SchiffsModell Fife-Yacht Vagrant in 1:4 (Vorschau)
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11<br />
2013<br />
<strong>SchiffsModell</strong><br />
ISSN 0722-7108 € 5,00 [D] € 5,40 [EU] sFr 9,90 E 5290<br />
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<strong>SchiffsModell</strong><br />
Die Fachzeitschrift für den Schiffsmodellbauer<br />
fife-yacht<br />
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HYDRO RENNBOOT ARTR | BEST.-NR. 2203<br />
Rumpflänge ca. 570 mm<br />
RHODE ISLAND<br />
FORMEL 1 KATAMARAN ARTR | BEST.-NR. 2204<br />
Rumpflänge ca. 605 mm<br />
MIDNIGHT GAMBLER<br />
CHAMPIONSHIP ARTR | BEST.-NR. 21005<br />
Rumpflänge ca. 690 mm<br />
Die Navy-Serie<br />
ist besonders geeignet für den<br />
E<strong>in</strong>satz und die Belastungen <strong>in</strong> Schiffsmodellen.<br />
Die bei Wettbewerben vorgeschriebenen Gewichtslimits<br />
werden e<strong>in</strong>gehalten.<br />
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9750.2 | LiPo-Akku 2S 5000 mAh 40C<br />
7616.2 | LiPo-Akku 2S 6200 mAh 25C<br />
7611.3 | LiPo-Akku 3S 1500 mAh 25C<br />
7614.3 | LiPo-Akku 3S 4300 mAh 25C<br />
ADOLPH BERMPOHL | BEST.-NR. 2206<br />
Rumpflänge ca. 1215 mm<br />
Klassisches, vorbildgetreues Modell<br />
mit 3 e<strong>in</strong>gebauten Elektromotoren<br />
und zwei Servos, Beiboot mit<br />
Antriebsmotor und Servo.<br />
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IM NOVEMBER<br />
E-Mail an die Redaktion: welz@neckar-verlag.de<br />
MOTORSCHIFFE<br />
M. Rode: MÜRITZ<br />
Restaurierung e<strong>in</strong>es ehem. DDR-Modells . 4<br />
D. Lübbesmeyer: US-Bergungs- und Rettungsschiff<br />
ARS-51 GRASP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30<br />
T. Döpke: Schnellboot Typ S 100 . . . . . . . . . . . . . . . . . 36<br />
N. Peter: Feuerlöschboot FEUERWEHR IV . . . . . . . . 38<br />
S. Röhlig: Proviantboot TIME IS MONEY . . . . . . . . . . . 42<br />
C. König: S.M.S. „Wels“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56<br />
AKKUS<br />
Im Arsenal jeder Mar<strong>in</strong>e f<strong>in</strong>den sich nicht nur Kampfe<strong>in</strong>heiten, sondern<br />
auch Hilfs- und Unterstützungsschiffe. D. Lübbesmeyer hat<br />
die GRASP der US NAVY als Modell nachgebaut. Seite 30<br />
P. Koller: Test: LiPos von AGAPOWER . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />
RENNBOOTE<br />
K. Bartholomä: »Miss Spontaneous«<br />
E<strong>in</strong> Modell für die Klasse 152VO . . . . . . . . . 16<br />
A. Lülsdorf: F1-Kat von Modellbaucenter Lorenz . . . . . 52<br />
SEGELSCHIFFE<br />
G. und H. Scharbaum: <strong>Fife</strong>-<strong>Yacht</strong> VAGRANT . . . . . . . . . . . . . . . 22<br />
VERANSTALTUNGEN<br />
P. Burgmann: 27. Swiss M<strong>in</strong>i Sail 2013 . . . . . . . . . . . . . . . 46<br />
U-BOOTE<br />
Es müssen ja nicht immer „Riesen-Projekte“ se<strong>in</strong>: E<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e Ersatz-Rumpfschale,<br />
e<strong>in</strong> paar Frästeile und etliche Komponenten<br />
aus der Restekiste ergeben e<strong>in</strong> schmuckes Modell mit sehr überschaubaren<br />
Kosten. Seite 38<br />
N. Brüggen: Die Geschichte<br />
der Bruker Meerestechnik, Teil 7 . . . . . . . . . 66<br />
RUBRIKEN<br />
Neu und Aktuell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12<br />
Ihr Fachgeschäft und Servicepartner <strong>in</strong> ... . . . . . . . . . . . . . . .15<br />
Vere<strong>in</strong>e . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60<br />
Leseecke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60<br />
kurz und fündig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62<br />
Inserentenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74<br />
Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74<br />
P. Burgmann besuchte wieder e<strong>in</strong>mal die Swiss M<strong>in</strong>i Sail und zeigt<br />
uns die Fülle der Details an Bord der Modelle. Seite 46<br />
UNSER TITELBILD<br />
E<strong>in</strong>e <strong>Fife</strong>-<strong>Yacht</strong> <strong>in</strong> großem Nachbau-Maßstab? Freunde<br />
klassischer Segelboote und Stammleser der <strong>SchiffsModell</strong><br />
können sich jetzt schon denken, welches Modellbauer- und<br />
Autorengespann hier wieder aktiv wurde.<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 3
Motorschiffe<br />
..<br />
Mart<strong>in</strong> Rode<br />
MURITZ<br />
Restaurierung e<strong>in</strong>es<br />
ehem. DDR-Modells<br />
V<br />
or e<strong>in</strong>igen Jahren fiel mir<br />
im Internet e<strong>in</strong> Modell auf,<br />
welches im Vergleich zu aktuellen<br />
Sportbooten sehr nostalgisch<br />
wirkte. Ke<strong>in</strong> Wunder,<br />
es handelte sich um die MÜRITZ, welche<br />
<strong>in</strong> der ehem. DDR als Baukasten auf dem<br />
Markt war, die aber auch nach Bauplan gebaut<br />
werden konnte. Von der tschechischen<br />
Firma TELTECH aus Ostrava gab es dann<br />
e<strong>in</strong>e Wiederauflage dieses Baukastens,<br />
allerd<strong>in</strong>gs mit gefrästen Holzteilen. Zur damaligen<br />
Zeit verliefen me<strong>in</strong>e Versuche, e<strong>in</strong>en<br />
solchen Baukasten zu erhalten aber im<br />
Sande und so verlor ich die MÜRITZ aus<br />
den Augen.<br />
Etliche Zeit später stieß ich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />
Schiffsmodellbauforum auf e<strong>in</strong> sehr schönes<br />
MÜRITZ-Modell, das Interesse flammte<br />
wieder auf und ich machte mich erneut auf<br />
die Suche. Und wie konnte es anders se<strong>in</strong>,<br />
bei dem uns allen bekannten Internet-Auktionshaus<br />
wurde im Sommer 2010 e<strong>in</strong> sehr<br />
renovierungsbedürftiges Modell versteigert.<br />
Ich blieb als e<strong>in</strong>ziger Kauf<strong>in</strong>teressent übrig<br />
und konnte das Modell sogar <strong>in</strong> der Nachbarschaft<br />
persönlich abholen.<br />
Die ersteigerte MÜRITZ war vom Vorbesitzer<br />
sehr massiv gebaut und wohl mit mehreren<br />
Farbschichten versehen worden. Das<br />
konnte so nicht bleiben. Bevor es ans unvermeidliche<br />
Schleifen g<strong>in</strong>g, habe ich noch die<br />
alte Wellenanlage ausgebaut, die komplett<br />
ersetzt werden musste. Hierzu war massiver<br />
E<strong>in</strong>satz angesagt, den Rumpf musste<br />
ich dazu am Wellenaustritt mit Bohrer und<br />
M<strong>in</strong>ikreissäge bearbeiten.<br />
Beim Schleifen stellte sich heraus, dass die<br />
Farbe so dick aufgetragen war, dass ich erst<br />
e<strong>in</strong>mal kapitulieren musste. Etwas „Chemisches“<br />
musste her. Ich versuchte es erst<br />
mit Nitroverdünnung und e<strong>in</strong>er Abziehkl<strong>in</strong>ge,<br />
aber das war e<strong>in</strong> mühseliges Geschäft.<br />
Die Nitroverdünnung wirkte zwar, aber unter<br />
der Farbe kamen noch m<strong>in</strong>destens zwei<br />
verschiedene Spachtel-Schichten zum Vor-<br />
Die Ausgangssituation,<br />
die Wellenanlage wurde<br />
schon ausgebaut<br />
Nach den ersten<br />
Arbeiten zum<br />
Lack entfernen<br />
4 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
sche<strong>in</strong>, wobei e<strong>in</strong>e davon jetzt die Konsistenz<br />
von Kaugummi annahm. Zum Schluss<br />
besorgte ich mir noch e<strong>in</strong>en Abbeizer, den<br />
ich teilweise an e<strong>in</strong>igen Stellen mehrfach<br />
anwenden und auch über e<strong>in</strong>en längeren<br />
Zeitraum von bis zu sechs Stunden e<strong>in</strong>wirken<br />
lassen musste.<br />
Da ich auf Nummer Sicher gehen wollte,<br />
überzog ich den Rumpf danach mit dünnem<br />
Glasgewebe (50 g/m²) und Epoxidharz. Danach<br />
wurde gespachtelt und geschliffen.<br />
Hierbei g<strong>in</strong>g es mir nicht um die Stabilität,<br />
e<strong>in</strong>zubauen. Ich entschied mich für e<strong>in</strong>e<br />
Kompaktwellenanlage, bei der der Kupplungsflansch<br />
bereits am Stevenrohr angebracht<br />
ist. Vorgesehen hatte ich e<strong>in</strong>en Motor<br />
<strong>in</strong> der Baugröße 600, also e<strong>in</strong>e wesentlich<br />
üppigere Motorisierung, als sie ursprünglich<br />
für dieses Modell vorgesehen war.<br />
Im Internet stieß ich auf Fotos von MÜRITZ-<br />
Modellen, bei denen auch etliches an Mahagoni<br />
verbaut wurde. Das sieht natürlich<br />
wunderschön aus, nur ich wollte so e<strong>in</strong>e<br />
Veredelung nicht vornehmen. Das langwierige<br />
Entfernen der alten Lackschichten<br />
hatte genug Zeit und Nerven gekostet, ich<br />
wollte nun langsam zum Ende der Renovierungsarbeiten<br />
kommen.<br />
Mit viel Nitroverdünnung und e<strong>in</strong>er Kl<strong>in</strong>ge<br />
konnte ich mich allmählich vorarbeiten<br />
Auf den Rumpf wird e<strong>in</strong>e Lage Glasgewebe<br />
auflam<strong>in</strong>iert<br />
sondern um die Wasserdichtigkeit. Der<br />
Rumpf wurde dann auch noch von <strong>in</strong>nen mit<br />
angedicktem Epoxidharz ausgestrichen und<br />
später weiß lackiert.<br />
Für die letzte Schicht nutzte ich Spritzspachtel<br />
aus dem Autozubehör. Zum Schluss<br />
wurde alles mit 400er-Nassschleifpapier<br />
übergeschliffen, bevor die Farblackierung<br />
erfolgte.<br />
Das Modell ist relativ e<strong>in</strong>fach gehalten und<br />
es gab folglich auch kaum Kle<strong>in</strong>teile, die ich<br />
aufarbeiten musste. E<strong>in</strong>en richtigen Plan<br />
hatte ich auch nicht, im Internet habe ich<br />
jedoch Fotos des Plans gefunden, so dass<br />
ich zum<strong>in</strong>dest e<strong>in</strong>en Überblick hatte. Nun<br />
war es an der Zeit, die neue Wellenanlage<br />
Somit stand die Wahl der Farben für die<br />
Lackierung an. Zuerst wurde das ganze<br />
Modell <strong>in</strong> Weiß lackiert, für das Unterwasserschiff<br />
wählte ich Blau. Der Wasserpass<br />
wurde dann noch mit e<strong>in</strong>em dunkleren Blau<br />
(Ultramar<strong>in</strong>blau von Revell, Farb-Nr. 51) abgesetzt.<br />
Für das Abkleben nehme ich generell<br />
immer Scotch Plastic Tape 471 von 3M.<br />
Dieses begrenzt aber nur den unmittelbaren<br />
Lackierbereich, den Rest des Rumpfes klebe<br />
ich mit Zeitungspapier und Malerkrepp<br />
ab, wobei ich das Krepp knapp auf das<br />
Scotch-Tape klebe.<br />
Wichtig ist, dass man die Abklebung schon<br />
nach ca. e<strong>in</strong>er Stunde entfernt. Die Farbe ist<br />
dann zwar schon angetrocknet, aber doch<br />
Entfernen der Abklebung<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 Das Ruderservo wurde nur e<strong>in</strong>geklebt 5
MÜRITZ bei hoher Fahrt<br />
Technische Daten<br />
noch so elastisch, dass sie beim Abziehen<br />
des Klebebandes an der Trennkante nicht<br />
ausbricht.<br />
E<strong>in</strong> bisschen sichtbares Holz wollte ich am<br />
Modell dann aber doch noch gerne haben.<br />
Daher habe ich die aufklappbare Zugangsluke<br />
zum Ruderservo mit 0,5 mm starken<br />
Holzleisten beklebt und etwas Mahagoni<br />
wurde für die Handläufe auf den Kajütdächern<br />
e<strong>in</strong>gesetzt. Hierfür kam e<strong>in</strong>e Mahagonileiste<br />
mit den Maßen 10 x 3 mm zur Anwendung.<br />
Die äußere Form der Handläufe<br />
wurde aufgezeichnet, auf das Holz übertragen<br />
und dann mit der Dekupiersäge ausgeschnitten.<br />
Da ich ke<strong>in</strong>e genauen Maße hatte,<br />
habe ich das nach Gefühl gemacht. Auch<br />
der Flaggenstock ist aus e<strong>in</strong>em Holzrundstab<br />
hergestellt.<br />
Für den Antrieb baute ich e<strong>in</strong>en noch vorhandenen<br />
SPEED 600 e<strong>in</strong>. Bei der ersten<br />
Probefahrt stellte ich fest, dass der Motor<br />
mit me<strong>in</strong>en 7,4-V-LiPos viel zu hoch drehte.<br />
E<strong>in</strong>e Strommessung ergab 18 A, entschieden<br />
zu viel für das Modell. Also wurde auf<br />
e<strong>in</strong>en SPEED 600 ECO umgerüstet, mit<br />
dem die MÜRITZ aber eigentlich immer<br />
noch übermotorisiert ist. Der Rumpf kann<br />
die Leistung gar nicht umsetzen, er sackt<br />
mit dem Heck weg und reckt den Bug gen<br />
Himmel. Also wird der Gasknüppel eben nur<br />
sehr gelassen betätigt.<br />
Das Modell ist durch das hohe Freibord<br />
recht robust und kann auch bei etwas mehr<br />
Länge<br />
Breite<br />
Höhe<br />
Tiefgang<br />
Gewicht<br />
Antrieb<br />
62 cm<br />
21 cm<br />
ca. 18,5 cm (ohne Mast)<br />
ca. 6 cm<br />
ca. 2,00 kg<br />
SPEED 600 ECO<br />
6 Zellen NiMH oder 2s LiPo<br />
W<strong>in</strong>d und Welle gut e<strong>in</strong>gesetzt werden, andererseits<br />
ist es noch recht handlich und<br />
somit gut zu transportieren.<br />
Es sollte mich auch nicht wundern, wenn die<br />
MÜRITZ <strong>in</strong> Zukunft wieder mehr Freunde<br />
f<strong>in</strong>den würde. Zur Spielwarenmesse 2013<br />
hat die Firma Krick das Modell ja als Holzbaukasten<br />
wieder neu präsentiert, ganz<br />
zeitgemäß mit lasergeschnittenen Holzteilen<br />
ausgestattet.<br />
6 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
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AGAPOWER 50C<br />
Neue Firma und neue LiPos<br />
Firmengründer Robert Müller und Thomas Weiß<br />
Zwei Freunde, Thomas Weiß,<br />
Dipl.-Ing. Elektrotechnik, und<br />
Robert Müller, diplomierter Physiker,<br />
betreiben seit über 20 Jahren aktiv<br />
Modellsport. Thomas Weiß hauptsächlich<br />
im Bereich Schiffsmodelle und RC-Cars,<br />
Robert Müller schwerpunktmäßig bei Flugmodellen<br />
und <strong>in</strong>zwischen auch Hubschraubern.<br />
Beide s<strong>in</strong>d seit mehreren Jahren<br />
unabhängig vone<strong>in</strong>ander bereits beruflich<br />
selbstständig, jeder <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Fachgebiet:<br />
Thomas als Elektronik-Entwickler, Robert<br />
als IT-Spezialist.<br />
Schon länger haben die beiden überlegt,<br />
ihr Modellbau-Hobby zu etwas geme<strong>in</strong>samen,<br />
Beruflichen auszuweiten und dabei<br />
möglichst beide Fachgebiete zu komb<strong>in</strong>ieren.<br />
Bisher fehlte aber der Anstoß, um den<br />
Wunsch auch <strong>in</strong> die Tat umzusetzen.<br />
Der Deutschland-Vertrieb der AGAPO-<br />
WER-Akkus ist nun dieser Anstoß und<br />
e<strong>in</strong> erster Schritt. Beide haben das Ziel,<br />
zukünftig den Modellbau-Markt mit qualitativ<br />
hochwertigen Produkten zu bereichern<br />
und zielen explizit nicht auf den Billig-Ch<strong>in</strong>a-Import<br />
ab. Dies ist auch das Ziel, mit<br />
dem das Unternehmen AGA-Technology<br />
an die beiden herangetreten ist, um diese<br />
Produkte künftig <strong>in</strong> Deutschland im oberen<br />
Segment zu platzieren. Daher haben sie<br />
sich nach ausgiebigem Test dieser Produkte<br />
zu e<strong>in</strong>er Kooperation und zum Start<br />
des geme<strong>in</strong>samen Unternehmens entschlossen.<br />
O-Ton Robert Müller: „Andere<br />
Produkte, u. a. auch Eigenentwicklungen,<br />
8 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Die werksseitig konfektionierten Deans-Plugs s<strong>in</strong>d für<br />
Dauerbelastungen über 70–80 A nicht geeignet, daher <strong>in</strong><br />
diesem Fall höher belastbare Stecksysteme verwenden<br />
Hotspot, der Temperatursensor liegt unter dem Schrumpfschlauch<br />
an den Außenkanten zwischen Zelle 2 und 3,<br />
da hier die größte Hitze anliegt. Die Packs liegen während<br />
der Entladungen mit Zelle 3 flach auf e<strong>in</strong>em Holzbrett,<br />
die Wärmeverteilung/Wärmestau ist also ähnlich wie<br />
im Modell<br />
sollen noch folgen. Selbstverständlich<br />
wird es für die Akkus e<strong>in</strong>e kont<strong>in</strong>uierliche<br />
Qualitätskontrolle durch unabhängige, anerkannte<br />
Fachleute geben. Wir wollen def<strong>in</strong>itiv<br />
mehr <strong>in</strong> Richtung Qualitätssicherung<br />
tun, als andere Anbieter das z. Zt. machen.<br />
Daher werden wir uns auch zunächst auf<br />
die Akkus fokussieren und das Produktangebot<br />
nur langsam erweitern. Hierzu<br />
haben wir bereits e<strong>in</strong>e GmbH gegründet,<br />
über die die Akkus und diverses Zubehör<br />
erhältlich s<strong>in</strong>d. Daher ist unter www.agapower.de<br />
sowie unter www.dynamic-rc.de<br />
e<strong>in</strong> entsprechender Shop verfügbar.“<br />
Soviel zur E<strong>in</strong>leitung und Vorstellung der<br />
Firmengründer Robert Müller und Thomas<br />
Weiß.<br />
Das Testprozedere<br />
wurde der fortschreitenden Technik angepasst,<br />
eventuell davon abweichende Maßnahmen<br />
werden <strong>in</strong> jedem Beitrag gesondert<br />
erläutert, oder s<strong>in</strong>d direkt den Diagrammen<br />
zu entnehmen.<br />
Die ersten Musterzellen der 3300er-50C-<br />
AGAPOWER wurden mir Anfang 2013<br />
zum Test zugesandt. Nach diversen Testdurchläufen<br />
war schnell klar, dass von der<br />
Belastbarkeit her etwas nicht stimmte. Also<br />
wurden die Packs auf Wunsch des Herstellers<br />
samt Messdiagrammen und mit<br />
entsprechenden H<strong>in</strong>weisen versehen, zur<br />
Analyse zurückgeschickt. Nach Monieren<br />
dieser schlechten Ergebnisse beim Hersteller<br />
wurden die Packs mit dem H<strong>in</strong>weis,<br />
dass da wohl durch e<strong>in</strong>en Fehler <strong>in</strong> der<br />
Produktion fälschlich Zellen mit ger<strong>in</strong>gerem<br />
Rat<strong>in</strong>g als 50C gelabelt wurden, anstandslos<br />
ersetzt. Me<strong>in</strong>e Messergebnisse dieser<br />
falsch gelabelten Zellen s<strong>in</strong>d im Diagramm<br />
„Musterzellen 1“ zu sehen. Dieses Diagramm<br />
soll nur der Vergleichbarkeit (vorher–nachher)<br />
dienen.<br />
Der Test<br />
Gerade diese neuen Packs mussten angesichts<br />
der Pleite mit den erwähnten Musterzellen<br />
nun erst recht ihre Qualitäten durch<br />
entsprechende Hochstrommessungen an<br />
der Stromsenke beweisen. Zum Test standen<br />
wieder zwei 3300er-Packs mit angelöteten,<br />
verpolungssicheren Deans-Hochstrombuchsen<br />
zur Verfügung. Man kann die<br />
Packs aber auch ohne Buchsen ordern und<br />
Hochstromverb<strong>in</strong>dungen se<strong>in</strong>er Wahl selbst<br />
anlöten. Die E<strong>in</strong>zelzellenspannungen aller<br />
Packs lagen bei Lieferung um 3,85 V, soweit<br />
also schon mal alles paletti.<br />
Entladespannung - [V]<br />
4,30<br />
4,20<br />
4,10<br />
4,00<br />
3,90<br />
3,80<br />
3,70<br />
3,60<br />
3,50<br />
3,40<br />
3,30<br />
3,20<br />
3,10<br />
Für die Hochstrommessungen<br />
über 80 A wurden<br />
die Deans-Plugs entfernt<br />
und die Zellen über<br />
16-mm²-Lüsterklemmen<br />
und 8-mm²-Silikonkabel mit<br />
der Stromsenke verbunden<br />
AGAPOWER-50C-LiPos, 3s-Pack 1, Nennkapazität 3300 mAh<br />
Aufzeichnung auf e<strong>in</strong>e Zelle normiert, Ladestrom/Zeit: 1C, ca. 61 m<strong>in</strong>.<br />
Temp. E- Start: 21 ° C., E-Start 2 s vor Lastaufschaltung<br />
Stark gespreizte Darstellung der Spannungsachse<br />
Dem mittlerweile üblichen Standard entsprechend,<br />
s<strong>in</strong>d die Packs ordentlich konfektioniert<br />
und der Länge nach mit solidem<br />
Kunststoffband umschlossen. Zwischen<br />
den Ableiterfahnen der E<strong>in</strong>zelzellen verh<strong>in</strong>dert<br />
isolierendes Moosgummi Kurzschlüsse.<br />
Zusätzlich werden die Kopf- und<br />
Fußseiten mit Polstermaterial vor Stoßbelastungen<br />
geschützt. Selbstverständlich ist<br />
alles astre<strong>in</strong> und faltenfrei e<strong>in</strong>geschrumpft.<br />
Der Querschnitt der ca. 12,5 cm langen<br />
hochflexiblen Silikon-Hochstromkabel beträgt<br />
für die 3300er- Packs 10AWG (5,26<br />
mm²), das ist auf 50C = 165 Acc (Dauerlast)<br />
bezogen also durchaus lastgerecht dimensioniert.<br />
Hochflexible, ca. 5 cm messende<br />
Balancerkabel enden <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er EHR-Buchse<br />
im verbreiteten 2,54-mm-Raster. Als maximaler<br />
Ladestrom s<strong>in</strong>d 5C, also 16,5 A angegeben,<br />
die allerd<strong>in</strong>gs im Test nur bis 2C<br />
ausgereizt wurden.<br />
Diagramm Musterpack 1<br />
Das soll hier nicht großartig besprochen<br />
werden, nur soviel sei gesagt: Pannen<br />
passieren immer wieder und überall, denn<br />
ke<strong>in</strong>e Firma kann es sich leisten „50C-<br />
Musterzellen“ zu liefern, die nach eigenen<br />
Messungen maximal nur 30C-Belastung<br />
erbr<strong>in</strong>gen.<br />
Die Messungen<br />
der Serienzellen ergaben durchweg erstaunlich<br />
gute bis sehr gute Ergebnisse.<br />
Gegenüber den Musterzellen kann man<br />
fast von e<strong>in</strong>em Quantensprung reden. Die<br />
Diagramme 1 und 2 (Pack 1 und 2) zeigen<br />
die Belastungsprofile von 10–40C (33–<br />
132Acc) Dauer-Konstantstromentnahme<br />
mit wirklich hervorragenden Spannungslagen.<br />
Und dies wohlgemerkt unter normalen<br />
Raumtemperaturbed<strong>in</strong>gungen von 21 °C,<br />
also ohne Vorwärmung! Der aus diesen<br />
Messungen gemittelte DC-Ri bei 50 %<br />
D.O.D. (Entladetiefe) liegt bei beiden Packs<br />
bei nur ca. 2,2–3 mΩ/Z! Alle<strong>in</strong> mit diesem<br />
für e<strong>in</strong>e 3300er-Zelle äußerst ger<strong>in</strong>gen In-<br />
P1 / 10.E = 10C (33 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,3 V, Um 3,670V, C 3,256 Ah, P 11,95 Wh, E.-Temp. 49 / 50 °C<br />
P1 / 12.E = 20C (66 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,2 V, Um 3,576V, C 3,267 Ah, P 11,68 Wh, E.-Temp. 59 / 62 °C<br />
P1 / 13.E = 24C (79,2Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,539V, C 3,300 Ah, P 11,68 Wh, E.-Temp. 61 / 63 °C<br />
P1 / 14.E = 30C (99 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,489V, C 3,223 Ah, P 11,24 Wh, E.-Temp. 64 / 66 °C<br />
P1 / 15.E = 40C (132 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,3 V, Um 3,428V, C 2,860 Ah, P 9,80 Wh, E.-Temp. 65 / 67 °C<br />
T. 50% E.T.<br />
20C = 40 °C<br />
30C = 44 °C<br />
40C = 47 °C<br />
T. 70% E.T.<br />
20C = 47 °C<br />
30C = 53 °C<br />
40C = 57 °C<br />
T. 80% E.T.<br />
20C = 51 °C<br />
30C = 56 °C<br />
40C = 63 °C<br />
T. 90% E.T.<br />
20C = 55 °C<br />
24C = 57 °C<br />
30C = 61 °C<br />
T. 86% E.T.<br />
40C = 65 °C<br />
T.Abschaltg.<br />
3,00<br />
0 286 583 880 1177 1474 1771 2068 2365 2662 2959 3256<br />
Diagramm Musterpack 1 Kapazität - [mAh]<br />
Raumtemperatur 21 °C<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 9
Technische Daten 3s, 50C<br />
Nennkapazität<br />
Energiedichte b.10C<br />
Energiedichte b. 20C<br />
DC-Ri/Z, gemittelt<br />
Ladestrom maximal<br />
Maße<br />
Hochstromkabel<br />
Länge<br />
Zellenableitermaße<br />
Balancerbuchse<br />
Gewicht<br />
VK-Preis<br />
3300 mAh<br />
130,8 Wh/kg<br />
128,3 Wh/kg<br />
2,91 mΩ<br />
16,5 A (5C)<br />
135 x 43,5 x 23,5 mm<br />
10AWG = 5,26 mm²<br />
ca. 125 mm<br />
20 x 0,15 mm = 3 mm²<br />
EHR (2,54-mm-Raster)<br />
297 g komplett<br />
267 g ohne Kabel und<br />
Hochstromstecksystem<br />
Noch ke<strong>in</strong>e Angabe<br />
nenwiderstand hebt sie sich von vergleichbaren<br />
Zellen dieser Kapazitätsklasse ab.<br />
Diagramm 3<br />
Obwohl aus den Diagrammen der Serienzellen<br />
abzuleiten ist, dass 50C-Dauerbelastungen<br />
bis etwa 80 % D.O.D. bei<br />
e<strong>in</strong>er Endtemperatur von maximal 65 °C<br />
locker möglich s<strong>in</strong>d, wurde e<strong>in</strong> Pulslastdiagramm<br />
mit 10C Grundlast (33Acc, 25 s)<br />
und 50C Pulslast (165Acc, 5,5 s) erstellt.<br />
Die Spannungse<strong>in</strong>brüche während dieser<br />
5,5 Sekunden dauernden Pulsbelastungen<br />
zeigen ke<strong>in</strong>e signifikanten Auffälligkeiten,<br />
sprich ke<strong>in</strong>e „Überlastprobleme“. Alle Parameter<br />
wie Spannungslage und Endtemperatur<br />
(nur 58 °C) bleiben im normalen<br />
Rahmen, lediglich die Entnahmekapazität<br />
lässt erwartungsgemäß etwas zu wünschen<br />
übrig.<br />
Me<strong>in</strong> Fazit<br />
Nicht oft im Leben wird man überrascht,<br />
ich während dieser Messungen schon.<br />
Getestet wurden zuerst „Musterzellen“, die<br />
nichts brachten, danach Serienzellen, die<br />
astre<strong>in</strong> waren. Zur Kontrolle wurde e<strong>in</strong>e weitere<br />
Charge Serienzellen vermessen, die<br />
diese Daten bestätigt haben.<br />
Besonders empfehlenswert s<strong>in</strong>d diese Zellen<br />
daher für alle Anwender, die tatsächlich<br />
Dauerhochstrom ziehen wollen bzw. müssen,<br />
wie z. B. die Powerboater, SAW-Spezis<br />
usw. Es handelt sich bei den AGAPOWER<br />
um außergewöhnlich gute Zellen, die, wenn<br />
sie denn so bleiben, neue Maßstäbe setzen<br />
werden. Momentan gehören die 3300er-<br />
AGAs <strong>in</strong> dieser Klasse zu me<strong>in</strong>en neuen<br />
Entladespannung - [V]<br />
Entladespannung - [V]<br />
Entladespannung - [V]<br />
4,30<br />
4,20<br />
4,10<br />
4,00<br />
3,90<br />
3,80<br />
3,70<br />
3,60<br />
3,50<br />
3,40<br />
3,30<br />
3,20<br />
3,10<br />
P1 / 10.E = 10C (33 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,3 V, Um 3,726 V, C 3,102 Ah, P 11,56 Wh, E.-Temp. 43 / 44 °C<br />
P1 / 12.E = 20C (66 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,2 V, Um 3,638 V, C 3,113 Ah, P 11,32 Wh, E.-Temp. 54 / 56 °C<br />
P1 / 13.E = 24C (79,2Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,597 V, C 3,135 Ah, P 11,27 Wh, E.-Temp. 58 / 60 °C<br />
P1 / 14.E = 30C (99 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,548 V, C 3,102 Ah, P 11,00 Wh, E.-Temp. 61 / 63 °C<br />
P1 / 15.E = 40C (132 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,472 V, C 3,036 Ah, P 10,54 Wh, E.-Temp. 63 / 64 °C<br />
Pack 1, AGAPOWER-50C-LiPos, 3s-Pack 1, Nennkapazität 3300 mAh,<br />
Aufzeichnung auf e<strong>in</strong>e Zelle normiert, Ladestrom/Zeit: 1C, ca. 61 m<strong>in</strong>.<br />
Temp. E-Start: 21 ° C., E-Start 2 s vor Lastaufschaltung<br />
Stark gespreizte Darstellung der Spannungsachse<br />
3,00<br />
0 286 583 880 1177 1474 1771 2068 2365 2662 2959 3256<br />
Diagramm 1 Kapazität - [mAh]<br />
Raumtemperatur 21 °C<br />
4,30<br />
4,20<br />
4,10<br />
4,00<br />
3,90<br />
3,80<br />
3,70<br />
3,60<br />
3,50<br />
3,40<br />
3,30<br />
3,20<br />
3,10<br />
Referenzzellen. Leider stand der Verkaufspreis<br />
zum Zeitpunkt der Beitragserstellung<br />
noch nicht fest.<br />
Me<strong>in</strong> Gesamturteil: Sehr empfehlenswert!<br />
DC-Ri bei 50% E.T. gemittelt ca. 2,29 mΩ<br />
T. 50% E.T.<br />
20C = 36 °C<br />
24C = 37 °C<br />
30C = 40 °C<br />
40C = 45 °C<br />
T. 70% E.T.<br />
20C = 43 °C<br />
24C = 46 °C<br />
30C = 50 °C<br />
40C = 53 °C<br />
T. 80% E.T.<br />
20C = 47 °C<br />
24C = 50 °C<br />
30C = 53 °C<br />
40C = 57 °C<br />
T. 90% E.T.<br />
20C = 51 °C<br />
24C = 55 °C<br />
30C = 57 °C<br />
40C = 61 °C<br />
P2 / 10.E = 10C (33 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,3 V, Um 3,728 V, C 3,124 Ah, P 11,64 Wh, E.-Temp. 43 / 44 °C<br />
P2 / 12.E = 20C (66 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,2 V, Um 3,642 V, C 3,135 Ah, P 11,42 Wh, E.-Temp. 54 / 56 °C<br />
P2 / 13.E = 24C (79,2Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,604 V, C 3,135 Ah, P 11,30 Wh, E.-Temp. 58 / 60 °C<br />
P2 / 14.E = 30C (99 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,558 V, C 3,124 Ah, P 11,11 Wh, E.-Temp. 61 / 63 °C<br />
P2 / 15.E = 40C (132 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,469 V, C 3,124 Ah, P 10,83 Wh, E.-Temp. 64 / 65 °C<br />
Pack 2, AGAPOWER-50C-LiPos, 3s-Pack 2, Nennkapazität 3300 mAh,<br />
Aufzeichnung auf e<strong>in</strong>e Zelle normiert, Ladestrom/Zeit: 1C, ca. 61 m<strong>in</strong>.<br />
Temp. E-Start: 21 ° C., E-Start 2 s vor Lastaufschaltung<br />
Stark gespreizte Darstellung der Spannungsachse<br />
DC-Ri bei 50% E.T. gemittelt ca. 2,20 mΩ<br />
T. 50% E.T.<br />
20C = 36 °C<br />
24C = 37 °C<br />
30C = 40 °C<br />
40C = 45 °C<br />
T. 70% E.T.<br />
20C = 43 °C<br />
24C = 46 °C<br />
30C = 50 °C<br />
40C = 53 °C<br />
T. 80% E.T.<br />
20C = 47 °C<br />
24C = 50 °C<br />
30C = 53 °C<br />
40C = 57 °C<br />
T. 90% E.T.<br />
20C = 51 °C<br />
24C = 55 °C<br />
30C = 57 °C<br />
40C = 61 °C<br />
3,00<br />
0 286 583 880 1177 1474 1771 2068 2365 2662 2959 3256<br />
Diagramm 2 Kapazität - [mAh]<br />
Raumtemperatur 21 °C<br />
4,30<br />
4,20<br />
4,10<br />
4,00<br />
3,90<br />
3,80<br />
3,70<br />
3,60<br />
3,50<br />
3,40<br />
3,30<br />
3,20<br />
3,10<br />
3,00<br />
2,90<br />
P1 - Pulslast 10 - 50 C, 10 m<strong>in</strong>.Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,722 V, C 3,089 Ah, P 11,50 Wh, DC-Ri = 3,25 mΩ, E.-Temp. 58 °C, [ Im 54,25 A ]<br />
P2 - Pulslast 10 - 50 C, 10 m<strong>in</strong>.Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,720 V, C 3,120 Ah, P 11,60 Wh, DC-Ri = 3,20 mΩ, E.-Temp. 58 °C, [ Im 54,52 A ]<br />
17.E = Pulslast 10 - 50 C - Stromverlauf, 25 Sekunden 33 Acc und 5,5 Sekunden 165 Acc, im Wechsel bis auf 3,1 V<br />
AGAPOWER - 50C- Lipos, 3S - Pack 1 u.2, Nennkapazität 3300 mAh<br />
Aufzeichnung auf e<strong>in</strong>e Zelle normiert, Ladestrom/Zeit: 2C, ca. 32 m<strong>in</strong>.<br />
Temp. E- Start: 21 ° Cels., E-Start 2 s vor Lastaufschaltung<br />
P1-DC-Ri = 4,42 mΩ<br />
P2-DC-Ri = 4,31 mΩ<br />
31 °C 36 °C 41 °C 47 °C 55 °C<br />
P1-DC-Ri = 2,86 mΩ<br />
P2-DC-Ri = 2,90 mΩ<br />
P1-DC-Ri = 2,48 mΩ<br />
P2-DC-Ri = 2,39 mΩ<br />
2,80<br />
0<br />
0 14 28 42 56 70 84 98 112 126 140 154 168 182 196 210 224<br />
Diagramm 3 Entladezeitt - [ s ]<br />
Raumtemperatur 21 °C<br />
Bezugsquelle: Dynamic-RC,<br />
Weiß & Müller Modelltechnik GmbH<br />
Am Rötschberg 31, 50127 Bergheim<br />
Tel. 02271/985044, www.dynamic-rc.de,<br />
<strong>in</strong>fo@dynamic-rc.de<br />
248<br />
231<br />
215<br />
198<br />
182<br />
165<br />
149<br />
132<br />
116<br />
99<br />
83<br />
66<br />
50<br />
33<br />
17<br />
Entladestrom - [A]<br />
10 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
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<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 11
RUBRIKEN<br />
<br />
<br />
Neues von der DGzRS<br />
Mitte September bekam der neue Seenotkreuzer<br />
für List auf Sylt erstmals Wasser unter<br />
den Kiel. Der neue 20 Meter lange Seenotkreuzer<br />
der Deutschen Gesellschaft zur<br />
Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wurde auf<br />
der Fr. Fassmer-Werft <strong>in</strong> Berne-Motzen über<br />
e<strong>in</strong> großes Hebewerk <strong>in</strong> die Weser abgesenkt.<br />
Die DGzRS wird das Schiff, das derzeit noch<br />
mit der <strong>in</strong>ternen Bezeichnung „SK 34“ versehen<br />
ist, voraussichtlich Ende 2013 taufen<br />
und <strong>in</strong> Dienst stellen. Bis dah<strong>in</strong> stehen umfangreiche<br />
Erprobungen <strong>in</strong> der Nordsee auf<br />
dem Programm. Zuvor erfolgt noch die Endausrüstung<br />
des modernen Spezialschiffes<br />
am Anleger der Fassmer-Werft.<br />
Im Zuge der ständigen Modernisierung der<br />
Rettungsflotte soll der <strong>in</strong>zwischen vierte<br />
Neubau der 20-Meter-Klasse die zurzeit <strong>in</strong><br />
List stationierte MINDEN (Baujahr 1985) ersetzen.<br />
Die Schwesterschiffe EISWETTE<br />
(Baujahr 2009), EUGEN (2009) und THEO-<br />
DOR STORM (2011) s<strong>in</strong>d auf den Stationen<br />
Nordstrand, Greifswalder Oie und Büsum erfolgreich<br />
im E<strong>in</strong>satz.<br />
Der neue Kreuzer ist über alles: 19,90 m<br />
lang, 5,05 m breit, geht 1,30 m tief und verdrängt<br />
38 t. Die Geschw<strong>in</strong>digkeit liegt bei<br />
max. 22 kn (ca. 41 km/h), die 1.220 kW<br />
(1.630 PS) starke Antriebsanlage wirkt auf<br />
e<strong>in</strong>en Propeller. In der typischen Heckwanne<br />
mit Klappheck führt der neue Seenotkreuzer<br />
e<strong>in</strong> leichtes und wendiges Festrumpfschlauchboot<br />
mit sich. Es ist bei 4,80<br />
m Länge und nur 40 cm Tiefgang 30 kn (ca.<br />
56 km/h) schnell. Zugunsten des ger<strong>in</strong>gen<br />
Tiefgangs des Seenotkreuzers hat die<br />
DGzRS auf e<strong>in</strong> größeres und schwereres<br />
Tochterboot verzichtet. Dennoch ist das Ar-<br />
beitsboot e<strong>in</strong> leistungsfähiges E<strong>in</strong>satzmittel<br />
zur Assistenz und zum Befahren von Flachwassergebieten.<br />
Trotz der relativ ger<strong>in</strong>gen Größe dieses Seenotkreuzers<br />
gibt es viel Platz für die Rettungsarbeiten:<br />
Der Behandlungsplatz zur<br />
mediz<strong>in</strong>ischen Erstversorgung im geräumigen<br />
Mehrzweckraum wird umfassend ausgerüstet.<br />
Auf e<strong>in</strong> Wohndeck hat die DGzRS<br />
verzichtet. Die Besatzung lebt nicht an Bord,<br />
sondern im Stationsgebäude unmittelbar<br />
am Liegeplatz. Für längere Seetörns s<strong>in</strong>d im<br />
Vorschiff aber e<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e Messe und e<strong>in</strong>e<br />
Schlafmöglichkeit vorhanden.<br />
Foto: DGzRS/Die Seenotretter<br />
SK 34 schwimmt erstmals <strong>in</strong><br />
se<strong>in</strong>em Element.<br />
Foto: DGzRS/Die Seenotretter<br />
Wie alle Rettungse<strong>in</strong>heiten der DGzRS ist<br />
auch der jüngste Neubau als Selbstaufrichter<br />
konzipiert, er wird vollständig aus Alum<strong>in</strong>ium<br />
gebaut und ausschließlich durch freiwillige<br />
Zuwendungen aus allen Teilen der<br />
Bevölkerung f<strong>in</strong>anziert. Dazu haben die<br />
Seenotretter e<strong>in</strong>en ungewöhnlichen Spendenwettbewerb<br />
gestartet, nämlich den<br />
Spendenwettbewerb „Reetdach gegen Reeperbahn!<br />
Wer spendet mehr: Sylt oder<br />
Hamburg?“<br />
12 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
XciteRC Professional und XciteRC Military<br />
vertrieben. Das umfangreiche Sortiment<br />
umfasst ferngesteuerte Flugzeuge, Helikopter,<br />
Quadrocopter, Automodelle, Schiffe,<br />
U-Boote, Fernsteuerungen, Ladegeräte, Ersatzteile<br />
und Zubehör.<br />
Die Produkte von XciteRC zeichnen sich<br />
laut Anbieter durch hohe Funktionssicherheit<br />
und ansprechendes Design aus und<br />
s<strong>in</strong>d im oberen Qualitätsbereich des Marktes<br />
angesiedelt.Weitere Infos f<strong>in</strong>det man im<br />
Internet unter www.XciteRC.de<br />
XciteRC Modellbau GmbH & Co. KG<br />
Autenbachstraße 12<br />
73035 Göpp<strong>in</strong>gen<br />
Tel. 0716/470799-0<br />
<strong>in</strong>fo@xciterc.de<br />
www.XciteRC.de<br />
Die Messe rund um<br />
Modellbau und -bahn<br />
VORTEILSCOUPON<br />
2,- EURO *<br />
Ermäßigung<br />
Die DGzRS ruft <strong>in</strong>sbesondere alle Freunde<br />
der Insel und der Hansestadt dazu auf, sich<br />
an der F<strong>in</strong>anzierung des neuen Seenotkreuzers<br />
zu beteiligen. Der Endstand dieses<br />
Spendenwettbewerbs wird entscheiden, ob<br />
das Schiff e<strong>in</strong>en Namen mit Bezug zu Sylt<br />
oder zu Hamburg erhält.<br />
Onl<strong>in</strong>espenden unter www.reetdach-gegenreeperbahn.de<br />
verändern den Spendenstand<br />
<strong>in</strong> Echtzeit. Herkömmliche Überweisungen<br />
s<strong>in</strong>d unter Angabe von „Aktion Sylt“<br />
oder „Aktion Hamburg“ auf das Konto 107<br />
2016 bei der Sparkasse Bremen (BLZ 290<br />
501 01) möglich. Von unterwegs ist die Hilfe<br />
per SMS mit dem Wort „Sylt“ oder „Hamburg“<br />
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<strong>in</strong> die acht Bereiche „Bühnen- und DJ-<br />
Equipment“, „Lichttechnik“, „ELA-Technik“,<br />
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und „Energie, Messen und Selbstbau“.<br />
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GmbH & Co. KG als neuer Hersteller<br />
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<strong>in</strong> Göpp<strong>in</strong>gen aufgenommen.<br />
Die Firmengründer waren lange Jahre bei<br />
führenden Unternehmen der Modellbaubranche<br />
beschäftigt.<br />
Die XciteRC Modellbau GmbH & Co. KG<br />
entwickelt und fertigt Modellbau- und Spielwarenartikel,<br />
die über den Fachhandel angeboten<br />
werden. Um unterschiedliche Zielgruppen<br />
optimal anzusprechen, werden die<br />
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Familien-Tageskarte <strong>in</strong>kl. VVS zur Modell<br />
Süd 2013. Der Coupon kann ausschließlich<br />
unter www.messestuttgart.de/vorverkauf<br />
e<strong>in</strong>gelöst werden. Bitte klicken Sie auf das Logo<br />
der Messe und geben Sie dann den Vorteilscode<br />
schiffsmodell13 e<strong>in</strong>! Der Coupon ist nicht<br />
mit e<strong>in</strong>er anderen Ermäßigung komb<strong>in</strong>ierbar.<br />
Für bereits gekaufte E<strong>in</strong>trittskarten gibt es<br />
ke<strong>in</strong>e Rückerstattung.
Neu bei<br />
Modellbautechnik Kuhlmann<br />
ist der neue Gruppe-V-Modellstrandsegler<br />
mit 1,25 m Länge. Diese Größe verspricht<br />
noch mehr Power und Fun beim Betrieb als<br />
das schon seit längerer Zeit bei diesem Hersteller<br />
lieferbare Modell.<br />
Der nun lieferbare Bausatz ist eigentlich e<strong>in</strong><br />
zerlegtes Fertigmodell: Das Fahrgestell ist<br />
fertig aus Alu geschweißt, es müssen nur<br />
noch die Räder und Achsen angeschraubt<br />
werden. Die RC- und Akku-Aufnahmee<strong>in</strong>heit<br />
wird verschraubt und verklebt. In dieser<br />
E<strong>in</strong>heit bef<strong>in</strong>det sich auch e<strong>in</strong>e automatische<br />
Regele<strong>in</strong>heit für die Segelw<strong>in</strong>de. Diese<br />
sorgt dafür, dass nur dann Schotle<strong>in</strong>e abgespult<br />
wird, wenn Druck auf dem Segel ist.<br />
Somit kann ke<strong>in</strong>e ungewollte Wuhl<strong>in</strong>g entstehen.<br />
E<strong>in</strong>e passende Segelw<strong>in</strong>de bietet<br />
Kuhlmann natürlich auch an.<br />
Das Modell besticht mit weiteren Ausstattungsdetails<br />
wie hochwertigen Gummireifen<br />
auf Alu- Felgen, zweiteiliger Sitzschale aus<br />
GfK, Aufnahmefächern für Zusatzgewichte,<br />
teilbarem Mast und Baum aus Carbon und<br />
zweifarbigen Segeln mit Lattentaschen vom<br />
Segelmacher Latsch.<br />
Für den Urlaubs-Transport ist der Strandsegler<br />
komplett zerlegbar, so dass man ihn<br />
<strong>in</strong> den Ferien auch wirklich mal am Nordseestrand<br />
fahren kann. Aber auch auf dem<br />
Parkplatz vor dem E<strong>in</strong>kaufscenter sorgt das<br />
Modell für Spaß pur.<br />
Der Strandsegler ist 125 cm lang, 74 cm<br />
breit, die Mastlänge beträgt 187 cm. Der<br />
Bausatz kostet € 948,–, e<strong>in</strong>e passende Segelw<strong>in</strong>de<br />
ist für € 47,– zu haben. Auf<br />
Wunsch s<strong>in</strong>d auch Fertigmodelle mit e<strong>in</strong>gebauter<br />
RC-Anlage und/oder <strong>in</strong>dividuelle<br />
Schriftzüge und Logos auf Karosserie und<br />
Segel erhältlich.<br />
Modellbautechnik Kuhlmann<br />
Feuerdornstr. 3<br />
33699 Bielefeld<br />
Tel. 05202/9230994<br />
scalemodelle@aol.com<br />
www.segelbootmodelle.de<br />
Kuhlmann: Strandsegler Gruppe V<br />
sem Material stehen bei Rücker-Modellbau<br />
nun zwei Foliengrößen <strong>in</strong> drei Geb<strong>in</strong>degrößen<br />
und sechs Farben zur Auswahl. Die<br />
Preise beg<strong>in</strong>nen bei € 10,99 <strong>in</strong>kl. Mwst.<br />
Rücker-Modellbau<br />
Hochstraße 17<br />
56767 Kaperich<br />
Tel. 02657/942 896 2<br />
<strong>in</strong>fo@ruecker-modellbau.de<br />
http://www.ruecker-modellbau.de<br />
Neu bei Hydro & Mar<strong>in</strong>e<br />
Ab sofot gibt es bei Hydro & Mar<strong>in</strong>e e<strong>in</strong> vollständiges<br />
Sortiment an V2A-Schrauben,<br />
Muttern, Beilagscheiben, E<strong>in</strong>pressmuttern<br />
und Gew<strong>in</strong>demuffen. Vorbei s<strong>in</strong>d also die<br />
Zeiten der nervtötenden Suche <strong>in</strong> Baumärkten<br />
oder im Werkzeughandel. Die<br />
Schrauben und Muttern s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> den für den<br />
Modellbauer wichtigsten Größen von M2 bis<br />
M6 jeweils im 10er-Pack erhältlich und s<strong>in</strong>d<br />
ab sofort auch im Neuheiten-Bereich auf der<br />
Seite www.hydromar<strong>in</strong>e.de zu f<strong>in</strong>den.<br />
Hydro & Mar<strong>in</strong>e<br />
Gundelshausener Str. 16<br />
93309 Kelheim<br />
Tel. 09405/6000<br />
hydromar<strong>in</strong>e@t-onl<strong>in</strong>e.de<br />
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Hydro & Mar<strong>in</strong>e:<br />
V2A-Schrauben<br />
und -Muttern<br />
Farbiges Tiefziehmaterial<br />
Die Fa. Rücker-Modellbau hat für die Tiefziehbox<br />
„Professional Alu“ (siehe Test <strong>in</strong><br />
<strong>SchiffsModell</strong> 9/2013) e<strong>in</strong> neues Tiefziehmaterial<br />
<strong>in</strong> den Farben Farblos, Grau, Mandar<strong>in</strong>e,<br />
Zitrone, Himbeere und Hellblau <strong>in</strong>s<br />
Programm genommen. Bei dem Material<br />
handelt es sich um Polypropylen (PP), welches<br />
nur leicht durchsichtig (transluzent) ist.<br />
Somit eignet es sich ideal für Verglasungen,<br />
Fahrerkanzeln usw. Darüber h<strong>in</strong>aus bietet<br />
PP sehr gute Poliereigenschaften. Von die-<br />
Rücker Modellbau:<br />
Farbiges Tiefziehmaterial<br />
14 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
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für <strong>SchiffsModell</strong> 01/2014 ist am 22.11.2013<br />
für <strong>SchiffsModell</strong> 02/2014 ist am 12.12.2013<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 15
RENNBOOTE<br />
Klaus Bartholomä<br />
” Miss Spontaneous“<br />
E<strong>in</strong> Modell für die Klasse 152VO<br />
es geschah an e<strong>in</strong>em Freitag,<br />
dem Auftaktabend <strong>in</strong> e<strong>in</strong> verregnetes<br />
Wochenende im Juli 2013.<br />
Ich saß am Computer, hatte ke<strong>in</strong>e<br />
rechte Lust zum Bauen, aber<br />
auch nicht zum Surfen. Also schnappte ich<br />
mir die <strong>SchiffsModell</strong> 07/2013 und blätterte<br />
dar<strong>in</strong> herum. Ja, was war denn das<br />
auf Seite 24? E<strong>in</strong> schnittig aussehendes<br />
Modell e<strong>in</strong>es Rennbootes zierte den Artikel<br />
von Stefan Reuthl<strong>in</strong>ger, der mit dem Titel<br />
„Der 152VO-Virus“ überschrieben war. Ich<br />
verschlang den Artikel, f<strong>in</strong>g Feuer, am Computer<br />
saß ich ja sowieso schon, also suchte<br />
ich e<strong>in</strong>fach nach dem Thema 152VO. Was<br />
ich fand, fesselte mich den ganzen Abend,<br />
denn die Welt der V<strong>in</strong>tage Outboard Racer<br />
tat sich vor mir auf. Über diese kle<strong>in</strong>en Motorboote<br />
aus dem Amerika der 1950er-Jahre<br />
wurde <strong>in</strong> der <strong>SchiffsModell</strong> <strong>in</strong>zwischen<br />
ja schon mehrfach berichtet. Nach wenigen<br />
M<strong>in</strong>uten auf der Seite www.152vo.de war<br />
es folglich passiert, auch ich hatte mich mit<br />
dem oben erwähnten Virus <strong>in</strong>fiziert!<br />
Am meisten hatte mich bei den vorgestellten<br />
Booten die kle<strong>in</strong>e ATOMITE bee<strong>in</strong>druckt.<br />
Ich er<strong>in</strong>nerte mich, sie schon letztes Jahr im<br />
Herbst auf der Messe <strong>in</strong> Friedrichshafen gesehen<br />
zu haben. Die vielen anderen E<strong>in</strong>drücke<br />
der Messe ließen das Modell dann aber<br />
sofort im Kurzzeitgedächtnis verschw<strong>in</strong>den.<br />
Jetzt war das anders, denn wie erwähnt war<br />
ich ja <strong>in</strong>fiziert. Kurzerhand lud ich also den<br />
Orig<strong>in</strong>alplan von William D. Jackson von der<br />
152VO-Seite herunter. Vier Seiten umfasst<br />
dieser Artikel mit allen notwendigen Zeichnungen.<br />
Da ich ke<strong>in</strong> Freund von aufwendigen<br />
CAD-Programmen b<strong>in</strong>, vergrößerte<br />
ich die Zeichnungen <strong>in</strong> PowerPo<strong>in</strong>t auf den<br />
richtigen Maßstab und druckte sie mir aus.<br />
Im Copy-Shop wäre das natürlich auch gegangen,<br />
bloß nicht so schnell. Schließlich<br />
war es <strong>in</strong>zwischen Samstagvormittag und<br />
ich hatte noch immer ke<strong>in</strong> Holz unter den<br />
Händen!<br />
Spantengerippe fertig zum Beplanken<br />
Schön zu sehen: die Decksstr<strong>in</strong>ger<br />
16 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
die Überstände abschleifen und dasselbe<br />
Prozedere mit den Bodenteilen durchziehen.<br />
Diese hatte ich allerd<strong>in</strong>gs nur auf der<br />
späteren Innenseite gebeizt. Zur Fixierung<br />
der Bodenteile diente jede Menge Klebeband.<br />
Am Sonntagabend konnte der Rumpf<br />
dann von der Hell<strong>in</strong>g genommen werden.<br />
In den Trocknungspausen hatte ich mir aus<br />
dem Forumsbereich der 152VO-Hompage<br />
noch jede Menge Tipps geholt. So spontan,<br />
wie ich den Bau begonnen hatte, stand am<br />
Sonntagabend dann auch schon fest, dass<br />
me<strong>in</strong>e ATOMITE nun »Miss Spontaneous«<br />
heißen sollte. Ob der lange Name auch auf<br />
das kle<strong>in</strong>e Boot draufpassen würde? Daran<br />
dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.<br />
Schnell war auch klar, dass der Außenborder<br />
an me<strong>in</strong>em Modell wie beim Orig<strong>in</strong>al<br />
über Seilzüge angesteuert werden sollte<br />
und dass ich ke<strong>in</strong>e Serviceklappe im Vordeck<br />
haben wollte. Also konnte ich das Vordeck<br />
mit den Decksstr<strong>in</strong>gern schließen und<br />
die Seitendecks anbr<strong>in</strong>gen. Wieder wurde<br />
jedes Teil zuvor gebeizt und abschließend<br />
habe ich den Innenraum mehrfach mit<br />
Parkettlack versiegelt. Von außen erhielt<br />
der Rumpf zwei Anstriche mit dem E<strong>in</strong>-<br />
Komponenten-Harz G4 (VossChemie) und<br />
e<strong>in</strong>en Anstrich mit Bootslack: Oberhalb der<br />
Wasserl<strong>in</strong>ie mit Klarlack, unterhalb <strong>in</strong> Cremeweiß.<br />
Fertig war der Rumpf, er brachte<br />
knapp 400 g auf die Waage, e<strong>in</strong> guter Wert.<br />
Ich baue ja generell gerne <strong>in</strong> großen Maßstäben,<br />
weil man da auch mit den Figuren<br />
an Bord Funktionen realisieren kann. Me<strong>in</strong><br />
Fahrer sollte an Bord also auch etwas arbeiten<br />
oder zum<strong>in</strong>dest so tun, als ob er<br />
steuert und se<strong>in</strong>en Oberkörper dabei bewegen.<br />
Dafür gab es ke<strong>in</strong>e Lösung im Forum<br />
und so musste ich selbst ran. Dabei galt es<br />
zwei Probleme zu lösen, nämlich wie realisiert<br />
man die Ansteuerung des Lenkrades,<br />
so dass sie nicht sichtbar ist und wie gestaltet<br />
man die Fahrerfigur so beweglich, dass<br />
sie der Lenkbewegung folgt?<br />
Zuerst widmete ich mich dem Lenkradproblem,<br />
da ich zu diesem Zeitpunkt noch ke<strong>in</strong>en<br />
Fahrer hatte. Die Idee war h<strong>in</strong>ter dem<br />
Armaturenbrett e<strong>in</strong> Servo zu verstecken,<br />
das über e<strong>in</strong>en Hebel direkt auf die Lenksäule<br />
wirkt und damit das Lenkrad, das<br />
am anderen Ende der Lenksäule montiert<br />
se<strong>in</strong> sollte, dreht. E<strong>in</strong>ige der Orig<strong>in</strong>ale hatten<br />
zwischen Lenkrad und Armaturenbrett<br />
noch e<strong>in</strong>e Seilscheibe auf der Lenksäule<br />
montiert, über die die Steuerseile des Motors<br />
angesteuert wurden. An beiden unteren<br />
Ecken des Armaturenbretts wurden Umlenkblöcke<br />
montiert, die die Seile nach h<strong>in</strong>ten<br />
umlenken. Die Seile wurden direkt zum<br />
Motor geführt. Dieses System gefiel mir<br />
nicht, da es wenig Platz für den Fahrer ließ.<br />
Daher spendierte ich den Steuerseilen zwei<br />
zusätzliche Blöcke, die sie im Bereich des<br />
Fahrers etwas nach außen spreizen. Das ist<br />
e<strong>in</strong>erseits vorbildgerecht und andererseits<br />
hatte ich genug Platz für den Fahrer.<br />
Das sollte sich nun ändern. Schnell noch<br />
die ausgedruckten Planseiten zusammengeklebt,<br />
ab damit <strong>in</strong> die Werkstatt und gleich<br />
die Spanten aufs Sperrholz übertragen.<br />
Zum Glück hatte ich noch genug wasserfestes<br />
Sperrholz im Vorrat. An der Bandsäge<br />
war dann alles schnell ausgesägt. Da ich<br />
me<strong>in</strong>e ATOMITE auch im Inneren mahagonifarben<br />
haben wollte, wurden alle Teile vor<br />
dem Zusammenbau entsprechend gebeizt.<br />
Während der Trocknungszeit fand sich dann<br />
auch noch e<strong>in</strong> altes Sperrholzbrett für die<br />
Hell<strong>in</strong>g und so stand das Spantengerippe<br />
bis zum Mittagessen fertig vor mir. Die Str<strong>in</strong>ger<br />
habe ich aus den Resten e<strong>in</strong>er Obstkiste<br />
passend zugesägt, gebeizt und e<strong>in</strong>gebaut.<br />
Ich wollte es besonders gut machen<br />
und habe sie daher mittels Zahnstochern<br />
noch mit den Spanten verstiftet. Die Verklebungen<br />
wollte ich alle mit Propellerleim<br />
ausführen, mit Sekundenkleber g<strong>in</strong>ge das<br />
natürlich schneller, aber den gab es damals<br />
<strong>in</strong> den 1950er-Jahren ja schließlich auch<br />
noch nicht.<br />
Nach dem Aushärten wurden die Spanten<br />
mit dem Dreiecksschleifer gestrakt und die<br />
Beplankung der Rumpfseitenwände mittels<br />
Pappschablonen angepasst. Die Beplankungsteile<br />
schnitt ich dann mit der Schere<br />
aus 1-mm-Sperrholz aus, das ich ebenfalls<br />
zuvor schon beidseitig gebeizt hatte. Viele<br />
Klammern hielten die Teile <strong>in</strong> Position, bis<br />
der Propellerleim abgebunden hatte. Jetzt<br />
Das Servo sitzt h<strong>in</strong>ter dem Armaturenbrett,<br />
der Empfänger obendrauf.<br />
L<strong>in</strong>ks der Killswitch<br />
Und so sieht es von der Vorderseite her aus,<br />
hier noch mit e<strong>in</strong>er kle<strong>in</strong>eren Seilrolle. Die<br />
Umlenkblöcke s<strong>in</strong>d auch am Armaturen brett<br />
montiert. So lässt sich die ganze E<strong>in</strong>heit<br />
e<strong>in</strong>fach e<strong>in</strong>- und ausbauen<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 17
Dieser war zwischenzeitlich e<strong>in</strong>getroffen:<br />
Er hört auf den Namen „Six Million Dollar<br />
Man“, die etwas Älteren er<strong>in</strong>nern sich evtl.<br />
noch an diese Fernsehserie aus den späten<br />
1970er-Jahren. Die Actionfigur hatte ich<br />
zwischenzeitlich im Internet ersteigert. Diese<br />
Figuren haben zwar an den richtigen<br />
Stellen Gelenke, aber die Gliedmaßen besitzen<br />
nicht die Beweglichkeit, die wir Orig<strong>in</strong>al-Menschen<br />
haben. Insbesondere an<br />
den Knien ist das störend. Und so musste<br />
me<strong>in</strong> „Six Million Dollar Man“ e<strong>in</strong>en guten<br />
Teil se<strong>in</strong>er Unter- und Oberschenkel hergeben,<br />
damit er ordentlich auf dem Bodenbrett<br />
knien kann. Man kommt sich bei diesen Arbeiten<br />
e<strong>in</strong> wenig als Hobbychirurg vor. Und<br />
wenn man bedenkt, dass die Arbeiten ohne<br />
Narkose ausgeführt werden … Der zweite<br />
Operationsschritt war, den Oberkörper per<br />
gezieltem Sägeschnitt vom Unterkörper<br />
zu trennen und e<strong>in</strong>en etwa 1 cm breiten<br />
Streifen vom Oberkörper abzusägen. Und<br />
wenn man schon mal dabei ist, wird gleich<br />
noch der Kopf abgesägt. In me<strong>in</strong>em Fall<br />
konnte ich bei diesen Arbeiten dabei noch<br />
die Actionmechanik, deren S<strong>in</strong>n sich mir<br />
leider nicht erschloss, aus dem Oberkörper<br />
entfernen. Das spart Gewicht. Um die<br />
Beweglichkeit der Hüfte zu erzielen, habe<br />
ich me<strong>in</strong>em Mann e<strong>in</strong> Rückgrat aus e<strong>in</strong>em<br />
12-mm-PVC-Schlauch e<strong>in</strong>gesetzt. Dieses<br />
wurde dann mit Heißkleber befestigt und<br />
verb<strong>in</strong>det Ober- und Unterkörper wieder<br />
mite<strong>in</strong>ander. Jetzt wird der Hals e<strong>in</strong> wenig<br />
bearbeitet, so dass der Kopf mit geneigtem<br />
Der „Six Million Dollar Man“<br />
aus dem Jahr 1974<br />
So passt es nachher wieder zusammen.<br />
Der Schlauch bildet das Rückgrat<br />
Lenkrad mit Seilrolle, beides aus<br />
Sperrholz gefertigt<br />
Die endgültige Steuerseilführung.<br />
Sieht gut aus und funktioniert auch so<br />
Der Körper muss völlig<br />
zerlegt werden<br />
Der Umbau ist fertig, fehlt nur<br />
noch der Kopf<br />
Oberkörper gerade ist. Nachdem der Kopf<br />
auf den Rumpf geklebt ist, sieht die Figur<br />
wieder wie e<strong>in</strong> Mensch aus.<br />
Jetzt muss der Pilot nur wieder bekleidet<br />
und auf dem Bodenbrett befestigt werden.<br />
Beim Orig<strong>in</strong>al knien die Fahrer auf e<strong>in</strong>em<br />
Brett, dem „kneel<strong>in</strong>g board“ (= Kniebrett).<br />
In me<strong>in</strong>em Fall habe ich es herausnehmbar<br />
gestaltet. Vorne wird es mit zwei Kohlefaserp<strong>in</strong>s<br />
am Spant 3 gehalten, h<strong>in</strong>ten sorgt e<strong>in</strong>e<br />
M3-Schraube, die im Kielbrett e<strong>in</strong>gelassen<br />
ist, für den notwendigen Halt. Der Fahrer<br />
hat im kneel<strong>in</strong>g board zwei Ausschnitte<br />
für die Füße, <strong>in</strong> denen er sich abstützen<br />
kann, vorne ist er an den Kniescheiben mit<br />
zwei Spax-Schrauben fixiert … aber damit<br />
ist die Quälerei für den armen Kerl auch<br />
schon zu Ende. Als Belohnung bekam er<br />
noch e<strong>in</strong>e coole Sonnenbrille und auch e<strong>in</strong>e<br />
Schwimmweste ist bei so e<strong>in</strong>em Boot natürlich<br />
obligatorisch. Sie kam von www.militarfiguren.de<br />
und ist super gut detailliert.<br />
Damit war also auch das zweite Problem<br />
gelöst. Der Rest ist e<strong>in</strong>fach: Fahrer e<strong>in</strong>bauen,<br />
mit den Händen am Lenkrad festklemmen<br />
und schon geht er bei den Lenkbewegungen<br />
mit dem Oberkörper mit. E<strong>in</strong> starkes<br />
Lenksevo ist hierfür natürlich obligatorisch,<br />
denn es muss ja zusätzlich zu den Steuerkräften<br />
auch noch den Fahrer mitbewegen.<br />
Me<strong>in</strong> Hitec HS-225MG ist dieser Aufgabe<br />
aber gut gewachsen.<br />
Das Armaturenbrett beherbergt noch den<br />
Killswitch (NOTAUS), sprich e<strong>in</strong>e Drahtbrücke,<br />
die es erlaubt, mit e<strong>in</strong>em Griff die<br />
Stromzufuhr zu unterbrechen. Das ist Standard<br />
bei Modellrennbooten und nebenbei<br />
auch gut zum E<strong>in</strong>- und Ausschalten geeignet.<br />
Der Empfänger sitzt direkt auf dem Servo<br />
und wird dort mit Klettband gehalten. Der<br />
nagelneue 2s-LiPo mit 3900 mAh Kapazität<br />
f<strong>in</strong>det se<strong>in</strong>en Platz auf e<strong>in</strong>em Brett quer vor<br />
dem Fahrer, der 60-A-Regler ist unter dem<br />
Steuerbord-Seitendeck montiert. Er versorgt<br />
über BEC den Empfänger mit.<br />
Das nächste große Fragezeichen stand<br />
noch h<strong>in</strong>ter dem Motor. Ich holte mir wieder<br />
e<strong>in</strong> paar Tipps aus dem Forum und entschied<br />
mich dann für den Graupner GTX-<br />
500. Der <strong>in</strong>stallierte Speed 500 wurde entfernt<br />
und durch e<strong>in</strong>en Turnigy-Innenläufer<br />
mit 4800 m<strong>in</strong> -1 /V ersetzt. E<strong>in</strong>e passende<br />
18 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Lenkung rechts ... … Mitte ... … und l<strong>in</strong>ks<br />
Wellenkupplung hatte ich noch <strong>in</strong> der Grabbelkiste<br />
und das Befestigungskreuz e<strong>in</strong>es<br />
anderen BL-Motors passte perfekt, sodass<br />
der Umbau an e<strong>in</strong>em Abend erledigt war.<br />
Jetzt noch die Verb<strong>in</strong>dungskabel zum Regler<br />
löten, die E<strong>in</strong>heit ans Heck schrauben<br />
und fertig ist die ATOMITE.<br />
Ne<strong>in</strong>, ganz fertig noch nicht: Der aufmerksame<br />
Leser mag bemerkt haben, dass das<br />
Vordeck noch nicht angesprochen wurde.<br />
Vor dem Bebügeln habe ich noch e<strong>in</strong>e<br />
Schwimmnudel zerschnitten und so viel wie<br />
möglich Raum unter dem Vordeck damit als<br />
Auftriebskörper ausgestopft. Gleichzeitig<br />
kann damit zusätzlich noch der Akku gesichert<br />
werden. Erst jetzt, ganz am Ende,<br />
habe ich die Bespannung aufgebracht. Ich<br />
verwendete dafür Oratex-Bügelfolie. Das<br />
ist e<strong>in</strong>e Gewebefolie, die auch im Großflugzeugbau<br />
für Bespannungen verwendet wird<br />
und bei den Scale-Flugmodelbauern sehr<br />
beliebt ist. Ich verwende fürs Bügeln immer<br />
e<strong>in</strong> Folienbügeleisen, das Haushaltsbügeleisen<br />
tut es aber auch. Erst werden<br />
die Ränder mit 80 °C angebügelt und die<br />
Folie dabei exakt zugeschnitten. Sitzt alles<br />
faltenfrei, werden die Ränder mit 150 °C fest<br />
gebügelt und danach die Folie mit der gleichen<br />
Temperatur gespannt. Die Anleitung<br />
von Oracover hilft hier sehr und die Folie ist<br />
bei jedem gut sortierten Modellbauhändler<br />
zu haben.<br />
Als letzter Bauschritt wird noch die Turnf<strong>in</strong><br />
befestigt. Ich habe sie aus 0,5-mm-Bronzeblech<br />
gefertigt. Sie sitzt <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Schlitz, der<br />
sich genau im Schwerpunkt bef<strong>in</strong>det und<br />
ist mit angedicktem Epoxidharz e<strong>in</strong>geklebt.<br />
Hier ist größte Präzision gefordert, denn die<br />
Turnf<strong>in</strong> muss natürlich gerade und exakt <strong>in</strong><br />
Fahrtrichtung ausgerichtet sitzen.<br />
Bis hier her waren ke<strong>in</strong>e vier Wochen vergangen<br />
und so konnte die »Miss Spontaneous«<br />
bald <strong>in</strong>s Wasser. Der erste Schwimmtest<br />
erfolgte im Gummipool auf der Terrasse.<br />
Der Schwerpunkt liegt bei etwa e<strong>in</strong>em Drittel<br />
der Rumpflänge von h<strong>in</strong>ten gemessen<br />
und so ist es wenig verwunderlich, dass das<br />
Modell h<strong>in</strong>ten recht tief e<strong>in</strong>taucht. Das war<br />
im Orig<strong>in</strong>al auch so. Der Wendekreisdurchmesser<br />
beträgt mit den etwa 30° Ausschlag<br />
Fertig zur Jungfernfahrt.<br />
Fahrer dr<strong>in</strong>, Zertifikat da,<br />
Nummer und Name drauf,<br />
auf gehts!<br />
des Außenborders bei Langsamfahrt ca.<br />
2 m. Dank der fe<strong>in</strong>en Regelbarkeit des Reglers<br />
kann man so sehr fe<strong>in</strong>fühlig an- und ablegen,<br />
das konnten die Orig<strong>in</strong>ale nicht!<br />
Aufgedreht<br />
Die Badesaison war nach dem späten<br />
Sommere<strong>in</strong>bruch <strong>in</strong>zwischen voll im Gange,<br />
und so kam es, dass ich die Jungfernfahrt<br />
schon morgens um 7.00 Uhr vor der<br />
Arbeit durchführte. Erst zwei, drei Kr<strong>in</strong>gel<br />
bei langsamer Fahrt, dann beherzt Gas<br />
geben, Luft anhalten und schnell wieder<br />
runter vom Gas. Nicht, weil sie nicht lief,<br />
die kle<strong>in</strong>e Miss, ne<strong>in</strong>, weil sie schon so weit<br />
weg war! Also Rumdrehen, nochmal Gas<br />
geben und sich am Flugbild erfreuen. Ja,<br />
Sie lesen richtig, sie flog mehr als dass sie<br />
schwamm. Me<strong>in</strong>e Videofilmer<strong>in</strong> ermahnte<br />
mich immer wieder, langsamer zu fahren,<br />
damit sie überhaupt e<strong>in</strong>e Chance hätte, das<br />
Modell auf den Film zu bekommen. Das Adrenal<strong>in</strong><br />
war <strong>in</strong>zwischen voll am Werkeln und<br />
so konnte ich nicht mehr genug bekommen<br />
von dem tollen Fahrbild me<strong>in</strong>er »Miss Spontaneous«<br />
und flitzte mit ihr unzählige Male<br />
über den See. Am Ende waren 2500 mAh<br />
verbraucht und e<strong>in</strong>ige GB Filmaufnahmen<br />
gemacht. Wir waren beide glücklich, me<strong>in</strong>e<br />
Filmer<strong>in</strong> und ich. Das Adrenal<strong>in</strong> hielt noch<br />
e<strong>in</strong>ige Stunden an, ich war jedenfalls schon<br />
lange nicht mehr so aufgekratzt zur Arbeit<br />
gegangen …<br />
Natürlich hatte ich zwischenzeitlich me<strong>in</strong><br />
Boot bei www.152vo.de registrieren lassen.<br />
Nach der Erstfahrt trafen dann auch<br />
der Bootspass und die Startnummer e<strong>in</strong>.<br />
Zeitgleich kamen auch die Schriftzüge von<br />
www.folien-arbeiter.de an. Ich hatte ganz<br />
schön auf der Bestellseite des Shops h<strong>in</strong>und<br />
herskalieren müssen, bis der lange<br />
Namenszug auf dem kurzen Seitendeck<br />
Platz fand. Aber am Ende klappte es ganz<br />
toll, die Schriftzüge geben dem Boot erst<br />
das richtige Rennoutfit. Wortwörtlich ganz<br />
am Ende kam noch der „bowhandle“, sprich<br />
der Handgriff am Bug zum Anheben des<br />
Bootes dran. Bei mir entstand er aus e<strong>in</strong>em<br />
Alu-Rohr, das ich im Schraubstock plattgedrückt<br />
und danach mit e<strong>in</strong>er Zange <strong>in</strong> Form<br />
gebracht habe. Ich hielt es für e<strong>in</strong>e gute<br />
Idee, das Alurohr gleich am Vorsteven bis<br />
auf die Wasserl<strong>in</strong>ie als Rammschutz herunterzuziehen,<br />
festzunageln und mit Pattex zu<br />
verkleben.<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 19
Technische Daten<br />
Länge<br />
(ohne Außenborder)<br />
Breite<br />
Tiefgang<br />
Verdrängung<br />
RC-Funktionen<br />
567 mm<br />
266 mm<br />
80 mm<br />
1.450 g<br />
Lenkung, Gas<br />
Beim Kr<strong>in</strong>geln steigt leicht e<strong>in</strong>e Menge Wasser übers Heck <strong>in</strong>s Boot …<br />
… und sorgt dann <strong>in</strong> der nächsten Kurve für e<strong>in</strong>en<br />
Kopfstand mit stabiler Schwimmlage<br />
Für die zweite Testfahrt stellte ich den Außenborder<br />
etwas nach unten, damit das<br />
Boot nicht mehr so frei und damit richtungsstabiler<br />
läuft. Das Resultat war e<strong>in</strong><br />
absolut stabiles Fahrverhalten. Allerd<strong>in</strong>gs<br />
kam der Propeller dadurch zu tief, wodurch<br />
er nicht mehr frei lief und sich der<br />
Rooster-Tail nicht ausbilden wollte. Klarer<br />
Fall, der Motor muss höher montiert werden,<br />
also wieder ab <strong>in</strong> die Werkstatt, vier<br />
neue Löcher <strong>in</strong> den Spiegel gebohrt und<br />
alles umgebaut. So gerüstet g<strong>in</strong>g es wieder<br />
an den See. Wow geht die jetzt ab! Der<br />
Fotograf hatte se<strong>in</strong>e Schwierigkeiten, den<br />
Flitzer e<strong>in</strong>zufangen. Aber jetzt läuft das<br />
Modell perfekt, der Rooster-Tail bildet sich<br />
sehr schön aus, der Bug ist nicht zu frei<br />
und auch nicht zu tief und der Sound ist<br />
gigantisch. Bei voller Geradeausfahrt geht<br />
sie wie auf Schienen, die Kurven werden<br />
dann sehr langgestreckt. Will man um die<br />
Kurve, muss man mit dem Gas spielen<br />
und vor allem am Kurvenausgang nicht zu<br />
schnell wieder Gas geben, sonst gibt es<br />
e<strong>in</strong>en R<strong>in</strong>gelpiez. Sieht zwar spektakulär<br />
aus, ist aber <strong>in</strong>sbesondere <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Rennen<br />
nicht besonders vorteilhaft.<br />
R<strong>in</strong>gelpieze zu fahren ist übrigens nicht<br />
ganz ungefährlich. Weil es so gut aussieht,<br />
habe ich das mehrfach wiederholt und dabei<br />
übersehen, dass über das Heck e<strong>in</strong>e<br />
Menge Wasser den Weg <strong>in</strong> den offenen<br />
Rumpf fand. In der nächsten Kurve landete<br />
die Fuhre dann wegen des im Inneren umherschwappenden<br />
Wassers auch prompt<br />
auf dem Kopf. Der nicht wasserfeste Flugregler<br />
quittierte daraufh<strong>in</strong> geruchvoll und<br />
mit kle<strong>in</strong>en Rauchschwaden den Dienst.<br />
Damit waren mir noch e<strong>in</strong> paar frohe Bastelstunden<br />
beschert, bis der neue Regler,<br />
diesmal mit Plastidip abgedichtet, se<strong>in</strong>en<br />
Arbeitsplatz e<strong>in</strong>genommen hatte. Ohne<br />
Wasser im Rumpf habe ich es bisher übrigens<br />
noch nicht geschafft, me<strong>in</strong>e »Miss<br />
Spontaneous« aufs Kreuz zu legen, gehört<br />
sich ja auch nicht …<br />
Man muss übrigens nicht unbed<strong>in</strong>gt Rennen<br />
fahren mit der kle<strong>in</strong>en ATOMITE, das<br />
Modell macht mir auch so e<strong>in</strong>en Heidenspaß.<br />
Das Fahrbild ist sauber, der Fahrer,<br />
der sich <strong>in</strong> die Kurve legt, sieht e<strong>in</strong>fach<br />
nur toll aus, und wenn man möchte, kann<br />
man mit ihr auch gaaanz langsam cruisen.<br />
Letzteres gefällt ihr allerd<strong>in</strong>gs nicht so sehr,<br />
denn <strong>in</strong> diesem Fahrzustand streckt sie ihre<br />
Nase doch stark <strong>in</strong> den Himmel und genehmigt<br />
sich dabei e<strong>in</strong>en ordentlichen Schluck<br />
aus der Stromquelle. Und auch, wenn sie<br />
ab und zu etwas Spritzwasser übernimmt,<br />
das natürlich sofort <strong>in</strong> der Bilge landet, b<strong>in</strong><br />
ich rundum zufrieden mit me<strong>in</strong>em neuen<br />
Modell.<br />
Virus auskuriert?<br />
Das geht glaube ich nicht. E<strong>in</strong>mal <strong>in</strong>fiziert,<br />
immer <strong>in</strong>fiziert, ist me<strong>in</strong> Fazit. Falls Sie<br />
sich auch angesteckt haben sollten, dann<br />
schauen Sie doch mal bei www.152VO.de<br />
re<strong>in</strong>. Das gibt Ihnen den Rest und die V<strong>in</strong>tage<br />
Outboard-Geme<strong>in</strong>de wäre wieder um<br />
e<strong>in</strong> Mitglied reicher. An geeigneten Vorbildern<br />
mangelt es nicht, e<strong>in</strong> Modell ist schnell<br />
und mit schmalem Budget gebaut und das<br />
Resultat ist an jedem Modellteich e<strong>in</strong> echter<br />
H<strong>in</strong>gucker. Me<strong>in</strong>e ATOMITE war nach vier<br />
Wochen Bauzeit im Wasser und verschlang<br />
mit allen Elektronikkomponenten etwa E<br />
150,–. Der Fahrspaß ist riesig und die Optik<br />
e<strong>in</strong>fach nur toll.<br />
Bezugsquellen<br />
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Klasse, Plan:<br />
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RC-Komponenten:<br />
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20 <strong>SchiffsModell</strong> 13/2013
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SEGELSCHIFFE<br />
Gisela und Helmut Scharbaum<br />
W fife-yacht<br />
VAGRANT<br />
as kann man tun, wenn<br />
e<strong>in</strong>em das Leben e<strong>in</strong>e Reihe<br />
von unerfreulichen und traurigen<br />
Ereignissen beschert,<br />
über die man wegen ihrer Endgültigkeit nur<br />
schwer h<strong>in</strong>wegkommt?<br />
Nun, e<strong>in</strong>e Möglichkeit ist es, sich auf etwas<br />
zu bes<strong>in</strong>nen, das e<strong>in</strong>em wirklich wichtig ist,<br />
das e<strong>in</strong>em Freude bereitet und e<strong>in</strong>en folglich<br />
vom Nachdenken abhält.<br />
In manchen Fällen bedeutet das vielleicht<br />
e<strong>in</strong>e Rückkehr zu den Wurzeln oder aber<br />
das Entwickeln und Umsetzen ganz neuer<br />
Ideen.<br />
Auch das Leben e<strong>in</strong>es „<strong>Vagrant</strong>en“ (= Vagabund,<br />
Landstreicher) ist die Bes<strong>in</strong>nung auf<br />
das Wesentliche: Sicherlich e<strong>in</strong> hartes und<br />
entbehrungsreiches Dase<strong>in</strong>, dabei auch<br />
noch geprägt von Vertreibung und dem Gefühl,<br />
oft unerwünscht zu se<strong>in</strong>, aber gleichzeitig<br />
befreit vom Ballast und den Pflichten<br />
des Lebens <strong>in</strong> unserer modernen Zivilisation<br />
und somit gekennzeichnet von e<strong>in</strong>er<br />
beneidenswerten E<strong>in</strong>fachheit und Freiheit.<br />
Nicht, dass ich unser gemütliches Heim gegen<br />
e<strong>in</strong> Leben auf der Straße e<strong>in</strong>tauschen<br />
möchte, jedoch hat der Gedanke an e<strong>in</strong>e<br />
Auszeit vom Alltag etwas Verlockendes. Ich<br />
kann jedem nur empfehlen, sich mit solchen<br />
Gedanken nicht nur zu beschäftigen, sondern<br />
sie vielleicht auch e<strong>in</strong>mal im Leben <strong>in</strong><br />
die Tat umzusetzen.<br />
Doch bevor es soweit ist, hat sich der Reisende<br />
noch um e<strong>in</strong>e Aufgabe zu kümmern,<br />
nämlich um e<strong>in</strong>en <strong>Vagrant</strong>en der besonderen<br />
Art, der <strong>in</strong> vielerlei H<strong>in</strong>sicht die Rückbes<strong>in</strong>nung<br />
zu den Wurzeln darstellt, bevor der<br />
Traum der Auszeit vom Alltag wahr werden<br />
kann.<br />
Das Vorbild<br />
Wir schreiben das Jahr 1884. Wie viele<br />
Designer experimentiert auch William <strong>Fife</strong><br />
III mit der aktuellen Vermessungsformel,<br />
der 1730 Rule, die zu den sog. „plank on<br />
edge (= Planke-Hochkant)-Designs geführt<br />
hat. Es entsteht e<strong>in</strong> 18-ft-Rennkutter, lang,<br />
schmal, mit e<strong>in</strong>em überlangen Bugspriet<br />
22 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
und e<strong>in</strong>er enormen Segelfläche, unter der<br />
diese kle<strong>in</strong>e <strong>Yacht</strong> noch zierlicher wirkt. Das<br />
keck geschwungene Heck mit dem eleganten,<br />
kurzen Überhang und der gerade<br />
Vorsteven repräsentieren noch das viktorianische<br />
Zeitalter, der schmale, tiefgehende<br />
Rumpf ist der Vermessungsvorschrift sowie<br />
des experimentellen und des technischen<br />
Fortschritts geschuldet und bietet Platz für<br />
e<strong>in</strong>e Menge Blei.<br />
„Sie segelt wie e<strong>in</strong>e Zicke“, erklärt e<strong>in</strong>er ihrer<br />
Besitzer, „vorwärts genauso schnell wie<br />
rückwärts ..“.<br />
VAGRANT heißt sie, und der Name beschreibt<br />
nicht zuletzt treffend ihr unstetes<br />
Leben mit mehrfachen Eignerwechseln und<br />
Restaurierungen, bis sie zuletzt im Scottish<br />
Maritime Museum landete. Dort wurde sie<br />
vom letzten Eigner abgegeben, <strong>in</strong> der Hoffnung,<br />
sie gut untergebracht zu haben und<br />
dass sie dort für Besucher segelnd zu erleben<br />
sei.<br />
Leider e<strong>in</strong> Trugschluss, denn erst liegt<br />
sie e<strong>in</strong>ige Jahre als schwimmendes Ausstellungsstück<br />
im Hafen, rottet dann unbeachtet<br />
vor sich h<strong>in</strong> und fristet aufgrund dieser<br />
kaum zu verstehenden Vernachlässigung<br />
mal wieder e<strong>in</strong> mehr als trauriges Dase<strong>in</strong>.<br />
Bevor es jedoch zu spät ist, wird sie <strong>in</strong> e<strong>in</strong>en<br />
der Museumsschuppen verlegt und wartet<br />
seitdem sehnsüchtig auf die dr<strong>in</strong>gend erforderliche<br />
Überholung. Wie so oft, fehlt es<br />
auch hier an Geld ... e<strong>in</strong> <strong>Vagrant</strong> hat davon<br />
eben nicht allzu viel <strong>in</strong> der Tasche.<br />
In jenem Schuppen sahen wir sie zum ersten<br />
Mal und stellten fest, dass sich h<strong>in</strong>ter<br />
dem traurigen Aussehen die außergewöhnlichen<br />
L<strong>in</strong>ien e<strong>in</strong>er kle<strong>in</strong>en aber fe<strong>in</strong>en<br />
Rennyacht der 1730-Rule verbargen, e<strong>in</strong>e<br />
Rarität, wie geschaffen für e<strong>in</strong> ebenso außergewöhnliches<br />
wie hübsches Modell.<br />
VAGRANT ca. 1984 (Foto: Hal Sisk)<br />
VAGRANT im Jahr 2008<br />
Das Modell<br />
Das Museum half beim Beschaffen der Unterlagen.<br />
Zeitgleich mit dem TRINGA-Modell<br />
(siehe <strong>SchiffsModell</strong> 7/2007) sollte auch<br />
die VAGRANT entstehen. E<strong>in</strong> Freund erhielt<br />
die Pläne und begann mit der Arbeit, stellte<br />
diese aber e<strong>in</strong>, als der Balsaholzrumpf fertig<br />
war. War es tatsächlich Zeitmangel, oder<br />
waren es eher Bedenken vor der Fertigstellung<br />
dieses markanten Modells, das wegen<br />
se<strong>in</strong>es großen, offenen Mittelcockpits e<strong>in</strong>e<br />
ziemliche Herausforderung darstellt? Wir<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 23
Der fertige Balsarumpf<br />
Rumpf fertig lackiert<br />
Zum<br />
Abschluss<br />
lam<strong>in</strong>iert<br />
mit Abreißgewebe<br />
Kontrolle der Wasserl<strong>in</strong>ie beim Bleigießen,<br />
40 kg Blei waren erforderlich<br />
wissen es nicht, aber als unsere TRINGA<br />
im Maßstab 1:1 zu Wasser gelassen war,<br />
bekamen wir den Balsarumpf und alle Unterlagen<br />
wieder <strong>in</strong> die Hand gedrückt, mit<br />
den Worten: Ihr habt ja jetzt Zeit dafür und<br />
ohneh<strong>in</strong> seid ihr für <strong>Fife</strong>-Modelle die e<strong>in</strong>zig<br />
richtige Adresse.<br />
Da stand sie nun, auch als noch nicht mal<br />
fertiges Modell schon vertrieben und heimatlos<br />
und irgendwie hatten wir Mitleid.<br />
Es war auch noch genügend Restmaterial<br />
von der großen TRINGA vorhanden, also<br />
begannen wir mit der Arbeit, wobei die<br />
„Reste“ nicht unbed<strong>in</strong>gt das waren, womit<br />
sich Landstreicher <strong>in</strong> der Regel begnügen<br />
müssen.<br />
Im Gegenteil, für VAGRANT bedeutete es<br />
Teakholz, Mahagoni und Eiche <strong>in</strong> „echt“ für<br />
sämtliche Ausbauten, Fußböden, das Deck<br />
und das Cockpit sowie Oregon P<strong>in</strong>e für die<br />
Spieren.<br />
Die Elektronik kam ebensowenig aus der<br />
Restekiste. Die Großsegelw<strong>in</strong>de ist wie<br />
gewohnt von Schepp, e<strong>in</strong> neuer Gigahertz-<br />
Sender und LiPo-Akkus sorgen dafür, dass<br />
sich VAGRANT auch <strong>in</strong> dieser H<strong>in</strong>sicht auf<br />
dem neuesten technischen Stand bef<strong>in</strong>det.<br />
Für die Vorsegel leisteten wir uns die<br />
Genuaw<strong>in</strong>de von Schepp mit den beiden<br />
Kupplungen, die mittels e<strong>in</strong>es dreistufigen<br />
Schalters das Loswerfen der Schot <strong>in</strong> den<br />
Wenden und das anschließende Dichtholen<br />
auf dem neuen Bug ermöglichen, je<br />
nach Schalterstellung auf Backbord oder<br />
Steuerbord. Wir waren gespannt, wie diese<br />
Technik mit den drei Vorsegeln von<br />
Deck abgeklebt und nach dem Primern<br />
fertig zum Versiegeln mit Sikaflex<br />
Die Segelw<strong>in</strong>den, oben die Genuaw<strong>in</strong>de<br />
mit den Kupplungen<br />
W<strong>in</strong>den nach<br />
dem E<strong>in</strong>bau<br />
24 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Das Deck aus Teak<br />
E<strong>in</strong>e Hälfte fertig, die andere ist<br />
noch <strong>in</strong> Arbeit<br />
Klebeband abziehen und …<br />
VAGRANT harmonieren würde. Auch <strong>in</strong><br />
Sachen Beschläge betraten wir Neuland:<br />
Da beim Orig<strong>in</strong>al verz<strong>in</strong>ktes Eisen Verwendung<br />
gefunden hatte, taten wir es hier<br />
gleich, allerd<strong>in</strong>gs war bei uns wegen der<br />
besseren Verarbeitungsmöglichkeiten Mess<strong>in</strong>g<br />
das Ausgangsmaterial. Mit e<strong>in</strong>er galvanischen<br />
Verz<strong>in</strong>kung versehen, bekamen<br />
die Beschläge das stimmige altertümliche<br />
und etwas abgegriffene Aussehen.<br />
Bei den Spieren haben wir auch etwas<br />
Neues ausprobiert: Oregon P<strong>in</strong>e ist fe<strong>in</strong>maserig<br />
und leicht zu bearbeiten, dafür<br />
E<strong>in</strong>kleben der Cockpite<strong>in</strong>fassung aus<br />
gebogenem 3-mm-Teakholzfurnier<br />
aber auch sehr empf<strong>in</strong>dlich und benötigt<br />
e<strong>in</strong> paar Lackschichten mehr für den optimalen<br />
Schutz. Dafür ist das Material aber<br />
sehr leicht und für e<strong>in</strong>e <strong>Yacht</strong> mit übergroßem<br />
Rigg e<strong>in</strong>fach ideal. In vielen Stunden<br />
Arbeit entstand so e<strong>in</strong>e richtige Ausnahme-<br />
… fertig <strong>SchiffsModell</strong> ist das Teakdeck, 11/2013 jetzt muss nur<br />
25<br />
noch geschliffen werden
Beschläge aus Mess<strong>in</strong>g, z. T. schon verz<strong>in</strong>kt ...<br />
Mast leimen und aushobeln<br />
Das erste Mal komplett<br />
aufgeriggt<br />
… und jede Menge Klampen und Blöcke<br />
Der CQR-Anker <strong>in</strong> 1:4 und se<strong>in</strong> großer Bruder<br />
ersche<strong>in</strong>ung, auch für unsere Verhältnisse.<br />
Als VAGRANT das erste Mal aufgeriggt<br />
war, stellten wir fest, dass wir sie richtig <strong>in</strong>s<br />
Herz geschlossen hatten. Von der ursprünglichen<br />
Idee, sie für die F<strong>in</strong>anzierung unserer<br />
Auszeit zu verkaufen, nahmen wir still und<br />
heimlich Abschied.<br />
Inzwischen war es November, die letzten<br />
schönen Tage des Jahres luden zu e<strong>in</strong>er<br />
spontanen Jungfernfahrt e<strong>in</strong>, obwohl wir<br />
noch nicht alles 100%ig getestet hatten.<br />
Am Dümmer waren noch e<strong>in</strong>ige Spaziergänger<br />
unterwegs, der örtliche Segelclub<br />
machte gerade alles w<strong>in</strong>terfest. Wir durften<br />
die Slipanlage am Hafenbecken benutzen<br />
und nach e<strong>in</strong>iger Zeit des Auftakelns<br />
schwamm VAGRANT das erste Mal im<br />
großen Wasser. Alles sah perfekt aus. Sie<br />
lief vor dem leichten W<strong>in</strong>d mit beachtlicher<br />
Geschw<strong>in</strong>digkeit los, wendete problemlos<br />
und kam zum Steg zurück, als e<strong>in</strong>er der<br />
noch vorhandenen älteren Akkus plötzlich<br />
das Zeitliche segnete und die Segelverstellung<br />
lahm legte.<br />
Wir beendeten den Törn und konnten sie<br />
schnell noch e<strong>in</strong>fangen, dabei nahm ich e<strong>in</strong><br />
Bad im Dümmer, was zu dieser Jahreszeit<br />
alles andere als e<strong>in</strong> Spaß ist, aber zur Erheiterung<br />
der Anwesenden beitrug. Das Ereignis<br />
blieb Gott sei Dank für me<strong>in</strong>e Gesundheit<br />
und VAGRANT folgenlos. Der kurze Trip<br />
hatte aber schon ihr Potenzial erkennen<br />
lassen und machte süchtig nach mehr. Also<br />
wurde auch noch der letzte alte Akku durch<br />
e<strong>in</strong>en LiPo ersetzt, alles neu e<strong>in</strong>gestellt, das<br />
Groß mit den noch fehlenden Reff reihen<br />
versehen … und dann war es W<strong>in</strong>ter … und<br />
der W<strong>in</strong>ter 2012/2013 dauerte immer länger.<br />
Am Ende wurde es Mai, bevor wir uns<br />
endlich wieder dem neuen Modell widmen<br />
und es ausgiebig testen konnten.<br />
Mit Vollzeug ausgerüstet, machte VA-<br />
GRANT die erste längere Ausfahrt. Der<br />
W<strong>in</strong>d war sehr wechselhaft, von überwiegend<br />
schwach bis sehr böig und drehte<br />
noch dazu. Für die zweite Ausfahrt e<strong>in</strong>es<br />
noch nahezu neuen Modells sehr ungünstige<br />
Bed<strong>in</strong>gungen. Außerdem war noch die<br />
neue Fernsteuerung mit anderer Knüppelbelegung<br />
und die Arbeitsweise der Vorsegelw<strong>in</strong>de<br />
von Schepp kennen zu lernen. All<br />
das bee<strong>in</strong>druckte VAGRANT nur wenig, sie<br />
segelte los und ließ den Steuermann mit<br />
se<strong>in</strong>en hilflosen Versuchen, ihrer Herr zu<br />
werden, am Ufer zurück.<br />
Sie luvte an, wie es ihr gefiel, fiel ab, wenn<br />
es ihr <strong>in</strong> den S<strong>in</strong>n kam, legte sich auf die<br />
Seite und spr<strong>in</strong>tete los, wenn der W<strong>in</strong>d etwas<br />
auffrischte, parkte <strong>in</strong> den Wenden,<br />
wenn sie nicht genügend Speed hatte und<br />
fuhr dann wirklich rückwärts. Himmel, was<br />
für e<strong>in</strong> Modell! Mir wurde klar, was e<strong>in</strong>er der<br />
Vorbesitzer des Orig<strong>in</strong>als mit „Zicke“ me<strong>in</strong>te<br />
... Uns packte der Ehrgeiz, hier gab es offensichtlich<br />
noch e<strong>in</strong>iges zu tun.<br />
Das Toppsegelgestänge war zu kurz, die<br />
Rahen mussten also länger werden, das<br />
Mikro-Servo der Vorsegelw<strong>in</strong>de lief heiß<br />
26 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Der lange Bugspriet<br />
Blick <strong>in</strong>s Cockpit<br />
Mit Vollzeug <strong>in</strong> Grasbroek<br />
und musste durch e<strong>in</strong><br />
diger. VAGRANT wurde<br />
stärkeres ersetzt wer-<br />
mit Vollzeug geslippt, alles<br />
den, die Vorsegelschoten<br />
mussten neu e<strong>in</strong>gestellt<br />
und das Großsegel<br />
flacher getrimmt werden.<br />
Wir gaben uns nur e<strong>in</strong>e<br />
Woche Zeit, um bis zum<br />
Tuch war gesetzt und<br />
siehe da, jetzt war sie<br />
auch zu segeln. Das längere<br />
Toppsegelgestänge<br />
sorgte für e<strong>in</strong>en besseren<br />
Stand und ermöglichte<br />
Classicer-Treffen <strong>in</strong> Grasbroek<br />
e<strong>in</strong>en flacheren<br />
die anfallenden<br />
Trimm, der zusammen<br />
Arbeiten zu erledigen.<br />
Es wurde gesägt, gehobelt<br />
mit dem ebenfalls flacher<br />
getrimmten Groß und<br />
und lackiert, das<br />
den optimierten Vor-<br />
Toppsegel an den neuen<br />
segelschoten der Luvgierigkeit<br />
Spieren angeschlagen,<br />
den Garaus<br />
das Servo erneuert, die<br />
Vorsegelschoten justiert<br />
und der Trimm aller Segel<br />
optimiert.<br />
Am Freitagabend war alles<br />
Details im Rigg<br />
machte. VAGRANT läuft<br />
jetzt endlich nahezu geradeaus,<br />
reagiert aber<br />
immer noch sehr sensibel<br />
auf die Segelstellung<br />
fertig, am Samstagmorgen g<strong>in</strong>g es nach<br />
Grasbroek. Das Wetter spielte mit, der W<strong>in</strong>d<br />
frischte auf und war auch etwas bestän-<br />
zum W<strong>in</strong>d und erfordert sehr viel F<strong>in</strong>gerspitzengefühl<br />
an der P<strong>in</strong>ne und den Schoten.<br />
Stimmt alles, ist es e<strong>in</strong>e Freude, mit ihr unterwegs<br />
zu se<strong>in</strong>. Das Modell ist erstaunlich<br />
fl<strong>in</strong>k, trotz se<strong>in</strong>es Gewichts, kann aber dadurch<br />
eben auch e<strong>in</strong>e Menge W<strong>in</strong>d vertragen.<br />
Böen werden bei viel W<strong>in</strong>d kaum noch<br />
mit weiterer Krängung oder Anluven, sondern<br />
mit Abdrift kompensiert, bei gleich bleibendem<br />
Kurs, Lage und Geschw<strong>in</strong>digkeit.<br />
E<strong>in</strong> Verhalten, das offensichtlich dem großen<br />
Gewicht und der Rumpfform geschuldet<br />
ist. Für Regattasegler bedeutet das folglich,<br />
dass man es mit der Segelfläche am<br />
W<strong>in</strong>d nicht übertreiben sollte, wenn man<br />
nicht unnötig lange Wege zur Wendemarke<br />
gehen will. Das Orig<strong>in</strong>al wird übrigens<br />
schon bei drei W<strong>in</strong>dstärken gerefft.<br />
Raumschots wird dagegen gern alles gesetzt,<br />
was an Bord ist. Alle<strong>in</strong> die Länge des<br />
Spibaums, den VAGRANT se<strong>in</strong>erzeit mitführte,<br />
spricht für sich und lässt erkennen,<br />
dass es h<strong>in</strong>sichtlich der Segelfläche vor<br />
dem W<strong>in</strong>d kaum Grenzen gab. Ausgebaumt<br />
wächst das Orig<strong>in</strong>al zu e<strong>in</strong>er stattlichen<br />
Breite von 11,90 m heran, die enorme Tuchfläche<br />
lässt den ohneh<strong>in</strong> schon schma len<br />
Rumpf darunter wie e<strong>in</strong> Streichholz wirken.<br />
Die waren damals schon verrückt, die<br />
Schotten ... Bei allem segelt das Modell<br />
sehr trocken, der schmale Rumpf schneidet<br />
wie e<strong>in</strong> scharfes Messer durch die Wellen<br />
und produziert kaum Bug- oder Heckseen.<br />
Sie krängt auch nie so weit, dass Wasser<br />
<strong>in</strong>s Cockpit laufen könnte und liegt <strong>in</strong> jeder<br />
Situation auch noch gut auf dem Ruder,<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 27
sodass man sie immer wieder problemlos<br />
ans Ufer zurückholen kann. Alles D<strong>in</strong>ge, die<br />
wir so nicht erwartet hatten, kriegt man auf<br />
der großen VAGRANT doch häufiger nasse<br />
Füße, wenn der W<strong>in</strong>d nahezu von vorn<br />
kommt und die Wellen sich am steilen Vorsteven<br />
brechen.<br />
Auch die Genuaw<strong>in</strong>de arbeitet gut mit den<br />
drei Vorsegeln zusammen, selbst der Flieger<br />
wechselt problemlos die Seite, nachdem<br />
die Vorsegelschoten beim Wenden<br />
oder Halsen losgeworfen wurden.<br />
Dies sorgt für e<strong>in</strong> sehr realistisches Fahrbild,<br />
allerd<strong>in</strong>gs müssen die Schoten auf<br />
dem neuen Bug sehr schnell dichtgeholt<br />
werden, sonst bleibt das Modell im W<strong>in</strong>d auf<br />
der Stelle stehen und treibt beständig und<br />
kursstabil rückwärts, e<strong>in</strong>e Situation, aus der<br />
man sie nur schwer wieder herausbekommt.<br />
Kurz gesagt, von unseren Modellen ist VA-<br />
GRANT sicherlich das aufwendigste und<br />
anspruchsvollste, das wir bislang produziert<br />
haben. Das betrifft sowohl das Aufriggen als<br />
auch das Segeln an sich. Bei ke<strong>in</strong>em Modell<br />
haben wir so viel Zeit <strong>in</strong> die Optimierung der<br />
Segelansteuerung und den Trimm gesteckt<br />
und bei ke<strong>in</strong>em Modell so lange gebraucht,<br />
um es auf dem Wasser e<strong>in</strong>igermaßen vorbildgetreu<br />
zu bewegen. Selbst jetzt ist noch<br />
nicht alles perfekt, aber wir s<strong>in</strong>d auf e<strong>in</strong>em<br />
guten Weg.<br />
Wenn man sich die Berichte der Vorbesitzer<br />
des Orig<strong>in</strong>als ansieht, hatten jene mit<br />
den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen.<br />
Nicht umsonst wurde VAGRANT berühmtberüchtigt<br />
als „the unguided missile of the<br />
Clyde“ bezeichnet. Unsere Probleme kommen<br />
daher nicht von ungefähr.<br />
VAGRANT ist eben e<strong>in</strong> K<strong>in</strong>d ihrer Zeit, aber<br />
damals war man es gewohnt, mit den Tücken<br />
dieser Designs umzugehen. Sicherlich<br />
hat sich <strong>in</strong> Sachen Schiffbau und <strong>Yacht</strong>konstruktion<br />
<strong>in</strong> den letzten 130 Jahren e<strong>in</strong>iges<br />
getan, aber e<strong>in</strong>es gilt heute immer noch:<br />
Um Extremkonstruktionen welcher Art auch<br />
immer erfolgreich bei Regatten <strong>in</strong>s Ziel zu<br />
br<strong>in</strong>gen, ist e<strong>in</strong>e Menge Zeit, Erfahrung und<br />
Übung vonnöten, daran hat sich <strong>in</strong> all den<br />
Jahren nichts geändert. Aber am Ende hat<br />
sich der E<strong>in</strong>satz immer gelohnt.<br />
Letztendlich ist es diese Herausforderung,<br />
die das Ganze so <strong>in</strong>teressant macht und<br />
uns immer wieder dazu treibt, <strong>Yacht</strong>geschichte<br />
lebendig zu machen.<br />
Es geht auch ohne Flieger<br />
und Toppsegel<br />
VAGRANT und die 1730 Rule<br />
Seit 1881 galt <strong>in</strong> Großbritannien diese Vermessungsformel:<br />
(L+B)² x B<br />
1730<br />
wobei L für die Länge der Wasserl<strong>in</strong>ie und B<br />
für die Breite der <strong>Yacht</strong> stand.<br />
Die 1730 Rule bestrafte also die Breite der<br />
<strong>Yacht</strong> und führte folglich zu schmalen, tiefen<br />
Rümpfen mit viel Bleiballast und enormen<br />
Segelflächen. Rümpfe nach dieser Vermessungsformel<br />
wurden aufgrund des Aussehens<br />
„plank on edge design“ genannt, s<strong>in</strong>ngemäß<br />
„Planke hochkant“.<br />
Die Riggs hielten mit dieser Entwicklung<br />
nicht Schritt. Wegen der schmalen Rümpfe<br />
konnten die Masten nicht ausreichend verstagt<br />
werden und Mastbrüche waren an der<br />
Tagesordnung. Viel g<strong>in</strong>g zu Bruch und ebenso<br />
viele „Bleim<strong>in</strong>en“ oder „Bleisärge“ verschwanden<br />
zum Teil schon beim Stapellauf<br />
auf Nimmerwiedersehen <strong>in</strong> den Fluten (siehe<br />
auch Beitrag zur Entwicklung der Vermessungsformeln<br />
<strong>in</strong> <strong>SchiffsModell</strong> 7/2011).<br />
VAGRANT ist e<strong>in</strong> typisches Beispiel dieser<br />
Vermessungsformel. Sie lief 1884 als 18-ft-<br />
Rennkutter vom Stapel, e<strong>in</strong> frühes Design<br />
von William <strong>Fife</strong> III.<br />
Bei e<strong>in</strong>er Wasserl<strong>in</strong>ienlänge von nur 18 ft (=<br />
5,50 m) hat sie e<strong>in</strong>e Breite von 1,60 m, e<strong>in</strong>en<br />
Tiefgang von 1,30 m und e<strong>in</strong>e Verdrängung<br />
von ca. 3 t . Zur Rumpflänge von 6,70 m addiert<br />
sich e<strong>in</strong> Bugspriet von <strong>in</strong>sgesamt 4,30<br />
m, der 2,70 m über den Vorsteven h<strong>in</strong>ausragt<br />
und mit e<strong>in</strong>em 5,5 m langen Baum zu e<strong>in</strong>er<br />
unglaublichen Segelfläche von 720 sqft<br />
(= 66,9 m²) führt. Der Sp<strong>in</strong>nakerbaum hat<br />
e<strong>in</strong>e Länge von 6,70 m, sodass VAGRANT<br />
ausgebaumt 11,90 m breit ist, und das bei<br />
e<strong>in</strong>er Rumpfbreite von nur 1,60 m!<br />
Wegen des weit nach h<strong>in</strong>ten herausragenden<br />
Großbaums wurden diese <strong>Yacht</strong>en<br />
später mit überhängendem Heck konstruiert,<br />
e<strong>in</strong>zig, damit der Großbaum besser zu<br />
bedienen war. Es waren seetüchtige, kle<strong>in</strong>e<br />
<strong>Yacht</strong>en, die allerd<strong>in</strong>gs aufgrund des mangelnden<br />
Auftriebs im Vorschiffbereich sehr<br />
nass segelten.<br />
VAGRANT wurde kostengünstig für 60<br />
Pfund bei Culzean Shipyard gebaut. Ihr Auftraggeber<br />
und Eigner, der Ire Thomas Trocke,<br />
nahm mit ihr zwischen 1884 und 1887<br />
<strong>in</strong> Dubl<strong>in</strong> Bay erfolgreich an den Regatten<br />
der populären 18-ft-Klasse teil.<br />
Bereits 1887 wurde diese Klasse aufgrund<br />
neuer Vermessungsregeln jedoch wieder<br />
abgeschafft.<br />
VAGRANT wurde verkauft und g<strong>in</strong>g durch<br />
sage und schreibe 14 Eignerhände, bevor<br />
sie 1979 bei Hal Sisk vor Anker g<strong>in</strong>g, der die<br />
Restaurierung <strong>in</strong> Angriff nahm. 1983 wurde<br />
sie wieder zu Wasser gelassen, exakt so,<br />
wie sie 1884 ausgesehen hatte.<br />
Hal segelte mit ihr 1984 zurück nach Schottland,<br />
wo sie se<strong>in</strong>erzeit gebaut worden war<br />
und zeigte ihr die ganze Westküste. Obwohl<br />
die Begeisterung groß war, wenn VAGRANT<br />
irgendwo auftauchte, war es für Hal schwierig,<br />
jemanden mit genügend Enthusiasmus<br />
zu f<strong>in</strong>den, der sie im Segeltrimm pflegen und<br />
bewahren würde. Als es Zeit war, sich von<br />
ihr zu trennen, beschloss er daher, sie dem<br />
Scottish Maritime Museum zu überlassen,<br />
mit der Auflage, dass VAGRANT dort als segelndes<br />
Monument erhalten werden sollte.<br />
Seit 1985 ist VAGRANT im Besitz des Museums,<br />
sie wurde aber nicht so behandelt, wie<br />
Hal Sisk es sich gewünscht hat und ist daher<br />
erneut stark restaurierungsbedürftig.<br />
Inzwischen gibt es aber gute Nachrichten.<br />
Das Museum <strong>in</strong> Irv<strong>in</strong>e steht f<strong>in</strong>anziell im Moment<br />
sehr gut da und hat e<strong>in</strong>en Bootsbauer<br />
aus Fairlie beauftragt, die erforderlichen Arbeiten<br />
im nächsten Jahr <strong>in</strong> Angriff zu nehmen.<br />
Wir stehen <strong>in</strong> Kontakt und werden uns<br />
regelmäßig über den Fortgang der Restaurierung<br />
<strong>in</strong>formieren.<br />
Unser Modell entstand übrigens im Maßstab<br />
1:4.<br />
28 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
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Motorschiffe<br />
Dirk Lübbesmeyer<br />
ARS-51 GRASP<br />
E<br />
s muss ja nicht immer gleich<br />
e<strong>in</strong> waffenstarrender Koloss<br />
se<strong>in</strong>, wenn man e<strong>in</strong>en Vertreter<br />
der „Grauen Flotte“<br />
vor Augen hat. Neben den<br />
Kampfe<strong>in</strong>heiten gehören ja auch Versorger,<br />
Lazarettschiffe, Transporter, Tanker und<br />
vieles mehr <strong>in</strong>s Arsenal e<strong>in</strong>er Mar<strong>in</strong>e wie<br />
der US NAVY. Das hier beschriebene Modell<br />
e<strong>in</strong>es Bergungs- und Rettungsschiffes<br />
gehört daher genau <strong>in</strong> diese Kategorie.<br />
Se<strong>in</strong> Vorbild ist weltweit e<strong>in</strong>setzbar und<br />
deckt die verschiedensten Notfall-Aktivitäten<br />
ab. Dazu gehören Rettungsaktionen,<br />
das Heben kle<strong>in</strong>erer gesunkener Schiffe<br />
und Flugzeuge, Abschleppen von und Notfallreparaturen<br />
von havarierten E<strong>in</strong>heiten,<br />
Bekämpfung von Bränden sowie die Betreuung<br />
von Reparatur-Tauchere<strong>in</strong>sätzen<br />
an gesunkenen Objekten.<br />
Das Orig<strong>in</strong>al<br />
Das Vorbild, die ARS-51 GRASP (ARS =<br />
Auxiliary Rescue and Salvage = Hilfsschiff<br />
Rettung und Bergung, wobei alle Nichtkampfe<strong>in</strong>heiten<br />
der US NAVY das „A“ tra-<br />
ARS-51 GRASP Mitte Juni 2012 (Foto:US-Navy/120601-N-AQ172-054)<br />
30 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
gen), ist die zweite der aus vier E<strong>in</strong>heiten<br />
bestehenden SALVAGE-Klasse. Es s<strong>in</strong>d<br />
dies die modernsten und heute e<strong>in</strong>zig verbliebenen<br />
Schiffe dieses Typs im Arsenal<br />
der US NAVY.<br />
Für die SALVAGEs charakteristisch s<strong>in</strong>d die<br />
beiden hohen Kranbäume auf dem Vorschiff<br />
bzw. am Ende des kompakten Aufbautenblocks.<br />
Ebenso <strong>in</strong>s Auge fallen die jeweils<br />
zwei, beidseits unter den Brückennocks<br />
gestauten knallroten Ankerbojen sowie die<br />
umfangreichen Rollensysteme an Bug und<br />
Heck, die die auf den W<strong>in</strong>den aufgetrommelten<br />
Trossen führen. Die Schiffe s<strong>in</strong>d<br />
weltweit und dank ihres eisverstärkten Unterwasserrumpfes<br />
selbst <strong>in</strong> arktischen Gebieten<br />
e<strong>in</strong>setzbar. Mit e<strong>in</strong>er Länge von 78 m<br />
und e<strong>in</strong>er Breite von 15,5 m verdrängen sie<br />
bei e<strong>in</strong>em Tiefgang von 4.7 m 3300 ts.<br />
Der Antrieb besteht aus vier Caterpillar-Dieselmotoren<br />
mit <strong>in</strong>sgesamt<br />
4.200 PS, die auf zwei<br />
Wellen mit Propellern <strong>in</strong> Kortdüsen<br />
wirken. GRASP erreicht<br />
damit e<strong>in</strong>e maximale Geschw<strong>in</strong>digkeit<br />
von 15 kn, die Reichweite<br />
liegt bei 8000 sm mit 12 kn.<br />
Die Elektronik beschränkt sich<br />
auf e<strong>in</strong> Navigationsradar (SPS-<br />
64) und die auf NAVY-Schiffen üblichen<br />
Kommunikationsantennen, meist unter Radoms<br />
versteckt. Auch e<strong>in</strong>e Bewaffnung zur<br />
Selbstverteidigung <strong>in</strong> Form von vier leichten<br />
Masch<strong>in</strong>engewehren ist vorhanden, allerd<strong>in</strong>gs<br />
normalerweise nicht sichtbar.<br />
Wichtiger ist allerd<strong>in</strong>gs die aufgabenspezifische<br />
Ausrüstung. Fahrunfähige oder gestrandete<br />
Schiffe müssen vor der Bergung<br />
Technische Daten des Orig<strong>in</strong>als<br />
Länge 78 m<br />
Breite<br />
15,5 m<br />
Verdrängung 3200 ts voll ausgerüstet<br />
bei Tiefgang 4,7 m<br />
Antrieb 4200 PS vier Caterpillar-Dieselmotoren<br />
auf zwei Wellen mit Propellern<br />
<strong>in</strong> Kortdüsen<br />
Geschw<strong>in</strong>digkeit 15 kn<br />
Fahrbereich 8000 sm (12 kn)<br />
Bewaffnung 4 Masch<strong>in</strong>engewehre<br />
Besatzung 100 (6 Offiziere, 94 Mannschaften)<br />
oft noch abschleppbereit gemacht werden.<br />
Dazu ist unter Deck (für den Modellbauer<br />
also eigentlich unwesentlich) e<strong>in</strong>e weite<br />
Palette von Ausrüstung vorhanden, die von<br />
Schweiß- und Schneidewerkzeugen über<br />
transportable elektrische und hydraulische<br />
Generatoren bis h<strong>in</strong> zu Lenzpumpen reicht.<br />
Zum Abschleppen des Havaristen ist unter<br />
dem h<strong>in</strong>teren Kran und für den Modellbauer<br />
bis auf zwei Luken nicht sichtbar, e<strong>in</strong>e automatische<br />
Doppeltrommelw<strong>in</strong>de vorhanden.<br />
Jede Trommel trägt 910 m lange 57-mm-<br />
Trossen. Nicht zu vergessen ist der Antrieb,<br />
der e<strong>in</strong>en Pfahlzug von max. 68 t aufbr<strong>in</strong>gt.<br />
Für Arbeiten an gesunkenen Objekten verfügt<br />
GRASP über umfangreiche Tauchausrüstungen,<br />
mit der Menschen bis <strong>in</strong> 60 m<br />
Tiefe gut arbeiten können. Auch e<strong>in</strong>e Dekompressionskammer<br />
ist vorhanden, falls<br />
beim Tauchen e<strong>in</strong>mal etwas schief laufen<br />
sollte. Zum Heben gesunkener Objekte<br />
können die beiden Ladebäume e<strong>in</strong>gesetzt<br />
werden, wobei der vordere 7,5 t und der h<strong>in</strong>tere<br />
40 t heben kann. Ist der Patient noch<br />
schwerer, so können über die Bug- und<br />
Heckrollen bis zu 300 t gehoben werden.<br />
Zur Brandbekämpfung verfügt GRASP über<br />
drei manuell zu bedienende<br />
Löschmonitore und zwar je<br />
e<strong>in</strong>en auf der vorderen und<br />
h<strong>in</strong>teren Signalbrücke sowie<br />
e<strong>in</strong>en auf dem Vordeck.<br />
Sie können 3.800 l/m<strong>in</strong> Seewasser,<br />
aber auch Schaum<br />
versprühen, der Vorrat an<br />
Schaummittel beträgt 14000 l.<br />
Das alles bedient e<strong>in</strong>e Besatzung<br />
bestehend aus 6 Offizieren<br />
und 94 Mannschaften.<br />
GRASP ist, wie bereits erwähnt,<br />
die zweite E<strong>in</strong>heit der<br />
vier Schiffe zählenden SAL-<br />
VAGE-Klasse. Sie wurde am<br />
30.3.1983 auf der Peterson Builders Werft<br />
<strong>in</strong> Sturgeon Bay (Wiscons<strong>in</strong>) auf Kiel gelegt.<br />
Der Stapellauf erfolgte am 2.5.1985 und die<br />
Indienststellung am 14.12.1985. Die Geschichte<br />
der GRASP ist also lang und es<br />
würde zu weit führen, alle Unternehmungen<br />
aufzulisten. Oft war GRASP an Hebungen<br />
abgestürzter Militärflugzeuge beteiligt, aber<br />
auch an der des Privatflugzeugs, mit dem<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 31
Blick <strong>in</strong>s Modell<strong>in</strong>nere bei<br />
abgenommenen Aufbauten<br />
Die Rumpfschichten. Zu erkennen ist rechts auch der<br />
Weißblech-Vorsteven<br />
Fertiger Schichtbaurumpf ohne aufgeklebte Decks<br />
der Sohn von John F. Kennedy im Jahr 1999<br />
vor Martha’s V<strong>in</strong>eyard <strong>in</strong>s Meer stürzte,<br />
ebenso bei der Hebung des Wracks e<strong>in</strong>es<br />
TWA-Verkehrsflugzeugs im Jahre 1996<br />
vor Long Island. Der Heimathafen ist Little<br />
Creek <strong>in</strong> Virg<strong>in</strong>ia.<br />
Im Januar 2006 wurde GRASP von der<br />
NAVY dem Military Sealift Command (MSC)<br />
übergeben. Vor das ARS kam damit noch<br />
e<strong>in</strong> T und das Schiff erhielt e<strong>in</strong>e blau-gelbe<br />
Kam<strong>in</strong>b<strong>in</strong>de. Die Besatzung besteht seither<br />
zum größten Teil aus Zivilisten.<br />
Die Namen der SALVAGE-Klasse nehmen<br />
Bezug auf ihre Tätigkeit, also GRASP für<br />
„Greifen“ oder „Fassen“.<br />
Das Modell<br />
Kompatibel mit me<strong>in</strong>er übrigen Modellflotte<br />
ist ARS-51 GRASP e<strong>in</strong>e Holzkonstruktion<br />
im Maßstab 1:200. Mit Abmessungen von<br />
39 x 7,8 x 21,5 cm zählt sie also eher zu den<br />
M<strong>in</strong>i-Modellen. Zur Verbesserung der Tragfähigkeit<br />
wurde deshalb der Tiefgang leicht<br />
auf 2,8 cm erhöht (im Plan ist der Orig<strong>in</strong>altiefgang<br />
gestrichelt e<strong>in</strong>gezeichnet), was zu<br />
e<strong>in</strong>er Verdrängung von rund 580 g führt,<br />
ansonsten wären es nur 410 g gewesen.<br />
Die Konstruktion basiert auf e<strong>in</strong>er vergrößerten<br />
Seitenansicht aus dem Buch Seemacht<br />
USA, Band 2 von S.Terzibaschitsch<br />
(Bernhard & Graeffe-Verlag, 1982) sowie<br />
e<strong>in</strong>er Reihe von Bildern aus dem Internet,<br />
die vor allem auch für die Rekonstruktion<br />
der Draufsicht nötig waren.<br />
Der Antrieb besteht aus zwei Billigmotoren<br />
aus ausgeschlachteten<br />
elektrischen Zahnbürsten,<br />
die über Schlauchkupplungen<br />
an zwei 2-mm-Wellen gekuppelt<br />
s<strong>in</strong>d. Die zu den Wellen<br />
Breite<br />
gehörenden 14-mm-Vierblattpropeller<br />
(Selbstbau aus Mess<strong>in</strong>gblech)<br />
laufen <strong>in</strong> Kortdüsen.<br />
Gesteuert wird das Modell<br />
mit me<strong>in</strong>er 433-MHz-Fernsteuerung.<br />
Über e<strong>in</strong>e passende<br />
Antrieb<br />
Programmierung wird bei Ruder-Vollausschlag<br />
der jeweils<br />
Blick auf Antrieb und Ruder mit<br />
Anlenkung<br />
kurven<strong>in</strong>nere Antriebsmotor umgepolt, so<br />
dass das Modell sehr wendig ist. Für die<br />
Stromversorgung von Antrieb und Steuerungselektronik<br />
dienen vier NiMH-Zellen<br />
(Typ AAA) mit 800 mAh. Der Antriebsakku<br />
kann über e<strong>in</strong>e vierpolige Buchse (aus<br />
e<strong>in</strong>em IC-Sockel), die auf der Steuerbordseite<br />
h<strong>in</strong>ter dem Fallreep versteckt ist, geladen<br />
werden. Die Buchse dient gleichzeitig<br />
mittels Kurzschlussstecker als Hauptschalter.<br />
Als Umpolschutz ist dazu der zweite Pol<br />
zugelötet, die Pole 1 und 3 liegen am Akku,<br />
Pol 4 am Netz. Werden dann Pol 3 und 4<br />
mittels Kurzschlussstecker verbunden, ist<br />
das Modell e<strong>in</strong>geschaltet.<br />
E<strong>in</strong>e Überwachungse<strong>in</strong>heit Marke Eigenbau<br />
kontrolliert den Ladezustand des Akkus,<br />
evtl. Wassere<strong>in</strong>bruch sowie die RC-Signalgüte<br />
und signalisiert Grenzwert-Über- oder<br />
Unterschreitungen durch verschiedene<br />
Morsesignale mit den beidseits auf den<br />
Brückennocks aufgestellten Signalsche<strong>in</strong>werfern<br />
(superhelle 3-mm-LEDs).<br />
Der Rumpf entstand <strong>in</strong> Schichtbauweise,<br />
d. h. er besteht aus e<strong>in</strong>er Bodenplatte<br />
aus 2-mm-Sperrholz, fünf Schichten aus<br />
10-mm-Balsa (unter dem Arbeitsdeck im<br />
Heckbereich s<strong>in</strong>d es nur vier) und e<strong>in</strong>em<br />
2 mm starken Sperrholzdeck. Zur Verstärkung<br />
des Bugbereichs ist e<strong>in</strong> Vorsteven<br />
aus Weißblech e<strong>in</strong>geklebt. Zur leichteren<br />
Modellierung des Rumpfknicks, der von der<br />
Bugspitze bis fast zur Schiffsmitte reicht, ist<br />
dieser Teil zusätzlich mit 1-mm-Sperrholz<br />
beplankt, das vere<strong>in</strong>facht beim Abschleifen<br />
der Schichtstufen dessen Ausarbeitung.<br />
Im Bugbereich sowie um den heckseitigen<br />
Arbeitsbereich hat das Schiff e<strong>in</strong> Schanzkleid<br />
aus 1-mm-Sperrholz, das zwecks<br />
besseren Biegens vor dem Anbr<strong>in</strong>gen e<strong>in</strong>ige<br />
Zeit gewässert und vor dem Trocknen<br />
vorgebogen wurde. Zur Darstellung des<br />
gewölbten Heckbereichs wurde 3-mm-<br />
Balsa h<strong>in</strong>terklebt, das dann leicht <strong>in</strong> die gewünschte<br />
Form geschliffen werden konnte.<br />
Durch e<strong>in</strong>e Öffnung unter dem abnehmbaren<br />
Deckshaus ist der Rumpf zugänglich.<br />
Die beiden käuflichen 4-mm-Stevenrohre<br />
mit 2-mm-Wellen enden <strong>in</strong> Kortdüsen mit<br />
16 mm Innendurchmesser, die e<strong>in</strong>fach von<br />
e<strong>in</strong>em Alurohr abgesägt und an den Schnittkanten<br />
noch etwas abgerundet wurden.<br />
Sie werden durch mit den Stevenrohren<br />
verlötete Mess<strong>in</strong>gbleche zentriert und s<strong>in</strong>d<br />
darüber h<strong>in</strong>aus über e<strong>in</strong>en kurzen Sperrholzsteg<br />
mit dem Rumpf verklebt.<br />
Die 14-mm-Vierblatt-<br />
Propeller s<strong>in</strong>d Eigenbauten<br />
Technische Daten des Modells<br />
aus Mess<strong>in</strong>gblech.<br />
Um e<strong>in</strong>e unschöne Öffnung<br />
Länge 39 cm<br />
im Arbeitsdeck über dem<br />
7,8 cm<br />
Ruderkoker zu vermeiden,<br />
Höhe ü. a. 21,5 cm<br />
steuert e<strong>in</strong> M<strong>in</strong>iservo das<br />
Verdrängung 580 g (tatsächlich, voll ausgerüstet)<br />
Ruder über e<strong>in</strong>en <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />
410 g (maßstäblich)<br />
2-mm-Mess<strong>in</strong>grohr geführten<br />
bei Tiefgang 2,8 cm<br />
Federstahldraht an, der unter<br />
Geschw<strong>in</strong>digkeit 0,4 m/sec<br />
2 x E-Motor direkt auf zwei<br />
der Wasserl<strong>in</strong>ie direkt an der<br />
2-mm-Wellen,<br />
P<strong>in</strong>ne des Ruderblatts e<strong>in</strong>gehängt<br />
wird. Der Ruderkoker<br />
14-mm-Vierblattpropeller <strong>in</strong> Kortdüsen<br />
NiMH-Akku, 4,8 V/800 mAh (4 x AAA)<br />
selbst besteht folglich nur<br />
Sonderfunktionen ke<strong>in</strong>e<br />
32 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 33<br />
Diese Zeichnung kann als Datei kostenlos unter welz@neckar-verlag.de angefordert werden
aus e<strong>in</strong>er M3-E<strong>in</strong>schlagmutter, <strong>in</strong> die e<strong>in</strong>e<br />
als Ruderwelle dienende M3-Schraube<br />
e<strong>in</strong>geschraubt wird. Das Ruder ist e<strong>in</strong> <strong>in</strong><br />
Profilform geschliffener Vertikalschichtbau<br />
aus 2-mm-Sperrholz (<strong>in</strong>nen) mit e<strong>in</strong>geklebter<br />
und seitlich auf 2 mm Länge abgefeilter<br />
M3-Schraube sowie zwei Schichten<br />
1-mm-Sperrholz. Da der Mess<strong>in</strong>grohraustritt<br />
im Modell<strong>in</strong>neren über der Wasserl<strong>in</strong>ie<br />
liegt, ist diese Art der Ruderanlenkung<br />
wasserdicht.<br />
Die beiden Schl<strong>in</strong>gerkiele s<strong>in</strong>d, bezogen auf<br />
das Orig<strong>in</strong>al, etwas vergrößert worden, um<br />
die Schwimmstabilität des Modells zu verbessern.<br />
Sie bestehen aus 2-mm-Sperrholz<br />
und s<strong>in</strong>d konisch zugespitzt.<br />
Der Aufbautenblock hat drei Decks und<br />
ist e<strong>in</strong>e Schachtelkonstruktion aus 1-mm-<br />
(Wände) und 2-mm-Sperrholz (Decks),<br />
die auch noch durch Spanten aus 10-mm-<br />
Balsa zusammengehalten wird. Gekrönt<br />
wird er durch e<strong>in</strong>en Kam<strong>in</strong> aus e<strong>in</strong>em Balsastück.<br />
Dessen Boden und Dach wurden<br />
aus 2-mm-Sperrholz ausgesägt, wodurch<br />
das Schleifen des Balsas sehr erleichtert<br />
wird. Auf dem Kam<strong>in</strong>dach wurden schräge<br />
2-mm-Löcher gebohrt, <strong>in</strong> die kurze 2-mm-<br />
Alurohrstücke als Abgasabzüge e<strong>in</strong>geklebt<br />
wurden. Die je zwei Lüftergitter beidseits<br />
des Kam<strong>in</strong>s habe ich auf selbstklebender<br />
Klarsichtfolie ausgedruckt und nach der<br />
Endlackierung an den entsprechenden Stellen<br />
angebracht.<br />
Zur Verglasung der Brückenfenster kam<br />
Klarsichtfolie zum E<strong>in</strong>satz, wobei die Fensterstege<br />
mit Farbe und Reißnadel aufgemalt<br />
wurden. Die Fenster im h<strong>in</strong>teren<br />
Deckshausbereich s<strong>in</strong>d aufgeklebte Briefkarton-Rechtecke,<br />
die später mit me<strong>in</strong>er<br />
bewährten Methode, d. h. mit schwarz getrübtem<br />
Klarlack auf weißem Untergrund,<br />
übermalt wurden. Die Bullaugen auf den<br />
Deckshausseitenwänden s<strong>in</strong>d 2-mm-Hohlniete,<br />
die <strong>in</strong> die entsprechenden Bohrungen<br />
e<strong>in</strong>geklebt wurden. Die Zugänge s<strong>in</strong>d ebenfalls<br />
aus Briefkarton, haben Türangeln aus<br />
kurzen Litzenstücken und angedeutete Vorreiber<br />
aus Kartonstreifen.<br />
Der Dreibe<strong>in</strong>mast entstand aus Federstahldraht<br />
und 1-mm-Sperrholz für die Plattformen.<br />
Das vordere durchgehende Be<strong>in</strong><br />
ist dabei aus 1,2-mm-, die beiden h<strong>in</strong>teren<br />
Abstützungen aus 0,8-mm-Draht. Das<br />
Hauptbe<strong>in</strong> trägt auf der Spitze e<strong>in</strong> Radom<br />
aus Rundholz, e<strong>in</strong> weiteres Radom steht<br />
auf der unteren Plattform. Die Rahe ist e<strong>in</strong><br />
1,2-mm-Federstahldraht, der unter die obere<br />
Plattform geklebt wurde. Die beiden Plattformen<br />
werden durch e<strong>in</strong>zügige Rel<strong>in</strong>gs aus<br />
Heftklammern gesichert, die Rahe hat e<strong>in</strong>e<br />
Fußrel<strong>in</strong>g aus demselben Material.<br />
Bereiche des Vorschiffes sowie die Decks<br />
des Deckshauses s<strong>in</strong>d durch Rel<strong>in</strong>gs gesichert,<br />
für die ich Streifenrel<strong>in</strong>g (5 mm) verwendet<br />
habe. Auf beiden Brückennocks ist<br />
<strong>in</strong> den Frontnischen je e<strong>in</strong>e rote bzw. grüne<br />
LED e<strong>in</strong>gebaut, die als E<strong>in</strong>schaltkontrolle für<br />
das Bordnetz verwendet werden. Darüber<br />
h<strong>in</strong>aus s<strong>in</strong>d beidseits der Brücke die schon<br />
erwähnten Signalsche<strong>in</strong>werfer für das Modellüberwachungssystem<br />
aufgestellt.<br />
Dem Aufgabengebiet des Orig<strong>in</strong>als folgend,<br />
besteht die sichtbare Ausrüstung vor allem<br />
Das Rohbaumodell. Gut zu erkennen ist die Sperrholzbeplankung zur Erzeugung<br />
des Rumpfknicks und die Balsaverstärkung des Heckschanzkleides<br />
Hier ist die Aufbautenkonstruktion gut zu sehen<br />
Der Rohbau vor den Lackierarbeiten<br />
34 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
aus den beiden großen Ladebäumen, den<br />
beiden Beibooten <strong>in</strong>kl. der zugehörigen<br />
Davits, zwei kle<strong>in</strong>en Kränen sowie den vier<br />
großen Anker-Bojen.<br />
Die beiden Ladebäume bestehen aus 1,0-<br />
bzw. 1,2-mm-Federstahldraht, die zugehörigen<br />
Masten aus Sperrholz. Die Rollen des<br />
Ladegeschirrs s<strong>in</strong>d Plastikblöcke, die von<br />
e<strong>in</strong>em Ausflug <strong>in</strong> den historischen Schiffsmodellbau<br />
übrig geblieben s<strong>in</strong>d. Die Ladebäume<br />
stecken <strong>in</strong> Scharnieren aus Mess<strong>in</strong>grohr<br />
und können manuell geschwenkt<br />
sowie gehoben und gesenkt werden. Zur<br />
Ladebaumausrüstung zählen auch die W<strong>in</strong>den,<br />
die aus Zahnstochern (Trommelachsen),<br />
mittels Bürolocher ausgestanzten<br />
Kartonscheiben (Trommelseiten) und<br />
Sperrholzresten (W<strong>in</strong>denkörper) zusammengeklebt<br />
und am Fuß der Ladebäume<br />
aufgestellt s<strong>in</strong>d. Für die Kranseile habe ich<br />
dünne Litze von der Ladespule e<strong>in</strong>er defekten<br />
Zahnbürste abgewickelt. Sechs Bahnen<br />
dieses sehr dünnen Drahtes wurden<br />
dazu mit der Bohrmasch<strong>in</strong>e verzwirnt.<br />
Je e<strong>in</strong> rot gestrichener Löschmonitor ist auf<br />
e<strong>in</strong>er Plattform h<strong>in</strong>ter dem Kam<strong>in</strong> und vor<br />
der Brücke aufgestellt. Es s<strong>in</strong>d stark vere<strong>in</strong>fachte<br />
Konstruktionen aus Rundholz (4 mm)<br />
für den Monitorkörper, das Schaumrohr aus<br />
2-mm-Alurohr und e<strong>in</strong>em Nagel als Wasserrohr.<br />
E<strong>in</strong> Handgriff aus e<strong>in</strong>er Heftklammer<br />
vervollständigt das Monitormodell.<br />
Steuerbords hängt e<strong>in</strong> Verkehrsboot <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />
Davit aus Sperrholz, es ist e<strong>in</strong> kommerzielles<br />
Plastikmodell. Das LCVP (Land<strong>in</strong>g<br />
Craft Vehicle Personnel = Landungsboot<br />
Mannschaft) auf der Backbordseite entstand<br />
im Selbstbau aus Balsa und Sperrholz<br />
und hängt ebenfalls <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Davit aus<br />
Sperrholz.<br />
Die vier großen Ankerbojen s<strong>in</strong>d Drechselprodukte<br />
aus Rundholz. Weitere kle<strong>in</strong>e kugelförmige<br />
Bojen entstammen der Füllung<br />
e<strong>in</strong>es Sitzsacks und wurden ebenfalls rot<br />
angemalt. Zur Eigenrettung der Besatzung<br />
s<strong>in</strong>d auch automatisch aufblasende Rettungs<strong>in</strong>seln<br />
vorhanden, deren Aufbewahrungstonnen<br />
seitlich des Deckshauses<br />
festgezurrt s<strong>in</strong>d. Auf dem Modell s<strong>in</strong>d die<br />
Behälter wieder e<strong>in</strong>e Drechselarbeit aus<br />
4-mm-Rundholz.<br />
Da es sich um das Modell e<strong>in</strong>es Arbeitsschiffes<br />
handelt, s<strong>in</strong>d der Fantasie des Modellbauers<br />
bezüglich weiterer Ausrüstungsverfe<strong>in</strong>erung<br />
kaum Grenzen gesetzt. Bei mir<br />
kamen z. B noch e<strong>in</strong> paar farbige Gasflaschen<br />
an Bord.<br />
Farbgebung<br />
Wie für Holzrümpfe unabd<strong>in</strong>gbar, wurde der<br />
Rumpf e<strong>in</strong>er <strong>in</strong>tensiven Imprägnierung mit<br />
verdünntem Bootslack unterzogen. Dazu<br />
wurde der Lack <strong>in</strong> den Innenraum gegossen<br />
und e<strong>in</strong>e längere E<strong>in</strong>wirkzeit gewährt,<br />
außen dagegen öfters gep<strong>in</strong>selt, bis die<br />
Farbe wirklich tief <strong>in</strong>s Holz e<strong>in</strong>gedrungen<br />
war. Der Innenbereich erhielt dann e<strong>in</strong>en<br />
Anstrich mit e<strong>in</strong>er Restfarbe sowie unverdünntem<br />
Bootslack. Zur Fertigstellung des<br />
Modells erfolgte die abschließende Spritzlackierung<br />
mit seidenmatten Farben <strong>in</strong><br />
Rot für die Rumpfunterseite und Hellgrau<br />
(Dunstgrau) für die Überwasserpartien.<br />
Zwischen dem Rot des Unterwasserteils<br />
und dem Grau des Überwasserrumpfes<br />
gibt es e<strong>in</strong>en schwarzen Wasserpass von<br />
etwa 3 mm Breite, der mit Hilfe e<strong>in</strong>er Klebebandabdeckung<br />
gezogen wurde.<br />
Das Schiefergrau der Decks wurde mit dem<br />
P<strong>in</strong>sel aufgetragen, wobei die Abgrenzung<br />
zu den vertikalen grauen Wänden mit e<strong>in</strong>er<br />
Reißnadel (Zirkelkasten) nachgezogen<br />
wurde. Diese Reißnadel kam auch zur<br />
Erstellung der VERTREP-Absetzmarkierung<br />
(VERTical REPlenishment, d. h. vertikale<br />
Versorgung mittels Hubschrauber)<br />
auf dem Arbeitsdeck des Heckbereichs zur<br />
Anwendung.<br />
Die Kennnummer beiderseits des Bugs<br />
habe ich auf selbstklebender Klarsichtfolie<br />
ausgedruckt, ausgeschnitten und aufgeklebt.<br />
Der helle Innenteil wurde dann abschließend<br />
mit weißer Farbe ausgemalt.<br />
Fahrerprobung<br />
Die ersten Schwimmversuche samt Trimmung<br />
konnten noch <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Waschbecken<br />
stattf<strong>in</strong>den, für die ersten Fahrversuche<br />
reichte die Badewanne. Wegen des kalten<br />
und feuchten Frühl<strong>in</strong>gs- und Sommeranfangs<br />
verschob sich die Jungfernfahrt im<br />
E<strong>in</strong>satzgewässer dann noch bis weit <strong>in</strong> den<br />
Sommer.<br />
Auf dem Wasser macht das relativ kle<strong>in</strong>e<br />
Modell e<strong>in</strong>e gute Figur und das Fahrverhalten<br />
ist recht ansprechend. Natürlich ist<br />
das kle<strong>in</strong>e Schiffchen ke<strong>in</strong> Schwerwettermodell.<br />
Da das Freibord im Heckbereich<br />
mit Schanzkleid nur rund 2 cm beträgt und<br />
dieses nach achtern auch noch zwei Öffnungen<br />
hat, kann der Heckbereich schon<br />
e<strong>in</strong>mal nass werden, besonders wenn das<br />
Modell zurücksetzt.<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 35
Motorschiffe<br />
In diesem Bericht möchte ich<br />
me<strong>in</strong> Modell des Schnellbootes<br />
vom Typ S-100 der<br />
ehem. Kriegsmar<strong>in</strong>e vorstellen.<br />
Als Nachbau-Maßstab<br />
wählte ich 1:16, als Bauunterlage<br />
verwendete ich den Plan von Wischmeyer<br />
im Maßstab 1:25, den ich auf den<br />
von mir gewünschten Maßstab umrechnetet.<br />
Danach befasste ich mich mit der passenden<br />
Literatur und mit der Suche nach<br />
Fotomaterial, um dem Orig<strong>in</strong>al näher zu<br />
kommen. Der Wunsch nach e<strong>in</strong>em Großmodell,<br />
<strong>in</strong> dem sich dank se<strong>in</strong>er Größe auch<br />
e<strong>in</strong>ige Sonderfunktionen realisieren lassen<br />
würden, war der Grund für die Wahl des<br />
Maßstabes.<br />
Der Rumpf wurde <strong>in</strong> bekannter Weise auf<br />
e<strong>in</strong>er Kielleiste <strong>in</strong> Spantenbauweise erstellt,<br />
die Beplankung besteht aus 3-mm-Balsaholz,<br />
welches anschließend verschliffen und<br />
mit 160-g-Gewebe und Epoxidharz verstärkt<br />
wurde. Die Decks sowie die Aufbauten entstanden<br />
zum größten Teil aus Polystyrol.<br />
Zu Beg<strong>in</strong>n hatte das Boot zwei Wellenanlagen,<br />
an denen zwei Kfz-Lüftermotoren<br />
(Fahrspannung 24 Volt) Dienst taten. Da<br />
mir die Fahrleistungen damit aber noch<br />
nicht genügten, wollte ich zum ersten Mal<br />
Brushless-Motoren ausprobieren, auch<br />
wenn ich bislang mit diesem Motorentyp<br />
noch ke<strong>in</strong>e Erfahrungen sammeln konn-<br />
Thomas Döpke<br />
SCHNELLB O O T<br />
Typ S-100<br />
36 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
S-100 zusammen mit Kle<strong>in</strong>-Schnellboot LS 2 im selben Maßstab<br />
te. Ich bestellte mir also zwei Motoren mit<br />
je 650 Watt und 1650 m<strong>in</strong> -1 /Volt, zusätzlich<br />
kam e<strong>in</strong>e dritte Wellenanlage <strong>in</strong>s Boot, an<br />
die ich e<strong>in</strong>en Decaperm mit Getriebe anflanschte,<br />
welcher über e<strong>in</strong>en herkömmlichen<br />
Drehzahlsteller sowohl vorwärts als<br />
auch rückwärts laufen kann. Zur Ansteuerung<br />
der Brushless-Motoren auf den Außenanlagen<br />
verwendete ich nämlich je e<strong>in</strong>en<br />
„Flugregler“ (100 Ampere) mit nur e<strong>in</strong>er<br />
Regelrichtung. Als Fahr-Akkus stehen 3s-<br />
LiPos mit 11,1 Volt und e<strong>in</strong>er Kapazität von<br />
10 Ah zur Verfügung.<br />
Die erreichte Fahrleistung mit dieser Antriebsauslegung<br />
ist enorm, ich konnte e<strong>in</strong>e<br />
Höchstgeschw<strong>in</strong>digkeit von 20 km/h messen,<br />
wohlgemerkt für e<strong>in</strong> Modell mit e<strong>in</strong>er<br />
Länge von 205 cm, 25 cm Breite und e<strong>in</strong>em<br />
Gesamtgewicht von ca. 14 kg. Nur fliegen<br />
ist noch schöner!<br />
Bei dieser Art von Modellen kommen für<br />
mich seitdem nur noch Brushless-Motoren<br />
<strong>in</strong> Frage. Trotz der hohen Geschw<strong>in</strong>digkeit<br />
läuft das Modell sehr stabil und lässt sich<br />
sehr gut beherrschen.<br />
Sonderfunktionen<br />
Die 20-mm-Kanone im Bug lässt sich um<br />
360° drehen und die Torpedorohr-Klappen<br />
lassen sich über die Servos öffnen und<br />
schließen. Um die Torpedorohre funktionstüchtig<br />
zu gestalten, baute ich e<strong>in</strong>e revolverähnliche<br />
Apparatur e<strong>in</strong>, die über e<strong>in</strong> Servo<br />
abgefeuert werden kann. Als Munition dienen<br />
4-mm-Randzünder, die als Treibladung<br />
für 15-mm-Starenschreck-, Pfeifer- oder<br />
Ratter-Patronen dienen.<br />
Für den richtigen Sound habe ich e<strong>in</strong>en<br />
Lautsprecher (30-W-Tieftöner) unter dem<br />
Fußboden der offenen Brücke e<strong>in</strong>gebaut.<br />
Die Geräusche kommen von e<strong>in</strong>em MP3-<br />
Player, der dank 20-W-Verstärker genug Power<br />
an den Lautsprecher liefert. Nachdem<br />
ich mich mit vielen verschiedenen Soundeffekten<br />
befasst habe, entschied ich mich<br />
für die realistischen Klänge e<strong>in</strong>es Dieselmotors<br />
und von Artilleriefeuer und schnitt mir<br />
die Töne zu e<strong>in</strong>em passenden Soundtrack<br />
zusammen.<br />
Details<br />
Auf der Brücke bef<strong>in</strong>det sich e<strong>in</strong>e Antenne<br />
(Cuba 1a, auch „Fliege“ genannt) für das<br />
NAXOS-Funkmess-Beobachtungsgerät.<br />
Allgeme<strong>in</strong> lässt sich feststellen, dass die<br />
ehem. Kriegsmar<strong>in</strong>e den Alliierten <strong>in</strong> Bezug<br />
auf Radargeräte weit h<strong>in</strong>terher h<strong>in</strong>kte und<br />
nur sehr wenige Boote mit diesen Geräten<br />
ausgestattet wurden. Weit h<strong>in</strong>ten am Heck<br />
habe ich e<strong>in</strong>e sogenannte LMF (Luftm<strong>in</strong>e<br />
Typ F) nachgebaut. Um die 20-mm-Kanone<br />
herum habe ich die Munitions-Magaz<strong>in</strong>e<br />
kreisförmig angelegt, da ich dies auf Orig<strong>in</strong>albildern<br />
sehr gut erkennen konnte. Die<br />
Besatzung besteht „nur“ aus 15 Mann, da<br />
es sehr aufwendig war, diese <strong>in</strong> Eigenleistung<br />
herzustellen. Als Ausgangsmaterial<br />
nutzte ich e<strong>in</strong>en Wehrmachtssoldaten im<br />
Maßstab 1:16, der dann so bearbeitet wurde,<br />
dass aus ihm e<strong>in</strong> Mar<strong>in</strong>esoldat geschaffen<br />
wurde. Für jedes e<strong>in</strong>zelne Besatzungsmitglied<br />
nahm ich dann e<strong>in</strong>e Silikonform<br />
ab, welche mit Polyurethan ausgegossen<br />
wurde. Die daraus entstandenen Rohl<strong>in</strong>ge<br />
mussten nun noch von Hand entsprechend<br />
bearbeitet und anschließend fe<strong>in</strong> säuberlich<br />
und detailliert bemalt werden. Viele Beschlagteile<br />
des Bootes habe ich aus Bronze<br />
gegossen, so z. B. die Lippen und Poller.<br />
Abschließend möchte ich mich noch für die<br />
Hilfe des ehem. S-Bootfahrers, Herrn He<strong>in</strong>rich<br />
Polozcek, bedanken.<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 37
Motorschiffe<br />
Jeder Modellbauer kennt das: Im<br />
Laufe der Zeit wird der Fundus an<br />
Kle<strong>in</strong>- und Ersatzteilen immer größer,<br />
schließlich wird so ziemlich<br />
alles aufgehoben, weil man es ja noch mal<br />
brauchen könnte. So wandert im Laufe der<br />
Zeit sogar mal der e<strong>in</strong>e oder andere komplette<br />
Schiffsrumpf mit <strong>in</strong>s Lager.<br />
Bei mir lief das genauso. Von e<strong>in</strong>em Modellbaukollegen<br />
bekam ich den Rumpf des<br />
Hafendienstbootes FUCHS von Graupner.<br />
Auch er hatte ihn „irgendwoher“. Beim Deck<br />
hatte e<strong>in</strong>er der Vorbesitzer versucht, Platten<br />
<strong>in</strong> Riffelblechoptik aufzukleben. Wegen<br />
e<strong>in</strong>es falschen Klebers wurde das Ganze<br />
dann aber eher e<strong>in</strong> Wellblech … also wechselte<br />
der Rumpf mehrfach den Besitzer und<br />
landete schließlich <strong>in</strong> me<strong>in</strong>er Restekiste.<br />
Während e<strong>in</strong>es Kurzurlaubs <strong>in</strong> Hamburg<br />
hatte ich die Gelegenheit, mir das historische<br />
»Feuerlöschboot IV« aus nächster<br />
Nähe und ohne Abdeckplanen anzusehen.<br />
Natürlich machte ich auch jede Menge Fotos,<br />
man weiß ja nie, ob man sie nicht mal<br />
brauchen kann.<br />
Als das nächste Mal der Blick wieder auf<br />
den FUCHS-Rumpf fiel, begannen Überlegungen,<br />
was man damit wohl anstellen<br />
könnte. Nach dem Besuch der Graupner-<br />
Homepage war klar, dass das Modell nicht<br />
mehr im Programm war, also folgte die<br />
Suche nach Bildern oder sogar e<strong>in</strong>er Planzeichnung<br />
im Internet. Über e<strong>in</strong>en Forumse<strong>in</strong>trag<br />
kam ich <strong>in</strong> Kontakt zur Fa. Novanaut<br />
<strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>. Diese bietet verschiedene<br />
Frästeilesätze für den Rumpf des Schleppers<br />
POLLUX und des Kutters ANJA von<br />
Graupner an. Nach e<strong>in</strong>em Telefonat mit<br />
Herrn Meißner von Novanaut und dem Abgleich<br />
der Bestellnummern der Ersatzrümpfe<br />
<strong>in</strong> e<strong>in</strong>em alten Graupner-Katalog war klar,<br />
dass auch die FUCHS auf diesem Rumpf<br />
aufgebaut worden war.<br />
Nico Peter<br />
F E U E R L Ö S C H B O O T<br />
FEUERWEH<br />
oder: Was alles so<br />
<strong>in</strong> der Bastelkiste liegt<br />
Der Inhalt des Umbausatzes<br />
Zusammen mit den Nachwirkungen des<br />
Besuchs <strong>in</strong> Hamburg war damit der Startschuss<br />
für das neue Projekt gefallen: E<strong>in</strong>e<br />
FEUERWEHR IV im Maßstab 1:35 auf Basis<br />
des FUCHS-Rumpfes. Der Frästeilesatz<br />
38 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Das alte Deck ist aus<br />
dem Tiefziehteil<br />
herausgetrennt<br />
R IV<br />
wurde bestellt und e<strong>in</strong>ige Tage später traf<br />
e<strong>in</strong> Briefumschlag mit drei Fräsplatten e<strong>in</strong>.<br />
Zwischenzeitlich hatte ich zusätzlich jede<br />
Menge Bilder aus dem Netz „gesaugt“,<br />
um so auch e<strong>in</strong> wenig Detaillierung <strong>in</strong> den<br />
W<strong>in</strong>zl<strong>in</strong>g br<strong>in</strong>gen zu können. Zusammen<br />
mit den eigenen Fotos sollte also e<strong>in</strong>e gute<br />
Basis vorhanden se<strong>in</strong>. Erfreulicherweise lag<br />
den Frästeilen auch e<strong>in</strong>e CD mit e<strong>in</strong>igen bekannten<br />
und unbekannten Fotos sowie der<br />
Bauanleitung <strong>in</strong> pdf-Form bei. Diese wurde<br />
erst mal gründlich studiert. Der Frästeilesatz<br />
selbst enthält alle Aufbauteile oberhalb des<br />
Decks. Beschläge, Ausrüstungsgegenstände<br />
etc. gehören nicht zum Lieferumfang,<br />
daher wendet sich dieser Umbausatz auch<br />
eher an den geübten Modellbauer.<br />
Der Rumpf<br />
Beim vorliegenden Rumpf hatte ich zum<br />
e<strong>in</strong>en das „wellige Problem“ des Decks,<br />
zum anderen ist das Deck e<strong>in</strong> Tiefziehteil,<br />
welches auf dem Rumpfwulst, sprich der<br />
späteren Scheuerleiste, am Rumpf aufgesetzt<br />
werden sollte. Daher war auch bereits<br />
der Rumpfteil über dem Wulst vom Vorbesitzer<br />
abgeschnitten worden. Bezüglich des<br />
somit fehlenden Schanzkleides hatte ich<br />
nun also die Möglichkeit, dieses aus Polystyrolplatten<br />
komplett neu zu bauen oder zu<br />
versuchen, das alte Deck aus dem Tiefziehteil<br />
herauszutrennen, um so den restlichen<br />
bereits vorgeformten Teil nutzen zu können.<br />
Ich entschied mich erst e<strong>in</strong>mal für die zweite<br />
Variante. Mit e<strong>in</strong>em stabilen Skalpell g<strong>in</strong>g<br />
das auch recht gut und e<strong>in</strong>fach. In der Folge<br />
wurde das Teil an die neue Schiffsform angepasst.<br />
Da die Back nun nicht mehr erhöht<br />
war, mussten die Stufe und damit der vordere<br />
obere Teil weg, gleichzeitig durfte die<br />
Schanz am Bug nicht mehr nach <strong>in</strong>nen fallen,<br />
sondern musste senkrecht stehen. Mit<br />
e<strong>in</strong>em Höhenanreißer wurde nun die Höhe<br />
des neuen Schanzkleides rundherum angezeichnet.<br />
Da das neue Schanzkleid – bis<br />
auf den ganz vorderen Bereich, der ja auch<br />
im Frästeilesatz enthalten ist – parallel zum<br />
Deck verläuft, stellt dies überhaupt ke<strong>in</strong><br />
Problem dar. Als Kompromiss wählte ich<br />
dabei die ger<strong>in</strong>gste vorhandene (Material-)<br />
Höhe. Diese f<strong>in</strong>det sich an dem Übergang<br />
zur früher erhöhten Back. Zum Ausschneiden<br />
reicht dann e<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>fache Lexanschere,<br />
denn das ABS-Material weist hier e<strong>in</strong>e Stärke<br />
von nur 0,6 mm auf.<br />
Nun konnte das Deck aus dem Frästeilesatz<br />
das erste Mal provisorisch e<strong>in</strong>gepasst werden.<br />
Dank der exakt passenden Teile der<br />
Fa. Novanaut waren nur ger<strong>in</strong>gste Nacharbeiten<br />
im Bugbereich notwendig. Im Anschluss<br />
konnte das Schanzkleid als Ganzes<br />
wieder auf den Rumpf geklebt werden.<br />
Unter der Auswertung verschiedener Fotos<br />
konnten nun die Öffnungen für die Trossenklüsen<br />
e<strong>in</strong>gebracht werden. Es folgte<br />
der E<strong>in</strong>bau der Innereien <strong>in</strong> den Rumpf.<br />
Welle und Ruder waren bei me<strong>in</strong>em Exemplar<br />
bereits e<strong>in</strong>gebaut, folglich g<strong>in</strong>g es nur<br />
um die Positionierung von Akku, Steller und<br />
Empfänger. Gleichzeitig sollte aber auch<br />
noch Platz für mögliche Sonderfunktionen<br />
bleiben, ich denke hier an e<strong>in</strong>en funktionierenden<br />
Löschmonitor. Als Fahrakku dient<br />
e<strong>in</strong> sechszelliger NiMH-Pack mit e<strong>in</strong>er Kapazität<br />
von 1400 mAh, dieser liegt längs direkt<br />
vor dem Motor im Rumpf. Das Lenkservo<br />
f<strong>in</strong>det auf der Backbordseite neben dem<br />
Akku se<strong>in</strong>en Platz, Steller und Empfänger<br />
werden auf der gegenüberliegenden Seite<br />
positioniert. So bleibt also noch Platz für die<br />
spätere Wasserpumpe des Löschmonitors.<br />
Gewichtsmäßig gibt es hier auch ke<strong>in</strong>e Probleme,<br />
denn weitere 46 g Gewicht mussten<br />
noch <strong>in</strong> den Bug des Modells, um es wieder<br />
auf die Wasserl<strong>in</strong>ie zu br<strong>in</strong>gen.<br />
Aufbau<br />
Die Herstellung des Aufbaus aus den Frästeilen<br />
bedarf eigentlich ke<strong>in</strong>er größeren<br />
Worte. Die beiliegende Anleitung ist mit ihren<br />
Fotos sehr verständlich und da es sich<br />
im Wesentlichen um gerade Platten bzw.<br />
Teile handelt, stellt die Fixierung im rechten<br />
W<strong>in</strong>kel eigentlich ke<strong>in</strong>en Modellbauer vor<br />
e<strong>in</strong>e besonders große Herausforderung.<br />
Bei der Detaillierung sieht es da schon wieder<br />
etwas anders aus. Lüftergitter, Halterungen<br />
für Bootshaken und Rettungsr<strong>in</strong>ge<br />
sowie die Abschlussleiste des hölzernen<br />
Teils des Steuerhauses sollten vor dem<br />
Lackieren gleich mit angebracht werden.<br />
Servo und Akkubox<br />
kommen <strong>in</strong>s Schiff<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013<br />
39
Der Aufbau entsteht<br />
Stellprobe<br />
Noch im Rohzustand werden die<br />
„Holzleisten“ angebracht<br />
Die besagte Abschlussleiste unterhalb der<br />
Fenster entstand aus e<strong>in</strong>em Plattenrest<br />
des Frästeilesatzes und wurde mit e<strong>in</strong>em<br />
Leistenschneider gefertigt. Die Halterungen<br />
der Rettungsr<strong>in</strong>ge und die Bootshaken<br />
entstanden dagegen aus Resten von ABS-<br />
Röhrchen. Diese wurden dazu auf die erforderliche<br />
Breite der jeweiligen Halterung<br />
abgelängt und anschließend habe ich etwa<br />
e<strong>in</strong> Drittel aus dem so entstandenen R<strong>in</strong>g<br />
herausgetrennt. Durch die leichte Federwirkung<br />
des ABS-Materials lassen sich die<br />
Rettungsr<strong>in</strong>ge – übrigens auch Teile aus der<br />
Restekiste – e<strong>in</strong>fach e<strong>in</strong>clipsen und müssen<br />
nicht festgeklebt werden. Landanschlüsse,<br />
Lüftergitter und außen liegende Rohrleitungen<br />
werden mit kle<strong>in</strong>en ABS-Plättchen<br />
bzw. Drahtstücken imitiert. Alle Details, die<br />
später die Farbe des Aufbaus tragen werden,<br />
habe ich schon vor dem Lackieren angebracht.<br />
Die vordere Kajüte wird ebenfalls gemäß<br />
Anleitung zusammengebaut und dann an<br />
das Vordeck bzw. an die vordere Schanz<br />
angepasst. Hierzu musste im Bugbereich<br />
e<strong>in</strong>iges an Material entfernt werden, was<br />
jedoch an me<strong>in</strong>em selbst modellierten<br />
Bugbereich lag, denn ansonsten s<strong>in</strong>d alle<br />
Teile des Frästeilesatzes sehr passgenau.<br />
Die e<strong>in</strong>zige Ausnahme ist das Dach des<br />
Steuerhauses, denn dieses ist aufgrund<br />
der Dachwölbung um 2 mm zu kurz. Doch<br />
die Fräsplatten bieten genug Restmaterial,<br />
um dieses Rechteck e<strong>in</strong>fach neu auszuschneiden.<br />
Die Ausrüstung<br />
Die Leitern entstehen als<br />
Demonstration auf<br />
der Messe<br />
E<strong>in</strong> besonderer Blickfang auf dem Orig<strong>in</strong>al<br />
ist der stets polierte Löschmonitor. Dieser<br />
sollte natürlich auch me<strong>in</strong> Modell zieren<br />
und, wenn möglich, sogar funktionieren.<br />
Ich wählte daher aus der Restekiste e<strong>in</strong><br />
genügend langes Stück Mess<strong>in</strong>grohr mit<br />
e<strong>in</strong>em Durchmesser von 2 mm. Dieses wurde<br />
ausgeglüht und anschließend entsprechend<br />
gebogen. Die Flansche entstanden<br />
aus ABS-Rohrscheiben, als Material für<br />
den Griff kam e<strong>in</strong> Zahnstocher zum E<strong>in</strong>satz.<br />
Die Düse des Monitors entstand aus<br />
e<strong>in</strong>em ausgedienten F<strong>in</strong>el<strong>in</strong>er. Alles passte,<br />
doch der Druck der verwendeten Pumpe,<br />
die sich auch noch <strong>in</strong> der besagten Restekiste<br />
befand, war e<strong>in</strong>fach zu stark. Trotz Sicherung<br />
rutschte der Schlauch immer beim<br />
E<strong>in</strong>schalten vom Monitor ab und so wurde<br />
das Wasser direkt <strong>in</strong>s Boot gepumpt ... Kurzerhand<br />
habe ich den Löschmonitor wieder<br />
ausgebaut und durch e<strong>in</strong>e nicht funktionsfähige<br />
Attrappe ersetzt. Der „funktionierende<br />
Löschmonitor“ steht nun wieder auf dem<br />
„to-do-Zettel“ und wartet auf se<strong>in</strong>en Wiedere<strong>in</strong>bau<br />
mit e<strong>in</strong>er anderen Pumpe oder e<strong>in</strong>er<br />
anderen Schlauchbefestigung.<br />
E<strong>in</strong> weiteres deutliches Erkennungsmerkmal<br />
des Bootes s<strong>in</strong>d die an der Rel<strong>in</strong>g des<br />
Monitordecks angehängten Steckleiterteile.<br />
Während des aktiven Betriebs des Bootes<br />
waren diese unter Deck im heutigen Mannschaftsraum<br />
untergebracht. Mit dem Umbau<br />
zum aktiven Museumsboot kamen sie aus<br />
40 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Begegnung auf der „Elbe“<br />
<strong>in</strong> der „Kle<strong>in</strong>en Sächsischen<br />
Schweiz“ <strong>in</strong> Wehlen<br />
dekorativen Gründen dann an Deck. Der<br />
Versuch, diese vier Leiterteile aus Holzleisten<br />
herzustellen, brachte nicht das optimale<br />
Ergebnis. Glücklicherweise bot sich auf<br />
e<strong>in</strong>er der größeren Modellbaumessen e<strong>in</strong><br />
alter Bekannter an, mir mal die E<strong>in</strong>fachheit<br />
des von se<strong>in</strong>em Arbeitgeber entwickelten<br />
CAD-Programms zu zeigen. Erstaunlicherweise<br />
entstand <strong>in</strong> weniger als fünf M<strong>in</strong>uten<br />
die Zeichnung für e<strong>in</strong>e maßstabsgerechte<br />
Leiter. Da ihn das Fräsen der filigranen<br />
Holme und Sprossen dann doch reizte und<br />
gleichzeitig e<strong>in</strong> anderer Kunde nach dem<br />
schrittweisen Tiefenfräsen fragte, wurden<br />
die Daten der Leiter kurzerhand an die<br />
aufgebaute Fräse geleitet. Das Ergebnis,<br />
welches wenige M<strong>in</strong>uten später aus der<br />
Fräse genommen werden konnte war fantastisch.<br />
Aber ich brauchte ja vier dieser<br />
Leitern ... Na ja, für e<strong>in</strong>en kle<strong>in</strong>en Obolus<br />
<strong>in</strong> die Kaffeekasse konnte ich am Nachmittag<br />
des Messetages dann<br />
me<strong>in</strong>e vier Leitern <strong>in</strong> Empfang<br />
nehmen. Danke noch e<strong>in</strong>mal<br />
an dieser Stelle an He<strong>in</strong>er Vogelsang<br />
von der Fa. Megatech Länge<br />
Software GmbH.<br />
Breite<br />
Da die FEUERWEHR IV bei<br />
ihren heutigen Fahrten fast Gewicht<br />
immer Gäste an Bord hat, Motor<br />
wurde im Zuge von Restaurierungen<br />
auch die achterliche Bezugsquellen<br />
Sitzbank mehrfach erneuert.<br />
Bei me<strong>in</strong>em Modell entstand<br />
sie aus dem Rest e<strong>in</strong>er Polystyrolplatte.<br />
Dazu wurden die<br />
Maße direkt am Modell abgenommen und<br />
auf die Platte übertragen. Entsprechende<br />
Stützen kamen darunter und schon war<br />
die Sitzbank fertig. Allerd<strong>in</strong>gs sollte man<br />
darauf achten, die Bank nicht direkt auf<br />
die achterliche Luke zu kleben, denn sonst<br />
kommt man an die Anlenkung zum Ruder<br />
nur noch mit Gewalt heran. Die Bullaugen<br />
stammen allesamt ebenfalls aus der Restekiste<br />
und verleihen mit ihrer Mess<strong>in</strong>gfarbe<br />
dem Modell e<strong>in</strong> nostalgisches Aussehen.<br />
Besonders auffällig am Orig<strong>in</strong>al s<strong>in</strong>d jedoch<br />
die Schriftzüge. Da gibt es nicht<br />
nur den Schiffsnamen am Bug, sondern<br />
auch e<strong>in</strong>ige andere Schilder und Tafeln.<br />
Vorlagen hierzu hatte ich anhand der verschiedensten<br />
Fotos genug und so war es<br />
nicht weiter schwierig, die Schriftzüge und<br />
Technische Daten<br />
360 mm<br />
125 mm<br />
608 g<br />
SPEED 280 mit<br />
Untersetzungsgetriebe 2:1<br />
Frästeilesatz Aufbau bei<br />
www.Novanaut.de<br />
Tafeln mittels Powerpo<strong>in</strong>t® am Computer<br />
entstehen zu lassen. Gleichzeitig entstand<br />
auch e<strong>in</strong>e Reihe von Flaggen und Fahnen,<br />
denn auf ihren Ausfahrten ist die FEUER-<br />
WEHR IV stets reich beflaggt. Besonders<br />
auffällig hierbei ist mittschiffs die Flagge<br />
von Blohm & Voss, die im Rahmen e<strong>in</strong>er<br />
Partnerschaft immer wieder Platz, Masch<strong>in</strong>en<br />
und Know-how für Wartungsarbeiten<br />
zur Verfügung stellt. Alle Grafiken wurden<br />
dann auf e<strong>in</strong>em A4-Blatt zusammengefasst<br />
und <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Copyshop mittels Laserdruck<br />
auf e<strong>in</strong>e wasserfeste Klebefolie gedruckt.<br />
Daheim g<strong>in</strong>g es dann mit Skalpell und<br />
Stahll<strong>in</strong>eal ans Ausschneiden. Nach dem<br />
Aufbr<strong>in</strong>gen der Dekors wurden diese dann<br />
zusätzlich noch e<strong>in</strong>mal mit e<strong>in</strong>er Schicht<br />
Klarlack versiegelt.<br />
Bei der Gestaltung der Bugverzierung mit<br />
dem Hamburger Wappen sollte ich mich<br />
anfangs etwas schwer tun, s<strong>in</strong>d doch filigrane<br />
P<strong>in</strong>selstriche nicht so ganz me<strong>in</strong><br />
D<strong>in</strong>g. Der Zufall wollte es so, dass me<strong>in</strong>e<br />
Frau ihrer Nageldesigner<strong>in</strong> von me<strong>in</strong>en<br />
Versuchen erzählte. Bereits e<strong>in</strong>en Tag<br />
später sollte ich das Boot zusammen mit<br />
e<strong>in</strong>em Foto der Ornamente mal im Nagelstudio<br />
vorbeibr<strong>in</strong>gen. Gesagt getan und <strong>in</strong><br />
weniger als 15 M<strong>in</strong>uten zauberte sie per<br />
Hand die Verzierungen nach der Fotovorlage<br />
auf me<strong>in</strong> Modell. Herrlich mit weiß<br />
und schwarz unterlegt, so dass die fe<strong>in</strong>en<br />
Striche dreidimensional ersche<strong>in</strong>en. E<strong>in</strong>fach<br />
e<strong>in</strong>e tolle Arbeit.<br />
Pünktlich zum Term<strong>in</strong> des Hochsee-Segelns<br />
<strong>in</strong> Leogang war das Boot dann fahrbereit.<br />
Die Jungfernfahrt verlief problemlos<br />
und so konnte bereits bei e<strong>in</strong>er der ersten<br />
Ausfahrten e<strong>in</strong> erfolgreicher Rettungse<strong>in</strong>satz<br />
e<strong>in</strong>es M<strong>in</strong>i-Segelbootes auf dem Hotelteich<br />
verbucht werden.<br />
Als Modell „für mal so zwischendurch“ hat<br />
mir der Bau sehr viel Spaß gemacht. Ich<br />
habe e<strong>in</strong>e Menge gelernt und me<strong>in</strong>e Restekiste<br />
ist mal wieder aufgeräumt. Danke also<br />
an dieser Stelle an alle, die mich mit Ideen<br />
und Taten bei diesem kle<strong>in</strong>en Modell unterstützt<br />
haben. Und obwohl me<strong>in</strong>e FEUER-<br />
WEHR IV nur vorbildähnlich ist, ist sie doch<br />
auch schon im Ausland als e<strong>in</strong> bekanntes<br />
Schiff aus dem Hamburger Hafen erkannt<br />
worden.<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 41
Motorschiffe<br />
Siegfried Röhlig<br />
P R O V I A N T B O O T<br />
TIME IS MONEY<br />
Auf e<strong>in</strong>em Schaufahren <strong>in</strong> Krefeld<br />
stach me<strong>in</strong>er Frau e<strong>in</strong><br />
sehr schön gebautes Modell<br />
<strong>in</strong>s Auge: Es handelte sich<br />
um e<strong>in</strong> Proviantboot. Dabei er<strong>in</strong>nerte sie<br />
sich an ihre K<strong>in</strong>dheit und sie äußerte den<br />
Wunsch, ich möchte doch e<strong>in</strong>mal so e<strong>in</strong><br />
Schiff nachbauen. Proviantboote waren<br />
auch <strong>in</strong> ihrer Heimat am Niederrhe<strong>in</strong>, <strong>in</strong><br />
den Ruhrorter Häfen, sowohl auf dem<br />
Rhe<strong>in</strong> als auch auf sämtlichen Flüssen und<br />
Kanälen im E<strong>in</strong>satz.<br />
Besagtes Modell <strong>in</strong> Krefeld war vom holländischen<br />
Modellbaukollegen J. Engelen aus<br />
Venlo im Maßstab 1:20 gebaut worden. Ich<br />
stimmte zwar dem Wunsch me<strong>in</strong>er Frau zu,<br />
allerd<strong>in</strong>gs kam für mich e<strong>in</strong> Nachbau nur <strong>in</strong><br />
me<strong>in</strong>em „Stamm-Maßstab“ von 1:50 <strong>in</strong> Frage.<br />
Da es aber auch noch e<strong>in</strong> Fahrmodell<br />
werden sollte, wusste ich noch nicht, was<br />
da auf mich zukommen würde. Schließlich<br />
würde das Modell nur 238 x 74 mm groß<br />
werden. Ich entschied mich dennoch, die<br />
Herausforderung anzunehmen.<br />
Das Orig<strong>in</strong>al<br />
Diese Proviantboote waren sozusagen<br />
schwimmende „Tante-Emma-Läden“, die<br />
auf den Flüssen und Kanälen die Schiffer<br />
mit den zum täglichen Leben benötigten<br />
Waren versorgten. Folglich nannte man sie<br />
<strong>in</strong> Schifferkreisen oft auch Salami- oder Leberwurstkreuzer.<br />
Da heutzutage auf allen<br />
B<strong>in</strong>nenschiffen Kühlschränke und Kühltruhen<br />
vorhanden s<strong>in</strong>d und daher Lebensmittel<br />
nicht täglich frisch angeliefert werden<br />
Me<strong>in</strong> Modell im M 1:50 vor dem<br />
von J. Engelen im M 1:20<br />
42 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
müssen, verschwanden nach und nach diese<br />
kle<strong>in</strong>en Versorgungsboote von der Bildfläche.<br />
Das Proviantboot TIME IS MONEY<br />
wurde aber nicht wie die meisten se<strong>in</strong>er<br />
Kollegen verschrottet, sondern hat heute<br />
se<strong>in</strong>en Liegeplatz im Museumshafen von<br />
Rotterdam. Dort wird es von se<strong>in</strong>em letzten<br />
Besitzer, Herrn Wim van Hooren, weiterh<strong>in</strong><br />
betreut. Auch auf so mancher Veranstaltung<br />
<strong>in</strong> den Niederlanden ist es noch zu sehen.<br />
Das Boot wurde 1961/62 auf der Werft Elt<strong>in</strong>k/Mook<br />
(NL) gebaut und hat e<strong>in</strong>e Länge<br />
von 11,90 m bei e<strong>in</strong>er Breite von 3,70 m.<br />
von VossChemie. Dies verh<strong>in</strong>dert das Aufquellen<br />
der Spanten beim späteren Schleifen<br />
der Urform.<br />
Nach dem Aushärten des Harzes konnten<br />
die Zwischenräume mit Bauschaum ausgefüllt<br />
und der Rumpf grob überschliffen<br />
werden. Über diesen wurde nun e<strong>in</strong>e Lage<br />
Glasgewebe mit Epoxidharz auflam<strong>in</strong>iert.<br />
Wichtig: Auf Bauschaum nur mit Epoxidharz<br />
arbeiten, Polyesterharz löst Bauschaum<br />
auf! Nun konnte mit dem üblichen Schleifen<br />
und Spachteln des Urmodells begonnen<br />
werden. Zum Schluss wurde das Urmodell<br />
Urmodell und zweiteilige Negativform<br />
Der fertige Rumpfabzug<br />
auf dem Urmodell<br />
Frästeile<br />
Steuerhaus mit Mast<br />
Das Modell<br />
E<strong>in</strong>e Zeichnung mit den Seitenansichten<br />
sowie dem L<strong>in</strong>ien- und Spantenriss stellte<br />
mir der Modellbaukollege J. Engelen zur<br />
Verfügung, außerdem bekam ich noch e<strong>in</strong>ige<br />
Fotos vom Orig<strong>in</strong>al. Zuerst habe ich<br />
die Zeichnung auf den Maßstab von 1:50<br />
verkle<strong>in</strong>ert und zur weiteren Bearbeitung<br />
im Zeichenprogramm e<strong>in</strong>gescannt. Jetzt<br />
bekam ich erst e<strong>in</strong>e richtige Vorstellung<br />
h<strong>in</strong>sichtlich der Größe des zu bauenden<br />
Modells. Spätestens jetzt war klar, dass<br />
Leichtbau angesagt war. Nach dem E<strong>in</strong>scannen<br />
der Spanten konnte ich diese am<br />
PC nachzeichnen und e<strong>in</strong> CNC-Programm<br />
für me<strong>in</strong>e Fräsmasch<strong>in</strong>e erstellen, auf der<br />
die Spanten präzise entstanden. Auf das<br />
Baubrett (Hell<strong>in</strong>g) wurden mit der CNC-<br />
Fräsmasch<strong>in</strong>e Nuten e<strong>in</strong>gefräst, <strong>in</strong> denen<br />
die Spanten aufgestellt und ausgerichtet<br />
werden konnten. Die Spanten imprägnierte<br />
ich mit dem allen „Holzwürmern“ bekannten<br />
G4 (e<strong>in</strong> 1-Komponenten-Polyurethanharz)<br />
mit Hochglanzlack aus der Spraydose gespritzt.<br />
Unter e<strong>in</strong>er hellen Leuchtstofflampe<br />
konnte der fertige Rumpf jetzt h<strong>in</strong>sichtlich<br />
immer noch vorhandener Unebenheiten<br />
überprüft und diese beseitigt werden.<br />
Ich entschied mich für die Anfertigung e<strong>in</strong>er<br />
zweiteiligen Negativform, um beim späteren<br />
Ausformen des doch recht dünnen Rumpfes<br />
ke<strong>in</strong>e Schwierigkeiten zu bekommen. Die<br />
Trennnaht verläuft daher längs über den<br />
Rumpf. Nach dem Wachsen der Form und<br />
dem Auftragen des Trennmittels wurde nun<br />
erst die e<strong>in</strong>e und dann die zweite Hälfte der<br />
Negativform erstellt. Die eigentliche Rumpfschale<br />
lam<strong>in</strong>ierte ich dann mit je e<strong>in</strong>er Lage<br />
25-g- und 50-g-Gewebe ohne Deckschicht,<br />
denn Deckschichtharz ist für solch kle<strong>in</strong>e<br />
Rümpfe e<strong>in</strong>fach zu schwer. Nach dem Aushärten<br />
und Entformen kam der Rumpf auf<br />
die Waage, die bei ca. 15 g stehen blieb.<br />
Mit diesem Ergebnis war ich erst e<strong>in</strong>mal<br />
zufrieden.<br />
Jetzt konnte das zur Verfügung stehende<br />
Gesamtgewicht ermittelt werden. Dazu<br />
habe ich die Wasserl<strong>in</strong>ie angezeichnet und<br />
die Rumpfschale <strong>in</strong> e<strong>in</strong> Wasserbecken gesetzt<br />
und mit so viel Gewicht belastet, bis<br />
sie bis zur Wasserl<strong>in</strong>ie e<strong>in</strong>tauchte. Die Gesamtverdrängung<br />
lag bei 115 g, somit blieben<br />
nach Abzug der Gewichte für Fernsteuerung,<br />
Antriebse<strong>in</strong>heit und Rumpf noch ca.<br />
60 g für alles andere übrig. Zwar nicht viel,<br />
aber machbar.<br />
Für die Welle verwendete ich wieder<br />
1,5-mm-VA Rundmaterial, das ich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />
Kohlefaser-Stevenrohr lagerte. Nach E<strong>in</strong>bauen<br />
des Stevens mit Welle und der Ruderanlage<br />
konnte bereits das Deck mit dem<br />
8 mm hohen Süllrand e<strong>in</strong>geklebt werden.<br />
Das Deck besteht aus zwei Lagen, und zwar<br />
aus e<strong>in</strong>em Bl<strong>in</strong>ddeck aus 0,5-mm-Polystyrol<br />
und e<strong>in</strong>zelnen Strukturplatten, die auf<br />
dieses aufgeklebt s<strong>in</strong>d. Nach Anbr<strong>in</strong>gen der<br />
Scheuerleisten und der Berghölzer hatte<br />
der Rumpf doch e<strong>in</strong>e erstaunlich gute Stabilität.<br />
Den Antriebsmotor, es ist e<strong>in</strong> Mikromotor<br />
ED12 von der Firma „1:87-Modellbau“,<br />
habe ich noch mit e<strong>in</strong>em selbst gedrehten<br />
Kühlkörper versehen und mit e<strong>in</strong>em Tropfen<br />
Heißkleber im Rumpf befestigt. Mittels e<strong>in</strong>er<br />
Gummikupplung ist er mit der Schiffswelle<br />
verbunden. Um e<strong>in</strong> E<strong>in</strong>dr<strong>in</strong>gen von Wasser<br />
<strong>in</strong> den Schiffsrumpf zu verh<strong>in</strong>dern, habe ich<br />
am Stevenrohr im Rumpf<strong>in</strong>neren e<strong>in</strong> 10 x 10<br />
mm großes Vierkantrohr aufgeklebt, durch<br />
diesen mit Fett gefüllten Kasten läuft dann<br />
die Schiffswelle.<br />
Beim Modell verzichtete ich auf den Innenausbau<br />
mit z. B. Regalen und Schränken,<br />
da ich Angst hatte, dass sich der Schwerpunkt<br />
des Modells dadurch zu weit nach<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 43
Der Mittelteil des Aufbaus<br />
wird <strong>in</strong> Form gedrückt<br />
Baugruppen des Aufbaus<br />
Modell im Rohbau<br />
Bierkisten<br />
Lattenroste<br />
Gemüsekisten<br />
oben verschieben würde. Außerdem spielte<br />
natürlich das vorgegebene Gesamtgewicht<br />
e<strong>in</strong>e große Rolle. Für den Aufbau verwendete<br />
ich 0,5-mm-Polystyrol. Alle Teile habe<br />
ich erst am PC gezeichnet und dann auf<br />
der CNC-Fräsmasch<strong>in</strong>e ausgefräst. Da bei<br />
den mir zur Verfügung stehenden Zeichnungen<br />
ke<strong>in</strong>e Draufsicht der Aufbauten<br />
vorhanden war, hatte ich zwar leichte Probleme<br />
beim Bau des Steuerhauses,<br />
aber nach dem<br />
dritten Anlauf passte alles.<br />
Es kommt halt schon mal<br />
vor, dass man nur für die<br />
Abfalltonne baut.<br />
Der mittlere Teil des Aufbaus<br />
besteht aus e<strong>in</strong>em Mantel,<br />
der an den Längsseiten abgerundet<br />
ist. Diesen Mantel<br />
fertigte ich aus e<strong>in</strong>em Stück.<br />
Auf der CNC-Fräse habe ich<br />
dann alle Bohrungen und benötigten<br />
Schlitze e<strong>in</strong>gefräst,<br />
auch die Rollläden auf der<br />
Backbordseite s<strong>in</strong>d gleich<br />
mit e<strong>in</strong>gefräst worden. Um<br />
den flachen Mantel nun <strong>in</strong><br />
se<strong>in</strong>e endgültige Form zu bekommen, baute<br />
ich mir e<strong>in</strong>e Schablone. Nach Erwärmen<br />
des Materials konnte ich dieses mit e<strong>in</strong>em<br />
Stempel <strong>in</strong> die Form drücken und nach<br />
Erkalten des Polystyrols hatte der Mantel<br />
se<strong>in</strong>e U-Form. An den beiden Enden und <strong>in</strong><br />
der Mitte setzte ich noch je e<strong>in</strong>en schmalen<br />
Spant e<strong>in</strong>.<br />
Alle Teile wurden übrigens an geeigneten<br />
Stellen mit kle<strong>in</strong>en Zapfen versehen, das erleichterte<br />
die Montage der e<strong>in</strong>zelnen Teile.<br />
Zum Verkleben der Polystyrolteile verwende<br />
ich nur UHU-plast, denn bei der Verarbeitung<br />
von Sekundenkleber musste ich feststellen,<br />
dass dieser das Material versprödet.<br />
Die Handläufe fertigte ich aus 0,8-mm-Polystyrol-Rundstäben<br />
an. Auch beim Herstellen<br />
der vielen anderen Kle<strong>in</strong>teile wurde aus<br />
Gewichtsgründen nur Polystyrol<br />
verwendet. Diese Teile<br />
habe ich aber erst nach dem<br />
Lackieren montiert. Da ich<br />
auch alle Kle<strong>in</strong>teile mit dünnen<br />
Stiften versehe, können<br />
diese dann mit etwas Kleber<br />
<strong>in</strong> den dafür vorgesehenen<br />
Bohrungen befestigt werden.<br />
Die Holzroste auf den Dächern<br />
entstanden aus dünnem<br />
Furnier (Schweizer Birne),<br />
ich fräste sie <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />
Stück aus und die Fugen<br />
zwischen den e<strong>in</strong>zelnen<br />
Latten wurden mit e<strong>in</strong>em<br />
0,8-mm-Fräser ausgefräst.<br />
Nach dem Aufkleben der<br />
Blick <strong>in</strong>s Innere bei<br />
abgenommenem<br />
Aufbau<br />
unteren Querlatten können die e<strong>in</strong>zelnen<br />
Latten dann mit der Fe<strong>in</strong>säge auf Länge<br />
gebracht werden. Durch diese Baumethode<br />
s<strong>in</strong>d die Abstände zwischen den e<strong>in</strong>zelnen<br />
Latten (0,8 mm) immer gleich.<br />
Nun war es an der Zeit, an die Lackierung zu<br />
denken. Da die bislang von mir bevorzugten<br />
Airbrush-Email-Color-Farben von Revell<br />
nicht mehr im Programm s<strong>in</strong>d, griff ich nach<br />
Rücksprache mit Revell auf die neuen Acryl-<br />
Farben auf Wasserbasis („Aqua Color“) zurück.<br />
Nach e<strong>in</strong>igen Probelackierungen war<br />
die anfängliche Skepsis schnell verflogen,<br />
denn die Vorteile der neuen Lacke haben<br />
mich überzeugt: Mit nur wenig Farbe bekommt<br />
man schon e<strong>in</strong>e gut deckende Farbschicht<br />
auf das zu lackierende Teil. Auch die<br />
Trocknungszeit von ca. e<strong>in</strong>er Stunde ist her-<br />
44 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Das Modell bei der Versorgung<br />
e<strong>in</strong>es „Kunden“<br />
vorragend, man kann sofort erneut wieder<br />
abkleben und weiter lackieren. Zum Verdünnen<br />
benutze ich ke<strong>in</strong> Wasser, sondern die<br />
für diese Farbe vorgesehene Verdünnung.<br />
Dadurch bekommt man e<strong>in</strong>en guten Verlauf<br />
der Farbe beim Lackieren. Auch das Re<strong>in</strong>igen<br />
der Spritzpistole ist ke<strong>in</strong> Problem. Da<br />
die Farbe ke<strong>in</strong>e Lösungsmittel mehr besitzt,<br />
ist diese auch geruchsneutral.<br />
Das Unterwasserschiff habe ich mit rotbrauner<br />
matter Farbe gespritzt, die Aufbauten<br />
s<strong>in</strong>d teils mit seidenmatter und teils mit<br />
hochglänzender Farbe lackiert. Den Farbton<br />
„M<strong>in</strong>ze“ für die beiden Decks des Aufbaus<br />
und für das den Rumpf umlaufende<br />
Signalband (Proviantboot) konnte ich nur<br />
durch Mischen herstellen. Nach e<strong>in</strong>igen<br />
Versuchen ist es mir dann auch gut gelungen.<br />
Nachdem alle Teile zu me<strong>in</strong>er Zufriedenheit<br />
lackiert waren, konnte mit der<br />
Montage begonnen werden. Als Letztes<br />
wurden nun noch die e<strong>in</strong>zelnen Schiebebilder<br />
aufgebracht und mit Klarlack versiegelt.<br />
Die Schiebebilder fertigte ich mit e<strong>in</strong>er<br />
Decalfolie auf me<strong>in</strong>em Computer an. Nach<br />
dem Drucken der Folie lasse ich diese noch<br />
ca. e<strong>in</strong>en Tag ruhen, bevor sie mit Klarlack<br />
überlackiert wird. Für die Plane auf dem<br />
Dach besorgte ich mir von den Drachenbauern<br />
blauen Stoff.<br />
Da im Maßstab 1:50 im Zubehörhandel leider<br />
ke<strong>in</strong>e Gemüse- und Bierkisten zu bekommen<br />
s<strong>in</strong>d, stellte ich diese mit me<strong>in</strong>er<br />
CNC-Masch<strong>in</strong>e selber her. Bloß: Gemüsekisten<br />
ohne Inhalt sehen nicht gut aus,<br />
also musste ich mich nach geeignetem<br />
Gemüse im Maßstab 1:50<br />
umsehen. Es war nicht<br />
e<strong>in</strong>fach, aber im Gewürzregal<br />
me<strong>in</strong>er Frau wurde<br />
ich fündig: Mit e<strong>in</strong> bißchen<br />
Farbe konnte ich nun die<br />
e<strong>in</strong>zelnen Gemüsesorten<br />
„herstellen“. Die Nelken,<br />
die ich auf diese Weise<br />
zu „Blumenkohl“ umbaute,<br />
duften heute noch.<br />
Zum Schluss befestigte<br />
ich noch die Fender aus<br />
Autoreifen mit dünnen<br />
Seilen am Rumpf, diese<br />
fand ich zum Glück<br />
als Fertigteile bei den<br />
„1:87-Modellbauern“. Für<br />
den Antrieb des Modells sorgt der schon<br />
erwähnte Mikromotor MD12, der von e<strong>in</strong>em<br />
CTI-Drehzahlsteller „THOR 4“ angesteuert<br />
wird. Die Leistung dieses kle<strong>in</strong>en Stellers<br />
ist enorm, mit 4 A Dauerstrom, bei e<strong>in</strong>er<br />
Größe von nur 15 x 12 x 4 mm und se<strong>in</strong>em<br />
ger<strong>in</strong>gen Gewicht ist er ideal für solche<br />
Modelle. Für die Stromversorgung s<strong>in</strong>d vier<br />
NiMH-Zellen mit 400 mAh zuständig, der<br />
2,4-GHz-Empfänger R6004FF von Futaba<br />
wird vom BEC-System des Drehzahlstellers<br />
versorgt.<br />
Probefahrt<br />
Nachdem nun alle Teile montiert bzw. e<strong>in</strong>gebaut<br />
waren, wurde das fertige Modell auf<br />
die Waage gestellt: Sie zeigte 114 g an und<br />
ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis.<br />
Nach dem Aufladen der Akkus kam dann<br />
mit der Probefahrt auf unserem Gewässer<br />
die Stunde der Wahrheit. Mit e<strong>in</strong> bisschen<br />
Kribbeln <strong>in</strong> der Magengegend setzte ich<br />
das Proviantboot <strong>in</strong>s Wasser, das sehr stabil<br />
<strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Element lag und sich auch von<br />
leichtem Wellengang nicht bee<strong>in</strong>drucken<br />
ließ. Zeit, mit dem Proviantboot Fahrt aufzunehmen.<br />
Dabei zeigte es sich als sehr<br />
wendig und ließ sich sehr gut manövrieren,<br />
auch die Fahrzeit von ca. 40 m<strong>in</strong> geht <strong>in</strong><br />
Ordnung.<br />
Die Herausforderung, dieses Modell im<br />
Maßstab 1:50 als Fahrmodell zu bauen,<br />
konnte also bewältigt werden und auch<br />
me<strong>in</strong>e Frau war mit dem Ergebnis sehr<br />
zufrieden.<br />
Zum Schluss möchte ich mich noch beim<br />
Modellbaukollegen J. Engelen aus Venlo<br />
bedanken, der mir die Unterlagen zum Bau<br />
dieses Modells zu Verfügung gestellt hat.<br />
Den von ihm gezeichneten Modellbauplan<br />
kann man bei folgender Adresse bekommen:<br />
NVM-Teken<strong>in</strong>genarchief<br />
Paardskerkhofweg 14, Postbus 790<br />
NL-5201 AT ‘s-Hertogenbosch<br />
Tel. 003173-6240773<br />
E-mail: <strong>in</strong>fo@modelbouwers.nl<br />
www.modelbouwers.nl<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 45
VERANSTALTUNGEN<br />
27.<br />
SWISS<br />
MINI<br />
SAIL<br />
2013<br />
Peter Burgmann<br />
1 2<br />
3<br />
5<br />
46 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
4<br />
6<br />
Auf nach Bern, mal seh‘n, was<br />
es Neues gibt! Unter diesem<br />
Motto reiste ich mit me<strong>in</strong>er<br />
Frau zum Swiss M<strong>in</strong>i Sail-Treffen am 7. und<br />
8. September <strong>in</strong> die Schweiz. Am Samstag<br />
trafen nach und nach die M<strong>in</strong>i Sailors am<br />
Eglisee e<strong>in</strong>. Die Situation wird sehr schön<br />
vom diesjährigen Aufkleber beschrieben:<br />
„Ho, Corto, wach auf! Sie s<strong>in</strong>d wieder da.“,<br />
ruft darauf e<strong>in</strong>e Möwe dem am Strand<br />
ruhenden Corto Maltese zu.<br />
In se<strong>in</strong>er Begrüßungsrede bedankte sich<br />
Hansheiri Helfenste<strong>in</strong> im Namen aller Anwesenden<br />
bei Robert Savery für den Entwurf<br />
und die Herstellung des Aufklebers.<br />
An Franz Amonn, Stefan und Urs Streit und<br />
deren Familien g<strong>in</strong>g e<strong>in</strong> herzliches Dankeschön<br />
für die Möglichkeit, wieder den Hafen<br />
am Eglisee anlaufen zu können. Vom<br />
Ausrüster für traditionelle Schiffe und klassische<br />
<strong>Yacht</strong>en, der Fa. Toplicht <strong>in</strong> Hamburg,<br />
hatte ich großzügig Kataloge zur Verfügung<br />
gestellt bekommen, die ich dankenswerterweise<br />
verteilen konnte. Dieser Katalog bietet<br />
e<strong>in</strong>e schier unerschöpfliche Quelle an<br />
Details zur Ausstattung unserer M<strong>in</strong>i Sail-<br />
Modellschiffe, nämlich genau das, was ich<br />
dann auch exemplarisch vor die Kameral<strong>in</strong>se<br />
nahm: Schäkel, Mastbeschläge,<br />
Ausrüstungsgegenstände usw.<br />
So steht an Bord der »Mata´i« von Felix<br />
Wehrli zum Beispiel e<strong>in</strong> Putzeimer,<br />
auf dessen Rand e<strong>in</strong> Putzlappen zum<br />
Trocknen hängt (1). Auf dem im Maßstab<br />
1:10 gebauten Sard<strong>in</strong>ier halten schwere<br />
Ste<strong>in</strong>e die aufgeschossenen Taue<br />
auf den Belegnägeln fest (2). E<strong>in</strong> alter<br />
Franzose hat sich diesen Trick beim Umbau<br />
des Arbeitsschiffes zum Fahrtensegler ausgedacht.<br />
In dem Buch „Les Outils da la Mer“<br />
s<strong>in</strong>d se<strong>in</strong>e Planungen zu verschiedenen<br />
Riggs <strong>in</strong> Zeichnungen festgehalten, denn<br />
besagter Franzose war nicht nur Segler,<br />
sondern auch Maler, berichtete Felix.<br />
Direkt von der Nordseeküste waren Arye<br />
Penn<strong>in</strong>g und Dirk Hoogen angereist. Auf<br />
Aryes Skûtsje »Trouwe Hulp« konnte man<br />
die Ladung und deren Befestigung studieren<br />
(3). Während der Steuermann auf dem<br />
Modell das Gewässer vor sich im Auge hat,<br />
überwacht Arye ganz entspannt im H<strong>in</strong>tergrund<br />
das Geschehen (4). Se<strong>in</strong> Weg direkt<br />
von der Küste war nämlich am Eglisee noch<br />
nicht zu Ende, denn den Tag wollte er noch<br />
mit e<strong>in</strong>em von ihm zubereiteten Fischbuffet<br />
für e<strong>in</strong> paar Schweizer Freunde krönen.<br />
Dass Freunde manchmal die gleichen Gedanken<br />
haben, durften Franz und ich erfahren.<br />
Unabhängig vone<strong>in</strong>ander entstanden<br />
mehrere „Canot de 10 pieds“. Auf Basis unterschiedlicher<br />
Pläne reifen die im Orig<strong>in</strong>al<br />
nur 3,40 langen Boote <strong>in</strong> der Schweiz und<br />
auf me<strong>in</strong>er Werft. Als Maßstab wählten wir<br />
1:5, was 34 cm große Figuren und 68 cm<br />
lange Schiffsrümpfe ergibt (5). Urs Streit<br />
werkelt an der grün-weißen »Moustique«,<br />
die am weitesten fortgeschritten ist. Franz<br />
hat sich für die traditionelle Farbgebung<br />
schwarz-rotbraun mit weißer Bugzier entschieden<br />
(6). Se<strong>in</strong> Boot trägt den Namen<br />
»écume«, was „Schäumchen“ bedeutet. Von<br />
Gedanken zur Farbgebung b<strong>in</strong> ich noch weit<br />
entfernt, denn erst e<strong>in</strong>mal s<strong>in</strong>d die Rümpfe<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 47
7<br />
9<br />
8<br />
11<br />
12<br />
15 16<br />
17<br />
48 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
10<br />
13<br />
14<br />
dran. Der Steuermann auf der »Gwagennad«<br />
war derjenige, der am Samstag am<br />
meisten auf dem Wasser war. Unter strahlend<br />
blauem Himmel genoss er die ruhige<br />
Fahrt über den Eglisee, bei zarter Brise und<br />
meist spiegelglattem Wasser.<br />
Peter Ziegler gesellte sich mit se<strong>in</strong>er Scow<br />
Sloop »Target« dazu (7). Der flache kastenförmige<br />
Rumpf des amerikanischen<br />
Seglers ist prädest<strong>in</strong>iert für solche Wetterlagen.<br />
Mit frischen Brisen kommt me<strong>in</strong>e<br />
M<strong>in</strong>i-<strong>Yacht</strong> »Leo vom Asitz« klar. Sie ist im<br />
Maßstab 1:32 nur e<strong>in</strong>e Handvoll Schiff, wie<br />
man neben der 120 cm langen »Gwagennad«<br />
sehen kann (8). Urs Streit schipperte<br />
ganz geruhsam mit se<strong>in</strong>em Catboot »Breck<br />
Marshall« am Ufer entlang (9). Dieses Boot<br />
ist zwar auch im Maßstab 1:5 gebaut, aber<br />
e<strong>in</strong>e ganz andere Hausnummer als die „10<br />
Pieds“.<br />
Da der W<strong>in</strong>d sich eher rar machte, wurden<br />
umso mehr die Weiterentwicklungen<br />
am Ufer betrachtet. Robert Savery baut an<br />
e<strong>in</strong>em handlichen „Drachen“. Basis ist der<br />
bekannte Holz-Bausatz von bill<strong>in</strong>g boats<br />
(10). Holz ist auch der bevorzugte Werkstoff<br />
von Klaus Kreienbühl. Auf se<strong>in</strong>er Brigant<strong>in</strong>e<br />
»Raven« entsteht sogar die Ankerw<strong>in</strong>de daraus<br />
(11). E<strong>in</strong> Underhill-Plan dient ihm als<br />
Baugrundlage für das 1875 von Keefe auf<br />
den Pr<strong>in</strong>ce Edward Islands erbaute Schiff.<br />
Während außen an der »Kurun« von Urs<br />
Streit der Anstrich erneuert wird (12), durfte<br />
ich e<strong>in</strong>en Blick unter Deck werfen: Auf<br />
der Koje liegt das getrocknete Ölzeug bereit<br />
zum Verklaren <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em der Schränke<br />
(13). Die Öllampe spendet das nötige Licht<br />
zum Studium der an Bord bef<strong>in</strong>dlichen<br />
Bücher. Frisches Tr<strong>in</strong>kwasser kann <strong>in</strong> den<br />
<strong>in</strong> der Spüle bereitstehenden Pott gefüllt<br />
werden (14).<br />
Überhaupt die Lampen: Welche Vielfalt war<br />
da zu bestaunen! Peter Ziegler hatte das<br />
Topplicht der »Kurun« ebenfalls im Visier<br />
(15). Auf der »William Asburner« war die<br />
Hecklaterne sogar e<strong>in</strong>geschaltet (16). Auf<br />
Hansheiris »Elfe« gab es neben dem Topplicht<br />
(17) auch die Seitenlaternen (18) zu<br />
bestaunen. Das m<strong>in</strong>imalistischste Exemplar<br />
fand ich auf der »Charlie« von Jürg Blatter<br />
(e<strong>in</strong> Wehrli-Bau). Diese Laterne kam ganz<br />
ohne gewölbtes Glas oder e<strong>in</strong>e Schutzkonstruktion<br />
aus, war aber gegen Verdrehen<br />
gesichert (19). E<strong>in</strong>e tragbare Laterne der<br />
Luxusklasse stand neben dem Niedergang<br />
der »Mata´i« von Felix (20).<br />
18<br />
19<br />
20<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 49
21 22<br />
24<br />
25<br />
28<br />
50 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
23<br />
26 27<br />
Auch die historische Entwicklung von Lenzpumpen<br />
konnte auf den Modellschiffen<br />
nachvollzogen werden. Das älteste Modell<br />
bef<strong>in</strong>det sich an Bord der »Sunflower« (21).<br />
Diese 2-Mast-Brigg wurde 1840 als Schulschiff<br />
der Royal Navy <strong>in</strong> Dienst genommen<br />
und war 40 Jahre im E<strong>in</strong>satz, bevor sie<br />
sank. Jean-Claude Cornaz baute sie im<br />
Maßstab 1:24 nach. Das Modell br<strong>in</strong>gt 20<br />
kg auf die Waage, der fürs Segeln erforderliche<br />
Zusatzkiel wiegt noch e<strong>in</strong>mal 20 kg<br />
(22). Das Modell ist im wahrsten S<strong>in</strong>ne des<br />
Wortes e<strong>in</strong> Knaller, denn die »Sunflower«<br />
trägt zwölf funktionsfähige Geschütze. Die<br />
großen Jungs bekamen später sogar gezeigt,<br />
wie die Geschütze geladen und abgeschossen<br />
werden (23, 24).<br />
Statt kriegerischen Absichten diente die<br />
»Glow<strong>in</strong>gs Abought« dem Freizeitvergnügen<br />
im Jahre 1912 (25). Die Fahrten des<br />
prächtigen 30er-Schärenkreuzers dokumentiert<br />
Andrea Agazzi aus Zürich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />
orig<strong>in</strong>alen <strong>Yacht</strong>logbuch, vom Luxus der damaligen<br />
Zeit zeugen die fe<strong>in</strong>en Holzarbeiten<br />
im Cockpit des Modells (26)<br />
Ausgesuchten Luxus durften auch die Passagiere<br />
der Gaffelschaluppe »Margaretha«<br />
an der deutschen Nordseeküste genießen.<br />
Sie brauchten bei W<strong>in</strong>d und Wetter nicht<br />
an Deck auszuharren, denn für sie gab es<br />
e<strong>in</strong>e Kajüte mit e<strong>in</strong>em großzügigen Oberlicht<br />
(27). Ernst Tschanz vom Thunersee<br />
fertigte das über alles 120 cm lange Modell<br />
aus e<strong>in</strong>em 300 x 30 cm x 4 cm großen<br />
Mahagonibrett. Die Bäume entstanden aus<br />
dem Kernholz, aus dem außen liegenden<br />
Spl<strong>in</strong>tholz schnitt Ernst die Planken für das<br />
Deck (28).<br />
Und irgendwie war es dann schon wieder<br />
Sonntagnachmittag. Wir mussten uns auf<br />
den Heimweg machen, obwohl ich doch<br />
noch gar nicht alles gesehen, geschweige<br />
denn fotografiert hatte. So viel gab es<br />
da noch zu entdecken! Auf dem Heimweg<br />
stand schon fest, dass mich me<strong>in</strong> Weg auch<br />
im Spätsommer 2014 wieder nach Bern<br />
führen wird: Freunde treffen und weiter über<br />
die Details der Schiffe staunen!<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 51
RENNBOOTE<br />
Alexander<br />
Lülsdorf<br />
F1-Kat<br />
von Modellbaucenter Lorenz<br />
Es war wieder mal soweit, freier<br />
Platz im Modellbaukeller<br />
musste gefüllt werden. Ne<strong>in</strong>,<br />
Spaß beiseite, es war me<strong>in</strong><br />
Interesse an den F1-Booten, das mich<br />
diesen Rumpf kaufen ließ.<br />
Beim Stöbern im Internet war ich auf<br />
viele tolle Fotos von Orig<strong>in</strong>al-Formel-<br />
1-Kats gestoßen. Kurz danach fand ich<br />
nach e<strong>in</strong>iger Recherche die Lawless-<br />
Außenborder, die sich für 1,1 bis 1,5 m<br />
lange Modelle eignen sollten. Ab da<br />
war es klar, dass das nächste Modell<br />
e<strong>in</strong> F1-Kat werden sollte, natürlich mit<br />
„echtem“ Außenborder. Der von vielen<br />
favorisierte Inboard-Antrieb, bei dem<br />
der Außenborder folglich nur als Attrappe<br />
spazieren gefahren wird, geht<br />
nach me<strong>in</strong>em Dafürhalten halt gar<br />
nicht. Dann könnte ich ja auch gleich<br />
e<strong>in</strong>en Spr<strong>in</strong>tcat aufbauen. Gerade der<br />
Außenborder macht ja den technischen<br />
Reiz dieser Bootsklasse aus.<br />
Da ich mit dieser Art Antrieb aber noch<br />
gar ke<strong>in</strong>e Erfahrungen hatte, recherchierte<br />
ich <strong>in</strong> den e<strong>in</strong>schlägigen Internet-Foren<br />
nach Berichten über die Außenborder<br />
für diese Modellklasse. Bei den niederländischen<br />
Kollegen fand ich e<strong>in</strong>ige Modelle,<br />
die mit Außenbordern laufen, die ihre Kraft<br />
über Kegelräder <strong>in</strong>s Wasser br<strong>in</strong>gen. Das<br />
war mir h<strong>in</strong>sichtlich der Leistung nicht so<br />
ganz geheuer, da gefiel mir die Variante von<br />
14<br />
Der<br />
LAWLESS-<br />
Außenborder<br />
Lawless mit Kraftübertragung via Flexwelle<br />
doch wesentlich besser. Ich fand dann<br />
auch jemanden, der diese Antriebe hier <strong>in</strong><br />
Deutschland vertreibt und bestellte mir e<strong>in</strong>en<br />
solchen Außenborder.<br />
Die Flexwelle <strong>in</strong> diesem Antrieb hat e<strong>in</strong>en<br />
Biegeradius von ca. 80 Grad, wodurch sich<br />
der Verschleiß <strong>in</strong> Grenzen hält. Die Flexwelle<br />
läuft wie üblich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Teflonrohr,<br />
52 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
klar ist aber auch, dass die Welle bei diesem<br />
Biegeradius immer gut gefettet werden<br />
muss. Sprich nach jedem Fahren Welle<br />
raus, nachfetten und wieder e<strong>in</strong>bauen, das<br />
geht halt nicht anders, wenn man e<strong>in</strong>e ordentliche<br />
Standzeit der Welle erreichen will.<br />
Danach habe ich bei der Fa. Lorenz <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong><br />
e<strong>in</strong>en Rumpf bestellt, der <strong>in</strong>nerhalb von<br />
e<strong>in</strong>er Woche auf me<strong>in</strong>er Werkbank lag. Von<br />
der Fertigungsqualität und vor allem vom<br />
Gelcoat war ich begeistert, dieses Modell<br />
braucht ke<strong>in</strong>en Lack, das Gelcoat hat e<strong>in</strong>en<br />
1a-Zustand, so dass man fürs F<strong>in</strong>ish nur<br />
F1-Rumpf<br />
Fertig mit Dekor beklebter Rumpf<br />
Außenborder mit<br />
montierter Fliehkraftkupplung<br />
Aufbau machen. Was mir noch nicht so<br />
gefiel, war die Tatsache, dass der Außenborder<br />
serienmäßig über ke<strong>in</strong>e Fliehkraftkupplung<br />
verfügt. Ich telefonierte mehrmals<br />
den 1:5er-Tourenwagen fündig. Hier gab es<br />
e<strong>in</strong>e Kupplung von Lauterbach, die nur ca.<br />
35 mm hoch baute. Damit konnte die komplette<br />
Kupplungskonstruktion mit nur 50 mm<br />
Bauhöhe realisiert werden.<br />
Als die Kupplung angekommen<br />
war, wurde diese<br />
sofort zusammen mit<br />
dem Außenborder und<br />
e<strong>in</strong>er groben Skizze zu<br />
Werner geschickt. Dieser<br />
rief schon am übernächsten<br />
Tag an und sagte, er<br />
habe die Zeichnung so<br />
gut wie fertig. Danach<br />
konnten die Teile gefräst<br />
werden und nach nur e<strong>in</strong>e<strong>in</strong>halb<br />
Wochen hatte ich<br />
me<strong>in</strong>en Außenborder mit<br />
montierter Kupplung und<br />
Motor wieder zurück (danke<br />
Werner!). Apropos Motor:<br />
Als Treibl<strong>in</strong>g fungiert<br />
e<strong>in</strong> RCMK s254 mit e<strong>in</strong>er<br />
Leistung von ca. 4–5 PS.<br />
Als ich dann den kom-<br />
Detailansicht der<br />
Fliehkraftkupplung<br />
noch se<strong>in</strong> Wunschdekor aufkleben muss.<br />
Nur an der Deckelöffnung kam mir der<br />
Rumpf sehr „schwabbelig“ vor. Hier lam<strong>in</strong>ierte<br />
ich 4-mm-GfK-Platten mit der Seitenwand<br />
fest zusammen, ebenso lam<strong>in</strong>ierte ich<br />
noch e<strong>in</strong>e Lage Kohle-Armid-Gewebe über<br />
diesen Bereich. Auch am Heckspiegel lam<strong>in</strong>ierte<br />
ich noch e<strong>in</strong>e Lage Gewebe dazu.<br />
Jetzt konnte ich mir Gedanken über den<br />
mit Werner Dieckmann (www.WD200-<br />
Modellbau.de) und wir kamen beide zum<br />
Schluss, dass es möglich se<strong>in</strong> müsste, den<br />
Außenborder mit e<strong>in</strong>er Fliehkraftkupplung<br />
auszurüsten. Ich müsste nur e<strong>in</strong>e entsprechende<br />
Backenkupplung f<strong>in</strong>den, die so<br />
flach wie möglich bauen sollte. Diese Suche<br />
nahm sehr viel Zeit <strong>in</strong> Anspruch, aber<br />
letztlich wurde ich im RC-Carbereich bei<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 53
Außenborder zum ersten Mal<br />
am Heck montiert<br />
Blick <strong>in</strong> die RC-Box<br />
Montage der RC-Box im Modell<br />
Servosaver und Zwischenhebel<br />
pletten Außenborder provisorisch montierte,<br />
war ich von der geballten Technik am Heck<br />
echt überrascht. Das sah schon genial aus,<br />
vor allem, wenn man bedenkt, dass diese<br />
4 kg Technik sonst immer im Boots<strong>in</strong>neren<br />
verschw<strong>in</strong>den. Beim F1-Kat wird die Technik<br />
h<strong>in</strong>gegen sozusagen auf dem Silbertablett<br />
präsentiert.<br />
Als Nächstes machte ich mir Gedanken<br />
über die RC-Box, die Servokonfiguration<br />
und die Abgasführung am Außenborder.<br />
Die RC-Box habe ich von den Abmessungen<br />
her so geplant, dass sie im Pr<strong>in</strong>zip<br />
überall im Rumpf, zur Not sogar unter der<br />
Fahrerkanzel, unterkommen könnte. Ich<br />
wollte mir hier h<strong>in</strong>sichtlich des Trimms alle<br />
Möglichkeiten offen halten, da am Heck ja<br />
nun schon e<strong>in</strong>e Menge Gewicht zusammengekommen<br />
war. Die Box <strong>in</strong> me<strong>in</strong>er Wunschgröße<br />
fand ich wieder bei der Fa. Lorenz,<br />
ebenso die von mir favorisierten Servos. Bei<br />
den zwei Lenkservos handelt es sich um die<br />
HITEC 805MG, als Gasservo nahm ich e<strong>in</strong><br />
HITEC 311. Zusammen mit dem Empfängerakku<br />
und dem zu me<strong>in</strong>er Futaba FF-10-<br />
Anlage passenden Empfänger hatte ich nun<br />
alle RC-Komponenten zusammen.<br />
E<strong>in</strong>es Abends rief mich e<strong>in</strong> Bekannter an<br />
und erzählte mir, dass es <strong>in</strong> Südafrika jemanden<br />
gäbe, der Resonanzrohre speziell<br />
für die Lawless-Außenborder bauen würde.<br />
Nach e<strong>in</strong>er Internetrecherche und e<strong>in</strong>igen<br />
gewechselten E-Mails war alles klar und<br />
ich bestellte e<strong>in</strong>es dieser Resos. Kle<strong>in</strong>e<br />
moderne Welt: Viele tausend Kilometer von<br />
Deutschland entfernt baut da jemand speziell<br />
für mich e<strong>in</strong> Resorohr für me<strong>in</strong> Modell.<br />
Zwei Wochen später konnte ich me<strong>in</strong> Resorohr<br />
beim deutschen Zoll <strong>in</strong> Empfang nehmen<br />
und an me<strong>in</strong>en Außenborder montieren:<br />
Die Augenweide am Heck vergrößerte<br />
sich um e<strong>in</strong> weiteres Bauteil, das <strong>in</strong> anderen<br />
Booten auch meist komplett im Boots<strong>in</strong>neren<br />
verschw<strong>in</strong>det.<br />
In der Zwischenzeit hatte ich die Servos <strong>in</strong><br />
der RC-Box montiert und verkabelt. Normalerweise<br />
baue ich immer Gasgestänge<br />
<strong>in</strong> me<strong>in</strong>e Modelle e<strong>in</strong>, beim Außenborder<br />
war diesbezüglich aber e<strong>in</strong> Bowdenzug<br />
angesagt. Der muss aber erst e<strong>in</strong>mal, ordentlich<br />
befestigt, aus der Box heraus- und<br />
zum Außenborder geführt werden. Dafür<br />
nahm ich Mess<strong>in</strong>grohr und drehte bzw. fräste<br />
auch noch e<strong>in</strong>e Halterung, um das Rohr<br />
auf der Seitenwand nach h<strong>in</strong>ten Richtung<br />
Außenborder führen zu können. Anschließend<br />
wurden die Befestigungspunkte für<br />
die Schw<strong>in</strong>ggummis der RC-Box e<strong>in</strong>gebaut<br />
und danach alle Durchführungen und Verschraubungen<br />
mit Epoxidharz vergossen.<br />
Jetzt stellte sich die Frage, wie der Außenborder<br />
angelenkt werden sollte. Erste<br />
Versuche mit e<strong>in</strong>er Seilzugverb<strong>in</strong>dung und<br />
e<strong>in</strong>em Zwischenhebel befriedigten mich<br />
nicht. Spannte ich die Seilzüge e<strong>in</strong>igermaßen<br />
stramm an, brummten die Servos,<br />
sprich ihr Stromverbrauch wäre dauerhaft<br />
gesehen zu hoch gewesen, von der Belastung<br />
der Servos mal ganz zu schweigen.<br />
Spannte ich die Seilzüge etwas lockerer,<br />
ergab sich zu viel Spiel <strong>in</strong> der Anlenkung,<br />
was zu e<strong>in</strong>em sehr unexakten Steuerverhalten<br />
führen würde. Also musste doch<br />
e<strong>in</strong>e Anlenkung mit e<strong>in</strong>em Gestänge her.<br />
Da sich die RC-Box aber ca. e<strong>in</strong>en Meter<br />
vom Außenborder entfernt bef<strong>in</strong>det, musste<br />
das Gestänge e<strong>in</strong>erseits möglichst dünn<br />
und leicht, andererseits aber möglichst<br />
verw<strong>in</strong>dungssteif se<strong>in</strong>. Die Lösung waren<br />
Kohlefaserrohre mit 6-mm-Außen- und<br />
3-mm-Innendurchmesser, <strong>in</strong> die e<strong>in</strong> 3-mm-<br />
VA-Gew<strong>in</strong>destab passt. Perfekt, die Rohre<br />
wurden passend abgelängt, die Edelstahlstäbe<br />
von der Servoanlenkung bis zum Anlenkpunkt<br />
am Außenborder e<strong>in</strong>geschoben<br />
und mit Gabelköpfen versehen. Die ganze<br />
Konstruktion ist sehr leicht und das Kohlefaserrohr<br />
stabilisiert die langen VA-Stäbe, die<br />
ansonsten <strong>in</strong> dieser Länge viel zu weich für<br />
e<strong>in</strong>e Anlenkung des Außenborders gewesen<br />
wären.<br />
Zwischen dem von der Seilzuganlenkung<br />
noch verbliebenen Zwischenhebel und<br />
den Außenborder setzte ich e<strong>in</strong>en aus<br />
dem 1:5er-RC-Carbereich stammenden<br />
Servosaver. Diese Servosaver sorgen<br />
sonst dafür, dass grobe Schläge auf die<br />
Lenkachse e<strong>in</strong>es Fahrzeugs nicht bis zum<br />
Servo durchschlagen und dadurch die<br />
Servogetriebe zerstören können. Der E<strong>in</strong>bau<br />
solch e<strong>in</strong>es „Servo-Retters“ schien mir<br />
auch beim Außenborder-Kat e<strong>in</strong>e s<strong>in</strong>nvolle<br />
Sache zu se<strong>in</strong>.<br />
Jetzt musste ich noch die Gasanlenkung<br />
per Bowdenzug komplettieren. Der Trick an<br />
der Sache ist, die ganze Mimik so zu montieren,<br />
dass nicht bei jedem Lenke<strong>in</strong>schlag<br />
ungewollt Gas gegeben oder weggenommen<br />
wird. Das Hauptproblem stellte dabei<br />
die Vergaserbefestigung dar. Dadurch, dass<br />
der Vergaser an e<strong>in</strong>em Kunststoffisolator<br />
befestigt ist, musste ich die Gasanlenkung<br />
so montieren, wie es der Vergaser <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />
Position zuließ. Sprich man kann den<br />
Vergaser nicht beliebig drehen, da im erwähnten<br />
Isolator Luftkanäle verlaufen, die<br />
für die Unterdruckimpulse zwischen Motor<br />
und Vergaser benötigt werden.<br />
Nach gefühlt 326 durchdachten Versionen<br />
entschloss ich mich doch dazu, den Vergaser<br />
um 180 Grad zu drehen, um so mit<br />
dem Bowdenzug e<strong>in</strong>en geraden Weg Richtung<br />
RC-Box e<strong>in</strong>halten zu können. Um die<br />
nun ja verdrehte Unterdruckversorgung am<br />
Isolator wieder herzustellen, bohrte ich den<br />
Isolator <strong>in</strong> der Höhe des Unterdruckkanals<br />
an und setzte hier e<strong>in</strong>en M3-W<strong>in</strong>kelnippel<br />
Umlegung des Unterdruckkanals am<br />
Isolator<br />
54 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013<br />
Gasanlenkungshalterung am Motor
Die amerikanische „Airbox“<br />
funktioniert e<strong>in</strong>wandfrei<br />
e<strong>in</strong>. Auf der anderen Seite im Isolator verlief<br />
ebenfalls e<strong>in</strong> solcher Kanal, nur am Zyl<strong>in</strong>derkopf<br />
fehlte die Unterdruckbohrung. Also<br />
wurde auch dieser angebohrt und von dort<br />
mit e<strong>in</strong>em Silikonschlauch (auf dem Foto<br />
gelb) e<strong>in</strong> „Bypass“ gelegt. So sollte der<br />
Vergaser wieder die nötigen Unterdruckimpulse<br />
erhalten.<br />
Aus zwei W<strong>in</strong>kelstücken fertigte ich e<strong>in</strong>e<br />
Traverse, die ich zwischen Isolator und Vergaser<br />
klemmen konnte. Die andere Seite<br />
wurde mittels e<strong>in</strong>er Schraube starr fixiert.<br />
Hier bewegt sich also nichts mehr!<br />
Auf diese Traverse schraube ich zwei Kunststoffklipse<br />
<strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Abstand von ca. 40 mm.<br />
Nun drehte ich mir aus Alum<strong>in</strong>ium e<strong>in</strong>e<br />
Buchse, die ich von e<strong>in</strong>er Seite her mit 2 mm<br />
durchbohrte, die andere Seite bohrte ich<br />
mit e<strong>in</strong>em 5-mm-Bohrer auf. In diese 5-mm-<br />
Bohrung passt nun genau der Mantel des<br />
Bowdenzuges. Zusätzlich bohrte ich seitlich<br />
noch zwei um 90° versetzte M2-Gew<strong>in</strong>delöcher,<br />
durch die der Mantel mit zwei M2-<br />
Madenschrauben gegen Herausrutschen<br />
gesichert wird. Nun noch die Alubuchse an<br />
beiden Seiten auf den Durchmesser der<br />
Klipse abgedreht und dann konnte ich den<br />
Bowdenzug fertig vormontiert an se<strong>in</strong>e Wirkungsstelle<br />
„klipsen“. Um den über e<strong>in</strong>en<br />
Meter langen Bowdenzug so leichtgängig<br />
wie möglich zu machen, sprühte ich die bereits<br />
werksseitig teflonbeschichtete Seele<br />
auch noch mit e<strong>in</strong>em Teflon-Gleitspray e<strong>in</strong>.<br />
Der Bowdenzug lief nun wie <strong>in</strong> flüssiger<br />
Butter gelagert, fast ganz ohne Reibungswiderstand.<br />
Den Bowdenzugmantel fixierte ich lediglich<br />
an der RC-Box und <strong>in</strong> der oben beschriebenen<br />
Alubuchse, im restlichen Rumpf liegt<br />
er komplett frei und hat dadurch genug<br />
Platz, um sich h<strong>in</strong> und her zu bewegen.<br />
Nun fehlte nur noch e<strong>in</strong>e wichtige Sache,<br />
und zwar der Tank. Ich hatte über diverse<br />
Varianten nachgedacht, am Schluss fiel<br />
die Wahl aber auf e<strong>in</strong>en Tank von Lauterbach.<br />
Dieser viereckige Tank mit großer<br />
E<strong>in</strong>füllöffnung hatte den großen Vorteil,<br />
dass er mit e<strong>in</strong> wenig Luft genau zwischen<br />
die e<strong>in</strong>lam<strong>in</strong>ierten Seitenwände passte.<br />
L<strong>in</strong>ks und rechts neben dem Tank bleiben<br />
gerade 3–4 mm Platz. An die Tankposition<br />
klebte ich folglich an beiden Seiten 4-mm-<br />
Moosgummi. Jetzt konnte ich den Tank an<br />
der besagten Position e<strong>in</strong>fach von oben<br />
e<strong>in</strong>schieben und das Moosgummi klemmte<br />
ihn fest.<br />
Am nächsten Tag wurde der Tank gefüllt und<br />
der Motor konnte zum ersten Mal gestartet<br />
werden. Nach mehrmaligem Ziehen am<br />
Starter und Benz<strong>in</strong>ansaugen lief der Motor<br />
dann nach kurzem Hochdrehen stabil im<br />
Standgas. Bei kurzen Gasstößen nahm der<br />
Motor sauber Gas an, super. Die Fliehkraftkupplung<br />
schloss allerd<strong>in</strong>gs relativ spät,<br />
sprich erst bei deutlich erhöhter Drehzahl.<br />
Nun lies ich den Motor erst e<strong>in</strong>mal die 750<br />
ml im Tank im Leerlauf bei fettem Gemisch<br />
verzehren, auf gelegentliche Gasstöße reagierte<br />
er dennoch mit sofortigem sauberen<br />
Hochdrehen.<br />
Zeit für die erste Probefahrt.<br />
Fahrerprobung<br />
Bei e<strong>in</strong>em F1-Kat sollte man noch mehr auf<br />
W<strong>in</strong>d- und Wasserverhältnisse achten als<br />
bei e<strong>in</strong>em „normalen“ Kat oder gar e<strong>in</strong>em<br />
Mono. Wie nicht anders zu erwarten, spielte<br />
nach Fertigstellung des Modells das Wetter<br />
bzw. der W<strong>in</strong>d zwei Wochen lang überhaupt<br />
nicht mit. Als es endlich e<strong>in</strong>mal fast w<strong>in</strong>dstill<br />
war, g<strong>in</strong>g es am Spätnachmittag ans<br />
Rhe<strong>in</strong>ufer. Ja, der Rhe<strong>in</strong> ist nun auch nicht<br />
so unbed<strong>in</strong>gt das richtige Fahrgewässer für<br />
diese Art von Boot, aber das sollte schon<br />
irgendwie funktionieren.<br />
Ich wartete noch den Schwell des letzten<br />
B<strong>in</strong>nenfrachtschiffes ab und dann g<strong>in</strong>g es<br />
aufs Wasser. Die Wasserlage des Bootes<br />
war wie gewünscht, sprich h<strong>in</strong>ten genau<br />
an der Deckskante. Dank Fliehkraftkupplung<br />
konnte ich das Modell mit laufendem<br />
Motor problemlos <strong>in</strong>s Wasser legen, der Kat<br />
dümpelte und der Motor blubberte im Leerlauf<br />
vor sich h<strong>in</strong>. Mit langsamem Gasgeben<br />
suchte ich nach dem E<strong>in</strong>kuppelpunkt der<br />
Kupplung, dann noch mehr Gas, der Motor<br />
drehte sauber hoch und ruckzuck war<br />
der Rumpf im Gleiten und ließ sich herrlich<br />
manövrieren. Die ersten Runden wurden<br />
noch mit gebremstem Schaum absolviert<br />
und nach ca. 15 M<strong>in</strong>uten holte ich das Boot<br />
aus dem Wasser, um alles zu kontrollieren.<br />
Nach e<strong>in</strong>er genauen Durchsicht konnte ich<br />
ke<strong>in</strong>e Probleme oder Wasser im Boot feststellen.<br />
Also e<strong>in</strong>fach mal das GPS re<strong>in</strong>gelegt, um<br />
die jetzt erreichten Geschw<strong>in</strong>digkeiten aufzuzeichnen.<br />
Auf den ersten E<strong>in</strong>fahrrunden<br />
lag der Topspeed bei 58 km/h. Das ist natürlich<br />
noch nicht der Tempobereich, <strong>in</strong> den<br />
ich mal gelangen möchte, aber das Fahrbild<br />
entsprach schon genau dem, was ich<br />
mir von me<strong>in</strong>em F1-Kat vorgestellt hatte.<br />
Mittlerweile habe ich erst zwei Liter Sprit<br />
durchlaufen lassen, d. h. der Motor bef<strong>in</strong>det<br />
sich immer noch <strong>in</strong> der E<strong>in</strong>fahrphase<br />
mit e<strong>in</strong>em Standard-Prop (Graupner K-70).<br />
Jetzt stehen noch etliche Testfahrten zur<br />
Optimierung <strong>in</strong>s Haus, auf die ich mich<br />
aber schon sehr freue.<br />
Zum Schluss möchte ich mich noch bei<br />
Werner Dieckmann, Tom Lorenz, Ralf und<br />
bei me<strong>in</strong>em Vater für die Unterstützung beim<br />
Bau und bei den Testfahrten bedanken.<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 55
MOTORSCHIFFE<br />
Chris König<br />
S.M.S. „Wels“<br />
Fluss-Patrouillenboot der K. u. K. Donauflottille<br />
Die Donau gehört neben dem<br />
Rhe<strong>in</strong> zu den wichtigsten und<br />
größten B<strong>in</strong>nenwasserstraßen<br />
Europas. Beide Flüsse verb<strong>in</strong>den e<strong>in</strong>e Vielzahl<br />
von Anra<strong>in</strong>erstaaten mite<strong>in</strong>ander, sie<br />
s<strong>in</strong>d geographische und politische Grenzen<br />
und alle<strong>in</strong> deshalb von hoher strategischer<br />
Bedeutung. Diesen Tatsachen war auch der<br />
Aufbau der Kaiserlichen und Königlichen (K.<br />
u. K.) Donauflottille <strong>in</strong> Österreich-Ungarn<br />
geschuldet. Basierend auf Planungen aus<br />
dem Spätherbst 1913 entstanden während<br />
des Ersten Weltkrieges bei der Firma Ganz<br />
& Danubius Gép-, Waggon- és Hajógyár<br />
Rt. – Újpest vier Fluss-Patrouillenboote<br />
der Klasse „l“. Die Klassenbezeichnung<br />
leitete sich aus der Werftbezeichnung ab,<br />
die beim Typschiff e<strong>in</strong> „l“ war. Die weiteren<br />
Fahrzeuge wurden dann als „m“, „n“ und<br />
„o“ bezeichnet. Der E<strong>in</strong>satz im gesamten<br />
Bereich der schiffbaren Donau setzte<br />
e<strong>in</strong>en möglichst ger<strong>in</strong>gen Tiefgang und<br />
daraus resultierend getunnelte Antriebsanlagen<br />
voraus. Der Breite war durch die<br />
Schleusenanlagen ebenfalls e<strong>in</strong>e gewisse<br />
Grenze gesetzt. Über alles 45,50 m lang<br />
und 5,90 m breit, wiesen die schnellen<br />
Überwachungsboote kampfbereit versorgt<br />
und aufmunitioniert e<strong>in</strong>en Tiefgang von<br />
nur 1,00 m bei 135 Tonnen Verdrängung<br />
auf. Zwei Yarrow-Kesselanlagen lieferten<br />
Dampf für zwei EG-Curtis-Turb<strong>in</strong>ensätze, die<br />
ihrerseits zwei Antriebswellen antrieben.<br />
Bei e<strong>in</strong>er rechnerischen Leistungsabgabe<br />
von 1.200 PS erreichten die Patrouillenboote<br />
des Typs „l“ talwärts fahrend e<strong>in</strong>e Geschw<strong>in</strong>digkeit<br />
von 18 kn, bergwärts konnten<br />
bis zu 15 kn erreicht werden. Der genietete<br />
Schiffsrumpf des ersten Baus entsprach<br />
e<strong>in</strong>er Kastenkonstruktion mit spitzem, gerade<br />
e<strong>in</strong>tauchendem Steven. Im stumpf auslaufenden<br />
Heck saßen die zwei Propeller<br />
<strong>in</strong> ihren Tunneln, <strong>in</strong> denen ebenfalls zwei<br />
Spatenruder vorgesehen waren. Rumpf und<br />
Aufbauten waren gegen Infanteriemunition<br />
und Splitterwirkung teilgepanzert.<br />
Während der schiffbauliche Entwurf der<br />
Fahrzeuge stark an bereits vorhandene,<br />
Geleitzug auf der Donau,<br />
Copyright: Profila.hu<br />
„Szeged“ im Jahr 1926,<br />
Copyright: Profila.hu<br />
Mannschaft der „Szeged“ im Jahr 1926,<br />
Copyright: Profila.hu<br />
56 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
ähnliche Kampfschiffe angelehnt wurde,<br />
betrat man bei der Bewaffnung Neuland.<br />
Statt der sonst üblicherweise <strong>in</strong> E<strong>in</strong>zellafetten<br />
<strong>in</strong>stallierten Artillerie entschied<br />
man sich beim Typ „l“ während der Planung<br />
teilweise für 6,6 cm/26 Flachbahngeschütze<br />
<strong>in</strong> Zwill<strong>in</strong>gstürmen, die über eigene Richtund<br />
Entfernungsmess<strong>in</strong>strumente verfügten.<br />
Die Artillerie hatte e<strong>in</strong>en konstruktiven<br />
Seitenrichtbereich bis zu 310° vorn und<br />
etwa 260° achtern; die Rohrelevation dürfte<br />
etwa 55° betragen haben. Die rechnerischen<br />
Höchstschussweiten wurden praktisch<br />
nicht erreicht, da die Geschützrohre<br />
vergleichsweise kurz waren und die Waffen<br />
entsprechend streuten. Zusätzlich wurden<br />
drei bis vier wassergekühlte Masch<strong>in</strong>engewehre,<br />
etwa aus der Maxim-Familie M/1909<br />
im Kaliber 7,62 mm x 54 R, sowie die<br />
üblichen Infanteriewaffen mitgeführt. Kommandiert<br />
von zwei Offizieren, bildeten 38<br />
Mann die Besatzung der Patrouillenboote.<br />
Für nächtliche Patrouillen- und Kontrollfahrten<br />
verfügten die Boote über leistungsstarke<br />
Sche<strong>in</strong>werfer, die Masten waren für<br />
Brückendurchfahrten umlegbar gestaltet.<br />
Um dem kont<strong>in</strong>entalen Klima im mittleren<br />
und unteren Verlauf des Flusses Rechnung<br />
zu tragen, waren die Lüfter überdimensioniert<br />
und zusätzliche Sonnensegel über<br />
den Aufbauten vorgesehen. Die <strong>in</strong> Bugund<br />
Heckaufstellung e<strong>in</strong>geplanten 6,6-cm-<br />
Schnellfeuerkanonen lagen ebenfalls unter<br />
den Sonnensegeln. Als Beiboote wurden<br />
e<strong>in</strong> bis zwei, „Flieger“ genannte, Nachen<br />
mitgeführt.<br />
Zu Beg<strong>in</strong>n des Jahres 1915 wurden<br />
bei Ganz & Danubius Gép-, Waggon- és<br />
Hajógyár Rt. die Kiele für die vier Boote<br />
gestreckt. Aufgrund ihrer technisch relativ<br />
unkomplizierten Auslegung konnten<br />
die Fahrzeuge „l“ und „n“ noch im Oktober<br />
1915 vom Stapel laufen, im März 1916 stellten<br />
„l“, „n“ und „m“ <strong>in</strong> Dienst. Als Typschiff<br />
diente das Fluss-Patrouillenboot „l“, das<br />
am 14. März 1916 <strong>in</strong> Dienst gestellt wurde.<br />
Bereits acht Tage später <strong>in</strong> S.M.S. „Wels“<br />
um benannt, wurde das Boot der Königlichen<br />
Ungarischen Stromwache zugeteilt und umfangreichen<br />
Erprobungen unterzogen. Der<br />
Krieg blieb zunächst e<strong>in</strong> entferntes, dunkles<br />
Grollen h<strong>in</strong>ter dem Horizont. Das änderte<br />
sich am 02. Oktober 1916, als e<strong>in</strong> erster<br />
Artilleriee<strong>in</strong>satz bei den Kämpfen um<br />
Rjahovo erfolgte. Zwischen dem 23. und<br />
dem 25. November 1916 deckte S.M.S.<br />
„Wels“ zusammen mit den Fluss-Patrouillenbooten<br />
S.M.S. „Barsch“ (ex „m“) und<br />
„Compó“ (ex. „n“) den Brückenschlag von<br />
Heeresverbänden bei Sistow. Im Dezember<br />
1916 erfolgte erneut e<strong>in</strong>e Beschießung<br />
im E<strong>in</strong>satzraum Rjahovo. Während dieses<br />
E<strong>in</strong>satzes kollidierte das Schiff am 02.<br />
Dezember 1916 mit dem jugoslawischen<br />
Rad-Monitor „Körös“, nahm aber dennoch<br />
bis nach dem 05. Dezember an den heftigen<br />
Kämpfen teil. Als sich das Jahr 1916 zum<br />
Ende neigte, wurden die Boote <strong>in</strong> verschiedene<br />
Häfen zurückbeordert; S. M. S. „Wels“<br />
verlegte für Ausbesserungsarbeiten nach<br />
Budapest.<br />
Der später als „Steckrübenw<strong>in</strong>ter“ bezeichnete<br />
W<strong>in</strong>ter 1916/1917 gehörte zu den mit<br />
Abstand kältesten des abgelaufenen Jahrhunderts.<br />
Das Wetter passte zur allgeme<strong>in</strong>en<br />
Trost- und Hoffnungslosigkeit, die bei<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 57
den Mittelmächten um sich griff. Im Westen<br />
hatte das Jahr 1916 vor Verdun und an der<br />
Somme ke<strong>in</strong>e Entscheidung gebracht, alle<strong>in</strong><br />
das Halten der Stellungen riss Hunderttausende<br />
Landser <strong>in</strong> den Tod. An der Ostfront<br />
war der Grabenkrieg den schneidigen Vorstößen<br />
gewichen, an der Alpenfront zeichnete<br />
sich ke<strong>in</strong> schneller Sieg ab. Im R<strong>in</strong>gen<br />
erstarrt schienen die Machtblöcke, zwischen<br />
denen der e<strong>in</strong>fache Soldat zerrieben wurde.<br />
Österreich-Ungarn mochte sich <strong>in</strong> e<strong>in</strong><br />
neues Jahr retten, war aber politisch wie<br />
militärisch dem Untergang geweiht. Nur mit<br />
deutscher Unterstützung vermochten die<br />
K. u. K. Verbände, Bulgarien und die Türkei<br />
den Kampf weiter aufrecht zu erhalten.<br />
Zur gleichen Zeit verhungerte oder erfror <strong>in</strong><br />
Österreich-Ungarn und im Deutschen Reich<br />
die Zivilbe völkerung zu Zigtausenden. Auch<br />
<strong>in</strong> Russland spitzten sich die Verhältnisse<br />
dramatisch zu. Das Jahr 1917 begann demnach<br />
ebenso hoffnungslos, wie das alte Jahr<br />
1916 geendet hatte.<br />
Für S.M.S. „Wels“ blieb die mittlere Donau<br />
über das ganze Jahr 1917 h<strong>in</strong>weg Haupte<strong>in</strong>satzraum,<br />
bis am 01. April 1918 die vier<br />
Fluss-Patrouillenboote „Wels“, „Barsch“,<br />
„Compó“ und „Viza“ <strong>in</strong>s Schwarze Meer<br />
beordert wurden. Am 12. April 1918 trafen<br />
sie <strong>in</strong> Odessa am Schwarzen Meer e<strong>in</strong>,<br />
von wo aus sie <strong>in</strong>s 150 Kilometer entfernte<br />
Kherson <strong>in</strong> der Ukra<strong>in</strong>e weiterliefen. Kherson,<br />
am Dnjepr gelegen, diente ab dem 20.<br />
April 1918 als Flottillenstützpunkt für die<br />
vier E<strong>in</strong>heiten. Dem General von Böhm-<br />
Ermolli für e<strong>in</strong>en Aufklärungse<strong>in</strong>satz vor<br />
Ortschakow dienend, verließ S.M.S. „Wels“<br />
den Hafen von Kherson am 04. Mai 1918,<br />
kehrte allerd<strong>in</strong>gs am 13. Mai 1918 zurück<br />
und unternahm zwischen dem 15. und 28.<br />
Mai 1918 e<strong>in</strong>e weitere Aufklärungsreise auf<br />
dem Dnjepr. Während dieses Aufklärungse<strong>in</strong>satzes<br />
fuhr S.M.S. „Wels“ im Verband<br />
mit S.M.S. „Barsch“; beide Patrouillenboote<br />
kehrten wohlbehalten nach Kherson zurück.<br />
Im Juni 1918 beschoss das Boot Aufständische<br />
<strong>in</strong> Nikopol. Im Zuge der allgeme<strong>in</strong>en<br />
Rückzugsbewegungen lief S.M.S.<br />
„Wels“ dann Anfang September zunächst<br />
nach Odessa und am 12. September 1918<br />
nach Braila, von wo sie am 13. Oktober<br />
1918 nach Turnu-Sever<strong>in</strong> (Rumänien) verholte.<br />
Sechs Tage später geriet das Boot bei<br />
Lom-Palanka unter heftiges Artillerie- und<br />
Schützenfeuer französischer Truppen, die<br />
e<strong>in</strong>en Durchbruch des Patrouillenbootes<br />
zu verh<strong>in</strong>dern versuchten. Im konzentrierten<br />
Abwehrfeuer wurde der Entschluss gefasst,<br />
den Durchbruch zu verschieben, der dann<br />
Ende Oktober tatsächlich gelang. Zu diesem<br />
Zeitpunkt hatte sich Ungarn bereits<br />
als unabhängig von Österreich erklärt.<br />
Das habsburgische Reich war im Begriff,<br />
vollends zu zerfallen. In Novi Sad (Neusatz,<br />
Serbien) traf die S.M.S. „Wels“ am 02. November<br />
1918 e<strong>in</strong>, wo sie am 08. Dezember<br />
1918 den Alliierten kampflos übergeben<br />
wurde. Im Dezember 1918 als Kriegsbeute<br />
nach Belgrad gefahren, erfolgte im Januar<br />
1919 die Umbenennung <strong>in</strong> „Breglanica“.<br />
Mit Ablauf des Jahres 1919 waren sämtliche<br />
noch existenten Fahrzeuge der K. u. K.<br />
Donauflottille <strong>in</strong> alliierter Hand, wo sie aber<br />
Rumpf und Aufbau im Rohbau<br />
Heck mit Tunneln im Bau<br />
Zwill<strong>in</strong>gsturm im Bau<br />
Grundierter Schornste<strong>in</strong> aus Pappe<br />
58 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Dieses Foto war<br />
der Auslöser für<br />
den Nachbau<br />
auf Dauer nicht verbleiben konnten. E<strong>in</strong>e<br />
eigens aufgestellte britische Donauflottille<br />
sollte zeitnah wieder abgerüstet werden,<br />
so dass am 15. April 1920 der Verbleib der<br />
Fahrzeuge diplomatisch ausgehandelt wurde.<br />
Demnach fiel „Barsch“ Österreich zu,<br />
während die anderen drei Fahrzeuge der<br />
„l“-Klasse Ungarn zugesprochen wurden.<br />
Während die „Breglanica“ bis zur formellen<br />
Rückgabe an Ungarn am 23. November<br />
1920 <strong>in</strong> Fahrt blieb, änderten Nachverhandlungen<br />
das Schicksal der anderen<br />
Boote. So wurden die S.M.S. „Compo“ und<br />
„Barsch“ letztlich doch Österreich zugesprochen.<br />
Ende Januar 1921 trafen die Boote <strong>in</strong><br />
Wien e<strong>in</strong>, von wo sie <strong>in</strong>nerhalb von vier Monaten<br />
zur Demilitarisierung nach Korneuburg<br />
verholen sollten. Im selben Jahr wurde<br />
die ehemalige S.M.S. „Wels“ erneut getauft,<br />
und zwar auf den Namen „Szeged“. Ihre<br />
drei Schwesterschiffe waren <strong>in</strong>zwischen<br />
ebenfalls wieder für Ungarn <strong>in</strong> Fahrt und<br />
trugen ähnlich wie „Szeged“ ungarische<br />
Städtenamen. Es waren dies „Baja“ (ex.<br />
S.M.S. „Barsch“, ex. „m“), „Györ“ (ex. S.M.S.<br />
„Compó“, ex. „n“) und „Kecskemét“ (ex.<br />
S.M.S. „Viza“, ex. „o“). Alle vier E<strong>in</strong>heiten<br />
gehörten – <strong>in</strong> Details baulich verändert – bis<br />
zum Ende des Zweiten Weltkrieges weiterh<strong>in</strong><br />
der Donauflottille an. Sie ergaben sich<br />
im Mai 1945 amerikanischen Verbänden.<br />
Während die vormaligen S.M.S. „Wels“ und<br />
„Compó“ 1949 <strong>in</strong> Ungarn abgewrackt wurden,<br />
diente die ehemalige S.M.S. „Barsch“<br />
noch bis Mitte der 1950er-Jahre als Eisbrecher.<br />
Ihr Schicksal und das der S.M.S.<br />
„Viza“ blieben unklar.<br />
Der Gedanke, e<strong>in</strong> vorbildnahes Modell<br />
des Typs „l“ (S.M.S. „Wels“) nachzubauen,<br />
kam eher zufällig. Zwischen dem Quellenstudium<br />
von Dr. Brigitte Hamanns „Der<br />
Erste Weltkrieg“ und Nachforschungen über<br />
die Kampfhandlungen an der Alpenfront<br />
kreuzte e<strong>in</strong> Landser-Foto me<strong>in</strong>en Weg:<br />
Es zeigte deutsche Soldaten auf dem vorderen<br />
Turm der „Szeged“, die unter ungarischer<br />
Flagge mit hoher Fahrtstufe durch<br />
die Donau pflügte. Aufgenommen wurde<br />
es vermutlich im Spätherbst 1940/Frühjahr<br />
1941 von e<strong>in</strong>em deutschen Offizier, der<br />
<strong>in</strong> Griechenland und auf dem Balkan für<br />
Versorgungsaufgaben e<strong>in</strong>gesetzt war. Im<br />
Tätigkeitsbereich lag auch der Nachschub<br />
von Brenn- und Schmierstoffen durch<br />
Tankleichter, die zuweilen durch Patrouillenboote<br />
eskortiert wurden. Spätestens<br />
seit dem Besuch der Dauerausstellung des<br />
Heeresgeschichtlichen Museums im Arsenal<br />
zu Wien <strong>in</strong>teressierte mich die Geschichte<br />
der Donauflottille. Auch die Option, die<br />
6,6 cm/26 Schnellfeuerkanonen <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />
E<strong>in</strong>zel- oder Zwill<strong>in</strong>gsturm e<strong>in</strong>zubauen sowie<br />
die <strong>in</strong>sgesamt relativ unkomplizierte<br />
schiffbauliche Gestaltung des Fahrzeugs<br />
reizten mich. Bei wenigen Vere<strong>in</strong>fachungen<br />
versprach die S.M.S. „Wels“ e<strong>in</strong> vernünftiges<br />
Semiscale-Modell zu werden, welches<br />
sich durchaus <strong>in</strong>nerhalb e<strong>in</strong>es überschaubaren<br />
Zeitrahmens bauen ließ.<br />
E<strong>in</strong>e Betrachtung verschiedener gängiger<br />
Maßstäbe ließ erkennen, dass sich hierfür<br />
der Maßstab 1:50 anbot. Er ließ e<strong>in</strong>en<br />
Zweischraubenantrieb mit rechtsdrehenden<br />
30-mm-Dreiblatt-Props und Dop pelrudern<br />
wie beim Orig<strong>in</strong>al zu. E<strong>in</strong>geplant wurden<br />
auch zwei unterschiedlich lange Wellengarnituren,<br />
um die E-Motoren versetzt<br />
e<strong>in</strong>bauen zu können. Anhand von Gesamtabmessungen<br />
und Fotoreferenzen<br />
durchgeplant und anschließend gezeichnet,<br />
entstand der Rohbau des Fahrzeuges<br />
unter weitgehendem Rückgriff auf vorhandenes<br />
Material: Holzleisten vom Sylvester-<br />
Feuerwerk, Spanten und strukturgebende<br />
Stützwände aus Sperrholz Marke „Orangenkiste“,<br />
Papier und Pappe/Karton, Mess<strong>in</strong>greste<br />
usw. Bei den Details standen<br />
diese Werkstoffe ebenfalls ganz oben auf<br />
der Wunschliste, wenngleich mir noch vorhandene<br />
Rel<strong>in</strong>gstreifen (Ste<strong>in</strong>graeber) zweifelsohne<br />
wesentlich das Leben erleichtert<br />
haben. In der Tat war diese „Marscherleichterung“<br />
hoch willkommen, denn das<br />
Thema Farbgebung hat mir e<strong>in</strong>iges an zeit<strong>in</strong>tensivem<br />
Kopfzerbrechen bereitet. E<strong>in</strong>e<br />
Auswertung der vorhandenen Fotos führte<br />
mehr <strong>in</strong> die Irre, denn der Wahrheit entgegen.<br />
Manche Fluss-Patrouillenboote sahen<br />
hellgrau aus, andere dunkelgrau. Dann gab<br />
es olivgrüne Tarnanstriche, schließlich noch<br />
Konturen auflösende Bemalungen aus diversen<br />
Grau- oder (?) Grüntönen. Mitunter<br />
schimmerte die Farbe auch Anthrazit und<br />
er<strong>in</strong>nerte mehr an den Anti-Korrosionsanstrich<br />
e<strong>in</strong>es Flugzeuges.<br />
Auf me<strong>in</strong>er Suche nach der korrekten Farbe<br />
halfen vor allem die Expertendiskussionen<br />
auf der Website www.forum-mar<strong>in</strong>earchiv.<br />
de. Dort fanden sich unter anderem die<br />
folgenden E<strong>in</strong>träge (zusammengefasst):<br />
„Zwischen 1900 und 1902 wurde die<br />
Standardlackierung der österreichisch-ungarischen<br />
Flotte vom „Victorian Style“,<br />
schwarzer Rumpf, weiße Aufbauten, gelbe<br />
Schornste<strong>in</strong>e, <strong>in</strong> „Olivgrün über alles“<br />
geändert. Am 02. Juni 1906 wurden die<br />
offiziellen Vorschriften zur allgeme<strong>in</strong>en<br />
Verwendung dieser Farbgebung erlassen.<br />
Die Farbzusammenstellung wurde<br />
1910 geändert, um die Beständigkeit zu<br />
erhöhen. 1911 wurde erneut an der Mixtur<br />
gearbeitet, um nun kostengünstigere<br />
Pigmente verwenden zu können. Zuletzt<br />
war die Farbe folgendermaßen zusammengesetzt:<br />
46% Kalkgrau, 14% Ockergelb,<br />
2% Schwarz, 9% Weiß, 1% Ultramar<strong>in</strong>,<br />
27% Le<strong>in</strong>öl und 1% Terpent<strong>in</strong>öl. […] Die<br />
Farbe wurde für alle sichtbaren Teile des<br />
Schiffs verwendet: Rumpf, Stahldecks,<br />
Masten, Brücken, Aufbauten, aber auch<br />
für die Dampf- und Motorbarkassen.<br />
Die großen Beiboote wurden <strong>in</strong>nen mit<br />
e<strong>in</strong>em Dunkelgrün gestrichen, die kle<strong>in</strong>en<br />
Beiboote waren <strong>in</strong>nen weiß. Anker und<br />
Ketten waren aus blankem Stahl, der mit<br />
Le<strong>in</strong>öl geschützt wurde. Die Rettungsr<strong>in</strong>ge<br />
waren bis 1910 weiß, danach weiß-rotweiß.<br />
[…] Folgende Farben können für den<br />
Modellbau e<strong>in</strong>es K.u.K.-Schiffes empfohlen<br />
werden: Montecuccol<strong>in</strong> = Humbrol 31 […].“<br />
Das fertige Boot ist e<strong>in</strong> schönes Semiscale-<br />
Modell für ausgedehnte Revierfahrten, das<br />
<strong>in</strong> punkto Farbe ziemlich aus dem Rahmen<br />
fällt. Herzlichen Dank an Thomas Hartmann<br />
für se<strong>in</strong>e Hilfe!<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 59
RUBRIKEN<br />
Liebe<br />
<br />
Modellsportgruppe Kemnath e. V.<br />
Die Modellsportgruppe Kemnath e.V. veranstaltet<br />
am Sontag, dem 01.12.2013 <strong>in</strong> der<br />
Mehrzweckhalle <strong>in</strong> 95478 Kemnath-Stadt<br />
e<strong>in</strong>e Modellbaubörse mit Modellbauausstellung.<br />
Börse und Ausstellung s<strong>in</strong>d von<br />
09.00–16.00 Uhr geöffnet.<br />
Kontakt: Wolfgang Heidler, Blumenstr. 3,<br />
92703 Krummennaab, Tel. 09682/2479, E-<br />
Mail: Wolfgang.Heidler@t-onl<strong>in</strong>e.de, www.<br />
msg.kemnath.de<br />
MAXI-MINI-SAIL zur Hanse-Sail<br />
Highlight dabei war die Ausfahrt der vielen<br />
Segler, Motorschiffe, Sport- und Paddelboote<br />
aus dem Rostocker Stadthafen h<strong>in</strong>aus<br />
nach Warnemünde und weiter zur Ostsee.<br />
E<strong>in</strong>e bee<strong>in</strong>druckende Armada, die bei<br />
bestem Wetter, W<strong>in</strong>dstärke 2–3 und Wellenhöhen<br />
so um die 20 cm Richtung Norden<br />
un-terwegs war. E<strong>in</strong> kle<strong>in</strong>es Stück konnten<br />
wir sie begleiten, denn wir segeln mit unseren<br />
Modellen ja da, wo die Großen segeln.<br />
Das nächste Jahrestreffen wird am Samstag,<br />
dem 19.7.2014, im Museumshafen <strong>in</strong><br />
Greifswald anlässlich des Festes „Gaffel-<br />
Rigg“ stattf<strong>in</strong>den.<br />
Bernd Tilgner<br />
Vere<strong>in</strong>svorstände und<br />
Schriftführer!<br />
Ankündigungen zu Veranstaltungen müssen immer<br />
jeweils bis zum 1. des Vormonats bei folgender<br />
Adresse e<strong>in</strong>gereicht werden:<br />
Red. <strong>SchiffsModell</strong><br />
Postfach 1820, 78008 Vill<strong>in</strong>gen-Schwenn<strong>in</strong>gen<br />
Fax 07721/8987-50<br />
welz@neckar-verlag.de<br />
Der e<strong>in</strong>malige Abdruck Ihrer Veranstaltungsmitteilung<br />
ist natürlich kostenlos. Bitte fassen Sie<br />
sich kurz, und teilen Sie nur die wesentlichen<br />
Fakten mit (Ort, Datum, Kontaktadresse). Komplette<br />
Ausschreibungen und Programme können<br />
nicht abgedruckt werden, die Redaktion muss sich<br />
Kürzungen vorbehalten. Weiterh<strong>in</strong> können Veranstaltungsterm<strong>in</strong>e<br />
unter<br />
www.neckar-verlag.de<br />
veröffentlicht werden. Unter der Rubrik „Modellbau/Modellbauterm<strong>in</strong>e“<br />
haben Vere<strong>in</strong>e die Möglichkeit,<br />
ihre Veranstaltungsterm<strong>in</strong>e direkt und<br />
kostenfrei e<strong>in</strong>zutragen.<br />
Anlässlich der Hanse-Sail <strong>in</strong> Rostock 2013<br />
trafen sich auch Mitglieder der Gruppe<br />
MAXI-MINI-SAIL zum geme<strong>in</strong>samen Segeln<br />
ihrer etwas größeren Modelle: Karl aus Ostfriesland<br />
und Bernd aus der Niederlausitz<br />
segelten geme<strong>in</strong>sam mit Frank, He<strong>in</strong>z, Jürgen,<br />
Rolf und Ulli von der Rostocker Gruppe<br />
auf der Warnow.<br />
<br />
Carlo Borlenghi<br />
Legendäre <strong>Yacht</strong>en<br />
Der Untertitel „Porträts klassischer Schönheiten“<br />
beschreibt bestens diesen Band, der<br />
als Hommage an die Schiffbaukunst versteht.<br />
Wenn Stil auf Sport trifft, Eleganz auf<br />
Schnelligkeit und Teak auf Team, dann beg<strong>in</strong>nen<br />
die Herzen der Klassikfans höher zu<br />
schlagen. Dann fällt ihr Blick mit hoher<br />
Wahrsche<strong>in</strong>lichkeit auf e<strong>in</strong>e der legendären<br />
hölzernen Schönheiten, die seit vielen Jahrzehnten<br />
ihren unvergleichlichen Tanz durch<br />
die Wellen der Meere zelebrieren.<br />
Der italienische Fotokünstler Carlo Borlenghi,<br />
e<strong>in</strong>er der besten <strong>Yacht</strong>fotografen der<br />
Welt, hat die schönsten klassischen <strong>Yacht</strong>en,<br />
ob groß, ob kle<strong>in</strong>, von <strong>in</strong>nen und außen<br />
hervorragend <strong>in</strong> Szene gesetzt. Avel, Bona<br />
Fide, Ranger, Orion, Shenandoah, Tuiga,<br />
60 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Varuna, Hispania, Rowdy, Pesa, Nan of <strong>Fife</strong><br />
und Manitou lauten die Namen der schwimmenden<br />
Schönheiten.<br />
Ergänzt werden die Fotografien der zum<br />
größten Teil noch nie öffentlich gezeigten,<br />
kostbaren Interieurs der <strong>Yacht</strong>-Legenden<br />
durch hochwertige Konstruktionszeichnungen,<br />
die – e<strong>in</strong>zeln beiliegend auf Pergam<strong>in</strong><br />
gedruckt – dieses Buch zu e<strong>in</strong>em haptisch<br />
wie s<strong>in</strong>nlichen Erlebnis machen. E<strong>in</strong> erschw<strong>in</strong>gliches<br />
Kunstwerk also, das man guten<br />
Freunden, aber vielleicht auch sich selbst<br />
unter den Weihnachtsbaum legen möchte.<br />
160 Seiten, 150 Fotos (farbig), Format 25,7<br />
x 34,7 cm, geb. € (D) 49,90, (A) € 51,30, sFr<br />
66,90, ISBN 978-3-7688-3671-5, Delius Klas<strong>in</strong>g<br />
Verlag, Bielefeld<br />
– Wann spricht man von W<strong>in</strong>dstille und wann<br />
vom Orkan? (W<strong>in</strong>dstärken-Skala)<br />
– Wie funktioniert e<strong>in</strong> Schwimm- bzw. e<strong>in</strong><br />
Trockendock?<br />
– Wie wird e<strong>in</strong> Conta<strong>in</strong>er verladen?<br />
– Wie zeigen sich Ebbe und Flut im Hamburger<br />
Hafen?<br />
Zusätzlich verrät der Autor Wissenswertes<br />
über die beste Aussicht auf den Hafen, über<br />
Hafenkneipen, Fischrestaurants, das Baden<br />
<strong>in</strong> der Elbe oder darüber, wie man Seemann<br />
wird.<br />
„Der Hamburger Hafenlotse“ ist der erste Titel<br />
<strong>in</strong> der Reihe „Koehler kompakt“: Kurze,<br />
knappe Erläuterungen mit anschaulichen<br />
Zeichnungen und Abbildungen ermöglichen<br />
e<strong>in</strong> schnelles Nachschlagen und machen<br />
den Lotsen zu e<strong>in</strong>em nützlichen Begleiter für<br />
unterwegs. E<strong>in</strong> Muss also für alle, die den<br />
Hamburger Hafen kennen lernen wollen!<br />
40 Seiten, 10,5 x 15,5 cm, zahlr. Farb-Abb.,<br />
Klappenbroschur, € (D) 4,95, € (A) 5,–, sFr<br />
6,90, ISBN 978-3-7822-1075-1, Koehlers<br />
Verlagsgesellschaft, Hamburg<br />
„Unterwegs vor den Toren Hamburgs“ ist dieses<br />
Buch untertitelt, das sich mit dem größten<br />
zusammenhängenden Obstanbaugebiet<br />
Deutschlands, dem „Alten Land“. Sowohl für<br />
Tagesausflüge als auch für längere Aufenthalte<br />
ist das „Alte“ Land e<strong>in</strong> beliebtes Urlaubsziel<br />
und (Nah-)Erholungsgebiet.<br />
Die ortskundige Autor<strong>in</strong> nimmt den Leser an<br />
die Hand und führt ihn durch die Apfel- und<br />
Kirschbaumgärten h<strong>in</strong> zu den schönsten Orten<br />
der drei Meilen, <strong>in</strong> die das „Alte Land“<br />
geografisch aufgeteilt ist. Dabei stellt sie jede<br />
der drei Meilen zwischen den Elbzuflüssen<br />
mit ihren Besonderheiten, den charakteristischen<br />
Merkmalen und Sehenswürdigkeiten<br />
wie Fachwerkhäusern und Leuchttürmen<br />
vor. Der Leser erfährt vieles über den<br />
Obstanbau vor den Toren Hamburgs und<br />
den Jorker Apfeltresor, <strong>in</strong> dem die knackigen<br />
Früchtchen zum Schlafen gelegt werden. E<strong>in</strong><br />
echter Krimi, Kirchen, Orgeln, Trachten und<br />
kle<strong>in</strong>e Anekdoten vervollständigen die Rundreise.<br />
Das „Alte Land“ ist mit se<strong>in</strong>er unverwechselbaren<br />
Natur e<strong>in</strong> Paradies für Radfahrer.<br />
Daher weist die Autor<strong>in</strong> auch auf<br />
besonders schöne Radwege und -touren<br />
h<strong>in</strong>. Zahlreiche Tipps für Altländer Gastlichkeit<br />
verraten, wo es auf dieser Entdeckungsreise<br />
besonders schön ist. E<strong>in</strong> <strong>in</strong>formativer<br />
Reiseführer also, gewürzt mit wunderschönen<br />
Aufnahmen, der e<strong>in</strong>e schnelle<br />
Orientierung ermöglicht.<br />
136 Seiten, 14,8 x 21 cm, zahlr. Farb-Abb.,<br />
Klappenbroschur € (D) 9,95, € EUR (A)<br />
10,20, sFR 13,90, ISBN 978-3-7822-1081-2,<br />
Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg<br />
Svante Domizlaff<br />
Der Hamburger Hafenlotse<br />
Wer den Hamburger Hafen (noch) nicht so<br />
gut kennt, der ist mit diesem „Lotsen“ gut beraten:<br />
Im praktischen Westen- bzw. Handtaschenformat<br />
bietet er Antworten auf die<br />
wichtigsten Fragen, die sich dem Neul<strong>in</strong>g<br />
stellen:<br />
– Welche verschiedenen Wasserfahrzeuge<br />
verkehren im Hafen?<br />
– Was für Handelsschiffe laufen Hamburg<br />
an?<br />
– Welche Kreuzfahrtschiffe besuchen Hamburg?<br />
– Welche Museumsschiffe liegen wo?<br />
– Welche Schornste<strong>in</strong>farbe gehört zu welcher<br />
Reederei?<br />
– Was bedeuten die verschiedenen Signalflaggen<br />
und Seezeichen, was die verschiedenen<br />
Positionslampen und Flaggen<br />
am Schiff?<br />
– Welche Seemannsknoten gibt es?<br />
Miriam Fehlbus<br />
Altes Land<br />
Thomas Fröhl<strong>in</strong>g<br />
Die Lotsen<br />
Lotsen s<strong>in</strong>d als Berater der Schiffsleitung <strong>in</strong><br />
der Schifffahrt unverzichtbar, im Nebel, bei<br />
W<strong>in</strong>d, bei Tidenströmungen, Untiefen oder<br />
beim „E<strong>in</strong>parken“ <strong>in</strong> e<strong>in</strong>en engen Hafen-Liegeplatz.<br />
Die Schifffahrtsrouten an der deutschen<br />
Nord- und Ostseeküste s<strong>in</strong>d nicht nur<br />
die dicht befahrensten der Welt, sondern<br />
auch wegen ihrer Unberechenbarkeit e<strong>in</strong><br />
schwer zu navigierendes Gebiet. Ob Kreuzfahrtschiff<br />
oder Frachter, nahezu jedes Schiff<br />
braucht Lotsen, um sicher <strong>in</strong> den Hafen e<strong>in</strong>laufen<br />
oder schwieriges Fahrwasser passieren<br />
zu können. 750 Seelotsen, 95 Hafenlotsen,<br />
140 Kanalsteuerer und unzählige Kollegen<br />
an Land arbeiten rund um die Uhr an<br />
e<strong>in</strong>em reibungslosen Ablauf. Der Autor beleuchtet<br />
<strong>in</strong> diesem Buch sowohl Vergangenheit<br />
und Gegenwart als auch die Zukunft des<br />
Lotsenwesens an der Nord- und Ostsee. Dabei<br />
geht er auf Schiffe, Menschen, Arbeit,<br />
Stationen, Seegebiete, die Ausbildung zum<br />
Lotsen und die Brüderschaften e<strong>in</strong>. Der Beruf<br />
des Lotsen wird hier e<strong>in</strong>gehend beschrieben,<br />
se<strong>in</strong>e Tätigkeiten und auch se<strong>in</strong>e Verantwortung.<br />
104 Seiten, 24 x 17 cm, zahlr. Farb-Abb.,<br />
Broschur, € (D) 14,95, € (A) 15,40, sFR<br />
20,90, ISBN 978-3-7822-1078-2, Koehlers<br />
Verlagsgesellschaft, Hamburg.<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 61
RUBRIKEN<br />
kurz & fündig<br />
Privatanzeigen (private Inserenten, nicht-gewerbliche Texte) können nur<br />
schriftlich, nicht telefonisch entgegengenommen werden.<br />
Der E<strong>in</strong>fachheit halber bitte möglichst den vorbereiteten Bestellsche<strong>in</strong> verwenden,<br />
der <strong>in</strong> fast jedem Heft zu f<strong>in</strong>den ist. Bitte auf jeden Fall deutlich und unmissverständlich<br />
schreiben.<br />
In e<strong>in</strong>e Zeile passen durchschnittlich 34 Anschläge (Buchstaben, Ziffern, Satzzeichen,<br />
erforderliche Zwischenräume = jeweils 1 Anschlag).<br />
Anzeigenschluss ist jeweils um den 5. des Vormonats (z.B. für Heft 3 am<br />
5. Februar).<br />
Wenn Anzeigentext und Zahlung nach Anzeigenschluss e<strong>in</strong>gehen, erfolgt die<br />
Veröffentlichung automatisch <strong>in</strong> der nächstfolgenden Ausgabe.<br />
Privatanzeigen <strong>in</strong> <strong>SchiffsModell</strong> bis 8 Zeilen kostenlos, jede<br />
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weitere Zeile 2,50 Euro. Anzeige mit Bild 5, — Euro.<br />
E<strong>in</strong>fache Abwicklung: Vorauszahlung <strong>in</strong> bar, Überweisung, Kreditkarte<br />
(Visa, Master) oder Abbuchung. Gleichzeitig wird Ihre Anzeige im Internet<br />
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62 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
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Wie bei allen Bruker-U-Booten ist das Design fasz<strong>in</strong>ierend<br />
U-BOOTE<br />
DEUTSCHLANDS VERGESSENE U-BOOTE<br />
Die »Fly<strong>in</strong>g Bell«<br />
Zum Abschluss der Serie über die Bruker-<br />
U-Boote lesen Sie die Dokumentation über<br />
die »Fly<strong>in</strong>g Bell«. Bei dieser handelt es sich<br />
aber nicht wie <strong>in</strong> den bisherigen Teilen um<br />
e<strong>in</strong> U-Boot, sondern um e<strong>in</strong>e manövrierbare<br />
Taucherglocke.<br />
Das Pr<strong>in</strong>zip der Taucherglocke ist e<strong>in</strong>e der<br />
ältesten überlieferten Tauchkonstruktionen.<br />
Schon von Alexander dem Großen wurde<br />
berichtet, dass er mit Hilfe solch e<strong>in</strong>er<br />
Konstruktion die Unterwasserwelt erforscht<br />
hat. Ausprobieren kann man das Pr<strong>in</strong>zip<br />
der Taucherglocke selber ganz e<strong>in</strong>fach mit<br />
e<strong>in</strong>em Tr<strong>in</strong>kglas im Spülbecken oder Eimer:<br />
Taucht man das Glas umgedreht unter<br />
Wasser, füllt es sich nicht ganz mit Wasser,<br />
sondern e<strong>in</strong> Teil des Inneren bleibt mit Luft<br />
gefüllt.<br />
Die Luft im Inneren wird allerd<strong>in</strong>gs je nach<br />
E<strong>in</strong>tauchtiefe komprimiert, sprich je tiefer<br />
man das Glas unter Wasser drückt, umso<br />
kle<strong>in</strong>er wird der mit Luft gefüllte Raum. Die<br />
Ursache dafür ist der Wasserdruck, der<br />
pro 10 Meter Tauchtiefe um 1 bar zunimmt.<br />
Montage des Standr<strong>in</strong>gs im<br />
Rohrrahmen-Unterteil<br />
Norbert Brüggen<br />
Die Geschichte der Bruk<br />
Oben: Blick <strong>in</strong> den E<strong>in</strong>stiegsschacht<br />
von unten<br />
Rechts: Ansicht von vorne mit<br />
ausgeklappter Klaue<br />
Blick auf die Hydraulikleitungen außerhalb<br />
des Druckkörpers<br />
66 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Druckkörper mit Rohbau und Konstruktionsmodell<br />
Folglich herrschen <strong>in</strong> 10 m Tiefe schon 2<br />
bar Umgebungsdruck. Das ist übrigens<br />
ke<strong>in</strong> Rechenfehler, denn der normale<br />
Umgebungsdruck, dem wir <strong>in</strong> unserer Atmosphäre<br />
(also über Wasser) ausgesetzt<br />
s<strong>in</strong>d, beträgt ja ohneh<strong>in</strong> schon 1 bar. Dazu<br />
addiert sich alle 10 Meter unter Wasser e<strong>in</strong><br />
weiteres bar. Für alle, denen das etwas abstrakt<br />
ersche<strong>in</strong>t, hilft vielleicht der H<strong>in</strong>weis,<br />
dass e<strong>in</strong> durchschnittlicher Autoreifen mit<br />
ca. 2,5 bar Druck gefüllt ist. Und vier dieser<br />
Reifen können ohne Probleme 2 Tonnen<br />
Auto <strong>in</strong>kl. Passagiere und Ladung transportieren,<br />
ke<strong>in</strong>e schlechte Leistung für so<br />
e<strong>in</strong> bisschen Druck!<br />
Damit man <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Taucherglocke<br />
also ke<strong>in</strong>e nassen<br />
Füße bekommt, wird der<br />
Innendruck, je weiter<br />
die Glocke s<strong>in</strong>kt,<br />
dem Außendruck angepasst.<br />
Das Wasser<br />
bleibt dadurch an der<br />
unteren Kante und der Beobachter<br />
kann im Inneren<br />
se<strong>in</strong>e Arbeit verrichten.<br />
Mit dem ausschließlichen Beobachten<br />
war es allerd<strong>in</strong>gs zur Neuzeit<br />
bald vorbei, denn Taucherglocken wurden<br />
vor allem als Taucher-Transportmittel e<strong>in</strong>gesetzt.<br />
So konnten die Taucher gewissermaßen<br />
trockenen Fußes direkt an ihren<br />
Das untere Rohrrahmengestell mit den<br />
Gas-Vorratskugeln<br />
Druckkörper-Außendruckprüfung<br />
bei der GUSI<br />
<strong>in</strong> Geesthacht<br />
er Meerestechnik Teil 7<br />
Ansicht von vorne mit Gasflaschen,<br />
Regelzellen und Ausstiegsschacht<br />
Ansicht von unten mit E-Behälter<br />
und Hydraulikaggregaten<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 67
Analoge Schalttechnik <strong>in</strong> den<br />
Elektronikbehältern<br />
Ohne diese Pioniere der Tiefe würde es bei<br />
allen Unterwasser<strong>in</strong>stallationen und Bohr<strong>in</strong>seln<br />
auf der Welt schlecht aussehen.<br />
Gefahren für Taucher<br />
Bei unserem kle<strong>in</strong>en Ausflug <strong>in</strong> die Tauchphysik<br />
lohnt der Blick darauf, was mit dem<br />
menschlichen Körper <strong>in</strong> der Tiefe passiert.<br />
Nehmen wir an, wir s<strong>in</strong>d Taucher und bef<strong>in</strong>den<br />
uns <strong>in</strong> 40 Meter Tiefe. In diesem<br />
Beispiel ist es gleichgültig, ob wir noch <strong>in</strong><br />
der Taucherglocke sitzen oder schon ausgerüstet<br />
mit dem Unterwasserschweißgerät<br />
auf dem Weg zu e<strong>in</strong>er defekten Leitung<br />
am Nordseeboden s<strong>in</strong>d. Der Grund, warum<br />
wir <strong>in</strong> dieser Tiefe überhaupt atmen können<br />
und unsere Lungen nicht kollabieren, ist<br />
der, dass der Druck der Atemluft dem des<br />
Außendrucks angepasst ist. Daher nehmen<br />
wir <strong>in</strong> 40 Meter mit jedem Atemzug die vierfach<br />
komprimierte Luft auf und es atmet<br />
aus der Tiefe an die Oberfläche steigen?<br />
Mit angehaltenem Atem würden wir die<br />
Oberfläche nicht lebend erreichen. Die expandierende<br />
Luft <strong>in</strong> unserer Lunge hätte<br />
diese zerfetzt und wir wären schon auf dem<br />
halben Weg ertrunken. Ausatmen beim Aufstieg<br />
ist hier die Lösung. Bei der Tauchausbildung<br />
lernt der Tauchschüler solch e<strong>in</strong>en<br />
Notaufstieg aus 10 Meter Tiefe. Dank der<br />
expandierenden Luft kann man so selbst<br />
bei gemächlichem Aufstiegstempo während<br />
der ganzen Zeit ausatmen. Aus 10 Metern<br />
Tiefe ist so e<strong>in</strong> Notaufstieg noch gefahrlos<br />
möglich.<br />
In unserem Beispiel s<strong>in</strong>d wir aber aus 40<br />
Meter Tiefe ausatmend aufgestiegen und<br />
haben die Oberfläche erreicht. Ist jetzt<br />
auch alles gut? Ke<strong>in</strong>eswegs! Der Stickstoff<br />
<strong>in</strong> unserem Körper setzt sich nun frei. Das<br />
Blut perlt wie Sekt, und wenn jetzt nicht augenblicklich<br />
e<strong>in</strong>e Druckkammer vorhanden<br />
ist, ist die Wahrsche<strong>in</strong>lichkeit, dass wir das<br />
Ober- und Unterteil s<strong>in</strong>d jetzt<br />
zusammenmontiert<br />
Steuer und Schalttafele<strong>in</strong>heit zur<br />
rechten Seite des Operators<br />
Blick über die E<strong>in</strong>stiegsschleuse<br />
an die Bedienpulte<br />
E<strong>in</strong>stieg des Tauchers mit Kirby-<br />
Morgan-Vollgesichtsmaske<br />
Gleiches Bild aus der Perspektive<br />
des E<strong>in</strong>stiegs<br />
Zwei der vier Schubthruster, die<br />
seitliche Bewegungen ermöglichen<br />
Arbeitsort z. B. an Pipel<strong>in</strong>es oder Bohrplattformen<br />
gebracht werden, ohne schon während<br />
der „Anreise“ der kräfteraubenden Kälte<br />
und Dunkelheit ausgesetzt zu se<strong>in</strong>.<br />
sich durch das Mundstück unseres Vollgesichtshelms<br />
oder auch <strong>in</strong> der Glocke ganz<br />
normal. Unser Gewebe und Blut wird aber<br />
<strong>in</strong> dieser Tiefe auch mit der entsprechend<br />
größeren Menge an Stickstoff befüllt. Was<br />
würde passieren, wenn wir jetzt e<strong>in</strong>en tiefen<br />
Atemzug nehmen, wie im Freibad die<br />
Luft zum Tauchen anhalten und schnell<br />
nicht oder nur mit schweren Verletzungen<br />
überleben, sehr groß.<br />
Die sehr schmerzhaften Auswirkungen<br />
e<strong>in</strong>er nicht abgeatmeten Stickstoff-/Gassättigung<br />
s<strong>in</strong>d Krämpfe, Lunge, Nerven<br />
und das Gewebe werden (z. T. irreparabel)<br />
geschädigt. In der englischsprachigen Literatur<br />
s<strong>in</strong>d diese typischen Taucherschmer-<br />
68 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Steuerkonsole der Thruster auf<br />
dem Mutterschiff mit Autopilot<br />
und Neigemesser<br />
Gut zu sehen die Halteklaue mit<br />
dem Gegenhaltestück<br />
Rückwärtiger Blick aus der Glocke. Die drei<br />
Metallzyl<strong>in</strong>der s<strong>in</strong>d CO 2 -Scrubber und dienen der<br />
Atemluftaufbereitung<br />
zen als „Bends“ bekant und <strong>in</strong> Frankreich<br />
wurden sie erstmals als Caisson-Krankheit<br />
beschrieben. Caissons s<strong>in</strong>d Senkkästen,<br />
die <strong>in</strong> den 1870er-Jahren <strong>in</strong> Frankreich<br />
zum Fundamentbau im Brückenbau e<strong>in</strong>gesetzt<br />
wurden. Im Gegensatz zu normalen<br />
Taucherglocken waren die Taucher hier<br />
deutlich längere Zeit dem höheren Druck<br />
ausgesetzt, daher konnte sich mehr Gas<br />
im Gewebe ansammeln und die Arbeiter<br />
erkrankten.<br />
Wir haben Glück, unser Taucherschiff hat<br />
e<strong>in</strong>e Druckkammer und wir werden <strong>in</strong> dieser<br />
trockenen Fußes von den Druckverhältnissen<br />
her wieder auf die Tiefe gebracht, aus<br />
der wir (zu schnell) aufgetaucht s<strong>in</strong>d. Ganz<br />
langsam wird nun <strong>in</strong> mehreren Stufen während<br />
der Dekompression der Stickstoff aus<br />
dem Körper abgeatmet, bis e<strong>in</strong> Aufenthalt<br />
unter Umgebungsdruck wieder gefahrlos<br />
möglich ist.<br />
Diese Dekompressionsstufen s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> der<br />
Taucherei das A und O, wenn <strong>in</strong> größeren<br />
Tiefen gearbeitet wird. Für Sporttaucher<br />
s<strong>in</strong>d heute Tauchcomputer am Handgelenk<br />
und e<strong>in</strong>e vernünftige Tauchgangsplanung<br />
selbstverständlich, die genau vorgeben,<br />
welche Zeit man <strong>in</strong> der Zieltiefe verbr<strong>in</strong>gen<br />
kann, bis e<strong>in</strong>e Dekompression erforderlich<br />
ist. Bei e<strong>in</strong>em normalen Tauchgang, bei<br />
dem während des Aufstiegs die sog. Dekompressionspausen<br />
gemacht werden, ist<br />
es normal, dass man die kürzeste Zeit auf<br />
der Zieltiefe verbr<strong>in</strong>gt und wesentlich mehr<br />
Zeit <strong>in</strong> den Dekompressionstiefen.<br />
Für e<strong>in</strong>en Berufstaucher ist das nicht vorteilhaft,<br />
weil ihm dadurch nur sehr wenig<br />
Zeit zum eigentlichen Arbeiten bleibt. Dieser<br />
Nachteil kann aber nur auf e<strong>in</strong>e Weise<br />
umgangen werden: Stehen Arbeiten <strong>in</strong> größeren<br />
Tiefen an, wird das Gas-/Luftgemisch<br />
der Tiefe angepasst und der Taucher schon<br />
vor dem Tauchgang <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Druckkammer<br />
auf die Tiefe gebracht, <strong>in</strong> der er später arbeiten<br />
wird. Das bed<strong>in</strong>gt aber auch, dass<br />
er längere Zeit <strong>in</strong> diesem Umfeld leben<br />
muss. Gelöst wurde das Problem mit bewohnbaren<br />
Druckkammern und daran andockbaren<br />
Taucherglocken. So kann der<br />
Zieldruck konstant gehalten werden und<br />
der Taucher nach dem häufig e<strong>in</strong> bis zwei<br />
Wochen dauernden Arbeitse<strong>in</strong>satz <strong>in</strong> dieser<br />
Kammer langsam wieder mit der Dekompression<br />
gewissermaßen trockenen Fußes<br />
„auftauchen“.<br />
Was hier so simpel kl<strong>in</strong>gt, ist <strong>in</strong> der Realität<br />
e<strong>in</strong> äußerst anspruchsvolles Verfahren,<br />
bei dem jeder Fehler Tragödien nach<br />
sich ziehen kann. Die Konstruktion und<br />
der Bau solcher Systeme mit den angeschlossenen<br />
Druckkammern ist daher sehr<br />
anspruchsvoll.<br />
Taucherglocken und Schiffe mit Druckkammern<br />
gab es natürlich schon vor der »Fly<strong>in</strong>g<br />
Bell«, was diese so besonders macht, lesen<br />
Sie im nächsten Abschnitt.<br />
Die Geschichte der »Fly<strong>in</strong>g Bell«<br />
E<strong>in</strong>e Taucherglocke hängt <strong>in</strong> der Regel an<br />
e<strong>in</strong>em W<strong>in</strong>denseil und wird von der Oberfläche<br />
aus über entsprechende Leitungssysteme<br />
mit Luft und Energie versorgt.<br />
Früher g<strong>in</strong>g es mit dem Heckkran über die<br />
Bordwand, bei modernen Schiffen ist <strong>in</strong><br />
der Schiffsmitte e<strong>in</strong> sog. Moonpool <strong>in</strong>stalliert,<br />
der e<strong>in</strong>em nach unten offenen Becken<br />
gleichkommt. Durch diesen Moonpool geht<br />
es mit der Taucherglocke direkt nach unten,<br />
so dass das Schiff <strong>in</strong> der Regel direkt über<br />
der Glocke schwimmt.<br />
Diese Positionierung schränkt allerd<strong>in</strong>gs<br />
die Verwendung der Glocke erheblich e<strong>in</strong>,<br />
denn das Schiff kann bei bewegter See<br />
nicht sonderlich nahe an Konstruktionen<br />
wie e<strong>in</strong>er Bohr<strong>in</strong>sel operieren, da die<br />
Kollisionsgefahr viel zu groß ist. So beschränkte<br />
sich die E<strong>in</strong>satzzeit der Glocken<br />
<strong>in</strong> der Nordsee nur auf die Tage mit ruhiger<br />
See und gutem Wetter.<br />
E<strong>in</strong> U-Boot h<strong>in</strong>gegen kann auch bei ungünstigen<br />
Wetterbed<strong>in</strong>gungen unter der Oberfläche<br />
arbeiten, solange es noch ohne Probleme<br />
wieder an Bord geholt werden kann.<br />
Auch gibt es ke<strong>in</strong>e Limitierung der Annäherung,<br />
da an der Oberfläche ja ke<strong>in</strong> Schiff<br />
direkt über ihm positioniert werden muss.<br />
Limitiert s<strong>in</strong>d allerd<strong>in</strong>gs Luft- und Energievorräte,<br />
die ja <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em U-Boot nur begrenzt<br />
mitgeführt werden können.<br />
Steuerungse<strong>in</strong>heit des<br />
Versorgungskabels<br />
Schalttafel der Ballasttanksteuerung<br />
auf dem Mutterschiff<br />
Videomonitor der Außenkamera<br />
mit Pan/Tilt-Steuerung<br />
E<strong>in</strong>e Schalttafel der<br />
Elektriküberwachung<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 69
Überwachungsmonitor des<br />
Simrad-Track<strong>in</strong>gsystems<br />
Wie wäre es, wenn man beide Systeme mite<strong>in</strong>ander<br />
komb<strong>in</strong>iert?<br />
Die Entwicklung der »Fly<strong>in</strong>g Bell« folgt e<strong>in</strong>er<br />
im Jahr 1981 gestellten Anfrage des schwedischen<br />
Unternehmens Stena, das für Taucherarbeiten<br />
bei der Erdgas- und Erdölgew<strong>in</strong>nung<br />
<strong>in</strong> der Nordsee tätigt ist. Neben der<br />
Bruker Meerestechnik stellte man diese Anfrage<br />
auch an das Unternehmen Kockums,<br />
das heute noch militärische U-Boote baut.<br />
Mit der Entwicklung e<strong>in</strong>er autonom beweglichen<br />
Glocke war es aber nicht getan, denn<br />
das System musste an e<strong>in</strong>e Druckkammer<br />
mit entsprechender Steuerungstechnik angepasst<br />
werden. Bei Kockums entschied<br />
man sich dabei für die französische Firma<br />
Comex, bei Bruker war es die Firma Dräger<br />
aus Lübeck.<br />
Anfang 1985 wurden die Entwürfe präsentiert.<br />
Kockums stellte zu se<strong>in</strong>er Entwicklung<br />
mit der Comex nur e<strong>in</strong> kle<strong>in</strong>es Handmodell<br />
Gute 10 cm stark ist das Verb<strong>in</strong>dungskabel<br />
mit allen Versorgungsleitungen<br />
Steuerung der Klaue mit Monitor<br />
Navigationskontrollkonsole<br />
Stapelhub der »Fly<strong>in</strong>g Bell« am 19.01.1986<br />
im Rhe<strong>in</strong>hafen Wörth<br />
An der W<strong>in</strong>de des Brukermarans ist das<br />
Freibord der Glocke sehr ger<strong>in</strong>g<br />
Schematische Darstellung des<br />
Tauchvorgangs mit Trolley<br />
Das 1:1-Konstruktionsmodell auf dem<br />
Stena-Stand auf der Meeres- und<br />
Industriemesse <strong>in</strong> Göteborg<br />
vor, während die Bruker Meerestechnik, voran<br />
mit Dipl.-Ing Jörg Haas, dem Kunden<br />
e<strong>in</strong> e<strong>in</strong>drucksvolles Modell im Maßstab 1:1<br />
präsentieren konnte. Bruker erhielt den Auftrag,<br />
die »Fly<strong>in</strong>g Bell« zu bauen. Statt für<br />
70 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Div<strong>in</strong>g-Room mit allen Kontrollen auf der<br />
STENA SEAWELL<br />
An dieser Konsole werden die<br />
Atemgase gemischt<br />
STENA SEAWELL, das Mutterschiff<br />
der »Fly<strong>in</strong>g Bell«<br />
Verladen der Glocke mit e<strong>in</strong>em der<br />
beiden großen Bordkräne<br />
Trolley mit Antrieb für den Fanghaken<br />
für den Depressor<br />
das Dräger-Druckkammersystem entschied<br />
sich der Auftraggeber aber kurze Zeit später<br />
dazu, die »Fly<strong>in</strong>g Bell« an das Comex-<br />
System anpassen zu lassen. Mit diesem<br />
neuem Typ der Taucherglocke wollte man<br />
das Zeitfenster der Unterwasseroperationen<br />
von 90 auf 300 Tage h<strong>in</strong>aufsetzen,<br />
was e<strong>in</strong>e deutliche Steigerung der Produktivität<br />
versprach.<br />
Neben der vollen Funktionalität e<strong>in</strong>er „normalen“<br />
Taucherglocke ist die »Fly<strong>in</strong>g Bell«<br />
wie e<strong>in</strong> U-Boot ausgestattet. Vier Tauchtanks<br />
und zwei Trimmtanks ermöglichen<br />
Hier die SDC mit Trolley und Cursor zum<br />
Absenken aus dem Moonpool<br />
e<strong>in</strong>e variable Ballastierung und die sechs<br />
stufenlos regelbaren hydraulischen Thruster<br />
e<strong>in</strong>e volle Manövrierbarkeit. So konnte<br />
sich die »Fly<strong>in</strong>g Bell« auch seitwärts im frei<br />
schwebenden Betrieb e<strong>in</strong>em Objekt nähern<br />
und sich mit Hilfe der großen hydraulischen<br />
Klemme z. B. an e<strong>in</strong>er Bohr<strong>in</strong>selstrebe fest<br />
verankern.<br />
Diese Funktionen konnten vom Operator<br />
oder Taucher aus der Glocke heraus gesteuert<br />
werden, allerd<strong>in</strong>gs war dieser Vorgang<br />
auch über das Positionierungs- und<br />
Kamerasystem von der Kommandozentrale<br />
des Mutterschiffes aus möglich. Für diese<br />
Arbeit waren umfangreiche technische wie<br />
visuelle Hilfsmittel vorhanden.<br />
Für den Tauchbetrieb werden Mischgase<br />
und Sauerstoff über die Kabel vom Mutterschiff<br />
zugeführt. Als Notfallsystem s<strong>in</strong>d zwei<br />
50-l-Druckflaschen Sauerstoff <strong>in</strong> der Konstruktion<br />
vorgesehen.<br />
Wie <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em normalen U-Boot auch, wird<br />
die Atemluft über e<strong>in</strong>en CO2-Scrubber aufbereitet.<br />
Mit an Bord bef<strong>in</strong>det sich ebenfalls<br />
e<strong>in</strong>e Heißwasserheizung für die Taucher.<br />
An Bord konnte die »Fly<strong>in</strong>g Bell« vom Taucher/Operator<br />
autonom bewegt werden.<br />
Dies be<strong>in</strong>haltet die Steuerung der Thru-<br />
<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 71
Wichtigstes Werkzeug der Glocke ist die<br />
Klaue (Greifer), mit der sich die Glocke fixieren<br />
kann. Angeordnet ist diese über<br />
dem mittleren Fenster. Angetrieben durch<br />
die Hydraulik, kann die Klaue <strong>in</strong> drei Richtungen<br />
bewegt werden. Dazu gehören Öffnen/Schließen<br />
und Drehen/Neigen um 90°<br />
<strong>in</strong>nerhalb des Schutzrahmens.<br />
Um e<strong>in</strong> unbeabsichtigtes Öffnen nach der<br />
Verankerung zu vermeiden, waren hier<br />
Kontrollventile für den Öldruck vorgesehen.<br />
Um bei den Unterwasseroperationen <strong>in</strong> der<br />
dunklen Nordsee noch Sicht zu behalten,<br />
s<strong>in</strong>d zwei nach vorne und e<strong>in</strong> nach achtern<br />
ausgerichteter Suchsche<strong>in</strong>werfer vorgesehen.<br />
Zur besseren Ortung der Glocke<br />
durch die ausgestiegenen Taucher ist auf<br />
der Oberseite e<strong>in</strong> Stroboskopblitzer e<strong>in</strong>gebaut.<br />
Der Innenraum der »Fly<strong>in</strong>g Bell« wird<br />
durch e<strong>in</strong>e TV-Kamera, der äußere Arbeitsbereich<br />
durch e<strong>in</strong>e von <strong>in</strong>nen schwenkbare<br />
Pan/Tilt-Kamera überwacht. Für Nah- oder<br />
Detailaufnahmen ist <strong>in</strong> der Konstruktion<br />
auch e<strong>in</strong>e Taucher-Handkamera vorgesehen.<br />
Zur Verständigung dient e<strong>in</strong> Unterwassertelefon<br />
mit e<strong>in</strong>em Heliumscrambler. Da unter<br />
Mischgasbed<strong>in</strong>gungen die menschliche<br />
Stimme e<strong>in</strong>em Micky-Maus-Effekt unterliegt,<br />
werden diese Entzerrer e<strong>in</strong>gebaut.<br />
Um die Verfolgung der Glocke von der<br />
Oberfläche aus zu ermöglichen, ist e<strong>in</strong> Track<strong>in</strong>g-System<br />
vorgesehen, das mit Hilfe von<br />
Transpondern e<strong>in</strong>e genaue Ortung zulässt.<br />
Nach der Fertigstellung erfolgten mit Unterstützung<br />
des schon bekannten Brukermarans<br />
die ersten Flachwassertests im Sommer<br />
1985 im Karlsruher Re<strong>in</strong>hafen und die<br />
Abnahme durch De Norske Veritas.<br />
Im folgenden Jahr wurde das System auf<br />
dem Schiff STENA SEAWELL <strong>in</strong>stalliert.<br />
Die STENA SEAWELL fungierte als<br />
Mutterschiff der »Fly<strong>in</strong>g Bell«<br />
Hier fährt die Glocke runter<br />
zum Moonpool<br />
480 Meter plus Reserve des Verb<strong>in</strong>dungs -<br />
kabels s<strong>in</strong>d auf dieser Trommel<br />
ster, des Ballastsystems, der hydraulischen<br />
Ausrüstung und Suchsche<strong>in</strong>werfer, des<br />
Kommunikationssystems, der CO 2 - und O 2 -<br />
Überwachung, sowie der Überwachung des<br />
Kreiselkompasses, der Wasserstandanzeige<br />
der Ballasttanks und der Drehzahlmesser<br />
der Antriebe.<br />
Zur weiteren Systemüberwachung s<strong>in</strong>d <strong>in</strong><br />
der Glocke vorhanden:<br />
– je zwei Druckanzeigen für Druckluft, Sauerstoff<br />
und Mischgas<br />
– e<strong>in</strong>e Anzeige für den Innendruck<br />
– Tiefenmesser<br />
– Thermometer für Atmosphäre und Heißwassersystem<br />
– Hygrometer<br />
– Positionsplotter für Schiffsposition, Arbeitsbereich,<br />
Transponder, H<strong>in</strong>dernisse,<br />
Glocke und Weiteres.<br />
All diese Anzeigen bef<strong>in</strong>den sich ebenfalls<br />
an Bord des Mutterschiffes.<br />
Gesamtaufnahme des Decks, auf dem die Glocke bewegt wird<br />
72 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013
Die Fotos aus dem Inneren des 111 Meter<br />
langen Taucherschiffes zeigen e<strong>in</strong>drucksvoll,<br />
welcher Aufwand für den Betrieb e<strong>in</strong>er<br />
modernen Taucherglocke notwendig ist.<br />
Die STENA SEAWELL war den Recherchen<br />
nach bis 1997 für die Stena <strong>in</strong> Dienst.<br />
Danach erfolgte der Verkauf an zwei weitere<br />
Betreiber. Heute ist das Schiff unter dem<br />
Namen SEAWELL mit dem Heimathafen<br />
Aberdeen immer noch als Taucherschiff <strong>in</strong><br />
Dienst.<br />
Me<strong>in</strong>en Informationen zu Folge war die<br />
»Fly<strong>in</strong>g Bell« bis Anfang der 2000er-Jahre<br />
aktiv im E<strong>in</strong>satz und ist heute <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Lagerhaus<br />
<strong>in</strong> Aberdeen e<strong>in</strong>gelagert.<br />
Wie so oft ist es sehr bedauerlich, dass auf<br />
diese Weise technische Meisterleistungen<br />
<strong>in</strong> Vergessenheit geraten und nicht <strong>in</strong> Form<br />
e<strong>in</strong>er Museums- oder Firmenausstellung für<br />
die <strong>in</strong>teressierte Nachwelt zur Verfügung<br />
stehen.<br />
Unsere Zeitreise <strong>in</strong> die Geschichte der Bruker<br />
Meerestechnik f<strong>in</strong>det hiermit ihren Abschluss.<br />
Ich möchte mich sehr herzlich für<br />
die vielen positiven Reaktionen aus den<br />
unterschiedlichen Reihen der Leser und<br />
Interessenten bedanken. Für die Hersteller<br />
und die Tauch<strong>in</strong>dustrie sollte diese Reihe<br />
als Motivation dienen, der Nachwelt etwas<br />
Zugängliches zu erhalten. Der an U-Booten<br />
<strong>in</strong>teressierte Modellbauer hat sicher etliche<br />
Vorlagen oder e<strong>in</strong>e Inspiration für das<br />
nächs te fasz<strong>in</strong>ierende Modell erhalten.<br />
Me<strong>in</strong> größter Dank geht an Dipl.-Ing. Jörg<br />
Haas und alle Mitarbeiter der Bruker Meerestechnik<br />
GmbH, die mit diesen Booten e<strong>in</strong><br />
Stück Tauchgeschichte geschrieben haben.<br />
Quellen: Alle Fotos Archive Dipl.-Ing. J.<br />
Haas, C. He<strong>in</strong>tze.<br />
Das Bruker-Logo ist e<strong>in</strong> e<strong>in</strong>getragenes<br />
Warenzeichen der Bruker AGs<br />
Stefan Post<br />
U-Boot-Modellbau<br />
Konstruktion • Bau • Betrieb<br />
Max. Operationstiefe<br />
Länge Versorgungskabel<br />
Gewicht<br />
Crew<br />
Durchmesser<br />
Höhe über Schutzrahmen<br />
Durchmesser Druckkörper<br />
Technische Daten<br />
450 m<br />
480 m<br />
13.000 kg<br />
3 Taucher/Operator<br />
3.200 mm<br />
ca. 3.600 mm<br />
1.900 mm<br />
Hydraulik/Antriebssystem<br />
Max. Hydraulikleistung<br />
2 x 35 kW<br />
Max. Hydraulikdruck<br />
200 bar<br />
Max. Durchflussrate<br />
2 x 90 l/m<strong>in</strong><br />
4 x Horizontal Thruster<br />
2 x Vertikal Thruster<br />
Leistung je 10 kW, je 2500 N, Drehzahlbereich 0–500 m<strong>in</strong> -1<br />
Max. Geschw<strong>in</strong>digkeit<br />
ca. 3 kn<br />
Elektrisches System<br />
Hauptstromversorgung<br />
Aux<br />
Ausgangsleistung E-System<br />
Notstromversorgung<br />
Im Kontrollraum während<br />
der Abnahmetests<br />
Drei Phasen 1000 Volt AC<br />
120 V/24 Volt DC<br />
2 x 35 kW<br />
Blei-Gel-Akku, 24 V/200 Ah<br />
Dieses Fachbuch ist seit<br />
vielen Jahren e<strong>in</strong>es der<br />
Standardwerke zum U-<br />
Boot-Modellbau schlechth<strong>in</strong>:<br />
Der Inhalt befasst sich ausführlich<br />
mit allen konstruktionsbed<strong>in</strong>gten<br />
H<strong>in</strong>tergründen<br />
des U-Boot-Modellbaus. Der<br />
Schwerpunkt dieser Veröffentlichung<br />
liegt auf der<br />
theoretischen Grundlagenvermittlung<br />
sowie konkret<br />
nachvollziehbaren Bautipps.<br />
Hierbei werden zum e<strong>in</strong>en<br />
die physikalischen Vorgänge<br />
beim Betrieb e<strong>in</strong>es U-<br />
Bootes ausführlich dargelegt<br />
und zum anderen die<br />
für den Bau von Modellen<br />
relevanten H<strong>in</strong>weise zu<br />
Tauchsystemen, Abdichtung,<br />
Trimmung, Elektrik,<br />
Sicherheitsvorkehrungen<br />
usw. umfassend erläutert.<br />
Mit Hilfe dieses Fachbuches<br />
sollte es jedem präzise<br />
arbeitenden Modellbauer<br />
möglich se<strong>in</strong>, e<strong>in</strong> funktionales<br />
U-Boot-Modell zu bauen,<br />
auch wenn es se<strong>in</strong> erstes<br />
diesbezügliches Projekt se<strong>in</strong><br />
sollte. Aber auch derjenige,<br />
der sich schon mit dieser<br />
Thematik befasst hat, wird<br />
noch etliche <strong>in</strong>teressante<br />
Tipps und H<strong>in</strong>weise zur Beschäftigung<br />
mit diesem<br />
fasz<strong>in</strong>ierenden Hobby f<strong>in</strong>den.<br />
ISBN 978-3-7883-2150-5<br />
Umfang 232 Seiten<br />
Best-Nr. 150<br />
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<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 73
Demnächst <strong>in</strong> der<br />
irchenboot JOHANN HINRICH WICHERN<br />
Das zweite offizielle 152VO-Treffen<br />
... und noch vieles andere mehr!<br />
Aus aktuellem Anlass kann es<br />
zur Verschiebung angekündigter<br />
Beiträge kommen.<br />
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