Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

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Geld&Börse | Barron’s

Das Potenzial heben

AKTIEN | Hedgefondsmanager sammeln für Kinder in Not –

die Spender bekommen dafür ein paar Börsentipps.

In Chicago stieg Ende Oktober die jährliche

Wohltätigkeitsgala „Invest For

Kids“, bei der unter Amerikas Reichen

für Kinder in Not gesammelt wird. Dabei

rühren Manager einer Zunft die Spendentrommel,

die sonst nicht unbedingt mit

Altruismus und sozialem Engagement in

Verbindung gebracht wird. Hedgefondsmanager

wie Nelson Peltz von Trian Fund,

Marc Lasry von Avenue Capital und Mark

Kingdon sammelten unter den 1000 Teilnehmern

mehr als eine Million Dollar ein;

die Spenden kommen lokalen Wohltätigkeitsorganisationen

zugute.

Zeitgleich organisierten Hedgefonds

auch in London eine Charity-Veranstaltung.

Die „Sohn London Investment“ sammelt

für die Krebshilfe. 400 Teilnehmer bezahlten

je 1000 Pfund. Unter den Sprechern:

John Armitage von Egerton Capital,

Masroor Siddiqui von Naya Management

und Julian Sinclair von Talisman.

Die prominenten Spendensammler gaben

bereitwillig Anlagetipps (siehe Tabelle).

Zwar ist grundsätzlich Skepsis angebracht,

wenn Hedgefondsmanager Aktientipps

unters Volk bringen; meist dürften sie

selbst die Papiere schon besitzen oder gar

bald aussteigen. Wer macht sich schon vor

dem eigenen Einstieg durch Mundpropaganda

die Kaufkurse kaputt?

Doch 2012 fuhren Anleger nicht

schlecht, die die Tipps der Hedgefondsprominenz

auf den beiden jährlichen

Spendengalas in die Tat umsetzten: Sie liegen

heute im Schnitt um 61 Prozent vorn;

das übertrifft die Wertentwicklung des US-

Aktienindex S&P 500 im gleichen Zeitraum

um mehr als das Doppelte.

Was empfehlen die sozial engagierten

Geldprofis heute? Der aktivistische Hedgefondsmanager

Nelson Peltz von Trian verkündete,

er werde sich Mondelez vornehmen.

Der Lebensmittelkonzern, 2012 von

Kraft Foods abgespalten, sei „schlecht geführt“,

sagte Peltz, das Kurspotenzial werde

nicht gehoben. Mondelez habe „großartige

Marken“ wie Oreo Kekse oder Cadbury

Schokolade und eine starke Präsenz in

Schwellenländern. Der Konzern leide aber

unter zu hohen Kosten, so Peltz. Sowohl im

Vertrieb als auch in der Verwaltung sei das

der Fall, ebenso sei zu viel Kapital im Einsatz.

Daher erziele das Unternehmen nur

eine operative Marge von zwölf Prozent.

Die Favoriten der

Fonds liegen nach

einem Jahr gut 61

Prozent im Plus

Schon durch „relativ geringe Veränderungen“

ließe die sich auf 18 Prozent steigern,

meint Peltz. Einigen Mitgliedern des

Verwaltungsrats habe er seine Erkenntnisse

bereits mitgeteilt, ein „massiverer Angriff“

stehe bevor. Nach Ansicht von Peltz

könnte Mondelez den Gewinn je Aktie bis

2015 verdoppeln. Er will sich sogar für einen

neuen Namen stark machen, denn der

alte klinge nach Medizin.

Marc Lasry von Avenue Capital sieht Potenzial

in den Anleihen der US-Kaufhauskette

J.C. Penney. Er glaubt nicht an die Gefahr

eines Konkurses. Auch nicht nach den

desaströsen Umstrukturierungsversuchen

durch Kurzzeit-CEO Ron Johnson, der zuvor

den Einzelhandelsbereich von Apple

geleitet hatte. Dank einer Kapitalerhöhung

über 800 Millionen Dollar im September

verfüge Penney über genügend Barmittel,

um den Kopf bis 2015 über Wasser zu halten,

dann sei wieder mit der Rückkehr in

die Gewinnzone zu rechnen. Das neue Management

greift auf bewährte Erfolgsrezepte

wie Rabattmarken, Rabattaktionen

und günstige Eigenmarken zurück. In zwei

Jahren könnte die Penney-Anleihe, die

noch zehn Jahre lang läuft und derzeit zu

69 Cent je Dollar gehandelt wird, wieder

bei 100 Cent notieren und den Anlegern

fünf bis sechs Prozent Jahresrendite plus 30

Prozent Kursanstieg bringen.

NEUER ÜBERFLIEGER?

Mark Kingdon empfiehlt Boeing. Der Flugzeugbauer

profitiere vom höchsten Auftragsbestand

seit mehr als acht Jahren und

der Zunahme von Flugreisen in Asien. Gewinn-Katalysator

sei der 787 Dreamliner,

„das erste Flugzeug seit den Sechzigerjahren,

das von Grund auf neu konstruiert

wurde“. Die Vorteile des zuletzt pannengeplagten

Dreamliners: 30 Prozent geringere

Betriebskosten und 20 Prozent Treibstoffeinsparung.

Dadurch könne sich das Flugzeug

für Fluglinien in weniger als drei Jahren

amortisieren. Dank massiver Aktienrückkäufe,

steigender Produktionszahlen

und positiver Lerneffekte hat Boeing einen

rasch steigenden Cash-Flow, der Kurs der

Aktie könne von derzeit 130 Dollar bis 2015

auf 170 Dollar steigen, hofft Kingdon.

Dinakar Singh von TPG-Axon Capital

sieht in der Aktie des japanischen Industrieausrüsters

Hitachi Potenzial. Ihm gefällt

das Management, das die Umstrukturierung

vorantreibt: Das Geschäft mit privaten

Endkunden wird ausgegliedert, die

Verschuldung abgebaut, und Kostenreduzierungen

werden auf den Weg gebracht.

ILLUSTRATION: TOM MACKINGER

112 Nr. 46 11.11.13 WirtschaftsWoche

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