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BAHN EXTRA Bahn-Jahrbuch 2014 (Vorschau)

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BETRIEB

Highlights und

Neuerungen im

Bahnjahr 2014

HINTERGRUND

Vom Hochwasser

bis zum Mainzer

Stellwerkdesaster

FAHRZEUGE

Neue Gesichter und

Rückkehrer auf

deutschen Gleisen

1.2014 JANUAR / FEBRUAR | € 14,90 A: € 16,90, CH: SFR 29,60, BENELUX: € 17,40

GROSSE CHRONIK

Deutsche Bahn, Privatbahnen

und Ausland

Bahn-

Jahrbuch

2014

Ersatzzüge und

Fahrzeugreserven

Wie belastbar

ist dieDB?


Technik. Geschichte. Einsatz.

NEU!

Das Einsatzgebiet der V 160 reichte

vom Nebenbahndienst über den

Regional- und Güterverkehr bis hin

zum InterCity-Betrieb. Eine Erfolgsgeschichte.

160 Seiten · 180 Abb. · 19,3 x 26,1 cm

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ISBN 978-3-86245-170-8 € 26,99

Ein intensiver Einblick in die

Geschichte der ersten Schnellfahrlokomotive

der Bundesbahn.

Kompetent geschrieben.

Mit technischen Zeichnungen.

160 Seiten · 180 Abb. · 19,3 x 26,1 cm

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ISBN 978-3-95613-003-8 € 26,99

Solch eine Monografie zur Lokomotivgeschichte hat es noch nicht gegeben!

Mit der Baureihe 111 stellte die Bundesbahn ab 1975 ihre letzte Elektrolokomotive

mit konventioneller Wechselstrom-Technik in Dienst. Die

erste umfassende Monografie zu dieser Lok stellt die 111 in einen großen

technikgeschichtlichen Zusammenhang und vermittelt den Lesern so völlig

neue Erkenntnisse. Viele Ingenieure öffneten dafür erstmals ihre privaten

Sammlungen.

384 Seiten · 800 Abb. · 21,6 x 30,2 cm

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Die DR-Maschinen der Baureihe

112/143 waren die ersten gesamtdeutschen

Lokomotiven. Alles

über ihre Technik, Geschichte und

Einsätze weiß dieser Band.

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Entwicklung, Konstruktion und

Einsätze der Baureihe 101. Alles

über die InterCity-Lokomotiven der

Deutschen Bahn berichtet dieser

reich bebilderte Band.

144 Seiten · 180 Abb. · 19,3 x 26,1 cm

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Faszination Technik

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Thomas Feldmann (oben), Philipp Kuhenne (unten links), Heiko Günther (unten rechts)

Daumen hoch!

Mit zwei 140ern und dem „Rollmopszug“ von Oberhausen West nach Andernach fahren,

das ist eine feine Sache. So dachte wohl auch der Beimann, der am 19. Oktober 2013

freundlich-jubelnd den Fotografen grüßte. Die Oldtimer-Loks der DB hatten heuer ein

gutes Jahr. Ebenso die V 15, die zum 1. Mai 2013 von 60 Strickerinnen eingekleidet wurde.

Bei der Draisinenbahn an der ehemaligen Militärbahn Zossen setzt die Diesellok nun ein

Zeichen für den Frieden. Und es gibt weiteres Neues, bei dem man sich die Augen reibt –

oder die Ohren spitzt wie der rumänische „Bahn-Hund“. Willkommen im Bahn-Jahrbuch!

BAHN EXTRA 1/2014 3


Inhalt | BAHN-JAHRBUCH 2014

Thomas Hanna-Daoud

Verantwortlicher

Redakteur

Titelfotos

Sebastian Schrader (gr. Foto, Mitte, Stammstrecken-

Shuttle in Berlin Zoologischer Garten), Stefan

Scheiba, Frank Barby/DB, Michael Krische (kl. Bilder

o., v. l.), Josef Mauerer (kl. Bild Mitte)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als wir dieses Heft planten, stand vorneweg fest: Der Velaro D

muss mit hinein. Er war ja schon überfällig, und die DB AG

wollte ihn möglichst zur Jahresmitte in Betrieb nehmen. Aus dem

Start zum kleinen Fahrplanwechsel wurde dann nichts. Aus dem

Start wurde überhaupt nichts. Der Zug kämpft nach wie vor mit

Mängeln und Zulassungsproblemen, er macht sich rar und

nicht einmal in der Bilddatenbank der Deutschen Bahn taucht er

mit dem Vermerk 2013 auf. Alles weiter in der Warteschleife.

Also wurde es auch mit unserem Beitrag nichts. Eine Meldung,

die den aktuellen Stand wiedergibt – mehr ist nicht drin.

So wie bei dem 407 manches anders kam, hat das Bahn-Jahr

2013 viele Neuigkeiten und einige Überraschungen bereitet. Mal

negativ, mal positiv. Wir haben das Geschehen für Sie auf den

folgenden Seiten zusammengestellt – einschließlich zahlreicher

Bilder aus dem vielfältigen Betrieb von heute.

Eine weitere überraschende Neuigkeit ist Ihnen vielleicht schon

auf den ersten Seiten des vorliegenden Heftes aufgefallen:

Wir haben BAHN EXTRA grafisch und inhaltlich renoviert. Kein

großer „Fahrplanwechsel“, aber dafür hier und da „neue Magistrale,

attraktive Nebenstrecken und beschauliche Haltepunkte“.

Wir hoffen, es gefällt Ihnen, und wünschen viel Vergnügen beim

Blättern, Schauen und Schmökern!

38

40 Seiten Chronik: Daten, Fakten,

Ereignisse des Bahn-Jahres 2013

Christian Gloel

4


Inhalt

24

32

Das Betriebschaos in Mainz Hauptbahnhof:

Ursache und Folgen T. Schwarze

Nichts geht mehr auf der

Strecke Hannover – Berlin:

Das Juni-Hochwasser bei

der Bahn Frank Barby/DB

Ausblick

6 Willkommen im Club

Das steht 2014 an

Bilderbogen

8 Das war 2013

Themen und Trends des Bahn-Jahres

26 Nicht alltäglich

Episoden von Donald Duck bis Meister Adebar

88 Auf Schienentouren

Bahn-Impressionen aus dem In- und Ausland

Fokus

16 Der gordische Knoten

Ersatzzüge und Fahrzeugreserven der DB

22 Eine Klasse für sich

Die „Wipperliese“

24 Vom Chaos überrascht

Die Betriebspause in Mainz Hauptbahnhof

32 Zeitweise gesperrt

Das Hochwasser 2013 und die Folgen für die Bahn

84 Eine Konkurrenz zur Bahn?

Unterwegs mit dem Fernbus Hamburg – Berlin

86 Vor der Rückkehr

Die Wiedereröffnung Marienheide – Meinerzhagen

96 Vier Köpfe – vier Konzepte

20 Jahre DB AG

16

Anhaltende Fahrzeugprobleme zwingen

die Deutsche Bahn zu Ersatzverkehr

und improvisierten Leistungen. Wie gut

ist sie bei den Fahrzeugreserven aufgestellt?

Philipp Kuhenne

Chronik

38 DB allgemein

40 DB Fahrzeuge

46 DB Personen- und Güterverkehr

50 DB Strecken und Netz

54 Privatbahnen

58 Museumsbahnen

65 Bahnindustrie

68 Unfälle

72 Österreich

74 Schweiz

76 Weltweit

Ständige Rubriken

98 Vorschau, Leserservice, Impressum

Ein passendes Cover für Ihre DVD

zum Ausschneiden finden Sie

in diesem Heft auf Seite 64

BAHN EXTRA 1/2014 5


Ausblick | DAS BRINGT 2014

Auch das Jahr 2014 steht erst einmal wieder

im Zeichen der Altlasten-Auf -

arbeitung. Als alte Bekann te begrüßen

wir an dieser Stelle bereits zum dritten

(und vielleicht nicht zum letzten) Male die

ICE-Züge der Baureihe 407 alias Velaro D.

Ebenfalls mit Verspätung rollen – wenn überhaupt

– die ersten und schon für 2013 geplanten

weißen Doppelstockwagen für die Intercity-Linie

Ostfriesland – Bremen – Hannover

– Leipzig mit ihren ebenso wei ßen Zugloks

der Baureihe 146 an. Bei der S-Bahn Stuttgart

harrt man auch nach dem Neujahrstag 2014

der Dinge namens 430, die da mit oder ohne

funktionierende Schiebetritte an den Türen

seit einem halben Jahr überfällig sind und

im Ländle den „Heiligen ET“ der Bau -

reihe 420 aufs Altenteil schicken sollen. Was

in dem Fall, sorry, liebe andere Bundesländer,

auch die Verwendung in Nordrhein-West -

falen und Bayern einschließt.

Weitere Verzögerungen heben die Altlasten

für 2014 auf rekordverdächtiges Niveau.

Für die bis zu dreimotorigen LINT-Trieb -

wagen in Köln und die restlichen Münchner

„Hamsterbacken“ auf den Strecken im

Schat ten der Zugspitze heißt es ebenso:

„Willkommen im Club (der Verspäteten)“.

Und auch bei den nichtbundeseigenen

Marktbegleitern ist die verlängerte Vor -

freude die schönste Freude, etwa bei Veo -

lia und ihren Stadler-Triebzügen für das „Meridian“-Netz

rund um Rosen heim. Hier sind

nach dem Dezember-Start weiterhin erst

einmal illustre Ersatzzüge zu erwarten.

Wobei man bei Veolia bzw. ihrer Verkehrssparte

Transdev (vormals als „Connex“ bekannt)

die grundsätzliche Frage stellen kann,

ob die Firma das Jahr 2014 in der heute bekannten

Konstellation über haupt erlebt. Die

französische Mutter möch te sich möglichst

schnell von Bahn- und Busgeschäft trennen.

Egal, ob der 407-ICE anno 2014 nun ins

Rennen geht oder nicht, die DB will in den

kommenden Monaten weitere ICE temporär

aus dem ohnehin knappen Einsatzbestand

entnehmen, um sie einem „Redesign“ zu unterziehen.

Willkommen im Club: Nach ICE 1

und ICE 2 stehen nun die elektrischen

Wackel-Dackel (momentan allerdings nur

noch „Dackel“) der Baureihen 411 und 415

zur Überarbeitung an. Apropos Wackeln:

Die seit Jahren angestrebte Wieder zu las -

sung der ICE-T für das bogenschnelle Fahren

wird nach gegenwärtigem Kenntnisstand

auch 2014 nicht kommen. Vielleicht gibt es

dafür aber endlich das hinter vorgehaltener

Hand ohnehin kolportierte Bekenntnis der

DB, dass die Züge nie mehr mit Neigetechnik

fahren. Was dann wohl aus der Bezeichnung

ICE-T wird, deren T für „tilting“ = neigen

steht?

Spannung verspricht auch die Frage, wie

es mit Lok-Veteranen wie 110, 140, 151, 155

etc. weiter geht. Im Jahr 2013 hielt sich der

DB-Bestand wechselhaft, aber tapfer. Unsere

Prognose für 2014: Die meisten bleiben im

Spiel; die drei 103er sollen ja schon zum

Fahrplanwechsel mehr Einsätze bekommen.

Ziemlich düster sieht es hingegen für eine

„Ex-Reichsbahnerin“ aus. Die Zweisystem-

Ellok 180, auch bekannt als „Knödel presse“,

könnte aus dem Dienst verschwinden.

Neufahrzeuge und Betreiberwechsel

An neuem Rollmaterial sind in dem Jahr

erstmals die Dieseltriebwagen namens

„Link“ der polnischen Firma PESA zu erwarten,

die mit forschem Blick für die bayerische

Regentalbahn in die Oberpfalz ausschwärmen

sollen. Ein paar Kilometer weiter nördlich

feiert auf den Strecken von Flensburg

und Kiel nach Hamburg der Doppelstock-

Elektrotriebwagen aus dem Hause Bom -

bardier seine Premiere. Und die DB möchte

ihre neue mehrmotorige Diesellok namens

245 im bayerischen Allgäu und auf der

Willkommen

Fahrzeuge in der

Warteschleife, neue

Inbetriebnahmen

und ein verlängertes

Wochenende voller

Dampf: Das sind,

kurz gefasst, die

Schlagzeilen für das

nächste Bahn-Jahr

im Club

Ungewöhnliche Gäste waren die beiden

140er auf der Neubaustrecke Hannover –

Würzburg im August 2013. Viel spricht

dafür, dass sie auch 2014 bei der DB im

Güterverkehr nicht vor dem Aus stehen

Uwe Miethe

6


hes sischen Niddertalbahn in den Plan -

dienst schicken. Voraussetzung ist natürlich

stets die rechtzeitige Zulassung all dieser

Fahrzeuge, sonst treffen wir sie im Ausblick

des Jahrbuchs 2015 wieder. Läuft aber alles

planmäßig, haben die von DB Regio ver -

wendeten modernisierten Interregio-Wagen

Ende 2014 zwischen Flensburg und Ham -

burg ausgedient.

Das „Bäumchen, wechsel’ Dich“ der Fahrzeugpalette

gibt es 2014 noch auf anderen

Strecken, dort aber aus Wettbewerbs grün -

„Bäumchen, wechsel’

Dich“: 2014 gibt es eine

Reihe Betreiberwechsel

den. So zum Beispiel beim Ostsachsen-Netz

zwischen Dresden und Polen, das von der

DB auf die nun der italienischen Staatsbahn

gehörende Vogtlandbahn übergeht. Weitere

Kandidaten sind das niedersächsische Dieselnetz

Süd-Ost rund um Braunschweig (von

der DB an Erixx), das Regionalbahnnetz

nördlich von Hamburg (von der DB an die

Nordbahn) oder die hessisch-rheinland-pfälzisch-saarländischen

Dieselstrecken zwischen

Rhein und Nahe (von der DB an die

ebenfalls den Italienern gehörenden Regentalbahn

bzw. einer neuen Tochter). Auch Vergaben

stehen an. So wird entschieden, wer

künftig auf der Marschbahn, der Dieselrennbahn

Westerland – Hamburg, fährt. Auch für

das Allgäu-Dieselnetz in Bayern und die

Ringbahn bei der Berliner S-Bahn werden

neue Betreiber gekürt. Bis Herbst 2014 will

man außerdem in Niedersachsen entscheiden,

ob und auf welchen Verbindungen aus

einer ursprünglich 58 Strecken langen Liste

wieder Reisezüge fahren sollen.

Weitere Neuerungen

Kein Betreiberwechsel und keine Reaktivierung,

sondern ein spannendes Experiment

kündigt sich auf der Relation Prag – Dresden

– Berlin – Hamburg an, wo das tschechische

Eisenbahnverkehrsunternehmen Regiojet

mit der DB kooperiert. Vorgesehen ist der

Einsatz von Fernreisezügen mit modernen,

in DB-Farben lackierten Wagen rumä nischer

Produktion. Und weil es gerade um Deutschland

und Tschechien geht: 2014 sollen auch

zwei grenzüberschreitende Strecken aktiviert

werden, nämlich Selb – Asch und (als

Wiederaufbau) Sebnitz – Dolni Poustevna.

Stichwort Strecke: Da will DB Netz 2014

erstmals stark belastete Verbindungen

zeit weise für Instandhaltungen sperren,

meist von Samstag auf Sonntag. Das betrifft

Schnell fahrstrecken (Köln – Rhein/Main)

wie Altbaustrecken; unter den exklusiven

Clubmitgliedern findet sich beispielsweise

die linke Rheinstrecke bei Oberwesel. Am

Rhein dürfen die vom Zuglärm geplagten

Anwohner außerdem gespannt sein, ob und

welche Schutzmaßnahmen die Deutsche

Bahn für sie trifft.

Eisenbahn von der schönen Seite bietet

unterdessen Rheinland-Pfalz im Frühjahr.

Am Himmelfahrtswochenende (28. Mai bis

1. Juni) verkehren im südlichen Teil des Bundeslandes

und weiter nach Baden-Württemberg

zahlreiche Zusatzzüge mit Dampflokomotiven;

der Schwerpunkt liegt in und um

Neustadt (Wein straße).

Zum Schluss noch ein Blick in das Um -

land von München, wo im Sommer 2014 die

S-Bahn-Linie Dachau – Altomünster erst für

Umbauten gesperrt wird und danach elektrifiziert

ans Netz geht (willkommen im ...

Sie wissen schon). Fahrzeugtechnisch sollen

die 628-Triebwagen unter anderem aus

Stuttgart übernommenen 420-Triebwagen

weichen. Beides sind Fahrzeuge, die sich im

Dienst seit Jahrzehnten bewährt haben. Es

lebe die gute, alte Bundesbahn!

Heiko Focken/Max Esser

Im April 2013 weilte ein Link-Triebwagen zu

Testfahrten in Geislingen an der Steige. Ob er

2014 Reisende durch die Oberpfalz kutschiert?

Uwe Miethe

Die IC-Zuglok 146 gibt es schon mal – fehlen

nur noch die passenden Doppelstockwagen.

Dann kann die DB den IC-Verkehr Ostfriesland –

Leipzig umstellen Bodo Schulz

BAHN EXTRA 1/2014 7


Bilderbogen | DAS WAR 2013

Wie viele Eisenbahnfreunde sich wohl extra dafür auf den Weg gemacht haben? Ab dem Frühjahr übernehmen 103 235 und später

103 113 Intercity-Leistungen am Rhein. Das Highlight ist das IC-Zugpaar 118/119 Münster – Innsbruck, das aus österreichischen

Wagen besteht und bis/ab Stuttgart mit 103 fährt (Bild mit 103 235 und IC 119 in Bacharach, Juli 2013) Stefan Scheiba

8


Das war

2013

9


Bilderbogen | DAS WAR 2013

Wechselbäder

Langer Winter, nasses Frühjahr, trockener Sommer:

Mit seinen Extremwetterphasen geht 2013 vermutlich in

die Annalen ein. Auch die Bahn bekommt die Auswirkungen

zu spüren, vor allem beim Hochwasser Anfang Juni

Wintermärchen oder Betriebschaos? Auf der

Außerfernbahn fährt im März 2013 eine 111er

mit n-Wagen durch den Schnee. Der Zug ist

mangels 425-Triebzügen eingesetzt Veselin Kolev

10


Sonne ist im Mai 2013 eine Rarität.

Aber die blühenden Kirschbäume bei

Oberachern und der Triebwagen NE 81

der Südwestdeutschen Eisenbahn-

Gesellschaft lohnen das Foto dennoch

Heiko Focken

Am 2. Juni 2013 ist die Verbindung

Rosenheim – Kufstein – Innsbruck

wegen Hochwasserschäden unterbrochen;

im Grenzbahnhof Kiefersfelden

informieren DB-Angestellte die Reisenden,

wie es weiter geht. Und der Regen

fällt unentwegt ... Volker Emersleben

Das ist die schöne Seite des Wetterjahres:

Der sonnige Juli 2013 lockt die

Berliner an die Spree, zum Beispiel

in Berlin-Spindlersfeld. Dort lassen

sich zwei Badenixen am 18. Juli

auch nicht von dem vorbei polternden

Zug von RBH stören; die Elloks 143 908

und 143 911 befördern an diesem Tag

die Kesselwagen Sebastian Schrader

BAHN EXTRA 1/2014 11


Bilderbogen | DAS WAR 2013

Das vielgliedrige Triebwerk

der Zahnrad-Dampflok

97 501 fasziniert Museumsbahner

und Fans gleichermaßen.

Seit 2013 ist die

württembergische Maschine

wieder einsetzbar

Marcus Benz

12


Das SyltShuttle (Foto)

verdient für die DB gutes

Geld, der übrige Auto -

reiseverkehr ist dagegen

defizitär. Deshalb kommt

DB Autozug 2013 samt

SyltShuttle zu DB Fernverkehr.

Neue Konzepte für

die Zukunft sind gefragt –

oder die Reduzierung des

Angebots Bodo Schulz

Seit 2013 fahren die Talent-2-

Triebzüge (Baureihe 1442) bei der

Leip ziger S-Bahn Volker Emersleben

Am 13. Juli 2013 ist bei Coburg „Tag der offenen

Baustelle“ an der Neubaustrecke Nürnberg – Erfurt.

Ob hier 2017 Züge fahren? Christian Gloel, Bodo Schulz (r.)

„100 % Ökostrom“ ist das Motto für den Fernverkehr,

vorgestellt zur DB-Bilanzpressekonferenz im März.

Dazu zeigt DB-Chef Rüdiger Grube Velaro-Modelle

Zwischen heute und morgen

Neue Züge vor dem Einsatz, Bahnbetrieb mit Ökostrom – und zwischendrin

auch so mancher Rückkehrer. Das Bahn-Jahr 2013 bietet viele Perspektiven.

Aber nicht alles entwickelt sich so wie gewünscht

BAHN EXTRA 1/2014 13


Bilderbogen | DAS WAR 2013

Die Gravita-Dieselloks von Voith sind bei DB

wie Privaten beliebt. Und so kommt es am

4. September 2013 in Düsseldorf-Rath zur Begegnung

der „ungleichen Brüder“: 261 310 von northrail (links)

und 261 102 von DB Schenker Marcus Henschel

Dieser Komfort erwartet die Reisenden beim „Meridian“ im E-Netz

Rosenheim – aber das Angebot zum Fahrplanwechsel im Dezember

2013 wird erst einmal anders aussehen. Die FLIRT-Triebzüge haben

noch keine Zulassung, es gibt Ersatzverkehr. Auch mit Material des

vorherigen Betreibers DB Michael Krische

Am 21. März 2013 lädt die DB AG

zur Bilanzpressekonferenz in den

BahnTower in Berlin. Vor der Tür

gibt es derweil Protest: Mitglieder

des Bündnisses „Bahn für alle“

demonstrieren gegen Gewinn -

streben und für einen gemein -

nützigen Verkehrsträger

Bodo Schulz

Nach Jahren der Krise geht

es mit der Berliner S-Bahn

wieder aufwärts, auch

weil sich die Fahrzeuge der

Baureihe 481 stabilisieren

(Foto am Ostkreuz). Aber die

entstandenen Kosten bzw.

Gewinnausfälle drücken die

DB. Auch deshalb verklagt

sie Hersteller Bombardier

2013 auf Schadensersatz

Volker Emersleben

14


Ökonomische Interessen

Rivalität hier, Kooperation da, Marktwirtschaft überall: Im Jahr 20 der Bahnreform

(ja, so lange gibt es die schon!) ist ein klarer Trend im Verhältnis DB – Privatbahnen nicht

auszumachen. Der große Aufschwung des Schienenverkehrs lässt ohnehin auf sich warten

BAHN EXTRA 1/2014 15


Fokus

| ERSATZZÜGE UND FAHRZEUGRESERVEN BEI DER DB

Die DB hatte eingeladen. Am 4. Juni 2013 veranstaltete sie eine

Konferenz zum Thema Fahrzeugflotten, Personenverkehrsvorstand

Ulrich Homburg nahm Stellung. Was als Pressegespräch

zur Fahrzeugsituation anberaumt war, entwickelte sich hier

und da zur Firmenschelte. Nicht von ungefähr, denn die Lage ist prekär.

Beispiel Siemens: Die 16 ICE-Züge der Baureihe 407, mit denen

die DB hauptsächlich den Fernverkehr ins Ausland verbessern

wollte, wurden nicht wie bestellt vom Herbst 2011 an geliefert. Es

gibt inzwischen überhaupt keine Zusage mehr, wann die Züge zur

Verfügung stehen. Beispiel Bombardier: Auch diese Firma hält sich

nicht an die Verträge bzw. Zusagen und wenn, dann nur mit Qualitätsmängeln.

27 Doppelstockzüge sollten bis Ende 2013 für den IC-

Verkehr geliefert werden, die letzte Prognose lag bei 2014.

Und es geht weiter: Nach der

Entgleisung in Köln Hbf am 9. Juli

2008 sind 1.200 infolge der Belastung

unzureichend bemessene

Treibradsätze der ICE 3 auszuwechseln.

Die stehen zwar zur

Verfügung, entsprechen aber

nach Maßgabe des Eisenbahn-

Bundesamtes noch immer nicht

Der gordische

Knoten

Das Jahr 2013 machte es wieder deutlich:

Es läuft nicht gerade rund im Personenverkehr

der Deutschen Bahn. Fahrzeugpannen,

Zugausfälle, Umschichtungen

behindern den Betrieb. Damit stellen sich

Fragen. Wie gut ist die DB mit Reserven

bestückt? Ist der Fahrzeugbestand Krisen

gewachsen?

16


den Anforderungen, was die Dauerfestigkeit angeht. Eine kurz -

fristige Zulassung ist unwahrscheinlich, „im besten Fall“, so Hom -

burg im Juni, „Ende 2013.“ Wenn die Wellen eingebaut werden dürfen,

vergehen bis zum letzten Fahrzeug rund zweieinhalb Jahre. „Eine

Entlastung der Betriebssituation im Winter 2013/2014 durch ver län -

gerte Ultraschall-Intervalle ist beim ICE 3 nicht zu erwarten.“

Diese Umstände bescheren der Deutschen Bahn allerlei Ärger.

Die betroffenen Reisenden lassen ihren Kummer über fehlende oder

überfüllte Züge und pannenreiche Technik am DB-Personal aus. Sie

sprechen auch sonst nur missmutig und herablassend über „die

Bahn“. Dabei, und das war eine Intention des DB-Pressegesprächs,

trägt die nicht unbedingt die Schuld daran.

Buhmann Bahn?

Doch stimmt das so? Und selbst wenn die Deutsche Bahn in die

Rolle des Buhmanns gedrängt wäre: Gäbe es nicht Möglichkeiten,

auf die Engpässe und Mängel zu reagieren? Zum Beispiel mit Fahrzeugreserven,

aus denen Ersatzzüge gestellt werden? Grundsätzlich

gefragt: Wie belastbar – oder auch: krisenfest – ist der DB-Betrieb?

Tatsächlich hat sich die Lage, was neue Fahrzeuge betrifft, in den

letzten Jahren noch zugespitzt. Immer wieder gab und gibt es Probleme

mit mangelnder Qualität und Fahrzeug-Ausfällen. Siehe den

Fernverkehr: Wegen der häufigeren Ultraschall-Kontrollen der Achswellen

fehlen im Schnitt zwölf ICE-Züge dauerhaft. Das Platz ange -

bot reduzierte sich seit 2009 um fast vier Prozent – bei steigender

Nach frage. Bis zu 130 IC-Wagen sind in Modernisierungs-Maßnahmen

gebunden – Stand Mitte 2013.

Im Nahverkehr sieht es nicht besser aus. DB Regio musste betriebliche

Einschränkungen hinnehmen (etwa durch verzögerte Anfahr-

und Bremsvorgänge der Elektrotriebzüge 423, 424, 425, 426),

Begrenzungen in der Verfügbarkeit (zum Beispiel durch nicht ausfahrbare

Trittstufen und limitierte Türbewegungen bei der Baureihe

430 der S-Bahn Stuttgart) sowie manchen Lieferaufschub.

Im Vergleich zur Bundesbahn hat

die DB AG ihre Umläufe gestrafft

und die Fahrpläne ausgedünnt

Bald nach dem Pressegespräch vom Juni folgte neues Unheil.

Gerade hatte sich im Raum Berlin/Brandenburg der Betrieb mit den

Talent-2-Triebzügen stabilisiert, die Kinderkrankheiten schienen

über wunden. Doch dann registrierte man an den Fahrzeugen bei

DB Regio Nordost erste Störungen an den Magnetschienenbremsen.

An den Halterungen wurden Risse festgestellt, wegen Material -

Anfang 2013 fuhren vermehrt Elloks

der Baureihe 110 Züge der IC-Linie 35

Norddeich – Luxembourg; die Ersatzleistungen

mit Regioloks bei DB Fernverkehr

sind aber eher die Ausnahme (Foto: 110 406

mit IC 1936 Münster – Köln zwischen

Oberhausen und Duisburg, 10. Februar)

Philipp Kuhenne

BAHN EXTRA 1/2014 17


Fokus

| ERSATZZÜGE UND FAHRZEUGRESERVEN BEI DER DB

Ein Sonderfall des Ersatzverkehrs bestand von Anfang September bis Anfang November auf der

Strecke Berlin – Hannover, auf der zwei 218 mit einer Wagengarnitur als ICE-Ersatz verkehrten

(gr. Bild in Berlin Hbf). Die Fahrzeuge hatte DB durch Umschichtungen der Bestände gewonnen

Sebastian Schrader, Bodo Schulz (kl. Bild)

Beispiel 1: Stammstrecken-Shuttle

Die andere Hochwasserhilfe

ermüdung. Die Personale erhielten die Anweisung, diese „Zusatzbremse“

nur im Gefahrenfall zu benutzen. Im Oktober musste

schließlich die Höchstgeschwindigkeit der Talent 2 von 160 auf

140 km/h reduziert werden, da die Magnetschienenbremse negativ

auf die Punktförmige Zugbeeinflussung wirkte und die Mindestbremshundertstel

nicht mehr genügten.

Die Folgen sind weitreichend. Mangelnde Qualität bzw. Fehl -

leistungen verursachen eine längere Standzeit in der Werkstatt,

wenn die Fahrzeuge nicht gleich ganz ausfallen. Damit entsteht –

oder besser: verstärkt sich – der Engpass im Zugverkehr. Denn im

Vergleich etwa zur Bundesbahn früher hat die Deutsche Bahn AG,

wirtschaft lichen Vorgaben folgend, ihre Umläufe gestrafft und die

18

Nach dem verheerenden Juni-Hochwasser musste die

Ausbaustrecke Hannover – Berlin im Bereich Stendal für

mehrere Monate gesperrt werden, da die verwendete „feste

Fahrbahn“ beschädigt worden war. Erst im November konnte

der Verkehr wieder aufgenommen werden. Nachdem man

den Fernverkehr weiträumig umgeleitet hatte, verkehrte von

Anfang September zwei Monate lang der „Stammstrecken-IC“

zwischen Berlin und Hannover. Der in Sandwich-Manier

mit zwei Dieselloks der Baureihe 218 – ausgeliehen aus Mühldorf,

Kempten und Kiel – bespannte IC bestand aus Wagen

von DB Regio und DB Fernverkehr. Er benutzte die intakten

Teilstücke der Schnellfahrstrecke sowie Abschnitte der

parallel verlaufenden alten, nicht elektrifizierten Verbindung,

der so genannten Stammstrecke. Die auf den Fernpendler-

Bedarf in Richtung Berlin ausgerichteten Fahrzeiten sorgten

für eine gute Inanspruchnahme des Zuges. Am 1. November

verkehrten die letzten Stammstrecken-IC, da am 4. November

der Verkehr auf der Schnellfahrstrecke wieder aufgenommen

werden konnte. Martin Weltner

Auch diese Form der Ersatzleistung gab es 2013: Wegen Lokmangels

setzte DB Autozug Anfang des Jahres einige von DB

Schenker Rail gemietete 140er ein. Sie stellten zum Bei spiel

Nachtzüge bereit (Bild in München Ost) Manuel Hanna

Fahrpläne ausgedünnt. Die geringere Zahl an benötigten

Fahrzeugen senkt die Beschaffungs- und die Betriebskosten; sie erhöht

aber auch die Anfälligkeit des Systems, wenn ein Fahrzeug

nicht (mehr) verfügbar ist.

Um für solche Situationen Ersatz zu haben, gab es bei der Bundesbahn

in den 1950er- und 1960er-Jahren so genannte Direktionsreserven,

die bei den einzelnen Direktionen bereitgestellt waren.

Sie wurden bei Schadständen oder Unfällen verliehen bzw. regional

oder überregional vermietet. Mit den solchermaßen verfügbaren

Loks und Wagen bildete man Ersatzgarnituren, die den Engpass

auffingen. Und heute?

ERES, Pool und Stillstandsmanagement

Heute hat zum Beispiel DB Fernverkehr so genannte Einsatz reser -

ven (ERES) aufgestellt: lokbespannte Ersatzgarnituren, die an betrieblichen

Schwerpunkten in Deutschland konzentriert sind (und

daher auch „Knotenpunktreserve“ heißen). Bei Verspätungen, Zug-


Eine 111 und zwei n-Wagen: Das musste

im Sommer 2013 manchmal als Ersatz

für einen Talent 2 des Franken-Thüringen-

Express reichen; hier auf dem Weg von

Lichtenfels nach Bamberg Christian Gloel

Wo eigenes Rollmaterial nicht verfügbar ist, mietet die DB Material

bei Dritten an. Im Oktober 2013 bespannte Leihlok 182 525 von MRCE

Züge auf der RB 20 Eisenach – Erfurt – Halle (Bild in Halle (Saale) Hbf)

Ralf Kutschke

Reisende des „Fugger-Express“ Donauwörth – Augsburg – München

kennen es schon: Anstelle eines 440 („Mops“) fuhren 2013 bei einigen

Verbindungen n-Wagen-Garnituren, bespannt mit 111er-Elloks.

Auch am Morgen des 31. Oktober war dies der Fall Alexandra Wurl

ausfällen oder ähnlichem greifen die regional angesiedelten Verkehrsleitungen

in Abstimmung mit der über geordneten Zentralen

Verkehrsleitung dispositiv darauf zurück. Konkret: Die Verkehrsleitung

meldet den Ausfall eines Zuges und gibt den Auftrag, wann und

wohin die Einsatzreserve fahren soll. Die Zentrale Verkehrsleitung

stimmt dem Einsatz des Ersatzzuges zu. Dann fährt zum Beispiel

eine IC-Wagengarnitur mit 120er-Ellok auf der Strecke München –

Frankfurt anstelle des vorgesehenen, aber nicht verfügbaren ICE 3.

Ähnliche Einsatzreserven unterhält DB Regio, wobei jeder Verkehrszweig

der DB für sich wirtschaftet. Schließlich ist jede Sparte

ein eigener Geschäftsbereich; eine Bereitstellung von Ersatzfahrzeugen

für den jeweils anderen müsste man ihm in Rechnung stellen.

Das wären Kosten, welche die Bilanz belasten – womit sich dieser

Schritt nahezu ausschließt. Was DB Regio betrifft, so sind selbst innerhalb

des Geschäftsbereichs die Fahrzeuge nicht frei verfügbar.

Hat sich zum Beispiel ein Bundesland an der Beschaffung von Triebfahrzeugen

bzw. Wagen beteiligt, besteht es in der Regel darauf, dass

Beispiel 2: Baureihe 440

Erneut mit Problemen

Die „Mops“-Züge der Baureihe 440 sollten 2013 planmäßig den

gesamten Regionalverkehr auf den Strecken des Fugger-Express

München – Augsburg – Treuchtlingen/Ulm sowie des

Donau-Isar-Express München – Passau bedienen. Technische

Probleme mit Kupplungen, Klimaanlagen und Toiletten hatten

schon die Betriebsaufnahme des Verkehrs 2009 beeinträchtigt

und ziehen sich durch die Einsatzgeschichte der Züge. Massive

Beschwerden der Kundschaft über die Inneneinrichtung führten

dazu, dass die 440 in die Werkstatt kamen, um mit Gepäckablagen

und Sitzen mit größerem Sitzabstand ausgestattet zu

werden. Dem daraus folgenden Fahrzeugmangel begegnete die

DB mit Ersatzzügen auf beiden Netzen, bestehend aus 111er-Elloks

mit n-Wagen- oder Doppelstock-Garnituren. Martin Weltner

BAHN EXTRA 1/2014 19


Fokus

| ERSATZZÜGE UND FAHRZEUGRESERVEN BEI DER DB

Neben technischen Mängeln sind es teilweise auch vom

Gesetzgeber geänderte Vorgaben, welche die Inbetriebnahme

neuer Fahrzeuge verzögern. Beim Velaro D

(Baureihe 407) kam beides zusammen: Wann er den

Dienst beginnt, ist zurzeit offen DB AG/Bartlomiej Banaszak

Am 28. Juni fuhr ein Talent 2 als Sonderzug in Großenhain vor. Wenig

später sorgten die Triebzüge durch Störungen an der Magnetschienenbremse

für Unmut Bodo Schulz

diese nur auf heimischen Strecken fahren. Die Chancen für eine Abgabe

zwecks Ersatzleistung an andere Netze sind gering.

Und noch ein weiteres Mal wirkt sich der Sparzwang bei der

DB AG aus. Fahrzeuge, die man aufgrund verkehrsschwächerer

Zeiten nicht benötigt, dienen nicht automatisch als Reserve oder

kommen zum Einsatzreserve-Park. Vielmehr wird ein großer Teil in

so genannten Pools vorübergehend abgestellt. In diesem Sinne dient

beispielsweise Rostock Seehafen als Sammelort für nicht gebrauchte

(Trieb-)Fahrzeuge mit noch laufendem Revisionsdatum. Sie wären

prinzipiell als Reserve einsatzbereit, sind aber erst einmal nicht

dafür eingeplant – aus Kostengründen. Unter Umständen wäre sogar

eine Neuzulassung der Fahrzeuge erforderlich.

Neben der Einsatzreserve und den Pools gibt es schließlich noch

das Stillstandsmanagement. Dort versammelt die DB AG alle Triebfahrzeuge,

die von der Ausbesserung zurückgestellt oder ausgemustert,

aber noch nicht abgeschrieben sind und deshalb weder verkauft

noch verschrottet werden dürfen. Solche „Fahrzeugsammlungen“

gibt es in Mukran oder Hamm. Als prominente Kandidaten finden

sich im Stillstandsmanagement noch immer die nicht reaktivierten

Exemplare des Diesel-ICE (Baureihe 605). Prinzipiell könnte man

aus diesem Bestand auch Fahrzeuge für die Einsatzreserve reak -

tivieren; es wäre aber mit hohen Kosten verbunden.

Unterm Strich bleibt damit für den Betriebsdienst der einzelnen

Verkehrssparten nur eine verhältnismäßig dünne Fahrzeugdecke –

samt Reserve. Der Reisende spürt an der nachlassenden Qualität,

dass vieles im Argen liegt: ein ICE-T statt deren zwei, Verschmutzung

der Fahrzeuge innen und außen, ausgefallene Bordbistro und Speisewagen

– die Liste ist lang. Selbst wenn der Zug als solches noch

fährt, ein reibungsloser Betrieb sieht anders aus. Dafür spricht auch,

dass Reserven zum Teil gewonnen werden, indem man reguläre

Umläufe schwächt und die „frei gesetzten“ Wagen zu zusätzlichen

Garnituren zusammenstellt. Oder Werkstattreserven aktiviert bzw.

von Dritten Fahrzeuge anmietet – siehe die MRCE-Elloks, die für

DB Fernverkehr wiederholt IC-/EC-Leistungen übernahmen.

Strukturelle Probleme

Lässt dies schon arg an der Krisenfestigkeit der DB zweifeln, so

kommt noch eine Konsequenz des Sparzwangs hinzu. Unter dem

Diktat der Kosten hat die DB Werkstatt-Kapazitäten abgebaut und

die Werkstattarbeiten umorganisiert. Ein Teil davon wurde in die

Nacht verlegt, in der man zwar im Betriebsdienst weniger Fahrzeuge

benötigt, aber beispielsweise auch Ersatzteile schwerer zu beschaf -

20

Beispiel 3: ICE

Der ganzjährige Mangel

Die Modernisierung der IC-

Wagen bindet aktuell weitere

Wagen aus der Flotte von

DB Fernverkehr (Foto: Fabrikschild

eines umgestalteten

Fahrzeugs). Das macht die

Fahrzeugsituation noch

schwieriger Volker Emersleben

Verkürzte Wartungsintervalle, die noch nicht zugelas senen

Velaro der Baureihe 407, das Redesign der Baureihe 402, technische

Probleme und einige Unfälle sorgten 2013 ganzjährig

für einen Mangel an einsatzbereiten ICE-Zügen aller Bauarten.

Als Folge verkehrten vielerorts lokbespannte Ersatzzüge oder

planmäßig mit Doppeleinheiten geführte Züge wurden einfach

geführt, so bei ICE 3 oder ICE-TD. Ein Beispiel ist auch die

ICE-Linie von München nach Hamburg/Bremen. Dort fahren

plan mäßig zwei ICE 2 vereint bis Hannover, wo sie geflügelt

bzw. in der Gegenrichtung gekuppelt werden und separat die

Äste nach Hamburg bzw. Bremen bedienen. Herrschte ICE-

Mangel, verkehrte im Laufe des Jahres 2013 oft nur ein ICE 2,

der ab Hannover nach Hamburg weiterlief. Fahrgäste nach

Bremen mussten in Hannover in einen bereitstehenden IC-

Ersatzzug umsteigen, der sie dann nach Bremen brachte. Auch

2014 sieht dies nicht anders aus. Martin Weltner

fen sind. Teilweise reichen die Werkstattgleise nicht aus, um alle zur

Bearbeitung anstehenden Fahrzeuge aufzunehmen. Längere Standzeiten

sind – wortwörtlich – die Folge.

So dürfte die DB AG letztlich große Probleme haben, ihre Krisenfestigkeit

unter Beweis zu stellen. Die wiederholten, teils improvisierten

Ersatzverkehrsleistungen sprechen jedenfalls nicht dafür.

Andererseits könnte das Pressegespräch im Juni 2013 ein Ansatz

gewesen sein, die Dinge zu verbessern. Das ist dringend nötig, will

die Deutsche Bahn nicht noch ihr restliches Renomee verspielen.

Dazu braucht der DB-Vorstand allerdings auch die Energie, den gordischen

Knoten aus externen Zwängen und internen Fehlentwicklungen

zu zerschlagen. Anders gesagt, die nachhaltige Verbesserung

der Fahrzeugsituation müsste an vielen Hebeln ansetzen. Nur mit

einer Firmenschelte für die Fahrzeughersteller ist es nicht getan –

bei aller Berechtigung, die diese hat. E. Preuß/D. Schmitt/K. Kunz


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Fokus

| BAHNBETRIEB | OLDTIMER „WIPPERLIESE“

Eine Klasse für sich

Grünes Licht für die blauen Esslinger der Kreisbahn Mansfelder

Land: Auch nach der Ausschreibung 2013 tuckern die Oldtimer-

Triebwagen zwischen Klostermansfeld und Wippra. Ein Kleinod

des aktuellen Bahnwesens bleibt erhalten; vorerst jedenfalls

22


Der Viadukt in Mansfeld ist das spektakulärste Bauwerk der Strecke;

18 Mal poltern die Triebwagen montags bis freitags über die Brücke

Vom Bahnhof Klostermansfeld (gr. Bild) geht

die gemütliche Reise im teilmodernisierten

Oldtimer durch den Südharz Felix Walther (5)

Damit konnte man nicht unbedingt rechnen. Die Ausschrei -

bung für die 20 Kilometer lange Nebenbahn im Südharz

war schließlich europaweit angelegt, da hätte durchaus harte

Konkurrenz auftauchen können. Eine, die alles neu macht auf der

„Wipperliese“ vielleicht. Doch das Bewährte kam zum Zuge. Buch -

stäblich: Mitte August wurde der Zuschlag erteilt, und der Gewinner

hieß ... DB Regio. Wie zuvor darf sie die 20 Kilometer lange Neben -

bahn Klostermansfeld – Wippra betreiben. Und wie zuvor vergab

DB Regio die Betriebsführung an die Kreisbahn Mansfelder Land.

Alles wie gehabt: Auch über das Jahr 2013 hinaus laden die urigen

Esslinger Triebwagen zu einer Bahnreise im Südharz ein.

Fahrzeuge von 1959 – im Regelverkehr!

Die rüstigen Diesel-Veteranen sind im deutschen Zugangebot eine

Klasse für sich. Wo sonst hat man es mit Fahrzeugen aus dem Jahr

1959 (oder kurz danach) zu tun? Wohlgemerkt: im Regelverkehr.

1997 kamen die vier Triebwagen von der Frankfurt-Königsteiner

Eisenbahn nach Sachsen-Anhalt. Behutsam modernisiert und liebevoll

gepflegt, haben sich die fröhlich blau lackierten Oldtimer als

Markenzeichen der „Wipperliese“ etabliert. Reisen im Esslinger, das

heißt alte Eisenbahn erleben auf einer romantischen Strecke, die in

den 1990er-Jahren gründlich saniert wurde. Das heißt, im Viadukt

über Mansfeld zu poltern, während der Blick durch die Panoramascheiben

hinaus ins Land schweift. In Biesenrode gespannt zu verfolgen,

wie das Personal den länd lichen

Bahnübergang für die Durchfahrt des Triebwagens

sichert. Oder anschließend durch

Wiese, Wald und Feld zu gondeln, bis der

Endpunkt Wippra erreicht ist. Die Kreisbahn

und ihre Mitarbeiter machen’s möglich, samt

Verpfle gung: Wer möchte, kann „im Esslinger“

Getränke und kleine Speisen kaufen.

Die Vergabe vom August 2013 hat all das

fürs Erste gesichert. Allerdings nur fürs

Erste: Der Vertrag läuft zwar bis 2018, doch

ab Dezember 2015 behält sich die Nah ver -

kehrsservice Sachsen-Anhalt die jährliche

Prüfung der Strecke vor. Abhängig von Fahrgastzahlen

und verfügbaren Finanzen will

sie dann jeweils entscheiden, ob sie die

Zü ge weiter bestellt. Schwache Auslastung

machte der „Wipperliese“ schon in der Vergangenheit

manchmal zu schaffen. Bei den

vielen Attraktionen, die sie bietet, sollte man

damit nicht unbedingt rechnen. Oder?

Felix Walther

BAHN EXTRA 1/2014 23


Fokus

| BETRIEBSEINSCHRÄNKUNGEN IN MAINZ HBF

Vom Chaos

überrascht

Im August 2013 kam der Mainzer Hauptbahnhof in

die Schlagzeilen. Urlaubs- und krankheitsbedingt

herrschte Personalmangel im Fahrdienstleiter stellwerk.

Über Wochen hinweg fielen Züge aus oder mussten

umgeleitet werden – ein hausgemachtes DB-Desaster

An den ereignisarmen Sommerferien

lag es nicht, dass der Süddeutsche

Rundfunk das The ma am 2. August

ins Programm nahm. Die Meldung hatte einen

ernsten Hintergrund. Galt es doch, Reisende

vorsorglich auf das hinzuweisen, was

sie ab Samstag, 3. August, im Mainzer Hauptbahnhof

erwartete: ein Engpass bei der Besetzung

des Stellwerks, deshalb übers Wochenende

Zugausfälle und Umleitungen.

Eine groteske, fast unwirkliche Situation; nie

zuvor hatte die DB eine zweigleisige Hauptbahn

derart abgekoppelt. Erst recht nicht

einen Eisenbahnknoten wie den Hauptbahnhof

von Mainz, die zentrale Verkehrsdrehscheibe

einer Landeshauptstadt!

Der Ärger steigerte sich noch. Waren

Anfang August vor allem abendliche oder

nächtliche Fernzüge betroffen, dehnte sich

das Problem ab 12. August auf Tagesbetrieb

und Regionalverkehr aus. Zeitweise waren

mehr als die Hälfte der 18 Fahrdienstleiter

des Stellwerks krank oder im Urlaub. Eine

Reihe von Fernzügen musste rechtsrheinisch

über Mainz-Bischofsheim bis Koblenz umgeleitet

werden, Nahverkehrszüge fuhren

eingeschränkt, einige gar nicht – und das

über Wochen hinweg. Eine Bla ma ge für die

DB, die durch provisorische Ersatz leis tun -

gen noch verschlimmert wurde. Ab 19. Au -

gust pendelten zwei Wochen lang Schienenbusse

der Pfalzbahn als Schülerzüge zwischen

Alzey und Nieder-Olm!

Mainz – kein Einzelfall

Die Deutsche Bahn kam über den Mainzer

Notbetrieb in Erklärungsnot. Presse spre -

cher Achim Stauß wollte die Vorfälle als Einzelfall

sehen, verursacht vom „unvorher-

gesehen hohen Krankenstand während der

Urlaubszeit“ im Zentralstellwerk. Was nicht

zutrifft: Wiederholt hatte es auf anderen

Bahnhöfen Ausfälle von Stell wer ken gegeben,

weil es an Fahrdienstleitern mangelt.

Bundesweit, so die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft

(EVG), fehlten 1.000 Fahr-

24

dienstleiter, und die vorhandenen schieben

einen Berg von Überstunden vor sich her.

Mainz ist also kein Einzelfall, sondern die

Spitze des Eisbergs, die Folge einer auf Sparsamkeit

ausgelegten, verfehlten Personalpolitik.

Das Personal wurde insbesondere beim

geplanten Börsengang vor einigen Jahren

als Kostenfaktor abgebaut, Auszubildende

übernahm die DB nicht oder nur teilweise.

Seit den 90er-Jahren gingen zwei Generationen

verloren, die Nachwuchs für ausscheidende

Fahrdienstleiter hätten sein können.

Die Aussagen der

DB-Oberen klangen nicht

selten wie eine Posse

Insgesamt wurde die Belegschaft der

Staatsbahn(en) seit dem Antritt der DB AG

1994 halbiert. Erst im Sommer 2013 fiel dem

Vorstand auf, wie dünn die Personaldecke

ist: am Beispiel Mainz. Dass bei einer Million

Überstunden im Betrieb we nige Krankschreibungen

genügen, um einen Bahnhof

lahmzulegen, erklärt sich fast von selbst. Die

im Herbst eilig begonnene Kampag ne der

„Rekrutierung“ unter dem Motto „Kein Beruf

wie jeder andere“ kam zu spät. Die wohlgemeinte

„Beschäftigungs offensive“, unter anderem

mit der Einstel lung von „Schlecker-

Frauen“, bringt nur bedingt Entlastung, denn

es braucht spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten,

um den Beruf auszuüben – und eine

entsprechende Anlern- und Einarbeitungszeit

für die komplizierten Tätigkeiten.

Die unhaltbaren Zustände von Mainz

zogen unterdessen weitere Kreise. Der Zugverkehr

in der Landeshauptstadt war noch

ausgedünnt, als sich am 14. August Spitzenvertreter

von Deutscher Bahn, der Gewerkschaft

EVG und Betriebsräte zu einem Gespräch

trafen. Das Resultat: Der Urlaubsrückstand

solle erheblich reduziert, die Zahl

der Auszubildenden auf hohem Niveau gehalten

werden. Vereinbart wurde außerdem,

die Personalplanung zu überprüfen.

Am Abend des 27. Juli 2013 herrscht in Mainz

Hauptbahnhof noch regulärer Betrieb: Zwei

S-Bahn-Triebzüge 420 legen gerade einen

Halt ein. Im August 2013 läuft der Zugverkehr

hier nur noch stark eingeschränkt und

zeitweise gar nicht – eine Blamage für die DB

Uwe Miethe

Andererseits klangen die Aussagen der DB-

Oberen nicht selten wie eine Posse. Der Vorsitzende

Dr. Rüdiger Grube sicherte zu, jetzt

zu prüfen, wo die Schwerpunkte des Personalfehlbestandes

seien. Und das in einem

Unternehmen, das jedes Stellwerk mit seiner

Nutzungsdauer und seinen Instandhaltungskosten

erfasst! Es geht noch weiter: Bundes -

verkehrs minister Peter Ramsauer (CSU)

erklärte dem Bahnchef am Telefon, die Zustände

in Mainz seien „nicht hinnehmbar“.

Aber auch er müsste wissen, wie es um das

Personal steht.

Rückkehr zur Normalität?

Seit dem 30. August hat der Mainzer Hauptbahnhof

wieder normalen Zugver kehr,

sprich, ohne Ausfälle und Umleitungen.

Grube bat die Geschädigten um Entschuldigung,

den Zeitkarteninhabern wird etwas


Einige Fernzüge werden während des Engpasses um Mainz Hbf herum

umgeleitet. Am 16. August hat ein ICE Mainz-Bischofsheim verlassen

und fährt über den Main Richtung Wiesbaden – Koblenz Fritz Traser

Im Mai 2013 passiert der IC Fehmarn – Passau das Fahrdienstleiterstellwerk

in Mainz Hbf. Weil Mitarbeiter krank bzw. im Urlaub sind, kann

die DB dort im August nicht mehr alle Schichten besetzen Zeno Pillmann

vom Fahrpreis erstattet. Hat die DB damit

alle Probleme behoben? Wohl kaum.

Die Blamage von Mainz geht nicht nur

auf den Personalabbau unter Grubes Vorgänger

Hartmut Mehdorn zurück, sie ist auch

auf die Gestaltungswelle unter Mehdorns

Vor-Vorgänger Heinz Dürr zurückzuführen.

Bei der von Dürr und vielen anderen geschmähten

„Behördenbahn“ – Bundesbahn

oder Reichsbahn – war der Leiter des Bahnhofs

für den Personaleinsatz verantwortlich.

Er wusste, wie viele Fahrdienstleiter gleichzeitig

in Urlaub gehen, wie Ausfälle durch

Krankheit überbrückt werden können. Zur

Not sprangen geprüfte Eisenbahner aus

dem Betriebsbüro ein. Die Deutsche Bahn

glaubte, von Unternehmensberatern er -

mutigt, mit zentraler Organisation besser zu

fahren – bis zum Sommer 2013. Sie könnte

bald wieder Schiffbruch erleiden. Ob die

Ausbildung von über 700 im Eisenbahnbetrieb

Unerfahrenen zu Fahrdienstleitern bis

Ende 2013 fruchtet, bleibt abzuwarten. Und

selbst darüber hinaus fehlt das Personal an

allen Ecken und Enden. Bei Lokomotivführern,

Zugbegleitern, Instandhaltern und vielen

mehr. Erich Preuß/GM

BAHN EXTRA 1/2014 25


Bilderbogen | BAHN-EPISODEN 2013

Es gibt noch eine Menge zu tun, bis hier wieder

jemand den Zug fahren kann. Blick in den

Führerstand eines 403 Bodo Schulz

26


Nicht alltäglich

Seltene Gäste, erfreuliche Reaktivierungen, überraschende

Wendungen: Das Bahn-Jahr 2013 bot manches Besondere.

Bebilderte Anekdoten aus der Welt der Schiene

Am 5. Juli bringt Diesellok 204 036 der PRESS die ersten Wagen des „Donald

Duck“ genannten Triebzugs nach Neustrelitz. Fast 20 Jahre lang waren die

403/404 mehr oder weniger beaufsichtigt abgestellt Bodo Schulz

Donald Duck als Aschenputtel?

Jahrelang fristeten die IC-Triebzüge der Baureihe 403/404 ein trauriges

Dasein. Initiativen zur Aufarbeitung der einstigen Bundesbahn-Stars

verliefen im Sande, Witterung und Vandalismus setzten den Fahrzeugen

zu. Im Frühjahr 2013 kam alles anders: National Express Rail, Gewinner

einer Ausschreibung für RE-/RB-Linien in Nordrhein-Westfalen, interes -

sierte sich für die zuletzt in Halberstadt abgestellten Fahrzeuge. Im Juli

ließ die Privatbahn erste Wagen zur Netinera-Werkstatt in Neustrelitz

überführen, die übrigen folgten bis September. Ziel ist es, einen betriebsfähigen

Zug wieder herzustellen, auch wenn dies viel Arbeit erfordert.

Erlebt „Donald Duck“ die Geschichte vom Aschenputtel?

BAHN EXTRA 1/2014 27


Bilderbogen | BAHN-EPISODEN 2013

Meister Adebar zu Gast

Dass es auf der Main-Neckar-Bahn Mannheim

–/Heidelberg – Darmstadt (– Frankfurt)

kräftig rollt, weiß man schon länger. Dass sich

dort auch Störche ansiedeln, ist neu. Gleich

zwei Paare wählten im Frühjahr 2013 den

Bahnhof Bensheim-Auerbach als Standort,

um ihren Nachwuchs aufzuziehen. Die Nester

hatten sie auf Fahrleitungsmasten platziert

und ließen sich vom lebhaften Bahnbetrieb

nicht im Geringsten stören. DB Energie

nahm es gelassen. Die beiden Paare – sowie

ein drittes an der benachbarten Riedbahn

Mannheim – Frankfurt – sollten in Ruhe die

Aufzucht beenden. Danach wollte man die

Nester in den rund 20 Kilometer entfernten

Vogelpark Viernheim umsetzen. Ob Meister

Adebar sich darauf einlässt?

28

Große Flügelspannweite zwischen den Hochspannungs-Fahrleitungen:

Der Brutplatz am Bahnhof ist

nicht ungefährlich. Auch deshalb strebt DB Energie

für die Weißstorch-Paare einen Ortswechsel an


Am Morgen des 8. Juni poltert

ein Güterzug durch Bensheim-

Auerbach Richtung Norden – business

as usual für die Storchenfamilien

von nebenan Karl Laumann (2)

BAHN EXTRA 1/2014 29


Bilderbogen | BAHN-EPISODEN 2013

Mehr auf der

Feierstunde im Dampflokwerk Meiningen: Am 23. Mai wird

01 150 an die Stiftung Deutsche Eisenbahn übergeben. An

fünfter Stelle von links steht Olaf Teubert Stefan Thomas/DB

Der Traum von der Dampflok

Olaf Teubert und die 01 150 – das ist eine langjährige

Verbindung. Als Lokführer fuhr er die mächtige Schnellzugdampflok

und blieb ihr auch nach seiner Dienstzeit

verbunden. Umso mehr schmerzte es ihn, als die Maschine

im Oktober 2005 beim Brand im Nürnberger Museums-Bw

schwer beschädigt wurde. Fortan engagierte er sich für

01 150, sammelte Gelder, warb Sponsoren für die Wiederaufarbeitung.

Auch die DB machte mit. Im Früh jahr 2013

folgte das Happy End: Die betriebsfähige 01 150 rollte aus

den Hallen des Dampflokwerks Meiningen. Vom Süddeutschen

Eisenbahnmuseum Heilbronn rückt die stolze

Pazifik maschine nun zu Sonderfahrten aus, die Organisation

liegt in Händen der Stiftung Deutsche Eisenbahn.

Nicht nur für Olaf Teubert ist der Traum von der Dampflok

wahr geworden.

Fast wie früher: Seit Mai 2013 ist 01 150

wieder betriebsfähig, hier mit einem

Sonderzug bei Bibra in Thüringen

Waltraud Weber/DB

30


BAHN EXTRA 1/2014 31


Fokus | DIE EISENBAHN UND DAS HOCHWASSER 2013

Zeitweise

gesperrt

Schwere Regenfälle lösten im Frühsommer 2013 im

Süden und Osten Deutschlands Überschwemmungen

und Erdrutsche aus. Etliche Bahnstrecken mussten

gesperrt werden. Bei der Schnellfahrstrecke Hannover

– Berlin dauerte die Betriebsruhe sogar Monate

Der Deutsche Wetterdienst hat es

nach gerechnet: Vom 26. Mai bis

2. Juni 2013 gingen über Deutschland

22,76 Billionen Liter Wasser nieder; etwa

drei Billionen Liter mehr als im August 2002,

bei der „Jahrhundertflut“. An Donau und

Elbe kam es zu teilweise historischen Hochwasserständen.

Ohnehin wurden der Süden

und Osten Deutschlands besonders stark

von dem Extremwetter in Mitleidenschaft

gezogen. Es betraf Städte, Gemeinden, Privatleute

– und auch die Eisenbahn.

Sperrungen ab Anfang Juni

Erste Einschränkungen durch Hochwasser

zeichneten sich laut DB Ende Mai in Süddeutschland

ab. Betroffen waren die Einzugsgebiete

von Donau und Rhein bzw. de -

ren Zuflüssen. Wenig später ging es dann

Schlag auf Schlag – in Deutschland, aber

auch in angrenzenden Ländern, wie Österreich,

der Schweiz und Tschechien.

Ab 1./2. Juni war das Streckennetz im

Süden Deutschlands an vielen Stellen beeinträchtigt;

etliche Strecken mussten we -

gen Überflutung oder Gleisunterspülungen

gesperrt werden. Das galt zum Beispiel für

die Magistrale München – Salzburg, wo man

den Abschnitt Übersee – Traunstein wegen

eines Brückenschadens nicht befahren

konn te. Die Züge wurden teilweise umgeleitet

(wie die Railjets München – Salzburg –

Wien über Passau), teilweise durch Busverbindungen

ersetzt oder vorübergehend eingestellt.

Zeitweilige Sperrungen gab es unter

anderem auch auf den Strecken Bad Reichenhall

– Berchtesgaden, Holzkirchen –

Bay rischzell, Nürnberg – Regensburg,

Straubing – Bogen und Überlingen – Ludwigshafen

(am Bodensee). Schwer traf es die

Strecke München – Mittenwald – Innsbruck

im Abschnitt Tutzing – Weilheim. Weil grö -

ßere Reparaturen erforderlich waren, ruhte

hier der Verkehr bis 25. Juni; die Reisenden

mussten auf Busse umsteigen.

32

Ab 3. Juni wurde auch der Osten der Republik

von den Folgen der massiven Regenfälle

heimgesucht. Zahlreiche Verbindungen

in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen

musste man den Betrieb einstellen. Auf mehreren

Strecken gab es tagelang keinen Zugverkehr,

so zum Beispiel auf den Relationen

Dresden – Bad Schandau, Zittau – Görlitz,

Bitterfeld – Dessau, Weißenfels – Zeitz, Gera

– Greiz, Leipzig – Meißen, Leipzig – Falkenberg.

Auf der Strecke Leipzig – Zwickau kam

es zu einem Dammrutsch zwischen Altenburg

und Lehndorf, der eine wochenlange

Sperrung verursachte. Die DB-Tochter Erzgebirgsbahn

stellte am 3. und 4. Juni den

Reisezugbetrieb ein, die Vogtlandbahn ließ

vorübergehend den Betrieb zwischen Gera,

Plauen und Adorf ruhen. Auch auf der

schmal spurigen Weißeritztalbahn Freital-

Hainsberg – Dippoldiswalde standen die Zü -

ge. Die Strecke war 2002 vom Hochwasser

Als erstes schränkte das Hochwasser den Bahnbetrieb in Süddeutschland erheblich ein. Blick auf

die Anzeigetafel in München Hbf am 3. Juni 2013 Volker Emersleben, Max Lautenschläger/DB (Bild r.)


Durch das extreme Hochwasser der Elbe

werden Gleisanlagen und Sicherungstechnik

der DB Netz AG an mehreren Stellen überflutet.

Besonders stark trifft es die Schnellfahrstrecke

Berlin – Hannover (Foto); dort muss der Verkehr

mehrere Monate ruhen Frank Barby/DB

Im Juli 2013 laufen noch die Reparaturen an der Neubaustrecke Berlin – Hannover, hier bei

Schönhausen. Die gute Nachricht: Die feste Fahrbahn vertrug die Überspülung recht gut

zerstört und bis 2008 teilweise wieder auf -

gebaut worden.

Die Sperrungen allein stellten nicht die

einzige Konsequenz dar. Überflutete Bahnsteigzugänge

(wie in Passau) oder Stell wer -

ke (wie in Rosenheim und etlichen Regio -

nal netzen) verlangten umfangreiche Aufräumarbeiten.

Verschiedentlich machten

auf ge weichte Dämme Reparaturen und

Ge schwindigkeitsreduzierungen nötig.

Die Strecke Hannover – Berlin

Während sich um den 10. Juni herum die

Lage in Bayern langsam besserte, rollte die

Flutwelle Richtung Norden – mit weiteren

BAHN EXTRA 1/2014 33


Fokus | DIE EISENBAHN UND DAS HOCHWASSER 2013

Wie im Jahr 2002 wurden in Dresden

„Ludmilla“-Dieselloks (Baureihe 232 ff.) auf

die Marienbrücke gefahren, um diese gegen

die Wassermassen zu stabilisieren, hier

auf genommen am 7. Juni 2013. Anders als

damals blieb die Stadt aber diesmal von

Schäden verschont Markus Bergelt

schweren Schäden und neuerlichen Streckensperrungen.

Noch Mitte Juni konnte

eine Reihe von Strecken im Bereich Magdeburg/Stendal

nicht befahren werden, auch

die Region um Halle (Saale) litt stark unter

Hochwasserfolgen. Zu den „Opfern“ zählte

dabei eine prominente Magis trale: die

Schnellfahrstrecke Hannover – Berlin. Sie

entwickelte sich zu einem Problemfall, der

die DB noch beschäftigte, als die Flut längst

wieder aus den Nachrichten verschwunden

war – und der Betrieb auf fast allen anderen

betroffenen Strecken wieder lief.

Die Schnellfahrstrecke, ausgerüstet mit

der Festen Fahrbahn, hatte am 10. Juni zwischen

Rathenow und Stendal gesperrt werden

müssen, weil sie „nach einem Dammbruch

nahe Schönhausen auf ca. fünf Kilo-

34

Am Rande

Schnelle Hilfe

Während die DB in Teilen ihres Streckennetzes

vom Hochwasser betroffen

war, konnte sie an anderen Stellen

wertvolle Hilfe leisten. So boten die

Züge der Südostbayernbahn zeitweise

die einzige Möglichkeit, das von den

Wassermassen der Donau bedrohte

Deggendorf zu erreichen. Fluthelfer

wurden kostenlos befördert. Selbsthilfe

leisteten DB-Mitarbeiter dagegen

in Wittenberge, wo sie mehr als

40 Fahrzeuge aus dem Werk evakuierten.

Die DB-Mitarbeiter dort füllten

außerdem rund 100.000 Sandsäcke

und türmten sie zu einem Wall auf, um

einen Deich außerhalb des Werks -

geländes zu verstärken. FBT

Die Flutbrücke an der im Güterverkehr genutzten Strecke Zeitz – Meuselwitz (– Altenburg)

wurde bei dem Hochwasser im Juni zerstört. Die DB entschied sich gegen einen Wiederaufbau,

so dass dieses Bild bereits historischen Charakter hat Markus Bergelt

meter Länge komplett überflutet war“. Da -

ran änderte sich zunächst nichts. Mitte Juli

teilte die DB mit, dass der Abschnitt bis auf

weiteres gesperrt bleibe. Das Wasser sei

zwar abgelaufen bzw. abgetrocknet, aber unter

den Schienen beeinflusse es den Untergrund

auf umgebenden Flächen „und verhindert

damit aussagekräftige Messungen“.

Am Schönhauser Damm, berichtete das DB-

Netz-Blatt „Pegelstand“, sinke das Wasser

kontinuierlich, dennoch bleibe die Situation

„angespannt“.

Als das Wasser abgelaufen war, räumten

die DB-Mitarbeiter auf. Nach DB-Angaben

wurden 100 Kilometer Kabel, 180 Signale

und Oberleitungsmasten, dazu mehrere

Weichen und Ingenieurbauwerke geprüft

und wieder in Ordnung gebracht. Viel ent-

scheidender war ein anderer Umstand: Niemand

wusste, wie die Feste Fahrbahn auf die

Überschwemmung reagieren würde. Probebohrungen

und Georadarmessungen sollten

Die DB schätzte die

Hochwasserschäden auf

eine Milliarde Euro

Klarheit schaffen. Für die Reparatur der

Schnellstrecke setzte die Bahn nach eigenen

Angaben 300 Leute ein.

Notbetrieb Hannover – Berlin

Für den Betrieb wurde ein Notfahrplan ausgearbeitet,

der zwischenzeitlich immer wieder

angepasst wurde. Im Sommer sah er wie

folgt aus:


Betrieb bei erhöhtem Pegelstand: Connex-Zug mit Ellok 146 521 am 15. Juni 2013 an der Elbe bei Lutherstadt Wittenberg (l.),

ICE-T der Relation Frankfurt – Wien eine Woche vorher an der Isarbrücke bei Plattling (r.) Ralf Kutschke (l.), Josef Mauerer (r.)

werden 10.000 Reisende täglich, die auf der

Strecke Hannover – Berlin mit Problemen

zu kämpfen hatten, im gesamten Fernverkehr

sogar 90.000.

Vom 1. bis 25. Juni 2013 geht auf dem Abschnitt Tutzing – Weilheim der Strecke München –

Garmisch-Partenkirchen nichts; nach einem Murenabgang ist der Abschnitt gesperrt,

die Reisenden müssen auf Busse umsteigen (Bild in Tutzing) Toni Burger (Foto), Slg. F. Napf

Die Schäden und die Folgen

Am 25. Juni schätzte die DB die Kosten der

Hochwasserschäden auf eine Milliarde Euro

– eine stattliche Summe, die sie angesichts

fehlender Flut-Versicherung aus anderen

Quellen, sprich Verkehrsein nahmen, finanzieren

muss. Immerhin: Fahr zeuge waren

2013 nicht betroffen; 2002 gab es noch Schäden

an ICE-Zügen, Güter- und Personenwagen.

Die Feste Fahrbahn hat sich als widerstandsfähig

erwiesen oder, wie es eine DB-

Sprecherin formuliert, diese Bauart „kann

mit Wasser umgehen“. Und zuguterletzt wurden

die vom Hochwasser betroffenen Re -

lationen von der Fahrpreiserhöhung im

Dezember 2013 ausgenommen, als Entschädigung

für die von Zugausfällen und Umlei -

tungen gebeutelten Reisenden. Wenigstens

ein paar Lichtblicke bei der Misere. FBT/GM

– Die ICE Köln –/Düsseldorf – Hannover –

Berlin fuhren über Magdeburg – Braunschweig.

Wolfsburg, Stendal und Berlin-

Spandau wurden nicht bedient, einzelne

Züge hielten nicht in Magdeburg, zwei

Züge fuhren als IC (ohne Teilung in

Hamm).

– Die ICE Berlin – Braunschweig – Frank -

furt – Stuttgart – München fuhren fast wieder

auf dem ursprünglichen Weg (Umweg

Wittenberge ohne Halt).

– Die ICE von Berlin über Frankfurt – Karlsruhe

nach Interlaken fuhren über Erfurt,

einige Halte entfielen.

– Die IC-Linie 77 Amsterdam – Berlin verkehrte

meist ab/bis Hannover.

– Zusätzliche RE fuhren auf dem Streckenstück

Hannover – Wolfsburg.

Dazu kam das „IC-Shuttle“: Mit zwei 218-

Dieselloks bespannt, fuhr vom 9. September

bis 3. November ein IC-Zugpaar; es benutzte

zwischen Stendal und Rathenow die nicht

elektrifizierte „Stammstrecke“ Stendal –

Rathenow. Diese ging, weil mit konventionellem

Oberbau versehen, schon Anfang

September in Betrieb. Die Route des Shuttles

war Berlin – Hannover, dabei hielt der Zug

in Berlin Ostbahnhof, Berlin Hbf, Berlin-

Spandau, Stendal und Wolfsburg. Anfang

November war dann die Schnellfahrstrecke

wieder verfügbar.

Die Auswirkungen der siebenwöchigen

Streckensperrung waren gravierend. Umleiterverkehrsleistungen

führten dazu, dass die

Fahrt von Berlin nach Westen und Süden

rund eine Stunde länger dauerte. Genannt

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BAHN EXTRA 1/2014 35

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Chronik

| DEUTSCHE BAHN

Seit mehr als zehn Jahren

steht der ICE 3 nun schon im

Einsatz. Aber er ist immer

noch der Jüngste in der ICE-

Flotte (Bild vom 25. Juli 2013)

Uwe Miethe

Chronik 2013:

Schwierigkeiten mit dem Fahrzeugpark, Konkurrenz

durch die Privaten, neue Vorgaben: Die DB hat

es nicht leicht im Jahr 2013. Sie macht es sich aber

auch nicht leicht, siehe die Fahrpreiserhöhung

zum Dezember. Das ist fast schon eine Tradition

36


Deutsche Bahn

Vix adlaudabilis catelli infeTremulus zothecas senesceret oratori. Bellus matrimonii vocificat agricolae. Aegre perspicax oratori circumgrediesenesceret

adfa catelli infeTremulus zothecas senesceret oratori. Bellus matrimonii vocificat agricolae. Perspicax oratori circumgrediesenesceret

Gegensätze bei der Deutschen Bahn 2013: Reminiszenz an die alte Bahn im Bahnhof Anklam (l.), Vorstellung des Projekts der neuen Hybrid-Lok

in Berlin (M.) und Bahnbetrieb mit der 182 in Bundesgartenschau-Dekor, ebenfalls in Berlin (r.) Michael Reimer (l.), Sebastian Schrader (2)

BAHN EXTRA 1/2014 37


Chronik

| DB ALLGEMEIN

Im Sommer 2013 ist eine 186 mit ihrer Fracht auf der Strecke Augsburg – Treuchtlingen unterwegs, im Bild mit dem Schloss von Möhren.

Aller Voraussicht nach drückt der Güterverkehr des Jahres das DB-Ergebnis – mit einem Rückgang von rund vier Prozent Georg Wagner

Kurzmeldungen

Frühjahr/Herbst 2013: Die DB AG erhielt

von VoestAlpine einen zweistelligen Millionenbetrag

als Schadensersatz für überhöhte

Schienenpreise. VoestAlpine hatte

zusammen mit anderen Herstellern

über Jahre hinweg ein „Schienenkartell“

gebildet und die Lieferpreise abgesprochen.

In dem Zusammenhang verurteilte

das Bundeskartellamt im Juli 2013 die

Firma ThyssenKrupp zur Zahlung von

88 Millionen Euro Bußgeld; im November

zahlte ThyssenKrupp laut Medienberichten

100 Millionen Euro an die DB.

Frühjahr 2013: DB Arriva übernimmt das

Osteuropa-Geschäft von Veolia. Es umfasst

vor allem Busverkehr in Polen, der

Slowakei, Tschechien, Kroatien, Serbien

und Slowenien; in Tschechien sind auch

regionale Schienenverkehrsleistungen

enthalten. Nach eigenen Angaben ist die

DB damit der größte internationale Personenverkehrsanbieter

in Osteuropa.

Frühjahr 2013: DB Systemtechnik erhält

die Zulassung als eigenständiges Eisenbahnverkehrsunternehmen.

So kann es

Prüf- und Messverfahren am Markt anbieten.

Im Bestand hat es unter anderem

den ICE-S, einen Dieseltriebzug 612 sowie

die Ellok 120 501.

14. Juni 2013: Die DB darf prinzipiell Personenverkehr

zwischen Frankreich und

Großbritannien durch den Kanaltunnel

durchführen. Die zuständige Intergovernmental

Commission hat ihr das dazu

nötige Zertifikat B verliehen.

Konrad Rothzoll/Bela v. Derlethal

38

Matte

Ergebnisse

Kein Boomjahr für die Deutsche Bahn: Der Umsatz

dürfte 2013 aller Voraussicht nach stagnieren.

Wirtschaftliche Probleme und schwierige Rahmen -

bedingungen sind die wesentlichen Ursachen

Die Bilanz des ersten Halbjahrs 2013

fiel mager aus. Zwar nahm die Zahl

der Reisenden im Fernverkehr zu,

doch der Umsatz stagnierte, und das Ergeb -

nis vor Steuern und Zinsen sank. Die „weltweite

Eintrübung der Konjunktur“, der harte

Winter, die Auswirkungen des Hochwassers

sowie die anhaltenden Fahrzeugengpässe

machten der Deutschen Bahn zu schaffen.

Gestiegene Personal- und Energiekosten

seien ebenfalls Kostentreiber. Mit ihnen

wurde auch die alljährliche Verteuerung der

Fahrpreise im Dezember begründet. Dabei

ist die Deutsche Bahn als Großabnehmer der

Energie von der EEG-Umlage befreit!

Höhere Verkehrsleistung

Immerhin erhöhte sich die Verkehrsleistung

des Personenverkehrs im ersten Halbjahr

auf etwas mehr als 43 Milliarden Personenkilometer,

was zum Jahresende etwa vier

Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr sein

könnte. Allerdings ließ die Qualität des Reisens

zu wünschen übrig. Ersatzzüge, Wegfall

von Speisewagen im ICE 1, verkürzte Züge

oder gar deren Ausfall trüben das Bild – um

nur einige Beispiele zu nennen. Im boomenden

Fernbusverkehr mischt die Deutsche

Ersatzzüge und ICE 1

ohne Speisewagen

trüben das Bild der Bahn

Bahn derweil munter mit, sieht dies aber

nicht als Gefahr für ihren Schienenfernverkehr.

Eher die Verbreitung von „konzern -

externen Bahnen“ im Personennahverkehr,

deren Anteil längst 20 Prozent überschritten

hat. Der Schienengüterverkehr schwächelt

gleichfalls. Man rechnet zum Jahresende

mit einer geringeren Verkehrsleistung von

4,4 Prozent.


Gute Nachrichten für DB-Mitarbeiter und ihre

Familien: Am 30. August 2013 öffnet in

Frankfurt (Main) die erste Kindertagesstätte

der Bahn AG Holger Peters/DB, Veselin Kolev (Bild unten)

Immer wieder fasziniert der Blick aus dem ICE

auf die „vorbei rasende Landschaft“. Mancher

Reisende auf der Schnellfahrstrecke Ingolstadt

– Nürnberg genießt dies 2013 aber unfreiwillig:

Einige Züge fahren verkürzt, so dass dem

Fahrgast mangels Platz nur der Vorraum bleibt

Bei der S-Bahn Rhein-Main hält sich der Elektrotriebzug 420 noch wacker auf einigen letzten

Verbindungen. Zwischenstopp in Eddersheim an der S 1 zwischen Wiesbaden und Frankfurt,

aufgenommen im Oktober 2013 Stefan Scheiba

Für Aufregung sorgt das von der EU-Kommission

vorgestellte „vierte Eisenbahn pa -

ket“. Die Europäische Union will eine Europäische

Eisenbahnagentur schaffen, die als

einzige Behörde in Europa die Fahrzeuge zulässt

und den Eisenbahnverkehrsunternehmen

Sicherheitsbescheinigungen erteilt, und

zudem die inländischen Personenverkehrsmärkte,

ohne Direktvergabe im Nahverkehr,

vollständig öffnet. „Das würde eine Zerschlagung

der Deutschen Bahn bedeuten.

Verschlechterungen seien auch für die Kunden

zu befürchten, wenn der Ausschreibungszwang

verschärft und damit der gesamte

Schienenverkehrsmarkt dem Diktat

des billigsten Preises unterworfen wird“, befürchtet

die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft

EVG.

Die Deutsche Bahn möchte keinesfalls

auf den Gewinn ihrer Tochter DB-Netze verzichten,

erwartet stattdessen höhere Zuschüsse

für ihr Netz. Jährlich 4,6 Milliarden

Euro Ersatzinvestitionen seien zu wenig.

Personelle Veränderungen

Zu den gravierenden Neuerungen im Führungsbereich

gehörten 2013 die Verlän -

gerung des Vertrages für den Vorstandsvorsitzenden

Dr. Rüdiger Grube (bis Dezember

2017) und der Abgang von Oliver Kraft, Vorstandsvorsitzender

der DB-Netze, am 1. Mai;

sein Nachfolger ist Frank Sennhenn von DB-

Regio. Es soll Meinungs verschiedenheiten

zur Planung und Finanzierung von Großprojekten

einschließlich „Stuttgart 21“ gegeben

haben. Heike Hanagarth kam im Sommer

von BMW als Vor stand für Technik, so dass

Volker Kefer allein für die Infrastruktur zuständig

ist. Er war angesichts der gravierenden

Probleme insbesondere im Fahrzeugsektor

offensichtlich mit der Doppelfunktion

überfordert.

Erich Preuß

BAHN EXTRA 1/2014


Chronik

| DB FAHRZEUGE UND WERKE

Mehr auf der

Auch 2013 hat die Deutsche Bahn neue

Triebfahrzeuge erhalten, und man

wundert sich schon nicht mehr, dass

es bei den beiden Triebwagen-Baureihen

Probleme mit der Technik und der bahnamtlichen

Abnahme gibt. Noch nichts Offizielles

ließ die DB AG zu den Testfahrten der neuen

Dieselloks der Baureihe 245 mit ihrer revolutionären

Antriebstechnik verlauten.

40

Drei Neue

Eine Dieselloktype und zwei Triebwagen-Baureihen

verstärkten 2013 den Betriebsbestand der DB.

Das aber nur nominell: Der Elektrotriebzug 430 und

der Dieseltriebzug 620 mussten nach Startproblemen

pausieren, die Diesellok 245 wird noch erprobt

Baureihe 430

Manche Eisenbahnfreunde kennen noch die

Züge der alten Baureihe 430, die als ET 30

bei der Bundesbahn fast 30 Jahre lang im

Ruhrgebiet Dienst taten. Von dieser Zuverlässigkeit

ist der neue 430 für das Stuttgarter

S-Bahn-Netz noch weit entfernt. Mit mehr

als einem halben Jahr Verspätung erhielten

die von Alstom und Bombardier gebauten

Triebzüge im März 2013 ihre Zulassung

durch das Eisenbahn-Bundesamt.

Am 25. April wurden die ersten 430 auf

der S 1 von Plochingen nach Böblingen eingesetzt

– von 87 bestellten Zügen standen

nur zwölf dem Betriebsdienst zur Verfügung.

Im Juni 2013 blieben mehrere Triebzüge wegen

Problemen mit der Tür- und Trittbrettsteuerung

stehen. Daraufhin sollten zu -

nächst nur noch drei Triebzüge eingesetzt

und von Technikern begleitet werden. Nachdem

am 2. Juli 2013 ein Triebzug 26 Minuten

mit geöffneten Türen am Bahnsteig stehen

blieb, beschloss die Deutsche Bahn, die 430

nicht weiter einzusetzen. Nach Herstellerangaben

sind mechanische und elektro ni -

sche Anpassungen notwendig, um die Pro-

am Start

bleme zu beheben. Die Deutsche Bahn rechnet

mit einer Rückkehr der Züge nicht vor

Jahresende 2013.

Baureihen 620/622

Für den Einsatz im Kölner Dieselnetz hat die

Deutsche Bahn 2011 bei Alstom 38 dreiteilige

Triebzüge des Typs LINT 81 (Baureihe 620)

und 18 zweiteilige LINT 54 (Baureihe 622)


Die drei Neuen des Jahres 2013: Mehrmotoren-Diesellok 245 (gr. Bild, bei Testfahrten im

Schwarzwald), der neue Stuttgarter S-Bahn-Zug 430 (links oben) und der Dieseltriebzug 620

(links unten). Bei Redaktionsschluss befand sich allerdings keines der Fahrzeuge im Plandienst

Thomas Böhme (gr. Bild), Volker Emersleben (links o.), Axel Witzke (links u.)

bestellt. Ende 2012 wurden die ersten Einheiten

ausgeliefert. Doch obwohl es sich lediglich

um Weiterentwicklungen der seit

1999 in verschiedenen Konfigurationen gebauten

Coradia-LINT-Triebzüge handelt,

haben die neuen 620 und 622 bislang keine

Zulassung erhalten. Die Einsätze beschränken

sich auf Personalschulungsfahrten. So

Man wundert sich nicht

mehr, dass es Probleme

mit der Technik gibt

kann das Kölner Dieselnetz nicht wie ge -

plant zum Fahrplanwechsel im Dezember

2013 auf die neuen Fahrzeuge umgestellt

werden. Als neuer Termin für den Einsatz

wurde bei Redaktionsschluss der Juni 2014

genannt. Einstweilen fahren dort die 644

(Talent) und andere Triebwagen.

Baureihe 245

Vorrangig als Ersatz für die „in die Jahre“

gekommene Baureihe 218 bestellte die

DB AG bei Bombardier 2011 bis zu 200 Diesellokomotiven

eines Nachfolgetyps mit

Mehrmotoren-Antrieb. Die Lok basiert auf

der TRAXX-Plattform und wird als TRAXX

P160 DE ME bezeichnet. Dabei steht P für

„passenger“, 160 für die Höchstgeschwindigkeit

(km/h), DE für dieselelektrisch und ME

für „multi-engine“.

Die ersten 20 Lokomo tiven der neuen

Baureihe 245 wurden für den vorrangigen

Einsatz im Personenverkehr abgerufen.

Technisch stellen die Dieselloks eine radi -

kale Abkehr vom bisherigen, der letzten

Bundesbahn-Tradition folgenden Standard

dar: Statt eines einzelnen leistungsfähigen

Dieselmotors und hydraulischer Kraftübertragung

besitzen die 245 vier Industrie-

Dieselmotoren der Firma Caterpillar, deren

Leistung auf elektrische Fahrmotoren übertragen

wird. Das neue Konzept soll umweltfreundlich

und spritsparend sein, da sich die

vier Motoren je nach Leistungsbedarf zuund

abschalten.

Nach Testfahrten, so im Schwarzwald,

wurden die ersten 245 im Frühjahr 2013 von

den Werken Kempten, Mühldorf und Frankfurt-Griesheim

aus Erprobungsfahrten unterzogen.

Im November folgten Tests im

Raum Kassel. Weiteres war bei Redaktionsschluss

nicht bekannt. Martin Weltner

Velaro D

Keine Zulassung in Sicht

Von den bereits Ende 2012 fertig gestellten

16 Velaro D (Baureihe 407) befanden sich

im Herbst 2013 drei Züge bei der DB AG

zu Test- und Schulungszwecken mit dem

Heimatbetriebshof Frankfurt-Griesheim.

Die anderen Züge waren beim FTZ

Minden oder bewacht in Baal, Frechen

und Wegberg-Wildenrath zwischengeparkt.

Seit August 2013 gab es regelmäßig

Testfahrten von Minden aus in Einzel- und

Doppeltraktion. Auch Fahrten zur bremstechnischen

Untersuchung gehör ten zum

Programm. Einen neuen verbind lichen

Liefer- und Zulassungsplan hat Her steller

Siemens bis Redaktionsschluss nicht

genannt. Die DB fordert vor einer Abnahme

der Züge die Zulassung des

Eisenbahn-Bundesamts für den Doppeltraktions-Betrieb.

Axel Witzke

Baureihe 103

Comeback im Fernverkehr

Gleich zwei Umlaufpläne setzte DB Fern -

verkehr im Jahr 2013 für die Baureihe 103

in Kraft. Die Münchner Lok 103 245 be -

spannte ab 6. Februar ein IC-Zugpaar auf

der Relation München – Augsburg – Nürn -

berg und zurück; trotz einiger reparaturbedingter

Pausen erledigte sie den Dienst

im Großen und Ganzen zuverlässig.

Etwas schwieriger gestaltete sich der

zweite Umlaufplan, bei dem abwechselnd

die Frankfurter 103 113 und 103 235 zum

Einsatz kommen sollten. Er umfasste

Leistungen auf den Strecken Frankfurt –

Stuttgart, Stuttgart – Wiesbaden bzw.

Münster – Stuttgart und zurück, auf letzt -

genannter Verbindung unter anderem

mit dem aus ÖBB-Wagen gebildeten

IC 118/119. Der zum 1. März vorgesehene

Dienstbeginn mit 103 235 verzögerte

sich auf den 25. April; 103 113 war erst im

August einsatzbereit. Wiederholt gab es

auch hier Unterbrechungen, bei 103 235

unter anderem wegen eines Schadens an

der E-Bremse.

Die ursprünglich eingeplante 103 184

stellte die DB dagegen wegen abgefahrener

Radreifen ab. Am 11. Juni 2013 wurde

sie dem Eisenbahnmuseum Darmstadt-

Kranichstein überlassen, am 19. November

aber wieder abgeholt; sie soll nun als

Ersatzteilspender dienen. 103 113, 103 184

und 103 235 gehören seit Auflösung des

Nostalgiebereichs bei DB RegioNetz Ende

2012 zu DB Fernverkehr.

Ungeachtet aller Probleme bedeutete das

Einsatz-Comeback der 103er für DB

Fernverkehr eine wichtige Entlastung.

Der Umfang der Leistungen ging deutlich

BAHN EXTRA 1/2014 41


Chronik

| DB FAHRZEUGE UND WERKE

Schlechte Zeiten für die Ellok-Baureihe 180: In einem Lokzug werden am

24. April 2013 mehrere Exemplare der Zweisystem-Maschine abgefahren

(Bild in Zossen). Das Einsatzende könnte bald folgen Ralf Kutschke

Noch kommen V 60 mit Übergaben auf Hauptstrecken, zum Beispiel auf

die Remsbahn Stuttgart – Aalen. Am 7. Juni 2013 zieht 362 592 den

nachmittäglichen EK 56090 von Aalen nach Essingen Alexander Wilkens

Lok-Veteranen

Bestandslage 2013

Auch 2013 hielten sich verschiedene

Lok-Veteranen tapfer bei der DB – es gab

zeitweise sogar Reaktivierungen, etwa

bei den Elloks der Baureihe 140. Hier

der Bestandsüberblick mit der Stückzahl

je Baureihe, Stand 18. November 2013:

4 x 103 (DB Fernverkehr + FTZ); Status:

Bestandsfahrzeuge Fernverkehr (FV) +

Forschungs- und Technologiezentrum

(FTZ), Abfahren der Fristen; bei DB Fernverkehr

planmäßige Einsätze (siehe eigene

Meldung)

6 x 110 (DB Regio + DB Systemtechnik

FTZ Minden + Umbau Werk Dessau);

Bestandsfahrzeug FTZ und Abfahren

der Fristen; keine Planeinsätze bei

DB Regio, Einsätze bei DB Fernverkehr im

Charter- und Pbz-Verkehr (Schadwagenzüge)

mit 113 und 115 im Mischbetrieb.

208 x 111 (DB Regio); weitere Reduzierungen

zu erwarten. 111 209 ging an DB Netz.

89 x 112 (DB Regio); Veränderungen im

Bestand zu erwarten

3 x 113 (DB Fernverkehr); Abfahren der

Fristen

38 x 114 (DB Regio); Veränderungen im

Bestand zu erwarten

10 x 115 (DB Fernverkehr); Abfahren der

Fristen; Umzeichnung zur 110 möglich (da

DB Autozug bei DB Fernverkehr)

58 x 120 (DB Fernverkehr); Bestandsfahrzeuge

FV, FTZ, Netz; Veränderungen im

Bestand zu erwarten

5 x 139 (DB Schenker Rail); Veränderungen

im Bestand zu erwarten

39 x 140 (DB Schenker Rail); Veränderungen

im Bestand zu erwarten

Überraschend wurde 2013 eine größere

Zahl 139/140 reaktiviert und wieder ein -

gesetzt. Die Abgabe an „Dritte“ wie

die DB-Tochterunternehmen RBH oder

MEG läuft weiter.

42

343 x 143 (DB Regio); Veränderungen im

Bestand zu erwarten

88 x 151 (DB Schenker Rail); Bestandsänderung

zu erwarten; Abgaben an DB-Töchter

141 x 155 (DB Schenker Rail); Veränderungen

im Bestand zu erwarten

6 x 180 (DB Schenker Rail); weitgehend 2013

abgestellt, Rest folgt voraussichtlich 2014

14 x 181 (DB Fernverkehr); Abfahren der

Fristen, Reduzierung der Planleistungen

durch Wegfall von IC-Leistungen an der

Mosel zum Dezember 2014 zu erwarten

1 x 202 (DB Regionetz); Bestandsfahrzeug

Regionetz

156 x 218 (DB Regio, DB Fernverkehr,

DB Regionetz, DB Netz AG, DB Systemtechnik

FTZ Minden, DB Bahnbau); Veränderungen

im Bestand zu erwarten, erste Abgaben

an Bahntöchter

1 x 219 (DB Regionetz); Bestandsfahrzeug

Regionetz

5 x 225 (DB Schenker Rail); weitgehende

Abstellung 2013; aktuell Vorhaltung von drei

Reserveloks in Oldenburg/ Osnabrück für

Baureihe 266 (Class 77) für 2014 geplant

65 x 232 (DB Schenker Rail); Veränderungen

im Bestand zu erwarten

24 x 233 (DB Schenker Rail); Veränderungen

im Bestand zu erwarten

2 x 234 (DB Fernverkehr); Abfahren von

Fristen, Abstellung 2014 möglich

1 x 322 (DB Regio); Ulmer Exot

41 x 335 (DB SchenkerRail, DB Fernverkehr,

DB Regio, DB Netz AG) Veränderungen im

Bestand zu erwarten

4 x 345 (DB Fernverkehr)

257 x 362-365 (DB Schenker Rail); Verän -

derungen im Bestand zu erwarten

3 x 798 (DB Regio) Ulmer Spatz

Auch acht West-V-100 (211, 212) sind noch

bei DB Fahrwegdienste, Bahnbau, Netz

im Dienst! Axel Witzke/GM

über die Vorjahre hinaus und soll mit dem

15. Dezember 2013 noch ausgeweitet werden.

Für 103 113 und 103 235 ist ein Umlaufplan

vorgesehen, der beide Loks einsetzt,

unter anderem mit noch mehr IC-Leistungen

zwischen Frankfurt/Wiesbaden und

Stuttgart. 103 245 soll zusätzlich samstags

die CityNightLine zwischen München und

Innsbruck fahren. Die Idee, 103 222 von DB

Systemtechnik zum Fernverkehr zu holen,

hatte man bei Redaktionsschluss aber

verworfen. Nachdem DB Systemtechnik im

September Ellok 182 506 für Mess- und

Versuchsfahrten erwarb, könnte diese 103

für andere Zwecke verwendet werden.

L. Happ/A. Witzke/M. Frühwein

ICx

Nachbesserung verlangt

Mehr Komfort und spätere Lieferung – das

resultiert aus den DB-Entscheidungen des

Jahres 2013 zum ICx. So werden die zehnteiligen

Elektrotriebzüge zu Zwölf teilern

erweitert. In der 2. Wa genklasse gibt es eine

geringere Sitzplatzdichte, also mehr Raum

für die Reisenden. Die Zwölf teiler sollen

830 Sitzplätze 2. Klasse und 210 Sitzplätze

1. Klasse bieten. Bei den sieben teiligen

Triebzügen lässt die DB die Zahl der Sitzplätze

in kleinerem Rah men senken; eine

Garnitur soll 379 Sitzplätze 2. Klasse und

77 Sitzplätze 1. Klasse bieten. Darüber

hinaus sollen die Wagen eine großzügigere

Ausstattung und ein tageszeitabhängiges

Beleuchtungskonzept erhalten. Für die

Siebenteiler ist eine auto matische Kupplung

vorgesehen, um zwei Einheiten gemeinsam

einsetzen zu können. Die Idee, die kürzeren

Züge als Mehrsys tem fahr zeuge zu bestellen,

wurde dagegen verworfen.

Den Lieferumfang hat man ebenfalls

variiert. Nach letztem Stand ordert die DB


Als 115 509 am 19. Juli 2013 mit

D 2680 in Berlin-Lichtenberg bereitstand,

gehörte sie noch zu DB Autozug. Inzwischen

ist sie bei DB Fernverkehr – und könnte vielleicht

bald wieder eine 110er-Nummer tragen Ralf Kutschke

Premiere in Lindau: Mit 101 069 kommt am

26. Januar 2013 erstmals eine DB-Ellok planmäßig

in den Bodensee-Bahnhof. Mit gebracht

hat sie IC 1218 „Ski-Express Arlberg“

Felix Löffelholz

189 Züge: 108 Zwölfteiler sowie 81 Siebenteiler.

Durch die Änderungen stehen die

Zwölfteiler statt im Dezember 2016 wohl

erst ab De zember 2017 bereit, um ICE 1 und

ICE 2 zu ersetzen. Die als IC-Ablösung ge -

planten Siebenteiler sollen gar bis Dezember

2020 auf sich warten lassen. Fritz Traser

ICE 1, ICE 2, ICE 3, ICE-T

Engpässe im Betrieb

Wiederholt musste DB Fernverkehr im Jahr

2013 aufgrund von Schadbeständen und

Fahrzeugausfällen bei den ICE-Zügen

umdisponieren. Kaltes Winterwetter führte

ab Januar zu Ausfällen bei ICE 1 und ICE 3.

Die DB verwendete daraufhin die IC-Einsatzreserven

für Ersatzzüge in Hamburg,

Berlin und München. Im Frankreichverkehr

sank der Einsatzbestand auf zeitweise

einen Zug der Baureihe 406, woraufhin die

Zugläufe teilweise gebrochen wurden. Die

IC-Ersatzzüge verkehrten bis in die erste

Februarwoche, die Probleme im Frankreichverkehr

bestanden bis 13. Februar.

Weil 401/402 fehlten und ICE-T der Baureihe

411 schadhaft waren, setzte die DB ab April

Am 13. Juli 2013 nehmen Tübinger Eisenbahnfreunde

Abschied von 110 446; die Lok be -

spannt letztmals einen Planzug, bevor ihre

Fristen ablaufen und die 110er-Beheimatung

in Stuttgart endet Heiko Focken

in einzelnen Verbindungen lokbespannte

IC-Garnituren bzw. ICE-T der Baureihe 415

ein. Zum Teil fuhren auch 401 anstelle von 411

bzw. es entfielen Verstärkereinheiten.

Im Sommer mussten dann einige 401 ohne

Speisewagen verkehren; aufgrund der

laufenden Revision fehlte es an BordRestaurant-Wagen.

Auch bei schweiztauglichen 401

herrschte Mangel, so dass die DB ein ICE-

Zugpaar aus Hamburg in Basel statt in

Zürich wenden ließ; diese Einschränkung

galt bis Dezember 2013.

Nach wie vor bereitet das Thema Achstausch

bei ICE 3 und ICE-T Probleme. Durch die

verkürzten Untersuchungsintervalle beim

ICE 3 standen auch 2013 nicht genug Züge

zur Verfügung, so dass einige Verbindungen

mit einer statt zwei Einheiten bedient

wurden. Die Austauschachsen für die

403/406 liegen zwar vor, doch fehlte

zur Jahresmitte 2013 die Zulassung seitens

des Eisenbahn-Bundesamtes, das weitere

Sicherheitsnachweise verlangte. Noch

schwieriger ist die Lage bei den elektrischen

Neigetechnik-ICE, bei denen ebenfalls ein

Radsatztausch ansteht. Im März 2013 teilte

die DB mit, dass es für die ICE-T-Radsätze

Kurzmeldungen

25. Januar: DB Fernverkehr mietet verschiedene

110 von DB Regio, die als Ersatz

für Elloks der Baureihen 101, 115 und 140

dienen. Die 110 bespannen Schadwagenüberführungen

(PbZ), aber auch IC-Züge.

26. Januar: Mit dem Samstagszug IC 1218

„Ski-Express Arlberg“ kommen erstmals

planmäßig DB-Elloks nach Lindau. Der

Zug für Winterurlauber hat den Laufweg

München – Innsbruck – Bregenz – Lindau –

Friedrichshafen – Ulm – Stuttgart – Frankfurt;

dabei wird er von einer 101 von

München über Innsbruck nach Lindau

gebracht, wo zwei 218 ihn bis Ulm weiter

befördern. Der Zug kommt bis 23. März

zum Einsatz.

Januar: Die DB gibt Siemens den Auftrag,

32 Elloks der Baureihe 189 für den Einsatz

in Polen und Tschechien auszurüsten.

Der Umbau soll von Sommer 2014 bis

Frühjahr 2015 geschehen.

Januar: Mangels Bedarf stellt das Werk

Hof mit 610 010 und 017 die ersten beiden

Pendolino-Triebzüge ab.

3. Februar: Die Baureihe 265 absolviert

erste Planeinsätze. Der Regelbetrieb mit

den modernen Dieselloks beginnt im

Raum Oberhausen.

März: Eine Zuggarnitur mit fünf n-Wagen

verstärkt im Berufsverkehr das Angebot

auf der Linie RE 9 Aachen – Siegen (Rhein-

Sieg-Express).

März: Wegen Bauarbeiten tritt ein Ersatzfahrplan

Basel – Waldshut – Erzingen in

Kraft, mit dem auch 218-Dieselloks und

n-Wagen auf der Hochrheinstrecke

zum Einsatz kommen. Bis Oktober wird

der Betrieb auf diese Weise abgewickelt.

März: Ellok 120 502 von DB Systemtechnik

erhält im Werk Dessau eine gelbe Lackierung.

März: In Cottbus beginnt die Reaktivierung

und Hauptuntersuchung der Diesellok-Baureihe

233.

7. April: DB Regio muss die durchgehenden

Züge München – Mittenwald – Innsbruck

einstellen; die ÖBB lassen die Lok-

Wagen-Garnituren wegen fehlender

Notbremsüberbrückung der dabei verwendeten

n-Wagen nicht mehr in ihr Netz

fahren. Die Züge enden fortan in Mittenwald,

wo ein ÖBB-Triebzug Anschluss

bietet. Zum Dezember 2013 geht die

Be dienung der Strecke auf Talent 2 von

DB Regio über.

19. April: Inbetriebnahme von 261 109,

damit ist der Diesellok-Bestand an Voith-

Gravita 10 BB bei DB Schenker komplett.

25. April: Erste Einsätze der neuen S-

Bahn-Triebzüge 430 im Raum Stuttgart.

April: Betriebsstart für Talent 2 beim Mittelhessen-Express

(Frankfurt – Gießen –

Treysa/Dillenburg) und auf der Linie RE 11

Cottbus – Frankfurt/Oder.

BAHN EXTRA 1/2014 43


Chronik

| DB FAHRZEUGE UND WERKE

Ellok 146 227 wirbt für die Neubaustrecke

Stuttgart – Ulm (Bild mit Regionalbahn in

Ludwigsburg, Mai 2013). In dem Zusammenhang

ziehen die Regio-Loks auch von

Stuttgart nach Ulm um Zeno Pillmann

Unterwegs mit einer Botschaft gegen Hass und Gewalt: Der Frankfurter S-Bahn-Triebzug

420 350/421 350/420 850 erhielt im Dezember 2012 von Auszubildenden der DB eine

Dekoration, die für mehr Toleranz wirbt Volker Emersleben

Das Redesign der ICE 2 im Werk Nürnberg wurde bis

August 2013 abgeschlossen. Als nächstes stehen die

ICE-T zu einer Überarbeitung an Volker Emersleben

„derzeit keine Anzeichen für eine kurz- oder

mittelfristige technische Lösung des Problems

seitens der Fahrzeugindustrie gibt.“

Damit bleibt die Neigetechnik der Triebzüge

weiterhin ausgeschaltet. Moritz Müller

Baureihe 1442.2

„Silber-Hamster“ im Einsatz

Zum 18. August 2013 nahmen die ersten

Talent-2-Triebzüge der S-Bahn Mitteldeutschland

den Betrieb auf. Zum Start

richtete die DB zwei Umläufe auf der RE-

Linie Leipzig – Halle ein. Die silbern lackierten

Triebzüge der Baureihe 1442.2, eine

Variante des Talent 2 von DB Regio („Hamsterbacke“),

werden für das im Dezember

2013 gestartete S-Bahn-Netz im Raum Leip -

zig beschafft. Willy Grübner

IC-Wagen

Neue Puffer

Nach Überpufferungen und daraus folgenden

Entgleisung von IC-Zügen im Stutt -

44

garter Hauptbahnhof hat die DB AG be -

schlossen, sämtliche verbleibenden IC-

Wagen mit neuen Puffern auszustatten. Am

22. April 2013 schrieb sie die Fertigung

von 5.620 Puffer (für 1.405 Wagen) aus. Im

August 2013 begann auch die Umrüstung

der 27,5-Meter-Speisewagen auf neue

Puffer. Bis genügend Wagen mit den breiteren

Puffern verfügbar sind, dürfen die

langen Speisewagen aber noch nicht in

IC-Wendezügen fahren. Vincent Volf

Eisenbahn-Bundesamt

Bremssand-Beschränkung

Im Dezember 2012 hat das Eisenbahn-

Bundesamt (EBA) die Bahnbetreiber ange -

wiesen, bei kurzen Zügen und niedriger

Geschwindigkeit auf die Verwendung von

Bremssand zu verzichten. Dahinter steht die

Erkenntnis, dass Bremssand die Signal -

technik beeinflussen kann und dafür sorgt,

dass belegte Gleisabschnitte frei gemeldet

werden. Nachdem aufgrund dieses Pro b -

lems am 1. August 2013 in Mainz Hbf

beinahe zwei S-Bahn-Züge zusammenstießen,

hat das EBA die Regelung verschärft.

Sie erstreckt sich nun generell auf alle Züge.

Unterdessen forderte die Gewerkschaft

GDL, nicht allein die Lokführer verantwortlich

zu machen. DB Netz müsse auch eine

sichere und zuverlässige Meldetechnik

gewährleisten. Fritz Traser

Projekt Hybridlok

Prototyp vereinbart

Am 1. August 2013 unterzeichneten die DB,

Alstom, der Freistaat Bayern und die Deutsche

Anlagen-Leasing einen Vertrag zum

Bau einer Hybrid-Rangierlok. Insgesamt

fünf Exemplare der Rangierlok H3 sollen

gefertigt und von 2015 an in Würzburg und

Nürnberg auf ihre Tauglichkeit hin getestet

werden. Die Loks mit 700-kW-Leistung

besitzen einen Dieselmotor, der mit einer

Batterie kombiniert ist; sie sollen vier

Fünftel der Dienstzeit im Batteriemodus

laufen und so Emissionen sparen.

Toni Burger


Kurzmeldungen

3. Mai: Wegen eines Indusischadens

scheidet 180 011, die letzte im DR-Rot

lackierte Ellok, aus dem aktiven DB-

Bestand aus.

Mai: Wegen Fahrzeugmangels bei den 440

fahren einzelne Ersatzzüge beim Fugger-

Express.

3. Juli: Wegen Mängeln am Türschließund

Trittbrettsystem stoppt die S-Bahn

Stuttgart den Einsatz der neuen Elektrotriebzüge

430/431.

13. Juli: Die letzte Stuttgarter 110, 110 446,

unternimmt ihre offizielle Abschieds -

fahrt; sie bespannt einen RE-Umlauf Tübingen

– Backnang – Ludwigsburg – Stuttgart.

Mit dem Fristablauf der 110 446 am

22. August endet nach mehreren Jahr -

zehnten die Beheimatung der Ellok-

Baureihe 110 beim Betriebshof Stuttgart.

Drei Mal 218-Neuigkeiten aus dem Jahr 2013: Nach Umschichtungen im Lokbestand dieselte

die altrot lackierte 218 387 im Herbst leihweise durchs Allgäu (o., Aufnahme vom 2. November).

Lok 218 467 erhielt eine Werbung für das Bayern-Ticket (S. 44, rechts Mitte), 218 348 wurde am

17. August zusammen mit einem Steuerwagen in Pfarrkirchen (Strecke Mühldorf – Passau) als

Denkmal aufgestellt (S. 44, rechts oben) Axel Witzke (o.), Felix Löffelholz (S. 44, r. M.), Josef Mauerer (S. 44, r. o.)

Werke 2013

Fertigstellungen und neue Anlagenteile

Kölner Regio-Werk entsteht

Am 7. Mai feierte DB Regio NRW das Richtfest für

das neue Instandhaltungswerk in Köln. Ab Ende

2013 soll dieses die Wartung der LINT-Dieseltriebzüge

für das Dieselnetz Köln übernehmen. Die DB

investierte zwölf Millionen Euro in den Neubau.

Graffiti-Entfernung in Düsseldorf

Seit dem Sommer 2013 verfügt DB Regio im Werk

Düsseldorf über eine Anlage, mit der sie Graffiti

von Zügen entfernen kann. Die DB-Tochter investierte

dafür 1,4 Millionen Euro. Die Graffiti-Rückstände

werden zudem umweltverträglich entsorgt.

Nürnberg-Gostenhof fertig

Das neue Regiowerk in Nürnberg-Gostenhof

wurde Anfang Juni 2013 komplett fertig gestellt.

Schon seit 2012 betreut es Elloks und Elektrotriebzüge,

im Frühjahr/Frühsommer 2013 kamen

Dieseltriebwagen und Reisezugwagen hinzu. Auch

die Verwaltung des alten Werks Nürnberg West

zog in das Regiowerk um. Im Gegenzug wurde das

Regiowagenwerk am Nürnberger Hauptbahnhof

am 8. Juni geschlossen.

Schenker-Lokwerkstatt in Nürnberg Rbf

Zum 19. September ging nahe des Nürnberger

Rangierbahnhofs die modernisierte Triebfahrzeugwerkstatt

von DB Schenker Rail in Betrieb. Sie

verfügt über eine Werkstatthalle mit 15 Arbeitsständen,

einen zweigeschossigen Hallenanbau für

Nebenwerkstätten und Büroräume, ein Gebäude

mit Lagern und Sozialräumen sowie eine Loko -

motiv-Außenreinigungsanlage. Die Lokwerkstatt

ist die größte bei DB Schenker; die DB-Güter -

tochter hat in die Modernisierung 24,4 Millionen

Euro investiert.

Enteisungs-Anlage für den ICE 3

Am 6. November weihte DB Fernverkehr in

Frankfurt (Main) die Anti-Icing Nordic ein, die

erste Enteisungs-Anlage im DB-Netz. Sie ist

für ICE-3-Züge vorgesehen, die nach Frankreich,

Belgien und in die Niederlande fahren. In der

Anlage sprühen Düsen ein Wasser-Glykol-Gemisch

an die Fahrzeugunterseite, welches dort

und an den Drehgestellen einen Schutzfilm

bildet. Er soll verhindern, dass sich an den Zügen

gefährliche Schnee- und Eisstücke festsetzen –

in Frankreich, Belgien und den Niederlanden gibt

es geschotterte Schnellfahrstrecken, auf denen

herabfallende Schnee- und Eisreste Schottersteine

aufwirbeln und somit große Schäden

am Zug verursachen könnten. Seit 1. Dezember

soll die Anlage bei Temperaturen ab fünf Grad

Celsius abwärts in Betrieb gehen.

Ersatz für Stuttgart-Rosenstein

Noch ist Stuttgart 21 nicht realisiert, aber

DB Regio plant schon für die Zeit, in der die

Oberfläche samt Werk Stuttgart-Rosenstein

nicht mehr zur Verfügung steht. Auf dem

Gelände des stillgelegten Ulmer Rangierbahnhofs

soll im Dezember 2013 ein neuer Instandhaltungskomplex

für Dieseltriebwagen, Elloks

und Reisezugwagen eingeweiht werden – er

übernimmt auch Stuttgarter Regiofahrzeuge.

Damit geht eine Umschichtung der Wartung von

den bisherigen Ulmer Standorten einher.

Zusätzlich wird im Werk Tübingen eine Halle mit

Reinigungsanlagen für Loks und Wagen sowie

eine Instandhaltungsanlage errichtet. Die Inbetriebnahme

ist hier bis 2014 vorgesehen.

Karl Laumann/Fritz Traser

21. Juli: Der „Elsass-Express“ Mainz –

Wissembourg wird auf 628-Triebwagen

umgestellt. Nach einer Änderung der

französischen Zulassungen kann die DB

die dort bis dato verwendeten Doppelstock-Wagen

nicht mehr einsetzen.

Juli: DB Regio kündigt an, den Komfort der

Elektrotriebzüge 440 des Fugger-Express

zu verbessern. Die Züge erhalten weitere

Gepäckablagen und größere Sitzabstände.

Juli: Bei den Baureihen 440 und 442 fallen

Züge aus. Die DB behilft sich mit Ersatzgarnituren

aus Elloks (z.B. 111) und

n-Wagen. Betroffen sind die Strecken des

Fugger-Express um Augsburg, des Donau-

Isar-Express München – Passau und des

Franken-Thüringen-Express. Die Ersatzleistungen

dauern teils über Monate an.

29. August: „Super-Ludmilla“ 241 697

wird als Letzte ihrer Baureihe in Halle G

z-gestellt.

August: Das Werk der DB Fahrzeug -

instandhaltung in Nürnberg schließt

das Redesign der ICE-2-Züge ab.

August: DB-Dieseltriebwagen der Baureihe

641 („Wal“) pendeln zwischen Walds -

hut und dem Schweizer Grenzbahnhof

Koblenz. Sie ersetzen Schweizer Elektrotriebzüge,

die wegen Bauarbeiten nicht

verkehren können. Die 641-Leistungen

bleiben bis Oktober bestehen.

Oktober: Ein ICE-T wird im Werk Nürnberg

als Musterzug für das Redesign der Neigetechnik-ICE

hergerichtet.

Oktober: Die altrote 218 387 der Kurhessenbahn

kommt leihweise vom Werk

Kempten aus zum Einsatz.

15. Dezember: Mit dem Fahrplanwechsel

kommen im Dieselexpressverkehr Oberfranken

neben 612er-Triebzügen auch

erstmals 641-Triebwagen („Wal“) zum

Einsatz. DB Regio hatte im Frühjahr den

Zuschlag für die Fortsetzung der Verkehrsleistungen

bekommen.

Toni Burger/Karl Laumann/Fritz Traser/Luca Wilfert

BAHN EXTRA 1/2014 45


Chronik

| PERSONENVERKEHR/GÜTERVERKEHR

Etwas zuverlässiger

Die Berliner S-Bahn ist seit Jahren Stammgast in den kritischen

Kolumnen. 2013 konnte sie seit langem auch wieder mit guten

Meldungen auf sich aufmerksam machen

Nach den Jahren der Krise im Netz

der Berliner S-Bahn zeichnete sich

zum Jahresende 2012 im Fahrzeugsektor

ein erster positiver Trend ab – es wa -

ren mehr Viertelzüge verfügbar, als Triebfahrzeugführer

geplant werden konnten. Die

S-Bahn GmbH bot an, dass die seit drei Jahren

nicht mehr eingesetzte Linie S 85 wieder

betrieben solle. Doch der Besteller Verkehrsverbund

Berlin-Brandenburg (VBB) lehnte

ab – zum Glück.

Denn der am 1. Dezember 2012 aufkommende

Win ter mit Frost und Schnee setzte

der S-Bahn wieder zu. Innerhalb weniger

Tage standen zwei Drittel aller Züge der Baureihe

485. Und gerade diese Reihe waren zuvor

für Millio nen von Euro wieder aufgearbeitet

worden. Der Geschäftsführer suchte

Ausreden wie jene, es handele sich um Oldtimer.

Waren sie doch nicht fit? Für den Inselbetrieb

der S 3 mit den „Colabüchsen“ der

Reihe 485 war Ersatz erforderlich. Züge wurden

eilends getauscht. Schließlich brachte

der folgende Fahrplanwechsel die „alten“

Züge der Reihe 481 auf den Ring. Doch einen

Dauerbetrieb ohne Pause vertrugen sie oft

nicht mehr, es kam sogar zu Fahrzeugbränden.

Und die Berliner warteten wieder lange

auf einen Zug.

Weitere Wintereinbrüche folgten am 21.

Januar und am 10. März 2013. Doch letztlich

kamen die Bahnen schneller als gedacht auf

ihre Planvorgaben.

Aufwind im neuen Jahr

Das neue Jahr 2013 brachte den kontinuierlichen

Betrieb mit der einst so sorgenvollen

Baureihe 481/482. Und immer mehr neue

Triebfahrzeugführer brachten Kontinuität

und Entlastung der Stundenkonten der

Altpersonale. Andererseits: Im September

musste der Betrieb wieder auf einigen Außenlinien

eingeschränkt werden, da Stellwerke

mit S-Bahn-eigenem Personal kurzzeitig

nicht besetzt werden konnten. Pendelbetrieb

war die Folge.

Aber grundsätzlich ging es aufwärts.

Selbst in den heißen Sommermonaten gab

es keine weiteren Hiobsbotschaften von der

S-Bahn zu vermelden; die Pünktlichkeit kam

wieder auf Werte um 98 Prozent. Nur der ausdauernde

Regen im August brachte Störungen

an den 481ern.

Unterdessen machten Designstudien anderer

Interessenten der S-Bahn-Ausschreibung

„Ring“ für neue Züge die Runde. Auch

die DB gab im November eine Fahrzeugausschreibung

heraus – wenngleich ohne Zug -

sicherungseinrichtung à la Indusi, PZB oder

ähnlichem.

EBA-Regeln anerkannt

Seit Oktober hat die S-Bahn endlich auch

die Regeln des Eisenbahn-Bundesamtes

(EBA) zu den Fahrten ohne Zugsicherung

anerkannt. Den Einsatz von ZBS, Balisen

oder anderen Techniken hatte man über

Jahre verschleppt. Versuche im Regelbetrieb

gibt es nun auf der S1. Das EBA stimmte der

Umrüstung des Netzes von 2015 bis 2025 zu,

Wieder Zugausfälle, aber

das sind Kleinigkeiten im

Vergleich zu vorher

Etliche Geschwindigkeitsbeschränkungen bremsen die Berliner S-Bahn noch aus. Doch in der

Summe lief der Betrieb 2013 erheblich stabiler als in den Jahren zuvor

Dieter Schmitt/Bearbeitung: Anneli Nau

aber nur unter Anpassungen zum Jahreswechsel.

Diese kamen jetzt bereits zum Tragen.

Alle Baureihen dürfen im ganzen Netz

nur 80 km/h fahren (bisher waren lediglich

die 481 von 100 auf 80 km/h reduziert); vor,

an und nach Bahnsteigen gilt künftig Tempo

40, über Weichen im abzweigenden Strang

Tempo 50. Die Liste weitere Einschränkungen

ist lang. Und selbst ohne diese, sank im

Oktober und November die Pünktlichkeit

wieder. Nach dem stabilen Betrieb mehren

sich wieder Zugausfälle aufgrund von umfangreichen

Fahrzeugstörungen. Auch Verspätungen

und Ausfälle gibt es, als Folge von

zusätzlichen Wechseln der Züge, um Bremssand

zu kontrollieren und nachzufüllen.

Alles in allem sind das aber Kleinigkeiten

im Vergleich zu den massiven Störungen der

Jahre zuvor. Würden Zeitungen nicht auf das

Hick-Hack in der laufenden Ausschreibung

hinweisen, der Berliner hätte es längst vergessen.

Im Betrieb wiederum sind die

Zeichen – nach letztem Stand – recht günstig:

Die S-Bahn wird langsam wieder zum

pünktlichsten und sichersten Verkehrsträger

Berlins. Dieter Schmidt

46


Auf dem Weg von Backnang nach Stuttgart ist ein S-Bahn-Triebzug 420 im Juli 2013 bei Marbach

unterwegs. Der Abschnitt Backnang – Marbach gehört seit Ende 2012 zur Linie S 4 Zeno Pillmann

Im Juni 2013 war DB Autozug noch eine

eigene DB-Sparte (Foto: Pkw-Entladung

in Hamburg-Altona); inzwischen gehört

sie zu DB Fernverkehr Heiko Focken

Bundesverwaltungsgericht

Informationspflicht der DB

Das Bundesverwaltungsgericht in Köln

entschied im Frühjahr 2013, dass die DB AG

Reisende „aktiv“ über Zugausfälle und Ver -

spätungen zu informieren hat. In der Kon -

sequenz heißt dies, dass bis zu 1.900 kleine

Bahnhöfe bzw. Haltepunkte mit elektronischen

Anzeigern oder Lautsprecheranlagen

nachgerüstet werden müssen. Bei kleinen

Stationen mit unter 100 Reisenden am Tag

wollte die DB die Regelung noch anfechten.

Oskar Grodecke

Europäischer Gerichtshof

Ersatz bei höherer Gewalt

Europas Eisenbahnen müssen zukünftig

auch bei Verspätungen durch höhere Gewalt

Entschädigungen zahlen. Das hat der Euro -

päische Gerichtshof im September 2013

entschieden. Damit hat der Kunde bei Ver -

zögerungen durch Unwetter, Streiks, Selbst -

mörder etc. Anspruch auf eine Teilerstattung

des Ticketpreises. Die DB kündigte an, die

Vorgabe schnell umzusetzen. Der Gerichtshof

beschränkte die Regelung allein auf

Eisenbahnen; für Flug-, Schiffs- und Busverkehr

gilt sie nicht. Bela v. Derlethal

In Württemberg gibt es 2013 noch einen DB-Güter -

wagentransport auf der Straße. Zwischen Ummendorf

und Ochsenhausen werden Wagen per Lkw zu

einem Kühlgerätehersteller gebracht Felix Löffelholz

DB Regio Oberbayern

Neue Fahrzeuge bestellt

Im Juni wurde das Netz Ringzug/West NBS

an DB Regio Oberbayern vergeben. Damit

bleibt die DB Betreiber des „München-

Nürnberg-Express“ München – Ingolstadt –

Nürn berg sowie der RE-Linien München –

Ingol stadt – Treuchtlingen – Nürnberg und

Treucht lingen – Donauwörth – Augsburg.

Mit dem neuen Verkehrsvertrag, der von

Ende 2016 bis 2028 läuft, halten zugleich

neue Fahrzeuge Einzug. Für den „München-

Nürnberg-Express“ bestellt DB Regio bei

Skoda in Tschechien Doppelstock-Wendezüge

mit Elloks der Baureihe E 109, auf den

übrigen Linien sollen Bombardier-Doppelstock-Triebzüge

TWINDEXX fahren.

Toni Burger

Sauerland-Netz

Bald mit PESA-Triebwagen

Im Sommer 2013 hat DB Regio den Zuschlag

für den weiteren Betrieb des Sauerland-

Netzes erhalten. Damit fährt die DB-Tochter

über Dezember 2017 hinaus die Verbindungen

RE 17 Hagen – Kassel, RE 57 Dortmund

– Winterberg/Brilon Stadt, RB 52 Dortmund

– Lüdenscheid, RB 53 Dortmund – Iserlohn

Kurzmeldungen

Dezember 2012: Die Stuttgarter S-Bahn

wächst um die Abschnitte Marbach –

Backnang (integriert in die S 4) und

Mai chingen – Renningen (Teil der Pendellinie

S 60).

23. Januar: Die DB schließt den Haltepunkt

Burbach Mitte „auf Grund

von infrastrukturellen Mängeln“. Dieser

wurde erst am 12. Dezember 2012

eröffnet.

Januar: Die DB erhält den Zuschlag für

den RE Main-Spessart über 2015 hinaus.

März: Die DB kündigt für Dezember

2017 stündliche Doppelstock-IC Stuttgart

– Singen – Zürich an, die mit Nahverkehrsfahrkarten

genutzt werden

können.

März: In Nordrhein-Westfalen bietet

die DB einen Verspätungsalarm für

Regionalzüge an. Er informiert über

E-Mail oder Push-Mitteilung, wenn

ausgewählte Verbindungen unpünktlich

sind oder ausfallen.

März: DB Regio erhält den Zuschlag

für das Netz Ost-West in Mecklenburg-

Vorpommern. Von Ende 2014 bis 2029

betreibt die DB-Nahverkehrssparte

die Dieselverkehrslinien Lübeck – Neubrandenburg

– Stettin (bereits jetzt DB

Regio) und Bützow – Pasewalk – Ueckermünde-Stadthafen

(aktuell Ostseeland

Verkehr).

8. April: Die DB richtet unter dem Namen

„IC Bus“ neue Fernbus-Verbindungen

ein. Bedient werden die Relationen

München – Stuttgart, Köln – Frankfurt –

Nürnberg, Köln – Frankfurt – Stuttgart

und Dresden – Berlin – Hamburg.

15. April: An verschiedenen Bahnhöfen

der Schwarzwaldbahn beginnt ein

Pilotprojekt, bei dem ein Bildschirm-

Video-Verkauf kleine Fahrkarten-Verkaufsstellen

ersetzt.

1. Juni: Die DB senkt die Preise für

Anrufe. Wer die neue Servicenummer

01806 – 99 66 33 wählt, zahlt aus dem

Festnetz 20 Cent, bei Nutzung eines

Mobiltelefons 60 Cent.

9. Juni: Zum kleinen Fahrplanwechsel

wird der neue Verkehrsvertrag Elbe-

Elster gültig; DB Regio betreibt in diesem

Rahmen die Verbindungen RE 15

Dresden – Hoyerswerda, RE 18 Dresden

– Cottbus, RB 31 Dresden – Biehla und

RB 49 Falkenberg – Cottbus. Es fahren

Triebwagen 442 und modernisierte

Doppelstockwagen.

9. Juni: Die DB verkauft keine Thalys-

Fahrscheine mehr. Sie hat sich aus dem

Thalys-Konsortium zurückgezogen.

1. Juli: Das Lufthansa-Angebot AirRail

wird auf die Strecke Frankfurt Flug -

hafen – Düsseldorf Hbf ausgedehnt.

BAHN EXTRA 1/2014 47


Chronik

| PERSONENVERKEHR/GÜTERVERKEHR

DB Güterverkehr

„Flüsterbremse“ im Einbau

Offiziell seit dem 24. Juni rüstet DB Schen ker

seine Güterwagen mit den neuen, lärm -

mindernden LL-Bremssohlen aus. Die Sohlen

bestehen aus einer Metallfaser-Kunststoff-

Verbindung, welche die Radfläche nicht

aufraut und die Geräuschentwicklung beim

Bremsen um etwa die Hälfte mindert. Bis

2014 sollen 5.000 Schenker-Güterwagen die

neuen LL-Sohlen erhalten, alles in allem

stehen 60.000 Güterwagen zur Umrüstung

an. Anders als die seit 2003 zugelassene,

ebenfalls lärmmindernde Komposit-Bremssohle

lässt sich die LL-Sohle leichter mon -

tieren, da man sie ohne Umbauten gegen die

bisher üblichen Grauguss-Bremsklötze

tauschen kann (Foto oben: Bodo Schulz).

Doppeltaschenwagen im Bau

Seit dem Frühjahr 2013 stockt DB Schenker

den Wagenpark für die Beförderung

von Sattelanhängern mit neuen Doppel -

taschenwagen auf. Bis 2015 sollen 500 Wagen

des Typs Sddggmrss 738 aus slowa -

kischer Produktion in den Bestand kommen.

Außer Sattelanhängern können sie auch

Container und Wechselbehälter befördern.

Karl Laumann

Kurzmeldungen

20. Juli: Wegen Bauarbeiten wird der

Betrieb der S 6 Essen – Düsseldorf – Köln

zwischen Essen und Kettwig bis 1. September

eingestellt.

Juli: Die Polizei nimmt sechs Personen

fest, die zu einer Bande von Fahrkartenfälschern

gehören. Seit Mitte 2011 wurden

die gefälschten, auf DB-Papier gedruckten

Tickets im Rhein-Main-Gebiet verkauft;

der Schaden beträgt mindestens eine

Million Euro.

Juli: DB Regio erhält den Zuschlag für

das Dieselnetz Niedersachsen-Südost;

bis 2029 fährt sie weiter den Regionalverkehr

im Raum Göttingen/Bad Harzburg/

Northeim/Braunschweig/Salzgitter.

1. August: Zusammen mit einem

Süß warenhersteller bietet die DB bis

7. Dezember die „Toffifee DB Mitfahrerfreifahrt“

an.

Die Zeit der DB im Fährhafen Saßnitz-Mukran auf Rügen geht dem Ende entgegen. DB Netz

schrieb die Normalspur-Anbindung des Geländes einschließlich der Haupt- und Nebengleise

zur Abgabe aus. DB Schenker wollte sich zum Jahresende aus dem Fährhafen zurückziehen

und die dortige Werkstatt samt der Umspuranlage schließen Hans Lehmann

und RB 54 Unna – Neuenrade. Ende 2015

übernimmt sie zudem die RB 43 Dortmund –

Dorsten. Auf den Strecken wird die DB

erstmals Dieseltriebwagen Link II und III

des polnischen Herstellers PESA einsetzen.

Josef Kempiak

S-Bahn Hamburg

Weiter mit der DB

Am 28. Juni 2013 unterzeichneten Vertreter

der DB-Tochter S-Bahn Hamburg GmbH

und der Hansestadt den neuen Vertrag für

den Hamburger S-Bahn-Verkehr. Damit

bleibt die DB über Dezember 2018 hinaus

bis 2033 Betreiber des S-Bahn-Netzes. Als

Ersatz für die Züge der Baureihe 472/473

beschafft die S-Bahn Hamburg GmbH bei

Bombardier 60 Elektrotriebzüge der Baureihe

490; die 112 Triebzüge der Baureihe 474

werden modernisiert. Die ersten 490er sol -

len 2016 zur Verfügung stehen.

Josef Kempiak

Allianz pro Schiene

Bahnhöfe des Jahres

Im Sommer wählte die Allianz pro Schiene

Göttingen, Oberursel und Murnau zu den

Bahnhöfen des Jahres 2013. Als Großstadtbahnhof

erhielt Göttingen die Auszeichnung

mit der Begründung, es handele sich um

„Deutschlands besten Fahrradbahnhof“.

Oberursel bekam den Preis in der Kategorie

Kleinstadtbahnhöfe; laut Jury stelle er „ein

Paradies für Pendler“ dar. Der Sonderpreis

„Tourismus“ ging an Murnau, das konsequent

auf touristische Bedürfnisse ausgerichtet

sei. Oskar Grodecke

Mitteldeutsche S-Bahn

Komplett bei DB Regio

Am 1. Oktober 2013 teilte die Nahverkehrsservice

Sachsen-Anhalt mit, dass Abellio

sein Angebot für das Teilnetz 2 der Mitteldeutschen

S-Bahn zurückgezogen hat. Da -

mit übernimmt nun DB Regio die Leistungen.

DB Regio war in der Ausschreibung

gegen Abellio unterlegen, hatte aber Protest

eingelegt, woraufhin die Vergabe überprüft

wurde. Abellio begründete den Rückzug

damit, dass durch den mit der Prüfung ver -

kürzten Zeitrahmen zeitliche und ökono -

mische Risiken entstanden seien. Das Teil -

netz 2 umfasst Verbindungen in der Region

Dessau-Roßlau, Lutherstadt Wittenberg,

Leipzig, Halle, Magdeburg; pro Jahr kommen

5,6 Milionen Zugkilometer zusammen.

DB Regio ist bereits Betreiber des Teilnetzes

1. Willy Grübner

DB Autozug

Jetzt bei Fernverkehr

Zum 30. September 2013 wurde DB Autozug

von DB Fernverkehr übernommen. Damit

fungiert die Fernverkehrssparte auch

als Betreiber der Autoreisezüge (inklusive

Sylt Shuttle), der Nachtzüge sowie der

Inselbahn Wangerooge. Die Elloks von

DB Autozug (Baureihen 113, 115) kommen

zu DB Fern verkehr zurück; die 115 sollen

wieder als 110 eingereiht werden. Das Ange -

bot von Autozug bleibt zunächst bestehen,

Änderungen sind aber nicht ausgeschlossen.

Die Autoreise sparte kämpft seit Jahren

mit schrumpfendem Fahrgastaufkommen.

Luca Wilfert

48


DB Zugradar

Pünktlichkeit prüfen

Seit Mitte 2013 bietet die DB auf ihrer Inter -

netseite das so genannte Zugradar an. Unter

www.bahn.de/zugradar liefert es für ausgewählte

Züge (ICE, IC/EC, Regionalverkehr)

den Laufweg und die aktuelle Pünktlichkeit.

Zum Herbst 2013 sollten S-Bahnen folgen.

Luca Wilfert

Fahrpreise

Erhöhung im Dezember

Auch 2013 hebt die DB zum Fahrplanwechsel

die Fahrpreise an, allerdings nicht durchweg.

Im Schnitt steigen die Preise zum 15. Dezember

um 2,5 Prozent im Fernverkehr und um

2,9 Prozent im Nahverkehr; davon ausgenommen

bleiben vom Hochwasser besonders

in Mitleidenschaft gezogene Relationen

wie Köln – Berlin. Ebenso werden die

Sparpreise, die BahnCards für Jugendliche

und Senioren sowie die BahnCard 100

verschont. Der Preis von BahnCard 25 und

BahnCard 50 steigt um bis zu 2,5 Prozent,

Aufschläge gibt es auch beim Schönes-

Wochenende-Ticket (44 statt 42 Euro), bei

Von Freiburg nach

Paris ohne Umsteigen:

Seit Ende August 2013

gibt es die TGV-Ver -

bindung zwischen

der Breisgau-Stadt und

der Seine-Metropole

Heiko Focken

Am 10. August 2013

hat Ellok 186 130 auf

der letzten Etappe

D 1248 aus Saratov

übernommen und

bringt ihn nach Berlin.

Zum Fahrplanwechsel

im Dezember wird

der Zug eingestellt

Ralf Kutschke

diversen Ländertickets und Mitfahrerpreisen.

Die Sitzplatzreservierung kostet neu

4,50 Euro (bisher 4 Euro). Die DB begründet

die Preiserhöhung mit gestiegenen Per -

sonalkosten. Oskar Grodecke

Fahrkartenautomaten

Sprengstoff-Anschläge

In verschiedenen Bundesländern wurden

im Jahr 2013 Fahrkartenautomaten der DB

gesprengt, um an das Fahrgeld zu kommen.

Die Täter konzentrierten sich auf Automaten

an kleinen Bahnhöfen und nutzten ein Gas -

gemisch; der Sachschaden war meist höher

als die erbeutete Summe. Im Frühjahr

konnte die Polizei eine 15-köpfige Bande

festnehmen, die für Anschläge in Brandenburg

verantwortlich ist. Im August/September

verhaftete sie Täter in Frankfurt (Main)

bzw. in Baden-Württemberg. Letztere

wurden auch wegen Mordes angeklagt: Sie

hatten ihren Komplizen am Tatort zu -

rückgelassen, nachdem dieser bei einer

Sprengung in Wittighausen lebensgefährlich

verletzt worden war. Der Mann starb an

den Verletzungen; die Beute betrug wenig

mehr als 300 Euro. Veselin Kolev/GM

Kurzmeldungen

16. August: Beginn eines DB-Fernbus -

verkehrs Hamburg – Köln; er ist vor

allem gegen den privaten Hamburg-Köln-

Express positioniert.

26. August: Start der TGV-Verbindung

Freiburg – Paris.

August: Die DB verbessert das Reini gungs -

konzept für die ICE-Toiletten; während der

Fahrt kümmern sich nun 250 „Unterwegsreiniger“

um deren Sauberkeit.

1. September: Auf der Kiel-Schönberger

Bahn verkehren die ersten Schülerzüge

zwischen Kiel Hbf und dem Haltepunkt

Schulen am Langsee, zum Einsatz kommt

ein Dieseltriebwagen von DB Regio.

9. September: Die DB richtet interimsweise

das „Stammstrecken-Shuttle“

Hannover – Wolfsburg – Berlin ein. Die

Wagengarnitur mit zwei 218-Dieselloks im

Sand wich-Betrieb verkehrt bis 3. November

als IC über den nicht elektrifizierten

Abschnitt Stendal – Rathenow; die elek -

trifizierte Schnellfahrstrecke Hannover –

Berlin ist nach Hochwasserschäden im

Juni gesperrt.

28. Oktober: Wegen des Sturmtiefs

„Christian“ stellt die DB den Zugverkehr in

Schleswig-Holstein vorübergehend ein.

Auch einzelne Strecken in Mecklenburg-

Vorpommern werden zeitweilig gesperrt.

20. November: Wegen eines Bergbau -

schadens muss der Betrieb auf der Strecke

Köln – Duisburg – Essen – Bochum ab

Essen stark eingeschränkt werden.

15. Dezember: Mit dem Fahrplanwechsel

entfallen fast alle D-Zug-Verbindungen

nach Russland; es bleibt nur die Verbindung

Paris – Moskau.

Neu sind eine IC-Direktverbindung

München – Freiburg – Basel, ein Nacht-ICE

Dortmund – Karlsruhe – München, An -

gebotsausweitungen für Bremen – Emden

und München – Wien (jetzt Stundentakt).

Zwischen Frankfurt und Paris fahren drei

ICE und zwei TGV. Mit der Baumaßnahme

Leip zig Hbf wird das Angebot dort umfangreich

geändert.

Die Wurmtalbahn Lindern – Heinsberg

wird reaktiviert und von Zügen der RB 33

Aachen – Mönchengladbach/– Duisburg

bedient.

Die DB richtet eine neue IC-Verbindung

Aachen – Berlin ein; sie verkehrt montags

bis freitags.

Stilllegung der Strecke Pockau- Lengefeld –

Marienberg (KBS 519) für den Personenverkehr.

Das letzte, werktäglich eingesetzte

Zugpaar wird eingestellt.

Dezember: DB Regio nimmt den Reisezugverkehr

Senden – Weißenhorn wieder auf;

stündlich fährt ein Regionalzug von/bis

Ulm. F. Traser/J. Loschert/O. Grodecke/J. Mauerer

49


Chronik

| DB STRECKEN UND NETZ

Im September 2013 wird die Fahrbahnbrücke der Müngstener Brücke abgebaut,

wobei eine spezielle Krankonstruktion zum Einsatz kommt (kl. Bild). Der Zustand

des Bauwerks erweist sich allerdings als schlechter als erwartet Zeno Pillmann (2)

Kurzmeldungen

22. Januar: Das Eisenbahn-Bundesamt

(EBA) gibt Gleis 10 des Stuttgarter Hauptbahnhofs

wieder für den Verkehr frei,

allerdings nicht für Züge mit schiebender

Lok. Auf dem Gleis waren 2012 drei

Mal geschobene Wendezüge entgleist.

Januar: DB und der Bund vereinbaren

den zweigleisigen Ausbau der Strecke

Gera – Weimar.

12. Februar: Wegen Bauarbeiten im

Raum Bonn werden etliche Züge von

der linksrheinischen auf die rechtsrheinische

Strecke verlegt. Die Arbeiten

dauern bis Mai.

Februar: Auf der Franken-Sachsen-

Magistrale beginnt die DB mit den

Haupt arbeiten für die Elektrifizierung

des Abschnitts Plauen – Hof. Das

Streckenstück Reichenbach – Plauen

ist seit Ende 2012 unter Fahrdraht.

März: Die Europäische Kommission

ge nehmigt 107 Mio. Euro für den Ausbau

der Strecke Hannover – Hamburg

zwischen Stelle und Lüneburg.

2. April: Der Neubau des Eppsteiner

Tunnels an der Strecke Niedernhausen –

Frankfurt (M) geht in Betrieb.

50

Die Frischzellenkur

Auf der Müngstener Brücke fuhren 2013 nicht

viele Züge. Seit April läuft die Instandsetzung

des imposanten Stahlbauwerks; der Zugverkehr

beginnt frühestens im Sommer 2014 wieder

Eigentlich sollte die Brücke nur vom

1. April bis 3. November 2013 gesperrt

bleiben. In dieser Zeit wollte DB Netz

die auf dem Fachwerkträger ruhende Fahrbahnbrücke

austauschen. Doch zuerst

dauerte es drei Monate, bis der Abbau der

Fahrbahnbrücke begann. Und nach deren

Ab heben stellte sich heraus, dass auf der frei -

gelegten Fachwerkbrücke liegende Knotenbleche

so von Rost zersetzt waren, dass auch

diese ausgetauscht werden müssen. Da an

die Knotenbleche mehrere Stäbe anschließen,

ist dies aufwendig.

Mehr Arbeiten nötig als erwartet

Damit stand fest: Bis zum 3. November

konnte die Fahrbahnbrücke nicht wieder

hergestellt werden. Es ist davon auszugehen,

dass die Sperrung bis zum nächsten geplanten

Bauabschnitt vom 1. April bis 27. Juni

2014 fortgesetzt wird. Frühestens im Sommer

2014 werden wieder Züge das Bauwerk befahren.

Die 1897 gebaute Brücke bei Remscheid,

mit fast 500 Metern Länge und 107 Metern

Höhe ein Meisterwerk der Ingenieurskunst,

blickt auf wechselhafte Jahre zurück. Nach

dem Übergang auf die Bahn AG 1994 unterblieb

der damals notwendige Neuanstrich,

das Bauwerk rostete. Bei der Routinekontrolle

im Sommer 2009 stellte man eine mangelnde

Standsicherheit fest. Da die geforderten

Sicherheitsnachweise nicht vorgelegt

wurden, beschränkte das Eisenbahn-Bundesamt

die maximale Belastung der Brücke

auf 100 Tonnen pro Zug und die Höchstgeschwindigkeit

auf 10 km/h.

Die im September 2010 durchgeführten

Belastungsfahrten bestätigten den mangelhaften

Zustand, die Brücke wurde im No-


Einer von zwei neuen Hochleistungsschleifzügen

der DB; sie können Schienen in doppel -

ter Geschwindigkeit bearbeiten wie bisherige

Schleifzüge Hauke Hass/DB

vember 2010 ohne Vorankündigung gesperrt

und konnte erst nach dem Einbau von Verstärkungseisen

für leichte Triebwagen befristet

bis zu einer Gesamtertüchtigung wieder

freigegeben werden.

Renovierung „light“

Anfang 2012 stellte die DB das Sanierungskonzept

vor. Zwecks Kostenreduzierung

wird die Brücke nur noch eingeschränkt bis

18 Tonnen Achslast nutzbar sein – eine

„light“-Version, durch die der Güterverkehr

entfällt. Auch dazu müssen die auf der Fachwerkbrücke

aufliegende Fahrbahnbrücke

und die Rollenlager der Fachwerkbrücke

ausgetauscht werden. 700 Tonnen Stahl sind

aus-, 600 Tonnen Stahl einzubauen, ein neuer

Anstrich ist geplant. Der Kostenvoranschlag

beläuft sich auf 30 Millionen Euro.

Nach dem Beginn der Sanierungsarbeiten

wurden Mitte September die ersten Teile der

Fahrbahnbrücke angeliefert und vor Ort

zwischengelagert. Für den Einbau wurde

auf vier Drehgestellen eine Art Kran gebaut,

mit dem die Fahrbahnbrückenteile vom Bau -

platz zum Einbauort auf der Fachwerk -

brücke gefahren werden sollen.

Die Sanierung soll 2016 beendet sein, das

Bauwerk dann mit eingeschränkter Lastklasse

für 25 Jahre wieder befahrbar sein.

Erst aunlich ist, dass die Brücke in nur vier

Jahren Bauzeit errichtet wurde, die Sanierung

nur eines kleinen Teiles aber deutlich

länger dauert. Zeno Pillmann/GM

Weite gerodete Flächen passiert der ICE-T

im Frühjahr 2013 bei seiner Bergfahrt auf der

Spessartrampe Laufach – Heigenbrücken. Die

Freilegung ist die Vorarbeit für den Streckenneubau

auf diesem Abschnitt Stefan Scheiba

Sanierungsarbeiten

500 Millionen zusätzlich

Im Jahr 2013 und 2014 stellt der Bund der

DB AG zusätzlich jeweils 250 Millionen Euro

für Sanierungsarbeiten an Bahnhöfen und

Brücken zur Verfügung. Der Betrag war für

den Neu- oder Ausbau von Strecken geplant,

konnte von der DB dort aber mangels Kapa -

zitäten nicht eingesetzt werden. K. Graf

Elektronisches Stellwerk

Pilotprojekt gestartet

Am 12. Juli startete die Erzgebirgsbahn in

Annaberg-Buchholz die Erprobung einer

neuen Stellwerksbauart. In dem Pilotprojekt

sind die Signale und Weichen durch genormte

Datenschnittstellen an das Stellwerk

angeschlossen; die DB erhofft sich davon

eine einfachere Anpassung elektronischer

Stellwerke an den jeweiligen Bahnhof. Bis

2016 sind weitere Tests mit solchen Stell -

werken geplant. B. Huber

Trassennutzungspreise

Neuer Lärmzuschlag

Zum 1. Juni 2013 hat DB Netz bei den Tras -

sennutzungspreisen einen Lärmzuschlag

eingeführt. Er liegt zunächst bei einem Pro -

zent des Trassenpreises und soll in Zukunft

erhöht werden. Bei Güterzügen, deren Wa -

gen zu mindestens 80 Prozent leise Bremstechnik

besitzen, entfällt der Zuschlag. Das

Preissystem ist eine der Maßnahmen, um

den Schienenlärm bis 2020 – gemessen am

Niveau des Jahres 2000 – zu halbieren. Seit

dem Spätsommer testet DB Netz auch auf

der Strecke Dresden – Elsterwerda neue

Schienenprofile; sie sollen den Lärm beim

Rad-Schiene-Kontakt reduzieren.

K. Neuberger

Kurzmeldungen

3. April: Symbolischer Spatenstich für

den deutsch-tschechischen Lücken -

schluss Sebnitz – Dolni Poustevna.

13. Mai: Die DB erhält den ersten von zwei

neuen Hochleistungsschienenschleif -

zügen der US-Firma Loram. Die Fahrzeuge

sollen ab 2014 zum Einsatz kommen.

17.–19. Mai: Bauarbeiten auf der Schnellfahrstrecke

Fulda – Kassel-Wilhelmshöhe;

zahlreiche Fernzüge nehmen den

Weg über die alte Nord-Süd-Strecke.

26. Mai: In Stuttgart Hbf entsteht ein

neuer Querbahnsteig. Dabei verschiebt

man die Prellböcke der 16 Bahnsteiggleise

120 Meter von der Kopfbahnsteighalle

weg, um Raum für die Baugrube des Tunnelbahnhofs

zu gewinnen.

9. Juni: Mit rund sechs Wochen Verspätung

geht die sanierte Strecke Berlin –

Rostock eingleisig in Betrieb. Das zweite

Gleis soll bis Ende 2013 fertig gestellt sein.

19. Juni: Eröffnung des elektrischen Betriebs

Borna – Geithain. Zum Start verkehrt

ein Sonderzug für die Bauarbeiter,

bespannt von E 44 044.

Juni: Aufgrund von Hochwasserschäden

werden Anfang des Monats verschiedene

Strecken in Bayern, Thüringen, Sachsen

und Sachsen-Anhalt gesperrt. Auf der

Schnellfahrstrecke Hannover – Berlin

muss die DB am 10. Juni den Betrieb einstellen;

erst ab 4. November fahren dort

wieder Züge.

Juni: Zur Sanierung von vier Stahl -

brücken über die Müglitz wird die

Müglitztalbahn bis August gesperrt.

7. Juli: Aufgrund von Bauarbeiten auf der

Allgäubahn wird ein Teil des Zugverkehrs

Kempten – Buchloe über Memmingen

umgeleitet. Der Umleiterverkehr besteht

bis 29. Juli.

19. Juli: In Hohenstadt auf der Schwäbischen

Alb wird der offizielle Tunnel -

anstich für den Steinbühltunnel der Neubaustrecke

Stuttgart – Ulm veranstaltet.

29. Juli: Der zweigleisige Ausbau der

Strecke Mühldorf – Tüßling beginnt.

3. August: Wegen Personalengpässen

wird der Zugverkehr in Mainz Hbf eingeschränkt.

Der Ausnahmezustand hält bis

30. August an.

11. August: Wiederinbetriebnahme der

sanierten Strecke Plaue (Thür) – Ilmenau.

5. Oktober: Wiedereröffnung der ausgebauten

und elektrifizierten Hochrheinstrecke

Basel – Singen.

11. November: Die DB beginnt Unter -

suchungen zum Schallschutz im Mittelrheintal.

Für die Abschnitte Eltville – Leutesdorf

(rechtsrheinisch) und Bingen –

Weißenthurm (linksrheinisch) sollen

zusätzliche Maßnahmen zur Lärmsenkung

ausgelotet werden. F. Traser/K. Neuberger

BAHN EXTRA 1/2014 51


Chronik

| PRIVATBAHNEN/MUSEUMSBAHNEN

Am 26. Oktober 2013 ist der

„Ekol“-Güterzug Sache zweier

Bundesbahn-Klassiker: Die

212 249 von Lokomotion trägt

jetzt Zebra-Gewand, 217 002

von BahnTouristikExpress

vertritt das TEE-Schema (Bild

bei Garching) Florian Martinoff

Chronik 2013:

Auf den ersten Blick haben sie womöglich nicht

viel gemeinsam. Aber sowohl Privatbahnen

als auch Museen können „alte“ DB-Fahrzeuge

oft noch gut verwenden. Selbst im Jahr 2013

52


Privatbahnen

Museumsbahnen

Vix adlaudabilis catelli infeTremulus zothecas senesceret oratori. Bellus matrimonii vocificat agricolae. Aegre perspicax oratori circumgrediesenesceret

adfa catelli infeTremulus zothecas senesceret oratori. Bellus matrimonii vocificat agricolae. Perspicax oratori circumgrediesenesceret

Impressionen von 2013: KISS-Ersatz für die Ostdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft im Januar 2013 in Berlin (l.), Dampfspektakel in Meiningen im

April 2013 (M.), der bei der Eisenbahngesellschaft Potsdam eingestellte VT 670 in der Prignitz (r., April 2013) V. Emersleben (2, l. u. r.), S. Aldejohann (M.)

BAHN EXTRA 1/2014 53


Chronik

| PRIVATBAHNEN

Am 19. September 2013 stellt

die BOB den für „Meridian“

vorgesehenen FLIRT in

Rosenheim vor. Im Internet

berichtet auch schon „Paul

Pünktlich“ vom Betrieb (u.);

wann die FLIRT wirklich

fahren, ist aber noch offen

Michael Krische, BOB (u.)

Triebfahrzeugführer „Paul Pünktlich“,

Zugbegleiterin „Franzi Fröhlich“ und

Reinigungskraft „Sascha Sauber“ arbeiten

bereits hochmotiviert auf den neuen

FLIRT-Elektrotriebzügen des „Meridian“ –

allerdings nur im Internet auf www.dermeridian.de.

Dort dokumentieren sie detailliert

und begeistert fiktive Dienstschichten

zwischen München und Salzburg, Kufstein,

Rosenheim und Holzkirchen. Uhrzeiten,

Einsatzorte und Aufgaben sind laut Fußnote

beispielhaft, aber absolut realistisch.

Immer weniger realistisch erschien im

Laufe des Jahres 2013 dagegen, dass der

Meridian tatsächlich pünktlich und voll -

ständig wie geplant am 15. Dezember starten

wird. Der Auslieferungs- und damit auch der

Zulassungsprozess der 35 neuen FLIRT hat

Verspätung. Und so werden die Fahrgäste

auf den neuen Meridian-Linien anstatt mit

„Paul Pünktlich“, „Franzi Fröhlich“ und „Sascha

Sauber“ zunächst eher mit „Ernst Ersatz“,

„Christine Chaos“ und „Ingmar Improvisiert“

vorlieb nehmen müssen.

Veolia drückt DB Regio ‘raus

Rückblende: Im April 2010 schreibt die Bayerische

Eisenbahngesellschaft (BEG) die

Nahverkehrsleistungen im „E-Netz Rosenheim“

europaweit aus: 4,8 bis 5,8 Millionen

Zugkilometer pro Jahr ab Dezember 2013,

Vertragslaufzeit zwölf Jahre. Im Dezember

54

„Paul Pünktlich“

hat Verspätung

Am 15. Dezember beginnt eine neue Nahverkehrs-

Ära im „E-Netz Rosenheim“. Auf die neuen

Fahrzeuge des „Meridian“ und bessere Fahrpläne

müssen die Fahrgäste aber noch warten.

Los geht es mit einem bunten Ersatzverkehr

und ärgerlichen Kompromissen

2010 erhält der französische Verkehrsdienstleister

Veolia den Zuschlag.

Veolia bestelIt im Februar 2011 insgesamt

35 Elektrotriebzüge vom Typ FLIRT bei der

Stadler Pankow GmbH – 28 Sechs teiler mit

333 Sitzplätzen und sieben Dreiteiler mit

158 Sitzplätzen. Der Nahverkehr auf den

Strecken München – Rosenheim – Salzburg

bzw. – Kufstein und Rosenheim – Holz kir -

chen (– München) wird sich in den Farben

Blau, Weiß und Gelb unter dem Namen Meridian

präsentieren. Betreibergesellschaft

wird die Bayerische Oberlandbahn GmbH

(BOB) mit Sitz in Holzkirchen, die bislang

mit 17 Integral- und vier Talent-Dieseltriebwagen

von München nach Bayrischzell,

Lenggries und Tegernsee fährt.

In den Fokus von Presse, Öffentlichkeit

und schließlich auch der Politik gerät der

Meridian im Frühjahr 2013 – wegen Unstimmigkeiten

bei der gegenseitigen Tarifanerkennung

mit der DB. Monatelang verweist

die BOB bei Anfragen auf „laufende Verhandlungen“.

Zu den Tarifdiskussionen gesellen

sich aber immer mehr Gerüchte über

Verzögerungen bei den Zügen und somit


Seit September 2013 läuft der

Zugbetrieb auf der Strecke Bad

Krozingen – Münstertal elektrisch.

Die Südwestdeutsche Eisenbahn-

Gesellschaft hat dafür neue Triebzüge

Talent 2 beschafft V. Emersleben

Mit „Dispolok“-Verweis

ist ES 64 U2 002

im Juni 2013 im

Einsatz, als sie einen

Messzug von DB

Systemtechnik auf

der Strecke Stuttgart

– Ulm befördert

Lothar Köder

Noch bis Oktober

2014 wirbt 140 002

der evb/MWB für

die Dienste des

Solarenergieunternehmens

SunRail.

Dann steht die

Hauptunter -

suchung an, bei der

die Bundesbahn-

Lok in den Aus -

lieferungszustand

versetzt werden soll

Jürgen Hörstel

eine Gefährdung des geplanten Betriebsstarts.

Die BOB dementiert.

Anfangs wird es bunt – und eng

Am 19. September präsentieren die BOB und

Stadler Pankow im Bahnhof Rosenheim den

ersten FLIRT – und es wird endlich Klartext

gesprochen. Die Anerkennung der DB-Tarife

ist fixiert, die vollständige Betriebsaufnahme

zum Fahrplanwechsel dagegen unmöglich.

Nur 20 statt 35 FLIRT werden anfangs zur

Verfügung stehen – rechtzeitige Zulassung

ungewiss. Weil seit Frühjahr 2013 von der

Genehmigungs behör de ein neues Nachweisverfahren

zur Festigkeit von Radsätzen

gefordert werde, sei es zu Auslieferverzögerungen

gekommen.

Für die nachfragestärkste Relation München

– Salzburg wird ein illustres Ersatzkonzept

gebastelt: Es besteht aus KISS-Doppelstocktriebwagen

der Ostdeutschen Eisenbahn

(ODEG), den Ellok-Baureihen 1142

(ÖBB) und 193 (Siemens Vectron), aus österreichischen

Schlierenwagen entstandenen

„City-Shuttle-Garnituren“ und ehemaligen

Abteilwagen der DB, die nach Intermezzi als

InterConnex und Flensburg-Express inzwischen

als Fahrzeugreserve auf der Marschbahn

dienen. DB Regio hilft mit drei n-

Wagen-Garnituren im 111er-Sandwich aus.

Die auf der Strecke bis zum Fahrplan -

wechsel eingesetzten Doppelstockwagen

sind ab dem 15. Dezember anders verplant.

Dieselstart im „E-Netz“

Mitte November, vier Wochen vor dem geplanten

„Betriebsstart light“, stehen drei

FLIRT für Probe- und Schulungsfahrten zur

Verfügung. Eine Zulassung für den Fahrgasteinsatz

scheint in weiter Ferne. Im Online-

Fahrplan der DB finden sich noch immer die

Vollkonzept-Fahrpläne, die bereits beim Er-

scheinen Mitte Oktober Makulatur waren.

Die BOB strickt mit heißer Nadel an Ersatzkonzepten

auch für die anderen Linien.

Man kratzt zahlreiche Talent- und Desiro-

Triebwagen zusammen, die mit dem Fahrplanwechsel

bei diversen Privatbahnen in

Deutschland entbehrlich werden. Im Inn tal

und im Mangfalltal wird das „E-Netz“ also

erst einmal verdieselt.

Die Politik fordert und die BOB verspricht,

ab Fahrplanwechsel zumindest den Status

Das Fahrtangebot wird

aufrecht erhalten – aber

nicht das Platzangebot

Quo des bisherigen Fahrtenangebots – wohlgemerkt

nicht des Platzangebotes! – aufrecht

zu erhalten. Es wird also anfangs nicht nur

bunt, sondern auch eng werden für die Fahrgäste,

ehe im Laufe des Jahres 2014 nach und

nach ein Upgrade auf das eigentliche Fahrplan-

und Fahrzeugkonzept folgt – und

„Ernst Ersatz“ und „Christine Chaos“ von

„Paul Pünktlich“, „Franzi Fröhlich“ und „Sascha

Sauber“ hoffentlich abgelöst werden.

Noch keine Betriebswerkstatt

„Ingmar Improvisiert“ wird dagegen noch

mindestens bis ins Jahr 2015 beim Meridian

an Bord bleiben. Frühestens dann wird die

noch zu bauen de Betriebswerkstatt für die

FLIRT in München-Giesing zur Verfügung

stehen. Bis es soweit ist, sollen kleinere

Instandhaltungs arbeiten in einer Behelfswerkstatt

in Freilas sing durch geführt

werden. Für größere Arbeiten müssen die

neuen Züge dagegen in eine provisorische

Werkstatt in Regensburg überführt werden.

Das ist von München – und dem E-Netz – auf

der Schiene rund 140 Kilometer entfernt.

Michael Krische

Abellio

Neue Leistungen

Das Bahnunternehmen Abellio erbringt

ab Dezember 2015 die Verkehrsleistungen

im E-Netz Saale-Thüringen-Südharz.

Insgesamt geht es um 9,2 Millionen Zug -

kilometer im Jahr, die im Raum Halle/

Leipzig/Erfurt/Kassel-Wilhelmshöhe

gefahren werden. Für die Leistungen

sollen 350 Mitarbeiter ein gestellt werden.

An welchem Standort Werkstatt und

Verwaltung entstehen, ist noch offen. Für

die Verkehrsleistungen gründet Abellio

ein Tochterunternehmen; als Fahrzeuge

sind Talent-2-Triebzüge vorgesehen. Ab

2016 betreibt Abellio auch die Linien

RB 33 von Mönchengladbach nach Wesel

und RB 35 von Düsseldorf grenzüberschreitend

ins niederländische Arnheim.

Eisenbahngesellschaft Potsdam

Aktivitäten ausgeweitet

Die Eisenbahngesellschaft Potsdam

(EGP) hat im Dezember 2012 die Nahverkehrsleistungen

des Netzes Prignitz

übernommen. Für zwei Jahre bedient sie

die RB 73 Pritzwalk – Kyritz – Neustadt

(Dosse) und RB 74 Meyenburg – Pritzwalk

im Auftrag des Verkehrsverbundes

Berlin-Brandenburg (VBB). Zuvor war

dort die Prignitzer Eisenbahn (PEG)

aktiv. Zum Einsatz kommen unter ande -

rem Doppelstocktriebwagen der Baureihe

670. Daneben hat die EGP im

Dezember 2012 die Ostdeutsche Eisenbahn

(ODEG) auf der Strecke Neustrelitz

– Mirow abgelöst. Dort verkehrte zunächst

„Ferkeltaxe“ 172 001, ab Anfang

Juni 2013 dann der NE81-Triebwagen

VT43, ehemals bei der Mandaubahn.

BAHN EXTRA 1/2014 55


Chronik

| PRIVATBAHNEN

Vier Mal Eisenbahngesellschaft Potsdam in

Pritzwalk: Diesellok 221 106 ist mit den

Kesselwagen auf dem Weg nach Wittenberge,

798 610 pendelt im Schülerverkehr nach

Putlitz und auch die Doppelstöcker 670 006

und 007 sind im Einsatz Michael Reimer

Kurzmeldungen

Januar: RheinCargo und NIAG erhalten

einen Transportauftrag zwischen Nordseehäfen

in Belgien und den Niederlanden

sowie Kraftwerken im Ruhrgebiet

und an der Saar. Bis Ende 2014 befördern

sie 6,5 Mio. Tonnen Importkohle.

22. Februar: Die in TEE-Farben lackierte

Diesellok 217 002 hat ihre Hauptunter -

suchung erhalten. Sie fährt fortan für

BTE BahnTouristikExpress.

29. April: Der Hamburg-Köln-Express

erweitert das Zugangebot. Wochentags

fahren nun drei Mal pro Tag Züge

zwischen Hamburg und Köln.

April: Der japanische Mitsui-Konzern

beschließt die Umfirmierung der deutschen

MRCE Dispolok in die Mitsui

Rail Capital Europe (MRCE); damit ver -

schwindet die Marke Dispolok.

6. Mai: Der Bundestag bewilligt die

Förderung Nichtbundeseigener Eisenbahnen

mit mindestens 25 Millionen

Euro jährlich; der Bundesrat muss noch

zustimmen. Der Verband Deutscher

Verkehrsunternehmen gibt den Finanzbedarf

der Nichtbundeseigenen Bahnen

mit 150 Millionen Euro pro Jahr an.

5. Juli: Für National Limited werden die

ersten Garnituren des Bundesbahn-

Triebzugs 403/404 von Halberstadt zur

Aufarbeitung in die Netinera-Werkstatt

Neustrelitz überführt. Die weiteren

Fahrzeuge folgen im September.

28. Juli: Die Bocholter Eisenbahn stellt

die von der DB übernommene 295 057 in

ihrer neuen Lackierung vor.

15. August: Die Nordwestbahn verteilt in

ihrer Regio-S-Bahn kostenlos Speiseeis.

August: Das ozeanblau-beige Krokodil

194 178 von Rail4U wird bei einem Aufstoß

durch eine Rangiereinheit beschädigt.

Die Instandsetzung übernimmt die

Werkstatt Uwe Adam in Eisenach.

56

Städtebahn Sachsen

Bis 2024 im Dieselnetz

Auch die zweite Ausschreibung für das

Dieselnetz des Verkehrsverbunds Oberelbe

(VVO) ging an die Städtebahn Sachsen.

Sie ist damit bis 2024 der Betreiber. Pro Jahr

erbringt sie rund 1,7 Millionen Zugkilo -

meter auf den Strecken Dresden – Königsbrück,

Dresden – Kamenz, (Dresden -)

Heidenau – Altenberg und Pirna – Neustadt –

Bad Schandau; ab 2014 soll die Strecke

von Sebnitz nach Dolní Poustevna in

Tschechien dazu kommen.

Westfalenbahn

Los Mittelland gewonnen

Ende 2015 löst die Westfalenbahn die DB

im Regionalverkehr Emsland-Mittelland

(EMIL) ab. Auf den RE-Linien von Rheine

bzw. Bielefeld über Hannover nach Braunschweig

(RE 60 und RE 70) wird sie Doppelstock-Triebzüge

einsetzen. Die Westfalenbahn

hat die Ausschreibung mit jährlich

drei Millionen Zugkilometer Ende 2012

gewonnen.

Erfurter Bahn

Kissinger Stern bleibt

Auch über Dezember 2014 hinaus fährt die

Erfurter Bahn die Nahverkehrsleistungen

im so genannten Kissinger Stern, also

zwischen Schweinfurt Stadt und Gemünden

(Main) sowie Meiningen.

Am 28. Juli 2013 stellt die Bocholter

Eisenbahn die von der DB übernommene

und in den Hausfarben

lackierte 295 057 vor; die Lok zeigt

sich bei der Hespertalbahn

Marcus Henschel

Im Jahr 2013 wurden die Kohlen -

lager des ehemaligen Bergwerk West

in Kamp-Lintfort leer gefahren.

Im Februar schleppt RBH 830 einen

solchen Zug von Kamp-Lintfort

Richtung Moers Philipp Kuhenne

Erixx

Zuschlag für DINSO-Netz

Das Bahnunternehmen Erixx, Tochter

der Osthannoverschen Eisenbahnen (OHE),

erhielt den Zuschlag für das Los 2 des Die -

selnetzes Niedersachsen-Südost (DINSO).

Auf den Strecken Hannover – Hildesheim –

Bad Harzburg, Braunschweig – Uelzen,

Braunschweig – Goslar/Bad Harzburg

und Lüneburg – Dannenberg löst sie im

De zember 2014 die DB ab. Die Fahrzeuge –

28 Coradia LINT 54 – stellt die Landesnahverkehrsgesellschaft

Niedersachsen.

Hohenzollerische Landesbahn

Schienenbusse an SAB

Die Hohenzollerische Landesbahn (HzL)

gab 2013 ihre letzten MAN-Schienenbusse

ab. Der Restbestand von drei Triebwagen

und einem Steuerwagen wurde an die

Schwäbische Alb-Bahn (SAB) verkauft.

National Express/IntEgro Verkehr

RE 7 und RB 48 gewonnen

Die Bietergemeinschaft aus National

Express Rail und IntEgro Verkehr gewann

im Februar 2013 die Nahverkehrsleistungen

auf den Linien RE 7 (Rheine – Münster –

Köln – Krefeld) und RB 48 (Wuppertal-

Oberbarmen – Köln – Bonn-Mehlem).

Betriebsstart ist im Dezember 2015. Dafür

bestellte NationalExpress bei Bombardier

35 Elektrotriebzüge des Typs Talent 2.


Mit leichter Verzögerung begann im Januar 2013 der Einsatz der KISS-Triebzüge der Ostdeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (ODEG). Mittlerweile

gehören sie zum Bahn-Alltag im Raum Berlin; im April 2013 ist eines der Doppelstock-Fahrzeuge beim Hauptbahnhof unterwegs Volker Emersleben

Kaminski Waggonbau

Bw Hameln gekauft

Im Februar 2013 hat die DP Deutsche Privat -

bahn das frühere Bw Hameln an Franz

Kaminski Waggonbau verkauft. Die Fahrzeuge

der DP wurden Anfang März nach

Altenbeken gebracht.

Pressnitztalbahn

140er jetzt bei PRESS

Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft

Pressnitztalbahn mbH (PRESS) holte

sich 2013 „neue“ Elloks der DB-Baureihe

140. Die Privatbahn übernahm am 17. April

140 810 (neu als 140 041 bezeichnet) und

140 834 (neu 140 042).

SunRail

140 002 als Werbelok

Am 25. Mai wurde in Halle (Saale) Ellok

140 002 als Werbeträger der SunRail vor -

gestellt. Die österreichische Designerin

Gudrun Gablinger hatte die Folien für die

1957 gebaute ehemalige Bundesbahn-Lok

gestaltet. Das Unternehmen belegt Dach -

flächen, zum Beispiel Werkstatthallen von

Verkehrsunternehmen, mit Solaranlagen;

es will rechnerisch so viel Energie auf

alternativem Weg erzeugen, wie die Lok

bei ihren Einsätzen benötigt. Nach dem

Fristablauf im Oktober 2014 soll 140 002,

die für MWB/evb fährt, eine Hauptunter -

suchung erhalten und in den Ablieferungszustand

versetzt werden.

ITL

Werkstatt in Pirna

Am 27. Juni hat die ITL Eisenbahn der Cap -

train-Gruppe ihre Werkstatt in Pirna eröffnet.

Die Privatbahn hat in den Neubau sechs

Millionen Euro investiert. Die Werkstatt -

halle hat vier Gleise, teils mit Seiten arbeits -

gruben. Es gibt ein Messgleis, Hubwerke,

zwei Portalkräne und einen Dach arbeits -

stand. Der Standort mit 50 Mitarbeitern soll

neben eigenen Fahrzeugen auch Fremd -

fahrzeuge auftragsweise warten. Bisher

unterhielt ITL seine Fahrzeuge im Ringlokschuppen

in Kamenz.

Mittelweserbahn

Übernahme durch evb

Zum September 2013 ging die Mittelweserbahn

(MWB) vollständig an die Eisenbahnen

und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser (evb).

Bereits seit 2010 gehörte die MWB mehr -

heitlich zur evb; die Firmengründer waren

aber noch als Minderheitsgesellschafter

beteiligt. Die Logos beider Bahnen trägt

unter anderem 140 761; die ex-DB-Ellok

war von der Privatbahn übernommen und

farblich neu gestaltet worden.

Karl-Heinz Siebert

Kurzmeldungen

August: Die Osthannoverschen Eisenbahnen

verkaufen ihre vier „Blue Tiger“

an die Havelländische Eisenbahn. Übrig

bleibt der „Red Tiger“ 250 001.

28. September: Die Südwestdt. Eisenbahn-Gesellschaft

eröffnet den Elektrobetrieb

Bad Krozingen – Münstertal.

September: Die Westbahn aus Österreich

stellt die Bedienung von Freilassing ein.

8. Dezember: Die Thalys-Leerfahrten

Essen – Köln sollen fortan als Plan fahrten

für Fahrgäste dienen.

15. Dezember:

Zum Fahrplanwechsel gibt es

mehrere Betreiberwechsel:

– im E-Netz Rosenheim nimmt die

Bayerische Oberlandbahn unter dem

Namen „Meridian“ den (Ersatz-)

Betrieb auf; sie löst die DB ab

– Abellio ersetzt die DB auf der Relation

Wuppertal – Remscheid – Solingen

(RB 47, „Der Müngstener“)

– die Strecken Kreiensen – Holzminden

und Göttingen – Bodenfelde fallen

von der DB an die NordWestBahn

– die Erfurter Bahn verliert ihre Leistungen

zwischen Gotha, Leinefelde und

Kassel-Wilhelmshöhe an die DB;

Die DB ist nicht mehr an der Regiotram

Kassel beteiligt. Betreiber sind die Kasseler

Verkehrs-Gesellschaft (KVG) und die

Hessische Landesbahn (HLB).

Karl-Heinz Siebert/S. Weber

BAHN EXTRA 1/2014 57


Chronik

| MUSEUMSBAHNEN

97 501 dampft wieder! Im September 2013 bespannte die

aufgearbeitete Württembergerin Sonderzüge auf der Strecke

Schorndorf – Welzheim; noch muss sich die Zahnrad-

Dampflok mit Adhäsionsstrecken begnügen Zeno Pillmann

Mehr auf der

97 501 ist zurück !

Im Mai 1962 musste sie Schienenbussen weichen, im Oktober

2013 zog sie erstmals wieder Personenzüge. Die Inbetriebnahme

der Zahnrad-Dampflok 97 501 ist ein großer Erfolg des württem -

bergischen Vereins ZHL. Die nächsten Planungen laufen schon

Eine Sensation war 2013 die Wiederinbetriebnahme

einer normalspurigen

Zahnrad-Dampflokomotive. 97 501

ist die einzige deutsche betriebsfähige Zahnrad-Dampflok

und zudem eine der wenigen

überhaupt erhalten gebliebenen Dampf -

lokomo tiven württembergischer Bauart.

Gerade bei einer Zahnraddampflok ist die

scheinbar komplizierte Antriebstechnik der

Dampfmaschine eindrucksvoller sichtbar.

Insbesondere, wenn in langsamer Fahrt beim

kombinierten Reibungs- und Zahnrad -

betrieb sowohl das Hochdruck-Reibungstriebwerk

auf die Treib- und weiter auf die

Kuppelachsen arbeitet und in doppelter Geschwindigkeit

gegenläufig das Niederdruck-

Zahnradtrieb auf die Blindwelle und von dort

auf die Zahnräder wirkt. Mangels passender

58

Zahnradstrecke ist das derzeit noch nicht zu

erleben.

Die Zahnrad-Dampflok wurde Anfang

1923 unter der Betriebsnummer Z 555 in

Dienst gestellt. Sie gehörte zur württembergischen

Gattung Hz, von der Deutschen

Die Lok wurde 1965 als

Denkmal am Bahnhof

Münsingen aufgestellt

Reichsbahn-Gesellschaft wurde sie wenig

später als 97 501 bezeichnet. Insgesamt baute

die Maschinenfabrik Esslingen vier Lokomotiven,

von denen noch zwei weitere im

Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen

(97 502) und im Deutschen Technikmuseum

Berlin (97 504) erhalten sind. Bis zu ihrer Ab-

stellung war die 97.5 auf der mit 100 Promille

geneigten Zahnradstrecke Honau – Lichtenstein

und den anschließenden Reibungs -

strecken im Einsatz. Die Zahnrad-Dampf -

lokomotiven wurden im Mai 1962 durch

die Zahnrad-Schienenbusse der Baureihe

VT 97.9 abgelöst. 97 501 wurde nach der Ausmusterung

zunächst 1965 als Denkmal am

Bahnhof Münsingen aufgestellt, 1975 gelangte

sie nach Tübingen, 1976 nach Reutlingen

und wurde 1978 verkauft, um in Obern -

zell bei Passau zur Erinnerung an die dortige

bayerische Zahnradstrecke als Denkmal

aufgestellt zu werden.

Der ZHL wird aktiv

Im Jahr 1985 gründete sich der Verein

Freunde der Zahnradbahn Honau – Lichten-


Ungewöhnliche Aufgabe für die Schienenbusse der Pfalzbahn: Im Zusammenhang

mit dem eingeschränkten Betrieb des Mainzer Hauptbahnhofs fuhren sie Ende

August neu eingelegte Schülerzüge zwischen Nieder-Olm und Alzey Dr. Frank Halter

Kurzmeldungen

„20 Jahre Pollo“ hieß es 2013: Das feierte die Museumsbahn in und um Lindenberg mit diversen

Veranstaltungen, hier einer Sonderfahrt mit der sächsischen IV K 99 574 im Frühjahr Niels Kunick

stein e.V (ZHL). Er hatte das Ziel, 97 501

wieder in Betrieb zu nehmen sowie die 1969

stillgelegte und anschließend abgebaute

Zahnradstrecke aufzubauen. Passend zur

Zahnraddampflok wurden mehrere Zahn -

rad schienenbusse mit Steuerwagen sowie

ein Zug aus Nebenbahnpersonenwagen der

Reichsbahn („Donnerbüchsen“) beschafft.

1986 überführte man die Lok nach Tübingen,

wo die Arbeiten am Fahrwerk begannen. Der

Kessel wurde später im Werk Meiningen aufgearbeitet.

Aufarbeitung seit den 90er-Jahren

Anlässlich des zehnjährigen Vereinsjubiläums

1995 konnte der Verein die Tenderlok

erstmals der Öffentlichkeit zeigen. 1999

musste die Wiederaufarbeitung nach Reutlingen

verlegt werden. Im Oktober 2012

setzte man erstmals die Lokomotive unter

Dampf, im März 2013 wurde das Zahnradtriebwerk

fertig gestellt. Da die Zahnräder

aus dem Fahrzeugprofil herausragen, verzichtete

man mangels passender Zahnradstrecke

zunächst auf den Einbau des Zahnrades.

Der erste Einsatz mit Personenbe -

förderung fand auf der Anschlussbahn in

Reut lingen im August 2013 statt, als Reisezugwagen

dienten zwei Steuerwagen VS 97.

Der erste Einsatz auf öffentlicher Strecke

folgte am 8. September 2013 auf der Schwäbischen

Waldbahn Schorndorf – Welzheim,

nachdem am Tag zuvor die Lokomotive

ei nen Fotogüterzug gezogen hatte. Etliche

Eisenbahnfreunde ließen sich diese Besonderheit

nicht entgehen. Für das Jahr 2014

sind weitere Einsätze in Württemberg vorgesehen.

Der engagierte Verein ZHL denkt

inzwischen weiter: Der Wiederaufbau der

Zahnradstrecke Honau – Lichtenstein ist

sein nächstes Ziel. Dann würde 97 501 nicht

nur in den (Museums-)Betrieb zurück keh -

ren, sondern auch auf ihre einstige Stammstrecke.

Zeno Pillmann/GM

18. Dezember 2012: V 160 002 des

DB Mu seums wird zur Aufarbeitung und

Hauptuntersuchung ins Netinera-Werk

Neu strelitz gebracht.

Dezember: Nach Auflösung des Profit-

Centers „TEE Rheingold“ kommt E 10 121

wieder zum DB Museum Koblenz-Lützel.

110 468 und 488 gehören nun der Westfrankenbahn,

um die ex-Bundesbahn-Elloks

kümmert sich weiterhin die BSW-Gruppe

Villingen/Rottweil.

Dezember: Gründung des Vereins „Eisenbahn

Nostalgiefahrten Bebra“; er geht zum

Teil aus dem ehemaligen Verein „Dampfmacher

Bebra“ hervor.

Januar: Die Werkstatt der Vulkaneifelbahn

beginnt die Aufarbeitung des VT 95 906,

eines von zehn Vorserien-Schienenbussen

der Bundesbahn.

Januar: Das Bayerische Eisenbahn-Museum

kauft das ehemalige Bw Nördlingen

als Museumsgelände; bisher nutzte es

das Areal nur als Pächter. Außerdem hat

der Verein den 1928 gebauten Speisewagen

1029 restauriert und wieder in Betrieb

genommen.

Januar: Wegen Mängeln am Kessel muss

der Verein „Landeseisenbahn Lippe“ die

Dampflok „Emil Mayrisch N.3“ abstellen.

12. Februar: Die Dampflokfreunde Salz -

wedel erhalten von der Mitteldeutschen

Eisenbahngesellschaft zwei Dauerleihgaben.

Es handelt sich um die Dieselloks 103

(vormals 204 774) und 137 (232 500).

1. März: Dampflok 99 715 kommt nach

der Hauptuntersuchung in Meiningen

zur Preßnitztalbahn in Jöhstadt zurück. Es

handelt sich um die aktuell einzige einsatzbereite

sächsische VI K.

4. März: Lok 52 8080 der Ostsächsischen

Eisenbahnfreunde wird wegen Fristablaufs

abgestellt.

21. März: Der Förderverein Schienenbus

Menden schließt die Hauptuntersuchung

der Fahrzeuge 796 690, 796 802, 996 299 und

996 309 ab.

23./24. März: Beim Eisenbahnfest im

Traditions-Bw Staßfurt präsentiert die

IG Dampflok die wieder betriebsfähige

Schlepptenderlok 41 096.

30. März – 1. April: Zum Jubiläum „40 Jahre

Eisenbahnfreunde Zollernbahn (EFZ)“

verkehren mehrere Dampfzüge, vor allem

auf dem Netz der Hohenzollerischen

Landesbahn im Raum Gammertingen.

30. März: Bei den Osterfahrten Oschatz –

Mügeln gibt es an der sächsischen I K 54

einen Triebwerksschaden. Die Lok wird

repariert und steht ab 10. August wieder

für Sonderfahrten zur Verfügung.

11.–13. April: Plandampfbetrieb der

IGE Werrabahn zwischen Eisenach und

Meiningen mit den Dampfloks 44 1486,

44 2546 und 41 1144.

BAHN EXTRA 1/2014 59


Chronik

| MUSEUMSBAHNEN

Kurzmeldungen Voraussichtlich 2014 soll ET 167 072

als S-Bahn-Museumszug Besucher

zu den Berliner Sehenswürdigkeiten

bringen. Im Jahr 2013 wurde er erst

einmal selbst gebracht, nämlich

zwecks Hauptuntersuchung zur

Werkstatt des Fahrzeugwerks

Miraustraße Sebastian Schrader

16. April: Probefahrt des wieder auf -

ge arbeiteten Dieseltriebwagens VT 42

(ex Akku-Triebwagen der Baureihe 515).

Das Fahrzeug der Schienenflieger KG ist

für Sonderfahrten vorgesehen.

April: Wegen Oberbauschäden wird die

Begatalbahn Barntrup – Lemgo gesperrt;

damit hat die Strecke Rinteln Süd –

Barntrup der Extertalbahn keinen Anschluss

mehr ans Schienennetz der DB.

April: Die Usedomer Bäderbahn verleiht

die „Ferkeltaxen“ 971 605 und 971 669

an den Lausitzer Dampflok-Club, der

sie in seinem aus „Ferkel taxen“ ge -

bildeten „Teichland-Express“ einsetzt.

April: Im Verein „Osthavelländische

Kreisbahnen“ gründet sich die „Dampflokgemeinschaft

Brandenburg“.

4. Mai: Zum Jubiläum „20 Jahre Pollo“

verkehren bis 12. Mai zahlreiche Sonderzüge

auf der 750-Millimeter-Bahn in

und um Lindenberg in Brandenburg.

Eingesetzt werden unter anderem die

Gastloks 99 4511, 99 574 und 99 608.

Weitere Veranstaltungen folgen; so fährt

am 30. Oktober und 2./3. November

nochmals 99 608 Sonderzüge.

6. Mai: Die Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde

Lüneburg nimmt Trieb -

wagen DT 0504 (ex Osthannoversche

Eisenbahnen) und den „Samba-Wagen“

1990 wieder in Betrieb.

19. Mai: Die Niederlausitzer Museums -

eisenbahn stellt die Nassdampflok „Gerresheim“

ab. Kurz vor Fristablauf hat

die Maschine einen Rohrdefekt erlitten.

26. Mai: Bei der Extertalbahn fährt

erstmals nach viereinhalb Jahren wieder

Ellok 22. Das 1927 gebaute Fahrzeug

erhielt zuvor eine Hauptuntersuchung

und bespannt Züge auf dem Abschnitt

Bösingfeld – Alverdissen.

Mai: 98 507, bis dato Denkmallok in

Ingolstadt, wird vorübergehend nach

Greißelbach gebracht. Auf dem Gelände

der Firma Bögl soll sie bis August an das

125-jährige Jubiläum der Strecke Neumarkt

– Beilngries mit der Zweigstrecke

Greißelbach – Freystadt erinnern.

Mai: 52 8087, jahrelang in Neuoffingen

abgestellt, kommt mit einer Überführung

nach Gladenbach bei Marburg. Als

privates Exponat steht die rollfähig aufgearbeitete

Lok fortan in einer Halle.

8./9. Juni: Sommerfest beim DB Museum

Koblenz-Lützel.

10. Juni: Die Formsignalbrücke des

Bahnhofs Müncheberg erhält einen Platz

bei der Buckower Kleinbahn; als Denkmal

steht sie nicht weit entfernt von der

ehemaligen „Wirkungsstätte“.

11. Juni: 103 184 wird zum Eisenbahnmuseum

Darmstadt-Kranichstein überführt,

bleibt aber nur bis 19. November.

60

Eisenbahn für die Jüngeren: Im

Januar 2013 eröffnete das neue

„KinderBahnLand“ im DB Museum

Nürnberg Christian Gloel

Museum Neuenmarkt-Wirsberg

DDM mit neuem Konzept

Seit dem 18. Mai 2013 empfängt das Deutsche

Dampflokomotiv-Museum (DDM) in

Neuenmarkt-Wirsberg seine Besucher mit

einem neuen Konzept. An diesem Tag

wurde das inzwischen kommunal geführte

Museum nach der Umgestaltung wieder

eröffnet. Der Zweckverband DDM schuf ein

modernes Freilicht- und Industriemuseum

im historischen Umfeld, das unter dem

Motto „Eisenbahnerlebnis mit Vergangenheit,

Gegenwart und Zukunft“ steht. Dabei

wurde die Fahrzeugausstellung nach

museumspädagogischen Erkenntnissen

überarbeitet und neu konzipiert. Die Außenanlagen

des ehemaligen Bahnbetriebswerks

präsentieren sich nun saniert und mit einem

Lehrpfad. Die historischen Gebäude wie

der Lokschuppen wurden teilsaniert, der

„Rundweg durch das Eisenbahnerdorf

Neuenmarkt“ und der „Lehrpfad Schiefe

Ebene“ ins Museumskonzept integriert.

Das Museum beherbergt derzeit unter

anderem 22 normalspurige Dampfloks.

Martin Weltner/GM

Die preußische P 8 „Posen“ fuhr 2013 zeitweise

für die Stadt Blumberg den kommunalen

Museumszug auf der Wutachtalbahn T. Böhme

Sauschwänzlebahn

Mit „Kommunalverkehr“

Neues bei der „Sauschwänzlebahn“: Zum

April 2013 verkehrte erstmals der von der

Stadt Blumberg betriebene „kommunale“

Museumszug. Er fährt jeweils unter der

Woche und ergänzt das Angebot des „privaten“

Museumszugs des Vereins Wutachtalbahn,

der wochenends zum Einsatz kommt.

Damit können die Veranstalter in der Fahr -

saison von April bis Oktober über die ganze

Woche hinweg Dampfzüge anbieten. Zu

diesem Zweck mietete die Stadt Blumberg

im Frühjahr 2013 bei der DBK Historische

Bahnen einen Zug an, der mit 52 7596 der


Fotozug-Impressionen 2013: oben historische Reichsbahn-Atmosphäre mit 50 3708 am

Ablaufberg beim Traditionsbahnbetriebswerk Staßfurt (Ende Januar), unten historische

Bundesbahn-Atmosphäre mit der wieder betriebsfähigen E 18 047 und einer 70er-Jahre-

Garnitur auf der Strecke Lichtenfels – Bamberg (3. August) Peter Güttner (oben), Christian Gloel (unten)

Eisenbahnfreunde Zollernbahn bzw. 64 419

und 212 084 der DBK bespannt wurde. Ab

Mai setzte die Stadt Blumberg Dreiachser-

Umbauwagen aus eigenem Besitz und DBK-

Eilzugwagen mit der preußischen P 8 2455

Posen als Leihlok ein. Ab 2014 soll Lok 262

(ex Frankfurt-Königsteiner Eisenbahn) den

kommunalen Museumszug ziehen. Die

Tenderlok kam im Februar/März 2013 vom

schweizerischen Huttwil zur Aufarbeitung

ins Werk Meiningen. Das Personal des

„kommunalen Zugs“ wird von der Stadt

Blumberg bezahlt. Vincent Volf

Erlebniswelt Horb

Vier Neuzugänge

Vier neue Exponate konnte die Eisenbahn-

Erlebniswelt Horb im Jahr 2013 begrüßen.

Neu im Ausstellungsbestand sind der Ber -

liner S-Bahn-Triebwagen 477 601/877 601,

die Dampflok 50 3636 (ex DR, jetzt GES), die

Tenderlok 16 (ex Hohenzollerische Landesbahn,

jetzt GES) und die Ellok 1316 der Nie -

derländischen Eisenbahnen. Vincent Volf

DB/Stiftung Deutsche Eisenbahn

01 150 unter Dampf

Am 23. Mai 2013 übernahm die Stiftung

Deutsche Eisenbahn im Werk Meiningen

offiziell 01 150. Die Stiftung ist der künftige

Betreiber der Schnellzugdampflok, die zum

Bestand des DB Museums gehört. Die Lok,

deren Aufarbeitung maßgeblich vom

ehemaligen Lokführer Olaf Teubert vorangetrieben

wurde, hat jetzt ihren Heimatstandort

im Museums-Bw Heilbronn.

Moritz Müller

Uerdinger Schienenbus

Gescheiterte Sanierung

Der bei der Realschule in Kißlegg im Allgäu

abgestellte Uerdinger-Schienenbus-Steuerwagen

998 828 wird wohl verschrottet. Er

steht einem Erweiterungsbau der Schule im

Weg. Sämtliche Bemühungen von Gemeinde

und Schule zum Erhalt des Fahrzeugs hatten

keinen Erfolg, so dass der Gemeinderat

den „Colum-Bus“ genannten Steuerwagen

Kurzmeldungen

21. Juni: Die Hauptuntersuchung von

E 18 047 des DB Museums Nürnberg wird

abgeschlossen. Damit steht die in Halle

(Saale) stationierte Ellok wieder für

Sonderzüge zur Verfügung.

23. Juni: Beim Bayerischen Eisenbahn-

Museum Nördlingen unternimmt die

aufgearbeitete E 63 02 erste Fahrver -

suche. Die Ellok ist nach 34 Jahren wieder

betriebsfähig.

30. Juni: Nach Ablauf der Fahrwerksfrist

bei Dampflok 20 beendet der Achertäler

Eisenbahnverein vorläufig den Museumszugverkehr

Achern – Ottenhöfen.

Juni: Das Werk Meiningen hat Lok 4 der

Dampfbahn Fränkische Schweiz instandgesetzt.

Juni: Hilfe für das Deutsche Dampflokund

Modelleisenbahn-Museum in

Tuttlingen: Jugendliche Ministranten

ent rosten Lok 52 8138.

24. Juli: Museumslok E 40 128 bringt

die neuen Exponate, Diesellok 290 001

und Lok 001 der RBH, zum DB Museum

Koblenz-Lützel.

28. Juli: 50 3552 ist wieder bei der

Museumseisenbahn Hanau. Die ex-DR-

Dampflok hielt sich zu Kesselarbeiten

und einer Kesselhauptuntersuchung

in Klostermansfeld auf.

Juli: 99 222 der Harzer Schmalspurbahnen

kehrt nach der Hauptuntersuchung

zu ihrem Einsatzgebiet Brockenbahn

zurück.

3. August: Der Bahnpark Augsburg

erhält die Diesellok V 60 860 als neues

Aus stellungsstück.

17. August: Die Strausberger Eisenbahn

feiert das 120-jährige Bestehen; zum

Jubiläum gibt es einen Tag der offenen

Tür im Depot Strausberg, ein Fotogüterzug

verkehrt auf der Strecke Müncheberg

– Buckow.

17. August: In Pfarrkirchen (Strecke

Mühldorf – Passau) werden 218 348 und

ein n-Steuerwagen als Denkmal auf -

gestellt.

22. August: Bahnhofsfest der „Freunde

der Halle-Hettstedter Eisenbahn“ in

Gerbstedt; mit einer Diesellok des Typs

V 22 fährt nach jahrelanger Pause

wieder eine Lok auf einem Streckenstück

der Halle-Hettstedter Eisenbahn.

23.–25. August: Der Verein Schwarzbachbahn

im sächsischen Lohsdorf veran -

staltet Sonderfahrten mit der Leihlok

Nr. 145, einer sächsischen IV K (99 555).

23. August: Der Berliner Museums-

S-Bahn-Zug ET/EB 167 072 wird zur Werkstatt

der Fahrzeugwerke Miraustraße

in Berlin, Holzhauser Straße überführt.

Er soll 2014 für den Verein Historische

S-Bahn in Betrieb gehen.

BAHN EXTRA 1/2014 61


Chronik

| MUSEUMSBAHNEN

Kurzmeldungen

23. August: Die Gesellschaft zur Erhaltung

von Schienenfahrzeugen Stuttgart

(GES) nimmt E 94 088 wieder in Betrieb.

23. August: 50 0072 des Bayerischen

Eisenbahn-Museums ist wieder betriebsfähig.

24. August: Bei den Harzer Schmalspurbahnen

verbindet ein Dampfsonderzug

zum „Tag der Eisenbahnmuseen“ die an

der Strecke Qued linburg – Wernigerode

gelegenenen Museumsstandorte.

31. August/1. September: Zum Bahnpost-

und Dampflokfest verkehrt bei

der Museumsbahn Losheim am See ein

historischer Postsonderzug.

August: Die Norddeutsche Eisenbahn -

gesellschaft sagt die Dampfzugfahrten

Niebüll – Dagebüll wegen Grasbrand -

gefahr ab. Wegen Schäden an der Bremse

fährt die ex schwedische S 1916 auch zu

den Ersatzterminen (19.10.–03.11.) nicht.

1. September: 52 8116 der Osnabrücker

Dampflokfreunde ist letztmals bei einer

Publikumsveranstaltung dabei. Die Lok

kommt danach als Denkmal zu einer

Bielefelder Büromöbelfabrik.

8. September: Der Hessencourrier in

Kassel setzt erstmals den Wagen KN 18

ein. Das Fahrzeug wurde 1903 für die

Kleinbahn Cassel – Naumburg gebaut;

es gehörte zuletzt dem DGEG-Museum

Bochum-Dahlhausen, wo es der Verein

Anfang 2013 erwarb.

4. Oktober: Die Waldeisenbahn Muskau

holt die Schmalspur-Tenderlok 99 3315

zurück. Die Heeresfeldbahnlok war einst

im Raum Weißwasser im Einsatz und

wurde 1977 an die Dampfkleinbahn

Mühlenstroth in Westfalen verkauft; bei

der WEM soll sie nach einer Hauptuntersuchung

Museumszüge befördern.

Oktober: Der Grafschafter Modell- und

Eisenbahn-Club hat Lok D 12 der Bentheimer

Eisenbahn aufgearbeitet. Die

Stangen-Diesellok ist für Sonderzüge

vorgesehen.

1.–3. November: Bei den Rottweiler

Dampf-Tagen setzen die Eisenbahn -

freunde Zollernbahn die Veranstaltungen

zu ihrem Vereinsjubiläum fort.

K. Graf/O. Rabe/S. Weber/L. Wilfert

62

Im April 2013 fuhr die Waldeisenbahn

Muskau Fotozüge – unter anderem auf dem

Abschnitt Weißwasser – Mühlrose, der

im Herbst zum Kohleabbaugebiet wurde

Michael Reimer

2013 zum Verkauf ausschrieb. Die Chancen,

einen neuen Besitzer zu finden, sind recht

gering. Nicht gefährdet sind hingegen zwei

Uerdinger am Kißlegger Bahnhof: 998 056

und 075 dienen dem dortigen Jugendhaus

als Lager- bzw. Partyraum. Felix Löffelholz

Inselbahn Sylt

Letzten Borgward gekauft

Die Inselbahn Sylt erwarb im Sommer 2013

den letzten noch existierenden Borgward-

Sattelschlepper. Der bis dato beim Straßenbahnmuseum

(Hannover-)Wehmingen

ab gestellte Triebwagen LT4 wurde zur Self -

kantbahn nach Aachen gebracht, wo seine

Aufarbeitung folgen soll. Die Planungen

sehen vor, das restaurierte Fahrzeug später

auf der Insel auszustellen. Oskar Rabe

Waldeisenbahn Muskau

Foto-Dampf nach Mühlrose

Am 27./28. April 2013 organisierten die

Eisenbahnfreunde der Waldeisenbahn

Muskau eine kleine öffentliche Fotoveranstaltung.

Im besonderen Fokus stand der

Abschnitt von Weißwasser zur einstigen

Tongrube Mühlrose. Da der Tagebau Nochten

durch den Energiekonzern Vattenfall

Historische Bundesbahn-

Fahrzeuge in privater

Hand: Lok 333 902 –

ex Kerkerbachbahn,

ex Bundesbahn – trägt

fast wieder die Original -

lackierung, hier im

Oktober 2013 im ehe -

maligen Bw Alten beken

(links); Lok E 63 02 wurde

vom Bayerischen Eisen -

bahnmuseum Nörd -

lingen betriebsfähig auf -

ge arbeitet (Bild vom Juni

2013)

Malte Werning (links),

Marcus Benz (rechts)

Frisches Streu, pardon, neuer Bahnsteigschotter

für Netzkater: Im August schlossen

die Harzer Schmalspurbahnen die Sanierung

des Haltepunkts an der Nordhausen-Wer -

nigeroder Strecke ab HSB

erweitert wird, musste dort zum 8. September

2013 der Streckenabschnitt weichen.

Vattenfall bietet eine Neuverlegung ab der

Wasserstelle Trebendorf entlang des Tagebaus

zum künftigen Aussichtsturm am

Schwarzen Berg an. Dort, wo einst dichte

Wälder waren, fuhren die Fotozüge zum Teil

durch gerodete Brachen. Zuglokomotiven

waren die Gastlokomotive 99 3462 der

DKBM (Dampfkleinbahn Mühlenstroth) vor

einem Güterzug mit Personenbeförderung

und die einheimische „Diana“ 99 3312 vor

einem Lorenzug. Hinzu kamen Dieselloks

V10c und von Gmeinder mit Güter- bzw.

Feuerlöschzügen.

Ab 2014 steht die Wiederinbetriebnahme

der Lokomotive 99 3315 an. Diese Maschine

konnte die Waldeisenbahn Muskau im

Herbst 2013 von der DKBM erwerben.

Michael Reimer


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Im April 2013 herrscht auf den Anschlussgleisen des Siemens-Lokomotivenwerkes München reges Treiben. Die Vectron-Lok 193 803 für Railpool

hat soeben ihre Abnahmefahrt gemacht und wird ins Werk geschleppt; Lok 193 804 steht die Abnahmefahrt noch bevor. Sechs Vectron-Exemplare

hat der Lokvermieter bestellt; ein Teil der aktuell recht guten Auftragslage bei der deutschen Fahrzeugindustrie Uwe Miethe

Die Bücher

Zurzeit geht es aufwärts in der Bahnindustrie:

Im Jahr 2013 konnte sie neue Aufträge von Rekord -

volumen verbuchen. Probleme bei gelieferten Fahrzeugen

wirkten sich dabei offensichtlich nicht aus

Der Verband der Bahnindustrie in

Deutschland (VDB) e. V. blickte bei

seiner Halbjahrespressekonferenz

Mitte Oktober 2013 auf ein erfreuliches erstes

Halbjahr zurück: „Die wirtschaftliche Lage

der Bahnindustrie in Deutschland hat sich

im ersten Halbjahr 2013, gemessen an den

Auftragseingängen, spürbar erholt“, erklärte

VDB-Präsident Michael Clausecker. „Das ist

erfreulich und wird für eine Stabilisierung

der wirtschaftlichen Lage in der Bahnindustrie

sorgen.“ Clausecker ist zuversichtlich,

dass sich die aktuelle Umsatzdelle bei den

Firmen durch den baldigen Abschluss bis -

lang verzögerter Projekte in naher Zukunft

kompensieren lässt. „Die Beschäftigung in

der Bahnindustrie hat sich dank eines soli -

den Auftragsbestands weiter erfreulich entwickelt.

Sie hat im ersten Halb jahr 2013 mit

insgesamt 50.400 Mitarbeitern leicht um

rund anderthalb Prozent zugenommen“, erklärte

der VDB-Präsident.

gut gefüllt

Das Auftragsplus fällt

mit über 47 Prozent

unerwartet deutlich aus

Der neue Spitzenwert der Bahnindustrie

bei den Auftragseingängen beläuft sich auf

8,7 Milliarden Euro. Er sichert den Bahntechnikherstellern

in den ersten sechs Monaten

des Jahres dank neuer nationaler und internationaler

Großaufträge gut gefüllte Auftragsbücher.

Das Auftragsplus fällt mit über

47 Prozent zum Vorjahreszeitraum unerwartet

deutlich aus. Von der künftigen Bundesregierung

erwartet die Bahnindustrie eine

deutliche Aufstockung der Finanzmittel für

den Bereich Schiene. Die Branche dringt

weiterhin auf die rasche Umsetzung eines

Gesetzgebungsverfahrens, um die Ende Juni

2013 angestoßene Reform des Zulassungswesens

für Bahntechnik vollständig wirk -

sam werden zu lassen. UM/GM

Stadler

KISS und FLIRT

Stadler Rail erhielt 2013 mehrere Aufträge

für die Elektrotriebzüge KISS und FLIRT.

Im Auftrag von Alpha Trains produziert

die Stadler Pankow GmbH 28 Regionaltriebzüge.

15 Züge vom Typ FLIRT werden

ab Ende 2015 auf der Emsland-Linie

eingesetzt, 13 Züge vom Typ KISS auf der

Mittelland-Linie von der WestfalenBahn

eingesetzt. Die Bestellung wurde im

Januar 2013 erteilt.

Im Februar 2013 erhielt Stadler Rail noch

drei größere Aufträge. Die Norwegischen

Staatsbahnen NSB bestellten 16 FLIRT

im Wert von rund 146 Millionen Euro.

Weitere 48 FLIRT werden für die Staatsbahn

MÁV und die Privatbahn GySEV

gebaut; sie sind für den Regional- und S-

Bahn-Verkehr in verschiedenen Regionen

Ungarns bestimmt. Der russische Bahn -

betreiber Aeroexpress orderte im Februar

24 Dop pel stocktriebzüge auf Basis des

KISS im Wert von rund 350 Millionen

Euro. Die Züge sollen auf den S-Bahn-

Linien zwischen dem Moskauer Stadt -

zentrum und den drei Flughäfen fahren.

Im März erteilte die Serbische Staatsbahn

ŽS Stadler Rail den Auftrag für 21 FLIRT

im Wert von rund 100 Millionen Euro,

vorge sehen für den S-Bahn-Verkehr in

der Region Belgrad.

Stadler Pankow und Abellio Rail unterzeichneten

im Mai einen Vertrag über

BAHN EXTRA 1/2014 65


Chronik

| BAHNINDUSTRIE

Die 24 KISS-Züge für den russischen Bahnbetreiber

Aeroexpress werden zwischen

dem Moskauer Stadtzentrum und den drei

Flughäfen zum Einsatz kommen Stadler

Aus Großbritannien erhielt

die Siemens-Bahnsparte 2013

einen der größten Aufträge ihrer

Geschichte. Im Konsortium mit

Cross London Trains (XLT) liefert

Siemens ab 2016 insgesamt

1.140 Wagen des neu entwickelten

Desiro City für die neu gebaute

Thameslink-Strecke in London Siemens

Die Österreichischden

Bundesbahnen rufen

die ersten 100 Desiro

ML ab; die Order ist Teil

des seit April 2010

bestehenden Rahmenvertrags

mit Siemens

Spirit Design

Die fünfteiligen FLIRT für das Niederrhein-

Netz von Abellio gibt es in der Ausführung als

Ein system- und als Mehrsystemvariante Stadler

Blick über das Freigelände der transport

logistic 2013: Güterwagen dominieren das

Bild bei den Schienen fahrzeugen Uwe Miethe

transport logistic München

Neuer Flächen-, neuer Ausstellerrekord:

Die Messe transport logistic in München

wartete Anfang Juni mit 2.013 Unternehmen

aus 63 Ländern auf. Rund 53.000 Fach -

besucher (2011: 51.310) wollten die Neu -

heiten und Exponate zum Thema Logistik,

Mobilität, IT und Supply Chain Management

sehen. Auch diesmal spielte der Schienen -

güterverkehr eine wichtige Rolle; fast alle

namhaften Eisenbahnverkehrsunternehmen

Europas sowie zahlreiche Fahrzeughersteller

waren vertreten, im Freigelände wurden

Loks und Wagen gezeigt. Lokneuheiten gab

es allerdings nicht. Die nächste transport

logistic findet vom 5. bis 8. Mai 2015 wieder

in München statt. Uwe Miethe

66

Fahr zeuge für das Niederrhein-Netz. Er

umfasst 20 elektrische Trieb züge: 13 fünfteilige

Einsystem- und sieben fünfteilige

Mehrsystem-Triebzüge vom Typ FLIRT 3 .

Die Fahrzeugflotte ist für die Strecken

Düsseldorf – Emmerich, Wesel – Mönchengladbach

und Emmerich – Arnheim (Niederlande)

ab Dezember 2016 vorgesehen.

Zusätzlich werden bald FLIRT im Fern -

verkehr fahren: Stadler Rail gewann im

August in Polen eine Ausschreibung der

PKP Intercity für 20 Fernverkehrszüge

im Wert von rund 284 Mio. Euro. Sie

werden auf Basis des Regionaltriebzugs

FLIRT entwickelt.

Siemens

Britischer Großauftrag

Die Bahnsparte von Siemens erhielt im

Juni 2013 einen der größten Aufträge ihrer

Geschichte. Für die Thameslink-Strecke

in London baut sie insgesamt 1.140 Wagen

des neu entwickelten Desiro City. Er ist

für den S-Bahn-, Regional- und Interregionalverkehr

der britischen Hauptstadt

vorgesehen; das Volumen des Auftrags liegt

bei 1,8 Milliarden Euro.

Bereits im Dezember 2012 bestellte DB

Schenker Rail Polska S.A. 23 Vectron- Elloks

mit einer Option für weitere 13 Loko -

motiven. Für Siemens ist dies die bislang

größte Order für die Vectron-Familie.

Im März gaben die Österreichischen Bundesbahnen

100 Nah- und Regionalverkehrszüge

vom Typ Desiro ML im Wert von 500 Millionen

Euro in Auftrag. Die elektrischen Trieb -

fahrzeuge sollen ab Ende 2015 ausgeliefert

werden.

Im Mai begann in Russland die Produktion

der russischen Regionaltriebzüge vom

Typ Desiro RUS. Die Russischen Eisenbahnen

haben 1.200 Wagen des „Lastotschka“

(„kleine Schwalbe“) geordert.

Der Lokomotivvermieter Mitsui Rail Capital

Europe (MRCE) bestellte im Juni 15 Wechselstrom-Elloks

des Typs Vectron, von denen die

ersten noch 2013 geliefert wurden.

Bombardier-Werk Aachen

Weiter als Talbot Services

Das Werk Aachen, einer von zehn Bombardier-Produktionsstandorten

in Deutschland,

sollte Mitte des Jahres 2014 geschlossen

werden. Der Personaldienstleister Quip aus

Basweiler hat jedoch ein tragfähiges Konzept

zur Weiterführung erarbeitet: Mit einer

Landesbürgschaft Nordrhein-Westfalens

und Unterstützung von Bombardier selbst

begann die am Werksstandort Aachen in der

Jülicher Straße neu gegründete Talbot

Services GmbH am 1. Juli 2013 die Produktion.

Sie hat 240 Mitarbeiter und die Auszubildenden

übernommen. Neben dem Ge -

schäftsbereich Schienenfahrzeuge wird


Das ist die Designstudie der vierteiligen Coradia-Continental-Triebzüge von Alstom für

die Regionalbahnfahrzeuge der Großraum Braunschweig GmbH Alstom

Erstmals kauft

die DB AG Fahrzeuge bei

einem tschechischen Hersteller. Die Elloks

der Baureihe 109 E und die Doppelstockzüge baut

Skoda für den München-Nürnberg-Express DB AG

Bombardier liefert

der DB AG zwölf

neue TWINDEXX-

Vario-Doppelstock-

Triebzüge; sie

sollen ab 2015 für

mehr Komfort

und Qualität in

der Main-Spessart-

Region sorgen

Bombardier

der Streetscooter, ein Elektroauto für den

Kurzstreckenverkehr, in einer Vorserie für

die Deutsche Post DHL gebaut.

Skoda

Loks und Doppelstockzüge

Im August 2013 orderte die Deutsche Bahn

AG erstmals Fahrzeuge beim tschechischen

Hersteller Skoda. Skoda Transportation

liefert sechs lokbespannte Doppelstockzüge

im Wert von 110 Millionen Euro, die ab 2016

im Regionalverkehr auf der Strecke München

– Ingolstadt – Nürnberg als München-

Nürnberg- Express fahren sollen. Die neuen

Züge be stehen aus einer Ellok der Baureihe

109 E, fünf Doppelstock- sowie einem

Steuerwagen.

Alstom

Werk Stendal ausgebaut

Alstom fertigt 20 Elektrotriebzüge des Typs

Coradia Continental für die Regionalbahnfahrzeuge

Großraum Braunschweig GmbH

(RGB). Der Auftrag vom Dezember 2012 hat

einen Wert von mehr als 100 Millionen Euro.

Die Vierteiler sollen ab Dezember 2015 auf

dem Elektro-Netz Niedersachsen-Ost

fahren.

Wie im August bekannt wurde, investiert

Alstom in den nächsten Jahren auch in neue

Einrichtungen und technische Anlagen im

Werk Stendal. Die Investitonssumme

umfasst 10 Millionen Euro, 3 Millionen

kommen aus Fördermitteln des Landes

Sachsen-Anhalt. Neben einer neuen Produktionshalle

richtet der Hersteller ein

modernes Drehgestell-Zentrum mit Radsatzpresse

ein. Dies ermöglicht auch den

Produktionsstart der vor Ort entwickelten

Rangierlok-Plattform H3.

KOMMENTAR

DB kontra Bombardier

Bestellungen hier, Klagen da. Im Frühjahr

2013 zog die DB AG die Konsequenzen aus

den wiederholten Fahrzeugproblemen der

vergangenen Jahre. Im Februar verklagte

die Bahn den Hersteller Bombardier wegen

fehlerbehafteter Neigetechnik bei der

Baureihe 612 sowie mangelhafter Bremsanlagen

bei den neuen 422-Triebzügen für

die S-Bahn Rhein-Ruhr. Dabei fordert die

DB AG 160 Millionen Euro Schadensersatz.

Im März folgte eine weitere Klage gegen

Bombardier: Wegen Mängeln an Rädern

und Bremsen von 500 Berliner-S-Bahn-

Zügen will die Bahn von 1,1 Milliarden

gezahlten Euro fast 350 Millionen zurückbekommen.

Bombardier weist die Anschuldigungen

mit Hinweisen auf mangelhafte

Wartung der Züge durch die DB

AG zurück. Weiteres wurde bis Redak -

tionsschluss nicht bekannt. Martin Weltner

Bombardier

TWINDEXX und TRAXX

Im Jahr 2013 gingen umfangreiche Aufträge

der DB an Bombardier. Im April wurde ver -

einbart, zwölf TWINDEXX-Vario-Triebzüge

mit Nahverkehrs-Ausstattung im Auftragswert

von ca. 113 Millionen Euro zu liefern. Die

Fahrzeuge sind für die Strecken der Main-

Spessart-Region vor gesehen und sollen ab

Ende 2015 zur Verfügung stehen.

Im Mai schlossen die DB und Bombardier

Transportation einen Rahmenvertrag zur

Lieferung von Elektroloks auf Basis der

TRAXX-Plattform. Der Vertrag umfasst bis

2023 einen möglichen Umfang von bis zu

450 Lokomotiven. Aus dem Rahmenvertrag

ruft die DB 110 Lokomotiven für DB Schenker

Rail und 20 für DB Regio sofort ab; diese

Order hat einen Wert von 430 Millionen Euro.

Für die S-Bahn Hamburg GmbH werden

im Juni 60 neue Ein- und Zweisystemzüge im

Wert von rund 327 Millionen Euro geliefert.

Die ersten Fahrzeuge sollen Ende 2016 an die

DB-Tochter gehen.

Im August beauftragte die DB Bombardier

noch mit der Lieferung von 18 elektrischen

Doppelstock-Triebzügen Do2010. Die TWIN-

DEXX-Züge im Wert von rund 216 Millionen

Euro sollen ab Dezember 2016 auf den „Ring -

zug West“-Strecken Augsburg – Treuchtlingen

– Nürnberg und Treucht lingen – Ingolstadt –

München fahren. Uwe Miethe

BAHN EXTRA 1/2014 67


Chronik

| UNFÄLLE

Verhältnismäßig

Die Unfallchronik nimmt sich für die Eisenbahnen

in Deutschland 2013 recht gemäßigt aus. Es kam

vor allem zu Zusammenprallen an Bahnübergängen

Sofern nicht bis zum Jahresende noch

etwas Schreckliches passiert, wird

die Deutsche Bahn ihrem Ruf, das

sicherste Landverkehrsmittel zu sein, alle

Ehre machen. Denn 2013 fehlte es gottlob an

einem spektakulären Unfall auf ihrem Netz

– ganz anders als im Ausland. Was die Me -

dien in Deutschland ausführlich bewerteten,

waren die Ereignisse an Bahnübergängen,

besonders der in Espelkamp am 9. Januar.

Eine Pkw-Fahrerin übersah in der Ges -

trin ger Straße den Posten, der den ansonsten

Die Bahn wird ihrem Ruf,

sicherstes Verkehrsmittel

zu sein, alle Ehre machen

glimpflich

vom Zug gesteuerten, aber schon längere

Zeit gestörten Bahnübergang sicherte. Die

von DB-Netze beauftragte Sicherungsfirma

hatte neben dem Posten einen Hilfsposten

eingesetzt und die Blinklichter der Straßensignale

durch weiße Kreuze wie bei Eisenbahnsignalen

als ungültig gekennzeichnet.

Der Pkw prallte mit dem Triebwagen der

Nord-West-Bahn zusammen. Der Triebwagenführer

und die Reisenden kamen mit dem

Schrecken davon, die Pkw-Fahrerin allerdings

starb, zwei Mitfahrer wurden schwer

verletzt.

Unzureichend gesichert

Eine Woche später stellte sich heraus, welch

traurige Ursachen der Unfall hatte: Denn die

Fahrerin konnte nicht sehen, dass der Bahnübergang

gesperrt war. Nichts deutete im

Annäherungsbereich darauf hin. Die Straßenbeleuchtung

war eingeschaltet; die Lampen

reichten jedoch nicht aus, um den Bahnübergang

zu beleuchten. Die quer über die

Straße angebrachten Absperrgirlanden waren

nur mäßig zu erkennen, im Gegenlicht

der auf der anderen Seite wartenden Fahrzeuge

nur als Schatten wahrzunehmen. Die

Warnkleidung des Postens war ebenfalls

nicht auffällig. Die weißen Kreuze, welche

die Blinklichter als ungültig kennzeichneten,

waren nur schwach erkennbar.

Das Eisenbahn-Bundesamt reagierte mit

mehreren Sicherheitsempfehlungen für den

„Infrastrukturbetreiber“, sprich: DB-Netz.

Erich Preuß

Nur Sachschaden gab es, als in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober ein Zug der S 6 Essen –

Köln-Nippes bei Essen-Werden von einem Bauzug touchiert wurde und entgleiste Marcus Henschel

Kurzmeldungen

14. Februar: Ein Güterzug entgleist bei

der Einfahrt in Bremen Hbf und blockiert

dort vorübergehend den Zugverkehr.

15. Mai: Ein Leerwagenzug von Berlin Hbf

nach Berlin-Grunewald entgleist. Der

Fahrdienstleiter in der Betriebszentrale

hat die fasch eingestellte Fahrstraße

bemerkt (an anderen Tagen fährt der Zug

nach Rummelsburg), aufgelöst und die

Weiche unter dem fahrenden Zug gestellt.

9. Juni: Ein Leerwagenzug entgleist in

Rüdesheim.

22. Juni: Auf der Strecke Marburg –

Erndtebrück prallt ein 628/928-Triebzug

an einem Bahnübergang auf einen Lkw.

Der voraus fahrende Steuerwagen entgleist,

32 Personen werden verletzt, davon

fünf schwer. Der Lkw-Fahrer hatte das

Warnblinklicht übersehen. Der Betrieb

auf der Strecke ruht bis 24. Juni.

17. Juli: In Kellmünz (Strecke Ulm –

Kempten) erfasst ein 612 an einem Bahnübergang

ein Auto. Es gibt 13 Verletzte,

darunter drei Schwerverletzte; der

Schaden beträgt ca. 3,5 Mio. Euro, die

Strecke bleibt bis 21. Juli gesperrt.

23. Juli: Ein Kleintransporter prallt mit

einer Rangierabteilung der Hafenbahn

Mülheim/Ruhr zusammen, Fahrer und

Beifahrer des Pkw werden schwer verletzt.

Das Fahrzeug sollte für einen Metalldiebstahl

verwendet werden. Als Hafenarbeiter

das Diebestrio stellten, flüchtete dies

und übersah vermutlich die Rangierfahrt.

2. September: Zwischen Osnabrück und

Bramsche prallt ein Pkw auf einem Bahnübergang

mit einem DB-Zug zusammen;

drei Insassen des Pkw kommen ums

Leben.

9. Oktober: Auf der Strecke Nürnberg –

Würzburg stürzt eine Frau auf die Gleise

und wird von einem ICE getötet. Die Frau

stieg in Emskirchen auf einen Güterzug,

um „nach Hause zu fahren“, konnte sich

aber nicht am Wagen halten.

26. Oktober: In Gladbeck stoßen zwei

Güterzüge zusammen; mehrere Wagen

stürzen um. E. P./S. Weber/GM

13 Schwerverletzte und rund 3,5 Millionen Euro

Schaden sind die Bilanz des Unfalls vom 17. Juli

2013. Auf der Strecke Ulm – Kempten war ein

612 auf ein Auto geprallt Felix Löffelholz

68


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Chronik

| INTERNATIONAL

Wer hätte 2012 gedacht, dass

2013 noch Ae 6/6 planmäßig

am Gotthard fahren? Doch die

Schweizerischen Bundesbahnen

reaktivieren einige der Oldtimer;

und am 28. August fährt

Ae 6/6 11470 mit einer Re 6/6

bei Wassen bergwärts

Florian Martinoff

Chronik 2013:

Unerwartete Wendungen, gute Traditionen, schlechte

Nachrichten: Das internationale Eisenbahn-Jahr

war von Kontrasten geprägt. Wegen mehrerer

Unglücke bleibt es wohl noch lange in Erinnerung

70


International

Vix adlaudabilis catelli infeTremulus zothecas senesceret oratori. Bellus matrimonii vocificat agricolae. Aegre perspicax oratori circumgrediesenesceret

adfa catelli infeTremulus zothecas senesceret oratori. Bellus matrimonii vocificat agricolae. Perspicax oratori circumgrediesenesceret

Internationaler Bahn-Betrieb 2013: Personal an der Satteltanklok „Sir Berkeley“ der Museumsbahn Middleton Railway (l.), australischer Reisezug

in Kuranda (M.) und eifrige Pflegearbeiten am Bahnhofsinventar im slowenischen Kranj (r.) Andrew Thompson (l.), Michael Reimer (M.), Marco Frühwein (r.)

BAHN EXTRA 1/2014 71


Chronik

| ÖSTERREICH

Ein Murenabgang hat am 2. Juni 2013 den Bahnhof Taxenbach im Salzburger Land unpassierbar gemacht.

Die Aufräumarbeiten infolge des Hochwassers werden hier noch bis 2014 dauern Picture-alliance/Jürgen Feichter

Die ersten Beschränkungen gab es zu

Jahresbeginn. Heftige Schneefälle

gleich im Januar machten der Bahn

zu schaffen, selbst in der Bundeshauptstadt

Wien. In der zweiten Februarhälfte waren es

abermals große Mengen Neuschnee – bis zu

40 Zentimeter im Osten des Landes, bis zu

70 Zentimeter im Süden, was zu einem erneuten

Verkehrschaos führ te.

Noch viel schlimmer traf es die Eisenbahn

aber mit dem Juni-Hochwasser. Das Unheil

begann Ende Mai und zog sich bis zu den

ersten Juni-Tagen hin. In der Zeit regnete es

pausenlos. Die Hochwasserschäden erstreckten

sich vom Tiroler Unterland (Großraum

Kitzbühel) über das Bundesland Salzburg

(Saalach und Salzach), die Bundesländer

Ober- und Niederösterreich (Inn, Donau,

einige kleinere Zuflüsse) bis nach Ungarn.

Die Folgen des Hochwassers

An zahlreichen Stellen – fast im ganzen Land

– wurde das Schienennetz beeinträchtigt,

teils musste man den Betrieb vorübergehend

einstellen. Die Schäden im Überblick:

Mehrere Murenabgänge (Erdrutsche)

sorgten für eine Streckensperre entlang der

Brennerbahn; bei Gries am Brenner entgleiste

ein Zug der Rollenden Landstraße,

woraufhin der Oberbau auf einer Länge von

500 Metern erneuert werden musste.

Die Giselabahn wurde im Bezirk Kitz -

bühel an mehreren Stellen von Muren überdeckt;

bei Leogang fuhr ein Güterzug in

einen umgestürzten Baum und wurde später

72

Land

unter!

Naturkatastrophen

beeinträchtigten 2013

den Bahnbetrieb in der

Alpenrepublik. Am

schlimmsten: das Hochwasser

Anfang Juni

von einer Mure bedeckt. Der Abschnitt von

Bruck-Fusch bis Lend war für mehrere Wochen

gänzlich gesperrt, sodann für mehrere

Monate nur eingleisig befahrbar. Die Sanierungsarbeiten

zwischen Taxenbach-Rauris

und Lend werden sich bis 2014 hinziehen, da

in diesem Bereich eine völlig neue Murengalerie

errichtet wird. Der Bahnhof Taxenbach-Rauris

stand komplett unter Wasser.

Die Bahnlinien der Salzburger Lokalbahn

waren kurzzeitig vom Hochwasser betrof -

fen. Die Pinzgauer Lokalbahn wurde vor -

über gehend – ohne weitere Schäden – eingestellt,

kurzzeitige Sperren gab es nördlich

von Salzburg infolge von Überschwemmungen

im Gleisbereich.

Die Innkreisbahn (Braunau – Simbach am

Inn), die Almtalbahn (Voitsdorf – Grünau im

Almtal) waren nur kurzzeitig gesperrt.

Ebenso kurzzeitig gesperrt, aber von Unterspülungen

betroffen war die Pyhrnbahn an

zwei Abschnitten (Nettingsdorf – Kirchdorf

an der Krems, Hinterstoder – Ardning).

Größere Schäden gab es an der Salzkammergutbahn

im Abschnitt zwischen Gmunden

und Bad Aussee.

Zahlreiche Überschwemmungen be tra -

fen die Strecken nahe der Donau, wie die

Mühlkreisbahn im Nahbereich von Linz

oder die Donauuferbahn (Baumgarten – Sarmingstein).

In der Wachau galt ein „Hochwasser-Sonderfahrplan“

mit fünf Zugpaaren

der NÖVOG, nachdem sämtliche Bundesstraßen

gesperrt waren und das Hochwasser

bis zum Bahndamm reichte. Das Hoch was -

ser beeinträchtigte auch die Franz-Josefs-

Bahn nördlich von Wien und die Preßburgerbahn

im Abschnitt Hainburg – Wolfsberg.

Die viergleisige Westbahnstrecke zwischen

Amstetten und St. Johann-Weistrach

war erstmals vom Hochwasser betroffen,

nachdem die unbedeutende Url massiv über

die Ufer getreten war.

... und nochmals Schnee

Im Oktober 2013 wurde der Bahnbetrieb ein

weiteres Mal von Extremwetter behindert.

Ein kurzer, heftiger Wintereinbruch mit bis

zu 50 Zentimeter Neuschnee legte den Bahnbetrieb

in ganz Tirol lahm; die Betriebsruhe

dauerte von einigen Stunden (Inntalstrecke,

Brenner) bis zu mehreren Tagen (Mittenwald-

und Außerfernbahn). Markus Inderst


Nach 102 Jahren Regelbetrieb hat die Ellok-Reihe 1099 bei

der Mariazellerbahn weitgehend ausgedient; am 28. Oktober

steht Lok 1099.014 mit einem Abschiedszug in St. Pölten

neben einem Triebwagen „Himmels treppe“ Paul G. Liebhart

die neuen Fahrzeuge um. Damit endete der

tägliche Einsatz der Ellok-Reihe 1099; 2014

fährt aber eine Lok den Zug „Ötscherbär“.

Schon im Juni 2013 hatte die NÖVOG ihr

neues Betriebszentrum in Laubenbachmühle

eröffnet. Es umfasst Bahnhofsanlagen,

eine Werkstätte mit vier Hallengleisen,

eine Remise mit sechs Hallengleisen und

eine Waschanlage mit einem Hallengleis.

Reihe 4855

Neue Einsätze

Die beiden Triebwagen der Reihe 4855, die

jahrelang auf der Haager Lies eingesetzt

wurden, haben ein neues Einsatzgebiet. Seit

Sommer 2013 fahren sie im Regionalverkehr

Attnang-Puchheim – Kammer-Schörfling

(„Kammerer Hansl“).

Mehrere Sonderzüge der Schafbergbahn

bringen am 21. Juni die Fest- und Ehrengäste

auf die Schafbergspitze Markus Inderst

Der Railjet „Ski Austria“ ist eines der neuen Werbe -

fahrzeuge von 2013. Hier im Umleiterverkehr bei

Fieberbrunn am 26. Oktober Markus Inderst

Zillertalbahn

Fahrzeugtausch

Die Zillertalbahn hat von der Salzburger

Lokalbahn 2013 den Triebwagen VTs 11

er hal ten. Sie setzt ihn als VT 1 (in Zweit -

besetzung) ein. Dafür wurden der Pinz -

gaubahn dringend benötigte Nieder flur-

Mittelwagen und eine betriebsfähige

Dampflokomotive überlassen.

ÖBB

Neue Werbeloks

Das Jahr 2013 brachte in der Alpenrepublik

viele neue Werbefahrzeuge. Bei den Österreichischen

Bundesbahnen gab es:

– die Railjet-Garnitur 49 zur alpinen

Ski-WM in Schladming

– den Kombi-Ticket-Talent 4123.013,

ebenfalls zur Ski-WM

– die Werbelok „Frontrunner“

– den Taurus 1116.016 als RCA-Lok

– den Taurus 1216.020 als Jubiläumslok

für Giuseppe Verdi und Richard Wagner

– den Talent 4024.103 mit Werbung für

den Wiener Hauptbahnhof

– den Taurus 1116.182 als „Cobra-Lok“

– den Taurus 1116.143 als Werbelok

„40 Jahre Montan-Spedition“

– die Railjet-Garnitur 51 mit Taurus 1116.251

als Ski Austria railjet

– den Taurus 1216.141 als ÖAMTC-Lok

(analog der ADAC-Lok 111 024 der DB)

die ehemalige Cats-Lok 1116.153 ebenfalls

als ÖAMTC-Lok

– den Taurus 1116.222 The Red Bulletin

– den Talent 4024.088 Tiroler Versicherung

Als Vorgriff auf die Railjet-Verkehre Prag –

Wien bzw. Graz wurden mehrere Loks der

Reihe 1216.2 einer Neugestaltung unter -

zogen: 1216.228 ist eine Werbelok für den

Güterverkehr, die 1216.229 wurde zur ersten

ÖBB-RJ-Lok umlackiert und die 1216.235

wurde als erste RJ-Lok im blauen Design

der Tschechischen Staatsbahn CD umge -

staltet. Weitere Umlackierungen folgen bis

zum Betriebsstart im Dezember 2014.

Zum Jahreswechsel wird die 1216.210 ihre

Kapsch-Werbung verlieren. Neu bei den

Privatbahnen ist die GySEV-Lok 470.503

(ex „Franz Liszt“), die jetzt als Richard-

Wagner-Lok fährt.

Salzburger Lokalbahn

„Blaues Krokodil“ wird E 94

Die Salzburger Lokalbahn (SLB) übernahm

zum 31. August 2013 die Ellok 1020.041 von

der Mittelweserbahn. Das „blaue Krokodil“

wird bei der SLB in historischer Anleh nung

die Betriebsnummer E 94 erhalten. Als

künftiges Einsatzgebiet werden Bedarfsverkehrsleistungen

genannt.

NÖVOG

Neue ET und Zentrum

Seit September 2013 setzt die Niederöster -

reichische Bahngesellschaft NÖVOG die

neuen Triebwagen mit dem klingenden

Namen „Himmelstreppe“ ein. Neun Trieb -

wagen (ET 1–9) wurden von Stadler in Buss -

nang gebaut. Mit dem Winterfahrplan stellte

die NÖVOG den Betrieb am 28. Oktober auf

Rail Cargo Austria

Rückzug aus Güterverkehr

Der flächendeckende Rückzug der ÖBB-

Gütertochter Rail Cargo Austria samt Neu -

regelung des Einzelwagenladungsverkehrs

hatte 2013 Konsequenzen. Die beförderten

Tonnagen sanken, etliche Leistungen gingen

auf andere Unternehmen über, zum Beispiel

die Steiermärkische Landesbahn oder Stern

und Hafferl. Markus Inderst/GM

Kurzmeldungen

Januar: Lok 298.05 kommt zum Stainzer

Flascherlzug.

15. Juni: Die Österreiche Gesellschaft für

Lokalbahnen (ÖGLB), Betreiber der Ybbstalbahn-Bergstrecke,

fährt erstmals auf

der Talstrecke zwischen Lunz am See

und Göstling. Sie hat die Strecke von der

NÖVOG übernommen.

21. Juni: Die Salzkammergutbahn GmbH

feiert 120 Jahre Schafbergbahn und

140 Jahre Wolfgangseeschifffahrt. Unter

anderem werden die neue Diesellok

VTz 31 eingeweiht und das Stück „Schafberg

1911“ aufgeführt.

1. Juli: Die ÖBB Personenverkehrs AG

stellt den Personenverkehr zwischen

Deutschkreutz und Neuckenmarkt-

Horitschon ein; als Ersatz fahren Postbusse.

Markus Inderst

BAHN EXTRA 1/2014 73


Chronik

| SCHWEIZ

Nur noch in den Sommermonaten soll

der Glacier Express solch eine stattliche

Länge aufweisen. Im August 2013 ist

einer der Züge am Schmittener Viadukt

unterwegs Dr. Hans-Bernhard Schönborn

Mit neuem

Ansatz

Der Glacier Express ist nicht nur der Klassiker unter den Panoramazügen,

sondern auch für die Betreiber finanziell sehr wichtig. Damit das so bleibt,

ändern sie den Fahrplan des Zuges zum Dezember 2013 ab

Kurzmeldungen

15. Februar: Die ex-Bundesbahn-Dampflok

23 058 tritt die Rückkehr von den

Niederlanden in die Schweiz an. Nach

der Überführung soll die auf Leichtölfeuerung

umgebaute Maschine Sonderzüge

zwischen Sissach und Olten fahren.

2. Juni: Infolge starker Regenfälle kommt

es am Gotthard zu Erdrutschen, welche

die Strecke für mehrere Tage blockieren.

Juni: BLS Cargo verliert DB Schenker Rail

als Kooperationspartner und befördert

damit nicht mehr deren Güterzüge durch

die Schweiz. Einen Teil des Verlustes

macht die BLS-Tochter durch die Kooperation

mit einem niederländischen

Verkehrsunternehmen wett.

25. Juli: Mithilfe von Kränen und Lkw

setzt die Rhätische Bahn das denkmal -

geschützte Empfangsgebäude des Bahnhofs

Schnaus-Strada auf dem Areal um.

15. Dezember: Die Zentralbahn nimmt

mit dem Fahrplanwechsel weitreichende

Änderungen vor: Unter anderem wird

das Angebot der S-Bahn Luzern verdichtet,

es gibt Nonstop-Interregios Luzern –

Stans bzw. – Sarnen, als Luzern-Inter -

laken-Express fahren die neuen ABeh 150

„Adler“; der Luzern-Engelberg-Express

führt Panoramawagen. B. Uesi/HBS

74

Die Rhätische Bahn und die Matterhorn–Gotthard-Bahn

sehen es als

Optimierung. Denn die Passagierzahlen

aus dem Euroraum gehen zurück, die

Abgeltungen von Bund und Kanton fallen

weg. Da braucht es eine Änderung, um die

Attraktivität und Wirtschaftlichkeit des

Glacier Express zu erhalten.

Bis zu drei Zugpaare im Sommer

Das Ergebnis, das mit dem Fahrplanwechsel

in Kraft tritt, sieht wie folgt aus: Vom 15. Dezember

2013 bis 26. Oktober 2014 gibt es das

Zugpaar 902 / 903, das Zermatt um 08:52 Uhr

verlässt und St. Moritz um 16:58 Uhr erreicht

bzw. in St. Moritz um 09:02 Uhr abfährt und

in Zermatt um 17:00 Uhr ankommt. Auf der

zum UNESCO-Welterbe zählenden Albula-

Strecke wird die Kurswagen-Garnitur aus

zwei Panoramawagen 1. Klasse, dem Servicewagen

mit Stehbar und drei Panoramawagen

2. Klasse an einen RegioExpress angehängt,

auf der Strecke Chur – Zermatt wird

sie als eigenständiger Zug geführt. Dadurch

lässt sich die Wartezeit in Disentis, die auch

dem Lokomotivwechsel dient, verkürzen.

Vom 10. Mai bis 12. Oktober 2014 kommt

das Zugpaar 900 (07:52 Uhr ab Zermatt /

15:58 Uhr an St. Moritz) / 905 (10:02 Uhr ab

St. Moritz / 18:00 Uhr an Zermatt) hinzu. Zusätzlich

fährt zwischen 31. Mai und 21. September

2014 das Zugpaar 904 (09:52 Uhr ab

Zermatt / 17:58 Uhr an St. Moritz) / 901 (08:02

Uhr ab St. Moritz / 16:00 Uhr an Zermatt),

das auch in St. Niklaus hält. Die Wagenreihung

entspricht der des Zugpaars 902 / 903.

Damit legt man den Schwerpunkt auf die

attraktiven Jahreszeiten. Dagegen entfällt

das Zugpaar Davos – Zermatt – Davos wegen

der geringen Frequenzen vor allem zwischen

Chur und Davos; als neues Angebot gibt es

Saisonale Ausrichtung

der Züge und im Sommer

der „Glacier-Express-Bus“

zwischen 31. Mai und 21. September 2014 den

„Glacier Express Bus“, der in Kombination

mit Zugpaar 902/903 die Verbindung Chur –

Davos herstellt. Dieser Bus verkehrt über

Lenzerheide und bindet damit eine weitere

Bündner Tourismus-Region direkt an den

Glacier Express an. Im Rahmen der Feiern

„125 Jahre RhB“ wird 2014 auch ein Glacier-

Express Disentis – St. Moritz, also nur im

Netz der Rhätischen Bahn, verkehren.

Ob das Konzept Erfolg hat? Das Jahr 2014

wird es zeigen. Dr. H.-B. Schönborn


Nur noch selten zeigen sich RE-Züge am

Gotthard; am 17. September 2013 bringt SBB-

Lok Re 4/4 11195 einen Leerzug von Chiasso

nach Lugano (Foto in Maroggia-Melano). Er

fuhr zuvor als Verstärker Bellinzona – Chiasso

Altes und Neues präsentiert die

Zentralbahn am 26. Oktober 2013 in

Meiringen. Bald sollen noch neue

Triebzüge in den Bestand rücken

Dr. Hans-Bernhard Schönborn, Heiko Günther (l.)

Reihe Ae 6/6

Rückkehr in den Plandienst

Im Dezember 2012 hatten die SBB ihre

letz ten Veteranen der Reihe Ae 6/6 (neu:

Reihe 610) aufs Abstellgleis geschoben.

Doch schon im März 2013 sorgte Lokmangel

für ein Comeback von zunächst drei der

Elloks, als 11419, 11427 und 11430 erneut in

Dienst gestellt wurden. Pünktlich zum Start

der Zuckerrüben-Kampagne des Jahres

standen im Herbst wieder zehn Loks im

Einsatz. Unter ihnen ist auch Lok 11419,

die einzige reaktivierte Kantonslok und

zu gleich die älteste eingesetzte Strecken -

lokomotive von SBB Cargo. Erwähnenswert

ist zudem 610 496, die als einzige Lok den

Cargo-Anstrich trägt. Eingesetzt werden

die Ae 6/6 vom Rangierbahnhof Limmattal,

wo sie auch unterhalten werden.

F. Martinoff/Martin Weltner

ETR 470

Weiter in Betrieb

Totgesagte leben länger: Die störanfälligen

„Cisalpino“ ETR 470 fahren bis mindestens

2015 weiter. Die Ablieferung der nachbe -

stellten ETR 610 an die Schweizerischen

Bundesbahnen (SBB) verzögert sich, wes -

halb die bisher eingesetzten Triebzüge

vorerst im Betrieb verbleiben müssen. Um

die Pünktlichkeit zu erhöhen, wird der

Fahr plan Zürich – Mailand um 20 Minuten

ge streckt, die Wendezeit soll mindestens

50 Minuten betragen. Dafür werden einige

Verbindungen ganz und der Halt in Como

gestrichen. HBS

BLS/Rhätische Bahn

100-Jahr-Feiern

Gleich zwei große Streckenjubiläen gab

es 2013 in der Schweiz. Die BLS feierte das

100-jährige Bestehen der Lötschbergbahn,

die am 28. Juni 1913 in Betrieb gegangen

war. Zu dem Anlass gab es verschiedene

Feierlichkeiten, darunter das große „Eisenbahnfest“

am 28./29. Juni in Frutigen und

das „Südrampenfest“ am 7./8. September.

Sonderzüge über die Bergstrecke und Fahr -

zeugparaden zogen zahlreiche Eisenbahnfreunde

an. Ebenfalls 100 Jahre gibt es

die Meterspurstrecke Bever – Scuol-Tarasp

der Rhätischen Bahn, die am 1. Juli 1913

eröffnet wurde. Das Jubiläum wurde am

(leider verregneten) letzten Juni-Wochenende

mit zahlreichen historischen und

modernen Fahrzeugen gefeiert. HBS

Transports Publics du Chablais

Große Investitionen

Die Transports Publics du Chablais (TPC)

investieren 104 Millionen Schweizer

Franken in Bahnanlagen bzw. Rollmaterial.

64 Millionen Franken sind für die Erneuerung

von Strecken und Bahnhöfen vorge -

sehen, weitere 40 Millionen Franken für

den Kauf von sieben Zahnrad- und Adhäsionstriebwagen.

Damit soll auch die Strecke

Aigle – Ollon – Monthey – Champéry an

die Strecken Aigle – Les Diablerets und

Aigle – Leysin angepasst werden. Von den

bisherigen Fahrzeugen werden nur die

Beh 4/8 591 – 592 umgebaut, die übrigen

Triebwagen durch Neubaufahrzeuge

ersetzt, die ab 2015 in Betrieb gehen sollen.

Die TPC entstanden aus vier Bahngesellschaften

und mehreren Busbetrieben im

Raum Aigle – Bex – Monthey. Sie haben in

den letzten fünf Jahren bereits 72 Millionen

Franken in die Infrastruktur investiert. HBS

Stadler-Fahrzeuge erobern sich

mehr und mehr Anteile im

Schweizer Bahnwesen. Im Mai

2013 legt RABe 511 der SBB in

Grandvaux in der Westschweiz

einen Halt ein Armin Schmutz

Westschweiz

Sammelbestellung

Gleich vier Bahnen der Westschweiz haben

sich im März 2013 zu einer Bestellung

zusammengetan. Beteiligt sind die Transportunternehmen

der Regionen Morges –

Bière – Cossonay (MBC, früher BAM) und

Vallée de Joux – Yverdon – Sainte-Croix

(TRAVYS, früher YSteC), die Montreux –

Oberland Bernois (MOB) und die Freibur -

gischen Verkehrsbetriebe (TPF). Sie ordern

17 meterspurige Triebzüge im Wert von

150 Millionen Schweizer Franken bei der

Stadler Bussnang AG. Die Ablieferung

findet zwischen Januar 2015 und Juli 2016

statt. Durch die gemeinsame Bestellung

konnten rund 28 Millionen Franken gegenüber

Einzelbestellungen eingespart werden.

HBS

Rhätische Bahn

Pendelzüge renoviert

Die aus den Jahren 1971 bzw. 1979 stam -

menden Vorortpendelzüge der RhB mit den

Triebwagen Be 4/4 511 – 516 werden in

der Hauptwerkstätte Landquart für rund

2,5 Millionen Franken modernisiert. Unter

anderem erhalten sie neue Polster und

besser abgedichtete Fenster. Die Züge

werden für das Konzept „Retica 30“ gebraucht,

das ab Ende 2014 für mehrere

Strecken einen teilweisen Halbstundentakt

vorsieht. Nach derzeitiger Planung sollen

die Fahrzeuge bis 2018 zwischen Klosters,

Davos und Filisur pendeln. HBS

BAHN EXTRA 1/2014 75


Chronik

| WELTWEIT

Unglücksmonat Juli

Drei schwere Zugunfälle mit zusammen mehr als 130 Toten

sind die Bilanz vom Juli 2013. In Spanien, Kanada und Frankreich kam es

jeweils zu folgenschweren Entgleisungen

Die Bilder von dem Unglück gingen

um die Welt. Eine Überwachungskamera

hatte gefilmt, wie sich der

Zug in der Kurve auf sie zu bewegte und

dann aus den Gleisen geriet. Was aussah wie

ein Katastrophenfilm, war am 24. Juli 2013

im nordspanischen Santiago de Compostela

bittere Realität – und einer der schwersten

Zugunfälle der letzten Jahre in Europa.

An dem Tag verließ Zug Alvia 4155 um

15:00 Uhr den Madrider Bahnhof Chamartín

zur Fahrt nach Ferrol im äußersten Nordwesten

Spaniens, wo er um 22:36 Uhr ankom -

men sollte. Er bestand aus einer 250 km/h

schnellen Talgo-Neigetechnik-Garnitur mit

zwei Triebköpfen (730 045 und 046); zwi -

schen die niedrigen Talgo-Wagen mit ihren

Einachsfahrwerken und den Triebköpfen

sind bei dieser Baureihe an beiden Enden

dreiachsige Diesel-Generatorwagen eingereiht.

Am Unglückstag fuhren 218 Reisende

und vier Zugpersonale in dem Zug mit..

Entgleisung in der Kurve

Um 20:39:06 Uhr informierte der Zugschaffner

den Lokführer per Diensthandy, dass um

22:15 Uhr in Pontedeume, dem letzten Halt

vor Ferrol, eine Familie aussteigen wolle. Der

Zug sollte dazu am Haus bahn steig hal ten

und der Fahrdienstleiter entspre chend informiert

werden. Die Fahrgeschwindigkeit betrug

199 km/h. Das Telefongespräch dauerte

100 Sekunden, in dieser Zeit legte der Zug

fast 5,5 Kilometer zurück. In der Aufzeichnung

des Gesprächs ist auch das akustische

Warnsignal durch die Balise am Tunnelausgang

des 1.158 Meter langen Mazorros-Tunnels

zu hören. Drei Sekunden später endete

das Gespräch, nach weiteren vier Sekunden

ertönte ein weiteres Warnsignal im 635 Meter

langen Santiago-Tunnel. Erst in diesem Moment

realisierte der Lokführer, dass er sich

unmittelbar vor einer Geschwindigkeitsbeschränkung

befand, und aktivierte alle

Bremssysteme. Ab Tunnelausgang gilt für die

bis dahin für 220 km/h zu gelassene Strecke

ein Limit von 80 km/h. Das konnte der Zug

je doch nicht mehr schaffen. Mit einem 400-

Meter-Radius wird die Neubaustrecke in die

alte Trasse über führt – der führende Trieb -

kopf raste mit 179 km/h in diese Kurve hinein.

Die kurveninnen laufenden Räder des

vorderen Generatorwagens stiegen hoch, die

76

Fliehkraft riss den Wagen auf die Außenseite.

In diesem Moment, um 20:41:10 Uhr, betä -

tigte der Lokführer den Notbremsknopf; der

Tachograf registrierte Tempo 153. Der umgestürzte

Wagen zog die Rückseite des Triebkopfs

mit, beide schlitterten an der Betonstützwand

einer Brücke entlang. Dabei

wurde ein Oberleitungsmast vom umgestürzten

Triebkopf umgerissen.

Der führende Trieb kopf

raste mit 179 km/h

in die Kurve hinein

Ebenso entgleisten die neun leichten

Talgo-Wagen; der hintere Generatorwagen

stürzte auf die Seite, der hintere Triebkopf

richtete sich auf und schrammte an der

Stützmauer entlang. Ein Sitzwagen wurde

auf die fünf Meter höher liegende Straße geschleudert.

Die ganze Horrorszene dauerte

sechs Sekunden: Die beim Stillstand registrierte

Zeitangabe lautete 20:41:16 Uhr. Eine

Kamera, die der Überwachung der Straßenüberführung

diente, hatte alles im Video festgehalten.

Das Unglück forderte 79 Tote und 94 Verletzte,

darunter 33 Schwerverletzte. Zwei

Tage nach der Katastrophe konnte auf dem

dreigleisigen Abschnitt wieder ein eingeschränkter

Verkehr aufgenommen werden.

Bis zum Monatsende war auch das Unfallgleis

wieder hergestellt und elektrifiziert.

Ursachensuche

Die Ermittlungen wiesen mehrere Unfallursachen

nach, vor allem menschliche Fehler.

Maßgeblichen Anteil hatten das Telefongespräch

über das Diensthandy, welches – eben

wegen der Ablenkungsgefahr für den Lokführer

– nur in ganz besonderen Fällen verwendet

werden soll, und die Desorientierung

des Lokführers. Er gab bei der Vernehmung

an, den letzten Tunnel für den vorletzten gehalten

zu haben. Diskutiert wurde auch die

Rolle der schweren Dieselgeneratorwagen,

deren Schwerpunkt erheblich höher liegt als

der der leichten einachsigen Talgo-Wagen.

Diese wären möglicherweise nicht aus den

Schienen gesprungen, aber das ist nicht beweisbar.

Wie kam es dazu, dass der Lokführer

Orientierungsprobleme hatte? Eine Ursache

könnte in der mangelhaften Signalisierung

und Sicherheitseinrichtung von Strecke

und Zug liegen. Die Hochgeschwindigkeits -

strecke Ourense – Santiago ist seit Dezember

2011 in Betrieb. Anders als alle anderen Neubaustrecken

ist sie in der spanischen Breitspur

1.668 Millimeter ausgeführt, nicht in

Normalspur. Außer in den stadtnahen Bereichen

von Ourense und Santiago erhielt sie

eine Ausstattung mit dem einheitlichen europäischen

Eisenbahnverkehrsleitsystem

ETCS (Level 1) sowie der spanischen ASFA

200, einer Art Induktiver Zugsicherung.

Probleme bei Strecke und Fahrzeug

Bei der Ausrüstung von Strecke wie Triebwagen

zeigten sich weitere Mankos. Das

ETCS ist der ASFA übergelagert, existiert

aber nur im reinen Schnellstreckenbereich,

nicht auf den Zufahrten von und zum Bestandsnetz.

Am Eingang zum vorletzten,

dem Mazorros-Tunnel, werden die Lok füh -


er durch ortsfeste Signaltafeln und akustische

Warntöne aufgefordert, vom ETCS auf

ASFA umzuschalten. Am Ende des Tunnels

erhalten sie dann durch Schilder und akustische

Signale den Hinweis, von maximal

220 km/h auf 80 km/h abzubremsen. Dabei

liegt die volle Verantwortung beim Lokfüh -

rer; er wird nur zweimal gewarnt. Die einzige

Überwachung besteht in der Sicherheitsfahrschaltung,

die den Zug abbremst, wenn

der Lokführer 30 Sekunden lang nicht reagiert

hat. Anders als das ETCS überwacht

die ASFA aber nicht die Einhaltung der Geschwindigkeit.

Sie greift nur ein, wenn der

Zug das 200-km/h-Limit überschreitet. Ansonsten

ist für die Einhaltung niedrigerer

Geschwindigkeiten allein der Lokführer zuständig,

wozu ihm das Langsamfahrstellenverzeichnis,

Signaltafeln und die eigene

Ortskenntnis dienen. Dass nicht der gesamte

Abschnitt zwischen den Bahnhöfen mit

ETCS ausgerüstet wurde, erklärte die Netzbetreibergesellschaft

ADIF mit von der Regierung

verordneten Sparmaßnahmen.

Hinzu kommt, dass die Software der

Trieb züge 730 nicht mit dem ETCS harmoniert,

weshalb die Züge nur von der ASFA

überwacht werden und mit maximal 200

km/h verkehren. Am 1. August, acht Tage

nach dem Unglück, installierte ADIF eine

ASFA-Balise, welche die Fahrgeschwindigkeit

überprüft und die Bremse aktiviert,

wenn 4,4 Kilometer vor der Unglückskurve

der Zug noch schneller als 160 km/h fährt.

Eine weitere überprüft, dass ein Zug nicht

mit mehr als 60 km/h in die Kurve einfährt.

Sechs Tage später verkündete das Ministerium

für Öffentliche Arbeiten, dass weitere

Sicherheitseinrichtungen im spanischen Eisenbahnnetz

installiert würden. Eine Konsequenz,

die, betrachtet man die Zahl der Toten

und Verletzten, mit einem sehr hohen

Preis bezahlt wurde.

Unglück in Kanada

Fatale Missverständnisse und Fehlverhalten

hatten bereits zu Monatsbeginn in Kanada

ein schweres Eisenbahnunglück verursacht.

Am Morgen des 6. Juli entgleiste in Lac-

Mégantic ein mit Rohöl beladener Güterzug

der Montreal, Maine and Atlantic Railway

(MMA). Einige Kesselwagen fingen Feuer

und explodierten; etwa 30 Gebäude wurden

zerstört, mindestens 47 Personen kamen

ums Leben. 2.000 Bewohner mussten evakuiert

werden.

Der 9.330 Tonnen schwere Güterzug war

mit fünf Dieselloks auf dem Weg in Richtung

Osten nach Saint John (New Brunswick) und

am Vortag gegen 23 Uhr in einem Nachbar -

ort abgestellt worden, damit der Lokführer

übernachten konnte. Zuvor schaltete er vier

der fünf Lokomotiven ab, die führende Lok

blieb zur Versorgung der Druckluftbremsen

des Zuges in Betrieb. Der Zug blieb unbewacht,

die Lokomotiven waren unverschlos-

Schwarzer Tag für Spaniens

Eisenbahnen: Wegen überhöhter

Geschwindigkeit entgleist am

24. Juli 2013 ein Talgo-Triebzug

bei Santiago de Compostela; der

hintere Generatorwagen gerät

in Brand (gr. Bild). Eine Überwachungskamera

hat die

Entgleisung gefilmt (kl. Bild)

picture-alliance/AP Photo (2)

Kurzmeldungen

20. Dezember 2012: DB Schenker Rail

Polska erhält die ersten beiden von

23 Vectron-Elloks von Siemens.

8. Januar: Mit der Eröffnung der

Neubaustrecke Figueres – Girona ist

die Normalspurverbindung zwischen

Spanien und Frankreich vollendet.

25. Februar: Auf der griechischen Neubaustrecke

Thriaisio – Ikonio fahren

erstmals Züge. Die aufwendig trassierte

eingleisige Güterverkehrs-Verbindung

schließt den Hafen Ikonio an das

Schienennetz an.

16. März: Die japanische Bahngesellschaft

JR East nimmt die Hochge -

schwin digkeitstriebzüge der Baureihe

E6 in Betrieb. Sie erreichen bis zu

300 km/h und befahren die Strecke

Tokio – Akita (Akita-Shinkansen-Linie).

23. März: Die Bluebell Railway, Mu -

seumsbahn im englischen Sussex, ist

wieder mit dem britischen Eisenbahnnetz

verbunden. Der wieder herge -

stellte Abschnitt schließt eine Lücke,

die über 50 Jahre lang bestand.

31. März: Süd-Koreas Experimentalzug

HEMU-400X erreicht zwischen Seoul

und Busan 421,4 km/h – nationaler

Rekord.

7. April: Auf der Zugfahrt zu einem

Auswärtsspiel seines Vereins AC Mailand

wird der italienische Fußballstar

Mario Balotelli beim Rauchen auf der

Toilette erwischt.

27. April: Dampflok 50 3654 der Veluw -

sche Stoomtrein Maatschappij in den

Niederlanden ist wieder betriebsfähig.

April: HectorRail aus Schweden

übernimmt 42 ICK-Wagen der Nieder -

län dischen Staatsbahn. Die Wagen,

um gebaute Bm 235 der DB, sollen aufgearbeitet

und als komplette Reisezüge

an schwedische Bahngesellschaften

vermietet werden.

14. Juni: Die neue Donaubrücke zwischen

Calafat in Rumänien und Vidin in

Bulgarien wird eröffnet.

17. Juni: Der erste von 20 bestellten

250 km/h schnellen Zügen für die Polnische

Staatsbahn PKP wird bei Alstom in

Savigliano/Italien vorgestellt. Der Siebenteiler

entspricht weitgehend dem

italienischen Pendolino ETR 600, besitzt

aber keine Neigetechnik.

Juni: Rund 15 Lokführer und Mitarbeiter

von Arriva tragen zu ihrem Dienst in

Stockholmer Vorortzügen Röcke.

Sie protestieren damit gegen die

Kleiderordnung ihres Arbeitgebers,

der ungeachtet der hochsommerlichen

Temperaturen „lange Hosen oder

R öcke“ vorschreibt.

BAHN EXTRA 1/2014 77


Chronik

| WELTWEIT

Slowakei: Im Güterverkehr der slowakischen Staatsbahn

leisten die Doppel-Elloks der Reihe 131 nach wie vor gute Dienste.

Im Oktober 2013 ist Lok 131 021/022 mit offenen Güterwagen

bei Strba unterhalb der Tatra unterwegs Marcus Benz

Nach der Stilllegung

der V250-Triebzüge

verkehren wieder

lokbespannte IC-

Garnituren zwischen

Belgien und den

Niederlanden.

186 231 (SNCB 2839)

ist am 6. Mai mit

IC 1218 Bruxelles-

Midi – Den Haag HS

unterwegs P. Kuhenne

Frankreich: Schon von außen ungewöhnlich sind die Doppelstock-TGV

für den Ouigo-Einsatz; sie tragen eine eigene Farbgebung Romain Viellard

78

sen. Nachdem ein Anwohner kurz vor Mitternacht

ein Feuer an der in Betrieb befind -

lichen Lok meldete, schaltete die lokale Feuerwehr

die Lok ab, um den Dieselzufluss zu

dem vermeintlichen Brandherd zu stoppen.

Tatsächlich hatte es sich aber nur um ganz

normale Dieselabgase des Triebfahrzeugs

gehandelt. Alle Beteiligten verließen den Ort.

Der nunmehr ungebremste Zug, der in ei -

nem leichten Gefälle stand, setzte sich allmählich

in Bewegung. Nach elf Kilo metern

entgleiste er in Lac-Mégantic in einer engen

Kurve; aus den beschädigten Wagen auslaufendes

Öl entzündete sich an der Lok, floss

brennend in die Kanalisation und setzte

dadurch auch entfernt liegende Häuser in

Brand. Es dauerte 48 Stunden, bis das letzte

Feuer gelöscht werden konnte. Der Gesamtschaden,

schätzungsweise 200 Millionen

CAD (144 Millionen Euro), überstieg das Anlagevermögen

der MMA, so dass diese Insolvenz

anmelden musste. Wenig später entzog

ihr die kanadische Transportbehörde die

Betriebslizenz. Ohnehin war das Netz der

Gesellschaft durch das Unglück zweigeteilt.

Unglück in Frankreich

Das dritte schwere Zugunglück des Jahres

ereignete sich am 12. Juli. Gegen 17:14 Uhr

entgleiste der IC 3657 von Paris nach

Limoges bei der Einfahrt in den Bahnhof

Brétigny-sur-Orge. Sechs Menschen starben.

Dies war das schwerste Eisenbahnunglück

in Frankreich seit dem Nachtzugunglück von

Nancy im Jahr 2002.

Der Zug bestand aus einer Ellok der Baureihe

BB 26000 und sieben Corail-Wagen. Er

war auf der in diesem Abschnitt viergleisigen

und für 150 km/h zugelassenen Strecke von

Paris nach Bordeaux unterwegs.

Als der IC mit 137 km/h über eine Kreuzungsweiche

200 Meter nördlich des Bahnhofs

Brétigny fuhr, löste sich eine Schienenlasche

und verklemmte sich am Herzstück.

Die Lok und die ersten drei Wagen verblie -

ben auf dem Gleis und passierten den mittleren

Bahnsteig; dagegen entgleisten die vier

letzten Wagen, von denen zwei quer über den

Bahnsteig schlitterten. Der Lokführer konn -

te das Unglück noch so rechtzeitig melden,

dass der Gegenzug gestoppt wurde und nicht

in die havarierten Wagen auf dem Nachbargleis

fuhr.

Die Ursache blieb weitgehend unklar. Die

staatliche Infrastrukturbehörde Réseau

Ferré de France (RFF) ordnete sofort eine Untersuchung

aller baugleichen 5.000 Weichen

und 100.000 Schienenverbinder im französischen

Schienennetz an. Festgestellt wurde,

dass die Schienenlasche wohl nur mit drei

statt mit vier Schrauben befestigt war und

sich diese aus unbekanntem Grund ge -

lockert haben müssen. T. Meyer-Eppler/GM


Polen: Im Bahnhof Krosno Odrzanskie treffen sich im April

ein Dampfsonderzug Wolsztyn – Gubin und ein Güterzug

mit einer Diesellok ST 43 M. Reimer

Kroatien: Zu den unwirtschaftlichsten Personenzügen im Land zählen die letzten

Leistungen des Inselbetriebs Ploče – Metković, die aus einem Wagen und einer

Ellok 1141 bestehen. Sie sollen zum Dezember 2013 eingestellt werden P. Kuhenne

Slowenien: Auf der Fahrt von Kamnik Graben nach

Ljubljana trifft Zug LP 3187 im August 2013 in Kamnik

Stadt ein; der Triebwagen wurde zum Teil von MBB gebaut

Tschechien: Die polnische Doppel-Ellok ET 41-86 ist im Frühjahr 2013 in Prag

zu Gast, wo sie einen Sonderzug für britische Eisenbahnfreunde übernimmt

Niels Kunick, Marco Frühwein (Bild links)

Belgien/Niederlande

FYRA gestoppt

Nur wenige Wochen verkehrten die FYRA-

Züge auf der Strecke Amsterdam Centraal –

Bruxelles Midi. Nach dem Start der Triebzüge

V250 am 9. Dezember 2012 kam es

durch Schotter- und Eisflug sowie Softwareprobleme

wiederholt zu Störungen und

Ausfällen; am 17. Januar 2013 untersagte

die belgische Eisenbahnsicherheitsbehörde

jegliche kommerzielle Fahrten der FYRA-

Züge in Belgien. Seitdem ver kehren wieder

acht lokbespannte Zugpaare des BeNeLux-

IC, jedoch nur zwischen Bruxelles Midi und

Den Haag und nicht, wie die FYRA-Züge,

auf der Schnellfahrstrecke. Ab Dezember

2013 sollten wieder bis zu 16 Zugpaare

des BeNeLux-IC täglich Amsterdam und

Brüssel verbinden. Philipp Kuhenne

Dänemark

Schnellfahrstrecke im Bau

Ende 2013 begannen die Bauarbeiten für

die erste dänische Hochgeschwindigkeitsstrecke

Kopenhagen – Ringstedt. Sie wird

für 250 km/h trassiert. Die anschließende

Hauptbahn nach Rödby soll für 200 km/h

ausgebaut werden. Über diese Strecke läuft

nach Fertigstellung des Fehmarnsundtunnels

der dann erheblich verstärkte Verkehr

von und nach Deutschland. TME

Frankreich

Ouigo am Start

Im Frühjahr 2013 hob die Staatsbahn SNCF

eine neue Zuggattung aus der Taufe, die

zumindest europaweit einmalig ist. Unter

dem Namen Ouigo setzt sie vier Doppelstock-TGV

mit „verdichteter“ 2.-Klasse-Ausstattung

(634 Sitze statt vorher 330 Sitze

2. Klasse plus 182 Sitze 1. Klasse) ein.

Buchungen sind nur über das Internet

möglich, die Fahrpreise variieren zwischen

10 und 85 Euro. Die Zahl der Gepäckstücke

ist begrenzt, Plätze an Steckdosen kosten

eine zusätzliche Gebühr. Reservegarnituren

gibt es nicht; fällt ein Zug aus, erhalten die

Kunden, die ausschließlich übers Internet

buchen können, per SMS die Aufforderung,

ihre Reise auf einen anderen Tag zu verschieben.

Die Ouigo-TGV verkehren auf den

lukrativen Strecken von Paris nach Marseille

bzw. Montpellier, halten aber teilweise

auf abgelegenen Bahnhöfen. Vom Start am

2. April bis Anfang September wurden

bereits mehr als eine Million Fahrkarten

verkauft. TME

Kurzmeldungen

Juli: Der ehemalige chinesische Eisenbahnminister

Liu Zhijun wird wegen

Korruption und Amtsmissbrauchs verurteilt.

Das Todesurteil wird ausgesetzt

und vermutlich in eine Haftstrafe

umgewandelt. Zhijun, maßgeblich am

Aufbau des Hochgeschwindigkeits -

netzes beteiligt, soll Bestechungs gelder

in Höhe von acht Mio. Euro angenommen

haben; er wurde im Februar 2011

aus dem Amt entlassen.

Juli: Ehemalige 628-Triebwagen der

DB fahren in Kanada. Nach der Modernisierung

in Hennigsdorf bei Berlin

kommen 628/928 102 und 103 als

Hotelzubringer rund um Baie-St. Paul

in der Provinz Quebec zum Einsatz.

8. September: Die Museumsbahn AMTF

Train 1900 in Luxemburg nimmt die

aufgearbeitete Lok ADI 12 in Betrieb. Die

Tenderlok, eine preußische T 7, wurde

1903 bei Hanomag gebaut und bespannt

nun Züge auf der Mu seumsstrecke

Pétange – Bois de Rodange.

23. September: Auch in Tschechien

starten 628er eine neue Karriere.

628/928 246 nimmt für Arriva vlaky den

Betrieb zwischen Kralupy nad Vitavou

und Praha-Masarykovo auf.

Karl Laumann/Tomas Meyer-Eppler

79


Chronik

| WELTWEIT

Rumänien: Im Grenzbahnhof

Curtici gastieren auch tschechische

„Laminatkas“ Uwe Miethe

Im Sudan kommen noch Dieselloks aus deutscher Produktion zum Einsatz. Lok 1918, ein

Henschel-Fabrikat, steht am 6. November 2013 mit ihrem Zug in Khartum Nord neben einem

Signal englischer Bauart – Internationalität pur Dirk Höllerhage (2)

USA: Gleich zwei berühmte

Dampfloks sollen wieder

dampfen: Die Union Pacific

plant die betriebsfähige

Aufarbeitung eines

„Big Boy“ und hat dazu

Lok 4014 nach Cheyenne

in Wyoming überführt.

Die Initiative „Fire up 611“

bemüht sich derweil um

die erneute Wiederinbetriebnahme

der Lok J611

der Norfolk&Western (Abb.)

Slg. Martin Weltner

Großbritannien

WCML weiter bei Virgin

Nachdem das britische Verkehrsministerium

schwere Mängel bei der Ausschreibung

eingeräumt hat, bleibt Virgin Trains

Betreiber der West Coast Main Line

(WCML). Die Strecke, die von London

Euston nach Glas gow Central führt und

dabei auch Manchester und Liverpool

anbindet, war Mitte 2012 zunächst an First

Group gegangen. Nach Enthüllung der

Fehler bei der Ausschreibung erhielt Virgin

Ende 2012 den proviso rischen Auftrag, den

Betrieb fortzuführen. Im Frühling 2013

wurde der Betrieb bis zunächst April 2017

verlängert. S. Ilo

Italien

Frecciarossa am Start

Am 26. März 2013 veranstaltete Ansaldo-

Breda in Pistoia das Rollout des neuen

Hochgeschwindigkeitstriebzugs Frecciarossa

1000. Die Italienische Staatsbahn

beschafft 50 der „Roten Pfeile“, die mit bis

zu 400 km/h zwischen Rom und Mailand

fahren sollen. Nach dem Rollout begann

die Erprobung des neuen Triebzugs; der

Betriebsstart ist für 2014 geplant. M. Gobbi

80

Marokko: 2013 feiert die Staatsbahn ONCF

ihr 50-jähriges Bestehen. Alle Bahnhöfe

wurden zu diesem Anlass mit einem

auffälligen Schmuck versehen. Im Bild der

Bahnhof Tanger Tomas Meyer-Eppler

Russland

Die ersten Schwalben

Mitte Januar 2013 begann für die Siemens-

Triebzüge Desiro RUS der Fahrgastbetrieb

im Regionalverkehr der Russischen Eisen -

bahnen (RZD). Unter dem Namen „Lastotschka“

(Schwalbe) bedienen sie die

Linien St. Petersburg – Weliki Nowgorod

und St. Petersburg – Bologoje. S. Ila

Spanien

Neue Strecke eröffnet

Am 17. Juni wurde der 165 Kilometer lange

Neubauabschnitt Albacete – Alicante der

Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid –

Alicante eröffnet. Seit 18. Juni verkehren

werktags 18 AVE-Zugpaare, es fahren die

Baureihen 100 (Alstom, vom TGV abgeleitet)

bzw. 112 (Bombardier/Talgo). Die Fahrzeit

Ukraine: Aus südkoreanischer Produktion stammen

die Hochgeschwindigkeitszüge HRCS-2, die bei der

Ukrainischen Eisenbahn Fernverkehrsaufgaben

übernehmen. Sie verbinden Kiew mit Charkow

(Foto), Donezk, Dnjepropetrowsk und Lwow J. Mauerer

sinkt um 50 Minuten auf zwei Stunden

20 Minuten, doch kostet die Mitfahrt fast

doppelt so viel wie beim Vorgänger. TME

Türkei

Bosporus-Tunnel eröffnet

Am 29. Oktober wurde der Maramaray-

Eisenbahntunnel zwischen dem europäischen

und dem asiatischen Teil Istanbuls

eröffnet. Er besteht aus einem 1,4 Kilo meter

langen Abschnitt im Meeresboden des

Bosporus sowie zwei Zufahrtstunneln mit

zusammen 12,2 Kilometer Länge. Im Landbereich

entstanden vier unterirdische

Bahnhöfe. Zunächst wird die Strecke zwi -

schen Kazliçe me (Europa) und Ayrilikçesme/Ibrahimaga

(Asien) nur von S-Bahn-

Zügen befahren. Die vollständige Einbindung

in die vor handenen Strecken ist für

Juni 2015 geplant. TME


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der Aufbruchzeit nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ausbau des Schienennetzes

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Bilderbogen

| BAHN-STILLLEBEN

Eigene Perspektiven

Moderne Züge, betriebsame Bahnhöfe, der Verkehr rollt –

das ist die eine Seite der heutigen Bahn. Die andere besteht aus den

ruhigen Momenten, kleinen Details und verblüffenden Einsichten.

Ein Streifzug in Sachen Stillleben

Kalt erwischt: Winter-Impression an

einem Kesselwagen im Rangierbahnhof

München Ost, Februar 2013 Thomas Schwarze

Des Lokführers Anlaufstelle seit eh

und je; Hinweis-„Schild“ im Bw Würzburg,

Juni 2013 Thomas Schwarze

Verteiler für die Pantografen:

Fahrleitungsspinne im Bw Würzburg,

Juni 2013 Thomas Schwarze

82

Die Basis für die Fahrt: Bremszettel

im Steuerwagen der RegionalBahn

nach Mittenwald, März 2013

Veselin Kolev


Bewährte Technik: Das

Stellwerk 3 im Rangierbahnhof

München Ost steuert

Weichen und Signale noch

mechanisch, genauer, mit

Drahtzug und Hebelwirkung

(Februar 2013) Thomas Schwarze

BAHN EXTRA 1/2014 83


Fokus

| FERNBUS HAMBURG – BERLIN

Straße statt Schiene: Dreieinviertel Stunden braucht „Meinfernbus“ auf der Autobahn von

Hamburg nach Berlin ... Frank Berno Timm, Slg. Timm (u.)

Eine Konkurrenz

zur Bahn?

... und ist dabei eineinhalb Stunden langsamer

als der ICE; dafür kostet die Busfahrt auch nur

ein Viertel Verena Brandt (o.), Georg Wagner/DB (u.)

Seit 1. Januar 2013 ist der Fernbusmarkt frei, die Linien schießen

nur so aus dem Boden. Was bringen sie im Vergleich zur DB? BAHN EXTRA

machte die Probe aufs Exempel: am Beispiel Hamburg – Berlin

Die Auswahl ist groß: Berlinlinienbus, Flixbus, ADAC Postbus,

alle fahren von Hamburg nach Berlin. Ich entscheide mich

für Meinfernbus, den, nach eigenen Angaben, Marktführer.

Das Buchen läuft übers Internet, ähnlich wie der Ticketkauf bei der

DB. Tags darauf geht’s zum Bahnhof, oder besser, Omnibusbahnhof.

Der befindet sich gleich neben dem Hauptbahnhof, liegt also zentral.

Morgens um kurz vor acht ist es dort noch vergleichsweise ruhig.

Dann biegt der „große Grüne“ – alle Meinfernbus-Fahrzeuge haben

einheitliche Farben – in seine Haltestelle ein, der Wagen kommt aus

Kiel. Der Fahrer öffnet die Kofferräume, dann werden die Buchungsbestätigungen,

auf denen QR-Codes gedruckt sind, mit dem Smart -

phone geprüft. Mein Name blinkt auf, ich darf einsteigen.

Drei Stunden 16 Minuten bis Berlin

So viele Reisende wie befürchtet wollen nicht mit. Die Sitzplätze im

Bus sind zwar bequem, aber für einen Großgewachsenen grenz wer -

tig. In der Tasche des Vordersitzes steckt eine Pappe: WLAN wäre

möglich, „Snacks“ sind beim Fahrer zu haben. Dann heißt es „Anschnallen“,

es geht pünktlich und auf direktem Weg durch Ham -

burger Freitagsberufsverkehr auf die Autobahn A24.

Der Fahrer stellt sich über Lautsprecher vor, dann

läuft eine deutsch/englische CD mit kurzen Hinweisen,

bis Berlin kehrt Schweigen ein. Drei Stunden

und 16 Minuten liegen vor uns, 277 Kilometer, fast

ausschließlich Autobahn. Zwischen sta tio nen gibt es

nicht. Der ICE braucht für diese Strecke eine Stunde

43 Minuten, ein normaler IC zwei Stunden fünf Minuten,

jeweils mit Unterwegshalten. Aber: 76 Euro

ist der Normalpreis beim ICE, 62 Euro beim IC. Ich

zahle für den grünen Bus 19,25 Euro. Da sind die

Verhältnisse klar abgesteckt. Ein Viertel des Bahn-

84

Hamburg – Berlin und zurück für 38 Euro:

Das ist das Angebot von „Meinfernbus“

preises für eine bis eineinhalb Stunden Fahrzeit mehr – und für etwas

mehr Aufwand, sich in Berlin zu orientieren. Der Omnibusbahnhof

dort ist rund doppelt so groß wie das Hamburger Gegenstück. Das

erfahre ich, als mein Bus um 10:36 Uhr in der Hauptstadt vorfährt.

Als es abends zurück geht, herrscht Hochbetrieb: Hamburg, Warnemünde,

Kopenhagen heißen die Ziele. Die Liste der Operateure

ist bunt, Reisende werden mit Ansagen und einem großen Bildschirm

über ankommende Busse informiert, es herrscht die gleiche Atmosphäre

wie auf einem „richtigen“ Bahn hof – kleine Geschäfte, Taxistand,

Bahnhofsklo und Schließfächer inbegriffen.

Insbesondere junge Leute fahren mit

Unser Bus kommt. Sehr schick und neu, viele Leute wollen hinein.

Es ist ein bestimmter Menschenschlag, der hier unterwegs ist: Junge

oder jung gebliebene, die mit wenig Geld von einem Ort zum andern

fahren. Fehlt etwas? Ja. Kleiderhaken für die Jacke und ein bisschen

Platz – sonst ist alles da. Ich sitze direkt hinter dem Fahrer. So tun

Fernbusfahren ist eine Alternative –

vor allem, wenn man günstig reisen

will und ein paar Abstriche hinnimmt

sich Perspektiven auf, die Bahnreisende nur in der ICE-Lounge oder

im IC-Steuerwagen kriegen. Aber preislich eben erhöht. Über die

Autobahn kommen wir alles in allem gut durch. Kurz vor 22 Uhr ist

Hamburg erreicht, es warten schon neue Fahrgäste auf den Bus.

Fest steht: Fernbusfahren ist eine Alternative – vor allem, wenn

man günstig reisen will und ein paar Abstriche hinnimmt. Der

Service ist professionell, gut organisiert und unaufdringlich. Die DB

sagt, dass der Fernbusverkehr nahezu keine Auswirkungen auf ihr

Geschäft habe. Stimmt das? Ganze Kundengruppen sind dabei, in

den Fernbus abzuwandern. Und das Rennen hat gerade erst begonnen.

So, wie es aussieht, muss die Bahn wohl eher einiges unternehmen,

wenn sie konkurrenzfähig bleiben will. Frank Berno Timm/GM


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Fokus

| WIEDERERÖFFNUNG DER VOLME-AGGER-BAHN

Vor der Rückkehr

Im Rahmen des „Dieselnetzes Köln“ geht Ende 2013/Anfang 2014 der

Abschnitt Marienheide – Meinerzhagen wieder in Betrieb. Es ist die nächste

Etappe zur Reaktivierung der Nebenbahnverbindung Lüdenscheid – Köln

Die Kursbuchstrecken 459 Köln –

Gummersbach – Marienheide und

434 (Dortmund –) Hagen – Brügge (–

Lüdenscheid) sind heute nördlicher und südlicher

Rest der „Volme-Agger-Bahn“, die

ihren inoffiziellen Namen durch die hauptsächlich

befahrenen Flusstäler erhielt. Bis

1979 gab es hier abseits der großen Hauptstrecken

durchgehende Eilzugverbindungen

Hagen – Köln, quer durch westliches Sauerland

und Bergisches Land im Zweistundentakt.

Zunehmender Individualverkehr und

Rettung nach der Ausschreibung

Alle Bemühungen, den Personenverkehr

wieder zu beleben, schienen Anfang 2011 im

Sande zu verlaufen. Am 25. Februar des Jahsonenverkehr

zwischen Marienheide und

Gummersbach, so dass zwei Stichbahnen

von Gummersbach aus in den Ballungsraum

Köln und von Lüdenscheid/Brügge aus ins

östliche Ruhrgebiet nach Dortmund übrig

blieben.

Schon bald aber mehrten sich die Stimmen,

die eine Reaktivierung der Strecke zwischen

Brügge und Gummersbach forderten.

Trotz Desinteresse bei zahlreichen Lokal -

politi kern wurde 1998 ein Gutachten zur

Wirtschaftlichkeitsberechnung der Strecke

Raum Lüden scheid, die sich ehrenamtlich

im Aktionsbündnis Volme-Agger-Bahn engagierten,

konnten nur die Frage der Reaktivierung

weiter thematisieren. Den Entscheidungsprozess

beschleunigten ihre Podiumsdiskussionen,

Gesprächsrunden und die

Presse arbeit nicht. Im Gegenteil!

Das Netz rund um die Volme-Aggerbahn: Die Strecke Marienheide – Meinerzhagen

(grau) wird 2013/2014 reaktiviert, die Wiederinbetriebnahme der Verbindung Meinerzhagen

– Brügge (lila) soll bis Dezember 2015 folgen. Die Strecke Meinerzhagen –

Krummenerl dient nur dem Schotterverkehr Anneli Nau/Christoph Riedel

unwirtschaftlicher Fahrzeugeinsatz führten

zunächst zur Aufgabe dieser Züge. Immer -

hin konnte aber zwischen 1981 und 1984 die

ganze Strecke noch mit einmaligem Umsteigen

in Brügge befahren werden. Als dann

1984 nur noch ein Dreistundentakt zwischen

Brügge und Dieringhausen angeboten wur -

de, war das Ende des Personenverkehrs auf

dem mittleren Streckenstück nur noch eine

Frage der Zeit. Am 31. Mai 1986 befuhr der

letzte planmäßige Nahverkehrszug die

Strecke zwischen Brügge und Marienheide,

im Abschnitt Meinerzhagen – Marienheide

wur de sogar der gesamte Schienenverkehr

eingestellt. 1987 endete dann auch der Per-

86

in Auftrag gegeben, das im April 1999 vorlag.

Bei einer prognostizierten Zahl von 4.500 bis

5.200 Reisenden täglich wurde die stufenweise

Reaktivierung empfohlen. Der Hinweis,

dass dies eine entsprechende politische

Willensbildung der beteiligten Gebietskörperschaften

voraussetze, sollte sich aber als

allzu berechtigt erweisen. Zwar wurden im

Frühjahr 2003 die bisher in Gummersbach

endenden Züge bis Ma rienheide durchgebunden

und die Strecke zwischen Marienheide

und Meinerzhagen grundlegend saniert,

es blieb aber seitens der politischen

Verantwortlichen bei unverbindlichen Absichtserklärungen.

Auch die Bürger aus dem


es schrieb die DB AG das Streckenstück

Brügge – Meinerzhagen und die in Meinerzhagen

abzweigende Güterstrecke nach

Krummenerl zum Ver kauf aus. Der Grund:

Güterverkehrs-Einnahmen in Höhe von

48.600 Euro standen Ausgaben in Höhe von

104.800 Euro gegenüber; ein wirtschaftlicher

Betrieb schien nicht mehr möglich. Es war

kaum anzunehmen, dass bei einem Kauf -

preis von rund 666.000 Euro und anste hen -

den Investitionen in Millionenhöhe ein anderes

Eisenbahninfrastrukturunternehmen

die Strecke übernehmen würde. Folglich

stand die Stilllegung des Abschnitts Brügge

– Meinerzhagen und mangels Perspektive

auch des anschließenden Stücks bis Marienheide

unmittelbar bevor. Und das, obwohl

inzwischen die Anrainerkommunen den

Wert einer durchgehenden Bahnlinie er -

kannt hatten und vehement die Wiederaufnahme

des Personenverkehrs forderten.

Doch es wendete sich noch zum Guten.

Mit der Landtagswahl zuvor war ein Befürworter

der Strecke ins Amt gekommen. Gemeinsam

konnten Kommunen, der Märkische

Kreis, der neue Landtagsabgeordnete

und die Deutsche Bahn die Landesregierung

Nordrhein-Westfalens überzeugen, die finanziellen

Mittel für die Erneuerung der

Bis Köln Hauptbahnhof

brauchen die Triebwagen

eineinhalb Stunden

Strecke und den Umbau der Bahnhöfe bereit

zu stellen.

Im Herbst 2011 begannen die Sanierungsarbeiten.

Sie sollen 2015 abgeschlossen sein,

so dass dann möglicherweise zum Jahresende

durchgehende Züge zwischen Lüdenscheid

und Köln Hansaring fahren können.

Im Dezember 2013 geht bereits das erste Teilstück

Marienheide – Meinerzhagen wieder

in Betrieb, wobei die eigentlich im Tarifgebiet

des Verkehrsverbundes Ruhr-Lippe liegende

Stadt Meinerzhagen in den Tarif des Verkehrsverbunds

Rhein-Sieg eingebunden ist.

Die gesamte Strecke gehört zum „Dieselnetz

Köln“ und wird nach Ablösung der Triebwagen-Reihen

643 und 644 (Talent) von den

neuen Triebwagen der Reihen 620 (LINT 54)

und 622 (LINT 81) befahren. Bis Köln Hauptbahnhof

brauchen sie eineinhalb Stunden.

Die neuen Fahrzeuge sollen nach Auskunft

der DB AG aber frühestens im Frühjahr 2014

verkehren. Vorgesehen ist, dass ein Fahrzeug

der zu zweit oder zu dritt verkehrenden Einheiten

in Gummersbach vom Zugverband

getrennt wird und allein bis Meinerzhagen

fährt (ab 2015 weiter bis Lüdenscheid).

Bis dahin gilt es im oberenVolmetal noch

einige ungesicherte Bahnübergänge zu beseitigen

und die Bahnhöfe von Kierspe und

Brügge umzugestalten. Aber: Die Reaktivierung

der Volme-Agger-Bahn läuft.

Christoph Riedel

Als Sonderzug kamen am 30. Mai 2009 Fahrzeuge der Wiehltalbahn auf die nicht plan mäßig befahrene Strecke Meinerzhagen – Marienheide

(Bild in Meinerzhagen). Mit solchen Veranstaltungen warb das „Aktionsbündnis Volme-Agger-Bahn“ für die Reaktivierung Christoph Riedel

BAHN EXTRA 1/2014 87


Bilderbogen

| BAHN-IMPRESSIONEN

Auf

Schienentouren

Oben: Nostalgie, Teil eins – anlässlich „40 Jahre Bahnwerk Neustrelitz“ gibt es dort am 27. September 2013 eine Fahrzeugparade. Von links

nach rechts sind aufgestellt: die MAN-Schienenbusse VT 11 / VS 12 der Osning-Bahn, 221 145 (die letzte in Neustrelitz aufgearbeitete V 200.1

aus Griechenland), 771 601 und 001 des Vereins Hafenbahn Neustrelitz, eine G 1206 von Alpha Trains sowie 229 181 von DB Netz S. Schrader

88


Nostalgie, Teil zwei – im Mai 2013 veranstaltet SteamStoryAgency eine einwöchige Dampflok-Sonderfahrt durch Tschechien

und die Slowakei (l.); der Bahnhof Nossen bietet noch historische Accessoires (r.) Martin Weltner, Volker Emersleben (r.)

89


Bilderbogen

| BAHN-IMPRESSIONEN

Formsignale, Pilzlampen und hölzerne

Bahnsteigüberdachung: Im Bahnhof

Nossen scheint die Zeit stehen zu bleiben.

Da wirken die verkehrsroten Desiro-Triebwagen

irgendwie deplatziert (Mai 2013)

Volker Emersleben

90

Romantische Nischen

Auf zur Zeitreise! Zurück in die Bahn-Vergangenheit

mit Formsignalen und Pilzlampen, auf zu beschaulichen

Stationen und hübschen Szenerien. Die Bahn von heute

ist unromantisch? Hier nicht!

Nicht nur ein Triebwagen macht

in der ODEG-Abstellanlage nahe

des alten Bw Berlin-Lichtenberg

Pause. Auch ein Maskottchen tut

es ihm dort gleich Michael Reimer


Kontrollgang im Bahnhof Tegernsee:

Auch in den ruhigeren Ecken des

Netzes hat alles seine Ordnung ...

Veselin Kolev

Selbst ist der Triebfahrzeugführer:

Auf der

Strecke Neustrelitz –

Mirow muss er in

Zirtow für seinen Zug

die Schranke kurbeln

Bodo Schulz

91


Bilderbogen

| BAHN-IMPRESSIONEN

Der Hamburg-Köln-Express stockt

2013 auf. Und weil kein einheit -

liches Material zur Verfügung steht,

werden die Züge recht bunt. Sehr

zum Vergnügen von Eisenbahnfreunden

und Fotografen (bei

Essen-Frillendorf, 19. Juli 2013)

Marcus Henschel, Stefan Aldejohann (u.)

Im April 2013 ist die Strecke Dortmund – Hamm an drei Wochen -

enden gesperrt, die RE-Züge fahren über Güterstrecken. So kommt

es am 20. April bei Dortmund-Obereving zum Treffen mit der U 47

Echte Fußball-Begeisterung in Darmstadt:

Zum Spiel des SV 98 zeigt ein Stellwerker

in Kranichstein Flagge (Febr. 2013)

Karl Laumann

Bahn-Besonderheiten

Ungewöhnliche Züge, ungewöhnliche Dienste, ungewöhnlicher

Betrieb – der Bahn-Alltag 2013 bietet eine Reihe von, sagen wir,

Sonderlösungen. Schließlich heißt es „keine Regel ohne Ausnahme“

Nochmals Eisenbahn-Gesellschaft

Potsdam, nochmals

Neustrelitz – Mirow:

Die „Ferkeltaxe“ als

Straßenbahn ist ein

weiteres betriebliches

Highlight 2013

Heiko Focken

92


England ist bekannt

für spleenige Ideen –

tatsächlich ist diese

Loko motive aber eine

belgische Konstruktion!

Die Kranlok von

Dubs gehört heute der

englischen Museumsbahn

Foxfield Railway

Andrew Thompson

93


Bilderbogen

| BAHN-IMPRESSIONEN

Zu Besuch in Südfrankreich: Auf der Strecke von Marseille

nach Miramas passieren die Züge der Staatsbahn SNCF diese

mächtige Drehbrücke; sie führt über die Passage zwischen

dem Mittelmeer und einem Binnensee Felix Löffelholz

Hier schlägt das neue

(Eisenbahn-)Herz

von Wien: Zugverkehr

am futuristischen

Hauptbahnhof

Volker Emersleben

94


Spannende Bahn

Spektakuläre Bauten, tolle Einblicke, kühne

Moderne: Auch das ist das Bahnwesen von heute.

Erst recht bei einem internationalen Ausflug

Wer im Stadtforst von Berlin unterwegs ist, trifft bisweilen regen Fernbahnverkehr.

Bei Rahnsdorf unterbricht die 152 am 29. Oktober nur kurz die herbstliche Ruhe;

mit einer Schwesterlok und einem Erzzug fährt sie nach Ziltendorf Sebastian Schrader

Zum Südrampenfest

anlässlich „100 Jahre

Lötschbergstrecke“

fährt die BLS am

7. September 2013 auf –

mit einem Sonderzug

auf dem beleuchteten

Luoglkinviadukt

Armin Schmutz

95


Fokus

| 20 JAHRE DEUTSCHE BAHN AG

Foto Dürr: Picture-alliance/dpa; Ludewig: Arne Dedert/picture-alliance/dpa;

Die Ära Heinz Dürr

(1994 bis 1997)

Aus zwei mach’ eins: Heinz Dürr, Vorstandsvorsitzender der

Deutschen Bundesbahn, und derselbe Heinz Dürr, Vorstandsvorsitzender

der Deutschen Reichsbahn, führten die beiden Bahnen am

1. Januar 1994 zur Deutschen Bahn AG zusammen. Den Posten des

DB-AG-Vorstandsvorsitzenden übernahm: Heinz Dürr. Der Stuttgarter

brachte überwiegend Bundesbahn-Gut ein. Zug gattungen,

Uniformen, Fahrpreise kamen von da, auch das Logo wirkte wie ein

abgespecktes Bundesbahn-Emblem. Nur die Bundesbahn-Beamten

wurden nicht übernommen. Zumindest nicht unmittelbar, sondern

mit dem Umweg der Ausgliederung und Anmietung über das Bundeseisenbahnvermögen.

Eine Art „sale and lease back“ von Humanressourcen.

Man war ja nun eine Aktien gesellschaft!

Frei von behördlichen Fesseln und Altschulden begann Dürrs

DB AG alsbald eine beispiellose Modernisierungsoffensive im Nahverkehr.

Begleitet war das von Dürrs Paradigmenwechsel, wonach

die DB von der Industrie fertig entwickelte, billige Fahrzeuge „von

der Stange“ kaufen wollte – technische Probleme nicht ausgereifter

Typen kaufte sie dabei mehr als einmal mit ein. Um die Züge gut

auszulasten, setzte die DB AG im Nahverkehr auf das „Schöne-

Wochenende-Ticket“: zwei Tage Deutschland für fünf Personen zu

umgerechnet 7,50 Euro! Der Nahverkehr stieg im Ansehen. Übrigens

auch optisch, denn die etwas kühlen „Produktfarben“ von DB und

später DR wichen dem kräftigen, bis heute aktuellen Verkehrsrot.

Daneben sollten Ansehen und Prestige aufpoliert werden. Dafür

stehen mehrere „21“-Bahnhofsprojekte, von denen das in Stuttgart

heute als einziges vehement verfochten (und realisiert) wird. Der

Zuwachs bei der ICE-Familie fällt ebenso in die Ära Dürr, bis hin

zum 300-km/h-Sprinter ICE 3. Für den kleinen Bruder von ICE und

IC hatte Dürr dagegen nichts übrig: Der Interregio musste weichen.

So ein Mittelding zwischen Fern- und Regionalverkehr entsprach

nicht der klaren Aufgabentrennung der Unternehmensbereiche.

Ebendiese Atomisierung des Systems Eisenbahn führte jedoch auch

zu Entfremdungen im Konzern. Blüten, dass Lokpersonale (Geschäftsbereich

Traktion) ihr Mineralwasser nicht mehr in den Kühlschränken

in Bahnhöfen (Geschäftsbereich Netz) lagern durften,

waren da noch das harmloseste. Übrigens: 100 Kilometer Bahnfahrt

kosteten bei Heinz Dürr 1994 umgerechnet 10,70 Euro (ehem. Bundesbahnland)

bzw. 7,50 Euro (ehem. Reichsbahnland).

Die Ära Johannes Ludewig

(1997 bis 1999)

Eine Ära kann man die zwei Jahre unter Johannes

Ludewig eigent lich kaum nennen. Wirkliche Akzente

setzte der schnauzbärtige Hamburger nicht. In Erinnerung bleiben

vor allem die „Info-Riesen“, große bunte Stahlfiguren auf den Bahnsteigen.

In seine Zeit fällt der Beginn des Online-Fahrkarten-Ver -

kaufs („Surf & Rail“) und der Kahlschlag im ostdeutschen Nebenbahnnetz

(durch Abbestellungen der Bundesländer, aber auch durch

hausgemachte Infrastrukturmängel). Und dann ist da noch der fragwürdige

Auftritt kurz nach der ICE-Katastrophe von Eschede, bei

der im Juni 1998 letztlich 101 Menschen starben. Fast stoisch erklärte

Ludewig im Fernsehen, die ICE-Züge seien schon Millionen Kilo -

meter sicher gefahren – nicht das, was sich die Trauernden als Trost

Vier

Köpfe

– vier

Konzepte

Zum 1. Januar 1994 löste die

Deutsche Bahn AG Bundesbahn

und Reichsbahn ab. Damit begann

weit mehr als nur die Zusammenführung

der beiden vorigen Bahnen.

Die Bahnreform nahm Fahrt auf,

bei der DB geprägt von bis heute

vier Vorstandsvorsitzenden

96


Foto Mehdorn: DB AG/Busse; Grube: THD

wünschen. Übrigens: Für 100 Kilometer Bahnfahrt 2. Klasse nahm

die DB 1997 umgerechnet 11,60 Euro (West) bzw. 10,90 Euro (Ost).

Die Ära Hartmut Mehdorn

(1999 bis 2009)

Der Neue sollte kämpferischer sein, und der Mann,

der da kam, krempelte auch gleich die Ärmel hoch. Es

folgte der Umzug der Zentrale von Frankfurt nach Berlin (2000),

hinein in den „Bahn-Tower“, ein Protz-Hochhaus am Potsdamer

Platz und einer der teuersten Orte der Hauptstadt. Im Gegensatz zu

der fröhlichen Prasserei stand Hartmut Mehdorns rigider Sparkurs,

um die Deutsche Bahn AG auftragsgemäß an die Börse zu hieven.

Das hieß Sparen bei der Fahrzeugbeschaffung, Sparen bei der Infrastruktur

– nur das Sparsystem „PEP“, das der Hamburger 2002

nach Luftfahrtvorbild seinen Fahrgästen verordnen wollte, fiel aufgrund

komplizierter Gestaltung durch. Egal. Mehdorn verbiss sich

in seine Aufgaben, und je länger das währte, umso verbissener wurde

er. Er legte sich an mit Wirtschaftsgrößen, Fahrgastverbänden, Gewerkschaften,

Politikern und Lokführern. Er quetschte seine DB AG

so sehr aus, dass Züge wegen Personal- und Fahrzeugmangels ausfielen.

Er träumte von der Bahn als Global Player und verkaufte heimisches

Tafelsilber, wie das interne Basa-Telefonnetz. In Mehdorns

Zeit fällt aber auch die Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecken

Köln – Frankfurt und Ingolstadt – Nürnberg sowie des Berliner

Hauptbahnhofs, außerdem der Start des deutsch-franzö sischen ICE-

/TGV-Verkehrs. Und am 10. Juni 2004 verkehrte zwischen Radebeul

Ost und Radeburg mit 099 720 die letzte planmäßige Dampflok in

Diensten einer deutschen Staatsbahn; weiter ging’s unter privater

Regie. Auf der Zielgerade zum Börsen gang, bei dem er das bundeseigene

Bahnvermögen für einen Bruch teil seines Wertes verscher -

beln wollte, bremsten Mehdorn zwei Hemmschuhe aus: die Wirtschaftskrise

sowie die Datenaffäre, bei der er seine Mitarbeiter bespitzeln

ließ. Das war selbst der Politik zu hemdsärmelig. Übrigens:

Die in Ost und West harmonisierten Fahrpreise betrugen 1999 umgerechnet

13,50 Euro ab 100 Kilometer.

Die Ära Rüdiger Grube

(seit 2010)

Nach dem Klima der Angst versuchte sich der aus

der Automobilindustrie geholte Dr. Rüdiger Grube an Schadens -

begrenzung und vielleicht sogar an Wiedergutmachung. Der Hamburger

(wieder einer!) stellte den Schienenverkehr vor den Börsengang

und zeigt sich gern mit den Mitarbeitern seines Konzerns

(O-Ton: „Ihr macht einen Spitzenjob!“). Spätfolgen der Mehdorn-

Ära wie die kaputt gesparte Berliner S-Bahn oder die Fahrzeug -

engpässe im Fernverkehr sind aber noch zu beheben. Grube ließ die

Infrastrukturkosten für die Nutzer seiner Anlagen explodieren, investierte

andererseits auch wieder mehr Geld in die Gleise. Auf dem

politischen Parkett versuchte er es mit leisen Tönen – bislang ohne

großen Erfolg. Gegenüber der Industrie trat er entschiedener auf,

besonders nach den Reinfällen mit verschiedenen Neufahrzeugen.

Das Ergebnis steht noch aus.

Übrigens: Für 100 Kilometer zahlt man bei der DB AG heute im

Nahverkehr 19,50 Euro, im ICE unter Umständen das Doppelte. Verglichen

mit 1994, ging es bei den Preisen also fleißig aufwärts. Ob

das auch so für die Eisenbahn gilt? Heiko Focken/Max Esser

Im August 2013 erreicht 103 235 mit IC 119

Stuttgart Hauptbahnhof. Das Tunnelbahnhofsprojekt

„Stuttgart 21“ wurde in der Ära Dürr

aus der Taufe gehoben und von allen Nach -

folgern fortgeführt. Die Kosten stiegen dabei

von 2,45 auf 5,8 Milliarden Euro Heiko Focken

BAHN EXTRA 1/2014 97


Vorschau

| IM NÄCHSTEN HEFT

Thema: Deutsche Reichsbahn 1939

Am Vorabend des Krieges

Impressum

1/2014 | Januar/Februar

25. Jahrgang | Nummer 128

Internet: www.eisenbahnwelt.de

Redaktionsanschrift:

BAHN-EXTRA

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Redaktion: Martin Weltner, Alexandra Wurl

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Zwei Schnelltriebwagen der Bauart „Köln“ warten 1939 im Anhalter Bahnhof auf die Abfahrt

nach München und Stuttgart. Bis zum August gibt es den Schnellverkehr mit den modernen

Fahrzeugen; dann beginnt Deutschland den Krieg, die Triebzüge werden abgestellt. Das

nächste BAHN EXTRA zeigt die Reichsbahn im Übergang von Frieden zu Krieg – an einer

Zeitenwende, die alles verändern sollte Slg. Dr. Alfred Gottwaldt

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Zuletzt erschienen:

BAHN EXTRA 3/2013 – Bahn-Faszination Schweiz

BAHN EXTRA 4/2013 – ICE

BAHN EXTRA 5/2013 – DR zu Ulbrichts Zeiten

BAHN EXTRA 6/2013 – Bundesbahn 1975

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ISSN 0937-7174 l ISBN 978-3-86245-194-4

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