Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

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Politik&Weltwirtschaft

Neues Deutschland

ZUWANDERUNG | Die meisten Hürden für Arbeitsmigranten sind gefallen, aber der

Arbeitsmarkt verlangt noch deutlich mehr internationale Mobilität.

ABGEBLOCKT:

FLÜCHTLINGE

Wer vor Armut flieht,

hat in Deutschland

kaum eine Chance. Die

Politik fürchtet die

Zuwanderung ins Sozialsystem,

bietet aber

kaum andere Lösungen

ANGELOCKT:

FACHKRAFT

Als Krankenschwester

hatte Bulgarin Snezha

R. keine Probleme,

einen Job zu finden.

Deutschland braucht

dringend qualifizierte

Arbeitskräfte aus dem

Ausland

Wenn in Düsseldorfer Straßenbahnen

zur Hauptverkehrszeit

ein Sitzplatz frei

ist, sitzt auf dem Platz daneben

schon mal ein

schwarzer Mann, den viele Leute offenbar

nicht zum Nachbarn haben wollen. Zum

Beispiel Herr Ahmad Ibrahim, graues,

streng gescheiteltes Haar, gekleidet wie aus

dem Ein-Euro-Shop, vor sich zwei Plastiktüten

vom Discounter, ein Gesicht, das nur

noch aus Falten zu bestehen scheint. Wer

sich dann doch neben ihn setzt und ihn anspricht,

erfährt schnell, dass Ibrahim seit

23 Jahren in Deutschland lebt. 20 Jahre davon

hat er in großen Hotels gearbeitet,

„Mädchen für alles“, er lacht selber über

den seltsamen Ausdruck, „nie Sozialhilfe“.

Aus Somalia waren seine Frau und er damals

gekommen, als Asyl noch nicht so ein

Problem war. „Jetzt Rente, aber meine Frau

noch arbeitet: Putzstelle.“ Das schwierige

Wort kommt nur mit Mühe über die Lippen

des Migranten, und noch viel schwerer fällt

es ihm, von seinen Gefühlen angesichts der

Fernsehbilder seiner unglücklichen Landsleute

auf Lampedusa zu sprechen. Wa-

»

FOTOS: FRANK BEER FÜR WIRTSCHAFTSWOCHE, DAVIDS/PRITZKULEIT

28 Nr. 46 11.11.2013 WirtschaftsWoche

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