Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

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Geld&Börse | Geldwoche

ZERTIFIKATE Rohstoffaktien

Mehr Kohle mit Stahl,

Erz und Kupfer

ANLEIHE EWE

Günstiger

Wechsel

Förderung hoch Australische

Kupfermine von Rio Tinto

Glencore Xstrata weitet seine

Produktion aus. Um sechs

Prozent erhöhte der Schweizer

Rohstoffkonzern in diesem

Jahr die Förderung von Kohle,

um 23 Prozent kletterte die

Kupferproduktion. Bei Nahrungsmitteln

sind es bisher 22

Prozent mehr. Lebhafte Erzkäufe

chinesischer Stahlkocher,

die ihrerseits von einer

allgemeinen wirtschaftlichen

Belebung profitieren, lassen

den Absatz der britisch-australischen

Minenkonzerne

BHP Billiton und Rio Tinto

steigen. Die schrauben nun

ihre Produktionsziele hoch.

BHP will in den nächsten

zwölf Monaten zwei bis drei

Prozent mehr Erz fördern.

Damit auch die Gewinne

der Unternehmen steigen,

müssen die Rohstoffpreise

stimmen. Und hier gibt es erste

Stabilisierungen: Kupfer profitiert

von hohen Importen der

Chinesen und dem Abbau von

Lagerbeständen an der Londoner

Metallbörse; bei Aluminium

könnten die Notierungen

durch die teure Produktion

getrieben werden. Die Preise

für Erz und Kohle dürften die

Nachfrage der weltweiten Stahlindustrie

beflügeln. Deren Produktionsvolumen

stieg in diesem

Jahr bisher um knapp drei

Prozent.

Jetzt schon von einem breiten

Rohstoffboom zu reden, ist angesichts

schwächerer Ölpreise

zu früh. Dennoch haben die

Rohstoffkonzerne nach dem

Gewinnrückgang des vergangenen

Jahres nun die Chance auf

eine Wende. Um zehn Prozent,

so die Schätzungen, könnten

die Unternehmen des europäischen

Rohstoffindex Stoxx Europe

Basic Resources ihre Gewinne

in diesem Jahr erhöhen,

um 13 Prozent im nächsten

Jahr. Mit Zertifikaten auf diesen

Index können risikofreudige

Anleger auf die Renaissance der

Rohstoffaktien setzen.

Minen für Mutige

Zertifikate für einen Anstieg europäischer Rohstoffaktien

Kurs (Euro)

Stoppkurs (Euro)

Funktion

Kauf-Verkaufs-

Spanne

Emittentin

(Ausfallprämie)

ISIN

Chance/Risiko

Quelle: Thomson Reuters

Indexzertifikat für Anleger

78,11

66,39

Steigt und fällt wie der Branchenindex

Stoxx Europe Basic

Resources Net Return (aktuell

784 Punkte), Dividenden eingerechnet

(derzeit 3 Prozent pro

Jahr); keine Laufzeitgrenze

1,0 Prozent

HypoVereinsbank (1,6 Prozent =

mittleres Ausfallrisiko)

DE000HV16EP2

6/5

Hebelzertifikat für Spekulanten

1,34

1,07

Steigt und fällt etwa dreimal so stark

wie der Stoxx Europe Basic Resources

Kursindex (aktuell 418 Punkte); keine

Laufzeitgrenze; Achtung: Sinkt der Index

auf oder unter den Basispreis (aktuell

294 Punkte), kommt es zum Totalverlust

0,7 Prozent

Commerzbank (1,4 Prozent =

mittleres Ausfallrisiko)

DE000CK4C409

10/9

Der Düsseldorfer Energiekonzern

E.On hat 33 Milliarden

Euro Schulden. Wenn er in

diesem Jahr vor Steuern, Zinsen,

Abschreibungen und

Amortisation (Ebitda) neun

Milliarden Euro verdient, läge

die Verschuldung beim 3,7-Fachen

des operativen Gewinns.

Das ist hoch – vor allem, wenn

man als Anleger nur 1,8 Prozent

Jahresrendite bekommt,

für Anleihen mit Laufzeit bis

2020 (XS0361244667). Doch

der Anbieter lässt sich wechseln.

EWE aus Oldenburg etwa

bietet bis 2020 gut 2,3 Prozent

Jahresrendite – und die

Finanzschulden der Niedersachsen

machen nur das

2,6-Fache des Ebitda aus.

Mit neun Milliarden Euro

Umsatz, die in diesem Jahr

möglich sind, ist EWE einer

der größten kommunalen

Versorger Deutschlands. 1929

gegründet, hat das Unternehmen

mit seinen Schwerpunkten

in der Region Ems-Weser-

Elbe derzeit im Stromgeschäft

1,4 Millionen Kunden, beim

Gas 1,6 Millionen und 650 000

in der Telekommunikation.

Dazu betreibt EWE 180 000

Kilometer an Strom- und Gasleitungen.

An diesem Netz beteiligen

sich gerade 64 Kommunen.

Das vertieft die

Verwurzelung in der Region:

EWE ist eine nicht börsennotierte

AG, hinter der zu 74 Prozent

Städte und Landkreise

aus Niedersachsen stehen. 26

Prozent gehören dem badenwürttembergischen

Energiekonzern

EnBW.

Die stabile Marktposition in

Niedersachsen, solide Einnahmen

aus dem laufenden

Geschäft sowie der wachsende

Anteil erneuerbarer Energien

bei der Stromproduktion

sind für die Ratingagentur

In der Region verwurzelt Fundament

für EWE-Weserkraftwerk

Moody’s Gründe, EWE-Anleihen

mit der Note Baa1 noch als

Investment einzustufen.

Allerdings – und deshalb gibt

Moody’s einen negativen Ausblick

– kann auch EWE sich

nicht vom schwierigen Energiemarkt

abkoppeln: Zum einen

kam es bei alternativen Energiequellen

zu Verzögerungen (etwa

beim EWE-Windpark Riffgat

in der Nordsee); zum anderen

fällt es EWE nicht leicht, die Beschaffungskosten

für Energie

auf die Kunden zu überwälzen.

2011 und 2012 hatten die Folgen

der Energiewende und

Rückzahlungen an Erdgaskunden

vorübergehend sogar zu

Verlusten geführt. 2013 hat sich

das Geschäft stabilisiert. Aus

der Atomkraft ist EWE ausgestiegen,

Gasfelder in der Nordsee

wurden verkauft, die Kosten

im Konzern gesenkt. Nach dem

bisher guten Jahresverlauf (169

Millionen Euro Nettogewinn im

ersten Halbjahr) sollten 2013

insgesamt mehr als 300 Millionen

Euro bleiben.

Den Strom, der nicht selbst

produziert wird, bezieht EWE

übrigens von E.On; allerdings,

wie Moody’s lobt, zu vergleichsweise

günstigen Bedingungen.

Kurs (%) 111,925

Kupon (%) 4,125

Rendite (%) 2,32

Laufzeit bis 4. November 2020

Währung

Euro

ISIN

XS0699330097

FOTOS: BLOOMBERG NEWS/CARLA GOTTGENS, PR

120 Redaktion: Geldwoche+Zertifikate: Frank Doll, Anton Riedl

Nr. 46 11.11.2013 WirtschaftsWoche

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