Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

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Perspektiven&Debatte

Liebe in Zeiten der Krise

Eine Frau, ein Mann und ein Land im Ausnahmezustand. Die anfangs idyllischen

Bilder einer jungen Liebe in Athen weichen in Papakaliatis’ Kinofilm „An“

einer Realität, in der es um Geld und enttäuschtes Vertrauen geht. Eine Studie

über die Zufälligkeit des Lebens in einer Zeit ohne Gewissheit.

Nachhilfe in Comic-Form

Der Katalane Aleix Saló zeigt, wie

der Euro ganze Länder gegeneinander

aufbringt. „Ich mache Kompliziertes

einfach“, sagt er – und

zeichnet ein „wütendes Deutschland“.

Sein neuer Comic-Band heißt

„Euro-Alptraum – jemand hat den

Mittelstand verzehrt“

Goldenes Zeitalter

EURO-KRISE | Die Krise hat das Leben in Griechenland, Spanien und Irland von Grund

auf verändert. Künstlern verhilft das zu großen Themen – und neuem Publikum.

Mit wenigen Strichen bringt

Comic-Zeichner Aleix Saló

die Dinge auf den Punkt.

Im Video zu seinem Band

„Españistan“ erklärt er das

Platzen der spanischen Immobilienblase

so prägnant, dass Professoren den knapp

sieben Minuten langen Zeichentrickfilm

gerne in ihren Vorlesungen zeigen, um Studenten

die größte Wirtschaftskrise Spaniens

seit dem Zweiten Weltkrieg zu erklären.

Auf YouTube erzielte der Clip in einer

Woche zwei Millionen Klicks.

Mit wenigen Schnitten fängt Regisseur

Christopher Papakaliatis die Höhen und

Tiefen des Alltags in Athen ein. In seinem

Erstling „An“ („Wenn“) tanzt ein verliebtes

Paar vor der malerisch beleuchteten Akropolis.

Als sich die beiden später leidenschaftlich

in die Arme fallen, rückt im Hintergrund

die Polizei zum Großeinsatz gegen

Demonstranten an. Unter dem englischen

Titel „What if...“ steht der griechische

Kassenschlager in der diesjährigen Vorauswahl

für die Golden Globes.

ENTLARVENDE KOMIK

Mit wenigen Worten zockt der Komiker

Barry Murphy sein Gegenüber ab. „Könnte

ich zehn Euro haben?“, fragt der Ire in seiner

Paraderolle als Professor Doktor Günther

Gruhn, Volkswirt der Europäischen

Zentralbank, einen Zuschauer in Dublin.

Der zückt prompt die Brieftasche und

überreicht den Schein. „It’s that easy“, triumphiert

Murphy mit deutschem Akzent.

Das Publikum tobt. Barry Murphy, der seinen

Landsleuten gerne den Spiegel vorhält

und entlarvt, wie Irland jahrelang umgekehrt

Europa gegenüber die Hand aufgehalten

hat, ist einer der beliebtesten Komiker

im Lande.

Die Euro-Krise, die vor vier Jahren in

Griechenland ihren Anfang nahm, hat das

Leben der Menschen in den betroffenen

Ländern grundlegend verändert. Sicherheit

gibt es nur noch für eine kleine, privilegierte

Schicht. Angst vor Arbeitslosigkeit

und Abstieg prägt selbst diejenigen, die

noch einen Job haben und von Armut nicht

direkt betroffen sind.

Comic-Zeichner Saló, Regisseur Papakaliatis

und Komiker Murphy sind drei von

vielen Künstlern, die die Umbrüche in ihren

Ländern einfangen, während Ökonomen

den wirtschaftlichen Abstieg noch mit

Zahlen beschreiben. Allein in Griechenland

sank der Lebensstandard seit 2008 im

Durchschnitt um 40 Prozent. Seit 2011 ist

das verfügbare Einkommen pro Kopf nied-

FOTOS: CHRISTOPHER PAPAKALIATIS, ELLE DRIVER/MISS VIOLENCE, BARRY MURPHY; CARTOON: ALEIX SALÓ

124 Nr. 46 11.11.2013 WirtschaftsWoche

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