Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

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Geld&Börse

RICHTIG ANLEGEN

In Raten

wachsen

Werner Philipp, 65, ehemaliger IT-

Entwicklungschef bei Vodafone,

ist mehr als gut versichert. Sieben

Lebensversicherungen hatte der Manager

im Vorruhestand für sich, seine Frau und

die drei Kinder abgeschlossen. Zusätzlich

hat er schon mit Mitte 30 angefangen, Geld

in Aktien- und Rentenfonds zu sparen.

Später kam noch eine staatlich geförderte

Rürup-Rente hinzu.

Philipp konnte so viel sparen, weil er sich

bereits in den Dreißigern zum Abteilungsleiter

hochgearbeitet hatte. Vorzeigesparer

wie der ehemalige Vodafone-Manager sind

aber eher die Ausnahme. Nach einer Studie

des Freiburger Forschungszentrums

Generationenverträge beziehen deutsche

Rentner im Schnitt 402 Euro monatlich aus

Krisenfest gestreut

Aufteilungeines Mischdepots, mitdem Anlegerihren Vorruhestand finanzieren können

(inProzent)*

Tagesgeld

Gold

15

Anleihen

20

15

Mit40

Jahren

50

Aktien

Tagesgeld

Gold

Aktien

Mit60

Jahren

*Annahme: Anleger istheute 40 Jahrealt undspart bis zum60. Lebensjahr; Quelle:eigeneRecherchen

15

20

15

50

Anleihen

Geld- und Immobilienvermögen. Die Hälfte

kommt auf weniger als 275 Euro pro Monat.

Um größere Versorgungslücken zu

stopfen, die durch einen vorzeitigen Ruhestand

entstehen, ist das zu wenig.

Erster Schritt beim Vermögensaufbau ist

das Erstellen eines Haushaltsbudgets, um

zu sehen, wie viel monatlich fürs Sparen

übrig bleibt. Ist der Wert in etwa so hoch

wie der aus der Finanzplanung (siehe Seite

100), sollten Anleger das Geld dort einsetzen,

wo es den größten Nutzen bringt. Entschulden

geht dabei vor Sparen. „Kreditzinsen

sind in der Regel höher als die Rendite

von Kapitalanlagen“, sagt Ralf Nomrosky,

Gutachter für Kapitalanlagen in Düsseldorf.

Größter Brocken ist in der Regel die

Baufinanzierung. Je schneller der Baukredit

getilgt ist, desto mehr können Aussteigewillige

in die Altersvorsorge stecken.

Schulden sind allerdings nicht das einzige

Risiko fürs Ersparte. Meist ist der Anleger

selbst die größte Gefahr. „Oft fehlt es an

Disziplin und der richtigen Strategie“, sagt

Andreas Zittlau, Chef des Bonner Vermögensverwalters

Privacon. Häufig sei das Ersparte

unzureichend über die Vermögensklassen

Anleihen, Aktien, Gold oder Tagesgeld

gestreut. Zudem ließen sich die Anleger

zu stark von kurzfristigen Trends beeinflussen

und schichteten zu oft um.

ANLAGEREGELN EINHALTEN

Zittlau rät Sparern, sich ein klares Regelwerk

zu geben und dieses bis zur ersten

Rente durchzuhalten: „Das ist langweilig,

wie der Farbe beim Trocknen zuzusehen,

aber es hilft.“ Anleger sollten sich zunächst

klar darüber werden, wie viel Risiko sie in

Kauf nehmen wollen:

n Totalverlust ausschließen. Kapitalanlagen,

bei denen ein Verlust der kompletten

Ersparnisse möglich ist, haben in einem

Altersvorsorge-Portfolio nichts zu suchen.

Dazu gehören geschlossene Beteiligungen,

riskante Nebenwerte sowie Währungsoder

Rohstoffwetten.

n Maximalen Verlust begrenzen. Selbst

Qualitätsaktien aus dem Dax oder Euro

Stoxx können sich mehr als halbieren. Je

höher der Aktienanteil im Depot ist, desto

größer der mögliche maximale Verlust. Das

Risiko von Einzelwerten lässt sich durch

Indexfonds (ETF) mindern.

n Volatilität akzeptieren. Verluste zu begrenzen

heißt aber nicht, auf Aktien zu verzichten.

Über 20 Jahre relativieren sich die

Schwankungen, weil frühere Verluste aufgeholt

werden können. Hätte ein Anleger

im November 1993 in den Dax investiert,

wäre er heute mit 345 Prozent im Plus.

Wäre er bereits 2003, also zehn Jahre früher

ausgestiegen, hätte er mit 80 Prozent plus

einen deutlich kleineren Wertzuwachs erzielt.

„Viele Anleger werfen zu schnell die

Flinte ins Korn, wenn der Dax mal 1000

Punkte verliert“, sagt Zittlau.

Wer weiß, wie viel Risiko er akzeptiert,

kann sich auf die Suche nach den passenden

Finanzprodukten machen.

RENTENPOLICEN SIND TEUER

Der bequemste Weg wäre, einfach eine private

Rentenversicherung abzuschließen

und zu hoffen, dass der Versicherer seine

Versprechen einhalten wird. Jahr für Jahr

fließt Geld in den Anlagetopf des Versicherers,

später fließt das Ersparte mit Zinsen

als Rente zurück.

Angesichts der aktuell mickrigen Zinsen

ist der Abschluss einer Rentenpolice allerdings

keine gute Idee. Die Lebensversicherer

investieren vor allem in Zinspapiere,

die kaum etwas hergeben: Zehnjährige

Bundesanleihen etwa kommen gerade

»

ILLUSTRATION: CARLO GIAMBARRESI

104 Nr. 46 11.11.2013 WirtschaftsWoche

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