Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

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Technik&Wissen

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oder im Weinberg drastisch reduzieren,

die Betriebskosten senken und gleichzeitig

den Ernteertrag verbessern.

Immer mehr Geräte sind vernetzt, Sensoren

werden billiger, und Roboter erledigen

Aufgaben auf dem Feld automatisch.

Sie überprüfen etwa, ob die Pflanzen ausreichend

mit Nährstoffen und Wasser versorgt

sind, und entlasten so die Umwelt.

Aber das ist nur der Anfang. Einige Experten

glauben gar, dass diese Vernetzung

des Bauernhofs einige der größten Probleme

unserer Landwirtschaft lösen könnte.

Claas Lexion 780

Motor V8-Zylinder, 598 PS

Korntank 12 500 Liter

Gewicht 18 920 Kilogramm

Preis ab 500 000 €

Breite Schneidwerk 12 m

ENDE DER VERSCHWENDUNG

Geschickt umkurvt Bonirob die zarte, wenige

Zentimeter hohe Maispflanze vor einem

seiner Räder. Seine 500 Kilogramm

Gewicht hätten das Pflänzchen beim Überfahren

zermalmt. Aber dazu ist Bonirob

nicht da, er ist vielmehr so etwas wie ein

Ackerdoktor – nur ohne Skalpell und Spritze.

Der vierrädrige Roboter untersucht

stattdessen mit Lichtgitter, Abstandssensoren

und 3-D-Kameras, wie gut jede einzelne

Pflanze mit Nährstoffen und Wasser versorgt

ist und ob sie gegen Schädlinge geschützt

werden muss.

Das Ziel: Je genauer der Bauer weiß, wie

es um jede Pflanze auf seinem Acker bestellt

ist, desto sparsamer kann er Dünger,

Wasser und Pflanzenschutzmittel dosieren.

Es wäre das Ende der Verschwendung

wertvoller Ressourcen.

Dazu erstellt der Roboter eine Art Fingerabdruck

jeder einzelnen Pflanze. „Später

kann Bonirob den genauen Standort einer

bestimmten Pflanze wiederfinden und ihre

Merkmale erneut vermessen“, sagt Arno

Ruckelshausen, Physiker und Projektleiter

an der Hochschule Osnabrück. Denn Bonirob

findet sich dank GPS-Steuerung auf

dem Acker allein zurecht, für maximale Beweglichkeit

haben ihm die Entwickler vier

Radnabenmotoren spendiert. Im Verbund

mit dem Autozulieferer Bosch und dem

Landmaschinenhersteller Amazone hat

Ruckelshausen den Feldroboter als Plattform

entwickelt, die für verschiedenste Anwendungen,

sogenannte Apps, offen ist.

Damit kann der kleine Landarbeiter sogar

zum Unkrautjäter im Ökolandbau werden.

Jetzt bereiten Amazone und Bosch den

Prototyp für die Markteinführung vor. Das

ist allerdings nicht so leicht wie gedacht.

Denn eine wichtige Frage für Roboter ist:

„Wo bin ich, und ist das auch gut so?“ Das

ist auf dem Acker gar nicht so leicht zu beantworten,

wo Sonne, Staub, Regen und

Schlamm die Sensoren stören, hohe Pflanzen

den Blick versperren und der Boden

uneben ist. Für die Bosch-Entwickler aus

dem Wachstumsmarkt Servicerobotik ist

das eine Herausforderung: Die Technologie

muss robust sein und trotzdem zuverlässig

funktionieren, ohne beispielsweise

spielende Kinder zu gefährden.

Während die einen sich mit den Problemen

am Boden herumschlagen, denken

andere Forscher schon in eine ganz andere

Richtung. Sie wollen schwer erreichbare

und weitläufige Felder mit Drohnen aus

der Luft überwachen: Wer über Felder in

der Nähe Berlins geht, wird mitunter heute

schon vom hochtourigen Lärm eines heranfliegenden

Messgerätes der Berliner

Humboldt-Universität gestört.

Die knapp 50 Zentimeter lange Drohne

macht in etwa 70 Meter Höhe Aufnahmen

der Pflanzen im sichtbaren und im Infrarotbereich,

die sofort auf dem Laptop des

Bauern landen. Der sieht darauf, wie gut

oder schlecht es seinem Grünzeug geht.

Diesen Fortschritt ermöglichen vor allem

Sensoren, die heute viel besser sehen,

riechen und hören als Menschen und zudem

auch Temperatur, Feuchtigkeit, Wärmestrahlung,

Druck – sowie den Gehalt an

Nähr- oder Giftstoffen erfassen können.

Viele der elektronischen Fühler neuester

Generation, wie sie etwa einer der Marktführer

Bosch Sensortec, aber auch Spezialunternehmen

wie Yara, LandData Eurosoft

und Fritzmeier Umwelttechnik anbieten,

haben nicht mal mehr die Größe eines

Stecknadelkopfes.

Dabei kosten Sensoren, Prozessoren und

Speicherchips mitunter nur noch wenige

Cent und sind heute robust genug, um sie

in Maschinen, Werkzeuge und Bauteile aller

Art einzubauen. Die Daten lassen sich

per Internet oder Mobilfunk in Sekundenschnelle

austauschen.

WENIGER UMWELTBELASTUNG

Die intensive Landwirtschaft gehört bislang

zu den größten Umweltsündern.

Grund dafür ist der enorme Verbrauch und

die Verschmutzung von Trinkwasser – sei

es durch Gülle aus Mastbetrieben oder

durch Schädlingsbekämpfungsmittel. Laut

den Analysten von Deutsche Bank Re-

FOTOS: PR

78 Nr. 46 11.11.2013 WirtschaftsWoche

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