GARTENBAHNEN Eine E91 für Spur 5 Zoll (Vorschau)
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04<br />
2013<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong><br />
ISSN 1433-0180 7,– [D] 7,30 [A] 7,30 [EU] sfr 12,50 E 45616<br />
GARTEN<br />
BAHNEN<br />
November<br />
Dezember<br />
Januar<br />
Große Modelleisenbahnen mit Personenbeförderung<br />
<strong>Eine</strong> <strong>E91</strong> <strong>für</strong><br />
<strong>Spur</strong> 5 <strong>Zoll</strong><br />
➜ Neue Museumslok bei der Scheueringer Querbahn<br />
➜ Parkbahn Schmiden ➜ Ein Gm 02 der Gattung „Berlin“
GARTEN<br />
BAHNEN 04 / 13<br />
INHALT<br />
Stephan Aulhorn berichtet<br />
über „Das Spannelement“.<br />
Seite 12<br />
Porträt<br />
Ein Gm 02 der Gattung „Berlin“. . . . . . . . . . . . . . . 6<br />
Werner Schmidt<br />
Abenteuer Eisenbahn<br />
– aus OSTRAs Tagebuch – Teil 3 . . . . . . . . . . . . . . 26<br />
Der letzte Dampflokführer<br />
Meine Erinnerungen, aufgeschrieben 1992, Teil 1 . . 32<br />
Erwin Niggemann<br />
<strong>Eine</strong> <strong>E91</strong> <strong>für</strong> <strong>Spur</strong> 5 <strong>Zoll</strong> –<br />
„Der Weg ist das Ziel“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36<br />
Peter Mews<br />
Jeder hat mal klein angefangen … . . . . . . . . . . . . 40<br />
Alexander Beck<br />
Ein kleiner Schienendrehkran –<br />
in Memoriam Peter Kain . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46<br />
Bernd Schmidt<br />
Glos se<br />
Neue Museumslok<br />
bei der Scheueringer Querbahn. . . . . . . . . . . . . . . 22<br />
Wolfgang Baierl<br />
Pr axis<br />
Lesen Sie ab Seite 32 über den<br />
letzten Dampflokführer.<br />
Über die Straßenbahnkupplung<br />
<strong>für</strong><br />
Gütertriebwagen<br />
schreibt Wolfgang<br />
Rudolph ab Seite 38.<br />
Das Spannelement . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12<br />
Stephan Aulhorn<br />
Plastics versus Rotguss. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18<br />
Siegfried Baum<br />
Straßenbahnkupplung <strong>für</strong> Gütertriebwagen. . . . . 38<br />
Wolfgang Rudolph<br />
Bleiakku – FAQ. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43<br />
Peter Bickel<br />
Rubriken<br />
Forum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2<br />
Poster . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24<br />
Börse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5<br />
Termine. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11<br />
Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48<br />
<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013<br />
1
Editorial<br />
Forum<br />
Liebe Leserinnen<br />
und Leser!<br />
Auch in der November-Ausgabe<br />
der <strong>GARTENBAHNEN</strong><br />
haben wir wieder interessante<br />
Berichte <strong>für</strong> Sie zusammengestellt.<br />
Exemplarisch möchte<br />
ich hier auf die in der letzten<br />
<strong>Vorschau</strong> angekündigten Artikel hinweisen: Werner<br />
Schmidt berichtet in seinem Artikel anschaulich vom Bau<br />
seines Güterwagens Gm 02 der Gattung Berlin. Im Porträt<br />
über den letzten Dampflokführer berichtet Erwin Niggemann<br />
aus seinem spannenden Berufsleben. Der Bericht<br />
über die neue Diesellok von Thomas Adler wird aus redaktionellen<br />
Gründen erst in der nächsten Ausgabe erscheinen.<br />
Gerne möchte ich Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser,<br />
auch in dieser Ausgabe die Frage stellen, auf was<br />
haben Sie in den letzten Ausgaben bisher vergeblich<br />
gewartet? Gibt es Themen, Bereiche, die von unseren<br />
Autoren bisher nicht aufgegriffen, angesprochen worden<br />
sind? Scheuen Sie sich nicht, schicken Sie uns ein paar<br />
Zeilen, eine Mail, einen Brief und lassen Sie uns wissen,<br />
wo Sie als Dampf- und Gartenbahner noch der „Schuh<br />
drückt“. Gerne nehmen wir uns Ihrer Ideen, Anregungen<br />
und Wünsche an!<br />
Aufgrund unseres Bestrebens, die Qualität der GARTEN-<br />
BAHNEN zu sichern und zu steigern, haben wir <strong>für</strong> Anregungen<br />
und natürlich auch <strong>für</strong> Kritik offene Ohren. In der<br />
Hoffnung, dass im vorliegenden <strong>GARTENBAHNEN</strong> wieder<br />
<strong>für</strong> alle Leser etwas dabei ist, verbleibe ich mit freundlichen<br />
Grüßen und wünsche<br />
viel Spaß beim Lesen<br />
Stellungnahme zum<br />
Leserbrief von Rolf Lotz in<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 2/2013<br />
<strong>Eine</strong>n Dank an Herrn Lotz <strong>für</strong> seine lobenden Äußerungen<br />
zu meiner zur Öleinfüllvorrichtung umgebauten Benzinlötlampe.<br />
Den gut gemeinten Empfehlungen von Herrn Lotz<br />
kann ich aber nur zum Teil zustimmen. Richtig ist, dass die<br />
Lötlampe vor dem Umbau von Benzin bzw. Dämpfen gereinigt<br />
werden muss. Ich habe bei den drei von mir umgebauten<br />
Lötlampen allerdings unbenützte genommen und<br />
daran auch nicht direkt etwas gelötet.<br />
Dem Vorschlag, den Hahn ganz nach vorne zu verlegen,<br />
widerspreche ich. Der Witz bei dem Ganzen ist doch, dass<br />
man mit einem möglichst langen Rohr auch tief in enge<br />
Führerhäuser reinkommt. <strong>Eine</strong> Hand vorne am Hahn hätte<br />
dort oft gar keinen Platz und würde auch noch die freie<br />
Sicht auf die Einfüllstelle verdecken. Das Trielen war noch<br />
nie ein Problem. Man hat bei dieser Tätigkeit ohnehin einen<br />
Lappen in der Hand, mit dem man ein paar Tropfen<br />
abwischen kann.<br />
Auch ein federbelastetes Kugelventil ganz vorne ist nicht<br />
zu empfehlen. Das nimmt Luftdruck weg und in der vor der<br />
Kugel liegenden Feder würde sich der Ölsabber fangen<br />
und dann erst recht „trülen“; Herr Lotz, nichts <strong>für</strong> ungut.<br />
Bei dieser Gelegenheit zeige ich zwei Fotos einer weiteren<br />
„Lötlampe“. Hier ist das „Rohr“ ein dünner Schlauch. Diese<br />
Ölpumpe ist zum Befüllen von kleineren Verdrängungsölern<br />
oder Ähnlichem gedacht. Das von Herrn Lotz be<strong>für</strong>chtete<br />
Nachtropfen wird hier dadurch verhindert, dass<br />
der Ausflussnippel eine Seite eines Schnellverschlusses<br />
ist und in diesen eingerastet und damit dort „aufbewahrt“<br />
werden kann.<br />
Die se Schnellverschlusskupplung<br />
hat keine Verbindung<br />
zum Inneren<br />
der Lötlampe.<br />
Eberhard<br />
Schlegel<br />
Ihr Udo Mannek<br />
2 <strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Forum<br />
Forum<br />
Manfred Regner<br />
31. Januar 1949 – 21. Juli 2013<br />
Zwei Wochen nach der Veranstaltung zum 35-jährigen<br />
Jubiläum der Firma Regner Dampf- & Eisenbahntechnik<br />
in Aurach erreichte die Redaktion die traurige Nachricht<br />
vom viel zu frühen Tod von Manfred Regner.<br />
Im Juli 1978 machte Manfred Regner sein Hobby zum<br />
Beruf und gründete seine Firma Regner Echtdampftechnik.<br />
Seit dieser Zeit prägte er nachhaltig die Dampfmodellszene<br />
mit seinen Modellen und Neuheiten, die er<br />
jedes Jahr auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorstellte.<br />
Auch beim Echtdampf-Hallentreffen in Sinsheim<br />
und später in Karlsruhe war er eine feste Größe und<br />
gerne im Gespräch mit seinen Kunden und Dampfmodellbauern<br />
vertieft. Diese Gespräche werden uns fehlen.<br />
Auf dem Messestand wurde Manfred Regner stets von<br />
seiner Frau Evelyn unterstützt.<br />
Wir werden Manfred Regner vermissen. Im stillen Gedenken<br />
trauern wir mit seiner Familie, die das Unternehmen<br />
weiterführen wird.<br />
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<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013<br />
3
Forum<br />
Forum<br />
Echtdampf-Hallentreffen<br />
Mitten in Karlsruhe: Waldbahnen am Bear Creek<br />
2014<br />
Nebelschwaden hängen noch<br />
tief über den Wäldern, wenn<br />
in den frühen Morgenstunden<br />
die Lokomotiven<br />
der Bear Creek<br />
Lumber & Railroad<br />
<strong>für</strong> den Tag vorbereitet<br />
werden. Doch die<br />
Ruhe wird schon bald<br />
vorübergehen, dann nämlich,<br />
wenn die Shay-Lokomotive<br />
„Amy“ mit den ersten schwer beladenen Zügen entlang<br />
des Bear Creeks zum Sägewerk stampfen wird …<br />
Gerd Ziller und sein Team nehmen die Besucher des<br />
Echtdampf-Hallentreffens 2014 mit in die Zeit der Waldbahnen<br />
Ende der 20er Jahre in Amerika. Detailgetreu<br />
wird hier das Verladen von Baumstämmen demonstriert<br />
und der Alltag der Waldbahnen mit selbst gebauten<br />
Dampfloks gezeigt.<br />
„Tinplate“ ist ein Stichwort, bei dem Liebhaber leuchtende<br />
Augen bekommen und auch Besucher, die mit<br />
diesem Begriff nichts anfangen können, begeistern sich<br />
an den Modelleisenbahnen aus Weißblech, die Franz<br />
Holzapfel mit nach Karlsruhe bringt. Seine Anlage wird<br />
18. Echtdampf-Hallentreffen Karlsruhe<br />
Termin: 10. – 12. Januar 2014<br />
Ort: Messe Karlsruhe, Halle 1 und 2<br />
Öffnungszeiten: Freitag: 10.00 – 18.00 Uhr<br />
Samstag: 09.00 – 18.00 Uhr<br />
Sonntag: 09.00 – 17.00 Uhr<br />
Eintrittspreise:<br />
Tageskarte Erwachsene: € 12,–<br />
Tageskarte ermäßigt:<br />
(Jugendliche zw. 9 – 17 Jahren,<br />
Studenten, Rentner und Behinderte) € 9,–<br />
Familienkarte: (2 Erw. + 2 eigene Kinder von<br />
9 – 17 Jahren) € 30,–<br />
Kinder bis 8 Jahre haben freien Eintritt<br />
in diesem Jahr doppelt so groß sein wie zuvor, was eine<br />
Fülle von Tinplate-Eisenbahnen und -Gebäuden verspricht.<br />
Die Tatsache, dass die gezeigten Modelle Originale<br />
und keine Replikas sind, macht diesen Teil des<br />
Echtdampf-Hallentreffens zu einer echten Rarität.<br />
Aus England kommt mit einer traditionellen British<br />
tramway ein Exot im Maßstab 1:16 zum Echtdampf-<br />
Hallentreffen. Diese Straßenbahnen fuhren Mitte der<br />
1920er-Jahre in England. Die sechs von Greg Marsden<br />
präsentierten tramways haben allesamt Auszeichnungen<br />
bei Dampfmodell-Wettbewerben in England erhalten.<br />
Hoch hinaus will die Zahnradbahn von Tobias Mey. Extreme<br />
Steigungen sind ihre Spezialität, was sie beim<br />
Echtdampf-Hallentreffen 2014 in Karlsruhe unter Beweis<br />
stellen wird. Diese Modul-Anlage wird in ihrer jetzigen<br />
Form erstmals in Deutschland zu sehen sein. Auf 17 Metern<br />
Strecke steigt die Anlage von 40 cm auf 180 cm<br />
und wird mit selbstgebauten oder umgebauten Echtdampf-Zahnradloks<br />
betrieben. <strong>Eine</strong> Ausweiche in der<br />
Anlagenmitte ermöglicht Mehrzugbetrieb – wie beim Original.<br />
Umgesetzt sind Motive der Achensee-, Rothornund<br />
Schafbergbahn.<br />
Mit der <strong>Spur</strong>-0-Anlage von Joachim Skudelny kommt<br />
eine weitere Rarität zum Echtdampf-Hallentreffen. Auf 17<br />
x 7 Metern sind 80 Meter Gleis verlegt, auf denen sich 5<br />
Dampfloks und 48 Waggons bewegen. Über 8 Weichen<br />
wird die Strecke der Züge gelenkt und die äußere <strong>Spur</strong><br />
der Anlage soll elektrifiziert werden. <strong>Eine</strong> sehenswerte<br />
Anlage in einer nicht alltäglichen <strong>Spur</strong>weite.<br />
Veranstalter: Messe Sinsheim GmbH<br />
Weitere Infos: www.echtdampf-hallentreffen.de<br />
4<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Borse<br />
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Privatanzeigen (private Inserenten, nicht gewerbliche Texte) können nur schriftlich,<br />
nicht telefonisch entgegengenommen werden.<br />
Der Einfachheit halber bitte möglichst den vorbereiteten Bestellschein verwenden,<br />
der in fast jedem Heft zu finden ist. Bitte auf jeden Fall deutlich und unmissverständlich<br />
schreiben. In eine Zeile passen durchschnittlich 34 Anschläge<br />
(Buchstaben, Ziffern, Satzzeichen, erforderliche Zwischenräume = jeweils<br />
1 Anschlag).<br />
Anzeigenschluss ist am 08.01. <strong>für</strong> Ausgabe 1, am 03.04. <strong>für</strong> Ausgabe 2, am<br />
09.07. <strong>für</strong> Ausgabe 3 und am 08.10. <strong>für</strong> Ausgabe 4. Wenn Anzeigentext und<br />
Zahlung nach Anzeigenschluss eingehen, erfolgt die Veröffentlichung automatisch<br />
in der nächstfolgenden Ausgabe.<br />
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1 ´, nachgebaut der württ. T5 Baureihe<br />
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BT (Bodensee-Toggenburg-Bahn)<br />
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<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013<br />
5
Porträt<br />
Ein Gm 02 der Gat<br />
Werner Schmidt<br />
Mein bisher entstandener Güterzug auf der<br />
Anlage von Joachim Dosch in Kirchhaslach<br />
Hin und wieder hört oder liest man von einer Unterscheidung<br />
zwischen Modellbahnern und Modellbauern.<br />
Der Modellbahner oder häufig auch<br />
Dampfbahner genannt, ist jener, der dieser ganzen Beschäftigung<br />
Leben verleiht. Der mit selbstgebauten oder<br />
irgendwie erstandenen Fahrzeugen echten Betrieb macht,<br />
der oft über eigene Gleisanlagen verfügt oder meilenweit<br />
fährt, Einladungen auf Clubanlagen oder auf Gleise von<br />
Freunden folgt und dabei weder Zeit noch Mühen scheut,<br />
sich Rauch, Ruß und Dampf ins Gesicht blasen zu lassen<br />
und seinen Traum vom selbstbestimmten Eisenbahnfahren<br />
mit Begeisterung verwirklicht. Der Modellbauer freut<br />
sich in seiner Werkstatt über jedes gelungene Detail an<br />
seinem Traummodell. Warum sollten sie sich nicht freundschaftlich<br />
ergänzen?<br />
Der Modellbauer lernt mitunter die aus dem rauen Fahrbetrieb<br />
resultierenden Anforderungen an die Fahrzeuge aus<br />
schmerzlichen Erfahrungen, die der Modellbahner längst<br />
im wahren Sinne des Wortes „erfahren“ und in die Praxis<br />
umgesetzt hat. Der Modellbauer baut mit höchstmöglicher<br />
Detailtreue, um dann zu erleben, dass die Schäden bei<br />
Entgleisungen oder sonstigen Karambolagen nicht weit<br />
vom Großbetrieb entfernt sind.<br />
Viele Jahre meines Lebens habe ich gebraucht, um mit<br />
meinem Hang nach höchster Wirklichkeitstreue über H0,<br />
0, 1:30 und 1:10 endlich zu einer Baugröße zu finden, mit<br />
der man unter Gleichgesinnten gemeinsam diesem erfüllenden<br />
Hobby frönen kann. Mangels eigener Gleisanlage<br />
zähle ich mich mehr zu jenen Modellbauern. Und da ich<br />
weder mit Unkrautvernichtung noch durch Baumwurzeln<br />
oder Frost aus ihrer Lage verschobenen Gleisen beschäftigt<br />
bin, investiere ich die so gewonnene Zeit in den minutiösen<br />
Nachbau von Fahrzeugen im Maßstab 1:11.<br />
Mit dem Nachbau der G3 aus dem Nürnberger Verkehrsmuseum,<br />
bekannt geworden als „Die Hundertjährige von<br />
Trier“, siehe <strong>GARTENBAHNEN</strong> Heft 03/2003 und der Ver-<br />
6 <strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
tung „Berlin“<br />
schrottung der letzten Exemplare dieser Bauart um 1930,<br />
habe ich mich mehr oder weniger auf die Epoche 1 und<br />
somit auf die Länderbahnzeit festgelegt. Stil muss sein,<br />
und so passen natürlich auch nur Wagenmodelle aus dieser<br />
Zeit dazu. So entstanden in den Folgejahren der Pwgi<br />
Pr 91 „Bromberg“ nach D 335 von 1897, der vierachsige<br />
Plattformwagen <strong>für</strong> 20 t Ladegewicht „Magdeburg“ nach<br />
D 2661 von 1895, ein 1908 von MAN in Nürnberg an die K.<br />
Bayer. St. Bahn gelieferter Kühlwagen mit Bremserhaus,<br />
siehe <strong>GARTENBAHNEN</strong> 3/2005 S. 33 ff., ein Kohlenwagen<br />
„Elberfeld“ nach Blatt II c4, mit nur 2,80 m Radstand<br />
mein „Kleinster“, siehe <strong>GARTENBAHNEN</strong> 3/2007 S. 27<br />
ff., einen Kokswagen nach gleichen Bauprinzipien, aber<br />
mit 4,00 m Radstand nach IIc7, siehe <strong>GARTENBAHNEN</strong><br />
3/2011 S. 25 ff. und schließlich ein Rungenwagen R(w)<br />
Stuttgart nach Musterblatt IId5 von 1907, siehe GARTEN-<br />
BAHNEN 4/2008 S. 30 ff. und nochmals mit seiner Torfballenladung<br />
in <strong>GARTENBAHNEN</strong> 4/2011.<br />
Längst war da ein G, ein zweiachsiger „bedeckter“ Güterwagen,<br />
wie man ihn noch um 1900 nannte, zur Abrundung<br />
fällig und bei der Suche nach Originalunterlagen stieß ich<br />
schon vor Jahren auf www.zander-heba.de und dort auf<br />
eine Reihe von CD´s mit Kopien von Musterblättern der<br />
Preußischen Staatsbahnen. Da ich selbst in jungen Jahren<br />
rund ein Jahrzehnt als Konstrukteur am Reißbrett verbracht<br />
habe, sind diese Unterlagen <strong>für</strong> mich eine echte Delikatesse<br />
und erzählen mir weit mehr noch über Fortschritte in der<br />
Entwicklungsgeschichte und den Fertigungsmethoden, als<br />
nur die Ansichten und Details. Sie zwingen direkt dazu, ein<br />
Stück Technik-, ein Stück Eisenbahngeschichte im Modell<br />
nachzuvollziehen und zu erhalten. Das kann bis zur Nietenzählerei<br />
führen, aber irgendwo sind auch im Maßstab<br />
1:11 gewisse Grenzen gesetzt.<br />
Jetzt also endlich ein „G“, und zwar wiederum stilecht eben<br />
ein Gm 02. Sie liefen damals meist unter dem Namen „Hannover“<br />
oder „Stettin“ nach Musterblatt IId8. Ab etwa 1890<br />
in 47.533 Exemplaren allein von der Preußischen Staatsbahn<br />
beschafft, wie Stefan Carstens und Rudolf Ossig in<br />
ihrem Buch „Güterwagen, Band 1, Gedeckte Güterwagen“<br />
recherchiert haben. Weitere ca. 50.000 Wagen gleicher<br />
oder verwandter Bauart anderer Bahnverwaltungen<br />
gingen 1920 in den Bestand der Deutschen Reichsbahn<br />
über und selbst die DB hat 1951 noch ca. 4800 Exemplare<br />
Der Güterwagen als Truppentransporter<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 7
Draufsicht auf den kompletten Rahmen. (Kaum jemand verwirklicht die<br />
zur Entlastung des Rahmens erforderliche durchgehende Zugstange!)<br />
Nochmals eine Innenansicht mit den<br />
Auflagen <strong>für</strong> Sitzbänke und Lehnen<br />
Gm 02 Rohbau mit Dach vor meiner G 3<br />
übernommen und umgekennzeichnet, wie obengenanntem<br />
Buch zu entnehmen ist. Viele von ihnen hat man ab<br />
1954 in ein Umbauprogramm als Gms 54 verwendet. Den<br />
Rest hat man ab 1960 endgültig ausgemustert.<br />
Mein Vorbild entstand nach Musterblatt I d 9046 von 1903,<br />
das ihn als „Berlin“ bezeichnet. Er diente als Grundlage <strong>für</strong><br />
die ab 1910 eingeführte Verbandsbauart und wurde zum<br />
Vorfahren des wohl bekanntesten und am weitest verbreiteten<br />
G 10, der wie auch noch zahlreiche G 02 nach dem<br />
Ersten Weltkrieg mit seinen später nachgerüsteten Enddiagonalen<br />
zu einer unverwechselbaren Erscheinung wurde.<br />
Sowohl während der Beschaffungsperiode als auch während<br />
seiner Einsatzzeit, so liest man bei Carstens/Ossig<br />
weiter, hat man das Aussehen mehrfach geändert.<br />
Ab 1909 erhielten die Wagen anstelle der Fachwerkachshalter<br />
diese geprägten Achshalterbleche, die im von mir<br />
benutzten Musterblatt von 1903 bereits zeichnerisch dargestellt<br />
sind. Bei den letzten Baureihen schließlich hat<br />
man die Anordnung der Lüftungs- und Ladeöffnungen getauscht,<br />
wie man es vom G 10 her kennt.<br />
Als Besonderheit an meinem Modell gelten vielleicht die<br />
noch offenen Seilhaken an den jeweilig unteren Stirnenden<br />
sowie die nicht mehr angebrachte fünfte zentrale Trittstufe<br />
an einer der Stirnwände.<br />
Da<strong>für</strong> trägt es aber die Beschriftung M.T.48 M./6 Pf. und<br />
das heißt nichts anderes als „<strong>für</strong> Militärtransporte geeignet“<br />
und vorgesehen, nämlich 48 Mannschaften oder sechs<br />
Pferde. Tatsächlich weisen die Zeichnungen eine Reihe von<br />
Vorkehrungen als „feste Transporteinrichtung“ auf. Am auffälligsten<br />
sind an den Innenwänden Auflagen <strong>für</strong> Sitzbretter<br />
und Einstecköffnungen <strong>für</strong> Rückenlehnen sowie eine ganze<br />
Anzahl von Zurrringen an den Wänden, deren Befestigungen<br />
durch außenliegende Laschen verstärkt sind. Sie sind<br />
selbstverständlich auch am Modell zu finden.<br />
Dieses M.T.48 M./6 Pf. stimmt irgendwie nachdenklich und<br />
erzeugt heute ein leichtes Schaudern. Vorgesehen waren<br />
acht Sitzbretter mit, ausgenommen die jeweils beiden<br />
letzten Reihen an den Stirnwänden, abnehmbaren Rückenlehnen.<br />
Das waren dann sechs Mann pro Sitzreihe,<br />
denen bei einer lichten Weite von 2690 mm gerade mal<br />
knapp 45 cm Sitzbreite zur Verfügung standen, im Bierzelt<br />
vielleicht noch gemütlich. Bei einer gesamten Bodenfläche<br />
von 21,3 m² waren das ebenfalls nur 0,44 m² pro Soldat.<br />
Die EG-Nutztierhaltungsverordnung schreibt <strong>für</strong> Kälber<br />
bis zu zwei Wochen Alter eine Boxen-Mindestgröße<br />
von 120 x 80 x 80 cm, also das mehr als Doppelte vor.<br />
Welch menschenverachtende Entscheidungen wurden<br />
in dieser guten, alten Zeit schon getroffen und wie viele<br />
dieser Menschen, von denen wohl heute keiner mehr am<br />
Leben ist und erzählen könnte, wie es wirklich zuging, wie<br />
viele Menschen betroffen waren, zeigen unzählige Bilder<br />
in Andreas Knippings Buch „Die Eisenbahnen im Ersten<br />
8<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Teilansicht zum Achslager<br />
Ein weiteres Bild zum Rohbau<br />
Weltkrieg“. <strong>Eine</strong>s aus diesem Buch mit einem Gm 02 ohne<br />
Bremsen sei hier wiedergegeben.<br />
Es liegt nicht in meiner Absicht, Ihnen hier eine weitere<br />
Bauanleitung zu präsentieren. Eigentlich wollte ich nur<br />
meine Freude an diesem neuen Modell auf 5 ˝-Gleisen mit<br />
ihnen teilen. Bilder sagen oft mehr als 1000 Worte. Lassen<br />
wir also die Bilder sprechen. Trotzdem vielleicht ein paar<br />
hilfreiche Erklärungen.<br />
Der Rahmen aus U-Profilen von 20 x 8 x 1,5, 15 x 6,5 x<br />
1,2 und 12 x 5,5 x 1,2 mit Pufferbohlen aus 25 x 8 x 1,5<br />
entstand wiederum aus getrennten Vierkantrohren und ist<br />
komplett vernietet. Leider nur noch mit Kupfernieten 1,4<br />
bis 1,6. Bemühungen mehrerer Lieferanten, nicht zuletzt<br />
GHW, die früher bei Live Steam erhältlichen Weicheisenniete<br />
dieser Abmessungen zu beschaffen, blieben erfolglos<br />
und diese V2A Niete sind so knochenhart, dass sie<br />
eher knicken als sich quetschen zu lassen.<br />
Die Wände sowie die Türen sind aus 8 bzw. 4 mm Birkensperrholz<br />
und mit den Kastenprofilen durch M1,4 Nietkopfschrauben<br />
mit entsprechenden Muttern von GHW<br />
verschraubt. Bei Dieter Knupfer gäbe es die noch exakteren<br />
Hammerkopfschrauben, allerdings nur in M1. Im<br />
Original waren sie ½ <strong>Zoll</strong> oder 12,7 mm. Alle Messingprofile<br />
stammen von Peter Fiedler, www.modellbauhandelfiedler.de<br />
in Welzow bei Cottbus. Das Dach wiederum in<br />
bewährter Weise aus 18 mm Leimholz, wie in früheren<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> beschrieben, mittels Oberfräse in Zeilen<br />
auf Form gefräst, geglättet und mit einer 3,5 mm Birkensperrholzplatte<br />
ergänzt, wobei dieses Dach wieder mit<br />
dem in einem früheren Artikel beschriebenen Granitlack<br />
gespritzt wurde. Weiteres Material lieferten mir Klaus Hoffe,<br />
die Westerwälder Dampfbahnfreunde (Räder, Achslager),<br />
Dieter Knupfer www.knupfershop.de, immer wieder<br />
www.ghw-modellbau.de in Niederkrüchten und natürlich<br />
die Baumärkte in der Nachbarschaft.<br />
Nachdem mich die Beschriftung der letzten beiden Wagen<br />
mittels Decals überhaupt nicht mehr überzeugt hat, vielleicht<br />
auch, weil ich wohl den Hinweis nicht begriffen hatte,<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 9
teuer wie Decals,<br />
aber wenn man die<br />
Druckvorlage gut<br />
ausnützt, wie es<br />
Siegfried und Markus<br />
Baum in GAR-<br />
TENBAHNEN 3/98<br />
gezeigt haben, wird<br />
das durchaus akzeptabel,<br />
vor allem<br />
aber überzeugend<br />
wirklichkeitsgetreu<br />
und selbst über<br />
Nietköpfe bei Rahmenbeschriftungen<br />
beherrschbar.<br />
Der Gm02 im Verband des gleichen Zuges<br />
Und die Lackierung?<br />
Innen einfach<br />
grau, später<br />
wohl Anthrazitgrau<br />
nach RAL 7016,<br />
Fußboden Eiche<br />
man solle diese Abziehbilder nur auf Hochglanzflächen<br />
aufbringen, um die Trägerfolie möglichst unsichtbar werden<br />
zu lassen, habe ich mich diesmal um Aufreibebuchstaben<br />
bemüht, früher unter dem Namen Letraset bekannt,<br />
und bin nach mehreren Anläufen bei www.color-transferservice.de<br />
in Hannover fündig geworden. Das Ergebnis<br />
überzeugt, ist zwar mit Mehrwertsteuer fast fünfmal so<br />
mittelbraun, Dachinnenseite weiß, außen rotbraun wie<br />
RAL 8012, Rahmen und Räder schwarz.<br />
Werner Fischer aus Kempten, einer der ganz großen<br />
Meister des Modellbaus, hat uns mal verraten, er streiche<br />
alle seine Modelle von Hand. Er schafft es, ihnen eine<br />
traumhaft dezente Patina zu verschaffen. Es lohnt sich,<br />
dem Finish große Aufmerksamkeit zu widmen.<br />
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10<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
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+49(0)561/83181, Mobil: 0173/2836808<br />
Dampfbahn Gemeinschaft Lengede; Kontakt: O. Waldbrunn: Tel.<br />
+49(0)5307/3018, E-Mail: olaf-waldbrunn@t-online.de; H. Kruse: Tel.<br />
+49(0)05174/1207. Homepage: www.Dampfbahn-Gemeinschaft-Lengede.de<br />
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Ammersee-Dampfbahn; Termine der Mini Bahn Augsburg 2013 findet<br />
man auf der Homepage: www.mini-bahn-augsburg.de<br />
Parkbahn Neuötting e. V.; Kontakt: www.parkbahn-neuoetting.de<br />
Die Bockerlbahner e. V.; Fahrtage 2013: 01.12.2013 von 13.00 Uhr<br />
– 18.00 Uhr Weihnachtsmarkt. 31.12.2013 von 13.00 Uhr – 16.00 Uhr<br />
Silvesterfahrt. Die Fahrtage finden nur bei trockenem Wetter statt. Änderungen<br />
der Termine behält sich der Verein vor. Aktuelles gibt es auf<br />
unserer Homepage www.diebockerlbahner.de, Sondertermine: Gerne<br />
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+49(0)8809/163030, Fax: +49(0)8809/922540, E-Mail: benno.vogl@diebockerlbahner.de<br />
oder Alfred Büschl Tel. +49(0)8802/8285. Homepage:<br />
www.diebockerlbahner.de, E-Mail: info@diebockerlbahner.de, Bockerlbahn<br />
an der Tiefstollenhalle/Bergbaumuseum in 82380 Preißenberg<br />
PLZ 90000 – 99999<br />
E<br />
Es<br />
Modellbauverein Naila – Parkeisenbahn Froschgrün e. V.; Anlage:<br />
Parkeisenbahn Froschgrün/Naila, <strong>Spur</strong>en: 5 <strong>Zoll</strong>; www.parkeisenbahnnaila.de.<br />
Kontakt: 1. Vors. Wilfried Zerb, Steiler Weg 2, 95119 Naila, Tel.<br />
+49(0)9282/8245, E-Mail: zerb@parkeisenbahn-naila.de. Schriftführer<br />
Hans-Jürgen Frank, Blumenstr. 28, 95119 Naila, Tel. +49(0)9282/8004,<br />
Fax +49(0)9282/8039, frank@parkeisenbahn-naila.de<br />
5 ˝ Team Kreiskleinbahn Kirchberg-Schönheide; Dienststellenleiter<br />
BW Kirchberg: Werner Weigel Tel. +49(0)9386/616 Mobil: +49(0)173/<br />
6722584<br />
SCHWEIZ<br />
ATAF – Associazione Ticinese Amici della Ferrovia; 8. Dez.: 14.00 –<br />
16.30 Uhr, unsere Züge fahren nur bei schönem Wetter. Kontakt: ATAF,<br />
casella postale 1005, 6648 Minusio, Homepage: www.ataf.ch<br />
Modelleisenbahn Club Einsiedeln (MECE); Allgemeine Infos über den<br />
Club und die Anlage findet man auf der Homepage: www.mece.ch.<br />
Liliput-Dampfeisenbahn Mobilrail, CH 8645 Jona, Tel. +41(0)77440<br />
2487, Internet: www.mobilrail.ch, E-Mail: info@mobilrail.ch: 30.11. und<br />
wird empfohlen, sich vor Antritt einer längeren Anfahrt<br />
beim jeweiligen Veranstalter über evtl. Änderungen zu<br />
informieren!<br />
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<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013<br />
11
Pr axis<br />
Stephan Aulhorn<br />
1 a 1 b<br />
Spannelementverbindung mit einem Spannelement<br />
Spannelementverbindung mit mehreren Spannelementen<br />
Das Spannelement<br />
B<br />
ei dem Bau von Lokomotiven stellt sich immer<br />
wieder die Frage, wie löst man das Problem des<br />
Aufpressens und Ausrichtens der Räder auf der<br />
Welle, also der Welle-Nabe-Verbindung. Die Fügeproblematik<br />
kann in zwei Hauptgruppen aufspaltet werden: In<br />
nichtlösbare, wie die Pressverbände oder Klebeverbindungen,<br />
sowie lösbare Verbindungen, wie Längskeil- oder<br />
Passfederverbindungen. Bei nichtlösbaren Verbindungen<br />
stellt sich folgendes Problem dar. Ist die Welle mit der<br />
Nabe gefügt, bekommt man diese nicht zerstörungsfrei<br />
voneinander getrennt.<br />
Bei Lokomotiven, speziell Dampflokomotiven mit ihren<br />
Innenlagern, seien es Gleit- oder Wälzlager, ist das von<br />
entscheidendem Nachteil. Die lösbaren Verbindungen<br />
bilden daher eine Alternative. Es gibt mindestens sechs<br />
verschiedene Fügearten:<br />
Kegelverbindungen<br />
(Morsekegel in Fräs- und Bohrmaschinen)<br />
Spannelemente<br />
Werden die ersten fünf Verbindungen betrachtet, stellt<br />
man eine Gemeinsamkeit fest, sie sind sehr aufwendig<br />
zu fertigen. Ein weiterer Nachteil ist das sehr aufwendige<br />
Abziehen der Naben von den Wellen im Demontagefall.<br />
Dabei können Oberflächenbeschädigungen, wie Riefen,<br />
2<br />
Längskeilverbindungen, Nasenkeil<br />
(Aufwurfhebel der Heusinger Steuerung)<br />
Passfederverbindungen<br />
(Zahnradgetriebe)<br />
Keilwellenverbindungen<br />
(Gelenkwellen beim Kfz)<br />
Polygonverbindungen<br />
(Gegenkurbel bei Einheitsdampfloks)<br />
Schnittzeichnung Ring-Spannelement<br />
12 <strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Ring-Spannelement<br />
3 4<br />
Spannsätze<br />
gespannt und die erzeugte Fugenpressung ruft wie bei<br />
Pressverbindungen einen Haftwiderstand hervor, der das<br />
Drehmoment überträgt.<br />
Genügt ein Spannelement nicht zur Übertragung des<br />
Drehmomentes, so können mehrere Elemente derart hintereinander<br />
angeordnet werden, dass sich die Längskraft<br />
fortpflanzt und auch die folgenden Elemente spannt. Bedingt<br />
durch die Reibgesetze nehmen die Längsspannkraft<br />
und damit die Fugenpressung von Element zu Element<br />
ab. Es lohnt sich deshalb nicht, mehr als drei bis vier Elemente<br />
vorzusehen!<br />
durch Schaben bzw. Fressen oder Anrosten nicht ausgeschlossen<br />
werden. Ist die Passung einmal geschädigt,<br />
lassen sich die erforderlichen Drehmomente nicht mehr<br />
auf die Welle bzw. auf die Nabe übertragen.<br />
Spannelemente sind kegelförmig aufgebaut und können<br />
daher sehr schnell und ohne großen Aufwand gelöst werden.<br />
Sie zeichnen sich nicht nur durch eine unkomplizierte,<br />
schnelle und vor allem genaue Montage aus, sie übertragen<br />
auch die gleichen Drehmomente wie eine Pressverbindung.<br />
Des weiteren kann der radiale Winkel stufenlos eingestellt<br />
werden. Dies ist von großer Wichtigkeit bei der Montage<br />
und Einstellung eines Fahrwerks einer mehrfach gekuppelten<br />
Lokomotive. Der größte Vorteil besteht allerdings darin,<br />
dass die Rad-Welle-Verbindung mit Spannelementen beliebig<br />
oft und äußerst präzise montiert und demontiert werden<br />
kann, ohne dass diese an Festigkeit verliert.<br />
Deshalb soll sich dieser Artikel ausschließlich mit den<br />
Spannelementen befassen. Hierzu werden folgende Themen<br />
behandelt:<br />
Was ist ein Spannelement?<br />
Welche Arten gibt es?<br />
Wie berechnet man diese Verbindung?<br />
Was gilt es bei Konstruktion und Bau zu beachten?<br />
Welche Lieferanten gibt es?<br />
Montageanleitung<br />
Ein Spannelement ist ein Element, das mittels Reibschluss<br />
eine Welle-Nabe-Verbindung bewirkt. Die erforderliche<br />
Spannkraft wird überwiegend durch Anziehen von Schrauben<br />
erzeugt. Ein weiterer Vorteil ergibt sich, da die Wellen<br />
keine Zähne und andere Kerben benötigen. Daher entspricht<br />
ihre Dauerfestigkeit der von glatten Wellen.<br />
Die Spannelemente teilen sich in zwei<br />
Hauptgruppen auf:<br />
Ring-Spannelemente<br />
Spannsätze<br />
Spannsätze sind in sich kompakte Baugruppen, aber auf<br />
Grund ihrer Struktur zu groß. Sie wurden in diesem Artikel<br />
vollständigkeitshalber erwähnt.<br />
Ringkegel-Spannelemente zum spielfreien, kraftschlüssigen<br />
Verbinden von Wellen mit Naben besitzen zwei ineinandergreifende<br />
kegelige Ringe aus vergütetem Stahl.<br />
Durch axiale Schraubenkraft werden die Ringe radial<br />
Pressungsverteilung auf hintereinander liegende Elemente<br />
Im ungespannten Zustand befindet sich zwischen Bohrung<br />
und Außenring sowie zwischen Innenring und Welle<br />
ein Spiel, das Einbauspiel. Die Längskraft, die den Außenring<br />
weitet und den Innenring einschnürt, um das Einbauspiel<br />
zu beseitigen, ist die Kraft F0. Erst bei Steigerung<br />
der Längskraft auf F0 + FP wird eine Fugenpressung pI<br />
am Innenring/Welle und pA am Außenring/Nabe erzeugt,<br />
d. h. FP ist die wirksame Spannkraft. Um der Konstruktion<br />
ein Fundament zu geben, muss geklärt werden, welche<br />
Kräfte und Momente auftreten bzw. notwendig sind, um<br />
der Verbindung eine Dauerfestigkeit zu gewährleisten.<br />
sv61ipu9<br />
<strong>Eine</strong> Berechnung erscheint sv61xog4 daher unerlässlich!<br />
Als Beispiel soll die Rad-Welle-Verbindung der T1 (Bauart<br />
Magdeburg) dienen. Dieser kurzgefasste und in jedem<br />
Schritt genau beschriebene Rechnungsweg kann auch<br />
durch einfaches Einsetzen, der eigenen Werte in die Formeln,<br />
genutzt werden.<br />
1. Ermittlung des Drehmomentes<br />
Der erste Schritt ist dabei die Ermittlung des Drehmomentes<br />
des Rades:<br />
max. Kesseldruck: pmax = 8 bar = 0,8 N/mm 2<br />
Kolbendurchmesser: Ø = 27 mm<br />
Kolbenhub:<br />
s = 40 mm, daraus folgt:<br />
Kurbelradius: r = s : 2 = 40 mm : 2 = 20 mm<br />
= 0,02 m<br />
F Kolb<br />
= p max<br />
* A Kolb<br />
F Kolb<br />
= Kolbenkraft in N<br />
A Kolb<br />
= Kolbenfläche<br />
A Kolb<br />
= π 4 ∗d 2<br />
Kolb<br />
= = 573 mm²<br />
A Kolb<br />
= π ∗27 mm2<br />
4<br />
5<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 13
d x D<br />
mm<br />
24 x 28 6,3 5,3 35250 69 5750 8,3 216 48 0,58<br />
25 x 30 6,3 5,3 37930 75 5990 9,9 225 50 0,62 Als nächstes ist zu ermitteln, welche<br />
Schraubengröße und deren Anzahl, die<br />
28 x 32 6,3 5,3 38640 94 6710 7,4 252 56 0,78<br />
ermittelte Flächenpressung realisieren<br />
30 x 35 6,3 5,3 41940 108 7190 8,5 270 60 0,9<br />
kann. Es ist davon abzuraten, nur eine<br />
Tabelle 1: Weidinger Industrietechnik<br />
Schraube zentrisch der Welle anzuordnen,<br />
da diese sich durch die wechselnden<br />
Drehmomente beim Fahrbetrieb lösen<br />
könnte. Es müssen mindesten zwei Schrauben, die<br />
F Kolb<br />
= 0,8 N/mm 2 * 573 mm 2 = 458 N<br />
außerhalb der Symmetrieachse liegen, verwendet werden.<br />
Aus Platz- und Beschaffungsgründen erscheint da-<br />
Drehmoment: M = F Kolb<br />
* r = 458 N * 0,02 m = 9,16 Nm<br />
her eine Schraubengröße von M3 am sinnvollsten.<br />
M ≈10 Nm<br />
size 12{p rSub { size 8{I} } = { {"10" ital "Nm"} over<br />
{1,"55"*0,"12"m* i= F +c∗p 0 I ital i = Schraubenanzahl<br />
"mm"²} } } {}<br />
Fv<br />
2. Ermittlung der Flächenpressung<br />
Fv in N Vorspannkraft einer Spannschraube<br />
Danach wird die Anzahl der Spannelemente ermittelt. F 0<br />
in N Längskraft zur Beseitigung des Längsspiels<br />
Hierzu muss eine Annahme getroffen werden, da die<br />
(Tab.1)<br />
nächste Formel zwei Unbekannte beinhaltet. Aus Platzgründen<br />
(Nabenlänge) ist nur mit zwei hintereinander lie-<br />
p I<br />
c in mm² wirksame Spannkraftrate (Tab. 1)<br />
in N/mm² gewünschte bzw. erforderliche Fugenpresgenden<br />
Spannelementen zu rechnen. Aus den Tabellen<br />
sung zwischen Innenring und Welle<br />
von Spannelementenzulieferern lassen sich folgende Abmessungen<br />
beziehen:<br />
i<br />
Anzahl der Spannschrauben<br />
In Betracht des Maßstabes der Welle in Abhängigkeit Aus der Tabelle 1 lassen sich folgende Werte ablesen.<br />
des zu übertragenden Drehmomentes, erscheint, durch<br />
die Methode des „Scharfen Hinsehens“, die Abmessung F 0<br />
= 6,45 kN<br />
13/16 am sinnvollsten.<br />
c = 81,5 mm²<br />
sv625p6w<br />
Wellendurchmesser: Ø Welle<br />
= 13 mm<br />
Nabenbohrung: Ø Nabe<br />
= 16 mm<br />
Nach der Drehmomentsbestimmung und der Auswahl<br />
der Elemente muss die erforderliche<br />
Fugenpressung p I<br />
errechnet werden.<br />
Gewinde<br />
p I<br />
= M<br />
k∗m<br />
M<br />
L<br />
mm<br />
L1<br />
mm<br />
Festig.-<br />
klasse<br />
Spannkraft<br />
N<br />
Moment<br />
Nm<br />
p I<br />
= Pressung zwischen<br />
Innenring und Welle<br />
in N/mm²<br />
= Drehmoment der Rad-Welle-<br />
Verbindung<br />
Axial<br />
kN<br />
F0<br />
kN<br />
sv627u24<br />
Um Reibungsverluste beim Anziehen der Schrauben zu<br />
vermeiden, sind diese im geölten Zustand zu montieren.<br />
Mit einem Reibwert von μ G<br />
= 0,10 und einer Schrauben-<br />
k = Minderungsfaktor bei a<br />
hintereinander geschalteten<br />
Elementen<br />
= 1 bei a = 1<br />
= 1,55 bei a = 2<br />
= 1,86 bei a = 3 Elementen<br />
m = Drehmomentrate, siehe Tabelle 1:<br />
10 Nm<br />
p I<br />
=<br />
1,55∗0,12 m∗mm ²<br />
= 53,76 N/mm²<br />
Ist genügend Platz in der Nabe, können<br />
auch drei bis vier Elemente hintereinander<br />
geschaltet werden. Demnach wird<br />
der k-Faktor größer und die Flächenpressung<br />
nimmt ab.<br />
3. Schraubenauswahl<br />
Montagevorspannkräfte F Mzul<br />
in N <strong>für</strong> μ G<br />
Anziehmomente M Azul<br />
in<br />
Nm <strong>für</strong> μ K<br />
nderline {M approx "10" size ital 12{i= "Nm"}} { {F } {} rSub { size 8{0} } +c*p rSub { size 8{I} } } over<br />
{ ital "Fv"} } } {}<br />
c<br />
mm²<br />
f<br />
mm²<br />
m<br />
m *<br />
mm²<br />
6 x 9 4,5 3,7 4700 3 1004 – 32,4 7,2 0,022<br />
7 x 10 4,5 3,7 5400 4,1 1172 – 37,8 8,4 0,029<br />
8 x 11 4,5 3,7 6200 5,4 1339 – 43 9,6 0,038<br />
9 x 12 4,5 3,7 14650 6,8 1510 7,6 57 12,7 0,057<br />
10 x 13 4,5 3,7 14830 8,4 1670 6,95 63 14 0,07<br />
12 x 15 4,5 3,7 16370 12,1 2010 6,95 75 16,7 0,1<br />
13 x 16 4,5 3,7 16710 14,1 2180 6,45 81,5 18,1 0,12<br />
14 x 18 6,3 5,3 26780 23,5 3360 11,2 126 28 0,2<br />
15 x 19 6,3 5,3 27370 27 3600 10,7 135 30 0,22<br />
16 x 20 6,3 5,3 27910 30,7 3840 10,1 144 31,9 0,25<br />
17 x 21 6,3 5,3 28510 34,6 4080 9,5 153 34 0,29<br />
18 x 22 6,3 5,3 29150 38,8 4320 9,1 162 36 0,32<br />
19 x 24 6,3 5,3 33880 43,3 4560 12,6 171 37,9 0,36<br />
20 x 25 6,3 5,3 34450 48 4800 12 180 40 0,4<br />
22 x 26 6,3 5,3 33740 58 5270 9 198 44 0,48<br />
sv624mu9<br />
0,08 0,1 0,12 0,16 0,08 0,1 0,12 0,16<br />
8.8 2500 2400 2300 2100 1,3 1,35 1,4 1,5<br />
M 3 10.9 3700 3570 3430 3160 1,9 2 2,1 2,3<br />
12.09.13 4345 4180 4000 3700 2,2 2,4 2,5 2,7<br />
Tabelle 2: Montagevorspannkräfte von M3- Schrauben<br />
14<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
sv7hnjcq<br />
festigkeitsklasse von 12.9 ergibt sich folgende Montagevorspannkraft<br />
F Mzul<br />
= 4180 N und M Azul<br />
= 2,4 Nm. Somit<br />
wird die größtmögliche Vorspannkraft Fv ~ 0,9 * F Mzul<br />
realisiert.<br />
i= F 0 +c∗p I<br />
Fv<br />
=<br />
6450 N +81,5mm ²*53 ,76 N mm ²<br />
=2,88≈3 Schrauben<br />
0,9∗4180 N<br />
Aufgrund der Platzverhältnisse an der Welle können 4<br />
Schrauben sv7h2rpj verwendet werden.<br />
Es wirkt sich positiv aus, denn mit steigender Schraubenanzahl<br />
sinkt das Anziehmoment M A<br />
.<br />
sv7gt1a6<br />
Daraus folgt:<br />
M<br />
M A<br />
= Azul<br />
∗i 2,4 Nm∗2,88<br />
= =1,73 Nm<br />
Schraubenanzahl 4<br />
sv7gu6ra<br />
sv7gusom<br />
Die Spannschrauben sollten stets mit einem Drehmomentenschlüssel<br />
angezogen werden!<br />
sv7hqpgw<br />
Zu weiteren Berechnungen wird das Durchmesserverhältnis<br />
QA benötigt.<br />
Q A<br />
= D FN 16 mm<br />
=<br />
D A<br />
26 mm = 0,615<br />
sv7hrr2d sv7hswd7<br />
D FN<br />
= Nabeninnendurchmesser = Bohrungen Ø = 16 mm<br />
D A<br />
= Nabenaußendurchmesser = Ø = 26 mm (am Speichenrad,<br />
Kerndurchmesser am Speichengrund)<br />
p Azul<br />
= 1−Q ² A<br />
√3∗Sp Re A<br />
Re A<br />
= Nabenmaterial (Speichenrad)<br />
Grauguss GG20 = R M<br />
= 200 N/mm²<br />
Sp = 1,2 als Sicherheit gegen plastische Verformung<br />
p Azul<br />
= 1−0,615²<br />
√3∗1,2 ∗200 N mm ² =<br />
59,83 N/mm²<br />
4. Kontrolle der Bauteilfestigkeiten p Azul<br />
=59 ,83 N /mm ²> p A<br />
=43 ,68 N /mm ²<br />
size 12{ { {"6450"N+"81",5 ital "mm""²*""53","76" {N}<br />
b { size Es 8{0} gilt } nachzuweisen, +c*p rSub { size dass 8{I} die zulässige } } over Fugenpressung<br />
wideslash { ital "mm"²} }<br />
p Azul<br />
zwischen Spannelement size over<br />
und 12{Q {0,9*"4180"N}<br />
dem Außenteil rSub {(Nabe)<br />
size } =2,"88" 8{A} approx<br />
Daraus } = folgt { {D eine rSub Sicherheit { size von 8{ ital "FN"} } }<br />
eine {underline rein elastische underline Verformung {3 ital hervorruft. "Schrauben"}} } {}<br />
over {D rSub { size 8{A} } } } = { {"16" ital "mm"} over {"26"<br />
Sollte diese plastisch erfolgen, kann es im schlimmsten S= p Azul 59 ,83 N /mm ²<br />
=<br />
Fall zum Bruch der Nabe bzw. ital des "mm"} Rades } führen. } {}<br />
p A<br />
43 ,68 N /mm ² =1,37<br />
Mit einer Sicherheit von 1,37 wird die Verbindung halten.<br />
p p Azul<br />
= Zulässige Fugenpressung Denn die Sicherheit muss immer größer 1 sein! Damit ist<br />
Azul<br />
= 1−Q ² A<br />
√3∗Sp Re A<br />
der rechnerische Nachweis abgeschlossen.<br />
size 12{p rSub { size 8{ ital "Azul"} } = { {1 - Q rSub { size 8{A}<br />
Kurze Zusammenfassung<br />
p A<br />
= } Pressung ²} over zwischen { sqrt {3} Außenring<br />
und Nabe (Radbohrung)<br />
* ital "Sp"} } "Re" rSub { size 8{A} } } {}<br />
p A<br />
= p ∗d I<br />
D<br />
Das übertragende Drehmoment wurde ermittelt. Die<br />
size 8{A} 12{ {}= } = { {2,4 {M rSub ital "Nm"*2,"88"} { size 8{ ital "Azul"} over {4} } } = dazu {underline benötigte Flächenpressung wurde errechnet. <strong>Eine</strong><br />
53 ,76 Schraubenauswahl mit den dazu benötigten Anzugsmomenten<br />
wurde errechnet. Kontrolle der Bauteilfestigkeiten<br />
hraubenanzahl"} N ∗13 mm<br />
underline p } } {}<br />
= {1,"73" mm ital ²<br />
A<br />
"Nm"}}<br />
= 43,68 } {} N/mm²<br />
16 mm<br />
wurde durchgeführt.<br />
size 12{p rSub { size 8{ ital "Azul"} } = { {1 - 0,"615"²} over {<br />
sqrt {3} *1,2} } *"200" {N} wideslash { ital "mm"²} ={}} {}<br />
size 12{p rSub 6 { size 8{ ital "Azul"} } ="59","83"N/ ital "mm"²>p 7<br />
rSub { size 8{A} } ="43","68"N/ ital "mm"²} {}<br />
e 8{ ital "Azul"} } = { {1 - Q rSub { size 8{A}<br />
ital "Sp"} } "Re" rSub { size 8{A} } } {}<br />
8{A} } = { {p rSub { size 8{I} } *d} over<br />
size 12{S= size { {p 12{ rSub {}={ size { {"59","83"N/ 8{ ital "Azul"} ital "mm"²} } } over over {p rSub {"43","68"N/ { ital<br />
size 8{A} } "mm"²} } } } {} } = {underline underline {1,"37"}} } {}<br />
{"53","76"<br />
3D-Schnittmodell<br />
{N} wideslash<br />
des Radsatzes<br />
{ ital<br />
der<br />
"mm"²}<br />
T1<br />
*"13" ital<br />
er rSub {"16" { size ital "mm"} 8{A} } } ={}} {}<br />
3D-Schnittmodell der Spannelementverbindung der T1<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 15
8 9<br />
Ausschnitt der Treibradzeichnung der T1<br />
Konstruktion der<br />
Spannelementverbindung<br />
Nach der Festigkeitsberechnung erfolgt die Konstruktion<br />
der Verbindung. Die Spannelemente sind nicht selbst<br />
zentrierend, d. h. dass die Radnabe zur Welle noch eine<br />
Führung benötigt. Nachdem aus dem Rad die Bohrung mit<br />
einer H7-Passung ausgedreht wurde, ist im Anschluss ein<br />
Absatz von 2 mm oder mehr auszuarbeiten. Dies ist im<br />
Bild 6 und 7 deutlich am Absatz des Speichenrades zu<br />
erkennen.<br />
Das Ausdrehen der Nabe und des Ansatzes empfiehlt<br />
sich in einer Einspannung durchzuführen, um eine Exzentrizität<br />
zu vermeiden. Der Absatz sollte ebenfalls die Passtoleranz<br />
H7 besitzen (Bild 8).<br />
10<br />
Ausschnitt der Druckscheibenzeichnung<br />
Ausschnitt der Wellenzeichnung der T1<br />
Die Wellen können in weicher oder gehärteter Form verbaut<br />
werden. Bei weichen Wellen ist gleich auf das Sollmaß<br />
zu fertigen. Dabei müssen die Wellen zwischen den<br />
Spitzen feinst gedreht und danach mit Schmirgel abgezogen<br />
werden. Dabei ist darauf zu achten, dass der Wellenabsatz<br />
keinerlei Radien aufweist. Dieser muss absolut<br />
scharfkantig sein. Am besten lässt er sich durch einen<br />
spitz angeschliffenen HSS Drehstahl realisieren. Sollten<br />
die Wellen in gehärteter Form verbaut werden, muss mit<br />
einem erhöhten Fertigungsaufwand gerechnet werden.<br />
Aber sie garantieren eine hohe Lebensdauer mit äußerst<br />
geringem Verschleiß.<br />
Die Welle ist demnach aus dem Einsatzstahl 20MnCr5 ≡<br />
1.7147 zwischen den Spitzen vorzudrehen (Bild 9). Dabei<br />
wird auf den Passflächen ein Aufmass von 0,3 mm stehengelassen.<br />
Danach muss die gesamte Welle einsatzgehärtet<br />
werden. Die Härtetiefe sollte mindestens 0,8 mm betragen.<br />
Nach dem Härten sind die Wellen rund zu schleifen.<br />
Dies sollte man von Werkzeugbau- oder Feinmechanikerfirmen<br />
durchführen lassen. Die harten Passflächen können<br />
später auch als Laufflächen <strong>für</strong> Nadelhülsen dienen.<br />
Des Weiteren ist ein Distanzring einzusetzen, da durch<br />
das Schleifen von Rund- und Planfläche immer ein Freistich<br />
vorhanden sein muss. Das Spannelement benötigt<br />
seine gesamte Auflagefläche, um die Gefahr der Deformation<br />
und die damit verbundenen Löseschwierigkeiten<br />
der Verbindung auszuschließen. Der Distanzring ist so<br />
stark auszuwählen, dass das erste Spannelement im gespannten<br />
Zustand bündig mit der Planfläche der Welle<br />
abschließt (Bild 7).<br />
16<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
11<br />
der anderen Seite sind die Schrauben leicht anzuziehen, sodass<br />
sich die Räder auf den Wellen verdrehen können.<br />
Nun werden die Radsätze in den Rahmen eingesetzt und<br />
das Fahrwerk ist auf der Schiene einzugleisen. Die Kuppelstangen<br />
aufstecken und die beiden Radseiten werden<br />
grob um 90° (Zwillingsmaschinen) versetzt. Danach wird<br />
die Lokomotive zwei volle Radumdrehungen vor- und zurückgeschoben.<br />
Währenddessen drehen sich die Radscheiben<br />
auf den Wellen in die erforderliche Position.<br />
Nun können die Spannelemente der losen Radscheiben<br />
gespannt werden. Denn die Spannelementverbindungen<br />
lassen sich an jeder beliebigen Stelle und in jeder beliebigen<br />
Lage fixieren und festspannen.<br />
Lieferanten der Spannelemente<br />
Weidener Industrietechnik GmbH<br />
Fa. Mädler<br />
Fa. Ringfeder<br />
Welle mit Spannpaket<br />
Zusätzlich muss eine Druckscheibe gefertigt werden<br />
(Bild 10). Diese gewährleistet eine gleichmäßige Kraftverteilung<br />
auf den Spannelementen. Der Außenmantel der<br />
Scheibe muss mit einer Spielpassung f7 toleriert werden,<br />
um die Nabe optimal zu führen. Hinzu muss ein Absatz<br />
herausgedreht werden. Dieser verhindert ein Aufpressen<br />
auf die Planfläche der Welle.<br />
Den Abschluss bildet die Deckscheibe, sie simuliert die<br />
Planfläche der Welle. Zur Befestigung sollte möglichst<br />
eine brünierte Senkkopfschraube verwendet werden, um<br />
die Zentrierbohrung besser darzustellen.<br />
Literaturverzeichnis<br />
Maschinenelemente Decker<br />
Ringfeder Katalog D/04 98<br />
Weidener Industrietechnik: www.spannsatz.info<br />
Anzeigen<br />
Montage des Radsatzes<br />
Sämtliche Kontaktflächen, einschließlich Gewinde und<br />
Kopfauflagen der Spannschrauben müssen sauber und<br />
mit einem Ölfilm versehen sein. Alle nachfolgenden Komponenten<br />
sind in diesem Zustand zu montieren.<br />
Folgende Bauteile werden in folgender Reihenfolge<br />
auf die Welle geschoben:<br />
– 1 Distanzring<br />
– 2 Spannelemente<br />
– 3 Druckscheibe<br />
– 4 Sechskantschrauben einschrauben (nicht festziehen!)<br />
– 5 Rad auf das Spannpaket bis zum Anschlag schieben<br />
Spannschrauben leicht anziehen und das Rad ausrichten.<br />
Schrauben in zwei bis drei Stufen gleichmäßig und über<br />
Kreuz auf das errechnete Anziehdrehmoment anziehen.<br />
Dabei ist stets ein Drehmomentschlüssel zu verwenden.<br />
Zum Schluss wird die Deckscheibe montiert.<br />
Zum Abschluss soll ein kurzes Beispiel zum Fügen von Radsätzen<br />
bei mehrfach gekuppelten Lokomotiven betrachtet<br />
werden. Die Wellen werden mit den Spannpaketen (Bild 10)<br />
bestückt. Danach werden die Radscheiben aufgezogen.<br />
<strong>Eine</strong> Seite aller Radsätze wird komplett festgespannt. Auf<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013<br />
17
Plastics versus<br />
Rotguss<br />
D<br />
Pr axis<br />
as „plastics“ in der Überschrift steht <strong>für</strong> viel mehr,<br />
als „billiges Plastik“. Der anglo-amerikanische<br />
Sprachgebrauch versteht darunter ganz allgemein<br />
Kunststoffe. Der Markt <strong>für</strong> Produkte aus „Kunststoffe“ ist<br />
riesig. Man denke nur an die „Gummikugeln“ aus Elastomere.<br />
Seit fast fünfzig Jahren entwickelt und produziert<br />
die Kölner igus GmbH® Gleitlager und verwandte Bauteile,<br />
vornehmlich aus Polymer-Kunststoffen. So ist es nicht<br />
verwunderlich, dass wir auf den ersten Seiten des dicken<br />
Produktkatalogs die Parole Plastics for longer life® finden.<br />
Auf gut Deutsch: „Kunststoffe, um die Lebensdauer von<br />
Maschinen zu erhöhen.“<br />
Vielleicht stellt jetzt der eine oder andere Modellbauer die<br />
Frage: „Was hat das mit uns zu tun? Schließlich kommt ‚Eisenbahn‘<br />
von Eisen.“ Wir getrauen uns, diese Bemerkung<br />
umzudrehen und fragen: „Wie können wir davon profitieren?“<br />
Um Irritationen von vornherein auszuschließen, sei gesagt,<br />
dass dieser Beitrag in keinster Weise als „Werbeschrift“ <strong>für</strong><br />
Produkte einer Firma gesehen werden will. Im Gegenteil:<br />
Wir schicken ein dickes „Danke“ nach Köln, dass wir aus<br />
dem Katalog der igus®GmbH zitieren dürfen und deren<br />
Lieferbedingungen so modellbauerfreundlich sind, dass wir<br />
dort direkt bestellen können und – es trotz des Einzelverkaufs<br />
keine Mindestbestellmengen gibt. Natürlich gibt es ab<br />
Siegfried Baum<br />
einer bestimmten Stückzahl Mengenrabatt.<br />
„Druck erzeugt Gegendruck“. Das<br />
physikalische Gesetz gilt auch im<br />
Wettbewerb. Heißt: igus® hat wahrlich<br />
keine Alleinstellung auf diesem<br />
Markt. Per Zufall erfuhren wir<br />
während der Recherchen, dass in<br />
H. Koepffs „Mallet“ Permaglide®-<br />
Lager eingebaut sind. Wer sich<br />
die Mühe macht und im Web nach<br />
„Kunststoff-Gleitlager“ sucht, entdeckt<br />
eine größere Anzahl an<br />
Adressen. Neben Kunststoff entdecken<br />
wir unverändert noch immer<br />
die altbekannten und bewährten<br />
Sinter-Bronze-Lager. Während KS-Gleitlager bei den<br />
permaglide®-Buchsen nur im Innenbereich auf Kunststoff<br />
setzt und die Buchsen bzw. Lager mit einem Metallring aus<br />
Stahl, Messing oder Bronze ummantelt, finden wir auch reine<br />
Kunststoffbuchsen, wie eben solche der igus®-GmbH.<br />
Bei Durchsicht der Angebote fällt weiter auf, dass manche<br />
Firmen auf das altbekannte PTFE setzten, und andere die<br />
Lagermaterialien sogar mit „PTFE-frei“ bezeichnen. Wir<br />
wollten es wissen, und haben gefragt: PTFE, im landläufigen<br />
Sprachgebrauch vielfach mit Teflon® bezeichnet, kann<br />
offenbar in der Lebensmittelindustrie nicht immer bzw.<br />
überall eingesetzt werden. Hat aber <strong>für</strong> unseren Dampfmodellbau<br />
überhaupt keine Bedeutung!<br />
Obwohl alle Welt auf Informationen aus dem Web setzt, leistet<br />
sich igus® den Luxus und bietet die Informationen zu seinen<br />
High-tech-Produkten in einem gedruckten Katalog an, der mehr<br />
als 1 kg auf die Waage bringt.<br />
<strong>Eine</strong> von insgesamt fast 1100 Seiten mit dem Lieferprogramm<br />
einer <strong>für</strong> den Dampfmodellbau nicht<br />
uninteressanten Gleitlagertype<br />
18<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Weil die Bolzen und die zugehörigen Buchsen Platz benötigen, ist<br />
es in vielen Fällen nicht möglich, den oberen Teil a des Voreilhebels<br />
kurz zu halten, was bekanntermaßen Auswirkungen nicht<br />
nur auf die Länge des (unteren) Teils b hat, sondern nicht selten<br />
auch die Festlegung der Schieberüberdeckungen beeinflusst. Hier<br />
könnten Kunststoffbüchsen eine neue Ära einläuten. (siehe auch<br />
den Bericht in <strong>GARTENBAHNEN</strong> 3/2012 „Henne oder Ei!“)<br />
Die acht Achsen der herrlichen „Mallet“ von Heinrich Koepff<br />
sind in Kunststoffbuchsen gelagert. „Null problemo“!<br />
(Foto: Josef Prasser)<br />
Nachdem wir von einem Dampfmodellbauer aus Dresden<br />
auf die Produkte der Kölner Firma hingewiesen wurden, und<br />
diese bei uns einen echten Aha-Effekt auslösten, mussten<br />
wir später feststellen, dass andere in der Dampfszene die<br />
Dinger schon länger kannten – nur sie fanden es nicht der<br />
Mühe wert, ihre Entdeckung weiterzugeben! Schade!<br />
Die Produktpalette der Firmen ist riesig und enthält Tausende<br />
von Teilen <strong>für</strong> viele Branchen, viele Anwendungen aber<br />
nicht speziell <strong>für</strong> den Dampfmodellbau. Und doch finden<br />
wir in den fast 1100 igus®-Katalogseiten auch <strong>für</strong> uns passende<br />
Teile. Teile, die im Sinne der Überschrift bisher verwendete<br />
Lager und Lagerbuchsen aus Rotguss, ja sogar<br />
aus der zähen Bronze unter Umständen ersetzen können.<br />
Wir finden schmierfreie Polymer-Gleitlager, die schon bei<br />
einigen Modellbauern an Stellen des Fahr- und Triebwerks<br />
eingebaut sind, <strong>für</strong> die wir bisher – ohne jede Suche nach<br />
Alternativen – ausschließlich metallische Lagerwerkstoffe<br />
eingesetzt haben.<br />
Blättert man in dem igus®-Katalog, wird man nach einiger<br />
Zeit erkennen, dass es offensichtlich eine Menge Branchen<br />
geben muss, deren Maschinen ohne metallische Lagermaterialien<br />
auskommen müssen, weil sie nicht mit „normalen“<br />
Schmiermitteln in Berührung kommen dürfen. Zwei große<br />
Bereiche seien erwähnt: Die Lebensmittel- und die pharmazeutische<br />
Industrie. Siehe oben!<br />
Wir picken uns die ganz gewöhnlichen Lagerbuchsen heraus,<br />
die, wie schon erwähnt, seit einigen Jahren auch im<br />
Modellbau ihre Feuertaufe mit Bravour bestanden haben.<br />
Die Buchsen laufen unter dem Label iglidur®. Ein Zusatzbuchstabe<br />
kennzeichnet die Eigenschaften „Flächenpressung,<br />
Temperaturbeständigkeit, Reibwert und Verschleiß“.<br />
Das Besondere der Buchsen sind die erstaunlich dünnen<br />
Wandstärken, die in allen <strong>für</strong> den normalen Dampfmodellbau<br />
vorkommenden Wellendurchmessern eine Wandstärke<br />
von 1 mm nicht überschreiten. Ängstliche Freunde, die<br />
bisher ausschließlich Lagerbuchsen aus Rotguss oder<br />
Bronze verwendet haben, werden den Kopf schütteln, ob<br />
dieser mickrigen Dicken. Die von uns erstmals verwendeten<br />
Buchsen aus dem Produktbereich iglidur®-X halten bei<br />
Normaltemperatur eine Flächenpressung von 140 MPa<br />
(siehe Kasten) aus. Wie oben schon geschrieben, getraute<br />
sich Heinrich Koepff, in die Achskisten der Treib- bzw. Kuppelachsen<br />
seiner bayer. „Mallet“ permaglide®-Buchsen<br />
einzubauen. Obwohl eine evtl. sogar zwei Achsen unter<br />
dem Rost liegen dürften, sei es bisher zu keinen (Hitze)-<br />
Schäden gekommen. Die Produkttabelle nennt <strong>für</strong> iglidur®-<br />
Buchsen beispielsweise eine Temperaturbeständigkeit bis<br />
250 Grad! Permaglide® gibt bei einigen Produkten sogar<br />
280 Grad an! Was <strong>für</strong> unsere Belange mindestens genauso<br />
wichtig ist, dass als passender Wellenwerkstoff zu diesen<br />
Buchsen V2A und St 37 genannt wird.<br />
Was könnte den Ersatz metallischer<br />
Buchsen erschweren?<br />
Die Frage ist rasch beantwortet, und hat mit der Qualität<br />
der Kunststoffbuchsen nichts zu tun. Aber – weil wir bisher<br />
Lagermaterial mit größeren Wandstärken verwendet<br />
haben, wird es da und dort ohne Änderung, sprich Verkleinerung<br />
der Gehäusebohrung oder Vergrößerung der Welle<br />
bzw. des Lagerbolzens nicht abgehen. Wer schon länger<br />
im Dampfmodellbau unterwegs ist, wird nicht erst einmal<br />
festgestellt haben, dass manche Bolzen der Steuerung aus<br />
ungehärtetem Stahl nach einiger Zeit gar nicht mehr hundertprozentig<br />
rund sind. Nehmen wir nur die Buchsen und<br />
Bolzen im Voreilhebel: Die Lagerbeanspruchung besteht<br />
nur aus einem horizontalen Hin und Her, sowohl am oberen<br />
Ende, wo Schieber- bzw. Schieberschubstange angreifen,<br />
als auch „unten“ im Bereich der Lenkerstange. Aus purer<br />
Vorsicht wird es zumindest bei größeren Modellen kaum<br />
Bolzen mit weniger als 4 mm Durchmesser geben. Möchten<br />
wir die bisherigen Buchsen durch solche aus Kunststoff<br />
ersetzen, darf die Bohrung (siehe das Maß „b2“ in der abgebildeten<br />
Katalogseite) nur 5,5 mm betragen. Heißt, dass die<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 19
Buchse eine Wandstärke von gerade mal 0,75 mm hat. Bei<br />
einem schon fast unmaßstäblich dicken Bolzen von 5 mm,<br />
hat die Buchse einen Außendurchmesser „b2“ von 7 mm.<br />
Will sagen: Ein Ersatz metallischer Buchsen durch solche<br />
aus Kunststoff könnte zumindest dann, wenn <strong>für</strong> die metallischen<br />
nicht zu dünne Wandstärken vorgesehen waren, mit<br />
etwas Umbauaufwand verbunden sein.<br />
Toleranzen<br />
Wie eingangs schon erwähnt, haben wir es bei diesen Buchsen<br />
absolut nicht mit „billigem Plastik“, sondern mit hochpräzisen<br />
Produkten zu tun. Die Toleranzen der Bohrungen bewegen<br />
sich in ganz engen Grenzen. So wird <strong>für</strong> die Bohrung<br />
im Gehäuse die Passgenauigkeit von H7 vorausgesetzt.<br />
Das Übermaß der Buchsen bewegt sich, je nach Wellendurchmesser,<br />
zwischen ein und drei Hundertstel.<br />
Praktische Erfahrungen<br />
Der oben erwähnte Modellbauer aus Dresden nennt ein<br />
relativ kleines Löklein sein eigen. Die Buchsen in den Stangenlagern<br />
der Steuerung seien aus diesem Kunststoff und<br />
alles bewege sich nahezu wie spielfrei.<br />
Der Tipp aus Dresden bewog uns, solches auch am „Büffel“<br />
zu versuchen. Die Lok wiegt rd. 130 kg und die Zylinder haben<br />
eine Bohrung von 50 mm. Man ertappt sich und auch<br />
Freunde bei der Überlassung des Reglers immer wieder<br />
dabei, dass die Lok mit ihren sehr kleinen Treib/Kuppelrädern<br />
oft deutlich über der modellmäßigen Höchstgeschwindigkeit<br />
gefahren wird. Und das z. T. mit beträchtlicher Last<br />
am Haken. Die Konsequenz war, dass sowohl die Buchsen<br />
der Treibstange, als auch die der Kuppelstangen oft nach<br />
wenigen Einsatztagen schon wieder hörbar „Luft“ signalisierten.<br />
Die Rotguss-Buchsen hielten die Belastung nicht<br />
aus. Vor Saisonbeginn 2012 wurden nun versuchsweise die<br />
Buchsen der hinteren Treibstangenlager durch iglidur®X-<br />
Buchsen ersetzt. Obwohl die Lok bei mehreren Fahrtagen<br />
mit z. T. heftiger Beanspruchung durch lange und schwere<br />
Züge im Sommer 2012 stark gefordert wurde, zeigen die<br />
Buchsen keinen Verschleiß! Der Ersatz weiterer metallischer<br />
Buchsen wird fortgesetzt.<br />
Die „Mallet“ von H. Koepff hat geteilte Achslagerkisten. Deren<br />
Bohrung wurde auf das Außenmaß der Einsatzbuchsen<br />
gebracht, und die geschlitzten Buchsen wurden ganz einfach<br />
und brutal über die Achswellen gestülpt. Der Kunststoff<br />
bescherte dem Modell einen guten Leichtlauf, Schmieren<br />
erübrigte sich und – auch die im warmen Bereich liegenden<br />
Lager zeigen keinen erhöhten Verschleiß oder gar Auflösungserscheinungen!<br />
Sonstige Anwendungen<br />
Das „bewegliche“ hintere Treibstangenlager der österr. Reihe 214.<br />
Giesl schreibt in seiner „Anatomie“, dass die Lagerschalen um<br />
eine senkrechte Achse schwenkbar sind. Die im gleichen Buch<br />
abgedruckte Draufsicht (Lok 114.01) lässt leider nicht erkennen,<br />
wie das Gelenklager im Einzelnen konstruiert wurde.<br />
Wie oben schon vermerkt, ist das Angebot riesig. Was<br />
jahrzehntelang aus den unterschiedlichsten Metallen hergestellt<br />
wurde, finden wir interessanterweise nun auch in<br />
Kunststoff. Dazu gehören z. B. auch Kugellager oder Gelenklager.<br />
Während es im Dampfmodellbau zu metallischen<br />
Kugellagern nur in ganz seltenen Fällen eine Alternative<br />
geben dürfte, bzw. auch gar nicht geben muss, könnten<br />
Gelenklager gerade im Hinblick auf die in dieser Zeitschrift<br />
schon einmal beschriebene Pendel-Problematik von Treibstangen<br />
bzw. Schwingenstangenlagern von Interesse sein.<br />
Was wir damals schon als (leichtes) Hindernis <strong>für</strong> ein Gelenklager<br />
ansprechen mussten, finden wir auch hier wieder: Die<br />
Lager benötigen wegen der zwei Ringe eine deutlich größere<br />
Bohrung als Lagerbuchsen, Nadel- oder Kugellager. Das<br />
kleinste entdeckte Wellenmaß von „d1“ mit nur 2 mm verlangt<br />
schon einen Außendurchmesser von 8 mm. Was je nach Betrachtung<br />
nun „viel“ oder auch „wenig“ bedeuten mag. <strong>Eine</strong><br />
andere Produktserie beginnt mit 4 mm innen und das Außenmaß<br />
hat schon 12 mm. Mit Interesse, vielleicht auch mit<br />
Enttäuschung müssen wir feststellen, dass die Außendurchmesser<br />
der Gelenklager aus Kunststoff oder Metall ab einem<br />
Wellendurchmesser von 6 mm aufwärts exakt gleich sind.<br />
Apropos „Gelenklager“: Wussten Sie verehrte Leser,<br />
dass in die hinteren Treibstangenlager der größten österr.<br />
Dampflok der Reihe 214 (DR-Baureihe 12) bereits 1928<br />
eine Art Gelenklager eingebaut wurde? Lt. Auskunft der<br />
ÖGEG (Österr. Ges.f.Eisenbahngeschichte-Linz) habe die<br />
in deren Eisenbahnmuseum Ampflwang stehende Museumslok,<br />
bei der es sich bekanntlich um eine (baugleiche)<br />
aus Rumänien zurückgeholte Lok der Reihe 142 handelt,<br />
noch immer diese Gelenklager! Und im Modell: Bei einem<br />
Treibzapfendurchmesser von 10 mm erfordert ein (Modell)-<br />
Gelenklager eine Bohrung von 19 mm!<br />
Es wird nicht in jedem Fall möglich sein, die Überschrift total<br />
in die Tat umzusetzen. Wer modellmäßig bauen will, kann<br />
es sich nicht leisten, das hintere (geteilte) Treibstangenlager<br />
durch ein Gelenklager zu ersetzen. Stattdessen wäre aber<br />
ein Einsatz im vorderen Bereich denkbar, wenn dort die Treibstange<br />
genügend „Fleisch“ hat. Nur bei kleinen Modellen dürfte<br />
der Kreuzkopfbolzen dünner als 6 mm sein. Hieße, dass die<br />
Treibstange so dimensioniert sein muss, dass eine Bohrung<br />
von 12 mm möglich wäre. Völlig anders sieht die Situation<br />
hinten aus. Dem hinteren Treibstangenlager des „Büffels“ ist<br />
nicht anzusehen, dass das scheinbar geteilte Lager mit einer<br />
Kunststoffbuchse versehen wurde. Sollten die bisherigen Beobachtungen<br />
keine unliebsamen Überraschungen bringen,<br />
wird unser „bestes Pferd im Stall“ viel länger als bisher mit so<br />
einem Treibstangen-Buchsenlager unterwegs sein.<br />
20<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Die Temperaturbeständigkeit reicht von – 100 bis + 180 Grad.<br />
Lt. Katalog ist man bereit, Abschnitte ab 100 mm zu liefern.<br />
Um aus dem Material u. U. ganze Schieberkörper drehen<br />
zu können, wäre noch der Wärmeausdehnungskoeffizient<br />
zu berücksichtigen. Das Überstreichen der Schieberbohrungen<br />
müsste bei der Härte des Materials ohne Schwierigkeiten<br />
möglich sein. Es bedürfte also keiner zusätzlichen<br />
Kolbenringe. Die Kosten <strong>für</strong> 100 mm = 10 cm belaufen sich<br />
lt. Internet-Preisliste um die 10,– bis 12,– Euro, bei größeren<br />
Durchmessern natürlich darüber.<br />
Fazit<br />
Seit Frühjahr 2012 sind in die hinteren Treibstangenlager des<br />
„Büffels“ – alias BR 95 6678 – Kunststoffbuchsen eingebaut.<br />
(Foto: Markus Baum)<br />
Igus® bietet auch Halbzeuge in Form von Rundmaterial an.<br />
Die Durchmesser beginnen bei 10 mm und enden bei 100 mm.<br />
An mindestens zwei Maschinen unserer Flotte verlangen<br />
die Schwingenlager nach einem „AW-Aufenthalt“. Wir werden<br />
alle Möglichkeiten untersuchen, ob und wo Rotguss<br />
bzw. Bronze durch Kunststoff ersetzt werden kann. Es würde<br />
nicht wundern, wenn unser Aha-Effekt längst Schnee<br />
von gestern wäre, weil weit mehr Modellbauer schon diese<br />
Kunststoffbuchsen entdeckt haben. Sollte dem so sein,<br />
wäre es wünschenswert, im Wege des „Forums“ solche Erfahrungen<br />
weiterzugeben. In den Reihen der Dampf- und<br />
Gartenbahner gibt es mit großer Wahrscheinlichkeit Anfänger,<br />
Leute ohne Beziehungen: Weshalb sollten wir denen<br />
nicht auch den Aha-Aufschrei gönnen?<br />
Bei der Flächenpressung nennt der Igus®-Katalog durchgängig die Maßeinheit MPa. Während uns das Wiki bei der<br />
Beschreibung dieses Begriffs eine konkrete Antwort schuldig bleibt, finden wir den Begriff auf einer Website der Firma<br />
ganz simpel erläutert. Das MPa steht <strong>für</strong> Newton pro Quadrat-Millimeter, also N/mm². Die im Katalog aufgeführten<br />
Materialien halten bei 20 Grad Flächenpressungen bis 135 MPa aus. Dass sich die Festigkeit von Kunststoffen bei<br />
Wärme ungünstig verändert, gilt auch <strong>für</strong> die der Kölner Firma. Was bei 20 Grad noch mit 135 MPa glänzt, hält bei 120<br />
Grad nur noch ca. 90 MPa aus. Wir finden Sorten, die im „kalten“ Zustand mehr als 120 MPa aushalten, während bei<br />
120 Grad der Wert auf bescheidene 30 MPa sinkt.<br />
Dass das MPa absolut keine exotische Definition darstellt, erkennen wir an einem Aufsatz in einer VDI-Zeitung, wo im<br />
Zusammenhang mit „Tunnelbohren“ die Druckfestigkeit von Gesteinsschichten ebenfalls mit MPa beschrieben wird<br />
Gelenk ohne Gelenklager<br />
Unsere „Spezialführung“ durch die Werkstätte der HSB Harzer Schmalspurbahnen war zwar wesentlich teurer als die<br />
üblicherweise angebotene, da<strong>für</strong> aber um Klassen besser und lohnender. Der im Ruhestand befindliche Werkmeister<br />
blieb uns während der zwei Stunden auf keine Frage eine Antwort schuldig. Dabei erfuhren wir auch, wie die HSB das<br />
„Problem Gelenklager“ der Treibstangen in ihren Fünf-Kupplern gelöst haben:<br />
Die Kanten der Führungsleisten der Kreuzkopf-Gleitschuhe sind nicht total kantig, sondern leicht gerundet gefräst.<br />
Diese Rundungen ermöglichen, dass der Kreuzkopf auf der Gleitbahn minimal pendeln kann, was offenbar ausreicht,<br />
die bestimmt nur im Sekundenbereich liegenden Winkelausschläge der Treibstange aufzufangen. <strong>Eine</strong> ähnliche Auskunft<br />
gab vor Jahren ein Lokführer der ex-DB-41 018. Er erklärte szt., „… dass ‚konstruktionsbedingt’ da<strong>für</strong> gesorgt<br />
sei, dass das ganze System ohne verstärkten Verschleiß von Bolzen und Buchsen die Pendelbewegungen auffangen<br />
könne“. Vielleicht eine späte Bestätigung meiner schon vor Jahren gemachten und zuweilen kritisch aufgenommenen<br />
Bemerkung, „dass der Maschinenbau auch von der Luft (in den Gelenken) lebe“!<br />
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<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 21
GLOS SE<br />
Dr. Wolfgang Baierl<br />
Aktuelles an der Strecke/Niederbayern<br />
Neue Museumslok bei der Scheueringer Querbahn<br />
E<br />
in wahres Schmuckstück<br />
ist sie geworden,<br />
die neue Akku-Kleinlok der<br />
Scheueringer Querbahn. Die<br />
BGSW-Gruppe im Betriebswerk<br />
Scheuering Nord der<br />
privaten Bairail-AG hat sie<br />
aus einer jahrelang im alten<br />
Rechteckschuppen hinterstellten<br />
Maschine wieder aufgearbeitet.<br />
Motoren, Radsätze und<br />
ein Großteil der elektrischen<br />
Ausrüstung wurden aus einer<br />
im letzten Jahr verschrotteten<br />
Schwesterlok (Eisenbahn-<br />
Report berichtete darüber in<br />
Heft 2/2011) gesichert und <strong>für</strong><br />
den Wiederaufbau verwendet.<br />
Ein sattes Ersatzteilpolster<br />
steht somit auch <strong>für</strong> viele weitere<br />
Betriebsjahre im zweiten<br />
Leben des kompakten, aber<br />
starken Rangiergeräts zur<br />
Verfügung. Zur Geschichte:<br />
Als Typ Lg II im Jahre 1937<br />
bei Windhoff gebaut, wurde<br />
die Lok am 21.9.1938 bei der<br />
Deutschen Reichsbahn abgenommen<br />
und als Ks 4986<br />
eingereiht. Sie überlebte die<br />
Kriegswirren und ging bei der<br />
jungen Deutschen Bundesbahn<br />
am 7.9.1949 wieder in<br />
Betrieb. 1968 erfolgte im BW<br />
Tübingen die Umzeichnung<br />
in 381 013-2. Nach der Ausmusterung<br />
dort im Jahre 1969<br />
gelangte das Fahrzeug zu<br />
den Stadtwerken Rosenheim.<br />
Als Werklok im Heizkraftwerk<br />
war sie dort bis 1984 im Einsatz.<br />
Danach folgte museale<br />
Betreuung durch den Eisenbahnclub<br />
Rosenheim und<br />
das Bayerische Moor- und<br />
Torfmuseum Rottau. Die nun<br />
aktivierte Museumsmaschine<br />
ist lackiert in Farbgebung<br />
22<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
und Beschriftung der oberbayerischen Schwesterloks Ka<br />
4903 bis 4908, wie sie bei der Deutschen Bundesbahn als<br />
Bahnhofsloks z. B. in Grafing, Raubling (Ka 4903), Fischbach,<br />
Endorf und Prien eingesetzt waren.<br />
Sehr hübsch anzusehen, aber leider historisch nicht ganz<br />
korrekt! Da muss man den Museumsbahnen einfach immer<br />
wieder fehlende Recherche ankreiden! Man sollte sich<br />
dort wirklich öfter mal eine Scheibe bei den so akribisch<br />
arbeitenden Modellbahnern abschneiden! Unseren Fotografen<br />
gelangen bereits im Januar 2012 ein paar hübsche<br />
Schnappschüsse bei einer ersten abendlichen Ausfahrt<br />
aus dem streng gehüteten Werkstattbereich. Mitte Februar<br />
fanden dann erste Streckenfahrten im schönsten Sonnenlicht<br />
statt. Derlei Einsätze als Fotogüterzug würde sich<br />
der Eisenbahnfan <strong>für</strong> die Zukunft sehnlichst wünschen!<br />
Die Chancen da<strong>für</strong> stehen auch gar nicht schlecht, denn<br />
auch an der Strecke wird seit dem Herbst wieder fleißig<br />
gearbeitet! Ein Waldbesitzer in der nun wieder bahnmäßig<br />
erschlossenen Wildnis nutzt den effektiven Transportweg<br />
<strong>für</strong> umfangreichen Einschlag uralter, wertvoller Holzbestände.<br />
Der Bairail-Zweiwege-Unimog war auch im Winter<br />
unermüdlich unterwegs, um die teils gigantischen Baumriesen<br />
in handlichen Stücken auf Robelachsen abzutransportieren.<br />
Die weitere Verschickung des Nutzholzes erfolgt<br />
auf Großgüterwagen, die unregelmäßig, aber jedesmal in<br />
der Finsternis der frühen Morgenstunden zugestellt werden.<br />
Dabei konnte erstmals auch eine DB Ludmilla im Anschluss<br />
Scheuering-Nord beobachtet werden.<br />
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Neckar-Verlag GmbH, Redaktion Gartenbahnen, Klosterring 1, 78050 Villingen-Schwenningen, oder per<br />
E-Mail an mannek@neckar-verlag.de<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 23
Foto: Dr. Wolfgang Baierl
Das Bild wurde am letzten Fahrtag der Saison, dem 21. Oktober 2012 auf der Parkbahn<br />
Neuötting in Oberbayern aufgenommen. Abgebildet sind Dr. Clemens Fischer und Senior<br />
Uli Fischer aus Neufahrn/Niederbayern mit ihrer funkgesteuerten Köf II nach Privatbahnvorbild,<br />
ein Ganzmetall-Bausatz der Firma RC-Technik, München. Clemens und Uli, eigentlich<br />
bekannt <strong>für</strong> ihre Live-Steam-Eigenbauten in <strong>Spur</strong> I, sind seit 2011 dabei und haben Lok und<br />
Wagen natürlich auch in der eigenen Werkstatt erstellt. Die Lok verfügt über einen Akkuantrieb<br />
mit 12 Volt, 2 x 200 W Leistung. Länge über Puffer: 70 cm, Gewicht: 80 kg.
Porträt<br />
Abenteuer Eisenbahn<br />
– aus OSTRAs Tagebuch –<br />
Teil 3<br />
E<br />
25 Jahre OSTRA-Dampfbahn<br />
s blieb nicht bei Lok RALPH, es blieb nicht bei dem<br />
ursprünglichen Gleismaterial mit sehr engen Bögen.<br />
Ich kaufte im Lauf der Jahre weitere Lokomotiven,<br />
blieb aber dem schwäbischen Fabrikat treu. Und<br />
ich blieb bei der 5-<strong>Zoll</strong>-<strong>Spur</strong>. Der Gleis- und Weichenbau<br />
wurde ein Schwerpunkt meiner Schlosserei, wobei ich<br />
hier als Zulieferbetrieb <strong>für</strong> Zimmermann fungierte. Beim<br />
Betrieb der transportablen 5-<strong>Zoll</strong>-Anlage wurde mir rasch<br />
klar, dass es zu einem störungs- und unfallfreien Betrieb<br />
unumgänglich war, vor Betriebsbeginn die Gleise sehr<br />
sauber und kippsicher zu verlegen. Ein Eimer Justierkeile<br />
war unverzichtbares Requisit über all die vielen Jahre.<br />
In vielen Fällen war es nicht möglich, jeweils einen geschlossenen<br />
Kreis aufzubauen, dann musste eine mehr<br />
oder weniger lange Pendelstrecke genügen. Wie beispielsweise<br />
bei der Nürnberger Spielwarenmesse, wo ich<br />
erst gegen Ende meiner Auftritte die Erlaubnis bekam,<br />
einen Kreis zwischen den Messehallen aufbauen zu dürfen.<br />
Apropos Spielwarenmesse! Obwohl sie in erster Linie als<br />
Werbung <strong>für</strong> das Fabrikat „Zimmermann“ gedacht war,<br />
wurde sie „so ganz nebenher“ auch <strong>für</strong> mich d e r Werbeträger,<br />
mit dem ich fast europaweit bekannt wurde und<br />
dank vieler Fahraufträge an vielen Tagen und Wochen der<br />
nächsten Jahre die Dampfbahn zum „Hauptberuf“ werden<br />
ließ, und die „freien Tage“ <strong>für</strong> Wartung und Reparatur unverzichtbar<br />
wurden. Über Nürnberg kam ich mit dem damals<br />
viel gefragten Showmaster Rudi Carell in Kontakt,<br />
der mich in seine Schau „Am laufenden Band“ zweimal<br />
einlud. Beim ersten Auftritt meinte ein Bühnenarbeiter es<br />
mit seiner „Schneekanone“ so gut, dass ich das Ende des<br />
Gleises nicht mehr erkennen konnte, die Lok entgleiste<br />
und auf dem Sitzwagen die Gewinnerin, eine Nonne samt<br />
ihres Gewinns, vom Sitzwagen auf den „schneebedeckten“<br />
Boden fiel. Wie oft wurde ich von allen möglichen<br />
Leuten auf meinen Carell-Auftritt angesprochen?<br />
Um ein Haar hätte ich in Nürnberg auch den Bayerischen<br />
Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß als Fahrgast gehabt.<br />
Leider lehnte er mein Angebot ab und begnügte sich<br />
damit, dass ich ihm die Funktionsweise der Lok und insbesondere<br />
das „Feuerloch“ erklären bzw. zeigen durfte. Ganz<br />
„unfallfrei“ verlief die Fahrerei doch nicht immer. Einmal<br />
machte sich das Löklein selbstständig, und ehe ich die<br />
Maschine einholen konnte, war sie am Ende einer Pendelstrecke<br />
in die Seitenwand einer Frittenbude gekracht.<br />
Die stabilen Puffer hatten den Aufstoß unbeschadet überstanden,<br />
lediglich die Bretterwand der Jahrmarktbude war<br />
vom Aufprall deutlich gezeichnet!<br />
Der „Meister“ hat gut lachen Der wetterfest verpackte OSTRA Vor 28 Jahren –<br />
während der Spielwarenmesse eine kunstvoll gestaltete Fahrkarte der<br />
Nürnberg 1976<br />
OSTRA-Bahn<br />
26 <strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Statt „Zimmermann“ gab es <strong>für</strong> ein paar<br />
Jahre ein Werbeabkommen mit Fulgurex <strong>für</strong><br />
die japanischen OS-Modelle. Der japanische<br />
Gast scheint die Runde während der Nürnberger<br />
Spielwarenmesse zu genießen<br />
OSTRAs Sammelleidenschaft umfasste auch „seine“<br />
Zeitungsberichte. Der „Wiener Morgen Kurier“ vom<br />
23.9.1978 berichtete von einer „Riesenhetz“ und<br />
veröffentlichte den Schnappschuss des renommierten<br />
Pressefotografen Professor Kristian Bissuti. Das Motiv<br />
ist so einmalig, dass wir es trotz der Qualitätsmängel<br />
abdrucken. Ein ganz spezielles „Danke“ an den Fotografen<br />
<strong>für</strong> die freundlich erteilte Abdruckgenehmigung.<br />
Ostra mit zwei seiner Maschinen vor dem Lokschuppen,<br />
dessen „romantische“ Fassade auf die Garagentore nur<br />
aufgemalt war<br />
Ostra und der Ministerpräsident – in offensichtlich „angeregter“<br />
Unterhaltung<br />
Mehr als einmal musste auch ich zur Kenntnis nehmen,<br />
dass gewöhnlicher Schwarzstahl und Wasser auf Dauer<br />
keine günstige Kombination sind, als die Rohre „durch“<br />
waren. Trotz meines Status’ als „Schlossermeister“ war ich<br />
<strong>für</strong> solche Reparaturen nicht mit den richtigen Maschinen<br />
ausgerüstet und brachte daher die defekten Kessel nach<br />
Öhringen, wo ich sie nach einigen Wochen wieder neuberohrt<br />
in Empfang nehmen konnte.<br />
Die Aufträge kamen aus dem In- und Ausland. Ich war<br />
mehrmals auf der Insel Sylt, ich war Stammgast in Linz<br />
an der Donau, war in Forchheim, in Tettnang, zweimal<br />
bei großen Modellbahnveranstaltungen in Rohrschach<br />
am Bodensee, viele Jahre auf allen möglichen Kinderfesten<br />
im Rheinischen und in der Eifel, ja einmal durfte ich<br />
meinen Schienenkreis sogar auf dem Rathausplatz meiner<br />
Heimatstadt Wien aufbauen! Ich war zum gefragten<br />
Schausteller geworden, aber ganz bestimmt nicht zum<br />
gewieften Controller, der jede Fahrt peinlich genau auf<br />
„Soll und Haben“, sprich nach Kosten und Einnahmen gegenrechnete.<br />
Ich will ausdrücklich hervorheben, dass mir<br />
die strahlenden Augen der Kinder und deren Freude mehr<br />
bedeutete, als der nackte Überschuss einer scharfen Kos-<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 27
Abschied von „Nürnberg“ mit dem Chef der<br />
Spielwarenmesse Dr. Korbmacher<br />
Die gut gemachte Farbskizze von Lok ÄNNE ziert<br />
einen Werbeprospekt des holländischen Clubs<br />
tenkalkulation. Ich habe die Fahrten nicht gezählt, wo ich<br />
ohne Gage gefahren bin, wenn bei Festen der Reinerlös<br />
caritativen oder gemeinnützigen Zwecken zugeführt werden<br />
sollte.<br />
Ach, Freunde, was tut man nicht alles? „Pecunia non olet.“<br />
Einmal hatte ich meine Anlage in den Duisburger Rheinauen<br />
bei einem FKK-Club aufzubauen, und die Auftraggeber<br />
erwarteten, dass ich meinen Job im Adamskos tüm erledigte.<br />
Ich fuhr ohne alles, aber nicht ohne meine Mütze!<br />
Im Gegensatz zum Auftritt in Wien gibt es von Duisburg<br />
kein Pressefoto!<br />
Fast hätte ich bei der Aufzählung von Auftritten die beträchtliche<br />
Zahl von Einsätzen ins nahe Ausland, insbesondere<br />
in die Niederlande, vergessen. Hier machte ich<br />
in Amsterdam ein einziges Mal mit einer echt unfreundlichen<br />
„Amtsperson“ Bekanntschaft, als die schon Mitte der<br />
1980er-Jahre darauf bestand, mein Kesselzertifikat sehen<br />
zu müssen. Ich hatte eines, daheim, so dass es aller<br />
Überredungskunst bedurfte, dem forschen Typen die Ungefährlichkeit<br />
des Kessels klar zu machen. Er hatte nicht<br />
nur unmissverständlich mit dem Löschen des Kesselfeuers<br />
gedroht, er verlangte auch Bußgeld, das ich („mit der Faust<br />
im Sack“) stillschweigend zahlte. Auch das französische<br />
Arras und Dänemark waren Orte, wo wir „gas tierten“.<br />
<strong>Eine</strong> „Auslandsfahrt“ darf in dieser Aufstellung nicht fehlen:<br />
Noch vor der Wende hatte es ein Modellbahnfreund<br />
geschafft, dass sich <strong>für</strong> meinen Transporter samt Bahn der<br />
streng bewachte Schlagbaum der DDR-Grenze hob. Ich<br />
war – ganz offiziell – ins Eisenbahnmuseum nach Oberrittersgrün<br />
eingeladen worden. Sowohl die gestrengen Beamten<br />
an der Grenze als auch die Zuschauer beim Museum<br />
staunten, was „der aus dem Westen“ da anschleppte,<br />
und dass sich solches wie die großen Loks tatsächlich mit<br />
Feuer und Wasser bewegen ließ. Nach der Wende ließ<br />
ich mich von dem sächsischen Bekannten überreden, die<br />
Bahn einmal sogar im ehemals schlesischen Hirschberg,<br />
heute das polnische Jelenia Göra, aufzubauen.<br />
Die Jahre vergingen, Ostra wurde älter, und es machte<br />
sich eine Entwicklung bemerkbar, mit der ich eigentlich<br />
so nicht gerechnet hatte: Das Interesse an Festen und<br />
Veranstaltungen mit solchen Fahrgeschäften musste sich<br />
gewandelt haben. Es kamen zu den gebuchten Terminen<br />
nicht nur weniger Leute, weniger Kinder: Nein, die Veranstalter<br />
selbst mussten den Trend ebenfalls erkannt haben,<br />
so dass die Buchungen rapide zurückgingen. Zudem hatte<br />
sich eine viel billiger arbeitende Konkurrenz in Gestalt<br />
von gummibereiften, mit Verbrennungsmotor betriebenen<br />
Pseudo-Eisenbahnen in den Vordergrund geschoben,<br />
und wahrscheinlich dank keiner Gleiskosten ihre Fahrten<br />
auch billiger angeboten. Ich musste nolens volens erkennen,<br />
dass der Zenit <strong>für</strong> die über Jahrzehnte stark gefragte<br />
Ostra-Bahn überschritten war. Auch die Firma Fulgurex,<br />
<strong>für</strong> die ich noch vier Jahre in Nürnberg die aus Japan importierten<br />
OS-Modelle vorführte, zog sich zurück. 1988<br />
war dort der letzte „Auftritt“.<br />
Wer das System „Fahrgeschäfte“ auf den Kirmes-Veranstaltungen<br />
kritisch betrachtete, musste feststellen, dass<br />
bereits <strong>für</strong> Kinder der ersten Schuljahre das „Im-Kreis-<br />
Herumgefahren-werden“ keine echte Attraktion mehr war.<br />
Aber sie waren es doch, zu deren Freude ich all die Jahre<br />
die Loks angeheizt hatte und ihnen demonstrieren konnte,<br />
„wat’n echte Dampfmaschin is“.<br />
Die Stadt Erftstadt-Liblar ehrt Bürger, welche sich im caritativen<br />
oder kulturellen Bereich besonders verdient gemacht<br />
haben, mit der Carl-Schurz-Medaille. Carl Schurz<br />
wurde 1829 in Liblar geboren, sympatisierte 1848 insbesondere<br />
mit der sog. badischen Revolution, konnte aus<br />
der Festungshaft in Rastatt fliehen und wanderte später in<br />
die USA aus, wo er es als erster Deutscher zu hohen politischen<br />
Ehren (u. a. Innenminister) gebracht hatte. Beim<br />
28<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Die Parade im Jahre 1989 lässt nicht erkennen, dass der<br />
Zenit der OSTRA-Bahn überschritten war<br />
Lok 2 in bestem Pflegezustand mit interessierten<br />
Zuschauern<br />
Jahresempfang der Stadt im Januar 1991 wurde mir die<br />
Ehre der besagten Medaille zuteil. Ich erhielt sie nicht nur<br />
wegen meines Bähnchens, sondern auch <strong>für</strong> mein Engagement<br />
bei der Rettung und der Restaurierung einer<br />
Grubenlok und einer sog. „Klüttenpresse“. Weil beide Exponate<br />
ungeschützt im Freien standen, erging es denen<br />
nicht anders, als den vielen „Denkmallokomotiven“. Was<br />
ohne wirksamen Wetterschutz und ohne gute Pflege sich<br />
selbst überlassen war, konnte dem unaufhaltsamen Verrottungsprozess<br />
auf Dauer nicht standhalten und wurde<br />
rasch unattraktiv, ja unansehnlich. Kam dann noch Vandalismus,<br />
so bei der Klüttenpresse geschehen, dazu, wurde<br />
die anfängliche Attraktion rasch zum Schandfleck.<br />
Aus gesundheitlichen Gründen konnte ich schon seit Jahren<br />
meine treue Gehilfin und Fahrkartenverkäuferin, meine<br />
liebe „Änne“ nicht mehr mitnehmen. Ralph hat einen<br />
eigenen Modellbahnbetrieb gegründet. Ein Hüftleiden und<br />
der Tod meiner Frau waren Gründe, dass ich das Ende<br />
akzeptieren musste. Nicht ganz – nach drei Jahren Pause<br />
bestürmten mich Bekannte mit der Frage: „Ostra, wann<br />
fährt Dein Bähnchen wieder?“ Das war im Sommer 1997.<br />
Ich ließ mich überreden, und so wurde der 23. August<br />
1997 zum allerletzten Betriebstag meiner Ostra-Bahn.<br />
Die Kölnische Rundschau überschrieb ihren Bericht mit<br />
„Erftstädter sagten auf dem Kierdorfer Marktplatz ‚Tschüß<br />
Ostra‘ – Lok dampfte zum letzten Mal“. Zwei der vier Lokomotiven<br />
fanden eine neue Bleibe in meinem immer noch<br />
geliebten Wien. Ob sie noch fahren, noch fahren können?<br />
Lok RALPH und die erste Zimmermann-55er verblieben<br />
in meiner „Reliquiensammlung“. Ich wünsche mir, dass<br />
sich <strong>für</strong> die beiden noch ein Plätzchen in einem Museum<br />
finden lässt.<br />
staurierung unter Beachtung der vielen gesetzlichen Auflagen<br />
wäre ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. <strong>Eine</strong>s<br />
Tages kam ein holländischer Schwerlaster und holte „Änne“<br />
ab. Ich hatte die Lok der Stichting Spoorweg-Matschappij<br />
„Zuid-Beveland“ mit der Auflage zum Geschenk gemacht,<br />
dass das Maschinchen auch in seinem neuen Zuhause<br />
weiterhin den Namen meiner 1994 verstorbenen Frau<br />
Änne tragen muss. <strong>Eine</strong> gutgemachte Farbzeichnung der<br />
Lok ziert Ende 2012 die Start-Webseite des Clubs. Dort<br />
steht, dass Helfer alles daran setzen, die „betagte Dame“<br />
wieder zum Laufen zu bringen.<br />
Zu den Aufgaben eines Kaufmanns gehört es auch, Bilanz<br />
zu ziehen. Wie sah meine „Livesteam-Bilanz“ aus? Nur<br />
zwei Zahlen: 800 Betriebstage und rund eine viertel Million<br />
= 250.000 Kinder! Liebe Freunde, ich hoffe, Ihr gönnt<br />
mir, dass ich auf diese Bilanz ein ganz klein wenig stolz<br />
bin! Das Abenteuer Eisenbahn ging zwar rasch zu Ende,<br />
aber gut.<br />
Ach ja, fast hätte ich vergessen zu sagen, dass man mir<br />
1987 Lok RALPH aus dem Transporter gestohlen hatte.<br />
Wenige Wochen später stand sie in einem Spielwarengeschäft<br />
in Trier zum Verkauf. Ein bis heute unbekannt gebliebener<br />
Mann hatte mich telefonisch informiert. Vielleicht<br />
war es sogar der Dieb selbst, der mir den Tipp gegeben<br />
Der letzte Akt des Abenteuers<br />
„Eisenbahn“ – Lok „Änne“<br />
Sie stand noch immer, mehr schlecht als recht gepflegt<br />
auf ihrem toten Gleis und brauchte eine endgültige Bleibe.<br />
Längst hatte ich erkennen müssen, dass ein Einzelner,<br />
noch dazu mit so vielfältigen Interessen, es nie schaffen<br />
konnte, auch einer relativ kleinen Lok ein sicheres Überleben<br />
im Freien bieten zu können. <strong>Eine</strong> betriebsfähige Re-<br />
„He never shall come.“ Letzte Fahrt am 23. August 1997<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 29
hatte? Die Lok hatte den Diebstahl und die Transporte nahezu<br />
unbeschadet überstanden. Auch ein kleines Mosaiksteinchen<br />
im großen Puzzle eines „Glückskindes“!<br />
Epilog<br />
Garteneisenbahnen<br />
– Werden Sie Lokführer!<br />
Ein Theater-Mann geht ohne solchen nicht von der Bühne.<br />
Liebe Freunde, erwartet nun keine großen, pathetischen<br />
Worte. Nur ein paar Zeilen aus meinen, nun auch schon<br />
mehr als 10 Jahre alten Aufzeichnungen mögen genügen:<br />
Glück haben im Leben ist ein Gottesgeschenk.<br />
Wen Gott liebt, dem schenkt er ein vortrefflich Weib.<br />
Oft kam ich mir wie ein Zirkusdirektor vor, der eine offene<br />
Manege präsentierte.<br />
Ich war glückselig, hinter mir eine Fuhre jauchzender oder<br />
auch still genießender Kinder spazieren fahren zu können.<br />
Alle Engagements, Angebote ect. erledigte ich als „Einmannbetrieb“<br />
selbst.<br />
Meine Gattin, eine gut rechnende und sparsame Hausfrau<br />
verwaltete die Finanzen.<br />
Oftmals habe ich Kindern meinen Tendersitz überlassen,<br />
damit auch sie den Lokführer spielen konnten.<br />
Liebe Freunde, das war „meine Story“!<br />
Servus, habe die Ehre – Euer OSTRA!<br />
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30 <strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013<br />
Unbenannt-1 1 17.10.2006 17:31:46
MODELLZÜGE WERDEN<br />
WIRKLICHKEIT<br />
Dampflokomotive der Schweizerischen Bundesbahnen, SBB, Typ E 4/4, Baujahr 1914 – 1915 der<br />
Schweizerische Lokomotiv und Maschinenfabrik, Winterthur.<br />
Es wurden im Jahr 1915 nur 8 Dampflokomotiven dieses Typs gebaut <strong>für</strong> den schweren<br />
Rangierdienst. Sie mussten in der Lage sein, Züge bis 1000 t über die Ablaufanlagen zu schieben.<br />
Die ersten zwei Lokomotiven 8801 und 8802 erhielten Nassdampf- die sechs Lokomotiven 8851-<br />
8856 Heissdampfausführung. Ihre Belastungsnorm betrug im Streckendienst 280 t <strong>für</strong> Personenzüge<br />
und 800 t <strong>für</strong> Güterzüge auf ebener Bahn, und auf 10‰ Steigung 240 t <strong>für</strong> Personenzüge und 400 t<br />
<strong>für</strong> Güterzüge.<br />
Alle Dampflokomotiven dieses Typs Nr. 8801 – 8802 und 8851 – 8856 wurden zwischen 1961 –<br />
1965 ausser Dienst gestellt und alle verschrottet. Kein Original ist mehr übrig geblieben.<br />
Vierachsiger Hochbordwagen der DB, Typ: EAOS 106, von diesem<br />
Wagen beschaffte die DB von den Siebzigern bis 1986 ca. 7.100 Wagen<br />
<strong>für</strong> den Transport von witterungsunempfindlichen Schüttgütern.<br />
Modell <strong>für</strong> <strong>Spur</strong> 5 im Maßstab 1:11, Wagenkasten und Drehgestelle sind<br />
aus Edelstahl, braun lackiert und weiß beschriftet, LüP 1308 mm. Federpuffer<br />
und Schraubenkupplung. Vorbereitet zum nachträglichen Einbau<br />
einer Druckluftbremse. Gewicht ca. 30 kg. Preis (ohne Bremse): € 1.920,–<br />
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Daten zum Modell:<br />
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5“ = 127 mm<br />
Massstab: 1:11<br />
Länge über Puffer: 968 mm<br />
Heizung:<br />
Kohle<br />
Kesselmaterial:<br />
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Kesseldruck:<br />
8 bar<br />
Zylinderbohrung:<br />
Höhe ab Schienen:<br />
Kleinster Kurvenradius:<br />
Treib und Kuppelrad-Ø:<br />
Gewicht:<br />
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<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 31
Porträt<br />
Der letzte Dampflokführer<br />
Erwin Niggemann<br />
Teil 1<br />
Meine Erinnerungen,<br />
aufgeschrieben 1992<br />
Ausbildung<br />
Etwa 1991 erwarb ich ein Buch, in dem die Giganten der<br />
Dampflok-Epoche dargestellt wurden. Mit knappen, nicht<br />
immer richtigen Texten wurden die Dampfloks hier beschrieben.<br />
Es ließ mir daher keine Ruhe, ich musste ein<br />
paar Zeilen aus Sicht eines der letzten im Dampfbetrieb<br />
ausgebildeten Lokführers hinzufügen. In erster Linie tue<br />
ich es <strong>für</strong> meine Kinder und vielleicht auch <strong>für</strong> deren Kinder,<br />
weil ich in meinem Berufsleben gemerkt habe, wie<br />
schnell nur noch von der guten alten Zeit geschwärmt und<br />
die Wirklichkeit vergessen wird.<br />
Ich, Erwin Niggemann, bin heute Lokbetriebsinspektor bei<br />
der DB, wo ich 1957 als Lehrling mit 10 anderen Jungs<br />
eine Lehre als Betriebsschlosser in der Lehrwerkstatt<br />
Hamm begann. Alle Bewerber aus Hamm wurden zur<br />
Aufnahmeprüfung nach Unna geschickt, da<strong>für</strong> bekam ich<br />
meinen ersten Freifahrtschein. Der Prüfungsraum war in<br />
einem alten Eisenbahnwaggon untergebracht, der von einem<br />
Prüfungsort zum nächsten gezogen wurde. Mit sechs<br />
weiteren Mitschülern machte ich mich auf den Weg nach<br />
Unna. Unser Lehrer Haverkamp sagte vor der ganzen<br />
Klasse: „Niggemann, du brauchst da gar nicht hinfahren,<br />
du schaffst die Prüfung sowieso nicht.“ Vier Wochen später<br />
war ich der einzige, der eine Lehrstelle von der Truppe<br />
bekam.<br />
Die Arbeitszeit, auch <strong>für</strong> die Lehrlinge, begann morgens<br />
um 6.00 Uhr, mit einer Wochenarbeitszeit von 48 Stunden,<br />
am Samstag war der Berufsschultag. Das Lehrgeld<br />
im ersten Lehrjahr betrug 50,– DM. Davon gab ich meiner<br />
Mutter noch 45,– DM als Haushaltungsgeld ab. Drei Jahre<br />
später, mit 17 Jahren wurde ich als Schlossergeselle von<br />
der Bundesbahn übernommen und war danach vier Jahre<br />
als Betriebsschlosser in der mechanischen Werkstatt<br />
tätig. Das war eine schöne Zeit, mit vielen interessanten<br />
Aufgaben. Zu unseren Aufgaben gehörte die Reparatur<br />
der Fahrbühnen, fünf Stück an der Zahl, sowie Lokdrehscheiben<br />
und fünf Kohlenkräne.<br />
32<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Für mich hatte Meister Brand, später der Meister Belgrad,<br />
eine besondere Arbeit. Weil ich in der Lehrwerkstatt das<br />
Drehen und Hobeln erlernt hatte, sollte ich ab jetzt die<br />
riesige Drehbank bedienen, die bis dahin nie gebraucht<br />
wurde, weil sie keiner bedienen konnte. Ab jetzt wurden<br />
alle Lager, Spindeln und Wellen <strong>für</strong> Kohlekräne und Fahrbühnen,<br />
die vorher im Ausbesserungswerk Paderborn angefertigt<br />
wurden, und in dringenden Fällen sogar in der<br />
Privatwirtschaft bei Maschinenfabrik Maier im Hammer<br />
Westen bestellt wurden, von mir angefertigt. Zeitdruck<br />
gab es nicht, der Meister hatte selber seine Freude daran,<br />
dass nun endlich die Drehbank mit einer Spitzenweite von<br />
3000 mm, in Betrieb genommen wurde. Er hatte sie vor<br />
einigen Jahren vom Ausbesserungswerk AW Schwerte<br />
organisiert. Anmerken will ich hier noch, das ein junger<br />
Schlosser wie ich, knapp 350,– DM netto Verdienst hatte.<br />
Diese Zeit als Schlosser und Dreher in der mechanischen<br />
Werkstatt war eine schöne Zeit mit viel Lob und Anerkennung<br />
in meinem Leben.<br />
Mit meinem ersten Auslandsfreifahrtschein <strong>für</strong> Europa<br />
wollte ich so weit wie möglich verreisen. Mit meinem Moped<br />
der Marke Göricke 47 ccm Hubraum als Freigepäck<br />
fuhr ich nach Athen. Die Reise im Kurswagen von Dortmund<br />
nach Athen dauerte drei Tage und Nächte, weil der<br />
Zug über den Balkan und in Griechenland noch mit einer<br />
Dampflok bespannt war. In den nächsten Jahren habe ich<br />
auf diese Art viele Länder bereist und mir sind außergewöhnliche<br />
Erlebnisse noch heute in Erinnerung. Glück<br />
hatte ich auch mit meinem damaligen Dienststellenleiter<br />
Herrn Oberamtmann Pauven. Er hatte viel Verständnis <strong>für</strong><br />
meine Reisefreudigkeit und hatte meine 18 Urlaubstage<br />
um „Urlaub ohne Lohn“ verlängert, denn die Reise durch<br />
Griechenland hat sechs Wochen gedauert.<br />
In Erinnerung ist mir geblieben, wie in den Jahren ab 1967<br />
in Hamm die große Zeit der Schnellzugloks zu Ende ging.<br />
Auf dem Ausschlackkanal am PZ (<strong>für</strong> Personenzüge) kamen<br />
nur noch wenige Dampfmaschinen der Baureihe 01<br />
an. Der Lokschuppen vom PZ war bereits unterteilt worden.<br />
Im vorderen Teil wurden die neuen, in Hamm stationierten<br />
V200 untergebracht. Ein neuer 20 t Kran, zum<br />
Heraushieven der Motoren aus den neuen V200 Maschinen,<br />
wurden installiert. Jetzt wurden diese neuen Dieselmotoren<br />
von mir als junger und schwindelfreier Schlosser<br />
zum Abschmieren bestiegen. Dies war eine regelmäßige<br />
Kontroll- und Wartungsarbeit, die mit modernen Fettpressen<br />
und nicht mit Staucherbuchsen ausgeführt wurde.<br />
Staucherbuchsen gab es nur noch an den Fahrbühnen<br />
und Drehscheiben.<br />
Im zweiten Teil des Dampflokschuppens standen aber<br />
noch dicht gedrängt die Schnellzuglokomotiven der Baureihe<br />
01 und 03 und die Personenzuglokomotive BR 78.<br />
Und hinter dem Lokschuppen, daran erinnere ich mich<br />
noch genau, waren zwei Loks BR 05 außer Betrieb abgestellt.<br />
Aus Neugierde habe ich die schon zur damaligen<br />
Zeit legendären Giganten bestiegen, auch wenn sie kalt<br />
und rostig hinterm Schuppen abgestellt waren. Es ging<br />
von ihnen eine große eigentümliche Faszination aus. Verstärkt<br />
wurde diese noch durch die fantastischen schaurigen<br />
Erzählungen der Lokführer. Mächtig Eindruck machten<br />
die drei 2,30 m hohen Treibachsen und die große,<br />
jetzt allerdings dunkle ca. 5 m lange Feuerkiste. Sie hat<br />
jeden noch so tüchtigen Heizer körperlich fertig gemacht,<br />
deswegen sind auch nur drei Loks aus dieser Baureihe<br />
gebaut worden.<br />
Ausbildung zum Dampflokführer<br />
Mein Kindertraum war es nie gewesen einmal Lokführer<br />
zu werden, obwohl ich aus einer Eisenbahnerfamilie<br />
stamme. Mein Großvater, Wilhelm Niggemann, war<br />
„Reichsbahnobersekretär“ und Opa Wilhelm war so unheimlich<br />
schlau. Opa kannte den Duden auswendig und<br />
hatte ein großes Allgemeinwissen. Deshalb hatte ich im<br />
Traum nicht daran gedacht, ich könnte einmal in seine<br />
Fußstapfen treten und auch ein hoch angesehener Bundesbahnbeamter<br />
werden. Ganz stolz erzählte Opa uns<br />
Kindern, dass er als Pensionär im Zeiten Weltkrieg wieder<br />
auf seinem alten Posten als Reichsbahnobersekretär und<br />
Leiter der Güterabfertigung eingesetzt wurde. Hamm war<br />
zu der Zeit der größte Verschiebebahnhof in Europa. Der<br />
Mangel an Eisenbahnern in der Kriegszeit erstand auch<br />
dadurch, dass viele Bedienstete außerhalb Deutschlands<br />
im Einsatz waren. In meiner Lehrzeit hörte ich Erzählungen<br />
und Berichte von Kollegen, die Dienst in Polen, Russland,<br />
Griechenland machen mussten.<br />
Nach vier Jahren Tätigkeit als Schlosser wurde die Beamtenlaufbahn<br />
zum Lokführer geöffnet. Ich bewarb mich<br />
<strong>für</strong> diese Laufbahn, obwohl meine Kollegen in der Schlos-<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 33
serei mir davon abrieten. Sie erzählten von der anstrengenden<br />
Arbeit als Heizer, von den langen Diensten auf der<br />
Lok. Zu der Zeit gab es noch regelmäßige Dienste von bis<br />
zu 17 Stunden. Aber gerade diese Tätigkeit, nur <strong>für</strong> harte<br />
Männer, reizte mich enorm.<br />
Mit der Ausbildung zum Dampflokführer begann <strong>für</strong> mich<br />
erst eine Schlosserzeit im Dampflokschuppen. Die schöne<br />
selbstständige Zeit in der mechanischen Werkstatt war<br />
nun leider vorbei. <strong>Eine</strong>inhalb Jahre als Schlosser im Lokschuppen<br />
musste ich jetzt absolvieren, es war eine schwere<br />
körperliche Arbeit wegen der sehr schweren und mächtigen<br />
Bauteile. Anfangs wurde ich im Tagesdienst an den<br />
„Fristenloks“ beschäftigt. Mindestens zwei „Fristenloks“<br />
hatten wir täglich in Arbeit, denn im BW Hamm waren 90<br />
Güterzuglokomotiven stationiert, die alle vier Wochen ausgewaschen<br />
wurden. Das heißt, dass alle Kesselluken geöffnet<br />
und der Kessel mit heißem Wasser ausgewaschen<br />
und entschlammt wurde. <strong>Eine</strong>n weiteren Teil meiner Ausbildungszeit<br />
habe ich in der Schieberkolonne mitgearbeitet.<br />
Der Kolbenschieber liegt oberhalb des Antriebskolbens<br />
und verteilt den Dampf vor und hinter den Zylinder.<br />
Besonders viel Arbeit hatte unsere Truppe mit der Lok BR<br />
44. Bei der Wartung und Kontrolle des Schiebers musste<br />
immer der mittlere Zylinder ausgebaut werden, erst dann<br />
konnte der gusseiserne Schieberring kontrolliert und gegebenenfalls<br />
ausgetauscht werden. Die Schieberstange<br />
mit dem Schieberkolben wurde nach vorne – unter<br />
– der Rauchkammertür hervorgezogen. <strong>Eine</strong> besonders<br />
schwierige Arbeit war auch das Auswechseln der Bremsklötze<br />
am Tender der BR 50, BR 44 und 41. Ich erinnere<br />
mich noch lebhaft an die kalten Monate Januar und Februar<br />
des Jahres 1965. Die Kanonenöfen im Lokschuppen<br />
wurden rot glühend, weil sie mit der viel zu fetten Lokkohle<br />
gestochert wurden. Jeder normale Ofen wäre davon kaputt<br />
gebrannt. Trotzdem war es im Lokschuppen bei der<br />
Reparatur an den „Fristenloks“ so eiskalt, das wir alle<br />
¼ Stunde zu dem rot glühenden Ofen zum Aufwärmen<br />
gehen mussten. In diesen kalten Tagen hatte ich Glück,<br />
ich wurde in die Dreherei versetzt. Dort stand eine, schon<br />
zur damaligen Zeit uralte Drehbank, mit Flachriemen und<br />
Stufenscheibenantrieb. Wollte man verschiedene Gewinde<br />
schneiden, mussten die Zahnräder gewechselt werden.<br />
Hier hatte ich jetzt die Aufgabe, ausgebaute Kesselspeisewasser-Rückschlagventile<br />
und an anderen Teilen<br />
die Dichtungsspitzen abzudrehen.<br />
Das letzte halbe Jahr meiner Lokführer-Vorbereitungszeit<br />
wurde ich in einer Wechseldienst-Kolonne eingesetzt. Mit<br />
vier Schlossern auf jeder Schicht mussten wir rund um<br />
die Uhr die laufenden Reparaturen an den im Einsatz<br />
befindlichen betriebsbereiten/warmen Dampflokomotiven<br />
erledigen. Die meisten Reparaturen gab es an den<br />
Pumpen, wie Kolbenspeisepumpe, Strahlpumpe und der<br />
Luftpumpe. Die unangenehmste Arbeit war der Austausch<br />
der Kolbenstoffbuchsen, dabei gab es oft verbrühte Fingerspitzen.<br />
Die ersten Dienste als Heizer<br />
Dann war es endlich soweit, ich sollte mich auf der Lokleitung<br />
melden, der Dienst und die Ausbildung zum Heizer<br />
begann. Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten<br />
Dienst. Ich wurde einem alten erfahrenen Heizer im Rangierdienst<br />
auf einer Dampflok BR 94 acht Tage zur Ausbildung<br />
zugeteilt. Natürlich lernt man das Lokheizen nicht<br />
in acht Tagen und schon gar nicht auf einer 94ger, aber<br />
der Anfang war gemacht. Und weitere acht Tage später<br />
durfte ich meine ersten selbstständigen Heizerdienste im<br />
Rangierdienst auf der BR 94 leisten.<br />
Der „alte“ Lokführer war natürlich nicht erfreut über seinen<br />
jungen Kollegen, es bedeutete mehr Aufmerksamkeit<br />
und auch Zusatzarbeit <strong>für</strong> ihn. Denn in dem großen Verschiebebahnhof<br />
in Hamm, wo täglich bis zu 4000 Güter-<br />
34<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
wagen bewegt wurden, mussten immer zur richtigen Zeit<br />
12 Atü Dampfdruck zur Verfügung stehen. Auf das Wort<br />
„zur richtigen Zeit“ ist zu achten, denn das war die Kunst<br />
des Heizers. Der Heizer im Rangierdienst musste immer<br />
voraus denken, man muss beachten, die Kohle, die in die<br />
Feuerkiste geschaufelt wurde, braucht erst einige Zeit<br />
zum Durchbrennen, damit die volle Heizkraft erreicht war.<br />
Im Rangierdienst wiederholen sich die Vorgänge und Abläufe<br />
in jeder Schicht. Dampf brauchten wir z. B. bei der<br />
Übergabe von HMA nach HSO. Es konnte sein, dass Züge<br />
von 600 m Länge über den Ablaufberg nach HSO gezogen<br />
werden mussten. Die BR 94 schaffte es mit ihren fünf<br />
gekuppelten Achsen spielend, wenn ich als Heizer helles<br />
Feuer und genügend Druck hatte. Gab es mal eine kurze<br />
Betriebspause, musste das Ruhefeuer angelegt werden.<br />
In der Pause sollte natürlich ein erhöhter Kesseldruck<br />
nicht störend abblasen.<br />
Noch wichtiger als der Dampfdruck war die Beobachtung<br />
des Kesselwasserstandes. Auf jeder Dampflok gab es zwei<br />
Wasserstandsanzeiger, damit man die einwandfreie Funktion<br />
vergleichen konnte. Jedem Neuling wurde erzählt, wie<br />
gefährlich es werden konnte, wenn kein Wasserspiegel<br />
mehr zu sehen war, dann konnte der Stehkessel ausglühen.<br />
Das sei vor Jahren auf irgendeiner Zeche passiert, daraufhin<br />
sei die Lok explodiert. Das Innenleben einer Dampflok<br />
wurde uns jungen Lokführeranwärtern gründlich beigebracht.<br />
Tageweise hatte ich Schulungen und Lehrgänge in<br />
Bochum-Langender, wo alle Lokführerbewerber auch von<br />
den anderen Bahnbetriebswerken der Bundesbahndirektion<br />
Essen geschult wurden. Im Laufe unserer Ausbildung<br />
hatten wir auch noch zwei Lehrgänge als Block von vier<br />
Wochen in der Eisenbahnschule in Troisdorf im Rheinland.<br />
Hier waren wir mit Kost und Unterkunft untergebracht, wir<br />
waren alles junge Männer und hatten untereinander viele<br />
Geschichten und Erlebnisse zu erzählen. Aus dieser Zeit<br />
hatte ich mit einigen Teilnehmern aus Hamm eine lange<br />
Freundschaft, auch später mit unseren Familien.<br />
Von Troisdorf aus besichtigten wir das <strong>für</strong> uns alle beeindruckende<br />
Aw (Ausbesserungswerk) Schwerte, mit 3000<br />
Mitarbeitern. Hier wurde die Dampflok BR 50 vollständig<br />
zerlegt und eventuell, wenn nötig, mit neuem Kessel versehen,<br />
neu lackiert verließen dann die wie neu aussehenden<br />
Maschinen das riesige Aw Schwerte. Aber Mitte der<br />
60er Jahre waren die Tage dieses Ausbesserungswerks,<br />
dass ein Begriff in Deutschland war, auch schon gezählt.<br />
Nachfolgend wurden in den riesigen Hallen Tiefladewagen<br />
überholt. Mir war das Aw Schwerte schon bekannt.<br />
In den Anlagen der großen Lehrwerkstatt hatte ich 1960<br />
meine praktische Prüfung abgelegt und mein Gesellenstück,<br />
einen Anschlagwinkel, angefertigt.<br />
Praktische Ausbildung<br />
zum Dampflokführer<br />
In der Schlussphase unserer 1½ jährigen Ausbildung lag<br />
die vierwöchige Fahrschulausbildung mit einem hier<strong>für</strong><br />
ausgebildeten Ausbildungslokführer. Zwei junge Auszubildende<br />
wurden diesem Lokführer stets anvertraut. Ich<br />
wurde mit meinem Freund Heribert Biermann dem Ausbildungslokführer<br />
Helmut Brand, einem sehr korrekten und<br />
fähigen Kollegen zugeteilt. Beim ersten Dienst, den wir<br />
nun gemeinsam antraten, wurden wir genau gemustert.<br />
Aber jeder kannte ja Meister Brand, wie wir ihn nannten,<br />
wir kamen deshalb mit frisch gewaschenem Arbeitsanzug<br />
und vor allem glänzend geputzten Arbeitsschuhen<br />
zum Dienst. Abwechselnd durften wir nun unter seiner<br />
strengen Aufsicht die 169 t schwere Dampflok führen. Der<br />
zweite Auszubildende hatte dann die Arbeit des Heizers<br />
zu übernehmen. Schnell hatte Meister Brand uns beide<br />
lebensfrohe und technisch versierte junge Leute in sein<br />
Herz geschlossen, sodass die damals oft langen Dienste<br />
mit schweren Zügen, die bis zu 2000 t und 700 m Länge<br />
haben konnten, wie im Fluge vergingen.<br />
An einen Tag in dieser Ausbildungszeit kann ich mich noch<br />
heute genau erinnern. Wir sollten einen Personenzug mit<br />
der Lok BR 44 von Hamm nach Paderborn fahren. Für<br />
diese schwere Güterzug-Lok waren die drei dreiachsigen<br />
„Schachteln“, wie wir die Personenwagen abfällig nannten,<br />
ein Kinderspiel. Wir merkten diese Wagen kaum hinter<br />
unserer 44er Lok. Der Heizer hatte es bei dieser Fahrt<br />
gut. Aber Meister Brand hatte etwas mit uns beiden vor. Er<br />
hatte seine Ehefrau nach Lippstadt zum Bahnhof bestellt,<br />
wo er zu Hause war, er wollte seiner Frau seine beiden<br />
Aspiranten, wie er uns nannte vorstellen. Bei dieser Fahrt<br />
war ich der Lokführer und Heribert der Heizer. Er bekam<br />
strenge Anweisung, ja nicht im Bahnhof Lippstadt zu qualmen.<br />
Meine Aufgabe war, forsch und mit einer gekonnten<br />
Zielbremsung in Lippstadt einzufahren. Das wir uns vorher<br />
noch mal die Schuhe putzen und Hände und Gesicht mit<br />
Wasser aus dem Tender waschen mussten, war selbstverständlich.<br />
Alles klappte zur Zufriedenheit von Meister<br />
Brand. Frau Brand stand genau an der Stelle auf dem<br />
Bahnhof, wo wir mit unserer Lok anhielten. Sie begrüßte<br />
ihren Mann mit einem Frühstückskorb und wir beide mussten<br />
absteigen und Frau Brand höflich begrüßen. Wir waren<br />
sehr verlegen in dieser Situation, dann begann Meister<br />
Brand seiner Frau den Aufbau und die Funktion unserer<br />
schweren Dampflok zu erklären. Aber Frau Brand winkte<br />
ab, und sagte: „Helmut, nun lass doch, das kenne ich doch<br />
alles schon.“ Jahre später konnten wir uns immer wieder<br />
über diesen Satz amüsieren.<br />
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<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013<br />
35
Porträt<br />
Peter Mews<br />
<strong>Eine</strong> <strong>E91</strong> <strong>für</strong> <strong>Spur</strong> 5 <strong>Zoll</strong> –<br />
„Der Weg ist das Ziel“<br />
Angefangen habe ich mit der Planung vor etwa 10 Jahren.<br />
Die <strong>E91</strong> sollte es sein, wegen folgender Kriterien:<br />
1. Es sollte eine E-Lok in 5 <strong>Zoll</strong> sein in der Größe einer<br />
schweren Güterzuglok.<br />
2. Sie sollte beim Transport auch noch gut zu handhaben<br />
sein. Wie bekannt ist, besteht diese Lok aus einem<br />
vorderen und einem hinteren Triebkopf und dem dazugehörigen<br />
Mittelteil, das aus der Lok separat entfernt<br />
werden kann, so dass gerade noch drei handliche Teile<br />
bewegt werden können.<br />
3. Die Lok sollte in ihrem Erscheinungsbild auch detailreich<br />
sein, wie z. B. die außen liegenden Armaturen<br />
zeigen und vor allen Dingen den ins Auge fallenden<br />
Stangenantrieb, und nicht nur eine schlichte moderne<br />
Ausführung mit ihren fast versteckten Drehgestellen.<br />
36<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Angefangen hat alles mit einer Typenzeichnung der <strong>E91</strong><br />
im Maßstab 1:45.<br />
Die Zeichnung habe ich in kleinen Abschnitten gescannt<br />
und im Drucker auf 1:11 auf etlichen A4-Bögen vergrößert,<br />
die ich dann zu einer Gesamtzeichnung zusammengeklebt<br />
habe. <strong>Eine</strong> Anfrage im Nürnberger-Eisenbahnmuseum<br />
ergab, dass im ehemaligen BW in Garmisch noch<br />
eine <strong>E91</strong> im Original steht. Also begab ich mich auf die<br />
Reise und hatte so die Möglichkeit, wunderbare Detailfotos<br />
zu machen und mich intensiv über wichtige Einzelheiten<br />
zu informieren.<br />
Ich hatte auch noch das Glück, dass die Original-Stromabnehmer<br />
zufälligerweise neben der Lok am Boden lagen,<br />
die man ja sonst nur von unten auf dem Dach der Lok<br />
sieht, so dass ich Fotos von allen Seiten machen konnte.<br />
Die Lok wird von vier 12 V-Motoren angetrieben. Die Motoren<br />
stammen aus dem Modellbau, es handelt sich um<br />
Starter <strong>für</strong> Flugmotoren bis 20 cm 2 . Die Starter habe ich<br />
von ihren Kunststoffteilen befreit, so dass nur noch der<br />
Stator mit seinen Magneten, der Anker und der Kohlenhalter<br />
übrig blieben. Die Motoren bekamen auf beiden<br />
Seiten ein neues Motorschild aus Alu mit Kugellager<br />
versehen. Die Motoren wurden noch mit ein paar Statorblechen<br />
ausgerüstet, so dass das Magnetfeld im Motor<br />
bleibt und nicht nach außen treten kann, wie bei unserer<br />
schönen Erde.<br />
Geregelt wird die Lok mit einer 2,4 GHz Modellbaufernsteuerung,<br />
die ich zerlegt und in ein handliches Kunststoffgehäuse<br />
montiert habe, damit man den Sender auch<br />
mal in die Hosentasche stecken kann. Der Vor-Stopp-<br />
Rückwärtsregler 90 A kommt ebenfalls aus dem Modellbau.<br />
Bis zur endgültigen Lackierung hat es zwar 10 Jahre<br />
gedauert, aber wie sagt man so schön: „Der Weg ist das<br />
Ziel.“<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 37
Pr axis<br />
Wolfgang Rudolph<br />
Beim Einsatz der Albert-Kupplung<br />
wird die Schraubenkupplung<br />
hochgebunden.<br />
Straßenbahnkupplung<br />
<strong>für</strong> Gütertriebwagen<br />
F<br />
ür den Bau der Bleichlochtalsperre an der Saale<br />
wurde wegen der fehlenden Infrastruktur <strong>für</strong> den<br />
Materialtransport eine normalspurige Kleinbahn<br />
angelegt, die nach Fertigstellung der Staumauer wieder<br />
zurückgebaut werden sollte. Die Bewohner der anliegenden<br />
Gemeinden setzten sich aber <strong>für</strong> den Beibehalt der<br />
Strecke ein. So verband diese Kleinbahn den Ort Schleiz<br />
mit Saalburg an der Talsperre. Mit dem aus Wasserkraft<br />
erzeugten Strom wurde neben den umliegenden Gemeinden<br />
auch die Kleinbahn mit elektrischer Energie versorgt.<br />
Sie war von Anfang an als elektrische Bahn konzipiert<br />
worden. Der Schwerpunkt des Verkehrs war auf den<br />
Transport von Material und Gütern ausgerichtet. Deshalb<br />
gab es zunächst nur die Gütertriebwagen als Triebfahrzeuge<br />
auf dieser Strecke. Für den später aufgenommenen<br />
Personenverkehr wurden leichte Straßenbahnanhänger<br />
beschafft. Da Straßenbahnen ein anderes<br />
Kupplungssystem verwenden, brauchten die Gütertriebwagen<br />
neben der normalen Schraubenkupplung auch<br />
noch eine Straßenbahnkupplung. Es kam eine Albert-<br />
Kupplung zum Einsatz.<br />
Benannt wurde die Kupplung nach einem früheren Direktor<br />
der Krefelder Straßenbahn. Dieser Kupplungstyp ist<br />
benutzerfreundlich, weil der Bediener den Kupplungskopf<br />
mit dem seitlichen Handgriff lenkt und seine Hände somit<br />
keiner Quetschgefahr aussetzt. Zum Kuppeln werden<br />
die Fahrzeuge so nahe aneinander herangefahren, dass<br />
die Köpfe sich ein wenig schräg versetzt überlappen. Sie<br />
müssen sich dabei nicht in einer graden Linie befinden.<br />
Die Köpfe können von vorn oder von der Seite zusammengefügt<br />
und mit dem ersten Bolzen arretiert werden. Das<br />
Triebfahrzeug zieht etwas vor, dadurch wird die Kupplung<br />
gestreckt, und der zweite Bolzen kann eingesteckt werden.<br />
Jetzt ist die Kupplung knicksteif, kann auch Druckkräfte<br />
übertragen und hält beim Schieben des Beiwagens<br />
diesen auf Abstand.<br />
Die Kupplungsbolzen haben zum Schutz gegen Herausspringen<br />
einen Sicherheitsbügel, durch den das ungewollte<br />
Aufsteigen des Bolzens verhindert wird. Der Bügel<br />
endet in einem U und umschließt das Bolzenende. So ist<br />
sichergestellt, dass der Schwerpunkt des Bügels unter<br />
dem Bolzen liegt. Durch sein Gewicht fällt der Bügel nach<br />
unten und blockiert das Aufsteigen des Bolzens. Zum Entkuppeln<br />
wird der Sicherungsbügel zur Seite geschwenkt.<br />
Der Bolzen kann nun ganz herausgezogen werden. Neben<br />
dem Kuppelloch hat der Kopf noch eine weitere Bohrung<br />
zur Aufnahme des Bolzens bei Nichtgebrauch. Dort<br />
steckt er sicher und behindert nicht das Kuppeln der Fahrzeuge.<br />
Bolzen samt Sicherheitsbügel sind zum Schutz<br />
gegen Verlust mit einer Kette am Kupplungskopf befestigt.<br />
Vor ein paar Jahren sah ich auf der Live-Steam-Messe in<br />
Sinsheim auf dem Stand der Fa. Knupfer ein Modell eines<br />
zweiachsigen elektrischen Gepäcktriebwagens, der mich<br />
sofort an die thüringische Kleinbahn erinnerte. Das Modell<br />
gefiel mir so gut, dass ich mich spontan entschloss, auch<br />
so ein Fahrzeug <strong>für</strong> die <strong>Spur</strong> 5 <strong>Zoll</strong> zu bauen.<br />
Meine Recherche ergab, dass der Gepäcktriebwagen ET<br />
188 521 dieser Kleinbahn noch existierte und zum Museumsbestand<br />
des Dresdner Verkehrsmuseums zählt. Was<br />
lag also näher, als hinzufahren und das Fahrzeug zu fotografieren.<br />
Weitere Informationen beschaffte ich mir aus dem<br />
Buch des EK-Verlages „Elektrisch ans Thüringer Meer“.<br />
38<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Die Albert-Kupplung ist bereit zum Kuppeln.<br />
Die Kupplung ist geknickt und der 1. Bolzen eingesteckt.<br />
Beim Strecken der Kupplung werden beide Köpfe seitlich eingeschwenkt.<br />
Auch der 2. Bolzen ist eingesteckt. Jetzt kann mit<br />
der Kupplung auch geschoben werden.<br />
Der Materialsatz der Fa. Knupfer enthielt wie der Name<br />
schon sagt, nur die Grundmaterialien. Weitere Ausschmückungsdetails<br />
müssen nach Wunsch zugerüstet werden.<br />
<strong>Eine</strong> Straßenbahnkupplung hat aber meines Wissens bisher<br />
noch kein Lieferant im Angebot. Also blieb nur Selbstbau<br />
übrig. Das Original besteht aus einem Träger mit<br />
quadratischem Querschnitt, dessen Ende versetzt in den<br />
anderen Kupplungskopf hineinragt. Von oben und unten<br />
wird der Träger von zwei aufgenieteten Platten überdeckt.<br />
In den durch den Trägerversatz entstandenen Hohlraum,<br />
greift das Gegenstück der anderen Kupplung ein. Der<br />
Kupplungskopf besteht somit nur aus wenigen Teilen.<br />
Das Modell der Kupplung habe ich aus Edelstahl gebaut<br />
und die Einzelteile mit WIG zusammengeschweißt. In Ermangelung<br />
genauer Maße habe ich das Modell einem<br />
Foto nachempfunden und mich an den Proportionen orientiert.<br />
Bei Nichtgebrauch wird die Albert-<br />
Kupplung zur Seite geschwenkt<br />
und in der Ruheposition festgelegt.<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 39
Porträt<br />
Alexander Beck<br />
Dampfzug im Herbst<br />
Jeder hat mal kle<br />
M<br />
an nehme ein Geburtstagsgeschenk, eine<br />
Fehlkonstruktion, ein paar Dachlatten und<br />
einige Meter stark verrosteten Stahl und<br />
man erhält den Beginn der mit vier Jahren wohl jüngsten<br />
Parkbahn des Weinparadieses Württemberg. Denn<br />
um diese geht es hier, die Parkbahn Schmiden. Die Geschichte<br />
dieser Schmalspurbahn begann nämlich mit<br />
einer Weiche, welche der Gründer Alexander Beck von<br />
einem befreundeten Feldbahner 2009 zum Geburtstag<br />
geschenkt bekommen hatte, dazu kamen einige auf die<br />
<strong>Spur</strong>weite von 7¼˝ umgespurte Feldbahngleisjoche sowie<br />
eine selbstgebaute Schiebebühne, welche aufgrund<br />
der zu geringen Nutzlänge und Tragfähigkeit nie eingesetzt<br />
werden konnte.<br />
Die Parkbahn Schmiden trat in etwas größere Fußstapfen<br />
– nämlich die einer Feldbahn auf dem gleichen Gelände,<br />
vermutlich mit einer <strong>Spur</strong>weite von 600 mm. Ihre Existenz<br />
ist leider nur durch mündliche Überlieferung von den ältesten<br />
Bewohnern Schmidens bekannt, welche noch die<br />
Lehmgrube Schmiden als aktive Lehmgrube und nicht nur<br />
als renaturiertes Freizeitgelände kannten. Es ließen sich<br />
bisher weder in Text-, noch in Bildform Quellen oder weiterführende<br />
Informationen finden, so dass der Vorläufer<br />
der heutigen Parkbahn unter Umständen völlig in Vergessenheit<br />
geraten wird. Daher wenden wir uns wieder der<br />
heutigen Parkbahn zu und betrachten ihre rasante Entwicklung,<br />
welche sie in der kurzen Zeit ihrer Existenz bereits<br />
erfahren hat.<br />
Im Winter 2009/2010 baute Alexander Beck mit einigen<br />
Helfern eine kurze Strecke von ein paar Dutzenden Metern,<br />
bestehend aus den eingangs genannten Elementen.<br />
Die Strecke war schnurgerade, führte den Fußweg zwischen<br />
Lehmgrube und Stadion entlang und war so kurz,<br />
dass 2010 eine Einzelfahrt immer aus zwei Hin- und Herfahrten<br />
bestand, wodurch die Dampflok nie so recht warm<br />
wurde und dauernd am Rande des Dampfdruckkollapses<br />
stand. Der Bahnhof bestand damals aus dem durchgehenden<br />
Hauptgleis, einem über die geschenkte Weiche<br />
abzweigenden Nebengleis und der Schiebebühne, welche<br />
hinter dem Bahnsteig die beiden Gleise wieder verband.<br />
Für jeden Fahrtag mussten die Wagen und die Lok<br />
auf der Straße antransportiert, vom Anhänger über eine<br />
40<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Behelfsbrücke abgeladen und am Ende des Tages wieder<br />
weggebracht werden.<br />
Diese umständliche Prozedur stand auch noch im nächsten<br />
Jahr an, als die Strecke deutlich in beide Richtungen<br />
verlängert worden war. <strong>Eine</strong>rseits wurde über den bestehenden<br />
Endpunkt der Strecke hinaus noch weiter verlängert,<br />
weiter geradeaus entlang des Stadions, andererseits<br />
wurde aber, viel entscheidender, der Bahnhof in die andere<br />
Richtung verlegt. Das bisherige Bahnsteiggleis wurde<br />
direkt an der Weiche abgeklemmt, der neue Bahnhof<br />
wird seitdem über das bisherige Nebengleis angebunden,<br />
welches in einer langgezogenen Linkskurve von über 100<br />
Grad einen Weg auf einem standesgemäß beschilderten<br />
Bahnübergang kreuzend zum neuen Bahnhof verlängert<br />
wurde. An der Einfahrweiche ist im geraden Strang das<br />
durchgehende Hauptgleis als Bahnsteiggleis angebunden.<br />
Über den abzweigenden Strang erreichte man ein<br />
kurzes Nebengleis, welches im Laufe der Zeit in mehreren<br />
kleineren Schritten bis heute zu einem längeren Abstellgleis<br />
mit Schlackegrube ausgebaut wurde und künftig in<br />
eine Drehscheibe münden wird, an welche ebenfalls das<br />
Bahnsteiggleis angebunden wird.<br />
2012 entfiel der lästige Transport der Fahrzeuge weitgehend.<br />
Es kam nämlich ein Betriebswerk mit Lokschuppen<br />
und Abstellanlage auf dem Stadiongelände hinzu,<br />
angebunden an dem ehemaligen Bahnsteiggleis des alten<br />
Bahnhofs, welches nun den Abzweig Betriebswerk<br />
darstellt. Dort können nun unsere nagelneue Diesellok,<br />
welche inzwischen die meisten Fahrtage stemmt, und<br />
beide zu jenem Zeitpunkt in Betrieb befindlichen Personenwagen<br />
problemlos abgestellt werden. Nur noch<br />
die Dampflok bei ihren Einsätzen an größeren Fahrtagen<br />
und natürlich Fahrzeuge von Gastfahrern müssen<br />
auf der Straße antransportiert werden. Außerdem wurde<br />
die Strecke nochmals verlängert. Sie führt jetzt nicht<br />
mehr entlang des Stadiongeländes sondern biegt in den<br />
Park hinein ab und endet dort kurz vor dem sogenannten<br />
„Wasserspielplatz”.<br />
Im aktuellen Jahr wird die Kapazität des neuen Betriebswerkes<br />
allerdings gleich zu Beginn weit überschritten –<br />
ein dritter Wagen kommt hinzu. Hierbei soll es sich um<br />
einen Gepäckwagen handeln, der mit Zugführerabteil und<br />
Feststellbremse zum Sichern des Zuges bei Rangierfahrten<br />
ausgestattet sein wird. Daher wird das Betriebswerk<br />
ausgebaut, die Fläche wird freundlicherweise vom örtlichen<br />
Sportverein (dem TSV Schmiden), der das Stadion<br />
betreibt, zur Verfügung gestellt. Auch die Strecke wird wiederum<br />
erweitert, die Gleise werden um den Wasserspielplatz<br />
herumführen und in einem zweiten Bahnhof enden.<br />
Damit werden mehr Fahrgäste erreicht und die Attraktivität<br />
der Parkbahn wächst, zum Beispiel als Transport vom<br />
Parkplatz zum Spielplatz und zurück. Die neuen Anlagen<br />
ermöglichen dann einen Zweizugbetrieb. Bereits 2012<br />
war der Andrang zu Stoßzeiten so groß, dass die Kapazität<br />
voll ausgelastet war und Wartezeiten nicht vermieden<br />
werden konnten. Wird die Strecke nun länger und ein<br />
in angefangen ...<br />
Gastfahrer 2012<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 41
Abfahrbereit Ostern 2012<br />
Bei uns darf auch der Fahrgast mithelfen<br />
Zustieg an beiden Endpunkten möglich, verlängern sich<br />
sowohl die reine Fahr- als auch die Wendezeit, so dass<br />
das Fahren mit zwei Zügen definitiv eine notwendige Entlastung<br />
bringen wird.<br />
<strong>Eine</strong> weitere Neuheit im neuen Jahr ist der ausgeweitete<br />
Fahrplan. War bisher die Zahl der Fahrten in den Sommer-<br />
ferien noch ausgedünnt und fand sogar eine längere Betriebsruhe<br />
statt, so wird aufgrund vieler Nachfragen dieses<br />
Jahr im August an allen vier Wochenenden samstags<br />
und sonntags gefahren. Die in der wärmeren Jahreshälfte<br />
befindlichen Feiertage Ostersonntag, Ostermontag, Tag<br />
der Arbeit, Pfingstsonntag, Pfingstmontag und Tag der<br />
deutschen Einheit wurden zusätzlich in den Fahrplan aufgenommen<br />
und der 2012 spontan eingelegte Halloweenfahrtag<br />
nach dem letzten regulären Fahrtag (4. Sonntag<br />
im Oktober) ist nun ebenfalls fest eingeplant. Abgerundet<br />
wird das Angebot durch eine regelmäßig ausgebaute und<br />
aktualisierte Homepage, die Präsenz in sozialen Netzwerken<br />
und einen Newsletter, wodurch sich ein gezielteres<br />
Erreichen von Interessenten erhofft wird, um den Trend<br />
der geplanten Parkbahnbesuche aus dem letzten Jahr<br />
aufrecht zu erhalten und weiter zu fördern. Bereits voriges<br />
Jahr nahm der Anteil geplanter Besuche gegenüber zufälligen<br />
Passanten stark zu.<br />
Weitere Informationen und Neuigkeiten:<br />
Homepage: www.parkbahnschmiden.de und<br />
Facebookprofil: http://tinyurl.com/ParkbahnSchmiden<br />
Kindergarten<br />
Unsere Zugfahrzeuge<br />
42 <strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
Pr axis<br />
Peter Bickel<br />
Bleiakku – FAQ<br />
Als Teenager habe ich einmal einen Autoakku aufgesägt,<br />
um das Innere kennenzulernen. Die Schwefelsäure hat<br />
meine Hose gefressen, trotz dieses Opfers war der Erkenntnisgewinn<br />
sehr bescheiden, wiederholen Sie den<br />
Versuch also nicht. Akkus sind Black Boxes – wie es da<br />
drin aussieht, geht niemand was an 1 .<br />
Es geht hier also allein um die Pflege dieses Sensibelchens,<br />
denn ein solches ist der Akku trotz seines robusten<br />
Äußeren. Es soll dabei wirklich kurz und bündig zugehen:<br />
Ich möchte Ihnen eine Art Spickzettel liefern, den Sie<br />
ausschneiden und in Ihrer Werkstatt aufhän gen können.<br />
Wenn Sie mehr wissen wollen, besuchen Sie eine der am<br />
Schluss aufge führten Seiten, Sie finden da Diskussionen<br />
zu fast allen Akku-Problemen.<br />
Anlass <strong>für</strong> diese FAQ-Sammlung ist ein längerer Mailwechsel<br />
mit einem Garten bahner, der mich wegen der<br />
Pflege seiner Akkus um Rat fragte.<br />
Wie obiges Bild zeigt, werden Akkus gern mit Benzintanks<br />
verglichen, in die man Saft einfüllen und wieder herauspumpen<br />
kann. Wenn Ihnen diese Vorstellung hilft, benutzen<br />
Sie diese einfach. Ich finde allerdings, sie holpert viel<br />
zu sehr, um nützlich zu sein, denn die Sache ist viel komplizierter.<br />
Wichtige Begriffe und Zahlen<br />
Akku ist das Kurzwort <strong>für</strong> Akkumulator und bezeichnet<br />
einen wiederaufladbaren Speicher (lat accumulare = anhäufen),<br />
während eine Batterie nicht wieder aufgeladen<br />
werden kann. Wenn Sie sich allerdings im Internet auf<br />
englischsprachigen Seiten tummeln, werden Sie feststellen,<br />
dass dort beide Typen schlicht battery heißen. Die<br />
Unterscheidung ergibt sich dann aus dem Zusammenhang.<br />
Die folgende Liste von Schlüsselbegriffen ist inhaltlich,<br />
nicht alphabethisch geordnet, weil das mehr Sinn gibt. Die<br />
Begriffe gelten ausschließlich <strong>für</strong> Bleiakkus und nichts anderes!<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 43
Starter-Akku<br />
Sammel-Akku<br />
Nennspannung<br />
Klemmenspannung<br />
Lade-Schlussspannung<br />
Überladung<br />
Entlade-Schlussspannung<br />
Tiefentladung<br />
Kapazität<br />
Selbstentladung<br />
Erhaltungsladung<br />
Alterung<br />
Ladekontrolle<br />
Ladegerät<br />
Sulfatierung<br />
Schnellladung<br />
optimiert zum Starten von Verbrennungsmotoren<br />
optimiert <strong>für</strong> Solaranlagen, Elektromobile, GB<br />
2 Volt/Zelle<br />
aktuelle Spannung – zeigt den Ladezustand<br />
2,3 Volt/Zelle – bedeutet: Akku vollgeladen<br />
Ladung über 2,3 V/Zelle – beschädigt den Akku<br />
1,8 Volt/Zelle - bedeutet: Akku leer<br />
Entladung unter 1,8 V/Zelle – beschädigt den Akku<br />
Energie-Inhalt des Akkus, ausgedrückt in Ampere-Stunden (Ah)<br />
Ladungsverlust ohne Entnahme von Strom<br />
Ladung zum Ausgleich der Selbstentladung<br />
Kapazitätsverlust im Laufe der Zeit<br />
Instrument zur Anzeige des Enegieinhalts<br />
Gerät zum Aufladen des Akkus<br />
eine verbreitete Akku-Krankheit und häufige Todesursache<br />
Ladung in kurzer Zeit mit hohem Ladestrom – in Notfällen eine brauchbare Praxis<br />
Bleiakkus bestehen fast immer aus mehreren, hintereinander<br />
geschalteten Zellen in einem Gehäuse. Üblich sind<br />
drei Zellen ≙ 6 Volt, sechs Zellen ≙ 12 Volt und zwölf Zellen<br />
≙ 24 Volt.<br />
Immer wieder gestellte Fragen FAQ<br />
Ich habe gehört, Starterakkus <strong>für</strong> Autos seien <strong>für</strong> die<br />
Gartenbahn nicht geeignet. Stimmt das?<br />
Ja. Starterakkus sind <strong>für</strong> kurzzeitige, hohe Belastungen<br />
optimiert, GB-Loks entladen den Akku aber über Stunden<br />
mit kleinem Strom. Ein Sammelakku ist dieser Art der Belastung<br />
besser angepasst. Bild 2 veranschaulicht diesen<br />
Unterschied. Aber: Starterakkus sind billig! Die Ersparnis<br />
steht in Konkurrenz zur Lebenszeit, womit Sie ein fast unlösbares<br />
Optimierungsproblem am Hals haben.<br />
Lithium-Ionen Akkus haben die dreifache Kapazität<br />
von Blei akkus, warum verwenden wir sie nicht <strong>für</strong> unsere<br />
Gartenbahn?<br />
Li-Ion-Akkus speichern nicht nur mehr Energie, sie sind<br />
auch leichter, aber sie sind vorläufig noch viel teurer als<br />
Bleiakkus. Das günstige Gewicht/Leistungs-Verhältnis<br />
macht sie <strong>für</strong> den Flugmodellbau attraktiv, bei der GB ist<br />
das hohe Gewicht der Bleiakkus aber als ein Teil des Adhäsionsgewichts<br />
erwünscht.<br />
Worin liegt der Vorteil des 24 V-Betriebs?<br />
Leistung = Spannung x Strom: Bei gleicher Leistung bedeutet<br />
höhere Spannung niedrigeren Strom in den Leitungen,<br />
also weniger Verluste in Drähten, Klemmen, Schaltern,<br />
Relais und in der Steuerung.<br />
Meine Lok fährt mit 24 Volt, ich verwende darum zwei<br />
12 Volt-Akkus in Serie – ist das falsch?<br />
Nein. Kaufen Sie zwei Akkus aus der gleichen Serie und<br />
laden Sie sie konsequent in Serie an einem 24 V-Ladegerät,<br />
dann haben Sie lange Freude an ihnen.<br />
Ich habe aber nur ein 12 V-Ladegerät, kann ich sie damit<br />
auch nacheinander laden?<br />
Nein, denn sie können nicht verhindern, dass ein Ungleichgewicht<br />
zwischen ihnen entsteht, einer also schwächer<br />
wird als der andere.<br />
Darf ich zwei 12 V-Akkus parallel schalten, um die<br />
doppelte Leistung zu haben?<br />
Nein, die Begründung ist die gleiche wie oben. Kaufen sie<br />
stattdessen einen 12V-Akku mit doppelter Kapazität.<br />
Wie überwache ich den Ladezustand meines Akkus?<br />
Die Spannung am Akku ist der richtige Indikator. Wählen<br />
Sie eine LED-Zeile (19 71 65) oder ein Voltmeter-Modul<br />
zum Einbauen (06 30 43), wenn sie die Klemmenspannung<br />
selber überwachen wollen. Es gibt auch Tiefentladeschutz-<br />
Geräte, welche die Verbraucher bei der Entlade-Schlussspannung<br />
abschalten. Teurere PWM-Steuerungen haben<br />
diese Funktion auch eingebaut. Achtung: Ein Ampèremeter<br />
in der Akkuleitung sieht gut aus, ist aber nur Dekoration,<br />
weil der Messwert nichts über den Ladezustand aussagt.<br />
Ich möchte ein neues Ladegerät kaufen – worauf<br />
muss ich achten?<br />
Ihr Ladegerät muss zum Akku passen, also <strong>für</strong> 12 Volt<br />
oder – bei Serienschaltung – <strong>für</strong> 24 oder 36 Volt ausgelegt<br />
sein.<br />
Es muss 4...6 Ampère Strom liefern können, mehr ist<br />
nicht nötig.<br />
Es muss bei der Ladeschlussspannung von 2,3 Volt/<br />
Zelle auf Erhaltungsladung umschalten.<br />
Es muss als Schaltregler (Inverter) gebaut sein, also<br />
ähnlich wie ein PC-Netzteil – dies ist die modernste<br />
44 <strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
und sparsamste Technik. Beispiele: 12 Volt: (25 01 80)<br />
€ 60,–; 24 Volt: (25 01 92) € 99,95,–.<br />
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Nachladen?<br />
Immer! Oder etwas praktischer gesagt: sofort nach dem<br />
Fahren. Wenn Sie ein Ladegerät gemäß den obigen Vorgaben<br />
haben, hängt Ihr Akku in der betriebsfreien Zeit<br />
immer an diesem Tropf. Spendieren Sie jedem Ihrer Fahrzeuge<br />
sein eigenes Ladegerät – Sie können es sogar ins<br />
Fahrzeug einbauen – und legen sie den Akku über einen<br />
Fahren-Laden-Schalter ans Gerät.<br />
Muss ich die Steuerung vom Akku trennen beim Laden?<br />
Ja, it’s good engeneering practice! Der Akku soll grundsätzlich<br />
bei Nichtgebrauch des Fahrzeugs von Steuerung<br />
und Motoren abgetrennt werden. Ich mache das mit dem<br />
oben erwähnten Fahren-Laden-Schalter.<br />
Leiden Bleiakkus auch unter dem Memory-Effekt?<br />
Nein. Aber sie leiden, wenn man sie leerfährt, wie das früher<br />
<strong>für</strong> die NiCd-Zellen empfohlen wurde.<br />
Ich habe <strong>für</strong> meine zwei Akkus € 128,– pro Stück bezahlt;<br />
später habe ich sie im Internet <strong>für</strong> € 85,– gesehen<br />
– bin ich übers Ohr gehauen worden?<br />
Nein, warum denn? Der Markt ist durch die Importe aus<br />
Fernost unübersichtlich geworden. Wir können aber annehmen,<br />
dass Preis und Qualität auch heute noch einigermaßen<br />
korrelieren, nur können wir Laien beim Kauf<br />
die Qualität in der Regel nicht prüfen. Das Leben ist ein<br />
Würfelspiel – nicht nur beim Akkukauf.<br />
Man hat mir einen Aktivator empfohlen, damit würde<br />
der Akku länger leben, stimmt das?<br />
Vieleicht. Diese Geräte – sie werden auch Regeneratoren<br />
genannt – sollen der Sulfatierung vorbeugen oder sie sogar<br />
rückgängig machen. Über den Nutzen dieser Geräte<br />
gehen die Meinungen weit auseinander: Die Werbung verspricht<br />
eine bis zu fünffache Lebensdauer; die Erfahrungen<br />
der Praktiker tönen weniger optimistisch.<br />
Digital Panel-Meter<br />
Ein PC-Netzteil liefert doch 12 V, ich kann es sicher als<br />
Akkulader benutzen?<br />
Nein, denn ein Akkulader muss 13,8 Volt liefern. Man kann<br />
ein PC-Netzteil allerdings <strong>für</strong> die höhere Spannung modifizieren,<br />
überlassen Sie diese Operation aber erfahrenen<br />
Elektronikern!<br />
Ich habe gehört, Akkus seien gefährlich, sie könnten explodieren<br />
oder anderes Unheil anrichten, stimmt das?<br />
Wenn Ihr Ladegerät den obigen Empfehlungen entspricht,<br />
besteht keine Explosionsgefahr. <strong>Eine</strong> erhebliche Gefahr<br />
ist allerdings der Kurzschluss, eine Sicherung im Stromkreislauf<br />
ist darum tatsächlich kein Luxus. Hier ein heißer<br />
Tipp, den ich bei jeder Gelegenheit platziere: Prüfen Sie<br />
Ihre elektrischen Schaltungen und Verdrahtungen immer<br />
zuerst an einem kurzschlusssicheren Labornetzteil, falls<br />
Sie eines haben. Andernfalls legen Sie in die Plusleitung<br />
des Akkus eine oder mehrere Auto-Scheinwerferlampen<br />
12 V/45 W. Sie wirken als Sicherung, leuchten bei Kurzschluss<br />
aber auf, statt durchzubrennen.<br />
Woran sterben Akkus in der Regel?<br />
Am Kurzschluss einer Zelle, wodurch die Spannung zusammenbricht<br />
und der Akku nicht mehr geladen werden<br />
kann. Der Alterungsprozess eines Akkus ist ein komplizierter<br />
Prozess, Sie können ihn selber beschleunigen<br />
durch Tiefentladung und Überladung …<br />
1<br />
Franz Lehar: Land des Lächelns<br />
Links in deutscher Sprache<br />
http://GB.Puydorat.fr<br />
Ergänzende Ausführungen und weitere Links auf<br />
meiner Webseite<br />
http://de.wikipedia.org/wiki/Bleiakkumulator<br />
Knapper Grundlagenartikel<br />
http://www.microcharge.de/<br />
Händlerseite, suchen Sie im Bereich Technische<br />
Details nach Antworten<br />
http://batteryuniversity.com/partone-german.htm<br />
Akkukenntnisse <strong>für</strong> Ingenieure, gut lesbar und<br />
sehr ausführlich<br />
http://conrad.de bzw http://conrad.ch<br />
Mein Hoflieferant; die sechsstelligen Nummern<br />
in Klammern sind Conrad-Artikelnummern – sie<br />
bekommen aber alles auch bei Reichelt oder ELV<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 45
Porträt<br />
Ein kleiner<br />
Schienendrehkran –<br />
in Memoriam Peter Kain<br />
Bernd Schmidt<br />
E<br />
in Schienendrehkran ist ein Kran, der<br />
drehbar auf einem Eisenbahnfahrzeug<br />
montiert ist. Die ersten Krane<br />
waren mit handbetätigten Winden und entsprechender<br />
Zahnradübersetzung ausgerüstet<br />
und auf Flachwagen montiert. Dampfdrehkrane<br />
wurden zwar in England bereits<br />
ab 1860 gebaut, in Deutschland gab es solche<br />
Geräte erst 30 Jahre später.<br />
Bild 1 zeigt einen sehr einfachen hölzernen<br />
handbetriebenen amerikanischen Kran aus<br />
1<br />
2<br />
Der Drehkran von Peter Kain hat ein technologisch<br />
bereits deutlich weiterentwickeltes<br />
Vorbild. Der Ausleger lässt sich manuell<br />
heben und senken, und vier horizontal ausfahrbare<br />
Stützen verleihen dem Kran größere<br />
Stabilität bei ausgeschwenktem Ausleger.<br />
3<br />
dem Jahr 1878. Dieses Gerät konnte immerhin<br />
10 Tonnen heben und wurde in den<br />
Werkstätten der Baltimore & Ohio Railway<br />
eingesetzt, außerdem wurde es bei Aufräumarbeiten<br />
bei leichteren Zugunglücken und<br />
Entgleisungen verwendet. Um dem Kran<br />
eine größere Stabilität zu verleihen, konnte<br />
er mit Ketten an den Schienen befestigt werden.<br />
Er befindet sich jetzt im B&O Museum<br />
in Baltimore. Ein solches Fahrzeug kann das<br />
Vorbild <strong>für</strong> ein einfaches, aber interessantes<br />
Funktionsmodell sein.<br />
Fotos 1 – 3: Bernd Schmidt<br />
46 <strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
4 5<br />
Fotos 4 – 6: Gottfried Guder<br />
Bild 2 zeigt das Modell im Einsatz bei der Bergung eines<br />
entgleisten Flatcars. Wie liebevoll die Details ausgestaltet<br />
sind, lässt Bild 3 erkennen. Man beachte z. B. die skelettierten<br />
Zahnräder mit den eleganten Handkurbeln und der<br />
funktionierenden Bremse mit Rücklaufsperre.<br />
Der Eisenbahndrehkran kann auch <strong>für</strong> Bekohlungszwecke<br />
eingesetzt werden. In vielen Betriebswerken wurden spezielle<br />
Kohlenhunte von Hand mit Kohle beladen und auf<br />
einem Schmalspurgleis zum Bekohlungskran geschoben.<br />
Der (in der Regel allerdings stationäre) handbetriebene<br />
Kran brachte den Kohlenhunt über den Tender, wo er manuell<br />
ausgekippt wurde. Peter Kain hat auch ein solches<br />
Kohlebehältnis als hölzernes Gefährt <strong>für</strong> 3½ ˝-<strong>Spur</strong> gebaut.<br />
Das Behältnis lässt sich dank eines ausgeklügelten<br />
Auslösemechanismus vorbildnah über dem Kohlebehälter<br />
der Lok auskippen.<br />
Bei einem internen US-Treffen 2013 auf der Anlage<br />
Girsberger wurde der kleine Kran aushilfsweise zu Bekohlungsaufgaben<br />
herangezogen, da der eigentlich vorhandene<br />
elektrifizierte Kohlenbagger defekt war (Bild 4).<br />
Dabei wurde die Kohle direkt aus einem Hoppercar übernommen<br />
(Bild 5). Über den Kippmechanismus wurde das<br />
Kohlebehältnis in den Vorratsbehälter der Lok entleert<br />
(Bild 6). Mit drei Huntenfüllungen war die Lok wieder frisch<br />
bekohlt.<br />
Peter Kain hat dieses interessante Sonderfahrzeug vor einigen<br />
Jahren gebaut. Leider ist er in den letzten Augusttagen<br />
nach schwerer Krankheit verstorben. Er hatte mir den<br />
kleinen Kran als Erinnerung geschenkt. Die Fotos dieses<br />
Beitrags sollten beispielhaft an die vielen fantasievoll gebauten<br />
Fahrzeugmodelle mit US-Flair und deren Erbauer<br />
erinnern, der immer Freude an liebevoll gestalteten Details<br />
hatte.<br />
6<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013 47
GARTEN<br />
BAHNEN<br />
V O R S C H A U<br />
Porträt<br />
Die Wusswerker<br />
Kleinbahn<br />
Klaus Rabensdorf<br />
Impressum<br />
Neckar-Verlag GmbH, Klosterring 1,<br />
D-78050 Villingen-Schwenningen,<br />
Postfach 1820,<br />
D-78008 Villingen-Schwenningen,<br />
Telefon + 49 (0) 77 21 / 89 87-0,<br />
Telefax + 49 (0) 77 21/ 89 87-50,<br />
E-Mail: info@neckar-verlag.de,<br />
Internet: www.neckar-verlag.de<br />
• Commerzbank AG, VS-Villingen (BLZ 694 400 07) Konto-Nr.<br />
1570449 / IBAN: DE 13694400070157044900,<br />
BIC: COBA DE FF 694 • Sparkasse Schwarzwald-Baar<br />
(BLZ 694 500 65) Konto-Nr. 26197 • Volksbank eG,<br />
Villingen-Schwenningen (BLZ 694 900 00) Konto-Nr.<br />
8915 • Postbank Stuttgart (BLZ 600 100 70) Konto-Nr.<br />
9389701<br />
Herausgeber: Ruth Holtzhauer, Beate Holtzhauer<br />
Redaktion:<br />
Udo Mannek<br />
E-Mail: mannek@neckar-verlag.de<br />
Grafik und Layout: Jutta Schütz<br />
Porträt<br />
Strüver-<br />
Schienenkuli<br />
Manfred Gern<br />
<strong>GARTENBAHNEN</strong> 1/2014<br />
erscheint am 21.02.2014<br />
Inserentenverzeichnis<br />
(ohne Kleinanzeigen)<br />
Seite<br />
Burkhard. . . . . . . . . . . . . . . . . . 17<br />
Balson. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . U4<br />
Blombach . . . . . . . . . . . . . . . . . U3<br />
Dampfshop . . . . . . . . . . . . . . . . 35<br />
Decker . . . . . . . . . . . . . . . . . . . U3<br />
DMC . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30<br />
Dorrington. . . . . . . . . . . . . . . . . 31<br />
Ehrle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3<br />
GarBa-Verlag . . . . . . . . . . . . . . 11<br />
GreMa. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10<br />
Haeger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31<br />
Hotel Altora. . . . . . . . . . . . . . . . 21<br />
Porträt<br />
Meine neue<br />
Diesellok<br />
Thomas Adler<br />
Themenänderungen aus<br />
aktuellem Anlass behält sich<br />
die Redaktion vor.<br />
Seite<br />
Kienemann . . . . . . . . . . . . . . . . U3<br />
Live Steam Service. . . . . . . . . . U3<br />
Lok & Waggonbau . . . . . . . . . . U2<br />
Mat-Con . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10<br />
MVD . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10<br />
Orbetech. . . . . . . . . . . . . . . . . . 31<br />
Schlechtriem. . . . . . . . . . . . . . . 17<br />
Schwarzer. . . . . . . . . . . . . . . . . 21<br />
Wilms . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3<br />
Zimmermann . . . . . . . . . . . . . . 30<br />
Messe Sinsheim . . . . . . . . . . . . U3<br />
Anzeigenverwaltung:<br />
Isabella Diener + 49 (0) 77 21 / 89 87-45<br />
Uwe Stockburger + 49 (0) 77 21 / 89 87-71<br />
E-Mail: anzeigen@neckar-verlag.de<br />
Es gilt Anzeigentarif Nr. 1 vom 01.01.2012<br />
Marketing:<br />
Rita Riedmüller<br />
Telefon + 49 (0) 77 21 / 89 87-44<br />
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Vertrieb:<br />
Baupläne, Bücher sowie Zeitschriften<br />
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Druck:<br />
Kössinger AG, www.koessinger.de<br />
Fruehaufstraße 21, 84069 Schierling<br />
Die <strong>GARTENBAHNEN</strong> erscheint vierteljährlich (Februar,<br />
Mai, August und November).<br />
Einzelheft: Euro 7,– [D], Euro 7,30 [A], Euro 7,30 [B/I/L/<br />
NL], sfr 12,50; Jahresabonnement: Euro 26,– im Inland,<br />
Euro 28,– im Ausland. <strong>Eine</strong> Kündigung ist jederzeit<br />
möglich. Zu viel bezahlte Beträge <strong>für</strong> noch nicht<br />
erschienene Ausgaben werden vom Verlag zurückerstattet.<br />
Auslieferung <strong>für</strong> die Schweiz:<br />
WIESER Modellbau-Artikel<br />
Wieslergasse 10, CH-8049 Zürich-Höngg<br />
Telefon + 41 (0) 44 / 340 04 30<br />
Telefax + 41 (0) 44 / 340 04 31<br />
ISSN: 1433-0180<br />
© 2013 Neckar-Verlag GmbH<br />
<strong>Eine</strong> Haftung <strong>für</strong> die Richtigkeit der Veröffentlichung<br />
kann trotz sorgfältiger Prüfung vom Verlag und Herausgeber<br />
nicht übernommen werden. Namentlich<br />
gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die<br />
Meinung der Redaktion wieder. Der Verlag haftet nicht<br />
<strong>für</strong> unverlangt eingereichte Manuskripte und Fotos. Mit<br />
Übergabe der Manuskripte und Abbildungen erteilt der<br />
Verfasser dem Verlag das ausschließliche Verlagsrecht.<br />
Er versichert, dass es sich um Erstveröffentlichungen<br />
handelt und dass keine anderweitigen Copyright- oder<br />
Verlagsverpflichtungen bestehen. Honorierte Arbeiten<br />
gehen in das Verfügungsrecht des Verlags über. Produkt-<br />
und Warennamen werden ohne Gewährleistung<br />
einer freien Verwendbarkeit benutzt.<br />
Kein Teil dieser Publikation darf ohne zuvor erteilte,<br />
ausdrückliche schriftliche Genehmigung des Verlags in<br />
irgendeiner Form reproduziert oder unter Verwendung<br />
elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder<br />
verbreitet werden. Die Nutzung der Inhalte ist nur zum<br />
Zweck der Fortbildung und zum persönlichen Gebrauch<br />
des Lesers gestattet.<br />
Anzeigen- und Redaktionsschluss ist der 08.01.2014<br />
<strong>für</strong> die Ausgabe 1/2014.<br />
17. Jahrgang<br />
48 <strong>GARTENBAHNEN</strong> 04/2013
AUSSTELLUNG · FAHRBETRIEB · VERKAUF<br />
18 .<br />
Echtdampf-Hallentreffen<br />
Dampfbetriebene<br />
Modelle von<br />
Eisenbahnen,<br />
Straßenfahrzeugen,<br />
Schiffen und stationären<br />
Anlagen<br />
10.–12.<br />
Januar<br />
2014<br />
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Planscheibe, Vertikalfrässchlitten,<br />
Präzisions- Schleifmaschine,<br />
stehende Lynette, uvm.<br />
Preisidee: 2.000,00 €<br />
2. Dampflokomotive BR 03, Rahmen,<br />
Triebwerk, Kessel, Zylinder und<br />
Räder fast fertig mit Konstruktionszeichnungen<br />
<strong>für</strong> Kessel, Rahmen,<br />
Steuerung und Laufwerk der<br />
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3. Schwellen <strong>für</strong> bis zu <strong>Spur</strong> 7 ½ <strong>Zoll</strong>,<br />
350 x 35 x25 mm, 2000 Stück Eiche<br />
ungebohrt, 30 Jahre abgelagert<br />
und damit unverwüstlich Preisidee:<br />
500,00 €<br />
4. Schwellen <strong>für</strong> <strong>Spur</strong> 5 <strong>Zoll</strong>, Eiche ca.<br />
30 Jahre abgelagert, ungebohrt, ca.<br />
200 Stück Preisidee: 100,00 €<br />
5. Fast fertige stehende Dampfmaschine<br />
1PS von Steward Nr. 5 Preisidee:<br />
500,00 €<br />
6. Personenwaage Baujahr ca. 2012<br />
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