Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

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Unternehmen&Märkte

»Instrument der Vertreibung«

INTERVIEW | Reinhard Ploss Der Chef des Technologiekonzerns Infineon fordert eine niedrigere Ökostromumlage,

den Ausbau der staatlichen Forschungsförderung und Subventionen für Elektroautos.

Herr Ploss, als Sie vor einem Jahr den

Vorstandsvorsitz übernahmen, haben Sie

angekündigt, den Konzernumsatz von

zuletzt knapp vier Milliarden auf fünf

Milliarden Euro zu steigern. Wann wollen

Sie das Ziel erreichen?

Ob das nun 2015 oder 2016 sein wird, ist

nicht so wichtig. Wichtig für mich ist, dass

DER CHIPMEISTER

Ploss, 57, ist seit Oktober

2012 Vorstandsvorsitzender

bei Infineon, dem

Halbleiterhersteller in

München. Der Ingenieur

aus dem fränkischen

Bamberg kam 1986 zum

Unternehmen, das

damals noch zu Siemens

gehörte.

Infineon profitabel wächst. Über den Konjunkturzyklus

hinweg wollen wir eine Marge

von 15 Prozent erreichen. Dabei bleibt es.

In Berlin laufen die Koalitionsverhandlungen.

Was wünschen Sie sich von der

künftigen Bundesregierung?

Meine größte Hoffnung ist, dass die Bedingungen

für Forschung und Entwicklung in

Deutschland verbessert werden. Die Fähigkeit

zu technologischen Entwicklungen

hierzulande muss dringend gestärkt werden.

Ansonsten können wir im globalen

Wettbewerb nicht bestehen.

Bei der Forschung steht Deutschland

doch gar nicht so schlecht da.

Die Grundlagen für den Erfolg von heute

sind gestern gelegt worden. Um aber auch

morgen noch erfolgreich zu sein, müssen

wir deutlich mehr tun. Länder wie Südkorea

investieren erheblich größere Summen

in die Forschung. Die Welt differenziert

sich nicht um das Thema Produktion, sondern

um die Themen Wissen und Kompetenz.

Dort müssen wir investieren.

Zwischen 2005 und 2011 sind die öffentlichen

Forschungsausgaben in Deutschland

um 35 Prozent gestiegen. Reicht das

nicht?

Bei der Schulbildung ist seit den Pisa-Tests

viel passiert, aber es reicht noch nicht. Wir

brauchen viel mehr Hochschulabsolventen

in mathematisch-naturwissenschaftlichen

Fächern. Es ist wichtig, die jungen

Menschen hierfür stärker zu begeistern.

Und wenn wir selbst nicht genug junge

Leute haben, müssen wir attraktiv für Ausländer

sein. Deutschland muss sich beim

Wissen von der Konkurrenz abheben. Um

das zu erreichen, müssen wir mehr tun,

auch bei der öffentlichen Förderung.

Was müsste stärker gefördert werden?

Ich finde beispielsweise hoch spannend,

was sich rund um Berlin in der Softwareindustrie

tut. Deutschland hat auch großes

Potenzial im gesamten Bereich Information,

Kommunikation und Telekom.

Gerade bei mobiler Datenkommunikation

und IT-Sicherheit könnte man ansetzen.

Werden die deutschen Ingenieure dazu

richtig ausgebildet?

Ich wünsche mir, dass die Leute stärker zu

Generalisten ausgebildet werden. Wir

brauchen Absolventen, die die Einzeltechniken,

bei denen wir sehr gut sind, orchestrieren

können und die Komplexität beherrschen.

Hat die Technologieförderung durch die

negativen Erfahrungen mit der Energiewende

nicht ihre Legitimation verloren?

»

FOTO: DIETER MAYR FÜR WIRTSCHAFTSWOCHE

54 Nr. 46 11.11.2013 WirtschaftsWoche

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