26.02.2014 Aufrufe

Bergsteiger 12 Touren zum Träumen (Vorschau)

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01

Münchner Hausberge: Faszination Winterwandern

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01 / Januar Juli 2014 2013

| Bergwandern | Klettersteige | Alpinismus

Die Redaktion verrät ihre Vorsätze für 2014

12 Touren

KILIMANDSCHARO

Entdeckung der Langsamkeit:

Trekking auf

Afrikas höchsten Berg

zum Träumen

PLUS 12 Tourenkarten zum Mitnehmen: Bayerische Voralpen • Walliser Alpen • Grajische Alpen

++ Sextener Dolomiten + Biancograt + Hohe Munde +

Mont Blanc + Alpamayo ++

v

IM TEST

Alles über

Schneeschuhe

Lechtaler Alpen

Die Sechs-Tage-Skitour

Peter Schlickenrieder

Ski-Abenteuer

Kaukasus:

Wildnis, Wodka,

Wunderland

AUF TOUR

Berg&Bad

Wie Sie Wintertouren

mit Thermen verbinden

SERVICE

Berg&Schaf

Rückkehr der Wolle: Was Sie

über Merino wissen müssen

INTERVIEW

Berg&Scham

Warum Christian Stangl seine

K2-Gipfellüge schwer bereut


Schnee, Wind

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Willkommen in der Welt von quattro ® . Der

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EDITORIAL

Der neue

Hauser

ist da:

über 40 Jahre

Reiselust und Erfahrung

Alte Vorsätze

und neue

Vorbilder

für 2014

Das Tröstliche am Menschsein ist die Einsicht,

unvollkommen zu sein. Gut, es mag einige Zeitgenossen

geben, die dem widersprechen würden

oder sich, horribile dictu, für ein vollkommenes

Geschöpf halten. Wie langweilig wäre das Dasein,

hätten wir keine Ziele. Wie öde die Aussicht, alles immer richtig zu machen. Wie

enervierend der Gedanke, sich morgens im Spiegel immer glücklich anzugrinsen.

Nein, liebe Leserinnen und Leser, unser Team ist nicht vollkommen. Und es steht

dazu. Was macht der unvollkommene Bergsteiger zur Jahreswende? Er nimmt sich

Wunschtouren vor, deren Erfüllung bislang an den Widrigkeiten des Wetters oder

seiner eigenen Unzulänglichkeit gescheitert ist. Zwölf BERGSTEIGER-Autoren haben

Farbe bekannt und schildern in der Titelgeschichte ihr Scheitern (S. 22 – 29).

Gute Vorsätze für zwölf Monate. Grandiose Touren für Sie zur Inspiration.

2014

Mit den Vorsätzen ist das ja so eine Sache. Demoskopen haben herausgefunden, dass

die meisten nicht von Erfolg gekrönt sind. Man kann aber etwas dagegen tun. Fassen

Sie ein konkretes Ziel und nehmen Sie sich dafür Zeit. Am besten wählen Sie eines

der Ziele, die wir bislang verfehlt haben. Das steigert den Ehrgeiz! Lassen Sie aber Ihre

Wünsche nicht abheben. Sonst ergeht es Ihnen am Ende wie Christian Stangl, der

sich den Gipfel des K2 erlog und ihn erst Jahre später erklomm (Interview S. 48 – 52).

Es ist eigentlich kein schlechter Weg, sich an Vorbildern zu orientieren.

Als Bergsteiger schauen wir gewöhnlich auf die Top-

Alpinisten und wundern uns, wie die es hinkriegen, Wände in

Windeseile zu durchsteigen, für die wir selbst mit Leitern Tage

bräuchten. Was treibt die an? Wir haben versucht, Antworten

zu finden (S. 78 – 81). Wer keinen Bock auf Starkult hat und die

menschlichen Extrembergsteiger für reine Egomanen hält, der sollte sich mal bei den

tierischen Kletterern umsehen. Der Steinbock gehört zu der Spezies, die unsere Bewunderung

verdient. Lesen Sie eine Hommage an das Tier, das selbst nach Abstürzen

noch munter weiterläuft und das sich auch bei Minusgraden paart (S. 100 – 102).

Verwirklichen Sie mit

uns Ihre Traumtour und

Bergvorsätze 2014:

Mehr als 600 Touren

in über 90 Ländern.

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Kommen Sie gesund ins neue Jahr! Und nehmen Sie sich nicht zu viel vor …

Michael Ruhland, Chefredakteur

WandernTrekkingBergtourenweltweit

hauser-exkursionen.de


INHALT

22

Gute Vorsätze

Zwölf BERGSTEIGER-Autoren erzählen von

ihren nie begangenen Traumtouren – und

warum sie 2014 auf jeden Fall klappen werden.

106

Auf Afrikas Höchsten

Der Weg auf den vierthöchsten der Seven

Summits führt durch alle Klimazonen

der Erde. Autorin Sandra Zistl war ganz oben.

TITELTHEMA

22 Die Unvollendeten

Monat für Monat eine Tour zum Träumen:

Zwölf Autoren erzählen, welche Touren sie

bisher nur im Kopf geschafft haben.

AKTUELL

14 Neues aus der Welt der Berge

14 DREIERPACK Barbara Zangerl vollendet

als erste Frau die »Alpentrilogie«

18 KATALOGWARE Der DAV Summit Club

nimmt den Mount Everest ins Programm

20 MEDIEN Aktuelle Bücher, Apps und

Webseiten zum Thema Berg

REPORTAGE

36 Auf Schnupper-Kurs

Lawinenhunde funktionieren mindestens so

gut wie moderne Piepser. Unser Autor Janek

Schmidt hat die Fährte aufgenommen.

104 Wildnis, Wodka, Wunderland

Vor den Winterspielen in Sotschi durchquerte

Peter Schlickenrieder den Kaukasus auf Ski.

Im Gespräch schildert er seine Eindrücke.


TOURENKARTEN ZUM MITNEHMEN

12 Touren für das neue Bergjahr

Lechtaler Alpen Skidurchquerung ................... 55

Jochberg ............................................................................................ 55

Staffelsee .......................................................................................... 55

Sonntagshorn ............................................................................. 57

Hochkönig ..................................................................................... 57

Große Reib‘n Berchtesgaden, Tag 1 .................. 57

Große Reib‘n Berchtesgaden, Tag 2 .................59

Dufourspitze, »Marinellicouloir« ........................59

Uia di Mondrone .....................................................................59

Aletschhorn, »Südwestrippe« ...................................61

Hohe Munde .................................................................................61

Von der Wurzer- zur Bärenalm. ..............................61

30

Lang, steil, verlassen

Wer die Lechtaler Alpen auf Skiern durchquert,

wird für die großen Mühen belohnt.

90

Großer Auftritt

Auf Yetis Spuren: Die

neuesten Schneeschuhmodelle

im großen

BERGSTEIGER-Test

78

Egotrip

Was Extrembergsteiger

zu ihren Taten motiviert

64

Berg-Bäder

Zuerst auf Tour,

dann in die Therme

Cover: Robert Bösch, am Gipfelgrat des Piz Roseg, Bernina-Gruppe; weitere Fotos: Silvia Vidal, S. Zistl, M. Birck, D. Elsner, picture alliance, Heinz Zak, MSR

106 Die Entdeckung der Langsamkeit

Auf den Kilimandscharo gelangt man

am besten nach Landesart: Gemächlich,

ausgeglichen, im Zweifelsfall singend.

AUF TOUR

30 Extrem einsam

Auf der winterlichen Durchquerung der

Lechtaler Alpen sammelt man mächtig Höhenmeter

– und Erfahrungen fürs Leben.

44 Bindungslos

Im Alpenvorland liegen traum hafte Touren

für Winterwanderer – ganz ohne Ski.

64 Voll Dampf

Nach der Tour ins warme Becken: In Bayern

lassen sich Bad und Berge verbinden.

70 Serie: Geheimnisvolle Alpen

Auf zu den »Durchkriechsteinen«: keltische

Kraftorte in Schleching und am Wolfgangsee

Familien-TIPP

74 Auf den Spuren der Profis

Beim Skitouren-Festival in Berchtesgaden

lernen Einsteiger die Basics, während

Ambitionierte erste Rennluft schnuppern.

SERVICE

84 Serie: Stille Helfer

Im Auftrieb: Die lange belächelten Lawinen-

Airbags haben sich am Markt durchgesetzt.

88 Die Zauberwolle

Zurück zur Natur: Die Merinofaser ist der

große Trend bei der Bergbekleidung.

90 Großspurig

Raus aus dem Schatten der Tourenski:

Welche Schneeschuh-Modelle es gibt und

was man beim Kauf beachten muss.

ALPINISMUS

78 Egotrip

Warum machen die sowas? Unsere Autorin

Heidi Schmidt forschte beim IMS in Brixen

nach den Motiven der Extrembergsteiger.

PORTRÄT

100 Der Gehörnte

Er wurde gejagt wie kein anderer: ein

Porträt über den besten (und begehrtesten)

Bergsteiger der Welt – den Steinbock

48 Das große

BERGSTEIGER-

Interview

Die »Gipfellüge« hat

seinen Ruf ruiniert.

Im Interview spricht

Christian

Stangl über

Glaubwürdigkeit,

Existenzängste

und

seinen Weg

aus der Krise.

RUBRIKEN

Editorial 5

Bildstrecke 8

TV-Programm 21

Bergpredigt 53

Event IMS 82

Härtetest 97

Briefe/Impressum 113

Vorschau 114

01⁄14 Bergsteiger 7


BERG-BILDER

Im Wandel

Die Panoramen-Fotografie zaubert Effekte in

die Zweidimensionalität, die das menschliche Auge

auf einen Blick überhaupt nicht zu erfassen vermag.

Beim Betrachten entsteht der Eindruck,

als würde aus dem Statischen etwas Fließendes.

Drei Zinnen (oben) und Aletschgletscher (unten)

Fotos: Roland Hoffmann (oben), Sebastian Becher (unten)

8 Bergsteiger 01⁄14


Von einem Berggipfel aus erscheint die Linie

zwischen Himmel und Erde in der Wirklichkeit

schon fast unendlich. Auf einem Panoramabild

aber bekommt der Horizont noch eine ganz

andere Dimension – eine schier überirdische.

Breitenberg, Allgäuer Alpen (oben); Gailtaler Alpen (unten)

Hinterm Horizont

10 Bergsteiger 01⁄14


Fotos: Thomas Worbs (oben), Anton Theurezbacher (unten)


Von Zeit zu Zeit

Spannung wird in einem Foto erzeugt, wenn

es optische Brüche und Punkte aufweist, an

denen das Auge hängenbleiben kann. Steile oder

felsige Gipfel und Flanken sind echte Hingucker,

noch dazu, wenn sich viele aneinander reihen.

Kastenkopf, Allgäuer Alpen (oben) und Glocknergruppe (unten)

12 Bergsteiger 01⁄14


Fotos: Immanuel Rapp (oben), Roland Hoffmann (unten)

Rundumsicht

Die besten Panoramen aus der virtuellen

Kollektion von www.mountainpanoramas.com

gibt es jetzt als großformatigen

Kalender für das Jahr 2014.

Mit ein paar Klicks an Tastatur und Maus steht

man auf einem Gipfel nach Wahl, kann sich

frei in der virtuellen Bergwelt bewegen,

schaut in die gewählte Himmelsrichtung

und lässt das Panorama an sich vorüber ziehen:

mal weiter, mal näher, je nach Zoom-

Funktion. Wer will, kann durch Einblenden

der Beschriftungen auch noch die Gipfel mit

Namen bestimmen. Über 700 Panoramen

aus den Alpen, den Karpaten, dem Himalaya,

aus Afrika sowie Nord- und Südamerika

lassen sich so auf der Plattform »Mountainpanoramas«

abrufen. Wer’s aber lieber traditionell

mag, kauft sich den Kalender (»Gipfelpanoramen

2014«, Bruckmann Verlag, 34,99

Euro) im Format 60 x 30 cm und hängt ihn

über dem Computer an die Wand. –pgk–


Bergsteiger

01/14 AKTUELL

Mit »Des Kaisers neue

Kleider« vollendete Barbara

Zangerl die »Alpen-Trilogie«

Fotos: Vanessa Duldner, Klaus dell Orto/Adidas (oben)

Zitat des Monats

»Ich habe aufgehört

zu grübeln, warum

ich in die Berge gehe.

Es geht nur noch um

das Wie. Die schönsten

Touren sind

die mit den meisten

Fragezeichen.«

Hans-Peter Eisendle, Jahrgang 1956,

Bergführer seit 33 Jahren.

Alpintag in München

HÖREN, STAUNEN, TESTEN: MUNICH

MOUNTAINS MIT BESUCHERREKORD

Normalerweise sitzt Charly Gabl im

Büro vor seinem Rechner, das Telefon am

Ohr. An der anderen Leitung sind oft die

besten Alpinisten der Welt. Sie wagen den

Gipfelsturm erst, wenn Charly sein »Go«

gibt. Beim Alpintag 2013 in der BMW Welt

konnten die Besucher Gabl live erleben.

Er gab einen Einblick in die Wetterkunde.

Am BERGSTEIGER-Stand signierte Gabl

sein druckfrisches Buch »Bergwetter« (im

Bild mit Chefredakteur Michael Ruhland).

Der Alpintag, organisiert von den DAV-

Sektionen München

und Oberland, Summit

Club und Bruckmann

Verlag, fand zum vierten

Mal statt und stellte

mit 17 000 Besuchern

einen Rekord auf. Tipps

von Experten, Reiseberichte,

Workshops

– wer sich inspiriert

fühlte, konnte einige

Sportarten gleich selbst

ausprobieren. –mr–

Kaiserin am Fels

BARBARA ZANGERL KLETTERT ALS ERSTE FRAU DIE »ALPEN-TRILOGIE«

»Silbergeier« an der vierten Kirchlispitze im Rätikon, »End of Silence«

am Feuerhorn in den Berchtesgadener Alpen und »Des Kaisers neue Kleider« am

Fleischbankpfeiler im Wilden Kaiser: Jene drei alpinen Routen im oberen zehnten

Schwierigkeitsgrad, 1994 von namhaften Kletterern wie Beat Kammerlander,

Thomas Huber und Stefan Glowacz erstbegangen, hat nun erstmals auch eine Frau

durchstiegen. Die Tirolerin Barbara Zangerl vollendete die Routen, die unter dem

Namen »Alpen-Trilogie« zusammengefasst sind, mit »Des Kaisers neue Kleider«.

Schon 2011 hatte Zangerl gemeinsam mit Nina Caprez versucht, die Route

»Silbergeier« (6 SL, 8b+) zu durchsteigen. Die Österreicherin musste jedoch verletzungsbedingt

aufgeben und die erste Frauen-Begehung ihrer Kollegin Caprez

überlassen. »Ich war zu diesem Zeitpunkt so motiviert und extrem inspiriert

von Ninas Begehung, dass ich schon im Folgejahr nach einer ähnlichen Herausforderung

suchte«, sagt Zangerl. Sie fand sie mit »End of Silence« (11 SL, 8b+),

die sie im August vergangenen Jahres kletterte. Erst nachdem die 25-Jährige Ende

Juli 2013 auch die Route »Silbergeier« geschafft hatte, setzte sie sich die »Alpen-

Trilogie« zum Ziel – und verwirklichte sie schließlich Ende September, als sie

gemeinsam mit Jacopo Larcher »Des Kaisers neue Kleider« (9 SL, 8b+) durchstieg.

Derjenige, der die »Alpen-Trilogie« als erster vollendete, war übrigens Stefan

Glowacz im Jahr 2001, gefolgt von Harry Berger vier Jahre später. –dst–

Gegen Olympia und für neue Struktur

JAHRESHAUPTVERSAMMLUNG DES DEUTSCHEN ALPENVEREINS

Als einziges Mitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes stimmte

der DAV auf seiner Jahreshauptversammlung im November gegen eine Olympiabewerbung.

Die Stimmung war im Vorfeld allerdings deutlich gespaltener, als

die 70 Prozent Gegenstimmen nahelegen. Den Pro-Antrag des Präsidiums konterte

die Sektion Oberland mit einem Gegenantrag, der scheidende Bundesjugendleiter

Michael Knoll bekam für seinen Appell gegen Olympia großen Applaus. Nicht

weniger wichtig war die Abstimmung zur Strukturreform des Vereins, der seit

Juli 2013 mehr als eine Million Mitglieder zählt. Das Präsidium wird vergrößert,

der Verbandsrat (als Vertreter der Sektionen) verkleinert und auf beratende Funktion

beschränkt. Nicht alle Sektionen begrüßten die Machtverschiebung von

der Basis hin zur Geschäftsstelle. Auf Antrag der Sektion Bayerland wurde die

Kommission »Klettern und Naturschutz« in der neuen Struktur verankert. –te–

14 Bergsteiger 01⁄14


Fünf Fragen an …

Bürgermeister Peter Janssen

hat das Internationale

Bergfilm-Festival Tegernsee

im Jahr 2002 mit ins Leben

gerufen und leitet seither das

Organisationsteam.

Foto: privat

Tegernsees Filmfest-Chef

Herr Janssen, nach elf Jahren an der Spitze des Bergfilm-

Festivals geben Sie im Frühjahr diese Aufgabe mit Ihrem

Bürgermeisteramt ab. Kommt Wehmut auf?

Nein. Das Festival ist so gut verwurzelt im Ort und auch in der

Bergsteiger- und Filmerszene, dass ich sicher bin, dass es dauerhaft

Bestand hat und weiterwachsen wird.

Sie haben das Filmfestival 2002 mit ins Leben gerufen.

Wie war die Ausgangslage?

Die Initiative ging vom Bergfi lm-Pionier Otto Guggenbichler aus, der

in Tegernsee lebte. Er hat mich mit diesem Virus infi ziert. Das war

etwas, das es in Deutschland noch nie gegeben hat. Ich habe darin

die Chance gesehen, einen modernen Veranstaltungstyp in das zwar

reichhaltige, aber doch sehr traditionelle Kulturleben in Tegernsee

zu holen. Die Festivals in Trient oder Graz hatten den Rückhalt großer

Städte. Für einen Ort mit 4000 Einwohnern war es natürlich ein

Wagnis, sich auf internationales Parkett zu begeben. Aber wir hatten

gleich zu Beginn eine breite Basis von Unterstützern – den DAV-

Hauptverband, den Bayerischen Rundfunk, die Tourismusgesellschaft

sowie die Ehrenamtlichen von DAV-Sektion und Videoclub.

Wie hat sich die Veranstaltung im Laufe der Jahre entwickelt?

Es war, wie wenn man einen Stein ins Wasser wirft und sich die

Ringe ausbreiten. Anfangs wurden etwa 80 Filme eingereicht, jetzt

sind es doppelt so viele. Wir fi ngen mit 2000 Zuschauern und

drei Sälen an, jetzt sind wir bei 6000 Zuschauern und sechs Sälen.

Was ist das Besondere an Ihrem Festival?

Der Reiz liegt gerade darin, dass Tegernsee eine kleine Stadt ist.

Alles ist fußläufi g zu erreichen. Besucher und Filmer kommen

ständig miteinander in Kontakt. Die Leidenschaft für Berge ist in der

Region sehr verbreitet, der Bergfi lm nichts Aufgesetztes. Tegernsee

liegt in den Bergen und das Festival fi ndet im Oktober statt, also zu

einer guten Wanderzeit. Auch viele auswärtige Besucher haben

es inzwischen in ihr jährliches Urlaubsprogramm aufgenommen.

Welchen Tipp haben Sie für Ihren Nachfolger?

Ich kann ihm nur sehr ans Herz legen, dieses Festival hoch zu halten.

Es gehört zu den Diamanten unseres Kulturlebens. Ich werde gerne

auch weiterhin mithelfen. Konkrete Pläne dazu gibt es aber noch nicht.

Interview: Diana Gäntzle


Bergsteiger

12/11 01/14 AKTUELL

Berg-Splitter

Foto: Mick Fowler

IMS gewinnt Südtirol Award

Das Bergfestival International Mountain

Summit (IMS) in Brixen hat den Südtirol Award

in der Kategorie Marketing erhalten. Damit

werde »eine Idee und deren professionelle

Umsetzung ausgezeichnet, die dabei helfe, das

Land Südtirol als Bergland weltweit zu vermarkten«,

hieß es zur Begründung. Ende Oktober

trafen sich Bergbegeisterte aus aller Welt wieder

in Brixen zu Diskussionen, Vorträgen, Filmvorführungen

und natürlich zum Wandern. –dg–

Neue Touren von Top Mountain Tours

Beim »Tag des Berges« am 27. Oktober

präsentierte der Bergreisen-Veranstalter Top

Mountain Tours neben Diavorträgen von

Transalp-Erfi nder Andi Heckmair, von Gerlinde

Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits auch seinen

Katalog für 2014: mehr als 100 Bergreisen

in den Alpen und weltweit, darunter auch der

Kora-Trek am Kailash in dem für Buddhisten

besonderen »Jahr des Pferdes«. –dst–

Makroregionale Alpenstrategie

Alpenstaaten und Regionen haben am

18. Oktober eine politische Resolution für eine

makroregionale Alpenstrategie unterzeichnet.

NGO waren dazu nicht eingeladen. Bei der

Entwicklung der eigentlichen Strategie will die

EU dann aber auch die Zivilgesellschaft

miteinbeziehen. Am 19. Dezember entscheidet

der Europäische Rat, ob es eine makroregionale

Alpenstrategie geben soll. –dst–

Erstbegehung in Indien

Der zweifache Piolet d‘Or-Gewinner Mick

Fowler und Paul Ramsden haben den Kishtwar

Kailash (6451 m) erstbestiegen. 20 Jahre lang

war das Tal gesperrt gewesen. Ende September

beschloss Indiens Tourismusministerium zudem,

für die nächsten 777 Tage die Gipfelgebühren

im indischen Himalaya zu halbieren. –te–

Viertes Biwak am Kishtwar Kailash

Foto: Florian Kinast

Foto: Alpinmesse Innsbruck

Drei und drei

JUBILÄUMSFEIERLICHKEITEN AN DEN DREI ZINNEN

Die drei Winter-

Erstbegeher der

Großen Zinne

Drei Zinnen, drei Jubiläen, drei Gesichter – das Hochpustertal feierte im Herbst

Bergsteiger-Pioniere, die am berühmtesten Felsmassiv der Dolomiten Geschichte

schrieben: Hans Dülfer durchstieg vor 100 Jahren als Erster die Westwand der Großen

Zinne, Emilio Comici glückte vor 80 Jahren die Route über die Nordwand und

die drei Sachsen Reiner Kauschke, Peter Siegert und Gerd Uhner hingen im Januar

1963 bei Eis und Schnee 17 Tage in der Nordwand, bis ihnen bei Temperaturen von

bis zu minus 30 Grad die heute noch legendäre Winter-Erstbegehung der Großen

Zinne gelang. Eine Sternstunde des Alpinismus. Zum Festwochenende kamen die

drei Bergsteiger noch einmal am Fuß der Zinnen zusammen und wurden für ihre

waghalsige Expedition geehrt. Auf die Frage nach den Motiven und Beweggründen

dieses tollkühnen Abenteuers meinte Gerd Uhner nur: »Ein Privileg der Jugend ist

es, verrückt zu sein. Wir waren jung – und verrückt.« –f k–

Berg-Fundstück

WENN ALTE STRICKE REISSEN

Die Liebe zum alten Kletterseil

ist zu groß, um es wegzuwerfen?

Unter dem Label »Felsliebe« macht Desig nerin

Julia Wibbing daraus Geldbeutel und Taschen aller Art.

Felsliebe, Julia Wibbing, Tel. 01 57/74 46 14 29, www.felsliebe.de, Geldbeutel ab 29,90 €

Innsbrucker Highlights mit Hill und Ondra

VORTRÄGE, BOULDERWETTKAMPF, WORKSHOPS UND ALPINFORUM

Mit 10 000 Besuchern war die Alpinmesse für die Veranstalter ein voller Erfolg.

Mehr als 120 Aussteller zeigten neue Trends auf dem Ausrüstungssektor, Reiseveranstalter

präsentierten ihre Programme. Highlights der Messe waren Multivisionsvorträge

von Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits sowie von der Kletterlegende

Lynn Hill und vom jungen Kletterstar

Adam Ondra. Letzterer, dem das Publikum

mit minutenlangem Beifall für seinen Vortrag

dankte, nahm dann (außer Konkurrenz)

an den Österreichischen Staatsmeisterschaften

im Bouldern teil und verwies den

fünffachen Weltcup-Sieger Kilian Fischhuber

und den Weltcup-Gewinner von 2011, Jakob

Schubert, auf die Plätze zwei und drei. –pgk–

16 Bergsteiger 01⁄14


Foto: David Göttler/The North Face

Mit David Göttler auf Expedition

GEWINNEN SIE EIN WINTERCAMP MIT DEM EXTREMBERGSTEIGER

Im Licht der Stirnlampen steigt der Dampf des heißen Tees an die Zeltdecke.

Draußen funkeln Milliarden von Sternen am Himmel – kein künstliches

Licht trübt ihren Glanz. Inmitten von Felsen und Gletschern bleibt

das stille Schauspiel ohne Publikum. Fast. David Göttler hat diese Szene

schon oft miterlebt. Der Extrembergsteiger aus München stand bereits auf

den Gipfeln von Gasherbrum II, Broad Peak, Dhaulagiri, Lhotse und Makalu.

Von diesen und anderen

Extrem-Erfahrungen wird

der Athlet künftig in einer

regelmäßigen Kolumne

im BERGSTEIGER berichten.

Als Leser haben Sie außerdem

die Chance, David Göttler

auf einer Expedition zu

begleiten. Am Wochenende

von 21. bis 23. März geht

es dazu voraussichtlich in

die Region rund um den

Göttler mit Gerlinde Kaltenbrunner am Nuptse Mont Blanc. Sämtliche Hard -

ware wird für die Dauer

der Expedition zur Verfügung gestellt. Der Bergsport-Ausrüster The North Face

stattet das zweiköpfige Gewinner-Team mit Zelt, Schlafsäcken und Bekleidung

aus; letztere dürfen die Gewinner behalten.

–dst–

Mitmachen

und

gewinnen!

Bewerben Sie sich bis 28. Februar als Zweier-Seilschaft mit den bisherigen

Höhepunkten aus Ihrem Tourenbuch und einer originellen Begründung, warum

gerade Sie der ideale Expeditionspartner für David Göttler sind: redaktion@

bergsteiger.de oder an Redaktion Bergsteiger, Infanteriestr. 11a, 80797 München.

Foto: Tita Lang/Ramsau am Dachstein

Spielerischer Loipenspaß

ERSTER KINDERLANGLAUFPARK

IN ÖSTERREICH

Kinder können mit Bewegungsspielen

fürs Langlaufen motiviert werden. Die Sportund

Freizeitregion Ramsau am Dachstein

hat im WM-Langlaufstadion deshalb einen

speziellen Kinderlanglaufparcours eingerichtet.

Er wurde von Maria Theurl-Walcher,

Trainerin in der Nachwuchsschmiede Ski-

Akademie Schladming, mitgestaltet. Ein großer

Schneehügel mit Toren, Schanzen und

Hindernissen sorgt für Spaß bei Aufstieg und

Abfahrt; im weiten Feld neben den Parallelspuren

können Ball-, Staffel- und Laufspiele

ausgetragen werden. Der Langlaufparcours

kann kostenlos auf eigene Faust erkundet

werden und wird auch bei den Kinderlanglaufkursen

immer mit genutzt. –pgk–

Weitere Informationen unter www.ramsau.com/

familienurlaub/kinderlanglauf

+++ OUTDOOR-NEWS +++

+++ Ortlieb ist ab sofort

offizieller Ausrüster

des DAV Summit Club.

Der Hersteller von wasserdichtem

Outdoor Equipment stattet die

Berg- und Bikeführer der Bergsteigerschule

des Deutschen Alpenvereins

mit Radtaschen, Rucksäcken,

Packsäcken und anderen wasserdichten

Transport-Utensilien aus. +++

+++ Beim jungen Label Kopfarbeit

kann man sich seine Mütze nach

eigenen Vorstellungen in Österreich

häkeln lassen. Der Active Minus

Beanie ist mit winddichtem

Futter aus Merino Tecnowool

ausgestattet. Wer lieber einen

kühlen Kopf behält, wählt

den Active Plus Beanie aus

technischen Fasern. +++

+++ Schöffel hat zum Winter

ein neues Fliegengewicht

in Sachen Wattierung auf den Markt gebracht.

Ventloft zeichnet sich dank dreidimensionaler

Hohlfasern durch hohe

Wärmeleistung, äußerst gute Atmungsaktivität

und geringstes Gewicht aus.

Das exklusive Material kommt in Mänteln,

Jacken, Hoodies und Wendewesten für

Wintersportler zum Einsatz. +++

+++ Sicherheit und Spaß auf

Schneeschuhtour stehen gleichermaßen

im Zentrum des VAUDE Schneeschuhcamps

in Oberstaufen, das von

14. bis 16. Februar auf der Alpe Hörmoos

im Naturpark Nagelfl uhkette stattfi ndet.

Das Programm beinhaltet neben LVS-

Training auch einen Hundeschlitten-

Schnupperkurs und die Möglichkeit, im

selbst gebauten Iglu zu übernachten. +++

+++ Die neuen

Icebreaker-Modelle

vereinen den Tragekomfort

von Merinowolle mit winddichten

und wasserabweisenden

Eigenschaften. Neben Softshells

mit Merinowolle auf der Innenseite

gibt es auch Hybrid-Konstruktionen mit

partieller Softshell-Ausstattung; auf

der restlichen Fläche haften winzige,

schmutz- und wasserabweisende Nanopartikel

an den Merinofasern. +++

+++ Der italienische Hersteller

La Sportiva ist Hauptsponsor

des neu gegründeten Skitouren-Rennteams

»La Sportiva Mountain Attack

Team«, das sowohl aus Profi s wie auch

aus Amateuren besteht und erstmals

auf der Mountain Attack am 17. Januar

ins Rennen geschickt wird. +++

01⁄14 Bergsteiger 17


Bergsteiger

12/11 01/14 AKTUELL

Everest im Katalog

DAV SUMMIT CLUB BIETET AB 2015 GEFÜHRTE TOUREN ZU DEN SEVEN

SUMMITS, DARUNTER AUCH ZUM HÖCHSTEN BERG DER ERDE AN

Staufalle Everest:

Bergsteiger unterwegs

zum Südcol

Wer durch den neuen Katalog »Bergreisen weltweit 2014« des DAV Summit

Club blätterte, blieb bei einer Zahl womöglich hängen: 38 490. Sie beziffert den

Mindestbetrag (in Euro), für den sich ab 2015 bis zu sechs Bergsteiger beim Unternehmen

»Everest von Norden« unter der Leitung von Rupert Hauer einkaufen

können. Während der Summit Club damit preislich im Bereich anderer Anbieter

liegt, gibt es auch Unterschiede: Voraussetzung für die Teilnahme ist, bereits

einen Siebentausender oder leichten Achttausender bestiegen zu haben.

Der Everest (8848 m) wird von allen Achttausendern bei weitem am häufigsten

bestiegen. Am bisherigen Rekordtag, dem 19. Mai 2012, erreichten 214 Bergsteiger

den höchsten Punkt der Erde. Insgesamt verzeichnet die Statistik mehr als

6000 Besteigungen, davon aber nur circa 150 ohne zusätzlichen Sauerstoff. Seit

Jahren steigt die Nachfrage nach geführten Touren – aber auch die Kritik daran

– stetig an. Mit dem Thema befasst sich auch die »Bergpredigt« auf Seite 53. –te–

Foto: Ralf Dujmovits

Geführte Touren auf den höchsten Berg der Welt – ja oder nein?

Der DAV Summit Club hat den Everest in seinen Katalog aufgenommen – und damit eine heftige Debatte ausgelöst. Braucht es noch mehr

Kommerz am höchsten Achttausender, noch dazu von der Tochter des Deutschen Alpenvereins, die den »sanften Tourismus« fördern will?

Pro & Contra

Ingo Nicolay,

Geschäftsführer des DAV Summit Club

»Wir bieten keinen Abschleppdienst«

Wie so oft wird gerne »über«, aber nicht »mit« gesprochen.

Eine Zahl wird katapultiert, man zitiert und vermeidet

direkte Informationen. Das ist Stimmungsmache und nicht für eine sub stan -

tielle Diskussion geeignet. Das Programm des DAV Summit Club der »Seven

Summits« wird still übergangen, das Expeditionskonzept »Von 0 auf 8000«,

das den motivierten Höhenbergsteiger ebenso stringent wie auch mit

Qualität und Sicherheit auf ein Ziel vorbereiten soll, vergessen. Doch was

unterscheidet die Diskussion um den höchsten Berg der Welt von der um

Cho Oyu oder gar Mont Blanc? Die Diskussion um Sinn und Nachhaltigkeit

am Beispiel Everest müsste, will man sich der scheinen Heiligkeit entziehen,

auf ganz anderer Ebene geführt werden. Dass der höchste Berg der Welt

für den DAV Summit Club als größte Bergsteigerschule weltweit ein heikles

Thema und der Everest für die Tochter des Alpenvereins eine nicht konfl iktfreie

Destination ist, versteht sich. Das ist am Everest aber nicht viel anders

als an anderen Achttausendern. Zukunftsfähiges Bergsteigen und nachhaltige

Bergreisen müssen zeitnah überdacht werden. Der höchste Berg der

Welt für den Rest der Alpingeschichte ein Tabu? Das kann nicht sein.

Interessant, dass Kritik gerade von alpinen Profi s kommt, die von den Bergen

leben. Vielleicht ist es an der Zeit, statt in Klischees zu denken, nach vorne

zu blicken. Wir bieten keinen Abschleppdienst durch Sherpas, sondern

organisieren für selbständige und eigenverantwortliche Alpinisten. Dafür

stehen unsere Auswahl der Teilnehmer und die vorherige Ausbildung.

Vielleicht hätte es auch gut getan nachzufragen, wer diese Expedition leiten

wird, denn dann hätten sich viele Kommentare in beschämter Luft aufgelöst.

Ralf Dujmovits, einziger deutscher Alpinist,

der alle 14 Achttausender bestiegen hat

»Aus der Vergangenheit nichts gelernt«

Auch ich habe zweimal kommerzielle Expedi tionen auf

den Everest organisiert. Aber seit dem Drama von 1996,

als acht Menschen innerhalb von zwei Tagen am Berg umkamen, habe

ich beschlossen, nie wieder mit Kunden dorthin zu gehen. Die Gründe sind

relativ einfach: Niemand kann die von den Kunden erwartete Sicherheit

auch nur ansatzweise garantieren. Sowohl wir Bergführer als auch die

Sherpas arbeiten dort oben am Limit. Niemand kann garantieren, dass die

zugesagte Sauerstoff-Ausrüstung zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort

ist und auch noch fehlerfrei funktioniert. Vor allem aber herrschen an den

wenigen Tagen mit echten Gipfelchancen chaotische Zustände, gegen die

man auch mit bester Vorbereitung macht los ist: Die Menschenmassen

produzieren massive Staus im Gipfelbereich. Bei drei Stunden Wartezeit am

Hillary Step oder am Second Step geht vielen der Flaschensauerstoff aus –

sie sitzen in der Falle. Im Jahr 2012 kamen sechs von zehn toten Bergsteigern

deshalb ums Leben. Dazu die Schlägerei zwischen Ueli Steck, Simone

Moro und den Sherpas, die immer bizarreren Rekordversuche, der Diebstahl

von Sauerstofffl aschen in den Hochlagern… All das zeigt: Am Everest

braucht es nicht noch mehr Kommerz, sondern Bergsteiger, die versuchen,

es aus eigener Kraft auf den Gipfel zu schaffen. Solange aber mit

Everest-Besteigungen richtig dick Geld verdient werden kann, wird sich daran

nichts ändern. Wenn nun ein Mann wie Ingo Nicolay aus den Ereignissen von

1996 und 2012 nichts gelernt hat, dann gehört er nicht an die Spitze der

Bergsteigerschule des DAV. Man muss nicht alles anbieten, was machbar ist

und Profi t bringt. Das gleiche gilt übrigens auch für andere Achttausender.

Fotos: privat (links), Uli Ertle (rechts)

18 Bergsteiger 01 ⁄14


Umwelt und Nachhaltigkeit

Skifahren trotz

Schneemangel?

Am Brauneck

entstand dafür ein

Speicherteich.

Foto: DAV/Franz Speer

»Energiewende braucht Kulturwende«

PODIUMSDISKUSSION ZUR ERÖFFNUNG DER REIHE »ALPEN UNTER DRUCK«

Adolf Groß war der Star des Abends bei der Podiumsdiskussion zur Energiewende,

mit welcher der Deutsche Alpenverein (DAV) am 13. November seine Veranstaltungsreihe

»Alpen unter Druck« eröffnete. Der Energiebeauftragte des Landes Vorarlberg stimmte

nicht nur die Vertreter der Umweltschutzorganisationen CIPRA, Verein zum Schutz der

Bergwelt und DAV positiv, als er vom einstimmigen Beschluss des Landtags erzählte,

bis 2050 energie-autonom zu werden und 60 Prozent Energie einzusparen. Auch von seinem

bayerischen Kollegen Robert Götz, dem Leiter der Energieagentur im Wirtschaftsministerium,

erntete er Anerkennung. In Bayern gestaltet sich die Energiewende etwas

zäher: Ein Drittel der Fläche Bayerns brauche man, um den derzeitigen Stromverbrauch des

Freistaats mit erneuerbaren Energien zu decken, rechnete Detlef Fischer vor. Für den Geschäftsführer

vom Verband der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft »geht die Energiewende

eigentlich nicht, wenn wir auf dem Niveau von heute bleiben«. Soweit war man

sich einig: Die Speichermöglichkeiten müssten effizienter, die Konsumenten zum Sparen

angehalten werden. DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig schloss daraus: »Die

Energiewende braucht eine Kulturwende.« Und wurde prompt von Fischer aufgefordert:

»Dann streichen Sie doch gleich mal die Reise des DAV-Summit Club in die Antarktis!« –dst–

Umwelt-Ticker

+++ Die Aufsichtsbeschwerde, die Mountain

Wilderness Schweiz beim eidgenössischen

Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und

Kommunikation (UVEK) gegen das Bundesamt für

Zivilluftfahrt (BAZL) eingereicht hatte, war erfolgreich.

Grund für die Beschwerde: das BAZL hatte

die Rechtmäßigkeit von mehreren Helikopterlandungen

in der Trift bei Zermatt ungenügend

abgeklärt. +++ Frisch gegründet, setzte der

österreichische Landesverband von Mountain

Wilderness am 9. November ein Zeichen:

Mit einem Plakat mit der Aufschrift »Hände weg

vom Ruhegebiet Kalkkögel« demonstrierten die

Umweltaktivisten am Hoadl gegen den geplanten

Zusammenschluss der Skigebiete Schlick und

Axamer Lizum durch das von der Alpenkonvention

geschützte Ruhegebiet. +++ Die Konferenz

»Balancing renewable energy and nature in the

Alps«, die Mitte November in Brig im Rahmen

des Projektes recharge.green stattfand,

beschäftigte sich mit der Frage, wie die Energie -

wende in den Alpen naturverträglich gestaltet

werden könne. Die Antworten: Eine nachhaltige

Planung auf regionaler Ebene sowie die

Wechselwirkung unterschiedlicher Quellen

erneuerbarer Energien müssten berücksichtigt

werden. Beides versucht recharge.green in

seinem Modell umzusetzen. +++ »powerwalk«

nennt das Künstlerduo GÆG (Thomas Huber

& Wolfgang Aichner)

das Projekt, für das

die beiden – mit

Windrädern bestückt

– zu einer zehntägigen

Expedition auf den

isländischen Vatnajökull-Gletscher aufbrachen.

Bei der Projekt-Präsentation am 8. November

in München wuschen zwei Waschmaschinen ihre

Expeditionswäsche mit dem am Gletscher

erzeugten Strom. +++

Foto: powerwalk/M. Pröttel

» ActiveLift Steighilfe

erleichtert direkte Anstiege

» Weiches Schneeschuhende lässt

den Fuß natürlich abrollen

und sorgt für ein ermüdungsfreies

Gehen

» 3D geformte Seiten schienen

bieten besten Grip beim

Queren

www.kochalpin.at


Bergsteiger

12/11 AKTUELL

01/14 AKTUELL

Medien

BergBücher …

Nicolas Fojtu, Markus von Glasenapp

»SKI & SNOWBOARD

TOURENATLAS SCHWEIZ«

384 Seiten mit mehr als 150 großformatigen

Farbfotografi en, Format

21 x 27 cm, Paket mit Hardcover-

Buch und 30 Landkarten, Panico Alpinverlag, Köngen (D) 2013, Preis 79 €

Die Schweizer, heißt es, machen alles ganz genau. Das dauert

seine Zeit. Drei Jahre haben Markus von Glasenapp und Nicolas

Fojtu für ihren neuen »Ski & Snowboard Tourenatlas Schweiz«

gebraucht. Akribisch trugen sie Informationen für rund 1000

Routen auf 400 Gipfel zusammen und bereiteten sie übersichtlich

auf: mit Angaben zu Routenverlauf, Dauer, Hangneigung,

Hangausrichtung, Höhenmetern – und Anbindung an öffentliche

Verkehrsmittel. Der achtsame Umgang mit der Natur liegt

den Autoren am Herzen, daran lassen Kapitel zu Wildruhezonen,

umweltfreundlicher Anreise und Bewirtschaftung von Berghütten

keinen Zweifel. Das Paket vervollständigen 30 Schweizer

Landeskarten (Maßstab 1:35 000) mit eingezeichneten Routen.

Ein beispielhaftes Stück Schweizer Gründlichkeit! –dst–

Janina und Markus Meier,

Thomas Zanker

»MÜNCHNER SKITOUREN-

SCHMANKERL«

144 Seiten, 16,5 x 23,5 cm,

Klappenbroschur, Bruckmann

Verlag, München 2013, 19,99 €

Vom Allgäu bis in die

Kitzbüheler Alpen schlagen

die Autoren den Bogen, auch

Sellrain und Berchtesgaden

dürfen nicht fehlen. Ja müssen

die Münchner denn überall

hin? Andererseits: Je mehr

Ziele, desto eher verteilt sich

die Masse. Unter den 52 Touren

sind Klassiker wie Geheimtipps,

und die Empfehlungen

für Pistenskitouren

sind ein echter Gewinn. –te–

Alpenvereinsjahrbuch

»BERG 2014«

256 Seiten, Format 21,5 x 26,5 cm,

Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2013,

17,80 €

Alle Jahre wieder kommt

das Alpenvereinsjahrbuch, –

wie immer mit einem bunten

Kaleidoskop rund um die

Berge; wobei sich der Themenfokus

immer mehr auf die Einflüsse

des Menschen und die

Kultur im Alpenraum richtet.

»Die Spielformen des Bergsports

haben sich grundlegend

gewandelt« (Tom Dauer). Gibt

es den »echten« Alpinismus

nicht mehr? Einige Texte dürften

manchem etwas zu »abgehoben«

erscheinen. –pgk–

BergApp … BergFilm … BergWeb …

Foto: Tom Dauer, Bluebird Productions

LAWINENLAGEBERICHT TO GO

Wofür? Beste App für den Zugriff auf den

aktuellen Lawinenlagebericht – aktuell und offi ziell.

Wie? »SnowSafe« bereitet die amtlichen LLBs

aus Österrreich und Bayern optisch ansprechend

auf. Dazu gibt’s einen Neigungsmesser.

Wieviel? Kostenlos für iOS und Android

Warum? Damit der Lawinenlagebericht auch

bei der Smartphone-Fraktion ankommt. –te–

»SELIG, WER IN TRÄUMEN STIRBT«

Vor 15 Jahren erlebte Robert Steiner in

den Grandes Jorasses einen schrecklichen

Unfall. Zwei Tage und Nächte verbrachte

er zwischen Leben und Tod. Um das

Geschehene zu bewältigen, stieg er 2012

mit seinem Freund Felix Berg erneut

in die Wand ein. Was hoffnungsvoll beginnt,

endet wieder in einer Katastrophe.

»Selig, wer in Träumen stirbt« zeigt, dass

das Unmögliche möglich ist. –sz–

Von: Tom Dauer / Bluebird Production

Mit: Robert Steiner, Felix Berg

Aus: Österreich

www.bergfex.at

Wer eine Tour in Österreich plant, findet

hier alle wichtigen Grundlagen; nicht

nur zahlreiche Tourenbeschreibungen,

die aktuelle Wettervorhersage und

Schneehöhen sowie Webcams des gesamten

Alpenraumes. Das Beste ist die topografische

Karte von ganz Österreich

auf Basis der ÖK 50 vom Bundesamt für

Eich- und Vermessungswesen (Maßstab

1:50 000). Dank der neuen Print-Funktion

bei jeder Tour kann man einen beliebig

wählbaren Kartenausschnitt nun auch

direkt ausdrucken – je nach Belieben mit

oder ohne Tourdaten.

–dst–

18 Bergsteiger 01⁄14


TV-Programm Dezember 2013 / Januar 2014

9.12. | 18.00 | ZDF Info

Die Berge der Deutschen

Von Höhenrausch und

Hüttenzauber

Dauer: 45 Min.

19.12. | 10.05 | BR

Tibet – Mit Pilgern zum

heiligen Berg Kailash

Dauer: 45 Min.

20.12. | 11.50 | Servus TV

Himalaya – Dem Himmel nah

Dokumentarfilm

Dauer: 60 Min.

23.12. | 13.15 | SWR

Winterreise in

den Schwarzwald

Dokumentation

Dauer: 45 Min.

23.12. | 14.50 | Serv. TV

Arctic Ice – Eisklettern AH

nördlich des Polarkreises

Dokumentation

Dauer: 28 Min.

27.12. | 19.10 | Servus TV

Aus dem Leben

Helden am Berg –

Rettung in Schnee und Eis

Dauer: 37 Min.

29.12. | 16.00 | MDR

Heute auf Tour

Im Dreiländer-Naturpark

Raab-Orség-Goricko

Dauer: 25 Min.

J10.12. | 6.25 | ZDF Neo

Bergretter im Himalaya

Tod an der Ama Dablam

Dauer: 45 Min.

10.12. | 11.30 | ZDF Info

Afrikas Naturparadiese

Mount Kenia

Dauer: 45 Min.

J20.12. | 13.05 | Arte

360° – Geo Reportage

Großglockner,

König der Hochalpen

Dauer: 52 Min.

23.12. | 15.00 | alpha

Planet Wissen

Der blinde Bergsteiger

Andy Holzer

Dauer: 60 Min.

24.12. | 6.45 | SWR

Winterreise auf die

Schwäbische Alb

Dokumentation

Dauer: 45 Min.

1.1. | 19.15 | 3sat

Reisen in ferne Welten

Kanadas Nordwesten –

Sommer am Polarkreis

Dauer: 45 Min.

2.1. | 20.15 | 3sat

Das Beste der European AH

Outdoor Film Tour (1)

Dokumentation

Dauer: 45 Min.

10.12. | 14.15 | N 3

Bilderbuch Deutschland

Winter im Werdenfelser Land

Dauer: 45 Min.

11.12. | 21.15 | MDR

Biwak

Berge, Menschen, Abenteuer

Dauer: 30 Min.

13.12. | 22.30 | Phoenix

Abenteuer Yukon

Reise in das wilde Herz

Kanadas

Dauer: 30 Min.

14.12. | 7.30 | ZDF Neo

Die dunkle Seite der Alpen AH

Die Grandes Jorasses-

Nordwand

Dauer: 45 Min.

14.12. | 13.00 | ZDF Neo

Die dunkle Seite der Alpen

Die Eiger Nordwand

Dauer: 45 Min.

14.12. | 15.25 | Arte

Die Alpen von oben

Vom Chablais zum Montblanc

Dauer: 52 Min.

14.12. | 16.45 | alpha

Fernweh

Madeira

Dauer: 25 Min.

14.12. | 19.00 | BR

natur exclusiv

Himalaya

Dauer: 45 Min.

20.12. | 15.15 | HR

Abenteuer Erde: Himalaya

Dauer: 45 Min.

20.12. | 21.15 | Servus TV

Retroalpin

Der Bergfilmpionier

Arnold Fanck

Dauer: 62 Min.

21.12. | 15.00 | SWR

Winterreise rund um

die Zugspitze

Dokumentation

Dauer: 45 Min.

21.12. | 15.30 | Phoenix

Unterwegs zum Nordkap

Leben mit dem Eis

Dauer: 45 Min.

22.12. | 15.30 | BR

traumpfade

Mit den Schlittenhunden

über die Alpen

Dauer: 45 Min.

22.12. | 19.25 | S: Disc. Channel

Naturwunder der Erde

Grand Canyon

Dauer: 47 Min.

22.12. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Das Magazin für Bergsteiger

Dauer: 30 Min.

23.12. | 11.35 | 3sat

Auf in den Schnee

Winter in den Alpen

Dauer: 30 Min.

24.12. | 10.10 | Servus TV

Naturparadies Australien

Der Rote Kontinent

Dauer: 57 Min.

24.12. | 15.00 | ZDF Neo

Die dunkle Seite der Alpen

Die Matterhorn-Nordwand

Dokumentation

Dauer: 40 Min.

25.12. | 19.00 | SWR

Winterreise in die Schweiz

Reportage

Dauer: 45 Min.

26.12. | 8.30 | Arte

X:enius

Trendsport Klettern

Dauer: 26 Min.

27.12. | 8.30 | SWR

Meine Traumreise

nach Lappland

Mit Schlittenhunden

am Polarkreis

Dauer: 30 Min.

J27.12. | 12.00 | ZDF Info

Auf dem Dach Europas

Im Bann der Alpen

Dokumentation

Dauer: 45 Min.

J2.1. | 23.00 | alpha

Der Untersberg

Das sagenhafte Höhlenreich

Dauer: 45 Min.

3.1. | 10.40 | 3sat

La Haute Route – Von

Chamonix bis Zermatt

Der Berg siegt immer

Dauer: 25 Min.

3.1. | 18.15 | 3sat

Reisen in ferne Welten:

Marokko

Auf der Straße der Kasbahs

Dauer: 45 Min.

3.1. | 20.15 | HR

Traumhafte Bergwelten –

Rund um den Tegernsee

Dokumentation

Dauer: 45 Min.

3.1. | 20.15 | 3sat

Das Beste der European

Outdoor Film Tour (2)

Dokumentation

Dauer: 45 Min.

Das tagesaktuelle

TV-Programm finden Sie

auf bergsteiger.de

01⁄14 Bergsteiger 19


TITELTHEMA

Zwölf gute Vorsätze von BERGSTEIGER-Autoren

Die Unvollendeten

Zum Jahreswechsel neigt der Mensch zur

Rückschau. 12 BERGSTEIGER-Autoren

sind dabei auf Wunschtouren gestoßen,

die sie seit Langem unerledigt auf ihrer

Liste haben – manche davon trotz einiger

Versuche. 2014 wird alles besser!

Foto: Holger Hauser, privat

Wussten Sie, dass 70 Prozent

der gefassten Vorsätze

scheitern? Psychologen

am Institut für Demoskopie

Allensbach haben das in einer

Studie herausgefunden. Nicht gerade

motivierend. Aber auch nicht weiter verwunderlich.

Die Autoren des BERGSTEIGER

jedenfalls mussten nicht lange nachdenken

über ein Tourenziel, das sie sich längst vorgenommen,

aber nie erreicht hatten. Die

Gründe dafür sind vielschichtig: Mal war

das Wetter schuld und es hatte zuviel Nebel,

Regen oder auch zu viel Schnee; noch

öfter aber zu wenig Schnee. Oder es lag an

den Tourenpartnern: Den einen zwickte das

Knie, der andere hatte zu lang gefeiert und

der dritte war einfach immer anderweitig

verplant. Zugegeben, manchmal war es

auch einfach nur das eigene Spiegelbild,

das sich mit körperlichen Zipperlein und

Freizeitstress plagte. Bei manchen Vorhaben

war es auch einfach nur gesund, sie

nicht umzusetzen. Eine durchaus kuriose

Gruppe bilden diejenigen, die monatelang

sämtliche Details von Hüttenkosten und

Bus-Abfahrtszeiten bis hin zu den – jawohl

– idealen Mondphasen sammelten, bis die

Tour schließlich unter dem gewaltigen

Wust von Informationen in sich zusammen

stürzte. Am ausgefallensten aber ist wohl

die Geschichte unseres Chefredakteurs, der

bei einer Bergtour in der Cordillera Blanca

in Peru überfallen wurde und schließlich

die Verfolgung der Räuber aufnahm, anstatt

auf den Gipfel des Alpamayo zu klettern.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten zwölf

Geschichten über das Scheitern – und

über die Lust, es dennoch weiter mit diesen

Zielen zu versuchen. Und zwar in 2014.

TOUR

Alpamayo (5947 m) –

Peru, Cordillera Blanca

▶ schwierig 9 Std.

600 Hm 600 Hm

Charakter der Expedition:

Sehr gutes alpinistisches Allroundkönnen

ist Voraussetzung, Erfahrung

in Eisklettertouren und Höhenbergsteigen

sind von Vorteil; ausgezeichnete

Kondition ist zudem vonnöten.

Klima: Da Peru auf der Südhalbkugel

liegt, sind die Jahreszeiten

unseren entgegengesetzt. Bedingt

durch die Auswirkungen des kalten

Humboldtstroms sind die Temperaturen

kühler, als man das für die

relative Nähe zum Äquator erwarten

würde. Niederschläge fallen vor allem

in den Monaten November bis März.

Die kältesten Monate sind Juli und

August, dann sind Temperaturen

in den Bergen von -15 bis -20 Grad

Celsius keine Seltenheit.

Informationen:

www.hauser-exkursionen.de

22 Bergsteiger 01⁄14


Michael, 48

Ausgeraubt

Eigentlich waren die Voraussetzungen perfekt:

Wir hatten genügend Zeit. Wir waren

gut akklimatisiert, hatten zuvor zu zweit

mehrere Monate in den Anden zugebracht.

Die Wettervorhersagen für die peruanische

Cordillera Blanca waren günstig. Der Plan,

den Alpamayo (5947 m) zu besteigen, den einige

für den schönsten Berg der Welt halten,

war fest gefasst. Eigentlich.

Huaraz ist der Bergsteiger-Treffpunkt in der

Cordillera Blanca. Wir hatten eine vertrauenserweckende

Bergführeragentur gefunden–

nachdem wir in Chile schlechte Erfahrungen

gemacht hatten und den Besitzer

einer solchen bei einer Tour auf den Vulkan

Lascar (5620 m) selbst retten mussten, waren

wir vorsichtig geworden. Man empfahl uns,

zum Akklimatisieren in den Nationalpark

Huascarán zu wandern, der den gleichnamigen

(und höchsten) Berg Perus (6768 m) umgibt

und bei einer Höhe von mehr als 4000

Metern beginnt. In Peru reicht die Landwirtschaft

bis fast an diese Grenze heran.

Wir nahmen einen der Minibusse aus Huaraz

in Richtung Nationalpark und marschierten

mit kleinem Rucksack los; zwischen

rotbraunen Feldern hindurch, auf

denen Bauern ihr Saatgut ausbrachten. Im

Hintergrund glänzten Gletscher, schraubten

sich mächtige Gipfel in den blauen Andenhimmel.

Die Vorfreude auf den Alpamayo

wuchs, wir fühlten uns prächtig.

Als wir den Nationalpark erreichten, machten

wir Brotzeit im Schatten einer großen

Holztafel. Kein Mensch außer uns. Dachten

wir. Ich löffelte gerade aus meiner Avocadohälfte,

als zwei Burschen schnurstracks auf

uns zukamen. Mit Dreieckstüchern über

Mund und Nase, der Größere von beiden

hielt einen Revolver auf uns gerichtet. Viel

war nicht zu holen bei uns, ein paar Dollarscheine,

geschenkt. Der Raub der Spiegelreflexkamera

allerdings schmerzte. Sie war ja

auch journalistisches Arbeitsgerät.

Wir verfolgten die Räuber mit einem Sicherheitsabstand,

konnten sie später mit Hilfe eines

tollkühnen Taxifahrers und der Polizei

stellen – die Beute trugen sie bei sich. Dann

dauerte es eine (nervtötende) Woche, bis wir

die Fotoausrüstung von der Polizei wiederbekamen

– die leider völlig korrupt war. Wir

hatten die Schnauze voll von Peru. Und bestiegen

zwei Wochen später den Cotopaxi in

Ecuador. Zehn Jahre ist das nun her. 2014 ist

er dran, der Alpamayo. Als Teilnehmer einer

Expedition von Hauser und Schuster. So lautet

zumindest der Plan. Michael Ruhland

Januar

01⁄14 Bergsteiger 23


Kumpel, mit dem ich die Abmachung getroffen

hatte, in Thailand. Und als alles passte,

zwickte dem Weichei der Rücken oder mir

Jammerlappen das Knie.

Wenn in diesem Frühjahr trotz all der guten

Vorsätze wieder nichts daraus wird, gibt’s

nur noch einen Ausweg für meine Dateileiche:

die Delete-Taste. Dominik Prantl

Februar

März

In der Warteschleife gefangen

Früher hätte man es eine Karteileiche genannt.

In Zeiten von Windows und MacBook

muss es eher als Dateileiche bezeichnet werden.

Jedenfalls gibt es in meinem Rechner

ein Dokument mit der Überschrift: IN PLA-

NUNG. Darunter steht, ebenfalls in Großbuchstaben:

GROSSE REIB’N. Seit Jahren.

In der Zwischenzeit war ich schon in Namibia

und Norwegen, auf Teneriffa und in Thailand.

Aus dem Dokument IN PLANUNG sind

zuletzt die »Höfats« und der »Hochwanner«,

das »Aktzeichnen auf der Alm« und »Touren

im Engadin« verschwunden. Nur die berühmte

Umrundung des Königssees auf Tourenski

Zu Tode geplant

In jener Zeit, als die alpinen Trauben nicht

hoch genug hängen konnten, lagen uns

zukünftigen Superstars die Worte aus dem

Biner-Führer so schwer im Ohr wie der Rest

des Landes am Ballermann 6. »Die Ostwand

des Monte Rosa gehört zu den höchsten der

Alpen und ist mehr gefährlich

als schwierig.« Gerade war

Hochsommer, umso mehr

Zeit blieb zum Planen. Am

Ende der Vorlesungszeit lag

Thomas, 25

steht dort noch immer wie eine

schmerzliche Reminiszenz an die

eigene Inkonsequenz. Dafür ist der Eintrag

im Laufe der Jahre länger geworden. Inzwischen

steht dort beispielsweise der Kontakt

eines Nationalpark-Rangers, den ich als

Hauptfigur für die Reportage nutzen wollte.

Nun ist es keineswegs so, dass ich es zuletzt

nicht mehr nach Berchtesgaden geschafft

hätte. Aber die GROSSE REIB’N macht man

nicht einfach mal so schnell an einem Nachmittag

im Nebel. Mal lag zu wenig Schnee

und mal zu viel, mal war es zu kalt und mal

zu warm, mal war ich in Teneriffa oder der

TOUR

Dufourspitze (4633 m)

über Marinellicouloir –

Walliser Alpen

▶ schwierig 9 Std.

1600 Hm 1750 Hm

Charakter: Lange, gefährliche Tour,

bei der die Verhältnisse entscheidend

sind. Wegen der ostseitigen Exposition

früher Aufbruch Pfl icht!

Ausgangspunkt: Capanna Marinelli

(3036 m) über Macugnaga

Endpunkt: Monte-Rosa-H. (2883 m)

Route: Hütte – Marinellirücken –

Couloir (bis 3100 m) – Imseng rücken

(bis 3650 m) – Séracs. Die Felsrippe

vom Grenzgipfel herab betritt man

möglichst spät von der linken Flanke.

In steilem, aber festem

Fels zum Grenzgipfel

und zur Dufourspitze.

Tourenkarte 8,

Heftmitte

Dominik, 36

TOUR

Große Reib‘n

– Berchtesgadener Land

▶ schwierig 2½ Tage

3500 Hm 4000 Hm

Charakter: Lange, anstrengende

Ski-Rundtour um den Königssee,

für die stabiles Wetter, längere Tage

(deshalb frühestens im März) und

gute Lawinenverhältnisse Voraussetzung

sind. Der erste Anstieg lässt

sich per Jennerbahn verkürzen.

Ausgangspunkt: Parkplatz Hinterbrand

(1130 m)

Endpunkt: Wimbachbrücke (625 m)

Route: Hinterbrand – Stahlhaus

(1736 m) – Schneibstein (2275 m)

– Windscharte (2103 m) – Jägerbrunntrog

(2230 m) – Niederbrunnsulzen

– Kärlingerhaus (1630 m) –

Ingolstädter Haus (2219 m)

– Wimbachgrieshütte

– Wimbachbrücke

Tourenkarten

6/7, Heftmitte

das Ergebnis im Posteingang der Gefährten:

eine Komödie in sieben Akten, die sich über

Akklimatisierungstouren und Ruhe- bzw.

Fresstage zur Klimax steigerte. Im Anhang

entfaltete sich ein Tabellenschlachtfeld aus

Gehzeiten, Ausrüstungslisten und penibel

getakteten Busfahrplänen für die Rückkehr

zum Auto. Der Plan vermerkte spektakuläre

Preis-Leistungsverhältnisse umliegender

Campingplätze ebenso wie günstige Mondphasen

(Auf bruch um Mitternacht!) und

schloss auf wundersame Weise mit einem

studentengerechten Gesamtbudget – er

war perfekt.

Damit stand er im krassen Gegensatz zum

Walliser Wetter. Immer zog es nach der Auftakttour

zu. Einmal Weissmies ohne Dom,

einmal Alphubel ohne Täschhorn – sicher

schöne Touren, aber unser Plan bekam

damit bereits im zweiten Akt dramatische

Züge. Anstatt auf Schönwetter zu warten,

verlagerten wir uns in die Ostalpen und den

Plan in die Schublade. Dort schlummert

er unter den Bildern spontan begangener

Eiswände und wartet auf seine Erweckung.

Ich auch.

Thomas Ebert

24 Bergsteiger 01⁄14


Fotos: Bernd Römmelt, Andreas Strauß, Siegfried Garnweidner, Verena Wisthaler, privat

Wiederholung ausgefallen

Kurz vor zwölf umgekehrt

Das Gipfelkreuz habe ich nicht gesehen. Ins

Gipfelbuch eingetragen habe ich mich auch

nicht. Und die Aussicht, naja ... sie reichte

gerade mal drei Meter, also kann ich nicht

sagen, dass ich sie genossen hätte. Ich muss

meinem Kletterpartner leider recht geben,

wenn er zum wiederholten Male meine

Schwärmereien über die mächtige und imposante

Nordwand des Zwölferkofels in den

Sextener Dolomiten unterbricht und mich

darauf aufmerksam macht, dass ich ja noch

nicht oben gewesen wäre – und das, obwohl

er sein Bestes gegeben hat.

Der Zwölfer hat mich schon als Kind fasziniert,

während ich am Balkon meiner Oma

saß und den steilsten Felszahn der »Sextener

Sonnenuhr« anstarrte. Seit meinem

15. Lebensjahr – damals hatte ich gerade

mit dem Klettern begonnen – träume ich

davon, endlich einmal

oben zu stehen. Doch

niemand wollte mir je

diesen Wunsch erfüllen:

Zu schwierig für

dich, sagte der eine;

zu lang und zu brüchig,

Verena, 31

Es war eine Dienstreise: Das Theaterstück

»Munde« des österreichischen Dramatikers

Felix Mitterer wurde am 3. August 1990 auf

dem Plateau des Hohe Munde-Ostgipfels uraufgeführt.

Und meine Aufgabe war es, für

den BERGSTEIGER eine Reportage mitzubringen.

Am Spätnachmittag dieses heißen

Tages stiegen Schauspieler, Zuschauer und

der Autor gemeinsam von der Rauthhütte

aus zum Gipfel auf – zunächst durch Latschen,

dann über Geröll und losen Schotter.

Gott sei Dank war die Sonne bereits aus der

Ostflanke verschwunden; geschwitzt haben

wir trotzdem wie verrückt.

Kurz vor Sonnenuntergang begann die

Vorstellung – wie auch das Geschehen im

Theaterstück: Die Belegschaft einer Spenglerei

macht ihren Betriebsausflug auf die

Hohe Munde, um dort ein Bergfeuer zu

entzünden. Das Betriebsklima in der Firma

ist ausgesprochen schlecht. Der fröhlich

begonnene Ausflug endet in einer Katastrophe.

Die schwelenden Aggressionen und

Konflikte brechen offen aus; Machtkämpfe,

Eifersucht und Ausländerfeindlichkeit führen

zu Gewalttätigkeit und Zerstörung.

Nach der Vorstellung setzten sich Schauspieler

und Zuschauer zu

Gesprächen am Lagerfeuer

zusammen, über der Hohen

Munde wölbte sich ein gigantischer

Sternenhimmel. Viel Schlaf

fanden wir nicht in den kleinen Kuppelzelten,

die der Veranstalter für uns aufgestellt

hatte. Denn bereits bei Sonnenaufgang

bestaunten sämtliche Premierengäste, in

Decken gehüllt, das Morgenrot.

Seit diesem einmaligen Erlebnis plane ich,

den Gipfel der Munde noch einmal alleine,

ohne Spektakel zu besteigen. Bisher hat es

nicht geklappt.

Petra Gössl-Kubin

TOUR

Zwölferkofel (3094 m) –

Sextener Dolomiten

▶ II–III 7 Std.

1640 Hm 1640 Hm

Charakter: Von den klettertechnischen

Anforderungen nicht allzu

schwierig, jedoch sehr brüchiger Fels.

(Markierung durch einzelne Steinmänner,

schwer erkennbar)

Ausgangspunkt: Zsigmondy-

Comici-Hütte (2224 m), erreichbar in

2 Std. vom Parkplatz im Fischleintal

Route: Zsigmondy-Hütte – Oberbachernjoch

(2519 m) – Einstieg

– Eisrinne – Rampe (III) – Geröllband

– mehrere Kamine (III) – großes

Ringband – Hohe Zwölferscharte –

Steinmann – Scharte – Gipfelhang

– Gipfelgrat mit Steigspuren zum

höchsten Punkt – Abstieg über den

Gipfelgrat bis zu zwei Abseilstellen

– großes Ringband – eigentliche

Abseilroute – Steig am Fuße der

Eisrinne – abklettern zum Einstieg

Petra, 54

TOUR

Hohe Munde (2662 m)

– Karwendel

▶ mittel 5½ Std.

1770 Hm 1770 Hm

Charakter: Zum Teil steiler Anstieg

in anspruchsvollem Gelände;

Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und

Ausdauer sind Voraussetzung;

im Sommer ostseitig sehr heiß.

Ausgangspunkt: Leutasch-Moos

(1180 m)

Einkehr: Rauthhütte (1605 m)

Route: Moos – über Katzenloch

(links) oder Tschopfl ehn (rechts) zur

Rauthhütte – Hüttenrinner – Hohe

Munde-Ostgipfel (2592 m) – Sattel

(ca. 2515 m) – Hohe Munde-

Westgipfel (2662 m) – Abstieg über

denselben Weg oder über Niedere

Munde (2059 m)

und Leutascher

Achental bis Moos

Tourenkarte 11,

Heftmitte

mahnte der andere. Einen Bergführer konnte

ich mir damals nicht leisten. Zehn Jahre

später, an meinem 25. Geburtstag war es

dann endlich soweit. Oder sagen wir besser:

beinahe. 100 Meter unter dem Gipfel

war es so nebelig, der Regen so nahe, und

der Gipfel letztendlich noch so fern, dass

ich Angst bekam und zum Rückzug blies.

Auf den nächsten Versuch werde ich hoffentlich

nicht nochmals 25 Jahre warten

müssen.

Verena Wisthaler

April Mai


Juni

Vernünftig gedacht

Axel, 50

Niemand muss auf Berge steigen. Dass er

es doch tut, weist den Bergsteiger als jene

höhere Existenzform aus, in der Albert Camus,

Autor des »Mythos von Sisyphos«, den

»glücklichen Menschen« erkannte.

Dieser Gedanke ging mir durch den Kopf,

als ich im vergangenen Herbst von der

Watzmann-Südspitze ins Wimbachgries

abstieg. Ich setze voraus, dass die meisten

Leser diesen Abstieg aus eigener Erfahrung

kennen. Ich unterstelle des weiteren, dass

geschätzte 99 Prozent dieser Sisyphosse

nicht scharf darauf sind, den dabei erlebten

Kontakt mit sehr steilem Schrofengelände

zu intensivieren. Und ich schließe,

drittens, von mir auf andere, wenn ich

glaube, dass alle, die unten im Wimbachgries

angekommen sind, gleich wieder verblüfft

nach oben schauen – zum Kleinen

Palfelhorn. Der Alpenvereinsführer stellt

lapidar fest: »In seiner wilden Zerrissenheit

einer der eigenartigsten Berge der

Nördl. Kalkalpen«. Ich bin schon öfter an

diesem Gebilde vorbeigegangen, habe es

fotografiert und bewundert und denke,

dass die Theorie der Alpenbildung hier

versagt. Dieser Berg kann unmöglich aufgefaltet

worden sein. Er sieht aus wie ein

Stück sehr mürbes Spritzgebäck, aber woraus

sein krümelnder Teig besteht, will der

Bergsteiger lieber nicht wissen.

Warum ich noch nicht oben war? Schauen

Sie sich nur das Bild an … Kein vernünftiger

Mensch geht da rauf. Andererseits bin ich

als Bergsteiger nicht vernünftig, sondern

Existenzialist. Also: Schauen Sie sich nur

das Bild an! Was in aller Welt soll mich davon

abhalten, mir ein kleines Wettrennen

mit der Erosion zu liefern? Daneben, ich gebe

es zu, reizt mich auch ein anderer Gedanke:

Kann es sein, dass das Kleine Palfelhorn

seltener bestiegen wird als der Cerro Torre?

Und noch etwas: Verwechseln Sie, liebe

Leser, diesen Text bloß nicht mit einem

Touren-Tipp!

Axel Klemmer

TOUR

Kleines Palfelhorn

(2073 m) – Berchtesgaden

▶ schwierig 6–7 Std.

1443 Hm 1443 Hm

Charakter/Schwierigkeit:

Wilder, alpiner Anstieg in enorm

brüchigem Fels-/Schrofengelände,

das größte Erfahrung, unbedingte

Trittsicherheit und sehr gutes

Orientierungsvermögen verlangt.

Insgesamt deutlich anspruchsvoller,

als es die technIsche Schwierigkeit

(II) ausdrückt

Ausgangspunkt: Ramsau,

Parkplatz Wimbachbrücke (630 m)

Einkehr: Wimbachgrieshütte

(1327 m)

Route: Auf breitem Weg zur

Wimbachgrieshütte und weiter auf

Steig zum Ausgang des Loferer

Seilergrabens. Erst am linken Rand

der Schlucht zwischen Großem

und Kleinem Palfelhorn aufwärts.

Weiter in komplizierter Routenführung

(Alpenvereinsführer) zum

Gipfel.

Ins Weiße geträumt

Kleine Buben haben große Träume. Der

Eugen aus Zürich wollte auf den Mond

reisen, irgendwann. Später trat dann die

irdische Bünzli-Realität in seine Traumwelt.

Der Mond bekam zwischenzeitlich

Besuch, tatsächlich, dafür stieg ich jetzt

auf Berge: hinaus, hinauf. Zunächst vor

allem in der Schweiz, im Engadin und anderswo.

Wer in der Südostecke Helvetiens

per pedes Richtung Gipfel unterwegs ist,

bekommt eine Magic Line immer wieder

vorgeführt, von der Fuorcla Surlej, vom

Piz Languard, vom Piz Palü: den Biancograt.

Was für eine Linie! Messerscharf,

gerade zwei Schuh breit zwischen blendendem

Weiß und dunklen Schatten, Abgrund

links wie rechts und vor dir, über

dir irgendwo hinter ein paar Felsen der

höchste Punkt der Ostalpen: Piz Bernina,

4049 Meter.

Da wollten wir hinauf, jeder Blick auf den

Grat verstärkte den Wunsch, ließ die Tour

in einem noch helleren Licht erstrahlen.

Vom Piz Palü – auch so ein Sehnsuchtsberg

– schauten wir, Fridolin und ich,

hinüber zu unserer Ideallinie. »Nächsten

Sommer, versprochen!« mit Handschlag.

Dann endlich sollte es klappen. Wir waren

in Form und fast übermotiviert, die

äußeren Bedingungen bestens, die Wetteraussichten

auch. Nicht einmal der

muffige Hüttenwirt auf der Chamanna da

Tschierva schaffte es, unseren Enthusiasmus

zu dämpfen. In der Nacht der Schock:

Es regnete. Am Morgen

goss es, die Wolken

hingen tief, unsere

Stimmung war im

Juli

Eugen, 69

26 Bergsteiger 01⁄14


TOUR

Piz Bernina (4049 m)

über Biancograt –

Berninagruppe

▶ mittel 9–12 Std.

1650 Hm 450 Hm

August

Charakter: Die weiße Gratschneide

an der Nordseite des Piz Bernina –

auch als »Himmelsleiter« bezeichnet

– wird an schönen Tagen von

unzähligen Bergsteigern begangen.

Der eigentliche Firngrat ist das

Mittelstück der Tour, unten von einem

steilen Felsstück und oben von einem

Zackengrat begrenzt.

Ausgangspunkt: Tschiervahütte

(2583 m), erreichbar von Pontresina

durchs Val Roseg (3½ Std.)

Endpunkt: Rif. Marco e Rosa

(3609 m), weiterer Abstieg über

Diavolezza-Hütte (2973 m)

Route: Tschiervahütte – Fuorcla Prievlusa

(3430 m) – kombinierter Grat

mit Felskletterei (III) und im Firn – Piz

Bianco (3995 m) – Piz Bernina – abseilen

oder –klettern auf den Gletscher

und weiter zum Rif. Marco e Rosa

Fotos: Axel Klemmer, Thomas Ebert, Andreas Strauß, privat

freien Fall: zurück ins Tal, ade schöner

Traum. Wir wollten trotzdem nicht aufgeben:

Irgendwann klappt’s, vielleicht im

Herbst oder dann halt nächstes Jahr. So

dachten wir, hofften wir, aber immer kam

etwas dazwischen. Ganz allmählich verblasste

der Cresta Bianco hinter den Jahresringen

eines langen Bergsteiger lebens.

Eugens Haupthaar lichtete sich, und auch

der Idealgrat hat mittlerweile einige kahle

Stellen, wo der Schnee abgeschmolzen

ist. Ein Trost, dass selbst Berge altern. Aber

halt nur ein kleiner. Eugen E. Hüsler

Auf Sonne gewartet

Fast alle meine Traumtouren haben eine

Zahl und ein a, b oder c als Nachnamen und

sind deshalb noch auf der Wunschliste, weil

man zu ihrer Realisierung in der Kletterhalle

trainieren müsste, während draußen der

Pulverschnee lockt. Lediglich eine Wanderung

taucht zwischen den Klettertouren

auf: die Tour du Mont Blanc, kurz TMB.

In sieben bis elf Tagen führt diese Rundtour

einmal um den Mont Blanc. Der erste

Gedanke daran, dass die TMB attraktiv

sein könnte, ist gut zehn Jahre alt: Einen

ganzen Urlaub hatten wir auf der Nordseite

des Mont Blanc-Massivs ausgeharrt, ein

Frontensystem wechselte nahtlos mit dem

nächsten ab, ich kannte jeden Faden im

Zeltdach auswendig. Den einzigen Schönwettertag

verbrachte ich auf einem Wiesenabsatz

unter den Nadeln von Chamonix,

mit Schnupfen und dem Gedanken,

dass man von den Aiguilles Rouges gegenüber

wenigstens auf die frisch verschneiten

Verte, Dru, Tacul und Mont Blanc

sehen könnte. Dass mein Gedanke den

Namen Tour du Mont Blanc trägt, wusste

ich da noch nicht. Ein paar Jahre später

verbrachten wir einen Ruhetag in den

Aiguilles Rouges, auf der Trasse der TMB.

Obwohl die Wolken tief hingen, waren wir

zum Lac Blanc gewandert. Wunderbare

Blumenwiesen gab es da, Steinböcke und

Murmeltiere. Die Vorzüge der Wandertour

lagen auf der Hand: Wir waren in geringerer

Höhe unterwegs als gegenüber an Mont

Blanc & Co, das Wetter war nicht ganz so

schlecht. Als uns dann noch eine unverdrossene

Wanderergruppe von der Mont-

TOUR

Tour du Mont Blanc

– Mont-Blanc-Massiv

Andrea, 45, und Andreas, 48

▶ mittel 7–11 Tage

11000 Hm 170 km

Charakter: Mehrtägige Fernwanderung

rund um das Mont-Blanc-

Massiv mit imposanten Ausblicken

auf die Gletscherriesen; meist gute

Wanderwege, je nach Wegvariante

auch versicherte und ausgesetzte

Passagen, Trittsicherheit nötig

Ausgangspunkt: Les Houches

(1008 m); versch. Einstiegsorte

Hütten: diverse Übernachtungsmöglichkeiten

in Tal und Hütten am Berg

Route: Les Houches (1008 m) –

Refuge du Truc – La Balme – Les Mottets

– Col de Chercroui – Courmayeur

– Rifugio Bertone – Rifugio Elena –

Champex (1466 m) – Le Peuty

– Tre-le-Champ – Refuge Flégère

(1877 m) – Les Houches

Blanc-Runde erzählte und den großartigen

Blicken, die man immer wieder hat, da hatte

sich der Wunsch festgesetzt.

Zwei Versuche sind seitdem am Wetter

gescheitert, mehrere andere an der weiten

Anfahrt. Aber das »Projekt TMB« ist inzwischen

konkreter geworden: ein paar Turnschuhe,

ein leichter Rucksack, eine Mini-

Fotoausrüstung und mindestens vier Tage

mit guter Wettervorhersage gehören zum

Plan.

Andrea Strauß

01⁄14 Bergsteiger 27


TOUR

Aletschhorn (4195 m)

– Berner Alpen

▶ schwierig 3 Tage

2250 Hm 2250 Hm

September

Vom Nordwind verweht

Vom Wind umtost sei das Aletschhorn, las

ich vor Jahren in einem Alpinführer. Als

einsame Pyramide rage es in den Himmel,

umgeben von Gletschern. Ich brauchte nicht

weiterzulesen. Dies war der Gipfel, den ich

mir immer gewünscht hatte. Ein stolzer Viertausender,

um den man sich bemühen muss.

Dies aber sollte zur Crux werden: Drei Tage

gutes Wetter und stabile Lawinenverhältnisse

sind Voraussetzung für die Skitour. In den

folgenden Jahren war entweder das Wetter

zu schlecht, die Lawinensituation zu heikel,

die Seilgefährten anderweitig beschäftigt

oder die eigene Agenda zu voll. Dann bot sich

die Gelegenheit, im Sommer

auf das Aletschhorn zu steigen:

nicht wie üblich über die Oberaletschhütte,

sondern über das Mittelaletschbiwak.

Als wir frühmorgens zum Gipfel auf brachen,

stimmte alles: Wir hatten gut geschlafen,

der Berg ragte in den Sternenhimmel. In

der Morgendämmerung näherten wir uns

dem Aletschjoch. Dass wir gerade die Ruhe

vor dem Sturm genossen, wussten wir noch

nicht. Erst als wir die Nase über das Joch

streckten, traf er uns mit all seiner Wucht:

der eisige Nordwind. Zwei Stunden lang

trotzten wir dem Sturm. Doch als er mich

Caroline, 36

Charakter: Aufstieg über Südwestfl

anke ab Oberaletschhütte

(PD+, Stellen II); über Nordostgrat

ab Mittelaletschbiwak (PD, bis 40°,

exponierter Grat nach Aletschjoch)

Ausgangspunkt: Fiescheralp

(2212 m) bzw. Belalp (2094 m)

Hütte: Mittelaletschbiwak (3013 m);

Oberaletschhütte (2640 m)

Route: Fiescheralp – Märjelesee

(2350 m) – Roti Chumme (2370 m)

– Mittelaletschbiwak – Aletschjoch

(3631 m) – Aletschhorn (4195 m);

alternativ über Belalp

– Oberaletschhütte

– Südsporn

Tourenkarte 10,

Heftmitte

390 Meter unter dem Gipfel fast zu Boden

warf, war klar: Umkehren war das einzig

Richtige. Im Abstieg war ich enttäuscht.

Mittlerweile aber freue ich mich darüber. So

ist das Aletschhorn geblieben, was es schon

lange war: ein Traumberg. Caroline Fink

Oktober

TOUR

Absamer Klettersteig

und Bettelwurfhütte

(2077 m) – Karwendel

▶ K3 8 Std.

600 Hm 600 Hm

Charakter: mittelschwerer Klettersteig

mit gewaltigen Tiefblicken.

Schlüsselstelle C bzw. K3, sonst

überwiegend B (K2). Diverse

Schluchtquerungen sorgen für

viel Abwechslung.

Ausgangspunkt: Parkplatz

am Beginn des Halltals (630 m)

Hütte: Bettelwurfhütte (2077

m), Anfang Juni bis Ende Oktober

geöffnet, Tel. 00 43/52 23/5 33 53,

www.bettelwurfhuette.at

Route: Parkplatz – Bettelwurf-Eck/

2. Ladhütte – Einstieg (1170 m) –

Klettersteig (gut ausgeschildert) –

Bettelwurfhütte – Bettelwurf-Eck/2.

Ladhütte (via AV-Weg 222) – Parkplatz

Bettina, 33

Vom Zustieg erschöpft

Er ist weder schlecht zu erreichen, noch

sonderlich schwierig. Trotzdem bin ich den

Absamer Klettersteig noch nie komplett gegangen.

Den ersten Versuch startete ich im

Juni 2012, gemeinsam mit meinem Mann

Christian. Ein schöner Ausflug zu unserem

Jahrestag sollte es werden. Das Wetter hätte

nicht besser sein können – klarer Himmel,

Sonnenschein, nicht zu heiß. Nur:

Der Herr war am Vorabend nicht wie

ich zeitig ins Bett gegangen. Er hat-

te unbedingt noch mit seinen Jungs Fußball

schauen müssen. Rückkehr: 3.15 Uhr.

»Nicht mit mir, mein Lieber, du kommst

morgen mit auf den Berg, egal wie müde du

bist«, hatte ich mir geschworen.

Am nächsten Tag hatten wir gerade die ersten

schwierigen Stellen im Steig erreicht,

da kamen mir Zweifel. »Was, wenn was passiert?«

Dass er an dem Tag nicht fit genug

war für den Klettersteig, war nicht zu übersehen.

Also drehten wir um. Ich mit Groll,

er sichtlich erleichtert.

Rund zwei Monate später der zweite Versuch:

Auch diesmal waren die Bedingungen

gut. Nur eine Erkältung plagte mich etwas,

aber ich ging davon aus, dass es schon funktionieren

würde. Wir stiegen ein – bis zum

bereits bekannten Punkt. Dann war ich diejenige,

an der es scheiterte. Auch den restlichen

Herbst über klappte es nicht mehr,

und so mussten wir die Tour vertagen auf

2013. Da aber kam mir meine Schwangerschaft

dazwischen. Und so steht der Klettersteig,

dessen Zu- und Einstieg ich bereits

sehr gut kenne, für 2014 ganz oben auf der

Tourenliste.

Bettina Willmes

28 Bergsteiger 01⁄14


Fotos: Caroline Fink, Heinz Zak, Iris Kürschner, Franz Sieghartsleitner, Katrin Widmer, privat

Vom Nebel verhüllt

Es gibt Berge, die ziehen einen einfach

an. Man kann es nicht einmal unbedingt

erklären, warum. So ging es uns mit der

Uia di Mondrone – dem »Matterhorn der

Lanzo-Täler«. Steil und spitz überragt es in

imposanter Wuchtigkeit das kleine Dörfchen

Balme in den piemontesischen Alpen.

Wir arbeiteten an Wanderbüchern über die

Gegend und konnten den Berg von vielen

Aussichtspunkten bewundern. Aber immer,

wenn wir uns den Gipfel vornahmen,

hüllte dieser sich in Wolken ein. Dann endlich

schien es zu passen. Wir stiegen zum

Bivacco Bruno Molino auf. Doch sämtliche

Wasserquellen rund um die Hütte waren

versiegt. Jede Menge Steinböcke sahen uns

ungerührt bei der verzweifelten Suche zu.

Rückzug ins Tal. Ohne Wasser geht eben

nichts. In Balme stellten wir unseren Wecker

auf drei Uhr nachts. Ein Mammutaufstieg,

so wichtig war uns der Berg. Steiler

Anstieg über viele Höhenmeter im schlaftrunkenen

Zustand. Einmal verpasst mein

Fuß den schmalen Pfad und ich falle durch

das verflixt rutschige Seitengras ein paar

Meter tiefer. Wir haben uns gerade wieder

zum Biwak geschuftet, da wallt uns Nebel

Von der Flut überrascht

Ein Bekannter hat mir den Floh ins Ohr

gesetzt: »Von der Wurzeralm zur Tauplitzalm:

Das musst du machen! Am besten

im Herbst, da läufst du über weite Hochplateaus

mit Almhütten und verfärbten Lärchen.

Über dir die weiß angezuckerte Kette

des Toten Gebirges. Des is a Schau!«

Die Wurzeralm kenne ich vom Frühjahr:

Gelbe Sumpfdotterblumen wuchern im

Hochmoor und fassen die mäandernde

Teichl ein. Darüber erhebt sich die gebänderte

Wand des Warschenecks.

Die Tauplitzalm kenne ich nur vom

Winter: haufenweise Schnee, der die

bucklige Landschaft in ein weißes Meer

verwandelt. Im Frühjahr sollen die Wiesen

bunt gesprenkelt sein von den vielen

verschiedenen Blumen – einige davon

pflücken die Ausseer zum Narzissenfest.

Frühlingsgefühle bestürmten mich und

ich beschloss, mit der Tour nicht bis zum

Herbst zu warten. Während ich plante und

packte, begann es zu regnen. Kurz vor der

Abfahrt regnete es immer noch. Die Hochwasserkatastrophe

hielt wochenlang ganz

Mitteleuropa in Atem. Also doch besser

TOUR

Uia di Mondrone

(2964 m) – Piemont

▶ schwierig 8 Std.

1506 Hm 1506 Hm

Charakter: Lange und steile Bergtour;

bis zur Alpe le Piane ordentlicher

Pfad, dann zunehmend felsiger,

leichte Kletterstellen. Schwindelfreiheit

und Trittsicherheit notwendig

Ausgangspunkt: Straßenkehre

vor Molera (1458 m), Zufahrt von der

Straße zwischen Chialambertetto und

Molette ein paar Kilometer vor Balme

Hütte: Bivacco Bruno Molino (2279

m), Selbstversorgerhütte mit Matratzenlager,

doch ohne Kochvorrichtung

Route: Von Molera zunächst auf der

weiß-rot-weiß markierten GTA bis

zur Alpe Pian Bosco (1683 m). Dann

links des Rio Maian auf dem Weg

zum Bivacco Bruno Molino bis kurz

vor der Alpe le Piane links der

Pfad gen Uia di

Mondrone abgeht.

dem Rat meines Bekannten folgen, die Tour

im Herbst zu machen? Dann war Herbst. Eigentlich

schon Winter. Und ich war immer

noch nicht unterwegs von der Wurzeralm

zur Tauplitzalm: Erst hielt mich das schöne

Wetter in den heimatlichen Bergen zurück,

dann eine Hochzeit und schließlich der

erste Schnee. A propos ... im Winter ist die

Tour bestimmt der absolute Geheimtipp.

Muss ich unbedingt mal machen!

Dagmar Steigenberger ◀

Dagmar, 36

Tourenkarte 9,

Heftmitte

Tourenkarte X,

Heftmitte

nach. Es wird ein Wettlauf,

den wir nicht gewinnen.

Der Nebel holte uns ein:

erneu ter Rückzug. Der Gipfel

mag nicht weit gewesen

sein, doch wir hätten dort im Nebel nichts

zu tun. Möglicherweise trifft man nur als

Fotografen solche Entscheidungen. Die Uia

di Mondrone steht noch immer auf unserer

Liste.

Iris Kürschner

Iris, 48

TOUR

Wurzeralm zu Tauplitzalm

– Totes Gebirge

▶ mittel 11 Std.

1000 Hm 700 Hm

Charakter: 28 km lange Wanderung

über Almplateaus

Ausgangspunkt: Bergstation der

Standseilbahn Wurzeralm (1427 m)

Endpunkt: Bergstation Tauplitzalm

(1620 m) bzw. Hinterstoder (591 m)

Hütten: Liezener Hütte (1782 m);

Hochmölbinghütte (1684 m)

Route: Wurzeralm – Luckerhütte

(1840 m) – Liezener Hütte (1782 m)

– Hochmölbinghütte (1684 m) –

Sumperalm (1755 m) – Hanslhütte

(1468 m) – Leisthütten (1647 m)

– Tauplitzalm; alternativ von der

Hochmölbinghütte über

Türkenkarscharte

bis Hinterstoder

Tourenkarte 12,

Heftmitte

November Dezember

01⁄14 Bergsteiger 29


AUF TOUR

Skidurchquerung der Lechtaler Alpen

Extrem

einsam

Sie führt weder über Gletscher noch über die 3000-Meter-

Marke. Trotzdem sind die Etappen lang, die Hänge steil und die

Einkehrmöglichkeiten rar. Für erfahrene Skibergsteiger ist

die winterliche Durchquerung der »Lechtaler« gerade wegen

dieser rauen Bedingungen ein Sahnehäubchen.

Von Dieter Elsner (Text und Fotos)

Allein, mitten in einer wilden, winterlichen

Landschaft mit felsigen

Gipfeln und steilen Karen. Sie

gehören zu den Lechtaler Alpen,

zum Verwall und zur Silvretta.

Ich sitze auf dem Bergwerkskopf,

genieße die Nachmittagssonne und blicke

zurück auf die ersten beiden Etappen

meiner sechstägigen Durchquerung der

»Lechtaler«. Einen Großteil der Route von

der Muttekopfhütte zur Steinseehütte, die

für heute mein Pensum war, kann ich von

hier oben einsehen.

Wenige Tage zuvor: Es ist Ende Februar,

endlich stellen sich die lang ersehnten

Verhältnisse ein. Seit zwei Tagen haben

die Lawinenwarndienste von Vorarlberg

und Bayern die Warnstufe eins herausgegeben,

und zwar für alle Höhenlagen und

Expositionen. Da sich zudem eine stabile

Hochdrucklage ankündigt, die für gute

Sicht, kalte Nächte und nicht allzu warme

Mittagstemperaturen sorgt, nehme ich eine

Woche Urlaub. Da es während und seit der

letzten Schneefallperiode nicht sehr windig

war, kann ich in den schattseitigen Karen

noch mit unverblasenem Pulver rechnen;

vielleicht zeigen sich zumindest die steilen

südseitigen Hänge bereits mit Firn.

Nachmittagskaffee im Winterraum

Nach den ersten beiden Etappen sieht es

ganz so aus, als ob die Prognosen zutreffen

würden. Um die Mittagszeit habe ich die

Steinseehütte erreicht und es mir im Winterraum

gemütlich gemacht, Holz gehackt

und einen Kaffee gekocht.

Da bis zum Abend noch genügend Zeit war,

beschloss ich, meinem Lieblingsberg, dem

nahen Bergwerkskopf, einen Besuch abzustatten.

Der Anstieg erfolgt von der Steinseehütte

über herrliche Nordwesthänge.

Anfang März erreicht die Sonne diese Hänge

zum Großteil schon am Nachmittag –

aber die Schneequalität beeinträchtigt das

noch nicht. Der Anstieg vom Skidepot führt

über kurze Stufen und einige Querungen

von der Westseite des Berges auf die Südseite

in eine steile Rinne, die an einer kleinen

Scharte endet. Von dort geht es in wenigen

Schritten auf den Gipfel. Die Verhältnisse

sind optimal; obwohl unten im Tal sehr wenig

Schnee liegt, habe ich den Anstieg noch

nie so gut zugeschneit erlebt.

30 Bergsteiger 01⁄14


Steiler Zahn: Die Roggspitze

(2747 m) ragt über der verschneiten

Erlachalpe in den Himmel.

01⁄14 Bergsteiger 31


Nützliche Barriere:

Die Heiterwand hält die

Wolken vom Rudiger fern.

Am östlichen Horizont ist

bereits ein heller Streifen zu

erkennen, alles andere

hüllt sich noch in Dunkelheit.

Spartanische Gemütlichkeit

im Winterraum

der Steinseehütte

Die Aussicht vom Bergwerkskopf gibt mir

einen guten Überblick über den ersten

Teil der Strecke des nächsten Tages. Sechs

Jöcher befinden sich auf dem Weg von der

Steinseehütte zur Memminger Hütte, dazwischen

Hangneigungen in alle Himmelsrichtungen.

Es sind die beiden Königsetappen,

die nun mit Tag drei und vier vor mir

liegen – sie stechen unter den Abschnitten

der Lechtaler-Durchquerung, die allesamt

höchst spannend und abwechslungsreich

sind, besonders hervor.

Es ist kurz vor sechs Uhr in der Früh. Am

östlichen Horizont ist bereits ein heller

Streifen zu erkennen, alles andere hüllt

sich noch in Dunkelheit. Wie jeden Morgen

breche ich in der Dämmerung auf. Zunächst

geht es über das Roßkarschartl zum

Fuß des Roßkares – nicht zu verwechseln

mit dem Gramaiser Roßkar.

Es ist immer wieder ein erhebendes Gefühl,

TIPP

Reizvolle Routen

durch die Lechtaler

Es gibt zahlreiche Durchquerungsmöglichkeiten

der »Lechtaler« oder von Teilen

dieses Gebirgszuges – mit ganz unterschiedlichen

Ausgangs- und Endpunkten. Spannend

ist bereits das Austüfteln der Route

zuhause im Vorfeld. Wenn die »Knackpunkte«

der Route schon vorher einmal ausgekundschaftet

wurden, vermeidet man unterwegs

böse Überraschungen.

Zu den interessantesten und längsten

Varianten zählt die Route von Kelmen bis zum

Arlberg, wie sie im Text beschrieben ist.

Das Reizvolle an dieser Route: Bis zu 30

Gipfel können auf dem Weg »mitgenommen«

werden. Allerdings wird der Zeitaufwand

mit der Besteigung möglichst vieler Gipfel

deutlich höher. Selbst ohne zusätzliche Gipfelaufstiege

sind die Etappen nicht allzu kurz.

Beim Gepäck sollte man gut abwägen, was

nötig ist. Ein zu schwerer Rucksack mindert

den Spaß beim Gehen und Fahren doch

erheblich. Neben der Skitouren-Ausrüstung

muss der gesamte Proviant für eine Woche

im Rucksack Platz fi nden, da ausschließlich

in Winterräumen übernachtet wird.

Steile Hänge und

Querungen beim Aufstieg

zum Bergwerkskopf

in dieser abgelegenen, fantastischen Winterlandschaft

seine Spur durch unberührte

Pulverhänge zu ziehen – sowohl im Aufstieg

als auch in der Abfahrt. Auf dieser

Etappe folgt ein Höhepunkt dem anderen:

Vom Ausstieg aus dem Roßkar sind es nur

wenige Minuten bis auf die Roßkar-Spitze,

die einen herrlichen Blick auf die imposante

Ostseite von Kleiner und Großer Leiterspitze

bietet.

Nicht mehr allein

Erstaunlicherweise ist es diesmal sogar

möglich, das Leiterjöchl durchwegs mit Ski

zu befahren, was selbst in deutlich schneereicheren

Wintern bisher unmöglich war. Nach

dem ersten, sehr steilen Teil zwischen Felstürmen

schwinge ich über ideale Skihänge

hinab Richtung Röttal. Der weitere Anstieg

führt über das zunächst weite, mit Felsblöcken

übersäte Kar hinauf zum Oberlahms-

32 Bergsteiger 01⁄14


jöchl. Der Blick hinüber zu Freispitze, Roter

Platte, Langkar und Grießlspitze ist immer

wieder beeindruckend. Die letzte Abfahrt

des Tages endet direkt an der Memminger

Hütte.

Am späten Nachmittag traue ich meinen

Augen nicht: Beim Holen der vollen

Schmelzwassereimer unter dem Hüttendach

sehe ich eine Person am Oberlahmsjöchl.

Bereits in der Abfahrt erkenne ich

einen alten Weggefährten, mit dem ich

schon so manche Tour in den Lechtaler Alpen

unternommen habe. Es ist Michl Wildung.

Von meiner Frau hatte er erfahren,

dass ich in der Nähe der Memminger Hütte

unterwegs war. Schnell entschlossen fuhr

Michl nach Gramais und brachte die knapp

2000 Höhenmeter hinter sich. So werden

wir in den folgenden drei Tagen zu zweit

unterwegs sein.

Frühmorgens spuren wir durch lockeren

Pulver über die drei zugefrorenen und

zugeschneiten Seewiseen hinauf zur Wegscharte,

dem Übergang ins Ober-Patrol. Die

Zwischen-Abfahrt über 400 Höhenmeter ist

anfangs extrem steil und führt durch Felsen

in langsam flacher werdendes Gelände.

Der nächste Anstieg zur Schafscharte

unter dem steil aufragenden Nordgrat der

Parseierspitze zählt für mich zu den landschaftlich

eindrucksvollsten Übergängen

in den Lechtalern. Über diese Scharte werden

Anfang September die Schafe von der

Freispitze-Seite hinab ins Unter-Patrol und

hinaus nach Zams getrieben: ein faszinierender

Anblick, wenn 200 bis 300 Schafe

hintereinander durch den dunklen Mergel

hinauf zur Scharte ziehen.

Schwierige Abfahrt

Unser Höhepunkt des Tages ist jedoch die

Abfahrt über 800 Höhenmeter hinunter auf

den flachen Karboden des »Zammer Parseier«.

Der Weg über eine schräge Rampe inmitten

einer Felsflanke nach links unten

ist nicht ganz leicht zu finden. Zunächst

bieten die Hänge bis zum »Großen Stein«

und auch jene bis zur Rampe erstklassiges

Skigelände. Doch die Rampe selbst ist dann

deutlich steiler und erfordert volle Aufmerksamkeit.

Für eine Zugabe – den rassigen Nordhang

des Eisenkopfes mit 1000 Höhenmetern –

haben wir an diesem Tag leider keine Zeit,

da uns noch einige Anstiege bevor stehen:

jener aufs Stierloch und ein weiterer aufs

Winterjöchl. Auf der Ansbacher Hütte erwartet

uns ein separater Winterraum, bestens

mit Feuerholz ausgestattet und mit

tadellos funktionierendem Ofen. Von der

Hütte an der steilen Südseite der Lechta-

KOMPAKT

Schroffe Gipfel der Nördlichen Kalkalpen

Anreise: Von München über

die A95 nach Garmisch-

Partenkirchen und weiter auf

der Bundesstraße über den

Fernpass Richtung Reutte,

bei Bichlbach abbiegen auf

die L21 nach Berwang und

Kelmen. Von Stuttgart, Ulm

und Kempten über die A7

durch den Grenztunnel Füssen/

Vils, Abfahrt Reutte-Nord

nach Reutte und in Richtung

Weißenbach auf der B198

ins Lechtal.

Rückblick: Stanskogel

und Hoher Riffler am

Morgen der letzten Etappe

Öffentliche Verkehrsmittel:

Von München über Garmisch-Partenkirchen

mit dem

Zug bis Bichlbach-Berwang;

zurück von Zürs mit dem Postbus

(Nr. 92) bis St. Anton und

über Innsbruck nach München.

Zwischen Steeg am Lech und

Berwang verkehren Busse (mit

Umsteigen in Reutte)

Informationen: Ferienregion

Tiroler Lechtal, Untergiblen 23,

A-6652 Elbigenalp,

Tel. 00 43/56 34/53 15,

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Morgendämmerung über

dem Bacheregg

www.lechtal.at, info@lechtal.at

Beste Zeit: Mitte Februar

bis Mitte April

Karten: AV-Karte 1:25 000,

Blatt 3/2 »Lechtaler Alpen,

Arlberggebiet«, Blatt 3/3

»Lechtaler Alpen Parseierspitze«

und Blatt 3/4 »Lechtaler

Alpen, Heiterwand, Muttekopf«

Literatur: D. Elsner »Winter

im Lechtal«, Eigenverlag 2003;

D. Elsner/M. Seifert »Lechtaler

Alpen«, Skitourenführer,

Panico Alpinverlag 2010

01⁄14 Bergsteiger 33


Lichter im Wettstreit: St. Anton am Abend

ler Alpen hat man einen

schönen Blick hinab ins

Tal der Rosanna und hinüber

ins nahe Verwall

mit dem dominierenden

Gipfel des Hohen Riffler,

einem vergletscherten

Dreitausender.

Am fünften Tag erreichen

wir mit der Vorderseespitze

(2889 m) den

höchsten Punkt unserer

Durchquerung. Leider

finden wir im neuen, sehr funktionellen

Winterraum der Leutkircher Hütte kein

einziges Scheit Holz vor. Dafür werden wir

von St. Anton bestens mit Après-Ski-Musik

versorgt – ein Vorgeschmack auf das Zürser

Skigebiet, einem von zwei möglichen

Endpunkten unserer Route der Lechtaler-

Durchquerung.

Am Schlusstag muss man sich im Bereich

der Stuttgarter Hütte entscheiden, ob man

sich nach Westen orientiert und sich bei

Lech-Zürs bald unter das Arlberger Ski-Volk

mischt oder sich doch lieber nach Nordosten

wendet und hinab ins obere Krabachtal

fährt. Die Einsamkeit, die uns während der

vergangenen Tage so intensive Erlebnisse

bescherte, ist vorbei – so oder so. Bei Apfelstrudel

und Kaffee mit Schlagobers träumen

wir von einer Wiederholung dieser

Durchquerung: diesmal allerdings in umgekehrter

Richtung.


TOUREN

Auf Ski durch die Lechtaler Alpen

Tourenkarte 1

Heftmitte

Die anspruchsvolle Durchquerung mit teils langen Etappen erfordert die allerbesten Bedingungen.

Übernachtet wird ausschließlich in den Winterräumen der Alpenvereinshütten.

1 Kelmen – Muttekopfhütte

▶ mittel 7–9 Std.

2900 Hm 2300 Hm

Charakter: Sehr lange Etappe, vor

allem die Abfahrt vom Rudigerkopf

ins Faselfeiltal erfordert eine sehr

hohe Schneelage; der Anstieg zum

Steinjöchl ist die steilste Passage des

Tages; (evtl. die Anhalter Hütte mit

zusätzlicher Übernachtung einplanen)

Ausgangspunkt: Kelmen (1360 m)

Route: Kelmen – Seelakopf (2368 m)

– Schlirealm (1936 m) – Rudigerkopf

(2249 m) – Faselfeiltal – Kromsattel

(2137 m) – Stein jöchl (2198 m) –

Hahntennjoch (1894 m) – Scharnitzsattel

(2441 m) – Muttekopfhütte

(1934 m)

2 Muttekopfhütte –

Steinseehütte

▶ mittel 5–7 Std.

2000 Hm 1900 Hm

Charakter: Abwechslungsreiche

Etappe im Bereich Muttekopf, Große

Schlenkerspitze und Bergwerkskopf;

Abfahrt vom Brunnkarjöchl nach

Süden endet mit dem Übergang beim

Mitterjöchle oder – schöner, aber

länger – ca. 100 Hm unterhalb der

kleinen Hahnleshütte; steiler Schlussanstieg

zur Verborgenen Gratscharte

Ausgangspunkt: Muttekopfhütte

(1934 m)

Route: Imster Höhenweg – Larsennjoch

(2500 m) – Brunnkarjöchl

(2510 m) – Verborgene Gratscharte

(2250 m) – Steinseehütte

3 Steinseehütte –

Memminger Hütte

▶ schwierig 6–8 Std.

1700 Hm 1600 Hm

Charakter: Anspruchsvolle Etappe

mit drei sehr steilen Übergängen

(bergab); die Leiterscharte muss

meist zumindest zum Teil abgestiegen

werden, weil felsig.

Ausgangspunkt: Steinseehütte

(2061 m)

Route: Roßkarschartl – Roßkar-Spitze

– Bittrichkopf (2698 m) – Leiterjöchl

(2515 m) – Oberlahmsjöchl (2505 m)

– Memminger Hütte (2242 m)

4 Memminger Hütte –

Ansbacher Hütte

▶ schwierig 7–9 Std.

2000 Hm 1900 Hm

Charakter: Ebenfalls sehr anspruchsvolle

Etappe, extrem steile Abfahrt

von der Wegscharte (immer sehr

harter Schnee, da früh am Morgen

gestartet wird), schwierig zu fi ndende

Abfahrt von der Schafscharte;

die Querung vom Flarschjoch zur

Ansbacher Hütte ist sehr steil

und sollte möglichst in der Flanke

der Samspitze umgangen werden.

Ausgangspunkt: Memminger Hütte

(2242 m)

Route: Wegscharte – Schafscharte

(2556 m) – Stierloch – Winterjöchl

(2528 m) – Knappenbödensee

(2175 m) – Flarschjoch (2464 m) –

Ansbacher Hütte (2376 m)

5 Ansbacher Hütte –

Leutkircher Hütte

▶ schwierig 6–8 Std.

2200 Hm 2200 Hm

Charakter: Überschreitung der

Vorderseespitze zu Beginn der langen

Etappe mit sehr steilen Passagen

in Aufstieg und Abfahrt; im letzten

Viertel des Kaisertals auf die andere

Talseite wechseln, um so schnellstmöglich

ins Almajurtal zu kommen

Ausgangspunkt: Ansbacher Hütte

(2376 m)

Route: Flarschjoch (2464 m) –

Vorderseespitze (2889 m) – Hinterseejoch

(2482 m) – Kaisertal – Almajurtal

– Glogger – Leutkircher Hütte

6 Leutkircher Hütte –

Lechtalstraße

▶ mittel 6–8 Std.

1500 Hm 2300 Hm

Charakter: Etwas sanftere Etappe

(nur der Aufstieg zum Bacheregg

ist sehr steil); im Bereich Kartellbodenalpe

– Erlispitze trifft man meist

auf Skispuren von Variantenfahrern,

die von der Valluga kommen.

Ausgangspunkt: Leutkircher Hütte

(2261 m)

Route: Bacheregg – Gamskar-

Scharte (2534 m) – Kartellboden alpe

(1919 m) – Übergang bei Punkt

2495 m – Krabachtal – Jöchle –

Bockbachtal – Lechtalstr. (1150 m)

34 Bergsteiger 01⁄14


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REPORTAGE

Unterwegs mit einem Lawinenhundeführer

Auf Schnupper-

36 Bergsteiger 01⁄14


Den Ernstfall proben: Für Skitourengeher

empfiehlt sich ein Kurs

zur Suche von Verschütteten.

Bei einem Lawinenabgang

entscheiden

Minuten über das

Leben von Verschütteten.

Oft orten

die Suchhunde der

Bergwacht die

Menschen in den

Schneemassen.

Und Bergsportler

können in Lawinenkursen

lernen, wie

sie ihre Kameraden

im Ernstfall finden

und bergen.

Von Janek Schmidt

Kurs

Bergwacht-Hundeführer Michael

Meder sucht mit Hund Spike immer

wieder Verschüttete.

Fotos: Janek Schmidt, Stephan Harvey

01⁄14 Bergsteiger 37


Wenn die Schneemassen Menschen begraben haben, entscheiden Minuten über Leben und Tod.

Es ist ein schöner Tag mit starkem

Schneefall, wie ihn Michael Meder

eigentlich liebt. Bei jedem

Schritt knirschen die Flocken

unter seinen Füßen und geben

dem Hundeführer der Bergwacht Bayern

das ersehnte Gefühl von Nähe zur Natur.

Doch dann geht er um einen Bergrücken

im Garmischer Skigebiet und sieht, dass die

Natur diesmal zu nah gekommen ist: Wo

eben noch vier Personen am Pistenrand

standen, liegt nur noch das Schneegeröll

einer Lawine.

Eigentlich hatte sich Meder eine Woche

Urlaub genommen, um mit seinem Schäferhund

Spike an der jährlichen Bergwacht-

Fortbildung der Suchhundestaffel Hochland

teilzunehmen. Doch während der

Übung am Garmischer Osterfelderkopf kam

Schnee außerhalb der Piste ins Rutschen

und verschüttete einen Skifahrer und drei

von Meders Kollegen. Es ist eine Häufung

von Zufällen und großes Pech – doch gepaart

mit dem Glück, dass Helfer der Bergwacht

in der Nähe sind, die gerade erst ihr

Lawinen-Wissen aufgefrischt haben.

So erinnert sich auch Meder, während er

zum Unfallort rennt, an die Arbeit und

die langen Übungen mit seinem Hund

Spike. 2010 hatte er den damals drei Monate

alten Welpen für 300 Euro gekauft

und begann bald mit dem Training erster

Unterordnungs-Befehle und der Verschütteten-Suche.

Dafür stieg Meder immer

wieder in Schneelöcher, um sich dort von

Spike finden zu lassen. Zunächst kletterte

er noch deutlich sichtbar in eine flache

Kuhle. Doch mit

der Zeit entfernte er

sich immer weiter

von seinem Hund

und grub sich tief in

den Schnee ein. Da

Spike inzwischen

bei diesen Übungen

sein Herrchen und

auch andere Personen

erschnüffeln

kann, ist er zu einem

Lawinen-Hund

der Kategorie B aufgestiegen

und könnte

bald sogar die

höchste Kategorie

C erreichen. Doch

diese Formalitäten

Das LVS-Gerät muss bei der

Feinsuche dem Boden nah sein.

sind nun unwichtig, denn jetzt müssen vier

Verschüttete gefunden werden. Dafür sind

die Bedingungen nicht schlecht.

Am besten starker Körpergeruch

Denn der Schneerutsch ereignete sich in nur

100 Metern Entfernung des Trainingsfeldes,

und so müssen die Lawinenhunde keinen

langen Weg zur Unfallstelle zurücklegen.

Stößt man auf Verschüttete,

federt die Sonde leicht zurück.

Fotos: Janek Schmidt (3), Josef Mallaun, LWZ

38 Bergsteiger 01⁄14


»Der Hund sollte

nie müde am

Lawinenkegel

ankommen,

sonst ist er unkonzentriert.«

»Der Hund sollte nie müde am Lawinenkegel

ankommen«, hatte Meder am Vortag

noch erläutert, »sonst ist er unkonzentriert,

und wenn er zu schnell hechelt, wird seine

Nase trocken, dann riecht er nicht mehr

gut«. Zudem kommt den Hunden entgegen,

dass an diesem kalten Tag auf etwa 2000

Metern Höhe Minusgrade herrschen, und

der neu gefallene Pulverschnee trocken

und grobporig ist. Somit steigt der Geruch

von Verschütteten besser auf als bei einer

Nassschneelawine. Am besten funktioniert

es, wenn Lawinenopfer starken Geruch absondern,

weil sie verschwitzt sind oder vor

Schock in die Hose gepinkelt haben.

Normalerweise würde Meder eine spezielle

Sonde mit einem angebundenen Stoffband

aus dem Rucksack holen, sobald er am Lawinenfeld

ankommt. Das Stoff band dient

als Windmesser und zeigt ihm, wo er Spike

zum Suchen ansetzen muss: am windabgewandten

Ende des Lawinenfelds. Also dort,

wo der Wind erst über die Schneebrocken

zieht, bevor er auf den Hund trifft und

Am besten kann der Lawinenhund die Verschütteten an

starkem Schweiß- oder Uringeruch orten.

ihm so den Geruch der Lawinenopfer zuträgt.

Doch hier am Osterfelderkopf ist der

Schneerutsch überschaubar, so dass schnell

zu erkennen ist, wo die Verschütteten etwa

liegen müssen. Schnell helfen Meder und

weitere Kollegen drei Verschütteten, sich

aus dem Schnee zu befreien. Doch vom vierten

Lawinenopfer fehlt zunächst jede Spur.

Mit schnellen, kräftigen Bewegungen schaufeln

die Helfer nun weiter. Immer tiefer graben

sie sich in den Schnee und nach knapp

zehn Minuten befreien sie letztlich den vierten

Verschütteten. Um sich zu versichern,

dass keine weiteren Menschen unter den

Schneemassen liegen, führen drei Mitarbeiter

der Bergwacht ihre Suchhunde über den

Lawinenkegel und geben bald Entwarnung.

Diese Suche zeigt zwar, wie nützlich Hunde

wie Spike nach Lawinenabgängen sein können.

Doch entscheidend ist meist die schnelle

Hilfe durch andere Bergsportler.

Signale langsam suchen

Um Trainingsmöglichkeiten für solche

Ernstfälle zu bieten, haben

die Alpenvereins-Sektionen

München und Oberland zwei

spezielle Anlagen mit fernsteuerbaren,

vergrabenen Lawinenpiepsern

am Spitzing

installiert. Dort finden jeden

Winter Kurse für Anfänger

und Fortgeschrittene statt.

Einige dieser Übungen leitet

der erfahrene Alpinist Sepp

Scheichenzuber. Er hat auch

an einem Sonntag im Hochwinter

wieder acht Teilnehmer

eines Fortgeschrittenenkurses

um sich versammelt

und wiederholt mit ihnen

zunächst die vier Phasen eines

Lawineneinsatzes:

TIPP

Jedem Wintersportler

sollte die Lawinengefahr

bewusst sein.

Zehn Tipps zur

Rettung von

Verschütteten

1 Notruf: Eingeschaltete Handys nutzen

ihr Vertrags-Netz, das aber in manchen

Berg lagen schlechten Empfang bietet.

In dem Fall schaltet man sein Handy vor

einem Notruf erneut ein und wählt statt des

PINs die Notrufnummer 112. Dann sucht

das Handy das am besten verfügbare Netz.

2 Organisation: In Gruppen übernimmt

ein Retter die Koordination und weist

zunächst alle Helfer an, ihr LVS-Gerät auf

»Suchen« (oder auf »Aus«) zu schalten.

3 Grobsuche: Wenn man zu Beginn der

Grobsuche dem Pfeil auf seinem LVS-Gerät

folgt und dennoch die Entfernungsanzeige

steigt, so läuft man auf der Feldlinie in

die falsche Richtung. Dann dreht man sich

um 180 Grad und läuft zurück.

4 Feinsuche: LVS-Geräte werden sehr

langsam über der Schneedecke geführt

und dabei nicht gedreht (das würde die

Berechnung der Entfernung stören).

5 Sondieren I: Am Hang sondiert

man nicht lotrecht nach unten, sondern

senkrecht zur Schneeoberfl äche.

6 Sondieren II: Stößt man beim

Sondieren auf den Verschütteten, merkt

man das daran, dass die Sonde nach

dem weichen Aufprall auf den Menschen

ein wenig nach oben zurückfedert.

7 Schaufeln I: Hat man den Verschütteten

beim Sondieren erspürt, lässt man

die Sonde zur Orientierung beim Schaufeln

im Schnee stecken.

8 Schaufeln II: Man gräbt nicht direkt

von oben zum Verschütteten, da man

so eine Atemhöhle zertreten kann, sondern

geht (etwa um das 1,5-fache der Verschütteten-Tiefe)

hangabwärts und schaufelt

dann seitlich nach unten.

9 Bergung: Man gräbt schnellstmöglich

einen Luftkanal zum Gesicht des

Ver schütteten, befreit dessen Mund und

Rachen von Schnee und öffnet seine

Atemwege durch Überstrecken des Kopfes.

10 Erste Hilfe: Nach dem Ausgraben

schützt man den Geborgenen vor Wind,

indem man ihn mit Alu-Rettungsfolie

und Biwaksack umwickelt und in eine

Schneemulde legt, die zur Isolation mit

Kleidung und Rucksäcken ausgelegt wird.

01⁄14 Bergsteiger 39


»Ihr müsst jetzt

drei Verschüttete

finden«, sagt

Scheichenzuber

und startet

die Stoppuhr.

Die Nassschneelawine entsteht vor allem im Frühjahr.

KOMPAKT

Die Hubschrauber-Rettung der Bergwacht

Wenn in den Alpen ein Arzt

oder ein Lawinenhund

zur Suche von Verschütteten

benötigt wird, ist fast immer

ein Hubschrauber das

schnellste Transportmittel.

Zwar hat die Bergwacht

Bayern für ihre etwa 1400

Flüge pro Jahr keine eigenen

Helikopter, doch bekommt

sie Unterstützung von fünf ver -

schiedenen Organisationen

(ADAC, Bundeswehr, Deutsche

Rettungsfl ugwacht sowie

Bundes- und Landespolizei).

Deren Hubschrauber stehen

an fünf Standorten in Bayern:

Nürnberg, München, Kempten,

Murnau und Traunstein. Bei

günstigem Wetter erreichen

die Maschinen viele Unfallorte

in weniger als 30 Minuten.

Doch bei Sturm, schlechter

Sicht, Einsätzen an hohen Gipfeln

oder auch bei Auslastung

der Helikopter kann es länger

dauern. Dann helfen auch

Hubschrauber aus Österreich

oder der Schweiz. Die Kosten

für den Einsatz trägt bei

medizinischen Notfällen normalerweise

die Krankenkasse.

Doch wenn sich Bergsportler

verlaufen, müssen sie ihre

Vermisstensuche und Bergung

per Helikopter selbst bezahlen

– und das ist teuer: Jede

Flugminute kostet zwischen

50 und 90 Euro.

erst die Signalsuche, bei der die Retter das

Lawinenfeld in 20 Meter breiten Streifen ablaufen,

um ein Signal von den LVS-Geräten

der Verschütteten zu bekommen; dann

folgt die Grobsuche, bei der die Teilnehmer

den Pfeilen auf ihren Lawinenpiepsern

folgen und sich so im Laufschritt dem

Verschütteten nähern. »Achtung, wenn du

auf dem Display weniger als zehn Meter

Abstand siehst, solltest du im Schritttempo

weitergehen«, ruft Scheichenzuber einem

Teilnehmer zu. »Die Geräte müssen so viel

rechnen, da erscheint die richtige Anzeige

mit bis zu zwei Sekunden Verspätung.«

Somit verlangsamen sich die Bewegungen

nun und werden noch präziser, als die Retter

bis auf drei Meter an den Verschütteten

herankommen. Für diese dritte Phase, die

Feinsuche, bücken sich die Retter zu Boden.

Behutsam führen sie ihre LVS-Geräte direkt

über der Schneedecke, bis sie zu der Stelle

mit der geringsten Entfernungs-Anzeige

gelangen. Dort nehmen sie schließlich ihre

Fotos: Janek Schmidt (2), Walter Alkofer, Thomas Hafenmair (beide LWD Bayern), Christian Rath

Sepp Scheichenzuber aktiviert für die Übung vergrabene LVS-Geräte.

Auch richtiges Schaufeln muss man lernen; am besten in V-Form

40 Bergsteiger 01⁄14


Die typische Gefahr für Bergsportler:

Hier könnte eine Gleitschneelawine abgehen.

KOMPAKT

Beim LVS-Training

den Ernstfall üben

Der DAV bietet für Einsteiger und Fortgeschrittene

Kurse an, mit denen Wintersportler

die Suche nach Verschütteten

mit LVS-Geräten trainieren können.

Preis: ab 39 Euro

Infos und Buchung: www.davplus.de

oder telefonisch bei den Servicestellen des

DAV München und Oberland, z. B. am

Hauptbahnhof München, Tel. 0 89/5 51 70 00

oder am Isartor, Tel. 0 89/2 90 70 90.

Auch kommerzielle Anbieter, wie die

Bergsportagentur »Alpinwerkstatt« haben

LVS-Trainings im Programm.

Infos und Buchung: www.lawinenkurse.de,

Tel. 0 80 24/6 08 99 00

10 €

GUTSCHEIN für

BERGSTEIGER-LESER

Sonde für die Punktortung, um den Verschütteten

genau zu lokalisieren.

»Das Ganze üben wir jetzt gleich zehn Mal,

weil ihr dann im Ernstfall viel schneller

seid«, sagt Scheichenzuber und geht zu einem

großen Fernsteuerungskasten. Mit den

acht Knöpfen der Anlage aktiviert er vergrabene

LVS-Geräte am Hang und gibt seinen

Schülern gleich eine schwierige Aufgabe:

»Ihr müsst jetzt drei Verschüttete finden«,

sagt er und startet die Stoppuhr. Als zwei

Kursteilnehmer in dieselbe Richtung aufbrechen

und vergessen, einen Rand des Lawinenfeldes

abzusuchen, merken sie schnell,

wie wichtig es ist, zuerst einen Verantwortlichen

für die Koordination zu bestimmen.

Und auch für spätere Versuche steigert

Scheichenzuber die Schwierigkeit weiter.

So schickt er nach einiger Zeit einen Statisten

zur Suchmannschaft, der sich als zufällig

vorbeigekommener Tourengeher ausgibt

und helfen möchte. In der Aufregung

vergessen die Teilnehmer, diesen Passanten

Mit gewaltiger Kraft fegen Lawinen über ihre Umgebung.

daran zu erinnern, seinen Lawinenpiepser

auszuschalten, und wundern sich mehrere

Minuten lang über die neuen Störsignale.

Schaufeln in V-Form

Noch länger als diese Suche dauert bei den

meisten Lawinenunfällen jedoch das Ausschaufeln

der Verschütteten. Scheichenzuber

lässt seine Schüler daher mehrere Löcher

am Hang graben. Dabei erläutert er eine

Technik, die der Lawinen-Forscher Manuel

Genswein bei einem Feldversuch mit Freiwilligen

in Norwegen zur Perfektion gebracht

hat: »das V-förmige Schneeförderband«.

Dazu stellen sich die Helfer in V-Form auf

und graben den Schnee von der Unfallstelle

in zwei Richtungen nach hinten weg. Um

Kraft zu sparen, heben sie die schneebeladenen

Schaufeln nicht zu hoch, sondern

führen sie eng über dem Boden. Zudem

rotieren sie spätestens alle vier Minuten in

der V-Formation, um immer wieder andere

Muskeln zu nutzen und nicht zu ermüden.

»Es ist gar nicht so einfach, zu

viert ein Loch zu schaufeln, ohne

sich gegenseitig in die Füße

zu hacken«, keucht nach der

Übung die Kursteilnehmerin

Nicola Saunders. »Aber wenigstens

weiß ich jetzt, was auf mich

zukommt, falls ich wirklich mal

jemanden ausgraben muss.« ◀

Stephan Harvey, Hansueli Rhyner,

Jürg Schweizer: »Lawinenkunde

– Praxiswissen

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zu Gefahren, Risiken und

Strategien« 192 Seiten,

Bruckmann Verlag,

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AUF TOUR

Faszination Winterwandern

Bindungslos

Am Alpenrand gibt es Tourenziele, die oft im Sommer zu

heiß, im Herbst zu überlaufen oder zeitweise gesperrt,

aber gerade im Winter für Wanderer zu empfehlen sind.

Von Michael Pröttel (Text und Fotos)

44 Bergsteiger 01⁄14


Südseitiger Aufstieg zum Jochberg;

unten glitzert der Walchensee.

»

Markanter Temperatursturz

mit anhaltenden Schneefällen.«

Solch unmissverständliche

Wetterprognosen wie

diese jagen passionierten

Wanderern ab November Schreckensschauer

über den Rücken. Während eingefleischte

Skitourengeher bei solchen Vorhersagen

freudestrahlend ihre Bretter aus dem Keller

holen, ist für Fußgänger »Schluss mit lustig«.

Klar ist: Wer in der kalten Jahreszeit

nicht wenigstens auf Schneeschuhe ausweicht,

ist in den kommenden, »dunklen«

Monaten zum Nichtstun verdammt. Oder

vielleicht doch nicht?

Schicksalhafte Begegnung

Meter um Meter kämpfst du dich durch den

vom hart gefrorenen Untergrund ständig

abrutschenden Neuschnee, während deine

Freundin zum zweiten Mal ihre Felle verliert.

Das allein könnte man mit ein wenig

Sportsgeist vielleicht noch wegstecken, wäre

da nicht diese rüstige Rentnerin: »Kopf hoch.

Weit ist’s nimmer«, lacht diese – auch noch

etwas beleibte – Dame und steigt auf einer

bereits ausgetretenen Fußspur mühelos an

uns Skibergsteigern vorbei. Ehrenwort, diese

unvergessliche Begegnung wurde nicht als

Intro für diesen Artikel zusammenfantasiert,

sondern fand vor einigen Jahren an der

Nordflanke des Heimgartens – wenn Sie’s

ganz genau wissen wollen – zwischen Bärenfleck

und Feichtl statt. Damals dämmerte

mir zum ersten Mal, dass Fußgänger im Winter

auch einmal die Nase vorn haben können.

Vor allem aber, in demselben Maße, wie

mein Tourenarchiv größer wurde, wuchs

auch die Erkenntnis: Manche Winter-Ziele

sind zu Fuß besonders reizvoll – wenn man

warme Socken, gute Winterstiefel, ordentliche

Gamaschen und ein Paar Stöcke sein

Eigen nennt.

Wo es im Sommer untersagt ist

Lohnende Winterziele für Fußgänger lassen

sich grundsätzlich in drei Kategorien einteilen,

von denen die erste all jene besonders

ansprechen wird, die ein Faible für »verbotene

Orte« haben.

Damit seltene Wiesenbrüter nicht von Wanderern

gestört werden, ist es beispielsweise

im gesamten Sommerhalbjahr absolut tabu,

einen wunderschönen Pfad am Staffelsee-Westufer

zu betreten. Von November

bis Ende Februar interessiert es hingegen

weder Brachvogel noch Wachtelkönig, ob

man unter den uralten, verschneiten Eichen

am Rande des Obernacher Moos einen

unvergesslichen heißen Tee genießt.

Wer sicher gehen will, dass keine kal-

Im Sommer ist der Pfad am Staffelsee-

Westufer gesperrt.

Die Tour auf das Mittlere Hörnle mögen

Winterwanderer und Skitourengeher.

Die Partnachklamm ist im Winter noch

wesentlich beeindruckender als im Sommer.

01⁄14 Bergsteiger 45


TOUREN

Winterwandern am Alpenrand

Wer am richtigen Tag zum richtigen Ziel unterwegs

ist, kann auch als Fußgänger großartige Tourentage

im Schnee erleben. Hier einige Vorschläge.

Uralte Eichen am

Westufer des Staffelsees

1 Eistobel

4 Pähler Schlucht

7 Jochberg (1565 m)

9 Heimgarten (1791 m)

▶ mittel 3 Std.

▶ mittel 3 Std.

50 Hm 50 Hm

▶ leicht 3½ Std.

730 Hm 730 Hm

▶ schwierig 5 Std.

1070 Hm 1070 Hm

100 Hm 100 Hm

Charakter: Landschaftlich einmalige

Schluchtwanderung. Im Winter ist der

Eistobel offi ziell gesperrt, die Wege

werden weder geräumt noch gestreut.

Deshalb wird die Mitnahme von

Grödeln, eventuell sogar Steigeisen

empfohlen.

Ausgangspunkt: Argentobel-Brücke

bei Maierhöfen

Route: Argentobel-Brücke – Zwinger

– Wasserfall Eissteg – Zwinger –

Argentobel-Brücke

2 Breitachklamm

▶ mittel 2 Std.

150 Hm 150 Hm

Charakter: Glitzernde Eiszapfen

und erstarrte Wasserfälle verleihen

der Breitachklamm im Winter

noch mehr Zauber als im Sommer.

Zudem ist die tiefste Klamm

Deutschlands zu dieser Zeit

auch weniger stark frequentiert.

Ausgangspunkt: Haupteingang

Breitachklamm

Route: Haupteingang – Breitachklamm

– Oberes Kassenhäuschen

und zurück. Alternativ kann

der Rückweg über Zwingsteg und

Dornachalpe erfolgen.

3 Hoher Peißenberg

▶ leicht 2½ Std.

200 Hm 200 Hm

Charakter: Vergleichsweise kurzer

Anstieg, der – bei klarer Winterluft –

mit einer großartigen Aussicht

auf die Ammergauer und Allgäuer

Alpen belohnt. Aufgrund der südseitigen

Lage im Winter auch immer

mal wieder schneefrei zu begehen.

Ausgangspunkt: Alpenblickstraße

Hohenpeißenberg

Route: Hohenpeißenberg – Bergstraße

– Hoher Peißenberg –

Bergstraße – Hohenpeißenberg.

Charakter: Großartige, wilde

Schluchtwanderung, da der frühere

Weg nicht mehr instand gehalten

wird und sich der Pfad von Jahr zu

Jahr verändert. Von daher ist gute

Trittsicherheit erforderlich.

Ausgangspunkt: Parkplatz der

Hirschbergalm (geschlossen) direkt

an der B2

Route: Hirschbergalm – Pähler

Schlucht – Großer Wasserfall – Pähler

Schlucht – Hirschbergalm. Danach

unbedingt noch den kurzen Anstieg

zum oberhalb gelegenen Aussichtspunkt

machen.

5 Staffelsee-Westufer

▶ leicht 4 Std.

50 Hm 50 Hm

Charakter: Sehr schöne Ufer- und

Moorwanderung zu einem wunderschö

nen, mit uralten Eichen bestandenen

Platz am Westufer. Dieser darf

nur im Winterhalbjahr betreten werden.

Ausgangspunkt: Uffi ng

Route: Bhf. Uffi ng – Fußballplatz

– Staffelsee-Nordufer – Obernacher

Moos – Staffelsee-Südufer

– Bhf. Murnau.

Tourenkarte 3

Heftmitte

6 Mittleres Hörnle (1496 m)

▶ leicht 3 Std.

650 Hm 650 Hm

Charakter: Der beliebte Südanstieg

ist im Winter vor allem deshalb zu

empfehlen, weil nach Schneefällen

meistens vergleichsweise früh eine

Fußgänger-Spur anzutreffen ist.

Zudem apert die Sonnenfl anke

im Winter immer wieder im unteren

Teil aus, was die Skitourengeher

ärgert und die Fußgänger freut.

Ausgangspunkt: Parkplatz Kappel

Route: Kappel – Mittleres Hörnle

(– Hörnlehütte) – Mittleres Hörnle –

Kappel

Charakter: Wunderschöne Tour

mit großartiger Aussicht, die den

gesamten Winter über nach Schneefällen

schnell wieder gespurt wird.

Mit Skitourengehern kommt man sich

dort bestimmt nicht ins Gehege.

Ausgangspunkt: Kesselbergsattel

Route: Kesselbergsattel –

Jochberg – Kesselbergsattel

8 Herzogstand (1731 m)

Tourenkarte 2

Heftmitte

▶ mittel 4½ Std.

930 Hm 930 Hm

Charakter: Wie beim Jochberg wird

auch die Südfl anke unterhalb der

Herzogstandhütte nicht von Skitourengehern,

sondern von Fußgängern

gespurt. Ab der Bergunterkunft ist

die Spur auf den Serpentinen der

Gipfelfl anke noch breiter ausgetreten.

Ausgangspunkt: Talstation der

Herzogstandbahn

Route: Talstation – Herzogstandhaus

– Herzogstand – Herzogstandhaus –

Talstation

Charakter: Das richtige Ziel auf der

Suche nach Bergeinsamkeit: Im Gegensatz

zu Jochberg und Herzogstand

kann es hier passieren, dass man

selbst die erste Fußspur anlegt.

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz

östlich von Ohlstadt

Route: Ohlstadt – Bärenfl eckhütte

– Heimgarten – Bärenfl eckhütte –

Ohlstadt

10 Partnachklamm

▶ leicht 2 Std.

70 Hm 70 Hm

Charakter: Wie die Breitachklamm

ist auch die Partnachklamm eine

der wenigen Klammen, die im Winter

offi ziell geöffnet sind. Von daher

sind die Wege mit gutem Schuhwerk

problemlos und die landschaftlichen

Reize noch größer als im Sommer.

Ausgangspunkt: Olympisches

Skistadion

Route: Skistadion – Klammeingang

– Klammende – Klammeingang –

Skistadion

46 Bergsteiger 01⁄14


ten, weil feuchten Füße den Spaß verderben,

sollte ein paar Frostnächte abwarten.

Der Pfad quert zuvor einen nicht ganz trockenen

Moorabschnitt. Selbiges gilt für die

meisten Durchquerungen von Moor- und

Schilfgebieten, wie beispielsweise die direkte

Umrundung des Maisinger Sees, – ein

Gebiet, das ebenfalls aus Naturschutzgründen

nur im Winter betreten werden darf.

Wo es im Winter besonders schön ist

Für die nächste Wintertouren-Kategorie ist

klirrender Frost nicht nur zu empfehlen,

sondern ein absolutes Muss. Diese führt

nämlich zu gefrorenen Wasserfällen: Ein

vergleichsweise unbekanntes Eis-Schmankerl

ist die Pähler Schlucht nordöstlich von

Weilheim. Dass man hier auch an Wochenenden

keinen Andrang zu erwarten hat,

liegt ziemlich sicher daran, dass der Weg

durch die wirklich wilde Schlucht seit einigen

Jahren nicht mehr instand gehalten

wird. So ist auf dem schmalen Pfad, dessen

Verlauf sich wegen umgestürzter Bäume

immer wieder mal ändert, gute Trittsicherheit

gefordert. Nicht nur einmal muss der

Schluchtbach an geeigneten Stellen überquert

werden. Wer Trekkingstöcke dabei

hat, ist deshalb bestimmt nicht im Nachteil.

Die Pähler Eisformationen sind zwar nicht

ganz so spektakulär wie im Eistobel bei Isny,

in der Breitach- oder der Partnachklamm,

Der Frost hat die Natur am Gipfel des

Jochbergs verzaubert.

Imposante Eiszapfen zieren bei klirrender

Kälte die Wände der Pähler Schlucht.

Es müssen nicht

immer Tourenski

sein – manche

Winterziele sind

zu Fuß besonders

reizvoll.

dennoch werden nicht nur Kinder über die

Eiszapfen-Vorhänge an den Schluchtwänden

und den imposanten Wasserfall am

Schluchtende staunen. Dieser erstarrt in

ganz kalten Jahren sogar zu einer komplett

freistehenden Eissäule.

Wo es im Herbst zu voll ist

Hörnle, Jochberg, Herzogstand – an schönen

Herbstwochenenden machen erfahrene

Bergwanderer um diese drei Berg-Promis einen

weiten, weiten Bogen. Bergeinsamkeit

findet zu dieser Jahreszeit mit Sicherheit anderswo

statt. Die sowohl von der Anreise als

auch vom Anstieg her schnelle Erreichbarkeit

ist der Grund ihrer außerordentlichen

Beliebtheit, prädestiniert das Trio andererseits

aber als perfekte Winter-Wanderziele.

Selbst an Werktagen werden alle drei Südanstiege

nach Neuschneefällen schnell wieder

von Fußgängern gespurt. Und was der Albtraum

eines jeden Skitourengehers ist – die

Wintersonne lässt die baumfreien Südflanken

von Hörnle und Herzogstand immer

wieder ausapern. Den Jochberg wiederum

werden Bergwanderer den ganzen Winter

für sich allein haben, da Skitourengeher

den teilweise dichten Waldgürtel scheuen

wie der Teufel das Weihwasser.


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INTERVIEW


Das große

-Interview

Christian Stangl

»Ich habe riesigen

Scheiß gebaut«

Erst machte er durch Geschwindigkeitsrekorde in den Weltbergen auf sich aufmerksam.

Dann kündigte er an, die jeweils drei höchsten Berge aller Kontinente zu besteigen.

Im Jahr 2010 ruinierte Christian Stangl seinen Ruf als »Skyrunner« – sein angeblicher

Gipfelerfolg am K2 war erlogen. Inzwischen hat er die »Triple Seven Summits« nachweislich

erklommen. Der BERGSTEIGER sprach mit ihm über Lüge, Scham und Läuterung.

Von Dominik Prantl und Michael Ruhland

Foto: Meike Birck

BERGSTEIGER: Wir haben uns sehr lange

überlegt, ob wir dieses Interview führen

sollen. Können Sie sich vorstellen, warum?

Christian Stangl: Ja sicher.

Und warum meinen Sie?

Wegen der 2010er-Geschichte am K2. Ich

komme aber nicht aus heiterem Himmel zu

Ihnen. Gerade habe ich drei Urkunden bekommen:

Beim Triple war es klar, doch das

Guinessbuch-Gremium hat mir auch die Second

Seven Summits zuerkannt. Ich dachte

mir: Am Ende siegt doch die Gerechtigkeit!

Eigentlich reklamiert ja Hans Kammerlander

den Rekord für sich, als Erster auf den

jeweils zweithöchsten Bergen der sieben

Kontinente gewesen zu sein?

Die recherchierten offensichtlich, und Hans

konnte nicht nachweisen, dass er in Ozeanien

auf dem zweithöchsten Berg stand. Ich

habe mich jetzt natürlich gefreut.

Die Freude dürfte aber recht überschaubar

sein. Die K2-Lüge haftet an Ihnen.

Ich habe sieben Jahre in mein Projekt gesteckt.

Und machte trotz des Durchhängers

2010 weiter, bestieg vorsorglich mehrere

der höchsten Gipfel in Ozeanien, weil keiner

genau wusste, welche Nummer 2 und

3 sind. Das war superinteressant. Für mich

war es wichtig, das Projekt zu Ende zu bringen.

Jetzt brauche ich mich nicht mehr zu

verstecken. Das war eine geile Geschichte.

Die Szene sieht das anders. Ines Papert

sagte im BERGSTEIGER-Interview:

»Ehrlichkeit ist das absolute Non-Plus-Ultra.

Wenn ich so etwas wie von Christian

Stangl mitbekomme, dann bekomme ich

Ausschläge, Schreikrämpfe. Wir Alpinisten

leben doch von dem Vertrauen der

Menschen in uns. So ein Trottel setzt das

Vertrauen aller aufs Spiel. Der ist für mich

absolut unten durch.«

Ich habe das nicht selbst gelesen. Eine Frau

schickte mir aber eine E-Mail, in der stand,

dass Ines mich im BERGSTEIGER als Trottel

bezeichnet. Das fand sie nicht okay, und ich

auch nicht.

Es geht um Werte wie Vertrauen, Ehrlichkeit

– nicht um das Wort Trottel. Haben

Sie seither mit Ines Papert gesprochen?

Nein.

Wie geht es Ihnen dabei, wenn Sie spüren,

dass die Szene Sie schneidet?

Ich bin komplett auf Ines’ Standpunkt. Es

geht um den Bruch des Vertrauens. Das darf

nicht sein. Ich glaubte früher auch einmal,

alle Bergsteiger seien ehrlich. Es ist ein bisserl

so wie bei dem Weinskandal damals

in Österreich. Erst dachten alle, einer habe

einen Scheiß gebaut. Dann aber stellte sich

heraus, dass dort und dort gepanscht wurde.

Aber Ines hat Recht: Ich werde niemals mehr

behaupten, irgendeine Leistung vollbracht

zu haben. Eines habe ich gelernt: Ich darf

als Bergsteiger nie »nach meinen Angaben«

sagen. Das sollen andere feststellen. Deshalb

waren meine Triple Seven Summits so wichtig.

Ich habe jegliche mögliche Beweisführung

erbracht. Ich war auch in den Alpen

auf den drei Höchsten, weil es Geografen

gibt, die den Kaukasus zu Asien zählen.

01⁄14 Bergsteiger 49


Aufstieg zum Shkhara

(5193 m), dritthöchster

Berg Europas

Gewalttour: von Österreich

in den Kaukasus

per Fahrrad plus Ski

Christian Stangl

beim Vermessen

eines Gipfels

Dann rächten Sie sich.

Nein, aber ich wollte Gerechtigkeit und

schickte die Nachricht ein paar Journalisten.

Mich nervte einfach, dass einer mehrere

kleine Böcke schoss, die vertuscht

wurden. Hans behauptete munter weiter,

dass er die Second Seven Summits als Erster

erreicht habe. Und die Medien nahmen das

auf. Was kann Journalismus, was darf er?

Sie haben neutrale Beurteiler wie den Chronisten

Eberhard Jurgalski herangezogen.

Herr Jurgalski schickte mir bereits vor über

einem Jahr eine E-Mail und bat mich, all

meine Gipfelgänge zu verifizieren. Mein

Fall hat sicherlich die Szene belebt. Man ist

generell skeptischer: Gibt es ein Bild, einen

Film, der die Besteigung beweist? Mir hat

mein Verhalten geschadet, keine Frage.

Aber auch ihr Journalisten seid aufgerufen

zu hinterfragen, ob Angaben von Alpinisten

überhaupt stimmen. Jurgalski hat nicht

bestätigte Besteigungen aufgelistet. Darum

habe ich jetzt die Urkunde bekommen.

Weil Jurgalski Hans Kammerlander nachweisen

konnte, dass er auch nicht auf dem

zweithöchsten Gipfel Ozeaniens stand?

Ja. Jurgalski geht es nur um Fakten. Ihm

sind Personen vollkommen egal.

Sie waren mit Kammerlander gemeinsam

auf dem Mount Tyree in der Antarktis.

Wie ist ihr aktuelles Verhältnis?

(lacht gequält) Ich habe versucht, ihn anzurufen,

er hebt einfach nicht ab. Bevor wir zum

Tyree fuhren, hatte ich ihn darauf angesprochen,

warum er sich nach meiner K2-Sache

sofort vor die Kamera stellte. Ich fragte ihn:

»Warum hältst du dich nicht einfach raus?«

Er antwortete nicht. Ich berichtete ihm von

meinen Nachforschungen zum Trikora in

Indonesien. Der sei ziemlich sicher nicht der

zweithöchste Berg, sondern eher der vierthöchste.

Ich hatte ja eigens Vermessungsaktivitäten

gestartet. Meinen Hinweis ignorierte

er. Im Dezember 2012 stellte sich dann

noch heraus, dass Hans gar nicht auf dem

Logan-Gipfel war. Ich rief ihn an und sagte,

dass er den gleichen Scheiß wie ich gemacht

und Blödsinn verzapft habe und das von sich

aus bereinigen solle. Auch das ignorierte er.

Können Sie nachvollziehen, dass Ihre

K2-Gipfellüge gepaart mit Ihrem Hinweis

auf Kammerlanders Irrtum am Logan

vielen in der Bergsteiger-Szene aufstößt?

Das war mir schon bewusst. Andererseits

dachte ich mir: Wenn andere auch Fehler

machen, muss man darauf hinweisen.

Sie haben damals Ihre Lüge nicht gleich

zugegeben. Sie sagten so etwas wie:

»Ich wähnte mich am Gipfel.« Warum?

Wir sind Bergsteiger und wollen auf den

Gipfel. Ich war gekränkt, wusste, dass ich

einen Kardinalfehler gemacht hatte – ich

hatte einen Riesenscheiß gebaut. Ich war

aber anfangs zu stolz, das offen zuzugeben.

Jetzt, nach drei Jahren, kann ich es.

Hatten Sie Angst vorm K2?

Ja, hundertprozentig. Ich war insgesamt

fünf Sommer dort. Bei meinem Versuch

im Jahr 2008 kamen elf Bergsteiger an der

Schulter des K2 ums Leben. 2009 dachte

ich: Durch die Stelle muss ich wieder

durch. Wir kamen zu zwölft durch – Gerlinde

(Kaltenbrunner, Anm. d. Red.) war auch

dabei – mussten dann aber bei schönstem

Wetter umdrehen, weil wir zu spät dran

waren. Dann kam 2010, und mir platzte

Fotos: Archiv Christian Stangl (3), Meike Birck (3)

50 Bergsteiger 01⁄14


der Kragen. Ich merkte,

dass es nichts wird.

Ich dachte: Je öfter ich

hingehe, desto kleiner

wird meine Chance. 14

Leute waren ja schon

tot in den drei Jahren.

»Das Triple-Projekt hat mich reingerissen, aber es hat mich auch wieder rausgeholt aus der

Krise. Ich wollte es einfach abschließen.«

Wie war das dann,

nachdem Ihre K2-Lüge öffentlich wurde?

Ich musste wieder hin. Ich hatte eine Bringschuld

mir gegenüber. Ich musste das neutralisieren.

2011 kam ich wieder nicht bis

zum Gipfel. Der Berg wurde zu einem immer

größeren Problem für mich. Zu meinen

Freunden sagte ich: Entweder ich komme

rauf, oder es wird gar nichts mehr sein.

Was heißt »gar nichts mehr sein«?

Entweder komme ich rauf oder ich sterbe

am Berg. Ich wusste: Ich kann so nicht weiterleben;

mit dem, dass ich gesagt hatte, ich

war oben und war gar nicht oben.

Sie hatten Existenzängste?

Ich wollte mir nicht mit 60 die gleiche Geschichte

anhören müssen. Ich hatte Angst

vor der Verbitterung, das auch im Alter

noch eingestehen zu müssen.

Sie haben jetzt offiziell die Second Seven

Summits geschafft, die Third und damit

die Triple Seven Summits. Die Szene verweigert

Ihnen trotzdem den Respekt.

Das hat mehrere Gründe. Zum einen die

K2-Geschichte. Aber auch deshalb, weil ich

in ein Wespennest gestochen habe, als ich

»Ich bin komplett auf

Ines’ Standpunkt.

Es geht um den Bruch

des Vertrauens.

Das darf nicht sein.«

Hans Kammerlander nachwies, dass er auch

nicht die Wahrheit sagte.

Wie haben Ihre Sponsoren auf die K2-Lüge

reagiert?

Es blieb nur noch Mammut übrig.

Was sagte das Unternehmen zu Ihnen?

Ich sollte in die Schweiz kommen und war

mir sicher, dass mich der Chef Rolf Schmid

rauskickt. Stattdessen sagte er: »Christian,

du hast einen Riesenfehler gemacht. Du

kriegst aber eine zweite Chance. Mehr reden

wir nicht darüber, weil ich weiß, dass

du eh den ganzen Tag daran denkst. Du

kannst das Projekt zu Ende bringen.« Ich

dachte mir: Wow!

Das war der Kick, weiter zu machen?

Ja. Ich war zuvor ein halbes Jahr lang am

Boden. Mir ging’s dreckig. Letztlich hat

mich das Triple-Projekt reingerissen, aber

es hat mich auch wieder rausgeholt aus der

Krise. Ich wollte es einfach abschließen.

Sie sagten 2011 in einem Interview,

Sie seien lebensmüde gewesen.

Ich redete eine Zeitlang gar nicht mehr mit

den Medien, sagte meine Vorträge zu 90

Prozent ab. Interessanterweise kamen Firmen

zu mir und wollten, dass ich öffentlich

berichte, wie ich aus der Krise herausgekommen

sei. Dabei steckte ich noch in der

vollen Scheiße drin. Es musste Zeit vergehen,

damit ich es selbst reflektieren konnte.

Können Sie inzwischen Raus-aus-der-Krise-

Vorträge halten?

Ja. In meinen Vorträgen ist die K2-Geschichte

aktiv dabei. Darum heißt mein aktueller

Vortrag auch »Höhen und Tiefen«. Ich spreche

es so an, wie es ist.

Wie reagieren die Leute darauf?

Die Leistung Triple Seven Summits können

die wenigsten einstufen. Sie sehen aber:


Die Einsamkeit des

Gipfelsammlers:

Stangl in der Antarktis

Der höchste der Triple

Seven Summits:

Stangl auf dem Everest

Fotos: Archiv Christian Stangl

Da war einer ganz unten und hat trotzdem

weiter gemacht.

Es gibt den nicht sehr schönen, aber zutreffenden

Ausdruck »Shitstorm«, wenn

sich über das Internet und die sozialen

Netzwerke erboste Reaktionen über eine

Person ergießen. Wie war das bei Ihnen?

Es gab nur ganz vereinzelte Beschimpfungen.

Den Urhebern antwortete ich aber.

Sie haben solche Schmähungen nicht an

sich abprallen lassen?

Nein, ich schreibe immer zurück. Und bleibe

sachlich.

Bereuen Sie, sich einst das Etikett

»Skyrunner« gegeben zu haben?

Anfangs, bei den Seven Summits, war das

eine stimmige Sache. Bei den Second Seven

Summits ist es schon viel schwieriger

geworden. Wenn man nicht auf den K2

ZUR PERSON

Höhenflüge und Hochstapelei

Christian Stangl, geb. am 10. Juli 1966 in

Landl, Österreich, begann mit dem Höhenbergsteigen

Anfang der 1990er-Jahre. Schnelle

Gipfelbesteigungen in den Anden brachten den

gelernten Elektrotechniker auf die Idee, die

Geschwindigkeit zu einer neuen Disziplin an

den hohen Bergen zu machen. 2002 bestieg er

den Aconcagua (6962 m) in nur 4 Stunden 25

Minuten vom Basislager bis zum Gipfel. Fortan

nannte er sich Skyrunner. 2005 erreichte

»Mein Fall hat sicherlich

die Szene belebt.

Es bestärkt sie darin,

dass wir in den heutigen

Zeiten alles genau

belegen müssen.«

kommt, dann tritt die Geschwindigkeit logischer

Weise in den Hintergrund. Beim Mandala

(Puncak Mandala, Neuguinea, 4758 m,

dritthöchster Gipfel Australiens/Ozeaniens, Anm.

d. Red.) im Dschungel ist es gar nicht mehr

möglich, ein Basislager zu definieren. Ich

will aber nicht ausschließen, dass ich wieder

mal eine Speedgeschichte mache.

Gab es eigentlich noch etwas anderes

in Ihrem Leben außerhalb des Projekts

»Triple Seven Summits«?

Nein, da war ich einfach zu

tief drin. Und ich bin Rolf

Schmid von Mammut un-

Stangl zehn Sechstausendergipfel in nur sieben

Tagen. Sein Gipfelerfolg am Everest innerhalb

von einem Tag (ab Basislager) war der Auftakt,

alle Seven Summits in jeweils nur einem Tag zu

besteigen, das er 2007 abschloss. Sein Triple

Seven Summit-Projekt geriet ins Stocken, als

er 2010 fälschlicher Weise vorgab, auf dem K2

gestanden zu haben. Das nährte auch Zweifel

an früheren Rekorden. Im August 2013 schloss

er sein Projekt doch noch erfolgreich ab.

glaublich dankbar, dass ich das Projekt weitermachen

durfte.

Empfinden Sie jetzt eine Leere?

Ein wenig schon. Die Frage ist, was man mit

Blick auf die eigenen Fähigkeiten erreichen

kann. Es sind derart viele Facetten im Alpinismus

komplett abgedeckt. David Lama

steht zum Beispiel für schwerstes Klettern

auch in mittelgroßen Höhen. Mir bleiben

vielleicht die großen Höhen mit dem

Aspekt Geschwindigkeit und lange Überschreitungen,

die technisch nicht schwierig

sind.

Was bringt die Zukunft?

Das wollte ich Sie gerne fragen. Wohin geht

die Reise im Alpinismus?

Ich fürchte, dass das keiner aus

der Szene verlässlich beantworten

kann. Die Frage war auf Sie gemünzt.

Ich stehe für hoch, Abenteuer und

lange unterwegs. Aus der Erfahrung

meiner Vorträge weiß ich, dass die

Leute von Abenteuergeschichten begeistert

sind. Da ist noch einiges möglich.

Leichter wird es aber nicht. Ohne

perfekte Protokollierung mache ich

sicherlich nichts mehr. Meine Aktion

hat letztlich dazu beigetragen, dass jeder

Alpinist seine Taten lückenlos verifizieren

muss. Das hat die Szene auch verändert.

1986 zum Beispiel war das noch anders:

Messner und Kammerlander auf dem Lhotse

– es gibt keine Bilder vom Gipfel. Der

Erfolg war ein Dogma wie die unbefleckte

Empfängnis. Das geht heute nicht mehr.

Man muss Beweise liefern.


52 Bergsteiger 01⁄14


KOLUMNE

Gipfelshopping

Der DAV Summit Club bietet eine Everest-Besteigung

für 38 000 Euro an. Na und? Schließlich will der Bergreiseveranstalter

sein Angebot verkaufen. Nicht viel

anders, als wenn BMW seine SUVs anpreist. Oder?

In einer Podiumsdiskussion, die ich vor

Wochen besuchte, lobte der Moderator,

ein alpiner Fachjournalist, die Genügsamkeit

der Bergsteiger. Der Moderator

sagte das ohne jede Ironie. Ich wunderte

mich sehr. In den sogenannten Berghütten

begegne ich adrett gekleideten, frisch

riechenden Menschen, deren Rucksäcke

groß und gut gefüllt sind, die nach den

warmen Duschen fragen, aber nicht mehr

nach WLAN, denn das gibt es eh. Wer nur

15 Minuten zu Fuß durch die Münchner

Innenstadt geht, findet neben »Flagship«-

und »Marken-Stores« diverser Outdoorartikel-Produzenten

vier große Kaufhäuser,

die auf jeweils mehreren Etagen anbieten,

was genügsame Bergsteiger heute zum

Bergsteigen (oder wie man das alles nennt)

brauchen. Man bekommt dort zum Beispiel

dutzende verschiedene Teleskopstöcke mit

Griffen für Männer, Frauen und Kinder, in

naher Zukunft wahrscheinlich auch für Veganer

und Agnostiker.

In einem dieser Kaufhäuser befindet sich

das Büro des DAV Summit Club, der ehemaligen

Berg- und Skischule des Deutschen

Alpenvereins. 2015 wird der Summit Club

eine Bergtour auf den Mount Everest veranstalten.

Preis: 38 490 Euro. Darüber entrüsten

sich einige Menschen. Sie beklagen

die Kommerzialisierung der Berge und die

Sensationsgier. Auch darüber wundere ich

mich. Der Summit Club ist kein gemeinnütziger

Verein, sondern ein Reiseunternehmen.

Er muss Bergsteigern Berge verkaufen,

sonst verschwindet er vom Markt.

Und welche Berge wollen die Bergsteiger?

Der stellvertretende Geschäftsführer des

Summit Club, Manfred Lorenz, zählte sie

in der Süddeutschen Zeitung auf: Großglockner,

Matterhorn, Mont Blanc. Jetzt kommt

halt noch, aus Image-Gründen, der Everest

dazu. Kein Grund zur Aufregung. Was machen

denn Audi, BMW und Mercedes? Ihre

Kunden zum Kauf von kleineren Autos nötigen?

Eben.

Tröstlich: Kein Boom dauert ewig

Was heute Markt ist, also fast alles, muss

größer werden. Es gibt auch einen Mitgliedermarkt.

Im selben Kaufhaus, in dem der

DAV Summit Club sitzt, hat die DAV-Sektion

München & Oberland ihre Geschäftsstelle.

Sie ist die größte Sektion des Deutschen

Alpenvereins, der auf über eine Million

Mitglieder angewachsen ist. Die Sektion

München & Oberland hat rund 140 000

Mitglieder. Sie schickte mir ihren Kurs-,

Touren- und Veranstaltungskatalog 2014,

der 386 Seiten umfasst und viele Werbeanzeigen

enthält. Eine Eigenanzeige bewirbt

den »Alpintag 2013« (»Munich Mountains«)

in der BMW Welt, bei dem unter anderem

»neue Trends in der Ausrüstung« von den

»Ausrüstungspartnern« präsentiert werden.

Reiseveranstalter und Outdoorhändler

brauchen unseren Konsum ebenso wie

Banken und Autohersteller. Wie sehr wir

ihn brauchen, hängt von uns ab. Wir haben

die Wahl. Im Übrigen muss keiner verzweifeln,

denn nichts wächst ewig. Auch der

»Outdoor-Boom« wird zu Ende gehen. ◀

Foto: privat; Illustration: Max Baitinger

Axel Klemmer

ist im Alter von fünf Jahren von

Berlin nach München gezogen.

Seither lassen ihn die Berge

nicht mehr los. In den 1990er-

Jahren war er Redakteur beim

BERGSTEIGER. Der 50-Jährige

schreibt im Wechsel mit

Sandra Zistl, Eugen E. Hüsler

und Caroline Fink über das

Geschehen in den Bergen.

01 ⁄14 Bergsteiger 53


TIPP

12 Tourenkarten zum Mitnehmen

Die besten Touren aus Bergsteiger 01/14

Lechtaler, Berchtesgadener,

Walliser, Berner, Grajische Alpen

Abtrennen

Falten

Einstecken

10 Aletschhorn, lange, 1 Lechtaler Ski-

3 Staffelsee, flache

4 Sonntagshorn,

7 Große Reib’n 2,

12 Bärenalm, zweitägige

kombinierte Hochtour,

mäßig schwierig

Durchquerung, sehr anspruchsvoll,

sechs Tage

Wanderung auf guten

Wegen und Pfaden

unten gemütlich,

am Gipfelaufbau steiler

zweite Etappe einer

grandiosen Skitour Plateauwanderung,

sehr abwechslungsreich

9 Uia di Mondrone,

8 Marinellicouloir,

11 Hohe Munde,

2 Jochberg,

6 Große Reib’n 1,

lange und etwas steile

Bergtour auf Pfaden

grandiose Hochtour in

großer Wand

konditionell anspruchs -

volle Bergtour

unschwieriger Anstieg,

meist gespurt

anspruchsvolle, lange

Skitour für Erfahrene

5 Hochkönig,

lange, mittelschwierige

Skitour

GPS-Daten als Download unter www.bergsteiger.de, falls vorhanden

Tourenart

Schwierigkeit

Wandern Klettern Klettersteig Hochtour Skitour

Blau: leicht Rot: mittel Schwarz: schwierig


TIPP

Lechtaler Alpen Ski-Durchquerung (1326 m – 2889 m)

1

Auf Ski durch die größte Berggruppe der Nördlichen

Kalkalpen

Die Durchquerung der winterlichen Lechtaler Alpen in sechs Tagen

stellt eine einsame und anspruchsvolle Unternehmung dar, die

nur ganz selten gespurt ist und allerbeste Verhältnisse erfordert.

12 500 Hm | 6 Tage

komplette Skitourenausrüstung

plus Verpflegung

für eine Woche

aus Bergsteiger 1/2014– Seite 30

Talort/Ausgangspunkt: Kelmen (1326 m) an der

Verbindungsstraße Stanzach – Berwang

Öffentliche Verkehrsmittel: Busanbindung nur bis

Stanzach bzw. Berwang

Gehzeiten: 5 bis 8 Std. pro Tag, je nach den Verhältnissen

(ohne zusätzliche Gipfel)

Beste Jahreszeit: Mitte Februar bis Anfang April

Karten: Alpenvereinskarte 1:25 000,

Blatt 3/2 »Lechtaler Alpen Arlberggebiet«,

Blatt 3/3 »Lechtaler Alpen Parseierspitze«,

Blatt 3/4 »Lechtaler Alpen Heiterwand und Muttekopfgebiet«,

mit Wegmarkierung und Skirouten

Führer: D. Elsner/M. Seifert, »Lechtaler Alpen» Skitourenführer,

Panico Alpinverlag, Köngen 2010

Einkehr: Eventuell am 5. Tag Gasthaus Edelweiß in Kaisers

(Zeitproblem!)

Charakter/Schwierigkeiten: Es wird sowohl im Aufstieg

als auch bei der Abfahrt extem steiles Gelände begangen/befahren

und deshalb ist die Tour für Gelegenheitsskitourengeher

nicht geeignet; z. T. lange Etappen; keine bewirtschaftete Hütte

unterwegs, ausschließlich Winterräume.

TIPP

Bayerische Voralpen Jochberg (1565 m)

2

Auf einen genialen, aber im Sommer überlaufenen Aussichtsberg

Während an schönen Sommer- oder Herbstwochenenden wahre Karawanen zum Jochberg hinauf

ziehen, ist es in der kalten Jahreszeit deutlich ruhiger. Es sind aber immer noch genug Winterwanderer

unterwegs, so dass der Anstieg auch nach Neuschneefällen bald wieder gespurt ist.

715 Hm | 4 Std.

Winterwander-Ausrüstung mit

wasserdichten Schuhen

aus Bergsteiger 1/2014 – Seite 74

Talort: Kochel (605 m)

Ausgangspunkt: Kesselbergsattel (850 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Über Tutzing nach Kochel

und weiter mit dem Bus 9608 (auf direkten Anschluss

achten: www.bahn.de) zum Kesselbergsattel.

Gehzeiten: Kesselbergsattel – Jochberg 2¼ Std.,

Jochberg – Kesselbergsattel 1¾ Std.

Beste Jahreszeit: Dezember bis März

Karte/Führer: Alpenvereinkarte 1:25 000, BY11

»Isarwinkel«; M. Pröttel »Die schönsten Tagesausfl üge im Paffenwinkel«,

J. Berg Verlag

Fremdenverkehrsamt: Tourist Information Kochel a. See,

Tel. 0 88 51/3 38, www.kochel.de

Charakter/ Schwierigkeiten: Waldreicher Anstieg auf

großartigen Aussichtsberg; keine technischen Schwierigkeiten.

TIPP

Bayerisches Voralpenland Staffelsee

3

Winterwanderung entlang des Westufers

Das Obernacher Moos, der vielleicht schönste Abschnitt der Staffelsee-Umrundung, darf nur von

November bis Ende Februar betreten werden. Es empfiehlt sich, zudem mit öffentlichen Verkehrsmitteln

anzureisen, um am Bhf. Uffing zu starten und vom Moos weiter zum Bhf. Murnau zu wandern.

ca. 50 Hm |

4 Std.

Winterwander-Ausrüstung

mit wasserdichten Schuhen

aus Bergsteiger 1/2014 – Seite 74

Talort: Uffi ng (660 m)

Ausgangspunkt: Bhf. Uffi ng

Öffentliche Verkehrsmittel: Von München-Hbf.

stündlich direkt nach Uffi ng

Gehzeiten: Bhf. Uffi ng – Staffelsee 1 Std.; Staffelsee

– Obernacher Moos 45 Min.; Obernacher Moos – Bhf.

Murnau 2¼ Std.

Beste Jahreszeit: November bis Ende Februar

Karte/Führer: Bay. Landesvermessungsamt 1:50 000,

UK L 3 »Pfaffenwinkel/Staffelsee«; M. Pröttel »Wanderungen mit

dem Bayernticket in Oberbayern«, J. Berg Verlag

Fremdenverkehrsamt: Tourist-Information Murnau,

Tel. 0 88 41/61 41-0, www.murnau.de

Einkehr: Nach der Tour beim Griesbräu in Murnau

(www.griesbraeu.de)

Charakter/Schwierigkeiten: Abwechslungsreiche und

nahezu ebene Wanderung auf guten Wegen und Wiesenpfaden.

Keinerlei technischen Schwierigkeiten.


TIPP

Lechtaler Alpen Ski-Durchquerung (1326 m – 2889 m)

Route: 1. Tag: Kelmen – Muttekopfhütte (2900 Hm

auf/2300 Hm ab/7–9 Std.). Sehr lange Etappe, vor allem

die Abfahrt vom Rudigerkopf ins Faselfeiltal erfordert eine

sehr hohe Schneelage; der Anstieg zum Steinjöchl ist die

steilste Passage des Tages; (evtl. die Anhalter Hütte mit zusätzlicher

Übernachtung einplanen). Kelmen – Seelakopf

(2368 m) – Schlierenalm (1936 m) – Rudigerkopf

(2249 m) – Faselfeiltal – Kromsattel (2137 m) – Steinjöchl

(2198 m) – Hahntennjoch (1894 m) – Scharnitzsattel

(2441 m) – Muttekopfhütte (1934 m).

2. Tag: Muttekopfhütte – Steinseehütte (2000 Hm auf

1900 Hm ab/5–7 Std.). Abwechslungsreiche Etappe im

Bereich Muttekopf, Große Schlenkerspitze und Bergwerkskopf;

die Abfahrt vom Brunnkarjöchl nach Süden kann mit

dem Übergang beim Mitterjöchle beendet werden oder –

viel schöner, aber auch länger – ca. 100 Hm unterhalb der

kleinen Hahnleshütte; steiler Schlussanstieg zur Verborgenen

Gratscharte. Imster Höhenweg – Larsennjoch – Brunnkarjöchl

– Verborgne Gratscharte – Steinseehütte.

3. Tag: Steinseehütte – Memminger Hütte (1700 Hm auf/

1600 Hm ab/6–8 Std.). Anspruchsvolle Etappe mit drei

sehr steilen Übergängen (bergab); die Leiterscharte muss meist,

zumindest z. T., abgestiegen werden, weil felsig. Roßkarschartl

– Roßkarspitze – Bittrichkopf (2698 m) – Leiterjöchl (2515 m) –

Oberlahmsjoch (2505 m) – Memminger Hütte (2242 m).

4. Tag: Memminger Hütte – Ansbacher Hütte (2000 Hm auf/

1900 Hm ab/7–9 Std.). Ebenfalls sehr anspruchsvolle Etappe,

extrem steile Abfahrt von der Wegscharte (immer sehr hart),

schwierig zu fi ndende Abfahrt von der Schafscharte; die Querung

vom Flarschjoch zur Ansbacher Hütte ist sehr steil und sollte

möglichst in der Flanke der Samspitze umgangen werden.

Wegscharte – Schafscharte (2556 m) – Stierloch – Winterjoch

(2528 m) – Knappenbödensee (2175 m) – Flarschjoch (2464 m)

– Ansbacher Hütte (2376 m).

5. Tag: Ansbacher Hütte – Leutkircher Hütte (2200 Hm auf/

2200 Hm ab/6–8 Std.). Mit der Überschreitung der Vorderseespitze

gleich zu Beginn der langen Etappe mit sehr steilen

Passagen in Aufstieg und Abfahrt; im letzten Viertel des Kaisertals

gleich auf die andere Talseite (Forstweg) wechseln, um so

schnellstmöglich ins Almajurtal zu kommen. Flarschjoch (2464 m)

– Vorderseespitze (2889 m) – Hinterseejoch (2482 m) – Kaiser -

tal – Almajurtal – Glogger – Leutkircher Hütte (2261 m).

6. Tag: Leutkircher Hütte – Lechtalstraße (1500 Hm auf/

2300 Hm ab/6–8 Std.). Etwas sanftere Etappe (nur der Auf -

stieg zum Bacheregg ist sehr steil); im Bereich Kartellbodenalpe

– Erlispitze trifft man meist auf Skispuren von Variantenfahrern,

die von der Valluga kommen. Bacheregg – Gamskar Scharte –

Kartellbodenalpe – Übergang bei Punkt 2495 m – Krabachtal

– Jöchle – Bockbach-Tal – Lechtalstraße. Dieter Elsner

Am Gloggergrat; hinten Valluga und Roggspitze

Foto: Dieter Elsner

TIPP

Bayerische Voralpen Jochberg (1565 m)

Route: Am Kesselbergsattel erblickt man auf der

nördlichen Straßenseite den Wegweiser zum Jochberg.

In angenehmer Steigung gewinnt man in schönem Bergmischwald

schnell an Höhe. Wenn noch nicht gespurt sein

sollte, muss man auf die Markierungen an den Bäumen

achten. Nach einer guten Stunde gelangt man zu einem

Waldsattel und wendet sich an einer Gabelung einem weiteren

Schild folgend nach links. Bald erreicht der Weg die gewaltigen

Nordabstürze des Jochbergs. Kurz danach tritt man aus dem Wald

heraus und erreicht die Wiesen der Jocher Alm. Man folgt bei

der nächsten Gabelung wieder dem linken Weg, geht durch ein

Gatter und gelangt über den Südrücken zum 1565 Meter hohen

Gipfelkreuz. Nachdem man sich an der einzigartigen Aussicht

sattgesehen hat – im Norden liegt tief unter uns das Alpenvorland

mit seinen bezaubernden Seen, im Süden ragt hinter dem

Walchensee das beeindruckende Karwendelgebirge in den

Himmel – steigt man auf demselben Weg wieder hinab.

Michael Pröttel
































Panorama: www.peakfinder.org

TIPP

Bayerisches Voralpenland Staffelsee

Route: Vom Bahnhof geht man parallel zur Hauptstraße

nach Uffi ng und folgt der Kurve Richtung See. An der

Hauptkreuzung rechts Richtung »Böbing« in die »Schöffauerstraße«

und über eine Brücke. Bald biegt man links in

die Rötenbachstraße (Schild »Obernach/Sportplatz«) ein

und wendet sich direkt vor dem Sportplatz nach rechts

und nach links (Staffelseerundweg Nr. 1). Nun geht es gerade

auf den See zu.

Direkt vor dem See an der Gabelung rechts Richtung

»Obernach«. An einer Infotafel mit Landkarte wird darauf

hingewiesen, dass die rot schraffi erten Bereiche im Sommer

nicht begangen werden dürfen. Hier folgt man zunächst

noch dem Geländer nach rechts und biegt dann

links in einen Fahrweg ab. Der Fahrweg wird zu einem Wiesenpfad

und führt zu einem Waldrand. Nun führt der Pfad

durch ein mooriges Waldstück zu einem der schönsten

Flecken am gesamten See, einer fl achen Kuppe am Rande

des Obernacher Moos. In der gleichen Richtung weiter

wandernd überquert man eine Feuchtwiese und stößt auf

eine Schotterstraße. Man wendet sich nach links, überquert

den Bach »Ach« und hält sich an der Gabelung wie-

der links. Es geht kurz durch Wald, dann noch einmal durch Schilf

bis man im Wald das Staffelsee-Südufer erreicht. Diesem folgt

man nun in Richtung Osten nach Murnau. Zuletzt folgt man am

Parkplatz hinter der Bootsanlegestelle kurz der Seestraße, um

links einem Fußweg und der Beschilderung »Bahnhof« zu folgen.

Tipp: Nach der Tour ist eine Besichtigung der Murnauer Altstadt

und des dortigen Griesbräus zu empfehlen. Michael Pröttel

Tief verschneiter Pfad am Staffelsee-Westufer

Foto: Michael Pröttel


TIPP

Chiemgauer Alpen Sonntagshorn (1961 m)

4

Skitour auf den höchsten Chiemgauer Gipfel

Das Sonntagshorn ist einer der großen Chiemgauer Skitourenklassiker. Seinen Namen hat es aus den

Zeiten, als die Almbauern sonntags beim Kirchgang die Kühe auf der großen Weidefläche ohne Aufsicht

sich selbst überließen. Diese freien Weiden eignen sich natürlich hervorragend zum Skifahren.

aus Bergsteiger 1/2014 – Seite 78

980 Hm | 4 Std.

normale

Skitourenausrüstung

Talort: Unken (563 m)

Ausgangspunkt: P2 beim ehemaligen Gasthaus

Heutalbauer (968 m) im Unkener Heutal (gebührenpfl

ichtig)

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung von

Bad Reichenhall und Lofer

Gehzeiten: 3 Std. Aufstieg, 1 Std. Abfahrt

Beste Jahreszeit: Dezember bis März

Karten/Führer: AV-Karte 1:25 000, BY 19,

»Bayerische Alpen, Chiemgauer Alpen Ost«; Strauß »Die schönsten

Skitouren Chiemgau und Berchtesgaden«, Bruckmann Verlag

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Salzburger

Saalach tal, Tel. 00 43/(0)65 88/2 04 04,

www.salzburger-saalachtal.com

Hütte: Jausenstation Hochalm (1400 m), privat, in der

Skitourensaison teils nur am Wochenende geöffnet, Tel. 00 43/

(0)6 64/4 53 36 66.

Charakter/Schwierigkeiten: Im unteren Teil ist das Sonntagshorn

eine gemütliche Skitour in der Almregion. Am Gipfelaufbau

erwarten einen steilere Hänge, die an der Grenze zur

mittelschweren Skitour liegen. Da der Talkessel im Heutal noch

eine Reihe weiterer Touren bietet, ist das Gebiet recht beliebt.

Ein weiteres Plus für die Attraktivität der Tour ist die bewirtschaftete

Hochalm, auf der man den Tourentag wunderbar ausklingen

lassen kann, bevor man die letzten Schwünge ins Tal antritt.

TIPP

Berchtesgadener Alpen Hochkönig (2941 m)

5

Skitour auf den höchsten Berchtesgadener Gipfel

Eine abwechslungsreiche Tour, bei der man unter der landschaftlich

schönen Manndlwand quert, zur beeindruckenden Torsäule aufsteigt

und den Weg über das Auf und Ab der Übergossenen Alm einschlägt.

1500 Hm | 6–7 Std.

normale

Skitourenausrüstung

aus Bergsteiger 1/2014– Seite 78

Talort: Mühlbach (860 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz am Arthurhaus (1502 m),

über die Manndlwandstraße von Mühlbach erreichbar

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung von Werfen

über Mühlbach zum Arthurhaus

Gehzeiten: 5 Std. Aufstieg, 1–2 Std. Abfahrt

Beste Jahreszeit: Februar bis April

Karten/Führer: AV-Karte 1:25 000, Nr. 10/2 »Hochkönig–Hagengebirge«;

Andrea und Andreas Strauß »Die

schönsten Skitouren

Chiemgau und Berchtesgaden«,

Bruckmann Verlag, 2007

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Mühlbach am

Hochkönig, Tel. 00 43/(0)65 84/2 03 88 40, www.hochkoenig.at

Hütten: Arthurhaus (1502 m), privat, ganzjährig geöffnet,

Tel. 00 43/64 67/72 02; Matrashaus (2941 m), ÖTK, nur Winterraum

(ohne Heizmöglichkeit), Tel. 00 43/64 67/75 66; auch die

Mitterfeldalm ist im Winter nicht mehr geöffnet.

Charakter/Schwierigkeiten: Eine mittelschwere Skitour,

die auf vielen Passagen durch leichtes Tourengelände führt,

nach der Mitterfeldalm und hinauf bis zum Schoberschartl

aber auch steile Hänge umfasst. Weiter zum Gipfel kurze steile

Querungen. Bei schlechter Sicht heißt es Vorsicht am Plateau!

Hier können trotz der Stangenmarkierung Orientierungsprobleme

auftreten.

TIPP

Berchtesgadener Alpen Große Reib’n (Niederbrunnsulzen 2368 m), 1. Tag

6

Anspruchsvolle Plateau-Überschreitung

Die Skirunde führt mehr oder weniger um Königssee und Watzmannmassiv. Klingt abwechslungsreich

und harmlos, aber die Plateaus sind von tiefen Felsschluchten zerrissen. Konditionsstarke

können am ersten Tag zwei Gipfel mit weiter Fernsicht mitnehmen.

aus Bergsteiger 1/2014 – Seite 22

1850 Hm | 10 Std.

komplette Skitouren- und

Navigationsausrüstung +

Verpflegung für 2 Tage/1 Nacht

Talort: Berchtesgaden (571 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahn bis Bad Reichenhall

und regional weiter nach Berchtesgaden (evtl. direkt)

Ausgangspunkt: Bergstation Jennerbahn (1802 m;

Tel. 0 86 52/95 81-0, www.jennerbahn.de, 9–16 Uhr)

Zeiten: ab Stahlhaus 10 Std. /Abfahrt gut 1½ Std.

Beste Jahreszeit: Mitte März bis Mitte Mai

Karte/Führer: Landesamt Bayern 1:25 000,

Nr. UK 25-1 »Nationalpark Berchtesgaden« /

Brandl »Skitourenführer Berchtesgadener und Chiemgauer

Alpen«, Bergverlag Rother

Fremdenverkehrsamt: Tourismusregion Berchtesgaden-

Königssee, Königsseer Straße 2, 83471 Berchtesgaden,

Tel. 0 86 52/9 67-0, www.berchtesgadener-land.info; Bus-Info:

RVO Berchtesgaden, Tel. 0 86 52/94 48-20, www.rvo-bus.de

Hütten: Carl-von-Stahl-Haus (1733 m), Tel. 0 86 52/6 55 99 22,

www.alpenverein-salzburg.at/Hutten/Carl-von-Stahl-Haus;

Kärlingerhaus (1631 m), Tel. 0 86 52/6 09 10 10

(Tal 0 86 50/5 13), www.kaerlingerhaus.de (mit Buchung)

Charakter/Schwierigkeiten: Der lange erste Tag verbindet

das wellige Plateau des Hagengebirges durch wilde Schluchten

mit dem Nordende des Steinernen Meers. Gute Kondition,

Orientierungs vermögen, Erfahrung und Skisicherheit (v. a. Abfahrt)

sind Voraus setzung. Hohe (tageszeitliche) Lawinengefahr

bei einigen Abfahrten.


TIPP

Chiemgauer Alpen Sonntagshorn (1961 m)

TIPP

Aufstieg: Vom Parkplatz beim Heutalbauer geht man auf

dem Fahrweg weiter talein und gelangt über die Brücke

auf die andere Bachseite. Nun hält man sich immer nördlich

des Baches bergauf über Wiesen und kurze Waldstücke

zu den untersten Hütten der Hochalm. Nicht in den

Graben nach rechts, sondern links am Hang, an den Hütten

vorbei, hinauf auf die fl acheren Wiesen der Hochalm,

die man im Bereich der privaten Trostberger Hütte erreicht.

Die Jausenstation steht etwas rechts (ca. 1400 m) nur

wenig abseits der Route. In gerader Richtung (Nordost)

geht es über das Plateau der Hochalm hinweg, an einer

Kapelle vorbei auf den Sattel rechts des Sonntagshorngipfels

zu. Kurz vor diesem Sattel schwenkt man auf das

Sonntagshorn zu und steigt über den steilen Südhang

in weiten Kehren hinauf zum aussichtsreichen Gipfel.

Abfahrt: Für die Abfahrt gibt es mehrere Möglichkeiten.

Entweder sie folgt den Aufstiegsspuren. Alternativ kann

man auch direkter zur Hochalm hinabfahren. Weiter über

die Aufstiegsspur oder die Gschwendter Alm zurück zum

Ausgangspunkt.

Andrea Strauß

Berchtesgadener Alpen Hochkönig (2941 m)

Aufstieg: Vom Parkplatz des Arthurhauses (1502 m)

hält man sich im kleinen Skigebiet nach Norden und

steigt auf einer Almstraße zur Mitterfeldalm (1670 m)

auf. Von hier quert man kurz höhengleich nordwestlich zu

einer Rippe, um dann leicht fallend (40 Hm) hinüber zur

Kleinen Gaißnase zu fahren. Diese Felsnase bildet den

tiefsten Punkt der Manndlwand, bei mäßiger Schneelage

muss man auf ein paar wenigen Metern auf einem

schmalen Felsband queren. Nun führt der Aufstieg mäßig

steigend hinauf ins Untere Ochsenkar. So gelangt man in

den Graben, der die tiefste Stelle des Ochsenkars bildet,

rechts dieses Grabens zieht man seine Spur nun bis unter

die markante Torsäule. Unter deren Südwänden geht

es hindurch und nachdem man auf einem Hangabsatz

(ca. 2300 m) bequem auf die linke Talseite gewechselt

hat, geht es über den Steilaufschwung ins Schoberschartl

(ca. 2580 m).

Der weitere Aufstieg über das weitläufi ge Hochkönigplateau

orientiert sich am Sommerweg, der an wichtigen

Punkten mit Stangen markiert ist. Zunächst leicht südlich

haltend, dann westlich gelangen wir über zahlreiche

Beim Aufstieg zum Sonntagshorn

Kuppen und Mulden zum Gipfelaufschwung. Erst auf diesem

letzten Stück verlässt man die Sommerwegmarkierung, die

nach rechts leitet und über einen kurzen versicherten Steig zum

Matrashaus geht. Stattdessen steigt man den Schlusshang

gerade hinauf. Das Matrashaus ist als Orientierungspunkt

unübersehbar.

Abfahrt: Die Abfahrt erfolgt entlang der Aufstiegsspur. An der

Schweizertafel kann man direkt ins Ochsenkar hinabfahren.

Diese Abfahrtsvariante ist jedoch steiler und etwas schwieriger

zu fi nden als die Abfahrt entlang der Aufstiegsspuren.

Andrea Strauß

Aufstieg vom Arthurhaus, unter der Torsäule

Foto: Andreas Strauß Foto: Andreas Strauß

TIPP

Berchtesgadener Alpen Große Reib’n (Niederbrunnsulzen 2368 m), 1. Tag

Zustieg: Eine Piste ostwärts zu einem Kamm und auf

dessen Ziehweg (Anfellen lohnt nicht) fl ach zum Sommerweg-Abzweig

Richtung Schneibsteinhaus/Stahlhaus

(1720 m; Schild). Abfallende Südhangquerung südostwärts

und oberhalb vom Schneibsteinhaus nordostwärts

aufwärts zum Carl-von-Stahl-Haus (1733 m, gut 30 Hm,

2 Std., Übernachtung).

Route 1. Tag: Auf fl achem Kamm südwärts, links vom

Teufelsgemäuer steil hinauf, fl ach weiter und über eine

kurze Steilstufe unter den Schneibstein. Über den Westrücken

hinauf zum fl achen Gipfel mit kleinem Kreuz. Entlang

dem Sommerweg über den Südkamm abfahren und nach

Gegenanstieg knapp rechts des Südwestkamms weiter in

die Windscharte (2164 m; rechtshaltend Kleine Reib’n).

Aufstieg linksseitig am Osthang des Windschartenkopfs

zum Schlumkopf (Schlunghorn). Abfahrt ins Schlumschartel

und ostseitige Querung am Hochseeleinkopf südwärts,

weitestmöglich unter den Kahlersberg (optional hinterm

Gipfel hinauf, 2350 m) und diesen links umgehen. Südostwärts

über das Plateau aufwärts, am Plateaurand südwärts

und östlich des Mittleren Kragenkopfs (2178 m)

zu Sattel (2095 m). In Schieb-/Abfahrtsquerung mit kaum

Höhen verlust entlang von Buckeln (knapp 2100 m, meist rechtsseitig,

kurze Gegenanstiege) Richtung breiter Flanke des Blünbachkopfs

(Wildalmriedel). Nach Kurzabfahrt in Senke (oberhalb

der Laubseeleingasse), gefolgt von Gegenanstieg und Senke,

Aufstieg rechtshaltend zur Bärwildalm (Terrasse 2100 m) und

durch eine steile Mulde hinauf zum Gipfel des Blühnbachkopfs

(2268 m; Pause). Nach steiler Abfahrt südwestwärts und einem

Tälchen Rechtsquerung abwärts und einen Steilkessel hinab zu

einem kleinen Abbruch rechts, den man zu Fuß über Grasschrofen

oder Fels überwindet. Westwärts talaus fahren, links um Vorsprung

und den unteren Eisgraben nordwestwärts hinab in einen

Einschnitt unter kleiner Felswand. Bei ca. 1800 m links um einen

Vorsprung queren, südwestwärts zu Sattel an Felskopf, westwärts

hinab und nach einem Felsendurchschlupf unter einem kleinen

Wandl (1600 m; nordwestwärts abwärts Wasseralm) links queren

unter die Schönfeldwand. Aufstieg südwestwärts in steiles Tal

und hinauf zum Sattel (ca. 1830 m) vor der Blauen Lacke. Kurz

links hoch, auf ein kleines Plateau queren und in Rechtsschleife

auf einen Nord(ost)rücken. Aufwärts bis zum Einschnitt der

Langen Gasse und nach Links-Rechts-Schleife durch diese steil

westwärts hinauf zum Ausstieg (Rastfelsen; nordwestwärts

zum Funtenseetauern, 2578 m). Unterm Wildalmrotkopf zum

Übergang Niederbrunnsulzen (2368) queren, Abfahrt unterm

Grieskogel (Markierungsstangen) und rechts zum Durchgang

des Toten Weibls (2087 m). Eine Talrinne nordwestwärts hinab,

nach einem Durchschlupf (1870 m) links hinab in den Stuhlgraben

und zum Funtensee. Aufqueren zum Kärlingerhaus

(1630 m; Winterraum). Christian Schneeweiß

Das Berchtesgadener Gipfelmeer immer im Blick

Foto: Bernd Römmelt


TIPP

Berchtesgadener Alpen Große Reib’n (Kematenschneid 2234 m), 2. Tag

7

Vom Hochplateau zum Wimbachgries

Nur 1000 Höhenmeter braucht man bis zur Nordwestecke des Steinernen Meers. Lichter

Zirbenwald, unerwartete Routenwindungen, die heikle Querung unterm Großen Hundstod und

der letzte Abfahrtshang mit 45° lassen die Tour nicht langweilig werden.

aus Bergsteiger 1/20134– Seite 22

1000 Hm | 7 Std.

komplette Skitouren- und

Navigationsausrüstung +

Verpflegung für 2 Tage/1 Nacht

Talort: Ramsau (670 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Per Bus nach Berchtesgaden.

Mit der Bahn regional oder direkt über Bad

Reichenhall auf der Strecke München–Salzburg

Endpunkt: Wimbachbrücke (620 m)

Zeiten: ab Hütte 5 Std. + 2 Std. zu Fuß/Abfahrt bis 1 Std.

Beste Jahreszeit: Mitte März bis Mitte Mai

Karte/Führer: Landesamt Bayern 1:25 000, Nr. UK

25-1 »Nationalpark Berchtesgaden« / Brandl »Skitouren-

führer Berchtesgadener und Chiemgauer Alpen«

Fremdenverkehrsamt: Tourist-Information Ramsau, Im Tal 2,

D-83486 Ramsau, Tel. 0 86 57/98 89 20, www.ramsau.de;

Bus-Info: www.rvo-bus.de

Hütten: Kärlingerhaus (1631 m), Winterraum 30, Tel. 0 86 52/

6 0910 10 (Tal 0 86 50/5 13), www.kaerlingerhaus.de (mit

Buchung); Notfall: Ingolstädter Haus (2119 m), Winterraum 12,

Tel. 00 43/65 82/83 53, www.ingolstaedter-haus.de

Einkehr: Wimbachschloss, bewirtet Ostern bis November,

Tel. 0 86 57/9 83 98 58

Charakter/Schwierigkeiten: Der direkte Aufstieg zum Westrand

des Plateaus führt unter den Großen Hundstod (Gipfeloption).

Zwei Steilabfahrten (um 35°, 40–45°) und ein besonnter

Aufstieg beenden die Plateautour, zu der man trotz relativer

Kürze früh aufstehen sollte. Vereisungsrisiko bzw. Lawinengefahr

(tageszeitlich) hoch bei Abfahrten.

TIPP

Walliser Alpen Dufourspitze (4633 m), »Marinellicouloir«

8

Durch die höchste Wand der Alpen

Bei der dritten Begehung, 1881, wurde der Führer Ferdinand Imseng

am Fuße des gleichnamigen Rückens vom Luftstoß einer Lawine

emporgeschleudert, seine Leiche fand man oberhalb (!) seines

Standorts. Sein Gast, Damiano Marinelli, kam ebenfalls um – nach

ihm wurde das Couloir benannt.

aus Bergsteiger 1/2014– Seite 22

1600/2000 Hm | 5/9 Std.

komplette

Hochtourenausrüstung

Talort: Macugnaga (1327 m)

Ausgangspunkt: Bergstation Belvedere (1904 m)

Öffentliche Anreise: Mit dem Zug bis Domodossola,

von dort Bus bis Pecetto

Information: In Macugnaga, Piazza Municipio n.1,

Tel. 00 39/03 24/6 51 19.

Beste Zeit: Ende März bis Anfang Juli, am besten nach

einem schneereichen Winter

und mehreren kalten Nächten,

Mondlicht vorteilhaft.

Führer: Brandt »SAC-Clubführer

Walliser Alpen Bd. 4«,

1993; Waeber »Walliser Alpen«, Bergverlag Rother, 1996

Karte: LKS 1:25 000, Blatt 1348 »Zermatt«; Kompass 1:50 000,

Nr. 88 »Monte Rosa«

Hütte: Rifugio Marinelli (3036 m), CAI Mailand, unbewartet,

12 Lager, Kochmöglichkeit

Charakter/Schwierigkeiten: »Himalayacharakter«, »höchste

Wand der Alpen«, »sichtbar vom Golf von Genua« – für die

Monte-Rosa-Ostwand sind die Superlative schnell gefunden.

Tatsächlich bewegt man sich hier in einer einzigartigen Kulisse.

In der riesigen Eiswand ist Schnelligkeit Trumpf, wegen der

ostseitigen Exposition bricht man um Mitternacht auf. Die

Schwierigkeiten sind angesichts der Umgebung eher gemäßigt,

entscheidend sind die oft wechselnden Verhältnisse. Insgesamt

III, Eis bis 55°.

TIPP

Grajische Alpen Uia di Mondrone (2964 m)

9

Das Matterhorn der Lanzo-Täler

Die Uia di Mondrone ist nicht leicht zu nehmen. Schweißtreibend der Aufstieg und leichte Kletterei

im Gipfelbereich gestalten die Tour spannend. Einmalig ist allerdings dann die Schau vom Gipfel

zum vergletscherten Grenzkamm und in die Poebene.

aus Bergsteiger 1/2014 – Seite 22

1506 Hm | 8 Std.

normale Bergwanderausrüstung,

Teleskopstöcke

Talort: Balme (1473 m), oberstes Dorf im Val di Ala

Ausgangspunkt: Straßenkehre vor Molera (1458 m)

Zufahrt von der Straße zwischen Chialambertetto und

Molette ein paar Kilometer vor Balme

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit dem Zug von Torino

bis Ceres am Eingang des Val di Ala, dann per Bus nach

Balme. Fahrpläne: www.vigo-autoindustriale.com

Gehzeiten: Von der Straßenkehre bis zum Gipfel

4½ Std., Abstieg 3½ Std.

Beste Jahreszeit: Juli bis September

Karte/ Führer: Carta dei sentieri 1:25 000, Blatt 3 »Valli di

Lanzo«; Kürschner »WF Piemont Nord«, Bergverlag Rother

Information: Turismo Torino e Provincia, Tel. 00 39/0 11/53 51

81, www.turismotorino.org. Lokales Tourismusbüro in Lanzo, Via

Umberto I, Tel. 00 39/01 23/2 80 80

Unterkunft: Bivacco Bruno Molino (2279 m), Selbstversorgerhütte

mit Matratzenlager, doch ohne Kochvorrichtung und Ofen.

Albergo »Les Montagnards«, Frazione Cornetti 73, 10070 Balme,

Tel. 00 39/01 23/23 30 73 oder 3 47/363 40 82, www.lesmontagnards.it.

Tolle Villa, einmalige Küche.

Charakter/Schwierigkeiten: Lange und steile Bergtour,

wenn man sie vom Talgrund angeht. Gut markiert. Bis zur Alpe le

Piane ordentlicher Pfad, dann zunehmend felsiger. Immer mal

wieder müssen die Hände zur Hilfe genommen werden. Schwindelfreiheit

und Trittsicherheit sind notwendig.


TIPP

Berchtesgadener Alpen Große Reib’n (Kematenschneid 2234 m), 2. Tag

TIPP

Route 2. Tag: Vom Kärlingerhaus durch eine weite

Senke südwestwärts und durch steilen, lichten Zirben-/

Lärchen-Wald gestuft hinauf zu einem Sattel (1759 m)

nördlich des Viehkogels (2157 m). Nach kurzer West-

Querung links aufwärts und frei nach rechts oberhalb

eines Abbruchs in ein Hochtälchen queren, aus dem es

hinauf zu dem Übergang (1876 m) unterhalb des Hirschs

(1993 m) geht (Abkürzung erscheint möglich). Nordwestwärts

abwärts in ein abfl ussloses Tal und an dessen

Ende hinauf. Links vom Sommerweg Richtung Hundstodgatterl

(und Hundstod-Reib’n) ab und in Schleifen um

die Plateaubuckel westnordwestwärts aufwärts zu den

Grenzköpfen. Nach Durchschlupf zum Weg Richtung Ingolstädter

Haus (Stangen) gerade weiter Richtung Kamm

und rechts unter diesem aufqueren zur Hundstodscharte

(2220 m) am Fuß des Großen Hundstods (2593 m,

Südfl anke zu Fuß möglich). Nordwestwärts kurz, aber

ausgesetzt hinüberqueren (am besten ohne Felle schieben)

zum Dießbacheck. Steile Abfahrt nordwestwärts

hinab zur Hochwiesalm (1840 m). Auf der anderen Seite

über einen markanten Ostrücken hinauf, durch ein Hoch-

Walliser Alpen Dufourspitze (4633 m), »Marinellicouloir«

Hüttenzustieg: Von Pecetto entweder mit dem Lift zur

Bergstation des Belvedere oder zu Fuß auf dem breiten

Pistenfahrweg. Dann in südl. Richtung zum Gletscher

queren und über die rechte Seitenmoräne zum Rif. Zamboni-Zappa

(2065 m). Von hier nach W auf den Moränenkamm

und den Belvederegletscher Richtung Marinellirücken

queren. Auf der orogr. rechten Moräne des

Nordendgletschers auf Wegspuren empor, den ersten

Aufschwung des Grates nordseitig im Geröll umgehend.

Ab etwa 2600 Metern auf dem Grat selbst aufwärts,

schließlich etwas südl. der Kante durch ein Schneefeld

und zur Hütte.

Gipfelanstieg: Auf den leicht ansteigenden Spuren bis

zur Rinne, ca. 15 Min. von der Hütte. In Verlängerung der

Spuren über das etwa 50 Meter breite und oft von Rinnen

durchzogene Couloir zum Imsengrücken (15 Min.).

Bei sehr guten und sicheren Schneeverhältnissen im

Couloir entlang des Imsengrückens aufsteigen. Normalerweise

aber auf den Felsen des Rückens selbst über

vier kleinere Aufschwünge klettern (II–III), tendenziell

immer dem Couloir zugewandt. Auf etwa 3650 m ver-

tälchen und rechts der sich aufschwingenden Rückenfortsetzung

in gestuftem Gelände nordwestwärts hinauf zu einem Sattel im

Kematenschneid (bis 2234 m); oder linkshaltend eine Flanke

hinauf zum Ansatz des Seehorn-Nordrückens (Ski-Abstecher

auf 2321 m) und nordwärts über den Kamm zum Sattel.

Nordostwärts linksseitig um und auf einen Buckel queren und

Abfahrt unterm Palfelhorn nordwärts durch eine Mulde zu einer

Scharte. Über eine steile Flanke hinab, Linksquerung und noch

steiler (über 40°, im Sommer Plattenfl ucht) hinab in den Loferer

Seilergraben. An dessen Ausgang möglichst weit nordostwärts

übers Wimbachgries abwärts und rechts über die Schneise des

Mitterfl ecks ins feste Schotterbett des Wimbachs.

Abstieg: Mit Ski auf dem Buckel durch dieses talaus, bis ein

Fahrweg links hinaus führt. Auf dem Fahr-/Touristenweg zum ab

Ostern bewirteten Wimbachschloss (931 m) und talaus, zum

Schluss steil bergab zur Wimbachbrücke (Gasthöfe, Unterkünfte,

Bushaltestelle).

Christian Schneeweiß

schwindet der zunehmend fl acher werdende Imsengrücken im

Eis. Hier wird es gefährlich: Die Séraczone passiert man möglichst

schnell, indem man südl. des Couloirs bleibt und die

Hängegletscher links liegen lässt. Nach den letzten Séracs hält

man sich nach links und steigt auf die Felsen zu, die vom

Grenzgipfel herabziehen. Hier müssen nochmals zwei oder drei

Bergschründe passiert werden, die Wand erreicht hier bis zu

55° Neigung und ist stark dem Steinschlag ausgesetzt. Nach

Möglichkeit den letzten Bergschrund vor dem ersten Sonneneinfall

überqueren. Die Gipfelfelsen selber betritt man, sofern

sie trocken sind, gleich an ihrem tiefsten Punkt, wo sich bald

die Burgener-Gedenktafel befi ndet. Die Felsen sind steil, aber

fest. Bei starker Vereisung und/oder günstigen Schneeverhältnissen

lässt man die Felsen so lange wie möglich rechts liegen

und betritt sie erst am Ende des Schnees. In beiden Fällen erreicht

man auf knapp 4600 Metern die »Schulter«, von der

man dem felsigen Grat (II) zum Grenzgipfel (4618 m) folgt. Von

dort über den gezackten Grat, einen Gendarm südseitig umgehend,

schließlich zur Dufourspitze (4633 m).

Abstieg: Man überschreitet die Dufourspitze und steigt über

den Westgrat der Dufourspitze ab in die »Satteltole«. Von dort

Passage vor dem Schneibstein

über die »Scholle« und die weiten Hänge des Monte-Rosa-

Gletschers auf ausgetretenen Pfaden zur Oberen Plattje.

Von hier den Steinmännern zur Monte-Rosa-Hütte (2883 m,

120 L., März–September, Tel. 0 27/9 67 21 15) folgen.

Von dort zur Gornergratbahn (Rotenboden) und schließlich

nach Zermatt.

Thomas Ebert

Der massige Monte-Rosa-Stock

Foto: Andreas Strauß Foto: Bernd Römmelt

TIPP

Grajische Alpen Uia di Mondrone (2964 m)

Aufstieg: Von der Straßenkehre etwas unterhalb des

Weilers Molera folgt man links der weiß-rot-weiß markierten

GTA (Grande Traversata delle Alpi) bergwärts. Es geht

zuerst durch terrassiertes Gelände, dann in einen Wald

aus Buchen und Lärchen. Nach etwa einer halben Stunde

trifft man auf die Alpe Pian Bosco (1683 m). Dort wird die

GTA nach links verlassen.

Der Pfad wird rechterhands eine Weile vom Rio Maian begleitet.

Eine Querung nach links führt unter Felsen entlang.

Nach ein paar Serpentinen ist eine Weggabelung erreicht.

Rechts würde es über die Alpe le Piane zum Bivacco Bruno

Molino gehen. Wer dort übernachtet, steigt anderntags

wieder bis zu dieser Gabelung ab.

Der Gipfelzustieg (Weg Nr. 232) zieht erst südwestlich

durch ein Blockfeld auf eine grasige Schulter und setzt

sich dann nordwestwärts fort. Steil durch Schrofen zu einer

ersten Felsplatte, die in leichter Kletterei überwunden

wird. Es wird zunehmend felsiger. Immer mal wieder geht

es durch kurze Kamine und über Felsplatten. Zwei heikle

Stellen sind mit Seil gesichert.

Hat man den Südgrat endlich erobert, trennen nur noch

wenige Meter vom Gipfel mit Glocke und Marienbild. Grandios

ist die Schau auf Rocciamelone, Bessanese, Ciamarella und die

Levanna-Gipfel.

Abstieg: Auf dem gleichen Weg geht es zurück zum Ausgangspunkt.

Iris Kürschner

Die Uia di Mondrone im Abendlicht

Foto: Iris Kürschner


TIPP

Berner Alpen Aletschhorn (4195 m), »Südwestrippe«

10

Im Herzen des Hochgebirges

Auf dem Aletschhorn ist man so weit weg von der Zivilisation wie selten in den Alpen – kein grünes Tal

lässt sich erspähen. Auf der dominanten Pyramide des zweithöchsten Berner Gipfels steht man genau

zwischen den Walliser und Berner Viertausendern, großartig umspült von den drei Aletschgletschern.

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 20

700 + 1700 Hm | 2–3 Tage

komplette

Hochtourenausrüstung

Talort: Blatten bei Naters (1327 m)

Beste Jahreszeit: Juli bis August

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit dem Zug nach Brig

(684 m), von hier mit Bus 9 km nach Blatten

Gehzeiten: 4 Std. zur Hütte, 8–9 Std. ab Hütte

Karte: Schweizer Landeskarte 1:25 000, Blatt 1269

»Aletschgletscher«,

Führer: Pusch/Senf/Schmitt/Waeber »Hochtouren

Westalpen Band 1«, Rother Selection, 2013

Hütte: Oberaletschhütte (2640 m), SAC Chasseral, 60 L.,

Tel. 00 41/27/9 27 17 67

Charakter/Schwierigkeiten: ZS- mit Stellen II, kombiniert,

lang. Der Aufbruch von der Hütte erfolgt auch im Sommer gegen

2 Uhr morgens, da die Strecke beträchtlich ist und die Wegfi n-

dung einiges an Konzentration erfordert. Wer in den Gipfelfelsen

gut mit dem Seil umgehen kann, ist zeitlich klar im Vorteil.

Insgesamt sehr lohnende Hochtour auf einen großartigen Gipfel,

ohne übermäßige Schwierigkeiten und Gefahren, die dafür das

gesamte Spektrum an Herausforderungen abdeckt.

TIPP

Mieminger Kette Hohe Munde (2662 m)

11

Im Bann der Mieminger Kette

Der beliebteste und wohl auch einer der markantesten Berge der

Mieminger Kette ist die Hohe Munde, eine wuchtige Berggestalt,

die sich schon aus der Ferne wie ein gewaltiger Monolith zeigt

und Bergsteiger und Skitourengeher zu allen Jahreszeiten lockt.

1770 Hm | 8 Std.

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 20

normale Wanderausrüstung;

solides Schuhwerk; Stöcke

empfehlenswert

Talort: Leutasch-Moos (1180 m)

Ausgangspunkt: Leutasch-Moos, Parkplatz der Rauthhütte

(1185 m)

Koordinaten/Ausgangspunkt: Breite N 47.349893°

Länge E 011.117924°

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der Bahn nach

Seefeld oder bis Mittenwald. Danach mit dem Bus oder Taxi

ab Bahnhof Seefeld bzw. Mittenwald nach Leutasch fahren.

Entfernung: 20,7 km

Gehzeiten: Aufstieg 3½ Std.; Abstieg 4½ Std.

Beste Jahreszeit: Sommer und zeitiger Herbst

Karte: Kompass-Wander- und Radtourenkarte1:50 000,

Blatt 5 »Wettersteingebirge, Zugspitzgebiet«

Informationen: Olympia-Region Seefeld, Informationsbüro

Leutasch, Weidach 320, A-6105 Leutasch,

Tel. 00 43/(0)5 08 80 10, www.seefeld.com

Einkehr: Rauthhütte (1605 m)

Charakter/Schwierigkeiten: Die anspruchsvolle Tour eignet

sich nur für trainierte Bergsteiger. Der lange Abstieg über die

Niedere Munde verlangt Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

TIPP

w

Pyhrn-Priel-Region Von der Wurzer- zur Bärenalm

12

Karstplateauwanderung durch Lärchen-Zirbenwälder

Urwald, Karst und Almen prägen diese lange und reizvolle Wanderung,

die man am besten in zwei Tagen bewältigt. Nächtigungsmöglichkeit

besteht in der Hochmölbinghütte. Vom Zielort kommt man mit dem

Wander- oder Ruftaxi zum Ausgangspunkt zurück.

900 Hm | 9 Std.

normale Wanderausrüstung

aus Bergsteiger 12/2013 – Seite 20

Talort: Spital am Pyhrn

Ausgangspunkt: Bergstation der Standseilbahn Wurzeralm

(1427 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit dem Zug über Selzthal

oder Kirchdorf nach Spital am Pyhrn

Gehzeiten: Bergstation Standseilbahn Wurzeralm – Luckerhütte

(1830 m; 2¼ Std) – Luckerhütte – Liezener Hütte

(2¾ Std.) – Liezener Hütte – Hochmölbinghütte (1402 m; ½ Std.)

– Hochmölbinghütte – Türkenkarscharte (1740 m; 1¾ Std.) –

Türkenkarscharte – Bärenalm – Parkplatz der stillgelegten Bärenalm-

Bergbahn (650 m, 1¾ Std.)

Beste Jahreszeit: Juni bis Anfang Oktober, je nach Schneelage

Karte: Kompass 1:50 000, Nr. 70 »Nationalpark Kalkalpen«

Fremdenverkehrsamt: Tourismusverband Pyhrn-Priel, Haupt -

str. 28, 4580 Windischgarsten; Tel. 00 43/(0)75 62/52 66-0

Hütte/Einkehr: Hochmölbinghütte (1683 m), Ende Mai bis

26. Oktober, Tel. 06 76/9 00 39 09; www.hochmoelbinghütte.at

Charakter/Schwierigkeiten: Sehr abwechslungsreiche

Plateauwanderung durch das Europaschutzgebiet Totes Gebirge.

Besondere Vorsicht ist nach Schneefall und bei Nebeleinfall

geboten, weil dann die Markierungen schlecht erkennbar sind.


TIPP

Berner Alpen Aletschhorn (4195 m), »Südwestrippe«

Hüttenzustieg: Von Blatten mit der Bahn zur Belalp

(2094 m). Auf breitem Weg nach Osten zum Hotel Belalp

und weiter in Richtung des Talgrunds, wo Oberaletsch- und

Großer Aletschgletscher zusammentreffen. Den Ablauf des

Oberaletschgletschers quert man auf einer neuen Hängebrücke.

Dann in nördlicher Richtung hinauf zum grandios

angelegten Höhenweg unter den Fußhörnern, der aussichtsreich

zur Oberaletschhütte (2640 m) hinüberzieht.

Gipfelaufstieg: Hinter der Hütte die Leitern hinab auf

den Oberaletschgletscher. Im östlichen bis mittleren

Bereich des nun meist aperen Gletschers etwa 3 km

den Katzenaugen folgen. In der Mulde, wo der Gletscher

vom Geisshorn herabzieht, über einen bröseligen Pfad

(Wegspuren und Steinmänner) von rechts nach links

ansteigend die Moräne ersteigen. Unter den Felsen quert

man mehrere Gräben und trifft schließlich auf einen guten

Pfad, der über Grasbänder und Terrassen emporführt.

Über festes Rinnen- und Blockgelände erreicht man bei

ca. 3100 m die markante Felsrippe, die vom oberen Gletscherbecken

herabzieht. Am Ende der Rippe Steigeisenund

Frühstücksplatz. Über einen kurzen Eisaufschwung

erreicht man den Gletscher, dessen Spalten man in einer Rechts-

Links-Schleife umgeht und schließlich an der günstigsten Stelle

(Schnee/Geröll) nach links in die Gipfelfelsen verlässt. Diese

umgeht man zunächst in einem Firnhang links der Rippe, bis

die ersten Sicherungsstangen erreicht werden. In meist festem

Fels mit guten Sicherungsmöglichkeiten auf der mittleren Rippe

empor und schließlich über nun fl achere, aber schuttbedeckte

Felsen zum höchsten Punkt.

Abstieg: Wie Aufstieg. Die Gipfelfelsen sind mit etwa 10 Sicherungsstangen

im Abstand von 30 m versichert. In den fl acheren

Felsen empfi ehlt es sich aus Zeit- und Steinschlaggründen, abzuklettern

statt abzuseilen. Bei den letzten Stangen nicht zu weit

nach rechts in eine verlockende Rinne queren; typischer Verhauer.

Wer von der Hütte noch bis zur Belalp absteigt, hat wegen der

Gegenanstiege mit insgesamt 3000 Abstiegshöhenmetern zu

rechnen.

Thomas Ebert

Das Aletschhorn mit der Anstiegsroute

Foto: Thomas Ebert

TIPP

Mieminger Kette Hohe Munde (2662 m)

Aufstieg: Vom Parkplatz auf schmaler Fahrspur durch

den Wald, bei der ersten Verzweigung rechts und zu einer

Forststraße. Auf ihr nach links und zur Rauthhütte hinauf.

Von der Hütte weiter nach Nordwesten, dann nach Norden

abdrehen, um die Moosalm herum; nach Südwesten zum

Hüttenrinner und durch felsige Rinnen hinauf. Anschließend

gegen Westen weiter.

Mit dem Bau der Lawinensicherung wurde ein neuer Weg

angelegt. Er verlässt die alte Routenführung gut beschildert

nach rechts und steigt auf Wiesenhängen an. Noch

vor dem Mundekopf stößt er wieder auf die alte Route.

Auf dem Mundekopf am Antennenmasten vorbei und

100 Meter stellenweise steil und ungemütlich in den

Sattel zwischen Mundekopf und Hoher Munde hinunter.

Aus ihm nach Westen, die letzten Minuten nach Norden,

zum Gipfelkreuz hinauf und ein paar Meter weiter zum

höchsten Punkt.

Abstieg: Möglich entlang der Aufstiegsroute.

Schöner, aber weiter ist der Abstieg anfangs kurz nach

Norden, dann links abknicken und auf langer, guter Steiganlage,

ein paar Mal auf und ab zum Grat westlich der

Hohen Munde. Über ihn in den Sattel bei der Niederen Munde.

Von dort auf beschildertem Wanderweg nach rechts ins Gaistal

absteigen. Noch vor der Tillfussalm rechts auf den Gaistalweg

einbiegen und durch das Tal bis Obern hinaus. Von dort auf der

Fahrstraße zum Parkplatz an der ehemaligen Liftstation der

Rauthhütte zurück.

Siegfried Garnweidner

Beim Übergang vom Mundekopf zur Hohen Munde

Foto: Siegfried Garnweidner

TIPP

Pyhrn-Priel-Region Von der Wurzer- zur Bärenalm

Route: Von der Bergstation der Standseilbahn abwärts, an

der Frauenkar-Liftstation vorbei und entlang der Skipiste bis

zur Beschilderung »Luckerhütte – Hochmölbinghütte« wandern.

Der Markierung aufwärts in den Burgstall folgen, links

am Eisernen Bergl vorbei bis zur Luckerhütte, die als Notunterstand

dienen kann. Durch Zirben-Lärchenwald, Dolinen

und Latschen führt der Weg in leichtem Auf und Ab weiter

zur Brunnalm und zuletzt entlang eines kleinen Baches zur

Liezener Hütte. Danach leicht abwärts zur Hochmölbinghütte.

Auf Weg Nr. 218 leicht ansteigend zur Sumperalm und

abwärts auf den Grimmingboden. Nördlich in der Talsohle

aufwärts zur Graßeck-Alm und hinauf zur Türkenkarscharte,

einer Einsattelung zwischen Hirscheck und Kleiner Scheibe.

Über die Bärenalm und das Schafferreith zurück zum Parkplatz

des ehemaligen Bärenalmliftes absteigen.

Übersicht: Südlich des Warscheneck entfaltet sich

eine märchenhafte Plateaulandschaft mit Karstdolinen,

Grasmatten und Urwäldern. Seit der letzten Eiszeit hat sich

die Landschaft hier wenig verändert. Das Plateau ist vom

Norden her gar nicht und vom Süden nur wenig erschlossen.

Eine Besonderheit ist der ausgedehnte Lärchen-Zirbenwald. Die

Zirbe verträgt kein feuchtes Klima. Ihr bekommt daher der von Spalten,

Ritzen und Dolinen übersäte Kalkboden, weil hier das Wasser

sofort in das Berginnere versiegt. Verbreitet werden die Samen

der Zirbe durch die Tannenhäher. Während im östlichen Teil des Plateaus

an Quellen und Wasser großer Mangel herrscht, fi ndet man

im westlichen Teil des Plateaus viele kleine Gewässer. Das Wasser

und ein tiefgründiger Boden schaffen in diesem Teil die Voraussetzung

für Almwirtschaft. Ausgehend vom Plateau kann man vielen

aussichtsreichen Berggipfeln wie dem Warscheneck, Angerkogel

und Hirscheck einen Besuch abstatten. Nur die bewirtschaftete

Hochmölbinghütte und die Liezener Hütte als Selbstversorgerhütte

sind Stützpunkte in dieser einmaligen Landschaft.

Franz Sieghartsleitner

Die Bärenalm mit dem Toten Gebirge

Foto: Franz Sieghartsleitner


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AUF TOUR

Touren und Thermen in den bayerischen Bergen

Endspurt: die letzten steilen Meter auf die Schulter des Schildensteins

Nichts ist angenehmer, als nach einer schweißtreibenden

Skitour im warmen Wasser oder im Dampfbad zu entspannen.

Glücklicherweise befinden sich einige bayerische Thermen

ganz in der Nähe von Tourenzielen. Von Andrea Strauß

64 Bergsteiger 01⁄14


Entspannter Blick aufs nächste Tourenziel: in der Therme Bad Endorf

Fotos: Andreas Strauß (2), Thermen Bad Endorf

Er sammelt sich, hält noch einen

Moment inne. Dann fällt er. Mit

9,81 Metern pro Sekunde rast er

auf den Abgrund zu. Vom Aufprall

tief unten im Schnee ist

nichts mehr zu hören – schließlich ist es

nur ein Schweißtropfen. Einer von vielen

auf der Skitour zum Gipfel des Wagendrischelhorns

(2251 m).

Gleichmäßig steil zieht die Spur über die

Nordflanke hinauf aufs Plateau der Reiteralm.

Auf 1700 Höhenmetern ist reichlich

Zeit für Schweißperlen. Aber die Bewegung

an der frischen Luft tut gut: Kaum steht

man auf den Ski, kaum haben die Schritte

einen gleichmäßigen Rhythmus, dann sind

alle Gedanken an den Alltag vergessen. Kein

Wunder, dass das Tourengehen boomt. Und

wer bei der Abfahrt im Tiefschnee an seine

sportlichen Grenzen kommt, hat seit einigen

Jahren mit Schneeschuhen eine Alternative.

Lust auf mehr

Was für ein Tief blick! Nach der einen Seite

hat der Gipfel des Wagendrischelhorns einen

steilen Skihang, nach der anderen aber

richtiges Felsgelände. 2251 Meter hoch ist

dieses schöne Tourenziel auf der Reiteralm

und damit der höchste Gipfel, der in diesem

Gebiet mit Ski erreicht werden kann. Was

man von hier oben sieht, macht Lust auf

mehr. Da steht der Untersberg mit seinem

Abbruch nach Süden, der Hohe Göll und

weit im Osten der Dachstein. Watzmann

und Hochkalter scheinen aus dieser Perspektive

zusammenzuwachsen. Dahinter

die Tauern, daneben Leoganger und Lofe-

rer Steinberge. Niedriger gelegen und eher

für Winterwanderer und Schneeschuhgeher

geeignet als für Skitourengeher, lugt

der Tote Mann hervor: Hier verlief einst

auf halber Höhe die Leitung, in der die

Sole von Berchtesgaden nach Reichenhall

gepumpt wurde. Und dort drüben erheben

sich Zwiesel und Hochstaufen – mehr Skitourenziele,

als man in einem Skiwinter

schaffen kann. Ohnehin steht erst mal die

Abfahrt an: Nach den ersten, etwas zaghaften

Schwüngen im windgepressten Schnee

wird der Untergrund weicher, die Bewegungen

fließender. Wenn der Rhythmus gefunden

ist, folgt die Phase des Aufschwimmens

und Surfens, der Schnee stiebt und spritzt

hoch bis ins Gesicht.

Im Unterschied

zur Skitour aufs

Wagendrischelhorn

schwitzt man in

der Reichenhaller

Sauna ganz ohne

Höhengewinn.

Baden wie die alten Römer

Im Unterschied zur Skitour aufs Wagendrischelhorn

schwitzt man am Nachmittag

in der Reichenhaller Sauna ganz ohne

Höhengewinn, dafür ebenso

gründlich. Und ebenso

gesund. Dass warme Bäder,

Dampf und Massage eine

positive Wirkung auf Körper

und Geist haben, weiß man

seit dem Altertum. Die alten

Römer haben die Badekultur

aus Griechenland übernommen,

wo sie schon vor 4000

Jahren üblich war, und verfeinerten

sie mit viel technischer

Raffinesse. Becken

mit kaltem und warmem

Wasser standen zur Ver- Höchster Skigipfel über der Reiteralm: Wagendrischelhorn

01⁄14 Bergsteiger 65


Sklaven befeuerten die

Heizungen, während

man in bequemen Ruhesesseln

über Politik

diskutierte. Nur auf

Skitour gingen die alten

Römer noch nicht.

Am Rücken zum Großen Traithen grüßt der Wendelstein.

fügung. Man konnte im Dampf bad bei 50

Grad schwitzen und sich mit Ölen massieren

lassen. Sklaven befeuerten rund um die

Uhr die Fußboden- und Wandheizungen.

Anschließend lockten bequeme Sessel in

den Ruheräumen, dort wurde über Politik

diskutiert und Klatsch ausgetauscht. 1600

solcher Ruhesessel sollen in den römischen

Caracallathermen gestanden haben. Nur

auf Skitour gingen die Römer noch nicht.

So viele Ruhesessel wie die antiken Bäder

Roms sind es in der Rupertustherme in Bad

Reichenhall nicht. Eine beachtliche Größe

hat die Therme am Fuß des Hochstaufens

aber schon. 2005 wurde sie errichtet und

so die Bädertradition von Reichenhall wiederbelebt.

Namenspatron ist der Heilige

Rupert, der laut einer Legende die Solequellen

von Reichenhall im 7. Jahrhundert

wiedergefunden haben soll. Während der

folgenden Jahrhunderte nutzte man sie zur

Salzgewinnung; 1846 begann dann der Bade-

und Kurbetrieb. Aus Reichenhall wurde

im Laufe der Zeit »Bad Reichenhall« und damit

einer von knapp einem Dutzend Orten

am Rand der bayerischen Alpen mit dem

begehrten Titel »Bad« im Namen.

Thermalwasser aus 2000 Meter Tiefe

Baden und Wellnessen kann man natürlich

das ganze Jahr über. Aber ist der Winter

dafür nicht die schönste Zeit? Vormittags

auf einer Skitour durch den Pulverschnee

stapfen und nachmittags in der Sauna die

wohlige Wärme genießen! In den bayerischen

Bergen gibt es dafür jede Menge

Möglichkeiten. Da sind einmal die Solequellen,

die in der Rupertustherme in

Bad Reichenhall und in der Watzmann-

Therme in Berchtesgaden genutzt werden

– beide Gebiete auch ausgezeichnete

Skitourenreviere. Weiter westlich wartet

die Therme Bad Aibling, Bayerns jüngste

Therme, mit Thermalwasser aus mehr

Glitzernder Märchenwald an den Südhängen des Wallbergs

Traumhafter Pulver bei der Abfahrt vom Schildenstein

66 Bergsteiger 01⁄14


als 2000 Meter Tiefe auf. Direkt vor der

Haustüre kann man zu schönen Skitouren

in den westlichen Chiemgauer Bergen

und dem Mangfallgebirge auf brechen.

Am Tegernsee kann man gar zwischen

drei Bädern wählen, der Seesauna monte

mare in Tegernsee, dem Badepark Bad

Wiessee und dem Jodschwefelbad, dessen

Heilquellen Wiessee einst den Titel »Bad«

gebracht haben. Eine jodhaltige Quelle

nutzt auch das Alpamare in Bad Tölz.

Südwestlich vor den Toren Münchens

laden das Trimini in Kochel am See und

das Wellenberg in Oberammergau ein, die

Skitourenziele reichen vom Herzogstand

bis zu den vielfältigen Möglichkeiten in

den Ammergauer Bergen. Am Rand der

Allgäuer Alpen findet man ebenfalls beides:

traditionell schneesichere Touren

und Erholung bei warmen 30 Grad, zum

Beispiel in Füssen in der Kristalltherme,

im Wonnemar in Sonthofen oder in der

Therme in Oberstdorf.

Warmwasserbad unterm Winterhimmel

Längst ist die Sonne untergegangen, die ersten

Sterne zeigen sich am Winterhimmel.

Bestimmt wird es eine kalte Nacht und vielleicht

gibt es sogar bis zum Morgen ein wenig

frischen Pulverschnee. Für die Tour auf

den Teufelstättkopf wäre das gerade recht,

bei Pulverschnee ist er am schönsten, egal

Badewetter bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich

ob man mit Tourenski oder Schneeschuhen

unterwegs ist. Im 34 Grad warmen Außenbecken

des Wellenberg in Oberammergau

stören die Temperaturen der kalten Winternacht

erst einmal keinen – noch weniger in

der Sauna. Im Gegenteil, gerade der Kontrast

zwischen dem warmen Dampf und der frischen

Luft macht den besonderen Reiz aus.

Der Himmel hat noch einen Rest an Bläue,

der sich kalt gegen das schummrige, orangefarbene

Saunalicht abhebt. Langsam

wächst der Schweißfilm auf der Stirn zu

einem Tropfen. Er steuert die linke Augenbraue

an. Kurz bevor es ins Auge geht, ändert

der Tropfen die Richtung und rinnt an

der Nasenwurzel entlang bis zur Spitze. Er

sammelt sich, hält noch einen Moment inne.

Dann fällt er.


KOMPAKT

Thermen und Saunen am Alpenrand

Fotos: Andreas Strauß (3), picture alliance, Rupertustherme, Therme Bad Aibling

Rupertustherme

Bad Reichenhall

Diverse Becken, Außenbecken,

Whirlpool, Solegrotte,

Dampfbad, sechs verschiedene

Saunen, Tauchbecken,

Ruheräume, Kaminzimmer;

geöffnet tägl. 9–22 Uhr

Preise: 18 € (4 Std.)

zzgl. 8 € Saunabereich

Info: www.rupertustherme.de

Therme Bad Aibling

Diverse Becken in Kuppelarchitektur,

Außenbecken,

Unterwassermusik, Whirl -

pool, Dampfbad, Dampfeisbad,

Soledampfbad, Rosen -

quarzsauna, Bio sauna,

Eukalyptussauna, Moorsauna,

fi nnische Saunen,

Infrarotkabine, Kaminraum,

Sole-Inhalation;

geöffnet tägl. 10–22 Uhr,

Fr und Sa bis 23 Uhr

Rupertustherme

Therme Bad Aibling

Preise: 21 € (4 Std.)

Info: www.therme-badaibling.de

Badepark Bad Wiessee

Vier Innen- und Außenbecken,

Whirlpool, Inhalatorium,

Saunalandschaft mit

Lichttherapie, Dampfbad,

fi nnische Saunen, Almsauna,

Meditationssauna, Kaminstube,

Tauchbecken, Ruheräume;

geöffnet Sa–Mi 9–21

Uhr, Do und Fr 9–22.30 Uhr

Preise: 10,50 € (2½ Std.)

bzw. 11 € (WoE)

Info: www.badepark-badwiessee.de

Seesauna Tegernsee

Fünf Saunen, darunter auch

eine Sauna auf Schiff

»Irmingard«, und ein Dampfbad.

Whirlpool-Innenbecken

und Sole-Außenbecken,

Tauchbecken, direkter Zugang

zum See, Ruheräume

und Restaurant; geöffnet

tägl. ab 10 Uhr; Mo–Do

bis 23 Uhr, Fr und Sa bis

24 Uhr, So bis 21 Uhr

Preise: 15 € (2 Std.) bzw.

18 Euro an Wochenenden

und Feiertagen

Info: www.monte-mare.de

Wellenberg

Oberammergau

Hallenbad mit 34° heißem

Außenbecken, Saunalandschaft

mit fi nnischer Sauna,

Biosauna, Dampfbad und

Niedertemperatur-Infrarotkabine,

Tauchbecken,

Ruhebereich, Freilufthof;

geöffnet tägl. 10–21 Uhr

Preise: 7 € (3 Std.)

zzgl. 4 € Saunabereich

Info: www.wellenbergoberammergau.de

01⁄14 Bergsteiger 67


TOUREN

Erst in die Berge, dann ins Bad

Im bayerischen Voralpenland kann man sporteln und entspannen. Wir stellen Ihnen die schönsten Touren

rund um die Wellness-Oasen in Bad Reichenhall, Bad Aibling, Bad Wiessee und Oberammergau vor.

BAD REICHENHALL

1 Steinerne Agnes (1320 m)

▶ mittel 4 Std.

640 Hm 640 Hm

Charakter: Schöne Schneeschuhtour

zum zehn Meter hohen Felsturm der

Steinernen Agnes, einem sehenswerten

Geotop im Lattengebirge. Schmale

Wege im teils steilen Waldgelände

Ausgangspunkt: Parkplatz am Wertstoffhof

zwischen Bischofswiesen und

Pass Hallthurm (680 m)

Route: Vom Parkplatz der Beschilderung

Karspitze/Agnes folgend auf

Karrenwegen und (ab ca. 800 m) auf

Fußweg in Serpentinen zur Rotofen-

Diensthütte. Die Agnes steht wenige

Minuten oberhalb.

2 Toter Mann (1391 m)

▶ leicht 3 Std.

410 Hm 410 Hm

Charakter: Familienfreundliche

Wanderung auf einer Forststraße (als

Rodelbahn nutzbar) bis zum Gipfel

Ausgangspunkt: Cafe Schwarzeck

(1020 m) zwischen Bischofswiesen/

Loipl und Ramsau

Hütten: Hirschkaser im Skigebiet,

Tel. 0 86 57/4 81; Cafe Schwarzeck

am Ausgangspunkt, Tel. 0 86 57/

6 74; Bezoldhütte am Toten Mann

(Unterstand)

Route: Vom Cafe Schwarzeck auf

der Forststraße bis zur Verzweigung

Gerstreit, hier links hinauf in den

Sattel zwischen Totem Mann (rechts,

Bezoldhütte) und Hirschkaser (links,

Bergstation des Sessellifts und

Gaststätte). Je nach Präferenz auf

den einen oder anderen Gipfel.

3 Wagendrischelhorn (2251 m)

▶ schwierig 7 Std.

1710 Hm 1710 Hm

Charakter: Lange, einsame und

anspruchsvolle Skitour auf der Reiteralm,

bei Übernachtung auf der Neuen

Traunsteiner Hütte in zwei Tage teilbar.

Anfangs über Forstwege, dann steile

Waldfl anken bis zum Plateaurand,

später beim Gipfelanstieg nochmals

Steilgelände

Ausgangspunkt: Parkplatz vor dem

Bundeswehrgelände (640 m) südlich

von Oberjettenberg

Hütten: Neue Traunsteiner Hütte

(1570 m), Tel. 01 71/4 37 89 19,

ab Ostern bzw. Anfang April bewirtschaftet,

Winterraum

Route: Vom Parkplatz auf Forstwegen

zur Rastnockhütte und auf der

Trasse des Sommerwegs steil in den

Schrecksattel. Fallend zur Traunsteiner

Hütte und zur Reiteralm. Über die

Roßgasse direkt aufs Wagendrischelhorn

zu, zuletzt rechts ausholend.

4 Zwiesel (1782 m)

▶ mittel 3–4 Std.

900 Hm 900 Hm

Charakter: Sonnige, weil südseitige

Tour teils durch Wald, meist aber in

Schneisen und freiem Gelände hoch

über Bad Reichenhall

Ausgangspunkt: Parkplatz Jochberg

(880 m) von Weißbach ca. 3,5 km

in nordöstlicher Richtung auf schmaler

Straße

Route: Vom Parkplatz geht es

anfangs auf Forststraßen, dann auf

der Sommerwegtrasse zur Zwieselalm

aufwärts. Die Südhänge hinauf und

über den Zennokopf zum Zwiesel

aufsteigen. Die Abfahrt erfolgt ab der

Zwieselalm auf einer ausgeschilderten

Skiroute.

BAD AIBLING

5 Spitzstein (1596 m)

▶ leicht 4 Std.

830 Hm 830 Hm

Charakter: Beliebter Winterberg mit

Einkehrmöglichkeit am Spitzsteinhaus.

Einfache Schneeschuhtour im

Almgelände, nur der Gipfelhang ist

etwas steiler

Ausgangspunkt: Wanderparkplatz

Schweibern (770 m) am südlichen

Ortsrand von Sachrang

Hütte: Spitzsteinhaus (1252 m),

Tel. 00 43/53 73/83 30, ganzjährig

geöffnet

Route: Von Schweibern am Bach

entlang taleinwärts und bald auf

freiem Gelände zur Goglalm. Rechts

ausholend am Spitzsteinhaus vorbei

und zum Gipfel hinauf. Im Abstieg

kann man auch direkt zum Spitzsteinhaus

hinab, was allerdings etwas

steiler ist.

6 Brünnsteinschanze (1547 m)

▶ leicht 3–4 Std.

750 Hm 750 Hm

Charakter: Einfache Voralpentour

mit Schneeschuhen über Wald- und

Wiesengelände auf den Vorgipfel

des felsigen Brünnsteins; teils auf

Forstwegen, teils über mäßig steile

Wiesenhänge

Ausgangspunkt: Parkplatz nahe des

Wasserfalls (800 m) an der Sudelfeldstraße

Route: Auf einer Forststraße ins Almgelände

der Schoißeralm hinauf

und über den Nordosthang wieder auf

die Straße. Über die Seelacher Alm

und den Westhang auf den Gipfel.

7 Breitenstein (1622 m)

▶ einfach 4 Std.

830 Hm 830 Hm

Charakter: Einfache Skitour im

Mangfallgebirge über mäßig steile

Wiesenhänge mit kurzen Waldpassagen;

nicht immer ausreichend

Schnee

Ausgangspunkt: Tourengeherparkplatz

am Cafe Winklstüberl (795 m)

nördlich von Fischbachau

Route: Vom Winklstüberl über

Wiesen- und Waldgelände hinauf zur

Bucheralm, über den freien Westhang

bis auf die Schulter westlich des

Gipfels und fl ach hinüber zum höchsten

Punkt.

8 Großer Traithen (1852 m)

▶ mittel 3–4 Std.

800 Hm 800 Hm

Charakter: Abwechslungsreiche

Skitour mit anspruchsvollen Abfahrtsmöglichkeiten.

Im Aufstieg mittelsteile

Hänge, in der Abfahrt auch steile

Passagen, die bei hartem Schnee

unangenehm sind

Ausgangspunkt: Parkplatz unterhalb

des Gasthaus Rosengasse (1060 m)

südlich der Sudelfeldstraße

Einkehr: Gasthaus Rosengasse

(Ausgangsort)

Route: Aus der Rosengasse über die

Rosengassenalm teils mäßig steil

hinauf ins Steilner Joch. Auf dem langen

Grat über das Unterberger Joch

68 Bergsteiger 01⁄14


Nach der Skitour auf den

Spitzstein lockt ein Bad in

der Therme Bad Aibling.

auf den Großen Traithen. Hinab über

den Nordrücken und nach Nordosten.

Über den Sattel zwischen Kleinem

Traithen und Jägerwand in den »Stopselzieher«.

Zuletzt fl ach hinüber zum

Ausgangspunkt.

BAD WIESSEE

9 Wallberg

▶ leicht 5 Std.

950 Hm 950 Hm

Charakter: Durch Winterwald hinauf

auf den aussichtsreichen Seilbahnberg

über dem Tegernsee. Bis zur

Bergstation auf guten Wanderwegen,

dann zum Gipfel hinauf je nach

Spuranlage mittelschwierig.

Ausgangspunkt: Talstation der

Wallbergbahn (780 m) südlich des

Tegernsees

Hütten: Wallberghaus (1512 m),

Tel. 0 80 22/62 88 und Bergstation

der Wallbergbahn (1604 m),

Tel. 0 80 22/68 00

Route: Von der Talstation entweder

über das Scharlinger Moos (fl acher)

oder über die Trasse des Sommerwegs

hinauf zum Wallberghaus

(Abkürzung über die Skipiste möglich,

aber sehr steil). Nach Norden hinauf

zur Bergstation und weiter über den

Rücken auf den Gipfel.

10 Bodenschneid (1669 m)

▶ mittel 4 Std.

890 Hm 890 Hm

Charakter: Schöne Voralpentour mit

Einkehrmöglichkeit am Bodenschneidhaus;

bis dorthin durchweg

auf Almstraßen, dann mittelsteiler

Hang und kurze steile Passage am

Rücken der Bodenschneid

Ausgangspunkt: Parkmöglichkeit

an der Kapelle in Kühzagl (783 m)

östlich von Rottach-Egern

Hütten: Bodenschneidhaus, ganzjährig

geöffnet, Tel. 0 80 26/46 92

Route: Von Kühzagl auf der Forststraße

über die Kühzaglalmen in den

Sattel nördlich des Rainerkopfs.

Hier rechts und über die Raineralm

zum Bodenschneidhaus. Nach

Südwesten teils mittelsteil auf den

Nordrücken der Bodenschneid und

über ihn zum Gipfel.

11 Schildenstein (1613 m)

▶ einfach 4 Std.

810 Hm 810 Hm

Charakter: Einfache Voralpentour

mit kurzer Flachpassage, landschaftlich

aber sehr reizvoll. Teils auf

Forstwegen, teils über Almgelände;

lediglich der Hang über der Königsalm

ist etwas steiler.

Ausgangspunkt: Parkplatz Winterstube

(830 m) an der Straße vom

Tegernsee zum Achenpass

Route: Vom Parkplatz auf der

Almstraße anfangs durch Wald,

dann über eine Almfl äche zur

Königsalm. Hier nach Südosten über

Wiesen- und Waldgelände auf die

Schulter zwischen Schildenstein und

Platteneck. Über den Südwestrücken

auf den Gipfel.

12 Seekarkreuz (1601 m)

▶ einfach 5 Std.

780 Hm 780 Hm

Charakter: Beliebte Voralpen-Skitour,

die sich auch für Schneeschuhgeher

eignet. Gemächlicher Start zur

Schwarzentennalm, über Forstwege

und mäßig steile Hänge

Ausgangspunkt: Parkplatz Winterstube

(830 m) an der Straße vom

Tegernsee zum Achenpass

Hütten: Schwarzentennalm, ganzjährig

geöffnet, Tel. 0 80 29/3 86

Route: Vom Parkplatz fl ach auf dem

Forstweg zur Schwarzentennalm, über

den Gurnbachgraben zur Rauhalm.

Nach Nordwesten in den Sattel unter

dem Gipfel und links hinauf zum

Seekarkreuz.

OBERAMMERGAU

13 Großer Aufacker (1542 m)

▶ mittel 4 Std.

770 Hm 770 Hm

Charakter: Schneeschuhtour mit

steilem Anstieg (Orientierung an

der Sommer-Wegmarkierung) und

gemütlicherem Abstieg

Ausgangspunkt: Parkplatz am Erlebnisbad

Wellenberg (853 m)

Route: Vom Parkplatz durch den Kühberggraben

und vorbei am Gschwandkopf

zum Großen Aufacker. Vom Gipfel

rechts haltend über freie Almfl ächen

zum Kleinen Aufacker (1531 m),

dann durch Wald ostwärts hinab bis

zur Forststraße und durchs Lainetal

zurück zum Parkplatz.

14 Teufelstättkopf (1758 m)

▶ mittel 6 Std.

900 Hm 900 Hm

Charakter: Abwechslungsreiche

Schneeschuhtour über Forststraßen

und durch Waldgelände. Im Aufstieg

zum Teufelstättkopf kurze Aufschwünge

und ein schmaler Rücken

Ausgangspunkt: Parkplatz an der

Schleifmühlenlaine (880 m) südwestlich

von Unterammergau

Hütte: Pürschlinghaus (August-

Schuster-Haus), ganzjährig geöffnet,

Tel. 0 88 22/35 67

Route: Entweder auf der Forststraße

bis Pürschlinghaus und auf dem

Südrücken zum Felsansatz. Oder auf

dem Forstweg über die Bergwachthütte

und die Kühalm. Von hier einen

lichten Hang hinauf (Auf dem Stein)

und über den Nordostrücken zum

Skidepot unter dem Gipfel. Die letzten

Meter steil hinauf zum Kreuz.

15 Scheinbergspitze (1926 m)

▶ schwierig 4 Std.

950 Hm 950 Hm

Charakter: Bekannte Skitour in den

Ammergauer Alpen mit einfachem

Gelände und mäßig steilen Hängen bis

zum Skidepot. Nur der Gipfelaufbau

ist schwierig (kurze Seilversicherung).

Ausgangspunkt: Parkplatz westlich

von Linderhof (980 m) an der Straße

von Ettal über den Ammersattel

Route: Vom Parkplatz auf einer Forststraße

bis in den Hundsfällgraben

– rechts über einen Rücken nach Westen

hinauf – auf einer Rampe an den

Nordostgrat heran – am Felsansatz

Skidepot – teils versichert zum Gipfel.

16 Geierkopf (2143 m)

▶ schwierig 4 Std.

1040 Hm 1040 Hm

Charakter: Anspruchsvolle, meist

sehr ruhige Skitour. Steile Hänge,

insbesondere der Ausstieg durch das

Felstor auf die Südseite. Felsiger

Gipfelaufbau

Ausgangspunkt: Parkplatz bei der

Ammerwald Alm (1100 m), westlich

des Ammersattels

Route: Vom Parkplatz nach Süden

und leicht links in ein Schneisensystem,

das ins Nordkar zieht. Dieses

teils sehr steil hinauf zum Felsentor

und auf die Südseite. Skidepot in

der Scharte – über den Westgrat zum

Westlichen Geierkopf.

Foto: Andreas Strauß

01⁄14 Bergsteiger 69


AUF TOUR

SERIE: Geheimnisvolle Alpen

Teil 5: Kraftorte der Kelten – Wallfahrtsorte

bei Schleching und am Wolfgangsee

Familien-TIPP

Der schmale Weg

zum Glück

Mit Gebeten versuchten

die Menschen

früher, die Naturgewalten

in den Bergen

zu zähmen. Bergkircherl

und Heiligen-

Legenden zeugen

davon. Doch die

Ent stehung dieser

Kultorte und Geschichten

liegt meist

viel weiter zurück.

Von Isabel Meixner

Grenze zum Göttlichen:

Der Weg durch den gespaltenen

Klobenstein reinigt

die Pilger von ihren Sünden.

70 Bergsteiger 01⁄14


INFO

Hacklschwingender

Heiliger

Unruhige Zeiten waren das im 10. Jahrhundert:

erst die Überfälle der wilden Ungarn, dann

das Hauen und Stechen der deutschen Fürsten.

Und mittendrin der heilige Wolfgang; ein Spätberufener,

wenn man so will. Mit 40 Jahren wurde

er Priester, missionierte bei den Magyaren

und gelangte schließlich auf den altehrwürdigen

Bischofsstuhl von Regensburg. In unruhigen

Zeiten zog er sich ins Gebirge zurück. 994 starb

Wolfgang – nicht einmal 60 Jahre später wurde

er heiliggesprochen. Das Volk verehrte ihn.

Vielleicht auch, weil Wolfgang das Christentum

mit alten Glaubensvorstellungen versöhnen

wollte. Jedenfalls werden zahlreiche heilige

Steine, die möglicherweise schon in vorchristlicher

Zeit verehrt wurden, mit dem wandernden

Missionar in Verbindung gebracht. Besonders

lebendig ist der Wolfgangskult am ehemaligen

Abersee, der heute nach dem Bischof heißt.

Die Kreuzkapelle gibt es dort oberhalb von

St. Wolfgang – und neben der Kapelle einen

riesigen Haufen größerer und kleinerer Steine.

Wallfahrer haben sie bis hierher geschleppt

– christliche Wallfahrer. Dann ist da die Durchkriechhöhle

hinter der Falkensteinkapelle;

dort, wo Wolfgang seine Zeit im Exil zugebracht

haben soll. In Wirklichkeit war er im Kloster

Mondsee. Bei der Kapelle gibt es auch ein

»Wolfgangibett«, einen merkwürdig geformten,

wohl künstlich bearbeiteten Felsen. Dann

gibt’s noch einen »Wolfgangibrunnen«,

dessen Wasser gegen

Augen- und Fußleiden helfen soll,

die Abdrücke des Heiligen in der

»Teufelswand« und schließlich

die »Beilwurfkapelle«. Von dort aus

soll Wolfgang sein Hackl geschleudert

haben, um den Standort seiner

Kirche zu bestimmen, die dann

drei Kilometer entfernt am Seeufer

erbaut wurde – gleich neben einem

vor geschichtlichen Schalenstein.

Kleine Amulette in Axt- oder Hammerform

sollten die Wolfgangspilger vor

Krank heiten bewahren. Mit seiner

Axt ist der Heilige übrigens ein später

Nachfahre des hammerschwingenden

germanischen Gottes Thor.

Engpass auf dem Weg nach Bayern: die Tiroler Achen in der Entenlochklamm

Beherzt setzt der Musikant in erdfarbener

Tracht das Mundstück an.

Dem meterlangen Alphorn entlockt

er Töne, die weit durch die

enge Klamm der Tiroler Achen schallen.

Melodiöse Töne und doch irgendwie archaisch

anmutend an diesem Ort. Einem ganz

besonderen Ort …

Beherzt setzt der Druide in seinem langen

weißen Umhang das Mundstück an. Seinem

gekrümmten Blasinstrument mit dem

Tierkopf entlockt er Töne, die weit durch

die enge Klamm schallen. Archaische Töne

an diesem Ort, der schon für die keltischen

Bergbewohner ein ganz besonderer Ort ist …

Mehr als zweitausend Jahre liegen zwischen

den beiden Szenen. Und die zweite

davon, das sei zugegeben, ist reine Fiktion.

Ob es wirklich Kelten waren, die sich in

der Latènezeit zwischen den heutigen Orten

Schleching und Kössen herumtrieben,

weiß niemand. Ihre Sitten und Gebräuche

kennt man aus Asterix-Heften besser als

aus ihrer eigenen Feder – von den Kelten

wurden kaum schriftliche Zeugnisse überliefert.

Und letztendlich kann niemand mit

Gewissheit sagen, ob dieser besondere Ort,

der heute Maria Klobenstein heißt, schon in

vorchristlicher Zeit kultisch verehrt wurde.

Doch vieles spricht dafür.

Revier von Schmugglern und Wilderern

Es sind keine gewaltigen Bergriesen, die

das enge Tal der Tiroler Achen einrahmen:

Geigelstein, Breitenstein, Raue Nadel …

Und doch lassen sie nur wenige Stunden

am Tag Sonnenstrahlen hinunter in die wilde

Schlucht. So wild ist sie, dass es bis heute

nur einen Fußweg auf der Westseite des

Flusses gibt, der das oberbayerische Schleching

mit dem tirolerischen Kössen und

damit mit dem Wallfahrtsort auf ungefähr

halber Strecke verbindet. »Schmugglerweg«

heißt dieser Pfad tourismusfördernd, aber

nicht von ungefähr. Schmuggler und noch

mehr die Wildschützen hatten im Schlechinger

Tal noch vor hundert Jahren ihr

Revier. Hatten? In Schleching sei es sehr

schwer, in Sachen Jagdwilderei zu ermitteln,

räumen Polizeibeamte auch heute

noch manchmal ein … Die Chancen, einen

veritablen Wilderer zu treffen auf der Wanderung

in die mythischen Anfänge alpenländischer

Gläubigkeit, sind freilich gering.

Und das mit dem Schmuggeln hat sich inzwischen

dank des Schengenabkommens

völlig erledigt. Selbst schon wie ein archäologisches

Relikt muten der Grenzstein, die

heruntergekommenen ehemaligen Zollhäuschen

bei Wagrain und die Tafel auf der

anderen Flussseite an, die darauf aufmerksam

macht, dass der Grenzübertritt nur von

sechs bis 21 Uhr gestattet sei.

Der Schmugglerweg ist eine schöne Herbstwanderung

mit einem lohnenden, spannenden

Ziel: die Wallfahrtskirche Ma-

Betnische neben Büßergang: an der Falkensteinkapelle

über dem Wolfgangsee

Fotos: Martin Bernstein (li.), Schleching Tourismus (o.), WTG (u.)

01⁄14 Bergsteiger 71


Links: Die heilige Jungfrau

soll in Maria Klobenstein

Wunder bewirkt haben.

Mitte: Auch St. Wolfgang pilgerte

schon zum Falkenstein …

Rechts: … und gab dem ehemaligen

Abersee seinen Namen.

ria Klobenstein. Wenn denn dieses Ziel auf

diesem Weg zu erreichen ist. Denn der uralte

Kultort liegt an einer Stelle, in der das

Achental besonders wild ist. Eine in diesen

Tagen erst wieder einmal komplett erneuerte

Hängebrücke überspannt dort die Entenlochklamm,

die früher sogar noch wilder,

noch enger gewesen sein soll – so eng, dass

gerade einmal eine Ente hindurch passte.

Baumstämme und anderes Treibgut verkeilten

sich dort oft. Bei Hochwasser konnte das

richtig gefährlich werden. Irgendwann wurde

die Engstelle verbreitert. Das half – bis

zum Frühsommer 2013. Wer das Schwemmgut

in den Wipfeln der Bäume sieht und die

Überreste der zerrissenen Hängebrücke in

luftiger Höhe, der mag es kaum glauben: Bis

dort oben toste das verheerende Hochwasser,

das der majestätisch-zackige Wilde Kaiser

als Gruß an seine nördlichen Untertanen

geschickt hatte. Ein Gruß, der die Menschen

im und vorm Gebirge mal wieder daran erinnerte,

dass die Berge heftige Naturgewalten

entfesseln können.

KOMPAKT

Pilgerstätte Maria Klobenstein

Anreise: Über die Autobahn

München-Salzburg bis Bernau,

weiter über Grassau und

Marquartstein nach Schleching

bzw. Kössen

Ausgangspunkt: Schleching

in Oberbayern

Karten: Kompass-Wanderkarten

1:50 000, WK 10

»Chiemsee« und WK 794

»Berchtesgadener Land«

Wanderführer: Michael

Pröttel »Chiemgau«, Bruckmann

Verlag, 2012; Dorothea

Steinbacher »Magisches

Oberbayern«, AT-Verlag, 2010

Informationen: Touristik-

Information Schleching,

Die Pilger hofften,

Krankheiten und

Beschwerden an den

Durchkriech-Steinen

abstreifen zu können.

lichen Talflanke in sicherer Höhe über der

wilden Achen als Pass zwischen Nord und

Süd nutzten. Wo so viel majestätische Gewalt

zu Hause war, mussten die Götter ihre

Hände im Spiel haben. Sie zu besänftigen,

sie um Beistand zu bitten – das versuchten

die vorchristlichen Alpenbewohner an heiligen

Orten. Heilkräftige Quellen und markante

Steine waren solche Zugangspunkte

zum Bereich der Götter. Auch in Maria Klobenstein?

Vieles spricht dafür. Den »Klobenstein« gibt

es. Klobig ist er – und »geklieben«, also

gespalten: ein riesiger Felsblock, in grauer

Vorzeit von der Rauen Nadel abgebrochen,

ins Tal gedonnert und dort in zwei Teile

zerborsten. Der Spalt, der sich dazwischen

Schulstraße 4, 83259 Schleching,

Tel. 0 86 49/2 20,

info@schleching.de,

www.schleching.de;

Tourismusverband Kaiserwinkl,

Dorf 15, A-6345 Kaiserwinkl,

Tel. 00 43/5 01/1 00,

info@kaiserwinkl.com,

www.koessen.at

Der rettende Spalt

Das wussten wohl auch die Menschen vor

2000 Jahren, die den Saumweg an der östauftat,

rettete einer armen Witwe während

des Felssturzes das Leben, wie es die Sage

berichtet. Eine andere Fassung der Legende

erzählt von der Jungfrau Maria, die helfend

und behütend aus dem Spalt hervortrat.

Jedenfalls wurde der Stein zum Wallfahrtsort.

Vielleicht ist er es auch schon immer

gewesen und die christlichen Missionare

haben nur einen Ort, der von den Gebirgsbewohnern

seit langer Zeit verehrt wurde,

mit christlichen Attributen versehen. Der

Spalt im Stein, durch den sich die Wallfahrer

zwängten und zwängen, führt auf eine

Seitentür der Wallfahrtskirche zu. In ihr das

Gnadenbild der Jungfrau Maria. Vielleicht

war es ursprünglich sogar eine Anna-Figur.

Anna und Maria: Das sind Heilige, die als

christliche Verkörperungen uralter Muttergottheiten

gelten. Gleich neben dem Stein,

unterhalb der Kapelle entspringt auch noch

eine heilige Quelle.

Abreibung bringt Segen

Warum aber nahmen die Menschen nicht

den einfachen Weg zum Heiligtum? Ein anderer

Kultort im Alpenraum an der Grenze

zwischen Salzburger Land und Oberösterreich

soll Antwort geben auf diese Frage:

der Wolfgangsee, bekannt durch die melodienselige

Operette vom »Weißen Rössl«.

Auf dem Falkenstein hoch über dem See

gibt es dort ebenfalls eine Wallfahrtskirche.

Und hinter ihr eine schma le Kluft, durch die

sich die Pilger zwängen – ein Durchkriechstein,

verbunden mit der Erinnerung an den

heiligen Wolfgang. Dieser Regensburger Bischof

zog sich im 10. Jahrhundert vor politischen

Intrigen vorübergehend ins Kloster

Mondsee zurück. Auf seiner Wanderroute

liegen zahlreiche Durchkriech- und Schalensteine.

Die Legende liefert mehrere Erklärungen

für die sonderbaren Formen dieser

Felsen: Mal hat sich des Bischofs müdes

72 Bergsteiger 01⁄14


TOUREN

Zu magischen Steinen und Wassern

Rund um Schleching, Kössen und am Wolfgangsee führen

einfache Pilgerwege zu besonderen Orten mit gespaltenen

Felsen, heilendem Wasser und Wallfahrtskirchlein – oder

auch einfach mit herrlicher Aussicht.

Fotos: Martin Bernstein, WTG/H. Wieser, WTG/Weinhäupl

Wanderer-Haupt darauf abgedrückt, mal

hat ein Wurf seines »Wolfgangshackls« die

Dellen geschaffen. Ein Heiliger buchstäblich

zum Steinerweichen. Die Pilger hofften,

Krankheiten und Beschwerden an den

Durchkriech-Steinen abstreifen zu können;

vielleicht auch ihre Sünden.

Der Ritus ist uralt und findet sich an vielen

Heiligtümern aus vorchristlicher Zeit. Das

Reiben an den heiligen Steinen – an einem

Ort galt es als fruchtbarkeitsfördernd, am

anderen als heilend – wollten die Menschen

nicht missen. Was also konnten

Wolfgang und die anderen Kirchenmänner

in ihrem Bemühen um die Seelen der

Älpler anderes machen, als den alten Kult

zähneknirschend oder hacklschwingend

hinzunehmen und ihn lediglich zu christianisieren?


IM MÄRZ-HEFT: Teil 6: Ungeheure Schätze –

Der Waller und das Nazi-Gold vom Walchensee

1 Schmugglerweg Schleching

▶ leicht 4 Std.

200 Hm 200 Hm

Charakter: Leichte Wanderung mit

kleinem Anstieg; viel Zeit zum Schauen

und Erzählen mitbringen; auch im Winter

gut zu gehen

Ausgangspunkt: Ettenhausen bei

Schleching auf dem Parkplatz der zur

Zeit stillgelegten Geigelsteinbahn

(611 m), Kleingeld für Parkautomaten

mitnehmen!

Einkehr: Wirtshaus Klobenstein,

Tel. 00 43/6 64/5 13 81 78;

Berggasthof Streichen in Schleching,

Tel. 0 86 49/2 65; Cafe Berti in

Schleching, Tel. 0 86 49/8 10

Route: Parkplatz – Weg 29 (Schlechinger

Wanderweg/Schmugglerweg) – Fahrweg

Richtung Klobenstein/Hängebrücke

(Hinweis beachten!) – oberhalb der Tiroler

Ache bis zur Hängebrücke – auf der

östlichen Talseite bergauf zum Wirtshaus

und zur Wallfahrtskirche Klobenstein

(616 m) – etwa 200 m entlang der

Bundesstraße nach Süden – Samerweg

bis zur Abzweigung Streichenkirche

(814 m) – Wagrain – Ettenhausen.

2 Hochplatte (1587 m)

▶ leicht 4½ Std.

925 Hm 925 Hm

Charakter: Leichte und familientaugliche

Bergtour, die etwas Ausdauer und

Trittsicherheit erfordert

Ausgangspunkt: Mühlau (663 m) nördlich

von Schleching

Einkehr: Oberauerbrunstalm;

Landgasthof Kampenwand in Mühlau,

Tel. 0 86 49/2 06

Route: Mühlau – Forststraße – Abzweigung

nach rechts Richtung Hochplatte –

Fußweg hinter den letzten Häusern

des Ortes (Beschilderung »Hochplatte«)

– Abstieg auf demselben Weg.

3 Geigelstein (1813 m)

▶ mittel 6 Std.

1200 Hm 1200 Hm

Charakter: Mittelschwierige Bergtour,

die am Ende durch Latschen und Geröll

führt und bei der Ausdauer und Trittsicherheit

erforderlich sind; für Familien

bedingt geeignet (für größere Kinder,

die gut zu Fuß sind und gerne in die

Berge gehen)

Ausgangspunkt: Geigelsteinbahn (611 m)

in Ettenhausen, z. Zt. geschlossen

Einkehr: Priener Hütte (1411 m),

Tel. 0 80 57/4 28

Route: Parkplatz – Wegweisern Richtung

Wuhrsteinhütte/Geigelstein folgen –

Grafenkaseralm – Wuhrsteinhütte –

Wirts alm – der Markierung 8 Richtung

Breitenstein und Geigelstein folgen –

Geigelstein – Roßalm (Schlechinger Wanderweg)

– Haidenholzalm – Ettenhausen.

4 Taubensee (1165 m)

▶ mittel 5 Std.

580 Hm 580 Hm

Charakter: Winterliche Schneeschuhtour,

bei der Ausdauer und Erfahrung mit

dem Schneeschuhlaufen erforderlich sind

Ausgangspunkt: Parkplatz Taubensee,

Kössen in Tirol (589 m)

Einkehr: Taubenseehütte (1165 m),

Tel. 00 43/53 75/66 63

Route: Kössen – Rinderbrach-Alm –

Franken-Alm – Hirzinger-Alm – Taubenseehütte

– über die Schaffl erkaralm

am Mühlbergbach entlang zurück nach

Kössen.

5 Falkenstein über dem

Wolfgangsee (556 m)

▶ leicht 2 Std.

150 Hm 150 Hm

Charakter: Einfache Wanderung auf

den Spuren des heiligen Wolfgang

Ausgangspunkt: St. Wolfgang im Salzkammergut

(548 m)

Einkehr: zahlreiche Gasthöfe rund um

den Wolfgangsee

Route: Pilgerbrunnen an der Wallfahrtskirche

St. Wolfang – Pilgerstraße

Richtung Westen – beim Hotel Cortisen

rechts auf die Sternallee – obere

Riederstraße nach Ried – Wanderweg

zum Falkenstein (556 m) – Kreuzweg

zum Gasthof Fürberg und nach Brunnwinkl

– Mondseestraße und Uferweg

nach St. Gilgen – zurück mit dem Schiff

(verkehrt in der Vorweihnachtszeit und im

Sommer) oder den Wolfgangsee zu Fuß

umrunden, dann dauert die Tour 4½ Std.

01⁄14 Bergsteiger 73


AUF TOUR

Skitouren-Festival in Berchtesgaden

Auf den Spuren

der Profis

Die Workshops

am Samstag 22. 02. 2014

EINSTEIGER-Workshops:

• Workshop 1 PIEPS Sicherheitsworkshop:

Schulung zu LVS-Gerät, Sonde, Lawinenschaufel

• Workshop 2 Sicherheit auf der Piste:

Tourengeher im Pistenbereich, Kollisionsprävention,

DAV 10-Punkte-Regel

• Workshop 3 Aufstiegs- und Abfahrtstechnik:

Ausrüstungsumgang, Spitzkehrentechnik,

Spuranlage, Parallelschwung,

Stemmschwungtechnik in allen Schneearten

• Workshop 4 ABS – Lawinen-Airbag:

Funktionsweise, Umgang und Einsatz des

Lawinen-Airbags

FORTGESCHRITTENEN-Workshops:

• Workshop 5 Sicherheit auf Touren

und Verschüttetensuche: Tipps für Aufstieg

und Abfahrt, Mehrfachverschütteten-Suche,

Punktortung

• Workshop 6 Schnee- und Lawinenkunde

mit Fahrtraining: Interpretation Lawinenlagebericht,

Schneeprofi laufnahme,

Beurteilung der Lawinengefahr in verschiedenen

Hangexpositionen, Fahren im

ungespurten Gelände, Parallelschwung-

Technik

• Zusatzworkshop »Faszination Skibergsteigen

Live: Jennerstier« (siehe Text)

Vom 21. bis 23. Februar ist es wieder soweit: Bei der

dritten Auflage des Berchtesgadener Skitouren-

Festivals werden erneut massig Höhenmeter unter

die Felle genommen. Dieses Jahr neu auf dem Plan:

ein Workshop für Fortgeschrittene, die erste

Rennluft schnuppern wollen. Von Thomas Ebert

Mit Ski einen Berg hochlaufen

und anschließend wieder

runterfahren – fertig ist

die Skitour. Doch hinter der

simplen Fortbewegungsart

verbirgt sich ein ganzer Wissenszweig, der

sich bisweilen mächtig verästelt: Schließlich

hört es beim fixen Fellwechsel und

einer sauberen Spitzkehre nicht auf. Lawinen-

und Wetterkunde, Schneebeurteilung,

Spuranlage, LVS-Handhabe und so weiter

– so einiges will erlernt, geübt und verinnerlicht

sein, wenn beim Skitourengehen

Spaß und Sicherheit nicht auf der Strecke

bleiben sollen.

Weil alles auf einmal freilich zu viel ist,

gibt es seit drei Jahren das Berchtesgadener

Skitouren-Festival. Das Programm von Veranstalter

Toni Grassl, selbst seit vielen Jahren

Skitourencrack und Bergführer, deckt

alle Facetten des Skibergsteigens ab. Neben

den klassischen Einsteiger-Workshops zu

Sicherheit und Bewegungsabläufen erklären

die Experten etwa auch den richtigen

Umgang mit einem Lawinenairbag.

Der Boom der letzten Jahre hat dem Skitourensport

einen deutlichen Zuwachs an

Aktiven beschert. Allerdings vor allem auf

den Skipisten, wie Bergwachtchef Rudi

Fendt bemerkt. Damit es dabei nicht zu Unfällen

kommt, setzen die Veranstalter einen

Schwerpunkt bei der »Kollisionsprävention«:

Wann darf auf welchen Pisten wo aufgestiegen

werden, und wer hat im Zweifel Vorfahrt?

Das frisch erworbene Können kann

dann am Wochenende bei geführten Skitou-

74 Bergsteiger 01⁄14


Volles Programm: Nachts wird

beim Charity-Rennen für die

Bergwacht gesammelt, tagsüber

stehen die Workshops, hier

zur Lawinenkunde, auf dem Plan.

Tickets & Preise

Festivalkarte 99,– €

Charity-Karte Samstag Abend 15,– €

Veranstaltungsort: Skizentrum Hochschwarzeck,

83486 Ramsau

Online-Bestellung unter:

www.outdoor-club.de/ticket-shop

ren im Gelände auf die Probe gestellt werden.

Neu im Programm und an die Fortgeschrittenen

gerichtet ist der »Jennerstier-Workshop«.

Parallel zum Festival findet nämlich

die Deutsche Meisterschaft im Skibergsteigen

statt. Bevor die Profis loslegen, können

die Teilnehmer mit Martin Dufter die 600

Höhenmeter lange Strecke erkunden. Der

Betreuer des DAV-Nationalteams Skibergsteigen

gibt unterwegs Hintergrundwissen und

wertvolle Tipps weiter, etwa wie sich mit

dem richtigen Kanteneinsatz im Steilgelände

und effektiver Skibefestigung am Rucksack

Zeit und Kraft sparen lassen. »Auch

bei der Abfahrt gibt es Tricks, wie man gut,

sicher und schnell durch Tiefschneelagen

und unwegsames Gelände kommt«, sagt

Veranstalter Grassl. Das Highlight beim Jennerstier:

Im Ziel treffen die Rennläufer und

Festival-Teilnehmer gemeinsam ein, was

weitere Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch

verspricht.

Wie in den Vorjahren findet auch wieder

das nächtliche Charity-Rennen statt, bei

dem pro Höhenmeter ein Cent zugunsten

der Bergwacht Berchtesgaden gespendet

wird. 135 000 Höhenmeter aus dem Vorjahr

gilt es zu übertreffen. Dazu stehen am

gesamten Wochenende Leihausrüstungen

der Firmen Dynafit, Hagan und La Sportiva

zur Verfügung. Aktuelle Infos zum Festival

gibt es unter www.berchtesgadener-land.

com/de/skitouren-festival-2014/.


Geführte Touren am

Samstag und Sonntag

22./23. Februar 2014

Die Tricks der Profis: Ein schneller Fellwechsel spart im Rennen viel Zeit.

Simon Köppl/Agentur Grassl (2), visual impact/Stefan Schlumpf, Dynafi t

Leichte Touren für Anfänger

Toter Mann/Hirschkaser: 750 Hm,

2½ Std. von Ramsau

Götschenkopf: 700 Hm, 2½ Std. von

Bischofswiesen

Roßfeld: 700 Hm, 2 Std. von Oberau

Mittlere Touren für Fortgeschrittene

Watzmann-Gugel: ca. 1200 Hm, 3½ Std.

von Ramsau

Hochalm: 1350 Hm, 3½ Std. von Ramsau

Kleine Reib’n: 800 Hm, 5 Std. von

Hinterbrand

Predigtstuhl-Runde: ca. 500 Hm, 5 Std.

Anspruchsvolle Touren für Könner

Hoher Göll: 1450 Hm, 4½ Std. von Hinterbrand

Watzmannkar/3. Kind: 1600 Hm, 4½ Std.

von Ramsau

01⁄14 Bergsteiger 75


#

Rudi Fendt, 59, ist seit 26 Jahren

bei der bayerischen Bergwacht.

auch daran, dass sie eine bessere Selbsteinschätzung

haben – man muss ja auf jeden Fall

auch gut skifahren können, um abseits der Piste

Touren gehen zu können. Auf den Watzmann

schafft es im Sommer prinzipiell jeder, der gehen

kann – eine Skitour macht man dagegen nicht

einfach so.

Foto: Rudi Fendt

»Nicht mit Seepferdchen

durch den Ärmelkanal«

Wer Skitouren geht, muss sich selbst gut einschätzen

können: Im BERGSTEIGER-Gespräch fordert Rudi Fendt,

Bereitschaftsleiter der Bergwacht Ramsau, dazu auf,

das eigene Können stets auf den Prüfstand zu stellen.

BERGSTEIGER: Dieses Jahr gehen die Einnahmen

aus dem Charityrennen an die Bergwacht

in Berchtesgaden. Warum?

RUDI FENDT: Der Veranstalter Toni Grassl wollte

auch einmal die Bergwacht in Berchtesgaden

belohnen. Wir haben einen guten Ruf, der auf

ehrenamtlicher Arbeit beruht. Den wollen wir

gerne halten.

Wie finanziert sich die Bergwacht?

Die großen Anschaffungen liegen beim Bayerischen

Rettungsdienst, also beim Staat. Fahrzeuge,

Funkgeräte, Seilwinden – so etwas. Für andere

Ausrüstung müssen wir Sponsoren suchen,

das funktioniert beispielsweise bei Jacken und

Seilen. Die meiste persönliche Ausrüstung zahlen

wir aber selbst. Natürlich sind einige Dinge

vorhanden, da wir ja auch privat auf den Berg

gehen. Aber die gehen eben auch mal kaputt.

Verdient die bayerische Bergwacht am Unfall?

Nein, zumindest nichts, was über die Einsatzkosten

hinausgehen würde. Nur zum Vergleich: Wenn wir

jemanden im Sommer vom Watzmann holen müssen,

bekommen wir ca. 980 Euro für den Einsatz.

Ein normaler Notarzt im Tal bekommt schon 600

Euro. Dazu haben wir noch das Risiko am Berg.

Wir sind also schon so etwas wie der billige Jakob.

Die großen österreichischen Skigebiete organisieren

die Rettung ja mittlerweile selbst ...

Ja, weil es da auch zu geht ohne Ende. Das ist

bei uns nicht nötig. Sölden oder Ischgl verhalten

sich halt zu Berchtesgaden wie Mallorca zu

einem gemütlichen Bierzelt. Wir bekommen die

Arbeit gut hin, außerdem gibt es ja noch die

Skiwacht vom DSV.

Wie sieht Ihre Arbeit im Winter aus?

Ein Großteil der Arbeit fi ndet natürlich auf der

Piste statt, wegen Stürzen oder Kollisionen bei

Alpinskifahrern. Am Wochenende haben wir

immer zwei Mann im Skigebiet. Dann überwachen

wir auch die neue Rodelbahn, die sehr gut

angenommen wird. Lawineneinsätze sind im

Vergleich dazu eher die Ausnahme.

Trotz Skitourenboom?

Der Boom beschränkt sich weitestgehend auf

die Piste, beim Skibergsteigen sind die Zahlen

der Aktiven gar nicht gestiegen. Mit denen haben

wir die wenigsten Einsätze. Unser Hauptgeschäft

liegt ohnehin im Sommer, da passiert viel mehr.

Sind Skibergsteiger sozusagen die

vernünftigeren Bergsteiger?

Das kann man so sagen, ja. Das liegt vielleicht

Welche Fehler werden noch gemacht?

Zum einen ist es immer noch eine Ausrüstungsfrage.

Es gibt weiterhin Leute, die keinen Piepser

kaufen, weil ihnen der Schuh für 400 Euro

schon teuer genug war. Da klären wir weiter auf,

denn außer der Kameradensuche hilft bei einer

Verschüttung nichts. Wir sind ja keine Berufsfeuerwehr,

die an den Stangen herunterrutscht und

in fünf Minuten am Einsatzort ist. Zum anderen

nützen all die Geräte nichts, wenn man sie nicht

anwenden kann, oder bei der Verschüttetensuche

die Atemhöhle des Opfers zerstört. Selbst beim

Schaufeln kann man noch Fehler machen.

In der Halle gibt es den Kletterschein.

Braucht es so etwas wie den Skitourenschein?

Das Problem ist, wem will man den zeigen? Die

Berge kann man ja nicht absperren. Aber: Bessere

Ausbildung wäre auf jeden Fall sinnvoll, denn

eine vernünftige Tourenplanung, zu der Wetterund

Schneekunde usw. gehören, ist ein weites

Feld. Dazu gehört auch der richtige Umgang mit

der winterlichen Natur, damit die Leute wissen,

was auf sie zukommt. Deshalb ist es gut, dass

man sich auf Skitouren-Festivals mit Experten

fortbilden kann. Die Bergwacht kann diese Arbeit

leider nicht leisten.

Kann ein Skibergsteiger diese ganzen

Lehrinhalte überhaupt noch überschauen?

Selbstverständlich! Die Infos zur sicheren Tourenplanung

sind so gut zugänglich wie nie. Man

muss sich nur gut vorbereiten, einschätzen und

darf sich nicht übernehmen – jemand, der sein

Seepferdchen gemacht hat, wird auch nicht am

nächsten Tag den Ärmelkanal überqueren.

Wie trägt die Bergwacht zum Skitouren-

Festival bei, wo seid ihr vor Ort?

Wir sammeln natürlich auch Höhenmeter beim

Charity-Rennen. Außerdem sind wir bei den

Workshops und den Touren vor Ort, auch wenn

wir selber keine Workshops leiten. Wir sind

ja Bergretter, keine Ausbilder. Aber wir helfen,

wo es geht. Die Bergwacht ist gewissermaßen

der »Beipackzettel« beim Skitouren-Festival. ◀

Interview: Thomas Ebert

76 Bergsteiger 01⁄14


TOUREN

Leichte und mittelschwere Skitourenziele im Berchtesgadener Land

Für die Münchner meistens schon zu weit: Die Gipfel und Flanken rund um Berchtesgaden

bieten Spritztouren und Highlights en masse – und sind wenig überlaufen

1 Sonntagshorn (1961 m)

▶ mittel 2½ Std.

1000 Hm 1000 Hm

Exposition Aufstieg: Süd, Südwest

Charakter: Eher leichte Skitour;

nur der Gipfelhang (stellenweise 30

bis 35 Grad) kann bei ungünstigen

Verhältnissen in der Latschenzone

etwas Mühe bereiten. Nur relativ kurz

auf dem Forstweg, ansonsten freie

Hänge und Waldschneisen. Toller

Gipfelblick vom Chiemsee bis zu den

Loferer Steinbergen.

Ausgangspunkt: Parkplatz P2 beim

ehemaligen Gasthaus Heutalbauer

(968 m) im Unkener Heutal (gebührenpfl

ichtig)

Hütte: Jausenstation Hochalm (ca.

1400 m) ganzjährig geöffnet, zur Skitourensaison

nur am Wochenende.

Route: Vom Heutalbauer geradeaus

ins Tal hinein. Im Scheitelpunkt der

Straßenkehre an der Reichenhaller

Hütte geradeaus weiter, dann über

einen engen, aber schönen Waldweg

empor. Man überquert einen Forstweg

und steigt über den freien Hang

nach links oben zum Waldrand. Hier

führt einen der Sommerweg wieder in

den Wald hinein und alsbald ins freie

Gelände der Hochalm (ca. 1350 m).

Weiter geradeaus, genau auf die Einsattelung

rechts unterm Sonntagshorn

zu. Hier wendet man sich nach

links und steigt über den Südhang

zum höchsten Punkt empor.

Abfahrt: Wie Aufstieg bis zur Hochalm.

Hier auf dem Rodelweg nach

links und an der Gschwendter Alm

vorbei bis zum Hinweisschild »Skiabfahrt

Heutalbauer«. Wo man auf

einen Weg trifft, nach rechts zur meist

eingefahrenen Waldschneise folgen.

Diese hinunter und am Ende nach

links auf den Weg zum

Heutalbauer.

2 Gamsknogel (1750 m)

Tourenkarte 4

Heftmitte

▶ mittel 2 Std.

900 Hm 900 Hm

Exposition Aufstieg: Süd

Ausgangspunkt: Parkplatz (880 m)

am Ende der Jochbergstraße bei

Weißbach (evtl. Schneeketten)

Charakter: Ideale Tour für den Hochwinter,

vor allem nach Neuschnee.

Eine hohe Schneelage ist auf Grund

des Waldgürtels und der Latschen am

Gipfelhang erforderlich. Exposition

beachten!

Route: Vom Parkplatz entlang des

Sommerweges durch schütteren

Wald, bis man auf eine breite Forststraße

trifft. Dieser folgen, nach einer

starken Kurve in westliche Richtung

(die Route zum Zwiesel zweigt rechts

ab), ca. 700 Meter bis zu einer

Kreuzung. Hier rechts aufwärts (DAV-

Schild) und wieder auf einem Güterweg

in den lichten Wald. Nun ziemlich

gerade hinauf bis zur Lichtung. Kurz

durch schütteren Baumbestand, ehe

man den freien Gipfelhang erreicht.

Abfahrt: Wie Aufstieg.

3 Hochkönig (2941 m)

▶ mittel 5 Std.

1550 Hm 1550 Hm

Exposition Aufstieg: Vorwiegend Ost

Ausgangspunkt: Großer Parkplatz

oberhalb vom Arthurhaus (1502 m),

8 km von Mühlbach bei Bischofshofen,

evtl. Schneeketten

Charakter: Traumhafte Skitour auf

den höchsten Gipfel der Berchtesgadener

Alpen. Lange und anstrengend

(Gegenanstiege!), dafür nicht allzu

schwierig und mit großartiger Kulisse.

Bei Schlechtwetter Orientierung sehr

schwierig, nur bei sicheren Verhältnissen

unternehmen.

Hütte: Mitterfeldalm (1670 m), ganzjährig

bewirtschaftet. Franz-Eduard-

Matrashaus, zur Skitourensaison nur

am Wochenende bewirtschaftet.

Route: Vom oberen Parkplatz aus

quert man linkshaltend den Kinderschlepplift

und erreicht so den breiten

Wirtschaftsweg zur Mitterfeldalm.

Von hier die steilen Lawinenhänge

hinüber ins Ochsenkar queren: in

nordwestlicher Richtung abwärts zu

einer kleinen Felseninsel im Hang.

Hier geht es drahtseilgesichert durch

– bei guten Verhältnissen mit Ski.

Danach problemlos weiter bis in die

Mulde des unteren Ochsenkares. Nun

über den Rücken rechterhand empor

und in westlicher Grundrichtung direkt

auf die markante Torsäule zu. Diese

links passieren und in den Kessel

unterhalb des Schoberschartls. Hinauf

in die Scharte und nach links durch

eine fl ache Mulde zu einem felsigen

Kamm, dem man folgt. Einige Stangen

vereinfachen die Routenfi ndung.

Auf ca. 2740 Meter verlässt man

den Kamm und fährt nach rechts zur

Karstfl äche der Übergossenen Alm ab.

Nun auf das bereits sichtbare Matrashaus

zu, am Ende über den steilen

Gipfelhang zum höchsten Punkt.

Abfahrt: Wie Aufstieg. Alternativ ab

dem Kessel auf Höhe der Torsäule

rechts halten und über mehrere steile,

schöne Stufen durch den Graben

des Ochsenkares

abfahren.

4 Eckerleite (1776 m)

Tourenkarte 5

Heftmitte

▶ leicht 1½ Std.

400 Hm 400 Hm

Exposition Aufstieg: Nord, Nordwest

Charakter: Beliebte und häufi g

schon nach den ersten ausgiebigeren

Schneefällen durchführbare Spritztour.

Weitgehend lawinensicher.

Ausgangspunkt: Enzianhütte, an

der Roßfeld-Panorama-Straße (von

Berchtesgaden oder Marktschellenberg),

Mautstraße

Route: Vom Parkplatz links an der Enzianhütte

vorbei (Wegtafel Purtschellerhaus)

und zum Beginn des breiten

Wiesenhanges. Man hält sich eher im

rechten Bereich neben dem Waldrand,

vor allem oben zur Kammlinie hin, da

weiter links der Hang oft stark eingeweht

ist. Man erreicht den Kamm und

folgt diesem fl ach zu den Eckeralmen.

Durch die anfangs breite Waldschneise,

zuletzt durch einige Lärchen hinauf

zum Purtschellerhaus. Am Grat Richtung

Hoher Göll noch soweit aufwärts,

bis dieser ganz schmal wird und fast

waagrecht zum Fuß der Göllfl anke

hinüberzieht. Im Hochwinter und Frühjahr

ist auf dem letzten Gratstück die

oft sehr starke Wechtenbildung nach

Osten zu beachten.

Abfahrt: Wie Aufstieg. Je nach

Schneeverhältnissen kann auch

schon oberhalb der Eckeralmen

nach rechts in den unteren Hang

eingefahren werden. Lawinensituation

berücksichtigen!

5 Kehlstein (1837 m)

▶ leicht 2 Std.

800 Hm 800 Hm

Exposition Aufstieg: Süd

Charakter: Einfache Frühwintertour,

die oft schon beim allerersten

Neuschnee »gemacht« wird, aber fast

14 Straßenkilometer aufbietet. Meist

pistenartig ausgefahren.

Ausgangspunkt: Auf der Roßfeldstraße

vor Oberau rechts abzweigen

zum neuen Golfhotel. Der Straße

etwa 700 Meter bis zu einem großen

Parkplatz folgen.

Route: Man folgt der beim Parkplatz

ansetzenden Straße, überquert auf

einer Brücke die obere Verbindungsstraße

und folgt den Hinweisschildern

zum Kehlstein. Nach drei Kehren,

die man bei ausreichend Schnee

abkürzen kann, folgt in einem fl achen

Waldstück (rechts eine Diensthütte,

eine erste Forststraße wird gequert)

eine weitere Abzweigung mit Wegweiser

zum Kehlstein im spitzen Winkel

nach links. Hier hat man die Wahl.

Links etwas zügiger, allerdings nordseitig

und weniger aussichtsreich,

rechts länger, ab 1400 Meter südseitig

und aussichtsreich, dafür mit fünf

Tunnels. Auf beiden Wegen gelangt

man ohne Orientierungsprobleme

zum großen Parkplatz auf 1700 Meter.

Auf dem schmalen Sommerweg in

vielen Kehren zum Kehlsteinhaus und

weiter auf den kreuzgeschmückten

Gipfel mit wunderbarer Aussicht.

Abfahrt: Wie Aufstieg.

01⁄14 Bergsteiger 77


ALPINISMUS

Immer schneller, immer

schwieriger: Stefan

Glowacz an den Wänden

der Gorge du Verdon

Extremsportler am Berg: Warum machen die das?

Egotrip

Wir bewundern sie. Gleichzeitig finden wir aber auch, dass sie

ziemlich verrückt sind. Extrembergsportler verschieben die

Grenzen des Machbaren am Berg immer weiter. Was treibt sie an?

Unsere Autorin Heidi Schmidt war bei der IMS-Diskussion

»Mountain.Xtreme« in Brixen dabei und forschte nach.

78 Bergsteiger 01⁄14


DER EHRGEIZ

Eines muss klar sein: Extrembergsportler

sind Leistungssportler. Auch Letztere verstehen

wir in ihrem Tun oft nicht so ganz.

Oder wer setzt sich freiwillig bei zwei Grad

und Nieselregen stundenlang aufs Rad, um

zu trainieren und verzichtet auf exquisites

Essen und wildes Nachtleben nur der Leistungsfähigkeit

wegen? Meist sind sie von

Kindesbeinen an Sportler. Stefan Glowacz

zum Beispiel, heute bekannt für seine Kletterexpeditionen

»by fair means«, also ohne

künstliche Hilfsmittel, mischte schon mit

15 Jahren an der Weltspitze des Sportkletterns

mit. Der Speed-Skibergsteiger Benedikt

Böhm startete seine Karriere in der

Kindheit als Skilangläufer. Der Sportkletterer

und Alpinist David Lama schrieb bereits

im Alter von zehn Jahren Klettergeschichte.

Die Big-Wall-Expertin Silvia Vidal war in ihrem

ersten Leben Leichtathletin, bevor sie

mit 24 Jahren zum Klettern kam.

Sie alle haben schon in der Kindheit und

frühen Jugend gelernt, was es heißt, körperliche

Grenzen zu überwinden, sich zu kontrollieren

– und dass Anstrengung meist

belohnt wird.

DAS RISIKO

Es gibt da natürlich trotzdem einen kleinen

Unterschied: die Risikobereitschaft.

Wir unterstellen den Extrembergsteigern

gern, sie riskierten ihr Leben. Uns scheint

eine zweiwöchige Expedition durch den

südamerikanischen Urwald zu einer 600

Meter hohen, weitgehend unerforschten

Wand lebensgefährlicher als ein 24-Stunden-Marathon.

Und es erscheint uns doch

wesentlich extremer, wenn sich eine kleine,

zierlich wirkende Frau in 32 Tagen allein

und ohne Kommunikationsmittel eine abgelegene

Big Wall in Chile hinaufkämpft,

als wenn rundumversorgte Radprofis die –

zweifellos harte – Tour de France fahren.

Es ist also nicht nur die sportliche Höchstleistung,

die einen Extrembergsportler ausmacht,

sondern vor allem auch die extreme

Umgebung, in der er sie ausübt. Der Berg,

die Wand, der Schnee, die Wildnis – all das

erhöht das Risiko zu sterben. Im Ernstfall

ist Hilfe oft schlichtweg nicht möglich oder

dauert sehr lange. Aus der Sicht der »Normalsportler«

ist das so. Aus ihrer Sicht ist

dieses Risiko kalkulierbar. »Extrem ist nur,

wenn du das Risiko nicht abwägen kannst«,

sagt zum Beispiel Stefan Glowacz bei der

Diskussion »Mountain.Xtreme« beim International

Mountain Summit in Brixen.

DIE PSYCHE

Er sagt aber auch: »Wir können nicht anders.«

Für ihn und für seinesgleichen ist

das alles gar nicht so extrem. »Die müssen

das machen«, davon ist auch Arne Dietrich,

Neurowissenschaftler und Professor für

Psychologie an der Universität von Georgia

(USA) überzeugt. »Extremsportler haben

eine ganz andere Baseline als wir. Was sie

für Langeweile und Erregung halten, unterscheidet

sich von anderen. Bei Extremsportlern

ist die Balance zwischen Neuem

und der Komfortzone verschoben und zwar

so, dass sie diesen Sport machen müssen,

um sich normal zu fühlen«, sagt Dietrich.

Das, was wir als riskant empfänden, sei für

sie die einzige Möglichkeit, ein normales

Leben zu führen. »Wenn sie das nicht täten,

dann wären sie so gelangweilt, da würden

sie sich die Kugel geben.«

Ein Stefan Glowacz kann einen Wingsuit-Flyer

wie Alexander Polli aber trotzdem ver-

Fotos: Klaus Fengler, Garrett Grove/Dynavit

Foto: xxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Zwei Wochen Wildnis:

Benedikt Böhm in

den Bergen von British

Columbia, Kanada

»Extremsportler müs -

sen egoistisch sein,

sie müssen alles andere

ausblenden können«,

sagt Benedikt Böhm,

der regelmäßig Rekorde

beim Skibergsteigen

aufstellt.

01⁄14 Bergsteiger 79


Ausnahme-Alpinist:

David Lama,23,

bei einer Erstbegehung

in den Dolomiten

»Extrem ist nur, wenn

du das Risiko nicht abwä

gen kannst«, sagt der

frühere Sportkletterer

Stefan Glowacz, der

sich auf Expeditionen

zu extremen Wänden

spezialisiert hat.

Allein in der Wand: Silvia Vidal meistert schwierigste

Big-Wall-Routen oft im Alleingang – wie hier in Chile.

rückt finden, genauso wie dieser wiederum

ihn. Jeder denkt (wie die meisten Menschen),

dass er selbst das Maß aller Dinge ist. So sagt

es auch Arne Dietrich – und David Lama:

»Was für mich extrem ist, muss nicht für alle

anderen extrem sein und umgekehrt.«

DER EGOISMUS

Um Extremes leisten zu können, braucht

es aber definitiv auch einen extremen Lebensstil.

Da geht der Tag schon mal wie

bei Benedikt Böhm um vier Uhr mit einem

schnellen Lauf auf die Plose (2562 m) los. Er

brauche wenig Schlaf, sagt er, und er habe

drei klare Prioritäten: Sport, seinen Job als

Geschäftsführer von Dynafit und seine Familie.

Zeit für mehr bleibt nicht. Böhm sagt:

»Extremsportler müssen egoistisch sein, sie

müssen alles andere ausblenden können.«

Stefan Glowacz ergänzt: »Das geht ganz klar

auf die Kosten von anderen. Jeder Mensch,

der etwas Außergewöhnliches leisten will,

Ans Limit: Stefan

Glowacz beim Versuch

einer neuen Route

in der Verdonschlucht

80 Bergsteiger 01⁄14


Fotos: Cory Rich/Red Bull, Klaus Fengler, Sylvia Vidal, Dynavit

muss in einer gewissen Weise zu bestimmten

Zeiten Egoist sein und Einschränkungen

im sozialen Bereich in Kauf nehmen.«

DIE SUCHT

Vielleicht dann doch eher eine Sucht? Eine

psychische Abhängigkeit, die sich willentlicher

Kontrolle entzieht? Die baskische

Bigwall-Spezialistin Silvia Vidal sieht das

teilweise so – in einem positiven Sinn.

Sie brauche ihre Alleingänge an den großen

Wänden der Welt, dort fühlt sie sich

lebendig, gesteht sie. »Jeder tut, was er tun

muss«, sagt Vidal, und zwar unabhängig ob

Mann oder Frau. David Lama weiß nicht

so recht, ob es eine Sucht ist, weil er noch

nicht versucht habe, seinen Sport aufzugeben.

Stefan Glowacz und Benedikt Böhm

finden beide, dass Sucht zu negativ besetzt

sei für das, was sie machen. Sie könnten ja

beeinflussen, welche Projekte sie angingen.

Sie nennen es Leidenschaft. Gleichzeitig

stecken sie aber in vielem anderen zurück

und sagen, dass sie es tun müssen. So wie

ein Spieler immer wieder spielen muss?

DIE ANERKENNUNG

Und irgendwie scheint es auch immer ein

wenig um andere zu gehen. Auf der einen

Seite um die, mit denen man diese Extreme

durchlebt. Benedikt Böhm redet in seinen

Vorträgen oft von »wir« und wie sich alle gegenseitig

pushen. Wingsuit-Flyer Alexander

Polli sagt, es seien zu 50 Prozent die Menschen,

mit denen er unterwegs ist, die ausschlaggebend

dafür seien, dass er macht,

was er macht.

Auf der anderen Seite hat es auch mit denen

zu tun, die beobachten. »Es geht schon auch

um Aufmerksamkeit«, gibt Stefan Glowacz

zu. »Mir kann keiner erzählen, dass das keine

Rolle spielt. Für das Selbstwertgefühl, aber

auch die Akzeptanz in der Gesellschaft. Vielleicht

ist es auch eine Art Kompensation.«

Extremsportler ticken also wirklich anders:

Sie haben wissenschaftlich bewiesen ein

anderes Gehirnprofil. Sie schätzen Risiko

anders ein. Sie sind extrem leistungsfähig

und -willig. Sie folgen ihrer Leidenschaft,

die man auch als eine Art Sucht bezeichnen

könnte. Und sie nehmen dafür in Kauf, oft

egoistisch handeln zu müssen.


Wer wie Böhm von

Achttausendern abfährt,

spielt sich in den Belluneser

Dolomiten nur.

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EVENT

Kletterworkshop mit Stefan Glowacz und David Lama

»Dann musst halt beißen«

INFO

Das Szene-Treffen

Der »Kiku International Mountain

Summit« (IMS) fand vom 17. bis zum

22. Oktober 2013 bereits zum fünften Mal

in Brixen statt. Alpinisten aus der ganzen

Welt kommen hier zusammen, Bergprofi s

und Spitzenkletterer ebenso wie »Normalbergsteiger«.

Mittlerweile ist das Bergsteigertreffen

eine feste Institution in der

internationalen Alpinszene – mit Kongressen,

Vorträgen, Podiumsdiskussionen und

Ausstellungen. Der IMS bietet für Bergbegeisterte

eine hervorragende Möglichkeit,

Persönlichkeiten des Alpinismus zu treffen,

sich auszutauschen oder sogar gemeinsam

mit Bergprominenz wie Reinhold Messner,

Stefan Glowacz, David Lama, Silvia Vidal,

Catherine Destivelle oder Andy Holzer durch

die Berglandschaft Südtirols zu wandern.

Klettern mit den Stars: Zum fünften Geburtstag des

International Mountain Summit (IMS) in Brixen hatten

die Veranstalter einen exklusiven Kletterworkshop

mit Stefan Glowacz und David Lama im Angebot.

Ausgewählte BERGSTEIGER-Leser konnten beim

»Climb&Talk by Gore-Tex« in Südtirol dabei sein.

Sie fanden perfekte Bedingungen vor. Von Joachim Stark

82 Bergsteiger 01⁄14


1 Bequemer Zustieg

zum Klettergebiet

»Morderplotta«

in Südtiroler Weinlandschaft

2 Gruppenbild mit

Stars: lauter zufriedene

Gesichter

nach dem Klettertag

1

2

Die Teilnahmeplätze waren streng

limitiert, und etwas Glück gehörte

schon dazu, um an diesem

besonderen Klettertag dabei sein

zu können. In unserer Jubliäumsausgabe

(BERGSTEIGER 10/13) vergaben wir

vier Plätze des »Climb&Talk by Gore-Tex« exklusiv

für unsere Leser. Wohlgemerkt: Auf

dem Programm stand neben dem »Talk« mit

den Stars ein Klettertag am Fels – kein Kurs

für Einsteiger. Voraussetzung war das Vorsteigen

im oberen sechsten Grad. Angesprochen

wurden also Leute, die schon einiges

an Klettererfahrung besitzen.

Glück hatten die Teilnehmer nicht nur mit

ihrem Los, sondern am Tag der Tage auch

mit dem Wetter südlich des Brenners: Sonne

satt und herbstlich frische Temperaturen

ließen keine Ausreden am Fels zu.

Der manchmal leicht abgespeckte Fels der

»Morderplotta« in Kurtatsch – nicht etwa

ein mörderischer Platz, sondern auf Deutsch

»Marderplatte« – bot ausreichend Haftreibung,

Sonnenexposition und fast 50 tolle

Routen ab 6a aufwärts. Und statt Plattenschleicherei

waren senkrechte oder leicht

abdrängende Kletterei an kleinen Leisten

und eine ordentliche Fußtechnik gefragt.

Wenn die Technik jedoch mal hakte und

es partout nicht zum nächsten Griff reichten

wollte, hielten die beiden Profis David

Lama und Stefan Glowacz mit ihren Klettertipps

nicht hintern Berg: »Die Route

bereits von unten studieren, um potentiell

schwierige Stellen vorab zu planen!«,

empfahl Lama. Klettern, so die Botschaft

der beiden Cracks, fängt bereits am Boden

im Kopf an, und nicht erst, wenn man in

der Wand hängt. Aber falls man trotzdem

unterwegs Probleme bekommt? Na, »dann

musst halt beißen«, sagte Glowacz. Manch

ein Teilnehmer gab offen zu, angesichts

der eigenen Kletterfähigkeiten in Anwesenheit

der beiden Profis leicht nervös zu

sein. Dazu bestand jedoch kein Grund:

Die Stars mussten sich und anderen nichts

beweisen und wirkten konzentriert, aber

tiefenentspannt. So konnte jeder den Klettertag

stressfrei ganz nach seiner Fasson

gestalten. Auch das Drumherum passte:

Hanspeter Eisendle, selbst eine Institution

in der Bergsteigerszene, zeichnete für die

Organisation verantwortlich und stand als

Sicherungspartner zur Verfügung. Für die

Vitamin- und Kohlehydratzufuhr sorgte die

Apfelmarke Kiku, Hauptsponsor des IMS.

Zum Abschluss des Klettertages (und für

den Fotografen) lieferte Stefan Glowacz

noch eine kleine Showeinlage ab. Die mutmaßliche

7c (oder war’s eine 7c+, vielleicht

gar eine 8a?) entpuppte sich als äußerst

fordernd. Stefan musste kein schauspielerisches

Talent mehr auf bieten. Schweißperlen,

Killerblick und Muskelzittern waren

echt. Eine Tour im oberen neunten Grad

ist eben auch für einen Meister manchmal

mehr als eine Aufwärmübung. ◀

3 Wo ist die nächste?

Stefan Glowacz

ballert onsight an

kleinsten Leisten.

4 / 5 / 6 Schauen,

stehen, greifen,

durchsteigen: die

Teilnehmer des

Climb&Talk beim

Klettern statt

Reden. Oberstes

Gebot: Konzentration

5

6

3

4

Fotos: Joachim Stark

01⁄14 Bergsteiger 83


SERVICE

SERIE: Stille Helfer

Stille

Helfer

+

Teil 10: Lawinen-Airbags

EINE INITIATIVE VON

Mehr als

Airbags erhöhen nachweislich die Überlebenschancen

bei Lawinenabgängen. Dennoch wurden sie

lange belächelt. Inzwischen ist die Nachfrage

größer als das Angebot. Von Moritz Baumstieger

84 Bergsteiger 01⁄14


Obenauf: Ein

Lawinen-Airbag kann

im Ernstfall für den

entscheidenden

Auftrieb sorgen, …

Einige Tourengeher und Freerider

haben ihr Leben einer toten Gämse

zu verdanken. Die schoss einst

der Reichenhaller Förster Josef

Hohenester in einem Winter der

1970er-Jahre. Er trug sie auf den Schultern

ins Tal. Als er ein steiles Kar hinunterrutschte,

kam der Schnee in Bewegung – und

Hohenester trieb obenauf. Der Förster fing

an zu experimentieren, benutzte für seine

Versuche aber dann doch lieber Ballons und

Kanister anstelle von Wildbret. Doch das

Prinzip, das bis heute den Lawinenairbags

zu Grunde liegt, war entdeckt.

Die Physiker nennen dieses Prinzip Segregation,

wenn sie sich untereinander unterhalten.

Wenn sie es Laien erklären wollen,

benutzen sie den Namen »Paranuss-Effekt«.

Denn wie Lawinenairbags funktionieren,

kann jeder nachvollziehen, der eine Müslipackung

ein wenig schüttelt: Am Ende werden

die großen Teile – wie etwa Paranüsse

… ist wie die übrige Lawinenausrüstung

aber keine Lebensversicherung.

– oben schwimmen. Durch die Rüttelung

entstehen immer wieder kleine Hohlräume,

in die die größeren Bestandteile nicht

hineinpassen. Wohl aber die kleinen, die

sich deshalb unten immer stärker verdichten.

Obenauf wie die Nüsse im Müsli

Dieses Paranuss-Prinzip ist für Menschen in

Lawinen hoch relevant: Nach einer Studie

des Südtiroler Mediziners und Sicherheitsforschers

Hermann Brugger sind noch 92

Prozent der Lawinenopfer am Leben, wenn

der Schnee zum Stillstand kommt. Die anderen

acht Prozent haben die gewaltigen

Kräfte, die bei einer Lawine auf den Körper

wirken, nicht überlebt. Nun beginnt die

Uhr zu ticken: 30 Minuten nach dem Lawinenabgang

leben schon nur noch knapp

die Hälfte der Verschütteten. Damit Lawinenopfer

nicht ersticken, müssen die Helfer

schnell sein. Wer es schafft, oben zu bleiben

wie die Paranuss im Müsli, hat deutlich höhere

Überlebenschancen.

Von dem Zwischenfall mit der Gämse bis

hin zum im Rucksack integrierten Lawinenairbag,

dessen Kammern sich nach

dem Auslösen durch eine Gaskartusche

(die mittlerweile auch gewichtsoptimiert

aus Carbon erhältlich sind) auf bis zu 170

Liter Volumen ausdehnen, war es jedoch

ein weiter Weg. Nachdem der Förster Hohenester

seine Erkenntnis patentiert und

im Jahr 1985 der Fraunhofer-Gesellschaft

angetragen hatte, suchte die über eine Zeitungsannonce

einen Investor.

Der Münchner Unternehmer Peter Aschauer,

der damals sein Geld vor allem mit Straßenleitpfosten

verdiente, wurde aufmerksam:

Kurz zuvor war er beim Heliskiing in

Kanada selbst in eine Lawine geraten. »Ich

war nicht der einzige, der daran interessiert

war«, erinnert sich Aschauer, heute 71

Jahre alt. Auch einige große Ausrüstungs-

Hersteller hätten sich damals mit der Idee

auseinandergesetzt. »Aber ich war der einzige

Dumme, der bereit war, dafür sogar

Geld hinzulegen.« 50 000 D-Mark kostete

das Patent damals, dazu kamen immense

Entwicklungskosten.

Fotos: Hansi Heckmair/ABS, ABS/teorepo.com

01⁄14 Bergsteiger 85


Fotos: Mammut (2), ABS (3), BCA, The North Face, Simon Köppl/Agentur Grassl

Airbags zum Anschnallen

Als Aschauer noch 1985 die ersten Ergebnisse

seines Teams auf der Sportmesse Ispo

vorstellte, gab es zwar vorsichtiges Interesse

von Fachleuten. Trotzdem floppte das Projekt.

Einerseits glaubten viele nicht, dass

es wirklich funktionieren könnte, andererseits

gab es diverse Kinderkrankheiten:

»Wenn ich an das Gurtsystem denke, mit

dem man sich die ersten Airbags umschnallen

musste, dann muss ich heute noch lachen«,

sagt Aschauer. »Man war ungefähr

so beweglich wie eine Mumie.«

Es brauchte einige Jahre, viele neue Erkenntnisse

und schließlich einen neuen

Anlauf, um aus der netten, aber etwas abgehobenen

Idee ein Produkt zu machen,

»das gerade dabei ist, sich am Markt durchzusetzen«,

wie es Aschauer formuliert.

Inzwischen ist sein Patent von damals

abgelaufen, und auch andere Hersteller

haben erkannt, dass sich mit den ab 500

Euro erhältlichen Systemen Geld verdienen

lässt: In Europa bieten neben Aschauers

Firma ABS auch die zu K2 gehörende Firma

Backcountry Access (BCA) und der Schweizer

Hersteller Mammut Airbag-Systeme an.

Mammut, Marktführer im Bereich der LVS-

Geräte, erwarb im Juli 2011 die fünf Jahre

zuvor im Wallis gegründete Firma Snowpulse.

Mammut setzt unter anderem auf

einen Airbag, dessen oberer Teil den Kopf

Zielt besonders auf die Freeride-Fraktion: Lawinen-Airbag-Erfinder Peter Aschauer.

Den richtigen Umgang mit den Luftkissen lernt man am besten vorher, wie hier beim

Skitouren-Festival in Berchtesgaden.

wie ein Stehkragen umschließt, was das

Genick vor Verletzungen schützen soll.

ABS hin gegen sieht größeren Nutzen bei

zwei seitlich am Rucksack angebrachten

Airbags, um möglichst viel Auftriebsfläche

zu generieren. Black Diamond und Pieps

bringen zum nächsten Jahr zudem einen

Lawinenair bag auf den Markt, der ohne

Gaspatronen funktioniert. Über ein akkubetriebenes

Düsengebläse wird der Airbag

mit Umgebungs luft gefüllt.

Für die Zukunft sind Systeme geplant, bei

denen Partner im Notfall per Fernauslösung

auch die Airbags ihrer Kameraden aktivieren

können.

Aber nicht nur die Konkurrenz hat das Geschäft

belebt. Einige dramatische Unfälle

beförderten den Ruf der Luftkissen: Aschauer

erinnert sich etwa an Filmaufnahmen,

bei denen eine Lawine abging und alle

Skifahrer bis auf eine Frau mit Airbag verschüttet

wurden. Und als der niederländi-

Viele Systeme führen zum Ziel

Auf dem noch relativ jungen Feld der Lawinenairbags

gibt es naturgemäß große Entwicklungssprünge

und viele unterschiedliche Ansätze.

Eins haben alle gemeinsam: Es gilt, gegen das

Zusatzgewicht anzukämpfen. Um die zwei Kilo

mehr müssen Tourengeher schon ertragen, wenn

sie zusätzliche Sicherheit wollen. Immerhin gibt

es bereits Gaskartuschen aus Carbon, die

das Gewicht ein wenig

drücken. Die Kartuschen können beim Händler

wiederbefüllt werden. Beim Airbag selbst setzt

Mammut auf eine herausnehmbare Auslöseeinheit.

Diese kann in kompatible Rucksäcke platziert

werden, so dass ein Volumenspektrum von

22 bis 35 Liter abgedeckt ist. ABS bietet dagegen

eine Basiseinheit, an die der entsprechende

Rucksack (8 bis 55 Liter) angedockt wird.

Bei BCA ist der Airbag jeweils fest integriert.

ABS Silver Base Unit

Gewicht: 2000 Gramm

(ohne Patrone),

Preis: 539,95 Euro

Auslöseeinheit Stahl:

109,95 Euro, 510 Gramm

Auslöseeinheit Carbon:

214,95 Euro, 280 Gramm

Mammut Protection

Airbag System (P.A.S.)

Preis: 499,95 Euro

Patrone Stahl: 99,95 Euro

Patrone Carbon: 199,95 Euro

Gewicht: 870 Gramm (ohne

Patrone, ohne Rucksack)

ABS Vario 55

Gewicht: 800 Gramm

Volumen: 55 Liter

Preis: 99,95 Euro

(zzgl. ABS-System)

The North Face Patrol

24 ABS

Gewicht: 2980 Gramm

Volumen: 32 Liter (8 für ABS)

Preis: 799 Euro

Mammut Pro

Protection Airbag ready

Gewicht: 1770 Gramm

Volumen: 35 Liter

Preis: 239,95 Euro (zzgl. P.A.S.-System)

BCA Float 22

Gewicht: 2500 Gramm

(mit Patrone)

Volumen: 22 Liter

Preis: 499,95 Euro

86 Bergsteiger 01⁄14


sche Prinz Friso in Vorarlberg verunglückte,

während sein Begleiter mit Airbag der Lawine

entkommen konnte, berichteten selbst

RTL und die Bunte über die lebensrettenden

Luftsäcke. Auch das Video des Spaniers

Aymar Navarro, der sich per Airbag retten

konnte, wurde ein youtube-Hit. Neben diesen

prominenten Fällen belegen aber auch

harte Fakten die Wirksamkeit: Nach einer

Studie des Schweizer Instituts für Schneeund

Lawinenforschung SLF haben von 262

Personen, die mit ausgelöstem Airbag in eine

Lawine gerieten, 97 Prozent überlebt, 84

Prozent von ihnen unverletzt. In der Studie

sind jedoch nur die erfasst, die es schafften,

das System auszulösen – das Tragen alleine

hilft natürlich nichts.

Mehr und mehr Freerider

Der Durchbruch der Airbags rührt aber

auch daher, dass sich in den letzten Jahren

die Szene der Tiefschneefahrer gewandelt

hat. Zu den Skitourengehern kamen Variantenfahrer

und Freerider hinzu, die Zielgruppe

der Airbag-Hersteller steigt enorm.

Die Freerider machen heute fast 50 Prozent

der Kunden aus, werden wegen höherer Zuwachsraten

bald die Mehrheit stellen.

An diesem Punkt haken die Kritiker gerne

ein: Airbags würden für ein trügerisches Sicherheitsgefühl

sorgen und unbedarfte Anfänger

dazu verleiten, in gefährliche Hänge

zu fahren. Nach dem Motto: Im Notfall könne

man sich ja wie Münchhausen aus dem

Sumpf ziehen, nur eben mit einem Airbag

und nicht an den eigenen Haaren. Aschauer

hält dem entgegen, dass er gerade unter den

Jüngeren »eine viel größere Bereitschaft«

feststellt, sich dem Thema zu stellen, »als

bei den alten Hasen, die sich sagen: Ich gehe

jetzt schon 30 Jahre Skitouren – und mir

ist noch nie etwas passiert.« Die Einführung

von Airbags in Autos habe auch nicht dazu

geführt, dass Fahrer jetzt riskanter überholen,

weil sie eine Sicherheitsreserve haben.

Sicher lässt sich zumindest sagen: Die Zahl

der Lawinentoten ist im Alpenraum mit

circa 100 pro Jahr seit langem konstant

– während die Zahl der Skitourengeher

und Tiefschnee-Fahrer rasant gestiegen ist.

Daran haben die Schneeforscher, der Lawinenwarndienst

sowie immer bessere LVS-

Geräte einen großen Anteil.

Aber eben auch jene tote Gams aus Bad Reichenhall,

die den Förster Josef Hohenester

einst auf der Lawine schwimmen ließ. ◀

Taglingers Tipp:

Schwimmen

und Luft holen!

»Natürlich ist es am besten, gar nicht erst

in eine Lawine zu geraten. Doch falls das

passiert und man keinen Airbag dabei hat,

der eine Verschüttung zu vermeiden hilft,

gibt es Verhaltensregeln, mit denen sich

die Überlebenswahrscheinlichkeit zumindest

etwas erhöhen lässt. Zwei Dinge sind

wichtig: Man sollte sich bemühen, nicht

zu tief verschüttet zu werden, andererseits

versuchen, sich ein wenig Raum zum Atmen

zu verschaffen. Um das Erste zu erreichen,

sollte man Ski und Stöcke loswerden, bevor

man vom fl ießenden Schnee erfasst wird.

Dann Schwimmbewegungen machen, so

kann man etwas Auftrieb bekommen. Weil

sich Ski und Stöcke nirgendwo verhaken

können, tritt so derselbe Effekt wie beim

Airbag ein, nur eben in klein. Wenn man

merkt, dass der Schnee langsamer wird,

liegt die Priorität jedoch auf der Atemluft

– schließlich sterben die meisten Lawinenopfer

an Ersticken. Deshalb sollte man

kurz vor dem Stillstand der Lawine mit dem

Schwimmen aufhören und sich Hände und

Arme vor das Gesicht halten. So lässt sich

eine kleine Atemhöhle schaffen, außerdem

kann man versuchen, die Atemwege zu

befreien, falls man Schnee in den Mund

bekommen hat.

Reiner Taglinger, Jahrgang 1969, ist Leiter der

Mammut Alpine School und Ausbildungsreferent

des deutschen Bergführerverbandes.

ERFAHRUNG, QUALITÄT, KOMPETENZ AM BERG.

(Foto: Josef Mallaun)

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SERVICE

Bergbekleidung aus Merinofaser

Die Zauberwolle

Bis vor kurzem schien der Siegeszug der Synthetikfaser unaufhaltsam.

Leicht, billig und effektiv – kein anderer Stoff konnte der »Funktionswäsche«

das Wasser reichen. Nun versucht es ein alter Bekannter. Von Thomas Ebert

die Natur dem

Tier alles Rüstzeug mitgab,

ist der Mensch darauf

angewiesen, sich »Während

Stoffe und Kräfte der Erde durch besondere

Zubereitung dienstbar zu machen.« Soweit

Karl Schmidt in seinem Ausrüstungsratgeber

für Bergsteiger aus dem Jahr 1935. Doch

mit der Synthetikfaser schien es, als hätte

der Mensch, insbesondere der Bergsteiger,

die Natur endlich überlistet. Superleichte

Fleecejacken und im Nu trocknende Unterwäsche,

erhältlich zu moderaten Preisen:

Der heilige Bekleidungsgral war gefunden.

Vom Peutereygrat bis in die Fußgängerzone

reichte die Front der Funktionsträger. Und

heute? Wollen alle zurück zur Natur.

Der Grund dafür liegt in der Rückkehr einer

fast vergessenen Faser: Schafwolle. Ihr

Ruf war nicht der beste: kratzig, schwer,

im Regen wie ein Schwamm. Und dennoch

kommt heute kaum eine Bekleidungsfirma

ohne eigene Wollkollektion aus. »Schuld«

ist das Merinoschaf, eine besondere Rasse,

die fast ausschließlich auf der Südhalbkugel

lebt. Seit knapp 20 Jahren wird seine

Wolle hierzulande in Bergsportkleidung

verarbeitet. Hauptunterschied zur normalen

Schurwolle: Die Fasern sind nur halb

so dick wie ein menschliches Haar, was das

Kratzgefühl vollständig eliminiert.

Entscheidender sind aber andere Eigenschaften,

denn am Berg zählen vor allem

drei Dinge: Hält es warm? Wieviel Nässe

INFO

»Spanische Wolle«

Lange besaß Spanien das Monopol auf

Merinoschafe – die Ausfuhr der »spanischen

Wolle« wurde einst mit dem Tod bestraft.

Erst im 19. Jahrhundert fand die Rasse

ihre Heimat im sogenannten Merinogürtel,

der Argentinien, Südafrika und Neuseeland

verbindet. Hauptexporteur ist Australien:

Von dort stammen 85 % der Bekleidungswolle.

Die Verarbeitung fi ndet heute größtenteils

in China statt, wo auch die meisten

Endprodukte produziert werden. Europäische

Merinoschafe besitzen zwar auch feine

Unterwolle, die aber muss aufwendig vom

dicken Deckhaar getrennt werden.

88 Bergsteiger 01⁄14


Fotos: Woolmark (2), Ortovox, Icebreaker, Smartwool, Mover

Edler Rohstoff: Etwa

vier bis fünf Kilogramm

Wolle produziert ein

Merinoschaf im Jahr.

nimmt es auf ? Und wie viel schwitze ich darin?

Eins vorab: In keiner dieser Disziplinen

ist die Merinofaser absolute Spitze. Daune

isoliert besser, Synthetik trocknet schneller

und saugt sich auch weniger voll. Allerdings

ist Merinowolle überall vorne dabei und hat

kaum Schwächen – was sich übrigens auch

im Preis niederschlägt.

Das Geheimnis liegt in der Struktur: Zwischen

den feinen Fasern liegen kleine Hohlräume,

die für Temperaturausgleich sorgen.

Im Gegensatz zur glatten Oberfläche

von Synthetik wird hier Luft und Dampf

zwischengespeichert, was den Körper (bis

zu einem gewissen Grad) wärmt oder kühlt.

Am Berg macht sich das vor allem bei Pausen

bemerkbar: Mit Merinokleidung wird

man seltener Überflüssiges weg- oder Zusätzliches

auspacken. Ihre Trümpfe spielt

die Merinowolle aus, wenn die Kleidung

über längere Zeit getragen wird. Zum sehr

hohen Tragekomfort kommt dann vor allem

die Geruchskomponente, denn Merino

ist selbstreinigend und entwickelt bei weitem

nicht den Gestank von verschwitzten

Synthetikklamotten – ein klares Alleinstellungsmerkmal.

Und: Im Vergleich zu

normaler Wolle ist Merino deutlich leichter.

Für bestimmte Spielarten hat die Synthetikfaser

allerdings weiterhin ihre Berechtigung,

denn in puncto Feuchtigkeitstransport

bleibt das Plastikshirt unschlagbar.

Wer in Merino, besonders in enganliegender

Wäsche, viel schwitzt, wird vom klammen

Gefühl erst später erlöst als in Funktionsshirts.

Die klassische Wechselwäsche ist

im Rucksack von sportlichen Bergsteigern

also weiterhin sinnvoll. Zudem sollte beim

Kauf unbedingt die Materialdichte beachtet

werden. Üblicherweise wird der Stoff

in Gramm pro Quadratmeter angegeben

– die dünnsten Merinoshirts beginnen bei

130 g/m². Wer denkt, Merino ist gleich Merino,

wird den Fehler, bei 30° Celsius mit

einem 240er-Shirt loszuziehen, nur einmal

machen. Auch auf die Zusammensetzung

lohnt ein Blick: Viele Hersteller mischen

der reinen Merinowolle Elasthan oder Polyester

bei, um sie funktioneller zu machen.

Natürlicher Alleskönner

Merino genießt einen guten ökologischen

Ruf. Die reine Wolle ist nachwachsend, biologisch

abbaubar und auf der Haut deutlich

angenehmer als Synthetikmaterial.

Ganz »grün« ist aber auch Merino nicht:

Verarbeitet und produziert wird häufig in

Billiglohnländern, und die Behandlung der

Schafe (Stichwort: Mulesing) ist mitunter

zweifelhaft.

Unterm Strich ist Merino aber gerade für

Bergsteiger ein echter Alleskönner. Das hat

auch die Bergrettung Tirol erkannt. Geschäftsleiter

Peter Veider hat für seine Mannen

von der Unterhose bis zur Fütterung alles

auf Merino getrimmt: »Anfangs war es ein

Zwangsumstieg, heute gibt es keinen mehr,

der nichts aus Merino hat«. Karl Schmidt

würde sagen: Manchmal ist das Rüstzeug der

Natur eben doch das Beste.


Merinofasern sind dünner als menschliches

Haar und kratzen daher nicht auf der Haut.

TIPP

Merino –

Wie pflegen?

Ganz oben auf der Liste sollte der Schutz

vor Motten stehen, denn die lieben Merinowäsche.

Hier empfi ehlt sich ein Kleidersack.

Ansonsten verfügen Merinofasern über eine

gute Selbstreinigung, sind geruchsneutral

und müssen nicht nach jedem Tragen gewaschen

werden. Lieber auslüften! Wenn die

Wäsche unumgänglich ist, dann am besten

mit einem enzymfreien Wollwaschmittel bei

30° Grad im Schonwaschgang – normales

Waschmittel bricht die Keratinfasern der

Wolle auf. Anschließend nicht in den Trockner

geben oder über Hitze trocknen.

Riecht nicht und trägt sich angenehm auf der Haut: vier Merino-Produkttipps

Ortovox

Merino Supersoft

Long Sleeve

53 % Merino, 43 %

Modal, 4 % Polyamid

UVP: 79,95 Euro

www.ortovox.de

Icebreaker

Sprint Legless

96 % Merino,

4 % Elasthan

UVP: 70,- Euro

www.icebreaker.de

Smartwool

Hike Medium Crew

SW130

74 % Merino, 25 %

Nylon, 1 % Elasthan

UVP: 19,95 Euro

www.smartwool.de

Mover

Merino Cap

100 % Merino

UVP: 40,- Euro

www.mover.eu

01⁄14 Bergsteiger 89


KAUFBERATUNG: Schneeschuhe

Großspurig

Die Erfindung von Schneeschuhen ist nichts Neues. Seit jeher nutzen

die Menschen die breiten Teller an den Füßen, um sich im Winter mühelos

fortbewegen zu können. Neu ist jedoch: Immer mehr Hersteller setzen

inzwischen auf Schneeschuhe für alpines Gelände. Von Christian Schneeweiß

90 Bergsteiger 01⁄14


Auf großem Fuß: Mit

Schneeschuhen sinkt

man weder tief ein noch

verliert man den Halt.

Man muss kein Skitourengeher sein, um im Winter abgelegene Orte aufspüren zu können.

Fotos: Bernd Römmelt

Selbst ein guter Schneeschuh ist

zwangsläufig ein Kompromiss:

zwischen Auftrieb und Handlichkeit,

zwischen Robustheit und

Gewicht. Je kleiner der Schneeschuh,

desto geländetauglicher ist er, aber

desto tiefer sinkt man damit in den Schnee.

Schmale Schneeschuhe mit bis zu 20 Zentimetern

Breite ermöglichen eine natürlichere

Gehweise, besitzen bessere Querungseigenschaften

und sind somit alpintauglicher als

Standard-Schneeschuhe (21 bis 23 cm). Die

starke Frontaufbiegung der meisten Modelle

zahlt sich sowohl in tiefem Schnee als auch

bei steilen Aufschwüngen aus. Damenmodelle

sind in der Regel schmaler und kürzer

(MSR, Tubbs; Atlas mit eigener Elektra-Reihe).

▶ Optimale Länge, passendes Gewicht

Es gibt drei Grundtypen von Schneeschuhen.

Erstens: originale Holzrahmenmodelle mit

empfindlicher Haut- oder schwerer Leder-

Bespannung und mittigem Schwerpunkt.

Sie verbreiten einen Hauch von Nostalgie

und eignen sich für flachere Routen und

Tiefschnee.

Zweitens: Klassische Alurahmenmodelle mit

flexibler Hypalonbespannung und vorgelagertem

Schwerpunkt gibt es in mehreren

Längen und für fast alle Bedingungen außer

extreme Alpineinsätze; da schwächeln sie bei

Querungen. Genial sind die Verlängerungen

von MSR für tieferen Schnee, die man im steilen

Abstieg allerdings abnehmen sollte.

Drittens: Kunststoffschneeschuhe haben normalerweise

Einheitsgrößen (Tubbs Flex gibt es

auch in XL) und sind eher kurz. Die Stärken

von Alpinmodellen aus Kunststoff liegen in

der hohen Beweglichkeit und Griffigkeit auf

harten oder steilen Hängen. Neuerdings gibt

es Kunststoffmodelle mit flexiblem Schwanz

(Tubbs Flex) oder Seiten (Salewa), die sich im

Abstieg oder bei Querungen dem Hang etwas

anpassen.

▶ Harschkrallen im alpinen Gelände

Originalschneeschuhe ohne Harschkrallen,

Billigmodelle unter 100 Euro oder einfache

Kindermodelle sind meist nur bei weichem

Schnee oder in flachem Gelände sicher zu

verwenden. Schneeschuhe mit guten Harscheisen

sind hingegen überall einsetzbar und

greifen auch auf vereisten Fahrwegen. Je

nach Länge (Alpinmodell Tubbs Flex 4 cm,

Trekkingmodell Xpedition 2,5 cm), Stellung

und »Aggressivität« der Krallen ist der Griff

der Schneeschuhe sehr unterschiedlich.

Beim Modell Atlas etwa stehen die Krallen

nach unten in alle Richtungen, während

Komperdell auf breite Frontkrallen setzt. Im

Vergleich zu den Krallen des TSL 325 sind jene

des Salewa-Modells extrem spitz.

Entscheidend sind die Krallen vorne unter

den Fußballen, die mittels Kunststoffbelag

oder Oberflächenbehandlung gegen Schneestollen

geschützt sind. Ausgeprägte Frontkrallen

sind beim Aufsteigen wichtig, wobei

Alurahmenmodelle meist auch Krallen gegen

Zurückrutschen besitzen. Bei Kunststoffmodellen

stabilisieren Rahmenstreben den

Schneeschuh im Schnee – bei den alpinklassischen

MSR Lightning und bei Atlas Spindrift

erledigt das sogar ein kompletter Krallenrahmen!

Alle Kunststoff-Alpinmodelle besitzen

inzwischen unterm Rahmen längs Krallenschienen

für sicheren Halt bei Querungen

vor allem in hartem Schnee (Tubbs Flex top,

MSR Evo, Salewa, auch Inook Freestep). Schneeschuh-Krallen

sind immer so angeordnet,

dass sie sich gegenseitig stützen und man

auch apere Passagen damit gut bewältigt.

▶ Starr oder elastisch: die Aufhängung

Der Dreh- und Schwerpunkt der Bindung

befindet sich meist ein Viertel, bei kurzen

Modellen und Faber ein Drittel der Schneeschuhlänge

hinter der Spitze. Längere

Schneeschuhe sind daher im Abstieg frontlastig.

Eine feste Platte mit Drehpunkt

01⁄14 Bergsteiger 91


EXPERTEN-TIPP

»Auf bergigen

Touren ist man

mit kleineren

Rahmen wendiger.«

Bernhard Mitterhuber, für MSR und

Tubbs im Außendienst, war Teilnehmer

der ersten Alpenüberquerung mit

Schneeschuhen.

Tipp 1 Erster Anhaltspunkt bei der Wahl

des passenden Schneeschuhs sind die An -

gaben des Herstellers zum Körpergewicht (mit

Ausrüstung). Für bergige Touren oder gespurte

Pfade ist im Zweifelsfall die kleinere Rahmengröße

besser, weil das Gehen damit wendiger

und leichter funktioniert. Im Tiefschnee und

beim Spuren sind dagegen Schneeschuhe

der empfohlenen Größe angesagt. Mehrtägige

Durchquerungen mit schwerem Gepäck

erfordern einen größeren Rahmen.

Tipp 2 Eine elastische Aufhängung zieht

den Schneeschuh wie eine Feder zurück an

die Ferse, was in fl achem Gelände komfortabel

ist. Bei steilen Anstiegen muss man das Bein

allerdings höher anheben. Eine starre Achs -

aufhängung ermöglicht ein Anwinkeln des

Schneeschuhs bis zu 90 Grad und optimales

Aufsteigen in bergigem Gelände. Bei steilen

Abwärtspassagen ist darauf zu achten, dass der

Schneeschuh nicht »vorklappt«.

Tipp 3 Alurahmen-Schneeschuhe sind

leichter als Kunststoffmodelle und ermöglichen

ein komfortables Auftreten durch ihr weiches

Deck. Klassische Rohrrahmen-Modelle sind für

steile Querungen nur bedingt geeignet. Für

alpine Bedingungen gibt es daher Modelle mit

gezahntem Alufl achrahmen und hochklappbarer

Steighilfe. Kunststoff-Decks machen

beim Gehen mehr Geräusche und sind nicht

reparierbar. Ein Anstollen der Krallen ist selten,

lässt sich aber nicht hundertprozentig aus -

schließen. Meist reicht eine Antistollplatte aus

Kunststoff; ansonsten hilft Silikonspray. Auf

Tour sollte man Kontakt mit Wasser, beispielsweise

bei Bachüberquerungen, meiden.

unterm Fußballen (perfekt bei Inook Freestep)

fixiert die Schuhstellung. Alle klassischen

Schneeschuhe funktionieren nach diesem

Grundprinzip, wobei Modelle mit starrer

Achse eine exakte Kantstellung im Schnee

ermöglichen. Schneeschuhe mit elastischer

Aufhängung wie beispielsweise bei Komperdell

und Atlas passen sich hartem Untergrund

an und sind manövrierfähiger (ideal als kleine

leichte »Jogger«). Doch sie bieten auch

weniger Seitenhalt als Starr-Achser, wirbeln

bei flottem Gehen Schnee von hinten gegen

die Beine und behindern (Atlas) beim Abstieg.

▶ Schlupf oder Steg: Bindungen

Nur die Einsteigermodelle sind mit einem

umständlicheren, schwächer fixierenden

und möglicherweise einschneidenden Riemenverschluss

versehen. Komperdell hat dieses

System für seine Schneeschuhe perfekt

abgewandelt. Modelle für Ambitionierte besitzen

vorne eine komfortable Schlupfbindung

aus flexiblem Kunststoff über Vorfuß

und Rist oder eine Korbbindung mit seitlicher

Führung. Diese Bindungen werden bei

hochwertigen Modellen mit einem zentrierenden

Doppelriemen-Schnellverschluss fixiert;

Atlas hat dies besser umgesetzt als Tubbs.

Gegen Rückrutschen des Schuhs sichert ein

Fersenriemen. Als Material hat sich hierbei

Elastomer mit vereisungsresistenter Dornfixierung

und Schnellverschluss (Tubbs, Atlas)

durchgesetzt. Diese Konstruktion stammt

von MSR, dessen Modelle sich mit vier verbesserten

Riemen fest schließen lassen, jedoch

nicht für weiche Schuhe geeignet sind.

Bei den meisten Kunststoffschneeschuhen

(außer alpine MSR Evo, Tubbs Flex) stabilisiert

eine Bindung mit starrem, aber bis auf Salewa

nicht verwindungssteifem Steg den

gesamten Schuh. Diese Stegbindungen aus

Supergrip: Die aggressiven Harschkrallen

des Alpinmodells Tubbs Flex Alp mit sehr

spitzen Zacken an den Längsschienen (für

Querungen) und dem Krallenkorb unterm

Vorfuß halten auch bei weicherem Schnee.

Kunststoff besitzen vorne einen Korb mit

Riemenfixierung (Doppelriemen sind hier

effektiver) und hinten einen Fersenkorb.

Dieser wird mit einfachem Schnallenriemen

(perfekt umgesetzt bei Salewa) oder besser

per »zugkräftigem«, trimmbarem Ratschenschnellverschluss

mit Polsterung überm Rist

fixiert. Bei letzterem ist TSL führend. Nach

Einstellung der passenden Bindungslänge ist

ein komfortables Gehen auch mit weichen,

wasserdichten Trekkingschuhen möglich.

Die Schneeschuhe von TSL kann man mit

verschiedenen Bindungen kaufen.

Steighilfen sind an allen Schneeschuhen für

den Berg- und Alpinbereich sinnvoll. Inook

und Salewa kombinieren die Transportfixierung

der Bindung mit einer per Stock verstellbaren

Steighilfe, bei TSL sind sie getrennt. ◀

TIPP

Schneeschuh mit

Schneeweiß

Auf 192 Seiten hat der Alpinjournalist

Christian Schneeweiß sein umfassendes

Wissen über die Technik des Schneeschuhgehens

verständlich

und professionell aufbereitet,

sodass nicht nur

Einsteiger einen guten

Überblick bekommen. Auch

Fortgeschrittene erfahren

in diesem Lehrbuch einige

neue, nützliche Hinweise.

»Schneeschuhgehen« ist

im Bruckmann-Verlag

erschienen und kostet

19,95 Euro.

Stollenschreck: Zur Vermeidung von

Schneeanlagerungen besitzen diese Harschkrallen

eine schneeabweisende Oberfläche

plus Kunststoffbelag (Komperdell).

Auch die Hypalon-Bespannung stollt nicht.

92 Bergsteiger 01⁄14


So bewertet der BERGSTEIGER

2

Fotos: Andreas Strauß, Christian Schneeweiß (o.re.), privat (o.li.)

KONSTRUKTION

Schon beim Anschnallen wurden

Bedienbarkeit und Halt der

Bindung getestet. Die Bindungen

funktionierten meist dank Doppelriemenbindung

(top Schlupfbindung

beim Atlas Spindrift) oder

Stegbindung (alle schnell, Salewa

zum Öffnen einfach per Schnallenklick)

unkompliziert in zwei Zügen

(vorn und Ferse). Verbessert haben

sich MSR mit seinen dornfi xierten

Elastikriemen (schneller und sicherer)

und Komperdell (schneller

zu bedienender Korbriemen). Die

Längenverstellung von Stegbindungen

war bei Inook, TSL 325 sehr

einfach (mit Schuh einstellbar)

und deren Arretierung bei Salewa

überzeugend sicher, jedoch beim

Verkleinern mühsam.

Bei Hangneigungen von fl ach bis

steil und bei Steilhangquerungen

konnten die Schneeschuhe einem

wirklichkeitsnahen Funktionstest

unterzogen werden. Im Flachen

ließ sich mit allen Schneeschuhen

bequem gehen, weshalb diese

Bewertung herausgenommen

wurde. Ansonsten ergaben sich

große Unterschiede, die letztlich

die Einsatzbereiche der Schneeschuhe

abbilden. Der Aufstieg in

der Direttissima war die Königsdisziplin

der Berg-Schneeschuhe,

was sich in sehr gutem Verkrallen

(Alpinschneeschuhe Tubbs Flex

Alp, MSR Evo) schon im gesetzten

oder feuchten Pulverschnee niederschlug.

Weniger Griffsicherheit

zeigten Trekkingmodelle mit schwächeren

Krallen (vor allem Atlas

930, TSL 325). Das Originalmodell

Faber fi el eher durch mangelndes

Anheben der Spitze ab, die Griffi

gkeit des Gefl echts machte sich

hingegen erstaunlich gut. Steighilfen

waren eine große Entlastung

(bei Inook etwas niedrig).

Beim Abstieg wurden sowohl die

Ergonomie als auch die Griffi g-

keit im Schnee bewertet. Mit

den kurzen Alpinmodellen MSR

Evo, Salewa und Tubbs Flex Alp

ließ sich erwartungsgemäß am

besten direkt absteigen. Längere

Schneeschuhe waren wegen ihrer

Schwänze (Tubbs Expedition, Komperdell)

ungünstiger im Abstieg,

und sofern ihre Unterseite glatt

bespannt war, auch relativ rutschig

(vor allem Atlas 930). Das ist

kein Nachteil, wenn man abrodeln

will. Faber und TSL 325 dagegen

rutschten mangels (ausgeprägter)

Harschkrallen.

Auch bei Querungen machten sich

die breiten Schneeschuhe oder

jene mit schwachen Harschkrallen

schlecht. Bei den Alurahmenmodellen

schnitten nur die Krallenrahmenversionen

MSR Lightning

und Atlas Spindrift sehr gut bzw.

1

Bindungseinstieg (Abb. 1):

Durchdachte Schlupf- und

Korbbindungen lassen sich

vorne durch Zug an gedoppelten

Riemen mit einem Handgriff

schließen und perfekt an den

Schuh anpassen (Atlas 930 mit

Einhandbedienung).

Steighilfen (Abb. 2): Beim Gehen

taucht der Schuh in die vordere

Öffnung des Schneeschuhs,

wegen weicher Aufhängung nur

relativ gut ab. Tubbs, Salewa, MSR

Denali eigneten sich dank aggressiver

Längs-Krallenschienen perfekt

zum Queren auch bei hartem

Schnee: die optimalen Schneeschuhe

für den Alpineinsatz.

EINSATZBEREICHE

Flach: Der Schwerpunkt der

Belastung liegt möglichst mittig

(optimale Gewichtsverteilung), die

Front kann wenig aufgebogen sein.

Auf Harscheisen muss hierbei kein

großer Wert gelegt werden: Sie

können weniger griffi g sein oder

ganz fehlen.

3

wobei sich die Front automatisch

anhebt. Zudem besitzen alle

Alpin-Modelle Steighilfen für den

Aufstieg (MSR Lightning Ascent).

Krallenschienen (Abb. 3): Bei Querungen

greifen Schneeschuhe mit

Krallenrahmen (MSR Lightning)

oder Längsschienen am besten.

In weichem Schnee reicht vor

allem bei starrer Achse das Einkanten

des Rahmens aus.

Bergig: Bei aufstiegstauglichen

Schneeschuhen liegt der Schwerpunkt

bei den meisten Modellen

weiter vorne, die Größe ist eher

mittel (ca. 63–65 cm; für Schwerere

oder bei tieferem Schnee:

76 cm), die Harscheisen sind griffi g.

Alpin: Der Schwerpunkt liegt deutlich

vorne, die Front ist stark aufgebogen

und die Fläche eher klein

(56–63 cm). Die vorzugsweise vom

Rahmen unterstützten Harscheisen

sind nicht nur sehr griffi g, sondern

greifen durch Krallenschienen bzw.

Krallenrahmen (beides Erfi ndungen

von MSR) auch seitlich sehr

gut. Auch bei gefrorenem Schnee

gut einsetzbar.

Mehrzwecksystem: Die meisten Kunststoffschneeschuhe

besitzen eine Stegbindung

mit per Stock zu bedienender Steighilfe, mit

Transportfixierung und Bindungseinstellung

auf die Schuhlänge (Komfortmodell TSL).

All-in-one: Mit einem Zuggriff lässt sich

diese Doppelriemenbindung aufziehen

(Atlas Spindrift). Bei vergleichbaren Systemen

anderer Hersteller benötigt man

dazu beide Hände.

Flächenvariabel: Ansetzen, reinschieben,

zudrehen – so funktioniert die 15 Zentimeter

lange Verlängerung diese Kurzschneeschuhs

(Alpinmodell MSR Evo) für besseren Auftrieb

bei weicherem Schnee.

01⁄14 Bergsteiger 93


KAUFBERATUNG : Schneeschuhe

TIPP

Preis/Leistg.

Atlas 930

Snowshoe (Men’s)

Atlas Spindrift 28

Backcountry

Faber

Snowshoes

Inook

Expert

Inook

Freestep

Komperdell

Alpinist 30

Vertrieb, Info 0 88 56/9 01-0,

www.atlassnowshoe.com

0 88 56/9 01-0,

www.atlassnowshoe.com

0 80 31/9 08 20 13,

www.schneeschuhe.de

0 75 20/95 61-50, www.

schneeschuhprofi .com

0 75 20/95 61-50, www.

schneeschuhprofi .com

00 43/62 32/42 01-0,

www.komperdell.com

Preis in Euro 159,95 299,95 289,- 139,95 184,95 129,95

Gew./Paar 2080 g 2170 g 2480 g 2300 g 2200 g 2090 g

Maße/

Größen

76,5 x 23–16cm /

3 Größen 25/30/35 Zoll

62 x 22–17,5 cm /

Größen 24/28 Zoll

90 x 25–11 cm /

Größen 30/36 Zoll

61,5 x 22–19 cm /

Einheitsgröße

63 x 20–18,5 cm /

Einheitsgröße, am Ballen

breiter

77 x 23–17,5 cm /

Größen 25/30 Zoll

Konstruktion

und Material

Alurahmen mit Hypalon-

Bespannung, vorn

aufgebogen

Alukrallenrahmen mit

Hypalon-Bespannung,

vorn stark aufgebogen

Holzrahmen mit Hautbespannung,

vorn kaum

aufgebogen

Kunststoff, vorn und

hinten aufgebogen

Kunststoff, vorn aufgebogen,

seitlich fl exibel

Alurahmen mit Bespannung,

vorn lang

aufgebogen

Harschkrallen Front 2,5 cm, schräg

1,5 cm, hinten 2 cm,

Rückzacken

Vorn 2,5–3 cm,

Krallenrahmen

1,7–3 cm, Rahmen-

Querkralle 3 cm

Keine (Halt durch Gefl

echt der Bespannung)

Front 2 cm, 6 Krallenstifte,

Außenrahmen,

Querstreben niedrig

Front 2 cm,

4 Krallenschienen Alu

3–4 cm, Außenrahmen,

Querstreben

3,5/2,5 cm scharf,

Antistoll-Belag/Beschichtung,

Seitenzacken auch

an Ferse, Rückzacke

Bindung

Riemenkorb-Bindung mit

Doppelverschluss vorn

und Dornverschluss hinten;

federnd aufgehängt

Schlupfkorb-Bindung

mit Doppelverschluss

vorn und Dornschnellverschluss

hinten; federnd

aufgehängt

Robuste Lederbindung

»heavy duty«

mit Klemmschnürung,

Fersenschnalle; fest

aufgehängt

Stegbindung mit Korbriemen

vorn und trimmbarer

Schnellratsche hinten;

starre Achse

Stegbindung mit Korbriemen

vorn und trimmbarer

Schnellratsche

hinten; starre Achse

Feste Riemenkorb-Bindung

mit Doppelverschluss und

hinten Riemenverschluss;

elastisch aufgehängt

/

Extras

Stauverbindung

Rahmenklammern,

Frauenvariante Elektra

Schwanz etwas aufgebogen,

Steighilfe, Fixierung

mit Stock hochklappbar

auch mit spitzem

»Biberschwanz«, Trittschutz

gegen Bespannungsschäden,

nach Tour

trocken lagern!

Steighilfe/Bindungsfi -

xierung mit Stockbedienung,

Stautasche mit

Stöckefi xierung

Steighilfe/Bindungsfi -

xierung mit Stockbedienung,

Stautasche mit

Stöckefi xierung


BEWERTUNGEN

Bindungshalt ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Bedienung ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Aufstieg ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Abstieg ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Querung ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Unser

Eindruck

Günstiger Trekking-

Schneeschuh; großfl

ächig, Bindung fest,

aber dehnt sich; Krallen

weniger griffi g, Fersenriemen

hakelig, nicht für

weiche Schuhe, Schwanz

schleudert Schnee,

kaum Seitenhalt, rutscht

bergab

EINSATZBEREICHE

Geländegängiger Allrounder

mit Krallenrahmen;

überall gut, außer bei

Querungen, Bindung

top, aber Aufhängung

zu dehnbar, sichere

Steighilfe, Gummischlupf

für Schuhe hakelig,

Schwanz schleudert

Schnee

Großfl ächiger Originalschneeschuh;

ideal für

weichen Schnee u. fl a-

ches Gelände, einfache

Bindung mit guter Führung,

Einschlupf mühsam

Gefl echt hält gut, aber

Frontpartie hebt kaum

an (schaufelt Schnee),

Tanka vereist/lockert evtl.

Günstiger Trekking-

Allrounder; robustes

Verleihmodell; schnelle

Ratschenbindung mit

top Halt, mit Schuh

verstellbar, seitenstabiler

Gang, Steighilfe sehr

leicht bedienbar, aber

niedrig, weniger für

weiche Schuhe

Komfortabler Berg-

Allrounder; schnelle Ratschenbindung

top Halt,

aber wenig seitenstabil,

mit Schuh verstellbar,

Steighilfe sehr leicht

bedienbar, aber niedrig,

optimaler Drehpunkt,

Krallenschienen kaum

eistauglich

Sehr günstiger Allrounder;

bergtauglicher »Großfl ä-

cher« mit Detailschwächen,

rutscht etwas

bergab, Bindung kann

drücken, Fersenriemen

suboptimal (mühsam +

nicht sehr fest), Steighilfe

fehlt

Flach ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Bergig ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Alpin – ■■■■■ – – ■■■■■ ■■■■■

94 Bergsteiger 01⁄14


TIPP

Allround

TIPP

Alpin

MSR Evo Ascent

+ Tails 6‘‘

MSR Lightning

Ascent + Tails 5“

Salewa

999 Pro

TSL

325 Approach

Tubbs

Flex Alp 24

Tubbs

Xpedition 25w

04 61/5 00 25 55,

www.cascadedesigns.com

04 61/5 00 25 55,

www.cascadedesigns.com

0 89/9 09 93-0,

www.salewa.com

00 43/77 11/3 31 33,

www.tsl-snowshoes.com

00 43/52 23/4 55 94,

www.tubbs.de

00 43/52 23/4 55 94,

www.tubbs.de

229,90 + 39,95 299,90 + 49,95 199,95 169,99 219,- 199,90

1820 g 1800 g 1955 g 1830 g 2050 g 2010 g

57 x 20,5–18 cm /

Einheitsgröße + Option

15 cm Verlängerung

64 x 20,3–16 / + Option

13 cm Verlängerung;

Größen 56/65 cm

57,5 x 20,5–15,5 cm /

Einheitsgröße

58 x 22–16,5 / Größen

56/61 cm (+2 cm

Führungs-Stummel)

62,5 x 20,5–16,5 cm /

Größen Herren/Damen/XL

56/61/71 cm

65,5 x 20,5–13 cm /

Größen 53/63/76/91 cm

Kunststoff,

vorn stark aufgebogen

Alukrallenrahmen mit

Bespannung,

vorn wenig aufgebogen

Am Rand fl exibler Kunststoff,

vorn stark aufgebogen

Kunststoff,

vorn aufgebogen

hinten fl exibler Kunststoff,

vorn aufgebogen

Alurahmen mit Hypalon-/

Plastik-Bespannung,

vorn stark aufgebogen

3/2 cm, Antistoll-beschichtet,

spitze Krallenschienen,

Rahmen-Querstreben

3/2 cm, Antistoll-beschichtet,

Krallen-Rahmen,

Rahmen-Querkrallen

3/2 cm, Front Alu spitz,

sehr spitze Krallenschienen,

niedrige Rahmen-Querstreben

Front 3/1,5 cm Alu, 6

Stahlstifte, Rahmen mit

Längs- und Querstreben

Antistoll-Krallenkorb 4 cm,

sehr spitze Krallenschienen,

Rahmen-Querstreben

Krallen-Korb 2,5 cm, Ferse

2 cm, teils quer/teils längs,

Antistoll-Belag

Gummi-Riemenbindung

mit 4 elastischen

Dornverschluss-Riemen;

starre Achse

Gummi-Riemenbindung

mit 4 elastischen

Dornverschluss-Riemen;

starre Achse

Sicher verstellbare Stegbindung

mit Riemen-Korb

vorn und Schnallverschluss

mit Trimmung hinten;

starre Achse

Verstellbare Stegbindung

mit Doppelriemen-Korb

vorn und Schnellratsche

mit Trimmung hinten; starre

Achse

Riemenbindung mit Führung

und Doppel-Schnellverschluss,

Dornschnellverschluss

hinten;

starre Achse

Korbbindung mit Doppel-

Schnellverschluss, vorn

und Dornschnellverschluss

hinten; starre Achse

Steighilfe mit Zuglasche,

Verlängerung ansteckbar,

Transportgummis,

Produktionsjahr-Angabe

Hohe Steighilfe, Verlängerung

ansteckbar, Transportgummis,

auch schmälere

Damenversion

Steighilfe mit Bindungs-

Fixierung, Staubeutel,

Produktionsjahr-Angabe,

Anleitung

Steighilfe, Bindungs-

Fixierung, Stautasche

Produktionsjahr-Angabe,

Anleitung

Steighilfe, Stau-Klettband,

Front/Schwanz fl exibel,

Produktionsjahr-Angabe

Steighilfe an festem Fersenbereich,

robuster Rahmen

hinten aufgebogen

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Super Gelände-/Alpinschneeschuh;

einfache/

feste Bindung ohne Vereisung,

aber viele Riemen,

sicheres Gehen, sicherste

Steighilfe, Schuhvorstand

variabel, nicht für weiche

Schuhe, Verlängerung bei

Tiefschnee

Alpintauglicher Allrounder

mit Krallenrahmen;

einfache/feste Bindung

ohne Vereisung, aber viele

Riemen, super Geradeauslauf,

Schuhvorstand

variabel, nicht für weiche

Schuhe, Verlängerung bei

Tiefschnee

Alpin-Schneeschuh mit

Stegbindung; Bindung

nach Einstellung sehr exakt

und schnell, Anleitung

ausführlich, Frontkrallen

super, aber stumpfen ab;

Steighilfe gut bedienbar,

aber streng; rutscht etwas

rückwärts

Handlicher Allrounder (außer

alpin), ideal für Verleih,

leichteste Längenverstellung

mit Schuh, mittiger Schwerpunkt,

leichte Steighilfenbedienung,

schnelle

Komfort-Ratschenbindung,

Frontkrallen stumpfen ab

Idealer Alpinschneeschuh;

bester Schneeschuh bei

hartem Schnee, optimal

konstruierte Bindung, kaum

spürbar und wie angegossen,

sichere Steighilfe,

Einstieg hakelig bei voluminösen

Schuhen

Super Allrounder (außer

alpin); schmale Steighilfe

unter Sohle spürbar, in 4

Längen erhältlich, Schwanz

stört bergab, gut konstruierte

Bindung mit optimalem

Halt, Zacken weniger griffi g

■■/■■■ * ■■■/■■■■*

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ – ■■■■■ –

* verlängert

01⁄14 Bergsteiger 95


Wo der Schuh

passen muss

Schneeschuhe sind die willkommene Alternative

zu Tourenski. Sie ermöglichen es auch Winterwanderern,

die entlegensten Winkel in der tief

verschneiten Winterlandschaft zu erkunden.

TIPP

Schneeschuhgehen

richtig gemacht

■ Schmalere Schneeschuhe bis maximal

20,5 cm Breite sind optimal für Querungen

geeignet und somit als Alpinmodelle ideal.

■ Bei Schneeschuhen ohne Steg- oder

Korbbindung lassen sich die Ballen der Füße

für optimalen Aufstieg etwas vorschieben

und für sicheren Abstieg etwas zurücksetzen.

■ Rückwärtsgehen sollte man vermeiden, da

sich dann die hinten herabhängenden Schneeschuhe

im Schnee vergraben.

■ Erst wenn frischer Pulverschnee sich

gesetzt hat, kommt die Fläche der Schneeschuhe

erkennbar zum Tragen.

■ Zur Sicherheit sollte man die Riemen

der Bindungen nach 20 Minuten Gehzeit

nachziehen.

LÄNGE

Ein längerer Schneeschuh oder eine

Verlängerung bietet mehr Auftrieb,

aber geringere Beweglichkeit und

behindert im Abstieg.

HARSCHKRALLEN

Für den Trekkingbereich sollten die

Harschkrallen stumpfer, für den

Alpinbereich länger und spitzer sein

sowie auch seitlich gut greifen.

AUFHÄNGUNG

Eine Bindung mit starrer Achsaufhängung

lässt sich bei Querungen

in weichem Schnee besser einkanten,

eine elastische ermöglicht in

hartem Schnee ergonomischeres

Schrittsetzen.

STEIGHILFEN

Steighilfen erleichtern das

Aufsteigen erheblich.

BINDUNG

Die Bindung sollte den Schuh fest

umschließen; nicht nur, um ein

Vor- und Zurückrutschen, sondern

auch, um seitliches Verrutschen zu

vermindern.

96 Bergsteiger 01⁄14


Glaubt man den Herstellern,

ist so gut wie jedes Produkt

grandios. Doch stimmt

das wirklich? Die Redaktion

schildert ihre Eindrücke.

Mammut Miva Hooded

Jacket Women

▶ Das sagt der Hersteller:

Unser Klassiker überarbeitet:

kleines Packmaß (in Innentasche verstaubar) und

doch hervorragende Wärmequalitäten; zusätzlich

mit einer mit Daunen gefütterten, wärmenden

Kapuze. Ideal für Expeditionen sowie zum Sport-,

Eis- und Mixedklettern, aber auch für alle anderen

Wintersportarten gut geeignet.

Gewicht: 360 g Farbe: bloom, schwarz, peridot,

mangrove, imperial Obermaterial: Pertex®

Microlight Füllung: 105 g Gänsedaunen 90/10,

750 cuin Preis: 270 € Info: www.mammut.ch

▶ Das sagen wir: Extrem leichte und dünne,

dabei sehr warme, atmungsaktive Daunenjacke.

Guter Schnitt für Damen: Sie liegt am Körper an,

es zieht weder von unten hinein, noch trägt die

Jacke unter einer Tourenjacke auf.

Packmaß/Gewicht ■■■■■■

Tragekomfort ■■■■■■

Preis/Leistung ■■■■■

CEP Strümpfe

Thermo Socks

Kari Traa Damen-Skiwäsche

Rose Polo Zip, Rose Pant

Mountain Equipment

Everest Schlafsack

Fotos: Hersteller, Andreas Strauß

▶ Das sagt der Hersteller: Perfekt zum

Laufen im Winter, aber auch für Skitourengeher

und Langläufer. Aus einem

speziellen Gestrick, das die

Füße warm und zugleich

trocken hält; Flex-Zonen im

Spannbereich verhindern Faltenentstehung.

Farben: black/pink; black/grey; black/green

Material: 74 % Polyamid, 26 % Elasthan

Preis: 49,90 € Größen: Wadenumfang

25–32 cm (II), 32–38 cm (III), 39–44 cm (IV),

45–50 cm (V) Info: www.cepsports.com

▶ Das sagen wir: Socken können Bergsportler

(und manchmal auch ihre Mitstreiter) quälen:

reiben, drücken, stinken. Bei den Testsocken trifft

keine der Negativ-Eigenschaften zu. Im Gegenteil:

Man fühlt sich in den Dingern sauwohl.

Tragekomfort

Design

Preis/Leistung

■■■■■

■■■■■

■■■■■

▶ Das sagt der Hersteller:

Extrem weich, warm und vielseitig: Basisschicht

aus 100 % Merinowolle mit femininem Schnitt

und edlem Design; atmungsaktiv und von Natur

aus geruchsresistent; mit Front-Zipper

Farben: grau, grün, beige, blau/orange, violett,

rot, orange Material: 100 % Merinowolle

Größen: S, M, L, XL Preis: 99,95 € (Polo);

89,95 € (Pant) Info: www.karitraa.com

▶ Das sagen wir: Sieht nicht nur gut aus,

sondern fühlt sich auch so an. Die Merinowolle

wärmt auf Wintertouren hervorragend, die

Flachnähte drücken nirgends und der breite

Gummibund an der Hose sitzt, ohne zu rutschen

oder einzuengen. Und mit dem farbenfrohen

Muster gewinnt frau nach der Tour zudem jeden

Style-Contest im Matratzenlager!

Tragekomfort

Design

Preis/Leistung

■■■■■

■■■■■

■■■■

▶ Das sagt der Hersteller: Die

Extreme Serie für die kältesten Orte auf

dieser Erde: Die hochwertige Daune

wärmt auch nach wochenlangem Einund

Auspacken noch zuverlässig.

Dauerhaft wind- und wasserabweisendes es

Außenmaterial, innovative Konstruktion;

empfohlen bis -40°C

Gewicht: 2300g Füllung: 1250 g ungar.

Gänsedaune (DownCodex) 93/7 mit 850 cuin

Farbe: blau Preis: 849,90 € (XL 929,90 €)

Info: www.mountain-equipment.co.uk

▶ Das sagen wir: Einer der wärmsten Schlafsäcke,

die man sich vorstellen kann. Besonders

angenehm: Wärmekragen und doppelt abgedeckter

Reißverschluss, elastische Nähte im Beinbereich.

Allerdings: Die Wärme hat ihr Gewicht.

Schlafkomfort ■■■■■

Packmaß/Gewicht ■■■■

Preis/Leistung ■■■

01⁄14 Bergsteiger 97


MARKT

▶ REISEVERANSTALTER ▶ WANDERHOTELS ▶ TOURENZIELE ▶ AUSRÜSTUNG ▶ ONLINEPORTALE ▶ SONSTIGES

Foto: Lowa

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Natur pur im wilden Sesiatal

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Berge der Welt

Ararat 5.165 m

Elbrus 5.642 m

Kilimanjaro 5.895 m

Chimborazo 6.310 m

Aconcagua 6.958 m

Pik Lenin 7.134 m

Mustagh Ata 7.546 m

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01⁄14 Bergsteiger 99


BERGTIERE

Steinböcke liefern sich schwere Gefechte

um die Herrschaft über Gegner und Geißen.

Danach ist Paarungszeit – für den Gewinner.

INFO

Ein preisgekrönter Filmstar

Über ein Jahr lang beobachteten die beiden

Filmer Gerhard Baur und sein Sohn Fridolin

Baur eine Steinbockgruppe, die um die Mindelheimer

Hütte in den Allgäuer Bergen lebt. Mit

viel Geduld und Einfühlungsvermögen gelang es

den beiden, das Zutrauen selbst der scheuen

Geißen zu gewinnen. So entstand ein Tierfi lm

Es ist eine Schande. Wer heute

in die Höllenmaschine namens

Google den Begriff »Steinbock«

eintippt, findet bei den Suchergebnissen

recht weit oben zwar

einen Wikipedia-Eintrag über mehrere

»Tierarten aus der Gattung der Ziegen (Capra)«,

aber was danach folgt, stellt dem

Bergsteiger die Haare auf: astrowoche.de,

horoskop-traumdeutung.de bis hin zu –

kein Witz – brigitte.de. Dabei ist der Steinbock

in den Alpen jenseits all des Horoskop-

Wahnsinns für Wanderer wie Alpinisten

natürlich eines: ein Vorbild.

Man muss sich diesen Prachtkerl nur einmal

genau ansehen. Die Füße sind dank

weicher Innenflächen mit hartem Hufrand

besser fürs Gelände geeignet als jede noch

so ausgetüftelte Sohle mit EVA-Auftrittsdämpfung,

IceGrip, Shockabsorber oder

Versteifungseinlage (das Zeug heißt wirklich

so). Die Hinterbeine sind regelrechte

Katapulte, dank deren Hilfe die bis zu mehr

als 100 Kilogramm schweren Steinböcke im

Steilgelände mit einem Satz über Schlüsselstellen

springen, wo bei manchem Sonntagswanderer

und selbst -kletterer schon

die Nähmaschine im Oberschenkel einsetzt.

Gewaltige Hörner und Riesenkräfte

Der Steinbock treibt sich zudem bei miserabelstem

Wetter im Gebirge herum – ohne

Gore-Tex und Biwaksack. Und dann dieser

Rumpf, der selbst Boulderer nach der täglichen

Krafteinheit wie abgemagerte Gäm-

mit Aufnahmen aus nächster Nähe, die den

Tagesrhythmus dieser faszinierenden Tiere in

ihrer natürlichen Umgebung zeigen. Beim Bergfi

lmfestival Tegernsee 2013 wurde »Steinböcke

in den Allgäuer Bergen« als bester Film in der

Kategorie »Naturraum Berg« ausgezeichnet.

Zu sehen ist der Film im Internet in der Mediathek

des Bayerischen Rundfunks (BR) unter

www.br.de/mediathek – Suche: Steinbock.

Buch/Kamera/Regie:

Gerhard und Fridolin Baur

Assistenz: Tobias Baur/Manfred Bodem

Schnitt: Tomas Frank

Redaktion: Johannes Pechtold

Länge: ca. 43 Min.

sen aussehen lässt! Wer nun einwenden

möchte, dass die Tiere keinen Rucksack

schleppen müssen: Ganz nebenbei tragen

zumindest die Herren der Steinbock-Schöpfung

Hörner auf dem Kopf spazieren, gegen

deren Gewicht sich manch ein Rucksack

wie ein Turnbeutel ausnimmt. Biologen

be richteten in diversen Artikeln, dass sie

schon Steinböcke aus mehr als 20 Meter Höhe

in den Abgrund stürzen sahen, worauf

100 Bergsteiger 01⁄14


BERGSTEIGER-Porträt: Steinbock

Der

Gehörnte

Der Steinbock bewegt sich

schneller und sicherer durchs

Gelände als die meisten

Bergsteiger, braucht weder

Gore-Tex noch Biwaksack

– und paart sich selbst bei

Minusgraden im Schnee.

Von Dominik Prantl

Trophäe und

Aphrodisiakum

– wegen

seines prächtigen

Geweihs

wurde der

Steinbock fast

ausgerottet.

Fotos: picture alliance, Baur Film, Manuela Zilio / Archiv der Stiftung Gran Paradiso

sich die zähen Viecher kurz schüttelten und

zum Tagesgeschäft übergingen.

Dabei war dieser grandioseste aller Bergsteiger

viele Jahre lang, man muss es so

hart sagen, eine arme Sau. Wurde gejagt,

geschossen, fast ausgerottet. Mitte des 19.

Jahrhunderts gab es nur noch im Bereich

des heutigen Gran-Paradiso-Nationalparks

eine kleine Population von etwa 100 Tieren,

welche dort der italienische König Viktor

Emanuel II. unter Schutz gestellt hatte.

Von ihr stammen sämtliche Artgenossen im

gesamten Alpenbogen ab. In der Schweiz etwa

wurden die ersten Tiere 1911 ausgesetzt.

Sie waren einige Jahre zuvor aus dem Aostatal

illegal ins Land gebracht worden, nachdem

der italienische König eine Anfrage des

Schweizer Bundesrates abgelehnt hatte:

Kein Steinbockhilfspaket fürs Nachbarland.

100 Jahre später hatte sich die Schmuggelware

auf 17 000 Exemplare vermehrt.

Stimulierendes »Steinbock-Spray«

Warum der Steinbock beinahe auf Nimmerwiedersehen

aus den Alpen verschwunden

wäre, hatte auch damit zu tun, dass seine

imposante Erscheinung so manche Phantasie

beflügelte. Das Tier galt als wandelnde

Apotheke. Ob Haare, Magensteine oder

Ausscheidungen, es gab fast nichts, das

sich nicht irgendwie medizinisch verwerten

ließ – und sei es auch nur in der Einbildung.

Vor allem dem Herzkreuz, einer

kleinen Verknöcherung im Herz, wurden

regelrechte Wunder zugesprochen. Noch

heute gibt es Herzkreuze bei manchem

Schmuckspezialisten als Amulett zu kaufen.

Wichtig waren auch die Hörner, sei es

als Trophäe im Wohnzimmer oder gar wegen

der angeblich aphrodisischen Wirkung.

Eine Apothekerin aus dem Engadin hat jedenfalls

erst vor wenigen Jahren das Steinbockhorn

als Grundlage für einen Marketinggag

entdeckt und das »Steinbockspray«

kreiert. »Alpen-Viagra aus Bockshorn«, titelte

der nicht unbedingt als sensationslüstern

bekannte Tagesanzeiger in der Schweiz. Die

Essenz, in der Steinbockhorn nur in Spuren

enthalten sei (auf Deutsch: so gut wie

nix), diene der »Behandlung von Erschöp-

Das Tier galt als wandelnde

Apotheke. Ob Haare,

Magensteine oder Ausscheidungen:

Es gab fast

nichts, was sich nicht

irgendwie medizinisch

verwerten ließ.

fungszuständen und Schwäche – seien

diese körperlicher, seelischer oder sexueller

Natur«, heißt es auf der Webseite des

Herstellers. »Als Kur angewendet, sprüht

man 3- bis 6-mal täglich 3 Spritzer in den

Mund.« So solle sich die Kraft des phallussymbolbestückten

Tieres quasi auf das beste

Stück des Mannes übertragen. Ob wirklich

die Hörnerspuren oder doch eher als

01⁄14 Bergsteiger 101


TOUREN

Steinbocktouren

Mit etwas Glück zeigen sich

die scheuen Tiere auf einigen

Routen dem Bergsteiger.

Wir haben zwei Tipps für Sie.

1 Benediktenwand (1801 m),

von der Jachenau

▶ mittel 6 Std.

1100 Hm 1100 Hm

Fotos: picture alliance

Schon die Jungtiere fühlen sich im verschneiten Hochgebirge wohl.

Steinböcke paaren sich

zur kältesten Jahreszeit

im Hochgebirge. Die

Paarungszeit fällt mit

dem Tierkreiszeichen

zusammen.

Stimulanzien bekannte Pflanzenextrakte

in dem Spray verantwortlich sind, soll hier

nicht diskutiert werden.

Kämpfen und Kuscheln im Winter

Eines ist klar: Das alles hat ein Steinbock

natürlich nicht nötig. Er ist den meisten

Bergsteigern nämlich nicht nur in Sachen

Bergsteigen voraus. Im November rammt

er im Regelfall die Konkurrenz aus

dem Weg, ehe er sich Wochen

später die Steinbockdamen

vorknöpft. Warum

die Paarung von Mitte

Dezember bis Januar

dauert und zeitlich

erstaunlicherweise

mit

dem Tierkreiszeichen

zusammenfällt,

können nicht einmal

Steinbockexper- ten wie der

Wildtierbiologe Christian Willisch von

der Universität Zürich erklären: »Das lässt

sich nicht eindeutig beantworten.« Nun ist

es aber nicht nur so, dass sich der Steinbock

das Hochgebirge und dort auch noch die kälteste

Jahreszeit zur Fortpflanzung aussucht.

Es kommt noch besser: Laut Willisch paaren

sich Steinböcke meist erst in der zweiten

Lebenshälfte im Alter von etwa acht, neun

Jahren, weil sie dann die Herrschaft über

Gegner und Geißen gewinnen.

Wer übrigens eines der anderen Suchergebnisse

anklickt, findet dort unter anderem

die typischen Eigenschaften des Steinbocks:

geduldig, verantwortungsbewusst, ehrgeizig

– und bis ins hohe Alter aktiv.

Aber wer glaubt schon an Horoskope? ◀

*Der Autor ist keineswegs

im Sternzeichen

des Steinbock geboren,

wohl aber zwei

Kollegen aus der

BERGSTEIGER-

Redaktion.

Auch im deutschen Alpenraum gibt

es mehrere Steinbockpopulationen,

darunter im Allgäu, im Hagengebirge

und an der Benediktenwand. Dort

wurden in den Sechzigern einige

Exemplare ausgesiedelt. Die Kolonie

ist mittlerweile auf etwa 70 Tiere angewachsen.

In den kälteren Monaten

sind sie vor allem, aber keinesweg

immer auf der Südseite zu sehen.

Charakter: Schöne, südexponierte

Wanderung mit leider sehr langem

Forstweg-Hatscher. Oberhalb der

Bichler Alm dafür umso reizvoller.

Beim Gipfelanstieg ist Trittsicherheit

erforderlich.

Ausgangspunkt: Parkplatz bei Petern

(730 m) in der Jachenau

Route: Petern (730 m) – Langenecksattel

(1167 m) – Bichler Alm

(1430 m) – Gipfel

Karte: AV-Karte 1:25 000, BY 11

»Isarwinkel, Benediktenwand«

2 Rifugio Vittorio Sella (2584 m)

Nationalpark Gran Paradiso

▶ leicht 5 Std.

920 Hm 920 Hm

Ein Teil des Rifugio Vittorio Sella war

einst das Jagdhaus des italienischen

Königs Viktor Emanuel II., der einerseits

Jagd auf Steinböcke machte,

sie andererseits für diesen Zweck

auch unter Schutz stellte. Oberhalb

des Rifugios sind so gut wie immer

Steinböcke zu sehen – und wer

möchte, kann über den Col Lauson

(3295 m) weiter bis ins Valsavarenche

wandern.

Charakter: Relativ einfach, aber

sehr schöne Wanderung. Im Winter,

wenn das Rifugio geschlossen hat,

auch auf Tourenski als Teil der Grande

Haute Route Valdotaine möglich.

Ausgangspunkt: Valnontey

(1666 m) bei Cogne

Route: Valnontey – La Pascieu (1994

m) – Rif. Vittorio Sella

Karte: Kompass, 1:50 000, Nr. 86

»Gran Paradiso, Valle d’Aosta«

102 Bergsteiger 01⁄14


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Abenteuer Kaukasus: Peter Schlickenrieder im BERGSTEIGER-Interview

BERGSTEIGER: Sie haben die Transalp auf

Ski gemacht und den Atlas in Marokko

per Bike durchquert. Ist die Kaukasustour

schon länger in Ihrem Kopf gewesen?

Peter Schlickenrieder: Ich wollte in ein Gebirge,

das höher ist und eine größere sportliche

Herausforderung darstellt. Und mein

Lieblingssportgerät sind halt mal Tourenski.

Auch schon während Ihrer aktiven Zeit

als Langläufer?

Mein »Entdecker« und langjähriger Jugendtrainer

Gerd Müller brachte mich zum Tourengehen.

Er und seine zwei Spezln galten

als Erfinder des Skitourenrennens »Watzmanngams«.

Folglich musste ich da mit.

Wer seine Ski liebt, der trägt:

Peter Schlickenrieders

Team auf dem Weg zum Gipfel

des Elbrus (5642 m)

Wildnis, Wodka,

Wunderland

Das bisher größte Filmprojekt von Ex-Langlauf-Profi Peter Schlickenrieder

über seine Kaukasus-Skidurchquerung im April 2013

ist im Kasten – rechtzeitig als Einstimmung zu den Olympischen

Winterspielen in Sotschi vom 7. bis 23. Februar. Im BERGSTEIGER-

Interview spricht Schlickenrieder exklusiv über das Abenteuer

Elbrus, die Kunst der Improvisation und darüber, was man beim

Bestechen unbedingt beachten muss. Von Michael Ruhland

Fotos: Peter Schlickenrieder (www.schlickenrieder.de)

Und waren sofort infiziert?

Überhaupt nicht. Anfangs hasste ich es.

Schon allein diese schweren Stiefel, wegen

derer ich nach einer Viertelstunde derartige

Blasen bekam, dass ich nicht wusste, wie

ich die nächste Stunde überleben sollte. Ich

dachte mir: Warum tut man sich das an,

wenn es doch so ein schönes, leichtes Langlaufmaterial

gibt? Deshalb waren wir oft mit

Langlaufski und Steckenreiten in den Bergen

unterwegs. Schnell, leicht, lustig. Zu der Zeit

war ich 15 Jahre alt und lernte den Böhm Bene

an der Bodenschneid kennen, der auch

steckenreitenderweise unterwegs war.

Wie funktioniert Steckenreiten?

Das Problem beim Langlaufen ist ja, dass

man keine vernünftigen Kurven fahren

kann, weil die Bindung so instabil und leicht

ist. Zum schnellen Runterfahren nahmen

wir deshalb stabile Stöcke mit Krallentellern,

die im eisigen Schnee gut griffen. Man schob

die Stecken zwischen den Beinen durch und

setzte sich drauf. So konnte man schnell und

schnurstracks die Hänge hinunterfahren.

Im Kaukasus haben Sie auf modernes,

leichtes Skitourengerät zurückgegriffen.

Die Filmidee hatte auch mit Ihrer ARD-

Moderatorenrolle zu tun?

Ja. Als damals verkündet wurde, dass die

Winterspiele in Sotschi stattfinden würden,

wusste ich gar nicht richtig, wo das ist. Sotschi?

Kaukasus? Schwarzes Meer? Ich wollte

mehr zeigen als nur die Olympiastadien.

Wie ist der Kaukasus? Welche Menschen

leben dort, was für einen Bezug haben sie

zu Olympia? Wie tickt das Land?

Wie schwierig war es, die nötigen Genehmigungen

zu kriegen?

104 Bergsteiger 01 ⁄14


Sobald man mehrere Regionen durchquert,

wird es unheimlich bürokratisch. Wir

wussten nicht, ob wir an Grenztruppen

scheitern würden. Auf dem Hauptkamm

des Kaukasus verläuft die Grenze zwischen

Russland, Georgien beziehungsweise der

abtrünnigen Region Abchasien, und die ist

wegen Terrorismus relativ streng bewacht.

Wie viele Relikte des Sozialismus haben

Sie angetroffen?

Sehr viele. Das Demütige, Duldsame, Leidensfähige,

kurz: die Obrigkeitshörigkeit

erlebt man dort überall. Motto: Das werden

die da oben schon entscheiden. Beginn der

Tour war am Elbrus in Terskol, Talstation.

Dort stehen seit der Perestroika die meisten

Anlagen des früheren Olympiastützpunktes

still, weil der Geldfluss versiegte.

Es waren riesige Anlagen für ein Höhenleistungszentrum

geplant, Mauern waren

schon hochgezogen. Eigentlich würden die

Olympischen Spiele dort viel besser hinpassen.

Terskol liegt auf 2100 Meter, dort hat

man die Höhe, die Schneesicherheit, eine

gewisse Infrastruktur. Nur: Es ist eine kaukasische

Region, die Russen bevorzugen ihr

Sotschi.

Mussten Sie vor Ort mit Geld nachhelfen?

Wir mussten höllisch aufpassen. Man darf

zum Beispiel die Polizei bestechen, das Militär

aber nicht, sonst landet man im Militärgefängnis.

Polizisten haben wenig Geld und

leben auch von dem, was sonst noch über

den Tisch geschoben wird.

Wie kamen Sie persönlich damit klar, wenn

vor Ort etwas nicht klappte?

Es waren für mich zwei Wochen Dauerstress.

Wir wollten ja eine bestimmte Menge

Filmmaterial mit nach Hause bringen.

Wenn einem dann die Zeit zwischen den

Fingern zerrinnt, weil man wieder stundenlang

diskutiert, warum gerade ein Protagonist

nicht da ist – dann zerrt das an

den Nerven.

Zeitdruck ist vermutlich nichts, was im

Kaukasus interessiert.

Wir sind gewohnt, wenn 14 Uhr ausgemacht

ist, dass spätestens 14.10 Uhr alle da

sind. Das gibt es dort nicht. Wir bekamen

zu hören: »Diese Woche kommt der Hirte

nicht mehr.« Ich sagte dann: »Aber wir

haben das doch vor einem halben Jahr fest

ausgemacht.« Die Antwort: »Ja, vor einem

halben Jahr. Der Mann ist ja nicht weg, es

dauert halt noch eine Woche.« Dass jeder

Tag einen Haufen Geld kostete und die Uhr

tickte, machte mich schon ziemlich nervös.

INFO

Elbrus (5642 m)

Schlickenrieders Tipps für eine Ski-

Besteigung von Europas Höchstem

Anreise: München–Moskau, weiter nach

Mineralny Vody mit Ankunft frühmorgens

und Anreise bei Tag in das wunderschöne

Baksan-Tal (ca. 4–5 Std.) bis Terskol am Fuß

des Elbrus. Vorher oder nachher unbedingt

die Narzan-Mineralquellen und die heißen

Quellen in der Nähe von Nalchik anschauen.

Beste Zeit: Ende April bis Anfang Juli

Besteigung: Für ganz Hastige in acht

Tagen machbar, besser sind zehn Tage.

Buchungstipp: Mein Anbieter war der DAV

Summit Club und vor Ort Lyana mit ihrer

Agentur in Nalchik (http://kavkazskitur.

com/): Weltklasse! Ein Touristenvisa dauert

fünf bis zehn Tage; am besten über »Visum-

Centrale« (www.visumcentrale.de) machen

lassen, das spart Zeit und ist einfacher.

Mehr Bilder zu Schlickenrieders Kaukasus

Tour unter www.bergsteiger.de

Sie lernten zu improvisieren?

Und wie! Letztlich hat alles funktioniert,

wenn auch völlig anders als geplant. Der

Mann, mit dem ich im Juni 2012 einen Dreh

übers Bierbrauen vereinbart hatte, der war

einfach nicht da. Drei Tagesritte weg. Das war

wirklich so, ich wollte ihn holen lassen, aber

es gab keine Straße. Doch plötzlich tauchte

ein anderer Kaukase auf. Wir fragten ihn:

»Braust du auch dein eigenes Bier?« Er: »Ja.«

Wir: »Hast du vielleicht gerade vier Stunden

Zeit?« Er: »Ja.« So kamen wir zu unserem

Dreh, der wahrscheinlich noch viel authentischer

war als der eigentlich geplante.

ZUR PERSON

Wie (system-)kritisch ist der Film?

Manche Einheimischen schimpfen über

die Umsiedlungen, das kommt auch in unserem

Film vor. Doch wenn man vergleicht,

wie die meisten Menschen wohnten, bevor

die Spiele beschlossen waren, und wie jetzt,

dann sind manche westlichen Vorstellungen

ziemlich romantisch. Wer zuvor in

einem Haus gelebt hat, das jährlich überschwemmt

wurde, das keinen Trinkwasseranschluss

hatte, in dem es keine Gas- und

Stromversorgung gab, und jetzt in einem

neu gebauten, hochwassersicheren Haus

wohnt mit der ganzen Infrastruktur –

dann kann ich der Argumentation folgen,

die wir oft hörten: Wir hatten Glück, umgesiedelt

zu werden. Ich glaube, unser Film

bringt das Lebensgefühl ziemlich authentisch

rüber. Es sind auch einige skurrile Situationen

dabei.

Zum Beispiel?

Wir interviewten in Sotschi einen orthodoxen

Pfarrer. Das war gar nicht geplant, sondern

eine spontane Aktion. Er erzählte uns,

dass er auch leidenschaftlich gerne Ski fährt

und im olympischen Komitee von Sotschi

sitzt. Wir konnten das erst gar nicht fassen.

Er berichtete uns lächelnd, dass auf dem

Olympiagelände alles platt gemacht worden

sei. Bis auf einen Friedhof. Mittendrin. Um

den wurde eine Mauer gezogen, so dass dort

weiter Tote bestattet werden können. ◀

Die 45-minütige Doku »Abenteuer Olympia. Der

lange Weg über den Elbrus bis nach Sotschi« wird

am 28. Dezember in der ARD (12 Uhr) ausgestrahlt

und erscheint zeitgleich im Allianzmagazin 1899.

Silber-Gewinner, Unternehmer, Abenteurer

Seinen größten Erfolg feierte Peter Schlickenrieder

bei den Olympischen Winterspielen

2002 in Salt Lake City: Er holte für das deutsche

Team die Silbermedaille im Langlauf-

Sprint. Parallel zu seiner sportlichen Karriere

studierte Schlickenrieder Wirtschaftswissenschaften

und gründete nach seiner aktiven Zeit

als Skilangläufer eine Sportmarketing-Agentur.

Sein Film »Abenteuer Olympia« ist nach der

Bike-Transatlas in Marokko und der Ski-Transalp

sein bisher größtes Filmprojekt mit seiner Filmproduktionsfi

rma. Seit 2002 arbeitet er als Skilanglauf-Experte

und Co-Moderator für die ARD

und ist auch in Sotschi bei den Olympischen

Winterspielen 2014 mit von der Partie. Jüngst

erschien von ihm das Buch »Madonna Mia

– Transalp auf Skiern« (Paul Pietsch Verlage,

Stuttgart 2013, 19,95 Euro), das er zusammen

mit dem Journalisten und Unternehmensberater

Robert Jacobi verfasste. Beide begründeten die

Internetplattform mountix (www.mountix.com),

eine Art Facebook für Bergsteiger.

Schlickenrieder wurde am 16. Februar 1970 in

Tegernsee geboren und lebt heute mit seiner

Frau und den zwei Kindern am Schliersee.

Peter Schlickenrieder auf Olympia-Tour

01 ⁄14 Bergsteiger 105


REPORTAGE

Trekkingtour auf den Kilimandscharo

Die Entdeckung

der Langsamkeit

Er ist der Traumgipfel vieler Menschen: nicht schwierig,

aber hoch, der Höchste auf dem afrikanischen Kontinent.

Sandra Zistl (Text und Fotos) hat eine Gruppe des

Deutschen Alpenvereins auf ihrem Weg zum 5895 Meter

hohen Kilimandscharo begleitet.

106 Bergsteiger 01 ⁄14


Wer auf den höchsten Berg

Afrikas geht, sieht tagelang ihn

aus den Wolken ragen: den

4565 Meter hohen Mount Meru.


Am ersten Tag führen alle Wege auf den Kili durch Regenwald.

Da geht es hinauf: der höchste Berg Afrikas, 5895 Meter hoch.

vation. Doch Jackson kennt die Antwort

bereits, oft besser als der Befragte. »Mir geht

es gar nicht gut«, meldet sich eine Frau zu

Wort. Ihre Stimme ist erregt, denn sie tut,

was die Bergführer raten, in größeren Gruppen

allerdings nur wenige befolgen: Sie gibt

zu, dass sie sich nicht wohl fühlt. »Mir ist

schwindlig, schon länger. Ich kann nicht

auf den Gipfel gehen.« »Du musst mehr

trinken«, entgegnet Jackson ruhig, »du

kannst weitergehen.« Schwindel sei nicht

schlimm, Gleichgewichtsstörungen schon.

Er hat die 48-Jährige wie alle anderen seit

sechs Tagen beobachtet und auch in den

vergangenen Stunden. »Ich habe Familie,

ich kann nichts riskieren«, widerspricht

die Frau. Ihre Augen funkeln Jackson an.

Der bleibt gelassen. »Ndessario wird deinen

Rucksack tragen. Sei unbesorgt. Du gehst

kein Risiko ein, wenn du weitergehst.« Die

Bergsteigerin gibt ihren Rucksack ab, trinkt

und geht weiter.

Atmung, Gang, Gesprächsverhalten. Blick,

Gesichtsausdruck, Appetit, all das sind Zeichen,

die die Bergführer zu lesen wissen.

Ihr Job ist jedoch nicht nur, die Höhentauglichkeit

der Kunden besser einzuschätzen

als diese, den Weg zu weisen, zu motivieren,

sich um Probleme zu kümmern und

das Trägerteam zu koordinieren. Sie müssen

auch gar nicht so selten den Ehrgeiz der

Touristen in Schranken weisen.

Denn der Kilimandscharo ist nicht einfach

irgendein hoher Berg. Er ist ein Sehnsuchtsberg

der Europäer und Amerikaner. Höchster

Berg Afrikas – und in unrühmlichen

Kolonialzeiten als »Kaiser-Wilhelm-Spitze«

kurzzeitig sogar höchster Berg Deutschlands.

Der größte frei stehende Berg der

Welt. Einer der Seven Summits. Wer ihn

bezwingt, durchschreitet sämtliche Klimazonen

der Erde. Und dann ist er auch noch

technisch einfach. Also ein greif bares Ziel

und somit Lebenstraum vieler Hobbyberg-

Das Knirschen verstummt. Die

Stiefel stehen still. Die Menschen,

die sie an den Füßen tragen,

verharren in der Dunkelheit

und lauschen. Auf den Atem

der anderen und auf den eigenen. In sich

hinein. Wie geht es meinem Körper? Ist mir

schlecht? Schwindlig? Bekomme ich Kopfweh?

Muss ich mehr trinken? Seit fast fünf

Stunden arbeiten sich die Bergsteiger aus

Bayern Schritt für Schritt durch die Nacht,

die südliche Kraterflanke des Kilimandscharo

hoch. Ein bis zwei weitere Stunden

liegen vor ihnen. »Gegen vier Uhr morgens

wird es zäh«, hatte Jackson Obadia, der tansanische

Bergführer, vor dem Abmarsch

prophezeit. Und es stimmt: Selbst die, die

hören, dass der Vordermann lauter atmet

als sie selbst und im Lichtkegel ihrer Stirnlampe

beobachten, dass dieser aus dem

Tritt gerät, können den fantastischen Sternenhimmel

nicht genießen. Es ist zäh.

»Jamboo, jambo bwana«, hebt Jackson an

zu singen. Ein paar Meter über und unter

der rastenden Gruppe stimmen seine Kollegen

mit ein, klatschen und singen den

Kilimandscharo-Song in die Stille und die

klare Nacht hinein. Auf 5500 Metern Höhe,

gegen vier Uhr morgens, kommt das selbst

für eine Alpenvereinstruppe überraschend,

die die Tansanier tagsüber in Sangesfreude

übertrumpft. Nur zwei von zwölf klatschen

mit, allen anderen können die Bergführer

zumindest ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

»Geht es euch gut?«, ruft Jackson.

Schwindel in der Höhe

Seit zehn Jahren führt er als staatlich geprüfter

Guide Touristen auf Afrikas höchsten

Gipfel. Der 35-Jährige weiß, wie es den

Leuten geht. Schon ab dem dritten Tag

kann er absehen, wer es auf den Uhuru

Peak (5895 m) schaffen wird und wer nicht.

Seine Frage ist höflich, sie dient der Moti-

108 Bergsteiger 01 ⁄14


Bis zu 20 Kilogramm schleppt ein Träger auf Kopf oder Nacken.

Wie in der Savanne: das New Shira Camp auf 3845 Metern

»Ich habe als kleines

Mädchen im Fernsehen

Bilder vom Kilimandscharo

gesehen.

Ich wusste, da will

ich mal rauf.«

steiger. Jedes Jahr wollen 35 000 bis 40 000

von ihnen auf seinen Gipfel, den Uhuru

Peak. Etwa 75 Prozent schaffen es.

Der Sehnsuchtsberg

»Ich habe als kleines Mädchen, mit fünf

Jahren, im Fernsehen Bilder vom Kilimandscharo

gesehen«, erzählt eine der Teilnehmerinnen

am vierten Tag beim Frühstück.

»Ich wusste, da will ich mal rauf. Jetzt hat

es halt 43 Jahre gedauert«, sagt sie und

lächelt. Sie will auf den Gipfel, klar. Aber

nicht um jeden Preis. Die Mutter von zwei

Kindern ist mit elf weiteren DAV-Mitgliedern

aus Peiting und Schongau unterwegs

auf der Machame-Route, einem siebentägigen

Zelt-Trekking. Seit Jahren geht die

Truppe in wechselnder Besetzung gemeinsam

in die Berge. Die Jüngsten sind unter

30, die Ältesten über 70 Jahre alt. Ungefähr

alle zwei Jahre nehmen sie sich ein großes

Ziel vor, das Herwig Skalitza, zweiter Vorsitzender

der Sektion Peiting, vorschlägt.

Im Everest-Basecamp waren sie schon und

mehrmals in der nepalesischen Himalaya-

Region. Und sie bereiten sich auch gemeinsam

auf die Pässe und Gipfel über 5000

Meter vor.

Ein Guide geht voraus, einer hinterher:

die Gruppe kurz vor der Great Barranco Wall

Vom Regen durchnässt

Alles erfahrene Bergsteiger also, denen ein

bisschen Regen normalerweise nicht die

Laune verdirbt. Trotzdem ist die Stimmung

am dritten Abend gedrückt. Eine Akklimatisierungstour

– vom Shira Camp (3845 m)

auf den Lava Tower (4640 m) und wieder

hinab ins Barranco Camp (3960 m) – liegt

hinter ihnen. Und ein kleiner Härtetest, den

der »Kili« ihnen auferlegt hat. Ausgerechnet

als alle einen Stein zum Sitzen gefunden

und ihre Brotzeit-Box geöffnet haben, setzt

mittags der Regen ein. Den angeknabberten

Hühnchen-Flügel in der einen Hand, kramen

die fettigen Finger der anderen nach

Regenjacken und -hosen. Was jetzt? Erst

essen oder erst anziehen? Was ist besser:

Von außen durchweichen oder unter dem

Regenschutz schwitzen?

Wer sich für die erste Variante entscheidet,

wird das am Ende des Tages bereuen. Denn

der Regen wird nicht mehr aufhören. Der

Höhepunkt der Etappe, der Lava Tower,

steckt in so dichten Wolken, dass er sich gar

nicht wie ein Gipfel anfühlt. Alle haben nur

einen Gedanken: ankommen, den Schutz

der Zelte suchen und heißen Tee trinken.

Denn natürlich sind die Träger auch an diesem

Tag schneller als die Touristen. Als die

das matschige Camp erreichen, stehen die

Thermoskannen im Essenszelt schon bereit,

die Reisetaschen liegen in den Vorräumen

der Zweier-Schlafzelte.

Auf 3960 Metern ist das ein Luxus. Es fühlt

sich aber trotzdem anders an, als jetzt in

einer Hütte mit Kachelofen zu sitzen. Bei

einem ist der Schlafsack nass geworden,

weil er ihn am Morgen noch getrocknet und

dann in letzter Sekunde ohne Plastiktüte

drumherum in die Tasche gesteckt hatte;

bei vielen hat die Regenjacke nicht dicht

gehalten; bei einer Teilnehmerin ist ausgerechnet

jene Hose nass geworden, die sie

in der Nacht des Gipfelaufstiegs tragen

01 ⁄14 Bergsteiger 109


Großer Berg, kleiner Mensch: das Karanga Camp am Morgen

Chef von mehr als 40 Mann: Afromaxx-Guide Jackson Obadia

Anfangs gab es keine

Zelte für die Träger.

Sie zogen sich nachts

in Höhlen und unter

Felsvorsprünge zurück

und machten mit

feuchtem Holz Feuer.

wollte. Die wärmste. »Das war halt die, die

ich im Rucksack hatte«, sagt sie und blickt

halb vorwurfsvoll, halb verzweifelt auf den

klammen, dicken Stoff, der an ihren Beinen

klebt. Die Reporterin ist vor allem um ihre

Objektive besorgt. Die steckten in einem

Aqua-Bag, aber das ist auch bis auf die letzte

Membran durchnässt. Weitere vier Nächte

im Zelt auf 4000 und 4600 Metern liegen

vor der Gruppe. Was, wenn es weiter regnet?

Es ist ungewöhnlich still beim Abendessen.

Keiner singt.

erst das dichte Grün des Regenwalds, dann

der Nebel und dann die Regenwolken den

Blick verwehrt. Schlafsack, Kleidung, Zelte,

alles wieder trocken. Jetzt kann er kommen,

der Gipfel.

»Pole, pole«, immer schön langsam, mahnt

Daudi. »Ihr wisst, am hohen Berg gewinnt

die Schildkröte.« Der 54-Jährige ist vierfacher

Familienvater und arbeitet seit 16

Jahren als Guide. Er erinnert sich noch

gut an Zeiten, in denen kein gebauter Weg

durch den Regenwald führte, sondern ein

matschiger Pfad. Damals gab es keine Zelte

für die Träger. »Uuuuuh, war das ein

Dreck«, ruft Daudi aus und legt den Kopf

grinsend in den Nacken. Er erzählt, dass sie

sich nachts in Höhlen und unter Felsvorsprünge

zurückgezogen und mit feuchtem

Holz Feuer gemacht hätten. Und da er nie

um eine Pointe verlegen ist, fügt er hinzu:

»Wir waren noch schwärzer als wir eh

schon sind.«

In der Führungsrolle wechselt sich Daudi

mit seinem jüngeren Kollegen Jackson Obadia

ab. Der blickt mit 35 Jahren bereits auf

21 Jahre Kili-Erfahrung zurück. Mit 14 fing

er an, in den Ferien als Träger zu arbeiten,

um sich sein Schulgeld selbst zu verdienen.

Ein Alter, in dem heute niemand mehr

die 20 Kilo schweren Gepäckbündel tragen

darf. Jackson ist das jüngste von sechs

Kindern und der Bürojob des Vaters warf

nicht genug ab, um allen die Highschool zu

finanzieren. Mittlerweile hat er selbst

»Pole, pole«

»Gestern Abend, da hab ich mich schon gefragt,

ob das was werden kann«, sagt einer

der Peitinger am nächsten Morgen beim

Frühstück. Er lacht, und die Morgensonne

lässt sein fröhliches Gesicht noch mehr

strahlen. Die Regenwolken haben sich

verzogen, vom Berg und aus den Köpfen

der Bergsteiger. Es ist so warm, dass sie ihr

Camping-Frühstück im Freien einnehmen

können. Zur Linken mit Blick auf den Kibo-

Krater, den sie zwei Tage später erklimmen

wollen, zur Rechten, unterhalb, liegt ein

endloser, dicker Teppich aus Wolken. An

diesem Morgen stellt es sich plötzlich ein,

das Gefühl, auf den höchsten Berg eines

ganzen Kontinents zu gehen. Zuvor hatte

Frühstück über den Wolken im Karanga Camp (4035 m)

110 Bergsteiger 01 ⁄14


Schon für das Erreichen des Kraterrandes (5740 m) gibt’s Urkunden,…

… glücklicher sind jedoch die, die ein Gipfelfoto schießen können.

KOMPAKT

Kilimandscharo

Sechs übliche Trekkingrouten führen

auf den Kilimandscharo: Londorossi,

Lemosho, Machame, Umbwe,

Mweka und Marangu. Bis auf eine

(Marangu) werden alle als Zelt-Trekking

durchgeführt, die Mweka-Route

wird fast ausschließlich für den

Abstieg benutzt. Die Marangu-Route

trägt den Spitznamen »Coca-Cola-

Route«, die Machame-Route gilt als

»Whiskey-Route«. Für professionelle

Alpinisten gibt es weitere Möglichkeiten,

den Rand des Kibo-Kraters

mit dem Uhuru Peak (5895 m)

als höchstem Punkt zu bezwingen.

Beispielsweise über die Breach

Wall Direktroute, die Reinhold

Messner 1978 mit Konrad Renzler

erstbeging. Dafür sind jedoch

Sondergenehmigungen notwendig.

Seit Beginn der Aufzeichnungen

im Jahr 1962 haben die Gletscher

des Kilimandscharo im Schnitt

einen halben Meter

pro Jahr an Höhe verloren.

Heute schmiegen sie

sich als Gletscherinseln an die

Bergfl anken. Die ersten Bergsteiger

auf dem Gipfel des Kilimandscharo

waren der Deutsche Hans

Meyer und der Österreicher Ludwig

Purtscheller am 6. Oktober 1889.

Damals lag der Berg auf dem Gebiet

der Kolonie Deutsch-Ostafrika.

Die »Kaiser-Wilhelm-Spitze« galt als

höchster Berg Deutschlands. Seit

dem 9. Dezember 1963 trägt der

Gipfel des Kibo den Namen Uhuru

Peak, »Freiheitsgipfel«.

Beste Reisezeit: Dezember bis

Anfang März, Juni bis September

Veranstalter: Der deutschtansanische

Veranstalter Afromaxx

ist seit neun Jahren Spezialist für

Touren auf den Kilimandscharo –

individuell organisiert für Paare und

Gruppen oder

als Zubucher-Tour.

Auf Wunsch organisiert

Afromaxx auch Programm vor und

nach dem Trekking, beispielsweise

Safaris oder einen Badeurlaub

auf Sansibar; www.afromaxx.com,

Tel. 00 255/7 62/37 42 37

Karte: Harms-IC-Verlag 1:100 000

»Kilimanjaro National Park«,

dritte aktualisierte Aufl age 2013

mit sämtlichen aktuellen Trekkingrouten

auf den Kilimanjaro, alle

GPS-geprüft; dazu Stadtpläne von

Moshi und Arusha, Detailplan

der Gipfelregion des Kibo im Maß -

stab 1:50 000 und eine Übersichtskarte

des nördlichen Tansania;

zweisprachige Texte (Deutsch und

Englisch), mit Skizzen und Farbfotos

zu Geologie, Botanik, Klimaund

Vegetationszonen

Führer: Tom Kunkler »Kilimanjaro

– Tanzania – Safari – Sansibar.

Trekking und Abenteuer am höchsten

Berg Afrikas«, TOKU Consulting

e.K., vierte Aufl age (Februar 2012),

352 Seiten

Karte: harms-ic-verlag

01 ⁄14 Bergsteiger 111


Von der Gletscherkappe des Kili sind nur noch Reste übrig.

Ein letzter Blick zurück durchs Grün des Regenwaldes

zwei kleine Kinder und spart das Geld, das

er als Guide verdient, für ihre Schulausbildung.

»Es ist ein harter Job, aber ein sehr

guter Job«, sagt er.

Die Gipfelnacht

Gut ist er auch, weil beide seit Jahren mit

dem Veranstalter Afromaxx zusammenarbeiten.

Beide Seiten sind froh um die

Verlässlichkeit des anderen. Eine so große

Gruppe sei sehr selten, erzählt Jackson.

Normalerweise führten sie zwei bis sechs

Touristen auf den Kilimandscharo. Da der

Veranstalter – anders als manche seiner

Konkurrenten – sehr verantwortungsbewusst

mit der Aufgabe umgeht, Europäer

in sechs bis sieben Tagen auf einen Fast-

Sechstausender zu bringen, hat er für die

zwölfköpfige DAV-Truppe entsprechend

aufgestockt: vier Guides, zwei Guide-Assistenten,

zwei Köche, zwei Kellner und

33 Träger, von denen viele auch bereits

mehrere Jahre Erfahrung am Berg haben.

Der großzügige Betreuungsschlüssel zahlt

sich aus, als zwei Teilnehmer samt Träger

vorher absteigen müssen. Einer, weil er

ein wichtiges Medikament verloren hat,

der andere wegen Höhenkrankheit. In der

Gipfelnacht sind trotzdem genug Guides

verfügbar, um die Gruppe in zwei Züge

aufzuteilen: langsam und noch langsamer,

»pole, pole«.

Die Frau, die über Schwindel geklagt hatte,

wird von Jackson in die erste Gruppe

gesteckt. Zwei Stunden später steht sie in

der Morgensonne am Uhuru Peak. Ohne

Schwindel, ohne Kopfweh. Es ist die, die

vor 43 Jahren beschlossen hatte, eines Tages

hier oben zu stehen. »Du hattest recht«,

sagt sie strahlend zu Jackson, »wäre schade

gewesen, wenn ich vorher umgekehrt wäre.

Danke.«


INFO

Auf der Höhe der eigenen Kräfte

Es könnte am Essen gelegen

haben. »Das war sehr fettig und

eher auf den Geschmack britischer

Touristen ausgelegt«, erinnert

sich Astrid Heikamp. Ihr bekam es

nicht, vor allem nicht auf über

4000 Metern. »Ich habe dann fast

nichts mehr gegessen, was natürlich

auch nicht gut war.« Schließlich

musste die Wahlmünchnerin auf

dem Weg zum Gipfel des Kilimandscharo

umdrehen, ihr Mann Rolf

kam mit. Die enttäuschende Erfahrung

in Tansania liegt einige Jahre

zurück. Als die Heikamps dann

vor zwei Jahren zu einem Trekking

nach Nepal fuhren, absolvierten

sie vorher ein Höhentraining.

»Wir sind sehr aktive Hobbysportler,

nehmen öfters an Laufwettbewerben

teil und gehen, seit wir

in München wohnen, viel in

die Berge«, erzählt Rolf Heikamp.

»Aber wir haben gemerkt, dass

das mit der Höhe schon nochmal

eine andere Nummer ist.«

Auf Nepal bereiteten sie sich gut

vier Wochen lang mit aktivem und

passivem Training bei Höhenbalance

München vor, einem Institut für

Höhentraining. »In der Höhe wirken

viele Faktoren zusammen«, erklärt

dessen Inhaberin Jutta Stephan

und betont: »Höhentauglichkeit und

Fitness sind zwei unterschiedliche

Dinge.« Es seien allerdings neben

der Gesundheit jene, die sich im Vorfeld

beeinfl ussen ließen – anders als

beispielsweise das Wetter am Berg.

»Ich vergleiche das gerne mit einem

Uhrwerk«, erklärt die Sportwissenschaftlerin

und Triathletin: »Alle Faktoren

greifen ineinander.« Wenn es

nass oder kalt sei, gehe es natürlich

auch in der Höhe dem Bergsteiger

besser, der seinen Körper durch

Training im Institut oder durch

Akklimatisierungstouren vorbereitet.

Allerdings könne auch die gezielte

Vorbereitung im Höheninstitut keine

absolute Garantie liefern, dass es

mit dem Gipfelglück klappt. »Es ist

extrem wichtig, auf die Signale zu

achten, die der Organismus sendet«,

betont Stephan. »Habe ich Kopfschmerzen?

Wie stark und wie lange

schon? Ist mir übel oder schwindlig,

bekomme ich gut Luft?« Und sich

vor allem unterwegs nicht alleine

auf den Wert eines Pulsoximeters zu

verlassen. Jutta Stephans dringender

Rat: »Wenn der Wert des Pulsoximeters

gut ist, ich mich aber schlecht

fühle, gibt es nur eine richtige Verhaltensweise:

absteigen.« Ein Tipp, den

auch Tomas Jelinek, Medizinischer

Direktor des Berliner Centrums für

Reise- und Tropenmedizin (BCRT),

bestätigt: »Ein einzelner Messwert

sagt nicht viel aus. Viel wichtiger ist

es, den persönlichen Verlauf von

Puls und Sättigung zu sehen.« Astrid

und Rolf Heikamp sind mittlerweile

regelmäßige Kunden im Höheninstitut.

»In Nepal ging es uns so gut«,

freut sich Astrid, »jetzt bereiten

wir uns auch auf unsere Berglaufwettbewerbe

bei Jutta vor.«

Jutta Stephan mit einer Kundin

beim aktiven Höhentraining

Institut für Höhentraining –

Höhen balance München,

Spiegelstr. 9, 81241 München,

Tel. 0 89/55 13 56 20,

www.hoehenbalance-muenchen.de

Foto: Jutta Stephan

112 Bergsteiger 01 ⁄14


Juli 2013

Juli 2013

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LESERBRIEF/IMPRESSUM

10

12

12 / Dezember 2013

10 / Oktober 2013

PLUS 12 Tourenkarten zum Mitnehmen: Berchtesgadener Alpen • Urner Alpen • Mont Blanc-Gruppe

Exklusiv

Charly Gabl übers Wetter

PLUS 12 Tourenkarten zum Mitnehmen: Diableretsgruppe • Mariaze ler Land • Comer-See-Berge

| Bergwandern | Klettersteige | Alpinismus

IM TEST

tipps

A les über

Touren-

Ski

Die Paten III: Herrliche Hütten im Porträt

80 Jahre

80

Jubiläums-

Ausgabe

| Bergwandern | Klettersteige | Alpinismus

Die besten 80 Touren

Bayerische Alpen

Rofangebirge

Ortlergruppe

Dolomiten/Brenta

Berner Alpen

Karwendel

Große Freiheit

über Innsbruck

EXKLUSIV!

Südtirol-Wochenende

mit David Lama und

Stefan Glowacz

Wärmen

Fleecejacken im Test:

Wandern wohlig warm

Rund 1000 BERGSTEIGER-

Leser haben beim Jubiläums-Quiz

in der Oktober-

Ausgabe mitgerätselt.

Vielen Dank für die

zahlreichen Zuschriften!

Das richtige Lösungswort

lautete übrigens »Matterhorn«, die

Antworten auf die Fragen heißen:

1930er: Harrer

1940er: Reinhold Messner

1950er: Tenzing Norgay

1960er: Norroena

1970er: Schweiz

1980er: Christophe Profit

1990er: Steinadler

2000er: Alexander Huber

2010er: David Lama

Bei der Zusatzfrage nach dem Berg, der

sich hinter der Silhouette des Titelmotivs

versteckte, teilten sich die Meinungen:

Manche Rätselfüchse glaubten darin

»Mount Everest«, »Salbitschijen«, »Königsspitze«,

»Zwölferkofel«, »Wilder Kaiser«,

»Zugspitze« und »Aiguille Verte« oder auch

einfach nur »auch Matterhorn« zu erkennen.

Die richtige Antwort auf die Zusatzfrage

war jedoch: »Großglockner«

+ über

Lichtblicke

Sonnenspots: Verlängern Sie die Bergsaison!

▶ Rofan ▶ Lungau ▶ Comer See ▶ Provence

Dachstein

Auf den Spuren Simonys

Piepsen

Was Sie über LVS-

Geräte wissen müssen

omiten: Balance auf dem Band

Dolomiten: Balance auf dem Band

Magdalena

Neuner

Trekken

Nepal anders erleben auf

dem Great Himalaya Trail

| Alpinismus

Gold-Lena im großen

Bergsteiger-Interview

Pilgern

+ über

B saison!

Wie man beim Wandern zu

sich selbst finden kann

50 Touren-

50 Tourentipps

ALPINISMUS

Piazen

Alpencross

Felix Brunners

grandiose Tour

Welche Techniken nach großen

Bergsteigern benannt sind

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!

AUFLÖSUNG

Jubiläumsrätsel

Filmen

Tod und Rückkehr:

Lothar Brandler

Jubiläums-Extras

• Zurück ins Revier:

Tiere in den Alpen

• Die to lkühnen

Bergvagabunden

• Edelweißrausch

an der Höfats

• Buhls Liebling –

Glungezerhütte

Seilspiel zum

Heraustrennen

Sahnen Sie Preise

im Wert von

8 000 Euro ab!

Geburtstags-Gewinnspiel

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23.08.13 1:43

Fehlende Bewertung

Betrifft: Tourenski-Test

+

Sehr geehrte Redaktion,

bei dem im Heft 12/Dezember

2013 erschienenen Tourenski-


Die Silhouette auf dem Cover der Jubiläumsausgabe:

der Großglockner von Süden

Die Redaktion des BERGSTEIGER gratuliert

den Gewinnern: Roberto R. (Cottbus), Miriam D.

(Weilheim), Gertraud K. (München), Fritz F. (Memmingen),

Claus S. (Chemnitz), Christian F. (Reutlingen),

Hans-Jürgen S. (Aschersleben), Wolfgang

S. (Hofgeismar), Antonette K. (München), Martin

R. (Dürnau), Norbert N. (Schwäbisch Gmünd), R.

Carl (Reichenbach), Dirk L. (Ottobrunn), Carola

Bolz, Oswin S. (Kornwestheim), Daniel Reitmeier,

Thomas H. (Hausham), Eggert H. (Leonberg),

Franz K. (Wenzenbach), Stefan I. (Regnitzlosau).

Die Zugspitz-Tour mit Chefredakteur Michael

Ruhland haben gewonnen: Thomas B. (Remseck),

Günter G. (Neuhof), Susanne Hörlin und Christiana

Entzminger.

BERGSTEIGER unter der Lupe: Leserbrief des Monats

Test ist mir aufgefallen, dass bei

dem Ski »Scott Surf’Air« in der

Spalte »Kurzcharakteristik« der

gleiche Text wie bei dem »K2

BackUp« steht. Gibt es für den

»Scott Surf’Air« entsprechend

dem Testergebnis eine eigene

Charakteristik-Beschreibung?

Mit freundlichen Grüßen,

Heinz Holderried (per Mail)

Sehr geehrter Herr Holderried,

vielen Dank für den Hinweis! Der

Text ist beim Platz-Tauschen der Beschreibungen

verloren gegangen;

wir entschuldigen uns für den Fehler.

Hier die korrekte Bewertung

des Scott Surf’Air: »Für uns ist der

Surf’Air einer der besten Tourenski

der aktuellen Saison. Er bietet beste

Fahreigenschaften in jedem Schnee

und in jedem Gelände. Bestnoten bei

Harmonie und Dynamik charakterisieren

einen rundum gelungenen,

einfach zu fahrenden Tourenski für

jedes Fahrkönnen.« Die Redaktion

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum BERGSTEIGER, wir freuen uns über jede Zuschrift!

Je kürzer ein Leserbrief, desto größer die Chance auf Veröffentlichung. Alle Zuschriften bitte an

BERGSTEIGER, Postfach 40 02 09, D-80702 München oder E-Mail: bergsteiger@bruckmann.de

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die abgedruckten Leserbriefe nicht die Meinung der Redaktion,

sondern die der Unterzeichnenden wiedergeben. Wir behalten uns vor, Briefe vor Abdruck zu kürzen.

01/14 | 81. Jahrgang

Internet: www.bergsteiger.de

Redaktionsanschrift

BERGSTEIGER

Postfach 40 02 09, 80702 München

Tel. +49 (0) 89.13 06 99.658

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Chefredakteur Michael Ruhland

Redaktion Thomas Ebert, Diana Gäntzle,

Petra Gössl-Kubin, Dominik Prantl,

Dagmar Steigenberger

Assistenz Thomas Ebert

Layout Tanja Beyerle, Susanne Bukvic

Kartographie Christian Rolle

Illustrationen Max Baitinger

Aboservice/Leserservice

BERGSTEIGER-Aboservice, Postfach 1280,

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Tel. 01 80-5 32 16 17*

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Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 50, ab

1. Januar 2014, www.verlagshaus-media.de

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Infanteriestraße 11a, 80797 München

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Geschäftsführer Clemens Schüssler,

Carsten Leininger

Herstellungsleitung: Sandra Kho

Vertrieb Zeitschriften Dr. Regine Hahn

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Bahnhofsbuchhandel, Zeitschriftenhandel

MZV, Unterschleißheim

Preise Einzelheft ¤ 5,90 (D), ¤ 6,50 (A),

sfr 9,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Versandkosten;

Jahresabonnement (12 Hefte) ¤ 63,72

(D) inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten.

Für Studenten mit Bescheinigung ¤ 49,56

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ISSN 1435–8905 • 1681

Erscheinen und Bezug BERGSTEIGER erscheint

monatlich. Erhältlich in Deutschland, Österreich

und in der Schweiz im Bahnhofsbuchhandel,

an gut sortierten Zeitschriftenkiosken, im

Fachhandel sowie direkt beim Verlag.

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Helmut Kramer, Infanteriestraße

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VORSCHAU

Ein Hoch auf das

Weitwandern

Das wahre Gefühl der Freiheit stellt

sich meist erst nach ein paar Tagen

ein: Wandernd weite Strecken zurückzulegen,

lässt einen innerlich zur Ruhe

kommen. Wir präsentieren Ihnen

Fernwanderwege, die süchtig machen.

AUF TOUR

Schräge Skitouren

Wenn in Oberbayern mit dem Fasching

die fünfte Jahreszeit anbricht, spielen

die Maschkera verrückt. Und für Skibergsteiger

ist es Zeit für ebensolche Touren.

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REPORTAGE

REPORTAGE

Auf Brettern über die Alpen

Wer sich auf das fünftägige Skiabenteuer

von Oberstdorf nach Südtirol wagt,

braucht eine gehörige Portion Mut und

ein gutes Gespür für die Lawinengefahr.

Winterexotik: Skitour auf Marokkos Toubkal

AUF TOUR Winterwandern: Schneesicher im Ausseerland

NEUE SERIE Winterfluchten: Trekkingparadies Gran Canaria

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Daune und Kunstfaser

Gut gefüttert ist halb gewonnen: Kälteschutz

hat gerade im winterlichen

Gebirge oberste Priorität.

Teil 1 unserer Insulations-

Serie zeigt, wie man sich mit

Daune und ihrer syntheti -

schen Schwester, der Kunstfaser,

gegen Kälte wappnet.

Fotos: wikimedia/Chmee2, Mammut, La Sportiva

MITARBEITERIN DES MONATS


AUFSTEIGER DES MONATS


ABSTEIGER DES MONATS

Kilimandscharo,

die Zweite bitte!

Dass Expeditionen oft mehrere Anläufe

brauchen, wissen Bergsteiger. Meistens liegt

es am widrigen Wetter. In seltenen Fällen

scheitern Unternehmungen, längst bevor der

Bergfuß erreicht ist. Unsere Autorin Sandra

Zistl war gewissermaßen Hauptdarstellerin

im eigenen kleinen Drama.

Als sie sich zum Kilimandscharo

aufmachte, stellte

sie am Frankfurter Flughafen

fest, dass sie den Pass ihres

Ehemannes eingepackt hatte –

ihren eigenen leider nicht. Sie kam

bis Addis Abeba (immerhin!) und wurde

postwendend zurückgeschickt. Doch Sandra

ließ sich nicht beirren: Vier Wochen später

stand sie auf dem Gipfel. Gratulation!

Konstanz in Kanada

Lake of Constance, East Shore im Februar

2013. Eisige Luftmassen haben Westeuropa

im Griff und der Lawinenlagebericht lässt

wegen viel Neuschnee keine großen Touren

zu: für den BERGSTEIGER-Leser Stephan

Lämmlein der perfekte Tag für eine Spritztour

von Lochau bei Bregenz zum Pfänder. Bei der

Abfahrt durch den Powder gelang ihm ein

traumhaftes Foto, das den Bodensee mit der

Halbinsel von Lindau wie das Meer am Fuße

der Skigebiete Kanadas erscheinen lässt.

Zugspitze

Es gab eine Zeit, da waren sich Tiroler und

Bayern nicht ganz grün. Mittlerweile herrscht

Frieden ... oder doch nicht? Ende Oktober

geriet ein Youtube-Video in Umlauf: Vier

Vermummte namens »Öschis« meißeln direkt

unter dem goldenen Gipfelkreuz der Zugspitze