Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

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Unternehmen&Märkte

Grundsätzlich nicht. Zunächst bestand Einigkeit

darüber, dass es eine Anschubfinanzierung

braucht. Dieser Anschub ist

aber inzwischen so groß geworden, dass er

sich nur noch selbst schiebt. Die Förderung

ist nicht mehr zielorientiert. Es ist

richtig, den Markt zu unterstützen, aber

dazu müsste es erst mal einen richtigen

Markt geben...

...also die Umlage für Strom aus erneuerbaren

Quellen heruntergefahren werden?

Ja, die sollte weiter reduziert werden. Dazu

gehört aber auch, dass das Geld effektiver

eingesetzt wird.

Wie stark belastet der hohe Strompreis

Ihr Unternehmen?

Er tut zunehmend weh. Das Problem ist,

dass Infineon die steigenden Energiepreise

nicht ohne Weiteres an seine Kunden weitergeben

kann. Deshalb steht das Unternehmen

unter ständigem Druck, die Produktivität

steigern zu müssen. Bei unseren

Investitionsplanungen sind die Prognosen

der Bundesregierung zum Strompreis ein

entscheidendes Kriterium. Die hohen

Energiepreise werden allmählich zu einem

Instrument zur Vertreibung von Unternehmen.

Als großes Unternehmen kommen Sie

doch in den Genuss von Ausnahmen.

Nein, Infineon ist davon ausgenommen,

weil das Unternehmen im Sinne der Regelungen

nicht energieintensiv ist.

Ein anderes umstrittenes Feld der staatlichen

Technologieförderung ist die

Elektromobilität. Was halten Sie von den

Vorgaben der Bundesregierung, dass in

Deutschland 2020 eine Million stromgetriebene

Autos unterwegs sein sollen?

Das lässt sich mit Sicherheit nicht verordnen.

Ich sehe drei Strömungen: Der Verbrennungsmotor

wird noch lange Zeit den

Markt dominieren. Allerdings wird er deutlich

weiterentwickelt werden und viel weniger

Kohlendioxid ausstoßen. Außerdem

glaube ich, dass Carsharing-Modelle, und

hier vor allem Autos mit Elektroantrieben,

populär werden. Die Jugend will Mobilität,

muss aber nicht mehr unbedingt ein eigenes

Auto haben. Als Drittes werden Privatkunden

vermehrt Fahrzeuge mit Hybridantrieb,

also einer Kombination aus Elektro-

und Verbrennungsmotor, kaufen. Reine

Elektroautos kommen in großen Stückzahlen

erst später.

Was bedeutet es für Infineon, wenn sich

Hybrid- und Elektrofahrzeuge mehr und

mehr durchsetzen?

Wir würden profitieren. In einem Auto mit

Verbrennungsmotor stecken künftig im

»Ich bin recht optimistisch.

Wir sehen vor

allem positive Impulse

aus den USA«

Schnitt Halbleiter im Wert von rund 350

Dollar. Bei einem Hybrid- oder Elektrofahrzeug

wären es rund 700 Dollar.

Liegt der Schlüssel zum Erfolg beim Elektroantrieb

in der Entwicklung ganz neuer

Aktien-Info Infineon

ISINDE0006231004

160

140

120

100

80

60

STMicroelectronics

Umsatz (inMio.€)

Umsatz in Deutschland(in Mio.€)

Gewinn n. Steuern(in Mio.€)

Umsatzrenditen.Steuern(in %)

Eigenkapitalrendite (in%)

Mitarbeiter

Kurs 07.11.2013 (in€)

KGV

Börsenwert07.11.2013(in Mio.€)

Quelle:FactSet, Unternehmensangaben

Index: 2Jahre=100

Infineon

2012 2013

ST Microelectronics²

Infineon¹

3904

908

427

10,9

12,3

26 210*

7,18

18,0

7760

6609

k.A.

–901

–13,8

–17,7

48 460**

5,76

21,2

5234

¹ Geschäftsjahr zum 30.09.2012; ² Geschäftsjahr zum 31.12.

2012 * 30.06.2013; ** 31.12.2012

Chance

Risiko

Niedrig

Hoch

Trotz großer Kursgewinne in den vergangenen

Monaten hat die Infineon-Aktie noch Luft nach oben,

weil wichtige Abnehmer wie die Autobauer und die

sonstige Industrie zumindest in Europa ihren

Tiefpunkt überwunden zu haben scheinen.

Fahrzeuge wie dem BMW i3, oder reicht

es, vorhandene Modelle umzurüsten, wie

VW dies bevorzugt?

Um bei den Kosten konkurrenzfähig zu

sein, muss man mit einem leeren Blatt Papier

anfangen. Sie müssen um den neuen

Antrieb herum auch eine neue Architektur

schaffen. Bestehende Modelle mit einem

Hybrid- oder Elektroantrieb auszustatten

ist nur eine Übergangslösung.

Fordern Sie für die Elektromobilität eine

direkte öffentliche Anschubfinanzierung

wie bei der Energiewende?

Die Elektromobilität muss erst über die

Schlucht der Adaption gehievt werden. Wir

brauchen aber keine neue Abwrackprämie

oder ein weiteres Erneuerbare-Energien-

Gesetz. Ich kann mir ein limitiertes und

sehr übersichtliches Anschubszenario vorstellen.

Dem Privatverbraucher, der ein

E-Auto fährt, könnte die Mehrwertsteuer

beim Strom erlassen werden. Ein so befristeter

Steuervorteil hat zum Beispiel dem

Katalysator zum Durchbruch verholfen.

Fürchten Sie, dass Schwellenländer wie

China uns bei Forschung und Innovation

bald abhängen?

Chinas Regierung weiß genau, dass das

Land nur eine Zukunft hat, wenn es sich

von der Billigproduktion verabschiedet

und auf höhere Wertschöpfung setzt. Und

das scheint ja zu funktionieren. Der Technologiekonzern

Huawei aus China ist bei

Innovationen inzwischen ein Schwergewicht,

der Hausgerätehersteller Haier

ebenso. Südkorea hat doch schon vor Jahrzehnten

gezeigt, dass es möglich ist, mit

Zielvorgaben von oben eine Technologiemacht

zu formen.

Vor einem Jahr haben Sie Ihrem Unternehmen

ein Sparpaket verordnet,

inzwischen scheint das Geschäft wieder

zu brummen. Wie geht es nun weiter?

Vor einem Jahr haben wir gesagt, dass es

schwierig werden wird. Wir haben aber

gleichzeitig gesagt, dass es in der zweiten

Hälfte des Geschäftsjahres, also von April

bis September, wieder besser laufen würde.

Heute kann Infineon sagen, dass es zunächst

schwieriger als befürchtet war und

die zweite Hälfte des Geschäftsjahres besser

als erwartet gelaufen ist. Das Unternehmen

liegt im Rahmen der Erwartungen.

Wenn ich mir die aktuellen Wirtschaftsdaten,

vor allem auch die Zahlen aus der Autoindustrie

ansehe, die für unser Geschäft

sehr wichtig ist, bin ich sogar recht optimistisch.

Wir sehen vor allem positive Impulse

aus den USA.

n

matthias.kamp@wiwo.de | München

FOTO: DIETER MAYR FÜR WIRTSCHAFTSWOCHE

56 Nr. 46 11.11.2013 WirtschaftsWoche

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