Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

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Die Hitachi-Aktie verdiene das gleiche

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16 bis

18 wie die Vergleichsunternehmen Emerson

Electronic und Philips, notiere aber

derzeit bei mageren zwölf.

Steve Kuhn, Spezialist für notleidende

Kredite bei Pine River Capital Management,

sagt, er sei beim Aktienteam seines

Unternehmens „auf einen echten Knüller

gestoßen“, nämlich die börsennotierte Private-Equity-Gesellschaft

American Capital.

Als Risikokapitalgeber investiert American

Capital in Schuldpapiere und Eigenkapital

von kleinen und mittelständischen

Unternehmen. Ähnlich wie die ebenfalls

börsennotierten Reits (Immobilien-Aktiengesellschaften)

ist American Capital in

den USA von der Besteuerung eigener Gewinne

befreit, wenn es jedes Jahr 90 Prozent

davon an die Investoren ausschüttet.

American Capital wurde von der Finanzkrise

von 2008 arg in Mitleidenschaft gezogen.

Seither kann das Unternehmen in großem

Stil steuerliche Verlustvorträge geltend

machen. Anstatt aus den laufenden Erträgen

Dividenden auszuschütten, nutzt es die

Erträge für umfangreiche Rückkäufe der

weit unter Buchwert notierenden Aktie.

Kuhn zufolge ist American Capital mit dieser

Strategie bei den meisten Investoren in

Ungnade gefallen, dabei sei sie „wirtschaftlich

absolut sinnvoll“. Kuhn glaubt, die Aktie

könne ihren Wert in drei Jahren verdoppeln.

Danach ist es vorbei mit den Steuervorteilen,

und American Capital werde wieder

Dividenden auf die dann stark reduzierte

Anzahl von Aktien ausschütten.

In London lag ein Schwerpunkt der

Empfehlungen auf Luxusmarken und Finanzdienstleistern.

Scharfe Konfrontationen

wie im Vorjahr blieben aus. Damals

hatte Muddy-Waters-Gründer und Leerverkaufsspezialist

Carson Block einen heftigen

Disput über die Bilanzierungsmethoden

und die Verschuldung des Agrarhändlers

Olem International losgetreten. Mit

unverblümten Verkaufsempfehlungen

hielten sich Manager dieses Jahr weitgehend

zurück, einzig Masroor Siddiqui von

Naya Management gab eine: Der französische

Brillenoptiker Essilor werde von verschärftem

Preiswettbewerb bedroht.

Zugreifen sollte man nach Ansicht von

Siddiqui hingegen bei Salvatore Ferragamo.

Die Aussichten des italienischen

Schuhherstellers bezeichnet er als glänzend.

Zwar habe die Aktie 2013 bereits 50

Prozent zugelegt und erscheine mit einem

KGV von 24 auf Basis des für 2014 erwarteten

Gewinns teuer. Zum Vergleich: Die Aktien

von Gucci-Eigentümer Kering

und LVMH notieren bei 15

beziehungsweise 18 Jahresgewinnen.

Der springende Punkt

sei jedoch die Gewinnmarge, die

bei Ferragamo von 20 Prozent

im Vorjahr auf 28 Prozent im

Jahr 2015 steigen könnte. Und

das, sagt Siddiqui, sei „nicht einmal

eine besonders optimistische

Prognose“. Das Unternehmen

könne dieses Ziel allein durch Kostensenkungen

und marginale Verbesserungen

einiger Geschäftsprozesse erreichen. Bis

2015 könne der Kurs der Ferragamo-Aktie

auf 35 Dollar (rund 47 Euro) klettern, also

um nahezu 40 Prozent, so Siddiqui.

Julian Sinclair von Talisman Global Asset

Management bezeichnet die indische Tata

Motors, zu der inzwischen die britischen

Luxushersteller Jaguar und Land Rover gehören,

als den „vierten deutschen Autohersteller“

neben Volkswagen, BMW und

Daimler. Tata baue in England „gute und

schöne Autos, für die die Leute gerne viel

Geld ausgeben“ sagte er, „genauso wie für

die deutschen Autos“.

Bei Tata erreichen die Investitionen in

diesem Jahr einen Höhepunkt, was Gewinn

und Cash-Flow etwas schwächer ausfallen

lässt. In den nächsten beiden Jahren

ist nach Ansicht von Sinclair aber dann mit

Tipps vom Profi

Was elf bekannte Hedgefondsmanager

jetzt empfehlen

Hedgefonds/

Fondsmanager

Trian/

Nelson Peltz

Avenue/

Marc Lasry

Kingdon/

Mark Kingdon

TPG-Axon/

Dinakar Singh

Pine River/

Steve Kuhn

Talisman/

Julian Sinclair

Pelham Capital/

Ross Turner

Naya/ Masroor

Siddiqui

Egerton/

John Armitage

Children's Fund/

Chris Hohn

AKO/

Nicolai Tangen

Empfehlung

Aktie/Branche

Mondelez/

Nahrungsm.

J.C. Penney/

Handel 2

Boeing/

Flugzeugbau

Hitachi/-

Elektronik

Am. Capital/

Beteiligungen

Tata Motors/

Automobil

DCC/

Energie

S. Ferragamo/

Schuhe

Nordea/

Bank

Aurozin H./

Eisenbahn

Experian/

Kreditanalyse

ISIN

US6092071058

US708160BE56

US0970231058

JP3788600009

US02503Y1038

US8765685024

IE0002424939

IT0004712375

SE0000427361

AU000000AZJ1

GB00B19NLV48

1 in Euro; 2 Unternehmensanleihe, Kurs in Prozent;

Quelle: Barron’s, Bloomberg

Die beste

Geschichte aus

der aktuellen

Ausgabe von

dem führenden

amerikanischen

Magazin für

Geldanleger.

Kurs 1

24,78

69,92

99,20

5,07

10,49

23,74

32,82

24,72

9,18

3,25

15,11

kräftigem Umsatzwachstum zu

rechnen. Jaguar und Land Rover

seien „starke Luxusmarken mit

hohem Preisgestaltungs- und

folglich Margenpotenzial“. Der

Gewinn je Aktie soll Prognosen

zufolge von 2,88 Dollar im Jahr

2013 auf 3,19 Dollar 2014 und 3,78

Dollar 2015 steigen. Zurzeit liegt

die Marktkapitalisierung von Tata

bei 19 Milliarden Dollar, könnte

aber laut Sinclair in ein paar Jahren leicht

um 50 Prozent auf 30 Milliarden Dollar

steigen. Chris Hohn, Chef von TCI, der

2005 das Management der Deutschen Börse

zum Rücktritt zwang, kauft Aurizon, eine

australische Eisenbahngesellschaft, die vor

allem Erze transportiert. Das Kostensenkungspotenzial

sei dort „riesig“, so Hohn.

SOLIDE FINANZDIENSTLEISTER

Laut John Armitage von Egerton Capital

wird die schwedische Bank Nordea in den

nächsten Jahren solide Gewinne erwirtschaften

und bereits ab 2015 mehr als 65

Prozent davon an ihre Aktionäre ausschütten.

Die Aktie notiert derzeit bei 9,18 Euro,

der Börsenwert liegt bei 38 Milliarden Euro.

Armitage glaubt, die Aktie könnte bis

Ende 2015 durch Kursgewinne und Dividenden

50 Prozent Gewinn abwerfen.

Nordea ist in allen nordischen Ländern die

Nummer eins oder zwei im Markt. Die

Bank wird konservativ geführt, hat eine gute

Kapitalausstattung, geringe Refinanzierungskosten,

eine niedrige Kreditausfallquote

und will die Kosten bis 2015 stabil

halten. Die Eigenkapitalrendite lag seit

2007 in jedem Jahr bei mehr als elf Prozent.

Nicolai Tangen von AKO Capital mag Experian.

Derzeit notiert die Aktie bei rund 20

Dollar. Experian sei „viel mehr als nur eine

Kreditauskunftei“, nämlich ein rasch wachsender

Anbieter von Finanzinformationen

und Dienstleistungen. Herausragend seien

„starke Marktstellung, solide Bilanz und

steigende Gewinnmargen“. Geografisch

und nach Kundensegmenten gut diversifiziert,

habe Experian „Potenzial für weitere

Expansionsschritte“ und tätige auffallend

„sinnvolle Zukäufe“. Experian könne Aktionären

in den nächsten drei Jahren „leicht

drei Milliarden Dollar zurückzahlen“,

meint Tangen – in Form von Dividenden

und/oder Aktienrückkäufen. „Wir glauben,

dass das Unternehmen seine Ausschüttungen

locker um 15 bis 20 Prozent anheben

kann“, meint Tangen. Das dürfte dann auch

den Kurs der Aktie klettern lassen. n

jonathan r. laing, jonathan buck | geld@wiwo.de

WirtschaftsWoche 11.11.2013 Nr. 46 113

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