Bergsteiger Lichtblicke (Vorschau)

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EDITORIAL

Der neue

Hauser

ist da:

über 40 Jahre

Reiselust und Erfahrung

Der Berg,

das Risiko

und der Tod

als ein Teil

Die Stunden an der Flanke des Manaslu waren

selbst für die hartgesottenen Alpinisten um

Benedikt Böhm verstörend. Zu sechst gruben

sie Verschüttete aus, leisteten erste Hilfe,

mussten auf 6400 Meter Höhe entscheiden,

wie sie ihre Kräfte einteilten, wer Überlebenschancen hatte und wer bereits verloren

war. Elf Bergsteiger starben damals am 23. September 2012 durch eine Lawine, die

mitten in der Nacht das Hochlager 3 hinweggefegt hatte. Böhms Truppe hatte ihre

Zelte ein Stück entfernt aufgeschlagen – aus der Erfahrung einer früheren Expedition,

als sie den üblichen Lagerplatz als zu gefährlich einstufte. Hätte Böhm seine Expedition

angesichts der Toten abbrechen müssen? Er tat es nicht. Sieben Tage später

stellte er einen neuen Besteigungsrekord auf: 15 Stunden für die 3300 Höhenmeter

vom Basislager bis auf den Gipfel (8163 m) und per Skiabfahrt wieder zurück.

2014

Benedikt Böhm und sein Freund Sebastian Haag haben nun beim IMS in Brixen über

die Ethik ihres damaligen Entschlusses gesprochen. Zuvor zeigte ServusTV eine Dokumentation

(ein Kamerateam war wegen des Rekordversuchs dabei), die diese Frage

in den Mittelpunkt rückte. Die Argumente sind schlüssig: Sie hatten ihr Möglichstes

getan, Menschenleben gerettet, sich um die Verletzten gekümmert. Das Risiko, bei

einer Achttausender-Besteigung umzukommen, müsse jedem Bergsteiger bewusst

sein: »Der Tod ist ein Teil des Ganzen«, sagen Böhm und Haag. Und haben Recht.

Ein Wagnis im Zeichen der Wissenschaft ist 170 Jahre zuvor ein

junger Geograf eingegangen, der den Dachstein erforschen wollte.

Friedrich Simony wurde von einer Lawine mitgerissen, überlebte

und ließ sich nicht davon abbringen, eine Nacht am Gipfel zu

verbringen. Er wollte beweisen, dass dies ein Mensch aushalten

kann. Lesen Sie ein Porträt anlässlich seines 200. Geburtstages

(S. 78–83). Magdalena Neuner setzte zwar nie ihr Leben aufs Spiel,

bewies aber Stehvermögen als erfolgreichste Biathletin der Sportgeschichte. Nun

ist sie »Profi in Entspannung« (Interview S. 68–73) und kann die Berge erstmals ohne

Leistungsdruck genießen. Selbiges wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.

In unserer Titelgeschichte (S. 20–29) finden Sie dafür einige lohnende Sonnenziele.

Die Welt und sich

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Michael Ruhland, Chefredakteur

WandernTrekkingBergtourenweltweit

hauser-exkursionen.de


INHALT

20

Der Sonnenkompass

Rofan, Lungau, Comer See, Provence:

Wir weisen den Weg zu vier ausgewählten Bergzielen,

an denen sich die Saison verlängern lässt.

32

Innere Einkehr

Beim Pilgerwandern bekommen nicht

nur die Beine, sondern vor allem der Kopf

Auslauf. Das wirkt befreiend.

TITELTHEMA

20 Die 4 Herbst-Zeitlosen

Sie macht sich im November rar wie nie: die

Sonne. An unseren Sonnenspots lässt sich die

Saison im milden Ambiente beschließen.

AKTUELL

12 Neues aus der Welt der Berge

12 SÜDWANDSOLO Ueli Steck war an der

Annapurna auf neuer Route erfolgreich.

16 VERSIEGENDER STROM Die CIPRA warnt

vor dem Ausbau der Wasserkraft.

18 MEDIEN Aktuelle Bücher, Apps und

Webseiten zum Thema Berg

REPORTAGE

32 Auf dem Weg zu sich selbst

Nicht immer ist Wandern bloßer Freizeitspaß.

Beim Pilgerwandern lernt man eine

andere Art des »Umgangs« mit sich selbst.

38 Artisten am Abgrund

Slacklinen ist der größte Trend seit dem

Kletterboom. Und für manche wichtiger als

die Bühnen der Welt


44

Skitour vom

Schlauchboot

Westgrönland: Alpine Annäherung

an das Ende der Welt

38

Am laufenden

Band

Slacklinen boomt:

Über die Kunst am Abgrund

TOURENKARTEN ZUM MITNEHMEN

12 Top-Touren für das Saisonfinale

Le Montet ....................................................................................... 55

Via Sacra, 4. Etappe ............................................................. 55

Plassen ................................................................................................ 55

Gosauseen - Hallstatt ......................................................... 57

Bayreuther Hütte ................................................................... 57

57

Streichkopf ....................................................................................

Lachriegel ......................................................................................59

Wiesberg und Wildbachhütte ................................59

Monte Barro .................................................................................59

Monte San Primo .....................................................................61

Rocher du Caire ........................................................................61

Rocher de Chalançon .........................................................61

92

Der große

Skitest

Rechtzeitig zum

Saisonauftakt:

Ein Überblick

über die

neuesten

Modelle

78

Friedrich Simony

Zum 200. Geburtstag des

»Dachsteinprofessors«

Cover: Iris Kürschner, am Höhenweg zur Bocchetta di Prada, Grigna-Gruppe, Comer See; weitere Fotos: A. Strauß (2), B. Ritschel, F. Lenz, M. Birck, V. Wisthaler, K2

84 Optimist auf Rädern

Kein Ende am Horizont: Felix Brunner

entkam dem Bergtod nur knapp.

Vier Jahre später überquert er die

Alpen im Handbike.

AUF TOUR

44 Lockruf der Stille

In Westgrönland beginnen Skitouren auf

Meereshöhe. Und führen in die ultimative

Ruhezone

64 Serie: GeoTop-Touren

Auf den Spuren des Salzes: Im Schaubergwerk

von Bouillet lässt sich Geologie

mit allen Sinnen erleben.

Familien-TIPP

74 Serie: Die Paten IV

Mit Hirn & Schmalz: Dülfer, Piaz, Prusik und

Abalakov waren große Bergsteiger, deren

Erfindungen das Klettern revolutionierten.

78 Der Stein des Waisen

Ein Mann, ein Berg: Vor 200 Jahren wurde

der »Dachsteinprofessor« Friedrich Simony

geboren. Über ein Multitalent, der die

Wissenschaft bis heute prägt

SERVICE

50 Kristallwelten

Bergfotograf und Extremkletterer Heinz

Zak verät Tipps und Tricks für bessere

Winterbilder. Inklusive Fotowettbewerb

88 Serie: Stille Helfer

In der Lawinenkunde gab es lange zwei

Meinungen. Nun wurde das Beste

aus beiden vereint - wir erklären die

neuen Lehrinhalte.

92 Kein Ski für alle Fälle

Der große Tourenskitest 2013/14: Rechtzeitig

zum Saisonstart sind die neuen

Modelle unter die Rocker gegangen.

100 Zackig in Schnee und Eis

Es müssen nicht immer Steigeisen sein:

Beim Winterwandern sind Grödel, Spikes

und Co. praktische Begleiter. Wir haben

verschiedene Modelle getestet.

106 Serie: Hersteller im Profil

150 Jahre Edelrid: Warum beim innovativen

Allgäuer Seilhersteller das Firmenschicksal

nicht allein am »seidenen Faden« hängt.

68 Das große BERG-

STEIGER-Interview

Die erfolgreichste Biathletin

aller Zeiten über

Erfolgsdruck, Nationalhymnen

und

unbekannte

Berge vor der

Haustür: im

Gespräch mit

Magdalena

Neuner.

RUBRIKEN

Editorial 3

Bildstrecke 6

TV-Programm 19

Bergpredigt 52

Härtetest 102

Das perfekte 110

Bergwochenende

Briefe/Impressum 112

Vorschau 114

12 ⁄13 Bergsteiger 5


BERGBILDER

Gratlichter

»Berge in Licht und Schatten« lautete heuer das

Motto des Fotowettbewerbs beim International

Mountain Summit (IMS). Eine Bildstrecke

der besten Aufnahmen – wie dieses Siegerbild.

Nordwestgrat Nevado Chopicalqui (6345 m), Peru


Foto: Alexandre Buisse

12⁄13 Bergsteiger 7


Traumtänze

»An einem eisig kalten Tag kamen Licht,

Schneesturm und ich zusammen«, beschreibt

Richard Salcher seinen Kunstschuss lapidar.

Caillum Smith nennt seine Komposition aus Wolken,

Nordlicht und Milchstraße »Open eyed dream«.

Sellatürme, Südtirol (oben) und Skaftafell National Park, Island

Foto: Richard Salcher

Foto: Caillum Smith

8 Bergsteiger 12⁄13


Lichtspiele

Nur wenn die Sonne am tiefsten Punkt über

dem Horizont steht, setzen ihre Strahlen die Nordwände

der Drei Zinnen in Szene: die Enrosadira.

Fotograf Dino Marsagno hat dieses abendliche

Schauspiel mit der Kamera erwartet.

Drei Zinnen, Dolomiten, Südtirol

Foto: Dino Marsagno


Scherenschnitte

Ein Herbsttag. Georg Kantioler aus Südtirol steigt

auf die Kassianspitze in seiner Heimat, unten überzieht

Hochnebel die Täler, gegenüber die Geislerspitzen.

Dann drückt Kantioler auf den Auslöser.

Geislerspitzen, Villnösstal, Südtirol

Foto: Georg Kantioler

10 Bergsteiger 12⁄13


Prämierte Lichtjäger

Der mit insgesamt 6000 Euro Preisgeld

dotierte IMS Photo Contest hat mittlerweile

eine gewisse Reputation.

Der BERGSTEIGER zeigt unter anderem

die Bilder der drei Gewinner exklusiv.

Im besten Fall können Fotos bewegen. Und

zwar im Wortsinne. Das Siegerbild des Franzosen

Alexandre Buisse beim diesjährigen

Fotowettbewerb des International Mountain

Summit bewegte nicht nur die Jury dazu, ihn

mit dem ersten Platz auszuzeichnen. Französischen

Kletterern war Buisses Bild vom

Nevado Chopicalqui in der peruanischen

Cordillera Blanca Anreiz genug, den Berg

über den selten begangenen und im Foto

sichtbaren Nordwestgrat zu besteigen. Und

wen zieht es bei den Aufnahmen der Zweitund

Drittplatzierten Richard Salcher (Südtirol)

und Caillum Smith (Kanada) nicht auf

eine Skitour vor die Sellatürme oder zu den

Nordlichtern in Island? Jedenfalls bewegt

allein der Wettbewerb des IMS schon viele

Menschen. Dieses Jahr machten 2400 Hobby-

und Profifotografen aus 100 Ländern mit.

Dominik Prantl


Bergsteiger

12/13 AKTUELL

Gut was los: 15 000

Besucher kamen im

Vorjahr nach München.

Eintritt: kostenlos

Am 17. 11. ab 10 Uhr in der BMW Welt.

Kostenlose Tickets für die Vorträge im

Tagungsraum 1 und 2 ab 9.30 Uhr im Foyer

bzw. 2 Stunden vor Vortrags beginn.

Veranstaltungsort: BMW Welt, Am Olym -

pia park 1, 80809 München, Anfahrt am

besten mit der U3, Station »Olympiazentrum«

Infos und Programm:

www.munich-mountains.de

Am Tag davor fi ndet im Feierwerk (Hansastraße)

von 8–13 Uhr der DAV-Alpinfl ohmarkt statt.

Infos unter www.DAVplus.de/fl ohmarkt

Alpintag 2013 in München

DIE BERGE KOMMEN NACH MÜNCHEN

Foto: DAV Sektion München & Oberland

Große Zukunftsfragen

beim Jubiläum

SAC DISKUTIERT ZUM 150. GEBURTS-

TAG DIE FOLGEN DES KLIMAWANDELS

– DAV TRITT WIEDER DER UIAA BEI

Es sind die großen Themen, denen sich

der Schweizer Alpenclub stellt. Zu seinem

150. Geburtstag hatte der SAC im Oktober

nach Pontresina ins Engadin eingeladen

und eine »Gipfelkonferenz« zur Zukunft des

Bergsports anberaumt. Ein hochkarätig

besetztes Podium debattierte die Folgen des

Klimawandels und gab der tags darauf

tagenden Generalversammlung der Union

Internationale des Associations d’Alpinisme

(UIAA) ein paar Handlungsempfehlungen

mit auf den Weg. Der Präsident der Alpenschutzkommission

CIPRA , Dominik Siegrist,

wies darauf hin, dass die Gletscher der

Alpen seit 1850 mehr als die Hälfte ihrer

Fläche verloren haben. In der Folge würden

nicht nur Aufstiegsrouten gefährlicher,

es entstünden auch enorme Kosten beispielsweise

zum Erhalt exponiert liegender

Hütten. Das Podium war sich einig, dass sich

jeder Bergsportler stärker seiner Verant wortung

für den Klimaschutz bewusst werden

müsse. Zudem sprachen sich die Teilnehmer

für eine intensivere internationale Zusammenarbeit

der Bergsportverbände aus. Ein

Zeichen in diese Richtung setzte der DAV:

Er trat nach Jahren der Abstinenz wieder der

UIAA bei, die sich künftig stärker für Klimaschutzziele

einsetzen will.

–mr–

Foto: Wolfgang Beyer / wikipedia.de

Ob die selbsternannte »Bergsteigerstadt« München nun wirklich ein Teil

der Alpen ist oder nicht – am 17. November ist sie auf jeden Fall das Zentrum der

Bergwelt. Dann findet in der BMW Welt der vierte »Munich Mountains«-Alpintag

statt, veranstaltet von den AV-Sektionen München und Oberland zusammen mit

dem Bruckmann Verlag und dem DAV Summit Club. Das diesjährige Programm

findet erneut die Balance zwischen Vorträgen, Workshops und Eventmesse.

Ob mit dem Rad nach Macchu Picchu, mit Ski auf den Manaslu oder Klettern in

Kalifornien – bei den stündlich wechselnden Vorträgen geht es rund um die

Berge der Welt. Auch die Praxis kommt nicht zu kurz: Bernd Ritschel führt in die

Bergfotografie ein, Karl Gabl erläutert das komplexe Feld von Bergwetter und

Tourenplanung. Zu Höhenangst, Lawinenkunde und Risikomanagement sind

ebenfalls Workshops geplant. Viele Hersteller präsentieren zudem ihre aktuellen

Ausrüstungstrends vor Ort.

Wer selber aktiv werden will, kann am betreuten Kletterturm erste Schritte in

die Vertikale unternehmen oder das Slacklinen ausprobieren. Im nahen Olympia -

park finden zudem MTB-Fahrtrainings statt. Am Stand des Bruckmann Verlags

laden gemütliche Sessel zum Schmökern in den neuesten Bergbüchern, Bildbänden

und Tourenführern ein. Das Beste am Alpintag: Die Wege zwischen den Veranstaltungsorten

sind kurz, so dass nach jedem Event problemlos zum nächsten

gewechselt werden kann.

–te–

Südwandsolo

UELI STECK AN DER ANNAPURNA

Es ist ein Meilenstein im Höhenbergsteigen:

Nach zwei Anläufen hat Ueli

Steck die Südwand der Annapurna allein

und auf einer neuen Route durchstiegen.

Am 10. Oktober um zwei Uhr nachts

Stecks Route durch die 2500-Meter-Wand stand der Schweizer Ausnahmeathlet auf

dem Hauptgipfel (8091 m). Vom Wandfuß

und zurück benötigte er nur 28 Stunden. Im Proviant: 6 Powerbars und

100 Gramm Käse. Steck vollendete die Franzosenroute von 1992, auf der Pierre

Béghin bei 7100 Metern tödlich abgestürzt war. Nach Stecks Versuchen von

2007 und 2008 sowie dem Drama im Frühjahr am Everest erscheint sein Erfolg

umso größer: »Mehr kann ich als Bergsteiger gar nicht erreichen«, sagte Steck. –te–

12 Bergsteiger 12 ⁄13


Bergsteiger

12/11 12/13 AKTUELL

Berg-Splitter

Foto: Frank Kretschmann

Historische Wiederholung

Eine Zweitbegehung nach 28 Jahren: Das

gelang Josh Wharton und Jon Walsh in den

Rocky Mountains. Mit 5000 Kalorien für vier

Tage kletterten sie im September den berüchtig

ten Nordpfeiler (5.11b/A1) am North

Twin Peak (3731 m), den Barry Blanchard und

David Cheesmond 1985 erstbegangen hatten.

Fazit nach der Tour im kanadischen Bröselkalk:

»Nicht zur Nachahmung empfohlen!« –te–

Eiger-Trilogie vollendet

Ein Stück Alpingeschichte schrieben Robert

Jasper und Roger Schäli am 2. August diesen

Jahres am Eiger: Nach der Japanerdirettissima

(2009) und der Harlin-Direttissima (2010)

konnte das Duo nun auch die Piola-Ghilini

(5.10b/A3) frei klettern. Die für viele letzte

große Linie der Alpen wurde 1983 von den

Namensgebern in fünftägiger Arbeit durch den

steilsten Teil der Wand gelegt.

–te–

Robert Jasper und Roger Schäli

Neue Haken im Allgäu

Am Oberjoch bei Bad Hindelang wird derzeit

das Klettergebiet »Weihar« saniert. Zusammen

mit den lokalen Erschließern tauscht die

IG Klettern alte Haken und setzt moderne Um -

len ker. Auch die Wege und Zustiege werden

erneuert.

–te–

Zurück zu den Wurzeln

Seit der beliebten Website »Alpine Auskunft«

im Juli diesen Jahres ein neues Layout verpasst

wurde, liefen die User in Scharen davon:

70 % weniger Einträge und 100 % negative

Rückmeldung – zu langsam, zu aufgeblasen war

die Seite. »Dieser Schuss ging nach hinten los«,

sagt Initiator Werner Flörl. Im Oktober wurde die

Seite auf das alte Layout umgestellt. Mehr dazu

im Webtipp auf Seite 18.

–te–

Foto: BGLT

Foto: Alexander Römer

Den Gefahren ausweichen

3. SKITOURENFESTIVAL BERCHTESGADEN

Skitourengehen boomt – auch und besonders auf der Piste. Zum 3. Berchtesgadener

Skitourenfestival (21.–23. 02. 2014) haben die Veranstalter deshalb das

Thema »Kollisionsprävention« ins Programm genommen: Wer hat Vorfahrt, wann

dürfen Pistenbereiche begangen werden, wo sind sie tabu? Dazu werden zahlreiche

Workshops zu Lawinenkunde und Fahrtechnik angeboten. Skitests und Tagesskitouren

auf verschiedenen Leistungsniveaus runden das Festival ab. Außerdem

findet ein nächtliches Charity-Skitouren-Rennen für den guten Zweck statt. –te–

Proben für den

Ernstfall

LAWINENCAMP BAYERN

Jeden Winter passieren weit

über 100 Lawinenunglücke in

den Alpen, viele davon mit tödlichem

Ausgang für Freerider und

Skitourengeher. »Erfahrungsmangel

und fehlende Auseinandersetzung

mit den subjektiven und objektiven

Gefahren«, nennt Alexander Römer

Das Charity-

Rennen: Vollgas

bei Flutlicht

als Ursachen für diese vermeidbaren Unfälle. In Kooperation mit dem BERGSTEIGER

bietet der Bergführer von Hauser Alpin Schulungen für Skitourengeher, Freerider

und Schneeschuhwanderer an: Sein Konzept, das »Lawinencamp Bayern«, besteht

aus fünf aufeinander aufbauenden Kursen in Theorie und Praxis. Camp 1 richtet sich

an Einsteiger ins Thema; aber auch Fortgeschrittene können ihre Kenntnisse bei

den praktischen Übungen mit LVS-Gerät, Sonde und Schaufel rund um das Taubensteinhaus

im Spitzing-Skigebiet auffrischen. Wer tiefer in das Lawinen-Risiko-

Management einsteigen möchte, kann zusätzlich die Fortgeschrittenen-Camps

buchen. Bei Camp 2 geht es einen Abend lang um die perfekte Tourenvorbereitung:

Gemeinsam wählt und arbeitet die Gruppe eine Tour entsprechend den aktuellen

Verhältnissen aus. Camp 3 (für Skitourengeher und Freerider; Spitzinggebiet),

4 (für Schneeschuhwanderer) oder 5 (für Skitourengeher und Freerider; Tuxer Alpen)

schult vor allem die Führungsqualitäten. Die Teilnehmer lernen, die Verhältnisse

vor Ort richtig zu beurteilen und eine optimale Aufstiegsspur anzulegen. Weitere

Informationen unter www.lawinencamp-bayern.de

–dst–

Mitmachen

und

gewinnen!

Zwei Tourengeher orten ein vergrabenes

LVS-Gerät beim Lawinencamp am Spitzing.

Fünf BERGSTEIGER-Leser dürfen kostenlos an Camp 2 (Theorie-Abend) teilnehmen.

Senden Sie die richtige Antwort auf folgende Frage an redaktion@bergsteiger.de

oder per Post an Redaktion Bergsteiger, Infanteriestraße 11a, 80797 München:

Bei welcher Gefahrenstufe passieren die meisten Lawinenunfälle?

14 Bergsteiger 12 ⁄13


Foto: nock/ art, Johannes Puch

Artig wandern

DAS MEHRJÄHRIGE KUNSTPROJEKT NOCK/ ART

STARTET IN DEN BERGEN UM BAD KLEINKIRCHHEIM

Es waren einfache Regeln, die der Künstler Hamish Fulton den etwa

200 Menschen auf ihren Weg mitgab: Bewegen in Zeitlupe, eine Stunde lang,

schweigend, mit einer Armlänge Abstand zum Vordermann. Mit diesem

»Public Art Walk« eröffnete der weltberühmte »Walking Artist« aus England

am 21. September die Projektreihe nock/ art in Bad Kleinkirchheim.

Elf namhafte, internationale Künstler – darunter Roman Signer, Gottfried

Bechtold und Andy Goldsworthy – werden während der nächsten Jahre

Skulpturen und temporäre

Aktionen in den Nockbergen

realisieren. Als nächste geht

die Gruppe »AO&« an den

Start: Ab Mitte Mai 2014 verwandeln

die drei Künstler aus

Vorarlberg ein Hotel vor Ort

in das »Hotel Konkurrenz«.

Weitere Informationen unter

www.nockart.at –dst–

Auftakt in Osttirol

1. AUSTRIA-SKITOURENFESTIVAL IN LIENZ

Eine Mischung aus Messe, Vorträgen und geführten Touren bestimmt

das Programm des Austria Skitouren-Festivals in Lienz vom 12.–15. 12. 2013.

In Zukunft soll das Skitourenfestival »die zentrale Auftaktveranstaltung für

den Winter in Osttirol« werden, hofft Landesobmann Franz Theurl. Am Freitag

und Sonntag steht jeweils eine Skisafari auf dem Programm. Zwei verschiedene

Skitourenrennen gibt es am Samstag, dem 14. Dezember. Über 500 Höhenmeter

geht es für die Hobbyrennläufer aufwärts, die Elite misst sich über

2000 Höhenmeter. Zu den Highlights zählt außerdem der Filmvortrag »Skitour

Extrem« von Gerlinde Kaltenbrunner. Mit Experten der Österreichischen

Bergrettung lernen Besucher, wie man Schneeprofile richtig analysiert.

Expertenwissen aus der Praxis wird außerdem in den Vorträgen von Thomas

Gaisbichler, Rudi Mair und Patrick Nairz vermittelt. Das Festival soll laut

OEAV-Präsident Andreas Ermacora »für Natur und Gefahren sensibilisieren«.

Informationen und Anmeldung unter: www.dolomitensport.at –te–

PROGRAMM

Veranstaltungsort: Dolomitenhalle

Lienz, Amlacherstraße 1, A-9900 Lienz

Donnerstag, 12. 12.: Eröffnung, Expo und

Welcome Party ab 16 Uhr

Freitag, 13. 12.: Skisafari Osttirol (ab

8.30 Uhr), Vortrag Mair/Nairz (18.30 Uhr),

Vortrag Kaltenbrunner (20 Uhr)

Samstag, 14. 12.: Skitourenrennen

»H 2000«, ab 9 Uhr, Praxisworkshop

Schneeprofi le 13 Uhr, 19.30 Uhr Vortrag

Gaisbichler

Sonntag: 15. 12.: Skisafari Osttirol

Kosten: Je 25 Euro Startgebühr für die

»H 2000«-Skitourenrennen

Foto: Veranstalter

Ambros Gasser führt

die ASI im Sinne

seines Vaters weiter.

50 Jahre Alpinschule

Innsbruck

DER ANBIETER WELTWEITER

WANDERREISEN FEIERT GEBURTSTAG

Genau 50 Jahre ist es her, dass der Bergführer

Hannes Gasser die Alpinschule Innsbruck (ASI)

gegründet hat. Seine Idee, Reisen für Wanderer

und Bergsteiger im Alpenraum anzubieten,

funktioniert mittlerweile auch weltweit mit

Reisen in mehr als 70 verschiedene Länder:

Eine halbe Million Gäste haben die Angebote

der ASI bisher genutzt. Als Gasser 1996 nach

kurzer, schwerer Krankheit starb, übernahm

seine Frau Elfi die Firma. Seit 2011 führt

Sohn Ambros die Geschäfte gemeinsam mit

Hannes Huber. Für das kommende Jahr hat

ASI neben neuen Schwerpunktreisen, die

auf Natur, Komfort, Gemütlichkeit und Flexibilität

ausgerichtet sind, auch fünf weitere

Destinationen ins Programm mit aufgenommen:

Kirgistan, Indonesien, Georgien, das

Baltikum, die Abruzzen und die spanische

Sierra de Guadarrama.

–dst–

Berg-Fundstück

GESCHMACK

DER BERGE

Die XL-Kaugummi-Dragées

mit

einer speziellen

20-Kräuter-Mischung

stecken im praktischen Zip-

Beutel. Mit solch einer Offerte

kann man sich am Berg bei den

meisten beliebt machen …

Alprausch, Schwiizer Chrüter Kaugummi,

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12 ⁄13 Bergsteiger 15


Bergsteiger

12/11 12/13 AKTUELL

Die CIPRA sieht

alpine Gewässer wie

die Isel in Gefahr.

GASTBeitrag

Foto: Dagmar Steigenberger

Versiegender Strom

CIPRA INTERNATIONAL TAGT ZUM THEMA WASSER IN DEN ALPEN

Foto: privat

Der Sportjournalist Tobias Laure

ist Xxxxxxx bei Mountain ist stellvertretende Wilderness Geschäftsführerin

Experte der für Internationalen das Thema Olympia. Alpenschutz-

der

konvention CIPRA

»Nein zu Winterspielen«

Es geht um die Berge beim Bürgerentscheid

zur Münchner Olympia-Bewerbung – und um die

Frage, was der Mensch in diesen alpinen und

voralpinen Naturräumen opfern will für 17 Tage

Sport und Spektakel. Die Olympische Idee

ist eine schöne, die Magie des großen Festes

verzaubert noch immer. Aber es gibt Entwicklungen,

die nicht übersehen, verdrängt oder

verleugnet werden dürfen – so wie in den

Münchner Bewerbungsanläufen für 2018 und

nun 2022. Der Klimawandel und der steigende

Druck auf die Alpen machen Winterspiele zu

einer heiklen Veranstaltung. Dazu fordert und

fördert das Internationale Olympische Komitee

(IOC) Gigantismus und Kommerzialisierung.

Die Bewerber folgen dem nur allzu gerne.

Wer kleinere Spiele anbieten, auf Kunstschnee

verzichten oder die Knebelverträge des IOC

ablehnen würde, hätte bei den »Herren der

Ringe« keine Chance. Ein Umdenken des IOC ist

nur mit geballtem Druck zu erreichen, wenn

alle Bewerberstädte sich gemeinsam den naturschädlichen,

umsatzorientierten IOC-Vorgaben

verweigern würden.

Stattdessen pressen sie in München und anders -

wo Beruhigungspillen: Die Spiele seien gut für

die Infrastruktur und grün wie nie zuvor, die Natur-

Eingriffe minimal, die Kosten im Rahmen, der

Image-Gewinn immens.

»Dein Heimspiel«, steht auf den Plakaten der

Olympia-Befürworter. Doch ein Spiel sind

die Spiele längst nicht mehr, dafür steht zu viel

auf dem selbigen. Die Alpen sind kein Spielplatz

des IOC. Mountain Wilderness lehnt die

Münchner Bewerbung daher klar ab.

Das Potenzial der Wasserkraft in den Alpen ist ausgeschöpft. So lautet

das Fazit der Jahresfachtagung zum Thema »Wassertrog Alpen«, zu der die Alpenschutzkommission

CIPRA Anfang Oktober nach Bozen eingeladen hatte. Mario

Broggi, der ehemalige Präsident von CIPRA International, sagte in seinem Eröffnungsvortrag:

»Gewisse Wasserkraftanlagen hätten nie gebaut werden dürfen.«

Erst jetzt erkenne man die massiven ökologischen Auswirkungen, die zu einem

»leisen Verschwinden der Vielfalt« führten. Broggi, der Anfang der 1990er-Jahre

am Schweizer Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer mitgearbeitet hat,

fordert eine Güterabwägung zwischen dem Nutzwert und dem Wert der alpinen

Landschaft an sich.

Georg Kaser vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck

wies in seinem Vortrag darauf hin, dass der Wasserabfluss aus Gletschern

voraussichtlich spätestens nach 2050 abnimmt. Die Alpen verlören damit ihre

Funktion als Trinkwasserspeicher – und die Kraftwerke ihre Rentabilität.

Dass die Energiepolitik alleine das Problem nicht lösen könne, darüber war man

sich in Bozen einig. Nur wenn weniger Energie verbraucht werde, könne die

Energiewende nachhaltig gestaltet werden.

–dst–

Herausgeputzt

ABFALLSAMMELN AM MER

DE GLACE UND JUWELENFUND

AM BOSSONS-GLETSCHER

Metallkabel, Dosen, Plastikverpackungen

und Glasflaschen:

Zweieinhalb Tonnen Müll haben

die etwa 100 Freiwilligen bei der

Putzaktion am 20. September am 2,5 Tonnen Müll: Putzaktion am Mer de Glace

Mer de Glace gesammelt. 2008 hatte

die Lafuma-Gruppe, ein Zusammenschluss aus renommierten Bergsportfirmen,

die Aktion am Mont Blanc gemeinsam mit dem französischen Alpenverein (CAF)

und einigen Umweltorganisationen ins Leben gerufen. Seither wird jeden Herbst

gesammelt; mehr als 13 Tonnen Abfall sind dabei schon ins Tal getragen worden.

Aber nicht alle Spuren, die Menschen auf Gletschern hinterlassen, sind Müll.

Ein 20-jähriger Franzose stieß Anfang September am Bossons-Gletscher auf eine

Kiste mit Edelsteinen. Schätzungen zufolge sind die Juwelen 130000 bis 246000

Euro wert. Sie gehörten vermutlich zur Fracht eines der beiden indischen Flugzeuge,

die 1950 und 1966 am Mont Blanc zerschellt sind. Sollte sich kein Besitzer

ermitteln lassen, darf der junge Finder den Schatz selbst behalten.

–dst–

Foto: Lafuma Group

16 Bergsteiger 12 ⁄13


Foto: Dagmar Steigenberger

Die höchste

Windkraftanlage

Europas am

Nufenenpass

Umwelt und Nachhaltigkeit

Alpen unter Druck

PODIUMSDISKUSSION ZUR ENERGIEWENDE

Wie wird die Energiewende die Alpen verändern?

Dieser Frage stellen sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion,

die der Deutsche Alpenverein (DAV) am

Mittwochabend, 13. November, im Haus des Alpinismus

auf der Münchner Praterinsel veranstaltet.

Rudi Erlacher, Vorsitzender des Vereins zum Schutz

der Bergwelt und Mitglied im DAV-Bundesausschuss

Natur- und Umweltschutz, wird den Abend um

19.30 Uhr mit einem Impulsvortrag eröffnen. An der

Diskussion nehmen neben Erlacher auch der DAV-

Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig, Erwin Rothgang

(Präsident CIPRA Deutschland) und Robert Götz (Leiter der Energieagentur im

Bayerischen Wirtschaftsministerium) sowie weitere Vertreter der Energiepolitik und

-wirtschaft aus Deutschland und Österreich teil. Die Veranstaltung bildet den Auftakt

zu einer Reihe von Podiumsdiskussionen und führt hin zum Thema der Ausstellung

»Alpen unter Druck«, die im März 2014 im Haus des Alpinismus eröffnet wird. –dst–

Zitat des Monats

»Die Berge sind ein universelles Natur- und

Kulturerbe der ganzen Menschheit. Dies bedeutet,

dass wir für die Berge der Welt gemeinsam Sorge

tragen müssen. Für deren Schutz, aber auch für

deren nachhaltige Nutzung. Als Bewohner und

Bewirtschafter ebenso wie als Besucher und Gäste.«

Dominik Siegrist, Präsident der Inter nationalen Alpenschutzkommission CIPRA,

anlässlich der Feierlichkeiten zu »150 Jahre Schweizer Alpenclub«

Umwelt-Ticker

+++ Die Planungen für das Pumpspeicherkraftwerk

am Jochberg liegen momentan auf Eis. Die

Energieallianz Bayern, der vorgesehene Betreiber

des Kraftwerks, will sich nicht gegen »unüberwindbare

lokale Hindernisse« durchsetzen. +++

Gut 25 Jahre lang wurde der Schneeferner an der

Zugspitze im Sommer mit Planen abgedeckt,

nun ist Schluss. Die Bayerische Zugspitzbahn hat

den Kampf gegen das Schmelzen des Gletschers

aufgegeben. +++ Die Falkenhütte soll zum

Denkmal werden: Eine erste Ortsbegehung mit

Vertretern des Amts für Denkmalschutz fand

bereits statt. Das Haus unter der Laliderer-Nordwand

wurde 1923 erbaut und ist im Besitz

der DAV-Sektion Oberland. Bis zur Entscheidung

werden allerdings noch einige Monate vergehen.

+++ Der Gipfel der Demelspitze am Brauneck

steht zwar noch, ist aber mittlerweile so porös,

dass nicht einmal mehr das Kreuz geborgen wer -

den kann. +++ Die Petition »Pro Hütten und

Wege« des Österreichischen Alpenvereins (OeAV)

hatte Erfolg: Ende September wurden 125 000

Unterschriften an Bundespräsident Heinz Fischer

übergeben. Dieser sicherte daraufhin eine Anhe

bung der Fördermittel zu. +++ AlpNet hat Ende

September mehr als 300 Spitzenvertreter des

Alpentourismus zum Netzwerktreffen nach

Chamonix geladen. theALPS fand bereits zum

vierten Mal statt und hat das Ziel, nachhaltigen

und sensiblen Alpentourismus zu fördern. +++


Bergsteiger

12/11 AKTUELL

12/13 AKTUELL

Medien

BergBücher …

Alexander Huber

»DIE ANGST – DEIN BESTER FREUND«

184 Seiten, Format 15 x 21,5 cm,

gebunden mit Schutzumschlag,

Ecowin Verlag, Salzburg 2013, Preis 19,95 €

Alpinisten reden gerne über

Gipfelerfolge, ab und an auch über

das Scheitern. Dass Angst thematisiert wird, ist eher selten der

Fall – will es doch gar nicht zum Heldenhaften passen, der Aura,

die sich Bergsteiger gerne verpassen. Allein schon deshalb ist

es Alexander Huber hoch anzurechnen, dass er über seine Angst

vor großen Projekten offen spricht. Ja sogar zugibt, dass er in

einen Strudel der Angst geriet, die ihn lähmte, so dass er zeitweise

Angst vor der Angst hatte und psychologische Hilfe brauchte.

Alexander Huber macht aber auch klar, wie wichtig die Angst für

ihn als Kletter-Profi ist. Sie ist gewissermaßen seine Lebensversicherung.

»Die Angst hilft mir, meine gefährlichen Aktionen zu

überleben«, schreibt er. Letztlich macht das Buch Mut, Ängste

zu akzeptieren, sie genau wahrzunehmen und dadurch die eigenen

Grenzen zu verschieben. In Richtung Erfolg.

–mr–

Pierre Chavot

»MYSTISCHE BERGE«

224 Seiten, 24 x 31 cm, Hardcover,

Frederking & Thaler Verlag,

München 2013, 39,99 €

Seit jeher verortet die

Menschheit ihren Glauben

in der Natur. Und wo wäre

man dem Himmel näher, als

auf den Bergen? Chavots Bildband

präsentiert detailliert

und bildgewaltig 34 verehrte

Gipfel aus aller Welt. Darunter

finden sich Altbekannte

wie Olymp, Ayers Rock und

Mount Everest, aber auch

der Adam’s Peak auf Sri Lanka,

auf den Adam nach seiner

Vertreibung aus dem Paradies

gefallen sein soll. –te–

Vertical Life Team

»SPORTCLIMBING IN THE

DOLOMITES«

432 Seiten, Format 15 x 21 cm,

Vertical Life, Brixen 2013, 31,90 €

Eigentlich fährt man zum

Alpinklettern in die Dolomiten!

Dass es in den »bleichen Bergen«

aber auch für Sportkletterer

exzellente Ziele gibt, die

eine Reise wert sind, beweist

dieser opulente Führer. Mehr

als 50 Klettergebiete zwischen

Fassatal und Hochpustertal,

zwischen Gröden und Cortina

werden anhand detaillierter

Phototopos und genauen

Infos präsentiert – ein »Lust-

Macher« auf einen Dolomiten-

Aufenthalt. (dt./ital./eng.) –ak–

BergApp … BergFilm … BergWeb …

Foto: Vidicom

PEAKHUNTER

Wofür? Virtuelles Gipfelbuch mit GPS-Beweis für

pfl ichtbewusste Sammler.

Wie? Funktioniert ohne Netz. Der Eintrag ist erst

möglich, wenn das GPS des Smartphones mit den

Gipfelkoordinaten übereinstimmt.

Wieviel? Kostenlos für iOS und Android (ab 2.3)

Warum? Schon mancher Solobergsteiger kam

ohne GPS-Beweis in arge Erklärungsnöte... –te–

»DIE ALPEN«

Serpentinen werden zu abstrakten

Gemälden, Bilder von Felsformationen

erinnern an Mondlandschaften und

Bergdörfer sehen aus, als würden sie aus

Puppenhäusern bestehen. Der Film

»Die Alpen – Unsere Berge von oben«

zeigt die schönsten Gipfel, Täler und

Landschaften in gestochen scharfen Aufnahmen.

Die luftige Expedition führt

u. a. über die Dolomiten, den Mont Blanc,

das Allgäu und den Aletschgletscher. –sz–

Von: Peter Bardehle, Sebastian Lindemann

Mit: Udo Wachtveitl als Sprecher

Aus: Deutschland

www.alpine-auskunft.de

Einst die Referenz für aktuelle Tourenbedingungen

in den Ostalpen. Ein Relaunch

mit Kartenfunktionen und neuem Layout

sollte noch mehr Bergsteiger anziehen,

bremste die Seite aber aus. Nach heftigster

Nutzerkritik haben die Betreiber von

der AV-Sektion Innsbruck die Seite wieder

umgestellt, denn: »Die Sicherheit steht

im Vordergrund«. Und die steigt, je mehr

Nutzer berichten. Mit dem gewohnten

System ist die neue, alte Seite wieder

un eingeschränkt empfehlenswert (und

smartphone-tauglich), Einträge sind ohne

Registrierung möglich.

–te–

18 Bergsteiger 12 ⁄13


TV-Programm November / Dezember 2013

11.11. | 12.55 | Arte

360° – Geo Reportage

Der weiße Berg von Feuerland

Dauer: 52 Min.

17.11. | 23.15 | Servus TV

AH

K2 – Schicksalsberg

im Himalaya

Dauer: 75 Min.

22.11. | 20.15 | Servus TV

AH

Bergwelten

Peter Aufschnaiter

Dauer: 62 Min.

26.11. | 21.00 | ZDF Kultur

Die European Outdoor

Film Tour

Dauer: 60 Min.

11.11. | 22.15 | N24

Amerika – Wildes Land

Berge

Dauer: 39 Min.

12.11. | 19.15 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise –

durch Europa Südtirol

Dauer: 57 Min.

13.11. | 7.45 | Arte

Auf Expeditionsreise durch

Tansania Die Klimawelt

des Kilimandscharo

Dauer: 43 Min.

13.11. | 21.15 | MDR

Biwak

Berge, Menschen, Abenteuer

Dauer: 30 Min.

J14.11. | 8.00 | ZDF Info

Das andere Ende der Welt

Winterreise durch Neuseeland

Dauer: 45 Min.

14.11. | 19.15 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise –

durch Europa Zypern

Dauer: 57 Min.

14.11. | 20.15 | N 3

Länder – Menschen –

Abenteuer

Zwischen Alpen und Triest

Dauer: 45 Min.

14.11. | 21.00 | N 3

Länder – Menschen –

Abenteuer

Die Alpen von oben

Dauer: 45 Min.

15.11. | 12.50 | Arte

360° – Geo Reportage

Spitzbergen – eisige Insel

Dauer: 52 Min.

16.11. | 19.00 | BR

natur exclusiv

Expedition Neuguinea

Dauer: 45 Min.

18.11. | 14.15 | N 3

Bilderbuch

Fichtelberg – Rund um

Sachsens höchsten Gipfel

Dauer: 45 Min.

18.11. | 15.15 | N 3

Auf dem Ob durch die Taiga

Eine Sommerreise

durch Sibirien

Dauer: 45 Min.

18.11. | 15.25 | Arte

Die neuen Paradiese

Costa Rica – Natur pur

Dauer: 26 Min.

J20.11. | 13.25 | 3sat AH

Abenteuer im Himalaya

Dauer: 30 Min.

20.11. | 19.15 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise –

durch Europa

Alpi Apuane

Dauer: 61 Min.

21.11. | 17.00 | 3sat

Wunderland: Der Hohgant

Eine Reise durch die Schweiz

Dauer: 45 Min.

21.11. | 17.45 | 3sat

Wunderland:

Das Val de Travers

Dauer: 45 Min.

21.11. | 19.15 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise –

durch Europa

Der wilde Tara Canyon

Dauer: 59 Min.

22.11. | 11.30 | N 3

In den Bergen des Himalaya

Yak!

Dauer: 45 Min.

22.11. | 19.15 | Servus TV

Aus dem Leben Mit dem

Ballon über die Alpen

Dauer: 30 Min.

23.11. | 7.30 | ZDF Neo

Bergretter im Himalaya

Einsatz am Everest

Dauer: 45 Min.

23.11. | 8.15 | ZDF Neo

Bergretter im Himalaya

Rettung am Manaslu

Dauer: 45 Min.

23.11. | 16.45 | alpha

Fernweh

Patagonien

Dauer: 25 Min.

24.11. | 10.15 | MDR

Wilde Pyrenäen

Berge des Lichts

Dauer: 43 Min.

24.11. | 14.25 | Servus TV

Naturparadies

Island – Land der Wunder

Dauer: 57 Min.

J24.11. | 19.25 | S: Disc. Channel

Naturwunder der Erde

Alaska

Dauer: 45 Min.

24.11. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Magazin

Dauer: 30 Min.

26.11. | 7.10 | ZDF Neo

Unterwegs zum Nordkap –

Winterreise durch

Skandinavien

Dauer: 45 Min.

26.11. | 14.45 | SWR

Bilderbuch

Neuschwanstein und die

Bergwelt des Märchenkönigs

Dauer: 45 Min.

26.11. | 15.15 | N 3

Winterreise durch Lappland

Leben jenseits

des Polarkreises

Dauer: 45 Min.

26.11. | 22.00 | SWR

Fahr mal hin

Im farbenfrohen

Schwarzwald – auf Rädern

durch den Naturpark

Dauer: 30 Min.

27.11. | 11.30 | HR

service: reisen

Erzgebirge

Dauer: 25 Min.

28.11. | 14.30 | HR

Costa Rica – Naturparadies

im Schatten der Vulkane

Dokumentation

Dauer: 45 Min.

29.11. | 6.30 | Phoenix

Winterreise

Von Usedom ins Gletschereis

Dauer: 45 Min.

29.11. | 15.15 | RBB Berlin

mareTV

Traumreise ins ewige Eis

Dauer: 45 Min.

1.12. | 18.45 | S: Disc. Channel

Naturwunder der Erde

Hawaii

Dauer: 48 Min.

J4.12. | 17.00 | 3sat

Indiens wilde Schönheit

Der Himalaya

Dauer: 45 Min.

6.12. | 23.55 | S: Disc. Channel

Everest: Spiel mit dem Tod

Der Wächter des Bergs

Dauer: 45 Min.

8.12. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Magazin

Dauer: 30 Min.

Das tagesaktuelle

TV-Programm finden Sie

auf bergsteiger.de

12 ⁄13 Bergsteiger 19


TITELTHEMA

Die

Herbst-Zeitlosen

Sonnenspots zum Verlängern der Bergsaison

Es ist ein ehernes Gesetz in den Alpen: Wenn der November beginnt,

lässt der Nebel nicht lange auf sich warten und die Sucherei nach

geeigneten Zielen geht los. Dabei muss die Jagd nach der letzten

Sonne der Bergsaison nicht zwingend im Süden enden.

Der Zahn der Zeit nagt am

Dolomitgestein der Grignetta

über dem Comer See.

Foto: Andreas Strauß

20 Bergsteiger 12 ⁄13


Angenommen, jeder Abschnitt einer

Bergsaison hat sein eigenes

Geräusch, an dem man ihn unter

allen anderen sofort wiedererkennt.

Das Klackern von

Tourenbindungen im Winter. Das Knirschen

auf Altschneefeldern im Frühling.

Das Klimpern der Kletterausrüstung im

Sommer, das Rascheln beim Laubschlurfen

im Herbst. Was aber steht für diese undefinierbare

Zeit zwischen Herbst und Winter,

wenn Hoch-, Früh- und Bodennebel nicht

nur alles Licht, sondern auch jedes Geräusch

verschlucken? Oft nur das Klatschen

von kaltem Regen ans Bürofenster.

Es ist das untrügliche Zeichen dafür, dass

der Bergsteiger seine Schäfchen im Trockenen

haben sollte. Die Hütten sind geschlossen,

die Bahnen in Revision. Für Hochtouren

liegt meist schon zu viel Neuschnee, für

Skitouren noch zu wenig. Klettern? Machen

die Finger nicht lange mit. Zum Wandern

sind die Tage zu kurz oder das Wetter zu

schmuddelig. Selten sind die Berge so verwaist

wie jetzt. Dabei hat der November

seine Momente, für die man all das in Kauf

nehmen würde – wenn sich die Sonne nur

ein bisschen öfter zeigen würde. Aber wo,

bitteschön, kann man sich jetzt noch einigermaßen

darauf verlassen?

Ja, es gibt sie wirklich, jene Bergwinkel,

in denen die Sonne noch Kraft hat, wenn

anderswo in den Alpen schon die Pfützen

gefrieren. Wo Mütze und Handschuhe im

Rucksack bleiben. Verwöhnte Regionen, wo

den Bewohnern das Wort »Nebel« nur selten

über die Lippen geht. Das Beste daran: Diese

Regionen haben sich so günstig über den Alpenbogen

verteilt, dass sich aus jeder Himmelsrichtung

ein verlängerter Wochenend-

Trip anbietet. Der Sonnen-Kompass zeigt

an: Das Rofan mit warmen Südhängen in

den Nordalpen, milde Hügel im Salzburger

Lungau im Osten. Im Süden ein Sonnenklassiker,

der Comer See. Im Westen mediterranes

Flair in den Baronnies.

Und was die Geräuschkulisse betrifft: Laut

wird es an keinem dieser Ziele. Kein Klackern

und kein Knirschen, kein Klimpern

und nur wenig Rascheln. Vor allem aber:

kein Schneematsch, sondern Sonne, Ruhe

und viel Platz für den ganz persönlichen

Saisonabschluss. Genießen Sie ihn!

Thomas Ebert

Foto: Andreas Strauß


Sonnenregion Lungau

Im Schutz der Tauern

1

O

Aussichts- und sonnenreich:

Kammwanderung zum Gumma

»Der Lungau ist der

von Niederschlägen

abgeschirmteste

Bereich im Osten.

Hier kann man

die Bergsaison gut

verlängern.«

Charly Gabl

KOMPAKT

Wandern am Rand des Salzburger Lands

Anreise: Mit dem Auto

über Salzburg und die Tauernautobahn

bis zur Ausfahrt

St. Michael; mit dem Zug über

Salzburg nach Tamsweg,

St. Andrä und Mauterndorf

Informationen:

Ferienregion Lungau, Rotkreuzgasse

100, 5582 St. Michael,

Tel. 00 43/(0) 64 77/89 88,

www.lungau.at, info@lungau.at

Karte: Kompass 1:50 000,

Blatt 67 »Lungau – Radstädter

Tauern«

Führer: Herwig Mayer

»Lungau – Radstädter

und Schladminger Tauern«,

Bergverlag Rother

Hütten und Gasthäuser,

die noch offen haben:

Ludlalm am Prebersee

(1514 m), ganzjährig geöffnet,

Tel. 00 43/(0) 64 74/75 52,

www.preber.at;

Wildbachhütte (1806 m), im

Winter in den Weihnachtsferien

durchgehend und dann bis

März an den Wochenenden,

Tel. 00 43/(0)6 64/4 10 75 13

oder (0) 64 84/3 28,

www.wildbachhuette.com;

Landhotel Gasthof Bauer

(1240 m) in Hintergöriach,

ganzjährig geöffnet,

Tel. 00 43/(0) 64 83/2 25,

www.sepp-bauer.at

Indoor-Tipps: Mittelalterliche

Burg Mauterndorf, Burg -

schenke ab Weihnachten bis

10. Januar täglich geöffnet,

Burg-Museum ab 31. Dezember

Di und Do 11–19 Uhr,

Abendführung Do 20 Uhr;

Private Mineraliensammlungen

in Inges Steingrotte in Mauterndorf

und im restaurierten

Troadkasten in Thomatal, nur

nach Voranmeldung: Tel. 00 43/

(0)6 64/2 14 51 97 (Thomatal),

Tel. 00 43/(0)6 60/

3 47 50 36 (Mauterndorf)

Foto: Bernd Ritschel (li.), Ferienregion Lungau (2)

22 Bergsteiger 12 ⁄13


Nur die Gipfel tragen schon weiße

Hauben: Herbst in St. Michael

TOUREN

Spätherbstliche Touren im Lungau

Auf der Südseite der Salzburger Tauernkette gelegen,

gilt der Lungau als eine der Sonnenregionen in den Alpen.

Selbst im Dezember kann man hier noch spätherbstliche

Wanderungen unternehmen.

Gralati-See (1816 m)

▶ leicht 4 Std.

580 Hm 580 Hm

Charakter: einfache Wanderung über

verwachsene Almweiden und durch wilde

Wälder zu einem versteckten Bergsee.

Ausgangspunkt: Laßhoferalm (1270 m)

etwa 5 km Mautstraße von Lessach

Route: Laßhoferalm – Untere Gamsenalm

(1400 m) – Hinteralmen – Wasserfall

– Golling-Anger (1650 m) – Mariellahütte

– Gralatisee – auf demselben Weg

zurück zur Laßhoferalm

Wiesberg und Wildbachhütte

(1806 m)

▶ leicht 5 Std.

1050 Hm 1050 Hm

Charakter: Sonnenreiche Wanderung

zu einem beliebten Aussichtspunkt.

Bei gutem Wetter und wenig Schnee lohnt

sich der unschwierige Aufstieg in zusätzlichen

1½ Std. zum Gumma, von dem

aus man die Nockberge im Süden und

die Tauern im Nordwesten im Blick hat.

Ausgangspunkt: St. Andrä im

Lungau (1055 m)

Einkehr: Wildbachhütte (1806 m);

Landhotel Gasthof Bauer (1240 m) in

Hintergöriach

Route: St. Andrä – Lasa (1190 m) –

Wildbachhütte (1806 m) – optionaler

Abstecher auf den Gumma (2315 m)

– Granglitzalmen (1839 m)

– Vordergöriach – Lasa –

St. Andrä

Lachriegel (2125 m)

Tourenkarte 8

Heftmitte

▶ leicht 5½ Std.

950 Hm 950 Hm

Charakter: Gemütliche Rundtour

durch das sagenumwobene Gebiet rund

um den Prebersee; der kleine Gipfel des

Lachriegel steht über dem Lessachtal

und bietet eine herrliche Aussicht bis in

die Hohen Tauern.

Ausgangspunkt: Prebersee (1514 m)

Einkehr: Ludlalm am Prebersee

(1514 m)

Route: Prebersee – Wagenberg (1402 m)

– Golzgraben – Golzalm – Preberhalterhütte

(1862 m) – Prodingerhütte

– Ösnerhütte

– Prebersee

Tourenkarte 7

Heftmitte

Die Wildbachhütte ist zu jeder Jahreszeit

einen Ausflug wert.

Schon von weitem hebt der Almbauer

die Hand zum Gruß. »Mein Hof ist

der höchstgelegene im Lungau«, verkündet

der Mann mit dem weißen

Vollbart stolz, als er den Wanderern hoch

über dem Lessachtal begegnet. Sein ausgestreckter

Arm zeigt auf den Weiler Wagenberg,

1402 Meter hoch gelegen. Darunter

fließen die Täler in eine Hochebene, die aus

einem Fleckenteppich von kleinen Ortschaften,

gelben Wiesen und dunklen Wäldern

mit goldfarbenen Tupfern besteht. Es ist Ende

November. Hie und da hat sich der Schnee

schon gegen die Sonne behaupten können.

Doch so richtig weiß leuchten nur die Gipfel

der Hohen Tauern im Nordwesten.

Der Lungau gilt als die Sonnenregion

schlechthin im Salzburger Land, zu dem

er aus geografischer Sicht gar nicht mehr

recht dazu gehört. Folgt man dem Murtal

nach Osten, kommt man bald an die Grenze

zur Steiermark. Bei den gelbbraunen

Graskuppen der Nockberge am südlichen

Horizont beginnt das Bundesland Kärnten.

Mit der fernen Landeshauptstadt Salzburg

verbindet den Lungau nur ein Jahrtausende

alter Übergang über den Radstädter Tauernpass

– und seit den 1970er-Jahren auch

der Tauerntunnel, durch den die Autobahn

führt. Sie brachte die Touristen in das beinahe

vergessene Tal, das einst eines der

wichtigsten Bergbaugebiete im Salzburger

Land gewesen ist.

In Bundschuh ließen die reichen Fürsten

im Mittelalter nach Gold und Silber schürfen

– mit Erfolg. Die zwei großen Mineraliensammlungen

in Thomatal und Mauterndorf

zeugen noch immer vom Reichtum,

der hier im Gestein schlummert. Trotzdem

wurde der Lungau Ende des 19. Jahrhunderts,

als die Bergwerke schlossen, zu einer

der ärmsten Regionen im Salzburger Land

– Schuld daran war unter anderem seine

vom Rest des Landes abgeschlossene Lage.

Doch die hatte auch ihr Gutes. Im Lungau

haben sich viele Traditionen erhalten, die

man sonst nurmehr selten findet: beispielsweise

die Art und Weise, wie man die Toten

hier bettet. Sogenannte Sarchen – schwarz

und silber bemalte Holzbretter – fassen

die Gräber auf dem Lessacher Friedhof ein.

Nur durch die kunstvollen schmiedeeiser-

nen Kreuze unterscheiden sich die Gräber.

Dann gibt es noch die reich verzierten

Troadkästen, in denen Getreide und andere

Lebensmittel aufbewahrt werden. Oder das

»Schöpserne«, ein Eintopfgericht mit dem

Fleisch von Jungschafen, die den Sommer

auf der Alm verbracht haben. Die Einheimischen

servieren das Kirchweihessen mit

Meerrettich, Preiselbeeren und gebratenen

Eachtlingen, einer regionalen Kartoffel-

Spezialität. Dass sie hier so gut gedeihen,

ist auch dem sonnigen Klima zu verdanken.

Und das wiederum gäbe es nicht ohne den

Schutzwall der Hohen Tauern im Nordwesten.

Dagmar Steigenberger

12 ⁄13 Bergsteiger 23


»Un cappuccino, per favore!«

2

Spätherbst

am Comer See

S

Zwei abweisende Häupter aus Dolomitgestein:

Grignone und Grignetta

KOMPAKT

Stille Bergtage rund um den Comer See

Anreise: Mit dem Auto

entweder übers Engadin zum

Comer See oder auf der Gotthard-Autobahn

nach Lugano

und weiter nach Menaggio am

Comer See. Mit der Bahn via

Basel/Zürich nach Mailand,

dann weiter nach Como bzw.

Lecco. Die Ortschaften am

Ostufer des Sees haben Bahnanschluss

(Sondrio-Linie),

sonst gute Busverbindungen,

Fähren nach Bellagio.

Informationen: ATP Lecco,

Via Nazario Sauro 6, I-23900

Lecco; Tel. 00 39/3 41/

36 23 60, www.aptlecco.com

Karte: Kompass

1:50 000, Blatt 91 »Lago di

Como – Lago di Lugano«

Führer: Eugen E. Hüsler

»Wanderführer Lago Maggiore,

Luganer und Comer See«,

Bruckmann Verlag, München;

Eugen E. Hüsler »Wanderführer

Comer See«, Bergverlag

Rother

Hütten bzw. Hotels:

Die Berghütten rund um den

Comer See sind teilweise

über den Winter geöffnet und

bewirtschaftet, aber nur an den

Wochenenden. Vorher unbedingt

erkundigen! Viele Hotels

halten Winterruhe. Empfehlenswertes,

romantisch gelegenes

Haus am Rand von Lecco (drei

Sterne): Hotel Don Abbondio,

Piazza Era 10, I-23900 Lecco;

Tel. 0341/36 63 15,

www.donabbondio.com

Indoor-Tipps: Feine

regio nale Küche bietet das

Ristorante Vecchia Varenna,

Via Scoscesa 14, in Varenna

(Mo/Di geschlossen). Ein

Spaziergang durch die Altstadt

von Como ist jetzt sehr stimmungsvoll

– kaum Touristen

unterwegs. Einen Besuch wert

ist das Seidenmuseum in

Como (Via Castelnuovo 9).

In Lecco wandelt man auf

den Spuren von Alessandro

Manzoni, dem Verfasser

des berühmten Liebesromans

»Die Verlobten«.

»Im Comer-See-Gebiet

gibt es zwar im

Spätherbst hin und

wieder Hoch nebel.

Von den Temperaturen

her bleibt es aber

angenehm mild.«

Charly Gabl

24 Bergsteiger 12 ⁄13


Fotos: Andreas Strauß

TOUREN

Wanderungen für Sonnenhungrige

Wenn andernorts der erste Schnee liegen bleibt, bietet der

Comer See eine wahre Tourenfülle. Wir schlagen Ihnen drei vor.

Monte Barro (922 m)

▶ mittel 3¼ Std.

550 Hm 550 Hm

Charakter: Der eigenartige Inselberg

über dem Abfl uss des Comer Sees bietet

eine prächtige Aussicht und zahlreiche

historische Reminiszenzen. Das bestens

ausgeschilderte Wegnetz ermöglicht verschiedene

Rundtouren.

Ausgangspunkt: Galbiate (371 m)

Einkehr: Ristorante Eremo Monte Barro

Route: Galbiate – Primo Corno (814 m)

– Monte Barro – Eremo

Monte Barro (741 m) –

Galbiate

Monte San Primo (1688 m)

Tourenkarte 9

Heftmitte

▶ leicht 5½ Std.

560 Hm 560 Hm

Charakter: Als höchste Erhebung zwischen

den beiden südlichen Armen des Comer

Sees ermöglicht der Gipfel des Monte

San Primo eine umfassende Aussicht auf

die Berge der Region. Der Anstieg von der

Südseite ist nicht nur sonnenverwöhnt,

Es nieselt und nässelt, dass die Seele

fröstelt. Wenn es wenigstens richtig

regnen würde, mit anständigen

Tropfen. Das geht vorbei, bald hat

es sich ausgeregnet, dann scheint sicher die

Sonne wieder.

Nein, es ist einfach feucht, klamm. Sogar

die Vögel, falls sie nicht längst über alle

Berge sind, verstummen. Novemberblues in

München, in ganz Bayern: bonjour tristesse!

sondern auch wenig anstrengend.

Ausgangspunkt: Colma del Piano (1124

m), Straßenpass zwischen dem Westarm

des Comer Sees und dem Valassina

Route: Colma del Piano – Colma dei

Cippei (1185 m) – Alpe Spessola

(1237 m) – Cima del

Costone (1614 m) –

Monte San Primo

Monte Grona (1736 m)

Tourenkarte 10

Heftmitte

▶ mittel 4½ Std.

700 Hm 700 Hm

Charakter: Toller Aussichtsberg mit mehreren

markierten Anstiegen, faszinierende

Tiefblicke auf den Comer und den Luganer

See. Dazu gibt es noch einen knackigen

Klettersteig, die »Via ferrata del Centenario«

(K 5) – solo per esperti!

Ausgangspunkt: Parkplatz (ca. 1080 m)

oberhalb der Monti di Breglia; Anfahrt von

Menaggio via Breglia

Einkehr: Rifugio Menaggio (1383 m)

Route: Parkplatz – Rifugio Menaggio –

»Panoramaweg« oder »Direttissima« –

Monte Grona Forcoletta – Kapelle San

Amate – Parkplatz

Balsam für die Bergsteigerseele

Da hilft nur eines: weg. Irgendwohin, wo das

Quecksilber vormittags zweistellige Werte

erreicht und die Sonne um halb neun ihren

Dienst antritt. Der dauert auch im November

noch mehr als acht Stunden, und allein

diese Tatsache wärmt die Bergsteigerseele

von innen. Die möchte nämlich hinaus und

hinauf, bevor der Winter das Zepter in die

Hand nimmt, die Leute plötzlich schwer vermummt

herumlaufen, husten und auf dem

Schneematsch herumrutschen.

Es nieselt, nässelt. Aber nicht mehr lange.

Schon im Engadin kommt die Sonne heraus;

kein Wunder, St. Moritz hat sie sich

für seinen Schriftzug sogar marktgerecht

schützen lassen. Hinter dem Grenzort Promontogno

gehört die gleißende Kugel nicht

mehr geschäftstüchtigen Schweizern, sondern

wieder der ganzen Welt, und eine

Stunde später liegt er vor mir: der Comer

See. In Bellagio, unter den Uferarkaden dieser

»Perle des Lario«, sitzt man bei einem

Cappuccino in der Sonne, schaut hinüber

nach Menaggio und Cadenabbia. Sanft

gekräuselt sein Wasser, in mildes Licht

getaucht die Berge, die den zweibeinigen

Alpenfjord bewachen, schroffe Riesen mit

weißen Häuptern. Dort hinauf geht es

nicht, der Abstecher an den Alpensüdrand

soll ja kein Vorgriff auf den Winter werden.

Um die tausend Höhenmeter dürfen es aber

schon sein, südseitig und fein besonnt, und

ein bisschen schwitzen – na klar! Der

Monte Coltegnone (1473 m), dieser felsige

Schiffsbug der Grigne, direkt über Lecco,

der Stadt Manzonis und der Stahlwerke, in

den Himmel ragend, ist da ein Kandidat.

Wer’s gemütlicher mag, nimmt sich den

Höchster Aussichtsplatz rund um den Comer See:

am 2609 Meter hohen Monte Legnone

Monte San Primo vor, mit Start am Colma

del Piano, wo im Oktober noch die Radprofis

der Lombardei-Rundfahrt vorbeirauschten.

Das »Rennen der fallenden Blätter« markiert

ihren Saisonabschluss, für die Wanderer

aber geht es weiter. Eher flach als steil

ist die Besteigung des höchsten Gipfels im

Triangolo, dem Dreieck zwischen den beiden

Südarmen des Comer Sees. Das stört

aber nicht, denn vom Gipfel bietet der Monte

San Primo (1686 m) an einem glasklaren

Novembertag ein Panorama, dass die Augen

übergehen. Nah und fern, flach und schroff,

Wasser und Fels sind unter dem weiten Firmament

einträchtig vereint. Das Sommergrün

fehlt allerdings weitgehend, dafür

tragen die Alpengipfel schon weiße Kappen.

Eine Herde großer Brocken

Da sitzt man dort oben im Gras und zählt die

Schäfchen, pardon: die Gipfel. Eine beachtliche

Herde mit großen Brocken wie dem

Finsteraarhorn, dem Monte Rosa oder dem

Monviso. Spannend ist auch die nähere Umgebung,

vor allem, wenn man ein paar späte

Sonnentage am Lago verbringen und dabei

nicht nur Kaffee schlürfen möchte. Genau

im Osten, vor und unterhalb des Grignone,

erhebt sich der Zucco di Sileggio (1373 m),

auch mit einem Prachtblick auf den See.

Praktisch das ganze Jahr über lassen sich die

Corni di Canzo (1373 m) und der Monte Moregallo

(1276 m) besteigen, auch der Monte

Rai (1261 m), der trotz seines Namens kein

TV-Programm liefert, aber eine ganz bezaubernde

Fernsicht bis zum Apennin. Kunstfreunde

wandern zu seinem Südfuß, wo mit

San Pietro al Monte ein Juwel der lombardischen

Romanik zu bestaunen ist.

Die Wahl der Qual. Die bietet der Comer

See eben, bei all den verlockenden Gipfeln,

Wegen und Klettersteigen. Da bleibt wohl

nur eines: bald wiederkommen, wenn der

Winter vorbei ist und die warme Jahreszeit

vor der Tür steht. Sogar in nördlicheren Gefilden.

Eugen E. Hüsler

12 ⁄13 Bergsteiger 25


Les Baronnies, die unbekannte Provence

Im Lavendel

3

W

Über den beiden Kirchtürmen von Rosans

erheben sich die Provenzalischen Alpen.

KOMPAKT

Herbstlust in den provenzalischen Alpen

»In den provenzalischen

Alpen herrschen

oft bis in den Dezember

hinein angenehme

Wandertemperaturen

von 13 bis15 Grad

Celsius vor.«

Charly Gabl

Anreise: Mit dem Zug bis

Orange. Dann Bus (Ligne 37)

zwischen Orange, Nyons,

Rosans, Rémuzat und

La Motte-Chalancon. Mit dem

Auto Genf – Grenoble –

Montélimar. Von der Autobahn

ab und über Grignan nach

Nyons (D541). Weiter auf der

D94 nach Rémuzat und La

Motte-Chalancon.

Karten: IGN Top 25,

Blätter 3138 OT »Dieulefi t.

St-Nazaire-le-Désert.Forêt

de Saou«; Blatt 3139 OT

»Nyons.Rémuzat.Baronnies«;

Blatt 3239 »Rosans.Orpierre«

Führer: Über die Baronnies

fi ndet sich nur wenig auf

deutsch: Jeweils ein kurzes

Kapitel versteckt sich in

»Südfrankreich« sowie in

»Haute-Provence«, beide von

Ralf Nestmeyer, Michael Müller

Verlag. Einziger Wanderführer:

Iris Kürschner »Dauphiné

West«, Bergverlag Rother

Informationen: Offi ce de

Tourisme, Place du Champ de

Mars, F-26510 Rémuzat,

Tel. 00 33/4/75 27 85 71,

www.remuzat.com

Unterkunft-Tipps:

Chambres d’Hôtes Les Bayles,

Tel. 00 33/4/75 27 24 38

oder 00 33/6/87 33 43 76,

www.lesbayles.com. Aussichtsreich

6 km nordwestlich von

la Motte-Chalancon gelegen;

Frédéric kocht wunderbar.

Le Château de Rosans, Harriet

und Marcel van der Hulst,

Place du Château, F-05150

Rosans, Tel. 0033/4/

92 66 64 73 oder 0033/6/

88 64 06 23, www.chateaurosans.com.

Nostalgisches

Schloss mitten in Rosans.

Die holländischen Gastgeber

sprechen deutsch.

Provenzalische Märkte:

Mo: La Motte-Chalancon;

Di: Vaison-la-Romaine;

Mi: Rémuzat; Di/Do: Nyons,

Laragne, Veynes; Fr: Châtillonen-Dios;

Sa: Serres

Schlechtwetter-Tipp

Nyons mit seiner antiken

Altstadt ist das Mekka der

Oliven. Es gibt ein Oliven-

Museum, ein Oliven-Institut,

einen Oliven-Lehrpfad –

einfach umschauen!

Fotos: Iris Kürschner

26 Bergsteiger 12 ⁄13


Lager aus lebenden Latschen:

am Gipfel des Cougoir

»La période des amours chez les vautours

se déroule en hiver«, sagt Christian

Tessier von der Association Vautours

en Baronnies in Rémuzat. Soll

heißen: Die Liebesflüge der Geier finden

im Winter statt. Nur nicht in den Alpen,

mag man sich als Bergsteiger denken, wo

Schnee und Eis scheinbar alles Leben gefrieren

lässt. In den Baronnies dagegen werden

im Spätherbst und Winter noch Trüffel

geerntet. Frédéric François vom Chambres

d’Hôtes Les Bayles hält sich eigens dafür ein

Schwein. Mit dessen feiner Grunznase findet

er die edlen Pilze, die so kostbar sind,

dass man sie schwarze Diamanten nennt.

Zugleich ist bis Januar Jagdsaison und

Frédéric leidenschaftlicher Jäger. So kommen

die Gäste seiner Unterkunft sowohl in

den Genuss von Trüffel- wie auch von Wildgerichten

– zwei gute Gründe, während

der kalten Jahreszeit in den Süden zu entfliehen.

Der dritte ist das Klima: Wenn bei

uns schon Schnee die Berge einkleidet, lässt

sich im Südosten Frankreichs noch bei milden

Temperaturen wunderbar wandern.

Das Tor ins Mediterrane

Kaum einer kennt die Baronnies, den

Landstrich südlich des Mont Ventoux und

der Montagne de Lure, die den Beginn der

eigentlichen Provence markieren, Dabei

findet sich in dem ariden Hügelland alles

Liebenswerte der »großen« Provence – und

das selbst zur Hauptsaison ganz ohne den

üblichen Touristenandrang. Klimatisch

fängt die Provence nämlich viel früher an.

Ein Sprichwort sagt: »C’est à Valence, que

le Midi commence«. Die Hauptstadt des

Départements Drôme gilt als das Tor ins

Mediterrane, ins Reich der Sonne, wo Thymian

und Lavendel um die Wette duften.

Und in der Tat ändert sich die Landschaft.

Die Gegend wird karger und spröder, je

weiter man in die Drôme provençale vordringt.

Wandern zwischen Ginster und

Lavendel, zwischen Kräutern und Garrigue

heißt es um La Motte-Chalancon, Rémuzat

und Rosans, in einer dünn besiedelten

provenzalischen Landschaft, die sich

wie ein offenes Geologiebuch lesen lässt.

Grandiose Auffaltungen und Gesteinsumwälzungen

erzählen von der Entstehung

der Alpen. Nicht selten findet man Meeresversteinerungen

im Fels. Mit dem weichen

TOUREN

Die Lavendelalpen im Spätherbst

Wenn die Olivenernte ansteht, die Trüffelsuche und Jagdsaison

beginnt, locken die Baronnies in den provenzalischen Alpen.

Rocher du Caire – Rocher de

St-Auban (1048 m)

▶ schwierig 4½ Std.

600 Hm 600 Hm

Charakter: Der Aufstieg auf die schroff

zum archaischen Dorf Rémuzat abbrechenden

Geierfelsen ist recht exponiert

mit klettersteigähnlicher Passage (Leiter,

Seile). Trittsicherheit und Schwindelfreiheit

sind Voraussetzung. Fernglas zur

Geierbeobachtung nicht vergessen!

Ausgangspunkt: Rémuzat (448 m) an

der D 94 zwischen Nyons und Rosans.

Parkplatz an der Brücke.

Route: Rémuzat – Rocher du

Caire – Col de St-May –

Rémuzat

Tourenkarte 11

Heftmitte

Rocher de Chalancon (1025 m)

▶ leicht 3¼ Std.

270 Hm 270 Hm

Charakter: Von Les Bayles bis Chalancon

zum großen Teil auf bequemer Fahrpiste.

Dann folgt eine aussichtsreiche Runde

zum großen Teil auf steinigen Pfaden,

die etwas Trittsicherheit verlangen. Eine

heikle Passage im letzten Abstieg nach

Chalancon ist mit Seilen entschärft.

Kalkgestein hatte die Erosion leichtes Spiel,

ein Mosaik aus Schluchten und Kreten zu

modellieren. Bizarre Kalkriffe laden zu

Touren mit Blick auf den vergletscherten

Alpenhauptkamm ein. Ein Highlight sind

die Geierfelsen im Oule-Tal. Am Rocher du

Caire und Rocher de St-Auban im Herzen

der Baronnies fliegen einem die seit 1992

erfolgreich wieder angesiedelten Mönchsund

Gänsegeier über den Kopf. Sogenannte

»villages perchés« sind charakteristisch für

die Baronnies, Bergdörfer mittelalterlichen

Ursprungs, manche längst verlassen oder

nur noch spärlich bewohnt, andere wiederbelebt

durch Aussteiger, die mit Töpfereien,

Ausgangspunkt: Les Bayles (760 m).

Abzweig von der D 135 1,5 km nach

La Motte-Chalancon Richtung Chalancon.

Route: Les Bayles – Chalancon –

Rocher de Chalancon – Ferme du Serre

la Croix – retour

Variante: Klettersteig am Fuße des Rocher

de Chalancon: Via Ferrata du Pas de

L’Echelle; Länge 650 m, 198 Hm, 1½ Std.,

Abstieg vom Gipfel des Tête du Chien

(980 m) 20 Min. zurück

zum Ausgangspunkt.

Tourenkarte 12

Heftmitte

Montagne de Raton (1473 m)

▶ mittel 6½ Std.

785 Hm 785 Hm

Charakter: Der »Chemin du Facteur«

ist ein schmaler, gelb markierter Pfad

durch duftenden Lavendel und Kiefernwald.

Vom Col de la Fromagère weiter

auf einer Forstpiste. Vom Pas de Pousterle

weisen Steinmännchen zur Bergerie

de Staton. Vom Col de Staton folgt man

einem Bergrücken bis Raton, von wo

eine Straße zurück nach Rosans führt.

Ausgangspunkt: Rosans (690 m),

Parkplatz am Château.

Route: Rosans – Col de la Fromagère

– Montagne de Raton – Bergerie de

Staton – retour

Schafzucht oder dem Anbieten von Chambres

d’Hôtes (private Gästezimmer) einen

neuen Lebenssinn gefunden haben. So wie

Frédéric in Les Bayles, einem Ort, »wo sich

die Schäfer trafen«. Herrlich lässt sich dort

der Rocher de Chalancon besteigen und zugleich

ein Klettersteig »mitnehmen«.

In Rosans, einen Katzensprung weiter südöstlich,

verläuft eine ansprechende Tour

auf dem »Chemin du Facteur«, dem Briefträgerweg.

Noch bis 1925 wurde die Post zu

Fuß zum Nachbardorf gebracht. Und wenn

das Wetter einmal nicht so passt, gibt es in

Nyons, Hauptort der Baronnies, Kurzweil

zum Thema Olive. Iris Kürschner

12 ⁄13 Bergsteiger 27


Auf der Sonnenseite des Rofan

4

Der Hang

zum Glück

N

Sonnenverwöhntes Wandergelände

auf dem Weg zur Bayreuther Hütte

TOUREN

Die Sonnenhänge des Rofan

Wir haben drei Touren für Sie ausgewählt, die man mit etwas

Glück noch spät im Jahr ohne Schnee erwandern kann.

Bayreuther Hütte (1600 m)

▶ mittel 5 Std.

1050 Hm 1050 Hm

Charakter: Steiler, dafür aber abwechslungsreicher

Anstieg, der etwas Kondition

erfordert. Keinerlei technische Schwierigkeiten.

Ausgangspunkt: Münster (534 m)

Route: Münster – Bayreuther

Hütte – Münster

Streichkopf (2243 m)

Tourenkarte 5

Heftmitte

▶ mittel 6 Std.

1250 Hm 1250 Hm

Charakter: Landschaftlich äußerst schöner

und abwechslungsreicher Anstieg.

Für den Streichkopf sollte man über eine

solide Kondition verfügen. Keine technischen

Schwierigkeiten.

Route: Maurach/Buchau – Teisslalm –

Dalfazalm – Streichkopf – Dalfazalm –

Teissl alm – Maurach/Buchau

Gschöllkopf (2039 m)

Tourenkarte 6

Heftmitte

▶ mittel 4½ Std.

1040 Hm 1040 Hm

Charakter: Zunächst waldreicher, dann

immer freier werdender Südanstieg zu

tollem Aussichtsgipfel. Für den Gipfelanstieg

ist etwas Trittsicherheit erforderlich.

Route: Maurach, Talstation Seilbahn

– Mauritzalm Hochleger – Gschöllkopf

– Mauritzalm Hochleger – Maurach,

Talstation Seilbahn

»Wenn sich noch keine

Schneedecke gebildet

hat, eignen sich die

Südhänge des Rofan

wunderbar zum

Wandern – oft noch

bis in den Dezember.«

Charly Gabl

28 Bergsteiger 12 ⁄13


Fotos: Michael Pröttel

KOMPAKT

Achensee und mehr

Anreise: Von München über die A8 bis

Holzkirchen und weiter über den Tegernsee

bis zum Achensee. Von Innsbruck über die

A12 bis Jenbach und weiter zum Achensee.

Informationen: Achensee Tourismus,

Im Rathaus 387, 6215 Achenkirch,

Tel. 00 43/52 46/53 00-0

Karte: AV-Karte 1:25 000, Blatt 6 »Rofan«

Führer: Mark Zahel »Tourenführer Karwendel

– Rofan«, Bruckmann Verlag 2008;

Rudolf Wutscher »Achensee und Brandenberger

Tal«, Bergverlag Rother 2013

Hütten, die noch offen haben:

Rodelhütte Jenbach (920 m) südlich des

Achensees, Do Ruhetag; Silberwaldhütte in

Steinberg (Wochenende geöffnet)

Wer jemals vom Achensee aus

das Rofan unter seine Bergschuhe

genommen hat, der

weiß: Die meisten Gipfel des

kleinen Gebirges stürzen mit schattigen

Steilwänden nach Norden hin ab, bieten

aber auf ihren Südseiten ideales und vor

allem sonnenverwöhntes Wandergelände.

Den wenigsten Bergsteigern ist hingegen

bewusst: Es geht noch eine Nummer wärmer.

Und zwar indem man eine Etage darunter,

nämlich im 550 Meter tief gelegenen

Inntal startet, um beispielsweise zur Bayreuther

Hütte zu wandern.

Start im Parterre

Den Fehler, dieses Unterfangen an einem

heißen Julitag in Angriff zu nehmen,

macht man garantiert nur einmal. Für die

Monate, die auf –r enden, besonders aber

den Frühwinter, ist der steile Südanstieg dagegen

ein Geheimtipp. Vor allem, wenn auf

der kalten Seite der Nördlichen Kalkalpen

bergschuhtechnisch »scho nix mehr geht«.

Am Ende der etwas mehr als 1000 Höhenmeter

belohnt den Bergsteiger zwar kein

richtiger Gipfel, und es gibt auch keine

frische Radlerhalbe. Wegen der überwältigenden

Aussicht von der (von Mitte Oktober

an geschlossenen) Bayreuther Hütte auf

das Inntal und den dahinter aufragenden

Alpenhauptkamm lohnt sich die Anstrengung

aber allemal.

Wirklich konditionsstarke Gipfelsammler

werden damit liebäugeln, von der Hütte

aus noch das Vordere Sonnwendjoch zu erklimmen.

Für eine so lange Tagestour muss

man zu dieser Jahreszeit aber eher im Dunkeln

starten und darf 1700 satte Höhenmeter

nicht scheuen.

Brotzeitplatz mit schöner Aussicht, aber

im Winter ohne Bedienung: die Dalfazalm

Ein Stockwerk höher hinaus

Wer zum Saisonende auf derartige Märsche,

nicht aber auf einen Gipfel verzichten

möchte, sollte sein Spätherbst-Glück

im nächst höher gelegenen Stockwerk

versuchen. Vom knapp 1000 Meter hoch

gelegenen Maurach aus ist ein Ziel wie

der Streichkopf kein Hexenwerk, zumal er

über einen besonders abwechslungsreichen

Südanstieg erfolgt. Vom Ortsteil Buchau

aus geht es mit einem obligatorischen Abstecher

zum Dalfazer Wasserfall zunächst

zur gleichnamigen Alm. Nicht zuletzt weil

hier der steilste Teil des Anstiegs geschafft

ist, wird man jetzt zum ersten Mal den

Rucksack absetzen und bei Traumblicken

auf den Achensee in die selbst mitgebrachte

Brotzeit beißen. Denn auch bei der Dalfazalm

wird man im Winterhalbjahr vergeblich

auf eine Bedienung warten.

Im Anschluss gibt das wunderschöne, zwischen

Klobenjoch und Dalfazer Wänden

eingebettete Hochtal den Weiterweg ohne

Orientierungsprobleme vor. Nachdem man

das markant eingeschnittene Steinerne Tor

links liegen gelassen hat, steht man auch

schon am Fuß des südwest-exponierten

Gipfelhangs. Der stellt auch bei ein wenig

Neuschnee kein größeres Problem dar.

Oben angekommen wird man wahrscheinlich

nur einen kurzen, fröstelnden Blick in

die Nordflanke werfen, um sich sogleich

wieder der weichen Spätherbstsonne zuzuwenden.

Ruhe vor dem Sturm

Das frühwinterliche »Rofan-Trio« macht ein

Gipfel komplett, um den nicht nur Naturliebhaber

seit 2007 einen Bogen machen.

Damals wurde der Gschöllkopf nämlich mit

einem sogenannten Skyglider ausgestattet,

durch den Ausflügler mit 80 Sachen gen Tal

rauschen. Zur Revisionszeit der Rofan Seilbahn

(November bis Anfang Dezember) ist

diese »Funpark-Attraktion« außer Betrieb,

was genau diese Zeit für die Besteigung

prädestiniert. Schließlich kann auch beim

südexponierten Anstieg auf den Hausberg

der Erfurter Hütte die Sonne ihre ganze

Kraft entfalten.

Michael Pröttel ◀

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Fernab der Zivilisation: Alexander Ruchkin in der

Antarktis über dem Wolkenmeer (Ulvetanna, 2931 m)

Wetterexperte Charly Gabl im BERGSTEIGER-Interview

Stürmische Zeiten

Er ist selbst Berg- und Skiführer und machte in den 1970er-Jahren

mit Winter-Erstbegehungen auf sich aufmerksam. Alpinisten

aber halten den Meteorologen Karl «Charly« Gabl, 66, aus Innsbruck

vor allem für ein Vorhersage-Genie. Gerlinde Kaltenbrunner und

Ralf Dujmovits singen Loblieder auf ihn. Nun erscheint sein neues

Buch »Bergwetter«. Michael Ruhland sprach mit dem Wetterpapst.

BERGSTEIGER: Wie verlässlich sind Wettervorhersagen

für eine ganze Woche?

Charly Gabl: Sie sind qualitativ wesentlich

besser als früher. Und es ist natürlich viel

besser, eine Prognose zu haben, die zu 70

Prozent stimmt, als eine, auf die man sich

überhaupt nicht verlassen kann.

Sie sprechen aus leidvoller Erfahrung?

Anfang der 1970er-Jahre hat es uns in der

Ortler-Nordwand erwischt. Wir wären wegen

einer Fehlprognose beinahe erfroren.

Man muss sich auch heute noch auf Fehlprognosen

einstellen und selbst beobachten:

Kommt die Schlechtwetterfront etwas

schneller? Zeitliche Reserven sind ganz

wichtig. Im Allgemeinen gilt: Die Prognosen

sind inzwischen gut brauchbar. Ich leide

aber oft mit den Hüttenwirten mit.

Warum das denn?

Die Leute fangen schon am Montag an, fürs

Wochenende zu planen. Dann ist die Fehlprognose

programmiert – gerade bei sehr

turbulenten Witterungslagen. Und der Hüttenwirt

sitzt bei wolkenlosem Himmel auf

seinen Würsten, nur weil die Leute nicht

geduldig sind. Sie gehen nicht auf die Vernagthütte

und die Wildspitze bei schlechter

Prognose. Alle wollen sicherste Verhältnisse.

Sie plädieren für mehr Eigeninitiative?

Wenn bei einer Tour mal ein Schauer niedergeht

oder kräftige Wolkenspiele zu

sehen sind, tut das weder dem Gletscher

noch dem Bergsteiger etwas. Im Gegenteil:

Das kann sehr eindrucksvoll sein. Mir hat

es immer am meisten zugesetzt, wenn ich

den Hüttenwirten mit Wochenprognosen

das Geschäft vermasselt habe. Wir hatten in

Tirol sogar mal eine Krisensitzung deshalb.

Klingt dramatisch.

Ein sehr engagierter Hüttenwirt für Wetterprognosen

und Lawinenlage war Horst

Fankhauser von der Franz-Senn-Hütte. Wir

diskutierten mehrmals über die Folgen von

Fehlprognosen, meistens musste ich ihm

Recht geben. Denn die Leute planen einfach

schon so früh.

Gilt denn die Regel: Drei Tage im Voraus

kann man sagen, wie’s Wetter wird?

Ja. Zu mindestens 90 Prozent. Das Problem

ist nach wie vor, dass, wenn eine Kaltfront

angekündigt ist, es durch den Föhn Verzögerungen

geben kann. Sie kommt aber. Und

die Temperaturprognosen sind durch Modellrechnungen

inzwischen phantastisch.

Man muss die Tourenplanung anpassen:

Ich wähle ein Ziel aus, bei dem ich eine Umkehrmöglichkeit

habe; einen Unterstand.

Wer ein bisschen flexibel ist, kann immer

Bergunternehmungen machen.

Andererseits überschätzen sich Bergwanderer

zunehmend.

Vor zwei Jahren starb eine Frau am Hochkönig

– 60 Meter von der Hütte entfernt. Sie

war erschöpft und unterkühlt. Noch dazu

verschlechterte sich das Wetter. Ich halte diese

sehr schwierigen Klettersteige für großen

Nonsens. Die Wanderer wollen steile Wände

genießen, an die sie sonst nicht hinkommen

– sind aber keine Spitzenathleten. Klettersteige

der Kategorie E sind total pervers.

Fotos: Thomas Senf (2), Joachim Stark

30 Bergsteiger 12 ⁄13


Ideal zur Tourenplanung:

Das Praxiswissen vom Profi

Karl Gabl, »Bergwetter«,

erscheint am 30. Oktober

im Bruckmann Verlag

und kostet 19,99 Euro.

Wenn die Front kommt: Charly Gabl empfiehlt,

bei Touren Zeitreserven einzubauen. min ra al

Für große Expeditionen können Ihre punktgenauen

Vorhersagen per Satellitentelefon

entscheidend sein über Leben und Tod. Sie

stehen zum Beispiel mit Gerlinde Kaltenbrunner

oder Simone Moro in Verbindung.

Wie gehen Sie mit der Verantwortung um?

Leider bin ich ein emotionaler Typ. Es belastet

mich schwer. Vor allem wenn Freunde

sterben. Im Juli ist Artur Hajzer am Gasherbrum

I tödlich verunglückt. Den hatte ich

über Jahre beraten. Das tut mir weh. Oft stehe

ich in der Nacht auf, wenn ich in extremen

Situationen beraten habe, und schaue

im Internet, ob der Wetterballon den Wind

anzeigt, den ich prognostiziert hatte. Ob die

Kaltfront noch weit weg ist und und und.

Andererseits konnte ich vielen Bergsteigern

helfen, gut auf den Berg und wieder zurück

zum Lager zu kommen.

Die Liste der Höhenbergsteiger, die Ihnen

zu Dank verpflichtet sind, ist lang.

Ich habe meine Vorhersagen im Rahmen

des Alpenverein-Wetterdienstes gemacht.

Ich war Beamter, ich wollte kein Geld für

meine Zusatzleistungen. Ich wurde oft gefragt,

warum ich das gratis mache und dafür

nichts verlange. Aber soll ich denn am

Ende einer Witwe eine Rechnung schicken?

Was empfehlen Sie dem Normal-Bergsteiger

zur Vorbereitung?

Im Internet gibt es tolle Seiten, darauf habe

ich auch in meinem Buch verwiesen. Mit wenigen

Mausklicks bekommt man eine Prognose

für die nächsten fünf Tage. Da braucht

man nicht viel meteorologisches Wissen. Ich

möchte, dass Bergsteiger eine gewisse Sensibilität

für den Faktor »Wetter« entwickeln.

Die globale Erwärmung ist wissenschaftlich

belegt. Ist es schwieriger geworden, das

Wetter vorherzusagen?

Nein. Aber die Intensität hat zugenommen.

Stürme werden extremer, Niederschläge

ebenso. Ist auch logisch: Wenn die Luft eineinhalb

Grad wärmer ist als früher, dann

kann sie mehr Feuchtigkeit aufnehmen.

Das ist ein riesiges Energiepotential. Ich bin

kein Mensch, der Panik macht. Aber unsere

Gesellschaft lebt weit über ihre Verhältnisse.

Was halten Sie von Bauernregeln?

Sie funktionieren nicht. Die Vorhersimulationen

des Wetters sind derart komplex, dass

die schnellsten Computer dafür verwendet

werden. Es gibt nur eine goldene Regel für

Bergsteiger: Wetterbericht schauen, hören

und Eigenbeobachtungen treffen.

Sind Sie ein Schönwetter-Bergsteiger?

Ich war mit meinen 66 Jahren noch auf einem

7000er. Ich gehe immer, aber ich passe

das Ziel meinem Können an.

Und wie wird der kommende Winter?

In solchen Fragen rufe ich immer bei den

Indianern in Nordamerika an. Wenn sie

viel Holz sammeln, wird’s ein strenger Winter,

wenn wenig, wird’s eher milder. ◀

ERFAHRUNG, QUALITÄT, KOMPETENZ AM BERG.

(Foto: Josef Mallaun)

DIE BERGE SIND UNSER ZUHAUSE. ZU JEDER ZEIT.

Mehr als ein Gefühl: Daheim sein

heißt für uns, die schönsten Momente

gemeinsam geniessen.

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REPORTAGE

Stille in der Weite: der Meditationsweg

bei Unterammergau

Das andere Wandern – wallfahren, meditieren, philosophieren

Auf dem Weg zu

Willkommen im Labyrinth.

Innen wie außen

löst sich der Weg vor

einem im dichten Nebel

auf. In der Außenwelt muss

irgendwo dahinter das erste Etappenziel

sein. Manfred Rühl, der die Pilgergruppe

als wandernder Philosoph anführt, hat den

Namen des Ortes erwähnt. Aber die Erinnerung

daran ist ebenso getrübt wie die Sicht.

»Wer bist du wirklich?« Diese Frage hat

Rühl seinen Schützlingen eine Stunde nach

der ersten Vorstellungsrunde gestellt. Bergjournalisten,

Radioreporter, Angestellte in

der Tourismusbranche sind dabei. Aber wer

sind sie wirklich? Wohin wollen sie?

Der zerborstene Felsen

In zwei Tagen wird die Gruppe in Mariazell

in der Obersteiermark ankommen, dem bekanntesten

Pilgerort in Österreich, dessen

Gründung auf einen Mönch namens Magnus

vom Stift St. Lamprecht zurückgeht. Er

war im Jahr 1157 mit seiner aus Lindenholz

geschnitzten Marienstatue auf dem Weg ins

Zellertal, als ihm ein Felsen den Weg versperrte.

Nach einigen Tagen des Wartens

zerbarst der Felsen, was der Mönch auf die

Wunderkräfte der Statue zurückführte. Am

Ende seiner Reise errichtete er um die auf

einen Baumstrunk stehende »Maria in der

Zelle« die erste Kapelle, um die sich später

der Ort Mariazell bildete. Es gibt keine Märtyrer

und keine besonderen Reliquien in

Mariazell. Ja nicht mal ein bahnbrechendes

Wunder, das dokumentiert wäre. Trotzdem

32 Bergsteiger 12 ⁄13


Das religiöse Pilgern

hat eine über Jahrhunderte

währende

Tradition. Zahllose

Wanderer machen sich

jedes Jahr auf den

Weg zu spirituellen,

geschichtsträchtigen

Orten und suchen

dabei die innere Einkehr.

Zugleich entwickeln

sich alternative Formen

der Pilgerschaft wie

das meditative Wandern.

Unsere Autorinnen

Diana Gäntzle und

Dagmar Steigenberger

haben verschiedene

Gruppen begleitet.

Und ganz eigene Erfahrungen

gemacht.

sich selbst

Fotos: Nicole Richter, Franz Josef Rupprecht

Sie soll schon Felsen zum Bersten gebracht

haben: die Gnadenstatue von Mariazell.

pilgern jährlich unzählige Menschen dorthin

– nicht nur wandernde Philosophen

wie Manfred Rühl, sondern vor allem Gläubige

wie die Gruppe aus der Pfarrgemeinde

Sandleiten im 15. Bezirk Wiens.

»Die Gemeinschaft trägt einen«

Würden sie nicht hin und wieder stehenbleiben,

um gemeinsam ein religiöses Lied

anzustimmen, niemand würde in diesen

15 Wanderern eine religiöse Pilgergruppe

erkennen. Doch das Wallfahrten nach Mariazell

– immer um den 26. Oktober, den

österreichischen Nationalfeiertag herum –

hat bei der Pfarrei Sandleiten Tradition. Der

22-jährige Andreas ist mit von der Partie,

seit er laufen kann. Sein Onkel Peter organisiert

die viertägige Tour, und wie immer

sind auch sein Bruder, sein Vater und seine

Großeltern neben einem Dutzend weiterer

Pfarreimitglieder dabei. Die Generationen

sind bunt gemischt: Die 35-jährige Johanna

plaudert mit Andreas’ Großmutter, und

vorneweg gibt eine drahtige Seniorin

12 ⁄13 Bergsteiger 33


»Der Pilger ist kein

Vagabund, der ziellos

umherstreift«, sagt

Manfred Rühl. »Wenn

ich pilgere, dann ist

nichts mehr zufällig.«

Die eigenen Akkus wieder aufladen: Sonnenaufgang am Ettaler Mandl

das Tempo an. »Mein Lieblingshobby ist das

Marathongehen«, erzählt sie später.

Andreas kennt auch andere Pilgergruppen.

»Die Pilger von der Siebenhirtener Pfarrei

tragen eine Vatikansfahne und ein Christuskreuz

vor sich her, da wird Rosenkranz

KOMPAKT

Pilgern im Mariazeller Land

3200 Höhenmeter und 125 Kilometer auf der Via Sacra

Anfahrt: Mit dem Auto von

München oder Innsbruck über

Salzburg bis zur Ausfahrt Ybbs,

weiter auf der B25, später

B71 nach Mariazell. Nach

Wien folgt man weiter der A1,

anstatt bei Ybbs abzufahren.

Mit dem Zug über Salzburg

und Sankt Pölten nach Mariazell

bzw. nach Wien.

Pilgerwege: Rund um den

berühmten Wallfahrerort gibt

es viele Varianten von Pilgerwegen.

Die am häufi gsten

begangenen, der Wiener

Wallfahrerweg

und die Via Sacra,

führen von der

österreichischen

Hauptstadt in etwa

vier Tagen nach Mariazell.

Die Via Sacra stellt mit 125

Kilometern und gut 3200

Höhenmetern die anspruchsvollste

Pilgerstrecke von Wien

nach Mariazell dar. Als etwas

einfachere Variante wurde

1975 der Wiener Wallfahrerweg

mit 110 Kilometern und knapp

3000 Höhenmetern geschaffen.

Beide Wege sind

detailliert unter www.

viasacra.at beschrieben.

Philosophisches

Wandern: Informationen

bei Manfred Rühl,

Stroheckgasse 2/11,

1090 Wien, Tel. 00 43/

(0)1/3 10 03 34,

www.wegbegleiter.at

Fremdenverkehrsamt:

Mostviertel

Tourismus, Adalbert-

Stifter-Str. 4, 3250 Wieselburg,

Tel. 00 43/(0) 74 16/5 21 91,

www.mostviertel.info

Karte und Literatur:

»Via Sacra, Wiener Wallfahrerweg.

Auf traditionellen

Pilgerpfaden von Wien nach

Mariazell«, Hikeline Wanderführer

mit Unterkunftshinweisen

und Karte 1:35 000,

Verlag Esterbauer

gebetet anstatt miteinander geredet«, spöttelt

er. Wären die Sandleitener ähnlich

konservativ, wäre er heute nicht dabei,

sagt der 22-Jährige. »Ich bin hier, weil ich

die Gemeinschaft in unserer Pfarrei sehr

schätze.« Elisabeth, eine warmherzige Mittvierzigerin

mit lachenden Augen, nickt und

ergänzt: »Die Gemeinschaft trägt einen.«

Nicht dass den Sandleitenern der religiöse

Aspekt abhanden gekommen wäre: Hannelore

beispielsweise ist aufgebrochen, um

damit Gott für den erfolgreichen Umzug

ihrer Tochter in die Wohnung der verstorbenen

Großmutter zu danken. »Ich mache

oft Gelübde-Wallfahrten«, erzählt sie. Nach

der Geburt eines Enkels oder auch nach einem

schwierigen medizinischen Eingriff,

den ein Verwandter überstanden hat: Hannelore

wandert. Sie nimmt das Glück eben

nicht als selbstverständlich hin. Manchmal

wandert sie aber auch, um eine emotionale

Last loszuwerden. »Du trägst dein Packerl

nach Mariazell, um es dort zu Füßen der

Muttergottes abzulegen«, sagt sie.

Stille atmen in den Ammergauer Alpen

Eine tiefe Ruhe liegt über dem Soier See,

durchbrochen nur von Vogelgezwitscher.

Am sonnigen Ufer rundet sich ein Dutzend

Wanderer zu einem Kreis, die Augen geschlossen,

den Blick nach innen gerichtet.

Sie atmen die Stille ein und strecken die Arme

Richtung Erde und Himmel, um deren

Energie gleichsam einzusaugen. Dann liest

Therapeut Norbert Parucha, der die Gruppe

auf dem Meditationsweg Ammergauer Alpen

zu Kraftorten wie dem Soier See führt,

mit dunkler, sonorer Stimme einen Text

von Rainer Maria Rilke. Die Worte hallen

innerlich nach, die Gruppe zerstreut sich

am Ufer, Männer und Frauen blicken gedankenverloren

auf das ebenmäßige Was-

Fotos: Ammergauer Alpen GmbH, Oberammergau Tourismus (Foto: Bernd Ritschel), Dagmar Steigenberger (5), Diana Gäntzle


Die prunkvollen Türme der Basilika

dominieren das Ortsbild von Mariazell.

In Heiligenkreuz blickt ein steinerner Mönch der Pilgergruppe aus Sandleiten hinterher.

Wenn der Philosoph Manfred Rühl (rechts)

Antworten sucht, geht er in die Natur.

Nicht nur in der Kirche, auch auf schlichten

Hauswänden ist die Muttergottes präsent.

Am Soiernsee meditiert die Gruppe.

»In sich gehen«, heißt die einwöchige Tour.

ser. Ein Wanderer legt sich ausgebreitet in

das saftige Gras, als wolle er die Erde umarmen.

Als die Gruppe schließlich wieder

losmarschiert, beschreibt Britta aus Süddeutschland

»ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit«,

das sie am See überkommen hat.

Nach dem Schicksalsschlag

Die junge Frau hat sich zum ersten Mal auf

eine meditative Wanderung begeben und ist

begeistert von den Inputs. »In sich Gehen«

heißt die einwöchige Tour von der Wieskirche

bis zum Schlosspark Linderhof. Die

rund 85 Kilometer lange Strecke des Meditationswegs

führt über 15 als Stationen ausgewiesene

Naturschönheiten und Bauwerke

wie Kirchen und Klöster. Die Wege auf der

Tour sollen zu seelischen Impulsen werden.

Statt Gebeten gibt es philosophische Texte

und meditative Übungen. Britta hat sich

nach mehreren Schicksalsschlägen auf den

Weg gemacht. Für sie ist es eine Etappe auf

dem Weg der Verarbeitung. Ihr Mann starb

an Krebs, gleichzeitig überwand sie eine eigene

schwere Krankheit. »Die Tour ist Sinnbild

für mein weiteres Leben: Ich geh’ meinen

Weg alleine«, erklärt Britta. Die meisten

ihrer Weggefährten hat ebenfalls eine Zäsur

im Leben auf den Meditationsweg gebracht.

Trennung und Krankheit sind in dieser Runde

Themen, welche die intensiven, sehr persönlichen

Gespräche dominieren. Parucha

ist »der Überzeugung, dass sich die Gruppe

nicht nur zufällig zusammenfindet, sondern

sich immer Leute treffen, die sich gerade

brauchen«. Oft fließen Tränen. In allzu

emotionalen Momenten versucht Parucha,

die Wanderer wieder »aufzufangen, damit

es nicht so in die Tiefe geht«.

»Der Pilger ist kein Vagabund«

»Ich treffe oft auf Menschen, die aus der

Ordnung herausgefallen sind«, sagt Manfred

Rühl. »Sie fühlen sich draußen in der

Natur mehr zuhause als irgendwo drinnen

in den eigenen vier Wänden.« Für diese

Menschen – vor allem für die Männer

unter ihnen – arbeitete der Philosoph gemeinsam

mit Kollegen ein Programm aus,

bei dem die Sinnsucher die Antworten auf

ihre Fragen »erwandern«.

Mit 35 geriet Manfred Rühl selbst in eine

tiefe Krise. »Ich habe gemerkt, jetzt muss

ich das für mich tun, was ich zuvor für die

Männer gemacht habe: meinen Weg finden,

meditieren und im Gehen in mich gehen.«

Damals brach Manfred zum Jakobsweg

auf: der berühmteste Pilgerweg in Europa,

dessen Varianten durch sämtliche Länder

führen, jedoch alle früher oder später in

Santiago de Compostela enden. Drei Tage

lang lief Manfred im Marchfeld entlang der

Autobahn, dann brach er ab. »Das war definitiv

nicht mein Weg.« Schließlich wählte

er den »Nordalpinen Höhenweg«: drei Wochen

lang vom Semmering bis Bad Goisern.

»Der Pilger ist kein Vagabund, der ziellos

umherstreift«, sagt Manfred. »Wenn ich

pilgere, dann ist nichts mehr zufällig. Was

im Außen passiert, nehme ich als Zeichen

wahr, das mir dabei hilft, meinen inneren

Weg zu finden.«

12 ⁄13 Bergsteiger 35


Die letzte Etappe des Wiener Wallfahrerweges führt durch die Falkenschlucht.

Abt Matthäus Nimmervoll fasst die Schätze

des Klosters nur mit Handschuhen an.

Von Sturzbächen gestoppt

Heftige Schneeschauer sind ab dem dritten

Tag angekündigt. Doch die Sandleitener

haben Glück mit dem Wetter: Die ersten

Flocken werden erst fallen, wenn sie an der

Basilika in Mariazell angekommen sind.

Das Motto, das die Gruppe für die Wallfahrt

wählte, scheint das Unwetter fern zu halten:

»Gottes guter Geist weht.« Jeden Mittag

erinnern sie in den »Lob« genannten

Einheiten an dieses Motto, lesen einander

Geschichten dazu aus den Evangelien vor,

singen gemeinsam und meditieren über

den Texten.

Ein einziges Mal konnte Hannelore eine

Wallfahrt nicht beenden. Das war Pfingsten

2005 zum Jahrhundert-Hochwasser.

»Sturzbäche sind den Hang heruntergelaufen

und haben die Wege überspült«, erinnert

sich die rüstige Seniorin. Am Hut auf

ihrem Kopf wippt munter ein Gamsbart im

Takt ihrer Schritte. 200 Pilger wanderten

damals im strömenden Regen am Kieneck

Richtung Mariazell und dachten gar nicht

daran umzukehren – bis ihnen ein Mann

im Auto entgegen kam und sie auf die drohende

Murengefahr aufmerksam machte.

Notgedrungen brachen sie die Wallfahrt

ab. »Es sollte eben nicht sein.«

Alles eine Frage der Balance

Dass manchmal das Nachgeben besser ist,

zeigt Parucha an der Scheibum, einem Felsdurchbruch

der Ammer. Dort fand der Fluss

»nicht mit Härte und Macht, sondern mit

Anpassen, Nachgiebigkeit und Weichheit«

seinen Weg durch den Stein, beschreibt er.

»Zeit spielte dabei keine Rolle.« Die Wanderer

hören aufmerksam zu und besinnen

sich auf den Augenblick. Parucha entlehnt

seine Denkanstöße der Landschaft und

spricht oft in philosophischen Zitaten. Seinen

Schützlingen gibt er täglich ein Thema

wie »Gut und Böse«, die Zeit oder »Brücken«

mit auf den Weg. Die Gruppe ist von seiner

einfühlsamen, ausgeglichenen Art begeistert.

Er nennt sich »Körpertherapeut« und

verrät lächelnd sein Konzept: »Ich mache

gar nicht viel.« Das meiste übernehme die

Natur. »Die Natur ist das Heilsamste überhaupt.«

Lange Zeit lässt die Gruppe die Kraft

der Scheibum auf sich wirken. Einige sitzen

in der Sonne und schreiben. Einer stapelt

flache Steine zu einem Turm. Alles eine Frage

der Balance.

Gründungsurkunde aus dem Jahr 1209

Inzwischen hat die Sonne den Nebel aufgelöst

und bringt das Herbstlaub zum Glühen.

Ein blauer Himmel strahlt über den

hellgelben Fassaden des Stiftes Lilienfeld,

als Manfred Rühl mit seiner Pilgergruppe

auf einen Zwischenstopp in das Zisterzienserstift

einkehrt. Stolz präsentiert der Abt

die Schätze des Klosters: die pergamentene

Gründungsurkunde aus dem Jahr 1209,

die man nur mit weißen Handschuhen

berühren darf; der 800 Jahre alte Pilgerstab

von Herzog Leopold IV., dem Stifter

des Klosters. Und plötzlich tauchen im

Inneren der Pilger die eigenen Schätze

auf, die Begabungen, die Wünsche… »Wer

Mehr als 800 Jahre ist dieses Pergament alt:

die Gründungsurkunde des Stifts Lilienfeld.

»Die Natur ist das Heilsamste überhaupt«,

sagt »Körpertherapeut« Norbert Parucha.

Alles eine Frage der Balance. Ein Teilnehmer

des meditativen Wanderns baut Pyramiden.

36 Bergsteiger 12 ⁄13


Stolz präsentiert

der Abt den Schatz

des Klosters: die

Gründungsurkunde

aus dem Jahr 1209,

die man nur mit

weißen Handschuhen

berühren darf.

Zur letzten Ruhe gebettet zwischen den Hügeln von Mariazell

Fotos: Dagmar Steigenberger (4), Ammergauer Alpen GmbH, Oberammergau Tourismus (Foto: Florian Wagner), Diana Gäntzle

sind wir, und wie viel davon haben wir

bereits verwirklicht?«

»Was glaubt ihr, wo der Mensch im Universum

steht?« Manfred reißt seine Schäfchen

aus dem Sinnieren über sich selbst und hinein

in die nächste der inneren Welten: Was

ist die Aufgabe der Menschen? Und inwiefern

erfüllt jeder bereits das, was er als Aufgabe

der Menschheit erachtet? Eine Kreuzung

taucht vor dem inneren Auge auf: Der

eine Pfeil weist in die gewohnte Richtung.

So weitermachen wie bisher? Oder wäre es

nicht doch sinnvoller, jenem anderen Weg

zu folgen? Zu tun, was wir tief im Innersten

schon immer wünschten, aber den Mut dazu

nicht fanden? Keine Ahnung, wo dieser

zweite Weg hinführt. Aber er ist zweifellos

der spannendere.

»Zwei Tage sind sehr kurz für diese Reise«,

schätzt Manfred Rühl. Gut 60 Kilometer

sind es von St. Veit an der Gölsen auf der

Via Sacra nach Mariazell. Doch davon redet

der Mann mit dem dichten schwarzen

Haarschopf und dem nachdenklichen Blick

nicht. Er meint die Reise zu sich selbst. »Wir

suchen den Weg nach Hause«, gibt Manfred

Rühl als Ziel an, »den Ort, wo wir innerlich

daheim sind.«

Die meditierenden Wanderer

Das Bedürfnis danach, all diesen Fragen

nachzuspüren, fördert nach Paruchas Erfahrung

den Zulauf zu meditativen Wanderungen.

»Die Menschen sind auf der Suche

nach alternativen Angeboten«, weiß er. Seit

vielen Jahren begleitet er Pilger auf dem Ja-

kobsweg und konzipierte vom Jahr 2008 an

den Meditationsweg Ammergauer Alpen

mit. Obwohl das Angebot nicht religiös

ist, erspürt der Therapeut doch manchmal

ein Bedürfnis nach einem solchen Bezug.

Im Rochusfeld etwa, einer Hochmoorlandschaft

bei Bad Kohlgrub, stehen die Wanderer

im Kreis, Parucha spricht über die heilende

Erde, Mutter Erde. Plötzlich bricht es

aus einem Wanderer heraus und der Mann

erzählt die berührende Geschichte vom

Tod seiner Mutter. Ergriffen fassen sich die

Wanderer an den Händen. Dann sprechen

sie gemeinsam ein Gebet.

KOMPAKT

Vor der Mariazeller Kirche reiht sich wie auf

einem Jahrmarkt Bude an Bude. Jedes Geschäft

will religiösen Tand verkaufen. Die

weiße Basilika wirkt überdimensioniert

für den kleinen Ort, ebenso wie der riesige

Friedhof. Madonnenfiguren an den Häusern,

Pilger in den Gassen und dazwischen

die Gruppe um den Wanderphilosophen

Manfred Rühl. Während sie der Busfahrer

zurück in den Alltag kutschiert, regt sich

bei manchen ein Glücksgefühl. Ein Teilnehmer

sagt leise: »Wir sind auf dem Weg nach

Hause. Auch wenn wir diesen Ort noch

kaum kennen.«


Der Meditationsweg Ammergauer Alpen

Wandern von der Wieskirche bis Schloss Linderhof

Pilgerweg: Von der Wieskirche

bis zum Schloss Linderhof

schlängelt sich der 85,2

Kilometer lange Meditationsweg

Ammergauer Alpen.

Es gibt ständige Termine für

Tages- und Mehrtagetouren

sowie individuelle Termine auf

Anfrage. Eine Tageswanderung

kostet 20 Euro, die einwöchige

Tour »In sich gehen«

mit Körpertherapeut Norbert

Parucha auf dem kompletten

Meditationsweg beläuft sich

auf 850 Euro.

Informationen:

Ammer gauer Alpen GmbH,

00 49/(0)88 22/9 22 74-0

oder online unter www.ammergauer-alpen.de

sowie

www.brennendes-herz.de

Infobroschüre »Meditationsweg

Ammergauer

Aplen«: Die 84 Seiten um -

fassende Broschüre mit Informationen

zu den 15 Stationen

sowie einer ausführlichen

Wegbeschreibung ist für 3,50

Euro erhältlich bei der Ammergauer

Alpen GmbH. Unter

www.brennendes-herz.de gibt

es auch eine Onlinebroschüre.

12 ⁄13 Bergsteiger 37


REPORTAGE

Mit dem Slackline-Profi Lukas Irmler unterwegs in den Dolomiten

Aufs Gleichgewicht kommt es an;

vor der Kulisse der Cadini-Gruppe

Artisten

Lukas Irmler will es so. Die Berge

gehören zu seinem Leben wie

die Musik zu Madonna. Hätte er

sich vor gut einem Jahr anders

entschieden, wäre er an diesem

Abend vermutlich in einem Luxushotel

untergebracht. Stattdessen wird der junge

Mann mit der blonden Surfermähne diese

Nacht auf etwa 2300 Metern Meereshöhe

verbringen. Unweit der Drei Zinnen in den

Dolomiten haben ein paar Dutzend Extremsportler

eine kleine Zeltstadt aufgebaut.

Es pfeift ein eisiger Wind an diesem Tag.

Manchmal beginnt es leicht zu schneien.

Irmler – ein drahtiges Fliegengewicht –

ist Slackline-Profi. Einer der wenigen, die es

weltweit in dieser noch jungen Trendsportart

gibt. Slacklinen ist das Balancieren auf

einem gespannten, dynamischen Band und

hat seine Ursprünge im kalifornischen Yosemite-Park.

Kletterer wollten auf dem Band

ihre Konzentrationsfähigkeit und ihren

Gleichgewichtssinn schulen. Man unterscheidet

die kurze Trickline, das Longline-

Seil und die Highline (siehe Kasten S. 40), wo

das Seil im Gebirge über tiefe Schluchten

gespannt wird. Die Seile der Zirkusartisten

sind im Gegensatz dazu statisch. Slacklinen

erlebt einen ähnlichen Boom wie vor Jahren

das Indoor-Klettern.


am Abgrund

Fotos: Christian Kruse

Die Slackline ist längst

bei Alpinisten angekommen.

Viele Bergsteiger nutzen

das Training auf dem schmalen

Band, um ihre Koordination

und Konzentration zu

perfektionieren. Es gibt

aber auch wahre Künstler,

die über Schluchten und

Abgründen balancieren.

Einmal im Jahr trifft sich die

Elite der »Highliner« in

den Dolomiten. Unser Autor

Klaus Vick war dabei.

Die Faszination? »Man kann immer

wieder unmöglich scheinende

Grenzen überschreiten, sich entfalten,

eigene Dinge kreieren.«

Äußerste Konzentration:

Lukas Irmler ist Meister seines Fachs.

12 ⁄13 Bergsteiger 39


Als wäre die Kulisse nicht schon

spektakulär genug: Highline-Kunst

»Klar bin ich auch

schon Free Solo gegangen.

Sonst könnte

ich ja nicht mitreden.

Aber der Kick ist

nicht so viel größer,

als dass es in einer

Relation zum Risiko

stehen würde.«

INFO

Bänder, die die

Welt bedeuten

Von einfach bis sauschwierig:

Slacklines im Überblick

Trickline

Ein Trickline-Set ist im Bergsportfachhandel

oder im Internet bereits für 50 bis 100 Euro

zu haben. Dafür gibt es Band, Spannmechanismus

und Baumschlingen, Ratschen und

Band-Flaschenzüge. Die Flachbänder sind

etwa zwischen drei und fünf Zentimeter breit

und zehn Meter lang. Es handelt sich um

klassisches Polyester-Material. TÜV-geprüfte

Sets – etwa für den Schulsport – sind

etwas teurer (ab 100 Euro). Für Anfänger

sollte das Band eine relativ große Spannung

haben. Einsteiger können sich auch

gegenseitig stützen.

Longline

Die Länge der Seile geht bei etwa 50 Metern

los und ist beliebig ausdehnbar. Sie sind

in der Regel etwas schmaler (2,5 Zentimeter)

als die Trickline. Man benötigt stärkere

Spannmechanismen und Bandmaterial, das

größere Drucklast aushält. Ein guter, kugel -

gelagerter Rollen-Flaschenzug kostet etwa

500 Euro aufwärts. Der Aufbau ist dementsprechend

aufwendiger. Die Longline wird

immer noch in Absturzhöhe gespannt. Für

den Otto Normalverbraucher bedeutet das

maximal 2,5 Meter Höhe, um die Verletzungsgefahr

zu minimieren. Profi s spannen

das Seil höher. Aber Lukas Irmler warnt:

»Da ist ein großer mentaler Aspekt dabei.«

Highline

Nichts für Anfänger, und auch nur bedingt

für Fortgeschrittene! Mindestens ein er fah re -

ner Slackliner sollte immer mit dabei sein.

Man benötigt viel Knowhow für Aufbau und

Absicherung der Seile sowie die Einschätzung

der Stabilität von Felsklötzen. Im

Prinzip reicht Longline-Equipment, aber man

braucht noch mehr Material zur Sicherung.

Verwendet werden geschlossene Sicherungssysteme.

Auf der Highline sind Stahloder

Titanringe eingefädelt, in denen ein

Sicherungsseil eingespannt ist. Man sichert

sich mit einem klassischen Achterknoten

oder einem doppelten Bulinknoten. Highlines

haben eine wesentlich höhere Vorspannung.

Klassisches Polyester-Material kostet

etwa zwei Euro pro laufendem Meter,

Vectran-Seile aus Hightech-Fasern sieben

bis acht Euro.

In München zum Beispiel sind an Sommertagen

im Englischen Garten oder auch rund

um die Isar zig Seile zwischen Bäumen aufgespannt.

Spontan statt geplant

2011 also war das Management von Madonna

an Lukas Irmler herangetreten. Der

24-Jährige aus Freising in Oberbayern hätte

die Pop-Diva auf ihrer Welt-Tournee begleiten

können. Seine Kunststücke auf dem

schmalen Schlauchband sollten die Bühnenshow

bereichern. Für Irmler ein finanziell

lukratives Angebot, das er dennoch

ausschlug: »Ich hätte ein Jahr lang nichts

anderes machen können und mein Leben

danach ausrichten müssen«, sagt der 1,71

Meter große Bayer. Keine »rationale Entscheidung«,

sondern eine, die »tief innen«

gereift sei. Geld, Glanz und Glamour – das

alles konnte ihn nicht locken. Sein Leben

ist nicht von stabsmäßiger Planung, sondern

von Spontaneität geprägt. Er tingelt

von Spot zu Spot. Das Treffen an diesem

unwirtlichen Herbsttag ist ein besonders

spektakuläres. Aus vielen Ländern sind die

Slackliner gekommen, um vor der Kulisse

der Dolomiten über zwischen Felsklötze

und Felsvorsprünge gespannte, bis zu hundert

Meter lange Seile zu balancieren.

Nie ohne Sicherung

Mehr als eine Woche dauert das Meeting

nahe dem mondänen Olympiaort Cortina

d’Ampezzo. Über Facebook hat sich die

Slackline-Community verabredet. »Anders

läuft es nicht«, sagt Christian Kruse aus

München – ein Highliner der ersten Stunde

und guter Freund von Lukas Irmler. Es

ist ein Kommen und Gehen zum Basiszelt

unweit des Rifugio Bosi am Monte Piana.

Ein Ort mit trauriger Historie. Noch heute

zeugen auf dem hochplateauartigen Gipfelbereich

Stellungsanlagen und Schützengräben

von der Vergangenheit. Der Berg war

im Ersten Weltkrieg heftig zwischen Italienern

und Österreichern umkämpft. Während

des Aufstiegs vom Misurinasee, der auf

1756 Metern Meereshöhe liegt, erzählt Irmler

von seiner Leidenschaft. Wie er über das

Klettern zum Slacklinen gekommen ist, wie

plötzlich Deutschlands größter Sportartikelhersteller

den Outdoor-Markt entdeckte,

was für den 24-Jährigen ein Glücksfall war.

Fotos: Christian Kruse (2), Harald Wisthaler (2)

40 Bergsteiger 12 ⁄13


Friedlich trainieren am Monte Piana:

Im I. Weltkrieg verlief hier die Dolomitenfront.

Das »Basislager«: die Zelte

der Slackliner nahe des Rifugio Bosi

Er machte noch seinen Bachelor in Chemie,

danach nahm ihn Adidas unter Vertrag.

Lukas Irmler ist für die Sportfirma eine

Werbefigur für das Segment Outdoor wie

die Huber-Buam. Mit Alexander Huber

zum Beispiel war Lukas Irmler die Woche

vor dem Trip in die Dolomiten auf Promotion-Tour

in Polen und in der Slowakei. Im

großen Versorgungszelt am Monte Piana

sind sich alle einig: Ja, Lukas sei einer der

besten Slackliner weltweit – keine Frage.

Dennoch ist er bescheiden und alles andere

als ein wilder Kerl. Ohne Sicherung gehe er

auf keine Highline, schon allein der Vorbildfunktion

wegen, betont er.

Es gibt welche, die tun das. Der Amerikaner

Andy Lewis etwa ist so ein Grenzgänger zwischen

Himmel und Erde. »Free Solos« auf

der Highline zählen zu seinem Repertoire.

Eine Unaufmerksamkeit, und man stürzt in

den Abgrund. »Klar bin ich auch schon Free

Solo gegangen. Sonst könnte ich ja nicht

mitreden«, räumt Irmler ein. »Aber der Kick

ist nicht so viel größer, als dass es in einer

Relation zum Risiko stehen würde.« Es gibt

ja auch seine Freundin, »die Stimme der

Vernunft«, sagt Irmler. Mit ihr hat er auch

die Sache mit Madonna ausführlich besprochen

und gemeinsam entschieden.

Immer schön cool

bleiben: Wer auf

dem Band ist, wird

kritisch beäugt.

Highline auf 5222 Metern – Weltrekord

Im Sommer 2012 hat der 24-Jährige einen

neuen Weltrekord auf der Longline (Seil in

Absturzhöhe) aufgestellt. Exakt 1000 Fuß –

etwa 310 Meter – konnte er in einem Stück

auf klassischem Polyester-Material durchgehen.

Für ihn ein Traum, auf den er hingearbeitet

hat. 1000 Fuß galten als Schallmauer

auf der Longline. Jetzt gelang ihm ein neuer

Coup: Irmler stellte einen neuen Slackline

Höhen-Weltrekord am schneebedeckten

Yanaphaqcha (5460 m) in den peruanischen

Anden auf. Gemeinsam mit Mariano Breccia

und Alex Estrada aus dem Adidas Outdoor

Team Peru konnte der Deutsche eine Highline

5222 Meter über dem Meeresspiegel

auf bauen und erstbegehen. Die Faszination?

»Man kann immer wieder unmöglich

scheinende Grenzen überschreiten, sich

entfalten, eigene Dinge kreieren.« Ein wenig

ist es wie bei den Surfern – immer auf der

Suche nach einem coolen Spot, nach der Mega-Welle.

Im Falle der Slackliner eben nach

spektakulären Felskulissen im Gebirge.

Der Profi hat sich inzwischen schnell umgezogen

und will ein paar Highlines bewältigen.

Er ist nahezu der einzige an diesem

bitterkalten Tag in den Dolomiten, der das

wagt. Die Seile sind vereist. Gegenüber

dominiert das mächtige Massiv des Monte

Cristallo. »Oh, that’s crazy man, it’s pretty

icy«, ruft Lukas Irmler dem Publikum zu,

als er scheinbar spielerisch leicht auf dem

ersten Seil spaziert. Das Band wackelt, er balanciert

das Ungleichgewicht mit den Händen

aus und geht weiter. Auf der nächsten

Highline zeigt der Profi ein paar Kunststücke,

geht in den Schneidersitz oder stützt

sich nur mit den Händen ab und liegt waagrecht

über dem Seil. »Ein wahrer Highline-

Spielplatz hier«, sagt er, als er die vielen

Seile rund um das Monte-Piana-Plateau

12 ⁄13 Bergsteiger 41


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© 2013 adidas AG. adidas, the 3-Bars logo and the 3-Stripes mark are registered trademarks of the adidas Group.

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Fotos: Harald Wisthaler

Madonna wollte Lukas

Irmler mit auf Tournee

nehmen. Doch Geld,

Glanz und Glamour

konnten den Slackline-

Profi nicht locken.

»Ich hätte mein Leben

danach ausrichten

müssen.« Irmler wollte

lieber frei bleiben.

Mützen-Session: Im Gemeinschaftszelt ist

trotz frostiger Temperaturen gute Stimmung.

INFO

erblickt. Und so harte Bedingungen mit zugefrorenen

Seilen habe er auch schon lange

nicht mehr erlebt. Es sind Übungen, die auf

der kurzen Trickline einstudiert werden.

An den Felsen der Meteora-Klöster

»Das Coole auf der Highline ist, in den Abgrund

zu blicken«, sagt der Extremsportler.

In diesem Falle sieht man 500 Höhenmeter

weiter unten die Umrisse des Misurinasees.

Ringsum saftiges Grün vermittelt noch einen

Rest Sommerstimmung. Hier oben ist

das Hochplateau vom Schnee überzuckert.

Normalerweise geht er barfuß auf den Seilen,

was sich an diesem Tag allerdings nicht

empfiehlt. Er behält die Schuhe an. Zurück

im Zelt erzählt er von seinen Reisen: als er

während einer Promotion-Tour in Südafrika

am Tafelberg 1000 Höhenmeter über Kapstadt

schwebte. Oder als er 2009 mit Freunden

die spektakulären Felstürme der Meteora-Klöster

in Griechenland hochkletterte

und Highlines ging. Momente, die er nicht

missen möchte. Es ist seine große Freiheit. ◀

Die Highliner auf dem Hochplateau

Im Jahr 2012 fanden etwa

70 Leute den Weg zum

Highline-Meeting am Monte

Piana, 2013 waren es schon

über 200 Sportler aus 18

Nationen. »Kein Wettkampf,

sondern es soll Menschen an

einem historisch bedeutsamen

Platz, wo vor 100 Jahren

junge Leute gegeneinander

gekämpft haben, vereinen«,

sagt Chef-Organisator Armin

Holzer, 26. Der Südtiroler

aus Sexten musste wegen

einer Knieverletzung seine

Karriere als Skirennläufer

beenden und ist nun begeisterter

Slackliner. Auf dem

Hochplateau des Monte Piana

nahe der Drei Zinnen (15 bis

20 Min. vom Rifugio Bosi

entfernt) wurden insgesamt

18 Highlines von sechs bis

71 Metern Länge und eine

vier armige, spinnennetzartige

Space-Line aufgespannt.

»Das Coole auf der Highline ist,

in den Abgrund zu blicken.«

Das faszinierende Gelände

fi el Holzer im Frühjahr 2011 bei

einer Skitour auf. »Die Canyons

sind perfekt«, schwärmt

Holzer. Das Highline-Meeting

mit Live-Bands und Fun-Contests

dauerte acht Tage. Unter

anderem versorgte Beppe

Monti, Wirt der Carduccihütte,

die campenden Slackliner

mit Südtiroler Spezialitäten.

Das Event soll Mitte September

2014 wieder stattfi nden.

michael.meisl

© 2013 adidas AG. adidas, the 3-Bars logo and the 3-Stripes mark are registered trademarks of the adidas Group.

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D-82481 Mittenwald

Sporthaus Ankirchner D-83022 Rosenheim

Condition Steigenberger D-83229 Aschau

Sport Plenk

D-83324 Ruhpolding

Sport Hochreiter

D-83334 Inzell

Bergzeit GmbH

D-83607 Holzkirchen

eXXpozed

D-87439 Kempten

Sport Manhard eK

D-87459 Pfronten

Outdoor Kipper

D-87527 Sonthofen

Sport Hauber

D-87534 Oberstaufen

Speiser GmbH

D-87538 Bolsterlang

Valtin

D-91522 Ansbach

Nordicsport HillBill D-94051 Hauzenberg

Sport Luck

D-98559 Oberhof

Sport Kiefer

D-79102 Freiburg

Nordwand Sports GmbH D-87629 Füssen

Yosemite Zermatt El Cap SA CH-1006 Lausanne

Eiselin Sport AG

CH-3011 Bern

Stockhorn Sport

CH-3600 Thun

Troxler Sport&Mode

CH-3775 Lenk

Julen Sport

CH-3920 Zermatt

Eiselin Sport AG

CH-6003 Luzern

Schär Sport

CH-6210 Sursee

Norbert Joos Bergsport AG CH-7000 Chur

Albeina Sport AG CH-7252 Klosters Dorf

Gonzen Sport

CH-7320 Sargans

Go Vertical GmbH CH-7504 Pontresina

Eiselin Sport AG

CH-8006 Zürich

Mountain Consulting AG CH-8610 Uster

Fridolin Sport

CH-8750 Glarus

Sporthuus Amden

CH-8873 Amden

Climbing Shop

A-4360 Grein

Spitaler Sportstadl A-4582 Spital am Pyhrn

Sport Lichtenegger A-4822 Bad Goisern

Bründl

A-5710 Kaprun

Intersport OK

A-6020 Innsbruck

XL Rankweil

A-6830 Rankweil

Sport Zauner

A-8790 Eisenerz

Bergsport Vasold

A-8940 Liezen

Ski Willy A-8972 Ramsau am Dachstein

Sport 2000 Wibmer

A-9900 Lienz

Passler

A-9963 St. Jakob

Alpinsport Gratz

A-9981 Kals

FREELANDERS

L-8050 Bertrange


AUF TOUR

Auf Skitour in Westgrönland

Lockruf der

Grönland, Ödland: Die größte Insel der Welt genießt nicht

gerade den Ruf eines Urlaubsparadieses. Aber zwei Dinge

gibt es hier im Überfluss: Schnee und Stille. Genau das

macht Grönland zu einem Skitourenziel, das ein Leben lang

im Gedächtnis bleibt. Von Folkert Lenz (Text und Bilder)

Auf Sadel Island beginnen die Skitouren

am Strand. Im Inneren Fjord bei Nuuk

ankert das dreimastige Basislager.

44 Bergsteiger 12 ⁄13


Stille

Alle Fotos: Folkert Lenz


Wer sich Grönland per Schiff

nähert, bekommt unweigerlich

den Eindruck eines Urkontinents.

Ein karges Land,

das aus dem Meer auftaucht.

Wasser in allen Aggregatszuständen. Das

wenige Leben versteckt sich. Ein paar kreischende

Dreizehenmöwen drehen ihre

Runden, hier und da eine Robbe. Sonst Leere.

Eine archaische Welt.

Mitten darin: Ein Segelschiff, vollbesetzt

mit enthusiastischen Touristen, die nur ein

Ziel haben: Skitouren im ewigen Eis. Die

»Rembrandt van Rijn« nähert sich gemächlich

der Küstenlinie im Ewigkeitsfjord. Seit

ein paar Stunden erschüttern auch keine

Brecher mehr den Rumpf des Dreimasters.

Den Sturm der vergangenen Nacht hatte

Kapitän Sven Holzhausen nämlich nutzen

wollen: »Ab Windstärke 8 setzen wir die

Segel, und dann geht es flott hinauf in den

Norden«, war seine Ansage am Vorabend.

Für manche Passagiere ein Versprechen, für

andere eine Drohung. Doch jetzt tourt das

schlanke, blau-weiße Schiff mit leise dröhnender

Maschine durch den enger werdenden

Fjord in Westgrönland. Die Segel sind

Schwimmende Heimat: Die »Rembrandt

van Rijn« vor der Stirnwand des Tateraat

Wo sonst mischt sich das Klacken einschnappender Tourenbindungen

mit dem leisen Plätschern anlandender Wellen?

eingeholt, die Mägen der Mitfahrer haben

sich beruhigt, genau wie die Wasseroberfläche.

Und die Ski stehen bereit.

Auf der Schiffsbrücke drängeln sich die

Bergführer, ein Fernglas wandert reihum.

Angestrengtes Linsen durch den Feldstecher,

ein Landeplatz muss her. Links und

rechts wachsen die Felswände aus dem

Wasser empor. Die Schneehänge auf Meereshöhe

dagegen machen sich rar. Expeditionsleiter

Christoph Gnieser zuckt mit den

Schultern und murmelt etwas von »umgekehrter

nord-atlantischer Oszillation«: Ein

Phänomen, das die Alpen in diesem Frühjahr

im Schnee versinken ließ – Grönland

dagegen machte schon im April seinem Namen

– Grünes Land – alle Ehre. »In manchen

Gegenden hier war es im Frühling um

15 Grad zu warm«, erläutert der Geograf.

Ausnahmezustand in der Arktis. Trotzdem

ist Gniesers Suche nach geeignetem Skigelände

erfolgreich. Wenig später brummt

ein Schlauchboot mit einem Erkundungstrupp

in Richtung einer kleinen Bucht.

Als die Guides vom Land aus grünes Licht

geben, dürfen auch die Gäste folgen. Sack

und Pack, Mensch und Ski müssen jetzt ans

46 Bergsteiger 12 ⁄13


Ufer. Die Fahrt im Zodiac ist ein spritziges

Vergnügen.

Nach der Landung Irritation. So hatte sich

die Freeride-Fraktion das nicht vorgestellt.

Brusthohe Büsche verhindern fast den

Abmarsch vom Ufer. Dann hart gefrorener

Moränenschutt. Erst im flacheren Gelände

kann die Gruppe die Steigfelle aufziehen.

Dann weiter auf Ski – gemächlich über

flache Hänge. Für manchen Heißsporn

fast zu gemächlich. Schließlich ist die

Zunge vom »Skislope«-Gletscher erreicht.

Blassbläulich und nackt liegt er da, wie

im Vorwinter. Den eigentümlichen Namen

trägt das Eisfeld, weil die Einheimischen

gelegentlich das Tal mit ihren

Schneemobilen hinaufdonnern, um es

auf Ski wieder hinab zu sausen. Doch

heute bleibt alles still.

Kein Wunder, denn auf dem blanken Gletschereis

fährt niemand freiwillig. Spalten

und Gletschermühlen lauern unter der

dünnen Schneeauflage. Vorsichtig tastet

sich der Skitourentrupp noch ein Weilchen

über das Eis. Als Schneetreiben aufkommt,

ist das Experiment beendet.

Durchsicht: bizarre Eisformationen

am Tateraat-Gletscher

Umsicht: Bei Windstärke 8 schnallt man

die Tourenski lieber gut fest.

Wer ins steile Gelände will, muss auf

Grönland erstmal flach marschieren.

Im Grenzraum der Erde

Ganz anders zwei Tage zuvor. Im Inneren

Fjord bei Nuuk der erste Kontakt mit der polaren

Landschaft. Obwohl das Tourengebiet

nur ein paar Seemeilen von der grönländischen

Hauptstadt entfernt ist, sind Skitouren

in diesen Breiten ein echtes Abenteuer.

»In dem Gelände, in das wir da vordringen,

da gibt es keine Spuren, keine Wegweiser«,

sagt der Innsbrucker Bergführer Christoph

Höbenreich. Das Blitzen in seinen Augen

zuckt fast durch die Gletscherbrille. Jahre

hat der Arktisprofi in den eisigsten Regionen

der Welt verbracht. Nun schwärmt er

von der Menschenleere, der Abgeschiedenheit

in den Grenzräumen der Erde.

Sadlen heißt der Hauptgipfel auf der Sadel-

Insel im Inneren Fjord. Ein flacher Buckel,

an dem mancher der Skitouren-Experten

achtlos vorbei schauen würde. In Grönland

sind die 1200 Höhenmeter bis zu

seiner Spitze doch etwas Besonderes. Wo

sonst mischt sich das Klacken einschnappender

Tourenbindungen mit dem leisen

Plätschern anlandender Wellen? Vielleicht

ist es auch der Gegensatz vom dunkelblau

schimmernden Meer zu den blendend

weißen Schneefeldern. Oder das Gefühl,

immer weiter weg zu steigen von der

menschlichen Welt, während der heimatlich

anmutende Dreimaster immer kleiner

wird unten auf dem Wasser. Vielleicht ist

es auch das Kribbeln der Pioniere, das einen

erfasst, wenn man auf Berge tourt,

Aussicht: Die Ausgangspunkte erreicht man

in Grönland am besten per Schlauchboot.

TIPP

Rembrandt van Rijn

Der Dreimaster war ursprünglich als

Heringslogger im Einsatz. Erst seit 1994

transportiert der Focksegler Menschen,

nachdem er zum Passagierschiff umgebaut

wurde. Bei 56 Meter Länge und 7 Meter

Breite ist für die 33 Passagiere und die

Crew verhältnismäßig viel Raum an Bord.

Die Kojen bieten allemal so viel Platz wie

ein Lager in einer Alpenhütte. Daneben gibt

es zwei große Aufenthaltsräume, eine Bar

und viel Fläche auf den Außendecks, wo es

aber empfi ndlich kühl werden kann.

Die »Rembrandt van Rijn« ist kein Eisbrecher.

Wegen ihres verstärkten Bugs ist sie aber

geeignet für Expeditionsfahrten zu kleinen

Inseln. In den Fjorden fährt sie meist mit

der Maschine. Wenn Wind aufkommt und

genug Platz auf dem Wasser ist, setzt der

Kapitän die Segel: ein malerisches Schauspiel

nicht nur für Landratten. Für Landgänge

muss man in robuste Schlauchboote,

so genannte Zodiacs, umsteigen.

12 ⁄13 Bergsteiger 47


Steile Fjorde: Die Suche nach dem Ausgangspunkt

ist bisweilen knifflig.

Gar nicht so flach: auf einem namenlosen

Gipfel auf der Insel Hamborgerland

Skitour auf grönländisch:

Abgeschwungen wird am Strand.

die bislang kaum ein Mensch besucht hat.

Vier Stunden dauert der Anstieg über nur

leicht verschneites Geröll, über windverpresste

Harschtafeln. Aber am Ende findet

Höbenreich dann doch eine Reihe von

Schneefeldern, über die es sich trefflich

hinunter wedeln lässt. Nordseitig fast. Und

sogar mit ein bisschen Powder, der auch die

letzten Skeptiker überzeugt.

Eigentlich kann es nicht all zu schwer sein,

vernünftige Skitouren auf Grönland zu

finden, sollte man meinen. Die Fjorde des

Nordmeeres ermöglichen es, auf dem Wasser

tief ins Inselinnere vorzudringen. Doch

ein Landgang ist meist nur dort möglich, wo

die Eismassen sich ein Bett bis auf Meeresniveau

gegraben haben. Und dann heißt es

erst mal laufen, laufen, laufen, bis die riesigen

Gletscherbecken durchschritten sind.

Die Abfahrtshänge liegen meist ein ganzes

Stück von der Küste entfernt. Bis dahin aber

geht es durch urweltliche Landschaften,

wie man sie sonst nur in Alaska, in Patagonien

oder der Antarktis findet.

So auch am Tateraat-Gletscher. Kaum hebt

sich die gar nicht so zierliche »Rembrandt

van Rijn« von der mächtigen blauen Wand

ab, die hier ins Polarmeer kalbt. Immer wieder

brechen kleine Eisberge ab. Der stattliche

Segler verkommt zur winzigen Staffage

vor dieser Naturkulisse. Hier lernt man

schnell, dass die Dimensionen der Arktis

das bisher Gekannte sprengen. Wo sich die

mächtigen Eisströme des Tateraat vereinigen,

ist ein Areal entstanden, gegen das der

Aletschgletscher wie eine Miniatur wirkt.

Wer suchet, der findet: endlich Pulver,

trotz »nordatlantischer Oszillation«

Das Ende der Welt ist übersichtlich: Fels

und Wasser in allen Aggregatzuständen

KOMPAKT

Schippernd zum Skitourengehen

Reise: Es gibt kein besseres

Verkehrsmittel, um in Grönland

zum Startpunkt einer Skitour

zu kommen. Und kein anderes.

Bei so einer Reise dient

ein Schiff als schwimmendes

Basislager. Der Kombi-Trip

mit Segelschiff und Ski hat

Expeditionscharakter. Jeden Tag

stehen Landgänge und Touren

in Westgrönland

auf dem Programm – abhängig

vom Wetter und den Eisbedingungen

auf dem Meer.

An Bord sind mehrere Bergführer,

die für die Sicherheit

auf den Skitouren verantwortlich

sind. Auch für Schneeschuhgeher

gibt es Angebote.

Bester Zeitraum: April, Mai

Anreise: Per Linienfl ug von

Kopenhagen (DK) via Kangerlussuaq

(GL) nach Nuuk oder

Maniitsoq.

Anbieter und Buchung:

Die Bergführer (DE),

www.die-bergfuehrer.de;

Oceanwide Expeditions (NL),

www.oceanwide-expeditions.com

Generelle Informationen:

www.greenland.com

Karte: www.openstreetmap.org

48 Bergsteiger 12 ⁄13


Ungewohnte Dimensionen

Wer im schroffen Westgrönland auf Berge

hinauf will, braucht Ausdauer und Weitwander-Ambitionen.

Dafür aber wird der

Skitourengeher mit Eindrücken belohnt,

die er nicht so schnell vergisst. Vor allem ist

es die Stille, die auffällt – wenn sie denn

auffällt. Bei den Touren lässt Christoph

Höbenreich die Gruppe darum manchmal

innehalten. »Lauscht einfach mal drei Minuten:

Nach draußen, aber auch in euch hinein«,

rät der Guide. Kein Nesteln mit dem

Reißverschluss! Kein Schnauben durch die

Nase! Kein aufgeregtes Getrappel mit den

Ski! Es fällt manchen schwer, auch nur für

eine kurze Weile zur Ruhe zu kommen.

Aber dann kommt die Ruhe auch zu ihnen.

Kilometerlang haben die Bergführer samt

ihren Gruppen schon ihre einsame Spur

durch den nicht enden wollenden Gletscherboden

gelegt. Bald ist klar: Der Sattel

am Ende des Anstiegs markiert den Umkehrpunkt

der Tagestour. Der Weiterweg

auf eine der umliegenden Bergspitzen

würde noch Stunden dauern. So mutet die

Abfahrt genauso kontemplativ an wie der

Weg hinauf. In beschaulichem Gleiten geht

Es fällt manchen schwer, auch nur für eine kurze Weile zur

Ruhe zu kommen. Aber dann kommt die Ruhe auch zu ihnen.

es hinaus über den Tateraat-Gletscher, bis

wieder die »Rembrandt van Rijn« in Sicht

ist. Als die Gruppe zu den letzten Schwüngen

am Ufer ansetzt, hat der Käptn schon

die Zodiacs Richtung Land geschickt, um

seine Passagiere einzusammeln.

Richtig zackig sind dagegen die Höhen auf

Hamborgerland. Die felsige Insel mit ihren

schroffen Gipfeln liegt etwas nördlich

der kleinen Ortschaft Maniitsoq. Und hier

gibt es Anstiege, wie sie Alpinisten lieben:

Steil geht es vom Ufer weg durch ein enges

Couloir. Dann 900 Höhenmeter im perfekt

geneigten Skigelände hinauf zu einem namenlosen

Gipfel. Ein Wechtengrat und die

kecke Felspyramide obendrauf schaffen

hochalpines Ambiente. Da darf der Schnee

auch ruhig ein wenig harschig oder verblasen

sein. Wo die gleißende Wasserfläche

des Ewigkeitsfjords in Sicht kommt, setzen

auch die ambitioniertesten Fahrer zum

Stoppschwung an. Diese Impression will

sich keiner entgehen lassen. »Wer diese

Wildnis einmal erlebt hat, der will das immer

wieder«, sagt Höbenreich in die Stille

hinein. Und die meisten ahnen, dass auch

sie längst vom Polarvirus infiziert sind. ◀

12 ⁄13 Bergsteiger 49


BERGBILDER

Fotowettbewerb: Winter in den Bergen

Kristallwelten

Wenn die Bergwelt in Weiß getaucht ist, bedeutet das

beim Fotografieren eine besondere Herausforderung.

Kontraste richtig einschätzen, die richtige Belichtung

wählen. Für den BERGSTEIGER verrät der Bergfotograf

und Autor Heinz Zak exklusiv Tipps und Tricks.

Heinz Zak: Bergfotograf,

Extremkletterer, Autor

Für viele ist der Winter die »Anti-

Foto-Jahreszeit«. Es gibt kaum

Farben in der Natur, es ist kalt, und viele haben

schon deshalb keine Lust zum Fotografi eren.

Dabei hat auch der Winter in den Bergen seine

besonderen Reize! Die kalte Luft hat weniger

Feuchtigkeit und ist – zumindest am Berg – oft

richtig klar. Der Himmel ist dann besonders

blau, und die Sonne strahlt kristallklar. Morgenund

Abendrot auf schneebedeckten Bergen

leuchtet in wunderbarem Orange. Der Schnee

selbst bietet vielfältige fotografi sche Möglichkeiten:

Neuschnee oder Rauhreif verzaubern die

Landschaft, Spuren der Ski bilden interessante

Linien, der Wind zeichnet bizarre Muster.

1 Manuelle Belichtung

Kontrastreich: Gipfelglück auf der Schaufelspitze, Stubaier Alpen

Wenn man die Belichtung nur über den Modus

»Automatik« zu ermitteln versucht, gelangt man sehr

schnell an Grenzen. Resultat sind falsch belichtete

Bilder. Außerdem ist es ein Qualitätsmerkmal eines

Fotografen, wenn er selbständig Belichtungszeit

und Blende einstellen kann. Die Schwierigkeit für

den Amateur besteht darin, sich grundsätzlich mit

dem Thema »Belichtung« auseinanderzusetzen.

Die Kamera hat einen Belichtungsmesser eingebaut,

der auf eine »18 Prozent Graukarte« geeicht ist.

Die ganze Thematik ist sehr umfangreich und gar

nicht so einfach. Ich selbst kann hier nur in Kürze

sagen: Ich belichte immer mit »Spotmessung« und

manuell und suche mir die richtige Belichtung in

einer Fläche, deren Helligkeit ich ungefähr beurteilen

kann. Klingt verwirrend, wenn man es nicht selbst

probiert. Auf graue Flächen gemessen muss ich die

Belichtung nicht, auf weiße Flächen hin gemessen

ins »Plus« korrigieren. Und das Beste an der manuellen

Belichtung: Wenn ich etwas daneben liege, kann

ich schnell selbst in die richtige Richtung korrigieren:

Nur so kann ich Bilder mit der Sonne und dem

Bergsteiger richtig belichten!

Die richtigen Winter-Vorkehrungen

Sonnenaufgang: Blick vom Wilden Pfaff

Kälte fordert Mensch und Material

besonders stark.

Die Kälte beeinfl usst die Lebensdauer der Akkus

beträchtlich. Verlassen Sie sich nicht auf Ihre Erfahrungen

vom Sommer – ein Reserve-Akku gehört

ohnehin standardmäßig in die Fototasche.

Um die richtige Zeit und Blende einzustellen, muss

man ohne Handschuhe fotografi eren. Besorgen

Sie sich Fäustlinge mit einer abklappbaren Kappe.

Das Raus- und Reinschlüpfen in Fingerhandschuhe

ist mühsam, es wird einem schnell zu kalt.

Wenn wir aus der Kälte in einen warmen, mit

Menschen gefüllten Raum kommen, kondensiert

die hohe Feuchtigkeit sofort an den Flächen

der Optik. Gedulden Sie sich unbedingt und ver -

suchen Sie nicht, das Kondenswasser von der

Linse zu entfernen. Die Linse wird sich sofort

wieder beschlagen und Sie laufen Gefahr, die Oberfl

äche zu zerkratzen. Legen Sie die Kamera in

einen möglichst trockenen Raum, wo sie langsam

aufgewärmt wird.

Vorsicht! Wer auf einer Skitour für ein Foto aus

der Spur geht oder fährt, muss die Lawinenlage

beziehungsweise Spalten am Gletscher in seine

Abwägung mit einbeziehen.

50 Bergsteiger 12 ⁄13


Das Faszinierende am Detail: Kristallstrukturen vor den Ahrnspitzen, Wetterstein

Tiefenschärfe

2

Um so viel Schärfe von vorne bis ganz hinten ins

Bild zu bekommen, muss man ebenfalls manuell

belichten und die Blende auf eine kleine Öffnung

stellen, auf Blendenzahl 16 oder sogar 22. Es ist

dann noch eine kritische Entscheidung, auf welchen

Punkt im Bild man scharf stellt. Meine Regel:

Der Vordergrund muss scharf sein. In diesem Bild

also die etwa zehn Zentimeter großen Rauhreif-

Kristalle. Das Spiel mit dem Bildaufbau ist ferner

eine spannende Angelegenheit: Wie viele Kristalle

will man in den Vordergrund setzen, wie viel vom

Berg soll man noch sehen? Jeder hat hier seine

individuelle Perspektive, bei der er sich wohlfühlt.

Ein Wintertraum: beim Aufstieg auf die Wildspitze im Ötztal

3 »Weiß« ist kritisch!

Die Darstellung von »Weiß« ist die Schwachstelle

der Sensoren in der Digitalfotografi e. Besonders

kritisch für die Qualität der Fotos wird es, wenn

»Weiß« zu hell belichtet wird. Solange wir nur große

weiße Flächen fotografi eren, ist das kein Problem,

selbst wenn man mit »Automatik« fotografi ert. Wenn

dann aber ein Mensch groß ins Bild kommt, muss

der Fotograf den hohen Kontrast zum hellen Hintergrund

unbedingt berücksichtigen. Die Automatik

der Kamera würde dann leider zu hell belichten!

Weiße Flächen haben dann schnell keine Struktur

mehr. Solch ein Foto ist für einen Profi unbrauchbar.

Die beste Lösung ist ohnehin die Umstellung auf

»Manuelle Belichtung«.

4

Aufhellblitz

Gerade bei Personen im Bild ist es im Winter

besonders wichtig, das fehlende Licht im Gesicht

durch einen Aufhellblitz zu erreichen. Nicht jeder hat

ein externes Blitzgerät zur Verfügung, und ausgerechnet

dann, wenn wir es brauchen, liegt es bestimmt

daheim im Schrank. Ein kleiner Aufhellblitz an der

Kamera selbst wirkt aber sprichwörtlich »Wunder«.

Er bringt nicht nur Licht ins Gesicht, sondern

eliminiert auch ungern gesehene Falten. Je nach

Aussage des Bildes können wir die Intensität des

Blitzes beliebig reduzieren. Optimal ist natürlich

ein Blitzlicht, das leicht von der Seite kommt – das

Gesicht bekommt dadurch mehr Tiefe.

Weitere Tipps und Bildbeispiele gibt es beim

nächsten Fotowettbewerb zum Thema »Frühling«

in der März-Ausgabe des BERGSTEIGER!

Zauberhaft: auf Tour im Hochstubai

Profitour bei den

Fototagen in Oberstdorf

Schicken Sie uns Ihre besten Winterbilder!

Der Hauptgewinn ist die Teilnahme bei den

»Outdoor-Fototagen Fellhorn/Nebelhorn mit

Gipfelbiwak« (13.–14. Juni 2014) und zwar

mit dem Profi Heinz Zak. Die Plätze 2 bis 5

erhalten jeweils ein Bruckmann-Buch »Die

hohen Dreitausender der Alpen«. Teilnehmen

kann jeder Hobbyfotograf. Bis zu drei Bilder

dürfen digital zunächst in niedriger Aufl ösung

an bergsteiger@bruckmann.de eingesandt

werden. Wir veröffentlichen die besten Bilder

mit Kurzbesprechungen von Heinz Zak. Bild-

Collagen werden nicht bewertet. Einsendeschluss

ist der 31. 01. 2014. Der Rechtsweg

ist ausgeschlossen.

12⁄13 Bergsteiger 51


KOLUMNE

Beschränkt

Bergsteiger brauchen keine Ratschläge von Menschen,

die zwanghaft ihr Leben entrümpeln. Für Gipfeltouren

beschränken wir uns freiwillig. Kampagnen

von Outdoor-Firmen perlen an uns ab. Von wegen.

Foto: privat; Illustration: Max Baitinger

Sandra Zistl

ist im bayerischen Oberland

an und mit den Bergen

aufgewachsen. Sie arbeitet als

freie Journalistin und Autorin

für verschiedene Zeitungen

und Magazine. Die 34-Jährige

schreibt im Wechsel mit Axel

Klemmer, Caroline Fink und

Eugen E. Hüsler über das aktuelle

Geschehen in den Bergen.

Interessant, dachte ich mir, als ich zum

ersten Mal von Menschen las, die von sich

behaupten, nur 100 Dinge im Leben zu

brauchen. Socken einzeln gezählt. Seit etwa

zwei Jahren bekennen sich immer mehr

Männer und Frauen zu einem angeblich

neuen Minimalismus. Sie schreiben Bücher

und Blogs voll mit ihren Erkenntnissen dazu,

wie es ist, Kleidung und Freundeskreis

auszumisten (sic!), den Fernseher wegzuwerfen

und dann plötzlich weniger Ballast

und mehr Zeit für die verbliebenen Freunde

zu haben und sich selbst dabei mehr zu spüren.

»Downsizing« nennen sie das.

Nicht reden, machen

Was für ein Schmarrn, dachte ich mir. Wenn

ich mich einschränken wollte, würde ich

das vielleicht ein paar Freunden erzählen.

Ansonsten aber einfach machen. Vor allem

muss ich nicht meinen Fernseher wegwerfen,

um auf die Idee zu kommen, Freunde zu

treffen. Ich komme eh nicht zum Fernsehen,

da ich in meiner Freizeit Freunde treffe oder

in die Berge gehe. Den Rucksack packen und

genau überlegen, was da wirklich hineinmuss,

das ist mein Minimalismus; statt Abwechslung

vor Bildschirmen zu suchen, auf

ein Highlight des Tages setzen: den Gipfel;

und dort eine einfache Brotzeit genießen.

Es geht Ihnen doch genauso, oder? Lust an

der Verschwendung ist nicht das, was Bergsteiger

auszeichnet. Im Bewusstsein, kein

Kapitalismusopfer zu sein, das nur deshalb

etwas nachfragt, weil es so viele Sachen angeboten

bekommt, hakte ich den Minima-

listen-Trend für mich ab. Dann ging dieser

unbeschreiblich schöne Sommer zur Neige.

Erste kühle Tage brachten das Bewusstsein

zurück, dass man am Berg bald nicht mehr

nur mit einer Notfall-Regenjacke auskommen

würde.

Kauf mich nicht!

Eine Daunenjacke, das wär’ mal was. Ich

liebäugele schon seit langem mit einem

dieser neuen Teile, die total dünn und total

warm sind. Im Internet stieß ich nicht nur

auf eine erschlagende Fülle total teurer Jacken,

sondern auch auf die Kampagne eines

sehr bekannten Herstellers. Mit dem Spruch

»Kaufen Sie diese Jacke nicht!« bewirbt er eine

neue Fleece-Jacke. Was das soll? Der Hersteller

fordert seine Kunden bereits seit zwei

Jahren dazu auf, statt ständig Neues zu kaufen,

die alten Sachen aufzutragen, zugunsten

der Umwelt. Oder nach gebrauchten zu

suchen. Dafür betreibt er auf seiner Homepage

und bei Ebay einen Internet-Shop.

Ertappt, dachte ich mir. Gerade fühltest du

dich noch als glorreiche Undercover-Minimalistin,

doch kaum wird es kühler, kehrt

Kauflust ein. Gut, dass es so weise Hersteller

gibt, die unsere Bedürfnisse downsizen.

Klar, dass das bei Bergsteigern zieht. Dachte

ich. Bis ich nachforschte, wie sich die Verkaufszahlen

des Unternehmens seit der

Kauft-nicht-Kampagne entwickelt hatten:

ein Drittel mehr Umsatz als im Vorjahr. Die

Outdoor-Klamotten, die man nicht kaufen

sollte, fanden reißenden Absatz. Unter

Bergsteigern. Sehr interessant.


52 Bergsteiger 12 ⁄13


photo: Espen Mortensen www.esmofoto.no

DYNAMIC PERFORMANCE

Product: Aletsch Jacket

WATERPROOF

BREATHABLE

WINDPROOF

WWW.SYMPATEX.COM


TIPP

12 Tourenkarten zum Mitnehmen

Die besten Touren aus Bergsteiger 12/13

Diablerets, Mariazeller Land, Lungau,

Dachstein, Rofan, Comer See, Provence

Abtrennen

Falten

Einstecken

1 Le Montet,

2 Via Sacra,

5 Bayreuther Hütte, 6 Streichkopf,

3 Plassen,

4 Gosauseen –

leichte Rundwanderung

auf guten Wegen

lange Wanderung ,

meist auf Forstwegen

technisch unschwieriger,

steiler Anstieg

landschaftlich eindrucksvoller

Weg

teils steiler, teils schrofiger

Gipfelaufstieg

Hallstatt, stiller Steig

durch Karstgelände

11 Rocher du Caire,

12 Rocher de

10 Monte San Primo, 9 Monte Barro,

7 Lachriegel,

exponierter Aufstieg,

oben Genusswanderung

Chalancon, großteils

auf bequemen Wegen

leichte Höhenwanderung

mit viel Aussicht

kurze, am Gipfel steile

Tour, Kletterstellen (I)

einfache Rundtour durch

Landschaftsschutzgebiet

8 Wiesberg,

Sonnenhang zur

Wildbachhütte

GPS-Daten als Download unter www.bergsteiger.de, falls vorhanden

Tourenart

Schwierigkeit

Wandern Klettern Klettersteig Hochtour Skitour

Blau: leicht Rot: mittel Schwarz: schwierig


TIPP

Diableretsgruppe Le Montet (689 m)

1

Im Salzbergwerk von Bex und beim Steinbruch auf den Hügeln von Montet

Auf dieser kleinen Rundwanderung wird das alte, aber noch immer betriebene Salzbergwerk

von Bouillet erreicht, für dessen Besichtigung man sich unbedingt zwei Stunden Zeit nehmen

sollte. Die Eindrücke, die man im Schaubergwerk gewinnen kann, sind einzigartig.

aus Bergsteiger 12/2013– Seite 64

380 Hm | 3¼ Std.

normale Wanderausrüstung;

Stöcke empfehlenswert

Talort: Bex (430 m)

Ausgangspunkt: Les Dévens (489 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt: Breite N

46.271160° Länge E 007.014393°

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung

Kindereignung: ab ca. 8 Jahren

Entfernung: 9,65 km

Gehzeiten: Aufstieg 2½ Std., Abstieg ¾ Std.

Beste Jahreszeit: Frühling bis später Herbst

Karte: Kompass-Digitalkarte 1:50 000, Blatt 4312 »Schweiz«

Informationen: Offi ce de tourisme de Bex, Avenue de la Gare 24,

CH-1880 Bex, www.bex-tourisme, Tel. 00 41/(0) 24/4 63 30 80

Einkehr: Restaurant »Chez le Chat« beim Salzbergwerk

Schwierigkeiten: Die Wanderung verläuft auf teils breiten,

teils schmalen Wegen, die zwar steil auf- oder abwärts führen,

aber kaum durch absturzgefährliches Gelände führen.

TIPP

Mariazeller Land Via Sacra – vierte Etappe

2

Stille Wege in den Wiener Bergen

Mariazell ist der wichtigste Pilgerort für die Wiener, erreichbar in vier bis fünf Tagen über die

Via Sacra oder über den Wiener Wallfahrerweg. Eine der schönsten Etappen der Via Sacra führt von

Türnitz durch die Falkenschlucht bis nach Mariazell.

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 32

690 Hm | 6 Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Türnitz (466 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz Türnitz oder Eingang in die

Falkenschlucht

Endpunkt: Mariazell (868 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Postbus Nr. 552 von

Wien (etwa dreimal am Tag pro Richtung). Von Türnitz an

den Wochenenden Bummelzug bis zum Eingang in die

Falkenschlucht (Infos dazu unter www.tuernitz-noe.at)

Gehzeiten: Türnitz – Eisernes Tor (533 m; 1¼ Std.) –

Eingang Falkenschlucht (601 m, ¾ Std.) – Ulreichsberg (878 m;

1¼ Std.) – am Rottenbach entlang zur Buchtelwirtin (834 m;

¾ Std.) – Hubertussee (825 m; ¼ Std.) – Habertheuersattel

(1015 m; 1 Std.) – Habertheuer – Mariazell (¾ Std.)

Beste Jahreszeit: Je nach Schneelage bis Mitte Dezember

Karte: freytag & berndt 1:50 000, WK 031

Führer: Esterbauer (Hrsg.) »Fernwanderweg Via Sacra,

Wiener Wallfahrerweg«, Hikeline Wanderführer

Information: Mostviertel Tourismus, Tel. 00 43/(0)74 16/

5 21 91, www.mostviertel.info; Tourismusverband Mariazeller Land,

Tel. 00 43/(0)38 82/23 66, www.mariazell.at

Einkehr: Gasthaus Reininger »Buchtelwirtin«, Walstern 18

im Halltal, Tel. 00 43/(0) 38 82/22 35, Mo/Di Ruhetag

Charakter/Schwierigkeiten: Einfache, aber lange Wanderung

meist auf breiten Forstwegen, teils asphaltiert – nur durch

die Falkenschlucht verengt sich der Pfad (bequeme Holzsteige).

TIPP

Dachsteingruppe Plassen (1953 m)

3

Aussichtsberg über dem Hallstätter See

In Verbindung mit dem Aufstieg über den Salzberg ergibt sich eine empfehlenswerte Wanderung,

die einige historisch bedeutsame Stationen beinhaltet, etwa das Schaubergwerk oder die Ausgrabungsstätte

des keltischen Gräberfelds über Hallstatt.

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 68

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Hallstatt (532 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz in Hallstatt, Zufahrt über

den Umgehungstunnel (532 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahn bis Steeg am Hallstätter

See, ab hier Bus nach Hallstatt oder auch Schiff

(von Bahnhaltestelle Hallstatt am Ostufer des Sees)

Gehzeiten: 4 Std. Aufstieg, 3 Std. Abstieg

Beste Jahreszeit: Juli bis Oktober

1450 Hm | 7 Std. Karte: AV-Karte 1:25 000, Nr. 14 »Dachstein«

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Inneres Salzkammergut,

Geschäftsstelle Hallstatt, Tel. 00 43/61 34/82 08,

www.dachstein-salzkammergut.at

Einkehr: Am Rudolfsturm, Tel. 00 43/(0)61 32/2 00 24 90

Charakter/Schwierigkeiten: Ein schöner Aussichtsberg

hoch über Hallstatt mit Blick auf die Dachsteingruppe. Gut

mit einem Besuch des Salzbergwerks und des eisenzeitlichen

Gräberfelds kombinierbar. Auf Friedrich Simonys Rat hin wurden

die dortigen Funde komplett verkauft und damit als vollständige

Sammlung erhalten, sie liegt heute im Naturhistorischen Museum

Wien. Nach dem steilen Aufstieg zum Rudolfsturm folgt ein

ein facher Wanderweg, der im oberen Abschnitt wieder deutlich

steiler wird und hier auch durch Schrofengelände mit kurzen

versicherten Passagen führt; Trittsicherheit ist hier nötig.


TIPP

Diableretsgruppe Le Montet (689 m)

Aufstieg: Von der Brücke über die Gryonne dem Wanderweg

folgen, der neben dem Bach nach NO gering ansteigt.

Nach vielen Wehren zu einer Staumauer. Dort zweigt der

Weg rechts ab, steigt zu einer Straße an und erreicht den

Eingang ins Salzbergwerk. Nach der Besichtigung des

Schaubergwerks links haltend der Wanderwegmarkierung

folgen anfangs ziemlich eben, dann ein wenig auf und ab

zu einer Hangkante. Nun auf dem Weg durch einen Weinberg

ein Asphaltsträßchen queren und an den unteren

Ortsrand von Le Chane. Dort rechts der Wegemarkierung

weiter folgen, ein wenig abwärts, links herum und wieder

auf einen Fahrweg. Auf ihm nach SO zur Bushaltestelle

in einer Straßenkehre, die Straße nach links verlassen,

um einem asphaltierten Fahrweg zu folgen. An Wegverzweigung

rechts abbiegen, an der Schindelmacherei

vorbei, eine Autostraße queren und zu einem Parkplatz

beim Trimmpfad. Beim Ende des Parkplatzes in einem

leichten Rechtsbogen nach O durch den Wald und bei der

Wegverzweigung rund fünf Min. geradeaus zum Findling

Pierra Besse und auf gleichem Weg zur Verzweigung

zurück. Nun gegen SW abzweigen und nach weiteren fünf

Min. zum Bloc Monstre. Neben diesem Findling schwingt sich der

Weg etwas auf und steigt in vielen Kehren gering gegen S durch

den Wald an, bis er schließlich zum Eisenpavillon auf einem

Sturzblock stößt, neben dem er einen Fahrweg quert. Auf beschildertem

Wanderweg zu einem weiteren Fahrweg hinauf. Bei der

folgenden Verzweigung rechts halten und auf einer alten Fahrspur

zu einem breiteren Sträßchen. Auf ihm nach rechts bis zur Scheitelstrecke.

Von ihr auf die erste nach rechts abzweigende Fahrspur

einbiegen und sie sogleich wieder nach links verlassen, um einer

Trittspur zum Gipfel zu folgen.

Abstieg: Vom Gipfel auf der Trittspur zur Aufstiegsroute zurück

und auf dem Fahrweg gegen W weiter bis zur breiten Werksstraße,

die nach rechts in ein paar Min. zum Gipssteinbruch ansteigt. Auf

der Werksstraße ziemlich steil hinab, erst in Talnähe etwas fl acher

und zur Autostraße, der man ein paar Meter nach links folgt. Bei

der Bushaltestelle rechts abbiegen, zwischen dem Gestüt und der

Pilzzucht bis zur Bachbrücke. Dort rechts und neben der Gryonne

zum Ausgangspunkt zurück.

Siegfried Garnweidner

Blick von den Hügeln von Montet zu den Diablerets

Foto: Siegfried Garnweidner

TIPP

Mariazeller Land Via Sacra – vierte Etappe

Route: In Türnitz dem Fluss Türnitz bis zur Mündung der

Traisen bei Auhof folgen. Nun auf asphaltiertem Weg durch

das anfangs weite Tal der Traisen sanft aufwärts, bis sich

der Weg hinter Moosbach an Punkt 483 m gabelt. Rechts

haltend weiter entlang des Flusses, der nun Retzbach

heißt, an einigen Weilern und einzelnen Höfen vorbei.

Kurz vor dem Eisernen Tor geht der Asphalt in Schotter

über. Das Tal wird nun enger, links und rechts des Weges

wächst ein dichter Buchen-Mischwald an den Hängen.

An Abzweigungen immer rechts haltend weiter talein- und

aufwärts bis zum Eingang in die Falkenschlucht. Ein Schild

weist auf diesen etwas holprigeren Wegabschnitt hin. Über

Holzbrücken nun zwischen Felswänden hindurch in die

wildromantische Schlucht, deren Buchenwälder im Herbst

in zauberhaftem Rotgold leuchten. Oberhalb der Schlucht

mündet der Waldpfad wieder in den breiten Forstweg, der

nun wieder etwas sanfter ansteigt zum Sattel zwischen

Karnermauer und Garschkogel. Nach dem Abstieg in den

unscheinbaren Weiler Ulreichsberg auf einer einsamen

Asphaltstraße am Rottenbach sanft abwärts bis zur Buchtelwirtin

kurz vor dem Hubertussee. Als »Buchteln« werden

in Österreich die süßen Hefeteignudeln aus dem Rohr bezeichnet;

bei der Einkehr in die Buchtelwirtin sollte man unbedingt eine

dieser Rohrnudel-Spezialitäten probieren, die es mit Zwetschgenfüllung

und wahlweise mit Eierlikör- oder Mohn-Butter-Sauce

und Sahne gibt. In nur wenigen Minuten zum Hubertussee. Der

Weg rund um den See und weiter an der Walster, wie der Auslauf

aus dem See heißt, ist ebenfalls asphaltiert. Eineinhalb Kilometer

lang folgt man ihm, dann zweigt ein Schotterweg durch die Sattelgrube

auf den Habertheuersattel ab. Der letzte Aufstieg für diese

Tour fordert noch einmal die Beinmuskulatur heraus, dann geht

es – mit herrlichem Ausblick auf den mächtigen Ötscher und auf

den Erlaufsee unter der Gemeindealpe – abwärts nach Mariazell.

Dort erwarten unzählige Souvenirläden mit Devotionalien von

Heiligenfi guren bis zu Rosenkränzen die Wanderer. Sehenswert

sind vor allem die im Vergleich zum Ort riesige Basilika und der

wunderschön gelegene, weitläufi ge Friedhof.

Dagmar Steigenberger

Die Basilika von Mariazell

Foto: Dagmar Steigenberger

TIPP

Dachsteingruppe Plassen (1953 m)

Aufstieg: Aus dem Ortszentrum Hallstatt führt anfangs

durch die Gassen, dann auf einem steilen Treppenweg der

Salzbergweg hinauf zum Rudolfsturm (865 m). Auf dieser

Trasse wurde einst das Salz – überwiegend von Frauen,

sogenannten Kerntragerweibern – vom Salzbergwerk nach

Hallstatt getragen. Alternativ kann man hierher auch mit

der Salzbergbahn vom Ortsteil Hallstatt-Lahn hinauffahren,

diese verkehrt aber erst ab 9 Uhr.

Am keltischen Gräberfeld vorbei steigt man auf dem Weg

640 nun das Tälchen hinauf zum Salzbergwerk (ein Besuch

bietet sich für den Rückweg an) und weiter bergan, an zahlreichen

Stolleneingängen vorbei; man bewegt sich hier durchwegs auf

historischem Boden.

Entweder auf der Forststraße oder auf Fußwegabkürzern hält man

sich im Folgenden über die teils steile Ostfl anke hinauf Richtung

Plassen. Halbzeit bildet der Hohe Wasserstollen (1234 m),

zu dem man sowohl über die Forststraße wie auf dem Fußweg

gelangt. Anschließend geht es bald auf schmälerem Weg durch

Mischwald, dann durch Latschen hinauf zur Hohen Matt

(1572 m). Die Vegetation wird immer spärlicher, der Ausblick

auf den Dachstein dafür immer besser. Kurze schrofi ge Stellen

sind mit Drahtseilen versichert. So steigt man steil hinauf, bis

der Weg auf die deutlich fl achere Nordseite des Plassen geht

und man die letzte Viertelstunde bequem zum Gipfelkreuz des

Plassen ansteigt.

Abstieg: Der kürzeste Abstiegsweg folgt dem Aufstieg.

Andrea Strauß

Panorama: www.peakfinder.org


TIPP

Dachsteingruppe Übergang Gosauseen – Hallstatt

4

Vergessene Pfade auf der Nordseite des Dachsteins

Der Übergang von den Gosauseen hinüber zum Hallstätter See ist

selten begangen und führt durch eine ruhige Gegend, die eher Mittelgebirgscharakter

hat, als dass sie den Gletscherregionen des Dachsteins

ähneln würde; Höhepunkte sind der eigentliche Übergang und

das romantische Echerntal.

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 68

960 Hm | 7 Tage

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Hallstatt (532 m)

Ausgangspunkt: Vorderer Gosausee (937 m),

Endpunkt: Hallstatt (532 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahn bis Steeg am

Hallstätter See, ab hier Bus nach Hallstatt oder auch Schiff

(von Bahnhaltestelle Hallstatt am Ostufer des Sees), den

Ausgangspunkt erreicht man am besten mit dem Bus von

Hallstatt über die Gosau

zum Vorderen Gosausee.

Gehzeiten: 2 Std. zum

Hinteren Gosausee, 2 Std.

zum Bärwurzanger, 3 Std.

Abstieg

Beste Jahreszeit:

Juli bis Oktober

Karte: AV-Karte 1:25 000, Nr. 14 »Dachstein«

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Inneres Salzkammergut,

Geschäftsstelle Hallstatt, Tel. 00 43/61 34/82 08,

www.dachstein-salzkammergut.at

Charakter/Schwierigkeiten: Beim Übergang von den Gosauseen

durch Karstgelände ins Echerntal und hinab nach Hallstatt

handelt es sich um einen selten begangenen Steig, dessen

Reize eher im Kleinen liegen und weniger im großartigen

Panorama. Vom Ausgangspunkt am Vorderen Gosausee bis

zum Hinteren Gosausee folgt der Weg einer Almstraße, dann

wird er schmal, ist aber durch die Wegführung in Karstgassen

eindeutig. Ab dem Echerntal befi ndet man sich wieder in

häufi g begangenem Gelände.

TIPP

Rofangebirge Bayreuther Hütte (1576m)

5

Anstieg aus dem Inntal

Für den Hochsommer kaum zu empfehlen, führt dieser Aufstieg über ideales Gelände, um die Wandersaison

zu verlängern. Die Hütte ist zwar im Winter geschlossen, bietet aber tolle Ausblicke auf Inntal

und Alpenhauptkamm. Konditionsstarke können optional noch das Vordere Sonnwendjoch anhängen.

aus Bergsteiger 12/2013– Seite 20

1050 Hm | 5 Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Münster (541 m)

Ausgangspunkt: Kirchplatz Münster

Öffentliche Verkehrsmittel: Von München nach

Rosenheim und mit Regionalbahn 5117 bis Brixlegg.

Von dort mit Bus 4111 nach Münster; Haltestelle

Gemeindeamt

Karte/Führer: Alpenvereinskarte 1:25 000, »Rofan«.

Michael Pröttel »Das perfekte Bergwochenende«,

Bruckmann Verlag

Fremdenverkehrsamt: Alpbachtal-Tourismus Kramsach,

Tel. 00 43/53 37/2 12 00, www.alpbachtal.at

Hütte: Bayreuther Hütte (1576 m), im Winter geschlossen,

kein Winterraum.

Charakter/Schwierigkeit: Steiler, aber abwechslungsreicher

Anstieg, der etwas Kondition erfordert; keinerlei technische

Schwierigkeiten.

Tipp: Wer früh dran ist und eine sehr gute Kondition hat, kann

zusätzlich das Vordere Sonnwendjoch (2224 m) besteigen

(zusätzlich 3 Std. Gehzeit und 650 Hm).

TIPP

Rofangebirge Streichkopf (2243 m)

6

Vom Achensee auf den Streichkopf

Der südseitige Anstieg von Maurach über die Dalfazalm ins Rofangebirge ist auch dann zu empfehlen,

wenn man den Streichkopf selbst aus Zeitgründen vielleicht nicht erreicht. Denn das davor

liegende, wunderschöne Gelände östlich des Steinernes Tors ist allein schon einen Bergtag wert.

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 20

1250 Hm | 6 Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Maurach (975 m)

Ausgangspunkt: Maurach, Ortsteil Buchau

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der Bahn über Kufstein

nach Jenbach. Von dort mit Bussen 8332 und 4080

nach Maurach/Buchau

Gehzeiten: Buchau – Dafalzalm 2 Std., Dafalzalm –

Streichkopf 1½ Std., Streichkopf – Buchau 2½ Std.

Karte/Führer: Alpenvereinskarte 1:25 000, »Rofan«.

Michael Pröttel »Das perfekte Bergwochenende«, Bruckmann Verlag

Fremdenverkehrsamt: Tourismus-Informationsbüro Maurach,

Tel. 00 43/52 43/53 55-0, www.achensee.info/maurach

Charakter/Schwierigkeit: Landschaftlich sehr schöner und

abwechslungsreicher Anstieg. Für den Streichkopf sollte man über

eine solide Kondition verfügen; keine technischen Schwierigkeiten.

Tipp: Wer früh dran ist, kann vom Streichkopf aus weiter dem Kamm

nach Osten folgen, um in einer weiteren halben Stunde den höchsten

Berg des Rofans, den Hochiss (2299 m) zu erreichen.


TIPP

Dachsteingruppe Übergang Gosauseen – Hallstatt

TIPP

Aufstieg: Vom Ausgangspunkt am großen Parkplatz

beim Vorderen Gosausee folgt man zunächst der Uferstraße

auf der Nordostseite des Sees entlang bis zu

seinem Ende. Die Gehrichtung behält man bei und steigt

nun mäßig steigend an der Gosaulacke vorbei und weiter

bis zum Hinteren Gosausee (1160 m).

Am Südende des Sees folgt man nicht dem Hüttenweg zur

Adamekhütte, sondern zweigt nach links ab zur Hinteren

Seealm unmittelbar am Ufer. An dieser geht man vorbei und

folgt dem Steig, der nach einer Dreiviertelrunde um den

Hinteren Gosausee über die steile Südfl anke hinaufgeht.

Nach einer guten halben Stunde steilen Anstiegs weicht

der Steig einer Schrofenstelle im Hang rechts aus und

zieht dann wieder nach links hinauf, wo sich der Hang

allmählich verengt und zu einer Rinne zwischen Brettkogel

und Lustkogel wird (Weg 613 ab dem Hinteren Gosausee).

Durch die sogenannte Kogelgasse geht es hinauf bis

zu einer Wegverzweigung, wo man sich links hält Richtung

Echerntal und Hallstatt, Weg 613.

Durch das Langtal steigt man auf zum Bärwurzanger

Rofangebirge Bayreuther Hütte (1576m)

Aufstieg: In Münster wendet man sich in Höhe der

Kirche von der Hauptstraße ab und folgt der zum Rofan -

gebirge führenden Straße. Sogleich wendet man sich

nach links und folgt der Straße, die zwischen der Turnhalle

und einem Marterl abzweigt. Auf dieser nun ein langes

Stück entlang, man kommt an den letzten Häusern vorbei

und geht in den Wald und auf eine Lichtung, an der ein

Bauernhof steht. Hier geradeaus dem gelben Schild

»Bayreuther Hütte« folgen. Vor einem letzten Haus wendet

man sich nach rechts auf einen Schotterweg. Man erreicht

eine Art Erdwall und folgt einem Fußweg links bergan.

Bald geht es rechts hinunter und man überquert ein Bachbett.

Kurz danach aufpassen: Der schmale Fußweg gabelt

sich. Man nimmt den linken steileren Pfad. Bald danach

stößt man auf eine beschilderte Gabelung und nimmt

den rechten Weg. Dieser führt über den steilen Bergwald

in Serpentinen empor. Nach knapp zwei Stunden erreicht

man einen Absatz, das Gelände wird fl acher, und man

überquert das Ende einer Forststraße. Auf der anderen

Seite geht es steiler empor. Hier ist der Weg oft laubbedeckt,

man muss auf Markierungen an Bäumen achten.

(1868 m), wo der Steig allmählich zu fallen beginnt – der höchste

Punkt der Wanderung ist erreicht.

Abstieg: Der Abstieg folgt einer Karstgasse, die nach Nordosten

zieht und zur verfallenen Radltalalm führt. Durch das Radltal

geht es im Latschengelände hinab, bis die Vegetation allmählich

wieder höher wird und man beim Jagdhaus Landneralm zu

einer Forststraße kommt. Am schönen Waldbach-Ursprung vorbei

(wenige Schritte unterhalb der Forststraße) kommt man am

Waldbach entlang nach der Waldbachleiten zur Brücke über die

Klamm. Man bleibt rechts und geht auf der teils imposant durch

den Hang führenden Straße hinab, bis man auf einem Fußweg

links steil hinabsteigen kann ins Echerntal. Der Steig führt durch

einen Gletschergarten an wunderbaren Erosionsformen vorbei

und mündet auf den bequemen Weg entlang des Waldbaches.

Auf diesem geht es hinunter nach Lahn und auf der Uferpromenade

nach Hallstatt.

Andrea Strauß

Abermals stößt man auf einen Fahrweg, dem man nach links

folgt. An markanter Kehre verlässt man die Forststraße wieder

(Holzschild »Bayreuther Hütte«) und folgt einem Fußweg. Man

kommt aus dem Wald heraus und sieht die Hütte vor sich liegen.

Hier folgt man ein kurzes Stück einem Forstweg nach links, den

man nach rechts (gelbes Schild) verlässt. Über Almwiesen führt

ein Fußweg zu einem Fahrweg, über den man die Bayreuther

Hütte erreicht.

Der Abstieg erfolgt auf dem Anstiegsweg.

Michael Pröttel

Bei wenig Schnee kann das Vordere Sonnwendjoch

von der Bayreuther Hütte aus auch im Spätherbst

oder Frühwinter noch bestiegen werden.

Der Gletschergarten am Dürrenbach im Echerntal

Foto: Michael Pröttel Foto: Andreas Strauß

TIPP

Rofangebirge Streichkopf (2243 m)

Aufstieg: Im Ortsteil Buchau folgt man der gleichnamigen

Straße nach Westen, um über einen Teerweg (Wegweiser

»Dalfazalm«) auf eine Forststraße zu stoßen. Dieser

folgt man nur kurz, da man weiter auf einem markierten

Weg (Nr. 412) ansteigen kann, der die Straße immer

wieder quert. Durch den Wald geht es weiter auf die steilen

Almfl ächen der Teissalm; kurz davor ist ein Abstecher nach

links zum Dafalzer Wasserfall möglich. Weiter im Almge-









lände ansteigend geht es über viele Serpentinen hinauf zur

Oberen Dalfalzalm. Das Gelände wird nun fl acher, und man wandert

in derselben Richtung weiter, um einen breiten Wiesensattel

mit Steinmann zu erreichen, der östlich des Klobenjochs mit

seinem markanten Steinernen Tor liegt. Der Steig wendet sich nun

nach Osten und führt ohne Orientierungsprobleme über einen

freien Westhang zum Streichkopf hinauf.

Der Abstieg erfolgt auf dem Anstiegsweg.

Michael Pröttel






















Panorama: www.peakfinder.org


TIPP

Lungau Lachriegel (2125 m)

7

Durch die Hochmoorlandschaft am Prebersee

Im Herbst leuchtet das Landschaftsschutzgebiet rund um den

Prebersee in allen Farben. Goldgelbe Lärchenwälder heben

sich gegen den blauen Himmel ab, und darüber tragen die höheren

Gipfel wie Preber und Roteck bereits weiße Mützen.

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 20

950 Hm | 5¼ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Tamsweg (1022 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz am Gasthof Ludlalm,

Prebersee (1514 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit dem Zug über Salzburg

bis Tamsweg, weiter mit dem Bus bis Prebersee

Gehzeiten: Ludlalm – Larahütte (10 Min.) – Wagenberg

(1402 m; 50 Min.) – Golzgraben – Lachriegel (2125 m;

1¾ Std.) – Preberkessel

(2006 m; 1¼ Std.) – Preberhalterhütte

(1862 m;

½ Std.) – Ludlalm (¾ Std.)

Beste Jahreszeit:

Mai bis Dezember, je nach

Schneelage

Karte/Führer: Kompass

1:50 000, Blatt 67 »Lungau – Radstädter Tauern«.

Herwig Mayer »Lungau – Radstädter und Schladminger Tauern«,

Bergverlag Rother, Oberhaching

Information: Ferienregion Lungau, Rotkreuzgasse 100,

5582 St. Michael, Tel. 00 43/(0) 64 77/89 88, www.lungau.at

Hütte/Einkehr: Ludlalm am Prebersee (1514 m), ganzjährig

geöffnet, Tel. 00 43/(0) 64 74/75 52, www.preber.at

Charakter/Schwierigkeiten: Abwechslungsreiche,

einfache Rundtour durch ein Landschaftsschutzgebiet mit

Hochmooren und verwachsenen Lärchenwäldern. Je nach

Schneelage und Kondition kann man die Tour mit einer

Besteigung des Tamsweger Hausberges Preber (2740 m)

um zusätzliche 3 bis 4 Std. erweitern, sollte dabei aber die

Kürze der Tage im Dezember bedenken.

TIPP

Lungau Wiesberg und Wildbachhütte (1806 m)

8

Durch den Herbstwald hinauf zu Sonnenplätzen

Sanfte Hügelkämme, die sich vom Tal im Süden bis zu den hohen Gipfeln im Norden erstrecken,

kennzeichnen den Lungau. Einer davon ist der Wiesberg mit der Wildbachhütte: im Spätherbst ein

Sonnenhang, im Hochwinter ein Rodelberg.

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 20

1050 Hm | 5 Std. (1215 m; 1½ Std.) – Lasa – St. Andrä (¾ Std.)

Beste Jahreszeit: Mai bis Dezember, je nach Schneelage

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Tamsweg (1022 m)

Ausgangspunkt: St. Andrä im Lungau (1055 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit dem Zug über Salzburg

bis Tamsweg und St. Andrä

Gehzeiten: St. Andrä – Lasa (1190 m; ¼ Std.) – Senke

zwischen Wiesberg und Gumma (1½ Std.) – Wildbachhütte

(1806 m; ½ Std.) – optionaler Abstecher auf den

Gumma (2315 m; hin und zurück zusätzlich 2¼ Std.) –

Granglitzalmen (1839 m; ½ Std.) – Vordergöriach

Karte/Führer: Kompass 1:50 000, Blatt 67 »Lungau – Radstädter

Tauern«. Herwig Mayer »Lungau – Radstädter und Schladminger

Tauern«, Bergverlag Rother, Oberhaching

Information: Ferienregion Lungau, Rotkreuzgasse 100,

5582 St. Michael, Tel. 00 43/(0) 64 77/89 88, www.lungau.at

Hütte/Einkehr: Wildbachhütte (1806 m), Tel. 00 43/(0)6 64/

4 10 75 13 oder (0) 64 84/3 28, www.wildbachhuette.com,

Charakter/Schwierigkeiten: Die einfache, aber lange Rundwanderung

lässt sich per Zug gut erreichen. Mit dem Auto kann

man sie abkürzen und über Lessach bis zum Puegger Gut (1450 m),

dem höchstgelegenen Hof im Lungau, fahren. Der Abstieg ins

Göriachtal erfolgt auf breiten Forstwegen – bei viel Schnee kann

man ab der Wildbachhütte auch rodeln.

TIPP

Comer-See-Berge Monte Barro (922 m)

9

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 20

Der Inselberg

Dieser kleine Berg ist ein Phänomen, steht er doch völlig frei zwischen dem Südostarm des

Comer Sees (Lago di Lecco) und dem Lago di Annone. Entsprechend reizvoll ist die Aussicht auf

die Bergumrahmung der alten Eisenstadt Lecco und auf die Seen am Rand der Brianza.

550 Hm | 3¼ Std.

normale Bergwanderausrüstung,

Teleskopstöcke

Talort: Galbiate (371 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz mitten im Ort an der Via

Cesare Cantù. Anfahrt von der Superstrada Milano – Lecco

(Ausfahrten Civate bzw. Lecco-Pescate) zur Ampelkreuzung

in der Ortsmitte. Hier Schild »Monte Barro«, dann

noch etwa 100 m zum Parkplatz.

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung zwischen

Lecco bzw. Civate und Galbiate

Gehzeiten: Aufstieg 1¾ Std., Abstieg 1½ Std.

Beste Jahreszeit: Frühling und Herbst bis in den Winter hinein

Karte/Führer: Kompass 1:50 000 »Lago di Como – Lago di

Lugano«. Eugen E. Hüsler »Wanderführer Comer See«, Bergverlag

Rother, Oberhaching

Fremdenverkehrsamt: ATP Lecco, Via Nazario Sauro 6,

I-23900 Lecco; Tel. 00 39/03 41/36 23 60, www.aptlecco.com

Einkehr: Ristorante Eremo Monte Barro, Montag und Donnerstag

geschlossen

Charakter/Schwierigkeiten: Recht kurze, zum Gipfel hin

aber sehr steile Tour mit einigen kurzen Kletterstellen (I), sehr

sonnig. Aussicht auf mehrere Seen und die Berge rund um Lecco;

bestens markierte Wege.


TIPP

Lungau Lachriegel (2125 m)

TIPP

Wegverlauf: Nach einer kleinen Runde um den Prebersee

lassen wir das Wasser beim Gasthof Ludlalm hinter

uns und marschieren Richtung Westen durch ein Gatter,

das auf einen weiten Almboden führt. Über die Wiesen

geht es der Markierung folgend zu einer Forststraße, die

sich abwärts nach Lessach windet. An der Abzweigung

zum Reitersteig geht es nach rechts auf einem Pfad durch

den Wald und zu einer Holzbrücke hinunter. Auf dieser

überqueren wir den Mühlbach und steigen auf der anderen

Seite wieder auf zur Straße auf den Wagenberg

(1402 m). Am letzten Bauernhof endet die Straße, und

es geht weiter der Markierung nach rechts folgend in den

Golzgraben. Nachdem wir die etwas steilere Steigung

überwunden haben, können wir entweder gleich die Forstraße

nach rechts Richtung Preberkessel wählen oder noch

den Lachriegel (2125 m) als schönen, leicht erreichbaren

Aussichtsgipfel über dem Lessachtal mit einer Aussicht

bis zu den Hohen Tauern mitnehmen. In diesem Fall quert

der Weg die Forststraße und führt weiter steil bergan

durch den Lärchenwald und schließlich über Almböden

zum Gipfelkreuz. Retour geht es auf demselben Weg bis

Lungau Wiesberg und Wildbachhütte (1806 m)

Wegverlauf: Die Rundwanderung beginnt in St. Andrä

am Bahnhof. Hinter dem Zeughaus der Feuerwehr führt

eine Holzbrücke über die Göriach. Eine Alpenvereinstafel

weist dort auf den Wanderweg hin. Ein steiler, rot-weiß-rot

markierter Weg zieht den Hang hinauf zu den Bauernhöfen

von Vorder- und Hinterlasa. Die Durchgangsstraße querend,

geht es nun in den Wald hinein. An der Lichtung, auf

der die Schoberhütte (1352 m) steht, geht der breite

Forstweg in einen schmäleren Weg über. Durch den Fichtenwald,

in den immer wieder gelb verfärbte Lärchen Farbe

hineintupfen, geht es dem Kammverlauf folgend bergan.

Dort, wo der Wald sich lichtet, hat man einen schönen Ausblick

auf die Gipfel der Radstädter Tauern. Immer wieder

zweigen links und rechts Steige ab, die man getrost ignorieren

kann. Lediglich das mit dichtem Jungwald bepfl

anzte, letzte Stück des Wiesberges umgeht man auf der

rechten Seite und gelangt so in eine Senke. Hier kommt

links der Weg von Göriach, rechts der Weg von Lessach

herauf. Wer übrigens von der Wildbachhütte aus den

Gumma im Visier hat, sollte besser am Puegger Gut über

Lessach starten. Geradeaus geht es weiter zur Wildbach-

zur Forststraße, der wir dann nach links Richtung Osten folgen.

Zwischen den Lärchen bietet sich immer wieder die Möglichkeit,

einen Blick auf die weich geformten Kuppen der Nockberge im

Süden zu werfen. An der Wegkreuzung im Preberhalterkessel weist

ein Schild nach links aufwärts zum Mühlbachtörl (2478 m)

und weiter zum Preber oder auf das etwas schwierigere Roteck

(2742 m). Diese Tour ist allerdings nur bei sehr guter Kondition,

ausreichend Zeit und wenig Schnee zu empfehlen. Zur Prebersee-

Runde folgt man dem Weg nach rechts über die Almböden

bergab zur Preberhalterhütte, einem urigen Almhaus mit sonnenverbrannten

Holzschindeln. Von der Preberhalterhütte führt die

Wanderung geradewegs abwärts über die Ösnerhütte zurück zum

Prebersee und zur Ludlalm.

Dagmar Steigenberger

Am Prebersee startet die

Wanderrunde zum Lachriegel.

hütte, von wo der Weg fast eben zu den Granglitzalmen führt.

In weiten Kehren schlängelt sich der Forstweg ins Göriachtal hinab.

Wer nicht auf der Straße von Hintergöriach bis nach Vordergöriach

gehen will, folgt auf etwa 1320 m der Abzweigung, die zunächst

wieder 100 Höhenmeter bergauf in den Lasengraben führt. Nach

der Bachüberquerung geht es bequem bergab nach Vordergöriach

und auf dem Wanderweg über Lasa zurück nach St. Andrä.

Dagmar Steigenberger

Von der Wildbachhütte aus lässt sich noch

der Gumma mitnehmen.

Foto: Ferienregion Lungau Foto: Ferienregion Lungau

TIPP

Comer-See-Berge Monte Barro (922 m)

Aufstieg: Die Wanderung beginnt auf Asphalt. Vom Parkplatz

an der Via Cesare Cantù folgt man zunächst der Via

Sant’ Alessandro, biegt dann links in die Via dell’ Oliva ein

(Hinweisschild »Monte Barro«). Kurz geht’s steiler bergan,

dann angenehm schattig und nur noch leicht steigend

zum Beginn des »Sentiero delle Creste« (Tafel). Er gewinnt

gleich zügig an Höhe, zunächst noch weitgehend ohne

Aussicht, dann mit ersten hübschen Tiefblicken auf den

Lago di Annone. Der Weg folgt weitgehend dem Südostgrat

des Monte Barro; dabei überschreitet er drei felsige Kuppen

mit jeweils leichtem Höhenverlust dazwischen: Terzo,

Secondo und Primo Corno (814 m). Hinter dem ersten

Horn zweigt links ein Weg ins Valle della Pila ab. Am Gipfelsteig

folgt eine leichte Kletterpassage (I, nicht ausgesetzt),

dann hat man die Höhe des Monte Barro (922 m) gewonnen.

Kontrastreich und sehr stimmungsvoll präsentiert

sich die Rundschau: Wasser und Fels, ganz nah die alte Eisenstadt

Lecco. Eindrucksvoll die breitmassige Mauer des

Resegone, im Norden die Grigne, ein berühmtes Wanderund

Kletterrevier. Bei ganz klarer Sicht, wie sie spät im Jahr

nicht selten ist, zeigt sich am südwestlichen Horizont der

Monviso (3841 m) in den Cottischen Alpen – 250 Kilometer

entfernt!

Abstieg: Er führt in zunächst leicht felsigem Gelände westwärts

hinunter in die Sella dei Trovanti und weiter (Botanischer Garten)

zur ehemaligen Einsiedelei (Eremo di Monte Barro, 741 m)

mit der Kirche Santa Maria, dem Ristorante und dem Archäologischen

Museum. Es präsentiert umfangreiches Fundmaterial

der Ur- und Frühzeitsiedlungen am Berg (geöffnet Mittwoch

14–17 Uhr, Samstag und Sonntag 14–17.30 Uhr).

Direkt beim Ristorante beginnt die »Strada Vecchia«, ein schöner,

gepfl asterter Pfad, über den man im Wald zur Monte-Barro-Straße

absteigt; zuletzt auf Asphalt (Via Monte Barro) hinein nach Galbiate

und zurück zum Parkplatz.

Eugen E. Hüsler

Auf dem Weg zum felsigen Gipfelsteig

Foto: Eugen E. Hüsler


TIPP

Comer-See-Berge Monte San Primo (1688 m)

10

Der höchste Gipfel im »Triangolo«

Der Aussichtsberg schlechthin am Comer See! Dank seiner Lage im Dreieck zwischen den beiden Südarmen

(Triangolo) bietet er ein lückenloses Panorama der Bergketten rund um den See. Und vom Colma

del Piano aus ist seine Besteigung eine genussvolle Kammwanderung – auch noch ganz spät im Jahr!

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 20

560 Hm | 5½ Std.

normale Wanderausrüstung

Talort: Nesso (275 m), Uferort am Südwestarm des

Comer Sees, bzw. Asso (427 m) im Valassina

Ausgangspunkt: Colma del Piano (1124 m), Scheitelpunkt

der Passstraße, die Nesso (13 km) mit dem

Valassina verbindet (12 km von Asso); Parkplatz auf der

Scheitelhöhe

Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie Erba – Canzo –

Asso – Sormano

Gehzeiten: Aufstieg 3¼ Std., Abstieg 2¼ Std.

Beste Jahreszeit: Frühling und Spätherbst. Im Winter (wenn

genug Schnee liegt) sehr schöne Schneeschuhtour!

Karte/Führer: Kompass 1:50 000 »Lago di Como – Lago di

Lugano«. Eugen E. Hüsler »Wanderführer Comer See«, Bergverlag

Rother, Oberhaching

Fremdenverkehrsamt: ATP Lecco, Via Nazario Sauro 6,

I-23900 Lecco; Tel. 00 39/03 41/36 23 60, www.aptlecco.com

Einkehr: unterwegs keine, am Straßenpass das Ristorante La

Colma

Charakter/Schwierigkeiten: Nur wenig anstrengende

Höhen- und Kammwanderung in überwiegend offenem Gelände.

Aussicht gibt’s also bereits unterwegs, das ganz große Panorama

dann oben am Gipfel des Monte San Primo. Die Tour wird im

Sommer gerne von Mountainbikern, im Winter von Schneeschuhwanderern

gemacht.

TIPP

Provenzalische Alpen Rocher du Caire – Rocher de St-Auban (1048 m)

11

Rund um die Geierfelsen

Heute haust wieder eine ansehnliche Kolonie von Mönchs- und Gänsegeiern in dem imposanten

Felsriegel des Rocher de St-Auban. Ein abenteuerlicher Steig führt an den schwindelerregenden

Rand der Abbruchkante, wo sich diese stolzen Greifvögel gut beobachten lassen.

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 20

600 Hm | 4½ Std. Beste Jahreszeit: Immer, wenn kein Schnee liegt; traumhaft

schön zur Frühlingsblüte im Mai.

normale Wanderausrüstung

Talort: Rémuzat (448 m), an der D 94 zwischen Nyons und

Rosans; Parkplatz an der Brücke

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit dem Zug bis Orange;

dann Bus (Ligne 37) zwischen Orange, Nyons, Rémuzat und

La Motte-Chalancon

Gehzeiten: Rémuzat – Rocher du Caire 1½ Std., Rocher

du Caire – Col de St-May 1½ Std., Col de St-May – Rémuzat

1½ Std., Gesamtgehzeit 4½ Std.

Karte: IGN Top 25, Blatt 3139 OT »Nyons.Rémuzat.Baronnies«

Führer: Kürschner »WF Dauphiné West«, Bergverlag Rother

Fremdenverkehrsamt: Offi ce de Tourisme, Place du Champ de

Mars, F-26510 Rémuzat, Tel. 00 33/4/75 27 85 71,

www.remuzat.com

Unterkünfte: Chambres d’Hôtes Entre Terre et Ciel, 4 km von

Rémuzat, Tel. 00 33/4/75 27 54 97, www.entreterretciel.com.

Chambres d’Hôtes Les Bayles bei La Motte-Chalancon, Tel. 00

33/4/75 27 24 38 oder Tel. 06/87 33 43 76, www.lesbayles.com

Charakter/Schwierigkeiten: Der sehr exponierte Aufstieg mit

klettersteigähnlicher Passage (Leiter, Seile) erfordert Trittsicherheit

und Schwindelfreiheit. Auf der Höhe dann Genusstour mit viel Panorama.

Fernglas zur Geierbeobachtung nicht vergessen!

TIPP

w

Provenzalische Alpen Rocher de Chalancon (1025 m)

12

Weitblick übers Oule-Tal

Die Region um La Motte-Chalancon vermittelt Provence pur, doch ohne

die touristischen Umtriebe wie südlich des Mont Ventoux. Mitten im

sonnenausgedörrten Ödland liegt Les Bayles, wo eine alte »Ferme« in

eine nette Unterkunft für Wanderer und Biker verwandelt wurde.

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 20

270 Hm | 3¼ Std.

normale Wanderausrüstung

Talort: La Motte Chalancon (550 m)

Ausgangspunkt: Les Bayles (760 m), Abzweig von D135

1,5 km nach La Motte-Chalancon Richtung Chalancon.

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit dem Zug bis Orange;

dann Bus (Ligne 37) zwischen Orange, Nyons, Rémuzat und

La Motte-Chalancon

Gehzeiten: Les Bayles – Chalancon 1 Std., Chalancon –

Rocher de Chalancon 35

Min., Rocher de Chalancon

– Ferme du Serre la Croix

¼ Std., Ferme – Chalancon

25 Min., Chalancon – Les

Bayles 1 Std.

Beste Jahreszeit: Fast

immer. Schnee im Winter sehr selten

Karte/Führer: IGN Top 25, Blatt 3138 »Dieulefi t«. Kürschner

»WF Dauphiné West« und »Klettersteigführer Westalpen«, beide

Bergverlag Rother

Fremdenverkehrsamt: Offi ce de Tourisme, Place du Pont,

F-26470 La Motte-Chalancon, Tel. 00 33/4/75 27 24 67,

www.lamottechalancon.com

Unterkunft: Chambres d’Hôtes Les Bayles, Tel. 00 33/

4/75 27 24 38 oder 06/87 33 43 76, www.lesbayles.com

Charakter/Schwierigkeiten: Von Les Bayles bis Chalancon

zum großen Teil auf bequemer Fahrpiste. Dann folgt

eine aussichtsreiche Runde zum großen Teil auf steinigen Pfaden,

die etwas Trittsicherheit verlangen. Eine heikle Passage

im letzten Abstieg nach Chalancon ist mit Seilen entschärft.


TIPP

Comer-See-Berge Monte San Primo (1688 m)

Zustieg: Die Wanderung startet sehr gemütlich, fast

fl ach auf einem Sandsträßchen. Es führt vom Colma del

Piano (1124 m) ostseitig um die Kuppe des Monte Cippei

(1233 m) herum in die Kammsenke der Colma dei Cippei

(1185 m). 60 Höhenmeter sind da erst gewonnen, bis

zur Colma del Bosco (1235 m) werden es dann auch

noch nicht viel mehr. Wald (bosco) steht auf dem breiten

Grasrücken keiner, und so genießt man freie Sicht auf die

Höhen rundum, hinab auf die Piano del Tivano und zum

Südwestarm des Comer Sees. Der Monte Gerbal

(1318 m) wird ohne weiteren Höhengewinn westseitig

umgangen; hinter der Alpe Spessola (1237 m; Weggabelung)

geht’s dann endlich spürbar bergan. Der bequeme

Pfad leitet über zwei Kehren in die namenlose Senke

zwischen dem Monte Ponciv (1453 m) und dem langgestreckten

Ostgrat der Cima del Costone (1614 m). Wie

am Monte Ponciv stehen auch hier Sendeanlagen, bei der

weit übers Land schauenden Lage verständlich, aber keine

besondere Zierde. Hinter der Cima del Costone verliert

man am Grat etwas an Höhe, ein letzter kurzer Anstieg

bringt einen dann zum Gipfel des Monte San Primo

(1688 m) mit grandiosem Panorama. Blickfang ist natürlich

der Comer See, den man bis zu seinem oberen Ende überblickt,

spannend die Phalanx der Kalkgipfel über dem (nicht einsehbaren)

Lago di Lecco mit den Grigne und dem Resegone, schlicht

immens die Schau auf den Alpenbogen, vom Monte Disgrazia in

den Bergeller Alpen über die Berner und Walliser Alpen bis zum

Gran Paradiso und zur Cima dell’ Argentera. Bei entsprechender

Sicht (und einem guten Fernglas) kann man links neben der Cima

dell’ Argentera sogar den südlichsten Dreitausender der Alpen,

den Mont Clapir (3045 m) erspähen!

Abstieg: Er erfolgt über den Anstiegsweg; alternativ kann man

auch den knapp südlich des Gipfelkamms verlaufenden Pfad

nehmen.

Eugen E. Hüsler

Am Gipfelkamm des Monte San Primo

Foto: Andreas Strauß

TIPP

Provenzalische Alpen Rocher du Caire – Rocher de St-Auban (1048 m)

Aufstieg: Von Rémuzat (448 m) über die Brücke hält

man sich gleich links am Ufer der Oule entlang. Nach etwa

einem Kilometer beschaulicher Flusswanderung wendet

sich der Pfad gegen die Felsen und steigt abrupt steil an.

Mittels einer Leiter überwindet man eine erste Felsstufe,

quert dann unter überhängendem Fels nach links. Fixe

Seile entschärfen die Kletterei über mehrere Felsbänder

in ein steiles Couloir hinein. Es empfi ehlt sich, die Markierung

zu beachten, die in direkter Linie im festen Fels

aufsteigt. Das ist leichter als die Pfade rechter Hand durch

losen Schutt. Nach schweißtreibendem Aufstieg gelangt

man an den Rand des Plateau St-Laurent und folgt der

Abbruchkante nach rechts durch Garrigue-, Lavendel- und

Kräuterdüfte zum Gipfelkreuz des Rocher du Caire

(777 m, 1½ Std.) mit seinem beeindruckenden Tiefblick

auf Rémuzat. Der Pfad setzt sich am Kamm entlang über

den Rocher de l’Abrot nach Norden fort bis zum höchsten

Punkt am Rocher de St-Auban (1048 m).

Abstieg: Am Ende des Felsriegels knickt die gelb markierte

Route nach Westen, um in den Col de St-May

(975 m, 3 Std.) abzusteigen. Vom Pass folgt man dem

breiten Weg rechts nach Nordosten, ignoriert die Abzweige nach

links und wandert im Bogen nach Süden unter den Felsabstürzen

entlang in einer langen Querung zurück nach Rémuzat (4½ Std.).

Variante: Wer sich den exponierten Zustieg nicht zutraut, kann

den Abbruchrand der Geierfelsen leicht vom Plateau St-Laurent

erreichen. Zufahrt von der D 94 über Saint-May, 4 km nordwestlich

von Rémuzat. Eine gemütliche dreistündige Runde (420

Hm) lässt sich zwei Kilometer oberhalb von der Abbaye de Bodon

(romantischer Aussichtspunkt) starten.

Tipp: Im Haus des Tourismusbüros befi ndet sich auch das Maison

des Vautours. Interessant ist die Videovorführung über Geier;

geöffnet im Winter nur an Wochenenden Sa/So 10 bis 12 Uhr,

14.30 bis 16.30 Uhr, sowie Mittwoch-Vormittag.

Iris Kürschner

Fixe Seile beim Aufstieg zum Rocher du Caire

Foto: Iris Kürschner

TIPP

Provenzalische Alpen Rocher de Chalancon (1025 m)

Aufstieg: Von Les Bayles (760 m) schlägt man den

Fahrweg nach Westen ein. Kurz vor Erreichen einer

»Ferme« zweigt ein Pfad nach links ab und quert unterhalb

des Hauses den Hang. Nach mehreren Bachgräben senkt

sich die Route zum Bach der d’Aiguebelle. Über eine alte

Steinbrücke klettert der Pfad zum nostalgischen Häuserensemble

von Chalancon (763 m) hinauf. Man folgt der

Hauptstraße wenige Meter nach Norden Richtung Pas

de l’ Echelle. Am Wegweiserkreuz geht es dann links in den

Felsen empor. Nach mehreren Serpentinen durch Schuttfl

anken, Steineichen- und Buchsgebüsch ist der Grat des

Rocher de Chalancon (1025 m) erreicht.

Abstieg: Vom Gipfel zieht der Weg weiter nach rechts

bald wieder in den Wald hinab und quert den Hang

im Bogen nach Westen zur D627. Der Straße nach links

folgen, in der Rechtskurve vor der Ferme du Serre la Croix

(893 m) biegt man erneut auf einen Pfad ab, der oberhalb

eines Bachgrabens zunächst nach Süden, dann gegen

Osten zurück nach Chalancon führt. Auf dem Anstiegsweg

zurück nach Les Bayles.

Variante: Wer Nervenkitzel sucht, fi ndet am Fuße des Rocher

de Chalancon einen sehr reizvollen Klettersteig. Die Via ferrata du

Pas de l’ Echelle wurde im Mai 2005 eingeweiht und startet an

der Brücke des Pas de l’ Echelle wenige Meter oberhalb von Chalancon.

Wem die Seilrolle für die Start-Tyrolienne fehlt, nimmt den

Einstieg jenseits der Brücke. Die mäßig schwierige Querung bis

zum Zwischenausstieg ist mit Eisenbügeln mehr als reichlich

gesichert. Danach reduzieren sich die Steighilfen etwas, und ein

paar leichte Überhänge sind zu meistern; Länge 650 m, 198 Hm,

30–45 Min. zum Zwischenausstieg, insgesamt ca. 1½ Std.,

Abstieg vom Gipfel des Tête du Chien (980 m) 20 Min. zurück

zum Ausgangspunkt. Bei Frédéric (Chambres d’Hôtes Les Bayles)

kann die Klettersteig-Ausrüstung gemietet werden.

Tipp: Jeden Montag-Vormittag ist Markt in La Motte-Chalancon.

Iris Kürschner

Brunnen in La Motte-Chalancon

Foto: Iris Kürschner


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AUF TOUR

Die Salle des Gradins

im Salzbergwerk von

Bouillet bestaunen

jährlich etwa 70 000

Besucher.

64 Bergsteiger 12 ⁄13


SERIE: GeoTop-Touren in den Alpen

Teil 15: Das Salzbergwerk von Bouillet

Familien-TIPP

In die Unterwelt

Fotos: www.mines.ch / Saline de Bex

Wie entsteht Salz in der Erde? Was ist der Unterschied

zu Sole? Und was hat Gips damit zu tun?

Ein Schaubergwerk und ein Themenwanderweg in

der Schweiz geben Auskunft. Von Siegfried

Garnweidner (Tour) und Ulrich Lagally (Geologie)

Nur ein paar Jogger hecheln

am Ufer der Gryonne entlang

und dazwischen ein

paar wenige Hunde, deren

Frauchen und Herrchen es

bequem angehen lassen, also weit zurück

bleiben. Wanderer sieht man kaum, dazu

ist der Uferweg neben den vielen Schwellen

im begradigten Flusslauf nicht attraktiv genug.

Das ist aber auch der einzige Abschnitt

der fast zehn Kilometer langen Rundwanderung,

der mit Höhepunkten geizt. Schon

nach einer halben Stunde wird nämlich das

touristische – und geologische – Glanzlicht

der ganzen Gegend um Bex erreicht:

Das Salzbergwerk von Bouillet. Bereits im

Jahr 1684 ist dort der erste Stollen »angeschlagen«

worden, wie die Bergleute es nennen,

wenn sie mit dem unterirdischen Bergbau

beginnen. In der Folge wurden große

Mengen von Steinsalz abgebaut, später ging

man dazu über, das Salz in flüssiger Form,

als so genannte Sole, zu gewinnen.

Eine winzige, elektrische Bockerlbahn bringt

die Besucher vom Eingang des Schaubergwerks

erst einmal zwei Kilometer weit in

den Berg hinein. Mit etwas Glück kann man

die beiden Plätze am Ende des Zuges ergattern,

wo es nicht ganz so eng wie in der Bahn

zugeht, man mehr oder weniger im Freien

sitzt. Anhand der Schienen kann man genau

beobachten, warum das Bähnle auf der Strecke

gerade besonders gerumpelt hat.

Im Berg ist es mit konstant 17° Celsius erstaunlich

warm, aber auch ein wenig anrüchig.

Die umgebenden Felsen bestehen

nämlich zum großen Teil aus Anhydrit

(Calciumsulfat), einem Mineral, das Feuchtigkeit

absorbiert und sich dadurch in Gips

umwandelt. Bei diesem Vorgang entsteht

Wärme und auch ein bisschen Geruch.

Aber daran gewöhnt man sich schnell.

Salz und Sole

Bouillet liegt in der geologischen Baueinheit

des so genannten Ultrahelvetikums

im Nordteil der Schweizer Alpen. Ihre unterschiedlichen

Gesteinsserien, die bei der

alpidischen Gebirgsbildung

deckenförmig

übereinander geschoben

wurden, findet

man gleich nördlich

des oberen Rhonetals.

Von dort erstrecken sie

sich als relativ schmaler,

oft unterbrochener

Gebietsstreifen zum

Thuner See und weiter

bis über den Vierwaldstätter

See hinaus nach

Nordosten.

Entstanden sind die Gesteine

seit dem Beginn

des Erdmittelalters vor

etwa 250 Millionen

Wenn Meeresarme oder Seebecken

durch zunehmende

Verdunstung wiederholt

gänzlich austrocknen, bleiben

häufig Lagen von so genannten

Evaporiten zurück. Diese

auch als Verdampfungsund

Eindunstungsgesteine

bezeichneten chemischen

Sedimente entstanden meist

auf dem Festland in vom

offenen Meer abgeschnittenen

Becken unter ariden Klimabedingungen.

Sie werden entsprechend

ihrer Löslichkeit

aus den konzentrierten Lösungen

in einer festgelegten

Reihenfolge ausgefällt. Je nachdem,

ob erneut Wasser in die

Becken läuft, kann sich die

Abfolge, auch mehrfach und

unvollständig, wiederholen.

Auf Schiene gebracht: alte und neuere Waggons

im Salzbergwerk von Bouillet

12 ⁄13 Bergsteiger 65


KOMPAKT

Le Montet (689 m),

Diableretsgruppe

Charakter: Unschwierige Rundwanderung

durch Weinberge und im Wald mit Blicken

auf die Diableretsgruppe, die Dents du Midi

und zur Mont-Blanc-Gruppe; lohnender

Besuch des Salzbergwerks von Bouillet;

detaillierte Infos gibt es auf den Internetseiten

www.selbex.com und www.mines.ch

Anforderungen: einfache Wanderung

ohne Schwierigkeiten

Ausgangs-/Endpunkt: Les Dévens

(489 m)

Einkehr: Restaurant »Chez le Chat«

beim Salzbergwerk

Gehzeiten: Aufstieg 2½ Std.;

Abstieg ¾ Std.

Karte: Kompass-Digitalkarte

1:50 000, Blatt 4312 »Schweiz«

Tourenkarte 1

Heftmitte

Die Dents du Midi beherrschen den Blick bei der Wanderung auf die Hügel von Montet.

Stollen über 50 Kilometer Länge trieben

die Bergmänner in den Stein.

Mit einer Bockerlbahn fährt man

1,6 Kilometer in den Stollen hinein.

Bei der Wanderung auf die Hügel von

Montet gelangt man auch zum Steinbruch.

Jahren im Randbereich eines Flachmeeres

am Südrand des Europäischen Kontinents.

Die auf diesem Schelf abgelagerten Schichten

bezeichnet man als Helvetikum, da

dieses alpine Deckensystem erstmals in

der Schweiz beschrieben wurde. Den Begriff

»Ultra«helvetikum wählte man wohl

deshalb, weil es sich um die am weitesten

vom Festland entfernten Teile handelt. Sie

entstanden dort, wo das Flachmeer in den

tieferen Thetis-Ozean überging.

Vor etwa 200 Millionen Jahren, zur Zeit

der Obertrias, wurden die Gesteine, die

man heute bei Bex findet, abgelagert. Damals

war das Meer sehr flach, manche Bereiche

waren zeitweise abgeschnürt und

es herrschten hohe Temperaturen. In den

verbliebenen Becken verdunstete das Wasser

und aus den mineralreichen Resten

bildeten sich evaporitische Gesteine, die

Durch Verdunstung von calciumsulfathaltigem

Meerwasser entsteht Gipskristall.

heute vielerorts als mineralische Rohstoffe

genutzt werden.

Schon der erste Raum des Schaubergwerks,

das Reservoir Rond, heute als Empfangssaal

für die Besucher genutzt, beeindruckt

enorm. Denn seine Wände sind mit Gipskristallen

übersät. Bis zu 700 Kubikmeter

Sole lagerten hier, und wegen der Festigkeit

des Felsens konnte man beim Abbau auf

Pfeiler verzichten.

Wanderung durch Weinberge

Dann geht es Schlag auf Schlag. Bei der

Tour durch das Bergwerk erfährt man, mit

welchen Geräten das Salz abgebaut worden

ist, wie man es heute gewinnt, welche wunderbaren

Kristalle gefunden worden sind

und wie die Bergleute ihrer anstrengenden

Arbeit nachgegangen sind.

In den Salinen von Le Bévieux wird die

flüssige Sole aus dem Berg schließlich zu

festem Salz weiterverarbeitet. Heute produziert

man dort rund 100 Tonnen Salz am

Tag, außerdem wird mit Wasserkraft umweltfreundlich

elektrischer Strom erzeugt.

Etwa 70 000 Personen besuchen jährlich

das Salzbergwerk.

Wieder ans Licht gekommen, wird man

gleich von zwei Themenwanderwegen

empfangen: Dem Sentier du Sel (Salzpfad)

und dem Sentier des Vignes (Weinpfad).

Wer ihnen nach Süden durch aussichtsreiche

Weinberge in mehrmaligem Auf und

Ab folgt, kommt schließlich in die dichten

Wälder um den Montet. Dort wecken etli-

Fotos: Siegfried Garnweidner, Sabine de Bex; Grafi k: © Landesamt für Umwelt

66 Bergsteiger 12 ⁄13


Seit dem Besuch der Kaiserin Marie-Louise 1814 trägt das Grand Réservoir ihren Namen.

Findling am Le Montet: der »Bloc Monstre«

che Findlinge wie der »Pierra Besse« und »Le

Monstre« wieder das geologische Interesse.

Große Mengen dieser »Irrblöcke« hatte der

eiszeitliche Rhonegletscher mitgebracht

und in der Region so reichlich hinterlassen,

dass man sie in der Vergangenheit sogar in

großem Umfang als Material für den Hausbau

verwendete. Als sich aber abzeichnete,

dass auch die letzten dieser Eiszeitzeugen

verschwinden würden, setzte sich die

Schweizerische Naturforschende Gesellschaft

für ihren dauerhaften Erhalt ein. Aus

dieser ersten Geotopschutzinitiative entwickelte

sich schließlich die schweizerische

Naturschutzbewegung.

Der weitere Weg führt uns auf den kleinen

und unscheinbaren Gipfel des Le Montet auf

bescheidenen 688 Metern Höhe, der zuletzt

sogar fast weglos bestiegen werden kann.

Wer für Geologie ein besonderes Faible hat,

kann von einer Anhöhe aus ein paar interessierte

Blicke in den großen Gipsbruch nahe

dem Gipfel werfen. In den Steinbruch selber

kann man allerdings nicht hinein, der ist

aus naheliegenden Gründen für Besucher

gesperrt. Das abgebaute Material wird mit

einer Seilbahn ins Tal transportiert, doch

gibt es auch eine Werksstraße. Sie fällt

ziemlich steil durch den Wald ins Tal ab,

bis schließlich bei Les Dévens der Ausgangspunkt

wieder erreicht ist.


IN DER NÄCHSTEN FOLGE: Teil 16: Die Buckelwiesen

zwischen Mittenwald, Klais und Krün

GEOTOP

Salzgewinnung einst und jetzt

Steinsalz, das nur geringe

Verunreinigungen aufweist,

gewann man früher meist

bergmännisch im Trockenabbau.

Die Vorkommen lagen

in der Regel in größerer Tiefe,

weil sie von Oberflächen- und

Grundwasser abgeschirmt

sein mussten. Eine Gewinnung

im Tagebaubetrieb ist selten,

weil sich das Salz, wenn es mit

Wasser in Kontakt kommt,

auflöst. Heute erfolgt die Salzgewinnung

überwiegend im

nassen Verfahren. Bei der so

genannten Aussolung wird das

Aus mineralreichem Wasser, das in seichten Becken verdampft, können Lagen

von Anhydrit entstehen. Nachfolgend eingeschwemmtes Tonmaterial »plombiert«

diese leicht löslichen Schichten. Wenn später Regen- oder Grundwasser

eindringt, kann es den Anhydrit in Gips umwandeln und diesen letztendlich

auflösen. Dann entstehen die typischen Formen einer Gipskarstlandschaft wie

Ponore, Dolinen, Erdfälle, Höhlen und Karstquellen.

Rote

Tonsteine

Karstquelle

toniger Hangschutt

Erdfall

Salz, noch in seiner natürlichen

Position, in Lösung gebracht.

Dazu pumpt man Süßwasser von

der Erdoberfläche, aber auch

von untertägigen Hohlräumen,

durch ein Bohrloch in das Salzlager.

Dort löst sich das Salz

auf, wodurch eine sich langsam

erweiternde Kaverne entsteht.

Sie ist schließlich mit gesättigter

Sole mit einem Salzgehalt

von 26,5 Prozent gefüllt. Durch

eine weitere Bohrung wird

diese Sole vom Boden des Hohlraums

abgepumpt und in

einer Saline zu Salz aufbereitet.

Doline Ponor

Graue Tonsteine

Gips

Höhlen

Anhydrit

12 ⁄13 Bergsteiger 67


INTERVIEW


Das große

Magdalena Neuner

-Interview

»Ich bin Profi in

Entspannung«

Im März 2012 hat sie sich vom Profi-Sport verabschiedet. Mit erst 25 Jahren begann für

Magdalena Neuner, die erfolgreichste Biathletin aller Zeiten, ein neues Leben.

Ohne ständigen Erfolgsdruck. Mit dem BERGSTEIGER hat sie über Gipfelerlebnisse

gesprochen. Alte und neue. Und über Nationalhymnen.

Von Sandra Zistl

Foto: Meike Birck

BERGSTEIGER: Frau Neuner, Sie sind

bekennender Fan der Huber-Buam.

Waren Sie schon mal zusammen am Berg?

Magdalena Neuner: Sich mit diesen verrückten

Kraxlern zu unterhalten, ist total spannend.

Da kann ich auch einfach mal vier

Stunden zuhören. Und sie fragen auch mich,

wie ich manches gemacht habe, suchen Parallelen.

Mit dem Alex Huber musste ich vor

ein paar Jahren klettern. Es war ein Betriebsausflug

mit dem Zoll-Skiteam nach Berchtesgaden.

Eine Katastrophe, ich bin überhaupt

kein Kletterer! (lacht) Der Alex meinte: Du

gehst jetzt gleich mal da rauf. Ich fand’s irre,

zu sehen, wie er da so die Wand raufspringt,

wo meiner Meinung nach gar kein Griff war.

Was sind Sie geklettert?

Äh, eher nichts Schwieriges. Von der Kraft

her bin ich gut raufgekommen (grinst). Aber

ich hatte ein bisserl Probleme mit der Höhe.

Bis vor eineinhalb Jahren haben sich

Höhepunkte in Ihrem Leben in Form von

Platzierungen und Medaillen manifestiert.

Fehlt Ihnen das?

Erfolgserlebnisse im Sport sind intensiv,

aber meist sehr kurzlebig. Man arbeitet

darauf hin, steht oben auf dem Trepperl,

aber das ist dann schnell wieder vorbei.

Der nächste Tag bringt den nächsten Wettkampf

und man fängt wieder bei Null an.

Wie sieht jetzt ein ganz normaler Tag aus?

Darauf war ich auch gespannt. Es ist auf jeden

Fall: total anders. Vorher lief alles nach

Plan. Ich wusste, wann der erste Wettkampf

ist und was das bedeutet. Es war trotz hohen

Anspruchs viel Routine. Jetzt plane ich jede

Woche neu. Wie jeder Berufstätige muss ich

schauen, dass ich den Sport unterbringe.

Was haben Sie für Termine?

Interviews. Foto-Shootings, PR-Termine

mit meinen Sponsoren. Außerdem bin ich

Botschafterin der Björn-Schulz-Stiftung, die

sich für Hospize für schwerkranke Kinder

einsetzt. Das sind recht unterschiedliche Sachen:

ein Benefizkonzert, ein Sommerfest.

Ihr Job ist, Magdalena Neuner zu sein, die

erfolgreichste Biathletin aller Zeiten?

Ja. Wenn ich als Botschafterin oder Testimonial

unterwegs bin, dann immer mit

diesem Nebensatz.

Wo soll die Reise langfristig hingehen?

Ich lasse mich überraschen. Selbst mein Management

ging davon aus, dass ich nach dem

Ausstieg aus dem Profi-Sport noch ein paar

Sponsorentermine haben würde, aber dass

das dann abebbt. Allerdings wurden die Termine

seither immer mehr. Ich habe wirklich

einen Vollzeit-Job. Solange es so läuft, bin

ich froh. Klar, es ist weniger Verantwortung,

als eine eigene Firma aufzubauen. Aber ehrlich

gesagt: Es tut mir gerade so gut, dass ich

abends nach meinen Terminen auch einfach

mal den Kopf ausschalten darf.

Wie war es vorher?

Es war halt ganz normal, dass man immer

denkt: Ich muss trainieren, ich darf nicht

krank werden. Man ist permanent in einer

Drucksituation.

Sie waren jahrelang gezwungen, sich Ziele

zu setzen. Machen Sie das noch?

12 ⁄13 Bergsteiger 69


»Oft geben die

Leute total Gas,

wenn sie mit mir

unterwegs sind.

Ich frage dann

immer: Was

pressiert’s dir

denn so?«

Es gibt konkrete Sachen wie eine Fitness-

DVD, dafür habe ich gezielt trainiert. Gerade

lernte ich wochenlang Nationalhymnen.

Wie bitte?

(lacht) Ende September war ich bei der ARD-

Sendung »Klein gegen Groß«. Da spielt ein

Kind gegen einen Prominenten, den es sich

aussuchen darf. Ein Kind, das alle Nationalhymnen

der Welt kennt, hat mich herausgefordert.

Also habe ich vier Wochen

vorher Nationalhymnen gepaukt.

TOUR

Lenas Lieblingstour: die Soiernspitze (2257 m)

»Unheimlich schönes

Gebiet direkt vor der

Haustüre«

»Mir gefällt der Aufstieg zur

Soiernspitze und zur

Schöttelkarspitze sehr gut, weil

er sehr abwechslungsreich ist.

Vom Gipfel hat man einen

phantastischen Blick, gerade

auch auf die Soiernseen.«

Charakter: Längere

Bergwanderung (6–7 Std.,

1370 Hm) mit tollem

Gipfel-Rundblick

Ausgangspunkt: Seins-Alm

(891 m), unbewirtschaftet

Die der Langlaufnationen kannten Sie vermutlich

schon?

Klar, Russland und Norwegen weiß ich

schon (winkt ab), aber es waren Schweden,

Thailand und Benin. Das Stabsmusikkorps

spielt sie an. Ich hab nur eine von drei gewusst.

Schweden?

(schüttelt den Kopf) Thailand. Momentan

mach ich selbst Musik. Ich übe für eine

Benefiz-CD, die ich gemeinsam mit der

Route: Zunächst geht es auf

einem Forstweg durch den

Bergwald zur Vereiner Alm

(Krinner-Kofl er-Hütte, 1395

m); die Strecke lässt sich auch

gut mit dem Mountainbike

machen. Von der Alm geht ein

Wanderweg (Jöchl – Soiernspitze)

zunächst in nördlicher

Richtung, dann östlich durch

einen dichten Latschengürtel.

Vom Jöchel geht es dann steil

bergan zum Gipfel (2257 m).

Genuss-Tour: auf dem Weg zur Schöttelkarspitze

(2050 m) im Karwendel

»Stoabergmusi« aus dem Chiemgau für die

Björn-Schulz-Stiftung aufnehme. Ich spiele

dazu Harfe und bin schon fleißig am Üben.

Klingt nach einem Rausch. Von allen

Seiten prasseln Angebote auf Sie ein?

Es ist schon ein totaler Luxus, sagen zu dürfen:

Das mache ich und das nicht. Keiner

zwingt mich, Nationalhymnen zu lernen

oder ins Fitness-Studio zu gehen. Momentan

macht mir das Spaß. Aber wenn die

Familienplanung ansteht, werde ich mich

hundertprozentig mehr zurücknehmen.

Ich empfände es nämlich auch als Luxus,

für meine Kinder da zu sein und nur einzelne

Termine wahrzunehmen.

Speist sich daraus Ihre Entspannung?

Ich werde oft gefragt, wie ich mir das finanziell

vorstelle, da ich ja als Selbständige

keine Sicherheit habe. Aber das ist mir gar

nicht so wichtig. Klar, ich rede mich leicht,

weil ich genug auf der Seite habe und es

momentan gut läuft. Aber ich weiß auch,

dass mein Freund als Zimmerer einen guten

Job hat. Der könnte auch eine Familie

ernähren, selbst wenn ich nichts verdiene.

Was nicht realistisch ist, denn ich werde immer

ein bisserl was machen. Ich will damit

sagen: Ich bin, glaube ich, relativ normal.

Ich habe keine Designerklamotten, gebe

nicht viel Geld aus. Ich lege mehr Wert auf

das Zusammensein mit der Familie und

Freunden. Und wer weiß, vielleicht mache

ich mal einen Handarbeitsladen auf (zuckt

mit den Schultern).

Was haben Sie mit Ihrem Trainerschein vor?

Trainieren werde ich nur ehrenamtlich, für

die Kinder. Meine Erfahrung weitergeben,

das halte ich fast schon für eine Pflicht bei

all dem, was mir zuteil wurde. Aber falls Sie

das fragen wollten: Es ist nicht mein Traum,

Bundestrainerin zu werden.

Sie sind am Fuße der Alpen im Oberland

aufgewachsen, leben dort. Könnte ein Ziel

auch mal ein hoher Berg sein?

Das reizt mich überhaupt nicht. Ich gehe

wahnsinnig gern in die Berge, aber nur

zur Entspannung. Man muss sich ja schon

richtig Zeit nehmen dafür. So ein paar Stunden

oder einen ganzen Tag abhauen in die

Natur, die Stille, sich oben mit einer guten

Fotos: privat, Meike Birck (3)

70 Bergsteiger 12 ⁄13


Brotzeit auf den Gipfel setzen – das ist Luxus.

Da ist mir wurscht, ob das ein Dreitausender

ist oder nicht. Selbst wenn es nur der

Schwarzkopf oder der Seinskopf ist, Bergsteigen

ist meditativ, das genieß ich total.

Wie hat sich die Bedeutung der Berge für

Sie verändert?

Mei, früher habe ich halt schon immer auf

die Uhr geschaut und den Trainingsplan

im Kopf gehabt. In meiner Freizeit bin ich

fast nie in die Berge gegangen. Wenn man

die ganze Woche trainiert hat, will man am

Sonntag auch mal die Füße hochlegen oder

spazieren gehen. Ich bin viel in den Wald

gegangen oder halt einfach raus. Auf ein

Bankerl setzen und in die Gegend schauen.

Jetzt können Sie das ja sogar auf einem

Panoramaweg machen, der nach Ihnen

benannt wurde.

Stimmt, der ist zwar nicht lang, aber wirklich

schön.

Reizen Sie andere Regionen der Alpen?

Wir waren heuer in Südtirol im Urlaub und

jeden Tag auf dem Berg. Im Alltag ist es

nach wie vor eine Zeitfrage. Berggehen, das

macht man ja schon lieber mit jemandem.

Ich bin viel am Wochenende auf Terminen,

wenn mein Freund und meine Freunde Zeit

hätten. So geh’ ich halt doch immer wieder

hier irgendwo rauf. Ich hab außerdem

festgestellt, dass ich auf einigen Gipfeln vor

meiner Haustür noch gar nicht war.

Welche sind das?

Das glaubt mir wahrscheinlich kein Mensch,

aber letztes Jahr im September war ich tatsächlich

zum ersten Mal in meinem Leben

auf dem Heimgarten. Echt schön da oben.

Wenn man als ambitionierter Hobbybergsteiger

im Karwendel von jemandem überholt

wird, dann sind das wahrscheinlich Sie.

Von wegen! Ich bin mittlerweile Profi in

Entspannung. Oft geben die Leute total Gas,

wenn sie mit mir unterwegs sind. Ich frage

dann: Was pressiert’s dir denn so? Ich genieße

bewusster, weil ich früher nie Zeit hatte.

Was sind ihre Lieblingstouren?

Der Heimgarten gehört jetzt auf jeden Fall

dazu. Schöttelkar, Soiernspitze und -seen,

»Was man im Sport gelernt hat, kann man auf alle Bereiche des Lebens übertragen.«

»So ein paar Stunden

abhauen in die Natur,

die Stille, sich oben mit

einer guten Brotzeit

auf den Gipfel setzen –

das ist Luxus.«

das ist ein unheimlich schönes Gebiet. Und

direkt vor unserer Haustür.

Interessiert es Sie, was andere Profisportler

in den Bergen so machen?

Total. Die Gössner Miriam (frühere Teamkollegin

Neuners, Anm. d. Red.) war mit den Ski auf

dem Mont Blanc und die Dahlmeier Laura

(Juniorenweltmeisterin, Gewinnerin von Staffel-

Gold beim Weltcup in Sotchi 2013, Anm. d. Red.)

irgendwo hinten in Russland unterwegs.

Die sind total verrückt, und ich bewundere

das total. Aber ich bin überhaupt nicht der

Typ dafür. Ich genieße es, auf eine Alm zu

gehen, einen Berg. Hochalpine Sachen muss

ich nicht haben.

Sie haben als Kind fast alle Sportarten

probiert, bevor Sie beim Biathlon blieben.

Gehen Sie jetzt nach Ihrer Karriere wieder

auf Skitour?

Ich fange gerade an. Tatsächlich dachte

ich, wenn ich mit Biathlon aufhöre, gehe

ich ganz viele Skitouren. Letzten Winter

habe ich dann genau drei gemacht: auf

den Kranzberg und auf die Rauthhütte in

der Leutasch. Nix Spezielles. Für mich ist’s

schwer, jemanden zu finden, der unter der

Woche Zeit hat, und allein mag ich nicht gehen.

Da fehlt mir noch die Erfahrung. Aber

der nächste Winter kommt bestimmt.

Wieviel Sport machen Sie jetzt?

Letztes Jahr habe ich sehr diszipliniert

vier- bis fünfmal pro Woche was gemacht.

Ich hatte im Kopf: Das erste Jahr nach dem

Sport muss ich konsequent sein, weil das

fürs Herz wichtig ist. Jetzt mache ich Sport,

wenn ich Lust habe. Vor allem joggen und

biken. Ganz ohne Druck.

Sie haben sehr jung große Erfolge erzielt.

Wie sind Sie damit umgegangen?

In Antholz bin ich mit 19 dreimal Weltmeisterin

geworden. Das ist erst einmal super.

Die Leute jubeln, die Sponsoren kommen,

die Zeitungen schreiben. Da war ich unbeschwert.

Ich dachte, das ist halt jetzt bei der

WM so. Aber es hat mein Leben verändert.

Was ist passiert?

Ich bin heimgekommen, und plötzlich waren

Journalisten im Garten. Beim Einkaufen

bin ich angesprochen worden, hinter

mir habe ich die Leute tuscheln gehört. Ich

hatte damals kein so gutes Management. Ich

wurde ausgenutzt und überall hingeschickt.

Nach kürzester Zeit war ich ausgebrannt.

Ich wollte nur noch meine Ruhe haben.

Hat vermutlich nicht geklappt.

Die Zeitungen schrieben: Ist ja nett, die hat

dreimal Gold gewonnen, aber was ist im

nächsten Winter? Das ist jeden Tag Druck im

Training. Zum Glück war ich im Jahr drauf,

2008, auch wieder dreimal Weltmeisterin.

Bis dahin war’s schwierig. Ich hab mir dann

einen Mentaltrainer geholt, mit dem ich immer

noch zusammenarbeite. Der hat mich

durch den ganzen Trubel durchgebracht.

Was hat er Ihnen beigebracht?

Mich auf mich selbst zu konzentrieren,

meine Energie für die richtigen Sachen einzusetzen.

Viele haben Vorbehalte, wenn sie

hören: Man macht da Energiearbeit. Meine

Trainer wollten das auch nicht so ger-

12 ⁄13 Bergsteiger 71


Alles eine Frage des Kopfes: Magdalena

Neuner beim Schießen in ihrer aktiven Zeit

ne. Aber ich habe das durchgezogen. Wenn

ich gemerkt habe, dass mir was nicht guttut,

bin ich auch mal nicht mitgefahren auf

Lehrgänge. Klar, dass das den Trainern nicht

passt, aber es hat ja funktioniert. Mir war

klar, dass ich meinen eigenen Weg gehe. Ich

profitiere heute noch davon. Was man im

Sport gelernt hat, kann man auf alle Bereiche

des Lebens übertragen.

Ein Beispiel?

Das klingt jetzt vielleicht blöd. Aber diese

Musik-CD, auf der ich Harfe spiele – ich

bin da so nervös! Als Kind hatte ich mal eine

blöde Erfahrung. Beim Vorspielen hatte

ich einen Blackout. Ich habe heute noch ein

Problem damit. Da will ich jetzt durch.

Sie werden ja mittlerweile sogar auf Podien

eingeladen, um über Motivation zu sprechen.

Was haben Sie für Tipps?

Bei Olympia habe ich jedes einzelne Rennen

im Kopf vorbereitet, mich da richtig hineingefühlt.

Beim Massenstart zum Beispiel

dachte ich am Vortag: Am Anfang klappt es

nicht so mit dem Schießen, aber ich bin läuferisch

super drauf, und beim letzten Schießen

schieße ich null und werde Olympiasiegerin.

Genau so war’s dann. Beim letzten

Schießen bin ich hin mit einem Schmunzeln

und habe einfach null geschossen.

Und was ist Ihr Rezept für Niederlagen?

Analysieren: Was hat mich abgelenkt? Dann

weiß man, man hat das Thema gelöst und

beim nächsten Mal klappt’s wieder.

Sie sind mit Mitte 20 ein Vorbild für viele

Sportler. Haben Sie Vorbilder?

Ich bewundere Steffi Graf. Die kriegt das so

gut hin, ihre Familie zu leben und trotzdem

noch bekannt zu sein. Die Huber-Buam zählen

auch zu meinen Vorbildern, das wissen

Sie ja schon. Wie die das mental machen, da

irgendwo in einer Wand drinzuhängen und

die Nerven nicht zu verlieren… Und als ich

letztens den Neureuther Felix getroffen habe,

hab ich ihm gesagt, wie toll seine Mama

ist. Jeder kennt und mag Rosi Mittermaier.

Jürgen Klopp finde ich als Trainer super. Der

hat ein gutes Händchen für seine Sportler.

Sie haben mit Hans-Dietrich Genscher auf

einem Podium über Optimismus diskutiert.

Da war ich aufgeregt. Er ist so ein bekannter,

ehrwürdiger Politiker. Aber er ist ein total

normaler, netter Mensch. Er ist 60 Jahre älter

als ich, irre, und trotzdem gab es Parallelen,

als wir uns über Optimismus unterhielten.

Was für Parallelen waren das?

Ich bewegte mich immer positiv auf die Sachen

zu, die ich erreichen wollte. Das ging

ihm in der Politik genauso. Wir haben uns

beide nicht von Zweiflern irritieren lassen.

ZUR PERSON

Siegertyp und Sonnenschein

Mit vier Jahren stand sie zum ersten Mal auf

Alpinski, und bevor sie sich mit neun Jahren

für den Biathlon entschied, hatte sie sich beim

SC Wallgau »an so ziemlich jeder Form des Wintersports

versucht«. Magdalena Neuner, heute

erfolgreichste Biathletin aller Zeiten, dominierte

von Anfang an ihre Altersklasse. Vier Jahre

hintereinander Siegerin des deutschen Schülercups,

das war nur der Anfang. Mit 26 Jahren

blickt Neuner auf eine Karriere als Doppel-

Olympiasiegerin, zwölffache Weltmeisterin und

dreifache Gesamt-Weltcup-Siegerin zurück. Sie

hat insgesamt 34 Weltcup-Rennen gewonnen

und wurde dreimal zur Sportlerin des Jahres

gewählt. Dann war Schluss. Auf dem Höhepunkt

ihrer Karriere erklärte Neuner den Rücktritt. Bei

der Heim-WM in Ruhpolding sicherte sie sich

im März 2012 trotzdem noch einmal Gold im

Sprint und mit der Frauen-Staffel, Silber in der

Verfolgung und Bronze in der Mixed-Staffel.

Sagen zwei Menschen, die auf sehr viele

Erfolge zurückblicken.

Die Leute denken immer, bei mir ist alles

nur super. Aber das stimmt nicht. Ich bin

auch ein Mensch, bei mir gibt’s privat mal

Probleme. Auch ich habe Ex-Freunde, kenne

Liebeskummer.

Oder im Sport: 2009 hatte ich eine echt

schlechte Saison. Da redet zwar keiner mehr

drüber, aber da habe ich gerade noch mit

der Staffel Silber gewonnen. Das war alles.

Trotzdem war für mich klar: Im nächsten

Jahr wirst du Olympia-Siegerin. Erfolg kann

auch über Umwege kommen. Man darf nie

die Zuversicht verlieren. Selbst, wenn’s mal

total kacke läuft.

Der nächste Winter steht vor der Tür. Wie

sieht der aus?

Ich werde zu ein paar Weltcup-Veranstaltungen

fahren und auch nach Sotchi fliegen,

weil ich Sponsoren-Termine habe. Ich

schaue mir dann sicher auch Biathlon an,

aber das ist nicht mehr mein Lebensinhalt.

Vielleicht schaffen Sie ja dann sogar vier

Skitouren diesen Winter.

Oder sogar sechs!

Ein paar Monate später nahm sie beim »World

Team Challenge« vor 50 000 Zuschauern in der

Veltins-Arena auf Schalke Abschied. Auch ihre

Heimatgemeinde ist sehr stolz auf sie. Im Mai

weihte Bürgermeister Hansjörg Zahler zu Neuners

Ehren einen Panoramaweg ein. Der kleine

Rundweg führt vom Haus des Gastes in Wallgau

(866 m) auf den Krepelschrofen (1160 m). Infotafeln

geben den Werdegang Neuners wieder.

Mehr Infos unter www.alpenwelt-karwendel.de

Gold-Sammlerin: Neuner ist die erfolgreichste

Biathletin der Sportgeschichte.


Fotos: Alpenwelt Karwendel (oben), Martin Kriner/TI Wallgau (unten)

72 Bergsteiger 12 ⁄13


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AUF TOUR

Serie: Die Paten

Teil 4:

Hirn & Schmalz

Bergsteiger haben Köpfchen. Das beweisen die Techniken,

die die Namen ihrer Erfinder tragen und die teils noch

heute am Berg zum Einsatz kommen. Im vierten Teil seiner

Serie stellt der BERGSTEIGER einige von ihnen vor.

74 Bergsteiger 12 ⁄13


Im Herzen des Wilden Kaisers:

die Hintere Karlspitze (links) und

die Fleischbank (rechts) mit der

Ostwand; die Dülferführe verläuft

rechts der Gipfelfalllinie.

[ Nr. 1 Dülfersitz ]

Fleischbank-Ostwand

(Kaisergebirge)

»Dülferführe«

Erste Begehung: H. Dülfer, W.

Schaarschmidt (1912)

Schwierigkeit: VI (einige Stellen),

überwiegend V und V+

Wandhöhe: 350 m

Charakter: Einer der ganz großen

Kletter-Klassiker in den Ostalpen

und absolute Pfl ichttour für jeden

Alpinkletterer! Einst wegen der

beiden Seilquergänge, die heute

meist frei geklettert werden, berühmt

und berüchtigt; an den Standplätzen

Bohrhaken, ebenso an den schwierigsten

Stellen

Führer: Markus Stadler »Kletterführer

Wilder Kaiser«, Panico Alpinverlag,

Köngen 2012

Fotos: Andreas Strauß (gr. Bild), Archiv Kubin (rechts)

Reinhold Messner bezeichnete das Bergsteigen

einmal als die »Erschaffung des

Nichts«. Im Normalfall hinterlassen alpine

Höchstleistungen tatsächlich nichts als

ein paar spektakuläre Fotos und Berichte

darüber – und natürlich die Erinnerungen

in den Köpfen derjeniger, die daran

beteiligt waren. In seltenen Fällen findet

man handfeste Relikte der Helden wie

beispielsweise den Kompressor am Cerro

Torre, mit dessen Hilfe sich Cesare Maestri

1970 bis zum Gipfel hinauf arbeitete.

Doch derartige »Signaturen« ernten meist

Kritik: Unter Bergsteigern gilt es als Ehrenkodex,

am Berg nichts zu hinterlassen.

Einige Bergsteiger gibt es dann doch, die

zu Ehren gelangt sind, weil sie etwas Greifbares

geschaffen haben: Vitali Abalakov

beispielsweise, oder Karl Prusik. Auch

Tita Piaz war einer von diesen, und erst

recht Hans Dülfer. Jene Namen stehen für

Techniken, die das Klettern revolutioniert

haben und die wir in der vorletzten Folge

der BERGSTEIGER-Serie »Die Paten« vorstellen.

Natürlich haben Männer wie Dülfer,

Prusik, Piaz und Abalakov auch große

alpinistische Leistungen vollbracht. Aber

die sind heute nur noch Insidern geläufig.

Schließlich waren jene Taten ein »Nichts«

im Vergleich dazu.

–dst–

Der fünfte und letzte Teil der Serie widmet sich

Klettersteigen, die nach berühmten Persön -

lich keiten benannt wurden. Er erscheint in der

Februar-Ausgabe des BERGSTEIGER.

Hans Dülfer geb. 23. Mai 1892 in Barmen

(Westf.), gest. 15. Juni 1915 in Arras

Hans Dülfer ist der Erfinder

des nach ihm benannten

Abseilsitzes, dessen

Anwendung Jahrzehnte

lang Lehrmeinung war.

Man könnte Hans Dülfer, den

Münchner Student der Philosophie,

durchaus als ersten

Kletter-»Profi« bezeichnen. Nicht, weil

er mit seinem Sport Geld verdient hätte,

sondern wegen der Intensität, in der er

seinen Sport ausübte: In weniger als vier

Jahren gelangen ihm fast 60 Neutouren,

dazu verzeichnet sein akribisch geführtes

Tourenbuch fürs Jahr 1912 ganze 121

Bergtouren, fürs Jahr 1913 sogar 147 Gipfel!

Dass man bei diesem Training einfach

ein »Guter« werden muss, ist naheliegend.

Aber weil Dülfer auch noch ein geniales

Talent fürs Felsklettern besaß, wurde er

DER Ausnahmekletterer in der Zeit vor

dem Ersten Weltkrieg. Seine Erstbegehungen

sind Meilensteine: Ob die Ostwand

der Fleischbank (VI-/A0, 1912) oder die

Westwand am Totenkirchl (VI-/A0, 1913),

ob die Große-Zinne-Westwand (V+, 1913)

oder der grandiose Riss zwischen Fleischbank

und Christaturm – überall setzte

er Zeichen. Letzteren, heute »Dülferriss«

(VI-, 1913) genannt, beging er im Alleingang

– wohl die erste Route im VI. Schwierigkeitsgrad

in den Alpen! Ein Zeitgenosse

sagte über Dülfers Art zu klettern: »Dülfer

klettert nicht, er streichelt den Fels.« Hans

Dülfer revolutionierte das Felsklettern: Er

ersann die nach ihm benannte Abseiltechnik,

den »Dülfersitz«, und er verwendete

bei seinen Erstbegehungen häufig den sogenannten

Seilquergang (den er entgegen

der landläufigen Meinung allerdings nicht

erfunden hat; diese Ehre gebührt dem Kaiserkletterer

Georg Sixt).

»Jung stirbt, wen die Götter

lieben«: Am 15. Juni

1915 starb Hans Dülfer,

gerade einmal 23-jährig,

an der Westfront bei Arras

– viel zu früh und

auf den Tag genau zwei

Jahre nach der Erstbegehung

der Fleischbank-

Ostwand… –ak–

Im ersten Seilquergang der »Dülferführe«

an der Fleischbank-Ostwand

12 ⁄13 Bergsteiger 75


[ Nr. 2 Piaztechnik ] [ Nr. 3 Prusikknoten ]

Er war das, was man landläufig als

»wilden Hund« bezeichnet, und

nicht umsonst nannten ihn seine

Landsleute bereits zu Lebzeiten »Il diavolo

delle Dolomiti« (Teufel der Dolomiten).

Viele Anekdoten ranken sich um Tita Piaz,

die allesamt eine impulsive, manchmal

jähzornige und emotionale, aber stets

menschenfreundliche Persönlichkeit charakterisieren.

Piaz zählte zu den besten

Kletterern seiner Zeit: Zwischen Dolomiten

und Kaisergebirge gelangen ihm mehr als

50 Neutouren, die damals zu den ganz großen

Felsfahrten zählten. Großes Aufsehen

erregte seine Erstbegehung des Nordostrisses

an der Punta Emma (Rosengarten), bei

der er bereits im Jahr 1900 den V. Schwierigkeitsgrad

im Alleingang bewältigte! Sein

»glorreichster Aufstieg« – so schrieb er in

seinem Buch »Dolomiten meine Freiheit«

– war die Westwand am Totenkirchl im

Kaisergebirge im Jahr 1908. Die gewaltige

Wand galt damals als das größte Problem

in den Ostalpen – Piaz kam, sah und siegte:

Die Schlüsselstelle, die »Piaz-Wand« (V),

bewältigte er in jener Gegendrucktechnik,

die später seinen Namen erhielt. Piaz war

Die Piaztechnik, wie sie in der

»Lutzverschneidung« (VI+,

Südpfalz) zum Einsatz kommt

Giovanni Battista »Tita« Piaz,

geb. 13. Oktober 1879 in Pera/Fassatal,

gest. 5. August 1948 ebendort

aber auch ein politischer Mensch: Nach

der Machtergreifung durch die Faschisten

schloss er sich der Opposition an, wurde

mehrmals verhaftet und schließlich zum

Tod verurteilt. Nach dem Zusammenbruch

des Regimes kämpfte er als Bürgermeister

seines Heimatortes Pera gegen die Armut

im Fassatal. Ironie des Schicksals: Als einer

der besten Kletterer seiner Zeit starb

er schließlich an den Folgen eines banalen

Fahrradsturzes.

–ak–

Totenkirchl-Westwand

(Kaisergebirge)

»Piazführe«

Erste Begehung: T. Piaz, J. Klammer,

R. Schietzold, F. Schroffenegger, 1908

Schwierigkeit: V (einige Stellen),

meist IV und III

Wandhöhe: 450 m

Charakter: Die erste Route durch

die gewaltige Westwand, die den Weg

des geringsten Widerstandes sucht;

einige originelle Passagen, vor allem

die legendäre »Piaz-Wand«, die in

Gegendruck-(Piaz-)Technik überwunden

wird.

Führer: Markus Stadler »Kletterführer

Wilder Kaiser«, Panico Alpinverlag,

Köngen 2012

Dr. Karl Prusik war das, was man

sich vor gut 80 Jahren unter einem

Helden vorstellte. Er kämpfte im I.

Weltkrieg drei Jahre lang als Offizier an

der Gebirgsfront. Als der Krieg aus war, eroberte

er die Gipfel über Routen, die vor

ihm noch keiner gewählt hatte: die Planspitze

im Gesäuse über die Nordwestwand,

die Kleine Bischofsmütze im Gosaukamm

über die Südwestkante und die Kleine Zinne

über den Spiralweg. Sogar durch die

Taschach-Eiswand fand er mit den damaligen

Mitteln einen Weg. Seine Erfahrungen

und auch seinen Kampfgeist gab Prusik als

Kletterausbilder beim Alpenverein an die

Jugend weiter – manche unterstellten

ihm deshalb eine Nähe zur nationalsozialistisch

gefärbten Ideologie des »Kampfalpinismus«.

Vielleicht ging es ihm – dem

späteren Präsidenten des Österreichischen

Alpenklubs – auch einfach nur um die

bergsteigerische Elite.

Zu weltweiter Berühmtheit hat es Prusik

dank eines Knotens gebracht, den der Bergsteiger

und Musiklehrer 1931 erfand. Der

Prusikknoten fixiert sich bei Belastung; bei

Entlastung lässt er sich verschieben. Die

meisten Bergsteiger bringen den Prusik-

Knoten mit Rettungssituationen wie der

Spaltenbergung in Verbindung. Dass man

damit aber auch – ganz im Sinne Prusiks

– neue Wege gehen kann, bewiesen zwei

Kletterer 1948 im Bundesstaat Washington.

Sie benannten den Berg nach der Technik,

die ihnen den letzten Gipfelaufschwung

ermöglicht hatte: Prusik Peak. –dst–

Karl Prusik, geb. 19. Mai 1896 in Wien,

gest. 8. Mai 1961 in Perchtoldsdorf bei Wien

76 Bergsteiger 12 ⁄13


[ Nr. 4 Abalakov-Eissanduhr ]

Hält in gutem Eis

locker so viel wie eine

Eisschraube, kostet

aber nur einen Bruchteil:

die Eissanduhr.

Aiguille Verte

(Mont-Blanc-Massiv)

»Couloir

Couturier«

Für einen Prusiknoten knüpft man

zunächst mit einer dünnen Schlinge einen

losen Ankerstich um ein dickeres Seil.

Nun führt man die Schlinge nochmals um

das dicke Seil und fädelt sie durch die Bucht.

Schneebergwand – 4. Turm

(Dachstein)

»Prusikführe«

Erste Begehung: K. Prusik, L. Wührer

(1928)

Schwierigkeit: IV+ (einige Stellen),

meist III und IV, kaum leichter

Wandhöhe: 350 m

Charakter: In den vergangenen Jahren

etwas in Vergessenheit geratene,

eindrucksvolle Genusskletterei an

bestem Dachsteinkalk, etwas komplizierte

Linienführung. Nur ein Teil

der notwendigen Haken ist vorhanden.

Führer: W. End »AVF Dachsteingebirge

Bd. Ost«, Bergverlag Rother

(vergriffen)

Fotos: Archiv Kubin (li.); Heinz Zak, Archiv ÖAK (Mitte); Andreas Dick; Archiv des Deutschen Alpenvereins (re.)

Dem Russen an sich sagt man gern

einen Hang zum Pragmatischen

nach. Klassischer Beleg dafür ist der

Bleistift, den die Kosmonauten einst der

millionenschweren US-Entwicklung eines

auch im All auslaufsicheren Tintenfüllers

(vulgo Kugelschreiber) entgegensetzten.

Versierte Bergsteiger kennen noch ein weiteres

Beispiel: die Eissanduhr. Ihr Erfinder

Vitali Abalakov war eine Art Anderl Heckmair

des Sowjet-Alpinismus: Er lernte das

Klettern in Stolby, jenem legendären sibirischen

Steinhaufen, der traditionell seilfrei

beklettert wird. Die Erstbesteigung des

Pik Lenin (7134 m) im Jahr 1934 machte

ihn zum Volkshelden, schützte ihn aber

nicht vor der Verhaftung unter Stalins

Terror – wegen »Ausübung westlicher

Klettertechniken«. Später mit zahllosen

Orden rehabilitiert, entwickelte sich der

Ingenieur zum führenden Ausrüstungstüftler

östlich des Eisernen Vorhangs. Im

Gedächtnis blieb er vor allem mit einem

Geistesblitz: Statt teures Material im Eis zu

versenken, bohrte Abalakov im 60°-Winkel

zwei Löcher ins Eis, die einander am

tiefsten Punkt berührten. Durch den Tunnel

fädelte er eine Schlinge und seilte daran

ab. Das hält und schont den Geldbeutel.

Aus der Not geboren und eigentlich

nur für den Rückzug gedacht, hat es die

Abalakov-Eissanduhr heute in alle Lehrbücher

geschafft.

–te– ◀

Erste Begehung: M. Couturier mit

A. Charlet und J. Simond (1932)

Schwierigkeit: ZS, Stellen 55°

Wandhöhe: 1000 m

Charakter: Lange war das Whympercouloir

der klassische Abstieg an

der Aiguille Verte. Seit es zunehmend

ausapert, hat sich das nordseitige

Couloir Couturier zur Abseilpiste gemausert.

Während der Saison sind oft

Eissanduhren vorbereitet. Falls nicht,

sollte das Fädeln in der 1000-Meter-

Eiswand allerdings keine Probleme

mehr bereiten.

Führer: H. Eberlein »Mont-Blanc-

Gruppe«, Bergverlag Rother 2000

Vitali Mihailovic Abalakov,

geb. 13. Januar 1906 in Krasnojarsk,

gest. 26. Mai 1986 in Moskau

12 ⁄13 Bergsteiger 77


AUF TOUR

Zum 200. Geburtstag von Friedrich Simony

Foto: Welterbemuseum Hallstatt

Der Stein

des Waisen

Vor 200 Jahren wurde ein Mann geboren, der die

Wissenschaft der Geografie maßgeblich geprägt hat:

Friedrich Simony. Seine Leidenschaft trieb ihn von

Wien immer wieder zum Dachstein. Er kroch in

Gletscherhöhlen, harrte in klirrend kalten Nächten

am Gipfel aus und malte meterlange Panoramen.

Von Andrea (Text) und Andreas Strauß (Fotos)

78 Bergsteiger 12 ⁄13


Man könnte es als Liebe auf den

ersten Blick bezeichnen. »Er

schuf mir die schönste, die

erhabenste Stunde meines

Lebens«, schwärmte Friedrich Simony über

den Dachstein.

Als er dem Berg im Jahr 1840 das erste Mal

gegenübersteht, ist er noch ein Student. Ein

Ausflug mit Kommilitonen führt den jungen

Geografen ins Ausseerland und nach

Hallstatt, wo Knappen im ältesten Salzbergwerk

der Welt schuften. Damals war

Hallstatt noch alles andere als ein schmucker

Ort, nahe dem eine Seilbahn massenweise

Touristen bis zu den Eishöhlen und

zur Aussichtsplattform mit Blick auf den

Dachsteingletscher hinaufbringt.

Zu Simonys Zeit wagten sich nur die

Kühnsten bis in die vereisten Gipfelregionen.

Jeder Dachsteinbesteiger war im

Tal persönlich bekannt; der berühmteste

unter ihnen hieß Peter Gappmayr aus Filzmoos.

Gemeinsam mit Karl Thurwieser

bestieg er 1834 erstmals den Hohen Dachstein;

15 Jahre vorher stand Gappmayr als

Erster auf dem Gipfel des Torstein.

Umso kesser wirkt es, wenn ein Wiener

Student 1840 bis auf den Gletscher vordringt

und den Hohen Gjaidstein besteigt.

Für dieses Abenteuer hat Simony den Bergführer

Johann Wallner gewonnen; mit

ihm schafft er es in jenem Jahr bis hinauf

zum Karlseisfeld. Zwei Jahre später kehrt

Friedrich Simony nach Hallstatt zurück.

Gemeinsam mit Wallner steigt er wieder

auf, wagt sich bis an den Felsansatz des

Dachsteins, überwindet die Randkluft und

erreicht nach »recht abscheulichem Klettern«

durch die Gipfelschlucht den höchsten

Punkt.

Es war die sechste Besteigung des Dachsteins.

Sie führte über den heute noch gängigen

Normalweg.

Vom Waisenkind zum Professor

Simonys Aufstieg klingt wie ein Märchen:

vom unehelichen Waisenkind zum Professor.

Als er 1813 in Böhmen zur Welt kommt,

stehen alle Zeichen auf Sturm. Österreich

führt Krieg gegen Napoleon, der jüngste

Staatsbankrott ist noch nicht verdaut.

Eisige Verhältnisse

an Dachstein und Torstein:

Friedrich Simony überquerte

als Erster das Gletscherplateau

im Winter.


1840 genoss Simony den Blick vom Gjaidstein.

Von Hallstatt aus startete Simony seine Erkundungstouren zum Gletscher.

Die abweisende Südwand und ...

Friedrich selbst ist ein uneheliches Kind, der

Vater angeblich ein ungarischer Armeearzt.

Die Mutter stirbt bald nach seiner Geburt.

Während seiner ersten Lebensjahre wird

der Junge zwischen Verwandten herumgereicht,

bis ihn ein Onkel aufnimmt und ihn

sogar aufs Gymnasium schickt. Noch während

der Schulausbildung beginnt Simony

eine Lehre als Apotheker, bricht die Schule

zugunsten des Berufs ab und wird so von

den Verwandten finanziell unabhängig.

Mit 20 Jahren geht er nach Wien und erwirbt

dort den Magister in Pharmazie. Ein

akademischer Titel ist das damals nicht.

Ohne abgeschlossenes Gymnasium (und

mit dem Makel der Unehelichkeit) bleibt

Simony dies verwehrt. Erst durch einen

kaiserlichen Gnadenerlass kann Simony

KOMPAKT

Dachstein

Anfahrt: Nach Hallstatt auf der Nordseite

des Dachstein aus dem Salzachtal

über Abtenau und den Pass Gschütt

Touristinfo: Tourismusverband Inneres

Salzkammergut, Hallstatt,

Tel. 00 43/(0)61 34/82 08,

www.dachstein-salzkammergut.at

Karten: AV-Karte 1:25 000, Blatt 14

»Dachstein«

Literatur: Sepp Brandl »Dachstein –

Tauern«, 2007; Andrea u. Andreas Strauß

»Dachstein«, 2006, beide Bergverlag Rother

den fehlenden Schulabschluss nachholen,

um ein Studium in Geografie und Botanik

zu beginnen. Fünfzehn Jahre später übernimmt

Friedrich Simony die erste Professur

eines Geografielehrstuhls in Österreich. Er

wird sie 34 Jahre lang innehaben und dem

Fach jene Grundzüge geben, die bis heute

die Forschung und Lehre prägen.

Übernachten auf dem Dachsteingipfel

Der damalige Stand der Wissenschaft entsprach

freilich noch nicht dem heutigen.

Findlinge galten als Produkte der biblischen

Sintflut; die Existenz von Gletschern

im Kalk wurde selbst unter renommierten

Wissenschaftlern rundweg abgestritten.

Und als Simony im Dezember 1842 für eine

Übernachtung am Dachsteinplateau aufbrach,

tat er das vor allem deshalb, um zu

beweisen, dass der Mensch dies tatsächlich

überleben kann.

Von Hallstatt wollen Simony und Wallner

durch das Echerntal aufsteigen und am

nächsten Tag den Hallstätter Gletscher

erkunden. Die Rucksäcke sind gefüllt mit

Wein, »Kirschengeist als besonderes Herzstärkungsmittel«,

Schneereifen und Steigeisen.

Anfangs durch Blockgelände, dann mit

Schneereifen an den Füßen kämpfen sie

sich zur Wiesalm, ihrem Nachtlager. Nach

einer »vortrefflichen Wassersuppe« macht

Simony Temperaturmessungen und steigt

zu einem der benachbarten Gipfel auf. Nur

der Gedanke an die stark verkürzte Nachtruhe

lässt ihn zur Wiesalm zurückkehren.

Um heraus -

zu finden, ob der

Gletscher durch

Erdwärme schmilzt,

schlüpfen sie in

eine der Eishöhlen.

Romantisch: Mondaufgang über dem Dirndl

80 Bergsteiger 12 ⁄13


Gletschereis faszinierte die Wissenschaftler.

... die Eisseen im Norden des Dachstein

Höchst unterhaltsam beschreibt Simony

den Versuch, gemeinsam mit Wallner im

einzigen Sennerinnenbett zu übernachten.

Nach zwei unbequemen Stunden räumt Simony

seine Betthälfte.

Im Inneren des Gletschers

Noch in der Dunkelheit steigen sie auf zur

Ochsenwieshöhe, wo sie den Anbruch des

Tages mit einem Farbenschauspiel erleben,

wie Simony es noch nie zuvor gesehen hat.

Vorsichtig den zahlreichen Dolinen ausweichend,

für die das Dachsteingebiet bekannt

ist, steigen sie zum Schöberl und geraten dabei

beide in eine Lawine. Da Simony nicht

vollständig verschüttet ist, kann er sich

selbst und Wallner retten. Scheinbar unbeeindruckt

setzen sie den Weg fort. Schließlich

möchte der »Dachsteinprofessor« herausfinden,

ob der Gletscher im Winter durch

die Erdwärme schmilzt. Dazu schlüpfen sie

in eine der Eishöhlen auf der Gletscherunterseite.

Was Simony in seinem ausführlichen

Bericht über »jenes Blau, Grün und Weiß«

schreibt, das »ganz vollkommene Ähnlichkeit

mit dem reinsten Bergkristalle« hat,

begeistert später nicht nur die Damen und

Herren der Wiener Salons, sondern regt

auch seinen Freund Adalbert Stifter zu seiner

Novelle »Bergkristall« an.

Simony ist nicht nur akribischer Beobachter

und unerschrockener Bergsteiger, sondern

versteht es auch, seine Mitwelt zu begeistern.

So gelingt es ihm immer wieder, Sponsoren

von seinen Projekten zu überzeugen.

Bereits im Folgejahr wird die Erschließung

des Dachsteins vorangetrieben. Finanziell

unterstützt von den Erzherzögen Ludwig

und Franz Karl sowie von Fürst Metternich,

lässt der Geograf im September 1843 den

Anstieg zum Dachstein versichern, indem

er vom Gipfel herab ein fast 200 Meter

langes Seil anbringt. Der erste versicherte

Steig der Ostalpen ist entstanden! Außerdem

baut Simony im Jahr 1843 eine kleine

Unterstandshütte. Als »Hotel Simony«

INFO

Friedrich Simony

Geboren: 30. November 1813 in

Hrochowteinitz in Böhmen

Gestorben: 20. Juli 1896 in St. Gallen,

Steiermark

• Ausbildung zum Apotheker, dann

Magister in Pharmazie, Studium der

Geo grafi e und Botanik

• erste Geografi eprofessur in Österreich

an der Universität Wien mit Forschungsschwerpunkt

Dachsteingebiet; Simonys

Arbeit gipfelt in der dreibändigen Monographie

»Der Dachstein« und macht

das Gebiet zur damals besterforschten

Gebirgsgruppe der Alpen.

1842 Besteigung des Dachsteingipfels

und erste Winterdurchquerung des Dachsteinplateaus

1843 Bau des versicherten Steigs auf den

Hohen Dachstein nach Simonys Anregung

1862 Teilnahme bei der Gründung des

Österreichischen Alpenvereins

Nach Friedrich Simony sind im Dachstein

die Simonyhütte auf der Nordseite benannt,

die Simonywarte, Simonyscharte

und Simonyhöhle. In den Hohen Tauern

tragen die Simonyspitzen und ein Gletscher

seinen Namen, ebenso ein Gletscher im

Polarmeer. In verschiedenen österreichischen

Städten sind Straßen nach ihm benannt.

Seit 2007 vergibt die UNESCO Welterberegion

Hallstatt-Dachstein-Salzkammergut

den Friedrich-Simony-Preis an verdiente

Persönlichkeiten.

Auf Expedition ins Innere der Berge

Mit seinen Erlebnissen inspirierte Simony auch den Dichter Adalbert Stifter.

12 ⁄13 Bergsteiger 81


Feurige Berge: Sonnenaufgang

am Dachstein-Gipfel

TOUREN

Auf Simonys Spuren am Dachstein

Zu Friedrich Simonys Zeiten war die Besteigung des Dachstein noch eine waghalsige Expedition.

Wer heute den Routen des Geografieprofessors folgt, marschiert auf gängigen Wegen.

1 Hoher Dachstein (2995 m)

▶ schwierig 2 Tage

2500 Hm 2500 Hm

Charakter: Sehr lange, aber landschaftlich

reizvolle Besteigung des

höchsten Gipfels im Dachsteinmassiv.

Bis zur Simonyhütte Wanderweg,

am Hallstätter Gletscher mäßig steil,

meist gute Spur. Für den Gipfelanstieg

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit

nötig. Steinschlaggefahr!

Ausgangspunkt: Hallstatt (532 m)

Hütten: Simonyhütte (2203 m),

Seethalerhütte (2740 m)

Route: Hallstatt – Echerntal – Tiergarten-Hütte

– Wiesberghaus – »Hotel

Simony« – Simonyhütte – Hallstätter

Gletscher – Randkluftanstieg –

Hoher Dachstein – Randkluftanstieg –

Simonyhütte – Hallstatt

2 Übergang Simonyhütte

– Adamekhütte

▶ mittel 5 Std.

500 Hm 500 Hm

Charakter: Eine der eindrucksvollsten

Touren im Dachsteingebiet;

durch wilde Karstphänomene, mit

kurzen versicherten Passagen, teils

etwas ausgesetzt. Vorsicht abseits

des Wegs: Viele Dolinen! Mögliche

Erweiterung der Tour: anspruchsvolle

Überschreitung des Dachsteingipfels

über den Westgrat und den

Randkluftanstieg zurück zur Simonyhütte.

Gletscherausrüstung nötig.

Ausgangspunkt: Simonyhütte

Hütte: Simonyhütte (2203 m);

Adamekhütte (2196 m)

Route: Simonyhütte – Wildkar –

Hohe Trog – Hoßwandscharte –

Adamekhütte

3 Plassen (1953 m)

▶ mittel 4 Std.

1450 Hm 1450 Hm

Charakter: Über kurze, versicherte

Passagen zum Aussichtsberg hoch

über Hallstatt mit Blick auf die Dachsteingruppe.

Kombinierbar mit einem

Besuch des Salzbergwerks und des

eisenzeitlichen Gräberfelds. Auf Simonys

Rat hin wurden die dortigen Funde

komplett verkauft und damit als vollständige

Sammlung erhalten (heute

im Naturhistorischen Museum Wien).

Ausgangspunkt: Hallstatt (532 m)

Hütte: Restaurant am Rudolfsturm

Route: Hallstatt – Rudolfsturm

– Schaubergwerk –

Hohe Matt – Plassen –

Rudolfsturm – Hallstatt

Tourenkarte 3

Heftmitte

4 Übergang Gosauseen

– Hallstatt

▶ mittel 7 Std.

960 Hm 1380 Hm

Charakter: Wenig frequentierter

Übergang von den Gosauseen durch

Karstgelände ins Echerntal und hinab

nach Hallstatt. Bis zum Hinteren

Gosausee und ab dem Echerntal

einfach, im Mittelteil schmaler Steig

Ausgangspunkt: Vorderer Gosausee

(937 m), mit öffentlichen Verkehrsmitteln

von Hallstatt erreichbar

Endpunkt: Hallstatt (532 m)

Route: Vorderer Gosausee –

Gosaulacke – Hinterer Gosausee –

Weg 613 ins Langtal – Bärwurzanger

– Radltal – Waldbach-

Ursprung – Echerntal

– Hallstatt

Tourenkarte 4

Heftmitte

5 Hoher Gjaidstein (2792 m)

▶ mittel 3½ Std.

1060 Hm 1060 Hm

Charakter: Bergtour mit Seilbahnunterstützung

auf einen schönen

Aussichtsberg vis-à-vis des Hohen

Dachstein. Kombinierbar mit

dem Besuch der Dachstein-Eishöhle

oder der Dachstein-Mammuthöhle

(Schauhöhlen)

Ausgangspunkt: Obertraun (511 m)

Hütte: Gjaidalm (1739 m)

Route: Obertraun – Bergbahn zum

Krippeneck – Weg 615 – Verzweigung

Taubenkogel-Hoher Gjaidstein –

Nordostgrat Hoher Gjaidstein

– Hoher Gjaidstein – Weg 615 –

Gjaidalm – Krippeneck

82 Bergsteiger 12 ⁄13


schmiegt sich der winzige Steinbau unter

der heutigen Simonyhütte an die Felswand.

Die Nacht am

Gipfel vergeht mit

Schnee-Schmelzen,

Feuermachen

und viel Kaffee.

Ein Aquarell von sieben Quadratmetern

Nach diesen Vorarbeiten steht Simonys

großem Traum, zwei Nächte am Gipfel des

Dachstein zu verbringen, nichts mehr im

Weg. Gemeinsam mit acht Männern und

der Sennerin Nanni bricht er im September

1843 auf. Im Gepäck sind Barometer und

Thermometer sowie Material für ein großes

Signalfeuer, das man selbst in Bad Ischl

noch sehen soll.

Am Gletscher scheinen die Pläne kurzfristig

gescheitert, da die lange Leiter, die Simony

bereits vorher an der Randkluft hat anbringen

lassen, fast völlig eingeschneit ist. Drei

Stunden lang wird sie ausgegraben und das

Seil zum Gipfel vom Schnee befreit. »Hat’s

da a Luft, da mecht i frei allweil sein!«, ruft

Nanni schließlich am Gipfel begeistert aus.

Friedrich Simony zeichnet tagsüber eines

seiner wunderbaren Panoramen.

Schon als Kind war Simonys Zeichentalent

aufgefallen. Durch das Auge des Zeichners

sah er vieles, das dem flüchtigen Beobachter

entging. Zudem baute er – unbeabsichtigt

– ein Bildarchiv auf, das den Dachstein

vor, während und nach dem Gletscherhöchststand

1850 zeigt. Sein Bild »Gletscherphänomene«,

ein Aquarell von sieben

Quadratmetern, schaffte es bis auf die Weltausstellungen

in London und Wien.

Ein Traum geht in Erfüllung

Es wird eine lange, kalte Nacht auf dem

Dachsteingipfel. Sie vergeht mit Schnee-

Schmelzen, dem Entfachen des verabredeten

»bengalischen Feuers« und mit viel

Kaffee. Am Ende dieser Nacht steht der Sonnenaufgang

am Dachstein, über den Simony

später schreibt, es sei »die schönste, die

erhabenste Stunde meines Lebens« gewesen:

»Bald nach halb fünf Uhr zeigt sich die erste

Spur des nahenden Tages im Erbleichen des

Mondes und des Morgensternes. Vergebens

wäre es, alle jene Steigerungen von Licht

und Schatten, von Farben und deren Wechsel

bezeichnen zu wollen. Nur der überraschendsten

Augenblicke will ich erwähnen,

die sich im Verlaufe des Sonnenaufganges

meinem Auge darboten. Nach den mehrfachen

Übergängen des ersten fahlen Zwielichts

ins sanfte Morgenrot und aus diesem

ins feurige Goldgelb, blitzt endlich über den

rabenschwarzen Zackensaum der Berge das

erste Segment des Sonnenballes, ein Feuerstrahl

schießt urplötzlich auf die Spitze des

Dachsteins. Ringsum erblickt das Auge, außer

der Dachsteinspitze noch keinen einzigen

beleuchteten Punkt, die westlicher gelegenen,

aber viel höhern Gletscherhörner des

Glockners, Wiesbachhorns und Venedigers

stehen noch matt und glanzlos da.«

Die Faszination für den Dachstein lässt Simony

nicht mehr los. Er bleibt den Gipfeln

und Gletschern, der Karstwelt mit Höhlen

und Dolinen, den großen Seen und den

steilen Felswänden zeitlebens treu. Mit 77

Jahren steht er ein letztes Mal auf »seinem«

Dachsteingipfel.


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BERGMENSCHEN

Felix Brunner sagt: »Du musst deine Situation

akzeptieren. Aber du musst eben auch

sehen, was man daraus machen kann.«

INFO

Brunners Transalp

Routenverlauf: Füssen (807 m) – Schluxen –

Kniepass – Reutte – Stuibenfälle – Plansee –

Heiterwang – Lermoos – Alter Fernpass

(1162 m) – Nassereith - Tegestal – Dirstentrittkreuz

(1851 m) – Tarrenz – Imst – Auf der

Via Claudia im Inntal bis Martina – Scuol

(1205 m) – Scarl – Pass da Costainas (2251 m)

– Münstertal – Val Mora – Lago di Fraele –

Torre di Fraele – Bormio (1211 m) – Gavia pass

(2621 m) – Tonalepass (1883 m) – Madonna

di Campiglio – Passo Bregn de l’ Ors – Stenico –

Ponte Arche – Val Lomasone – Arco – Riva

del Garda (70 m)

Länge: 480 km

Höhenmeter gesamt: 12 000

Maximale Höhe: Gaviapass (2621 m)

Weiterführende Infos zu Felix Brunners

Motivationsvorträgen auf seiner Webseite:

www.felixbrunner.de

Unzählige Male hat Felix Brunner

das schon erzählt: Von seinem

Unfall vor vier Jahren, den kritischen

Monaten auf der Intensivstation,

seinem Weg zurück

in ein selbständiges Leben. Und doch schüttelt

mancher Zuhörer ungläubig den Kopf,

als Felix Brunner seine Geschichte in nackten

Zahlen schildert: Im Januar 2009 stürzt

er in den Bergen 30 Meter tief, es folgen

13 Monate Intensivstation, davon acht im

künstlichen Koma, über 60 Operationen,

rund 800 Blutkonserven.

Seit dem vergangenen Sommer kann der

24-Jährige noch ein paar weitere Zahlen

zu seiner Lebensgeschichte hinzufügen:

480 Kilometer und 12 000 Höhenmeter in

zehn Tagen. Denn Felix Brunner hat als

Rollstuhlfahrer die Alpen überquert. Das

84 Bergsteiger 12 ⁄13


BERGSTEIGER-Porträt: Felix Brunner

Optimist

auf

Rädern

Seit einem Bergunfall vor

knapp fünf Jahren sitzt

Felix Brunner im Rollstuhl.

Im vergangenen Sommer

macht er sich in einem

speziellen Handbike auf die

Alpenüberquerung von

Füssen zum Gardasee

und sagt: »Eher macht das

Rad schlapp als ich.«

Die Dokumentation eines

Kraftakts. Von Viktoria Hingerl

Neben Willen, Kondition und Muskelkraft ein

weiterer Baustein: das richtige Rad

Fotos: Felix Brunner

wäre an sich nichts Neues, Jahr für Jahr

fahren Rollstuhlfahrer in Handbikes über

die Alpen. Aber Brunner nahm nicht die bequemen

Passstraßen. Er wählte die Variante

über Single-Trails und Offroad-Strecken.

Vom Berg in den Rollstuhl – und zurück

Im Grunde begann seine Reise schon in

den 1990er-Jahren. Von klein auf ist Brunner

viel in den Bergen unterwegs. »Meine

Großeltern waren Bergsteiger, und meine

Eltern auch«, erzählt er. Die Berge und der

Sport haben das Leben der Familie immer

geprägt, »so etwas wie all-inclusive Urlaub

gab es bei uns nicht«. Später arbeitet er als

Bergwachtler und Skilehrer.

Klettern im Sommer, Skifahren und Eisklettern

im Winter, das sind Felix Brunners

Leidenschaften. Im Januar 2009 dann der

Unfall: Nach einer Eisklettertour in Tirol

rutscht er auf dem eisigen Rückweg aus

und stürzt in ein ausgetrocknetes Bachbett.

Dabei erleidet er massive innere Verletzungen,

zahlreiche Knochenbrüche und

Quetschungen am ganzen Körper. Er wird

mit dem Hubschrauber in die Spezialklinik

nach Murnau gebracht, in der er monatelang

auf der Intensivstation liegen wird.

Seine Verletzungen sind so schwer, dass

er mehrmals ins künstliche Koma versetzt

wird, insgesamt acht Monate lang ist er ohne

Bewusstsein. Dreimal geben ihn die Ärzte

auf und bereiten seine Eltern auf den Tod

ihres Sohnes vor.

Heute ist Brunner zwar auf den Rollstuhl

angewiesen, aber er kann wieder Auto fahren

und lebt selbständig in einer eigenen

Wohnung in der Nähe von Füssen im

Felix Brunner beim Felsklettern vor seinem

Eiskletterunfall im Januar 2009

12 ⁄13 Bergsteiger 85


Über Monate hinweg

baut Brunner im

Kraftraum Muskeln auf.

Denn das Gewicht

des Rads von 30 Kilogramm

muss erst

einmal bewegt werden.

Dieser Abschnitt gehört eher zu den Genusspassagen auf der Transalp.

Allgäu. »Du musst deine Situation akzeptieren«,

sagt er. »Aber du musst eben auch

sehen, was man daraus machen kann.«

Das war nicht immer einfach. Er gibt zu:

»Als Behinderter schien mir das Leben vollkommen

sinnlos«. Vier Jahre nach dem Unfall

hat er aber einen Weg gefunden, wieder

sportlich aktiv zu sein, nur »alles dauert

halt ein bisschen länger«.

An ein Leben ohne die Fähigkeit, körperlich

aktiv zu sein, wollte er nie glauben.

»Mein naiver Optimismus hat mich hierher

gebracht, ohne diese Sturheit hätte ich

das nicht geschafft«, sagt er und lacht. Sein

Motto, das er mantrenartig wiederholt: »Der

Horizont ist nicht das Ende. Es gibt immer

was, wofür es sich zu kämpfen lohnt.«

Eisklettern geht nicht mehr, dafür entdeckte

Brunner im Dezember 2012 das Monoskifahren

für sich. Das beherrschte er schnell

so gut, dass er schon im März in den A-Kader

berufen wurde. Auf der Suche nach einer

sportlichen Alternative für die Sommermonate

stößt er schließlich auf das Handbike,

das durch Armkraft betrieben wird.

Erste Herausforderung: das richtige Bike

Seine ersten Versuche mit dem Gerät unternimmt

er im Sommer 2012 mit einem

Freund am Gardasee. »Damals war ich so

untrainiert, dass mich mein Kumpel mit einer

Leine den Berg hochziehen musste«, erzählt

er – und lacht wieder. Doch aus dieser

Erfahrung entsteht eine Idee: Mit einem

Handbike auf einer Mountainbike-Route

die Alpen zu überqueren. Mit einem handelsüblichen

Handbike ist das unmöglich,

denn mit dem einzelnen Antriebsrad vorn,

»damit kommst du keinen Berg hoch«.

Weil es zu diesem Zeitpunkt noch kein

offroad-taugliches »Hand-Mountainbike«

auf dem Markt gibt, entwickelt er mit dem

Techniker David Unhoch von der Firma

»Needfull Bikes« ein Rad, das sich allein mit

Armkraft betreiben lässt: mit zwei Lenkrädern

vorn und einem einzelnen Antriebsrad

hinten. Das ermöglicht einen größeren

Lenkwinkel sowie eine höhere Antriebskraft

bei Steigungen. Ein Mountainbike-

Dämpfer an der Hinterradschwinge sorgt

für die nötige Federung, ein kleiner Elektromotor

erleichtert steile Passagen. Denn

immerhin wiegt das Rad rund 30 Kilo.

Und die müssen erst einmal bewegt werden.

Also trainiert Brunner. Über Monate

hinweg werden im Kraftraum Muskeln

aufgebaut; für die Ausdauer kurbelt er mit

dem Handbike durch die heimischen Füssener

Berge. Auch die Fahrtechnik muss er

erst lernen. Stürze gehören dazu, und da er

festgeschnallt ist, trainiert Brunner immer

mit einem Freund, der ihm wieder auf die

Räder hilft.

Alpencross von Füssen nach Riva

Im August ist es dann soweit. Zusammen

mit zehn Begleitern startet Brunner in Füssen,

das große Ziel Gardasee vor Augen,

dort will er in zehn Tagen ankommen.

Zweifel drängen sich auf: Hält das Material?

Reicht die Kondition? Ist die mit Hilfe

seines Vaters ausgetüftelte Strecke gut fahrbar?

Trotzdem betont er: »Eher macht das

Bike schlapp als ich!«

Bei Tagesetappen mit bis zu 2200 Höhenmetern

lässt die Kraft dann doch nach,

trotz des kleinen Elektromotors, der ihn

beim Kurbeln ein wenig unterstützt. »Die

Mutige Abfahrt: Viele Mountainbiker

würden an dieser Stelle wohl absteigen.

86 Bergsteiger 12 ⁄13


Zentimeterarbeit: Selbst Kuhgatter

werden auf drei Rädern zum Hindernis.

Müdigkeit wächst stetig«, schreibt er in seinem

Blog. Am sechsten Tag nutzt das Team

das schlechte Wetter für eine Pause und zur

Wartung der Bikes. Das Team improvisiert,

aus einer Colaflasche und Panzertape entsteht

ein neuer Kettenspanner.

Immer wieder steht Brunner vor neuen

Herausforderungen. »Es waren auch einige

Situationen dabei, wo das Team mich unterstützen

musste, damit ich nicht abrutsche.«.

Auf schmalen Schotterwegen schieben sie

das Handbike sicher am Abgrund vorbei,

durch enge »Kuahgatter« werden die breiten

Hinterreifen vorsichtig hindurch manövriert.

An einer Holzbrücke über einen

ausgeschwemmten Weg stößt er an seine

Grenzen. Also nehmen ihn zwei Freunde

Huckepack, während drei weitere Begleiter

das Bike über die Brücke hieven. »So was

machst du nicht allein. Das ging nur, weil

meine Familie und meine Freunde mich an

vielen Stellen unterstützt haben und ein tolles

Team mitgefahren ist«, meint er.

Zeig dem Winter Zähne!

Gut, wer solche Freunde hat und sich auch

einmal über eine Brücke tragen lassen kann.

»Der Horizont ist nicht das Ende«

Dass er nach neun Tagen schließlich den

Gardasee erreicht, bestätigt seine Überzeugung:

»Wenn man ein Ziel hat, kann man

das auch erreichen«. Diese Erfahrung will er

nun an andere weitergeben. In Motivationsvorträgen

mit dem Titel »Der Horizont ist

nicht das Ende« erzählt er seine Geschichte

in Kliniken, Schulen und Firmen. Er will

ein Vorbild sein, für alle. Ein persönliches

Ziel hat er schon jetzt vor Augen: die Teilnahme

an den Winter-Paralympics 2018. ◀

Am Ende des Ziels, zumindest vorerst.

Brunner blickt längst über den Horizont hinaus.

» 1 cm lange Edelstahlspikes

geben sicheren Halt auf eisigem

Untergrund und gepresstem

Schnee

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optimal auf unterschiedlichsten

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bis zum dicken Winterstiefel

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» extrem leicht: nur 320 g. / Pr.

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SERIE: Stille Helfer

Teil 9: Lawinenkunde

Stille

Helfer

EINE INITIATIVE VON

+

Schnee von heute

In der Lawinenkunde gab es lange einen Richtungsstreit. Jetzt

versuchen deutsche Verbände, die Ansätze zu vereinen. Da aber

immer ein Restrisiko bleibt, ist die richtige Ausrüstung Pflicht.

Von Moritz Baumstieger

Foto: Andreas Strauß

Wenn Kompliziertes einfach

erklärt werden soll, bringen

Experten gerne ein Stück

Pappe ins Spiel. Das war

bei Friedrich Merz und dem

deutschen Fiskus so, das war bei Werner

Munter und der Lawinenforschung so. Die

Mechanismen, die Schneemassen an Hängen

in Bewegung bringen, sind in etwa so

verwirrend wie das deutsche Steuerrecht.

Deshalb war es eine kühne Idee, eine Entscheidungshilfe

für Lawinen zu konstruieren,

die auf einen Bierdeckel passt.

Die Idee von der bierdeckelgroßen Steuererklärung

verschwand alsbald in der Versenkung.

Mit Werner Munter und seinem

Bierdeckel zum Lawinenrisiko, der sich auf

die von ihm entwickelte »3x3-Methode«

stützt, ging das Schicksal etwas sanfter um.

Als der Deutsche Alpenverein im Sommer

2011 gemeinsam mit Ski- und Bergführerverbänden

erstmals ein allgemeingültiges

Risikomanagement für Lawinen ausarbeitete,

griffen die Experten zwar nicht in vollem

Umfang auf Munter zurück, bauten ihre

Empfehlungen aber auf seiner Basis auf.

Munter leitete in den 90er-Jahren einen

Paradigmenwechsel in der Lawinenkunde

ein: Anstatt die Festigkeit von Schneedecken

vor Ort im Detail zu analysieren (etwa

mit Schneeprofilen, die viel Erfahrung

und Fachwissen erfordern), empfahl Munter,

mit einer einfachen Wahrscheinlichkeitsrechnung

die Hänge auszuschließen,

die gefährlich sein könnten. Die Faktoren

Mensch (wie groß ist die Gruppe, wird mit

Abständen gegangen?), Gelände (Wie steil

sind die Hänge und in welcher Exposition?)

und Verhältnisse (allgemeine Lawinenwarnstufe)

sollten sowohl bei der Tourenplanung

daheim als auch noch einmal bei

der Routenwahl vor Ort und schließ-

88 Bergsteiger 12 ⁄13


Beurteilungs- und Entscheidungsrahmen 3x3

1. Planung • Tourenziel mit Alternativen und Zeitplan

Verhältnisse

Gelände

Mensch

Lawinensituation

(Prognose)

Karte

Schlüsselstellen

Wer?

Wieviele?

Reflexion • Erfahrung ru erweitern durch Rückblick auf gemachte Tour/Abfahrt. Würde ich es wieder so machen?

Hilfsmittel

Schwerpunkt auf SC/GRM

/ Abwägen

Muster

Muster

SC/GRM

Entscheiden

Welche Tour ist

möglich?

2. Beurteilung vor Ort • Beobachten während des ganzen Tages

Verhältnisse

Aktuelle Lawinensituation

(Beobachtung)

Hilfsmittel

Stellenwert Muster –

SC/GRM ist ausgewogen

/ Abwägen

• Passende Tour zu den

Verhältnissen auswählen.

• Zeitplan aufstellen

3. Einzelhang • Finale Risikoüberlegungen, Spuranlage, Vorsichtsmaß nahmen oder Verzicht

Verhältnisse

SC/GRM

Gelände

Vergleich

verschiedene Routen

Entscheiden

Welche Route?

Gelände

Mensch

LVS-Kontrolle

Kompetenz

• Stimmen Planung und

Realität überein?

• Alarmzeichen?

• Verhältnisse an ähnlichen

Hängen?

Mensch

Lawinenproblem?

Sicht?

Hanggröße

Absturz/Verschüttung

Taktik

Wahrnehmung

Hilfsmittel

Schwerpunkt auf Muster

Entscheiden

Urgewalten: Wenn

der Ernstfall eintritt,

muss jeder Handgriff

automatisch sitzen.

Muster

/ Abwägen

Nach Tour/Abfahrt

SC/GRM

Einzelhang

möglich?

Wie?

Go/No go

• Entscheidung je nach

Infostand, nach Muster

oder SC/GRM

• Konsequenzen beim

Lawinenabgang

abschätzen

12 ⁄13 Bergsteiger 89


Stop or Go: Fundiertes

Vorwissen

kombiniert mit

einer guten Geländebeobachtung

lich für die konkrete Entscheidung am jeweiligen

Hang herangezogen werden. Die

Einschätzung des Risikos wird mit jedem

dieser drei Filter differenzierter. Hier geht

es nicht darum, absolute Gewissheit über

die konkrete Lawinengefahr eines Hanges

zu erlangen, sondern auszuschließen, was

wohl zu gefährlich ist.

Munter erntete zunächst viel Kritik. Inzwischen

hat er sich »im Wesentlichen aber in

allen Lehrmeinungen durchgesetzt«, sagt

Florian Hellberg von der DAV-Sicherheitsforschung.

Doch auch die analytischen

Methoden, bei denen die Beschaffenheit

des Schnees im Vordergrund steht, bieten

in manchen Situationen Vorteile. Deshalb

wollten die Berg- und Skiverbände 20 Jah-

re nach dem großen Richtungsstreit etwas

Neues anbieten: »Anstatt sich weiter in den

Straßengräben auf der einen oder anderen

Seite zu verschanzen, zeigen wir einen Mittelweg

auf.«

Die neuen gemeinsamen Empfehlungen

versuchen nun, die analytische Herangehensweise

mit den Methoden zu versöhnen,

die auf einer Kalkulation der Wahrscheinlichkeit

von Lawinenabgängen basieren.

Vereinfacht gesagt: ein wenig Munter, vor

allem bei der Vorbereitung der Tour und der

Routenwahl vor Ort, ergänzt durch einen

Blick auf die Beschaffenheit der Schneedecke

am jeweiligen Hang (Download des Flyers:

alpenverein.de ➞ Bergsport ➞ Sicherheit

➞ Schnee und Eis ➞ Achtung Lawinen!).

Die gründliche Tourenplanung bleibt nach

wie vor der erste Schritt: Auf Basis des Lawinen-Lageberichts

sollten die Schlüsselstellen

einer Tour überprüft werden. Hier helfen

die vom Alpenverein herausgegebene

Snow-Card oder die sogenannte Graphische

Reduktionsmethode dabei, das Risiko zu

visualisieren und einzuschätzen; vor allem

die Hangneigung und -ausrichtung stehen

im Vordergrund. Wie ist die Gefahrenlage

heute? Wo ist es am gefährlichsten? Was ist

heute die Gefahr: Neuschnee, Triebschnee,

Nassschnee, Altschnee? Diese Fragen sollte

man außerdem beantworten können und

dazu auch Gruppenstruktur, Motivation

und den Erfahrungsgrad der Teilnehmer

im Hinterkopf behalten.

Am Berg angekommen, gilt es in einem

zweiten Schritt zu überprüfen, ob die Antworten

auf diese Fragen tatsächlich mit der

Realität übereinstimmen. Hat es wirklich

nur zehn Zentimeter geschneit – und ist

dieser Neuschnee wirklich kaum verweht

worden? Das neue, verfeinerte Bild hilft dabei,

problematische Bereiche in den Hängen

vor und über einem präziser aufzudecken

– und damit auch eventuelle Umgehungsrouten.

Führt die Route nun durch einen kritischen

Hang (oder unter einem hindurch), stellt

sich letztendlich die simple Frage: Gehe

ich weiter – oder nicht? Um die Antwort

auf die Frage zu finden, bieten wieder die

Snow-Card oder die Reduktionsmethode

grundsätzliche Hilfe. Genauer wird das Bild

jedoch, wenn man dieses Wissen mit einem

analytischen Blick auf die Schneedecke

kombiniert – manche Hänge können beispielsweise

bei Firn harmlos, bei Neuschnee

aber gefährlich sein.

Typische Lawinenprobleme (Muster)

Neuschnee


Abwarten

Gefahr Typische Anzeichen

Typische Verbreitung Hinweis

Besteht i.d.R. 1 – 3 Tage

• Der Neuschnee kann als

Brett abgleiten

• Kritische Neuschneemenge erreicht

• Alarmzeichen (v.a. frische Schneebrettlawinen)

• Verbreitung der Gefahrenstelle

meist flächig

• In der Höhe oft kritischer

• Wenig Umgehungsmöglichkeiten

• Auf welche Altschneeober

fläche hat es

geschneit?

SC/GRM

nützlich

Grafi k: Deutscher Alpenverein; Foto: Andreas Strauß

Triebschnee


Umgehen

Nassschnee


Früh zurück

Vorsicht bei Regen

Altschnee


Defensiv agieren

Besteht i.d.R. 1 – 2 Tage

• Der frische Triebschnee

kann als Brett abgleiten

Gefahrensituation ändert

sich schnell (Stunden)

• Wasser führt zur

Schwächung

Besteht i.d.R. Tage – Wochen

• Schwachschichten in

der Altschneedecke mit

gebundenem Schnee

darüber.

Schwierig erkennbar!

• Windzeichen

• Kann hart oder weich sein

• Unregelmäßige Einsinktiefen beim Spuren

• Gebundener Schnee

• Alarmzeichen (v.a. frische Schneebrettlawinen,

Rissbildung

• Regen

• Fehlende Abstrahlung

• Hohe Temperatur/starke Sonneneinstrahlung

• Große Einsinktiefen

• Spontane Lawinen (Schneebrett-/Lockerschneelawinen)

• Schwacher Schneedeckenaufbau

• Alarmzeichen (v.a. „Wumm“)

• Im Windschatten (Geländebrüche,

Mulden)

• Häufig in höheren Lagen

und Kammlagen

• Auf kleinem Raum stark

unterschiedlich

• Unterschiedliche Expositionen

und Höhenlagen

(abhängig von Jahresund

Tageszeit)

• Oft in der Nähe von

wärmenden Felsen

• Schneearme Regionen/

Stellen

• Geländeübergänge (z.B.

von flach zu steil oder

Randbereich von Mulden

• Felsdurchsetztes Gelände

• Häufig Nordhänge

• Evtl. Umgehung möglich

• Frischer Triebschnee oft

ab 30° heikel

• Tour frühzeitig beenden

• Abkühlung abwarten

• Vorsicht vor großen

Spontanlawinen

• Einfache Schneedeckentests

können nützlich

sein.

• Schwierig erkennbar

• Infos zur Schneedecke im

Lawinenbericht hilfreich

wenig

nützlich

wenig

nützlich

teils

nützlich

Typische Lawinenprobleme (Muster)

90 Bergsteiger 12 ⁄13


Hier empfehlen die Verbände als Entscheidungshilfe

vier Muster, die der Lawinenforscher

Stefan Harvey ausgearbeitet hat:

Neuschnee, Triebschnee, Nassschnee und

Altschnee. Jedes dieser Muster birgt eine

spezielle Gefahrendynamik. »Dabei kommt

es natürlich sehr auf die Erfahrung an«, sagt

Florian Hellberg. Man habe versucht, ein

System zu entwickeln, das für jeden passe:

»Je mehr Unbekannte, desto mehr Verzicht

– je mehr Wissen, umso gezielter wird der

Verzicht«, meint Hellberg.

Doch selbst bei der gewissenhaftesten Abwägung

bleibt immer ein Restrisiko. Deshalb

sollte jeder Tourengänger neben der

entsprechenden Software im Kopf auch

die richtige Hardware für den Notfall mit

dabei haben: Ein Lawinenverschüttetensuchgerät,

kurz LVS, eine Sonde und eine

Schaufel – und zwar pro Person. Denn

wenn der Verschüttete die einzige Schaufel

der Gruppe im Rucksack trägt, nutzt ihm

das im Zweifel wenig. Wie man die drei am

besten einsetzt, ist »In zwölf Schritten aus

dem Schnee« beschrieben.


Taglingers Tipp:

Wechseln,

nicht warten!

»Zugegeben, der Tipp ist nicht sehr originell,

aber einer der wichtigsten: Wer ein LVS-Gerät

kauft, sollte das nicht tun, um sein Gewissen

zu beruhigen. Er sollte damit umgehen können,

und das verlangt: üben, üben, üben. Die

Suche theoretisch zu beherrschen ist gut, im

Ernstfall kommt Stress dazu. Trotzdem muss

jede Bewegung sitzen. Dass man vor der Tour

die Geräte bei einem Partnercheck kontrolliert,

ist klar – nicht klar ist vielen, dass sie die

Batterien bei einem Ladestand von 50–60

Prozent ersetzen sollten. Das Gerät könnte

zwar noch tagelang senden, im Suchmodus

verbraucht es aber deutlich mehr. Akkus haben

deshalb im Batteriefach nichts verloren.

Sie zeigen oft eine hohe Spannung an, die

aber schnell abfällt. Und zu guter Letzt: Es

sieht zwar cooler aus, wenn man die Geräte

in die Seiten- oder Gesäßtasche schiebt,

trotzdem sollte man sie am Körper tragen.

Nicht wegen der Gefahr, sie zu verlieren, sondern

weil sie kaputtgehen können, wenn man

unkontrolliert drauf fällt. Und gerade in einer

Lawine kann das passieren.«

Reiner Taglinger, Jahrgang 69, ist Leiter der

Mammut Alpine School, Vorstand Ausbildung

des deutschen Bergführerverbandes und

Profi bergführer seit mehr als 20 Jahren.

In zwölf Schritten aus dem Schnee

Bei der Bergung von Lawinenopfern muss es sehr schnell gehen:

91 Prozent der Verschütteten überleben die ersten 18 Minuten,

danach nimmt die Zahl rapide ab. Damit in dieser kurzen Zeit alles

funktioniert, sollten die Helfer genau wissen, was sie zu tun haben.

1 Augen auf

Versuchen, die Zahl und die

Bahn derer zu erfassen, die von

der Lawine mitgerissen wurden

– und sich die Punkte merken,

an denen sie unter den Schneemassen

verschwinden. Von dort

aus kann hangabwärts mit

der Suche begonnen werden.

2 Organisieren

Die Helfer sammeln sich an einem Punkt, legen

die Rucksäcke ab und bestimmen einen Suchenden

oder (bei großen Gruppen und großen

Lawinen) mehrere Suchende – am besten die

Erfahrensten. Diese stellen ihre LVS-Geräte auf

Empfang, alle anderen schalten ihre Geräte aus

oder ebenfalls auf Empfang und bereiten die

Bergung vor, siehe Punkt 4.

3 Signalsuche starten

Der Sucher begibt sich im Laufschritt in die

Zone, in der er den Verschütteten vermutet –

suchen mehrere, halten sie einen Abstand

von 20 Metern. Das Gerät wird waagrecht vor

den Bauch gehalten, zugleich nach Ausrüstung

Ausschau gehalten, die aus dem Schnee ragt.

4 Rettung vorbereiten

Die restlichen Helfer setzen währenddessen

über die europaweit gültige Nummer 112 einen

Notruf ab (Wer meldet, was ist wo und wann

geschehen, wie viele Helfer suchen wie viele

Verschüttete bei welchem Wetter?) und bereiten

Sonden und Schaufeln vor. Gibt es keinen

Handyempfang, machen sich im Idealfall zwei

Meldeläufer auf den Weg.

5 Markieren und langsamer werden

Der Empfangspunkt des ersten Signals wird

mit einem Skistock markiert. Der Sucher wird

danach etwas langsamer und folgt im raschen

Gehtempo der Richtungsanzeige seines LVS-

Gerätes.

6 Gebückt weitersuchen

Wenn das Gerät nur noch fünf Meter

Entfernung anzeigt: gebückt weitergehen

und das LVS-Gerät knapp

über der Schneeoberfl äche halten.

Weitergehen, bis die angezeigte

Entfernung wieder größer wird.

Diesen Punkt markieren.

7 Punkt orten

An dem Punkt mit der minimalsten Entfernung

wird das Gerät im rechten Winkel der bisherigen

Gehrichtung über den Schnee bewegt – das

Gerät darf dabei aber nicht gedreht werden.

Wieder den lautesten Punkt markieren.

8 Sondieren

Von diesem Punkt aus mit dem Sondieren

beginnen – immer im 90-Grad-Winkel zum

Hang. Ist der erste Versuch kein Treffer, geht es

in 20-Zentimeter-Abständen in einer Spiralform

weiter. Stößt die Sonde auf Widerstand: stecken

lassen, als Anhaltspunkt für die Schaufl er.

9 Weitersuchen

Während die anderen Helfer mit der

Bergung beginnen, das Signal des

georteten Verschütteten ausblenden,

wenn das Gerät diese Funktion bietet.

Oder erst einen Kreis mit einem Radius von drei

Metern (entspricht einer Sondenlänge) um den

Ort des Verschütteten gehen, dann auf sechs

bzw. neun Meter erhöhen. Auf die Entfernungsanzeige

des LVS-Geräts achten, Ort der Signaländerung

markieren und Suche fortsetzen.

10 Graben

Alle Helfer stellen sich unterhalb der Sonde auf,

um keine Hohlräume mit Atemluft einzutreten.

1,5 bis zwei Meter unter der Sonde waagrecht

in den Hang graben; keinen Schacht, sondern

den Schnee grobfl ächig wegschaufeln. Wenn

möglich abwechseln, um das Tempo hochzuhalten.

Wer nicht gräbt, räumt den Aushub weg.

11 Befreien

Stößt man an ein Körperteil, dann schnell,

aber vorsichtig in Richtung Kopf vorarbeiten.

Ist der Verschüttete gefunden, erst die Atemwege

freilegen und kontrollieren, ob die

Mundhöhle mit Schnee verstopft ist. Bei Atemstillstand

mit Herzdruckmassage beginnen.

12 Versorgen

Ausgraben des Verschütteten, dabei auf mögliche

Verletzungen achten. Bewusstlose sollten

in die stabile Seitenlage gebracht werden.

Um weiteres Auskühlen zu vermeiden, auf einer

Rettungsdecke lagern und zudecken. Gerettete

bei Bewusstsein sollten so wenig wie möglich

bewegt und mit Kleidung sowie mit Tee versorgt

werden, bis der Abtransport erfolgt.

12 ⁄13 Bergsteiger 91


MARKTÜBERSICHT

Der große Tourenskitest 2013/2014

Kein Ski

für alle Fälle

Ob runde oder eckige Spitzen, ob breit oder schmal, ob leicht

oder schwer: Das Rezept für einen guten Tourenski fällt je nach

Einsatzart unterschiedlich aus. Das Kompetenzzentrum Sport,

Gesundheit und Technologie aus Garmisch-Partenkirchen hat

neue Modelle der Saison beim Praxistest am Stubaier Gletscher

unter die Lupe genommen. Von Christoph Ebert, Wolfgang Pohl

und Christof Schellhammer

92 Bergsteiger 12 ⁄13


Für ein rasantes Abfahrtsvergnügen

nimmt mancher

Tourengeher auch ein wenig

schwerere Ski in Kauf.

12 ⁄13 Bergsteiger 93


Für kleinere Skihersteller

ist es eine Herausforderung,

die Qualität ihrer

Produkte durchgehend

hoch zu halten.

oben: Im Aufstieg sind leichte

Ski gefragt, egal ob auf den

Schultern oder an den Füßen.

unten: Mit dem richtigen

Ski macht die Abfahrt gleich

doppelt soviel Spaß.

Die Formen sind so variabel wie

die Einsatzarten. Was zählt, ist

die Qualität. So lässt sich der

aktuelle Markt für Tourenski

umschreiben. Neben den renommierten

Skiherstellern präsentieren mittlerweile

auch kleinere Anbieter sehr spezielle

Produkte für die unterschiedlichsten

Bereiche des Skifahrens und -tourengehens.

Für sie ist es eine Herausforderung,

dem hohen Qualitätsanspruch bei sämtlichen

ausgelieferten Produkten gerecht zu

werden. Kein leichtes Unterfangen und ein

Grund für den BERGSTEIGER, ausschließlich

Tourenski von renommierten Herstellern

zu testen.

Deren Qualität überzeugte die Tester: Die

Touren- oder Freerideski werden in einem

sehr guten Zustand ausgeliefert und lassen

sich ohne Tücken in jedem Schnee und jedem

Gelände fahren. Voraussetzung dafür

ist natürlich eine moderne Skiproduktion

mit geringen Toleranzen und mit einer

strengen Endkontrolle. Ski mit Hohlschliff

oder nicht entgrateten Kanten, wie wir sie

bei zurückliegenden Tests noch erlebten,

94 Bergsteiger 12 ⁄13


Skilehrer, Bergführer und

Profi-Freerider testeten

die Ski zwei Tage lang am

Stubaier Gletscher.

Die Produktentwickler

versuchen mit den

unterschiedlichsten

Strategien das Ziel zu

erreichen: den perfekten

Tourenski.

gehören der Vergangenheit an – zumindest,

was die großen Hersteller betrifft.

Rund oder eckig, breit oder schmal

Die Strategien, mit denen die Produktentwickler

jeweils das Ziel des perfekten Tourenski

erreichen wollen, unterscheiden

sich sehr voneinander: Da gibt es Ski mit

runden und eckigen Skispitzen, Rockeroder

Camber-Ski, schmale und breite sowie

natürlich auch leichte und schwere Ski. Im

Vergleich zum Vorjahr haben die Hersteller

die Rocker-Shapes mit negativer

INFO

Wie haben wir getestet?

Staatlich geprüfte Skilehrer, Bergführer

und professionelle Freerider testeten das

Fahrverhalten der Ski jeweils On Piste und

Off Piste auf dem Stubaier Gletscher an

zwei Tagen, die die gleichen Wetterbedingungen

boten. Jeder Ski wurde von jedem

Tester gefahren, sodass die hohe Anzahl an

ausgefüllten Fragebögen auch eine hohe

Aussagekraft ergibt. Neben den messbaren

Faktoren Gewicht und Fläche wurde das

Fahrverhalten in einem standardisierten

Testablauf mit folgenden Kriterien bewertet:

Die Tempostabilität beschreibt die Eignung

eines Ski für höhere Geschwindigkeiten. Diese

ist erfahrungsgemäß die Domäne der eher

schwergewichtigeren Ski, bei denen viel Dämp -

fungsmaterial verarbeitet wurde. Trotzdem gibt

es hier – wie auch in allen anderen Rubriken –

Ausreißer.

Ein harmonischer Ski lässt sich spielerisch

fahren; Wechsel von kurzen zu langen Radien,

von unterschiedlichen Gelände- und Schneeformen

und von gedrifteten zu geschnittenen

Schwüngen gelingen scheinbar mühelos.

Die Dynamik oder Spritzigkeit beschreibt die

Agilität eines Ski: Gelingen die Kantenwechsel

eher anstrengend oder doch wie von selbst und

ohne großen Kraftaufwand?

Der Surf-Faktor kommt im tiefen, weichen

Schnee zum Tragen. Erlauben Biegelinie, Radius

und Skifl äche ein gleichmäßiges, homogenes

»Surfen« durch den Powder oder verlangt der

Ski nach deutlichen Impulsen zur Schwungeinleitung

und -steuerung?

Bei kleinen Radien sollte ein Ski auch gedriftet

Sicherheit vermitteln. Kurzschwünge in hartem

und weichem Schnee sollten gleichermaßen

mit geringem Kraftaufwand zu fahren sein.

Bei großen Radien werden die Ski auf hartem

Schnee ohne Driftphase auf der Kante und

über die Taillierung/Biegelinie gesteuert. Dabei

zählt, wie exakt und richtungsstabil ein Ski

gefahren werden kann.

Alle Fotos: VIVALPIN | Christof Schellhammer, Wolfgang Pohl

12 ⁄13 Bergsteiger 95


Die TOURENFREERIDER

in der Einzelbewertung:

K2

Coomback

Fischer

Watea 96

Blizzard

Scout

Preis 599,95 € 449,95 € 649,95 €

Taillierung in mm (laut Hersteller) 135 – 102 – 121 132 – 96 – 120 134 – 108 – 122

Shape; Radius in Metern All-Terrain-Rocker; 22 Freeski Rocker; 22 Full Rocker; 27

Länge (lt. Hersteller / gemessen) 174 / 176 cm 178 / 177 cm 177 / 175,5 cm

Gewicht (pro Paar) 3828 g 3956 g 4154 g

GESAMTNOTE

Werte der subjektiven Testkriterien:

von 1 = schlechtester Wert

bis 5 = bester Wert

Werte der objektiven Testkriterien:

Gewicht von 1 = schwer bis 5 = leicht

Breite/Fläche 1 = geringe Fläche

bis 5 = große Fläche

Unser

Eindruck

Ein Ski für jeden Tag und jedes Gelände:

Das Diagramm zeigt kaum Schwächen; der

Coomback schafft sogar den Spagat

zwischen hoher Tempostabilität und kleinen

Radien. Einziger Wermutstropfen ist das im

Vergleich zur Fläche relativ hohe Gewicht,

das der Konstruktion geschuldet ist.

Im Fahrverhalten kommt der Watea 96 dem

perfekten Ski sehr nahe. In allen Disziplinen

glänzt er mit Top-Bewertungen. Das relativ

hohe Gewicht und die nicht zu breite Form

charakterisieren einen robusten,

hochwertigen Allroundski mit Top-Fahrverhalten.

Die Tester waren begeistert.

Alles, bloß keine Aufstiege! So präsentiert

das Netzdiagramm das Urteil der Tester.

Dafür glänzt der Scout bei hohem Tempo

und großen Radien in jedem Gelände und

Schnee. Ein Ski für die jungen Wilden,

denen kein Hang zu steil und kein Tempo

zu hoch ist!

Die TOURENSKI

in der Einzelbewertung:

Scott

Surf’Air

Völkl

Inuk

K2

WayBack

Preis 499,95 € 549,95 € 499,95 €

Taillierung in mm (laut Hersteller) 128 – 89 – 115 120 – 83 – 106 124 – 88 – 108

Shape; Radius in Metern Tip Rocker; 15 Tip Rocker; 21,6 All-Terrain Rocker; 27

Länge (lt. Hersteller / gemessen) 178 / 177 cm 177 / 175 cm 174 / 176 cm

Gewicht (pro Paar) 3060 g 2754 g 3242 g

GESAMTNOTE

Werte der subjektiven Testkriterien:

von 1 = schlechtester Wert

bis 5 = bester Wert

Werte der objektiven Testkriterien:

Gewicht von 1 = schwer bis 5 = leicht

Breite/Fläche 1 = geringe Fläche

bis 5 = große Fläche

Unser

Eindruck

Kurzcharakteristik

Der leichteste der K2 Ski glänzt mit Bestnoten

bei Aufstiegseignung und kleinen

Radien. Mit seinem relativ schmalen

Schnitt ist der BackUp die perfekte Wahl für

alle, die einen problemlosen Ski mit Fehler

verzeihendem Fahrverhalten in jedem

Schnee und Gelände suchen.

Ein leichter Tourenski mit besten Fahreigenschaften:

Der Inuk schneidet trotz seines

sensationellen Gewichts in allen Disziplinen

hervorragend ab. Einzig bei der Fläche

könnte man ihm Schwächen unterstellen;

doch in schwierigen Aufstiegssituationen ist

die mäßige Breite des Inuk von Vorteil.

Der Dauertestsieger der vergangenen Jahre

enttäuscht auch für die aktuelle Saison

nicht. Extrem ausgewogen, verkörpert

er den hochwertigen modernen Tourenski,

der alles mitmacht – von der einfachen

Tagestour über die Variantenabfahrt bis

zur Haute Route.

96 Bergsteiger 12 ⁄13


Black Diamond

Convert

Black Diamond

Carbon Megawatt

Scott

Rock’Air

Atomic

Charter

629,95 € 679,95 € 549,95 € 559,95 €

133 – 105 – 117 151 – 125 – 131 137 – 105 – 127 129,5 – 100 – 119,5

Rocker; 23 Rocker und Semi-Rocker am Skiende; 35 Tip Rocker; 21 Powder Rocker; 20

180 / 181 cm 188 / 188,5 cm 183 / 181 cm 176 / 174 cm

3392 g 3618 g 3356 g 3778 g

Der Convert ist der Allrounder im Black-

Diamond-Programm; das zeigt das beinahe

kreisrunde Diagramm. Damit verspricht er

ein Fahrverhalten auf höchstem Niveau und

viel Vergnügen; sowohl bei kleinen Radien

als auch bei hohem Tempo. Was will man

mehr?

Keine Kompromisse: Der Carbon Megawatt

ist die Referenz, wenn es um Tempo, große

Radien und Surfen im Gelände geht. Dass

darunter die Aufstiegseignung und die

Eignung für kurze Schwünge leiden, verzeiht

man dem Megawatt gerne. Wer fährt mit

einem solchen Ski schon Kurzschwung?

Breit, nicht zu schwer, dazu eine moderne

Geometrie und ein modernes hochwertiges

Design: Mit dem Rock’Air ist man

immer gut beraten – die Delle beim

Faktor »Harmonie« weist darauf hin, dass

der Rock’Air exakt gefahren werden will –

kein Ski für Anfänger und Neulinge.

Eine der großen Überraschungen! Selten

hat ein Ski soviel Spaß gemacht. Ungemein

dynamisch, scheint der Charter mit großer

Leichtigkeit alles zu beherrschen: große

Schwünge, kleine Radien, Powder und

Eis. Dafür muss man dann auch ein paar

zusätzliche Gramm in Kauf nehmen.

K2

BackUp

Fischer

Discovery

Blizzard

Discovery

Black Diamond

Aspect

429,95 € 549,95 € 499,95 € 529,00 €

124 – 82 – 105 125 – 92 – 110 115 – 78 – 102 127 – 90 – 113

Speed Rocker; 17 Tour Rocker; 23 Tip Rocker; 15 Tip Semi-Rocker; 19

174 / 174 cm 177 / 175,5 cm 170 / 168,5 cm 176 / 176,5 cm

3094 g 3156 g 2914 g 3046 g

Der leichteste der K2 Ski glänzt mit Bestnoten

bei Aufstiegseignung und kleinen

Radien. Mit seinem relativ schmalen

Schnitt ist der BackUp die perfekte Wahl für

alle, die einen problemlosen Ski mit Fehler

verzeihendem Fahrverhalten in jedem

Schnee und Gelände suchen.

Kurzcharakteristik

Ein klassischer Tourenski mit Fehler

verzeihendem Fahrverhalten sowie einer

besonderen Eignung für kleine Radien

und Kurzschwünge: Mit dem günstigen

Gewichtsverhältnis und der respektablen

Fläche haben auch Tiefschnee-Einsteiger

viel Freude an diesem Allround-Tourenski.

Der Discovery überzeugt mit geringem

Gewicht, ohne in der Abfahrt entscheidend

Federn zu lassen: der perfekte Ski für lange

Skitouren und Durchquerungen, zugleich

aber auch gut für Einsteiger geeignet. Der

schmale Shape ist ein großes Plus bei

anspruchsvollen Aufstiegspassagen.

Black Diamond kann auch leicht: Der Aspect

verbindet geringes Gewicht mit überdurchschnittlicher

Breite. Besonders bei kleinen

Radien kommt diese Kombination voll zur

Geltung: ideal für Touren- und Tiefschnee-

Einsteiger! Wer’s ein wenig schneller mag,

wählt den Megawatt aus gleichem Hause.

12 ⁄13 Bergsteiger 97


Ski, die den Dreh auch im Tiefschnee

raus haben: Darauf legen

die meisten Tourengeher Wert.

Ski mit viel Fläche

bieten im Vergleich zu

schmalen Brettern

die besseren Voraussetzungen

für das

Tiefschneefahren.

Vorspannung weiter perfektioniert. Auch

wenn man dem Rocker-Shape eine gewisse

Modeerscheinung unterstellt, funktionieren

die modernen Konstruktionen hervorragend

und weisen selbst auf hartem Untergrund

keine Nachteile mehr gegenüber

klassischen Skikonstruktionen auf. Zugleich

gab es auch im Sektor der Camber-

Ski vielversprechende Entwicklungen, die

in jedem Schnee und jedem Gelände gut

funktionieren.

Für eine differenzierte und aussagekräftige

Bewertung dieser doch sehr unterschiedlichen

Skikonzepte hat Christoph Ebert

vom Kompetenzzentrum Sport-Gesundheit-

Technologie in Garmisch-Partenkirchen das

bewährte Testkonzept des BERGSTEIGER-

Skitests weiter verfeinert und an die Leistungsfähigkeit

der aktuellen Ski angepasst.

Skifläche als neuer Wert

Erstmals geht bei einem Skitest die gemessene

Skifläche als objektiver Wert neben

dem Skigewicht in die Charakterisierung

der Ski mit ein. Ist das Skigewicht der wichtigste

Indikator für die Aufstiegseignung,

so hat die Skifläche eine ähnlich hohe Aussagekraft

für die Eignung im Tiefschnee.

Aus physikalischer Sicht bietet ein Ski mit

viel Fläche bessere Voraussetzungen für

das Tiefschneefahren als ein Ski mit wenig

Fläche. Im aktuellen Test verfügt der

breiteste Ski, der Black Diamond Megawatt,

über 60 Prozent mehr Fläche als der

schmalste Ski im Test, der Blizzard Discovery.

Am Rande erwähnt: Das Messen der

Skifläche bei den völlig unterschiedlichen

Skiformen war bereits eine Wissenschaft

für sich. Die Fläche wurde schlussendlich

rein mathematisch mittels standardisierter

Parameter ermittelt.

Natürlich haben auch Schuhe und Bindung

einen erheblichen Einfluss auf das

Fahrverhalten. Besonders die Bindung

überträgt die Kraft vom Schuh auf den Ski.

Diese Anforderung kann nur ein besonders

torsionssteifes Modell wie beispielsweise

die Marker Tour erfüllen. Um auch in dieser

Hinsicht ein vergleichbares Testresultat

zu erzielen, wurden den Skiherstellern

entsprechende Vorgaben gemacht und entsprechende

Bindungen angefordert.

Stärken und Schwächen auf einen Blick

Bei der hohen Qualitätsdichte fällt es

schwer, einen eindeutigen Sieger zu küren.

Man möchte schließlich nicht Äpfel mit

Birnen vergleichen. Die im Vergleich zum

Vorjahr nochmals optimierten Netzdiagramme

lassen aber auf einen Blick erkennen,

wo die Stärken und Schwächen des

jeweiligen Skimodells liegen. Dabei sollte

man nicht davon ausgehen, dass die größte

Fläche im Netzdiagramm dem besten

Ski entspricht. Vielmehr sollte man sein

Augenmerk auf die Faktoren legen, die für

den gewünschten Einsatzzweck entscheidend

sind.


98 Bergsteiger 12 ⁄13


INFO

Klassisch versus Rocker

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um Musikalität!

Rocker und der klassische Camber

bezeichnen die Vorspannung der Ski. Welcher

der beiden Typen sie entsprechen, lässt sich am

deutlichsten erkennen, wenn die Ski unbelastet

auf einem glatten Boden liegen. Allerdings gibt

es immer häufiger auch Mischformen.

Camber entspricht der klassischen Biegelinie,

bei der die Ski an Spitzen und Ende aufl iegen.

Die belasteten Ski erzeugen so über die gesamte

Kantenlänge vollen Druck auf den Untergrund.

Beim Full Rocker (auch Negative Camber

genannt) verhält es sich genau umgekehrt. Die Ski

liegen nicht außen, sondern in der Mitte unter

der Bindung auf und sind kontinuierlich bis zu den

Spitzen nach oben gebogen. Vor allem für

Freerider in weichem Schnee ist das von Vorteil:

Die Ski schwimmen regelrecht obenauf und

lassen sich so besser steuern. Selbst bei

langsamem Tempo heben sich die Spitzen leichter

aus dem Schnee. Der Nachteil: Rocker Ski

vibrieren auf harter Piste und bei höherer

Geschwindigkeit üblicherweise stärker als

Camber-Ski. Die Hersteller gleichen dieses Manko

mit mehr Dämpfung und der Verwendung von

leichteren Materialien aus.

Tip Rocker vereint die Vorteile einer klassischen

Camber-Konstruktion mit jener des Full Rocker.

Heraus kommt ein Ski, der vom Skiende bis ins

vordere Drittel einem Camber Shape entspricht.

Im vorderen Drittel ist der Ski – ähnlich einem Full

Rocker – bis zur Spitze stark aufgebogen. Der Tip

Rocker bietet auf der Piste das gewohnt gute

Fahrverhalten eines Camber-Skis und punktet

auch im Tiefschnee, da er dank der Aufbiegung im

Vorderteil gut auf dem Schnee schwimmt.

Konstruktionen mit Tip & Tail Rocker besitzen

zwar unter der Bindung die bei Camber übliche

Vorspannung, an den beiden Enden sind die Ski

jedoch Rocker-typisch nach oben gebogen.

Jeder Hersteller entwickelt mittlerweile seine

eigenen Rocker-Profi le für die unterschiedlichen

Einsatzzwecke. Dem entsprechend beginnt die

Aufwärtsbiegung der Skienden mal sehr nah an

Auch mit einem klassischen Camber-Ski

kann die Abfahrt rocken.

der Bindung, mal näher an den Enden. Mal ist sie

stärker ausgeprägt, mal schwächer.

Namen wie All Terrain Rocker, Powder

Rocker oder Speed Rocker sagen bereits alles

über den spezifi schen Einsatzbereich aus.

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Auf vereisten Wanderwegen

herrscht im

Winter »Schneekettenpflicht«

für die Schuhe.

Schuheisen für Winterwanderer

Zackig in Eis und Schnee

Egal ob auf geräumten Fahrwegen, auf vereisten Wanderwegen oder im

winterlichen Gelände – überall schützen Schuheisen vor dem Ausrutschen,

wenn aus griffigem Schnee glattes Eis geworden ist. Von Christian Schneeweiß

Grödel, Spikes oder Schneeketten

tauchen beim Händler in der hintersten

Ecke und im Katalog oder

Internet, wenn überhaupt, unter

dem Verlegenheitsbegriff »Accessoires«

auf – außer bei Herstellern aus Österreich,

wo Almbauern, Jäger und Waldarbeiter sie

schon lange und noch immer benutzen. Dabei

erleichtern diese Schuheisen das immer

populärere Winterwandern oder Rodeln erheblich,

egal ob auf einem geräumten Fahrweg,

einem vereisten Rodelweg oder einem

der Gipfelaufstiege auf beliebten Sommerwegen,

die Einheimische selbst bei Schnee

noch unermüdlich austreten.

Im Rucksack nehmen sie nur wenig Platz

weg: Kompakte Packmaße und geringes Gewicht

– zwischen 250 und 750 Kubikzentimeter

sowie etwa 250 bis 400 Gramm pro

Paar – zeichnen die meist im Staubeutel

verkauften Schuheisen aus. Leistungsfähigere

Sechszacker für Gelände und einfache

Gletscher sind natürlich voluminöser, aber

nur wenig schwerer (bis 450 Gramm). Mangels

Frontzacken ersetzen sie jedoch keine

Steigeisen.

Die Zacken

Zahl und Verteilung sowie Länge und Stellung

der Zacken bestimmen über die optimalen

Einsatzbereiche von Schuheisen.

Klassische Spikes und Ketten greifen nur

in hartem Schnee und Eis; sie passen auch

auf Schuhe ohne Absätze und eignen sich

eher für geräumte Fahr- oder Rodelwege

mit aperen Passagen – und natürlich für

Besorgungen auf eisigen Bügersteigen oder

den Weg zur Arbeit.

Klassische Grödel besitzen vier Schneezacken

mit einer Länge von zwei bis drei

Zentimetern und eignen sich für eingetretene

Wege mit geschlossener Schneedecke.

Längszacken bieten den besten Halt bei

Querungen, Querzacken gewährleisten einen

sicheren Auf- und Abstieg. Am besten

aber sind die Modelle, deren Zacken diagonal

angebracht sind, denn sie bieten Halt in

alle Richtungen.

Auch in der Zackenlänge unterscheiden

sich die Schuheisen: Kurzzackmodelle mit

einer Zackenlänge von etwa eineinhalb

Zentimetern verwendet man besser nur

auf geräumten Wegen. Die in Südkorea

entwickelten Ketten mit Stahlzähnen in

einer Länge ab einem Zentimeter sind optimale

Allrounder, bieten aber wenig Halt im

Gelände. Dort oder auf nicht eingetretenen

100 Bergsteiger 12 ⁄13


Wegen und Querungen ist man mit Sechszacker-Grödeln,

die die Schuhe perfekt fixieren,

am besten und sichersten bedient.

Bindungen und Größen

Grödel und Sechszacker-Grödel besitzen

Bindungen mit Riemen, welche häufig zu

lang sind und weit überstehen – am besten

schneidet man sie einfach ab. Fersen- und

Seitenhalt verhindern, dass sich die Schuheisen

lockern: Bei nur einem Ristriemen

oder bei zu breiter Schuhauflage können

die Grödel verrutschen. Sie sollten deshalb

weitenverstellbar sein – manche Hersteller

stanzen einen praktischen Maulschlüssel

in das Gestell ein, mit dem sich die Grödel

auf jede Schuhgröße einstellen lassen. Der

Fersenriemen ist bei heutigen Grödel meist

Bestandteil des Ristriemens. Gute Sechszacker

haben einen Fersenkorb, der mitsamt

Ristriemen für perfekten Halt sorgt. Unkomplizierter

geht es ohne Riemen, beispielsweise

bei den Ketten-Spikes mit elastischen

Gummiüberziehern – die aber in der richtigen

Größe gekauft werden müssen.

Halt am Schuh

Gute Grödel lockern sich inzwischen dank

Fersenriemen kaum noch, eventuell aber

Die Metallzacken der Spikes geben auch im

Gelände Halt bei winterlichen Verhältnissen.

bei Schuhen ohne Absatz. Deswegen sollte

man die Riemen der Bindung nach einigen

Minuten Gehzeit sowie speziell vor

dem Abstieg nachziehen. Die Sechszacker-

Variante mit Fersenkorb dagegen sitzt wie

angegossen am Schuh. Dies gilt noch mehr

für Kettenspikes mit ihrer elastischen Gummihalterung,

die auch bei weicheren oder

absatzlosen Schuhen perfekt sitzt. Damit

steht der winterlichen Bergtour oder der

Schlittentour mit Hütteneinkehr nichts

mehr im Weg.


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BERCHTESGADENER LAND

SKITOUREN-FESTIVAL

21. – 23. FEBRUAR 2014

FREITAG 21.02.2014

Eröffnung des Skitouren-Festivals im

Ski- und Rodelzentrum Hochschwarzeck,

D-83486 Ramsau

• „Warm-up“ und Teilnehmer-Meldung im

Festival zelt (Eröffnungsfilm, Kurzvorträge)

• Ausgabe und Anpassung der Leihausrüstungen

SAMSTAG 22.02.2014

Fotos: Bernd Ritschel (li.), Snowline

Grödel gibt’s mit vier oder sechs Zacken, mit Riemen oder mit Gummifassung:

Austrialpin Grödel

SG01P Power Grip

www.austrialpin.at

UVP: 41,90 €

Gewicht/Paar: 440 g

Typ: Sechszack-Grödel

Verstellbare Sechszack-

Grödel mit 4 Querund

2 Längs-Zacken

(Länge 3 cm)

Bindung: Fersenkorb mit

Ristriemen, Doppelösen-

Fixierung außen

Extras: einfache

Breitenverstellung mit

integriertem Werkzeug,

Gebrauchsanleitung

Sehr wirksame Grödel mit

festem Sitz und Eignung

v. a. fürs Gelände und für

einfache Gletscher

Edelrid

Spider Pick

www.edelrid.de

UVP: 45,– €

Gewicht/Paar: 430 g (L)

Typ: Ketten-Spikes

Robuste Schneeketten

mit 10 Stahlzähnen

(Länge 10/15 mm)

und Gummi-Fixierung

Bindung: Elastomer zum

Drüberziehen (2 Größen,

bis 44); für große Kälte

Extras: Staubeutel,

Ketten aus gehärtetem

Stahl, Zacken an starren

Streben, Zuglasche

An Metallplatten fi xierte

Krallen für geräumte

und eingetretene Wege

(auch apere Passagen)

Kong

Grödel

www.kong.it

UVP: 28,– €

Gewicht/Paar: 250 g

Typ: Grödel

Verstellbare Mini-Grödel

mit 4 diagonalen Doppelzacken

(Länge 2,5 cm),

Tefl onbeschichtung

Bindung: Ristriemen mit

Fersenhalt, Doppelösen-

Fixierung außen

Extras: Staubeutel,

Breitenverstellung mit

integriertem Werkzeug,

Gebrauchsanleitung

Sehr kompakte, breitenvariable

Grödel mit

Eignung für eingetretene

Wege und Schneefelder

Snowline

Chainsen Pro

www.kochalpin.at

UVP: 39,90 €

Gewicht/Paar: 320 g (M)

Typ: Ketten-Spikes

Schneeketten mit 11

Zähnen (Länge 11 mm)

und Gummi-Fixierung mit

Frontbügel und Zuglasche

Bindung: Elastomer zum

Drüberziehen (3 Größen,

bis 47); elastisch bis -40°

Extras: Staubeutel mit

Anleitung, Edelstahl,

Zuglasche, Light-Version

49,90 €

An Metallketten fi xierte

Krallen für geräumte

und eingetretene Wege

(auch apere Passagen)

Workshop-Tag für Anfänger und Fortgeschrittene

oder Skitouren für Fortgeschrittene

• 4 praxisorientierte Workshops für Anfänger: z.B.

Technik Skitouren-Gehen, DAV-Regeln, Sicherheit

mit LVS-Gerät und Lawinen-Airbag

• vertiefte Workshops für Fortgeschrittene: z.B.

Aufspüren Verschütteter, Einführung Schneeund

Lawinenkunde

• geführte Skitouren für Fortgeschrittene

• Tourenski-Testcenter verschiedener Hersteller

• „Die lange Nacht des Schneeleoparden“ –

Höhenmeter sammeln zugunsten der Bergwacht

Berchtesgadener Land (Nachtlauf)

• anschließend Aprés Ski-Party

SONNTAG 23.02.2014

Skitouren-Tag für Anfänger und Fortgeschrittene

• Tagesskitouren verschiedener Leistungsklassen

z.B. die Klassiker im Berchtesgadener Land

„Die Kleine Reib‘n“ oder das 3. Watzmann-Kind

• Tourenski-Testcenter verschiedener Hersteller

TICKETS & INFOS

Ticketshop: www.outdoor-club.de

Tickethotline 08657 - 983 520

Festivalkarte Freitag bis Sonntag 99,- €

gesicherte Leihausrüstung, Workshops (Sa),

geführte Skitouren (Sa / So)

Startgebühr Charity-Wettbewerb 15,- €

INFOS: www.bglt.de/skitourenfestival


Glaubt man den Herstellern,

ist so gut wie jedes Produkt

grandios. Doch stimmt das

wirklich? Die Redaktion

schildert ihre Eindrücke.

La Sportiva Katana

▶ Das sagt der Hersteller:

Für die Saison 2013 wurde dem »Katana« ein

neues Outfi t mit neuen Farben verpasst (grün/

blau für Herren bzw. rosa/rot für Damen). Zudem

wurden das Damen-Modell gewichtsoptimiert und

die Velco-Verschlüsse aus Textil statt wie bisher

aus Leder gefertigt.

Gewicht: 450 g (Gr. 42) Sohle: Vibram® XS

Edge 4 mm Obermaterial: Spaltleder, Lorica®

Preis: 124,95 € Info: www.lasportiva.com

▶ Das sagen wir: Der Kletterschuh-Klassiker in

neuem Design bringt die gleiche Performance wie

das alte Modell. Ist der Schuh erst einmal

eingeklettert, lässt er hinsichtlich Passform und

Sensibilität keine Wünsche offen. Die Vorspannung

ist nur mittelmäßig, aber extrem vorgespannte

Leisten sind ohnehin nicht jedermanns Sache.

Passform

Sensibilität

Design

Preis/Leistung

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Hagan Bindung

Z01 Allmountain

The North Face Rucksack

Conness

Black Diamond Stöcke

Ultra Mountain FL

Fotos: Hersteller, Andreas Strauß

▶ Das sagt der Hersteller: Komfort-Skitourenbindung

mit Bindungsrahmen, verstellbarer

Bindungslänge und Drehpunkt unter der

Schuhspitze. Höhenverstellbare Vorderbacken mit

Gleitrollen und -aufl age, Hinterbacken Step-In,

Skistopper integriert (80, 90, 100 mm).

Dreistufi ge Steighilfe. Harscheisen optional

(85, 100, 115 mm; 54,99 €)

Gewicht: 1830 g (Paar inkl. Stopper)

Längen: S, M, L Z-Wert: 4–12 Preis: 369,99 €

Info: www.hagan-ski.com

▶ Das sagen wir: Insgesamt eine unkomplizierte

Bindung mit durchdachter, sicher einrastender

Steighilfe und guter Abfahrtsleistung durch hohe

Steifi gkeit. Die kleine Steighilfen-Zwischenstufe

ist ideal für fl ach ansteigende Fahrwege, aber in

der Verstelltechnik nicht sofort verständlich.

Funktion

Design

Preis/Leistung

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▶ Das sagt der Hersteller:

Funktioneller Rucksack für mehrtägige Touren. Das

Rückensystem setzt auf die fünf zentralen

Berührungspunkte und verzichtet zugunsten der

optimalen Luftzirkulation auf unnötigen Schaum.

Das Tragesystem Optifi t passt sich optimal an die

Körperbewegung an.

Farben: beige/grau; blau/gelb Gewicht: 2608 g

(Gr. S/M); 2637 g (Gr. L/XL) Preis: 270 €

(70–74 l) Volumen: 55–58, 70–74, 82–86 l;

Damen: 65–68 l Info: www.thenorthface.com

▶ Das sagen wir: Im Vergleich zu gepolsterten

Tragesystemen wirkt der Conness erstmal etwas

starr, was sich aber bald als sehr angenehm

herausstellt. Dort, wo’s drauf ankommt, ist die

Polsterung ja noch vorhanden. Die abnehmbare

Deckeltasche dient auch als Lendentasche.

Gewicht

Tragekomfort

Preis/Leistung

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▶ Das sagt der Hersteller:

Vielseitiger Damenstock für Wanderungen und

Skitouren im Backcountry. Zusammengefaltet

passt der Stock auch in kleinere Tagesrucksäcke.

Rutschfeste Griffverlängerung aus Schaumstoff

zum Kürzerfassen

Gewicht: 600 g (Paar; 105–125 cm)

Preis: 129 € Längen: 95–110 cm (Packmaß:

36 cm); 105–125 cm (Packmaß: 40 cm)

Info: www.blackdiamondequipment.com

▶ Das sagen wir: Ein Stock für alle Jahreszeiten,

der dank Handschlaufen sehr angenehm zu

tragen ist. Das Ein- und Ausfahren geht ruckzuck,

dennoch wirkt die Fixierung absolut sicher. Im

Lieferumfang sind Gummispitzen, Trekking-Teller

und Schneeteller enthalten.

Greifgefühl

Fixierung

Preis/Leistung


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102 Bergsteiger 12 ⁄13


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12⁄13 Bergsteiger 105


SERVICE

NEU: Hersteller im Profil

Edelrid

Das Kernmantelseil,

1953 von Edelrid auf den

Markt gebracht, ist bis

heute richtungsweisend.

Das Kern-Geschäft

Firmen-Steckbrief

Gegründet: 1863 von Julius Edelmann

und Carl Ridder

Hauptsitz: Isny, Allgäu, Deutschland

Werke im Ausland: Vietnam

Mitarbeiter: 135

Jahres-Umsatz: 23 Mio. €

Zweimal abgebrannt, zweimal verkauft:

Die Erfolgsgeschichte von Edelrid stand gleich

mehrmals auf der Kippe. In diesem Jahr feiert

der Bergsportausrüster seinen 150. Geburtstag.

Von Bettina Willmes

106 Bergsteiger 12 ⁄13


Am Kletterturm auf dem

Firmengelände werden

die Produkte ersten

Praxistests unterzogen.

INFO

Innovationen aus

dem Hause Edelrid

Alle Fotos: Edelrid / Christian Pfanzelt

Zwei Dinge hat Daniel Gebel (34),

der die Produktentwicklung der

Hardware bei Edelrid leitet, mit

den meisten seiner Kollegen gemein:

Er ist jung und er klettert

für sein Leben gern.

Gerne auch schon vor der Arbeit, selbst

wenn er dafür um vier Uhr früh aus dem

Haus muss. In der Regel ist er dann mit

seinem Kollegen Richard Heinz (27) unterwegs.

Eine ihrer typischen Touren ist

die Rubihorn-Nordwand. Was für andere

eine Tagestour ist, machen die beiden mal

eben kurz bevor sie ins Büro in Isny im Allgäu

fahren. Allerdings nur im Winter. »Im

Sommer ist die Versuchung zu groß, doch

immer noch eine Route dranzuhängen und

kein Ende mehr zu finden«, erzählt Gebel.

So wie Gebel und Heinz ticken viele der

135 Mitarbeiter von Edelrid. Für die Firma

ist das ein großes Glück, denn die Leidenschaft

fürs Klettern spielt auch bei der Arbeit

eine wichtige Rolle. »Bei Edelrid kann

ich meinen Produktfetischismus ausleben,

kann ständig daran rumtüfteln, Ausrüstung

noch komfortabler, noch intuitiver

bedienbar, noch besser zu machen«, sagt

etwa Daniel Gebel. Wenn er über die Produkte

von Edelrid spricht, spürt man, dass

diese Leidenschaft echt ist. Auf jedes noch

so kleine Detail kommt er zu sprechen, und

es vergehen keine zwei Minuten, in denen

Das Kernmantelseil ist längst nicht die

einzige bahnrechende Erfi ndung von Edelrid.

Viele weitere folgten, darunter die Expressschlinge

(1973), der Zwillingsstrang (1977)

und das Indoorkletterseil (1996). Einer der

jüngsten Coups ist ein Seil mit verschiedenen

Durchmessern: An den verschleißanfälligen

Enden ist der schützende Mantel dicker,

in der Mitte dünner für ein gutes Handling

an Karabinern und Sicherungsgeräten.

er keines der Produkte in der Hand hält

und damit spielt.

Der Brand zerstörte alles

Allein in den vergangenen drei Jahren hat

das Unternehmen 15 Auszeichnungen

für seine Neuentwicklungen erhalten.

Beispielsweise für das Cable Vario Kit, das

erste Klettersteigset, das sich auf das

12 ⁄13 Bergsteiger 107


Zwillingsseile, Halbseile, Indoor-Seile – für jeden Zweck das Richtige

Endspurt bei der Produktion eines Klettersteigsets

Die Flechtmaschine webt aus unzähligen Fäden ein robustes Seil.

Gewicht des Benutzers einstellen lässt und

auch für Kinder geeignet ist. In der Branche

gilt Edelrid als innovativ und versiert. Das

war allerdings nicht immer so. »Wir waren

lange Zeit zwar kompetent in Sachen Seil,

aber als Marke leicht angestaubt«, sagt Verkaufsleiter

Hannes Mayer. »In den vergangenen

Jahren haben wir es geschafft, eine

angesagte Marke zu werden.« Den Grund

dafür sieht Mayer darin, dass Edelrid nie der

Versuchung erlegen sei, von seiner Kernkompetenz,

dem Klettern, abzurücken.

»Wir sind ein junges, motiviertes Team,

wir können nur klettern, und wir machen

nur Klettern – Outdoorboom hin oder her.

Das wirkt authentisch.« Wegbereitend für

die Wandlung ist auch folgendes gewesen:

2006 arbeitete eine einzige Person an der

Entwicklung, heute sind es elf – drei für

die Seile, acht für Kletterhardware.

Doch auch früher hat Edelrid, das ursprünglich

Litzen und Kordeln fertigte, immer

wieder gezeigt, dass der Betrieb das Zeug zu

Innovationen hat. So brachten die Allgäuer

1953 das erste Kernmantelseil auf den Markt

– eine Revolution, die bis heute prägend

ist: Im Inneren bilden mehrere verflochtene

Zwirne den tragenden Teil. Um ihn zu

schützen, ist er von einem geflochtenen

Mantel umhüllt. Herbe Rückschläge kassierte

Edelrid, als die Firmengebäude in Isny im

Allgäu wiederholt abbrannten, 1958 und

1973. Verheerend war vor allem der zweite

Brand, dem das Gebäude sowie sämtliche

Dokumente komplett zum Opfer fielen. Andreas

Wagner, der seit 1964 bei Edelrid arbeitet

und seinen Ruhestand schon mehrmals

verschoben hat, hat diesen Brand miterlebt.

»Alles, was wir danach noch hatten, war in

den Köpfen der Mitarbeiter. Also musste jeder

zu Papier bringen, was er noch wusste.

Dann haben wir nach und nach die Flechtmaschinen

aus den Trümmern gezogen und

wieder hergerichtet.« Zwar habe man nicht

alle Maschinen retten können, aber immerhin

alle großen Bergseilmaschinen.

Made in Germany

2001 wurde Edelrid dann an den damals

größten Seilhersteller der Welt, The Rope

Company, verkauft. Auch daran erinnert

sich Wagner noch genau. »Der Geschäftsführer

war sehr zahlenorientiert. Ständig

ging es nur um die Umsätze.« Fünf Jahre

später meldete The Rope Company Insolvenz

an. Die Vaude-Gruppe kaufte Edelrid

auf, sie ist bis heute hundertprozentiger

Inhaber der Firma, Geschäftsführer ist Albrecht

von Dewitz.

Fragt man den Geschäftsleiter und Leiter

des Brand Management/Vertrieb Carsten

108 Bergsteiger 12 ⁄13


Tüftler in Theorie und Praxis: Daniel Gebel

an seinem Arbeitsplatz

»Wir können nur

klettern und wir

machen nur Klettern

– Outdoorboom hin

oder her. Das wirkt

authentisch.«

von Birckhahn, was das Unternehmen heute

auszeichnet, kommt er neben dem unternehmerischen

Denken jedes einzelnen Mitarbeiters

schnell auf die Nähe zum Kunden

und die Produktion vor Ort zu sprechen.

Rund 60 Prozent der Wertschöpfung wird

in Isny erzielt. Daneben hat Edelrid noch

ein Werk in Vietnam. Es ist angeschlossen

an das Vaude-Werk, wird aber eigenständig

von Edelrid betrieben. Dort wird persönliche

Schutzausrüstung (PSA) hergestellt, die

besonders nähintensiv ist. Seile aber beispielsweise

wurden schon immer und zu

hundert Prozent in Isny produziert. Teilweise,

so von Birckhahn, kommen Einzelteile

wie etwa für Eisgeräte von Zulieferern aus

Europa und Asien; zusammengebaut aber

werden sie in Isny. »So können wir bereits

die Einzelteile überprüfen und haben jeden

Wertschöpfungsschritt im Griff «, erläutert

von Birckhahn. »Vor allem aber ist es uns

auf diese Weise möglich, uns überall die

Besten und das Beste rauszupicken und

es zum besten Endprodukt zu kombinieren.«

Auch die Flexibilität, schnell auf Kundenwünsche

zu reagieren, bewahre man

sich dadurch.

Aufwickeln ohne Krangeln: Ein Kletterseil

wird gebrauchsfertig gemacht.

In der Nähwerkstatt werden Bandschlingen,

Expressen und Klettersteigsets bearbeitet.

Ein Seil fürs Cabrio

Es gebe aber noch einen anderen Grund

dafür, die Produktion in Deutschland zu

behalten. Gleich neben den Entwicklern ist

die Näherei angesiedelt. »Hier verarbeiten

wir Produkte mit sehr werthaltigen Materialien

und solche mit hohem Automatisierungsgrad«,

erklärt Gebel. Die Maschinen

nutzen Gebel und seine Kollegen darüber

hinaus auch, um eigene Entwicklungen voranzutreiben.

»Bei anderen Firmen gibt der

Entwickler nur die Anweisung, umgesetzt

wird in Asien.« So sei jeder Entwicklungsschritt

umständlich und irgendwann auch

eine Zeitfrage. »Bei uns schaffe ich in einer

Woche drei Entwicklungszyklen.« Tagsüber

tüfteln und umsetzen, abends das Resultat

in der Kletterhalle oder am Berg testen – so

lautet Gebels Konzept.

Auch wenn man leicht einen solchen Eindruck

bekommen könnte: Die Bereiche

»Sports« und »Safety« sind nicht alles bei

Edelrid. Zwar erzielen die Allgäuer 60 Prozent

ihres Umsatzes dort. Daneben bedienen

sie aber auch noch die Sparten »Adventure

Parks« und »Industry«. Und so finden

sich die Seile von Edelrid beispielsweise

auch in Cabrio-Verdecks oder Zapfhahnleitungen.


IM FEBRUAR-HEFT: Lesen Sie ein Porträt der

Firma Maloja, die 2014 zehn Jahre alt wird.

12. - 15. Dezember 2013

Skitourenexpo / Modenschau

Skitourenparty

Osttiroler Skitourensafari

Sicherheit am Berg

H2000 - Tyrolia Tour

Freeriding in den Dolomiten

Festivalpaket: 3 Übernachtungen inkl.

Festivalpass (Fachvorträge, Workshops,

Skitourenparty inkl. 1 Getränk)

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AUSFLUGSTIPP

Das Perfekte Bergwochenende I Berchtesgaden

Naturerlebnis im

Nationalpark statt

Pisten-Remmidemmi

Von Dominik Prantl

Sturmfrei

im Herbst

Es lässt sich natürlich trefflich darüber

streiten, welches eigentlich die

beste Jahreszeit für einen Besuch des

Berchtesgadener Landes ist. Skitourengeher

würden das Frühjahr bevorzugen,

wenn die einsamen Kare und die Königssee-

Umrundung namens Große Reibn locken.

Wanderfreunde und Bergsteiger schätzen

den Herbst, wenn sich die Wälder des einzigen

deutschen Alpennationalparks gold färben.

Die Touristen aus aller Welt fallen vor

allem im Sommer über Adolf Hitlers einstigen

Stützpunkt, das Kehlsteinhaus, und die

Kapelle St. Bartholomä her.

Unbestritten ist, dass der Spätherbst zu jener

Phase des Jahres zählt, in der man den Blick

auf Watzmann, Hochkalter und Jenner beinahe

für sich alleine hat. Das liegt auch daran,

dass sich Hütten und Almen bereits in

der Winterruhe befinden, während die meisten

Hotels ihre klassische November-Pause

einlegen. Und genau darin besteht der Reiz:

Wenn noch kein Schnee gefallen ist, bieten

die letzten Wanderungen des Jahres Einsamkeit

zwischen den mächtigen Kalkstöcken.

Auch später, im Hoch- und Spätwinter, ist

Berchtesgaden mit seinen wenigen kleinen

Skigebieten alles andere als eine klassische

Winterdestination. Daher sind eher Naturerlebnis

statt Pisten-Remmidemmi und Kutschenfahrten

statt Kontrollverlust angesagt.

Wer sich auf die Spuren des unvergessenen

Georg Hackl begeben will, kann eine der

Natur-Rodelbahnen probieren – oder im

Taxibob den Natureiskanal hinunterrasen.

Der Bergfilmer Andreas Kieling schwört übrigens

auf den November in Berchtesgaden,

zumindest, wenn er so sonnig ausfällt wie

so oft in den vergangenen Jahren: »Ich habe

Freunden aus Nordamerika Bilder vom

Berchtesgadener Land geschickt. Die fragten:

Sag mal, ist das Disneyland?«


Wo anklopfen?

Berchtesgadener Land

Tourismus GmbH

Bahnhofplatz 4

83471 Berchtesgaden

Tel. 0 86 52/6 56 50 50

info@berchtesgadener-land.com

www.berchtesgadener-land.com

110 Bergsteiger 12 ⁄13


Hubert Ilsanker

ist unter anderem

Buchautor, Musiker,

bayerisches Original.

Außerdem besitzt er

dank seines Arbeitgebers

das Recht, im Nationalpark

Enzianwurzeln auszugraben. Die verarbeitet

er als hauptberufl icher Enzianbrenner in

einer von vier Hütten dann zu einem bitteren

Destillat, das manchen vorzüglich und vielen

gar scheußlich schmeckt. Jedenfalls besteht

garantiert ein Zusammenhang zwischen

Geschmack und Trinkhöhe. Wenn Ilsankers

Stammsitz – die Brennhütte oberhalb der

Königsalm – im Winter geschlossen hat,

bleibt als Alternative zumindest die Industriebrennerei

Grassl unten im Tal.

Was essen?

Wild beim Wachterl

Für Vegetarier eignet sich das Wirtshaus

Wachterl eher nicht. Gerade im Herbst

bestimmt vor allem Wild – vom Hasen bis

zum Hirschen – als Leitmotiv die Speisekarte.

Liebhaber regionaler Küche kommen am

Wachterl daher kaum vorbei – schon allein

wegen der Lage an der Alpenstraße. Und

wer selbst zum Messer greifen will, hat dazu

beispielsweise beim Wild-Kochkurs Anfang

Dezember die Möglichkeit.

www.wirtshaus-wachterl.de

Wo wohnen?

Zu Gast bei Freunden

Nur für Luxusfreaks und Wellnessjünger

muss es in Berchtesgaden das Hotel Edelweiss

im Ortszentrum oder das Intercontinental

am Obersalzberg sein. Es gibt jede

Menge Pensionen und Ferienwohnungen,

die sich über die fünf Gemeinden des

Berchtesgadener Landes verteilen. Mit Blick

auf die Gebirgsstöcke von Hochkalter und

Watzmann wohnt man beispielsweise im

familienfreundlichen Gästehaus Hinterponholz

(www.hinterponholz.de). Unweit des

Parkplatzes Hinterbrand bietet sich der

Alpengasthof Vorderbrand an (www.berchtesgaden-online.com/vorderbrand)

– und

mitten im Gebirge das ganzjährig (außer

24. 12.) geöffnete Carl-von-Stahl-Haus.

Fotos: Marika Hildebrandt, Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (3), Schneibsteinhaus/Strobl, Daniel Schvarcz

Basiswissen

Ankommen: Mit dem Auto über die A8 nach

Salzburg und dann an der Ausfahrt Bad Reichenhall

bis Berchtesgaden; mit dem Zug

von München in 2½ Std. über Freilassing.

Sich orientieren: AV-Karte, BY 21 »Nationalpark

Berchtesgaden« und BY 22, »Berchtesgaden,

Untersberg«, beide 1:25 000

Mehr erfahren: Höfl er/Witt »Wanderführer

Berchtesgadener Land«, Bruckmann

Verlag, 2011; Sepp Brandl »Skitourenführer

Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen«,

Bergverlag Rother, 2012

Beliebter Stützpunkt: Das Schneibsteinhaus

hat ab Weihnachten wieder geöffnet.

Für schlechte Tage

Erinnern für die Zukunft

Natürlich könnte an dieser

Stelle eine ganze Menge für

den spaß- oder kulturorientierten

Urlauber stehen: Die

Watzmanntherme, das nahe

gelegene Salzburg oder das

Salzbergwerk beispielsweise.

Nur: Alle diese Angebote können es nicht

mit der hervorragenden Dokumentation

Obersalzberg aufnehmen. Von 1923 bis zum

Kriegsende 1945 diente die Gegend um

Berchtesgaden schließlich

als Feriendomizil Hitlers,

worauf heute allerdings

nicht mehr alle im Tal so

wahnsinnig gerne hinweisen.

Die Dokumentation

am Obersalzberg erinnert

dafür umso eindringlicher an die Geschichte

des Nationalsozialismus – so stark der Kontrast

der düsteren Bunker mit der Schönheit

der umliegenden Berge auch sein mag.

Tourentipps: Ziele für jede Jahreszeit

1 Schneibstein (2275 m)

Wertung: Der Allwetterberg. Im Sommer

ein leichter Zweitausender samt

gelegentlicher Steinbock-Sichtung. Im

Winter bei Skitouren der Höhepunkt

der Kleinen Reibn (Tagestour) oder

die erste Erhebung der Großen Reibn

(eher 2 bis 3 Tage).

Start und Ziel: Parkplatz Hinterbrand

(1130 m)

Route: Hinterbrand (1130 m) – Carlvon-Stahl-Haus

(1736 m) – Schneibstein

(2275 m), ca. 3½ Std.

2 Kehlsteinhaus (1837 m)

Wertung: Wird im Sommer von

Touristen aus aller Welt überrannt.

Für Berggeher ist es die Einkehr vor

einer wunderbaren Querung über

den Mannlgrat (Klettersteig) hinüber

zum Hohen Göll (2522 m; Aufstieg

insgesamt 5 Std). Im Winter beliebtes

Ziel für kurze Skitour (etwa 2 Std.)

Start und Ziel: z. B. an der westl.

Mautstelle Rossfeldstraße (960 m)

Route: Parkplatz – Ofnerboden –

Sommerboden – Kehlstein

12 ⁄13 Bergsteiger 111


Juli 2013

SERVICE

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10 / Oktober 2013

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PLUS 12 Tourenkarten zum Mitnehmen: Berchtesgadener Alpen • Urner Alpen • Mont Blanc-Gruppe

Die Paten III: Herrliche Hütten im Porträt

80 Jahre

80

Jubiläums-

Ausgabe

| Bergwandern | Klettersteige | Alpinismus

Die besten 80 Touren

Bayerische Alpen

Rofangebirge

Ortlergruppe

Dolomiten/Brenta

Berner Alpen

Karwendel

Große Freiheit

über Innsbruck

EXKLUSIV!

Südtirol-Wochenende

mit David Lama und

Stefan Glowacz

Wärmen

Fleecejacken im Test:

Wandern wohlig warm

| Alpinismus

REPORTAGE

Trekken

Nepal anders erleben auf

dem Great Himalaya Trail


rrliche Hütten im Porträt

INTERVIEW

Filmen

Tod und Rückkehr:

Lothar Brandler

D 5.90 €

ten 80 Touren

Jubiläums-Extras

• Zurück ins Revier:

Tiere in den Alpen

• Die tollkühnen

Bergvagabunden

• Edelweißrausch

an der Höfats

• Buhls Liebling –

Glungezerhütte

Seilspiel zum

Heraustrennen

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8 000 Euro ab!

Geburtstags-Gewinnspiel

bs_2013_10_u1_u1.in d 1 23.08.13 11:431:43

BERGSTEIGER 10/2013

Langsam, aber sicher

Betrifft: Taglingers Tipp

bs_2013_10_u1_u1.indd 1 23.08.13 11:43

+

Grassls Tipp: Zum Saisonstart mit dem LVS-Gerät üben

Schönes Ziel: Tour im Kaisergebirge,

Rote-Rinn-Scharte

Der vorbildliche Skitourengeher

hat sein Material bereits am

Ende der Saison auf Vordermann

gebracht, so dass es für den

ersten Einsatz parat liegt. Doch

stimmt die Vorbereitung auch in

sicherheitsrelevanten Dingen?

Es gibt zum Winterauftakt einige

D 5.

Der Fehlerteufel

hat zugeschlagen!

wichtige Dinge zu beachten: Prüfen

Sie die Funktionstüchtigkeit des

Lawinenverschütteten-Suchgerätes,

wechseln Sie die Batterien und

machen Sie einen Test über die

Reichweite des Geräts. Noch vor

der ersten Tour üben Sie den

Umgang mit dem LVS-Gerät, damit

im Notfall das Suchverfahren

hundertprozentig stimmt.

Am Anfang einer Saison, wenn

man unbedingt die erste Skitour

machen will, werden nicht zuletzt

wegen Schneemangels Gefahren

übersehen. Oft sind Steine oder

Felsen nur wenige Zentimeter mit

Schnee überzuckert und können

bei der Abfahrt durch ruckartiges

Stoppen zu üblen Stürzen führen.

Tourengeher sollten auch über den

Schneedeckenaufbau Bescheid

wissen. Tiefe Temperaturen im

BERGSTEIGER unter der Lupe: Leserbrief des Monats

Lieber Herr Taglinger,

in Bergsteiger 10/13 schreiben

Sie: »Abgesehen von langsamen

Seilschaften, die Routen

blockieren, sind Krangel so

ziemlich das Nervigste beim

Klettern.« Bei den Krangeln gebe

ich Ihnen Recht, aber bei

den langsamen Seilschaften

bin ich nicht Ihrer Meinung.

Klar wartet niemand gerne.

Und natürlich ist Geschwindigkeit

ab einer gewissen Tourlänge

und Gesamtschwierigkeit

oder bei drohendem Gewitter

zunehmend auch ein Sicherheitsfaktor.

Aber: Vom Toprope über den

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die abgedruckten Leserbriefe nicht die Meinung der Redaktion,

sondern die der Unterzeichnenden wiedergeben. Wir behalten uns vor, Briefe vor Abdruck zu kürzen.

In die Jubiläumsausgabe (10/

13) haben sich zwei Fehler eingeschlichen,

für die wir uns

entschuldigen: Gerald Aichner

ist nicht, wie im Beitrag »Fest

im Sattel« auf Seite 89 erwähnt,

der Hüttenwirt der Glungezerhütte,

sondern Vorsitzender der

Sektion Hall sowie des OeAV

Landesverbandes Tirol. Hüttenwirt

ist Gottfried Wieser.

Aufgrund eines Versehens in

der Repro wurden nach Druckfreigabe

des Heftes außerdem

zwei Grafiken auf Seite 107 vertauscht.

Hier die richtige Zuordnung

der Bilder:

Hochwinter führen zur Bildung

einer sehr labilen Schwimmschneeschicht,

die oft Ursache zur

Auslösung von Schneebrettern ist

– vor allem in den nach Nord und

Nordost ausgerichteten Hängen.

Beachten Sie deshalb unbedingt

den Lawinenlagebericht!

Generell sollte man mit kleineren

Touren in den Winter starten und

sich die großen Unternehmungen

für den Spätwinter oder das

Frühjahr aufheben.

Toni Grassl

ist staatlich

geprüfter Bergund

Ski führer

und Inhaber der Eventagentur

grassl-eps. Exklusiv für den

BERGSTEIGER gibt er Tipps

rund ums Bergsteigen.

Vorstieg bis in die Nordwände

– jeder Kletterer fängt einmal

klein an. Ich bin sicher, dass

Sie in der Führerausbildung

und in Ihrer Bergschule neben

den technischen Dingen auch

die (überlebens-)wichtigen Aspekte

in dem Sport lehren: Ruhe

und Überlegtheit geht vor

Geschwindigkeit. Und das sollte

jeder Kletterer sowohl in der

Halle als auch am Fels anderen

vermitteln. Sonst passieren

schnell Fehler.

Holger Schulze Temming, per Mail

Halbseile

Zwillingsseile

12/13 | 80. Jahrgang

Internet: www.bergsteiger.de

Redaktionsanschrift

BERGSTEIGER

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Chefredakteur Michael Ruhland

Redaktion Thomas Ebert, Petra Gössl-Kubin,

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Assistenz Thomas Ebert

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Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 49 vom

1. Januar 2013, www.verlagshaus-media.de

Repro ludwig:media, Zell am See

Druck Stürtz, Würzburg

Verlag Bruckmann Verlag GmbH,

Infanteriestraße 11a, 80797 München

www.bruckmann.de

Geschäftsführer Clemens Schüssler,

Carsten Leininger

Herstellungsleitung: Sandra Kho

Vertrieb Zeitschriften Dr. Regine Hahn

Vertrieb/Auslieferung

Bahnhofsbuchhandel, Zeitschriftenhandel

MZV, Unterschleißheim

Preise Einzelheft ¤ 5,90 (D), ¤ 6,50 (A),

sfr 9,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Versandkosten;

Jahresabonnement (12 Hefte) ¤ 63,72

(D) inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten.

Für Studenten mit Bescheinigung ¤ 49,56

inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten

ISSN 1435–8905 • 1681

Erscheinen und Bezug BERGSTEIGER erscheint

monatlich. Erhältlich in Deutschland, Österreich

und in der Schweiz im Bahnhofsbuchhandel,

an gut sortierten Zeitschriftenkiosken, im

Fachhandel sowie direkt beim Verlag.

© 2013 by Bruckmann Verlag GmbH

Die Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen Beiträge

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zur Veröffentlichung. Für unverlangt eingesandte

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112 Bergsteiger 12 ⁄13


Kletterer am berühmten Gendarm des Wilde-Leck-Ostgrats (IV, Stubaier Alpen, Tirol)

29.5. Christi Himmelfahrt | 8.6. Pfingstsonntag

Ein aussichtsreiches Jahr.

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mai/juni 2014

mo di mi do fr sa so mo di mi do fr sa so

26 27 28 29 30 31 1 2 3 4 5 6 7 8

Zweiwöchiges Kalendarium

mit 27 Motiven und den

schönsten Touren auf den

Kalenderblattrückseiten

Bergsteiger Kalender 2014

Das gesamte Spektrum des Alpinismus

in einem faszinierenden Kalender mit den

leuchtenden Farben des Sommers und

dem glitzernden Weiß des Winters – wunderschöne,

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des gesamten Alpenraums. Mit zwölf eindrucksvollen und

großartigen Aufnahmen.

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VORSCHAU

AUF TOUR

Sechs Tage in den Lechtalern

Wer die Lechtaler Alpen durchqueren

will, hat viele Möglichkeiten. Eine der

anspruchsvollsten Skidurchquerungen

führt von Kelmen bis zum Arlberg.

&

REPORTAGE

Alte Vorsätze

fürs neue Jahr

Es gibt Touren, die wollte man

schon immer mal machen. Doch

die Umsetzung hat bisher nie

geklappt. Zwölf Autoren des

BERGSTEIGER stellen ihre Ziele

für das Jahr 2014 vor – und die

Hintergründe des Scheiterns.

REPORTAGE

Kampf gegen die Uhr

Wenn der Ernstfall eintritt, dann zählt

jede Minute. Unser Autor war mit

der Hundestaffel der Lawinenrettung in

Garmisch-Partenkirchen unterwegs.

Berg und Klima: auf den Gipfel des Kilimandscharo

AUF TOUR Berg und Bad: vom Schnee in die Therme

PORTRÄT Berg und Internet: vier Blogger und ihre Passion

SERVICE

Schneeschuhe

im Test

Der nächste Bergsteiger ist vom 7. Dezember an am Kiosk erhältlich.

Jetzt schon aufs

Weiterlesen freuen!

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Steighilfen, stabile Bindungen und

griffige Krallen: Die Hersteller von

Schneeschuhen setzen bei ihren neuen

Modellen vor allem auf Bergtauglichkeit.

Wir haben zwölf Modelle für

Sie getestet.

Lawinenairbags

Die Rucksäcke mit den Luftkissen

sind wohl die wichtigste Entwicklung

in der neueren Sicherheitsausrüstung

– verleihen sie im Fall der Fälle doch

den nötigen Auftrieb. Eine

Vollkaskoversicherung sind

sie trotzdem nicht, denn

der Umgang mit ihnen will

gelernt sein.

Fotos: Andreas Strauß, Thomas Pfeffer, Hersteller, Erich Keppler/pixelio

MITARBEITERIN DES MONATS


AUFSTEIGER DES MONATS


ABSTEIGER DES MONATS

Zurück im Team

und gleich prämiert

Wenn das nicht wahre Liebe ist: Nach

einer zweijährigen Visite in Wien ist Dagmar

Steigenberger, 36, als Redakteurin zum

BERGSTEIGER zurückgekehrt. Sie vertritt Bet -

tina Willmes, die in Kürze Mutter wird. Natürlich

war die Ex-Wahl-Österreicherin

prädestiniert, beim 50. Geburtstag

der Alpinschule Innsbruck

(ASI) vorbeizuschauen –

ihre erste Amtshandlung.

Und die hat sie mit Bravour

bestanden. Das Motto hieß

»Retroalpin«, man sollte in möglichst

alten Bergklamotten erscheinen. Mit Vaters

K-Way aus den 70ern, uralten Gamaschen

und einer Vorkriegsgletscherbrille gewann sie

prompt einen Preis. Was für ein Einstand!

Heinz Zembsch

Sein »erstes Mal« hatte er mit 14, jetzt

wird wieder gefeiert: Zum 400. Mal war der

»Watzmannkönig« im September durch die

höchste Wand der Ostalpen geklettert. Macht

unterm Strich 844 000 Höhenmeter und

2800 Euro für den Schiffstransfer. Sein Tipp

für Novizen: »Mit jemandem gehen, der den

Weg kennt.« Die 500 peilt der 70-Jährige,

dem am Ostwandbiwak eine Holzbank

gewidmet ist, nicht mehr an, denn »mit dem

Rücken geht es langsam bergab«.

Lewis Hamilton

Der Formel-1-Pilot will auf den Mount Everest

(8848 m). Für Hamilton kein abwegiges

Ziel, denn schließlich hat er gerade erst den

höchsten Berg Malaysias, den 4095 Meter

hohen Kinabalu bestiegen. »Ich habe den

20.-höchsten Berg der Welt erklommen«,

brüstete er sich und erklärte, dass er sich

den »ganz großen«, den Mount Everest aber

noch ein wenig aufheben wolle. Ob es die

Höhenluft war, die ihn zu solcherlei Aussagen

befl ügelte? Jedenfalls scheint sie dem

28-Jährigen nicht unbedingt die Sinne ge -

schärft zu haben. Denn

zwischen dem »20.-höchsten

Berg der Welt« und dem

Mount Everest befi nden

sich allein in den Alpen 54

Gipfel, die höher sind als

der Kinabalu.

Fotos: privat; Bilster Berg Drive Resort (re.)

114 Bergsteiger 12 ⁄13


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