26.02.2014 Aufrufe

LinuxUser Foto und Video (Vorschau)

Erfolgreiche ePaper selbst erstellen

Machen Sie aus Ihren PDF Publikationen ein blätterbares Flipbook mit unserer einzigartigen Google optimierten e-Paper Software.

www.linux-user.de<br />

FOTO &<br />

VIDEO<br />

Fedora 17: Gnome-3-Desktop auch für ältere PCs S. 16<br />

Defekte Links schnell aufspüren mit Linkchecker S. 61<br />

Grep <strong>und</strong> Co.: Textsuche in Netzwerk <strong>und</strong> E-Mails S. 84<br />

EUR 5,50<br />

Deutschland<br />

ÖsterreichEUR 6,30<br />

Schweiz sfr 11,00<br />

Benelux EUR 6,50<br />

Spanien EUR 7,45<br />

Italien EUR 7,45<br />

07.2012<br />

07.2012<br />

Das Magazin für die Praxis<br />

GRUB2-Editor • Timeline • TMUX • OWNCLOUD 4 • XFCE • FOTO & VIDEO<br />

BILDER UND FILME AUFBEREITEN UND OPTIMAL IN SZENE SETZEN<br />

foto <strong>und</strong> video<br />

Die besten RAW-Konverter S. 46<br />

Fünf Werkzeuge, mit denen Sie das Optimum<br />

aus den digitalen Negativen herauskitzeln<br />

Das digitale <strong>Foto</strong>studio S. 24, 42<br />

Flaue Bilder farblich aufpeppen mit Tintii,<br />

die neuen Features von Gimp 2.8 ausreizen<br />

Professionelle Tools für den <strong>Video</strong>schnitt S. 28, 38<br />

In Blender 2.6 mit Kamera-Tracking hollywoodreife Vorspänne rendern,<br />

<strong>Video</strong>s schneiden <strong>und</strong> mit tollen Effekten aufwerten in Kdenlive 0.9<br />

Sicherer Datenspeicher in der eigenen Wolke<br />

Wie Sie Dateien, Kalender <strong>und</strong> Kontakte mit OwnCloud 4 auf dem<br />

eigenen Server speichern <strong>und</strong> unkompliziert mit anderen teilen S. 72<br />

Tmux S. 64<br />

Konsolen-Tiling<br />

in jedem Terminal<br />

XFCE S. 58<br />

Schlanker Desktop<br />

von Hand optimiert<br />

4 195111 005504 07<br />

Perfekte Chronik<br />

selbst gebaut S. 68<br />

Ereignisse <strong>und</strong> Projekte<br />

mit Timeline visualisieren<br />

Bootkonfiguration<br />

ohne Schrecken S. 80<br />

Grub2-Editor: Systemstart<br />

einfach maßgeschneidert<br />

Durchs Web surfen ganz ohne Maus S. 54<br />

Kompromisslos beim Rendern, komfortabel zu bedienen:<br />

moderner WebKit-Browser Xxxterm mit Tastatursteuerung


Born to<br />

be ROOT!<br />

keine Mindestvertragslaufzeit<br />

keine Einrichtungsgebühr<br />

Root Server r Linux<br />

Level<br />

el 1. Der effiziente<br />

ente Sprinter!<br />

SICHERHEIT UND EFFIZIENZ<br />

CPU<br />

Leistung<br />

RAM<br />

HD<br />

Traffic<br />

,00<br />

€/Mon.*<br />

Intel Sandy Bridge G530<br />

2 x 2,4 GHz<br />

4 GB<br />

1.000 GB<br />

Unlimited*<br />

r<br />

ie<br />

NaturEnergie<br />

NaturEnerg<br />

Sie gehen keine e Kompromisse misse<br />

in<br />

Sachen Datensicher-<br />

heit ein? Wir<br />

auch nicht! Unsere e Rechenzentren en<br />

entren sind<br />

streng nach<br />

ISO 27001 01<br />

TÜV-zertifiziert. t. Gleichzeitig<br />

eitig<br />

denken n wir wr an<br />

die Umwelt <strong>und</strong> nutzen regenerative<br />

enerativ<br />

Energien.<br />

n.<br />

Der<br />

Root ot<br />

Server Linux Level el<br />

1 von STRATO holt das Optimum an<br />

Leistung <strong>und</strong> Energieeffizienz eeffizienz heraus, was aktuelle e Server-Hard-<br />

ware<br />

hergibt. Was<br />

wir<br />

an<br />

Energie e sparen<br />

geben wir<br />

durch den<br />

günstigen n Preis gerne an Sie<br />

weiter. Profitieren<br />

en Sie davon!<br />

* Traffic-Unlimited: Keine zusätzlichen Kosten durch Traffic (bei Traffic-Verbrauch über 1.000 GB/ Monat<br />

<strong>und</strong> danach je weitere 300 GB erfolgt eine Umstellung der Anbindung auf max. 10 MBit/s. Erneute Freischaltung<br />

der vollen Bandbreit jeweils kostenlos über den K<strong>und</strong>enservicebereich). Alle Preise inkl. MwSt.<br />

Info: 0 18 05 - 00 76 77 | strato-pro.de<br />

(0,14€/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunk max. 0,42€/Min.)


editorial<br />

Selbst ist der Pinguin<br />

Sehr geehrte Leserinnen <strong>und</strong> Leser,<br />

Ende letzten Jahres schlug die<br />

Diskussion um Microsofts Hardware-Vorgaben<br />

zu Windows 8<br />

hohe Wellen. Um das Windows-8-<br />

Pickerl auf ihre Geräte kleben zu<br />

können, sollten die PC-Hersteller<br />

zwingend UEFI Secure Boot implementieren<br />

<strong>und</strong> die Rechner entsprechend<br />

voreingestellt ausliefern.<br />

Dies hätte ohne weitere klare<br />

Vorgaben bedeutet, dass jedes andere<br />

Betriebssystem als Windows<br />

8 auf einem neuen PC sich<br />

nicht mehr hätte starten lassen.<br />

Inzwischen hat Microsoft auf die<br />

massive Kritik an diesen Vorgaben<br />

reagiert <strong>und</strong> die Windows-8-Zertifizierung<br />

modifiziert: So fordert<br />

die jetzt gültige Spezifikation anders<br />

als frühere Versionen [1] explizit,<br />

dass der Benutzer sowohl<br />

die Option haben muss, UEFI Secure<br />

Boot zu deaktivieren, als auch<br />

– im sogenannten Setup Mode –<br />

eigene Schlüssel einzuspielen [2].<br />

Microsoft schreibt den PC-Herstellern<br />

also zwingend vor, dass<br />

sie ihre Rechner auch für andere<br />

Betriebssysteme offen zu halten<br />

haben. Den Linux-Endanwender<br />

entlastet dieses Prozedere von allen<br />

Sorgen: Im Zweifelsfall deaktiviert<br />

er einfach Secure Boot <strong>und</strong><br />

startet, was immer er will.<br />

Fraglos ist UEFI Secure Boot<br />

aber generell eine gute Idee, riegelt<br />

das Verfahren doch ein potenzielles<br />

Einfallstor ab, das anderenfalls<br />

weiter offen stünde – auch<br />

unter Linux. Allerdings müssen<br />

die Spielregeln beim sicheren Booten<br />

für alle Wettbewerber die gleichen<br />

sein, <strong>und</strong> freie Software darf<br />

sich in dieser lebenswichtigen<br />

Hinsicht keinesfalls vom kommerziellen<br />

Quasimonopolisten Microsoft<br />

abhängig machen. In dieser<br />

Frage fällt jetzt eine Organisation<br />

der Linux-Gemeinschaft in den<br />

Rücken, von der man das wohl am<br />

allerwenigsten erwartet hätte: das<br />

Fedora-Projekt. Der Red-Hat-Entwickler<br />

Matt Garrett schlägt allen<br />

Ernstes vor, Fedora ab dem Release<br />

18 mit einem ausgerechnet<br />

von Microsoft signierten Bootloader<br />

auszustatten ([3],[4]).<br />

Das begründet Garrett letztlich<br />

damit, dass es organisatorisch<br />

praktisch unmöglich <strong>und</strong> zu teuer<br />

sei, einen einheitlichen Schlüssel<br />

für Linux zu verwalten. Sich von<br />

Microsoft die Dateien über deren<br />

Sysdev-Portal signieren zu lassen,<br />

sei mit einem Kostenpunkt von 99<br />

US-Dollar die günstigste Lösung,<br />

<strong>und</strong> das könnten ja auch die anderen<br />

Distributionen so handhaben.<br />

Selbst Nutzern, die den Kernel<br />

selbst kompilieren wollen, stehe<br />

dieser Weg offen. Einmal davon<br />

abgesehen, dass es sich bei den<br />

99 Dollar (die übrigens Verisign<br />

als Schlüsselverwalter kassiert,<br />

nicht Microsoft) laut Angabe der<br />

Sysdev-Website um ein „zeitlich<br />

beschränktes Angebot“ handelt<br />

<strong>und</strong> die Signierung eigentlich<br />

499 Dollar kostet: Garretts Behauptung,<br />

es gäbe in der Linux-<br />

Welt niemanden, der das Verwalten<br />

eines globalen Schlüssels für<br />

Linux übernehmen könne, ist geradezu<br />

haarsträubend.<br />

Es existiert bereits seit langem<br />

eine zentrale, weltweite Linux-Organisation,<br />

die als zwei ihrer Kernziele<br />

„Protecting and Supporting<br />

Linux Development“ <strong>und</strong> „Improving<br />

Linux as a Technical Platform“<br />

nennt <strong>und</strong> damit ideal für<br />

diese Aufgabe prädestiniert erscheint.<br />

Zudem nimmt die selbe<br />

Organisation allein von ihren sieben<br />

Hauptsponsoren jährlich<br />

3,5 Millionen US-Dollar ein, dutzende<br />

weitere namhafte Technologiefirmen<br />

zahlen ebenfalls ein. Die<br />

Rede ist natürlich von der Linux<br />

Fo<strong>und</strong>ation [5], in der neben den<br />

großen Linux-Distributoren Canonical,<br />

Suse <strong>und</strong> Red Hat unter anderem<br />

auch Industriegiganten wie<br />

Dell, Fujitsu, IBM, HP, NEC, Samsung<br />

<strong>und</strong> Toshiba Mitglied sind.<br />

Hier sitzt also alles unter einem<br />

Dach, was man braucht, um einen<br />

für die Linux-Welt einheitlichen<br />

Boot-Schlüssel zu erstellen, zu<br />

verwalten <strong>und</strong> sogar gebrauchsfertig<br />

direkt in die Firmware der<br />

Rechner integriert auszuliefern.<br />

Eine einheitliche, von der Linux<br />

Fo<strong>und</strong>ation bereitgestellte Zertifizierungsstelle<br />

würde nicht nur mit<br />

einem Schlag eine ganze Reihe<br />

technischer Probleme beseitigen,<br />

sondern gleichzeitig auch vermeiden,<br />

dass Linux künftig nur noch<br />

von Microsofts Gnaden bootet –<br />

<strong>und</strong> auf Letzteres wollen wir uns<br />

doch wohl kaum verlassen, oder?<br />

Herzliche Grüße,<br />

Jörg Luther<br />

Chefredakteur<br />

[1] Microsoft-Vorgaben: http:// msdn. microsoft. com/ en‐us/ library/ windows/​<br />

hardware/ jj128256<br />

[2] Editorial 12/​2011: Jörg Luther, „Schlüssel-Frage“, LU 12/​2011, S. 3,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 24547<br />

[3] Fedora 18 <strong>und</strong> UEFI Secure Boot: http:// www. linux‐magazin. de/ NEWS/<br />

So‐soll‐Fedora‐18‐Secure‐Boot‐<strong>und</strong>‐UEFI‐meistern<br />

[4] Blogeintrag von Matt Garrett: http:// mjg59. dreamwidth. org/ 12368. html<br />

[5] Linux Fo<strong>und</strong>ation: http:// www. linuxfo<strong>und</strong>ation. org<br />

info<br />

www.linux-user.de 07 | 12<br />

3


07 | 12<br />

84<br />

Ob Mails, Git-Repositories<br />

oder Prozesslisten –<br />

die se Grep-Varianten<br />

suchen zuverlässig nach Treffern.<br />

72<br />

Alles in die Cloud? Für den sicherheitsbewussten<br />

Anwender ein Albtraum,<br />

da niemand weiß, wer die<br />

Daten sieht. Die eigene Wolke mit OwnCloud 4<br />

verspricht da einen Ausweg. Ein ausführlicher<br />

Praxistest beleuchtet den Newcomer <strong>und</strong> deckt<br />

zum Teil gravierende Schwächen auf.<br />

58<br />

Eine ausgewogene Mischung aus<br />

Funktion <strong>und</strong> Minimalismus<br />

macht XFCE zu einer guten Wahl<br />

für einen schlanken Desktop. Dabei brauchen<br />

Sie jedoch nicht auf viele der liebgewonnenen<br />

Features großer Umgebungen zu verzichten.<br />

Heft-DVD<br />

Aktuelles<br />

Schwerpunkt<br />

4M Linux................ 6<br />

Das superschlanke 4M Linux<br />

bietet bei minimalem Platzbedarf<br />

maßgeschneiderte Software für<br />

jeweils fest umrissene Aufgaben.<br />

ROSA Linux .. . . . . . . . . . . . . 8<br />

Parallel zum Community-Fork<br />

Mageia legt jetzt auch das russische<br />

ROSA Lab eine auf Mandriva<br />

basierende Distribution vor.<br />

Mageia 2................ 12<br />

Das zweite Release des Mandriva-<br />

Forks überzeugt mit einem stabilen<br />

System <strong>und</strong> der perfekten<br />

Integration des KDE-4-Desktops.<br />

Fedora 17............... 16<br />

Mit Fedora 17 unterstreicht die<br />

Community-Distribution ihren<br />

professionellen Anspruch. Nur<br />

hier <strong>und</strong> da trübt ein kleiner Makel<br />

den guten Gesamteindruck.<br />

68Um Ereignisse chronologisch<br />

zu ordnen, eignet sich<br />

ein Zeitstrahl am besten. Mit<br />

dem Python-Programm Timeline erstellen<br />

Sie eine solche Übersicht mit wenigen Klicks.<br />

Angetestet.............. 20<br />

Dagri 0.5 verwaltet Daten in<br />

einer tabellarischen Gitterstruktur,<br />

die komfortable Oberfläche<br />

Dargui 0.6 erleichert das Backup<br />

mit Dar, Gnac 0.2.4.1 konvertiert<br />

Audio-Dateien im großen Stil,<br />

Tunnelmanager 0.7.5 behält SSH-<br />

Verbindungen fest im Griff<br />

Neues r<strong>und</strong> um Linux..... 22<br />

Neues Chromebook <strong>und</strong> Chromebox<br />

mit Google Chrome OS, freie<br />

Software Sigrok für die Logikanalyse,<br />

Equinox-Desktop 2.0<br />

freigegeben, Linux Mint 13 mit<br />

Long-Term-Support, Fedora –<br />

Kugel kuh folgt Rinderw<strong>und</strong>er,<br />

Knoppix 7.0.2, Piwik 1.8, Powertop<br />

2.0, Linuxtag 2012<br />

Gimp 2.8................ 24<br />

Zwar haben die Entwickler nicht<br />

alle für die lange erwartete Version<br />

gesetzten Ziele erreicht, aber<br />

die Neuerungen des aktuellen Releases<br />

beeindrucken trotzdem.<br />

Blender 2.6 .. . . . . . . . . . . . 28<br />

Dank der neuen Funktionen zum<br />

Kamera-Tracking schließt Blender<br />

wieder ein Stück zu kommerziellen<br />

Profi-Renderern auf <strong>und</strong><br />

ermöglicht das Erstellen hollywoodreifer<br />

<strong>Video</strong>-Vorspänne.<br />

Kdenlive 0.9............. 38<br />

Mit einem gelungenen Mix aus<br />

pfiffigen Funktionen <strong>und</strong> einem<br />

intuitiven Interface spricht die<br />

<strong>Video</strong>schnittsoftware vor allem<br />

semiprofessionelle Nutzer an.<br />

Tintii.. . . . . . . . . . . . . . . . . . 42<br />

Mit Tintii geben Sie <strong>Foto</strong>s durch<br />

gezielte Farbkontraste schnell<br />

eine komplett andere Stimmung<br />

oder machen aus flauen Aufnahmen<br />

farbgewaltige Kunstwerke.<br />

RAW-Konverter......... 46<br />

Fünf Programme zeigen im Praxistest,<br />

welche Möglichkeiten Sie<br />

unter Linux beim Entwickeln der<br />

digitalen Negative haben <strong>und</strong> wo<br />

die Grenzen liegen.<br />

4<br />

07 | 12


Heft-DVDs<br />

Auf den Heft-DVDs dieser Ausgabe befindet<br />

sich ausschließlich Anwendungssoftware.<br />

Die Datenträger enthalten keine jugendgefährdenden<br />

Inhalte.<br />

24<br />

Unser Schwerpunkt<br />

stellt die besten Tools<br />

für das Bearbeiten von <strong>Video</strong>s <strong>und</strong> <strong>Foto</strong>s vor. Wir zeigen,<br />

wie Sie mit Kdenlive Filme schneiden, mit Blender Objekte in <strong>Video</strong>s einbetten<br />

oder mit Gimp 2.8 <strong>und</strong> Tintii Bilder professionell bearbeiten. Ein<br />

Ver gleichs test hilft bei der Wahl der richtigen RAW-Software.<br />

Auf der Heft-DVD:<br />

Als erklärter Spezialist<br />

bringt 4M Linux nur das<br />

Nötigste für klar definierte<br />

Einsatzgebiete mit. Alles<br />

andere installieren Sie später<br />

problemlos nach. (S. 6)<br />

Praxis<br />

Xxxterm.. . . . . . . . . . . . . . . 54<br />

Dank Xxxterm, dem Browser für<br />

Tastatur-Fans, gibt es keinen<br />

Gr<strong>und</strong> mehr, zum Surfen die<br />

Maus herumzuschubsen.<br />

XFCE-Workshop .. . . . . . . . 58<br />

Er gilt zwar als spartanisch, doch<br />

kann XFCE mit ausgewachsenen<br />

Desktops wie Gnome oder KDE<br />

durchaus mithalten. Die aktuelle<br />

Version 4.10 hält zudem interessante<br />

neue Features bereit.<br />

Linkchecker............ 61<br />

Manche Domains sterben einen<br />

leisen Tod – zurück bleiben verwaiste<br />

Links, die dorthin zeigen.<br />

Mit Linkchecker identifizieren<br />

Sie solche digitalen Sackgassen in<br />

Ihrer Webpräsenz.<br />

Tmux. ................. 64<br />

Mit dem Multiplexer Tmux verpassen<br />

Sie einem einfachen Terminal<br />

Fähigkeiten, die an einen<br />

Windowmanager heranreichen.<br />

Timeline................ 68<br />

Timeline erlaubt Ihnen, mit wenigen<br />

Handgriffen einen übersichtlichen<br />

Zeitstrahl zu entwerfen.<br />

Netz&System<br />

OwnCloud 4 .. . . . . . . . . . . . 72<br />

Statt private Daten in die Hände<br />

kommerzieller Anbieter zu geben,<br />

setzen Sie mit OwnCloud eine<br />

eigene Wolke auf, in der Sie Daten<br />

speichern <strong>und</strong> mit anderen teilen.<br />

Grub2-Editor............ 80<br />

Der Grub2-Editor integriert sich<br />

in die Systemeinstellungen von<br />

KDE <strong>und</strong> erlaubt dort das komfortable<br />

<strong>und</strong> unkomplizierte Einrichten<br />

des Bootmenüs.<br />

Know-how<br />

Grep-Varianten.. . . . . . . . . 84<br />

Wer Grep kennt, der findet alles.<br />

Wer obendrein die Spezialvarianten<br />

des Tools beherrscht, findet<br />

das Gesuchte auch an sonst unzugänglichen<br />

Orten.<br />

Service<br />

Editorial................. 3<br />

IT-Profimarkt ........... 90<br />

Events/Inserenten .. . . . . . 94<br />

Impressum............. 95<br />

<strong>Vorschau</strong> 08/2012........ 96<br />

Heft-DVD-Inhalt .. . . . . . . . 97<br />

Das russische Unternehmen<br />

ROSA Labs legt mit ROSA<br />

Marathon 2012 EE ein Mandriva-Derivat<br />

fürs Unternehmensumfeld<br />

vor. Ab<br />

Seite 8 lesen Sie, ob der<br />

erste Versuch gelungen ist.<br />

Mit der aktuellen Version<br />

Fedora 17 unterstreicht<br />

die Community-Distribution<br />

von<br />

Red Hat einmal<br />

mehr ihren professionellen<br />

Anspruch<br />

– trotz des drolligen<br />

Codenamens „Beefy<br />

Miracle“. Mehr dazu<br />

lesen Sie ab Seite 16.<br />

Hat der Community-Fork<br />

von Mandriva das Zeug<br />

zur eigenständigen Distribution?<br />

Mit Mageia 2<br />

stellt sich der zweite Release<br />

den kritischen Augen<br />

der Tester (Seite 12).<br />

<strong>LinuxUser</strong> DVD-Edition<br />

Hinweis: Haben Sie die DVD-Edition dieser Ausgabe erworben,<br />

finden Sie ab Seite 97 wei tere Informationen zu<br />

den Programmen auf den beiden Datenträgern. Haben Sie<br />

dagegen die güns tigere No-Media-Ausgabe erstanden,<br />

enthält dieses Heft keine Datenträger.<br />

www.linux-user.de<br />

12 | 10 5


heft-dvd<br />

4M Linux<br />

Spezialist nicht nur<br />

für alte Rechner: 4M Linux<br />

Zweckdienlich<br />

4M Linux eignet sich zwar nicht als Allro<strong>und</strong>er,<br />

bietet aber bei minimalem Platzbedarf<br />

maßgeschneiderte Software für<br />

fest umrissene Aufgaben. Erik Bärwaldt<br />

4M Linux 3.2<br />

All-in-One-Edition<br />

bootfähig <strong>und</strong> als ISO<br />

auf Heft-DVD<br />

README<br />

4M Linux ist eine noch<br />

recht junge Distribution<br />

für ältere Computer, die<br />

bewusst nicht als Allro<strong>und</strong>er<br />

ausgelegt ist.<br />

Wir zeigen, wofür sich<br />

das System eignet.<br />

Kleine Distributionen für unterschiedliche<br />

Zwecke gibt es viele.<br />

4M Linux (http:// 4mlinux. com)<br />

bringt jedoch das Kunststück fertig,<br />

den Anwender mit einem lediglich<br />

r<strong>und</strong> 100 MByte großen<br />

ISO-Image für gleich vier Szenarien<br />

zu rüsten. Das System fokussiert<br />

dabei auf die vier Ms Maintenance<br />

(Wartung), Mini-Server,<br />

Multimedia <strong>und</strong> Mystery, was<br />

sich auf Spiele bezieht.<br />

Neben der All-in-One-Edition,<br />

die alle vier Bereiche abdeckt,<br />

existieren gesonderte Varianten<br />

mit jeweils einem Schwerpunkt.<br />

Alle stehen zum Download auf<br />

der Website des Projektes bereit.<br />

Im Gegensatz zu vielen anderen<br />

kompakten Distributionen benötigt<br />

4M Linux relativ anspruchsvolle<br />

Hardware: So nennen die<br />

Entwickler als Minimum für den<br />

Live-Einsatz der Variante All-in-<br />

One 512 MByte RAM, die Installation<br />

erfordert mindestens<br />

1 GByte freien Festplattenspeicher.<br />

Trotz dieser insbesondere<br />

für ältere Computersysteme hohen<br />

Hardware-Anforderungen<br />

bietet 4M Linux keine aufgeblähte<br />

Oberfläche: Das System startet<br />

im Live-Betrieb nach dem Konfigurieren<br />

eines neuen Root-Passwortes<br />

im Textmodus.<br />

Möchten Sie lieber auf einer grafischen<br />

Oberfläche arbeiten, aktivieren<br />

Sie nach dem Anmelden<br />

in der Konsole mit dem Befehl<br />

startx den wieselflinken Desktop<br />

JWM. Ihn ergänzen ein oben mittig<br />

angeordnetes, animiertes<br />

Dock mit den wichtigsten Applikationen<br />

sowie ein Panel mit einigen<br />

Schaltflächen zur Navigation<br />

am unteren Bildschirmrand.<br />

Je nach vorhandener Hardware<br />

finden Sie zudem den Systemmonitor<br />

Conky rechts oben auf der<br />

Oberfläche, der die wichtigsten<br />

Hardware-Parameter in aussagekräftigen<br />

Werten anzeigt, wie<br />

etwa die Auslastung von Arbeitsspeicher<br />

<strong>und</strong> CPU sowie – sofern<br />

vorhanden – die Aktivität im<br />

Netzwerk. Die Applikationsmenüs<br />

erreichen Sie wie üblich<br />

durch einen Klick auf den Starter<br />

links unten.<br />

Hier fällt sofort auf, dass sich<br />

4M Linux nicht an die gängigen<br />

Konventionen hält: Ein Untermenü<br />

Office finden Sie ebenso<br />

wenig, wie die üblichen Ordner<br />

Grafik, Entwicklung oder Dokumentation.<br />

Stattdessen orientiert<br />

sich das System an den vorgesehenen<br />

Arbeitsschwerpunkten.<br />

Hinzu kommen noch die Untermenüs<br />

Internet, 4MLinux <strong>und</strong><br />

Wine. Dabei verzweigen alle mehrere<br />

Ebenen nach unten, sodass<br />

die Suche nach einer bestimmten<br />

Applikation gelegentlich etwas<br />

aufwendiger ausfällt.<br />

Im Hauptmenü findet sich ein<br />

einzelner Eintrag LibreOffice, der<br />

ebenso wie die beiden im Untermenü<br />

Internet aufgeführten Einträge<br />

Opera <strong>und</strong> Firefox nicht<br />

etwa die erwartete Software starten:<br />

Die Menüpunkte verzweigen<br />

in ein Terminal, in dem das System<br />

den Download der jeweils<br />

neuesten Version des jeweiligen<br />

Programms anbietet. Die fraglichen<br />

Anwendungen stehen nur<br />

bereit, wenn Sie den Netzzugang<br />

korrekt konfiguriert haben.<br />

Schwerpunkte<br />

Das Menü Mystery beinhaltet<br />

eine stattliche Anzahl Spiele, die<br />

meist älterer Natur sind <strong>und</strong> geringe<br />

Hardware-Anforderungen<br />

stellen. Dazu zählen teils 30 Jahre<br />

alte Schätzchen, die nur mithilfe<br />

einer DOS-Emulation arbeiten.<br />

Das bedeutet jedoch beileibe<br />

nicht, dass beim Spielen Langeweile<br />

aufkäme.<br />

Die Games starten meist im<br />

Vollbildmodus. Einige benutzen<br />

Emulationen alter Grafikstandards<br />

wie EGA oder VGA, sodass<br />

6 07 | 12<br />

www.linux-user.de


4M Linux<br />

heft-dvd<br />

die Anzeige im Terminal nicht<br />

ausreichen würde, um die Übersicht<br />

zu behalten.<br />

Die Multimedia-Applikationen<br />

reichen – sinnvoll gruppiert –<br />

weit über das Betrachten von <strong>Video</strong>-DVDs,<br />

Filmsequenzen oder<br />

das Abspielen von Audiodateien<br />

hinaus. Im gleichnamigen Untermenü<br />

finden sich auch Programme,<br />

die in gewissem Umfang das<br />

Bearbeiten vorhandener Datenbestände<br />

erlauben. Die All-in-One-<br />

Variante von 4M Linux enthält<br />

überraschenderweise keine Tools<br />

zum Bearbeiten von Bildern.<br />

4M Linux liefert insgesamt fünf<br />

Mini-Server <strong>und</strong> Clients mit, die<br />

Sie direkt aktivieren <strong>und</strong> beim<br />

Auftreten von Problemen durch<br />

vorkonfigurierte Testroutinen auf<br />

ihr korrektes Funktionieren hin<br />

überprüfen. Neben Servern für<br />

FTP <strong>und</strong> HTTP finden sich auch<br />

solche für SSH, SFTP <strong>und</strong> Telnet<br />

im Angebot. Dabei kommt für die<br />

einzelnen Dienste Standardsoftware<br />

zum Einsatz, wie Busybox,<br />

OpenSSH, Putty oder Dropbear.<br />

Surfen im Web<br />

Eine Ausnahme bildet der Webbrowser<br />

Links, der zwar rasend<br />

schnell zu Werke geht, jedoch<br />

nicht alle Standards komplett unterstützt<br />

<strong>und</strong> sich daher für den<br />

Einsatz im Internet nur bedingt<br />

eignet. Möchten Sie sich aufwendig<br />

gestaltete Webseiten ansehen,<br />

so empfiehlt sich die Installation<br />

von Firefox oder Opera, die Sie<br />

bei Bedarf zusätzlich mit den entsprechenden<br />

Plugins erweitern.<br />

4M Linux bringt im Maintenance-Bereich<br />

eine ganze Reihe<br />

von Programmen zur plattformübergreifenden<br />

Wartung von Systemen<br />

mit. Dazu gehören neben<br />

Treibern für unterschiedlichste<br />

Dateisysteme vor allem Tools<br />

zum Rekonstruieren versehentlich<br />

gelöschter Dateien, primär<br />

die beiden pfiffigen Programme<br />

Testdisk <strong>und</strong> PhotoRec.<br />

Mit dem unter Linux weitverbreiteten<br />

Midnight Commander,<br />

der sich optisch eng an den aus<br />

der DOS-Welt her bekannten<br />

Norton Commander<br />

anlehnt, findet<br />

sich zudem ein leistungsfähiger<br />

<strong>und</strong> schneller Dateimanager.<br />

Systemmanagement<br />

Die Distribution geht in<br />

Sachen Systemmanagement<br />

eigene Wege: Grafische<br />

Oberflächen zum<br />

Ins tallieren von Software<br />

im Stil von YaST oder<br />

Synaptic suchen Sie hier<br />

vergebens. Die Distribution<br />

verfügt zudem über<br />

kein eigenes Paketformat.<br />

Das bedeutet, dass Sie Programme<br />

entweder aus dem Quelltext<br />

oder – wie bei LibreOffice <strong>und</strong><br />

Firefox – aus entsprechenden<br />

Skripten heraus ins System integrieren<br />

müssen. Mithilfe von Wine<br />

gelingt es jedoch aus dem Stand,<br />

Windows-Software zu nutzen.<br />

Management-Tools, die bei den<br />

Mainstream-Distributionen zum<br />

Standardumfang gehören, fehlen<br />

bei 4M Linux ebenfalls gänzlich.<br />

Daher eignet sich das System<br />

eher für fortgeschrittene Anwender,<br />

die mit der Kommandozeile<br />

vertraut sind.<br />

Falls die in der All-in-One-Edition<br />

vorhandenen Programme für<br />

Ihre Zwecke nicht ausreichen, so<br />

haben Sie die Möglichkeit, auf der<br />

Website des Projektes spezielle<br />

Varianten des Betriebssystems<br />

herunterzuladen, die die Entwickler<br />

jeweils nur für einen der vier<br />

Bereiche zusammengestellt haben<br />

<strong>und</strong> die daher zusätzliche<br />

Software beinhalten.<br />

Immerhin bietet das Menü<br />

4MLinux eine Routine zum dauerhaften<br />

Installieren des Systems<br />

auf der Festplatte. Am gleichen<br />

Ort finden sich zusätzlich einige<br />

Texte, die bei der Installation <strong>und</strong><br />

beim Betrieb helfen (Abbildung<br />

A).<br />

Anlass zur Kritik bietet die insbesondere<br />

bei Grafikkarten<br />

schlechte Auswahl an Treibern:<br />

Auf modernen Rechnern, die teilweise<br />

die VESA-Standards nicht<br />

mehr korrekt unterstützen,<br />

kommt die grafische Oberfläche<br />

mangels passender Module oft<br />

gar nicht hoch. Auf älteren Systemen<br />

läuft das System mit einer<br />

niedrig eingestellten Farbtiefe.<br />

Hier empfiehlt es sich, den X-Server<br />

mit startx ‐‐ ‐bpp 16 oder<br />

startx ‐‐ ‐bpp 32 zu aktivieren.<br />

Die Konfiguration des Internetzugangs<br />

bereitet in einigen Fällen<br />

Probleme, wenn Sie mithilfe von<br />

WLAN ins Netz gehen. Im Test<br />

gelang es bei einigen Chipsätzen<br />

von Atheros nicht, eine Verbindung<br />

aufzubauen. Intel-Chipsätze<br />

dagegen unterstützt das System<br />

recht gut. Die bewährte kabelgeb<strong>und</strong>ene<br />

Konfiguration mithilfe<br />

eines DHCP-Servers gelang im<br />

Test problemlos.<br />

Fazit<br />

Im Kurztest überzeugte 4M Linux<br />

trotz der genannten Schwächen<br />

in seinen jeweiligen Schwerpunkten<br />

durchaus. Das System arbeitet<br />

stabil <strong>und</strong> wieselflink – wer<br />

einfachere multimediale Aufgaben<br />

bewältigen oder auch ältere<br />

Spiele weiterhin nutzen möchte,<br />

liegt damit genau richtig.<br />

4M Linux spielt seine Stärken<br />

vor allem auf älteren Systemen<br />

aus <strong>und</strong> erfreut dort das Auge des<br />

Anwenders mit einigen optischen<br />

Schmankerln, für die ansonsten<br />

deutlich leistungsfähigere Hardware<br />

nötig wäre. (agr) n<br />

A Eine Hilfeseite <strong>und</strong><br />

eine FAQ-Seite erläutern<br />

die Gr<strong>und</strong>funktionen<br />

des Systems.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 7


heft-dvd<br />

ROSA Marathon 2012<br />

Mandriva-Derivat ROSA Marathon 2012 EE im Test<br />

Zweischneidig<br />

Nach dem Fork<br />

Mageia ist jetzt<br />

auch vom russischen<br />

Hauptanteilseigner<br />

ROSA<br />

Lab eine auf Mandriva<br />

basierende<br />

eigene Distribution<br />

erschienen.<br />

Erik Bärwaldt<br />

ROSA Marathon 2012 EE<br />

bootfähig (32 Bit)<br />

<strong>und</strong> als ISO (64 Bit)<br />

auf Heft-DVD<br />

README<br />

Mit ROSA Marathon<br />

2012 möchte die russische<br />

Software schmiede<br />

eine Distribution für<br />

Unternehmensk<strong>und</strong>en<br />

etablieren. Ob das neue<br />

Derivat in dieser Hinsicht<br />

gute Dienste leistet,<br />

zeigt der Test.<br />

Mandriva gehörte<br />

einst zur Top-Liga<br />

der Distributionen:<br />

einsteigerfre<strong>und</strong>lich,<br />

aktuell <strong>und</strong> mit ausgezeichneter<br />

Community-Basis.<br />

In<br />

den letzten Jahren<br />

machte das gleichnamige<br />

Unternehmen<br />

aber fast ausschließlich<br />

durch finanzielle<br />

Turbulenzen<br />

von sich reden.<br />

Durch die Unsicherheit<br />

über die Zukunft<br />

verkleinerte<br />

sich die Anwenderbasis<br />

währenddessen<br />

zusehends.<br />

Weitere Rückschläge<br />

musste das Unternehmen<br />

Mandriva mit der misslungenen<br />

Neuauflage des Betriebssystems<br />

im Jahr 2011 hinnehmen, hinzu<br />

kam die Uneinigkeit der führenden<br />

Anteilseigner über den künftigen<br />

Unternehmenskurs. Doch<br />

neuerdings kommt Bewegung in<br />

das Mandriva-Universum: Neben<br />

dem 2011 eingeführten Fork Mageia<br />

(siehe Artikel in dieser Ausgabe)<br />

hat nun das russische<br />

ROSA Lab, das wie Mandriva zu<br />

den „Schäfchen“ des Großinvestoren<br />

Townarea Ltd. zählt, ein eigenes<br />

Derivat mit dem Namen<br />

ROSA Desktop Marathon 2012<br />

auf die Beine gestellt.<br />

Zielgruppe<br />

Anders als Mandriva 2011 <strong>und</strong><br />

dessen Vorgänger legt ROSA Marathon<br />

den Fokus eindeutig auf<br />

Anwender im Unternehmen [1].<br />

Der Name des Systems symbolisiert<br />

diese Entscheidung: ROSA<br />

Lab sichert den Nutzern des Marathon-Desktops<br />

einen Supportzeitraum<br />

von fünf Jahren zu. Zudem<br />

weist der Hersteller auf seiner<br />

Website explizit darauf hin,<br />

dass er die Auswahl der Software<br />

an die Bedürfnisse der Zielgruppe<br />

angepasst hat, sodass diese keine<br />

mit Gimmicks überfrachteten<br />

Menüs zu erwarten hätte [2].<br />

Anders als Mandriva 2011 verliert<br />

der ROSA-Desktop nicht<br />

jene Anwender aus den Augen,<br />

die mit älterer Hardware arbeiten:<br />

Neben der Hauptversion mit<br />

KDE 4, wie es auch in Mandriva<br />

2011 zum Einsatz kommt, befindet<br />

sich eine Marathon-Variante<br />

mit dem schlanken LXDE-Desktop<br />

in Arbeit. Sie soll aufgr<strong>und</strong><br />

der geringen Ansprüche an die<br />

Hardware auch auf älteren Systemen<br />

eine ansehnliche Performance<br />

erzielen [3].<br />

Los geht’s<br />

ROSA Marathon 2012 kommt als<br />

jeweils knapp 1,5 GByte großes<br />

ISO-Image für 32- <strong>und</strong> 64-Bit-<br />

Systeme. Beide gestatten sowohl<br />

den Live-Betrieb als auch die sofortige<br />

Installation auf der Festplatte<br />

aus dem Grub-Menü heraus.<br />

Überdies liefert das Unternehmen<br />

die Distribution in einer<br />

Free- <strong>und</strong> einer Extended-Variante<br />

aus, wobei die erweiterte Version<br />

unfreie Software enthält, wie<br />

etwa <strong>Video</strong>codecs [4].<br />

Wenig Freude macht die Distribution<br />

in der KDE-Variante auf<br />

untermotorisierten Systemen:<br />

Auf einem älteren Testsystem mit<br />

lediglich 512 MByte Arbeitsspeicher<br />

dauerte der Start im Live-<br />

Betrieb nahezu eine geschlagene<br />

Viertelst<strong>und</strong>e, bis der Desktop<br />

aufgebaut war. Auf einer modernen<br />

Maschine ging die Live-Variante<br />

zügig <strong>und</strong> ohne jegliche<br />

Probleme an die Arbeit.<br />

Für Mandriva-K<strong>und</strong>ige gibt es<br />

wenig Überraschungen: Die Tools<br />

zum Lokalisieren stammen aus<br />

den früheren Versionen der französisch-brasilianischen<br />

Distribution,<br />

sodass sie keinerlei Umgewöhnen<br />

erfordern. Nach kurzer<br />

8 07 | 12<br />

www.linux-user.de


ROSA Marathon 2012<br />

heft-dvd<br />

Startzeit begrüßt ROSA Marathon<br />

den Nutzer mit einem aufgeräumten<br />

KDE4-Desktop.<br />

Bereits im Test der Live-Variante<br />

fiel auf, dass der Hersteller einige<br />

grobe Schwächen von Mandriva<br />

2011 offensichtlich behoben<br />

hat, wie das teils fehlerhafte<br />

Ansteuern des Bildschirms oder<br />

die problematische Einstellung<br />

der Audio-Hardware. Der Desktop<br />

arbeitete selbst auf einem unter<br />

Linux oft widerborstigen Testsystem<br />

mit ATI-HD3470-Grafikkarten<br />

unauffällig <strong>und</strong> flüssig.<br />

Ein erster Blick in die Menüs<br />

zeigt, dass die russischen Entwickler<br />

das System deutlich entschlackt<br />

haben: Insbesondere in<br />

den Gruppen Grafik <strong>und</strong> Unterhaltungsmedien<br />

herrscht im Vergleich<br />

zu anderen KDE-basierten<br />

Distributionen geradezu gähnende<br />

Leere. Spiele finden Sie bei<br />

ROSA Marathon ebensowenig wie<br />

das von Mandriva her bekannte<br />

Menü Dokumentation mit unterschiedlichen<br />

Anleitungen.<br />

Ansonsten gibt sich das russische<br />

Mandriva-Derivat in Sachen<br />

Aktualität keine Blöße: Unter der<br />

Haube werkelt ein Kernel 3.0.28.<br />

Die Applikationen befinden sich<br />

auf einem aktuellen Stand: So<br />

bringt das System unter anderem<br />

LibreOffice 3.4.5, Firefox <strong>und</strong><br />

Th<strong>und</strong>erbird 10.0.2, den Bildbetrachter<br />

Gwenview 2.8.2 <strong>und</strong> den<br />

Dateimanager Dolphin 2.0 mit.<br />

Mit der Unterstützung aktueller<br />

Technologien wie Nvidias Optimus<br />

oder Chipsätzen der neuesten<br />

Intel-Generationen sorgen die<br />

Entwickler dafür, dass die LTS-<br />

Distribution deren Möglichkeiten<br />

optimal ausnutzt. Ausgerechnet<br />

einige im Unternehmensumfeld<br />

wichtige Programme fehlen jedoch:<br />

So findet sich weder ein<br />

richtiges Bildbearbeitungsprogramm<br />

noch Software zum Verwalten<br />

von Projekten, <strong>und</strong> Terminkalender<br />

sowie Newsfeed-<br />

Reader fehlen ebenso.<br />

Dem Bedienkonzept von KDE<br />

folgend, präsentiert ROSA Marathon<br />

– eine entsprechend leistungsfähige<br />

Grafikkarte vorausgesetzt<br />

–<br />

selbst in der<br />

Live-Variante<br />

diverse optische<br />

Gimmicks,<br />

die beispielsweise<br />

Schatten generieren<br />

oder den Hintergr<strong>und</strong> des<br />

Desktops verdunkeln, sobald eine<br />

Applikation eine Eingabe in einem<br />

Fenster erwartet.<br />

Allerdings sind die KDE-spezifischen<br />

Fenster in sehr unergonomischen,<br />

dunklen <strong>und</strong> wenig kontrastreichen<br />

Farben gehalten. Das<br />

erschwert das Bedienen des Systems<br />

insbesondere bei ungünstigen<br />

Lichtverhältnissen teils recht<br />

stark (Abbildung A).<br />

Installation<br />

Die Installation der neuen Linux-<br />

Distribution auf der Festplatte<br />

gestaltete sich im Test weit weniger<br />

bequem als der Live-Betrieb.<br />

Mit einer unangenehmen Überraschung<br />

wartete ROSA Marathon<br />

gleich auf dem ersten Testgerät<br />

auf, einem Lenovo Thinkpad<br />

R500. Nach einer vermeintlich erfolgreichen<br />

Installation startete<br />

die Distribution beim ersten<br />

Hochfahren in einen verzerrten,<br />

unleserlichen Bildschirm, was das<br />

System unbenutzbar machte.<br />

Der Versuch, über verschiedene<br />

Boot-Parameter die Situation zu<br />

verbessern, scheiterte. Dieser<br />

schwere Fehler trat auf einem<br />

baugleichen System in noch gravierenderer<br />

Form bereits im Test<br />

von Mandriva 2011 auf. Mageia 1<br />

hingegen zeigte auf dem gleichen<br />

Gerät keinerlei Auffälligkeiten.<br />

Da es sich bei der in diesen Notebooks<br />

eingesetzten Grafikkarte<br />

Radeon HD3470 beileibe nicht<br />

um einen Exoten handelt, besteht<br />

bei der Integration der Treiber<br />

Verbesserungsbedarf.<br />

Beim Einrichten des WLAN-Zugangs<br />

zeigte ROSA Marathon die<br />

gleichen Probleme wie Mandriva<br />

2011, sodass der drahtlose Zugang<br />

ins Internet nur sehr holprig<br />

gelang: Das System erkannte die<br />

erreichbaren Netzwerke erst nach<br />

mehrfachem Betätigen des entsprechenden<br />

Schalters am Notebook,<br />

<strong>und</strong> mehrfach unterbrach<br />

das Fenster des KWallet-Managers<br />

das Einrichten des Zugangs.<br />

Auf einem parallel installierten<br />

Thinkpad T60 mit anderer Hardware<br />

zeigten sich bei der Inbetriebnahme<br />

des WLANs die gleichen<br />

Phänomene. Unverständlicherweise<br />

hat ROSA Lab die im<br />

alten Mandriva-Kontrollzentrum<br />

noch vorhandene zentrale Möglichkeit<br />

zum Einstellen alle Netzwerkschnittstellen<br />

entfernt.<br />

Auch viele andere über Jahre<br />

hinweg gepflegte, stabil arbeitende<br />

<strong>und</strong> selbst für Linux-unerfahrene<br />

Einsteiger leicht zu erlernende<br />

Management-Tools aus dem<br />

Mandriva-Kontrollzentrum fielen<br />

dem Streichkonzert der Entwickler<br />

zum Opfer (Abbildung B <strong>und</strong><br />

Abbildung C, folgende Seite)<br />

Software-F<strong>und</strong>us<br />

Die Software-Verwaltung funktioniert<br />

immer noch mithilfe des<br />

Kontrollzentrums <strong>und</strong> nicht über<br />

ein anderes Tool. Damit installieren<br />

unter ROSA Marathon erfahrene<br />

Anwender wie Einsteiger auf<br />

einfachem Weg gewünschte Applikationen.<br />

Als einziges Manko<br />

der neuen russischen Distribution<br />

erweisen sich in diesem Kontext<br />

die bislang noch recht übersichtlichen<br />

Repositories, in denen<br />

weniger Programme bereitstehen<br />

als beim Platzhirsch Mandriva.<br />

Bei Drittanbietern wie MIB oder<br />

PLF stehen ebenfalls keine eigenen<br />

Repositories für ROSA Marathon<br />

bereit. Das betrifft insbe-<br />

A Schwarz auf<br />

Schwarz: Wo befindet<br />

sich auf der rechten<br />

Seite der Balken zum<br />

Scrollen?<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 9


heft-dvd<br />

ROSA Marathon 2012<br />

B Unter Mandriva erledigten<br />

Sie die Konfiguration<br />

des Netzwerks<br />

zentral an einer<br />

Glossar<br />

Stelle, …<br />

SAS: Serial Attached<br />

SCSI. Nachfolger von<br />

Ultra-320-SCSI, mit einer<br />

seriellen Schnittstelle,<br />

der sich weitgehend<br />

kompatibel zu<br />

S-ATA verhält.<br />

C … doch ROSA Marathon<br />

hat an dieser<br />

Stelle zum Nachteil<br />

des Anwenders das<br />

Messer angesetzt.<br />

sondere patentbehaftete oder<br />

lizenzrechtlich eingeschränkte<br />

Software. Immerhin haben die<br />

Entwickler PLF-Pakete in die Repositories<br />

übernommen.<br />

Gemächlich<br />

In Sachen Performance haben die<br />

Entwickler von ROSA Marathon<br />

an verschiedenen Schrauben gedreht.<br />

Während das Vorbild Mandriva<br />

2011 auch auf neuesten<br />

Desktop-Rechnern oder High-<br />

End-Workstations teilweise unerträglich<br />

langsam zu Werke ging<br />

[5], erlaubt der Enterprise-Desktop<br />

des russischen Derivats ein<br />

flüssiges Arbeiten.<br />

Allerdings zeigen sich beim<br />

Start vieler Applikationen – insbesondere<br />

solcher Boliden wie<br />

LibreOffice, Firefox oder Th<strong>und</strong>erbird<br />

– selbst auf schnellen<br />

Rechnern mit Zweikern-Prozessoren<br />

<strong>und</strong> modernen Massenspeichern<br />

deutliche Hänger. Im direkten<br />

Vergleich mit mehreren Mandriva-Derivaten<br />

fällt auf, dass<br />

speziell Mageia <strong>und</strong> Unity Linux<br />

deutlich agiler wirken.<br />

Indexe <strong>und</strong> Zeitleisten<br />

Mit Nepomuk <strong>und</strong> Timeframe<br />

halten auch in ROSA Marathon<br />

zwei Technologien Einzug, deren<br />

Sinn sich insbesondere für Unternehmensanwender<br />

nicht erschließt.<br />

Nepomuk indiziert Datenbestände<br />

<strong>und</strong> erlaubt eine rasche<br />

Suche nach einzelnen Daten.<br />

Timeframe bildet hingegen eine<br />

grafische Zeitleiste ab, die auf Nepomuk<br />

basiert <strong>und</strong> die Arbeit mit<br />

den Daten in chronologischer<br />

Reihenfolge dokumentiert.<br />

Das entsprechende Indexieren<br />

der Datenbestände erfordert jedoch<br />

enorme Rechenkraft. Herkömmliche<br />

Festplatten benötigen<br />

hierzu je nach Größe der Datenbestände<br />

längere Zeit, sodass sich<br />

die Arbeit auf einem System<br />

selbst bei schneller CPU <strong>und</strong> großem<br />

Arbeitsspeicher deutlich verlangsamt.<br />

Selbst auf Rechnern<br />

mit sehr schnellen SAS- oder Hybrid-Festplatten<br />

sind Hänger unvermeidlich.<br />

Multimediales<br />

Auch bei der Arbeit in Unternehmen<br />

nimmt der Einsatz multimedialer<br />

Software bereits seit geraumer<br />

Zeit kontinuierlich zu. Dabei<br />

haben sich in den letzten Jahren<br />

viele neue Anwendungsfelder eröffnet.<br />

Schnell eine DVD oder CD<br />

brennen oder Filmsequenzen für<br />

eine Mitarbeiterschulung aufbereiten<br />

– überall ist entsprechende<br />

Software gefragt.<br />

ROSA Marathon liefert in der<br />

Standardinstallation eine eigene<br />

Software zum Abspielen von Filmen,<br />

den ROSA Media Player, sowie<br />

Amarok zur Wiedergabe von<br />

Audio-Dateien. Software zum Bearbeiten<br />

von Audio- <strong>und</strong> <strong>Video</strong>-<br />

Dateien fehlt ebenso wie ein leistungsfähiges<br />

Brennprogramm.<br />

Die zum Abspielen von Filmen<br />

nötigen Codecs sind nur teilweise<br />

vorhanden. So gelang es im Test<br />

insbesondere bei einigen Containerformaten<br />

nicht, aus dem<br />

Stand <strong>Video</strong>s mit Ton abzuspielen.<br />

Somit müssen Sie hier im Bedarfsfall<br />

selbst Hand anlegen. Alternativ<br />

installieren Sie den VLC-<br />

Medienplayer, der eigene Codecs<br />

für die meisten gängigen Formate<br />

mitbringt. VLC befindet sich in<br />

Version 2.0.1 in den Repositories.<br />

Fazit<br />

Das neue russische Mandriva-Derivat<br />

hinterlässt einen zwiespältigen<br />

Eindruck: Während der lange<br />

Support-Zeitraum den Ansprüchen<br />

der anvisierten Zielgruppe<br />

entspricht, gibt es teils erhebliche<br />

Mängel sowohl bei der Auswahl<br />

der Software als auch bei der Integration<br />

der Treiber.<br />

Beim Aufräumen des F<strong>und</strong>us<br />

gingen die Entwickler zu rabiat<br />

vor, sodass der Anwender viele<br />

Programme nachinstallieren<br />

muss. Bei der Qualität der Treiber<br />

fallen die Ergebnisse zwar nicht<br />

mehr derart katastrophal aus wie<br />

bei Mandriva 2011, allerdings<br />

liegt ROSA Marathon hier noch<br />

immer im Vergleich zum alten<br />

Mandriva 2010.2 oder auch Mageia<br />

1 meilenweit zurück.<br />

Schließlich dürfte der ressourcenfressende<br />

<strong>und</strong> unergonomisch<br />

gestaltete KDE-Desktop dem Erfolg<br />

des Systems auf Unternehmensrechnern<br />

eher schaden.<br />

Durch unübersichtliche Management-Tools,<br />

nur begrenzt nützliche<br />

Änderungen am alten Mandriva-Kontrollzentrum<br />

<strong>und</strong> dem<br />

Konzept der Programmgruppen<br />

in nur einem Fenster sinkt der<br />

Nutzwert signifikant. (agr) n<br />

info<br />

[1] Release-Info: http:// www. rosalab. com/​<br />

blogs/ rosa‐marathon‐2012‐will‐be‐officially‐pr<br />

[2] ROSA Lab: http:// www. rosalab. com/<br />

[3] LXDE-Variante:<br />

http:// www. rosalab. com/ blogs/ beta‐releas<br />

e‐of‐rosa‐marathon‐2012‐lxde<br />

[4] Download: http:// mirror. rosalab. ru/ iso/​<br />

ROSA. Desktop/ ROSA. 2012. MARATHON/<br />

[5] Mandriva 2011 im Test: Erik Bärwaldt,<br />

„Problemkandidat“, LU 11/​2011, S. 68,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 24540<br />

10 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Probelesen<br />

ohne risiko<br />

Und Gewinnen!<br />

eines von sieben „seCU4bags“<br />

elektronisChes siCherheitssystem für handys,<br />

tablets Und laptops mit blUetooth<br />

20g leiCht, bis zU 100 stUnden akkUlaUfzeit<br />

a larm bis zU 100db, sChUtzdistanz 5 bis 30m<br />

gesponsert von<br />

sonderAkTion!<br />

Testen sie jetzt<br />

3 Ausgaben für<br />

nUr 3€*<br />

Telefon: 07131 /2707 274<br />

Fax: 07131 / 2707 78 601<br />

E-Mail: abo@linux-user.de<br />

Mit großem Gewinnspiel unter:<br />

www.linux-user.de/probeabo<br />

* Angebot gilt innerhalb Deutschlands <strong>und</strong> Österreichs. In der Schweiz: SFr 4,50.<br />

Weitere Preise: www.linux-user.de/produkte


heft-dvd<br />

Mageia 2<br />

Mandriva-Fork Mageia 2 im Überblick<br />

Mageia 2 überzeugt<br />

mit einem<br />

stabilen System<br />

<strong>und</strong> der perfekten<br />

Integration des<br />

Langsamer<br />

Steigflug<br />

KDE-4-Desktops.<br />

Wolfgang Bornath<br />

Mageia 2 bootfähig<br />

(32 Bit KDE-Live-CD<br />

<strong>und</strong> 64-Bit-DVD) <strong>und</strong><br />

als ISO (64 Bit KDE-<br />

Live-CD) auf Heft-DVD<br />

README<br />

Leicht verspätet präsentierte<br />

die Mageia-Community<br />

am 22. Mai<br />

2012 die neue Version<br />

ihres Mandriva-Forks.<br />

Ein R<strong>und</strong>gang durch Mageia<br />

2 zeigt viel Bekanntes,<br />

aber auch interessante<br />

Neuerungen.<br />

DVD oder Live-CD?<br />

Im vorigen Jahr gab das Mageia-<br />

Projekt [1] die erste Version des<br />

Mandriva-Forks Mageia heraus.<br />

Das Erstlingswerk bestand größtenteils<br />

aus portierten Teilen der<br />

ursprünglichen Distribution, <strong>und</strong><br />

die Linux-Welt nahm sie wohlwollend<br />

auf. Mit der pünktlich zum<br />

LinuxTag erschienenen Version 2<br />

zeigt es sich, ob der erste Erfolg<br />

nur auf einem Hype gründete<br />

oder ob es gelingt, auf diesen Erfolg<br />

aufzubauen <strong>und</strong> ihn in Zukunft<br />

weiterzuführen.<br />

Auf den ersten Blick zeigt sich,<br />

dass die Entwickler das klare <strong>und</strong><br />

ansprechende Aussehen der ersten<br />

Version weiterführten <strong>und</strong><br />

verbessert haben. Mageia bleibt<br />

Eine Installation von der Live-CD ist um einige<br />

Schritte kürzer, da hier die Auswahl der Desktop-Umgebung<br />

<strong>und</strong> einzelner Pakete entfällt. Sie starten die<br />

Installation aus dem laufenden System, wodurch die<br />

bereits festgelegte Konfiguration zum Einsatz<br />

kommt. Nach dem Partitionieren <strong>und</strong> dem Kopieren<br />

der Inhalte von der CD entfernt das Setup nicht benötigte<br />

Treiber <strong>und</strong> Sprachpakete. Der Vorteil der<br />

Live-CD besteht im geringeren Download-Volumen<br />

sowie darin, dass die meisten unfreien Gerätetreiber<br />

direkt mit ins System wandern.<br />

dem traditionellen Stil des früheren<br />

Mandriva treu <strong>und</strong> unterscheidet<br />

sich so von der aktuellen<br />

Mandriva-Version mit dem RO-<br />

SA-Desktop [2]. Bei den ISO-Abbildern<br />

hat Mageia die Auswahl<br />

anders als Mandriva um Live-CDs<br />

für 64-Bit-Systeme erweitert.<br />

Das System der neuen Version<br />

basiert auf Kernel 3.3.6 <strong>und</strong> bietet<br />

neben den beiden gebräuchlichsten<br />

Desktop-Umgebungen<br />

KDE (4.8.2) <strong>und</strong> Gnome (3.4.1)<br />

die schlankeren Alternativen<br />

LXDE, XFCE 4, E17 <strong>und</strong> Razor-Qt<br />

an. Im Bereich der Anwendungen<br />

enthält Mageia 2 die neuesten<br />

Versionen von LibreOffice, Gimp<br />

<strong>und</strong> anderen Paketen.<br />

Im Allgemeinen ergibt eine Installation von den<br />

DVDs eine saubere Installation. Der Nachteil der<br />

nicht vorhandenen proprietären Treiber fällt kaum<br />

ins Gewicht, da das System diese nach einem Einbinden<br />

der Softwarequellen bei erneutem Aufrufen<br />

der Werkzeuge zum Konfigurieren automatisch nachzieht.<br />

Probleme bereitet dies nur, wenn Sie proprietäre<br />

WLAN-Treiber benötigen, da sich diese nicht auf<br />

der DVD finden. Dann müssen Sie von einer Live-CD<br />

installieren oder vorübergehend einen kabelgeb<strong>und</strong>enen<br />

Internetzugang verwenden.<br />

Eine Sonderstellung nimmt dabei<br />

der Browser Firefox ein, bei dem<br />

sich Mageia aufgr<strong>und</strong> der Release-Politik<br />

von Mozilla für<br />

Firefox 10 ESR entschieden hat.<br />

Diese Langzeitversion bietet längere<br />

Stabilität insbesondere in<br />

Bezug auf die Erweiterungen,<br />

ohne jedoch auf sicherheitsrelevante<br />

Patches zu verzichten. Sie<br />

finden eine detaillierte Liste der<br />

wichtigen Eigenschaften <strong>und</strong> Paketversionen<br />

in den Release-Hinweisen<br />

auf der Website [3].<br />

Mageia-Editionen<br />

Mageia 2 steht wie gewohnt in<br />

mehreren Editionen bereit. Auf<br />

der Download-Seite [4] finden Sie<br />

zwei Installations-DVDs (je eine<br />

für 32-Bit- <strong>und</strong> 64-Bit-Systeme)<br />

mit einem umfassenden Software-Angebot,<br />

eine Dual-Arch-<br />

CD zur Installation eines minimalen<br />

Systems, das LXDE enthält,<br />

sowie mehrere Live-CDs für KDE<br />

<strong>und</strong> Gnome.<br />

Diese Live-CDs unterscheiden<br />

sich in den enthaltenen Sprachgruppen.<br />

Für den deutschsprachigen<br />

Benutzer sind die CDs mit<br />

12 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Mageia 2<br />

heft-dvd<br />

der Bezeichnung Europa 1 relevant.<br />

Die Disks eignen sich nicht<br />

für ein Upgrade von Mageia 1 auf<br />

Mageia 2.<br />

Während die Installations-<br />

DVDs <strong>und</strong> die Dual-Arch-CD nur<br />

freie Software enthalten, bieten<br />

die Live-CDs für KDE <strong>und</strong> Gnome<br />

auch unfreie Grafiktreiber <strong>und</strong><br />

Plugins an. Verwenden Sie die<br />

Installations-DVD, haben Sie die<br />

Möglichkeit, diese Treiber <strong>und</strong><br />

Plugins nach der Installation vom<br />

Zweig non-free der Online-Repositories<br />

nachzuinstallieren.<br />

Bei den Repositories finden Sie<br />

den Zweig core, der alle freie Softwarepakete<br />

enthält, sowie die beiden<br />

Zweige non-free <strong>und</strong> tainted.<br />

In non-free liegen alle unfreien Pakete,<br />

während tainted Software<br />

umfasst, die zusätzlich eine problematische<br />

Lizenz aufweist oder<br />

nicht überall auf der Welt vertrieben<br />

werden darf.<br />

Das ermöglicht es sowohl Betreibern<br />

von Spiegel-Servern als<br />

auch Benutzern in Ländern mit<br />

entsprechender Gesetzgebung<br />

selbst zu entscheiden, ob sie den<br />

betreffenden Zweig anbieten beziehungsweise<br />

nutzen wollen.<br />

Die Installation<br />

Im Test kam die Installations-<br />

DVD (64-Bit) sowie je eine Live-<br />

CD für KDE <strong>und</strong> Gnome zum Einsatz.<br />

In der Installationsroutine<br />

fällt außer einer leicht verbesserten<br />

Grafik wenig Neues zur vorherigen<br />

Version auf. Nach dem<br />

Booten von der DVD grüßt ein<br />

ansprechend gestaltetes Menü<br />

(Abbildung A).<br />

Neben der Installation bietet es<br />

einen Eintrag für den Einsatz als<br />

Rettungssystem, oder um einen<br />

Hardware- oder Speichertest vorzunehmen.<br />

Nach Auswahl der<br />

Installationsoption führt Sie der<br />

grafische Installer Schritt für<br />

Schritt durch alle Phasen der Installation.<br />

Bei jedem dieser Schritte<br />

haben Sie die Möglichkeit, über<br />

[F1] einen Hilfetext anzufordern.<br />

Dem erfahrenen Benutzer steht<br />

bei nahezu jeder Gelegenheit ein<br />

erweiterter Modus mit umfassenden<br />

Optionen bereit. Das Tool<br />

zum Partitionieren, Diskdrake,<br />

haben die Entwickler nicht weiter<br />

verändert. Es liefert in optisch<br />

ansprechendem Gewand eine<br />

sehr gute Übersicht über die vorhandenen<br />

Bereiche der Festplatten<br />

<strong>und</strong> schlägt auf Wunsch eine<br />

entsprechende Aufteilung vor. Sie<br />

müssen diese Vorschläge freilich<br />

nicht annehmen, sondern können<br />

auch selbst über Typ <strong>und</strong><br />

Größe der Bereiche entscheiden.<br />

In der Regel schlägt das Programm<br />

das Dateisystem Ext4 vor,<br />

es stehen jedoch auch alle anderen<br />

üblichen Formate bereit.<br />

Möchten Sie eine neue Partition<br />

zusätzlich verschlüsseln, markieren<br />

Sie beim Einrichten die entsprechende<br />

Option.<br />

Als Nächstes folgt die für einen<br />

Einsteiger wohl wichtigste Entscheidung,<br />

die Auswahl des Desktops.<br />

Hier bietet die Mageia-DVD<br />

sowohl KDE <strong>und</strong> Gnome als auch<br />

eine Option Benutzerdefiniert zur<br />

Auswahl an (Abbildung B). Markieren<br />

Sie KDE oder Gnome,<br />

dann beginnt der Installer sofort<br />

mit dem Aufsetzen eines entsprechenden<br />

Systems. Über die Option<br />

Benutzerdefiniert gelangen Sie<br />

in eine nach Gruppen <strong>und</strong> auf<br />

Wunsch sogar nach einzelnen Paketen<br />

sortierte Auswahl.<br />

Obwohl das Angebot an Software<br />

der DVD bereits umfassend<br />

ausfällt, haben Sie trotzdem die<br />

Möglichkeit, während der Installation<br />

zusätzliche Quellen (FTP-<br />

Server, lokale Server, optische<br />

Medien) einzubinden <strong>und</strong> deren<br />

Inhalte in der individuellen Auswahl<br />

der Pakete zu nutzen.<br />

Nach der Auswahl beginnt die<br />

recht flüssig ablaufende Installation<br />

der Pakete auf die Festplatte.<br />

Beim darauf folgenden Einrichten<br />

des Systems ergeben alle vorgegebenen<br />

Einstellungen in der Regel<br />

Sinn. Ein Zwischenschritt des<br />

Systems erfordert jedoch ein wenig<br />

Geduld seitens des Anwenders:<br />

das Erstellen der nötigen<br />

Skripte <strong>und</strong> Konfigurationen für<br />

den Systemstart. Auf dem Bildschirm<br />

sehen Sie eine entsprechende<br />

Meldung.<br />

Hat der Installer dies alles abgeschlossen,<br />

so zeigt er eine Zusammenfassung<br />

aller Einstellungen<br />

(Abbildung C, folgende Seite).<br />

Über einen Button haben Sie jederzeit<br />

die Möglichkeit, noch Änderungen<br />

vorzunehmen. Im Test<br />

erkannte das System allerdings<br />

sowohl auf dem Test-PC als auch<br />

auf einem Samsung-Notebook<br />

alle Hardware-Komponenten automatisch<br />

<strong>und</strong> richtete diese folglich<br />

korrekt ein.<br />

Wie bereits bei der Installation<br />

von Mageia 1 versagte allerdings<br />

das Aktivieren der WLAN-Verbindung.<br />

Sie war zwar korrekt konfiguriert,<br />

stand aber erst nach einem<br />

Neustart bereit. Der vorhandene<br />

Multifunktionsdrucker von<br />

HP ließ sich inklusive Scan-Funktion<br />

<strong>und</strong> zugehöriger Software<br />

ebenfalls erst nach dem Neustart<br />

des Systems einrichten.<br />

A Das Startmenü bietet<br />

neben der Möglichkeit<br />

zur Installation<br />

auch einen Eintrag für<br />

den Einsatz als Rettungssystem.<br />

B Bei der Auswahl der<br />

Desktop-Umgebung<br />

bietet Mageia neben<br />

Standardoptionen die<br />

Möglichkeit zum individuellen<br />

Zusammenstellen<br />

des Desktops.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 13


heft-dvd<br />

Mageia 2<br />

C Am Ende der<br />

Installation zeigt der<br />

Installer eine Zusammenfassung<br />

der aktuellen<br />

Konfiguration.<br />

Ein wichtiger Schritt ist nur an<br />

dieser Stelle möglich: die Korrekturen<br />

beim Einrichten des Bootloaders.<br />

Ein Überprüfen der automatisch<br />

gef<strong>und</strong>enen Werte schadet<br />

sicher nicht. Normalerweise<br />

erkennt der Installer vorhandene<br />

Distributionen <strong>und</strong> fügt sie automatisch<br />

in das Bootmenü ein.<br />

Allerdings gibt es Probleme,<br />

wenn bereits eine Distribution<br />

auf der Festplatte liegt, die Grub2<br />

verwendet. Wenn Mageia mit seiner<br />

alten Grub-Version den im<br />

Master Boot Record residierenden<br />

Grub2 überschreibt, klappt<br />

das Booten der existierenden Systeme<br />

nicht mehr.<br />

Zu diesem Thema, das die Community<br />

wohl so lange beschäftigen<br />

wird, bis sich alle Distributionen<br />

auf einen Bootloader geeinigt<br />

haben, gibt es verschiedene Lösungen,<br />

die Sie bei Bedarf sowohl<br />

bei Grub2-Distributionen als<br />

auch in den Foren bei Mageia<br />

nachlesen. Auf dem Testrechner<br />

waren bereits Windows 8 sowie<br />

Mageia 1 vorhanden. Beide erkannte<br />

das System <strong>und</strong> trug sie<br />

ins Bootmenü ein.<br />

Nach dieser Zusammenfassung<br />

besteht die Möglichkeit, bei aktivem<br />

Internetzugang bereits nach<br />

dem Erscheinen der Distribution<br />

herausgegebene Aktualisierungen<br />

zu installieren. Auf dem Testrechner<br />

mit kabelgeb<strong>und</strong>enem Netzzugang<br />

aktualisierte das System<br />

noch einmal 50 Pakete.<br />

Nach der Installation<br />

erfolgt als Erstes das<br />

Einrichten der Paketquellen.<br />

Dies erledigt<br />

das System bei Bedarf<br />

automatisch, wobei es<br />

bei jedem Update <strong>und</strong><br />

jeder Installation einen<br />

Server in geografischer<br />

Nähe auf Erreichbarkeit<br />

prüft <strong>und</strong><br />

dann verwendet. Ziehen<br />

Sie einen bestimmten<br />

Server vor,<br />

suchen Sie diesen aus<br />

einer Liste im Konfigurations-Tool<br />

heraus.<br />

Den Zweig core aktiviert das<br />

System dabei automatisch. Möchten<br />

Sie die unfreien <strong>und</strong> teilweise<br />

lizenzbewehrten Pakete der Bereiche<br />

non-free <strong>und</strong> tainted benutzen,<br />

aktivieren Sie diese Zweige<br />

via Mausklick. Dieser Schritt entfällt,<br />

falls Sie am Ende der Installation<br />

bereits Aktualisierungen<br />

nachgezogen haben.<br />

Desktops<br />

Während die Live-CDs nur jeweils<br />

eine Desktop-Umgebung (KDE<br />

oder Gnome) bieten, stehen auf<br />

den DVDs mehrere zur Auswahl:<br />

Gnome 2.32, KDE 4.6.3, XFCE<br />

<strong>und</strong> LXDE. Dazu kommen noch<br />

einige reine Fenstermanager, wie<br />

Windowmaker oder IceWM. Im<br />

Test waren KDE <strong>und</strong> Gnome die<br />

Favoriten: Beide zeigten eine sehr<br />

gute Integration in das Ökosystem<br />

von Mageia, insbesondere bei<br />

KDE kommt das klare schnörkellose<br />

Design zur Geltung. Aber<br />

auch Gnome zeigt mit der Gnome-Shell<br />

neue Ansätze <strong>und</strong> arbeitet<br />

erwartungsgemäß schnell.<br />

KDE SC ist in der zum Release<br />

neuesten Version 4.8.2 an Bord,<br />

die im Test keine Schwächen zeigte.<br />

Nach dem Einrichten der proprietären<br />

Treiber für die im Testrechner<br />

eingebaute Grafikkarte<br />

von Nvidia standen die vielfältigen<br />

Desktop-Effekte von KDE bereit.<br />

Die Effekte von Compiz ließen<br />

sich zwar ebenfalls aktivieren,<br />

jedoch liefert KDE bereits so<br />

viele Features, dass Compiz nicht<br />

unbedingt einen Gewinn bringt.<br />

Gnome 3.4.1 kommt allerdings<br />

erst mit ausreichender Grafikleistung<br />

richtig zum Zug. Auf einem<br />

Testrechner startete Gnome zunächst<br />

im Fallback-Modus. Dieser<br />

war durchaus zu benutzen <strong>und</strong><br />

hat Ähnlichkeiten mit früheren<br />

Versionen von Gnome.<br />

Nach der Installation des proprietären<br />

Treibers lief dann auch<br />

die Gnome-Shell. Zu Schwierigkeiten<br />

kam es im Test mit einem<br />

WLAN-Treiber für Broadcom-Geräte,<br />

der nicht mit dem Network-<br />

Manager unter Gnome zur Arbeit<br />

zu bewegen war. Erst eine Deinstallation<br />

des Netzwerk-Tools <strong>und</strong><br />

das erneute Einrichten der Verbindung<br />

über das Kontrollzentrum<br />

schaffte hier Abhilfe.<br />

Alltags-Software<br />

Im Bereich Multimedia zeigten<br />

sich keinerlei Probleme, solange<br />

wir nicht den Standard-<strong>Video</strong>player<br />

von KDE (Dragon) benutzten.<br />

Er bringt von Haus aus keine<br />

der für die Wiedergabe von <strong>Video</strong>s<br />

nötigen Codecs mit, Sie müssen<br />

alles nachträglich installieren.<br />

Bei anderen getesteten Anwendungen<br />

wie VLC <strong>und</strong> MPlayer war<br />

dies nicht in diesem Ausmaß nötig.<br />

Beide stammen allerdings aus<br />

dem unfreien Zweig tainted.<br />

Als reine Musikplayer stehen sowohl<br />

Amarok als auch dessen Abkömmling<br />

Clementine bereit,<br />

ebenso wie Rhythmbox <strong>und</strong> weitere.<br />

In Sachen <strong>Video</strong>- <strong>und</strong><br />

So<strong>und</strong>-Editor bleiben wenig Wünsche<br />

offen: In den Repositories<br />

finden sich Anwendungen wie<br />

Audacious, Kino oder Kdenlive.<br />

Der CD-Spieler von KDE (Kscd)<br />

ist in seiner neuen Form akzeptabel<br />

<strong>und</strong> funktional. Wer alles zusammen<br />

installieren möchte,<br />

zieht das Paket XBMC aus den<br />

Online-Quellen nach.<br />

Daneben beeindruckt Mageia 2<br />

mit der Auswahl <strong>und</strong> Aktualität<br />

der Grafikanwendungen. In erster<br />

Linie wäre da natürlich<br />

14 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Mageia 2<br />

heft-dvd<br />

Gimp 2.8 [5] zu nennen. Neben<br />

Digikam stehen Shotwell, Inkscape<br />

<strong>und</strong> Scribus als wichtige<br />

Programme bereit.<br />

Im Bereich Büroanwendungen<br />

finden Sie neben der Version 3.5<br />

von LibreOffice alternative Anwendungen<br />

wie Abiword, Gnumeric,<br />

Calligra (ehemals KOffice),<br />

Skrooge (Finanzmanager) <strong>und</strong><br />

KMyMoney, ebenso wie Scribus<br />

als Layoutprogramm <strong>und</strong> Okular<br />

<strong>und</strong> Evince als PDF-Betrachter.<br />

Im Internet bewegen Sie sich bei<br />

Mageia 2 mit Firefox oder mit der<br />

freien Version von Chrome (chromium-browser)<br />

oder anderen Webbrowsern.<br />

Bei der für Viele so<br />

wichtigen Installation des Plugins<br />

für Flash-<strong>Video</strong>s gibt es in Mageia<br />

2 ein über die Software-Verwaltung<br />

installierbares Paket, der<br />

das Plugin von der Adobe-Website<br />

holt <strong>und</strong> installiert.<br />

Das Java-Plugin für den Browser<br />

finden Sie nun im Paket icedtea-web.<br />

Die proprietäre Java-Version<br />

von Oracle darf die Distribution<br />

nicht mehr anbieten, da diese<br />

einem Vertriebsverbot durch<br />

Dritte unterliegt.<br />

Die Kommunikation mit Fre<strong>und</strong>en<br />

ist mit Mageia 2 auf fast allen<br />

Ebenen möglich. Auch das Einrichten<br />

der aktuellen Skype-Version<br />

für Linux erfolgt wie beim<br />

Flashplayer-Plugin über das Paketmanagement.<br />

Die Liste der<br />

textbasierten Kommunikationsmittel<br />

fällt umfangreich aus, von<br />

Kopete über Quassel <strong>und</strong> Konversation<br />

bis hin zu Lirc <strong>und</strong> Xchat.<br />

Alle Programme liefen im Test<br />

ohne sichtbare Probleme.<br />

Systemverwaltung<br />

Für alle Verwaltungsaufgaben<br />

steht das von Mandriva entwickelte<br />

Kontrollzentrum mit seinen<br />

zahlreichen spezialisierten<br />

Werkzeugen bereit. Alle diese<br />

Tools haben die Entwickler für<br />

das neue Release noch einmal<br />

überarbeitet <strong>und</strong> verbessert.<br />

Als zentraler Punkt erweist sich<br />

das Softwaremanagement (Abbildung<br />

D). Hier durchsuchen Sie<br />

nach dem Einrichten der<br />

Quellen das gesamte Angebot<br />

der Distribution<br />

<strong>und</strong> installieren oder<br />

entfernen das gewünschte<br />

Paket. Zum Einrichten<br />

<strong>und</strong> der Konfiguration<br />

unfreier Treiber nach einer<br />

Installation von der<br />

freien DVD sowie zum<br />

Einrichten neuer Hardware-Komponenten<br />

steht der Bereich Hardware<br />

bereit.<br />

Das Einrichten des proprietären<br />

Treibers für die<br />

Nvidia-Grafik im Test-PC<br />

ließ sich mit wenigen Mausklicks<br />

erledigen. Ebenso einfach gelang<br />

das Einbinden des Multifunktionsdruckers<br />

über das entsprechende<br />

Werkzeug im Mageia-<br />

Kontrollzentrum. Aber auch anspruchsvollere<br />

Aufgaben, wie das<br />

Einrichten von Samba, NFS oder<br />

einer USV, bewältigen Sie leicht<br />

über das Kontrollzentrum.<br />

Auch unterhalb der Oberfläche<br />

bietet Mageia 2 einige Aktualisierungen<br />

<strong>und</strong> Änderungen. Die Bedeutendste<br />

macht dabei der<br />

Wechsel von Sysvinit zu Systemd<br />

aus. Damit geht eine gr<strong>und</strong>legende<br />

Änderung beim Starten von<br />

Diensten einher, wobei Mageia<br />

sich in die Reihe der Distributionen<br />

begibt, die diesen Wechsel<br />

bereits hinter sich haben.<br />

Als Virtualisierungssoftware<br />

dient Virtualbox 4.1.12. Im Test<br />

kam als Gastsystem Windows XP<br />

mit USB-Support <strong>und</strong> Netzzugang<br />

zum Einsatz. Der Webserver<br />

Apache liegt in der Version 2.2.22<br />

vor, PHP als 5.3.13. Im Paketmanagement<br />

blieb Mageia 2 bei der<br />

RPM-Linie <strong>und</strong> bringt die Version<br />

4.9.1.3 mit.<br />

Webseiten, Support<br />

Sowohl der Mageia-Webseite als<br />

auch den zeitnahen <strong>und</strong> beinahe<br />

vollständigen Übersetzungen<br />

sieht man das große Engagement<br />

der Community an. Das Portal<br />

<strong>und</strong> die vielen Seiten mit Informationen<br />

bieten eine aktuelle<br />

Übersicht <strong>und</strong> ermöglichen beispielsweise<br />

über das Blog [6] eine<br />

kontinuierliche Kommunikation<br />

der aktuellen Entwicklung von<br />

<strong>und</strong> bei Mageia.<br />

Das Mageia-Wiki ist in vielen<br />

Teilen bereits eingerichtet. So<br />

fehlt etwa eine offizielle Dokumentation.<br />

Die deutschsprachigen<br />

Benutzer finden eine sehr aktive<br />

<strong>und</strong> hilfsbereite Community<br />

im deutschsprachigen Forum [7].<br />

Darüber hinaus plant die Mageia-<br />

Community, bei vielen Veranstaltungen<br />

mit einem Informationsstand<br />

dabei zu sein.<br />

Fazit<br />

Mageia 2 überzeugt mit einem<br />

stabilen, innovativen <strong>und</strong> gleichzeitig<br />

visuell ansprechenden System.<br />

Besonders zu gefallen weiß<br />

die exzellente Integration des<br />

KDE-Desktops. (agr) n<br />

[1] Mageia: http:// mageia. org/ de/<br />

[2] ROSA Marathon 2012: Erik Bärwaldt,<br />

„Zweischneidig“, LU 07/​2012, S. 8,<br />

info<br />

http:// www. linux‐community. de/ 26169<br />

[3] Hinweise zum aktuellen Release:<br />

https:// wiki. mageia. org/ en/​<br />

Mageia_2_ Release_Notes<br />

[4] Download:<br />

http:// mageia. org/ de/ downloads/<br />

[5] Gimp 2.8: Andreas Reitmaier,<br />

„Feine Farben“, LU 07/​2012, S. 24,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 26388<br />

[6] Blog: http:// blog. mageia. org/ de/<br />

[7] Forum: https:// forums. mageia. org/ de/<br />

D Das Software-Management<br />

im Mageia-<br />

Kontrollzentrum.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 15


heft-dvd<br />

Fedora 17 „Beefy Miracle“<br />

Community-Distribution Fedora 17 im Überblick<br />

Kaum ein Makel<br />

Mit Fedora 17<br />

unterstreicht Red<br />

Hats Community-<br />

Distribution ihren<br />

professionellen<br />

Anspruch. Einige<br />

kleinere Schwächen<br />

leistet sie<br />

sich aber doch.<br />

Hartmut Noack<br />

Fedora 17 Gnome Live<br />

bootfähig (32 Bit)<br />

<strong>und</strong> als ISO (64 Bit)<br />

auf der Heft-DVD<br />

README<br />

Die seit Jahren weiterentwickelte<br />

Community-<br />

Distribution Fedora legt<br />

mit dem aktuellen Release<br />

17 wieder ein<br />

Stück sauber integrierte<br />

Software vor. Unser<br />

Test förderte zwar einige<br />

kleine Schwächen<br />

ans Licht, der Gesamteindruck<br />

bleibt aber<br />

durchweg positiv.<br />

Fedora Linux verfügt über ein<br />

geradezu beneidenswertes Image:<br />

Die Community-Distribution von<br />

Red Hat hat sich den Ruf erworben,<br />

viele erfreuliche Eigenschaften<br />

gleichzeitig zu besitzen. Fans<br />

sagen, Fedora sei ausgereift wie<br />

Debian, mindestens so modern<br />

wie OpenSuse <strong>und</strong> dabei so leicht<br />

zu bedienen wie Ubuntu. Wir haben<br />

uns angesehen, ob das frisch<br />

erschienene Fedora 17 „Beefy<br />

Miracle“ diesen hohen Ansprüchen<br />

auch gerecht wird.<br />

Als Testgerät kam ein Thinkpad<br />

T60 von Lenovo zum Einsatz.<br />

Dieses traditionell von Linux sehr<br />

gut unterstützte Gerät hat sich<br />

mit verschiedenen Varianten von<br />

OpenSuse <strong>und</strong> Ubuntu im Alltag<br />

tadellos bewährt. Dass es mit<br />

2 GByte Arbeitsspeicher <strong>und</strong> einem<br />

nicht mehr ganz taufrischen<br />

Intel-Dual-Centrino kein hochaktueller<br />

Bolide mehr ist, gibt Fedora<br />

17 Gelegenheit, sich als schlankes<br />

System zu bewähren.<br />

Installation<br />

Fedora bekommen Sie von den<br />

Download-Seiten des Projektes<br />

[1] <strong>und</strong> via Bittorrent in vielen<br />

verschiedenen Varianten. Den<br />

Live-Desktop finden Sie in den<br />

Versionen für 32- <strong>und</strong> 64-Bit-Systeme<br />

auf der Heft-DVD. Neben<br />

der Standardversion mit Gnome<br />

3.4 als Desktop ist Fedora auch<br />

mit KDE 4.8, XFCE 4.4 <strong>und</strong> LXDE<br />

als Oberfläche im Angebot.<br />

Alternative Desktop-Oberflächen<br />

erweisen sich als ein großer<br />

Vorteil von Linux. Jeder große<br />

Distributor integriert aber einen<br />

Desktop besonders intensiv in<br />

sein Konzept. Bei Fedora fiel die<br />

Wahl auf Gnome (Abbildung A),<br />

<strong>und</strong> so kam zunächst diese Variante<br />

unter die Lupe. Live-CD <strong>und</strong><br />

Installation funktionieren reibungslos,<br />

KDE <strong>und</strong> Kollegen rüsten<br />

Sie später leicht nach.<br />

Fedora 17 vertraut komplett auf<br />

die Konzepte des Gnome-Projektes.<br />

Dabei vermeidet die Distribution<br />

jede deutlich sichtbare Änderung<br />

an Gnome 3 – nicht einmal<br />

das Fedora-Logo ist auf dem<br />

Desktop auszumachen. Das erstaunt<br />

nicht, denn schließlich<br />

steht hinter Fedora kein anderer<br />

als Red Hat, also das Unternehmen<br />

mit dem größten Anteil am<br />

Gnome-Projekt.<br />

Der Desktop besteht aus der eigentlichen<br />

Arbeitsfläche <strong>und</strong> einem<br />

Interface mit dem Namen<br />

Gnome-Shell. Die Oberfläche<br />

räumt den Fenstern maximalen<br />

Platz ein, die Gnome-Shell bietet<br />

Programmstarter <strong>und</strong> verwaltet<br />

die Arbeitsflächen.<br />

16 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Fedora 17 „Beefy Miracle“<br />

heft-dvd<br />

Unangenehm fällt auf, dass<br />

Gnome keine Möglichkeit mehr<br />

bietet, um den Rechner auszuschalten.<br />

Erst nach dem Abmelden<br />

vom Desktop finden Sie<br />

rechts oben einen kleinen Knopf,<br />

der zusätzliche Aktionen erlaubt.<br />

In der Liste, die sich hinter dem<br />

Benutzernamen rechts oben verbirgt,<br />

finden Sie die Einstellungen<br />

für das System – unter anderem<br />

mit deutlich erweiterten<br />

Möglichkeiten für Wacom-Zeichen-Tablets<br />

<strong>und</strong> zum Verwalten<br />

von Farben (Abbildung A).<br />

Für die Suchfunktion müssen<br />

Sie nicht den Cursor in das Suchfeld<br />

setzen: Sobald Sie einen<br />

Buchstaben des gesuchten Begriffs<br />

eintippen, beginnt die Suche<br />

nach Programmen <strong>und</strong> Dateien.<br />

Die Ergebnisse erscheinen sofort<br />

in der Liste in der Mitte. Etwas<br />

darunter finden Sie Schalter,<br />

die den Suchbegriff an Wikipedia<br />

oder Google schicken. Einzelne<br />

Programme ziehen Sie bei Bedarf<br />

auf die Favoriten genannte<br />

Schnellstartleiste links.<br />

Insgesamt schielt der Desktop –<br />

ähnlich wie Ubuntus Unity – auf<br />

mobile Geräte mit Touch-Oberfläche.<br />

Der Spagat gelingt auf<br />

dem 1600 mal 1440 Pixel großen<br />

Display des Testgerätes ziemlich<br />

gut. Es kommt nicht das Gefühl<br />

auf, der PC sei mit kargem Spielzeug<br />

für Handys ausgestattet.<br />

Cloud-Dienste<br />

Die Integration des Webs, meist<br />

in Form der Cloud, erweist sich in<br />

Gnome 3.4 als fortschrittlich. Wie<br />

auf Mobilgeräten binden Sie Online-Dienste<br />

wie Google Docs<br />

nahtlos in den Desktop ein. Die<br />

Unterstützung von berührungsempfindlichen<br />

Displays treibt Fedora<br />

17 im Hintergr<strong>und</strong> voran. So<br />

enthält das System eine Funktionen<br />

für Multitouch-Aktionen, die<br />

im kommenden GTK 3.4 den Benutzern<br />

bereitstehen.<br />

Viele Nutzer haben in der Vergangenheit<br />

an der Gnome-Shell<br />

kritisiert, dass diese einen Grafiktreiber<br />

mit Hardware-Beschleunigung<br />

voraussetzt.<br />

In Fedora 17 fällt<br />

dieses Problem<br />

flach, denn die<br />

grafischen Effekte<br />

der Shell laufen<br />

jetzt bei Bedarf<br />

direkt auf<br />

der CPU.<br />

Das neue<br />

Gnome Boxes [2]<br />

bietet eine grafische<br />

Oberfläche<br />

für den Umgang<br />

mit virtuellen<br />

Maschinen. Ganz<br />

im Sinne des<br />

Gnome-Mantras<br />

geht es dabei<br />

nicht um totale Kontrolle über jeden<br />

Aspekt der Virtualisierung.<br />

Stattdessen gibt Boxes Ihnen ein<br />

intuitiv zu bedienendes Werkzeug<br />

an die Hand, mit dem Sie virtuelle<br />

Maschinen starten <strong>und</strong> steuern<br />

<strong>und</strong> sich via Netzwerk mit virtuellen<br />

Maschinen auf entfernten<br />

Rechnern verbinden.<br />

Feine Kollegen<br />

Obwohl Fedora dem Gnome-Projekt<br />

besonders nahesteht, bedeutet<br />

das nicht, dass es dessen Alternativen<br />

vernachlässigt. Neben<br />

der Standardversion finden Sie<br />

auf der Download-Seite auch CDs<br />

mit KDE 4.8, XFCE 4.3 oder<br />

LXDE als Standard-Desktop. Alle<br />

drei Varianten<br />

bieten sinnvolle<br />

Voreinstellungen.<br />

KDE fühlt<br />

sich gänzlich ausgereift<br />

an. Es<br />

läuft unter Fedora<br />

deutlich flüssiger<br />

als sein (ungefähr<br />

gleich altes)<br />

Pendant unter<br />

Kubuntu auf<br />

dem gleichen<br />

Rechner.<br />

Im Klassik-Menü<br />

fehlen einige<br />

Gnome-Programme,<br />

<strong>und</strong> dass der<br />

Paketmanager<br />

Apper nicht der Weisheit letzter<br />

Schluss ist, haben schon andere<br />

besungen. Ansonsten aber erweist<br />

sich KDE in Fedora 17 (Abbildung<br />

B) als guter Tipp für alle,<br />

die sich mit dem eleganten, aber<br />

eigenwilligen Gnome 3.4 nicht<br />

anfre<strong>und</strong>en mögen.<br />

XFCE funktioniert wie zu erwarten:<br />

Es wirkt nicht wirklich<br />

schlanker als Gnome, sieht aber<br />

vertrauter aus <strong>und</strong> bietet mehr<br />

Einstellungsmöglichkeiten. Seine<br />

logischen Bedienkonzepte setzen<br />

auf Bewährtes <strong>und</strong> sind schnell<br />

<strong>und</strong> intuitiv zugänglich.<br />

Richtig schlank kommt LXDE<br />

daher (Abbildung C, folgende Seite),<br />

aber wirklich schneller wirkt<br />

A Die neue Farbverwaltung<br />

in Fedora 17<br />

sorgt für bessere Qualität<br />

auf Bildschirm<br />

<strong>und</strong> Drucker. Die Hilfe<br />

dazu erläutert die<br />

Funktionen vorbildlich.<br />

B Im Gegensatz zur<br />

Gnome-Shell bleibt<br />

das Plasma-Dashboard<br />

von KDE mit<br />

Apps wie Kalender<br />

oder Systemmonitor<br />

immer im Blick.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 17


heft-dvd<br />

Fedora 17 „Beefy Miracle“<br />

C In LXDE bearbeiten<br />

Sie das Menü mit den<br />

Programmstartern per<br />

Hand in einer XML-Datei.<br />

Daneben steht ein<br />

Glossar<br />

automatisch generiertes<br />

Menü bereit.<br />

OLPC: One Laptop Per<br />

Child. Eine Initiative mit<br />

dem Ziel, in Schwellenländern<br />

wie Indien <strong>und</strong><br />

Brasilien für jedes<br />

Schulkind einen Laptop<br />

bereitzustellen.<br />

4 Das Gnome-Applet<br />

für den Firewalld<br />

bettet sich bei Bedarf<br />

nahtlos ins Panel von<br />

KDE-Plasma ein.<br />

der spartanische Desktop auf<br />

dem T60 nicht. Auf noch schwächer<br />

ausgestatteten Rechnern<br />

fällt der Unterschied durch die<br />

bemerkenswert flotte Arbeitsweise<br />

von LXDE stärker auf.<br />

LXDE selbst <strong>und</strong> den integrierten<br />

Desktop Openbox konfigurieren<br />

Sie komplett über Textdateien.<br />

Das geht zwar prinzipiell<br />

auch bei KDE <strong>und</strong> Konsorten, erweist<br />

sich dort aber als ausgesprochen<br />

kniffelig. In LXDE dagegen<br />

genügen wenige Eingriffe in<br />

einige leicht verständliche XML-<br />

Dateien. In ~/.config/lxpanel <strong>und</strong><br />

~/ .con fig/openbox/lxde‐rc.xml finden<br />

Sie Schalter, welche die in<br />

LXDE enthaltenen grafischen<br />

Werkzeuge nicht umsetzen.<br />

Wer gerne die besten Werkzeuge<br />

aus verschiedenen Desktops<br />

gleichzeitig nutzt, erlebt in Fedora<br />

keine unerwünschten Überraschungen:<br />

Dolphin arbeitet unter<br />

Gnome genauso gut wie in XFCE<br />

<strong>und</strong> nur minimal eingeschränkt<br />

im Vergleich zu Dolphin in KDE.<br />

Gedit funktioniert<br />

unter KDE ebenso<br />

gut wie im heimatlichen<br />

Gnome.<br />

Nautilus startet<br />

überall, ohne wie<br />

früher den kompletten<br />

Desktop<br />

mitzuziehen.<br />

Als besonderes<br />

Extra bringt Fedora<br />

den Desktop<br />

Sugar für den Einsatz<br />

im Bildungsumfeld<br />

mit. Das<br />

System entstand<br />

im Rahmen des<br />

OLPC-Projekts<br />

<strong>und</strong> bietet besondere<br />

Möglichkeiten zum Vernetzen<br />

für verschiedene Computer,<br />

auf denen das System läuft. Für<br />

Standard-PCs eignet sich Sugar<br />

nicht, da es spezielle Hardware<br />

<strong>und</strong> zur Administration geschultes<br />

Personal erfordert.<br />

Zwar keine Desktop-Umgebung,<br />

aber doch eine Welt für sich, stellen<br />

Java <strong>und</strong> die damit eng verb<strong>und</strong>ene<br />

Entwicklungsumgebung<br />

Eclipse dar. Hier macht das Fedora-Projekt<br />

eine bemerkenswerte<br />

Ausnahme: Bis zum voraussichtlichen<br />

Erscheinen von Eclipse Juno<br />

im Juni 2012 enthält Fedora eine<br />

Vorabversion, dann folgt im laufenden<br />

Release das Update auf<br />

die finale Version.<br />

In Sachen Programmiersprachen<br />

gibt sich Fedora 17 modern:<br />

Mit den integrierten Werkzeugen<br />

GCC 4.7, Python 2.7.3 <strong>und</strong> den<br />

dazugehörigen Tools in aktuellen<br />

Versionen übersetzen Sie selbst<br />

größere Anwendungen in Ihren<br />

Entwicklerversionen.<br />

Java 7, PHP 5.4.1 <strong>und</strong> diverse<br />

Spezialisten wie<br />

Erlang OTP R15<br />

sind ebenfalls am<br />

Puls der Zeit <strong>und</strong><br />

empfehlen Fedora<br />

für Web-Entwickler<br />

<strong>und</strong> Programmierer<br />

von Android-Apps.<br />

Wer<br />

sich ernsthaft als<br />

Anbieter mit Cloud-Diensten beschäftigen<br />

will, findet in Fedora<br />

17 aktuelle Versionen von<br />

OpenStack <strong>und</strong> Nebula.<br />

Gimp liegt in der Version 2.8<br />

von Anfang Mai bei, ebenso wie<br />

das neue LibreOffice 3.5 sowie einige<br />

weniger bekannte Programme,<br />

wie die exzellente Musiksuite<br />

LMMS.<br />

Solide Basis<br />

Die Liste der Neuigkeiten von Fedora<br />

17 enthält viele Punkte, die<br />

Sie nicht sofort an der Oberfläche<br />

sehen. Für Start <strong>und</strong> Stop des<br />

Systems sorgt das von Red-Hat-<br />

Mitarbeiter Lennart Poettering<br />

programmierte Systemd. In der<br />

Praxis bemerkt der Desktop-Nutzer<br />

davon vermutlich nicht viel:<br />

Der Systemstart lief auf dem<br />

Testsystem nicht schneller als der<br />

von Fedora 14 auf dem gleichen<br />

Gerät. Deutlich schneller geht es<br />

dagegen beim Herunterfahren.<br />

Energiesparmodi wie Suspend<br />

<strong>und</strong> Hibernate laufen in Fedora<br />

17 ganz hervorragend: Sowohl<br />

der Eintritt in den Ruhezustand<br />

als auch das Erwachen aus dem<br />

Tiefschlaf funktionieren auf dem<br />

T60 tadellos: Alle auf den Desktops<br />

verteilten Programme waren<br />

nach dem Aufwachen an ihrem<br />

Platz, <strong>und</strong> die drahtlose Netzwerkverbindung<br />

baute sich<br />

schnell <strong>und</strong> automatisch neu auf.<br />

Seit Fedora 15 steht mit<br />

Firewalld ein neues Firewall-System<br />

in Fedora bereit, das vermutlich<br />

in Fedora 18 Iptables komplett<br />

ablöst. Als dynamische<br />

Firewall erlaubt der Daemon Änderungen<br />

im laufenden Betrieb –<br />

bei Iptables erfordert das einen<br />

Neustart der Firewall.<br />

Zusammen mit dem natürlichen<br />

Verbündeten SELinux erlaubt<br />

Firewalld künftig so einen flexibleren<br />

Umgang mit der Netzwerksicherheit<br />

unter Linux. Als sichtbares<br />

Zeichen für diese stärkere<br />

Orientierung am Nutzer liefert<br />

Fedora 17 ein Gnome-Applet namens<br />

Firewalld-applet. Wer Windows-Desktop-Firewalls<br />

wie Zone<br />

18 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Fedora 17 „Beefy Miracle“<br />

heft-dvd<br />

Alarm kennt, entdeckt hier Parallelen.<br />

Zurzeit tut das Applet allerdings<br />

nicht viel mehr, als den Status<br />

der Firewall <strong>und</strong> deren aktives<br />

Profil anzuzeigen. Mit zwei Klicks<br />

blockieren Sie die Datenströme.<br />

Für die Zukunft stehen aber interessante<br />

Möglichkeiten auf dem<br />

Plan: Würde zum Beispiel jedes<br />

neu installierte Programm beim<br />

ersten Besuch im Internet am<br />

Applet von Firewalld (Abbildung<br />

4) vorbei müssen, wären<br />

Linux-Desktops wieder ein Stückchen<br />

sicherer. Ebenfalls auf dem<br />

Plan steht der Support für Netzwerkzonen.<br />

Damit ließe sich der<br />

WLAN-Anschluss an einem öffentlichen<br />

Hotspot automatisiert<br />

völlig anders absichern als der<br />

WLAN-Anschluss zu Hause.<br />

Die Qualität einer Distribution<br />

steht <strong>und</strong> fällt mit dem Management<br />

der Software. In Sachen<br />

Ausstattung <strong>und</strong> Konsistenz erlaubt<br />

sich Fedora keine Schwächen:<br />

Bei der Nachinstallation<br />

von etwa 200 Paketen sowie dem<br />

Hinzufügen des externen Repositories<br />

RPMFusion traten im Test<br />

keine Konflikte auf. Die verfügbaren<br />

Pakete sind zudem auf dem<br />

letzten Stand der Technik.<br />

Nicht ganz so vergnüglich wie<br />

das gute Angebot stimmen die<br />

grafischen Oberflächen für das<br />

Paketmanagement, die Fedora<br />

unter dem Namen Apper (für<br />

KDE) <strong>und</strong> GPK-Application (für<br />

Gnome, Abbildung 5) mitliefert.<br />

Beide schaffen es in keiner Weise,<br />

mit Tools wie Synaptic oder YaST<br />

mitzuhalten.<br />

Die simplen Oberflächen bieten<br />

gerade mal das Nötigste. So fehlt<br />

zum Beispiel das Filtern von Ergebnissen.<br />

GPK-Application zeigt<br />

keine Details wie Abhängigkeiten<br />

[1] Download:<br />

info<br />

http:// fedoraproject. org/ de_CH/ get‐fedora<br />

[2] Gnome Boxes:<br />

https:// live. gnome. org/ Boxes<br />

[3] RPMFusion: http:// rpmfusion. org<br />

[4] Adobe Flashplayer:<br />

http:// get. adobe. com/ de/ flashplayer<br />

oder die Liste<br />

der Dateien<br />

an. Das Design<br />

<strong>und</strong> das<br />

Bedienkonzept<br />

von Apper<br />

erscheinen<br />

dagegen<br />

höchst ungewöhnlich:<br />

So<br />

zeigt das Tool<br />

den Schalter<br />

zum Installieren<br />

eines Paketes<br />

nur an,<br />

wenn Sie mit<br />

dem Mauszeiger<br />

auf den<br />

Eintrag in der<br />

Liste zeigen.<br />

Die forcierte Einfachheit der<br />

Oberflächen erzeugt noch einen<br />

weiteren unschönen Nebeneffekt:<br />

Beide Programme scheinen quälend<br />

langsam zu arbeiten. Tatsächlich<br />

informieren sie den Nutzer<br />

nur nicht über laufende Vorgänge.<br />

Besonders in Apper wirkt<br />

die Suche oft wie eingefroren.<br />

Das Konsolenwerkzeug Yum dagegen<br />

vermag seinen Pendants,<br />

wie Apt in Debian, durchaus das<br />

Wasser zu reichen. Die Trefferliste<br />

erscheint ordentlich formatiert,<br />

<strong>und</strong> die Installation informiert<br />

über wichtige Aspekte.<br />

Wer unter Linux Musik machen möchte, der benötigt<br />

den So<strong>und</strong>server Jack. Der ist in Fedora ordentlich<br />

integriert <strong>und</strong> mit dem Paketmanager schnell installiert.<br />

Allerdings fehlt beim automatischen Einrichten<br />

des Paketes ein wichtiger Schritt: RPM sorgt zwar<br />

dafür, dass die für den Echtzeitbetrieb erforderlichen<br />

Konfigurationsdateien nach /etc/security/limits.d<br />

wandern, es trägt aber keinen Nutzer in die entsprechenden<br />

Gruppen ein.<br />

Das Problem schaffen Sie schnell aus der Welt, indem<br />

Sie folgende Befehle in einem Terminalfenster<br />

aufrufen:<br />

$ sudo bash<br />

$ usermod ‐a ‐G jackuser Benutzer<br />

$ usermod ‐a ‐G audio Benutzer<br />

Die Gruppe jackuser darf den Server Jack mit Echtzeitprivilegien<br />

starten. Nutzer in der Gruppe audio<br />

haben Zugriff auf den Alsa-Sequencer, den die<br />

meis te MIDI-Software benötigt.<br />

Fedora hält sich peinlichst an internationale Patentrechte.<br />

Von solchen betroffene Software liefert die<br />

Fazit<br />

Abgesehen vom Ausrutscher bei<br />

den Paketverwaltern ließ sich in<br />

Fedora 17 nichts finden, was man<br />

als mangelhaft klassifizieren<br />

müsste. Bei einigen Schwierigkeiten<br />

hilft eventuell der Kasten<br />

Probleme <strong>und</strong> Lösungen weiter.<br />

Mit KDE <strong>und</strong> XFCE bietet Fedora<br />

zwei sehr brauchbare Alternativen<br />

zum recht gewöhnungsbedürftigen<br />

Desktop von Gnome 3.<br />

Die gute Performance auf älterer<br />

Test-Hardware empfiehlt das System<br />

auch als Alternative zu fetten<br />

Allro<strong>und</strong>ern. (agr) n<br />

5 Apper (links) bietet<br />

immerhin einige sinnvolle<br />

Vorauswahlen,<br />

die in Gnomes GPK-<br />

Application fehlen. Dafür<br />

gestaltet sich die<br />

Bedienung noch zäher.<br />

Probleme <strong>und</strong> Lösungen<br />

Distribution gar nicht erst mit. Das betrifft in Europa<br />

legal lizenzierte Software, wie sie zum Beispiel seit<br />

einiger Zeit für MP3-Dateien bereitsteht. Die externe<br />

Software-Quelle, die Fedora-Nutzer bei resultierenden<br />

Problemen mit Multimedia weiterhilft, heißt<br />

RPMFusion. Sie binden das Repository komfortabel<br />

aus einer RPM-Datei ein, die Sie auf der Hauptseite<br />

[3] des Projektes finden. Danach installieren<br />

Sie VLC, Mplayer <strong>und</strong> Lame leicht über den Paketmanager.<br />

Für eine volle Integration von MP3 <strong>und</strong><br />

ähnlichen Formaten sollten Sie auch die Pakete<br />

gstreamer-plugins-bad <strong>und</strong> gstreamer-plugins-badnonfree<br />

einrichten:<br />

$ sudo yum install gstreamer‐plugins‐bad*<br />

Den Adobe Flashplayer bekommen Sie so allerdings<br />

nicht. Zu diesem Zweck offeriert Adobe einen Installer<br />

für Fedoras Yum [4], der allerdings einen kleinen<br />

Haken hat: Er bindet zwar das von Adobe bereitgestellte<br />

Repository ein, installiert aber nicht den<br />

Player selbst. Das korrigieren Sie leicht mit dem Befehl<br />

sudo yum install flash‐plugin.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 19


aktuelles<br />

Angetestet<br />

JJJJJ<br />

Wer sich für Dar als<br />

Siche rungsprogramm<br />

entschieden hat, der<br />

erh ält mit Dargui eine<br />

komfortable Bedienoberfläche,<br />

die besonders<br />

Einsteigern <strong>und</strong> Gelegenheitsanwendern<br />

die<br />

Arbeit erleichtert.<br />

Komfortable Oberfläche für das Dar-Backup<br />

Stirbt die Festplatte oder formatieren<br />

Sie versehentlich die falsche<br />

Partition, stellt eine aktuelle Datensicherung<br />

oft die letzte Rettung<br />

dar. Tools wie das kommandozeilenbasierte<br />

Dar gehen beim<br />

Backup ideal zur Hand. Dabei erleichtert<br />

die grafische Oberfläche<br />

Dargui besonders Einsteigern den<br />

Umgang mit Dar: Sie bildet alle<br />

wichtigen Funktionen des Backup-<br />

Tools ab. Sie haben die Möglichkeit,<br />

eine komplette oder differenzielle<br />

Sicherung vorzunehmen,<br />

über Filter<br />

einzelne Dateien<br />

oder<br />

Verzeichnisse<br />

auszuklammern,<br />

das Backup<br />

auf mehrere<br />

Datenträger<br />

zu verteilen<br />

oder zu verschlüsseln<br />

sowie es mit Gzip oder Bzip2 zu<br />

komprimieren. Um ein Profil für<br />

eine neue Sicherung anzulegen,<br />

klicken Sie im Pulldown-Menü Datei<br />

auf New. Dargui öffnet nun ein<br />

Formularfenster, in dem Sie alle<br />

Einstellungen vornehmen. Die<br />

einzelnen Optionen wie Filter<br />

oder Kompression erreichen Sie<br />

dabei über verschiedene Reiter.<br />

Archive enthält alle gr<strong>und</strong>legenden<br />

Informationen für eine Sicherung.<br />

Hier legen Sie einen Profilnamen<br />

fest, den Dargui auf Wunsch mit<br />

einem Zeitstempel versieht. Weitere<br />

wichtige Angaben sind das zu<br />

sichernde Verzeichnis <strong>und</strong> das Sicherungsziel.<br />

Möchten Sie die<br />

Batch-Datei behalten, die Dar<br />

während der Sicherung erzeugt,<br />

müssen Sie einen alternativen<br />

Speicherort angeben, anderenfalls<br />

geht sie verloren. Für differenzielle<br />

Backups gilt es außer dem,<br />

eine Referenzsicherung anzugeben.<br />

Über die Reiter Directory <strong>und</strong><br />

Files schließen Sie einzelne Verzeichnisse<br />

<strong>und</strong> Dateien aus der<br />

Sicherung aus oder darin ein. Der<br />

nächste Reiter, Compression, enthält<br />

Optionen zum Einstellen der<br />

Datenkompression. Im Reiter Options<br />

aktivieren Sie die Verschlüsselung,<br />

legen fest, auf wie viele<br />

Speichermedien Dar die Sicherung<br />

aufteilen soll, oder starten einen<br />

Testlauf. Soll Dar das erstellte Sicherungsprofil<br />

regelmäßig ausführen,<br />

legen Sie im Reiter Scheduling<br />

dafür einen Plan fest, den Dar<br />

dann an Cron weiterreicht. Dargui<br />

prüft auf Wunsch auch die Integrität<br />

des Archivs oder vergleicht den<br />

Archivinhalt mit dem aktuellen<br />

Dateisystem. Selbstverständlich<br />

lassen sich die erstellten Sicherungen<br />

später auch mit Dargui<br />

wieder einspielen.<br />

Dargui 0.6<br />

Lizenz: GPLv2<br />

Quelle:http:// dargui. sourceforge. net/<br />

JJJJI<br />

Der intuitiv bedienbare<br />

Tunnelmanager ist ein<br />

praktisches Tool für alle,<br />

die SSH-Weiterleitungen<br />

einsetzen. Das Tool<br />

integ riert sich nahtlos in<br />

die Benutzeroberfläche.<br />

Tunnelmanager behält SSH-Tunnel im Auge<br />

Die meisten Anwender greifen<br />

beim Aufbau einer sicheren Verbindung<br />

zwischen zwei Rechnern<br />

zu OpenSSH: Schließlich ermöglicht<br />

das flexibel einsetzbare Tool<br />

auch das Tunneln der weiteren<br />

Kommunikation über die bestehende<br />

Verbindung. Das Python-<br />

Tool Tunnelmanager geht Ihnen<br />

beim Verwalten der getunnelten<br />

Verbindungen zur Hand. Die grafische<br />

Oberfläche für OpenSSH<br />

vereinfacht das Anlegen <strong>und</strong> Aktivieren<br />

von Port-Weiterleitungen.<br />

Bei Tunnelmanager handelt es<br />

sich um eine Programmsammlung,<br />

die neben Tunnelmanager<br />

auch die Tools Tunnelmanager_cli<br />

<strong>und</strong> Tunnelrunner umfasst. Bei<br />

Tunnelmanager_cli handelt es<br />

sich um das Kommandozeilenderivat<br />

von Tunnelmanager. Tunnelrunner<br />

dient dem Einsatz von<br />

Tunnelmanager mit SSH-v1-Servern,<br />

die den Aufbau von SSH-<br />

Verbindungen ohne Befehlsübergabe<br />

nicht unterstützen – aus Sicherheitsgründen<br />

keine gute Idee.<br />

Der grafische Tunnelmanager erscheint<br />

nach dem Start als unscheinbares<br />

Symbol in der Symbolleiste<br />

der Benutzeroberfläche.<br />

Beim Rechtsklick auf das Symbol<br />

erscheint eine Liste aller konfigurierten<br />

Verbindungen. Durch einfaches<br />

Anklicken lassen sich diese<br />

Verbindungen aktivieren <strong>und</strong> deaktivieren.<br />

Ein Doppelklick auf<br />

das Tunnelmanager-Symbol öffnet<br />

das Managementfenster. Hier<br />

geben Sie neue Verbindungen an<br />

<strong>und</strong> verwalten bestehende. Jede<br />

Verbindung zu einem Rechner erhält<br />

bei der Konfiguration einen<br />

eindeutigen Namen, über den sie<br />

sich später aktivieren lässt. Hier<br />

geben Sie Adresse <strong>und</strong> Benutzerkennung<br />

auf dem Remote-System<br />

an <strong>und</strong> richten Port-Weiterleitungen<br />

ein. Dabei haben Sie die<br />

Wahl zwischen den Verbindungsarten<br />

lokal, remote <strong>und</strong> dynamisch.<br />

Darüber hinaus gilt es,<br />

Adresse <strong>und</strong> Port von Quell- <strong>und</strong><br />

Zielsystem anzugeben. Für jede<br />

Verbindung dürfen Sie beliebig<br />

viele Weiterleitungen definieren.<br />

Tunnelmanager 0.7.5<br />

Lizenz:GPLv2<br />

Quelle:http:// www. subakutty. net/​<br />

tunnelmanager/<br />

20 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Angetestet<br />

aktuelles<br />

Gnac konvertiert Audio-Dateien im großen Stil<br />

Gnac konvertiert in einem Rutsch<br />

eine größere Anzahl von Audio-<br />

Dateien von einem Format ins<br />

andere. Das Programm kommt<br />

mit einer übersichtlichen Gtk-basierten<br />

Oberfläche, in der Sie die<br />

zu konvertierenden Dateien bequem<br />

via Drag & Drop zusammenziehen.<br />

Da Gnac auf die<br />

Gstreamer-Bibliotheken zurückgreift,<br />

kann es alle von Gstreamer<br />

unterstützten Formate konvertieren.<br />

Als Zielformate kennt es jedoch<br />

nur AAC, APX, Flac, MP3,<br />

Ogg <strong>und</strong> WAV. Jedes Zielformat<br />

besitzt ein Konvertierungsprofil,<br />

Gnac 0.2.4.1<br />

Lizenz:GPLv3<br />

Quelle:http:// gnac. sourceforge. net<br />

in dem Sie die Bitrate anpassen<br />

oder zwischen Mono- <strong>und</strong> Stereo-<br />

Wiedergabe wechseln. Gnac enthält<br />

für alle unterstützten Audio-<br />

Formate eine individuelle Standardkonfiguration.<br />

Sie können<br />

die se jedoch nach eigenem Gusto<br />

anpassen <strong>und</strong> dann speichern.<br />

Sämtliche Profile legt das Programm<br />

als XML-Datei im Verzeichnis<br />

~/.gnac ab. Während sich<br />

Anpassungen im Konvertierungsprofil<br />

nur auf das jeweilige Zielformat<br />

auswirken, erlaubt das<br />

Einstellungsmenü formatübergreifende<br />

Einstellungen. Hierzu<br />

zählt beispielsweise das Benennen<br />

der neuen Audio-Datei: Gnac behält<br />

wahlweise den ursprünglichen<br />

Namen bei oder erzeugt –<br />

basierend auf den Metadaten des<br />

Quell archivs – einen neuen. Dabei<br />

bereinigt das Programm auf<br />

Wunsch alle Umlaute <strong>und</strong> Sonderzeichen<br />

<strong>und</strong> entfernt das Original<br />

nach erfolgter Konvertierung. Da<br />

Gnac als reines Frontend keine eigenen<br />

Codecs<br />

besitzt, erfolgt<br />

das eigentliche<br />

Konvertieren<br />

mithilfe externer<br />

Tools<br />

wie Lame<br />

oder Oggenc,<br />

die dazu im<br />

System vorhanden<br />

sein<br />

müssen.<br />

JJJII<br />

Mithilfe von Gnac konvertieren<br />

Sie bequem<br />

große Audio-Archive von<br />

einem Format ins andere.<br />

Dagri verwaltet Daten in einer Gitterstruktur<br />

Das Tcl/​Tk-basierte Tool Dagri<br />

unterstützt Sie beim Erfassen<br />

<strong>und</strong> Verwalten von Informationen<br />

in Tabellen. Zwar wirkt das<br />

Tool auf den ersten Blick wie eine<br />

klassische Tabellenkalkulation, es<br />

fehlen jedoch zahlreiche Funktionen,<br />

die moderne Tabellenkalkulationen<br />

ausmachen. Die Entwickler<br />

selbst betrachten ihr<br />

Werk mehr als sogenannte Data-<br />

Grid-Applikation. Das kompakte<br />

Dagri benötigt außer den Tcl/​Tk-<br />

Bibliotheken lediglich noch eine<br />

SQLite3-Datenbank als Voraussetzung.<br />

Nach dem Start öffnet<br />

sich eine übersichtliche Arbeitsoberfläche,<br />

die lediglich ein Gitter<br />

Dagri 0.5<br />

Lizenz:BSD 2-clause<br />

mit einem leeren Überschriftfeld<br />

<strong>und</strong> einem leeren Datenfeld enthält.<br />

Sie füllen diese mit Informationen<br />

Ihrer Wahl <strong>und</strong> ergänzen<br />

das Gitter gegebenenfalls um weitere<br />

Spalten oder Zeilen mit leeren<br />

Feldern. Die Spaltenbreite<br />

hält Dagri auf Wunsch dynamisch.<br />

Damit Sie die Gitterstruktur<br />

nicht jedesmal von Hand gestalten<br />

müssen, bietet<br />

Dagri 150 vordefinierte<br />

Gitterstrukturen, die sich<br />

nach Belieben in einem<br />

Dokument kombinieren<br />

lassen. Das Format der<br />

Feldinhalte oder die Umrandung<br />

lassen sich hingegen<br />

nicht anpassen. Für<br />

kleinere Berechnungen<br />

stehen einfache Summen-<br />

000_LU1106_F-Weber_neu1.qxd Quelle:http:// www. jmos. net/ 18.09.2006 dagri/ funktionen 19:00 Uhr zum Seite Addieren 1<br />

von Spalten oder Zeilen zur Verfügung,<br />

komplexere Berechnungen<br />

beherrscht Dagri nicht.<br />

Die erfassten Informationen speichern<br />

Sie entweder im Dagri-eigenen<br />

DAG-Format – einer<br />

schlichten SQLite3-Datei – oder<br />

exportieren sie zur Weiterverarbeitung<br />

ins HTML-, XML- oder<br />

CSV-Format. (Uwe Vollbracht/jlu) n<br />

JJJII<br />

Dagri erlaubt es, mit<br />

wenig Aufwand Daten in<br />

einem tabellarischen<br />

Gitter zu speichern, <strong>und</strong><br />

eignet sich damit ideal<br />

für die schnelle Datenerfassung.<br />

X23


Aktuelles<br />

Neues r<strong>und</strong> um Linux<br />

Cloud-Computing mit<br />

Linux-Unter bau: das neue<br />

Chromebook von Google.<br />

Chromebook <strong>und</strong> Chromebox mit Google Chrome OS<br />

Google hat neue Hardware für<br />

sein browserzentriertes, auf<br />

Linux basierendes Betriebssystem<br />

Chrome OS vorgestellt<br />

(http:// tinyurl. com/​<br />

lu0712‐chromebook). Damit<br />

gibt es einen<br />

Nachfolger für das Notebook<br />

Chromebook sowie mit der<br />

Chromebox einen neuen stationären<br />

Rechner. Die beiden<br />

von Samsung gefertigten Geräte<br />

bewirbt Google als „the<br />

(always) new computer“. Der<br />

Slogan soll die automatische<br />

Aktualisierung der auf das Internet<br />

<strong>und</strong> die Cloud fixierten<br />

Geräte unterstreichen.<br />

Das neue Chromebook mit<br />

einem 12,1-Zoll-Display bringt<br />

zahlreiche Apps sowie einen<br />

integrierten Virenschutz mit,<br />

als Speicherplatz dient Googles<br />

Cloud-Lösung Drive. Das<br />

Chromebook verfügt standardmäßig<br />

über Wireless LAN, optional<br />

gibt es auch 3G-Mobilfunk<br />

dazu. Ausgestattet mit<br />

einem Celeron 867 mit<br />

1,3 GHz Takt rate, 4 GByte<br />

RAM <strong>und</strong> einer 16-GByte-SSD<br />

kostet das Chromebook bei<br />

Amazon in den USA in der<br />

WLAN-Ausführung 449 US-<br />

Dollar. Preise für den deutschen<br />

Markt lagen zu Redaktionsschluss<br />

noch nicht vor.<br />

Die Chromebox listet Amazon<br />

USA mit 329 US-Dollar. In<br />

der Box versieht ein mit<br />

1,9 GHz getakteter Dual-Core-<br />

Celeron B840 mit Intel-HD-<br />

Grafik seinen Dienst <strong>und</strong> greift<br />

auf 4 GByte RAM <strong>und</strong> eine<br />

16-GByte-SSD zurück. (mhu)<br />

kurz notiert<br />

In der neuen Version Piwik 1.8<br />

bringt die Webanalyse-Software<br />

(http:// piwik. org) neben zahlreichen<br />

Bugfixes als Highlight die<br />

Möglichkeit zum Import von Server-Logs<br />

mit. So kann Piwik nun<br />

auch als Ersatz für Tools wie AW-<br />

Stats oder Webalizer einspringen.<br />

Zu den zahlreichen Neuerungen<br />

von Knoppix 7.0.2 zählen Gimp<br />

2.8, LibreOffice 3.5.3, Chromium<br />

18, Firefox 10, Wine 1.5.4 sowie<br />

Virtualbox 4.1.16 (http:// knopper.​<br />

net/ knoppix/). Die Knoppix-spezifischen<br />

Einstellungen finden sich<br />

nun wie früher wieder im Knoppix-Untermenü<br />

des Startmenüs.<br />

Über eine neue Bibliothek erhält<br />

Intels Powertop 2.0 nun genauere<br />

Daten vom Kernel <strong>und</strong> kann dadurch<br />

deutlich bessere Aussagen<br />

über den Energieverbrauch des<br />

Systems machen (https:// 01. org/​<br />

powertop/). Ein ebenfalls neues<br />

Tracking-Feature überwacht dabei<br />

gezielt energetisch besonders<br />

problematische Geräte.<br />

Einen Besucherzuwachs von<br />

r<strong>und</strong> 10 Prozent gegenüber 2011<br />

vermeldet der Linuxtag 2012<br />

(http:// tinyurl. com/ lu0712‐<br />

lt2012). 12 000 Besucher aus aller<br />

Welt besuchten vier Keynotes<br />

<strong>und</strong> r<strong>und</strong> 200 Vorträge, in den<br />

Hallen stellten 80 freie Projekte<br />

<strong>und</strong> 41 Unternehmen aus.<br />

Fedora: Die Kugelkuh folgt dem Rindfleischw<strong>und</strong>er<br />

Der Nachfolger des eben erschienenen<br />

Fedora 17 „Beefy<br />

Miracle“ (siehe Artikel auf<br />

Seite 16) trägt den Codenamen<br />

„Spherical Cow“ (http:// tinyurl.​<br />

com/ lu0712‐cow). Offenbar erfreuen<br />

sich jedoch nicht alle<br />

Mit Sigrok (http:// sigrok. org)<br />

gibt es jetzt eine freie Softwaresammlung<br />

für die Logikanalyse<br />

digitaler Schaltungen.<br />

Die GPL-Software unterstützt<br />

eine Vielfalt an Hardware‐<br />

Noch nicht ganz fertiggestellt, aber bereits recht<br />

vielversprechend: das Sigrok-Qt-Frontend.<br />

Mitglieder des Fedora-Projektes<br />

gleichermaßen an den<br />

neuen, fluffigen Codenamen<br />

der Releases: So ließ der Projektvorstand<br />

gleichzeitig mit<br />

der Namensvergabe für Fedora<br />

18 darüber abstimmen,<br />

Sigrok: Freie Software für Logikanalyse<br />

Logikanalysatoren, darunter<br />

Saleae Logic, Cwav USBee SX,<br />

Openbench Logic Sniffer<br />

(OLS), Zeroplus Logic Cube<br />

LAP-C, Asix Sigma/​Sigma2<br />

<strong>und</strong> ChronoVu LA8. Im Wiki<br />

findet sich<br />

eine Liste<br />

der Geräte.<br />

Außerdem<br />

bietet Sigrok<br />

verschiedene<br />

Ausgabeformate,<br />

in denen<br />

sich die Sitzungen<br />

speichern<br />

lassen,<br />

darunter<br />

ASCII,<br />

ob man die bisherige Sitte der<br />

Codenamen nicht in Zukunft<br />

besser komplett fallen lassen<br />

solle. Dagegen entschied sich<br />

jedoch eine deutliche Mehrheit<br />

der Entwickler (http:// tinyurl.​<br />

com/ lu0712‐f19). (jlu)<br />

Bits, Hex, VCD (Value Change<br />

Dump) <strong>und</strong> Gnuplot. Als<br />

Herzstück der Suite fungieren<br />

die beiden in C geschriebenen<br />

Bibliotheken Libsigrok <strong>und</strong><br />

Libsigrokdecode, die einzelnen<br />

Protokolldecoder wurden in<br />

Python 3.x erstellt. Die Bedienung<br />

der Suite erfolgt derzeit<br />

über das Kommandozeilenprogramm<br />

Sigrok-cli. Auf Qt<br />

<strong>und</strong> GTK basierende grafische<br />

Frontends für Sigrok befinden<br />

sich bereits in Entwicklung,<br />

bedürfen aber noch einigen<br />

Feinschliffs. Die Software<br />

muss man derzeit noch selbst<br />

aus den Quellen bauen, ein<br />

Debian-Paket befindet sich<br />

aber in Arbeit. (uba/​jlu)<br />

22<br />

07 | 12<br />

Das Neueste r<strong>und</strong> um Linux, aktuelle Kurztests <strong>und</strong> Artikel aus<br />

<strong>LinuxUser</strong> finden Sie täglich auf www.linux-community.de


Equinox-Desktop 2.0 freigegeben<br />

Zu den eher unbekannten<br />

Größen in der Riege der<br />

freien Desktops zählt das<br />

schlanke Equinox (http://​<br />

equinox‐project. org), das die<br />

Mainstream-Distributionen<br />

bislang eher ignorieren. Lediglich<br />

Mandriva offeriert die<br />

Oberfläche seit Jahren in seinen<br />

Repositories.<br />

Für das frisch erschienene<br />

Equinox 2.0 haben die Entwickler<br />

viele Teile neu implementiert<br />

<strong>und</strong> nähern sich damit<br />

den Spezifikationen von<br />

Freedesktop.org immer weiter<br />

an, etwa bei .desktop-Dateien<br />

<strong>und</strong> Notifications. Auch<br />

verliert die Software die Abhängigkeit<br />

von der selbst gestrickten<br />

Bibliothek eFLTK<br />

<strong>und</strong> verwendet stattdessen<br />

das klassische FLTK, das die<br />

meisten Linux-Distributionen<br />

enthalten. Der neue<br />

Window Manager Pekwm ersetzt<br />

Edewm, als neue Bibliothek<br />

kommt Edelib hinzu,<br />

das unter anderem D-Bus-<br />

Support bietet. Weitere Informationen<br />

finden sich in<br />

den Release Notes unter<br />

http:// equinox‐project. org/​<br />

wiki/ ChangeLogs/ 2. 0.<br />

Das Equinox Desktop Environment<br />

(EDE) steht unter<br />

GPLv2, die Bibliothek Edelib<br />

unter der LGPLv2. Auf der<br />

Projekt-Homepage finden Sie<br />

den Quelltext-Tarball zum<br />

Download bereit, alternativ<br />

lässt sich der Desktop auch<br />

über ein praktisches Netinstall-Skript<br />

(http:// equinoxproject.<br />

org/ wiki/ NetInstall)<br />

einrichten. (mhu/​jlu)<br />

Die Welt des perfekten Druckens<br />

Neues r<strong>und</strong> um Linux<br />

aktuelles<br />

TurboPrint 2<br />

for Linux<br />

"Mit TurboPrint macht der Einsatz aktueller Drucker<br />

unter Linux richtig Spaß." Zitat <strong>LinuxUser</strong> 3/2011<br />

Linux-Desktop mit TurboPrint Statusmonitor <strong>und</strong> Druckvorschau<br />

Jetzt 30 Tage kostenlos testen!<br />

Testversion auf www.turboprint.de<br />

Intelligente Treiber<br />

einfache Konfiguration über grafisches Menü<br />

<strong>Foto</strong>s <strong>und</strong> Dokumente in höchster Druckqualität<br />

präzises Farbmanagement für perfekte Farben<br />

Farbprofile für Spezial- <strong>und</strong> <strong>Foto</strong>papiere<br />

Tintensparoptionen: halber Tintenverbrauch bei guter<br />

Druckqualität<br />

Drucker-Statusmonitor<br />

Tintenstand <strong>und</strong> Druckerstatus, Tools z.B. Düsenreinigung<br />

Anzeige von Druckaufträgen <strong>und</strong> Fortschritt<br />

schnelle Diagnose bei Druckproblemen<br />

Miniprogramm für Schnellzugriff aus Kontrollleiste<br />

Das Equinox Desktop Environment 2.0 kooperiert bestens auch mit<br />

Gtk-Anwendungen <strong>und</strong> D-Bus-fähigen Programmen.<br />

Linux Mint 13 mit Long Term Support<br />

Das neue Linux Mint 13,<br />

Codename „Maya“, basiert<br />

auf Ubuntu 12.04 <strong>und</strong> stellt<br />

wie dieses bis April 2017 Updates<br />

zur Verfügung. Das Release<br />

gibt es in zwei Desktop-<br />

Varianten: Mate 1.2 führt die<br />

Tradition von Gnome 2.x mit<br />

dem Toolkit GTK 2 weiter,<br />

der modernere Cinnamon-<br />

Desktop 1.4 beruht dagegen<br />

auf Gnome 3.x sowie GTK 3<br />

<strong>und</strong> verlangt 3D-Beschleunigung<br />

für seine Effekte. Daneben<br />

kommt der neue Display<br />

Manager MDM zum Einsatz,<br />

der von Gnomes GDM abstammt.<br />

Linux Mint 13 steht<br />

in Form von ISO-Images für<br />

32- <strong>und</strong> 64-Bit-PCs zum<br />

Download bereit. Sie finden<br />

Linux Mint 13 in der Cinnamon-Variante<br />

auch auf dem<br />

Pangolin-Megapack, der dieser<br />

Ausgabe auf Ecodisk beiliegt.<br />

(mhu/jlu) n<br />

Mehr Möglichkeiten<br />

Druckvorschau, manueller Duplexdruck<br />

komfortables Drucken im Netzwerk<br />

variabler CD-Druck, randloser <strong>Foto</strong>druck<br />

Anwendersupport über Forum <strong>und</strong> per E-Mail<br />

TurboPrint Studio mit erweiterten Funktionen<br />

Farbeinmess-Service<br />

neue Farbräume <strong>und</strong> ICC-Profile einbinden<br />

CMYK-Proof ermöglicht farbverbindliche Drucke<br />

Preise im Online-Shop (incl. MwSt):<br />

TurboPrint Pro € 29,95<br />

TurboPrint Studio € 59,95<br />

Farbprofil-Einmessung € 14,95<br />

Über 400 Drucker sind unterstützt, z.B.<br />

Canon PIXMA iP, iX, MP, MX, MG, Pro9000/9500, Epson Stylus BX,<br />

SX, Stylus Photo P, PX, R1900/2880/3000, HP PhotoSmart ...<br />

Für alle gängigen Linux-Distributionen z.B. Ubuntu, SuSE, Debian,<br />

Fedora (x86 32/64bit CPU).<br />

net<br />

ZE<br />

DO<br />

www.turboprint.de<br />

ZEDOnet GmbH - Meinrad-Spieß-Platz 2 - D-87660 Irsee - Tel. 08341/9083905


schwerpunkt<br />

Gimp 2.8<br />

Überblick über die Neuerungen in Gimp 2.8<br />

Feine Farben<br />

© Iprole, sxc.hu<br />

Die aktuelle Version<br />

2.8 von Gimp<br />

hat große Erwartungen<br />

geschürt.<br />

Alle Ziele haben<br />

README<br />

die Entwickler<br />

nicht erreicht,<br />

aber dennoch<br />

beein drucken die<br />

Neuerungen.<br />

Andreas Reitmaier<br />

Mit dem neuen Ein-<br />

Fens ter-Modus vereinfacht<br />

Gimp 2.8 das Arbeiten<br />

mit dem Bildbearbeitungsprogramm.<br />

Die neue Version bringt<br />

aber viele weitere interessante<br />

Details mit,<br />

die den Umgang mit der<br />

Software erleichtern<br />

<strong>und</strong> gerade Vielarbeitern<br />

Vorteile bringen.<br />

Das Bildbearbeitungsprogramm<br />

Gimp gilt seit jeher als Paradebeispiel<br />

für Open-Source-Software.<br />

Schon seit Langem arbeitet eine<br />

große Zahl an Entwicklern an der<br />

Applikation, die dem sündhaft<br />

teuren kommerziellen Flaggschiff<br />

Photoshop von Adobe Konkurrenz<br />

macht. 2008 kam die letzte<br />

stabile Version 2.6 heraus. Seitdem<br />

schraubten die Entwickler<br />

heftig an der Oberfläche <strong>und</strong> unter<br />

der Haube von Gimp. Dabei<br />

unterschätzten sie zunächst den<br />

Umfang der Arbeiten etwas: Ursprünglich<br />

sollte Gimp 2.8 bereits<br />

2010 erscheinen.<br />

Nach nunmehr drei Jahren intensiver<br />

Arbeit steht das Paket<br />

jetzt endgültig bereit. Für das<br />

brandneue Ubuntu 12.04 kam das<br />

Update jedoch wenige Tage zu<br />

spät: Selbst in dieser aktuellen<br />

Distribution finden Sie standardmäßig<br />

noch Gimp 2.6. Dagegen<br />

bringen Mageia 2 <strong>und</strong> Fedora 17<br />

(beide auf Heft-DVD) das neue<br />

Gimp-Release bereits mit.<br />

Nachrüsten<br />

Wollen Sie die aktuelle Version in<br />

der Distribution Ihrer Wahl nachrüsten,<br />

steht Ihnen die Option offen,<br />

den Quellcode von der Download-Seite<br />

des Projektes herunterzuladen<br />

[2].<br />

Ist Gimp noch nicht installiert,<br />

richten Sie die aktuellste, stabile<br />

Version über den jeweiligen Kommandozeilen-Befehl<br />

des Systems<br />

ein, wie zum Beispiel unter Ubuntu<br />

(Listing 1, Zeile 1) oder Open-<br />

Suse (Listing 1, Zeile 2 <strong>und</strong> 3).<br />

Haben Sie unter Ubuntu Gimp<br />

2.6 bereits installiert, wenden Sie<br />

die Befehle aus Listing 2 an, um<br />

unkompliziert die aktuelle Version<br />

2.8 nachzurüsten. Zusätzlich<br />

fügen Sie mit dem Befehl aus Zeile<br />

4 die Gimp-Plugin-Registry aus<br />

dem PPA hinzu.<br />

Die Vorgehensweise funktioniert<br />

nur bei den beiden letzten<br />

Ubuntu-Versionen „Precise“ <strong>und</strong><br />

„Oneiric“, da Gimp 2.8 auf vielen<br />

aktuellen Bibliotheken basiert, die<br />

Sie in älteren Versionen erst nachrüsten<br />

müssten. Das stellt einen<br />

erheblichen Aufwand dar.<br />

Listing 1<br />

01 # apt‐get install gimp<br />

02 # fast ‐i gimp<br />

03 # zypper in gimp<br />

An der Oberfläche<br />

Zahlreiche Nutzer, insbesondere<br />

Umsteiger von Photoshop <strong>und</strong> anderen<br />

Bildbearbeitungsprogrammen,<br />

wünschten sich seit Längerem<br />

einen Ein-Fenster-Modus für<br />

Gimp, da sie mit den vielen Fenstern<br />

der bisherigen Gimp-Oberfläche<br />

nicht so richtig klarkamen.<br />

Natürlich bietet der Mehrfenster-<br />

Modus Vorteile, da Sie auf diese<br />

Weise die Möglichkeit haben,<br />

Fenster so anzuordnen, wie es der<br />

eigene Workflow erfordert. Andererseits<br />

sorgt der Ein-Fenster-Betrieb<br />

zunächst einmal für einen<br />

aufgeräumten Arbeitsplatz, was<br />

auch nicht zu verachten ist.<br />

Sie aktivieren den neuen Modus<br />

über Fenster | Einzelfenster-Modus<br />

(Abbildung A). So hat jeder<br />

Anwender die Wahl, <strong>und</strong> alle<br />

dürften damit zufriedengestellt<br />

sein. Haben Sie den Ein-Fenster-<br />

Listing 2<br />

01 $ sudo add‐apt‐repository<br />

ppa:otto‐kesselgulasch/gimp<br />

02 $ sudo apt‐get update<br />

03 $ sudo apt‐get upgrade<br />

04 $ sudo apt‐get install<br />

gimp‐plugin‐registry<br />

24 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Gimp 2.8<br />

schwerpunkt<br />

Modus aktiviert, teilt sich die<br />

Bedienoberfläche („Canvas“) in<br />

drei Bereiche: das Hauptfenster,<br />

welches das Bild beherbergt, <strong>und</strong><br />

zwei Werkzeugleisten an den Seitenrändern.<br />

Die Werkzeugleisten<br />

blenden Sie mithilfe der Tab-Taste<br />

aus, das geöffnete Bild nimmt<br />

dann den gesamten Raum der<br />

Oberfläche ein. Allerdings setzt<br />

das voraus, dass der Fokus der<br />

Maus im Bild liegt, sonst schlägt<br />

diese Funktion nicht an.<br />

Da sich nun keine zusätzlichen<br />

Paletten mehr auf dem Bildschirm<br />

verteilen, bietet das neue Gimp<br />

die Option, weitere Werkzeuge an<br />

die Leisten anzudocken. Reicht<br />

die Höhe nicht aus oder möchten<br />

Sie ein Scrollen vermeiden, dann<br />

legen Sie zusätzliche Spalten für<br />

die Werkzeuge an. So konfigurieren<br />

Sie das Programm ganz nach<br />

Ihren Bedürfnissen für kleine<br />

oder große Monitore <strong>und</strong> den<br />

Multi-Monitor-Betrieb, erhalten<br />

aber trotzdem über die Tab-Taste<br />

immer den größtmöglichen Arbeitsbereich.<br />

Für Extrembearbeiter<br />

Ein deutliches Plus, das vor allem<br />

beim Komponieren von Bildern<br />

greift, bieten die neuen Ebenengruppen.<br />

Sie ermöglichen<br />

eine Ordnung innerhalb<br />

der Ebenenpalette<br />

in Form einer<br />

Baumstruktur (Abbildung<br />

B), die bei Arbeiten<br />

mit vielen Layern<br />

für mehr Überblick<br />

sorgt. Dabei lassen<br />

sich die Ebenengruppen<br />

so ein- <strong>und</strong> ausblenden,<br />

wie Sie es gerade<br />

benötigen.<br />

Am besten vergeben<br />

Sie sinnvolle Namen<br />

für die Gruppen, etwa<br />

Hintergr<strong>und</strong>, Gesicht,<br />

Finish oder Ähnliches,<br />

<strong>und</strong> schaffen so zusätzlichen<br />

Überblick.<br />

Ebenengruppen weisen<br />

Sie die gleichen<br />

Ebenen-Modi zu wie<br />

einzelnen Ebenen, auch die Einstellung<br />

für die Deckkraft gilt für<br />

die komplette Gruppe. Filter <strong>und</strong><br />

Effekte arbeiten ebenfalls auf den<br />

Ebenengruppen, allerdings produzieren<br />

einige Filter dabei noch<br />

Fehlermeldungen.<br />

Für Textarbeiter<br />

Bisher war Gimp ein reines Bildbearbeitungsprogramm,<br />

die Arbeit<br />

mit Texten gestaltete sich<br />

schwierig <strong>und</strong> eher unpräzise. In<br />

der aktuellen Version hat sich das<br />

deutlich verbessert, da Sie nun die<br />

Möglichkeit haben, Texte direkt<br />

auf der Zeichenfläche zu editieren<br />

<strong>und</strong> nicht mehr ausschließlich in<br />

einer separaten Textbox (Abbildung<br />

C, nächste Seite).<br />

Der Vorteil liegt auf der Hand:<br />

Sämtliche Änderungen werden so-<br />

A Gimps neuer Einzelfenster-Modus<br />

ist keineswegs<br />

die Standard-<br />

Einstellung, sondern<br />

lediglich eine Option<br />

für jene, die nicht mit<br />

vielen Fenstern arbeiten<br />

möchten.<br />

B Ebenengruppen<br />

bringen Ordnung in<br />

jede aufwendige Bildbearbeitung.<br />

Eine<br />

Gruppe verhält sich<br />

dabei beinahe wie eine<br />

eigene Ebene, inklusive<br />

Ebenen-Modi <strong>und</strong><br />

Deckkraft.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 25


schwerpunkt<br />

Gimp 2.8<br />

C Das Bearbeiten von<br />

Texten findet nun komplett<br />

innerhalb des<br />

Canvas statt <strong>und</strong> erleichtert<br />

so das Gestalten<br />

ganz erheblich.<br />

D Gr<strong>und</strong>sätzlich speichert<br />

Gimp 2.8 Bilder,<br />

die Sie damit bearbeitet<br />

haben, in seinem<br />

eigenen Standard-Format<br />

XCF. Andere Formate<br />

erreichen Sie auf<br />

dem Umweg über den<br />

Befehl Exportieren.<br />

fort sichtbar, <strong>und</strong> die <strong>Vorschau</strong><br />

passt sich automatisch Änderungen<br />

bei den Formaten an. In der<br />

Folge brauchen Sie weniger häufig<br />

Korrekturen des Textrahmens<br />

<strong>und</strong> der Einstellungen am Text<br />

vorzunehmen – zumindest nicht,<br />

um das Format zu korrigieren.<br />

Abgesehen davon behalten Sie<br />

stets den Überblick über das Gesamtwerk.<br />

Dies erweist sich besonders<br />

dann als vorteilhaft, wenn<br />

Sie mehr als nur ein, zwei Worte<br />

in ein Bild integrieren möchten,<br />

zum Beispiel bei Grußkarten, Flyern<br />

oder Visitenkarten: Nicht jeder<br />

greift dabei gleich auf ein DTP-<br />

Tool wie Scribus zurück.<br />

Große Kleinigkeiten<br />

Gimp 2.8 verändert<br />

das<br />

Verhalten im<br />

Bezug auf das<br />

Speichern der<br />

Dateien. Öffnen<br />

Sie ein beliebiges<br />

Bild in<br />

einem der unterstützten<br />

Formate <strong>und</strong><br />

nehmen Sie<br />

daran Änderungen<br />

vor,<br />

legt die Anwendung<br />

dieses<br />

Bild<br />

gr<strong>und</strong>sätzlich<br />

im eigenen<br />

Dateiformat XCF ab, sobald Sie die<br />

Funktion zum Speichern aufrufen.<br />

Öffnen Sie etwa ein JPEG-Bild,<br />

beseitigen darin „rote Augen“ <strong>und</strong><br />

möchten das Bild wieder im gleichen<br />

Format speichern, um es als<br />

<strong>Foto</strong>-Ausdruck zu bestellen, müssen<br />

Sie den Befehl Exportieren<br />

verwenden (Abbildung D). Dafür<br />

entfällt der Umweg über den Dialog,<br />

der in der Vergangenheit erschien,<br />

wenn Sie versuchten, eine<br />

Bilddatei mit Ebenen im Format<br />

JPEG zu speichern.<br />

Eine neue Möglichkeit finden<br />

Sie in einer Vielzahl von Größen-<br />

Dialogen: Diese beherrschen nun<br />

relative Änderungen an den Werten<br />

(Abbildung<br />

E).<br />

Möchten Sie<br />

beispielsweise<br />

ein Bild skalieren,<br />

können<br />

Sie dazu<br />

jetzt den<br />

Wert 50% in<br />

das Eingabefeld<br />

des Dialogs<br />

eintragen,<br />

<strong>und</strong><br />

Gimp setzt<br />

dies korrekt<br />

um. In den<br />

Vorversionen<br />

mussten Sie<br />

noch vorab die Maßeinheit Prozent<br />

auswählen, um anschließend<br />

Werte einzutragen. Zudem versteht<br />

der neue Gimp auch andere<br />

Maßeinheiten, wie etwa Pixel<br />

oder (Zenti-)Meter. Selbst Berechnungen<br />

beziehungsweise<br />

Kombinationen akzeptiert das<br />

Programm, wie etwa die Angaben<br />

75% + 20 px oder 4 * 9,3 cm.<br />

Werkzeughilfen<br />

Grafiktabletts gehören bei Bildbearbeitern<br />

zu den am meisten genutzten<br />

Werkzeugen. Häufig<br />

kommen dabei Geräte des Herstellers<br />

Wacom zum Einsatz. In<br />

die Unterstützung der speziellen<br />

Artpen- <strong>und</strong> Airbrush-Eingabegeräte<br />

investierten die Gimp-Entwickler<br />

viel Arbeit: Die neue Version<br />

unterstützt das Airbrush-Rad<br />

sowie die Rotation des Artpen.<br />

Außerdem kam ein neues Widget<br />

hinzu, das die Einstellungen<br />

für Stifte vereinfacht. Es kombiniert<br />

verschiedene Mechanismen,<br />

die bei vielen Einstellungen für<br />

Werkzeuge <strong>und</strong> Pinsel zum Einsatz<br />

kommen: einen Schieberegler,<br />

Labels <strong>und</strong> ein Feld für die<br />

direkte Eingabe von Werten.<br />

Die dynamischen Funktionen<br />

von Pinseln wurden in Gimp 2.8<br />

erheblich erweitert: Nahezu allen<br />

Eigenschaften eines Pinsels können<br />

Sie ab sofort Reaktionskurven<br />

zuordnen. Dazu entwarfen<br />

die Entwickler das System zum<br />

Speichern der Eigenschaften des<br />

Pinsels komplett neu <strong>und</strong> trennten<br />

dabei die dynamischen Eigenschaften<br />

weitgehend von den<br />

restlichen Einstellungen. Alle Settings<br />

landen nun gr<strong>und</strong>sätzlich in<br />

separaten Dateien, was ganz neue<br />

Ordnungssysteme erlaubt.<br />

Zielgruppe<br />

Gimp versucht seit einiger Zeit,<br />

auch im professionellen Markt<br />

Fuß zu fassen. Da stellt sich die<br />

Frage, ob die aktuellen Anpassungen<br />

diesem Ziel Rechnung tragen.<br />

Eine der lange geforderten Eigenschaften,<br />

nämlich die Fähigkeit<br />

mit CMYK-Daten zu arbeiten, ha-<br />

26 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Gimp 2.8<br />

schwerpunkt<br />

ben die Entwickler in diesem Update<br />

nicht erreicht. Ansonsten<br />

richten sich die Änderungen aber<br />

tatsächlich vor allem an Profioder<br />

zumindest Vielbearbeiter.<br />

Diesen kommt insbesondere die<br />

neuen Oberfläche entgegen, die<br />

sich nach eigenem Bedarf einrichten<br />

lässt, inklusive der praktischen<br />

Steuerung per [Tab].<br />

Noch mehr Vorteile bieten allerdings<br />

die Ebenengruppen, die bei<br />

aufwendigen Arbeiten viel Ordnung<br />

schaffen. Ob ein Profi mit<br />

Texten in Gimp arbeitet, sei allerdings<br />

dahingestellt. In jedem Fall<br />

bieten die Textoptionen aber<br />

deutliche Verbesserungen, dasselbe<br />

gilt für die verbesserte Unterstützung<br />

von Grafik-Tablets.<br />

Aber auch Ein- <strong>und</strong> Umsteiger<br />

profitieren auf jeden Fall von der<br />

neuen Oberfläche. Insbesondere<br />

das Textwerkzeug ist für diese<br />

Gruppe deutlich intuitiver zu bedienen.<br />

Von den Neuerungen bei<br />

den Ebenen <strong>und</strong> den erweiterten<br />

Möglichkeiten zum Konfigurieren<br />

bei Tablets bekommen Einsteiger<br />

dagegen eher wenig mit.<br />

Andere Anpassungen, wie das<br />

Speichern in XCF, stabilisieren<br />

den Umgang insgesamt <strong>und</strong> betreffen<br />

alle Nutzer, erfordern aber<br />

auch Umgewöhnung. Gleiches gilt<br />

für die neuen Möglichkeiten zur<br />

Eingabe von relativen Angaben.<br />

Wer das im Griff hat, arbeitet<br />

deutlich effektiver mit Gimp.<br />

Fazit<br />

Einige der für Gimp 2.8 eigentlich<br />

gesteckten Ziele haben die Entwickler<br />

trotz der Verzögerung des<br />

Releases um nahezu zwei Jahre<br />

nicht erreicht. So wanderte die<br />

Unterstützung des für den Druck<br />

wichtigen CMYK-Farbraums<br />

ebenso wieder einmal auf der Liste<br />

nach hinten wie das vollständige<br />

Umstellen auf die GEGL-Engine<br />

[3], die ein nichtdestruktives<br />

Bearbeiten<br />

von Bildern<br />

erlaubt.<br />

Ganz nebenbei<br />

stricken<br />

die Entwickler<br />

hinter<br />

den Kulissen<br />

an einer<br />

völligen<br />

Neuausrichtung<br />

von<br />

Gimp auf Basis von GTK 3. Diese<br />

erblickt voraussichtlich (samt der<br />

verschobenen Ziele) in Gimp 3.0<br />

das Licht der Welt. Immerhin<br />

bringt die aktuelle Version 2.8<br />

wieder einige Details mit, die dem<br />

Anwender deutlich unter die<br />

Arme greifen – inklusive des Ein-<br />

Fenster-Modus. (agr) n<br />

info<br />

[1] Gimp: http:// www. gimp. org<br />

[2] Download: http:// www. gimp. org/ downloads<br />

[3] GEGL: http:// www. gegl. org<br />

E In einigen Dialogen,<br />

in denen Sie Größen<br />

bestimmen, haben Sie<br />

nun die Möglichkeit,<br />

relative Angaben, wie<br />

etwa 50% oder +50 px<br />

zu verwenden.<br />

Kann eine<br />

Schulungseinrichtung<br />

für mehr als EINEN<br />

Themenbereich<br />

berühmt werden?<br />

Das Linuxhotel ist bekannt für erstklassige Open-Source-Schulungen. In den letzten Jahren kamen Java<br />

<strong>und</strong> andere Programmiersprachen hinzu - wie immer in Kooperation mit führenden Spezialisten, <strong>und</strong> in<br />

abgeschiedener, konzentrierter, aber auch ziemlich verspielter Umgebung. Es ist so naheliegend, auch<br />

Entwicklerthemen bei den OpenSource‘lern zu lernen, weil man dort schon immer sehr „unter die<br />

Haube“ guckte <strong>und</strong> mit viel Freude intensivst arbeitet. Das weiss ein Großteil der deutschen Admins, nur<br />

unter Entwicklern hat's sich noch nicht so ganz herumgesprochen.<br />

Mehr siehe www.linuxhotel.de<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 27


schwerpunkt<br />

Kamera-Tracking in Blender<br />

Professioneller <strong>Video</strong>-Vorspann mit Blender 2.63<br />

Fast wie in Hollywood<br />

Leiten Sie ihr<br />

nächstes Urlaubsoder<br />

Geburtstagsvideo<br />

statt mit<br />

einem einfachen<br />

Titel professionell<br />

mit einem Schriftzug<br />

ein, der sich<br />

perfekt in den<br />

Film einfügt.<br />

Gottfried Hofmann<br />

README<br />

Demo-Dateien<br />

zum Workshop<br />

LU/blender/<br />

Eine der großen Neuerungen<br />

in Blender 2.6<br />

stellt die Integration<br />

eines waschechten Kamera-Trackers<br />

dar. Damit<br />

integrieren Sie dreidimensionale<br />

Objekte<br />

direkt selbst in ein verwackeltes<br />

<strong>Video</strong>. Die<br />

3D-Kamera folgt dabei<br />

automatisch der Bewegung,<br />

was die Illusion<br />

erzeugt, das einfügte<br />

Objekt sei Teil der echten<br />

Szene.<br />

Was Effekte angeht, so bleiben<br />

Hollywood <strong>und</strong> das Fernsehen<br />

den Amateuren immer einen<br />

Schritt voraus – doch die Abstände<br />

schrumpfen. Waren früher<br />

„Rolling Titles“ unbezahlbar, also<br />

Vor- <strong>und</strong> Abspänne, die über<br />

schwarzen Hintergr<strong>und</strong> laufen,<br />

änderte sich das mit Einführung<br />

der Digitaltechnik. Die Film- <strong>und</strong><br />

Fernsehstudios reagierten mit<br />

aufwendigen Animationen, etwa<br />

für die „Bauchbinden“ bei Reportagen.<br />

Aber auch hier holte die<br />

Consumer-Software schnell auf.<br />

Für Linux hält beispielsweise<br />

OpenShot ([1],[2]) in Kombination<br />

mit Blender eine Reihe von<br />

3D-Titelanimationen parat. Aber<br />

die „Großen“ haben reagiert: Seit<br />

einigen Jahren finden sich immer<br />

Der Vorteil der Beispiel-Dateien<br />

Die Demo-Dateien von Blender 2.6x laden zum Stöbern ein.<br />

So finden sich dort fertige Tracks nicht nur des hier verwendeten<br />

Beispiels, sondern beispielsweise auch eine Roboter-<br />

Attacke auf einen Platz in Turin. Diese lassen sich studieren,<br />

um herauszufinden, wie die Profis das Tracking <strong>und</strong> die<br />

3D-Integration angehen, <strong>und</strong> dienen ebenso der Inspiration.<br />

mehr 3D-Schriftzüge in Werbung,<br />

Musikclips <strong>und</strong> Filmen, die sich<br />

perfekt in die Bewegung der Kamera<br />

einpassen <strong>und</strong> aussehen, als<br />

würden sie zur realen Szene gehören.<br />

Selbst diesen Vorsprung hat<br />

freie Software inzwischen eingeholt,<br />

denn seit Version 2.6 hat die<br />

freie 3D-Suite Blender ein Modul<br />

für Kamera-Tracking integriert.<br />

Die Software Blender [3] unterscheidet<br />

sich von anderen Paketen<br />

aus dem 3D-Bereich dadurch,<br />

dass sie alle benötigten Komponenten<br />

unter einem Dach vereint.<br />

Zu diesem Konzept gehört ein<br />

einheitliches Bedienkonzept, weswegen<br />

die Bedienung des Kamera-<br />

Trackers auf den Rest des Paketes<br />

abgestimmt ist. Standalone-Anwender<br />

müssen sich auf einen<br />

Workflow einstellen, der sich von<br />

jenem anderer Pakete unterscheidet,<br />

<strong>und</strong> dem reinen Blender-Nutzer<br />

einiges an Aufwand erspart.<br />

Dieser Artikel führt in die Bedienung<br />

des Kamera-Tracking-<br />

Moduls von Blender ein, ohne zu<br />

weit in die anderen Bereiche der<br />

umfangreichen 3D-Suite vorzudringen.<br />

Ein ausführlicher Workshop<br />

zu Blender erschien bereits<br />

Anfang 2011 in <strong>LinuxUser</strong><br />

([4],[5],[6]). An der allgemeinen<br />

Bedienung hat sich seither nur<br />

wenig geändert.<br />

Beispieldateien<br />

Sowohl die Software als auch die<br />

Footage, in die später ein Schriftzug<br />

integriert wird, findet sich<br />

auf der offiziellen Blender-Home-<br />

Nicht nur Bildsequenzen<br />

Für diesen Workshop wird zwar eine Bildsequenz genutzt,<br />

der Movie-Clip-Editor von Blender kommt aber auch mit<br />

<strong>Video</strong>-Dateien klar. Laden lassen sich alle Formate, welche<br />

die FFMPEG-Bibliothek unterstützt. Dazu gehören die<br />

<strong>Video</strong>-Formate fast aller gängiger Kompakt- <strong>und</strong> Spiegelreflexkameras<br />

auf dem Markt.<br />

28 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Kamera-Tracking in Blender<br />

schwerpunkt<br />

page. Installieren<br />

lässt sich das aktuelle<br />

Blender 2.63a<br />

einfach durch Herunterladen<br />

<strong>und</strong><br />

Entpacken des<br />

Binär-Paketes von<br />

Blender aus der<br />

Downloads-Sektion<br />

der Webseite.<br />

Das verwendete<br />

Material zählt zu<br />

den offiziellen Demo-Dateien<br />

von<br />

Blender 2.6x <strong>und</strong><br />

findet sich etwas<br />

versteckt unter [7]<br />

(Demo-Dateien für<br />

Camera Tracking<br />

and Ocean Simulation)<br />

sowie auf der<br />

A Die Tracking-Funktionen<br />

von Blender finden sich im<br />

Movie Clip Editor.<br />

Unterordner Table_<br />

Demofile/table_sequence/.<br />

Dort findet<br />

sich eine Bildsequenz,<br />

von der Sie<br />

nur die erste Datei<br />

anwählen, den Rest<br />

der Sequenz entdeckt<br />

Blender automatisch.<br />

Da die Beispielsequenz<br />

nur<br />

100 Frames umfasst,<br />

die Standard-<br />

Animation in Blender<br />

aber auf 250<br />

eingestellt ist, ändern<br />

Sie die Länge<br />

nach dem Laden am<br />

unteren Fensterrand<br />

(Abbildung<br />

B).<br />

Heft-DVD zu dieser Ausgabe.<br />

Beim ersten Start von Blender<br />

2.63a zeigt sich ein Splash-<br />

Screen, der neben wichtigen<br />

Links die zuletzt bearbeiteten Dateien<br />

enthält. Ein Klick blendet<br />

diesen aus. Dahinter versteckt<br />

sich die 3D-Ansicht von Blender,<br />

die aber momentan noch nicht<br />

von Interesse ist. Das Kamera-<br />

Tracking-Modul erreichen Sie, indem<br />

sie links unten auf das kleine<br />

Würfel-Symbol klicken <strong>und</strong> in der<br />

Liste den Movie Clip Editor auswählen<br />

(Abbildung A).<br />

Sie haben soeben einen Wechsel<br />

Nun können Sie die Maus über<br />

das Bild bewegen <strong>und</strong> mit<br />

[Alt]+[A] das <strong>Video</strong> starten <strong>und</strong><br />

stoppen. Der blaue Balken, der<br />

sich unter dem <strong>Video</strong> mitbewegt,<br />

zeigt die Bilder an, die Blender<br />

gerade im Arbeitsspeicher zwischenspeichert.<br />

Diesen Cache hält<br />

Blender in der Vorgabe sehr klein,<br />

damit das Programm auf alter<br />

Hardware funktioniert. Für ein<br />

flüssiges Arbeiten sollten Sie den<br />

Cache so einstellen, dass das gesamte<br />

<strong>Video</strong> darin Platz findet.<br />

Die entsprechenden Einstellungen<br />

erreichen Sie über das Menü<br />

des Fenster-Typs in Blender vollzogen.<br />

Auf diese Weise passen Sie<br />

das Interface einfach an die eigenen<br />

Bedürfnisse an. Der Name<br />

des neuen Fensters deutet schon<br />

darauf hin, dass darin deutlich<br />

mehr möglich ist (beziehungsweise<br />

möglich sein wird) als nur Motion-Tracking.<br />

Dieser Artikel konzentriert<br />

sich aber auf die Tracking-Funktionen.<br />

Clip zum Tracken laden<br />

Noch zeigt sich das Editor-Fenster<br />

komplett leer. Am unteren<br />

Rand findet sich eine Schaltfläche<br />

Open, über die Sie Clips laden<br />

können. Wechseln Sie in den Ordner,<br />

in den Sie die Demo-Dateien<br />

entpackt haben, <strong>und</strong> dort in den<br />

File | User Preferences links oben<br />

oder über das Tastenkürzel<br />

[Strg]+[Alt]+[U]. Dort definieren<br />

Sie die Puffergröße im Reiter System<br />

unter Memory Cache Limit in<br />

MBytes. Um den Beispiel-Clip<br />

komplett zu puffern, genügen<br />

1024 MByte.<br />

Etwas Theorie zum Tracken<br />

Die 3D-Rekonstruktion läuft in<br />

zwei Phasen ab. Zuerst definieren<br />

Sie Punkte im <strong>Video</strong>, die der Tracker<br />

verfolgen soll. Diese bilden<br />

später die Basis für die Berechnungen<br />

zum Bewegen der Kamera<br />

<strong>und</strong> zur Position der Punkte im<br />

3D-Raum. Bei der Auswahl der<br />

Punkte gilt es, einige Dinge zu beachten.<br />

Befindet sich im <strong>Video</strong><br />

zum Beispiel eine Fläche, auf die<br />

Sie später etwas stellen wollen<br />

(wie in unserem Beispiel auf den<br />

Tisch), dann müssen auf dieser<br />

Ebene mindestens drei Punkte<br />

verfolgt werden: Das ist die Mindestanzahl,<br />

um später daraus<br />

eine Fläche erstellen zu können.<br />

Weiterhin sollten sich die Tracking-Punkte<br />

halbwegs gleichmäßig<br />

über das Bild verteilen <strong>und</strong><br />

sich sowohl im Vorder- als auch<br />

B Die Länge der Animation<br />

stellen Sie ganz<br />

unten im Fenster ein.<br />

C Welche Form hat<br />

das oben angewählte<br />

Objekt, <strong>und</strong> wie weit<br />

dahinter liegt das<br />

nächste? Durch mehrere<br />

Ansichten lässt<br />

sich die Form erkennen<br />

<strong>und</strong> durch den<br />

Computer errechnen.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 29


schwerpunkt<br />

Kamera-Tracking in Blender<br />

D Wo könnte es sich<br />

lohnen, Tracking-Markierungen<br />

zu setzen?<br />

E Ein guter Ort für<br />

den ersten Marker,<br />

Tastenkombination<br />

[Strg]+[Linksklick].<br />

Hintergr<strong>und</strong> befinden. Nur so<br />

kann der Tracker aus der perspektivischen<br />

Verzerrung, die bei der<br />

Bewegung der Kamera entsteht,<br />

auf die Geometrie Rückschlüsse<br />

ziehen (Abbildung C, vorherige<br />

Seite). Das bloße Verteilen von<br />

Punkten auf einer Fläche führt<br />

nicht ans Ziel, der Tracker benötigt<br />

auch Punkte auf Wänden<br />

oder Gegenständen.<br />

Betrachten Sie nun die Basisszene<br />

(Abbildung D). Auf dem Tisch<br />

soll später ein Logo stehen. Das<br />

Holz weist viele Astflecken auf,<br />

die sich ausgezeichnet zum Tracken<br />

eignen, da sie starke Kontraste<br />

bieten: Der Tracker arbeitet<br />

mit Graustufen, weswegen sich<br />

dunkle Flecken auf hellem Hintergr<strong>und</strong><br />

ideal als Referenz eignen.<br />

Auf dem Boden finden sich<br />

ebenfalls Flecken, wenn auch mit<br />

weniger Kontrasten. An der Wand<br />

sieht es schon schlechter aus:<br />

Rechts unten befindet sich eine<br />

Verunreinigung zwischen Türrahmen<br />

<strong>und</strong> Bodenleiste, links am<br />

Vorhang ebenfalls eine Struktur,<br />

die der Tracker verfolgen könnte.<br />

Insgesamt könnte das schon ausreichen<br />

– eventuell helfen noch<br />

Punkte an den Ecken des hinteren<br />

Stuhls weiter.<br />

Markierungen setzen<br />

Bevor Sie die Markierungen setzen,<br />

sollten Sie noch zwei Einstellungen<br />

ändern. Zum einen finden<br />

sie links oben unter Marker den<br />

Reiter Tracking Settings. Dort finden<br />

Sie die Konfiguration für den<br />

Suchalgorithmus. Er ist per Voreinstellung<br />

auf Geschwindigkeit<br />

optimiert, es kommt aber unter<br />

Umständen vor, dass Sie manuell<br />

nachkorrigieren müssen. Der Einfachheit<br />

halber wählen Sie das<br />

Preset Blurry Footage, mit dem<br />

sich im Test alle Punkte von Anfang<br />

bis Ende<br />

verfolgen ließen.<br />

Halten Sie [Strg] gedrückt, <strong>und</strong><br />

setzen Sie mit einem Linksklick<br />

nun einen Marker auf den deutlich<br />

erkennbaren Astfleck links<br />

unten von der Kanne (Abbildung<br />

E). Im Fenster rechts neben<br />

der Footage erscheint automatisch<br />

eine vergrößerte Ansicht<br />

des markierten Bildteils, wo Sie<br />

nun Feinkorrekturen vornehmen<br />

können.<br />

Wenn Sie den Marker nun mit<br />

einem Klick auf das Vorwärts-<br />

Symbol unter Track im linken<br />

Fenster oder mit der Tastenkombination<br />

[Strg]+[T] verfolgen lassen,<br />

so dürfte das Schauspiel je<br />

nach Hardware so schnell ablaufen,<br />

dass Sie gar nichts davon<br />

mitbekommen, sondern nur das<br />

Ergebnis antreffen. Damit Sie<br />

auch sehen, was sich abspielt, setzen<br />

Sie im rechten Fenster unter<br />

Tracking Settings die Einstellung<br />

Speed auf Double: Jetzt arbeitet<br />

der Tracker höchstens mit der<br />

doppelten Framerate der Animation,<br />

sodass Sie die Bewegungen<br />

verfolgen können.<br />

Setzen Sie nun einen Marker<br />

auf den Astfleck direkt unter der<br />

Kanne. Da Sie sich im letzten<br />

Frame befinden, können Sie ihn<br />

über [Umschalt]+[Strg]+[T] oder<br />

einen Klick auf die entsprechende<br />

Schaltfläche rückwärts verfolgen.<br />

Dazu betrachten Sie den Vorgang<br />

im Detailfenster <strong>und</strong> der großen<br />

Ansicht. Es empfiehlt sich, jeden<br />

weiteren Punkt einzeln zu verfolgen,<br />

um bei Problemen sofort eingreifen<br />

zu können – zum Beispiel,<br />

indem Sie den defekten Track mit<br />

[X] löschen. Wollen Sie einen<br />

schon vorhandenen Marker anwählen,<br />

so geschieht dies mit der<br />

Feature-Detection?<br />

Es ist Ihnen sicher schon aufgefallen, dass es da noch<br />

diesen Knopf Detect Features gibt: In der Theorie ließe<br />

sich damit der Tracking-Prozess vollständig automatisieren.<br />

In der Praxis schleichen sich dabei aber immer Marker<br />

ein, die das Ergebnis negativ beeinflussen. Um solche Störer<br />

zu erkennen, brauchen Sie schon ein wenig Erfahrung:<br />

Zum Beispiel können Marker an Kanten unmerklich entlanggleiten<br />

<strong>und</strong> dadurch die gesamte Lösung torpedieren.<br />

Für Anfänger empfiehlt es sich daher, die Marker bei den<br />

ersten Tracks von Hand zu setzen.<br />

30 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Kamera-Tracking in Blender<br />

schwerpunkt<br />

rechten Maustaste. Das Auswählen<br />

von Elementen mit der rechten<br />

Maustaste stellt eines der<br />

Blender-Konzepte dar, die sich<br />

durch alle Module ziehen <strong>und</strong> bei<br />

Einsteigern zunächst für Verwirrung<br />

sorgen.<br />

Das Setzen der weiteren Marker<br />

verläuft immer nach dem gleichen<br />

Prozedere: Sie setzen mindestens<br />

drei Marker auf die gewünschte<br />

Fläche. Allgemein verteilen<br />

Sie die Marker gleichmäßig<br />

über Vorder- <strong>und</strong> Hintergr<strong>und</strong><br />

<strong>und</strong> nicht nur auf die Fläche, sondern<br />

auch auf andere Bereiche<br />

des Raums. Marker auf Kanten<br />

<strong>und</strong> geraden Mustern neigen zum<br />

Gleiten (siehe Kasten Feature-Detection?),<br />

weswegen Sie solche<br />

vermeiden sollten. Eine weitere<br />

Voraussetzung: In dem Zeitraum,<br />

in dem der Solver sich initialisiert,<br />

müssen mindestens acht<br />

erfolgreich getrackte Marker vorhanden<br />

sein – aber dazu später<br />

mehr. Abbildung F zeigt eine<br />

Marker-Verteilung, die zu einem<br />

guten Ergebnis führte.<br />

Die Lösung<br />

Jetzt ist es an der Zeit, die Bewegungen<br />

der Kamera zu errechnen.<br />

Dafür benötigt Blender aber noch<br />

ein paar Informationen zur genutzten<br />

Kamera, <strong>und</strong> zwar die<br />

Größe des Sensors <strong>und</strong> die Brennweite,<br />

die zur Aufnahme genutzt<br />

wurde. Am wichtigsten ist die<br />

Größe des Sensors. Diese entnehmen<br />

Sie dem Datenblatt der Kamera<br />

oder bringen Sie aus dem<br />

Internet in Erfahrung. Für zahlreiche<br />

DSLR-Profi-Kameras<br />

bringt Blender zudem bereits<br />

Voreinstellungen mit.<br />

Haben Sie bei einer Aufnahme<br />

einmal vergessen, die Brennweite<br />

zu notieren, so stellt das keinen<br />

Beinbruch dar, denn bei genug<br />

Bewegung <strong>und</strong> perspektivischer<br />

Verzerrung kann Blender die<br />

Brennweite sehr gut schätzen.<br />

Die Sensor-Breite im Beispiel beträgt<br />

Dabei setzen Sie zuerst die Größe<br />

des Sensors <strong>und</strong> erst danach die<br />

Brennweite, da Blender diese<br />

sonst relativ zur Sensorgröße<br />

korrigiert.<br />

Um die Bewegung der Kamera<br />

zu errechnen beziehungsweise<br />

aufzulösen, klicken Sie unter<br />

Solve auf Camera Motion (Abbildung<br />

H) oder verwenden den<br />

Shortcut [Umschalt]+[S]. Nach<br />

kurzer Zeit erscheint eine Meldung<br />

Average Solve Error. Diese<br />

zeigt an, wie weit sich die errechneten<br />

Punkte im Raum bei einer<br />

Rückprojektion auf das <strong>Video</strong> von<br />

den getrackten Markern unterscheiden<br />

(in Pixeln). Werte kleiner<br />

als eins sind gut. Falls trotz<br />

durchweg gut getrackter Marker<br />

22,2 Millimeter,<br />

die<br />

Brennweite<br />

22 Millimeter.<br />

Tragen<br />

Sie diese<br />

Werte in den<br />

Feldern Sensor<br />

<strong>und</strong> Focal<br />

Length im<br />

Tab Camera<br />

Data ein (Abbildung<br />

G).<br />

G Bei den Kameradaten ist<br />

die Sensor-Breite Pflicht, die<br />

Brennweite einzutragen<br />

empfehlenswert.<br />

H Die Bewegung der Kamera<br />

wird über diesen<br />

Menüpunkt errechnet.<br />

F Ein Beispiel für<br />

eine gute Verteilung<br />

der Marker.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 31


schwerpunkt<br />

Kamera-Tracking in Blender<br />

I Der Schätzalgorithmus<br />

liefert genauere<br />

Werte für Brennweite<br />

<strong>und</strong> Verzerrung.<br />

J In die Reconstruction-Sektion gelangen<br />

Sie einfach per Menü.<br />

ein großer Fehler auftritt, so<br />

kann eine Verfeinerung der Kameradaten<br />

Erfolg versprechen.<br />

Dafür ist das Menü unter Refine<br />

zuständig. Mehr als die Focal<br />

Length (Brennweite) <strong>und</strong> K1 (ein<br />

Verzerrungsmaß für die Linse)<br />

sollten Sie nicht benötigen. Wählen<br />

Sie nun Focal Length, K1 <strong>und</strong><br />

klicken Sie wieder auf Camera Motion.<br />

Es sollte sich nichts verändert<br />

haben. Das liegt daran, dass<br />

am Anfang des <strong>Video</strong>s nur wenig<br />

Bewegung herrscht.<br />

Die Werte für Keyframe A <strong>und</strong><br />

Keyframe B sind jedoch auf den<br />

Anfang gesetzt. Den Bereich zwischen<br />

diesen beiden Keyframes<br />

nutzt der Lösungsalgorithmus,<br />

um die Daten der Kamera abzuschätzen<br />

<strong>und</strong> die initiale Rekonstruktion<br />

aufzubauen. Daher sollten<br />

Sie diesen Bereich auf einen<br />

Zeitraum im <strong>Video</strong> legen, der viel<br />

Bewegung <strong>und</strong> Veränderungen in<br />

der Perspektive mit sich bringt.<br />

Das ist im Beispiel-<strong>Video</strong> am<br />

Schluss der Fall. Setzen Sie die<br />

Werte auf 70 <strong>und</strong> 99 <strong>und</strong> klicken<br />

Sie wieder auf Camera Motion. Als<br />

Ergebnis erhalten Sie nicht nur<br />

einen geringeren Solve Error, sondern<br />

auch feinere Werte bei<br />

Brennweite <strong>und</strong> Lens Distortion<br />

(Abbildung I).<br />

Die Szene in 3D<br />

Nachdem Blender die Bewegung<br />

der Kamera nun berechnet hat,<br />

ist es an der Zeit, eine kleine 3D-<br />

Szene zu erstellen, in die Sie den<br />

Schriftzug platzieren. Die dafür<br />

notwendigen Werkzeuge fasst die<br />

Sektion Reconstruction des Tracking-Moduls<br />

übersichtlich zusammen<br />

(Abbildung J).<br />

Um die 3D-Szene auch im Viewport<br />

betrachten zu können, öffnen<br />

Sie ein ein weiteres Fenster,<br />

indem Sie die Maus im aktuellen<br />

Fenster links unten über die drei<br />

keinen Striche bewegen, bis sich<br />

der Cursor zu einem Kreuz verwandelt.<br />

Durch Ziehen der Maus<br />

nach oben erscheint ein neues<br />

Fenster (Abbildung K). Dessen<br />

Einstellung ändern Sie in 3D View<br />

(Abbildung L).<br />

Im 3D Viewport von Blender<br />

funktionieren manche Dinge anders<br />

als bei vergleichbarer Software.<br />

Ein großer Unterschied:<br />

Objekte wählen Sie auch hier mit<br />

der rechten Maustaste an, genauso<br />

wie die Marker im Tracking-<br />

Modul. Der Sinn dahinter erschließt<br />

sich bei größeren Projekten<br />

mit vielen Objekten im Viewport.<br />

Wählen Sie die Kamera mit<br />

einem Rechtsklick (Abbildung M),<br />

<strong>und</strong> drücken Sie die [0] auf dem<br />

Ziffernblock, um durch die Kamera<br />

zu sehen. Noch erscheint dort<br />

allerdings nicht viel.<br />

Nach einem Klick auf Set as<br />

Backgro<strong>und</strong> in der Sektion Clip im<br />

Reconstruction-Fenster erscheint<br />

das <strong>Video</strong> im Hintergr<strong>und</strong>. Nach<br />

einem weiteren Klick auf Setup<br />

K Weitere Fenster erzeugen<br />

Sie mithilfe der<br />

drei kleinen Striche<br />

links unten in der Ecke<br />

jedes Fensters.<br />

32 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Kamera-Tracking in Blender<br />

schwerpunkt<br />

L Jedes Fenster<br />

wandeln Sie<br />

per Menü in<br />

einen anderen<br />

Fenstertyp um.<br />

M Objekte wählen Sie<br />

in Blender über die<br />

rechte Maustaste aus.<br />

Tracking Scene<br />

erscheinen<br />

zahlreiche<br />

Kreuze <strong>und</strong><br />

eine Plane, die<br />

später einmal<br />

den Boden für den Schriftzug bilden<br />

soll (Abbildung N).<br />

Wenn Sie nun durch die Timeline<br />

scrubben oder mit [Alt]+[A] die<br />

Animation abspielen, so scheinen<br />

die Kreuze zwar fest an ihren<br />

Stellen auf dem Tisch zu bleiben,<br />

die Ebene <strong>und</strong> der Würfel bewegen<br />

sich aber unpassend. Das<br />

liegt daran, dass deren Position<br />

sich irgendwo im Raum befindet,<br />

aber nicht auf dem Tisch.<br />

Hier schaffen Sie Abhilfe, indem<br />

Sie im Reconstruction-Fenster drei<br />

Marker anwählen, die sich auf der<br />

Tischplatte befinden. Das erreichen<br />

Sie, indem sie zuerst einen<br />

Marker mit Rechtsklick anwählen,<br />

dann [Umschalt] gedrückt<br />

halten <strong>und</strong> zwei weitere Marker<br />

mit der rechten Maustaste anklicken.<br />

Der zuletzt ausgewählte<br />

Marker bildet das Zentrum der<br />

Szene, was Sie aber später noch<br />

ändern können.<br />

Wenn Sie mit drei ausgewählten<br />

Markern unter Orientation auf<br />

Floor klicken, verändert sich die<br />

Szene im Viewport dahingehend,<br />

dass die Ebene tatsächlich auf<br />

dem Tisch liegt. Wirkt die Orientierung<br />

unpassend, wählen Sie<br />

alle Punkte mit [A] ab <strong>und</strong> dann<br />

einen der Punkte, die den Boden<br />

bilden, wieder an. Ein Klick auf<br />

Set Origin setzt ihn in die Mitte<br />

der Szene (Abbildung O).<br />

Dort sehen Sie zwei dünne, farbige<br />

Striche. Beim roten handelt<br />

es sich um die X-Achse, beim grünen<br />

um die Y-Achse. Durch Anwählen<br />

eines anderen Bodenpunktes<br />

können Sie ihn mit Set X<br />

Axis auf der roten Linie platzieren,<br />

was das Orientieren erleichtert.<br />

Das gleiche Spiel funktioniert<br />

auch mit der Y-Achse.<br />

Wenn Sie nun mit [F12] rendern,<br />

dann sehen Sie einen halben<br />

Würfel auf dem Tisch sowie<br />

dessen Schatten, der möglicherweise<br />

über den Tisch hinaus<br />

reicht (Abbildung P, folgende Seite).<br />

Für den Schatten ist die Plane<br />

zuständig. Wählen Sie den Würfel<br />

an <strong>und</strong> löschen Sie ihn mit [X].<br />

Fügen Sie mit [Umschalt]+[A]<br />

<strong>und</strong> Anwahl von Text einen Text<br />

hinzu. Diesen editieren Sie über<br />

[Tab]. Wiederholtes Drücken<br />

von [Tab] bringt Sie zurück.<br />

Falls sich der Text in der Ebene<br />

nicht erkennen lässt, hilft die<br />

Drahtgitter-Ansicht weiter (Abbildung<br />

Q, folgende Seite). Eine<br />

Rotation von 90 Grad um die X-<br />

Achse ([R],[X],90)<br />

hebt den Text aus<br />

der Ebene. Wenn<br />

Sie nun [R],[Z]<br />

wählen, können<br />

N Blender erstellt automatisch eine rudimentäre Szene fürs Tracking.<br />

O Kleines Fenster,<br />

große Wirkung.<br />

Hier lässt sich die<br />

Szene so ausrichten,<br />

dass einfaches<br />

Arbeiten im Viewport<br />

möglich wird.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 33


schwerpunkt<br />

Kamera-Tracking in Blender<br />

P So könnte das erste Rendering aussehen.<br />

Der Autor<br />

Gottfried Hofmann<br />

studierte Informatik<br />

an der FAU Erlangen-<br />

Nürnberg. Er arbeitet<br />

als Freelancer im Bereich<br />

Digitale Spezialeffekte<br />

<strong>und</strong> Motion<br />

Graphics sowie als<br />

Trainer für die Open-<br />

Source-3D-Software<br />

Blender. Auf der Webseite<br />

http:// www.​<br />

BlenderDiplom. com<br />

bietet er Blender-Tutorials<br />

in deutscher<br />

Sprache an.<br />

Sie den Text beliebig um die Z-<br />

Achse rotieren, sprich: auf dem<br />

Tisch drehen. Mit [S] vergrößern<br />

<strong>und</strong> verkleinern Sie ihn, mit [G]<br />

verschieben Sie ihn. Wenn Sie<br />

nach [G] noch [Umschalt]+[Z]<br />

drücken, verschieben Sie den Text<br />

so, dass er sich nicht auf der Z-<br />

Achse bewegt, also auf dem Tisch<br />

bleibt. Heran- <strong>und</strong> weg zoomen<br />

Sie mit dem Mausrad.<br />

Feinschliff am Text<br />

Nun ist der Text ausgerichtet,<br />

sieht aber noch zweidimensional<br />

<strong>und</strong> damit recht langweilig aus.<br />

R Die Textoptionen erlauben ein einfaches Formatieren.<br />

Q Die Drahtgitter-Ansicht macht die Szene übersichtlicher.<br />

Das ändern Sie über die Text-Eigenschaften,<br />

die Sie im rechten<br />

Panel im Tab mit dem F-Symbol<br />

finden (Abbildung R). Die dortigen<br />

Optionen kennen Sie zum<br />

größten Teil aus Textverarbeitungsprogrammen.<br />

Dagegen beziehen<br />

sich die Einstellungen unter<br />

Geometry auf die dritte Dimension:<br />

Über Extrude erweitern<br />

Sie den Text in den 3D-Raum, die<br />

Einstellungen unter Bevel erzeugen<br />

abgeflachte Kanten.<br />

S Akzente setzen über<br />

die Render-Optionen.<br />

Eine Besonderheit bietet die Sektion<br />

Font: Blender greift nicht auf<br />

die installierten Schriftarten zurück,<br />

sondern Sie müssen die<br />

TTF-Schriftartdateien direkt anwählen<br />

– was im Falle von aus<br />

dem Internet heruntergeladenen<br />

Schriften aber kein Problem darstellt.<br />

Für den Schriftzug auf dem<br />

Tisch empfiehlt es sich, die Einstellung<br />

Small Caps zu nutzen, die<br />

Kleinbuchstaben in verkleinerte<br />

Großbuchstaben umwandelt. Dadurch<br />

passiert es<br />

nicht, dass die Unterlängen<br />

von Kleinbuchstaben<br />

wie „g“<br />

oder „p“ den Boden<br />

durchstoßen.<br />

Zwei Kleinigkeiten<br />

gilt es, jetzt noch zu<br />

beachten. Zum einen<br />

scheint der Text ein<br />

wenig in der Bodenplatte<br />

zu versinken.<br />

Das Problem lösen<br />

Sie, indem Sie ihn<br />

anwählen <strong>und</strong> nach<br />

Drücken von [G],[Z]<br />

ein wenig anheben.<br />

Das zweite Problem:<br />

Beim Rendern erscheint<br />

der Text<br />

möglicherweise<br />

durchsichtig. In diesem<br />

Fall wählen Sie<br />

ihn an <strong>und</strong> drücken<br />

[M],[ 1 ]. Das setzt<br />

den Text auf den<br />

Layer 1, also eine ei-<br />

34 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Kamera-Tracking in Blender<br />

schwerpunkt<br />

T Es gibt zwar noch viel Raum für Verbesserungen, etwa beim Schatten –<br />

aber der Text steht bereits fest auf der Tischplatte.<br />

gene Ebene. Was das genau zu bedeuten<br />

hat, liegt allerdings außerhalb<br />

der Reichweite dieser kurzen<br />

Einführung in das Thema.<br />

Nun können Sie die Animation<br />

rendern. Dafür finden Sie zahlreiche<br />

Optionen in den Render-Einstellungen<br />

(Abbildung S). Wichtig<br />

ist hier, unter Anti-Aliasing<br />

den Punkt Full Sample zu aktivieren,<br />

um die Qualität zu erhöhen.<br />

Unter Encoding finden sich zahlreiche<br />

Presets für <strong>Video</strong>-Dateien<br />

– Blender nutzt hier Ffmpeg.<br />

Ausblick<br />

Der Text steht im <strong>Video</strong> trotz bewegter<br />

Kamera fest auf dem<br />

Tisch. Es gibt aber noch ein paar<br />

Details, die den Realismus einschränken,<br />

wie zum Beispiel der<br />

Schattenwurf (Abbildung T). Diesen<br />

könnten Sie korrigieren, indem<br />

Sie die Position <strong>und</strong> die Farbe<br />

der Lampe in der Szene ändern<br />

<strong>und</strong> weitere Lampen hinzufügen.<br />

Darüber hinaus könnte der Text<br />

Tastenkürzel<br />

Die Bedienung von Blender fällt<br />

sehr Shortcut-lastig aus, was für erfahrene<br />

Anwender ein flottes Arbeiten<br />

ermöglicht, für Anfänger aber<br />

erstmal eine steile Lernkurve bedeutet.<br />

Die drei wichtigsten Shortcuts:<br />

[G] steht für „grab“, also nehmen<br />

(<strong>und</strong> dann bewegen), [S] für<br />

„scale“ (skalieren) <strong>und</strong> [R] für „rotate“<br />

(drehen).<br />

noch eine schönere Farbe bekommen<br />

<strong>und</strong> – je nach Szene – eventuell<br />

noch eine passende Textur.<br />

Solche Themen würden aber<br />

den Rahmen dieser kleinen Einführung<br />

deutlich sprengen. Wenn<br />

Sie Lust auf mehr bekommen haben,<br />

empfiehlt sich der Erwerb<br />

der offiziellen Blender-Trainings-<br />

DVD „Track, Match, Blend!“ von<br />

Sebastian König. Sie erhalten die<br />

Disk über den Blender E-Shop [8].<br />

Die Einnahmen aus den Verkäufen<br />

dienen dazu, die festangestellten<br />

Programmierer von Blender<br />

zu bezahlen. Eine gute deutsche<br />

Community bei allen Fragen<br />

r<strong>und</strong> um die freie Rendering-<br />

Software ist das Online-Forum<br />

BlendPolis [9]. (jlu) n<br />

[1] OpenShot: http:// www. openshotvideo. com<br />

info<br />

[2] OpenShot-Workshop: Tim Schürmann, „Gegenschuss“, LU 04/​2010, S. 46,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 20481<br />

[3] Blender: http:// www. blender. org<br />

[4] Blender-Workshop (1): Gottfried Hofmann, „Quantenfussel“, LU 01/​2011,<br />

S. 28, http:// www. linux‐community. de/ 21422<br />

[5] Blender-Workshop (2): Gottfried Hofmann, „Haarige Angelegenheit“,<br />

LU 02/​2011, S. 56, http:// www. linux‐community. de/ 22799<br />

[6] Blender-Workshop (3): Gottfried Hofmann, „Marionette“, LU 03/​2011, S. 64,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 22956<br />

[7] Footage für den Workshop: http:// www. blender. org/ development/ release‐logs/​<br />

blender‐261/ blender‐261‐demo‐files/<br />

[8] Blender-E-Shop: http:// www. blender3d. org/ e‐shop/<br />

[9] Deutsches Blender-Forum: http:// www. blendpolis. de/<br />

Digitales aBO<br />

linuxUser: Das Monatsmagazin für die Praxis<br />

DigisUB *<br />

nur 56,10 €<br />

im Jahr (12 PDFs)<br />

* Digitales Abo, jederzeit kündbar<br />

www.linux-user.de<br />

Jetzt Bestellen Unter:<br />

www.linux-user.de/digisub<br />

Telefon: 07131 /2707 274<br />

Fax: 07131 / 2707 78 601<br />

07 | 12 35<br />

E-Mail: abo@linux-user.de


schwerpunkt<br />

Kdenlive 0.9<br />

<strong>Video</strong>schnitt mit Kdenlive<br />

Große Schneiderei<br />

Das <strong>Video</strong>schnittprogramm Kdenlive richtet sich vor allem an semiprofessionelle<br />

Anwender. Die frisch erschienene Version 0.9 bringt einige<br />

interessante Neuerungen mit. Tim Schürmann<br />

© Leonid Yastremskiy, 123RF<br />

README<br />

Kdenlive hat sich zu<br />

einem der beliebtesten<br />

<strong>und</strong> umfangreichsten<br />

<strong>Video</strong>schnittprogramme<br />

unter Linux gemausert.<br />

Den großen Funktionsumfang<br />

erkauft man allerdings<br />

mit einer komplexeren<br />

Bedienung.<br />

Hat man sich jedoch<br />

erst einmal mit der<br />

gr<strong>und</strong>legenden Arbeitsweise<br />

vertraut gemacht,<br />

geht der <strong>Video</strong>schnitt<br />

erstaunlich leicht von<br />

der Hand.<br />

Mit jeder neuen Version erhält<br />

Kdenlive [1] zahlreiche weitere<br />

Funktionen <strong>und</strong> Effekte. Mittlerweile<br />

nähert sich das <strong>Video</strong>schnittprogramm<br />

sogar langsam<br />

professionellen Platzhirschen wie<br />

Adobe Premiere an. Auch wenn<br />

die Entwickler in der kurz vor Redaktionsschluss<br />

freigegebenen<br />

Version 0.9 die Bedienung an vielen<br />

kleinen Stellen verbessert haben,<br />

erschlägt die Benutzeroberfläche<br />

jeden Einsteiger mit ihren<br />

vielen Schaltern <strong>und</strong> Symbolen.<br />

Wer zum ersten Mal ein <strong>Video</strong><br />

nachbearbeitet <strong>und</strong> möglichst<br />

schnell Ergebnisse erzielen möchte,<br />

der sollte eventuell besser einen<br />

Blick auf OpenShot werfen<br />

[2]. Andererseits bietet Kdenlive<br />

weitaus mehr Gestaltungsmöglichkeiten:<br />

Das Einarbeiten<br />

könnte sich folglich lohnen.<br />

Tückischer Paketdienst<br />

Die größte Hürde auf dem Weg<br />

zum fertigen <strong>Video</strong> wartet gleich<br />

zu Beginn. Einige Distributionen<br />

wie OpenSuse, ignorieren Kdenlive<br />

komplett, bei anderen liegt<br />

nur eine überholte Version in den<br />

Repositories. So offeriert Ubuntu<br />

12.04 nur das fast ein Jahr alte<br />

Kdenlive 0.8.2.1. Glücklicherweise<br />

bieten die Entwickler fertige<br />

Pakete für alle gängigen Distributionen<br />

an [3]. Der Kasten Frisch<br />

geliefert zeigt die Installation anhand<br />

der Beispiele Ubuntu 12.04<br />

<strong>und</strong> OpenSuse 12.1.<br />

Allerdings sollten Sie sich nicht<br />

zu früh freuen: Zumindest zu Redaktionsschluss<br />

waren die Pakete<br />

von gemischter Qualität <strong>und</strong> teilweise<br />

sogar noch veraltet. So<br />

mussten Besitzer der 32-Bit-Fassung<br />

von OpenSuse 12 weiterhin<br />

mit der Version 0.8.2.1 vorliebnehmen,<br />

für die 64-Bit-OpenSuse<br />

gab es nur englische Menüs. In<br />

solchen Fällen könnten Sie jetzt<br />

auf die Idee kommen, das <strong>Video</strong>schnittprogramm<br />

selbst zu übersetzen.<br />

Aufgr<strong>und</strong> der unzähligen<br />

Abhängigkeiten ist das jedoch<br />

eine fehlerträchtige Aufgabe. Sie<br />

sollten daher lieber auf die eine<br />

oder andere neue Funktion verzichten<br />

<strong>und</strong> zu den bereitgestellten<br />

älteren Paketen greifen.<br />

Frisch geliefert<br />

Um Kdenlive unter Ubuntu 12.04 zu installieren,<br />

starten Sie über das Dash die Aktualisierungsverwaltung<br />

(Sie lesen richtig). Dort klicken Sie<br />

ganz links unten auf Einstellungen, wechseln im<br />

neuen Fenster auf das Register Andere Software,<br />

entscheiden sich für Hinzufügen … <strong>und</strong><br />

tippen in das Eingabefeld ppa:sunab/kdenlive‐release<br />

ein. Per Software-Paketquelle hinzufügen<br />

<strong>und</strong> Schließen geht es wieder zurück<br />

zur Aktualisierungsverwaltung. Dabei geben Sie<br />

auf Nachfrage das Passwort des Systemadminis<br />

trators preis (in der Regel Ihr eigenes).<br />

In der Aktualisierungsverwaltung klicken Sie<br />

jetzt auf Prüfen <strong>und</strong> lassen anschließend alle<br />

Aktualisierungen installieren. Danach Schließen<br />

Sie die Aktualisierungsverwaltung, öffnen das<br />

Software-Center <strong>und</strong> suchen nach Kdenlive. Lassen<br />

Sie es noch nicht Installieren, sondern prüfen<br />

Sie erst unter den Informationen, ob die Version<br />

tatsächlich mit kdenlive 0.9 … beginnt. Als<br />

Benutzer von OpenSuse 12.01 starten Sie YaST<br />

(beispielsweise über das K-Menü, Rechner |<br />

Yast) <strong>und</strong> entscheiden sich im Bereich Software<br />

für die Software-Repositories. Im neuen Fenster<br />

klicken Sie am unteren Rand auf Hinzufügen,<br />

wählen Community/​Gemeinschafts-Repositories,<br />

gehen Weiter, haken in der Liste der Repositories<br />

den Punkt Packman Repository an <strong>und</strong><br />

klicken auf OK. Dem GnuPG-Schlüssel können<br />

Sie Vertrauen. Schließen Sie das Fens ter mit<br />

OK, <strong>und</strong> starten Sie in YaST das Modul Software<br />

installieren oder löschen. Ins Suchfeld tippen<br />

Sie Kdenlive, haken rechts daneben das<br />

Paket kdenlive ab, klicken rechts unten auf Akzeptieren,<br />

nicken die Abhängigkeiten mit Fortfahren<br />

ab <strong>und</strong> warten die Installation ab.<br />

38 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Kdenlive 0.9<br />

schwerpunkt<br />

Auf den Download-Seiten finden<br />

Sie übrigens noch eine Live-DVD<br />

<strong>und</strong> VirtualBox-Images, mit denen<br />

Interessenten ohne Risiko in<br />

Kdenlive hineinschnuppern können.<br />

Die Entwickler haben die<br />

Pflege jedoch schon 2009 eingestellt,<br />

die auf der DVD <strong>und</strong> in den<br />

Images enthaltenen Kdenlive-<br />

Versionen sind folglich gnadenlos<br />

veraltet. Wenn Sie sich Kdenlive<br />

unverbindlich ansehen möchten,<br />

greifen Sie zu AV Linux [4]: Dessen<br />

Live-DVD enthält auch das<br />

aktuelle Kdenlive 0.9.<br />

Einrichtungshaus<br />

Starten Sie Kdenlive zum ersten<br />

Mal, meldet sich der kleine Assistent<br />

aus Abbildung A. Das<br />

Schnittprogramm überlässt im<br />

Hintergr<strong>und</strong> der Software MLT<br />

den Umgang mit den verschiedenen<br />

<strong>Video</strong>- <strong>und</strong> Audio-Formaten.<br />

Nach einem ersten Klick auf Weiter<br />

beziehungsweise Next prüft<br />

der Assistent, ob alle MLT-Bestandteile<br />

ordnungsgemäß verfügbar<br />

sind. Haben Sie Kdenlive<br />

wie im Kasten Frisch geliefert aus<br />

den offiziellen Paketen installiert,<br />

sehen Sie hier blaue Haken. Das<br />

Register Verfügbare Codecs zeigt<br />

an, welche <strong>Video</strong>- <strong>und</strong> Audio-Formate<br />

Kdenlive verarbeitet.<br />

Einen Schritt Weiter (Next) wählen<br />

Sie das <strong>Video</strong>format der Kamera<br />

aus. Voreingestellt ist das<br />

hochauflösende HDV mit 1440<br />

mal 1080 Bildpunkten im Interlaced-Verfahren<br />

mit 25 Bildern<br />

pro Sek<strong>und</strong>e. Das Handbuch Ihrer<br />

Kamera sollte die hier passenden<br />

Daten liefern. Im Zweifelsfall<br />

wählen Sie das Format, in dem<br />

Sie die <strong>Video</strong>s später bevorzugt<br />

ausgeben möchten – bei einer<br />

DVD-Produktion etwa DV/​DVD<br />

PAL. Kdenlive verwendet diese<br />

Auswahl später an verschiedenen<br />

Stellen als Gr<strong>und</strong>lage beziehungsweise<br />

Vorgabe. Sie können aber<br />

dennoch beliebige <strong>Video</strong>-Dateien<br />

laden, schneiden <strong>und</strong> auch in verschiedenen<br />

Formaten ausgeben –<br />

die Vorgabe ist also beileibe nicht<br />

in Stein gemeißelt.<br />

Während des Schnittes erzeugt<br />

Kdenlive verschiedene Dateien,<br />

wie etwa eine Schnittliste oder<br />

<strong>Vorschau</strong>en. In welchem Verzeichnis<br />

diese Projektdateien<br />

standardmäßig landen sollen, teilen<br />

Sie dem Assistenten im nächsten<br />

Schritt mit (Abbildung 2).<br />

Die übrigen Punkte lassen Sie abgehakt<br />

<strong>und</strong> klicken auf Weiter. Sofern<br />

Sie eine Webcam besitzen,<br />

schließen Sie diese jetzt an <strong>und</strong><br />

klicken auf Überprüfen (Check).<br />

Sie können dann später direkt<br />

aus Kdenlive heraus Aufnahmen<br />

mit ihr machen.<br />

Nach einem Klick auf Weiter<br />

(Next) nennt Kdenlive ein paar<br />

optionale Hilfsprogramme, die es<br />

für seine Arbeit benötigt. So können<br />

Sie beispielsweise nur dann<br />

direkt eine fix <strong>und</strong> fertige DVD<br />

erzeugen, wenn auch Dvdauthor<br />

<strong>und</strong> Mkisofs installiert sind. Sie<br />

sollten daher möglichst alle Programme<br />

mit einem roten Warnsymbol<br />

jetzt über den Paketmanager<br />

einspielen.<br />

Nach einem Klick auf Fertigstellen<br />

beziehungsweise Finish erscheint<br />

endlich das Hauptfenster<br />

von Kdenlive. Der erste Schritt<br />

besteht darin, es so breit wie<br />

möglich aufzuziehen. Wie Sie bei<br />

der Arbeit schnell feststellen werden,<br />

kann der Monitor für den<br />

bequemen <strong>Video</strong>schnitt gar nicht<br />

breit genug ausfallen.<br />

Hereinspaziert<br />

Das Hauptfenster besteht aus<br />

vier Teilbereichen: Ganz links<br />

oben sammeln Sie auf dem Register<br />

Projektinhalt das in Ihrem<br />

Filmprojekt verwendete Ausgangsmaterial,<br />

also etwa <strong>Video</strong>schnipsel<br />

<strong>und</strong> Musikstücke. In<br />

der freien Fläche direkt rechts daneben<br />

erscheinen später die Einstellungen<br />

für Effekte <strong>und</strong> Übergänge.<br />

Ganz rechts finden Sie<br />

schließlich die <strong>Vorschau</strong>. Den<br />

größten Bereich nimmt in der unteren<br />

Hälfte die Zeitleiste in Anspruch.<br />

Auf den dortigen <strong>Video</strong><strong>und</strong><br />

Audio-Spuren arrangieren<br />

Sie den kompletten Film.<br />

Bevor es so weit ist, muss erst einmal<br />

das Ausgangsmaterial her.<br />

Dazu doppelklicken Sie links oben<br />

in den weißen Bereich Projektinhalt<br />

(Project Tree) oder wählen Projekt<br />

| Datei hinzufügen (Project |<br />

Add Clip). Nach etwas Bedenkzeit<br />

erscheint der Clip nun ganz rechts<br />

in der <strong>Vorschau</strong>. Jetzt kommt das<br />

vorhin im Assistenten vorgegebene<br />

<strong>Video</strong>format ins Spiel: Alle eingelesenen<br />

<strong>Video</strong>s passt Kdenlive<br />

an genau dieses Format an.<br />

In Abbildung 3 auf der nächsten<br />

Seite wurde beispielsweise im<br />

Assistenten das DVD-Format<br />

gewählt, aber ein HD-<strong>Video</strong> im<br />

Breitbildformat eingeladen.<br />

Kdenlive ergänzt das HD-<strong>Video</strong><br />

um schwarze Balken <strong>und</strong> presst<br />

es auf diese Weise in das 4:3-Format.<br />

Damit sehen Sie schon jetzt,<br />

wie das <strong>Video</strong> später bei der Ausgabe<br />

aussehen wird.<br />

Die originalen <strong>Video</strong>dateien<br />

bleiben dabei unverändert, Kdenlive<br />

erstellt erst einmal nur eine<br />

<strong>Vorschau</strong>. Daher können Sie auch<br />

nachträglich noch das von Kdenlive<br />

verwendete <strong>Video</strong>format ändern.<br />

Dazu rufen Sie Projekt |<br />

Projekteinstellungen (Project | Pro­<br />

A Der Assistent hilft<br />

beim Einrichten von<br />

Kdenlive <strong>und</strong> prüft<br />

auch gleich noch, ob<br />

alle benötigten Softwarekomponenten<br />

vorliegen.<br />

2 Bei Bedarf zeigt<br />

Kdenlive in der Zeitleiste<br />

kleine <strong>Vorschau</strong>bilder<br />

als Orientierung<br />

an <strong>und</strong> sichert im Hintergr<strong>und</strong><br />

das Projekt<br />

automatisch.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 39


schwerpunkt<br />

Kdenlive 0.9<br />

3 Hier wurde im<br />

Assis tenten das <strong>Video</strong>format<br />

DV/​DVD PAL gewählt,<br />

an das Kdenlive<br />

jetzt die importierten<br />

HD-<strong>Video</strong>s anpasst –<br />

als Folge entstehen<br />

schwarze Balken.<br />

Neuheiten in Kdenlive 0.9<br />

ject Settings) auf <strong>und</strong> wählen im<br />

Fenster einfach ein anderes <strong>Video</strong>profil<br />

(Profile). Mitunter bietet<br />

Kdenlive direkt beim Öffnen des<br />

ersten <strong>Video</strong>clips an, dessen Format<br />

als Basis zu verwenden.<br />

Laden Sie jetzt auf die beschriebene<br />

Weise alle Clips, die Sie für<br />

den Film benötigen. Sobald Sie einen<br />

davon anklicken, erscheint er<br />

rechts im <strong>Vorschau</strong>-Monitor –<br />

allerdings nur, wenn dort das Register<br />

Clip-Monitor aktiviert ist<br />

(unterhalb des <strong>Vorschau</strong>bildes).<br />

Bleibt die <strong>Vorschau</strong> schwarz, warten<br />

Sie ein paar Sek<strong>und</strong>en. Insbesondere<br />

bei HD-Material benötigt<br />

Kdenlive stets etwas Bedenkzeit.<br />

Sollte nach einer Weile immer<br />

noch kein Bild erscheinen, konnte<br />

Trotz des Versionssprungs von Version 0.8 auf 0.9 halten sich<br />

die Neuerungen in Grenzen [6]. Im überarbeiteten Effektmagazin<br />

dürfen Sie jetzt die Effekte gruppieren <strong>und</strong> bequem per<br />

Drag & Drop deren Reihenfolge ändern. Darüber hinaus lassen<br />

sich die Einstellungen mehrerer Effekte gleichzeitig modifizieren.<br />

Neu ist der Online-Browser, mit dem Sie recht bequem das Angebot<br />

der Open-Clip-Art-Library, der Archive.org-<strong>Video</strong>bibliothek <strong>und</strong><br />

der FreeSo<strong>und</strong>-Audio-Bibliothek durchsuchen <strong>und</strong> anzapfen. Haben<br />

Sie mit mehreren Kameras gleichzeitig etwa eine Theateraufführung<br />

gefilmt, richtet Kdenlive 0.9 die <strong>Video</strong>s in der Zeitleiste<br />

anhand der Tonspur passend zueinander aus.<br />

Abschließend können Sie jetzt Clips nach Datum sortieren, ausschließlich<br />

den Ton aufzeichnen lassen, weitere Effekte von MLT<br />

<strong>und</strong> Frei0r nutzen, <strong>und</strong> schon während der Aufnahme mit Histogramm,<br />

RGB-Parade <strong>und</strong> Co. die <strong>Video</strong>s begutachten.<br />

Neben den neuen Funktionen enthält Kdenlive 0.9 allerdings<br />

auch einige ärgerliche neue Bugs, wie die Entwickler kurz vor<br />

Drucklegung dieses Hefts bekanntgaben [7]. Wenn Sie diese Seiten<br />

lesen, liegt wahrscheinlich bereits eine fehlerbereinigte Version<br />

0.9.1 vor – es lohnt also ein Blick auf die Projektseite.<br />

Kdenlive die <strong>Video</strong>datei nicht lesen.<br />

In diesem Fall hakt irgendwo<br />

etwas bei MLT, oder aber die <strong>Video</strong>datei<br />

weist einen Fehler auf.<br />

Eine Fehleranalyse ist hier recht<br />

aufwendig, Hilfe finden Sie im<br />

Kdenlive-Forum [5].<br />

Über die kleinen Symbole unterhalb<br />

des <strong>Vorschau</strong>bildes starten<br />

Sie die Wiedergabe des Clips.<br />

Dummerweise fallen die Knöpfe<br />

hier äußerst klein aus – sie mit<br />

dem Mauszeiger zu treffen, bedarf<br />

schon etwas Geschick. Den<br />

Vor- <strong>und</strong> Rücklauf erreichen Sie<br />

zudem nur über das Menü Monitor,<br />

wo Sie auch die jeweiligen<br />

Tastenkürzel finden. Da diese die<br />

Arbeit extrem beschleunigen,<br />

sollten Sie sich die wichtigsten<br />

Shortcuts notieren oder besser<br />

sogar auswendig lernen.<br />

Abgehackt<br />

Häufig benötigt man aus einem<br />

Clip nur den Mittelteil – beispielsweise,<br />

wenn man wieder<br />

mal vergessen hat, die Kamera<br />

abzuschalten, <strong>und</strong> ein paar Sek<strong>und</strong>en<br />

die eigenen Füße gefilmt<br />

hat. In solch einem Fall spulen Sie<br />

im Clip-Monitor an den zukünftigen<br />

Anfang <strong>und</strong> setzen mit [I]<br />

den Anfangspunkt („In-Point“).<br />

Anschließend geht es zum letzten<br />

noch erwünschten Bild, wo Sie<br />

mit [U] das Ende des Clips festlegen<br />

(„Out-Point“). Sind Sie geschickt<br />

genug, können Sie auch<br />

auf dem klitzekleinen schwarzen<br />

Dreieck direkt unterhalb des <strong>Vorschau</strong>bildes<br />

die linke Maustaste<br />

gedrückt halten <strong>und</strong> dann mit<br />

Mausbewegungen schnell durch<br />

das <strong>Video</strong> düsen (neuhochdeutsch:<br />

„scrubben“).<br />

Den fertig beschnittenen Clip<br />

müssen Sie jetzt nur noch per<br />

Drag & Drop aus der <strong>Vorschau</strong> in<br />

eine <strong>Video</strong>spur auf der Zeitleiste<br />

ziehen. Sofern Sie einen Clip<br />

nicht mehr zu beschneiden brauchen,<br />

können Sie ihn auch direkt<br />

aus der Liste Projektinhalt links<br />

oben in die Zeitleiste ziehen. Beachten<br />

Sie dabei, dass die <strong>Vorschau</strong><br />

rechts oben automatisch<br />

auf den Projektmonitor (Project<br />

Monitor) umschaltet. Dieser (<strong>und</strong><br />

nur er) zeigt eine <strong>Vorschau</strong> des<br />

arrangierten Films.<br />

Die <strong>Video</strong>schnipsel auf der Zeitleiste<br />

ziehen Sie per Drag & Drop<br />

an die gewünschte Stelle. Dabei<br />

gilt die in Schnittprogrammen<br />

übliche Regel: Wie in einem Stapel<br />

<strong>Foto</strong>s überdeckt ein <strong>Video</strong> immer<br />

alle Clips, die in den Spuren<br />

direkt unter ihm liegen. Über die<br />

Lupensymbole am unteren Rand<br />

des Hauptfensters vergrößern<br />

<strong>und</strong> verkleinern Sie die Darstellung.<br />

Falls die Anzahl der Spuren<br />

nicht ausreicht, fügen Sie über<br />

Projekt | Spuren | Spur einfügen<br />

(Project | Tracks | Insert Tracks)<br />

weitere hinzu.<br />

Selbstverständlich dürfen Sie einen<br />

Clip auch direkt in der Zeitleiste<br />

in zwei Teile schneiden.<br />

Dazu klicken Sie den fraglichen<br />

Clip einmal an, sodass er eine<br />

rote Umrandung erhält. Fahren<br />

Sie jetzt im Projektmonitor an die<br />

Stelle, wo der Schnitt erfolgen<br />

soll. Sie können dazu auch die<br />

Zeitnadel per Drag & Drop verschieben.<br />

Haben Sie die passende<br />

Stelle gef<strong>und</strong>en, drücken Sie<br />

[Umschalt]+[R]. Alternativ aktivieren<br />

Sie den Knopf mit der<br />

Schere am unteren Rand des<br />

Hauptfensters <strong>und</strong> klicken dann<br />

an die entsprechende Schnittstelle<br />

im Clip. Das gerät allerdings etwas<br />

fummelig, da Sie genau mit<br />

der Mitte der geöffneten Schere<br />

die gewünschte Stelle im Clip<br />

treffen müssen.<br />

Effektiv<br />

Um einen Clip mit einem netten<br />

<strong>Video</strong>effekt zu versehen, wechseln<br />

Sie im mittleren oberen Bereich<br />

des Hauptfensters auf das<br />

Register mit der Effektliste (Effect<br />

List). Aus Gründen der Übersichtlichkeit<br />

sortiert Kdenlive dort die<br />

einzelnen Effekte in Gruppen,<br />

wobei die Einordnung allerdings<br />

teilweise etwas inkonsistent ausfällt.<br />

Um etwa den Kontrast des<br />

Filmmaterials anzupassen, müssen<br />

Sie die Gruppe Farbe (Colour)<br />

40 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Kdenlive 0.9<br />

schwerpunkt<br />

öffnen, während die Helligkeit<br />

(Brightness) zur Farbkorrektur (Colour<br />

Correction) gehört.<br />

Haben Sie den gewünschten Effekt<br />

gef<strong>und</strong>en, ziehen Sie einfach<br />

seinen Namen aus der Liste auf<br />

den entsprechenden Clip. Kdenlive<br />

wählt den Clip jetzt automatisch<br />

aus <strong>und</strong> zeigt alle auf ihn<br />

angewendeten Effekte auf dem<br />

Register Effektmagazin (Effect<br />

Stack). Dort finden Sie auch die<br />

Einstellungen des Effektes – vorausgesetzt,<br />

er bietet solche an<br />

(Abbildung 4). Um einen Effekt<br />

wieder zu entfernen, klicken Sie<br />

im Effektmagazin auf das Symbol<br />

mit dem X ganz rechts neben seinem<br />

Namen.<br />

Überblendungen zwischen zwei<br />

Clips entstehen in Kdenlive auf<br />

einem anderen Weg: Platzieren<br />

Sie zunächst die beiden betroffenen<br />

Clips wie in Abbildung 5<br />

leicht versetzt auf zwei Spuren.<br />

Dort, wo sich die beiden Clips<br />

überlappen, findet gleich die<br />

Überblendung statt. Fahren Sie<br />

jetzt mit der Maus in die rechte<br />

untere Ecke des oberen Clips, also<br />

an die Nahtstelle zwischen den<br />

beiden <strong>Video</strong>s. Der Zeiger verwandelt<br />

sich in eine Hand, während<br />

die Ecke des oberen Clips<br />

leicht grün zu glühen beginnt.<br />

Wenn Sie jetzt die linke Maustaste<br />

drücken, erstellt Kdenlive<br />

automatisch eine einfache Überblendung<br />

zwischen den beiden<br />

<strong>Video</strong>s, repräsentiert durch ein<br />

kleines gelbes Kästchen (Abbildung<br />

5). Das Ergebnis begutachten<br />

Sie in der <strong>Vorschau</strong>. Falls Ihnen<br />

der Effekt nicht gefällt, klicken<br />

Sie das gelbe Kästchen an<br />

(unter Umständen ist es halb von<br />

einem der Clips verdeckt) <strong>und</strong><br />

wählen dann auf dem Register<br />

Übergang (Transition) aus der Ausklappliste<br />

Typ (Type) einen anderen<br />

Effekt. Das gelbe Kästchen<br />

können Sie übrigens in seiner<br />

Länge ändern <strong>und</strong> somit die Dauer<br />

des Effektes beeinflussen.<br />

Dazu ziehen Sie einfach mit dem<br />

Mauszeiger an seinen Enden des<br />

jeweiligen Effektstreifens.<br />

Ist der Film schließlich arrangiert<br />

<strong>und</strong> mit Effekten gewürzt, klicken<br />

Sie in der Symbolleiste auf<br />

Rendern (Render). Im neuen Fenster<br />

entscheiden Sie zunächst unter<br />

Typ, was Kdenlive mit dem<br />

Film anstellen soll. Unter anderem<br />

können Sie ihn für eine DVD<br />

vorbereiten oder in eine einfache<br />

<strong>Video</strong>-Datei (File Rendering) exportieren.<br />

Im Eingabefeld darunter<br />

vergeben Sie noch einen Dateinamen<br />

für die Ausgabedatei<br />

<strong>und</strong> suchen sich dann in der beziehungsweise<br />

den Listen darunter<br />

ein <strong>Video</strong>format aus. Im Zweifelsfall<br />

übernehmen Sie einfach<br />

die Vorgaben von Kdenlive.<br />

Möchten Sie sofort eine fertige<br />

DVD erstellen, dann haken Sie<br />

noch DVD-Assistenten nach dem<br />

Rendern öffnen (Open Dvd wizard<br />

after rendering) an. Abschließend<br />

lassen Sie den Film per Rendere in<br />

Datei (Render to file) generieren.<br />

Das dauert je nach Umfang des<br />

Films <strong>und</strong> Leistungsfähigkeit des<br />

Computers unter Umständen<br />

mehrere St<strong>und</strong>en.<br />

Für das Erzeugen eines Datenträgers<br />

öffnet sich anschließend<br />

noch der DVD-Assistent. Dort<br />

prüfen Sie kurz, ob unter DVD-<br />

Formatierung (DVD format) das<br />

korrekte Ausgabeformat eingestellt<br />

ist, <strong>und</strong> klicken sich dann<br />

immer Weiter (Next) bis zum letzten<br />

Schritt Erstelle DVD-Image<br />

(Creating DVD Image). Hier lassen<br />

Sie ein ISO-Image erzeugen (Create<br />

ISO image), das Sie noch auf eine<br />

[1] Kdenlive: http:// www. kdenlive. org<br />

[2] OpenShot: http:// openshot. org<br />

[3] Kdenlive-Pakete:<br />

info<br />

http:// www. kdenlive. org/ user‐manual/ down<br />

loading‐and‐installing‐kdenlive<br />

[4] AV Linux:<br />

http:// www. bandshed. net/ AVLinux. html<br />

[5] Kdenlive Forum:<br />

http:// www. kdenlive. org/ forum<br />

[6] Neuerungen in Kdenlive 0.9:<br />

http:// www. kdenlive. org/ users/ j‐b‐m/​<br />

kdenlive‐09‐released<br />

[7] Bugs in Kdenlive 0.9: http:// www. kdenlive.​<br />

org/ users/ j‐b‐m/ fixing‐bugs‐kdenlive‐09<br />

DVD brennen müssen. Welchen<br />

Namen das Image trägt, legen Sie<br />

unter DVD-ISO-Image fest.<br />

Fazit<br />

Kdenlive besitzt in der Version<br />

0.9 noch viele kleinere Macken.<br />

So zeigte die <strong>Vorschau</strong> während<br />

unserer Arbeit immer mal wieder<br />

Grafikfehler, <strong>und</strong> das Bearbeiten<br />

von HD-<strong>Video</strong>s gestaltete sich äußerst<br />

zäh. Darüber hinaus wollte<br />

Kdenlive das fertige <strong>Video</strong> hin<br />

<strong>und</strong> wieder nicht exportieren.<br />

Hier rächen sich ganz offensichtlich<br />

die zahlreichen Abhängigkeiten,<br />

deren Qualität von der<br />

jeweiligen Distribution abhängt.<br />

So lief das Schnittprogramm unter<br />

Ubuntu wesentlich instabiler<br />

als unter OpenSuse. Wer mit<br />

Kdenlive arbeitet, sollte häufig<br />

über Datei | Speichern unter…<br />

(File | Save As…) den Projektstand<br />

sichern.<br />

Derzeit werkeln die Entwickler<br />

mit Hochdruck an der Version<br />

1.0. Um die Arbeit voranzutreiben,<br />

riefen sie Anfang des Jahres<br />

eine Spendenkampagne ins Leben.<br />

Mit dem gesammelten Geld<br />

bezahlt das Team einen freien<br />

Programmierer, der für einen Monat<br />

in Vollzeit vor allem unter der<br />

Haube aufräumen soll. (jlu) n<br />

4 Um an die Einstellungen<br />

eines Effektes<br />

zu gelangen, müssen<br />

Sie ihn möglicherweise<br />

im Effektmagazin erst<br />

mit einem Klick auf<br />

das Dreieck links neben<br />

seinem Namen<br />

aufklappen.<br />

5 Hier überblendet<br />

Kdenlive das obere <strong>Video</strong><br />

in das untere. Der<br />

kleine, nur schwer zu<br />

erkennende gelbe<br />

Kasten zwischen den<br />

beiden Clips repräsentiert<br />

das Überblenden.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 41


schwerpunkt<br />

Tintii<br />

<strong>Foto</strong>s gezielt einfärben mit Tintii<br />

Schönfärberei<br />

Steven Spielberg drehte „Schindlers Liste“ komplett in Schwarz-Weiß – nur in einer kurzen Szene trägt<br />

ein kleines Kind einen rot leuchtenden Mantel. Solch einen eindrucksvollen Farbeffekt wendet die<br />

schlanke Software Tintii halb automatisch auf beliebige Farbfotos an. Tim Schürmann<br />

© Mike Flippo, 123RF<br />

README<br />

Das Bildverarbeitungsprogramm<br />

Tintii wandelt<br />

Farbfotos in Schwarz-<br />

Weiß-Bilder, in denen es<br />

dann einzelne Bereiche<br />

effektvoll einfärbt.<br />

Neu angerührt<br />

Wichtige Objekte auf <strong>Foto</strong>s hebt<br />

man gezielt hervor, indem man<br />

den Hintergr<strong>und</strong> unscharf einstellt,<br />

das Motiv ausschneidet<br />

oder aber allen unwichtigen<br />

Partien kurzerhand die Farbe entzieht.<br />

Ein Beispiel für die letztgenannte<br />

Variante zeigt die Abbildung<br />

A. Diesen auf neuhochdeutsch<br />

auch als Selective Color<br />

Um Tintii frisch aus dem Quellcode zu erstellen, installieren Sie<br />

zunächst über Ihren Paketmanager den C++-Compiler, Make sowie<br />

die Entwicklerpakete zu wxWidgets <strong>und</strong> Boost – unter Open-<br />

Suse beispielsweise die Pakete gcc-c++, make, boost-devel <strong>und</strong><br />

wxwidgets-devel mitsamt Abhängigkeiten. Als Ubuntu-Nutzer richten<br />

Sie hingegen die Pakete build-essential, libwxgtk2.8-dev <strong>und</strong><br />

libboost-all-dev ein, ebenfalls mit allen ihren Abhängigkeiten.<br />

Als Nächstes steuern Sie die Tintii-Homepage an [1], klicken<br />

dort auf den Download-Knopf ganz rechts oben <strong>und</strong> laden unter<br />

For Linux das Quellcode-Archiv herunter. Dieses entpacken Sie<br />

auf der Festplatte <strong>und</strong> rufen dann im entstandenen Unterverzeichnis<br />

in einem Terminalfenster nacheinander folgende beiden<br />

Befehle auf:<br />

$ ./configure ‐‐disable‐assert CXXFLAGS="‐O3 ‐g3"<br />

$ make<br />

Läuft alles glatt, dann installieren Sie anschließend Tintii mit<br />

dem Befehl sudo make install (Ubuntu) beziehungsweise mit<br />

der Kommandofolge su root; make install; (OpenSuse).<br />

oder Color Popping bekannten Effekt<br />

machten in den 90er-Jahren<br />

vor allem Filme wie „Pleasantville“<br />

oder „Schindlers Liste“ populär<br />

[1]. Um Ihre eigenen <strong>Foto</strong>s<br />

ebenso eindrucksvoll zu färben,<br />

genügen ein paar Mausklicks in<br />

der kostenlosen Software Tintii<br />

[2]. Sie verwandelt ein Farbfoto<br />

zunächst in ein Graustufenbild<br />

<strong>und</strong> holt dann gezielt einzelne<br />

Farben wieder zurück. Alle so eingefärbten<br />

Bereiche <strong>und</strong> Objekte<br />

stechen dann besonders effektvoll<br />

aus der Szene heraus. Die verwendeten<br />

Farben dürfen Sie schließlich<br />

noch im Farbton, der Intensität<br />

<strong>und</strong> der Helligkeit verändern.<br />

Auf diese Weise geben Sie Ihren<br />

<strong>Foto</strong>s schnell eine komplett andere<br />

Stimmung oder machen aus<br />

flauen Aufnahmen farbgewaltige<br />

Kunstwerke. Einen hellblauen<br />

Wölkchenhimmel in ein glutrotes<br />

Inferno zu verwandeln, ist für<br />

Tintii ein Leichtes. Sie selbst<br />

brauchen dazu kein Spezialwissen,<br />

sondern müssen nur an ein<br />

paar Reglern zupfen.<br />

Kostenloser Farbkasten<br />

Tintii stammt aus der Feder von<br />

Lawrence Murray, einem Programmierer<br />

<strong>und</strong> Amateurfotografen.<br />

Er besitzt offenbar ein großes<br />

Herz für Linux: Während Windows-<br />

<strong>und</strong> Mac-OS-X-Anwender<br />

zwischen 5 <strong>und</strong> 20 US-Dollar für<br />

Tintii berappen müssen, dürfen<br />

Linux-Nutzer die Anwendung gratis<br />

herunterladen <strong>und</strong> nutzen.<br />

Mehr noch: Der gesamte Quellcode<br />

steht unter der GNU GPLv2.<br />

Einige Distributionen bieten in<br />

ihren Repositories sogar ein fertiges<br />

Paket an. Das enthält allerdings<br />

meist nur eine etwas ältere<br />

Tintii-Version, der einige interessante<br />

Einstellungsmöglichkeiten<br />

fehlen. Möchten Sie den vollen<br />

Funktionsumfang nutzen <strong>und</strong> finden<br />

das aktuelle Tintii nicht im<br />

Paketmanager der verwendeten<br />

Distribution, dann führt Sie der<br />

Kasten Neu angerührt zum Ziel.<br />

Um Tintii zu starten, rufen Sie<br />

in einem Terminal-Fenster den<br />

Befehl tintii auf – das gilt selbst<br />

dann, wenn Sie die Anwendung<br />

42 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Tintii<br />

schwerpunkt<br />

unter Ubuntu über das Software-<br />

Center installiert haben. Ältere<br />

Versionen von Tintii zeigen jetzt<br />

ein ziemlich karges Fenster (in<br />

Abbildung B das Bild rechts unten),<br />

in dem Sie auf Open klicken<br />

<strong>und</strong> dann eines Ihrer <strong>Foto</strong>s auswählen.<br />

Die aktuelle Tintii-Version<br />

öffnet hingegen sofort das<br />

Hauptfenster aus Abbildung A.<br />

Dort rufen Sie File | Open auf<br />

<strong>und</strong> suchen dann auf der Festplatte<br />

das zu bearbeitende Bild<br />

aus. Tintii liest die Dateiformate<br />

BMP, PNG, JPEG, TIFF, GIF,<br />

PNM, PCX, IFF, Windows Icons<br />

(ICO), Windows Cursor (CUR,<br />

ANI), TGA <strong>und</strong> XPM.<br />

Das <strong>Foto</strong> erscheint jetzt im<br />

Hauptfenster in Schwarz-Weiß.<br />

Direkt rechts daneben (in älteren<br />

Tintii-Versionen links) finden Sie<br />

mehrere kleine <strong>Vorschau</strong>symbole.<br />

Aktivieren Sie eines davon durch<br />

Anklicken, holt Tintii die entsprechende<br />

Farbe zurück. In den kleinen<br />

<strong>Vorschau</strong>bildern trägt es die<br />

Farbe ganz bewusst etwas zu dick<br />

auf: Sie sehen auf diese Weise<br />

leichter, in welchen Bildbereichen<br />

welche Farbe betroffen ist. Weitere<br />

Objekte färben Sie ein, indem<br />

Sie einfach mehrere <strong>Vorschau</strong>en<br />

gleichzeitig aktivieren.<br />

Nicht jedes <strong>Foto</strong> enthält alle Farben<br />

im gleichen Maß. Bei einem<br />

überwiegend bewölkten Himmel<br />

fehlen in einer Stadtansicht beispielsweise<br />

oft die Blautöne. Dann<br />

kann auch Tintii die entsprechende<br />

Farbe nicht zurückholen, die<br />

zugehörige <strong>Vorschau</strong> bleibt weitgehend<br />

grau. Um eine der Farben<br />

wieder aus dem Bild zu nehmen,<br />

deaktivieren Sie einfach mit einem<br />

erneuten Mausklick die zugehörige<br />

<strong>Vorschau</strong>.<br />

Mischmasch<br />

In der aktuellen Tintii-Version<br />

warten rechts neben den <strong>Vorschau</strong>symbolen<br />

zahlreiche Regler.<br />

Mit ihnen justieren Sie die Farben<br />

nach – bis hin ins Absurde. Jeweils<br />

drei Regler gehören zur<br />

links in der <strong>Vorschau</strong> präsentierten<br />

Farbe. Mit dem Regler über<br />

der Schwarz-<br />

Weiß-Skala<br />

dunkeln Sie die<br />

Farbe ab oder<br />

hellen sie auf.<br />

In Abbildung C<br />

auf der nächsten<br />

Seite erscheinen<br />

die<br />

Blendläden so<br />

helltürkis.<br />

Der Regler<br />

darüber erhöht<br />

beziehungsweise<br />

verringert<br />

die Farbintensität<br />

(Sättigung).<br />

Ziehen<br />

Sie ihn nach<br />

rechts, hebt das die eingefärbten<br />

Objekte immer weiter hervor, bis<br />

sie sogar irgendwann zu glühen<br />

beginnen. Das lässt sich wiederum<br />

für interessante Effekte<br />

missbrauchen: Schalten Sie alle<br />

Farben ein <strong>und</strong> erhöhen Sie dann<br />

nach <strong>und</strong> nach deren Farbintensität.<br />

Ähnlich wie in Abbildung D<br />

(nächste Seite) blühen so insbesondere<br />

Landschaftsfotos im<br />

wahrsten Sinne des Wortes auf.<br />

Wichtig ist dabei das richtige<br />

Maß: Ziehen Sie die Regler zu<br />

weit, erhalten Sie nur eine poppige<br />

Bonbonoptik.<br />

Mit dem obersten der drei Regler<br />

schließlich tauschen Sie noch<br />

die Farbe gegen eine komplett andere<br />

aus. Ist etwa die blaue <strong>Vorschau</strong><br />

aktiv <strong>und</strong> Sie ziehen<br />

den Regler nach<br />

links über den grünen<br />

Bereich, färbt Tintii alle<br />

blauen Objekte wie in<br />

Abbildung E (nächste<br />

Seite) grasgrün. Diese<br />

Funktion eignet sich<br />

auch bestens dazu, einen<br />

blauen Himmel<br />

noch dunkelblauer zu<br />

machen oder eine blühende<br />

Frühlingslandschaft<br />

in den Herbst zu<br />

schicken (Abbildung F,<br />

nächste Seite)<br />

Sobald Sie ein neues<br />

Bild öffnen, ermittelt<br />

Tintii die vier Hauptfarben des<br />

<strong>Foto</strong>s <strong>und</strong> erstellt dafür jeweils<br />

ein <strong>Vorschau</strong>bild. Das reicht aber<br />

nicht immer aus – beispielsweise<br />

wenn das <strong>Foto</strong> verschiedene Blumen<br />

in unterschiedlichen Grüntönen<br />

enthält. In der aktuellen<br />

Tintii-Version können Sie deshalb<br />

über das Pluszeichen rechts unten<br />

weitere Farben hinzuholen, in<br />

älteren Versionen erhöhen Sie<br />

einfach den Wert im Feld Thumbs.<br />

Die neuen Farben dürfen Sie allerdings<br />

nicht selbst auswählen.<br />

Stattdessen sucht Tintii erneut<br />

die wichtigsten beziehungsweise<br />

markantesten Farben heraus. Im<br />

Fall des Blumenbildes wären das<br />

dann sehr wahrscheinlich mehrere<br />

Grüntöne. Analog reduziert ein<br />

A Hier zeigt Tintii nur<br />

alle blauen Elemente<br />

in der Hausansicht an,<br />

dazu zählen die im<br />

Odenwald typischen<br />

blauen Blendläden <strong>und</strong><br />

natürlich der Himmel.<br />

B Ältere Tintii-Versionen,<br />

wie etwa hier die<br />

in Ubuntu enthaltene,<br />

bieten weniger Einstellmöglichkeiten<br />

als<br />

die aktuelle Fassung.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 43


schwerpunkt<br />

Tintii<br />

C Hier wurde die Helligkeit aller blauen Bereiche angehoben.<br />

D Mit genügend Sättigung erstrahlt das Haus in knackigen Farben.<br />

Klick auf das Minussymbol die<br />

Anzahl der verfügbaren Farben, in<br />

älteren Versionen setzen Sie die<br />

Zahl hinter Thumbs herab.<br />

Diese Arbeitsweise ist gerade<br />

am Anfang ziemlich gewöhnungsbedürftig.<br />

Im Zweifelsfall klicken<br />

Sie das Plus-Symbol so lange an,<br />

bis Tintii sehr ähnliche Farben<br />

anbietet, <strong>und</strong> verringern dann<br />

über das Minuszeichen die Auswahl<br />

wieder. Insgesamt kann Tintii<br />

bis zu 16 verschiedene Farben<br />

gleichzeitig anbieten.<br />

Schmierfink<br />

Mit dem Regler Decay im Bereich<br />

Postprocessing entziehen Sie den<br />

nur leicht gefärbten Bereichen die<br />

Farbe wieder. Damit bleibt der<br />

Busch vor dem Haus knackig<br />

grün, das leicht grünlich schimmernde<br />

Moos an der Hauswand<br />

dahinter verschwindet jedoch<br />

wieder im umgebenden Grau.<br />

Dazu müssen Sie lediglich den<br />

Regler langsam nach rechts ziehen.<br />

Schieben Sie ihn nach links,<br />

färbt Tintii auch dezente Strukturen<br />

wieder ein.<br />

Ergänzend kontrolliert der Regler<br />

Edge den Kontrast der Decay-<br />

Einstellung. Je weiter Sie ihn<br />

nach rechts ziehen, desto mehr<br />

„verschmiert“ die Farbe (Abbildung<br />

G). An Edge sollten Sie zupfen,<br />

wenn Sie Objekte mit feinen<br />

Strukturen einfärben wollen, wie<br />

etwa Haare oder Äste. Darüber<br />

hinaus stimmen Sie mit Decay<br />

<strong>und</strong> Edge Farbübergänge beziehungsweise<br />

Farbverläufe ab. In älteren<br />

Tintii-Versionen müssen Sie<br />

Decay <strong>und</strong> Edge noch jeweils getrennt<br />

für die Farbsättigung (Sat)<br />

<strong>und</strong> den Farbton (Hue) einstellen.<br />

Für jedes Pixel im <strong>Foto</strong> prüft<br />

Tintii, zu welcher Farbe es auf der<br />

rechten Seite am besten passt.<br />

Dann weist es ihm die Einstellungen<br />

der dortigen Regler zu. Ist<br />

beispielsweise ein Pixel im <strong>Foto</strong><br />

für Tintii überwiegend blau, dann<br />

weist es ihm in Abbildung A die<br />

Einstellungen rechts neben dem<br />

blauen <strong>Vorschau</strong>bild zu.<br />

Das gilt jedoch nur, wenn im Bereich<br />

Postprocessing der Regler<br />

Hardness ganz rechts steht. Je<br />

weiter Sie ihn nach links schieben,<br />

desto mehr beeinflussen<br />

auch die anderen Regler die endgültige<br />

Farbe des Pixels: Je stär-<br />

E Die blauen Blendläden wurden hier grün eingefärbt. Nur können Sie<br />

Tintii nicht anweisen, dabei zum Beispiel den Himmel auszusparen.<br />

F Mit Tintii lassen sich die eigentlich grünen Sträucher in eine braune<br />

Herbstlandschaft verwandeln.<br />

44 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Tintii<br />

schwerpunkt<br />

ker die jeweilige Farbe im Pixel<br />

enthalten ist, desto höher der<br />

Einfluss. Bei einem türkisfarbenen<br />

Pixel würde Tintii etwa die<br />

Einstellungen für Blau <strong>und</strong> Grün<br />

am stärksten berücksichtigen.<br />

Normalerweise gibt es keinen<br />

Gr<strong>und</strong>, den Regler nach links zu<br />

ziehen. In den meisten <strong>Foto</strong>s<br />

führt das lediglich zu ausgewaschenen<br />

Farben. Die Funktion<br />

fördert aber unter Umständen<br />

auch versteckte Strukturen zutage<br />

<strong>und</strong> holt so etwa das leicht<br />

grünlich schimmernde Moos in<br />

einer Mauer her. Die Einstellung<br />

Hardness fehlt übrigens in älteren<br />

Tintii-Versionen.<br />

Das Schwarz-Weiß-Bild berechnet<br />

Tintii automatisch. Wie stark<br />

dabei die ursprünglichen Rot-,<br />

Grün- <strong>und</strong> Blauanteile des <strong>Foto</strong>s<br />

in das Ergebnis eingehen, bestimmen<br />

Sie über die Regler im Channel<br />

mixer. Ziehen Sie beispielsweise<br />

Red ganz nach rechts, besteht<br />

das Graustufenbild nur noch aus<br />

dem Rotkanal. Indem Sie die Regler<br />

bewegen, können Sie die grauen<br />

Bereiche aufhellen oder abdunkeln<br />

<strong>und</strong> so gezielt Bilddetails<br />

herausstellen. Die Anteile der einzelnen<br />

Farben müssen dabei immer<br />

zusammengezählt 100 Prozent<br />

ergeben. Bewegen Sie einen<br />

Regler nach rechts, gehen folglich<br />

die anderen beiden zum Ausgleich<br />

nach links.<br />

Falls Ihre Experimente zu ausufernd<br />

waren, stellt der Menüpunkt<br />

Edit | Restore Defaults alle<br />

Einstellungen wieder auf ihre Ursprungswerte<br />

zurück. Ein einzelnes<br />

„Rückgängig“ gibt es derzeit<br />

(noch) nicht. In das Bild hinein<br />

<strong>und</strong> heraus zoomen Sie über die<br />

Lupen-Symbole in der Werkzeugleiste.<br />

Auf diese<br />

Weise sollten Sie insbesondere<br />

hochauflösende<br />

<strong>Foto</strong>s vor<br />

dem Speichern noch<br />

einmal nach kleinen,<br />

ungewollten Farbklecksen<br />

untersuchen.<br />

Stimmt alles,<br />

sichern Sie Ihr<br />

Kunstwerk via File |<br />

Save As … respektive<br />

mit einem Klick auf<br />

Save As in der Symbolleiste.<br />

Fazit<br />

Tintii macht süchtig.<br />

Wer einmal angefangen hat, mit<br />

dem Farbkasten zu experimentieren,<br />

ertappt sich schnell dabei,<br />

wie er der gesamten <strong>Foto</strong>sammlung<br />

„nur mal eben probeweise“<br />

die Farben entzieht.<br />

Dabei stellt man aber auch<br />

schnell fest, dass sich nicht alle<br />

<strong>Foto</strong>s gleich gut eignen. Die besten<br />

<strong>und</strong> interessantesten<br />

Resultate liefern Bilder,<br />

in denen möglichst<br />

viele verschiedene Farben<br />

vorkommen. Ein<br />

verregnetes Reichstagsgebäude<br />

an einem bewölkten<br />

Tag kann auch<br />

Tintii nicht unter einen<br />

strahlend blauen Himmel<br />

setzen.<br />

Zudem deckt die Software<br />

gr<strong>und</strong>sätzlich alle<br />

Objekte einer Farbe auf.<br />

Möchte man beispielsweise<br />

den Fokus auf eine<br />

Frau mit einem roten<br />

Regenschirm setzen,<br />

sollte möglichst nicht<br />

noch ein rotes Auto im<br />

tipp<br />

Verschieben Sie sämtliche Regler nur langsam. Andernfalls treten<br />

schnell unerwünschte Bereiche hervor, die die gewählte Farbe eigentlich<br />

nur leicht in sich tragen.<br />

Hintergr<strong>und</strong> parken: Einzelne<br />

Objekte maskieren beziehungsweise<br />

aussparen kann Tintii derzeit<br />

noch nicht.<br />

Umgekehrt führt aber auch gerade<br />

die simple Bedienung von<br />

Tintii zu schnellen Ergebnissen –<br />

<strong>und</strong> die versetzen einen immer<br />

wieder in Staunen. (jlu) n<br />

Linux<br />

Das umfassende Handbuch<br />

openbook<br />

online!<br />

1.282 S., 5. Auflage, mit 2 DVDs, 49,90 €<br />

» www.GalileoComputing.de/2963<br />

G Zieht man den Edge-<br />

Regler nach rechts,<br />

laufen die grünen<br />

Kleckse unscharf aus.<br />

Für Linux-User<br />

Android-Apps entwickeln<br />

LPIC-1<br />

Erfolgreiche Linux-Zertifizierung<br />

545 S., 3. Auflage 2012, mit DVD, 34,90 €<br />

» www.GalileoComputing.de/2653<br />

www.GalileoComputing.de<br />

Linux-Server<br />

[1] „Pleasantville“: http:// de. wikipedia. org/ wiki/ Pleasantville_%E2%80%93_Zu_<br />

sch%C3%B6n,_um_wahr_zu_sein<br />

[2] Tintii: http:// www. indii. org/ software/ tintii<br />

info<br />

398 S., 2. Auflage, mit DVD, 24,90 €<br />

» www.GalileoComputing.de/3158<br />

1.100 S., 2. Auflage, 49,90 €<br />

» www.GalileoComputing.de/3051<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 45<br />

Wissen, wie’s geht.


schwerpunkt<br />

RAW-Konverter<br />

Fünf RAW-Konverter in der Übersicht<br />

Rohe Ware<br />

RAW-Daten, das digitale Pendant zum analogen Negativ,<br />

enthalten wertvolle Informationen. Mit dem richtigen Konverter<br />

holen Sie das Optimum aus diesen Dateien heraus. Andreas Reitmaier<br />

© Aerosvit, sxc.hu<br />

README<br />

Hochwertige Kameras<br />

speichern Bilder im<br />

RAW-Format ab, als nur<br />

leicht umgerechnete<br />

Daten des Sensors.<br />

Diese gilt es vor dem<br />

Betrachten erst einmal<br />

intensiv aufzubereiten.<br />

Unser Überblick stellt<br />

fünf verschiedene Programme<br />

vor, die den <strong>Foto</strong>grafen<br />

mit sehr unterschiedlichen<br />

Ansätzen<br />

dabei unterstützen.<br />

<strong>Foto</strong>grafen, die mit hochwertigen<br />

Kameras aus dem Bridgeoder<br />

SLR-Bereich arbeiten, stehen<br />

immer wieder vor der Qual der<br />

Wahl: Sollen sie die <strong>Foto</strong>s als<br />

schnöde JPGs speichern oder<br />

doch lieber im RAW-Format, das<br />

zwar eine bessere Qualität liefert,<br />

aber dafür immer einiges an<br />

Nacharbeit verlangt?<br />

Möchten Sie die <strong>Foto</strong>s später<br />

stark nachbearbeiten, lohnt der<br />

Griff zu den RAW-Daten, da hier<br />

der Datenverlust innerhalb des<br />

Workflows am geringsten ausfällt.<br />

Ganz nebenbei beseitigen<br />

Sie auf diesem Weg gleich noch<br />

Fehler spurlos, die in einer hektischen<br />

<strong>Foto</strong>-Situation manchmal<br />

auftreten (falscher Weißabgleich,<br />

leichte Unter- oder Überbelichtung<br />

oder Ähnliches).<br />

Vor- <strong>und</strong> Nachteile<br />

Der Vorteil des RAW-Formats:<br />

Die Daten kommen weitgehend<br />

unbearbeitet aus der Kamera, wodurch<br />

sich ein deutlich größerer<br />

Spielraum für das nachfolgende<br />

Bearbeiten ergibt. Korrekturen in<br />

der Belichtung erledigen Sie zumeist<br />

problemlos über eine Blende<br />

oder mehr, ohne dass die Qualität<br />

leidet. Anpassungen bei der<br />

Farbe, für den Weißabgleich oder<br />

eine bestimmte Lichtstimmung<br />

gelingen ebenfalls ohne Einbußen<br />

bei der Qualität.<br />

Der Nachteil liegt darin, dass<br />

das Nachbearbeiten zwingend<br />

notwendig ist. Bilder aus RAW-<br />

Dateien wirken in den Standard-<br />

Einstellungen der Konverter oft<br />

flau <strong>und</strong> sogar unscharf. Sie müssen<br />

also Farbe, Schärfe <strong>und</strong> Belichtung<br />

korrigieren. Zudem<br />

brauchen RAW-Dateien sehr viel<br />

Speicherplatz.<br />

Demgegenüber liefert die Kamera<br />

im JPEG-Format ein fertiges<br />

<strong>Foto</strong>. Es benötigt – selbst bei<br />

großzügigen Einstellungen in Bezug<br />

auf die Qualität – deutlich<br />

weniger Speicherplatz. Allerdings<br />

gibt der Kamerahersteller die<br />

meisten Parameter vor, etwa<br />

Schärfe, Farbanmutung <strong>und</strong><br />

Weißabgleich. Später besteht<br />

kaum die Möglichkeit, Fehler<br />

beim <strong>Foto</strong>grafieren auszugleichen,<br />

denn beim Umwandeln in<br />

das JPEG-Format reduziert die<br />

Software die Informationen in<br />

der Datei bereits erheblich.<br />

RAW-Dateien verarbeiten<br />

Für Windows <strong>und</strong> Mac OS X bieten<br />

die Kamerahersteller in der<br />

Regel geeignete Programme, um<br />

die RAW-Dateien aus der Kamera<br />

zumindest rudimentär zu bearbeiten<br />

<strong>und</strong> in ein gängiges Format<br />

umzuwandeln. Doch selbst<br />

auf diesen beiden Plattformen<br />

setzen die meisten <strong>Foto</strong>grafen auf<br />

spezialisierte Software wie etwa<br />

Adobe Lightroom, Capture One,<br />

Corel AfterShot Pro [1] oder DxO<br />

Optics Pro, weil ihnen die Möglichkeiten<br />

der Original-Software<br />

nicht ausreichen.<br />

In sofern besteht kaum ein Unterschied<br />

zu Linux. Zur Gr<strong>und</strong>ausstattung<br />

jeder Distribution gehört<br />

das Paket dcraw, ein Kommandozeilenprogramm,<br />

das RAW-Dateien<br />

liest <strong>und</strong> diverse Einstellungen<br />

bietet. Es ermöglicht das komfortable<br />

Verarbeiten von Bildern im<br />

Batch-Verfahren. In einigen Programmen<br />

kommt Dcraw als Plugin<br />

zum Einsatz, um RAW-Daten zu<br />

importieren, etwa bei Gimp.<br />

<strong>Foto</strong>grafen stehen in der Regel<br />

mit der Kommandozeile auf<br />

Kriegsfuß. Sie wollen sich nicht<br />

mit Linux, sondern den <strong>Foto</strong>s be-<br />

46 07 | 12<br />

www.linux-user.de


RAW-Konverter<br />

schwerpunkt<br />

schäftigen. Daher gibt es eine Reihe<br />

weiterer Programme zum Bearbeiten<br />

von RAW-Bildern, die mit<br />

einer grafischen Oberfläche aufwarten.<br />

Diese teilen sich in zwei<br />

Gruppen: Die eine beschäftigt<br />

sich nur mit dem Entwickeln der<br />

Dateien <strong>und</strong> dem Umwandeln in<br />

ein geeignetes Format. Dazu gehören<br />

beispielsweise Ufraw oder<br />

Rawstudio. Die andere Gruppe<br />

bietet gleichzeitig Funktionen, die<br />

beim Verwalten der Bilder helfen.<br />

Manche Programme bringen zusätzliche<br />

Möglichkeiten zum Bearbeiten<br />

der Bilddateien mit <strong>und</strong><br />

erinnern in dieser Hinsicht stark<br />

an Adobe Lightroom oder Apple<br />

Aperture. In diese Gruppe fällt<br />

zum Beispiel Darktable.<br />

Nicht einsatzbereit<br />

Ein Programm, das schon vom Namen<br />

her den Eindruck macht, es<br />

sei für die RAW-Konvertierung<br />

der passende Partner, fiel schon<br />

zu Beginn aus dem Testfeld, da ein<br />

Vergleich mit den anderen Programmen<br />

nicht relevant erschien:<br />

Darkroom [2] möchte ein einfacher<br />

RAW-Konverter sein, doch es<br />

schwächelt an vielen Stellen.<br />

Zunächst einmal erfolgt das Berechnen<br />

der <strong>Vorschau</strong> unerträglich<br />

langsam. Selbst die kleinste<br />

Änderung an einem beliebigen<br />

Wert verursacht mehrere Sek<strong>und</strong>en<br />

Verzögerung für das Rendern<br />

eines neuen Bildes. Zudem funktionieren<br />

nicht alle Regler korrekt:<br />

So gelang es im Test nicht,<br />

einen korrekten Weißabgleich<br />

vorzunehmen – das gehört aber<br />

eigentlich zu den einfachsten <strong>und</strong><br />

wichtigsten Aufgaben. Zusätzlich<br />

scheint die Entwicklung der Software<br />

inzwischen eingestellt zu<br />

sein, sodass hier kaum Besserung<br />

in Sicht ist.<br />

das Kommandozeilen-Tool. Sie<br />

finden Ufraw in den Repositories<br />

aller gängigen Distributionen, außerdem<br />

fungiert es in Plugin-<br />

Form als RAW-Dialog in Gimp.<br />

Nach dem Programmstart öffnet<br />

sich der Dialog zur Auswahl der<br />

Datei, die Sie bearbeiten wollen.<br />

Das Programm präsentiert auf der<br />

rechten Seite das Bild, das die<br />

Software mit den Kamera-Einstellungen<br />

errechnet hat. Auf der linken<br />

Hälfte finden Sie eine ganze<br />

Reihe von Werkzeugen zum Verändern<br />

von Parametern.<br />

Gleich auf der Startseite stehen<br />

die wichtigsten Einstellungen bereit.<br />

Der Weißabgleich ist auf die<br />

Kamerawerte eingestellt <strong>und</strong> produziert<br />

daher bei schwierigen<br />

Lichtverhältnissen gerne diverse<br />

Farbfehler. Er bietet verschiedene<br />

Voreinstellungen sowie eine Automatik.<br />

Die manuelle Suche nach<br />

dem passenden Weißabgleich ist<br />

etwas ungewohnt: Zunächst wählen<br />

Sie mit der Maus einen neutralen<br />

Punkt im Bild aus, um dann<br />

erst das Symbol mit der Pipette<br />

im Weißabgleich anzuklicken.<br />

Ganz oben in der Werkzeugleiste<br />

finden Sie ein Histogramm mit<br />

den Anteilen der Farben im Bild,<br />

ganz unten ein weiteres Histogramm<br />

mit den Werten nach der<br />

Gr<strong>und</strong>konvertierung. Darunter<br />

gibt die Software numerisch die<br />

einzelnen Werte für die Farben<br />

an, was eine Korrektur gegebenenfalls<br />

erleichtert. In diesem Bereich<br />

steht darüber hinaus die<br />

Auswahl einer Methode zur Interpolation<br />

bereit, die Sie allerdings<br />

nur in Ausnahmefällen zu bemühen<br />

brauchen. Daneben finden Sie<br />

hier ein Modul zur Rauschunterdrückung,<br />

das mit verschiedenen<br />

Methoden arbeitet. Unter dem<br />

RAW-Histogramm bestimmen Sie<br />

zudem noch die Belichtung. Damit<br />

sind die wichtigsten Werte bereits<br />

eingestellt.<br />

Doch Ufraw bietet noch weit<br />

mehr Optionen, wie zum Beispiel<br />

den Graustufenmodus, mit dessen<br />

zahlreichen Einstellungen Sie<br />

ein perfektes Monochrom-Bild erzeugen.<br />

Dabei gibt es drei Voreinstellungen<br />

<strong>und</strong> den Kanalmixer.<br />

Mit diesem stellen Sie die Wirkung<br />

des Bildes sehr genau ein.<br />

Im nächsten Abschnitt finden<br />

Sie eine Gradationskurve, mit deren<br />

Hilfe Sie punktgenau den<br />

Kontrast <strong>und</strong> Verlauf der Helligkeit<br />

bestimmen (Abbildung A).<br />

Einen Menüreiter weiter geht es<br />

um das Darstellen der Farben sowie<br />

das Speichern oder die Eingabe<br />

von Exif-Informationen.<br />

Dcraw <strong>und</strong> Ufraw<br />

Nur die wenigsten Anwender arbeiten<br />

direkt oder ausschließlich<br />

mit Dcraw, da man die Ergebnisse<br />

erst nach dem Umwandeln sieht.<br />

Mit Ufraw existiert jedoch eine<br />

grafische Bedienoberfläche für<br />

A Ufraw bietet gr<strong>und</strong>sätzliche<br />

Funktionen<br />

zum Aufbereiten der<br />

Daten <strong>und</strong> einige Extras,<br />

wie etwa Controls<br />

zum Justieren von<br />

Kontrast <strong>und</strong> Bildwirkung.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 47


schwerpunkt<br />

RAW-Konverter<br />

B Aus dem Export-<br />

Dia log erzeugen Sie<br />

sogenannte ID-<br />

Datei en, mit deren<br />

Hilfe Sie anschließend<br />

größere Mengen an<br />

Bilddateien automatisch<br />

umwandeln.<br />

C Rawtherapee bietet<br />

Optionen zum Steuern<br />

der Belichtung, unter<br />

anderem Regler für<br />

Tiefen <strong>und</strong> Lichter.<br />

Ein eigener Menüpunkt widmet<br />

sich dem Regeln von Kontrast<br />

<strong>und</strong> Sättigung, zusätzlich finden<br />

Sie hier noch eine Kurve zur Anpassung.<br />

Auch eine Beschnittfunktion<br />

fehlt nicht.<br />

Stapelbetrieb<br />

Haben Sie aus einer Serie von <strong>Foto</strong>s<br />

ein repräsentatives Bild gewählt<br />

<strong>und</strong> die Einstellungen perfekt<br />

angepasst, bietet der Dialog<br />

zum Sichern eine Option, diese<br />

Einstellungen für einen Stapelbetrieb<br />

zu speichern (Abbildung B).<br />

Dazu dient die Option ID-Datei<br />

erzeugen. Die Datei enthält alle<br />

Informationen, die Ufraw benötigt,<br />

um das Bild entsprechend<br />

Ihrer Einstellungen<br />

zu entwickeln.<br />

Standardmäßig gibt Ufraw<br />

hier Nein vor, um<br />

das <strong>Foto</strong> im gewählten<br />

Format ohne zusätzliche<br />

Datei abzuspeichern.<br />

Wählen Sie Außerdem, sichert<br />

Ufraw sowohl das<br />

Bild als auch die begleitende<br />

Datei. Wollen Sie<br />

Daten nur für den Batch-<br />

Betrieb bereitstellen,<br />

verwenden Sie die Option<br />

Nur, <strong>und</strong> Ufraw steht<br />

sofort für weitere Arbeiten<br />

bereit.<br />

Nun können Sie diese<br />

ID-Datei nutzen, um einen<br />

ganzen Stapel von<br />

<strong>Foto</strong>s zu bearbeiten. Auf<br />

der Kommandozeile rufen Sie die<br />

Batch-Verarbeitung wie folgt auf:<br />

$ ufraw‐batch *.Dateiformat ID‐U<br />

Datei.ufraw<br />

Der Befehl behandelt alle <strong>Foto</strong>s<br />

im bezeichneten Verzeichnis mit<br />

den Einstellungen der ID-Datei<br />

aus der Ufraw-GUI.<br />

Rawtherapee<br />

Die Optik von Rawtherapee [3]<br />

orientiert sich an typischen Programmen<br />

zum Bearbeiten von Bildern.<br />

Nach dem Starten landen<br />

Sie zunächst im Dateimanager<br />

<strong>und</strong> wählen die Datei aus, die Sie<br />

bearbeiten<br />

möchten. Neben<br />

dem Reiter Dateiverwaltung<br />

sehen<br />

Sie im Kopf<br />

den Reiter Warteschlange.<br />

Das Dateimanagement<br />

bietet<br />

bereits einige<br />

Optionen. So bewerten<br />

Sie hier<br />

die <strong>Foto</strong>s nach<br />

dem gängigen<br />

Sterne-System<br />

oder befördern<br />

<strong>Foto</strong>s per Mausklick<br />

auf das Symbol mit dem<br />

Zahnrad in die Warteschlange.<br />

Wenn Sie möchten, haben Sie sogar<br />

die Möglichkeit, hier sämtliche<br />

Einstellungen für ein gewähltes<br />

Bild vorzunehmen – die Werkzeuge<br />

dazu stehen am rechten<br />

Rand bereit.<br />

Allerdings fällt die Voransicht<br />

doch arg klein aus, sodass es sich<br />

empfiehlt, ein Bild einzeln aufzurufen:<br />

Rawtherapee öffnet es in<br />

einem neuen Reiter. Dabei dürfen<br />

Sie mehrere Reiter mit <strong>Foto</strong>s öffnen,<br />

was einen Vergleich der<br />

Schritte beim Bearbeiten <strong>und</strong><br />

eventuelle Kopien der Einstellungen<br />

erleichtert.<br />

In der Bearbeitungsansicht gliedert<br />

sich die Oberfläche in drei<br />

Teile. Links findet sich der Navigator<br />

mit darunterliegender Anzeige<br />

der Farbwerte sowie der Historie<br />

der Bearbeitungsschritte.<br />

Oberhalb des Bildes befinden sich<br />

Direktzugriffe zu wichtigen Werkzeugen<br />

wie dem Weißabgleich<br />

<strong>und</strong> verschiedene Einstellungen<br />

zur Anzeige.<br />

Die rechte Spalte bleibt den verschiedenen<br />

Werkzeugen vorbehalten.<br />

Diese gliedern sich ganz ähnlich<br />

wie bei Ufraw in Belichtung,<br />

Details, Einstellungen zur Farbe,<br />

Beschnitt sowie Einstellungen<br />

zum Verarbeiten der RAW- <strong>und</strong><br />

Metadaten (Abbildung C).<br />

Mehrere <strong>Foto</strong>s verarbeiten<br />

Auch Rawtherapee bringt eine<br />

Batch-Verarbeitung mit. Dazu<br />

wählen Sie zunächst ein <strong>Foto</strong> aus<br />

<strong>und</strong> konfigurieren dafür die gewünschten<br />

Einstellungen in der<br />

Bearbeitungsansicht. Sind alle Parameter<br />

zu Ihrer Zufriedenheit<br />

angepasst, wählen Sie in der rechten<br />

Spalte den Befehl Profil speichern.<br />

Das Profil können Sie später<br />

jederzeit wieder aufrufen, um andere<br />

<strong>Foto</strong>s damit zu entwickeln.<br />

Alle Profile erscheinen automatisch<br />

im Dialog Profil anwenden an<br />

verschiedenen Stellen im Programm.<br />

Möchten Sie ein Profil<br />

nur innerhalb einer einzelnen<br />

Bildserie anwenden, ist es unter<br />

48 07 | 12<br />

www.linux-user.de


RAW-Konverter<br />

schwerpunkt<br />

Umständen sinnvoller, es über<br />

den entsprechenden Button in Bearbeitungsprofil<br />

in die Zwischenablage<br />

zu kopieren <strong>und</strong> von dort<br />

für einige, wenige Bilder auf gleichem<br />

Weg zurückzuholen.<br />

Das erledigen Sie entweder in einem<br />

separat geöffneten Bearbeitungsreiter<br />

oder wechseln zurück<br />

zur Dateiverwaltung. Hier können<br />

Sie die Profile auch auf eine ganze<br />

Reihe an Dateien anwenden, indem<br />

Sie mehrere auswählen <strong>und</strong><br />

ein Profil über Profil einfügen<br />

([Strg]+[V]) anwenden. Alternativ<br />

laden Sie eines der gespeicherten<br />

Profile über Profil anwenden.<br />

In allen Bereichen sehen Sie<br />

zwar Veränderungen an der Darstellung<br />

des Bildes, doch die<br />

RAW-Dateien selbst liegen noch<br />

unbeschadet auf dem Datenträger.<br />

Erst durch das Speichern exportieren<br />

Sie diese in ein anderes<br />

Format. Dies können Sie für jedes<br />

Bild einzeln im Bearbeitungsfenster<br />

machen, doch Rawtherapee<br />

bietet dafür auch die praktische<br />

Warteschlange (Abbildung D).<br />

Alle <strong>Foto</strong>s, die Sie so entwickeln<br />

möchten, schieben Sie per Mausklick<br />

in die Warteschlange. Haben<br />

Sie alle Daten vorbereitet, wechseln<br />

Sie in den entsprechenden<br />

Reiter, geben gegebenenfalls noch<br />

ein anderes Dateiformat an <strong>und</strong><br />

ändern den Dateipfad. Sobald Sie<br />

die Verarbeitung starten, berechnet<br />

Rawtherapee alle Daten in einem<br />

Durchgang. So brauchen Sie zwischen<br />

den einzelnen Bildern nicht<br />

jedesmal auf das Speichern zu<br />

warten, wenn Sie eine größere<br />

Menge an Bildern bearbeiten.<br />

Rawstudio<br />

Bei Rawstudio [4] gilt es, sich erst<br />

einmal an das etwas eigenwillige<br />

Bedienkonzept zu gewöhnen. Am<br />

oberen Fensterrand befindet sich<br />

ein Auswahlbereich für die <strong>Foto</strong>s<br />

mit einer Seitenleiste, in der Sie<br />

die <strong>Foto</strong>s nach Priorität vorsortieren<br />

können. Hier kommt nicht<br />

die übliche Sterne-Wertung zum<br />

Einsatz, sondern eine Priorisierung<br />

von 1 bis 3.<br />

Am rechten Rand haben die Entwickler<br />

mehrere Funktionen in<br />

einzelnen Reitern untergebracht.<br />

Hier finden Sie die Werkzeuge zur<br />

Bildbearbeitung sowie die Stapelverarbeitung<br />

<strong>und</strong> den Dialog zum<br />

Öffnen von Dateien. Über Letzteren<br />

wählen Sie zunächst einen<br />

Ordner mit den Bildern aus <strong>und</strong><br />

erhalten im oberen Bereich dann<br />

eine entsprechende <strong>Vorschau</strong>.<br />

Rawstudio bietet im Wesentlichen<br />

Regler für die Standard-Entwicklung<br />

einer RAW-Datei. Das<br />

beginnt bei der Belichtung <strong>und</strong><br />

geht über den Weißabgleich sowie<br />

die Linsenkorrektur bis hin zu einer<br />

einfachen Gradationskurve.<br />

Eigenständiges Konzept<br />

Bei der Entwicklungsengine in<br />

Rawstudio handelt es sich eher<br />

um Standardware, bei dem die<br />

Entwickler den <strong>Foto</strong>grafen aber<br />

mit einem interessanten Konzept<br />

beim kreativen Schaffen unterstützen.<br />

So gibt es für jedes Bild<br />

drei verschiedene Varianten der<br />

Entwicklungseinstellungen, die<br />

Sie über die Schalter A, B <strong>und</strong> C<br />

abrufen (Abbildung E). Damit<br />

vergleichen Sie verschiedene Einstellungen<br />

per Mausklick.<br />

Das böte die Möglichkeit, in A<br />

den Kamerastandard zu verwenden,<br />

in B auf eine Einstellung zu<br />

setzen, die von einem Referenzbild<br />

einer Serie stammt, <strong>und</strong> in C<br />

bei Bedarf eine optimierte Version<br />

für das jeweilige<br />

Bild zu<br />

finden. Da<br />

Rawstudio<br />

ebenfalls mit<br />

einer Stapelverarbeitung<br />

aufwartet, ließe<br />

sich so<br />

prob lemlos ein<br />

<strong>Foto</strong> aus der jeweiligen<br />

Variante<br />

in die<br />

Queue schieben<br />

oder in<br />

dieser austauschen<br />

– je<br />

nachdem, welchen<br />

Workflow Sie bevorzugen<br />

oder sich angewöhnen möchten,<br />

ein interessanter Ansatz.<br />

Weitere Merkmale<br />

Rawstudio bietet eine Bibliothek<br />

von Objektiven mit Korrekturvorgaben.<br />

Deren Aktualität hält sich<br />

in Grenzen, sie passt sich aber<br />

komfortabel jeweils der Kamera<br />

an, die Rawstudio aus den RAW-<br />

Daten ermittelt. Die Daten zu den<br />

Objektiven stammen aus der Datenbank<br />

von LensFun [5], deren<br />

letzte Blog-Einträge allerdings<br />

schon eine Weile zurückliegen.<br />

Die Bildansicht von Rawstudio<br />

bietet eine begrenzte Möglichkeit<br />

zum Anpassen an die eigene Arbeitsweise:<br />

So steht wahlweise<br />

mehr Raum bereit oder es sind<br />

mehr Informationen gleichzeitig<br />

D Nachdem Sie die<br />

Einstellungen getätigt<br />

haben, fügen Sie die<br />

<strong>Foto</strong>s der Warteschlange<br />

hinzu <strong>und</strong><br />

konvertieren diese<br />

später in einem<br />

Rutsch.<br />

E Wer sich beim Entwickeln<br />

nicht ganz sicher<br />

ist, findet bei<br />

Rawstudio die Möglichkeit,<br />

mehrere Varianten<br />

zu erstellen <strong>und</strong><br />

sich erst vor dem Export<br />

zu entscheiden.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 49


schwerpunkt<br />

RAW-Konverter<br />

F Darktable integriert<br />

einen <strong>Foto</strong>verwalter<br />

mit zahlreichen Optionen<br />

zum Markieren,<br />

Bewerten <strong>und</strong> Verschlagworten<br />

sowie einen<br />

Metadaten-Editor.<br />

G Darktable bietet bekanntes<br />

<strong>und</strong> erprobtes<br />

Design: Die Auswahl<br />

finden Sie am unteren<br />

Rand, rechts eine<br />

reichhaltige Palette<br />

mit Werkzeugen <strong>und</strong><br />

links Bildinformationen,<br />

Übersicht <strong>und</strong><br />

Verlauf der Arbeit.<br />

zu sehen, etwa unterschiedliche<br />

Entwicklungseinstellungen, Belichtungsmasken,<br />

Bildinformationen.<br />

Außerdem besteht die Möglichkeit,<br />

das Bild auf einem separaten<br />

Monitor anzuzeigen.<br />

Zusätzlich beherrscht Rawstudio<br />

sogenanntes Tethered Shooting<br />

mit einigen Kamera-Modellen.<br />

Dabei erfolgt das Auslösen<br />

der Kamera vom Rechner aus,<br />

wohin die Dateien dann sofort<br />

per USB gelangen. Dabei hängen<br />

die Optionen stark von der jeweiligen<br />

Kamera ab.<br />

Darktable<br />

Das Programm Darktable [6] kann<br />

bei Weitem mehr, als nur RAW-<br />

Daten zu entwickeln: Es handelt<br />

sich um eine komplette <strong>Foto</strong>verwaltung<br />

mit integrierten RAW-<br />

Funktionen (Abbildung<br />

F). Dabei orientiert<br />

sich die Software<br />

deutlich an<br />

Adobes Lightroom,<br />

was sich sowohl in<br />

der Optik als auch<br />

beim Bedienkonzept<br />

widerspiegelt.<br />

So kommt beispielsweise<br />

[Tab]<br />

zum Einsatz, um die<br />

seitlichen Bedienfelder<br />

ein- <strong>und</strong> auszublenden<br />

– ganz wie<br />

beim Vorbild <strong>und</strong><br />

durchaus sehr praktisch.<br />

Im Gegensatz zu Lightroom<br />

legt Darktable jedoch keine eigene<br />

Datenbank mit Bildern beziehungsweise<br />

<strong>Vorschau</strong>en an, sondern<br />

verwendet die Verzeichnisstruktur<br />

des Systems.<br />

Darktable enthält drei verschiedene<br />

Funktionsbereiche: Den<br />

Leuchttisch mit Funktionen für<br />

Bildverwaltung, Im- <strong>und</strong> Export<br />

<strong>und</strong> Metadaten; die Dunkelkammer<br />

zur Entwicklung der RAW-<br />

Daten sowie das Tethering zum<br />

Fernauslösen von unterstützten<br />

Kameras.<br />

<strong>Foto</strong>s verwalten<br />

Wie angedeutet verwaltet Darktable<br />

<strong>Foto</strong>s nicht selbst, sondern<br />

nutzt das Dateisystem. Zusätzlich<br />

stehen allerdings sogenannte Kollektionen<br />

bereit, die unabhängig<br />

von Verzeichnisstrukturen<br />

Bilder<br />

zum Beispiel<br />

für bestimmte<br />

Projekte aufnehmen.<br />

Daneben<br />

gibt es die in<br />

dieser Software-<br />

Klasse üblichen<br />

Ordnungskriterien<br />

wie Farbmarkierungen,<br />

Sterne-Bewertung<br />

<strong>und</strong><br />

Schlüsselwörter.<br />

Im Leuchttisch-Modus<br />

zeigt die Applikation<br />

darüber hinaus die EXIF-<br />

Daten an. Der Metadaten-Editor<br />

ermöglicht es, diesen zusätzliche<br />

Einträge mitzugeben. Außerdem<br />

findet von hier aus der Export in<br />

andere Formate statt, sowie der<br />

Upload zu Flickr, Picasa <strong>und</strong> anderen<br />

Internet-Diensten.<br />

Daten verarbeiten<br />

Ein Doppelklick auf eine Datei im<br />

Leuchttisch öffnet diese im Dunkelkammer<br />

genannten Entwicklungsmodul.<br />

Dessen Aufteilung<br />

erinnert wiederum sehr stark an<br />

Lightroom (Abbildung G).<br />

In der Mitte steht zentral das<br />

<strong>Foto</strong>. In der linken Seitenleiste<br />

finden Sie den Verlauf der Schritte<br />

beim Bearbeiten sowie die<br />

Möglichkeit, Snapshots einzelner<br />

Zustände aufzunehmen. Außerdem<br />

gibt es hier eine Pipette, mit<br />

der Sie Farbpunkte aufnehmen,<br />

um diese im RGB- oder Lab-Modus<br />

anzusehen. Am unteren Rand<br />

befindet sich der Streifen mit einer<br />

Übersicht aller Dateien. Am<br />

rechten Rand stehen die eigentlichen<br />

Werkzeuge bereit.<br />

Darktable bietet eine Fülle unterschiedlicher<br />

Werkzeuge. Daher<br />

haben sich die Entwickler entschieden,<br />

diese in diverse Module<br />

aufzuspalten. Von diesen ist jeweils<br />

nur ein Teil aktiv, die restlichen<br />

Module rufen Sie bei Bedarf<br />

auf. Das spart Platz <strong>und</strong> beschleunigt<br />

den Arbeitsablauf, wenn Sie<br />

[1] Corel AfterShot Pro für Linux: Thomas<br />

Leichtenstern, „Entwicklungshelfer“,<br />

LU 03/​2012, S. 64, http:// www.​<br />

linux‐community. de/ 25479<br />

info<br />

[2] Darkroom: http:// linuxdarkroom. tassy. net<br />

[3] Workshop Rawtherapee: Thomas<br />

Leichtenstern, „Alles unter einem Dach“,<br />

LU 09/​2010, S. 32, http:// www.​<br />

linux‐community. de/ 21631<br />

[4] Test Rawstudio: Thomas Leichtenstern,<br />

„Entwicklungshilfe“, LU 01/​2010, S. 68,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 19912<br />

[5] LensFun: http:// lensfun.berlios. de<br />

[6] Test Darktable: Karsten Günther,<br />

„Licht <strong>und</strong> Schatten“, LU 07/​2011, S. 62,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 22172<br />

50 07 | 12<br />

www.linux-user.de


RAW-Konverter<br />

schwerpunkt<br />

sich erst einmal daran gewöhnt<br />

haben. Die Werkzeuge gliedert das<br />

Programm in folgende Bereiche:<br />

• aktuell verwendete Module,<br />

• explizit ausgewählte Module<br />

(Favoriten),<br />

• Basisgruppe (Belichtung <strong>und</strong><br />

Weißabgleich),<br />

• Helligkeit (Werte, Farbkurve,<br />

Zonen),<br />

• Farbgruppe (Velvia, Bereiche),<br />

• Korrektur (Schärfen, Entrauschen,<br />

Objektivkorrektur) <strong>und</strong><br />

• Effekte.<br />

Die Effekt-Gruppe enthält Rahmen,<br />

Körnung, Verlaufsfilter <strong>und</strong><br />

andere Werkzeuge, die so in anderen<br />

Programmen nicht vorkommen.<br />

Etwas ungewohnt ist<br />

beim Weißabgleich das Fehlen einer<br />

Pipette zum automatischen<br />

Anpassen an einen gewählten<br />

Punkt. Dafür bietet Darktable einen<br />

Ein- <strong>und</strong> Ausgang für die<br />

Farbtemperatur – dies behandeln<br />

andere Programme implizit.<br />

Die Snapshots ermöglichen,<br />

mehrere Zustände für eine Datei<br />

abzuspeichern <strong>und</strong> zu vergleichen.<br />

Nach dem Sie einen Snapshot erzeugt<br />

haben, teilt sich die Ansicht,<br />

<strong>und</strong> Sie können auf einfache Weise<br />

unterschiedliche Versionen des<br />

Bildes miteinander vergleichen.<br />

Fazit<br />

Linux bietet zum Bearbeiten von<br />

RAW-Daten alles, was das Herz<br />

nur begehrt: Die Palette reicht<br />

vom einfachen Konsolen-Tool,<br />

mit dem Sie ruck, zuck ganze Serien<br />

von Rohdaten in <strong>Foto</strong>s zum<br />

Weiterverarbeiten umwandeln<br />

über RAW-Konverter mit praktischer<br />

Bedienoberfläche bis hin zu<br />

Werkzeugen für den (fast) kompletten<br />

<strong>Foto</strong>-Workflow. Hier sollte<br />

sich für jeden Geschmack etwas<br />

Geeignetes finden.<br />

Im Test gefiel vor allem Darktable,<br />

das stark an Lightroom erinnert<br />

<strong>und</strong> daher für viele <strong>Foto</strong>grafen<br />

einen einfachen Einstieg<br />

ermöglicht. Beim Bearbeiten von<br />

umfangreichen Bildsammlungen<br />

in hoher Geschwindigkeit überzeugt<br />

dagegen Ufraw uneingeschränkt.<br />

Die Tabelle RAW-Konverter<br />

im Überblick liefert noch<br />

einmal einen Überblick über die<br />

Programme des Testfelds <strong>und</strong><br />

hilft so bei der Auswahl der geeigneten<br />

Software. (agr) n<br />

Darktable Dcraw Rawstudio Rawtherapee Ufraw<br />

URL http:// www. darktable. org http:// cybercom. net/​<br />

~dcoffin/ dcraw/<br />

http:// rawstudio. org http:// rawtherapee. com http:// ufraw. sourceforge.​<br />

net<br />

Typ<br />

Konverter,<br />

Konverter Konverter Konverter Konverter<br />

Bildverwaltung<br />

Funktionen<br />

Belichtung E E E E E<br />

Beschnitt E E F E E<br />

Gradationskurve E F E F E<br />

Hot-Pixel-<br />

F E F F E<br />

Entfernung<br />

Kontrast E E E E E<br />

Rauschminderung E F F E F<br />

Sättigung E E F E E<br />

Schärfen E F E E F<br />

Tethered Shooting E F F E F<br />

Weißabgleich E E F E E<br />

Besonderheiten Objektivkorrektur, Graustufenkonvertierung<br />

– Farbtemperatur, Farbton Schatten & Lichter<br />

wiederherstellen<br />

Graustufen-<br />

Konvertierung<br />

Bearbeitung /<br />

Finishing<br />

Bewertung<br />

Positiv<br />

Negativ<br />

Zielgruppe<br />

Rahmen, Filmkorn, Weichzeichnen,<br />

Filtereffekte<br />

Gelungene Bildverwaltung.<br />

Viele Verarbeitungswerkzeuge,<br />

keine<br />

zusätzlichen Programme<br />

notwendig.<br />

Navigation im Leuchttisch-Modus<br />

nur per<br />

Maus.<br />

Für Umsteiger von Mac<br />

<strong>und</strong> ​Windows sowie <strong>Foto</strong>grafen,<br />

die ein multifunktionales<br />

Programm bevorzugen.<br />

– – – –<br />

Einfache Batch-Verarbeitung.<br />

Einfaches Bearbeiten<br />

von Voreinstellungen<br />

(Textdateien).<br />

Schlechtes Feedback zu<br />

veränderten Werten.<br />

Perfekt für das Verarbeiten<br />

großer Bildmengen,<br />

aber ungeeignet für <strong>Foto</strong>grafen,<br />

die optisches<br />

Feedback brauchen.<br />

Mehrere Varianten pro<br />

Bild möglich.<br />

Nur wenig Entwicklungswerkzeuge.<br />

Für <strong>Foto</strong>grafen, die über<br />

eine schnelle RAW-Entwicklung<br />

<strong>Foto</strong>s für die<br />

Weiterverarbeitung produzieren<br />

wollen.<br />

RAW-Konverter im Überblick<br />

Einfache Bildnavigation<br />

(inklusive Farb-/​Stern-Bewertung).<br />

Übersichtliches,<br />

praxisnahes Entwicklungsmodul.<br />

Batch-Verarbeitung gewöhnungsbedürftig.<br />

Für Bildbearbeiter, die<br />

sowohl umfangreiche<br />

Einstelloptionen als auch<br />

eine schnelle Batch-<br />

Funktion suchen.<br />

Übersichtliche <strong>und</strong> praxisnahe<br />

Oberfläche sowie<br />

schnelle Batch-Verarbeitung.<br />

Unübersichtliche <strong>Foto</strong>-<br />

Handhabung.<br />

Perfekt für <strong>Foto</strong>grafen,<br />

die viele <strong>Foto</strong>s im Batch-<br />

Betrieb bearbeiten möchten<br />

<strong>und</strong> eine optische<br />

Konfiguration wünschen.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 51


praxis<br />

Xxxterm<br />

Vim-like durchs Web mit dem schlanken Webbrowser Xxxterm<br />

Umfangreiche<br />

Klaviatur<br />

Vergessen Sie die Maus: Dank Xxxterm, dem Webbrowser für Tastatur-Fans, gibt es<br />

keinen Gr<strong>und</strong> mehr, zum Surfen den lästigen Nager herumzuschubsen. Vincze-Aron Szabo<br />

© so<strong>und</strong>groov, sxc.hu<br />

README<br />

Der Webbrowser Xxxterm<br />

erweist sich als<br />

idealer Begleiter für<br />

Minimalisten mit Hang<br />

zur Tastatur. Mit dem<br />

Leichtgewicht surfen<br />

Sie mauslos durch das<br />

Netz, ohne auf Funktionen<br />

der Websites zu<br />

verzichten.<br />

In der Browser-Welt tummelt<br />

sich mehr als Chrome, Firefox <strong>und</strong><br />

Opera. <strong>LinuxUser</strong> hat in den vergangenen<br />

Ausgaben eine Auswahl<br />

an Nischen-Software präsentiert,<br />

die jeweils unterschiedliche Stärken<br />

<strong>und</strong> Schwächen aufweist. Dabei<br />

geht Xxxterm [1] in mehrfacher<br />

Hinsicht einen Schritt weiter<br />

als die Ressourcen schonende Alternative<br />

Dillo [2]: Erlaubt Letzterer<br />

das Bedienen per Maus, reduziert<br />

dafür aber Websites beim<br />

Darstellen, so präsentiert der<br />

Browser Xxxterm Websites mit allen<br />

Schikanen (Abbildung A), ist<br />

aber komplett auf das vollständige<br />

Steuern per Tastatur ausgelegt.<br />

Immerhin unterstützt er aber zusätzlich<br />

viele Aktionen per Maus.<br />

Alle Funktionen, die Xxxterm<br />

kennt, stehen über Tastenkürzel<br />

oder Vim-ähnliche Befehle bereit,<br />

so zum Beispiel das Wechseln<br />

zwischen einzelnen Reitern, das<br />

Verwalten von Cookies, das Eingeben<br />

von URLs oder die Javascript-Einstellungen.<br />

Diese<br />

Befehle <strong>und</strong> die Art der Eingabe<br />

orientieren sich an dem beliebten<br />

Editor Vim. Doch was veranlasst<br />

einen Programmierer, Zeit in ein<br />

solches Projekt zu investieren?<br />

Marco Peereboom, Entwickler<br />

beim Betriebssystem OpenBSD,<br />

hat das Programm veröffentlicht<br />

<strong>und</strong> nennt dafür in seinem Wiki<br />

als Gr<strong>und</strong>, dass es ihn gestört hat,<br />

dass das Mozilla-Projekt den<br />

Standardbrowser Firefox mit<br />

Funktionen so überlädt, dass er<br />

immer langsamer agiert [3].<br />

Außerdem ist Peereboom ein erfahrener<br />

User des Editors Vim.<br />

Damit lag es nahe, beim Browser<br />

auf die vertrauten Tastaturkürzel<br />

zu setzen. Nachdem er verschiedene<br />

Vim-orientierte Browser näher<br />

betrachtet hatte, schritt<br />

Peere boom kurzentschlossen zur<br />

Tat: Mithilfe der WebKit-Engine,<br />

die unter anderem als Gr<strong>und</strong>lage<br />

für Apples Browser Safari <strong>und</strong> die<br />

KDE-Alternative Rekonq dient,<br />

Installation<br />

Listing 1 zeigt den Ablauf einer Xxxterm-Installation.<br />

Den Quellcode laden Sie mithilfe von<br />

Git herunter, des Versionsverwaltungssystems,<br />

dessen Entwicklung Linus Torvalds angestoßen<br />

hat [4]. Sofern Git nicht auf dem<br />

System installiert ist, richten Sie es über die<br />

Paketverwaltung ein (Zeile 1).<br />

Vor dem Download des Quellcodes fügen Sie<br />

über das Paketmanagement noch das Webkit-<br />

Repository hinzu, das Sie benötigen, um einige<br />

Abhängigkeiten aufzulösen (Zeile 2). Anschließend<br />

aktualisieren Sie die Paketquellen<br />

(Zeile 3) <strong>und</strong> installieren alle zum Übersetzen<br />

von Xxxterm notwendigen Pakete (Zeile 4).<br />

Nun geht es an das Herunterladen des Quellcodes<br />

(Zeile 5). Die Dateien landen in einem<br />

Ordner xxxterm/ im aktuellen Verzeichnis. In<br />

diesen wechseln Sie nun (Zeile 6), um das<br />

Binary zu erzeugen (Zeile 7) <strong>und</strong> abschließend<br />

zu installieren (Zeile 8).<br />

Listing 1<br />

01 $ sudo apt‐get install git<br />

02 $ sudo add‐apt‐repository ppa:webkit‐team<br />

03 $ sudo apt‐get update<br />

04 $ sudo apt‐get install libwebkit‐dev<br />

libcurl4‐gnutls‐dev libbsd‐dev<br />

05 $ git clone https://opensource.conformal.<br />

com/git/xxxterm.git<br />

06 $ cd xxxterm/linux/<br />

07 $ make<br />

08 $ sudo make install<br />

54 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Xxxterm<br />

praxis<br />

zauberte er in kurzer Zeit einen<br />

ersten Entwurf auf den Bildschirm.<br />

Der Name des Programms,<br />

Xxxterm, orientiert sich<br />

an der Terminalemulation Xterm,<br />

wobei die drei „X“ auf die drei<br />

Buchstaben aus „WWW“, also<br />

World Wide Web, verweisen.<br />

Dank der eingesetzten WebKit-<br />

Engine stellt Xxxterm Webseiten<br />

dar, ohne Ihnen dabei Kompromisse<br />

aufzuzwingen. Mithilfe des<br />

Flash-Plugins von Adobe spielen<br />

Sie sogar entsprechende Animationen<br />

ab. Die Oberfläche gibt sich<br />

vom Aussehen zwar bescheiden,<br />

enthält aber alles, was einen<br />

Browser ausmacht <strong>und</strong> was Sie<br />

für den täglichen Betrieb benötigen.<br />

Dialoge zum Konfigurieren<br />

oder Steuern suchen Sie allerdings<br />

vergeblich.<br />

Kommandozeile<br />

Sie starten Xxxterm in einer Konsole<br />

über den Befehl xxxterm. Mit<br />

[F6] legen Sie den Fokus auf die<br />

Adresszeile, in die Sie anschließend<br />

wie gewohnt eine URL eingeben.<br />

Über [Strg]+[T] öffnen Sie<br />

einen neuen Reiter <strong>und</strong> geben<br />

hier im zweiten Schritt wieder<br />

eine URL ein.<br />

Doch das ist nicht der einzige<br />

Weg, der ans Ziel führt: Drücken<br />

Sie [F11], so öffnet sich am unteren<br />

Fensterrand eine Kommandozeile,<br />

die jener von Vim ähnelt.<br />

Diese enthält voreingestellt das<br />

Kommando :tabnew. [F11] fungiert<br />

in diesem Falle als Alias für<br />

das Kommando :tabnew.<br />

Geben Sie nun ein<br />

Leerzeichen <strong>und</strong><br />

dann eine URL ein,<br />

öffnet sich nach einem<br />

Druck auf [Eingabe]<br />

ein neuer Reiter<br />

mit der entsprechenden<br />

Website.<br />

Natürlich gibt es<br />

ähnliche Aliase für<br />

weitere Kommandos.<br />

[F1] ruft die Online-<br />

Hilfe in Form einer<br />

Manpage auf. Hier<br />

finden Sie auf Englisch<br />

eine Übersicht<br />

über alle Befehle.<br />

Mit [F9] öffnen Sie<br />

die Kommandozeile mit dem bereits<br />

eingetragenen Befehl :open,<br />

über den Sie Webseiten in bestehenden<br />

Reitern aufrufen. Vergessen<br />

Sie dabei nicht das Leerzeichen<br />

zwischen der Adresse <strong>und</strong><br />

dem Kommando.<br />

Navigieren<br />

Für die Navigation auf einer Webseite<br />

<strong>und</strong> zwischen den geöffneten<br />

Webseiten hält Xxxterm<br />

ebenfalls entsprechende Befehle<br />

vor. Mit [F5] laden Sie wie gewohnt<br />

die geöffnete Seite neu. Da<br />

sie nach dem Laden der Website<br />

üblicherweise zur Maus greifen<br />

würden, etwa um zu scrollen oder<br />

einen Link anzuklicken, bietet<br />

Xxxterm dafür eine komfortable<br />

Tastensteuerung an.<br />

Um mithilfe der Tastatur zu<br />

scrollen, verwenden Sie wie gewohnt<br />

die Pfeiltasten oder – in<br />

Anlehnung an Vim – die Tasten<br />

[K] <strong>und</strong> [J], um zeilenweise zu<br />

blättern. Das seitenweise Blättern<br />

funktioniert mit der Leertaste sowie<br />

[Strg]+[B]. Eine Übersicht<br />

über alle wichtigen Befehle zum<br />

Navigieren auf der Internetseite<br />

finden Sie in der Tabelle Xxxterm:<br />

Navigation.<br />

Selbst für das Aufrufen von<br />

Links gibt es einen praktischen<br />

Mausersatz: Drücken Sie einfach<br />

[F], sobald die aufgerufene Webseite<br />

fertig geladen ist. Das Programm<br />

hebt dann alle Links hervor<br />

<strong>und</strong> versieht diese mit einer<br />

Zahl. Geben Sie diese ein, ruft der<br />

Browser den entsprechenden<br />

Link auf. Möchten Sie wieder auf<br />

die vorherige Seite zurückkehren,<br />

drücken Sie [Rückschritt].<br />

Auch zwischen den geöffneten<br />

Reitern wechseln Sie per Tastatur.<br />

Geben Sie dazu das Kommando<br />

A Eine minimalistische<br />

Oberfläche, die es<br />

in sich hat: Bei Bedarf<br />

steuern Sie den Browser<br />

Xxxterm komplett<br />

über die Tastatur oder<br />

die eingebaute Befehlszeile<br />

am unteren<br />

Bildschirmrand.<br />

Tipp<br />

Das Speichern aller<br />

geöffneten Reiter<br />

<strong>und</strong> das gleichzeitige<br />

Schließen des<br />

Browsers lösen Sie<br />

durch den Befehl :wq<br />

aus. Beim nächsten<br />

Start lädt die Software<br />

dann alle gespeicherten<br />

Reiter<br />

wieder neu.<br />

B Links zu anderen Websites rufen Sie in Xxxterm über die passende Zahlenfolge auf –<br />

die Maus brauchen Sie beim Surfen eigentlich gar nicht mehr.<br />

Xxxterm: Navigation<br />

Taste<br />

Funktion<br />

[F5]<br />

Seite neu laden<br />

[Rückschritt] zur vorherigen Seite wechseln<br />

[J]<br />

zeilenweises Scrollen nach unten<br />

[K]<br />

zeilenweises Scrollen nach oben<br />

Leertaste Seite nach unten<br />

[Strg]+[B] Seite nach oben<br />

[Strg]+[T]<br />

neuen Reiter öffnen<br />

[Strg]+[E] Reiter schließen<br />

[U]<br />

Reiter schließen rückgängig machen<br />

[Strg]+[Pfeil-links] zum vorherigen Reiter wechseln<br />

[Strg]+[Pfeil-rechts] zum nächsten Reiter wechseln<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 55


praxis<br />

Xxxterm<br />

C Die Übersicht<br />

über die Favoriten<br />

haben die Entwickler<br />

auf das Notwendige<br />

eingedampft.<br />

D Mit sogenannten<br />

Whitelists schalten Sie<br />

Webseiten für den Einsatz<br />

von Javascript <strong>und</strong><br />

Cookies gezielt frei.<br />

:tabs <strong>und</strong> anschließend eine der<br />

angezeigten Zahlen ein, <strong>und</strong> bestätigen<br />

Sie die Auswahl mit [Eingabe]<br />

(Abbildung B).<br />

Lesezeichen <strong>und</strong> History<br />

Xxxterm enthält eine kleine, aber<br />

feine Lesezeichen-Verwaltung,<br />

mit der Sie wichtige Seiten<br />

schnell <strong>und</strong> direkt aufrufen. Um<br />

eine Website zu den Favoriten<br />

hinzuzufügen, laden Sie diese zunächst,<br />

zum Beispiel, indem Sie<br />

das Kommando :open linux‐user.<br />

de eingeben. Anschließend nutzen<br />

Sie den Befehl :favadd, um das Lesezeichen<br />

zu setzen. Mit dem<br />

Kürzel [Alt]+[F] öffnen Sie die<br />

Bookmark-Übersicht, die Xxxterm<br />

als HTML-Seite im Fenster<br />

anzeigt (Abbildung C).<br />

Um ein Lesezeichen aus der Liste<br />

aufzurufen, verwenden Sie<br />

statt der Maus wieder die Taste<br />

[F] in Kombination mit der gewünschten<br />

Zahl. Ähnlich einfach<br />

präsentiert sich die Browser-Historie,<br />

die Auskunft über den Verlauf<br />

der Webseitenbesuche gibt:<br />

Sie rufen sie mit [Alt]+[H] auf.<br />

Viel mehr als bei den Favoriten<br />

zeigt die entsprechende Liste allerdings<br />

nicht an. In Form einer<br />

Tabelle führt Xxxterm die URL,<br />

den Titel der Seite <strong>und</strong> den Zeitstempel<br />

des Seitenaufrufs auf.<br />

Sicher surfen<br />

Xxxterm erhebt nicht nur den<br />

Anspruch, ein minimalistischer<br />

Browser zu sein, sondern legt einen<br />

weiteren Fokus auf Sicherheit.<br />

Zuallererst gilt hier das Augenmerk<br />

dem Umgang mit Cookies<br />

<strong>und</strong> Javascript. Im besten<br />

Fall sind Cookies zwar harmlos,<br />

im schlimmsten Fall jedoch sammeln<br />

sie umfassende Daten über<br />

Ihr Surfverhalten [5].<br />

Wohl mit Abstand die meisten<br />

Internetnutzer scheren sich nicht<br />

um die Webkekse <strong>und</strong> erlauben es<br />

dem Browser, diese automatisch<br />

zu speichern. Anhänger des anderen<br />

Extrems lehnen Cookies generell<br />

ab. Letzteres führt jedoch<br />

dazu, dass einige Funktionen im<br />

Web nicht korrekt funktionieren.<br />

Einen Ausweg aus diesem Szenario<br />

suchen manche Anwender<br />

nun, indem sie Webseiten einzeln<br />

freischalten, um so die Kontrolle<br />

in der Hand zu behalten. Xxxterm<br />

versteht sich ebenfalls auf diesen<br />

Umgang mit Web-Spionen. Standardmäßig<br />

verhält er sich wie jeder<br />

andere Browser: Er speichert<br />

Cookies <strong>und</strong> führt Javascript <strong>und</strong><br />

Plugins aus. Zum manuellen Freigeben<br />

der Funktionen versetzen<br />

Sie dagegen das Programm in den<br />

sogenannten Whitelist-Modus.<br />

Öffnen Sie dazu einen Texteditor,<br />

<strong>und</strong> geben Sie dort die folgenden<br />

beiden Zeilen ein:<br />

browser_mode = whitelist<br />

gui_mode = classic<br />

Speichern Sie diese kurze Konfiguration<br />

als Datei unter dem Na-<br />

Xxxterm: Kommandos<br />

Befehl Funktion<br />

Javascript<br />

:js Javascript-Whitelist anzeigen<br />

:js save Website auf die permanente Javascript-Whitelist setzen<br />

:js toggle Website auf die temporäre Javascript-Whitelist setzen<br />

Cookies<br />

:cookie Cookie-Whitelist anzeigen<br />

:cookie save Website auf die permanente Cookie-Whitelist setzen<br />

:cookie Website auf die temporäre Cookie-Whitelist setzen<br />

toggle<br />

Plugins<br />

:plugin Plugin-Whitelist anzeigen<br />

:plugin save Website auf die permanente Plugin-Whitelist setzen<br />

:plugin Website auf die temporäre Plugin-Whitelist setzen<br />

toggle<br />

Diverses<br />

:print Seite ausdrucken<br />

:dl Download-Verwaltung öffnen<br />

:open URL URL im Browserfenster öffnen<br />

:restart Xxxterm neustarten <strong>und</strong> alle zuvor geschlossenen Reiter neu öffnen<br />

56 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Xxxterm<br />

praxis<br />

men .xxxterm.conf in Ihrem Benutzerverzeichnis,<br />

<strong>und</strong> starten<br />

Sie das Programm neu.<br />

Rufen Sie nun eine Website auf,<br />

die zum Beispiel Javascript benötigt,<br />

müssen Sie diese Seite für<br />

den Einsatz der Technik auf die<br />

Whitelist setzen. Dazu nutzen Sie<br />

den Befehl :js save. Das schaltet<br />

die Site permanent für den Einsatz<br />

von Javascript frei.<br />

Sofern Sie eine Site nur temporär<br />

auf die Whitelist setzen wollen,<br />

geben Sie einfach den Befehl<br />

:js toggle ein. Welche Webseiten<br />

sich derzeit auf der Javascript-<br />

Whitelist befinden, fragen Sie mit<br />

dem Befehl :js ab. Permanente<br />

Einträge finden Sie unter Persistant,<br />

temporäre Einträge unter<br />

Session (Abbildung D).<br />

Für Cookies gilt im Prinzip die<br />

gleiche Vorgehensweise, aber natürlich<br />

kommen andere Befehle<br />

zum Einsatz. Statt mit :js führen<br />

Sie die oben genannten Befehle<br />

mit einem vorangestellten :cookie<br />

aus. So setzt :cookie save die geöffnete<br />

Website permanent auf<br />

die Whitelist, :cookie toggle auf<br />

die temporäre. Eine Übersicht<br />

über die Befehle für den Umgang<br />

mit Javascript, Cookies <strong>und</strong> Plugins<br />

finden Sie in der Tabelle Xxxterm:<br />

Kommandos.<br />

Fazit<br />

Der minimalistische Browser<br />

Xxxterm eignet sich sicher nicht<br />

für jedermann, füllt aber eine interessante<br />

Nische aus: Mit ihm<br />

nutzen Sie einen auf die notwendigsten<br />

Funktionen reduzierten<br />

Webbrowser, den Sie komplett<br />

mit der Tastatur bedienen. Trotzdem<br />

ist dank der modernen Web-<br />

Kit-Engine <strong>und</strong> Flash-Unterstützung<br />

keine noch so aufwendige<br />

Webseite vor Ihnen sicher.<br />

Xxxterm eignet sich durch seinen<br />

speziellen Charakter auf keinen<br />

Fall für Tastaturmuffel. Falls<br />

Sie aber schon hier <strong>und</strong> da mal<br />

ein Tastenkürzel verwenden, fällt<br />

Ihnen das Bedienen der Software<br />

in kurzer Zeit immer leichter, <strong>und</strong><br />

irgendwann spielt es keine Rolle<br />

mehr, dass der Dialog für die<br />

Konfiguration fehlt.<br />

Mindestens eine Funktion an<br />

Xxxterm erscheint aber kritisch:<br />

Das Verwalten der Lesezeichen<br />

mag zwar auf den ersten Blick<br />

einfach wirken, aber mit einer<br />

steigenden Anzahl von Bookmarks<br />

geht schnell die Übersichtlichkeit<br />

verloren. (agr) n<br />

info<br />

[1] Xxxterm: https:// opensource. conformal.​<br />

com/ wiki/ XXXTerm<br />

[2] Dillo: Vincze-Aron Szabo, „Schnelles<br />

Surfbrett“, LU 03/​2012, S. 58,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 25410<br />

[3] Warum es Xxxterm gibt:<br />

https:// opensource. conformal. com/ wiki/​<br />

XXXTerm_Rationale<br />

[4] Git: http:// de. wikipedia. org/ wiki/ Git<br />

[5] Web-Spionage: Erik Bärwaldt „Datenklau<br />

stoppen“, <strong>LinuxUser</strong> 11/​2011, S. 42,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 24538<br />

Android User im Abo<br />

Die Monatszeitschrift für Android-Fans, Smartphone- <strong>und</strong> Tablet-Nutzer<br />

Neu mit Prämie!<br />

Jetzt bestellen unter:<br />

www.android–user.de/abo<br />

www.linux-user.de<br />

15% sparen beim Print- oder<br />

Digital-Abo <strong>und</strong> exklusive Prämie<br />

sichern!<br />

tasche ist nicht im Handel erhältlich. Angebot gilt<br />

nur solange der Vorrat reicht.<br />

07 | 12 57<br />

Telefon 07131 / 2707 274 • Fax 07131 / 2707 78 601 • E-Mail: abo@android-user.de


praxis<br />

XFCE<br />

Maßgeschneiderter Desktop mit XFCE<br />

Gnome light<br />

Obwohl als spartanisch angesehen, kann XFCE mit<br />

ausgewachsenen Desktops<br />

wie Gnome oder<br />

KDE durchaus mithalten.<br />

Die aktuelle Version 4.10<br />

hält zudem einige interessante neue<br />

Features bereit. Mario Blättermann<br />

© Maksym Gorpenyuk, <strong>Foto</strong>lia<br />

README<br />

XFCE 4.10<br />

LU/xfce/<br />

Mit ein wenig Neugier<br />

<strong>und</strong> Geduld finden sich<br />

zahlreiche Möglichkeiten,<br />

aus einem Standard-XFCE<br />

einen maßgeschneiderten<br />

Desktop<br />

zu machen, der Ihnen<br />

sein Verhalten nicht aufzwingt,<br />

sondern sich Ihren<br />

Wünschen öffnet.<br />

Olivier Fourdan konnte nicht<br />

ahnen, welch dicken Stein er ins<br />

Rollen brachte, als er vor sechzehn<br />

Jahren ein Panel veröffentlichte,<br />

das damals eigentlich nur<br />

als Erweiterung für den Fenstermanager<br />

Fvw25m dienen sollte.<br />

Das einstige Mini-Projekt hat sich<br />

inzwischen zur ausgewachsenen<br />

Arbeitsumgebung gemausert.<br />

Das kürzlich in Version 4.10 erschienene<br />

XFCE [1] zählt somit<br />

zu den ältesten grafischen Umgebungen<br />

für freie Betriebssysteme<br />

überhaupt. Anfangs lehnte es sich<br />

bei Erscheinungsbild <strong>und</strong> Bedienung<br />

an das kommerzielle, mittlerweile<br />

nicht mehr weiterentwickelte<br />

CDE an. Nach einer Umstellung<br />

der Grafikbasis von<br />

XForms auf GTK+ entstand daraus<br />

ein modularer, in den Basisanwendungen<br />

vollständiger Desktop<br />

(Abbildung A).<br />

Underdog<br />

Immer wieder taucht in diesem<br />

Zusammenhang die Metapher<br />

des „kleinen Gnome“ auf. Vom<br />

GNU-Desktop hat XFCE vor allem<br />

eines geerbt: Die Modularität, die<br />

niemandem feste Arbeitsabläufe<br />

aufzwingt, sondern weitgehende<br />

Anpassungen <strong>und</strong> den einfachen<br />

Austausch selbst der Kernkomponenten<br />

ermöglicht.<br />

Allerdings hinkt der beliebte<br />

Vergleich neuerdings etwas, weil<br />

er sich auf das Verhalten von<br />

Gnome 2.x bezieht, während die<br />

neuesten Ausgaben des GNU-<br />

Desktops eine fest verschraubte,<br />

nur mäßig <strong>und</strong> umständlich zu<br />

konfigurierende Umgebung auf<br />

den Bildschirm legen. Zwar blieb<br />

nach der Veröffentlichung von<br />

Gnome 3.0 die von den Verfechtern<br />

der reinen Lehre prophezeite<br />

Massenflucht zu XFCE aus, aber<br />

eine leise Wanderung lässt sich<br />

dennoch spüren [2].<br />

Installieren Sie XFCE als Metapaket<br />

der Distribution Ihrer<br />

Wahl, so landen neben einigen<br />

Bibliotheken mindestens die folgenden<br />

Anwendungspakete auf<br />

Ihrem Rechner: xfce4-panel, xfce4-<br />

session (wozu sich in XFCE 4.8 außerdem<br />

noch die xfce4-utils gesellen),<br />

xfdesktop, xfwm4 <strong>und</strong> thunar.<br />

Wegen der distributionsseitig<br />

festgelegten Paketabhängigkeiten<br />

<strong>und</strong> der mitgelieferten systemweiten<br />

Konfiguration lässt sich<br />

hier oft nichts abspecken, obwohl<br />

es mit ein wenig Aufwand gelingt,<br />

eine „nackte“ Sitzung lediglich<br />

mit Xfce4-session zu starten.<br />

Fensterschieber<br />

XFCE setzt nach wie vor auf<br />

Xfwm4 als vorgegebenen Fensterverwalter.<br />

Das Programm entstand<br />

aus dem Code des Ur-Fvwm,<br />

Xfwm4 geht aber inzwischen völlig<br />

eigene Wege. Neben den Basisfunktionen<br />

beherrscht er mittlerweile<br />

auch Compositing. Dabei<br />

beschränken sich die Funktionen<br />

auf Transparenzen <strong>und</strong> Schattierungen<br />

für Fensterrahmen <strong>und</strong><br />

Menüs – verspielte Animationen<br />

wie in Compiz <strong>und</strong> Kwin sieht<br />

Xfwm4 nicht vor.<br />

Die neueste Version zeigt auch<br />

zaghafte Ansätze zu Tiling-Funktionen:<br />

Ergreifen Sie ein Fenster<br />

per Mauszeiger an der Titelleiste<br />

<strong>und</strong> schieben es an einen der<br />

Bildschirmränder, maximiert der<br />

58 07 | 12<br />

www.linux-user.de


XFCE<br />

praxis<br />

Fenstermanager es dort so, dass<br />

es den halben Bildschirm einnimmt.<br />

Freilich stellt das noch<br />

keine Kacheln im eigentlichen<br />

Sinn dar, doch der erste Schritt<br />

ist getan <strong>und</strong> lässt auf zukünftige<br />

Erweiterungen hoffen. Das Tiling<br />

funktioniert allerdings beim Einsatz<br />

mehrerer Bildschirme nur<br />

eingeschränkt: Haben Sie dazu<br />

den Fensterverschub so eingestellt,<br />

dass beim Ziehen eines<br />

Fensters über den seitlichen Bildschirmrand<br />

dieses auf der danebenliegenden<br />

Arbeitsfläche landet,<br />

klappt das Platzieren in der<br />

linken oder rechten Hälfte des<br />

Bildschirms natürlich nicht mehr.<br />

Für Umsteiger aus anderen Arbeitsumgebungen<br />

könnte interessant<br />

sein, Xfwm4 einfach auszutauschen.<br />

Beherrschen Sie die<br />

Tastenkürzel Ihres Lieblingsfenstermanagers<br />

wie im Schlaf <strong>und</strong><br />

möchten dessen gewohnte Verhaltensweisen<br />

nicht missen, hat<br />

XFCE auch rein gar nichts dagegen.<br />

Für einen Wechsel des Windowmanagers<br />

müssen Sie noch<br />

nicht einmal in Konfigurationsdateien<br />

wühlen.<br />

Fliegender Wechsel<br />

Stattdessen öffnen Sie einfach<br />

mit [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster<br />

<strong>und</strong> tippen dort beispielsweise<br />

openbox ‐‐replace ein. XFCE<br />

beendet daraufhin Xfwm4 sauber<br />

<strong>und</strong> startet Openbox. Wenn Sie<br />

bei Arbeitsende im Abmeldefenster<br />

ein Häkchen bei Sitzung für<br />

weitere Anmeldungen speichern<br />

setzen, dann begrüßt Sie nach<br />

der Neuanmeldung XFCE künftig<br />

immer mit Openbox. So einfach<br />

kann Sitzungsverwaltung sein.<br />

Zugegeben, nicht immer ist der<br />

Start eines neuen Fensterverwalters<br />

so simpel. Fluxbox zum Beispiel<br />

braucht folgenden Befehl:<br />

killall xfwm4 && startfluxbox. Das<br />

eigentlich Fluxbox-Binary ist weder<br />

in der Lage, einen laufenden<br />

Fenstermanager sauber zu beenden<br />

noch startet es ohne das<br />

Wrapper-Skript. Im Zweifelsfall<br />

sollten Sie die Wirkung Ihrer Eingabe<br />

zuerst in<br />

einem Terminalfenster<br />

testen, für<br />

den Fall, dass<br />

Ihr Desktop<br />

völlig ohne<br />

Fensterrahmen<br />

zurückbleibt,<br />

falls<br />

etwas schiefgeht.<br />

Im Allgemeinen<br />

verträgt<br />

sich XFCE mit<br />

allen EWMHkompatiblen<br />

Fenstermanagern [3]. Selbst Mutter<br />

oder Kwin stellen den Desktop<br />

vor kein Problem – allerdings<br />

müssen Sie dann nach einem geeigneten<br />

Weg für die Konfiguration<br />

suchen. Das XFCE-Tool Fensterverwaltung<br />

startet logischerweise<br />

gar nicht erst, wenn Xfwm4<br />

nicht läuft. Für Mutter oder Metacity<br />

können Sie zu Gnometweak-tool<br />

greifen. Für Kwin hingegen<br />

müssen Sie größere Teile<br />

des KDE-Stacks nachinstallieren,<br />

wenn Sie die Einstellungen nicht<br />

von Hand editieren wollen.<br />

Mörderisches<br />

Der aus anderen Umgebungen bekannte<br />

Informationsbalken an einem<br />

oder mehreren Bildschirmrändern<br />

heißt in XFCE „Leiste“<br />

<strong>und</strong> gehört zur Standardkonfiguration.<br />

Falls Sie die Leiste aber<br />

nicht mögen <strong>und</strong> anderen Tools<br />

den Vorzug geben, lässt sie sich<br />

völlig vom Desktop fegen, auch<br />

wenn Ihr Konfigurationsprogramm<br />

dies nicht ohne Weiteres<br />

zulässt. Falls Sie befürchten, dass<br />

durch den Wechsel das Anwendungsmenü<br />

verloren ginge – kein<br />

Problem: Die XFCE-Komponente<br />

Xfdesktop, die ebenfalls zur<br />

Gr<strong>und</strong>ausstattung gehört, zeigt<br />

Ihnen mittels Rechtsklick weiterhin<br />

die Anwendungen an.<br />

Um die Leiste dauerhaft zu entfernen,<br />

öffnen Sie im Menü den<br />

Eintrag Einstellungen | Sitzung<br />

<strong>und</strong> Startverhalten. In der Programmliste<br />

im Reiter Sitzung erscheint<br />

der Eintrag xfce4-panel,<br />

den Sie durch einen Mausklick<br />

markieren <strong>und</strong> dann Programm<br />

beenden anklicken. Nach dem Bestätigen<br />

des Vorgangs verschwindet<br />

die Leiste <strong>und</strong> wird auch nach<br />

dem Ab- <strong>und</strong> erneuten Anmelden<br />

nicht wieder gestartet.<br />

Sollten Sie später dieses rigorose<br />

Vorgehen bereuen, können Sie<br />

jederzeit in einem Schnellstartfenster<br />

wieder den Befehl<br />

xfce4‐panel absetzen <strong>und</strong> damit<br />

die Leiste samt allen früheren Einstellungen<br />

wieder reanimieren.<br />

Auf die oben genannte Weise<br />

können Sie über den Reiter Sitzung<br />

auch weitere Kernbestandteile<br />

des Desktops um die Ecke<br />

bringen, solange Sie dabei den<br />

Hintergr<strong>und</strong>dienst<br />

Xfsettingsd nicht<br />

antasten. Der sorgt<br />

in jedem Fall dafür,<br />

dass XFCE – auch<br />

im auf das absolute<br />

Minimum reduzierten<br />

Modus – völlig<br />

ballastfrei startet<br />

<strong>und</strong> Raum für eine<br />

Eigenkreation<br />

schafft.<br />

XFCE 4.10 bringt<br />

außerdem einen<br />

neuen Anzeigemodus<br />

für die Leiste<br />

mit: Der Leistenhintergr<strong>und</strong><br />

lässt sich<br />

nun transparent<br />

A Das alles <strong>und</strong> noch<br />

viel mehr – XFCE zeigt<br />

sich bestens bestückt.<br />

Glossar<br />

EWMH: Extended Window<br />

Manager Hints.<br />

Das Regelwerk definiert,<br />

wie man Systemaufrufe<br />

steuert <strong>und</strong> Zustände<br />

beim Fensterverwalter<br />

abfragt. Die Kompatibilität<br />

zu diesen vom<br />

Freedesktop-Projekt verabschiedeten<br />

Standards<br />

ist die Gr<strong>und</strong>lage dafür,<br />

dass sich Fensterverwalter<br />

mehr oder weniger<br />

reibungslos in verschiedenen<br />

Umgebungen<br />

als Zwischenschicht<br />

zwischen X-Server <strong>und</strong><br />

Anwendungsebene einfügen.<br />

B Ein Panel ohne Panel,<br />

das den Blick auf<br />

das Wesentliche lenkt.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 59


praxis<br />

XFCE<br />

C Das Microsoft-<br />

Original wird in zwei<br />

Jahren eingemottet.<br />

Hier lebt es zumindest<br />

optisch weiter.<br />

Wo gibt’s XFCE 4.10?<br />

darstellen, ohne dabei die Applets<br />

oder Programmstarter zu beeinflussen.<br />

Sie können jetzt also die<br />

Programmstarter an einen Bildschirmrand<br />

legen, ohne dass das<br />

Ganze nach Panel aussieht. Zugegeben<br />

– das ist nicht mehr als<br />

eine kleine kosmetische Operation,<br />

verhilft aber dem optisch<br />

nicht eben reich gesegneten XFCE<br />

zu ein wenig mehr Schick (Abbildung<br />

B, vorherige Seite).<br />

Windows, oder was?<br />

Falls Ihnen das XFCE-Standard-<br />

Outfit oder das von Ihrem Distributor<br />

vorgegebene Thema nicht<br />

gefällt, kein Problem: Bekanntermaßen<br />

ist das Web voll von Themen<br />

aller Art, sowohl für Gtk als<br />

auch für die Fensterrahmen von<br />

Xfwm4.<br />

Seit Neuestem gibt es die auf<br />

der Gtk-xfce-engine basierenden<br />

Gtk-Themen auch für Gtk+3. Allerdings<br />

weist deren Optik noch<br />

einige Fehler auf <strong>und</strong> entspricht<br />

Aktuelle Pakete für XFCE 4.10 sind derzeit rar, was angesichts<br />

des zarten Alters der neuesten Version nicht weiter verw<strong>und</strong>ert.<br />

Die aktuellen Ausgaben von Xubuntu <strong>und</strong> OpenSuse sowie des<br />

XFCE-Spins von Fedora haben allesamt immer noch die letzte<br />

stabile Version 4.8.x an Bord.<br />

Dennoch müssen Sie nicht zwangsläufig auf XFCE 4.10 verzichten,<br />

denn rührige Paketbauer stellen außerhalb der eigentlichen<br />

Distributionen Pakete bereit. Ubuntu-Fans finden wie so oft die<br />

Pakete in einem separaten PPA vor [6], Benutzer von Fedora 17<br />

können sich im Repository von Kevin Fenzi bedienen [7]. Auch<br />

für OpenSuse 12.1 gibt es bereits eine entsprechende Paketquelle<br />

im Internet mit aktuellen Paketen.<br />

nicht völlig dem, was Sie aus Gtk+2<br />

kennen, obwohl die Standardthemen<br />

bereits allesamt auf die neue<br />

Plattform migriert wurden. Doch<br />

es besteht Hoffnung: Für das voraussichtlich<br />

im April 2013 erscheinende<br />

XFCE 4.12 steht die Migration<br />

auf Gtk+3 fest im Plan [4]<br />

<strong>und</strong> wird sicher eine perfekte<br />

Gtk-Engine quasi als Nebenprodukt<br />

mitliefern.<br />

Wenn Sie es leid sind, dass Ihnen<br />

bei der Arbeit am Rechner jemand<br />

über die Schulter schaut<br />

<strong>und</strong> fragt: „Was ist das denn für<br />

ein Windows?“, dann bringen Sie<br />

ihn relativ leicht zum Verstummen,<br />

indem Sie den Desktop einfach<br />

so aussehen lassen wie jenen<br />

des Microsoft-Betriebssystems<br />

(Abbildung C).<br />

Falls Ihnen das Design von Windows<br />

XP genügt, dann haben Sie<br />

leichtes Spiel: Eine Fensterdekoration<br />

namens RedmondXP bringt<br />

Xfwm4 bereits mit, ebenso ein<br />

Gtk2-Thema namens xfce-redmondxp,<br />

das auf der Gtk-xfce-engine<br />

basiert <strong>und</strong> somit auch für Gtk3<br />

zur Verfügung steht – samt der<br />

bereits erwähnten optischen Unzulänglichkeiten.<br />

Bei Bedarf geht es etwas moderner,<br />

denn unter [5] steht eine<br />

Windows Vista ähnelnde Fensterdekoration<br />

einschließlich eines<br />

leidlich passenden Gtk-Themas<br />

zum Herunterladen bereit. Mit<br />

etwas Mühe finden Sie im Netz<br />

weitere Gtk-Themen, die neuere<br />

Ausgaben der proprietären Umgebung<br />

recht gut imitieren.<br />

Ausblick<br />

Mit ein wenig Neugier <strong>und</strong> Geduld<br />

werden Sie noch mehr Möglichkeiten<br />

finden, aus einem<br />

Standard-XFCE Ihr ureigenes System<br />

zu machen, das Ihnen sein<br />

Verhalten nicht aufzwingt, sondern<br />

sich Ihren Wünschen öffnet.<br />

Böse Zungen behaupten zwar,<br />

dass Modularität <strong>und</strong> Integrität<br />

sich auf Dauer in einer Arbeitsoberfläche<br />

nicht vertragen,<br />

aber XFCE beweist Tag für Tag<br />

das Gegenteil. Obwohl recht häufig<br />

neue Anwendungen <strong>und</strong> Plugins<br />

hinzukommen, scheint den<br />

Entwicklern der Zwang fremd zu<br />

sein, alles selbst anbieten zu wollen.<br />

Damit vermeiden sie erfolgreich<br />

die Falle, den Benutzer in<br />

der wohlmeinenden Absicht, ihm<br />

etwas Gutes zu tun, unterschwellig<br />

zu entmündigen.<br />

Da sich die meisten hier genannten<br />

Funktionen nicht auf die<br />

neueste Version beziehen, lassen<br />

sie sich mit älteren XFCE-Versionen<br />

nachvollziehen. Die aktuelle<br />

4.10 markiert dennoch einen<br />

Wendepunkt, denn wie bereits erwähnt,<br />

wird die nächste Veröffentlichung<br />

auf Gtk+3 basieren.<br />

Optisch <strong>und</strong> in den Arbeitsabläufen<br />

bedeutet das mit Sicherheit<br />

keinen so großen Sprung wie<br />

von Gnome 2.x auf 3.x, wird aber<br />

vor allem für die Entwickler viel<br />

Arbeit verursachen. Zwar sind<br />

Teilaufgaben erledigt: So hat der<br />

XFCE nahestehende Midori-Webbrowser<br />

den Umstieg bereits fast<br />

vollzogen. Doch XFCE weist mittlerweile<br />

einen Umfang auf, dass<br />

ein Jahr für die Migration schon<br />

zu wenig sein könnte, insbesondere<br />

angesichts der Vielzahl der<br />

zu portierenden Anwendungen<br />

<strong>und</strong> Plugins. Man darf gespannt<br />

sein, wie oft sich die Roadmap<br />

noch ändert. (jlu) n<br />

info<br />

[1] XFCE 4.10 veröffentlicht: http:// www. xfce.​<br />

org/ about/ news/ ? post=1335571200<br />

[2] Umfrage im deutschen Fedora-Forum:<br />

http:// fedoraforum. de/ viewtopic. php?​<br />

f=19& t=21554<br />

[3] EWMH-Definition bei Freedesktop.org:<br />

http:// standards. freedesktop. org/​<br />

wm‐spec/ wm‐spec‐latest. html<br />

[4] Gtk3-Migration:<br />

http:// wiki. xfce. org/ releng/ 4. 12/ roadmap<br />

[5] Windows für Xfwm4 <strong>und</strong> Gtk:<br />

http:// xfce‐look. org/ CONTENT/<br />

content‐files/ 148492‐bisoft‐win7. tar. gz<br />

[6] Ubuntu-PPA: https:// launchpad. net/​<br />

~xubuntu‐dev/ +archive/ xfce‐4. 10<br />

[7] Inoffizielle Pakete für Fedora:<br />

http:// repos. fedorapeople. org/ repos/​<br />

kevin/ xfce‐4. 10/ opensuse. org/​<br />

repositories/ X11:/ xfce/ openSUSE_12. 1/<br />

60 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Linkchecker<br />

praxis<br />

Links auf Webseiten überprüfen mit Linkchecker<br />

Webfehlern<br />

auf der Spur<br />

Manche Domains sterben einen leisen Tod – zurück bleiben<br />

verwaiste Links, die dorthin zeigen. Mit Linkchecker identifizieren<br />

Sie solche Sackgassen in Ihrer Webpräsenz. Florian Effenberger<br />

© Buzzybee, sxc.hu<br />

Ab ins Web<br />

Neben der GUI <strong>und</strong> der Kommandozeile<br />

unterstützt Linkchecker ein eigenes<br />

Webinterface. Informationen<br />

zum Aktivieren befinden sich bei Debian-basierten<br />

Systemen in der Datei<br />

README.Debian im Verzeichnis<br />

/ usr/share/doc/linkchecker/.<br />

Verwaiste Links auf einer Website<br />

sorgen für Verdruss beim Besucher.<br />

Dabei gibt es eine sehr<br />

einfache Möglichkeit, solche Störenfriede<br />

zu identifizieren: das<br />

Programm Linkchecker.<br />

Die Installation der Software<br />

geht in der Regel leicht von der<br />

Hand, da sie sich in den Repositories<br />

aller gängigen Distributionen<br />

findet. Dabei richten Sie am besten<br />

gleich das Paket linkcheckergui<br />

ein, das die grafische Oberfläche,<br />

das zugehörige Kommandozeilenprogramm<br />

sowie einige benötigte<br />

Bibliotheken in einem<br />

Rutsch auf die Platte bringt. Dabei<br />

erhalten Sie als Dreingabe<br />

auch noch die Möglichkeit, sich<br />

per Browser mit der Software zu<br />

verbinden (siehe Kasten Ab ins<br />

Web). Alternativ finden sich auf<br />

der Homepage des Projektes [1]<br />

zusätzlich Versionen für Windows,<br />

Mac OS X, Debian sowie<br />

den Quelltext zum Download.<br />

Für den einfachen Einstieg starten<br />

Sie mittels linkchecker‐gui die<br />

grafische Oberfläche. Im Vergleich<br />

zum Pendant für die Kommandozeile<br />

fällt der Einsatz der<br />

GUI zwar leichter, sie bildet aber<br />

nur einen Teil der Funktionen ab.<br />

Geben Sie für einen ersten Test<br />

im Adressfeld die URL der zu prüfenden<br />

Webseite ein, beispielsweise<br />

http://www.linux‐user.de. Dabei<br />

unterstützt Linkchecker neben<br />

HTTP zusätzlich via HTTPS<br />

verschlüsselte Verbindungen <strong>und</strong><br />

zahlreiche weitere Protokolle. Bei<br />

lokalen Dateien gilt es, immer<br />

den vollen Pfad anzugeben.<br />

Nach einem Klick auf Start benötigt<br />

die Software trotz parallelen<br />

Prüfens je nach Umfang der<br />

Seite eine gewisse Zeit für ein Ergebnis<br />

– im Fall von Linux-User.<br />

de dauerte es trotz eines schnellen<br />

Internetzugangs über 30 Minuten.<br />

Dabei öffnet das Programm<br />

jede einzelne Webseite,<br />

folgt den darauf enthaltenen Verknüpfungen<br />

<strong>und</strong> eingeb<strong>und</strong>enen<br />

Elementen wie Bildern <strong>und</strong> listet<br />

diejenigen im Programmfenster<br />

auf, bei denen ein Problem auftritt<br />

(Abbildung A). Gelbe Markierungen<br />

weisen lediglich auf<br />

eine Warnung hin, wogegen rote<br />

Einträge für Fehler stehen.<br />

Die Bandbreite der Meldungen<br />

reicht dabei von Adressen, die<br />

nicht mehr existieren (HTTP-<br />

Code 404) oder auf die das Programm<br />

nicht zugreifen darf (HT­<br />

TP-Code 403) über FTP-Verbindungen,<br />

Telnet-Links <strong>und</strong> NNTP-<br />

Verbindungen bis hin zu Mail-<br />

Adres sen, deren Domain keinen<br />

gültigen Eintrag für einen Mailserver<br />

aufweist.<br />

Nicht als Fehler, sondern lediglich<br />

als Warnung kennzeichnet<br />

das Programm beispielsweise solche<br />

Seiten, deren Adresse sich<br />

zwar geändert hat, die Sie aber<br />

noch über die alte URL erreichen<br />

(HTTP-Code 301). Als kleine Hilfe<br />

nennt die Applikation zudem<br />

die genaue Zeile <strong>und</strong> Spalte, an<br />

der das entsprechende Problem<br />

im Seitenquelltext auftritt.<br />

Genauere Informationen zu den<br />

einzelnen Einträgen blendet<br />

Linkchecker in der unteren Hälfte<br />

des Fensters ein. Neben den Angaben<br />

aus der Übersicht erfahren<br />

Sie, wie lange der Download <strong>und</strong><br />

das Überprüfen der einzelnen<br />

Linkchecker 7.7<br />

LU/linkchecker/<br />

README<br />

Linkchecker überprüft<br />

Verknüpfungen auf Webseiten,<br />

um veraltete<br />

oder fehlerhafte Links<br />

zu identifizieren. Das<br />

Tool gibt es sowohl als<br />

Kommandozeilenversion<br />

als auch mit komfortabler<br />

grafischer<br />

Oberfläche.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 61


praxis<br />

Linkchecker<br />

A Fein säuberlich listet<br />

Linkchecker das<br />

Ergebnis auf. Rot markierte<br />

Einträge weisen<br />

auf Probleme hin.<br />

Links gedauert hat, wie groß das<br />

jeweilige Element ausfällt, <strong>und</strong><br />

vor allem auch, welcher konkrete<br />

Fehler auftritt – so liefert Linkchecker<br />

Meldungen bezüglich des<br />

Verbindungsaufbaus sowie den<br />

resultierenden HTTP-Code.<br />

Weniger zur Fehlersuche als für<br />

statistische Zwecke interessant<br />

sind Angaben, wie etwa die Anzahl<br />

der Warnungen, gültige wie<br />

ungültige Adressen sowie Informationen<br />

zur Anzahl der Elemente<br />

<strong>und</strong> der Länge der Adressen.<br />

Standardmäßig listet Linkchecker<br />

die Resultate in der Reihenfolge<br />

des Prüfens auf. Alternativ sortieren<br />

Sie die Resultate wahlweise<br />

alphabetisch nach dem Ursprung<br />

(im Programm als Vater bezeichnet),<br />

der geprüften URL, deren<br />

Bezeichnung auf der Webseite sowie<br />

dem Fehler, indem Sie den jeweiligen<br />

Spaltentitel anklicken.<br />

Um sich ein eigenes Bild von der<br />

Situation zu machen, klicken Sie<br />

die entsprechenden Adressen im<br />

Programmfenster an, um sie im<br />

Browser zu öffnen. Alternativ kopieren<br />

Sie sie mittels Rechtsklick<br />

in die Zwischenablage. Zum Weiterverarbeiten<br />

der gewonnenen<br />

Ergebnisse hält Linkchecker zudem<br />

die Möglichkeit bereit, diese<br />

mittels Datei | Ergebnisse speichern…<br />

als HTML-Dokument (Abbildung<br />

B), als Textdatei oder im<br />

XML- beziehungsweise CSV-Format<br />

abzulegen.<br />

Letzteres quittierte das Programm<br />

im Test jedoch mit einer<br />

Fehlermeldung, die auf Probleme<br />

mit einem Python-Modul hindeutet,<br />

<strong>und</strong> hinterließ eine unvollständige<br />

CSV-Datei. Einen ähnlichen<br />

Effekt hatte übrigens der<br />

Aufruf des integrierten Update-<br />

Mechanismus. Dessen Verwendung<br />

erübrigt sich beim Einsatz<br />

einer Version aus den Distributionsquellen<br />

jedoch ohnehin.<br />

Bei manchen Webseiten scheint<br />

das Überprüfen beinahe unendlich<br />

lange zu dauern. Der Gr<strong>und</strong><br />

dafür liegt in der Rekursionstiefe,<br />

also der Anzahl der Ebenen, die<br />

das Programm überprüft. Haben<br />

Sie eine entsprechende Anzahl an<br />

Seiten <strong>und</strong> externen Verknüpfungen,<br />

geht der Test sprichwörtlich<br />

vom H<strong>und</strong>ertsten ins Tausendste.<br />

Um das zu vermeiden, passen<br />

Sie die Rekursionstiefe unter Bearbeiten<br />

| Optionen | GUI Optionen<br />

an (Abbildung C). Die Vorgabe<br />

‐1 besagt, dass das Programm<br />

jedem Link folgt, während der<br />

Wert 3 nur drei Ebenen tief prüft.<br />

Die Rekursion erstreckt sich übrigens<br />

immer nur auf die getestete<br />

Domain – externe Verknüpfungen<br />

prüft Linkchecker gr<strong>und</strong>sätz­<br />

B Beim Export<br />

ins HTML-Format erhalten<br />

Sie einen guten<br />

C Die Rekursionstiefe bestimmt, bis<br />

in welche Ebenen Linkchecker bei<br />

seinen Prüfungen vordringt.<br />

Überblick über die<br />

Ergebnisse.<br />

62 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Linkchecker<br />

praxis<br />

lich nur bis zur ersten Ebene. Im<br />

gleichen Dialog fordern Sie die<br />

Software außerdem bei Bedarf<br />

auf, nicht nur fehlerhafte Links<br />

aufzulisten, sondern alle geprüften<br />

Adressen. Allerdings wird das<br />

jedoch selbst bei kleinen Webseiten<br />

schnell unübersichtlich, weswegen<br />

die Option standardmäßig<br />

deaktiviert bleibt.<br />

Ebenfalls per Dialog greifen Sie<br />

auf die komplette Konfigurationsdatei<br />

zu (Abbildung D), die<br />

sich im Home-Verzeichnis unter<br />

.linkchecker/linkcheckerrc befindet.<br />

Erklärungen zu den einzelnen<br />

Parametern finden Sie dabei<br />

sowohl in der Datei selbst als<br />

auch auf der dazugehörigen Manpage<br />

(man linkcheckerrc).<br />

Back to the root(s)<br />

Die vielen Optionen deuten bereits<br />

darauf hin, dass Linkchecker<br />

noch weitaus mehr Funktionen<br />

mitbringt, als die grafische Oberfläche<br />

abbildet. Im Gr<strong>und</strong>e dient<br />

sie ohnehin nur als grafisches<br />

Frontend für das eigentliche<br />

Kommandozeilenprogramm linkchecker.<br />

Das greift zum einen auf<br />

die genannte Konfigurationsdatei<br />

zurück, <strong>und</strong> erlaubt zum anderen,<br />

einzelne Parameter direkt beim<br />

Aufruf zu überschreiben. Der Befehl<br />

man linkchecker liefert dazu<br />

weitergehende Erklärungen.<br />

So gibt der Aufruf linkchecker<br />

‐osql http://www.linux‐user.de das<br />

Ergebnis des Testes im SQL-Format<br />

zurück, um es direkt in eine<br />

Datenbank einzutragen. Mittels<br />

‐‐scan‐virus überprüfen Sie beispielsweise<br />

das Download-Archiv<br />

mit einem lokal installierten<br />

Clam AV-Virenscanner (Paket clamav-daemon,<br />

Abbildung E), <strong>und</strong><br />

‐‐check‐html validiert die Dateien<br />

mittels Tidy [2], sofern Sie das<br />

Paket python‐utidylib installiert<br />

haben. Analog kümmert sich<br />

‐‐check‐css um das Validieren von<br />

CSS-Elementen, was das Paket<br />

python‐cssutils voraussetzt.<br />

Betreiben Sie die Software hinter<br />

einer restriktiven Firewall, besteht<br />

die Möglichkeit, mit Linkchecker<br />

auf Proxies zurückzugreifen,<br />

beispielsweise mit der Umgebungsvariablen<br />

http_proxy. Dabei<br />

unterstützt die Applikation ebenso<br />

das Anmelden mit Benutzername<br />

<strong>und</strong> Passwort (‐uBenutzer<br />

‐pPasswort) wie den Einsatz von<br />

Cookies (‐C).<br />

Um bestimmte Adressen <strong>und</strong><br />

Seiten von vornherein vom<br />

Prüflauf auszuschließen, greifen<br />

Sie in Kombination mit dem Parameter<br />

‐‐ignore‐url auf reguläre<br />

Ausdrücke zurück. Ist beispielsweise<br />

der direkte Zugriff auf<br />

Port 25 aus dem Netzwerk gesperrt,<br />

fördert jeder Link zu einer<br />

Mail-Adresse eine Warnung zutage,<br />

da Linkchecker versucht, sich<br />

mit dem Server zu verbinden.<br />

Über ‐‐ignore‐url=^mailto: weisen<br />

Sie das Programm in diesem Fall<br />

an, diese nicht zu überprüfen.<br />

Die Filterfunktion durchsucht<br />

auf Wunsch den Inhalt von Seiten.<br />

So stellen Sie sicher, dass keinerlei<br />

Hinweis auf die Seite pfui.<br />

tld mehr vorkommt. Dazu geben<br />

Sie den Parameter ‐Wpfui.tld an.<br />

Dateien mit mehr als 10 KByte<br />

Umfang identifizieren Sie – sofern<br />

der Webserver die Abfrage<br />

unterstützt – mittels ‐‐warningsize‐bytes=10240.<br />

Fällt die Ausgabe<br />

von Linkchecker<br />

zu unübersichtlich<br />

aus, um die gewünschte<br />

Meldung<br />

zu finden,<br />

sorgt ‐‐no‐warnings<br />

‐‐no‐status dafür,<br />

dass Sie nur noch<br />

die wichtigen Infos<br />

sehen.<br />

Fazit<br />

Linkchecker machte im Test einen<br />

guten Eindruck. Die grafische<br />

Oberfläche bietet zwar nur einen<br />

Teil der möglichen Parameter an,<br />

genügt aber für die meisten Anwendungsfälle.<br />

Zwar ist das Programm<br />

nur zum Teil ins Deutsche<br />

übersetzt, fällt jedoch zum Großteil<br />

selbsterklärend aus.<br />

Die Kommandozeilen-Variante<br />

des Programms eignet sich vor<br />

allem für Experten sowie für Anwender,<br />

die Linkchecker in ihre<br />

eigenen Skripte einbinden möchten.<br />

Ausführliche Informationen<br />

zu allen Parametern <strong>und</strong> Einstellungen<br />

hält die Manpage des<br />

Tools bereit, deren Lektüre sich<br />

unbedingt empfiehlt. (agr) n<br />

D Auch einen kleinen<br />

Editor für die Konfigurationsdatei<br />

hat Linkchecker<br />

mit an Bord.<br />

E Auf der Kommandozeile<br />

beherrscht der<br />

Linkchecker sogar<br />

einen Virenscan.<br />

info<br />

[1] Linkchecker: http:// linkchecker. sourceforge. net<br />

[2] Tidy-Tools: Florian Effenberger, „Der Dreck soll weg“,<br />

Linux-Magazin 05/​2012, S. 52,<br />

http:// www. linux‐magazin. de/ Heft‐Abo/ Ausgaben/ 2012/ 05/ Bitparade<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 63


praxis<br />

Tmux<br />

Viele Sitzungen in einem Terminal verwalten mit Tmux<br />

Mehr Fenster<br />

Mit dem Multiplexer Tmux rüsten Sie ein einfaches Terminal um Fähigkeiten<br />

auf, die es fast zu einem Window-Manager machen. Andreas Kneib<br />

© Linder6580, sxc.hu<br />

README<br />

Tmux 1.6<br />

LU/tmux/<br />

Das Programm Tmux<br />

unterstützt Sie beim<br />

Verwalten mehrerer<br />

Konsolen in einem einzigen<br />

Terminal. Ob es<br />

sich dabei um eine virtuelle<br />

Textkonsole, ein<br />

spartanisches Xterm<br />

oder ein mächtiges<br />

Gnome-Terminal handelt,<br />

liegt bei Ihnen.<br />

Shell-Kommandos <strong>und</strong> Programme<br />

für die Textkonsole sind weder<br />

altmodisch, noch lediglich für<br />

Nerds <strong>und</strong> Hacker [1] interessant.<br />

Diese Tools bevölkern seit Langem<br />

so erfolgreich die Linux-Welt,<br />

weil sie in aller Regel flinker <strong>und</strong><br />

effizienter arbeiten als ihre<br />

schwergewichtigen Verwandten<br />

mit grafischer Oberfläche – sei es,<br />

dass der Midnight Commander<br />

als Dateimanager über eine SSH-<br />

Verbindung zum Einsatz kommt,<br />

der Texteditor Vim beim Schreiben<br />

einer Datei oder der Mailclient<br />

Mutt zum Lesen der elektronischen<br />

Post.<br />

Um alle diese Konsolenprogramme<br />

unter einen Hut zu bringen<br />

<strong>und</strong> zig quer über den Desktop<br />

verstreute Xterms zu vermeiden,<br />

kamen über die Jahre sogenannte<br />

Terminal-Multiplexer<br />

zum Zug. Eines der Urgesteine<br />

dieser Fenstermanager für die<br />

Textkonsole ist Screen [2].<br />

Nun wächst sich die Konfiguration<br />

von Screen angesichts der<br />

vielen Optionen <strong>und</strong> Variablen<br />

tatsächlich zu einer wirklich nerdigen<br />

Puzzlearbeit aus. Und so<br />

trat 2007 das Tmux-Projekt auf<br />

den Plan, um Anwendern, die<br />

nicht nächtelang über Konfigurationsdateien<br />

brüten möchten, einen<br />

gleichermaßen mächtigen<br />

wie leichtgängigen Terminal-Multiplexer<br />

zur Verfügung zu stellen.<br />

Im WWW<br />

Auf der Website des Projektes [3]<br />

finden Sie den Download-Link<br />

zur aktuellen Programmversion.<br />

Mit etwas Glück stellt jedoch die<br />

Distribution Ihrer Wahl ein fertig<br />

kompiliertes <strong>und</strong> angepasstes Paket<br />

über das Software-Repository<br />

installation<br />

Zunächst entpacken Sie den Tarball<br />

mit dem Tmux-Quellcode <strong>und</strong> wechseln<br />

in das neu entstandene Verzeichnis.<br />

Sinnigerweise erledigen Sie das<br />

bereits in der Shell, denn dort geschieht<br />

auch das Kompilieren <strong>und</strong><br />

Installieren.<br />

Als Nächstes rufen Sie das im Verzeichnis<br />

enthaltene Skript namens<br />

configure auf. Es prüft, ob das System<br />

alle Voraussetzungen erfüllt, um<br />

aus dem Quelltext ein ausführbares<br />

Programm zu backen. Sie erkennen<br />

das an der Meldung checking. Fehlt<br />

bereit. Dieses installieren Sie<br />

dann über Bordmittel wie Aptget,<br />

Yum oder das Ubuntu Software-Center.<br />

Hält die verwendete Distribution<br />

kein Tmux-Paket parat, gilt es,<br />

das Programm aus dem Quelltext<br />

zu übersetzen. Im Kasten Installation<br />

finden Sie eine Anleitung,<br />

wie Sie dazu vorgehen.<br />

Nach der Installation ist der<br />

Multiplexer bereit zum Start. Ist<br />

Ihnen die systemweite Installation<br />

mit Root-Rechten nicht ganz<br />

geheuer, besteht die Möglichkeit,<br />

Tmux gefahrlos im Heimatver-<br />

eine Zutat, sehen Sie das in der Regel<br />

<strong>und</strong> müssen diese aus dem Software-Repository<br />

nachinstallieren.<br />

Anschließend starten Sie mit dem Befehl<br />

make das Übersetzen des Quelltextes<br />

in ein Programm. Schließlich<br />

wechseln Sie in den Status des Administrators,<br />

um Tmux mit dem Befehl<br />

make install in der Verzeichnishierarchie<br />

im Pfad unter /usr/local/ zu<br />

ins tallieren. Unter Ubuntu verwenden<br />

Sie dazu beispielsweise das Kommando<br />

sudo. Listing 1 zeigt den kompletten<br />

Ablauf.<br />

64 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Tmux<br />

praxis<br />

zeichnis zu installieren. Wie das<br />

funktioniert, zeigt ein älterer Artikel,<br />

den Sie online [4] sowie in<br />

der Rubrik How-to auf der Heft-<br />

DVD der Media-Ausgabe finden<br />

(Hinweise zum Kompilieren).<br />

Auf Tuchfühlung<br />

Öffnen Sie nun ein Terminal –<br />

etwa Xterm, die KDE-Konsole<br />

oder Rxvt – <strong>und</strong> starten Sie den<br />

Tmux mit dem Kommando tmux<br />

in der Shell. Das Tool präsentiert<br />

sich mit einer aufgeräumten<br />

Oberfläche in Form eines Statusbalken<br />

im Fuß des Terminals (Abbildung<br />

A). Bevor Sie darangehen,<br />

die Oberfläche mit einigen<br />

Handgriffen an Ihre Bedürfnisse<br />

anzupassen, schauen Sie sich erst<br />

einmal die gr<strong>und</strong>legende Funktionalität<br />

des Programms an.<br />

So wie beim Urgestein Screen<br />

regeln Sie den größten Teil der<br />

Bedienung über Tastenkombinationen,<br />

denen Sie immer eine<br />

festgelegte Sequenz voranstellen.<br />

Bei Screen ist dies [Strg]+[A], bei<br />

Tmux hingegen [Strg]+[B]. Sie<br />

haben aber die Möglichkeit, diese<br />

in der Manpage prefix key genannte<br />

Folge über die Konfigurationsdatei<br />

zu ändern.<br />

Um sich mit dem neuen Werkzeug<br />

vertraut zu machen, öffnen<br />

Sie zunächst einmal mittels<br />

[Strg]+[B],[C] ein neues Fenster.<br />

In der Statuszeile sehen Sie, dass<br />

Tmux dieses Fenster dort mit einer<br />

neuen Nummer anzeigt. Um<br />

nun zwischen den Fenstern zu<br />

wechseln, drücken Sie eine der<br />

Tastenfolgen [Strg]+[B],[N]<br />

Listing 1<br />

$ tar xvzf tmux‐1.6.tar.gz<br />

$ cd tmux‐1.6/<br />

$ ./configure<br />

checking for a BSD‐compatible<br />

install... /usr/bin/install ‐c<br />

checking whether build<br />

environment is sane... yes<br />

[...]<br />

config.status: creating Makefile<br />

config.status: executing<br />

depfiles commands<br />

$ make<br />

$ sudo make install<br />

Tastenkombination<br />

[Strg]+[B],[0] bis [9]<br />

[Strg]+[B],[Umschalt]+[ß]<br />

[Strg]+[B],[C]<br />

[Strg]+[B],[F]<br />

[Strg]+[B],[T]<br />

[Strg]+[B],[X]<br />

[Strg]+[B],[Q]<br />

[Strg]+[B],[Leertaste]<br />

[Strg]+[B],[N]<br />

[Strg]+[B],[P]<br />

[Strg]+[B],[Umschalt]+[.]<br />

[Strg]+[B],[Umschalt]+[2]<br />

[Strg]+[B],[Umschalt]+[5]<br />

[Strg]+[B],[Umschalt]+[1]<br />

[Strg]+[B],[Umschalt]+[6]<br />

[Strg]+[B],[Strg]+[O]<br />

[Strg]+[B],[Pfeil oben]<br />

[Strg]+[B],[Pfeil unten]<br />

[Strg]+[B],[Strg]+[Pfeiltaste]<br />

Funktion<br />

(„next“), [Strg]+[B],[P] („previous“)<br />

oder [Strg]+[B] in Kombination<br />

mit einer der Zahlentasten<br />

[0] <strong>und</strong> [1] für die entsprechenden<br />

Fenster.<br />

Mehr Komfort <strong>und</strong> Übersicht<br />

erhalten Sie aber, wenn Sie ein<br />

virtuelles Terminalfenster einfach<br />

in mehrere Panels aufsplitten.<br />

Zum vertikalen Teilen, drücken<br />

Sie [Strg]+[B],[Umschalt]+[5],<br />

wohingegen Sie mit der Kombination<br />

[Strg]+[B],[Umschalt]+[2]<br />

die Teilfenster horizontal arrangieren.<br />

Abbildung B auf der folgenden<br />

Seite zeigt den möglichen<br />

Split eines Fensters in unterschiedlichen<br />

Aufteilungen.<br />

Tastaturgesteuert<br />

Damit sind die Möglichkeiten der<br />

Tastaturbedienung aber noch<br />

längst nicht ausgereizt: Die Tabelle<br />

Tastaturbefehle bietet Ihnen einen<br />

kurzen Überblick über die<br />

wichtigsten Befehle.<br />

Wie Sie dort sehen, existiert beispielsweise<br />

mit [Strg]+[B],[Um-<br />

zwischen den Fenstern 0 bis 9 wählen<br />

A Ein Statusbalken<br />

samt Reiter für geöffnete<br />

Fenster, so präsentiert<br />

sich Ihnen<br />

Tmux beim ersten<br />

Start.<br />

Tastaturbefehle<br />

die Tastaturbelegung anzeigen<br />

ein neues Fenster öffnen<br />

ein Fenster anhand des Titels suchen (bei mehreren Treffern erhalten Sie<br />

eine Auswahl)<br />

Zeit anzeigen<br />

Panel schließen<br />

Panel-Nummer kurz einblenden (Drücken der entsprechenden Nummern-<br />

Taste wechselt den Fokus)<br />

Panel-Layout wechseln<br />

zum nächsten Fenster wechseln<br />

zum vorigen Fenster wechseln<br />

programminternen Prompt öffnen<br />

Fenster vertikal in zwei Panels aufteilen<br />

Fenster horizontal in zwei Panels aufteilen<br />

Panel in ein virtuelles Fenster umwandeln<br />

aktuelles Fenster beenden<br />

Panel-Inhalt rotieren<br />

im Uhrzeigersinn durch die Panels rotieren<br />

gegen den Uhrzeigersinn durch die Panels rotieren<br />

Panel in die gewählte Richtung vergrößern<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 65


praxis<br />

Tmux<br />

B Tmux in vollem<br />

Einsatz: Verschiedene<br />

Konsolen-Tools arbeiten<br />

hier in Panels in<br />

Symbol<br />

einem Terminal.<br />

Fenstermarkierungen<br />

Bedeutung<br />

* markiert das aktuelle Fenster<br />

schalt]+[.] ein Kommando, um einen<br />

programminternen Prompt<br />

zu starten. Welche Möglichkeiten<br />

das eröffnet, verdeutlicht folgendes<br />

Beispiel: Angenommen, Sie<br />

haben in einem Tmux-Fenster gerade<br />

verschiedene Panels arrangiert<br />

<strong>und</strong> möchten sich daranmachen,<br />

deren Größe zu verändern.<br />

Das erledigen Sie mit der Funktion<br />

resize‐pane: Mit dem programminternen<br />

Befehl resize‐pane<br />

‐U breitet sich das aktuelle Panel<br />

nach oben aus, mit dem Kommando<br />

resize‐pane ‐L 10 zehn Zeichen<br />

nach links. Analog vergrößert<br />

die Funktion resize‐pane ‐t 2<br />

‐L 15 das Panel Nummer 2 um<br />

15 Zeichen nach links.<br />

Sie haben die Möglichkeit, die<br />

genannten Variablen <strong>und</strong> alle<br />

weiteren bis ins Detail zu konfigurieren.<br />

Sogar den Prefix-Key,<br />

also die vorgeschaltete Tastenkombination,<br />

passen Sie je nach<br />

Bedarf an – etwa, wenn Sie das<br />

‐ markiert das zuletzt ausgewählte Fenster<br />

# im überwachten Fenster trat eine Aktivität auf<br />

! visueller Ersatz für die Systemglocke<br />

+ Fensterinhalt erfolgreich überwacht<br />

von Screen gewohnte [Strg]+[A]<br />

bevorzugen. Diese Veränderungen<br />

nehmen Sie mit einem beliebigen<br />

Editor in der Konfigurationsdatei<br />

~/.tmux.conf in Ihrem<br />

Heimatverzeichnis vor.<br />

Unter der Haube<br />

Tmux bringt in der Regel eine<br />

Handvoll Beispieldateien für die<br />

Konfiguration mit. Sie finden diese<br />

Vorlagen meist im Pfad unter<br />

/ usr/share/doc/tmux/examples oder<br />

/ usr/local/share/doc/tmux/examples.<br />

Ein einfaches Beispiel wäre das<br />

bereits erwähnte Umstellen des<br />

Prefix-Keys auf [Strg]+[A]. Öffnen<br />

Sie die Konfigurationsdatei,<br />

<strong>und</strong> schreiben Sie Folgendes in<br />

die ersten zwei Zeilen:<br />

unbind C‐b<br />

set ‐g prefix C‐a<br />

Danach speichern Sie die Datei<br />

unter dem Namen ~/.tmux.conf<br />

<strong>und</strong> starten Tmux neu. Durch das<br />

Listing 2<br />

hardstatus string<br />

"%‐Lw%{BW}%50>%n%f*<br />

%t%{‐}%+Lw%


Tmux<br />

praxis<br />

Auf diese Weise versehen Sie auch<br />

die Rahmen der Panels <strong>und</strong> die<br />

Reiter der einzelnen Fenster mit<br />

unterschiedlichen Farben. Statt<br />

set leiten Sie die Variablen dieses<br />

Mal mit dem Präfix set‐windowoption<br />

ein (Listing 4).<br />

Die Option aus Zeile 1 weist<br />

Tmux an, den Vordergr<strong>und</strong> des<br />

Reiters des aktuell geöffneten<br />

Fensters weiß anzuzeigen, der<br />

Hintergr<strong>und</strong> bekommt durch die<br />

nachfolgende Zeile im Beispiel<br />

eine blaue Farbe. Für die restlichen<br />

Fenster in der Statusleiste<br />

wird umgekehrt ein Schuh daraus:<br />

Der Vordergr<strong>und</strong> hat durch<br />

die Einstellung window‐status‐fg<br />

default dieselbe Farbe, wie die<br />

Voreinstellung der Statuszeile,<br />

nämlich Blau, der Hintergr<strong>und</strong><br />

leuchtet dank window‐status‐bg<br />

yellow in Gelb.<br />

Ein weiterer Punkt betrifft weniger<br />

die Ästhetik, sondern mehr<br />

die Ergonomie: In Listing 5 erhält<br />

das aktive Panel, in dem Sie gerade<br />

arbeiten, einen Rahmen mit<br />

grünem Vordergr<strong>und</strong> (Zeile 1)<br />

<strong>und</strong> einem schwarzen Hintergr<strong>und</strong><br />

(Zeile 2). Die restlichen inaktiven<br />

Panels erscheinen weiß<br />

auf blauem Gr<strong>und</strong> (Zeile 3 <strong>und</strong> 4).<br />

Beachten Sie aber, dass diese<br />

Optionen erst ab Tmux 1.2 bereitstehen.<br />

Setzen Sie zum Beispiel<br />

unter Ubuntu 10.04 LTS die<br />

Version aus dem Repository ein,<br />

dann arbeiten Sie mit Tmux 1.1.<br />

Wie Sie während Ihres ersten<br />

Tmux-Testes vielleicht festgestellt<br />

haben, verzieren sich die Reiter<br />

der Fenster hin <strong>und</strong> wieder mit<br />

Zeichen wie dem Asterisk (*), einem<br />

Hash (#) oder dem Ausrufezeichen<br />

(!). Diese Symbole dienen<br />

als Signale <strong>und</strong> Orientierungen.<br />

Die Tabelle Fenstermarkierungen<br />

schlüsselt die Bedeutungen auf.<br />

Neben diesen ganz einfachen<br />

Basiskonfigurationen haben Sie<br />

jedoch die Möglichkeit, sich nach<br />

Herzenslust in der Datei ~/.tmux.<br />

conf auszutoben. Wenn Sie öfter<br />

eine SSH-Verbindung [5] zu einem<br />

bestimmten Rechner aufbauen,<br />

dann lohnt sich eine Konfiguration<br />

wie in Listing 6.<br />

Die Option bind funktioniert als<br />

Gegenstück zu unbind, das Sie im<br />

ersten Beispiel bereits kennengelernt<br />

haben. Mit bind verketten<br />

Sie den Schrägstrich ([Umschalt]+[7])<br />

mit dem gewünschten<br />

Kommando. Dabei gibt es einige<br />

Besonderheiten zu beachten:<br />

Der Parameter split‐window teilt<br />

das aktuelle Fenster in zwei Panels<br />

<strong>und</strong> führt durch exec („execute“)<br />

das Programm SSH samt<br />

dem dafür benötigten Benutzer<strong>und</strong><br />

Servernamen aus. Alles, was<br />

für Sie nun noch zu tun bleibt, ist<br />

das Eintippen des Passwortes in<br />

die SSH-Eingabeaufforderung –<br />

schon haben Sie Verbindung zum<br />

entfernten Rechner.<br />

Fazit<br />

Die beschriebenen Parameter reizen<br />

die Möglichkeiten von Tmux<br />

bei Weitem nicht aus: Neben den<br />

bereits genannten Vorlagen zur<br />

Konfiguration bietet das Tool außerdem<br />

eine über 1000 Zeilen<br />

umfassende Manpage an, die Sie<br />

in der Shell mit dem Kommando<br />

man tmux einsehen.<br />

Zwar gibt es das Manual nur in<br />

Englisch, doch macht es dieses<br />

Manko durch viele eingängige<br />

Beispiele wett. Wenn Sie sich des<br />

Englischen ausreichend mächtig<br />

fühlen, steht zudem der Teilnahme<br />

an den Mailinglisten <strong>und</strong> dem<br />

IRC-Channel #tmux nichts im Weg.<br />

Diese Kanäle unterhält das Tmux-<br />

Team, um darüber Support für<br />

die Software zu leisten. (agr) n<br />

set‐window‐option ‐g window‐status‐current‐fg white<br />

set‐window‐option ‐g window‐status‐current‐bg blue<br />

set‐window‐option ‐g window‐status‐fg default<br />

set‐window‐option ‐g window‐status‐bg yellow<br />

01 set‐option ‐g pane‐active‐border‐fg green<br />

02 set‐option ‐g pane‐active‐border‐bg black<br />

03 set‐option ‐g pane‐border‐fg white<br />

04 set‐option ‐g pane‐border‐bg blue<br />

Listing 4<br />

Listing 5<br />

Listing 6<br />

$ bind / split‐window "exec ssh Benutzer@Server"<br />

[1] Hacken wie ein (Kino-)Hacker: http:// hackertyper. com<br />

[2] GNU Screen: http:// www. gnu. org/ software/ screen/<br />

[3] Tmux: http:// tmux. sourceforge. net<br />

[4] Programme selbst kompilieren: Andreas Kneib, „Auf zu den Quellen“,<br />

LU 07/​2005, S. 86, http:// www. linux‐community. de/ 8607<br />

[5] Tunnelbauer: Jörg Harmuth, „Verbindungskünstler“, LU 04/​2006, S. 78,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 10335<br />

info<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 67


praxis<br />

Timeline<br />

Aufgaben <strong>und</strong> Ereignisse grafisch darstellen mit Timeline<br />

Zeitreise<br />

Timeline erlaubt Ihnen,<br />

mit wenigen Handgriffen<br />

einen übersichtlichen Zeitstrahl<br />

zu entwerfen. Tim Schürmann<br />

Timeline 0.16<br />

LU/timeline/<br />

README<br />

Findet die Konferenz vor<br />

oder nach der CeBIT<br />

statt? Welche Aufgaben<br />

muss ich in welcher Reihenfolge<br />

erledigen? Besonders<br />

schnell beantwortet<br />

solche chronologischen<br />

Fragen das Programm<br />

Timeline.<br />

Egal, ob in Büchern, Zeitschriften<br />

oder im Internet<br />

– Zeitleisten waren<br />

schon immer beliebt.<br />

Im Geschichtsunterricht<br />

veranschaulichen<br />

sie, wann welche Ereignisse<br />

stattfanden, Linux-Enthusiasten<br />

verraten sie die Erscheinungstermine<br />

der Distributionen,<br />

Projektplaner stecken auf ihnen<br />

Meilensteine ab, <strong>und</strong> Facebook<br />

konserviert auf ihnen sogar<br />

komplette Lebensläufe. Das kleine<br />

Python-Programm Timeline<br />

(http:// thetimelineproj. sf. net/)<br />

erlaubt es, unkompliziert selbst<br />

solche Zeitleisten zu erstellen.<br />

Setup<br />

Als Abhängigkeit erwartet Timeline<br />

das Programm Python mindestens<br />

in Version 2.5, darüber<br />

hinaus die Bibliotheken wxPython<br />

ab Version 2.8.9.2 <strong>und</strong> Gettext<br />

0.17 oder neuer. Daneben<br />

benötigen Sie das Programm<br />

Scons. Unter Ubuntu verwenden<br />

Sie dafür die Pakete python, python-wxgtk2.8,<br />

wx2.8-i18n, scons<br />

<strong>und</strong> gettext. OpenSuse-Besitzer<br />

spielen python-wxWidgets, scons<br />

<strong>und</strong> gettext-runtime ein.<br />

Danach besuchen Sie die Projektseite<br />

von Timeline <strong>und</strong> wechseln<br />

dort zum Link Getting Timeline.<br />

Laden Sie das Archiv unter<br />

Installing on other systems (installing<br />

from source) herunter <strong>und</strong><br />

entpacken es auf Ihrer Festplatte.<br />

Nun öffnen Sie ein Terminalfenster<br />

im Timeline-Verzeichnis <strong>und</strong><br />

© Sanadesign, 123RF<br />

installie- ren dort die Übersetzungen<br />

via scons mo. Das einsatzbereite<br />

Timeline starten Sie<br />

anschließend mit dem Aufruf<br />

python timeline.py.<br />

Navigator<br />

Zunächst erscheint ein leeres<br />

Fenster, das anbietet, ein Tutorial<br />

zu öffnen. Klicken Sie den Link<br />

an, erscheint eine Beispiel-Zeitleiste<br />

(Abbildung A). Sobald Sie<br />

mit dem Mauszeiger über ein Ereignis<br />

fahren, fördert Timeline<br />

die zugehörige Beschreibung in<br />

einem kleinen Fenster zutage.<br />

Möchten Sie diese Beschreibung<br />

dauerhaft einblenden, klicken Sie<br />

auf das Stecknadel-Symbol rechts<br />

oben in der Sprachblase.<br />

Die Zeitleiste bewegen Sie, indem<br />

Sie den Mauszeiger auf einen<br />

freien, weißen Bereich bewegen,<br />

die linke Maustaste drücken <strong>und</strong><br />

den Balken nach links oder<br />

rechts verschieben.<br />

Mit dem Regler<br />

am rechten Fensterrand<br />

verschieben<br />

Sie die gesamte<br />

Zeitleiste nach<br />

oben <strong>und</strong> unten. Den<br />

richtigen Ausschnitt<br />

<strong>und</strong> die passende Zoomstufe<br />

regulieren Sie über die<br />

Punkte im Menü Position |<br />

Zoom. Schneller geht es, indem<br />

Sie [Strg] gedrückt halten <strong>und</strong><br />

am Mausrad drehen.<br />

Jedes Ereignis lässt sich optional<br />

einer Kategorie zuordnen. In<br />

der Beispiel-Zeitleiste gibt es vier<br />

Kategorien, die der Bereich am<br />

linken Fensterrand auflistet. Sobald<br />

Sie dort einen Haken entfernen,<br />

blendet Timeline alle zur<br />

entsprechenden Kategorie gehörenden<br />

Ereignisse aus. Auf diese<br />

Weise sorgen Sie gerade bei komplexen<br />

Zeitleisten schnell für<br />

mehr Übersicht. Jede Kategorie<br />

besitzt zudem eine eigene Farbe,<br />

in der die Software automatisch<br />

die zugehörigen Ereignisse darstellt.<br />

So lässt sich mit einem<br />

Blick erkennen, dass das Ereignis<br />

Willkommen zu Timeline zur roten<br />

Kategorie Willkommen gehört.<br />

Geschichte schreiben<br />

Um eine neue Zeitleiste zu erstellen,<br />

wählen Sie aus dem Menü<br />

Datei | Neu | Zeitstrahl-Datei….<br />

Im Dateibrowser legen Sie den<br />

Projektordner <strong>und</strong> den Dateinamen<br />

fest <strong>und</strong> klicken danach auf<br />

Speichern. Timeline sichert sämtliche<br />

Änderungen selbstständig<br />

<strong>und</strong> öffnet nach seinem Start immer<br />

als Erstes die zuletzt von Ihnen<br />

bearbeitete Zeitleiste.<br />

68 07 | 12<br />

www.linux-user.de


Timeline<br />

praxis<br />

Bevor Sie ein neues Ereignis auf<br />

dem noch leeren Zeitstrahl eintragen,<br />

legen Sie zunächst eine<br />

Kategorie an. Dazu rufen Sie Zeitstrahl<br />

| Kategorien bearbeiten auf<br />

<strong>und</strong> <strong>und</strong> erstellen mittels Hinzufügen<br />

eine weitere Kategorie. Alternativ<br />

bewegen Sie den Mauszeiger<br />

in die linke Spalte <strong>und</strong> aktivieren<br />

per Linksklick das Kontextmenü,<br />

aus dem Sie Hinzufügen<br />

wählen. Nun geben Sie der<br />

Kategorie einen Namen <strong>und</strong> wählen<br />

danach Hintergr<strong>und</strong>- <strong>und</strong><br />

Schriftfarben für die Ereignisse<br />

aus. Ein Klick auf eine der Farben<br />

öffnet einen Farbwähler. Nach<br />

dem gleichen Schema erstellen<br />

Sie alle weiteren benötigten Kategorien.<br />

Diese dürfen Sie übrigens<br />

auch ineinander verschachteln.<br />

Dazu wählen Sie in der Ausklappliste<br />

Übergeordnetes Element die<br />

direkt übergeordnete Kategorie.<br />

Die so entstehende Hierarchie<br />

zeigt das Fenster Kategorien bearbeiten<br />

durch Einrückungen an.<br />

Um ein neues Ereignis einzutragen,<br />

doppelklicken Sie im Hauptfenster<br />

auf einen freien Bereich.<br />

Im daraufhin erscheinenden Dialog<br />

(Abbildung B) tragen Sie unter<br />

Zeit das Datum des Ereignisses<br />

ein. Ein kleiner Kalender, den<br />

Sie mit einem Klick auf das Symbol<br />

rechts neben dem Feld öffnen,<br />

vereinfacht hier die Auswahl.<br />

Timeline erwartet das Datum<br />

übrigens im Format Jahr-Monat-<br />

Tag, wobei Sie zwingend Monat<br />

<strong>und</strong> Tag angeben müssen. Sofern<br />

das neue Ereignis über eine längere<br />

Zeit andauert (etwa eine dreitägige<br />

Konferenz), wählen Sie<br />

Zeitspanne an. Nun erweitert sich<br />

das Datumsfeld um zwei weitere<br />

Felder, in denen Sie das Ereignisende<br />

festlegen. Spielt die Uhrzeit<br />

eine Rolle, zeigt ein Haken vor<br />

Uhrzeit anzeigen entsprechende<br />

Eingabefelder an.<br />

Unter Text tippen Sie die Beschriftung<br />

des Ereignisses auf<br />

dem Zeitstrahl ein, wählen dann<br />

eine passende Kategorie <strong>und</strong> hinterlassen<br />

schließlich noch eine<br />

Beschreibung. Ereignisse ohne Kategorie<br />

erscheinen später auf dem<br />

Zeitstrahl in einem grauen Kasten.<br />

Zusätzlich können Sie dem<br />

Ereignis über das Register Icon<br />

noch ein kleines Symbol hinzufügen.<br />

Wenn Sie mehrere Ereignisse<br />

hintereinander anlegen möchten,<br />

aktivieren Sie Weitere Ereignisse<br />

nach diesem erstellen. Das Tool öffnet<br />

nach einem Klick auf OK umgehend<br />

ein leeres Formular.<br />

Alternativ öffnen Sie direkt einen<br />

fertigen Kalender im iCalendar-Format<br />

mit der Endung .ics.<br />

Diesen importieren Sie in Timeline<br />

einfach via Datei | Öffnen….<br />

Schiebung<br />

Bestehende Ereignisse verändern<br />

Sie bei Bedarf direkt auf dem<br />

Zeitstrahl. Dazu klicken Sie den<br />

entsprechenden Eintrag an. Am<br />

linken <strong>und</strong> rechten Rand erscheinen<br />

jetzt kleine schwarze Kästchen,<br />

die als Anfasser dienen <strong>und</strong><br />

es erlauben, die Länge des Ereignisses<br />

anzupassen. Beachten Sie,<br />

dass Sie damit gleichzeitig die Anfangs-<br />

<strong>und</strong> Endzeit des Ereignisses<br />

verändern. Über den schwarzen<br />

Anfasser in der Mitte verschieben<br />

Sie das komplette Ereignis<br />

an einen anderen Zeitpunkt.<br />

Falls Ihnen diese Methode zu<br />

ungenau erscheint, doppelklicken<br />

Sie auf das Ereignis, worauf sich<br />

die Eingabemaske öffnet. Über<br />

das Kontextmenü löschen Sie via<br />

Entfernen nicht mehr benötigte<br />

Einträge. Gleiches erledigt [Entf]<br />

mit allen markierten Ereignissen.<br />

Halten Sie [Strg] gedrückt <strong>und</strong><br />

wählen zwei Ereignisse an, so<br />

misst Timeline über den Menüpunkt<br />

Zeitstrahl | Measure Distance<br />

between two Events den zeitlichen<br />

Abstand zwischen diesen<br />

beiden. So erfahren Sie schnell,<br />

dass zwischen dem Geburtstag<br />

von Tante Gerda <strong>und</strong> dem von<br />

Onkel Helmut nur 37 Tage liegen.<br />

Den fertigen Zeitstrahl exportieren<br />

Sie optional als SVG-Vektorgrafik<br />

oder PNG-Bilddatei. Die<br />

entsprechenden beiden Punkte<br />

finden Sie im Menü Datei.<br />

Fazit<br />

Gegenüber einem Kalenderblatt<br />

erscheinen Zeitleisten wesentlich<br />

übersichtlicher. Bei eigenen Terminen<br />

enthüllen sie mit einem<br />

Blick die Reihenfolge, bei Projekten<br />

kann Timeline sogar die Zeiten<br />

zwischen ihnen <strong>und</strong> somit die<br />

Projektdauer berechnen. Auch<br />

wenn die Software recht karg aussieht<br />

<strong>und</strong> nur wenige Funktionen<br />

bietet, sorgt sie doch in vielen Situationen<br />

für mehr Übersicht als<br />

ein Monatskalender. (tle) n<br />

A Der Tutorial-Zeitstrahl<br />

verschafft einen<br />

Überblick über die<br />

wichtigsten Funktionen<br />

der Software.<br />

B Im Eingabedialog<br />

für Ereignisse tragen<br />

Sie die Beschreibung<br />

sowie das Datum des<br />

Geschehens ein.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 69


netz&system<br />

OwnCloud 4<br />

Cloud-Speicher auf eigenen Servern<br />

bereitstellen mit OwnCloud<br />

Sicherer<br />

Hafen<br />

© GHerrmann, sxc.hu<br />

Statt sie kommerziellen<br />

Anbietern<br />

anzuvertrauen,<br />

speichern Sie mit<br />

OwnCloud Ihre Daten<br />

in der eigenen<br />

Wolke <strong>und</strong> teilen<br />

Sie mit anderen.<br />

README<br />

Falko Benthin,<br />

Jan Rähm<br />

OwnCloud verspricht einen<br />

sicheren, weil kontrollierten<br />

Hafen für Daten,<br />

die Sie im Netz ablegen<br />

<strong>und</strong> mit anderen<br />

teilen möchten. Das<br />

Gr<strong>und</strong>gerüst steht –<br />

aber im Detail birgt die<br />

Open-Source-Lösung<br />

noch einige Probleme.<br />

Die Cloud ist in aller M<strong>und</strong>e,<br />

schon seit Jahren. Und langsam,<br />

aber sicher geht es auch für Otto<br />

Normalbenutzer mit dem wolkigen<br />

Thema los: Daten in die Cloud<br />

auszulagern <strong>und</strong> über mehrere<br />

Geräte automatisch zu synchronisieren<br />

erfreut sich immer größerer<br />

Beliebtheit. Dienstleister wie<br />

Dropbox, SpiderOak oder Apples<br />

iDisk reagieren <strong>und</strong> stellen Nutzern<br />

die gefragten Online-Festplatten<br />

bereit. Die Unternehmen<br />

versprechen zwar Datensicherheit<br />

– ob diese aber wirklich gewährleistet<br />

ist, entzieht sich in aller<br />

Regel der Kenntnis des Nutzers.<br />

Garantien für den einfachen Zugriff<br />

von allerlei staatlichen Organen<br />

auf die Daten trüben zusätzlich<br />

das Vertrauen.<br />

Vor über zwei Jahren brachte es<br />

der KDE-Entwickler Frank Karlitschek<br />

auf dem Camp KDE 2010<br />

auf den Punkt: Anwender wollen<br />

unabhängig vom Standort auf<br />

ihre Daten zugreifen, gleichzeitig<br />

aber die Kontrolle über die gespeicherten<br />

Dateien behalten [1].<br />

Mehrere Entwickler griffen daraufhin<br />

die Idee der eigenen<br />

Cloud auf, <strong>und</strong> bereits ein halbes<br />

Jahr später erschien die erste Version<br />

von OwnCloud [2], einer Online-Speicherlösung,<br />

die sich auch<br />

für den privaten Einsatz eignet.<br />

Die Software steht unter der<br />

AGPLv3 <strong>und</strong> ist in PHP <strong>und</strong><br />

Javascript implementiert. Der Zugriff<br />

auf den Online-Speicher erfolgt<br />

via WebDAV oder eine Web-<br />

Oberfläche. Sie haben die Möglichkeit,<br />

Verzeichnisse<br />

zu<br />

synchronisieren<br />

<strong>und</strong><br />

festzulegen,<br />

welche Daten<br />

Sie mit<br />

anderen Anwendern<br />

teilen<br />

wollen.<br />

Die Cloud-<br />

Software<br />

bietet einen<br />

Mediaplayer<br />

<strong>und</strong> eine<br />

Galerie erlaubt<br />

es,<br />

Kalender<br />

<strong>und</strong> Listen mit Kontakten zentral<br />

zu verwalten sowie Dokumente<br />

online zu bearbeiten. Eine Versionsverwaltung<br />

hilft, unabsichtlich<br />

getätigte Änderungen ungeschehen<br />

zu machen. Darüber hinaus<br />

gibt es immer mehr Anwendungen,<br />

mit denen Sie bei Bedarf<br />

den Funktionsumfang erweitern.<br />

Vor Kurzem haben die Entwickler<br />

Version 4 veröffentlicht. Die<br />

Installation auf dem eigenen Ser-<br />

A Die Web-GUI setzt auf Javascript <strong>und</strong> Mouseover-Effekte,<br />

lässt sich aber trotzdem intuitiv bedienen.<br />

72 07 | 12<br />

www.linux-user.de


OwnCloud 4<br />

netz&system<br />

ver oder Webspace setzt mindestens<br />

PHP 5.3 sowie MySQL oder<br />

SQLite voraus. Auf der Projektseite<br />

finden Sie eine ausführliche<br />

Dokumentation dazu [3]. Haben<br />

Sie bereits eine frühere Own-<br />

Cloud-Version installiert, besteht<br />

die Möglichkeit, diese auf den aktuellen<br />

Stand zu bringen. Dazu<br />

liefert die zuvor genannte Dokumentation<br />

Hinweise, die aber nur<br />

bedingt funktionieren.<br />

Auf unserer Testinstallation<br />

(Web space mit Debian „Squeeze“,<br />

Apache 2.2.16, PHP 5.3.3 <strong>und</strong><br />

My SQL 5.1.61) führte die Aktualisierung<br />

von OwnCloud 3.0.2 auf<br />

4.0.0 lediglich zu der Fehlermeldung<br />

Error while upgrading the<br />

d a ta ba s e <strong>und</strong> dem Log-Eintrag<br />

{"app":"core","message":"Failed to<br />

get existing database structure for<br />

upgrading (MDB2_Schema Error:<br />

schema validation error)", "level":4,<br />

"time":1338030714}.<br />

Konfiguration<br />

OwnCloud verfügt über eine relativ<br />

intuitiv zu bedienende Web-<br />

Oberfläche, die bei der Installation<br />

in einem vom Provider bereitgestellten<br />

Web space allerdings<br />

teilweise etwas langsam reagierte.<br />

Links oben finden Sie Ordner <strong>und</strong><br />

installierte Anwendungen aufgelistet,<br />

der untere Teil der Navigation<br />

bleibt dem (zunächst eingeklappten)<br />

Menü für die Konfiguration<br />

vorbehalten. Das holen Sie<br />

durch einen Klick auf das etwas<br />

unscheinbare Zahnrad-Icon zum<br />

Vorschein (Abbildung A).<br />

Innerhalb der Konfiguration<br />

haben Sie als Anwender<br />

lediglich die Möglichkeit,<br />

persönliche Einstellungen<br />

anzupassen, wie<br />

etwa das Passwort, die<br />

Mailadresse für den Versand<br />

neuer Zugangsdaten,<br />

die Sprache der Oberfläche<br />

oder eine neue<br />

Zeitzone (Abbildung B).<br />

Alle Änderungen übernimmt<br />

das Programm<br />

nach kurzer Zeit automatisch,<br />

sodass die Suche<br />

nach einer Schaltfläche<br />

zum Speichern entfällt.<br />

Innerhalb der persönlichen<br />

Einstellungen sehen<br />

Sie außerdem, wie viel<br />

des verfügbaren Speicherplatzes<br />

bereits belegt ist. Es stört etwas,<br />

dass die Oberfläche kurzzeitig<br />

einfriert oder die Software nicht<br />

alle Punkte speichert, wenn Sie<br />

mehrere Änderungen schnell hintereinander<br />

vornehmen.<br />

Der Administrator hat deutlich<br />

mehr Rechte als der gemeine Anwender:<br />

Er darf unter anderem<br />

die Rechte von Nutzern <strong>und</strong><br />

Gruppen bearbeiten, Quotas für<br />

einzelne User setzen, Anwendungen<br />

aktivieren <strong>und</strong> stilllegen, das<br />

Logfile auswerten oder die komplette<br />

OwnCloud-Instanz exportieren.<br />

Neue Nutzer legen Sie<br />

recht schnell mithilfe der Web-<br />

Oberfläche an. Dieses Verfahren<br />

bietet auch die Möglichkeit, das<br />

Konto einer oder mehreren Gruppen<br />

zuzuordnen. Existiert eine<br />

Gruppe noch nicht, legen Sie diese<br />

bei Bedarf gleichzeitig mit dem<br />

Nutzer an (Abbildung C).<br />

Administratoren dürfen den<br />

Speicherplatz einzelner Nutzer<br />

über Quotas beschränken. Dazu<br />

genügt es, das Dropdown-Menü<br />

in der Spalte Quota zu öffnen <strong>und</strong><br />

den gewünschten Wert auszuwählen.<br />

Neben den vorgegebenen<br />

Werten default, none, 1 GB, 5 GB,<br />

10 GB lassen sich auch individuelle<br />

Werte (andere…) festlegen.<br />

Dazu geben Sie den erlaubte Speicherplatz<br />

gefolgt von der Einheit<br />

(B, KB, MB, GB) an. Ohne Angabe<br />

einer Einheit geht OwnCloud<br />

standardmäßig von Byte aus.<br />

B Normalen Nutzern<br />

stellt die Web-Oberfläche<br />

von OwnCloud nur<br />

wenige Optionen zum<br />

Einstellen bereit.<br />

OwnCloud 4<br />

LU/owncloud/<br />

D Neue Ordner <strong>und</strong><br />

(Text-)Dateien sind mit<br />

OwnCloud meistens<br />

nur zwei Mausklicks<br />

entfernt.<br />

C Nutzer <strong>und</strong> Gruppen lassen sich in der Web-Oberfläche schnell anlegen.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 73


netz&system<br />

OwnCloud 4<br />

E Dateien machen Sie<br />

bei Bedarf komplett<br />

öffentlich oder nur<br />

ausgewählten Personenkreisen<br />

zugänglich.<br />

F Zu schnell oder versehentlich<br />

gelöschte<br />

Dateien gehen nicht<br />

sofort verloren.<br />

Alleine oder gemeinsam<br />

Wollen Sie die Software nutzen,<br />

um nur ein paar Daten überall<br />

parat zu haben oder mit anderen<br />

zu teilen, laden Sie diese über die<br />

Web-Oberfläche auf die Online-<br />

Festplatte. Dazu genügt ein Klick<br />

im Datenbereich auf das Symbol<br />

mit dem aufwärts gerichteten<br />

Pfeil neben Neu. Daraufhin öffnet<br />

sich ein Dialog zur Auswahl einer<br />

Datei. Ein Klick auf Neu fördert<br />

einen Dialog zutage, mit dem Sie<br />

Ordner oder Textdateien anlegen<br />

(Abbildung D, vorige Seite).<br />

Bereits vorhandene Dateien ziehen<br />

Sie anschließend im Web-<br />

Frontend via Drag & Drop in die<br />

neu angelegten Ordner – sofern<br />

die Sicherheitseinstellungen des<br />

Webservers das erlauben. Um Dateien<br />

von anderen Webservern zu<br />

laden, befördern Sie diese einzeln<br />

durch die Angabe der<br />

zugehörigen URL in<br />

Ihre persönliche<br />

Cloud.<br />

Seit der Version 4<br />

lassen sich auch Dateien<br />

vom Desktop in<br />

ein Browser-Fenster<br />

ziehen, in dem Own-<br />

Cloud geöffnet ist. In<br />

unserem Test funktionierte<br />

das sowohl<br />

mit Mac OS X <strong>und</strong><br />

Safari als auch mit<br />

Linux <strong>und</strong> Firefox<br />

recht ordentlich. Dagegen<br />

öffnete Konqueror<br />

unter OpenSuse 12.1 die<br />

per Drag & Drop abgelegte Datei<br />

sofort in einem Editor, statt sie in<br />

der Cloud zu speichern.<br />

Anwender können Dateien in<br />

höher gelegene Verzeichnisse bewegen,<br />

indem sie diese auf den gewünschten<br />

Ordner in der Pfadangabe<br />

ziehen. Das geht allerdings<br />

immer nur einzeln – für zehn Dateien<br />

heißt es also zehn Mal ziehen.<br />

In den öffentlich zugänglichen<br />

Shared-Ordner können Sie<br />

auf diese Weise keine Dateien<br />

kopieren, denn er bleibt Dateien<br />

vorbehalten, die andere Anwender<br />

bereitstellen.<br />

Dateigröße<br />

Beim ersten oder zweiten Versuch,<br />

etwas auf den Server zu schieben,<br />

stoßen vermutlich einige Anwender<br />

auf Probleme: OwnCloud versagt<br />

mit der fre<strong>und</strong>lichen<br />

Meldung Upload<br />

too large den Ladevorgang.<br />

Um zu erfahren,<br />

wie groß eine Datei<br />

denn maximal sein<br />

darf, fahren Sie mit<br />

dem Mauszeiger über<br />

das schon erwähnte<br />

Symbol mit dem aufwärts<br />

gerichteten<br />

Pfeil. Ein kleines Popup<br />

verrät dann das Limit<br />

für den Upload –<br />

bei einer Apache-Standard-Installation<br />

in<br />

der Regel 2 MByte.<br />

Um mehr <strong>und</strong> vor allem größere<br />

Dateien in die Cloud zu schaufeln,<br />

gilt es, die Konfiguration des<br />

Webservers anzupassen. Dazu<br />

geht es auf die Kommandozeile.<br />

Dort rufen Sie mit administrativen<br />

Rechten die Datei php.ini im<br />

bevorzugten Editor auf. In der<br />

Zeile upload_max_filesize legen Sie<br />

nun die gewünschte Obergrenze<br />

fest. Hinter den Zahlenwert setzen<br />

Sie ein M oder G für MByte respektive<br />

GByte. Nach einem Neustart<br />

des Webservers zeigt Own-<br />

Cloud das neue Upload-Limit an.<br />

Sobald der Mauszeiger über dem<br />

Eintrag eines Dateinamens steht,<br />

erscheinen vier Icons, um die entsprechende<br />

Datei herunterzuladen,<br />

mit anderen zu teilen beziehungsweise<br />

völlig öffentlich zugänglich<br />

zu machen, sie umzubenennen<br />

oder ihre Historie aufzuzeigen.<br />

Um eine Datei gemeinsam<br />

mit anderen zu benutzen, wählen<br />

Sie nur den Share-Button sowie<br />

alle fraglichen Teilhaber beziehungsweise<br />

Gruppen.<br />

In einer separaten Checkbox<br />

schalten Sie für Ihre Datei frei,<br />

welche Personen diese bearbeiten<br />

dürfen. Gewähren Sie für eine Datei<br />

oder gar ein ganzes Verzeichnis<br />

einen öffentlichen Zugriff, ersetzt<br />

das Programm die Skizze eines<br />

Binärbaums auf dem Share-<br />

Button durch einen Globus. Für<br />

Daten, die nur autorisierten Anwendern<br />

zur Verfügung stehen,<br />

blendet die Software stattdessen<br />

den Umriss von zwei Köpfen ein<br />

(Abbildung E). Teilen Sie Ihre Dateien<br />

mit anderen, sollten Sie sicherstellen,<br />

dass Sie diesen Nutzern<br />

vertrauen, denn jetzt verlieren<br />

Sie unweigerlich die Kontrolle<br />

über Ihre Daten: Die „Teilhaber“<br />

können die mit ihnen geteilten<br />

Daten erneut <strong>und</strong> ohne Wissen<br />

des eigentlichen Besitzers anderen<br />

bereitstellen oder sogar komplett<br />

veröffentlichen.<br />

Hier kommt noch hinzu, dass<br />

sich die Icons, die anzeigen, ob<br />

Sie eine Datei mit anderen teilen,<br />

sich nur bis zum Logout ändern.<br />

Beim nächsten Login hat der<br />

74 07 | 12<br />

www.linux-user.de


OwnCloud 4<br />

netz&system<br />

Share-Button wieder seine ursprüngliche<br />

Form, sodass Sie<br />

nicht auf einen Blick sehen, welche<br />

Dateien Sie geteilt oder veröffentlicht<br />

haben. Am Ende eines<br />

jeden Eintrages blendet das Programm<br />

ein kleines Kreuz ein, mit<br />

dem Sie Dateien <strong>und</strong> Verzeichnisse<br />

löschen. Diese Funktion blieb<br />

in Opera 11.64 ohne Folgen, in<br />

Firefox 10.0.2 funktionierte sie<br />

jedoch tadellos. Anwender mit<br />

nervösen Fingern, die eine Datei<br />

zu schnell tilgen, wissen sicher<br />

die Undo-Funktion zu schätzen<br />

(Abbildung F). Der entsprechende<br />

Button bleibt so lange aktiv,<br />

bis Sie das Verzeichnis wechseln.<br />

Bis OwnCloud 3 war Vorsicht<br />

beim Upload geboten, da die Software<br />

bereits vorhandene Dateien<br />

stillschweigend überschrieb, wenn<br />

Sie eine neue Datei mit gleichem<br />

Namen hochluden. OwnCloud 4<br />

ist hier sicherer, denn es ergänzt<br />

die Namen entsprechender Dateien<br />

um einen Zähler, statt den Vorgänger<br />

zu verdrängen.<br />

Die Entwickler haben relativ<br />

weit oben in der Oberfläche ein<br />

Suchfeld integriert, das eine freie<br />

Suche nach Text ermöglicht. Die<br />

dort eingegebene Zeichenkette<br />

zieht OwnCloud heran, um Dateien,<br />

Adressbuch <strong>und</strong> Kalender auf<br />

potenzielle Treffer abzugleichen<br />

<strong>und</strong> diese automatisch <strong>und</strong> nach<br />

Kategorien sortiert aufzulisten<br />

(Abbildung G).<br />

WebDAV<br />

Möchten Sie das Programm nur<br />

nutzen, um Dateien in der Cloud<br />

zu speichern, erweist<br />

sich das<br />

Hantieren mit<br />

der Web-Oberfläche<br />

schnell als<br />

sehr umständlich.<br />

Abhilfe<br />

schafft hier Web-<br />

DAV: OwnCloud<br />

selbst nutzt diese<br />

Technik, um Verzeichnisse<br />

über<br />

mehrere Rechner<br />

hinweg zu synchronisieren.<br />

Als ein Kind der<br />

KDE-Gemeinschaft<br />

arbeitet<br />

OwnCloud entsprechend gut mit<br />

dem Dateimanager Dolphin zusammen<br />

[4]. Möchten Sie jedoch<br />

weder KDE noch Dolphin einsetzen,<br />

dann greifen Sie zu Davfs2<br />

([5], [6]) mit dem Sie entsprechende<br />

Ressourcen auf dem Client wie<br />

normale Dateisysteme einbinden.<br />

Nachdem Sie den WebDAV-Support<br />

mithilfe des Paketmanagers<br />

installiert haben, fügen Sie mittels<br />

des Kommandos usermod ‐aG<br />

davfs2 User der Gruppe davfs2 lokale<br />

Anwender hinzu. Diese dürfen<br />

dann entfernte WebDAV-Ressourcen<br />

einbinden.<br />

Jetzt fehlen noch Verzeichnisse<br />

für die Konfigurationsdateien<br />

(~/.davfs2) sowie die zu synchronisierenden<br />

Daten. Für Letztere<br />

schlagen die Entwickler den Namen<br />

owncloud vor, prinzipiell dürfen<br />

Sie den Namen aber frei wählen.<br />

Die Verzeichnisse erstellen<br />

Sie schnell mittels mkdir .davfs2<br />

owncloud auf der Kommandozeile.<br />

Anschließend hinterlegen Sie mit<br />

$ echo "http://Server/owncloud/rU<br />

emote.php/webdav/ User Passwort"U<br />

>> ~/.davfs2/secrets<br />

Nutzername <strong>und</strong> Passwort in einer<br />

Datei, die nur der jeweilige<br />

Benutzer lesen darf (chmod 600<br />

~/. davfs2/secrets). Nun binden Sie<br />

den Online-Speicher mittels<br />

$ sudo mount ‐t davfs ‐o rw httpU<br />

://Server/owncloud/remote.php/weU<br />

bdav/ ~/owncloud<br />

testweise ein (Abbildung H).<br />

Klappt das problemlos, erweitern<br />

Sie die Datei /etc/fstab für jeden<br />

lokalen Nutzer um die Zeile<br />

http://Server/owncloud/remote.phU<br />

p/webdav/ /home/User/owncloud daU<br />

vfs user,rw,noauto 0 0<br />

G Die in OwnCloud integrierte<br />

Suche gibt<br />

schon bei einer teilweisen<br />

Übereinstimmung<br />

mit der gesuchten<br />

Zeichenkette einen<br />

Treffer aus.<br />

H Einmal eingerichtet, erleichtert WebDAV die Arbeit mit OwnCloud.<br />

I Der aus dem OpenSuse-Umfeld<br />

stammende OwnCloud-Client Mirall<br />

übernimmt die Installation von Own-<br />

Cloud auf dem Webspace.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 75


netz&system<br />

OwnCloud 4<br />

J Schön <strong>und</strong> praktisch<br />

präsentiert sich die<br />

Kalender-Anwendung<br />

in OwnCloud.<br />

So genügt künftig ein mount ~/owncloud,<br />

um die Online-Festplatte<br />

einzubinden. Unterstützen der<br />

Server oder Webspace-Anbieter<br />

SSL-verschlüsselte Übertragungen,<br />

ersetzen Sie das http in der<br />

URL auf jeden Fall durch https.<br />

Möchten Sie allerdings von einem<br />

anderen Betriebssystem als<br />

Linux auf die Cloud zugreifen, gilt<br />

es, etwas Glück mitzubringen:<br />

Verschiedene Versuche, unter<br />

Windows 7 <strong>und</strong> Mac OS X 10.6.8<br />

via WebDAV auf die Daten zuzugreifen,<br />

schlugen im Test fehl.<br />

Client Mirall<br />

Ubuntu-One- <strong>und</strong> Dropbox-Nutzer<br />

fühlen sich anfangs unter<br />

Umständen mit OwnCloud nicht<br />

richtig wohl, weil ihnen ein Client<br />

<strong>und</strong> das Icon im System-Tray fehlen.<br />

Doch mit der zunehmenden<br />

Popularität der freien Cloud-Alternative<br />

entstanden bereits entsprechende<br />

Anwendungen.<br />

Die OpenSuse-Gemeinschaft<br />

hat mit dem auf Csync [7] basierenden<br />

Mirall [8] bereits einen<br />

Client entwickelt, der die Arbeit<br />

mit OwnCloud erheblich vereinfacht.<br />

Mit ihm erhalten Sie einen<br />

grafischen Helfer, der OwnCloud<br />

ins heimische System integriert<br />

<strong>und</strong> Apache entsprechend konfiguriert<br />

beziehungsweise Own-<br />

Cloud im Webspace installiert,<br />

ein Austauschverzeichnis anlegt<br />

<strong>und</strong> die Verbindung zu bestehenden<br />

OwnCloud-Instanzen herstellt<br />

(Abbildung I, vorige Seite).<br />

Das noch in einem frühen Stadium<br />

der Entwicklung befindliche<br />

Mirall findet sich noch nicht in<br />

den Repositories der großen Distributionen.<br />

Für OpenSuse, Cent-<br />

OS, Debian, Fedora <strong>und</strong> Ubuntu<br />

stehen aber Binärpakete des<br />

Clients bereit [9]. Nutzer anderer<br />

Distributionen setzen auf den<br />

OpenSuse Build Service oder greifen<br />

selbst zum Compiler.<br />

Mirall bringt jedoch einige Beschränkungen<br />

mit: Da das lokale<br />

Verzeichnis als Master fungiert,<br />

deaktiviert die Software beispielsweise<br />

die Synchronisation, sobald<br />

jemand von anderer Stelle Dateien<br />

in OwnCloud ablegt.<br />

Der auf Mirall basierende Own-<br />

Cloud-Client [10] für andere Distributionen<br />

legt in der Cloud ein<br />

neues Verzeichnis clientsync an,<br />

statt die bisherigen Datenbestände<br />

abzugleichen. Er bietet zusätzlich<br />

keine Möglichkeit, OwnCloud<br />

lokal oder entfernt zu installieren.<br />

PIM <strong>und</strong> Cloud<br />

Zu einer richtigen eigenen Cloud<br />

gehört mehr, als nur die Möglichkeit,<br />

Daten abzulegen. Es sollte<br />

auch möglich sein, Termine <strong>und</strong><br />

Kontakte – sogenannte PIM-Daten<br />

– über das Netz abzugleichen.<br />

Wie seine kommerziellen Pendants<br />

versteht sich OwnCloud darauf.<br />

Dazu setzt das System auf<br />

Sabredav, das unter anderem die<br />

Standards CalDAV <strong>und</strong> CardDAV<br />

implementiert.<br />

Das Ergebnis lässt sich hinter<br />

den Menüpunkten Kalender beziehungsweise<br />

Kontakte sehen. Die<br />

Funktionalität der gelungenen<br />

Oberfläche überzeugt bis auf Kleinigkeiten.<br />

Termine lassen sich für<br />

andere Personen <strong>und</strong> Gruppen<br />

freigeben beziehungsweise komplett<br />

veröffentlichen. Sie erschei-<br />

K Das Einrichten der<br />

Online-Ressourcen ist<br />

meist ein Kinderspiel,<br />

auch der Abgleich der<br />

Daten klappt – zumindest<br />

zum Teil.<br />

L Durch Eigenwilligkeiten erschwert OwnCloud den Abgleich von Kontakten.<br />

76 07 | 12<br />

www.linux-user.de


OwnCloud 4<br />

netz&system<br />

nen dann in den Kalendern der<br />

involvierten Personen, die aber<br />

nicht ohne Weiteres erkennen<br />

können, zu welchem Teilnehmer<br />

die Daten gehören.<br />

In kleinen Organisationen, deren<br />

Mitglieder jeweils mehreren<br />

Arbeitsgruppen angehören <strong>und</strong><br />

von der Funktion regen Gebrauch<br />

machen, geraten die Kalender daher<br />

relativ unübersichtlich, denn<br />

offenbar erlaubt es die Software<br />

nicht, derart geteilte Termine auszublenden.<br />

Geht es darum, einen Kalender<br />

zu teilen, verhält sich OwnCloud<br />

etwas verwirrend: Hier sehen Teilnehmer<br />

lediglich alle Termine,<br />

dürfen selbst aber keine Einträge<br />

in fremde Kalender vornehmen.<br />

Auch eine eigene, selbst gewählte<br />

Farbe lässt sich den fremden Kalendern<br />

nicht zuweisen.<br />

Im Web-Frontend selbst gibt es<br />

insgesamt wenig an den PIM-<br />

Funktionen auszusetzen (Abbildung<br />

J). Jedoch wären die Cloud-<br />

Daten ohne Synchronisation zu<br />

anderen Anwendungen <strong>und</strong> Geräten<br />

witzlos – <strong>und</strong> gerade da hapert<br />

es noch.<br />

Theoretisch müsste der Abgleich<br />

ganz unproblematisch erfolgen:<br />

Unter Einstellungen | Persönlich<br />

finden Sie die URLs für die Synchronisation<br />

(Listing 1). Diese geben<br />

Sie in der PIM-Suite des eigenen<br />

Vertrauens ein, also in Evolution,<br />

Kontact (Abbildung K) oder<br />

den entsprechenden Addons in<br />

Th<strong>und</strong>erbird wie Lightning <strong>und</strong><br />

Sogo-Connector. Danach sollten<br />

eigentlich sowohl die Termine als<br />

auch die Kontakte auf allen Geräten<br />

auf dem gleichen Stand sein.<br />

Was in der Theorie recht einfach<br />

klingt, bringt in der Praxis einige<br />

Probleme mit sich (Abbildung L).<br />

Zum Beispiel hat OwnCloud die<br />

Autoren dieses Textes in eine böse<br />

Falle gelockt: Der Login hängt<br />

Listing 1<br />

http://Server/owncloud/remote.<br />

php/caldav/<br />

http://Server/owncloud/remote.<br />

php/carddav/<br />

nämlich nicht von der<br />

Schreibweise ab – es<br />

spielt also keine Rolle,<br />

ob Sie den Benutzernamen<br />

groß oder klein<br />

schreiben. Beim Synchronisieren<br />

aber ist<br />

das ganz <strong>und</strong> gar nicht<br />

egal, <strong>und</strong> so scheiterten<br />

unzählige Versuche<br />

zum Abgleich.<br />

Letztendlich klappte<br />

es aber doch, zumindest<br />

zum Teil. Im Test<br />

glichen Evolution 3.2.3<br />

unter OpenSuse 12.1<br />

<strong>und</strong> Kontact 4.7.4 unter<br />

Linux Mint 12 Termine<br />

zuverlässig ab. Bei den Kontakten<br />

gestaltet sich die Arbeit etwas<br />

schwieriger: Der Abgleich<br />

wollte im Test nur unter der KDE-<br />

PIM-Suite Kontact gelingen – weder<br />

Evolution noch das auf der<br />

Apple-Plattform verbreitete Adressbuch<br />

ließen sich zur Zusammenarbeit<br />

überreden.<br />

Ton aus den Wolken<br />

Ein ganz ähnliches Bild liefert der<br />

Musik-Streamer ab. Integriert haben<br />

die Entwickler Ampache, das<br />

dafür sorgt, dass die in der Cloud<br />

gespeicherten Musikstücke über<br />

passende Clients immer <strong>und</strong> überall<br />

bereitstehen.<br />

Unter Linux empfehlen sich<br />

dazu die Programme Banshee,<br />

Rhythmbox <strong>und</strong> Amarok.<br />

Alle drei bieten<br />

über ein entsprechendes<br />

Plugin fürs Streaming<br />

die entsprechenden<br />

Möglichkeiten. Allerdings<br />

macht hier<br />

wieder die Diskrepanz<br />

zwischen Theorie <strong>und</strong><br />

Praxis dem Spaß ein<br />

Ende: Weder Banshee<br />

2.2.1 (unter<br />

OpenSuse 11.3) noch<br />

Rhythmbox 2.90.1<br />

(Mint 12) wollten sich<br />

mit OwnCloud verbinden<br />

(Abbildung M). Dabei<br />

war es egal, ob es<br />

die eigene Cloud war,<br />

die die Musik liefern sollte, oder<br />

die Testinstallation unter http://​<br />

de mo. ow nc lo ud. or g.<br />

Amarok 2.4.3 unter Mint 12 war<br />

dagegen binnen Sek<strong>und</strong>en bereit,<br />

die Musik abzuspielen (Abbildung<br />

N): Nur das Plugin aktivieren<br />

sowie URL <strong>und</strong> Zugangsdaten<br />

eingeben, schon geht es los. Positiv<br />

fiel im Test auf, dass das Amarok-Ampache-Plugin<br />

gleich mehrere<br />

Quellen akzeptiert.<br />

Ein kurzer Probelauf auf einem<br />

An droid-Smartphone verlief<br />

ebenfalls zwiespältig. Mit der App<br />

Just Player nebst Plugin Ampache<br />

Provider war der Musikgenuss<br />

nach nur ein paar Klicks<br />

möglich. Amdroid dagegen ließ<br />

sich weder zur Zusammenarbeit<br />

M Banshee lässt sich<br />

nicht zur Zusammenarbeit<br />

mit OwnCloud<br />

überreden.<br />

N Anders als Banshee<br />

versteht sich Amarok<br />

auf Anhieb mit der<br />

OwnCloud.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 77


netz&system<br />

OwnCloud 4<br />

O Mit dem Online-Editor<br />

bearbeiten Sie<br />

Textdateien in der<br />

Web-Oberfläche.<br />

P Escape im Online-<br />

Editor: etwas zu viel<br />

des Guten.<br />

mit dem Testsystem noch mit der<br />

Demo-Installation der Entwickler<br />

überzeugen.<br />

Der integrierte Player tut zu guter<br />

Letzt, wie ihm geheißen: Aus<br />

den hochgeladenen Dateien wählt<br />

er all jene aus, die Ton enthalten,<br />

<strong>und</strong> ordnet sie nach Interpret<br />

sortiert an. Einzelne Songs oder<br />

gesammelte Werke eines Interpreten<br />

fügen Sie über die kleine<br />

dreieckige Schaltfläche mit dem<br />

kleinen Plus-Zeichen hinter der<br />

Playliste hinzu.<br />

Ein Klick auf den Interpreten<br />

packt dessen Songs in die Liste<br />

<strong>und</strong> wirft alle bereits darin befindlichen<br />

wieder raus. Je nach<br />

Browser stehen Ihnen nur die<br />

Schaltfläche zum Abspielen, Pausieren<br />

sowie Vor- <strong>und</strong> Zurückspringen<br />

bereit oder die Möglichkeit,<br />

in der Zeitleiste innerhalb<br />

des Songs zu springen.<br />

Auffällig war, dass<br />

die Software nicht<br />

alle Musikdateien<br />

gleich gut einliest.<br />

Ein Stück mit gut<br />

einer St<strong>und</strong>e Länge<br />

zeigte der Player<br />

erst gar nicht an.<br />

Ein anderes Stück<br />

spielte zwar im<br />

Browser, aber nicht<br />

über die Clients.<br />

Selbst unter den<br />

verschiedenen<br />

Browsern gab es<br />

Unterschiede, je<br />

nach Betriebssystem/​Browser-<br />

Kombination funktionierte die<br />

Wiedergabe oder nicht.<br />

So spielten Firefox <strong>und</strong> Opera<br />

unter Linux die Stücke brav ab, in<br />

Firefox 12 unter Mac OS X 10.6.8<br />

war der Cloud jedoch kein Ton zu<br />

entlocken. Zudem stockte die<br />

Wiedergabe beim Wechsel in eine<br />

andere Funktion von OwnCloud<br />

immer wieder kurz, spielte nach<br />

dem Wechsel dann aber anstandslos<br />

weiter.<br />

Pimp my Cloud<br />

OwnCloud lässt sich über in PHP,<br />

HTML <strong>und</strong> Javascript geschriebene<br />

Programme um eigene Anwendungen<br />

erweitern. Hinweise <strong>und</strong><br />

Tipps r<strong>und</strong> um eigene Programme<br />

finden Sie unter [11], ein Verzeichnis<br />

mit einigen von Benutzern<br />

erstellten Erweiterungen unter<br />

[12]. Sie integrieren solche<br />

Anwendungen in<br />

OwnCloud, indem Sie<br />

sie in das Verzeichnis<br />

apps auf dem Server<br />

kopieren.<br />

Unter Einstellungen<br />

| Anwendungen<br />

sehen Sie die bereits<br />

installierten <strong>und</strong> aktiven<br />

Erweiterungen.<br />

Dazu zählen unter<br />

anderem ein einfacher<br />

Texteditor <strong>und</strong><br />

ein PDF-Viewer sowie<br />

ein Bildbetrachter.<br />

Um in den simplen,<br />

aber für kleinere Arbeiten<br />

vollkommen ausreichenden<br />

Editor zu wechseln, genügt<br />

ein Klick auf eine Textdatei. Über<br />

Schaltflächen speichern <strong>und</strong><br />

schließen Sie die Datei, steuern<br />

eine Zeile gezielt an oder suchen<br />

nach Textstellen. Die momentan<br />

zu bearbeitende Zeile hebt die<br />

Software farblich hervor <strong>und</strong><br />

blendet zusätzlich Zeilennummern<br />

ein (Abbildung O).<br />

Für mehrere Programmiersprachen<br />

(unter anderem PHP <strong>und</strong><br />

Python) steht ein Syntax-Highlighting<br />

bereit. Versuchen Sie jedoch<br />

Quellcode zu editieren, wartet<br />

OwnCloud mit unangenehmen<br />

Überraschungen auf, indem<br />

es Sonderzeichen wie etwa Gänsefüßchen<br />

in Entities umwandelt.<br />

An sich wäre daran nichts auszusetzen,<br />

wenn die Applikation es<br />

nicht bei jedem Abspeichern wiederholte<br />

(Abbildung P).<br />

Betrachter<br />

Der PDF-Viewer dagegen macht<br />

genau, was man von ihm erwartet<br />

– sowohl in Firefox unter Linux<br />

als auch in Safari auf Mac OS X.<br />

Er zeigt PDFs vernünftig an <strong>und</strong><br />

erlaubt gr<strong>und</strong>legende Funktionen<br />

info<br />

[1] Projektstart: http:// www. kdenews. org/​<br />

2010/ 01/ 24/ kde‐gears‐free‐cloud<br />

[2] OwnCloud: http:// owncloud. org<br />

[3] Installation: http:// owncloud. org/ support/​<br />

setup‐and‐installation/<br />

[4] Dolphin konfigurieren: http:// owncloud. org/​<br />

support/ webdav/ # Dolphin<br />

[5] Davfs2: http:// savannah. nongnu. org/​<br />

projects/ davfs2<br />

[6] Workshop Davfs2: Thomas Leichtenstern,<br />

„Massig Speicher“, LU 02/​2006, S. 78,<br />

http:// www. linux‐community. de/ 9795<br />

[7] Csync: http:// www. csync. org<br />

[8] Mirall: http:// en. opensuse. org/ Mirall<br />

[9] Mirall-Binaries herunterladen:<br />

http:// software. opensuse. org/ download/ p<br />

ackage? project=isv:ownCloud:devel&​<br />

package=owncloud‐client<br />

[10] OwnCloud-Client: http:// owncloud. org/​<br />

sync‐clients/<br />

[11] „OwnCloud: Writing Apps“: http:// owncloud.​<br />

org/ dev/ writing‐apps/<br />

[12] OwnCloud-Apps: http:// apps. owncloud. com<br />

78 07 | 12<br />

www.linux-user.de


OwnCloud 4<br />

netz&system<br />

wie Zoomen <strong>und</strong> den Aufruf der<br />

Druckfunktion des Browsers. Der<br />

Druck selbst klappt allerdings<br />

nicht ganz wie gewünscht: Statt<br />

das PDF in seiner ursprünglichen<br />

Form zu übergeben, erzeugt die<br />

Druckfunktion eine Mischung<br />

aus OwnCloud-Menü, Druckdialog<br />

<strong>und</strong> dem zu druckenden PDF<br />

(Abbildung Q).<br />

Der Bildbetrachter wiederum<br />

lief zeitweise auf Firefox unter<br />

Linux Mint 12 nicht. Zusätzlich<br />

luden die Bilder im Test nach dem<br />

Anklicken im Dateibrowser oft<br />

nicht vollständig. Lediglich ein<br />

kleiner Streifen des <strong>Vorschau</strong>bildes<br />

war dann zu sehen.<br />

Mit Safari 5.0.6 unter Mac OS X<br />

10.6.8 sowie Firefox 10.0.2 <strong>und</strong><br />

Opera 11.64 unter Debian<br />

„Squeeze“ machten wir ähnliche<br />

Erfahrungen. Der Opera zeigte<br />

immerhin noch Spuren der <strong>Vorschau</strong>bilder<br />

an, sodass ein Start<br />

des eigentlichen Betrachters möglich<br />

war (Abbildung R).<br />

Serverseitig verschlüsseln<br />

Mit der seit OwnCloud 4 bereitstehenden<br />

Encryption-App gelang<br />

den Entwicklern ein großer<br />

Schritt in Richtung serverseitige<br />

Sicherheit. Bisher unterstützte<br />

die Software lediglich das SSLverschlüsselte<br />

Übertragen der<br />

Daten. Wer die Dateien anschließend<br />

auch verschlüsselt speichern<br />

wollte, der musste sich im<br />

Vorfeld darum kümmern.<br />

Die neue Version macht das<br />

überflüssig. Sobald Sie die Encryption-App<br />

aktivieren, verschlüsselt<br />

OwnCloud alle ab diesem<br />

Zeitpunkt eintreffenden Dateien<br />

– egal, ob sie online erstellt,<br />

in ein gemountetes WebDAV-Verzeichnis<br />

kopiert oder klassisch<br />

hochgeladen wurden.<br />

Der eingesetzte Blowfish-Algorithmus<br />

erzeugt den Schlüssel<br />

aus Nutzernamen <strong>und</strong> Passwort.<br />

Solange niemand Letzteres errät,<br />

dürfte es schon erhebliche Motivation<br />

erfordern, die so in der<br />

OwnCloud liegenden Daten zu<br />

entschlüsseln.<br />

Manöverkritik<br />

Schnell fällt die vor<br />

Javascript strotzende<br />

Web-Oberfläche auf,<br />

die nach <strong>und</strong> nach immer<br />

langsamer arbeitet.<br />

Ganz klar ließ sich<br />

im Test nicht klären, ob<br />

es an der Oberfläche<br />

selbst oder an den Prozessen<br />

im Hintergr<strong>und</strong><br />

hakt. Eine erhöhte Systemlast<br />

trat jedenfalls<br />

nicht auf.<br />

Auch an der Funktionalität<br />

hapert es an der<br />

einen oder anderen<br />

Stelle. Dass die Software<br />

Dateien teilweise nicht<br />

löscht, teils leere Browser-Fenster<br />

präsentiert (etwa in Safari 5.0.6<br />

unter Mac OS X 10.5.8) <strong>und</strong> oft<br />

mit langen Seitenladezeiten<br />

nervt, passt nicht zu einem System<br />

mit hübscher grafischer Web-<br />

Oberfläche. Zudem bietet das<br />

Frontend keine Möglichkeit, die<br />

Dateien <strong>und</strong> Verzeichnisse nach<br />

Kriterien wie Größe, Datum oder<br />

Art zu sortieren.<br />

Für die Zusammenarbeit auf<br />

dem Webspace dagegen unerlässlich<br />

sind Angaben zum Besitzer<br />

einer Datei oder eines Verzeichnisses.<br />

Das i-Tüpfelchen wäre eine<br />

Historie, die aufzeigt, wann welcher<br />

Benutzer was geändert hat.<br />

Ein Unding für eine Software,<br />

die bereits die Versionsnummer 4<br />

trägt, ist die Tatsache,<br />

dass sich OwnCloud<br />

unter diversen Brow-<br />

ser/​Betriebssystem-<br />

Paarungen immer wieder<br />

anders verhält. Mal<br />

klappt es mit dieser<br />

Funktion nicht, mal<br />

streikt jene. Solche Unzuverlässigkeiten<br />

disqualifizieren<br />

die freie<br />

Cloud-Software als universellen<br />

Ersatz für den<br />

privaten <strong>und</strong> professionellen<br />

Einsatz – <strong>und</strong><br />

gerade Letzteres bewirbt<br />

OwnCloud im<br />

Moment sehr lautstark.<br />

Fazit<br />

Funktionen wie Kalender, Adressbuch<br />

<strong>und</strong> Media-Streaming-Server<br />

stehen bei OwnCloud auf den<br />

ersten Blick mit kommerziellen<br />

Lösungen auf einer Stufe. Ein separater<br />

Client muss nicht sein,<br />

Installation <strong>und</strong> Einsatz klappen<br />

ebenso wie der Betrieb im eigenen<br />

Webspace über Betriebssystemgrenzen<br />

hinweg. Zudem präsentiert<br />

sich das Cloud-System<br />

erfreulich benutzerfre<strong>und</strong>lich.<br />

Damit wäre OwnCloud nahezu<br />

der perfekte Ansatz, um private<br />

Daten in Eigenregie zu speichern<br />

<strong>und</strong> auszutauschen – aber eben<br />

nur nahezu, denn die genannten<br />

Schattenseiten trüben den Spaß<br />

im Umgang mit der freien Wolke<br />

derzeit noch enorm. (agr) n<br />

Q Zwar funktioniert<br />

der PDF-Viewer an<br />

sich recht gut, doch<br />

führt der Ausdruck zu<br />

einem recht merkwürdigen<br />

Ergebnis.<br />

R Opera ermöglichte<br />

auf den Spuren der<br />

<strong>Vorschau</strong>bilder einen<br />

Start des Betrachters.<br />

www.linux-user.de<br />

07 | 12 79


netz&system<br />

Grub2-Editor<br />

Den Bootmanager konfigurieren mit dem Grub2-Editor<br />

Neues Design<br />

© Zeafonso, sxc.hu<br />

Der Grub2-Editor<br />

integriert sich in<br />

die Systemeinstellungen<br />

von KDE<br />

<strong>und</strong> erlaubt dort<br />

das komfortable<br />

README<br />

<strong>und</strong> unkomplizierte<br />

Einrichten<br />

des Bootmenüs.<br />

Tim Schürmann<br />

Der Bootmanager<br />

Grub2 richtet sich vollautomatisch<br />

ein – zumindest,<br />

wenn es nach<br />

dem Willen der Entwickler<br />

geht. Unter KDE haben<br />

Sie mit dem Grub2-<br />

Editor dennoch die Möglichkeit,<br />

komfortabel an<br />

so mancher Schraube<br />

zu drehen.<br />

Mittlerweile nutzen fast alle Distributionen<br />

den Bootmanager<br />

Grub2. Seine Konfiguration regeln<br />

eine Handvoll Skripte, die nach<br />

der Installation sowie bei jedem<br />

Kernel-Update automatisch im<br />

Hintergr<strong>und</strong> starten, alle auf dem<br />

System installierten Be triebssysteme<br />

identifizieren <strong>und</strong> aus<br />

diesen Informationen schließlich<br />

ein Bootmenü zusammenstellen.<br />

Um das zu ändern, müssen Sie<br />

entweder in diese Prozedur eingreifen<br />

oder die kryptischen Konfigurationsdatei<br />

bearbeiten.<br />

Dass es zumindest unter KDE<br />

auch einfacher geht, beweist der<br />

Grieche Konstantinos Smanis:<br />

Sein Modul für die KDE-Systemeinstellungen<br />

erlaubt es, die Optik<br />

des Bootmenüs zu verändern,<br />

verwaiste Einträge zu entfernen<br />

<strong>und</strong> sogar einen defekten Grub2<br />

wiederherzustellen.<br />

Installation<br />

Das Grub2-Editor getaufte Werkzeug<br />

hat seinen ersten Geburtstag<br />

zwar schon hinter sich, findet<br />

sich aber trotzdem erst bei wenigen<br />

Distributionen in den Repositories.<br />

Erfreulicherweise gibt es<br />

auf KDE-Apps.org fertige Pakete<br />

für alle größeren Distributionen<br />

[1], darunter für Fedora,<br />

OpenSuse sowie Ubuntu.<br />

Folgen Sie dem Link Download<br />