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BoxSport Die geheimen Vertäge des DBV (Vorschau)

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Boxsport . MÄRZ 2013

Nr. 3 . März 2013 . € 4,20 . spanien € 5,30 . Österreich € 4,85 . Schweiz sfr. 8,40

www.box-sport.de

89. Jahrgang 1882

sport

DAS MAGAZIN: alles Über PROFIS UND AMATEURE

Muhammad Ali bei seinem letzten

öffentlichen Auftritt im Januar in

New Orleans

Exklusiv-Interview

Kalle Sauerland

So bleiben wir die

Nummer 1 in Europa

Meine

Fehler,

meine Träume

Weltverbands-Präsident

Ching-kuo Wu

Muss er bald sterben

oder geht es ihm wieder besser?

Familienstreit um

todkranken Ali

Die geheimen Verträge des DBV

SES: Vier WM-Knaller

in drei Wochen

Bundesliga: So feiert

Velbert den 12. Titel

Die AIBA will die Weltherrschaft im Boxen

Wechsel zu den Profis kann Millionen kosten

Die Revanche

Abraham und

Stieglitz über

ihre Strategien

im WM-Kampf


Hans Reski

Die Box-Revolutionäre legen

ihre Summen auf den Tisch

Es gibt fünf Trainer aus der ehemaligen DDR,

die für das Box-Wunder in Deutschland stehen.

Nach der politischen Revolution nach der

Wende, der Wiedervereinigung, haben sie für einen

Weltmeister-Boom in unserem Lande gesorgt. Ich spreche

von Manfred Wolke (Maske), Ulli Wegner (Ottke,

Beyer, Abraham, Huck), Fritz Sdunek (Klitschkos, Michalczewski,

Rocchigiani, Gomez, Erdei …), Michael

Timm (Sturm, Chagaev, Brähmer, Menzer…) sowie

Torsten Schmitz, der die Box-Königin Regina Halmich

betreute. Boxen war und ist ihr Leben. Sie haben sich

mit dem Geschäft Profiboxen arrangiert, sind heute

gut situiert, aber sie haben nicht die Strukturen der

DDR vergessen, die zu den unglaublichen Erfolgen

geführt haben.

Jetzt, über 20 Jahre nach

der Wende, erleben sie

den Versuch einer Box-

Revolution. Dr. Wu, der

Präsident des Weltverbandes

AIBA, will eigene

Profis züchten. Einen eifrigen

Adjutanten hat er

dabei in DBV-Präsident

Jürgen Kyas. Der redet

schon seit längerer Zeit

davon, dass er mitgestalten

will. „Es wird einen

riesigen Wandel geben,

unser Boxen wird ein

ganz neues Gesicht bekommen“, erklärte er bereits

im Sommer. Und sein Sportdirektor Michael Müller

kündigte an: „Jetzt geht sie richtig los, die Revolution

im Boxen.“ Inzwischen haben die Kaderboxer des

DBV eine Athletenvereinbarung bekommen, mit der

sie viele Pflichten und wenige Rechte haben und sie

bei Verstößen die Förderung gestrichen bekommen.

Dazu in der Anlage eine Liste, in der sie lesen können,

was es kostet, zu den Profis zu wechseln. Die

Liste mit den Ablösesummen finden Sie auf Seite 45.

Die Summen, die dann natürlich der Profistall

bezahlen muss, gehen in die Millionen. Sie sorgen

für Aufregung in der Profiszene. Vom Ende des Profiboxens

ist die Rede. Man ist der Meinung, dass die

AIBA dieses Geschäft nicht beherrscht und verweist

auf die Erfolglosigkeit der World Series, einer Weltliga

mit Halbprofis. Dort werden nur Verluste produziert,

Riesenkosten für Gagen und Reisen, dagegen

stehen leere Hallen und kein TV-Partner. Zumindest

in Deutschland interessiert sich niemand für diesen

Mischmasch, wie es Ulli Wegner mal formulierte, aus

Amateuren und Profis. Zu den Leidtragenden gehören

auch die Bundesliga-Vereine, weil sie einige ihrer

Boxer für das Team Deutschland (German Eagles) abstellen

mussten, und nicht mehr in der Liga einsetzen

durften. Ein Vergleich aus dem Fußball: Das wäre so,

als wenn Schweinsteiger und Neuer nicht mehr für

Bayern spielen dürften, wenn sie von Löw in die Nationalelf

berufen werden.

Das Engagement von

Kyas und Müller für das

AIBA-Projekt wird deshalb

an der Basis auch

kritisch gesehen. Sollte es

weiterhin keine Erfolge

geben, könnte es ein

böses Erwachen werden.

Denn dass die erhofften

Ablösen gezahlt werden,

glaubt niemand – weder

bei den Profis noch bei

den Amateuren. Velberts

Präsident Hans-Gerd

Rosik findet die Liste der

Ablösesummen „lächerlich“.

Er glaubt, dass sie von einem guten Rechtsanwalt

zerpflückt werden können. Wir haben einen der

bekanntesten im deutschen Sport gefragt. Er sagt:

„Ganz klar, sie verstoßen gegen das europäische Arbeitsrecht.“

Dagegen nennt sie Sportdirektor Michael

Müller „wasserdicht“. Mal sehen, wer Recht behält.

Übrigens: Einer der fünf ehemaligen DDR-Trainer

glaubt an die Box-Revolution. Aber das ist kein Wunder:

Michael Timm ist von den Profis zu den Amateuren

zurückgekehrt (Seite 48). Hoffentlich erlebt er

kein blaues Wunder.

BoxSport

3


INHALT

Namen, Nachrichten, Termine............................................. 6

Adrien Broner der neue Superstar in den USA................... 40

Der goldene Frühling bei SES............................................... 8

Das große Interview mit Kalle Sauerland.......................... 12

Abraham-Stieglitz: Die Schlacht in Ottkes Wohnzimmer.. 16

Wegners Wut-Attacken nach Brähmers Sieg.................... 18

Woge siegte im Duell der Prügelknaben............................ 20

Dirks brach Ami Kiefer und Nase....................................... 21

Kölling und Zeuge: Wer wird Profi-Weltmeister? ............. 22

Sturm: Golovkin-Kampf die letzte Chance?........................ 24

Susi Kentikian kann wieder jubeln..................................... 26

Adrien Broner

(rechts) nahm

Ex-Weltmeister

Gavin Rees

auseinander -

der Amerikaner

ist der neue

Stern am Box-

Himmel

Seite 40

Ernährungs-Guru Czabaun will stärker ins Boxen einsteigen.. 42

Die geheimen Verträge des DBV........................................ 44

World Series: Eagles verpassen Viertelfinale.................... 46

Das neue Leben des Michael Timm................................... 48

Sieg für Weber – aber Dobroschi am Ende?...................... 27

Dzeko: Felix wurde verschaukelt........................................ 28

Denis Boytsov siegte heimlich........................................... 29

Culcay: Zbik oder Sturm wären ideale Gegner................... 30

Bei den

Amateuren war

Jack Culcay bereits

Weltmeister, auch

bei den Profis will

er hoch hinaus. Am

liebsten würde er

schon jetzt gegen

die deutschen

Ex-Weltmeister

Felix Sturm und

Sebastian Zbik

kämpfen

Seite 30

Drei Russen wollen die Universum-Lücke schließen......... 32

Alekseev jetzt WM-Herausforderer von Hernandez.......... 33

Die BoxSport-Weltrangliste............................................... 34

Marco Huck: Der Pate vom Sandzak.................................. 36

Familien-Streit um todkranken Ali..................................... 38

Früher

produzierte

Michael

Timm Profi-

Weltmeister,

heute formt

der Trainer

Talente bei den

Amateuren

Seite 48

Bundesliga: Velbert zum 12. Mal Meister.......................... 50

Bundesliga: Feierte Nordhausen zu früh?.......................... 52

2. Bundesliga: Seelze nicht zu schlagen............................ 54

Ulrich Bittner: Ein Hans-Dampf in Hanaus Gassen............ 56

Beim Chemiepokal geht’s um die EM-Tickets ................... 58

Kuba-Boxer bald AIBA-Profis............................................. 59

Ergebnisse und Termine..................................................... 60

Aus den Verbänden............................................................ 62

Leserbriefe......................................................................... 64

Lesen Sie nächsten Monat................................................ 66

4 BoxSport


Namen Nachrichten

Boxen

Im fernsehen

Samstag, 02. März 2013, Sport1, ca. 22.00 Uhr

– live aus Potsdam – WIBF-WBF-WBO-WM

im Superfedergewicht: Ramona Kühne vs.

Halanna Dos Santos

Samstag, 23. März 2013, ARD, ca. 22.30 Uhr -

live aus Magdeburg – WBO-WM im Supermittelgewicht:

Arthur Abraham vs. Robert

Stieglitz

Krasniqi boxt für

guten Zweck

n Luan Krasniqi boxt wieder!

Aber nur für den guten Zweck.

Der Ex-Europameister im

Schwergewicht steigt im November

gegen Porsche-Betriebsratschef

Uwe Hück in den Ring.

„Blaue Flecke für soziale Zwecke“

nennt der Thaiboxer Hück

sein Projekt. Er kämpfe für ein

Bildungszentrum in Pforzheim –

und anstatt beim Staat um Kohle

zu bitten, „riskiere er lieber, eins

auf die Fresse zu bekommen“.

Sidon will Revanche

n Es könnte sein letzter Kampf

werden: Am 6. April will Andreas

Sidon Revanche nehmen

am Kanadier Sheldon Hinton.

Der hatte den Box-Oldie 2009 in

Edmonton in der dritten Runde

auf die Bretter geschickt. Nun

hat Sidon den Heimvorteil auf

seiner Seite. Der Kampf steigt in

den Hessenhallen in Sidons Heimatstadt

Gießen. Im Anschluss

an den Schwergewichts-Fight

will Sidon seinen Geburtstag

nachfeiern. Anfang Februar

wurde der langjährige Deutsche

Meister 50 Jahre alt. Sidon kündigt

an: „Wenn ich verliere, ist

Schluss mit Boxen!“

Thompson schlug

den Riesen Price k.o.

Der Tiger hat noch immer Zähne:

Tony Thompson

senders HBO zu sehen, sondern

beim kleineren Konkurrenten

Showtime. Mayweathers Berater

Al Haymon fädelte den spektakulären

TV-Deal ein. Er könnte

zum teuersten TV-Vertrag in der

Geschichte des Sports werden.

Denn Showtime garantiert Mayweather

sechs Kämpfe in den

kommenden 30 Monaten. Dafür

soll er 250 Millionen Dollar erhalten.

Nader wieder

gegen Santos

n Gleicher Ort, gleiches Duell

– doch dieses Mall soll alles

anders werden. Sauerland-Boxer

Marcos Nader trifft am 13.

April erneut auf den Spanier

Roberto Santos. Im November

hatten sich die beiden ebenfalls

im Multiversum Schwechat in

Wien unentschieden getrennt.

EU-Mittelgewichts-Champion

Santos durfte seinen Titel, den

er sich in Bamberg mit einem

vorzeitigen Sieg über Naders

Stallgefährten Dominik Britsch

gesichert hatte, behalten. „Das

war eine ziemlich knappe Geschichte“,

sagt Nader rückblickend.

„Ich habe mir den Kampf

danach noch einige Male angeschaut.

Und ich denke, dass ich

damals gewonnen habe.“ Umso

mehr freut er sich, dass er jetzt

zum zweiten Mal nach dem EU-

Titel greifen kann. Nader: „Die

Mayweather kämpft

jetzt bei Showtime

n Floyd Mayweather Jr. ist immer

für eine Überraschung gut.

Der Boxer, der gerade seinen 36.

Geburtstag feierte, präsentierte

mit Ex-Weltmeister Robert Guerrero

nicht nur seinen nächsten

Gegner am 4. Mai in Las Vegas.

Er gab auch gleich einen spektakulären

Senderwechsel bekannt.

Mayweathers Kämpfe sind nach

15 Jahren nicht mehr im Programm

des mächtigen Bezahln

Er hatte wohl selbst nicht an seine Chance geglaubt. Nicht gerade

austrainiert marschierte Tony Thompson in Liverpool in den Ring.

Und dennoch haute er Schwergewichts-Talent David Price in der

zweiten Runde mit einem rechten Haken hinter das Ohr k.o. Der 2,03

Meter große Price war zuvor in 15 Kämpfen unbesiegt und wurde gemeinsam

mit seinem Landsmann Tyson Fury bereits als potenzieller

Klitschko-Gegner gehandelt. Aus der Traum. Aufmunternde Worte

bekam der gefallene Riese immerhin von seinem Landsmann Lennox

Lewis. „Das ist den Besten passiert“, erklärte der Olympiasieger

und frühere Weltmeister im Schwergewicht. „Es kommt jetzt darauf

an, daraus zu lernen und stärker zurückzukommen.“ Lewis weiß,

wovon er spricht. Auch er erlebte während seiner Karriere bittere

K.o.-Pleiten gegen Oliver McCall und Hasim Rahman. Lewis kam

stets zurück und revanchierte sich für seine Niederlagen.

Thompson, Kampfname Tiger, wog gegen Price acht Kilogramm

mehr als bei seinem kläglichen WM-K.o. gegen Wladimir Klitschko

im Juli vergangenen Jahres in Bern. Er ist zurück im Geschäft. Nun

soll der zweite Briten-Riese Fury gegen Thompson ran.

Karten werden neu gemischt!

Für uns beide ist es das zweite

Mal. Er weiß jetzt, wie ich boxe -

ich weiß, wie er kämpft. Es wird

also nicht leichter als im ersten

Kampf.“

Wladimir: Comeback

mit seiner Hayden

n Wladimir Klitschko im Wartestand.

Weil er seine Pflichtverteidigung

gegen Alexander Povetkin

noch hinausschieben will, er

aber für eine freiwillige Verteidigung

keinen geeigneten Gegner

findet, vertrieb sich der Schwergewichts-Weltmeister

die Zeit

in Florida. Der Box-Champion

wurde beim neuen Trendsport

Stand up Paddling gesichtet –

und mit seiner alten Liebe, der

amerikanischen Schauspielerin

Hayen Panettiere. Die britische

Tageszeitung Daily Mail druckte

Fotos der beiden, die sich 2011 eigentlich

getrennt hatten, ab, auf

denen sie Arm in Arm und händchenhaltend

zu sehen sind. Sie

himmelt ihn an, Klitschko küsst

ihre Hand. Sie sollen zusammen

Silvester gefeiert haben, Hayden

hatte sich zuvor von ihrem

Freund, dem Football-Spieler

Scotty McKnight, getrennt.

Wladimir

Sie werden wieder zusammen

gesichtet: Box-Weltmeister

Wladimir Klitschko und die

amerikanische Schauspielerin

Hayden Panettiere

Klitschko hatte

die Erlaubnis

vom Weltverband

WBA, vor

der Pflichtverteidigung

gegen

Povetkin noch

einen Kampf

zu machen. Als

Gegner für den

6. April wurden

unter anderen

Francesco Pianeta

und Fres

Oquendo gehandelt.

Nun scheint die Zeit für

einen WM-Kampf Anfang April

jedoch zu knapp geworden.

Görlitz ehrte Vitali

Klitschko

n Schwergewichts-Weltmeister

Vitali Klitschko hat den Internationalen

Brückepreis der

Stadt Görlitz erhalten. Die Jury

würdigte damit das persönliche

Eintreten des promovierten

6 BoxSport


Termine

Die Ehrung der Boxer des Jahres

Die Ehrung der Boxer des Jahres: Stefan Härtel, Cecilia Braekhus, Hans Reski,

Arthur Abraham, Promoter Kalle Sauerland und Ulli Wegner (von links)

n Weltmeister Arthur Abraham, Trainer Ulli Wegner, Weltmeisterin

Cecilia Braekhus und Olympia-Boxer Stefan Härtel waren für die

Leser und die Experten-Jury des BoxSport die Boxer des Jahres

2012. In Berlin, im Rahmen der Europameisterschaft zwischen

Jürgen Brähmer und Eduard Gutknecht, ehrte BoxSport die Sieger

mit einer eigens für sie gestalteten individuellen Titelseite. Chefredakteur

und Herausgeber Hans Reski überreichte den Wahlsiegern

die BoxSport-Seiten. Für Cecilia Braekhus folgte wenig später eine

weitere Auszeichnung. Die Norwegerin aus dem Sauerland-Stall

war auch für die amerikanische Box-Bibel „The Ring“ die Boxerin

des Jahres 2012.

Sportlers für Demokratie sowie

sein Engagement für Kinder und

Jugendliche. In der Urteilsbegründung

hieß es unter anderem:

„Vitali Klitschko ist eine

Symbolfigur für die Demokratiebewegung

in seinem

Heimatland Ukraine und in

ganz Europa. Er ist ein Mann

mit wachem Verstand, einem

tiefgreifenden Verständnis

für ethische Grundnormen

und klaren politischen Vorstellungen

und Visionen, der

seine weltweite Popularität

als Sportler eingebracht hat,

um seine Botschaften der

Öffentlichkeit in seinem Heimatland,

aber auch weit darüber

hinaus zu vermitteln. Vitali

Klitschko ist aber auch ein Mann

,mit einem großen Herzen‘“.

Ein gerührter Weltmeister:

Vitali Klitschko mit dem

Brückepreis der Stadt

Görlitz

deutsche termine

02. März 2013, Potsdam (SES)

WIBF-WBF-WBO-WM im Superfedergewicht: Ramona Kühne vs. Halanna Dos Santos

WBO-Junioren-WM im Halbschwergewicht: Dominic Bösel vs. Harut Sahakyan

02. März 2013, Worms (FLP)

Kampf im Cruisergewicht: Dennis Ronert vs. Ben Nsafoah

08. März 2013, Saarbrücken (DOG)

WBF-Intercontinental im Supermittelgewicht: Jürgen Doberstein vs. Blas Miguel Martinez

09. März 2013, Hamburg (ITS)

Kampf im Schwergewicht mit Alexander Dimitrenko

Kampf im Supermittelgewicht mit Dimitri Sartison

09. März 2013, Velten (S&S)

Kampf im Supermittelgewicht: Marco Schulze vs. Bronislav Kubin

22. März 2013, Berlin (Arena/Rolle)

IBF-Intercontinental im Schwergewicht mit Odlanier Solis

23. März 2013, Magdeburg (Sauerland/SES)

WBO-WM im Supermittelgewicht: Arthur Abraham vs. Robert Stieglitz

23. März 2013, Lübbecke (Khalil)

Kampf im Halbschwergewicht mit Konni Konrad

23. März 2013, Nürnberg (Ndue)

Kampf im Mittelgewicht: Nuhu Lawal vs. Omar Jatta

internationale termine

09. März 2013, New York (USA)

IBF-WM im Halbschwergewicht: Tavoris Cloud vs. Bernard Hopkins

WBO-WM-Ausscheidung im Weltergewicht: Jan Zaveck vs. Keith Thurman

09. März 2013, Costa Mesa (USA)

WBC-WM-Ausscheidung im Schwergewicht: Chris Arreola vs. Bermane Stiverne

16. März 2013, London (England)

WBO-WM im Halbschwergewicht: Nathan Cleverly vs. Robin Krasniqi

WBO-IBF-WM im Leichtgewicht: Ricky Burns vs. Miguel Vazquez

16. März 2013, Carson (USA)

WBO-WM im Weltergewicht: Timothy Bradley vs. Ruslan Provodnikov

30. März 2013, Monte Carlo (Monaco)

WBA-WM im Mittelgewicht: Gennady Golovkin vs. Nobuhiro Ishida

Kampf im Halbschwergewicht: Zsolt Erdei vs. Denis Grachev

30. März 2013, Las Vegas (USA)

WBO-Interims-WM im Superleichtgewicht: Brandon Rios vs. Mike Alvarado

BoxSport

7


Vier WM-Knaller

in drei März-Wochen

Vor 13 Jahren organisierte der damals 32 Jahre

alte Ulf Steinforth die ersten Profiboxkämpfe in

Magdeburg. Mit Schwergewichtler René Monse

und Dirk Dzemski gehörten zwei Profis zu seinem

„Stall“. „Monse war ein sehr befähigter Schwergewichtler,

erkannte aber seine große Chance nicht“,

sagt Steinforth (45) rückblickend. „Trotzdem legte

er den Grundstein für den heutigen SES-Boxstall.“

Trainer Ulli Wegner griff dem jungen Promoter damals

noch unter die Arme: „Ulf schickte Monse und

Dzemski ab und zu nach Köln in unser Sauerland-

Gym, bis später Werner Kirsch das Training übernahm“,

erklärt Wegner den schweren Beginn des

Magdeburger Profibox-Unternehmens.

Dzemski holte 2002 den ersten WM-Titel im Mittelgewicht,

allerdings nach Version der NBA, an die

Elbe. Dem heutigen SES-Cheftrainer folgten eine

Reihe von Weltmeistern wie Robert Stieglitz, Natascha

Ragosina, Ramona Kühne, Christina Hammer

und Jan Zaveck. Seit 2011 verfügt SES über ein eigenes

bestens eingerichtetes Gym in Magdeburg-

Olvenstedt, Büro-Räume auf 200 Quadratmetern

gehören im Magdeburger Stadtfeld zum Unternehmen

der Boxprofis im Bördeland. 14 Boxerinnen

und Boxer lassen derzeit die Fäuste für SES

fliegen. Für alle seine Faustkämpfer hat Steinforth

Ulf Steinforth

Wohnungen in Sachsen-Anhalts Metropole angemietet.

Zwölf Angestellte, unter ihnen die Trainer

Dirk Dzemski, Kai Kurzawa und René Friese, sorgen

für einen reibungslosen Ablauf des Trainings und

der Veranstaltungen. Neben zwei freiberuflichen

Pressesprechern sind bei Veranstaltungen bis zu

55 Mitarbeiter für SES im Einsatz.

Wind unter die Flügel der Magdeburger Boxgarde

blies auch Boxexperte Jean-Marcel Nartz. „Jean-

Marcel war für uns immer zur Stelle. Seine Hilfe

war unheimlich wichtig. Er half mir, in dem komplizierten

Profigeschäft die richtigen Partner zu

finden“, erzählt Steinforth. Der Kölner Nartz ist

überzeugt: „Es hat sich gelohnt. Ulf ist in seiner

Heimat geblieben und hat eine verdammt gute,

ehrliche Arbeit geleistet. Er holt in das arme Land

Sachsen-Anhalt nicht nur ein gutes Box-Image,

sondern sorgt auch für die wichtigen Arbeitsplätze.

Ulf ist mir in den schweren Aufbau-Jahren ein

richtig guter Freund geworden.“

Den März sieht Ulf Steinforth als goldenen Frühling

an. Mit Ramona Kühne in Potsdam, Jan Zaveck

in New York, Robin Krasniqi in London und Robert

Stieglitz in Magdeburg kämpfen innerhalb von drei

Wochen gleich vier Athleten aus dem SES-Stall um

Weltmeistergürtel und WM-Chancen. Im April folgt

dann ein EM-Auftritt des Tschechen Lukas Konecny

in seiner Heimat.

EXKLUSIV im

über die Chancen seiner Asse

Der goldene Fr

n Ramona Kühne (32) boxt am

2. März in Potsdam um die WM

der WIBF, WBO und WBF im

Superfedergewicht gegen die

Brasilianerin Halanna Dos Santos:

Ramona klettert nach einer

neunmonatigen Verletzungs-

Pause wieder in den Ring.

Die ehrgeizige Berlinerin

hat sich bei ihrem Ehemann

und Trainer Stefan

Kühne, früher Böstfleisch,

wieder eine richtige gute

Form antrainiert. Ich bin

überzeugt, wir werden in

der neuen MBS-Arena einen großen

Kampf sehen. Ramona wird

trotz der heimischen Umgebung

nicht leichtsinnig in den Kampf

Ramona Kühne

2. März in Potsdam

gehen, sie weiß, wie gefährlich

die Brasilianerin ist. Ich freue

mich auf Potsdam besonders,

weil Ministerpräsident Matthias

Platzeck Axel Schulz gebeten

hatte, einmal einen Spitzenkampf

nach Potsdam

zu holen. Wir sind glücklich,

den Wunsch erfüllen zu können.

In Potsdam wohnen zwar

viele Promis, sportlich ist aber

nicht viel los. Wir wollen

deshalb ein Zeichen

setzen. Am gleichen

Abend wird unser

großes Talent Dominic

Bösel aus Freiburg an

der Unstrut im Halbschwergewicht

um

die Junioren-WM

boxen. Für Dominic soll das

die erste Stufe auf der Erfolgsleiter

in Richtung einer

EM sein. Ein weiteres Talent

stellen wir mit Moritz Stahl vor.

Den Jungen habe ich in Halle/

Saale schon als Kind unterstützt.

Ich bin überzeugt, den Burschen

sehen wir in wenigen Jahren mit

einem Weltmeistergürtel.

Jan Zaveck

9. März in New York

n Jan Zaveck (35) kämpft am 9.

März in der Barclays-Arena von

New York gegen Keith Thurman

in einem WBO-Intercontifight

um seine WM-Chance: Der

Kampf wird vom größten Box-

TV-Sender HBO live übertragen.

Für Jan wird das kein leichter

Gang, aber ich bin fest überzeugt,

bei seiner Klasse bringt

er den Interconti-Gürtel mit.

8 BoxSport


Das SES-Team – anlässlich der bevorstehenden WM-Aufgaben warfen sich einige der Magdeburger in Schale: Obere Reihe von

links: Stephan Kühne als Potsdamer Garnisonssoldat, Ramona Kühne, Trainer René Friese als New Yorker Polizist, Jan Zaveck,

Francesco Pianeta als Leibgardist der britischen Queen, Robin Krasniqi, Robert Stieglitz, Trainer Kai Kurzawa als Magdeburgs

Otto von Guericke. Untere Reihe von links: Sergio Vartonov, Cheftrainer Dirk Dzemski, Chef Ulf Steinforth, Felix Lamm, Dominic

Bösel und Matchmaker Jean-Marcel Nartz.

ühling bei SES

Damit eröffnet er sich auch die

Chance auf den WM-Titel, den

er im vorigen Jahr durch eine

Augenbrauen-Verletzung gegen

Andre Berto verloren hatte.

„Ich werde die Amerikaner

schocken, denn ich fühle mich

auf dem Weg zur Höchstform“,

hat mir Jan in den vergangenen

Tagen beim Training in Magdeburg

vorgeschwärmt. Einen

Interconti-Kampf in Amerika

zu gewinnen, wäre für unseren

Boxstall eine weitere goldene

Hausnummer. Ich bin optimistisch,

es gelingt uns, wenn ich

Jan beim Training beobachte.

Als nächster Auftritt folgt dann

die WM.

n Robin Krasniqi (25) tritt

am 16. März in der Londoner

Wembley-Arena gegen WBO-

Titelverteidiger Nathan Cleverly

(Wales) an: Das ist ein

Gang in die Hölle. Ich habe

jedoch unglaubliches Vertrauen

zu Robin. Er ist vor

gut drei Jahren zu uns ohne

eine Amateur-Karriere gekommen.

Er hat sich bei Dirk

Dzemski unheimlich in die

Trainingseinheiten reingekniet.

So wie Robin habe ich selten einen

Boxer arbeiten sehen. Um

Kondition zu tanken, ist er mit

Athletik-Trainer Alfred Segerer

in den bayerischen Wald gefahren,

um in 1000 Metern Höhe

die konditionelle Grundlage

für zwölf Runden zu legen. Im

Prinzip bereitet er sich schon

ein halbes Jahr

Robin Krasniqi

16. März in London

auf den Kampf mit Cleverly

vor. Der Engländer hat den

Kampf immer wieder vor sich

hergeschoben, bis der internationale

Verband ein Machtwort

gesprochen hat. Robin hat sein

ganzes Leben der vergangenen

Monate auf diesen Kampf eingestellt.

Der Junge hat begriffen,

dass er in der berühmten

Londoner Sportarena vor

der Chance seines Lebens

steht. In Magdeburg

holt er sich jetzt beim

Sparring die letzte Fitness.

Seit der Münchner

bei uns ist, hat er seine

Schlagkraft um etwa ein

Drittel verbessert. Wenn er

seinen magischen Aufwärtshaken

gegen den Titelverteidiger

ebenso anbringen kann wie im

Sparring, bin ich überzeugt: Er

kann seinen Kumpels zu Hause

in München den WM-Gürtel

zeigen.

BoxSport

9


Robert Stieglitz

23. März in Magdeburg

n Robert Stieglitz fordert am

23. März in Magdeburg in einem

Rematch Arthur Abraham zum

Kampf um den WBO-Titel im

Supermittelgewicht heraus: Ich

bedanke mich bei Arthur Abraham

und Sauerland Event für die

Fairness. Es freut mich unheimlich,

dass sie ihr Versprechen

eingehalten haben und nun bei

uns antreten. Arthur sprach von

einer Schlacht und von Krieg.

Ganz so schlimm sehe ich das

nicht. Aber ich bin ganz sicher,

dass wir eine heiße Boxnacht

erleben werden. Wenn ich das

Training beobachte, glaube ich

fest, wir werden in Magdeburg

einen ganz anderen Robert

sehen als im vorigen Jahr in

der Berliner O2 World. Robert

hat sein Vorbereitungs-

Training auf den Fight mit

Arthur kaum unterbrochen,

als er nach Barcelona reiste.

Er hat dort den Polen Michal

Nieroda in der 3. Runde durch

Knockout bezwungen. Robert

hat die Niederlage gegen Arthur

Abraham verkraftet. Er hat den

Kampf in Barcelona genutzt, um

sich das notwendige Ringgefühl

wieder zu erarbeiten.

Ich

denke, wir werden

in einer ausverkauften

Halle einen großartigen

Boxkampf sehen. Die Stimmung

wird so sein, wie bei den besten

Kämpfen Sven Ottkes hier

in Magdeburg. Damals sind die

Fans in Scharen in die Halle gerannt,

wenn es hieß: „Sven Ottke

boxt“. Der Gegner war völlig uninteressant.

Heute kommen die

7000, weil sie Stieglitz gegen Abraham

sehen wollen und sie wollen

erleben, ob es Robert wahr

machen kann, seinen, wie er

sagte, „verborgten“ WM-Gürtel

zurückzuholen.

Lukas Konecny

im April in Tschechien

n Lukas Konecny (34) soll

im April in Tschechien um einen

EM-Titel boxen: Nach der umstrittenen

Niederlage Konecnys

gegen Zaurbek Baysangurov im

vorigen Jahr in Kiew bleiben

wir international

weiter

breit aufgestellt.

So wird Lukas in

seiner Heimat Tschechien

die Rückkehr in die Reihen der

Europameister angehen.

In seinem Alter fällt

Lukas das Gewichtmachen

ziemlich schwer.

Er wird deshalb ins

Mittelgewicht aufsteigen

und damit in neuer

Umgebung seine Chance

suchen. Am gleichen

Kampfabend wird sich auch

unsere Weltmeisterin Christina

Hammer den Fans wieder vorstellen.

Sie wird wahrscheinlich

ihren WM-Titel verteidigen.

Gegen wen sie boxt,

legen wir erst im Laufe des

März fest.

n Francesco Pianeta (28)

boxt am 23. März in Magdeburg

im Schwergewicht

um die WBO-Intercontimeisterschaft:

Eigentlich hatten wir

Francesco für den 2. März vorgesehen.

Leider hat er sich erkältet

und wir mussten seinen

Auftritt nach hinten verschieben.

Aber auch in Magdeburg

Die Box-Helden und ihre Kampfplakate: Stephan

Kühne und Ehefrau Ramona, René Friese,

Ex-Weltmeister Jan Zaveck, Schwergewichtler

Francesco Pianeta, WM-Herausforderer Robin

Krasniqi, Ex-Weltmeister Robert Stieglitz und Kai

Kurzawa (von links)

Ex-Europameister Lukas Konecny

Francesco Pianeta

23. März in Magdeburg

hat er bestimmt ein großes Publikum.

Unsere Trainer bereiten

Francesco langsam aber sicher

auf einen EM-Kampf vor. Wenn

er den Interconti-Gürtel holt,

könnte es vielleicht

noch in diesem Jahr mit

einem EM-Kampf klappen. Die

Gerüchte, dass Wladimir Klitschko

angeblich an einem Kampf

gegen Francesco interessiert ist,

habe ich natürlich auch gehört.

Bis jetzt ist von K2 noch keiner

an mich herangetreten.

Natascha Ragosina hält noch

immer feste Verbindungen zu

unserem Team. Gerade Anfang

Februar weilte sie ein paar Tage

in Magdeburg. Ob sie noch einmal

in den Ring steigt, ließ sie

offen. Im Moment trainiert sie

mit dem russischen Frauen-Eishockey-Team.

Eishockeyspielen

konnte sie schon immer. Ich vermute,

dass sie Sotschi lockt.

10 BoxSport


Das

sport

BoxSport: Herr Sauerland,

wie steht es um das deutsche

Boxen? Nach der Insolvenz von

Universum hat Ihr Boxstall keine

große Konkurrenz mehr.

Kalle Sauerland: Das

deutsche Boxen hat eine Menge

Quantität durch den Wegfall

von Universum verloren. Und

es gibt derzeit keinen Nachfolger,

von dem man sagen könnte,

daraus entsteht ein neues Universum.

Aber im Großen und

INTERVIEW

Hans Reski mit Kalle Sauerland

Nach dem Stallduell Jürgen Brähmer gegen Eduard Gutknecht

geht es Schlag auf Schlag weiter im Berliner Sauerland-Stall.

Den Anfang macht Weltmeister Arthur Abraham mit seiner Titelverteidigung

gegen Robert Stieglitz am 23. März, dann folgt

die Titelverteidigung von Marco Huck, Schwergewichts-Weltmeister

Alexander Povetkin steht kurz vor einem Kampf gegen Superchampion Wladimir Klitschko und auch

Kubrat Pulev boxt bald um eine WM-Chance in der Königsklasse. Darüber und über die Zukunft auf dem

internationalen Markt sprach BoxSport mit Promoter Kalle Sauerland.

unter Vertrag genommen. Laufen

Sie nicht Gefahr, mit Ihrem

Boxstall zu groß zu werden?

Sauerland: Das werden wir

nicht. Wir haben überall das

gleiche Konzept: Qualität vor

Quantität. Wir sind in Deutschland

sehr gut aufgestellt, aber

ich schaue immer nach neuen

Märkten. Polen, Frankreich,

Österreich, vielleicht auch England,

sind Ziele, in denen wir

uns auch aufstellen müssen.

Kalle Sauerland im Gespräch mit

BoxSport-Chefredakteur Hans Reski

Russland ist auch interessant.

Denn wir müssen für den

Fall, dass es hierzulande mal eine

schwere Phase gibt, international

aufgestellt sein.Wenn man

ein Portfolio von Ländern hat, in

denen man aktiv ist, ist es viel

einfacher, als deutscher Promoter

auch mal eine kritische Phase

zu überstehen. Wir haben die

Firma extra so strukturiert. Mit

einer starken Geschäftsführung

mit Frederick Ness und Christian

Meyer, dazu unser Sportdirektor

Hagen Doering, so dass wir

auch wachsen können. Wir sind

die Nummer eins in Europa und

wollen das auch bleiben.

BoxSport: Das wichtigste

für das Deutschland-Geschäft

ist natürlich der Fernsehvertrag.

Wie stehen die Chancen, dass es

nach dem Auslaufen des ARD-

Vertrages weitergeht?

Sauerland: Wir haben

noch zwei Jahre Vertrag mit

der ARD. Ende des Jahres werden

wir uns zusammensetzen.

Wir werden sicherlich wieder

ein gutes Jahr und damit gute

Argumente haben. Wir haben

einen guten Namen und liefern

Spitzensport, der Millionen von

TV-Zuschauern an einem Samstagabend

fasziniert. Mit Arthur

Abraham, Marco Huck und Jürgen

Brähmer haben wir drei große

Namen im deutschen Markt.

Von Pablo Hernandez und Jack

Culcay wird auch bald ein Popularitäts-Durchbruch

kommen.

Wenn ich in die Zukunft, vorbei

an 2014 schaue, werden unsere

deutschen Youngsters – zum Bei-

Ich mache Stallduelle, weil

Wir wollen Europas Nr. 1 bleiben • Mit Abraham, Huck und Brähmer haben wir drei große

Ganzen ist das deutsche Boxen

gesund. Der Markt ist jetzt halt

anders. Sauerland Event und

auch SES halten ein hohes Niveau.

Wir haben mit Arthur Abraham,

Marco Huck und Pablo

Hernandez drei deutsche Weltmeister.

Und wenn ich mir die

Einschaltquoten anschaue, bin

ich glücklich. Alles im grünen

Bereich.

BoxSport: Ist Deutschland

oder England das Boxland

Nummer Eins in Europa?

Sauerland: Von der Anzahl

der Weltmeister her Deutschland.

Aber England ist ganz anders

aufgestellt. Dort gibt es viel

mehr Veranstaltungen und viel

mehr Promoter und viel mehr

Boxer. England ist ein alter Profiboxmarkt.

Den deutschen gibt

es erst seit den frühen 90er Jahren.

Vorher gab es natürlich meinen

Vater. Aber er war der Erste

und sagt selbst: Das war zwar

Profiboxen, aber keine professionelle

Struktur wie heute.

BoxSport: Sie haben jetzt

mit Cruisergewichtler Deion

Jumah auch einen Engländer

Erfolgs-Trio: Trainer Ulli Wegner, Kalle Sauerland und Weltmeister Arthur Abraham (von links)

12 BoxSport


Immer

beschäftigt,

immer am

Handy: Kalle

Sauerland,

der Macher

in einer verdammt schweren

Gewichtsklasse. Sein nächster

Gegner wird schon ein richtiger

Test sein. Bei Robert hoffe ich

nach seiner überwundenen Verletzung,

dass er schnell wieder

um einen Titel boxen wird. Er

hat alle Veranlagungen und das

Talent, Schwergewichts-Weltmeister

zu werden.

BoxSport: Wie steht es denn

jetzt um Alexander Povetkins

Kampf gegen Wladimir Klitschko?

Sauerland: Wir warten alle

auf die Entscheidung vom Weltverband.

Keiner kann richtig

planen. Unsere Termine im April

und im Mai können wir vorher

nicht festlegen. Die WBA muss

jetzt entscheiden. In erster Instanz

hat sie entschieden, dass

Wladimir Klitschko jetzt eine

freiwillige Titelverteidigung machen

kann, wenn er vorher den

Vertrag mit Alexander Povetkin

unterzeichnet. Das will das

Klitschko-Lager aber nicht.

BoxSport: Vielleicht haben

die Klitschkos die Sorge, dass Sie

den Kampf als Veranstalter für

die ARD ersteigern könnten.

noch akzeptieren. Das gibt ein

Riesendurcheinander. Und das

alles für einen Warm-up-Kampf?

Wir reden über Namen wie Fres

Oquendo und Francesco Pianeta.

Bei allem Respekt für Pianeta,

aber er sollte vielleicht erst

einmal um die EM boxen oder

jemanden aus der Weltspitze

schlagen, damit er sich für solch

einen Kampf qualifiziert. Tyson

Fury oder David Price kämen

besser in Frage, aber für beide

wäre es ein Jahr zu früh.

BoxSport: Sie sollen Interesse

an einer Verpflichtung von

Denis Boytsov haben?

Sauerland: Wir haben Interesse

an jedem Schwergewichtler

der Welt, der in der Weltspitze

mitmachen kann. Das kann Boytsov

definitiv. Wir beschäftigen

uns aber nicht mit Boxern, bei

denen die vertragliche Situation

nicht einwandfrei geklärt ist.

Wenn er frei von Universum ist

und das ganze Theater im Hintergrund

aufgehört hat, dann ist

er interessant.

BoxSport: Wie geht der

Rückkampf Abraham gegen

das immer gute Kämpfe sind

Namen im deutschen Markt • Culcay und Helenius sehe ich als unsere nächsten TV-Stars

spiel Tyron Zeuge, Dustin Dirks

oder Enrico Kolling – für Furore

sorgen. Auch ein Robert Woge

hat letztens einen Super-Kampf

gemacht und das vor knapp zwei

Millionen TV-Zuschauern hinter

Jürgen Brähmer als zweiter

Hauptkämpfer.

BoxSport: Sie sind sehr aktiv

in Dänemark mit Ihrem Weltmeister

Mikkel Kessler. Zahlt das

dänische Fernsehen denn so gut,

dass sich das lohnt?

Sauerland: Man darf nicht

vergessen, dass Dänemark nur

ein kleines Land ist – aber Kessler

ist ja eine internationale Marke,

der auch in England und den

USA sehr beliebt ist. Sein Kampf

gegen Carl Froch war mit 18.000

Karten innerhalb von 48 Stunden

ausverkauft und wird in England

per „Pay per View“ gezeigt und

in den USA bei HBO übertragen.

Mein Bruder Nisse hat ein exzellentes

Format mit jungen skandinavischen

Talenten aufgebaut

und letztes Jahr mit dem größten

skandinavischen Fernsehsender

einen Vertrag über fünf Jahre

mit sieben Veranstaltungen pro

Brüder und Promoter: Nisse (links) und Kalle Sauerland

Jahr unterschrieben, der auch

in Schweden und Norwegen zu

empfangen ist.

BoxSport: Wer könnte der

nächste TV-Star aus Ihrem Stall

werden?

Sauerland: Da sehe ich

Jack Culcay und Robert Helenius.

Jack Culcay steht kurz vor

dem Durchbruch zu einem großen

Titel. Dabei ist er natürlich

Sauerland: Aber was soll

denn daran im August oder

September anders sein? Das verschiebt

das Problem nur. Hinzu

kommen dann noch die anderen

Verbände. Im Sommer steht

auch die Pflichtverteidigung des

IBF-Titels gegen Kubrat Pulev

an, dann die der WBO. Dann

müssen diese Verbände den

Kampf gegen Povetkin auch

Stieglitz aus?

Sauerland: Entscheidend

wird sein, wer mehr aus dem

ersten Kampf gelernt hat. Der

war sehr schön, teilweise auch

spannend. Aber Arthur war der

klare Sieger. Das heißt: Stieglitz

muss verdammt viel lernen aus

dem Kampf. Arthur ist für mich

einer der schlausten Boxer im

Ring.

BoxSport: Hat Abraham

sein psychologisches Tief nach

den Niederlagen im Super-Six-

Turnier überwunden?

Sauerland: Ober er es total

überwunden hat, weiß ich nicht,

das muss er noch beweisen. Der

nächste Prüfstein ist der 23.

März. Aber wenn er den Kampf

erfolgreich meistert, hat er es

überwunden. Dann müssen

wir nicht mehr in der Vergangenheit

herumstochern. Wladimir

Klitschko hat auch drei

Mal verloren, sich aber später

als großer Champion bewiesen.

Das erwarte ich von Arthur auch

über die nächsten Jahre. Ich bin

mir sicher, dass Arthur das Zeug

dazu hat.

BoxSport

13


Der Wikinger: Kalle Sauerland mit seinem dänischen Weltmeister Mikkel Kessler

BoxSport: Wie geht es mit geben, die er auch verdient

Abraham weiter nach dem hat. Und danach, wenn alles

Kampf gegen Stieglitz? gut läuft, an die Titelvereini-

Sauerland: Bald steht die

Pflichtverteidigung an. Das

wird eine schwere Sache, wenn

man die möglichen Kandidaten

anschaut. Danach wollen

wir in Richtung „Revanchen“

bezüglich seiner Niederlagen

schauen. Denn jetzt sieht man,

dass er begriffen hat, im Supermittelgewicht

aktiver sein zu

müssen. Er hätte vor dem Super-Six-Turnier

vielleicht drei,

vier Kämpfe im Supermittelgewicht

machen müssen.

BoxSport: Wann kämpft

Ihr zweiter Weltmeister Marco

Huck wieder?

Sauerland: Er muss wieder

gegen Ola Afolabi kämpfen.

Die große Frage ist nur

wann? Denn auch dieser Termin

hängt von der Klitschko-

Entscheidung der WBA ab.

BoxSport: Soll Huck weiterhin

im Cruisergewicht bleiben

oder wieder ins Schwergewicht

aufsteigen?

Sauerland: In diesem Jahr

sollte er auf jeden Fall im Cruiser

bleiben. Dort gibt es genug

Aufgaben für ihn und trotz

schöner Kämpfe im letzten

Jahr muss Marco dieses Jahr

glänzen. Wir wollen Firat Arslan

im Sommer eine Revanche

gungen ran. Das ist unser großes

Ziel.

BoxSport: Würden Sie auch

den Kampf Huck gegen Hernandez

machen?

Sauerland: Sie kennen ja

meine Meinung zu Stallduellen.

Ich mache die. Wir werden diese

Stallduelle weiter machen, weil

das immer gute und spannende

Kämpfe sind.

BoxSport: Dann müsste Ulli

Wegner in den Rundenpausen

immer von einer Ecke in die andere

sprinten.

Sauerland: Ulli hat ja mit

seinem Assistenten Georg Bramowski

einen sehr guten Trainer

in seinem Team. Die müssten

sich aufteilen. Ulli ist Profi,

er müsste sich entscheiden, wer

wen trainieren soll.

BoxSport: Ulli Wegner ist

aber nicht gerade ein Freund solcher

Stallduelle. Beim letzten,

Eduard Gutknecht gegen Jürgen

Brähmer, gab es deswegen ja

auch Zoff.

Sauerland: Hätte es denn

einen besseren Kampf für Gutknecht

gegeben? Dadurch kennt

ihn jetzt das Publikum. Eddy hat

eine Klasse-Leistung gebracht

und ist auch noch jung.

BoxSport: Durch Stallduelle

erfahren Sie schließlich, wer von

ihren Boxern der bessere ist.

Sauerland: Bei Huck gegen

Povetkin hatte ich vorher eine

andere Meinung, dachte mir,

dass Marco sich im Schwergewicht

schwer tun wird. Marco

hat an diesem Abend gezeigt,

dass er es auch im Schwergewicht

kann, auch wenn Povetkins

körperliche Verfassung

nicht die beste war. Dieser

Kampf ist auch ein Argument,

warum man Stallduelle machen

muss. In den USA und

in England redet übrigens niemand

darüber. Da heißt es nur,

dass beide Boxer einen Vertrag

beim gleichen Promoter haben.

Das einzige, was mich stört, ist,

dass ich niemanden anfeuern

kann. Ich habe dann am Ring

immer einen Sicherheitsgurt

an.

BoxSport: Zieht sich Ihr

Vater eigentlich so langsam aus

dem Boxgeschäft zurück?

Sauerland: Niemals. Mein

Vater wird nie aufhören. Er ist

bei allen großen Entscheidungen

dabei. Er macht auch viel

mit meinem Bruder bei unserem

Skandinavien-Projekt.

Mein Vater liebt es, junge Boxer

zu entdecken. Wenn man

ihn von einem Jack Culcay oder

Tyron Zeuge schwärmen hört,

denkt man, die wären schon

Weltmeister.

Zwei Generationen Sauerland, eine Liebe zum Boxen: Kalle und Vater Wilfried

14 BoxSport


Am 23. März in Magdeburg

Die Schlacht

in Ottkes

Wohnzimmer

In

Magdeburg feierten sie ihre größten Erfolge, aber hier endete auch der

gemeinsame Weg von Sven Ottke und Ulli Wegner: Zum Abschied 2004 schenkte

der Weltmeister seinem gerührten Trainer ein Cabrio

Den Heimvorteil hat Robert

Stieglitz. Der Magdeburger

will sich am

23. März in der GETEC-

Arena den WBO-Weltmeistertitel

im Supermittelgewicht von

Arthur Abraham zurückholen.

Aber als die Magdeburger Arena

noch Bördelandhalle hieß,

feierte der Sauerland-Stall mit

seinem Boxer Sven Ottke dort

große Triumphe. Die Halle war

Svennis Wohnzimmer. Damals

in der Ecke des Weltmeisters:

Ulli Wegner. Heute schleift der

Meistertrainer Arthur Abraham,

General Ulli machte den Berliner

im August vergangenen Jahres

wieder zum Champion. Mit

einem Punktsieg über Stieglitz.

Nun steigt die große Revanche.

Die zweite Auflage des deutschdeutschen

WM-Duells, das auch

ein Stallduell ist: Sauerland gegen

SES.

Trainer Wegner freut sich auf

die Rückkehr an die Stätte seiner

großen Erfolge: „Ich freue mich

riesig auf Magdeburg. Dort ha-

be ich mit Sven Ottke

unheimlich schöne

Stunden erlebt. Die

Fans haben uns geliebt.

Ich hoffe, dass

Im August vergangenen Jahres lieferten sich Robert Stieglitz (links) und Arthur

Abraham einen hochklassigen Kampf, den Abraham klar nach Punkten gewann

Zwei Gentlemen mit harten

Fäusten: Arthur Abraham

(links) und Robert Stieglitz

prügeln sich noch einmal

davon noch etwas übrig geblieben

wird. Wahrscheinlich wird

auch Svenni am Ring sitzen. Eins

weiß ich genau. Wir werden einen

spannenden Kampf erleben.

Ich glaube, ich kenne auch den

Gewinner. Arthur ist in vielen

Sachen gewachsen und deshalb

wird er den Kampf gewinnen

können. Aber wir überschätzen

uns nicht und unterschätzen Robert

und seinen Trainer nicht.“

„Magdeburg ist eine Box-

Hochburg“, sagt Stieglitz-Promoter

Ulf Steinforth. „Wir haben

vor einem halben Jahr den

Schritt nach Berlin gemacht. Der

25. August 2012 war nicht unser

Tag. Ich glaube fest daran, Robert

kann es besser. Ich freue mich

riesig auf das Duell und finde es

bewundernswert, mit welcher

sportlichen Klasse und welchem

Respekt sich die beiden Kämpfer

begegnen.“

Kalle

Sauerland ist

überzeugt:

„Der zweite

Kampf zwischen

Arthur

und Robert

wird noch

besser als

der erste.“

SES-Trainer

Dirk Dzemski

will nicht

zu viel von

der Strategie

für den

Rückkampf

preisgeben.

„Ich bin mit

meinen Aussagen

vor

diesem Kampf nicht sehr offenherzig“,

gibt Dzemski zu, lässt

sich aber doch zu einer kurzen

Aussage verlocken: „Im August

war Arthur Abraham nach den

ersten drei Runden der Chef im

Ring. Das darf nicht wieder passieren.

Wir bekommen Arthur

vor eigenem Publikum serviert.

Den Vorteil werden wir nutzen.

Natürlich kann ein Lucky Punch

immer passieren. Die Fehler von

Berlin werden wir jedoch ganz

bestimmt nicht wiederholen.

Der Gürtel soll wieder in Magdeburg

bleiben.“

16 BoxSport


So sieht es Arthur Abraham

Ich werde meine

Schlagstärke ausspielen

Natürlich lege ich mir eine

Taktik mit meinem Trainer

zurecht. Im Ring ist das aber

schnell Makulatur. Da musste

du spontane Ideen haben, um

auf die Aktionen des Gegners reagieren

zu können. Meine Stärke

als Boxer war schon immer meine

gedankliche Beweglichkeit.

Ich werde versuchen, meine

Schlagstärke voll auszuspielen.

Dabei ist ein Knockout nicht unbedingt

mein Ziel. Mein Ziel ist

der Sieg. Ein K.o. ergibt sich aus

dem Kampfverlauf.

Magdeburg ist für mich genauso

ein Heimspiel wie für Robert.

Ich habe dort im Vorkampf

bei Sven Ottke geboxt. Ich erlebte

eine unwahrscheinliche Stimmung.

Die Fans haben die Welle

wie in einem Fußball-Stadion

gemacht.

Im Trainingslager in Kienbaum

haben wir mächtig an der

Kondition gearbeitet. Drei Minuten

Laufen und eine Minute Pause

und das wie bei einer richtigen

Kampflänge

zwölf Mal hintereinander.

Ich

bin wirklich gut

drauf. Fußball,

das Lieblingstraining

meines Trainers

Ulli Wegner,

haben wir diesmal

weglassen müssen. Die Verletzungsgefahr

wurde von uns

allen als zu hoch eingeschätzt.

Zum Glück muss ich im

Supermittelgewicht nicht mehr

mit dem Gewicht kämpfen. Ich

muss jetzt fünf höchstens sechs

Kilo Gewicht machen. Das schaffe

ich locker.

Ich freue mich auf den

Kampf. Deutschland braucht

gute Kämpfe und Robert gegen

mich, das wird ein guter Kampf.

Das wird wieder eine Schlacht!

Wir verstehen uns gut, aber Pech

für Robert: Ich werde den angeblich

verliehenen WM-Gürtel

auch nach Magdeburg noch in

meinem Besitz haben.

Zwei Fäuste für Magdeburg: Arthur

Abraham (links) und Robert Stieglitz

So sieht es Robert Stieglitz

Ich werde meine

Technik mehr einsetzen

Diesmal boxen

wir in Magdeburg.

Ich sehe

darin durchaus

einen Vorteil für

mich. Die Fehler

aus dem ersten

Fight mit meiner

in manchen Momenten

zu verhaltenen Kampfweise

werde ich nicht wiederholen.

Ich werde hier natürlich

nicht alle Details meiner Taktik

verraten, aber einiges von meinem

Vorhaben kann ich schon

sagen. So bereite ich mich mit

vier Partnern im Sparring vor.

Die Jungs kommen aus verschiedenen

Ländern und pflegen jeder

einen anderen Boxstil, damit

ich auf alle Varianten vorbereitet

bin.

Wir bleiben auch in der

Sparringsphase in Magdeburg.

Um richtig in WM-Schwung

zu kommen, brauche nicht das

Rauschen der Ostsee-Wellen wie

Arthur.

Ich werde auf alle Fälle im

Vergleich zu Arthur meine bessere

Technik mehr als beim

Hinkampf einsetzen. Ich werde

auch in den letzten Runden nicht

einschlafen. Ich bin konditionell

richtig gut drauf. Im Gegensatz

zum Kampf in Berlin werde ich

Arthur diesmal keine Lücken in

meiner Deckung bieten.

In Berlin habe ich auch den

Fehler gemacht, zu viel zu schlagen.

In Magdeburg werde ich

geschickter sein und die Lücken

in Arthurs Deckung suchen, um

dann voll zuzuhauen. Arthur

kann zwar gut blocken, doch

wenn er punkten will, muss er

die Deckung schon mal öffnen.

Den Moment werde ich mit meinem

guten Auge nutzen. Ich

werde hundertprozentig cleverer

boxen als in der O2 World.

Ich habe mir fest vorgenommen,

einfacher als in Berlin zu agieren,

um Arthurs Attacken kontern

zu können. Ich glaube fest

an meinen Sieg.


Brähmer holt EM-Titel und boxt jetzt um die WM

Wegners Wut-Attacken

nach heißem Stallduell

Rechtsausleger Jürgen Brähmer trifft

Europameister Eduard Gutknecht mit

dem langen Jab

Schon nach der zweiten

Runde war Ulli Wegner

stocksauer. „Ich werfe

gleich das Handtuch“,

raunzte der Trainer-Fuchs wütend

in die Runde. Kein Mensch

Eduard Gutknecht (links) verlor in den hinteren Runden

etwas seine Linie und klammerte viel

wusste,

Ulli Wegner

warum

war schon

er eine

während des

Kampfes

solche

stocksauer

Drohung

und wütete

losließ. Denn es

lief im Ring

eigentlich

alles gut für

ihn. So dachten

die Zuschauer, so der

TV-Kommentator Andreas

Witte, denn Wegner-Schützling

Eduard Gutknecht hielt sich sehr

wacker. In den ersten Runden des

EM-Kampfes gegen den Routinier

Jürgen Brähmer hatte er sogar

leichte Vorteile. So dachte man

– doch die Punktrichter werteten

es anders. Davon erfuhr

auch Wegner, denn die offiziell

zwar geheime Wertung bleibt im

Profiboxen nie ganz geheim. In

den Ringecken erfahren es die

Trainer meistens relativ schnell.

Alle drei Punktrichter werteten

die ersten vier Runden für Brähmer.

Dies bestätigte Wegner in

seinem Glauben, den er schon

vorher hatte: Mein Gutknecht

kann nur durch K.o. gewinnen.

Und dies sagte er in den folgenden

Runden dann auch seinem

Boxer, der volles Risiko ging, um

seinen EM-Titel zu verteidigen.

Schließlich hätte er bei einem

Sieg die Chance bekommen, um

die WM-Krone zu kämpfen – gegen

den Sieger des Kampfes Cleverly

gegen Krasniqi, der am 16.

März stattfindet.

Die bekommt nun der 34-jährige

Jürgen Brähmer, der vor fast

5000 Zuschauern in der Berliner

Max-Schmeling-Halle und knapp

3,2 Millionen bei der ARD in der

zweiten Phase des Kampfes zunehmend

an Selbstsicherheit

gewann und die klareren Treffer

landete. Sein Trainer Karsten

Röwer war jedenfalls zufrieden:

„Mir hat der Kampf gut gefallen.

Was mich aber überraschte, waren

die vielen unsauberen Aktionen

von Gutknecht.“ Der Gifhorner

handelte sich deswegen

auch in der neunten Runde eine

Verwarnung ein.

Der einstige Universum-

Geschäftsführer Peter Hanraths,

18 BoxSport


Aus Berlin

berichten

Hans Reski und

Manfred Hönel

der inzwischen Jürgen Brähmer

wieder betreut, versuchte nach

dem Kampf die aufgeheizte Atmosphäre

mit einem Scherz zu

entspannen, indem er Wegner

eine Brille in die Ecke brachte.

Hanraths, der einen klaren Sieg

von Brähmer gesehen haben

will, glaubte nämlich, Wegners

Wut richtete sich gegen das Urteil.

Das war nicht der Fall. Der

Altmeister unter Deutschlands

Box-Trainern sagte klipp und

klar: „Mein Ärger richtete sich

nicht gegen das Urteil, das kann

man geben.“ Er wütete gegen die

Art und Weise, wie es zustande

kam. Die Wertung von 114-113

akzeptierte Wegner. Doch die

beiden Punktrichter, die 116-110

und 117-111 werteten, hätten

eher als Wegner die Brille von

Hanraths gebraucht.

Der inzwischen 70-jährige

Weltmeister-Macher Wegner

gehört zu den Menschen, die

Unannehmlichkeiten nicht aus

dem Wege gehen, auch wenn

eventuelle Konsequenzen drohen.

So legte er erst richtig los,

als ihn auf der Pressekonferenz

Kalle Sauerland beschwichtigen

wollte, der die Verschwörungstheorie

nicht verstand: „Warum

sollten wir lieber Brähmer als Sieger

haben wollen als Gutknecht?

Schließlich ist der viel jünger

und hätte von der WBO genauso

die Chance bekommen, um die

WM zu boxen.“ Daraufhin entgegnete

Ulli Wegner: „Was willst

Du mir erzählen, Kalle? Ich bin

40 Jahre im Geschäft. Lies doch

mal meine Biographie.“

Kalles Vater, Unternehmensgründer

Wilfried Sauerland,

schien den Ärger nach dem

von Wegner ungeliebten

Stallduell geahnt

zu haben. War das der

Grund, warum er gar

nicht erst aus Südafrika

angereist war? Wilfried

Sauerland, der

den Kampf in Kapstadt

im Fernsehen

gesehen hatte,

erklärte in einer

Pressemitteilung:

„Auch ich

bin kein Freund

von Stallduellen.

Es war

ein toller

Kampf,

den Jürgen

Brähmer

letztendlich

verdient

Während Sieger Jürgen

Brähmer mit seinem

Trainer Karsten Röwer

stolz die neugewonnenen

Gürtel präsentiert, diskutiert

Ulli Wegner im Hintergrund

mit Brähmer-Berater Peter

Hanraths

gewonnen hat.“ Zu Wegners

Wut-Auftritt meinte

er: „Er ist als Trainer mit

vollem Herzen dabei.

Deshalb sollte man seine

Äußerungen auch

nicht überbewerten.

Es war vielleicht

knapper, als es das

Urteil am Ende

ausgesagt hat.

Ich denke, er

wird einsehen,

dass er mit seinen

Äußerungen

über die

Stränge geschlagen

hat.“ Darauf

gab es

dann eine etwas

gezwungen

klingende Entschuldigung

des

Trainer-Fuchses:

„Für mich gibt es

nichts Schlimmeres

als Niederlagen. Mit

mir sind die Emotionen

durchgegangen.

Dafür möchte ich

mich entschuldigen.“

So scheint der

Friede im Sauerland-

Stall erst mal wieder

eingekehrt zu sein

und eine neue Frage

wird diskutiert: Ist

Brähmer überhaupt

in der Lage, noch

einmal Weltmeister zu

werden? Sein Mentor

Peter Hanraths ist davon

überzeugt: „Er ist

ein anderer Mensch

geworden, sehr solide

und zufrieden. Er

wird im Ring seine

alte Klasse wiederfinden.

Ob Nathan Cleverly

oder Robin Krasniqi

– beide sind kein

Problem für ihn.“

Wirkte wie befreit nach

seinem Comeback-Sieg:

Der neue Europameister

Jürgen Brähmer

BoxSport

19


Hier jubelt der Hufschmied von der Saale

Woge siegte

im Duell der

Prügelknaben

Robert Woge macht vor Freude

einen Luftsprung: Er ist neuer

Intercontinental-Champion der

IBF im Halbschwergewicht

Für Halbschwergewichtler

Robert Woge saßen

gleich mehrere Fangruppen

aus Sachsen-Anhalt

und Fürstenwalde auf der Tribüne

der Schmeling-Halle. „Wir

wohnen in Halle an der Saale

und aus Fürstenwalde stammt

meine Frau. Während des

Trainingslagers in Kienbaum,

wohnt meine Familie meist bei

den Schwiegereltern. Von Kienbaum

nach Fürstenwalde ist es

ein Katzensprung“, erklärt der

Boxprofi. Im Kampf um den

IBF-Intercontinental-Titel trafen

mit Woge und dem Franzosen

Hakim Zoulikha zwei echte

Prügelknaben aufeinander. Was

sich die beiden Fighter an den

Kopf knallten, hätte für mehrere

Kämpfe gereicht.

In der elften Runde fiel der

Franzose dann nach einem gewaltigen

Woge-Schwinger um

wie ein gefällter Baum. Er wollte

wieder hoch. Es ging nicht. Ringrichter

Randy Neumann (USA)

brach die Ringschlacht ab. Was

in der Ecke des Franzosen für

ziemliche Aufregung sorgte. Sie

wollten den Kampf fortsetzen.

„Ich habe Trainer Omrani auf die

TV-Aufzeichnung verwiesen,

die gerade auf der Videowand

lief. Dort war der schwere Niederschlag

seines Boxers deutlich

zu erkennen. Das sah schließlich

auch der Franzose ein und

gratulierte dem Sieger“, erklärte

Promoter Kalle Sauerland.

Für Woge war es der zehnte

K.o.-Sieg im elften Profikampf.

Von seinen Fans in Halle wird

er deshalb nicht zu Unrecht der

„Hufschmied von der Saale“

genannt. Sauerlands Geschäftsführer

Christian Meyer sieht für

Woge besonders in den USA eine

rosige Perspektive: „Woge kennt

im Kampf nur eine Richtung –

nach vorn. Das lieben die Amerikaner.

Bei ihnen kommt ein solcher

Boxtyp bestimmt gut an.“

Vor dem 28-Jährigen und

Trainer Wegner liegt trotzdem

noch ein Stück harter Arbeit.

Zum Boxen gehört schließlich

auch eine geschickte Deckung.

Diese Tatsache ignorierte Woge

schon in seinen Amateurzeiten

fast völlig. Trotz des Sieges sah

er deshalb nach dem Fight aus,

als sei er unter einen Schneepflug

geraten. Woges Bilanz:

Zwei blaue Augen, ein Cut am

Eine wilde Keilerei lieferten sich Robert Woge

(links) und Hakim Zoulikha – mit dem besseren

Ende für Woge

Das Aus kam in Runde elf: Hakim Zoulikha liegt schwer getroffen am Boden, der

„Hufschmied von der Saale“ marschiert nach getaner Arbeit davon

rechten Augenlid, ein geplatztes etwas ändern. Woge ist jedenfalls

fest entschlossen, neue

Trommelfell im linken Ohr, eine

geschwollene rechte Hand und Wege zu gehen: „Heute war das

ein abgebrochener Backenzahn. eine Schlägerei. Ich werde an

„An der Deckung müssen wir meinem Stil arbeiten, denn nach

unbedingt noch arbeiten“, sagt der Interconti-Meisterschaft will

deshalb Trainer Ulli Wegner. auch ich einmal einen WM-Titel

„Ansonsten hat mich Robert erkämpfen“, gibt der zweimalige

Familienvater zu. Bezüglich

überzeugt. Er hat bewiesen, dass

er auch über elf Runden gehen einer WM bremst Christan Meyer

vorerst noch den Eifer von

kann.“ Der zweimalige deutsche

Amateurmeister und Gewinner Hammer-Robert: „Ich denke,

des Chemiepokals wird im Mai Robert sollte zwei- bis dreimal

29 Jahre alt. Hoffentlich lässt den Interconti-Titel verteidigen,

sich da an einer seit 18 Jahren dann können wir über eine Europameisterschaft

eingeschliffenen Motorik noch

nachdenken.“

20BoxSport


Dirks brach Ami

Kiefer und Nase

Wegner: Britsch wieder auf einem guten Weg

Dominik Britsch

(rechts) feierte mit

seinem Punktsieg

über den Spanier

Luis Crespo ein

erfolgreiches

Comeback

Halbschwergewichtler Dustin Dirks

gegen den Ami Christian Cruz. „Das

werden spannende acht Runden“,

hatte Dirks-Trainer Otto Ramin vor

dem ersten Gong vermutet. Ramin ging davon

aus, dass der US-Boxer, der genau wie

Dirks seinen 27. Kampf bestritt, eine Menge

Erfahrung mit in den Ring bringt, denn Cruz

ist zehn Jahre älter als der Berliner. Wie man

sich doch auch als Experte täuschen kann.

Bereits nach 1:17 Minuten der dritten Runde

warf Cruz-Trainer Nasser Niavaroni das

Handtuch. Dustins Manager Harald Lange

wunderte sich: „Da kommt einer extra aus

den USA angedüst und dann fliegt schon in

der dritten Runde das Handtuch.“ Was Lange

nicht wusste: Dirks hatte mit den Hammer-

Fäusten und seinen Power-Schlägen dem

Amerikaner aus Sacramento den Unterkiefer

und das Nasenbein gebrochen.

Cruz feierte ausgerechnet in der Berliner

Boxnacht seinen 34. Geburtstag. Statt auf

der Party fand sich Cruz im Krankenhaus

wieder. „Schade, ich hätte Dustin gern länger

im Ring gesehen. Er hätte den Zuschauern

zeigen können, dass er nicht nur hauen

sondern auch boxen kann“, bedauerte Trainer

Ramin. Der „Ring-Professor“ lässt sich

übrigens mit seinem Schützling nicht aus

der Ruhe bringen. Trotz der 27 Profikämpfe,

den 20 Knockouts und dem WBA-Intercontinental-Titel

sieht Ramin seinen Boxer noch

lange nicht in der Form, um ihn in einen

EM- oder WM-Kampf zu schicken. „Dustin

hat noch zwei Jahre Zeit. Ihm fehlt die Amateurausbildung.

Die holen wir Schritt für

Schritt nach, bis er auch technisch perfekt

ist. Ich werde das Talent nicht verheizen.

War nicht zu Geburtstags-

Geschenken aufgelegt: Dustin

Dirks (rechts) prügelt auf

Christian Cruz ein

Wenn Dustin zu einem Titelkampf antritt,

dann muss er als Sieger den Ring verlassen“,

bleibt Otto stur.

Für den Kampf in Berlin hatten Lange

und Ramin gemeinsam Sauerland-Sportdirektor

Hagen Doering bestürmt. Dirks war

für den Kampfabend nämlich nicht vorgesehen.

„Das geht gar nicht. Ein Berliner muss

in Berlin boxen, wenn hier so ein großer Boxabend

organisiert wird“, gab sich Harald

Lange mit Erfolg kämpferisch.

Nach fünf Monaten Pause kletterte Dominik

Britsch wieder in den Ring. Mit dem

Spanier Luis Crespo stand Dominik in seinem

29. Fight genau jenem Boxer gegenüber, der

Roberto Santos geschlagen hat. Denn den

Namen Santos hört Britsch überhaupt nicht

gern. Gegen den Spanier kassierte er im vorigen

Jahr erst ein Unentschieden und dann

die bisher einzige Niederlage seiner Karriere

– auch noch vorzeitig. Britsch stand schon

vor dem Aus im Sauerland-Stall. Aber Trainer

Ulli Wegner hält noch immer große Stücke

auf seinen Dominik, der mittlerweile ins

Supermittelgewicht aufgestiegen ist. Britsch

punktete Crespo klar über acht Runden aus.

„Dominik ist ein wunderbares Comeback

gelungen. Er hat auch eine Gewichtsklasse

höher prima geboxt. Ich denke, er ist auf einem

guten Weg“, urteilt Wegner.

BoxSport

21


Nach den Instinktboxern

Arthur Abraham und

Marco Huck kommen

jetzt wieder die Schulboxer

im Sauerland-Stall. Zu seinen

Weltmeistern Abraham und

Huck, die keine großen Amateurkarrieren

hatten und das

Boxen eigentlich erst bei ihrem

Profitrainer Ulli Wegner lernten,

hat Promoter Kalle Sauerland

im vorigen Jahr Halbschwergewichtler

Enrico Kölling (23) und

Supermittelgewichtler Tyron

Zeuge (20) verpflichtet. Wie die

früheren Sauerland-Champions

Sven Ottke und Markus Beyer

bringen die beiden eine lange

Liste von Erfolgen und eine gute

Ausbildung aus dem Amateurlager

mit. Ihr ganzes boxerisches

Können zeigten die Jungprofis

auch in der Berliner Max-Schmeling-Halle.

„Das war keine wilde

Prügelei, sondern richtig gutes

Boxen. An den Jungs werden wir

noch unsere Freude haben“, lobte

Promoter Kalle Sauerland.

Sauerlands Jungstars Tyron Ze

Tyron Zeuge (rechts) holt aus, gleich

schlägt es bei seinem Gegner Srdjab

Mihailovic ein

Wer hat das Zeug zu

DBV-Cheftrainer Bastian verärgert über den

So richtig aus sich herausgehen

konnte Tyron Zeuge allerdings

nicht. Sein 15 Jahre

älterer Gegner Srdjab Mihailovic

lag nach 2:37 Minuten der

ersten Runde bereits hilflos im

Ringstaub und musste nach acht,

neun, aus vom Ringrichter in die

Ecke geführt werden. Allerdings

gehörte der 35-Jährige mit seinen

zehn Kämpfen eher in die

Kategorie „Fallobst“. Mihailovic

stellte für einen Neu-Profi wie

Zeuge nie ein Problem dar. Für

Zeuge war es der fünfte K.o.-Sieg

im sechsten Profikampf.

Ähnlich sicher wie Zeuge

zog auch dessen langjähriger

Trainingspartner Enrico Kölling

seinen Kampf gegen den Litauer

Egidijutis Kakstys durch. Kölling

ließ in seinem vierten Kampf

nichts anbrennen. Der Litauer

wehrte sich zwar nach Kräften,

musste nach sechs Runden trotzdem

den klaren Punktsieg des

Berliners anerkennen. Kölling

brachte in jeder Runde zwei, drei

Hände mehr unter. Der vierte

Sieg im vierten Profikampf, der

vierte nach Punkten. Umhauen

konnte Kölling bei

den Profis bislang

noch keinen Gegner.

Die beiden Ur-

Berliner Kölling und

Zeuge können als

Amateure auf eine

Schulbuch-Karriere

verweisen. Sie boxen

seit ihrem zehnten

Lebensjahr, besuchten

in Berlin die

Sporteliteschule und

kämpften für Hertha

BSC in der Bundesliga.

BoxSport erkundigte

sich einmal

bei ihrem Amateur-

Trainer Ralf Dickert,

beim jetzigen Profi-

Trainer Karsten Röwer und bei

DBV-Cheftrainer Dr. Michael

Bastian, welche Chancen sie

den beiden Boxern bei den Profis

einräumen und für wen sie die

bessere Perspektive sehen.

Ralf Dickert sagt nicht ohne

Stolz: „Die Jungs habe ich zehn

Jahre lang trainiert. Beide haben

sich in ihrer Alterskategorie in

die Weltklasse gekämpft. Enrico

Zwei Fäuste für eine erfolgreiche Profi-Karriere: Tyron Zeuge mit Trainer Karsten Röwer

war bei der U19 Vizeweltmeister

und Tyron ebenfalls in der U19

Europameister. Enrico hatte sich

sogar ein Olympiaticket geholt

und in London zumindest den

ersten Kampf gewonnen. Ich sehe

für ihn bei den Profis durchaus

weiteres Entwicklungs-Potenzial.“

Lobhudelei liegt Dickert jedoch

fern: „Enrico fehlt gerade

bei den Profis noch ein bisschen

die Konsequenz in seinen Aktionen.

Wo Robert Woge viel zu

viel Risiko geht, fehlt Enrico

noch der Mut zum Risiko. Wenn

er bei den Profis ganz nach oben

will, muss er mehr wagen.“

Natürlich ist auch Trainer

Karsten Röwer nicht mit Blindheit

geschlagen und stimmt

Dickert zu: „Enrico ist ein Tem-

22 BoxSport


uge und Enrico Kölling im Trainer-Check

Enrico Kölling (rechts) boxte Egidijutis Kakstys aus

m Profi-Weltmeister?

frühzeitigen Wechsel zu den Berufsboxern

poboxer und hat eine Motorik,

durch die er nicht so schnell

neue Varianten lernt. Bei den

Amateuren hat seine Schlaghärte

gereicht, bei den Profis muss

sie noch besser werden.“

Enrico schlägt zu viel aus

der Hand, deshalb sagt Röwer:

„Wir arbeiten daran, dass er aus

einem festen Stand die ganze

Körperkraft in seine Schläge legen

kann.“

„Ein Profi im Halbschwergewicht

muss auch einmal einen

Gegner umhauen können“, ergänzt

Torsten Schmitz, der als

Co-Trainer von Karsten Röwer

oft mit Enrico trainiert. Mit der

Schlagkraft hat Tyron Zeuge keine

Sorgen. Stefan Härtel, Amateurboxer

des Jahres, meint sogar:

„Es wird nicht lange dauern

und Tyron ist Weltmeister. Ich

habe im Berliner Leistungszentrum

mit ihm trainiert. Er ist ein

sportliches Allround-Talent. Er

kann nicht nur Boxen, auch im

Judo und Volleyball ist er Spitze.

Bei entsprechendem Training

könnte er auch Fußball bei Hertha

BSC spielen.“ Ralf Dickert

sieht Zeuge ebenfalls schon mit

dem WM-Gürtel – allerdings

mit einer Einschränkung: „Tyron

kann technisch schon alles.

Wenn die Brocken angeflogen

kommen, nimmt er kurz den

Kopf weg und der Schlag geht ins

Leere. Karsten Röwer muss aber

bei Tyron auf die harte Trainingsarbeit

achten. Ein Trainings-

Weltmeister ist er nicht.“

Dickert überschätzt auch die

fünf K.o.-Siege Zeuges nicht.

Die Gegner waren alle zweitklassig“,

lautet das Urteil. Auch

Karsten Röwer ist weit davon entfernt,

den Supermittelgewichtler

jetzt schon auf der Sänfte durch

das Marzahner Trainings-Zentrum

in der Dessauer Straße zu

tragen: „Tyron identifiziert sich

leider längst nicht so mit dem

Boxen wie Enrico, der für seinen

Sport lebt. Tyron muss ich

Der Berliner Ralf Dickert trainierte Enrico Kölling als Amateur

öfter einen Schubs geben, damit

er begreift, wo es zur Weltspitze

lang geht. Ich denke aber, wir bekommen

das hin.“

Natürlich erkennt auch DBV-

Cheftrainer Dr. Michael Bastian

die großen boxerischen Möglichkeiten

der beiden Athleten.

Gut ist er auf „seine“ ehemaligen

Amateure nicht zu sprechen:

„Enrico hat uns im Stich gelassen.

Er hätte ruhig noch bis Olympia

2016 bei uns bleiben können.

Wir hätten ihn

kontinuierlich

in der Weltliga

eingesetzt.

Dort hätte er

seine Schlaghärte

verbessern

und so mit

viel mehr Möglichkeiten

ins

Profigeschäft

einsteigen können.“

Tyron

Zeuge wiederum kann Dr. Bastian

überhaupt nicht verstehen:

„Wie kann man mit 19 Jahren

zu den Profis gehen, wenn man

das Zeug zum Olympiasieger hat

und durch die Bundeswehr und

Sporthilfe finanziell rundum

abgesichert ist?“ Der DBV-Cheftrainer

sieht vor allem Schwierigkeiten

bei der Vermarktung

der beiden Talente: „Es ist nicht

mein Problem. Wenn Sauerland

aber denkt, einen neuen Maske,

Ottke, Abraham oder gar Stars

wie die Klitschkos aus den Jungs

machen zu können, wird er es

schwer haben.

Weder Zeuge

noch Kölling

sind bis jetzt

solche Persönlichkeiten,

die

auch außerhalb

des Rings

für große Ausstrahlung

sorgen

können.“

MANFRED

HÖNEL

Hätte Zeuge und Kölling gerne bei den Amateuren gehalten:

DBV-Cheftrainer Michael Bastian

BoxSport 23


Ratlosigkeit nach der überraschenden Nied

Sturm: Golovki

Felix Sturm (links) versucht Sam Soliman mit dem

linken Haken zu treffen, der Australier taucht ab

Ein ratloser Felix

Sturm: Schon

wieder verloren

Felix Sturm war ratlos.

Lag es am Gewicht, lag

es am Gegner, lag es an

den Punktrichtern? Es

lag wohl an allem ein bisschen,

dass Sturm gegen den Australier

Sam Soliman die zweite Niederlage

in Folge kassierte. Nach

dem WM-Kampf gegen Daniel

Geale ging auch der WM-Ausscheidungskampf

gegen Soliman

verloren. „Bei Felix Sturm ist der

Lack ab“, befand die Deutsche

Presse-Agentur nach der einstimmigen

Punktniederlage (111-116,

113-114, 113-114) des Deutschen

in Düsseldorf. „Sturm statt Weltmeister

nur noch Geld-Meister“

titelte „Bild am Sonntag“ und

fragte: „War’s das für Sturm?“

Der Boxer selbst, der für den

Kampf rund eine Million Euro

erhalten haben soll, kündigt an:

„Es geht weiter.“ Und gibt sich

– mal wieder – ein bisschen geläutert.

„Ich werde künftig nicht

mehr von 86 Kilo abkochen, sondern

fange die Vorbereitung bei

79 an“, meinte Sturm, der für

seine Hungerkuren bekannt ist,

um sein Kampfgewicht von 72

Kilogramm zu erreichen. „Am

Gewicht lag es nicht, Felix konnte

noch am Tag vor dem Wiegen

ganz normal frühstücken“, meinte

dagegen Trainer Fritz Sdunek.

Aber woran dann?

Zwar hatte Sturm den Australier

Soliman in der zweiten Runde

schwer zu Boden geschickt und

sah bereits wie der sichere Sieger

aus. Danach allerdings hörte er

auf zu boxen und versuchte es

nur noch mit Gewalt. „Ich habe

nach dem Niederschlag in der

zweiten Runde nicht mehr viel

gemacht“, gab Sturm zwar zu.

Meinte aber auch: „Es hätte reichen

müssen.“ Die Punktrichter

allerdings bewerteten Solimans

Aktivität höher als Sturms klarere

Treffer. Auch die Schlagstatistik

sprach für den Australier mit

dem unansehnlichen Stil. Von

431 Jabs der Nummer eins der

IBF-Weltrangliste waren 64 im

Ziel, von Sturms 171 nur 34. Von

Solimans 523 Power Punches

saßen 162, von Sturms 178 nur

64. Sturm fühlte sich dennoch

um den Sieg betrogen. „Wo waren

denn seine Treffer?“, fragte

Sturm. „Er hat viel geschlagen,

mich aber kaum getroffen“, sagte

Sturm. „Und wenn dann auf die

Hüfte.“ Wie zum Beweis präsentierte

er am Tag nach dem Kampf

ein Hämatom an der Hüfte, das

ihn humpeln ließ.

Nach der umstrittenen Punktniederlage

seiner Boxerin Susi

Kentikian im vergangenen Jahr

im Kampf um den WBA-WM-Titel

witterte Sturm abermals ein

Komplott. „Es gab wirklich national

und vor allem international

niemanden, der mich hinten hatte.

Bei zwei Punktrichtern habe

ich mit einem Punkt verloren,

wegen der letzten Runde. Hätte

ich die letzte Runde gewonnen,

hätte ich den Kampf gewonnen.

Das war für mich wieder

ein Anzeichen, dass man gegen

mich arbeitet und man mich

auf keinen Fall mehr nach oben

kommen lassen möchte.“ Team

Sturm hatte sich auf dem sicheren

Weg zum Sieg gesehen. „Ich

war geschockt“, meinte Trainer

Sdunek zum Moment, als er erfahren

habe, dass sein Boxer zurückliegt.

Ringsprecher Michael

Buffer wohl auch, der zunächst

Sturm zum Punktrichter erklärte

und sich dann korrigieren

musste. Peinlich. „Soliman hat

selber nicht geglaubt, dass er gewonnen

hat und mir gratuliert.

Für ihn war auch eigentlich klar,

dass er verloren hat. Er konnte

sein Glück nicht fassen. Ein

ziemliches Durcheinander“, sagte

Sturm.

In Runde zwei schien bereits

alles vorbei zu sein: Sam

Soliman liegt am Boden

Sam Soliman

obenauf: Der

Australier

feiert seinen

Überraschungssieg

von Düsseldorf

24 BoxSport


erlage gegen den Australier Sam Soliman

n-Kampf die letzte Chance?

Manager Bebak will aber zuerst einen Aufbaufight

Der WBA-Weltmeister

aus Kasachsten:

Gennady Golovkin

Sam Soliman trifft Felix Sturm mit

einer gewaltigen Rechten am Kinn

2,58 Millionen Zuschauer

sahen Sturms Niederlage, die

schlechteste Einschaltquote seit

dem Wechsel des Boxers zu Sat.1.

Ob der Münchner Privatsender,

der Sturm noch mindestens zwei

Kämpfe garantiert, auch einen

Aufbaukampf des Ex-Weltmeisters

übertragen wird?

Eigentlich bleibt Sturm nur

noch eine Chance: Er muss einen

Weltmeister davon überzeugen,

seinen Titel für viel Geld in

Deutschland freiwillig zu verteidigen.

Geale kommt nicht infrage,

der IBF-Champion, der seinen Titel

gerade erst freiwillig gegen seinen

Landsmann Anthony Mundine

verteidigte, muss nun gegen Soliman

ran. WBC-Weltmeister Sergio

Martinez aus Argentinien ist nicht

zu bezahlen, er verdient in Las Vegas

Millionenbörsen. Auch WBO-

Weltmeister Peter Quillin, der bei

Sturms früherem Gegner Oscar De

La Hoya unter Vertrag steht, wird

nur schwer nach Deutschland zu

locken sein. Bleibt noch der Kasache

Gennady Golovkin. Der WBA-

Weltmeister war bereits monatelang

Sturms Pflichtherausforderer,

als der Kölner noch Superchampion

der WBA war.

Nach der Niederlage gegen

Soliman meldete sich Golovkin

prompt zu Wort. „Golovkin bietet

Loser Sturm WM-Kampf an“

titelte „Bild“. Der ungeschlagene

Kasache, der für die Promotion

K2 der Klitschko-Brüder in den

Ring steigt und wegen seines

spektakulären Boxstils auf dem

besten Weg ist, in den USA ein

Star zu werden, bot an: „Ich boxe

ihn auf seinem Sender. In seiner

Stadt. Und wir teilen uns die

Börse 50:50. Felix kann so sofort

um seinen ehemaligen Titel boxen.

Golovkin ist in Deutschland

an keinen Sender gebunden, der

Kampf könnte auf Sat.1 laufen.

Für Sturm hieße es: hopp oder

topp, alles oder nichts.

„Felix sollte erst einen Aufbaukampf

machen, und dann

am Ende des Jahres einen Kracher“,

sagt Sturms Manager Roland

Bebak. „Den muss er dann

gewinnen.“ Sturm selbst hatte

direkt nach der Niederlage überlegt,

ins Supermittelgewicht aufzusteigen,

verwarf diesen Plan

aber schnell wieder. Sturm: „Ich

bleibe im Mittelgewicht. Hier gibt

es noch interessante Gegner für

mich.“ Gennady Golovkin etwa.

Der linke Haken von

Sam Soliman sitzt

Aus Düsseldorf

berichten

Arne Leyenberg und

Gino Casale

BoxSport 25


Endlich ein Sieg

Susi kann

wieder lachen

„Ich werde mir meinen WM-Gürtel zurückholen“

Susi Kentikian hat bereits

überstanden, was

ihr Chef derzeit durchmacht.

Nach zwei Niederlagen

in Folge gewann die

Hamburgerin in Düsseldorf zum

ersten Mal wieder. Der Punktsieg

über die Belgierin Sanae Jah war

der erste Sieg der „Killer Queen“

seit Oktober 2011. Mit dem Gewinn

des Interim-WM-Titels der

WBA im Fliegengewicht darf

sie nun Weltmeisterin Carina

Moreno herausfordern. Gegen

die Amerikanerin hatte sie im

Dezember vergangenen Jahres

umstritten nach Punkten verloren.

Allerdings wurde auch dieser

Erfolg umgehend wieder

getrübt. Keine Stunde nach ihrem

Kampf musste Kentikian

aus der ersten Reihe am Ring

mitansehen, wie ihr Promoter

Felix Sturm den WM-Ausscheidungskampf

gegen Sam Soliman

verlor. Und die Boxerin weiß: Ihr

eigenes Schicksal ist stark an das

ihres Chefs gebunden. Denn die

Sturm Box-Promotion, für die

Kentikian seit vergangenem Jahr

kämpft, steht und fällt mit den

Leistungen des Namensgebers.

Nach dem Abschied von der

Hamburger Universum Box-Promotion

und dem kurzen Gastspiel

beim Magdeburger SES-

Team (ein Kampf, eine Niederlage)

hat Kentikian in Köln bei

Felix Sturm und seinem Team

ein neues sportliches und emotionales

Zuhause gefunden. „Ich

fühle mich rundum wohl“, sagt

Kentikian. Sogar mit ihrem früheren

Trainer Magomed Schaburow

ist sie in der Kölner Südstadt

im Sturm-Gym wiedervereint.

Nun feierte das Erfolgsduo nach

der Niederlage gegen Moreno

wieder einen Triumph.

Dabei hatte Kentikian zunächst

befürchtet, „dass jetzt

alles kaputt und meine Karriere

beendet ist“. Doch Promoter

Sturm hatte Moreno gleich für

einen Rückkampf verpflichtet.

Den musste die Weltmeisterin

allerdings wegen einer Knieverletzung

absagen. Auch die

ursprünglich als Ersatzgegnerin

vorgesehene Ex-Weltmeisterin

Anastasia Toktaulova aus Russland,

die sich Kentikian bereits

vor vier Jahren hatte geschlagen

geben müssen, sagte kurzfristig

ab. Jah sprang ein – und bezahlte

ihren Mut mit einer Niederlage.

„2012 lief wirklich nicht optimal

für mich“, sagte die 25 Jahre

alte Kentikian. „2013 hat für

mich sportlich super begonnen

und es wird so weitergehen. Ich

werde alles geben, um meine

Gürtel zurückzuholen.“

Ein verbissener Kampf: Susi Kentikian

(links) punktete die einen Kopf

größere Belgierin Sanae Jah aus

Das einstimmige Punkturteil

fiel höher zugunsten Kentikians

aus, als es der Kampfverlauf

vermuten ließ. Denn die 1,55

Meter kleine Hamburgerin hatte

zunächst Probleme, sich auf ihre

größere Gegnerin einzustellen.

Auch Jah setzte klare Treffer, unter

Kentikians rechtem Auge bildete

sich eine massive Schwellung,

zudem blutete sie aus einem

Cut. Kentikian probierte es

mit Gewalt, wirkte stellenweise

verkrampft. Aber wenn sie boxte

und ihre überlegene Technik

ausspielte, war Jah chancenlos.

Zudem musste die Belgierin in

der siebten Runde zu Boden.

Entscheidend nachsetzen konnte

die „Killer Queen“ jedoch

nicht mehr.

Für Verwirrung sorgte lediglich

die WBA – der Weltverband

hantierte in Düsseldorf erstmals

mit halben Punkten. Eine Praxis,

die man in Lateinamerika

erfolgreich erprobt habe und

nun weltweit einsetzen wolle,

erklärte der Verband. Nach besonders

engen Runden kann ein

Punktrichter so der Siegerin 10

Punkte zusprechen und der Verliererin

9,5. Kentikian siegte also

mit Wertungen von 99-90,5, 98-

93 und 97,5-92. Eine überflüssige

Einführung, die hoffentlich so

plötzlich wieder verschwindet,

wie sie aufgetaucht ist.

26 BoxSport


Sieg für

Weber –

Dobroschi

am Ende?

Maurice Weber war

die Erleichterung anzusehen.

Nachdem

der Ringsprecher das

einstimmige Punkturteil (58:56,

60:54, 60:54) zugunsten des

Boxers aus dem Stall von Felix

Sturm verkündet hatte, brach

es aus dem Halbmittelgewichtler

heraus: „Das war der Lohn

wochenlanger Vorbereitung

und harter Entbehrungen. Mein

Gegner war zäh, aber ich habe

ihn dominiert und meine Linie

über die vollen sechs Runden

verfolgt.“

Recht hatte Weber: Sein polnischer

Gegner Mariusz Biskupski

(36) zeigte von Beginn an,

dass er mehr als ein Aufbaugegner

sein wollte. Doch Biskupski

offenbarte auch, warum er

von 45 Profikämpfen 25 verlor:

er versuchte zwar viel, konnte

aber wenig. Zu schlecht seine

Die Hand hielt: Maurice Weber (links) setzte sich

gegen Mariusz Biskupski durch

Technik, zu unpräzise seine

Schläge.

So hatte Weber mit dem Polen

leichtes Spiel. Das einstimmige

Punkturteil war verdient,

doch als einzige Erkenntnis,

neben der, dass Webers oft lädierte

Schlaghand mittlerweile

völlig auskuriert zu sein scheint,

bleibt, dass der Kölner einen

Gegner auf Augenhöhe boxen

sollte, um seine boxerische Klasse

unter Beweis zu stellen.

Sein Stallgefährte und enger

Freund Patrick Dobroschi ist dagegen

vermutlich schon am Ende.

Im Duell mit Lolenga Mock,

dem Sparringspartner von Felix

Sturm, bekam Dobroschi seine

Grenzen aufgezeigt und wurde

vom vorbildlich durchtrainierten

Dänen dominiert. Dobroschi

ging schon in der ersten Runde

zu Boden, hielt aber acht Runden

lang durch. Das einstimmige

Punktrichterurteil (79:73,

79:72, 78:74) bedeutet wohl das

Karriereende Dobroschis. „Dazu

kann ich jetzt noch nichts

sagen“, meinte der 33-Jährige.

„Es juckt noch in den Fäusten,

aber ich muss den Kampfverlauf

jetzt erst einmal verarbeiten.“

Sein Promoter und Kumpel Felix

Sturm hatte allerdings schon vor

dem Kampf hinter vorgehaltener

Hand gesagt: „Wenn er Mock

nicht schlägt, hat es ohnehin

keinen Sinn mehr.“

Im Supermittelgewicht siegte

Jungprofi Alex Born (20) aus

Köln durch technischen K.o.

in der zweiten Runde über den

Polen Rafal Raczynski. Arman

Torosyan (über Marcen Gierke)

und Adnan Redzovic (über

Niko Falin) holten einstimmige

Punktsiege.





























Carl-Zeiss-Straße 38-40


24568 Kaltenkirchen


Fon: +49-41 91-99 66 0

Fax: +49-41 91-99 66 33


Der bosnische Fußballstar Edin Dzeko (2. von rechts) lief mit Felix Sturm zum Ring, der Boxer trug sein Trikot von Manchester City

Dzeko: „Felix wurde verschaukelt“

Max von der Groeben: Sturm-Kampf in Düsseldorf – Goldene Kamera in Berlin

Für Max von der Groeben

war es ein ereignisreiches

Wochenende. Zuerst

saß der 21 Jahre alte

Sohn von RTL-Nachrichtensprecherin

Ulrike und Ex-Judoka Alexander,

der gemeinsam mit dem

früheren Weltmeister Markus

Beyer Felix Sturms Kampf gegen

Sam Soliman für Sat.1 kommentierte,

in Düsseldorf in der ersten

Reihe am Ring und zeigte sich

begeistert. „Da geht es ja richtig

ab“, so der Jung-Schauspieler.

„Ich habe mich total mitreißen

lassen.“ Einen Tag später dann

flog Max nach Berlin – und wurde

von Hape Kerkeling mit dem

Nachwuchspreis der Goldenen

Kamera geehrt.

Ähnlich turbulent verlief das

Wochenende für Sturms engen

Freund Edin Dzeko. Der Bosnier

lief mit seinem Kumpel in

den Ring ein, Sturm trug dabei

Dzekos Trikot von Manchester

City, und feuerte ihn während

Ex-Bundesliga-Trainer Christoph

Daum mit Ehefrau Angelika

der zwölf Runden energisch an.

Zwei Tage später traf der Nationalspieler

im Top-Spiel seines

Clubs gegen Liverpool (Endstand

2:2) zum zwischenzeitlichen

1:1-Ausgleich. Der Grund

für die Niederlage seines Kumpels

lag für Dzeko auf der Hand:

„Das war ein klarer Sieg von Felix.

Er wurde verschaukelt. Das

war ein absolutes Fehlurteil.“

Genauso sah es Dzekos bosnischer

Nationalmannschaftskollege

Miralem Pjanic (Olympique

Marseille): „Felix hat den Kampf

gewonnen – eindeutig.“

Weitere Promis am Ring:

Bayer-Trainer Sami Hyypiä,

Trainer Christoph Daum, Oliver

Pocher mit Frau Alessandra sowie

Giovanni Zarella und Ehefrau

Jana Ina. Im Vorprogramm

präsentierte Nick Howard, Gewinner

der letzten Staffel der

Casting-Show „The Voice of

Germany“, seinen aktuellen

Song „Unbreakable“.

Die Überraschung ist

perfekt: Max von der

Groeben bekommt die

Goldene Kamera aus den

Händen von Hape Kerkeling

(Bild oben). Sein Vater

Alexander kommentierte

für Sat.1 den Kampf Sturms

gegen Soliman. Auch Mutter

Ulrike von der Groeben saß

in Düsseldorf am Ring

Felix Sturms Kumpel

Oliver Pocher mit Frau

Alessandra

28 BoxSport


Wegen der Drohungen von Kluch

Boytsov siegte heimlich

Kommt der Russse ohne Ablöse aus seinem Vertrag?

Rundum zufrieden war

Denis Boytsov nicht.

„Ich hätte ihn schon

gern ausgeknockt, und

in den letzten beiden Runden hat

er wirklich sehr viel genommen.

Aber vielleicht war es auch gut,

dass ich nach der langen Pause

acht Runden boxen konnte, um

wieder Kampfpraxis zu bekommen“,

sagte der 27 Jahre alte

Schwergewichtler, nachdem er

sich über acht Runden

einstimmig (80:73,

79:74, 78:74) gegen

den Serben Samir Kurtagic,

36, durchgesetzt

hatte. Für Boytsov war

es nach zehn Monaten

Pause die so lange erwartete

Rückkehr in

den Ring.

Dass diese am

15. Februar im belgischen

Gent stattfand,

hatte einen einfachen

Grund. Boytsov befindet

sich noch immer

in einem ungeklärten

juristischen Streit

mit dem insolventen

Hamburger Universum-Stall.

Um jedoch

seine Ranglistenposition

nicht zu gefährden,

muss der Russe

boxen. Ursprünglich

hatte er am 17. Februar

in Schwerin gegen

den Brasilianer Marcelo

Luiz Nascimento

antreten sollen. Der Veranstalter

hatte seine Bereitschaft, Boytsov

auftreten zu lassen, nach einem

Schreiben des Universum-

Ablegers Nord-Ostsee-Betriebs

GmbH, in der diese Schadener-

Er kann wieder jubeln: Denis Boytsov

stand endlich wieder im Ring

satzforderungen angekündigt

hatte, zurückgezogen. Deshalb

musste der Kampf in Belgien

angesetzt werden. „Wir lassen

uns nicht mehr einschüchtern“,

sagte Boytsovs Berater Gagik

Khachatryan, der nach den Bedrohungen,

die es gegen seine

Person und seinen Boxer aus

dem Universum-Umfeld gegeben

hatte, die Polizei eingeschaltet

hat. Diese überwacht nun die

Mobiltelefone von Boxer und

Manager.

Im Vertragsstreit zwischen

Boytsov und Universum hat

Boytsovs Rechtsanwalt Johannes

Eisenberg vor dem Landgericht

Hamburg einen wichtigen

Etappensieg erreicht. So darf die

Nord-Ostsee-Betriebs GmbH unter

Androhung eines Ordnungsgeldes

in Höhe von 250.000 Euro

oder einer Ordnungshaft bis

zu sechs Monaten nicht mehr

gegenüber Boxveranstaltern behaupten,

im Falle eines Auftretens

Boytsovs für einen anderen

Veranstalter Schadenersatzforderungen

gegen den Boxveranstalter

zu haben. „Wenn das

Landgericht dieser Linie weiter

folgt, dann ist es möglich, dass

Herr Boytsov mit rechtsstaatlichen

Mitteln aus dem Schlamassel,

den gewissenlose Vertragspartner

um ihn angerichtet

haben, herauskommt, ohne die

öffentlich von einem früheren

Geschäftspartner geforderte Ablösezahlung

zu leisten“, sagte

Eisenberg.

Universum-Chef Waldemar

Kluch hatte behauptet, den Vertrag

mit Boytsov bereits im März

2012 an die Nord-Ostsee-Betriebs

GmbH übertragen zu haben.

Diese GmbH wird von seinem

Geschäftspartner Burkhard Pilgrim

geführt. „Diese Abtretung

ist gegenüber Herrn Boytsov bis

zum Zeitpunkt der Insolvenzanmeldung

im November 2012

nicht angezeigt worden“, sagt

Eisenberg. „Im Gegenteil, noch

im Sommer wollte Kluch für Universum

einen neuen Vertrag mit

ihm abschließen.“

Ob eine Abtretung von Rechten,

wie Kluch sie im Zuge der

Insolvenz auch bei anderen

Sportlern vorgenommen hatte,

rechtens ist, lässt Eisenberg derzeit

per Feststellungsklage gegen

die Nord-Ostsee-Betriebs GmbH

ermitteln. Das Landgericht Hamburg

hat in einem Beschluss die

Rechtsverfolgung von Boytsov

gegen die Nord-Ostsee-Betriebs

GmbH als hinreichend aussichtsreich

bewertet. Nachdem

das Verfahren wegen der Insolvenz

Universums gegen diese

derzeit nicht fortgesetzt wird,

hat es der Berliner Anwalt auf

Universums Insolvenzverwalter

Hendrik Rogge erweitert. Dieser

war für eine Stellungnahme

nicht zu erreichen.

Der Fall Boytsov ist von großer

Brisanz, weil der in 31 Profikämpfen

unbesiegte Russe

als größter Geldbringer

im Universum-Stall galt.

Im Sommer 2012 war der

Streit um ihn eskaliert,

nachdem Kluch seinem

Vorgänger Klaus-Peter

Kohl vorgeworfen hatte,

Boytsov in die USA verkaufen

zu wollen. Nachdem

der Sportler sich geweigert

hatte, weiter für Universum

zu kämpfen oder auch

nur dort zu trainieren, war

er massiv bedroht worden

und darunter psychisch

zusammengebrochen

(BoxSport berichtete).

Kluch hatte zuletzt mehrfach

angekündigt, den

bereits als Herausforderer

für Dreifach-Weltmeister

Wladimir Klitschko gehandelten

Boxer ausbremsen

zu wollen. „Er wird sich

freikaufen müssen, oder er

wird bis Vertragsende im

Jahr 2016 nicht mehr boxen“,

hatte Kluch gesagt.

Nun hat Boytsov wieder gekämpft,

und nach einer kurzen

Pause soll noch im Frühjahr der

nächste Aufbaukampf folgen.

„Wir werden uns bald zusammensetzen

und beraten, wie

es weitergeht. Denis braucht

Kämpfe, um schnell wieder in

Form zu kommen. Ihm ist durch

den Streit mit Universum schon

viel Schaden entstanden, weil er

seit April 2012 nicht mehr geboxt

und dadurch seine Ranglistenpositionen

eingebüßt hat“, sagte

Khachatryan, „aber jetzt geht

der Kampf richtig los.“

BJÖRN JENSEN

BoxSport 29


Das

sport

INTERVIEW

Björn Jensen mit Jack Culcay

Jack Culcay kann es sich gar nicht erlauben, mal keine Lust auf Bewegung

zu haben. Seine neun Monate alte Dobermann-Hündin Chica hält

den 27 Jahre alten Halbmittelgewichtler aus dem Berliner Sauerland-

Team immer auf Trab, sie begleitet ihn auf seiner Joggingrunde um

die Alster. Wenn Culcay im Fitnesskeller seines Athletikcoaches und

Managers Moritz Klatten trainiert, ist sie auch meist dabei. Derzeit

dosiert Klatten das Training allerdings, denn der Termin für Culcays

nächsten Kampf steht noch nicht fest, und er will vermeiden, dass

sein Schützling übertrainiert ist. Sicher ist, dass der gebürtige Ecuadorianer

im April seinen WBA-Intercontinental-Titel ein letztes Mal

verteidigt, ehe er höhere Aufgaben angehen will. Darüber und über

seine Sicht auf das Boxen in Deutschland sprach Culcay ausführlich

mit dem Boxport.

Sturm oder Zbik wären

ideale Gegner für mich

Aber erstmal will ich im Sommer Europameister werden

BoxSport: Herr Culcay, Sie

sind jetzt seit gut drei Jahren

Profi. Wann hatten Sie das Gefühl,

so richtig im Profigeschäft

angekommen zu sein?

Jack Culcay: Wenn ich ehrlich

bin, habe ich dieses Gefühl

noch immer nicht. Ich glaube,

dass es erst kommen wird, wenn

ich um einen richtigen Titel

kämpfe. Ich fühle mich derzeit

noch mittendrin in meiner Entwicklungsphase.

Von den anderen

anerkannt habe ich mich

erstmals gefühlt, als ich von der

ARD als zweiter Hauptkämpfer

ausgewählt worden war. Das war

ein wichtiger Schritt für mich.

BoxSport: Wenn Sie emotional

noch nicht angekommen

sind, dann aber doch mindestens

sportlich. Wie lang hat das

gedauert?

Culcay: Mindestens ein Jahr.

Die Umstellung vom Amateurzum

Profistil ist wirklich nicht

einfach. In meinen ersten Profikämpfen

habe ich viel zu viel

geschlagen, schlecht gestanden,

einfach viel falsch gemacht.

BoxSport: Was war denn

das größte Problem?

Culcay: Die Schlagfrequenz

zu verringern war das größte

Problem. Wenn man jahrelang

gewohnt ist, viel zu schlagen,

um viele Punkte zu machen,

dann muss man das erst einmal

aus dem Kopf kriegen.

BoxSport: Andererseits

schlagen Sie auch jetzt noch

viel.

Culcay: Das stimmt, das ist

letztlich ja meine große Stärke,

viele Schläge zu bringen, mich

flink zu bewegen, einfach den

Gegner immer zu beschäftigen.

Ich bin sehr froh, dass ich diesen

Stil beibehalten durfte.

BoxSport: Es gab tatsächlich

einige, die geunkt haben,

dass Sie mit dem Stil, der Ihnen

2009 den WM-Titel gebracht

hat, bei den Profis schnell untergehen

würden. Es hieß, Sie seien

viel zu offen.

Culcay: Das stimmt, es gab

einige, die mir das ausreden

wollten. Zum Glück hat mich

mein erster Profitrainer Michael

Timm bei Universum nicht in

eine Schablone pressen wollen,

und mein jetziger Trainer Ismael

Salas unterstützt mich auch sehr.

Aber das ist längst nicht mit allen

Trainern so. Ich glaube, dass

viele Boxer in Deutschland anders

boxen würden, wenn sie es

dürften. Aber sie sind gezwungen,

so zu boxen, wie es die Trainer

wollen. Sie entwickeln sich

dadurch nicht weiter, sondern

eher zurück.

BoxSport: Gibt es etwas,

das Sie am Profiboxen besonders

mögen, und auch etwas, das Sie

vom Amateurboxen vermissen?

Culcay: Mir gefällt am Profidasein,

dass ich mich viel

zielgerichteter und intensiver

auf einen Kampf vorbereiten

kann. Bei den Amateuren war

das nicht möglich, weil man in

einer Turnierform ja nur sehr

kurzfristig seine Gegner erfährt.

Jetzt weiß ich meist wochenlang

vorher, wer und was auf mich

wartet. Was bei den Profis nervt,

sind kurzfristige Kampfausfälle,

weil dann die Pause zwischen

den Kämpfen ewig lang ist. Mir

als Wettkampftyp liegt das gar

Im Dezember verteidigte Jack Culcay (rechts) seinen WBA-Intercontinental-Titel

in Nürnberg durch t.K.o. in der fünften Runde gegen den Franzosen Jean Michel

Hamilcaro

nicht, so lange auf einen Kampf

zu warten. Ich muss dann extrem

aufpassen, dass ich nicht

übertrainiere.

BoxSport: Was haben Sie

aus Ihrer Sicht konkret verbessert,

seit Sie Profi sind? Auffällig

ist, dass Sie am Anfang einige

Male über die Runden gehen

mussten, aber Ihre letzten fünf

Kämpfe alle vorzeitig gewonnen

haben. Das ist ja eher ein untypischer

Verlauf.

Culcay: Ich glaube, das liegt

daran, dass ich mit meinen Aufgaben

wachse. Ich boxe umso

besser, je stärker mein Gegner ist,

und da die zuletzt immer stärker

geworden sind, ist auch mein Niveau

gestiegen. Wenn ich weiß,

dass da Gurken im Ring stehen,

dann verlange ich mir nicht alles

ab. Das geht schon im Sparring

los. Deshalb holen wir auch immer

Sparringspartner, die stärker

sind als die Gegner, die dann

im Kampf warten. Das gibt mir

das Gefühl der Sicherheit, dass

ich mich perfekt vorbereitet habe.

Sparring ist für mich sowieso

der wichtigste Trainingsbereich.

Ich mache auch Sparring, wenn

ich nicht in der unmittelbaren

Kampfvorbereitung bin. Das ist

für mich wichtig, dass ich immer

das Distanzgefühl habe und die

Gewissheit, dass ich alles noch

verinnerlicht habe, was ich

kann.

BoxSport: Sie gelten als ein

Sportler, der nie ohne Bewegung

sein mag, den man im Training

immer bremsen statt antreiben

muss.

30BoxSport


Culcay: Das stimmt, aber

auch da habe ich gelernt. Nach

meinem letzten Kampf habe ich

zum Beispiel drei Wochen lang

nichts gemacht, und das tat

mir sehr gut. Ich hatte davor im

Sparring gespürt, dass ich übertrainiert

war, ich habe Schläge

genommen, die ich sonst locker

weggependelt hätte. Jetzt baue

ich immer wieder Pausen ein,

um mich zu erholen, das ist

ganz wichtig.

BoxSport: Erholung ist für

Sie jetzt allerdings nicht angesagt.

Sie sind als Hauptkämpfer

ein wichtiges Faustpfand

für Ihren Sauerland-Stall im

Kampf um einen neuen TV-Vertrag

nach 2014. Erzeugt diese

Verantwortung bei Ihnen auch

Druck?

Culcay: Überhaupt nicht.

Ich denke darüber nicht nach

und glaube auch nicht, dass ein

Fernsehvertrag nur wegen mir

verlängert oder nicht verlängert

wird. Ich gebe einfach immer

mein Bestes, dazu fühle ich

mich Sauerland gegenüber verpflichtet.

Und ich bin bereit, gegen

jeden Gegner zu boxen, den

man mir aussucht, wenn es dem

Stall irgendwie weiterhilft.

BoxSport: Promoter schützen

ihre Zugpferde gern durch

vorsichtige Kampfplanung

vor Niederlagen. Fürchten Sie,

dass man Ihnen die großen Titelkämpfe

deshalb erst einmal

nicht geben wird?

Culcay: Nein. Erstens ist

Sauerland eher dafür bekannt,

auch mal Risiko zu gehen und

seinen Boxern viel zuzutrauen.

Und zweitens glaube ich, dass

ich gezeigt habe, dass ich bereit

bin für die großen Aufgaben. Da

wäre es eher riskant, mir diese

zu verweigern, weil doch Boxer

am interessantesten sind, wenn

sie große Titel haben, gerade

auch für das Fernsehen.

BoxSport: Wie sieht denn

Ihre persönliche Planung aus,

was würden Sie tun, wenn Sie

sich für 2013 etwas wünschen

dürften?

Culcay: Dann würde ich mir

wünschen, im Sommer gegen

Europameister Sergej Rabchenko

antreten zu können und dann

zum Jahresende die WM anzugreifen.

Ich fühle mich dafür

bereit und glaube, dass ich in

meinen 14 Kämpfen genug Erfahrung

gesammelt habe.

BoxSport: Sie haben auch

bereits einen Aufstieg ins Mittelgewicht

als Möglichkeit in

Betracht gezogen. Das ist eine

in Deutschland sehr prestigeträchtige

Gewichtsklasse. Wären

Sie körperlich dafür bereit? Ihre

Gegner sind doch schon jetzt oft

größer als Sie?

Culcay: Das war schon bei

den Amateuren so, und ich habe

mich trotzdem immer durchgesetzt.

Ich wiege normalerweise

zwischen 73 und 74 Kilogramm,

wenn ich in der Wettkampfvorbereitung

bin, dann sind es 72 kg.

Um das Halbmittelgewichtslimit

von 69 kg zu erreichen, muss ich

mich schon quälen, schaffe das

mit Hungern meist auf den letzten

Drücker. Deshalb kann ich

nicht verstehen, warum ein Felix

Sturm in jeder Vorbereitung freiwillig

ein zweistelliges Gewicht

abnehmen mag. Das wäre nichts

für mich, mich außerhalb des

Trainings so gehen zu lassen.

Ich glaube, dass ich körperlich

schon jetzt ein echtes Mittelgewicht

bin. Ich spüre auch im

Sparring mit schwereren Jungs,

dass das kein Problem ist. Ich

habe bei Universum mit Sebastian

Zbik Sparring gemacht und

fünf Runden lang gut mitgehalten,

und in dieser Vorbereitung

mit Dimitri Sartison geübt, der ja

immerhin Supermittelgewichts-

Weltmeister war.

Der Boxer und sein Team: Trainer Ismael Salas, Vater und Ex-Boxer Roberto Culcay,

Jack Culcay, Promoter Kalle Sauerland und Manager Moritz Klatten (von links)

BoxSport: Zbik haben Sie

als einen Wunschgegner auserkoren,

auch Ihren Stallkollegen

Dominik

Britsch würden

Sie gern

herausfordern,

selbst Felix

Sturm würde Sie

nicht schrecken.

Culcay: Warum

auch? Wenn er mir einen

Kampf anbieten würde,

würde ich das sofort annehmen.

Ich finde, dass er

in seinen letzten Kämpfen

doch stark abgebaut hat. Er

scheint körperlich nicht mehr

in bester Verfassung zu sein.

Sein letzter richtig überzeugender

Kampf, wo er richtig

stark geboxt hat, war gegen

Oscar De La Hoya. Zbik wäre

auch ein toller Gegner,

ich denke, dass der Kampf

in Deutschland sehr interessant

wäre. Britsch ist

leider keine Option mehr,

Sauerland hat andere Pläne, er

ist ja jetzt ins Supermittelgewicht

aufgestiegen.

BoxSport: Haben Sie eigentlich

das Theater bei Ihrem ersten

Arbeitgeber Universum verfolgt?

Sind Sie froh, dass Sie den Absprung

rechtzeitig geschafft haben

und jetzt nicht unter der

Insolvenz leiden wie einige Ihrer

früheren Kollegen?

Culcay: Natürlich bin ich

heilfroh. Ich hatte anfangs eine

sehr gute Zeit bei Universum,

bin super aufgebaut worden.

Aber als der TV-Vertrag mit dem

ZDF auslief, wussten wir, dass

wir einen anderen Weg gehen

mussten. Es war eine harte Zeit,

weil ich wegen des offenen Vertragsstreits

nie wissen konnte,

wie Universum reagiert. Umso

glücklicher bin ich, dass ich

durchgehend kämpfen konnte.

Das war eine sehr lehrreiche

Zeit.

BoxSport: Bevor Sie Profi

wurden, hatten Sie ein Angebot

vom Amateur-Weltverband

AIBA, in der halbprofessionellen

World Series zu kämpfen.

Haben Sie mal bereut, es nicht

angenommen zu haben?

Culcay: Nein, ich bin froh,

dass ich es nicht gemacht habe.

Wenn ich mir die WSB heute

anschaue, dann muss ich doch

feststellen, dass das alles nicht

wirklich erfolgreich wirkt.

BoxSport: Würden Sie,

wenn Sie heute als Amateur vor

der Entscheidung stünden, zu

den Profis zu wechseln, anders

entscheiden? Das Profiboxen in

Diese Faust

soll es richten:

Jack Culcay

will sich zum

Weltmeister

durchboxen

Deutschland hat es ja deutlich

schwerer als 2009.

Culcay: Das ist sicherlich

so, aber mit Sauerland als Partner

hat man als Profi immer

noch sehr gute Chancen weiterzukommen

als in der WSB.

Es gab immer wieder Anfragen

vom DBV oder der WSB, ob ich

nicht doch zurückkehren will.

Aber ich will nicht.

BoxSport: Könnte Sie die

Aussicht umstimmen, noch einmal

bei Olympia teilzunehmen?

In Peking blieben Sie ohne Medaille.

Culcay: Olympia ist in der

Tat interessant, das ist für jeden

Sportler ein großer Anreiz.

Aber ich halte es für absolut

unfair, dass nur diejenigen bei

Olympia teilnehmen sollen, die

einen Profivertrag bei der AIBA

unterschreiben. Ich weiß nicht,

wie die das rechtlich durchkriegen

wollen, deshalb glaube

ich noch nicht daran, dass

es so kommt. Aber wenn es

so kommt, dann wird es ohne

mich passieren, denn ich möchte

keinen Vertrag mit der AIBA

unterschreiben.

BoxSport: Sie haben Ihren

Lebensmittelpunkt mittlerweile

in Hamburg. Wie oft sind Sie

noch in der Boxschule, die Ihr

Bruder und Ihr Vater in Darmstadt

betreiben?

Culcay: Nur noch sehr selten.

Früher habe ich dort weitertrainiert,

wenn ich in Hamburg

Pause machen sollte. Aber ich

habe gelernt, dass das nicht immer

förderlich ist. Deshalb gehe

ich lieber gar nicht mehr hin.

BoxSport

31


Nach dem Konkurs von Kluch in Hamburg

Drei Russen wollen die

Universum-Lücke schließen

Premiere am 9. März mit den Hauptkämpfern Dimitrenko und Sartison

Eins wollte Wjatscheslaw

Tschibisow dringend

klarstellen. „Wir haben

weder mit Waldemar

Kluch noch mit seinen Partnern

geschäftliche Beziehungen“,

sagte der in Tadschikistan geborene

Hamburger Kaufmann, als

er in einem Hotel am Bahnhof

Altona seine Pläne vorstellte.

Tschibisow, der mit seiner Firma

im norddeutschen Raum Möbelund

Küchenmontagen für Anbieter

wie Ikea, Roller oder Höffner

durchführt, hat sich vorgenommen,

die Lücke zu füllen, die

der Universum-Stall in Hamburg

hinterlassen hat.

Gegen das Unternehmen,

das Klaus-Peter Kohl im Sommer

2011 an Waldemar Kluch übergeben

hatte, ist im Januar ein Insolvenzverfahren

eröffnet worden.

Die Zukunft der wenigen noch

unter Vertrag stehenden Boxer ist

unklar. Tschibisow möchte die

Tradition von Profiboxabenden

in der Hansestadt jedoch nicht

sterben lassen. Deshalb will er

mit seiner neu gegründeten ITS

Promotion in diesem Jahr vier

Kampfabende in Hamburg unter

der Flagge des Bundes Deutscher

Berufsboxer durchführen.

Als Veranstaltungsort hat er die

CU-Arena in Neugraben südlich

der Elbe vorgesehen, wo die

Bundesliga-Volleyballerinnen

des VT Aurubis Hamburg ihre

Heimspiele austragen. Die im

Dezember 2011 eröffnete Multifunktionsarena

fasst bis zu 2400

Zuschauer.

Die ITS Promotion versteht

sich nicht als klassischer Boxstall,

sondern nur als Veranstalter.

Das bedeutet, dass es weder

ein eigenes Trainingsgym noch

angestellte Trainer geben wird.

Mit den Boxern, die auf den Veranstaltungen

in den Ring steigen,

werden lediglich Verträge für einen

Kampf abgeschlossen. Als

Hamburgs neue ITS Promotion: Boxer Alexander Dimitrenko, der russische Generalkonsul Sergej

Ganzha, Promoter Wjatscheslaw Tschibisow, die Beauftragte des russischen Boxverbandes

für Südrussland und den Nordkaukasus Irene Kostenko, Promoter und

Manager Kirill Ptschelnikow und Pressesprecher

Gerhard Müller (v. links)

Hauptkämpfer für

die Premiere am 9. März

hat Tschibisow den früheren

Schwergewichts-Europameister

Alexander Dimitrenko und Ex-

Supermittelgewichts-Weltmeister

Dimitri Sartison verpflichten

können.

Durch die Zusammenarbeit

mit dem russischen Promoter

und Manager Kirill Ptschelnikow,

der Weltklasseleute wie

Schwergewichtler Wjatscheslaw

Glazkow oder Mittelgewichts-

Weltmeister Dimitri Pirog unter

Vertrag hat, sollen zudem auch

russische Topathleten nach

Hamburg gelockt werden. Auch

im Sparring sollen Sportler ausgetauscht

werden. „Wir wollen

aber nicht nur russische Fans

ansprechen, sondern alle Boxbegeisterten

in Hamburg“, sagt

Tschibisow, der die ITS Promotion

gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin

Irene Kostenko

leitet.

Dass

das Veranstalten von

Boxkämpfen der geplanten Güteklasse

viel Geld kostet, ist auch

dem Unternehmer bewusst. Die

Premiere am 9. März will er

zunächst hauptsächlich aus Eigenmitteln

bestreiten. Mit dem

Hamburger Unternehmer und

Russland-Kenner Jürgen Baumgarten

ist immerhin ein Sponsor

im Boot. Dass das Projekt

mittelfristig jedoch nur mithilfe

eines solventen TV-Partners aufrechtzuerhalten

ist, weiß auch

Gerhard Müller. Der ehemalige

Universum-Ringsprecher ist bei

ITS für die Öffentlichkeitsarbeit

zuständig und sagt: „Natürlich

geht nichts ohne Fernsehen. Wir

werden versuchen, so schnell

wie möglich einen deutschen

TV-Partner zu finden. Schon die

erste Veranstaltung werden wir

fernsehgerecht produzieren.“

Ob sich schnell weitere

Sponsoren finden lassen, hängt

auch davon ab, wie seriös sich

Tschibisow und sein Team präsentieren.

Die Abgrenzung von

Kluch sei deshalb

ein ganz wichtiger Punkt,

betont Müller. „Wir wollen

zeigen, dass wir ehrliche, anständige

Menschen sind“, sagt

Promoter Ptschelnikow. Um die

Ernsthaftigkeit ihres Vorhabens

zu unterstreichen, luden die ITS-

Macher zur Präsentation auch

den russischen Generalkonsul

Sergej Ganzha, der das Projekt

als „wichtiges Ereignis in der

Kooperation zwischen Russland

und Hamburg“ bezeichnete.

Für Alexander Dimitrenko

ist der 9. März nicht mehr und

nicht weniger als die Chance

zum Neubeginn. Der 30 Jahre

alte Schwergewichtler, der im

Mai 2012 seinen Europameister-

Titel an den Bulgaren Kubrat

Pulev verloren hatte, freut sich

„über die Möglichkeit, mich in

Hamburg wieder im Ring zeigen

zu können. Es ist sehr wichtig

für mich, aktiv zu bleiben.“ Ein

neuer Veranstalter als Chance

für gute Boxer, die zurück ins

Rampenlicht wollen – man kann

allen Beteiligten nur viel Glück

wünschen.

BJÖRN JENSEN

32 BoxSport


Alekseev jetzt WM-Herausforderer

von Hernandez

Siege für Charr

und Hammer

Ein Hamburger Russe

triumphiert in Rumänien:

Cruisergewichtler

Alexander Alekseev

erkämpfte sich in Galati ganz

im Osten Rumäniens eine WM-

Chance gegen IBF-Champion Yoan

Pablo Hernandez. Alekseev

besiegte den US-Amerikaner

Garrett Wilson in einem WM-

Ausscheidungskampf ungefährdet

nach Punkten (117-111, 118-

112, 116-112). Der Russe aus dem

Stall von Promoter Erol Ceylan

ist nun Pflichtherausforderer des

deutschen Champions Hernandez.

Der gebürtige Kubaner, der

für Sauerland boxt, kuriert derzeit

allerdings noch den Bruch

seiner linken Schlaghand aus.

Wann er wieder boxen kann, ist

noch offen. Alekseev hatte den

Kampf um die Interims-WM der

WBO 2009 gegen den Argentinier

Victor Emilio Ramirez verloren,

2010 ging er im WBO-WM-

Ausscheidungskampf gegen den

Russen Denis Lebedev k.o.

Alekseev ist schon einen

Schritt weiter als Manuel Charr.

Der Deutsch-Syrer muss sich

seine zweite WM-Chance erst

noch erkämpfen. In Galati feierte

Charr seinen zweiten Sieg

nach der WM-Niederlage gegen

Vitali Klitschko. Der Schwergewichtler

aus Köln prügelte sich

zwei Runden lang mit seinem

Gegner Yakup Saglam. Dann gab

der Türke aus dem Westerwald,

der für den Koblenzer Promoter

Detlef Loritz boxt, den Kampf

wegen einer Verletzung an der

linken Schulter auf. Zuvor hatte

er Charr mit ein paar mächtigen

Treffern durchgerüttelt.

Charr verteidigte somit seinen

Silver-International-Titel des

WBC und hofft weiter auf ein

Rematch mit Klitschko. „Ich will

eine zweite Chance gegen Vitali,

und ich hoffe, er macht nicht

denselben Fehler

wie Lennox Lewis

und beendet seine

Karriere, bevor wir

die Sache geklärt

haben“, meinte

Charr. Der Sieg

über Saglam war

der erste Kampf des

Kölners unter seinem

Trainer Scott

Welch. Der frühere

Europameister

hatte bereits Alexander

Dimitrenko

auf den Kampf gegen

Kubrat Pulev

vorbereitet – ohne

Erfolg, Dimitrenko

verlor durch K.o.

Charr, der gegen Saglam zehn

Kilogramm mehr wog als bei seinem

WM-Kampf im September

in Moskau, zog sich eine Meniskusverletzung

zu und musste in

Köln operiert werden. Bis April

muss er mit dem Training aussetzen.

Lokalmatador Christian

Hammer, der aus Galati stammt,

verteidigte seinen WBO-Europa-

Titel im Schwergewicht gegen

den Ukrainer Olek Mazikin.

Nach sechs Runden gab Mazikin

das Duell der beiden früheren

Universum-Stallgefährten auf.

Klara Svensson ging im Kampf

um den WBC-Silver-Belt mit

Kremena Petkova aus Bulgarien

über die volle 10-Runden-

Distanz, fuhr dabei einen klaren

Punktsieg ein.

Voll zufrieden mit seinem

Rumänien-Ausflug zeigte sich

der Hamburger EC-Boss Erol

Ceylan: „Hier stimmte einfach

alles. Die Organisation klappte

hervorragend, wir haben tolles

Boxen gesehen, die Zuschauer

waren begeistert. Ich denke, wir

werden in absehbarer Zeit wieder

nach Galati kommen“.

Rechtsausleger Alexander Alekseev (rechts) siegte ungefährdet nach Punkten über Garrett Wilson

Mammut-Programm

für Doberstein

Der „Dobermann“ aus dem Saarland: Junioren-

Weltmeister Jürgen Doberstein

Jürgen Doberstein hat sich viel

vorgenommen für das Jahr 2013.

Am 8. März macht der Saarländer

in Saarbrücken den Anfang und

will sich gegen den Spanier Blas Miguel

Martinez den vakanten WBC-Intercontinental-Titel

im Supermittelgewicht holen.

Doberstein und sein Management, die

DOG Event & Boxing Company GmbH um

Promoter Oliver Heib, ziehen die Veranstaltung

in der Saarlandhalle alleine auf,

sie erwarten mehr als 2000 Zuschauer. Neben

Lokalmatador Doberstein steigt auch

die Karlsruherin Raja Amasheh im Saarland

in den Ring – sie trifft auf Agnes Draxler

aus Ungarn. Doberstein bereitete sich

unter anderen mit seinem früheren Gegner

und ehemaligen deutschen Meister Christian

Pawlak als Sparringspartner auf seinen

Titelkampf vor.

Lange ausruhen will sich der 24 Jahre

alte frühere Sauerland-Boxer Doberstein,

der bislang von 15 Profikämpfen 13 gewinnen

konnte, aber nicht. Der nächste

Kampf des ehemaligen deutschen Meisters

und Junioren-Weltmeister der IBF ist bereits

für den 25. Mai in Bad Ragaz in der

Schweiz angesetzt. Am 7. September dann

will der Saarländer wieder in seine Heimat

zurückkehren und in Saarbrücken boxen.

Und, wenn alles glatt läuft, soll Doberstein

am 14. Dezember in Sölden in Österreich

um einen europäischen Titel kämpfen. Der

„Dobermann“ muss beißen.

BoxSport 33


Die Weltrangliste des

Durch die konkurrierenden Weltverbände

WBA, WBC, IBF und WBO gibt es im Boxen

mittlerweile vier Weltmeister pro Gewichtsklasse,

teilweise sogar fünf: Denn

mittelgewicht

Superchamp: Sergio Martinez (Argentinien) WBC

01. Daniel Geale (Australien) IBF

02. Gennady Golovkin (Kasachstan) WBA

03. Peter Quillin (USA) WBO

04. Julio Cesar Chavez Jr. (Mexiko)

05. Dmitry Pirog (Russland)

06. Sam Soliman (Australien)

07. Felix Sturm (Deutschland)

08. Martin Murray (England)

09. Matthew Macklin (Irland)

10. Anthony Mundine(Australien)

Er verlor klar nach Punkten – und fühlte sich dennoch um den Sieg betrogen. Ex-Weltmeister Anthony Mundine

(rechts) war nach seiner Punktniederlage (111-117, 111-117, 112-116) in Sydney kaum noch zu beruhigen. Es half

nichts: Der Australier Geale, der in Deutschland Felix Sturm und Sebastian Sylvester als Weltmeister entthront

hatte, bleibt Champion der IBF im Mittelgewicht. Und muss nun schon wieder gegen einen Landsmann boxen:

gegen Sturm-Bezwinger Sam Soliman.

halbmittelgewicht

Superchamp: Floyd Mayweather Jr. (USA) WBA-Super

01. Saul Alvarez (Mexiko) WBC

02. Austin Trout (USA) WBA

03. Saul Alvarez (Mexiko) WBC

04. Miguel Cotto (Puerto Rico)

05. Zaurbek Baysangurov (Russland) WBO

06. Ishe Smith (USA) IBF

07. Erislandy Lara (Kuba)

08. Cornelius Bundrage (USA)

09. Vanes Martirosyan (Armenien)

10. James Kirkland (USA)

Schwergewicht

Superchamp: W. Klitschko (Ukraine) WBA-Super, IBF, WBO

01. Vitali Klitschko (Ukraine) WBC

02. David Haye (England)

03. Alexander Povetkin (Russland) WBA

04. Kubrat Pulev (Bulgarien)

05. Robert Helenius (Finnland)

06. Tomasz Adamek (Polen)

07. Denis Boytsov (Russland)

08. Tyson Fury (England)

09. Tony Thompson (USA)

10. Odlanier Solis (Kuba)

leichtSchwergewicht (Cruiser)

Superchamp: Yoan P. Hernandez (Deutschland) IBF

01. Marco Huck (Deutschland) WBO

02. Denis Lebedev (Russland) WBA

03. Ola Afolabi (England)

04. Krzysztof Wlodarczyk (Polen) WBC

05. Troy Ross (Kanada)

06. Firat Arslan (Deutschland)

07. Mateusz Masternak (Polen)

08. Antonio Tarver (USA)

09. Lateef Kayode (Nigeria)

10. Rakhim Chakhkiev (Russland)

HalbSchwergewicht

Superchamp: Chad Dawson (USA) WBC

01. Bernard Hopkins (USA)

02. Tavoris Cloud (USA) IBF

03. Nathan Cleverly (Wales) WBO

04. Beibut Shumenov (Kasachstan) WBA

05. Jean Pascal (Kanada) WBA

06. Jürgen Brähmer (Deutschland)

07. Lucian Bute (Kanada)

08. Tony Bellew (England)

09. Robin Krasniqi (Deutschland)

10. Eduard Gutknecht (Deutschland)

supermittelgewicht

Superchamp: Andre Ward (USA) WBA-Super, WBC

01. Carl Froch (England) IBF

02. Mikkel Kessler (Dänemark) WBA

03. Arthur Abraham (Deutschland) WBO

04. Robert Stieglitz (Deutschland)

05. Thomas Oosthuizen (Südafrika)

06. George Groves (England)

07. Adonis Stevenson (Kanada)

08. James DeGale (England)

09. Edwin Rodriguez (USA)

10. Marco Antonio Rubio (Mexiko)

weltergewicht

Superchamp: Floyd Mayweather Jr. (USA) WBC

01. Juan Manuel Marquez (Mexiko)

02. Timothy Bradley (USA) WBO

03. Manny Pacquiao (Philippinen)

04. Robert Guerrero (USA)

05. Jan Zaveck (Slowenien)

06. Kell Brook (England)

07. Paulie Malignaggi (USA) WBA

08. Devon Alexander (USA) IBF

09. Victor Ortiz (USA)

10. Andre Berto (USA)

halbweltergewicht

Superchamp: Danny Garcia WBC, WBA-Super

01. Juan Manuel Marquez (Mexiko) WBO

02. Lucas Martin Matthysse (Argentinien)

03. Lamont Peterson (USA) IBF

04. Amir Khan (England)

05. Khabib Allakhverdiev (Russland) WBA

06. Zab Judah (USA)

07. Brandon Rios (USA)

08. Denis Shafikov (Russland)

09. Mike Alvarado (USA)

10. Ruslan Provodnikov (Russland)

34 BoxSport

Die top-ten


BOXSPORT

die WBA vergibt an Titelträger mit mehr

als einem Gürtel auch noch den WBA-Super-Titel.

Wer soll da noch den Überblick

behalten? Die Redaktionen von BoxSport

und der amerikanischen Box-Bibel „The

Ring" natürlich. Wir sagen Ihnen, wer der

Superchampion in jeder Gewichtsklasse

ist und wer „nur" die Nummer 10.

Stand: Februar 2013

leichtgewicht

Superchamp: Adrien Broner (USA) WBC

01. Ricky Burns (Schottland) WBO

02. Miguel Vazquez (Mexiko) IBF

03. Antonio DeMarco (Mexiko)

04. Sharif Bogere (Uganda)

05. Richard Abril (Kuba)

06. Gavin Rees (Wales)

07. Raymundo Beltran (Mexiko)

08. Daniel Estrada (Mexiko)

09. Kevin Mitchell (England)

10. John Molina (USA)

superbantamgewicht

Superchamp: Nonito Donaire (Philippinen) WBO

01. Abner Mares (Mexiko)

02. Guillermo Rigondeaux (Kuba) WBA

03. Jonathan Romwero (Kolumbien) IBF

04. Jeffrey Mathebula (Südafrika)

05. Alexander Bakhtin (Russland)

06. Cristian Mijares (Mexiko)

07. Carl Frampton (England)

08. Tomoki Kameda (Japan)

09. Hozumi Hasegawa (Japan)

10. Vic Darchinyan (Armenien)

bantamgewicht

Superchamp: Shinsuke Yamanaka (Japan) WBC

01. Anselmo Moreno (Panama) WBA-Super

02. Leo Santa Cruz (Mexiko)

03. Koki Kameda (Japan) WBA

04. Pungluang Sor Singyu (Thailand) WBO

05. Malcolm Tunacao (Philippinen)

06. Hugo Ruiz (Mexiko)

07. Julio Ceja (Mexiko)

08. Ryosuke Iwasa (Japan)

09. Jamie McDonnell (England)

10. Hugo Cazares (Mexiko)

superfedergewicht

Superchamp: Yuriorkis Gamboa (Kuba)

01. Takashi Uchiyama (Japan) WBA

02. Juan Carlos Salgado (Mexiko) IBF

03. Roman Martinez (Puerto Rico) WBO

04. Diego Magdaleno (Mexiko)

05. Gamaliel Diaz (Mexiko) WBC

06. Juan Carlos Burgos (Mexiko)

07. Argenis Mendez (Dom. Republik)

08. Takahiro Ao (Japan)

09. Devis Boschiero (Italien)

10. Sipho Taliwe (Südafrika)

federgewicht

Superchamp: Chris John (Indonesien) WBA-Super

01. Miguel Garcia (USA) WBO

02. Billy Dib (Australien) IBF

03. Daniel Ponce De Leon (Mexiko) WBC

04. Orlando Salido (Mexiko)

05. Juan Manuel Lopez (Puerto Rico)

06. Jhonny Gonzalez (Mexiko)

07. Nicholas Walters (Jamaika) WBA

08. Javier Fortuna (Dom. Republik)

09. Daud Yordan (Indonesien)

10. Celestino Caballero (Panama)

superfliegengewicht

Superchamp: Omar Andres Narvaez (Argentinien) WBO

01. Juan Carlos Sanchez (Mexiko) IBF

02. Kohei Kono (Japan) WBA

03. Tepparith Singwancha (Thailand)

04. Yota Sato (Japan) WBC

05. Suryan Sor Rungvisai (Thailand)

06. Carlos Cuadras (Mexiko)

07. Ryo Akaho (Japan)

08. Rodel Mayol (Philippinen)

09. Oleydong Sithsamerchai (Thailand)

10. Rodrigo Guerrero (Mexiko)

fliegengewicht

Superchamp: Moruti Mthalana (Südafrika) IBF

01. Brian Viloria (USA) WBO, WBA-Super

02. Toshyaki Igarashi (Japan) WBC

03. Hernan Marquez (Mexiko)

04. Sonny Boy Jaro (Philippinnen)

05. Milan Melindo (Philippinen)

06. Rocky Fuentes (Philippinen)

07. Juan Carlos Reveco (Argentinien) WBA

08. Edgar Sosa (Mexiko)

09. Luis Concepcion (Panama)

10. Froilan Saludar (Philippinen)

Die Gewichtsklassen:

Schwergewicht über 90,720 kg, Cruisergewicht (- 90,720 kg) auch Leichtschwergewicht. Halbschwer (- 79,378

kg), Supermittel (- 76,203 kg), Mittelgewicht (- 72,574 kg), Superwelter (- 69,853 kg) auch Junior- oder Halbmittelgewicht.

Weltergewicht (- 66,678 kg) Halbwelter (63,503 kg). die Klasse wird auch Juniorwelter- oder Superleichtgewicht

genannt. Leichtgewicht (-61,235 kg), Superfeder (- 58,967 kg), Feder (- 57,153 kg), Superbantam

(- 55,338 kg), Bantam (- 53,524 kg), Superfliegen (- 52, 163 kg), Fliegengewicht (- 50,802 kg), Halbfliegen

(- 48,988 kg) auch Juniorfliegengewicht. Strohgewicht (- 47,628 kg) auch Minifliegengewicht.

Die Abkürzungen WBA, WBC, WBO und IBF hinter den Namen bezeichnen die Weltmeistertitel der jeweiligen Verbände.

Der ewige Hopkins: Bernard Hopkins will am 9. März in

New York noch einmal Weltmeister werden. Dabei hält

der 48-Jährige bereits den Altersrekord. Er würde ihn

im Falle eines Sieges über den bislang ungeschlagenen

IBF-Halbschwergewichts-Weltmeister Tavoris Cloud

lediglich ausbauen. Aber auch dieses Ziel reicht

Hopkins, um in den Ring zurückzukehren.

halbfliegengewicht

Superchamp: Roman Gonzalez (Nica.) WBA-Super

01. Adrien Hernandez (Mexiko) WBC

02. Donnie Nietes (Philippinen) WBO

03. Ulises Solis (Mexiko)

04. Johnriel Casimero (Philippinen) IBF

05. Kazuto Ioka (Japan) WBA

06. Masayuki Kuroda (Japan)

07. Kompayak Porpramook (Thailand)

08. Ryoichi Taguchi (Japan)

09. Alberto Rossel (Peru)

10. Juan Palacios (Nicaragua)

mini-fliegengewicht

Superchamp: Mario Rodriguez (Mexiko) IBF

01. Moises Fuentes (Mexiko) WBO

02. Raul Garcia (Mexiko)

03. Denver Cuello (Philippinen)

04. Wanheng Menayothin (Thailand)

05. Xiong Zhao Zhong (China) WBC

06. Akira Yaegashi (Japan)

07. Ryo Miyazaki (Japan) WBA

08. Hekkie Budler (Südafrika)

09. Carlos Buitrago (Nicaragua)

10. Nkosinathi Joyi (Südafrika)

BoxSport 35


So lebt Marco Huck wieder in

Wenn Marco Huck in Serbien ist, drucken die Zeitungen große Stories über ihren

Box-Weltmeister: „Muamer ist der Stolz Serbiens!“ lautet die Schlagzeile

Der Pate vom

Der Weltmeister sorgt für die ganze Großfamilie

Was macht man,

wenn man selten zu

Hause ist? Ganz einfach:

Man schafft

sich einfach überall, wo man ist,

ein Zuhause. Das ist die Strategie

von Marco Huck. Der Box-

Weltmeister ist pausenlos auf

Achse, hetzt vom Trainingslager

zu Sponsorenterminen und

Fernsehauftritten – und nebenbei

will er auch noch Zeit mit

der Familie verbringen. Und die

lebt in Deutschland und Serbien.

Was macht also Marco Huck? Er

kauft sich überall Immobilien

und pendelt. „Ich bin die Hälfte

der Zeit in Serbien und die

andere Hälfte in Deutschland“,

erzählt der 28 Jahre alte WBO-

Weltmeister im Cruisergewicht.

Nach seiner Titelverteidigung

im November gegen Firat

Arslan in Halle/Westfalen war

Huck zunächst für Wochen auf

Heimaturlaub in Serbien, ehe

Der Box-Weltmeister mit

Ehefrau Amina und Sohn Karim

Leben auf dem Lande im Sandzak, ganz im Südwesten Serbiens: Marco Huck packt

einen Stier bei den Hörnern

er nach Deutschland zurückkehrte

und sich beim Winterfest

der Volksmusik von Moderator

Florian Silbereisen die Skisprungschanze

herunterstürzte.

Dann erlebte Huck in Berlin die

Berlinale, feierte im noblen Hotel

Adlon mit Filmstars, ehe die

Vorbereitung auf seine Pflichtverteidigung

gegen Ola Afolabi

begann.

Hucks Lebensmittelpunkt

ist mittlerweile wieder Serbien

geworden, von wo Familie

Hukic vor 20 Jahren vor dem

jugoslawischen Bürgerkrieg geflohen

war, um in Deutschland

ein sicheres und besseres Leben

führen zu können. Die Familie

hat es in der neuen Heimat zu

Ruhm und Reichtum gebracht –

den starken Fäusten des ältesten

Sohnes sei Dank.

Als gemachter Mann Marco

Huck kehrte das einstige Flüchtlingskind

Muamer Hukic nach

36 BoxSport


seiner alten Heimat Serbien

Marco Huck mit Vater Rasim und Bruder Kemal im Sandzak. Von dort zog die Familie

vor 20 Jahren nach Deutschland

Lauftraining in den

verschneiten Bergen

von Serbien: Auch in der

alten Heimat hält sich

Marco Huck fit

Sandzak

– ob in Berlin oder Belgrad

Serbien zurück. „Dort fühle ich

mich wohl, dort bin ich auch

geschäftlich tätig“, sagt der

Box-Champion. Mit Ehefrau

Amina und Söhnchen Karim

(ein halbes Jahr alt) lebt der

Boxer in einem schicken Haus

in Belgrad. „Sie reisen nicht so

oft wie ich nach Deutschland“,

erzählt Huck. Seinen Eltern dagegen

hat er eine Villa in Berlin

gekauft, dorthin ist die Familie,

die in Deutschland zunächst in

Bielefeld gelandet war, mittlerweile

umgezogen. Denn vor den

Toren der Hauptstadt hat auch

der Boxer sein Haus, schließlich

trainiert Huck in Berlin im Max-

Schmeling-Gym des Sauerland-

Stalls.

Der Boxer lässt seine Familie

an seinem Reichtum teilhaben.

Auch im Sandzak, einer Region

ganz im Südwesten Serbiens, der

Heimat der Hukics, hat Marco

Immobilien gekauft. Die bewohnen

seine Verwandten, „um

aufzupassen, wenn ich nicht da

bin“, seine Cousins und Onkel,

die so zahlreich sind, dass er sie

gar nicht alle aufzählen kann.

„Es sind ziemlich viele“, sagt

Huck. Rund 25 Personen leben

vom Box-Champion.

Im Sandzak hat ihm der

Sauerland-Stall auch ein eigenes

Trainings-Gym eingerichtet, damit

er sich fithalten kann. Aber

Huck ist lieber in der modernen

Metropole Belgrad als im armen,

ländlichen Sandzak. „Dort habe

ich keine Ruhe“, erzählt der

Weltmeister. „Im Sandzak kennt

mich jeder, vom Baby bis zur

alten Oma. In Belgrad dagegen

werde ich weniger erkannt als in

Deutschland, dort kann ich mich

freier bewegen.“

Nicht nur seine Familie unterstützt

Huck finanziell, sondern

auch Bedürftige in Deutschland.

„Ich schicke vielen Menschen,

von denen ich weiß,

dass es ihnen schlecht

geht, Geld“, erzählt der Box-

Weltmeister. „Alleinerziehende

Mütter etwa. Die wundern sich

dann, woher das Geld kommt.

Das mache ich schon lange, ich

will damit aber nicht prahlen.“

Das ganz große Geld, weiß

Huck, gibt es gegen die ganz

schweren Jungs zu verdienen.

Deshalb hat der Cruiser-Weltmeister

nach seinem tollen

Kampf gegen WBA-Schwergewichts-Weltmeister

Alexander

Povetkin, gegen den er im Februar

2012 knapp und umstritten

nach Punkten verlor, weiterhin

vor, in die Königsklasse aufzusteigen.

Die Klitschkos sollen

nicht länger vor mir weglaufen

und sich leichte Opfer suchen“,

sagt Huck. Zunächst aber stehen

schwere Aufgaben im Cruisergewicht

an. Gegen Afolabi

hatte Huck 2009 knapp nach

Ein Leben

im Flieger:

Marco Huck, der Pendler

Punkten gewonnen und im Mai

vergangenen Jahres unentschieden

geboxt. Im April soll der dritte

Kampf gegen den Schützling

von Trainer Fritz Sdunek aus

dem Klitschko-Stall K2 stattfinden.

Und dann wartet Firat Arslan

noch auf seinen Rückkampf

gegen Huck. Der Ex-Weltmeister

aus Süßen hatte im November

gegen Huck nach Punkten verloren

– viele hatten den Herausforderer

als Sieger gesehen. „Ich

habe Firat auf die leichte Schulter

genommen“, sagt Huck heute.

„Ich habe da noch etwas klarzustellen.

Ich will Firat auf jeden

Fall nochmal die Chance geben.“

Der pendelnde Box-Weltmeister

Huck wird so schnell nicht zur

Ruhe kommen.

ARNE LEYENBERG

BoxSport 37


Bruder Rahman schockte die Box-Welt

Muhammad Alis

jüngerer Bruder

Rahman, der

eigentlich Rudy

Clay heißt

„Ali muss

bald sterben“

Familien-Streit um tod

Es ist das ehrwürdigste

aktuelle Bild von Muhammad

Ali der letzten

Jahre. Laila Ali (35),

die jüngste Tochter des an der

Parkinson-Krankheit leidenden

größten Champions aller Zeiten

und einstige, unbesiegte Boxweltmeisterin

im Supermittelge-

Dieser Auftritt schockierte die

Welt: Bei der Eröffnungsfeier der

Olympischen Spiele von London musste

Muhammad Ali von seiner Ehefrau

Lonnie gestützt werden

wicht, zeigt das Foto auf Twitter.

Mit entspanntem Gesicht sitzt

der dreimalige Weltmeister im

Schwergewicht bequem in einem

Ledersessel, ruht in sich

und verfolgt im Fernsehen das

Football-Finale „Super Bowl

XLVII“ zwischen den Baltimore

Ravens und den San Francisco

49ers. Ali und seine vierte Frau

Lonnie, mit der er seit 27 Jahren

verheiratet ist, wohnen in einem

Anwesen in Paradise Valley im

Bundesstaat Arizona.

Der „Größte“ trägt ein braunes

T-Shirt mit dem Namen Lewis

und der Nummer 52. Ray

Lewis ist Linebacker der Ravens,

die das Spektakel am 3. Februar

in New Orleans 34:31 gewinnen,

17 Tage nach Alis 71.Geburtstag.

„Meinem Vater geht es gut. Alles

in Ordnung. Er schaut Super

Bowl“, schrieb Laila dazu. In

Alis Twitter-Account „realA-

LI_me“ sind auch Fotos des berühmtesten

Kranken der Welt zu

sehen, wie er im blauen Team-

Shirt der Ravens mit erhobenen

Fäusten und grimmiger Miene in

Kampfstellung posiert.

Die schönen Bilder sind die

Antwort der Familie auf die hässliche

Behauptung von Rahman

Ali alias Rudy Clay vor jenem

ersten Februar-Wochenende

in den Londoner Boulevardblättern

„The Sun“ und „Daily

Mail“, sein Bruder werde bald

sterben. Die Zeitungen zitieren

den offenbar in ärmlichen Verhältnissen

lebenden, anderthalb

Jahre jüngeren Ali-Bruder: „Es

können Monate sein, es können

Tage sein. Ich weiß nicht, ob er

den Sommer überlebt. Es liegt in

Gottes Hand.“ Jene Medien auf

dem Globus, die den Nachruf

noch nicht gespeichert haben,

beeilten sich aufgeschreckt, das

Vermächtnis des berühmtesten

Athleten des 20. Jahrhunderts

zu würdigen.

Der Bruder wirft seiner

Schwägerin in beiden britischen

Blättern vor, sie halte ihn und die

Kinder von Muhammad fern. Es

heißt, die 16 Jahre jüngere Ehefrau

habe angeblich die finanziellen

Zuwendungen gestrichen.

Doch die Familie, Ehefrau

und Töchter, dementierten

prompt die Hiobsbotschaft des

Schwagers beziehungsweise

Onkels. Nicht nur mit den Bildern

vom durchaus lebensfroh

aussehenden Ali im Internet.

Lonnie Ali teilt der Sonntagsausgabe

der Zeitung „USA TODAY“

vom 3. Februar mit: „Alles, was

ich Ihnen dazu sagen kann, ist,

dass Muhammad die Ravens anfeuert

und total begeistert ist von

Beyoncé.“ Die Soul-Sängerin

und Filmschauspielerin Beyoncé

Knowles (31) trat in der Halbzeitpause

in einer spektakulären

Show auf.

Das Interview mit Rahman

stamme vom letzten Sommer

und sei während der Olympischen

Spiele in London geführt

worden, erzählte Lonnie Ali

weiter. „Rahman war da und wir

auch.“ Jedes Jahr um diese Zeit –

Ali hat am 17. Januar Geburtstag

– würden diese Gerüchte vom

sich dramatisch verschlechternden

Gesundheitszustand Alis

auftauchen.

Diese vom Bruder in die Welt

gesetzte Behauptung habe, so

Lonnie Ali, auf dem ganzen Globus

für Aufsehen gesorgt. Sogar

das Büro von Prince Faisal von

Saudi-Arabien habe mehrmals

angerufen und sich nach Alis

Gesundheitszustand erkundigt.

Im Internet wurde Alis Zustand

derart dramatisiert, als läge er

bereits im Sterbebett. Tochter

Rasheda Ali-Walsh sagte dazu

gegenüber „USA TODAY“: „Ich

habe heute gerade mit meinem

Vater telefoniert. Es geht ihm

gut.“ Auch Tochter May May bestätigte

gegenüber der Nachrichtenagentur

Associated Press: „Er

ist wohlauf. Er hat heute Morgen

am Telefon sogar verständlich

gesprochen. Diese Gerüchte

kommen immer wieder auf.

Aber da ist nichts dran.“

Es sind diese beklemmenden

Fernsehbilder von seinen öffentlichen

Auftritten, die die Welt

immer wieder erschrecken. Man

sieht einen siechen, mit Medikamenten

vollgepumpten Mann,

einst Inbegriff des Adonis-ähnlichen

Athleten, der sich nicht

mehr alleine fortbewegen kann.

Sein Gesicht ist starr, sein Körper

38BoxSport


Darauf twitterte Tochter Laila ein Bild

Muhammad

Alis Tochter

Laila, einst

selbst Box-

Weltmeisterin

„Meinem Vater

geht es gut – er

schaut Football“

kranken Ali

wird unentwegt geschüttelt. Alis

Teilnahme an der Eröffnungsfeier

der Londoner Spiele als einer

der Träger der olympischen

Flagge war so ein Auftritt, der die

Welt schockierte. 16 Jahre zuvor,

als Muhammad Ali mit zitternder

Hand das Olympische Feuer

in Atlanta entzündete, war die

Welt noch zu Tränen gerührt.

Ali, im weißen Anzug, mit

weißer Krawatte und Sonnenbrille,

sitzt wartend in einem

Stuhl, erhebt sich mühsam,

unterstützt von seiner Frau,

um sich dem vorbeiziehenden

Im Dezember wurde Muhammad Ali beim Kongress des Weltverbandes WBC zum

König aller Boxer ernannt. Schwergewichts-Weltmeister Vitali Klitschko setzte ihm

die goldene Krone auf. In der Mitte Ehefrau Lonnie

Im T-Shirt von Ray

Lewis verfolgt

Muhammad Ali den

Super Bowl – dieses

Bild schickte Laila

Ali via Twitter in die

Welt

Flaggenzug auf den letzten

Metern bis zum Fahnenmast

anzuschließen. Als die 80.000

Zuschauer seiner gewahr werden,

wie er steht, Lonnie immer

stützend an seiner Seite, jubeln

sie ihm zu. Acht Persönlichkeiten

wie UN-Generalsekretär

Ban Ki-moon und die Langlauf-

Ikone Haile Gebrselassie tragen

die olympische Fahne. Beim

Hissen stehen die acht Träger

andächtig Spalier mit Blick auf

den symbolischen Akt. Ali sitzt

zwischen ihnen wieder nur auf

einem Stuhl und schaut teilnahmslos

in die andere Richtung.

Ob bei großen Boxkämpfen

in Berlin, New York oder Las

Vegas, beim jüngsten Kongress

des World Boxing Council in

Mexiko, bei Baseball- oder Footballspielen

in den USA – immer

wieder wird die Ikone als Attraktion

im Rollstuhl präsentiert.

Von Mal zu Mal gebrechlicher.

Zu seinem 70.Geburtstag arrangierte

Lonnie gleich zwei große

Parties, eine am 17. Januar 2012

in seiner Geburtsstadt Louisville,

Kentucky, eine später in Las

Vegas. Warum, fragt sich manch

sensibler Zeitgenosse empört,

stellt Lonnie Ali ihren seit 1984

an Parkinson leidenden Ehemann,

dessen Zustand sich in

den letzten Jahren zusehends

dramatisch verschlechtert hat,

immer wieder zur Schau? „Er

liebt die Menschen und genießt

das Bad in der Menge“, rechtfertigt

sie die Teilnahme an besonderen

Ereignissen.

Bei einem dieser Events, den

Olympischen Spielen letztes

Jahr in London, versuchte nun

Rahman Ali, auf sich aufmerksam

zu machen. An der Seite,

aber im Schatten seines weltberühmten

Champions, hatte

Rudy alias Rahman einst den

Bruder-Status genossen. Er trat

dabei als ziemlich unangenehmer

Angeber auf und versuchte

als Profiboxer, selbst Karriere zu

machen.

Am 25.Februar 1964 gab der

Amateur Rudy Clay sein Profidebüt,

in jener Nacht im Miami

Beach Auditorium, als Cassius

Clay gegen Sonny Liston Weltmeister

wurde. Als anderntags

Cassius Clay zum Islam konvertierte

und sich fortan Muhammad

Ali nannte, folgte ihm

der jüngere Bruder zur neuen

Religion. Noch ein halbes dutzendmal

durfte Rahman im

Rahmenprogramm der großen

Kämpfe seines Bruders boxen.

Insgesamt bestritt der jüngere

Ali zwischen 1964 und 1972 18

Profikämpfe, von denen er 14

gewann.

Hartmut Scherzer

BoxSport 39


In den Fußstapfen von Ali und Mayweather

Die Amerikaner haben

ein schönes, halb aus

dem Deutschen entliehenes

Wort für ein Ausnahmetalent:

„über-talented“ –

übertalentiert. Dieser Tage wird

dieser Begriff angewandt auf

Adrien Broner. Denn Broner ist

nicht nur im Boxring mehr als

talentiert, auch außerhalb agiert

er wie ein geborenes Showtalent.

„Ich will der beste Boxer

aller Zeiten werden, der beste,

der jemals ein Paar Handschuhe

angezogen hat“, gibt Broner als

Ziel aus. Mit seiner mangelhaften

Bescheidenheit tritt er in die

Fußstapfen von Lautsprechern

wie Muhammad Ali und Floyd

Mayweather. Nicht wenige

trauen ihm zu, dass er sie auch

sportlich beerben kann. „Ich

glaube, Adrien Broner wird der

nächste Superstar“, sagt sein

Die ersten Runden hielt Ex-

Weltmeister Gavin Rees (links) noch

mit, dann war er chancenlos gegen

Adrien Broner

Broner: Der neue

Superstar in den USA

Promoter Oscar De La Hoya. Gerade

nahm Broner den Waliser

Gavin Rees in fünf Runden auseinander

– Rees war immerhin

einst Welt- und Europameister.

Seine Einmarschmusik rappte

Broner live – wie Roy Jones zu

seinen besten Zeiten.

Mit nur 23 Jahren ist Broner

in 26 Profikämpfen unbesiegt.

Der WBC-Titel im Leichtgewicht

ist bereits sein zweiter Weltmeistergürtel.

Den der WBO

im Superfedergewicht hatte er

wegen Gewichtsproblemen abgeben

müssen.

Broner weiß, dass zu einem

Superstar im Boxring mehr als

schnelle Fäuste gehören. Auch

ein loses Mundwerk kann nicht

schaden. Wie sein großes Vorbild

Floyd Mayweather ist auch

Broner Werbefachmann in eigener

Sache. „Broner hat das gewisse

Etwas“, meint De La Hoya.

„Im Ring ist er mir sehr ähnlich,

aber außerhalb des Rings ist es

eine ganz andere Geschichte.

Ich wollte nie viel reden, aber

Adrien macht all die Dinge, die

es braucht, um ein Weltstar zu

werden. Er kann ganz Großes

erreichen.“

„Ich bin nicht nur Profiboxer,

sondern Profi-Entertainer“, sagt

Broner. Wie einst Muhammad

Ali hält Broner Bescheidenheit

für reine Zeitverschwendung,

wie einst der „Größte“ preist er

sich gerne in Reimen an. Vor der

Titelverteidigung gegen Rees

kündigte Broner den Kampfverlauf

so an: „Hook, right – Goodnight“.

Ein Haken, eine Rechte

– aus die Maus. Den Zuschauern

riet er: „Bringt eure Sonnenbrillen

mit in die Arena. Ich werde

strahlen.“ Was er sehe, wenn

er einen Blick in seine Zukunft

werfe, wurde Broner vor dem

Duell gegen Rees gefragt: „Vier

Buchstaben“, antwortete der

Boxer. „G-E-L-D. Viel davon.“

Wie Ali und Mayweather

vor ihm bewegt auch Broner

sich ständig an der Grenze zur

Arroganz. Ali war deswegen

einst verhasst beim amerikanischen

Publikum, bevor er verehrt

wurde. „Er ist schillernd,

extravagant, aber auf eine sympathische

Art und Weise“, ist De

La Hoya überzeugt. „Er macht

einfach gerne Quatsch, ist gerne

lustig, blödelt herum. Das

ist nicht böse gemeint, nicht

arrogant. Das ist wie einst bei

Muhammad Ali.“ Dann wird

De La Hoya seinem Boxer sicher

auch diesen Spruch nicht

übel nehmen. So erzählte Rees,

dass er nur mit De La Hoyas Geschäftsführer

Richard Schaefer

spreche, wenn er etwas von

seinem Promoter wolle. Broners

Begründung: „Bosse reden nur

mit Bossen.“

ARNE LEYENBERG

Ein begnadetes Showtalent: Adrien Broner nimmt nach seinem Sieg über Gavin

Rees zwei Nummerngirls in den Arm

40BoxSport


Andreas Sidon

„Ich bin stolze 50 Jahre alt und tatsächlich

immer noch Deutscher Meister im Schwergewichtsboxen

der Profis und das nur Dank

der starken Produkte von MR. BIG!!!“

Erfolge als Profi:

1995 Vitzeweltmeister Thaiboxen in Bankog

1997 Europameister im Kickboxen IKBO

1997 Weltmeister im Kickboxen IKBO

2000 Internationaler Österreichischer Meister

im Schwergewicht (Profiboxen)

2001 Internationaler Deutscher Meister

im Schwergewicht (Profiboxen)

2002 - 2010 Deutscher Meister im Schwergewicht (BDB)

2003 - 2008 Weltmeister im Schwergewicht (WBB)

Krea-Genic ist ein eingetragenes

Markenzeichen der Smart Food Nutrition GmbH

www.mr-big.eu • www.mr-big.biz • www.mr-big.info


Ernährungs-Guru will jetzt

Wer 14 Kilo

abkocht, kann

nicht gewinnen

Czabaun war einst Leibwächter

beim König von Saudi-Arabien

stärker ins B

Soldat, Kampfsportler,

Leibwächter, Fitness-

Experte: Bernd Czabaun

Bernd Czabaun ist nicht

leicht aus der Fassung

zu bringen. Alles schon

gehört, alles schon gesehen.

Den 49-Jährigen haben

Kämpfe als Sportler, Einsätze

als Soldat in Afrika und im Mittleren

Osten und ein Jahrzehnt

als Leibwächter der königlichen

Familie von Saudi-Arabien gestählt.

Aber ein Boxer, der nicht

auf seine Ernährung achtet und

vor seinen Kämpfen mehr als

zehn Kilogramm Gewicht abkochen

muss? Das kann Czabaun,

der erfahren hat, dass kleinste

Details nicht nur über Sieg und

Niederlage, sondern auch über

Leben und Tod entscheiden können,

nicht verstehen: „Ich ziehe

doch auch nicht mit einer Pistole

in den Krieg.“ Czabauns These

lautet: „Wenn zwei Boxer einen

gleich starken Willen haben, ein

ausgeglichenes Können und eine

optimale Vorbereitung sowie

das Glück, verletzungsfrei zu

bleiben, kann die Ernährung auf

diesem Niveau den Ausschlag

geben.“

Nach dem Motto „Kein Athlet

gewinnt einen Kampf durch

gute Ernährung – aber er verliert

ihn vielleicht ohne“ will Czabaun

Kampfsportler für ein oft

vernachlässigtes Thema sensibi-

Bernd Czabaun und Ehefrau Kamila Porczyk mit

MMA-Superstar Fedor Emelianenko

Bernd Czabaun (rechts)

hat viele Kämpfe als

Kampfsportler hinter sich

42BoxSport


oxen einsteigen

lisieren. Felix Sturm etwa musste vor seinem

Kampf gegen Sam Soliman 14 Kilogramm

Gewicht verlieren. „Wer zwölf oder 14 Kilogramm

vor einem Fight abkocht, hat keine

Power für einen Zwölf-Runden-Kampf“,

warnt Czabaun, der mit den Produkten seines

Unternehmens „Olimp Laboratories“

Sportler im täglichen Training unterstützt.

Die Zweitliga-Fußballer des FSV Frankfurt

etwa schwören auf Czabauns Nahrungsergänzungsmittel.

„Wir sind auch ein sehr

interessanter Partner für Boxsportler“, sagt

Czabaun, dessen Sportlernahrung auf der

Kölner Liste steht und somit nachweislich

dopingmittelfrei ist. „Olympia-Sportler können

unsere Produkte getrost verwenden“,

sagt Czabaun, an dessen Bürowand ein

großes Porträt von Arnold Schwarzenegger

hängt – der spätere Terminator in jung.

Im Alter von sechs Jahren hatte Czabaun

angefangen zu boxen. Der Vater, ein erfolgreicher

Amateurboxer in Österreich, hatte

den Sohn mit dem Virus infiziert. „Ich liebe

das Boxen“, sagt Czabaun, der ins Schwärmen

gerät, wenn er von seinem Lieblingsboxer

Joe Calzaghe erzählt. Mit 17 Jahren

allerdings erschien ein anderer Kampfsport

attraktiver. Czabaun wanderte nach Südkorea

aus, um acht Stunden täglich Taekwondo

zu trainieren. Wieder zurück in Österreich

wurde er in einer Spezialeinheit des Militärs

zum Nahkämpfer ausgebildet. Fähigkeiten,

die ihn später als Soldat und Personenschützer

überleben ließen.

Nach zehn Jahren am Königshof in

Saudi-Arabien zog es Czabaun zurück nach

Europa: „Ich wollte nicht mehr nur in der

Wüste herumsitzen.“ In Polen baute er

vier Kampfsportschulen auf, unterrichtete

Selbstverteidigung – und lernte seine Frau

kennen. Kamila Porczyk, damals zwei-,

heute fünfmalige Fitness-Weltmeisterin,

und Czabaun trainierten im selben Gym und

verliebten sich. Bei einem Sponsorentermin

seiner Frau bot der Seniorchef der Firma

„Olimp“ Czabaun unvermittelt die Leitung

seines Unternehmens an. Der Kämpfer willigte

ein, seit 2006 führen Czabaun und seine

Frau gemeinsam „Olimp Laboratories“ als

leitende Geschäftsführer, das Unternehmen

zählt mittlerweile zu den drei führenden im

Markt. „Ohne meine Frau wäre ich heute

nicht dort, wo ich bin“, sagt Czabaun.

Dort ist mittlerweile Hanau – rein zufällig

landeten Czabaun und Porczyk in Hessen,

von wo aus sie den Vertrieb für Deutschland,

Österreich und die Schweiz steuern. Neben

Sportlernahrung gibt es künftig Pharma-Produkte

von Olimp in den Apotheken, zudem

baut Czabaun mit „Olimp Live & Fight“ gerade

eine Modemarke auf.

Bei Familie Czabaun kämpft mittlerweile

nur noch die Frau des Hauses. Bernd Czabaun

trainiert zwar noch täglich – aber Kamila

Porczyk bereitet sich derzeit auf ihren ersten

Kampf im „Mixed Martial Arts“ (MMA), den



























gemischten Kampfkünsten,

im Mai in Darmstadt

vor. Czabaun engagiert

sich stark im

Kampfsport, am 13.

April präsentiert

er mit „Olimp“

Deutschlands größte

MMA-Veranstaltung

„Respect 9“

in Dormagen „Eigentlich

ist Kamila

zu schön, um zu

kämpfen“, sagt Czabaun.

Aber auch

ein Nahkämpfer

und Leibwächter

ist eben manchmal

machtlos gegen

die Waffen

einer Frau.

„Eigentlich ist

sie zu schön, um

zu kämpfen“:

Bernd Czabauns

Ehefrau Kamila

Porczyk


So teuer kann der Wechsel zu den Profis

Heiße Diskussionen um die Athletenvereinbarung

bereits legen sie ihren besten

Sportlern und hoffnungsvollsten

Talenten eine 16-seitige

Athletenvereinbarung vor, die

dem BoxSport exklusiv vorliegt.

Darin sollen die Boxer die

Einhaltung einer Vielzahl von

Pflichten vertraglich garantieren

– der Verband sagt im Gegenzug

Förderung im Rahmen

seiner finanziellen Möglichkeiten

zu. Nach dem Prinzip:

Wer nicht unterschreibt, wird

künftig nicht mehr gefördert.

Der Ausschluss aus der Sportförderung

der Bundeswehr

droht.

Der DBV will von seinen

Boxern schriftlich haben, dass

sie für die Dauer der Athletenvereinbarung

nicht zu den

Profis wechseln. „Wir Amateure

haben uns in den vergangenen

20 Jahren wie die Lämmer

zur Schlachtbank führen

lassen, die Verantwortlichen

haben lange geschlafen, diese

Zeiten sind jetzt vorbei“, sagt

Michael Müller, Sportdirektor

des DBV. Die Amateure gehen

jetzt in die Offensive. Auslöser

war der Wechsel von Amateur-

Weltmeister Jack Culcay zu

den Profis – drei Jahre vor den

Olympischen Spielen in Lon-

zu verzichten. Bei Vertragsstreitigkeiten

können sie kein

ordentliches Gericht anrufen,

es wird „unter Ausschluss

des ordentlichen Rechtsweges

endgültig entschieden“,

heißt es in einer zusätzlichen

Schiedsvereinbarung. Ferner

hat der Athlet keine Möglichkeit,

den Vertrag ordentlich zu

kündigen. Vielmehr endet der

Vertrag automatisch, falls der

Boxer nicht mehr Mitglied des

Sportdirektor Michael Müller hat

die Athletenvereinbarung des DBV

entworfen

Bundeskaders ist. Außerdem

behält sich der DBV das Recht

fristlos zu kündigen vor, falls

die sportlichen Leistungen ausbleiben

oder der Boxer Kontakt

zu einem Profistall aufnimmt,

ohne diesen dem Verband zu

melden. Dazu heißt es in der

Athletenvereinbarung: „Hat

eine Partei die fristlose Kündigung

zu vertreten, so ist sie zur

Rückgewähr der von der anderen

Vertragspartei empfangenen

Leistung(en) verpflichtet,

nicht jedoch zur Rückforderung

der von ihr gewährten

Leistung(en) berechtigt.“ Der

DBV behält sich also das Recht

vor, seine geleistete Förderung

vom Boxer wieder zurückzuverlangen.

Laut Sportdirektor

Müller ist der Vertrag juristisch

wasserdicht: „BMI und DOSB

sind hochzufrieden.“

Die DBV-Athleten dürfen

trotz Unterschrift Profis werden

– aber ausschließlich bei

der AIBA. Der Weltverband

will etwas abhaben vom großen

Geld, das die Profi-Promoter

weltweit mit den Sportlern

verdienen, die ihr Handwerk

einst bei den Amateuren lernten.

Die besten Athleten eines

Landes sollen künftig als Pro-

Nur die AIBA profitiert vo

Ching-kuo Wu hat dem don wechselte der Darmstädter

die Seiten. „Er hat zur Unrantiert

vier Kämpfe im Jahr

fis zuschlagen, die AIBA ga-

Profiboxen den Kampf

angesagt. Vom Herbst zeit den Verband verlassen“,

für insgesamt 100.000 Euro

an will der Präsident klagt Müller. Das Bundesministerium

Börse. Schwergewichtler Erik

des Internationalen Amateurbox-Verbandes

(AIBA) eigene

Profis in den Ring schicken.

Wu sammelt derzeit rund um

den Globus Verbündete für

sein revolutionäres Vorhaben.

des Innern (BMI)

und der Deutsche Olympische

Sportbund (DOSB) hätten dem

Boxverband mit Kürzung der

Förderung gedroht, falls die

Abwanderung zu den Berufsboxern

Pfeifer aus Lohne ist bislang

der einzige Deutsche, der bei

der AIBA unterschrieben hat.

Der Verdienst ist nicht schlecht

für Amateure, die ihren Kopf

meist umsonst für das Vater-

Gerade erst reiste er nach Kuba,

nicht unterbunden

land hinhalten. Auf dem freien

um das sozialistische Land

nach mehr als 50 Jahren für

das Profiboxen zu öffnen (siehe

Seite 59). In Deutschland

braucht der Architekt aus Taiwan

keine Überzeugungsarbeit

mehr zu leisten. Die Verantwortlichen

des Deutschen

würde, erzählt Müller. Der

Verband habe handeln und

die Athletenvereinbarung erstellen

müssen. Nun seien alle

Beteiligten begeistert, berichtet

Müller.

Zahlreiche Athleten jedoch

fühlen sich vom Verband erpresst.

Markt des Profiboxens könnten

sie jedoch ein Vielfaches

verdienen.

Das Pfund der AIBA: Wer

bei ihrer Profisparte unterschreibt,

verliert den Amateurstatus

nicht und darf weiterhin

bei den Olympischen Spielen

Boxsport-Verbandes (DBV)

Schließlich müssen sie

an den Start gehen. Wer noch

zählen seit eh und je zu seinen

Unterstützern. Seit Monaten

unter anderem unterschreiben,

auf ihre Persönlichkeitsrechte

Greift nach der Weltherrschaft im

Boxen: AIBA-Präsident Ching-kuo Wu

nicht allzu lange Profi ist, wie

Jack Culcay etwa, könnte wieder

in die Arme der Amateure

zurückkehren und so noch

einmal bei Olympia zuschlagen.

Voraussetzung dafür: Ein

Vertrag bei der AIBA.

Will ein deutscher Amateurboxer

allerdings vor Auslaufen

der zweijährigen Athletenvereinbarung,

die nach

dem Willen des Verbandes

sogar eine olympische Periode

umfassen soll, dem Beispiel

Culcays folgen und zu einem

der etablierten Ställe wechseln,

im Falle des Darmstädters dem

von Kalle Sauerland, muss er

künftig hohe Ablösesummen

aufbringen. Der DBV hat eine

Tabelle erstellt, nach der jeder

Boxer seine derzeitige Ablösesumme

errechnen kann.

Nach der Faustregel: Je erfolgreicher,

desto teurer. 50.000

Euro Grundbetrag fordert der

Verband für einen A-Kader-

Athleten, wer Olympiasieger

wird, muss noch eine Million

drauflegen. Hinzu kommen

Beträge für Medaillengewinne

bei Welt- und Europameisterschaften,

bis hinunter zur U15,

Podestplätze bei Turnieren wie

dem Chemiepokal in Halle etc.

Am Ende wird alles noch einmal,

je nach Gewicht des Bo-

44BoxSport


werden

xers, mit dem „Gewichtsklassenmultiplikator“

multipliziert.

Mal zwei etwa im Falle

eines Schwergewichtsboxers.

Das Geld soll in einen Solidaritätsfonds

fließen, aus dem

der DBV Athleten und Trainer

finanzieren will.

Da künftig alle nationalen

Verbände weltweit ihren

Sportlern eine derartige Vereinbarung

vorlegen sollen, die

zudem vor großen Turnieren

wie den Olympischen Spielen

verlängert werden soll,

wäre der Athleten-Abfluss

zu den Nicht-AIBA-Profis

praktisch gestoppt. Wer bei

Olympia zum Star aufsteigt,

kann künftig nicht mehr seinen

Marktwert ausreizen und

zum meistbietenden Promoter

m geheimen DBV-Vertrag

wechseln. Er wäre schlichtweg

nicht mehr zu bezahlen.

Der heutige Profi-Weltmeister

Wladimir Klitschko etwa, der

nach seinem Olympiasieg

1996 in Atlanta mit Don King

verhandelte und dann bei

Klaus-Peter Kohl in Hamburg

unterschrieb, hätte damals eine

Ablöse in Höhe von rund

drei Millionen Euro gekostet.

Neben dem üblichen Handgeld

für die Unterschrift des

Sportlers versteht sich. „Das

sind Summen, die kein Promoter

aufbringen kann“, sagt

Roland Bebak, Manager des

ehemaligen Profi-Weltmeisters

Felix Sturm, bei den Amateuren

einst Europameister, und

Geschäftsführer der Kölner

Sturm Box-Promotion. „Die

Sportler werden unter Druck

gesetzt, man will es ihnen extrem

schwer machen, zu wechseln.

Es ist eine Unverschämtheit,

den jungen Leuten solche

Steine in den Weg zu legen.“

Auch Hans-Gerd Rosik, Chef

des Deutschen Mannschaftsmeisters

Velberter BC, meint:

Die Verträge sind lächerlich,

wir haben doch freie Berufswahl.

Aber die Jungs lassen

sich erpressen, weil sie um ihre

Förderung fürchten.“

Der Profiweltverband

WBC hat bereits gedroht, im

Gegenzug künftig eine eigene

Amateursparte zu eröffnen.

„Wir werden diese Monopolstellung

der AIBA mit aller

Macht bekämpfen“, erklärte

WBC-Präsident Jose Sulaiman.

Dem Berliner Enrico Kölling

hatte der DBV vor den

Spielen von London die Vereinbarung

vorgelegt. Kölling

fühlte sich unter Druck gesetzt,

verweigerte die Unterschrift

und wechselte nach

seinem frühen Aus bei Olympia

zum Sauerland-Stall. Stefan

Härtel dagegen, erfolgreichster

deutscher Boxer in

London, unterschrieb. „Falls

ich vorhätte, demnächst Profi

zu werden, würde ich es mir

dreimal überlegen, diesen Vertrag

zu unterschreiben“, sagt

der Sportsoldat. Härtel will

aber mindestens bis Olympia

2016 in Rio Amateur bleiben.

Auch der Kölner Artur Bril,

2010 Jugend-Weltmeister und

Jugend-Olympiasieger, hat

bereits unterschrieben. „So

richtig zufrieden ist aber keiner

mit dem Vertrag“, sagt der

Schüler Bril.

Sowohl Härtel als auch

Bril schlagen für den DBV

bereits in der World Series of

Boxing (WSB) zu. Die Liga

dient der AIBA als Übergang

Schwergewichtler Erik Pfeifer hat

bislang als einziger Deutscher

einen Profivertrag bei der AIBA

unterschrieben

vom Amateur- zum Profiboxen.

Die Athleten kämpfen

ohne Kopfschutz und Trikot

unter Profibedingungen, pro

Kampf erhalten sie 500 Euro,

für jeden Sieg 3000. Auch bei

der WSB müssen die Athleten

langfristige Verträge unterzeichnen,

die ihnen wenig

Freiraum lassen. „Man hört

viel darüber, dass die Verträge

der Boxer nicht gerade zu

deren Vorteil ausgelegt sind“,

sagt Jack Culcay. „Ich erinnere

mich noch gut daran, wie man

mich bei der Amateur-WM

2009 in Mailand nach meinem

Titelgewinn zwingen wollte,

einen WSB-Vertrag zu unterschreiben.

Der wurde mir in

englischer Sprache vorgelegt.

Das einzige, was ich verstand,

waren die Summen, um die es

ging, und die wurden fast täglich

verändert. Viele andere

haben unterschrieben und bereuen

es jetzt vielleicht.“ Peter

Hanraths, einst Geschäftsführer

der Hamburger Universum

Box-Promotion und heute

Berater des Schweriner Amateurboxers

Arayk Marutyan,

verhinderte die Unterschrift

seines Schützlings unter den

WSB-Vertrag.

Der Magdeburger Profi-

Promoter Ulf Steinforth sieht

den Plänen von AIBA und

DBV gelassen entgegen. „Das

Ganze zielt doch nur darauf

ab, Geld zu verdienen. Aber

wir machen schon immer

unser Ding, wir suchen uns

unsere eigenen Talente, auch

in anderen Sportarten“, sagt

Steinforth, bei dem unter anderen

Ex-Weltmeister Robert

Stieglitz unter Vertrag steht.

„Welcher DBV-Boxer ist in

den letzten Jahren schon groß

rausgekommen?“, fragt Steinforth.

„Mir fällt nur Jack Culcay

ein.“ Und der hat den Stein

letztlich ins Rollen gebracht.

BoxSport45


0:5 in der Ukraine, 1:4 in den USA

Zwei Pleiten –

damit flogen die Eagles raus

Härtel: „Wir müssen uns mit besseren Ausländern verstärken“

Das Viertelfinale hatten

die German Eagles

schon vor dem letzten

Heimkampf gegen

Großbritannien verzockt. Ausgerechnet

in der Zockerstadt Reno

im amerikanischen Glücksspiel-Bundesstaat

Nevada, ausgerechnet

beim abgeschlagenen

Tabellenletzten USA Knockouts

kassierten die Adler die entscheidende

Niederlage in der World

Series of Boxing (WSB). Mit einer

1:4-Pleite im Gepäck traten die

Eagles die lange, beschwerliche

Heimreise nach Deutschland an.

Lediglich Kastriot Sopa konnte

seinen Kampf im Eldorado-Casino

gewinnen. Stefan Härtel, Philipp

Grüner und Veaceslav Gojan

dagegen verloren allesamt. Und

weil Halbschwergewichtler Kevin

Künzel seinen Kampf gar

nicht erst antreten konnte, er

wurde am Flughafen in Hannover

aufgehalten, stand der erste

Saisonsieg der Amerikaner nach

sechs Pleiten fest – und auch

das Vorrundenaus der Eagles.

Denn schon am Kampftag zuvor

hatten sie in der Ukraine gar 0:5

verloren.

Die anderen Teams sind einfach

in der Breite stärker“, zog

Mittelgewichtler Stefan Härtel

Bilanz nach den durchwachsenen

WSB-Auftritten der Eagles.

Die haben zwei, drei komplette

Mannschaften. Wenn bei uns

die Besten durch Verletzungen

ausfallen, wird es eng.“ Für die

kommende Saison fordert Härtel

daher bessere Ausländer, mit

denen sich die Deutschen verstärken.

Auch wenn er weiß:

Die Besten kriegen wir nicht.

Die anderen Länder schmeißen

ganz anders mit Geld um sich.“

Aber dauerhaft will Härtel nicht

in der Vorrunde ausscheiden:

„Das Viertelfinale muss natürlich

nächste Saison das Ziel sein.

Wir wollen weiterkommen. Aber

das wird schwierig, das wird eine

echte Herausforderung.“

Weil in Amerika immer noch

eigene Gesetze gelten, hatten

die Eagles aber auch Pech. So

sind in Reno drei Punktrichter

aus Nevada vorgeschrieben,

Ein enttäuschter Stefan Härtel hängt nach der Niederlage gegen Clarence Joseph

in Amerika in den Seilen

die Regeln des Internationalen müssen“, sagt Härtel. „Aber mir

Amateurbox-Verbandes AIBA war schon im Ring klar, dass der

gelten hier nur eingeschränkt.

Die Amerikaner punkten eben

anders, lassen sich mehr von der

Show beeindrucken“, sagt Härtel,

der sich im Mittelgewicht

seinem Gegner Clarence Joseph

mit 2:1-Richterstimmen geschlagen

geben musste. „Nach der

Trefferzahl hätte ich gewinnen

Kampf zu knapp war, als dass ich

im Ausland den Sieg bekomme.“

Mit Zwischenstopps in Paris und

Los Angeles war Härtel aus Berlin

nach Reno gereist, Bundestrainer

Valentin Silaghi und einige

weitere Athleten waren von

Frankfurt nach L.A. geflogen.

Erst in der Zockerstadt traf sich

ERGEBNISSE

Ukraine Otamans – German Eagles 5:0

Bantamgewicht

Ivan Ilnitskyy 3:0-PS über Mohamad Ismail Sadak

Leichtgewicht

Denys Berinchyk 3:0-PS über Artur Schmidt

Mittelgewicht

Dmytro Mytrofanov 3:0-PS über Vasilii Belous

Halbschwergewicht

Denys Poyatsyka 3:0-PS über Xhek Paskali

Schwergewicht

Oleksander Osyk t.K.o. 3. Runde über Eric Brechlin

USA Knockouts vs. German Eagles 4:1

Bantamgewicht

Shawn Simpson 2:1-PS über Veaceslav Gojan

Leichtgewicht

Eric Fowler 0:3-PN gegen Kastriot Sopa

Mittelgewicht

Clarence Joseph 2:1-PS über Stefan Härtel

Halbschwergewicht

Kennedy Katende kampflos über Kevin Künzel

Schwergewicht

Paul Koon 2:1-PS über Philipp Gruner

Der einzige Sieger von Reno:

Kastriot Sopa (links) punktete

Eric Fowler aus

46BoxSport


das Team. „Dort war nicht viel

zu machen. Es gibt bloß drei Casinos,

im größten davon haben

wir geboxt“, erzählt Härtel. Es

blieb bei einem Hauch von Las

Vegas.

Auch Bantamgewichtler

Veaceslav Gojan verlor in Reno

mit 2:1-Punktrichterstimmen.

Seinen Gegner Shawn Simpson

hatte er beim Hinkampf in

Göppingen noch klar besiegt.

5:0 hatten die Adler damals die

Amerikaner aus der Halle gefegt.

„Das war ein Fehlurteil“, meinte

Härtel. Die Eagles legten gegen

die Wertung Protest ein. Zwar

hatte Kastriot Sopa mit seinem

Punktsieg über Eric Fowler für

das zwischenzeitliche 1:1 gesorgt.

Danach gingen aber alle

Kämpfe verloren. Im abschließenden

Schwergewicht musste

sich Philipp Gruner, ebenfalls

per Split Decision, Paul Koon

geschlagen geben. Auch gegen

dieses Resultat legten die Deutschen

Protest bei der AIBA ein.

Am sechsten Kampftag hatte

es die Eagles noch härter erwischt.

Mit 0:5 kamen sie in der

Ukraine unter die Räder. Alle

fünf Kämpfe gingen gegen die

Otamans verloren. Mohamad Ismail

Sadak musste sich im Eröffnungskampf

im Bantamgewicht

Ivan Ilnitskyy

geschlagen geben. Die

Ukrainer, die im Gegensatz

zu den Adlern mit

ihren ausländischen Einfliegern

mit einer echten

Nationalmannschaft antreten,

waren zu stark

für die Mannschaft des

Deutschen Boxsport-

Verbandes. Stefan Härtel,

der zwei Wochen

zuvor beim Heimkampf

gegen Italien im Ring

stand und daher in der

Ukraine nicht einsetzbar

war, verfolgte die

Kämpfe gemeinsam mit

seiner Familie daheim

auf der Couch in Berlin

per Internet-Livestream.

Im Fernsehen gibt es die

Eagles immer noch nicht

zu sehen. „Die Ukrainer

haben viel mehr gute

Sportler, da ist es ganz schwer,

mitzuhalten“, erzählt Härtel.

Artur Schmidt verlor im

Leichtgewicht jede Runde gegen

Denys Berinchyk. Auch die Adler

Vasilii Belous (gegen Dmytro

Mytrofanov) und Xhek Paskali

(gegen Denys Poyatsyka) verloren

deutlich nach Punkten. Im

Eine große Show: Auch das

Amateurboxen ist in Amerika

im Spielcasino angekommen

Schwergewicht

musste

sich Eric

Brechlin

zum Abschluss

sogar vorzeitig

geschlagen

geben. Gegen

Olympiasieger Oleksander

Osyk wurde er in der

dritten Runde aus dem

Kampf genommen.

Himmel, hilf: Artur Schmidt

hadert bei seiner Niederlage

in der Ukraine gegen Denys

Berinchyk mit dem Schicksal

Ein 5:0-Sieg

zum Abschied

Ein großer Triumph –

aber eben auch ein

wertloser Erfolg. Bei

ihrem letzten Heimauftritt

verabschiedeten sich die

German Eagles mit einem 5:0

über England von ihren Fans.

Der klare Sieg über die British

Lionhearts, die in Hannover

allerdings mit ihrem B-Team

tabellen

Gruppe A

Kämpfe Punkte

Aserbaidschan Baku Fires 9 24

Mexiko Guerreros 9 19

Hussars Polen 7 12

Argentinien Condors 8 9

Algerien Desert Hawks 8 6

Russland Boxing Team 7 4

Gruppe B

Kämpfe Punkte

Astana Arlans Kasachstan 9 21

Italien Thunder 9 19

British Lionhearts 9 15

Ukraine Otamans 8 14

German Eagles 9 9

USA Knockouts 8 0

angetreten waren, war jedoch

sportlich bedeutungslos. Denn

die Saison in der World Series

of Boxing (WSB) war für die

Adler schon vorher gelaufen.

Auch am letzten Kampftag am

1. März beim Tabellenführer in

Kasachstan können die Eagles

nur noch Ergebniskosmetik betreiben.

„Es ist toll was die Jungs

da geleistet haben. Es war auch

für mich eine Überraschung,

dass wir diesen Wettkampf mit

ERGEBNISSE

Germ. Eagles vs. Br. Lionhearts 5:0

Bantamgewicht

Veacesclav Gojan 3:0-PS über Sean McGoldrick

Leichtgewicht

Artur Bril 3:0-PS über Joseph Cordina

Mittelgewicht

Stefan Härtel 3:0-PS über Kaupo Arro

Halbschwergewicht

Xhek Paskali 3:0-PS über Lawrence Osueke

Schwergewicht

Emir Ahmatovic 3:0-PS über Uaine Fa

Artur Bril (links) nahm in Hannover erfolgreich Revanche an Joseph Cordina

hohem Niveau letztendlich so

deutlich gewinnen konnten“,

meinte Eagles-Cheftrainer Valentin

Silaghi nach dem Sieg

über England. „Wir freuen

uns auf nächste Saison.“

Im Bantamgewicht

machte Veaceslav Gojan den

Anfang und punktete Sean

McGoldrick aus. Der Kölner

Artur Bril nahm erfolgreich

Revanche an Joseph Cordina,

dem er zwei Monate

zuvor bei den Jugend-Europameisterschaften

noch

knapp nach Punkten unterlegen

war.

Auch Stefan Härtel kann

noch siegen. Nach zwei Niederlagen

in Folge in der WSB

punktete der Berliner Mittelgewichtler

den Esten Kaupo Arro

aus. Damit stand der Sieg der

Eagles bereits zwei Kämpfe vor

Schluss fest. Im Halbschwergewicht

besiegte der Ludwigsburger

Xhek Paskali den Briten

Lawrence Osueke nach Punkten.

Im Schwergewicht feierte

der Wetzlarer Emir Ahmatovic

einen erfolgreichen Einstand in

der World Series. Der künftige

Sportsoldat bezwang Uaine Fa

aus Tonga nach Punkten.

BoxSport 47


Das neue Leben des Mi

Sein Ziel: Talente an

Michael Timm in der Ecke der German Eagles: Mit Cheftrainer Valentin Silaghi Erklärt das Boxen mit voller Leidenschaft: Michael Timm am Olympiastützpunkt in

(links) betreut er Dedouane Asloum im Kampf gegen die Ukraine

Schwerin

Auf den ersten Blick

ist alles wie immer.

Michael Timm steht

am Ring, gekleidet in

blaues Sweatshirt, schwarze Jogginghose

und Laufschuhe seines

Ausrüsters Adidas, und spricht,

wie er immer gesprochen hat mit

seinen Sportlern. Schöne Worte

wie „Pfiffigkeit“ sind zu hören,

seine Boxer sollen „operieren“,

„durchrollen“ und „die Beine

nicht vergessen“. Und als Timm

seinen Leichtgewichtler Robert

Harutyunyan nach einer besonders

gut gelungenen Runde

Schattenboxen fragt, ob er „am

Wochenende wieder armenische

Körner gefuttert“ habe, da wirkt

er wie der Trainer, der er immer

war: locker, lustig, mit Spaß bei

der Sache.

Und doch ist etwas anders.

Michael Timm ist sich treu geblieben,

aber sein Arbeitsumfeld

hat sich gravierend verändert.

Von 1997 bis zum Sommer 2012

war er Trainer bei den Profis des

Hamburger Universum-Stalls,

nach dem Abgang von Fritz Sdunek

Ende 2009 sogar Chefcoach,

auch wenn er das nie hören

wollte. Er führte Sportler wie Felix

Sturm oder Jürgen Brähmer,

Ruslan Chagaev oder Ina Menzer

zu Weltmeistertiteln, er war

jeden Monat im Fernsehen und

noch öfter in der Zeitung. Doch

dann gingen bei Universum die

Lichter aus, und Timm nutzte die

Gunst der Stunde, als zum wiederholten

Mal ein Angebot des

Deutschen Boxsport-Verbands

(DBV) kam, um den Absprung zu

schaffen. Den Absprung aus dem

Rampenlicht in die Diaspora,

vom Profigeschäft zurück zu den

Wurzeln. Seit 1. August 2012 ist

der 50-Jährige als Nachfolger von

Willi Ramin Leitender Trainer am

Bundesstützpunkt Schwerin.

Als ein Mensch, der Statussymbolen,

roten Teppichen und

Kameras so viel abgewinnen

kann wie einer Fußpilzerkrankung,

empfindet Timm seinen

Wechsel mitnichten als Abstieg.

Im Gegenteil, er sieht die Herausforderung

als Chance. „Hier kann

ich helfen, neue Strukturen aufzubauen

und von Grund auf Talente

an die Weltspitze heranzuführen“,

sagt er. Allerdings hatte

er sich mit dem Umzug in seine

Heimatstadt, wo er mit Ehefrau

Konstanze lebt, auch einen Zu-

Einer seiner größten Erfolge als

Profitrainer: Michael Timm und sein

Boxer Ruslan Chagaev feiern den Sieg

über WBA-Schwergewichts-Weltmeister

Nikolai Valuev

gewinn an Freizeit versprochen.

Nach Hamburg war er täglich

gependelt. Doch die Rechnung

ist nicht aufgegangen. „Die drei

Stunden, die ich nicht mehr auf

der Autobahn verbringe, die bin

ich jetzt in der Boxhalle“, sagt er,

„die Arbeit ist eher noch mehr

geworden.“ Sein geliebtes Hobby,

das Motocrossfahren, hat er

seit Amtsantritt nicht ein einziges

Mal ausüben können.

Seine Arbeitstage beginnen

um 7.15 Uhr und enden nie vor

19.30 Uhr. 16 Sportler umfasst

seine Trainingsgruppe, es sind

Talente unterschiedlichster Güteklasse

im Alter von 17 bis 23

Jahren, die allesamt das dem

Stützpunkt angeschlossene

Sportgymnasium besuchen. Um

sie so individuell wie möglich zu

schulen, trainiert Timm natürlich

niemals alle 16 auf einmal. Sein

Credo war schon bei den Profis,

jeden Sportler individuell nach

dessen Stärken auszubilden. „Ich

könnte auch Einheitsbrei anbieten,

dann hätte ich mehr Freizeit.

Aber das kann nicht mein Anspruch

sein“, sagt er.

Als Bundesstützpunkttrainer

ist Timm dafür verantwortlich,

dass die Ausbildung der mehr

als 50 Schweriner Boxer optimiert

wird. Dazu muss er sein

Team, zu dem neben Landestrainer

Christian Morales und Andi

Schiemann auch der frühere

Amateur-Europameister Dieter

Berg zählt, führen und weiterbilden.

Außerdem ist er in Maßnahmen

der Nationalmannschaft

ebenso eingebunden wie in die

Vorbereitung der German Eagles,

dem deutschen Team in der semiprofessionellen

World Series

of Boxing (WSB). Das heißt, er

besucht Lehrgänge und Turniere,

muss sich fortbilden und Kontakte

halten. „Die theoretische

Arbeit ist viel intensiver geworden.

Das hätte ich mir so weder

48BoxSport


chael Timm

Im Juli 2012 wird Michael Timm von Michael Müller, dem Sportdirektor des

Deutschen Boxsport-Verbandes als neuer Trainer am Olympiastützpunkt Schwerin

die Weltspitze

begrüßt

führen

Eines seiner größten Talente in Mecklenburg-Vorpommern: Michael Timm mit Arayk

Marutyan

Die Familie hinter dem Trainer: Michael

Timms Ehefrau Konstanze mit den

Töchtern Julia (links) und Isabell am

Ring

gewünscht noch erwartet“, sagt

er. Sich nicht voll auf seine sportlichen

Aufgaben konzentrieren

zu können ist eine Sache, die ihn

im Vergleich zu seiner vorherigen

Tätigkeit stört.

Was er zudem vermisst, ist die

Verlässlichkeit, die es im Profibereich

hinsichtlich der Kampfvorbereitung

gab. „Als Profi kennt

man seinen Gegner und kann

sich gezielt auf ihn einstellen. Bei

den Amateuren, wo in Turnierform

gekämpft wird, gibt es das

nicht, so dass man jeden Boxer

auf jede Eventualität vorbereiten

muss. Daran muss ich mich

noch gewöhnen“, sagt er. Dennoch

liege darin auch die Chance,

die Athleten ganzheitlich zu

schulen. „Bei den Profis hatte ich

fertige Senioren, die teilweise im

Amateurbereich alles gewonnen

hatten. Jetzt kann ich Talenten

eine Linie vorgeben, ihre Leidenschaft

in richtige Bahnen lenken.

Das ist eine sehr fordernde, aber

schöne Aufgabe“, sagt er.

Erste Erfolge kann er bereits

vorweisen. Sein Weltergewichtler

Arayk Marutyan gewann

Silber bei der Militär-EM und

Bronze bei der U22-EM. Superschwergewichtler

Florian Schulz

wurde bei der U19-WM Dritter.

Timm glaubt, dass diese Erfolge

nicht vergleichbar sind mit

EM- oder gar WM-Titeln bei den

Profis. „Bei den Amateuren ist es

viel schwieriger, in die Spitze zu

stoßen, weil man keinen behutsamen

Aufbau hat, sondern von

Anfang an auf Weltklassegegner

trifft“, sagt er.

Eben weil der Vater zweier

erwachsener Töchter das Profigeschäft

so gut kennt wie das

Leben als Amateur, der er zu den

Hochzeiten des Schweriner Boxsports

selbst war, hat ihn der DBV

unbedingt verpflichten wollen.

„Wir sind sehr glücklich, dass

ein so profilierter Trainer den

Weg zurück in das olympische

Boxen gegangen ist. Er ist für jedes

Team der Welt ein Gewinn“,

sagt DBV-Präsident Jürgen Kyas.

Dass Timm mittelfristig den Leitenden

Bundestrainer Michael

Bastian oder WSB-Teamchef Valentin

Silaghi ablösen könnte, ist

ein denkbares Szenario, mit dem

sich Timm derzeit aber nicht beschäftigt.

Er will vielmehr dafür

sorgen, dass zunächst in Schwerin

Strukturen entstehen, die es

ermöglichen, an die Erfolge zu

DDR-Zeiten anzuknüpfen.

Auf dem Weg dahin ist allerdings

noch viel Arbeit zu verrichten.

„Vor allem fehlt es an

finanziellen Mitteln“, sagt Timm.

Trainingslager im Ausland oder

internationale Vergleichskämpfe,

die für die Entwicklung unerlässlich

sind, finden noch viel zu selten

statt. „Wir brauchen den Austausch

mit Nationen wie England,

Irland, Schweden, aber auch Russland,

Kuba oder China, wenn wir

uns in die Weltspitze hineinkämpfen

wollen“, sagt er. Derzeit stünde

das olympische Boxen in Deutschland

allenfalls im Mittelfeld.

Umso richtiger sei der Weg

des Weltverbands AIBA, mit der

Einführung der WSB und einer

eigenen Profiserie die besten

Amateure vor dem Abwandern

ins bestehende Profilager zu bewahren.

„Wir brauchen die Stars

als Vorbilder“, sagt er. Angesichts

der Entwicklung im Profibereich,

wo das Zuschauerinteresse und

die TV-Quoten sinken und damit

auch die Unterstützung von

Sponsoren schwächer wird,

glaubt Timm daran, dass das

olympische Boxen profitieren

wird. „Mein Anliegen ist es, dabei

zu helfen, die beiden Bereiche zu

vereinen, denn darin sehe ich die

Zukunft des Boxens“, sagt er.

Seine Vision ist klar: „Ich

möchte meine Sportler und meine

Kollegen dabei begleiten, dass

sie auf ihrem Gebiet den optimalen

Erfolg haben. Dabei geht es

nicht nur um die sportliche Entwicklung,

sondern auch darum,

als Persönlichkeit zu wachsen.

Ich möchte, dass alle irgendwann

sagen können: ‚Ich habe in meinem

Leben etwas geschafft!’“

Seine Bescheidenheit verbietet

ihm, diesen Satz selbst auszusprechen.

Das ist eins der Dinge,

die sich im Leben des Michael

Timm niemals ändern werden.

BJÖRN JENSEN

BoxSport 49


Das war Velberts 12. Streich – R

So sehen Serien-Sieger aus: Die Velberter Meister-Boxer feiern ihren zwölften Titel

Rosik: Titelgewinn leicht

Sie lagen sich in den Armen,

tanzten und sangen.

Obwohl sie doch

eigentlich schon Routine

im Siegen haben müssten.

Denn schon vor dem letzten

Kampftag der Box-Bundesliga

stand der neue Deutsche Meister

fest. Es ist der alte. Seriensieger

Velberter BC war auch in diesem

Jahr nicht zu schlagen. Mit dem

12:4-Sieg über den BC Straubing

eroberte der VBC seinen zwölften

Titel, davon nun elf in Folge.

Velberts Macher Hans-Gerd Rosik mit

seinem früheren Boxer und ehemaligen

Profi-Weltmeister Vitali Tajbert

Auch die Bayern konnten die Festung

Velbert nicht stürmen. Im

Gegenteil, sie agierten gegen das

Team von Hennie van Bemmel

und Mike Hanke zaghaft, fast

ängstlich. Dabei hatte van Bemmel

die VBC-Staffel gleich auf

drei Positionen umgestellt. Der

22-jährige Enrico la Cruz kletterte

für Denis Makarov in den

Ring, der Wuppertaler Vincenzo

Gualtieri ersetzte Olympia-Teilnehmer

Patrick Wojcicki im Weltergewicht

und Schwergewichtler

Gottlieb Weiß durfte sich

diesmal ausruhen, da Stefan Sittner

in der Königsklasse startete.

Es waren nicht nur ihre Gegner,

die den Straubingern zusetzten,

es waren auch die Velberter Fans.

Das boxverrückte Publikum verwandelte

die Sporthalle an der

Humboldstraße in ein Tollhaus.

Nach jedem Sieg wurde die Stimmung

ausgelassener. Am Ende

feierten die Rheinländer schon

wieder Karneval.

Enrico la Cruz machte den

Auftakt zu der grandiosen Siegesserie.

Der Holländer kämpfte

gegen Edgar Walth, der im

Hinkampf Denis Makarov mit

18:14 geschlagen hatte. La Cruz

machte alles richtig. Nach einer

vorsichtigen ersten Runde boxte

er den Militär-Europameister

an die Wand. 23:20 stand es

nach der vierten Runde. Der

Sieg hätte sogar noch deutlicher

ausfallen können. Den

Zuschauern war es egal, für sie

war ab jetzt Schunkeln angesagt.

Und sie hatten allen Grund dazu,

denn Artem Harutyunyan holte

gegen Eugen Dahinten den zweiten

Sieg für den VBC. Auch Vincenzo

Gualtieri löste seine Aufgabe

mit Bravour. Der 20-jährige

Wuppertaler zeigte gegen Borna

Katalinic tolle Konter, verkürzte

den Abstand, wenn es brenzlig

wurde und ging in die Offensive,

sobald die Lücke da war.

Nun lag es an Denis Radovan,

für sein Team alles klar

zu machen. Und auf Deutschlands

besten Techniker war

wie immer Verlass. Mit 24

Punkten Vorsprung sicherte er

gegen Flamur Mehmeti einen

mehr als deutlichen Punktsieg.

Vor lauter Feiern hatten viele

der Fans noch gar nicht realisiert,

dass Radovan mit seinem

Sieg den Kampf gegen Straubing

entschieden hatte. Erst als das

hübsche Nummerngirl Isa mit

dem neuen Meister-T-Shirt in

den Ring geklettert kam, war jedem

in der Halle klar: Der neue

Deutsche Meister ist schon wieder

der alte – der Velberter BC.

Dass auch Lokalmatador Peter

Mullenberg und Stefan Sittner

ihre Kämpfe gewannen, ging

fast unter.

50BoxSport


adovan machte alles klar

Denis Radovan (links) machte mit

seinem Sieg über Flamur Mehmeti

alles klar für Velbert

er als gedacht

Witt rettete

Unentschieden

Nordhausen mit Punkt

in Babelsberg zufrieden

Während Titelverteidiger Velbert die vorzeitige

Meisterschaft feierte, mussten sich

die ärgsten Verfolger SV Motor Babelsberg

und die Überraschungsmannschaft der

Box-Bundesliga, der Nordhäuser SV, mit einem Unentschieden

zufrieden geben. 9:9 hieß es am Ende eines

spannenden Duells.

Nordhausen war sogar drauf und dran, zwei Punkte

einzufahren. Denn nach der Auftaktniederlage von

Dieter Geier folgten zwei Siege. David Müller besiegte

den tschechischen Olympiateilnehmer Zedxenek Chladek

und Balasz Bacskai brachte die Thüringer mit seinem

Punktsieg über Dima Döhl in Führung. Doch den

ersten Kampf nach der Pause verlor Sebastian Formella,

anschließend siegte auch Jaroslav Minin für Gastgeber

Babelsberg. Im letzten Kampf musste es Schwergewichtler

Johann Witt, der sich erst zwei Wochen zuvor

nach langer Verletzungspause zurückgemeldet hatte,

richten. Auf EM-Bronzemedaillengewinner Witt war

wieder einmal Verlass – er bezwang den zuvor in in

der Liga unbesiegten Emir Amatovic mit 18:14. „Das

war ein Hammerabend. Taktisch ist unsere Planung

aufgegangen“, freute sich Nordhausens Trainer Conrad

Werner über den Auswärtspunkt.

„Ich habe zwei junge Leute ausprobiert

und sie haben alles einwandfrei

gemacht“, lobte Velberts Teamchef

Hennie van Bemmel die Leistungen

von Enrico la Cruz und Vincenzo Gualtieri.

Auf den Titel angesprochen,

antwortete er gewohnt nüchtern: „Velbert

ist der richtige Deutsche Meister.“

Wer der nächste Deutsche Meister

wird, ist für van Bemmel bereits klar,

denn „Erfolg macht süchtig“. VBC-

Liga-Manager Hans-Gerd Rosik war

sich eigentlich sicher, dass es sein VBC

auch in diesem Jahr wieder schaffen

DBV-Vizepräsident

Erich Dreke

ehrt Alexander

Povernov

würde, „aber dass es so leicht wird,

hätte ich nicht gedacht“.

Bundestrainer Hansi Birka zollte

Rosik Respekt für den traumhaften

Erfolg: „Rosik hat die richtige Mannschaft

zusammengestellt.“

Auch der ehemalige Profi-Weltmeister

Vitali Tajbert ließ es sich

nicht nehmen, bei der vorgezogenen

Meisterfeier dabei zu sein. Als Ex-

Velberter weiß er, was Rosik für den

VBC bedeutet. „Solange Rosik in Velbert

ist, wird Velbert Deutscher Meister“,

prophezeite Tajbert.

Schwergewichtsboxer Alexander

Povernov, der einst wie Vitali Tajbert

für Velbert an den Start ging, freute

sich ebenfalls für den Club. Povernov

weiß: „Der VBC steht hinter dem

Olympischen Boxen und hinter dem

VBC steht Hans-Gerd Rosik.“ Povernov

war noch sichtlich ergriffen. In

der Pause hatte ihn DBV-Vizepräsident

Erich Dreke in den Ring gerufen

mit der silbernen Verdienst-Ehrennadel

des Verbandes geehrt. Die Auszeichnung

erhielt er für seine Bronzemedaillen

bei der WM 2006 und

der EM 2005. Povernov war gerührt,

der Applaus überwältigend.

WOLFGANG WYCISK

Der Nordhäuser David Müller bezwang den tschechischen

Olympiaboxer Zedxenek Chladek

ERGEBNISSE

SV Motor Babelsberg - Nordhäuser SV 09:09 Z: 250

58 Kg: Atdhe Gashi (SVM) - 36:12 PS ü. Dieter Geier (NSV)

65 Kg: David Müller (NSV) - 18:13 PS ü. Zedxenek Chladek (SVM)

70 Kg: Balazs Bacskai (NSV) - 19:12 PS ü. Dima Döhl (SVM)

78 Kg: Josef Attanjaoui (SVM) - 20:09 PS ü. Sebastian Formella (NSV)

82 Kg: Jaroslav Minin (SVM) - 17:12 PS ü. Marcus Finke (NSV)

92 Kg: Johann Witt (NSV) - 18:14 PS ü. Emir Amatovic (SVM)

Velberter BC - BC Straubing 12:04 Z: 800

58 Kg: Enrico La Cruz (VBC) - 23:20 PS ü. Edgar Walth (BCS)

65 Kg: Artem Harutyanyan (VBC) - 22:11 PS ü. Eugen Dahinten (BCS)

70 Kg: Vinvenco Gualtieri (VBC) - 16:14 PS ü. Katalinic Borna (BCS)

78 Kg: Denis Radovan (VBC) - 29:05 PS ü. Flamur Mehmeti (BCS)

82 Kg: Peter Mullenberg (VBC) - WO-S. ü. Arton Berisha (BCS)

92 Kg: Stefan Sittner (VBC) - WO-S. ü. Romano Kujak (BCS)

BoxSport

51


1.

BUNDESLIGA

Hick-Hack um die Deutsche Vizemeisterschaft

Feierte Nordhausen zu früh?

Zu früh gefreut? Die Mannschaft des Nordhäuser SV feiert nach dem Sieg über Hamm die Deutsche

Vizemeisterschaft

Der DBV überreichte den

Nordhäusern bereits den

Pokal für die Deutsche

Vizemeisterschaft

Während der Deutsche Meister

in der Box-Bundesliga

schon vor dem letzten

Kampftag feststand,

herrscht auch nach Saison-Ende noch

Chaos um den Vizemeister. Sowohl

der Nordhäuser SV als auch Motor Babelsberg

fühlen sich als Vizemeister.

In Nordhausen knallten sogar schon

die Sektkorken, nach dem 12:03-Sieg

über Hamm stemmten die Thüringer

den Pokal für die Vizemeisterschaft in

die Höhe. Die Babelsberger dagegen

hatten sich trotz eines 11:07-Sieges

über Meister Velbert mit dem dritten

Platz abgefunden – bis sie einen Tag

später vom Deutschen Boxsport-Verband

(DBV) informiert wurden, doch

Zweiter geworden zu sein. Chaos pur

– Nordhausen legte sofort Protest ein.

„Wir haben mit den Fans gefeiert,

alles war gut, alle waren glücklich“,

erzählt Matthias Geidel, Boxchef beim

Nordhäuser Sportverein. Nach dem

Sieg über Hamm hatten die Thüringer

vom Delegierten des DBV den Vizemeister-Pokal

überreicht bekommen,

für Fotos posiert und anschließend die

Nacht durchgefeiert. Am Tag danach

dann der Schock. In einer Pressemitteilung

erklärte der DBV Babelsberg

zum Zweiten der Abschlusstabelle.

„Unbegreiflich, was die abziehen, wir

machen uns ja lächerlich“, tobte Geidel.

Auch der Babelsberger Manager

Ralph Mantau will erst aus der Mitteilung

des Verbandes von der Vizemeisterschaft

erfahren haben. „Wir dachten,

wir wären Dritter, wir haben nicht

gefeiert“, erzählt Mantau.

Der Hintergrund: Am 3. November

vergangenen Jahres war Hamm zu spät

zum Auswärtskampf in Babelsberg

gekommen. Die Hammer verpassten

den Wiegetermin – und hatten damit

bereits verloren. Dennoch mussten

die Boxer laut DBV-Reglement antreten.

Hamms Trainer Ralf Gerards warf

zu Beginn jeden Kampfes das Handtuch

– weil die Gäste zu allen sechs

Kämpfen angetreten waren, bekamen

sie jeweils einen Antrittspunkt und

verloren 6:12.

Vor dem letzten Kampftag waren

Babelsberg und Nordhausen punktgleich

Zweiter hinter Velbert. „So

stand es auf der Homepage des DBV

und auch auf der der Babelsberger“,

Abschluss-Tabelle

1. Velberter BC 22 8 82:58 12-4

2. SV Motor Babelsberg 8 77:61 10-6*

3. Nordhäuser SV 8 78:63 10-6*

4. BC Straubing 8 61:80 4-12

5. MBR Hamm 8 48:84 4-12

* Nordhausen hat Protest gegen die offizielle Abschluss-Tabelle

des DBV eingelegt. Eine Entscheidung

über den Tabellenzweiten steht noch aus.

sagt Geidel. Weil Nordhausen höher über Hamm siegte

als Babelsberg, wähnten sich die Thüringer als Vizemeister.

Am Tag darauf aber, berichtete Geidel, habe der DBV

ihm mitgeteilt, den Sieg von Babelsberg über Hamm vom

November mit 12:0 gewertet zu haben. „Aber die Hammer

waren doch im Ring, dann müssen sie auch einen

Antrittspunkt bekommen“, klagt Geidel. Der Nordhäuser

Protest liegt nun bei DBV-Sportwart Karl-Heinz Nitzsche,

der über den Deutschen Vizemeister entscheidet.

„Wir sind total kaputt“, sagt Geidel. Ein übler Kater nach

der großen Feier.

ERGEBNISSE

Ergebnisse vom 09.02.2013

BC Straubing - MBR Hamm 10:07 Z: 250

58 Kg: Edgar Walth (BCS) - 24:12 PS ü. Bashir Hassan (MBR)

65 Kg: Eugen Dahinten (BCS) - 14:12 PS ü. Aytekin Yöreci (MBR)

70 Kg: Max van der Pas (MBR) - 22:14 PS ü. Katalinic Borna (BCS)

78 Kg: Flamur Mehmeti (BCS) - 25:10 PS ü. Nuri Yesil (MBR)

82 Kg: Safet Avdimetaj (BCS) - 22:19 PS ü. Latifi Refik (MBR)

92 Kg: Eugen Schellenberg (MBR) - Aufg.-S. 2.R. ü. Romano Kujak (BCS)

Ergebnisse vom 23.02.2013

SV Motor Babelsberg - Velberter BC 11:07 Z: 250

58 Kg: Atdhe Gashi (SVM) - 23:19 PS ü. Enrico La Cruz (VBC)

65 Kg: Zedenek Chladek (SVM) - 27:14 PS ü. Artem Harutyanyan (VBC)

70 Kg: Dima Döhl (SVM) - 23:11 PS ü. Vinvenco Gualtieri (VBC)

78 Kg: Josef Attanjaoui (SVM) - 21:12 PS ü. Patrick Wojcicki (VBC)

82 Kg: Peter Mullenberg (VBC) - 24:09 PS ü. Jaroslav Minin (SVM)

92 Kg: Mike Fanselow (SVM) - 17:15 PS ü Stefan Sittner (VBC)

Nordhäuser SV - MBR Hamm 12:03 Z: 800

58 Kg: Dieter Geier (NSV: - WO-S. ü. (MBR)

*65 Kg: David Müller (NSV) - 20:12 PS ü. Thulassi Tharumalingam (MBR)

*70 Kg:Sebastian Knigge (NSV) - 17:11 PS ü. Bedir Ay (MBR)

78 Kg: Sebastian Formella (NSV) - 25:10 PS ü. uri Yesil (MBR)

82 Kg: Marcus Finke (NSV) - 20:17 PS ü. Elvis Hetemi (MBR)

92 Kg: Johann Witt (NSV - 23:14 PS ü. Eugen Schellenberg (MBR)

52 BoxSport


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Mattheis-Boxer

sind nicht zu schlagen

2.

BUNDESLIGA

Seelze-Siege über Chemnitz und Wismar

Das Spitzenduell in der 2.

Box-Bundesliga war eine

überraschend klare Angelegenheit.

Der souveräne

Tabellenführer BSK Hannover-

Seelze, bislang noch ungeschlagen

in dieser Saison, fertigte zu

Hause auch den bis dato ärgsten

Verfolger BC Chemnitz ab. Nach

der deutlichen 9:15-Schlappe fielen

die Sachsen hinter Hanau auf

den dritten Tabellenrang zurück.

ERGEBNISSE

Seelze dagegen marschiert weiter

munter Richtung Aufstieg in die

Bundesliga.

Dabei hatte es für Chemnitz

noch vielversprechend angefangen.

Ronny Beblik besiegte den

deutschen Meister in der Gewichtsklasse

bis 52 Kilogramm,

Serge Neumann, nach Punkten. Es

sollte der einzige Sieg der Sachsen

an diesem Abend bleiben. Denn

Nver Chilingaryan, der Neuzugang

Ergebnisse vom 02.02.2013

BC Chemnitz - BR Hanau 12:11

Z: 600

52 Kg: Ronny Beblik (BCC) - 17:10 PS ü.

Hamza Touba (BRH)

56 Kg: Erik Sokolov (BRH) - 15:13 PS ü.

Roman Sharafa (BCC)

60 Kg: Tobias Tatai (BRH) - 18:13 PS ü. Hagen

Worofka (BCC)

64 Kg: Chris Förster (BCC) - 12:11 PS ü.

Marcel Orsinger (BRH)

69 Kg: Rinat Karimov (BRH) - 14:13 PS ü.

Steven Schwan (BCC)

75 Kg: Philipp Freund (BCC) - 20:18 PS ü.

Asnaur Magomedov (BRH)

81 Kg: Sven Dahl (BCC) - WO-S. ü. ü. Yasim

Ogül (BRH)

+81Kg: Max Keller (BRH) - 20:11 PS ü. Erik

Thalheim (BCC)

BT Hanse Wismar - BSK Seelze

10:13 Z: 450

52 Kg: Tom Tran (BTH) - 15:07 PS ü. Sergej

Neumann (BSK)

56 Kg: Omar El Hag (BTH) - 19:08 PS ü.

Sergej Dudinski (BSK)

60 Kg: Howik Barsegjan (BSK) - 11:05 PS ü.

Schafi Karimi (BTH)

64 Kg: Angelo Welp (BSK) - 16:08 PS ü.

Clemens Busse (BTH)

69 Kg: Vjatscheslaw Spomer (BSK) - 18:13

PS ü. Tora Belgar Aciscari (BTH)

75 Kg: Mohammed Bangaew (BTH) - 10:10

remis g. Jacob Deines (BSK)

81 Kg: Artur Reis (BSK) - 19:17 PS ü. Tony

Witzke (BTH)

+81Kg: Ali Kiydin (BSK) - 20:11 PS ü. Albon

Pervicaj (BTH)

Ergebnisse vom 16.02.2013

BV Weimar - BR Hanau 11:12

Z: 350

52 Kg: Hamza Touba (BRH) - 29:08 PS ü.

Patrik Bartos (BVW)

56 Kg: Diaz Kuzembaev (BVW) - 20:10 PS ü.

Oliver Goman (BRH)

60 Kg: Tobias Tatai (BRH) - 30:15 PS ü. Fabian

Kumar (BVW)

64 Kg: Liridon Klinaku (BRH) - WO-S. ü.

(BVW)

69 Kg: Dennis Sochannyj (BVW) - 28:19 PS

ü. Rinat Karimov (BRH)

75 Kg: Tobias Funke (BVW) - 33:25 PS ü.

Asnaur Magomedov (BRH)

81 Kg: Ivan Bitjakow (BVW) - 22:13 PS ü.

Daniel Lokstein (BRH)

+81Kg: Max Keller (BRH) - 32:22 PS ü. Artur

Mann (BVW)

BSK Seelze - BC Chemnitz

15:09 Z: 900

52 Kg: Ronny Beblik (BCC) - 25:17 PS ü.

Sergej Neumann (BSK)

56 Kg: Nver Chilingaryan (BSK) - 21:19 PS

ü. Roman Sharafa (BCC)

60 Kg: Suher Alshamari (BSK - 32:25:PS ü.

Hagen Worofka (BCC)

64 Kg: Angelo Welp (BSK) - 32:22 PS ü.

Chris Förster (BCC)

69 Kg: Besir Ay (BSK) - 28:18 PS ü. Jan Ualikhanov

(BCC)

75 Kg: Jacob Deines (BSK) - RSC-S. 3.R. ü.

Steven Schwan (BCC)

81 Kg: Artur Reis (BSK) - 20:10 PS ü. Philipp

Freund (BCC)

+81Kg: Ali Kiydin (BSK) - Aufg.-S. 2.R. ü.

Frank Leib (BCC)

Tabelle

1. BSK Seelze 4 54:40 8-0

2. BR Hanau 5 60:57 5-5

3. BC Chemnitz 4 45:48 4-4

4. BT Hanse Wismar 4 45:49 3-5

5. BV Weimar 5 54:64 2-8

Die nächsten Kämpfe:

02.03.2013 BC Chemnitz - BSK Seelze

16.03.2013 BT Hanse Wismar - BR Hanau

(Dorf Mecklenburg)

23.03.2013 BC Chemnitz - BT Hanse Wismar

06.04.2013 BR Hanau – BSK Seelze

06.04.2013 BT Hanse Wismar – BV Weimar

20.04.2013 BR Hanau – BC Chemnitz

20.04.2013 BSK Seelze – BT Hanse Wismar

im Seelzer Liga-Team, glich gegen

Sharafa Raman aus. Und das Seelzer

Eigengewächs Suher Alshamari

(bis 60 kg) brachte den Tabellenführer

mit seinem Punktsieg über

Hagen Worofka in Führung. Den

nächsten Zähler für den BSK holte

der amtierende Deutsche Vizemeister

Angelo Welp (bis 64 kg) gegen

Chris Förster. Besir Ay konnte mit

einer starken

Leistung Jan

Ualikhanov in

einem von Anfang

an temporeichen

Kampf

deutlich nach

Punkten schlagen.

Der erste

vorzeitige Sieg

des Abends

gelang Jakob

Deines (bis 75

kg) gegen den

Halbschwergewichtler Arthur Reis (links)

holte für Seelze zwei Punkte gegen Philipp

Freund

mehrfachen Deutschen Jugendmeister

Steven Schwan. Nachdem

Schwan in der dritten Runde dreimal

angezählt werden und einen

Niederschlag hinnehmen musste,

brach der Ringrichter den Kampf

ab. Damit hatten die Gastgeber bereits

den Gesamtsieg sicher.

In der Gewichtsklasse bis 81

kg beherrschte Seelzes Arthur

Reis seinen Gegner Philipp Freund

aus der Distanz und konnte einen

ungefährdeten Punktsieg für sein

Team holen. Im letzten Kampf des

Der Seelzer Besir Ay

(rechts) siegte deutlich

nach Punkten über

den Chemnitzer Jan

Ualikhanov

Abends setzte der „Seelzer Tyson“

Ali Kiydin den Chemnitzer Frank

Leib von Anfang an derart unter

Druck, dass die gegnerische Ecke

bereits nach der ersten Runde das

Handtuch warf.

„Der Abend war phantastisch!

Es ist alles besser gelaufen, als ich

gehofft habe!“ freute sich Arthur

Mattheis, Trainer und Vorsitzender

des BSK.

Nicht nur

zu Hause sind

die Seelzer eine

Macht – auch

auswärts sind sie

nicht zu schlagen.

Beim Boxteam

Hanse Wismar

siegten die Niedersachsen

am

Kampftag zuvor

trotz schwachen

Starts dank eines

Endspurts. Erst Arthur Reis (bis 81

kg) stellte mit seinem hauchdünnen

Punktsieg über Tony Witzke

den Seelzer Sieg her.

„Das war wie eine Erlösung!

Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen!“

freute sich Mattheis. 13:10

siegte der Ligaprimus letztlich –

denn auch Schwergewichtler Ali

Kiydin war im letzten Kampf auch

vom früheren deutschen Jugend-

Meister Albon Pervicaj nicht zu

schlagen und siegte ungefährdet

nach Punkten.

54BoxSport


Schwergewichtler Max Keller siegte für Hanau sowohl in Chemnitz als auch in

Wismar – sehr zur Freude seiner Trainer René Weller (rechts) und Carlo Pagana

Hanau: Betrug

in Chemnitz –

aber Glück

in Wismar

Glück und Pech lagen für

die Hanauer Zweitligaboxer

ganz dicht beieinander.

Zunächst fühlten

sich die Hessen in Chemnitz

um zumindest ein Unentschieden

betrogen und der Hanauer

Präsident Ulrich Bittner witterte

eine Verschwörung. Dann siegte

der Boxring Hanau ganz knapp

in Weimar – weil die Thüringer

eine Gewichtsklasse nicht besetzen

konnten. Des einen Leid

ist des anderen Freud – Hanau

wahrt somit nach der Niederlage

in Chemnitz noch die Chance

auf den heißersehnten Aufstieg

in die Erste Bundesliga.

Vier der acht Gewichtsklassen

entschied der BV Weimar

gegen Hanau für sich – im

Halbweltergewicht konnten die

Thüringer allerdings keinen

Kämpfer aufbieten. Weil sie damit

auch den Antrittspunkt vergaben,

siegten die Hessen ganz

knapp mit 12:11. Ilja Fiberg hatte

nach dem Abschlusstraining der

Weimarer Boxer zwei Tage vor

seinem Kampf noch in Erfurt

Fußball gespielt und sich dabei

einen Meniskus-Abriss zugezogen.

BVW-Cheftrainer Thomas

Elke konnte so schnell keinen

Ersatz mehr auftreiben. Die Hanauer

Boxer um Trainer

René Weller konnten die

Heimreise mit ihren zahlreichen

Fans als Sieger

antreten. Rund 150 waren

mit nach Thüringen gereist

und sorgten für eine

Rekord-Zuschauerkulisse

in Weimar.

Nach Chemnitz waren

sogar 400 Hanauer

Box-Fans im Sonderzug

angereist (siehe nebenstehenden

Bericht). Sie

erlebten allerdings eine

ganz knappe 11:12-Niederlage

ihrer Mannschaft

und einen vor Wut tobenden

Präsidenten. „Ich frage

mich, wer verhindern

will, dass der Boxring in die

erste Liga kommt“, sagte Ulrich

Bittner, der beim Deutschen

Boxsport-Verband (DBV) Protest

gegen die Kampfwertung

einlegte. Was den umtriebigen

Präsidenten erzürnt hatte: Beim

Probewiegen war Hanaus Boxer

Yasim Ögul komfortabel unter

dem Halbschwergewichts-Limit

geblieben. Beim offiziellen Wie-

Freifahrt im

Partywagen

Am Sonntag um 3.33

Uhr ist der Ausgangspunkt

Hanau

erreicht. 3.33 Uhr,

eine Schnapszahl. War es auch

eine Schnapsidee, rund 15

Stunden Bahnfahrt für zwei

Stunden Boxen in Kauf zu nehmen?

Es war halt ein Sonderangebot,

das der Boxring Hanau

09 da offeriert hatte: Freifahrt

im Nostalgie-Sonderzug zum

Auswärtskampf der zweiten

Bundesliga nach Chemnitz,

inklusive Partywagen. „Gesellschaftswagen“

hieß der

früher. So steht es immer noch

auf einem von insgesamt neun

Waggons mit einer Elektrolok

vorneweg. 35 Jahre alt ist das

rollende Modell, die meisten

der gut zweihundert Mitfahrer

sind jünger. Ein paar Oldies

haben sich auch eingefunden,

die einst schon am Südbahnhof

oder der Sporthalle Süd

dabei waren, wenn die Staffel

des CSC Frankfurt für Furore

sorgte. Vorneweg Horst Gauß,

einst Aktiver, Manager und

Präsident des CSC, der es bis

zum deutschen Mannschaftsmeistertitel

brachte.

gen eine halbe Stunde später

brachte er auf der selben Waage

150 Gramm zu viel. „Wir wollten

diesen Wert kontrollieren,

aber man hat uns nicht an die

Waage gelassen“, erzählt Bittner.

Weil zudem Öguls ärztliche

Jahresuntersuchung vom

Kampfgericht nicht akzeptiert

Ein paar Busse für die Fans

hätten es auch getan – ohne

den Effekt des Besonderen. Die

Kosten? „Über Geld redet man

nicht“, entgegnet Hanaus Präsident

Ulrich Bittner und lässt

dann doch noch die Katze aus

dem Sack: Der Preis von rund

8000 Euro für den Sonderzug

habe 20 Prozent über der Kalkulation

für eine konventionelle

Bustour gelegen. Der Preis

für ein Stück Exklusivität, dass

die Konkurrenz nicht zu bieten

hat .

Einem geschenkten Gaul

schaut man nicht ins Maul.

Vielleicht maulte deshalb niemand

im Zug, dass die vorab

versprochene Prominenz dann

doch nicht unter den Mitfahrern

war. Der ehemalige Profi-

Europameister René Weller,

als Trainer mit im Tross des

Hanauer Boxrings, war ebenso

wie die Boxer schon am Freitag

in Chemnitz aufgekreuzt. Und

der angekündigte „Mr. Fallrückzieher“

Klaus Fischer war

daheim geblieben. Der Fan, so

der Eindruck, ist sich selbst

genug, wenn er eine Reise á la

Kaffeefahrt macht.

400 der 780 Zuschauer in Chemnitz reisten mit dem Sonderzug aus Hanau an

wurde, durfte Ögul gar nicht erst

nicht antreten. Sein verhinderter

Kampf wurde mit 0:2 gewertet,

der Antrittspunkt fehlte Hanau in

der Gesamtabrechnung zum Unentschieden.

Da nutzte auch der

abschließende Sieg von Schwergewichtler

Max Keller über Erik

Thalheim nichts mehr.

BoxSport 55


Ulrich Bittner

Ein Hans-Dam

Bei seinen Events gibt es Büffet, Musik

Ulrich Bittner,

Präsident des

Boxring Hanau

Auch Uli

Hoeneß hat am 5. Januar

Geburtstag. Ulrich

Bittner verweist

genüsslich auf diese Gemeinsamkeit

mit dem Macher vom

FC Bayern München. Steinbock

Bittner ist jener Mann, der dabei

ist, mit dem Boxring Hanau

09 die Box-Bundesliga zu rocken.

Mit diesem 2009 reaktivierten

Klub kam der Präsident

in der ersten Zweitliga-Saison

2011/2012 praktisch aus dem

Nichts auf Rang sechs. „Ein ordentlicher

Start“, sagt der Chef

rückblickend. Wenn es diese

Saison mit dem Aufstieg noch

nicht klappen sollte, will er spätestens

im dritten Anlauf hoch in

Liga eins.

„Den Boxsport salonfähig

machen, gegen Gewalt anboxen,

Integration durch Sport“,

sind jene Schlagworte, mit denen

Bittner zu punkten gedenkt.

Sobald er redet, betreibt er Öffentlichkeitsarbeit.

Auf seiner

Homepage bezeichnet er sich

als „Rhetorik-Profi“. Der 54-Jährige

ist ein Typ, dem die Ideen

nicht ausgehen. Ein impulsiver

und engagierter Leitwolf, der

es gewohnt ist, ehrgeizige Ziele

zu realisieren, Widerstände zu

überwinden.

Bittner ist ein Seiteneinsteiger,

wenn es um den Faustkampf

Boxen geht. Radiojournalist war

sein Traumberuf, Diplom-Ingenieur

ist er geworden. Der Senior

hatte ein Baugeschäft, der Sohn

ist in seine Fußstapfen getreten.

Die Firma „Steinhart & Bittner“

wirbt mit dem Slogan „Planen

+ Bauen = Vertrauen“. Solange

seine Frau ja zum Engagement

sage, es gesundheitlich und wirtschaftlich

vertretbar sei, will Ulrich

Bittner mit Zeit und Geld

Flagge für den Boxsport zeigen.

Dabei hat er noch vor wenigen

Jahren nicht im entferntesten

daran gedacht, den Auftritt in

der Liga anzupeilen. Er hielt es

mit dem Fußball, machte auch

den Ski-Übungsleiterschein und

entdeckte als Lehrbeauftragter

den Sport als Mittel zum Zweck:

Als es nämlich darum ging, 16

bis 21 Jahre alte Jugendliche für

berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen

zu gewinnen.

Aus sozialen Brennpunkten

in Hanau kommend, klappte

der von Bittner vorgeschlagene

Ulrich Bittner mit dem

Hanauer Oberbürgermeister

Claus Kaminsky und Trainer

René Weller (von rechts)

Kompromiss: Wenn ich auf eure

Wünsche eingehe, geht ihr im

Gegenzug auf meine ein. Bittner

ermöglichte Boxen und Fußball

als Kür neben der Pflicht, dem

Erlernen von handwerklichen

Fähigkeiten, der deutschen Sprache

und Rechnen mit dem Ziel

Hauptschulabschluss.

Weil Klappern bei Bittner

schon von jeher zum Handwerk

gehörte, sprach sich die Box-

Initiative herum. Schließlich gewann

der Hanauer Oberbürgermeister

Claus Kaminsky Bittner

für die Idee, beim alljährlichen

Bürgerfest die Fäuste im Festzelt

sprechen zu lassen. „Gerne“, so

Bittners Antwort, aber es sollte

ansehnlich sein, Boxen für Fortgeschrittene

halt, mit Könnern

wie René Weller und Christian

Rostek auf der Bühne. Beim

nächsten Bürgerfest präsentierte

Bittner Amateur-Weltmeister

Jack Culcay als Attraktion. Und

plötzlich war da die Idee, Nägel

mit Köpfen zu machen, Hanau

als Hort für das Boxen zu etablieren

so wie einst, als der Lokalmatador

„Muffel Mück“ hieß,

Senior Bittner mit Sohn Ulrich

unter den Zuschauern war.

Zwei Tage vor Ende der Meldefrist

meldete Ulrich Bittner

eine Staffel für die Zweite Bundesliga.

Ohne ein Fundament

an eigenen Athleten, ohne eine

klubeigene Trainingsstätte und

mit, wie Bittner es nennt, „gemieteten

Boxern“ von anderen

Klubs. Bis Mitte dieses Jahres

soll ein geeignetes „Wohnzimmer“

in einer jetzt noch leerstehenden

Halle eingerichtet sein.

Es gebe eine Liste von Kindern

und Senioren (Stichwort Managerboxen),

die nur darauf

warteten, sich an Sandsack und

Boxbirne abarbeiten zu können.

Und irgendwann soll es, so Bittner,

„einen richtigen Hanauer

Bub geben, der als Identifikationsfigur

taugt“. Im Ansatz sei es

Max Keller, das Schwergewicht

der Staffel, heute schon.

Gerade für die jungen Leute,

die Bittner nach wie vor im

Visier hat, wenn es, wie es im

Vereinslogo heißt, um die Initiative

„Gegen Gewalt anboxen“

und „Integration durch Sport“

geht. Bittner schwärmt vom

Teamgeist der an Kampftagen

aus allen Himmelsrichtungen

anreisenden Athleten. Bittner

ist derjenige, der sie unmittelbar

vor dem Gang in den Ring

einschwört, anfeuert, fordert.

Aus dem Stand erfolgreich in der Zweiten Bundesliga:

Die Hanauer Boxstaffel


Der Mann, der die 2. Bundesliga rockt

Hanaus Gassen

und Show als Zutaten – Zusammenarbeit mit den Wikingern

Paradiesvögel: Ulrich Bittner (links) mit

Bundestrainer Valentin Silaghi, dem Chefcoach

der German Eagles

Mit

Winne

Spiering,

dem Chef der

Berliner Wikinger,

will Bittner künftig kooperieren

Trainer Carlo Pagana ist dagegen

vergleichsweise introvertiert.

Erst recht René Weller. Den ehemaligen

deutschen Serienmeister

bei den Amateuren und Europa-Champion

der Profis hat Bittner

werbewirksam mit Beginn

der Saison verpflichtet. Im März

wird Weller den Lehrgang für die

Erlangung der C-Trainer-Lizenz

erworben haben, wird dann fortan

näher am Wettkampfgeschehen

sein als es bislang die Statuten

des DBV erlaubten. Und es

gibt noch einen Profi, mit dem

Bittner keine Berührungsängste

hat: Promoter Winfried Spiering

vom Wiking Boxteam. Mit ihm

ist vereinbart, „sich gegenseitig

zu helfen“. Talente etwa aus

Polen und Litauen, die von einer

Profikarriere träumen, könnten

bei Einsätzen für den Boxring

Hanau ihre Eignung für höhere

Weihen beweisen; oder auch

nicht.

Bittner fällt immer wieder

Neues ein. Etwa die Idee, Paten

für seine Boxer zu gewinnen,

die sich die Werbung am Mann

Runde um Runde etwas kosten

lassen. Bittner ist frei von Illusionen,

wenn es um die Frage

geht, wann die Kosten für die Liga

durch Eintrittsgelder gedeckt

seien. „Nie“, kommt die Antwort,

ohne groß zu überlegen.

Der Macher von Hanau setzt auf

den „Karussell-Effekt“. Er rührt

unablässig die Werbetrommel,

schafft durch Freikarten, Zutaten

wie Büffet, Musik und Show

Ulrich Bittner hält Hof in Chemnitz, Reiseleiter und Frankfurter

Box-Urgestein Horst Gauß, Autor Hans-Joachim Leyenberg und

Trainer René Weller lauschen andächtig (von rechts)

für die ganze Familie bis hin zur

Freifahrt mit dem Sonderzug

von Hanau nach Chemnitz und

zurück eine Nachfrage, die es

sonst gar nicht gäbe. Immer in

der Hoffnung, dass nach Sponsoren

auch das Fernsehen anbeißt.

Der Sport dient ihm auch

für das eigene Bauunternehmen

als Werbeplattform, so ehrlich

ist er. In der Zweitklassigkeit hat

Ulrich Bittner das olympische

Boxen ins gleißende Rampenlicht

geholt. Mancher mag sich

geblendet fühlen, ihn gar für einen

Blender halten. „Das letzte

Wort ist noch nicht gesprochen“,

pflegt der Macher zu sagen,

wenn es um den Aufstieg geht.

Zum letzten Kampftag hat der

Macher über 3000 Zuschauer in

die Halle gelockt. Das soll ihm

erst mal jemand nachmachen.

HANS-JOACHIM LEYENBERG

BoxSport 57


Treffen der Welt-Spitzenklasse in Halle

Beim Chemiepokal geht’s

um die Tickets für die EM

19 Nationen am Start – DBV mit 19 Boxern dabei

Mit China, Mongolei

und Kasachstan (Asien),

Russland, Ukraine,

England, Frankreich

und Italien (Europa) sowie

dem südamerikanischen Brasilien

sind diesmal führende Boxnationen

aus drei Kontinenten

beim Chemiepokal in Halle an

der Saale zu Gast. Dies beweist

erneut eindrucksvoll, dass der

Chemiepokal das einzige Turnier

des olympischen Boxens von

Weltrang auf deutschem Boden

ist. 1970 erstmals ausgetragen,

geht das international renommierte

Turnier 2013 in die 40.

Auflage. Und verspicht erneut

absolutes Weltklasseboxen.

Vom 5. bis 9. März 2013 heißt

es im Maritim-Hotel Halle „Ring

frei“. Einschließlich des deutschen

Aufgebots treten rund 105

Boxer aus insgesamt 19 Nationen

in zehn Gewichtsklassen an und

kämpfen um die begehrten Medaillen.

Es geht um die Tickets

zur Europameisterschaft im Mai

in Minsk (Weißrussland).

19 Athleten schickt der Deutsche

Boxsport-Verband (DBV) in

den Ring. Darunter sind Deutsche

Meister wie Denis Makarov

und Eugen Schellenberg, aber

in der Männerklasse auch noch

unbeschriebene Blätter wie die

junge Halbfliege Dejan Cajic

(Champ Boxing Ravensburg)

aus Baden-Württemberg. Mit

Ausnahme des Fliegengewichts,

wo Ronny Beblik zurzeit alternativlos

ist, wurden die zehn

Gewichtsklassen doppelt besetzt.

„Der jeweils beste DBV-Athlet

wird für die EM nominiert“,

erklärt Cheftrainer Dr. Michael

Bastian. Für die WM im Oktober

in Astana (Kasachstan) sollen

die Karten bei der DM Ende August

grundsätzlich neu gemischt

werden. Dann können sich auch

Leute wie Hamza Touba, Artur

Bril und Denis Radovan empfehlen,

die jetzt für ihre Abiturprüfungen

freigestellt wurden und

deshalb in Halle nicht dabei sind.

Der superschere WM-Dritte Erik

Pfeifer muss verletzungsbedingt

passen. Statt seiner wurde der

Sachse Philip Gruner neben Florian

Schulz aus Mecklenburg-

Vorpommern nominiert. Fragezeichen

stehen noch hinter den

Einsätzen von Arayk Marutyan

und Kevin Künzel, die noch

Denis Makarov marschiert in das Maritim-Hotel

Halle ein: Im vergangenen Jahr gewann der

deutsche Bantamgewichtler den Chemiepokal

an Verletzungsfolgen laborieren.

In deren Limits stehen mit

Wolfsburgs Olympiateilnehmer

Patrick Wojcicki sowie Serge

Michel, dem bayerischen Halbschweren

aus dem deutschen

Weltligateam der German Eagles,

starke Leute bereit.

„Aus diesen Gründen wollen

wir einige junge Leute ausprobieren,

die so eine Chance bekommen,

sich zu empfehlen“, sagt

Bastian. Dazu zählen etwa der

Ludwigsburger Mittelgewichtler

Xhek Paskali, der 21-jährige

Deutsche Vizemeister und Weltligakämpfer

der German Eagles.

Zu Beginn des neuen Olympiazyklus‘

könne man Experimente

wagen und die ein oder andere

Verletzung verschmerzen,

was beispielsweise 2015, also

im Jahr vor den Spielen in Rio,

ein schwerwiegendes Problem

darstellen könnte. Wer beim verbandsinternen

Vergleich in Halle

unterliegt, also zur „zweiten

Reihe“ zählt, der fährt im Mai

statt zur EM zu einem Länderkampf

nach Irland, um sich dort

zu bewähren.

Ehrenvoller ist natürlich der

Triumph in Halle an der Saale,

auch wenn dort längst nicht

mehr die Resonanz wie noch zu

DDR-Zeiten erreicht wird: Am 5.

August 1970 fanden die ersten

Boxkämpfe um den Chemiepokal

vor 12.000 Zuschauern

in der halleschen Eissporthalle

statt. „Seitdem“, so heißt es auf

der Internetseite der Stadt Halle,

„ist der Chemiepokal nicht nur

ein fester Bestandteil des internationalen

Amateurboxsportes,

sondern auch das einzige Boxturnier

der Welt, welches – mit

kurzen Unterbrechungen – über

einen Zeitraum von mehr als 30

Jahren fortgeführt wurde“.

Während dieser Zeit konnte

eine Vielzahl von nationalen

und internationalen Boxgrößen

wie Manfred Wolke, Torsten

May, Dariusz Michalczewski

und natürlich auch der fünfmalige

Chemiepokal-Sieger Henry

Maske das Traditionsturnier als

Marke prägen. Der Name der

Boxveranstaltung rührt von der

engen Bindung zur Region her:

In einer Gegend, die stark von

der Chemie geprägt war, lag es

nahe, den Namen danach zu

wählen.

Peter Jaschke

58BoxSport


Sensationelle Wende nach 51 Jahren

Wu: Kuba-

Boxer bald

AIBA-Präsident Ching-kuo Wu reiste nach Kuba, um für

seine großen Pläne zu werben

Aus Kuba kommen einige der besten

Boxer der Welt – und doch ist

Kuba eines der wenigen Länder,

in denen Profiboxen verboten

ist. Nun könnte der seit mehr als 50 Jahren

bestehende Box-Bann aufgehoben werden.

Es wäre eine Entscheidung von historischer

Bedeutung. Ching-kuo Wu, der Präsident

des Internationalen Amateurbox-Verbandes

AIBA, reiste gerade nach Kuba, um für seine

Idee vom Profiboxen unter dem Dach des

Amateur-Verbandes zu werben. Wu traf dort

gemeinsam mit Vertretern der World Series

of Boxing und der neu gegründeten AIBA Pro

Boxing mit Kubas Sportminister und dem

Präsidenten des nationalen Box-Verbandes

zusammen.

„Ich kann nichts Definitives verkünden“,

sagte Wu dem olympischen Branchendienst

„Insidethegames“. „Aber unser Treffen verlief

gut und ich glaube, dass wir nah an einem

Deal sind. Kuba müsste seine Gesetze

ändern, aber ich denke, sie haben wirklich

Interesse.“ Schließlich würde Kuba, das dreimalige

Olympiasieger wie Teofilo Stevenson

und Felix Savon hervorbrachte, sich nicht

generell dem Berufsboxen öffnen – sondern

lediglich der Teilnahme an der World Series

und der AIBA Pro Boxing. Wu will künftig die

besten Amateurboxer zu Profis machen und

für jeweils 25.000 Dollar pro Kampf gegeneinander

antreten lassen. Diese Boxer verlieren

trotz ihres Lagerwechsels nicht die Startgenehmigung

bei den Olympischen Spielen.

Im November startet die vierte Saison der

World Series – dann sollen die Kubaner mit

einem eigenen Team an den Start gehen. De

besten Athleten, wie die Olympiasieger von

London Robeisy Ramirez (Fliegengewicht)

und Rosniel Iglesias (Halbweltergeicht) sollen

zudem vom Herbst an auch als Profis für

Bares zuschlagen.

„Das war meine dritte Reise nach Kuba“,

erzählte der frühere Basketballspieler Wu,

„aber die erste, während der ich das Thema

AIBA-Profis

Rosniel Iglesias gewann für Kuba Gold bei den

Olympischen von London im Halbweltergewicht

offen angesprochen habe und mir die Fragen

und Sorgen der Kubaner angehört habe. Ich

habe ihnen alles dargelegt und ich denke, sie

haben verstanden. Das waren sehr gute Gespräche.“

Schließlich, behauptet Wu, habe

Fliegengewichtler Robeisy Ramirez gewann in London

Gold im Fliegengewicht und gilt als Ausnahmetalent

er als Ziel die Verlängerung der Sportlerkarrieren

im Sinn und nicht das große Geld. „Die

Kubaner, die sehr, sehr viele Boxer haben,

hatten früher als Möglichkeit die Teilnahme

an Weltmeisterschaften und an Olympischen

Spielen. Jetzt gibt es mit der World Series

und dem AIBA Pro Boxing zwei Möglichkeiten

mehr.“ Der 65 Jahre alte Architekt Wu

hat extra das Alterslimit für Amateurboxer

angehoben – nun können sie bis zu ihrem

40. Lebensjahr boxen und nicht mehr nur

bis zum 36. Wu macht keinen Hehl daraus,

dass die Kuba-Stars seine neuen Serien aufwerten

würden. Wu: „Es wäre sehr wichtig,

wenn die Kubaner mit ihrer großen Traditon

und mit ihren großen Erfolgen teilnehmen

würden.“

Seit 1962 ist Profiboxen auf Kuba verboten.

Mit seinen Staatsamateuren gewann der

Inselstaat bislang 67 Medaillen bei olympischen

Spielen, darunter 34 goldene. Lediglich

die US-Amerikaner waren erfolgreicher.

ARNE LEYENBERG

BoxSport 59


ALLE KÄMPFE -- alle sieger -- ALLE

BAYERN

Frankenmeisterschaften in Stein

Schüler, Halbfinale, Pap. 36: Movsisyan

Waliko (1. FC Nürnberg) PS

über Nudinov (Schwabach), Schäfer

(Schwabach) PS über Rudi (Weißenburg);

Finale, Pap. 36: Movsisyan

Waliko (BC 1. FCN) PS über

Schäfer (Schwabach); B: Movsisyan

Arman (BC 1. FCN) PS über Rott

(Schwabach); Junioren, Halbfinale,

M: Merkenthaler (Stein) PS über

Walter (K1 Nürnberg); Finale, Pap.

44: Yanin (Eichstätt) PS über Brabander

Sergej (Kulmbach); F (weibl):

Menzel (Eichstätt) PS über Albrecht

(Weißenburg); L: Root (Windsheim)

PS über Meitz (Kulmbach); M:

Merkenthaler (Stein) PS über Fasilov

(Kumbach); HS: Jakob (Kickers

Würzburg) PS über Mattmüller (Gunzenhausen);

Jugend, Finale, L:

Secking (K1 N) w.o. über Pepic (K1

N); W: Dadaev Samil (Tommy Würzburg)

PS über Bryskin (BC 1. FCN);

Männer/Frauen, Viertelfinale, M:

Maier (Kulmbach) RSC-S.3.R. über

Büchner (Windsheim); Halbfinale,

W (B): Kosirew (Feuchtwangen) PS

über Spitzbart (Stein); M (B): Mansouri

(BC 1. FCN) PS über Kohlbeck

(Weißenburg); M: Dadaev Zelimhan

(Kickers Würzburg) PS über

Matjasch-Vlasenko (Schwabach);

M: Arsumanjan Marten (Stein) PS

über Büchner (Windsheim); HS: Arsumanjan

Sascha (Stein) PS über

Sengül (Eichstätt); S: Lehnis (Weißenburg)

PS über Hartbauer (Tommy);

Finale, L (weibl.): Coussens

(Windsheim) PS über Stückel (K1 N);

L: Geier (Windsheim) PS über Zeneli

(BC 1. FCN); W: Eckert (Stein) PS

über Owuso (Weißenburg); W (B):

Kosirew (Feuchtwangen) PS über

Waigand (Windsheim); M: Arsumanjan

Marten (Stein) PS über Dadaev

Zelimhan (Kickers Würzburg); M (B):

Mansouri (BC 1. FCN) Disq.-S.2.R.

über Radkov (Windsheim); HS: Arsumanjan

Sascha (Stein) PS über

Naftolin (Eichstätt); S: Lehnis (Weißenburg)

PS über Zehl (Obernburg);

S (B): Rasev (Kickers Würzburg)

Disq.-S.2.R. über Faroslav (Feuchtwangen);

SSchwer: Angles (Marktredwitz)

Disq.-S.2.R. über Rosenfeld

(K1 N).

Nachwuchsveranstaltung

des BC Weiding

Schüler, Pap. 30: Kiseler (Landau)

PS über Gert (Pocking); Pap. 46:

Habler Samuel (Cham) PS über

Movsisyan (BC 1. FCN); HFl: Derheim

(Windsheim) PS über Öztürk

(Amberg); F: Wagner (Boxfit Regensburg)

PS über Malterer (Straubing);

Kadetten,

Pap. 40: Schefer (Burglengenfeld)

PS über Yildrim (Boxfit); Pap. 44:

Herdt (Pocking) PS über Murselji

(Landshut); HFl: Schrot (Altötting)

PS über Grübl (Ruderting); Junioren,

Pap. 44: Ziegleder (Kirchseeon)

PS über Roßgoderer (Ruderting);

HFl: Schönfeld (Amberg)

Aufg.-S.1.R. über Kurz (Wallersdorf);

F: Root (Windsheim) PS über

Habler Raffael (Cham); F: Jäger

(Pfarrkirchen) PS über Elmursajev

(Simbach); L: Pepic (K1 FCN) PS

über Scherer (Burglengenfeld) W:

Walter (K1 FCN) PS über Ehsani

(Amberg); M: Ziegler (Sulzbach) PS

über Reyes (BC 1. FCN); HS: Hildebrand

(Wallersdorf) PS über Wölfling

(Windsheim); Jugend, B (weibl.):

Eller (Boxfit) Aufg.-S.1.R. über Zaikin

(Weiden); M: Schlögl (Weiching) PS

über Stal (Wallersdorf); M: Merzlyakov

(Amberg) PS über Vascenko

(Landau); M: Dülger (BC 1. FCN)

Aufg.-S.3.R. über Ortmeier (Wallersdorf);

Männer, L: Aliev (Weiden) PS

über Zeneli (BC 1. FCN); M: Minarik

(Weiding) PS über Rodkov (Windsheim);

M: Lanzl (Boxfit) RSC-S.3.R.

über Vondrovic ( (Domazlice); M:

Zyka (Domazlice) Aufg.-S.1.R. über

Steinwagner (Schwandorf); HS:

Terzic (BC 1. FCN) PS über Wagner

(Ruderting); HS: Gömmel (K1 FCN)

PS über Eder (Pfarrkirchen); S: Angles

Sven (Marktredwitz) PS über

Maudodi (Haar); SSchwer: Laumer

(Straubing) Aufg.-S.2.R. über Rosenfeld

(K1 FCN); SSchwer: Mukhachov

(Burglengenfeld) PS über

Darnisch (Simbach).

BERLIN

Boxmeeting des Spandauer BC 26

Sch 36 kg: Selim Tungaev (BTSC)

PS über Nabil Steimn (BC Fürstenwalde);

Kad.44kg: Magomed

Abdurachmanov (BTSC) PS über

Mohamed El-Mohamed (NSF); 50

kg: Can Karantur (Isigym) PS über

Kaan Adogdu (Tennis-Borussia); 52

kg: Jihad El-Moussa (Olympia 75)

PS über Oliver Stein (BC Fürstenwalde);

60 kg: Omar Riedel (Olympia

75) PS über Jeremy Gokowiak (BC

Fürstenwalde); Jun. 54 kg: Alen Rahimic

(Olympia 75) unentschieden

gegen Kamel El-Mahmoud (ZTennis-Borussia);

75 kg: Melvin Kahramanovic

(NSF) PS über Philipp

Kleemann (BC Fürstenwalde); 60 kg:

Orkan Kurt (VSB 24) 2:1 PS über Ahmed

Charour (Viktoria 71); Jug. 60

kg: Farid El-Nasser (NSF) PS über

Suleiman Faustok (Tennis-Borussia);

66 kg: Fayes Rabieh (Eintracht)

PS über Konstantin Ravitch (BC

Fürstenwalde); 66 kg: Dokka Mantaev

(Tennis-Borussia) RSC-Sieger

3.R. über Ewald Oks (BFC 80);

91 kg: Ilker Karaca (Spandauer BC

26) unentscheiden gegen Mousa

Riedel (Olympia 75); Elite 64 kg:

Mehmet Hatipoglu (Tennis-Borussia)

PS über Ahmad Miri (NSF); 69

kg. Mike Jäde (Viktoria 71) PS über

Firat Tekin (Spandauer BC); 75 kg:

Serkan Kaya (Olympia 75) RSC-Sieger

2. Rd. über Erik Schäfer (BC Fürstenwalde);

75 kg: Khalid Mamoud

(Chikara)PS über Yasin El-Katib (Isigym);

75 kg: Daniel Regner (Spandauer

BC) PS über Steffan Weiß

(Eintracht); 81 kg: Josef Attanjaoui

(Reinickendorf 03) PS über Mateusz

Okbi (Isigym); 91 kg: Yasim Rammo

(Eintracht) RSC-Sieger 2. R. über

Maxim Schmitt (GMV); +91 kg: Peter

Waitschies RSC-Sieger 1.R. über

Eicke Lamprecht (SBC 26).

NORDRHEIN-WESTFALEN

Offene internationale

Nordrheinmeisterschaft

in Mülheim

Finale, Sch. 30Kg, Lewinski, Denis,

BT Duisburg, PS über Skara, Nikola,

K-Lintfort; Sch. 36Kg, Demetro, Nico,

Bottrop, PS über Dabanli, Olcay, BT

Duisburg; Jun. 66Kg, Zeneli, Muh.,

Homberg, PS über Serhan, Ibrahim,

Rheinkamp; Jun. 66Kg, Kaz,

Mehmet, Bottrop, Aufg. 3 über Kezer,

Serhat, Bocholt; Jug. 60 Kg, Aktas-

Beier, H., Dümpten , PS über Yassin,

Amir, Kempen; Jug. 64Kg, Klinaku,

Liridon, Selhof-Honn., PS über

Aybay, Sahan, Oberhausen; Jug.

69Kg, Malutedie, Tom, Oberhausen,

RSC über Yigit, Furgan, Dümpten;

Mä. 60Kg, Meier, Jürgen, Dümpten,

PS über Lösche, Marvin, Oberhausen;

Mä. 64Kg, Fischer, Kai, Homberg,

PS über Usulu, Sinan, Oberhausen;

Mä. 69Kg, Baraou, Abass,

Oberhausen, RSC 3 über Sayman,

Hakan, Wesel; Mä. 75Kg, van Sluit,

Evert, Apeldoorn, PS über Yesilyurt,

Abd., Meiderich; Mä. 81Kg, Kortak,

Hammet, Dümpten, PS über Hepp,

Alexander, Dümpten; Mä. 91Kg, Ammura,

Florian, Hamm, RSC 2 über

Nasef, Mähdi, Kempen; Mä. 91+Kg,

Thielen, Paul, Dümpten, PS über

Yesilova, Ahmet, Homberg.

Frauen, Kad. 51Kg, Hatari, Michele,

Dümpten, PS über Schiewitz, Marie,

Kamp-Lintfort; Jun. 60Kg , Birardi,

Antonia, Alzey, PS über Pawletko,

Natalie, Wesel

Offene internationale

Nordrheinmeisterschaft

in Duisburg

Halbfinale, 38 Kg Sch. Dogukam

Yigit, Duisburg, PS über Juri Uschakov,

Bottrop; 50 Kg Kad. Stefan Antonio,

Duisburg, PS über Christian

Stang, Hamm; 69 Kg Jug. Tom Malutedi,

Oberhausen, PS über Walat

Taylan, Münster; 64 Kg Män. Kai

Fischer, Duisburg, PS über Cihan

Zor, Lüdenscheid; 69 Kg Män. Al Magahamseh,

Münster PS über Abdel

Mechbal, Lüdenscheid; 81 Kg Män.

Sorinel Gavrilla, Münster, PS über

Mohammed Kortak, Mülheim; 63 Kg,

Jun. Alexander Kupreenko, Bottrop,

PS über Stefan Djocic, Appeldorn ,

NL; 50 Kg Jun. Konstantin Hellwich,

Düsseldorf, PS über Serhat Parlach,

Duisburg; 60 Kg Fr. Nicole Bauer,

Solingen, PS über Yasmin Kujath,

Kamp-Lintfort; 75 Kg Män. Evert van

Sluis, Appeldorn, NL, KO 2 Rd. über

Martin Kuschnereit, Duisburg; 81 Kg,

Män. Alexander Hepp, Mülheim, PS

über Simon Akkanen, Solingen.

Offene internationale

Nordrheinmeisterschaft in Wesel

Vorrunde, Sch. 36Kg, Demetro,

Nico, Bottrop, Aufg. Sieg über Konkov,

Pavel, Wesel; Sch. 42Kg, Mar,

Can, Wesel, PS über Saabo, Ayman,

Bottrop;Jun. 57Kg, Akuslug, Kaan,

BT Duisburg PS über Mullenberg,

Brandon, Apeldoorn; Jun. 57 Kg,

Kaz, Sirdar, Bottrop, PS über Nadoyan,

Artur, Dümpten; Jun. 66 Kg,

Serhan, Ibrahim, Rheinkamp, PS

über Uhlenbaum, Jan, Wesel; Jgd.

75Kg, Tazegül, Nabbi, Wesel, PS

über Uhlenbaum, T., Wesel; Jgd.

69Kg, Yigit, Furgan, Dümpten, PS

über Aydin, Tolga, Wesel; Jgd. 69Kg,

Djokic, Wouter, Apeldoorn, PS über

Korkmaz, Cem, Wesel; Mä. 56Kg,

LaCruz, Enrico, Apeldoorn, PS

über Chilingaryann, N. Alzey; Mä.

60Kg, Freidenberg, Ivan, Alzey, PS

über Malik, Yasir, Lüdenscheid; Mä.

69Kg, Sayman, Hakan, Wesel, PS

über Moukaliev, Khal., Eupen; Mä.

75Kg, Yesilyurt, Abdull., Meiderich,

PS über Pawletko, Stev., Wesel; Mä.

75Kg, Itschiev, Ibrahim, Bocholt PS

über Delrez, William, Eupen; Mä. 81

Kg, Gavrilla, Sorinel, Münster, PS

über Amura, Jamil, Hamm.

NABV-Meisterschaften Schüler,

Junioren, Jugend in Düsseldorf

Vorrunde, Jun./50Kg Hellwich,

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 20. märz 2013

60 BoxSport


KÄMPFE -- alle sieger -- ALLE KÄMPFE

BAYERN

BR Allgäu Immenstadt

n Nachwuchsveranstaltung: Samstag,

02. März 2013 – 14 Uhr; Ort:

Blaichach, Mehrzweckhalle, Grüntenstraße.

berlin

n Internationaler Vergleich Berlin-

Auswahl gegen Istanbul (Schüler,

Jugend, Elite): Samstag, 06. April

2013 – 16 Uhr; Ort: Sporthalle

Schöneberg, Am Sachsendamm.

MECKLENBURG-VORPOMMERN

PSV Stralsund

n 6. Casinoboxen: Vergleichskampf

Mecklenburg-Vorpommern

TERMINKALENDER DER AMATEURE

- Niedersachsen Samstag, 13. April

2013 – 20 Uhr; Ort: Stralsund, Spielbank,

Triebseer Damm 76.

NORDRHEIN-WESTFALEN

BR Hilden

n Vergleichskampf BR Hilden -

ABCC Apeldoorn (NL); Samstag,

02. März 2013 - 16 Uhr; Ort: Hilden,

Stadtwerke Hilden Arena, Grünstraße

4.

Düsseldorf

n Düsseldorfer Stadtmeisterschaft:

Samstag, 09. März 2013 - 16 Uhr

und Sonntag, 10. März 2013 – 11

Uhr; Ort: Düsseldorf, Boxhalle der

TuS Gerresheim, Heyestraße 61.

Konstantin, Gerreseheim PS Über

Sivathas,Suuaaresh Oberhausen;

Jug./60Kg Temur, Temur, BR Hilden

PS über Karner, Maurice Velberter

BC; Jun./60Kg Grode, Pascal,

ASV Wuppertal, PS über Imeri,

Endrit, Gerresheim; Jun./66Kg Uhlenbaum,

Jan, BC Wesel PS über

Zeneli, Muhammed ABC Homberg;

Jug./64Kg Temur, Jamal, BR

Hilden, PS über Rödenbröcker,

Hendrik, Paderborn; Jug./69Kg

Franke, Maik, ASV Wuppertal, PS

über Maluedi, Tom Oberhausen;

Jug./75Kg Tazgül, Nabi BC Wesel,

PS über Avdi, Adem, i-defense;

Jug./75Kg Ganemann, Eduard, TV

Paderborn, PS über Suleymano,

Boxring Neuss

n Cup des Boxring Neuss: Samstag,

16. März 2013 - 16 Uhr; Ort: Neuss,

Boxhalle, Frankenstraße 63.

BSU Wuppertal

n Boxveranstaltung des BSU Wuppertal:

Samstag, 27. April 2013 - 16

Uhr; Ort: Wuppertal, Sporthalle Gathe,

Gathe 6.

Saarland

BC 82 Völklingen

n Saarland-Meisterschaft, Vorrunde:

Freitag, 01. März 2013 - 20.00

Uhr; Ort: Völklingen, Heidstock,

Mehrzweckhalle

n Saarland-Meisterschaft, Finale:

Samstag, 02. März 2013 - 20.00

Uhr, Völklingen, Heidstock, Mehrzweckhalle

SÜDWEST

Frankenthal

n Junioren-Ländervergleichskampf

Deutschland – Irland: Freitag, 01.

März 2013 – 19 Uhr; Ort: Frankenthal,

Stadthalle, Stephan-Cosacchi-Platz

5.

Schriesheim

n Junioren-Ländervergleichskampf

Deutschland – Irland: Sonntag, 03.

März 2013 – 10:30 Uhr; Ort: Schriesheim,

Festzelt, 39. Box-Matinee.

Schamil, BBC; Kad/40Kg Hukic,

Dzenis, Velberter BC, Aufgabesieg

über Okkert, Kevin, Velberter BC;

Jun/54Kg Fares, Youssef, TuS Gerresheim

PS über Simsek, Mehmet,

BCC Remscheid; Jun/57Kg Nadoyan,

Artur, Mülh.-Düm Aufgabesieg

über Yolcu, Volkan, BC Geldern;

Jun/66Kg Serhan, Ibrahim, Rheinkamp

PS über Zeneli, Muhammed,

Homberg; Jug/60Kg Aksakal, Muhammed,

Bottrop, PS über Yassin,

Amir, BC Kempen; Jug/69Kg 7291

Bölükbas, Mohammed, Sportwerk

RSC über Yigit, Furgan, M-

Dümpten; Jug/75Kg Tazegül, Nabi,

BC Wesel, PS über Uhlenbaum,

Timo, BC Wesel.

Erleben Sie die 2. Bundesliga – LIVE –

Begleiten Sie unser Box-Team mit René Weller zum Aufstieg!

Spitzenbegegnung am 6. April 2013 um 19.00 Uhr in Hanau

Boxring Hanau vs. BSK Seelze

Termine Boxring Hanau:

16.3.2013 in Wismar

6.4.2013 in Hanau

Heimkampf vs. BSK Seelze

24.4.2013 in Hanau

Heimkampf vs. BC Chemnitz

Fanbus- und Kartenorganisation:

ullrichbittner@yahoo.de

Weitere Infos: www.boxringhanau.de, Tel. 0171/9272328


AUS DEN VERBÄNDEN

BAYERN

Amtliche Mitteilungen

In dem Sportgerichtsverfahren

Bayerischer Amateur-Box-

Verband, Georg-Brauchle-Ring

93, 80992 München, vertreten

durch den Präsidenten Heinz-

Günter Deuster, Antragsteller,

gegen Maleika Steven, Nürnberg,

Mitglied im BC Eichstätt,

Antragsgegner, ergeht folgende

Entscheidung: 1. Das gegen den

Antragsgegner Steven Maleika

am 18. Oktober 2011 ausgesprochene

Boxverbot wird aufgehoben.

2. Der Antragsgegner ist bei

Vorliegen aller Eventualitäten ab

sofort wieder startberechtigt. 3.

Der Antragsgegner hat die Kosten

des Verfahrens in Höhe von

40,00 € unter Vereinshaftung zu

tragen.

In dem Sportgerichtsverfahren

Bayerischer Amateur-Box-Verband,

Georg-Brauchle-Ring 93,

80992 München, vertreten durch

den Präsidenten Heinz-Günter

Deuster, Antragsteller, gegen

Kujak Romano, geb. 05.06.90,

Mitglied der Boxabteilung Kickers

Würzburg, Antragsgegner,

ergeht folgende Entscheidung:

1. Der Antragsgegner Kujak Romano

wird bis einschließlich 31.

Dezember 2013 von der Teilnahme

am Sportverkehr des BABV

und des DBV ausgesperrt. 2. Die

mit Beschluss des BABV-Rechtswarts

vom 28. Januar 2013 erteilte

Ausnahmegenehmigung

für die Teilnahme an DBV-Veranstaltungen

(Bundesligakämpfe)

wird widerrufen. 3. Der Startausweis

des Antragsgegners ist

einzuziehen und auf der BABV-

Geschäftsstelle zu verwahren.

4. Der Antragsgegner hat unter

Vereinshaftung die Kosten des

Verfahrens in Höhe von 40,00 €

zu tragen.

Günther Weil, BABV-Rechtswart

BRANDENBURG

UBV Schwedt feiert 65.

Einer der ältesten Boxvereine

des Landes Brandenburg feiert

am 25. Mai seinen 65. Gründungstag.

Der Uckermärkische

Box Verein 1948 Schwedt e.V

(UBV 48) hat aus diesem Anlass

alle „Ehemaligen“ zu einem großen

Fest eingeladen. Der UBV

brachte aus seinen Reihen zu

DDR-Zeiten Bezirks- und DDR-

Meister, sowie Spartakiade-Sieger

hervor, nach der Wende setzten

Landesmeister und Deutsche

Meister diese Erfolgsserie fort.

„Sparringskampf“ beim Ball des Sports: Darlene Jörling im Duell mit einer Dame

im Abendkleid

Seine Höhepunkte feierte der

UBV 48 in der ersten und zweiten

Bundesliga.

DBV

Junge Box-Asse beim

Ball des Sports

Auch in diesem Jahr folgte der

Deutsche Boxsport-Verband

(DBV) der Einladung der Stiftung

Deutsche Sporthilfe: Beim

Ball des Sports in den Wiesbadener

Rhein-Main-Hallen präsentierten

Deutsche Meister

wie Darlene Jörling (SV Münster)

und Kastriot Sopa (VfL

Neckargartach) sowie Waldislaw

Baryshnik, der EM-Dritte

der U17-Junioren vom KSC

Backnang, ihren Sport. Dessen

Ausübung auf Spitzenniveau

fördert die Deutsche Sporthilfe

neben der Bundeswehr. Die

Vorführungen der jungen Leistungssportler

an einer „Aktiv-

Station“ fanden Anklang bei

den rund 1600 Ballgästen aus

Sport, Politik, Musik- und

Filmbranche. Einige zogen

sich Boxhandschuhe über und

kletterten in den Ring. Das

Fazit von Organisator Roland

Kubath: „Wir erhielten von

allen Seiten viel Lob für unser

Unterhaltungsprogramm.“ Als

Trainer waren Dr. Farid Vatanparast

(Münster) und Vladimir

Pletnev (Heidelberg) dabei.

Starke Iren ein

echter Prüfstein

Darauf freuen sich alle Freunde

des Boxsports: Es kommt wieder

zu zwei attraktiven Ländervergleichskämpfen

der Junioren.

Den Nachwuchstalenten mit

dem Bundesadler auf der Trikotbrust

steht mit den irischen

Olympiahoffnungen von morgen

eine echte Prüfung bevor. Diese

Jungs sind für ihren physisch

robusten Kampfstil bekannt.

Am Freitag, 1. März, kommt es

um 19 Uhr in der Frankenthaler

Stadthalle am Kanal zum

Erststart auf deutschem Boden.

Damit sich die Anreise für die

jungen Gäste von der grünen

Insel auch lohnt, kommt es bei

der 39. Box-Matinee am Sonntag,

3. März, um 10:30 Uhr im

beheizten Schriesheimer Festzelt

zum Zweitstart. Sowohl in

Frankenthal als auch zwei Tage

später auf baden-württembergischer

Seite an der Bergstraße bei

Heidelberg treten die Nummer-

1-Nachwuchsgrößen beider Boxnationen

an. Sind es doch Athleten

der Geburtsjahrgänge 1996

und 1997, die schon jetzt auf die

Olympischen Spiele der Jugend

2014 vorbereitet werden.

HESSEN

Jassmann: Wieder alles

im Lot in Korbach

Reinhard Jassmann hatte mit

seiner Entscheidung, den Posten

des Abteilungsleiters in Korbach

zu räumen, bundesweit

für Aufregung gesorgt. Aber die

Korbacher Boxabteilung wäre

nicht die Boxabteilung, wenn

sie nicht umgehend nach einer

Lösung gesucht hätte. Diese war

schnell gefunden: Neuer Abteilungsleiter

in der Kreisstadt ist

Lothar Junker, Jassmann bleibt

Cheftrainer der Abteilung. Der

ehemalige Stellvertreter von

Reinhard Jassmann hat sich

auch gleich eine große Aufgabe

gesucht: Er organisierte das

Boxfestival in Korbach. Die hessische

Meisterschaft 2013 macht

ebenfalls Station in Korbach.

„Alles im Lot in Korbach“, erklärt

Reinhard Jassmann. „Die

Boxabteilung des TSV Korbach

bleibt stark besetzt.“

MECKLENBURG-VORPOMMERN

6. Casino-Boxen

in Stralsund

Diese Veranstaltung wird so

langsam zur Tradition. Bereits

zum sechsten Mal werden in

der Stralsunder Spielbank die

Poker- und Roulette-Tische weggeräumt,

damit der PSV Stralsund

seinen Boxring aufbauen

kann. In diesem Jahr kommt es

am 13. April in der Spielbank in

der Passage am Bahnhof zum

Vergleichskampf zwischen Niedersachsen

und Mecklenburg-

Vorpommern. Bei den zehn angesetzten

Kämpfen starten Top

Elite-Boxer (Männer) der beiden

Bundesländer in den Gewichtsklassen

von 56kg bis über 91kg.

Vom PSV steigen die Lokalmatadore

Tony Witzke (81kg), Kevin

Knütter (69kg) und Surik Jangojan

(57kg) in den Ring.

NIEDERSACHSEN

Drei Meister aus

Braunschweig –

einer aus Seelze

Freuen sich sichtlich über den Titel:

Eugen Schellenberg und Trainer Arthur

Mattheis

Bei der Endrunde um die HBL-

Verbandsmeisterschaften in

Gifhorn holten drei von sechs

Braunschweiger Boxern den Titel

für den BC’72. Feysel Satan,

Jakob Richter und Julian Nelke

dürfen sich nun Meister im

Box-Verband Hannover-Braunschweig-Lüneburg

nennen.

„Das war ein schöner Auftakt ins

neue Jahr! Jetzt heißt es, weiter

zu trainieren und Wettkampfpraxis

zu sammeln, um an die

Leistung weiter anzuknüpfen zu

können“, meinte BC’72-Trainer

Thomas Meyer. Und Vereinspräsident

Michael Rasehorn ergänzte:

„Jetzt freue ich mich schon

auf die bald beginnenden Niedersachsenmeisterschaften.“

Diese wird der BC’72 am 15. Juni

2013 in der Endrunde der Elite

ausrichten.

62 BoxSport


Ursprünglich sollten auch drei

Athleten des BSK Hannover-

Seelze in Gifhorn nach den Lorbeeren

greifen, doch die Gegner

von Besir Ay und Hasan Özer

(beide bis 69 kg) sagten krankheitsbedingt

ab, so dass Schwergewichtler

Eugen Schellenberg

als einziger Seelzer Boxer ins

Seilgeviert stieg. Sein Finalgegner

war Eugen Waigel (SZ Walsrode),

der zugleich amtierender

Kickbox-Weltmeister ist. Schellenberg

setzte sich nach tollem

Kampf nach Punkten durch.

Heiuar Bako VFB-

Boxer des Jahres

VFB-Vorsitzender Ulf Prange

überreichte dem Boxer des Jahres

Heiuar Bako den Heinrich-Hamann-

Pokal

Große Freude beim 14-jährigen

Heiuar Bako vom Verein Für Boxsport

(VFB ) Oldenburg: Mit 379

Stimmen entschied er die Wahl

„VFB-Boxer des Jahres 2012“

knapp vor Mohammad Nasser

(370 ) für sich. Im Rahmen der

vom VFB ausgerichteten Box-

Weser-Ems-Meisterschaften

überreichte ihm VFB-Vorsitzender

Ulf Prange dafür den Heinrich-Hamann-Pokal.

„Das ist für

mich eine Motivation, weitere

Erfolge an zu streben“, sagte Bako,

der in diesem Jahr Deutscher

Jugendmeister werden will – und

später einmal Box-Profi.

NORDRHEIN-WESTFALEN

Nicole Bauer holt

Nordrhein-Titel

Duisburg liebt das Boxen, denn

die Sporthalle der Realschule

Hamborn war restlos ausverkauft.

Man konnte glauben, auf

einem Mega-Box-Event zu sein,

aber es war wirklich nur die Vorrunde

der Nordrhein-Meisterschaft.

Zwölf Kämpfe standen

auf dem Programm, davon waren

fünf Finalkämpfe. Der Nordrhein

braucht sich um seinen

Boxnachwuchs keine Sorgen zu

machen, denn er hat Dogukan

Yigit und Juri Uschakov, die es

in der Schülerklasse bis 38 Kg

krachen ließen. Den schönsten

Bei der Nordrhein-Meisterschaft in

Duisburg siegte die Solingerin Nicole

Bauer im einzigen Frauenkampf des

Abends über Yasmin Kujath aus Kamp-

Lintfort

Kampf des Tages bestritten die

Halbweltergewichtler Alexander

Kupreenko aus Bottrop und

der Niederländer Stefan Djocic.

Kupreenko siegte verdient nach

Punkten. Im einzigen Frauenkampf

siegte die Solingerin Nicole

Bauer über Yasmin Kujath

aus Kamp-Lintfort.

Hakan Sayman

überzeugt in Wesel

Gleich drei Kämpfe ragten bei

der Offenen internationalen

Nordrheinmeisterschaft in Wesel

heraus: Spitzensport gab es

bei den Kämpfen des holländischen

Meisters Enrico la Cruz

gegen den Südwest-Meister Chilingarvan

(Alzey) zu sehen, von

Cem Korkmaz gegen den dreifachen

holländischen Meister und

Dritten der Europameisterschaft

Wouter Djokic und von Hakan

Sayman gegen den Belgier Moukaliev.

Erst siegte laC ruz nach

Punkten. Dann zeigte Korkmaz

keinen Respekt – den knappen

Punktsieg des Holländers Djokic

konnte er aber nicht vermeiden.

Sayman zeigte sich im Kampf gegen

Moukaliev als der technisch

bessere Boxer. Er zeigte gute Reaktionen

und kam immer wieder

mit harten Treffern durch. An

seinem Punktsieg gab es keinen

Zweifel.

BC Helios weiter unbesiegt

Nach dem dritten Platz beim

Dompokal bei Colonia Köln zum

Ende des Jahres konnte der BC

Helios nahtlos an diesen Erfolg

anknüpfen. Beim Sichtungsturnier

(Ausrichter: Post Sport

Verein) gingen drei Helios-Athleten

an den Start. Gerald Domi

(Schülerklasse U 13) trotzte

dem sehr starken Gegner von

Colonia Köln ein Remis ab. Der

neue Schwergewichtler des Traditionsvereins,

Philipp Schilling

(Elite), ließ seinem Kölner Gegner

dagegen nicht den Hauch

einer Chance. Auch David Timm

(Mittelgewicht U17), gewann

seinen insgesamt vierten Kampf

nach Punkten. Alle Boxer sind

Eigengewächse des BC Helios,

darauf ist das Trainerteam – Hermann

Kehren, Peter Thoma und

Mario Heidenthal – besonders

stolz. Heidenthal, der selbst im

Schwergewicht für den BC Helios

erfolgreich die Handschuhe

geschnürt hat, wurde Anfang

des Jahres als weiterer Trainer

verpflichtet.

Van Bemmel will eigene

NRW-Liga-Mannschaft

Hennie van Bemmel, Erfolgstrainer

des deutschen Meisters

Velberter BC, plant mit einer

holländischen Mannschaft an

der NRW-Liga teilzunehmen.

Wie seine Mannschaft aussehen

könnte, erfahren die Boxfans am

2. März. Dann trifft der Boxring

Hilden auf van Bemmels ABCC

Apeldoorn, der Hilden im letzten

Vergleichskampf mächtig

zusetzte.

Schleswig-Holstein

Boxer des Jahres gekürt

Die Boxer des Jahres aus Elmshorn:

Metin Sükmen und Gizem Gümüs mit

Hartmut Rex vom AC Einigkeit

In der Elmshorner Olympia-Halle

kürte der AC Einigkeit Elmshorn

(ACE) vor

etwa 50 Boxern

die Boxer und

die Sportler

des Jahres. Boxerin

des Jahres

2012 wurde

Gizem Gümüs

(17), Boxer des

Jahres Metin

Sükmen (15).

Aufgrund regelmäßiger

Teilnahme am

Training wurde

Eda Öztürk

(15) zur Sportlerin

des Jahres

und Semih Öztürk (14) zum

Sportler des Jahres gekürt. Der

DM-Dritte Chatschik Abramov

(18) verpasste den Titel Sportler

des Jahres nur ganz knapp.

Er fehlte am letzten Trainingstag

und der bereits bestellte Ehrenständer

musste auf Semih Öztürk

umgeschrieben werden.

SÜDWEST

Pletnev lobt Schwetzinger

Nachwuchsturnier

Cheforganisator Bernd Schwab

war nicht zu beneiden: 71 Kämpfe

hatte der Vorsitzende des

Box-Clubs Schwetzingen (BCS)

mühsam aus allen Meldungen

zusammengestellt. Am Ende

wurden es dann doch „nur“ 44

Begegnungen beim 21. Internationalen

Boxturnier in der Sporthalle

der Hilda-Schule. „Das ist

sehr ärgerlich, dass die Vereine

so undiszipliniert sind und leichtfertig

absagen“, meinte Schwab.

Obendrein verlor sein Schützling

Prabhpreet Aujla (BCS) im

Weltergewicht bis 69 Kilogramm

gegen den Marburger Ibrahim

Diallo knapp nach Punkten.

Tröstlich für Schwab: Es gab

erneut viel Lob für das traditionelle

Turnier zum Saisonauftakt

„Das ist eine Supersache hier.

Die Jungen können teilweise sogar

gegen internationale Gegner

Erfahrungen sammeln. So etwas

bräuchten wir jeden Monat für

den boxerischen Nachwuchs“,

sagte Vladimir Pletnev. Der

Bundesstützpunkttrainer aus

Heidelberg sekundierte dem

Jugendtalent Stefan Nikitin. Nikitins

Sieg gegen den Italiener

Claudio Gande sieht Pletnev als

gute Vorbereitung für die Landesjugendmeisterschaften.

Jugendtalent Stefan Nikitin (links)

siegte in Schwetzingen über den

Italiener Claudio Gande

BoxSport

63


LESER

Eine typische Szene aus dem WM-Ausscheidungskampf von Düsseldorf: Sam

Soliman (rechts) stürmt wild auf Felix Sturm ein

…Felix Sturm

Felix Sturms Punktniederlage

gegen Sam Soliman war

knapp, aber zu vertreten. Den

Niederschlag Sturms in der

zweiten Runde verdaute Soliman

und wurde stärker und

besser. Warum Sturm in den

nachfolgenden Runden nicht

entschlossener nachsetzte,

bleibt sein Geheimnis. War

Felix Sturm sich seines Sieges

so sicher, dass er dem übertragenden

Fernsehsender Sat.1 in

den kommenden Rundenpausen

Werbemöglichkeiten verschaffen

wollte? Felix Sturms

weitere Boxkarriere hängt

jetzt, nach dieser erneuten

Niederlage, am seidenen Faden.

Hermann Woelm, Dortmund

…Ulli Wegner

Kompliment für die generell

interessanten und spannenden

Beiträge. Ich nehme

aktuell Bezug auf die Ausgabe

Nr. 2 von diesem Jahr. Als Fan

von Ulli Wegner, den ich aus

der Geraer Zeit auch persönlich

kenne und sehr schätze,

lese ich natürlich Beiträge über

seine Person und seine Sportler

besonders aufmerksam. Seinen

Gedanken, die er im Beitrag

„Ulli Wegner redet Klartext“

äußert, stimme ich vollends

zu. Jawohl, auch ich als ehemaliger

Übungsleiter zu DDR-

Zeiten bin für klare Strukturen

in den Altersklassen und nicht

für den bestehenden Mischmasch.

Besorgt bin ich auch

über die Leistungen der jungen

Kämpfer. Ich besuche seit

langem die Meisterschaften

im thüringischen Bad Blankenburg.

Da wird zu viel Keilerei

geboten, von den Trainern

noch unterstützt. Kein Wunder,

dass es im Amateurbereich

keine internationalen Spitzenleistungen

gibt.

Da wäre doch eine breite

Diskussion im Verband angebracht.

Übrigens, den Organisatoren

bei den Meisterschaften

in Bad Blankenburg

um Lutz Grau und seinen

ehrenamtlichen Helfern vom

1. SSV Saalfeld gebührt ein

dickes Lob!

Harald Ackermann, Rudolstadt

schreiben Zu...

… Arthur Abraham vs.

Robert Stieglitz

Großer Boxverein in Süddeutschland

sucht

Boxtrainer

zum Aufbau einer Wettkampfmannschaft.

Erfahrungen mit Ligaboxen, Turnierorganisation,

Auslandsturnieren etc. erwünscht.

Aktuelle Trainerlizenz und aktuelles

sportspezifisches Fachwissen sind

Grundvoraussetzung.

Wir bieten Teil- oder Festanstellung, Wohnung vor

Ort, Fortbildungen und die Möglichkeit,

im Ausland zu arbeiten.

Bewerbungen direkt an bg@pugilist.de

In der Tageszeitung stand

„Ein Spektakel wie zu besten

Ottke-Zeiten“, daran glaube

ich nicht, der erste Kampf war

einfach zu eindeutig gewonnen

von Abraham. Stieglitz

war im ersten Kampf der Weltmeister

und hat null Chancen

gegen Abraham gehabt, was

soll da anders werden? Vielleicht,

dass Abraham die Sache

kurzrundig beendet. Ich

kenne zwar nicht den Trainer

von Stieglitz, doch beneiden

kann man ihn ja wirklich

nicht. Der alte Trainer-Fuchs

Wegner wird Abraham taktisch

genau auf Stieglitz einstellen

und schon im ersten

Kampf hat man gesehen, dass

Stieglitz auf die Anweisungen

seines Trainers gar nicht reagiert

hat, das sagt ja schon

alles!

Paul Amelung, Barleben

… Jürgen Brähmer vs.

Eduard Gutknecht

Jürgen Brähmer hat gegen

Eduard Gutknecht bewiesen,

dass er noch nicht am Ende

ist. Seine Erfahrung, sein Talent

hat sich am Ende durchgesetzt,

auch wenn Gutknecht

zu Beginn des Kampfes klar

besser war. Brähmer scheint

aus seinen Fehlern gelernt zu

haben und ein solides Leben

zu führen. Was hätte er alles

erreichen können, wenn das

schon frühere so gewesen

wäre? Trotzdem muss man

froh sein, solche Boxer noch

in Deutschland zu haben.

Auch Eddy Gutknecht wird

wieder zurückkommen. Er

ist ein großes Talent und ein

echter Kämpfer. Er wird seine

WM-Chance noch bekommen.

Gegen Brähmer war der

Druck ein bisschen zu groß

für ihn.

Albert Nonnenmann, Offenbach

… Bundesliga und

World Series

Früher hatte der deutsche

Boxsport mal eine funktionierende

Bundesliga. Lang,

lang ist‘s her. Nicht einmal

die Ergebnisse erfährt man aus

der Tageszeitung. Die Kämpfe

finden in fast menschenleeren

Hallen statt. Die Boxer kennt

man schon lange nicht mehr.

Es gibt keine Lokalmatadoren

mehr. Und der World Series ergeht

es nicht viel besser. Auch

für diese Kämpfe interessiert

sich kaum jemand, im Fernsehen

habe ich noch keine

Minute davon gesehen. Das

Amateurboxen in Deutschland

schafft sich selber ab. Wer

boxen sehen will, muss bei den

Profis einschalten. Zum Glück

haben wir die noch.

Matthias Scholz, Oldenburg

…Robert Woge

Das habe ich bisher noch nie

gemacht, um halb zwei in der

Nacht nochmal den Computer

hochzufahren, nur um

mich nochmal über diesen

Boxer zu informieren. Der

Kampf von Robert Woge war

das Beste, was ich seit Jahren

gesehen habe, knallhart und

absoluter Siegeswille. Der Junge

scheint aus Granit zu sein.

Der absolute Wahnsinnsfighter.

Man denkt, man befindet

sich im Jahr 1890 und schaut

einem blutigen Straßenkampf

in irgendeinem Hinterhof

zu. Danke für diesen Kampfabend.

Ich hoffe, der Junge

erholt sich gut und wird bald

wieder kämpfen.

Axel Lesch

64 BoxSport


Relaunch von box-sport.de

Täglich BoxSport lesen –

alle News im Internet

BoxSport rund um die Uhr! Lesen sie alle News, Stories und Kommentare

aus der Welt des Profi- und Amateurboxens täglich im Internet. Dazu gibt es

auf www.box-sport.de alle Termine: Wann wird in Deutschland geboxt, auf

welchem TV-Sender, wo gibt es Tickets zu kaufen?

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Lesen Sie in der nächsten Ausgabe

Die zwei Musketiere

von Magdeburg:

Arthur Abraham (links)

und Robert Stieglitz

duellieren sich am 23.

März noch einmal. Den

ersten Kampf gewann

Abraham nach Punkten.

Kann Stieglitz nun in

seiner Heimatstadt

Rache nehmen?

Nächster

Erscheinungstermin ist

für Abonnenten

der 28. März,

ab dem 30. März

im Handel

Freiwillige vor: Gegen

wen verteidigen die

Schwergewichts-

Weltmeister Wladimir

(links) und Vitali

Klitschko ihre

Gürtelsammlung als

nächstes?

Abraham gegen Stieglitz

Gelingt Robert Stieglitz die Revanche gegen

Arthur Abraham? Oder geht er dieses Mal sogar

k.o. gegen den Weltmeister? Große Berichte

und Analysen vom WM-Kampf in Magdeburg.

Krasniqis WM-Fight von London

Kann Robin Krasniqi in der Höhle des Löwen

Weltmeister Nathan Cleverly entthronen? Dazu

alles über die Kämpfe seiner SES-Stallgefährten

Ramona Kühne in Potsdam und Jan Zaveck in

New York.

Wie geht es mit den Klitschkos weiter?

Wer ist der nächste Gegner von Wladimir und

kommt der Kampf von Vitali gegen David Haye

noch? Interviews und Hintergrundberichte.

Herausgeber und Chefredakteur: Hans Reski (0221-2587-260/261/334)

Redaktion: Arne Leyenberg

Ständige Mitarbeiter: Tobias Drews, Manfred Hönel, Peter Jaschke, Björn

Jensen, Bertram Job, Matthias Kerber, Hans-Joachim Leyenberg, Jörg Lubrich,

Alexander Mazur, Gunnar Meinhardt, Susanne Rohlfing, Hartmut Scherzer, Wolfgang

Wycisk

Fotos in dieser Ausgabe: ap, Bittner, Czabaun, DBV, dpa, Frevert, Grabe, Heib,

Huck, Mausolf, Marianne Müller, Sauerland Event, SES, WBC, Wende, WSB

Layout: Katharina Büchner, Michael Rosenstein, Bernd Schulte zur Wissen

Internet: www.sportverlag.de

E-Mail der Redaktion: boxsport@sportverlag.de

Verlag: DSV Deutscher Sportverlag GmbH, Friesenplatz 16, 50672 Köln

Tel.: (0221) 2587-0, Fax: (0221) 2587-200

Verlagsleitung: Lutz Bandte

Vertriebsleitung: Tobias Weidmann

Anzeigenverwaltung: Nele Niebaum. Tel. (0221) 2587-261.

IMPRESSUM

Interview mit Felix Sturm

Wie es weitergeht nach der Niederlage gegen

Soliman und welche Pläne er mit seinem Box-

Stall hat.

Besuch bei René Weller

Der schillernde frühere Profi-Europameister will

als Trainer mit den Hanauer Zweitligaboxern in

die Bundesliga. Große Home-Story.

Die geheimen Verträge des DBV

Die Boxwelt diskutiert über die

Athletenvereinbarung und die Ablösesummen

des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) sowie

die großen Pläne des Weltverbandes AIBA.

E-Mail: boxsport@sportverlag.de.

Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 10 vom 1.1.2012.

Abonnement: DSV Deutscher Sportverlag GmbH, Friesenplatz 11, 50672 Köln,

Telefon (0221) 2587-243, E-Mail: service@sportverlag.de.

Einzelverkauf: Partner Medienservices GmbH,

Postfach 81 06 40, 70523 Stuttgart, Fax.: (0711) 7252320

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BOXSPORT erscheint monatlich, Einzelpreis: € 4,20. Jahresabonnementpreis

(12 Ausgaben): € 45,60. Abonnementkündigungen sind sechs Wochen vor Ablauf

des berechneten Zeitraums dem Abonnement-Vertrieb schriftlich bekannt zu

geben. Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche

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Verbot fällt insbesondere auch die Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in

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66 BoxSport

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