26.02.2014 Aufrufe

LinuxUser Foto und Video (Vorschau)

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FOTO &

VIDEO

Fedora 17: Gnome-3-Desktop auch für ältere PCs S. 16

Defekte Links schnell aufspüren mit Linkchecker S. 61

Grep und Co.: Textsuche in Netzwerk und E-Mails S. 84

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Das Magazin für die Praxis

GRUB2-Editor • Timeline • TMUX • OWNCLOUD 4 • XFCE • FOTO & VIDEO

BILDER UND FILME AUFBEREITEN UND OPTIMAL IN SZENE SETZEN

foto und video

Die besten RAW-Konverter S. 46

Fünf Werkzeuge, mit denen Sie das Optimum

aus den digitalen Negativen herauskitzeln

Das digitale Fotostudio S. 24, 42

Flaue Bilder farblich aufpeppen mit Tintii,

die neuen Features von Gimp 2.8 ausreizen

Professionelle Tools für den Videoschnitt S. 28, 38

In Blender 2.6 mit Kamera-Tracking hollywoodreife Vorspänne rendern,

Videos schneiden und mit tollen Effekten aufwerten in Kdenlive 0.9

Sicherer Datenspeicher in der eigenen Wolke

Wie Sie Dateien, Kalender und Kontakte mit OwnCloud 4 auf dem

eigenen Server speichern und unkompliziert mit anderen teilen S. 72

Tmux S. 64

Konsolen-Tiling

in jedem Terminal

XFCE S. 58

Schlanker Desktop

von Hand optimiert

4 195111 005504 07

Perfekte Chronik

selbst gebaut S. 68

Ereignisse und Projekte

mit Timeline visualisieren

Bootkonfiguration

ohne Schrecken S. 80

Grub2-Editor: Systemstart

einfach maßgeschneidert

Durchs Web surfen ganz ohne Maus S. 54

Kompromisslos beim Rendern, komfortabel zu bedienen:

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editorial

Selbst ist der Pinguin

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Ende letzten Jahres schlug die

Diskussion um Microsofts Hardware-Vorgaben

zu Windows 8

hohe Wellen. Um das Windows-8-

Pickerl auf ihre Geräte kleben zu

können, sollten die PC-Hersteller

zwingend UEFI Secure Boot implementieren

und die Rechner entsprechend

voreingestellt ausliefern.

Dies hätte ohne weitere klare

Vorgaben bedeutet, dass jedes andere

Betriebssystem als Windows

8 auf einem neuen PC sich

nicht mehr hätte starten lassen.

Inzwischen hat Microsoft auf die

massive Kritik an diesen Vorgaben

reagiert und die Windows-8-Zertifizierung

modifiziert: So fordert

die jetzt gültige Spezifikation anders

als frühere Versionen [1] explizit,

dass der Benutzer sowohl

die Option haben muss, UEFI Secure

Boot zu deaktivieren, als auch

– im sogenannten Setup Mode –

eigene Schlüssel einzuspielen [2].

Microsoft schreibt den PC-Herstellern

also zwingend vor, dass

sie ihre Rechner auch für andere

Betriebssysteme offen zu halten

haben. Den Linux-Endanwender

entlastet dieses Prozedere von allen

Sorgen: Im Zweifelsfall deaktiviert

er einfach Secure Boot und

startet, was immer er will.

Fraglos ist UEFI Secure Boot

aber generell eine gute Idee, riegelt

das Verfahren doch ein potenzielles

Einfallstor ab, das anderenfalls

weiter offen stünde – auch

unter Linux. Allerdings müssen

die Spielregeln beim sicheren Booten

für alle Wettbewerber die gleichen

sein, und freie Software darf

sich in dieser lebenswichtigen

Hinsicht keinesfalls vom kommerziellen

Quasimonopolisten Microsoft

abhängig machen. In dieser

Frage fällt jetzt eine Organisation

der Linux-Gemeinschaft in den

Rücken, von der man das wohl am

allerwenigsten erwartet hätte: das

Fedora-Projekt. Der Red-Hat-Entwickler

Matt Garrett schlägt allen

Ernstes vor, Fedora ab dem Release

18 mit einem ausgerechnet

von Microsoft signierten Bootloader

auszustatten ([3],[4]).

Das begründet Garrett letztlich

damit, dass es organisatorisch

praktisch unmöglich und zu teuer

sei, einen einheitlichen Schlüssel

für Linux zu verwalten. Sich von

Microsoft die Dateien über deren

Sysdev-Portal signieren zu lassen,

sei mit einem Kostenpunkt von 99

US-Dollar die günstigste Lösung,

und das könnten ja auch die anderen

Distributionen so handhaben.

Selbst Nutzern, die den Kernel

selbst kompilieren wollen, stehe

dieser Weg offen. Einmal davon

abgesehen, dass es sich bei den

99 Dollar (die übrigens Verisign

als Schlüsselverwalter kassiert,

nicht Microsoft) laut Angabe der

Sysdev-Website um ein „zeitlich

beschränktes Angebot“ handelt

und die Signierung eigentlich

499 Dollar kostet: Garretts Behauptung,

es gäbe in der Linux-

Welt niemanden, der das Verwalten

eines globalen Schlüssels für

Linux übernehmen könne, ist geradezu

haarsträubend.

Es existiert bereits seit langem

eine zentrale, weltweite Linux-Organisation,

die als zwei ihrer Kernziele

„Protecting and Supporting

Linux Development“ und „Improving

Linux as a Technical Platform“

nennt und damit ideal für

diese Aufgabe prädestiniert erscheint.

Zudem nimmt die selbe

Organisation allein von ihren sieben

Hauptsponsoren jährlich

3,5 Millionen US-Dollar ein, dutzende

weitere namhafte Technologiefirmen

zahlen ebenfalls ein. Die

Rede ist natürlich von der Linux

Foundation [5], in der neben den

großen Linux-Distributoren Canonical,

Suse und Red Hat unter anderem

auch Industriegiganten wie

Dell, Fujitsu, IBM, HP, NEC, Samsung

und Toshiba Mitglied sind.

Hier sitzt also alles unter einem

Dach, was man braucht, um einen

für die Linux-Welt einheitlichen

Boot-Schlüssel zu erstellen, zu

verwalten und sogar gebrauchsfertig

direkt in die Firmware der

Rechner integriert auszuliefern.

Eine einheitliche, von der Linux

Foundation bereitgestellte Zertifizierungsstelle

würde nicht nur mit

einem Schlag eine ganze Reihe

technischer Probleme beseitigen,

sondern gleichzeitig auch vermeiden,

dass Linux künftig nur noch

von Microsofts Gnaden bootet –

und auf Letzteres wollen wir uns

doch wohl kaum verlassen, oder?

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

[1] Microsoft-Vorgaben: http:// msdn. microsoft. com/ en‐us/ library/ windows/​

hardware/ jj128256

[2] Editorial 12/​2011: Jörg Luther, „Schlüssel-Frage“, LU 12/​2011, S. 3,

http:// www. linux‐community. de/ 24547

[3] Fedora 18 und UEFI Secure Boot: http:// www. linux‐magazin. de/ NEWS/

So‐soll‐Fedora‐18‐Secure‐Boot‐und‐UEFI‐meistern

[4] Blogeintrag von Matt Garrett: http:// mjg59. dreamwidth. org/ 12368. html

[5] Linux Foundation: http:// www. linuxfoundation. org

info

www.linux-user.de 07 | 12

3


07 | 12

84

Ob Mails, Git-Repositories

oder Prozesslisten –

die se Grep-Varianten

suchen zuverlässig nach Treffern.

72

Alles in die Cloud? Für den sicherheitsbewussten

Anwender ein Albtraum,

da niemand weiß, wer die

Daten sieht. Die eigene Wolke mit OwnCloud 4

verspricht da einen Ausweg. Ein ausführlicher

Praxistest beleuchtet den Newcomer und deckt

zum Teil gravierende Schwächen auf.

58

Eine ausgewogene Mischung aus

Funktion und Minimalismus

macht XFCE zu einer guten Wahl

für einen schlanken Desktop. Dabei brauchen

Sie jedoch nicht auf viele der liebgewonnenen

Features großer Umgebungen zu verzichten.

Heft-DVD

Aktuelles

Schwerpunkt

4M Linux................ 6

Das superschlanke 4M Linux

bietet bei minimalem Platzbedarf

maßgeschneiderte Software für

jeweils fest umrissene Aufgaben.

ROSA Linux .. . . . . . . . . . . . . 8

Parallel zum Community-Fork

Mageia legt jetzt auch das russische

ROSA Lab eine auf Mandriva

basierende Distribution vor.

Mageia 2................ 12

Das zweite Release des Mandriva-

Forks überzeugt mit einem stabilen

System und der perfekten

Integration des KDE-4-Desktops.

Fedora 17............... 16

Mit Fedora 17 unterstreicht die

Community-Distribution ihren

professionellen Anspruch. Nur

hier und da trübt ein kleiner Makel

den guten Gesamteindruck.

68Um Ereignisse chronologisch

zu ordnen, eignet sich

ein Zeitstrahl am besten. Mit

dem Python-Programm Timeline erstellen

Sie eine solche Übersicht mit wenigen Klicks.

Angetestet.............. 20

Dagri 0.5 verwaltet Daten in

einer tabellarischen Gitterstruktur,

die komfortable Oberfläche

Dargui 0.6 erleichert das Backup

mit Dar, Gnac 0.2.4.1 konvertiert

Audio-Dateien im großen Stil,

Tunnelmanager 0.7.5 behält SSH-

Verbindungen fest im Griff

Neues rund um Linux..... 22

Neues Chromebook und Chromebox

mit Google Chrome OS, freie

Software Sigrok für die Logikanalyse,

Equinox-Desktop 2.0

freigegeben, Linux Mint 13 mit

Long-Term-Support, Fedora –

Kugel kuh folgt Rinderwunder,

Knoppix 7.0.2, Piwik 1.8, Powertop

2.0, Linuxtag 2012

Gimp 2.8................ 24

Zwar haben die Entwickler nicht

alle für die lange erwartete Version

gesetzten Ziele erreicht, aber

die Neuerungen des aktuellen Releases

beeindrucken trotzdem.

Blender 2.6 .. . . . . . . . . . . . 28

Dank der neuen Funktionen zum

Kamera-Tracking schließt Blender

wieder ein Stück zu kommerziellen

Profi-Renderern auf und

ermöglicht das Erstellen hollywoodreifer

Video-Vorspänne.

Kdenlive 0.9............. 38

Mit einem gelungenen Mix aus

pfiffigen Funktionen und einem

intuitiven Interface spricht die

Videoschnittsoftware vor allem

semiprofessionelle Nutzer an.

Tintii.. . . . . . . . . . . . . . . . . . 42

Mit Tintii geben Sie Fotos durch

gezielte Farbkontraste schnell

eine komplett andere Stimmung

oder machen aus flauen Aufnahmen

farbgewaltige Kunstwerke.

RAW-Konverter......... 46

Fünf Programme zeigen im Praxistest,

welche Möglichkeiten Sie

unter Linux beim Entwickeln der

digitalen Negative haben und wo

die Grenzen liegen.

4

07 | 12


Heft-DVDs

Auf den Heft-DVDs dieser Ausgabe befindet

sich ausschließlich Anwendungssoftware.

Die Datenträger enthalten keine jugendgefährdenden

Inhalte.

24

Unser Schwerpunkt

stellt die besten Tools

für das Bearbeiten von Videos und Fotos vor. Wir zeigen,

wie Sie mit Kdenlive Filme schneiden, mit Blender Objekte in Videos einbetten

oder mit Gimp 2.8 und Tintii Bilder professionell bearbeiten. Ein

Ver gleichs test hilft bei der Wahl der richtigen RAW-Software.

Auf der Heft-DVD:

Als erklärter Spezialist

bringt 4M Linux nur das

Nötigste für klar definierte

Einsatzgebiete mit. Alles

andere installieren Sie später

problemlos nach. (S. 6)

Praxis

Xxxterm.. . . . . . . . . . . . . . . 54

Dank Xxxterm, dem Browser für

Tastatur-Fans, gibt es keinen

Grund mehr, zum Surfen die

Maus herumzuschubsen.

XFCE-Workshop .. . . . . . . . 58

Er gilt zwar als spartanisch, doch

kann XFCE mit ausgewachsenen

Desktops wie Gnome oder KDE

durchaus mithalten. Die aktuelle

Version 4.10 hält zudem interessante

neue Features bereit.

Linkchecker............ 61

Manche Domains sterben einen

leisen Tod – zurück bleiben verwaiste

Links, die dorthin zeigen.

Mit Linkchecker identifizieren

Sie solche digitalen Sackgassen in

Ihrer Webpräsenz.

Tmux. ................. 64

Mit dem Multiplexer Tmux verpassen

Sie einem einfachen Terminal

Fähigkeiten, die an einen

Windowmanager heranreichen.

Timeline................ 68

Timeline erlaubt Ihnen, mit wenigen

Handgriffen einen übersichtlichen

Zeitstrahl zu entwerfen.

Netz&System

OwnCloud 4 .. . . . . . . . . . . . 72

Statt private Daten in die Hände

kommerzieller Anbieter zu geben,

setzen Sie mit OwnCloud eine

eigene Wolke auf, in der Sie Daten

speichern und mit anderen teilen.

Grub2-Editor............ 80

Der Grub2-Editor integriert sich

in die Systemeinstellungen von

KDE und erlaubt dort das komfortable

und unkomplizierte Einrichten

des Bootmenüs.

Know-how

Grep-Varianten.. . . . . . . . . 84

Wer Grep kennt, der findet alles.

Wer obendrein die Spezialvarianten

des Tools beherrscht, findet

das Gesuchte auch an sonst unzugänglichen

Orten.

Service

Editorial................. 3

IT-Profimarkt ........... 90

Events/Inserenten .. . . . . . 94

Impressum............. 95

Vorschau 08/2012........ 96

Heft-DVD-Inhalt .. . . . . . . . 97

Das russische Unternehmen

ROSA Labs legt mit ROSA

Marathon 2012 EE ein Mandriva-Derivat

fürs Unternehmensumfeld

vor. Ab

Seite 8 lesen Sie, ob der

erste Versuch gelungen ist.

Mit der aktuellen Version

Fedora 17 unterstreicht

die Community-Distribution

von

Red Hat einmal

mehr ihren professionellen

Anspruch

– trotz des drolligen

Codenamens „Beefy

Miracle“. Mehr dazu

lesen Sie ab Seite 16.

Hat der Community-Fork

von Mandriva das Zeug

zur eigenständigen Distribution?

Mit Mageia 2

stellt sich der zweite Release

den kritischen Augen

der Tester (Seite 12).

LinuxUser DVD-Edition

Hinweis: Haben Sie die DVD-Edition dieser Ausgabe erworben,

finden Sie ab Seite 97 wei tere Informationen zu

den Programmen auf den beiden Datenträgern. Haben Sie

dagegen die güns tigere No-Media-Ausgabe erstanden,

enthält dieses Heft keine Datenträger.

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12 | 10 5


heft-dvd

4M Linux

Spezialist nicht nur

für alte Rechner: 4M Linux

Zweckdienlich

4M Linux eignet sich zwar nicht als Allrounder,

bietet aber bei minimalem Platzbedarf

maßgeschneiderte Software für

fest umrissene Aufgaben. Erik Bärwaldt

4M Linux 3.2

All-in-One-Edition

bootfähig und als ISO

auf Heft-DVD

README

4M Linux ist eine noch

recht junge Distribution

für ältere Computer, die

bewusst nicht als Allrounder

ausgelegt ist.

Wir zeigen, wofür sich

das System eignet.

Kleine Distributionen für unterschiedliche

Zwecke gibt es viele.

4M Linux (http:// 4mlinux. com)

bringt jedoch das Kunststück fertig,

den Anwender mit einem lediglich

rund 100 MByte großen

ISO-Image für gleich vier Szenarien

zu rüsten. Das System fokussiert

dabei auf die vier Ms Maintenance

(Wartung), Mini-Server,

Multimedia und Mystery, was

sich auf Spiele bezieht.

Neben der All-in-One-Edition,

die alle vier Bereiche abdeckt,

existieren gesonderte Varianten

mit jeweils einem Schwerpunkt.

Alle stehen zum Download auf

der Website des Projektes bereit.

Im Gegensatz zu vielen anderen

kompakten Distributionen benötigt

4M Linux relativ anspruchsvolle

Hardware: So nennen die

Entwickler als Minimum für den

Live-Einsatz der Variante All-in-

One 512 MByte RAM, die Installation

erfordert mindestens

1 GByte freien Festplattenspeicher.

Trotz dieser insbesondere

für ältere Computersysteme hohen

Hardware-Anforderungen

bietet 4M Linux keine aufgeblähte

Oberfläche: Das System startet

im Live-Betrieb nach dem Konfigurieren

eines neuen Root-Passwortes

im Textmodus.

Möchten Sie lieber auf einer grafischen

Oberfläche arbeiten, aktivieren

Sie nach dem Anmelden

in der Konsole mit dem Befehl

startx den wieselflinken Desktop

JWM. Ihn ergänzen ein oben mittig

angeordnetes, animiertes

Dock mit den wichtigsten Applikationen

sowie ein Panel mit einigen

Schaltflächen zur Navigation

am unteren Bildschirmrand.

Je nach vorhandener Hardware

finden Sie zudem den Systemmonitor

Conky rechts oben auf der

Oberfläche, der die wichtigsten

Hardware-Parameter in aussagekräftigen

Werten anzeigt, wie

etwa die Auslastung von Arbeitsspeicher

und CPU sowie – sofern

vorhanden – die Aktivität im

Netzwerk. Die Applikationsmenüs

erreichen Sie wie üblich

durch einen Klick auf den Starter

links unten.

Hier fällt sofort auf, dass sich

4M Linux nicht an die gängigen

Konventionen hält: Ein Untermenü

Office finden Sie ebenso

wenig, wie die üblichen Ordner

Grafik, Entwicklung oder Dokumentation.

Stattdessen orientiert

sich das System an den vorgesehenen

Arbeitsschwerpunkten.

Hinzu kommen noch die Untermenüs

Internet, 4MLinux und

Wine. Dabei verzweigen alle mehrere

Ebenen nach unten, sodass

die Suche nach einer bestimmten

Applikation gelegentlich etwas

aufwendiger ausfällt.

Im Hauptmenü findet sich ein

einzelner Eintrag LibreOffice, der

ebenso wie die beiden im Untermenü

Internet aufgeführten Einträge

Opera und Firefox nicht

etwa die erwartete Software starten:

Die Menüpunkte verzweigen

in ein Terminal, in dem das System

den Download der jeweils

neuesten Version des jeweiligen

Programms anbietet. Die fraglichen

Anwendungen stehen nur

bereit, wenn Sie den Netzzugang

korrekt konfiguriert haben.

Schwerpunkte

Das Menü Mystery beinhaltet

eine stattliche Anzahl Spiele, die

meist älterer Natur sind und geringe

Hardware-Anforderungen

stellen. Dazu zählen teils 30 Jahre

alte Schätzchen, die nur mithilfe

einer DOS-Emulation arbeiten.

Das bedeutet jedoch beileibe

nicht, dass beim Spielen Langeweile

aufkäme.

Die Games starten meist im

Vollbildmodus. Einige benutzen

Emulationen alter Grafikstandards

wie EGA oder VGA, sodass

6 07 | 12

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4M Linux

heft-dvd

die Anzeige im Terminal nicht

ausreichen würde, um die Übersicht

zu behalten.

Die Multimedia-Applikationen

reichen – sinnvoll gruppiert –

weit über das Betrachten von Video-DVDs,

Filmsequenzen oder

das Abspielen von Audiodateien

hinaus. Im gleichnamigen Untermenü

finden sich auch Programme,

die in gewissem Umfang das

Bearbeiten vorhandener Datenbestände

erlauben. Die All-in-One-

Variante von 4M Linux enthält

überraschenderweise keine Tools

zum Bearbeiten von Bildern.

4M Linux liefert insgesamt fünf

Mini-Server und Clients mit, die

Sie direkt aktivieren und beim

Auftreten von Problemen durch

vorkonfigurierte Testroutinen auf

ihr korrektes Funktionieren hin

überprüfen. Neben Servern für

FTP und HTTP finden sich auch

solche für SSH, SFTP und Telnet

im Angebot. Dabei kommt für die

einzelnen Dienste Standardsoftware

zum Einsatz, wie Busybox,

OpenSSH, Putty oder Dropbear.

Surfen im Web

Eine Ausnahme bildet der Webbrowser

Links, der zwar rasend

schnell zu Werke geht, jedoch

nicht alle Standards komplett unterstützt

und sich daher für den

Einsatz im Internet nur bedingt

eignet. Möchten Sie sich aufwendig

gestaltete Webseiten ansehen,

so empfiehlt sich die Installation

von Firefox oder Opera, die Sie

bei Bedarf zusätzlich mit den entsprechenden

Plugins erweitern.

4M Linux bringt im Maintenance-Bereich

eine ganze Reihe

von Programmen zur plattformübergreifenden

Wartung von Systemen

mit. Dazu gehören neben

Treibern für unterschiedlichste

Dateisysteme vor allem Tools

zum Rekonstruieren versehentlich

gelöschter Dateien, primär

die beiden pfiffigen Programme

Testdisk und PhotoRec.

Mit dem unter Linux weitverbreiteten

Midnight Commander,

der sich optisch eng an den aus

der DOS-Welt her bekannten

Norton Commander

anlehnt, findet

sich zudem ein leistungsfähiger

und schneller Dateimanager.

Systemmanagement

Die Distribution geht in

Sachen Systemmanagement

eigene Wege: Grafische

Oberflächen zum

Ins tallieren von Software

im Stil von YaST oder

Synaptic suchen Sie hier

vergebens. Die Distribution

verfügt zudem über

kein eigenes Paketformat.

Das bedeutet, dass Sie Programme

entweder aus dem Quelltext

oder – wie bei LibreOffice und

Firefox – aus entsprechenden

Skripten heraus ins System integrieren

müssen. Mithilfe von Wine

gelingt es jedoch aus dem Stand,

Windows-Software zu nutzen.

Management-Tools, die bei den

Mainstream-Distributionen zum

Standardumfang gehören, fehlen

bei 4M Linux ebenfalls gänzlich.

Daher eignet sich das System

eher für fortgeschrittene Anwender,

die mit der Kommandozeile

vertraut sind.

Falls die in der All-in-One-Edition

vorhandenen Programme für

Ihre Zwecke nicht ausreichen, so

haben Sie die Möglichkeit, auf der

Website des Projektes spezielle

Varianten des Betriebssystems

herunterzuladen, die die Entwickler

jeweils nur für einen der vier

Bereiche zusammengestellt haben

und die daher zusätzliche

Software beinhalten.

Immerhin bietet das Menü

4MLinux eine Routine zum dauerhaften

Installieren des Systems

auf der Festplatte. Am gleichen

Ort finden sich zusätzlich einige

Texte, die bei der Installation und

beim Betrieb helfen (Abbildung

A).

Anlass zur Kritik bietet die insbesondere

bei Grafikkarten

schlechte Auswahl an Treibern:

Auf modernen Rechnern, die teilweise

die VESA-Standards nicht

mehr korrekt unterstützen,

kommt die grafische Oberfläche

mangels passender Module oft

gar nicht hoch. Auf älteren Systemen

läuft das System mit einer

niedrig eingestellten Farbtiefe.

Hier empfiehlt es sich, den X-Server

mit startx ‐‐ ‐bpp 16 oder

startx ‐‐ ‐bpp 32 zu aktivieren.

Die Konfiguration des Internetzugangs

bereitet in einigen Fällen

Probleme, wenn Sie mithilfe von

WLAN ins Netz gehen. Im Test

gelang es bei einigen Chipsätzen

von Atheros nicht, eine Verbindung

aufzubauen. Intel-Chipsätze

dagegen unterstützt das System

recht gut. Die bewährte kabelgebundene

Konfiguration mithilfe

eines DHCP-Servers gelang im

Test problemlos.

Fazit

Im Kurztest überzeugte 4M Linux

trotz der genannten Schwächen

in seinen jeweiligen Schwerpunkten

durchaus. Das System arbeitet

stabil und wieselflink – wer

einfachere multimediale Aufgaben

bewältigen oder auch ältere

Spiele weiterhin nutzen möchte,

liegt damit genau richtig.

4M Linux spielt seine Stärken

vor allem auf älteren Systemen

aus und erfreut dort das Auge des

Anwenders mit einigen optischen

Schmankerln, für die ansonsten

deutlich leistungsfähigere Hardware

nötig wäre. (agr) n

A Eine Hilfeseite und

eine FAQ-Seite erläutern

die Grundfunktionen

des Systems.

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07 | 12 7


heft-dvd

ROSA Marathon 2012

Mandriva-Derivat ROSA Marathon 2012 EE im Test

Zweischneidig

Nach dem Fork

Mageia ist jetzt

auch vom russischen

Hauptanteilseigner

ROSA

Lab eine auf Mandriva

basierende

eigene Distribution

erschienen.

Erik Bärwaldt

ROSA Marathon 2012 EE

bootfähig (32 Bit)

und als ISO (64 Bit)

auf Heft-DVD

README

Mit ROSA Marathon

2012 möchte die russische

Software schmiede

eine Distribution für

Unternehmenskunden

etablieren. Ob das neue

Derivat in dieser Hinsicht

gute Dienste leistet,

zeigt der Test.

Mandriva gehörte

einst zur Top-Liga

der Distributionen:

einsteigerfreundlich,

aktuell und mit ausgezeichneter

Community-Basis.

In

den letzten Jahren

machte das gleichnamige

Unternehmen

aber fast ausschließlich

durch finanzielle

Turbulenzen

von sich reden.

Durch die Unsicherheit

über die Zukunft

verkleinerte

sich die Anwenderbasis

währenddessen

zusehends.

Weitere Rückschläge

musste das Unternehmen

Mandriva mit der misslungenen

Neuauflage des Betriebssystems

im Jahr 2011 hinnehmen, hinzu

kam die Uneinigkeit der führenden

Anteilseigner über den künftigen

Unternehmenskurs. Doch

neuerdings kommt Bewegung in

das Mandriva-Universum: Neben

dem 2011 eingeführten Fork Mageia

(siehe Artikel in dieser Ausgabe)

hat nun das russische

ROSA Lab, das wie Mandriva zu

den „Schäfchen“ des Großinvestoren

Townarea Ltd. zählt, ein eigenes

Derivat mit dem Namen

ROSA Desktop Marathon 2012

auf die Beine gestellt.

Zielgruppe

Anders als Mandriva 2011 und

dessen Vorgänger legt ROSA Marathon

den Fokus eindeutig auf

Anwender im Unternehmen [1].

Der Name des Systems symbolisiert

diese Entscheidung: ROSA

Lab sichert den Nutzern des Marathon-Desktops

einen Supportzeitraum

von fünf Jahren zu. Zudem

weist der Hersteller auf seiner

Website explizit darauf hin,

dass er die Auswahl der Software

an die Bedürfnisse der Zielgruppe

angepasst hat, sodass diese keine

mit Gimmicks überfrachteten

Menüs zu erwarten hätte [2].

Anders als Mandriva 2011 verliert

der ROSA-Desktop nicht

jene Anwender aus den Augen,

die mit älterer Hardware arbeiten:

Neben der Hauptversion mit

KDE 4, wie es auch in Mandriva

2011 zum Einsatz kommt, befindet

sich eine Marathon-Variante

mit dem schlanken LXDE-Desktop

in Arbeit. Sie soll aufgrund

der geringen Ansprüche an die

Hardware auch auf älteren Systemen

eine ansehnliche Performance

erzielen [3].

Los geht’s

ROSA Marathon 2012 kommt als

jeweils knapp 1,5 GByte großes

ISO-Image für 32- und 64-Bit-

Systeme. Beide gestatten sowohl

den Live-Betrieb als auch die sofortige

Installation auf der Festplatte

aus dem Grub-Menü heraus.

Überdies liefert das Unternehmen

die Distribution in einer

Free- und einer Extended-Variante

aus, wobei die erweiterte Version

unfreie Software enthält, wie

etwa Videocodecs [4].

Wenig Freude macht die Distribution

in der KDE-Variante auf

untermotorisierten Systemen:

Auf einem älteren Testsystem mit

lediglich 512 MByte Arbeitsspeicher

dauerte der Start im Live-

Betrieb nahezu eine geschlagene

Viertelstunde, bis der Desktop

aufgebaut war. Auf einer modernen

Maschine ging die Live-Variante

zügig und ohne jegliche

Probleme an die Arbeit.

Für Mandriva-Kundige gibt es

wenig Überraschungen: Die Tools

zum Lokalisieren stammen aus

den früheren Versionen der französisch-brasilianischen

Distribution,

sodass sie keinerlei Umgewöhnen

erfordern. Nach kurzer

8 07 | 12

www.linux-user.de


ROSA Marathon 2012

heft-dvd

Startzeit begrüßt ROSA Marathon

den Nutzer mit einem aufgeräumten

KDE4-Desktop.

Bereits im Test der Live-Variante

fiel auf, dass der Hersteller einige

grobe Schwächen von Mandriva

2011 offensichtlich behoben

hat, wie das teils fehlerhafte

Ansteuern des Bildschirms oder

die problematische Einstellung

der Audio-Hardware. Der Desktop

arbeitete selbst auf einem unter

Linux oft widerborstigen Testsystem

mit ATI-HD3470-Grafikkarten

unauffällig und flüssig.

Ein erster Blick in die Menüs

zeigt, dass die russischen Entwickler

das System deutlich entschlackt

haben: Insbesondere in

den Gruppen Grafik und Unterhaltungsmedien

herrscht im Vergleich

zu anderen KDE-basierten

Distributionen geradezu gähnende

Leere. Spiele finden Sie bei

ROSA Marathon ebensowenig wie

das von Mandriva her bekannte

Menü Dokumentation mit unterschiedlichen

Anleitungen.

Ansonsten gibt sich das russische

Mandriva-Derivat in Sachen

Aktualität keine Blöße: Unter der

Haube werkelt ein Kernel 3.0.28.

Die Applikationen befinden sich

auf einem aktuellen Stand: So

bringt das System unter anderem

LibreOffice 3.4.5, Firefox und

Thunderbird 10.0.2, den Bildbetrachter

Gwenview 2.8.2 und den

Dateimanager Dolphin 2.0 mit.

Mit der Unterstützung aktueller

Technologien wie Nvidias Optimus

oder Chipsätzen der neuesten

Intel-Generationen sorgen die

Entwickler dafür, dass die LTS-

Distribution deren Möglichkeiten

optimal ausnutzt. Ausgerechnet

einige im Unternehmensumfeld

wichtige Programme fehlen jedoch:

So findet sich weder ein

richtiges Bildbearbeitungsprogramm

noch Software zum Verwalten

von Projekten, und Terminkalender

sowie Newsfeed-

Reader fehlen ebenso.

Dem Bedienkonzept von KDE

folgend, präsentiert ROSA Marathon

– eine entsprechend leistungsfähige

Grafikkarte vorausgesetzt


selbst in der

Live-Variante

diverse optische

Gimmicks,

die beispielsweise

Schatten generieren

oder den Hintergrund des

Desktops verdunkeln, sobald eine

Applikation eine Eingabe in einem

Fenster erwartet.

Allerdings sind die KDE-spezifischen

Fenster in sehr unergonomischen,

dunklen und wenig kontrastreichen

Farben gehalten. Das

erschwert das Bedienen des Systems

insbesondere bei ungünstigen

Lichtverhältnissen teils recht

stark (Abbildung A).

Installation

Die Installation der neuen Linux-

Distribution auf der Festplatte

gestaltete sich im Test weit weniger

bequem als der Live-Betrieb.

Mit einer unangenehmen Überraschung

wartete ROSA Marathon

gleich auf dem ersten Testgerät

auf, einem Lenovo Thinkpad

R500. Nach einer vermeintlich erfolgreichen

Installation startete

die Distribution beim ersten

Hochfahren in einen verzerrten,

unleserlichen Bildschirm, was das

System unbenutzbar machte.

Der Versuch, über verschiedene

Boot-Parameter die Situation zu

verbessern, scheiterte. Dieser

schwere Fehler trat auf einem

baugleichen System in noch gravierenderer

Form bereits im Test

von Mandriva 2011 auf. Mageia 1

hingegen zeigte auf dem gleichen

Gerät keinerlei Auffälligkeiten.

Da es sich bei der in diesen Notebooks

eingesetzten Grafikkarte

Radeon HD3470 beileibe nicht

um einen Exoten handelt, besteht

bei der Integration der Treiber

Verbesserungsbedarf.

Beim Einrichten des WLAN-Zugangs

zeigte ROSA Marathon die

gleichen Probleme wie Mandriva

2011, sodass der drahtlose Zugang

ins Internet nur sehr holprig

gelang: Das System erkannte die

erreichbaren Netzwerke erst nach

mehrfachem Betätigen des entsprechenden

Schalters am Notebook,

und mehrfach unterbrach

das Fenster des KWallet-Managers

das Einrichten des Zugangs.

Auf einem parallel installierten

Thinkpad T60 mit anderer Hardware

zeigten sich bei der Inbetriebnahme

des WLANs die gleichen

Phänomene. Unverständlicherweise

hat ROSA Lab die im

alten Mandriva-Kontrollzentrum

noch vorhandene zentrale Möglichkeit

zum Einstellen alle Netzwerkschnittstellen

entfernt.

Auch viele andere über Jahre

hinweg gepflegte, stabil arbeitende

und selbst für Linux-unerfahrene

Einsteiger leicht zu erlernende

Management-Tools aus dem

Mandriva-Kontrollzentrum fielen

dem Streichkonzert der Entwickler

zum Opfer (Abbildung B und

Abbildung C, folgende Seite)

Software-Fundus

Die Software-Verwaltung funktioniert

immer noch mithilfe des

Kontrollzentrums und nicht über

ein anderes Tool. Damit installieren

unter ROSA Marathon erfahrene

Anwender wie Einsteiger auf

einfachem Weg gewünschte Applikationen.

Als einziges Manko

der neuen russischen Distribution

erweisen sich in diesem Kontext

die bislang noch recht übersichtlichen

Repositories, in denen

weniger Programme bereitstehen

als beim Platzhirsch Mandriva.

Bei Drittanbietern wie MIB oder

PLF stehen ebenfalls keine eigenen

Repositories für ROSA Marathon

bereit. Das betrifft insbe-

A Schwarz auf

Schwarz: Wo befindet

sich auf der rechten

Seite der Balken zum

Scrollen?

www.linux-user.de

07 | 12 9


heft-dvd

ROSA Marathon 2012

B Unter Mandriva erledigten

Sie die Konfiguration

des Netzwerks

zentral an einer

Glossar

Stelle, …

SAS: Serial Attached

SCSI. Nachfolger von

Ultra-320-SCSI, mit einer

seriellen Schnittstelle,

der sich weitgehend

kompatibel zu

S-ATA verhält.

C … doch ROSA Marathon

hat an dieser

Stelle zum Nachteil

des Anwenders das

Messer angesetzt.

sondere patentbehaftete oder

lizenzrechtlich eingeschränkte

Software. Immerhin haben die

Entwickler PLF-Pakete in die Repositories

übernommen.

Gemächlich

In Sachen Performance haben die

Entwickler von ROSA Marathon

an verschiedenen Schrauben gedreht.

Während das Vorbild Mandriva

2011 auch auf neuesten

Desktop-Rechnern oder High-

End-Workstations teilweise unerträglich

langsam zu Werke ging

[5], erlaubt der Enterprise-Desktop

des russischen Derivats ein

flüssiges Arbeiten.

Allerdings zeigen sich beim

Start vieler Applikationen – insbesondere

solcher Boliden wie

LibreOffice, Firefox oder Thunderbird

– selbst auf schnellen

Rechnern mit Zweikern-Prozessoren

und modernen Massenspeichern

deutliche Hänger. Im direkten

Vergleich mit mehreren Mandriva-Derivaten

fällt auf, dass

speziell Mageia und Unity Linux

deutlich agiler wirken.

Indexe und Zeitleisten

Mit Nepomuk und Timeframe

halten auch in ROSA Marathon

zwei Technologien Einzug, deren

Sinn sich insbesondere für Unternehmensanwender

nicht erschließt.

Nepomuk indiziert Datenbestände

und erlaubt eine rasche

Suche nach einzelnen Daten.

Timeframe bildet hingegen eine

grafische Zeitleiste ab, die auf Nepomuk

basiert und die Arbeit mit

den Daten in chronologischer

Reihenfolge dokumentiert.

Das entsprechende Indexieren

der Datenbestände erfordert jedoch

enorme Rechenkraft. Herkömmliche

Festplatten benötigen

hierzu je nach Größe der Datenbestände

längere Zeit, sodass sich

die Arbeit auf einem System

selbst bei schneller CPU und großem

Arbeitsspeicher deutlich verlangsamt.

Selbst auf Rechnern

mit sehr schnellen SAS- oder Hybrid-Festplatten

sind Hänger unvermeidlich.

Multimediales

Auch bei der Arbeit in Unternehmen

nimmt der Einsatz multimedialer

Software bereits seit geraumer

Zeit kontinuierlich zu. Dabei

haben sich in den letzten Jahren

viele neue Anwendungsfelder eröffnet.

Schnell eine DVD oder CD

brennen oder Filmsequenzen für

eine Mitarbeiterschulung aufbereiten

– überall ist entsprechende

Software gefragt.

ROSA Marathon liefert in der

Standardinstallation eine eigene

Software zum Abspielen von Filmen,

den ROSA Media Player, sowie

Amarok zur Wiedergabe von

Audio-Dateien. Software zum Bearbeiten

von Audio- und Video-

Dateien fehlt ebenso wie ein leistungsfähiges

Brennprogramm.

Die zum Abspielen von Filmen

nötigen Codecs sind nur teilweise

vorhanden. So gelang es im Test

insbesondere bei einigen Containerformaten

nicht, aus dem

Stand Videos mit Ton abzuspielen.

Somit müssen Sie hier im Bedarfsfall

selbst Hand anlegen. Alternativ

installieren Sie den VLC-

Medienplayer, der eigene Codecs

für die meisten gängigen Formate

mitbringt. VLC befindet sich in

Version 2.0.1 in den Repositories.

Fazit

Das neue russische Mandriva-Derivat

hinterlässt einen zwiespältigen

Eindruck: Während der lange

Support-Zeitraum den Ansprüchen

der anvisierten Zielgruppe

entspricht, gibt es teils erhebliche

Mängel sowohl bei der Auswahl

der Software als auch bei der Integration

der Treiber.

Beim Aufräumen des Fundus

gingen die Entwickler zu rabiat

vor, sodass der Anwender viele

Programme nachinstallieren

muss. Bei der Qualität der Treiber

fallen die Ergebnisse zwar nicht

mehr derart katastrophal aus wie

bei Mandriva 2011, allerdings

liegt ROSA Marathon hier noch

immer im Vergleich zum alten

Mandriva 2010.2 oder auch Mageia

1 meilenweit zurück.

Schließlich dürfte der ressourcenfressende

und unergonomisch

gestaltete KDE-Desktop dem Erfolg

des Systems auf Unternehmensrechnern

eher schaden.

Durch unübersichtliche Management-Tools,

nur begrenzt nützliche

Änderungen am alten Mandriva-Kontrollzentrum

und dem

Konzept der Programmgruppen

in nur einem Fenster sinkt der

Nutzwert signifikant. (agr) n

info

[1] Release-Info: http:// www. rosalab. com/​

blogs/ rosa‐marathon‐2012‐will‐be‐officially‐pr

[2] ROSA Lab: http:// www. rosalab. com/

[3] LXDE-Variante:

http:// www. rosalab. com/ blogs/ beta‐releas

e‐of‐rosa‐marathon‐2012‐lxde

[4] Download: http:// mirror. rosalab. ru/ iso/​

ROSA. Desktop/ ROSA. 2012. MARATHON/

[5] Mandriva 2011 im Test: Erik Bärwaldt,

„Problemkandidat“, LU 11/​2011, S. 68,

http:// www. linux‐community. de/ 24540

10 07 | 12

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heft-dvd

Mageia 2

Mandriva-Fork Mageia 2 im Überblick

Mageia 2 überzeugt

mit einem

stabilen System

und der perfekten

Integration des

Langsamer

Steigflug

KDE-4-Desktops.

Wolfgang Bornath

Mageia 2 bootfähig

(32 Bit KDE-Live-CD

und 64-Bit-DVD) und

als ISO (64 Bit KDE-

Live-CD) auf Heft-DVD

README

Leicht verspätet präsentierte

die Mageia-Community

am 22. Mai

2012 die neue Version

ihres Mandriva-Forks.

Ein Rundgang durch Mageia

2 zeigt viel Bekanntes,

aber auch interessante

Neuerungen.

DVD oder Live-CD?

Im vorigen Jahr gab das Mageia-

Projekt [1] die erste Version des

Mandriva-Forks Mageia heraus.

Das Erstlingswerk bestand größtenteils

aus portierten Teilen der

ursprünglichen Distribution, und

die Linux-Welt nahm sie wohlwollend

auf. Mit der pünktlich zum

LinuxTag erschienenen Version 2

zeigt es sich, ob der erste Erfolg

nur auf einem Hype gründete

oder ob es gelingt, auf diesen Erfolg

aufzubauen und ihn in Zukunft

weiterzuführen.

Auf den ersten Blick zeigt sich,

dass die Entwickler das klare und

ansprechende Aussehen der ersten

Version weiterführten und

verbessert haben. Mageia bleibt

Eine Installation von der Live-CD ist um einige

Schritte kürzer, da hier die Auswahl der Desktop-Umgebung

und einzelner Pakete entfällt. Sie starten die

Installation aus dem laufenden System, wodurch die

bereits festgelegte Konfiguration zum Einsatz

kommt. Nach dem Partitionieren und dem Kopieren

der Inhalte von der CD entfernt das Setup nicht benötigte

Treiber und Sprachpakete. Der Vorteil der

Live-CD besteht im geringeren Download-Volumen

sowie darin, dass die meisten unfreien Gerätetreiber

direkt mit ins System wandern.

dem traditionellen Stil des früheren

Mandriva treu und unterscheidet

sich so von der aktuellen

Mandriva-Version mit dem RO-

SA-Desktop [2]. Bei den ISO-Abbildern

hat Mageia die Auswahl

anders als Mandriva um Live-CDs

für 64-Bit-Systeme erweitert.

Das System der neuen Version

basiert auf Kernel 3.3.6 und bietet

neben den beiden gebräuchlichsten

Desktop-Umgebungen

KDE (4.8.2) und Gnome (3.4.1)

die schlankeren Alternativen

LXDE, XFCE 4, E17 und Razor-Qt

an. Im Bereich der Anwendungen

enthält Mageia 2 die neuesten

Versionen von LibreOffice, Gimp

und anderen Paketen.

Im Allgemeinen ergibt eine Installation von den

DVDs eine saubere Installation. Der Nachteil der

nicht vorhandenen proprietären Treiber fällt kaum

ins Gewicht, da das System diese nach einem Einbinden

der Softwarequellen bei erneutem Aufrufen

der Werkzeuge zum Konfigurieren automatisch nachzieht.

Probleme bereitet dies nur, wenn Sie proprietäre

WLAN-Treiber benötigen, da sich diese nicht auf

der DVD finden. Dann müssen Sie von einer Live-CD

installieren oder vorübergehend einen kabelgebundenen

Internetzugang verwenden.

Eine Sonderstellung nimmt dabei

der Browser Firefox ein, bei dem

sich Mageia aufgrund der Release-Politik

von Mozilla für

Firefox 10 ESR entschieden hat.

Diese Langzeitversion bietet längere

Stabilität insbesondere in

Bezug auf die Erweiterungen,

ohne jedoch auf sicherheitsrelevante

Patches zu verzichten. Sie

finden eine detaillierte Liste der

wichtigen Eigenschaften und Paketversionen

in den Release-Hinweisen

auf der Website [3].

Mageia-Editionen

Mageia 2 steht wie gewohnt in

mehreren Editionen bereit. Auf

der Download-Seite [4] finden Sie

zwei Installations-DVDs (je eine

für 32-Bit- und 64-Bit-Systeme)

mit einem umfassenden Software-Angebot,

eine Dual-Arch-

CD zur Installation eines minimalen

Systems, das LXDE enthält,

sowie mehrere Live-CDs für KDE

und Gnome.

Diese Live-CDs unterscheiden

sich in den enthaltenen Sprachgruppen.

Für den deutschsprachigen

Benutzer sind die CDs mit

12 07 | 12

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Mageia 2

heft-dvd

der Bezeichnung Europa 1 relevant.

Die Disks eignen sich nicht

für ein Upgrade von Mageia 1 auf

Mageia 2.

Während die Installations-

DVDs und die Dual-Arch-CD nur

freie Software enthalten, bieten

die Live-CDs für KDE und Gnome

auch unfreie Grafiktreiber und

Plugins an. Verwenden Sie die

Installations-DVD, haben Sie die

Möglichkeit, diese Treiber und

Plugins nach der Installation vom

Zweig non-free der Online-Repositories

nachzuinstallieren.

Bei den Repositories finden Sie

den Zweig core, der alle freie Softwarepakete

enthält, sowie die beiden

Zweige non-free und tainted.

In non-free liegen alle unfreien Pakete,

während tainted Software

umfasst, die zusätzlich eine problematische

Lizenz aufweist oder

nicht überall auf der Welt vertrieben

werden darf.

Das ermöglicht es sowohl Betreibern

von Spiegel-Servern als

auch Benutzern in Ländern mit

entsprechender Gesetzgebung

selbst zu entscheiden, ob sie den

betreffenden Zweig anbieten beziehungsweise

nutzen wollen.

Die Installation

Im Test kam die Installations-

DVD (64-Bit) sowie je eine Live-

CD für KDE und Gnome zum Einsatz.

In der Installationsroutine

fällt außer einer leicht verbesserten

Grafik wenig Neues zur vorherigen

Version auf. Nach dem

Booten von der DVD grüßt ein

ansprechend gestaltetes Menü

(Abbildung A).

Neben der Installation bietet es

einen Eintrag für den Einsatz als

Rettungssystem, oder um einen

Hardware- oder Speichertest vorzunehmen.

Nach Auswahl der

Installationsoption führt Sie der

grafische Installer Schritt für

Schritt durch alle Phasen der Installation.

Bei jedem dieser Schritte

haben Sie die Möglichkeit, über

[F1] einen Hilfetext anzufordern.

Dem erfahrenen Benutzer steht

bei nahezu jeder Gelegenheit ein

erweiterter Modus mit umfassenden

Optionen bereit. Das Tool

zum Partitionieren, Diskdrake,

haben die Entwickler nicht weiter

verändert. Es liefert in optisch

ansprechendem Gewand eine

sehr gute Übersicht über die vorhandenen

Bereiche der Festplatten

und schlägt auf Wunsch eine

entsprechende Aufteilung vor. Sie

müssen diese Vorschläge freilich

nicht annehmen, sondern können

auch selbst über Typ und

Größe der Bereiche entscheiden.

In der Regel schlägt das Programm

das Dateisystem Ext4 vor,

es stehen jedoch auch alle anderen

üblichen Formate bereit.

Möchten Sie eine neue Partition

zusätzlich verschlüsseln, markieren

Sie beim Einrichten die entsprechende

Option.

Als Nächstes folgt die für einen

Einsteiger wohl wichtigste Entscheidung,

die Auswahl des Desktops.

Hier bietet die Mageia-DVD

sowohl KDE und Gnome als auch

eine Option Benutzerdefiniert zur

Auswahl an (Abbildung B). Markieren

Sie KDE oder Gnome,

dann beginnt der Installer sofort

mit dem Aufsetzen eines entsprechenden

Systems. Über die Option

Benutzerdefiniert gelangen Sie

in eine nach Gruppen und auf

Wunsch sogar nach einzelnen Paketen

sortierte Auswahl.

Obwohl das Angebot an Software

der DVD bereits umfassend

ausfällt, haben Sie trotzdem die

Möglichkeit, während der Installation

zusätzliche Quellen (FTP-

Server, lokale Server, optische

Medien) einzubinden und deren

Inhalte in der individuellen Auswahl

der Pakete zu nutzen.

Nach der Auswahl beginnt die

recht flüssig ablaufende Installation

der Pakete auf die Festplatte.

Beim darauf folgenden Einrichten

des Systems ergeben alle vorgegebenen

Einstellungen in der Regel

Sinn. Ein Zwischenschritt des

Systems erfordert jedoch ein wenig

Geduld seitens des Anwenders:

das Erstellen der nötigen

Skripte und Konfigurationen für

den Systemstart. Auf dem Bildschirm

sehen Sie eine entsprechende

Meldung.

Hat der Installer dies alles abgeschlossen,

so zeigt er eine Zusammenfassung

aller Einstellungen

(Abbildung C, folgende Seite).

Über einen Button haben Sie jederzeit

die Möglichkeit, noch Änderungen

vorzunehmen. Im Test

erkannte das System allerdings

sowohl auf dem Test-PC als auch

auf einem Samsung-Notebook

alle Hardware-Komponenten automatisch

und richtete diese folglich

korrekt ein.

Wie bereits bei der Installation

von Mageia 1 versagte allerdings

das Aktivieren der WLAN-Verbindung.

Sie war zwar korrekt konfiguriert,

stand aber erst nach einem

Neustart bereit. Der vorhandene

Multifunktionsdrucker von

HP ließ sich inklusive Scan-Funktion

und zugehöriger Software

ebenfalls erst nach dem Neustart

des Systems einrichten.

A Das Startmenü bietet

neben der Möglichkeit

zur Installation

auch einen Eintrag für

den Einsatz als Rettungssystem.

B Bei der Auswahl der

Desktop-Umgebung

bietet Mageia neben

Standardoptionen die

Möglichkeit zum individuellen

Zusammenstellen

des Desktops.

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07 | 12 13


heft-dvd

Mageia 2

C Am Ende der

Installation zeigt der

Installer eine Zusammenfassung

der aktuellen

Konfiguration.

Ein wichtiger Schritt ist nur an

dieser Stelle möglich: die Korrekturen

beim Einrichten des Bootloaders.

Ein Überprüfen der automatisch

gefundenen Werte schadet

sicher nicht. Normalerweise

erkennt der Installer vorhandene

Distributionen und fügt sie automatisch

in das Bootmenü ein.

Allerdings gibt es Probleme,

wenn bereits eine Distribution

auf der Festplatte liegt, die Grub2

verwendet. Wenn Mageia mit seiner

alten Grub-Version den im

Master Boot Record residierenden

Grub2 überschreibt, klappt

das Booten der existierenden Systeme

nicht mehr.

Zu diesem Thema, das die Community

wohl so lange beschäftigen

wird, bis sich alle Distributionen

auf einen Bootloader geeinigt

haben, gibt es verschiedene Lösungen,

die Sie bei Bedarf sowohl

bei Grub2-Distributionen als

auch in den Foren bei Mageia

nachlesen. Auf dem Testrechner

waren bereits Windows 8 sowie

Mageia 1 vorhanden. Beide erkannte

das System und trug sie

ins Bootmenü ein.

Nach dieser Zusammenfassung

besteht die Möglichkeit, bei aktivem

Internetzugang bereits nach

dem Erscheinen der Distribution

herausgegebene Aktualisierungen

zu installieren. Auf dem Testrechner

mit kabelgebundenem Netzzugang

aktualisierte das System

noch einmal 50 Pakete.

Nach der Installation

erfolgt als Erstes das

Einrichten der Paketquellen.

Dies erledigt

das System bei Bedarf

automatisch, wobei es

bei jedem Update und

jeder Installation einen

Server in geografischer

Nähe auf Erreichbarkeit

prüft und

dann verwendet. Ziehen

Sie einen bestimmten

Server vor,

suchen Sie diesen aus

einer Liste im Konfigurations-Tool

heraus.

Den Zweig core aktiviert das

System dabei automatisch. Möchten

Sie die unfreien und teilweise

lizenzbewehrten Pakete der Bereiche

non-free und tainted benutzen,

aktivieren Sie diese Zweige

via Mausklick. Dieser Schritt entfällt,

falls Sie am Ende der Installation

bereits Aktualisierungen

nachgezogen haben.

Desktops

Während die Live-CDs nur jeweils

eine Desktop-Umgebung (KDE

oder Gnome) bieten, stehen auf

den DVDs mehrere zur Auswahl:

Gnome 2.32, KDE 4.6.3, XFCE

und LXDE. Dazu kommen noch

einige reine Fenstermanager, wie

Windowmaker oder IceWM. Im

Test waren KDE und Gnome die

Favoriten: Beide zeigten eine sehr

gute Integration in das Ökosystem

von Mageia, insbesondere bei

KDE kommt das klare schnörkellose

Design zur Geltung. Aber

auch Gnome zeigt mit der Gnome-Shell

neue Ansätze und arbeitet

erwartungsgemäß schnell.

KDE SC ist in der zum Release

neuesten Version 4.8.2 an Bord,

die im Test keine Schwächen zeigte.

Nach dem Einrichten der proprietären

Treiber für die im Testrechner

eingebaute Grafikkarte

von Nvidia standen die vielfältigen

Desktop-Effekte von KDE bereit.

Die Effekte von Compiz ließen

sich zwar ebenfalls aktivieren,

jedoch liefert KDE bereits so

viele Features, dass Compiz nicht

unbedingt einen Gewinn bringt.

Gnome 3.4.1 kommt allerdings

erst mit ausreichender Grafikleistung

richtig zum Zug. Auf einem

Testrechner startete Gnome zunächst

im Fallback-Modus. Dieser

war durchaus zu benutzen und

hat Ähnlichkeiten mit früheren

Versionen von Gnome.

Nach der Installation des proprietären

Treibers lief dann auch

die Gnome-Shell. Zu Schwierigkeiten

kam es im Test mit einem

WLAN-Treiber für Broadcom-Geräte,

der nicht mit dem Network-

Manager unter Gnome zur Arbeit

zu bewegen war. Erst eine Deinstallation

des Netzwerk-Tools und

das erneute Einrichten der Verbindung

über das Kontrollzentrum

schaffte hier Abhilfe.

Alltags-Software

Im Bereich Multimedia zeigten

sich keinerlei Probleme, solange

wir nicht den Standard-Videoplayer

von KDE (Dragon) benutzten.

Er bringt von Haus aus keine

der für die Wiedergabe von Videos

nötigen Codecs mit, Sie müssen

alles nachträglich installieren.

Bei anderen getesteten Anwendungen

wie VLC und MPlayer war

dies nicht in diesem Ausmaß nötig.

Beide stammen allerdings aus

dem unfreien Zweig tainted.

Als reine Musikplayer stehen sowohl

Amarok als auch dessen Abkömmling

Clementine bereit,

ebenso wie Rhythmbox und weitere.

In Sachen Video- und

Sound-Editor bleiben wenig Wünsche

offen: In den Repositories

finden sich Anwendungen wie

Audacious, Kino oder Kdenlive.

Der CD-Spieler von KDE (Kscd)

ist in seiner neuen Form akzeptabel

und funktional. Wer alles zusammen

installieren möchte,

zieht das Paket XBMC aus den

Online-Quellen nach.

Daneben beeindruckt Mageia 2

mit der Auswahl und Aktualität

der Grafikanwendungen. In erster

Linie wäre da natürlich

14 07 | 12

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Mageia 2

heft-dvd

Gimp 2.8 [5] zu nennen. Neben

Digikam stehen Shotwell, Inkscape

und Scribus als wichtige

Programme bereit.

Im Bereich Büroanwendungen

finden Sie neben der Version 3.5

von LibreOffice alternative Anwendungen

wie Abiword, Gnumeric,

Calligra (ehemals KOffice),

Skrooge (Finanzmanager) und

KMyMoney, ebenso wie Scribus

als Layoutprogramm und Okular

und Evince als PDF-Betrachter.

Im Internet bewegen Sie sich bei

Mageia 2 mit Firefox oder mit der

freien Version von Chrome (chromium-browser)

oder anderen Webbrowsern.

Bei der für Viele so

wichtigen Installation des Plugins

für Flash-Videos gibt es in Mageia

2 ein über die Software-Verwaltung

installierbares Paket, der

das Plugin von der Adobe-Website

holt und installiert.

Das Java-Plugin für den Browser

finden Sie nun im Paket icedtea-web.

Die proprietäre Java-Version

von Oracle darf die Distribution

nicht mehr anbieten, da diese

einem Vertriebsverbot durch

Dritte unterliegt.

Die Kommunikation mit Freunden

ist mit Mageia 2 auf fast allen

Ebenen möglich. Auch das Einrichten

der aktuellen Skype-Version

für Linux erfolgt wie beim

Flashplayer-Plugin über das Paketmanagement.

Die Liste der

textbasierten Kommunikationsmittel

fällt umfangreich aus, von

Kopete über Quassel und Konversation

bis hin zu Lirc und Xchat.

Alle Programme liefen im Test

ohne sichtbare Probleme.

Systemverwaltung

Für alle Verwaltungsaufgaben

steht das von Mandriva entwickelte

Kontrollzentrum mit seinen

zahlreichen spezialisierten

Werkzeugen bereit. Alle diese

Tools haben die Entwickler für

das neue Release noch einmal

überarbeitet und verbessert.

Als zentraler Punkt erweist sich

das Softwaremanagement (Abbildung

D). Hier durchsuchen Sie

nach dem Einrichten der

Quellen das gesamte Angebot

der Distribution

und installieren oder

entfernen das gewünschte

Paket. Zum Einrichten

und der Konfiguration

unfreier Treiber nach einer

Installation von der

freien DVD sowie zum

Einrichten neuer Hardware-Komponenten

steht der Bereich Hardware

bereit.

Das Einrichten des proprietären

Treibers für die

Nvidia-Grafik im Test-PC

ließ sich mit wenigen Mausklicks

erledigen. Ebenso einfach gelang

das Einbinden des Multifunktionsdruckers

über das entsprechende

Werkzeug im Mageia-

Kontrollzentrum. Aber auch anspruchsvollere

Aufgaben, wie das

Einrichten von Samba, NFS oder

einer USV, bewältigen Sie leicht

über das Kontrollzentrum.

Auch unterhalb der Oberfläche

bietet Mageia 2 einige Aktualisierungen

und Änderungen. Die Bedeutendste

macht dabei der

Wechsel von Sysvinit zu Systemd

aus. Damit geht eine grundlegende

Änderung beim Starten von

Diensten einher, wobei Mageia

sich in die Reihe der Distributionen

begibt, die diesen Wechsel

bereits hinter sich haben.

Als Virtualisierungssoftware

dient Virtualbox 4.1.12. Im Test

kam als Gastsystem Windows XP

mit USB-Support und Netzzugang

zum Einsatz. Der Webserver

Apache liegt in der Version 2.2.22

vor, PHP als 5.3.13. Im Paketmanagement

blieb Mageia 2 bei der

RPM-Linie und bringt die Version

4.9.1.3 mit.

Webseiten, Support

Sowohl der Mageia-Webseite als

auch den zeitnahen und beinahe

vollständigen Übersetzungen

sieht man das große Engagement

der Community an. Das Portal

und die vielen Seiten mit Informationen

bieten eine aktuelle

Übersicht und ermöglichen beispielsweise

über das Blog [6] eine

kontinuierliche Kommunikation

der aktuellen Entwicklung von

und bei Mageia.

Das Mageia-Wiki ist in vielen

Teilen bereits eingerichtet. So

fehlt etwa eine offizielle Dokumentation.

Die deutschsprachigen

Benutzer finden eine sehr aktive

und hilfsbereite Community

im deutschsprachigen Forum [7].

Darüber hinaus plant die Mageia-

Community, bei vielen Veranstaltungen

mit einem Informationsstand

dabei zu sein.

Fazit

Mageia 2 überzeugt mit einem

stabilen, innovativen und gleichzeitig

visuell ansprechenden System.

Besonders zu gefallen weiß

die exzellente Integration des

KDE-Desktops. (agr) n

[1] Mageia: http:// mageia. org/ de/

[2] ROSA Marathon 2012: Erik Bärwaldt,

„Zweischneidig“, LU 07/​2012, S. 8,

info

http:// www. linux‐community. de/ 26169

[3] Hinweise zum aktuellen Release:

https:// wiki. mageia. org/ en/​

Mageia_2_ Release_Notes

[4] Download:

http:// mageia. org/ de/ downloads/

[5] Gimp 2.8: Andreas Reitmaier,

„Feine Farben“, LU 07/​2012, S. 24,

http:// www. linux‐community. de/ 26388

[6] Blog: http:// blog. mageia. org/ de/

[7] Forum: https:// forums. mageia. org/ de/

D Das Software-Management

im Mageia-

Kontrollzentrum.

www.linux-user.de

07 | 12 15


heft-dvd

Fedora 17 „Beefy Miracle“

Community-Distribution Fedora 17 im Überblick

Kaum ein Makel

Mit Fedora 17

unterstreicht Red

Hats Community-

Distribution ihren

professionellen

Anspruch. Einige

kleinere Schwächen

leistet sie

sich aber doch.

Hartmut Noack

Fedora 17 Gnome Live

bootfähig (32 Bit)

und als ISO (64 Bit)

auf der Heft-DVD

README

Die seit Jahren weiterentwickelte

Community-

Distribution Fedora legt

mit dem aktuellen Release

17 wieder ein

Stück sauber integrierte

Software vor. Unser

Test förderte zwar einige

kleine Schwächen

ans Licht, der Gesamteindruck

bleibt aber

durchweg positiv.

Fedora Linux verfügt über ein

geradezu beneidenswertes Image:

Die Community-Distribution von

Red Hat hat sich den Ruf erworben,

viele erfreuliche Eigenschaften

gleichzeitig zu besitzen. Fans

sagen, Fedora sei ausgereift wie

Debian, mindestens so modern

wie OpenSuse und dabei so leicht

zu bedienen wie Ubuntu. Wir haben

uns angesehen, ob das frisch

erschienene Fedora 17 „Beefy

Miracle“ diesen hohen Ansprüchen

auch gerecht wird.

Als Testgerät kam ein Thinkpad

T60 von Lenovo zum Einsatz.

Dieses traditionell von Linux sehr

gut unterstützte Gerät hat sich

mit verschiedenen Varianten von

OpenSuse und Ubuntu im Alltag

tadellos bewährt. Dass es mit

2 GByte Arbeitsspeicher und einem

nicht mehr ganz taufrischen

Intel-Dual-Centrino kein hochaktueller

Bolide mehr ist, gibt Fedora

17 Gelegenheit, sich als schlankes

System zu bewähren.

Installation

Fedora bekommen Sie von den

Download-Seiten des Projektes

[1] und via Bittorrent in vielen

verschiedenen Varianten. Den

Live-Desktop finden Sie in den

Versionen für 32- und 64-Bit-Systeme

auf der Heft-DVD. Neben

der Standardversion mit Gnome

3.4 als Desktop ist Fedora auch

mit KDE 4.8, XFCE 4.4 und LXDE

als Oberfläche im Angebot.

Alternative Desktop-Oberflächen

erweisen sich als ein großer

Vorteil von Linux. Jeder große

Distributor integriert aber einen

Desktop besonders intensiv in

sein Konzept. Bei Fedora fiel die

Wahl auf Gnome (Abbildung A),

und so kam zunächst diese Variante

unter die Lupe. Live-CD und

Installation funktionieren reibungslos,

KDE und Kollegen rüsten

Sie später leicht nach.

Fedora 17 vertraut komplett auf

die Konzepte des Gnome-Projektes.

Dabei vermeidet die Distribution

jede deutlich sichtbare Änderung

an Gnome 3 – nicht einmal

das Fedora-Logo ist auf dem

Desktop auszumachen. Das erstaunt

nicht, denn schließlich

steht hinter Fedora kein anderer

als Red Hat, also das Unternehmen

mit dem größten Anteil am

Gnome-Projekt.

Der Desktop besteht aus der eigentlichen

Arbeitsfläche und einem

Interface mit dem Namen

Gnome-Shell. Die Oberfläche

räumt den Fenstern maximalen

Platz ein, die Gnome-Shell bietet

Programmstarter und verwaltet

die Arbeitsflächen.

16 07 | 12

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Fedora 17 „Beefy Miracle“

heft-dvd

Unangenehm fällt auf, dass

Gnome keine Möglichkeit mehr

bietet, um den Rechner auszuschalten.

Erst nach dem Abmelden

vom Desktop finden Sie

rechts oben einen kleinen Knopf,

der zusätzliche Aktionen erlaubt.

In der Liste, die sich hinter dem

Benutzernamen rechts oben verbirgt,

finden Sie die Einstellungen

für das System – unter anderem

mit deutlich erweiterten

Möglichkeiten für Wacom-Zeichen-Tablets

und zum Verwalten

von Farben (Abbildung A).

Für die Suchfunktion müssen

Sie nicht den Cursor in das Suchfeld

setzen: Sobald Sie einen

Buchstaben des gesuchten Begriffs

eintippen, beginnt die Suche

nach Programmen und Dateien.

Die Ergebnisse erscheinen sofort

in der Liste in der Mitte. Etwas

darunter finden Sie Schalter,

die den Suchbegriff an Wikipedia

oder Google schicken. Einzelne

Programme ziehen Sie bei Bedarf

auf die Favoriten genannte

Schnellstartleiste links.

Insgesamt schielt der Desktop –

ähnlich wie Ubuntus Unity – auf

mobile Geräte mit Touch-Oberfläche.

Der Spagat gelingt auf

dem 1600 mal 1440 Pixel großen

Display des Testgerätes ziemlich

gut. Es kommt nicht das Gefühl

auf, der PC sei mit kargem Spielzeug

für Handys ausgestattet.

Cloud-Dienste

Die Integration des Webs, meist

in Form der Cloud, erweist sich in

Gnome 3.4 als fortschrittlich. Wie

auf Mobilgeräten binden Sie Online-Dienste

wie Google Docs

nahtlos in den Desktop ein. Die

Unterstützung von berührungsempfindlichen

Displays treibt Fedora

17 im Hintergrund voran. So

enthält das System eine Funktionen

für Multitouch-Aktionen, die

im kommenden GTK 3.4 den Benutzern

bereitstehen.

Viele Nutzer haben in der Vergangenheit

an der Gnome-Shell

kritisiert, dass diese einen Grafiktreiber

mit Hardware-Beschleunigung

voraussetzt.

In Fedora 17 fällt

dieses Problem

flach, denn die

grafischen Effekte

der Shell laufen

jetzt bei Bedarf

direkt auf

der CPU.

Das neue

Gnome Boxes [2]

bietet eine grafische

Oberfläche

für den Umgang

mit virtuellen

Maschinen. Ganz

im Sinne des

Gnome-Mantras

geht es dabei

nicht um totale Kontrolle über jeden

Aspekt der Virtualisierung.

Stattdessen gibt Boxes Ihnen ein

intuitiv zu bedienendes Werkzeug

an die Hand, mit dem Sie virtuelle

Maschinen starten und steuern

und sich via Netzwerk mit virtuellen

Maschinen auf entfernten

Rechnern verbinden.

Feine Kollegen

Obwohl Fedora dem Gnome-Projekt

besonders nahesteht, bedeutet

das nicht, dass es dessen Alternativen

vernachlässigt. Neben

der Standardversion finden Sie

auf der Download-Seite auch CDs

mit KDE 4.8, XFCE 4.3 oder

LXDE als Standard-Desktop. Alle

drei Varianten

bieten sinnvolle

Voreinstellungen.

KDE fühlt

sich gänzlich ausgereift

an. Es

läuft unter Fedora

deutlich flüssiger

als sein (ungefähr

gleich altes)

Pendant unter

Kubuntu auf

dem gleichen

Rechner.

Im Klassik-Menü

fehlen einige

Gnome-Programme,

und dass der

Paketmanager

Apper nicht der Weisheit letzter

Schluss ist, haben schon andere

besungen. Ansonsten aber erweist

sich KDE in Fedora 17 (Abbildung

B) als guter Tipp für alle,

die sich mit dem eleganten, aber

eigenwilligen Gnome 3.4 nicht

anfreunden mögen.

XFCE funktioniert wie zu erwarten:

Es wirkt nicht wirklich

schlanker als Gnome, sieht aber

vertrauter aus und bietet mehr

Einstellungsmöglichkeiten. Seine

logischen Bedienkonzepte setzen

auf Bewährtes und sind schnell

und intuitiv zugänglich.

Richtig schlank kommt LXDE

daher (Abbildung C, folgende Seite),

aber wirklich schneller wirkt

A Die neue Farbverwaltung

in Fedora 17

sorgt für bessere Qualität

auf Bildschirm

und Drucker. Die Hilfe

dazu erläutert die

Funktionen vorbildlich.

B Im Gegensatz zur

Gnome-Shell bleibt

das Plasma-Dashboard

von KDE mit

Apps wie Kalender

oder Systemmonitor

immer im Blick.

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07 | 12 17


heft-dvd

Fedora 17 „Beefy Miracle“

C In LXDE bearbeiten

Sie das Menü mit den

Programmstartern per

Hand in einer XML-Datei.

Daneben steht ein

Glossar

automatisch generiertes

Menü bereit.

OLPC: One Laptop Per

Child. Eine Initiative mit

dem Ziel, in Schwellenländern

wie Indien und

Brasilien für jedes

Schulkind einen Laptop

bereitzustellen.

4 Das Gnome-Applet

für den Firewalld

bettet sich bei Bedarf

nahtlos ins Panel von

KDE-Plasma ein.

der spartanische Desktop auf

dem T60 nicht. Auf noch schwächer

ausgestatteten Rechnern

fällt der Unterschied durch die

bemerkenswert flotte Arbeitsweise

von LXDE stärker auf.

LXDE selbst und den integrierten

Desktop Openbox konfigurieren

Sie komplett über Textdateien.

Das geht zwar prinzipiell

auch bei KDE und Konsorten, erweist

sich dort aber als ausgesprochen

kniffelig. In LXDE dagegen

genügen wenige Eingriffe in

einige leicht verständliche XML-

Dateien. In ~/.config/lxpanel und

~/ .con fig/openbox/lxde‐rc.xml finden

Sie Schalter, welche die in

LXDE enthaltenen grafischen

Werkzeuge nicht umsetzen.

Wer gerne die besten Werkzeuge

aus verschiedenen Desktops

gleichzeitig nutzt, erlebt in Fedora

keine unerwünschten Überraschungen:

Dolphin arbeitet unter

Gnome genauso gut wie in XFCE

und nur minimal eingeschränkt

im Vergleich zu Dolphin in KDE.

Gedit funktioniert

unter KDE ebenso

gut wie im heimatlichen

Gnome.

Nautilus startet

überall, ohne wie

früher den kompletten

Desktop

mitzuziehen.

Als besonderes

Extra bringt Fedora

den Desktop

Sugar für den Einsatz

im Bildungsumfeld

mit. Das

System entstand

im Rahmen des

OLPC-Projekts

und bietet besondere

Möglichkeiten zum Vernetzen

für verschiedene Computer,

auf denen das System läuft. Für

Standard-PCs eignet sich Sugar

nicht, da es spezielle Hardware

und zur Administration geschultes

Personal erfordert.

Zwar keine Desktop-Umgebung,

aber doch eine Welt für sich, stellen

Java und die damit eng verbundene

Entwicklungsumgebung

Eclipse dar. Hier macht das Fedora-Projekt

eine bemerkenswerte

Ausnahme: Bis zum voraussichtlichen

Erscheinen von Eclipse Juno

im Juni 2012 enthält Fedora eine

Vorabversion, dann folgt im laufenden

Release das Update auf

die finale Version.

In Sachen Programmiersprachen

gibt sich Fedora 17 modern:

Mit den integrierten Werkzeugen

GCC 4.7, Python 2.7.3 und den

dazugehörigen Tools in aktuellen

Versionen übersetzen Sie selbst

größere Anwendungen in Ihren

Entwicklerversionen.

Java 7, PHP 5.4.1 und diverse

Spezialisten wie

Erlang OTP R15

sind ebenfalls am

Puls der Zeit und

empfehlen Fedora

für Web-Entwickler

und Programmierer

von Android-Apps.

Wer

sich ernsthaft als

Anbieter mit Cloud-Diensten beschäftigen

will, findet in Fedora

17 aktuelle Versionen von

OpenStack und Nebula.

Gimp liegt in der Version 2.8

von Anfang Mai bei, ebenso wie

das neue LibreOffice 3.5 sowie einige

weniger bekannte Programme,

wie die exzellente Musiksuite

LMMS.

Solide Basis

Die Liste der Neuigkeiten von Fedora

17 enthält viele Punkte, die

Sie nicht sofort an der Oberfläche

sehen. Für Start und Stop des

Systems sorgt das von Red-Hat-

Mitarbeiter Lennart Poettering

programmierte Systemd. In der

Praxis bemerkt der Desktop-Nutzer

davon vermutlich nicht viel:

Der Systemstart lief auf dem

Testsystem nicht schneller als der

von Fedora 14 auf dem gleichen

Gerät. Deutlich schneller geht es

dagegen beim Herunterfahren.

Energiesparmodi wie Suspend

und Hibernate laufen in Fedora

17 ganz hervorragend: Sowohl

der Eintritt in den Ruhezustand

als auch das Erwachen aus dem

Tiefschlaf funktionieren auf dem

T60 tadellos: Alle auf den Desktops

verteilten Programme waren

nach dem Aufwachen an ihrem

Platz, und die drahtlose Netzwerkverbindung

baute sich

schnell und automatisch neu auf.

Seit Fedora 15 steht mit

Firewalld ein neues Firewall-System

in Fedora bereit, das vermutlich

in Fedora 18 Iptables komplett

ablöst. Als dynamische

Firewall erlaubt der Daemon Änderungen

im laufenden Betrieb –

bei Iptables erfordert das einen

Neustart der Firewall.

Zusammen mit dem natürlichen

Verbündeten SELinux erlaubt

Firewalld künftig so einen flexibleren

Umgang mit der Netzwerksicherheit

unter Linux. Als sichtbares

Zeichen für diese stärkere

Orientierung am Nutzer liefert

Fedora 17 ein Gnome-Applet namens

Firewalld-applet. Wer Windows-Desktop-Firewalls

wie Zone

18 07 | 12

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Fedora 17 „Beefy Miracle“

heft-dvd

Alarm kennt, entdeckt hier Parallelen.

Zurzeit tut das Applet allerdings

nicht viel mehr, als den Status

der Firewall und deren aktives

Profil anzuzeigen. Mit zwei Klicks

blockieren Sie die Datenströme.

Für die Zukunft stehen aber interessante

Möglichkeiten auf dem

Plan: Würde zum Beispiel jedes

neu installierte Programm beim

ersten Besuch im Internet am

Applet von Firewalld (Abbildung

4) vorbei müssen, wären

Linux-Desktops wieder ein Stückchen

sicherer. Ebenfalls auf dem

Plan steht der Support für Netzwerkzonen.

Damit ließe sich der

WLAN-Anschluss an einem öffentlichen

Hotspot automatisiert

völlig anders absichern als der

WLAN-Anschluss zu Hause.

Die Qualität einer Distribution

steht und fällt mit dem Management

der Software. In Sachen

Ausstattung und Konsistenz erlaubt

sich Fedora keine Schwächen:

Bei der Nachinstallation

von etwa 200 Paketen sowie dem

Hinzufügen des externen Repositories

RPMFusion traten im Test

keine Konflikte auf. Die verfügbaren

Pakete sind zudem auf dem

letzten Stand der Technik.

Nicht ganz so vergnüglich wie

das gute Angebot stimmen die

grafischen Oberflächen für das

Paketmanagement, die Fedora

unter dem Namen Apper (für

KDE) und GPK-Application (für

Gnome, Abbildung 5) mitliefert.

Beide schaffen es in keiner Weise,

mit Tools wie Synaptic oder YaST

mitzuhalten.

Die simplen Oberflächen bieten

gerade mal das Nötigste. So fehlt

zum Beispiel das Filtern von Ergebnissen.

GPK-Application zeigt

keine Details wie Abhängigkeiten

[1] Download:

info

http:// fedoraproject. org/ de_CH/ get‐fedora

[2] Gnome Boxes:

https:// live. gnome. org/ Boxes

[3] RPMFusion: http:// rpmfusion. org

[4] Adobe Flashplayer:

http:// get. adobe. com/ de/ flashplayer

oder die Liste

der Dateien

an. Das Design

und das

Bedienkonzept

von Apper

erscheinen

dagegen

höchst ungewöhnlich:

So

zeigt das Tool

den Schalter

zum Installieren

eines Paketes

nur an,

wenn Sie mit

dem Mauszeiger

auf den

Eintrag in der

Liste zeigen.

Die forcierte Einfachheit der

Oberflächen erzeugt noch einen

weiteren unschönen Nebeneffekt:

Beide Programme scheinen quälend

langsam zu arbeiten. Tatsächlich

informieren sie den Nutzer

nur nicht über laufende Vorgänge.

Besonders in Apper wirkt

die Suche oft wie eingefroren.

Das Konsolenwerkzeug Yum dagegen

vermag seinen Pendants,

wie Apt in Debian, durchaus das

Wasser zu reichen. Die Trefferliste

erscheint ordentlich formatiert,

und die Installation informiert

über wichtige Aspekte.

Wer unter Linux Musik machen möchte, der benötigt

den Soundserver Jack. Der ist in Fedora ordentlich

integriert und mit dem Paketmanager schnell installiert.

Allerdings fehlt beim automatischen Einrichten

des Paketes ein wichtiger Schritt: RPM sorgt zwar

dafür, dass die für den Echtzeitbetrieb erforderlichen

Konfigurationsdateien nach /etc/security/limits.d

wandern, es trägt aber keinen Nutzer in die entsprechenden

Gruppen ein.

Das Problem schaffen Sie schnell aus der Welt, indem

Sie folgende Befehle in einem Terminalfenster

aufrufen:

$ sudo bash

$ usermod ‐a ‐G jackuser Benutzer

$ usermod ‐a ‐G audio Benutzer

Die Gruppe jackuser darf den Server Jack mit Echtzeitprivilegien

starten. Nutzer in der Gruppe audio

haben Zugriff auf den Alsa-Sequencer, den die

meis te MIDI-Software benötigt.

Fedora hält sich peinlichst an internationale Patentrechte.

Von solchen betroffene Software liefert die

Fazit

Abgesehen vom Ausrutscher bei

den Paketverwaltern ließ sich in

Fedora 17 nichts finden, was man

als mangelhaft klassifizieren

müsste. Bei einigen Schwierigkeiten

hilft eventuell der Kasten

Probleme und Lösungen weiter.

Mit KDE und XFCE bietet Fedora

zwei sehr brauchbare Alternativen

zum recht gewöhnungsbedürftigen

Desktop von Gnome 3.

Die gute Performance auf älterer

Test-Hardware empfiehlt das System

auch als Alternative zu fetten

Allroundern. (agr) n

5 Apper (links) bietet

immerhin einige sinnvolle

Vorauswahlen,

die in Gnomes GPK-

Application fehlen. Dafür

gestaltet sich die

Bedienung noch zäher.

Probleme und Lösungen

Distribution gar nicht erst mit. Das betrifft in Europa

legal lizenzierte Software, wie sie zum Beispiel seit

einiger Zeit für MP3-Dateien bereitsteht. Die externe

Software-Quelle, die Fedora-Nutzer bei resultierenden

Problemen mit Multimedia weiterhilft, heißt

RPMFusion. Sie binden das Repository komfortabel

aus einer RPM-Datei ein, die Sie auf der Hauptseite

[3] des Projektes finden. Danach installieren

Sie VLC, Mplayer und Lame leicht über den Paketmanager.

Für eine volle Integration von MP3 und

ähnlichen Formaten sollten Sie auch die Pakete

gstreamer-plugins-bad und gstreamer-plugins-badnonfree

einrichten:

$ sudo yum install gstreamer‐plugins‐bad*

Den Adobe Flashplayer bekommen Sie so allerdings

nicht. Zu diesem Zweck offeriert Adobe einen Installer

für Fedoras Yum [4], der allerdings einen kleinen

Haken hat: Er bindet zwar das von Adobe bereitgestellte

Repository ein, installiert aber nicht den

Player selbst. Das korrigieren Sie leicht mit dem Befehl

sudo yum install flash‐plugin.

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07 | 12 19


aktuelles

Angetestet

JJJJJ

Wer sich für Dar als

Siche rungsprogramm

entschieden hat, der

erh ält mit Dargui eine

komfortable Bedienoberfläche,

die besonders

Einsteigern und Gelegenheitsanwendern

die

Arbeit erleichtert.

Komfortable Oberfläche für das Dar-Backup

Stirbt die Festplatte oder formatieren

Sie versehentlich die falsche

Partition, stellt eine aktuelle Datensicherung

oft die letzte Rettung

dar. Tools wie das kommandozeilenbasierte

Dar gehen beim

Backup ideal zur Hand. Dabei erleichtert

die grafische Oberfläche

Dargui besonders Einsteigern den

Umgang mit Dar: Sie bildet alle

wichtigen Funktionen des Backup-

Tools ab. Sie haben die Möglichkeit,

eine komplette oder differenzielle

Sicherung vorzunehmen,

über Filter

einzelne Dateien

oder

Verzeichnisse

auszuklammern,

das Backup

auf mehrere

Datenträger

zu verteilen

oder zu verschlüsseln

sowie es mit Gzip oder Bzip2 zu

komprimieren. Um ein Profil für

eine neue Sicherung anzulegen,

klicken Sie im Pulldown-Menü Datei

auf New. Dargui öffnet nun ein

Formularfenster, in dem Sie alle

Einstellungen vornehmen. Die

einzelnen Optionen wie Filter

oder Kompression erreichen Sie

dabei über verschiedene Reiter.

Archive enthält alle grundlegenden

Informationen für eine Sicherung.

Hier legen Sie einen Profilnamen

fest, den Dargui auf Wunsch mit

einem Zeitstempel versieht. Weitere

wichtige Angaben sind das zu

sichernde Verzeichnis und das Sicherungsziel.

Möchten Sie die

Batch-Datei behalten, die Dar

während der Sicherung erzeugt,

müssen Sie einen alternativen

Speicherort angeben, anderenfalls

geht sie verloren. Für differenzielle

Backups gilt es außer dem,

eine Referenzsicherung anzugeben.

Über die Reiter Directory und

Files schließen Sie einzelne Verzeichnisse

und Dateien aus der

Sicherung aus oder darin ein. Der

nächste Reiter, Compression, enthält

Optionen zum Einstellen der

Datenkompression. Im Reiter Options

aktivieren Sie die Verschlüsselung,

legen fest, auf wie viele

Speichermedien Dar die Sicherung

aufteilen soll, oder starten einen

Testlauf. Soll Dar das erstellte Sicherungsprofil

regelmäßig ausführen,

legen Sie im Reiter Scheduling

dafür einen Plan fest, den Dar

dann an Cron weiterreicht. Dargui

prüft auf Wunsch auch die Integrität

des Archivs oder vergleicht den

Archivinhalt mit dem aktuellen

Dateisystem. Selbstverständlich

lassen sich die erstellten Sicherungen

später auch mit Dargui

wieder einspielen.

Dargui 0.6

Lizenz: GPLv2

Quelle:http:// dargui. sourceforge. net/

JJJJI

Der intuitiv bedienbare

Tunnelmanager ist ein

praktisches Tool für alle,

die SSH-Weiterleitungen

einsetzen. Das Tool

integ riert sich nahtlos in

die Benutzeroberfläche.

Tunnelmanager behält SSH-Tunnel im Auge

Die meisten Anwender greifen

beim Aufbau einer sicheren Verbindung

zwischen zwei Rechnern

zu OpenSSH: Schließlich ermöglicht

das flexibel einsetzbare Tool

auch das Tunneln der weiteren

Kommunikation über die bestehende

Verbindung. Das Python-

Tool Tunnelmanager geht Ihnen

beim Verwalten der getunnelten

Verbindungen zur Hand. Die grafische

Oberfläche für OpenSSH

vereinfacht das Anlegen und Aktivieren

von Port-Weiterleitungen.

Bei Tunnelmanager handelt es

sich um eine Programmsammlung,

die neben Tunnelmanager

auch die Tools Tunnelmanager_cli

und Tunnelrunner umfasst. Bei

Tunnelmanager_cli handelt es

sich um das Kommandozeilenderivat

von Tunnelmanager. Tunnelrunner

dient dem Einsatz von

Tunnelmanager mit SSH-v1-Servern,

die den Aufbau von SSH-

Verbindungen ohne Befehlsübergabe

nicht unterstützen – aus Sicherheitsgründen

keine gute Idee.

Der grafische Tunnelmanager erscheint

nach dem Start als unscheinbares

Symbol in der Symbolleiste

der Benutzeroberfläche.

Beim Rechtsklick auf das Symbol

erscheint eine Liste aller konfigurierten

Verbindungen. Durch einfaches

Anklicken lassen sich diese

Verbindungen aktivieren und deaktivieren.

Ein Doppelklick auf

das Tunnelmanager-Symbol öffnet

das Managementfenster. Hier

geben Sie neue Verbindungen an

und verwalten bestehende. Jede

Verbindung zu einem Rechner erhält

bei der Konfiguration einen

eindeutigen Namen, über den sie

sich später aktivieren lässt. Hier

geben Sie Adresse und Benutzerkennung

auf dem Remote-System

an und richten Port-Weiterleitungen

ein. Dabei haben Sie die

Wahl zwischen den Verbindungsarten

lokal, remote und dynamisch.

Darüber hinaus gilt es,

Adresse und Port von Quell- und

Zielsystem anzugeben. Für jede

Verbindung dürfen Sie beliebig

viele Weiterleitungen definieren.

Tunnelmanager 0.7.5

Lizenz:GPLv2

Quelle:http:// www. subakutty. net/​

tunnelmanager/

20 07 | 12

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Angetestet

aktuelles

Gnac konvertiert Audio-Dateien im großen Stil

Gnac konvertiert in einem Rutsch

eine größere Anzahl von Audio-

Dateien von einem Format ins

andere. Das Programm kommt

mit einer übersichtlichen Gtk-basierten

Oberfläche, in der Sie die

zu konvertierenden Dateien bequem

via Drag & Drop zusammenziehen.

Da Gnac auf die

Gstreamer-Bibliotheken zurückgreift,

kann es alle von Gstreamer

unterstützten Formate konvertieren.

Als Zielformate kennt es jedoch

nur AAC, APX, Flac, MP3,

Ogg und WAV. Jedes Zielformat

besitzt ein Konvertierungsprofil,

Gnac 0.2.4.1

Lizenz:GPLv3

Quelle:http:// gnac. sourceforge. net

in dem Sie die Bitrate anpassen

oder zwischen Mono- und Stereo-

Wiedergabe wechseln. Gnac enthält

für alle unterstützten Audio-

Formate eine individuelle Standardkonfiguration.

Sie können

die se jedoch nach eigenem Gusto

anpassen und dann speichern.

Sämtliche Profile legt das Programm

als XML-Datei im Verzeichnis

~/.gnac ab. Während sich

Anpassungen im Konvertierungsprofil

nur auf das jeweilige Zielformat

auswirken, erlaubt das

Einstellungsmenü formatübergreifende

Einstellungen. Hierzu

zählt beispielsweise das Benennen

der neuen Audio-Datei: Gnac behält

wahlweise den ursprünglichen

Namen bei oder erzeugt –

basierend auf den Metadaten des

Quell archivs – einen neuen. Dabei

bereinigt das Programm auf

Wunsch alle Umlaute und Sonderzeichen

und entfernt das Original

nach erfolgter Konvertierung. Da

Gnac als reines Frontend keine eigenen

Codecs

besitzt, erfolgt

das eigentliche

Konvertieren

mithilfe externer

Tools

wie Lame

oder Oggenc,

die dazu im

System vorhanden

sein

müssen.

JJJII

Mithilfe von Gnac konvertieren

Sie bequem

große Audio-Archive von

einem Format ins andere.

Dagri verwaltet Daten in einer Gitterstruktur

Das Tcl/​Tk-basierte Tool Dagri

unterstützt Sie beim Erfassen

und Verwalten von Informationen

in Tabellen. Zwar wirkt das

Tool auf den ersten Blick wie eine

klassische Tabellenkalkulation, es

fehlen jedoch zahlreiche Funktionen,

die moderne Tabellenkalkulationen

ausmachen. Die Entwickler

selbst betrachten ihr

Werk mehr als sogenannte Data-

Grid-Applikation. Das kompakte

Dagri benötigt außer den Tcl/​Tk-

Bibliotheken lediglich noch eine

SQLite3-Datenbank als Voraussetzung.

Nach dem Start öffnet

sich eine übersichtliche Arbeitsoberfläche,

die lediglich ein Gitter

Dagri 0.5

Lizenz:BSD 2-clause

mit einem leeren Überschriftfeld

und einem leeren Datenfeld enthält.

Sie füllen diese mit Informationen

Ihrer Wahl und ergänzen

das Gitter gegebenenfalls um weitere

Spalten oder Zeilen mit leeren

Feldern. Die Spaltenbreite

hält Dagri auf Wunsch dynamisch.

Damit Sie die Gitterstruktur

nicht jedesmal von Hand gestalten

müssen, bietet

Dagri 150 vordefinierte

Gitterstrukturen, die sich

nach Belieben in einem

Dokument kombinieren

lassen. Das Format der

Feldinhalte oder die Umrandung

lassen sich hingegen

nicht anpassen. Für

kleinere Berechnungen

stehen einfache Summen-

000_LU1106_F-Weber_neu1.qxd Quelle:http:// www. jmos. net/ 18.09.2006 dagri/ funktionen 19:00 Uhr zum Seite Addieren 1

von Spalten oder Zeilen zur Verfügung,

komplexere Berechnungen

beherrscht Dagri nicht.

Die erfassten Informationen speichern

Sie entweder im Dagri-eigenen

DAG-Format – einer

schlichten SQLite3-Datei – oder

exportieren sie zur Weiterverarbeitung

ins HTML-, XML- oder

CSV-Format. (Uwe Vollbracht/jlu) n

JJJII

Dagri erlaubt es, mit

wenig Aufwand Daten in

einem tabellarischen

Gitter zu speichern, und

eignet sich damit ideal

für die schnelle Datenerfassung.

X23


Aktuelles

Neues rund um Linux

Cloud-Computing mit

Linux-Unter bau: das neue

Chromebook von Google.

Chromebook und Chromebox mit Google Chrome OS

Google hat neue Hardware für

sein browserzentriertes, auf

Linux basierendes Betriebssystem

Chrome OS vorgestellt

(http:// tinyurl. com/​

lu0712‐chromebook). Damit

gibt es einen

Nachfolger für das Notebook

Chromebook sowie mit der

Chromebox einen neuen stationären

Rechner. Die beiden

von Samsung gefertigten Geräte

bewirbt Google als „the

(always) new computer“. Der

Slogan soll die automatische

Aktualisierung der auf das Internet

und die Cloud fixierten

Geräte unterstreichen.

Das neue Chromebook mit

einem 12,1-Zoll-Display bringt

zahlreiche Apps sowie einen

integrierten Virenschutz mit,

als Speicherplatz dient Googles

Cloud-Lösung Drive. Das

Chromebook verfügt standardmäßig

über Wireless LAN, optional

gibt es auch 3G-Mobilfunk

dazu. Ausgestattet mit

einem Celeron 867 mit

1,3 GHz Takt rate, 4 GByte

RAM und einer 16-GByte-SSD

kostet das Chromebook bei

Amazon in den USA in der

WLAN-Ausführung 449 US-

Dollar. Preise für den deutschen

Markt lagen zu Redaktionsschluss

noch nicht vor.

Die Chromebox listet Amazon

USA mit 329 US-Dollar. In

der Box versieht ein mit

1,9 GHz getakteter Dual-Core-

Celeron B840 mit Intel-HD-

Grafik seinen Dienst und greift

auf 4 GByte RAM und eine

16-GByte-SSD zurück. (mhu)

kurz notiert

In der neuen Version Piwik 1.8

bringt die Webanalyse-Software

(http:// piwik. org) neben zahlreichen

Bugfixes als Highlight die

Möglichkeit zum Import von Server-Logs

mit. So kann Piwik nun

auch als Ersatz für Tools wie AW-

Stats oder Webalizer einspringen.

Zu den zahlreichen Neuerungen

von Knoppix 7.0.2 zählen Gimp

2.8, LibreOffice 3.5.3, Chromium

18, Firefox 10, Wine 1.5.4 sowie

Virtualbox 4.1.16 (http:// knopper.​

net/ knoppix/). Die Knoppix-spezifischen

Einstellungen finden sich

nun wie früher wieder im Knoppix-Untermenü

des Startmenüs.

Über eine neue Bibliothek erhält

Intels Powertop 2.0 nun genauere

Daten vom Kernel und kann dadurch

deutlich bessere Aussagen

über den Energieverbrauch des

Systems machen (https:// 01. org/​

powertop/). Ein ebenfalls neues

Tracking-Feature überwacht dabei

gezielt energetisch besonders

problematische Geräte.

Einen Besucherzuwachs von

rund 10 Prozent gegenüber 2011

vermeldet der Linuxtag 2012

(http:// tinyurl. com/ lu0712‐

lt2012). 12 000 Besucher aus aller

Welt besuchten vier Keynotes

und rund 200 Vorträge, in den

Hallen stellten 80 freie Projekte

und 41 Unternehmen aus.

Fedora: Die Kugelkuh folgt dem Rindfleischwunder

Der Nachfolger des eben erschienenen

Fedora 17 „Beefy

Miracle“ (siehe Artikel auf

Seite 16) trägt den Codenamen

„Spherical Cow“ (http:// tinyurl.​

com/ lu0712‐cow). Offenbar erfreuen

sich jedoch nicht alle

Mit Sigrok (http:// sigrok. org)

gibt es jetzt eine freie Softwaresammlung

für die Logikanalyse

digitaler Schaltungen.

Die GPL-Software unterstützt

eine Vielfalt an Hardware‐

Noch nicht ganz fertiggestellt, aber bereits recht

vielversprechend: das Sigrok-Qt-Frontend.

Mitglieder des Fedora-Projektes

gleichermaßen an den

neuen, fluffigen Codenamen

der Releases: So ließ der Projektvorstand

gleichzeitig mit

der Namensvergabe für Fedora

18 darüber abstimmen,

Sigrok: Freie Software für Logikanalyse

Logikanalysatoren, darunter

Saleae Logic, Cwav USBee SX,

Openbench Logic Sniffer

(OLS), Zeroplus Logic Cube

LAP-C, Asix Sigma/​Sigma2

und ChronoVu LA8. Im Wiki

findet sich

eine Liste

der Geräte.

Außerdem

bietet Sigrok

verschiedene

Ausgabeformate,

in denen

sich die Sitzungen

speichern

lassen,

darunter

ASCII,

ob man die bisherige Sitte der

Codenamen nicht in Zukunft

besser komplett fallen lassen

solle. Dagegen entschied sich

jedoch eine deutliche Mehrheit

der Entwickler (http:// tinyurl.​

com/ lu0712‐f19). (jlu)

Bits, Hex, VCD (Value Change

Dump) und Gnuplot. Als

Herzstück der Suite fungieren

die beiden in C geschriebenen

Bibliotheken Libsigrok und

Libsigrokdecode, die einzelnen

Protokolldecoder wurden in

Python 3.x erstellt. Die Bedienung

der Suite erfolgt derzeit

über das Kommandozeilenprogramm

Sigrok-cli. Auf Qt

und GTK basierende grafische

Frontends für Sigrok befinden

sich bereits in Entwicklung,

bedürfen aber noch einigen

Feinschliffs. Die Software

muss man derzeit noch selbst

aus den Quellen bauen, ein

Debian-Paket befindet sich

aber in Arbeit. (uba/​jlu)

22

07 | 12

Das Neueste rund um Linux, aktuelle Kurztests und Artikel aus

LinuxUser finden Sie täglich auf www.linux-community.de


Equinox-Desktop 2.0 freigegeben

Zu den eher unbekannten

Größen in der Riege der

freien Desktops zählt das

schlanke Equinox (http://​

equinox‐project. org), das die

Mainstream-Distributionen

bislang eher ignorieren. Lediglich

Mandriva offeriert die

Oberfläche seit Jahren in seinen

Repositories.

Für das frisch erschienene

Equinox 2.0 haben die Entwickler

viele Teile neu implementiert

und nähern sich damit

den Spezifikationen von

Freedesktop.org immer weiter

an, etwa bei .desktop-Dateien

und Notifications. Auch

verliert die Software die Abhängigkeit

von der selbst gestrickten

Bibliothek eFLTK

und verwendet stattdessen

das klassische FLTK, das die

meisten Linux-Distributionen

enthalten. Der neue

Window Manager Pekwm ersetzt

Edewm, als neue Bibliothek

kommt Edelib hinzu,

das unter anderem D-Bus-

Support bietet. Weitere Informationen

finden sich in

den Release Notes unter

http:// equinox‐project. org/​

wiki/ ChangeLogs/ 2. 0.

Das Equinox Desktop Environment

(EDE) steht unter

GPLv2, die Bibliothek Edelib

unter der LGPLv2. Auf der

Projekt-Homepage finden Sie

den Quelltext-Tarball zum

Download bereit, alternativ

lässt sich der Desktop auch

über ein praktisches Netinstall-Skript

(http:// equinoxproject.

org/ wiki/ NetInstall)

einrichten. (mhu/​jlu)

Die Welt des perfekten Druckens

Neues rund um Linux

aktuelles

TurboPrint 2

for Linux

"Mit TurboPrint macht der Einsatz aktueller Drucker

unter Linux richtig Spaß." Zitat LinuxUser 3/2011

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Tintenstand und Druckerstatus, Tools z.B. Düsenreinigung

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Miniprogramm für Schnellzugriff aus Kontrollleiste

Das Equinox Desktop Environment 2.0 kooperiert bestens auch mit

Gtk-Anwendungen und D-Bus-fähigen Programmen.

Linux Mint 13 mit Long Term Support

Das neue Linux Mint 13,

Codename „Maya“, basiert

auf Ubuntu 12.04 und stellt

wie dieses bis April 2017 Updates

zur Verfügung. Das Release

gibt es in zwei Desktop-

Varianten: Mate 1.2 führt die

Tradition von Gnome 2.x mit

dem Toolkit GTK 2 weiter,

der modernere Cinnamon-

Desktop 1.4 beruht dagegen

auf Gnome 3.x sowie GTK 3

und verlangt 3D-Beschleunigung

für seine Effekte. Daneben

kommt der neue Display

Manager MDM zum Einsatz,

der von Gnomes GDM abstammt.

Linux Mint 13 steht

in Form von ISO-Images für

32- und 64-Bit-PCs zum

Download bereit. Sie finden

Linux Mint 13 in der Cinnamon-Variante

auch auf dem

Pangolin-Megapack, der dieser

Ausgabe auf Ecodisk beiliegt.

(mhu/jlu) n

Mehr Möglichkeiten

Druckvorschau, manueller Duplexdruck

komfortables Drucken im Netzwerk

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schwerpunkt

Gimp 2.8

Überblick über die Neuerungen in Gimp 2.8

Feine Farben

© Iprole, sxc.hu

Die aktuelle Version

2.8 von Gimp

hat große Erwartungen

geschürt.

Alle Ziele haben

README

die Entwickler

nicht erreicht,

aber dennoch

beein drucken die

Neuerungen.

Andreas Reitmaier

Mit dem neuen Ein-

Fens ter-Modus vereinfacht

Gimp 2.8 das Arbeiten

mit dem Bildbearbeitungsprogramm.

Die neue Version bringt

aber viele weitere interessante

Details mit,

die den Umgang mit der

Software erleichtern

und gerade Vielarbeitern

Vorteile bringen.

Das Bildbearbeitungsprogramm

Gimp gilt seit jeher als Paradebeispiel

für Open-Source-Software.

Schon seit Langem arbeitet eine

große Zahl an Entwicklern an der

Applikation, die dem sündhaft

teuren kommerziellen Flaggschiff

Photoshop von Adobe Konkurrenz

macht. 2008 kam die letzte

stabile Version 2.6 heraus. Seitdem

schraubten die Entwickler

heftig an der Oberfläche und unter

der Haube von Gimp. Dabei

unterschätzten sie zunächst den

Umfang der Arbeiten etwas: Ursprünglich

sollte Gimp 2.8 bereits

2010 erscheinen.

Nach nunmehr drei Jahren intensiver

Arbeit steht das Paket

jetzt endgültig bereit. Für das

brandneue Ubuntu 12.04 kam das

Update jedoch wenige Tage zu

spät: Selbst in dieser aktuellen

Distribution finden Sie standardmäßig

noch Gimp 2.6. Dagegen

bringen Mageia 2 und Fedora 17

(beide auf Heft-DVD) das neue

Gimp-Release bereits mit.

Nachrüsten

Wollen Sie die aktuelle Version in

der Distribution Ihrer Wahl nachrüsten,

steht Ihnen die Option offen,

den Quellcode von der Download-Seite

des Projektes herunterzuladen

[2].

Ist Gimp noch nicht installiert,

richten Sie die aktuellste, stabile

Version über den jeweiligen Kommandozeilen-Befehl

des Systems

ein, wie zum Beispiel unter Ubuntu

(Listing 1, Zeile 1) oder Open-

Suse (Listing 1, Zeile 2 und 3).

Haben Sie unter Ubuntu Gimp

2.6 bereits installiert, wenden Sie

die Befehle aus Listing 2 an, um

unkompliziert die aktuelle Version

2.8 nachzurüsten. Zusätzlich

fügen Sie mit dem Befehl aus Zeile

4 die Gimp-Plugin-Registry aus

dem PPA hinzu.

Die Vorgehensweise funktioniert

nur bei den beiden letzten

Ubuntu-Versionen „Precise“ und

„Oneiric“, da Gimp 2.8 auf vielen

aktuellen Bibliotheken basiert, die

Sie in älteren Versionen erst nachrüsten

müssten. Das stellt einen

erheblichen Aufwand dar.

Listing 1

01 # apt‐get install gimp

02 # fast ‐i gimp

03 # zypper in gimp

An der Oberfläche

Zahlreiche Nutzer, insbesondere

Umsteiger von Photoshop und anderen

Bildbearbeitungsprogrammen,

wünschten sich seit Längerem

einen Ein-Fenster-Modus für

Gimp, da sie mit den vielen Fenstern

der bisherigen Gimp-Oberfläche

nicht so richtig klarkamen.

Natürlich bietet der Mehrfenster-

Modus Vorteile, da Sie auf diese

Weise die Möglichkeit haben,

Fenster so anzuordnen, wie es der

eigene Workflow erfordert. Andererseits

sorgt der Ein-Fenster-Betrieb

zunächst einmal für einen

aufgeräumten Arbeitsplatz, was

auch nicht zu verachten ist.

Sie aktivieren den neuen Modus

über Fenster | Einzelfenster-Modus

(Abbildung A). So hat jeder

Anwender die Wahl, und alle

dürften damit zufriedengestellt

sein. Haben Sie den Ein-Fenster-

Listing 2

01 $ sudo add‐apt‐repository

ppa:otto‐kesselgulasch/gimp

02 $ sudo apt‐get update

03 $ sudo apt‐get upgrade

04 $ sudo apt‐get install

gimp‐plugin‐registry

24 07 | 12

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Gimp 2.8

schwerpunkt

Modus aktiviert, teilt sich die

Bedienoberfläche („Canvas“) in

drei Bereiche: das Hauptfenster,

welches das Bild beherbergt, und

zwei Werkzeugleisten an den Seitenrändern.

Die Werkzeugleisten

blenden Sie mithilfe der Tab-Taste

aus, das geöffnete Bild nimmt

dann den gesamten Raum der

Oberfläche ein. Allerdings setzt

das voraus, dass der Fokus der

Maus im Bild liegt, sonst schlägt

diese Funktion nicht an.

Da sich nun keine zusätzlichen

Paletten mehr auf dem Bildschirm

verteilen, bietet das neue Gimp

die Option, weitere Werkzeuge an

die Leisten anzudocken. Reicht

die Höhe nicht aus oder möchten

Sie ein Scrollen vermeiden, dann

legen Sie zusätzliche Spalten für

die Werkzeuge an. So konfigurieren

Sie das Programm ganz nach

Ihren Bedürfnissen für kleine

oder große Monitore und den

Multi-Monitor-Betrieb, erhalten

aber trotzdem über die Tab-Taste

immer den größtmöglichen Arbeitsbereich.

Für Extrembearbeiter

Ein deutliches Plus, das vor allem

beim Komponieren von Bildern

greift, bieten die neuen Ebenengruppen.

Sie ermöglichen

eine Ordnung innerhalb

der Ebenenpalette

in Form einer

Baumstruktur (Abbildung

B), die bei Arbeiten

mit vielen Layern

für mehr Überblick

sorgt. Dabei lassen

sich die Ebenengruppen

so ein- und ausblenden,

wie Sie es gerade

benötigen.

Am besten vergeben

Sie sinnvolle Namen

für die Gruppen, etwa

Hintergrund, Gesicht,

Finish oder Ähnliches,

und schaffen so zusätzlichen

Überblick.

Ebenengruppen weisen

Sie die gleichen

Ebenen-Modi zu wie

einzelnen Ebenen, auch die Einstellung

für die Deckkraft gilt für

die komplette Gruppe. Filter und

Effekte arbeiten ebenfalls auf den

Ebenengruppen, allerdings produzieren

einige Filter dabei noch

Fehlermeldungen.

Für Textarbeiter

Bisher war Gimp ein reines Bildbearbeitungsprogramm,

die Arbeit

mit Texten gestaltete sich

schwierig und eher unpräzise. In

der aktuellen Version hat sich das

deutlich verbessert, da Sie nun die

Möglichkeit haben, Texte direkt

auf der Zeichenfläche zu editieren

und nicht mehr ausschließlich in

einer separaten Textbox (Abbildung

C, nächste Seite).

Der Vorteil liegt auf der Hand:

Sämtliche Änderungen werden so-

A Gimps neuer Einzelfenster-Modus

ist keineswegs

die Standard-

Einstellung, sondern

lediglich eine Option

für jene, die nicht mit

vielen Fenstern arbeiten

möchten.

B Ebenengruppen

bringen Ordnung in

jede aufwendige Bildbearbeitung.

Eine

Gruppe verhält sich

dabei beinahe wie eine

eigene Ebene, inklusive

Ebenen-Modi und

Deckkraft.

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07 | 12 25


schwerpunkt

Gimp 2.8

C Das Bearbeiten von

Texten findet nun komplett

innerhalb des

Canvas statt und erleichtert

so das Gestalten

ganz erheblich.

D Grundsätzlich speichert

Gimp 2.8 Bilder,

die Sie damit bearbeitet

haben, in seinem

eigenen Standard-Format

XCF. Andere Formate

erreichen Sie auf

dem Umweg über den

Befehl Exportieren.

fort sichtbar, und die Vorschau

passt sich automatisch Änderungen

bei den Formaten an. In der

Folge brauchen Sie weniger häufig

Korrekturen des Textrahmens

und der Einstellungen am Text

vorzunehmen – zumindest nicht,

um das Format zu korrigieren.

Abgesehen davon behalten Sie

stets den Überblick über das Gesamtwerk.

Dies erweist sich besonders

dann als vorteilhaft, wenn

Sie mehr als nur ein, zwei Worte

in ein Bild integrieren möchten,

zum Beispiel bei Grußkarten, Flyern

oder Visitenkarten: Nicht jeder

greift dabei gleich auf ein DTP-

Tool wie Scribus zurück.

Große Kleinigkeiten

Gimp 2.8 verändert

das

Verhalten im

Bezug auf das

Speichern der

Dateien. Öffnen

Sie ein beliebiges

Bild in

einem der unterstützten

Formate und

nehmen Sie

daran Änderungen

vor,

legt die Anwendung

dieses

Bild

grundsätzlich

im eigenen

Dateiformat XCF ab, sobald Sie die

Funktion zum Speichern aufrufen.

Öffnen Sie etwa ein JPEG-Bild,

beseitigen darin „rote Augen“ und

möchten das Bild wieder im gleichen

Format speichern, um es als

Foto-Ausdruck zu bestellen, müssen

Sie den Befehl Exportieren

verwenden (Abbildung D). Dafür

entfällt der Umweg über den Dialog,

der in der Vergangenheit erschien,

wenn Sie versuchten, eine

Bilddatei mit Ebenen im Format

JPEG zu speichern.

Eine neue Möglichkeit finden

Sie in einer Vielzahl von Größen-

Dialogen: Diese beherrschen nun

relative Änderungen an den Werten

(Abbildung

E).

Möchten Sie

beispielsweise

ein Bild skalieren,

können

Sie dazu

jetzt den

Wert 50% in

das Eingabefeld

des Dialogs

eintragen,

und

Gimp setzt

dies korrekt

um. In den

Vorversionen

mussten Sie

noch vorab die Maßeinheit Prozent

auswählen, um anschließend

Werte einzutragen. Zudem versteht

der neue Gimp auch andere

Maßeinheiten, wie etwa Pixel

oder (Zenti-)Meter. Selbst Berechnungen

beziehungsweise

Kombinationen akzeptiert das

Programm, wie etwa die Angaben

75% + 20 px oder 4 * 9,3 cm.

Werkzeughilfen

Grafiktabletts gehören bei Bildbearbeitern

zu den am meisten genutzten

Werkzeugen. Häufig

kommen dabei Geräte des Herstellers

Wacom zum Einsatz. In

die Unterstützung der speziellen

Artpen- und Airbrush-Eingabegeräte

investierten die Gimp-Entwickler

viel Arbeit: Die neue Version

unterstützt das Airbrush-Rad

sowie die Rotation des Artpen.

Außerdem kam ein neues Widget

hinzu, das die Einstellungen

für Stifte vereinfacht. Es kombiniert

verschiedene Mechanismen,

die bei vielen Einstellungen für

Werkzeuge und Pinsel zum Einsatz

kommen: einen Schieberegler,

Labels und ein Feld für die

direkte Eingabe von Werten.

Die dynamischen Funktionen

von Pinseln wurden in Gimp 2.8

erheblich erweitert: Nahezu allen

Eigenschaften eines Pinsels können

Sie ab sofort Reaktionskurven

zuordnen. Dazu entwarfen

die Entwickler das System zum

Speichern der Eigenschaften des

Pinsels komplett neu und trennten

dabei die dynamischen Eigenschaften

weitgehend von den

restlichen Einstellungen. Alle Settings

landen nun grundsätzlich in

separaten Dateien, was ganz neue

Ordnungssysteme erlaubt.

Zielgruppe

Gimp versucht seit einiger Zeit,

auch im professionellen Markt

Fuß zu fassen. Da stellt sich die

Frage, ob die aktuellen Anpassungen

diesem Ziel Rechnung tragen.

Eine der lange geforderten Eigenschaften,

nämlich die Fähigkeit

mit CMYK-Daten zu arbeiten, ha-

26 07 | 12

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Gimp 2.8

schwerpunkt

ben die Entwickler in diesem Update

nicht erreicht. Ansonsten

richten sich die Änderungen aber

tatsächlich vor allem an Profioder

zumindest Vielbearbeiter.

Diesen kommt insbesondere die

neuen Oberfläche entgegen, die

sich nach eigenem Bedarf einrichten

lässt, inklusive der praktischen

Steuerung per [Tab].

Noch mehr Vorteile bieten allerdings

die Ebenengruppen, die bei

aufwendigen Arbeiten viel Ordnung

schaffen. Ob ein Profi mit

Texten in Gimp arbeitet, sei allerdings

dahingestellt. In jedem Fall

bieten die Textoptionen aber

deutliche Verbesserungen, dasselbe

gilt für die verbesserte Unterstützung

von Grafik-Tablets.

Aber auch Ein- und Umsteiger

profitieren auf jeden Fall von der

neuen Oberfläche. Insbesondere

das Textwerkzeug ist für diese

Gruppe deutlich intuitiver zu bedienen.

Von den Neuerungen bei

den Ebenen und den erweiterten

Möglichkeiten zum Konfigurieren

bei Tablets bekommen Einsteiger

dagegen eher wenig mit.

Andere Anpassungen, wie das

Speichern in XCF, stabilisieren

den Umgang insgesamt und betreffen

alle Nutzer, erfordern aber

auch Umgewöhnung. Gleiches gilt

für die neuen Möglichkeiten zur

Eingabe von relativen Angaben.

Wer das im Griff hat, arbeitet

deutlich effektiver mit Gimp.

Fazit

Einige der für Gimp 2.8 eigentlich

gesteckten Ziele haben die Entwickler

trotz der Verzögerung des

Releases um nahezu zwei Jahre

nicht erreicht. So wanderte die

Unterstützung des für den Druck

wichtigen CMYK-Farbraums

ebenso wieder einmal auf der Liste

nach hinten wie das vollständige

Umstellen auf die GEGL-Engine

[3], die ein nichtdestruktives

Bearbeiten

von Bildern

erlaubt.

Ganz nebenbei

stricken

die Entwickler

hinter

den Kulissen

an einer

völligen

Neuausrichtung

von

Gimp auf Basis von GTK 3. Diese

erblickt voraussichtlich (samt der

verschobenen Ziele) in Gimp 3.0

das Licht der Welt. Immerhin

bringt die aktuelle Version 2.8

wieder einige Details mit, die dem

Anwender deutlich unter die

Arme greifen – inklusive des Ein-

Fenster-Modus. (agr) n

info

[1] Gimp: http:// www. gimp. org

[2] Download: http:// www. gimp. org/ downloads

[3] GEGL: http:// www. gegl. org

E In einigen Dialogen,

in denen Sie Größen

bestimmen, haben Sie

nun die Möglichkeit,

relative Angaben, wie

etwa 50% oder +50 px

zu verwenden.

Kann eine

Schulungseinrichtung

für mehr als EINEN

Themenbereich

berühmt werden?

Das Linuxhotel ist bekannt für erstklassige Open-Source-Schulungen. In den letzten Jahren kamen Java

und andere Programmiersprachen hinzu - wie immer in Kooperation mit führenden Spezialisten, und in

abgeschiedener, konzentrierter, aber auch ziemlich verspielter Umgebung. Es ist so naheliegend, auch

Entwicklerthemen bei den OpenSource‘lern zu lernen, weil man dort schon immer sehr „unter die

Haube“ guckte und mit viel Freude intensivst arbeitet. Das weiss ein Großteil der deutschen Admins, nur

unter Entwicklern hat's sich noch nicht so ganz herumgesprochen.

Mehr siehe www.linuxhotel.de

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07 | 12 27


schwerpunkt

Kamera-Tracking in Blender

Professioneller Video-Vorspann mit Blender 2.63

Fast wie in Hollywood

Leiten Sie ihr

nächstes Urlaubsoder

Geburtstagsvideo

statt mit

einem einfachen

Titel professionell

mit einem Schriftzug

ein, der sich

perfekt in den

Film einfügt.

Gottfried Hofmann

README

Demo-Dateien

zum Workshop

LU/blender/

Eine der großen Neuerungen

in Blender 2.6

stellt die Integration

eines waschechten Kamera-Trackers

dar. Damit

integrieren Sie dreidimensionale

Objekte

direkt selbst in ein verwackeltes

Video. Die

3D-Kamera folgt dabei

automatisch der Bewegung,

was die Illusion

erzeugt, das einfügte

Objekt sei Teil der echten

Szene.

Was Effekte angeht, so bleiben

Hollywood und das Fernsehen

den Amateuren immer einen

Schritt voraus – doch die Abstände

schrumpfen. Waren früher

„Rolling Titles“ unbezahlbar, also

Vor- und Abspänne, die über

schwarzen Hintergrund laufen,

änderte sich das mit Einführung

der Digitaltechnik. Die Film- und

Fernsehstudios reagierten mit

aufwendigen Animationen, etwa

für die „Bauchbinden“ bei Reportagen.

Aber auch hier holte die

Consumer-Software schnell auf.

Für Linux hält beispielsweise

OpenShot ([1],[2]) in Kombination

mit Blender eine Reihe von

3D-Titelanimationen parat. Aber

die „Großen“ haben reagiert: Seit

einigen Jahren finden sich immer

Der Vorteil der Beispiel-Dateien

Die Demo-Dateien von Blender 2.6x laden zum Stöbern ein.

So finden sich dort fertige Tracks nicht nur des hier verwendeten

Beispiels, sondern beispielsweise auch eine Roboter-

Attacke auf einen Platz in Turin. Diese lassen sich studieren,

um herauszufinden, wie die Profis das Tracking und die

3D-Integration angehen, und dienen ebenso der Inspiration.

mehr 3D-Schriftzüge in Werbung,

Musikclips und Filmen, die sich

perfekt in die Bewegung der Kamera

einpassen und aussehen, als

würden sie zur realen Szene gehören.

Selbst diesen Vorsprung hat

freie Software inzwischen eingeholt,

denn seit Version 2.6 hat die

freie 3D-Suite Blender ein Modul

für Kamera-Tracking integriert.

Die Software Blender [3] unterscheidet

sich von anderen Paketen

aus dem 3D-Bereich dadurch,

dass sie alle benötigten Komponenten

unter einem Dach vereint.

Zu diesem Konzept gehört ein

einheitliches Bedienkonzept, weswegen

die Bedienung des Kamera-

Trackers auf den Rest des Paketes

abgestimmt ist. Standalone-Anwender

müssen sich auf einen

Workflow einstellen, der sich von

jenem anderer Pakete unterscheidet,

und dem reinen Blender-Nutzer

einiges an Aufwand erspart.

Dieser Artikel führt in die Bedienung

des Kamera-Tracking-

Moduls von Blender ein, ohne zu

weit in die anderen Bereiche der

umfangreichen 3D-Suite vorzudringen.

Ein ausführlicher Workshop

zu Blender erschien bereits

Anfang 2011 in LinuxUser

([4],[5],[6]). An der allgemeinen

Bedienung hat sich seither nur

wenig geändert.

Beispieldateien

Sowohl die Software als auch die

Footage, in die später ein Schriftzug

integriert wird, findet sich

auf der offiziellen Blender-Home-

Nicht nur Bildsequenzen

Für diesen Workshop wird zwar eine Bildsequenz genutzt,

der Movie-Clip-Editor von Blender kommt aber auch mit

Video-Dateien klar. Laden lassen sich alle Formate, welche

die FFMPEG-Bibliothek unterstützt. Dazu gehören die

Video-Formate fast aller gängiger Kompakt- und Spiegelreflexkameras

auf dem Markt.

28 07 | 12

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Kamera-Tracking in Blender

schwerpunkt

page. Installieren

lässt sich das aktuelle

Blender 2.63a

einfach durch Herunterladen

und

Entpacken des

Binär-Paketes von

Blender aus der

Downloads-Sektion

der Webseite.

Das verwendete

Material zählt zu

den offiziellen Demo-Dateien

von

Blender 2.6x und

findet sich etwas

versteckt unter [7]

(Demo-Dateien für

Camera Tracking

and Ocean Simulation)

sowie auf der

A Die Tracking-Funktionen

von Blender finden sich im

Movie Clip Editor.

Unterordner Table_

Demofile/table_sequence/.

Dort findet

sich eine Bildsequenz,

von der Sie

nur die erste Datei

anwählen, den Rest

der Sequenz entdeckt

Blender automatisch.

Da die Beispielsequenz

nur

100 Frames umfasst,

die Standard-

Animation in Blender

aber auf 250

eingestellt ist, ändern

Sie die Länge

nach dem Laden am

unteren Fensterrand

(Abbildung

B).

Heft-DVD zu dieser Ausgabe.

Beim ersten Start von Blender

2.63a zeigt sich ein Splash-

Screen, der neben wichtigen

Links die zuletzt bearbeiteten Dateien

enthält. Ein Klick blendet

diesen aus. Dahinter versteckt

sich die 3D-Ansicht von Blender,

die aber momentan noch nicht

von Interesse ist. Das Kamera-

Tracking-Modul erreichen Sie, indem

sie links unten auf das kleine

Würfel-Symbol klicken und in der

Liste den Movie Clip Editor auswählen

(Abbildung A).

Sie haben soeben einen Wechsel

Nun können Sie die Maus über

das Bild bewegen und mit

[Alt]+[A] das Video starten und

stoppen. Der blaue Balken, der

sich unter dem Video mitbewegt,

zeigt die Bilder an, die Blender

gerade im Arbeitsspeicher zwischenspeichert.

Diesen Cache hält

Blender in der Vorgabe sehr klein,

damit das Programm auf alter

Hardware funktioniert. Für ein

flüssiges Arbeiten sollten Sie den

Cache so einstellen, dass das gesamte

Video darin Platz findet.

Die entsprechenden Einstellungen

erreichen Sie über das Menü

des Fenster-Typs in Blender vollzogen.

Auf diese Weise passen Sie

das Interface einfach an die eigenen

Bedürfnisse an. Der Name

des neuen Fensters deutet schon

darauf hin, dass darin deutlich

mehr möglich ist (beziehungsweise

möglich sein wird) als nur Motion-Tracking.

Dieser Artikel konzentriert

sich aber auf die Tracking-Funktionen.

Clip zum Tracken laden

Noch zeigt sich das Editor-Fenster

komplett leer. Am unteren

Rand findet sich eine Schaltfläche

Open, über die Sie Clips laden

können. Wechseln Sie in den Ordner,

in den Sie die Demo-Dateien

entpackt haben, und dort in den

File | User Preferences links oben

oder über das Tastenkürzel

[Strg]+[Alt]+[U]. Dort definieren

Sie die Puffergröße im Reiter System

unter Memory Cache Limit in

MBytes. Um den Beispiel-Clip

komplett zu puffern, genügen

1024 MByte.

Etwas Theorie zum Tracken

Die 3D-Rekonstruktion läuft in

zwei Phasen ab. Zuerst definieren

Sie Punkte im Video, die der Tracker

verfolgen soll. Diese bilden

später die Basis für die Berechnungen

zum Bewegen der Kamera

und zur Position der Punkte im

3D-Raum. Bei der Auswahl der

Punkte gilt es, einige Dinge zu beachten.

Befindet sich im Video

zum Beispiel eine Fläche, auf die

Sie später etwas stellen wollen

(wie in unserem Beispiel auf den

Tisch), dann müssen auf dieser

Ebene mindestens drei Punkte

verfolgt werden: Das ist die Mindestanzahl,

um später daraus

eine Fläche erstellen zu können.

Weiterhin sollten sich die Tracking-Punkte

halbwegs gleichmäßig

über das Bild verteilen und

sich sowohl im Vorder- als auch

B Die Länge der Animation

stellen Sie ganz

unten im Fenster ein.

C Welche Form hat

das oben angewählte

Objekt, und wie weit

dahinter liegt das

nächste? Durch mehrere

Ansichten lässt

sich die Form erkennen

und durch den

Computer errechnen.

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07 | 12 29


schwerpunkt

Kamera-Tracking in Blender

D Wo könnte es sich

lohnen, Tracking-Markierungen

zu setzen?

E Ein guter Ort für

den ersten Marker,

Tastenkombination

[Strg]+[Linksklick].

Hintergrund befinden. Nur so

kann der Tracker aus der perspektivischen

Verzerrung, die bei der

Bewegung der Kamera entsteht,

auf die Geometrie Rückschlüsse

ziehen (Abbildung C, vorherige

Seite). Das bloße Verteilen von

Punkten auf einer Fläche führt

nicht ans Ziel, der Tracker benötigt

auch Punkte auf Wänden

oder Gegenständen.

Betrachten Sie nun die Basisszene

(Abbildung D). Auf dem Tisch

soll später ein Logo stehen. Das

Holz weist viele Astflecken auf,

die sich ausgezeichnet zum Tracken

eignen, da sie starke Kontraste

bieten: Der Tracker arbeitet

mit Graustufen, weswegen sich

dunkle Flecken auf hellem Hintergrund

ideal als Referenz eignen.

Auf dem Boden finden sich

ebenfalls Flecken, wenn auch mit

weniger Kontrasten. An der Wand

sieht es schon schlechter aus:

Rechts unten befindet sich eine

Verunreinigung zwischen Türrahmen

und Bodenleiste, links am

Vorhang ebenfalls eine Struktur,

die der Tracker verfolgen könnte.

Insgesamt könnte das schon ausreichen

– eventuell helfen noch

Punkte an den Ecken des hinteren

Stuhls weiter.

Markierungen setzen

Bevor Sie die Markierungen setzen,

sollten Sie noch zwei Einstellungen

ändern. Zum einen finden

sie links oben unter Marker den

Reiter Tracking Settings. Dort finden

Sie die Konfiguration für den

Suchalgorithmus. Er ist per Voreinstellung

auf Geschwindigkeit

optimiert, es kommt aber unter

Umständen vor, dass Sie manuell

nachkorrigieren müssen. Der Einfachheit

halber wählen Sie das

Preset Blurry Footage, mit dem

sich im Test alle Punkte von Anfang

bis Ende

verfolgen ließen.

Halten Sie [Strg] gedrückt, und

setzen Sie mit einem Linksklick

nun einen Marker auf den deutlich

erkennbaren Astfleck links

unten von der Kanne (Abbildung

E). Im Fenster rechts neben

der Footage erscheint automatisch

eine vergrößerte Ansicht

des markierten Bildteils, wo Sie

nun Feinkorrekturen vornehmen

können.

Wenn Sie den Marker nun mit

einem Klick auf das Vorwärts-

Symbol unter Track im linken

Fenster oder mit der Tastenkombination

[Strg]+[T] verfolgen lassen,

so dürfte das Schauspiel je

nach Hardware so schnell ablaufen,

dass Sie gar nichts davon

mitbekommen, sondern nur das

Ergebnis antreffen. Damit Sie

auch sehen, was sich abspielt, setzen

Sie im rechten Fenster unter

Tracking Settings die Einstellung

Speed auf Double: Jetzt arbeitet

der Tracker höchstens mit der

doppelten Framerate der Animation,

sodass Sie die Bewegungen

verfolgen können.

Setzen Sie nun einen Marker

auf den Astfleck direkt unter der

Kanne. Da Sie sich im letzten

Frame befinden, können Sie ihn

über [Umschalt]+[Strg]+[T] oder

einen Klick auf die entsprechende

Schaltfläche rückwärts verfolgen.

Dazu betrachten Sie den Vorgang

im Detailfenster und der großen

Ansicht. Es empfiehlt sich, jeden

weiteren Punkt einzeln zu verfolgen,

um bei Problemen sofort eingreifen

zu können – zum Beispiel,

indem Sie den defekten Track mit

[X] löschen. Wollen Sie einen

schon vorhandenen Marker anwählen,

so geschieht dies mit der

Feature-Detection?

Es ist Ihnen sicher schon aufgefallen, dass es da noch

diesen Knopf Detect Features gibt: In der Theorie ließe

sich damit der Tracking-Prozess vollständig automatisieren.

In der Praxis schleichen sich dabei aber immer Marker

ein, die das Ergebnis negativ beeinflussen. Um solche Störer

zu erkennen, brauchen Sie schon ein wenig Erfahrung:

Zum Beispiel können Marker an Kanten unmerklich entlanggleiten

und dadurch die gesamte Lösung torpedieren.

Für Anfänger empfiehlt es sich daher, die Marker bei den

ersten Tracks von Hand zu setzen.

30 07 | 12

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Kamera-Tracking in Blender

schwerpunkt

rechten Maustaste. Das Auswählen

von Elementen mit der rechten

Maustaste stellt eines der

Blender-Konzepte dar, die sich

durch alle Module ziehen und bei

Einsteigern zunächst für Verwirrung

sorgen.

Das Setzen der weiteren Marker

verläuft immer nach dem gleichen

Prozedere: Sie setzen mindestens

drei Marker auf die gewünschte

Fläche. Allgemein verteilen

Sie die Marker gleichmäßig

über Vorder- und Hintergrund

und nicht nur auf die Fläche, sondern

auch auf andere Bereiche

des Raums. Marker auf Kanten

und geraden Mustern neigen zum

Gleiten (siehe Kasten Feature-Detection?),

weswegen Sie solche

vermeiden sollten. Eine weitere

Voraussetzung: In dem Zeitraum,

in dem der Solver sich initialisiert,

müssen mindestens acht

erfolgreich getrackte Marker vorhanden

sein – aber dazu später

mehr. Abbildung F zeigt eine

Marker-Verteilung, die zu einem

guten Ergebnis führte.

Die Lösung

Jetzt ist es an der Zeit, die Bewegungen

der Kamera zu errechnen.

Dafür benötigt Blender aber noch

ein paar Informationen zur genutzten

Kamera, und zwar die

Größe des Sensors und die Brennweite,

die zur Aufnahme genutzt

wurde. Am wichtigsten ist die

Größe des Sensors. Diese entnehmen

Sie dem Datenblatt der Kamera

oder bringen Sie aus dem

Internet in Erfahrung. Für zahlreiche

DSLR-Profi-Kameras

bringt Blender zudem bereits

Voreinstellungen mit.

Haben Sie bei einer Aufnahme

einmal vergessen, die Brennweite

zu notieren, so stellt das keinen

Beinbruch dar, denn bei genug

Bewegung und perspektivischer

Verzerrung kann Blender die

Brennweite sehr gut schätzen.

Die Sensor-Breite im Beispiel beträgt

Dabei setzen Sie zuerst die Größe

des Sensors und erst danach die

Brennweite, da Blender diese

sonst relativ zur Sensorgröße

korrigiert.

Um die Bewegung der Kamera

zu errechnen beziehungsweise

aufzulösen, klicken Sie unter

Solve auf Camera Motion (Abbildung

H) oder verwenden den

Shortcut [Umschalt]+[S]. Nach

kurzer Zeit erscheint eine Meldung

Average Solve Error. Diese

zeigt an, wie weit sich die errechneten

Punkte im Raum bei einer

Rückprojektion auf das Video von

den getrackten Markern unterscheiden

(in Pixeln). Werte kleiner

als eins sind gut. Falls trotz

durchweg gut getrackter Marker

22,2 Millimeter,

die

Brennweite

22 Millimeter.

Tragen

Sie diese

Werte in den

Feldern Sensor

und Focal

Length im

Tab Camera

Data ein (Abbildung

G).

G Bei den Kameradaten ist

die Sensor-Breite Pflicht, die

Brennweite einzutragen

empfehlenswert.

H Die Bewegung der Kamera

wird über diesen

Menüpunkt errechnet.

F Ein Beispiel für

eine gute Verteilung

der Marker.

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07 | 12 31


schwerpunkt

Kamera-Tracking in Blender

I Der Schätzalgorithmus

liefert genauere

Werte für Brennweite

und Verzerrung.

J In die Reconstruction-Sektion gelangen

Sie einfach per Menü.

ein großer Fehler auftritt, so

kann eine Verfeinerung der Kameradaten

Erfolg versprechen.

Dafür ist das Menü unter Refine

zuständig. Mehr als die Focal

Length (Brennweite) und K1 (ein

Verzerrungsmaß für die Linse)

sollten Sie nicht benötigen. Wählen

Sie nun Focal Length, K1 und

klicken Sie wieder auf Camera Motion.

Es sollte sich nichts verändert

haben. Das liegt daran, dass

am Anfang des Videos nur wenig

Bewegung herrscht.

Die Werte für Keyframe A und

Keyframe B sind jedoch auf den

Anfang gesetzt. Den Bereich zwischen

diesen beiden Keyframes

nutzt der Lösungsalgorithmus,

um die Daten der Kamera abzuschätzen

und die initiale Rekonstruktion

aufzubauen. Daher sollten

Sie diesen Bereich auf einen

Zeitraum im Video legen, der viel

Bewegung und Veränderungen in

der Perspektive mit sich bringt.

Das ist im Beispiel-Video am

Schluss der Fall. Setzen Sie die

Werte auf 70 und 99 und klicken

Sie wieder auf Camera Motion. Als

Ergebnis erhalten Sie nicht nur

einen geringeren Solve Error, sondern

auch feinere Werte bei

Brennweite und Lens Distortion

(Abbildung I).

Die Szene in 3D

Nachdem Blender die Bewegung

der Kamera nun berechnet hat,

ist es an der Zeit, eine kleine 3D-

Szene zu erstellen, in die Sie den

Schriftzug platzieren. Die dafür

notwendigen Werkzeuge fasst die

Sektion Reconstruction des Tracking-Moduls

übersichtlich zusammen

(Abbildung J).

Um die 3D-Szene auch im Viewport

betrachten zu können, öffnen

Sie ein ein weiteres Fenster,

indem Sie die Maus im aktuellen

Fenster links unten über die drei

keinen Striche bewegen, bis sich

der Cursor zu einem Kreuz verwandelt.

Durch Ziehen der Maus

nach oben erscheint ein neues

Fenster (Abbildung K). Dessen

Einstellung ändern Sie in 3D View

(Abbildung L).

Im 3D Viewport von Blender

funktionieren manche Dinge anders

als bei vergleichbarer Software.

Ein großer Unterschied:

Objekte wählen Sie auch hier mit

der rechten Maustaste an, genauso

wie die Marker im Tracking-

Modul. Der Sinn dahinter erschließt

sich bei größeren Projekten

mit vielen Objekten im Viewport.

Wählen Sie die Kamera mit

einem Rechtsklick (Abbildung M),

und drücken Sie die [0] auf dem

Ziffernblock, um durch die Kamera

zu sehen. Noch erscheint dort

allerdings nicht viel.

Nach einem Klick auf Set as

Background in der Sektion Clip im

Reconstruction-Fenster erscheint

das Video im Hintergrund. Nach

einem weiteren Klick auf Setup

K Weitere Fenster erzeugen

Sie mithilfe der

drei kleinen Striche

links unten in der Ecke

jedes Fensters.

32 07 | 12

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Kamera-Tracking in Blender

schwerpunkt

L Jedes Fenster

wandeln Sie

per Menü in

einen anderen

Fenstertyp um.

M Objekte wählen Sie

in Blender über die

rechte Maustaste aus.

Tracking Scene

erscheinen

zahlreiche

Kreuze und

eine Plane, die

später einmal

den Boden für den Schriftzug bilden

soll (Abbildung N).

Wenn Sie nun durch die Timeline

scrubben oder mit [Alt]+[A] die

Animation abspielen, so scheinen

die Kreuze zwar fest an ihren

Stellen auf dem Tisch zu bleiben,

die Ebene und der Würfel bewegen

sich aber unpassend. Das

liegt daran, dass deren Position

sich irgendwo im Raum befindet,

aber nicht auf dem Tisch.

Hier schaffen Sie Abhilfe, indem

Sie im Reconstruction-Fenster drei

Marker anwählen, die sich auf der

Tischplatte befinden. Das erreichen

Sie, indem sie zuerst einen

Marker mit Rechtsklick anwählen,

dann [Umschalt] gedrückt

halten und zwei weitere Marker

mit der rechten Maustaste anklicken.

Der zuletzt ausgewählte

Marker bildet das Zentrum der

Szene, was Sie aber später noch

ändern können.

Wenn Sie mit drei ausgewählten

Markern unter Orientation auf

Floor klicken, verändert sich die

Szene im Viewport dahingehend,

dass die Ebene tatsächlich auf

dem Tisch liegt. Wirkt die Orientierung

unpassend, wählen Sie

alle Punkte mit [A] ab und dann

einen der Punkte, die den Boden

bilden, wieder an. Ein Klick auf

Set Origin setzt ihn in die Mitte

der Szene (Abbildung O).

Dort sehen Sie zwei dünne, farbige

Striche. Beim roten handelt

es sich um die X-Achse, beim grünen

um die Y-Achse. Durch Anwählen

eines anderen Bodenpunktes

können Sie ihn mit Set X

Axis auf der roten Linie platzieren,

was das Orientieren erleichtert.

Das gleiche Spiel funktioniert

auch mit der Y-Achse.

Wenn Sie nun mit [F12] rendern,

dann sehen Sie einen halben

Würfel auf dem Tisch sowie

dessen Schatten, der möglicherweise

über den Tisch hinaus

reicht (Abbildung P, folgende Seite).

Für den Schatten ist die Plane

zuständig. Wählen Sie den Würfel

an und löschen Sie ihn mit [X].

Fügen Sie mit [Umschalt]+[A]

und Anwahl von Text einen Text

hinzu. Diesen editieren Sie über

[Tab]. Wiederholtes Drücken

von [Tab] bringt Sie zurück.

Falls sich der Text in der Ebene

nicht erkennen lässt, hilft die

Drahtgitter-Ansicht weiter (Abbildung

Q, folgende Seite). Eine

Rotation von 90 Grad um die X-

Achse ([R],[X],90)

hebt den Text aus

der Ebene. Wenn

Sie nun [R],[Z]

wählen, können

N Blender erstellt automatisch eine rudimentäre Szene fürs Tracking.

O Kleines Fenster,

große Wirkung.

Hier lässt sich die

Szene so ausrichten,

dass einfaches

Arbeiten im Viewport

möglich wird.

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07 | 12 33


schwerpunkt

Kamera-Tracking in Blender

P So könnte das erste Rendering aussehen.

Der Autor

Gottfried Hofmann

studierte Informatik

an der FAU Erlangen-

Nürnberg. Er arbeitet

als Freelancer im Bereich

Digitale Spezialeffekte

und Motion

Graphics sowie als

Trainer für die Open-

Source-3D-Software

Blender. Auf der Webseite

http:// www.​

BlenderDiplom. com

bietet er Blender-Tutorials

in deutscher

Sprache an.

Sie den Text beliebig um die Z-

Achse rotieren, sprich: auf dem

Tisch drehen. Mit [S] vergrößern

und verkleinern Sie ihn, mit [G]

verschieben Sie ihn. Wenn Sie

nach [G] noch [Umschalt]+[Z]

drücken, verschieben Sie den Text

so, dass er sich nicht auf der Z-

Achse bewegt, also auf dem Tisch

bleibt. Heran- und weg zoomen

Sie mit dem Mausrad.

Feinschliff am Text

Nun ist der Text ausgerichtet,

sieht aber noch zweidimensional

und damit recht langweilig aus.

R Die Textoptionen erlauben ein einfaches Formatieren.

Q Die Drahtgitter-Ansicht macht die Szene übersichtlicher.

Das ändern Sie über die Text-Eigenschaften,

die Sie im rechten

Panel im Tab mit dem F-Symbol

finden (Abbildung R). Die dortigen

Optionen kennen Sie zum

größten Teil aus Textverarbeitungsprogrammen.

Dagegen beziehen

sich die Einstellungen unter

Geometry auf die dritte Dimension:

Über Extrude erweitern

Sie den Text in den 3D-Raum, die

Einstellungen unter Bevel erzeugen

abgeflachte Kanten.

S Akzente setzen über

die Render-Optionen.

Eine Besonderheit bietet die Sektion

Font: Blender greift nicht auf

die installierten Schriftarten zurück,

sondern Sie müssen die

TTF-Schriftartdateien direkt anwählen

– was im Falle von aus

dem Internet heruntergeladenen

Schriften aber kein Problem darstellt.

Für den Schriftzug auf dem

Tisch empfiehlt es sich, die Einstellung

Small Caps zu nutzen, die

Kleinbuchstaben in verkleinerte

Großbuchstaben umwandelt. Dadurch

passiert es

nicht, dass die Unterlängen

von Kleinbuchstaben

wie „g“

oder „p“ den Boden

durchstoßen.

Zwei Kleinigkeiten

gilt es, jetzt noch zu

beachten. Zum einen

scheint der Text ein

wenig in der Bodenplatte

zu versinken.

Das Problem lösen

Sie, indem Sie ihn

anwählen und nach

Drücken von [G],[Z]

ein wenig anheben.

Das zweite Problem:

Beim Rendern erscheint

der Text

möglicherweise

durchsichtig. In diesem

Fall wählen Sie

ihn an und drücken

[M],[ 1 ]. Das setzt

den Text auf den

Layer 1, also eine ei-

34 07 | 12

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Kamera-Tracking in Blender

schwerpunkt

T Es gibt zwar noch viel Raum für Verbesserungen, etwa beim Schatten –

aber der Text steht bereits fest auf der Tischplatte.

gene Ebene. Was das genau zu bedeuten

hat, liegt allerdings außerhalb

der Reichweite dieser kurzen

Einführung in das Thema.

Nun können Sie die Animation

rendern. Dafür finden Sie zahlreiche

Optionen in den Render-Einstellungen

(Abbildung S). Wichtig

ist hier, unter Anti-Aliasing

den Punkt Full Sample zu aktivieren,

um die Qualität zu erhöhen.

Unter Encoding finden sich zahlreiche

Presets für Video-Dateien

– Blender nutzt hier Ffmpeg.

Ausblick

Der Text steht im Video trotz bewegter

Kamera fest auf dem

Tisch. Es gibt aber noch ein paar

Details, die den Realismus einschränken,

wie zum Beispiel der

Schattenwurf (Abbildung T). Diesen

könnten Sie korrigieren, indem

Sie die Position und die Farbe

der Lampe in der Szene ändern

und weitere Lampen hinzufügen.

Darüber hinaus könnte der Text

Tastenkürzel

Die Bedienung von Blender fällt

sehr Shortcut-lastig aus, was für erfahrene

Anwender ein flottes Arbeiten

ermöglicht, für Anfänger aber

erstmal eine steile Lernkurve bedeutet.

Die drei wichtigsten Shortcuts:

[G] steht für „grab“, also nehmen

(und dann bewegen), [S] für

„scale“ (skalieren) und [R] für „rotate“

(drehen).

noch eine schönere Farbe bekommen

und – je nach Szene – eventuell

noch eine passende Textur.

Solche Themen würden aber

den Rahmen dieser kleinen Einführung

deutlich sprengen. Wenn

Sie Lust auf mehr bekommen haben,

empfiehlt sich der Erwerb

der offiziellen Blender-Trainings-

DVD „Track, Match, Blend!“ von

Sebastian König. Sie erhalten die

Disk über den Blender E-Shop [8].

Die Einnahmen aus den Verkäufen

dienen dazu, die festangestellten

Programmierer von Blender

zu bezahlen. Eine gute deutsche

Community bei allen Fragen

rund um die freie Rendering-

Software ist das Online-Forum

BlendPolis [9]. (jlu) n

[1] OpenShot: http:// www. openshotvideo. com

info

[2] OpenShot-Workshop: Tim Schürmann, „Gegenschuss“, LU 04/​2010, S. 46,

http:// www. linux‐community. de/ 20481

[3] Blender: http:// www. blender. org

[4] Blender-Workshop (1): Gottfried Hofmann, „Quantenfussel“, LU 01/​2011,

S. 28, http:// www. linux‐community. de/ 21422

[5] Blender-Workshop (2): Gottfried Hofmann, „Haarige Angelegenheit“,

LU 02/​2011, S. 56, http:// www. linux‐community. de/ 22799

[6] Blender-Workshop (3): Gottfried Hofmann, „Marionette“, LU 03/​2011, S. 64,

http:// www. linux‐community. de/ 22956

[7] Footage für den Workshop: http:// www. blender. org/ development/ release‐logs/​

blender‐261/ blender‐261‐demo‐files/

[8] Blender-E-Shop: http:// www. blender3d. org/ e‐shop/

[9] Deutsches Blender-Forum: http:// www. blendpolis. de/

Digitales aBO

linuxUser: Das Monatsmagazin für die Praxis

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07 | 12 35

E-Mail: abo@linux-user.de


schwerpunkt

Kdenlive 0.9

Videoschnitt mit Kdenlive

Große Schneiderei

Das Videoschnittprogramm Kdenlive richtet sich vor allem an semiprofessionelle

Anwender. Die frisch erschienene Version 0.9 bringt einige

interessante Neuerungen mit. Tim Schürmann

© Leonid Yastremskiy, 123RF

README

Kdenlive hat sich zu

einem der beliebtesten

und umfangreichsten

Videoschnittprogramme

unter Linux gemausert.

Den großen Funktionsumfang

erkauft man allerdings

mit einer komplexeren

Bedienung.

Hat man sich jedoch

erst einmal mit der

grundlegenden Arbeitsweise

vertraut gemacht,

geht der Videoschnitt

erstaunlich leicht von

der Hand.

Mit jeder neuen Version erhält

Kdenlive [1] zahlreiche weitere

Funktionen und Effekte. Mittlerweile

nähert sich das Videoschnittprogramm

sogar langsam

professionellen Platzhirschen wie

Adobe Premiere an. Auch wenn

die Entwickler in der kurz vor Redaktionsschluss

freigegebenen

Version 0.9 die Bedienung an vielen

kleinen Stellen verbessert haben,

erschlägt die Benutzeroberfläche

jeden Einsteiger mit ihren

vielen Schaltern und Symbolen.

Wer zum ersten Mal ein Video

nachbearbeitet und möglichst

schnell Ergebnisse erzielen möchte,

der sollte eventuell besser einen

Blick auf OpenShot werfen

[2]. Andererseits bietet Kdenlive

weitaus mehr Gestaltungsmöglichkeiten:

Das Einarbeiten

könnte sich folglich lohnen.

Tückischer Paketdienst

Die größte Hürde auf dem Weg

zum fertigen Video wartet gleich

zu Beginn. Einige Distributionen

wie OpenSuse, ignorieren Kdenlive

komplett, bei anderen liegt

nur eine überholte Version in den

Repositories. So offeriert Ubuntu

12.04 nur das fast ein Jahr alte

Kdenlive 0.8.2.1. Glücklicherweise

bieten die Entwickler fertige

Pakete für alle gängigen Distributionen

an [3]. Der Kasten Frisch

geliefert zeigt die Installation anhand

der Beispiele Ubuntu 12.04

und OpenSuse 12.1.

Allerdings sollten Sie sich nicht

zu früh freuen: Zumindest zu Redaktionsschluss

waren die Pakete

von gemischter Qualität und teilweise

sogar noch veraltet. So

mussten Besitzer der 32-Bit-Fassung

von OpenSuse 12 weiterhin

mit der Version 0.8.2.1 vorliebnehmen,

für die 64-Bit-OpenSuse

gab es nur englische Menüs. In

solchen Fällen könnten Sie jetzt

auf die Idee kommen, das Videoschnittprogramm

selbst zu übersetzen.

Aufgrund der unzähligen

Abhängigkeiten ist das jedoch

eine fehlerträchtige Aufgabe. Sie

sollten daher lieber auf die eine

oder andere neue Funktion verzichten

und zu den bereitgestellten

älteren Paketen greifen.

Frisch geliefert

Um Kdenlive unter Ubuntu 12.04 zu installieren,

starten Sie über das Dash die Aktualisierungsverwaltung

(Sie lesen richtig). Dort klicken Sie

ganz links unten auf Einstellungen, wechseln im

neuen Fenster auf das Register Andere Software,

entscheiden sich für Hinzufügen … und

tippen in das Eingabefeld ppa:sunab/kdenlive‐release

ein. Per Software-Paketquelle hinzufügen

und Schließen geht es wieder zurück

zur Aktualisierungsverwaltung. Dabei geben Sie

auf Nachfrage das Passwort des Systemadminis

trators preis (in der Regel Ihr eigenes).

In der Aktualisierungsverwaltung klicken Sie

jetzt auf Prüfen und lassen anschließend alle

Aktualisierungen installieren. Danach Schließen

Sie die Aktualisierungsverwaltung, öffnen das

Software-Center und suchen nach Kdenlive. Lassen

Sie es noch nicht Installieren, sondern prüfen

Sie erst unter den Informationen, ob die Version

tatsächlich mit kdenlive 0.9 … beginnt. Als

Benutzer von OpenSuse 12.01 starten Sie YaST

(beispielsweise über das K-Menü, Rechner |

Yast) und entscheiden sich im Bereich Software

für die Software-Repositories. Im neuen Fenster

klicken Sie am unteren Rand auf Hinzufügen,

wählen Community/​Gemeinschafts-Repositories,

gehen Weiter, haken in der Liste der Repositories

den Punkt Packman Repository an und

klicken auf OK. Dem GnuPG-Schlüssel können

Sie Vertrauen. Schließen Sie das Fens ter mit

OK, und starten Sie in YaST das Modul Software

installieren oder löschen. Ins Suchfeld tippen

Sie Kdenlive, haken rechts daneben das

Paket kdenlive ab, klicken rechts unten auf Akzeptieren,

nicken die Abhängigkeiten mit Fortfahren

ab und warten die Installation ab.

38 07 | 12

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Kdenlive 0.9

schwerpunkt

Auf den Download-Seiten finden

Sie übrigens noch eine Live-DVD

und VirtualBox-Images, mit denen

Interessenten ohne Risiko in

Kdenlive hineinschnuppern können.

Die Entwickler haben die

Pflege jedoch schon 2009 eingestellt,

die auf der DVD und in den

Images enthaltenen Kdenlive-

Versionen sind folglich gnadenlos

veraltet. Wenn Sie sich Kdenlive

unverbindlich ansehen möchten,

greifen Sie zu AV Linux [4]: Dessen

Live-DVD enthält auch das

aktuelle Kdenlive 0.9.

Einrichtungshaus

Starten Sie Kdenlive zum ersten

Mal, meldet sich der kleine Assistent

aus Abbildung A. Das

Schnittprogramm überlässt im

Hintergrund der Software MLT

den Umgang mit den verschiedenen

Video- und Audio-Formaten.

Nach einem ersten Klick auf Weiter

beziehungsweise Next prüft

der Assistent, ob alle MLT-Bestandteile

ordnungsgemäß verfügbar

sind. Haben Sie Kdenlive

wie im Kasten Frisch geliefert aus

den offiziellen Paketen installiert,

sehen Sie hier blaue Haken. Das

Register Verfügbare Codecs zeigt

an, welche Video- und Audio-Formate

Kdenlive verarbeitet.

Einen Schritt Weiter (Next) wählen

Sie das Videoformat der Kamera

aus. Voreingestellt ist das

hochauflösende HDV mit 1440

mal 1080 Bildpunkten im Interlaced-Verfahren

mit 25 Bildern

pro Sekunde. Das Handbuch Ihrer

Kamera sollte die hier passenden

Daten liefern. Im Zweifelsfall

wählen Sie das Format, in dem

Sie die Videos später bevorzugt

ausgeben möchten – bei einer

DVD-Produktion etwa DV/​DVD

PAL. Kdenlive verwendet diese

Auswahl später an verschiedenen

Stellen als Grundlage beziehungsweise

Vorgabe. Sie können aber

dennoch beliebige Video-Dateien

laden, schneiden und auch in verschiedenen

Formaten ausgeben –

die Vorgabe ist also beileibe nicht

in Stein gemeißelt.

Während des Schnittes erzeugt

Kdenlive verschiedene Dateien,

wie etwa eine Schnittliste oder

Vorschauen. In welchem Verzeichnis

diese Projektdateien

standardmäßig landen sollen, teilen

Sie dem Assistenten im nächsten

Schritt mit (Abbildung 2).

Die übrigen Punkte lassen Sie abgehakt

und klicken auf Weiter. Sofern

Sie eine Webcam besitzen,

schließen Sie diese jetzt an und

klicken auf Überprüfen (Check).

Sie können dann später direkt

aus Kdenlive heraus Aufnahmen

mit ihr machen.

Nach einem Klick auf Weiter

(Next) nennt Kdenlive ein paar

optionale Hilfsprogramme, die es

für seine Arbeit benötigt. So können

Sie beispielsweise nur dann

direkt eine fix und fertige DVD

erzeugen, wenn auch Dvdauthor

und Mkisofs installiert sind. Sie

sollten daher möglichst alle Programme

mit einem roten Warnsymbol

jetzt über den Paketmanager

einspielen.

Nach einem Klick auf Fertigstellen

beziehungsweise Finish erscheint

endlich das Hauptfenster

von Kdenlive. Der erste Schritt

besteht darin, es so breit wie

möglich aufzuziehen. Wie Sie bei

der Arbeit schnell feststellen werden,

kann der Monitor für den

bequemen Videoschnitt gar nicht

breit genug ausfallen.

Hereinspaziert

Das Hauptfenster besteht aus

vier Teilbereichen: Ganz links

oben sammeln Sie auf dem Register

Projektinhalt das in Ihrem

Filmprojekt verwendete Ausgangsmaterial,

also etwa Videoschnipsel

und Musikstücke. In

der freien Fläche direkt rechts daneben

erscheinen später die Einstellungen

für Effekte und Übergänge.

Ganz rechts finden Sie

schließlich die Vorschau. Den

größten Bereich nimmt in der unteren

Hälfte die Zeitleiste in Anspruch.

Auf den dortigen Videound

Audio-Spuren arrangieren

Sie den kompletten Film.

Bevor es so weit ist, muss erst einmal

das Ausgangsmaterial her.

Dazu doppelklicken Sie links oben

in den weißen Bereich Projektinhalt

(Project Tree) oder wählen Projekt

| Datei hinzufügen (Project |

Add Clip). Nach etwas Bedenkzeit

erscheint der Clip nun ganz rechts

in der Vorschau. Jetzt kommt das

vorhin im Assistenten vorgegebene

Videoformat ins Spiel: Alle eingelesenen

Videos passt Kdenlive

an genau dieses Format an.

In Abbildung 3 auf der nächsten

Seite wurde beispielsweise im

Assistenten das DVD-Format

gewählt, aber ein HD-Video im

Breitbildformat eingeladen.

Kdenlive ergänzt das HD-Video

um schwarze Balken und presst

es auf diese Weise in das 4:3-Format.

Damit sehen Sie schon jetzt,

wie das Video später bei der Ausgabe

aussehen wird.

Die originalen Videodateien

bleiben dabei unverändert, Kdenlive

erstellt erst einmal nur eine

Vorschau. Daher können Sie auch

nachträglich noch das von Kdenlive

verwendete Videoformat ändern.

Dazu rufen Sie Projekt |

Projekteinstellungen (Project | Pro­

A Der Assistent hilft

beim Einrichten von

Kdenlive und prüft

auch gleich noch, ob

alle benötigten Softwarekomponenten

vorliegen.

2 Bei Bedarf zeigt

Kdenlive in der Zeitleiste

kleine Vorschaubilder

als Orientierung

an und sichert im Hintergrund

das Projekt

automatisch.

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07 | 12 39


schwerpunkt

Kdenlive 0.9

3 Hier wurde im

Assis tenten das Videoformat

DV/​DVD PAL gewählt,

an das Kdenlive

jetzt die importierten

HD-Videos anpasst –

als Folge entstehen

schwarze Balken.

Neuheiten in Kdenlive 0.9

ject Settings) auf und wählen im

Fenster einfach ein anderes Videoprofil

(Profile). Mitunter bietet

Kdenlive direkt beim Öffnen des

ersten Videoclips an, dessen Format

als Basis zu verwenden.

Laden Sie jetzt auf die beschriebene

Weise alle Clips, die Sie für

den Film benötigen. Sobald Sie einen

davon anklicken, erscheint er

rechts im Vorschau-Monitor –

allerdings nur, wenn dort das Register

Clip-Monitor aktiviert ist

(unterhalb des Vorschaubildes).

Bleibt die Vorschau schwarz, warten

Sie ein paar Sekunden. Insbesondere

bei HD-Material benötigt

Kdenlive stets etwas Bedenkzeit.

Sollte nach einer Weile immer

noch kein Bild erscheinen, konnte

Trotz des Versionssprungs von Version 0.8 auf 0.9 halten sich

die Neuerungen in Grenzen [6]. Im überarbeiteten Effektmagazin

dürfen Sie jetzt die Effekte gruppieren und bequem per

Drag & Drop deren Reihenfolge ändern. Darüber hinaus lassen

sich die Einstellungen mehrerer Effekte gleichzeitig modifizieren.

Neu ist der Online-Browser, mit dem Sie recht bequem das Angebot

der Open-Clip-Art-Library, der Archive.org-Videobibliothek und

der FreeSound-Audio-Bibliothek durchsuchen und anzapfen. Haben

Sie mit mehreren Kameras gleichzeitig etwa eine Theateraufführung

gefilmt, richtet Kdenlive 0.9 die Videos in der Zeitleiste

anhand der Tonspur passend zueinander aus.

Abschließend können Sie jetzt Clips nach Datum sortieren, ausschließlich

den Ton aufzeichnen lassen, weitere Effekte von MLT

und Frei0r nutzen, und schon während der Aufnahme mit Histogramm,

RGB-Parade und Co. die Videos begutachten.

Neben den neuen Funktionen enthält Kdenlive 0.9 allerdings

auch einige ärgerliche neue Bugs, wie die Entwickler kurz vor

Drucklegung dieses Hefts bekanntgaben [7]. Wenn Sie diese Seiten

lesen, liegt wahrscheinlich bereits eine fehlerbereinigte Version

0.9.1 vor – es lohnt also ein Blick auf die Projektseite.

Kdenlive die Videodatei nicht lesen.

In diesem Fall hakt irgendwo

etwas bei MLT, oder aber die Videodatei

weist einen Fehler auf.

Eine Fehleranalyse ist hier recht

aufwendig, Hilfe finden Sie im

Kdenlive-Forum [5].

Über die kleinen Symbole unterhalb

des Vorschaubildes starten

Sie die Wiedergabe des Clips.

Dummerweise fallen die Knöpfe

hier äußerst klein aus – sie mit

dem Mauszeiger zu treffen, bedarf

schon etwas Geschick. Den

Vor- und Rücklauf erreichen Sie

zudem nur über das Menü Monitor,

wo Sie auch die jeweiligen

Tastenkürzel finden. Da diese die

Arbeit extrem beschleunigen,

sollten Sie sich die wichtigsten

Shortcuts notieren oder besser

sogar auswendig lernen.

Abgehackt

Häufig benötigt man aus einem

Clip nur den Mittelteil – beispielsweise,

wenn man wieder

mal vergessen hat, die Kamera

abzuschalten, und ein paar Sekunden

die eigenen Füße gefilmt

hat. In solch einem Fall spulen Sie

im Clip-Monitor an den zukünftigen

Anfang und setzen mit [I]

den Anfangspunkt („In-Point“).

Anschließend geht es zum letzten

noch erwünschten Bild, wo Sie

mit [U] das Ende des Clips festlegen

(„Out-Point“). Sind Sie geschickt

genug, können Sie auch

auf dem klitzekleinen schwarzen

Dreieck direkt unterhalb des Vorschaubildes

die linke Maustaste

gedrückt halten und dann mit

Mausbewegungen schnell durch

das Video düsen (neuhochdeutsch:

„scrubben“).

Den fertig beschnittenen Clip

müssen Sie jetzt nur noch per

Drag & Drop aus der Vorschau in

eine Videospur auf der Zeitleiste

ziehen. Sofern Sie einen Clip

nicht mehr zu beschneiden brauchen,

können Sie ihn auch direkt

aus der Liste Projektinhalt links

oben in die Zeitleiste ziehen. Beachten

Sie dabei, dass die Vorschau

rechts oben automatisch

auf den Projektmonitor (Project

Monitor) umschaltet. Dieser (und

nur er) zeigt eine Vorschau des

arrangierten Films.

Die Videoschnipsel auf der Zeitleiste

ziehen Sie per Drag & Drop

an die gewünschte Stelle. Dabei

gilt die in Schnittprogrammen

übliche Regel: Wie in einem Stapel

Fotos überdeckt ein Video immer

alle Clips, die in den Spuren

direkt unter ihm liegen. Über die

Lupensymbole am unteren Rand

des Hauptfensters vergrößern

und verkleinern Sie die Darstellung.

Falls die Anzahl der Spuren

nicht ausreicht, fügen Sie über

Projekt | Spuren | Spur einfügen

(Project | Tracks | Insert Tracks)

weitere hinzu.

Selbstverständlich dürfen Sie einen

Clip auch direkt in der Zeitleiste

in zwei Teile schneiden.

Dazu klicken Sie den fraglichen

Clip einmal an, sodass er eine

rote Umrandung erhält. Fahren

Sie jetzt im Projektmonitor an die

Stelle, wo der Schnitt erfolgen

soll. Sie können dazu auch die

Zeitnadel per Drag & Drop verschieben.

Haben Sie die passende

Stelle gefunden, drücken Sie

[Umschalt]+[R]. Alternativ aktivieren

Sie den Knopf mit der

Schere am unteren Rand des

Hauptfensters und klicken dann

an die entsprechende Schnittstelle

im Clip. Das gerät allerdings etwas

fummelig, da Sie genau mit

der Mitte der geöffneten Schere

die gewünschte Stelle im Clip

treffen müssen.

Effektiv

Um einen Clip mit einem netten

Videoeffekt zu versehen, wechseln

Sie im mittleren oberen Bereich

des Hauptfensters auf das

Register mit der Effektliste (Effect

List). Aus Gründen der Übersichtlichkeit

sortiert Kdenlive dort die

einzelnen Effekte in Gruppen,

wobei die Einordnung allerdings

teilweise etwas inkonsistent ausfällt.

Um etwa den Kontrast des

Filmmaterials anzupassen, müssen

Sie die Gruppe Farbe (Colour)

40 07 | 12

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Kdenlive 0.9

schwerpunkt

öffnen, während die Helligkeit

(Brightness) zur Farbkorrektur (Colour

Correction) gehört.

Haben Sie den gewünschten Effekt

gefunden, ziehen Sie einfach

seinen Namen aus der Liste auf

den entsprechenden Clip. Kdenlive

wählt den Clip jetzt automatisch

aus und zeigt alle auf ihn

angewendeten Effekte auf dem

Register Effektmagazin (Effect

Stack). Dort finden Sie auch die

Einstellungen des Effektes – vorausgesetzt,

er bietet solche an

(Abbildung 4). Um einen Effekt

wieder zu entfernen, klicken Sie

im Effektmagazin auf das Symbol

mit dem X ganz rechts neben seinem

Namen.

Überblendungen zwischen zwei

Clips entstehen in Kdenlive auf

einem anderen Weg: Platzieren

Sie zunächst die beiden betroffenen

Clips wie in Abbildung 5

leicht versetzt auf zwei Spuren.

Dort, wo sich die beiden Clips

überlappen, findet gleich die

Überblendung statt. Fahren Sie

jetzt mit der Maus in die rechte

untere Ecke des oberen Clips, also

an die Nahtstelle zwischen den

beiden Videos. Der Zeiger verwandelt

sich in eine Hand, während

die Ecke des oberen Clips

leicht grün zu glühen beginnt.

Wenn Sie jetzt die linke Maustaste

drücken, erstellt Kdenlive

automatisch eine einfache Überblendung

zwischen den beiden

Videos, repräsentiert durch ein

kleines gelbes Kästchen (Abbildung

5). Das Ergebnis begutachten

Sie in der Vorschau. Falls Ihnen

der Effekt nicht gefällt, klicken

Sie das gelbe Kästchen an

(unter Umständen ist es halb von

einem der Clips verdeckt) und

wählen dann auf dem Register

Übergang (Transition) aus der Ausklappliste

Typ (Type) einen anderen

Effekt. Das gelbe Kästchen

können Sie übrigens in seiner

Länge ändern und somit die Dauer

des Effektes beeinflussen.

Dazu ziehen Sie einfach mit dem

Mauszeiger an seinen Enden des

jeweiligen Effektstreifens.

Ist der Film schließlich arrangiert

und mit Effekten gewürzt, klicken

Sie in der Symbolleiste auf

Rendern (Render). Im neuen Fenster

entscheiden Sie zunächst unter

Typ, was Kdenlive mit dem

Film anstellen soll. Unter anderem

können Sie ihn für eine DVD

vorbereiten oder in eine einfache

Video-Datei (File Rendering) exportieren.

Im Eingabefeld darunter

vergeben Sie noch einen Dateinamen

für die Ausgabedatei

und suchen sich dann in der beziehungsweise

den Listen darunter

ein Videoformat aus. Im Zweifelsfall

übernehmen Sie einfach

die Vorgaben von Kdenlive.

Möchten Sie sofort eine fertige

DVD erstellen, dann haken Sie

noch DVD-Assistenten nach dem

Rendern öffnen (Open Dvd wizard

after rendering) an. Abschließend

lassen Sie den Film per Rendere in

Datei (Render to file) generieren.

Das dauert je nach Umfang des

Films und Leistungsfähigkeit des

Computers unter Umständen

mehrere Stunden.

Für das Erzeugen eines Datenträgers

öffnet sich anschließend

noch der DVD-Assistent. Dort

prüfen Sie kurz, ob unter DVD-

Formatierung (DVD format) das

korrekte Ausgabeformat eingestellt

ist, und klicken sich dann

immer Weiter (Next) bis zum letzten

Schritt Erstelle DVD-Image

(Creating DVD Image). Hier lassen

Sie ein ISO-Image erzeugen (Create

ISO image), das Sie noch auf eine

[1] Kdenlive: http:// www. kdenlive. org

[2] OpenShot: http:// openshot. org

[3] Kdenlive-Pakete:

info

http:// www. kdenlive. org/ user‐manual/ down

loading‐and‐installing‐kdenlive

[4] AV Linux:

http:// www. bandshed. net/ AVLinux. html

[5] Kdenlive Forum:

http:// www. kdenlive. org/ forum

[6] Neuerungen in Kdenlive 0.9:

http:// www. kdenlive. org/ users/ j‐b‐m/​

kdenlive‐09‐released

[7] Bugs in Kdenlive 0.9: http:// www. kdenlive.​

org/ users/ j‐b‐m/ fixing‐bugs‐kdenlive‐09

DVD brennen müssen. Welchen

Namen das Image trägt, legen Sie

unter DVD-ISO-Image fest.

Fazit

Kdenlive besitzt in der Version

0.9 noch viele kleinere Macken.

So zeigte die Vorschau während

unserer Arbeit immer mal wieder

Grafikfehler, und das Bearbeiten

von HD-Videos gestaltete sich äußerst

zäh. Darüber hinaus wollte

Kdenlive das fertige Video hin

und wieder nicht exportieren.

Hier rächen sich ganz offensichtlich

die zahlreichen Abhängigkeiten,

deren Qualität von der

jeweiligen Distribution abhängt.

So lief das Schnittprogramm unter

Ubuntu wesentlich instabiler

als unter OpenSuse. Wer mit

Kdenlive arbeitet, sollte häufig

über Datei | Speichern unter…

(File | Save As…) den Projektstand

sichern.

Derzeit werkeln die Entwickler

mit Hochdruck an der Version

1.0. Um die Arbeit voranzutreiben,

riefen sie Anfang des Jahres

eine Spendenkampagne ins Leben.

Mit dem gesammelten Geld

bezahlt das Team einen freien

Programmierer, der für einen Monat

in Vollzeit vor allem unter der

Haube aufräumen soll. (jlu) n

4 Um an die Einstellungen

eines Effektes

zu gelangen, müssen

Sie ihn möglicherweise

im Effektmagazin erst

mit einem Klick auf

das Dreieck links neben

seinem Namen

aufklappen.

5 Hier überblendet

Kdenlive das obere Video

in das untere. Der

kleine, nur schwer zu

erkennende gelbe

Kasten zwischen den

beiden Clips repräsentiert

das Überblenden.

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07 | 12 41


schwerpunkt

Tintii

Fotos gezielt einfärben mit Tintii

Schönfärberei

Steven Spielberg drehte „Schindlers Liste“ komplett in Schwarz-Weiß – nur in einer kurzen Szene trägt

ein kleines Kind einen rot leuchtenden Mantel. Solch einen eindrucksvollen Farbeffekt wendet die

schlanke Software Tintii halb automatisch auf beliebige Farbfotos an. Tim Schürmann

© Mike Flippo, 123RF

README

Das Bildverarbeitungsprogramm

Tintii wandelt

Farbfotos in Schwarz-

Weiß-Bilder, in denen es

dann einzelne Bereiche

effektvoll einfärbt.

Neu angerührt

Wichtige Objekte auf Fotos hebt

man gezielt hervor, indem man

den Hintergrund unscharf einstellt,

das Motiv ausschneidet

oder aber allen unwichtigen

Partien kurzerhand die Farbe entzieht.

Ein Beispiel für die letztgenannte

Variante zeigt die Abbildung

A. Diesen auf neuhochdeutsch

auch als Selective Color

Um Tintii frisch aus dem Quellcode zu erstellen, installieren Sie

zunächst über Ihren Paketmanager den C++-Compiler, Make sowie

die Entwicklerpakete zu wxWidgets und Boost – unter Open-

Suse beispielsweise die Pakete gcc-c++, make, boost-devel und

wxwidgets-devel mitsamt Abhängigkeiten. Als Ubuntu-Nutzer richten

Sie hingegen die Pakete build-essential, libwxgtk2.8-dev und

libboost-all-dev ein, ebenfalls mit allen ihren Abhängigkeiten.

Als Nächstes steuern Sie die Tintii-Homepage an [1], klicken

dort auf den Download-Knopf ganz rechts oben und laden unter

For Linux das Quellcode-Archiv herunter. Dieses entpacken Sie

auf der Festplatte und rufen dann im entstandenen Unterverzeichnis

in einem Terminalfenster nacheinander folgende beiden

Befehle auf:

$ ./configure ‐‐disable‐assert CXXFLAGS="‐O3 ‐g3"

$ make

Läuft alles glatt, dann installieren Sie anschließend Tintii mit

dem Befehl sudo make install (Ubuntu) beziehungsweise mit

der Kommandofolge su root; make install; (OpenSuse).

oder Color Popping bekannten Effekt

machten in den 90er-Jahren

vor allem Filme wie „Pleasantville“

oder „Schindlers Liste“ populär

[1]. Um Ihre eigenen Fotos

ebenso eindrucksvoll zu färben,

genügen ein paar Mausklicks in

der kostenlosen Software Tintii

[2]. Sie verwandelt ein Farbfoto

zunächst in ein Graustufenbild

und holt dann gezielt einzelne

Farben wieder zurück. Alle so eingefärbten

Bereiche und Objekte

stechen dann besonders effektvoll

aus der Szene heraus. Die verwendeten

Farben dürfen Sie schließlich

noch im Farbton, der Intensität

und der Helligkeit verändern.

Auf diese Weise geben Sie Ihren

Fotos schnell eine komplett andere

Stimmung oder machen aus

flauen Aufnahmen farbgewaltige

Kunstwerke. Einen hellblauen

Wölkchenhimmel in ein glutrotes

Inferno zu verwandeln, ist für

Tintii ein Leichtes. Sie selbst

brauchen dazu kein Spezialwissen,

sondern müssen nur an ein

paar Reglern zupfen.

Kostenloser Farbkasten

Tintii stammt aus der Feder von

Lawrence Murray, einem Programmierer

und Amateurfotografen.

Er besitzt offenbar ein großes

Herz für Linux: Während Windows-

und Mac-OS-X-Anwender

zwischen 5 und 20 US-Dollar für

Tintii berappen müssen, dürfen

Linux-Nutzer die Anwendung gratis

herunterladen und nutzen.

Mehr noch: Der gesamte Quellcode

steht unter der GNU GPLv2.

Einige Distributionen bieten in

ihren Repositories sogar ein fertiges

Paket an. Das enthält allerdings

meist nur eine etwas ältere

Tintii-Version, der einige interessante

Einstellungsmöglichkeiten

fehlen. Möchten Sie den vollen

Funktionsumfang nutzen und finden

das aktuelle Tintii nicht im

Paketmanager der verwendeten

Distribution, dann führt Sie der

Kasten Neu angerührt zum Ziel.

Um Tintii zu starten, rufen Sie

in einem Terminal-Fenster den

Befehl tintii auf – das gilt selbst

dann, wenn Sie die Anwendung

42 07 | 12

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Tintii

schwerpunkt

unter Ubuntu über das Software-

Center installiert haben. Ältere

Versionen von Tintii zeigen jetzt

ein ziemlich karges Fenster (in

Abbildung B das Bild rechts unten),

in dem Sie auf Open klicken

und dann eines Ihrer Fotos auswählen.

Die aktuelle Tintii-Version

öffnet hingegen sofort das

Hauptfenster aus Abbildung A.

Dort rufen Sie File | Open auf

und suchen dann auf der Festplatte

das zu bearbeitende Bild

aus. Tintii liest die Dateiformate

BMP, PNG, JPEG, TIFF, GIF,

PNM, PCX, IFF, Windows Icons

(ICO), Windows Cursor (CUR,

ANI), TGA und XPM.

Das Foto erscheint jetzt im

Hauptfenster in Schwarz-Weiß.

Direkt rechts daneben (in älteren

Tintii-Versionen links) finden Sie

mehrere kleine Vorschausymbole.

Aktivieren Sie eines davon durch

Anklicken, holt Tintii die entsprechende

Farbe zurück. In den kleinen

Vorschaubildern trägt es die

Farbe ganz bewusst etwas zu dick

auf: Sie sehen auf diese Weise

leichter, in welchen Bildbereichen

welche Farbe betroffen ist. Weitere

Objekte färben Sie ein, indem

Sie einfach mehrere Vorschauen

gleichzeitig aktivieren.

Nicht jedes Foto enthält alle Farben

im gleichen Maß. Bei einem

überwiegend bewölkten Himmel

fehlen in einer Stadtansicht beispielsweise

oft die Blautöne. Dann

kann auch Tintii die entsprechende

Farbe nicht zurückholen, die

zugehörige Vorschau bleibt weitgehend

grau. Um eine der Farben

wieder aus dem Bild zu nehmen,

deaktivieren Sie einfach mit einem

erneuten Mausklick die zugehörige

Vorschau.

Mischmasch

In der aktuellen Tintii-Version

warten rechts neben den Vorschausymbolen

zahlreiche Regler.

Mit ihnen justieren Sie die Farben

nach – bis hin ins Absurde. Jeweils

drei Regler gehören zur

links in der Vorschau präsentierten

Farbe. Mit dem Regler über

der Schwarz-

Weiß-Skala

dunkeln Sie die

Farbe ab oder

hellen sie auf.

In Abbildung C

auf der nächsten

Seite erscheinen

die

Blendläden so

helltürkis.

Der Regler

darüber erhöht

beziehungsweise

verringert

die Farbintensität

(Sättigung).

Ziehen

Sie ihn nach

rechts, hebt das die eingefärbten

Objekte immer weiter hervor, bis

sie sogar irgendwann zu glühen

beginnen. Das lässt sich wiederum

für interessante Effekte

missbrauchen: Schalten Sie alle

Farben ein und erhöhen Sie dann

nach und nach deren Farbintensität.

Ähnlich wie in Abbildung D

(nächste Seite) blühen so insbesondere

Landschaftsfotos im

wahrsten Sinne des Wortes auf.

Wichtig ist dabei das richtige

Maß: Ziehen Sie die Regler zu

weit, erhalten Sie nur eine poppige

Bonbonoptik.

Mit dem obersten der drei Regler

schließlich tauschen Sie noch

die Farbe gegen eine komplett andere

aus. Ist etwa die blaue Vorschau

aktiv und Sie ziehen

den Regler nach

links über den grünen

Bereich, färbt Tintii alle

blauen Objekte wie in

Abbildung E (nächste

Seite) grasgrün. Diese

Funktion eignet sich

auch bestens dazu, einen

blauen Himmel

noch dunkelblauer zu

machen oder eine blühende

Frühlingslandschaft

in den Herbst zu

schicken (Abbildung F,

nächste Seite)

Sobald Sie ein neues

Bild öffnen, ermittelt

Tintii die vier Hauptfarben des

Fotos und erstellt dafür jeweils

ein Vorschaubild. Das reicht aber

nicht immer aus – beispielsweise

wenn das Foto verschiedene Blumen

in unterschiedlichen Grüntönen

enthält. In der aktuellen

Tintii-Version können Sie deshalb

über das Pluszeichen rechts unten

weitere Farben hinzuholen, in

älteren Versionen erhöhen Sie

einfach den Wert im Feld Thumbs.

Die neuen Farben dürfen Sie allerdings

nicht selbst auswählen.

Stattdessen sucht Tintii erneut

die wichtigsten beziehungsweise

markantesten Farben heraus. Im

Fall des Blumenbildes wären das

dann sehr wahrscheinlich mehrere

Grüntöne. Analog reduziert ein

A Hier zeigt Tintii nur

alle blauen Elemente

in der Hausansicht an,

dazu zählen die im

Odenwald typischen

blauen Blendläden und

natürlich der Himmel.

B Ältere Tintii-Versionen,

wie etwa hier die

in Ubuntu enthaltene,

bieten weniger Einstellmöglichkeiten

als

die aktuelle Fassung.

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07 | 12 43


schwerpunkt

Tintii

C Hier wurde die Helligkeit aller blauen Bereiche angehoben.

D Mit genügend Sättigung erstrahlt das Haus in knackigen Farben.

Klick auf das Minussymbol die

Anzahl der verfügbaren Farben, in

älteren Versionen setzen Sie die

Zahl hinter Thumbs herab.

Diese Arbeitsweise ist gerade

am Anfang ziemlich gewöhnungsbedürftig.

Im Zweifelsfall klicken

Sie das Plus-Symbol so lange an,

bis Tintii sehr ähnliche Farben

anbietet, und verringern dann

über das Minuszeichen die Auswahl

wieder. Insgesamt kann Tintii

bis zu 16 verschiedene Farben

gleichzeitig anbieten.

Schmierfink

Mit dem Regler Decay im Bereich

Postprocessing entziehen Sie den

nur leicht gefärbten Bereichen die

Farbe wieder. Damit bleibt der

Busch vor dem Haus knackig

grün, das leicht grünlich schimmernde

Moos an der Hauswand

dahinter verschwindet jedoch

wieder im umgebenden Grau.

Dazu müssen Sie lediglich den

Regler langsam nach rechts ziehen.

Schieben Sie ihn nach links,

färbt Tintii auch dezente Strukturen

wieder ein.

Ergänzend kontrolliert der Regler

Edge den Kontrast der Decay-

Einstellung. Je weiter Sie ihn

nach rechts ziehen, desto mehr

„verschmiert“ die Farbe (Abbildung

G). An Edge sollten Sie zupfen,

wenn Sie Objekte mit feinen

Strukturen einfärben wollen, wie

etwa Haare oder Äste. Darüber

hinaus stimmen Sie mit Decay

und Edge Farbübergänge beziehungsweise

Farbverläufe ab. In älteren

Tintii-Versionen müssen Sie

Decay und Edge noch jeweils getrennt

für die Farbsättigung (Sat)

und den Farbton (Hue) einstellen.

Für jedes Pixel im Foto prüft

Tintii, zu welcher Farbe es auf der

rechten Seite am besten passt.

Dann weist es ihm die Einstellungen

der dortigen Regler zu. Ist

beispielsweise ein Pixel im Foto

für Tintii überwiegend blau, dann

weist es ihm in Abbildung A die

Einstellungen rechts neben dem

blauen Vorschaubild zu.

Das gilt jedoch nur, wenn im Bereich

Postprocessing der Regler

Hardness ganz rechts steht. Je

weiter Sie ihn nach links schieben,

desto mehr beeinflussen

auch die anderen Regler die endgültige

Farbe des Pixels: Je stär-

E Die blauen Blendläden wurden hier grün eingefärbt. Nur können Sie

Tintii nicht anweisen, dabei zum Beispiel den Himmel auszusparen.

F Mit Tintii lassen sich die eigentlich grünen Sträucher in eine braune

Herbstlandschaft verwandeln.

44 07 | 12

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Tintii

schwerpunkt

ker die jeweilige Farbe im Pixel

enthalten ist, desto höher der

Einfluss. Bei einem türkisfarbenen

Pixel würde Tintii etwa die

Einstellungen für Blau und Grün

am stärksten berücksichtigen.

Normalerweise gibt es keinen

Grund, den Regler nach links zu

ziehen. In den meisten Fotos

führt das lediglich zu ausgewaschenen

Farben. Die Funktion

fördert aber unter Umständen

auch versteckte Strukturen zutage

und holt so etwa das leicht

grünlich schimmernde Moos in

einer Mauer her. Die Einstellung

Hardness fehlt übrigens in älteren

Tintii-Versionen.

Das Schwarz-Weiß-Bild berechnet

Tintii automatisch. Wie stark

dabei die ursprünglichen Rot-,

Grün- und Blauanteile des Fotos

in das Ergebnis eingehen, bestimmen

Sie über die Regler im Channel

mixer. Ziehen Sie beispielsweise

Red ganz nach rechts, besteht

das Graustufenbild nur noch aus

dem Rotkanal. Indem Sie die Regler

bewegen, können Sie die grauen

Bereiche aufhellen oder abdunkeln

und so gezielt Bilddetails

herausstellen. Die Anteile der einzelnen

Farben müssen dabei immer

zusammengezählt 100 Prozent

ergeben. Bewegen Sie einen

Regler nach rechts, gehen folglich

die anderen beiden zum Ausgleich

nach links.

Falls Ihre Experimente zu ausufernd

waren, stellt der Menüpunkt

Edit | Restore Defaults alle

Einstellungen wieder auf ihre Ursprungswerte

zurück. Ein einzelnes

„Rückgängig“ gibt es derzeit

(noch) nicht. In das Bild hinein

und heraus zoomen Sie über die

Lupen-Symbole in der Werkzeugleiste.

Auf diese

Weise sollten Sie insbesondere

hochauflösende

Fotos vor

dem Speichern noch

einmal nach kleinen,

ungewollten Farbklecksen

untersuchen.

Stimmt alles,

sichern Sie Ihr

Kunstwerk via File |

Save As … respektive

mit einem Klick auf

Save As in der Symbolleiste.

Fazit

Tintii macht süchtig.

Wer einmal angefangen hat, mit

dem Farbkasten zu experimentieren,

ertappt sich schnell dabei,

wie er der gesamten Fotosammlung

„nur mal eben probeweise“

die Farben entzieht.

Dabei stellt man aber auch

schnell fest, dass sich nicht alle

Fotos gleich gut eignen. Die besten

und interessantesten

Resultate liefern Bilder,

in denen möglichst

viele verschiedene Farben

vorkommen. Ein

verregnetes Reichstagsgebäude

an einem bewölkten

Tag kann auch

Tintii nicht unter einen

strahlend blauen Himmel

setzen.

Zudem deckt die Software

grundsätzlich alle

Objekte einer Farbe auf.

Möchte man beispielsweise

den Fokus auf eine

Frau mit einem roten

Regenschirm setzen,

sollte möglichst nicht

noch ein rotes Auto im

tipp

Verschieben Sie sämtliche Regler nur langsam. Andernfalls treten

schnell unerwünschte Bereiche hervor, die die gewählte Farbe eigentlich

nur leicht in sich tragen.

Hintergrund parken: Einzelne

Objekte maskieren beziehungsweise

aussparen kann Tintii derzeit

noch nicht.

Umgekehrt führt aber auch gerade

die simple Bedienung von

Tintii zu schnellen Ergebnissen –

und die versetzen einen immer

wieder in Staunen. (jlu) n

Linux

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G Zieht man den Edge-

Regler nach rechts,

laufen die grünen

Kleckse unscharf aus.

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Linux-Server

[1] „Pleasantville“: http:// de. wikipedia. org/ wiki/ Pleasantville_%E2%80%93_Zu_

sch%C3%B6n,_um_wahr_zu_sein

[2] Tintii: http:// www. indii. org/ software/ tintii

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07 | 12 45

Wissen, wie’s geht.


schwerpunkt

RAW-Konverter

Fünf RAW-Konverter in der Übersicht

Rohe Ware

RAW-Daten, das digitale Pendant zum analogen Negativ,

enthalten wertvolle Informationen. Mit dem richtigen Konverter

holen Sie das Optimum aus diesen Dateien heraus. Andreas Reitmaier

© Aerosvit, sxc.hu

README

Hochwertige Kameras

speichern Bilder im

RAW-Format ab, als nur

leicht umgerechnete

Daten des Sensors.

Diese gilt es vor dem

Betrachten erst einmal

intensiv aufzubereiten.

Unser Überblick stellt

fünf verschiedene Programme

vor, die den Fotografen

mit sehr unterschiedlichen

Ansätzen

dabei unterstützen.

Fotografen, die mit hochwertigen

Kameras aus dem Bridgeoder

SLR-Bereich arbeiten, stehen

immer wieder vor der Qual der

Wahl: Sollen sie die Fotos als

schnöde JPGs speichern oder

doch lieber im RAW-Format, das

zwar eine bessere Qualität liefert,

aber dafür immer einiges an

Nacharbeit verlangt?

Möchten Sie die Fotos später

stark nachbearbeiten, lohnt der

Griff zu den RAW-Daten, da hier

der Datenverlust innerhalb des

Workflows am geringsten ausfällt.

Ganz nebenbei beseitigen

Sie auf diesem Weg gleich noch

Fehler spurlos, die in einer hektischen

Foto-Situation manchmal

auftreten (falscher Weißabgleich,

leichte Unter- oder Überbelichtung

oder Ähnliches).

Vor- und Nachteile

Der Vorteil des RAW-Formats:

Die Daten kommen weitgehend

unbearbeitet aus der Kamera, wodurch

sich ein deutlich größerer

Spielraum für das nachfolgende

Bearbeiten ergibt. Korrekturen in

der Belichtung erledigen Sie zumeist

problemlos über eine Blende

oder mehr, ohne dass die Qualität

leidet. Anpassungen bei der

Farbe, für den Weißabgleich oder

eine bestimmte Lichtstimmung

gelingen ebenfalls ohne Einbußen

bei der Qualität.

Der Nachteil liegt darin, dass

das Nachbearbeiten zwingend

notwendig ist. Bilder aus RAW-

Dateien wirken in den Standard-

Einstellungen der Konverter oft

flau und sogar unscharf. Sie müssen

also Farbe, Schärfe und Belichtung

korrigieren. Zudem

brauchen RAW-Dateien sehr viel

Speicherplatz.

Demgegenüber liefert die Kamera

im JPEG-Format ein fertiges

Foto. Es benötigt – selbst bei

großzügigen Einstellungen in Bezug

auf die Qualität – deutlich

weniger Speicherplatz. Allerdings

gibt der Kamerahersteller die

meisten Parameter vor, etwa

Schärfe, Farbanmutung und

Weißabgleich. Später besteht

kaum die Möglichkeit, Fehler

beim Fotografieren auszugleichen,

denn beim Umwandeln in

das JPEG-Format reduziert die

Software die Informationen in

der Datei bereits erheblich.

RAW-Dateien verarbeiten

Für Windows und Mac OS X bieten

die Kamerahersteller in der

Regel geeignete Programme, um

die RAW-Dateien aus der Kamera

zumindest rudimentär zu bearbeiten

und in ein gängiges Format

umzuwandeln. Doch selbst

auf diesen beiden Plattformen

setzen die meisten Fotografen auf

spezialisierte Software wie etwa

Adobe Lightroom, Capture One,

Corel AfterShot Pro [1] oder DxO

Optics Pro, weil ihnen die Möglichkeiten

der Original-Software

nicht ausreichen.

In sofern besteht kaum ein Unterschied

zu Linux. Zur Grundausstattung

jeder Distribution gehört

das Paket dcraw, ein Kommandozeilenprogramm,

das RAW-Dateien

liest und diverse Einstellungen

bietet. Es ermöglicht das komfortable

Verarbeiten von Bildern im

Batch-Verfahren. In einigen Programmen

kommt Dcraw als Plugin

zum Einsatz, um RAW-Daten zu

importieren, etwa bei Gimp.

Fotografen stehen in der Regel

mit der Kommandozeile auf

Kriegsfuß. Sie wollen sich nicht

mit Linux, sondern den Fotos be-

46 07 | 12

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RAW-Konverter

schwerpunkt

schäftigen. Daher gibt es eine Reihe

weiterer Programme zum Bearbeiten

von RAW-Bildern, die mit

einer grafischen Oberfläche aufwarten.

Diese teilen sich in zwei

Gruppen: Die eine beschäftigt

sich nur mit dem Entwickeln der

Dateien und dem Umwandeln in

ein geeignetes Format. Dazu gehören

beispielsweise Ufraw oder

Rawstudio. Die andere Gruppe

bietet gleichzeitig Funktionen, die

beim Verwalten der Bilder helfen.

Manche Programme bringen zusätzliche

Möglichkeiten zum Bearbeiten

der Bilddateien mit und

erinnern in dieser Hinsicht stark

an Adobe Lightroom oder Apple

Aperture. In diese Gruppe fällt

zum Beispiel Darktable.

Nicht einsatzbereit

Ein Programm, das schon vom Namen

her den Eindruck macht, es

sei für die RAW-Konvertierung

der passende Partner, fiel schon

zu Beginn aus dem Testfeld, da ein

Vergleich mit den anderen Programmen

nicht relevant erschien:

Darkroom [2] möchte ein einfacher

RAW-Konverter sein, doch es

schwächelt an vielen Stellen.

Zunächst einmal erfolgt das Berechnen

der Vorschau unerträglich

langsam. Selbst die kleinste

Änderung an einem beliebigen

Wert verursacht mehrere Sekunden

Verzögerung für das Rendern

eines neuen Bildes. Zudem funktionieren

nicht alle Regler korrekt:

So gelang es im Test nicht,

einen korrekten Weißabgleich

vorzunehmen – das gehört aber

eigentlich zu den einfachsten und

wichtigsten Aufgaben. Zusätzlich

scheint die Entwicklung der Software

inzwischen eingestellt zu

sein, sodass hier kaum Besserung

in Sicht ist.

das Kommandozeilen-Tool. Sie

finden Ufraw in den Repositories

aller gängigen Distributionen, außerdem

fungiert es in Plugin-

Form als RAW-Dialog in Gimp.

Nach dem Programmstart öffnet

sich der Dialog zur Auswahl der

Datei, die Sie bearbeiten wollen.

Das Programm präsentiert auf der

rechten Seite das Bild, das die

Software mit den Kamera-Einstellungen

errechnet hat. Auf der linken

Hälfte finden Sie eine ganze

Reihe von Werkzeugen zum Verändern

von Parametern.

Gleich auf der Startseite stehen

die wichtigsten Einstellungen bereit.

Der Weißabgleich ist auf die

Kamerawerte eingestellt und produziert

daher bei schwierigen

Lichtverhältnissen gerne diverse

Farbfehler. Er bietet verschiedene

Voreinstellungen sowie eine Automatik.

Die manuelle Suche nach

dem passenden Weißabgleich ist

etwas ungewohnt: Zunächst wählen

Sie mit der Maus einen neutralen

Punkt im Bild aus, um dann

erst das Symbol mit der Pipette

im Weißabgleich anzuklicken.

Ganz oben in der Werkzeugleiste

finden Sie ein Histogramm mit

den Anteilen der Farben im Bild,

ganz unten ein weiteres Histogramm

mit den Werten nach der

Grundkonvertierung. Darunter

gibt die Software numerisch die

einzelnen Werte für die Farben

an, was eine Korrektur gegebenenfalls

erleichtert. In diesem Bereich

steht darüber hinaus die

Auswahl einer Methode zur Interpolation

bereit, die Sie allerdings

nur in Ausnahmefällen zu bemühen

brauchen. Daneben finden Sie

hier ein Modul zur Rauschunterdrückung,

das mit verschiedenen

Methoden arbeitet. Unter dem

RAW-Histogramm bestimmen Sie

zudem noch die Belichtung. Damit

sind die wichtigsten Werte bereits

eingestellt.

Doch Ufraw bietet noch weit

mehr Optionen, wie zum Beispiel

den Graustufenmodus, mit dessen

zahlreichen Einstellungen Sie

ein perfektes Monochrom-Bild erzeugen.

Dabei gibt es drei Voreinstellungen

und den Kanalmixer.

Mit diesem stellen Sie die Wirkung

des Bildes sehr genau ein.

Im nächsten Abschnitt finden

Sie eine Gradationskurve, mit deren

Hilfe Sie punktgenau den

Kontrast und Verlauf der Helligkeit

bestimmen (Abbildung A).

Einen Menüreiter weiter geht es

um das Darstellen der Farben sowie

das Speichern oder die Eingabe

von Exif-Informationen.

Dcraw und Ufraw

Nur die wenigsten Anwender arbeiten

direkt oder ausschließlich

mit Dcraw, da man die Ergebnisse

erst nach dem Umwandeln sieht.

Mit Ufraw existiert jedoch eine

grafische Bedienoberfläche für

A Ufraw bietet grundsätzliche

Funktionen

zum Aufbereiten der

Daten und einige Extras,

wie etwa Controls

zum Justieren von

Kontrast und Bildwirkung.

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07 | 12 47


schwerpunkt

RAW-Konverter

B Aus dem Export-

Dia log erzeugen Sie

sogenannte ID-

Datei en, mit deren

Hilfe Sie anschließend

größere Mengen an

Bilddateien automatisch

umwandeln.

C Rawtherapee bietet

Optionen zum Steuern

der Belichtung, unter

anderem Regler für

Tiefen und Lichter.

Ein eigener Menüpunkt widmet

sich dem Regeln von Kontrast

und Sättigung, zusätzlich finden

Sie hier noch eine Kurve zur Anpassung.

Auch eine Beschnittfunktion

fehlt nicht.

Stapelbetrieb

Haben Sie aus einer Serie von Fotos

ein repräsentatives Bild gewählt

und die Einstellungen perfekt

angepasst, bietet der Dialog

zum Sichern eine Option, diese

Einstellungen für einen Stapelbetrieb

zu speichern (Abbildung B).

Dazu dient die Option ID-Datei

erzeugen. Die Datei enthält alle

Informationen, die Ufraw benötigt,

um das Bild entsprechend

Ihrer Einstellungen

zu entwickeln.

Standardmäßig gibt Ufraw

hier Nein vor, um

das Foto im gewählten

Format ohne zusätzliche

Datei abzuspeichern.

Wählen Sie Außerdem, sichert

Ufraw sowohl das

Bild als auch die begleitende

Datei. Wollen Sie

Daten nur für den Batch-

Betrieb bereitstellen,

verwenden Sie die Option

Nur, und Ufraw steht

sofort für weitere Arbeiten

bereit.

Nun können Sie diese

ID-Datei nutzen, um einen

ganzen Stapel von

Fotos zu bearbeiten. Auf

der Kommandozeile rufen Sie die

Batch-Verarbeitung wie folgt auf:

$ ufraw‐batch *.Dateiformat ID‐U

Datei.ufraw

Der Befehl behandelt alle Fotos

im bezeichneten Verzeichnis mit

den Einstellungen der ID-Datei

aus der Ufraw-GUI.

Rawtherapee

Die Optik von Rawtherapee [3]

orientiert sich an typischen Programmen

zum Bearbeiten von Bildern.

Nach dem Starten landen

Sie zunächst im Dateimanager

und wählen die Datei aus, die Sie

bearbeiten

möchten. Neben

dem Reiter Dateiverwaltung

sehen

Sie im Kopf

den Reiter Warteschlange.

Das Dateimanagement

bietet

bereits einige

Optionen. So bewerten

Sie hier

die Fotos nach

dem gängigen

Sterne-System

oder befördern

Fotos per Mausklick

auf das Symbol mit dem

Zahnrad in die Warteschlange.

Wenn Sie möchten, haben Sie sogar

die Möglichkeit, hier sämtliche

Einstellungen für ein gewähltes

Bild vorzunehmen – die Werkzeuge

dazu stehen am rechten

Rand bereit.

Allerdings fällt die Voransicht

doch arg klein aus, sodass es sich

empfiehlt, ein Bild einzeln aufzurufen:

Rawtherapee öffnet es in

einem neuen Reiter. Dabei dürfen

Sie mehrere Reiter mit Fotos öffnen,

was einen Vergleich der

Schritte beim Bearbeiten und

eventuelle Kopien der Einstellungen

erleichtert.

In der Bearbeitungsansicht gliedert

sich die Oberfläche in drei

Teile. Links findet sich der Navigator

mit darunterliegender Anzeige

der Farbwerte sowie der Historie

der Bearbeitungsschritte.

Oberhalb des Bildes befinden sich

Direktzugriffe zu wichtigen Werkzeugen

wie dem Weißabgleich

und verschiedene Einstellungen

zur Anzeige.

Die rechte Spalte bleibt den verschiedenen

Werkzeugen vorbehalten.

Diese gliedern sich ganz ähnlich

wie bei Ufraw in Belichtung,

Details, Einstellungen zur Farbe,

Beschnitt sowie Einstellungen

zum Verarbeiten der RAW- und

Metadaten (Abbildung C).

Mehrere Fotos verarbeiten

Auch Rawtherapee bringt eine

Batch-Verarbeitung mit. Dazu

wählen Sie zunächst ein Foto aus

und konfigurieren dafür die gewünschten

Einstellungen in der

Bearbeitungsansicht. Sind alle Parameter

zu Ihrer Zufriedenheit

angepasst, wählen Sie in der rechten

Spalte den Befehl Profil speichern.

Das Profil können Sie später

jederzeit wieder aufrufen, um andere

Fotos damit zu entwickeln.

Alle Profile erscheinen automatisch

im Dialog Profil anwenden an

verschiedenen Stellen im Programm.

Möchten Sie ein Profil

nur innerhalb einer einzelnen

Bildserie anwenden, ist es unter

48 07 | 12

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RAW-Konverter

schwerpunkt

Umständen sinnvoller, es über

den entsprechenden Button in Bearbeitungsprofil

in die Zwischenablage

zu kopieren und von dort

für einige, wenige Bilder auf gleichem

Weg zurückzuholen.

Das erledigen Sie entweder in einem

separat geöffneten Bearbeitungsreiter

oder wechseln zurück

zur Dateiverwaltung. Hier können

Sie die Profile auch auf eine ganze

Reihe an Dateien anwenden, indem

Sie mehrere auswählen und

ein Profil über Profil einfügen

([Strg]+[V]) anwenden. Alternativ

laden Sie eines der gespeicherten

Profile über Profil anwenden.

In allen Bereichen sehen Sie

zwar Veränderungen an der Darstellung

des Bildes, doch die

RAW-Dateien selbst liegen noch

unbeschadet auf dem Datenträger.

Erst durch das Speichern exportieren

Sie diese in ein anderes

Format. Dies können Sie für jedes

Bild einzeln im Bearbeitungsfenster

machen, doch Rawtherapee

bietet dafür auch die praktische

Warteschlange (Abbildung D).

Alle Fotos, die Sie so entwickeln

möchten, schieben Sie per Mausklick

in die Warteschlange. Haben

Sie alle Daten vorbereitet, wechseln

Sie in den entsprechenden

Reiter, geben gegebenenfalls noch

ein anderes Dateiformat an und

ändern den Dateipfad. Sobald Sie

die Verarbeitung starten, berechnet

Rawtherapee alle Daten in einem

Durchgang. So brauchen Sie zwischen

den einzelnen Bildern nicht

jedesmal auf das Speichern zu

warten, wenn Sie eine größere

Menge an Bildern bearbeiten.

Rawstudio

Bei Rawstudio [4] gilt es, sich erst

einmal an das etwas eigenwillige

Bedienkonzept zu gewöhnen. Am

oberen Fensterrand befindet sich

ein Auswahlbereich für die Fotos

mit einer Seitenleiste, in der Sie

die Fotos nach Priorität vorsortieren

können. Hier kommt nicht

die übliche Sterne-Wertung zum

Einsatz, sondern eine Priorisierung

von 1 bis 3.

Am rechten Rand haben die Entwickler

mehrere Funktionen in

einzelnen Reitern untergebracht.

Hier finden Sie die Werkzeuge zur

Bildbearbeitung sowie die Stapelverarbeitung

und den Dialog zum

Öffnen von Dateien. Über Letzteren

wählen Sie zunächst einen

Ordner mit den Bildern aus und

erhalten im oberen Bereich dann

eine entsprechende Vorschau.

Rawstudio bietet im Wesentlichen

Regler für die Standard-Entwicklung

einer RAW-Datei. Das

beginnt bei der Belichtung und

geht über den Weißabgleich sowie

die Linsenkorrektur bis hin zu einer

einfachen Gradationskurve.

Eigenständiges Konzept

Bei der Entwicklungsengine in

Rawstudio handelt es sich eher

um Standardware, bei dem die

Entwickler den Fotografen aber

mit einem interessanten Konzept

beim kreativen Schaffen unterstützen.

So gibt es für jedes Bild

drei verschiedene Varianten der

Entwicklungseinstellungen, die

Sie über die Schalter A, B und C

abrufen (Abbildung E). Damit

vergleichen Sie verschiedene Einstellungen

per Mausklick.

Das böte die Möglichkeit, in A

den Kamerastandard zu verwenden,

in B auf eine Einstellung zu

setzen, die von einem Referenzbild

einer Serie stammt, und in C

bei Bedarf eine optimierte Version

für das jeweilige

Bild zu

finden. Da

Rawstudio

ebenfalls mit

einer Stapelverarbeitung

aufwartet, ließe

sich so

prob lemlos ein

Foto aus der jeweiligen

Variante

in die

Queue schieben

oder in

dieser austauschen

– je

nachdem, welchen

Workflow Sie bevorzugen

oder sich angewöhnen möchten,

ein interessanter Ansatz.

Weitere Merkmale

Rawstudio bietet eine Bibliothek

von Objektiven mit Korrekturvorgaben.

Deren Aktualität hält sich

in Grenzen, sie passt sich aber

komfortabel jeweils der Kamera

an, die Rawstudio aus den RAW-

Daten ermittelt. Die Daten zu den

Objektiven stammen aus der Datenbank

von LensFun [5], deren

letzte Blog-Einträge allerdings

schon eine Weile zurückliegen.

Die Bildansicht von Rawstudio

bietet eine begrenzte Möglichkeit

zum Anpassen an die eigene Arbeitsweise:

So steht wahlweise

mehr Raum bereit oder es sind

mehr Informationen gleichzeitig

D Nachdem Sie die

Einstellungen getätigt

haben, fügen Sie die

Fotos der Warteschlange

hinzu und

konvertieren diese

später in einem

Rutsch.

E Wer sich beim Entwickeln

nicht ganz sicher

ist, findet bei

Rawstudio die Möglichkeit,

mehrere Varianten

zu erstellen und

sich erst vor dem Export

zu entscheiden.

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07 | 12 49


schwerpunkt

RAW-Konverter

F Darktable integriert

einen Fotoverwalter

mit zahlreichen Optionen

zum Markieren,

Bewerten und Verschlagworten

sowie einen

Metadaten-Editor.

G Darktable bietet bekanntes

und erprobtes

Design: Die Auswahl

finden Sie am unteren

Rand, rechts eine

reichhaltige Palette

mit Werkzeugen und

links Bildinformationen,

Übersicht und

Verlauf der Arbeit.

zu sehen, etwa unterschiedliche

Entwicklungseinstellungen, Belichtungsmasken,

Bildinformationen.

Außerdem besteht die Möglichkeit,

das Bild auf einem separaten

Monitor anzuzeigen.

Zusätzlich beherrscht Rawstudio

sogenanntes Tethered Shooting

mit einigen Kamera-Modellen.

Dabei erfolgt das Auslösen

der Kamera vom Rechner aus,

wohin die Dateien dann sofort

per USB gelangen. Dabei hängen

die Optionen stark von der jeweiligen

Kamera ab.

Darktable

Das Programm Darktable [6] kann

bei Weitem mehr, als nur RAW-

Daten zu entwickeln: Es handelt

sich um eine komplette Fotoverwaltung

mit integrierten RAW-

Funktionen (Abbildung

F). Dabei orientiert

sich die Software

deutlich an

Adobes Lightroom,

was sich sowohl in

der Optik als auch

beim Bedienkonzept

widerspiegelt.

So kommt beispielsweise

[Tab]

zum Einsatz, um die

seitlichen Bedienfelder

ein- und auszublenden

– ganz wie

beim Vorbild und

durchaus sehr praktisch.

Im Gegensatz zu Lightroom

legt Darktable jedoch keine eigene

Datenbank mit Bildern beziehungsweise

Vorschauen an, sondern

verwendet die Verzeichnisstruktur

des Systems.

Darktable enthält drei verschiedene

Funktionsbereiche: Den

Leuchttisch mit Funktionen für

Bildverwaltung, Im- und Export

und Metadaten; die Dunkelkammer

zur Entwicklung der RAW-

Daten sowie das Tethering zum

Fernauslösen von unterstützten

Kameras.

Fotos verwalten

Wie angedeutet verwaltet Darktable

Fotos nicht selbst, sondern

nutzt das Dateisystem. Zusätzlich

stehen allerdings sogenannte Kollektionen

bereit, die unabhängig

von Verzeichnisstrukturen

Bilder

zum Beispiel

für bestimmte

Projekte aufnehmen.

Daneben

gibt es die in

dieser Software-

Klasse üblichen

Ordnungskriterien

wie Farbmarkierungen,

Sterne-Bewertung

und

Schlüsselwörter.

Im Leuchttisch-Modus

zeigt die Applikation

darüber hinaus die EXIF-

Daten an. Der Metadaten-Editor

ermöglicht es, diesen zusätzliche

Einträge mitzugeben. Außerdem

findet von hier aus der Export in

andere Formate statt, sowie der

Upload zu Flickr, Picasa und anderen

Internet-Diensten.

Daten verarbeiten

Ein Doppelklick auf eine Datei im

Leuchttisch öffnet diese im Dunkelkammer

genannten Entwicklungsmodul.

Dessen Aufteilung

erinnert wiederum sehr stark an

Lightroom (Abbildung G).

In der Mitte steht zentral das

Foto. In der linken Seitenleiste

finden Sie den Verlauf der Schritte

beim Bearbeiten sowie die

Möglichkeit, Snapshots einzelner

Zustände aufzunehmen. Außerdem

gibt es hier eine Pipette, mit

der Sie Farbpunkte aufnehmen,

um diese im RGB- oder Lab-Modus

anzusehen. Am unteren Rand

befindet sich der Streifen mit einer

Übersicht aller Dateien. Am

rechten Rand stehen die eigentlichen

Werkzeuge bereit.

Darktable bietet eine Fülle unterschiedlicher

Werkzeuge. Daher

haben sich die Entwickler entschieden,

diese in diverse Module

aufzuspalten. Von diesen ist jeweils

nur ein Teil aktiv, die restlichen

Module rufen Sie bei Bedarf

auf. Das spart Platz und beschleunigt

den Arbeitsablauf, wenn Sie

[1] Corel AfterShot Pro für Linux: Thomas

Leichtenstern, „Entwicklungshelfer“,

LU 03/​2012, S. 64, http:// www.​

linux‐community. de/ 25479

info

[2] Darkroom: http:// linuxdarkroom. tassy. net

[3] Workshop Rawtherapee: Thomas

Leichtenstern, „Alles unter einem Dach“,

LU 09/​2010, S. 32, http:// www.​

linux‐community. de/ 21631

[4] Test Rawstudio: Thomas Leichtenstern,

„Entwicklungshilfe“, LU 01/​2010, S. 68,

http:// www. linux‐community. de/ 19912

[5] LensFun: http:// lensfun.berlios. de

[6] Test Darktable: Karsten Günther,

„Licht und Schatten“, LU 07/​2011, S. 62,

http:// www. linux‐community. de/ 22172

50 07 | 12

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RAW-Konverter

schwerpunkt

sich erst einmal daran gewöhnt

haben. Die Werkzeuge gliedert das

Programm in folgende Bereiche:

• aktuell verwendete Module,

• explizit ausgewählte Module

(Favoriten),

• Basisgruppe (Belichtung und

Weißabgleich),

• Helligkeit (Werte, Farbkurve,

Zonen),

• Farbgruppe (Velvia, Bereiche),

• Korrektur (Schärfen, Entrauschen,

Objektivkorrektur) und

• Effekte.

Die Effekt-Gruppe enthält Rahmen,

Körnung, Verlaufsfilter und

andere Werkzeuge, die so in anderen

Programmen nicht vorkommen.

Etwas ungewohnt ist

beim Weißabgleich das Fehlen einer

Pipette zum automatischen

Anpassen an einen gewählten

Punkt. Dafür bietet Darktable einen

Ein- und Ausgang für die

Farbtemperatur – dies behandeln

andere Programme implizit.

Die Snapshots ermöglichen,

mehrere Zustände für eine Datei

abzuspeichern und zu vergleichen.

Nach dem Sie einen Snapshot erzeugt

haben, teilt sich die Ansicht,

und Sie können auf einfache Weise

unterschiedliche Versionen des

Bildes miteinander vergleichen.

Fazit

Linux bietet zum Bearbeiten von

RAW-Daten alles, was das Herz

nur begehrt: Die Palette reicht

vom einfachen Konsolen-Tool,

mit dem Sie ruck, zuck ganze Serien

von Rohdaten in Fotos zum

Weiterverarbeiten umwandeln

über RAW-Konverter mit praktischer

Bedienoberfläche bis hin zu

Werkzeugen für den (fast) kompletten

Foto-Workflow. Hier sollte

sich für jeden Geschmack etwas

Geeignetes finden.

Im Test gefiel vor allem Darktable,

das stark an Lightroom erinnert

und daher für viele Fotografen

einen einfachen Einstieg

ermöglicht. Beim Bearbeiten von

umfangreichen Bildsammlungen

in hoher Geschwindigkeit überzeugt

dagegen Ufraw uneingeschränkt.

Die Tabelle RAW-Konverter

im Überblick liefert noch

einmal einen Überblick über die

Programme des Testfelds und

hilft so bei der Auswahl der geeigneten

Software. (agr) n

Darktable Dcraw Rawstudio Rawtherapee Ufraw

URL http:// www. darktable. org http:// cybercom. net/​

~dcoffin/ dcraw/

http:// rawstudio. org http:// rawtherapee. com http:// ufraw. sourceforge.​

net

Typ

Konverter,

Konverter Konverter Konverter Konverter

Bildverwaltung

Funktionen

Belichtung E E E E E

Beschnitt E E F E E

Gradationskurve E F E F E

Hot-Pixel-

F E F F E

Entfernung

Kontrast E E E E E

Rauschminderung E F F E F

Sättigung E E F E E

Schärfen E F E E F

Tethered Shooting E F F E F

Weißabgleich E E F E E

Besonderheiten Objektivkorrektur, Graustufenkonvertierung

– Farbtemperatur, Farbton Schatten & Lichter

wiederherstellen

Graustufen-

Konvertierung

Bearbeitung /

Finishing

Bewertung

Positiv

Negativ

Zielgruppe

Rahmen, Filmkorn, Weichzeichnen,

Filtereffekte

Gelungene Bildverwaltung.

Viele Verarbeitungswerkzeuge,

keine

zusätzlichen Programme

notwendig.

Navigation im Leuchttisch-Modus

nur per

Maus.

Für Umsteiger von Mac

und ​Windows sowie Fotografen,

die ein multifunktionales

Programm bevorzugen.

– – – –

Einfache Batch-Verarbeitung.

Einfaches Bearbeiten

von Voreinstellungen

(Textdateien).

Schlechtes Feedback zu

veränderten Werten.

Perfekt für das Verarbeiten

großer Bildmengen,

aber ungeeignet für Fotografen,

die optisches

Feedback brauchen.

Mehrere Varianten pro

Bild möglich.

Nur wenig Entwicklungswerkzeuge.

Für Fotografen, die über

eine schnelle RAW-Entwicklung

Fotos für die

Weiterverarbeitung produzieren

wollen.

RAW-Konverter im Überblick

Einfache Bildnavigation

(inklusive Farb-/​Stern-Bewertung).

Übersichtliches,

praxisnahes Entwicklungsmodul.

Batch-Verarbeitung gewöhnungsbedürftig.

Für Bildbearbeiter, die

sowohl umfangreiche

Einstelloptionen als auch

eine schnelle Batch-

Funktion suchen.

Übersichtliche und praxisnahe

Oberfläche sowie

schnelle Batch-Verarbeitung.

Unübersichtliche Foto-

Handhabung.

Perfekt für Fotografen,

die viele Fotos im Batch-

Betrieb bearbeiten möchten

und eine optische

Konfiguration wünschen.

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07 | 12 51


praxis

Xxxterm

Vim-like durchs Web mit dem schlanken Webbrowser Xxxterm

Umfangreiche

Klaviatur

Vergessen Sie die Maus: Dank Xxxterm, dem Webbrowser für Tastatur-Fans, gibt es

keinen Grund mehr, zum Surfen den lästigen Nager herumzuschubsen. Vincze-Aron Szabo

© soundgroov, sxc.hu

README

Der Webbrowser Xxxterm

erweist sich als

idealer Begleiter für

Minimalisten mit Hang

zur Tastatur. Mit dem

Leichtgewicht surfen

Sie mauslos durch das

Netz, ohne auf Funktionen

der Websites zu

verzichten.

In der Browser-Welt tummelt

sich mehr als Chrome, Firefox und

Opera. LinuxUser hat in den vergangenen

Ausgaben eine Auswahl

an Nischen-Software präsentiert,

die jeweils unterschiedliche Stärken

und Schwächen aufweist. Dabei

geht Xxxterm [1] in mehrfacher

Hinsicht einen Schritt weiter

als die Ressourcen schonende Alternative

Dillo [2]: Erlaubt Letzterer

das Bedienen per Maus, reduziert

dafür aber Websites beim

Darstellen, so präsentiert der

Browser Xxxterm Websites mit allen

Schikanen (Abbildung A), ist

aber komplett auf das vollständige

Steuern per Tastatur ausgelegt.

Immerhin unterstützt er aber zusätzlich

viele Aktionen per Maus.

Alle Funktionen, die Xxxterm

kennt, stehen über Tastenkürzel

oder Vim-ähnliche Befehle bereit,

so zum Beispiel das Wechseln

zwischen einzelnen Reitern, das

Verwalten von Cookies, das Eingeben

von URLs oder die Javascript-Einstellungen.

Diese

Befehle und die Art der Eingabe

orientieren sich an dem beliebten

Editor Vim. Doch was veranlasst

einen Programmierer, Zeit in ein

solches Projekt zu investieren?

Marco Peereboom, Entwickler

beim Betriebssystem OpenBSD,

hat das Programm veröffentlicht

und nennt dafür in seinem Wiki

als Grund, dass es ihn gestört hat,

dass das Mozilla-Projekt den

Standardbrowser Firefox mit

Funktionen so überlädt, dass er

immer langsamer agiert [3].

Außerdem ist Peereboom ein erfahrener

User des Editors Vim.

Damit lag es nahe, beim Browser

auf die vertrauten Tastaturkürzel

zu setzen. Nachdem er verschiedene

Vim-orientierte Browser näher

betrachtet hatte, schritt

Peere boom kurzentschlossen zur

Tat: Mithilfe der WebKit-Engine,

die unter anderem als Grundlage

für Apples Browser Safari und die

KDE-Alternative Rekonq dient,

Installation

Listing 1 zeigt den Ablauf einer Xxxterm-Installation.

Den Quellcode laden Sie mithilfe von

Git herunter, des Versionsverwaltungssystems,

dessen Entwicklung Linus Torvalds angestoßen

hat [4]. Sofern Git nicht auf dem

System installiert ist, richten Sie es über die

Paketverwaltung ein (Zeile 1).

Vor dem Download des Quellcodes fügen Sie

über das Paketmanagement noch das Webkit-

Repository hinzu, das Sie benötigen, um einige

Abhängigkeiten aufzulösen (Zeile 2). Anschließend

aktualisieren Sie die Paketquellen

(Zeile 3) und installieren alle zum Übersetzen

von Xxxterm notwendigen Pakete (Zeile 4).

Nun geht es an das Herunterladen des Quellcodes

(Zeile 5). Die Dateien landen in einem

Ordner xxxterm/ im aktuellen Verzeichnis. In

diesen wechseln Sie nun (Zeile 6), um das

Binary zu erzeugen (Zeile 7) und abschließend

zu installieren (Zeile 8).

Listing 1

01 $ sudo apt‐get install git

02 $ sudo add‐apt‐repository ppa:webkit‐team

03 $ sudo apt‐get update

04 $ sudo apt‐get install libwebkit‐dev

libcurl4‐gnutls‐dev libbsd‐dev

05 $ git clone https://opensource.conformal.

com/git/xxxterm.git

06 $ cd xxxterm/linux/

07 $ make

08 $ sudo make install

54 07 | 12

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Xxxterm

praxis

zauberte er in kurzer Zeit einen

ersten Entwurf auf den Bildschirm.

Der Name des Programms,

Xxxterm, orientiert sich

an der Terminalemulation Xterm,

wobei die drei „X“ auf die drei

Buchstaben aus „WWW“, also

World Wide Web, verweisen.

Dank der eingesetzten WebKit-

Engine stellt Xxxterm Webseiten

dar, ohne Ihnen dabei Kompromisse

aufzuzwingen. Mithilfe des

Flash-Plugins von Adobe spielen

Sie sogar entsprechende Animationen

ab. Die Oberfläche gibt sich

vom Aussehen zwar bescheiden,

enthält aber alles, was einen

Browser ausmacht und was Sie

für den täglichen Betrieb benötigen.

Dialoge zum Konfigurieren

oder Steuern suchen Sie allerdings

vergeblich.

Kommandozeile

Sie starten Xxxterm in einer Konsole

über den Befehl xxxterm. Mit

[F6] legen Sie den Fokus auf die

Adresszeile, in die Sie anschließend

wie gewohnt eine URL eingeben.

Über [Strg]+[T] öffnen Sie

einen neuen Reiter und geben

hier im zweiten Schritt wieder

eine URL ein.

Doch das ist nicht der einzige

Weg, der ans Ziel führt: Drücken

Sie [F11], so öffnet sich am unteren

Fensterrand eine Kommandozeile,

die jener von Vim ähnelt.

Diese enthält voreingestellt das

Kommando :tabnew. [F11] fungiert

in diesem Falle als Alias für

das Kommando :tabnew.

Geben Sie nun ein

Leerzeichen und

dann eine URL ein,

öffnet sich nach einem

Druck auf [Eingabe]

ein neuer Reiter

mit der entsprechenden

Website.

Natürlich gibt es

ähnliche Aliase für

weitere Kommandos.

[F1] ruft die Online-

Hilfe in Form einer

Manpage auf. Hier

finden Sie auf Englisch

eine Übersicht

über alle Befehle.

Mit [F9] öffnen Sie

die Kommandozeile mit dem bereits

eingetragenen Befehl :open,

über den Sie Webseiten in bestehenden

Reitern aufrufen. Vergessen

Sie dabei nicht das Leerzeichen

zwischen der Adresse und

dem Kommando.

Navigieren

Für die Navigation auf einer Webseite

und zwischen den geöffneten

Webseiten hält Xxxterm

ebenfalls entsprechende Befehle

vor. Mit [F5] laden Sie wie gewohnt

die geöffnete Seite neu. Da

sie nach dem Laden der Website

üblicherweise zur Maus greifen

würden, etwa um zu scrollen oder

einen Link anzuklicken, bietet

Xxxterm dafür eine komfortable

Tastensteuerung an.

Um mithilfe der Tastatur zu

scrollen, verwenden Sie wie gewohnt

die Pfeiltasten oder – in

Anlehnung an Vim – die Tasten

[K] und [J], um zeilenweise zu

blättern. Das seitenweise Blättern

funktioniert mit der Leertaste sowie

[Strg]+[B]. Eine Übersicht

über alle wichtigen Befehle zum

Navigieren auf der Internetseite

finden Sie in der Tabelle Xxxterm:

Navigation.

Selbst für das Aufrufen von

Links gibt es einen praktischen

Mausersatz: Drücken Sie einfach

[F], sobald die aufgerufene Webseite

fertig geladen ist. Das Programm

hebt dann alle Links hervor

und versieht diese mit einer

Zahl. Geben Sie diese ein, ruft der

Browser den entsprechenden

Link auf. Möchten Sie wieder auf

die vorherige Seite zurückkehren,

drücken Sie [Rückschritt].

Auch zwischen den geöffneten

Reitern wechseln Sie per Tastatur.

Geben Sie dazu das Kommando

A Eine minimalistische

Oberfläche, die es

in sich hat: Bei Bedarf

steuern Sie den Browser

Xxxterm komplett

über die Tastatur oder

die eingebaute Befehlszeile

am unteren

Bildschirmrand.

Tipp

Das Speichern aller

geöffneten Reiter

und das gleichzeitige

Schließen des

Browsers lösen Sie

durch den Befehl :wq

aus. Beim nächsten

Start lädt die Software

dann alle gespeicherten

Reiter

wieder neu.

B Links zu anderen Websites rufen Sie in Xxxterm über die passende Zahlenfolge auf –

die Maus brauchen Sie beim Surfen eigentlich gar nicht mehr.

Xxxterm: Navigation

Taste

Funktion

[F5]

Seite neu laden

[Rückschritt] zur vorherigen Seite wechseln

[J]

zeilenweises Scrollen nach unten

[K]

zeilenweises Scrollen nach oben

Leertaste Seite nach unten

[Strg]+[B] Seite nach oben

[Strg]+[T]

neuen Reiter öffnen

[Strg]+[E] Reiter schließen

[U]

Reiter schließen rückgängig machen

[Strg]+[Pfeil-links] zum vorherigen Reiter wechseln

[Strg]+[Pfeil-rechts] zum nächsten Reiter wechseln

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07 | 12 55


praxis

Xxxterm

C Die Übersicht

über die Favoriten

haben die Entwickler

auf das Notwendige

eingedampft.

D Mit sogenannten

Whitelists schalten Sie

Webseiten für den Einsatz

von Javascript und

Cookies gezielt frei.

:tabs und anschließend eine der

angezeigten Zahlen ein, und bestätigen

Sie die Auswahl mit [Eingabe]

(Abbildung B).

Lesezeichen und History

Xxxterm enthält eine kleine, aber

feine Lesezeichen-Verwaltung,

mit der Sie wichtige Seiten

schnell und direkt aufrufen. Um

eine Website zu den Favoriten

hinzuzufügen, laden Sie diese zunächst,

zum Beispiel, indem Sie

das Kommando :open linux‐user.

de eingeben. Anschließend nutzen

Sie den Befehl :favadd, um das Lesezeichen

zu setzen. Mit dem

Kürzel [Alt]+[F] öffnen Sie die

Bookmark-Übersicht, die Xxxterm

als HTML-Seite im Fenster

anzeigt (Abbildung C).

Um ein Lesezeichen aus der Liste

aufzurufen, verwenden Sie

statt der Maus wieder die Taste

[F] in Kombination mit der gewünschten

Zahl. Ähnlich einfach

präsentiert sich die Browser-Historie,

die Auskunft über den Verlauf

der Webseitenbesuche gibt:

Sie rufen sie mit [Alt]+[H] auf.

Viel mehr als bei den Favoriten

zeigt die entsprechende Liste allerdings

nicht an. In Form einer

Tabelle führt Xxxterm die URL,

den Titel der Seite und den Zeitstempel

des Seitenaufrufs auf.

Sicher surfen

Xxxterm erhebt nicht nur den

Anspruch, ein minimalistischer

Browser zu sein, sondern legt einen

weiteren Fokus auf Sicherheit.

Zuallererst gilt hier das Augenmerk

dem Umgang mit Cookies

und Javascript. Im besten

Fall sind Cookies zwar harmlos,

im schlimmsten Fall jedoch sammeln

sie umfassende Daten über

Ihr Surfverhalten [5].

Wohl mit Abstand die meisten

Internetnutzer scheren sich nicht

um die Webkekse und erlauben es

dem Browser, diese automatisch

zu speichern. Anhänger des anderen

Extrems lehnen Cookies generell

ab. Letzteres führt jedoch

dazu, dass einige Funktionen im

Web nicht korrekt funktionieren.

Einen Ausweg aus diesem Szenario

suchen manche Anwender

nun, indem sie Webseiten einzeln

freischalten, um so die Kontrolle

in der Hand zu behalten. Xxxterm

versteht sich ebenfalls auf diesen

Umgang mit Web-Spionen. Standardmäßig

verhält er sich wie jeder

andere Browser: Er speichert

Cookies und führt Javascript und

Plugins aus. Zum manuellen Freigeben

der Funktionen versetzen

Sie dagegen das Programm in den

sogenannten Whitelist-Modus.

Öffnen Sie dazu einen Texteditor,

und geben Sie dort die folgenden

beiden Zeilen ein:

browser_mode = whitelist

gui_mode = classic

Speichern Sie diese kurze Konfiguration

als Datei unter dem Na-

Xxxterm: Kommandos

Befehl Funktion

Javascript

:js Javascript-Whitelist anzeigen

:js save Website auf die permanente Javascript-Whitelist setzen

:js toggle Website auf die temporäre Javascript-Whitelist setzen

Cookies

:cookie Cookie-Whitelist anzeigen

:cookie save Website auf die permanente Cookie-Whitelist setzen

:cookie Website auf die temporäre Cookie-Whitelist setzen

toggle

Plugins

:plugin Plugin-Whitelist anzeigen

:plugin save Website auf die permanente Plugin-Whitelist setzen

:plugin Website auf die temporäre Plugin-Whitelist setzen

toggle

Diverses

:print Seite ausdrucken

:dl Download-Verwaltung öffnen

:open URL URL im Browserfenster öffnen

:restart Xxxterm neustarten und alle zuvor geschlossenen Reiter neu öffnen

56 07 | 12

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Xxxterm

praxis

men .xxxterm.conf in Ihrem Benutzerverzeichnis,

und starten

Sie das Programm neu.

Rufen Sie nun eine Website auf,

die zum Beispiel Javascript benötigt,

müssen Sie diese Seite für

den Einsatz der Technik auf die

Whitelist setzen. Dazu nutzen Sie

den Befehl :js save. Das schaltet

die Site permanent für den Einsatz

von Javascript frei.

Sofern Sie eine Site nur temporär

auf die Whitelist setzen wollen,

geben Sie einfach den Befehl

:js toggle ein. Welche Webseiten

sich derzeit auf der Javascript-

Whitelist befinden, fragen Sie mit

dem Befehl :js ab. Permanente

Einträge finden Sie unter Persistant,

temporäre Einträge unter

Session (Abbildung D).

Für Cookies gilt im Prinzip die

gleiche Vorgehensweise, aber natürlich

kommen andere Befehle

zum Einsatz. Statt mit :js führen

Sie die oben genannten Befehle

mit einem vorangestellten :cookie

aus. So setzt :cookie save die geöffnete

Website permanent auf

die Whitelist, :cookie toggle auf

die temporäre. Eine Übersicht

über die Befehle für den Umgang

mit Javascript, Cookies und Plugins

finden Sie in der Tabelle Xxxterm:

Kommandos.

Fazit

Der minimalistische Browser

Xxxterm eignet sich sicher nicht

für jedermann, füllt aber eine interessante

Nische aus: Mit ihm

nutzen Sie einen auf die notwendigsten

Funktionen reduzierten

Webbrowser, den Sie komplett

mit der Tastatur bedienen. Trotzdem

ist dank der modernen Web-

Kit-Engine und Flash-Unterstützung

keine noch so aufwendige

Webseite vor Ihnen sicher.

Xxxterm eignet sich durch seinen

speziellen Charakter auf keinen

Fall für Tastaturmuffel. Falls

Sie aber schon hier und da mal

ein Tastenkürzel verwenden, fällt

Ihnen das Bedienen der Software

in kurzer Zeit immer leichter, und

irgendwann spielt es keine Rolle

mehr, dass der Dialog für die

Konfiguration fehlt.

Mindestens eine Funktion an

Xxxterm erscheint aber kritisch:

Das Verwalten der Lesezeichen

mag zwar auf den ersten Blick

einfach wirken, aber mit einer

steigenden Anzahl von Bookmarks

geht schnell die Übersichtlichkeit

verloren. (agr) n

info

[1] Xxxterm: https:// opensource. conformal.​

com/ wiki/ XXXTerm

[2] Dillo: Vincze-Aron Szabo, „Schnelles

Surfbrett“, LU 03/​2012, S. 58,

http:// www. linux‐community. de/ 25410

[3] Warum es Xxxterm gibt:

https:// opensource. conformal. com/ wiki/​

XXXTerm_Rationale

[4] Git: http:// de. wikipedia. org/ wiki/ Git

[5] Web-Spionage: Erik Bärwaldt „Datenklau

stoppen“, LinuxUser 11/​2011, S. 42,

http:// www. linux‐community. de/ 24538

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praxis

XFCE

Maßgeschneiderter Desktop mit XFCE

Gnome light

Obwohl als spartanisch angesehen, kann XFCE mit

ausgewachsenen Desktops

wie Gnome oder

KDE durchaus mithalten.

Die aktuelle Version 4.10

hält zudem einige interessante neue

Features bereit. Mario Blättermann

© Maksym Gorpenyuk, Fotolia

README

XFCE 4.10

LU/xfce/

Mit ein wenig Neugier

und Geduld finden sich

zahlreiche Möglichkeiten,

aus einem Standard-XFCE

einen maßgeschneiderten

Desktop

zu machen, der Ihnen

sein Verhalten nicht aufzwingt,

sondern sich Ihren

Wünschen öffnet.

Olivier Fourdan konnte nicht

ahnen, welch dicken Stein er ins

Rollen brachte, als er vor sechzehn

Jahren ein Panel veröffentlichte,

das damals eigentlich nur

als Erweiterung für den Fenstermanager

Fvw25m dienen sollte.

Das einstige Mini-Projekt hat sich

inzwischen zur ausgewachsenen

Arbeitsumgebung gemausert.

Das kürzlich in Version 4.10 erschienene

XFCE [1] zählt somit

zu den ältesten grafischen Umgebungen

für freie Betriebssysteme

überhaupt. Anfangs lehnte es sich

bei Erscheinungsbild und Bedienung

an das kommerzielle, mittlerweile

nicht mehr weiterentwickelte

CDE an. Nach einer Umstellung

der Grafikbasis von

XForms auf GTK+ entstand daraus

ein modularer, in den Basisanwendungen

vollständiger Desktop

(Abbildung A).

Underdog

Immer wieder taucht in diesem

Zusammenhang die Metapher

des „kleinen Gnome“ auf. Vom

GNU-Desktop hat XFCE vor allem

eines geerbt: Die Modularität, die

niemandem feste Arbeitsabläufe

aufzwingt, sondern weitgehende

Anpassungen und den einfachen

Austausch selbst der Kernkomponenten

ermöglicht.

Allerdings hinkt der beliebte

Vergleich neuerdings etwas, weil

er sich auf das Verhalten von

Gnome 2.x bezieht, während die

neuesten Ausgaben des GNU-

Desktops eine fest verschraubte,

nur mäßig und umständlich zu

konfigurierende Umgebung auf

den Bildschirm legen. Zwar blieb

nach der Veröffentlichung von

Gnome 3.0 die von den Verfechtern

der reinen Lehre prophezeite

Massenflucht zu XFCE aus, aber

eine leise Wanderung lässt sich

dennoch spüren [2].

Installieren Sie XFCE als Metapaket

der Distribution Ihrer

Wahl, so landen neben einigen

Bibliotheken mindestens die folgenden

Anwendungspakete auf

Ihrem Rechner: xfce4-panel, xfce4-

session (wozu sich in XFCE 4.8 außerdem

noch die xfce4-utils gesellen),

xfdesktop, xfwm4 und thunar.

Wegen der distributionsseitig

festgelegten Paketabhängigkeiten

und der mitgelieferten systemweiten

Konfiguration lässt sich

hier oft nichts abspecken, obwohl

es mit ein wenig Aufwand gelingt,

eine „nackte“ Sitzung lediglich

mit Xfce4-session zu starten.

Fensterschieber

XFCE setzt nach wie vor auf

Xfwm4 als vorgegebenen Fensterverwalter.

Das Programm entstand

aus dem Code des Ur-Fvwm,

Xfwm4 geht aber inzwischen völlig

eigene Wege. Neben den Basisfunktionen

beherrscht er mittlerweile

auch Compositing. Dabei

beschränken sich die Funktionen

auf Transparenzen und Schattierungen

für Fensterrahmen und

Menüs – verspielte Animationen

wie in Compiz und Kwin sieht

Xfwm4 nicht vor.

Die neueste Version zeigt auch

zaghafte Ansätze zu Tiling-Funktionen:

Ergreifen Sie ein Fenster

per Mauszeiger an der Titelleiste

und schieben es an einen der

Bildschirmränder, maximiert der

58 07 | 12

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XFCE

praxis

Fenstermanager es dort so, dass

es den halben Bildschirm einnimmt.

Freilich stellt das noch

keine Kacheln im eigentlichen

Sinn dar, doch der erste Schritt

ist getan und lässt auf zukünftige

Erweiterungen hoffen. Das Tiling

funktioniert allerdings beim Einsatz

mehrerer Bildschirme nur

eingeschränkt: Haben Sie dazu

den Fensterverschub so eingestellt,

dass beim Ziehen eines

Fensters über den seitlichen Bildschirmrand

dieses auf der danebenliegenden

Arbeitsfläche landet,

klappt das Platzieren in der

linken oder rechten Hälfte des

Bildschirms natürlich nicht mehr.

Für Umsteiger aus anderen Arbeitsumgebungen

könnte interessant

sein, Xfwm4 einfach auszutauschen.

Beherrschen Sie die

Tastenkürzel Ihres Lieblingsfenstermanagers

wie im Schlaf und

möchten dessen gewohnte Verhaltensweisen

nicht missen, hat

XFCE auch rein gar nichts dagegen.

Für einen Wechsel des Windowmanagers

müssen Sie noch

nicht einmal in Konfigurationsdateien

wühlen.

Fliegender Wechsel

Stattdessen öffnen Sie einfach

mit [Alt]+[F2] ein Schnellstartfenster

und tippen dort beispielsweise

openbox ‐‐replace ein. XFCE

beendet daraufhin Xfwm4 sauber

und startet Openbox. Wenn Sie

bei Arbeitsende im Abmeldefenster

ein Häkchen bei Sitzung für

weitere Anmeldungen speichern

setzen, dann begrüßt Sie nach

der Neuanmeldung XFCE künftig

immer mit Openbox. So einfach

kann Sitzungsverwaltung sein.

Zugegeben, nicht immer ist der

Start eines neuen Fensterverwalters

so simpel. Fluxbox zum Beispiel

braucht folgenden Befehl:

killall xfwm4 && startfluxbox. Das

eigentlich Fluxbox-Binary ist weder

in der Lage, einen laufenden

Fenstermanager sauber zu beenden

noch startet es ohne das

Wrapper-Skript. Im Zweifelsfall

sollten Sie die Wirkung Ihrer Eingabe

zuerst in

einem Terminalfenster

testen, für

den Fall, dass

Ihr Desktop

völlig ohne

Fensterrahmen

zurückbleibt,

falls

etwas schiefgeht.

Im Allgemeinen

verträgt

sich XFCE mit

allen EWMHkompatiblen

Fenstermanagern [3]. Selbst Mutter

oder Kwin stellen den Desktop

vor kein Problem – allerdings

müssen Sie dann nach einem geeigneten

Weg für die Konfiguration

suchen. Das XFCE-Tool Fensterverwaltung

startet logischerweise

gar nicht erst, wenn Xfwm4

nicht läuft. Für Mutter oder Metacity

können Sie zu Gnometweak-tool

greifen. Für Kwin hingegen

müssen Sie größere Teile

des KDE-Stacks nachinstallieren,

wenn Sie die Einstellungen nicht

von Hand editieren wollen.

Mörderisches

Der aus anderen Umgebungen bekannte

Informationsbalken an einem

oder mehreren Bildschirmrändern

heißt in XFCE „Leiste“

und gehört zur Standardkonfiguration.

Falls Sie die Leiste aber

nicht mögen und anderen Tools

den Vorzug geben, lässt sie sich

völlig vom Desktop fegen, auch

wenn Ihr Konfigurationsprogramm

dies nicht ohne Weiteres

zulässt. Falls Sie befürchten, dass

durch den Wechsel das Anwendungsmenü

verloren ginge – kein

Problem: Die XFCE-Komponente

Xfdesktop, die ebenfalls zur

Grundausstattung gehört, zeigt

Ihnen mittels Rechtsklick weiterhin

die Anwendungen an.

Um die Leiste dauerhaft zu entfernen,

öffnen Sie im Menü den

Eintrag Einstellungen | Sitzung

und Startverhalten. In der Programmliste

im Reiter Sitzung erscheint

der Eintrag xfce4-panel,

den Sie durch einen Mausklick

markieren und dann Programm

beenden anklicken. Nach dem Bestätigen

des Vorgangs verschwindet

die Leiste und wird auch nach

dem Ab- und erneuten Anmelden

nicht wieder gestartet.

Sollten Sie später dieses rigorose

Vorgehen bereuen, können Sie

jederzeit in einem Schnellstartfenster

wieder den Befehl

xfce4‐panel absetzen und damit

die Leiste samt allen früheren Einstellungen

wieder reanimieren.

Auf die oben genannte Weise

können Sie über den Reiter Sitzung

auch weitere Kernbestandteile

des Desktops um die Ecke

bringen, solange Sie dabei den

Hintergrunddienst

Xfsettingsd nicht

antasten. Der sorgt

in jedem Fall dafür,

dass XFCE – auch

im auf das absolute

Minimum reduzierten

Modus – völlig

ballastfrei startet

und Raum für eine

Eigenkreation

schafft.

XFCE 4.10 bringt

außerdem einen

neuen Anzeigemodus

für die Leiste

mit: Der Leistenhintergrund

lässt sich

nun transparent

A Das alles und noch

viel mehr – XFCE zeigt

sich bestens bestückt.

Glossar

EWMH: Extended Window

Manager Hints.

Das Regelwerk definiert,

wie man Systemaufrufe

steuert und Zustände

beim Fensterverwalter

abfragt. Die Kompatibilität

zu diesen vom

Freedesktop-Projekt verabschiedeten

Standards

ist die Grundlage dafür,

dass sich Fensterverwalter

mehr oder weniger

reibungslos in verschiedenen

Umgebungen

als Zwischenschicht

zwischen X-Server und

Anwendungsebene einfügen.

B Ein Panel ohne Panel,

das den Blick auf

das Wesentliche lenkt.

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07 | 12 59


praxis

XFCE

C Das Microsoft-

Original wird in zwei

Jahren eingemottet.

Hier lebt es zumindest

optisch weiter.

Wo gibt’s XFCE 4.10?

darstellen, ohne dabei die Applets

oder Programmstarter zu beeinflussen.

Sie können jetzt also die

Programmstarter an einen Bildschirmrand

legen, ohne dass das

Ganze nach Panel aussieht. Zugegeben

– das ist nicht mehr als

eine kleine kosmetische Operation,

verhilft aber dem optisch

nicht eben reich gesegneten XFCE

zu ein wenig mehr Schick (Abbildung

B, vorherige Seite).

Windows, oder was?

Falls Ihnen das XFCE-Standard-

Outfit oder das von Ihrem Distributor

vorgegebene Thema nicht

gefällt, kein Problem: Bekanntermaßen

ist das Web voll von Themen

aller Art, sowohl für Gtk als

auch für die Fensterrahmen von

Xfwm4.

Seit Neuestem gibt es die auf

der Gtk-xfce-engine basierenden

Gtk-Themen auch für Gtk+3. Allerdings

weist deren Optik noch

einige Fehler auf und entspricht

Aktuelle Pakete für XFCE 4.10 sind derzeit rar, was angesichts

des zarten Alters der neuesten Version nicht weiter verwundert.

Die aktuellen Ausgaben von Xubuntu und OpenSuse sowie des

XFCE-Spins von Fedora haben allesamt immer noch die letzte

stabile Version 4.8.x an Bord.

Dennoch müssen Sie nicht zwangsläufig auf XFCE 4.10 verzichten,

denn rührige Paketbauer stellen außerhalb der eigentlichen

Distributionen Pakete bereit. Ubuntu-Fans finden wie so oft die

Pakete in einem separaten PPA vor [6], Benutzer von Fedora 17

können sich im Repository von Kevin Fenzi bedienen [7]. Auch

für OpenSuse 12.1 gibt es bereits eine entsprechende Paketquelle

im Internet mit aktuellen Paketen.

nicht völlig dem, was Sie aus Gtk+2

kennen, obwohl die Standardthemen

bereits allesamt auf die neue

Plattform migriert wurden. Doch

es besteht Hoffnung: Für das voraussichtlich

im April 2013 erscheinende

XFCE 4.12 steht die Migration

auf Gtk+3 fest im Plan [4]

und wird sicher eine perfekte

Gtk-Engine quasi als Nebenprodukt

mitliefern.

Wenn Sie es leid sind, dass Ihnen

bei der Arbeit am Rechner jemand

über die Schulter schaut

und fragt: „Was ist das denn für

ein Windows?“, dann bringen Sie

ihn relativ leicht zum Verstummen,

indem Sie den Desktop einfach

so aussehen lassen wie jenen

des Microsoft-Betriebssystems

(Abbildung C).

Falls Ihnen das Design von Windows

XP genügt, dann haben Sie

leichtes Spiel: Eine Fensterdekoration

namens RedmondXP bringt

Xfwm4 bereits mit, ebenso ein

Gtk2-Thema namens xfce-redmondxp,

das auf der Gtk-xfce-engine

basiert und somit auch für Gtk3

zur Verfügung steht – samt der

bereits erwähnten optischen Unzulänglichkeiten.

Bei Bedarf geht es etwas moderner,

denn unter [5] steht eine

Windows Vista ähnelnde Fensterdekoration

einschließlich eines

leidlich passenden Gtk-Themas

zum Herunterladen bereit. Mit

etwas Mühe finden Sie im Netz

weitere Gtk-Themen, die neuere

Ausgaben der proprietären Umgebung

recht gut imitieren.

Ausblick

Mit ein wenig Neugier und Geduld

werden Sie noch mehr Möglichkeiten

finden, aus einem

Standard-XFCE Ihr ureigenes System

zu machen, das Ihnen sein

Verhalten nicht aufzwingt, sondern

sich Ihren Wünschen öffnet.

Böse Zungen behaupten zwar,

dass Modularität und Integrität

sich auf Dauer in einer Arbeitsoberfläche

nicht vertragen,

aber XFCE beweist Tag für Tag

das Gegenteil. Obwohl recht häufig

neue Anwendungen und Plugins

hinzukommen, scheint den

Entwicklern der Zwang fremd zu

sein, alles selbst anbieten zu wollen.

Damit vermeiden sie erfolgreich

die Falle, den Benutzer in

der wohlmeinenden Absicht, ihm

etwas Gutes zu tun, unterschwellig

zu entmündigen.

Da sich die meisten hier genannten

Funktionen nicht auf die

neueste Version beziehen, lassen

sie sich mit älteren XFCE-Versionen

nachvollziehen. Die aktuelle

4.10 markiert dennoch einen

Wendepunkt, denn wie bereits erwähnt,

wird die nächste Veröffentlichung

auf Gtk+3 basieren.

Optisch und in den Arbeitsabläufen

bedeutet das mit Sicherheit

keinen so großen Sprung wie

von Gnome 2.x auf 3.x, wird aber

vor allem für die Entwickler viel

Arbeit verursachen. Zwar sind

Teilaufgaben erledigt: So hat der

XFCE nahestehende Midori-Webbrowser

den Umstieg bereits fast

vollzogen. Doch XFCE weist mittlerweile

einen Umfang auf, dass

ein Jahr für die Migration schon

zu wenig sein könnte, insbesondere

angesichts der Vielzahl der

zu portierenden Anwendungen

und Plugins. Man darf gespannt

sein, wie oft sich die Roadmap

noch ändert. (jlu) n

info

[1] XFCE 4.10 veröffentlicht: http:// www. xfce.​

org/ about/ news/ ? post=1335571200

[2] Umfrage im deutschen Fedora-Forum:

http:// fedoraforum. de/ viewtopic. php?​

f=19& t=21554

[3] EWMH-Definition bei Freedesktop.org:

http:// standards. freedesktop. org/​

wm‐spec/ wm‐spec‐latest. html

[4] Gtk3-Migration:

http:// wiki. xfce. org/ releng/ 4. 12/ roadmap

[5] Windows für Xfwm4 und Gtk:

http:// xfce‐look. org/ CONTENT/

content‐files/ 148492‐bisoft‐win7. tar. gz

[6] Ubuntu-PPA: https:// launchpad. net/​

~xubuntu‐dev/ +archive/ xfce‐4. 10

[7] Inoffizielle Pakete für Fedora:

http:// repos. fedorapeople. org/ repos/​

kevin/ xfce‐4. 10/ opensuse. org/​

repositories/ X11:/ xfce/ openSUSE_12. 1/

60 07 | 12

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Linkchecker

praxis

Links auf Webseiten überprüfen mit Linkchecker

Webfehlern

auf der Spur

Manche Domains sterben einen leisen Tod – zurück bleiben

verwaiste Links, die dorthin zeigen. Mit Linkchecker identifizieren

Sie solche Sackgassen in Ihrer Webpräsenz. Florian Effenberger

© Buzzybee, sxc.hu

Ab ins Web

Neben der GUI und der Kommandozeile

unterstützt Linkchecker ein eigenes

Webinterface. Informationen

zum Aktivieren befinden sich bei Debian-basierten

Systemen in der Datei

README.Debian im Verzeichnis

/ usr/share/doc/linkchecker/.

Verwaiste Links auf einer Website

sorgen für Verdruss beim Besucher.

Dabei gibt es eine sehr

einfache Möglichkeit, solche Störenfriede

zu identifizieren: das

Programm Linkchecker.

Die Installation der Software

geht in der Regel leicht von der

Hand, da sie sich in den Repositories

aller gängigen Distributionen

findet. Dabei richten Sie am besten

gleich das Paket linkcheckergui

ein, das die grafische Oberfläche,

das zugehörige Kommandozeilenprogramm

sowie einige benötigte

Bibliotheken in einem

Rutsch auf die Platte bringt. Dabei

erhalten Sie als Dreingabe

auch noch die Möglichkeit, sich

per Browser mit der Software zu

verbinden (siehe Kasten Ab ins

Web). Alternativ finden sich auf

der Homepage des Projektes [1]

zusätzlich Versionen für Windows,

Mac OS X, Debian sowie

den Quelltext zum Download.

Für den einfachen Einstieg starten

Sie mittels linkchecker‐gui die

grafische Oberfläche. Im Vergleich

zum Pendant für die Kommandozeile

fällt der Einsatz der

GUI zwar leichter, sie bildet aber

nur einen Teil der Funktionen ab.

Geben Sie für einen ersten Test

im Adressfeld die URL der zu prüfenden

Webseite ein, beispielsweise

http://www.linux‐user.de. Dabei

unterstützt Linkchecker neben

HTTP zusätzlich via HTTPS

verschlüsselte Verbindungen und

zahlreiche weitere Protokolle. Bei

lokalen Dateien gilt es, immer

den vollen Pfad anzugeben.

Nach einem Klick auf Start benötigt

die Software trotz parallelen

Prüfens je nach Umfang der

Seite eine gewisse Zeit für ein Ergebnis

– im Fall von Linux-User.

de dauerte es trotz eines schnellen

Internetzugangs über 30 Minuten.

Dabei öffnet das Programm

jede einzelne Webseite,

folgt den darauf enthaltenen Verknüpfungen

und eingebundenen

Elementen wie Bildern und listet

diejenigen im Programmfenster

auf, bei denen ein Problem auftritt

(Abbildung A). Gelbe Markierungen

weisen lediglich auf

eine Warnung hin, wogegen rote

Einträge für Fehler stehen.

Die Bandbreite der Meldungen

reicht dabei von Adressen, die

nicht mehr existieren (HTTP-

Code 404) oder auf die das Programm

nicht zugreifen darf (HT­

TP-Code 403) über FTP-Verbindungen,

Telnet-Links und NNTP-

Verbindungen bis hin zu Mail-

Adres sen, deren Domain keinen

gültigen Eintrag für einen Mailserver

aufweist.

Nicht als Fehler, sondern lediglich

als Warnung kennzeichnet

das Programm beispielsweise solche

Seiten, deren Adresse sich

zwar geändert hat, die Sie aber

noch über die alte URL erreichen

(HTTP-Code 301). Als kleine Hilfe

nennt die Applikation zudem

die genaue Zeile und Spalte, an

der das entsprechende Problem

im Seitenquelltext auftritt.

Genauere Informationen zu den

einzelnen Einträgen blendet

Linkchecker in der unteren Hälfte

des Fensters ein. Neben den Angaben

aus der Übersicht erfahren

Sie, wie lange der Download und

das Überprüfen der einzelnen

Linkchecker 7.7

LU/linkchecker/

README

Linkchecker überprüft

Verknüpfungen auf Webseiten,

um veraltete

oder fehlerhafte Links

zu identifizieren. Das

Tool gibt es sowohl als

Kommandozeilenversion

als auch mit komfortabler

grafischer

Oberfläche.

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07 | 12 61


praxis

Linkchecker

A Fein säuberlich listet

Linkchecker das

Ergebnis auf. Rot markierte

Einträge weisen

auf Probleme hin.

Links gedauert hat, wie groß das

jeweilige Element ausfällt, und

vor allem auch, welcher konkrete

Fehler auftritt – so liefert Linkchecker

Meldungen bezüglich des

Verbindungsaufbaus sowie den

resultierenden HTTP-Code.

Weniger zur Fehlersuche als für

statistische Zwecke interessant

sind Angaben, wie etwa die Anzahl

der Warnungen, gültige wie

ungültige Adressen sowie Informationen

zur Anzahl der Elemente

und der Länge der Adressen.

Standardmäßig listet Linkchecker

die Resultate in der Reihenfolge

des Prüfens auf. Alternativ sortieren

Sie die Resultate wahlweise

alphabetisch nach dem Ursprung

(im Programm als Vater bezeichnet),

der geprüften URL, deren

Bezeichnung auf der Webseite sowie

dem Fehler, indem Sie den jeweiligen

Spaltentitel anklicken.

Um sich ein eigenes Bild von der

Situation zu machen, klicken Sie

die entsprechenden Adressen im

Programmfenster an, um sie im

Browser zu öffnen. Alternativ kopieren

Sie sie mittels Rechtsklick

in die Zwischenablage. Zum Weiterverarbeiten

der gewonnenen

Ergebnisse hält Linkchecker zudem

die Möglichkeit bereit, diese

mittels Datei | Ergebnisse speichern…

als HTML-Dokument (Abbildung

B), als Textdatei oder im

XML- beziehungsweise CSV-Format

abzulegen.

Letzteres quittierte das Programm

im Test jedoch mit einer

Fehlermeldung, die auf Probleme

mit einem Python-Modul hindeutet,

und hinterließ eine unvollständige

CSV-Datei. Einen ähnlichen

Effekt hatte übrigens der

Aufruf des integrierten Update-

Mechanismus. Dessen Verwendung

erübrigt sich beim Einsatz

einer Version aus den Distributionsquellen

jedoch ohnehin.

Bei manchen Webseiten scheint

das Überprüfen beinahe unendlich

lange zu dauern. Der Grund

dafür liegt in der Rekursionstiefe,

also der Anzahl der Ebenen, die

das Programm überprüft. Haben

Sie eine entsprechende Anzahl an

Seiten und externen Verknüpfungen,

geht der Test sprichwörtlich

vom Hundertsten ins Tausendste.

Um das zu vermeiden, passen

Sie die Rekursionstiefe unter Bearbeiten

| Optionen | GUI Optionen

an (Abbildung C). Die Vorgabe

‐1 besagt, dass das Programm

jedem Link folgt, während der

Wert 3 nur drei Ebenen tief prüft.

Die Rekursion erstreckt sich übrigens

immer nur auf die getestete

Domain – externe Verknüpfungen

prüft Linkchecker grundsätz­

B Beim Export

ins HTML-Format erhalten

Sie einen guten

C Die Rekursionstiefe bestimmt, bis

in welche Ebenen Linkchecker bei

seinen Prüfungen vordringt.

Überblick über die

Ergebnisse.

62 07 | 12

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Linkchecker

praxis

lich nur bis zur ersten Ebene. Im

gleichen Dialog fordern Sie die

Software außerdem bei Bedarf

auf, nicht nur fehlerhafte Links

aufzulisten, sondern alle geprüften

Adressen. Allerdings wird das

jedoch selbst bei kleinen Webseiten

schnell unübersichtlich, weswegen

die Option standardmäßig

deaktiviert bleibt.

Ebenfalls per Dialog greifen Sie

auf die komplette Konfigurationsdatei

zu (Abbildung D), die

sich im Home-Verzeichnis unter

.linkchecker/linkcheckerrc befindet.

Erklärungen zu den einzelnen

Parametern finden Sie dabei

sowohl in der Datei selbst als

auch auf der dazugehörigen Manpage

(man linkcheckerrc).

Back to the root(s)

Die vielen Optionen deuten bereits

darauf hin, dass Linkchecker

noch weitaus mehr Funktionen

mitbringt, als die grafische Oberfläche

abbildet. Im Grunde dient

sie ohnehin nur als grafisches

Frontend für das eigentliche

Kommandozeilenprogramm linkchecker.

Das greift zum einen auf

die genannte Konfigurationsdatei

zurück, und erlaubt zum anderen,

einzelne Parameter direkt beim

Aufruf zu überschreiben. Der Befehl

man linkchecker liefert dazu

weitergehende Erklärungen.

So gibt der Aufruf linkchecker

‐osql http://www.linux‐user.de das

Ergebnis des Testes im SQL-Format

zurück, um es direkt in eine

Datenbank einzutragen. Mittels

‐‐scan‐virus überprüfen Sie beispielsweise

das Download-Archiv

mit einem lokal installierten

Clam AV-Virenscanner (Paket clamav-daemon,

Abbildung E), und

‐‐check‐html validiert die Dateien

mittels Tidy [2], sofern Sie das

Paket python‐utidylib installiert

haben. Analog kümmert sich

‐‐check‐css um das Validieren von

CSS-Elementen, was das Paket

python‐cssutils voraussetzt.

Betreiben Sie die Software hinter

einer restriktiven Firewall, besteht

die Möglichkeit, mit Linkchecker

auf Proxies zurückzugreifen,

beispielsweise mit der Umgebungsvariablen

http_proxy. Dabei

unterstützt die Applikation ebenso

das Anmelden mit Benutzername

und Passwort (‐uBenutzer

‐pPasswort) wie den Einsatz von

Cookies (‐C).

Um bestimmte Adressen und

Seiten von vornherein vom

Prüflauf auszuschließen, greifen

Sie in Kombination mit dem Parameter

‐‐ignore‐url auf reguläre

Ausdrücke zurück. Ist beispielsweise

der direkte Zugriff auf

Port 25 aus dem Netzwerk gesperrt,

fördert jeder Link zu einer

Mail-Adresse eine Warnung zutage,

da Linkchecker versucht, sich

mit dem Server zu verbinden.

Über ‐‐ignore‐url=^mailto: weisen

Sie das Programm in diesem Fall

an, diese nicht zu überprüfen.

Die Filterfunktion durchsucht

auf Wunsch den Inhalt von Seiten.

So stellen Sie sicher, dass keinerlei

Hinweis auf die Seite pfui.

tld mehr vorkommt. Dazu geben

Sie den Parameter ‐Wpfui.tld an.

Dateien mit mehr als 10 KByte

Umfang identifizieren Sie – sofern

der Webserver die Abfrage

unterstützt – mittels ‐‐warningsize‐bytes=10240.

Fällt die Ausgabe

von Linkchecker

zu unübersichtlich

aus, um die gewünschte

Meldung

zu finden,

sorgt ‐‐no‐warnings

‐‐no‐status dafür,

dass Sie nur noch

die wichtigen Infos

sehen.

Fazit

Linkchecker machte im Test einen

guten Eindruck. Die grafische

Oberfläche bietet zwar nur einen

Teil der möglichen Parameter an,

genügt aber für die meisten Anwendungsfälle.

Zwar ist das Programm

nur zum Teil ins Deutsche

übersetzt, fällt jedoch zum Großteil

selbsterklärend aus.

Die Kommandozeilen-Variante

des Programms eignet sich vor

allem für Experten sowie für Anwender,

die Linkchecker in ihre

eigenen Skripte einbinden möchten.

Ausführliche Informationen

zu allen Parametern und Einstellungen

hält die Manpage des

Tools bereit, deren Lektüre sich

unbedingt empfiehlt. (agr) n

D Auch einen kleinen

Editor für die Konfigurationsdatei

hat Linkchecker

mit an Bord.

E Auf der Kommandozeile

beherrscht der

Linkchecker sogar

einen Virenscan.

info

[1] Linkchecker: http:// linkchecker. sourceforge. net

[2] Tidy-Tools: Florian Effenberger, „Der Dreck soll weg“,

Linux-Magazin 05/​2012, S. 52,

http:// www. linux‐magazin. de/ Heft‐Abo/ Ausgaben/ 2012/ 05/ Bitparade

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07 | 12 63


praxis

Tmux

Viele Sitzungen in einem Terminal verwalten mit Tmux

Mehr Fenster

Mit dem Multiplexer Tmux rüsten Sie ein einfaches Terminal um Fähigkeiten

auf, die es fast zu einem Window-Manager machen. Andreas Kneib

© Linder6580, sxc.hu

README

Tmux 1.6

LU/tmux/

Das Programm Tmux

unterstützt Sie beim

Verwalten mehrerer

Konsolen in einem einzigen

Terminal. Ob es

sich dabei um eine virtuelle

Textkonsole, ein

spartanisches Xterm

oder ein mächtiges

Gnome-Terminal handelt,

liegt bei Ihnen.

Shell-Kommandos und Programme

für die Textkonsole sind weder

altmodisch, noch lediglich für

Nerds und Hacker [1] interessant.

Diese Tools bevölkern seit Langem

so erfolgreich die Linux-Welt,

weil sie in aller Regel flinker und

effizienter arbeiten als ihre

schwergewichtigen Verwandten

mit grafischer Oberfläche – sei es,

dass der Midnight Commander

als Dateimanager über eine SSH-

Verbindung zum Einsatz kommt,

der Texteditor Vim beim Schreiben

einer Datei oder der Mailclient

Mutt zum Lesen der elektronischen

Post.

Um alle diese Konsolenprogramme

unter einen Hut zu bringen

und zig quer über den Desktop

verstreute Xterms zu vermeiden,

kamen über die Jahre sogenannte

Terminal-Multiplexer

zum Zug. Eines der Urgesteine

dieser Fenstermanager für die

Textkonsole ist Screen [2].

Nun wächst sich die Konfiguration

von Screen angesichts der

vielen Optionen und Variablen

tatsächlich zu einer wirklich nerdigen

Puzzlearbeit aus. Und so

trat 2007 das Tmux-Projekt auf

den Plan, um Anwendern, die

nicht nächtelang über Konfigurationsdateien

brüten möchten, einen

gleichermaßen mächtigen

wie leichtgängigen Terminal-Multiplexer

zur Verfügung zu stellen.

Im WWW

Auf der Website des Projektes [3]

finden Sie den Download-Link

zur aktuellen Programmversion.

Mit etwas Glück stellt jedoch die

Distribution Ihrer Wahl ein fertig

kompiliertes und angepasstes Paket

über das Software-Repository

installation

Zunächst entpacken Sie den Tarball

mit dem Tmux-Quellcode und wechseln

in das neu entstandene Verzeichnis.

Sinnigerweise erledigen Sie das

bereits in der Shell, denn dort geschieht

auch das Kompilieren und

Installieren.

Als Nächstes rufen Sie das im Verzeichnis

enthaltene Skript namens

configure auf. Es prüft, ob das System

alle Voraussetzungen erfüllt, um

aus dem Quelltext ein ausführbares

Programm zu backen. Sie erkennen

das an der Meldung checking. Fehlt

bereit. Dieses installieren Sie

dann über Bordmittel wie Aptget,

Yum oder das Ubuntu Software-Center.

Hält die verwendete Distribution

kein Tmux-Paket parat, gilt es,

das Programm aus dem Quelltext

zu übersetzen. Im Kasten Installation

finden Sie eine Anleitung,

wie Sie dazu vorgehen.

Nach der Installation ist der

Multiplexer bereit zum Start. Ist

Ihnen die systemweite Installation

mit Root-Rechten nicht ganz

geheuer, besteht die Möglichkeit,

Tmux gefahrlos im Heimatver-

eine Zutat, sehen Sie das in der Regel

und müssen diese aus dem Software-Repository

nachinstallieren.

Anschließend starten Sie mit dem Befehl

make das Übersetzen des Quelltextes

in ein Programm. Schließlich

wechseln Sie in den Status des Administrators,

um Tmux mit dem Befehl

make install in der Verzeichnishierarchie

im Pfad unter /usr/local/ zu

ins tallieren. Unter Ubuntu verwenden

Sie dazu beispielsweise das Kommando

sudo. Listing 1 zeigt den kompletten

Ablauf.

64 07 | 12

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Tmux

praxis

zeichnis zu installieren. Wie das

funktioniert, zeigt ein älterer Artikel,

den Sie online [4] sowie in

der Rubrik How-to auf der Heft-

DVD der Media-Ausgabe finden

(Hinweise zum Kompilieren).

Auf Tuchfühlung

Öffnen Sie nun ein Terminal –

etwa Xterm, die KDE-Konsole

oder Rxvt – und starten Sie den

Tmux mit dem Kommando tmux

in der Shell. Das Tool präsentiert

sich mit einer aufgeräumten

Oberfläche in Form eines Statusbalken

im Fuß des Terminals (Abbildung

A). Bevor Sie darangehen,

die Oberfläche mit einigen

Handgriffen an Ihre Bedürfnisse

anzupassen, schauen Sie sich erst

einmal die grundlegende Funktionalität

des Programms an.

So wie beim Urgestein Screen

regeln Sie den größten Teil der

Bedienung über Tastenkombinationen,

denen Sie immer eine

festgelegte Sequenz voranstellen.

Bei Screen ist dies [Strg]+[A], bei

Tmux hingegen [Strg]+[B]. Sie

haben aber die Möglichkeit, diese

in der Manpage prefix key genannte

Folge über die Konfigurationsdatei

zu ändern.

Um sich mit dem neuen Werkzeug

vertraut zu machen, öffnen

Sie zunächst einmal mittels

[Strg]+[B],[C] ein neues Fenster.

In der Statuszeile sehen Sie, dass

Tmux dieses Fenster dort mit einer

neuen Nummer anzeigt. Um

nun zwischen den Fenstern zu

wechseln, drücken Sie eine der

Tastenfolgen [Strg]+[B],[N]

Listing 1

$ tar xvzf tmux‐1.6.tar.gz

$ cd tmux‐1.6/

$ ./configure

checking for a BSD‐compatible

install... /usr/bin/install ‐c

checking whether build

environment is sane... yes

[...]

config.status: creating Makefile

config.status: executing

depfiles commands

$ make

$ sudo make install

Tastenkombination

[Strg]+[B],[0] bis [9]

[Strg]+[B],[Umschalt]+[ß]

[Strg]+[B],[C]

[Strg]+[B],[F]

[Strg]+[B],[T]

[Strg]+[B],[X]

[Strg]+[B],[Q]

[Strg]+[B],[Leertaste]

[Strg]+[B],[N]

[Strg]+[B],[P]

[Strg]+[B],[Umschalt]+[.]

[Strg]+[B],[Umschalt]+[2]

[Strg]+[B],[Umschalt]+[5]

[Strg]+[B],[Umschalt]+[1]

[Strg]+[B],[Umschalt]+[6]

[Strg]+[B],[Strg]+[O]

[Strg]+[B],[Pfeil oben]

[Strg]+[B],[Pfeil unten]

[Strg]+[B],[Strg]+[Pfeiltaste]

Funktion

(„next“), [Strg]+[B],[P] („previous“)

oder [Strg]+[B] in Kombination

mit einer der Zahlentasten

[0] und [1] für die entsprechenden

Fenster.

Mehr Komfort und Übersicht

erhalten Sie aber, wenn Sie ein

virtuelles Terminalfenster einfach

in mehrere Panels aufsplitten.

Zum vertikalen Teilen, drücken

Sie [Strg]+[B],[Umschalt]+[5],

wohingegen Sie mit der Kombination

[Strg]+[B],[Umschalt]+[2]

die Teilfenster horizontal arrangieren.

Abbildung B auf der folgenden

Seite zeigt den möglichen

Split eines Fensters in unterschiedlichen

Aufteilungen.

Tastaturgesteuert

Damit sind die Möglichkeiten der

Tastaturbedienung aber noch

längst nicht ausgereizt: Die Tabelle

Tastaturbefehle bietet Ihnen einen

kurzen Überblick über die

wichtigsten Befehle.

Wie Sie dort sehen, existiert beispielsweise

mit [Strg]+[B],[Um-

zwischen den Fenstern 0 bis 9 wählen

A Ein Statusbalken

samt Reiter für geöffnete

Fenster, so präsentiert

sich Ihnen

Tmux beim ersten

Start.

Tastaturbefehle

die Tastaturbelegung anzeigen

ein neues Fenster öffnen

ein Fenster anhand des Titels suchen (bei mehreren Treffern erhalten Sie

eine Auswahl)

Zeit anzeigen

Panel schließen

Panel-Nummer kurz einblenden (Drücken der entsprechenden Nummern-

Taste wechselt den Fokus)

Panel-Layout wechseln

zum nächsten Fenster wechseln

zum vorigen Fenster wechseln

programminternen Prompt öffnen

Fenster vertikal in zwei Panels aufteilen

Fenster horizontal in zwei Panels aufteilen

Panel in ein virtuelles Fenster umwandeln

aktuelles Fenster beenden

Panel-Inhalt rotieren

im Uhrzeigersinn durch die Panels rotieren

gegen den Uhrzeigersinn durch die Panels rotieren

Panel in die gewählte Richtung vergrößern

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07 | 12 65


praxis

Tmux

B Tmux in vollem

Einsatz: Verschiedene

Konsolen-Tools arbeiten

hier in Panels in

Symbol

einem Terminal.

Fenstermarkierungen

Bedeutung

* markiert das aktuelle Fenster

schalt]+[.] ein Kommando, um einen

programminternen Prompt

zu starten. Welche Möglichkeiten

das eröffnet, verdeutlicht folgendes

Beispiel: Angenommen, Sie

haben in einem Tmux-Fenster gerade

verschiedene Panels arrangiert

und möchten sich daranmachen,

deren Größe zu verändern.

Das erledigen Sie mit der Funktion

resize‐pane: Mit dem programminternen

Befehl resize‐pane

‐U breitet sich das aktuelle Panel

nach oben aus, mit dem Kommando

resize‐pane ‐L 10 zehn Zeichen

nach links. Analog vergrößert

die Funktion resize‐pane ‐t 2

‐L 15 das Panel Nummer 2 um

15 Zeichen nach links.

Sie haben die Möglichkeit, die

genannten Variablen und alle

weiteren bis ins Detail zu konfigurieren.

Sogar den Prefix-Key,

also die vorgeschaltete Tastenkombination,

passen Sie je nach

Bedarf an – etwa, wenn Sie das

‐ markiert das zuletzt ausgewählte Fenster

# im überwachten Fenster trat eine Aktivität auf

! visueller Ersatz für die Systemglocke

+ Fensterinhalt erfolgreich überwacht

von Screen gewohnte [Strg]+[A]

bevorzugen. Diese Veränderungen

nehmen Sie mit einem beliebigen

Editor in der Konfigurationsdatei

~/.tmux.conf in Ihrem

Heimatverzeichnis vor.

Unter der Haube

Tmux bringt in der Regel eine

Handvoll Beispieldateien für die

Konfiguration mit. Sie finden diese

Vorlagen meist im Pfad unter

/ usr/share/doc/tmux/examples oder

/ usr/local/share/doc/tmux/examples.

Ein einfaches Beispiel wäre das

bereits erwähnte Umstellen des

Prefix-Keys auf [Strg]+[A]. Öffnen

Sie die Konfigurationsdatei,

und schreiben Sie Folgendes in

die ersten zwei Zeilen:

unbind C‐b

set ‐g prefix C‐a

Danach speichern Sie die Datei

unter dem Namen ~/.tmux.conf

und starten Tmux neu. Durch das

Listing 2

hardstatus string

"%‐Lw%{BW}%50>%n%f*

%t%{‐}%+Lw%


Tmux

praxis

Auf diese Weise versehen Sie auch

die Rahmen der Panels und die

Reiter der einzelnen Fenster mit

unterschiedlichen Farben. Statt

set leiten Sie die Variablen dieses

Mal mit dem Präfix set‐windowoption

ein (Listing 4).

Die Option aus Zeile 1 weist

Tmux an, den Vordergrund des

Reiters des aktuell geöffneten

Fensters weiß anzuzeigen, der

Hintergrund bekommt durch die

nachfolgende Zeile im Beispiel

eine blaue Farbe. Für die restlichen

Fenster in der Statusleiste

wird umgekehrt ein Schuh daraus:

Der Vordergrund hat durch

die Einstellung window‐status‐fg

default dieselbe Farbe, wie die

Voreinstellung der Statuszeile,

nämlich Blau, der Hintergrund

leuchtet dank window‐status‐bg

yellow in Gelb.

Ein weiterer Punkt betrifft weniger

die Ästhetik, sondern mehr

die Ergonomie: In Listing 5 erhält

das aktive Panel, in dem Sie gerade

arbeiten, einen Rahmen mit

grünem Vordergrund (Zeile 1)

und einem schwarzen Hintergrund

(Zeile 2). Die restlichen inaktiven

Panels erscheinen weiß

auf blauem Grund (Zeile 3 und 4).

Beachten Sie aber, dass diese

Optionen erst ab Tmux 1.2 bereitstehen.

Setzen Sie zum Beispiel

unter Ubuntu 10.04 LTS die

Version aus dem Repository ein,

dann arbeiten Sie mit Tmux 1.1.

Wie Sie während Ihres ersten

Tmux-Testes vielleicht festgestellt

haben, verzieren sich die Reiter

der Fenster hin und wieder mit

Zeichen wie dem Asterisk (*), einem

Hash (#) oder dem Ausrufezeichen

(!). Diese Symbole dienen

als Signale und Orientierungen.

Die Tabelle Fenstermarkierungen

schlüsselt die Bedeutungen auf.

Neben diesen ganz einfachen

Basiskonfigurationen haben Sie

jedoch die Möglichkeit, sich nach

Herzenslust in der Datei ~/.tmux.

conf auszutoben. Wenn Sie öfter

eine SSH-Verbindung [5] zu einem

bestimmten Rechner aufbauen,

dann lohnt sich eine Konfiguration

wie in Listing 6.

Die Option bind funktioniert als

Gegenstück zu unbind, das Sie im

ersten Beispiel bereits kennengelernt

haben. Mit bind verketten

Sie den Schrägstrich ([Umschalt]+[7])

mit dem gewünschten

Kommando. Dabei gibt es einige

Besonderheiten zu beachten:

Der Parameter split‐window teilt

das aktuelle Fenster in zwei Panels

und führt durch exec („execute“)

das Programm SSH samt

dem dafür benötigten Benutzerund

Servernamen aus. Alles, was

für Sie nun noch zu tun bleibt, ist

das Eintippen des Passwortes in

die SSH-Eingabeaufforderung –

schon haben Sie Verbindung zum

entfernten Rechner.

Fazit

Die beschriebenen Parameter reizen

die Möglichkeiten von Tmux

bei Weitem nicht aus: Neben den

bereits genannten Vorlagen zur

Konfiguration bietet das Tool außerdem

eine über 1000 Zeilen

umfassende Manpage an, die Sie

in der Shell mit dem Kommando

man tmux einsehen.

Zwar gibt es das Manual nur in

Englisch, doch macht es dieses

Manko durch viele eingängige

Beispiele wett. Wenn Sie sich des

Englischen ausreichend mächtig

fühlen, steht zudem der Teilnahme

an den Mailinglisten und dem

IRC-Channel #tmux nichts im Weg.

Diese Kanäle unterhält das Tmux-

Team, um darüber Support für

die Software zu leisten. (agr) n

set‐window‐option ‐g window‐status‐current‐fg white

set‐window‐option ‐g window‐status‐current‐bg blue

set‐window‐option ‐g window‐status‐fg default

set‐window‐option ‐g window‐status‐bg yellow

01 set‐option ‐g pane‐active‐border‐fg green

02 set‐option ‐g pane‐active‐border‐bg black

03 set‐option ‐g pane‐border‐fg white

04 set‐option ‐g pane‐border‐bg blue

Listing 4

Listing 5

Listing 6

$ bind / split‐window "exec ssh Benutzer@Server"

[1] Hacken wie ein (Kino-)Hacker: http:// hackertyper. com

[2] GNU Screen: http:// www. gnu. org/ software/ screen/

[3] Tmux: http:// tmux. sourceforge. net

[4] Programme selbst kompilieren: Andreas Kneib, „Auf zu den Quellen“,

LU 07/​2005, S. 86, http:// www. linux‐community. de/ 8607

[5] Tunnelbauer: Jörg Harmuth, „Verbindungskünstler“, LU 04/​2006, S. 78,

http:// www. linux‐community. de/ 10335

info

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07 | 12 67


praxis

Timeline

Aufgaben und Ereignisse grafisch darstellen mit Timeline

Zeitreise

Timeline erlaubt Ihnen,

mit wenigen Handgriffen

einen übersichtlichen Zeitstrahl

zu entwerfen. Tim Schürmann

Timeline 0.16

LU/timeline/

README

Findet die Konferenz vor

oder nach der CeBIT

statt? Welche Aufgaben

muss ich in welcher Reihenfolge

erledigen? Besonders

schnell beantwortet

solche chronologischen

Fragen das Programm

Timeline.

Egal, ob in Büchern, Zeitschriften

oder im Internet

– Zeitleisten waren

schon immer beliebt.

Im Geschichtsunterricht

veranschaulichen

sie, wann welche Ereignisse

stattfanden, Linux-Enthusiasten

verraten sie die Erscheinungstermine

der Distributionen,

Projektplaner stecken auf ihnen

Meilensteine ab, und Facebook

konserviert auf ihnen sogar

komplette Lebensläufe. Das kleine

Python-Programm Timeline

(http:// thetimelineproj. sf. net/)

erlaubt es, unkompliziert selbst

solche Zeitleisten zu erstellen.

Setup

Als Abhängigkeit erwartet Timeline

das Programm Python mindestens

in Version 2.5, darüber

hinaus die Bibliotheken wxPython

ab Version 2.8.9.2 und Gettext

0.17 oder neuer. Daneben

benötigen Sie das Programm

Scons. Unter Ubuntu verwenden

Sie dafür die Pakete python, python-wxgtk2.8,

wx2.8-i18n, scons

und gettext. OpenSuse-Besitzer

spielen python-wxWidgets, scons

und gettext-runtime ein.

Danach besuchen Sie die Projektseite

von Timeline und wechseln

dort zum Link Getting Timeline.

Laden Sie das Archiv unter

Installing on other systems (installing

from source) herunter und

entpacken es auf Ihrer Festplatte.

Nun öffnen Sie ein Terminalfenster

im Timeline-Verzeichnis und

© Sanadesign, 123RF

installie- ren dort die Übersetzungen

via scons mo. Das einsatzbereite

Timeline starten Sie

anschließend mit dem Aufruf

python timeline.py.

Navigator

Zunächst erscheint ein leeres

Fenster, das anbietet, ein Tutorial

zu öffnen. Klicken Sie den Link

an, erscheint eine Beispiel-Zeitleiste

(Abbildung A). Sobald Sie

mit dem Mauszeiger über ein Ereignis

fahren, fördert Timeline

die zugehörige Beschreibung in

einem kleinen Fenster zutage.

Möchten Sie diese Beschreibung

dauerhaft einblenden, klicken Sie

auf das Stecknadel-Symbol rechts

oben in der Sprachblase.

Die Zeitleiste bewegen Sie, indem

Sie den Mauszeiger auf einen

freien, weißen Bereich bewegen,

die linke Maustaste drücken und

den Balken nach links oder

rechts verschieben.

Mit dem Regler

am rechten Fensterrand

verschieben

Sie die gesamte

Zeitleiste nach

oben und unten. Den

richtigen Ausschnitt

und die passende Zoomstufe

regulieren Sie über die

Punkte im Menü Position |

Zoom. Schneller geht es, indem

Sie [Strg] gedrückt halten und

am Mausrad drehen.

Jedes Ereignis lässt sich optional

einer Kategorie zuordnen. In

der Beispiel-Zeitleiste gibt es vier

Kategorien, die der Bereich am

linken Fensterrand auflistet. Sobald

Sie dort einen Haken entfernen,

blendet Timeline alle zur

entsprechenden Kategorie gehörenden

Ereignisse aus. Auf diese

Weise sorgen Sie gerade bei komplexen

Zeitleisten schnell für

mehr Übersicht. Jede Kategorie

besitzt zudem eine eigene Farbe,

in der die Software automatisch

die zugehörigen Ereignisse darstellt.

So lässt sich mit einem

Blick erkennen, dass das Ereignis

Willkommen zu Timeline zur roten

Kategorie Willkommen gehört.

Geschichte schreiben

Um eine neue Zeitleiste zu erstellen,

wählen Sie aus dem Menü

Datei | Neu | Zeitstrahl-Datei….

Im Dateibrowser legen Sie den

Projektordner und den Dateinamen

fest und klicken danach auf

Speichern. Timeline sichert sämtliche

Änderungen selbstständig

und öffnet nach seinem Start immer

als Erstes die zuletzt von Ihnen

bearbeitete Zeitleiste.

68 07 | 12

www.linux-user.de


Timeline

praxis

Bevor Sie ein neues Ereignis auf

dem noch leeren Zeitstrahl eintragen,

legen Sie zunächst eine

Kategorie an. Dazu rufen Sie Zeitstrahl

| Kategorien bearbeiten auf

und und erstellen mittels Hinzufügen

eine weitere Kategorie. Alternativ

bewegen Sie den Mauszeiger

in die linke Spalte und aktivieren

per Linksklick das Kontextmenü,

aus dem Sie Hinzufügen

wählen. Nun geben Sie der

Kategorie einen Namen und wählen

danach Hintergrund- und

Schriftfarben für die Ereignisse

aus. Ein Klick auf eine der Farben

öffnet einen Farbwähler. Nach

dem gleichen Schema erstellen

Sie alle weiteren benötigten Kategorien.

Diese dürfen Sie übrigens

auch ineinander verschachteln.

Dazu wählen Sie in der Ausklappliste

Übergeordnetes Element die

direkt übergeordnete Kategorie.

Die so entstehende Hierarchie

zeigt das Fenster Kategorien bearbeiten

durch Einrückungen an.

Um ein neues Ereignis einzutragen,

doppelklicken Sie im Hauptfenster

auf einen freien Bereich.

Im daraufhin erscheinenden Dialog

(Abbildung B) tragen Sie unter

Zeit das Datum des Ereignisses

ein. Ein kleiner Kalender, den

Sie mit einem Klick auf das Symbol

rechts neben dem Feld öffnen,

vereinfacht hier die Auswahl.

Timeline erwartet das Datum

übrigens im Format Jahr-Monat-

Tag, wobei Sie zwingend Monat

und Tag angeben müssen. Sofern

das neue Ereignis über eine längere

Zeit andauert (etwa eine dreitägige

Konferenz), wählen Sie

Zeitspanne an. Nun erweitert sich

das Datumsfeld um zwei weitere

Felder, in denen Sie das Ereignisende

festlegen. Spielt die Uhrzeit

eine Rolle, zeigt ein Haken vor

Uhrzeit anzeigen entsprechende

Eingabefelder an.

Unter Text tippen Sie die Beschriftung

des Ereignisses auf

dem Zeitstrahl ein, wählen dann

eine passende Kategorie und hinterlassen

schließlich noch eine

Beschreibung. Ereignisse ohne Kategorie

erscheinen später auf dem

Zeitstrahl in einem grauen Kasten.

Zusätzlich können Sie dem

Ereignis über das Register Icon

noch ein kleines Symbol hinzufügen.

Wenn Sie mehrere Ereignisse

hintereinander anlegen möchten,

aktivieren Sie Weitere Ereignisse

nach diesem erstellen. Das Tool öffnet

nach einem Klick auf OK umgehend

ein leeres Formular.

Alternativ öffnen Sie direkt einen

fertigen Kalender im iCalendar-Format

mit der Endung .ics.

Diesen importieren Sie in Timeline

einfach via Datei | Öffnen….

Schiebung

Bestehende Ereignisse verändern

Sie bei Bedarf direkt auf dem

Zeitstrahl. Dazu klicken Sie den

entsprechenden Eintrag an. Am

linken und rechten Rand erscheinen

jetzt kleine schwarze Kästchen,

die als Anfasser dienen und

es erlauben, die Länge des Ereignisses

anzupassen. Beachten Sie,

dass Sie damit gleichzeitig die Anfangs-

und Endzeit des Ereignisses

verändern. Über den schwarzen

Anfasser in der Mitte verschieben

Sie das komplette Ereignis

an einen anderen Zeitpunkt.

Falls Ihnen diese Methode zu

ungenau erscheint, doppelklicken

Sie auf das Ereignis, worauf sich

die Eingabemaske öffnet. Über

das Kontextmenü löschen Sie via

Entfernen nicht mehr benötigte

Einträge. Gleiches erledigt [Entf]

mit allen markierten Ereignissen.

Halten Sie [Strg] gedrückt und

wählen zwei Ereignisse an, so

misst Timeline über den Menüpunkt

Zeitstrahl | Measure Distance

between two Events den zeitlichen

Abstand zwischen diesen

beiden. So erfahren Sie schnell,

dass zwischen dem Geburtstag

von Tante Gerda und dem von

Onkel Helmut nur 37 Tage liegen.

Den fertigen Zeitstrahl exportieren

Sie optional als SVG-Vektorgrafik

oder PNG-Bilddatei. Die

entsprechenden beiden Punkte

finden Sie im Menü Datei.

Fazit

Gegenüber einem Kalenderblatt

erscheinen Zeitleisten wesentlich

übersichtlicher. Bei eigenen Terminen

enthüllen sie mit einem

Blick die Reihenfolge, bei Projekten

kann Timeline sogar die Zeiten

zwischen ihnen und somit die

Projektdauer berechnen. Auch

wenn die Software recht karg aussieht

und nur wenige Funktionen

bietet, sorgt sie doch in vielen Situationen

für mehr Übersicht als

ein Monatskalender. (tle) n

A Der Tutorial-Zeitstrahl

verschafft einen

Überblick über die

wichtigsten Funktionen

der Software.

B Im Eingabedialog

für Ereignisse tragen

Sie die Beschreibung

sowie das Datum des

Geschehens ein.

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07 | 12 69


netz&system

OwnCloud 4

Cloud-Speicher auf eigenen Servern

bereitstellen mit OwnCloud

Sicherer

Hafen

© GHerrmann, sxc.hu

Statt sie kommerziellen

Anbietern

anzuvertrauen,

speichern Sie mit

OwnCloud Ihre Daten

in der eigenen

Wolke und teilen

Sie mit anderen.

README

Falko Benthin,

Jan Rähm

OwnCloud verspricht einen

sicheren, weil kontrollierten

Hafen für Daten,

die Sie im Netz ablegen

und mit anderen

teilen möchten. Das

Grundgerüst steht –

aber im Detail birgt die

Open-Source-Lösung

noch einige Probleme.

Die Cloud ist in aller Munde,

schon seit Jahren. Und langsam,

aber sicher geht es auch für Otto

Normalbenutzer mit dem wolkigen

Thema los: Daten in die Cloud

auszulagern und über mehrere

Geräte automatisch zu synchronisieren

erfreut sich immer größerer

Beliebtheit. Dienstleister wie

Dropbox, SpiderOak oder Apples

iDisk reagieren und stellen Nutzern

die gefragten Online-Festplatten

bereit. Die Unternehmen

versprechen zwar Datensicherheit

– ob diese aber wirklich gewährleistet

ist, entzieht sich in aller

Regel der Kenntnis des Nutzers.

Garantien für den einfachen Zugriff

von allerlei staatlichen Organen

auf die Daten trüben zusätzlich

das Vertrauen.

Vor über zwei Jahren brachte es

der KDE-Entwickler Frank Karlitschek

auf dem Camp KDE 2010

auf den Punkt: Anwender wollen

unabhängig vom Standort auf

ihre Daten zugreifen, gleichzeitig

aber die Kontrolle über die gespeicherten

Dateien behalten [1].

Mehrere Entwickler griffen daraufhin

die Idee der eigenen

Cloud auf, und bereits ein halbes

Jahr später erschien die erste Version

von OwnCloud [2], einer Online-Speicherlösung,

die sich auch

für den privaten Einsatz eignet.

Die Software steht unter der

AGPLv3 und ist in PHP und

Javascript implementiert. Der Zugriff

auf den Online-Speicher erfolgt

via WebDAV oder eine Web-

Oberfläche. Sie haben die Möglichkeit,

Verzeichnisse

zu

synchronisieren

und

festzulegen,

welche Daten

Sie mit

anderen Anwendern

teilen

wollen.

Die Cloud-

Software

bietet einen

Mediaplayer

und eine

Galerie erlaubt

es,

Kalender

und Listen mit Kontakten zentral

zu verwalten sowie Dokumente

online zu bearbeiten. Eine Versionsverwaltung

hilft, unabsichtlich

getätigte Änderungen ungeschehen

zu machen. Darüber hinaus

gibt es immer mehr Anwendungen,

mit denen Sie bei Bedarf

den Funktionsumfang erweitern.

Vor Kurzem haben die Entwickler

Version 4 veröffentlicht. Die

Installation auf dem eigenen Ser-

A Die Web-GUI setzt auf Javascript und Mouseover-Effekte,

lässt sich aber trotzdem intuitiv bedienen.

72 07 | 12

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OwnCloud 4

netz&system

ver oder Webspace setzt mindestens

PHP 5.3 sowie MySQL oder

SQLite voraus. Auf der Projektseite

finden Sie eine ausführliche

Dokumentation dazu [3]. Haben

Sie bereits eine frühere Own-

Cloud-Version installiert, besteht

die Möglichkeit, diese auf den aktuellen

Stand zu bringen. Dazu

liefert die zuvor genannte Dokumentation

Hinweise, die aber nur

bedingt funktionieren.

Auf unserer Testinstallation

(Web space mit Debian „Squeeze“,

Apache 2.2.16, PHP 5.3.3 und

My SQL 5.1.61) führte die Aktualisierung

von OwnCloud 3.0.2 auf

4.0.0 lediglich zu der Fehlermeldung

Error while upgrading the

d a ta ba s e und dem Log-Eintrag

{"app":"core","message":"Failed to

get existing database structure for

upgrading (MDB2_Schema Error:

schema validation error)", "level":4,

"time":1338030714}.

Konfiguration

OwnCloud verfügt über eine relativ

intuitiv zu bedienende Web-

Oberfläche, die bei der Installation

in einem vom Provider bereitgestellten

Web space allerdings

teilweise etwas langsam reagierte.

Links oben finden Sie Ordner und

installierte Anwendungen aufgelistet,

der untere Teil der Navigation

bleibt dem (zunächst eingeklappten)

Menü für die Konfiguration

vorbehalten. Das holen Sie

durch einen Klick auf das etwas

unscheinbare Zahnrad-Icon zum

Vorschein (Abbildung A).

Innerhalb der Konfiguration

haben Sie als Anwender

lediglich die Möglichkeit,

persönliche Einstellungen

anzupassen, wie

etwa das Passwort, die

Mailadresse für den Versand

neuer Zugangsdaten,

die Sprache der Oberfläche

oder eine neue

Zeitzone (Abbildung B).

Alle Änderungen übernimmt

das Programm

nach kurzer Zeit automatisch,

sodass die Suche

nach einer Schaltfläche

zum Speichern entfällt.

Innerhalb der persönlichen

Einstellungen sehen

Sie außerdem, wie viel

des verfügbaren Speicherplatzes

bereits belegt ist. Es stört etwas,

dass die Oberfläche kurzzeitig

einfriert oder die Software nicht

alle Punkte speichert, wenn Sie

mehrere Änderungen schnell hintereinander

vornehmen.

Der Administrator hat deutlich

mehr Rechte als der gemeine Anwender:

Er darf unter anderem

die Rechte von Nutzern und

Gruppen bearbeiten, Quotas für

einzelne User setzen, Anwendungen

aktivieren und stilllegen, das

Logfile auswerten oder die komplette

OwnCloud-Instanz exportieren.

Neue Nutzer legen Sie

recht schnell mithilfe der Web-

Oberfläche an. Dieses Verfahren

bietet auch die Möglichkeit, das

Konto einer oder mehreren Gruppen

zuzuordnen. Existiert eine

Gruppe noch nicht, legen Sie diese

bei Bedarf gleichzeitig mit dem

Nutzer an (Abbildung C).

Administratoren dürfen den

Speicherplatz einzelner Nutzer

über Quotas beschränken. Dazu

genügt es, das Dropdown-Menü

in der Spalte Quota zu öffnen und

den gewünschten Wert auszuwählen.

Neben den vorgegebenen

Werten default, none, 1 GB, 5 GB,

10 GB lassen sich auch individuelle

Werte (andere…) festlegen.

Dazu geben Sie den erlaubte Speicherplatz

gefolgt von der Einheit

(B, KB, MB, GB) an. Ohne Angabe

einer Einheit geht OwnCloud

standardmäßig von Byte aus.

B Normalen Nutzern

stellt die Web-Oberfläche

von OwnCloud nur

wenige Optionen zum

Einstellen bereit.

OwnCloud 4

LU/owncloud/

D Neue Ordner und

(Text-)Dateien sind mit

OwnCloud meistens

nur zwei Mausklicks

entfernt.

C Nutzer und Gruppen lassen sich in der Web-Oberfläche schnell anlegen.

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07 | 12 73


netz&system

OwnCloud 4

E Dateien machen Sie

bei Bedarf komplett

öffentlich oder nur

ausgewählten Personenkreisen

zugänglich.

F Zu schnell oder versehentlich

gelöschte

Dateien gehen nicht

sofort verloren.

Alleine oder gemeinsam

Wollen Sie die Software nutzen,

um nur ein paar Daten überall

parat zu haben oder mit anderen

zu teilen, laden Sie diese über die

Web-Oberfläche auf die Online-

Festplatte. Dazu genügt ein Klick

im Datenbereich auf das Symbol

mit dem aufwärts gerichteten

Pfeil neben Neu. Daraufhin öffnet

sich ein Dialog zur Auswahl einer

Datei. Ein Klick auf Neu fördert

einen Dialog zutage, mit dem Sie

Ordner oder Textdateien anlegen

(Abbildung D, vorige Seite).

Bereits vorhandene Dateien ziehen

Sie anschließend im Web-

Frontend via Drag & Drop in die

neu angelegten Ordner – sofern

die Sicherheitseinstellungen des

Webservers das erlauben. Um Dateien

von anderen Webservern zu

laden, befördern Sie diese einzeln

durch die Angabe der

zugehörigen URL in

Ihre persönliche

Cloud.

Seit der Version 4

lassen sich auch Dateien

vom Desktop in

ein Browser-Fenster

ziehen, in dem Own-

Cloud geöffnet ist. In

unserem Test funktionierte

das sowohl

mit Mac OS X und

Safari als auch mit

Linux und Firefox

recht ordentlich. Dagegen

öffnete Konqueror

unter OpenSuse 12.1 die

per Drag & Drop abgelegte Datei

sofort in einem Editor, statt sie in

der Cloud zu speichern.

Anwender können Dateien in

höher gelegene Verzeichnisse bewegen,

indem sie diese auf den gewünschten

Ordner in der Pfadangabe

ziehen. Das geht allerdings

immer nur einzeln – für zehn Dateien

heißt es also zehn Mal ziehen.

In den öffentlich zugänglichen

Shared-Ordner können Sie

auf diese Weise keine Dateien

kopieren, denn er bleibt Dateien

vorbehalten, die andere Anwender

bereitstellen.

Dateigröße

Beim ersten oder zweiten Versuch,

etwas auf den Server zu schieben,

stoßen vermutlich einige Anwender

auf Probleme: OwnCloud versagt

mit der freundlichen

Meldung Upload

too large den Ladevorgang.

Um zu erfahren,

wie groß eine Datei

denn maximal sein

darf, fahren Sie mit

dem Mauszeiger über

das schon erwähnte

Symbol mit dem aufwärts

gerichteten

Pfeil. Ein kleines Popup

verrät dann das Limit

für den Upload –

bei einer Apache-Standard-Installation

in

der Regel 2 MByte.

Um mehr und vor allem größere

Dateien in die Cloud zu schaufeln,

gilt es, die Konfiguration des

Webservers anzupassen. Dazu

geht es auf die Kommandozeile.

Dort rufen Sie mit administrativen

Rechten die Datei php.ini im

bevorzugten Editor auf. In der

Zeile upload_max_filesize legen Sie

nun die gewünschte Obergrenze

fest. Hinter den Zahlenwert setzen

Sie ein M oder G für MByte respektive

GByte. Nach einem Neustart

des Webservers zeigt Own-

Cloud das neue Upload-Limit an.

Sobald der Mauszeiger über dem

Eintrag eines Dateinamens steht,

erscheinen vier Icons, um die entsprechende

Datei herunterzuladen,

mit anderen zu teilen beziehungsweise

völlig öffentlich zugänglich

zu machen, sie umzubenennen

oder ihre Historie aufzuzeigen.

Um eine Datei gemeinsam

mit anderen zu benutzen, wählen

Sie nur den Share-Button sowie

alle fraglichen Teilhaber beziehungsweise

Gruppen.

In einer separaten Checkbox

schalten Sie für Ihre Datei frei,

welche Personen diese bearbeiten

dürfen. Gewähren Sie für eine Datei

oder gar ein ganzes Verzeichnis

einen öffentlichen Zugriff, ersetzt

das Programm die Skizze eines

Binärbaums auf dem Share-

Button durch einen Globus. Für

Daten, die nur autorisierten Anwendern

zur Verfügung stehen,

blendet die Software stattdessen

den Umriss von zwei Köpfen ein

(Abbildung E). Teilen Sie Ihre Dateien

mit anderen, sollten Sie sicherstellen,

dass Sie diesen Nutzern

vertrauen, denn jetzt verlieren

Sie unweigerlich die Kontrolle

über Ihre Daten: Die „Teilhaber“

können die mit ihnen geteilten

Daten erneut und ohne Wissen

des eigentlichen Besitzers anderen

bereitstellen oder sogar komplett

veröffentlichen.

Hier kommt noch hinzu, dass

sich die Icons, die anzeigen, ob

Sie eine Datei mit anderen teilen,

sich nur bis zum Logout ändern.

Beim nächsten Login hat der

74 07 | 12

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OwnCloud 4

netz&system

Share-Button wieder seine ursprüngliche

Form, sodass Sie

nicht auf einen Blick sehen, welche

Dateien Sie geteilt oder veröffentlicht

haben. Am Ende eines

jeden Eintrages blendet das Programm

ein kleines Kreuz ein, mit

dem Sie Dateien und Verzeichnisse

löschen. Diese Funktion blieb

in Opera 11.64 ohne Folgen, in

Firefox 10.0.2 funktionierte sie

jedoch tadellos. Anwender mit

nervösen Fingern, die eine Datei

zu schnell tilgen, wissen sicher

die Undo-Funktion zu schätzen

(Abbildung F). Der entsprechende

Button bleibt so lange aktiv,

bis Sie das Verzeichnis wechseln.

Bis OwnCloud 3 war Vorsicht

beim Upload geboten, da die Software

bereits vorhandene Dateien

stillschweigend überschrieb, wenn

Sie eine neue Datei mit gleichem

Namen hochluden. OwnCloud 4

ist hier sicherer, denn es ergänzt

die Namen entsprechender Dateien

um einen Zähler, statt den Vorgänger

zu verdrängen.

Die Entwickler haben relativ

weit oben in der Oberfläche ein

Suchfeld integriert, das eine freie

Suche nach Text ermöglicht. Die

dort eingegebene Zeichenkette

zieht OwnCloud heran, um Dateien,

Adressbuch und Kalender auf

potenzielle Treffer abzugleichen

und diese automatisch und nach

Kategorien sortiert aufzulisten

(Abbildung G).

WebDAV

Möchten Sie das Programm nur

nutzen, um Dateien in der Cloud

zu speichern, erweist

sich das

Hantieren mit

der Web-Oberfläche

schnell als

sehr umständlich.

Abhilfe

schafft hier Web-

DAV: OwnCloud

selbst nutzt diese

Technik, um Verzeichnisse

über

mehrere Rechner

hinweg zu synchronisieren.

Als ein Kind der

KDE-Gemeinschaft

arbeitet

OwnCloud entsprechend gut mit

dem Dateimanager Dolphin zusammen

[4]. Möchten Sie jedoch

weder KDE noch Dolphin einsetzen,

dann greifen Sie zu Davfs2

([5], [6]) mit dem Sie entsprechende

Ressourcen auf dem Client wie

normale Dateisysteme einbinden.

Nachdem Sie den WebDAV-Support

mithilfe des Paketmanagers

installiert haben, fügen Sie mittels

des Kommandos usermod ‐aG

davfs2 User der Gruppe davfs2 lokale

Anwender hinzu. Diese dürfen

dann entfernte WebDAV-Ressourcen

einbinden.

Jetzt fehlen noch Verzeichnisse

für die Konfigurationsdateien

(~/.davfs2) sowie die zu synchronisierenden

Daten. Für Letztere

schlagen die Entwickler den Namen

owncloud vor, prinzipiell dürfen

Sie den Namen aber frei wählen.

Die Verzeichnisse erstellen

Sie schnell mittels mkdir .davfs2

owncloud auf der Kommandozeile.

Anschließend hinterlegen Sie mit

$ echo "http://Server/owncloud/rU

emote.php/webdav/ User Passwort"U

>> ~/.davfs2/secrets

Nutzername und Passwort in einer

Datei, die nur der jeweilige

Benutzer lesen darf (chmod 600

~/. davfs2/secrets). Nun binden Sie

den Online-Speicher mittels

$ sudo mount ‐t davfs ‐o rw httpU

://Server/owncloud/remote.php/weU

bdav/ ~/owncloud

testweise ein (Abbildung H).

Klappt das problemlos, erweitern

Sie die Datei /etc/fstab für jeden

lokalen Nutzer um die Zeile

http://Server/owncloud/remote.phU

p/webdav/ /home/User/owncloud daU

vfs user,rw,noauto 0 0

G Die in OwnCloud integrierte

Suche gibt

schon bei einer teilweisen

Übereinstimmung

mit der gesuchten

Zeichenkette einen

Treffer aus.

H Einmal eingerichtet, erleichtert WebDAV die Arbeit mit OwnCloud.

I Der aus dem OpenSuse-Umfeld

stammende OwnCloud-Client Mirall

übernimmt die Installation von Own-

Cloud auf dem Webspace.

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netz&system

OwnCloud 4

J Schön und praktisch

präsentiert sich die

Kalender-Anwendung

in OwnCloud.

So genügt künftig ein mount ~/owncloud,

um die Online-Festplatte

einzubinden. Unterstützen der

Server oder Webspace-Anbieter

SSL-verschlüsselte Übertragungen,

ersetzen Sie das http in der

URL auf jeden Fall durch https.

Möchten Sie allerdings von einem

anderen Betriebssystem als

Linux auf die Cloud zugreifen, gilt

es, etwas Glück mitzubringen:

Verschiedene Versuche, unter

Windows 7 und Mac OS X 10.6.8

via WebDAV auf die Daten zuzugreifen,

schlugen im Test fehl.

Client Mirall

Ubuntu-One- und Dropbox-Nutzer

fühlen sich anfangs unter

Umständen mit OwnCloud nicht

richtig wohl, weil ihnen ein Client

und das Icon im System-Tray fehlen.

Doch mit der zunehmenden

Popularität der freien Cloud-Alternative

entstanden bereits entsprechende

Anwendungen.

Die OpenSuse-Gemeinschaft

hat mit dem auf Csync [7] basierenden

Mirall [8] bereits einen

Client entwickelt, der die Arbeit

mit OwnCloud erheblich vereinfacht.

Mit ihm erhalten Sie einen

grafischen Helfer, der OwnCloud

ins heimische System integriert

und Apache entsprechend konfiguriert

beziehungsweise Own-

Cloud im Webspace installiert,

ein Austauschverzeichnis anlegt

und die Verbindung zu bestehenden

OwnCloud-Instanzen herstellt

(Abbildung I, vorige Seite).

Das noch in einem frühen Stadium

der Entwicklung befindliche

Mirall findet sich noch nicht in

den Repositories der großen Distributionen.

Für OpenSuse, Cent-

OS, Debian, Fedora und Ubuntu

stehen aber Binärpakete des

Clients bereit [9]. Nutzer anderer

Distributionen setzen auf den

OpenSuse Build Service oder greifen

selbst zum Compiler.

Mirall bringt jedoch einige Beschränkungen

mit: Da das lokale

Verzeichnis als Master fungiert,

deaktiviert die Software beispielsweise

die Synchronisation, sobald

jemand von anderer Stelle Dateien

in OwnCloud ablegt.

Der auf Mirall basierende Own-

Cloud-Client [10] für andere Distributionen

legt in der Cloud ein

neues Verzeichnis clientsync an,

statt die bisherigen Datenbestände

abzugleichen. Er bietet zusätzlich

keine Möglichkeit, OwnCloud

lokal oder entfernt zu installieren.

PIM und Cloud

Zu einer richtigen eigenen Cloud

gehört mehr, als nur die Möglichkeit,

Daten abzulegen. Es sollte

auch möglich sein, Termine und

Kontakte – sogenannte PIM-Daten

– über das Netz abzugleichen.

Wie seine kommerziellen Pendants

versteht sich OwnCloud darauf.

Dazu setzt das System auf

Sabredav, das unter anderem die

Standards CalDAV und CardDAV

implementiert.

Das Ergebnis lässt sich hinter

den Menüpunkten Kalender beziehungsweise

Kontakte sehen. Die

Funktionalität der gelungenen

Oberfläche überzeugt bis auf Kleinigkeiten.

Termine lassen sich für

andere Personen und Gruppen

freigeben beziehungsweise komplett

veröffentlichen. Sie erschei-

K Das Einrichten der

Online-Ressourcen ist

meist ein Kinderspiel,

auch der Abgleich der

Daten klappt – zumindest

zum Teil.

L Durch Eigenwilligkeiten erschwert OwnCloud den Abgleich von Kontakten.

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OwnCloud 4

netz&system

nen dann in den Kalendern der

involvierten Personen, die aber

nicht ohne Weiteres erkennen

können, zu welchem Teilnehmer

die Daten gehören.

In kleinen Organisationen, deren

Mitglieder jeweils mehreren

Arbeitsgruppen angehören und

von der Funktion regen Gebrauch

machen, geraten die Kalender daher

relativ unübersichtlich, denn

offenbar erlaubt es die Software

nicht, derart geteilte Termine auszublenden.

Geht es darum, einen Kalender

zu teilen, verhält sich OwnCloud

etwas verwirrend: Hier sehen Teilnehmer

lediglich alle Termine,

dürfen selbst aber keine Einträge

in fremde Kalender vornehmen.

Auch eine eigene, selbst gewählte

Farbe lässt sich den fremden Kalendern

nicht zuweisen.

Im Web-Frontend selbst gibt es

insgesamt wenig an den PIM-

Funktionen auszusetzen (Abbildung

J). Jedoch wären die Cloud-

Daten ohne Synchronisation zu

anderen Anwendungen und Geräten

witzlos – und gerade da hapert

es noch.

Theoretisch müsste der Abgleich

ganz unproblematisch erfolgen:

Unter Einstellungen | Persönlich

finden Sie die URLs für die Synchronisation

(Listing 1). Diese geben

Sie in der PIM-Suite des eigenen

Vertrauens ein, also in Evolution,

Kontact (Abbildung K) oder

den entsprechenden Addons in

Thunderbird wie Lightning und

Sogo-Connector. Danach sollten

eigentlich sowohl die Termine als

auch die Kontakte auf allen Geräten

auf dem gleichen Stand sein.

Was in der Theorie recht einfach

klingt, bringt in der Praxis einige

Probleme mit sich (Abbildung L).

Zum Beispiel hat OwnCloud die

Autoren dieses Textes in eine böse

Falle gelockt: Der Login hängt

Listing 1

http://Server/owncloud/remote.

php/caldav/

http://Server/owncloud/remote.

php/carddav/

nämlich nicht von der

Schreibweise ab – es

spielt also keine Rolle,

ob Sie den Benutzernamen

groß oder klein

schreiben. Beim Synchronisieren

aber ist

das ganz und gar nicht

egal, und so scheiterten

unzählige Versuche

zum Abgleich.

Letztendlich klappte

es aber doch, zumindest

zum Teil. Im Test

glichen Evolution 3.2.3

unter OpenSuse 12.1

und Kontact 4.7.4 unter

Linux Mint 12 Termine

zuverlässig ab. Bei den Kontakten

gestaltet sich die Arbeit etwas

schwieriger: Der Abgleich

wollte im Test nur unter der KDE-

PIM-Suite Kontact gelingen – weder

Evolution noch das auf der

Apple-Plattform verbreitete Adressbuch

ließen sich zur Zusammenarbeit

überreden.

Ton aus den Wolken

Ein ganz ähnliches Bild liefert der

Musik-Streamer ab. Integriert haben

die Entwickler Ampache, das

dafür sorgt, dass die in der Cloud

gespeicherten Musikstücke über

passende Clients immer und überall

bereitstehen.

Unter Linux empfehlen sich

dazu die Programme Banshee,

Rhythmbox und Amarok.

Alle drei bieten

über ein entsprechendes

Plugin fürs Streaming

die entsprechenden

Möglichkeiten. Allerdings

macht hier

wieder die Diskrepanz

zwischen Theorie und

Praxis dem Spaß ein

Ende: Weder Banshee

2.2.1 (unter

OpenSuse 11.3) noch

Rhythmbox 2.90.1

(Mint 12) wollten sich

mit OwnCloud verbinden

(Abbildung M). Dabei

war es egal, ob es

die eigene Cloud war,

die die Musik liefern sollte, oder

die Testinstallation unter http://​

de mo. ow nc lo ud. or g.

Amarok 2.4.3 unter Mint 12 war

dagegen binnen Sekunden bereit,

die Musik abzuspielen (Abbildung

N): Nur das Plugin aktivieren

sowie URL und Zugangsdaten

eingeben, schon geht es los. Positiv

fiel im Test auf, dass das Amarok-Ampache-Plugin

gleich mehrere

Quellen akzeptiert.

Ein kurzer Probelauf auf einem

An droid-Smartphone verlief

ebenfalls zwiespältig. Mit der App

Just Player nebst Plugin Ampache

Provider war der Musikgenuss

nach nur ein paar Klicks

möglich. Amdroid dagegen ließ

sich weder zur Zusammenarbeit

M Banshee lässt sich

nicht zur Zusammenarbeit

mit OwnCloud

überreden.

N Anders als Banshee

versteht sich Amarok

auf Anhieb mit der

OwnCloud.

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netz&system

OwnCloud 4

O Mit dem Online-Editor

bearbeiten Sie

Textdateien in der

Web-Oberfläche.

P Escape im Online-

Editor: etwas zu viel

des Guten.

mit dem Testsystem noch mit der

Demo-Installation der Entwickler

überzeugen.

Der integrierte Player tut zu guter

Letzt, wie ihm geheißen: Aus

den hochgeladenen Dateien wählt

er all jene aus, die Ton enthalten,

und ordnet sie nach Interpret

sortiert an. Einzelne Songs oder

gesammelte Werke eines Interpreten

fügen Sie über die kleine

dreieckige Schaltfläche mit dem

kleinen Plus-Zeichen hinter der

Playliste hinzu.

Ein Klick auf den Interpreten

packt dessen Songs in die Liste

und wirft alle bereits darin befindlichen

wieder raus. Je nach

Browser stehen Ihnen nur die

Schaltfläche zum Abspielen, Pausieren

sowie Vor- und Zurückspringen

bereit oder die Möglichkeit,

in der Zeitleiste innerhalb

des Songs zu springen.

Auffällig war, dass

die Software nicht

alle Musikdateien

gleich gut einliest.

Ein Stück mit gut

einer Stunde Länge

zeigte der Player

erst gar nicht an.

Ein anderes Stück

spielte zwar im

Browser, aber nicht

über die Clients.

Selbst unter den

verschiedenen

Browsern gab es

Unterschiede, je

nach Betriebssystem/​Browser-

Kombination funktionierte die

Wiedergabe oder nicht.

So spielten Firefox und Opera

unter Linux die Stücke brav ab, in

Firefox 12 unter Mac OS X 10.6.8

war der Cloud jedoch kein Ton zu

entlocken. Zudem stockte die

Wiedergabe beim Wechsel in eine

andere Funktion von OwnCloud

immer wieder kurz, spielte nach

dem Wechsel dann aber anstandslos

weiter.

Pimp my Cloud

OwnCloud lässt sich über in PHP,

HTML und Javascript geschriebene

Programme um eigene Anwendungen

erweitern. Hinweise und

Tipps rund um eigene Programme

finden Sie unter [11], ein Verzeichnis

mit einigen von Benutzern

erstellten Erweiterungen unter

[12]. Sie integrieren solche

Anwendungen in

OwnCloud, indem Sie

sie in das Verzeichnis

apps auf dem Server

kopieren.

Unter Einstellungen

| Anwendungen

sehen Sie die bereits

installierten und aktiven

Erweiterungen.

Dazu zählen unter

anderem ein einfacher

Texteditor und

ein PDF-Viewer sowie

ein Bildbetrachter.

Um in den simplen,

aber für kleinere Arbeiten

vollkommen ausreichenden

Editor zu wechseln, genügt

ein Klick auf eine Textdatei. Über

Schaltflächen speichern und

schließen Sie die Datei, steuern

eine Zeile gezielt an oder suchen

nach Textstellen. Die momentan

zu bearbeitende Zeile hebt die

Software farblich hervor und

blendet zusätzlich Zeilennummern

ein (Abbildung O).

Für mehrere Programmiersprachen

(unter anderem PHP und

Python) steht ein Syntax-Highlighting

bereit. Versuchen Sie jedoch

Quellcode zu editieren, wartet

OwnCloud mit unangenehmen

Überraschungen auf, indem

es Sonderzeichen wie etwa Gänsefüßchen

in Entities umwandelt.

An sich wäre daran nichts auszusetzen,

wenn die Applikation es

nicht bei jedem Abspeichern wiederholte

(Abbildung P).

Betrachter

Der PDF-Viewer dagegen macht

genau, was man von ihm erwartet

– sowohl in Firefox unter Linux

als auch in Safari auf Mac OS X.

Er zeigt PDFs vernünftig an und

erlaubt grundlegende Funktionen

info

[1] Projektstart: http:// www. kdenews. org/​

2010/ 01/ 24/ kde‐gears‐free‐cloud

[2] OwnCloud: http:// owncloud. org

[3] Installation: http:// owncloud. org/ support/​

setup‐and‐installation/

[4] Dolphin konfigurieren: http:// owncloud. org/​

support/ webdav/ # Dolphin

[5] Davfs2: http:// savannah. nongnu. org/​

projects/ davfs2

[6] Workshop Davfs2: Thomas Leichtenstern,

„Massig Speicher“, LU 02/​2006, S. 78,

http:// www. linux‐community. de/ 9795

[7] Csync: http:// www. csync. org

[8] Mirall: http:// en. opensuse. org/ Mirall

[9] Mirall-Binaries herunterladen:

http:// software. opensuse. org/ download/ p

ackage? project=isv:ownCloud:devel&​

package=owncloud‐client

[10] OwnCloud-Client: http:// owncloud. org/​

sync‐clients/

[11] „OwnCloud: Writing Apps“: http:// owncloud.​

org/ dev/ writing‐apps/

[12] OwnCloud-Apps: http:// apps. owncloud. com

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OwnCloud 4

netz&system

wie Zoomen und den Aufruf der

Druckfunktion des Browsers. Der

Druck selbst klappt allerdings

nicht ganz wie gewünscht: Statt

das PDF in seiner ursprünglichen

Form zu übergeben, erzeugt die

Druckfunktion eine Mischung

aus OwnCloud-Menü, Druckdialog

und dem zu druckenden PDF

(Abbildung Q).

Der Bildbetrachter wiederum

lief zeitweise auf Firefox unter

Linux Mint 12 nicht. Zusätzlich

luden die Bilder im Test nach dem

Anklicken im Dateibrowser oft

nicht vollständig. Lediglich ein

kleiner Streifen des Vorschaubildes

war dann zu sehen.

Mit Safari 5.0.6 unter Mac OS X

10.6.8 sowie Firefox 10.0.2 und

Opera 11.64 unter Debian

„Squeeze“ machten wir ähnliche

Erfahrungen. Der Opera zeigte

immerhin noch Spuren der Vorschaubilder

an, sodass ein Start

des eigentlichen Betrachters möglich

war (Abbildung R).

Serverseitig verschlüsseln

Mit der seit OwnCloud 4 bereitstehenden

Encryption-App gelang

den Entwicklern ein großer

Schritt in Richtung serverseitige

Sicherheit. Bisher unterstützte

die Software lediglich das SSLverschlüsselte

Übertragen der

Daten. Wer die Dateien anschließend

auch verschlüsselt speichern

wollte, der musste sich im

Vorfeld darum kümmern.

Die neue Version macht das

überflüssig. Sobald Sie die Encryption-App

aktivieren, verschlüsselt

OwnCloud alle ab diesem

Zeitpunkt eintreffenden Dateien

– egal, ob sie online erstellt,

in ein gemountetes WebDAV-Verzeichnis

kopiert oder klassisch

hochgeladen wurden.

Der eingesetzte Blowfish-Algorithmus

erzeugt den Schlüssel

aus Nutzernamen und Passwort.

Solange niemand Letzteres errät,

dürfte es schon erhebliche Motivation

erfordern, die so in der

OwnCloud liegenden Daten zu

entschlüsseln.

Manöverkritik

Schnell fällt die vor

Javascript strotzende

Web-Oberfläche auf,

die nach und nach immer

langsamer arbeitet.

Ganz klar ließ sich

im Test nicht klären, ob

es an der Oberfläche

selbst oder an den Prozessen

im Hintergrund

hakt. Eine erhöhte Systemlast

trat jedenfalls

nicht auf.

Auch an der Funktionalität

hapert es an der

einen oder anderen

Stelle. Dass die Software

Dateien teilweise nicht

löscht, teils leere Browser-Fenster

präsentiert (etwa in Safari 5.0.6

unter Mac OS X 10.5.8) und oft

mit langen Seitenladezeiten

nervt, passt nicht zu einem System

mit hübscher grafischer Web-

Oberfläche. Zudem bietet das

Frontend keine Möglichkeit, die

Dateien und Verzeichnisse nach

Kriterien wie Größe, Datum oder

Art zu sortieren.

Für die Zusammenarbeit auf

dem Webspace dagegen unerlässlich

sind Angaben zum Besitzer

einer Datei oder eines Verzeichnisses.

Das i-Tüpfelchen wäre eine

Historie, die aufzeigt, wann welcher

Benutzer was geändert hat.

Ein Unding für eine Software,

die bereits die Versionsnummer 4

trägt, ist die Tatsache,

dass sich OwnCloud

unter diversen Brow-

ser/​Betriebssystem-

Paarungen immer wieder

anders verhält. Mal

klappt es mit dieser

Funktion nicht, mal

streikt jene. Solche Unzuverlässigkeiten

disqualifizieren

die freie

Cloud-Software als universellen

Ersatz für den

privaten und professionellen

Einsatz – und

gerade Letzteres bewirbt

OwnCloud im

Moment sehr lautstark.

Fazit

Funktionen wie Kalender, Adressbuch

und Media-Streaming-Server

stehen bei OwnCloud auf den

ersten Blick mit kommerziellen

Lösungen auf einer Stufe. Ein separater

Client muss nicht sein,

Installation und Einsatz klappen

ebenso wie der Betrieb im eigenen

Webspace über Betriebssystemgrenzen

hinweg. Zudem präsentiert

sich das Cloud-System

erfreulich benutzerfreundlich.

Damit wäre OwnCloud nahezu

der perfekte Ansatz, um private

Daten in Eigenregie zu speichern

und auszutauschen – aber eben

nur nahezu, denn die genannten

Schattenseiten trüben den Spaß

im Umgang mit der freien Wolke

derzeit noch enorm. (agr) n

Q Zwar funktioniert

der PDF-Viewer an

sich recht gut, doch

führt der Ausdruck zu

einem recht merkwürdigen

Ergebnis.

R Opera ermöglichte

auf den Spuren der

Vorschaubilder einen

Start des Betrachters.

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07 | 12 79


netz&system

Grub2-Editor

Den Bootmanager konfigurieren mit dem Grub2-Editor

Neues Design

© Zeafonso, sxc.hu

Der Grub2-Editor

integriert sich in

die Systemeinstellungen

von KDE

und erlaubt dort

das komfortable

README

und unkomplizierte

Einrichten

des Bootmenüs.

Tim Schürmann

Der Bootmanager

Grub2 richtet sich vollautomatisch

ein – zumindest,

wenn es nach

dem Willen der Entwickler

geht. Unter KDE haben

Sie mit dem Grub2-

Editor dennoch die Möglichkeit,

komfortabel an

so mancher Schraube

zu drehen.

Mittlerweile nutzen fast alle Distributionen

den Bootmanager

Grub2. Seine Konfiguration regeln

eine Handvoll Skripte, die nach

der Installation sowie bei jedem

Kernel-Update automatisch im

Hintergrund starten, alle auf dem

System installierten Be triebssysteme

identifizieren und aus

diesen Informationen schließlich

ein Bootmenü zusammenstellen.

Um das zu ändern, müssen Sie

entweder in diese Prozedur eingreifen

oder die kryptischen Konfigurationsdatei

bearbeiten.

Dass es zumindest unter KDE

auch einfacher geht, beweist der

Grieche Konstantinos Smanis:

Sein Modul für die KDE-Systemeinstellungen

erlaubt es, die Optik

des Bootmenüs zu verändern,

verwaiste Einträge zu entfernen

und sogar einen defekten Grub2

wiederherzustellen.

Installation

Das Grub2-Editor getaufte Werkzeug

hat seinen ersten Geburtstag

zwar schon hinter sich, findet

sich aber trotzdem erst bei wenigen

Distributionen in den Repositories.

Erfreulicherweise gibt es

auf KDE-Apps.org fertige Pakete

für alle größeren Distributionen

[1], darunter für Fedora,

OpenSuse sowie Ubuntu.

Folgen Sie dem Link Download

für die jeweilige Distribution,

dann haben Sie in der Regel die

Wahl, ein einzelnes Paket herunterzuladen

oder ein spezielles Repository

einzubinden. Letzteres

macht zwar etwas mehr Arbeit,

dafür besitzen Sie aber später immer

die neueste Version des Editors.

Wie Sie dabei vorgehen,

hängt von der Distribution ab

und wird auf der jeweiligen Seite

ausführlich beschrieben.

OpenSuse-Nutzer erwartet ein

Problem: Selbst in der aktuellen

Version 12.1 verwendet die Distribution

noch den alten

Grub 0.97 („Grub Legacy“), den

der Grub2-Editor ignoriert. Wagemutige

steigen manuell auf

Grub2 um, was jedoch gewisse

Gefahren birgt [2].

Abschließend gilt es noch über

den Paketmanager sicherzustellen,

dass die Anwendungen

ImageMagick, Hwinfo und entweder

die Bibliothek Libqapt oder

QPackageKit auf der Festplatte

liegen. Andernfalls stehen gleich

einige Funktionen von Grub2-

Editor nicht bereit. Die auf der

Website bereitgestellten Pakete

ziehen diese Abhängigkeiten nicht

immer automatisch nach.

Erfüllt das System alle Voraussetzungen,

und verlief die eigentliche

Installation erfolgreich, rufen

Sie die Systemeinstellungen

in KDE auf – je nach Distribution

im K-Menü unter Rechner | System

einstellungen oder Anwendungen

| Systemeinstellungen. Klicken

Sie dort im Bereich Systemverwaltung

auf das Symbol Starten und

Beenden, und wechseln Sie anschließend

auf der linken Seite

zum Eintrag GRUB2-Bootloader.

Damit erscheint das Fenster aus

Abbildung A.

Präsentiert der Grub2-Editor

hier eine Fehlermeldung, so liegt

das oft daran, dass die eingesetzte

Distribution einige Grub2-

Werkzeuge vor den Augen norma-

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Grub2-Editor

netz&system

ler Benutzer versteckt. In diesem

Fall bleibt Ihnen nichts anderes

übrig, als die Systemeinstellungen

als Benutzer root zu starten.

Das war beispielsweise auf den

Testsystemen mit Ubuntu beziehungsweise

Kubuntu notwendig:

Hier gelang es sonst partout

nicht, die Änderungen an den

Einstellungen anzuwenden.

Tritt dieses Problem bei Ihrem

System auf, öffnen Sie ein Terminal

und starten dort den Grub2-

Editor direkt mit dem folgenden

Befehl auf der Kommandozeile:

$ sudo kcmshell4 kcm_grub2

Erhalten Sie dabei eine Fehlermeldung,

wie etwa unter OpenSuse,

müssen Sie sich einmal komplett

ab- und dann als Root wieder anmelden,

woraufhin Sie unter dessen

Benutzerkonto die Systemeinstellungen

betreten. Unter Umständen

erscheinen dann alle

Bildschirmtexte in Englisch, obwohl

der Editor prinzipiell durchaus

Deutsch spricht.

In diesem Fall empfiehlt es sich,

die Umgebungsvariable LANG auf

einen Wert für die deutsche Sprache

zu setzen, zum Beispiel de_

DE.UTF‐8. Die Angaben in diesem

Artikel beziehen sich jedoch auf

die englischen Bezeichnungen.

Fensterln

Im Hauptfenster des Grub2-Editors

kümmert sich das Register

General um die Einträge im Bootmenü.

Unter Default Entry stellen

Sie zunächst den Eintrag ein, den

Grub2 ohne manuellen Eingriff

startet. Die Auswahl führt dabei

alle derzeit im Bootmenü angebotenen

Einträge.

Ob sich darunter irgendwelche

Karteileichen befinden, prüft das

Programm nach einem Klick auf

Remove Old Entries. Sollte der Editor

dabei ein paar verwaiste Einträge

entdecken, wie etwa ein

deinstalliertes Windows oder veraltete

Kernel-Versionen, stellt er

sie in einem neuen Fenster zur

Auswahl bereit (Abbildung B).

Möchten Sie einen dieser Einträge

behalten, wählen Sie diesen ab.

Andernfalls klicken Sie auf OK,

womit die Software die angekreuzten

überflüssigen Einträge

aus der Liste tilgt.

Wenn Sie The next booted entry

will become default anwählen,

merkt sich Grub2 den beim

nächsten Systemstart ausgewählten

Eintrag und macht diesen

künftig zur Vorgabe.

Grub2 legt auf Wunsch eine kurze

Pause ein, bis er das Bootmenü

anzeigt. Dies erweist sich beispielsweise

dann als sinnvoll,

wenn Sie die ersten Ausgaben des

Bootmanagers lesen möchten.

Dazu wählen Sie Hide the menu for

an und stellen rechts daneben die

Wartezeit in Sekunden ein.

Über Show countdown timer blenden

Sie zusätzlich einen kleinen

Countdown ein. Damit weiß jeder

Benutzer, wann das Menü erscheint.

Durch das Warten verzögert

sich allerdings der gesamte

Bootvorgang. In der Praxis empfiehlt

es sich daher, Hide the menu

for zu deaktivieren.

Durchgestartet

Standardmäßig zeigt

Grub2 das Bootmenü so

lange an, bis Sie sich für einen

Menüpunkt entschieden

haben. Normalerweise

wählt man jedoch immer

denselben Menüpunkt aus.

Sie können daher Grub2

anweisen, den unter Default

Entry eingestellten

Menüpunkt automatisch zu starten.

Dazu setzen Sie einen Haken

vor Automatically boot the default

entry after showing the menu. Sofern

Sie darunter die Option Immediately

aktiviert haben, startet

Grub2 ohne jegliche weitere

Rückfrage direkt durch.

Um dennoch an das Bootmenü

zu kommen, drücken Sie nach

dem Einschalten des Computers

die linke Umschalt-Taste. Ist Ihnen

das zu umständlich, markieren

Sie die Option After: Grub2

wartet nun die eingestellte Anzahl

von Sekunden. Drücken Sie in dieser

Zeit keine Taste, startet er automatisch

den Standardeintrag.

Klicken Sie auf Anwenden, sucht

Grub2 automatisch nach allen

installierten Betriebssystemen

und fügt für die gefundenen Systeme

dem Bootmenü entsprechende

Einträge hinzu. Wenn Sie

das nicht möchten, entfernen Sie

den Haken vor Probe for operating

systems. Ebenfalls automatisch

legt Grub2 Einträge für das Testprogramm

Memtest sowie den

Rettungsmodus an. Die Software

bietet die Möglichkeit, diese beiden

Punkte aus dem Menü zu ver-

A Das Register

General kümmert sich

um die Einträge im

Bootmenü.

Grub2-Editor 0.5.5

(Quellen; Pakete für Fedora,

Mandriva, Open-

Suse und Ubuntu)

LU/grub2‐editor/

Tipp

Der Grub2-Editor vereinfacht

die Konfiguration

des Bootmanagers.

Die Software ist

jedoch alles andere

als narrensicher:

Eine falsche Konfiguration

führt unter Umständen

dazu, dass

Ihr System nicht

mehr startet. Legen

Sie deshalb eine

Live-CD bereit, um im

Notfall Grub2 wiederherzustellen.

B Auf Wunsch löscht

der Grub2-Editor verwaiste

Einträge aus

dem Bootmenü.

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netz&system

Grub2-Editor

C Auf dem Register

Appearance legen Sie

das Erscheinungsbild

des Bootmenüs fest.

D Hier fungiert einer

der Hauptdarsteller

aus dem Film „Big

Buck Bunny“ der Blender

Foundation als

Hintergrundbild fürs

Bootmenü.

bannen, indem Sie die Checkboxen

vor Generate memtest entries

beziehungsweise Generate recovery

entries abklicken. Da beide aber in

Notfällen wertvolle Hilfe leisten,

sollten Sie sie jedoch möglichst

aktivieren.

Welche der drei erwähnten

Funktionen bereitstehen, hängt

von der verwendeten Distribution

ab. Unter OpenSuse 12.2 fehlt

beispielsweise der Punkt für das

Testprogramm.

Neuer Anstrich

Weiter geht es auf dem Register

Appearance, auf dem Sie die Parameter

finden, mit denen Sie das

Aussehen des Bootmenüs beeinflussen

(Abbildung C). Im Bereich

Resolutions legen Sie die

Bildschirmauflösung fest, die

GRUB und der Linux Kernel für

die Ausgaben nutzen sollen.

Stellen Sie unter Linux Kernel den

Punkt Unspecified ein, überlassen

Sie die Auflösung dem Kernel, bei

Keep GRUB’s Resolution übernimmt

er die unter GRUB eingestellte.

Da die meisten Distributionen

aber ohnehin extrem

schnell in die grafische Oberfläche

starten, können Sie sich die

Angabe der Auflösung für den

Kernel normalerweise sparen.

Direkt darunter legen Sie mit

Normal Foreground (Text) die

Schriftfarbe und mit Normal

Background die Farbe für den Hintergrund

fest. In welchen Farben

der gerade markierte Eintrag im

Bootmenü leuchtet, regeln Sie

analog über Highlight Foreground

(Text) und Highlight Background.

Unter Background dürfen Sie

schließlich noch hinter dem Bootmenü

ein Bild oder Foto aufhängen

(Abbildung D).

Um es auszuwählen, klicken Sie

auf das kleine blaue Ordnersymbol

rechts neben Wallpaper. Die

Applikation erwartet das gewünschte

Bild allerdings in einem

der Dateiformate PNG, TGA oder

JPEG. Es sollte zudem die gleichen

Abmessungen aufweisen,

wie unter GRUB ganz oben vorgegeben.

Sofern das nicht der Fall

ist, klicken Sie auf Create. Im folgenden

Dialog haben Sie dann die

Möglichkeit, das gewünschte Bild

entsprechend umzuwandeln (Abbildung

E).

Dazu wählen Sie über das blaue

Ordner-Symbol neben Image Ihr

Bild und tippen unter Convert To

einen Dateinamen samt Pfad ein,

unter dem Sie das Ergebnis speichern

möchten. Kontrollieren Sie

jetzt, ob Width und Height die gewünschten

Werte enthalten. Mit

Force Resolution zwingt der

Grub2-Editor Ihr Bild in diese Abmessungen,

was unter Umständen

dazu führt, dass die Software

das Bild verzerrt. Mit einem Haken

bei Set As GRUB Wallpaper

übernimmt der Editor das konvertierte

Bild als Hintergrund.

Neben dem Hintergrundbild

bieten sogenannte Themes eine

Möglichkeit, die Optik des Bootmanagers

aufzuhübschen. Dabei

handelt es sich um spezielle Konfigurationsdateien,

die Schriftart,

Schriftfarbe, Hintergrundbild

und viele weitere optische Merkmale

verändern [3]. Haben Sie ein

fertiges Theme vorliegen und

möchten dieses Ihrem Bootmenü

überstülpen, klicken Sie auf das

Ordnersymbol rechts neben

Theme und wählen die gewünschte

Datei aus.

Fortgeschritten

Das dritte Register, Advanced,

richtet sich an erfahrene Nutzer

(Abbildung F). Besonders interessant

ist zunächst die Schaltfläche

Install/​Recover Bootload ganz

unten. Ein Klick darauf repariert

einen defekten Grub2. Im Eingabefeld

Normal Entries stehen alle

Parameter, die Grub2 einem

Linux-Kernel mit auf den Weg

gibt. Hier können Sie die vorhandenen

Optionen einfach löschen

oder um eigene ergänzen. Besonders

häufig verwendete Parameter

klicken Sie über Suggestions

hinzu. Um etwa das Powermanagement

abzuschalten, wählen

Sie hier Turn Off ACPI.

Sämtliche Bildschirmausgaben

des Kernels sehen Sie, wenn Sie

quiet und splash aus dem Eingabefeld

löschen. Die hinter Normal

Entries aufgeführten Parameter

übergibt Grub2 nur dem norma-

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Grub2-Editor

netz&system

E Grub2-Editor bringt eine

spezielle Funktion mit, über

die Sie aus jedem beliebigen

Bild ein Wallpaper für das

Bootmenü erstellen.

len Kernel, nicht jedoch einem

Rettungssystem. Wenn Sie wirklich

allen im Bootmenü vorhandenen

Einträgen für einen Linux-

Kernel einen Parameter zuweisen

möchten, tippen Sie diesen hinter

All Entries. Denken Sie aber daran,

dass dann unter Umständen

das Rettungssystem auch nicht

mehr startet.

Im Bereich Terminal entscheiden

Sie, wohin das Grub2-Bootmenü

seine Ausgaben schreibt

und woher es seine Eingaben bezieht

– als Vorgaben dienen hier

Bildschirm und Tastatur. Sie können

aber auch beispielsweise eine

serielle Schnittstelle wählen, was

sich besonders bei Servern als

nützlich erweist. Hinter Suggestions

dürfen Sie wieder bekannte

Einstellungen auswählen. Sofern

Ihnen diese Begriffe nichts sagen,

empfiehlt es sich, alle drei Felder

in diesem Bereich zu ignorieren.

Das Feld Distributor nennt den

Namen der von Ihnen verwendeten

Distribution. Er erscheint

später im Bootmenü vor den zugehörigen

Einträgen. In Abbildung

G etwa das openSUSE vor

openSUSE, mit Linux ….

info

[1] Grub2-Editor auf KDE-Apps.org:

http:// kde‐apps. org/ content/ show. php?​

content=139643

[2] Grub2 in OpenSuse 12.1 aktivieren:

http:// www. linux‐community. de/ Archiv/​

Tipp‐der‐Woche/ GRUB2‐in‐openSUSE‐12.​

1‐aktivieren

[3] Grub2-Themes: http:// www. gnu. org/​

software/ grub/ manual/ html_node/​

Theme‐file‐format. html# Theme‐file‐format

[4] Grub2-Notation zum Erzeugen eines Tons:

http:// www. gnu. org/ software/ grub/​

manual/ html_node/ play. html# play

[5] Grub2-Dokumentation:

http:// www. gnu. org/ software/ grub/ manual/

Auf Wunsch

meldet sich

Grub2 mit einem

Piepston.

Dazu tragen

Sie in das Feld

Init Tune drei

Zahlen ein. Die

erste repräsentiert

die Abspielgeschwindigkeit

(Tempo),

die zweite die Tonhöhe

(Pitch) und die dritte die Dauer

(Duration) [4].

Dabei erzeugt eine Dauer von 1

bei einer Abspielgeschwindigkeit

von 60 einen Piepser, der eine Sekunde

lang die Ohren quält. Ein

guter Standardwert ist 480 440 1.

Grub2 spielt erst den Ton ab und

zeigt dann das Menü an. Lange

Töne sollten Sie daher vermeiden.

Serial Command kommt nur

dann zum Tragen, wenn Sie die

Ausgaben von Grub2 an eine serielle

Schnittstelle lenken. Normalerweise

sollte das Feld leer bleiben,

weitere Informationen zu

den hier möglichen Werten liefert

die Grub2-Dokumentation [5].

Es empfiehlt sich, den Punkt

Enable UUIDs zu aktivieren.

Grub2 übergibt in diesem Fall

dem Kernel den Namen der Root-

Partition mit ihrer eindeutigen

Identifikationsnummer (UUID)

und nicht als Gerätenamen. Auf

diese Weise funktionieren Einträge

selbst dann, wenn Sie weitere

Platten einbauen oder eine an einen

anderen Controller hängen.

Haben Sie alle Einstellungen

beisammen, klicken Sie auf Anwenden.

Unter Umständen müssen

Sie jetzt noch das Passwort

für den Benutzer root eingeben.

Im Fall, dass alles glatt läuft, haben

Sie die Möglichkeit, sich unter

Details noch einmal alle vorgenommenen

Aktionen anzusehen.

Starten Sie anschließend das System

neu, und kontrollieren Sie,

ob Grub2 alle Einstellungen übernommen

hat.

Einige Distributionen wehrten

sich im Test allerdings hartnäckig

gegen Änderungen. Unter Ubuntu

beziehungsweise Kubuntu gelang

es beispielsweise nicht, die

Farben des Menüs zu wechseln.

Fazit

Der Grub2-Editor ermöglicht, das

Bootmenü ruck, zuck an die eigenen

Vorstellungen anzupassen, es

mit einer individuellen Optik zu

versehen und von überflüssigen

Einträgen zu befreien. Allzu sorglos

sollten Sie dabei jedoch nicht

zu Werke gehen: Im schlimmsten

Fall startet das System nach fragwürdigen

Änderungen sonst

nicht mehr. (agr) n

F Die Einstellungen

auf dem Advanced-

Register richten sich

an fortgeschrittene

Anwender.

G Das den Einträgen

vorangestellte open-

SUSE lässt sich auf

dem Advanced-Register

anpassen.

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know-how

Grep-Varianten

Suche in Datenformaten (Teil 2)

Durchgekämmt

© Abcdz2000, sxc.hu

Wer Grep kennt, der findet alles. Wer obendrein die Spezialvarianten beherrscht, der findet

das Gesuchte auch an Orten, die ihm sonst unzugänglich bleiben. Axel Beckert, Frank Hofmann

README

Viele Informationen im

System finden Sie

durch den Aufruf verschiedener

Kommandos,

die in Kombination

mit Grep als Filter arbeiten.

Bei einigen speziellen

Formaten spart

allerdings der Einsatz

einer auf die Aufgabe

zugeschnittenen Software

viel Tipparbeit.

Tipp

Ein erster Teil des

Workshops hat sich

bereits mit speziellen

Anwendungsformaten

beschäftigt [1]. Er ergänzt

diesen Workshop,

Sie können

beide Beiträge aber

unabhängig voneinander

lesen.

Grep besticht mit dem Prinzip,

Textdateien und Datenströme

schnell nach Mustern zu durchsuchen.

Daher gibt es eine Vielzahl

von Varianten, deren Fokus auf

Datei- oder Textformaten liegt,

die das Original nicht so leicht

verdaut. Die Suche nach Mustern

in Prozesslisten oder systemrelevanten

Dateien verläuft oft nach

dem gleichen Prinzip, ebenso wie

jene in speziellen Formaten wie

E-Mail-Ordnern oder sogar Versionskontrollsystemen.

Listing 1

$ pgrep ssh

1746

5660

6004

$ pgrep ‐l ssh

1746 sshd

5660 ssh‐agent

6004 ssh

Prozessliste

Zu den Aufgaben eines Administrators

gehört es, die ihm anvertrauten

Rechner bestmöglich zu

betreuen. Das beinhaltet das Beobachten

der Systemlast und der

laufenden Prozesse. Für Einzelplatzsysteme

genügen meist die

Werkzeuge Ps, Pstree, Pidof,

Pgrep [2] und Htop [3]. Beim permanenten

Monitoring ganzer

Rechnerverbünde (etwa in einem

Rechenzentrum) dagegen spielen

häufig die webbasierten Werkzeuge

Munin [4], Nagios [5], Cacti [6]

und Icinga [7] ihre Stärken bei der

Arbeit aus.

Trotz aller Aufmerksamkeit

kommt es immer wieder vor, dass

ein Programm oder Prozess versucht,

die CPU vollständig für

sich zu vereinnahmen, und damit

andere Prozesse blockiert. Um

solche Störenfriede zu bändigen,

benötigen Sie die entsprechende

Nummer des Prozesses (Prozess-

ID). Hier hilft Pgrep weiter: Es

durchsucht die Liste der Prozesse

anhand eines Musters und liefert

die entsprechenden IDs zurück.

Dabei haben Sie die Möglichkeit,

das Muster als regulären Ausdruck

[8] zu formulieren. Der Ursprung

von Pgrep geht auf Solaris

7 zurück, inzwischen gibt es

das Tool auch für Linux und

OpenBSD [9]. Unter Debian und

Ubuntu gehört es zum Paket

Procps [10]. Das Programm entspricht

in der Grundfunktionalität

der folgenden Kombination

aus Kommandos:

$ ps ax | grep Prozessname | grep

‐v grep | awk '{print $1}'

Im einfachsten Fall übergeben Sie

Pgrep beim Aufruf als Parameter

den Namen des gesuchten Programms.

Als Rückgabe erhalten

Sie die IDs aller Einträge, auf die

das Muster passt. Die Option ‐l

ergänzt die Ausgabe um den Programmnamen

(Listing 1).

Listing 2

$ pgrep ‐lu root wicd

1811 wicd

1836 wicd‐monitor

Listing 3

# mboxgrep tmpreaper /var/mail/

root | mboxgrep localhost

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Grep-Varianten

know-how

Pgrep bietet die Möglichkeit, die

Ausgabe nach den jeweiligen Nutzern

zu filtern. Mit der Option ‐u

thomas legen Sie fest, dass das Tool

nur Prozesse ausgibt, die dem Benutzer

thomas gehören. Mehrere

Usernamen trennen Sie durch

Kommata (‐u thomas,helmut). Damit

sehen Sie die Prozesse, die

entweder dem Benutzer thomas

oder helmut gehören. Listing 2

zeigt Informationen zum Netzwerkmonitor

Wicd [11], dessen

Prozesse root gehören.

Auch der Schalter ‐v erweist sich

oft als hilfreich: Damit invertieren

Sie den Filter. So sehen Sie

alle Prozesse, die nicht dem Suchkriterium

entsprechen. Der Aufruf

pgrep ‐v ‐u thomas zeigt alle

Prozesse an, die nicht zum Benutzer

thomas gehören. Interessiert

Sie die Anzahl der Prozesse, hilft

die Option ‐c („count“) weiter.

Netzwerkpakete

Was Pgrep bei der Suche in der

Prozessliste bietet, das leistet

Ngrep [12] für den Datenverkehr

im Netzwerk. Die Software durchsucht

den Traffic und filtert jene

Verbindungen und Pakete heraus,

auf die das angegebene Suchmuster

passt. Herausfiltern bedeutet

hier nicht das Blockieren im Datenstrom

wie bei einer Firewall:

Das Tool teilt lediglich mit, dass

ein solches Paket im Datenstrom

aufgetaucht ist.

Ngrep versteht sich auf TCP-,

UDP- und ICMP-Verbindungen

über Ethernet, Point-to-Point

Kommando

Kommentar

Protocol (PPP), Serial Line Internet

Protocol (SLIP) und Fiber Distributed

Data Interface (FDDI).

Eine inhaltsbezogene Suche funktioniert

nur sinnvoll bei den verschiedenen

Klartextprotokollen,

wie SMTP, HTTP, FTP und POP3.

Beim Übertragen verschlüsselter

Daten erhalten Sie dagegen keine

geeigneten Treffer. Als Suchmuster

kommt bei Bedarf ein regulärer

Ausdruck zum Einsatz. Die

Tabelle Ngrep-Beispiele zeigt einige

kommentierte Beispiele für

den Einsatz von Ngrep. Weitere

Details und Optionen bietet die

umfangreiche Manpage.

Ngrep kombiniert die Stärken

von Grep mit einem Werkzeug

zur Fehlersuche im Netzwerk und

dem Paketscannen. Alternativen

zu Ngrep finden Sie zum Beispiel

in Tcpdump [13], Wireshark [14]

und dessen Kommandozeilenversion

Tshark sowie dem Nmap-

Frontend Zenmap [15].

Während Tcpdump und Tshark

ebenfalls für die Kommandozeile

gedacht sind, benötigen Wireshark

und Zenmap das X-Window-System.

Alle Werkzeuge inklusive

Ngrep haben einen großen

Funktionsumfang und gehören

zum Standardwerkzeugkasten

eines Administrators.

E-Mails

Grep eignet sich zwar gut zum

zeilenweisen Durchforsten von

Dateien, aber bei im gängigen

Mbox-Format vorliegenden E-

Mail-Ordnern versagt es kläglich:

Ngrep-Beispiele

ngrep ‐q GET GET-Requests ermitteln.

ngrep 'USER|PASS' Accountdaten bei FTP-Zugriffen ermitteln. Das Kommando

src host

sucht im Datenstrom nach den Zeichenketten USER oder

192.168.0.20 and PASS. Dabei betrachtet es alle Pakete, die vom Host

src tcp port 21 192.168.0.20 kommen und Quell- oder Zielport 21 (FTP)

besitzen.

ngrep SSH port 22 Alle Verbindungen zum SSH-Port 22 anzeigen.

ngrep ‐iq

Browsertyp anzeigen, mit dem ein Benutzer auf einen

user‐agent tcp port Webserver zugreift. Die Option ‐i ignoriert Groß- und

80

Kleinschreibung, über q erhalten Sie nur die Kopfzeilen

und den Inhalt der Pakete. Mit der Angabe tcp port 80

lauscht Ngrep auf dem Port 80, beschränkt sich dabei

aber auf TCP-Verbindungen.

Es findet zwar Treffer, gibt aber

nicht aus in welcher Mail, sondern

nur in welchen Ordnern.

Dieses Problem lösen sowohl

das in C geschriebene Mboxgrep

[16] wie das in Perl geschriebene

Grepmail [17]. Beide suchen

in einem E-Mail-Ordner nach

Nachrichten, die das Suchmuster

enthalten, und geben dann die

gesamte E-Mail, in der das Suchmuster

vorkommt, zurück. Das

hat den Vorteil, dass sich die Ausgabe

der beiden Programme wieder

als Eingabe für eine weitere

Instanz eignet.

$ grepmail ‐m HTML mbox*

From abe@deuxchevaux.org Wed Mar 14 00:23:42 2012

From: Axel Beckert

To: Frank Hofmann

Subject: Beispielmail 1

MIME‐Version: 1.0

Content‐Type: text/plain; charset=us‐ascii

Content‐Disposition: inline

Date: Wed, 14 Mar 2012 00:23:42 +0100

Status: RO

X‐Mailfolder: mbox1

Hallo Frank,

diese Mail ist nicht in HTML geschrieben.

Gruss, Axel

‐‐

/~\ Plain Text Ribbon Campaign

\ / Say No to HTML in E‐Mail and News

X See http://www.asciiribbon.org/

/ \ I love long mails: http://email.is‐not‐s.ms/

From abe@deuxchevaux.org Wed Mar 14 00:42:23 2012

From: Axel Beckert

To: Frank Hofmann

Subject: Beispielmail 2

MIME‐Version: 1.0

Content‐Type: text/plain; charset=us‐ascii

Content‐Disposition: inline

Date: Wed, 14 Mar 2012 00:42:23 +0100

Status: RO

X‐Mailfolder: mbox2

Hallo Frank,

meine Homepage findest Du unter http://noone.org/abe/

Gruss, Axel

‐‐

/~\ Plain Text Ribbon Campaign

\ / Say No to HTML in E‐Mail and News

X See http://www.asciiribbon.org/

/ \ I love long mails: http://email.is‐not‐s.ms/

Listing 4

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Grep-Varianten

Listing 5

Kommando

git grep Muster

git grep ‐n Muster

git grep ‐‐name‐only

Muster

git grep ‐e '#define'

‐‐and ‐e SORT_DIRENT

Das Beispiel in Listing 3 auf der

vorigen Seite, sucht zunächst alle

E-Mails heraus, in denen die Zeichenkette

tmpreaper vorkommt,

und filtert im zweiten Schritt diejenigen

heraus, die zusätzlich die

Zeichenkette localhost enthalten.

Das Programm verfügt über die

von Grep her vertrauten Optionen

‐i für eine Suche unabhängig

von Groß- und Kleinschreibung

sowie ‐v für die inverse Suche,

also die Suche nach allen E-Mails,

die das Muster nicht enthalten.

Da Grepmail in Perl geschrieben

ist, nutzt es dessen reguläre Ausdrücke

zur Suche – und nur diese.

Mboxgrep dagegen bietet fast alle

Suchmuster-Formate an, die Sie
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