüfen muss.“

Nicht zuletzt offenbart sich der Anspruch des Arbeitsblatts

in folgender Unterscheidung des Anwendungsbereichs:

„Sofern ein Bauunternehmen mehrere Organisationseinheiten

hat, gilt das Arbeitsblatt für die Organisationseinheiten,

die mit Leitungstiefbau befasst sind,

insbesondere gilt das Arbeitsblatt in Gänze für eigenständige

Niederlassungen. Eigenständigkeit ist anzunehmen,

wenn die Niederlassung den tatsächlichen Betriebsablauf

maßgeblich selbst bestimmt bzw. wenn der Hauptbetrieb

die Beaufsichtigung der Mitarbeiter und Baustellen

nicht im gesamten erforderlichen Umfang leisten kann.“

Spartenspezifische Aspekte wurden während der Arbeitsblatterarbeitung

erwogen (etwa im Hinblick auf die Tatsache,

dass viele Tiefbauunternehmen auch den Kabelzug

anbieten), letztlich aber doch hier nicht weiter verfolgt.

Ausgabe 8/2013, EUR 17,27 für DVGW-Mitglieder, EUR 23,03

für Nicht-Mitglieder

G 415 - Entwurf „Leitfaden für Planung, Bau und Betrieb von

Biogasleitungen bis 5 bar Betriebsdruck“

Einspruchsfrist 29.11.2013

NEUERSCHEINUNG

Dieses Arbeitsblatt wurde vom Projektkreis „Biogasleitungen“

des Technischen Komitees „Gasverteilung“

erarbeitet. In diesem DVGW-Arbeitsblatt sind in Form

eines Leitfadens die Mindestanforderungen aus den

DVGW-Regelwerken zusammenfassend dargestellt, die

bei Planung, Bau und Betrieb von Gasleitungen, in denen

Rohbiogas oder teilaufbereitetes Biogas fortgeleitet wird,

von Planungsbüros, den bauausführenden Fachfirmen,

den Betreibern und beteiligten Behörden zu beachten

sind.

Ausgabe 9/2013, EUR 22,27 für DVGW-Mitglieder, EUR

29,69 für Nicht-Mitglieder

10 | 2013 41


DVGW / DWA RECHT & REGELWERK

G 451 „Bodenschutz bei Planung und Errichtung von

Gastransportleitungen“

NEUERSCHEINUNG

Dieses Merkblatt wurde vom Projektkreis „G-PK-1-1-5

Leitungsbau in Kulturböden“ im Technischen Komitee

„G-TK-1-1 Gastransportleitungen“ erarbeitet.

Bei der Errichtung von Gastransportleitungen sind zur

Erfüllung der gesetzlichen Vorgaben die Belange des

Bodenschutzes zu berücksichtigen. Bereits bei ersten

Planungsschritten wie Raumordnungsverfahren (ROV)

und Umweltverträglichkeitsuntersuchung (UVU) sind aussagekräftige

Angaben zur Inanspruchnahme und Erhaltung

des Bodens als Produktionsfaktor für die Land- und

Forstwirtschaft und als eigenständiges Schutzgut mit

definierten Funktionen erforderlich. In den jeweiligen

Planungen müssen diese Angaben konkretisiert und in

den Eingriffs- und Ausgleichsbilanzierungen abgearbeitet

werden.

In den privatrechtlichen Vereinbarungen mit den Grundstückseigentümern

und -bewirtschaftern müssen zur

Akzeptanz von Rohrleitungsbauvorhaben fachlich fundiert

der Ablauf der Baumaßnahmen und die Wiederherstellungsmaßnahmen

im Hinblick auf die Erhaltung der

Böden niedergeschrieben und bei der Baudurchführung

umgesetzt werden.

Die Berücksichtigung der Hinweise in diesem Merkblatt

hilft negative Auswirkungen auf Böden zu verhindern

und insgesamt einen positiven wirtschaftlichen Beitrag

bei entsprechenden Vorhaben sicherzustellen.

Die nachfolgenden Ausführungen zur Planung und Durchführung

von Rohrleitungsbaumaßnahmen berücksichtigen,

dass bei Umsetzung der Anforderungen dieses

Merkblattes der Aufwand für Meliorationsmaßnahmen

gemindert und die Akzeptanz für die Errichtung von

Gastransportleitungen erhöht wird.

Eine angemessene Berücksichtigung der Bodenschutzbelange

erfordert entsprechende Kenntnisse der Bodenkunde

und der Rekultivierungsmaßnahmen. Diese Kenntnisse

können durch eigenes Personal oder externe Fachleute

eingebracht werden.

Ausgabe 9/2013, EUR 22,27 für DVGW-Mitglieder,

EUR 29,69 für Nicht-Mitglieder

M 806 „Nachträge – Handreichungen zu Vergütungsanpassungen

bei VOB-Verträgen“

NEUERSCHEINUNG

Im Verlauf der praktischen Umsetzung eines Bauvorhabens

kommt es häufig vor, dass zusätzliche oder geänderte

Leistungen erbracht werden müssen. In diesem Fall sind

die Bauverträge anzupassen. Daraus können sich Vergütungsänderungen

ergeben. Das Merkblatt DWA-M 806

soll einen partnerschaftlichen Weg aufzeigen, wie Vergütungen

für Nachtragsleistungen auf der Basis der VOB/B

zwischen Bauherren und Unternehmer vereinbart werden

können. Ziel ist es, die Kommunikation zwischen den

Vertragspartnern bis zum einvernehmlichen Abschluss

einer Vergütungsvereinbarung durch die Bereitstellung

von Beispielen und Mustern zu verbessern. Das Merkblatt

richtet sich an Unternehmer und Bauherren. Es befasst

sich damit, wann und wie Vergütungsanpassungen – die

sogenannten „Nachträge“ – notwendig werden, und

wie der Weg zu einer Vereinbarung effizient gemanagt

werden kann.

Ausgabe 8/2013, 51 Seiten, ISBN 978-3-944328-04-1, EUR 61

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RsV-Regelwerke

RSV Merkblatt 1

renovierung von entwässerungskanälen und -leitungen

mit vor Ort härtendem Schlauchlining

2011, 48 Seiten, DIN A4, broschiert, € 35,-

RSV Merkblatt 2

renovierung von Abwasserleitungen und -kanälen mit

rohren aus thermoplastischen Kunststoffen durch

Liningverfahren ohne ringraum

2009, 38 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-

RsV Merkblatt 2.2

renovierung von Abwasserleitungen und -kanälen mit

vorgefertigten rohren durch TIP-Verfahren

2011, 32 Seiten DIN A4, broschiert, € 29,-

RsV Merkblatt 3

renovierung von Abwasserleitungen und -kanälen durch

Liningverfahren mit ringraum

2008, 40 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-

RsV Merkblatt 4

reparatur von drucklosen Abwässerkanälen und

rohrleitungen durch vor Ort härtende Kurzliner (partielle Inliner)

2009, 20 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-

RsV Merkblatt 5

reparatur von entwässerungsleitungen und Kanälen

durch roboterverfahren

2007, 22 Seiten, DIN A4, broschiert, € 27,-

RsV Merkblatt 6

Sanierung von begehbaren entwässerungsleitungen und

-kanälen sowie Schachtbauwerken - Montageverfahren

2007, 23 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-

RECHT www.vulkan-verlag.de

& REGELWERK DVGW

RsV Merkblatt 6.2

Sanierung von Bauwerken und Schächten

in entwässerungssystemen

2012, 41 Seiten, DIN A4, broschiert, € 35,-

RsV Merkblatt 7.1

renovierung von drucklosen Leitungen /

Anschlussleitungen mit vor Ort härtendem Schlauchlining

2009, 30 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-

RsV Merkblatt 7.2

Hutprofiltechnik zur einbindung von Anschlussleitungen –

reparatur / renovierung

2009, 31 Seiten, DIN A4, broschiert, € 30,-

RsV Merkblatt 8

erneuerung von entwässerungskanälen und -anschlussleitungen

mit dem Berstliningverfahren

2006, 27 Seiten, DIN A4, broschiert, € 29,-

RsV Merkblatt 10,

Kunststoffrohre für grabenlose Bauweisen

2008, 55 Seiten, DIN A4, broschiert, € 37,-

RsV information 11

Vorteile grabenloser Bauverfahren für die erhaltung und

erneuerung von Wasser-, Gas- und Abwasserleitungen

2012, 42 Seiten DIN A4, broschiert, € 9,-

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43

Diese erklärung kann ich mit Wirkung für die Zukunft jederzeit widerrufen.


XfrSVM1212


PRODUKTE & VERFAHREN

Wettercockpit für die Bauwirtschaft

Planungssicherheit und eine präzise Begleitkalkulation sind für

Bauunternehmen die zentralen erfolgskritischen Faktoren, um

Termine und Budgets einzuhalten. Deshalb ist die virtic GmbH

& Co. KG, Anbieter von mobilen Zeitwirtschaftslösungen aus

Dortmund, jetzt Partner des Planungs- und Risikomanagementtools

construction.weather-cockpit.com des Bauindustrieverbandes

NRW. Das Wetterportal für die Bauwirtschaft wurde

zusammen mit dem privaten Schweizer Wetterdienstleister

mminternational entwickelt. Es ermöglicht die bessere Planung

der Bauphasen, eine lückenlose Wetterdokumentation und die

Minimierung von wetterbedingten Risiken.

Das Wetter bestimmt am Bau wann, woran und wie lange

gearbeitet werden kann. Schlechtwetterphasen verzögern den

Zeitplan. Extreme Wetterereignisse können Schäden verursachen.

Mit den präzisen Prognosen und Unwetterwarnungen

des Wettercockpits können Gefahrensituationen frühzeitig

erkannt werden. Die relevanten Wetterinformationen für einen

bestimmten Ort können auch von mobilen Endgeräten wie

Tablet-PCs und Smartphones abgerufen werden.

Tool liefert Messdaten, Prognosen und

Entscheidungshilfen

Daneben lassen sich Spezialdarstellungen wie die Wetterampel

für bestimmte Tätigkeiten und Gewerke vom Nutzer individuell

konfigurieren. Bis zu 15 verschiedene Wetterparameter können

beispielsweise für die Tätigkeit „Betonieren“ abgefragt

werden. In diesem Fall zeigt die Ampel in dreistündiger Auflösung,

wann in den nächsten drei bis fünf Tagen die Tätigkeit

„Betonieren“ möglich ist. Professor Beate Wiemann, Hauptgeschäftsführerin

des Bauindustrieverbandes NRW, ist dementsprechend

stolz auf das neue System: „Mit diesem Dienst

stellen wir der Bauwirtschaft ein wirksames Planungs- und

Risikomanagementinstrument zur Verfügung, das technisch

auf dem neuesten Stand ist und keine Wünsche offen lässt.“

Neben der Planungssicherheit für die nächsten Tage ist für die

Baubranche auch die Dokumentation gegenüber Dritten, seien

es der Bauherr, Behörden oder Versicherungen, von eminenter

Bedeutung. Mit den präzisen Daten, die das Wettercockpit

für das Bautagebuch liefert, kann der Bauunternehmer eine

lückenlose Dokumentation vorlegen und damit der Sorgfaltspflicht

tagesaktuell nachkommen.

Wetter und Personalkosten: erfolgskritische Faktoren

am Bau

Disponenten können die Vorschau-Daten des Wettercockpits

für die Planung der Personal- und Maschineneinsätze

auf ihren Baustellen nutzen und beispielsweise ihre Arbeit

mit der virtic-Online-Disposition optimieren: Im „Dispo-

Tool“ werden Termine komfortabel und übersichtlich

mit der Maus angelegt, Mitarbeiter können ihre Termine

über ihr Smartphone oder den PC abrufen. So erhält die

Arbeitsvorbereitung eine neue Qualität.

Für die Projektverantwortlichen und ihr Projektcontrolling

liefert virtic tagesaktuelle Arbeitszeitdaten, mit denen

eine unmittelbare Begleitkalkulation möglich wird. Hierzu

erhalten die Mitarbeiter der Bauunternehmen Handys

oder Smartphones. Über diese Mobiltelefone erfassen

sie ihre Arbeitszeiten, die online auf die virtic-Server

übertragen werden. Der Erfassungsdialog wird dabei so

gestaltet, dass er einerseits sehr einfach ist, andererseits

die erfassten Arbeitszeiten automatisiert zu vollständigen

Stundenzetteln, Zeitkonten, Reisekostenabrechnungen

verarbeitet und für das Controlling verwendet werden

können.

Das für Verbandsmitglieder kostenlose Tool ist ab sofort

unter der Domain construction.weather-cockpit.com

abrufbar.

Korrosionsschutz von Klöpperböden

Die HS-CAP ist ein speziell für den Korrosionsschutz von

Klöpperböden entwickeltes wärmeschrumpfendes Formteil.

Neu im Programm ist die HS-CAP-DN 300-400, die Rohrgrößen

von DN 300 bis 400 abdeckt. Weiterhin erhältlich

sind Endkappen der Nennweiten DN 40 bis DN 250. Charakteristisch

für diese Produktfamilie ist der große Schrumpfbereich,

der eine geringe Lagerhaltung ermöglicht. Besondere

Merkmale sind:

»»

Keine Grundierung als Haftvermittler erforderlich

»»

Die Montage erfolgt direkt auf die gereinigte und vorgewärmte

Rohroberfläche

»»

Einfache und schnelle Demontage

»»

Gute Verträglichkeit mit handelsüblichen

Werksumhüllungen

KONTAKT: HSP GmbH, Castrop-Rauxel

44 10 | 2013


PRODUKTE & VERFAHREN

Bohranlagen und Zubehör für jeden Untergrund

HDD-Bohrungen treffen nicht immer auf vorhersehbare

Baugrundverhältnisse. Bodenschichten aus Ton, Sand und

Kies, gelegentlich mit eingelagertem grobem Schotter

und Steinen, mit Abschnitten aus festen Sedimenten oder

Festgestein kommen oft in wechselnder Reihenfolge und

Erstreckung vor. Bohranlage und Bohrzubehör müssen in

diesen stark variierenden Verhältnissen effektiv arbeiten.

Die Lösung der TRACTO-TECHNIK GmbH für diese

anspruchsvollen Baugrundherausforderungen ist die Bohranlage

18 ACS (All Condition System). Diese Allround-Bohranlage

ist für Standardbohrungen mit dem TD-Bohrgestänge

und für rasch wechselnde felsige Formationen mit

einem Doppelrohrgestänge ausgerüstet. Abgestimmt auf

die jeweiligen spezifischen Anforderungen steht zudem

durchgängig kompatibles Werkzeug und Zubehör zur

Verfügung.

Der 1,55 m lange Rockbreaker für die Pilotbohrung gehört

zum zentralen Bestandteil der Felsbohrausrüstung. Er wird

über das Außenrohr angetrieben und gesteuert. Der Neigungswinkel

(Bent sub) lässt sich werksseitig stufenlos von

1,75° bis 2,25° einstellen. Die Rollenmeißel an der Spitze

sind in mehreren Varianten erhältlich und werden mit maximal

2.500 Nm bei bis zu 350 U 1/min über das Innenrohr

angetrieben, dessen Steckdrehverbindungen einfach und

zeitsparend fixierbar sind. Ortung und Steuerung können

mit dem direkt hinter den Rollenmeißeln montierten Sender

präziser und bereits nach kurzer Bohrdistanz vorgenommen

werden. Der geringe Bentonitverbrauch (von 20-50 l/ min)

bei gleichzeitig hoher Bohrleistung reduziert Kosten für

Beschaffung, Aufbereitung und Entsorgung der Bohrspülung.

Direkt nach der Pilotbohrung kann mit einem 6“

Holeopener – in der Endstufe bis 20“ – aufgeweitet werden.

Für den bestmöglichen Bohrfortschritt in jedem Boden

bietet TT eine breite Palette an Bohrköpfen und Räumwerkzeugen,

die robust und langlebig konstruiert sind.

Durch Formgebung und Bestückung lassen sich feinsandige

bis felsige Formationen abbauen und von der Bohrspülung

unterstützt gut austragen. Für eine erfolgreiche

und effiziente Bohrung liefert TT neben dem Equipment

für Zugkraftmessungen auch eine Software, mit der die

Trasse zunächst exakt vorausberechnet und später präzise

dokumentiert wird.

KONTAKT: TRACTO-TECHNIK GmbH & Co. KG, Lennestadt,

Tel. +49 2723 8080, www-hdd-bohrzubehoer.de

PP-Rohrmaterial mit verbesserten Eigenschaften

Mit dem Werkstoff SABIC ® PP RELY 61EK61 PS bringt

Sabic ein Rohrmaterial auf Polypropylenbasis auf den

Markt, das den steigenden Anforderungen an Rohrmaterialien

im Rohrleitungstiefbau entsprechen soll. Die

neue Güteklasse ist eine Erweiterung der fortschrittlichen

RELY-Produktreihe von SABIC, die bislang SABIC ®

PP RELY und SABIC ® Vestolen A RELY umfasst und zu

einer nachhaltigeren Produktion und Verwendung von

Druckrohren beiträgt. Das neue Material ist das Ergebnis

mehrerer Jahre umfangreicher Forschung zur Herstellung

einer PP-Rohr-Güteklasse mit hohem Molekulargewicht

und individueller Kautschukpartikelverteilung. Dabei

profitieren verarbeitende Unternehmen von den intrinsischen

Eigenschaften des Produkts, die in schwierigen

Umgebungen, in denen die Bodenbedingungen Materialien

mit hohem Steifigkeitsgrad erfordern, aufrechterhalten

werden. Zu diesen Eigenschaften zählen ein

breites Verarbeitungsfenster sowie eine hohe Steifigkeit

in Kombination mit hoher

Schlagzähigkeit selbst bei

niedrigen Temperaturen.

Das in Europa produzierte

SABIC ® PP RELY

61EK61 PS erfüllt überdies

die strengen Vorgaben

der Branche,

EN 3476 und EN 1852

für Rohrleitungssysteme

mit profilierter Wandung

und kompakte

Vollwandrohrleitungssysteme

für verschiedene

Rohrleitungsmaße.

KONTAKT: Sabic Europe, Sittard (Niederlande)

10 | 2013 45


PRODUKTE & VERFAHREN

DIBt-Zulassung für PERFECT-Liner erteilt

Mehrere namhafte deutsche Prüfinstitute waren in den

vergangenen Monaten involviert, um das neue Rohrsystem

PERFECT PIPE von Beton Müller als Ganzes und

einzelne Bestandteile des Systems im Speziellen auf ihre

Einsatztauglichkeit für die Abwasserableitung zu testen.

Während in der Frühphase der Produktentwicklung

begleitende Tests zur Optimierung des Systems herangezogen

wurden, bildeten zahlreiche zuletzt durchgeführte

Teststellungen die Grundlage für die Zulassung durch das

Deutsche Institut für Bautechnik. Sowohl die chemische

als auch die physikalische Eignung des Liners mussten in

allen relevanten Aspekten nachgewiesen werden, da es

sich bei dem Beton-Kunststoff-Verbundrohr mit HDPE-

Liner und Steckverbindung um eine Neuerung für den

Rohrleitungsbau handelt, die nicht durch bereits erteilte

Zulassungen abgedeckt wurde. Als besonders beachtensund

damit auch prüfenswert erachtet wurde die dauerhafte

Verbindung des PERFECT HDPE-Liners mit dem

Betonrohr. Diese feste Verbindung der beiden Werkstoffe

ist es auch, die letztlich die beiden wesentlichen Merkmale

des Rohres – die dauerhafte Korrosionsbeständigkeit

und die hohe statische Belastbarkeit – ausmacht.

KONTAKT: Bernhard Müller GmbH, Achern

Brandschutzmanschette durch Handel und Praxis

ausgezeichnet

Am 20. September wurde die Brandschutzmanschette

Curaflam ® SMPro in diesem Jahr erneut preisgekrönt. Sie

wurde im Rahmen der MEMO Fach-Messe der Mosecker

GmbH in Münster mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.

Der Award wird von einer unabhängigen Jury vergeben.

Die jeweiligen Preisträger werden aus einer Fülle von Produktinnovationen

in den Kategorien Technik, Design und

Installationstechnik ermittelt. Ein großer Teil der Jurymitglieder

besteht aus Planern oder aus erfahrenen Inhabern

namhafter Fachhandwerksbetriebe.

Daher stand der technisch-innovative Ansatz und der praktische

Nutzen der Brandschutzmanschette SMPro klar im

Vordergrund: „Handel und Praxis“ haben den Ausschlag für

diese positive Entscheidung gegeben. Neben Bewertungskriterien

wie Anwendernutzen und hohe Qualität wurde

auch außergewöhnliches Design bewertet. Denn die besondere

Stärke der Curaflam ® SMPro ist ihre einfache Handhabung

und hohe Praxistauglichkeit: Ausgestattet mit der

zukunftsweisenden, modularen Segment-Technik zeichnet

sich die Brandschutzmanschette durch hohe Flexibilität aus.

Viele gängige Rohrsysteme mit Rohraußendurchmessern

von 32 bis 160 mm können problemlos und zügig abgeschottet

werden. Das heißt, das Brandschutzprodukt kann

Curaflam ® Segmentmanschette SMPro – Manschette, Box mit

Segmenten und Zubehör

vor Ort an die jeweiligen Baustellenbedingungen angepasst

werden, eine langwierige Vorauswahl des Produktes entfällt

für den Ausführenden.

KONTAKT: Doyma GmbH & Co, Durchführungssysteme, Oyten,

Tel. +49 4207-9166-270, E-Mail: pr@doyma.de, www.doyma.de

46 10 | 2013


PRODUKTE & VERFAHREN

Variabler Ausgleichsring für Rohrverbindungen

Ein Bauteil für viele verschiedene Verbindungen: Der Flexring

von Flexseal realisiert den schnellen und einfachen

Übergang von Steinzeugrohren auf andere Rohrarten

(z. B. KG, SML, GGG, GFK, Eternit). Der bauaufsichtlich

zugelassene Ausgleichsring meistert nahezu jede Herausforderung

in der Rohrverbindungstechnik. Mit den

praktischen FlexPack-Sets, bestehend aus einem oder

zwei Flexringen und passender Manschette, lassen sich

alle Rohre der Nennweitenklassen 100, 150 und 200

miteinander verbinden.

Flexring ist aus einem hochwertigen Elastomer nach

DIN 681-1 gefertigt und entspricht in vollem Umfang der

DIN EN 295-4. Dank moderner Fertigungstechniken verfügen

die Flexseal-Ausgleichsringe über einen speziellen

Querschnitt, der

die Abdichtung bei

rauen Rohroberflächen

verbessert.

Der erhöhte

Dichtungsdruck

bewirkt vor

allem bei Niederdruckrohren

eine

besonders hohe

Dichtleistung.

KONTAKT: Flexseal

GmbH, Eschwege

Universelle Rohrkupplung für Abwasserrohrleitungen

Mit der AWADUKT FLEX-CONNECT-Rohrkupplung bietet

Rehau eine sichere und wirtschaftliche Alternative zu klassischen

Manschettendichtungen. Für die Sanierung von Kanalleitungen

ist vor allem aufgrund der hohen Anzahl unterschiedlicher

Werkstoffe eine universelle und vor allem wirtschaftliche

Lösung gefragt, wenn es um die Verbindung neuer

und bestehender Leitungen geht. Die neue Rohrkupplung von

Rehau verspricht nicht nur eine schnelle und einfache Lösung

des Problems, sondern sorgt auch für erhebliche Einsparungen:

Mit nur acht Produktvarianten für den Abmessungsbereich

DN 110 bis DN 630 ist die Rohrkupplung für jeden Anwendungsfall

gewappnet. Unabhängig von Werkstoff, Oberflächenstruktur,

Wanddicke und Außendurchmesser können

Leitungen miteinander verbunden werden.

Der Einsatz erstklassiger Werkstoffe

wie PP, EPDM und Edelstahl sowie

die zusätzliche Q-TE-C Dichtung

sorgen für eine zuverlässige

Verbindungsqualität. Die Einstecktiefe

der Kupplung bis zu

20 % größer als bei herkömmlichen

Standardkupplungen. Eine

geprüfte Dichtheit bis 2,5 bar

sowie extra breite Edelstahlbänder

bieten zusätzliche Sicherheit.

Die DIBt-Zulassung wurde beantragt.

KONTAKT: REHAU AG + Co, Erlangen

Endlos schwenkbarer Fräsarm mit 360° drehbarer

Kamera

Die selbstfahrenden Fräsroboter der Reihe IBG HydroCut 150

und 200 haben ein funktionales Facelift bekommen. Sie sind

nun mit einer Kamera (480 TV-Linie) am Fräsarm ausgestattet,

die sich um 360° drehen lässt. Die hochauflösenden LEDs

sorgen zudem für eine verbesserte Beleuchtung am Ort des

Geschehens und machen ein noch präziseres Arbeiten möglich.

Eine weitere Entwicklung stellt

die neu verarbeitete hydraulische

Drehdurchführung für das Hochdruckwasser

bis maximal 250 bar mit

Schleifring am Fräsarm dar, die die

Beweglichkeit erweitert. Der Fräsarm

ist nun endlos schwenkbar.

KONTAKT: IBG HydroTech GmbH, Büdingen

10 | 2013 47


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG / SANIERUNG

Auswirkungen und Folgekosten

unzureichender Planung, Ausschreibung

und Ausführung bei Kanalsanierungen

Je nach Sanierungsverfahren werden Nutzungsdauern bis zu 50 Jahre, teilweise noch länger angesetzt. Diese langen

Nutzungsdauern werden aber nur erreicht, wenn Planung, Ausschreibung und Ausführung optimal durchgeführt werden.

Gibt es in einer dieser Phasen Defizite, kann sich die Nutzungsdauer erheblich reduzieren, was entsprechende Folgekosten

nach sich zieht. Defizite werden oft erst zu einem Zeitpunkt festgestellt, wenn seitens des Kanalnetzbetreibers keine Ansprüche

mehr geltend gemacht werden können. Im nachfolgenden Beitrag werden diese Zusammenhänge beschrieben und an einigen

Zahlenbeispielen aufgezeigt, welche Folgekosten entstehen können.

EINLEITUNG

Die Kanalisation in Deutschland ist schadhaft und es besteht

teils erheblicher Sanierungsbedarf. Die festgestellten Mängel

beruhen sehr oft auf Planungs-, Ausführungs- oder Überwachungsfehlern,

die frühzeitig erhebliche Investitionen erforderlich

machen, ohne dass die Verantwortlichen in Regress

genommen werden können. Die finanziellen Mittel sind

begrenzt, so dass diese möglichst effizient eingesetzt werden

müssen.

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sind folgende

äußerst wichtige Voraussetzungen unabdingbar:

»»

fachgerechte Sanierungsplanung durch speziell dafür

ausgebildete Fachleute

»»

rechtskonforme und qualifizierte Ausschreibung auf

Basis von VOB-konformen Vertragsbedingungen und

Anforderungen

»»

Ausführung der Sanierungsleistung durch Fachfirmen

»»

intensive Bauüberwachung

Bild 1: Kanaltrasse mit großer Höhendifferenz

GRUNDLAGEN

Es ist Aufgabe des Sanierungsplaners, dem jeweiligen Schadenszustand

bzw. Entwässerungsobjekt die geeignete Sanierungstechnik

zuzuweisen. Hierbei müssen zunächst die Leistungsanforderungen

der DIN EN 752 [1] (Anforderungen an

ein saniertes System sind prinzipiell identisch mit den Anforderungen

an ein neues System) in den Blick genommen werden:

»»

die hydraulische Leistungsfähigkeit darf durch die Sanierung

nicht unverträglich reduziert werden

»»

der Betrieb und die Unterhaltung dürfen nach der Sanierung

nicht eingeschränkt sein

»»

die Werkstoffauswahl (Sanierungsmaterialien) muss den

chemischen Anforderungen genügen

»»

die Standsicherheit muss gewährleistet werden

»»

die Werterhaltung der baulichen Anlage muss berücksichtigt

werden

»»

Auswirkungen auf die Umwelt dürfen in negativer Hinsicht

nicht entstehen

Zur Sanierung von Schäden in Kanälen gibt es meistens mehrere

technische Möglichkeiten, die sich in die Hauptgruppen

Reparatur, Renovierung und Erneuerung einteilen lassen. In

der DIN EN 15885 [2] ist die Zuordnung und Einteilung der

Sanierungstechniken geregelt.

Das ideale, universell einsetzbare Sanierungsverfahren gibt es

nicht. Jedes Sanierungsverfahren hat Einsatzgrenzen, die durch

das Schadensbild selbst, die speziellen Gegebenheiten der

Kanalhaltung selber und die Umgebungssituation vorgegeben

sind und über die Eignung oder Einsetzbarkeit eines Verfahrens

im jeweiligen Fall entscheiden. Darüber hinaus haben die

Sanierungsverfahren auch unterschiedliche Nutzungsdauern.

Die Qualitätssicherung für eine erfolgreiche Kanalsanierungsmaßnahme

fängt bereits bei der Auswahl eines geeigneten

Planers an, geht über eine fach- und sachgerechte Planung und

Ausschreibung, sowie die Auswahl einer geeigneten Fachfirma

bis hin zur qualifizierten Bauüberwachung.

Fehler, die im frühen Stadium (z. B. durch die Auswahl eines

ungeeigneten Planers) gemacht werden, können später nicht

mehr ausgeglichen werden. Es ist ein Trugschluss anzunehmen,

dass eine unzureichende Planung und Ausschreibung

48 10 | 2013


ABWASSERENTSORGUNG / SANIERUNG FACHBERICHT

Bild 2: Nicht fachgerecht angeschlossener Zulauf mit großem

Ausbruch

Bild 3: Nicht fachgerecht angeschlossener Zulauf mit

GW-Zutritt

durch die Auswahl einer Fachfirma ausgeglichen werden kann.

Die ausführenden Firmen unterliegen alle dem Wettbewerb

und liefern nur, was vertraglich bestellt wurde. Die VSB-Empfehlung

Nr. 0.1 [3] beschreibt ausführlich, welche Schritte bei

einer Sanierungsplanung durchzuführen sind.

SANIERUNGSPLANUNG

Unter Sanierungsplanung ist nicht nur die bloße Zuweisung

eines Sanierungsverfahrens zu einem Schaden zu verstehen.

Die Sanierungsplanung ist Grundlage für Ausschreibung und

Ausführung und muss alle relevanten Randbedingungen

berücksichtigen und so detailliert aufgebaut sein, dass ein Bieter

auf dieser Basis VOB-konform ein Angebot erarbeiten und

später damit die Abwicklung der Maßnahme erfolgen kann.

Um beurteilen zu können, ob ein bestimmter Schaden mit

einem Sanierungsverfahren behoben werden kann, ist

umfangreiches Wissen über die am Markt vorhandenen

Sanierungsverfahren erforderlich. Weiterhin müssen alle

planungsrelevanten Randbedingungen bei der Kanalsanierungsplanung

berücksichtigt werden. So kann z.B. schon die

Lage oder Größe von Schächten ein Sanierungsverfahren

ausschließen.

Ohne diese Kenntnisse ist der Sanierungsplaner nicht in der

Lage zu beurteilen, ob ein Sanierungsverfahren geeignet ist

oder nicht. Diese Entscheidung darf auch nicht der ausführenden

Firma überlassen werden. Im günstigen Fall kommt es

später zu einem berechtigten Nachtrag, wenn das ausführende

Unternehmen vor der Durchführung der Sanierung feststellt,

dass das auf Basis der Ausschreibung angebotene Verfahren

im speziellen Fall ungeeignet ist. Im ungünstigen Fall wird eine

Sanierung durchgeführt, die die an sie gestellten Anforderungen

nicht erfüllt und frühzeitig versagt.

AUSSCHREIBUNG

Öffentliche Auftraggeber sind auf Grundlage der Vergabeverordnung

[4] zur Anwendung der VOB [5] verpflichtet.

Ausgeschriebene Leistungen sind nach §7 VOB/A umfassend

und für jeden gleichermaßen verständlich (interpretationsfrei)

zu beschreiben und ohne umfangreiche Vorarbeiten (z. B.

Ortsbegehungen) kalkulierbar zu machen.

Dem Auftragnehmer darf dabei kein ungewöhnliches Wagnis

aufgebürdet werden für Umstände und Ereignisse, auf die er

keinen Einfluss hat und deren Einwirkung auf die Preise und

Fristen er nicht im Voraus abschätzen kann.

Wettbewerbseinschränkende Vorgaben, z. B. dass warmwasserhärtende

Schlauchliner nicht angeboten werden dürfen,

sind unzulässig, es sei denn es gibt technische Gründe hierfür

(z. B. die Topografie, hier die große Höhendifferenz, Bild 1).

Diese Grundanforderungen bedingen im Vorfeld eine qualifizierte,

verbindliche Fachplanung.

Eine Ausschreibung muss also so aufgebaut sein, dass der Bieter

anhand der zur Verfügung gestellten Unterlagen alle Informationen

bekommt, um ein verbindliches Angebot erstellen zu

können und nicht spekulieren muss.

Würde der Planer beispielsweise bei den in den Bildern 2 und 3

dargestellten Stutzen jeweils eine „Standard-Stutzensanierung“

vorsehen und ausschreiben, wären bei der Ausführung Nachträge

vorprogrammiert, da diese beiden Stutzen nicht mit allen

am Markt vorhandenen Stutzensanierungsverfahren sanierbar

sind. Bei dem Stutzen in Bild 2 gibt es Einschränkungen wegen

der starken Undichtigkeit im Ringspalt und bei dem Stutzen in

Bild 3 schränkt das Rohrmaterial die Möglichkeiten ein.

Für Schlauchlining gibt es bereits Allgemeine Technische Vertragsbedingungen

(ATV) in der DIN 18326 VOB/C [5], die bei

Vereinbarung der VOB als Vertragsgrundlage Vertragsbestandteil

werden. Als Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen

(ZTV) kann das Merkblatt DWA-M 144-3 [6] vereinbart werden.

In weiteren Vertragsbedingungen, sowie in den Positionstexten

werden dann die auf die spezielle Baumaßnahme

abgestimmten Vorgaben definiert und beschrieben. Für

andere Sanierungsverfahren muss das Anforderungsprofil

objektbezogen selbst definiert werden, z. B. auf Basis der

VSB-Empfehlungen.

Im Abschnitt 0 der DIN 18326 [5] wird vorgegeben, welche

Angaben der Ausschreibende zu machen hat. Hierzu gehören

z.B. Angaben zur Wassermenge (minimal und maximal),

10 | 2013 49


FACHBERICHT RECHT & REGELWERK

Verkehrssicherung, Vorflutsicherung, Statik, Wanddicke, erforderliche

Vorarbeiten, Angaben zu den Schächten, Lage und

Anschlusswinkel von Zuläufen, usw. Analog kann diese Auflistung

objektbezogen auch für andere Sanierungsverfahren

angewendet werden.

Bild 4 zeigt ein Beispiel, wie die haltungsbezogenen Informationen

zusammenfassend den Bietern zur Angebotsbearbeitung

zur Verfügung gestellt werden können.

Bild 4: Mögliche zusammenfassende Darstellung des

Planungsergebnisses

Bild 5: Abhängigkeit der erforderlichen Wanddicke von der

örtlichen Vorverformung

Fehler und Konsequenzen

Erneuerung

Schlauchlinereinbau

Erneuerung

Bild 6: Verlauf Projektkostenbarwert geplant

Erneuerung

11.04.2013 Dipl.-Ing. Roland Wacker 1

FEHLER UND MÄNGEL BEI EINEM SCHLAUCHLINER,

DIE DIE NUTZUNG BEEINTRÄCHTIGEN

Bei einem Schlauchliner kann es eine Vielzahl von Fehlern und

Mängel geben, die die spätere Nutzung einschränken bzw.

verkürzen können, z. B.

»»

Schlauchlining ist das falsche Sanierungsverfahren für

das vorhandene Schadensbild

»»

Vorarbeiten wurden nicht ordnungsgemäß ausgeführt

»»

Randbedingungen für Statik wurden falsch eingeschätzt

»»

Fertigungsfehler

»»

Einbaufehler (Falten, Fehlbohrungen usw.)

Auf einige Punkte soll etwas detaillierter eingegangen werden

und die Folgen beschrieben werden.

DIN 18326 (VOB/C [5]) gibt vor, dass den Bietern die Wanddicken

der Schlauchliner vorzugeben sind. Im Merkblatt

DWA-M 144-3 [6], das als ZTV vereinbart werden kann, sind

Regelstatiktabellen zur Vordimensionierung der Schlauchliner

für den Standardfall (Altrohrzustand II, Mindestwerte der

Imperfektionen entsprechend ATV-M 127-2 [8]) für verschiedene

Materialkenngruppen und Grundwasserstände enthalten.

Der Ausschreibende muss im Vorfeld der Ausschreibung

prüfen, ob die dortigen Randbedingungen auf die konkrete

Maßnahme zutreffen.

Am folgenden Beispiel soll gezeigt werden, welchen Einfluss

eine falsche Einschätzung auf die Wanddicke hat:

Beispiel 1: Fehler bei der Wanddickenwahl

Bei dem im Altrohrzustand II anzusetzenden Mindestwasseraußendruck

von 1,5 m Wassersäule über Rohrsohle beträgt die

erforderliche Wanddicke bei Materialkenngruppe 15 für einen

Schlauchliner DN 500 entsprechend den Regelstatiktabellen

im DWA-M 144-3 [6] 3,3 mm. Hierbei handelt es sich um die

Verbunddicke ohne Folien und Reinharzschichten.

Beträgt die örtliche Vorverformung nicht 2 %, sondern 4 %,

muss die Wanddicke 4,3 mm betragen, was aber aus den

Regelstatiktabellen nicht abgelesen werden kann, sondern

durch Einzelberechnung nach ATV-M 127-2 [8] ermittelt werden

muss. Bild 5 zeigt z.B. den Verlauf der erforderlichen

Wanddicke in Abhängigkeit der örtlichen Vorverformung.

Bei einem Bemessungswasseraußendruck von 3,0 m anstatt

1,5 m erhöht sich die erforderliche Wanddicke auf 4,1 mm.

Liegen die beiden beschriebenen geänderten Randbedingungen

gleichzeitig vor, muss die Wanddicke sogar 5,4 mm

betragen. Würde hier ein Schlauchliner entsprechend den

Regelstatiktabellen mit 3,3 mm eingebaut, wäre dieser stark

unterdimensioniert.

Diese Ausführungen zeigen, dass in der Planungs- und Ausschreibungsphase

größter Wert darauf gelegt werden muss,

50 10 | 2013


ABWASSERENTSORGUNG / SANIERUNG FACHBERICHT

dass diese Randbedingungen richtig ermittelt werden. Ein zu

dünn bemessener Liner beult im Falle der statischen Überlastung

ein und kann zu einem hydraulischen Problem mit Rückstauereignis

und entsprechendem Schadenspotential führen.

Fehler und Konsequenzen

Erneuerung

Erneuerung

Beispiel 2: Abweichung von der geplanten

Nutzungsdauer

In nachfolgendem Beispiel sei ein Schlauchliner für eine Nutzungsdauer

von 50 Jahren ausgelegt. Die Kosten des Schlauchliners

werden mit 20.000 €, die Kosten für eine Erneuerung

mit einer Nutzungsdauer von 80 Jahren werden mit 50.000 €

angesetzt. Nach Ablauf der Nutzungsdauer wird jeweils eine

Erneuerung angenommen. Erreicht der Liner wegen fehlerhafter

Planung, unzureichender Ausschreibung oder nicht

fachgerechter Ausführung die ihm zugedachte Nutzungsdauer

nicht, entstehen dem Auftraggeber zusätzliche Kosten.

Bild 6 zeigt im Variantenvergleich den Verlauf der Projektkostenbarwerte,

bei planmäßiger Nutzungsdauer und Bild 7 den

Verlauf, wenn der Liner bereits nach 20 Jahren, z. B. wegen

zu geringer Wanddicke, versagen würde (nach KVR-Leitlinien

[7] bei einem Realzins von 3 %).

Dem Auftraggeber entstehen zusätzliche Kosten, wenn der

Schlauchliner seine vorgesehene Nutzungsdauer nicht erreicht.

Deshalb sollte der Kanalnetzbetreiber seine Verträge mit dem

Ingenierbüro und der ausführenden Firma so gestalten, dass

er die zu erwartenen Zusatzkosten vor Ausbezahlung der

Schlussrechnungen geltend machen kann

Beispiel 3: Mehrkosten durch Falten

Ein weiteres Beispiel soll die Mehrkosten aufzeigen, die sich

im Betrieb infolge von Falten (Beispiel Bild 8) im Schlauchliner

ergeben können: Ein Kanalnetzbetreiber reinigt turnusgemäß

alle zwei Jahre das Kanalnetz. Infolge Faltenbildung in einem

Schlauchliner wird es erforderlich, den betreffenden Abschnitt

jährlich zu reinigen, um Verstopfungen vorzubeugen. Für den

zusätzlichen Reinigungsaufwand würden jeweils Kosten von

250,00 € anfallen. Auf die Nutzungsdauer von 50 Jahren

hochgerechnet sind das 25 zusätzliche Reinigungen (im Jahr 1,

3, 5 usw.). Dabei entstehen kapitalisierte Kosten von ca. 3.264

€ (Realzins 3 %, entsprechend KVR-Leitlinien [7]).

Beispiel 4: Wertmindernde Reparaturstelle

Im nächsten Beispiel sei in einem neu eingebauten Schlauchliner

eine Reparaturstelle, z. B. infolge eines nicht mehr in

Betrieb befindlichen Zulaufs, der nicht hätte geöffnet werden

sollen (Bild 9), bei der Abnahme festgestellt worden. Diese

Reparaturstelle hat eine niedrigere Nutzungsdauer als der

Schlauchliner. Es wird angenommen, dass die Reparaturstelle

eine Nutzungsdauer von 15 Jahren hat. Somit muss diese Stelle

nach 15, 30 und 45 Jahren nachsaniert werden. Die Kosten

für eine Nachsanierung würden jeweils 500,00 € betragen.

Kosten = 500,00 € x (DFAKE (3,15) + DFAKE (3,30) + DFAKE

(3,45)) = 500,00 € x (0,64186 + 0,41199 + 0,26444) = 659,15 €

Das heißt, der Kanalnetzbetreiber müsste zum Zeitpunkt der

Abnahme 659,15 € zu real 3 % anlegen, um die Folgekosten

infolge der Nachsanierungen während der Nutzungsdauer

des Schlauchliners bezahlen zu können. Zum Zeitpunkt der

Schlauchlinereinbau

Erneuerung

Bild 7: Verlauf Projektkostenverlauf bei frühzeitigem

Versagen des Liners

11.04.2013 Dipl.-Ing. Roland Wacker 2

Bild 8: Querfalte im Schlauchliner

Bild 9: Reparaturstelle im Liner

Nachsanierungen sind sowohl ausführende Firma als auch

Ingenieurbüro aus der Gewährleistung, so dass Ansprüche

dann nicht mehr geltend gemacht werden können. Das heißt,

dieser Betrag müsste als Wertminderung von der Schlussrechnung

in Abzug gebracht werden.

Schlussfolgerungen aus den Beispielen

Es ist deshalb wichtig, in den Vertragsbedingungen ein klares,

eindeutiges Anforderungsprofil vertraglich festzuschreiben,

also z.B., Grenzen für Falten zu definieren (wie das in der

10 | 2013 51


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG / SANIERUNG

ZTV DWA-M 144-3 [6] der Fall ist). Genauso wichtig ist es aber

auch, die Folgen und Konsequenzen bei Überschreitung der

zulässigen Grenzen in den Vertragsbedingungen vorzugeben.

Auch bei reparierten Fehlstellen im Schlauchliner sollten die

Folgen und Konsequenzen vertraglich klar geregelt werden, also

z.B., indem eine Wertminderung (als Kostenersatz für zukünftig

zu erwartende Nachsanierungen) festgeschrieben wird. Ohne

eine vorherige vertragliche Festlegung wird es schwer sein,

diese Ansprüche im Rahmen der Abnahme ganz oder teilweise

geltend zu machen. Nach Ablauf der Frist für Mängelansprüche

können sie ohnehin nicht mehr geltend gemacht werden.

Auch bei den zu erreichenden Materialkennwerten und Wanddicken

müssen die zulässigen Toleranzen und die Konsequenzen

festgeschrieben werden. Hier macht es oft keinen Sinn, eine

Wertminderung bei Unterschreitung zu vereinbaren, da bei

zu starker Unterschreitung der Materialkennwerte von einer

unvollständigen Aushärtung ausgegangen werden kann und

bei Unterschreitung der Wanddicke die Standsicherheit nicht

mehr gewährleistet ist. In beiden Fällen würde der Liner beim

Bemessungslastfall versagen. Deshalb kommt hier in der Regel

nur ein neuer Schlauchliner in Betracht. Nach VOB kommt

eine Wertminderung nur dann in Betracht, wenn eine erneute

Sanierung unverhältnismäßig wäre. Bei nicht mehr gegebener

Gebrauchstauglichkeit, wozu die Standsicherheit gehört, stellt

sich die Frage der Unverhältnismäßigkeit nicht.

Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass für

reparierte Mängel bei einem Kanalneubau dasselbe gilt. Bei

einer Reparaturstelle, sowohl in offener als auch in geschlossener

Bauweise, werden früher oder später zusätzliche Arbeiten

erforderlich werden, die zusätzliche Kosten erzeugen.

Überwachung der Planung

Genauso wie es die Pflicht des Planungsbüros ist, die ausführende

Firma zu überwachen, ist es die Pflicht des Auftraggebers,

das Planungsbüro zu überwachen. Ist er dazu fachlich

oder personell nicht in der Lage, sollte er sich hierzu eines

unabhängigen Fachmannes bedienen, der diese Aufgabe für

ihn übernimmt.

Insbesondere die TV-Abnahmebefahrung und die TV-Befahrung

vor Ablauf der Frist für Mängelansprüche sollte sich der

Kanalnetzbetreiber sehr intensiv anschauen, da später weder

gegenüber der ausführenden Firma, noch gegenüber dem

Ingenieurbüro Haftungsansprüche geltend gemacht werden

können.

In diesem Zusammenhang wird auf die weit verbreitete Ansicht,

für „versteckte Mängel“ gelte eine Frist für Mängelbehebung

von 30 Jahren, hingewiesen. Diese Meinung ist falsch, genauso

wie die Ansicht, zum Ende der Frist für Mängelbehebung

könnten alle Mängel geltend gemacht werden. Mängel, die bei

der Abnahme schon vorhanden waren, aber nicht bemängelt

wurden, können später nicht mehr geltend gemacht werden.

Deshalb muss die TV-Befahrung zum Ende der Frist für Mängelbehebung

immer mit der TV-Abnahmebefahrung verglichen

werden, um zu beurteilen, ob die festgestellten Mängel neu

hinzugekommen sind, ob sie übersehen worden sind oder ob

vielleicht auch in der Zwischenzeit die Ansprüche, z. B. durch

einen personellen Wechsel, gestiegen sind.

ZUSAMMENFASSUNG

Ein Kanalnetzbetreiber sollte Planungen und Ausschreibungen

von Sanierungsleistungen nur von speziell dafür ausgebildeten

Fachleuten durchführen lassen, diese aber auch selbst überwachen.

Der verantwortliche Planer sollte zertifizierter Kanalsanierungs-Berater

sein und darüber hinaus über mehrjährige

Erfahrung verfügen.

Schäden an sanierten Kanälen mit entsprechenden Folgekosten

treten oft erst zu einem Zeitpunkt auf, wenn die Frist für

Mängelansprüche bereits abgelaufen ist. Deshalb sollten bei der

Ausschreibung klare Anforderungen an die Sanierungsleistung

definiert werden und entsprechende zulässige Toleranzen mit

den daraus resultierenden Folgen und Konsequenzen, ggf.

auch Wertminderungen bei Über- oder Unterschreitung der

zugelassenen Toleranzen vertraglich festgeschrieben werden.

Literatur

[1] DIN EN 752 „Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden;

Deutsche Fassung EN 752:2008“ (2008-04)

[2] DIN EN 15885 „Klassifizierung und Eigenschaften von Techniken für

die Renovierung und Reparatur von Abwasserkanälen und -leitungen;

Deutsche Fassung EN 15885:2010“ (2011-03)

[3] VSB-Empfehlung 0.1: Ingenieurleistungen bei der

Kanalsanierungsplanung, Verband zertifizierter Sanierungs-Berater

für Entwässerungssysteme e.V., Hannover, August 2009

[4] Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge

(Vergabeverordnung - VgV), zuletzt geändert durch Art. 1 V v.

12.07.2012 | 1508

[5] Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB), Teile A,

B, C, Ausgabe 2012, Deutscher Vergabe- und Vertragsausschuss

für Bauleistungen herausgegeben vom DIN Deutsches Institut für

Normung e.V., Berlin: Vertrieb Beuth Verlag GmbH

[6] DWA-M 144-3 „Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen

(ZTV) für die Sanierung von Entwässerungssystemen außerhalb von

Gebäuden, Teil 3: Renovierung mit Schlauchliningverfahren (vor Ort

härtendes Schlauchlining) für Abwasserkanäle“(2012-11)

[7] Leitlinien zur Durchführung dynamischer Kostenvergleichsrechnungen

(KVR-Leitlinien), DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft,

Abwasser und Abfall e.V. Hennef, Juli 2012

[8] ATV-M 127-2 „Statische Berechnung zur Sanierung von

Abwasserkanälen und -leitungen mit Lining- und Montageverfahren“

(2000-01, 2. korrigierte Auflage 2010-07)

Dipl.-Ing. ROLAND WACKER

Ingenieurbüro Wacker, Auenwald

Tel. +49 7191-367723-0

E-Mail: info@wacker-ib.de

AUTOR

von der IHK Region Stuttgart ö.b.u.v. Sachverständiger für „Instandhaltung

und Sanierung von Entwässerungsnetzen“, Zertifizierter Kanalsanierungs-Berater,

Sachkundiger für Dichtheitsprüfung gem. § 61a LWG NRW

52 10 | 2013


ABWASSERENTSORGUNG / SANIERUNG PROJEKT KURZ BELEUCHTET

Abwasser-Pumpenschacht mit Epoxidharz-Beschichtung

dauerhaft saniert

Die Kanal-Schmitt GmbH, Kahl am Main, hat sich im Südwestdeutschland einen Namen als kompetenter Schacht- und

Bauwerksanierer gemacht. Dabei setzt das Unternehmen, wie Schmitt-Niederlassungsleiter Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Schneider

betont, konsequent auf Problemlösungen, deren Wirtschaftlichkeit auf ihrer technischen Nachhaltigkeit beruht. Diese

Betrachtungsweise hat ihn dazu bewogen, die jüngste Dienstleistung des Hauses nach einem erfolgreichen Selbstversuch

an den Abwasseranlagen des eigenen Werksgeländes ins offizielle Angebots-Portfolio zu übernehmen: resiShield ist ein

zwei-komponentiges Epoxidharz-Beschichtungssystem, das von der resinnovation GmbH, Rülzheim, eigens für Einsätze

in feuchtem bzw. nassen Milieu entwickelt wurde.

Bild: 102m 2 Betonoberfläche dauerhaft saniert

In feuchtem bzw. nassem Milieu spielt das

zwei-komponentige Epoxidharz-Beschichtungssystem

resiShield seine extrem gute

Klebewirkung als Pluspunkt aus. 3 mm stark

aufgetragen, bringt es Betonkorrosion auch

in chemisch hochbelasteten Schächten und

Bauwerken zum Stillstand.

Dabei ist das markant grüne Material, je nach

(der durch Wahl des Härters einstellbaren)

Viskosität in Sprühtechnik ebenso applizierbar

wie als Anstrich. Es kann gegebenenfalls

aber auch als Spachtel eingesetzt werden,

wenn im Vorfeld der flächigen Beschichtung

z. B. Fehlstellen aufprofiliert werden

müssen. Die Wahl der jeweiligen Anwendungstechnik

hängt daher maßgeblich von

den Rahmenbedingungen in der Örtlichkeit

ab. In den Schächten und Abscheidern auf

dem Kanal-Schmitt-Betriebsgelände in Kahl

setzte man auf den Anstrich: In der gegebenen

Standardschacht-Geometrie lässt sich die manuelle

Spritztechnik nur beschränkt einsetzen.

Ganz anders dagegen in einem unterirdischen Bauwerk an

der Peripherie von Kahl am Main. Hier wurde Kanal-Schmitt

mit der Sanierung eines Abwasser-Pumpenschachtes aus

Ortbeton beauftragt, in dem sich nach fast 50-jährigem

Betrieb erste Korrosionserscheinungen bemerkbar machten.

Das fast 6 m tiefe Bauwerk bot mit einer Grundfläche von

rund 16 m 2 trotz der verbliebenen Leitungen und Armaturen

genügend Bewegungsspielraum für einen resiShield-Einsatz

in Sprühtechnik.

Hier zahlte sich aus, dass Sprühen die „schnellere“ Technologie

ist. Das zeitaufwändigste Gewerk des gesamten

Projektes war daher – abgesehen vom Einbau des mehrstöckigen

Baugerüstes in den Schacht – die Grundreinigung

der Bauwerkswände. Dies erfolgte erst durch eine Nassreinigung

mit anschließendem Sandstrahlen. 102 m 2 Wand- und

Deckenflächen wurden innerhalb von knapp vier Stunden

mit resiShield beschichtet. Der Fußboden des Bauwerks folgte

bald darauf nach Rückbau des Gerüstes. Hierbei wurde

in Anstrich-Technik gearbeitet, was zwar einen erkennbaren

optischen Unterschied zur Wandbeschichtung ergibt,

jedoch keinen qualitativen. Die resiShield-Beschichtung war

– unabhängig von der Art der Applikation – innerhalb von

rund sechs Stunden ausgehärtet und belastbar. Der Kunde

verfügt nun über ca. 102 m 2 dauerhaft instandgesetzte

Oberfläche in seinem Pumpwerk.

Der Begriff „belastbar“ beschreibt in diesem Falle übrigens

eine Klasse für sich: Wie ein aktuelles Prüfgutachen des

Siebert und Knipschild-Instituts für Kunststofftechnik (Oststeinbek)

zeigt, ist resiShield gemäß den Prüfvorgaben von

DIN 1999-101 dauerresistent gegen Biodiesel und damit den

härtesten Anforderungen gewachsen, die sich in Leichtflüssigkeit-Abscheidern

in puncto Korrosion stellen. Bedenkt

man nun, dass derart extremes Milieu im Pumpwerk von

Kahl gar nicht herrscht, so weiß man: Dieses Bauwerk wird

definitiv keine Korro​sionsprobleme mehr haben, dafür aber

eine sehr lange Nutzungsdauer.


KONTAKT: Kanal-Schmitt GmbH, Kahl am Rhein,

Hans-Jürgen Schneider,

E-Mail: info@entsorgung-schmitt.de

10 | 2013 53


PROJEKT KURZ BELEUCHTET ABWASSERENTSORGUNG / SANIERUNG

Cottbus saniert Mischwassersammler

mit GFK-Sonderprofilen

Die Sanierungsbedürftigkeit von Altkanälen stellt für jede Gemeinde und die zuständigen Abwasserbetriebe eine

große Herausforderung dar. Viele der Kanäle wurden noch gemauert oder bestehen oft aus Steinzeug, Beton und

Stahlbeton. Doch auch der beste Kanal zeigt im Laufe seiner Nutzung Material-Ermüdungen und beginnt durchlässig

zu werden. Hohe Instandhaltungskosten sind die Folge. Außerdem stellen Undichtigkeiten von Abwasserkanälen

eine Gefahr für die Umwelt dar, denn austretende Stoffe können Erdreich und Grundwasser verunreinigen. Wenn

nicht rechtzeitig saniert wird, steigen zusätzlich die Betriebskosten der Kläranlagen durch die zusätzliche Belastung

von eindringendem Fremdwasser in die Kanalisation und Bodenausspülungen und -senkungen gefährden Gebäude.

Im brandenburgischen Cottbus sorgt die Lausitzer Wasser

GmbH & Co. KG (LWG) für die sichere Entsorgung

des Abwassers von 130.000 Anwohnern. Das Kanalnetz

umfasst ca. 900 km Leitungen, die das Abwasser zu

acht Kläranlagen transportieren. Eine der wichtigsten

Aufgaben der LWG ist die Instandhaltung dieses Netzwerkes.

Im Jahr 2013 musste man aufgrund von erheblichen

bautechnischen Schäden durch Risse und Korrosion

die Sanierung eines Beton-Mischwasserkanals aus dem

19. Jahrhundert in der Bautzener Straße vornehmen. Dieser

dient als Hauptentwässerungskanal für den südlichen

Teil von Cottbus und führt durch ein dicht besiedeltes

und belebtes Gebiet. Die Planung des Projekts mit einem

Budget von ca. 1,2 Mio. EUR übernahm das Ing.-Büro Lug

GmbH aus Cottbus. Mit der Sanierung wurde die Firma

Aarsleff Rohrsanierung GmbH, Niederlassung Dresden

(ehemals Insituform) beauftragt.

Nachdem die Sanierung mit bewehrtem Beton wegen der

schlechten Substanz des Altkanals verworfen wurde, fiel

die Wahl auf GFK-Rohre (glasfaserverstärkter Kunststoff)

von HOBAS, die man bereits seit den 1990er Jahren mit

sehr guten Erfahrungen in Cottbus einsetzt. Die LWG

legte bei der Entscheidung besonderen Wert auf die

Langlebigkeit von GFK u. a. wegen der hohen Korrosionsbeständigkeit.

Auch die guten hydraulischen Eigenschaften

von GFK spielten bei der Auswahl eine große

Rolle, weil die Rohrleitung dadurch sehr wartungsarm ist

und somit Kosten spart.

Passgenaue Eiprofile

Ein Ausbau des alten Kanals wäre wegen der mit starken

Verkehrsbeeinträchtigungen verbundenen aufwändigeren

Umsetzung sowie den daraus resultierenden höheren

Kosten nicht infrage gekommen. Im Zuge der Beratungen

Bild 1: Blick in den alten Betonkanal mit bereits durch die Fa. Aarsleff

saniertem Abschnitt

Bild 2: Lagerplatz der GFK-Profile von HOBAS

54 10 | 2013


ABWASSERENTSORGUNG / SANIERUNG PROJEKT KURZ BELEUCHTET

zur bestmöglichen Umsetzung der Sanierung unterstützte

HOBAS das Projekt durch technische Betreuung. So entwarf

man nach der Kalibrierung des Altkanals speziell für

diese Baumaßnahme passgenaue Eiprofile, die dann später

mittels Einzelrohrlining in den bestehenden Altkanal

eingeschoben wurden. Bevor die Profile, die gemäß den

Qualitätskriterien der süddeutschen Kommunen gefertigt

wurden, zur Auslieferung kamen, wurden sie im HOBAS

Werk geprüft und durch den Auftraggeber und das ausführende

Unternehmen abgenommen.

Die Baubedingungen vor Ort waren vergleichsweise

schwierig, da es sich um eine schmale, viel befahrene

Straße handelt. Trotz beengter Verhältnisse musste die

Straße während der gesamten Arbeiten nur einseitig

gesperrt werden. Bei einer Neuverlegung im offenen Graben

wäre eine Vollsperrung notwendig gewesen. Durch

die eingeschränkten Lagermöglichkeiten vor Ort war man

auf die gut koordinierte Just-in-Time-Anlieferung durch

HOBAS angewiesen. Dadurch benötigte man weniger

Lagerplatz und konnte die Beeinträchtigung von Verkehr,

Umwelt und Anrainern verringern.

Nach der Kalibrierung des Kanals wurden Rohrverlegepläne

mit der genauen Reihenfolge der Installation der

GFK-Profile erstellt. Diese unterstützten die Arbeiten vor

Ort maßgeblich. Damit die neuen Profile im alten Kanal

zunächst in die eine und dann in die andere Richtung

eingezogen werden konnten, wurden zwei verhältnismäßig

kleine Baugruben mit einer Größe von 2 x 3,50 m

errichtet. Diese nutzte man als Zugang, um die neuen

Profile Baggers herabzulassen und mit Hilfe eines Fahrwagens

in den Kanal einzuschieben. Das relativ geringe

Gewicht der GFK-Produkte erlaubte eine schnelle und

leichte Verlegung. Insgesamt wurden 140 m des Altkanals

mit GFK-Profilen der Maße 930 mm auf 1.510 mm und

660 m mit den Maßen 800 mm auf 1.330 mm saniert.

Trotz des strengen Winters stellten die schwierigen Witterungsbedingungen

für die Experten von Aarsleff keine

große Hürde für die Sanierung dar. HOBAS GFK-Profile

können auch bei niedrigen Temperaturen problemlos

verlegt werden. Anfallende Laminierarbeiten und die

abschließende Ringraumverfüllung verliefen ebenfalls

optimal. Im Zuge der Arbeiten wurden zudem in acht

Schächten neue GFK-Bauwerke eingepasst, ohne dabei

die alten Schächte entfernen zu müssen. Aufgrund der

Bild 3: Nach der Fertigstellung zum Neuzustand sanierter

Mischwassersammler

leichten Bearbeitbarkeit der GFK-Produkte und durch die

langjährige Erfahrung von Aarsleff bei der Realisierung

solcher Projekte konnten notwendige Anpassungsmaßnahmen

vor Ort schnell und professionell durchgeführt

werden.

Nach der Sanierung wird die statische Belastung des

Altkanals nun komplett von den neu eingebauten GFK-

Bauteilen übernommen: eine Sanierung zum Neuzustand.

Im Ergebnis ist der Kanal jetzt dauerhaft dicht, korrosionsbeständig,

wartungsarm und langlebig. Die Abwässer

der neu sanierten Leitung fließen am Ende der Bautzener

Straße in den bereits 2008 mit HOBAS GFK-Rohren

sanierten Kanal in der Straße der Jugend. Durch die enge

Zusammenarbeit aller Beteiligten konnten die Bauarbeiten

termingerecht und im vorgegebenen Kostenrahmen im

April 2013 abgeschlossen werden.

KONTAKT: HOBAS Rohre GmbH, Trollenhagen, Wilfried Sieweke,

Tel. +49 395 4528-0, E-Mail: wilfried.sieweke@hobas.com,

www.hobas.de

Kunst

Wir sind das Harz

10 | 2013 55


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG / ABWÄRMENUTZUNG

50 % weniger Primärenergie mit

Kanalwärmenutzung in Bad Cannstadt

Seit 2010 bezieht die Siedlung „Seelberg-Wohnen“ in Stuttgart-Bad Cannstadt Wärme aus Abwasser. Kanalwärme ist

Abwärme. Diese mit Priorität zu nutzen, scheint plausibel, denn sie ist wie Solar- und Erdwärme ohnehin vorhanden

– muss nicht erzeugt, sondern nur nutzbar gemacht werden. Entscheidend für die bestmögliche Wärmeversorgung

ist die Auswahl der Systemkomponenten. Die Heiztechnik im vorgestellten Projekt führt zu ca. 50 % Einsparung

bei Primärenergie bzw. CO 2

-Emissionen. Zusätzlich konnten die Betriebskosten nach zwei Jahren Monitoring durch

Korrektur der Steuerung noch um 15 % gesenkt werden.

Auf dem Gelände der ehemaligen Textilmaschinenfabrik

Terrot in Stuttgart-Bad Cannstatt entstand durch Sanierung

und Neubau das Quartier „Seelberg-Wohnen“ mit

17.500 m 2 Nutz- und Wohnfläche. Das Projekt, seit 2010

mit Wärmeübertragern im Kanal und elektrisch betriebener

Wärmepumpe ausgestattet, wurde analysiert und

optimiert. Die Ergebnisse sind in einer von der Deutschen

Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Studie dokumentiert.

Bei diesem Projekt gewonnene Erkenntnisse

sind übertragbar. Außergewöhnlich am Energiekonzept

ist, dass der Strom für die Wärmepumpe vom Blockheizkraftwerk

(BHKW) stammt und dass das Nahwärmenetz

mit Heizzentrale in der Hand eines Kontraktors ist.

Bild 1: Kanalwärmetauscher Therm-Liner Typ B Fabrikat Uhrig

werden als 1 m lange Elemente zur Montage durch einen Schacht in

den Kanal gegeben

Foto: EGS-plan

PROJEKTBESCHREIBUNG

Sechs Mehrfamilienhäuser mit 111 Eigentumswohnungen

und 10.500 m 2 Gesamtwohnfläche sind in entstanden,

zusätzlich ein großer Geschossbau mit weiteren 27 Wohnungen

und 4.300 m 2 Wohn-/Nutzfläche als Kombination

von Pflegeheim und Betreutem Wohnen. Ein bestehendes

Gebäude wurde zusätzlich saniert und erhielt

einen Anbau. Dieser Komplex mit 2.910 m 2 Nutzfläche

beherbergt eine Kindertagesstätte sowie 25 Wohnungen,

u. a. für Senioren und Menschen mit Behinderung. Alle

Gebäude wurden mit Wärmeschutz der Qualitätsstufe

KfW60 ausgestattet.

Die Architekten Ackermann & Raff haben den vom Bauträger

Siedlungswerk Stuttgart ausgelobten Realisierungswettbewerb

gewonnen, die Ingenieure von EGS-plan

sind für das Energiekonzept „Heizung und Warmwasser“

verantwortlich. ImmoTherm ist Kontraktor und trägt

daher Investitionen und Betriebskosten der Heiztechnik

und des Nahwärmenetzes. Die Kosten für die Wärme

werden den Trägern der Einrichtungen bzw. den Eigentümergemeinschaften

direkt in Rechnung gestellt. „Ziel

war“, so Ulf Kühn, Geschäftsführer von ImmoTherm,

„den Primärenergiebedarf und die CO 2

-Emissionen für

die Wärmeversorgung soweit zu senken, wie dies im

Rahmen der kalkulierten Betriebskosten möglich und für

Gebäude im KfW60-Standard nötig ist.“ Gesellschafter

bei ImmoTherm sind die Stadtwerke Tübingen, das Stadtwerk

am See in Friedrichshafen und das Siedlungswerk

gemeinnützige Gesellschaft für Wohnungs- und Städtebau

in Stuttgart.

HEIZTECHNIK UND EMISSIONEN

In einer Konzeptstudie hatten vor Beginn der Baumaßnahme

die Fachingenieure vier Varianten in Verbindung

mit einer zentralen Nahwärmeversorgung untersucht.

Referenzversion waren dezentrale (je Gebäude ein) Gas-

Brennwertkessel, denn mit ihnen wäre der gesetzlich

geforderte ENEV-Standard erreicht worden. Im Einvernehmen

mit dem Kontraktor wurde beschlossen, die zentrale

Variante, bestehend aus elektrischer Wärmepumpe und

Abwasserwärmetauscher sowie Gas-Blockheizkraftwerk

(BHKW) und Gas-Niedertemperatur-Spitzenlastkessel,

zu realisieren. Diese Version verbindet die Vorteile einer

Wärmeerzeugung mit geringen Emissionen vor Ort und

einer enormen Verringerung gemäß Berechnung von

ca. 41 % bei Primärenergie bzw. CO 2

-Emissionen. Noch

größere Einsparungen an Primärenergie wären nur durch

56 10 | 2013


ABWASSERENTSORGUNG / ABWÄRMENUTZUNG FACHBERICHT

Foto: Uhrig

Foto: Uhrig

Bild 2 und Bild 3: Montage der Wärmetauscherstrecke von 76 m Länge im Kanal während der Nacht, mit engem Zeitfenster

wegen begrenzter Rückstaumöglichkeit des Abwassers

die Einbindung von Biomassenutzung (z. B. Holzpelletfeuerung)

zu erreichen – laut DBU-Studie allerdings mit

zusätzlichen Emissionen (z. B. Staub) vor Ort. Wegen der

damit verbundenen Umweltbelastung für die Innenstadt

wurde diese Variante nicht weiter verfolgt.

Nach der Idee von EGS-plan werden etwa 90 % der

Wärme durch die Kombination Wärmepumpe/BHKW

erzeugt, wobei 60 % von der Wärmepumpe und 30 %

vom BHKW eingespeist werden. Die restlichen 10 %

liefert der Gaskessel. Der Anteil der Wärme aus dem

Abwasser mit ca. 690 MWh/a an der Gesamtwärmelieferung

liegt bei über 45 %. Knapp 15 % stammen

aus der elektrischen Leistung des BHKW, mit der die

Wärmepumpe betrieben wird.

WÄRMEQUELLE ABWASSER

Die Umsetzung des Projektes begann 2009 mit den ersten

Hochbauten und war inklusive Anschluss der Gebäude

im zweiten Bauabschnitt an das Nahwärmenetz zum

Jahresende 2012 abgeschlossen. Die Inbetriebnahme

der Anlage mit Wärmeversorgung im Automatikbetrieb

für den ersten Bauabschnitt war bereits im April

2011. Der Abwasser-Wärmetauscher (Bild 1) wurde

in einem großen Abwasserkanal montiert, der in der

Erschließungsstraße zum Baugebiet liegt. Für das Projekt

„Seelberg-Wohnen“ sollte erstmals ein speziell für

große Wassermengen entwickelter Wärmetauschertyp

eingesetzt werden.

Messungen der Abwassermengen im Juni und Juli 2008

haben gezeigt, dass die Montage schwierig würde, da

eine längere Trockenlegung des Kanalabschnittes in der

Daimlerstraße mit einer Wasserhaltung nicht möglich

war. Festgestellt wurde ein Durchfluss von maximal

3.000 l/s am Tag bei intensivem Regenereignis und von

maximal 500 l/s in der Nacht bei Trockenwetterabfluss.

Also musste ein spezielles Konzept für den Einbau über

Nacht gefunden werden, um im Kanal überhaupt arbeiten

zu können (Bild 2 und Bild 3).

MONTAGE IM ABWASSERKANAL

Laut Robert Hertler von der Stadtentwässerung Stuttgart

konnte nachts während ca. vier Stunden der Zufluss

zum Kanalabschnitt in der Daimlerstraße ausnahmsweise

abgestellt werden, wenn bei Trockenwetter zwei oberhalb

liegende Regenbecken als Speicherplätze genutzt

würden. Die Erfahrungen aus der Trockenlegung des

Kanalabschnittes für den Einbau der Messsonden haben

dies bestätigt. Nach Auswertung der Ausschreibung für

Lieferung und Montage der 76 m langen Strecke mit 1 m

langen Elementen wurde die Firma Uhrig Kanaltechnik

GmbH aus Geisingen a. d. Donau beauftragt (Bild 2).

Ihr Konzept sah den Einbau eines Podestes im Kanalabschnitt

vor, auf dem die Wärmetauscher-Elemente

zunächst zusammengesetzt und später in zwei bis drei

Etappen während der Nacht auf die Kanalsohle abgesenkt

und dort befestigt werden sollten.

Die Montage dauerte mehrere Nächte und war auf die

Zeit zwischen 0 und 5 Uhr beschränkt. „In einer minutiös

vorbereiteten Aktion haben wir mit Hilfe der Stadtentwässerung

das eng bemessene Zeitfenster genutzt,“ so

Mark Biesalski von Uhrig Kanaltechnik GmbH, „und wie

geplant unsere Wärmetauscherstrecke im Kanal jeweils

rechtzeitig installiert, bevor der Überlauf der Regenbecken

die Anlage überspülen konnte.“

ENERGIEKONZEPT

Die Wärmepumpe mit einer thermischen Leistung von ca.

155 kWth stellt die Grundlast der Wärmeversorgung für

Heizung und Warmwasser zur Verfügung. Wärmequelle

ist der Abwasserkanal (Hauptsammler) in der Daimler-

10 | 2013 57


FACHBERICHT ABWASSERENTSORGUNG / ABWÄRMENUTZUNG

Bild 4: Fertig montierte Wärmetauscherstrecke Therm-Liner Typ B,

Fabrikat Uhrig, aus 76 meterlangen Elementen zusammengesetzt

straße, ca. 100 m vom Baugebiet entfernt. Mit einem

auf der Kanalsohle liegenden Wärmetauscher wird dem

Abwasser Energie entzogen und der Wärmepumpe zugeführt

(Bild 4). Die Abwassertemperaturen von etwa 16 °C

(min. 8 °C, max. 22 °C) im Jahresmittel führen zu relativ

hohen Wärmequellentemperaturen. Damit sind mit der

Wärmepumpe bei geeigneter Heizungsvorlauftemperatur

Arbeitszahlen (Verhältnis erzeugte Wärme zu eingesetztem

Antriebsstrom) von über 4,0 erreichbar.

Das mit Gas betriebene BHKW erzeugt den Antriebsstrom

für die Wärmepumpe, wodurch ein wesentlicher Teil der

Primärenergie bzw. CO 2

-Emissionen eingespart wirden

Es hat eine thermische Leistung von 100 kWth und eine

elektrische Leistung von 50 kWel. Zur hydraulischen Entkopplung

von Wärmeverteilung und Erzeugung speisen

BHKW und Wärmepumpe jeweils in einen eigenen Pufferspeicher

mit 5.000 l ein. Die beiden Speicher sind in

Serie geschaltet. Die Abwärme aus dem BHKW wird dazu

genutzt, den Vorlauf der Kombination Wärmepumpe/

BHKW durch Mischung der Vorläufe aus den beiden

Pufferspeichern auf die erforderliche Systemtemperatur

von ca. 70 °C für die Einspeisung in die Wärmeversorgung

anzuheben. In Spitzenlastzeiten oder bei Ausfall von

Wärmepumpe oder BHKW speist der mit Gas betriebene

Niedertemperatur-Spitzenlastkessel mit der Leistung von

575 kW in die Wärmeversorgung ein.

Je kühler der Rücklauf zur Wärmepumpe, desto effektiver

ist deren Betrieb. Deshalb sorgen spezielle Wärmeübergabestationen

in der Heizung für eine zusätzliche

Auskühlung des Rücklaufes aus der Erwärmung der

Warmwasserzirkulation. Aufgabenstellung der eingangs

erwähnten Studie, die von der DBU gefördert wurde, war

im Wesentlichen: Die Vernetzung der Stationsregler mit

der zentralen Regelungstechnik Direct Digital Control

(DDC) und das Monitoring der Gesamtanlage über zwei

Jahre mit dem Ziel, den Anlagenbetrieb zu optimieren.

Foto: EGS-plan

ERGEBNIS DER DBU-STUDIE

„Das Potential zur Absenkung der Rücklauftemperaturen

kann nur bei entsprechend eingestellter Steuerung maximal

ausgeschöpft werden,“ erklärt Michael Guigas, Verfasser

der im Januar 2013 abgeschlossenen DBU-Studie,

und stellt weiter fest, dass „die maximale Reduzierung

der CO 2

-Emissionen durch die Integration einer elektrischen

Wärmepumpe in die Nahwärmeversorgung unter

optimalen Betriebsbedingungen bei 15 bis 20 % liegt mit

Kombination von elektrischer Wärmepumpe und Gas-

Blockheizkraftwerk bei diesem Projekt allerdings deutlich

mehr als 41 % Reduzierung erreichbar sind.“ Tatsächlich

gemessen wurde im zweijährigen Monitoring sogar eine

Reduzierung um 54 %, also 13 % über dem zu Beginn

der Planung vereinbarten Ziel.

Die Heizkennzahl der Kombination Wärmepumpe/BHKW

lag im Jahr 2012 bei 1,85, d. h. mit 1 kWh Gas konnten

1,85 kWh Wärme erzeugt werden. Im Sinne einer

wirtschaftlichen Betriebsweise ist außerdem festgestellt

worden, dass die eingestellte Betriebsweise „Parallelbetrieb

von Wärmepumpe und BHKW in der Grundlast,

Deckung der Mittellast mit dem BHKW und Spitzenlast

mit dem Gaskessel“ grundsätzlich die günstigste Lösung

ist. Nur war die Auslastung der einzelnen Komponenten

nicht optimal. Um sie zu verbessern, musste in erster

Linie das Zusammenspiel von Wärmepumpe und BHKW

justiert werden. Es galt, die Wirtschaftlichkeit soweit wie

möglich zu steigern, ohne die angestrebte CO 2

-Reduktion

von 41 % gegenüber der Referenz (Gas-Brennwertkessel

in jedem Gebäude) zu unterschreiten. Der Anteil der Wärmepumpe

bzw. deren Sollwert für die Vorlauftemperatur

ist daraufhin um 3 K angehoben worden.

WIRTSCHAFTLICHKEIT, ÜBERTRAGBARE

ERKENNTNISSE

Die Anlage wurde Ende Januar 2013 komplett abgerechnet.

Die Investition für die Wärmeversorgung lag nur 3 %

über der Kostenschätzung von 2008. Mehrkosten für den

Abwasser-Wärmetauscher sind hauptsächlich durch den

aufwändigen Einbau aufgrund der großen Abwassermenge

im Kanal entstanden. Auch MSR-Technik, Elektroinstallation

und Planung waren etwas teurer als kalkuliert.

„Beim innovativen Anlagenteil BHKW plus Wärmepumpe

und Einbindung sowie bei der Nahwärme (Netz + Stationen)

gab es allerdings keine Mehrkosten“, stellt Guigas

fest. Dr. Boris Mahler, Projektleiter bei EGS-plan, weist

auf die Übertragbarkeit der Erkenntnisse hin und bestätigt:

„Die zentrale Wärmeversorgung mit elektrischer

Wärmepumpe, Abwasser-Wärmenutzung, Gas-Blockheizkraftwerk

und Gas-Niedertemperatur-Spitzenlastkessel ist

ein gutes Konzept für innerstädtische Wohnquartiere mit

hohem Einsparpotential in Bezug auf CO 2

-Emissionen und

Primärenergieeinsatz. Sorgfältige und detaillierte Planung

vorausgesetzt, ist die Umsetzung von ähnlichen Anlagen

ohne größere Probleme möglich.“

Die Leistungsfähigkeit von Abwasser-Wärmetauscher

und Wärmepumpe wurde im Betrieb überprüft. Nach

58 10 | 2013


ABWASSERENTSORGUNG / ABWÄRMENUTZUNG FACHBERICHT

Foto: EGS-plan

Foto: EGS-plan

Bild 5: Vergleich der Einsparung von Primärenergie bzw. CO 2

-Emissionen

bei den vier untersuchten Varianten für die Wärmeversorgung

Bild 6: Kombination Gas-BHKW und Elektro-Wärmepumpe,

Berechnung der Heizkennzahl

häufigen Störungen im ersten Betriebsjahr läuft die

Wärmepumpe mittlerweile nahezu störungsfrei. Dank

Nachbesserung durch den Hersteller erreicht sie die

in der Leistungsbeschreibung geforderten Werte. Der

Abwasser-Wärmetauscher funktioniert wie geplant. Er

erreicht im Betrieb die Leistung laut Ausschreibung. Die

Abwasser-Wärmenutzung und der Kanalbetrieb sind

seit Einbau bzw. Inbetriebnahme ohne Störungen. Die

optimierte Hydraulik der Wärmeverteilung im Nahwärmenetz

hilft, während des Betriebs niedrige Systemtemperaturen,

insbesondere niedrige Rücklauftemperaturen

zu erreichen. Die Folge sind neben guten Arbeitszahlen

der Wärmepumpe extrem niedrige Verluste in der Anlage

und eine hohe CO 2

-Reduzierung im Vergleich zu dezentralen

Einzelheizungen. Optimierungsmaßnahmen an den

Wärmeübergabestationen haben den Sommerbetrieb

weiter verbessert.

Die Kosten für Wärmeerzeugung sind um 15 % gesunken,

nachdem der Anteil der Wärmepumpe von 46 % auf

55 % erhöht und der thermische Anteil des BHKW von

45 % auf 40 % gesenkt wurde. Damit sank auch der Beitrag

des Gas-Spitzenlastkessels von 9 % auf 5 %. In Kauf

genommen wurde dafür, dass die CO 2

-Reduktion statt

54 % nur noch 46 % beträgt und die Arbeitszahl von 4,0

auf 3,8 sinkt. Der Anschluss des zweiten Bauabschnitts

und die Anhebung der Sollwerte der Wärmepumpe im

Herbst 2012 haben dazu geführt, dass sowohl Wärmepumpe

als auch BHKW im November und Dezember 2012

zu 100 % ausgelastet waren.

ZUSAMMENFASSUNG

Die Betriebsergebnisse aus den ersten beiden Betriebsjahren

sind positiv. Die Vorgaben aus dem Energiekonzept

werden eingehalten bzw. übertroffen. Der gemessene

Deckungsanteil des innovativen Anlagenteils mit Wärmepumpe,

Abwasser-Wärmetauscher und Gas-Blockheizkraftwerk

liegt bei über 90 %. Die Nutzung der lokalen

Ressource Abwasserwärme, der Einsatz von intelligenter

Technik und eine innovative Wärmeverteilung mit niedrigen

Temperaturen reduzieren die CO 2

-Emisssionen um

bis zu 54 % bzw. ca. 180 t pro Jahr bei diesem Projekt im

Vergleich zu Einzelheizungen mit Gas-Brennwertkesseln.

Zur wirtschaftlichen Optimierung des Betriebs wurde die

Kombination Wärmepumpe und BHKW im Parallelbetrieb

verbessert durch Verschieben der jeweiligen Anteile an

der Wärmeerzeugung. Das Ergebnis ist eine dauerhafte

jährliche Betriebskostensenkung von 15 %.

LITERATUR

[1] Guigas, M.: Wärmeversorgung mit Wärmepumpe und

Abwasserkanal-Wärmetauscher. DBU-Abschlussbericht zum

Bauvorhaben Terrot-Areal in Stuttgart-Bad Cannstadt. EGSplan

Stuttgart, 2013.

[2] DWA-Regelwerk: Merkblatt DWA-M 114. Energie aus

Abwasser, Wärme und Lageenergie. (Hrsg.:) DWA, Deutsche

Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V.

Hennef, Juni 2009.

[3] Energie aus Abwasser. gwf Praxiswissen, (Hrsg.:) Christine

Ziegler, Band III. Oldenbourg Industrieverlag, München, 2011.

[4] Lang, J. et al: Kompendium Abwasserwärmenutzung. Ständig

aktualisiertes Nachschlagewerk und Arbeitsinstrument für

Wasserwirtschaft, Behörden, Planer, Wohnungswirtschaft und

Industrie. Trialog Verlag Berlin, 2012.

[5] www.energie-aus-abwasser.de

[6] www.netzbewirtschaftung.de

[7] www.e-qua.de

KLAUS W. KÖNIG

Architekturbüro Klaus W. König,

Überlingen

www.klauswkoenig.de

AUTOR

10 | 2013 59


FACHBERICHT WASSERVERSORGUNG

Löschwasserkosten sind nicht gleich

Trinkwasserkosten

Spätestens seit dem Gerichtsurteil vom 02.02.2010 des Bundesgerichtshofes ist klar, dass die Kosten, die durch die

Löschwasservorhaltung über die Trinkwasserversorgung verursacht werden, nicht mehr in den Wasserpreis eingerechnet

werden dürfen. Da nicht jeder Verbraucher in gleichem Umfang mit Löschwasser versorgt werden kann, stellt die Verrechnung

der Löschwasserkosten in den Wasserpreis ein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz dar. Die Löschwasservorhaltung

(Grundschutz) liegt im Verantwortungsbereich der Kommunen und Städte (Ausnahme stellt hier Rheinland-Pfalz dar). Alle

Wasserversorgungsunternehmen (außer Regiebetrieb) stehen daher gesetzlich nicht in der Pflicht, die Löschwasserversorgung

unentgeltlich bereitzustellen. Darum sind die Wasserversorgungsunternehmen berechtigt, den Mehraufwand, resultierend aus

der Löschwasservorhaltung über die Trinkwasserversorgung, den Kommunen und Städten in Rechnung zu stellen. Aufgrund

dessen wurde im Rahmen einer Masterthesis eine Systematik entwickelt, die es allen Wasserversorgungsunternehmen

ermöglicht, selbständig ihre Kapital- und Betriebskosten, die aus der Löschwasservorhaltung über die Trinkwasserversorgung

verursacht werden, zu berechnen. Diese Systematik wurde im ersten Schritt allgemein gültig aufgestellt, so dass sie von allen

Wasserversorgungsunternehmen verwendet werden kann.

Bild 1: Übersicht der Urteile auf Bundesebene

1. EINLEITUNG

Auf Bundesebene wurden seit 2010 zwei richtungsweisende

Urteile bezüglich der Zuständigkeit und der Umlage von

Löschwasserkosten ausgesprochen, vgl. Bild 1.

Begründet wurde der Beschluss vom 02.02.2010 damit,

dass Löschwasserkosten im Wasserpreis nicht gleichermaßen

auf den Verbraucher zurechenbar sind. Hier gilt der

Grundsatz zum Wohl der Allgemeinheit. Außerdem wird

der Kartellbehörde auf Grundlage von § 103 Abs. 5 Satz 2

Nr. 2 GWB 1990 das Recht eingeräumt, Wasserpreise zu

überprüfen.

Der Beschluss vom 14.07.2011 beinhaltet die Übernahme

der Löschwasseraufgabe bei fehlender vertraglicher Regelung

zwischen der Gemeinde und dem Wasserversorgungsunternehmen

(WVU). Der Bundesgerichtshof weist die Aufgabenverantwortung

der Gemeinde zu, da die Aufgabe

der Trinkwasserversorgung nicht zugleich die Aufgabe der

Löschwasserversorgung für das WVU bedeutet.

Bis heute mangelt es an einer bundesweiten, einheitlichen

Regelung der folgenden Punkte:

»»

Unter welchen Bedingungen sind die Kosten

gebührenfähig?

»»

Unter welchen Umständen können die Kosten auf ein

WVU übertragen werden?

»»

Wie sind die einzelnen Kosten zu berechnen?

Am 15.05.2012 wurde die Entscheidung des Oberlandesgerichts

Stuttgart (OLG) aufgehoben. Das OLG hatte beschlossen,

dass die Preisprüfung der WVU durch das

Kartellamt anhand eines Vergleichsmarktprinzips

zu erfolgen hat und nicht anhand eines anderen

Verfahrens (Kostenkontrolle). Diese Entscheidung

nahm der Bundesgerichtshof zurück und legte fest,

dass im Rahmen der Kontrolle von Wasserpreisen

die Vergleichsmarktbetrachtung nicht die einzige

Art sei, wie die Kartellbehörde ermitteln kann.

Durch diese Rechtsprechung besitzt das Kartellamt

die Möglichkeit Kostenkontrollen durchzuführen, in

welchen auch die Löschwasserkosten beleuchtet

und offen gelegt werden können.

Im Rahmen der Kostenkontrolle hat das Unternehmen

eine nachvollziehbare und prüffähige

Kalkulation darzulegen und ist bei der näheren

Darlegung der Kostenstruktur mitwirkungspflichtig.

Hierbei sind alle Kosten, die zur Wasserversorgung

zuzuordnen sind, einschließlich angemessener

kalkulatorischer Zinsen (Ertrag, Gewinn)

zu berücksichtigen. Das heißt, dass für dieses

Verfahren die Löschwasserkosten ausgewiesen

sein müssen.

60 10 | 2013


WASSERVERSORGUNG FACHBERICHT

Wichtig ist es, die löschwasserrelevanten

Anlagenteile zwar aus heutiger Sicht aufzunehmen,

sie aber durch gezielte Fragestellungen

und Recherchen hinsichtlich historischer

Gesichtspunkte zu untersuchen.

2. BERECHNUNGSSYSTEMATIK FÜR

WASSERVERSORGUNGSUNTERNEHMEN

Diese Systematik erfasst die löschwasserrelevanten

Bereiche der bestehenden Trinkwasserversorgung

nach den heutigen Auslegungsparametern

und bewertet diese anhand

historischer Gesichtspunkte.

Ausschlaggebend für die Betrachtung der

Löschwasserrelevanz sind diejenigen Anlagen,

die durch die Bereitstellung von Löschwasser direkt betroffen

und spezifisch dafür ausgelegt wurden. Daher werden

in dieser Systematik folgende Anlagen der Trinkwasserversorgung

näher beleuchtet:

Speicheranlagen → Löschwasserreserve

Trinkwasserleitung → Querschnittsvergrößerung

Druckerhöhungsanlage → Erhöhung der Pumpenleistung

Hydranten

→ Anzahl, Grundvoraussetzungen

unabhängige Wasserversorgung → Löschwasserteiche und

-behälter, Zisternen

Bild 2: Versorgungsschema eines WVUs - Dimensionierungswerte

Je nach Art der Bebauung kann in Anlehnung an die

DVGW 405 der Wert ansteigen auf:

→ Wohngebiet 26,7 / 0,5 = 53,32 l/s

→ Gewerbegebiet 53,4 / 0,5 = 106,8 l/s

→ Industriegebiet 53,4 / 0,5 = 106,8 l/s

Beispiel 1:

Nicht löschwasserrelevant und somit nicht näher untersucht

werden alle Anlagen (Tiefbrunnen, Wasseraufbereitung,

Wasserförderung im Wasserwerk, Zubringerleitungen,

etc.), die vor dem Hochbehälter angeordnet

sind, vgl. Bild 2.

Um den Rahmen dieses Fachberichts nicht zu sprengen,

wird lediglich die Systematik zur Ermittlung des Löschwasseranteiles

im Rohrleitungsnetz dargestellt. Informationen

zur Systematik für Speicheranlagen, Druckerhöhungsanlagen

und Hydranten können bei der RBS wave GmbH

eingeholt werden.

Beispiel 2:

3. SYSTEMATIK ZUR ERMITTLUNG

DER LÖSCH-​WASSERANTEILE IM

ROHRLEITUNGSNETZ

3.1 Grundgedanken

Der Grundgedanke besagt, ab welchem maximalen

Stundenverbrauch/-bedarf das Rohrleitungsnetz

in Abhängigkeit der Nutzungsart mit Löschwasser

belastet wird, vgl. Bild 3. Nicht berücksichtigt

wird der altersbezogene Auslegungsfaktor

(f Dalt

), der nachfolgend beschrieben wird. Um den

Schnittpunkt von Q hmax

mit den vorgeschriebenen

Q F

der jeweiligen Nutzungsgebiete zu erhalten,

werden sie gleichgesetzt [1] = [2].

Q B

= Q hmax

x 0,5 + Q F

(1)

Q B

= Q hmax

Q F

/ 0,5 (2)

→ Wohngebiet 13,3 / 0,5 = 26,66 l/s

→ Gewerbegebiet 26,7 / 0,5 = 53,32 l/s

→ Industriegebiet 53,4 / 0,5 = 106,8 l/s

Bild 3: Löschwasserrelevante Bereiche in Abhängigkeit von Q hmax

und Q B

10 | 2013 61


FACHBERICHT WASSERVERSORGUNG

Dabei ist

Q hmax

= maximaler Stundenverbrauch/-bedarf der

Trinkwasserversorgung

Q B

= maximaler Stundenverbrauch/-bedarf im Brandfall

(Q B

= 0,5 x Q hmax

+ Q F

)

3.2 Vorgehensweisen

Für die Ermittlung des Löschwasseranteils im Rohrleitungsnetz

müssen folgende Schritte abgearbeitet werden:

1. Ermittlung der Wasserverbrauchszahlen

2. Berechnung des maximalen Stundenbedarfs im Brandfall

3. Erhebung der maximal möglichen Entnahmemenge

4. Bildung des Faktors der historischen Überdimensionierung

5. Ermittlung der um den Faktor f Dalt

erweiterte maximale

Stundenbedarf

6. Ausgrenzung nicht löschwasserrelevanter Gebiete

7. Gewichtung der Nutzungsgebiete innerhalb der jeweiligen

Versorgungsgebiete/-zonen

8. Bildung des Löschwasseranteile

3.2.1 Ermittlung der Verbrauchszahlen

Eine der wichtigsten Komponenten ist die detaillierte Ermittlung

der aktuellen Verbrauchssituation in den letzten fünf bis

zehn Jahren. Folgende Parameter sollten ermittelt werden:

• Mittlerer Tagesverbrauch/-bedarf (Q dm

)

Q dm

= E x q dm

+ GA (3)

Dabei ist

E = Einwohnerzahl

q dm

= Pro-Kopf-Bedarf

GA = Großabnehmer

• Maximaler Stundenverbrauch/-bedarf (Q hmax

)

Da der Wasserverbrauch innerhalb eines Tages starken

Schwankungen unterliegt (Spitzenzeiten/Ruhezeiten), muss

der maximal auftretende Stundenbedarf ermittelt werden.

Er wird für die Auslegung/Bemessung aller Versorgungsleitungen

und Anlagenteilen nach dem Hochbehälter verwendet.

Q hmax

= Q dm

x f h

(4)

Dabei ist

Q dm

= mittlerer Tagesverbrauch/-bedarf

f h

= Stundenspitzenfaktor (f h

) ist das Verhältnis

der maximalen Stundenabgabe zur mittleren

Stundenabgabe: f h

= Q hmax

/ Q hm

3.2.2 Berechnung des maximalen Stundenbedarfs im

Brandfall (Q B

)

Der erforderliche maximale Stundenbedarf im Brandfall, muss

für jede Versorgungszone/-gebiet ermittelt werden. Im Normalfall

liegt der Feuerlöschbedarf (Q F

) für ein Wohngebiet bei

13,3 l/s und für ein Gewerbegebiet bei 26,7 l/s. Nach DVGW

W 405 ist es jedoch möglich, dass aufgrund verschiedener

Faktoren (Brandausbreitungsgefahr, Zahl der Vollgeschosse,

Geschossflächenzahl) der Feuerlöschbedarf höher festzulegen

ist.

Diese Berücksichtigung erfordert eine detaillierte Aufnahme

und Analyse des Gebäudebestandes und wird in der nachfolgenden

Systematik nicht berücksichtigt. Die Systematik wurde

aber so aufgebaut, dass der erhöhte Feuerlöschbedarf ohne

Probleme mit integriert werden kann.

Q B

= 50 % Q hmax

+ Q F

(5)

Dabei ist

50 % Q hmax

= maximale Stundenabgabe an Tagen

mit durchschnittlichem Verbrauch

Q F

= Feuerlöschbedarf

3.2.3 Erhebung der maximal möglichen Entnahmemenge

Um zu überprüfen, ob der geforderte maximale Stundenbedarf

im Brandfall zuzüglich 50 % der maximalen Stundenspitze,

unter Berücksichtigung des Mindestdrucks von 1,5 bar im

Netz, auch bereitgestellt werden kann, sollte das Wasserrohrnetz

auf Basis eines kalibrierten Rechennetzmodells hydraulisch

berechnet werden.

3.2.4 Bildung des Faktors der historischen

Dimensionierung

Einer der wichtigsten Faktoren bei der Ermittlung der Löschwasseranteile

im Rohrleitungsnetz besteht darin, die frühere

Dimensionierung und Auslegung mit zu berücksichtigen. Es

wurden in den 1970er und 1980er Jahren schwerwiegende

optimistische Prognosen, bezüglich der Entwicklung des Pro-

Kopf-Bedarfs für das Jahr 2000 aufgestellt. So prognostizierte

das Bastelle Institut 1972 für das Jahr 2000 eine Zunahme von

rund 60 %, die sie jedoch 1976 auf 45 % reduzierten. Durch

die Prognose der TU Berlin 1980, die einen Zuwachs von

152 l/E x d auf 219 l/E x d im Jahr 2000 vorhersagten, entstand

ein weiterer Ansatz zur Überdimensionierung der Anlagen.

Bild 4: Historische Prognosen der Entwicklung des Wasserverbrauchs

(Quelle: Forschungsstelle Recht, Ökonomie u. Umwelt - Leibniz Universität

Hannover, Die Deutschen und ihr Wasser - virtuelle und reale Probleme)

3.2.4.1 Tatsächlich entwickelte sich der Pro-Kopf-Verbrauch in

eine ganz andere Richtung

Bedingt durch die Bevölkerungsentwicklung (Stadt/Land),

Entwicklung der Haushaltsstruktur (Wechsel vom Mehrfa-

62 10 | 2013


WASSERVERSORGUNG FACHBERICHT

milien- zum Einpersonenhaushalt),

Verhaltensänderungen

der Verbraucher

sowie wirtschaftliche und

technische Entwicklungen,

konnte im Jahr 2000 lediglich

ein Pro-Kopf-Verbrauch

von 129 l/E x d verzeichnet

werden, vgl. Bild 4.

Es wird davon ausgegangen,

dass sich die

damaligen Ingenieur- und

Planungsbüros bei der

Dimensionierung des

Baujahr

Rohrleitungsnetzes auf die

Prognosen der einzelnen

Institute gestützt haben.

Das heißt, dass die Planer

damals das Rohrleitungsnetz für die Trinkwasserversorgung

größer dimensioniert haben, um auch im Jahr 2000 noch

Trinkwasser in ausreichender Menge zur Verfügung stellen zu

können. Durch diesen Verbrauchsrückgang sind die Rohrleitungen

heutzutage oft überdimensioniert. Diese Überdimensionierung

darf aber nicht der Löschwasservorhaltung (wird oft

bei der Zielnetzplanung irrtümlicherweise angesetzt), sondern

muss der Trinkwasserversorgung zugeschrieben werden.

3.2.4.2 Einteilung der Prognosen in Zeiträume

Länge

Die historischen Dimensionierungsansätze müssen anhand

der wahrscheinlichsten Dimensionierungsauslegungen der

einzelnen Jahre in Zeiträume zusammengefasst werden. Wird

die tatsächliche Verbrauchsentwicklung betrachtet, die einen

erstmals zukunftsweisenden Rückgang ab dem Jahr 1993

aufzeigt, kann davon ausgegangen werden, dass sich die

Planer spätestens ab diesem Zeitpunkt anderer Dimensionierungsansätzen

bedienten. Außerhalb des oben festgelegten

Zeitraums sind keine zuverlässigen historischen Prognosen

und Auslegungsgrundlagen vorhanden. Um diese Zeiträume

mit in die Berechnung einfließen lassen zu können, bedarf es

einer versorgungsspezifischen Untersuchung. Hierbei könnten

Gespräche mit älteren Planern, der Baubehörde oder die Einsichtnahme

in alte Bauakten Aufschluss über die damaligen

Auslegungsparameter geben.

3.2.4.3 Bildung eines Zuschlagsfaktors für die Trinkwasserversorgung

Um einen Zuschlagsfaktor bilden zu können, müssen die einzelnen

verbauten Rohrleitungslängen den oben beschriebenen

Prognose-Zeiträumen zugeordnet werden. Hierzu müssen

zunächst die Rohrleitungsbaujahre und deren Längen erfasst

werden. Zum Teil liegen diese Daten den Wasserversorgern

bereits in elektronischer Form zur Verfügung, wodurch sie

leicht erfasst werden können. Schwieriger gestaltet sich die

Erfassung, wenn diese händisch von alten Baudokumentationen

zusammen getragen werden müssen. Stellt dies einen

zu großen Aufwand dar, besteht zudem die Möglichkeit der

Schätzung. Oft ist bekannt, wann das Haupt-Versorgungsnetz

Prognose

Verbrauch

früher

Verbrauch

2012

Jahr [m] l/EW x d l/EW x d

Faktor je

Zeitraum

Tabelle 1: Ermittlung des Faktors der historischen Dimensionierung (f Dalt

)

Gewichtung

gebaut wurde. Unter Annahme eines jährlichen Erneuerungsgrades

kann daraufhin das Netzalter und die Netzlängen abgeschätzt

werden, vgl. Tabelle 1.

Aus den jeweiligen Altersgruppen und den spezifischen

Längen kann anhand einer Gegenüberstellung des historischen

und des heutigen Verbrauchs ein Gesamtfaktor

f Dalt

gebildet werden. Will man dann den Löschwasseranteil

je Versorgungszone/-gebiet festlegen, müssen die

Längen und Baujahre jeder Versorgungszone/-gebiet mit

den damaligen Parametern in Relation gesetzt werden.

Stehen die hierfür benötigten Informationen nicht zur

Verfügung, kann auch ein Gesamtfaktor für die ganze

Versorgungszone/-gebiet gebildet werden.

Für die Versorgungszonen in der Tabelle 1 ergibt sich

demnach ein Faktor (f Dalt

) von 1,23. Das bedeutet, dass

früher das Rohrleitungsnetz um das 1,23-fache größer

für die Trinkwasserversorgung dimensioniert wurde als

heute erforderlich wäre.

3.2.5 Ermittlung des um den Faktor f Dalt

erweiterten

maximalen Stundenbedarfs

Um die größere Dimensionierung, geschuldet durch die

früheren Auslegungsparameter in die Systematik zu integrieren,

kann anhand der Mayrischen Formel mit dem Faktor

f Dalt

und dem heutigen maximalen Stundenverbrauch der

Versorgungszonen/-gebiete der erweiterte maximale Stundenverbrauch

(Q hmax

*) ermittelt werden.

Q hmax

* = Q hmax

x f Dalt

(6)

Dabei ist

Q hmax

* = maximaler damals prognostizierte Stundenbedarf

der Trinkwasserversorgung

Q hmax

= maximaler heutige Stundenverbrauch der

Trinkwasserversorgung

f Dalt

= Faktor der historischen Dimensionierung

Bei einer Annahme von Q hmax

= 10 l/s und dem Faktor f Dalt

von 1,23 ergibt sich beispielhaft ein erweiterter maximaler

Stundenbedarf (damals prognostizierte Wasserbedarf) von:

Q hmax

* = 10 l/s x 1,23 = 12,3 l/s

durch. Faktor f Dalt

[1] [2] [3] [4] [5] [6] [7]

1929-1971 1319 - 1,00 1357,0

1972-1976 2319 151 1,35 3133,0

1977-1980 136 151 1,28 173,8

1981-1988 205 151 1,45 297,8

1989-1993 0 151 1,99 0,0

1994-2013 115 - 1,00 115,0

([3] / ([4]*100)) / 100) [2] * [5] Summe [6] / Summe [2]

Gesamt 4132 5076,1

1,23

10 | 2013 63


FACHBERICHT WASSERVERSORGUNG

3.2.6 Ausgrenzung nicht löschwasserrelevanter

Nutzungsgebiete

Schritt 1: Welche Nutzungsgebiete befinden sich im

Versorgungsgebiet?

Schritt 2: Vorhandene Löschwassermenge messen. Falls nicht

ausreichend, können diejenigen Nutzungsgebiete

direkt ausgegrenzt werden.

Schritt 3: Vergleich Q hmax

* und Q B

Q hmax

* > Q B

> nicht löschwasserrelevant

Q hmax

* < Q B

> löschwasserrelevant

Durch den Vergleich des erweiterten maximalen Stundenbedarfs

mit dem maximalen Stundenbedarf im Brandfall

können Versorgungsgebiete ausgegrenzt werden,

wenn der Trinkwasserbedarf größer ist als der Wasserbedarf

im Brandfall. Außerdem kann anhand der maximal

möglichen Entnahmemenge festgestellt werden, ob

überhaupt genügend Löschwasser in dem betrachteten

Gebiet zur Verfügung steht. Kann zum Beispiel lediglich

13,3 l/s aus dem Rohrleitungsnetz entnommen werden

(vgl. Tabelle 2, Versorgungsgebiet yx), müssen die Nutzungsgebiete

mit höherem Feuerlöschbedarf (26,7 l/s

und 53,3 l/s) nicht weiter betrachtet werden. Anhand

des Flächennutzungsplans der Kommune ist ersichtlich,

welches Gebiet welcher Nutzung zugeordnet ist. Wurde

ein Nutzungsgebiet neu angesiedelt und erhöht dieses die

geforderte Löschwassermenge im Brandfall, ohne dass

das Rohrleitungsnetz zusätzlich nachgerüstet wurde, darf

es nicht mit berücksichtigt werden. Um Fehlern bei der

Berechnung entgegen zu wirken, ist noch zu erwähnen,

dass bei der Berechnung von Q B

der heutige maximale

Stundenverbrauch ausschlaggebend ist.

3.2.7 Gewichtung der Nutzungsarten innerhalb des

jeweiligen Versorgungsgebietes

Um den gesamten Löschwasseranteil in einem Versorgungsgebiet

ermitteln zu können, muss zunächst gewichtet

werden, wie viel prozentualen Anteil das Wohngebiet

(13,3 l/s), die Kernstadt/Gewerbegebiet/Gemeindenutzfläche

(26,7 l/s) und wie viel Anteil das Industriegebiet

(53,3 l/s) im Versorgungsgebiet einnimmt. Die Grundlage

hierfür liefert der Flächennutzungsplan der jeweiligen

Stadt/Gemeinde. Für die Gewichtung kann man sich virtuelle

Löschradien zu Hilfe nehmen.

Hintergrund: Nach DVGW W 405 muss zur Brandbekämpfung

im Radius von 300 m um das Brandobjekt, Löschwasser

in vorgeschriebener Menge bereitgestellt werden.

Die roten Kreise markieren 300 m-Radien, in welchen an

mindestens einem Hydranten die vorgeschriebene Löschwassermenge

für ein Wohngebiet bereitgestellt werden

muss. Beispielhaft bedarf es nach Bild 5 für die Abdeckung

des Wohngebietes insgesamt zweier Hydranten.

Die schwarzen Kreise markieren zum einen die vorgeschriebene

Löschwassermenge für das Wohngebiet und

zum anderen die Gemeindenutzflächen. Hierfür benötigt

man insgesamt einen Hydranten.

An insgesamt drei Hydranten werden folgende Löschwassermengen

benötig:

2 Hydranten → Wohngebiet 13,3 l/s

1 Hydrant → Gemeindenutzfläche 26,7 l/s

Daraus resultieren folgende prozentuale Anteile:

→ Wohngebiet = 67 %

→ Gewerbe- und Gemeindenutzfläche = 33 %

Berechnung des maximalen Stundenbedarfs je Nutzungsart

anhand eines Beispiels eines Versorgungsgebietes mit

Q hmax

= 10 l/s.

Q B13,3

= 0,5 x 10 l/s + 13,3 = 18,3 l/s (7)

Q B26,7

= 0,5 x 10 l/s + 26,7 = 31,7 l/s

= 0,5 x 10 l/s + 53,3 = 58,4 l/s

Q B53,3

Nutzungsabhängiger maximaler Stundenbedarf im

Brandfall (Q BN

)

(8)

Bild 5: Löschwasserradien in einem Versorgungsgebiet

Dabei ist

Q BN

= nutzungsabhängiger maximaler Stundenbedarf

im Brandfall

Q B13,3

= maximaler Stundenbedarf im Brandfall mit

einem Feuerlöschbedarf von 13,3 l/s

Q B26,7

= maximaler Stundenbedarf im Brandfall mit

einem Feuerlöschbedarf von 26,7 l/s

Q B53,3

= maximaler Stundenbedarf im Brandfall mit

einem Feuerlöschbedarf von 53,3 l/s

64 10 | 2013


WASSERVERSORGUNG FACHBERICHT

N 13,3

= Anteil der Nutzungsart mit Q F

= 13,3 l/s,

des betrachteten Versorgungsgebietes

N 26,7

= Anteil der Nutzungsart mit Q F

= 26,7 l/s,

des betrachteten Versorgungsgebietes

N 53,3

= Anteil der Nutzungsart mit Q F

= 53,3 l/s,

des betrachteten Versorgungsgebietes

3.2.8 Bildung des Löschwasseranteils

Unter Einsatz von den unter Abschnitt 3.2.1 bis 3.2.7

erfassten Werten kann der Löschwasseranteil jedes Versorgungsgebietes

ermittelt werden. Hierbei wird zuerst

der nutzungsabhängige maximale Wasserbedarf im Brandfall

je Versorgungszone/-gebiet ermittelt. Er setzt sich aus

dem individuellen Wasserbedarf im Brandfall der jeweiligen

Nutzungsgebiete und der jeweiligen prozentualen Gewichtung

zusammen (Q BN

). Der nutzungsabhängige maximale

Stundenbedarf im Brandfall (Q BN

) kann daraufhin mit dem

erweiterten maximalen Stundenbedarf der Trinkwasserversorgung

(Q hmax

*) in Relation gesetzt werden. Der erweiterte

maximale Stundenbedarf wird zu hundert Prozent der

Trinkwasserversorgung, und die Differenz zwischen Q BN

und

Q hmax

* bei Kriterienerfüllung, der Löschwasserversorgung

zugeordnet.

Wird diese Vorgehensweise für alle Versorgungsgebiete angewendet,

so können die einzelnen Löschwasseranteile mittels

der jeweiligen Rohrleitungslängen in Verhältnis gesetzt werden.

Dadurch kann der gesamte Löschwasseranteil im Rohrleitungsnetz

eines Wasserversorgungsunternehmens errechnet

(9)

werden. Beispielhaft für das Versorgungsgebiet, das unter

Punkt 3.2.6 beschrieben wurde:

(10)

Dabei ist

LW AnteilVGges = Löschwasseranteil am Rohrleitungsnetz

aller Versorgungszonen/-gebiete (VG)

LW AnteilVG = Löschwasseranteil am Rohrleitungsnetz

des betrachteten VGs

LängeRltgVG = Rohrleitungslänge des betrachteten VGs

LängeRltgVGges = Rohrleitungslänge der gesamten VGs

4. LÖSCHWASSERBEDINGTE KAPITALBINDUNG AM

ROHRLEITUNGSNETZES

Für die Ermittlung der löschwasserbedingten Kapitalbindung

am Rohrleitungsnetz ist es aufgrund o.g. prozentual ermittelten

Löschwasseranteils erforderlich die Kapital- und Betriebskosten

mit zu berücksichtigen.

4.1 Kapitalkosten

Für die Löschwasserversorgung wurde die Trinkwasserleitung

damals größer dimensioniert. Das heißt, bei einem angenommen

Löschwasseranteil von 25 % müsste anstatt einer

DN 100-Leitung eine DN 125-Leitung verlegt worden sein. Zu

berücksichtigen ist hierbei, dass die Kosten der eigentlichen

Baumaßnahme durch die Verwendung einer 25 % größeren

Leitung nicht oder nur geringfügig beeinflusst werden. Die

Versorgungsgebiet

max.

Stundenbedarf

Q max

Faktor durch

historische

Überdimensionierung

f Dalt

erweiterter

maximaler

Stundenbedarf

Qmax*

vorhand.

Löschwassermenge

13,3

Q 8

Wohngebiet, Mischgebiet

LW

relevant

26,7

LW

relevant

Q 8

Kernstadt

Gewerbegebiet,

Gemeindenutzfläche

26,7

LW

relevant

Q 8

Industriegebiet,

Sondergebiete

53,3

LW

relevant

l/s l/s l/s l/s % l/s % l/s % l/s %

Kemstadt 102 1,12 114,24 < 53,3 64,33 0 83,78 0 83,78 0 110,45 0

Versorgungsgebiet x 14 1,12 15,68 ≤ 26,7 21,17 34,50 34,50 61,17 0

Versorgungs gebiet y 26 1,12 29,12 53,33 27,89 0 41,22 41,22 67,89

Versorgungs gebiet yx 6 1,12 6,72 13,3 16,69 0 30,02 0 30,02 0 56,69 0

Versorgungs gebiet xy 10 1,12 11,2 ≤ 13,3 18,93 32,26 32,26 58,93 0

ausschlaggebend Trinkwasserversorgung

löschwasserrelevant

Nutzungsgebiet nicht vorhanden

Löschwasserversorgung nicht ausreichend

Tabelle 2: Ausgrenzung nicht löschwasserrelevanter Gebiete

10 | 2013 65


FACHBERICHT WASSERVERSORGUNG

Bild 6: Löschwasseranteile

250.000 €

200.000 €

150.000 €

100.000 €

Rohrleitungen DEA Speicheranlagen Hydranten

Löschwasseranteile in % 30,0% 66,0% 9,4% 75,0%

50.000 €

0 €

80,0%

70,0%

60,0%

50,0%

40,0%

30,0%

20,0%

10,0%

0,0%

Löschwasseranteile in %

Kapitalkosten Betriebskosten Gesamtkosten

Hydranten 26.300 € 4.800 € 31.100 €

Speicheranlagen 9.100 € 5.700 € 14.800 €

DEA 2.500 € 3.300 € 5.800 €

Rohrleitungen 94.700 € 59.800 € 154.500 €

Bild 7: Löschwasserbedingte Kapitalbindung im Wasserversorgungssystem

Hoheitsaufgabe der Trinkwasserversorgung darf bei dieser

Betrachtungsweise nicht vergessen werden. Deshalb dürfen

nur die Mehrkosten des Rohrmaterials in den Kapitalkosten

mit berücksichtigt werden.

Diese Mehrkosten sollte jedoch von jedem Wasserversorgungsunternehmen

auf Grundlage ihrer hausinternen Preise

ermittelt werden.

4.2 Betriebskosten

Da durch die größere Dimensionierung der Stagnationsanteil

in der Trinkwasserleitung steigt, erhöht sich zugleich

der Wartungs- und Inspektionsaufwand. Deshalb darf der

Löschwasseranteil auf die Betriebskosten verrechnet werden.

Zu beachten ist, dass nur die Kosten für die Wartung und

Inspektion des Trinkwassernetzes angesetzt werden sollten,

da die Instandsetzungskosten nur minimal durch die Löschwasservorhaltung

beeinflusst werden.

5. FAZIT

Für die Festlegung der löschwasserbedingte Kapitalbindung

in der Trinkwasserversorgung ist es erforderlich, zunächst die

rechtlichen Rahmenbedingungen im Bereich der Löschwasserversorgung

sowie die Grundlagen für die Ermittlung der

löschwasserbedingten Kapitalbindung in löschwasserrelevanten

Wasserversorgungsanlagen zu analysieren, aufzubereiten

und zusammenzufassen.

Dies umfasst die Analyse der Wasserverbräuche sowie die

Auslegung und Bemessung der relevanten Wasserversorgungsanlagen

für die Löschwasserversorgung, unter Berücksichtigung

der früheren Auslegung und Bemessung der Anlagen.

Im Zuge diese Vorgehensweise, sollten die Faktoren der

historischen Dimensionierungsparameter gebildet und dann

gewichtet werden, in Bezug auf die Tatsache, mit welcher

Trinkwasser- und Löschwassermenge die Anlagen damals

ausgelegt wurden.

Mit dieser Abgrenzung könnten die Löschwasseranteile [%]

in den einzelnen löschwasserrelevanten Wasserversorgungsanlagen

festgelegt werden, vgl. Bild 6.

Aufgrund dieser Löschwasseranteile [%] könnte, unter Berücksichtigung

von Kapital- und Betriebskosten, die löschwasserbedingte

Kapitalbindung der einzelnen Anlagen bzw. im

Trinkwasserversorgungssystem ermittelt werden, vgl. Bild 7.

6. LITERATUR

[1] Berufsfeuerwehr Braunschweig, „Brandschutzmerkblatt Nr. 2“

[2] Thomas Zawadke „Wasserversorgung“, Auflage 5, Stand 2009 Verlag

für Feuerwehr und Brandschutz Stuttgart, ISBN 978-3-17-020850-6

[3] Deutsche Vereinigung des Gas- und Wasserfaches e. V.,

„W 405 Bereitstellung von Löschwasser durch die öffentliche

Trinkwasserversorgung“, Stand Februar 2008

[4] Kemper „Löschwasserversorgung“, Auflage 2, Stand 2011,

Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm GmbH Heidelberg, München,

Landesberg, Frechen, Hamburg, ISBN 978-3-609-62405-

[5] Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, „Wasserleitfaden-

zur Herausbildung leistungsstarker kommunaler und

gemischtwirtschaftlicher Unternehmen der Wasserver- und

Abwasserentsorgung“, Stand Juli 2005

[6] Feuerwehrgesetz Baden Württemberg, § 3 Abs. 2 FWG, Stand 2010

[7] Kommunale Wasserwirtschaft Information 01, Löschwasserversorgung

durch Wasserversorgungsunternehmen Seite 9

[8] Oppenländer Rechtsanwälte, „Kartellrechtliche Kostenkontrolle von

Wasserentgelten - Der Fall „Calw“, Stand 2012

[9] Organ des Vereins für kommunale Wirtschaft und Umwelttechnik,

„Kommunalwirtschaft“, Stand 2010

[10] Verband kommunaler Unternehmen e.V, „Löschwasservorhaltung

durch Wasserversorgungsunternehmen“, Stand 2008

Dr.-Ing. ESAD OSMANCEVIC

RBS wave GmbH, Stuttgart

AUTOREN

Teamleitung Netzmanagement, Lehrbeauftragter

Hochschule Rottenburg/Neckar

Tel. +49 711 289513-20

E-Mail: e.osmancevic@rbs-wave.de

STEFFEN MAYER

Student Hochschule Biberach

Tel. +49 711 289513-54

E-Mail: s.mayer@rbs-wave.de

66 10 | 2013


3. Praxistag am 29. Oktober 2013 in Essen

Wasserversorgungsnetze

Programm

Moderation: Prof. Th. Wegener,

iro Institut für Rohrleitungsbau, Oldenburg

Wann und Wo?

Themenblock 1: Netzbetrieb - Analysieren und Optimieren

Auf zu neuen Ufern -

aktuelle Fragestellungen in der Wasserversorgung

Th. Rücken, Timo Wehr, Rechenzentrum für Versorgungsnetze Wehr

GmbH, Düsseldorf

Einflüsse auf die Entscheidungsfindung im Asset Management

M. Beck, Fichtner Water & Transportation GmbH, Berlin

Themenblock 2: Strategien zur Netzspülung

Zustandsorientierte Spülung von Trinkwassernetzen

Dr. A. Korth, TZW, Außenstelle Dresden

Softwarebasierte Ermittlung von Spülprogrammen

zur Unterstützung systematischer Netzspülungen

Dr. J. Deuerlein, 3S Consult GmbH, Garbsen

Strategische Planung von Netzspülungen mit Hilfe

von Trinkwasseranalysen

M. Geib, OOWV Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband, Brake

Themenblock 3: Netzüberwachung

Multiparameter-Sensorik und Online-Überwachung

für Wasserversorgungsnetze - Einsatz im Rahmen des

Forschungsprojektes IWaNet

W. Geiger, GERO Meßsysteme GmbH, Braunschweig

Watercloud: Neue Wege im Wasserverlustmanagement

H.-P. Karle, F.A.S.T GmbH, Langenbrettach

Interdisziplinäre Planung von Netzspülungen durch neue Untersuchungsmethode

mit Berücksichtigung der biologischen

Trinkwasserqualität

M. Scheideler, Scheideler Dienstleistungen, Haltern am See

Themenblock 4: Netzbetrieb - Anwendungen aus Sicht

der Wasserversorger

Handlungsempfehlungen zur Minimierung von Rohrschäden

an Hauptleitungen des Hamburger Versorgungsnetzes

K. Krieger, HAMBURG WASSER, Hamburg; Dr. Ch. Sorge, IWW, Mülheim

Umsetzung einer Netzmanagementstrategie bei der RWW–

Rheinisch-Westfälischen Wasserversorgung

J. Erbel, RWW GmbH, Mülheim, Dr. G. Gangl, RBS Wave GmbH, Stuttgart

Veranstalter:

Veranstalter

3R, ZfW, iro

Termin: Dienstag, 29.10.2013,

9:00 Uhr – 17:15 Uhr

Ort:

Zielgruppe:

Essen, Welcome Hotel

Mitarbeiter von Stadtwerken

und Wasserversorgungsunternehmen,

Dienstleister im Bereich

Netzplanung, -inspektion und

-wartung

Teilnahmegebühr*:

3R-Abonnenten

und iro-Mitglieder: 390,- €

Nichtabonnenten: 420,- €

Bei weiteren Anmeldungen aus einem Unternehmen

wird ein Rabatt von 10 % auf den jeweiligen

Preis gewährt.

Im Preis enthalten sind die Tagungsunterlagen

sowie das Catering (2 x Kaffee, 1 x Mittagessen).

* Nach Eingang Ihrer schriftlichen Anmeldung (auch per Internet

möglich) sind Sie als Teilnehmer registriert und erhalten eine

schriftliche Bestätigung sowie die Rechnung, die vor Veranstaltungsbeginn

zu begleichen ist. Bei Absagen nach dem 15.

Oktober 2013 oder Nichterscheinen wird ein Betrag von 100,- €

für den Verwaltungsaufwand in Rechnung gestellt. Die Preise

verstehen sich zzgl. MwSt.

Mehr Information und Online-Anmeldung unter

www.praxistag-wasserversorgungsnetze.de

Fax-Anmeldung: 0201-82002-40 oder Online-Anmeldung: www.praxistag-wasserversorgungsnetze.de

Ich bin 3R-Abonnent

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PROJEKT KURZ BELEUCHTET WASSERVERSORGUNG

Bau von drei 36 m langen DN 3000-

GFK-Trinkwasserröhrenspeichern

Am 10. Juni 2013 wurde ein neuer Hochbehälter der Ammertal-Schönbuchgruppe (ASG) offiziell eingeweiht. Der alte

Trinkwasserspeicher von Hagelloch, einem Stadtteil der Universitätsstadt Tübingen, war in die Jahre gekommen und seine

Kapazität reichte für die sichere Versorgung nicht mehr aus. Daher entschloss sich die ASG, einen neuen Speicher zu bauen.

Während der Planung und dem Bau des neuen Trinkwasserhochbehälters

der ASG wurden insbesondere Naturschutzund

Artenschutzaspekte nach der Fauna-Flora-Habitat-

Richtlinie (FFH-Richtlinie) berücksichtigt. Bei der FFH-Richtlinie

handelt es sich um eine Naturschutz-Richtlinie der Europäischen

Union aus dem Jahr 1992, deren genaue deutsche

Bezeichnung „Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai

1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der

wildlebenden Tiere und Pflanzen“ lautet. Die Richtlinie hat das

Ziel, wildlebende Arten, deren Lebensräume und die europaweite

Vernetzung dieser Lebensräume zu sichern und zu

schützen. Die Vernetzung dient der Bewahrung, Wiederherstellung

und Entwicklung ökologischer Wechselbeziehungen

sowie der Förderung natürlicher Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse.

Unter Berücksichtigung dieser Aspekte

hätte der Bau eines herkömmlichen Hochbehälters mit einer

Bauzeit von rund einem Jahr deutlich zu viel Zeit beansprucht

und Fauna und Flora zu sehr geschädigt. Daher entschied sich

die Ammertal-Schönbuchgruppe gegen eine Konstruktion in

klassischer Betonbauweise und erstmalig für den Einsatz des

FLOWTITE-GFK-Systems der AMITECH Germany GmbH. Mit

Erfolg: Aufgrund der weitest gehenden Vorfertigung aller

GFK-Bauteile im Werk dauerte die Montage der Module des

rund 650 m 3 fassenden Röhrenspeichers auf der Baustelle

nur wenige Tage. Damit wurde nicht nur den Vorgaben

der FFH-Richtlinie entsprochen. Auch unter wirtschaftlichen

Gesichtspunkten hat das GFK-Trinkwasserspeichersystem den

Auftraggeber überzeugt.

Nach Aussage des Bauherrn sollte der neue Trinkwasserspeicher

am höchsten Punkt des Ortes liegen, um die besonderen

Druck- und Höhenverhältnisse in Hagelloch optimal ausgleichen

zu können. Zudem war bei der Auslegung des neuen

Hochbehälters eine Löschwasserreserve mit einzuplanen. Nach

Abwägung aller Parameter entschied sich der Bauherr für den

Bau eines Röhrenspeichers aus glasfaserverstärkten Kunststoffrohren

von AMITECH. Insbesondere erwähnenswert und

ein wichtiger Pluspunkt auch bei diesem Projekt: Trinkwasserspeicher

aus dem FLOWTITE-GFK-System können individuell

nach den Anforderungen des Bauherrn zusammengestellt,

geplant und produziert werden. Die einzelnen Module, die

auf der Baustelle zusammengefügt werden, haben trotz ihrer

Ausmaße ein vergleichsweise geringes Gewicht und sind daher

bei der Montage auf der Baustelle mit leichterem Baugerät zu

bewegen. „Dies ist ein weiterer Vorzug des Systems, gerade

Foto: ASG

Foto: ASG

Bild 1: Luftaufnahme mit Blick auf den neuen Trinkwasserröhrenspeicher

von Hagelloch. Gut zu erkennen sind die drei

parallelen 36,5 m langen Speicherbehälter DN 3000, die über die

quer angeordnete Schieberkammer zugänglich sind. Zur Fertigstellung

wurde Speichersystem noch mit rund 3.300 m 3 Erde überdeckt

Bild 2: Der Zugang zur Schieberkammer wird mit einer Sicherheitstür

aus Edelstahl der Widerstandsklasse WK3 gesichert

68 10 | 2013


WASSERVERSORGUNG PROJEKT KURZ BELEUCHTET

in Gelände mit schwerer Zugänglichkeit“, erläutert Martin

Lang, Gebietsverkaufsleiter der AMITECH Germany GmbH.

Hightech aus dem Baukasten

Das Konzept sah den Bau von drei parallel angeordneten

36,5 m langen Trinkwasser-Röhrenbehältern aus GFK-Wickelrohr

DN 3000 vor, die mit anlaminierten GFK-Klöpperböden

verschlossen wurden. Die mikrobiologische Eignung der Trinkwasserbehälter

war durch ein vom DVGW anerkanntes Prüfinstitut

entsprechend Arbeitsblatt W 270 nachzuweisen und zu

dokumentieren. Für Wartungszwecke wurden in die Stirnseite

der drei Trinkwasser-Röhrenbehälter Drucktüren DN 800 aus

Edelstahl mit Schauluken DN 150 und Schnellverschluss installiert.

Die Zulauf-, Zirkulations-, Überlauf-, Entleerungs- und

Entnahmeleitung der Behälter bestehen aus V2A 1.4301. Quer

zu den drei Speichern ist eine 19,2 m lange Schieberkammer

DN 3000 aus GFK angeordnet, in der sich die Zu- und

Ablaufleitungen sowie die notwendigen Absperr-Armaturen

befinden. Die Schieberkammer ist stirnseitig mit Stahlbetonplatten

verschlossen, wobei eine Sicherheitstür aus Edelstahl

der Widerstandsklasse WK3 in die Eingangsseite der Kammer

eingebaut wurde. Seitlich neben den Speicherbehältern sind

Drainageleitungen DN 150 aus Vollsickerrohr mit 0,5 % Gefälle

installiert, um anfallendes Sicherwasser aufzufangen und

abzuleiten. Nach Fertigstellung des Behältersystems wurde

die Anlage frostsicher mit Erde überdeckt.

Fazit

Dank der Vorteile des GFK-Trinkwassersystems konnte die

Baumaßnahme deutlich schneller und günstiger fertiggestellt

werden als dies mit herkömmlichen Konstruktionen

möglich gewesen wäre. Mehr als 3.300 m 3 Erde wurden

beim Einbau des 650 m 3 fassenden Trinkwasserspeichers

bewegt. Die ASG hat

insgesamt 800.000 €

in das Projekt investiert

und damit die

Trinkwasserversorgung

von Hagelloch

langfristig sichergestellt.

Die Gesamtbauzeit

betrug inklusive

der Vorarbeiten,

des Speicherbaus, des

Einbaus der technischen

Anlagen sowie

der anschließenden

Erd- und Verkleidungsarbeiten

nur

rund vier Monate,

die reine Bauzeit der

Speicheranlage lediglich

eine Woche. „Das

Konzept mit dem

GFK-System war für

die Erneuerung des

Trinkwasser-Hochbehälters

in Hagelloch

die ideale Lösung“, resümiert Dipl.-Verw.-Wirt.

Astrid Stepanek, Geschäftsführerin der Zweckverband

Ammertal-Schönbuchgruppe.

KONTAKT: Amitech Germany GmbH, Mochau OT Großsteinbach,

Tel. +49-3431-71820, E-Mail: info@amitech-germany.de,

www.amitech-germany.de

Foto: ASG

Bild 3: Montage der Zulauf- und Entnahmeleitungen

sowie der notwendigen Absperr-Armaturen in der

Schieberkammer

Asset Management - Risikobewertung im Rohrnetz

Innovationstechnologie unterstützt professionelles

Asset Management bei gezielter Erfassung

und Steuerung von Risiken in Wasser- und

Energienetzsystemen. Die Wissenschaft reagiert

auf gestiegene Anforderungen in der sicherheitskritischen

Infrastruktur. Zunehmendes

Betriebsmittelalter, wachsende Reparaturkosten

und steigende Schadensraten alarmieren

Netzbetreiber und nachhaltige Rehabilitationskonzepte

gewinnen zunehmend an Bedeutung.

PiReM (Pipe Rehabilitation Management) ist

ein dynamisches Softwaretool zur professionellen

Erneuerungsplanung alterungsabhänigiger

Wasser- und Energienetzsysteme. PiReM

unterstützt Netzbetreiber die Vorgaben von

Kontrollbehörden einzuhalten und Risiken vorzubeugen.

Die professionelle Line Extension der Fachschale

PiReM Trinkwasser auf die Netzsysteme

Gas, Strom, Fernwärme, Abwasser und

Transportleitungen zeigt hohe Praxisrelevanz

und unterstützt den branchenübergreifenden

Know-how Transfer und kosteneinein-

sparende Effizienz für Multi Utility Anbieter.

Unternehmen wie Berliner Wasserbetriebe,

RWW Wasser, Fair Energie GmbH oder Erlanger

Stadtwerke AG setzten bereits auf eine erfolgreiche

Rehabilitationsplanung mit PiReM.

Die Fachtagung Datenmanagement

für optimale Asset Strategien stellt am

19. November 2013 in Hamburg komplexe

Entscheidungen der Netzplanung sowie Business

Simulation und -Optimierung in Energie-

und Wassernetzen in den Mittelpunkt.

Folgende Fachthemen werden u.a. diskutiert:

* Verbesserung von Netzzustandsdaten durch

materialtechnische Zustandsbewertungen

* Praxisbericht zur softwaregestützten Rehabilitationsplanung

im Berliner Wassernetz

* Zustandsbewertung in Hochdruckleitungs- und

Transportnetzen

* Best Practice Beispiele zur Umsetzung einer

risikoorientierten Instandhaltungsstrategie

* Dynamische Asset Simulation im Hamburger

Stromnetz

10 | 2013 69


FACHBERICHT WASSERVERSORGUNG

Einflüsse auf die Entscheidungsfindung

im Asset Management

Asset Management, das effiziente Betreiben von Betriebsmitteln über den gesamten Lebenszyklus hinweg, ist bei

Versorgungsunternehmen zwischenzeitlich ein auf verschiedenen Ebenen etabliertes Werkzeug zur Sicherstellung der

Unternehmensziele. Operatives und strategisches Asset Management ergänzen sich hierbei idealerweise und kombinieren

die Erkenntnisse auf Betriebsmittelsicht mit langfristigen Simulationen als Grundlage für die Unternehmensstrategie.

Als Naturwissenschaftler und Techniker gehen wir davon aus, dass wir unsere Entscheidungen objektiv aufgrund

harter technischer Fakten treffen. Leider sind wir beim Asset Management teils mit Datenquellen unterschiedlichster

Qualität konfrontiert, die kombiniert und interpretiert werden müssen. In letzter Zeit veröffentlichte Erkenntnisse der

Psychologie zeigen, dass hierbei kognitive Verzerrungen auftreten können. Diese Erkenntnisse zu kennen kann helfen,

teure Fehlentscheidungen zu vermeiden.

HINTERGRUND: SCHNELLES DENKEN, LANGSAMES

DENKEN

Populärwissenschaftliche Bücher über die Psychologie wie

Kahnemanns „Schnelles Denken, langsames Denken“ zeigen,

wo wir besonders häufig in systematische Denkfallen tappen.

Namensgeber für das Buch ist die Theorie, dass unsere Denkprozesse

auf zwei Ebenen oder in zwei Systemen ablaufen:

System 1, das schnelle Denken, ist ein unbewusstes,

ständig aktives und schnelles Beurteilen von Situationen,

das hauptsächlich über Stereotype abläuft, d. h. ständig

Muster vergleicht und darauf basierend Entscheidungen

trifft. System 2, das langsame Denken, ist demgegenüber

ein bewusstes Nachdenken über komplexere Probleme. Da

es deutlich mehr Energie und Aufmerksamkeit bedarf, wird

es nur „zugeschaltet“, wenn System 1 die Komplexität des

Problems erkennt.

Ein gutes Beispiel, um die Wirkungsweise von System 1 zu

erkennen, ist das Schläger-und-Ball-Problem. Versuchen Sie

dazu folgende Aufgabe zu lösen: „Ein Schläger und ein

Ball zusammen kosten 1,10 EUR. Der Schläger kostet 1 EUR

mehr als der Ball. Was kostet der Ball?“. Merken Sie, wie ihr

System 1 meint, 0,10 EUR würde richtig ausschauen? Die

meisten kommen erst, wenn Sie bewusst darüber nachdenken,

dass dann in Summe 1,20 EUR rauskommt, auf die

richtige Antwort.

Selbstverständlich neigen wir dazu, anzunehmen, dass wir

wichtige Entscheidungen ausschließlich mit System 2 treffen.

Die im Folgenden beschriebenen Beispiele sollen zeigen,

wo die Gefahr von Fehleinschätzungen besteht. Zum leichteren

Verständnis wird jeweils zuerst ein Beispiel Kahnemanns

oder ein „Allerweltsbeispiel“ verwendet und erst nach der

Erläuterung des Problems der Bezug zum Asset Management

hergestellt und mögliche Auswirkungen oder auch Gegenmaßnahmen

diskutiert.

FRAGEN ERSETZEN

Wie George Pólya in „Schule des Denkens“ schreibt: „Wenn

Du ein Problem nicht lösen kannst, dann gibt es ein einfacheres

Problem, dass Du lösen kannst. Finde es.“

Überlegen Sie sich dazu die Antwort auf folgende Fragen:

- Wie erfolgreich wird Bayern München in zehn Jahren sein?

- In welchem Zustand werden meine Stahlleitungen in zehn

Jahren sein?

In dieser Zusammenstellung wird einem sehr schnell klar,

dass man die erste Frage zwar meint, beantworten zu

können. Hinterfragt man die eigene Entscheidungsfindung

zeigt sich aber, dass man eigentlich gar nicht genug

weiß, um eine solche Vorhersage fundiert zu machen.

Stattdessen hat man unbewusst die Frage durch eine

„heuristische Frage“ ersetzt: „Wie gut ist Bayern München

jetzt?“ Die Gefahr hier besteht also in der Neigung,

das eigene Urteilsvermögen nicht anzuzweifeln, obwohl

man für eine fundierte Beurteilung nicht ausreichende

Daten hat.

Die zweite Frage kann eigentlich nur sinnvoll beantwortet

werden, wenn ein Alterungsmodell vorliegt, das netzabschnittsweise

unter Berücksichtigung aller bekannten

Einflussfaktoren Alterungsfunktionen ermittelt hat, die

den zeitlichen Verlauf der Alterung erkennen lassen. Viel

zu schnell wird man hier jedoch als Praktiker meinen, man

könne die Frage beantworten, indem man sie durch ein

„Wie viele Schäden hatten wir letztes Jahr an unseren

Stahlleitungen?“ ersetzt.

BASISRATENFEHLER

Hierbei handelt es sich um Fehlschlüsse, die sich ergeben,

wenn wir eine Fragestellung nur mit der Innensicht betrachten,

also nur die Besonderheiten des Falles betrachten, anstatt

auch die Außensicht anzuwenden, d. h. grundsätzliche Erfahrungen

mit ähnlichen Problemen mit einzuschließen. Ein

Beispiel, das Kahnemann selbst schildert, wird vermutlich

jedem Projektmanager bekannt vorkommen. So hatte er

zu Beginn eines Buchprojekts die Co-Autoren gefragt, wie

lange sie die Projektdauer einschätzen. Hierbei kamen rund

zwei Jahre raus. Nachdem er ein Teammitglied gezielt fragte,

wie solche Projekte üblicherweise verlaufen, erklärte dieser

jedoch, dass gerade mal 40 % überhaupt abgeschlossen

werden und dann i.d.R. erst nach rund sieben Jahren.

70 10 | 2013


WASSERVERSORGUNG FACHBERICHT

Diese Diskrepanz ist ein Teil dessen, was Kahnemann

später als Planungsfehlschluss erläutert, und was mit ein

Grund dafür ist, dass Flughäfen oder Philharmonien nicht

rechtzeitig fertig werden.

Es ist jedoch auch ein Problem bei der Beurteilung z. B.

des Zustands eines Netzes. Da man hier i.d.R. nur bei

wenigen Materialgenerationen ausreichend Leitungen

hat, um statistisch signifikante Aussagen ausschließlich

über die Schadensrate zu erzielen, ist ein bewusstes

Hinzuziehen von generellen Informationen notwendig.

Erst die Kombination der beiden Sichtweisen ergibt eine

realistische Einschätzung.

OptNet bewertet hierzu Materialgeneration, vorgefundene

Einflussfaktoren und Schadenshistorie der Einzelleitung

anhand von Erfahrungswerten und stellt eine Zustandsnote

zur Verfügung, die dem erwarteten Zustand entspricht

(Außensicht). Durch die anschließende Kalibrierung der

Alterungsfunktionen anhand der in der Materialgeneration

und Durchmesserklasse aufgetretenen Schäden

kommt eine Innensicht dazu. Sie zeigt die tatsächliche

Entwicklung, ist aber, wenn von einer Materialgeneration

nur geringe Mengen an Leitungen vorliegen ggf. durch

statistische Ausreißer beeinflusst. Für die endgültige Beurteilung

des Erneuerungsbudgetbedarfs werden diese

beiden Informationen schließlich zusammengefasst und

mit weiteren Erfahrungswerten so kombiniert, dass mit

der „Bewertung Abnutzung“ eine fundierte Grundlage

für Investitionsentscheidungen zur Verfügung steht.

Bild 1 zeigt eine vergleichende Auswertung aus Opt-

Net-L. Klar zu erkennen ist, dass nach der Kalibrierung

selbst bei Leitungen mit rund 140 Jahren noch die Note

„Sehr gut“ auftritt. Dies entspricht der gängigen Erfahrung,

dass die letzten verbleibenden Rohrleitungen einer

Materialgeneration ja „die besten ihrer Art“ sind und

tatsächlich i.d.R. wenige Schäden aufweisen. Für die

Entscheidung, wie viel Budget in den nächsten Jahren

vorgeschlagen werden sollte, werden diese Leitungsabschnitte

jedoch trotzdem als „verschlissen“ gewertet.

Auch wenn sie derzeit nicht auffällig sind, ist anzunehmen,

dass sie sich am Ende ihrer Lebensdauer befinden.

Bereits eine Baustelle in der Nähe kann, vor allem bei

den alten spröden Materialien, schnell sprunghaft die

Schadensrate steigern. Für die tatsächliche Umsetzung

des Budgets in Einzelmaßnahmen ist jedoch die tatsächliche

Ausfallwahrscheinlichkeit, d. h. die „Zustandsnote

kalibriert“ entscheidend.

REGRESSION ZUM MITTELWERT

Eine Eigenschaft der Statistik, die uns bewusst klar zu sein

scheint, ist die „Regression zum Mittelwert“ – Extremwerte

sind selten und die Wahrscheinlichkeit, dass nach

dem Auftreten eines Extremwertes wieder normalere

Werte auftreten hoch.

Bei der Beurteilung von Schadensereignissen trifft uns

diese Fehleinschätzung manchmal, wenn plötzlich in

einem Jahr unerwartet viele Schadensereignisse an einer

Materialart auftreten. Schnell kommt hier die Auffassung,

man müsse sofort entgegensteuern.

Bild 1: Vergleich von drei Zustandsnoten in OptNet

10 | 2013 71


FACHBERICHT WASSERVERSORGUNG

Bild 2 zeigt eine beispielhafte Auswertung von Schadensereignissen

mehrerer Jahre („Keine Kategorie“ heißt

hier, dass bei der Schadenserfassung die Materialart nicht

erfasst wurde). Es zeigt sich, dass 1995 plötzlich eine

vergleichsweise große Zahl PE-HD-Leitungen Schäden

aufwies. Hier wäre es sicherlich keine gute Idee gewesen,

dies sofort ernst zu nehmen und entsprechend zu

handeln. Gleichzeitig zeigt sich aber auch die geringe

Anzahl an Schäden insgesamt, die für eine Beurteilung

zur Verfügung stehen, was zum nächsten Problem führt:

AVAILABILITY BIAS

In den Medien sind wir täglich mit Umfragen konfrontiert,

von denen uns eigentlich bewusst ist, dass diese nicht aussagekräftig

sind. Klassiker beginnen mit den Worten „Eine

Umfrage unter X Passanten ergab…“. Und selbst, wenn

die verwendete Stichprobe ausnahmsweise ausreichend

groß ist, werden die Ergebnisse gerne so dargestellt, dass

ein falscher Eindruck erweckt wird. Im einfachsten Fall,

indem die Y-Achse verschoben wird, wie in Bild 3.

Bild 2: Vereinzelte Schadenshäufigkeiten können getrost ignoriert werden

Bild 3: Unterschiedliche Darstellung der gleichen Werte

Selbstverständlich erkennen wir, dass in der unteren Darstellung

eine Verzerrung der Unterschiede zwischen den

einzelnen Werten aufgetreten ist, weil sich durch die

Verschiebung der Y-Achse eine Änderung der Skalierung

ergeben hat. Leider zeigt sich, dass unser Gehirn nach

dem Motto „what you see is all there is“ arbeitet. In

Ermangelung besserer Informationen wird jede Information

genommen, die wir haben – auch wenn wir versuchen

uns bewusst klar zu machen, dass die Stichprobengröße

nicht ausreichend war, oder die bildliche Darstellung

verzerrt war.

Gerade bei der Bewertung von Anlagen lässt es sich nicht

immer vermeiden, Entscheidungen auch mal auf Grundlage

von Datenmengen zu treffen, die eigentlich zu gering

sind, um statistisch signifikante Aussagen zu gewährleisten.

Umso mehr ist es wichtig, sich bei entsprechenden

Angaben immer die Datengrundlage zu notieren.

Als hilfreich hat es sich erwiesen, Ergebnisse nicht nur in

einem Bericht vorgelegt zu bekommen, sondern sich die

Möglichkeit zu schaffen, selbst „mit den Zahlen zu spielen“.

Es zeigt sich hier immer

wieder, dass ausführliche Workshops

zur gemeinsamen Datenanalyse

deutlich mehr bringen,

als lange Berichte.

DER HANG ZUM

NULL-RISIKO

Eine unangenehme Erkenntnis

für alle, die regelmäßig mit

Statistiken und Wahrscheinlichkeiten

zu tun haben ist sicherlich

die, dass wir, auch wenn

wir uns dies bewusst einreden,

unbewusst Wahrscheinlichkeiten

nicht differenzieren. So zeigten

Versuchspersonen, die man

an einen Schaltkreis anschloss,

exakt das gleiche Ausmaß an

Angst unabhängig davon ob

man Ihnen mitteilte, dass Sie

mit ein- oder zwanzigprozentiger

Wahrscheinlichkeit einen

Stromschlag bekommen würden.

Die bewusste Überlegung,

dass 1% sehr unwahrscheinlich

ist, sorgte hier nicht für einen

geringeren Anstieg zum Beispiel

des Puls. Beruhigend ist

ausschließlich eine Wahrscheinlichkeit

von 0.

Tatsächlich ist dies eine Fehleinschätzung,

die bei der Erneuerungsplanung

relativ häufig

auftritt: Wie Bild 4 zeigt, sind

die Ausfallwahrscheinlichkeiten

innerhalb der Materialklas-

72 10 | 2013


WASSERVERSORGUNG FACHBERICHT

sen und Altersstufen in der

Realität aufgrund unterschiedlicher

Randbedingungen weit

gestreut. Wäre dies nicht der

Fall, so könnten nie besonders

gefährdete Leitungsabschnitte

identifiziert werden und sinnvolle

Erneuerungsmaßnahmen

vorgeschlagen werden.

Der Fehler, der hier auftritt,

ist angesichts des unteren

Diagramms zu denken:

„PE-HD ist so gut, da machen

wir noch gar nichts“ oder „GG

ist so schlecht, die sollten wir

alle auswechseln“. Letzteres

ist zugegebenermaßen in

der realen Budgetplanung,

in der ein Asset Manager

seine Budgetwünsche durch

griffige Erklärungen hinterlegen

muss, manchmal eine hilfreiche

Vorgehensweise. Wirtschaftlich

ist sie jedoch nicht.

Eine technisch-wirtschaftlich optimale Erneuerungsplanung

wird im vorliegenden Fall zwar natürlich vor

allem GG-Leitungen austauschen, aber eben vielleicht

auch schon die eine oder andere besonders auffällige

PE-HD-Leitung.

Bild 4: Streuung der Ausfallwahrscheinlichkeiten

WENIGER IST MEHR

Überlegen Sie, was wahrscheinlicher ist:

»»

Option 1: Im nächsten Jahr findet in den USA eine

gewaltige Flutkatastrophe statt, bei der mehr als

1.000 Menschen sterben.

»»

Option 2: Im nächsten Jahr kommt es in Kalifornien

zu einem Erdbeben. In den dadurch verursachten

Fluten sterben mehr als 1.000 Menschen.

Betrachtet man die beiden Optionen nüchtern, stellt man

fest, dass bei Option 1 jede Art von Flutkatastrophe möglich

ist, während es bei Option 2 eine Folge des Erdbebens

sein müsste. Noch dazu ist in Option 2 die mögliche Region

auf Kalifornien begrenzt. Die Wahrscheinlichkeit von

Option 2 muss also ein geringer Bruchteil von Option 1

sein. Dennoch lässt uns die Plausibilität eines Erdbebens

in Kalifornien und die in sich stimmige Story dies nicht

sofort erkennen. Übertragen auf die Netzbewertung kann

dieser Effekt auftauchen, wenn man folgende Optionen

miteinander vergleicht:

»»

Option 1: Die Gesamtzahl der Schäden nimmt

nächstes Jahr absolut zu.

»»

Option 2: Bei Az-Leitungen bis DN 200 steigt

nächstes Jahr die Schadenszahl.

Hier bleibt offensichtlich nur, sich vor allzu schlüssig klingenden

Stories zu hüten – der beste Schutz gegen solche

Fehleinschätzungen ist auch hier eine detaillierte Analyse

der zugrundeliegenden Daten.

ZUSAMMENFASSUNG

Die Berücksichtigung von Erkenntnissen der Psychologie zu

Denkfallen und kognitiven Verzerrungen zeigt insbesondere

bei der Interpretation statistischer Daten die Gefahr von

Fehlentscheidungen. Insofern kann der „Blick über den Tellerrand“

Entscheidungsträgern im Asset Management wertvolle

Denkanstöße geben, um eigene Bewertungen kritisch zu

hinterfragen.

Grundlage für ein fundiertes Verständnis der Wirkungszusammenhänge

im Netz ist eine detaillierte und objektive

Analyse der Daten. Als hilfreich für ein Hinterfragen der Entscheidungsgrundlagen

hat sich der Einsatz flexibler Datenanalysewerkzeuge

erwiesen. So können, ohne große Einarbeitungszeit,

die ermittelten Daten selbst analysiert werden und,

teils allein durch eine Änderung der Darstellung der Daten,

eine objektivere Sicht gewonnen werden als wenn nur ein

vorgefertigter Bericht zur Verfügung steht.

LITERATURVERZEICHNIS

[1] Dobelli, R. (2011). Die Kunst des klaren Denkens: 52 Denkfehler, die

Sie besser anderen überlassen. Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG.

[2] Kahnemann, D. (2011). Schnelles Denken, Langsames Denken.

München: Siedler Verlag.

MIKE BECK

Fichtner Water & Transportation GmbH,

Berlin

Tel.: +49 30 609765-41

E-Mail: info@optnet.de

AUTOR

10 | 2013 73


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ

Beeinflussung von Wasserleitungen

durch Streuströme: Messtechnische

Erfassung und Schutzmaßnahmen

Die Wasserverteilnetze in städtischen Gebieten sind mit zunehmenden Herausforderungen bezüglich des

Korrosionsschutzes konfrontiert. Während die hochwertigen Umhüllungssysteme die Problematik von Korrosion im

Boden weitgehend eliminieren, besteht vielerorts eine zunehmende Gefährdung durch Streuströme. Diese rühren

einerseits von der steigenden Leistung und den damit höheren Schienenpotentialen bei Gleichstrombahnen und

andererseits von der alternden Beschichtung von kathodisch geschützten Rohrleitungen und dem damit steigenden

Schutzstrombedarf her. Diese steigenden Ströme erhöhen die Korrosionsgefährdung von Drittstrukturen. Eine

mögliche Vorgehensweise bei der Bewertung der Beeinflussung wird diskutiert und konkrete Schutzmaßnahmen

werden untersucht und präsentiert.

In vielen städtischen Versorgungsnetzen liegt eine hohe

Dichte an erdverlegter metallischer Infrastruktur vor.

Gleichzeigt besteht eine Streustromgefährdung durch

Gleichstrombahnanlagen und durch Gasleitungsnetze,

die mit einem kathodischen Korrosionsschutz [1] ausgerüstet

sind. In vielen Fällen führt die steigende Leistung

der Bahnanlagen zu steigenden Schienenpotentialen und

somit zu verstärkten Streuströmen. Außerdem bedingen

die allmähliche Alterung der Umhüllung, sowie die

erhöhte Streustromgefährdung der kathodisch geschützten

Gasrohrleitungen eine kontinuierliche Zunahme des

Schutzstrombedarfs. Eine Erhöhung des Schutzstroms

führt zwar zur Verbesserung des kathodischen Korrosionsschutzes

und in den meisten Fällen ist es auch möglich,

die Schutzkriterien für den kathodischen Korrosionsschutz

aufrechtzuerhalten. Die Problematik besteht aber darin,

dass diese Maßnahme auch zu einer Erhöhung der Korrosionsgefährdung

von Drittstrukturen führt. Diese ist

besonders ausgeprägt, wenn es sich um elektrisch längsleitfähige

Rohrleitungen handelt. Konkret führt dies zu

der Situation, dass durch den Streustrom der Bahnanlagen

oder den kathodischen Korrosionsschutz von Gasleitungen

die Lebensdauer der Drittstrukturen beeinträchtigt

werden kann. Im Extremfall erreicht dabei die Gasleitung

eine Nutzungsdauer von weit über 100 Jahren, während

die benachbarte Wasserleitung bereits nach wenigen

Jahrzehnten durch Korrosion perforiert wird. In einem

ungünstigen Einzelfall wurde sogar beobachtet, dass die

Leckage der Hochdruckwasserleitung zu einer Perforation

der Gasleitung aufgrund von Erosion geführt hat.

Bild 1: Streustrombeeinflussung einer Rohrleitung mit zwei

identischen Fehlstellen. Die Messanordnung entspricht der

EN 50162

Bild 2: Kathodische Streustrombeeinflussung einer Rohrleitung mit

einer asymmetrischen Verteilung der Fehlstellen, wie sie im Normalfall

zu erwarten ist. Die Messanordnung entspricht der EN 50162

74 10 | 2013


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ

MESSUNG DER STREUSTROMBEEINFLUSSUNG

Konkret stellt sich die Frage nach der Bewertung der Korrosionsgefährdung

durch Fremdströme sowie die möglichen

Schutzmaßnahmen. Denn bezüglich der Zustandserfassung

und der Planung der Erneuerungsstrategie

von erdverlegten städtischen Infrastruktureinrichtungen

ist es wesentlich, die effektive Beeinflussungssituation

zu erfassen. Generell sind anodische Beeinflussungen

entsprechend Gleichung (1) zulässig, wobei ρ der Bodenwiderstand

in Ωm und U max

die maximal zulässige mittlere

Potentialanhebung durch einen Streustrom in mV

darstellt.

U max

=1.5⋅ ρ

(1)

Die Vorgaben der EN 50162 [2] für die Erfassung der

Streustrombeeinflussung verlangen eine Potentialregistrierung

gemessen gegen eine Bezugselektrode, die

über der beeinflussten Struktur positioniert wird. Diese

Konfiguration ist in Bild 1 für eine Rohrleitung mit zwei

identisch großen Fehlstellen dargestellt. Der Streustromaustritt

an der Schiene bewirkt einen Spannungsfall ΔU

im Erdboden, der durch die beiden Fehlstellen in der

elektrisch längsleitfähigen Rohrleitung abgegriffen wird.

Da die Fehlstellen im dargestellten Fall identische Ausbreitungswiderstände

haben, kann in erster Näherung davon

ausgegangen werden, dass die anodische Potentialverschiebung

ΔU a

und die kathodische Beeinflussung ΔU k

identisch sind. Demzufolge wird durch die Messung der

Potentialbeeinflussung gemäß Bild 1 in der gegebenen

Konfiguration tatsächlich die effektive Streustrombeeinflussung

erfasst, die anhand der EN 50162 bewertet

werden kann. Eine genauere Prüfung zeigt nun aber,

dass die in Bild 1 dargestellte Situation nicht der typischen

Konfiguration entspricht. Vielmehr muss davon

ausgegangen werden, dass fern des Kreuzungsbereichs

mit einer großen Zahl an Fehlstellen gerechnet werden

muss. Das bedeutet, dass der Ausbreitungswiderstand

im Spannungstrichter der Bahn im typischen Fall deutlich

größer ist als jener der Rohrleitung außerhalb des Spannungstrichters.

Diese Konfiguration ist in Bild 2 dargestellt,

wobei die große Anzahl an Fehlstellen außerhalb

des Spannungstrichters in Form einer einzigen großen

Fehlstelle dargestellt wird. Es zeigt sich, dass sich der

durch die beiden Fehlstellen abgegriffene Spannungsfall

ΔU nicht mehr symmetrisch aufteilt. Vielmehr erfolgt

eine starke kathodische Beeinflussung ΔU k

, die zu einer

gemessenen schwachen anodischen Beeinflussung ΔU a

führt. Dies zeigt deutlich, dass anodische Spannungstrichter

in vielen Fällen nicht zu kritischen anodischen

Beeinflussungen führen, sofern die Widerstandsverhältnisse

entsprechend günstig liegen.

Schwieriger ist die Situation allerdings im Fall einer Beeinflussung

durch einen kathodischen Spannungstrichter wie

sie in Bild 3 dargestellt ist. Diese führt in der Messung

zu einer leichten kathodischen Polarisation. Tatsächlich

tritt aber eine starke anodische Beeinflussung auf. Daraus

muss geschlossen werden, dass ohne weiterführende

Betrachtungen eine Beeinflussungsmessung gemäß

EN 50162 zu falschen Beurteilungen führen kann. Bei

einer Situation gemäß Bild 3 ist nicht nur das Ausmaß,

sondern sogar das Vorzeichen der Streustrombeeinflussung

falsch. Konkret stellt sich die Frage, wie die effektive

Beeinflussung überhaupt erfasst werden kann. Bei

genauerer Betrachtung wird deutlich, dass die effektive

Streustrombeeinflussung messtechnisch gar nicht

zugänglich ist. Durch Verschieben der Bezugselektrode

in Richtung der beeinflussenden Struktur (hier Gleise)

wird aber generell eine bessere Erfassung der Beeinflussung

möglich. Dies wird in Bild 4 für die verschiede-

Bild 3: Anodische Streustrombeeinflussung einer

Rohrleitung mit einer asymmetrischen Verteilung der

Fehlstellen, wie sie im Normalfall zu erwarten ist. Die

Messanordnung entspricht der EN 50162

Bild 4: Anodische Streustrombeeinflussung einer Rohrleitung

mit einer asymmetrischen Verteilung der Fehlstellen, wie sie im

Normalfall zu erwarten ist. Der Einfluss des Elektrodenstandorts

auf die gemessene Streustrombeeinflussung ΔU m

10 | 2013 75


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ

a)

b)

Bild 5: Auswirkung des kritischen Beeinflussungsradius einer kathodisch geschützten Rohrleitung (blau):

a) wenn die Fremdstruktur (grau) außerhalb des Radius liegt, ist nicht von einer kritischen Beeinflussung auszugehen;

b) wenn die Fremdstruktur innerhalb des Radius liegt, muss mit einer kritischen Streustrombeeinflussung gerechnet werden

nen Elektrodenstandorte a bis d dargestellt. Aus dieser

Darstellung wird deutlich, dass beim Standort a eine

kathodische, beim Standort b keine, beim Standort c

eine anodische und beim Standort d eine stark anodische

Beeinflussung ΔU m

gemessen wird. Dies ist hauptsächlich

eine Folge der Bezugselektrodenpositionierung im Spannungstrichter

der Gleise und nur teilweise ein Effekt der

effektiven Beeinflussung des Rohrs. Angesichts dieser

Argumentation wird deutlich, dass durch entsprechende

Positionierung der Bezugselektrode jedes beliebige

Ergebnis erhalten werden kann. In Bild 4 entspricht das

gemessene ΔU m

aber in keinem Fall der effektiv auftretenden

Beeinflussung ΔU a

der Fehlstelle. Das Problem

besteht auch darin, dass beim Standort d selbst dann

eine starke anodische Beeinflussung gemessen würde,

wenn gar keine Fehlstelle im Spannungstrichter der Gleise

vorhanden wäre.

Diese kurze Diskussion der messtechnischen Probleme

beim Erfassen der Streustrombeeinflussung macht deutlich,

dass die effektive Beeinflussung der Rohrleitung nur

bei umfassender Kenntnis der vorliegenden Situation

(z. B. Art und Verteilung der Fehlstellen am Rohr) möglich

ist. Da im Normalfall der Elektrodenstandort im überbauten

Gebiet nicht frei gewählt werden kann, muss daher

befürchtet werden, dass die effektive Beeinflussung in

vielen Fällen falsch eingeschätzt wird.

MÖGLICHKEITEN ZUR VERBESSERUNG DER

BEEINFLUSSUNGSMESSUNG

Da also die direkte messtechnische Erfassung der Beeinflussung

nicht möglich ist, kann nur durch Berechnung

der elektrischen Feldverteilung, unter Berücksichtigung

der exakten Elektrodenpositionen, eine verbesserte Beurteilung

der Streustromgefährdung vorgenommen werden.

Diese Methodik ermöglich die Berechnung des kritischen

Beeinflussungsradius [3, 4]. Dessen Bedeutung wird für

den Fall einer Streustrombeeinflussung durch eine kathodisch

geschützte Leitung in Bild 5a und b erläutert.

Grundsätzlich führt jede Fehlstelle in der kathodisch

geschützten Rohrleitung zu einem Schutzstromzutritt

und somit zu einem Spannungsfall im Boden. Sobald

eine längsleitfähige Rohrleitung in den Nahbereich der

kathodisch geschützten Leitung gelangt, ist es möglich,

dass diese durch den Schutzstrom korrosiv angegriffen

wird. Im Fall einer kleinen Fehlstelle in der kathodisch

geschützten Rohrleitung, kann dieser Radius vergleichsweise

klein sein. Wenn die Drittstruktur außerhalb dieses

Radius liegt (Bild 5a) muss nicht mit einer kritischen Beeinflussung

gerechnet werden. Wenn im Falle eines großen

Radius (Bild 5b), wie er beispielsweise bei einer großen

Fehlstelle in der Umhüllung der kathodisch geschützten

Leitung auftreten kann, die Drittstruktur innerhalb

des Radius liegt, muss in der Folge mit einem erhöhten

Korrosionsabtrag an der betroffenen Leitung gerechnet

werden, da die maximal zulässige anodische Beeinflussung

überschritten wird.

Die Berechnung des kritischen Radius ist grundsätzlich

sehr aufwändig, da einerseits die Lage der kathodisch

geschützten Leitung und andererseits die Lage der

Bezugselektrode relativ zur Rohrleitung exakt bekannt

sein müssen. Zudem muss die Lage von Drittstrukturen

relativ zur kathodisch geschützten Rohrleitung bekannt

sein. Diese Informationen sind typischerweise im GIS

hinterlegt. Es ist folglich naheliegend, die Messdaten

der Intensivmessung zusammen mit den zugehörigen

geometrischen Informationen über die Positionen der

Bezugselektroden direkt in das GIS einzubringen und

die entsprechende Berechnung, sowie die Beurteilung

der Korrosionsgefährdung automatisch vornehmen zu

lassen [3, 4].

76 10 | 2013


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ

SCHUTZMASSNAHMEN GEGEN

STREUSTROMBEEINFLUSSUNG

Die Streustrombeeinflussung an bestehenden Anlagen

kann gemäß [1] durch eine gerichtete Drainage oder einen

kathodischen Schutz erfolgen. Aus der obigen Diskussion

wird aber deutlich, dass diese Schutzmaßnahmen die

Korrosionsgefährdung für weitere Strukturen erhöhen

können. In der EN 50122-2 [5] wird festgehalten, dass

beim Einsatz einer Drainage nachgewiesen werden muss,

dass diese keine negativen Auswirkungen auf weitere

Strukturen hat. Konkret kann der Fall auftreten, dass

durch diese Schutzmaßnahmen die Beeinflussung weiter

verschleppt wird. Der messtechnische Aufwand wird

daher noch zusätzlich erhöht.

Auf Seite des Beeinflussers stehen die Erhöhung der

Schienen- oder Rohrisolation sowie die Verringerung

des Schienenpotentials respektive die Verschiebung des

Einschaltpotentials in positive Richtung im Vordergrund.

Bei bestehenden Anlagen gibt es diesbezüglich aber nur

begrenzt Möglichkeiten zur Verbesserung und mit dem

Alter der Anlagen und steigender Fahrzeugzahl und Leistung

wird die Beeinflussung im Verlaufe der Zeit sogar

eher zunehmen.

Für den Betreiber von nicht kathodisch geschützten

Wasser-, Abwasser- und Gasverteilnetzen besteht somit

nur die Möglichkeit bereits beim Bau der Anlagen auf

einen maximalen Streustromschutz zu achten. Aus Bild 5

geht hervor, dass der Abstand zwischen beeinflussender

und beeinflusster Struktur relevant ist. Da der Gefährdungsradius

abhängig von den Betriebsbedingungen, der

Isolationsqualität und dem Bodenwiderstand zwischen

einigen Zentimetern bis über 10 m betragen kann, ist es

nicht möglich, einen allgemeingültigen Minimalabstand

zu definieren. Insbesondere ist zu befürchten, dass sich

im Laufe der Zeit die äußeren Bedingungen ungünstig

verändern und der Radius zunehmen kann. Angesichts

der hohen Dichte an urbaner Infrastruktur ist es bereits

unrealistisch, einen Minimalabstand im Bereich von 1 m

zu fordern, da dieser bei der Ausführung gar nicht eingehalten

werden kann.

Somit stellt sich die Frage nach Schutzmöglichkeiten

gegen Streustromkorrosion. Aus den Ausführungen geht

klar hervor, dass der vom Rohr abgegriffene Spannungsfall

derart begrenzt werden muss, dass die Vorgaben

gemäß Gleichung (1) eingehalten werden können. Dies

ist einerseits möglich, indem die Rohrleitung durch ein

isolierendes Mantelrohr vom Streustromgradienten abgeschirmt

wird (Bild 6a). Dieses muss so lang sein, dass der

verbleibende Spannungsfall ausreichend klein ist. Die

Alternative ist die Unterbrechung der Längsleitfähigkeit

gemäß Bild 6b. Dabei müssen die einzelnen Rohrstücke

so kurz gehalten werden, dass der abgegriffene Spannungsfall

so klein wird, dass wiederum die Vorgaben der

EN 50162 eingehalten werden.

Aus betrieblicher Sicht ist die einfachste Vorgehensweise

die Verwendung von Gussrohren mit elektrisch isolierenden

Muffenverbindungen. Dadurch wird eine Begrenzung

des abgegriffenen Spannungsfalls gemäß Bild 6b möglich.

Wenn die Leitung zusätzlich mit einer mechanisch

stabilen isolierenden Außenbeschichtung versehen wird,

kann der Streustromeintritt in die Rohrleitung zusätzlich

erschwert werden.

MESSUNGEN DER ISOLATIONSWIRKUNG VON

VERSCHIEDENEN MUFFENVERBINDUNGEN

(GUSSROHRE GEMÄSS EN 545)

Aufgrund dieser Überlegungen wurde die elektrische

Längsleitfähigkeit von Muffenverbindungen mit Schubsicherung

an verschiedenen Rohrsystemen messtechnisch

erfasst. Dabei wurden nicht nur die leeren Rohre ohne

Druckbeaufschlagung untersucht, sondern es wurden

auch der Einfluss von mechanischen Kräften auf die Isolationselemente

sowie die Auswirkung von möglicher

Wasseraufnahme mit einbezogen. Hierzu wurden ver-

a) b)

Bild 6: Schutzmassnahmen gegen Streustromkorrosion durch Begrenzung des auftretenden Spannungsfalls:

a) isolierendes Mantelrohr; b) Unterbrechung der Längsleitfähigkeit

10 | 2013 77


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ

SCHLUSSFOLGERUNG

Die Diskussion der Streustrombeeinflussung

von Rohrleitungen zeigt deutlich,

dass die messtechnische Erfassung der

Beeinflussung nicht ohne weiteres möglich

ist. Die Problematik besteht darin,

dass die relevanten Spannungsgradienten

von der Position der Bezugselektrode

sowie der Lage der verschiedenen

Fehlstellen abhängig sind.

Angesichts einer in Zukunft steigenden

Beeinflussung stellt sich bei der Erneuerung

und beim Neubau von Wasser- und

Abwasserleitungen die Frage nach optimalen

Schutzstrategien. Aufgrund der

diskutierten Effekte stellt die Unterbre-

Außenkorrosionsschutz

Innenkorrosionsschutz

Schubsicherung

System A Passiv (Polyurethan) Polyurethan Typ A: außenliegend

reibschlüssig

System B Passiv (Polyurethan) Polyurethan Typ B: innenliegend

reibschlüssig

System C Aktiv (Zink/Bitumen) Polyurethan Typ C: innenliegend

reibschlüssig

System D Passiv Zement Typ D

System E Aktiv Zement Typ E

System F Aktiv Zement Typ F

System G Aktiv Zement Typ G

Tabelle 1: Zusammenstellung der geprüften Systeme (Gussrohre DN 150)

schiedene Rohre und Muffenverbindungen im Anlieferungszustand

ohne spezielle Vorbehandlung gemäß den

Anleitungen der Hersteller installiert. Eine Beschreibung

der geprüften Systeme ist in Tabelle 1 aufgeführt.

Die Messungen des Widerstands über den Muffenverbindungen

wurden im Leerzustand, am wassergefüllten

drucklosen System und auf den Druckstufen 5, 10 und

15 bar durchgeführt. Nach anschließender Auslagerung

von drei Monaten unter Druck, wurden die Widerstände

nochmals gemessen. Die Beurteilung der elektrischen

Trennung erfolgte durch Messen des Wechselstromwiderstands

und der Spannungsdifferenz über der Muffenverbindung.

Die Ergebnisse der Wechselstromwiderstandsmessungen

sind in Bild 7 zusammenfassend dargestellt.

Vor der Befüllung mit Wasser zeigten die Systeme A und

B sehr hohe Widerstandswerte (> 300 kΩ). Die Muffenverbindungen

der Systeme C, D und E zeigten mittlere

Werte zwischen 20 Ω und 120 Ω. Die Verbindungen der

Leitungen F und G waren mit Werten unter 2 Ω bereits

Bild 7: Resultate der Wechselstromwiderstandsmessungen

nach der Installation als elektrisch verbunden

zu betrachten. Mit der Wasserbefüllung, einer

ersten Druckbelastung sowie dem Ansprechen

der Schubsicherungen verschlechtern sich die

Widerstandswerte sämtlicher Verbindungen. Bei

den Verbindungen der Leitungen E, F und G ließ

sich aufgrund der Widerstandswerte von weniger

als 1 Ω auf eine direkte metallische Verbindung

schließen. Diese Schlussfolgerung wird durch

die geringen Spannungsdifferenzen von weniger

als 0,1 mV zwischen den Rohren bestätigt.

Die Verbindung der Leitung B fiel unter 100 Ω

und lag somit im Bereich der beinahe unveränderten

Werte der Verbindungen C und D. Einzig

die Verbindung des Systems A zeigte mit über

15 kΩ noch deutlich höhere Widerstandswerte.

Unter steigendem Druck veränderten sich die

Widerstandswerte nur geringfügig. Einzig das System

A wurde beim Erreichen des Maximaldrucks nochmals

niederohmiger. Der Widerstandswert von über 1 kΩ entspricht

immer noch dem höchsten gemessenen Wert.

Die Messungen zeigten primär, dass die elektrische

Trennwirkung der verschiedenen Verbindungen nicht

von der Befüllung und Druckbeaufschlagung abhängig

war. Grundsätzlich wurden aber die Widerstandwerte

mit steigendem Druck kleiner. In drei Fällen wurde festgestellt,

dass es zu einer metallisch leitenden Verbindung

über die Muffe gekommen ist.

Bei den elektrisch trennenden Systemen A, B, C und D

ist eine deutliche Verringerung der Korrosionsgefährdung

aufgrund der verringerten Längsleitfähigkeit entsprechend

dem Mechanismus in Bild 6b zu erwarten.

Durch eine hochwertige isolierende Beschichtung auf

der Außenseite kann die Streustromaufnahme zusätzlich

verringert werden, während eine hochwertige Innenbeschichtung

den Übertritt des Stroms ins Wasser weitgehend

unterbindet. Dies führt zu einem nachhaltigen Korrosionsschutz

im Fall von heterogener

Bettung, Streustromeinwirkung und galvanischer

Korrosion mit Fremdkathoden.

78 10 | 2013


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ

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chung der Längsleitfähigkeit eine wirksame Schutzmaßnahme

dar. Durch eine zusätzliche hochwertige Innenund

Außenbeschichtung, wie im Falle der Systeme A,

B, C und D gegeben ist, kann die Streustromaufnahme

und dessen Ausbreitung entlang des Rohrleitungssystems

zusätzlich vermindert werden.

7. DANK

Diese Arbeit war möglich dank der Unterstützung der

vonRoll hydro (suisse) ag.

LITERATUR

[1] W. v. Baeckmann, W. Schwenk, W. Prinz, „Handbuch des

kathodischen Korrosionsschutzes Theorie und Praxis der

elektrochemischen Schutzverfahren“. (VCH, 1988).

[2] DIN EN 50162, „Schutz gegen Korrosion durch Streuströme

aus Gleichstromanlagen;“ (2005)

[3] M. Büchler, M. Meile, D. Joos, “GIS integrated analysis of a

gas distribution network”, CEOCOR International Congress

2012 (2012).

[4] M. Büchler, D. Joos, M. Meile, „Methoden für die

Erneuerungsplanung“, Aqua & Gas 91, 14 (2012).

[5] EN 50122-2, „Bahnanwendungen - Ortsfeste Anlagen -

Elektrische Sicherheit, Erdung und Rückleitung - Teil 2:

Schutzmaßnahmen gegen Streustromwirkungen durch

Gleichstrom-Zugförderungssysteme“ (2010)

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AUTOREN

Dr. MARKUS BÜCHLER

SGK Schweizerische Gesellschaft für

Korrosionsschutz, Zürich

Tel. + 41 44 213 1590

E-Mail: markus.buechler@sgk.ch

DAVID JOOS

SGK Schweizerische Gesellschaft für

Korrosionsschutz, Zürich

Tel. + 41 44 213 1592

E-Mail: david.joos@sgk.ch

CARL-HEINZ VOÛTE

SGK Schweizerische Gesellschaft für

Korrosionsschutz, Zürich

Tel. + 41 44 213 1596

carl-heinz.voute@sgk.ch

3R erscheint in der Vulkan-Verlag GmbH, Huyssenallee 52-56, 45128 Essen

10 | 2013 79


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ

Anwendungsbeispiele für die Prüfung

von Rohrleitungen mit Guided Waves

In vielen Industrien wie z. B. in der in chemischen und petrochemischen Industrie oder in Kraftwerken sind wiederkehrende

Prüfungen an Rohrleitungen eine notwendige Maßnahme, um den sicheren und zuverlässigen Betrieb sowie den

reibungslosen Ablauf von Prozessen zu gewährleisten. Mit dem Guided Wave-Prüfverfahren steht dem Anwender eine

qualifizierte zerstörungsfreie Prüfmethode zur Verfügung, die als Screeningverfahren andere in der Industrie bereits

verwendete Verfahren optimal ergänzen kann.

EINFÜHRUNG

Korrosion in Rohrleitungen ist ein massives Problem sowohl

in der petro-chemischen als auch in anderen verwandten

Industrien. Herkömmliche Prüfmethoden zur Messung der

Wanddicke in Rohrleitungen (z. B. die Prüfung mit konventionellem

Ultraschall) liefern Messwerte, die lokal auf den

abgetasteten Bereich begrenzt sind. Obwohl das Verfahren

quantitativ ist, können diese Ergebnisse keine Aussage

über direkt angrenzende Bereiche machen. Messungen

werden häufig punktuell an solchen Stellen einer Rohrleitung

durchgeführt, wo erfahrungsgemäß eine erhöhte

Wahrscheinlichkeit für eine Wanddickenminderung (beispielsweise

in Bögen) besteht. Dies ist aber nicht immer

der Fall, denn lokale Prüfmethoden haben aufgrund ihrer

nicht ausreichenden Abtastung der Rohrleitung eine sehr

niedrige Fehlerauffindwahrscheinlichkeit. Zwar kann man

diese verbessern, indem man die Anzahl der Messstellen

erhöht, allerdings steigt dadurch auch der Aufwand an Zeit

Bild 1 a) Wanddicken- sowie Steifigkeitsänderungen in der Rohrleitung

reflektiert den vom Prüfring in beide Richtungen entlang des Rohres

ausgesendeten Ultraschallimpuls. Diese Reflexionen werden vom Prüfring

aufgenommen. b) Die Daten werden von einer speziellen Software

ausgewertet und in einem A-Bild dargestellt

und Kosten. Das fällt umso mehr ins Gewicht, wenn Rohrleitungen

nur schwer zugänglich oder isoliert sind. Gerade

bei isolierten Leitungen ist aber nicht vorherzusagen, an

welchen Stellen bevorzugt Korrosion auftreten wird, so

dass man die Isolierung ganz abnehmen müsste, um die

Rohrleitung vollständig zu inspizieren. In anderen Fällen

ist die Leitung gar nicht vollständig zu erreichen, z. B. in

Manteldurchführungen unter Straßen oder Bundwällen in

Tanklagern, so dass dort gar keine lokale Prüfung durchgeführt

werden kann. Eine sinnvolle Risikobewertung muss

aber auch die Stellen einer Rohrleitung einbeziehen, die

nicht mit herkömmlichen Prüfmethoden erfasst werden

können.

Mit Guided Wave (GW), einer Prüfung mittels geführter

Ultraschallwellen, hat sich inzwischen eine weitere qualifizierte

Prüfmethode in die Reihe der etablierten Prüfverfahren

eingereiht. Ursprünglich für die Inspektion von

isolierten Rohrleitungen entwickelt, besteht das Ziel der

Prüfung in der Regel in der effektiven Durchführung von

Prüfaufgaben, die wie oben beschrieben, nicht zufriedenstellend

oder nur mit einem erheblichen Mehraufwand zu

bewältigen sind.

Mit GW bezeichnet man allgemein solche Wellen, die von

den Grenzflächen eines Körpers geführt werden. In der

standardmäßigen GW-Prüfung von Rohrleitungen benutzt

man relativ niederfrequente Ultraschallwellen von etwa

20-120 kHz, die sich in der Rohrwand entlang des Rohres

ausbreiten. Dazu leitet ein Prüfring, mit einer Anordnung

von Ultraschallwandlern, eine GW in die Rohrleitung. Diese

GW wird von Diskontinuitäten, wie Schweißnähten oder

Korrosion, reflektiert und vom Prüfring im Impuls-Echo-

Verfahren wieder aufgenommen (siehe Bild 1). Im Unterschied

zur konventionellen Ultraschallprüfung wird nicht

der Bereich unterhalb des Ultraschallwandlers geprüft,

sondern die gesamte Rohrleitung innerhalb der während

der Prüfung zu bestimmenden Reichweite der GW. In für

die GW-Prüfung besonders zuträglichen Anwendungen

kann man im laufenden Betrieb von einer einzigen, dem

Prüfer zugänglichen Position nicht selten mehr als 25 m

Rohrleitung in jeweils beide Richtungen vom Prüfring gesehen

abdecken.

Hier kommt auch der Gedanke zum Tragen, der für eine

GW-Prüfung in Verbindung mit einem zusätzlichen Verfah-

80 10 | 2013


KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT

ren in vielen Anwendungen sinnvoll ist. Für eine hohe Vertrauenswürdigkeit

muss eine Prüfung zwei Eigenschaften

aufweisen: 1. eine hohe Fehlerauffindwahrscheinlichkeit

in einem angemessenen Zeit- und Kostenrahmen; 2. die

Möglichkeit zur genauen Klassifizierung der Fehlstellen in

Schweregradkategorien. Kein derzeit verfügbares Verfahren

zur Prüfung von Rohrleitungen über längere Strecken

kann beide Anforderungen ideal erfüllen. Aber zwei oder

mehrere Prüfverfahren zusammen können dies sehr wohl.

Daraus leitet sich eine Prüfphilosophie ab, in der man

zunächst eine Suchmethode wie GW anwendet. Wird eine

Anzeige gefunden, die auf Korrosion an einer bestimmten

Stelle hinweist, wird die Prüfung mit einem Verfahren

zum genauen Ausmessen – d. h. zur Klassifizierung – der

Fehlstelle ergänzt. Für die Klassifizierung kommen je nach

Anwendung mehrere Verfahren in Frage, beispielsweise

die lokale Wanddickenprüfung mittels höherfrequentem

Ultraschall oder die visuelle Prüfung.

GW wird nunmehr weltweit als Suchmethode zum Auffinden

lokaler Korrosion eingesetzt, obwohl es sich um

eine noch recht neue Technologie handelt. Die Akzeptanz

dieser Prüfmethode in der Industrie lässt sich aber an mehreren

bereits veröffentlichten sowie in der Vorbereitung

befindlichen internationalen Standards sehen (z. B. [1], [2]).

Die hier vorgestellten praktischen Anwendungsbeispiele

sollen einen kurzen Überblick über die Möglichkeiten und

Grenzen der GW-Prüfung geben und verdeutlichen, wie

man GW als qualitative Suchmethode einsetzen kann,

um den Prüfaufwand zu verringern und die Auffindwahrscheinlichkeit

für Fehlstellen zu erhöhen.

HINTERGRUND ZUR GUIDED WAVE-PRÜFUNG

Die GW-Prüfung von Rohrleitungen wird fast ausschließlich

mit Torsionswellen durchgeführt [3]. Vom Prüfring angeregt

breiten sich diese in beide Richtungen entlang des Rohres aus.

Aufgrund der Tatsache, dass sich die Torsionsmode über den

ganzen Querschnitt der Rohrwand gleichmäßig verteilt, werden

innerhalb der Reichweite der GW 100 % der Rohrwand

geprüft. Sowohl interne als auch externe Fehlstellen werden

daher gleichermaßen erfasst. Die Reflexionsamplitude der

Torsionsmode hängt von der Form und Abmessungen des

reflektierenden Merkmals ab und wird daher zur Klassifizierung

von Fehlstellen herangezogen. Traditionell wird aus der

Amplitude ein Querschnittsverlust errechnet.

Anders als beim Körperschall, in dem es lediglich zwei Ausbreitungsmoden

gibt (Transversal- und Kompressionsmode),

existieren in Rohrleitungen aufgrund der Grenzflächen viele

verschiedene Ausbreitungsmoden. Wird die Torsionsmode

nun von einer Änderung im Rohrquerschnitt reflektiert,

kommt es daher, wenn es sich um eine nicht-axisymmetrische

Änderung handelt, nicht nur zur Reflektion, sondern zugleich

zur Modenkonversion in sogenannte Biegemoden. Diese

Tatsache macht man sich zunutze, denn man kann mit ihrer

Hilfe ein C-Bild errechnen, das die Umfangsposition eines

Rohrmerkmales zeigt.

Bild 3 zeigt ein typisches Messergebnis. Die schwarze Messkurve

im A-Bild entspricht der Torsionsmode, während die

Bild 2: Typische Prüfanordung mit Prüfringen und Wavemaker-Gerät

von Guided Ultrasonics Ltd. Es gibt verschiedene Prüfringvarianten für

Durchmesser von DN 25-1500

Bild 3: A-Bild mit schematischer Darstellung der Rohrmerkmale

(unten) und C-Bild (oben) einer GW-Prüfung. Zu sehen ist das typische

Erscheinungsbild einer Korrosionsstelle bei etwa -10 m. Zu beachten

ist auch die unregelmäßige Form der Schweißnaht bei etwa +8m, die

auf eine Fehlstelle in der Schweißnaht oder direkt dahinter hindeutet.

Beidseitig des Prüfrings ergibt sich eine Totzone (grün) sowie ein

Nahfeld (grau)

rote Messkurve die einer Biegemode entspricht. Bei etwa -4 m

befindet sich z. B. eine Schweißnaht. Da diese weitgehend axisymmetrisch

ist, findet keine Modenkonversion in Biegemoden

statt. Dies zeigt sich an der im Verhältnis zur Torsionsmode

kleinen Amplitude. Außerdem erscheint die Schweißnaht im

C-Bild gleichmäßig um den Umfang verteilt.

Es ist wichtig zu beachten, dass es sich bei der GW-Methode

um eine Volumenmethode handelt und demnach nur

qualitative Aussagen liefert, d. h. dass es nicht möglich ist,

nach dem Auffinden einer Fehlstelle eine genaue Aussage

über die Restwanddicke zu machen. Obwohl man mit

Hilfe der Reflexionsamplitude der Torsionsmode sowie

dem C-Bild oft recht gut den Schweregrad einer Fehlstelle

bestimmen kann, muss zur quantitativen Bestimmung eine

lokale Prüfmethode benutzt werden.

10 | 2013 81


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ

Wie in der konventionellen Ultraschallprüfung werden

DAC-Kurven (Distance Amplitude Correction) benutzt, um

die wahre Reflexionsamplitude unabhängig von der Distanz

abschätzen zu können (gestrichelte Linien in Bild 3).

Innerhalb der Reichweite der GW können in der Regel

Fehlstellen mit einem Querschnittsverlust von etwa 3 %

gefunden werden.

Für eine tiefergehende Behandlung der Möglichkeiten und

Grenzen der GW-Prüfung mit einer reichen Literaturliste

sei der Leser auf [4] verwiesen.

Bild 4: Piperacks in Espirito Santo (Brasilien), die sonst nur

lokal untersucht wurden

Bild 5: Prüfung von schwer zugänglichen Leitungen in einer

Flussüberquerung im Rio Grande (Brasilien)

Bild 6: Pier im Nordosten Brasiliens. Innerhalb weniger Wochen

wurden hier 20 km Rohrleitung überprüft

3 ANWENDUNGSBEISPIELE

Die folgenden Beispiele können im Rahmen dieses Fachberichts

nur einen sehr kleinen Einblick in die vielfältigen

Anwendungsmöglichkeiten für GW geben. Die Autoren

haben für diesen Bericht drei Hauptanwendungsgebiete

ausgewählt, die besonders gut den Grundgedanken der

GW-Prüfung zum Tragen bringen.

3.1 Rohrbrücken

Rohrbrücken sind in zweierlei Hinsicht ein idealer Anwendungsbereich

für GW. Erstens hat man lange Strecken,

die aufgrund ihrer Installation in der Höhe und der Nähe

der Rohrleitungen zueinander oft nur bedingt zugänglich

sind und daher eine gründliche visuelle Prüfung sehr

erschweren (siehe Bild 4, Bild 5, Bild 6). Auch konventionelle

Ultraschallprüfungen können nur lokal zum

Einsatz kommen. Diese Prüfung kann mit GW jedoch

schnell und ohne viel Aufwand während des laufenden

Betriebs durchgeführt werden. Aufgrund der normalerweise

unkomplizierten Geometrie können, bei einfach

gelagerten, unbeschichteten Rohren und je nach Korrosionszustand,

oft zu 50 m in einer einzigen Prüfung

abgedeckt werden. Unter idealen Bedingungen können

so bis zu 1,5 km Rohrleitung pro Tag und pro GW-Team

geprüft werden [5].

Zweitens lassen sich mit der GW-Methode auch die Auflagepunkte

selbst prüfen. Speziell einfache Kontaktlager

lassen sich schnell in verschiedene Schadensklassen einteilen,

so dass man die Komplementärprüfung einzelner

Lagerpunkte priorisieren kann. Ein Beispiel für eine solche

Auflagerprüfung ist in Bild 7 gegeben.

Nachträglich in diesen Anwendungen wirken sich

geschweißte Auflager aus, da diese die Reichweite der

GW-Prüfung stark einschränken können. Die Prüfung der

Rohrleitungen wird zwar nicht von flüssigen oder gasförmigen

Rohrinhalten beeinflusst, wohl aber durch feste

Ablagerungen im Rohr. Letzteres führt, wie Beschichtungen

in unterschiedlichem Grade, zu Schalldämpfung und

damit zu einer reduzierten Reichweite.

3.2 Isolierte Leitungen

Die Prüfung von Leitungen, bei denen vorab die Isolierung

entfernt werden muss, ist mit einem erheblichen Kostenaufwand

verbunden. Anstatt die Isolierung der gesamten

Strecke abzunehmen, werden bei der GW-Prüfung nur

einzelne Prüfpunkte von der Isolierung befreit. Sollten

82 10 | 2013


KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT

bei der Prüfung Anzeigen gefunden werden, die auf

Korrosion hinweisen, wird an diesen Stellen abisoliert

und mit einer ergänzenden Prüfmethode nachgeprüft.

Die Isolierung selbst hat dabei, sofern sie aus Mineralwolle

oder einem akustisch ähnlichen Material besteht,

auf die Reichweite der GW keinen Einfluss, so dass auch

in dieser Anwendung lange Strecken von einer Position

zu prüfen sind.

Generell ist zu empfehlen, dass dem GW-Prüfer ein

Abisolier-Team zugeteilt wird, da der Prüfer vor Ort die

besten Prüfpositionen auswählen muss. Gleichzeitig

können gefundene Fehlstellen dann sofort nachgeprüft

werden. Es ist zu beachten, dass in bestimmten Fällen die

Klammern für Begleitheizung in der Nähe der Prüfposition

gelockert werden müssen, um den Prüfring anzusetzen.

Eine besondere Anwendung besteht auch in der Prüfung

von Fernwärmeleitungen, die nicht nur isoliert sind,

sondern häufig in unzugänglichen Schächten verlaufen.

3.3 Straßendurchführungen

Die Situation bei Straßendurchführungen ist ähnlich der

bei isolierten Leitungen. Ohne hohe Kosten und erheblichen

Mehraufwand kann mit konventionellen Prüfmethoden

nicht untersucht werden. Jedoch kann man mit GW

abschätzen, ob der Aufwand und die Kosten notwendig

sind, und ob an der gewählten Prüfposition eine weitere

konventionelle Untersuchung durchgeführt werden

muss. Nicht selten hat man in einer Raffinerie mehrere

Hundert Rohrleitungen, die in Straßendurchführungen

oder Mantelrohren wie in Bild 9 verlegt sind. Natürlich ist

meist nur ein Bruchteil der Leitungen von einem Schaden

betroffen. Dennoch wird oft übersehen, welchen Nutzen

eine Suchmethode leisten kann, die genau diejenigen

Leitungen, die keine Schäden aufweisen, aussortiert,

so dass zunächst nur derjenige Bruchteil der Leitungen

näher untersucht werden muss, der suspekte Anzeigen

aufweist.

In Bild 8 kommt dazu, dass diese oft nur mit einer Arbeitsgenehmigung

für enge Räume zu betreten sind, welches

bei GW zunächst entfällt. Die GW-Prüfung wird standardmäßig

an beiden Eingängen der Durchführung durchgeführt,

um Falschanzeigen zu verringern und die Abdeckung

bei Rohren mit geschweißten Lagern zu erhöhen [6].

ZUSAMMENFASSUNG

GW hat sich als schnelles und präzises Prüfverfahren zum

Auffinden lokaler Korrosion weltweit bewährt. Die Anwendungsgebiete

sind vielfältig und reichen von den hier aufgeführten

Beispielen über Risers in der Off-shore Industrie

zur Überwachung der Spritzwasserzone, Bundwalldurchführungen

in Tanklagern bis hin zur Prüfung von sogenannten

Sphere-legs mit Feuerschutzbeschichtung.

Die Reichweite, Produktivität und Anwendbarkeit der GW-

Prüfung kann allerdings durch mehrere Faktoren eingeschränkt

werden; dazu gehören schalldämpfende Beschichtungen

wie Bitumen sowie eine hohe Dichte an Rohrmerkmalen wie

Bögen, geschweißten Lagern oder Flanschen.

Bild 7a: Sicht von der Prüfposition aus

Bild 7b: Mit GW gefundene Fehlstelle in etwa 8 m Enfernung in

positiver Prüfrichtung;

Bild 7c: Das Ergebnisbild zeigt neben anderen Rohrmerkmalen die genaue

Position der Fehlstelle

10 | 2013 83


FACHBERICHT KORROSIONSSCHUTZ

a) b)

Bild 8: Lediglich 0,5 m müssen an der

Prüfposition abisoliert werden

Bild 9 a) Rohrleitungen in einer schwer zugänglichen Straßendurchführung, die sonst nicht

geprüft, aber mit GW zu 100 % gescannt wurden, b) Rohrleitungen in Mantelrohren

In allen Fällen ist zu beachten, dass es sich um ein qualitatives

Prüfverfahren handelt, das durch ein quantitatives

Verfahren ergänzt werden sollte. Die Kombination beider

Verfahren ist wichtig, denn selten wird eine zuverlässige

Inspektion mit nur einem einzigen Verfahren erreicht.

Leider ist dies aber auch nicht immer unmittelbar möglich,

z. B. bei der Straßendurchführung im Mantelrohr.

In diesem Fall muss die GW-Prüfung allein eine relativ

genaue Einschätzung über die Schwere einer vermuteten

Fehlstelle abgeben. Obwohl die heutzutage zur

Verfügung stehenden Werkzeuge die Interpretation der

Messkurven diese Aufgabe dem Prüfer leichter machen,

verlangt sie hohe Kompetenz und Erfahrung im Umgang

mit GW. Neu qualifizierte Prüfer sollten daher zunächst

nur solche Anwendungen angehen, wo eine direkte

Nachprüfung mit einer Komplementärmethode prinzipiell

möglich ist.

LITERATUR

[1] BS 9690-1:2011, Non-destructive Testing. Guided Wave Testing.

General Guidance and Principles.

[2] ASTM E2775 – 11, Standard Practice for Guided Wave Testing of

Above Ground Steel Pipework Using Piezoelectric Effect Transduction.

[3] D. Alleyne, T. Vogt, P. Cawley: The choice of torsional or longitudinal

excitation in guided wave pipe inspection, INSIGHT, Vol. 51, pp

373-377, 2009.

[4] M. Lowe, P. Cawley: Long Range Guided Wave Inspection Usage

– Current Commercial Capabilities and Research Directions,

2009; erhältlich unter http://www3.imperial.ac.uk/pls/portallive/

docs/1/55745699.PDF.

[5] H. Schubert et al: A realidade pratica do ensaio por ondas guiadas no

Brasil, 11a. COTEQ – Congresso sobre Tecnologia de Equipamentos

– Brasil, 2011.

[6] T. Vogt, D. Alleyne: Prüfung von Rohrleitung in Straßendurchführungen

mit Guided Waves, DGZfP Fachtagung, 2009.

AUTOREN

Dipl.-Ing. HERMANN SCHUBERT

GMA-Werkstoffprüfung GmbH, Düsseldorf

Tel. +49 211 73094-49

E-Mail: h.schubert@gma-group.com

www.gma-group.com, www.mistrasgroup.com

Dr. THOMAS VOGT

Guided Ultrasonics Ltd.

Nottingham, Großbritannien

Tel. +44 20 232 9108

E-Mail: thomas@guided-ultrasonics.com

Richtigstellung

In Ausgabe 3R-9/2013 ist uns im Fachbericht von

Dr. Michael Steiner und Dipl.-Ing. Albert Wißkirchen

(S. 76 ff.) bedauerlicherweise ein Fehler unterlaufen.

Der darin angegebene Link, der zur Langfassung

dieses Fachberichts bzw. dessen pdf-Download führt,

war unvollständig. Der richtige Link lautet:

https://www.di-verlag.de/media/content/3R/PDF/FB_

Stressdruckprufungen_Langversion.pdf.pdf

Wenn Sie den nebenstehenden QR-

Code mit Ihrem Smartphone einscannen,

gelangen Sie direkt dorthin.

84 10 | 2013


KORROSIONSSCHUTZ FACHBERICHT

Save the Date

8. Praxistag

Korrosionsschutz

am 25. Juni 2014

Anmeldung / Informationen:

Vulkan-Verlag GmbH, Essen

Barbara Pflamm,

Tel.: +49 201 82002-28

E-Mail:b.pflamm@vulkan-verlag.de

www.praxistag-korrosionsschutz.de

Vorschau-Tipp

Ausgabe 11-12/2013

Erscheinungstermin: 09.12.2013

PRINT PRINT

Ausgabe 10/2013

Erscheinungstermin: 23.10.2013

Praxiserfahrungen beim passiven Korrosionsschutz

Praxiserfahrungen beim passiven Korrosionsschutz

In In dem Beitrag werden die die sehr sehr

guten Langzeiterfahrungen mit mit

3-Schichtbandsystemen der der Firma Firma

Denso GmbH anhand von von Untersuchungen

an an verschiedenen

Gaspipelines gezeigt.

Unter-

gezeigt.

www.3R-Rohre.de 10 | 2013 ++ www.3R-Rohre.de ++ www.3R-Rohre.de ++ www.3R-Rohre.de ++ www.3R-Rohre.de ++ www.3R-Rohre.de 85

www.3R-Rohre.de ++ www.3R-Rohre.de ++ www.3R-Rohre.de ++ www.3R-Rohre.de ++ www.3R-Rohre.d


FACHBERICHT GASVERSORGUNG & PIPELINETECHNIK

LDACS-Leckerkennungssystem: Mehr

Sicherheit durch verteilte akustische

Sensoren

Die russische Firma OMEGA entwickelt und produziert multifunktionale Überwachungssysteme für räumlich ausgedehnte

Prozessanlagen. Mit Hilfe von faseroptischen Sensoren zeigen diese Systeme im Online-Modus Leckagen von Öl und anderen

Flüssigkeiten, sowie von Gasen und mehrphasigen Medien auf. Darüber hinaus decken diese Systeme auch den erweiterten

Objektschutz ab. Das Leak Detection and Activity Control System (LDACS) ermöglicht eine präzise Ortung von Vibrationen

mittels Auswertung sowie von räumlichen Versetzungen und charakteristischen Temperaturveränderungen entlang von

langgestreckten Prozessanlagen wie Pipelines, Ölquellen, Eisenbahntrassen, Autobahnen und Stromleitungen. Die Firma

OMEGA, die bereits mehr als 5.028 km Transneft-Pipeline (Bild 1) mit ihrem LDACS-System ausgestattet hat, optimiert

stetig die Technologie der Glasfaserkabelüberwachung. Die ersten Anfänge dieser vielversprechenden Technologien

liegen beinahe schon 40 Jahre zurück, jedoch gibt es immer noch ein großes Potential an Verbesserungsmöglichkeiten.

LECKERKENNUNGSSYSTEM: WEITERE ÜBERLE-

GUNGEN NOTWENDIG

Eine vor kurzem veröffentliche Studie der Sicherheitsbehörde

Pipeline and Hazardous Materials Safety Administration

des US-Verkehrsministeriums verweist auf eine Reihe von

Störfällen in der Vergangenheit und kommt zu dem Schluss,

dass weltweit nur ein kleiner Prozentsatz aller Lecks durch

bestehende Leckerkennungssysteme entdeckt und bestätigt

wird [1].

Mit Verweis auf zahlreiche technische Berichte vertreten

die Verfasser der Studie die Ansicht, dass „im Umgang mit

Leck-Alarms viel mehr zusätzliche Überlegungen notwendig

sind und dass die Lösung mehrfach redundante, voneinander

unabhängige Leckerkennungssysteme sowie gezielte

Schulungen des Überwachungspersonals zum besseren

Verständnis der physikalischen Prinzipien, die den Alarmen

zu Grunde liegen, sein könnten.“

Diesen Punkt haben auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen

der Firma OMEGA erkannt, die

versucht, die Wahrscheinlichkeit von Leck-Fehlalarmen,

wie es sie bei entsprechenden mit LDS ausgestatteten

Pipelines noch immer gibt, zu verringern. Das aktuell

zum Einsatz kommende Unternehmens-Konzept umfasst

zwei verteilte Sensoreinheiten, die jeweils für die Leckerkennung

und für den Objektschutz konzipiert sind der

verteilte Temperatursensor DTS (Distributed Temperature

Sensor) und der verteilte Vibrationssensor DVS (Distributed

Vibration Sensor).

Bild 1: Schematische Darstellung von Transneft-Pipelines in Russland

86 10 | 2013


GASVERSORGUNG & PIPELINETECHNIK FACHBERICHT

Neben den traditionellen internen Leckerkennungsmethoden,

bei denen der Volumenvergleich sowie die Druckund

Durchflussänderungen des transportierten Mediums

analysiert werden, gibt es vier etablierte Technologien

zur Leckerkennung mit jeweils sehr unterschiedlichen

methodischen Ansätzen: die faseroptische Sensorik, das

modellbasierte Verfahren (Real-Time Transient Model,

RTTM), die statistische Messwertanalyse (SA) und das

Negative-Druckwellen-Verfahren (NPWA).

Beim RTTM handelt es sich um ein hydraulisches Modell,

das sich auf Randbedingungen stützt, die von Feldmessgeräten

aus mehreren örtlich verteilten Anlagenteilen,

wie z. B. Einspeisepunkte, Pump- und Kompressorstationen,

übermittelt werden, während die SA verschiedene

Pipeline-Prozesssignale analysiert, von denen Durchfluss,

Druck und Temperatur die wichtigsten sind. Das NPWA

beschäftigt sich mit der Ausprägung und Intensität des

von Lecks erzeugten Druckabfalls, während die glasfaserbasierte

Methode die Fähigkeit von Glasfaserkabeln ausnützt,

Abweichungen im akustischen Feld und im Temperaturbereich

entlang der Pipeline-Trasse zu registrieren.

DAS DILEMMA DER GLASFASER-BASIERTEN

LECKERKENNUNGSSYSTEME

Die allgemeine, von der US-Studie bestätigte Wahrnehmung

ist, dass keine der existierenden Methoden

perfekt ist. „Jede der oben erwähnten Methoden

hat Vor- und Nachteile; so sind z. B. die meisten der

externen Leckerkennungsmethoden in der Lage, kleine

Leckagen zu erkennen und deren Position genau zu

bestimmen. Es kann aber sein, dass das nachträgliche

Anbringen von Kabeln oder Röhren an Pipelines nicht

möglich ist. Sensoren und Kameras können nur Lecks

innerhalb ihrer Abtast- oder Sichtweite erkennen“, konstatierte

Jun Zhang von ATMOS International auf der

2013 PSIG-Konferenz in Prag [2]. „Deshalb werden die

meisten externen Leckerkennungsmethoden eher für die

sporadischen Routinekontrollen der Pipelines als für die

kontinuierliche Überwachung verwendet. Dadurch kann

es passieren, dass ein Leck bis zur nächsten Kontrolle

unentdeckt bleibt.“

Dieser letzte Punkt hat eine lebhafte Diskussion nach

sich gezogen und eine neue Richtung für die Forschung

der Firma OMEGA eröffnet, die die Präzision bei der

Leckerkennung verbessern und die Anzahl der unbegründeten

Leckalarme minimieren möchte. Um dieses Ziel zu

erreichen, haben die Forscher die grundlegenden Vorteile

der DTS- und DVS-Methoden kombiniert und damit das

Leckerkennungssystem LDACS erschaffen. Die Idee war

recht einfach: Ein vom Temperatursensor erzeugtes Signal

eines Lecks wird durch das Signal, das Änderungen

im akustischen Feld an der entsprechenden Stelle der

Pipeline anzeigt, bestätigt. So wird die Verlässlichkeit des

gesamten Systems grundlegend verbessert.

Es ist hervorzuheben, dass OMEGA-Systeme bis jetzt hauptsächlich

für Öl- und teilweise für Wasserpipelines eingesetzt

werden, während in Fachkreisen die Meinung vorherrscht,

Bild 2: Das neue LDACS DAS-DTS-Modul

Bild 3: Eine der DAS-Möglichkeiten ist die gleichzeitige

Überwachung der Position von bis zu fünf Pipeline-Molchen

dass glasfaser-basierte Leckerkennungssysteme sich eher für

Gaspipelines eignen, hauptsächlich aufgrund des im Joule-

Thomson-Effekts beschriebenen beachtlichen Temperaturabfalls,

der bei der Freisetzung von Gasen entsteht. Zudem werden

auch noch kleinere Gaslecks von intensiven akustischen

Vibrationen begleitet, die leicht durch die entsprechende

glasfaser-basierte Sensorik erkannt werden können.

10 | 2013 87


FACHBERICHT GASVERSORGUNG & PIPELINETECHNIK

Ein weiterer allgemein bekannter Mangel von glasfaserbasierten

Überwachungssystemen für Pipelines ist, dass

es äußerst schwierig ist, diese zu testen. Um eventuelle

Skeptiker zu überzeugen, verwendet OMEGA für Testzwecke

speziell dafür entworfene Rohre mit Ablassventilen,

die per Fernsteuerung ganz oder teilweise geöffnet

werden können. Es gibt auch andere Methoden, um

während der Probeläufe das Temperaturprofil an einem

Leitungsabschnitt zu beeinflussen, z. B. das einfache

Besprenkeln mit Wasser.

GANZHEITLICHE LÖSUNG: DTS- UND DAS-

SENSORIK FÜR LECKS

Das russische Unternehmen hat ein neues Gerät entwickelt

und vor kurzem erfolgreich an der Druschba-Ölpipeline

in der Nähe der russischen Stadt Unetscha, Gebiet

Brjansk, getestet. Auf Grundlage der von europäischen

und amerikanischen Kollegen unterstützten Terminologie

bezeichnet OMEGA das neue Produkt als verteilten akustischen

Sensor (Distributed Acoustic Sensor, DAS), der

eine logische Fortsetzung des verteilten Vibrationssensors

darstellt, über den „3R“ 2012 berichtete [3].

Der Unterschied macht es aus: Die DAS-Methode kann

das reale, tatsächliche akustische Signal auf zwei 50 km

langen (Leitungsabschnitten zu beiden Seiten der Auswerteeinheit

messen und für den Betreiber in der Messwarte

reproduzieren. Die Einheit sendet ein optisches Signal

in die Faser und analysiert die natürlich auftretenden

Reflexionen, die entlang des installierten Glasfaserkabels

zurückgestreut werden. Durch die Analyse dieser Reflexionen

und das Messen der Zeit zwischen dem Abschicken

des Laserimpulses und dem Empfang des reflektierten

Bild 4: Ingenieur Rustam Shakirov bereitet den Server für den Probelauf vor

Signals erfasst die DAS-Methode das akustische Signal

an allen Punkten entlang des faseroptischen Sensors.

Der zuvor erwähnte Probelauf hat bestätigt, dass das

neue DAS-basierte Leckerkennungssystem LDACS über

mindestens diese Eigenschaften verfügen wird:

»»

maximale Reichweite mit optischem Verstärker: 50 km

»»

Länge des virtuellen Messkanals: 5 m und weniger

»»

Empfindlichkeit der Phasenumwandlung:

0,1-0,2 Radiant

»»

Bandbreite der analysierten Frequenzen: 1-500 Hz

bei einer Impulsfolge von 1 kHz.

Ähnlich wie beim verteilten Vibrationssensor (DVS) verwendet

die DAS-Architektur die faseroptischen Sensoren

als virtuelle Mikrofone sowie als Übertragungsmedium

für Messinformationen. Die DAS-Methode verwendet

Coherent Optical Time Domain Reflectometry (COTDR),

um die Rückstrahlung von Rayleigh-gestreutem Licht

zu analysieren und um Vibrationen in vielfachen virtuellen

Kanälen aufzuzeichnen, deren Anzahl in die Zehntausende

gehen kann, womit ein Auflösungsverhalten

sowie eine Genauigkeit von +/- 5 m erreicht wird. Hunderte

Ereignisse können gleichzeitig und unabhängig

voneinander erkannt und „gehört“ werden. Für kürzere

Distanzen kann die herkömmliche Länge des virtuellen

Mikrofons von 5 auf 3 m reduziert werden, da das

neue Gerät weitreichende Möglichkeiten zur Einstellung

der Arbeitsparameter bietet. Durch die Verringerung

der räumlichen Auflösung können das Signal-Rausch-

Verhältnis verbessert und durch das Rauschen bedingte

Störungen entsprechend reduziert werden.

Das neue DAS-Gerät zeichnet sich durch seine kompaktere

Baugröße und sein opto-elektronisches

Design aus. Es wird für das sehr viel präzisere

und schnellere Messen von reflektierten

Signalen verwendet. Es ermöglicht,

erfasste Ereignisse akustisch aufzuzeichnen

und falls nötig das Glasfaserkabel in ein

akustisches Mikrofon mit einer äußerst

hohen Empfindlichkeit und einem sehr

guten Frequenzverhalten umzuwandeln. So

entstehen auf der einen Seite neue Möglichkeiten

für die Erfassung von Ereignissen

und auf der anderen kann die Technologie

auch für andere Bereiche der Überwachung

verwendet werden. Die Anwendungsmöglichkeiten

in anderen Bereichen eröffnen

neue Horizonte für OMEGA, die sich nicht

nur auf die Zusammenarbeit mit Öl- und

Gaspipeline-Betreibern beschränkt, sondern

auch den Kontakt zu Betreibern von

Eisenbahnen, Stromleitungen und anderen

speziell geschützten Bereichen sucht.

Was den historisch gewachsenen Fokus auf

die Überwachung von Öl- und Gaspipelines

anbelangt, wird OMEGA das neu entwickelte

DAS-System einsetzen, um die Leckerken-

88 10 | 2013


GASVERSORGUNG & PIPELINETECHNIK FACHBERICHT

nung und die physische Lokalisierung von Ereignissen

noch sicherer und schneller zu machen. Die wichtigste

neue Fähigkeit des Leckerkennungssystems LDACS ist das

Duplizieren des Leckerkennungssignals, das sowohl vom

verteilten Temperatursensor (DTS) als auch vom verteilten

akustischen Sensor (DAS) übermittelt wird. Für diese

Pionierarbeit wird in Zusammenarbeit mit führenden Wissenschaftlern

der renommierten Staatlichen Universität

Moskau eine spezielle Bibliothek zu akustischen Feldern

von Gas- und Flüssigkeitslecks erstellt. Einer der Faktoren,

der zu einer besseren Erkennung von Lecks und anderen

Ereignissen führt, ist die stabile Linearität im 1-2 kHz-Frequenzbereich.

So kann das lineare DAS-basierte Gerät die

Form des eingehenden Rückstrahlsignals beibehalten und

die morphologische Merkmalerkennung implementieren.

Einer der allgemein bekannten Schwachpunkte des DVS

ist die schwierige Feineinstellung bzw. Abgrenzung der

einzelnen Kanäle pro Längenabschnitt, was dazu führt,

dass dasselbe Ereignis vielfach mit verschiedenen Amplituden

dargestellt wird. Durch die Existenz von virtuellen

akustischen Mikrofonen entlang des Glasfaserkabels und

durch voreingestellte Eigenschaften können alle Signale

in jedem Kanal pro Längenabschnitt normalisiert werden.

Das ist nicht nur der Schlüssel zur äußerst präzisen

Erkennung von Ereignissen, sondern auch ein Schritt

in Richtung Lösung einer anderen wichtigen Aufgabe,

nämlich der Berechnung des Abstandes zwischen dem

festgestellten Ereignis und dem Leitungssystem. Diese

„2D“-Technologie öffnet das Tor zur Erkennung von

wesentlichen Ereignissen, die nicht nur entlang der Pipeline,

sondern auch senkrecht zur Pipeline (z. B. Fußgänger

oder Autoverkehr) entstehen.

In der zweiten Phase der algorithmischen Ereignisanalyse

kann der Betreiber in der zentralen Messwarte die Entwicklung

des Ereignisses verfolgen, während das Leckerkennungssystem

LDACS seinerseits natürliche Ereignisse

herausfiltert, die die Pipeline und ihre technischen Anlagen

nicht gefährden.

Ein weiterer praktischer Vorteil der DAS-Systemkomponenten

ist der erweiterte Betriebstemperaturbereich des

Leckerkennungssystem LDACS von +5° bis +25° C und

im Falle des verteilten Vibrationssensors (DVS) von +5°

bis +40° C. Aufgrund der Tatsache, dass viele Pipeline-

Projekte im Nahen Osten und in Lateinamerika keine

gekühlten und klimatisierten Räumlichkeiten für die Installation

der Geräte bereitstellen können, wird dieser

erweiterte Temperaturbereich die Kosten für Installation

und Stromverbrauch senken. Die erweiterte Möglichkeit,

das DAS-System sowohl für Onshore-Pipelines als auch

für Offshore-Pipelines zu verwenden, ist ein weiterer

wichtiger Marketingaspekt des neuen Systems.

Mit der neuen Version des LDACS können auch kleinere

Leckagen erkannt werden, indem die verschiedenen

Methoden entsprechend kombiniert und damit verbessert

werden. Dies ist wichtig für die entsprechenden technischen

Anforderungen sowie für die Gesetzgebung in

verschiedenen Ländern.

Ein weiterer Vorteil des DAS-basierten LDACS ist dessen

Unabhängigkeit vom Prozess bzw. von den Stoffparametern

des transportierten Mediums sowie von betriebsbedingten

dynamischen Schalthandlungen der Pipeline.

Die Leckortung funktioniert für Gas, Flüssigkeiten und

mehrphasige Medien schnell und hochgenau. Dabei können

auch mehrere parallel auftretende Leckagen mit

derselben hohen Genauigkeit erkannt werden.

LITERATUR

[1] U.S. Department of Transportation, Pipeline and Hazardous

Materials Safety Administration, Final Report No. 12-173, “Leak

Detection Study – DTPH56-11-D-000001”, Dr. David Shaw, Dr.

Martin Phillips, Ron Baker, Eduardo Munoz, Hamood Rehman,

Carol Gibson, Christine Mayernik, 10. Dezember 2012.

[2] Review of Pipeline Leak Detection Technologies. Jun Zhang,

Andy Hoffman, Keefe Murphy, John Lewis, Michael Twomey

– ATMOS Internationaler Bericht von der PSIG-Konferenz in

Prag, 2013.

[3] 3R International, Technical Journal for Piping System Integrity

and Efficiency, Vulkan-Verlag, Essen Deutschland, Special

2/2012, p. 63-65.

NATALIJA PSÖL

OMEGA Company, Moskau, Russland

Tel. +7 499 7998435

E-Mail: PselNA@omega.mn

DMITRIJ PLESCHKOW

Dr. ENWER ACHMEDOV

Stv. Generaldirektor OMEGA Company,

Moskau, Russland

Tel. +7 499 7998435

E-Mail: AhmedovER@omega.mn

Dr. ALEKSEY TURBIN

Stv. Generaldirektor, OMEGA Company,

Moskau, Russland

Tel. +7 916 5661599

E-Mail: Turbi60@mail.ru

AUTOREN

Generaldirektor OMEGA Company, Moskau,

Russland

Tel. +7 499 7998435

E-Mail: Pleshkov@omega.mn

10 | 2013 89


the gas engineer’s

dictionary

www.di-verlag.de

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Supply Infrastructure from A to Z

The Gas Engineer’s Dictionary will be a standard work for all aspects of

construction, operation and maintenance of gas grids.

this dictionary is an entirely new designed reference book for both engineers

with professional experience and students of supply engineering.

the opus contains the world of supply infrastructure in a series of detailed

professional articles dealing with main points like the following:

• biogas

• compressor stations

• conditioning • corrosion protection

• dispatching • gas properties

• grid layout • LNG

• odorization • metering

• pressure regulation • safety devices

• storages

editor: K. Homann, r. reimert, B. Klocke

1 st edition 2013, 400 pages with additional information and complete

ebook, hardcover

DIV Deutscher Industrieverlag GmbH, Arnulfstr. 124, 80636 München, Germany

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Deutscher Industrieverlag GmbH | Arnulfstr. 124 | 80636 München

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– Supply Infrastructure from A to Z plus ebook.

1 st edition 2013 (ISBN: 978-3-8356-3214-1)

at the price of € 160,- (plus postage and packing extra)

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10 | 2013


Marktübersicht

2013

Rohre + Komponenten

Maschinen + Geräte

Korrosionsschutz

Dienstleistungen

Sanierung

Institute + Verbände

Fordern Sie weitere Informationen an unter

Tel. 0201/82002-35 oder E-Mail: h.pelzer@vulkan-verlag.de

www.3r-marktuebersicht.de

10 | 2013 91


2013

RohRe + Komponenten

Marktübersicht

Armaturen

Armaturen + Zubehör

Anbohrarmaturen

Rohre

Formstücke

Schutzmantelrohre

Kunststoff

92 10| 2013


RohRe + Komponenten

2013

Rohrdurchführungen

Marktübersicht

Dichtungen

Ihr „Draht“ zur Anzeigenabteilung von

Helga Pelzer

Tel. 0201 82002-35

Fax 0201 82002-40

h.pelzer@vulkan-verlag.de

10 | 2013 93


2013

maschinen + GeRäte

Marktübersicht

Kunststoffschweißmaschinen

Horizontalbohrtechnik

Leckageortung

94 10| 2013


KoRRosionsschutz

2013

Kathodischer Korrosionsschutz

Marktübersicht

10 | 2013 95


2013

KoRRosionsschutz

Marktübersicht

Kathodischer Korrosionsschutz

96 10| 2013


KoRRosionsschutz

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Korrosionsschutz

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2013

DienstleistunGen / sanieRunG

Marktübersicht

Sanierung

Sanierung

institute + VeRbänDe

Institute

98 10| 2013


institute + VeRbänDe

2013

Verbände

Marktübersicht

10 | 2013 99


2013

institute + VeRbänDe

Marktübersicht

Verbände

INSERENTENVERZEICHNIS

Firma

28. Oldenburger Rohrleitungsforum 2014, Oldenburg 3

3S Consult GmbH, Garbsen 39

DOYMA GmbH & Co, Oyten 7

HOBAS Rohre GmbH, Neubrandenburg

Titelseite

NO-DIG 2014, Moskau, Russland 11

Pollutec Horizons 2013, Paris, Frankreich 13

RBS Wave GmbH, Stuttgart 69

resinnovation GmbH, Rülzheim 55

TÜV NORD Systems GmbH & Co. KG, Hannover 5

Marktübersicht 91 - 100

100 10| 2013


SERVICES BUCHBESPRECHUNG

MANAGEMENT GROSS ANGELEGTER GRUNDSTÜCKSENTWÄSSERUNGSANLAGEN

INFOS:

Autor: Michael Scheffler; Fraunhofer IRB Verlag, 2013, 359

Seiten, gebunden, € 69,00, auch als E-Book, ISBN: 978-3-

8167-8537-8

Das vorliegende Buch von Michael Scheffler ist

insbesondere für Betreiber großer Grundstücksentwässerungs-(GE-)Anlagen

z. B. in der Immobilien-

und Wohnungswirtschaft, für große

Gewerbe- und Industriebetriebe sowie Liegenschaften

der öffentlichen Hand verfasst. Hintergrund

des Handbuches ist die Organisation von

Betrieb und Instandhaltung großer Grundstücksentwässerungsanlagen

mit dem Ziel des ordnungsgemäßen

und effizienten Anlagenbetriebs.

Erforderliche Prozessschritte werden in strukturierte

Handlungsanweisungen gefasst, durch Diagramme

und Tabellen illustriert. Das Buch kann

durchaus als Grundlagenquelle genutzt werden

von denjenigen, die eine Zertifizierung nach

DIN EN ISO 14001 ff. oder ein Qualitätsmanagement

nach DIN EN ISO 9001 ff. vorbereiten. Die

beiliegende CD enthält u. a. prozessunterstützende

Dokumente, Formblätter und Arbeitshilfen.

POWERLINES - ENERGIEPOLITISCHE ENTWICKLUNGSLINIEN EUROPAS

INFOS:

Herausgeber: Martin Graf (Vorstand der E-Control),

Patrick Horvath (wissenschaftlicher Mitarbeiter der

Arbeitsgemeinschaft für wissenschaftliche Wirtschaftspolitik

(WIWIPOL)), Wolfgang Ruttenstorfer (Staatssekretär a. D.,

ehem. Generaldirektor der OMV AG), 2013, 253 Seiten,

gebunden, € 34,00, ISBN: 978-3-7003-1862-0

In „Powerlines“ nehmen hochrangige Experten

zu neuesten energiepolitischen Entwicklungslinien

Europas Stellung. Ziel des Buches ist, eine öffentlichkeitswirksame

Plattform für innovative Energie-Ideen

anzubieten. Energiepolitik kann heute

nur mehr im europäischen Kontext statt im engen

nationalen Korsett verstanden werden. In „Powerlines“

wird Energiepolitik als existenzielle Grundlage

von Industriepolitik definiert, zusätzlich wird

die soziale Dimension von Energie – Stichwort:

Konsumentenschutz, leistbare Energiepreise – besonders

betont. Die Vereinbarkeit mit Ökologie

ist dabei eine wichtige zu bewältigende Aufgabe.

Der Schlüssel zur wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit

unseres Landes liegt im Energiebereich.

„Powerlines“ will alte Denkmuster verlassen und

zur breiten Diskussion über diese Energiezukunft

anregen.

DIE WASSERVERSORGUNG IM ANTIKEN ROM

Sextus Iulius Frontinus – sein Werk in Lateinisch und Deutsch und begleitende Fachaufsätze

INFOS:

Herausgeber: Frontinus Gesellschaft e.V., 4. völlig neu

bearbeitete, 2013, 284 Seiten, gebunden, € 89,80 ISBN:

9783835671072

Sextus Iulius Frontinus wurde im Jahre 97 n. Chr.

durch Kaiser Nerva zum Leiter der Wasserversorgung

der Stadt Rom (curator aquarum) berufen.

Aus diesem Anlass verfasste er eine Schrift,

die unter dem Titel „De aquaeductu urbis Romae

– Die Wasserversorgung der Stadt Rom“

überliefert worden ist. Frontin gibt darin einen

Überblick über den Stand des Wissens bezüglich

Management, Technik und Organisation

der öffentlichen Wasserversorgung. Er begegnet

uns als moderner Manager einer großstädtischen

Wasserversorgung; seine Schrift kann

als erstes Lehrbuch des Faches gelten. Die zweisprachige

Ausgabe (lateinisch, deutsch) basiert

auf einer sorgfältigen Überprüfung des lateinischen

Textes sowie einer neuen Übersetzung ins

Deutsche.

13 begleitende Aufsätze, verfasst von international

renommierten Vertretern der Alten Geschichte,

Altphilologie und Literaturgeschichte,

Archäologie und Ingenieurwissenschaften behandeln

die Editionsgeschichte des Werkes, die

Gestalt Frontins in ihrer politischen und sozialen

Umwelt, die Organisation und Administration

der Wasserversorgung, diskutieren Messtechnik

und hydraulische Kenntnisse, Rohrnormung

und bautechnische Fragen, und gehen ein auf

die öffentlichen Bäder, Brunnenanlagen, Toiletten

und Abwasserleitungen zur Zeit Frontins.

Diverse Abbildungen, Karten und Tabellen ergänzen

das Buch.

10 | 2013 101


SERVICES AKTUELLE TERMINE

brbv

SPARTENÜBERGREIFENDE

GRUNDLAGENSCHULUNGEN

GFK-Rohrleger nach DVGW-Arbeitsblatt

W 324 – Grundkurs

21./22.11.2013 Gera

16./17.12.2013 Rostock

19./20.12.2013 Gera

Baustellenabsicherung und

Verkehrssicherung RSA/ZTV-SA - 1 Tag

05.11.2013 Halle

17.12.2013 Sulzbach

GFK-Rohrleger nach DVGW-Arbeitsblatt

W 324 – Nachschulung

06.12.2013 Gera

Stecken, Pressen und Klemmen von

Kunststoffrohren

14./15.11.2013 Koblenz

Bauleiter (A/B) für horizontales

Spülbohrverfahren nach GW 329

A: 13.-24.01.2014 Oldenburg

B: 13.-31.01.2014 Oldenburg

INFORMATIONSVERANSTALTUNGEN

Arbeitssicherheit im Tief- und Leitungsbau

26.11.2013 Münster

11.12.2013 Frankfurt/Main

Gussrohrverlegung – aktuelle

Entwicklungen und Einbauverfahren

26.11.2013 München

Einbau und Abdichtung von Netz- und

Hausanschlüssen bei Neubau und

Sanierung

27.11.2013 Kassel

19.12.2013 Potsdam

Steuerbare horizontale Spülbohrverfahren

– Weiterbildungsveranstaltung nach

GW 329

10.12.2013 Kassel

Baurecht 2013

14.11.2013 Münster

05.12.2013 Berlin

GAS/WASSER

INFORMATIONSVERANSTALTUNGEN

Kunststoffrohre in der Gas- und

Wasserversorgung – Verlängerung zur

GW 331

07.11.2013 Frankfurt/Main

10.12.2013 Karlsruhe

Sachkunde GW 301 – Bau von

Wasserrohrleitungen

20./21.11.2013 Mannheim

Sachkunde GW 301 – Bau von

Gasrohrnetzen bis 16 bar

05/06.11.2013 Weimar

Sachkunde GW 301 – Bau von

Gasrohrnetzen über 16 bar

03./04.12.2013 Berlin

Grabenlose Bauweisen

27.11.2013 München

Sachkundiger Gas bis 5 bar

20.11.2013 Hannover

Sachkundiger Wasser – Wasserverteilung

21.11.2013 München

Reinigung und Desinfektion von

Wasserverteilungsanlagen

19.11.2013 Magdeburg

DVGW-Arbeitsblatt GW 301

– Qualitätsanforderungen für

Rohrleitungsbauunternehmen

26.11.2013 Nürnberg

PRAXISSEMINARE

Arbeiten an Gasleitungen – BGR 500,

Kap. 2.31 – Fachaufsicht

25.-29.11.2013 Gera

09.-13.12.2013 Gera

Einführung in die Gasdruckregel- und

Messtechnik

12.-14.11.2013 Erfurt

Fachwissen für Schweißaufsichten nach

DVGW-Merkblatt GW 331 inkl. DVS-

Abschluss 2212-1

14.-15.11.2013 Dortmund

12.-13.12.2013 Dortmund

Qualitätssicherung bei PE-

Rohrleitungen – Beurteilung von

Kunststoffschweißverbindungen HS – HM

nach DVS 2202/1

12.11.2013 Bad Zwischenahn

05.12.2013 Berlin

Fachaufsicht Korrosionsschutz für

Nachumhüllungsarbeiten gemäß DVGW-

Merkblatt GW 15

19.11.2013 Nürnberg

04.12.2013 Brandenburg

Druckprüfung von Wasserrohrleitungen

20.11.2013 Nürnberg

FERNWÄRME

INFORMATIONSVERANSTALTUNGEN

Aufbaulehrgang Fernwärme

12.11.2013 Kerpen

Rohrstatische Auslegung von

Kunststoffmantelrohren

12./13.11.2013 Kerpen

Qualifikationen im Fernwärmeleitungsbau

19.11.2013 Hannover

Schweißen und Prüfen von

Fernwärmeleitungen – FW 446

20.11.2013 Hannover

Stahlmantelrohre im

Fernwärmeleitungsbau

21.11.2013 Hannover

Planung und Bau von

Fernwärmeversorgung mit Dampf

22.11.2013 Hannover

Aktuelle Themen im Fernwärmeleitungsbau

03./04.12.2013 Fulda

SEMINARE

DVGW

Berechnung und Optimierung von

Wasserverteilungsnetzen

13./14.11.2013 Bremerhaven

102 10 | 2013


AKTUELLE TERMINE SERVICES

SEMINARE

GWI Essen

Sachkundige für Odorieranlagen - DVGW G 280

12./13.11.2013 Essen

Sachkundigenschulung - Instandhaltung von

Gasleitungen aus Stahlrohren größer 5 bar

gem. DVGW G 466-1

14./15.11.2013 Essen

Grundlagen, Praxis und Fachkunde von

Gas-Druckregelanlagen nach DVGW G 491,

G 495 und G 459-2

20./21.11.2013 Essen

Sicherheitstraining bei Bauarbeiten im

Bereich von Versorgungsleitungen -

BALSibau - DVGW GW 129

22.11.2013 Essen

06.12.2013 Essen

Sachkundigenschulung Gasabrechnung

gemäß DVGW G 685

25.-27.11.2013 Essen

Sachkundigenschulung - Druckbehälter

und Durchleitungsdruckbehälter einschl.

Erdgas-Vorwärmanlagen nach DVGW GW

498 und G 499

27./28.11.2013 Essen

Arbeiten an Gasleitungen bei

unkontrollierter Gasausströmung Schulung

nach BGR 500 (gem. BGV A1 / BGI 560)

03.12.2013 Essen

Einstellungen, Normalbetrieb

und Störungsbeseitigung an Gas-

Druckregelanlagen

03./04.12.2013 Essen

Einstellungen, Normalbetrieb

und Störungsbeseitigung an Gas-

Druckregelanlagen

03./04.12.2013 Essen

Instandhaltung von Gasrohrnetzen

10./11.12.2013 Essen

Gas-Hausanschlüsse – Planung, Betrieb,

Instandhaltung

12./13.12.2013 Essen

Druckbehälter und

Durchleitungsdruckbehälter Praxis-

Vertiefungsseminar/Weiterbildung der

Sachkundigen nach G 498

12./13.12.2013 Essen

Wirtschaftliche Instandhaltung von

Gasnetzen und –anlagen

18.12.2013 Essen

SEMINARE

HDT

Rohrleitungsplanung für Industrie- und

Chemieanlagen

14./15.11.2013 München

Druckstöße, Dampfschläge und

Pulsationen in Rohrleitungen

02./03.12.2013 Leibstadt, Schweiz

Festigkeitsmäßige Auslegung von

Druckbehältern

02./03.12.2013 Essen

Dichtungstechnik im Rohrleitungs- und

Apparatebau

14.11.2013 Essen

ASME-Kenntnisse für die Anfrage

zu Druckgeräten, Rohrleitungen mit

Zubehör und Schweißkonstruktionen im

Maschinenbau

19.11.2013 Essen

Schweißen von Rohrleitungen im Energieund

Chemieanlagenbau

20./21.11.2013 Essen

SEMINARE

Radiodetection

Aufbaumodul Kabelfehlerortung (Laufzeitund

Brückenmesstechnik)

26.-28.11.2013 Emmerich

Grundmodul Kabel- und Leitungsortung

10./11.12.2013 Emmerich

Aufbaumodul Kabel- und Leitungsortung

19./20.11.2013 Emmerich

Grundmodul Kabelfehlersortung

03.-05.12.2013 Emmerich

RSV

ZKS-BERATER-LEHRGÄNGE

Blockschulung 2013

Modulare Schulung 2013

11.11.-16.11.2013 Kerpen

18.11.-22.11.2013 Hamburg/Kiel

02.12.-07.12.2013 Hamburg/Kiel

25.11.-30.11.2013 Feuchtwangen

SEMINARE

SAG

Grundlagen der Kanalreinigung in Theorie

und Praxis

09.12.2013 Lünen

Fahrzeug- und Gerätetechnik im Bereich

Kanalreinigung

11.12.2013 Lünen

Fachgerechte Reinigung von

Grundstücksentwässerungsanlagen in

Theorie und Praxis

16.12.2013 Lünen

Grundlagen der Inspektion von Kanälen

und Grundstücksentwässerungsleitungen

in Theorie und Praxis auf Grundlage der

Europäischen Norm DIN EN 13508-2, des

nationalen Regelwerks DWA-M 149, Teil

2 und 5 sowie ISYBAU 2006

18.11.2013 Kiel

Bewertung von Schadensbildern,

Zustandsklassifizierung nach DWA-M

149-3, ISYBAU sowie DIN 1986-

30 (02/2012), Zustandsbewertung

nach DWA-M 149-3 (mit

Sanierungskennzahlen) und

10 | 2013 103


SERVICES AKTUELLE TERMINE

Auswahl des geeigneten

Sanierungsverfahrens sowie Übersicht

von Sanierungsverfahren im Bereich

Grundstücksentwässerung (GEA)

25.11.2013 Lünen

Grundlagen der Kanalsanierung privater

Abwasserleitungen, Bewertung von

Schadensbildern mit Zustandsklassifizierung

nach DWA-M 149-3, ISYBAU 2006 und DIN

1986-30 (02/2012)

25.11.2013 Lünen

Sachkundelehrgang Grundlagen und

Anwendung des Berstliningverfahrens

25.11.2013 Darmstadt

27.01.2014 Lauingen

SEMINARE

TAH

Zertifizierter Kanalsanierungs-Berater

2013

06.-11.01.2014 Essen

17.-22.03.2014 Hannover

Auf den Punkt gebracht

05.11.2013 Leipzig

06.11.2013 Hannover

07.11.2013 Gelsenkirchen

26.11.2013 Mainz

27.11.2013 Stuttgart

28.11.2013 München

Generalentwässerungsplanung

13./14.11.2013 Würzburg

SEMINARE

TAW

Verfahrenstechnische Erfahrungsregeln bei

der Auslegung von Apparaten und Anlagen

25./26.11.2013 Altdorf

12./13.05.2013 Wuppertal

KKS-Seminar für Fortgeschrittene – Teil 1

25.-27.11.2013 Wuppertal

KKS-Seminar für Fortgeschrittene – Teil 2

27.-29.11.2013 Wuppertal

Kathodischer Korrosionsschutz

unterirdischer Anlagen

12.-14.03.2014 Wuppertal

Urbane Sturzfluten: Analyse, Bewertung,

Lösung (Zusatztermin)

28.11.2013 Oberhausen

KONTAKTADRESSEN

Berufsförderungswerk des Rohrleitungsbauverbandes

Kurt Rhode, Tel. 0221/37668-44,

Fax 0221/37668-62, E-Mail: rhode@brbv.de,

www.brbv.de

DVGW Deutsche Vereinigung des

Gas- und Wasserfaches e.V.,

Tel. 0228/9188-607, Fax 0228/9188-997,

E-Mail: splittgerber@dvgw.de, www.dvgw.de

GWI Gas- und Wärmeinstitut

Essen e.V.,

Barbara Hohnhorst, Tel. 0201/3618-143,

Fax 0201/3618-146, E-Mail: hohnhorst@

gwi-essen.de, www.gwi-essen.de

HdT

Haus der Technik Essen, Tel. 0201/1803-1,

E-Mail: hdt@hdt-essen.de,

www.hdt-essen.de

E-Mail: rd.sales.de@spx.com,

www.radiodetection.com

SAG-Akademie

Anja Kratt, Tel. 06151/10155-111,

Fax 06151/10155-155, E-Mail: Kratt@SAG-

Akademie.de, www.SAG-Akademie.de

Technische Akademie Hannover

Dr. Igor Borovsky, Tel. 0511/39433-30,

Fax 0511/39433-40, E-Mail: borovsky@tahannover.de,

www.ta-hannover.de

Technische Akademie Wuppertal

Tel. 0202/7495-207, Fax 0202/7495-228,

E-Mail: taw@taw.de, www.taw.de

ZKS

RSV - Rohrleitungssanierungsverband e.V.,

Tel.: 05963/9810877, Fax 05963/9810878,

E-Mail: rsv-ev@t-online.de, www.rsv-ev.de

104 10 | 2013


IMPRESSUM

IMPRESSUM

Verlag

© 1974 Vulkan-Verlag GmbH,

Postfach 10 39 62, 45039 Essen,

Telefon +49 201-82002-0, Fax -40

Geschäftsführer: Carsten Augsburger, Jürgen Franke

Redaktion

Dipl.-Ing. N. Hülsdau, Vulkan-Verlag GmbH,

Huyssenallee 52-56, 45128 Essen,

Telefon +49 201-82002-33, Fax +49 201-82002-40,

E-Mail: n.huelsdau@vulkan-verlag.de

Kathrin Lange, Vulkan-Verlag GmbH,

Telefon +49 201-82002-32, Fax +49 201-82002-40,

E-Mail: k.lange@vulkan-verlag.de

Barbara Pflamm, Vulkan-Verlag GmbH,

Telefon +49 201-82002-28, Fax +49 201-82002-40,

E-Mail: b.pflamm@vulkan-verlag.de

Anzeigenverkauf

Helga Pelzer, Vulkan-Verlag GmbH,

Telefon +49 201-82002-66, Fax +49 201-82002-40,

E-Mail: h.pelzer@vulkan-verlag.de

Anzeigenverwaltung

Martina Mittermayer,

Vulkan-Verlag/DIV Deutscher Industrieverlag GmbH,

Telefon +49 89-203 53 66-16, Fax +49 89-203 53 66-66,

E-Mail: mittermayer@di-verlag.de

Abonnements/Einzelheftbestellungen

Leserservice 3R INTERNATIONAL,

Postfach 91 61, 97091 Würzburg,

Telefon +49 931-4170-1616, Fax +49 931-4170-492,

E-Mail: leserservice@vulkan-verlag.de

Layout und Satz

Dipl.-Des. Nilofar Mokhtarzada, Vulkan-Verlag GmbH

E-Mail: n.mokhtarzada@vulkan-verlag.de

Druck

Druckerei Chmielorz, Ostring 13,

65205 Wiesbaden-Nordenstadt

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3R erscheint monatlich mit Doppelausgaben im Januar/Februar,

März/April und August/September · Bezugspreise: Abonnement

(Deutschland): € 275,- + € 24,- Versand; Abonnement (Ausland):

€ 275,- + € 28 Versand; Einzelheft (Deutschland): € 39,- + € 3,-

Versand; Einzelheft (Ausland): € 39,- + € 3,50 Versand; Einzelheft

als ePaper (PDF): € 39,-; Studenten: 50 % Ermäßigung auf

den Heftbezugspreis gegen Nachweis · Die Preise enthalten bei

Lieferung in EU-Staaten die Mehrwertsteuer, für alle übrigen

Länder sind es Nettopreise.

Bestellungen sind jederzeit über den Leserservice oder jede

Buchhandlung möglich. Die Kündigungsfrist für Abonnementaufträge

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UrhG und verpflichtet zur Gebührenzahlung an die VG WORT,

Abteilung Wissenschaft, Goethestraße 49, 80336 München, von

der die einzelnen Zahlungsmodalitäten zu erfragen sind.

ISSN 2191-9798

Informationsgemeinschaft zur Feststellung

der Verbreitung von Werbeträgern

Organschaften

Fachbereich Rohrleitungen im Fachverband Dampfkessel-, Behälterund

Rohrleitungsbau e.V. (FDBR), Düsseldorf · Fachverband Kathodischer

Korrosionsschutz e.V., Esslingen · Kunststoffrohrverband e.V.,

Köln · Rohrleitungsbauverband e.V., Köln · Rohrleitungssanierungsverband

e.V., Essen · Verband der Deutschen Hersteller von Gasdruck-Regelgeräten,

Gasmeß- und Gasregelanlagen e.V., Köln

Herausgeber

H. Fastje, EWE Aktiengesellschaft, Oldenburg (Federführender Herausgeber)

· Dr.-Ing. M. K. Gräf, Vorsitzender der Geschäftsführung

der Europipe GmbH, Mülheim · Dipl.-Ing. R.-H. Klaer, Bayer AG, Krefeld,

Vorsitzender des Fachausschusses „Rohrleitungstechnik“ der VDI-

Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemie-Ingenieurwesen (GVC)

Dipl.-Volksw. H. Zech, Geschäftsführer des Rohrleitungssanierungsverbandes

e.V., Lingen (Ems)

Schriftleiter

Dipl.-Ing. M. Buschmann, Rohrleitungsbauverband e.V. (rbv), Köln

Rechtsanwalt C. Fürst, Erdgas Münster GmbH, Münster · Dipl.‐Ing.

Th. Grage, Institutsleiter des Fernwärme-Forschungsinstituts, Hemmingen

Dr.-Ing. A. Hilgenstock, E.ON New Build & Technology GmbH, Gelsenkirchen

(Gastechnologie und Handelsunterstützung) Dipl.-Ing. D. Homann,

IKT Institut für Unterirdische Infrastruktur, Gelsenkirchen · Dipl.‐Ing.

N. Hülsdau, Vulkan-Verlag, Essen · Dipl.-Ing. T. Laier, Westnetz GmbH,

Dortmund · Dipl.-Ing. J. W. Mußmann, FDBR e.V., Düsseldorf

Dr.-Ing. O. Reepmeyer, Europipe GmbH, Mülheim · Dr. H.-C. Sorge,

IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser, Biebesheim · Dr. J.

Wüst, SKZ - TeConA GmbH, Würzburg

Beirat

Dr.-Ing. W. Berger, Direktor des Forschungsinstitutes für Tief-und

Rohrleitungsbau e.V., Weimar · Dr.-Ing. B. Bosseler, Wissenschaftlicher

Leiter des IKT – Institut für Unterirdische Infra struktur, Gelsenkirchen

· Dipl.-Ing. D. Bückemeyer, Vorstand der Stadtwerke Essen AG

W. Burchard, Geschäftsführer des Fachverbands Armaturen im VD-

MA, Frankfurt · Bauassessor Dipl.‐Ing. K.-H. Flick, Fachverband Steinzeugindustrie

e.V., Köln · Prof. Dr.-Ing. W. Firk, Vorstand des Wasserverbandes

Eifel-Rur, Düren · Dipl.-Wirt. D. Hesselmann, Geschäftsführer

des Rohrleitungsbauverbandes e.V., Köln · Dipl.-Ing. H.-J. Huhn,

BASF AG, Ludwigshafen · Dipl.-Ing. B. Lässer, ILF Beratende Ingenieure

GmbH, München · Dr. rer. pol. E. Löckenhoff, Geschäftsführer des

Kunststoffrohrverbands e.V., Bonn · Dr.-Ing. R. Maaß, Mitglied des

Vorstandes, FDBR Fachverband Dampfkessel-, Behälter- und Rohrleitungsbau

e.V., Düsseldorf · Dipl.-Ing. R. Middelhauve, TÜV NORD

Systems GmbH & Co. KG, Essen · Dipl.-Ing. R. Moisa, Geschäftsführer

der Fachgemeinschaft Guss-Rohrsysteme e.V., Griesheim · Dipl.‐Berging.

H. W. Richter, GAWACON, Essen · Dipl.-Ing. T. Schamer, Geschäftsführer

der ARKIL INPIPE GmbH, Bottrop · Prof. Dipl.-Ing. Th. Wegener,

Institut für Rohrleitungsbau an der Fachhochschule Oldenburg

Prof. Dr.-Ing. B. Wielage, Lehrstuhl für Verbundwerkstoffe, Technische

Universität Chemnitz-Zwickau · Dipl.-Ing. J. Winkels, Technischer

Geschäftsführer der Salzgitter Mannesmann Line Pipe GmbH, Siegen

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