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SchiffsModell Fife-Yacht Vagrant in 1:4 (Vorschau)

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11<br />

2013<br />

<strong>SchiffsModell</strong><br />

ISSN 0722-7108 € 5,00 [D] € 5,40 [EU] sFr 9,90 E 5290<br />

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<strong>SchiffsModell</strong><br />

Die Fachzeitschrift für den Schiffsmodellbauer<br />

fife-yacht<br />

<strong>in</strong> 1: 4<br />

++ 152VO-Racer ATOMITE +++ ARS-51 GRASP +++ Schnellboot S 100 +++ FEUERWEHR IV +++


MOSQUITO<br />

MONO RENNBOOT ARTR | BEST.-NR. 2202<br />

Rumpflänge ca. 710 mm<br />

SILVER SPIRIT | BEST.-NR. 2001<br />

Rumpflänge ca. 630 mm<br />

WATERCUTTER<br />

HYDRO RENNBOOT ARTR | BEST.-NR. 2203<br />

Rumpflänge ca. 570 mm<br />

RHODE ISLAND<br />

FORMEL 1 KATAMARAN ARTR | BEST.-NR. 2204<br />

Rumpflänge ca. 605 mm<br />

MIDNIGHT GAMBLER<br />

CHAMPIONSHIP ARTR | BEST.-NR. 21005<br />

Rumpflänge ca. 690 mm<br />

Die Navy-Serie<br />

ist besonders geeignet für den<br />

E<strong>in</strong>satz und die Belastungen <strong>in</strong> Schiffsmodellen.<br />

Die bei Wettbewerben vorgeschriebenen Gewichtslimits<br />

werden e<strong>in</strong>gehalten.<br />

7612.2 | LiPo-Akku 2S 2100 mAh 25C<br />

9750.2 | LiPo-Akku 2S 5000 mAh 40C<br />

7616.2 | LiPo-Akku 2S 6200 mAh 25C<br />

7611.3 | LiPo-Akku 3S 1500 mAh 25C<br />

7614.3 | LiPo-Akku 3S 4300 mAh 25C<br />

ADOLPH BERMPOHL | BEST.-NR. 2206<br />

Rumpflänge ca. 1215 mm<br />

Klassisches, vorbildgetreues Modell<br />

mit 3 e<strong>in</strong>gebauten Elektromotoren<br />

und zwei Servos, Beiboot mit<br />

Antriebsmotor und Servo.<br />

Weitere Informationen und Zubehör<br />

zu unseren Produkten unter:<br />

AZ_63<br />

www.facebook.com/GraupnerNews www.youtube.com/GraupnerNews WWW.GRAUPNER.DE


IM NOVEMBER<br />

E-Mail an die Redaktion: welz@neckar-verlag.de<br />

MOTORSCHIFFE<br />

M. Rode: MÜRITZ<br />

Restaurierung e<strong>in</strong>es ehem. DDR-Modells . 4<br />

D. Lübbesmeyer: US-Bergungs- und Rettungsschiff<br />

ARS-51 GRASP . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30<br />

T. Döpke: Schnellboot Typ S 100 . . . . . . . . . . . . . . . . . 36<br />

N. Peter: Feuerlöschboot FEUERWEHR IV . . . . . . . . 38<br />

S. Röhlig: Proviantboot TIME IS MONEY . . . . . . . . . . . 42<br />

C. König: S.M.S. „Wels“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56<br />

AKKUS<br />

Im Arsenal jeder Mar<strong>in</strong>e f<strong>in</strong>den sich nicht nur Kampfe<strong>in</strong>heiten, sondern<br />

auch Hilfs- und Unterstützungsschiffe. D. Lübbesmeyer hat<br />

die GRASP der US NAVY als Modell nachgebaut. Seite 30<br />

P. Koller: Test: LiPos von AGAPOWER . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />

RENNBOOTE<br />

K. Bartholomä: »Miss Spontaneous«<br />

E<strong>in</strong> Modell für die Klasse 152VO . . . . . . . . . 16<br />

A. Lülsdorf: F1-Kat von Modellbaucenter Lorenz . . . . . 52<br />

SEGELSCHIFFE<br />

G. und H. Scharbaum: <strong>Fife</strong>-<strong>Yacht</strong> VAGRANT . . . . . . . . . . . . . . . 22<br />

VERANSTALTUNGEN<br />

P. Burgmann: 27. Swiss M<strong>in</strong>i Sail 2013 . . . . . . . . . . . . . . . 46<br />

U-BOOTE<br />

Es müssen ja nicht immer „Riesen-Projekte“ se<strong>in</strong>: E<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e Ersatz-Rumpfschale,<br />

e<strong>in</strong> paar Frästeile und etliche Komponenten<br />

aus der Restekiste ergeben e<strong>in</strong> schmuckes Modell mit sehr überschaubaren<br />

Kosten. Seite 38<br />

N. Brüggen: Die Geschichte<br />

der Bruker Meerestechnik, Teil 7 . . . . . . . . . 66<br />

RUBRIKEN<br />

Neu und Aktuell . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12<br />

Ihr Fachgeschäft und Servicepartner <strong>in</strong> ... . . . . . . . . . . . . . . .15<br />

Vere<strong>in</strong>e . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60<br />

Leseecke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60<br />

kurz und fündig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62<br />

Inserentenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74<br />

Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74<br />

P. Burgmann besuchte wieder e<strong>in</strong>mal die Swiss M<strong>in</strong>i Sail und zeigt<br />

uns die Fülle der Details an Bord der Modelle. Seite 46<br />

UNSER TITELBILD<br />

E<strong>in</strong>e <strong>Fife</strong>-<strong>Yacht</strong> <strong>in</strong> großem Nachbau-Maßstab? Freunde<br />

klassischer Segelboote und Stammleser der <strong>SchiffsModell</strong><br />

können sich jetzt schon denken, welches Modellbauer- und<br />

Autorengespann hier wieder aktiv wurde.<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 3


Motorschiffe<br />

..<br />

Mart<strong>in</strong> Rode<br />

MURITZ<br />

Restaurierung e<strong>in</strong>es<br />

ehem. DDR-Modells<br />

V<br />

or e<strong>in</strong>igen Jahren fiel mir<br />

im Internet e<strong>in</strong> Modell auf,<br />

welches im Vergleich zu aktuellen<br />

Sportbooten sehr nostalgisch<br />

wirkte. Ke<strong>in</strong> Wunder,<br />

es handelte sich um die MÜRITZ, welche<br />

<strong>in</strong> der ehem. DDR als Baukasten auf dem<br />

Markt war, die aber auch nach Bauplan gebaut<br />

werden konnte. Von der tschechischen<br />

Firma TELTECH aus Ostrava gab es dann<br />

e<strong>in</strong>e Wiederauflage dieses Baukastens,<br />

allerd<strong>in</strong>gs mit gefrästen Holzteilen. Zur damaligen<br />

Zeit verliefen me<strong>in</strong>e Versuche, e<strong>in</strong>en<br />

solchen Baukasten zu erhalten aber im<br />

Sande und so verlor ich die MÜRITZ aus<br />

den Augen.<br />

Etliche Zeit später stieß ich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

Schiffsmodellbauforum auf e<strong>in</strong> sehr schönes<br />

MÜRITZ-Modell, das Interesse flammte<br />

wieder auf und ich machte mich erneut auf<br />

die Suche. Und wie konnte es anders se<strong>in</strong>,<br />

bei dem uns allen bekannten Internet-Auktionshaus<br />

wurde im Sommer 2010 e<strong>in</strong> sehr<br />

renovierungsbedürftiges Modell versteigert.<br />

Ich blieb als e<strong>in</strong>ziger Kauf<strong>in</strong>teressent übrig<br />

und konnte das Modell sogar <strong>in</strong> der Nachbarschaft<br />

persönlich abholen.<br />

Die ersteigerte MÜRITZ war vom Vorbesitzer<br />

sehr massiv gebaut und wohl mit mehreren<br />

Farbschichten versehen worden. Das<br />

konnte so nicht bleiben. Bevor es ans unvermeidliche<br />

Schleifen g<strong>in</strong>g, habe ich noch die<br />

alte Wellenanlage ausgebaut, die komplett<br />

ersetzt werden musste. Hierzu war massiver<br />

E<strong>in</strong>satz angesagt, den Rumpf musste<br />

ich dazu am Wellenaustritt mit Bohrer und<br />

M<strong>in</strong>ikreissäge bearbeiten.<br />

Beim Schleifen stellte sich heraus, dass die<br />

Farbe so dick aufgetragen war, dass ich erst<br />

e<strong>in</strong>mal kapitulieren musste. Etwas „Chemisches“<br />

musste her. Ich versuchte es erst<br />

mit Nitroverdünnung und e<strong>in</strong>er Abziehkl<strong>in</strong>ge,<br />

aber das war e<strong>in</strong> mühseliges Geschäft.<br />

Die Nitroverdünnung wirkte zwar, aber unter<br />

der Farbe kamen noch m<strong>in</strong>destens zwei<br />

verschiedene Spachtel-Schichten zum Vor-<br />

Die Ausgangssituation,<br />

die Wellenanlage wurde<br />

schon ausgebaut<br />

Nach den ersten<br />

Arbeiten zum<br />

Lack entfernen<br />

4 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


sche<strong>in</strong>, wobei e<strong>in</strong>e davon jetzt die Konsistenz<br />

von Kaugummi annahm. Zum Schluss<br />

besorgte ich mir noch e<strong>in</strong>en Abbeizer, den<br />

ich teilweise an e<strong>in</strong>igen Stellen mehrfach<br />

anwenden und auch über e<strong>in</strong>en längeren<br />

Zeitraum von bis zu sechs Stunden e<strong>in</strong>wirken<br />

lassen musste.<br />

Da ich auf Nummer Sicher gehen wollte,<br />

überzog ich den Rumpf danach mit dünnem<br />

Glasgewebe (50 g/m²) und Epoxidharz. Danach<br />

wurde gespachtelt und geschliffen.<br />

Hierbei g<strong>in</strong>g es mir nicht um die Stabilität,<br />

e<strong>in</strong>zubauen. Ich entschied mich für e<strong>in</strong>e<br />

Kompaktwellenanlage, bei der der Kupplungsflansch<br />

bereits am Stevenrohr angebracht<br />

ist. Vorgesehen hatte ich e<strong>in</strong>en Motor<br />

<strong>in</strong> der Baugröße 600, also e<strong>in</strong>e wesentlich<br />

üppigere Motorisierung, als sie ursprünglich<br />

für dieses Modell vorgesehen war.<br />

Im Internet stieß ich auf Fotos von MÜRITZ-<br />

Modellen, bei denen auch etliches an Mahagoni<br />

verbaut wurde. Das sieht natürlich<br />

wunderschön aus, nur ich wollte so e<strong>in</strong>e<br />

Veredelung nicht vornehmen. Das langwierige<br />

Entfernen der alten Lackschichten<br />

hatte genug Zeit und Nerven gekostet, ich<br />

wollte nun langsam zum Ende der Renovierungsarbeiten<br />

kommen.<br />

Mit viel Nitroverdünnung und e<strong>in</strong>er Kl<strong>in</strong>ge<br />

konnte ich mich allmählich vorarbeiten<br />

Auf den Rumpf wird e<strong>in</strong>e Lage Glasgewebe<br />

auflam<strong>in</strong>iert<br />

sondern um die Wasserdichtigkeit. Der<br />

Rumpf wurde dann auch noch von <strong>in</strong>nen mit<br />

angedicktem Epoxidharz ausgestrichen und<br />

später weiß lackiert.<br />

Für die letzte Schicht nutzte ich Spritzspachtel<br />

aus dem Autozubehör. Zum Schluss<br />

wurde alles mit 400er-Nassschleifpapier<br />

übergeschliffen, bevor die Farblackierung<br />

erfolgte.<br />

Das Modell ist relativ e<strong>in</strong>fach gehalten und<br />

es gab folglich auch kaum Kle<strong>in</strong>teile, die ich<br />

aufarbeiten musste. E<strong>in</strong>en richtigen Plan<br />

hatte ich auch nicht, im Internet habe ich<br />

jedoch Fotos des Plans gefunden, so dass<br />

ich zum<strong>in</strong>dest e<strong>in</strong>en Überblick hatte. Nun<br />

war es an der Zeit, die neue Wellenanlage<br />

Somit stand die Wahl der Farben für die<br />

Lackierung an. Zuerst wurde das ganze<br />

Modell <strong>in</strong> Weiß lackiert, für das Unterwasserschiff<br />

wählte ich Blau. Der Wasserpass<br />

wurde dann noch mit e<strong>in</strong>em dunkleren Blau<br />

(Ultramar<strong>in</strong>blau von Revell, Farb-Nr. 51) abgesetzt.<br />

Für das Abkleben nehme ich generell<br />

immer Scotch Plastic Tape 471 von 3M.<br />

Dieses begrenzt aber nur den unmittelbaren<br />

Lackierbereich, den Rest des Rumpfes klebe<br />

ich mit Zeitungspapier und Malerkrepp<br />

ab, wobei ich das Krepp knapp auf das<br />

Scotch-Tape klebe.<br />

Wichtig ist, dass man die Abklebung schon<br />

nach ca. e<strong>in</strong>er Stunde entfernt. Die Farbe ist<br />

dann zwar schon angetrocknet, aber doch<br />

Entfernen der Abklebung<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 Das Ruderservo wurde nur e<strong>in</strong>geklebt 5


MÜRITZ bei hoher Fahrt<br />

Technische Daten<br />

noch so elastisch, dass sie beim Abziehen<br />

des Klebebandes an der Trennkante nicht<br />

ausbricht.<br />

E<strong>in</strong> bisschen sichtbares Holz wollte ich am<br />

Modell dann aber doch noch gerne haben.<br />

Daher habe ich die aufklappbare Zugangsluke<br />

zum Ruderservo mit 0,5 mm starken<br />

Holzleisten beklebt und etwas Mahagoni<br />

wurde für die Handläufe auf den Kajütdächern<br />

e<strong>in</strong>gesetzt. Hierfür kam e<strong>in</strong>e Mahagonileiste<br />

mit den Maßen 10 x 3 mm zur Anwendung.<br />

Die äußere Form der Handläufe<br />

wurde aufgezeichnet, auf das Holz übertragen<br />

und dann mit der Dekupiersäge ausgeschnitten.<br />

Da ich ke<strong>in</strong>e genauen Maße hatte,<br />

habe ich das nach Gefühl gemacht. Auch<br />

der Flaggenstock ist aus e<strong>in</strong>em Holzrundstab<br />

hergestellt.<br />

Für den Antrieb baute ich e<strong>in</strong>en noch vorhandenen<br />

SPEED 600 e<strong>in</strong>. Bei der ersten<br />

Probefahrt stellte ich fest, dass der Motor<br />

mit me<strong>in</strong>en 7,4-V-LiPos viel zu hoch drehte.<br />

E<strong>in</strong>e Strommessung ergab 18 A, entschieden<br />

zu viel für das Modell. Also wurde auf<br />

e<strong>in</strong>en SPEED 600 ECO umgerüstet, mit<br />

dem die MÜRITZ aber eigentlich immer<br />

noch übermotorisiert ist. Der Rumpf kann<br />

die Leistung gar nicht umsetzen, er sackt<br />

mit dem Heck weg und reckt den Bug gen<br />

Himmel. Also wird der Gasknüppel eben nur<br />

sehr gelassen betätigt.<br />

Das Modell ist durch das hohe Freibord<br />

recht robust und kann auch bei etwas mehr<br />

Länge<br />

Breite<br />

Höhe<br />

Tiefgang<br />

Gewicht<br />

Antrieb<br />

62 cm<br />

21 cm<br />

ca. 18,5 cm (ohne Mast)<br />

ca. 6 cm<br />

ca. 2,00 kg<br />

SPEED 600 ECO<br />

6 Zellen NiMH oder 2s LiPo<br />

W<strong>in</strong>d und Welle gut e<strong>in</strong>gesetzt werden, andererseits<br />

ist es noch recht handlich und<br />

somit gut zu transportieren.<br />

Es sollte mich auch nicht wundern, wenn die<br />

MÜRITZ <strong>in</strong> Zukunft wieder mehr Freunde<br />

f<strong>in</strong>den würde. Zur Spielwarenmesse 2013<br />

hat die Firma Krick das Modell ja als Holzbaukasten<br />

wieder neu präsentiert, ganz<br />

zeitgemäß mit lasergeschnittenen Holzteilen<br />

ausgestattet.<br />

6 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Historische Modellschiffe<br />

aus Baukästen<br />

Peter Holz<br />

Sandra´s Modellwerft<br />

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Schiffs Modell<br />

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AKKUS<br />

Peter Koller<br />

AGAPOWER 50C<br />

Neue Firma und neue LiPos<br />

Firmengründer Robert Müller und Thomas Weiß<br />

Zwei Freunde, Thomas Weiß,<br />

Dipl.-Ing. Elektrotechnik, und<br />

Robert Müller, diplomierter Physiker,<br />

betreiben seit über 20 Jahren aktiv<br />

Modellsport. Thomas Weiß hauptsächlich<br />

im Bereich Schiffsmodelle und RC-Cars,<br />

Robert Müller schwerpunktmäßig bei Flugmodellen<br />

und <strong>in</strong>zwischen auch Hubschraubern.<br />

Beide s<strong>in</strong>d seit mehreren Jahren<br />

unabhängig vone<strong>in</strong>ander bereits beruflich<br />

selbstständig, jeder <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Fachgebiet:<br />

Thomas als Elektronik-Entwickler, Robert<br />

als IT-Spezialist.<br />

Schon länger haben die beiden überlegt,<br />

ihr Modellbau-Hobby zu etwas geme<strong>in</strong>samen,<br />

Beruflichen auszuweiten und dabei<br />

möglichst beide Fachgebiete zu komb<strong>in</strong>ieren.<br />

Bisher fehlte aber der Anstoß, um den<br />

Wunsch auch <strong>in</strong> die Tat umzusetzen.<br />

Der Deutschland-Vertrieb der AGAPO-<br />

WER-Akkus ist nun dieser Anstoß und<br />

e<strong>in</strong> erster Schritt. Beide haben das Ziel,<br />

zukünftig den Modellbau-Markt mit qualitativ<br />

hochwertigen Produkten zu bereichern<br />

und zielen explizit nicht auf den Billig-Ch<strong>in</strong>a-Import<br />

ab. Dies ist auch das Ziel, mit<br />

dem das Unternehmen AGA-Technology<br />

an die beiden herangetreten ist, um diese<br />

Produkte künftig <strong>in</strong> Deutschland im oberen<br />

Segment zu platzieren. Daher haben sie<br />

sich nach ausgiebigem Test dieser Produkte<br />

zu e<strong>in</strong>er Kooperation und zum Start<br />

des geme<strong>in</strong>samen Unternehmens entschlossen.<br />

O-Ton Robert Müller: „Andere<br />

Produkte, u. a. auch Eigenentwicklungen,<br />

8 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Die werksseitig konfektionierten Deans-Plugs s<strong>in</strong>d für<br />

Dauerbelastungen über 70–80 A nicht geeignet, daher <strong>in</strong><br />

diesem Fall höher belastbare Stecksysteme verwenden<br />

Hotspot, der Temperatursensor liegt unter dem Schrumpfschlauch<br />

an den Außenkanten zwischen Zelle 2 und 3,<br />

da hier die größte Hitze anliegt. Die Packs liegen während<br />

der Entladungen mit Zelle 3 flach auf e<strong>in</strong>em Holzbrett,<br />

die Wärmeverteilung/Wärmestau ist also ähnlich wie<br />

im Modell<br />

sollen noch folgen. Selbstverständlich<br />

wird es für die Akkus e<strong>in</strong>e kont<strong>in</strong>uierliche<br />

Qualitätskontrolle durch unabhängige, anerkannte<br />

Fachleute geben. Wir wollen def<strong>in</strong>itiv<br />

mehr <strong>in</strong> Richtung Qualitätssicherung<br />

tun, als andere Anbieter das z. Zt. machen.<br />

Daher werden wir uns auch zunächst auf<br />

die Akkus fokussieren und das Produktangebot<br />

nur langsam erweitern. Hierzu<br />

haben wir bereits e<strong>in</strong>e GmbH gegründet,<br />

über die die Akkus und diverses Zubehör<br />

erhältlich s<strong>in</strong>d. Daher ist unter www.agapower.de<br />

sowie unter www.dynamic-rc.de<br />

e<strong>in</strong> entsprechender Shop verfügbar.“<br />

Soviel zur E<strong>in</strong>leitung und Vorstellung der<br />

Firmengründer Robert Müller und Thomas<br />

Weiß.<br />

Das Testprozedere<br />

wurde der fortschreitenden Technik angepasst,<br />

eventuell davon abweichende Maßnahmen<br />

werden <strong>in</strong> jedem Beitrag gesondert<br />

erläutert, oder s<strong>in</strong>d direkt den Diagrammen<br />

zu entnehmen.<br />

Die ersten Musterzellen der 3300er-50C-<br />

AGAPOWER wurden mir Anfang 2013<br />

zum Test zugesandt. Nach diversen Testdurchläufen<br />

war schnell klar, dass von der<br />

Belastbarkeit her etwas nicht stimmte. Also<br />

wurden die Packs auf Wunsch des Herstellers<br />

samt Messdiagrammen und mit<br />

entsprechenden H<strong>in</strong>weisen versehen, zur<br />

Analyse zurückgeschickt. Nach Monieren<br />

dieser schlechten Ergebnisse beim Hersteller<br />

wurden die Packs mit dem H<strong>in</strong>weis,<br />

dass da wohl durch e<strong>in</strong>en Fehler <strong>in</strong> der<br />

Produktion fälschlich Zellen mit ger<strong>in</strong>gerem<br />

Rat<strong>in</strong>g als 50C gelabelt wurden, anstandslos<br />

ersetzt. Me<strong>in</strong>e Messergebnisse dieser<br />

falsch gelabelten Zellen s<strong>in</strong>d im Diagramm<br />

„Musterzellen 1“ zu sehen. Dieses Diagramm<br />

soll nur der Vergleichbarkeit (vorher–nachher)<br />

dienen.<br />

Der Test<br />

Gerade diese neuen Packs mussten angesichts<br />

der Pleite mit den erwähnten Musterzellen<br />

nun erst recht ihre Qualitäten durch<br />

entsprechende Hochstrommessungen an<br />

der Stromsenke beweisen. Zum Test standen<br />

wieder zwei 3300er-Packs mit angelöteten,<br />

verpolungssicheren Deans-Hochstrombuchsen<br />

zur Verfügung. Man kann die<br />

Packs aber auch ohne Buchsen ordern und<br />

Hochstromverb<strong>in</strong>dungen se<strong>in</strong>er Wahl selbst<br />

anlöten. Die E<strong>in</strong>zelzellenspannungen aller<br />

Packs lagen bei Lieferung um 3,85 V, soweit<br />

also schon mal alles paletti.<br />

Entladespannung - [V]<br />

4,30<br />

4,20<br />

4,10<br />

4,00<br />

3,90<br />

3,80<br />

3,70<br />

3,60<br />

3,50<br />

3,40<br />

3,30<br />

3,20<br />

3,10<br />

Für die Hochstrommessungen<br />

über 80 A wurden<br />

die Deans-Plugs entfernt<br />

und die Zellen über<br />

16-mm²-Lüsterklemmen<br />

und 8-mm²-Silikonkabel mit<br />

der Stromsenke verbunden<br />

AGAPOWER-50C-LiPos, 3s-Pack 1, Nennkapazität 3300 mAh<br />

Aufzeichnung auf e<strong>in</strong>e Zelle normiert, Ladestrom/Zeit: 1C, ca. 61 m<strong>in</strong>.<br />

Temp. E- Start: 21 ° C., E-Start 2 s vor Lastaufschaltung<br />

Stark gespreizte Darstellung der Spannungsachse<br />

Dem mittlerweile üblichen Standard entsprechend,<br />

s<strong>in</strong>d die Packs ordentlich konfektioniert<br />

und der Länge nach mit solidem<br />

Kunststoffband umschlossen. Zwischen<br />

den Ableiterfahnen der E<strong>in</strong>zelzellen verh<strong>in</strong>dert<br />

isolierendes Moosgummi Kurzschlüsse.<br />

Zusätzlich werden die Kopf- und<br />

Fußseiten mit Polstermaterial vor Stoßbelastungen<br />

geschützt. Selbstverständlich ist<br />

alles astre<strong>in</strong> und faltenfrei e<strong>in</strong>geschrumpft.<br />

Der Querschnitt der ca. 12,5 cm langen<br />

hochflexiblen Silikon-Hochstromkabel beträgt<br />

für die 3300er- Packs 10AWG (5,26<br />

mm²), das ist auf 50C = 165 Acc (Dauerlast)<br />

bezogen also durchaus lastgerecht dimensioniert.<br />

Hochflexible, ca. 5 cm messende<br />

Balancerkabel enden <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er EHR-Buchse<br />

im verbreiteten 2,54-mm-Raster. Als maximaler<br />

Ladestrom s<strong>in</strong>d 5C, also 16,5 A angegeben,<br />

die allerd<strong>in</strong>gs im Test nur bis 2C<br />

ausgereizt wurden.<br />

Diagramm Musterpack 1<br />

Das soll hier nicht großartig besprochen<br />

werden, nur soviel sei gesagt: Pannen<br />

passieren immer wieder und überall, denn<br />

ke<strong>in</strong>e Firma kann es sich leisten „50C-<br />

Musterzellen“ zu liefern, die nach eigenen<br />

Messungen maximal nur 30C-Belastung<br />

erbr<strong>in</strong>gen.<br />

Die Messungen<br />

der Serienzellen ergaben durchweg erstaunlich<br />

gute bis sehr gute Ergebnisse.<br />

Gegenüber den Musterzellen kann man<br />

fast von e<strong>in</strong>em Quantensprung reden. Die<br />

Diagramme 1 und 2 (Pack 1 und 2) zeigen<br />

die Belastungsprofile von 10–40C (33–<br />

132Acc) Dauer-Konstantstromentnahme<br />

mit wirklich hervorragenden Spannungslagen.<br />

Und dies wohlgemerkt unter normalen<br />

Raumtemperaturbed<strong>in</strong>gungen von 21 °C,<br />

also ohne Vorwärmung! Der aus diesen<br />

Messungen gemittelte DC-Ri bei 50 %<br />

D.O.D. (Entladetiefe) liegt bei beiden Packs<br />

bei nur ca. 2,2–3 mΩ/Z! Alle<strong>in</strong> mit diesem<br />

für e<strong>in</strong>e 3300er-Zelle äußerst ger<strong>in</strong>gen In-<br />

P1 / 10.E = 10C (33 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,3 V, Um 3,670V, C 3,256 Ah, P 11,95 Wh, E.-Temp. 49 / 50 °C<br />

P1 / 12.E = 20C (66 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,2 V, Um 3,576V, C 3,267 Ah, P 11,68 Wh, E.-Temp. 59 / 62 °C<br />

P1 / 13.E = 24C (79,2Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,539V, C 3,300 Ah, P 11,68 Wh, E.-Temp. 61 / 63 °C<br />

P1 / 14.E = 30C (99 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,489V, C 3,223 Ah, P 11,24 Wh, E.-Temp. 64 / 66 °C<br />

P1 / 15.E = 40C (132 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,3 V, Um 3,428V, C 2,860 Ah, P 9,80 Wh, E.-Temp. 65 / 67 °C<br />

T. 50% E.T.<br />

20C = 40 °C<br />

30C = 44 °C<br />

40C = 47 °C<br />

T. 70% E.T.<br />

20C = 47 °C<br />

30C = 53 °C<br />

40C = 57 °C<br />

T. 80% E.T.<br />

20C = 51 °C<br />

30C = 56 °C<br />

40C = 63 °C<br />

T. 90% E.T.<br />

20C = 55 °C<br />

24C = 57 °C<br />

30C = 61 °C<br />

T. 86% E.T.<br />

40C = 65 °C<br />

T.Abschaltg.<br />

3,00<br />

0 286 583 880 1177 1474 1771 2068 2365 2662 2959 3256<br />

Diagramm Musterpack 1 Kapazität - [mAh]<br />

Raumtemperatur 21 °C<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 9


Technische Daten 3s, 50C<br />

Nennkapazität<br />

Energiedichte b.10C<br />

Energiedichte b. 20C<br />

DC-Ri/Z, gemittelt<br />

Ladestrom maximal<br />

Maße<br />

Hochstromkabel<br />

Länge<br />

Zellenableitermaße<br />

Balancerbuchse<br />

Gewicht<br />

VK-Preis<br />

3300 mAh<br />

130,8 Wh/kg<br />

128,3 Wh/kg<br />

2,91 mΩ<br />

16,5 A (5C)<br />

135 x 43,5 x 23,5 mm<br />

10AWG = 5,26 mm²<br />

ca. 125 mm<br />

20 x 0,15 mm = 3 mm²<br />

EHR (2,54-mm-Raster)<br />

297 g komplett<br />

267 g ohne Kabel und<br />

Hochstromstecksystem<br />

Noch ke<strong>in</strong>e Angabe<br />

nenwiderstand hebt sie sich von vergleichbaren<br />

Zellen dieser Kapazitätsklasse ab.<br />

Diagramm 3<br />

Obwohl aus den Diagrammen der Serienzellen<br />

abzuleiten ist, dass 50C-Dauerbelastungen<br />

bis etwa 80 % D.O.D. bei<br />

e<strong>in</strong>er Endtemperatur von maximal 65 °C<br />

locker möglich s<strong>in</strong>d, wurde e<strong>in</strong> Pulslastdiagramm<br />

mit 10C Grundlast (33Acc, 25 s)<br />

und 50C Pulslast (165Acc, 5,5 s) erstellt.<br />

Die Spannungse<strong>in</strong>brüche während dieser<br />

5,5 Sekunden dauernden Pulsbelastungen<br />

zeigen ke<strong>in</strong>e signifikanten Auffälligkeiten,<br />

sprich ke<strong>in</strong>e „Überlastprobleme“. Alle Parameter<br />

wie Spannungslage und Endtemperatur<br />

(nur 58 °C) bleiben im normalen<br />

Rahmen, lediglich die Entnahmekapazität<br />

lässt erwartungsgemäß etwas zu wünschen<br />

übrig.<br />

Me<strong>in</strong> Fazit<br />

Nicht oft im Leben wird man überrascht,<br />

ich während dieser Messungen schon.<br />

Getestet wurden zuerst „Musterzellen“, die<br />

nichts brachten, danach Serienzellen, die<br />

astre<strong>in</strong> waren. Zur Kontrolle wurde e<strong>in</strong>e weitere<br />

Charge Serienzellen vermessen, die<br />

diese Daten bestätigt haben.<br />

Besonders empfehlenswert s<strong>in</strong>d diese Zellen<br />

daher für alle Anwender, die tatsächlich<br />

Dauerhochstrom ziehen wollen bzw. müssen,<br />

wie z. B. die Powerboater, SAW-Spezis<br />

usw. Es handelt sich bei den AGAPOWER<br />

um außergewöhnlich gute Zellen, die, wenn<br />

sie denn so bleiben, neue Maßstäbe setzen<br />

werden. Momentan gehören die 3300er-<br />

AGAs <strong>in</strong> dieser Klasse zu me<strong>in</strong>en neuen<br />

Entladespannung - [V]<br />

Entladespannung - [V]<br />

Entladespannung - [V]<br />

4,30<br />

4,20<br />

4,10<br />

4,00<br />

3,90<br />

3,80<br />

3,70<br />

3,60<br />

3,50<br />

3,40<br />

3,30<br />

3,20<br />

3,10<br />

P1 / 10.E = 10C (33 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,3 V, Um 3,726 V, C 3,102 Ah, P 11,56 Wh, E.-Temp. 43 / 44 °C<br />

P1 / 12.E = 20C (66 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,2 V, Um 3,638 V, C 3,113 Ah, P 11,32 Wh, E.-Temp. 54 / 56 °C<br />

P1 / 13.E = 24C (79,2Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,597 V, C 3,135 Ah, P 11,27 Wh, E.-Temp. 58 / 60 °C<br />

P1 / 14.E = 30C (99 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,548 V, C 3,102 Ah, P 11,00 Wh, E.-Temp. 61 / 63 °C<br />

P1 / 15.E = 40C (132 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,472 V, C 3,036 Ah, P 10,54 Wh, E.-Temp. 63 / 64 °C<br />

Pack 1, AGAPOWER-50C-LiPos, 3s-Pack 1, Nennkapazität 3300 mAh,<br />

Aufzeichnung auf e<strong>in</strong>e Zelle normiert, Ladestrom/Zeit: 1C, ca. 61 m<strong>in</strong>.<br />

Temp. E-Start: 21 ° C., E-Start 2 s vor Lastaufschaltung<br />

Stark gespreizte Darstellung der Spannungsachse<br />

3,00<br />

0 286 583 880 1177 1474 1771 2068 2365 2662 2959 3256<br />

Diagramm 1 Kapazität - [mAh]<br />

Raumtemperatur 21 °C<br />

4,30<br />

4,20<br />

4,10<br />

4,00<br />

3,90<br />

3,80<br />

3,70<br />

3,60<br />

3,50<br />

3,40<br />

3,30<br />

3,20<br />

3,10<br />

Referenzzellen. Leider stand der Verkaufspreis<br />

zum Zeitpunkt der Beitragserstellung<br />

noch nicht fest.<br />

Me<strong>in</strong> Gesamturteil: Sehr empfehlenswert!<br />

DC-Ri bei 50% E.T. gemittelt ca. 2,29 mΩ<br />

T. 50% E.T.<br />

20C = 36 °C<br />

24C = 37 °C<br />

30C = 40 °C<br />

40C = 45 °C<br />

T. 70% E.T.<br />

20C = 43 °C<br />

24C = 46 °C<br />

30C = 50 °C<br />

40C = 53 °C<br />

T. 80% E.T.<br />

20C = 47 °C<br />

24C = 50 °C<br />

30C = 53 °C<br />

40C = 57 °C<br />

T. 90% E.T.<br />

20C = 51 °C<br />

24C = 55 °C<br />

30C = 57 °C<br />

40C = 61 °C<br />

P2 / 10.E = 10C (33 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,3 V, Um 3,728 V, C 3,124 Ah, P 11,64 Wh, E.-Temp. 43 / 44 °C<br />

P2 / 12.E = 20C (66 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,2 V, Um 3,642 V, C 3,135 Ah, P 11,42 Wh, E.-Temp. 54 / 56 °C<br />

P2 / 13.E = 24C (79,2Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,604 V, C 3,135 Ah, P 11,30 Wh, E.-Temp. 58 / 60 °C<br />

P2 / 14.E = 30C (99 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,558 V, C 3,124 Ah, P 11,11 Wh, E.-Temp. 61 / 63 °C<br />

P2 / 15.E = 40C (132 Acc), 10 m<strong>in</strong>. Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,469 V, C 3,124 Ah, P 10,83 Wh, E.-Temp. 64 / 65 °C<br />

Pack 2, AGAPOWER-50C-LiPos, 3s-Pack 2, Nennkapazität 3300 mAh,<br />

Aufzeichnung auf e<strong>in</strong>e Zelle normiert, Ladestrom/Zeit: 1C, ca. 61 m<strong>in</strong>.<br />

Temp. E-Start: 21 ° C., E-Start 2 s vor Lastaufschaltung<br />

Stark gespreizte Darstellung der Spannungsachse<br />

DC-Ri bei 50% E.T. gemittelt ca. 2,20 mΩ<br />

T. 50% E.T.<br />

20C = 36 °C<br />

24C = 37 °C<br />

30C = 40 °C<br />

40C = 45 °C<br />

T. 70% E.T.<br />

20C = 43 °C<br />

24C = 46 °C<br />

30C = 50 °C<br />

40C = 53 °C<br />

T. 80% E.T.<br />

20C = 47 °C<br />

24C = 50 °C<br />

30C = 53 °C<br />

40C = 57 °C<br />

T. 90% E.T.<br />

20C = 51 °C<br />

24C = 55 °C<br />

30C = 57 °C<br />

40C = 61 °C<br />

3,00<br />

0 286 583 880 1177 1474 1771 2068 2365 2662 2959 3256<br />

Diagramm 2 Kapazität - [mAh]<br />

Raumtemperatur 21 °C<br />

4,30<br />

4,20<br />

4,10<br />

4,00<br />

3,90<br />

3,80<br />

3,70<br />

3,60<br />

3,50<br />

3,40<br />

3,30<br />

3,20<br />

3,10<br />

3,00<br />

2,90<br />

P1 - Pulslast 10 - 50 C, 10 m<strong>in</strong>.Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,722 V, C 3,089 Ah, P 11,50 Wh, DC-Ri = 3,25 mΩ, E.-Temp. 58 °C, [ Im 54,25 A ]<br />

P2 - Pulslast 10 - 50 C, 10 m<strong>in</strong>.Ruhe, Ue 3,1 V, Um 3,720 V, C 3,120 Ah, P 11,60 Wh, DC-Ri = 3,20 mΩ, E.-Temp. 58 °C, [ Im 54,52 A ]<br />

17.E = Pulslast 10 - 50 C - Stromverlauf, 25 Sekunden 33 Acc und 5,5 Sekunden 165 Acc, im Wechsel bis auf 3,1 V<br />

AGAPOWER - 50C- Lipos, 3S - Pack 1 u.2, Nennkapazität 3300 mAh<br />

Aufzeichnung auf e<strong>in</strong>e Zelle normiert, Ladestrom/Zeit: 2C, ca. 32 m<strong>in</strong>.<br />

Temp. E- Start: 21 ° Cels., E-Start 2 s vor Lastaufschaltung<br />

P1-DC-Ri = 4,42 mΩ<br />

P2-DC-Ri = 4,31 mΩ<br />

31 °C 36 °C 41 °C 47 °C 55 °C<br />

P1-DC-Ri = 2,86 mΩ<br />

P2-DC-Ri = 2,90 mΩ<br />

P1-DC-Ri = 2,48 mΩ<br />

P2-DC-Ri = 2,39 mΩ<br />

2,80<br />

0<br />

0 14 28 42 56 70 84 98 112 126 140 154 168 182 196 210 224<br />

Diagramm 3 Entladezeitt - [ s ]<br />

Raumtemperatur 21 °C<br />

Bezugsquelle: Dynamic-RC,<br />

Weiß & Müller Modelltechnik GmbH<br />

Am Rötschberg 31, 50127 Bergheim<br />

Tel. 02271/985044, www.dynamic-rc.de,<br />

<strong>in</strong>fo@dynamic-rc.de<br />

248<br />

231<br />

215<br />

198<br />

182<br />

165<br />

149<br />

132<br />

116<br />

99<br />

83<br />

66<br />

50<br />

33<br />

17<br />

Entladestrom - [A]<br />

10 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


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<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 11


RUBRIKEN<br />

<br />

<br />

Neues von der DGzRS<br />

Mitte September bekam der neue Seenotkreuzer<br />

für List auf Sylt erstmals Wasser unter<br />

den Kiel. Der neue 20 Meter lange Seenotkreuzer<br />

der Deutschen Gesellschaft zur<br />

Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) wurde auf<br />

der Fr. Fassmer-Werft <strong>in</strong> Berne-Motzen über<br />

e<strong>in</strong> großes Hebewerk <strong>in</strong> die Weser abgesenkt.<br />

Die DGzRS wird das Schiff, das derzeit noch<br />

mit der <strong>in</strong>ternen Bezeichnung „SK 34“ versehen<br />

ist, voraussichtlich Ende 2013 taufen<br />

und <strong>in</strong> Dienst stellen. Bis dah<strong>in</strong> stehen umfangreiche<br />

Erprobungen <strong>in</strong> der Nordsee auf<br />

dem Programm. Zuvor erfolgt noch die Endausrüstung<br />

des modernen Spezialschiffes<br />

am Anleger der Fassmer-Werft.<br />

Im Zuge der ständigen Modernisierung der<br />

Rettungsflotte soll der <strong>in</strong>zwischen vierte<br />

Neubau der 20-Meter-Klasse die zurzeit <strong>in</strong><br />

List stationierte MINDEN (Baujahr 1985) ersetzen.<br />

Die Schwesterschiffe EISWETTE<br />

(Baujahr 2009), EUGEN (2009) und THEO-<br />

DOR STORM (2011) s<strong>in</strong>d auf den Stationen<br />

Nordstrand, Greifswalder Oie und Büsum erfolgreich<br />

im E<strong>in</strong>satz.<br />

Der neue Kreuzer ist über alles: 19,90 m<br />

lang, 5,05 m breit, geht 1,30 m tief und verdrängt<br />

38 t. Die Geschw<strong>in</strong>digkeit liegt bei<br />

max. 22 kn (ca. 41 km/h), die 1.220 kW<br />

(1.630 PS) starke Antriebsanlage wirkt auf<br />

e<strong>in</strong>en Propeller. In der typischen Heckwanne<br />

mit Klappheck führt der neue Seenotkreuzer<br />

e<strong>in</strong> leichtes und wendiges Festrumpfschlauchboot<br />

mit sich. Es ist bei 4,80<br />

m Länge und nur 40 cm Tiefgang 30 kn (ca.<br />

56 km/h) schnell. Zugunsten des ger<strong>in</strong>gen<br />

Tiefgangs des Seenotkreuzers hat die<br />

DGzRS auf e<strong>in</strong> größeres und schwereres<br />

Tochterboot verzichtet. Dennoch ist das Ar-<br />

beitsboot e<strong>in</strong> leistungsfähiges E<strong>in</strong>satzmittel<br />

zur Assistenz und zum Befahren von Flachwassergebieten.<br />

Trotz der relativ ger<strong>in</strong>gen Größe dieses Seenotkreuzers<br />

gibt es viel Platz für die Rettungsarbeiten:<br />

Der Behandlungsplatz zur<br />

mediz<strong>in</strong>ischen Erstversorgung im geräumigen<br />

Mehrzweckraum wird umfassend ausgerüstet.<br />

Auf e<strong>in</strong> Wohndeck hat die DGzRS<br />

verzichtet. Die Besatzung lebt nicht an Bord,<br />

sondern im Stationsgebäude unmittelbar<br />

am Liegeplatz. Für längere Seetörns s<strong>in</strong>d im<br />

Vorschiff aber e<strong>in</strong>e kle<strong>in</strong>e Messe und e<strong>in</strong>e<br />

Schlafmöglichkeit vorhanden.<br />

Foto: DGzRS/Die Seenotretter<br />

SK 34 schwimmt erstmals <strong>in</strong><br />

se<strong>in</strong>em Element.<br />

Foto: DGzRS/Die Seenotretter<br />

Wie alle Rettungse<strong>in</strong>heiten der DGzRS ist<br />

auch der jüngste Neubau als Selbstaufrichter<br />

konzipiert, er wird vollständig aus Alum<strong>in</strong>ium<br />

gebaut und ausschließlich durch freiwillige<br />

Zuwendungen aus allen Teilen der<br />

Bevölkerung f<strong>in</strong>anziert. Dazu haben die<br />

Seenotretter e<strong>in</strong>en ungewöhnlichen Spendenwettbewerb<br />

gestartet, nämlich den<br />

Spendenwettbewerb „Reetdach gegen Reeperbahn!<br />

Wer spendet mehr: Sylt oder<br />

Hamburg?“<br />

12 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


XciteRC Professional und XciteRC Military<br />

vertrieben. Das umfangreiche Sortiment<br />

umfasst ferngesteuerte Flugzeuge, Helikopter,<br />

Quadrocopter, Automodelle, Schiffe,<br />

U-Boote, Fernsteuerungen, Ladegeräte, Ersatzteile<br />

und Zubehör.<br />

Die Produkte von XciteRC zeichnen sich<br />

laut Anbieter durch hohe Funktionssicherheit<br />

und ansprechendes Design aus und<br />

s<strong>in</strong>d im oberen Qualitätsbereich des Marktes<br />

angesiedelt.Weitere Infos f<strong>in</strong>det man im<br />

Internet unter www.XciteRC.de<br />

XciteRC Modellbau GmbH & Co. KG<br />

Autenbachstraße 12<br />

73035 Göpp<strong>in</strong>gen<br />

Tel. 0716/470799-0<br />

<strong>in</strong>fo@xciterc.de<br />

www.XciteRC.de<br />

Die Messe rund um<br />

Modellbau und -bahn<br />

VORTEILSCOUPON<br />

2,- EURO *<br />

Ermäßigung<br />

Die DGzRS ruft <strong>in</strong>sbesondere alle Freunde<br />

der Insel und der Hansestadt dazu auf, sich<br />

an der F<strong>in</strong>anzierung des neuen Seenotkreuzers<br />

zu beteiligen. Der Endstand dieses<br />

Spendenwettbewerbs wird entscheiden, ob<br />

das Schiff e<strong>in</strong>en Namen mit Bezug zu Sylt<br />

oder zu Hamburg erhält.<br />

Onl<strong>in</strong>espenden unter www.reetdach-gegenreeperbahn.de<br />

verändern den Spendenstand<br />

<strong>in</strong> Echtzeit. Herkömmliche Überweisungen<br />

s<strong>in</strong>d unter Angabe von „Aktion Sylt“<br />

oder „Aktion Hamburg“ auf das Konto 107<br />

2016 bei der Sparkasse Bremen (BLZ 290<br />

501 01) möglich. Von unterwegs ist die Hilfe<br />

per SMS mit dem Wort „Sylt“ oder „Hamburg“<br />

an die Nummer 8 11 90 (€ 5,–, Abrechnung<br />

via Handyrechnung) besonders<br />

schnell.<br />

www.seenotretter.de<br />

Neuer MONACOR Katalog<br />

Ab sofort ist der neue Gesamtkatalog von<br />

MONACOR erhältlich: Mehr als 770 Seiten<br />

Umfang bzw. 2465 Gramm Fakten zu rund<br />

4.500 Produkten machen den Katalog mit<br />

dem Untertitel „Electronics for Specialists“<br />

2014 zu e<strong>in</strong>er lohnenden Lektüre.<br />

Gegliedert ist das umfangreiche Sortiment<br />

<strong>in</strong> die acht Bereiche „Bühnen- und DJ-<br />

Equipment“, „Lichttechnik“, „ELA-Technik“,<br />

„Sicherheitstechnik“, „Car-Hi-Fi“, „Lautsprechertechnik“,<br />

„Kabel und Steckverb<strong>in</strong>dungen“<br />

und „Energie, Messen und Selbstbau“.<br />

Der selbst konstruierende Schiffsmodellbauer<br />

f<strong>in</strong>det folglich viele, ihn <strong>in</strong>teressierende<br />

Produkte, vom Steckverb<strong>in</strong>der<br />

bis h<strong>in</strong> zum Ladegerät oder <strong>in</strong>teressanten<br />

M<strong>in</strong>iatur-Lautsprechern. Erhältlich ist der<br />

Katalog kostenfrei unter<br />

www.monacor.com<br />

Bahn frei für Piloten,<br />

Kapitäne und Lokführer.<br />

Tauchen Sie e<strong>in</strong> <strong>in</strong> die fasz<strong>in</strong>ierende Welt<br />

von Modellbau und Modellbahn:<br />

Schauanlagen präsentiert durch<br />

den MOBA e. V.<br />

8. European N-Scale Convention<br />

des N-Club International e. V.<br />

Indoor-Flight-Shows<br />

Carrera-Challenge-Tour<br />

M<strong>in</strong>i-Truck-Parcours<br />

Drifter-Shows<br />

Automania (23./24.11.)<br />

Schülertage mit Workshops (21./22.11.),<br />

E<strong>in</strong>tritt frei für Schulklassen<br />

E<strong>in</strong> neuer Hersteller<br />

Vor wenigen Wochen hat die XciteRC Modellbau<br />

GmbH & Co. KG als neuer Hersteller<br />

für ferngesteuerte Modelle den Geschäftsbetrieb<br />

<strong>in</strong> Göpp<strong>in</strong>gen aufgenommen.<br />

Die Firmengründer waren lange Jahre bei<br />

führenden Unternehmen der Modellbaubranche<br />

beschäftigt.<br />

Die XciteRC Modellbau GmbH & Co. KG<br />

entwickelt und fertigt Modellbau- und Spielwarenartikel,<br />

die über den Fachhandel angeboten<br />

werden. Um unterschiedliche Zielgruppen<br />

optimal anzusprechen, werden die<br />

XciteRC-Produkte unter den verschiedenen<br />

Produktl<strong>in</strong>ien XciteRC Fun, XciteRC Hobby,<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013<br />

21.– 24.11.2013<br />

Öffnungszeiten: täglich 10 – 18 Uhr<br />

www.messe-stuttgart.de/modell<br />

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auf die Erwachsenen-, Ermäßigten- oder<br />

Familien-Tageskarte <strong>in</strong>kl. VVS zur Modell<br />

Süd 2013. Der Coupon kann ausschließlich<br />

unter www.messestuttgart.de/vorverkauf<br />

e<strong>in</strong>gelöst werden. Bitte klicken Sie auf das Logo<br />

der Messe und geben Sie dann den Vorteilscode<br />

schiffsmodell13 e<strong>in</strong>! Der Coupon ist nicht<br />

mit e<strong>in</strong>er anderen Ermäßigung komb<strong>in</strong>ierbar.<br />

Für bereits gekaufte E<strong>in</strong>trittskarten gibt es<br />

ke<strong>in</strong>e Rückerstattung.


Neu bei<br />

Modellbautechnik Kuhlmann<br />

ist der neue Gruppe-V-Modellstrandsegler<br />

mit 1,25 m Länge. Diese Größe verspricht<br />

noch mehr Power und Fun beim Betrieb als<br />

das schon seit längerer Zeit bei diesem Hersteller<br />

lieferbare Modell.<br />

Der nun lieferbare Bausatz ist eigentlich e<strong>in</strong><br />

zerlegtes Fertigmodell: Das Fahrgestell ist<br />

fertig aus Alu geschweißt, es müssen nur<br />

noch die Räder und Achsen angeschraubt<br />

werden. Die RC- und Akku-Aufnahmee<strong>in</strong>heit<br />

wird verschraubt und verklebt. In dieser<br />

E<strong>in</strong>heit bef<strong>in</strong>det sich auch e<strong>in</strong>e automatische<br />

Regele<strong>in</strong>heit für die Segelw<strong>in</strong>de. Diese<br />

sorgt dafür, dass nur dann Schotle<strong>in</strong>e abgespult<br />

wird, wenn Druck auf dem Segel ist.<br />

Somit kann ke<strong>in</strong>e ungewollte Wuhl<strong>in</strong>g entstehen.<br />

E<strong>in</strong>e passende Segelw<strong>in</strong>de bietet<br />

Kuhlmann natürlich auch an.<br />

Das Modell besticht mit weiteren Ausstattungsdetails<br />

wie hochwertigen Gummireifen<br />

auf Alu- Felgen, zweiteiliger Sitzschale aus<br />

GfK, Aufnahmefächern für Zusatzgewichte,<br />

teilbarem Mast und Baum aus Carbon und<br />

zweifarbigen Segeln mit Lattentaschen vom<br />

Segelmacher Latsch.<br />

Für den Urlaubs-Transport ist der Strandsegler<br />

komplett zerlegbar, so dass man ihn<br />

<strong>in</strong> den Ferien auch wirklich mal am Nordseestrand<br />

fahren kann. Aber auch auf dem<br />

Parkplatz vor dem E<strong>in</strong>kaufscenter sorgt das<br />

Modell für Spaß pur.<br />

Der Strandsegler ist 125 cm lang, 74 cm<br />

breit, die Mastlänge beträgt 187 cm. Der<br />

Bausatz kostet € 948,–, e<strong>in</strong>e passende Segelw<strong>in</strong>de<br />

ist für € 47,– zu haben. Auf<br />

Wunsch s<strong>in</strong>d auch Fertigmodelle mit e<strong>in</strong>gebauter<br />

RC-Anlage und/oder <strong>in</strong>dividuelle<br />

Schriftzüge und Logos auf Karosserie und<br />

Segel erhältlich.<br />

Modellbautechnik Kuhlmann<br />

Feuerdornstr. 3<br />

33699 Bielefeld<br />

Tel. 05202/9230994<br />

scalemodelle@aol.com<br />

www.segelbootmodelle.de<br />

Kuhlmann: Strandsegler Gruppe V<br />

sem Material stehen bei Rücker-Modellbau<br />

nun zwei Foliengrößen <strong>in</strong> drei Geb<strong>in</strong>degrößen<br />

und sechs Farben zur Auswahl. Die<br />

Preise beg<strong>in</strong>nen bei € 10,99 <strong>in</strong>kl. Mwst.<br />

Rücker-Modellbau<br />

Hochstraße 17<br />

56767 Kaperich<br />

Tel. 02657/942 896 2<br />

<strong>in</strong>fo@ruecker-modellbau.de<br />

http://www.ruecker-modellbau.de<br />

Neu bei Hydro & Mar<strong>in</strong>e<br />

Ab sofot gibt es bei Hydro & Mar<strong>in</strong>e e<strong>in</strong> vollständiges<br />

Sortiment an V2A-Schrauben,<br />

Muttern, Beilagscheiben, E<strong>in</strong>pressmuttern<br />

und Gew<strong>in</strong>demuffen. Vorbei s<strong>in</strong>d also die<br />

Zeiten der nervtötenden Suche <strong>in</strong> Baumärkten<br />

oder im Werkzeughandel. Die<br />

Schrauben und Muttern s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> den für den<br />

Modellbauer wichtigsten Größen von M2 bis<br />

M6 jeweils im 10er-Pack erhältlich und s<strong>in</strong>d<br />

ab sofort auch im Neuheiten-Bereich auf der<br />

Seite www.hydromar<strong>in</strong>e.de zu f<strong>in</strong>den.<br />

Hydro & Mar<strong>in</strong>e<br />

Gundelshausener Str. 16<br />

93309 Kelheim<br />

Tel. 09405/6000<br />

hydromar<strong>in</strong>e@t-onl<strong>in</strong>e.de<br />

www.hydromar<strong>in</strong>e.de<br />

Hydro & Mar<strong>in</strong>e:<br />

V2A-Schrauben<br />

und -Muttern<br />

Farbiges Tiefziehmaterial<br />

Die Fa. Rücker-Modellbau hat für die Tiefziehbox<br />

„Professional Alu“ (siehe Test <strong>in</strong><br />

<strong>SchiffsModell</strong> 9/2013) e<strong>in</strong> neues Tiefziehmaterial<br />

<strong>in</strong> den Farben Farblos, Grau, Mandar<strong>in</strong>e,<br />

Zitrone, Himbeere und Hellblau <strong>in</strong>s<br />

Programm genommen. Bei dem Material<br />

handelt es sich um Polypropylen (PP), welches<br />

nur leicht durchsichtig (transluzent) ist.<br />

Somit eignet es sich ideal für Verglasungen,<br />

Fahrerkanzeln usw. Darüber h<strong>in</strong>aus bietet<br />

PP sehr gute Poliereigenschaften. Von die-<br />

Rücker Modellbau:<br />

Farbiges Tiefziehmaterial<br />

14 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


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für <strong>SchiffsModell</strong> 01/2014 ist am 22.11.2013<br />

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<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 15


RENNBOOTE<br />

Klaus Bartholomä<br />

” Miss Spontaneous“<br />

E<strong>in</strong> Modell für die Klasse 152VO<br />

es geschah an e<strong>in</strong>em Freitag,<br />

dem Auftaktabend <strong>in</strong> e<strong>in</strong> verregnetes<br />

Wochenende im Juli 2013.<br />

Ich saß am Computer, hatte ke<strong>in</strong>e<br />

rechte Lust zum Bauen, aber<br />

auch nicht zum Surfen. Also schnappte ich<br />

mir die <strong>SchiffsModell</strong> 07/2013 und blätterte<br />

dar<strong>in</strong> herum. Ja, was war denn das<br />

auf Seite 24? E<strong>in</strong> schnittig aussehendes<br />

Modell e<strong>in</strong>es Rennbootes zierte den Artikel<br />

von Stefan Reuthl<strong>in</strong>ger, der mit dem Titel<br />

„Der 152VO-Virus“ überschrieben war. Ich<br />

verschlang den Artikel, f<strong>in</strong>g Feuer, am Computer<br />

saß ich ja sowieso schon, also suchte<br />

ich e<strong>in</strong>fach nach dem Thema 152VO. Was<br />

ich fand, fesselte mich den ganzen Abend,<br />

denn die Welt der V<strong>in</strong>tage Outboard Racer<br />

tat sich vor mir auf. Über diese kle<strong>in</strong>en Motorboote<br />

aus dem Amerika der 1950er-Jahre<br />

wurde <strong>in</strong> der <strong>SchiffsModell</strong> <strong>in</strong>zwischen<br />

ja schon mehrfach berichtet. Nach wenigen<br />

M<strong>in</strong>uten auf der Seite www.152vo.de war<br />

es folglich passiert, auch ich hatte mich mit<br />

dem oben erwähnten Virus <strong>in</strong>fiziert!<br />

Am meisten hatte mich bei den vorgestellten<br />

Booten die kle<strong>in</strong>e ATOMITE bee<strong>in</strong>druckt.<br />

Ich er<strong>in</strong>nerte mich, sie schon letztes Jahr im<br />

Herbst auf der Messe <strong>in</strong> Friedrichshafen gesehen<br />

zu haben. Die vielen anderen E<strong>in</strong>drücke<br />

der Messe ließen das Modell dann aber<br />

sofort im Kurzzeitgedächtnis verschw<strong>in</strong>den.<br />

Jetzt war das anders, denn wie erwähnt war<br />

ich ja <strong>in</strong>fiziert. Kurzerhand lud ich also den<br />

Orig<strong>in</strong>alplan von William D. Jackson von der<br />

152VO-Seite herunter. Vier Seiten umfasst<br />

dieser Artikel mit allen notwendigen Zeichnungen.<br />

Da ich ke<strong>in</strong> Freund von aufwendigen<br />

CAD-Programmen b<strong>in</strong>, vergrößerte<br />

ich die Zeichnungen <strong>in</strong> PowerPo<strong>in</strong>t auf den<br />

richtigen Maßstab und druckte sie mir aus.<br />

Im Copy-Shop wäre das natürlich auch gegangen,<br />

bloß nicht so schnell. Schließlich<br />

war es <strong>in</strong>zwischen Samstagvormittag und<br />

ich hatte noch immer ke<strong>in</strong> Holz unter den<br />

Händen!<br />

Spantengerippe fertig zum Beplanken<br />

Schön zu sehen: die Decksstr<strong>in</strong>ger<br />

16 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


die Überstände abschleifen und dasselbe<br />

Prozedere mit den Bodenteilen durchziehen.<br />

Diese hatte ich allerd<strong>in</strong>gs nur auf der<br />

späteren Innenseite gebeizt. Zur Fixierung<br />

der Bodenteile diente jede Menge Klebeband.<br />

Am Sonntagabend konnte der Rumpf<br />

dann von der Hell<strong>in</strong>g genommen werden.<br />

In den Trocknungspausen hatte ich mir aus<br />

dem Forumsbereich der 152VO-Hompage<br />

noch jede Menge Tipps geholt. So spontan,<br />

wie ich den Bau begonnen hatte, stand am<br />

Sonntagabend dann auch schon fest, dass<br />

me<strong>in</strong>e ATOMITE nun »Miss Spontaneous«<br />

heißen sollte. Ob der lange Name auch auf<br />

das kle<strong>in</strong>e Boot draufpassen würde? Daran<br />

dachte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht.<br />

Schnell war auch klar, dass der Außenborder<br />

an me<strong>in</strong>em Modell wie beim Orig<strong>in</strong>al<br />

über Seilzüge angesteuert werden sollte<br />

und dass ich ke<strong>in</strong>e Serviceklappe im Vordeck<br />

haben wollte. Also konnte ich das Vordeck<br />

mit den Decksstr<strong>in</strong>gern schließen und<br />

die Seitendecks anbr<strong>in</strong>gen. Wieder wurde<br />

jedes Teil zuvor gebeizt und abschließend<br />

habe ich den Innenraum mehrfach mit<br />

Parkettlack versiegelt. Von außen erhielt<br />

der Rumpf zwei Anstriche mit dem E<strong>in</strong>-<br />

Komponenten-Harz G4 (VossChemie) und<br />

e<strong>in</strong>en Anstrich mit Bootslack: Oberhalb der<br />

Wasserl<strong>in</strong>ie mit Klarlack, unterhalb <strong>in</strong> Cremeweiß.<br />

Fertig war der Rumpf, er brachte<br />

knapp 400 g auf die Waage, e<strong>in</strong> guter Wert.<br />

Ich baue ja generell gerne <strong>in</strong> großen Maßstäben,<br />

weil man da auch mit den Figuren<br />

an Bord Funktionen realisieren kann. Me<strong>in</strong><br />

Fahrer sollte an Bord also auch etwas arbeiten<br />

oder zum<strong>in</strong>dest so tun, als ob er<br />

steuert und se<strong>in</strong>en Oberkörper dabei bewegen.<br />

Dafür gab es ke<strong>in</strong>e Lösung im Forum<br />

und so musste ich selbst ran. Dabei galt es<br />

zwei Probleme zu lösen, nämlich wie realisiert<br />

man die Ansteuerung des Lenkrades,<br />

so dass sie nicht sichtbar ist und wie gestaltet<br />

man die Fahrerfigur so beweglich, dass<br />

sie der Lenkbewegung folgt?<br />

Zuerst widmete ich mich dem Lenkradproblem,<br />

da ich zu diesem Zeitpunkt noch ke<strong>in</strong>en<br />

Fahrer hatte. Die Idee war h<strong>in</strong>ter dem<br />

Armaturenbrett e<strong>in</strong> Servo zu verstecken,<br />

das über e<strong>in</strong>en Hebel direkt auf die Lenksäule<br />

wirkt und damit das Lenkrad, das<br />

am anderen Ende der Lenksäule montiert<br />

se<strong>in</strong> sollte, dreht. E<strong>in</strong>ige der Orig<strong>in</strong>ale hatten<br />

zwischen Lenkrad und Armaturenbrett<br />

noch e<strong>in</strong>e Seilscheibe auf der Lenksäule<br />

montiert, über die die Steuerseile des Motors<br />

angesteuert wurden. An beiden unteren<br />

Ecken des Armaturenbretts wurden Umlenkblöcke<br />

montiert, die die Seile nach h<strong>in</strong>ten<br />

umlenken. Die Seile wurden direkt zum<br />

Motor geführt. Dieses System gefiel mir<br />

nicht, da es wenig Platz für den Fahrer ließ.<br />

Daher spendierte ich den Steuerseilen zwei<br />

zusätzliche Blöcke, die sie im Bereich des<br />

Fahrers etwas nach außen spreizen. Das ist<br />

e<strong>in</strong>erseits vorbildgerecht und andererseits<br />

hatte ich genug Platz für den Fahrer.<br />

Das sollte sich nun ändern. Schnell noch<br />

die ausgedruckten Planseiten zusammengeklebt,<br />

ab damit <strong>in</strong> die Werkstatt und gleich<br />

die Spanten aufs Sperrholz übertragen.<br />

Zum Glück hatte ich noch genug wasserfestes<br />

Sperrholz im Vorrat. An der Bandsäge<br />

war dann alles schnell ausgesägt. Da ich<br />

me<strong>in</strong>e ATOMITE auch im Inneren mahagonifarben<br />

haben wollte, wurden alle Teile vor<br />

dem Zusammenbau entsprechend gebeizt.<br />

Während der Trocknungszeit fand sich dann<br />

auch noch e<strong>in</strong> altes Sperrholzbrett für die<br />

Hell<strong>in</strong>g und so stand das Spantengerippe<br />

bis zum Mittagessen fertig vor mir. Die Str<strong>in</strong>ger<br />

habe ich aus den Resten e<strong>in</strong>er Obstkiste<br />

passend zugesägt, gebeizt und e<strong>in</strong>gebaut.<br />

Ich wollte es besonders gut machen<br />

und habe sie daher mittels Zahnstochern<br />

noch mit den Spanten verstiftet. Die Verklebungen<br />

wollte ich alle mit Propellerleim<br />

ausführen, mit Sekundenkleber g<strong>in</strong>ge das<br />

natürlich schneller, aber den gab es damals<br />

<strong>in</strong> den 1950er-Jahren ja schließlich auch<br />

noch nicht.<br />

Nach dem Aushärten wurden die Spanten<br />

mit dem Dreiecksschleifer gestrakt und die<br />

Beplankung der Rumpfseitenwände mittels<br />

Pappschablonen angepasst. Die Beplankungsteile<br />

schnitt ich dann mit der Schere<br />

aus 1-mm-Sperrholz aus, das ich ebenfalls<br />

zuvor schon beidseitig gebeizt hatte. Viele<br />

Klammern hielten die Teile <strong>in</strong> Position, bis<br />

der Propellerleim abgebunden hatte. Jetzt<br />

Das Servo sitzt h<strong>in</strong>ter dem Armaturenbrett,<br />

der Empfänger obendrauf.<br />

L<strong>in</strong>ks der Killswitch<br />

Und so sieht es von der Vorderseite her aus,<br />

hier noch mit e<strong>in</strong>er kle<strong>in</strong>eren Seilrolle. Die<br />

Umlenkblöcke s<strong>in</strong>d auch am Armaturen brett<br />

montiert. So lässt sich die ganze E<strong>in</strong>heit<br />

e<strong>in</strong>fach e<strong>in</strong>- und ausbauen<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 17


Dieser war zwischenzeitlich e<strong>in</strong>getroffen:<br />

Er hört auf den Namen „Six Million Dollar<br />

Man“, die etwas Älteren er<strong>in</strong>nern sich evtl.<br />

noch an diese Fernsehserie aus den späten<br />

1970er-Jahren. Die Actionfigur hatte ich<br />

zwischenzeitlich im Internet ersteigert. Diese<br />

Figuren haben zwar an den richtigen<br />

Stellen Gelenke, aber die Gliedmaßen besitzen<br />

nicht die Beweglichkeit, die wir Orig<strong>in</strong>al-Menschen<br />

haben. Insbesondere an<br />

den Knien ist das störend. Und so musste<br />

me<strong>in</strong> „Six Million Dollar Man“ e<strong>in</strong>en guten<br />

Teil se<strong>in</strong>er Unter- und Oberschenkel hergeben,<br />

damit er ordentlich auf dem Bodenbrett<br />

knien kann. Man kommt sich bei diesen Arbeiten<br />

e<strong>in</strong> wenig als Hobbychirurg vor. Und<br />

wenn man bedenkt, dass die Arbeiten ohne<br />

Narkose ausgeführt werden … Der zweite<br />

Operationsschritt war, den Oberkörper per<br />

gezieltem Sägeschnitt vom Unterkörper<br />

zu trennen und e<strong>in</strong>en etwa 1 cm breiten<br />

Streifen vom Oberkörper abzusägen. Und<br />

wenn man schon mal dabei ist, wird gleich<br />

noch der Kopf abgesägt. In me<strong>in</strong>em Fall<br />

konnte ich bei diesen Arbeiten dabei noch<br />

die Actionmechanik, deren S<strong>in</strong>n sich mir<br />

leider nicht erschloss, aus dem Oberkörper<br />

entfernen. Das spart Gewicht. Um die<br />

Beweglichkeit der Hüfte zu erzielen, habe<br />

ich me<strong>in</strong>em Mann e<strong>in</strong> Rückgrat aus e<strong>in</strong>em<br />

12-mm-PVC-Schlauch e<strong>in</strong>gesetzt. Dieses<br />

wurde dann mit Heißkleber befestigt und<br />

verb<strong>in</strong>det Ober- und Unterkörper wieder<br />

mite<strong>in</strong>ander. Jetzt wird der Hals e<strong>in</strong> wenig<br />

bearbeitet, so dass der Kopf mit geneigtem<br />

Der „Six Million Dollar Man“<br />

aus dem Jahr 1974<br />

So passt es nachher wieder zusammen.<br />

Der Schlauch bildet das Rückgrat<br />

Lenkrad mit Seilrolle, beides aus<br />

Sperrholz gefertigt<br />

Die endgültige Steuerseilführung.<br />

Sieht gut aus und funktioniert auch so<br />

Der Körper muss völlig<br />

zerlegt werden<br />

Der Umbau ist fertig, fehlt nur<br />

noch der Kopf<br />

Oberkörper gerade ist. Nachdem der Kopf<br />

auf den Rumpf geklebt ist, sieht die Figur<br />

wieder wie e<strong>in</strong> Mensch aus.<br />

Jetzt muss der Pilot nur wieder bekleidet<br />

und auf dem Bodenbrett befestigt werden.<br />

Beim Orig<strong>in</strong>al knien die Fahrer auf e<strong>in</strong>em<br />

Brett, dem „kneel<strong>in</strong>g board“ (= Kniebrett).<br />

In me<strong>in</strong>em Fall habe ich es herausnehmbar<br />

gestaltet. Vorne wird es mit zwei Kohlefaserp<strong>in</strong>s<br />

am Spant 3 gehalten, h<strong>in</strong>ten sorgt e<strong>in</strong>e<br />

M3-Schraube, die im Kielbrett e<strong>in</strong>gelassen<br />

ist, für den notwendigen Halt. Der Fahrer<br />

hat im kneel<strong>in</strong>g board zwei Ausschnitte<br />

für die Füße, <strong>in</strong> denen er sich abstützen<br />

kann, vorne ist er an den Kniescheiben mit<br />

zwei Spax-Schrauben fixiert … aber damit<br />

ist die Quälerei für den armen Kerl auch<br />

schon zu Ende. Als Belohnung bekam er<br />

noch e<strong>in</strong>e coole Sonnenbrille und auch e<strong>in</strong>e<br />

Schwimmweste ist bei so e<strong>in</strong>em Boot natürlich<br />

obligatorisch. Sie kam von www.militarfiguren.de<br />

und ist super gut detailliert.<br />

Damit war also auch das zweite Problem<br />

gelöst. Der Rest ist e<strong>in</strong>fach: Fahrer e<strong>in</strong>bauen,<br />

mit den Händen am Lenkrad festklemmen<br />

und schon geht er bei den Lenkbewegungen<br />

mit dem Oberkörper mit. E<strong>in</strong> starkes<br />

Lenksevo ist hierfür natürlich obligatorisch,<br />

denn es muss ja zusätzlich zu den Steuerkräften<br />

auch noch den Fahrer mitbewegen.<br />

Me<strong>in</strong> Hitec HS-225MG ist dieser Aufgabe<br />

aber gut gewachsen.<br />

Das Armaturenbrett beherbergt noch den<br />

Killswitch (NOTAUS), sprich e<strong>in</strong>e Drahtbrücke,<br />

die es erlaubt, mit e<strong>in</strong>em Griff die<br />

Stromzufuhr zu unterbrechen. Das ist Standard<br />

bei Modellrennbooten und nebenbei<br />

auch gut zum E<strong>in</strong>- und Ausschalten geeignet.<br />

Der Empfänger sitzt direkt auf dem Servo<br />

und wird dort mit Klettband gehalten. Der<br />

nagelneue 2s-LiPo mit 3900 mAh Kapazität<br />

f<strong>in</strong>det se<strong>in</strong>en Platz auf e<strong>in</strong>em Brett quer vor<br />

dem Fahrer, der 60-A-Regler ist unter dem<br />

Steuerbord-Seitendeck montiert. Er versorgt<br />

über BEC den Empfänger mit.<br />

Das nächste große Fragezeichen stand<br />

noch h<strong>in</strong>ter dem Motor. Ich holte mir wieder<br />

e<strong>in</strong> paar Tipps aus dem Forum und entschied<br />

mich dann für den Graupner GTX-<br />

500. Der <strong>in</strong>stallierte Speed 500 wurde entfernt<br />

und durch e<strong>in</strong>en Turnigy-Innenläufer<br />

mit 4800 m<strong>in</strong> -1 /V ersetzt. E<strong>in</strong>e passende<br />

18 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Lenkung rechts ... … Mitte ... … und l<strong>in</strong>ks<br />

Wellenkupplung hatte ich noch <strong>in</strong> der Grabbelkiste<br />

und das Befestigungskreuz e<strong>in</strong>es<br />

anderen BL-Motors passte perfekt, sodass<br />

der Umbau an e<strong>in</strong>em Abend erledigt war.<br />

Jetzt noch die Verb<strong>in</strong>dungskabel zum Regler<br />

löten, die E<strong>in</strong>heit ans Heck schrauben<br />

und fertig ist die ATOMITE.<br />

Ne<strong>in</strong>, ganz fertig noch nicht: Der aufmerksame<br />

Leser mag bemerkt haben, dass das<br />

Vordeck noch nicht angesprochen wurde.<br />

Vor dem Bebügeln habe ich noch e<strong>in</strong>e<br />

Schwimmnudel zerschnitten und so viel wie<br />

möglich Raum unter dem Vordeck damit als<br />

Auftriebskörper ausgestopft. Gleichzeitig<br />

kann damit zusätzlich noch der Akku gesichert<br />

werden. Erst jetzt, ganz am Ende,<br />

habe ich die Bespannung aufgebracht. Ich<br />

verwendete dafür Oratex-Bügelfolie. Das<br />

ist e<strong>in</strong>e Gewebefolie, die auch im Großflugzeugbau<br />

für Bespannungen verwendet wird<br />

und bei den Scale-Flugmodelbauern sehr<br />

beliebt ist. Ich verwende fürs Bügeln immer<br />

e<strong>in</strong> Folienbügeleisen, das Haushaltsbügeleisen<br />

tut es aber auch. Erst werden<br />

die Ränder mit 80 °C angebügelt und die<br />

Folie dabei exakt zugeschnitten. Sitzt alles<br />

faltenfrei, werden die Ränder mit 150 °C fest<br />

gebügelt und danach die Folie mit der gleichen<br />

Temperatur gespannt. Die Anleitung<br />

von Oracover hilft hier sehr und die Folie ist<br />

bei jedem gut sortierten Modellbauhändler<br />

zu haben.<br />

Als letzter Bauschritt wird noch die Turnf<strong>in</strong><br />

befestigt. Ich habe sie aus 0,5-mm-Bronzeblech<br />

gefertigt. Sie sitzt <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Schlitz, der<br />

sich genau im Schwerpunkt bef<strong>in</strong>det und<br />

ist mit angedicktem Epoxidharz e<strong>in</strong>geklebt.<br />

Hier ist größte Präzision gefordert, denn die<br />

Turnf<strong>in</strong> muss natürlich gerade und exakt <strong>in</strong><br />

Fahrtrichtung ausgerichtet sitzen.<br />

Bis hier her waren ke<strong>in</strong>e vier Wochen vergangen<br />

und so konnte die »Miss Spontaneous«<br />

bald <strong>in</strong>s Wasser. Der erste Schwimmtest<br />

erfolgte im Gummipool auf der Terrasse.<br />

Der Schwerpunkt liegt bei etwa e<strong>in</strong>em Drittel<br />

der Rumpflänge von h<strong>in</strong>ten gemessen<br />

und so ist es wenig verwunderlich, dass das<br />

Modell h<strong>in</strong>ten recht tief e<strong>in</strong>taucht. Das war<br />

im Orig<strong>in</strong>al auch so. Der Wendekreisdurchmesser<br />

beträgt mit den etwa 30° Ausschlag<br />

Fertig zur Jungfernfahrt.<br />

Fahrer dr<strong>in</strong>, Zertifikat da,<br />

Nummer und Name drauf,<br />

auf gehts!<br />

des Außenborders bei Langsamfahrt ca.<br />

2 m. Dank der fe<strong>in</strong>en Regelbarkeit des Reglers<br />

kann man so sehr fe<strong>in</strong>fühlig an- und ablegen,<br />

das konnten die Orig<strong>in</strong>ale nicht!<br />

Aufgedreht<br />

Die Badesaison war nach dem späten<br />

Sommere<strong>in</strong>bruch <strong>in</strong>zwischen voll im Gange,<br />

und so kam es, dass ich die Jungfernfahrt<br />

schon morgens um 7.00 Uhr vor der<br />

Arbeit durchführte. Erst zwei, drei Kr<strong>in</strong>gel<br />

bei langsamer Fahrt, dann beherzt Gas<br />

geben, Luft anhalten und schnell wieder<br />

runter vom Gas. Nicht, weil sie nicht lief,<br />

die kle<strong>in</strong>e Miss, ne<strong>in</strong>, weil sie schon so weit<br />

weg war! Also Rumdrehen, nochmal Gas<br />

geben und sich am Flugbild erfreuen. Ja,<br />

Sie lesen richtig, sie flog mehr als dass sie<br />

schwamm. Me<strong>in</strong>e Videofilmer<strong>in</strong> ermahnte<br />

mich immer wieder, langsamer zu fahren,<br />

damit sie überhaupt e<strong>in</strong>e Chance hätte, das<br />

Modell auf den Film zu bekommen. Das Adrenal<strong>in</strong><br />

war <strong>in</strong>zwischen voll am Werkeln und<br />

so konnte ich nicht mehr genug bekommen<br />

von dem tollen Fahrbild me<strong>in</strong>er »Miss Spontaneous«<br />

und flitzte mit ihr unzählige Male<br />

über den See. Am Ende waren 2500 mAh<br />

verbraucht und e<strong>in</strong>ige GB Filmaufnahmen<br />

gemacht. Wir waren beide glücklich, me<strong>in</strong>e<br />

Filmer<strong>in</strong> und ich. Das Adrenal<strong>in</strong> hielt noch<br />

e<strong>in</strong>ige Stunden an, ich war jedenfalls schon<br />

lange nicht mehr so aufgekratzt zur Arbeit<br />

gegangen …<br />

Natürlich hatte ich zwischenzeitlich me<strong>in</strong><br />

Boot bei www.152vo.de registrieren lassen.<br />

Nach der Erstfahrt trafen dann auch<br />

der Bootspass und die Startnummer e<strong>in</strong>.<br />

Zeitgleich kamen auch die Schriftzüge von<br />

www.folien-arbeiter.de an. Ich hatte ganz<br />

schön auf der Bestellseite des Shops h<strong>in</strong>und<br />

herskalieren müssen, bis der lange<br />

Namenszug auf dem kurzen Seitendeck<br />

Platz fand. Aber am Ende klappte es ganz<br />

toll, die Schriftzüge geben dem Boot erst<br />

das richtige Rennoutfit. Wortwörtlich ganz<br />

am Ende kam noch der „bowhandle“, sprich<br />

der Handgriff am Bug zum Anheben des<br />

Bootes dran. Bei mir entstand er aus e<strong>in</strong>em<br />

Alu-Rohr, das ich im Schraubstock plattgedrückt<br />

und danach mit e<strong>in</strong>er Zange <strong>in</strong> Form<br />

gebracht habe. Ich hielt es für e<strong>in</strong>e gute<br />

Idee, das Alurohr gleich am Vorsteven bis<br />

auf die Wasserl<strong>in</strong>ie als Rammschutz herunterzuziehen,<br />

festzunageln und mit Pattex zu<br />

verkleben.<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 19


Technische Daten<br />

Länge<br />

(ohne Außenborder)<br />

Breite<br />

Tiefgang<br />

Verdrängung<br />

RC-Funktionen<br />

567 mm<br />

266 mm<br />

80 mm<br />

1.450 g<br />

Lenkung, Gas<br />

Beim Kr<strong>in</strong>geln steigt leicht e<strong>in</strong>e Menge Wasser übers Heck <strong>in</strong>s Boot …<br />

… und sorgt dann <strong>in</strong> der nächsten Kurve für e<strong>in</strong>en<br />

Kopfstand mit stabiler Schwimmlage<br />

Für die zweite Testfahrt stellte ich den Außenborder<br />

etwas nach unten, damit das<br />

Boot nicht mehr so frei und damit richtungsstabiler<br />

läuft. Das Resultat war e<strong>in</strong><br />

absolut stabiles Fahrverhalten. Allerd<strong>in</strong>gs<br />

kam der Propeller dadurch zu tief, wodurch<br />

er nicht mehr frei lief und sich der<br />

Rooster-Tail nicht ausbilden wollte. Klarer<br />

Fall, der Motor muss höher montiert werden,<br />

also wieder ab <strong>in</strong> die Werkstatt, vier<br />

neue Löcher <strong>in</strong> den Spiegel gebohrt und<br />

alles umgebaut. So gerüstet g<strong>in</strong>g es wieder<br />

an den See. Wow geht die jetzt ab! Der<br />

Fotograf hatte se<strong>in</strong>e Schwierigkeiten, den<br />

Flitzer e<strong>in</strong>zufangen. Aber jetzt läuft das<br />

Modell perfekt, der Rooster-Tail bildet sich<br />

sehr schön aus, der Bug ist nicht zu frei<br />

und auch nicht zu tief und der Sound ist<br />

gigantisch. Bei voller Geradeausfahrt geht<br />

sie wie auf Schienen, die Kurven werden<br />

dann sehr langgestreckt. Will man um die<br />

Kurve, muss man mit dem Gas spielen<br />

und vor allem am Kurvenausgang nicht zu<br />

schnell wieder Gas geben, sonst gibt es<br />

e<strong>in</strong>en R<strong>in</strong>gelpiez. Sieht zwar spektakulär<br />

aus, ist aber <strong>in</strong>sbesondere <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Rennen<br />

nicht besonders vorteilhaft.<br />

R<strong>in</strong>gelpieze zu fahren ist übrigens nicht<br />

ganz ungefährlich. Weil es so gut aussieht,<br />

habe ich das mehrfach wiederholt und dabei<br />

übersehen, dass über das Heck e<strong>in</strong>e<br />

Menge Wasser den Weg <strong>in</strong> den offenen<br />

Rumpf fand. In der nächsten Kurve landete<br />

die Fuhre dann wegen des im Inneren umherschwappenden<br />

Wassers auch prompt<br />

auf dem Kopf. Der nicht wasserfeste Flugregler<br />

quittierte daraufh<strong>in</strong> geruchvoll und<br />

mit kle<strong>in</strong>en Rauchschwaden den Dienst.<br />

Damit waren mir noch e<strong>in</strong> paar frohe Bastelstunden<br />

beschert, bis der neue Regler,<br />

diesmal mit Plastidip abgedichtet, se<strong>in</strong>en<br />

Arbeitsplatz e<strong>in</strong>genommen hatte. Ohne<br />

Wasser im Rumpf habe ich es bisher übrigens<br />

noch nicht geschafft, me<strong>in</strong>e »Miss<br />

Spontaneous« aufs Kreuz zu legen, gehört<br />

sich ja auch nicht …<br />

Man muss übrigens nicht unbed<strong>in</strong>gt Rennen<br />

fahren mit der kle<strong>in</strong>en ATOMITE, das<br />

Modell macht mir auch so e<strong>in</strong>en Heidenspaß.<br />

Das Fahrbild ist sauber, der Fahrer,<br />

der sich <strong>in</strong> die Kurve legt, sieht e<strong>in</strong>fach<br />

nur toll aus, und wenn man möchte, kann<br />

man mit ihr auch gaaanz langsam cruisen.<br />

Letzteres gefällt ihr allerd<strong>in</strong>gs nicht so sehr,<br />

denn <strong>in</strong> diesem Fahrzustand streckt sie ihre<br />

Nase doch stark <strong>in</strong> den Himmel und genehmigt<br />

sich dabei e<strong>in</strong>en ordentlichen Schluck<br />

aus der Stromquelle. Und auch, wenn sie<br />

ab und zu etwas Spritzwasser übernimmt,<br />

das natürlich sofort <strong>in</strong> der Bilge landet, b<strong>in</strong><br />

ich rundum zufrieden mit me<strong>in</strong>em neuen<br />

Modell.<br />

Virus auskuriert?<br />

Das geht glaube ich nicht. E<strong>in</strong>mal <strong>in</strong>fiziert,<br />

immer <strong>in</strong>fiziert, ist me<strong>in</strong> Fazit. Falls Sie<br />

sich auch angesteckt haben sollten, dann<br />

schauen Sie doch mal bei www.152VO.de<br />

re<strong>in</strong>. Das gibt Ihnen den Rest und die V<strong>in</strong>tage<br />

Outboard-Geme<strong>in</strong>de wäre wieder um<br />

e<strong>in</strong> Mitglied reicher. An geeigneten Vorbildern<br />

mangelt es nicht, e<strong>in</strong> Modell ist schnell<br />

und mit schmalem Budget gebaut und das<br />

Resultat ist an jedem Modellteich e<strong>in</strong> echter<br />

H<strong>in</strong>gucker. Me<strong>in</strong>e ATOMITE war nach vier<br />

Wochen Bauzeit im Wasser und verschlang<br />

mit allen Elektronikkomponenten etwa E<br />

150,–. Der Fahrspaß ist riesig und die Optik<br />

e<strong>in</strong>fach nur toll.<br />

Bezugsquellen<br />

Infos über die<br />

Klasse, Plan:<br />

Aufkleber:<br />

RC-Komponenten:<br />

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20 <strong>SchiffsModell</strong> 13/2013


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SEGELSCHIFFE<br />

Gisela und Helmut Scharbaum<br />

W fife-yacht<br />

VAGRANT<br />

as kann man tun, wenn<br />

e<strong>in</strong>em das Leben e<strong>in</strong>e Reihe<br />

von unerfreulichen und traurigen<br />

Ereignissen beschert,<br />

über die man wegen ihrer Endgültigkeit nur<br />

schwer h<strong>in</strong>wegkommt?<br />

Nun, e<strong>in</strong>e Möglichkeit ist es, sich auf etwas<br />

zu bes<strong>in</strong>nen, das e<strong>in</strong>em wirklich wichtig ist,<br />

das e<strong>in</strong>em Freude bereitet und e<strong>in</strong>en folglich<br />

vom Nachdenken abhält.<br />

In manchen Fällen bedeutet das vielleicht<br />

e<strong>in</strong>e Rückkehr zu den Wurzeln oder aber<br />

das Entwickeln und Umsetzen ganz neuer<br />

Ideen.<br />

Auch das Leben e<strong>in</strong>es „<strong>Vagrant</strong>en“ (= Vagabund,<br />

Landstreicher) ist die Bes<strong>in</strong>nung auf<br />

das Wesentliche: Sicherlich e<strong>in</strong> hartes und<br />

entbehrungsreiches Dase<strong>in</strong>, dabei auch<br />

noch geprägt von Vertreibung und dem Gefühl,<br />

oft unerwünscht zu se<strong>in</strong>, aber gleichzeitig<br />

befreit vom Ballast und den Pflichten<br />

des Lebens <strong>in</strong> unserer modernen Zivilisation<br />

und somit gekennzeichnet von e<strong>in</strong>er<br />

beneidenswerten E<strong>in</strong>fachheit und Freiheit.<br />

Nicht, dass ich unser gemütliches Heim gegen<br />

e<strong>in</strong> Leben auf der Straße e<strong>in</strong>tauschen<br />

möchte, jedoch hat der Gedanke an e<strong>in</strong>e<br />

Auszeit vom Alltag etwas Verlockendes. Ich<br />

kann jedem nur empfehlen, sich mit solchen<br />

Gedanken nicht nur zu beschäftigen, sondern<br />

sie vielleicht auch e<strong>in</strong>mal im Leben <strong>in</strong><br />

die Tat umzusetzen.<br />

Doch bevor es soweit ist, hat sich der Reisende<br />

noch um e<strong>in</strong>e Aufgabe zu kümmern,<br />

nämlich um e<strong>in</strong>en <strong>Vagrant</strong>en der besonderen<br />

Art, der <strong>in</strong> vielerlei H<strong>in</strong>sicht die Rückbes<strong>in</strong>nung<br />

zu den Wurzeln darstellt, bevor der<br />

Traum der Auszeit vom Alltag wahr werden<br />

kann.<br />

Das Vorbild<br />

Wir schreiben das Jahr 1884. Wie viele<br />

Designer experimentiert auch William <strong>Fife</strong><br />

III mit der aktuellen Vermessungsformel,<br />

der 1730 Rule, die zu den sog. „plank on<br />

edge (= Planke-Hochkant)-Designs geführt<br />

hat. Es entsteht e<strong>in</strong> 18-ft-Rennkutter, lang,<br />

schmal, mit e<strong>in</strong>em überlangen Bugspriet<br />

22 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


und e<strong>in</strong>er enormen Segelfläche, unter der<br />

diese kle<strong>in</strong>e <strong>Yacht</strong> noch zierlicher wirkt. Das<br />

keck geschwungene Heck mit dem eleganten,<br />

kurzen Überhang und der gerade<br />

Vorsteven repräsentieren noch das viktorianische<br />

Zeitalter, der schmale, tiefgehende<br />

Rumpf ist der Vermessungsvorschrift sowie<br />

des experimentellen und des technischen<br />

Fortschritts geschuldet und bietet Platz für<br />

e<strong>in</strong>e Menge Blei.<br />

„Sie segelt wie e<strong>in</strong>e Zicke“, erklärt e<strong>in</strong>er ihrer<br />

Besitzer, „vorwärts genauso schnell wie<br />

rückwärts ..“.<br />

VAGRANT heißt sie, und der Name beschreibt<br />

nicht zuletzt treffend ihr unstetes<br />

Leben mit mehrfachen Eignerwechseln und<br />

Restaurierungen, bis sie zuletzt im Scottish<br />

Maritime Museum landete. Dort wurde sie<br />

vom letzten Eigner abgegeben, <strong>in</strong> der Hoffnung,<br />

sie gut untergebracht zu haben und<br />

dass sie dort für Besucher segelnd zu erleben<br />

sei.<br />

Leider e<strong>in</strong> Trugschluss, denn erst liegt<br />

sie e<strong>in</strong>ige Jahre als schwimmendes Ausstellungsstück<br />

im Hafen, rottet dann unbeachtet<br />

vor sich h<strong>in</strong> und fristet aufgrund dieser<br />

kaum zu verstehenden Vernachlässigung<br />

mal wieder e<strong>in</strong> mehr als trauriges Dase<strong>in</strong>.<br />

Bevor es jedoch zu spät ist, wird sie <strong>in</strong> e<strong>in</strong>en<br />

der Museumsschuppen verlegt und wartet<br />

seitdem sehnsüchtig auf die dr<strong>in</strong>gend erforderliche<br />

Überholung. Wie so oft, fehlt es<br />

auch hier an Geld ... e<strong>in</strong> <strong>Vagrant</strong> hat davon<br />

eben nicht allzu viel <strong>in</strong> der Tasche.<br />

In jenem Schuppen sahen wir sie zum ersten<br />

Mal und stellten fest, dass sich h<strong>in</strong>ter<br />

dem traurigen Aussehen die außergewöhnlichen<br />

L<strong>in</strong>ien e<strong>in</strong>er kle<strong>in</strong>en aber fe<strong>in</strong>en<br />

Rennyacht der 1730-Rule verbargen, e<strong>in</strong>e<br />

Rarität, wie geschaffen für e<strong>in</strong> ebenso außergewöhnliches<br />

wie hübsches Modell.<br />

VAGRANT ca. 1984 (Foto: Hal Sisk)<br />

VAGRANT im Jahr 2008<br />

Das Modell<br />

Das Museum half beim Beschaffen der Unterlagen.<br />

Zeitgleich mit dem TRINGA-Modell<br />

(siehe <strong>SchiffsModell</strong> 7/2007) sollte auch<br />

die VAGRANT entstehen. E<strong>in</strong> Freund erhielt<br />

die Pläne und begann mit der Arbeit, stellte<br />

diese aber e<strong>in</strong>, als der Balsaholzrumpf fertig<br />

war. War es tatsächlich Zeitmangel, oder<br />

waren es eher Bedenken vor der Fertigstellung<br />

dieses markanten Modells, das wegen<br />

se<strong>in</strong>es großen, offenen Mittelcockpits e<strong>in</strong>e<br />

ziemliche Herausforderung darstellt? Wir<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 23


Der fertige Balsarumpf<br />

Rumpf fertig lackiert<br />

Zum<br />

Abschluss<br />

lam<strong>in</strong>iert<br />

mit Abreißgewebe<br />

Kontrolle der Wasserl<strong>in</strong>ie beim Bleigießen,<br />

40 kg Blei waren erforderlich<br />

wissen es nicht, aber als unsere TRINGA<br />

im Maßstab 1:1 zu Wasser gelassen war,<br />

bekamen wir den Balsarumpf und alle Unterlagen<br />

wieder <strong>in</strong> die Hand gedrückt, mit<br />

den Worten: Ihr habt ja jetzt Zeit dafür und<br />

ohneh<strong>in</strong> seid ihr für <strong>Fife</strong>-Modelle die e<strong>in</strong>zig<br />

richtige Adresse.<br />

Da stand sie nun, auch als noch nicht mal<br />

fertiges Modell schon vertrieben und heimatlos<br />

und irgendwie hatten wir Mitleid.<br />

Es war auch noch genügend Restmaterial<br />

von der großen TRINGA vorhanden, also<br />

begannen wir mit der Arbeit, wobei die<br />

„Reste“ nicht unbed<strong>in</strong>gt das waren, womit<br />

sich Landstreicher <strong>in</strong> der Regel begnügen<br />

müssen.<br />

Im Gegenteil, für VAGRANT bedeutete es<br />

Teakholz, Mahagoni und Eiche <strong>in</strong> „echt“ für<br />

sämtliche Ausbauten, Fußböden, das Deck<br />

und das Cockpit sowie Oregon P<strong>in</strong>e für die<br />

Spieren.<br />

Die Elektronik kam ebensowenig aus der<br />

Restekiste. Die Großsegelw<strong>in</strong>de ist wie<br />

gewohnt von Schepp, e<strong>in</strong> neuer Gigahertz-<br />

Sender und LiPo-Akkus sorgen dafür, dass<br />

sich VAGRANT auch <strong>in</strong> dieser H<strong>in</strong>sicht auf<br />

dem neuesten technischen Stand bef<strong>in</strong>det.<br />

Für die Vorsegel leisteten wir uns die<br />

Genuaw<strong>in</strong>de von Schepp mit den beiden<br />

Kupplungen, die mittels e<strong>in</strong>es dreistufigen<br />

Schalters das Loswerfen der Schot <strong>in</strong> den<br />

Wenden und das anschließende Dichtholen<br />

auf dem neuen Bug ermöglichen, je<br />

nach Schalterstellung auf Backbord oder<br />

Steuerbord. Wir waren gespannt, wie diese<br />

Technik mit den drei Vorsegeln von<br />

Deck abgeklebt und nach dem Primern<br />

fertig zum Versiegeln mit Sikaflex<br />

Die Segelw<strong>in</strong>den, oben die Genuaw<strong>in</strong>de<br />

mit den Kupplungen<br />

W<strong>in</strong>den nach<br />

dem E<strong>in</strong>bau<br />

24 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Das Deck aus Teak<br />

E<strong>in</strong>e Hälfte fertig, die andere ist<br />

noch <strong>in</strong> Arbeit<br />

Klebeband abziehen und …<br />

VAGRANT harmonieren würde. Auch <strong>in</strong><br />

Sachen Beschläge betraten wir Neuland:<br />

Da beim Orig<strong>in</strong>al verz<strong>in</strong>ktes Eisen Verwendung<br />

gefunden hatte, taten wir es hier<br />

gleich, allerd<strong>in</strong>gs war bei uns wegen der<br />

besseren Verarbeitungsmöglichkeiten Mess<strong>in</strong>g<br />

das Ausgangsmaterial. Mit e<strong>in</strong>er galvanischen<br />

Verz<strong>in</strong>kung versehen, bekamen<br />

die Beschläge das stimmige altertümliche<br />

und etwas abgegriffene Aussehen.<br />

Bei den Spieren haben wir auch etwas<br />

Neues ausprobiert: Oregon P<strong>in</strong>e ist fe<strong>in</strong>maserig<br />

und leicht zu bearbeiten, dafür<br />

E<strong>in</strong>kleben der Cockpite<strong>in</strong>fassung aus<br />

gebogenem 3-mm-Teakholzfurnier<br />

aber auch sehr empf<strong>in</strong>dlich und benötigt<br />

e<strong>in</strong> paar Lackschichten mehr für den optimalen<br />

Schutz. Dafür ist das Material aber<br />

sehr leicht und für e<strong>in</strong>e <strong>Yacht</strong> mit übergroßem<br />

Rigg e<strong>in</strong>fach ideal. In vielen Stunden<br />

Arbeit entstand so e<strong>in</strong>e richtige Ausnahme-<br />

… fertig <strong>SchiffsModell</strong> ist das Teakdeck, 11/2013 jetzt muss nur<br />

25<br />

noch geschliffen werden


Beschläge aus Mess<strong>in</strong>g, z. T. schon verz<strong>in</strong>kt ...<br />

Mast leimen und aushobeln<br />

Das erste Mal komplett<br />

aufgeriggt<br />

… und jede Menge Klampen und Blöcke<br />

Der CQR-Anker <strong>in</strong> 1:4 und se<strong>in</strong> großer Bruder<br />

ersche<strong>in</strong>ung, auch für unsere Verhältnisse.<br />

Als VAGRANT das erste Mal aufgeriggt<br />

war, stellten wir fest, dass wir sie richtig <strong>in</strong>s<br />

Herz geschlossen hatten. Von der ursprünglichen<br />

Idee, sie für die F<strong>in</strong>anzierung unserer<br />

Auszeit zu verkaufen, nahmen wir still und<br />

heimlich Abschied.<br />

Inzwischen war es November, die letzten<br />

schönen Tage des Jahres luden zu e<strong>in</strong>er<br />

spontanen Jungfernfahrt e<strong>in</strong>, obwohl wir<br />

noch nicht alles 100%ig getestet hatten.<br />

Am Dümmer waren noch e<strong>in</strong>ige Spaziergänger<br />

unterwegs, der örtliche Segelclub<br />

machte gerade alles w<strong>in</strong>terfest. Wir durften<br />

die Slipanlage am Hafenbecken benutzen<br />

und nach e<strong>in</strong>iger Zeit des Auftakelns<br />

schwamm VAGRANT das erste Mal im<br />

großen Wasser. Alles sah perfekt aus. Sie<br />

lief vor dem leichten W<strong>in</strong>d mit beachtlicher<br />

Geschw<strong>in</strong>digkeit los, wendete problemlos<br />

und kam zum Steg zurück, als e<strong>in</strong>er der<br />

noch vorhandenen älteren Akkus plötzlich<br />

das Zeitliche segnete und die Segelverstellung<br />

lahm legte.<br />

Wir beendeten den Törn und konnten sie<br />

schnell noch e<strong>in</strong>fangen, dabei nahm ich e<strong>in</strong><br />

Bad im Dümmer, was zu dieser Jahreszeit<br />

alles andere als e<strong>in</strong> Spaß ist, aber zur Erheiterung<br />

der Anwesenden beitrug. Das Ereignis<br />

blieb Gott sei Dank für me<strong>in</strong>e Gesundheit<br />

und VAGRANT folgenlos. Der kurze Trip<br />

hatte aber schon ihr Potenzial erkennen<br />

lassen und machte süchtig nach mehr. Also<br />

wurde auch noch der letzte alte Akku durch<br />

e<strong>in</strong>en LiPo ersetzt, alles neu e<strong>in</strong>gestellt, das<br />

Groß mit den noch fehlenden Reff reihen<br />

versehen … und dann war es W<strong>in</strong>ter … und<br />

der W<strong>in</strong>ter 2012/2013 dauerte immer länger.<br />

Am Ende wurde es Mai, bevor wir uns<br />

endlich wieder dem neuen Modell widmen<br />

und es ausgiebig testen konnten.<br />

Mit Vollzeug ausgerüstet, machte VA-<br />

GRANT die erste längere Ausfahrt. Der<br />

W<strong>in</strong>d war sehr wechselhaft, von überwiegend<br />

schwach bis sehr böig und drehte<br />

noch dazu. Für die zweite Ausfahrt e<strong>in</strong>es<br />

noch nahezu neuen Modells sehr ungünstige<br />

Bed<strong>in</strong>gungen. Außerdem war noch die<br />

neue Fernsteuerung mit anderer Knüppelbelegung<br />

und die Arbeitsweise der Vorsegelw<strong>in</strong>de<br />

von Schepp kennen zu lernen. All<br />

das bee<strong>in</strong>druckte VAGRANT nur wenig, sie<br />

segelte los und ließ den Steuermann mit<br />

se<strong>in</strong>en hilflosen Versuchen, ihrer Herr zu<br />

werden, am Ufer zurück.<br />

Sie luvte an, wie es ihr gefiel, fiel ab, wenn<br />

es ihr <strong>in</strong> den S<strong>in</strong>n kam, legte sich auf die<br />

Seite und spr<strong>in</strong>tete los, wenn der W<strong>in</strong>d etwas<br />

auffrischte, parkte <strong>in</strong> den Wenden,<br />

wenn sie nicht genügend Speed hatte und<br />

fuhr dann wirklich rückwärts. Himmel, was<br />

für e<strong>in</strong> Modell! Mir wurde klar, was e<strong>in</strong>er der<br />

Vorbesitzer des Orig<strong>in</strong>als mit „Zicke“ me<strong>in</strong>te<br />

... Uns packte der Ehrgeiz, hier gab es offensichtlich<br />

noch e<strong>in</strong>iges zu tun.<br />

Das Toppsegelgestänge war zu kurz, die<br />

Rahen mussten also länger werden, das<br />

Mikro-Servo der Vorsegelw<strong>in</strong>de lief heiß<br />

26 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Der lange Bugspriet<br />

Blick <strong>in</strong>s Cockpit<br />

Mit Vollzeug <strong>in</strong> Grasbroek<br />

und musste durch e<strong>in</strong><br />

diger. VAGRANT wurde<br />

stärkeres ersetzt wer-<br />

mit Vollzeug geslippt, alles<br />

den, die Vorsegelschoten<br />

mussten neu e<strong>in</strong>gestellt<br />

und das Großsegel<br />

flacher getrimmt werden.<br />

Wir gaben uns nur e<strong>in</strong>e<br />

Woche Zeit, um bis zum<br />

Tuch war gesetzt und<br />

siehe da, jetzt war sie<br />

auch zu segeln. Das längere<br />

Toppsegelgestänge<br />

sorgte für e<strong>in</strong>en besseren<br />

Stand und ermöglichte<br />

Classicer-Treffen <strong>in</strong> Grasbroek<br />

e<strong>in</strong>en flacheren<br />

die anfallenden<br />

Trimm, der zusammen<br />

Arbeiten zu erledigen.<br />

Es wurde gesägt, gehobelt<br />

mit dem ebenfalls flacher<br />

getrimmten Groß und<br />

und lackiert, das<br />

den optimierten Vor-<br />

Toppsegel an den neuen<br />

segelschoten der Luvgierigkeit<br />

Spieren angeschlagen,<br />

den Garaus<br />

das Servo erneuert, die<br />

Vorsegelschoten justiert<br />

und der Trimm aller Segel<br />

optimiert.<br />

Am Freitagabend war alles<br />

Details im Rigg<br />

machte. VAGRANT läuft<br />

jetzt endlich nahezu geradeaus,<br />

reagiert aber<br />

immer noch sehr sensibel<br />

auf die Segelstellung<br />

fertig, am Samstagmorgen g<strong>in</strong>g es nach<br />

Grasbroek. Das Wetter spielte mit, der W<strong>in</strong>d<br />

frischte auf und war auch etwas bestän-<br />

zum W<strong>in</strong>d und erfordert sehr viel F<strong>in</strong>gerspitzengefühl<br />

an der P<strong>in</strong>ne und den Schoten.<br />

Stimmt alles, ist es e<strong>in</strong>e Freude, mit ihr unterwegs<br />

zu se<strong>in</strong>. Das Modell ist erstaunlich<br />

fl<strong>in</strong>k, trotz se<strong>in</strong>es Gewichts, kann aber dadurch<br />

eben auch e<strong>in</strong>e Menge W<strong>in</strong>d vertragen.<br />

Böen werden bei viel W<strong>in</strong>d kaum noch<br />

mit weiterer Krängung oder Anluven, sondern<br />

mit Abdrift kompensiert, bei gleich bleibendem<br />

Kurs, Lage und Geschw<strong>in</strong>digkeit.<br />

E<strong>in</strong> Verhalten, das offensichtlich dem großen<br />

Gewicht und der Rumpfform geschuldet<br />

ist. Für Regattasegler bedeutet das folglich,<br />

dass man es mit der Segelfläche am<br />

W<strong>in</strong>d nicht übertreiben sollte, wenn man<br />

nicht unnötig lange Wege zur Wendemarke<br />

gehen will. Das Orig<strong>in</strong>al wird übrigens<br />

schon bei drei W<strong>in</strong>dstärken gerefft.<br />

Raumschots wird dagegen gern alles gesetzt,<br />

was an Bord ist. Alle<strong>in</strong> die Länge des<br />

Spibaums, den VAGRANT se<strong>in</strong>erzeit mitführte,<br />

spricht für sich und lässt erkennen,<br />

dass es h<strong>in</strong>sichtlich der Segelfläche vor<br />

dem W<strong>in</strong>d kaum Grenzen gab. Ausgebaumt<br />

wächst das Orig<strong>in</strong>al zu e<strong>in</strong>er stattlichen<br />

Breite von 11,90 m heran, die enorme Tuchfläche<br />

lässt den ohneh<strong>in</strong> schon schma len<br />

Rumpf darunter wie e<strong>in</strong> Streichholz wirken.<br />

Die waren damals schon verrückt, die<br />

Schotten ... Bei allem segelt das Modell<br />

sehr trocken, der schmale Rumpf schneidet<br />

wie e<strong>in</strong> scharfes Messer durch die Wellen<br />

und produziert kaum Bug- oder Heckseen.<br />

Sie krängt auch nie so weit, dass Wasser<br />

<strong>in</strong>s Cockpit laufen könnte und liegt <strong>in</strong> jeder<br />

Situation auch noch gut auf dem Ruder,<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 27


sodass man sie immer wieder problemlos<br />

ans Ufer zurückholen kann. Alles D<strong>in</strong>ge, die<br />

wir so nicht erwartet hatten, kriegt man auf<br />

der großen VAGRANT doch häufiger nasse<br />

Füße, wenn der W<strong>in</strong>d nahezu von vorn<br />

kommt und die Wellen sich am steilen Vorsteven<br />

brechen.<br />

Auch die Genuaw<strong>in</strong>de arbeitet gut mit den<br />

drei Vorsegeln zusammen, selbst der Flieger<br />

wechselt problemlos die Seite, nachdem<br />

die Vorsegelschoten beim Wenden<br />

oder Halsen losgeworfen wurden.<br />

Dies sorgt für e<strong>in</strong> sehr realistisches Fahrbild,<br />

allerd<strong>in</strong>gs müssen die Schoten auf<br />

dem neuen Bug sehr schnell dichtgeholt<br />

werden, sonst bleibt das Modell im W<strong>in</strong>d auf<br />

der Stelle stehen und treibt beständig und<br />

kursstabil rückwärts, e<strong>in</strong>e Situation, aus der<br />

man sie nur schwer wieder herausbekommt.<br />

Kurz gesagt, von unseren Modellen ist VA-<br />

GRANT sicherlich das aufwendigste und<br />

anspruchsvollste, das wir bislang produziert<br />

haben. Das betrifft sowohl das Aufriggen als<br />

auch das Segeln an sich. Bei ke<strong>in</strong>em Modell<br />

haben wir so viel Zeit <strong>in</strong> die Optimierung der<br />

Segelansteuerung und den Trimm gesteckt<br />

und bei ke<strong>in</strong>em Modell so lange gebraucht,<br />

um es auf dem Wasser e<strong>in</strong>igermaßen vorbildgetreu<br />

zu bewegen. Selbst jetzt ist noch<br />

nicht alles perfekt, aber wir s<strong>in</strong>d auf e<strong>in</strong>em<br />

guten Weg.<br />

Wenn man sich die Berichte der Vorbesitzer<br />

des Orig<strong>in</strong>als ansieht, hatten jene mit<br />

den gleichen Schwierigkeiten zu kämpfen.<br />

Nicht umsonst wurde VAGRANT berühmtberüchtigt<br />

als „the unguided missile of the<br />

Clyde“ bezeichnet. Unsere Probleme kommen<br />

daher nicht von ungefähr.<br />

VAGRANT ist eben e<strong>in</strong> K<strong>in</strong>d ihrer Zeit, aber<br />

damals war man es gewohnt, mit den Tücken<br />

dieser Designs umzugehen. Sicherlich<br />

hat sich <strong>in</strong> Sachen Schiffbau und <strong>Yacht</strong>konstruktion<br />

<strong>in</strong> den letzten 130 Jahren e<strong>in</strong>iges<br />

getan, aber e<strong>in</strong>es gilt heute immer noch:<br />

Um Extremkonstruktionen welcher Art auch<br />

immer erfolgreich bei Regatten <strong>in</strong>s Ziel zu<br />

br<strong>in</strong>gen, ist e<strong>in</strong>e Menge Zeit, Erfahrung und<br />

Übung vonnöten, daran hat sich <strong>in</strong> all den<br />

Jahren nichts geändert. Aber am Ende hat<br />

sich der E<strong>in</strong>satz immer gelohnt.<br />

Letztendlich ist es diese Herausforderung,<br />

die das Ganze so <strong>in</strong>teressant macht und<br />

uns immer wieder dazu treibt, <strong>Yacht</strong>geschichte<br />

lebendig zu machen.<br />

Es geht auch ohne Flieger<br />

und Toppsegel<br />

VAGRANT und die 1730 Rule<br />

Seit 1881 galt <strong>in</strong> Großbritannien diese Vermessungsformel:<br />

(L+B)² x B<br />

1730<br />

wobei L für die Länge der Wasserl<strong>in</strong>ie und B<br />

für die Breite der <strong>Yacht</strong> stand.<br />

Die 1730 Rule bestrafte also die Breite der<br />

<strong>Yacht</strong> und führte folglich zu schmalen, tiefen<br />

Rümpfen mit viel Bleiballast und enormen<br />

Segelflächen. Rümpfe nach dieser Vermessungsformel<br />

wurden aufgrund des Aussehens<br />

„plank on edge design“ genannt, s<strong>in</strong>ngemäß<br />

„Planke hochkant“.<br />

Die Riggs hielten mit dieser Entwicklung<br />

nicht Schritt. Wegen der schmalen Rümpfe<br />

konnten die Masten nicht ausreichend verstagt<br />

werden und Mastbrüche waren an der<br />

Tagesordnung. Viel g<strong>in</strong>g zu Bruch und ebenso<br />

viele „Bleim<strong>in</strong>en“ oder „Bleisärge“ verschwanden<br />

zum Teil schon beim Stapellauf<br />

auf Nimmerwiedersehen <strong>in</strong> den Fluten (siehe<br />

auch Beitrag zur Entwicklung der Vermessungsformeln<br />

<strong>in</strong> <strong>SchiffsModell</strong> 7/2011).<br />

VAGRANT ist e<strong>in</strong> typisches Beispiel dieser<br />

Vermessungsformel. Sie lief 1884 als 18-ft-<br />

Rennkutter vom Stapel, e<strong>in</strong> frühes Design<br />

von William <strong>Fife</strong> III.<br />

Bei e<strong>in</strong>er Wasserl<strong>in</strong>ienlänge von nur 18 ft (=<br />

5,50 m) hat sie e<strong>in</strong>e Breite von 1,60 m, e<strong>in</strong>en<br />

Tiefgang von 1,30 m und e<strong>in</strong>e Verdrängung<br />

von ca. 3 t . Zur Rumpflänge von 6,70 m addiert<br />

sich e<strong>in</strong> Bugspriet von <strong>in</strong>sgesamt 4,30<br />

m, der 2,70 m über den Vorsteven h<strong>in</strong>ausragt<br />

und mit e<strong>in</strong>em 5,5 m langen Baum zu e<strong>in</strong>er<br />

unglaublichen Segelfläche von 720 sqft<br />

(= 66,9 m²) führt. Der Sp<strong>in</strong>nakerbaum hat<br />

e<strong>in</strong>e Länge von 6,70 m, sodass VAGRANT<br />

ausgebaumt 11,90 m breit ist, und das bei<br />

e<strong>in</strong>er Rumpfbreite von nur 1,60 m!<br />

Wegen des weit nach h<strong>in</strong>ten herausragenden<br />

Großbaums wurden diese <strong>Yacht</strong>en<br />

später mit überhängendem Heck konstruiert,<br />

e<strong>in</strong>zig, damit der Großbaum besser zu<br />

bedienen war. Es waren seetüchtige, kle<strong>in</strong>e<br />

<strong>Yacht</strong>en, die allerd<strong>in</strong>gs aufgrund des mangelnden<br />

Auftriebs im Vorschiffbereich sehr<br />

nass segelten.<br />

VAGRANT wurde kostengünstig für 60<br />

Pfund bei Culzean Shipyard gebaut. Ihr Auftraggeber<br />

und Eigner, der Ire Thomas Trocke,<br />

nahm mit ihr zwischen 1884 und 1887<br />

<strong>in</strong> Dubl<strong>in</strong> Bay erfolgreich an den Regatten<br />

der populären 18-ft-Klasse teil.<br />

Bereits 1887 wurde diese Klasse aufgrund<br />

neuer Vermessungsregeln jedoch wieder<br />

abgeschafft.<br />

VAGRANT wurde verkauft und g<strong>in</strong>g durch<br />

sage und schreibe 14 Eignerhände, bevor<br />

sie 1979 bei Hal Sisk vor Anker g<strong>in</strong>g, der die<br />

Restaurierung <strong>in</strong> Angriff nahm. 1983 wurde<br />

sie wieder zu Wasser gelassen, exakt so,<br />

wie sie 1884 ausgesehen hatte.<br />

Hal segelte mit ihr 1984 zurück nach Schottland,<br />

wo sie se<strong>in</strong>erzeit gebaut worden war<br />

und zeigte ihr die ganze Westküste. Obwohl<br />

die Begeisterung groß war, wenn VAGRANT<br />

irgendwo auftauchte, war es für Hal schwierig,<br />

jemanden mit genügend Enthusiasmus<br />

zu f<strong>in</strong>den, der sie im Segeltrimm pflegen und<br />

bewahren würde. Als es Zeit war, sich von<br />

ihr zu trennen, beschloss er daher, sie dem<br />

Scottish Maritime Museum zu überlassen,<br />

mit der Auflage, dass VAGRANT dort als segelndes<br />

Monument erhalten werden sollte.<br />

Seit 1985 ist VAGRANT im Besitz des Museums,<br />

sie wurde aber nicht so behandelt, wie<br />

Hal Sisk es sich gewünscht hat und ist daher<br />

erneut stark restaurierungsbedürftig.<br />

Inzwischen gibt es aber gute Nachrichten.<br />

Das Museum <strong>in</strong> Irv<strong>in</strong>e steht f<strong>in</strong>anziell im Moment<br />

sehr gut da und hat e<strong>in</strong>en Bootsbauer<br />

aus Fairlie beauftragt, die erforderlichen Arbeiten<br />

im nächsten Jahr <strong>in</strong> Angriff zu nehmen.<br />

Wir stehen <strong>in</strong> Kontakt und werden uns<br />

regelmäßig über den Fortgang der Restaurierung<br />

<strong>in</strong>formieren.<br />

Unser Modell entstand übrigens im Maßstab<br />

1:4.<br />

28 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


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Die neue Publikation „Altes Handwerk ...neu erlebt!“ befasst sich mit traditionellen Handwerksberufen<br />

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Schnapsbrenner, Müller, Bäcker und Edelste<strong>in</strong>schleifer etc. lebendig, sodass sich der Leser<br />

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Motorschiffe<br />

Dirk Lübbesmeyer<br />

ARS-51 GRASP<br />

E<br />

s muss ja nicht immer gleich<br />

e<strong>in</strong> waffenstarrender Koloss<br />

se<strong>in</strong>, wenn man e<strong>in</strong>en Vertreter<br />

der „Grauen Flotte“<br />

vor Augen hat. Neben den<br />

Kampfe<strong>in</strong>heiten gehören ja auch Versorger,<br />

Lazarettschiffe, Transporter, Tanker und<br />

vieles mehr <strong>in</strong>s Arsenal e<strong>in</strong>er Mar<strong>in</strong>e wie<br />

der US NAVY. Das hier beschriebene Modell<br />

e<strong>in</strong>es Bergungs- und Rettungsschiffes<br />

gehört daher genau <strong>in</strong> diese Kategorie.<br />

Se<strong>in</strong> Vorbild ist weltweit e<strong>in</strong>setzbar und<br />

deckt die verschiedensten Notfall-Aktivitäten<br />

ab. Dazu gehören Rettungsaktionen,<br />

das Heben kle<strong>in</strong>erer gesunkener Schiffe<br />

und Flugzeuge, Abschleppen von und Notfallreparaturen<br />

von havarierten E<strong>in</strong>heiten,<br />

Bekämpfung von Bränden sowie die Betreuung<br />

von Reparatur-Tauchere<strong>in</strong>sätzen<br />

an gesunkenen Objekten.<br />

Das Orig<strong>in</strong>al<br />

Das Vorbild, die ARS-51 GRASP (ARS =<br />

Auxiliary Rescue and Salvage = Hilfsschiff<br />

Rettung und Bergung, wobei alle Nichtkampfe<strong>in</strong>heiten<br />

der US NAVY das „A“ tra-<br />

ARS-51 GRASP Mitte Juni 2012 (Foto:US-Navy/120601-N-AQ172-054)<br />

30 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


gen), ist die zweite der aus vier E<strong>in</strong>heiten<br />

bestehenden SALVAGE-Klasse. Es s<strong>in</strong>d<br />

dies die modernsten und heute e<strong>in</strong>zig verbliebenen<br />

Schiffe dieses Typs im Arsenal<br />

der US NAVY.<br />

Für die SALVAGEs charakteristisch s<strong>in</strong>d die<br />

beiden hohen Kranbäume auf dem Vorschiff<br />

bzw. am Ende des kompakten Aufbautenblocks.<br />

Ebenso <strong>in</strong>s Auge fallen die jeweils<br />

zwei, beidseits unter den Brückennocks<br />

gestauten knallroten Ankerbojen sowie die<br />

umfangreichen Rollensysteme an Bug und<br />

Heck, die die auf den W<strong>in</strong>den aufgetrommelten<br />

Trossen führen. Die Schiffe s<strong>in</strong>d<br />

weltweit und dank ihres eisverstärkten Unterwasserrumpfes<br />

selbst <strong>in</strong> arktischen Gebieten<br />

e<strong>in</strong>setzbar. Mit e<strong>in</strong>er Länge von 78 m<br />

und e<strong>in</strong>er Breite von 15,5 m verdrängen sie<br />

bei e<strong>in</strong>em Tiefgang von 4.7 m 3300 ts.<br />

Der Antrieb besteht aus vier Caterpillar-Dieselmotoren<br />

mit <strong>in</strong>sgesamt<br />

4.200 PS, die auf zwei<br />

Wellen mit Propellern <strong>in</strong> Kortdüsen<br />

wirken. GRASP erreicht<br />

damit e<strong>in</strong>e maximale Geschw<strong>in</strong>digkeit<br />

von 15 kn, die Reichweite<br />

liegt bei 8000 sm mit 12 kn.<br />

Die Elektronik beschränkt sich<br />

auf e<strong>in</strong> Navigationsradar (SPS-<br />

64) und die auf NAVY-Schiffen üblichen<br />

Kommunikationsantennen, meist unter Radoms<br />

versteckt. Auch e<strong>in</strong>e Bewaffnung zur<br />

Selbstverteidigung <strong>in</strong> Form von vier leichten<br />

Masch<strong>in</strong>engewehren ist vorhanden, allerd<strong>in</strong>gs<br />

normalerweise nicht sichtbar.<br />

Wichtiger ist allerd<strong>in</strong>gs die aufgabenspezifische<br />

Ausrüstung. Fahrunfähige oder gestrandete<br />

Schiffe müssen vor der Bergung<br />

Technische Daten des Orig<strong>in</strong>als<br />

Länge 78 m<br />

Breite<br />

15,5 m<br />

Verdrängung 3200 ts voll ausgerüstet<br />

bei Tiefgang 4,7 m<br />

Antrieb 4200 PS vier Caterpillar-Dieselmotoren<br />

auf zwei Wellen mit Propellern<br />

<strong>in</strong> Kortdüsen<br />

Geschw<strong>in</strong>digkeit 15 kn<br />

Fahrbereich 8000 sm (12 kn)<br />

Bewaffnung 4 Masch<strong>in</strong>engewehre<br />

Besatzung 100 (6 Offiziere, 94 Mannschaften)<br />

oft noch abschleppbereit gemacht werden.<br />

Dazu ist unter Deck (für den Modellbauer<br />

also eigentlich unwesentlich) e<strong>in</strong>e weite<br />

Palette von Ausrüstung vorhanden, die von<br />

Schweiß- und Schneidewerkzeugen über<br />

transportable elektrische und hydraulische<br />

Generatoren bis h<strong>in</strong> zu Lenzpumpen reicht.<br />

Zum Abschleppen des Havaristen ist unter<br />

dem h<strong>in</strong>teren Kran und für den Modellbauer<br />

bis auf zwei Luken nicht sichtbar, e<strong>in</strong>e automatische<br />

Doppeltrommelw<strong>in</strong>de vorhanden.<br />

Jede Trommel trägt 910 m lange 57-mm-<br />

Trossen. Nicht zu vergessen ist der Antrieb,<br />

der e<strong>in</strong>en Pfahlzug von max. 68 t aufbr<strong>in</strong>gt.<br />

Für Arbeiten an gesunkenen Objekten verfügt<br />

GRASP über umfangreiche Tauchausrüstungen,<br />

mit der Menschen bis <strong>in</strong> 60 m<br />

Tiefe gut arbeiten können. Auch e<strong>in</strong>e Dekompressionskammer<br />

ist vorhanden, falls<br />

beim Tauchen e<strong>in</strong>mal etwas schief laufen<br />

sollte. Zum Heben gesunkener Objekte<br />

können die beiden Ladebäume e<strong>in</strong>gesetzt<br />

werden, wobei der vordere 7,5 t und der h<strong>in</strong>tere<br />

40 t heben kann. Ist der Patient noch<br />

schwerer, so können über die Bug- und<br />

Heckrollen bis zu 300 t gehoben werden.<br />

Zur Brandbekämpfung verfügt GRASP über<br />

drei manuell zu bedienende<br />

Löschmonitore und zwar je<br />

e<strong>in</strong>en auf der vorderen und<br />

h<strong>in</strong>teren Signalbrücke sowie<br />

e<strong>in</strong>en auf dem Vordeck.<br />

Sie können 3.800 l/m<strong>in</strong> Seewasser,<br />

aber auch Schaum<br />

versprühen, der Vorrat an<br />

Schaummittel beträgt 14000 l.<br />

Das alles bedient e<strong>in</strong>e Besatzung<br />

bestehend aus 6 Offizieren<br />

und 94 Mannschaften.<br />

GRASP ist, wie bereits erwähnt,<br />

die zweite E<strong>in</strong>heit der<br />

vier Schiffe zählenden SAL-<br />

VAGE-Klasse. Sie wurde am<br />

30.3.1983 auf der Peterson Builders Werft<br />

<strong>in</strong> Sturgeon Bay (Wiscons<strong>in</strong>) auf Kiel gelegt.<br />

Der Stapellauf erfolgte am 2.5.1985 und die<br />

Indienststellung am 14.12.1985. Die Geschichte<br />

der GRASP ist also lang und es<br />

würde zu weit führen, alle Unternehmungen<br />

aufzulisten. Oft war GRASP an Hebungen<br />

abgestürzter Militärflugzeuge beteiligt, aber<br />

auch an der des Privatflugzeugs, mit dem<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 31


Blick <strong>in</strong>s Modell<strong>in</strong>nere bei<br />

abgenommenen Aufbauten<br />

Die Rumpfschichten. Zu erkennen ist rechts auch der<br />

Weißblech-Vorsteven<br />

Fertiger Schichtbaurumpf ohne aufgeklebte Decks<br />

der Sohn von John F. Kennedy im Jahr 1999<br />

vor Martha’s V<strong>in</strong>eyard <strong>in</strong>s Meer stürzte,<br />

ebenso bei der Hebung des Wracks e<strong>in</strong>es<br />

TWA-Verkehrsflugzeugs im Jahre 1996<br />

vor Long Island. Der Heimathafen ist Little<br />

Creek <strong>in</strong> Virg<strong>in</strong>ia.<br />

Im Januar 2006 wurde GRASP von der<br />

NAVY dem Military Sealift Command (MSC)<br />

übergeben. Vor das ARS kam damit noch<br />

e<strong>in</strong> T und das Schiff erhielt e<strong>in</strong>e blau-gelbe<br />

Kam<strong>in</strong>b<strong>in</strong>de. Die Besatzung besteht seither<br />

zum größten Teil aus Zivilisten.<br />

Die Namen der SALVAGE-Klasse nehmen<br />

Bezug auf ihre Tätigkeit, also GRASP für<br />

„Greifen“ oder „Fassen“.<br />

Das Modell<br />

Kompatibel mit me<strong>in</strong>er übrigen Modellflotte<br />

ist ARS-51 GRASP e<strong>in</strong>e Holzkonstruktion<br />

im Maßstab 1:200. Mit Abmessungen von<br />

39 x 7,8 x 21,5 cm zählt sie also eher zu den<br />

M<strong>in</strong>i-Modellen. Zur Verbesserung der Tragfähigkeit<br />

wurde deshalb der Tiefgang leicht<br />

auf 2,8 cm erhöht (im Plan ist der Orig<strong>in</strong>altiefgang<br />

gestrichelt e<strong>in</strong>gezeichnet), was zu<br />

e<strong>in</strong>er Verdrängung von rund 580 g führt,<br />

ansonsten wären es nur 410 g gewesen.<br />

Die Konstruktion basiert auf e<strong>in</strong>er vergrößerten<br />

Seitenansicht aus dem Buch Seemacht<br />

USA, Band 2 von S.Terzibaschitsch<br />

(Bernhard & Graeffe-Verlag, 1982) sowie<br />

e<strong>in</strong>er Reihe von Bildern aus dem Internet,<br />

die vor allem auch für die Rekonstruktion<br />

der Draufsicht nötig waren.<br />

Der Antrieb besteht aus zwei Billigmotoren<br />

aus ausgeschlachteten<br />

elektrischen Zahnbürsten,<br />

die über Schlauchkupplungen<br />

an zwei 2-mm-Wellen gekuppelt<br />

s<strong>in</strong>d. Die zu den Wellen<br />

Breite<br />

gehörenden 14-mm-Vierblattpropeller<br />

(Selbstbau aus Mess<strong>in</strong>gblech)<br />

laufen <strong>in</strong> Kortdüsen.<br />

Gesteuert wird das Modell<br />

mit me<strong>in</strong>er 433-MHz-Fernsteuerung.<br />

Über e<strong>in</strong>e passende<br />

Antrieb<br />

Programmierung wird bei Ruder-Vollausschlag<br />

der jeweils<br />

Blick auf Antrieb und Ruder mit<br />

Anlenkung<br />

kurven<strong>in</strong>nere Antriebsmotor umgepolt, so<br />

dass das Modell sehr wendig ist. Für die<br />

Stromversorgung von Antrieb und Steuerungselektronik<br />

dienen vier NiMH-Zellen<br />

(Typ AAA) mit 800 mAh. Der Antriebsakku<br />

kann über e<strong>in</strong>e vierpolige Buchse (aus<br />

e<strong>in</strong>em IC-Sockel), die auf der Steuerbordseite<br />

h<strong>in</strong>ter dem Fallreep versteckt ist, geladen<br />

werden. Die Buchse dient gleichzeitig<br />

mittels Kurzschlussstecker als Hauptschalter.<br />

Als Umpolschutz ist dazu der zweite Pol<br />

zugelötet, die Pole 1 und 3 liegen am Akku,<br />

Pol 4 am Netz. Werden dann Pol 3 und 4<br />

mittels Kurzschlussstecker verbunden, ist<br />

das Modell e<strong>in</strong>geschaltet.<br />

E<strong>in</strong>e Überwachungse<strong>in</strong>heit Marke Eigenbau<br />

kontrolliert den Ladezustand des Akkus,<br />

evtl. Wassere<strong>in</strong>bruch sowie die RC-Signalgüte<br />

und signalisiert Grenzwert-Über- oder<br />

Unterschreitungen durch verschiedene<br />

Morsesignale mit den beidseits auf den<br />

Brückennocks aufgestellten Signalsche<strong>in</strong>werfern<br />

(superhelle 3-mm-LEDs).<br />

Der Rumpf entstand <strong>in</strong> Schichtbauweise,<br />

d. h. er besteht aus e<strong>in</strong>er Bodenplatte<br />

aus 2-mm-Sperrholz, fünf Schichten aus<br />

10-mm-Balsa (unter dem Arbeitsdeck im<br />

Heckbereich s<strong>in</strong>d es nur vier) und e<strong>in</strong>em<br />

2 mm starken Sperrholzdeck. Zur Verstärkung<br />

des Bugbereichs ist e<strong>in</strong> Vorsteven<br />

aus Weißblech e<strong>in</strong>geklebt. Zur leichteren<br />

Modellierung des Rumpfknicks, der von der<br />

Bugspitze bis fast zur Schiffsmitte reicht, ist<br />

dieser Teil zusätzlich mit 1-mm-Sperrholz<br />

beplankt, das vere<strong>in</strong>facht beim Abschleifen<br />

der Schichtstufen dessen Ausarbeitung.<br />

Im Bugbereich sowie um den heckseitigen<br />

Arbeitsbereich hat das Schiff e<strong>in</strong> Schanzkleid<br />

aus 1-mm-Sperrholz, das zwecks<br />

besseren Biegens vor dem Anbr<strong>in</strong>gen e<strong>in</strong>ige<br />

Zeit gewässert und vor dem Trocknen<br />

vorgebogen wurde. Zur Darstellung des<br />

gewölbten Heckbereichs wurde 3-mm-<br />

Balsa h<strong>in</strong>terklebt, das dann leicht <strong>in</strong> die gewünschte<br />

Form geschliffen werden konnte.<br />

Durch e<strong>in</strong>e Öffnung unter dem abnehmbaren<br />

Deckshaus ist der Rumpf zugänglich.<br />

Die beiden käuflichen 4-mm-Stevenrohre<br />

mit 2-mm-Wellen enden <strong>in</strong> Kortdüsen mit<br />

16 mm Innendurchmesser, die e<strong>in</strong>fach von<br />

e<strong>in</strong>em Alurohr abgesägt und an den Schnittkanten<br />

noch etwas abgerundet wurden.<br />

Sie werden durch mit den Stevenrohren<br />

verlötete Mess<strong>in</strong>gbleche zentriert und s<strong>in</strong>d<br />

darüber h<strong>in</strong>aus über e<strong>in</strong>en kurzen Sperrholzsteg<br />

mit dem Rumpf verklebt.<br />

Die 14-mm-Vierblatt-<br />

Propeller s<strong>in</strong>d Eigenbauten<br />

Technische Daten des Modells<br />

aus Mess<strong>in</strong>gblech.<br />

Um e<strong>in</strong>e unschöne Öffnung<br />

Länge 39 cm<br />

im Arbeitsdeck über dem<br />

7,8 cm<br />

Ruderkoker zu vermeiden,<br />

Höhe ü. a. 21,5 cm<br />

steuert e<strong>in</strong> M<strong>in</strong>iservo das<br />

Verdrängung 580 g (tatsächlich, voll ausgerüstet)<br />

Ruder über e<strong>in</strong>en <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

410 g (maßstäblich)<br />

2-mm-Mess<strong>in</strong>grohr geführten<br />

bei Tiefgang 2,8 cm<br />

Federstahldraht an, der unter<br />

Geschw<strong>in</strong>digkeit 0,4 m/sec<br />

2 x E-Motor direkt auf zwei<br />

der Wasserl<strong>in</strong>ie direkt an der<br />

2-mm-Wellen,<br />

P<strong>in</strong>ne des Ruderblatts e<strong>in</strong>gehängt<br />

wird. Der Ruderkoker<br />

14-mm-Vierblattpropeller <strong>in</strong> Kortdüsen<br />

NiMH-Akku, 4,8 V/800 mAh (4 x AAA)<br />

selbst besteht folglich nur<br />

Sonderfunktionen ke<strong>in</strong>e<br />

32 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 33<br />

Diese Zeichnung kann als Datei kostenlos unter welz@neckar-verlag.de angefordert werden


aus e<strong>in</strong>er M3-E<strong>in</strong>schlagmutter, <strong>in</strong> die e<strong>in</strong>e<br />

als Ruderwelle dienende M3-Schraube<br />

e<strong>in</strong>geschraubt wird. Das Ruder ist e<strong>in</strong> <strong>in</strong><br />

Profilform geschliffener Vertikalschichtbau<br />

aus 2-mm-Sperrholz (<strong>in</strong>nen) mit e<strong>in</strong>geklebter<br />

und seitlich auf 2 mm Länge abgefeilter<br />

M3-Schraube sowie zwei Schichten<br />

1-mm-Sperrholz. Da der Mess<strong>in</strong>grohraustritt<br />

im Modell<strong>in</strong>neren über der Wasserl<strong>in</strong>ie<br />

liegt, ist diese Art der Ruderanlenkung<br />

wasserdicht.<br />

Die beiden Schl<strong>in</strong>gerkiele s<strong>in</strong>d, bezogen auf<br />

das Orig<strong>in</strong>al, etwas vergrößert worden, um<br />

die Schwimmstabilität des Modells zu verbessern.<br />

Sie bestehen aus 2-mm-Sperrholz<br />

und s<strong>in</strong>d konisch zugespitzt.<br />

Der Aufbautenblock hat drei Decks und<br />

ist e<strong>in</strong>e Schachtelkonstruktion aus 1-mm-<br />

(Wände) und 2-mm-Sperrholz (Decks),<br />

die auch noch durch Spanten aus 10-mm-<br />

Balsa zusammengehalten wird. Gekrönt<br />

wird er durch e<strong>in</strong>en Kam<strong>in</strong> aus e<strong>in</strong>em Balsastück.<br />

Dessen Boden und Dach wurden<br />

aus 2-mm-Sperrholz ausgesägt, wodurch<br />

das Schleifen des Balsas sehr erleichtert<br />

wird. Auf dem Kam<strong>in</strong>dach wurden schräge<br />

2-mm-Löcher gebohrt, <strong>in</strong> die kurze 2-mm-<br />

Alurohrstücke als Abgasabzüge e<strong>in</strong>geklebt<br />

wurden. Die je zwei Lüftergitter beidseits<br />

des Kam<strong>in</strong>s habe ich auf selbstklebender<br />

Klarsichtfolie ausgedruckt und nach der<br />

Endlackierung an den entsprechenden Stellen<br />

angebracht.<br />

Zur Verglasung der Brückenfenster kam<br />

Klarsichtfolie zum E<strong>in</strong>satz, wobei die Fensterstege<br />

mit Farbe und Reißnadel aufgemalt<br />

wurden. Die Fenster im h<strong>in</strong>teren<br />

Deckshausbereich s<strong>in</strong>d aufgeklebte Briefkarton-Rechtecke,<br />

die später mit me<strong>in</strong>er<br />

bewährten Methode, d. h. mit schwarz getrübtem<br />

Klarlack auf weißem Untergrund,<br />

übermalt wurden. Die Bullaugen auf den<br />

Deckshausseitenwänden s<strong>in</strong>d 2-mm-Hohlniete,<br />

die <strong>in</strong> die entsprechenden Bohrungen<br />

e<strong>in</strong>geklebt wurden. Die Zugänge s<strong>in</strong>d ebenfalls<br />

aus Briefkarton, haben Türangeln aus<br />

kurzen Litzenstücken und angedeutete Vorreiber<br />

aus Kartonstreifen.<br />

Der Dreibe<strong>in</strong>mast entstand aus Federstahldraht<br />

und 1-mm-Sperrholz für die Plattformen.<br />

Das vordere durchgehende Be<strong>in</strong><br />

ist dabei aus 1,2-mm-, die beiden h<strong>in</strong>teren<br />

Abstützungen aus 0,8-mm-Draht. Das<br />

Hauptbe<strong>in</strong> trägt auf der Spitze e<strong>in</strong> Radom<br />

aus Rundholz, e<strong>in</strong> weiteres Radom steht<br />

auf der unteren Plattform. Die Rahe ist e<strong>in</strong><br />

1,2-mm-Federstahldraht, der unter die obere<br />

Plattform geklebt wurde. Die beiden Plattformen<br />

werden durch e<strong>in</strong>zügige Rel<strong>in</strong>gs aus<br />

Heftklammern gesichert, die Rahe hat e<strong>in</strong>e<br />

Fußrel<strong>in</strong>g aus demselben Material.<br />

Bereiche des Vorschiffes sowie die Decks<br />

des Deckshauses s<strong>in</strong>d durch Rel<strong>in</strong>gs gesichert,<br />

für die ich Streifenrel<strong>in</strong>g (5 mm) verwendet<br />

habe. Auf beiden Brückennocks ist<br />

<strong>in</strong> den Frontnischen je e<strong>in</strong>e rote bzw. grüne<br />

LED e<strong>in</strong>gebaut, die als E<strong>in</strong>schaltkontrolle für<br />

das Bordnetz verwendet werden. Darüber<br />

h<strong>in</strong>aus s<strong>in</strong>d beidseits der Brücke die schon<br />

erwähnten Signalsche<strong>in</strong>werfer für das Modellüberwachungssystem<br />

aufgestellt.<br />

Dem Aufgabengebiet des Orig<strong>in</strong>als folgend,<br />

besteht die sichtbare Ausrüstung vor allem<br />

Das Rohbaumodell. Gut zu erkennen ist die Sperrholzbeplankung zur Erzeugung<br />

des Rumpfknicks und die Balsaverstärkung des Heckschanzkleides<br />

Hier ist die Aufbautenkonstruktion gut zu sehen<br />

Der Rohbau vor den Lackierarbeiten<br />

34 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


aus den beiden großen Ladebäumen, den<br />

beiden Beibooten <strong>in</strong>kl. der zugehörigen<br />

Davits, zwei kle<strong>in</strong>en Kränen sowie den vier<br />

großen Anker-Bojen.<br />

Die beiden Ladebäume bestehen aus 1,0-<br />

bzw. 1,2-mm-Federstahldraht, die zugehörigen<br />

Masten aus Sperrholz. Die Rollen des<br />

Ladegeschirrs s<strong>in</strong>d Plastikblöcke, die von<br />

e<strong>in</strong>em Ausflug <strong>in</strong> den historischen Schiffsmodellbau<br />

übrig geblieben s<strong>in</strong>d. Die Ladebäume<br />

stecken <strong>in</strong> Scharnieren aus Mess<strong>in</strong>grohr<br />

und können manuell geschwenkt<br />

sowie gehoben und gesenkt werden. Zur<br />

Ladebaumausrüstung zählen auch die W<strong>in</strong>den,<br />

die aus Zahnstochern (Trommelachsen),<br />

mittels Bürolocher ausgestanzten<br />

Kartonscheiben (Trommelseiten) und<br />

Sperrholzresten (W<strong>in</strong>denkörper) zusammengeklebt<br />

und am Fuß der Ladebäume<br />

aufgestellt s<strong>in</strong>d. Für die Kranseile habe ich<br />

dünne Litze von der Ladespule e<strong>in</strong>er defekten<br />

Zahnbürste abgewickelt. Sechs Bahnen<br />

dieses sehr dünnen Drahtes wurden<br />

dazu mit der Bohrmasch<strong>in</strong>e verzwirnt.<br />

Je e<strong>in</strong> rot gestrichener Löschmonitor ist auf<br />

e<strong>in</strong>er Plattform h<strong>in</strong>ter dem Kam<strong>in</strong> und vor<br />

der Brücke aufgestellt. Es s<strong>in</strong>d stark vere<strong>in</strong>fachte<br />

Konstruktionen aus Rundholz (4 mm)<br />

für den Monitorkörper, das Schaumrohr aus<br />

2-mm-Alurohr und e<strong>in</strong>em Nagel als Wasserrohr.<br />

E<strong>in</strong> Handgriff aus e<strong>in</strong>er Heftklammer<br />

vervollständigt das Monitormodell.<br />

Steuerbords hängt e<strong>in</strong> Verkehrsboot <strong>in</strong> se<strong>in</strong>em<br />

Davit aus Sperrholz, es ist e<strong>in</strong> kommerzielles<br />

Plastikmodell. Das LCVP (Land<strong>in</strong>g<br />

Craft Vehicle Personnel = Landungsboot<br />

Mannschaft) auf der Backbordseite entstand<br />

im Selbstbau aus Balsa und Sperrholz<br />

und hängt ebenfalls <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Davit aus<br />

Sperrholz.<br />

Die vier großen Ankerbojen s<strong>in</strong>d Drechselprodukte<br />

aus Rundholz. Weitere kle<strong>in</strong>e kugelförmige<br />

Bojen entstammen der Füllung<br />

e<strong>in</strong>es Sitzsacks und wurden ebenfalls rot<br />

angemalt. Zur Eigenrettung der Besatzung<br />

s<strong>in</strong>d auch automatisch aufblasende Rettungs<strong>in</strong>seln<br />

vorhanden, deren Aufbewahrungstonnen<br />

seitlich des Deckshauses<br />

festgezurrt s<strong>in</strong>d. Auf dem Modell s<strong>in</strong>d die<br />

Behälter wieder e<strong>in</strong>e Drechselarbeit aus<br />

4-mm-Rundholz.<br />

Da es sich um das Modell e<strong>in</strong>es Arbeitsschiffes<br />

handelt, s<strong>in</strong>d der Fantasie des Modellbauers<br />

bezüglich weiterer Ausrüstungsverfe<strong>in</strong>erung<br />

kaum Grenzen gesetzt. Bei mir<br />

kamen z. B noch e<strong>in</strong> paar farbige Gasflaschen<br />

an Bord.<br />

Farbgebung<br />

Wie für Holzrümpfe unabd<strong>in</strong>gbar, wurde der<br />

Rumpf e<strong>in</strong>er <strong>in</strong>tensiven Imprägnierung mit<br />

verdünntem Bootslack unterzogen. Dazu<br />

wurde der Lack <strong>in</strong> den Innenraum gegossen<br />

und e<strong>in</strong>e längere E<strong>in</strong>wirkzeit gewährt,<br />

außen dagegen öfters gep<strong>in</strong>selt, bis die<br />

Farbe wirklich tief <strong>in</strong>s Holz e<strong>in</strong>gedrungen<br />

war. Der Innenbereich erhielt dann e<strong>in</strong>en<br />

Anstrich mit e<strong>in</strong>er Restfarbe sowie unverdünntem<br />

Bootslack. Zur Fertigstellung des<br />

Modells erfolgte die abschließende Spritzlackierung<br />

mit seidenmatten Farben <strong>in</strong><br />

Rot für die Rumpfunterseite und Hellgrau<br />

(Dunstgrau) für die Überwasserpartien.<br />

Zwischen dem Rot des Unterwasserteils<br />

und dem Grau des Überwasserrumpfes<br />

gibt es e<strong>in</strong>en schwarzen Wasserpass von<br />

etwa 3 mm Breite, der mit Hilfe e<strong>in</strong>er Klebebandabdeckung<br />

gezogen wurde.<br />

Das Schiefergrau der Decks wurde mit dem<br />

P<strong>in</strong>sel aufgetragen, wobei die Abgrenzung<br />

zu den vertikalen grauen Wänden mit e<strong>in</strong>er<br />

Reißnadel (Zirkelkasten) nachgezogen<br />

wurde. Diese Reißnadel kam auch zur<br />

Erstellung der VERTREP-Absetzmarkierung<br />

(VERTical REPlenishment, d. h. vertikale<br />

Versorgung mittels Hubschrauber)<br />

auf dem Arbeitsdeck des Heckbereichs zur<br />

Anwendung.<br />

Die Kennnummer beiderseits des Bugs<br />

habe ich auf selbstklebender Klarsichtfolie<br />

ausgedruckt, ausgeschnitten und aufgeklebt.<br />

Der helle Innenteil wurde dann abschließend<br />

mit weißer Farbe ausgemalt.<br />

Fahrerprobung<br />

Die ersten Schwimmversuche samt Trimmung<br />

konnten noch <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Waschbecken<br />

stattf<strong>in</strong>den, für die ersten Fahrversuche<br />

reichte die Badewanne. Wegen des kalten<br />

und feuchten Frühl<strong>in</strong>gs- und Sommeranfangs<br />

verschob sich die Jungfernfahrt im<br />

E<strong>in</strong>satzgewässer dann noch bis weit <strong>in</strong> den<br />

Sommer.<br />

Auf dem Wasser macht das relativ kle<strong>in</strong>e<br />

Modell e<strong>in</strong>e gute Figur und das Fahrverhalten<br />

ist recht ansprechend. Natürlich ist<br />

das kle<strong>in</strong>e Schiffchen ke<strong>in</strong> Schwerwettermodell.<br />

Da das Freibord im Heckbereich<br />

mit Schanzkleid nur rund 2 cm beträgt und<br />

dieses nach achtern auch noch zwei Öffnungen<br />

hat, kann der Heckbereich schon<br />

e<strong>in</strong>mal nass werden, besonders wenn das<br />

Modell zurücksetzt.<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 35


Motorschiffe<br />

In diesem Bericht möchte ich<br />

me<strong>in</strong> Modell des Schnellbootes<br />

vom Typ S-100 der<br />

ehem. Kriegsmar<strong>in</strong>e vorstellen.<br />

Als Nachbau-Maßstab<br />

wählte ich 1:16, als Bauunterlage<br />

verwendete ich den Plan von Wischmeyer<br />

im Maßstab 1:25, den ich auf den<br />

von mir gewünschten Maßstab umrechnetet.<br />

Danach befasste ich mich mit der passenden<br />

Literatur und mit der Suche nach<br />

Fotomaterial, um dem Orig<strong>in</strong>al näher zu<br />

kommen. Der Wunsch nach e<strong>in</strong>em Großmodell,<br />

<strong>in</strong> dem sich dank se<strong>in</strong>er Größe auch<br />

e<strong>in</strong>ige Sonderfunktionen realisieren lassen<br />

würden, war der Grund für die Wahl des<br />

Maßstabes.<br />

Der Rumpf wurde <strong>in</strong> bekannter Weise auf<br />

e<strong>in</strong>er Kielleiste <strong>in</strong> Spantenbauweise erstellt,<br />

die Beplankung besteht aus 3-mm-Balsaholz,<br />

welches anschließend verschliffen und<br />

mit 160-g-Gewebe und Epoxidharz verstärkt<br />

wurde. Die Decks sowie die Aufbauten entstanden<br />

zum größten Teil aus Polystyrol.<br />

Zu Beg<strong>in</strong>n hatte das Boot zwei Wellenanlagen,<br />

an denen zwei Kfz-Lüftermotoren<br />

(Fahrspannung 24 Volt) Dienst taten. Da<br />

mir die Fahrleistungen damit aber noch<br />

nicht genügten, wollte ich zum ersten Mal<br />

Brushless-Motoren ausprobieren, auch<br />

wenn ich bislang mit diesem Motorentyp<br />

noch ke<strong>in</strong>e Erfahrungen sammeln konn-<br />

Thomas Döpke<br />

SCHNELLB O O T<br />

Typ S-100<br />

36 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


S-100 zusammen mit Kle<strong>in</strong>-Schnellboot LS 2 im selben Maßstab<br />

te. Ich bestellte mir also zwei Motoren mit<br />

je 650 Watt und 1650 m<strong>in</strong> -1 /Volt, zusätzlich<br />

kam e<strong>in</strong>e dritte Wellenanlage <strong>in</strong>s Boot, an<br />

die ich e<strong>in</strong>en Decaperm mit Getriebe anflanschte,<br />

welcher über e<strong>in</strong>en herkömmlichen<br />

Drehzahlsteller sowohl vorwärts als<br />

auch rückwärts laufen kann. Zur Ansteuerung<br />

der Brushless-Motoren auf den Außenanlagen<br />

verwendete ich nämlich je e<strong>in</strong>en<br />

„Flugregler“ (100 Ampere) mit nur e<strong>in</strong>er<br />

Regelrichtung. Als Fahr-Akkus stehen 3s-<br />

LiPos mit 11,1 Volt und e<strong>in</strong>er Kapazität von<br />

10 Ah zur Verfügung.<br />

Die erreichte Fahrleistung mit dieser Antriebsauslegung<br />

ist enorm, ich konnte e<strong>in</strong>e<br />

Höchstgeschw<strong>in</strong>digkeit von 20 km/h messen,<br />

wohlgemerkt für e<strong>in</strong> Modell mit e<strong>in</strong>er<br />

Länge von 205 cm, 25 cm Breite und e<strong>in</strong>em<br />

Gesamtgewicht von ca. 14 kg. Nur fliegen<br />

ist noch schöner!<br />

Bei dieser Art von Modellen kommen für<br />

mich seitdem nur noch Brushless-Motoren<br />

<strong>in</strong> Frage. Trotz der hohen Geschw<strong>in</strong>digkeit<br />

läuft das Modell sehr stabil und lässt sich<br />

sehr gut beherrschen.<br />

Sonderfunktionen<br />

Die 20-mm-Kanone im Bug lässt sich um<br />

360° drehen und die Torpedorohr-Klappen<br />

lassen sich über die Servos öffnen und<br />

schließen. Um die Torpedorohre funktionstüchtig<br />

zu gestalten, baute ich e<strong>in</strong>e revolverähnliche<br />

Apparatur e<strong>in</strong>, die über e<strong>in</strong> Servo<br />

abgefeuert werden kann. Als Munition dienen<br />

4-mm-Randzünder, die als Treibladung<br />

für 15-mm-Starenschreck-, Pfeifer- oder<br />

Ratter-Patronen dienen.<br />

Für den richtigen Sound habe ich e<strong>in</strong>en<br />

Lautsprecher (30-W-Tieftöner) unter dem<br />

Fußboden der offenen Brücke e<strong>in</strong>gebaut.<br />

Die Geräusche kommen von e<strong>in</strong>em MP3-<br />

Player, der dank 20-W-Verstärker genug Power<br />

an den Lautsprecher liefert. Nachdem<br />

ich mich mit vielen verschiedenen Soundeffekten<br />

befasst habe, entschied ich mich<br />

für die realistischen Klänge e<strong>in</strong>es Dieselmotors<br />

und von Artilleriefeuer und schnitt mir<br />

die Töne zu e<strong>in</strong>em passenden Soundtrack<br />

zusammen.<br />

Details<br />

Auf der Brücke bef<strong>in</strong>det sich e<strong>in</strong>e Antenne<br />

(Cuba 1a, auch „Fliege“ genannt) für das<br />

NAXOS-Funkmess-Beobachtungsgerät.<br />

Allgeme<strong>in</strong> lässt sich feststellen, dass die<br />

ehem. Kriegsmar<strong>in</strong>e den Alliierten <strong>in</strong> Bezug<br />

auf Radargeräte weit h<strong>in</strong>terher h<strong>in</strong>kte und<br />

nur sehr wenige Boote mit diesen Geräten<br />

ausgestattet wurden. Weit h<strong>in</strong>ten am Heck<br />

habe ich e<strong>in</strong>e sogenannte LMF (Luftm<strong>in</strong>e<br />

Typ F) nachgebaut. Um die 20-mm-Kanone<br />

herum habe ich die Munitions-Magaz<strong>in</strong>e<br />

kreisförmig angelegt, da ich dies auf Orig<strong>in</strong>albildern<br />

sehr gut erkennen konnte. Die<br />

Besatzung besteht „nur“ aus 15 Mann, da<br />

es sehr aufwendig war, diese <strong>in</strong> Eigenleistung<br />

herzustellen. Als Ausgangsmaterial<br />

nutzte ich e<strong>in</strong>en Wehrmachtssoldaten im<br />

Maßstab 1:16, der dann so bearbeitet wurde,<br />

dass aus ihm e<strong>in</strong> Mar<strong>in</strong>esoldat geschaffen<br />

wurde. Für jedes e<strong>in</strong>zelne Besatzungsmitglied<br />

nahm ich dann e<strong>in</strong>e Silikonform<br />

ab, welche mit Polyurethan ausgegossen<br />

wurde. Die daraus entstandenen Rohl<strong>in</strong>ge<br />

mussten nun noch von Hand entsprechend<br />

bearbeitet und anschließend fe<strong>in</strong> säuberlich<br />

und detailliert bemalt werden. Viele Beschlagteile<br />

des Bootes habe ich aus Bronze<br />

gegossen, so z. B. die Lippen und Poller.<br />

Abschließend möchte ich mich noch für die<br />

Hilfe des ehem. S-Bootfahrers, Herrn He<strong>in</strong>rich<br />

Polozcek, bedanken.<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 37


Motorschiffe<br />

Jeder Modellbauer kennt das: Im<br />

Laufe der Zeit wird der Fundus an<br />

Kle<strong>in</strong>- und Ersatzteilen immer größer,<br />

schließlich wird so ziemlich<br />

alles aufgehoben, weil man es ja noch mal<br />

brauchen könnte. So wandert im Laufe der<br />

Zeit sogar mal der e<strong>in</strong>e oder andere komplette<br />

Schiffsrumpf mit <strong>in</strong>s Lager.<br />

Bei mir lief das genauso. Von e<strong>in</strong>em Modellbaukollegen<br />

bekam ich den Rumpf des<br />

Hafendienstbootes FUCHS von Graupner.<br />

Auch er hatte ihn „irgendwoher“. Beim Deck<br />

hatte e<strong>in</strong>er der Vorbesitzer versucht, Platten<br />

<strong>in</strong> Riffelblechoptik aufzukleben. Wegen<br />

e<strong>in</strong>es falschen Klebers wurde das Ganze<br />

dann aber eher e<strong>in</strong> Wellblech … also wechselte<br />

der Rumpf mehrfach den Besitzer und<br />

landete schließlich <strong>in</strong> me<strong>in</strong>er Restekiste.<br />

Während e<strong>in</strong>es Kurzurlaubs <strong>in</strong> Hamburg<br />

hatte ich die Gelegenheit, mir das historische<br />

»Feuerlöschboot IV« aus nächster<br />

Nähe und ohne Abdeckplanen anzusehen.<br />

Natürlich machte ich auch jede Menge Fotos,<br />

man weiß ja nie, ob man sie nicht mal<br />

brauchen kann.<br />

Als das nächste Mal der Blick wieder auf<br />

den FUCHS-Rumpf fiel, begannen Überlegungen,<br />

was man damit wohl anstellen<br />

könnte. Nach dem Besuch der Graupner-<br />

Homepage war klar, dass das Modell nicht<br />

mehr im Programm war, also folgte die<br />

Suche nach Bildern oder sogar e<strong>in</strong>er Planzeichnung<br />

im Internet. Über e<strong>in</strong>en Forumse<strong>in</strong>trag<br />

kam ich <strong>in</strong> Kontakt zur Fa. Novanaut<br />

<strong>in</strong> Berl<strong>in</strong>. Diese bietet verschiedene<br />

Frästeilesätze für den Rumpf des Schleppers<br />

POLLUX und des Kutters ANJA von<br />

Graupner an. Nach e<strong>in</strong>em Telefonat mit<br />

Herrn Meißner von Novanaut und dem Abgleich<br />

der Bestellnummern der Ersatzrümpfe<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>em alten Graupner-Katalog war klar,<br />

dass auch die FUCHS auf diesem Rumpf<br />

aufgebaut worden war.<br />

Nico Peter<br />

F E U E R L Ö S C H B O O T<br />

FEUERWEH<br />

oder: Was alles so<br />

<strong>in</strong> der Bastelkiste liegt<br />

Der Inhalt des Umbausatzes<br />

Zusammen mit den Nachwirkungen des<br />

Besuchs <strong>in</strong> Hamburg war damit der Startschuss<br />

für das neue Projekt gefallen: E<strong>in</strong>e<br />

FEUERWEHR IV im Maßstab 1:35 auf Basis<br />

des FUCHS-Rumpfes. Der Frästeilesatz<br />

38 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Das alte Deck ist aus<br />

dem Tiefziehteil<br />

herausgetrennt<br />

R IV<br />

wurde bestellt und e<strong>in</strong>ige Tage später traf<br />

e<strong>in</strong> Briefumschlag mit drei Fräsplatten e<strong>in</strong>.<br />

Zwischenzeitlich hatte ich zusätzlich jede<br />

Menge Bilder aus dem Netz „gesaugt“,<br />

um so auch e<strong>in</strong> wenig Detaillierung <strong>in</strong> den<br />

W<strong>in</strong>zl<strong>in</strong>g br<strong>in</strong>gen zu können. Zusammen<br />

mit den eigenen Fotos sollte also e<strong>in</strong>e gute<br />

Basis vorhanden se<strong>in</strong>. Erfreulicherweise lag<br />

den Frästeilen auch e<strong>in</strong>e CD mit e<strong>in</strong>igen bekannten<br />

und unbekannten Fotos sowie der<br />

Bauanleitung <strong>in</strong> pdf-Form bei. Diese wurde<br />

erst mal gründlich studiert. Der Frästeilesatz<br />

selbst enthält alle Aufbauteile oberhalb des<br />

Decks. Beschläge, Ausrüstungsgegenstände<br />

etc. gehören nicht zum Lieferumfang,<br />

daher wendet sich dieser Umbausatz auch<br />

eher an den geübten Modellbauer.<br />

Der Rumpf<br />

Beim vorliegenden Rumpf hatte ich zum<br />

e<strong>in</strong>en das „wellige Problem“ des Decks,<br />

zum anderen ist das Deck e<strong>in</strong> Tiefziehteil,<br />

welches auf dem Rumpfwulst, sprich der<br />

späteren Scheuerleiste, am Rumpf aufgesetzt<br />

werden sollte. Daher war auch bereits<br />

der Rumpfteil über dem Wulst vom Vorbesitzer<br />

abgeschnitten worden. Bezüglich des<br />

somit fehlenden Schanzkleides hatte ich<br />

nun also die Möglichkeit, dieses aus Polystyrolplatten<br />

komplett neu zu bauen oder zu<br />

versuchen, das alte Deck aus dem Tiefziehteil<br />

herauszutrennen, um so den restlichen<br />

bereits vorgeformten Teil nutzen zu können.<br />

Ich entschied mich erst e<strong>in</strong>mal für die zweite<br />

Variante. Mit e<strong>in</strong>em stabilen Skalpell g<strong>in</strong>g<br />

das auch recht gut und e<strong>in</strong>fach. In der Folge<br />

wurde das Teil an die neue Schiffsform angepasst.<br />

Da die Back nun nicht mehr erhöht<br />

war, mussten die Stufe und damit der vordere<br />

obere Teil weg, gleichzeitig durfte die<br />

Schanz am Bug nicht mehr nach <strong>in</strong>nen fallen,<br />

sondern musste senkrecht stehen. Mit<br />

e<strong>in</strong>em Höhenanreißer wurde nun die Höhe<br />

des neuen Schanzkleides rundherum angezeichnet.<br />

Da das neue Schanzkleid – bis<br />

auf den ganz vorderen Bereich, der ja auch<br />

im Frästeilesatz enthalten ist – parallel zum<br />

Deck verläuft, stellt dies überhaupt ke<strong>in</strong><br />

Problem dar. Als Kompromiss wählte ich<br />

dabei die ger<strong>in</strong>gste vorhandene (Material-)<br />

Höhe. Diese f<strong>in</strong>det sich an dem Übergang<br />

zur früher erhöhten Back. Zum Ausschneiden<br />

reicht dann e<strong>in</strong>e e<strong>in</strong>fache Lexanschere,<br />

denn das ABS-Material weist hier e<strong>in</strong>e Stärke<br />

von nur 0,6 mm auf.<br />

Nun konnte das Deck aus dem Frästeilesatz<br />

das erste Mal provisorisch e<strong>in</strong>gepasst werden.<br />

Dank der exakt passenden Teile der<br />

Fa. Novanaut waren nur ger<strong>in</strong>gste Nacharbeiten<br />

im Bugbereich notwendig. Im Anschluss<br />

konnte das Schanzkleid als Ganzes<br />

wieder auf den Rumpf geklebt werden.<br />

Unter der Auswertung verschiedener Fotos<br />

konnten nun die Öffnungen für die Trossenklüsen<br />

e<strong>in</strong>gebracht werden. Es folgte<br />

der E<strong>in</strong>bau der Innereien <strong>in</strong> den Rumpf.<br />

Welle und Ruder waren bei me<strong>in</strong>em Exemplar<br />

bereits e<strong>in</strong>gebaut, folglich g<strong>in</strong>g es nur<br />

um die Positionierung von Akku, Steller und<br />

Empfänger. Gleichzeitig sollte aber auch<br />

noch Platz für mögliche Sonderfunktionen<br />

bleiben, ich denke hier an e<strong>in</strong>en funktionierenden<br />

Löschmonitor. Als Fahrakku dient<br />

e<strong>in</strong> sechszelliger NiMH-Pack mit e<strong>in</strong>er Kapazität<br />

von 1400 mAh, dieser liegt längs direkt<br />

vor dem Motor im Rumpf. Das Lenkservo<br />

f<strong>in</strong>det auf der Backbordseite neben dem<br />

Akku se<strong>in</strong>en Platz, Steller und Empfänger<br />

werden auf der gegenüberliegenden Seite<br />

positioniert. So bleibt also noch Platz für die<br />

spätere Wasserpumpe des Löschmonitors.<br />

Gewichtsmäßig gibt es hier auch ke<strong>in</strong>e Probleme,<br />

denn weitere 46 g Gewicht mussten<br />

noch <strong>in</strong> den Bug des Modells, um es wieder<br />

auf die Wasserl<strong>in</strong>ie zu br<strong>in</strong>gen.<br />

Aufbau<br />

Die Herstellung des Aufbaus aus den Frästeilen<br />

bedarf eigentlich ke<strong>in</strong>er größeren<br />

Worte. Die beiliegende Anleitung ist mit ihren<br />

Fotos sehr verständlich und da es sich<br />

im Wesentlichen um gerade Platten bzw.<br />

Teile handelt, stellt die Fixierung im rechten<br />

W<strong>in</strong>kel eigentlich ke<strong>in</strong>en Modellbauer vor<br />

e<strong>in</strong>e besonders große Herausforderung.<br />

Bei der Detaillierung sieht es da schon wieder<br />

etwas anders aus. Lüftergitter, Halterungen<br />

für Bootshaken und Rettungsr<strong>in</strong>ge<br />

sowie die Abschlussleiste des hölzernen<br />

Teils des Steuerhauses sollten vor dem<br />

Lackieren gleich mit angebracht werden.<br />

Servo und Akkubox<br />

kommen <strong>in</strong>s Schiff<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013<br />

39


Der Aufbau entsteht<br />

Stellprobe<br />

Noch im Rohzustand werden die<br />

„Holzleisten“ angebracht<br />

Die besagte Abschlussleiste unterhalb der<br />

Fenster entstand aus e<strong>in</strong>em Plattenrest<br />

des Frästeilesatzes und wurde mit e<strong>in</strong>em<br />

Leistenschneider gefertigt. Die Halterungen<br />

der Rettungsr<strong>in</strong>ge und die Bootshaken<br />

entstanden dagegen aus Resten von ABS-<br />

Röhrchen. Diese wurden dazu auf die erforderliche<br />

Breite der jeweiligen Halterung<br />

abgelängt und anschließend habe ich etwa<br />

e<strong>in</strong> Drittel aus dem so entstandenen R<strong>in</strong>g<br />

herausgetrennt. Durch die leichte Federwirkung<br />

des ABS-Materials lassen sich die<br />

Rettungsr<strong>in</strong>ge – übrigens auch Teile aus der<br />

Restekiste – e<strong>in</strong>fach e<strong>in</strong>clipsen und müssen<br />

nicht festgeklebt werden. Landanschlüsse,<br />

Lüftergitter und außen liegende Rohrleitungen<br />

werden mit kle<strong>in</strong>en ABS-Plättchen<br />

bzw. Drahtstücken imitiert. Alle Details, die<br />

später die Farbe des Aufbaus tragen werden,<br />

habe ich schon vor dem Lackieren angebracht.<br />

Die vordere Kajüte wird ebenfalls gemäß<br />

Anleitung zusammengebaut und dann an<br />

das Vordeck bzw. an die vordere Schanz<br />

angepasst. Hierzu musste im Bugbereich<br />

e<strong>in</strong>iges an Material entfernt werden, was<br />

jedoch an me<strong>in</strong>em selbst modellierten<br />

Bugbereich lag, denn ansonsten s<strong>in</strong>d alle<br />

Teile des Frästeilesatzes sehr passgenau.<br />

Die e<strong>in</strong>zige Ausnahme ist das Dach des<br />

Steuerhauses, denn dieses ist aufgrund<br />

der Dachwölbung um 2 mm zu kurz. Doch<br />

die Fräsplatten bieten genug Restmaterial,<br />

um dieses Rechteck e<strong>in</strong>fach neu auszuschneiden.<br />

Die Ausrüstung<br />

Die Leitern entstehen als<br />

Demonstration auf<br />

der Messe<br />

E<strong>in</strong> besonderer Blickfang auf dem Orig<strong>in</strong>al<br />

ist der stets polierte Löschmonitor. Dieser<br />

sollte natürlich auch me<strong>in</strong> Modell zieren<br />

und, wenn möglich, sogar funktionieren.<br />

Ich wählte daher aus der Restekiste e<strong>in</strong><br />

genügend langes Stück Mess<strong>in</strong>grohr mit<br />

e<strong>in</strong>em Durchmesser von 2 mm. Dieses wurde<br />

ausgeglüht und anschließend entsprechend<br />

gebogen. Die Flansche entstanden<br />

aus ABS-Rohrscheiben, als Material für<br />

den Griff kam e<strong>in</strong> Zahnstocher zum E<strong>in</strong>satz.<br />

Die Düse des Monitors entstand aus<br />

e<strong>in</strong>em ausgedienten F<strong>in</strong>el<strong>in</strong>er. Alles passte,<br />

doch der Druck der verwendeten Pumpe,<br />

die sich auch noch <strong>in</strong> der besagten Restekiste<br />

befand, war e<strong>in</strong>fach zu stark. Trotz Sicherung<br />

rutschte der Schlauch immer beim<br />

E<strong>in</strong>schalten vom Monitor ab und so wurde<br />

das Wasser direkt <strong>in</strong>s Boot gepumpt ... Kurzerhand<br />

habe ich den Löschmonitor wieder<br />

ausgebaut und durch e<strong>in</strong>e nicht funktionsfähige<br />

Attrappe ersetzt. Der „funktionierende<br />

Löschmonitor“ steht nun wieder auf dem<br />

„to-do-Zettel“ und wartet auf se<strong>in</strong>en Wiedere<strong>in</strong>bau<br />

mit e<strong>in</strong>er anderen Pumpe oder e<strong>in</strong>er<br />

anderen Schlauchbefestigung.<br />

E<strong>in</strong> weiteres deutliches Erkennungsmerkmal<br />

des Bootes s<strong>in</strong>d die an der Rel<strong>in</strong>g des<br />

Monitordecks angehängten Steckleiterteile.<br />

Während des aktiven Betriebs des Bootes<br />

waren diese unter Deck im heutigen Mannschaftsraum<br />

untergebracht. Mit dem Umbau<br />

zum aktiven Museumsboot kamen sie aus<br />

40 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Begegnung auf der „Elbe“<br />

<strong>in</strong> der „Kle<strong>in</strong>en Sächsischen<br />

Schweiz“ <strong>in</strong> Wehlen<br />

dekorativen Gründen dann an Deck. Der<br />

Versuch, diese vier Leiterteile aus Holzleisten<br />

herzustellen, brachte nicht das optimale<br />

Ergebnis. Glücklicherweise bot sich auf<br />

e<strong>in</strong>er der größeren Modellbaumessen e<strong>in</strong><br />

alter Bekannter an, mir mal die E<strong>in</strong>fachheit<br />

des von se<strong>in</strong>em Arbeitgeber entwickelten<br />

CAD-Programms zu zeigen. Erstaunlicherweise<br />

entstand <strong>in</strong> weniger als fünf M<strong>in</strong>uten<br />

die Zeichnung für e<strong>in</strong>e maßstabsgerechte<br />

Leiter. Da ihn das Fräsen der filigranen<br />

Holme und Sprossen dann doch reizte und<br />

gleichzeitig e<strong>in</strong> anderer Kunde nach dem<br />

schrittweisen Tiefenfräsen fragte, wurden<br />

die Daten der Leiter kurzerhand an die<br />

aufgebaute Fräse geleitet. Das Ergebnis,<br />

welches wenige M<strong>in</strong>uten später aus der<br />

Fräse genommen werden konnte war fantastisch.<br />

Aber ich brauchte ja vier dieser<br />

Leitern ... Na ja, für e<strong>in</strong>en kle<strong>in</strong>en Obolus<br />

<strong>in</strong> die Kaffeekasse konnte ich am Nachmittag<br />

des Messetages dann<br />

me<strong>in</strong>e vier Leitern <strong>in</strong> Empfang<br />

nehmen. Danke noch e<strong>in</strong>mal<br />

an dieser Stelle an He<strong>in</strong>er Vogelsang<br />

von der Fa. Megatech Länge<br />

Software GmbH.<br />

Breite<br />

Da die FEUERWEHR IV bei<br />

ihren heutigen Fahrten fast Gewicht<br />

immer Gäste an Bord hat, Motor<br />

wurde im Zuge von Restaurierungen<br />

auch die achterliche Bezugsquellen<br />

Sitzbank mehrfach erneuert.<br />

Bei me<strong>in</strong>em Modell entstand<br />

sie aus dem Rest e<strong>in</strong>er Polystyrolplatte.<br />

Dazu wurden die<br />

Maße direkt am Modell abgenommen und<br />

auf die Platte übertragen. Entsprechende<br />

Stützen kamen darunter und schon war<br />

die Sitzbank fertig. Allerd<strong>in</strong>gs sollte man<br />

darauf achten, die Bank nicht direkt auf<br />

die achterliche Luke zu kleben, denn sonst<br />

kommt man an die Anlenkung zum Ruder<br />

nur noch mit Gewalt heran. Die Bullaugen<br />

stammen allesamt ebenfalls aus der Restekiste<br />

und verleihen mit ihrer Mess<strong>in</strong>gfarbe<br />

dem Modell e<strong>in</strong> nostalgisches Aussehen.<br />

Besonders auffällig am Orig<strong>in</strong>al s<strong>in</strong>d jedoch<br />

die Schriftzüge. Da gibt es nicht<br />

nur den Schiffsnamen am Bug, sondern<br />

auch e<strong>in</strong>ige andere Schilder und Tafeln.<br />

Vorlagen hierzu hatte ich anhand der verschiedensten<br />

Fotos genug und so war es<br />

nicht weiter schwierig, die Schriftzüge und<br />

Technische Daten<br />

360 mm<br />

125 mm<br />

608 g<br />

SPEED 280 mit<br />

Untersetzungsgetriebe 2:1<br />

Frästeilesatz Aufbau bei<br />

www.Novanaut.de<br />

Tafeln mittels Powerpo<strong>in</strong>t® am Computer<br />

entstehen zu lassen. Gleichzeitig entstand<br />

auch e<strong>in</strong>e Reihe von Flaggen und Fahnen,<br />

denn auf ihren Ausfahrten ist die FEUER-<br />

WEHR IV stets reich beflaggt. Besonders<br />

auffällig hierbei ist mittschiffs die Flagge<br />

von Blohm & Voss, die im Rahmen e<strong>in</strong>er<br />

Partnerschaft immer wieder Platz, Masch<strong>in</strong>en<br />

und Know-how für Wartungsarbeiten<br />

zur Verfügung stellt. Alle Grafiken wurden<br />

dann auf e<strong>in</strong>em A4-Blatt zusammengefasst<br />

und <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Copyshop mittels Laserdruck<br />

auf e<strong>in</strong>e wasserfeste Klebefolie gedruckt.<br />

Daheim g<strong>in</strong>g es dann mit Skalpell und<br />

Stahll<strong>in</strong>eal ans Ausschneiden. Nach dem<br />

Aufbr<strong>in</strong>gen der Dekors wurden diese dann<br />

zusätzlich noch e<strong>in</strong>mal mit e<strong>in</strong>er Schicht<br />

Klarlack versiegelt.<br />

Bei der Gestaltung der Bugverzierung mit<br />

dem Hamburger Wappen sollte ich mich<br />

anfangs etwas schwer tun, s<strong>in</strong>d doch filigrane<br />

P<strong>in</strong>selstriche nicht so ganz me<strong>in</strong><br />

D<strong>in</strong>g. Der Zufall wollte es so, dass me<strong>in</strong>e<br />

Frau ihrer Nageldesigner<strong>in</strong> von me<strong>in</strong>en<br />

Versuchen erzählte. Bereits e<strong>in</strong>en Tag<br />

später sollte ich das Boot zusammen mit<br />

e<strong>in</strong>em Foto der Ornamente mal im Nagelstudio<br />

vorbeibr<strong>in</strong>gen. Gesagt getan und <strong>in</strong><br />

weniger als 15 M<strong>in</strong>uten zauberte sie per<br />

Hand die Verzierungen nach der Fotovorlage<br />

auf me<strong>in</strong> Modell. Herrlich mit weiß<br />

und schwarz unterlegt, so dass die fe<strong>in</strong>en<br />

Striche dreidimensional ersche<strong>in</strong>en. E<strong>in</strong>fach<br />

e<strong>in</strong>e tolle Arbeit.<br />

Pünktlich zum Term<strong>in</strong> des Hochsee-Segelns<br />

<strong>in</strong> Leogang war das Boot dann fahrbereit.<br />

Die Jungfernfahrt verlief problemlos<br />

und so konnte bereits bei e<strong>in</strong>er der ersten<br />

Ausfahrten e<strong>in</strong> erfolgreicher Rettungse<strong>in</strong>satz<br />

e<strong>in</strong>es M<strong>in</strong>i-Segelbootes auf dem Hotelteich<br />

verbucht werden.<br />

Als Modell „für mal so zwischendurch“ hat<br />

mir der Bau sehr viel Spaß gemacht. Ich<br />

habe e<strong>in</strong>e Menge gelernt und me<strong>in</strong>e Restekiste<br />

ist mal wieder aufgeräumt. Danke also<br />

an dieser Stelle an alle, die mich mit Ideen<br />

und Taten bei diesem kle<strong>in</strong>en Modell unterstützt<br />

haben. Und obwohl me<strong>in</strong>e FEUER-<br />

WEHR IV nur vorbildähnlich ist, ist sie doch<br />

auch schon im Ausland als e<strong>in</strong> bekanntes<br />

Schiff aus dem Hamburger Hafen erkannt<br />

worden.<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 41


Motorschiffe<br />

Siegfried Röhlig<br />

P R O V I A N T B O O T<br />

TIME IS MONEY<br />

Auf e<strong>in</strong>em Schaufahren <strong>in</strong> Krefeld<br />

stach me<strong>in</strong>er Frau e<strong>in</strong><br />

sehr schön gebautes Modell<br />

<strong>in</strong>s Auge: Es handelte sich<br />

um e<strong>in</strong> Proviantboot. Dabei er<strong>in</strong>nerte sie<br />

sich an ihre K<strong>in</strong>dheit und sie äußerte den<br />

Wunsch, ich möchte doch e<strong>in</strong>mal so e<strong>in</strong><br />

Schiff nachbauen. Proviantboote waren<br />

auch <strong>in</strong> ihrer Heimat am Niederrhe<strong>in</strong>, <strong>in</strong><br />

den Ruhrorter Häfen, sowohl auf dem<br />

Rhe<strong>in</strong> als auch auf sämtlichen Flüssen und<br />

Kanälen im E<strong>in</strong>satz.<br />

Besagtes Modell <strong>in</strong> Krefeld war vom holländischen<br />

Modellbaukollegen J. Engelen aus<br />

Venlo im Maßstab 1:20 gebaut worden. Ich<br />

stimmte zwar dem Wunsch me<strong>in</strong>er Frau zu,<br />

allerd<strong>in</strong>gs kam für mich e<strong>in</strong> Nachbau nur <strong>in</strong><br />

me<strong>in</strong>em „Stamm-Maßstab“ von 1:50 <strong>in</strong> Frage.<br />

Da es aber auch noch e<strong>in</strong> Fahrmodell<br />

werden sollte, wusste ich noch nicht, was<br />

da auf mich zukommen würde. Schließlich<br />

würde das Modell nur 238 x 74 mm groß<br />

werden. Ich entschied mich dennoch, die<br />

Herausforderung anzunehmen.<br />

Das Orig<strong>in</strong>al<br />

Diese Proviantboote waren sozusagen<br />

schwimmende „Tante-Emma-Läden“, die<br />

auf den Flüssen und Kanälen die Schiffer<br />

mit den zum täglichen Leben benötigten<br />

Waren versorgten. Folglich nannte man sie<br />

<strong>in</strong> Schifferkreisen oft auch Salami- oder Leberwurstkreuzer.<br />

Da heutzutage auf allen<br />

B<strong>in</strong>nenschiffen Kühlschränke und Kühltruhen<br />

vorhanden s<strong>in</strong>d und daher Lebensmittel<br />

nicht täglich frisch angeliefert werden<br />

Me<strong>in</strong> Modell im M 1:50 vor dem<br />

von J. Engelen im M 1:20<br />

42 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


müssen, verschwanden nach und nach diese<br />

kle<strong>in</strong>en Versorgungsboote von der Bildfläche.<br />

Das Proviantboot TIME IS MONEY<br />

wurde aber nicht wie die meisten se<strong>in</strong>er<br />

Kollegen verschrottet, sondern hat heute<br />

se<strong>in</strong>en Liegeplatz im Museumshafen von<br />

Rotterdam. Dort wird es von se<strong>in</strong>em letzten<br />

Besitzer, Herrn Wim van Hooren, weiterh<strong>in</strong><br />

betreut. Auch auf so mancher Veranstaltung<br />

<strong>in</strong> den Niederlanden ist es noch zu sehen.<br />

Das Boot wurde 1961/62 auf der Werft Elt<strong>in</strong>k/Mook<br />

(NL) gebaut und hat e<strong>in</strong>e Länge<br />

von 11,90 m bei e<strong>in</strong>er Breite von 3,70 m.<br />

von VossChemie. Dies verh<strong>in</strong>dert das Aufquellen<br />

der Spanten beim späteren Schleifen<br />

der Urform.<br />

Nach dem Aushärten des Harzes konnten<br />

die Zwischenräume mit Bauschaum ausgefüllt<br />

und der Rumpf grob überschliffen<br />

werden. Über diesen wurde nun e<strong>in</strong>e Lage<br />

Glasgewebe mit Epoxidharz auflam<strong>in</strong>iert.<br />

Wichtig: Auf Bauschaum nur mit Epoxidharz<br />

arbeiten, Polyesterharz löst Bauschaum<br />

auf! Nun konnte mit dem üblichen Schleifen<br />

und Spachteln des Urmodells begonnen<br />

werden. Zum Schluss wurde das Urmodell<br />

Urmodell und zweiteilige Negativform<br />

Der fertige Rumpfabzug<br />

auf dem Urmodell<br />

Frästeile<br />

Steuerhaus mit Mast<br />

Das Modell<br />

E<strong>in</strong>e Zeichnung mit den Seitenansichten<br />

sowie dem L<strong>in</strong>ien- und Spantenriss stellte<br />

mir der Modellbaukollege J. Engelen zur<br />

Verfügung, außerdem bekam ich noch e<strong>in</strong>ige<br />

Fotos vom Orig<strong>in</strong>al. Zuerst habe ich<br />

die Zeichnung auf den Maßstab von 1:50<br />

verkle<strong>in</strong>ert und zur weiteren Bearbeitung<br />

im Zeichenprogramm e<strong>in</strong>gescannt. Jetzt<br />

bekam ich erst e<strong>in</strong>e richtige Vorstellung<br />

h<strong>in</strong>sichtlich der Größe des zu bauenden<br />

Modells. Spätestens jetzt war klar, dass<br />

Leichtbau angesagt war. Nach dem E<strong>in</strong>scannen<br />

der Spanten konnte ich diese am<br />

PC nachzeichnen und e<strong>in</strong> CNC-Programm<br />

für me<strong>in</strong>e Fräsmasch<strong>in</strong>e erstellen, auf der<br />

die Spanten präzise entstanden. Auf das<br />

Baubrett (Hell<strong>in</strong>g) wurden mit der CNC-<br />

Fräsmasch<strong>in</strong>e Nuten e<strong>in</strong>gefräst, <strong>in</strong> denen<br />

die Spanten aufgestellt und ausgerichtet<br />

werden konnten. Die Spanten imprägnierte<br />

ich mit dem allen „Holzwürmern“ bekannten<br />

G4 (e<strong>in</strong> 1-Komponenten-Polyurethanharz)<br />

mit Hochglanzlack aus der Spraydose gespritzt.<br />

Unter e<strong>in</strong>er hellen Leuchtstofflampe<br />

konnte der fertige Rumpf jetzt h<strong>in</strong>sichtlich<br />

immer noch vorhandener Unebenheiten<br />

überprüft und diese beseitigt werden.<br />

Ich entschied mich für die Anfertigung e<strong>in</strong>er<br />

zweiteiligen Negativform, um beim späteren<br />

Ausformen des doch recht dünnen Rumpfes<br />

ke<strong>in</strong>e Schwierigkeiten zu bekommen. Die<br />

Trennnaht verläuft daher längs über den<br />

Rumpf. Nach dem Wachsen der Form und<br />

dem Auftragen des Trennmittels wurde nun<br />

erst die e<strong>in</strong>e und dann die zweite Hälfte der<br />

Negativform erstellt. Die eigentliche Rumpfschale<br />

lam<strong>in</strong>ierte ich dann mit je e<strong>in</strong>er Lage<br />

25-g- und 50-g-Gewebe ohne Deckschicht,<br />

denn Deckschichtharz ist für solch kle<strong>in</strong>e<br />

Rümpfe e<strong>in</strong>fach zu schwer. Nach dem Aushärten<br />

und Entformen kam der Rumpf auf<br />

die Waage, die bei ca. 15 g stehen blieb.<br />

Mit diesem Ergebnis war ich erst e<strong>in</strong>mal<br />

zufrieden.<br />

Jetzt konnte das zur Verfügung stehende<br />

Gesamtgewicht ermittelt werden. Dazu<br />

habe ich die Wasserl<strong>in</strong>ie angezeichnet und<br />

die Rumpfschale <strong>in</strong> e<strong>in</strong> Wasserbecken gesetzt<br />

und mit so viel Gewicht belastet, bis<br />

sie bis zur Wasserl<strong>in</strong>ie e<strong>in</strong>tauchte. Die Gesamtverdrängung<br />

lag bei 115 g, somit blieben<br />

nach Abzug der Gewichte für Fernsteuerung,<br />

Antriebse<strong>in</strong>heit und Rumpf noch ca.<br />

60 g für alles andere übrig. Zwar nicht viel,<br />

aber machbar.<br />

Für die Welle verwendete ich wieder<br />

1,5-mm-VA Rundmaterial, das ich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

Kohlefaser-Stevenrohr lagerte. Nach E<strong>in</strong>bauen<br />

des Stevens mit Welle und der Ruderanlage<br />

konnte bereits das Deck mit dem<br />

8 mm hohen Süllrand e<strong>in</strong>geklebt werden.<br />

Das Deck besteht aus zwei Lagen, und zwar<br />

aus e<strong>in</strong>em Bl<strong>in</strong>ddeck aus 0,5-mm-Polystyrol<br />

und e<strong>in</strong>zelnen Strukturplatten, die auf<br />

dieses aufgeklebt s<strong>in</strong>d. Nach Anbr<strong>in</strong>gen der<br />

Scheuerleisten und der Berghölzer hatte<br />

der Rumpf doch e<strong>in</strong>e erstaunlich gute Stabilität.<br />

Den Antriebsmotor, es ist e<strong>in</strong> Mikromotor<br />

ED12 von der Firma „1:87-Modellbau“,<br />

habe ich noch mit e<strong>in</strong>em selbst gedrehten<br />

Kühlkörper versehen und mit e<strong>in</strong>em Tropfen<br />

Heißkleber im Rumpf befestigt. Mittels e<strong>in</strong>er<br />

Gummikupplung ist er mit der Schiffswelle<br />

verbunden. Um e<strong>in</strong> E<strong>in</strong>dr<strong>in</strong>gen von Wasser<br />

<strong>in</strong> den Schiffsrumpf zu verh<strong>in</strong>dern, habe ich<br />

am Stevenrohr im Rumpf<strong>in</strong>neren e<strong>in</strong> 10 x 10<br />

mm großes Vierkantrohr aufgeklebt, durch<br />

diesen mit Fett gefüllten Kasten läuft dann<br />

die Schiffswelle.<br />

Beim Modell verzichtete ich auf den Innenausbau<br />

mit z. B. Regalen und Schränken,<br />

da ich Angst hatte, dass sich der Schwerpunkt<br />

des Modells dadurch zu weit nach<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 43


Der Mittelteil des Aufbaus<br />

wird <strong>in</strong> Form gedrückt<br />

Baugruppen des Aufbaus<br />

Modell im Rohbau<br />

Bierkisten<br />

Lattenroste<br />

Gemüsekisten<br />

oben verschieben würde. Außerdem spielte<br />

natürlich das vorgegebene Gesamtgewicht<br />

e<strong>in</strong>e große Rolle. Für den Aufbau verwendete<br />

ich 0,5-mm-Polystyrol. Alle Teile habe<br />

ich erst am PC gezeichnet und dann auf<br />

der CNC-Fräsmasch<strong>in</strong>e ausgefräst. Da bei<br />

den mir zur Verfügung stehenden Zeichnungen<br />

ke<strong>in</strong>e Draufsicht der Aufbauten<br />

vorhanden war, hatte ich zwar leichte Probleme<br />

beim Bau des Steuerhauses,<br />

aber nach dem<br />

dritten Anlauf passte alles.<br />

Es kommt halt schon mal<br />

vor, dass man nur für die<br />

Abfalltonne baut.<br />

Der mittlere Teil des Aufbaus<br />

besteht aus e<strong>in</strong>em Mantel,<br />

der an den Längsseiten abgerundet<br />

ist. Diesen Mantel<br />

fertigte ich aus e<strong>in</strong>em Stück.<br />

Auf der CNC-Fräse habe ich<br />

dann alle Bohrungen und benötigten<br />

Schlitze e<strong>in</strong>gefräst,<br />

auch die Rollläden auf der<br />

Backbordseite s<strong>in</strong>d gleich<br />

mit e<strong>in</strong>gefräst worden. Um<br />

den flachen Mantel nun <strong>in</strong><br />

se<strong>in</strong>e endgültige Form zu bekommen, baute<br />

ich mir e<strong>in</strong>e Schablone. Nach Erwärmen<br />

des Materials konnte ich dieses mit e<strong>in</strong>em<br />

Stempel <strong>in</strong> die Form drücken und nach<br />

Erkalten des Polystyrols hatte der Mantel<br />

se<strong>in</strong>e U-Form. An den beiden Enden und <strong>in</strong><br />

der Mitte setzte ich noch je e<strong>in</strong>en schmalen<br />

Spant e<strong>in</strong>.<br />

Alle Teile wurden übrigens an geeigneten<br />

Stellen mit kle<strong>in</strong>en Zapfen versehen, das erleichterte<br />

die Montage der e<strong>in</strong>zelnen Teile.<br />

Zum Verkleben der Polystyrolteile verwende<br />

ich nur UHU-plast, denn bei der Verarbeitung<br />

von Sekundenkleber musste ich feststellen,<br />

dass dieser das Material versprödet.<br />

Die Handläufe fertigte ich aus 0,8-mm-Polystyrol-Rundstäben<br />

an. Auch beim Herstellen<br />

der vielen anderen Kle<strong>in</strong>teile wurde aus<br />

Gewichtsgründen nur Polystyrol<br />

verwendet. Diese Teile<br />

habe ich aber erst nach dem<br />

Lackieren montiert. Da ich<br />

auch alle Kle<strong>in</strong>teile mit dünnen<br />

Stiften versehe, können<br />

diese dann mit etwas Kleber<br />

<strong>in</strong> den dafür vorgesehenen<br />

Bohrungen befestigt werden.<br />

Die Holzroste auf den Dächern<br />

entstanden aus dünnem<br />

Furnier (Schweizer Birne),<br />

ich fräste sie <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

Stück aus und die Fugen<br />

zwischen den e<strong>in</strong>zelnen<br />

Latten wurden mit e<strong>in</strong>em<br />

0,8-mm-Fräser ausgefräst.<br />

Nach dem Aufkleben der<br />

Blick <strong>in</strong>s Innere bei<br />

abgenommenem<br />

Aufbau<br />

unteren Querlatten können die e<strong>in</strong>zelnen<br />

Latten dann mit der Fe<strong>in</strong>säge auf Länge<br />

gebracht werden. Durch diese Baumethode<br />

s<strong>in</strong>d die Abstände zwischen den e<strong>in</strong>zelnen<br />

Latten (0,8 mm) immer gleich.<br />

Nun war es an der Zeit, an die Lackierung zu<br />

denken. Da die bislang von mir bevorzugten<br />

Airbrush-Email-Color-Farben von Revell<br />

nicht mehr im Programm s<strong>in</strong>d, griff ich nach<br />

Rücksprache mit Revell auf die neuen Acryl-<br />

Farben auf Wasserbasis („Aqua Color“) zurück.<br />

Nach e<strong>in</strong>igen Probelackierungen war<br />

die anfängliche Skepsis schnell verflogen,<br />

denn die Vorteile der neuen Lacke haben<br />

mich überzeugt: Mit nur wenig Farbe bekommt<br />

man schon e<strong>in</strong>e gut deckende Farbschicht<br />

auf das zu lackierende Teil. Auch die<br />

Trocknungszeit von ca. e<strong>in</strong>er Stunde ist her-<br />

44 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Das Modell bei der Versorgung<br />

e<strong>in</strong>es „Kunden“<br />

vorragend, man kann sofort erneut wieder<br />

abkleben und weiter lackieren. Zum Verdünnen<br />

benutze ich ke<strong>in</strong> Wasser, sondern die<br />

für diese Farbe vorgesehene Verdünnung.<br />

Dadurch bekommt man e<strong>in</strong>en guten Verlauf<br />

der Farbe beim Lackieren. Auch das Re<strong>in</strong>igen<br />

der Spritzpistole ist ke<strong>in</strong> Problem. Da<br />

die Farbe ke<strong>in</strong>e Lösungsmittel mehr besitzt,<br />

ist diese auch geruchsneutral.<br />

Das Unterwasserschiff habe ich mit rotbrauner<br />

matter Farbe gespritzt, die Aufbauten<br />

s<strong>in</strong>d teils mit seidenmatter und teils mit<br />

hochglänzender Farbe lackiert. Den Farbton<br />

„M<strong>in</strong>ze“ für die beiden Decks des Aufbaus<br />

und für das den Rumpf umlaufende<br />

Signalband (Proviantboot) konnte ich nur<br />

durch Mischen herstellen. Nach e<strong>in</strong>igen<br />

Versuchen ist es mir dann auch gut gelungen.<br />

Nachdem alle Teile zu me<strong>in</strong>er Zufriedenheit<br />

lackiert waren, konnte mit der<br />

Montage begonnen werden. Als Letztes<br />

wurden nun noch die e<strong>in</strong>zelnen Schiebebilder<br />

aufgebracht und mit Klarlack versiegelt.<br />

Die Schiebebilder fertigte ich mit e<strong>in</strong>er<br />

Decalfolie auf me<strong>in</strong>em Computer an. Nach<br />

dem Drucken der Folie lasse ich diese noch<br />

ca. e<strong>in</strong>en Tag ruhen, bevor sie mit Klarlack<br />

überlackiert wird. Für die Plane auf dem<br />

Dach besorgte ich mir von den Drachenbauern<br />

blauen Stoff.<br />

Da im Maßstab 1:50 im Zubehörhandel leider<br />

ke<strong>in</strong>e Gemüse- und Bierkisten zu bekommen<br />

s<strong>in</strong>d, stellte ich diese mit me<strong>in</strong>er<br />

CNC-Masch<strong>in</strong>e selber her. Bloß: Gemüsekisten<br />

ohne Inhalt sehen nicht gut aus,<br />

also musste ich mich nach geeignetem<br />

Gemüse im Maßstab 1:50<br />

umsehen. Es war nicht<br />

e<strong>in</strong>fach, aber im Gewürzregal<br />

me<strong>in</strong>er Frau wurde<br />

ich fündig: Mit e<strong>in</strong> bißchen<br />

Farbe konnte ich nun die<br />

e<strong>in</strong>zelnen Gemüsesorten<br />

„herstellen“. Die Nelken,<br />

die ich auf diese Weise<br />

zu „Blumenkohl“ umbaute,<br />

duften heute noch.<br />

Zum Schluss befestigte<br />

ich noch die Fender aus<br />

Autoreifen mit dünnen<br />

Seilen am Rumpf, diese<br />

fand ich zum Glück<br />

als Fertigteile bei den<br />

„1:87-Modellbauern“. Für<br />

den Antrieb des Modells sorgt der schon<br />

erwähnte Mikromotor MD12, der von e<strong>in</strong>em<br />

CTI-Drehzahlsteller „THOR 4“ angesteuert<br />

wird. Die Leistung dieses kle<strong>in</strong>en Stellers<br />

ist enorm, mit 4 A Dauerstrom, bei e<strong>in</strong>er<br />

Größe von nur 15 x 12 x 4 mm und se<strong>in</strong>em<br />

ger<strong>in</strong>gen Gewicht ist er ideal für solche<br />

Modelle. Für die Stromversorgung s<strong>in</strong>d vier<br />

NiMH-Zellen mit 400 mAh zuständig, der<br />

2,4-GHz-Empfänger R6004FF von Futaba<br />

wird vom BEC-System des Drehzahlstellers<br />

versorgt.<br />

Probefahrt<br />

Nachdem nun alle Teile montiert bzw. e<strong>in</strong>gebaut<br />

waren, wurde das fertige Modell auf<br />

die Waage gestellt: Sie zeigte 114 g an und<br />

ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis.<br />

Nach dem Aufladen der Akkus kam dann<br />

mit der Probefahrt auf unserem Gewässer<br />

die Stunde der Wahrheit. Mit e<strong>in</strong> bisschen<br />

Kribbeln <strong>in</strong> der Magengegend setzte ich<br />

das Proviantboot <strong>in</strong>s Wasser, das sehr stabil<br />

<strong>in</strong> se<strong>in</strong>em Element lag und sich auch von<br />

leichtem Wellengang nicht bee<strong>in</strong>drucken<br />

ließ. Zeit, mit dem Proviantboot Fahrt aufzunehmen.<br />

Dabei zeigte es sich als sehr<br />

wendig und ließ sich sehr gut manövrieren,<br />

auch die Fahrzeit von ca. 40 m<strong>in</strong> geht <strong>in</strong><br />

Ordnung.<br />

Die Herausforderung, dieses Modell im<br />

Maßstab 1:50 als Fahrmodell zu bauen,<br />

konnte also bewältigt werden und auch<br />

me<strong>in</strong>e Frau war mit dem Ergebnis sehr<br />

zufrieden.<br />

Zum Schluss möchte ich mich noch beim<br />

Modellbaukollegen J. Engelen aus Venlo<br />

bedanken, der mir die Unterlagen zum Bau<br />

dieses Modells zu Verfügung gestellt hat.<br />

Den von ihm gezeichneten Modellbauplan<br />

kann man bei folgender Adresse bekommen:<br />

NVM-Teken<strong>in</strong>genarchief<br />

Paardskerkhofweg 14, Postbus 790<br />

NL-5201 AT ‘s-Hertogenbosch<br />

Tel. 003173-6240773<br />

E-mail: <strong>in</strong>fo@modelbouwers.nl<br />

www.modelbouwers.nl<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 45


VERANSTALTUNGEN<br />

27.<br />

SWISS<br />

MINI<br />

SAIL<br />

2013<br />

Peter Burgmann<br />

1 2<br />

3<br />

5<br />

46 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


4<br />

6<br />

Auf nach Bern, mal seh‘n, was<br />

es Neues gibt! Unter diesem<br />

Motto reiste ich mit me<strong>in</strong>er<br />

Frau zum Swiss M<strong>in</strong>i Sail-Treffen am 7. und<br />

8. September <strong>in</strong> die Schweiz. Am Samstag<br />

trafen nach und nach die M<strong>in</strong>i Sailors am<br />

Eglisee e<strong>in</strong>. Die Situation wird sehr schön<br />

vom diesjährigen Aufkleber beschrieben:<br />

„Ho, Corto, wach auf! Sie s<strong>in</strong>d wieder da.“,<br />

ruft darauf e<strong>in</strong>e Möwe dem am Strand<br />

ruhenden Corto Maltese zu.<br />

In se<strong>in</strong>er Begrüßungsrede bedankte sich<br />

Hansheiri Helfenste<strong>in</strong> im Namen aller Anwesenden<br />

bei Robert Savery für den Entwurf<br />

und die Herstellung des Aufklebers.<br />

An Franz Amonn, Stefan und Urs Streit und<br />

deren Familien g<strong>in</strong>g e<strong>in</strong> herzliches Dankeschön<br />

für die Möglichkeit, wieder den Hafen<br />

am Eglisee anlaufen zu können. Vom<br />

Ausrüster für traditionelle Schiffe und klassische<br />

<strong>Yacht</strong>en, der Fa. Toplicht <strong>in</strong> Hamburg,<br />

hatte ich großzügig Kataloge zur Verfügung<br />

gestellt bekommen, die ich dankenswerterweise<br />

verteilen konnte. Dieser Katalog bietet<br />

e<strong>in</strong>e schier unerschöpfliche Quelle an<br />

Details zur Ausstattung unserer M<strong>in</strong>i Sail-<br />

Modellschiffe, nämlich genau das, was ich<br />

dann auch exemplarisch vor die Kameral<strong>in</strong>se<br />

nahm: Schäkel, Mastbeschläge,<br />

Ausrüstungsgegenstände usw.<br />

So steht an Bord der »Mata´i« von Felix<br />

Wehrli zum Beispiel e<strong>in</strong> Putzeimer,<br />

auf dessen Rand e<strong>in</strong> Putzlappen zum<br />

Trocknen hängt (1). Auf dem im Maßstab<br />

1:10 gebauten Sard<strong>in</strong>ier halten schwere<br />

Ste<strong>in</strong>e die aufgeschossenen Taue<br />

auf den Belegnägeln fest (2). E<strong>in</strong> alter<br />

Franzose hat sich diesen Trick beim Umbau<br />

des Arbeitsschiffes zum Fahrtensegler ausgedacht.<br />

In dem Buch „Les Outils da la Mer“<br />

s<strong>in</strong>d se<strong>in</strong>e Planungen zu verschiedenen<br />

Riggs <strong>in</strong> Zeichnungen festgehalten, denn<br />

besagter Franzose war nicht nur Segler,<br />

sondern auch Maler, berichtete Felix.<br />

Direkt von der Nordseeküste waren Arye<br />

Penn<strong>in</strong>g und Dirk Hoogen angereist. Auf<br />

Aryes Skûtsje »Trouwe Hulp« konnte man<br />

die Ladung und deren Befestigung studieren<br />

(3). Während der Steuermann auf dem<br />

Modell das Gewässer vor sich im Auge hat,<br />

überwacht Arye ganz entspannt im H<strong>in</strong>tergrund<br />

das Geschehen (4). Se<strong>in</strong> Weg direkt<br />

von der Küste war nämlich am Eglisee noch<br />

nicht zu Ende, denn den Tag wollte er noch<br />

mit e<strong>in</strong>em von ihm zubereiteten Fischbuffet<br />

für e<strong>in</strong> paar Schweizer Freunde krönen.<br />

Dass Freunde manchmal die gleichen Gedanken<br />

haben, durften Franz und ich erfahren.<br />

Unabhängig vone<strong>in</strong>ander entstanden<br />

mehrere „Canot de 10 pieds“. Auf Basis unterschiedlicher<br />

Pläne reifen die im Orig<strong>in</strong>al<br />

nur 3,40 langen Boote <strong>in</strong> der Schweiz und<br />

auf me<strong>in</strong>er Werft. Als Maßstab wählten wir<br />

1:5, was 34 cm große Figuren und 68 cm<br />

lange Schiffsrümpfe ergibt (5). Urs Streit<br />

werkelt an der grün-weißen »Moustique«,<br />

die am weitesten fortgeschritten ist. Franz<br />

hat sich für die traditionelle Farbgebung<br />

schwarz-rotbraun mit weißer Bugzier entschieden<br />

(6). Se<strong>in</strong> Boot trägt den Namen<br />

»écume«, was „Schäumchen“ bedeutet. Von<br />

Gedanken zur Farbgebung b<strong>in</strong> ich noch weit<br />

entfernt, denn erst e<strong>in</strong>mal s<strong>in</strong>d die Rümpfe<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 47


7<br />

9<br />

8<br />

11<br />

12<br />

15 16<br />

17<br />

48 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


10<br />

13<br />

14<br />

dran. Der Steuermann auf der »Gwagennad«<br />

war derjenige, der am Samstag am<br />

meisten auf dem Wasser war. Unter strahlend<br />

blauem Himmel genoss er die ruhige<br />

Fahrt über den Eglisee, bei zarter Brise und<br />

meist spiegelglattem Wasser.<br />

Peter Ziegler gesellte sich mit se<strong>in</strong>er Scow<br />

Sloop »Target« dazu (7). Der flache kastenförmige<br />

Rumpf des amerikanischen<br />

Seglers ist prädest<strong>in</strong>iert für solche Wetterlagen.<br />

Mit frischen Brisen kommt me<strong>in</strong>e<br />

M<strong>in</strong>i-<strong>Yacht</strong> »Leo vom Asitz« klar. Sie ist im<br />

Maßstab 1:32 nur e<strong>in</strong>e Handvoll Schiff, wie<br />

man neben der 120 cm langen »Gwagennad«<br />

sehen kann (8). Urs Streit schipperte<br />

ganz geruhsam mit se<strong>in</strong>em Catboot »Breck<br />

Marshall« am Ufer entlang (9). Dieses Boot<br />

ist zwar auch im Maßstab 1:5 gebaut, aber<br />

e<strong>in</strong>e ganz andere Hausnummer als die „10<br />

Pieds“.<br />

Da der W<strong>in</strong>d sich eher rar machte, wurden<br />

umso mehr die Weiterentwicklungen<br />

am Ufer betrachtet. Robert Savery baut an<br />

e<strong>in</strong>em handlichen „Drachen“. Basis ist der<br />

bekannte Holz-Bausatz von bill<strong>in</strong>g boats<br />

(10). Holz ist auch der bevorzugte Werkstoff<br />

von Klaus Kreienbühl. Auf se<strong>in</strong>er Brigant<strong>in</strong>e<br />

»Raven« entsteht sogar die Ankerw<strong>in</strong>de daraus<br />

(11). E<strong>in</strong> Underhill-Plan dient ihm als<br />

Baugrundlage für das 1875 von Keefe auf<br />

den Pr<strong>in</strong>ce Edward Islands erbaute Schiff.<br />

Während außen an der »Kurun« von Urs<br />

Streit der Anstrich erneuert wird (12), durfte<br />

ich e<strong>in</strong>en Blick unter Deck werfen: Auf<br />

der Koje liegt das getrocknete Ölzeug bereit<br />

zum Verklaren <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em der Schränke<br />

(13). Die Öllampe spendet das nötige Licht<br />

zum Studium der an Bord bef<strong>in</strong>dlichen<br />

Bücher. Frisches Tr<strong>in</strong>kwasser kann <strong>in</strong> den<br />

<strong>in</strong> der Spüle bereitstehenden Pott gefüllt<br />

werden (14).<br />

Überhaupt die Lampen: Welche Vielfalt war<br />

da zu bestaunen! Peter Ziegler hatte das<br />

Topplicht der »Kurun« ebenfalls im Visier<br />

(15). Auf der »William Asburner« war die<br />

Hecklaterne sogar e<strong>in</strong>geschaltet (16). Auf<br />

Hansheiris »Elfe« gab es neben dem Topplicht<br />

(17) auch die Seitenlaternen (18) zu<br />

bestaunen. Das m<strong>in</strong>imalistischste Exemplar<br />

fand ich auf der »Charlie« von Jürg Blatter<br />

(e<strong>in</strong> Wehrli-Bau). Diese Laterne kam ganz<br />

ohne gewölbtes Glas oder e<strong>in</strong>e Schutzkonstruktion<br />

aus, war aber gegen Verdrehen<br />

gesichert (19). E<strong>in</strong>e tragbare Laterne der<br />

Luxusklasse stand neben dem Niedergang<br />

der »Mata´i« von Felix (20).<br />

18<br />

19<br />

20<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 49


21 22<br />

24<br />

25<br />

28<br />

50 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


23<br />

26 27<br />

Auch die historische Entwicklung von Lenzpumpen<br />

konnte auf den Modellschiffen<br />

nachvollzogen werden. Das älteste Modell<br />

bef<strong>in</strong>det sich an Bord der »Sunflower« (21).<br />

Diese 2-Mast-Brigg wurde 1840 als Schulschiff<br />

der Royal Navy <strong>in</strong> Dienst genommen<br />

und war 40 Jahre im E<strong>in</strong>satz, bevor sie<br />

sank. Jean-Claude Cornaz baute sie im<br />

Maßstab 1:24 nach. Das Modell br<strong>in</strong>gt 20<br />

kg auf die Waage, der fürs Segeln erforderliche<br />

Zusatzkiel wiegt noch e<strong>in</strong>mal 20 kg<br />

(22). Das Modell ist im wahrsten S<strong>in</strong>ne des<br />

Wortes e<strong>in</strong> Knaller, denn die »Sunflower«<br />

trägt zwölf funktionsfähige Geschütze. Die<br />

großen Jungs bekamen später sogar gezeigt,<br />

wie die Geschütze geladen und abgeschossen<br />

werden (23, 24).<br />

Statt kriegerischen Absichten diente die<br />

»Glow<strong>in</strong>gs Abought« dem Freizeitvergnügen<br />

im Jahre 1912 (25). Die Fahrten des<br />

prächtigen 30er-Schärenkreuzers dokumentiert<br />

Andrea Agazzi aus Zürich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

orig<strong>in</strong>alen <strong>Yacht</strong>logbuch, vom Luxus der damaligen<br />

Zeit zeugen die fe<strong>in</strong>en Holzarbeiten<br />

im Cockpit des Modells (26)<br />

Ausgesuchten Luxus durften auch die Passagiere<br />

der Gaffelschaluppe »Margaretha«<br />

an der deutschen Nordseeküste genießen.<br />

Sie brauchten bei W<strong>in</strong>d und Wetter nicht<br />

an Deck auszuharren, denn für sie gab es<br />

e<strong>in</strong>e Kajüte mit e<strong>in</strong>em großzügigen Oberlicht<br />

(27). Ernst Tschanz vom Thunersee<br />

fertigte das über alles 120 cm lange Modell<br />

aus e<strong>in</strong>em 300 x 30 cm x 4 cm großen<br />

Mahagonibrett. Die Bäume entstanden aus<br />

dem Kernholz, aus dem außen liegenden<br />

Spl<strong>in</strong>tholz schnitt Ernst die Planken für das<br />

Deck (28).<br />

Und irgendwie war es dann schon wieder<br />

Sonntagnachmittag. Wir mussten uns auf<br />

den Heimweg machen, obwohl ich doch<br />

noch gar nicht alles gesehen, geschweige<br />

denn fotografiert hatte. So viel gab es<br />

da noch zu entdecken! Auf dem Heimweg<br />

stand schon fest, dass mich me<strong>in</strong> Weg auch<br />

im Spätsommer 2014 wieder nach Bern<br />

führen wird: Freunde treffen und weiter über<br />

die Details der Schiffe staunen!<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 51


RENNBOOTE<br />

Alexander<br />

Lülsdorf<br />

F1-Kat<br />

von Modellbaucenter Lorenz<br />

Es war wieder mal soweit, freier<br />

Platz im Modellbaukeller<br />

musste gefüllt werden. Ne<strong>in</strong>,<br />

Spaß beiseite, es war me<strong>in</strong><br />

Interesse an den F1-Booten, das mich<br />

diesen Rumpf kaufen ließ.<br />

Beim Stöbern im Internet war ich auf<br />

viele tolle Fotos von Orig<strong>in</strong>al-Formel-<br />

1-Kats gestoßen. Kurz danach fand ich<br />

nach e<strong>in</strong>iger Recherche die Lawless-<br />

Außenborder, die sich für 1,1 bis 1,5 m<br />

lange Modelle eignen sollten. Ab da<br />

war es klar, dass das nächste Modell<br />

e<strong>in</strong> F1-Kat werden sollte, natürlich mit<br />

„echtem“ Außenborder. Der von vielen<br />

favorisierte Inboard-Antrieb, bei dem<br />

der Außenborder folglich nur als Attrappe<br />

spazieren gefahren wird, geht<br />

nach me<strong>in</strong>em Dafürhalten halt gar<br />

nicht. Dann könnte ich ja auch gleich<br />

e<strong>in</strong>en Spr<strong>in</strong>tcat aufbauen. Gerade der<br />

Außenborder macht ja den technischen<br />

Reiz dieser Bootsklasse aus.<br />

Da ich mit dieser Art Antrieb aber noch<br />

gar ke<strong>in</strong>e Erfahrungen hatte, recherchierte<br />

ich <strong>in</strong> den e<strong>in</strong>schlägigen Internet-Foren<br />

nach Berichten über die Außenborder<br />

für diese Modellklasse. Bei den niederländischen<br />

Kollegen fand ich e<strong>in</strong>ige Modelle,<br />

die mit Außenbordern laufen, die ihre Kraft<br />

über Kegelräder <strong>in</strong>s Wasser br<strong>in</strong>gen. Das<br />

war mir h<strong>in</strong>sichtlich der Leistung nicht so<br />

ganz geheuer, da gefiel mir die Variante von<br />

14<br />

Der<br />

LAWLESS-<br />

Außenborder<br />

Lawless mit Kraftübertragung via Flexwelle<br />

doch wesentlich besser. Ich fand dann<br />

auch jemanden, der diese Antriebe hier <strong>in</strong><br />

Deutschland vertreibt und bestellte mir e<strong>in</strong>en<br />

solchen Außenborder.<br />

Die Flexwelle <strong>in</strong> diesem Antrieb hat e<strong>in</strong>en<br />

Biegeradius von ca. 80 Grad, wodurch sich<br />

der Verschleiß <strong>in</strong> Grenzen hält. Die Flexwelle<br />

läuft wie üblich <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Teflonrohr,<br />

52 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


klar ist aber auch, dass die Welle bei diesem<br />

Biegeradius immer gut gefettet werden<br />

muss. Sprich nach jedem Fahren Welle<br />

raus, nachfetten und wieder e<strong>in</strong>bauen, das<br />

geht halt nicht anders, wenn man e<strong>in</strong>e ordentliche<br />

Standzeit der Welle erreichen will.<br />

Danach habe ich bei der Fa. Lorenz <strong>in</strong> Berl<strong>in</strong><br />

e<strong>in</strong>en Rumpf bestellt, der <strong>in</strong>nerhalb von<br />

e<strong>in</strong>er Woche auf me<strong>in</strong>er Werkbank lag. Von<br />

der Fertigungsqualität und vor allem vom<br />

Gelcoat war ich begeistert, dieses Modell<br />

braucht ke<strong>in</strong>en Lack, das Gelcoat hat e<strong>in</strong>en<br />

1a-Zustand, so dass man fürs F<strong>in</strong>ish nur<br />

F1-Rumpf<br />

Fertig mit Dekor beklebter Rumpf<br />

Außenborder mit<br />

montierter Fliehkraftkupplung<br />

Aufbau machen. Was mir noch nicht so<br />

gefiel, war die Tatsache, dass der Außenborder<br />

serienmäßig über ke<strong>in</strong>e Fliehkraftkupplung<br />

verfügt. Ich telefonierte mehrmals<br />

den 1:5er-Tourenwagen fündig. Hier gab es<br />

e<strong>in</strong>e Kupplung von Lauterbach, die nur ca.<br />

35 mm hoch baute. Damit konnte die komplette<br />

Kupplungskonstruktion mit nur 50 mm<br />

Bauhöhe realisiert werden.<br />

Als die Kupplung angekommen<br />

war, wurde diese<br />

sofort zusammen mit<br />

dem Außenborder und<br />

e<strong>in</strong>er groben Skizze zu<br />

Werner geschickt. Dieser<br />

rief schon am übernächsten<br />

Tag an und sagte, er<br />

habe die Zeichnung so<br />

gut wie fertig. Danach<br />

konnten die Teile gefräst<br />

werden und nach nur e<strong>in</strong>e<strong>in</strong>halb<br />

Wochen hatte ich<br />

me<strong>in</strong>en Außenborder mit<br />

montierter Kupplung und<br />

Motor wieder zurück (danke<br />

Werner!). Apropos Motor:<br />

Als Treibl<strong>in</strong>g fungiert<br />

e<strong>in</strong> RCMK s254 mit e<strong>in</strong>er<br />

Leistung von ca. 4–5 PS.<br />

Als ich dann den kom-<br />

Detailansicht der<br />

Fliehkraftkupplung<br />

noch se<strong>in</strong> Wunschdekor aufkleben muss.<br />

Nur an der Deckelöffnung kam mir der<br />

Rumpf sehr „schwabbelig“ vor. Hier lam<strong>in</strong>ierte<br />

ich 4-mm-GfK-Platten mit der Seitenwand<br />

fest zusammen, ebenso lam<strong>in</strong>ierte ich<br />

noch e<strong>in</strong>e Lage Kohle-Armid-Gewebe über<br />

diesen Bereich. Auch am Heckspiegel lam<strong>in</strong>ierte<br />

ich noch e<strong>in</strong>e Lage Gewebe dazu.<br />

Jetzt konnte ich mir Gedanken über den<br />

mit Werner Dieckmann (www.WD200-<br />

Modellbau.de) und wir kamen beide zum<br />

Schluss, dass es möglich se<strong>in</strong> müsste, den<br />

Außenborder mit e<strong>in</strong>er Fliehkraftkupplung<br />

auszurüsten. Ich müsste nur e<strong>in</strong>e entsprechende<br />

Backenkupplung f<strong>in</strong>den, die so<br />

flach wie möglich bauen sollte. Diese Suche<br />

nahm sehr viel Zeit <strong>in</strong> Anspruch, aber<br />

letztlich wurde ich im RC-Carbereich bei<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 53


Außenborder zum ersten Mal<br />

am Heck montiert<br />

Blick <strong>in</strong> die RC-Box<br />

Montage der RC-Box im Modell<br />

Servosaver und Zwischenhebel<br />

pletten Außenborder provisorisch montierte,<br />

war ich von der geballten Technik am Heck<br />

echt überrascht. Das sah schon genial aus,<br />

vor allem, wenn man bedenkt, dass diese<br />

4 kg Technik sonst immer im Boots<strong>in</strong>neren<br />

verschw<strong>in</strong>den. Beim F1-Kat wird die Technik<br />

h<strong>in</strong>gegen sozusagen auf dem Silbertablett<br />

präsentiert.<br />

Als Nächstes machte ich mir Gedanken<br />

über die RC-Box, die Servokonfiguration<br />

und die Abgasführung am Außenborder.<br />

Die RC-Box habe ich von den Abmessungen<br />

her so geplant, dass sie im Pr<strong>in</strong>zip<br />

überall im Rumpf, zur Not sogar unter der<br />

Fahrerkanzel, unterkommen könnte. Ich<br />

wollte mir hier h<strong>in</strong>sichtlich des Trimms alle<br />

Möglichkeiten offen halten, da am Heck ja<br />

nun schon e<strong>in</strong>e Menge Gewicht zusammengekommen<br />

war. Die Box <strong>in</strong> me<strong>in</strong>er Wunschgröße<br />

fand ich wieder bei der Fa. Lorenz,<br />

ebenso die von mir favorisierten Servos. Bei<br />

den zwei Lenkservos handelt es sich um die<br />

HITEC 805MG, als Gasservo nahm ich e<strong>in</strong><br />

HITEC 311. Zusammen mit dem Empfängerakku<br />

und dem zu me<strong>in</strong>er Futaba FF-10-<br />

Anlage passenden Empfänger hatte ich nun<br />

alle RC-Komponenten zusammen.<br />

E<strong>in</strong>es Abends rief mich e<strong>in</strong> Bekannter an<br />

und erzählte mir, dass es <strong>in</strong> Südafrika jemanden<br />

gäbe, der Resonanzrohre speziell<br />

für die Lawless-Außenborder bauen würde.<br />

Nach e<strong>in</strong>er Internetrecherche und e<strong>in</strong>igen<br />

gewechselten E-Mails war alles klar und<br />

ich bestellte e<strong>in</strong>es dieser Resos. Kle<strong>in</strong>e<br />

moderne Welt: Viele tausend Kilometer von<br />

Deutschland entfernt baut da jemand speziell<br />

für mich e<strong>in</strong> Resorohr für me<strong>in</strong> Modell.<br />

Zwei Wochen später konnte ich me<strong>in</strong> Resorohr<br />

beim deutschen Zoll <strong>in</strong> Empfang nehmen<br />

und an me<strong>in</strong>en Außenborder montieren:<br />

Die Augenweide am Heck vergrößerte<br />

sich um e<strong>in</strong> weiteres Bauteil, das <strong>in</strong> anderen<br />

Booten auch meist komplett im Boots<strong>in</strong>neren<br />

verschw<strong>in</strong>det.<br />

In der Zwischenzeit hatte ich die Servos <strong>in</strong><br />

der RC-Box montiert und verkabelt. Normalerweise<br />

baue ich immer Gasgestänge<br />

<strong>in</strong> me<strong>in</strong>e Modelle e<strong>in</strong>, beim Außenborder<br />

war diesbezüglich aber e<strong>in</strong> Bowdenzug<br />

angesagt. Der muss aber erst e<strong>in</strong>mal, ordentlich<br />

befestigt, aus der Box heraus- und<br />

zum Außenborder geführt werden. Dafür<br />

nahm ich Mess<strong>in</strong>grohr und drehte bzw. fräste<br />

auch noch e<strong>in</strong>e Halterung, um das Rohr<br />

auf der Seitenwand nach h<strong>in</strong>ten Richtung<br />

Außenborder führen zu können. Anschließend<br />

wurden die Befestigungspunkte für<br />

die Schw<strong>in</strong>ggummis der RC-Box e<strong>in</strong>gebaut<br />

und danach alle Durchführungen und Verschraubungen<br />

mit Epoxidharz vergossen.<br />

Jetzt stellte sich die Frage, wie der Außenborder<br />

angelenkt werden sollte. Erste<br />

Versuche mit e<strong>in</strong>er Seilzugverb<strong>in</strong>dung und<br />

e<strong>in</strong>em Zwischenhebel befriedigten mich<br />

nicht. Spannte ich die Seilzüge e<strong>in</strong>igermaßen<br />

stramm an, brummten die Servos,<br />

sprich ihr Stromverbrauch wäre dauerhaft<br />

gesehen zu hoch gewesen, von der Belastung<br />

der Servos mal ganz zu schweigen.<br />

Spannte ich die Seilzüge etwas lockerer,<br />

ergab sich zu viel Spiel <strong>in</strong> der Anlenkung,<br />

was zu e<strong>in</strong>em sehr unexakten Steuerverhalten<br />

führen würde. Also musste doch<br />

e<strong>in</strong>e Anlenkung mit e<strong>in</strong>em Gestänge her.<br />

Da sich die RC-Box aber ca. e<strong>in</strong>en Meter<br />

vom Außenborder entfernt bef<strong>in</strong>det, musste<br />

das Gestänge e<strong>in</strong>erseits möglichst dünn<br />

und leicht, andererseits aber möglichst<br />

verw<strong>in</strong>dungssteif se<strong>in</strong>. Die Lösung waren<br />

Kohlefaserrohre mit 6-mm-Außen- und<br />

3-mm-Innendurchmesser, <strong>in</strong> die e<strong>in</strong> 3-mm-<br />

VA-Gew<strong>in</strong>destab passt. Perfekt, die Rohre<br />

wurden passend abgelängt, die Edelstahlstäbe<br />

von der Servoanlenkung bis zum Anlenkpunkt<br />

am Außenborder e<strong>in</strong>geschoben<br />

und mit Gabelköpfen versehen. Die ganze<br />

Konstruktion ist sehr leicht und das Kohlefaserrohr<br />

stabilisiert die langen VA-Stäbe, die<br />

ansonsten <strong>in</strong> dieser Länge viel zu weich für<br />

e<strong>in</strong>e Anlenkung des Außenborders gewesen<br />

wären.<br />

Zwischen dem von der Seilzuganlenkung<br />

noch verbliebenen Zwischenhebel und<br />

den Außenborder setzte ich e<strong>in</strong>en aus<br />

dem 1:5er-RC-Carbereich stammenden<br />

Servosaver. Diese Servosaver sorgen<br />

sonst dafür, dass grobe Schläge auf die<br />

Lenkachse e<strong>in</strong>es Fahrzeugs nicht bis zum<br />

Servo durchschlagen und dadurch die<br />

Servogetriebe zerstören können. Der E<strong>in</strong>bau<br />

solch e<strong>in</strong>es „Servo-Retters“ schien mir<br />

auch beim Außenborder-Kat e<strong>in</strong>e s<strong>in</strong>nvolle<br />

Sache zu se<strong>in</strong>.<br />

Jetzt musste ich noch die Gasanlenkung<br />

per Bowdenzug komplettieren. Der Trick an<br />

der Sache ist, die ganze Mimik so zu montieren,<br />

dass nicht bei jedem Lenke<strong>in</strong>schlag<br />

ungewollt Gas gegeben oder weggenommen<br />

wird. Das Hauptproblem stellte dabei<br />

die Vergaserbefestigung dar. Dadurch, dass<br />

der Vergaser an e<strong>in</strong>em Kunststoffisolator<br />

befestigt ist, musste ich die Gasanlenkung<br />

so montieren, wie es der Vergaser <strong>in</strong> se<strong>in</strong>er<br />

Position zuließ. Sprich man kann den<br />

Vergaser nicht beliebig drehen, da im erwähnten<br />

Isolator Luftkanäle verlaufen, die<br />

für die Unterdruckimpulse zwischen Motor<br />

und Vergaser benötigt werden.<br />

Nach gefühlt 326 durchdachten Versionen<br />

entschloss ich mich doch dazu, den Vergaser<br />

um 180 Grad zu drehen, um so mit<br />

dem Bowdenzug e<strong>in</strong>en geraden Weg Richtung<br />

RC-Box e<strong>in</strong>halten zu können. Um die<br />

nun ja verdrehte Unterdruckversorgung am<br />

Isolator wieder herzustellen, bohrte ich den<br />

Isolator <strong>in</strong> der Höhe des Unterdruckkanals<br />

an und setzte hier e<strong>in</strong>en M3-W<strong>in</strong>kelnippel<br />

Umlegung des Unterdruckkanals am<br />

Isolator<br />

54 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013<br />

Gasanlenkungshalterung am Motor


Die amerikanische „Airbox“<br />

funktioniert e<strong>in</strong>wandfrei<br />

e<strong>in</strong>. Auf der anderen Seite im Isolator verlief<br />

ebenfalls e<strong>in</strong> solcher Kanal, nur am Zyl<strong>in</strong>derkopf<br />

fehlte die Unterdruckbohrung. Also<br />

wurde auch dieser angebohrt und von dort<br />

mit e<strong>in</strong>em Silikonschlauch (auf dem Foto<br />

gelb) e<strong>in</strong> „Bypass“ gelegt. So sollte der<br />

Vergaser wieder die nötigen Unterdruckimpulse<br />

erhalten.<br />

Aus zwei W<strong>in</strong>kelstücken fertigte ich e<strong>in</strong>e<br />

Traverse, die ich zwischen Isolator und Vergaser<br />

klemmen konnte. Die andere Seite<br />

wurde mittels e<strong>in</strong>er Schraube starr fixiert.<br />

Hier bewegt sich also nichts mehr!<br />

Auf diese Traverse schraube ich zwei Kunststoffklipse<br />

<strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Abstand von ca. 40 mm.<br />

Nun drehte ich mir aus Alum<strong>in</strong>ium e<strong>in</strong>e<br />

Buchse, die ich von e<strong>in</strong>er Seite her mit 2 mm<br />

durchbohrte, die andere Seite bohrte ich<br />

mit e<strong>in</strong>em 5-mm-Bohrer auf. In diese 5-mm-<br />

Bohrung passt nun genau der Mantel des<br />

Bowdenzuges. Zusätzlich bohrte ich seitlich<br />

noch zwei um 90° versetzte M2-Gew<strong>in</strong>delöcher,<br />

durch die der Mantel mit zwei M2-<br />

Madenschrauben gegen Herausrutschen<br />

gesichert wird. Nun noch die Alubuchse an<br />

beiden Seiten auf den Durchmesser der<br />

Klipse abgedreht und dann konnte ich den<br />

Bowdenzug fertig vormontiert an se<strong>in</strong>e Wirkungsstelle<br />

„klipsen“. Um den über e<strong>in</strong>en<br />

Meter langen Bowdenzug so leichtgängig<br />

wie möglich zu machen, sprühte ich die bereits<br />

werksseitig teflonbeschichtete Seele<br />

auch noch mit e<strong>in</strong>em Teflon-Gleitspray e<strong>in</strong>.<br />

Der Bowdenzug lief nun wie <strong>in</strong> flüssiger<br />

Butter gelagert, fast ganz ohne Reibungswiderstand.<br />

Den Bowdenzugmantel fixierte ich lediglich<br />

an der RC-Box und <strong>in</strong> der oben beschriebenen<br />

Alubuchse, im restlichen Rumpf liegt<br />

er komplett frei und hat dadurch genug<br />

Platz, um sich h<strong>in</strong> und her zu bewegen.<br />

Nun fehlte nur noch e<strong>in</strong>e wichtige Sache,<br />

und zwar der Tank. Ich hatte über diverse<br />

Varianten nachgedacht, am Schluss fiel<br />

die Wahl aber auf e<strong>in</strong>en Tank von Lauterbach.<br />

Dieser viereckige Tank mit großer<br />

E<strong>in</strong>füllöffnung hatte den großen Vorteil,<br />

dass er mit e<strong>in</strong> wenig Luft genau zwischen<br />

die e<strong>in</strong>lam<strong>in</strong>ierten Seitenwände passte.<br />

L<strong>in</strong>ks und rechts neben dem Tank bleiben<br />

gerade 3–4 mm Platz. An die Tankposition<br />

klebte ich folglich an beiden Seiten 4-mm-<br />

Moosgummi. Jetzt konnte ich den Tank an<br />

der besagten Position e<strong>in</strong>fach von oben<br />

e<strong>in</strong>schieben und das Moosgummi klemmte<br />

ihn fest.<br />

Am nächsten Tag wurde der Tank gefüllt und<br />

der Motor konnte zum ersten Mal gestartet<br />

werden. Nach mehrmaligem Ziehen am<br />

Starter und Benz<strong>in</strong>ansaugen lief der Motor<br />

dann nach kurzem Hochdrehen stabil im<br />

Standgas. Bei kurzen Gasstößen nahm der<br />

Motor sauber Gas an, super. Die Fliehkraftkupplung<br />

schloss allerd<strong>in</strong>gs relativ spät,<br />

sprich erst bei deutlich erhöhter Drehzahl.<br />

Nun lies ich den Motor erst e<strong>in</strong>mal die 750<br />

ml im Tank im Leerlauf bei fettem Gemisch<br />

verzehren, auf gelegentliche Gasstöße reagierte<br />

er dennoch mit sofortigem sauberen<br />

Hochdrehen.<br />

Zeit für die erste Probefahrt.<br />

Fahrerprobung<br />

Bei e<strong>in</strong>em F1-Kat sollte man noch mehr auf<br />

W<strong>in</strong>d- und Wasserverhältnisse achten als<br />

bei e<strong>in</strong>em „normalen“ Kat oder gar e<strong>in</strong>em<br />

Mono. Wie nicht anders zu erwarten, spielte<br />

nach Fertigstellung des Modells das Wetter<br />

bzw. der W<strong>in</strong>d zwei Wochen lang überhaupt<br />

nicht mit. Als es endlich e<strong>in</strong>mal fast w<strong>in</strong>dstill<br />

war, g<strong>in</strong>g es am Spätnachmittag ans<br />

Rhe<strong>in</strong>ufer. Ja, der Rhe<strong>in</strong> ist nun auch nicht<br />

so unbed<strong>in</strong>gt das richtige Fahrgewässer für<br />

diese Art von Boot, aber das sollte schon<br />

irgendwie funktionieren.<br />

Ich wartete noch den Schwell des letzten<br />

B<strong>in</strong>nenfrachtschiffes ab und dann g<strong>in</strong>g es<br />

aufs Wasser. Die Wasserlage des Bootes<br />

war wie gewünscht, sprich h<strong>in</strong>ten genau<br />

an der Deckskante. Dank Fliehkraftkupplung<br />

konnte ich das Modell mit laufendem<br />

Motor problemlos <strong>in</strong>s Wasser legen, der Kat<br />

dümpelte und der Motor blubberte im Leerlauf<br />

vor sich h<strong>in</strong>. Mit langsamem Gasgeben<br />

suchte ich nach dem E<strong>in</strong>kuppelpunkt der<br />

Kupplung, dann noch mehr Gas, der Motor<br />

drehte sauber hoch und ruckzuck war<br />

der Rumpf im Gleiten und ließ sich herrlich<br />

manövrieren. Die ersten Runden wurden<br />

noch mit gebremstem Schaum absolviert<br />

und nach ca. 15 M<strong>in</strong>uten holte ich das Boot<br />

aus dem Wasser, um alles zu kontrollieren.<br />

Nach e<strong>in</strong>er genauen Durchsicht konnte ich<br />

ke<strong>in</strong>e Probleme oder Wasser im Boot feststellen.<br />

Also e<strong>in</strong>fach mal das GPS re<strong>in</strong>gelegt, um<br />

die jetzt erreichten Geschw<strong>in</strong>digkeiten aufzuzeichnen.<br />

Auf den ersten E<strong>in</strong>fahrrunden<br />

lag der Topspeed bei 58 km/h. Das ist natürlich<br />

noch nicht der Tempobereich, <strong>in</strong> den<br />

ich mal gelangen möchte, aber das Fahrbild<br />

entsprach schon genau dem, was ich<br />

mir von me<strong>in</strong>em F1-Kat vorgestellt hatte.<br />

Mittlerweile habe ich erst zwei Liter Sprit<br />

durchlaufen lassen, d. h. der Motor bef<strong>in</strong>det<br />

sich immer noch <strong>in</strong> der E<strong>in</strong>fahrphase<br />

mit e<strong>in</strong>em Standard-Prop (Graupner K-70).<br />

Jetzt stehen noch etliche Testfahrten zur<br />

Optimierung <strong>in</strong>s Haus, auf die ich mich<br />

aber schon sehr freue.<br />

Zum Schluss möchte ich mich noch bei<br />

Werner Dieckmann, Tom Lorenz, Ralf und<br />

bei me<strong>in</strong>em Vater für die Unterstützung beim<br />

Bau und bei den Testfahrten bedanken.<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 55


MOTORSCHIFFE<br />

Chris König<br />

S.M.S. „Wels“<br />

Fluss-Patrouillenboot der K. u. K. Donauflottille<br />

Die Donau gehört neben dem<br />

Rhe<strong>in</strong> zu den wichtigsten und<br />

größten B<strong>in</strong>nenwasserstraßen<br />

Europas. Beide Flüsse verb<strong>in</strong>den e<strong>in</strong>e Vielzahl<br />

von Anra<strong>in</strong>erstaaten mite<strong>in</strong>ander, sie<br />

s<strong>in</strong>d geographische und politische Grenzen<br />

und alle<strong>in</strong> deshalb von hoher strategischer<br />

Bedeutung. Diesen Tatsachen war auch der<br />

Aufbau der Kaiserlichen und Königlichen (K.<br />

u. K.) Donauflottille <strong>in</strong> Österreich-Ungarn<br />

geschuldet. Basierend auf Planungen aus<br />

dem Spätherbst 1913 entstanden während<br />

des Ersten Weltkrieges bei der Firma Ganz<br />

& Danubius Gép-, Waggon- és Hajógyár<br />

Rt. – Újpest vier Fluss-Patrouillenboote<br />

der Klasse „l“. Die Klassenbezeichnung<br />

leitete sich aus der Werftbezeichnung ab,<br />

die beim Typschiff e<strong>in</strong> „l“ war. Die weiteren<br />

Fahrzeuge wurden dann als „m“, „n“ und<br />

„o“ bezeichnet. Der E<strong>in</strong>satz im gesamten<br />

Bereich der schiffbaren Donau setzte<br />

e<strong>in</strong>en möglichst ger<strong>in</strong>gen Tiefgang und<br />

daraus resultierend getunnelte Antriebsanlagen<br />

voraus. Der Breite war durch die<br />

Schleusenanlagen ebenfalls e<strong>in</strong>e gewisse<br />

Grenze gesetzt. Über alles 45,50 m lang<br />

und 5,90 m breit, wiesen die schnellen<br />

Überwachungsboote kampfbereit versorgt<br />

und aufmunitioniert e<strong>in</strong>en Tiefgang von<br />

nur 1,00 m bei 135 Tonnen Verdrängung<br />

auf. Zwei Yarrow-Kesselanlagen lieferten<br />

Dampf für zwei EG-Curtis-Turb<strong>in</strong>ensätze, die<br />

ihrerseits zwei Antriebswellen antrieben.<br />

Bei e<strong>in</strong>er rechnerischen Leistungsabgabe<br />

von 1.200 PS erreichten die Patrouillenboote<br />

des Typs „l“ talwärts fahrend e<strong>in</strong>e Geschw<strong>in</strong>digkeit<br />

von 18 kn, bergwärts konnten<br />

bis zu 15 kn erreicht werden. Der genietete<br />

Schiffsrumpf des ersten Baus entsprach<br />

e<strong>in</strong>er Kastenkonstruktion mit spitzem, gerade<br />

e<strong>in</strong>tauchendem Steven. Im stumpf auslaufenden<br />

Heck saßen die zwei Propeller<br />

<strong>in</strong> ihren Tunneln, <strong>in</strong> denen ebenfalls zwei<br />

Spatenruder vorgesehen waren. Rumpf und<br />

Aufbauten waren gegen Infanteriemunition<br />

und Splitterwirkung teilgepanzert.<br />

Während der schiffbauliche Entwurf der<br />

Fahrzeuge stark an bereits vorhandene,<br />

Geleitzug auf der Donau,<br />

Copyright: Profila.hu<br />

„Szeged“ im Jahr 1926,<br />

Copyright: Profila.hu<br />

Mannschaft der „Szeged“ im Jahr 1926,<br />

Copyright: Profila.hu<br />

56 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


ähnliche Kampfschiffe angelehnt wurde,<br />

betrat man bei der Bewaffnung Neuland.<br />

Statt der sonst üblicherweise <strong>in</strong> E<strong>in</strong>zellafetten<br />

<strong>in</strong>stallierten Artillerie entschied<br />

man sich beim Typ „l“ während der Planung<br />

teilweise für 6,6 cm/26 Flachbahngeschütze<br />

<strong>in</strong> Zwill<strong>in</strong>gstürmen, die über eigene Richtund<br />

Entfernungsmess<strong>in</strong>strumente verfügten.<br />

Die Artillerie hatte e<strong>in</strong>en konstruktiven<br />

Seitenrichtbereich bis zu 310° vorn und<br />

etwa 260° achtern; die Rohrelevation dürfte<br />

etwa 55° betragen haben. Die rechnerischen<br />

Höchstschussweiten wurden praktisch<br />

nicht erreicht, da die Geschützrohre<br />

vergleichsweise kurz waren und die Waffen<br />

entsprechend streuten. Zusätzlich wurden<br />

drei bis vier wassergekühlte Masch<strong>in</strong>engewehre,<br />

etwa aus der Maxim-Familie M/1909<br />

im Kaliber 7,62 mm x 54 R, sowie die<br />

üblichen Infanteriewaffen mitgeführt. Kommandiert<br />

von zwei Offizieren, bildeten 38<br />

Mann die Besatzung der Patrouillenboote.<br />

Für nächtliche Patrouillen- und Kontrollfahrten<br />

verfügten die Boote über leistungsstarke<br />

Sche<strong>in</strong>werfer, die Masten waren für<br />

Brückendurchfahrten umlegbar gestaltet.<br />

Um dem kont<strong>in</strong>entalen Klima im mittleren<br />

und unteren Verlauf des Flusses Rechnung<br />

zu tragen, waren die Lüfter überdimensioniert<br />

und zusätzliche Sonnensegel über<br />

den Aufbauten vorgesehen. Die <strong>in</strong> Bugund<br />

Heckaufstellung e<strong>in</strong>geplanten 6,6-cm-<br />

Schnellfeuerkanonen lagen ebenfalls unter<br />

den Sonnensegeln. Als Beiboote wurden<br />

e<strong>in</strong> bis zwei, „Flieger“ genannte, Nachen<br />

mitgeführt.<br />

Zu Beg<strong>in</strong>n des Jahres 1915 wurden<br />

bei Ganz & Danubius Gép-, Waggon- és<br />

Hajógyár Rt. die Kiele für die vier Boote<br />

gestreckt. Aufgrund ihrer technisch relativ<br />

unkomplizierten Auslegung konnten<br />

die Fahrzeuge „l“ und „n“ noch im Oktober<br />

1915 vom Stapel laufen, im März 1916 stellten<br />

„l“, „n“ und „m“ <strong>in</strong> Dienst. Als Typschiff<br />

diente das Fluss-Patrouillenboot „l“, das<br />

am 14. März 1916 <strong>in</strong> Dienst gestellt wurde.<br />

Bereits acht Tage später <strong>in</strong> S.M.S. „Wels“<br />

um benannt, wurde das Boot der Königlichen<br />

Ungarischen Stromwache zugeteilt und umfangreichen<br />

Erprobungen unterzogen. Der<br />

Krieg blieb zunächst e<strong>in</strong> entferntes, dunkles<br />

Grollen h<strong>in</strong>ter dem Horizont. Das änderte<br />

sich am 02. Oktober 1916, als e<strong>in</strong> erster<br />

Artilleriee<strong>in</strong>satz bei den Kämpfen um<br />

Rjahovo erfolgte. Zwischen dem 23. und<br />

dem 25. November 1916 deckte S.M.S.<br />

„Wels“ zusammen mit den Fluss-Patrouillenbooten<br />

S.M.S. „Barsch“ (ex „m“) und<br />

„Compó“ (ex. „n“) den Brückenschlag von<br />

Heeresverbänden bei Sistow. Im Dezember<br />

1916 erfolgte erneut e<strong>in</strong>e Beschießung<br />

im E<strong>in</strong>satzraum Rjahovo. Während dieses<br />

E<strong>in</strong>satzes kollidierte das Schiff am 02.<br />

Dezember 1916 mit dem jugoslawischen<br />

Rad-Monitor „Körös“, nahm aber dennoch<br />

bis nach dem 05. Dezember an den heftigen<br />

Kämpfen teil. Als sich das Jahr 1916 zum<br />

Ende neigte, wurden die Boote <strong>in</strong> verschiedene<br />

Häfen zurückbeordert; S. M. S. „Wels“<br />

verlegte für Ausbesserungsarbeiten nach<br />

Budapest.<br />

Der später als „Steckrübenw<strong>in</strong>ter“ bezeichnete<br />

W<strong>in</strong>ter 1916/1917 gehörte zu den mit<br />

Abstand kältesten des abgelaufenen Jahrhunderts.<br />

Das Wetter passte zur allgeme<strong>in</strong>en<br />

Trost- und Hoffnungslosigkeit, die bei<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 57


den Mittelmächten um sich griff. Im Westen<br />

hatte das Jahr 1916 vor Verdun und an der<br />

Somme ke<strong>in</strong>e Entscheidung gebracht, alle<strong>in</strong><br />

das Halten der Stellungen riss Hunderttausende<br />

Landser <strong>in</strong> den Tod. An der Ostfront<br />

war der Grabenkrieg den schneidigen Vorstößen<br />

gewichen, an der Alpenfront zeichnete<br />

sich ke<strong>in</strong> schneller Sieg ab. Im R<strong>in</strong>gen<br />

erstarrt schienen die Machtblöcke, zwischen<br />

denen der e<strong>in</strong>fache Soldat zerrieben wurde.<br />

Österreich-Ungarn mochte sich <strong>in</strong> e<strong>in</strong><br />

neues Jahr retten, war aber politisch wie<br />

militärisch dem Untergang geweiht. Nur mit<br />

deutscher Unterstützung vermochten die<br />

K. u. K. Verbände, Bulgarien und die Türkei<br />

den Kampf weiter aufrecht zu erhalten.<br />

Zur gleichen Zeit verhungerte oder erfror <strong>in</strong><br />

Österreich-Ungarn und im Deutschen Reich<br />

die Zivilbe völkerung zu Zigtausenden. Auch<br />

<strong>in</strong> Russland spitzten sich die Verhältnisse<br />

dramatisch zu. Das Jahr 1917 begann demnach<br />

ebenso hoffnungslos, wie das alte Jahr<br />

1916 geendet hatte.<br />

Für S.M.S. „Wels“ blieb die mittlere Donau<br />

über das ganze Jahr 1917 h<strong>in</strong>weg Haupte<strong>in</strong>satzraum,<br />

bis am 01. April 1918 die vier<br />

Fluss-Patrouillenboote „Wels“, „Barsch“,<br />

„Compó“ und „Viza“ <strong>in</strong>s Schwarze Meer<br />

beordert wurden. Am 12. April 1918 trafen<br />

sie <strong>in</strong> Odessa am Schwarzen Meer e<strong>in</strong>,<br />

von wo aus sie <strong>in</strong>s 150 Kilometer entfernte<br />

Kherson <strong>in</strong> der Ukra<strong>in</strong>e weiterliefen. Kherson,<br />

am Dnjepr gelegen, diente ab dem 20.<br />

April 1918 als Flottillenstützpunkt für die<br />

vier E<strong>in</strong>heiten. Dem General von Böhm-<br />

Ermolli für e<strong>in</strong>en Aufklärungse<strong>in</strong>satz vor<br />

Ortschakow dienend, verließ S.M.S. „Wels“<br />

den Hafen von Kherson am 04. Mai 1918,<br />

kehrte allerd<strong>in</strong>gs am 13. Mai 1918 zurück<br />

und unternahm zwischen dem 15. und 28.<br />

Mai 1918 e<strong>in</strong>e weitere Aufklärungsreise auf<br />

dem Dnjepr. Während dieses Aufklärungse<strong>in</strong>satzes<br />

fuhr S.M.S. „Wels“ im Verband<br />

mit S.M.S. „Barsch“; beide Patrouillenboote<br />

kehrten wohlbehalten nach Kherson zurück.<br />

Im Juni 1918 beschoss das Boot Aufständische<br />

<strong>in</strong> Nikopol. Im Zuge der allgeme<strong>in</strong>en<br />

Rückzugsbewegungen lief S.M.S.<br />

„Wels“ dann Anfang September zunächst<br />

nach Odessa und am 12. September 1918<br />

nach Braila, von wo sie am 13. Oktober<br />

1918 nach Turnu-Sever<strong>in</strong> (Rumänien) verholte.<br />

Sechs Tage später geriet das Boot bei<br />

Lom-Palanka unter heftiges Artillerie- und<br />

Schützenfeuer französischer Truppen, die<br />

e<strong>in</strong>en Durchbruch des Patrouillenbootes<br />

zu verh<strong>in</strong>dern versuchten. Im konzentrierten<br />

Abwehrfeuer wurde der Entschluss gefasst,<br />

den Durchbruch zu verschieben, der dann<br />

Ende Oktober tatsächlich gelang. Zu diesem<br />

Zeitpunkt hatte sich Ungarn bereits<br />

als unabhängig von Österreich erklärt.<br />

Das habsburgische Reich war im Begriff,<br />

vollends zu zerfallen. In Novi Sad (Neusatz,<br />

Serbien) traf die S.M.S. „Wels“ am 02. November<br />

1918 e<strong>in</strong>, wo sie am 08. Dezember<br />

1918 den Alliierten kampflos übergeben<br />

wurde. Im Dezember 1918 als Kriegsbeute<br />

nach Belgrad gefahren, erfolgte im Januar<br />

1919 die Umbenennung <strong>in</strong> „Breglanica“.<br />

Mit Ablauf des Jahres 1919 waren sämtliche<br />

noch existenten Fahrzeuge der K. u. K.<br />

Donauflottille <strong>in</strong> alliierter Hand, wo sie aber<br />

Rumpf und Aufbau im Rohbau<br />

Heck mit Tunneln im Bau<br />

Zwill<strong>in</strong>gsturm im Bau<br />

Grundierter Schornste<strong>in</strong> aus Pappe<br />

58 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Dieses Foto war<br />

der Auslöser für<br />

den Nachbau<br />

auf Dauer nicht verbleiben konnten. E<strong>in</strong>e<br />

eigens aufgestellte britische Donauflottille<br />

sollte zeitnah wieder abgerüstet werden,<br />

so dass am 15. April 1920 der Verbleib der<br />

Fahrzeuge diplomatisch ausgehandelt wurde.<br />

Demnach fiel „Barsch“ Österreich zu,<br />

während die anderen drei Fahrzeuge der<br />

„l“-Klasse Ungarn zugesprochen wurden.<br />

Während die „Breglanica“ bis zur formellen<br />

Rückgabe an Ungarn am 23. November<br />

1920 <strong>in</strong> Fahrt blieb, änderten Nachverhandlungen<br />

das Schicksal der anderen<br />

Boote. So wurden die S.M.S. „Compo“ und<br />

„Barsch“ letztlich doch Österreich zugesprochen.<br />

Ende Januar 1921 trafen die Boote <strong>in</strong><br />

Wien e<strong>in</strong>, von wo sie <strong>in</strong>nerhalb von vier Monaten<br />

zur Demilitarisierung nach Korneuburg<br />

verholen sollten. Im selben Jahr wurde<br />

die ehemalige S.M.S. „Wels“ erneut getauft,<br />

und zwar auf den Namen „Szeged“. Ihre<br />

drei Schwesterschiffe waren <strong>in</strong>zwischen<br />

ebenfalls wieder für Ungarn <strong>in</strong> Fahrt und<br />

trugen ähnlich wie „Szeged“ ungarische<br />

Städtenamen. Es waren dies „Baja“ (ex.<br />

S.M.S. „Barsch“, ex. „m“), „Györ“ (ex. S.M.S.<br />

„Compó“, ex. „n“) und „Kecskemét“ (ex.<br />

S.M.S. „Viza“, ex. „o“). Alle vier E<strong>in</strong>heiten<br />

gehörten – <strong>in</strong> Details baulich verändert – bis<br />

zum Ende des Zweiten Weltkrieges weiterh<strong>in</strong><br />

der Donauflottille an. Sie ergaben sich<br />

im Mai 1945 amerikanischen Verbänden.<br />

Während die vormaligen S.M.S. „Wels“ und<br />

„Compó“ 1949 <strong>in</strong> Ungarn abgewrackt wurden,<br />

diente die ehemalige S.M.S. „Barsch“<br />

noch bis Mitte der 1950er-Jahre als Eisbrecher.<br />

Ihr Schicksal und das der S.M.S.<br />

„Viza“ blieben unklar.<br />

Der Gedanke, e<strong>in</strong> vorbildnahes Modell<br />

des Typs „l“ (S.M.S. „Wels“) nachzubauen,<br />

kam eher zufällig. Zwischen dem Quellenstudium<br />

von Dr. Brigitte Hamanns „Der<br />

Erste Weltkrieg“ und Nachforschungen über<br />

die Kampfhandlungen an der Alpenfront<br />

kreuzte e<strong>in</strong> Landser-Foto me<strong>in</strong>en Weg:<br />

Es zeigte deutsche Soldaten auf dem vorderen<br />

Turm der „Szeged“, die unter ungarischer<br />

Flagge mit hoher Fahrtstufe durch<br />

die Donau pflügte. Aufgenommen wurde<br />

es vermutlich im Spätherbst 1940/Frühjahr<br />

1941 von e<strong>in</strong>em deutschen Offizier, der<br />

<strong>in</strong> Griechenland und auf dem Balkan für<br />

Versorgungsaufgaben e<strong>in</strong>gesetzt war. Im<br />

Tätigkeitsbereich lag auch der Nachschub<br />

von Brenn- und Schmierstoffen durch<br />

Tankleichter, die zuweilen durch Patrouillenboote<br />

eskortiert wurden. Spätestens<br />

seit dem Besuch der Dauerausstellung des<br />

Heeresgeschichtlichen Museums im Arsenal<br />

zu Wien <strong>in</strong>teressierte mich die Geschichte<br />

der Donauflottille. Auch die Option, die<br />

6,6 cm/26 Schnellfeuerkanonen <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em<br />

E<strong>in</strong>zel- oder Zwill<strong>in</strong>gsturm e<strong>in</strong>zubauen sowie<br />

die <strong>in</strong>sgesamt relativ unkomplizierte<br />

schiffbauliche Gestaltung des Fahrzeugs<br />

reizten mich. Bei wenigen Vere<strong>in</strong>fachungen<br />

versprach die S.M.S. „Wels“ e<strong>in</strong> vernünftiges<br />

Semiscale-Modell zu werden, welches<br />

sich durchaus <strong>in</strong>nerhalb e<strong>in</strong>es überschaubaren<br />

Zeitrahmens bauen ließ.<br />

E<strong>in</strong>e Betrachtung verschiedener gängiger<br />

Maßstäbe ließ erkennen, dass sich hierfür<br />

der Maßstab 1:50 anbot. Er ließ e<strong>in</strong>en<br />

Zweischraubenantrieb mit rechtsdrehenden<br />

30-mm-Dreiblatt-Props und Dop pelrudern<br />

wie beim Orig<strong>in</strong>al zu. E<strong>in</strong>geplant wurden<br />

auch zwei unterschiedlich lange Wellengarnituren,<br />

um die E-Motoren versetzt<br />

e<strong>in</strong>bauen zu können. Anhand von Gesamtabmessungen<br />

und Fotoreferenzen<br />

durchgeplant und anschließend gezeichnet,<br />

entstand der Rohbau des Fahrzeuges<br />

unter weitgehendem Rückgriff auf vorhandenes<br />

Material: Holzleisten vom Sylvester-<br />

Feuerwerk, Spanten und strukturgebende<br />

Stützwände aus Sperrholz Marke „Orangenkiste“,<br />

Papier und Pappe/Karton, Mess<strong>in</strong>greste<br />

usw. Bei den Details standen<br />

diese Werkstoffe ebenfalls ganz oben auf<br />

der Wunschliste, wenngleich mir noch vorhandene<br />

Rel<strong>in</strong>gstreifen (Ste<strong>in</strong>graeber) zweifelsohne<br />

wesentlich das Leben erleichtert<br />

haben. In der Tat war diese „Marscherleichterung“<br />

hoch willkommen, denn das<br />

Thema Farbgebung hat mir e<strong>in</strong>iges an zeit<strong>in</strong>tensivem<br />

Kopfzerbrechen bereitet. E<strong>in</strong>e<br />

Auswertung der vorhandenen Fotos führte<br />

mehr <strong>in</strong> die Irre, denn der Wahrheit entgegen.<br />

Manche Fluss-Patrouillenboote sahen<br />

hellgrau aus, andere dunkelgrau. Dann gab<br />

es olivgrüne Tarnanstriche, schließlich noch<br />

Konturen auflösende Bemalungen aus diversen<br />

Grau- oder (?) Grüntönen. Mitunter<br />

schimmerte die Farbe auch Anthrazit und<br />

er<strong>in</strong>nerte mehr an den Anti-Korrosionsanstrich<br />

e<strong>in</strong>es Flugzeuges.<br />

Auf me<strong>in</strong>er Suche nach der korrekten Farbe<br />

halfen vor allem die Expertendiskussionen<br />

auf der Website www.forum-mar<strong>in</strong>earchiv.<br />

de. Dort fanden sich unter anderem die<br />

folgenden E<strong>in</strong>träge (zusammengefasst):<br />

„Zwischen 1900 und 1902 wurde die<br />

Standardlackierung der österreichisch-ungarischen<br />

Flotte vom „Victorian Style“,<br />

schwarzer Rumpf, weiße Aufbauten, gelbe<br />

Schornste<strong>in</strong>e, <strong>in</strong> „Olivgrün über alles“<br />

geändert. Am 02. Juni 1906 wurden die<br />

offiziellen Vorschriften zur allgeme<strong>in</strong>en<br />

Verwendung dieser Farbgebung erlassen.<br />

Die Farbzusammenstellung wurde<br />

1910 geändert, um die Beständigkeit zu<br />

erhöhen. 1911 wurde erneut an der Mixtur<br />

gearbeitet, um nun kostengünstigere<br />

Pigmente verwenden zu können. Zuletzt<br />

war die Farbe folgendermaßen zusammengesetzt:<br />

46% Kalkgrau, 14% Ockergelb,<br />

2% Schwarz, 9% Weiß, 1% Ultramar<strong>in</strong>,<br />

27% Le<strong>in</strong>öl und 1% Terpent<strong>in</strong>öl. […] Die<br />

Farbe wurde für alle sichtbaren Teile des<br />

Schiffs verwendet: Rumpf, Stahldecks,<br />

Masten, Brücken, Aufbauten, aber auch<br />

für die Dampf- und Motorbarkassen.<br />

Die großen Beiboote wurden <strong>in</strong>nen mit<br />

e<strong>in</strong>em Dunkelgrün gestrichen, die kle<strong>in</strong>en<br />

Beiboote waren <strong>in</strong>nen weiß. Anker und<br />

Ketten waren aus blankem Stahl, der mit<br />

Le<strong>in</strong>öl geschützt wurde. Die Rettungsr<strong>in</strong>ge<br />

waren bis 1910 weiß, danach weiß-rotweiß.<br />

[…] Folgende Farben können für den<br />

Modellbau e<strong>in</strong>es K.u.K.-Schiffes empfohlen<br />

werden: Montecuccol<strong>in</strong> = Humbrol 31 […].“<br />

Das fertige Boot ist e<strong>in</strong> schönes Semiscale-<br />

Modell für ausgedehnte Revierfahrten, das<br />

<strong>in</strong> punkto Farbe ziemlich aus dem Rahmen<br />

fällt. Herzlichen Dank an Thomas Hartmann<br />

für se<strong>in</strong>e Hilfe!<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 59


RUBRIKEN<br />

Liebe<br />

<br />

Modellsportgruppe Kemnath e. V.<br />

Die Modellsportgruppe Kemnath e.V. veranstaltet<br />

am Sontag, dem 01.12.2013 <strong>in</strong> der<br />

Mehrzweckhalle <strong>in</strong> 95478 Kemnath-Stadt<br />

e<strong>in</strong>e Modellbaubörse mit Modellbauausstellung.<br />

Börse und Ausstellung s<strong>in</strong>d von<br />

09.00–16.00 Uhr geöffnet.<br />

Kontakt: Wolfgang Heidler, Blumenstr. 3,<br />

92703 Krummennaab, Tel. 09682/2479, E-<br />

Mail: Wolfgang.Heidler@t-onl<strong>in</strong>e.de, www.<br />

msg.kemnath.de<br />

MAXI-MINI-SAIL zur Hanse-Sail<br />

Highlight dabei war die Ausfahrt der vielen<br />

Segler, Motorschiffe, Sport- und Paddelboote<br />

aus dem Rostocker Stadthafen h<strong>in</strong>aus<br />

nach Warnemünde und weiter zur Ostsee.<br />

E<strong>in</strong>e bee<strong>in</strong>druckende Armada, die bei<br />

bestem Wetter, W<strong>in</strong>dstärke 2–3 und Wellenhöhen<br />

so um die 20 cm Richtung Norden<br />

un-terwegs war. E<strong>in</strong> kle<strong>in</strong>es Stück konnten<br />

wir sie begleiten, denn wir segeln mit unseren<br />

Modellen ja da, wo die Großen segeln.<br />

Das nächste Jahrestreffen wird am Samstag,<br />

dem 19.7.2014, im Museumshafen <strong>in</strong><br />

Greifswald anlässlich des Festes „Gaffel-<br />

Rigg“ stattf<strong>in</strong>den.<br />

Bernd Tilgner<br />

Vere<strong>in</strong>svorstände und<br />

Schriftführer!<br />

Ankündigungen zu Veranstaltungen müssen immer<br />

jeweils bis zum 1. des Vormonats bei folgender<br />

Adresse e<strong>in</strong>gereicht werden:<br />

Red. <strong>SchiffsModell</strong><br />

Postfach 1820, 78008 Vill<strong>in</strong>gen-Schwenn<strong>in</strong>gen<br />

Fax 07721/8987-50<br />

welz@neckar-verlag.de<br />

Der e<strong>in</strong>malige Abdruck Ihrer Veranstaltungsmitteilung<br />

ist natürlich kostenlos. Bitte fassen Sie<br />

sich kurz, und teilen Sie nur die wesentlichen<br />

Fakten mit (Ort, Datum, Kontaktadresse). Komplette<br />

Ausschreibungen und Programme können<br />

nicht abgedruckt werden, die Redaktion muss sich<br />

Kürzungen vorbehalten. Weiterh<strong>in</strong> können Veranstaltungsterm<strong>in</strong>e<br />

unter<br />

www.neckar-verlag.de<br />

veröffentlicht werden. Unter der Rubrik „Modellbau/Modellbauterm<strong>in</strong>e“<br />

haben Vere<strong>in</strong>e die Möglichkeit,<br />

ihre Veranstaltungsterm<strong>in</strong>e direkt und<br />

kostenfrei e<strong>in</strong>zutragen.<br />

Anlässlich der Hanse-Sail <strong>in</strong> Rostock 2013<br />

trafen sich auch Mitglieder der Gruppe<br />

MAXI-MINI-SAIL zum geme<strong>in</strong>samen Segeln<br />

ihrer etwas größeren Modelle: Karl aus Ostfriesland<br />

und Bernd aus der Niederlausitz<br />

segelten geme<strong>in</strong>sam mit Frank, He<strong>in</strong>z, Jürgen,<br />

Rolf und Ulli von der Rostocker Gruppe<br />

auf der Warnow.<br />

<br />

Carlo Borlenghi<br />

Legendäre <strong>Yacht</strong>en<br />

Der Untertitel „Porträts klassischer Schönheiten“<br />

beschreibt bestens diesen Band, der<br />

als Hommage an die Schiffbaukunst versteht.<br />

Wenn Stil auf Sport trifft, Eleganz auf<br />

Schnelligkeit und Teak auf Team, dann beg<strong>in</strong>nen<br />

die Herzen der Klassikfans höher zu<br />

schlagen. Dann fällt ihr Blick mit hoher<br />

Wahrsche<strong>in</strong>lichkeit auf e<strong>in</strong>e der legendären<br />

hölzernen Schönheiten, die seit vielen Jahrzehnten<br />

ihren unvergleichlichen Tanz durch<br />

die Wellen der Meere zelebrieren.<br />

Der italienische Fotokünstler Carlo Borlenghi,<br />

e<strong>in</strong>er der besten <strong>Yacht</strong>fotografen der<br />

Welt, hat die schönsten klassischen <strong>Yacht</strong>en,<br />

ob groß, ob kle<strong>in</strong>, von <strong>in</strong>nen und außen<br />

hervorragend <strong>in</strong> Szene gesetzt. Avel, Bona<br />

Fide, Ranger, Orion, Shenandoah, Tuiga,<br />

60 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Varuna, Hispania, Rowdy, Pesa, Nan of <strong>Fife</strong><br />

und Manitou lauten die Namen der schwimmenden<br />

Schönheiten.<br />

Ergänzt werden die Fotografien der zum<br />

größten Teil noch nie öffentlich gezeigten,<br />

kostbaren Interieurs der <strong>Yacht</strong>-Legenden<br />

durch hochwertige Konstruktionszeichnungen,<br />

die – e<strong>in</strong>zeln beiliegend auf Pergam<strong>in</strong><br />

gedruckt – dieses Buch zu e<strong>in</strong>em haptisch<br />

wie s<strong>in</strong>nlichen Erlebnis machen. E<strong>in</strong> erschw<strong>in</strong>gliches<br />

Kunstwerk also, das man guten<br />

Freunden, aber vielleicht auch sich selbst<br />

unter den Weihnachtsbaum legen möchte.<br />

160 Seiten, 150 Fotos (farbig), Format 25,7<br />

x 34,7 cm, geb. € (D) 49,90, (A) € 51,30, sFr<br />

66,90, ISBN 978-3-7688-3671-5, Delius Klas<strong>in</strong>g<br />

Verlag, Bielefeld<br />

– Wann spricht man von W<strong>in</strong>dstille und wann<br />

vom Orkan? (W<strong>in</strong>dstärken-Skala)<br />

– Wie funktioniert e<strong>in</strong> Schwimm- bzw. e<strong>in</strong><br />

Trockendock?<br />

– Wie wird e<strong>in</strong> Conta<strong>in</strong>er verladen?<br />

– Wie zeigen sich Ebbe und Flut im Hamburger<br />

Hafen?<br />

Zusätzlich verrät der Autor Wissenswertes<br />

über die beste Aussicht auf den Hafen, über<br />

Hafenkneipen, Fischrestaurants, das Baden<br />

<strong>in</strong> der Elbe oder darüber, wie man Seemann<br />

wird.<br />

„Der Hamburger Hafenlotse“ ist der erste Titel<br />

<strong>in</strong> der Reihe „Koehler kompakt“: Kurze,<br />

knappe Erläuterungen mit anschaulichen<br />

Zeichnungen und Abbildungen ermöglichen<br />

e<strong>in</strong> schnelles Nachschlagen und machen<br />

den Lotsen zu e<strong>in</strong>em nützlichen Begleiter für<br />

unterwegs. E<strong>in</strong> Muss also für alle, die den<br />

Hamburger Hafen kennen lernen wollen!<br />

40 Seiten, 10,5 x 15,5 cm, zahlr. Farb-Abb.,<br />

Klappenbroschur, € (D) 4,95, € (A) 5,–, sFr<br />

6,90, ISBN 978-3-7822-1075-1, Koehlers<br />

Verlagsgesellschaft, Hamburg<br />

„Unterwegs vor den Toren Hamburgs“ ist dieses<br />

Buch untertitelt, das sich mit dem größten<br />

zusammenhängenden Obstanbaugebiet<br />

Deutschlands, dem „Alten Land“. Sowohl für<br />

Tagesausflüge als auch für längere Aufenthalte<br />

ist das „Alte“ Land e<strong>in</strong> beliebtes Urlaubsziel<br />

und (Nah-)Erholungsgebiet.<br />

Die ortskundige Autor<strong>in</strong> nimmt den Leser an<br />

die Hand und führt ihn durch die Apfel- und<br />

Kirschbaumgärten h<strong>in</strong> zu den schönsten Orten<br />

der drei Meilen, <strong>in</strong> die das „Alte Land“<br />

geografisch aufgeteilt ist. Dabei stellt sie jede<br />

der drei Meilen zwischen den Elbzuflüssen<br />

mit ihren Besonderheiten, den charakteristischen<br />

Merkmalen und Sehenswürdigkeiten<br />

wie Fachwerkhäusern und Leuchttürmen<br />

vor. Der Leser erfährt vieles über den<br />

Obstanbau vor den Toren Hamburgs und<br />

den Jorker Apfeltresor, <strong>in</strong> dem die knackigen<br />

Früchtchen zum Schlafen gelegt werden. E<strong>in</strong><br />

echter Krimi, Kirchen, Orgeln, Trachten und<br />

kle<strong>in</strong>e Anekdoten vervollständigen die Rundreise.<br />

Das „Alte Land“ ist mit se<strong>in</strong>er unverwechselbaren<br />

Natur e<strong>in</strong> Paradies für Radfahrer.<br />

Daher weist die Autor<strong>in</strong> auch auf<br />

besonders schöne Radwege und -touren<br />

h<strong>in</strong>. Zahlreiche Tipps für Altländer Gastlichkeit<br />

verraten, wo es auf dieser Entdeckungsreise<br />

besonders schön ist. E<strong>in</strong> <strong>in</strong>formativer<br />

Reiseführer also, gewürzt mit wunderschönen<br />

Aufnahmen, der e<strong>in</strong>e schnelle<br />

Orientierung ermöglicht.<br />

136 Seiten, 14,8 x 21 cm, zahlr. Farb-Abb.,<br />

Klappenbroschur € (D) 9,95, € EUR (A)<br />

10,20, sFR 13,90, ISBN 978-3-7822-1081-2,<br />

Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg<br />

Svante Domizlaff<br />

Der Hamburger Hafenlotse<br />

Wer den Hamburger Hafen (noch) nicht so<br />

gut kennt, der ist mit diesem „Lotsen“ gut beraten:<br />

Im praktischen Westen- bzw. Handtaschenformat<br />

bietet er Antworten auf die<br />

wichtigsten Fragen, die sich dem Neul<strong>in</strong>g<br />

stellen:<br />

– Welche verschiedenen Wasserfahrzeuge<br />

verkehren im Hafen?<br />

– Was für Handelsschiffe laufen Hamburg<br />

an?<br />

– Welche Kreuzfahrtschiffe besuchen Hamburg?<br />

– Welche Museumsschiffe liegen wo?<br />

– Welche Schornste<strong>in</strong>farbe gehört zu welcher<br />

Reederei?<br />

– Was bedeuten die verschiedenen Signalflaggen<br />

und Seezeichen, was die verschiedenen<br />

Positionslampen und Flaggen<br />

am Schiff?<br />

– Welche Seemannsknoten gibt es?<br />

Miriam Fehlbus<br />

Altes Land<br />

Thomas Fröhl<strong>in</strong>g<br />

Die Lotsen<br />

Lotsen s<strong>in</strong>d als Berater der Schiffsleitung <strong>in</strong><br />

der Schifffahrt unverzichtbar, im Nebel, bei<br />

W<strong>in</strong>d, bei Tidenströmungen, Untiefen oder<br />

beim „E<strong>in</strong>parken“ <strong>in</strong> e<strong>in</strong>en engen Hafen-Liegeplatz.<br />

Die Schifffahrtsrouten an der deutschen<br />

Nord- und Ostseeküste s<strong>in</strong>d nicht nur<br />

die dicht befahrensten der Welt, sondern<br />

auch wegen ihrer Unberechenbarkeit e<strong>in</strong><br />

schwer zu navigierendes Gebiet. Ob Kreuzfahrtschiff<br />

oder Frachter, nahezu jedes Schiff<br />

braucht Lotsen, um sicher <strong>in</strong> den Hafen e<strong>in</strong>laufen<br />

oder schwieriges Fahrwasser passieren<br />

zu können. 750 Seelotsen, 95 Hafenlotsen,<br />

140 Kanalsteuerer und unzählige Kollegen<br />

an Land arbeiten rund um die Uhr an<br />

e<strong>in</strong>em reibungslosen Ablauf. Der Autor beleuchtet<br />

<strong>in</strong> diesem Buch sowohl Vergangenheit<br />

und Gegenwart als auch die Zukunft des<br />

Lotsenwesens an der Nord- und Ostsee. Dabei<br />

geht er auf Schiffe, Menschen, Arbeit,<br />

Stationen, Seegebiete, die Ausbildung zum<br />

Lotsen und die Brüderschaften e<strong>in</strong>. Der Beruf<br />

des Lotsen wird hier e<strong>in</strong>gehend beschrieben,<br />

se<strong>in</strong>e Tätigkeiten und auch se<strong>in</strong>e Verantwortung.<br />

104 Seiten, 24 x 17 cm, zahlr. Farb-Abb.,<br />

Broschur, € (D) 14,95, € (A) 15,40, sFR<br />

20,90, ISBN 978-3-7822-1078-2, Koehlers<br />

Verlagsgesellschaft, Hamburg.<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 61


RUBRIKEN<br />

kurz & fündig<br />

Privatanzeigen (private Inserenten, nicht-gewerbliche Texte) können nur<br />

schriftlich, nicht telefonisch entgegengenommen werden.<br />

Der E<strong>in</strong>fachheit halber bitte möglichst den vorbereiteten Bestellsche<strong>in</strong> verwenden,<br />

der <strong>in</strong> fast jedem Heft zu f<strong>in</strong>den ist. Bitte auf jeden Fall deutlich und unmissverständlich<br />

schreiben.<br />

In e<strong>in</strong>e Zeile passen durchschnittlich 34 Anschläge (Buchstaben, Ziffern, Satzzeichen,<br />

erforderliche Zwischenräume = jeweils 1 Anschlag).<br />

Anzeigenschluss ist jeweils um den 5. des Vormonats (z.B. für Heft 3 am<br />

5. Februar).<br />

Wenn Anzeigentext und Zahlung nach Anzeigenschluss e<strong>in</strong>gehen, erfolgt die<br />

Veröffentlichung automatisch <strong>in</strong> der nächstfolgenden Ausgabe.<br />

Privatanzeigen <strong>in</strong> <strong>SchiffsModell</strong> bis 8 Zeilen kostenlos, jede<br />

!<br />

weitere Zeile 2,50 Euro. Anzeige mit Bild 5, — Euro.<br />

E<strong>in</strong>fache Abwicklung: Vorauszahlung <strong>in</strong> bar, Überweisung, Kreditkarte<br />

(Visa, Master) oder Abbuchung. Gleichzeitig wird Ihre Anzeige im Internet<br />

unter www.neckar-verlag.de veröffentlicht!<br />

PLZ 3…<br />

Verkaufe: Polizeiboot „Bremen 9“<br />

mit Empfänger, Nautic-Schaltbauste<strong>in</strong>,<br />

Sound-Modul „Polizeiboot“,<br />

Kran beweglich, Löschmonitor funktionsfähig,<br />

sauber gebaut, fahrfertig,<br />

€ 580,–; Schlepper „Bugsier 3“,<br />

Empf., Rauchmodul, Typhon, Licht,<br />

usw. € 285,–; Rennkat von MHZ, 50<br />

cm lang mit Empf. € 50,–. Alles möglichst<br />

Selbstabholung. Tel. 05721/<br />

2436, Handy 0152/03522913. 301<br />

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62 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


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Rahmen: Bernd Sterzl@PIXELIO.de


Wie bei allen Bruker-U-Booten ist das Design fasz<strong>in</strong>ierend<br />

U-BOOTE<br />

DEUTSCHLANDS VERGESSENE U-BOOTE<br />

Die »Fly<strong>in</strong>g Bell«<br />

Zum Abschluss der Serie über die Bruker-<br />

U-Boote lesen Sie die Dokumentation über<br />

die »Fly<strong>in</strong>g Bell«. Bei dieser handelt es sich<br />

aber nicht wie <strong>in</strong> den bisherigen Teilen um<br />

e<strong>in</strong> U-Boot, sondern um e<strong>in</strong>e manövrierbare<br />

Taucherglocke.<br />

Das Pr<strong>in</strong>zip der Taucherglocke ist e<strong>in</strong>e der<br />

ältesten überlieferten Tauchkonstruktionen.<br />

Schon von Alexander dem Großen wurde<br />

berichtet, dass er mit Hilfe solch e<strong>in</strong>er<br />

Konstruktion die Unterwasserwelt erforscht<br />

hat. Ausprobieren kann man das Pr<strong>in</strong>zip<br />

der Taucherglocke selber ganz e<strong>in</strong>fach mit<br />

e<strong>in</strong>em Tr<strong>in</strong>kglas im Spülbecken oder Eimer:<br />

Taucht man das Glas umgedreht unter<br />

Wasser, füllt es sich nicht ganz mit Wasser,<br />

sondern e<strong>in</strong> Teil des Inneren bleibt mit Luft<br />

gefüllt.<br />

Die Luft im Inneren wird allerd<strong>in</strong>gs je nach<br />

E<strong>in</strong>tauchtiefe komprimiert, sprich je tiefer<br />

man das Glas unter Wasser drückt, umso<br />

kle<strong>in</strong>er wird der mit Luft gefüllte Raum. Die<br />

Ursache dafür ist der Wasserdruck, der<br />

pro 10 Meter Tauchtiefe um 1 bar zunimmt.<br />

Montage des Standr<strong>in</strong>gs im<br />

Rohrrahmen-Unterteil<br />

Norbert Brüggen<br />

Die Geschichte der Bruk<br />

Oben: Blick <strong>in</strong> den E<strong>in</strong>stiegsschacht<br />

von unten<br />

Rechts: Ansicht von vorne mit<br />

ausgeklappter Klaue<br />

Blick auf die Hydraulikleitungen außerhalb<br />

des Druckkörpers<br />

66 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Druckkörper mit Rohbau und Konstruktionsmodell<br />

Folglich herrschen <strong>in</strong> 10 m Tiefe schon 2<br />

bar Umgebungsdruck. Das ist übrigens<br />

ke<strong>in</strong> Rechenfehler, denn der normale<br />

Umgebungsdruck, dem wir <strong>in</strong> unserer Atmosphäre<br />

(also über Wasser) ausgesetzt<br />

s<strong>in</strong>d, beträgt ja ohneh<strong>in</strong> schon 1 bar. Dazu<br />

addiert sich alle 10 Meter unter Wasser e<strong>in</strong><br />

weiteres bar. Für alle, denen das etwas abstrakt<br />

ersche<strong>in</strong>t, hilft vielleicht der H<strong>in</strong>weis,<br />

dass e<strong>in</strong> durchschnittlicher Autoreifen mit<br />

ca. 2,5 bar Druck gefüllt ist. Und vier dieser<br />

Reifen können ohne Probleme 2 Tonnen<br />

Auto <strong>in</strong>kl. Passagiere und Ladung transportieren,<br />

ke<strong>in</strong>e schlechte Leistung für so<br />

e<strong>in</strong> bisschen Druck!<br />

Damit man <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Taucherglocke<br />

also ke<strong>in</strong>e nassen<br />

Füße bekommt, wird der<br />

Innendruck, je weiter<br />

die Glocke s<strong>in</strong>kt,<br />

dem Außendruck angepasst.<br />

Das Wasser<br />

bleibt dadurch an der<br />

unteren Kante und der Beobachter<br />

kann im Inneren<br />

se<strong>in</strong>e Arbeit verrichten.<br />

Mit dem ausschließlichen Beobachten<br />

war es allerd<strong>in</strong>gs zur Neuzeit<br />

bald vorbei, denn Taucherglocken wurden<br />

vor allem als Taucher-Transportmittel e<strong>in</strong>gesetzt.<br />

So konnten die Taucher gewissermaßen<br />

trockenen Fußes direkt an ihren<br />

Das untere Rohrrahmengestell mit den<br />

Gas-Vorratskugeln<br />

Druckkörper-Außendruckprüfung<br />

bei der GUSI<br />

<strong>in</strong> Geesthacht<br />

er Meerestechnik Teil 7<br />

Ansicht von vorne mit Gasflaschen,<br />

Regelzellen und Ausstiegsschacht<br />

Ansicht von unten mit E-Behälter<br />

und Hydraulikaggregaten<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 67


Analoge Schalttechnik <strong>in</strong> den<br />

Elektronikbehältern<br />

Ohne diese Pioniere der Tiefe würde es bei<br />

allen Unterwasser<strong>in</strong>stallationen und Bohr<strong>in</strong>seln<br />

auf der Welt schlecht aussehen.<br />

Gefahren für Taucher<br />

Bei unserem kle<strong>in</strong>en Ausflug <strong>in</strong> die Tauchphysik<br />

lohnt der Blick darauf, was mit dem<br />

menschlichen Körper <strong>in</strong> der Tiefe passiert.<br />

Nehmen wir an, wir s<strong>in</strong>d Taucher und bef<strong>in</strong>den<br />

uns <strong>in</strong> 40 Meter Tiefe. In diesem<br />

Beispiel ist es gleichgültig, ob wir noch <strong>in</strong><br />

der Taucherglocke sitzen oder schon ausgerüstet<br />

mit dem Unterwasserschweißgerät<br />

auf dem Weg zu e<strong>in</strong>er defekten Leitung<br />

am Nordseeboden s<strong>in</strong>d. Der Grund, warum<br />

wir <strong>in</strong> dieser Tiefe überhaupt atmen können<br />

und unsere Lungen nicht kollabieren, ist<br />

der, dass der Druck der Atemluft dem des<br />

Außendrucks angepasst ist. Daher nehmen<br />

wir <strong>in</strong> 40 Meter mit jedem Atemzug die vierfach<br />

komprimierte Luft auf und es atmet<br />

aus der Tiefe an die Oberfläche steigen?<br />

Mit angehaltenem Atem würden wir die<br />

Oberfläche nicht lebend erreichen. Die expandierende<br />

Luft <strong>in</strong> unserer Lunge hätte<br />

diese zerfetzt und wir wären schon auf dem<br />

halben Weg ertrunken. Ausatmen beim Aufstieg<br />

ist hier die Lösung. Bei der Tauchausbildung<br />

lernt der Tauchschüler solch e<strong>in</strong>en<br />

Notaufstieg aus 10 Meter Tiefe. Dank der<br />

expandierenden Luft kann man so selbst<br />

bei gemächlichem Aufstiegstempo während<br />

der ganzen Zeit ausatmen. Aus 10 Metern<br />

Tiefe ist so e<strong>in</strong> Notaufstieg noch gefahrlos<br />

möglich.<br />

In unserem Beispiel s<strong>in</strong>d wir aber aus 40<br />

Meter Tiefe ausatmend aufgestiegen und<br />

haben die Oberfläche erreicht. Ist jetzt<br />

auch alles gut? Ke<strong>in</strong>eswegs! Der Stickstoff<br />

<strong>in</strong> unserem Körper setzt sich nun frei. Das<br />

Blut perlt wie Sekt, und wenn jetzt nicht augenblicklich<br />

e<strong>in</strong>e Druckkammer vorhanden<br />

ist, ist die Wahrsche<strong>in</strong>lichkeit, dass wir das<br />

Ober- und Unterteil s<strong>in</strong>d jetzt<br />

zusammenmontiert<br />

Steuer und Schalttafele<strong>in</strong>heit zur<br />

rechten Seite des Operators<br />

Blick über die E<strong>in</strong>stiegsschleuse<br />

an die Bedienpulte<br />

E<strong>in</strong>stieg des Tauchers mit Kirby-<br />

Morgan-Vollgesichtsmaske<br />

Gleiches Bild aus der Perspektive<br />

des E<strong>in</strong>stiegs<br />

Zwei der vier Schubthruster, die<br />

seitliche Bewegungen ermöglichen<br />

Arbeitsort z. B. an Pipel<strong>in</strong>es oder Bohrplattformen<br />

gebracht werden, ohne schon während<br />

der „Anreise“ der kräfteraubenden Kälte<br />

und Dunkelheit ausgesetzt zu se<strong>in</strong>.<br />

sich durch das Mundstück unseres Vollgesichtshelms<br />

oder auch <strong>in</strong> der Glocke ganz<br />

normal. Unser Gewebe und Blut wird aber<br />

<strong>in</strong> dieser Tiefe auch mit der entsprechend<br />

größeren Menge an Stickstoff befüllt. Was<br />

würde passieren, wenn wir jetzt e<strong>in</strong>en tiefen<br />

Atemzug nehmen, wie im Freibad die<br />

Luft zum Tauchen anhalten und schnell<br />

nicht oder nur mit schweren Verletzungen<br />

überleben, sehr groß.<br />

Die sehr schmerzhaften Auswirkungen<br />

e<strong>in</strong>er nicht abgeatmeten Stickstoff-/Gassättigung<br />

s<strong>in</strong>d Krämpfe, Lunge, Nerven<br />

und das Gewebe werden (z. T. irreparabel)<br />

geschädigt. In der englischsprachigen Literatur<br />

s<strong>in</strong>d diese typischen Taucherschmer-<br />

68 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Steuerkonsole der Thruster auf<br />

dem Mutterschiff mit Autopilot<br />

und Neigemesser<br />

Gut zu sehen die Halteklaue mit<br />

dem Gegenhaltestück<br />

Rückwärtiger Blick aus der Glocke. Die drei<br />

Metallzyl<strong>in</strong>der s<strong>in</strong>d CO 2 -Scrubber und dienen der<br />

Atemluftaufbereitung<br />

zen als „Bends“ bekant und <strong>in</strong> Frankreich<br />

wurden sie erstmals als Caisson-Krankheit<br />

beschrieben. Caissons s<strong>in</strong>d Senkkästen,<br />

die <strong>in</strong> den 1870er-Jahren <strong>in</strong> Frankreich<br />

zum Fundamentbau im Brückenbau e<strong>in</strong>gesetzt<br />

wurden. Im Gegensatz zu normalen<br />

Taucherglocken waren die Taucher hier<br />

deutlich längere Zeit dem höheren Druck<br />

ausgesetzt, daher konnte sich mehr Gas<br />

im Gewebe ansammeln und die Arbeiter<br />

erkrankten.<br />

Wir haben Glück, unser Taucherschiff hat<br />

e<strong>in</strong>e Druckkammer und wir werden <strong>in</strong> dieser<br />

trockenen Fußes von den Druckverhältnissen<br />

her wieder auf die Tiefe gebracht, aus<br />

der wir (zu schnell) aufgetaucht s<strong>in</strong>d. Ganz<br />

langsam wird nun <strong>in</strong> mehreren Stufen während<br />

der Dekompression der Stickstoff aus<br />

dem Körper abgeatmet, bis e<strong>in</strong> Aufenthalt<br />

unter Umgebungsdruck wieder gefahrlos<br />

möglich ist.<br />

Diese Dekompressionsstufen s<strong>in</strong>d <strong>in</strong> der<br />

Taucherei das A und O, wenn <strong>in</strong> größeren<br />

Tiefen gearbeitet wird. Für Sporttaucher<br />

s<strong>in</strong>d heute Tauchcomputer am Handgelenk<br />

und e<strong>in</strong>e vernünftige Tauchgangsplanung<br />

selbstverständlich, die genau vorgeben,<br />

welche Zeit man <strong>in</strong> der Zieltiefe verbr<strong>in</strong>gen<br />

kann, bis e<strong>in</strong>e Dekompression erforderlich<br />

ist. Bei e<strong>in</strong>em normalen Tauchgang, bei<br />

dem während des Aufstiegs die sog. Dekompressionspausen<br />

gemacht werden, ist<br />

es normal, dass man die kürzeste Zeit auf<br />

der Zieltiefe verbr<strong>in</strong>gt und wesentlich mehr<br />

Zeit <strong>in</strong> den Dekompressionstiefen.<br />

Für e<strong>in</strong>en Berufstaucher ist das nicht vorteilhaft,<br />

weil ihm dadurch nur sehr wenig<br />

Zeit zum eigentlichen Arbeiten bleibt. Dieser<br />

Nachteil kann aber nur auf e<strong>in</strong>e Weise<br />

umgangen werden: Stehen Arbeiten <strong>in</strong> größeren<br />

Tiefen an, wird das Gas-/Luftgemisch<br />

der Tiefe angepasst und der Taucher schon<br />

vor dem Tauchgang <strong>in</strong> e<strong>in</strong>er Druckkammer<br />

auf die Tiefe gebracht, <strong>in</strong> der er später arbeiten<br />

wird. Das bed<strong>in</strong>gt aber auch, dass<br />

er längere Zeit <strong>in</strong> diesem Umfeld leben<br />

muss. Gelöst wurde das Problem mit bewohnbaren<br />

Druckkammern und daran andockbaren<br />

Taucherglocken. So kann der<br />

Zieldruck konstant gehalten werden und<br />

der Taucher nach dem häufig e<strong>in</strong> bis zwei<br />

Wochen dauernden Arbeitse<strong>in</strong>satz <strong>in</strong> dieser<br />

Kammer langsam wieder mit der Dekompression<br />

gewissermaßen trockenen Fußes<br />

„auftauchen“.<br />

Was hier so simpel kl<strong>in</strong>gt, ist <strong>in</strong> der Realität<br />

e<strong>in</strong> äußerst anspruchsvolles Verfahren,<br />

bei dem jeder Fehler Tragödien nach<br />

sich ziehen kann. Die Konstruktion und<br />

der Bau solcher Systeme mit den angeschlossenen<br />

Druckkammern ist daher sehr<br />

anspruchsvoll.<br />

Taucherglocken und Schiffe mit Druckkammern<br />

gab es natürlich schon vor der »Fly<strong>in</strong>g<br />

Bell«, was diese so besonders macht, lesen<br />

Sie im nächsten Abschnitt.<br />

Die Geschichte der »Fly<strong>in</strong>g Bell«<br />

E<strong>in</strong>e Taucherglocke hängt <strong>in</strong> der Regel an<br />

e<strong>in</strong>em W<strong>in</strong>denseil und wird von der Oberfläche<br />

aus über entsprechende Leitungssysteme<br />

mit Luft und Energie versorgt.<br />

Früher g<strong>in</strong>g es mit dem Heckkran über die<br />

Bordwand, bei modernen Schiffen ist <strong>in</strong><br />

der Schiffsmitte e<strong>in</strong> sog. Moonpool <strong>in</strong>stalliert,<br />

der e<strong>in</strong>em nach unten offenen Becken<br />

gleichkommt. Durch diesen Moonpool geht<br />

es mit der Taucherglocke direkt nach unten,<br />

so dass das Schiff <strong>in</strong> der Regel direkt über<br />

der Glocke schwimmt.<br />

Diese Positionierung schränkt allerd<strong>in</strong>gs<br />

die Verwendung der Glocke erheblich e<strong>in</strong>,<br />

denn das Schiff kann bei bewegter See<br />

nicht sonderlich nahe an Konstruktionen<br />

wie e<strong>in</strong>er Bohr<strong>in</strong>sel operieren, da die<br />

Kollisionsgefahr viel zu groß ist. So beschränkte<br />

sich die E<strong>in</strong>satzzeit der Glocken<br />

<strong>in</strong> der Nordsee nur auf die Tage mit ruhiger<br />

See und gutem Wetter.<br />

E<strong>in</strong> U-Boot h<strong>in</strong>gegen kann auch bei ungünstigen<br />

Wetterbed<strong>in</strong>gungen unter der Oberfläche<br />

arbeiten, solange es noch ohne Probleme<br />

wieder an Bord geholt werden kann.<br />

Auch gibt es ke<strong>in</strong>e Limitierung der Annäherung,<br />

da an der Oberfläche ja ke<strong>in</strong> Schiff<br />

direkt über ihm positioniert werden muss.<br />

Limitiert s<strong>in</strong>d allerd<strong>in</strong>gs Luft- und Energievorräte,<br />

die ja <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em U-Boot nur begrenzt<br />

mitgeführt werden können.<br />

Steuerungse<strong>in</strong>heit des<br />

Versorgungskabels<br />

Schalttafel der Ballasttanksteuerung<br />

auf dem Mutterschiff<br />

Videomonitor der Außenkamera<br />

mit Pan/Tilt-Steuerung<br />

E<strong>in</strong>e Schalttafel der<br />

Elektriküberwachung<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 69


Überwachungsmonitor des<br />

Simrad-Track<strong>in</strong>gsystems<br />

Wie wäre es, wenn man beide Systeme mite<strong>in</strong>ander<br />

komb<strong>in</strong>iert?<br />

Die Entwicklung der »Fly<strong>in</strong>g Bell« folgt e<strong>in</strong>er<br />

im Jahr 1981 gestellten Anfrage des schwedischen<br />

Unternehmens Stena, das für Taucherarbeiten<br />

bei der Erdgas- und Erdölgew<strong>in</strong>nung<br />

<strong>in</strong> der Nordsee tätigt ist. Neben der<br />

Bruker Meerestechnik stellte man diese Anfrage<br />

auch an das Unternehmen Kockums,<br />

das heute noch militärische U-Boote baut.<br />

Mit der Entwicklung e<strong>in</strong>er autonom beweglichen<br />

Glocke war es aber nicht getan, denn<br />

das System musste an e<strong>in</strong>e Druckkammer<br />

mit entsprechender Steuerungstechnik angepasst<br />

werden. Bei Kockums entschied<br />

man sich dabei für die französische Firma<br />

Comex, bei Bruker war es die Firma Dräger<br />

aus Lübeck.<br />

Anfang 1985 wurden die Entwürfe präsentiert.<br />

Kockums stellte zu se<strong>in</strong>er Entwicklung<br />

mit der Comex nur e<strong>in</strong> kle<strong>in</strong>es Handmodell<br />

Gute 10 cm stark ist das Verb<strong>in</strong>dungskabel<br />

mit allen Versorgungsleitungen<br />

Steuerung der Klaue mit Monitor<br />

Navigationskontrollkonsole<br />

Stapelhub der »Fly<strong>in</strong>g Bell« am 19.01.1986<br />

im Rhe<strong>in</strong>hafen Wörth<br />

An der W<strong>in</strong>de des Brukermarans ist das<br />

Freibord der Glocke sehr ger<strong>in</strong>g<br />

Schematische Darstellung des<br />

Tauchvorgangs mit Trolley<br />

Das 1:1-Konstruktionsmodell auf dem<br />

Stena-Stand auf der Meeres- und<br />

Industriemesse <strong>in</strong> Göteborg<br />

vor, während die Bruker Meerestechnik, voran<br />

mit Dipl.-Ing Jörg Haas, dem Kunden<br />

e<strong>in</strong> e<strong>in</strong>drucksvolles Modell im Maßstab 1:1<br />

präsentieren konnte. Bruker erhielt den Auftrag,<br />

die »Fly<strong>in</strong>g Bell« zu bauen. Statt für<br />

70 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Div<strong>in</strong>g-Room mit allen Kontrollen auf der<br />

STENA SEAWELL<br />

An dieser Konsole werden die<br />

Atemgase gemischt<br />

STENA SEAWELL, das Mutterschiff<br />

der »Fly<strong>in</strong>g Bell«<br />

Verladen der Glocke mit e<strong>in</strong>em der<br />

beiden großen Bordkräne<br />

Trolley mit Antrieb für den Fanghaken<br />

für den Depressor<br />

das Dräger-Druckkammersystem entschied<br />

sich der Auftraggeber aber kurze Zeit später<br />

dazu, die »Fly<strong>in</strong>g Bell« an das Comex-<br />

System anpassen zu lassen. Mit diesem<br />

neuem Typ der Taucherglocke wollte man<br />

das Zeitfenster der Unterwasseroperationen<br />

von 90 auf 300 Tage h<strong>in</strong>aufsetzen,<br />

was e<strong>in</strong>e deutliche Steigerung der Produktivität<br />

versprach.<br />

Neben der vollen Funktionalität e<strong>in</strong>er „normalen“<br />

Taucherglocke ist die »Fly<strong>in</strong>g Bell«<br />

wie e<strong>in</strong> U-Boot ausgestattet. Vier Tauchtanks<br />

und zwei Trimmtanks ermöglichen<br />

Hier die SDC mit Trolley und Cursor zum<br />

Absenken aus dem Moonpool<br />

e<strong>in</strong>e variable Ballastierung und die sechs<br />

stufenlos regelbaren hydraulischen Thruster<br />

e<strong>in</strong>e volle Manövrierbarkeit. So konnte<br />

sich die »Fly<strong>in</strong>g Bell« auch seitwärts im frei<br />

schwebenden Betrieb e<strong>in</strong>em Objekt nähern<br />

und sich mit Hilfe der großen hydraulischen<br />

Klemme z. B. an e<strong>in</strong>er Bohr<strong>in</strong>selstrebe fest<br />

verankern.<br />

Diese Funktionen konnten vom Operator<br />

oder Taucher aus der Glocke heraus gesteuert<br />

werden, allerd<strong>in</strong>gs war dieser Vorgang<br />

auch über das Positionierungs- und<br />

Kamerasystem von der Kommandozentrale<br />

des Mutterschiffes aus möglich. Für diese<br />

Arbeit waren umfangreiche technische wie<br />

visuelle Hilfsmittel vorhanden.<br />

Für den Tauchbetrieb werden Mischgase<br />

und Sauerstoff über die Kabel vom Mutterschiff<br />

zugeführt. Als Notfallsystem s<strong>in</strong>d zwei<br />

50-l-Druckflaschen Sauerstoff <strong>in</strong> der Konstruktion<br />

vorgesehen.<br />

Wie <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em normalen U-Boot auch, wird<br />

die Atemluft über e<strong>in</strong>en CO2-Scrubber aufbereitet.<br />

Mit an Bord bef<strong>in</strong>det sich ebenfalls<br />

e<strong>in</strong>e Heißwasserheizung für die Taucher.<br />

An Bord konnte die »Fly<strong>in</strong>g Bell« vom Taucher/Operator<br />

autonom bewegt werden.<br />

Dies be<strong>in</strong>haltet die Steuerung der Thru-<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 71


Wichtigstes Werkzeug der Glocke ist die<br />

Klaue (Greifer), mit der sich die Glocke fixieren<br />

kann. Angeordnet ist diese über<br />

dem mittleren Fenster. Angetrieben durch<br />

die Hydraulik, kann die Klaue <strong>in</strong> drei Richtungen<br />

bewegt werden. Dazu gehören Öffnen/Schließen<br />

und Drehen/Neigen um 90°<br />

<strong>in</strong>nerhalb des Schutzrahmens.<br />

Um e<strong>in</strong> unbeabsichtigtes Öffnen nach der<br />

Verankerung zu vermeiden, waren hier<br />

Kontrollventile für den Öldruck vorgesehen.<br />

Um bei den Unterwasseroperationen <strong>in</strong> der<br />

dunklen Nordsee noch Sicht zu behalten,<br />

s<strong>in</strong>d zwei nach vorne und e<strong>in</strong> nach achtern<br />

ausgerichteter Suchsche<strong>in</strong>werfer vorgesehen.<br />

Zur besseren Ortung der Glocke<br />

durch die ausgestiegenen Taucher ist auf<br />

der Oberseite e<strong>in</strong> Stroboskopblitzer e<strong>in</strong>gebaut.<br />

Der Innenraum der »Fly<strong>in</strong>g Bell« wird<br />

durch e<strong>in</strong>e TV-Kamera, der äußere Arbeitsbereich<br />

durch e<strong>in</strong>e von <strong>in</strong>nen schwenkbare<br />

Pan/Tilt-Kamera überwacht. Für Nah- oder<br />

Detailaufnahmen ist <strong>in</strong> der Konstruktion<br />

auch e<strong>in</strong>e Taucher-Handkamera vorgesehen.<br />

Zur Verständigung dient e<strong>in</strong> Unterwassertelefon<br />

mit e<strong>in</strong>em Heliumscrambler. Da unter<br />

Mischgasbed<strong>in</strong>gungen die menschliche<br />

Stimme e<strong>in</strong>em Micky-Maus-Effekt unterliegt,<br />

werden diese Entzerrer e<strong>in</strong>gebaut.<br />

Um die Verfolgung der Glocke von der<br />

Oberfläche aus zu ermöglichen, ist e<strong>in</strong> Track<strong>in</strong>g-System<br />

vorgesehen, das mit Hilfe von<br />

Transpondern e<strong>in</strong>e genaue Ortung zulässt.<br />

Nach der Fertigstellung erfolgten mit Unterstützung<br />

des schon bekannten Brukermarans<br />

die ersten Flachwassertests im Sommer<br />

1985 im Karlsruher Re<strong>in</strong>hafen und die<br />

Abnahme durch De Norske Veritas.<br />

Im folgenden Jahr wurde das System auf<br />

dem Schiff STENA SEAWELL <strong>in</strong>stalliert.<br />

Die STENA SEAWELL fungierte als<br />

Mutterschiff der »Fly<strong>in</strong>g Bell«<br />

Hier fährt die Glocke runter<br />

zum Moonpool<br />

480 Meter plus Reserve des Verb<strong>in</strong>dungs -<br />

kabels s<strong>in</strong>d auf dieser Trommel<br />

ster, des Ballastsystems, der hydraulischen<br />

Ausrüstung und Suchsche<strong>in</strong>werfer, des<br />

Kommunikationssystems, der CO 2 - und O 2 -<br />

Überwachung, sowie der Überwachung des<br />

Kreiselkompasses, der Wasserstandanzeige<br />

der Ballasttanks und der Drehzahlmesser<br />

der Antriebe.<br />

Zur weiteren Systemüberwachung s<strong>in</strong>d <strong>in</strong><br />

der Glocke vorhanden:<br />

– je zwei Druckanzeigen für Druckluft, Sauerstoff<br />

und Mischgas<br />

– e<strong>in</strong>e Anzeige für den Innendruck<br />

– Tiefenmesser<br />

– Thermometer für Atmosphäre und Heißwassersystem<br />

– Hygrometer<br />

– Positionsplotter für Schiffsposition, Arbeitsbereich,<br />

Transponder, H<strong>in</strong>dernisse,<br />

Glocke und Weiteres.<br />

All diese Anzeigen bef<strong>in</strong>den sich ebenfalls<br />

an Bord des Mutterschiffes.<br />

Gesamtaufnahme des Decks, auf dem die Glocke bewegt wird<br />

72 <strong>SchiffsModell</strong> 11/2013


Die Fotos aus dem Inneren des 111 Meter<br />

langen Taucherschiffes zeigen e<strong>in</strong>drucksvoll,<br />

welcher Aufwand für den Betrieb e<strong>in</strong>er<br />

modernen Taucherglocke notwendig ist.<br />

Die STENA SEAWELL war den Recherchen<br />

nach bis 1997 für die Stena <strong>in</strong> Dienst.<br />

Danach erfolgte der Verkauf an zwei weitere<br />

Betreiber. Heute ist das Schiff unter dem<br />

Namen SEAWELL mit dem Heimathafen<br />

Aberdeen immer noch als Taucherschiff <strong>in</strong><br />

Dienst.<br />

Me<strong>in</strong>en Informationen zu Folge war die<br />

»Fly<strong>in</strong>g Bell« bis Anfang der 2000er-Jahre<br />

aktiv im E<strong>in</strong>satz und ist heute <strong>in</strong> e<strong>in</strong>em Lagerhaus<br />

<strong>in</strong> Aberdeen e<strong>in</strong>gelagert.<br />

Wie so oft ist es sehr bedauerlich, dass auf<br />

diese Weise technische Meisterleistungen<br />

<strong>in</strong> Vergessenheit geraten und nicht <strong>in</strong> Form<br />

e<strong>in</strong>er Museums- oder Firmenausstellung für<br />

die <strong>in</strong>teressierte Nachwelt zur Verfügung<br />

stehen.<br />

Unsere Zeitreise <strong>in</strong> die Geschichte der Bruker<br />

Meerestechnik f<strong>in</strong>det hiermit ihren Abschluss.<br />

Ich möchte mich sehr herzlich für<br />

die vielen positiven Reaktionen aus den<br />

unterschiedlichen Reihen der Leser und<br />

Interessenten bedanken. Für die Hersteller<br />

und die Tauch<strong>in</strong>dustrie sollte diese Reihe<br />

als Motivation dienen, der Nachwelt etwas<br />

Zugängliches zu erhalten. Der an U-Booten<br />

<strong>in</strong>teressierte Modellbauer hat sicher etliche<br />

Vorlagen oder e<strong>in</strong>e Inspiration für das<br />

nächs te fasz<strong>in</strong>ierende Modell erhalten.<br />

Me<strong>in</strong> größter Dank geht an Dipl.-Ing. Jörg<br />

Haas und alle Mitarbeiter der Bruker Meerestechnik<br />

GmbH, die mit diesen Booten e<strong>in</strong><br />

Stück Tauchgeschichte geschrieben haben.<br />

Quellen: Alle Fotos Archive Dipl.-Ing. J.<br />

Haas, C. He<strong>in</strong>tze.<br />

Das Bruker-Logo ist e<strong>in</strong> e<strong>in</strong>getragenes<br />

Warenzeichen der Bruker AGs<br />

Stefan Post<br />

U-Boot-Modellbau<br />

Konstruktion • Bau • Betrieb<br />

Max. Operationstiefe<br />

Länge Versorgungskabel<br />

Gewicht<br />

Crew<br />

Durchmesser<br />

Höhe über Schutzrahmen<br />

Durchmesser Druckkörper<br />

Technische Daten<br />

450 m<br />

480 m<br />

13.000 kg<br />

3 Taucher/Operator<br />

3.200 mm<br />

ca. 3.600 mm<br />

1.900 mm<br />

Hydraulik/Antriebssystem<br />

Max. Hydraulikleistung<br />

2 x 35 kW<br />

Max. Hydraulikdruck<br />

200 bar<br />

Max. Durchflussrate<br />

2 x 90 l/m<strong>in</strong><br />

4 x Horizontal Thruster<br />

2 x Vertikal Thruster<br />

Leistung je 10 kW, je 2500 N, Drehzahlbereich 0–500 m<strong>in</strong> -1<br />

Max. Geschw<strong>in</strong>digkeit<br />

ca. 3 kn<br />

Elektrisches System<br />

Hauptstromversorgung<br />

Aux<br />

Ausgangsleistung E-System<br />

Notstromversorgung<br />

Im Kontrollraum während<br />

der Abnahmetests<br />

Drei Phasen 1000 Volt AC<br />

120 V/24 Volt DC<br />

2 x 35 kW<br />

Blei-Gel-Akku, 24 V/200 Ah<br />

Dieses Fachbuch ist seit<br />

vielen Jahren e<strong>in</strong>es der<br />

Standardwerke zum U-<br />

Boot-Modellbau schlechth<strong>in</strong>:<br />

Der Inhalt befasst sich ausführlich<br />

mit allen konstruktionsbed<strong>in</strong>gten<br />

H<strong>in</strong>tergründen<br />

des U-Boot-Modellbaus. Der<br />

Schwerpunkt dieser Veröffentlichung<br />

liegt auf der<br />

theoretischen Grundlagenvermittlung<br />

sowie konkret<br />

nachvollziehbaren Bautipps.<br />

Hierbei werden zum e<strong>in</strong>en<br />

die physikalischen Vorgänge<br />

beim Betrieb e<strong>in</strong>es U-<br />

Bootes ausführlich dargelegt<br />

und zum anderen die<br />

für den Bau von Modellen<br />

relevanten H<strong>in</strong>weise zu<br />

Tauchsystemen, Abdichtung,<br />

Trimmung, Elektrik,<br />

Sicherheitsvorkehrungen<br />

usw. umfassend erläutert.<br />

Mit Hilfe dieses Fachbuches<br />

sollte es jedem präzise<br />

arbeitenden Modellbauer<br />

möglich se<strong>in</strong>, e<strong>in</strong> funktionales<br />

U-Boot-Modell zu bauen,<br />

auch wenn es se<strong>in</strong> erstes<br />

diesbezügliches Projekt se<strong>in</strong><br />

sollte. Aber auch derjenige,<br />

der sich schon mit dieser<br />

Thematik befasst hat, wird<br />

noch etliche <strong>in</strong>teressante<br />

Tipps und H<strong>in</strong>weise zur Beschäftigung<br />

mit diesem<br />

fasz<strong>in</strong>ierenden Hobby f<strong>in</strong>den.<br />

ISBN 978-3-7883-2150-5<br />

Umfang 232 Seiten<br />

Best-Nr. 150<br />

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Sonderpreis e 9,99 [D]<br />

Neckar-Verlag GmbH<br />

78045 VS-Vill<strong>in</strong>gen<br />

Tel. +49 (0)77 21 / 89 87-38<br />

www.neckar-verlag.de<br />

<strong>SchiffsModell</strong> 11/2013 73


Demnächst <strong>in</strong> der<br />

irchenboot JOHANN HINRICH WICHERN<br />

Das zweite offizielle 152VO-Treffen<br />

... und noch vieles andere mehr!<br />

Aus aktuellem Anlass kann es<br />

zur Verschiebung angekündigter<br />

Beiträge kommen.<br />

INSERENTENVERZEICHNIS<br />

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Redaktion: Hans-Jörg Welz,<br />

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<strong>SchiffsModell</strong> ersche<strong>in</strong>t jeweils <strong>in</strong> der letzten<br />

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36.Jahrgang<br />

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zu beachten.<br />

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