Wirtschaftswoche Ausgabe vom 2013-11-11 (Vorschau)

1230296.3mk4k

Menschen der Wirtschaft

Von der Tea Party ausgebremst

US-Präsident Obama

FREIHANDELSZONE

Amerikaner blocken ab

Ein Freihandelsabkommen zwischen der

EU und den USA wird es in absehbarer

Zeit nicht geben. Zu hoch sind die Hürden

in den Vereinigten Staaten.

Nicht die Abhöraffäre des amerikanischen Geheimdienstes

NSA droht die Verhandlungen über

ein europäisch-amerikanisches Freihandelsabkommen

zu verzögern. Als Zauderer entpuppt sich

jetzt die US-Regierung. Insider in Washington haben

den Glauben an ein Abkommen in absehbarer

Zeit verloren. „Unter Obama wird das nichts mehr“,

sagt Matthew Goodman, der in der ersten Amtszeit

von US-Präsident Barack Obama Koordinator des

Weißen Hauses für Handelsabkommen war und für

die Gipfeltreffen der G20-Staaten und der G8-Staaten

verantwortlich war. Obama sei die nächsten

Jahre weitgehend blockiert. Unter dem Druck der

Tea Party würden die Republikaner im Repräsentantenhaus

jedes Vorhaben Obamas stoppen,

„selbst wenn er einen Ehrentag für verdiente Großmütter

vorschlüge“, warnt Goodman.

Auch Scott Miller sieht das so, der Chef für Internationale

Wirtschaft in der Denkfabrik Center for

Strategic and International Studies, die dem Weißen

Haus nahesteht. Hinzu komme: Für den Präsidenten

habe das Abkommen keine oberste Priorität.

„Zuerst wird man das Handelsabkommen mit

den asiatischen Ländern anpacken, danach erst

kommt das transatlantische Abkommen.“ Mit den

Asiaten planen die Amerikaner eine Freihandelszone,

die neben den USA elf Länder umfasst: Australien,

Brunei, Kanada, Chile, Japan, Malaysia, Mexiko,

Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam.

Frühestens 2015, also gegen Ende von Obamas

Amtszeit, werde das Abkommen zwischen den USA

und der EU ernsthaft zum Thema, sagt Miller, der

einst als Direktor für Welthandel beim US-Konsumgüterriesen

Procter & Gamble mehrere US-Regierungen

beriet. Nicht nur das von der Tea Party stark

beeinflusste US-Repräsentantenhaus werde zur

Hürde, sagt Miller. „Ich sehe vor allem den Senat als

Problem, weil die Senatoren nicht zwingend nach

Parteizugehörigkeit abstimmen. Hier kann es beim

Freihandel zu unendlichen Verhandlungen und

Verzögerungen kommen.“ Auch die US-Unternehmen

zeigten nur mäßiges Interesse. „Sie haben sich

angepasst und kommen gut zurecht“, sagt Miller.

Europas Unternehmen sehen das mit Sorge. Die

US-Firmen hätten bisher kaum für sie relevante

Regulierungshindernisse identifiziert, heißt es bei

Wirtschaftsvertretern in Brüssel. Entsprechend

gering sei der Druck der US-Wirtschaft auf die amerikanische

Regierung. Europa steht außerdem vor

dem Problem, dass im November 2014 eine neue

EU-Kommission antritt. Da diese sich dann erst

einarbeiten muss, kommen auch die Europäer

nicht so schnell voran wie erhofft.

martin.seiwert@wiwo.de | New York, silke wettach | Brüssel

Transatlantischer

Kraftprotz

Welche Wirtschaftsmacht

eine Freihandelszone

ausEUund USA

hätte

60

45

40

40

30

12

Prozentder weltweiten

Direktinvestitionen

Prozentder weltweiten

Wirtschaftsleistung

Prozentdes weltweiten

Dienstleistungshandels

Prozentder weltweiten

Patente

Prozentdes weltweiten

Güterhandels

Prozentder Weltbevölkerung

Quelle: Deutsche Bank

8 Nr. 46 11.11.2013 WirtschaftsWoche

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine