Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

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Management&Erfolg

Sichere Sache

GRÜNDER | Mit ihrer Verschlüsselungssoftware Boxcryptor haben Robert Freudenreich

und Andrea Pfundmeier den WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb 2013 gewonnen.

Wegen weltweiter Geheimdienst-Schnüffeleien ist das Interesse an Datensicherheit

rasant gewachsen – doch die Konkurrenz des Augsburger Startups schläft nicht.

Gründer

Wettbewerb

Wer den Programmierern

des Startups Secomba in

Augsburg über die Schulter

blickt, sieht auf ihren

großen Flachbildschirmen

jede Menge Zeichensalat:

„GfZZuih’?“ steht da,

„76$%$gu6“ und „80ui=!*“.

Das Chaos ist gewollt: Die Mitarbeiter

des Startups, die hier in Kapuzenpullis sitzen

und in die Tastaturen hacken, entwickeln

Verschlüsselungssoftware. Boxcryptor

heißt das Programm, an dem das

14-köpfige Team aus Festangestellten und

Werkstudenten arbeitet. Wer es auf PC

oder Smartphone nutzt, kann Dateien mit

einem Passwort verschlüsseln, bevor er sie

übers Internet auf die Festplatten von Speicherdiensten

wie Dropbox oder Google

Drive in die sogenannte Cloud überträgt –

die Datenwolke im Netz, auf die die Nutzer

von unterwegs zugreifen können. Sobald

die Daten über PC oder Smartphone wieder

abgerufen werden, entschlüsselt Boxcryptor

sie, ohne dass der Nutzer es merkt.

„Wir schützen die Daten vor dem Zugriff

von Dritten“, sagt Robert Freudenreich, der

Secomba zusammen mit Andrea Pfundmeier

gegründet hat. „Selbst wenn die Informationen

Hackern oder Geheimdiensten

in die Hände fallen sollten, bekommen

die nur Zeichenmüll.“

Das Produkt der beiden Gründer verbreitet

sich rasant – und zwar weltweit, wie

Pfundmeier und Freudenreich anhand einer

Landkarte zeigen, auf der es vor roten

Punkten nur so wimmelt. Die Markierungen

zeigen an, wo auf dem Globus Internet-Nutzer

Boxcryptor vergangene Woche

heruntergeladen haben, um damit ihre

Daten zu verschlüsseln – ob Tagebücher

oder Geschäftspläne, Urlaubsfotos oder

Firmenpräsentationen. Die Umrisse von

Europa und den USA sind unter den farbigen

Flecken kaum noch zu erkennen, und

auch in Ländern wie Kenia, Kolumbien

oder Kasachstan finden sich rote Punkte.

Mehr als eine Million Menschen nutzen

die Software bereits; darunter viele, die von

der kostenlosen Basisversion auf das

36-Euro-Jahresabo umgestiegen sind. Zu

den Kunden gehören Privatleute genauso

wie eine große deutsche Hochschule oder

ein Medizinerverband aus den USA.

Boombranche IT-Sicherheit

Wiedie Nachfrage nach IT-Sicherheitsgütern

(inMilliarden Euro)...

6,8

6,5

6,2

5,9

5,6

2005 06 07 08 09 10 11*

...undbesondersnachDienstleistungen

undVerschlüsselungssoftware steigt

(inMilliarden Euro)

3,0

Dienstleistungen

Software

2,1

*Fortschreibung;

Quelle:Bundeswirtschaftsministerium

12*

1,2

Hardware

0,3

2005 06 07 08 09 10 11* 12*

Freudenreich und Pfundmeier punkten

mit ihrer Idee aber nicht nur bei Internet-

Nutzern: Das Gründer-Duo konnte auch die

Jury des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs

überzeugen, der in diesem Jahr zum

siebten Mal ausgeschrieben war (siehe Kasten

Seite 95). Das Gremium kürte das Startup

aus Augsburg am Donnerstag im Rahmen

des WirtschaftsWoche-Gründerkongresses

Neumacher in Hamburg zum Sieger.

PRODUKT DER STUNDE

„Die Gründer befriedigen ein echtes Kundenbedürfnis

und bringen alles mit, um in

wenigen Jahren ein Marktführer im Bereich

IT-Sicherheit zu werden“, lobten die Juroren

(siehe Kasten Seite 88). Secomba sei eine

„Startup-Perle“ und die Software Boxcryptor

das „Produkt der Stunde“.

Zum einen, weil auch Laien das Programm

ohne großen Aufwand installieren

können. Zum anderen, weil es den Nerv der

Zeit trifft, seit der Amerikaner Edward

Snowden Anfang Juni begonnen hat, geheime

Dokumente des US-Geheimdienstes National

Security Agency (NSA) zu veröffentlichen.

Die Dokumente zeigen, wie vor allem

die USA das Internet überwachen, Nutzerdaten

auf Vorrat speichern und sogar das

Mobiltelefon von Bundeskanzlerin Angela

Merkel regelmäßig abhörten. Oder, wie vor

wenigen Tagen bekannt wurde, aus internationalen

Rechenzentren von Google und Yahoo

Millionen von Nutzerdaten abfischen.

Enthüllungen wie diese, die zuletzt fast

täglich publik wurden, sorgten dafür, dass

das Vertrauen der Deutschen in Internet-

Dienste und Institutionen in sich zusammenfiel.

Nur noch rund ein Drittel der Befragten

erklärte in einer Umfrage des Bran-

FOTO: MARTIN HANGEN FÜR WIRTSCHAFTSWOCHE

86 Nr. 46 11.11.2013 WirtschaftsWoche

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