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BoxSport Warum Klitschko Putins Liebling verprügelte (Vorschau)

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Boxsport . Oktober 2013

Nr. 10 . Oktober 2013 . € 4,20 . spanien € 5,30 . Österreich € 4,85 . Schweiz sfr. 8,40

www.box-sport.de

89. Jahrgang 1882

sport

DAS MAGAZIN: alles Über PROFIS UND AMATEURE

Hatte nach dem

„Machtkampf

in Moskau“

allen Grund zum

Jubel: Wladimir

Klitschko

Ulli Wegner Fritz Sdunek Vitali Klitschko George Foreman Lennox Lewis

So sahen es die Experten

Warum

Klitschko

Putins Liebling

verprügelte

Für seine Tapferkeit bekam Alexander Povetkin (l.)

viel Lob von Ex-Weltmeister George Foreman

Charr: Was lief da

im Big Brother

Haus?

Manuel Charr beim

„Boxtraining“ mit

Pamela Anderson

Povetkin viermal am Boden

WSB: Kommt

Rocky in den

Trainerstab?

3 Große Interviews mit Wilfried Sauerland und Bernd Bönte 3 Mayweathers Ärger

mit blonder Punktrichterin 3 Große Vorschau auf die WM in Almaty


Hans Reski

Was einen Klitschko von Becker

und Matthäus unterscheidet

Zwei sogenannte Jahrhundertkämpfe waren für

den September avisiert. Erst Mayweather gegen

Alvarez in Las Vegas, dann Klitschko gegen Povetkin

in Moskau. Wir hofften auf Spektakel wie zu den

großen Zeiten von Muhammad Ali. Doch daraus wurde

nichts. Beide Kämpfe waren einfach langweilig,

weil die Champions Mayweather und Klitschko zu

sehr ihre Gegner dominierten. Bei Wladimir kam hinzu,

dass er – wie er selbst eingestand – nicht seinen

besten Tag hatte und mehr klammerte statt zu schlagen.

Was soll es? Die beiden Weltmeister kassierten

rund 50.000 Dollar – rund 32 Mio. Mayweather, rund

17 Mio. Klitschko. Die Bild-Zeitung rechnete aus:

Klitschko kassierte pro Schlag 75.144 Euro. Und kam

zu der Ansicht, dass er so „bis 50 Jahre weiter boxen

kann“.

Wie geht es jetzt weiter

bei den Moneymakern?

Bei Mayweather stehen

die Herausforderer

Schlange. Juan Manuel

Márquez, Manny Pacquiao,

Danny Garcia, Miguel

Cotto und selbst der drei

Klassen höher boxende

Bernhard Hopkins (48)

meldete sich schon bei

Mayweather. Ähnlich

sieht es bei Wladimir

Klitschko aus. Kubrat Pulev,

Tyson Fury, Robert

Helenius oder der noch ungeschlagene Amerikaner

Deontay Wilder werden als nächstmögliche Gegner

von Wladimir Klitschko gehandelt. Und sie sind wie

alle bisherigen Gegner der Meinung, dass sie den

Champion entthronen können.

Dieser Meinung ist natürlich auch Manuel Charr. Ein

eigentlich liebenswerter Verrückter, der nur den einen

Fehler hat, dass er im entscheidenden Moment nicht

seinen Mund halten kann. Lesen Sie die Klamotte aus

dem Big Brother Haus (Seite 20). Manuel Charr sollte

mal an Boris Becker und Lothar Matthäus denken.

Zwei Sportler, die in ihrer Karriere alles erreicht haben.

Der eine war ein „Tennisgott“, der andere eine

Zeit lang der beste Fußballer der Welt. Daran habe

ich mal gedacht, als sie vor zwei Jahren Ehrengäste

bei einem Klitschko-Kampf in Köln waren. Sie waren

die einzigen Promis, die bei ihrer Vorstellung ausgepfiffen

wurden.

Warum? Weil die beiden nach ihrer großen Karriere

mit ihren Frauengeschichten prahlten, sich mit ihrem

Machogehabe lächerlich machten. Aber jetzt kommt

es. Und dann Bücher schrieben und darin jammerten

über ihre „bösen Frauen“, die sie ausgenommen und

geschlagen haben. Beckers Ex-Frau Barbara und die

Ex-Verlobte Sandy, damals noch Meyer-Wölden, ließen

Boris nach seinem Skandal-Buch einfach ins Leere

laufen, indem sie auf jeglichen Kommentar verzichteten.

Dazu schrieb die Chefredakteurin der „Bunten“,

Patricia Riekel, in ihrem Editorial: „Sie zeigten die

Größe, die man eigentlich von Boris erwartet hätte.“

Lothar Matthäus hat sich dadurch ins Abseits gestellt,

weil er jede neue Eroberung

wie einen Wanderpokal

ins Schaufenster

stellte. Inzwischen ist

der „Casanova aus Herzogenaurach“

etwas ruhiger

und altersweiser

geworden. Aber einen

Job als Bundesligatrainer

hat er immer noch nicht,

obwohl sein Fachwissen

unbestritten ist.

Die Quintessenz der

Geschichte: Der Mayweather,

der lose Vogel,

könnte nach seiner Karriere

einen ähnlichen Weg bestreiten. Ein Klitschko mit

Sicherheit nicht. Warum nicht? Das lesen Sie in dem

Interview von Bernd Bönte, dem Manager der beiden

Box-Könige Vitali und Wladimir, deren größte Stärke

ihre Authentizität ist (ab Seite 14).

Und was hat das mit Manuel Charr zu tun? Der tritt

schon in die Fußstapfen von Boris und Lothar, bevor

er in seinem Sport eine große Nummer geworden ist.

Deswegen mein Rat: „Halt die Füße still, Brauner, Big

Brother is watching you.“ Bis zur nächsten BoxSport-

Ausgabe,

BoxSport

3


INHALT

Namen, Nachrichten, Termine............................................. 6

Sturm holt Masseur & Freund Catikkas in den Ring zurück. 40

Wladimir ärgerte sich über den verpassten K. o.-Sieg......... 8

Experten-Kommentare zum Machtkampf von Moskau...... 10

TV-Kritik: RTL-Boxen schlug „Wetten dass…?“................ 12

Bernd Bönte ist gerne der „Bad Guy“ bei den Klitschkos... 14

Sturm könnte Geschichte schreiben.................................. 17

Doppelschlag von Steinforth mit Stieglitz und Pianeta...... 18

Charr: Weiberfastnacht bei Big Brother ............................ 20

Wilfried Sauerland: Nach einer Talfahrt gestärkt zurück... 22

Lange ARD-Box-Nacht mit Abraham und Murat ............... 24

Wegners Kampf an der Seite von Merkel ......................... 26

Felix Sturm (links)

hat seinen Kumpel

Marco Catikkas ins

Boot geholt und

will ihn nach dessen

erfolgreichem

Comeback in

Dortmund weiter

pushen

Seite 40

Der steinige Weg des „Stehaufmädchen“ Rola El Halabi.. 42

Die „First Lady“ ist und bleibt die Box-Königin.................. 44

Der Promoter, der aus der Ritze kam.................................. 45

WM in Almaty: 4 Musketiere die Medaillenhoffnungen... 46

Aufgrund der

Verschiebung des

Kampfes zwischen

Firat Arslan und Marco

Huck hatte Ulli Wegner

Zeit, Wahlkampf für

die Bundeskanzlerin zu

betreiben

Seite 26

Der Deutsch-Türke Firat Arslan wirbt um die Nichtwähler. 27

Eine Blondine ärgerte Mayweather mehr als Alvarez........ 28

Garcia zu clever für einäugigen Matthysse........................ 30

Wieder Drogen und Alkohol – De La Hoya in Suchtklinik.. 32

Die Boxsport Weltrangliste ............................................... 34

Trauriger Clown Grigorian, der so viel Spaß bereitet hat... 36

Blaue Flecke für soziale Zwecke........................................ 38

Die Brüder Artem und

Robert Harutyunyan

(von links) gehören

beide zum WM-Aufgebot

in Kasachstan – Robert

will seine Chance als

Ersatzmann für Artur

Bril nutzen, während

Artem durchaus

Medaillenchancen

besitzt

Seite 58

WSB: Holt Bittner Rocky ins Boot?..................................... 48

Bundesliga: Boxen ist Volkssport in Velbert....................... 50

DM: Junge Wilde rüttelten am Thron der Etablierten....... 52

Stefan Härtel: Als Profi komme ich leichter nach Rio ........ 57

U17-WM: Ohne Kohle und Athletik nicht viel zu holen...... 58

Keine Medaille bei der Frauen-WM in Bulgarien.............. 59

Ergebnisse und Termine..................................................... 60

Aus den Verbänden............................................................ 62

Lesen Sie nächsten Monat ................................................ 66

4 BoxSport


Namen Nachrichten

Boxen

Im fernsehen

Samstag, 19. Oktober 2013: Sat.1, 22:20 Uhr –

live aus Leipzig – WBO-WM im Supermittelgewicht:

Robert Stieglitz vs. Isaac Ekpo;

WBO-Junioren-WM im Halbschwergewicht:

Dominic Bösel vs. Mirco Ricci; IBF-WM im

Fliegengewicht: Moruti Mthalane vs. Silvio

Olteanu

Samstag, 26. Oktober: ARD, 22:10 Uhr – live aus

Oldenburg und Atlantic City (USA) – WBO-

Intercontinental Meisterschaft im Super-

Mittelgewicht: Arthur Abraham vs. Giovanni

De Carolis; WBA-Intercontinental Meisterschaft

im Halb-Mittelgewicht: Jack Culcay

vs. Guido Nicolas Pitto; EU-Meisterschaft im

Mittelgewicht: Marcos Nader vs. Luis Crespo;

IBF-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht:

Bernard Hopkins vs. Karo Murat

Ali-Bezwinger

Ken Norton ist tot

n Der einstige Ali-Bezwinger Ken

Norton ist im Alter von 70 Jahren

in den USA gestorben. Nortons

Sternstunde schlug, als er am

31. März 1973 Muhammad Ali in

einem NABF-Titelkampf knapp

nach Punkten bezwang. Dabei

brach er Ali in der ersten Runde

den Unterkiefer. Den ebenfalls

spektakulären Rückkampf entschied

sechs Monate später Ali zu

seinen Gunsten. Das dritte Duell

drei Jahre später verlor Norton

erneut. Beide Urteile waren umstritten.

Der Kurzzeitchampion

absolvierte 50 Profi-Kämpfe, davon

gewann er 42.

Olympiasieger Usyk

boxt nun für K2

n Alexander Usyk, 2012 Olympiasieger

im Schwergewicht, hat bei

den Klitschkos einen Vertrag für

fünf Jahre unterschrieben. Bereits

am 9. November soll der 26-jähri-

Ken Nortos Sternstunde schlug gegen

Muhammad Ali (links)

Meistermacher Wolke

Comeback mit 70 Jahren

n Am 17. Oktober 2009 war

Meistermacher Manfred Wolke

(70) in der Berliner O2 World das

letzte Mal als Boxtrainer in Aktion

zu erleben. Damals stand der

Trainervater des deutschen Boxbooms,

der Henry Maske und

Axel Schulz zu Stars machte,

in der Ringecke des talentierten

Cruisergewichtlers Enad Licina

(33), der im stallinternen Duell

gegen IBF-Weltmeister Yoan Pablo

Hernandez (28) knapp nach

Punkten unterlag. Ebenjener

Licina war es, der den einstigen

Erfolgstrainer des Sauerland

Boxstalls nun zu einem Comeback

überredete.

„Schon Anfang des Jahres

kam er zu mir nach Frankfurt/

Oder. Wir haben dann oft miteinander

gesprochen, und er ließ

einfach nicht locker“, erklärt

Manfred Wolke, wie die erneute

Zusammenarbeit angeleiert

wurde. „Er gab zu, in unserer

ersten gemeinsamen Zeit viele

Fehler gemacht zu haben, weil

er nie auf mich gehört hat. Jetzt

sei er geheilt. Er weiß jetzt genau,

wo er steht. Er hat Familie,

zwei Kinder, er will mit aller

Macht Weltmeister werden. Es

ist seine letzte Chance. Deshalb

packte er auch sofort seine Koffer

und kam an die Oder, wo er

im Hotel wohnt.“

Dass Licina das Zeug zum

Weltmeister hat, davon ist Wolke

überzeugt und möchte ihn

ge Ukrainer für die Promotion-Firma

K2 sein Debüt in Kiew geben.

„Es war mir sehr wichtig, mein

Debüt in der Ukraine zu bestreiten”,

so der für seinen Irokesen-

Haarschnitt bekannte Usyk, der

auch Angebote aus den USA und

Großbritannien hatte. „Aber jetzt

bin ich glücklich, einen Vertrag

bei meinen Landsleuten unterschrieben

zu haben. Ich werde

bald nach Amerika kommen,

allerdings um WM-Titel abzuholen.”

Ob Usyk im Schwer- oder

Cruisergewicht startet, ist noch

offen – sein Ziel ist es jedoch,

seine Chefs im Schwergewicht zu

beerben.

auf dem Weg dorthin unterstützen.

„Er ist jetzt ein ganz anderer

Kerl. Er will. Und das bedingungslos.

Enad hat Potenzial,

sehr viel sogar. Finanziell ist er

ganz gut abgesichert. Ich mache

alles kostenlos. Die Konstellation

ist doch perfekt: Niemand

zwingt uns das zu tun, sondern

wir wollen es. Dadurch werden

noch ganz andere Kräfte freigesetzt.“

Wolke selber fühlt sich

für das Unterfangen fit genug,

joggt mit seinem Schützling

2012 feierte Alexander Usyk in London

olympisches Gold

Die Geschichte

eines Kämpfers

n Am Anfang war der Krieg. Er

war der Auslöser für alles, was

Hamid Rahimi zu dem Menschen

gemacht hat, der am 11.

September seine Biografie „Die

selber zehn oder elf Kilometer,

nur die Pratzenarbeit fällt ihm

schwer, weil die Schultergelenke

kaputt sind. „Doch ohne

Pratzenarbeit geht es nicht. Sie

muss sein, um Enad zu zeigen,

wie er zu schlagen hat, wie er

zu stehen hat, wie er sich verteidigen

muss. Mit Worten lässt

sich da nicht viel machen, das

müssen wir praktisch erarbeiten“,

so Wolke, der überzeugt

ist, dass Licina in einem Jahr für

einen WM-Kampf bereit ist.

Geschichte eines Kämpfers“

vorgestellt hat. Für Rahimi liegt

eine wundersame Klarheit darin,

sein eigenes Leben zwischen

zwei Buchdeckeln auf 370 Seiten

gebündelt zu sehen. Wäre der

Weg, den er jetzt eingeschlagen

hat, möglich gewesen ohne den,

den er verlassen hat? „Nein“,

sagt er, „ich musste wohl durch

die Hölle gehen, um meinen

Weg zu finden.“ Die Hölle fing

im Alter von acht Jahren an, als

sein bester Freund Khalid bei

einem gemeinsamen Besuch einer

Eisdiele in Kabul von einer

Bombe zerrissen wurde und in

Hamids Armen starb. Sprach-

6 BoxSport


Termine

Gegen Derek Chisora

musste Edmund Gerber

(links) Lehrgeld

zahlen

Gerber verlor

gegen Chisora

n Edmund Gerber ist beim Griff nach dem EM-Titel im Schwergewicht

gescheitert. Der 25 Jahre alte Schweriner aus dem Berliner

Sauerland-Stall unterlag in London dem Lokalmatadoren Dereck

Chisora durch technischen K.o. in der fünften Runde. Fünf Sekunden

vor Schluss dieser Runde brach der Ringrichter den Kampf

nach einem Schlaghagel des Briten auf den zu passiven Deutschen

ab. „Das war eine lehrreiche Erfahrung für Edmund. Er hat sich zu

häufig in den Nahkampf ziehen lassen. In der vierten Runde hatte

er seine große Chance, konnte daraus aber kein Kapital schlagen“,

sagte Gerbers Trainer Karsten Röwer. Für den gebürtigen Kasachen

war es die zweite Niederlage in seinem 25. Profikampf – noch

schlimmer dürfte aber die Tatsache sein, dass er sich im Ranking

der vier Schwergewichtler des Sauerland-Teams nun zunächst wieder

hinten anstellen muss.

Gerber konnte dem 29 Jahre alten stürmisch angreifenden

Briten, der in den vergangenen Jahren mit einigen Skandalen für

Schlagzeilen sorgte, nur selten ernsthaft Paroli bieten. Chisoras Bilanz

weist nun 18 Siege und vier Niederlagen in 22 Kämpfen aus.

verlust, Flucht der Familie nach

Hamburg, sozialer Abstieg in die

Kriminalität, Sucht nach Kokain

– all diese Dinge hat er niedergeschrieben.

Das Biografie ist

im Osburg Verlag für 19,95 Euro

erschienen.

Haye musste

Kampf absagen

n Der Kampf David Haye gegen

Tyson Fury am 28. September

platzte, weil sich Haye im Abschluss-Training

einen Cut über

dem linken Augen zugezogen

hatte, die Wunde musste mit

sechs Stichen genäht werden.

deutsche termine

19. Oktober 2013, Leipziger Messe Halle „EINS“

WBO-Weltmeisterschaft im Super-Mittelgewicht: Robert Stieglitz vs. Isaac Ekpo

WBO-Junioren-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht: Dominic Bösel vs.

Mirko Ricci

IBF-Weltmeisterschaft im Fliegengewicht: Moruti Mthalane vs. Silvio Olteanu

Kampf im Weltergewicht: Jan Zaveck vs. Sebastien Allais

Kampf im Schwergewicht: Manuel Charr vs. Denis Bakhtov

25. Oktober 2013, Brandenburg Hall in Frankfurt/Oder

WBO-Europameisterschaft im Halbschwergewicht: Robin Krasniqi vs. Oleksandr

Cherviak

Kampf im Schwergewicht: Francesco Pianeta vs. Brian Minto

Kampf im Schwergewicht: Steffen Kretschmann vs. Robert Teuber

26. Oktober 2013, EWE Arena in Oldenburg

WBO-Intercontinental Meisterschaft im Super-Mittelgewicht: Arthur Abraham

vs. Giovanni De Carolis

WBA-Intercontinental Meisterschaft im Halb-Mittelgewicht: Jack Culcay vs. Guido

Nicolas Pitto

EU-Meisterschaft im Mittelgewicht: Marcos Nader vs. Luis Crespo

IBF-Intercontinental Meisterschaft: Robert Woge vs. Anatoliy Dudchenko

26. Oktober 2013, Hansehalle Lübeck

IBO Inter-Kontinental Meisterschaft im Super-Mittelgewicht: Benjamin Simon vs.

Gevorg Khatchikian

IBO International Meisterschaft im Cruisergewicht: Roman Golovashchenko vs.

Serdar Sahin

Internationale deutsche Meisterschaft im Super-Mittelgewicht: Chris Mafuta vs.

Mounir Toumi

internationale termine

12. Oktober 2013, Thomas & Mack Center in Las Vegas (USA)

WBO-Weltmeisterschaft im Weltergewicht: Timothy Bradley vs. Juan Manuel

Marquez

WBO-Weltmeisterschaft im Federgewicht: Orlando Salido vs. Orlando Cruz

26. Oktober, Boardwalk Hall, Atlantic City (USA)

IBF-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht: Bernard Hopkins vs. Karo Murat

26. Oktober 2013, Motorpoint Arena in Sheffield (England)

Kampf im Weltergewicht: Kell Brook vs. Vyacheslav Senchenko

2. November 2013, Madison Square Garden Theater in New York (USA)

WBA-Weltmeisterschaft im Mittelgewicht: Gennady Golovkin vs. Curtis Stevens

Kampf im Schwergewicht: Mike Perez vs. Magomed Abdusalamov

Kampf im Cruisergewicht: Ola Afolabi vs. Lukasz Janik

Der „Hayemaker“ beteuerte,

„am Boden zerstört“ zu sein.

„Cuts und Verletzungen können

im Boxen immer passieren, aber

das ändert nichts daran, dass ich

zutiefst betrübt und traurig über

diese Absage bin“, so Haye.

Doberstein boxt sich

auf Rang vier

n Jürgen Doberstein besiegte

vor gut 2.500 Zuschauern in der

Saarlandhalle in Saarbrücken

den Südafrikaner William Gare

deutlich nach Punkten (119:107,

118:109, 120:108). Damit bleibt

Doberstein WBF-Interkontinental-Champion

und steht nun

in der deutschen Rangliste auf

Platz vier, direkt hinter Robert

Stieglitz, Artur Abraham und Dimitri

Sartison. In der Weltrangliste

steht er ab sofort auf Rang 29.

Zuvor hatte Rola El Halabi nur

fünf Wochen nach dem Gewinn

des WBF-Titels im Halbweltergewicht

ihren Titel per T.K.o. gegen

die Herausforderin Sopio Pudkaradze

aus Georgien verteidigt.

Genauso wenige Probleme hatte

Bernard Donfack mit Said Juma

Mbelwa aus Tansania, den er in

der vierten Runde durch technischen

K.o. klar bezwang. In dem

ungemein spannenden Kampf

um den vakanten WM-Titel der

WBF im Superfliegengewicht

setzte sich Raja Amaseh gegen

ihre österreichische Gegnerin

Eva Voraberger über die volle

Distanz von zehn Runden knapp

nach Punkten (96:94, 97:94,

98:92) durch.

Henry Maske bekommt

„Star Stern“

n Henry Maske hat für sein soziales

Engagement einen „Star

Stern“ – angelehnt an den Walk

Henry Maske inmitten der Kids im Feriencamp

of Fame in Hollywood –im „Fernwehpark“

im oberfränkischen

Hof verliehen bekommen. Der

Stern wird an Prominente vergeben,

die sich für Humanität und

Frieden einsetzen. Der ehemalige

Weltmeister Maske hatte nach

seiner aktiven Karriere 1999 die

Henry Maske Stiftung „A Place

for Kids“ gegründet. Die Stiftung

ermöglichte zusammen mit der

Deutschen Fernsehlotterie Anfang

Oktober 30 Kindern aus

sozial benachteiligten Familien

eine unbeschwerte Ferienwoche

in einem Feriencamp in Brandenburg,

das Maske ebenfalls

besuchte.

BoxSport

7


Nach klarem Punktsieg über tapfe

Aus Moskau

berichtet

Hartmut Scherzer

Trotz der Niederschläge riss sich

Alexander Povetkin (am Boden)

zusammen und hielt die zwölf Runden

durch

Wladimir Klitschko ärge

über den verpassten K.

Putins Platz blieb leer – George Foreman: Lob für den Besiegten –

In diesem Jahr wird Wladimir Klitschko

nicht mehr boxen. Nach acht Wochen

Trainingslager und zwölf Runden Titelverteidigung

will der Super-Herkules

des Schwergewichts ausspannen – aber

nicht, weil er sich in dieser stimmungsvollen

„Midnight in Moscow“ ohne all das übliche

Show-Brimborium überanstrengt hätte. Mit

titanischer Überlegenheit hat der Champion

den bis dahin nur siegreichen Alexander

Povetkin nach Punkten besiegt. „Nur“ nach

Punkten, worüber der Champion selbst am

meisten enttäuscht schien. „Es klingt wahrscheinlich

nicht cool. Aber ich hätte es besser

machen können.“

Und es klingt grotesk, nach einem von

allen drei Punktrichtern – Ted Gimza und

Glenn Feldman aus den USA sowie Philippe

Verbeke aus Belgien – einheitlich addierten,

an Deutlichkeit kaum noch zu überbietenden

Sieg von 119:104 Punkten den Schönheitsfehler

hervorzuheben: Das ständige Auflehnen

Klitschkos auf den permanent geduckt

angreifenden Povetkin. Diese Ringerszenen

raubten dem Boxkampf die Klasse. Aber diese

unschöne Art des Klammerns von oben

gehört nun einmal mitunter zur Verteidigungstaktik

des 1,98-Meter-Hünen, jeglichen

Nahkampf zu ersticken. Wilfried und Kalle

Sauerland beanstandeten, dass Ringrichter

Luis Pabon aus Puerto Rico dieses Auflehnen

nicht von Anfang an energisch unterbunden

habe. „Das Halten war wie Raub“, meinte

Kalle Sauerland. Aber genauso war Povetkins

tiefes Abducken zu monieren.

Der fehlende Punkt zu den maximalen

120 resultierte allein aus einer Verwarnung

in der elften Runde, weil Klitschko zum

Während Lennox Lewis kritische Worte für den Fight

fand, lobte George Foreman (re.) vor allem Povetkin

8 BoxSport


en Alexander Povetkin

zweiten Mal Povetkin zu Boden

geschubst hatte. Punktabzug.

Sonst hätte der Chef im Ring

jede Runde für sich gebucht.

Und dennoch gab‘s Kritik: „Ich

bin nicht besonders beeindruckt

von Wladimir. Ich hatte mehr

von ihm erwartet. Er hat seine

Rechte nicht gebracht. Nach drei

Niederschlägen in einer Runde

muss der Knockout kommen“,

nörgelte der neuerdings ohne

Rastalocken daherkommende

Lennox Lewis (48). „Ich verstehe

nicht, warum Wladimir

bei seiner Überlegenheit sich

andauernd auf Povetkin gelehnt

hat, anstatt ihn wegzuschieben

und auszuboxen.“

Das tat – und das ist die schönere

Kampfseite dieser Moskauer

Nacht in der mit 14.000 Zuschauern

ausverkauften Olympiahalle

gewesen – Klitschko

natürlich, wenn er nicht gerade

seinen Bauch auf Povetkins Rücken

legte. Fast im Ali-Stil umkreiste

der 109,6 Kilo schwere

Adonis dann leichtfüßig tänzelnd

seinen zwar unentmutigt,

rte sich

o.-Sieg

Kritik von Lennox Lewis

aber hilflos angreifenden Gegner

(102,4 kg) und bombardierte

dessen Kopf mit seinem florettartigen

linken Jab.

Das russische Publikum

stöhnte auf, die ukrainischen

Fans jubelten, wenn in den Rundenpausen

auf den Videotafeln

über dem Ring die Treffer in Zeitlupe

wiederholt wurden: Povetkins

Gesicht verformte sich auf

schockierende Art, der Kopf flog

ruckartig nach hinten, Schweißperlen

spritzen durch die Luft.

Als hätte er es geahnt, ersparte

sich Wladimir Putin die

Schmach, „live“ zuzuschauen,

wie direkt vor seinen Augen sein

so patriotischer Landsmann von

einem Ukrainer nach Strich und

Faden verprügelt wurde. Der für

den russischen Präsidenten reservierte

Ehrenplatz in der ersten

Reihe blieb leer. Schiere Tapferkeit,

die einzige Tugend, die

Alexander Povetkin (34) zwölf

Runden lang gegen den überaus

dominanten Wladimir Klitschko

(37) zu bieten hatte, ist für einen

Macho wie Putin keine Ruhmestat.

Dabei versäumte es der

so souveräne Weltmeister im

Schwergewicht nach vier Niederschlägen,

einem in der zweiten,

drei in der siebten Runde,

seine Dominanz mit dem demütigenden

Knockout zu toppen.

Mit verbeultem Gesicht

gratulierte Povetkin nach seiner

ersten Niederlage im 27. Profikampf

seinem Bezwinger. „Er

war stärker, Wladimir ist nun

einmal momentan der Beste auf

der Welt. Aber ich werde weitermachen,

versuchen, über mich

hinauszuwachsen, noch härter

zu trainieren, noch besser zu

werden.“

Sprach‘s im Ring und wurde

– wie es hieß

– zur Untersuchung

ins Krankenhaus

statt zur

Pressekonferenz

gebracht. Der

so sympathisch

zurückhaltende

Russe war seinem

Ego treu geblieben,

niemals

aufzugeben. Und

hatte Wort gehalten:

„Ich werde

bis zum bitteren

Ende kämpfen.“

George Foreman

(64), neben Lewis

der zweite

Ex-Olympiasieger und Ex-Weltmeister

unter der Prominenz mit

Fürst Albert von Monaco samt

Gattin Charlene an der Spitze,

machte dem Besiegten Komplimente:

„Povetkin geht als Held

aus dem Ring. Er hat nicht gewonnen,

aber so möchte ich jemanden

kämpfen sehen.“

Ein Schönheitsfehler von

Wladimir wurde nachts um

viertel vor drei Uhr auf der überfüllten

Pressekonferenz, wo nur

russisch gesprochen wurde, richtig

sichtbar: ein leicht geschwollener,

blauroter Fleck auf Wladimirs

rechtem Jochbein. „Ich

spiele nicht Schach. Da habe

ich nicht aufgepasst und er hat

mir mit der linken Hand drüber

gewischt“, klärte Wladimir in

einer separaten Gesprächsrunde

das Dutzend deutscher Journalisten

über den offensichtlich

einzigen Treffer auf.

„In der siebten, achten Runde

wollte ich ihn k.o. schlagen,

aber ich habe es leider nicht

geschafft“, sagte Wladimir mit

einer Miene des Bedauerns. „Povetkin

ist durch

die Hölle gegangen.

Alexander ist

nicht nur auf den

Beinen geblieben,

sondern weitermarschiert,

hat

gekämpft wie um

sein Leben und

bis zur letzten Sekunde

versucht,

mich mit einem

Lucky Punch auszuknocken.

Das

habe ich in seinen

Augen gesehen

und von seinen

Schwingern in die

Luft gespürt.“

Wladimir

Klitschko wird

erst 2014 wieder in

Beim ganzen

Geklammere und

Geducke fielen Klitschko

(rote Hose) und

Povetkin auch schon mal

übereinander

den Ring steigen. Herausforderer

könnte dann der bulgarische

Schwergewichtler Kubrat Pulev

sein, der nach seinem Sieg im

IBF-Ausscheidungskampf gegen

den erfahrenen Amerikaner Tony

Thompson davon überzeugt

ist, Klitschko schlagen zu können.

Aber das haben schon viele

vorher angenommen.

BoxSport

9


So sah es Ulli Wegner

Deutschland größte Trainer kommentieren exklusiv

Huck hätte sich anders verkauft

An diesem Abend hat

Wladimir ganz deutlich

gezeigt, dass er

nicht nur boxen kann,

sondern auch eine Persönlichkeit

ist. Er hat in Moskau geboxt,

für Povetkin war das ein Heimkampf,

aber wie sich Wladimir

dort präsentiert hat, war für

mich beeindruckend. Wladimir

hat gezeigt, dass er eine Ausnahmeerscheinung

ist.

Ich habe Povetkin eine Chance

gegeben, weil er sehr vielseitig

ist. Im Gegensatz zu anderen

Klitschko-Gegnern hat er es auch

immerhin versucht. Ich dachte

aber, dass er mehr Opferbereitschaft

zeigen würde, eben weil

der Kampf in Moskau stattfand.

So war ich etwas enttäuscht von

ihm, das muss ich ganz ehrlich

sagen. Man hat gedacht,

dass Povetkin seine Lehren aus

dem Kampf gegen Marco Huck

gezogen hat. Hat er aber offenbar

nicht.

Marco hätte

sich gegen

So sah es Vitali Klitschko

Wladimir sicher anders verkauft.

Schade, dass man ihm den Sieg

damals gegen Povetkin nicht

gegönnt hat. Das war sicherlich

ein Fehlurteil. Im Moment sehe

ich aber weit und breit keinen,

der Wladimir gefährlich werden

könnte. Er kann noch zehn Jahre

boxen.

Dass Wladimir in der Halbdistanz

hilflos ist und sich dann

auf seinen Gegner lehnt, weiß

jeder. Wenn ich Weltklasse bin,

muss ich eben versuchen, das zu

verhindern. Wie Wladimir das

in taktischer Hinsicht gemacht

hat, dafür muss ich ihm ein Lob

aussprechen. Und dass er Povetkin

nicht ausgeknockt hat, kann

man ihm nicht vorwerfen. Für

Wladimir war wichtig, dass er

eine tadellose Leistung zeigt. Er

hat Povetkin immerhin ein paar

Mal zu Boden geschickt. Ich bin

beeindruckt, ich hätte ihm eine

so souveräne Vorstellung nicht

zugetraut. Das war etwas ganz

Besonderes. Er hat in Moskau

geboxt, alle haben gehofft, dass

er endlich vom Thron gestürzt

wird, diese psychische Last

muss man sehen. Wie er das

gemeistert hat – da ziehe ich als

Trainer den Hut vor ihm.

Es hat sich bewahrheitet,

was ich schon vorher

gesagt habe: Povetkin

hatte nicht die Waffen,

mit denen er Wladimir gefährlich

werden konnte. Kampfesgeist

und Siegeswille haben

nicht ausgereicht. Wladimir hingegen

habe ich noch nie in einer

so guten Verfassung gesehen.

Er wird von Kampf zu Kampf

besser und stabiler. Wenn ich

mich mit Wladimir vergleiche

und Schwächen und Stärken

analysiere, muss ich sagen, dass

Wladimir mich überholt hat. Er

ist schon weit vorn.

Kampfgeist und

Wille reichten bei

Alexander Povetkin

(rechts) nicht

aus, um Wladimir

Klitschko zu

gefährden

Povetkin hatte nicht die Waffen zum Sieg

Ich hatte schon vorher gesagt,

dass Povetkin kein volles

Vertrauen in sich selbst hat.

Das sehe ich nach dem Kampf

erst recht so. Povetkin hat viele

Fehler und Schwächen in seiner

Verteidigung und in seiner Art

zu boxen. Er ist gut in der kurzen

und in der Mitteldistanz, aber in

der langen Distanz hat er Defizite.

Defizite sehe ich auch in der

Beinarbeit beim Angriff. Wladimir

hingegen verfügt über die

doppelte Erfahrung und die dreifache

Schlagkraft. Deshalb war

Povetkin immer unser Wunschgegner.

Auch die große patriotische

Euphorie und der typisch

russische Geist, von denen er in

den Tagen vor dem Kampf getragen

zu werden schien, haben

ihm im Ring nichts genutzt.

Vor dem Kampf hatte ich darauf

getippt, dass Präsident Wladimir

Putin nicht am Ring sitzen

würde, denn er wollte wohl nicht

dabei sein, wenn sein Schützling

und Lieblingssportler Povetkin

verliert. Putin ist konzentriert

auf Erfolg. Sportlicher Erfolg

spielt für die Russen eine wahnsinnig

große Rolle, es ist auch ein

Zeichen an die Welt, die Stärksten

zu sein. Mein inneres Gefühl

hatte mich nicht getäuscht, Putin

kam tatsächlich nicht.

Ich selber werde bald eine

Entscheidung über meine sportliche

Zukunft fällen. Die Schmerzen

an der rechten Hand sind fast

weg. Ich fühle mich viel besser,

bin aber im Moment nicht bereit,

über meine sportliche Zukunft

zu spekulieren. Eins steht fest:

Ich würde lieber den Titel abgeben,

als das Risiko einzugehen,

verletzt in einen Kampf zu gehen

und zu verlieren. Derzeit bin ich

WBC-Präsident Sulaiman für

den Aufschub der Pflichtverteidigung

gegen Bermane Stiverne

dankbar.

10 BoxSport


So sah es Fritz Sdunek

Wladimir hat den

Kampf klar dominiert

und sicher

gewonnen. Zu loben

sind der Einsatz und der

Kampfeswille von Povetkin. Er

hat in der zweiten Runde schon

auf dem Boden gesessen, in der

siebten Runde wurde er dreimal

angezählt, wie er sich da

wieder rausgekämpft hat, das

ist schon bemerkenswert gewesen.

Russen-Spott

Mit einem Duell zwischen Elefant und Nashorn

hat das russische Staatsfernsehen den

Fight zwischen Klitschko und Povetkin verglichen.

„Eher Ringen als Boxen“ meinte

ein anderer Journalist gesehen zu haben.

„Clinchen gehört zum Boxen“, klärte anschließend

Sieger Klitschko die Kommentoren

auf und ergänzte trotzig „Kritik nehme

ich an, aber ich gehe meinen Weg.“

Hayden ist stolz

„Sehr stolz“ zeigte

sich Wladimir

Klitschkos Lebensgefährtin

Hayden Panettiere

auf den Sie-

Hayden Panettiere

ger von Moskau. Die

schöne US-Schauspielerin

fieberte

am Ring mit. Auch

dem Herausforderer

zollte sie Respekt.

„Sie haben beide gut

gekämpft“, so Panettiere.

„Sie sind beide Olympiasieger, beide

außergewöhnliche Athleten und haben

deswegen Respekt voreinander.“ Nervös

sei sie nur in der ersten Runde gewesen, so

Panettiere. Die Anwesenheit des US-Stars

in Moskau nähren wieder Gerüchte über

bald klingende Hochzeitsglocken.

Ryabinski Promoter

Künftig soll der russische Baulöwe Andrej

Ryabinski als Promoter auftreten. Vor diesem

Hintergrund verkündete der deutsche

Promoter Wilfried Sauerland, dass der

Schwergewichtler Alexander Powetkin signalisiert

habe, den Management-Vertrag

mit dem Berliner Boxstall auch über 2013

hinaus fortsetzen zu wollen. Ryabinski

hatte den Fight zwischen Powetkin und

Wladimir Klitschko für gut 23 Millionen

nach Moskau geholt.

für BoxSport den Machtkampf von Moskau

Nur der Gnadenstoß fehlte

Wladimir hätte in der siebten

oder achten Runde einfach

konsequenter und ruhiger den

Gnadenstoß setzen müssen. Er

hat sehr gut die Führungshand

geboxt, aber er hat zu oft den

Nahkampf von Povetkin angenommen.

Der ist reingestürzt,

sehr gefährlich mit dem Kopf,

so dass Wladimir sich nur mit

Runterdrücken schützen konnte,

um sich nicht eine Verletzung

zuzuziehen. So nah an ihn heran

zu kommen, war ein Verdienst

von Povetkin. Am Körper

antäuschen und dann Wladimir

irgendwie am Kinn erwischen,

so muss man es machen – wenn

man ihn überhaupt erwischen

kann. Wenn Wladimir wirklich

klar mit seiner Führungshand

boxt, ist er kaum zu schlagen.

Im Moment sehe ich da keinen,

der das könnte. Wladimir ist die

absolute Nummer eins.

Aus der Langdistanz hat er

Povetkin gut getroffen und sehr

hart angeschlagen. Mit dem

linken Haken, halb von unten,

halb von der Seite. Das hätte er

viel, viel öfter machen müssen

und sich gar nicht auf Povetkins

Nahkampf einlassen dürfen. Er

hat zu oft die Schlaghand oben

drüber gesetzt, er stand zu

hoch, sonst hätte er ihn richtig

abschießen können. Er hätte viel

mehr mit dem Aufwärtshaken

arbeiten müssen.

Aber der Druck war natürlich

auch bei Wladimir ziemlich

groß. Was da im Vorfeld alles von

den Russen veranstaltet wurde,

da muss man schon starke Nerven

haben, um das zu verkraften.

Eigentlich hat Wladimir das

so gemacht, wie ich mir das vorgestellt

habe. Er hat den Kampf

mit der Linken bestimmt, bloß

der Gnadenstoß mit der Rechten

fehlte eben.

Siege für Chagaev und Chakhiev

Im Rahmenprogramm des Duells zwischen

Wladimir Klitschko und Alex-

Europameister Masternak schon früh mit

in der elften Runde. Drozd beeindruckte

ander Powetkin hat Schwergewichtler harten Treffern, brachte dem Polen bereits

Ruslan Chagaev einen einstimmigen im zweiten Durchgang einen Cut über dem

Punktsieg gegen den Serben Jovo Pudar

erkämpft. Der frühere WBA-Champion

Chagaev (damals für Universum im Ring)

schickte den Serben zwar schon im dritten

Durchgang mit einer langen Linken in den

Ringstaub, ließ dann aber abreißen und Pudar

fand ins Geschehen zurück. Runde acht

brachte einen weiteren Niederschlag für den

wacker kämpfenden Mann vom Balkan, der

ihn aber ebenfalls nur kurz beeindruckte.

Der nicht ganz austrainiert wirkende Favorit

Chagaev nutzte die Situationen jeweils nicht

und verpasste eine vorzeitige Entscheidung,

kam wegen der beiden Niederschläge aber

mit einem deutlichen Punktevorteil ins Ziel

(118:108, 117:109 und 115:111). Im WBA-

Ranking hat der bisherige Achte damit den

linken Auge bei. Der Herausforderer setzte

entschlossen nach, Masternak erholte sich

aber, das Duell blieb offen. In der siebten

Runde verbuchte Drozd erneut deutliche

Vorteile, der Champion schien doch weiche

Knie zu bekommen. Der Eindruck täuschte,

der Pole riss sich erneut zusammen und

schlug wieder mit. In der elften Runde war

aber dann endgültig Schluss. Drozd deckte

Masternak mit einem wahren Feuerwerk

ein, der Titelverteidiger wirkte schwer beeindruckt

und der Ringrichter brach das ungleich

gewordene Gefecht ab.

Vorzeitig siegte Cruisergewichtler Rakhim

Chakhiev gegen den von Oktay Urkal

trainierten Rumänen Giulian Ilie. Chakhiev,

der im Juni überraschend vorzeitig gegen

Siebtplatzierten Pudar überholt und träumt WBC-Cruisergewichts-Weltmeister Krzysztof

weiter von einem Ausscheidungskampf.

Unmittelbar vor dem Hauptkampf musste

der für Sauerland boxende polnische Cruisergewichtler

Mateusz Masternak seinen

Europameistergürtel an den Russen Grigory

Drozd abgeben, unterlag durch T.K.o.

Wlodarczyk verloren hatte, hatte ge-

gen den Rumänen harten Widerstand zu

brechen, behielt aber in der zehnten Runde

dann doch endgültig die Oberhand. Mit der

rechten Führhand beendete Chakhiev das

Gefecht vorzeitig.

BoxSport

11


TV-Kritik

„Rocky“ alias Sylvester Stallone (links) konnte Markus Lanz und „Wetten dass…?“

auch nicht zu mehr Zuschaueranteilen verhelfen

Hätte Wladimir Klitschko

sich nicht die Hände

bandagieren lassen,

aufwärmen und auf

seinen bevorstehenden Kampf

konzentrieren müssen, sondern

gemütlich vor dem Fernseher

sitzen können, als der Kölner

Privatsender RTL mit der Vorberichterstattung

auf das Duell

des ukrainischen Weltmeisters

gegen den Russen Alexander

Povetkin begann – er wäre wohl

zufrieden gewesen. Man ließ

einen hübsch animierten Zeppelin

um die Erde reisen und die

Sylvester Stallone ging

mit Markus Lanz k.o.

11,02 Millionen bei RTL – nur 6,85 Millionen sehen ZDF

Kunde vom als „Machtkampf in

Moskau“ titulierten Duell der

beiden Amateur-Olympiasieger

in die Metropolen der Welt tragen.

Vom „Kampf des Jahres“

war die Rede, vom „Moment der

Wahrheit“, und entsprechend

theatralisch fiel die Hinführung

auf den eigentlichen Boxkampf

aus.

Für Liebhaber des puristischen

Sports ist es Folter, wenn

sie erst einmal eine Stunde und 45

Minuten Vorab-Brimborium inklusive

vier Werbepausen hinter

sich bringen müssen, bevor der

erste Gong ertönt. Aber gut gemacht

war das. Schönes Popkornfernsehen

am Samstagabend, ein

bisschen schillernd, ein bisschen

aufregend und sogar recht informativ.

Die Werbung nervt.

Aber besser als Fremdschämen

bei Markus Lanz und „Wetten

dass...?“ war das allemal. Dort

wurden Weltstars wie Harrison

Ford, Cher oder Sylvester Stallone

alias „Rocky“ mal wieder mit der

ganzen Banalität deutscher Fernsehunterhaltung

konfrontiert.

Der berühmteste Kino-Boxer aller

Zeiten sollte wohl helfen, gegen

Wladimir Klitschko zu bestehen,

ging aber gemeinsam mit Lanz

k.o.: Nur durchschnittlich 6,85

Millionen Zuschauer (22,1 Prozent

Marktanteil) verfolgten die

ZDF-Show, 11,02 Millionen (35,4

Prozent) sahen dagegen RTL. Bei

der Urteilsverkündung waren

es zwölf Millionen, bei „Wetten

dass...?“ sahen zu diesem Zeitpunkt

nur noch fünf Millionen

Menschen zu.

RTL-Moderator Florian König – im Vordergrund George

Foreman - lockte beim Boxen mehr Fans vor die

Bildschirme als „Wetten dass...?“

Die Euphorie der Boxberichterstatter

war da allerdings längst

ebenso der Realität zum Opfer

gefallen wie Povetkins Träume

von einem Sieg vor heimischem

Publikum. Moderator Florian

König vermisste die „ganz große

Brillanz, die ganz große Begeisterungsfähigkeit“,

Experte Lennox

Lewis sagte über Klitschkos

Auf-den-Gegner-lehn-Technik:

„Als Weltmeister solltest du so

etwas nicht tun.“ Und: „Wenn

du jemanden dreimal am Boden

hast, sollte ein Knockout möglich

sein.“ George Foreman, als

Legende und Experte vor Ort,

fand für den Verlierer mehr lobende

Worte als für den Gewinner:

„Wenn es um

das Kämpferische

geht, ist Povetkin

der Sieger.“

Journalistische

Distanz ist

in der deutschen

Box-Berichterstattung

im Fernsehen

ein systemimmanentes

Problem,

da die Sender die

bei ihnen exklusiv

unter Vertrag

stehenden Kämpfer

gern zu Helden

stilisieren, ganz

egal, ob diese gut

oder schlecht geboxt haben.

RTL kann man das nicht vorwerfen,

der Sender sparte nicht

mit Kritik an seinem Champion.

Wahrscheinlich, weil man sich

wünscht, dass ein Klitschko-

Kampf endlich mal wieder mehr

Spektakel ist als das ausgeklügelt

inszenierte Drumherum.

Vor dem ersten Gong waren

alle noch guter Hoffnung. George

Foreman lächelte freundlich in die

Kamera, erinnerte an seine Duelle

gegen Muhammad Ali, damals

unter dem Titel „Rumble in the

Jungle“, und Joe Frazier sowie an

den Kampf Ali gegen Floyd Patterson.

Große Kämpfe waren das,

und immer standen sich da zwei

Olympiasieger gegenüber. Genauso

also wie jetzt in Moskau mit

Klitschko und Povetkin. Foreman

kam deshalb zu dem Schluss: „Da

stehen zwei Champions im Ring,

keiner denkt auch nur ans Verlieren,

das kann nur ein faszinierender

Kampf werden.“

Doch die Zeiten haben sich

geändert. Klitschko kämpft nicht

wie Foreman, Frazier, Patterson

oder gar Ali. Klitschko nutzt all

seine körperlichen Vorteile perfekt

aus, er dominiert, er gewinnt,

Kämpfe genauso wie Respekt für

seine Leistung. Aber er fasziniert

nicht, er reißt das Publikum

nicht von den Bänken. Deshalb

steht RTL am Ende mit einem

unterhaltsamen Vorprogramm,

das dank der Übertragung aus

Moskau ohne dieses unerquickliches

Am-Ring-Gequatsche mit

der deutschen Semiprominenz

auskam, sowie einer erfrischend

neutral gestalteten Analyse da –

unterbrochen von viel Werbung

und einem wieder einmal langweiligen

Schwergewichtskampf.

Susanne Rohlfing

12 BoxSport


Auf 800 Seiten beschreibt der Autor Gunnar Meinhardt pralles Boxer-Leben. 88 Zeitzeugen des

Boxbooms in Deutschland hat er dafür exklusiv interviewt. Unter den Befragten befinden sich

nicht nur namhafte Boxerinnen und Boxer, Trainer, Promoter, Manager, Ärzte und Fernsehmoderatoren.

Auch Megastars aus aller Welt stellten sich dem Kreuzverhör. Mit diesen Interviews

wird ein Bild boxerischer Zeitgeschichte gezeichnet. BoxSport veröffentlicht in dieser und in

den nächsten Ausgaben Auszüge aus den Interviews. Heute das mit Bernd Bönte, dem langjährigen

Manager und Geschäftspartner von Vitali und Wladimir Klitschko.

Bernd Bönte: Warum die

Brüder so einmalig sind

Das Werk von Gunnar Meinhardt ist im Verlag Neues Leben für 29,99 Euro erschienen

Ich bin gerne der „Bad

Vitali und Wladimir sind völlig unterschiedliche Typen – ihre große St

• Bernd, als Manager von

Vitali und Wladimir Klitschko

haben Sie eine beispiellose Erfolgsgeschichte

mit den Brüdern

geschrieben. Wann begann sie?

Bernd Bönte: Im Grunde

genommen, als wir uns das

erste Mal trafen. Das war beim

WM-Kampf zwischen Graciano

Rocchigiani und Dariusz Michalczewski

am 10. August 1996 am

Hamburger Millerntor. Ich war

als Boxchef von Premiere, heute

Sky, dort. Wir übertrugen den

Kampf, da wir eine Kooperation

mit Universum Boxpromotion

hatten. Ich kommentierte den

Kampf und in meiner Funktion

hat mich Universum-Chef Klaus-

Peter Kohl den Klitschkos vorgestellt.

• Wie war die erste Begegnung?

Bernd Bönte: Ich habe genauso

reagiert wie jeder andere,

wenn vor ihm zwei Meter große

Schränke stehen. Sie hatten

damals diese Raspelfrisuren und

Lederjacken an. Sie sahen aus

wie zwei gigantische Türsteher.

• Und flößten Ihnen Angst

ein?

Bernd Bönte: Überhaupt

nicht. Ich wusste ja, wer sie

waren. Viel reden konnten wir

nicht miteinander. Es war ein

bisschen Small Talk, sie sprachen

kein Deutsch und nur gebrochen

Englisch. Ich kein Russisch.

Trotzdem hatte ich einen

sehr guten Eindruck von ihnen.

Ich kannte sie ja schon. Wladimir

hatte ich mir ein Jahr zuvor

in Berlin bei den Amateurweltmeisterschaften

angeschaut.

Nach seinem Olympiasieg war

klar, dass alle Promoter weltweit

sich für ihn interessieren. Kohl

machte das Rennen, verpflichtete

beide im Paket. 1999 bin ich

ja dann kurzzeitig zu Universum

gewechselt, wodurch wir

uns noch häufiger sahen. Mein

Schlüsselerlebnis war dann das

Shooting von Ocean‘s Eleven in

Las Vegas. Das war 2001.

• Erzählen Sie.

Bernd Bönte: Damals waren

wir zwei Wochen am Stück

zusammen. Wir spielten alle in

dem Film mit, ich als Trainer von

Wladimir. Das waren meine fünf

Sekunden des Ruhms. Wer kann

schon von sich behaupten, mit

Julia Roberts, George Clooney

und Brat Pitt in einem Film mitgespielt

zu haben (lacht). In dieser

Zeit haben wir uns viel über

Politik, Musik, Sport und andere

Dinge unterhalten. Da spürten

wir, dass die Chemie zwischen

uns stimmt. Als sie sich dann

nicht mehr von Universum vermarkten

lassen wollten, klopfte

ich einige Agenturen für sie ab,

so sind wir 2001 zusammen bei

Sportfive in Hamburg gelandet.

Seit 2001 bin ich ihr Manager.

Drei Jahre später wurden auch

die TV-Rechte an ihren Kämpfen

frei. Von da an haben wir alles in

Eigenregie gemacht.

• Ahnten Sie damals, welches

sportliche und geschäftliche

Potenzial in den Brüdern steckte?

14 BoxSport


Bernd Bönte: Ich habe

nie gedacht, dass sind jetzt die

Cash-Cows. Nie. Ich habe da

die gleiche Einstellung wie die

Klitschkos. Wir machen uns nie

Gedanken, wieviel Geld können

wir mit diesem oder jenem

Schritt verdienen. Wenn du eine

gute Leistung bringst, kommt alles

andere von alleine.

• Und sportlich?

Bernd Bönte: Wladimir begann

seine Profikarriere ja als

Olympiasieger, deshalb musste

man kein großer Fachmann

sein, um ihm eine große Zukunft

vorherzusagen. Ich selbst

Bei Pressekonferenzen können

Wladimir und Vitali (rechts) stets

auf die Unterstützung Böntes setzen

Guy“ bei den Klitschkos

ärke ist die Authentizität. Beide können auch ohne das Boxen leben

hatte bis dahin schon zahllose

Kämpfe gesehen, kommentiert,

moderiert. Ich konnte mir also

ein Urteil bilden. Aber viel entscheidender

war, dass ich relativ

schnell erkannte, dass beide

unglaubliches Charisma und

große Authentizität besitzen.

Das ist heutzutage das, was vor

allem zählt. Ich komme aus dem

Journalismus und habe ein Gespür

für PR und Vermarktung.

Wenn dir Sportler begegnen wie

die Klitschkos, die gut aussehen,

die ein vernünftiges Auftreten

haben, gute Zuhörer und gebildet

sind, sagst Du Dir: „Wow,

was für einmalige Typen“. Beide

denken über vieles nach, sind

unglaublich interessiert, ob an

Politik, Wirtschaft, Kunst, egal.

Außerhalb des Rings vergessen

sie das Boxen. Das finde ich

faszinierend. Ich habe rasch gemerkt,

dass man mit ihnen mehr

bewegen kann, als nur sportliche

Dinge.

• Was mussten Sie ihnen

noch beibringen? Zum Geschäft

gehört ja auch die Show.

Bernd Bönte: Beibringen

ist nicht richtig formuliert. Wir

haben unsere Lebenserfahrungen

ausgetauscht. Wir sind ja

in grundverschiedenen Gesellschaftssystemen

aufgewachsen.

Wir haben uns oft über die Geschichte

unserer Geburtsländer

unterhalten. Daraus haben sie

dann ihre Schlüsse gezogen.

Ich habe ihnen natürlich auch

erzählt, worauf man in Deutschland

zu achten hat. Anfänglich

haben wir viel PR generiert, versucht

viele Medien abzudecken,

aber auch viele Anfragen abgelehnt.

Deshalb war ich bei manchen

Medienvertretern weniger

beliebt. Mein Spitzname, hörte

ich, war „Dr. No“. Egal, einer

muss ja der Bad Guy sein.

• Dafür werden die Klitschkos

hierzulande aber umso mehr

geliebt, obwohl sie keine Deutschen

sind.

Bernd Bönte: Das entscheidende

Wort ist Authentizität.

Die Leute merken, dass sie authentisch

sind und kein Spiel

spielen. Die Klitschkos wollen

den Leuten nicht einfach etwas

erzählen. Wenn sie über ihre

sportlichen Erfolge oder auch

Misserfolge reden, über ihre Familie,

über Dinge, die sie bewegen,

merken die Menschen, dass

sie nicht aufgesetzt sind. Sie interessieren

sich für andere Menschen,

respektieren sie, können

mit anderen mitfühlen. Du wirst

nicht erleben, dass sie jemanden

wegschicken, wenn der ein

Autogramm haben oder ein Foto

mit ihnen machen möchte.

• Mit wem ist die Zusammenarbeit

leichter – mit Wladimir

oder Vitali?

... und Vitali „völlig unterschiedliche

Typen und Persönlichkeiten“

Unteres Bild: Seit 2000 ist Bernd Bönte

Manager der Klitschko-Brüder

Bernd Bönte: Wladimir ist

zumindest greifbarer. Vitali ist

so gepolt, dass er immer auf fünf

Hochzeiten gleichzeitig tanzt.

Er lebt seine sportliche Karriere,

macht Politik, kümmert sich um

seine Frau Natalia und seine drei

Kinder. Es ist Wahnsinn, was er

für ein tägliches Pensum bewältigt.

• Ist das auf Dauer zu

schaffen?

Bernd Bönte: Vitali kennt

es nicht anders. Vitali kann sich

nicht für ein oder zwei Stun-

BoxSport

15


Warum es Zweifel an der Doktorarbeit der Klitschkos gab

den unter einen Sonnenschirm

setzen und nichts tun. Oder

sich komplett nur auf eine Sache

fokussieren wie Wladimir.

Wenn Wladimir in der Kampfvorbereitung

ist, zieht er die

mit seinem Team vom ersten

bis zum letzten Tag mit aller

Konsequenz durch. Klar gibt

er zwischendurch auch Interviews,

doch sein Fokus ist nur

aufs Boxen ausgerichtet. Vitali

fliegt zwischendurch schon mal

vom Camp nach Kiew, um als

Parteivorsitzender vor ein paar

tausend Leuten zu sprechen.

Für Wladimir wäre das absolut

undenkbar.

• Irgendwann aber ist jeder

Mensch verschlissen.

Bernd Bönte: Körperlich

sicherlich nicht. Beide sind fit,

trainieren jeden Tag. Auch im

Wahlkampf stand Vitali morgens

um sechs Uhr auf, um eine

Stunde im Gym zu arbeiten.

• Vitali in seinem Aktionsradius

einzuengen, ist demnach

sinnlos?

Bernd Bönte: Absolut. Er

holt sich seine Energie aus der

ständigen Aktivität.

• Ist es so gesehen einfacher,

mit Wladimir zu arbeiten?

Bernd Bönte: Einfacher ist

es, mit Wladimir Termine zu

vereinbaren oder Termine zu

finden. Das A und O unserer Zusammenarbeit

ist das Vertrauen

und dass man sich aufeinander

verlassen kann. Das funktioniert

perfekt.

• Was imponiert Ihnen an

den Brüdern?

Bernd Bönte: Am meisten

ihre Geradlinigkeit und Authentizität.

Ich habe die Klitschkos

noch nie, die Betonung liegt auf

noch nie, aufgesetzt erlebt. Sie

sind immer total natürlich. Sie

gehen auf andere Menschen positiv

zu. Sie sind, das sage ich

jetzt nicht, weil ich mit ihnen

arbeite, aber sie sind wirklich

mit die lebensbejahensten Menschen,

die ich je kennenlernte.

• Das sehen aber nicht alle

so. Es gibt auch genügend Zeitgenossen,

die beide gern verlieren

sehen.

Bernd Bönte: Das ist leider

ein typisches Phänomen. Ich

kann das nicht nachvollziehen.

Ich habe mich nie gefreut, wenn

Boris Becker Tennisspiele verloren

hat. Ich war ein großer Fan

von ihm, und warum sollte ich

mich freuen, nur weil er eine

Legende ist, dass er verliert. Ich

16 BoxSport

habe keine Neidgefühle gegen

Menschen, die ihre Leistung

bringen und positiv agieren. Sie

sollen dafür ihren Obolus bekommen.

Es wird doch dadurch

niemand ausgeraubt und keiner

verliert etwas. Ich werde nicht

vergessen, wie im Zuge der Affäre

zu Guttenberg,…

• … Sie meinen Karl Theodor

zu Guttenberg, der wegen

seiner gefälschten Doktorarbeit

als Bundesverteidigungsminister

zurücktrat, …

Bernd Bönte: … ja, versucht

wurde, auch bei den

Klitschkos zu recherchieren, ob

sie wirklich ihre Doktorarbeiten

selbst verfasst haben. Mehrere

Zeitungsjournalisten waren

deshalb in Kiew. Mich hat das

schon sehr gewundert. Die Rechercheure

konnten an der Uni

in Kiew jedoch nur feststellen,

dass der komplette Input der

Dissertationen von den Klitschkos

kam. Als ihre Doktorarbeiten

ins Deutsche übersetzt wurden,

war ich tagelang mit dabei

und habe mitbekommen, wie

sie über alle Inhalte genauestens

Bescheid wussten.

• Können Sie Ihre Millionen

noch zählen, die Sie zusammen

verdient haben?

Bernd Bönte: Die Brüder

sind schon lange erfolgreich und

werden finanziell sicherlich nie

Schwierigkeiten bekommen. Es

sind aber auch keine Menschen,

die auf den Putz hauen. Sie haben

jeder ein Auto, während andere

20 in ihrem Fuhrpark stehen

haben und damit prahlen.

Wladimir und Vitali fahren jeder

einen Mercedes, und einen

geräumigen Familienwagen derselben

Marke hat Vitalis Frau.

Das ist es, so wie bei anderen

Normalverbrauchern auch.

• War es ein Fehler, dass sie

nach den Olympischen Spielen

1996 zu Universum gingen?

Bernd Bönte: Das würde ich

nicht sagen. Der Erfolg gibt den

Klitschkos Recht. Was wäre denn

die Alternative gewesen? Zu einem

amerikanischen Promoter

zu gehen. In Europa wären sie

dann ganz bestimmt nicht so bekannt

geworden.

• Aber dafür in Amerika,

wo im Schwergewicht das große

Geld zu verdienen ist.

Bernd Bönte: Dafür hätte es

aber auch starker amerikanischer

Nicht nur mit den

Klitschkos verheiratet:

Bernd Bönte hat mit

Ehefrau Hella auch eine

starke Partnerin an seiner

Seite, die ebenfalls für die

Klitschko Management

Group GmbH

tätig ist

Gegner bedurft. Vitali hat seine

erste WM 1999 gewonnen. In

diesem Zeitraum fand der letzte

richtig große Kampf mit einem

Amerikaner 2002 in Memphis

statt, zwischen Mike Tyson gegen

Lennox Lewis. Tyson war damals

aber schon längst über seinem

Zenit.

• Stand Ihre Zusammenarbeit

mit den Brüdern schon mal

auf der Kippe?

Bernd Bönte: Noch nie. Das

Vertrauensverhältnis besteht gegenseitig.

Wenn ich heute, aus

welchen Gründen auch immer,

in irgendwelche finanziellen

oder privaten Probleme geraten

würde, auf Vitali und Wladimir

könnte ich mich hundertprozentig

verlassen, aber umgekehrt

genauso.

• Was sind die wesentlichsten

Unterschiede zwischen Beiden,

außer ihrem Alter?

Bernd Bönte: Beide sind völlig

unterschiedliche Typen und

Persönlichkeiten. Es wird immer

gesagt, Vitali ist ein ernsthafterer

Mensch, aber das stimmt gar

nicht. Die beiden haben unheimlich

viel Humor. Ich kenne niemanden,

der so viele Witze am

Stück erzählen kann wie Vitali. In

einigen Lebensbereichen ist Vitali

natürlich ernsthafter im Umgang,

Als Premiere-Reporter kümmerte sich

Bernd Bönte, wie hier 1998 mit Evander

Holyfield, um das Thema Boxen

schließlich hat er eine Familie mit

drei Kindern und ist als Politiker

sehr aktiv. Wladimir hat eher die

Möglichkeit, zwischendurch locker

eine Runde Golf zu spielen,

wenn er Lust dazu hat, obwohl

auch er gerne und viel an Themen

außerhalb des Boxens arbeitet.

• Seit 2007 sind Sie Geschäftsführer

der Klitschko Management

Group. Sind Sie zum

Geschäftemachen geboren?

Bernd Bönte: Ganz sicher

nicht. Was mir immer sehr lag,

ist der gesamte Bereich Medien,

PR und Vermarktung. Ich bin sicherlich

nicht der klassische Boxmanager

mit meinem Magister in

Geschichte und Politologie.

• Und in zehn Jahren, was

werden die Brüder dann machen?

Bernd Bönte: Ich hoffe, Vitali

ist dann Präsident der Ukraine.

Wladimir hat bis dahin auch eine

Familie gegründet und wird geschäftlich

in vielen Bereichen involviert

sein. Die Beiden werden

auf jeden Fall niemals als Trainer

arbeiten oder als Manager, daran

haben sie kein Interesse. Beide

werden auch ohne Boxen viel

Spaß am Leben haben. Ich hoffe,

dass wir alle gesund bleiben und

als ihr Freund und Berater werde

ich sicherlich weiter eng mit beiden

verbunden bleiben.


WM-Kampf gegen Barker nach Stuttgart geholt

Sturm könnte Geschichte schreiben

Viermal Weltmeister – das hat noch kein Deutscher geschafft

Um gegen Darren Barker Geschichte zu schreiben, trainiert Felix Sturm hart

Es war wirklich fünf vor

zwölf. Die Versteigerung

drohte. Es blieben nur

noch wenige Stunden.

Aber sie haben es geschafft. Roland

Bebak, Manager von Felix

Sturm, und Karsten Mahlmann

vom Vermarkter Ufa Sports holten

den WM-Kampf gegen Darren

Barker nach Deutschland.

Er wird jetzt am 7. September

in Stuttgart in der Porsche Arena

stattfinden. Roland Bebak:

„Natürlich hätten wir lieber in

Köln geboxt, aber leider war

die LanxessArena nicht frei. So

wird es Stuttgart, aber auch hier

hat Felix bisher sehr erfolgreich

gekämpft. Dort werden ihn viele

bosnische Fans unterstützen.“

Auch Felix Sturm war natürlich

begeistert, dass sich sein

Team mit Barkers Promotor

(Matchroom Boxing) in letzter

Minute geeinigt hat. „Ich freue

mich riesig. In Stuttgart möch-

Roland Bebak ist happy, dass der

Kampf in Stuttgart stattfindet

te ich zum vierten Mal

in meiner Karriere

Weltmeister werden“,

sagte Felix Sturm, der

bei einem Sieg etwas

schaffen würde, was

bisher noch ein deutscher

Boxer geschafft hat. Er könnte

Geschichte schreiben. Entscheidend

für die besonderen

Bemühungen des Sturm-Teams

war die Tatsache, dass sie mit

Sat.1. nur einen Vertrag haben

für Kämpfe, die in Deutschland

stattfinden.

Für Eddie Hearn, den gewieften

Manager von Barker,

war es bei seiner Entscheidung

wichtig, dass eine Rückkampf-

Klausel vereinbart wurde, falls

Sturm gewinnt. Ein zweiter

Kampf würde dann in England

stattfinden. Hearns fügte allerdings

lächelnd hinzu: „Ich glaube,

dazu wird es nicht kommen,

denn Darren wird seinen Titel

in Stuttgart eindrucksvoll verteidigen.“

Felix Sturm ist nach

seinem Bosnien-Urlaub bereits

wieder im harten Training und

von einem Sieg überzeugt. In

den letzten fünf Wochen vor

dem Kampf wird dann noch der

Meistermacher Fritz Sdunek

nach Köln kommen, um ihm den

letzten Schliff zu verpassen.

Die großen Kämpfe von Barker

Der 31-jährige Darren

Barker wurde

am 17. August 2013

in Atlantic City IBF-

Weltmeister im Mittelgewicht,

nachdem er den australischen

Titelträger Daniel Geale knapp

nach Punkten bezwungen hatte.

Barker war zwar in Runde

sechs nach einem Leberhaken

auf die Bretter geschickt worden

und erlitt zusätzlich noch

einen Cut über dem linken

Auge – was ihn jedoch nicht

davon abhielt, den vom Ring

Magazine auf Platz zwei der

Weltrangliste geführten Geale

zu entthronen.

Daniel Geale

(links) hatte gegen

Barker wenig

entgegenzusetzen,

auch wenn er

den Engländer

zwischendurch auf die

Bretter schickte

Zu seinen Amateurzeiten

hatte der Engländer 68

Kämpfe bestritten, davon

55 gewonnen. Bei den 17.

Commonwealth Games

2002 in Manchester sicherte

er sich die Goldmedaille im

Halbweltergewicht. Zwei

Jahre später startete er seine

Profikarriere und blieb

über sieben Jahre unbesiegt,

holte sich in der Zeit

den von Howard Eastman

niedergelegten Commonwealth-Meistergürtel

im

Mittelgewicht (2007), wurde

Britischer Meister (2009)

sowie Europameister (EBU)

im Mittelgewicht (2010), sicherte

sich diesen Titel 2011 nach

einer verletzungsbedingten Auszeit

von einem Jahr erneut.

Es folgte eine Niederlagen

gegen den Weltranglisten-Ersten

Sergio Martínez am 1. Oktober

2011, ehe er im Dezember 2012

die Interkontinentale Meisterschaft

der IBF durch T.K.o. in der

vierten Runde gegen Ex-Europa-

Darren Barker ist sich sicher, Sturm zu

schlagen

meister Kerry Hope gewann. In

2013 bezwang er neben Geale

noch den Italiener Simone Rotolo.

Auf den Sturm-Kampf freut er

sich nun besonders: „Lasst uns

England nach Stuttgart bringen.

Ich werde nicht verlieren“, so

Barker.

BoxSport

17


Doppelschlag von Steinforth

Nach einer Sommerpause ist SES-Boxing wieder

zurück – Promotor Ulf Steinforth trumpft direkt mit

einem Doppelschlag innerhalb von sieben Tagen auf.

Am 19. Oktober bestreiten zunächst Robert Stieglitz

und Dominic Bösel WM-Fights in Leipzig, am 25.

Oktober folgt bereits das nächste Event in Frankfurt/Oder.

Dort geht es mit den „schweren Jungs“

Francesco Pianeta und Robin Krasniqi ordentlich zur

Sache. Sat.1 „ran boxen“ wird live aus der Leipziger

Messe Halle „EINS“ übertragen, die Kämpfe aus

Frankfurt/Oder werden live auf maxdome, dem Video-on-Demand-Angebot

der ProSiebenSat.1 Media,

für 9,99 Euro gezeigt, eine Woche später präsentiert

kabel1 das Geschehen.

Starten den „Doppelschlag“ in Leipzig: Dirk Dzemski, Dominic

Bösel, Robert Stieglitz und Ulf Steinforth (von links)

Stieglitz-Gegner ein „schneller Hund“

Weltmeister bereitete sich bei Kollegen Zaveck in Slowenien auf den WM-Kampf vor

Das ist die letzte Titelverteidigung

in diesem

Jahr. Leipzig ist eine besondere

Stadt für mich.

Sie liegt nicht weit von Magdeburg

entfernt und ich habe hier

viele Fans. Es wird Spaß machen,

so weiter zu boxen, daran anzuschließen,

wie ich nach dem

letzten Kampf aufgehört habe“,

so Super-Mittelgewichts-Champion

Robert Stieglitz (45-3-0/26

K.o.s), der am 19. Oktober in der

Leipziger Messe Halle „EINS“

seinen Gürtel gegen die Nummer

sieben der WBO-Weltrangliste,

Isaac Ekpo (22-1-0/16 K.o.s) aus

Nigeria, verteidigt.

Bei der PK im Vorfeld posierte Stieglitz

mit dem Leipziger Messemännchen

In Leipzig bestreitet der

Magdeburger bereits seinen 11.

WM-Fight. Und nach den erfolgreichen

Auftritten in diesem Jahr

gegen Arthur Abraham und den

Japaner Yuzo Kiyota soll nun

der dritte Streich gelingen. Der

30-jährige Nigerianer Isaac Ekpo

ist als schneller „Hund“ und

starker Kämpfer bekannt, und

er wird Robert Stieglitz einen

starken Kampf abfordern. „Die

ersten Analysen für den Herausforderer

Isaac Ekpo haben wir

gemacht. Er ist ein Draufgänger

und muskulös, ich muss viel mit

den Beinen und über die Schnelligkeit

arbeiten. Ich war für zwei

Wochen im Trainingslager in

Ptuj in Slowenien. Mein Teamkollege

Jan Zaveck hatte mich

eingeladen“, erklärte Stieglitz.

Dass Arthur Abraham als Pflichtherausforderer

nominiert wurde,

kommentierte der 32-Jährige

recht emotionslos: „Das ist ganz

normal: Die WBO hat entschieden

und ich freue mich drüber.

Ich muss als Weltmeister ohnehin

jeden boxen.“

Über das Trainingslager in

Slowenien sowie auf den Kampf

in Leipzig – da nicht weit von seinem

Zuhause – freute sich auch

Trainer Dirk Dzemski: „Isaac

Ekpo ist hungrig, kann hart

schlagen – das wird ein spannendes

Ding, das man sehr ernst

nehmen muss.“ Mit den bisherigen

Leistungen seines Schützlings

2013 konnte sich Dzemski

gleichfalls gut anfreunden: „Ich

bin sehr zufrieden mit Robert in

diesem Jahr, vor allem dass er

verletzungsfrei aus dem Kampf

gegen Kiyota gekommen ist.“

In der Leipziger Messe Halle

„EINS“ wird auch der WBO-

Juniorenweltmeister und Teamchef

vom „Team Deutschland“,

Dominic Bösel (12-0-0/4 K.o.s),

seinen Titel im Halbschwergewicht

verteidigen. Der aus Freyburg

an der Unstrut stammende

Bösel trifft bei seinem dritten

WM-Fight auf den Italiener Mirko

Ricci (10-1-0/4 K.o.s). „Ich

will ein letztes Mal den Titel

verteidigen, bevor ich 24 werde.

Danach muss ich den Junioren-

Titel leider niederlegen. Es motiviert

unheimlich, wenn meine

Fans so zahlreich da sind, und

sie werden in Leipzig sein. Kapitän

des ‚Team Deutschland‘ zu

sein, ist eine Würde, keine Bürde,

so bekomme ich Druck von

unten.“

Außerdem präsentiert SES –

neben weiteren Profis aus dem

jungen „Team Deutschland“ –

noch einen WM-Fight in Leipzig:

Die IBF-WM im Fliegengewicht

zwischen dem südafrikanischen

Isaac

Ekpo wird

Stieglitz

fordern

Titelverteidiger Moruti Mthalane

(29-2-0/20 K.o.s) und dem spanischen

Herausforderer Silvio

Olteanu (14-6-1/6 K.o.s). „Wir

rechnen mit 6.000 Zuschauern“,

so SES-Promoter Ulf Steinforth.

„Mit dem neuem Tribünensystem

kann man die Kapazität

unkompliziert erweitern. Der

nächste Kampf, also der gegen

Ekpo, wird schwer genug für

Robert. Dominic ist ein würdiger

Kapitän des Team Deutschlands.

Dass ein Wettbewerb innerhalb

des Team Deutschlands entsteht,

ist natürlich gut. Wir haben bewiesen,

dass es sehr talentierte

junge Boxer gibt und es macht

Spaß, sie zu fördern und sie zu

sehen. Robert ist derzeit der Boxer

mit den meisten Kämpfen,

ein echtes Vorbild, ein Mentor

für das Team Deutschland, darüber

bin ich besonders stolz.“

18 BoxSport


Ich werde Minto, ‚das Biest‘,

schlagen!“ – mit dieser

selbstbewussten Aussage

kündigt der Gelsenkirchener

Schwergewichtler Francesco Pianeta

(28-1-1/15 K.o.s) seinen

nächsten Fight an. Zusammen

mit dem Münchener Halbschwergewichtler

Robin Krasniqi (40-3-

0/15) will Pianeta am 25. Oktober

für boxerische Highlights

in der Brandenburg-Halle von

Frankfurt/Oder sorgen. Die beiden

WM-Kämpfer steigen dabei

als Hauptkämpfer in den Ring.

Pianeta bekommt es bei der „getgoods.de

Fight Night“, mit der

die schöne Tradition der „Nacht

der schweren Jungs“ fortgesetzt

wird, mit dem einstigen Axel-

Schulz-Bezwinger Brian Minto

(37-6-0/24) zu tun, während

sich Krasniqi dem Ukrainer Oleksandr

Cherviak (13-2-1/4) stellen

muss.

Francesco Pianeta

Beide SES-Kämpfer wollen ihre

Anwartschaften auf Titelkämpfe

und hohe Weltranglistenpositionen

erneut unterstreichen.

Im Mai dieses Jahres musste

sich Pianeta in Mannheim im

Kampf mit dem dreifach-gekrönten

Schwergewichts-Weltmeister

Wladimir Klitschko nach einem

mutigen und engagierten Kampf

geschlagen geben – und will nun

gegen Minto für einen Fight der

Extra-Klasse sorgen. Für den

Sieg, den Brian Minto 2006 gegen

Axel Schulz eingefahren hatte,

will der Gelsenkirchener nun in

dessen Heimatstadt Frankfurt/

Oder für die deutsche Boxlegende

eine noch offene Rechnung

begleichen. „Ich habe einiges

gut zu machen. Frankfurt/Oder

ist eng mit Axel Schulz verbunden

und da ist noch eine Rechnung

offen. Aus dem Klitschko-

Kampf habe ich viel Erfahrung

mitgenommen und ich war von

den

positiven Reaktionen

überrascht.

Darüber

habe ich mich

sehr gefreut.

Es gab für mich

einiges zu verarbeiten,

aber jetzt

bin ich heiß auf

Minto. Ich will

‚das Biest‘ schlagen“,

so Pianeta.

Sein Stallkollege,

Freund und

WG-Partner Robin

Krasniqi hatte im April in

London die Chance, gegen den

damaligen WBO-Champion im

Halbschwergewicht Nathan Cleverly

seinen großen Traum vom

Weltmeisterschaftstitel zu erfüllen.

Nach zwölf Runden hatte

aber der routinierte Weltmeister

aus Großbritannien nach Punkten

gewonnen. Nun nimmt Krasniqi

in der Brandenburg-Halle

wieder Anlauf auf die WBO-

Im Logistikcenter von getgoods.de hatten Ulf Steinforth, Markus Rockstädt-Mies,

Vorstandsvorsitzender der getgoods.de AG, Francesco Pianeta und Robin Krasniqi

(von links) viel Spaß

Ich werde das

Biest schlagen

Gegen Minto Rache für Axel Schulz

Europameisterschaft.

Diesen Titel hatte er bereits bis

2012 inne und damit setzte er

auch den Grundstein zum WM-

Fight gegen Cleverly. Ein Sieg in

dem bevorstehenden Europameisterschaftsduell

ist für ihn

als aktuelle Nummer sieben der

WBO-Weltrangliste eine ausgezeichnete

Startposition, um

wieder ganz oben anzuklopfen.

„Ich freue mich nicht nur auf

Frankfurt/Oder, sondern darauf,

dass ich hier wie vor zwei Jahren

wieder die Europameisterschaft

erobern kann. Wenn ich diesen

Kampf gewinne, ist das eine

riesige Motivation, die nächste

WM-Chance anzugehen“, sagte

Krasniqi. Um zu diesem Sprung

ansetzen zu können, muss er

sich Cherviak stellen. Cherviak,

der aus der ukrainischen Weltklasse-Schmiede

des Boxens

stammt, wird mittlerweile bei

allen großen Weltverbänden in

den Ranglisten unter den ersten

15 geführt. Gelingt dem 26-jährigen

Robin Krasniqi ein Sieg

über den 32-jährigen Ukrainer,

Axel Schulz

(rechts) zog

2006 gegen

Brian Minto

den Kürzeren

kann er in der Weltrangliste

einen großen Sprung nach vorn

machen.

„Ich bin stolz darauf, was

wir mit den vergangenen Kampfabenden

in Zusammenarbeit mit

getgoods.de in Frankfurt/Oder

aufgebaut haben. Wir werden

mit den beiden Hauptkämpfen

und den anderen ‚Schweren

Jungs‘ Frankfurt/Oder weiter

als Sportstadt etablieren“, meinte

SES Promoter Ulf Steinforth.

„Wenn die beiden Hauptkämpfer

Siege einfahren – und davon bin

ich überzeugt –, können sie sich

wieder ganz oben platzieren.

Minto ist ein Ringfuchs, deshalb

wird der Kampf für Francesco

eine schwere Aufgabe.“ Markus

Rockstädt-Mies, Vorstandsvorsitzender

der getgoods.de AG, ist

ebenfalls von dem Event erbaut:

„Ich freue mich ganz besonders

darüber, dass Francesco Pianeta

nach seinem Klitschko-Duell

den ersten Kampf hier bestreitet

und der Fight von Robin Krasniqi

unterstreicht die große Qualität,

die am 25. Oktober geboten

wird.“

BoxSport

19


Die blonde Natalia ist stocksauer auf

Manuel und wird von Marijke Amado

(re.) getröstet

Da verstanden sie sich

noch gut: Manuel und die

schräge Georgina

Charr: Weiberfastnacht

Stein im Brett bei Pamela Anderson, aber was läuft da mit Cindy

Als wir neulich bei

Google den Namen

„Charr“ eingaben,

stießen wir auf folgende

Zeilen: „Das Volk der Charr

wurde im gnadenlosen Feuer

des Krieges geschmiedet. Er ist

alles, was sie kennen. Der Krieg

definiert ihr Wesen, und ihr Streben

nach Herrschaft treibt sie

immer weiter an. Schwächlinge

und Narren haben keinen Platz

in den Rängen der Charr. Einzig

der Sieg zählt – koste es, was es

wolle. (…) Die Charr gebärden

sich gegenüber ihren Feinden

zwar als ruchlose und unerbittliche

Schrecken, sind aber gleichzeitig

tapfere Verbündete mit

einem unerschütterlichen Sinn

für Loyalität.“ Aha, dachten wir,

da geht es um unseren Manuel,

der sich ja gerne als „Krieger

und Kämpfer“ bezeichnet, also

den „Koloss von Köln“. Der allerdings

zog nicht in den Krieg,

sondern ins Big Brother Haus.

Nicht wie der „Schah von Persien“,

aber wie der „Charr von

Syrien“.

Moderierte Big Brother und den deutschen Fernsehpreis: Cindy aus Marzahn

Und er sorgte sofort für

Schlagzeilen. Wladimir Klitschko

sei schwul, er wüsste es ganz

genau, verkündete er diese „alte

Kamelle“. Woher will er das wissen?

War er mit der „Schwester“

des Big Brothers Vitali, der ihn

so verprügelte, aus Rache im

Bettchen? Empörung von allen

Seiten, denn Manuel war mal

wieder ins Fettnäpfchen getreten.

Dann aber legte er erst

richtig los. „Weiberfastnacht

bei Big Brother“ mit dem „Koloss

von Köln“. Mit dem schrägen

It-Girl Georgina landete er

auf der Toilette. Diskussionen

über Schmatzgeräusche waren

die Folge. Georgina, die Kanaille

vom Dienst, sprach hinterher

von „Kussvergewaltigung“.

Charr verteidigte sich: „Da war

nix“. Vielleicht waren die Geräusche

nur das Gebissgeklapper

des 66-jährigen Fancy, Schlagerstar

aus dem kalten Krieg, der

plötzlich auch aus der Toilette

kam.

Dann, als der Manuel so richtig

in Fahrt war, flog er raus. Der

Grund: die nervende Blondine

Natalia, die eigentlich nur zwei

Worte sprechen konnte – und

die hießen „fuck you“. Und dies

passte unserem Manuel, natürlich

ein Mann von Weltformat,

nicht. Er erklärte dem großen

Big Brother, was das eigentlich

für eine unprominente Schlampe

sei, die mit halbnackten Brüs-

20 BoxSport


„Schau mir in die Augen, Kleines“ – Pamela Anderson und

Matador Charr, den sie dann k.o. schlug, im Hintergrund freut

sich Martin Semmelrogge

Der Charr-Krieger

aus Tyrias

Köln. Kolossal! Im Schlosshotel

in Bensberg sollen sie sich

heimlich getroffen haben. In eibei

Big Brother

aus Marzahn?

ten zum Essen kam und keine

Tischmanieren habe. Man konnte

glauben, ihre Möpse wären in

die Suppe gefallen. Der fesche

Zuchtmeister hatte eigentlich

in den meisten Punkten Recht.

Doch Deutschlands Frauen ließen

sich das nicht gefallen und

warfen ihn mit über 70 Prozent

aus seiner schönen Scheinwelt

raus. Dabei ging es ihm so gut.

Bei dem gerade eingezogenen

Baywatch-Star Pamela Anderson

hatte er sich einen Stein im

Brett erschwänzelt. Er überredete

sie sogar zum Boxtraining,

obwohl sie eigentlich Marathon

laufen will. Die blonde Pamela

und der schwarzhaarige Manuel

– was für ein schönes Paar. Das

fand sogar auch der vorzeitig

abgereiste Ex-Baywatch-Kollege

David Hasselhoff.

Als Big Brother dann zu Ende

war, kam das Skandalblatt

„Closer“ mit einem Hammer

raus. Die heimliche Geliebte unseres

Manuels sei eigentlich die

„Schwergewichtskollegin“ Cindy

aus Marzahn, richtiger Name

Der „Koloss von Köln“

ganz verliebt mit Freundin

Amira beim Deutschen

Fernsehpreis

Ilka Bessin, die Moderatorin des

Irrenhauses. Ein Tuschelthema

sei das schon seit Wochen in

ner Suite zum Preis von 361,50

Euro. Aber jetzt kommt es erst!

Cindy, die einst von Hartz IV

lebte, aber jetzt Millionärin geworden

ist, soll Manuel sogar

einen Ferrari zur Verfügung gestellt

haben.

Na sowas! Der Koloss von

Köln als Gigolo der Südstadt?

Nein, das glauben wir nicht. Wir

haben ja schließlich gelesen:

„Der Charr wurde im Feuer des

Krieges geschmiedet. Schwächlinge

und Narren haben da keinen

Platz.“ Ach nee, zum Schluss

mussten wir feststellen, das Volk

der Charr ist ein virtuelles Spiel

im Internet und hat eigentlich mit

unserem Manuel nichts zu tun.

Bei dem gab es zum Schluss allerdings

noch ein Happy End mit

Freundin Amira beim Deutschen

Fernsehpreis. Allerdings war

auch sie wieder dabei, der Kugelblitz

aus Marzahn, natürlich als

Moderatorin mit ihrem kleinen

Clown Oliver Pocher. Profiteur

des ganzen Charr-Spektakels ist

der Privatsender Sat.1, denn am

19. Oktober boxt er wieder, der

Manuel. Auf eigene Rechnung bei

der SES-Veranstaltung mit Weltmeister

Stieglitz. „ran boxen“

überträgt und sicherlich wird

die Quote nicht so schlecht sein.

Ein Hinweis zum Schluss: Wer es

noch nicht gemerkt hat – das war

alles Satire… Hans Reski

BoxSport

21


Exklusiv

Das

sport

INTERVIEW

Hans Reski mit Wilfried Sauerland

Wilfried Sauerland (73) ist der Grandseigneur des Boxbusiness.

Seit 33 Jahren spielt er eine dominierende Rolle, ist

inzwischen Mitglied der Hall of Fame im Boxen. Er lebt in Kapstadt

(Südafrika), aber zu den großen Kämpfen reist er gerne

nach Europa oder Amerika. Ein bisschen weniger als früher,

aber sein Rat ist immer noch gefragt und sein Wort gilt. Im

BoxSport-Exklusivinterview redet er über die internationale

Boxszene und speziell über die Entwicklung der von ihm gegründeten

Firma Sauerland Event.

Seit 33 Jahren im Boxbusiness: Wilfried Sauerland

Nach einer Talfahrt kommen

wir immer gestärkt zurück

Keine Angst vor der Konkurrenz der AIBA Profiliga

BoxSport: Es gab in den

letzten Wochen zwei Highlights

im Profiboxen, einmal in Moskau

der Kampf zwischen Klitschko

und Povetkin sowie der Fight

Mayweather gegen Alvarez

in Las Vegas. Das ändert aber

nichts an der Tatsache, dass die

Deutschen beim Boxen keinen

Durchblick mehr haben. Es gibt

immer mehr Weltmeister, immer

mehr Titel, immer mehr Verbände,

dazu kommt jetzt auch noch

die AIBA mit ihren Profis und

Halbprofis. Sehen Sie da nicht

eine gefährliche Entwicklung.

Wilfried Sauerland: In

den letzten Jahren sind bei den

Weltboxverbänden keine dazu

gekommen. Es gibt immer noch,

wie seit vielen Jahren, die vier

großen. Es gibt zwar kleinere

Ungereimtheiten, aber daran hat

man sich ja fast schon gewöhnt.

Bei der neuen Profiliga der AIBA

glaube ich nicht, dass das viel

Erfolg haben wird. Die machen

sich ja untereinander fast selber

wieder Konkurrenz.

BoxSport: Der DBV-Präsident

Jürgen Kyas ist da ganz anderer

Meinung. Er sagte neulich:

„Der Zug ist abgefahren, das Niveau

vieler Profikämpfe ist doch

inzwischen unterirdisch. Das

Auch Sohn Kalle

(re.) holt sich öfter

noch einen Rat bei

seinem Vater Wilfried

Sauerland

Amateurboxen lebt, wir haben

das bessere Produkt.“

Wilfried Sauerland: Dann

soll er mir mal die guten Amateure

nennen, die wir haben.

Wir wären glücklich, wenn es

bessere Amateure geben würde,

denn dann würden ja auch hinterher

bessere Leute zu den Profis

kommen. Da herrscht Mangel

zurzeit.

BoxSport: Die wären aber

nach den neuen Verträgen des

DBV fast gar nicht mehr zu bezahlen.

Wilfried Sauerland: Ob so

etwas durchsetzbar ist, weiß ich

gar nicht. Nach dem derzeitigen

Stand ist man als Profi-Promoter

im Grunde genommen dazu

gezwungen, Boxer schon ganz

jung unter Vertrag zu nehmen.

Wie zum Beispiel im Fall Tyron

Zeuge, der schon mit 19 zu uns

kam. Das ist bestimmt nicht im

Sinn des Amateurboxens. Uns

wäre es auch viel lieber, wenn

einer schon 25 oder 27 Jahre wäre.

So wie damals Henry Maske,

Sven Ottke oder Markus Beyer,

die nach einer großen Amateurkarriere

bei uns Box-Weltmeister

wurden.

BoxSport: Zum Thema Sauerland-Stall.

Sie haben ja bisher

ein richtiges Seuchenjahr gehabt.

Erst das Don King-Theater

mit Huck, dann verlieren Abraham

und Culcay, Huck verletzt

sich auch noch sowie Hernandez

und Helenius waren lange außer

Gefecht.

Wilfried Sauerland: Das

war sicherlich nicht schön. Aber

so etwas haben wir schon einige

Male gehabt und gerade durch

so eine Talfahrt wird man wieder

stark. Schließlich ist Marco

Huck ja noch jung. Und dahinter

kommen gute Leute, die müssen

nur in den nächsten ein bis zwei

Jahren in den Vordergrund treten.

22 BoxSport


BoxSport: Sind Sie mit dem

Nachwuchs zufrieden?

Wilfried Sauerland: Ja,

wenn ich jetzt sehe, was wir bei

den Amateuren bekommen haben.

Die machen sich gut. Ich

prophezeie, dass wir da mindestens

einen Weltmeister dabei

haben. Innerhalb der nächsten

beiden, maximal drei Jahre.

BoxSport: Haben Sie Zweifel

nach der Niederlage an Jack

Culcay bekommen?

Wilfried Sauerland: Nein,

er hat ganz gut geboxt. Das war

eine unglückliche Niederlage für

ihn, die ihm aber weitergeholfen

hat, weil er jetzt weiß, wie er als

Profi zu boxen hat. Für mich hat

er den Kampf ja knapp gewonnen,

aber er hätte ihn leichter gewinnen

können, wenn er mehr

geschlagen und nicht so viel rumgetanzt

und Show gemacht hätte.

Es war ein sehr schöner Kampf,

von dem wir jetzt die Neuauflage

erleben, und ich

glaube, dass er jetzt bestimmt

gewinnen wird.

BoxSport: In Las Vegas

kämpften im Rahmenprogramm

von Mayweather

mit Smith und Molina zwei

ganz schwache Boxer um

die Weltmeisterschaft im

Halbmittelgewicht in der

Klasse von Jack Culcay.

Wilfried Sauerland:

Ja, das habe ich gesehen.

Ich bin mir sicher, dass

er gegen beide gewinnen

würde. Aber ich bin mir auch

sicher, dass er in den nächsten

18 Monaten einen WM-Kampf

bekommen wird.

BoxSport: Wie sehen Sie Arthur

Abraham?

Wilfried Sauerland: Bei

ihm muss dieser Ehrgeiz wieder

zurückkommen. Den hat er in

den letzten Kämpfen nicht mehr

gehabt. Er war immer einer, der

hungrig war, das war zuletzt

nicht mehr der Fall. Und da muss

man jetzt sehen, ob er sich noch

einmal so motivieren kann, dass

er wieder nach oben kommt.

BoxSport: Sie werden ja

immer größer mit Ihrem Stall.

Haben Sie keine Angst, dass Sie

einen ähnlichen Weg wie Universum

gehen, immer breiter werden,

aber weniger Weltmeister

haben?

Wilfried Sauerland: Nein.

Aber wenn man mal unser Team

in Deutschland sieht – das ist

kleiner, als es noch vor zwei

Jahren war. Daher im Gegenteil:

Wir konzentrieren uns auf weniger,

aber dafür gute Leute. Vor

zwei Jahren hatten wir noch 25

oder 27 Leute und jetzt werden

wir Ende des Jahres 13, 14 Leute

sein. Da ist eher ein Abbau.

Wo mehr Leute dazu gekommen

sind, ist in Skandinavien.

BoxSport: Wie steht es mit

dem TV-Vertrag mit der ARD?

Wilfried Sauerland: Wir

werden uns im Frühjahr nächsten

Jahres zusammensetzen und

dann gucken, wie es weitergeht

und entsprechend verhandeln.

BoxSport: Was wäre denn,

wenn es die ARD nicht mehr

macht?

Wilfried Sauerland: Es gibt

auch andere Interessenten. Uns

wird schon etwas einfallen.

BoxSport: Also seid Ihr auf

die ARD nicht unbedingt angewiesen?

Wilfried Sauerland: Wir

würden gerne mit der ARD weitermachen,

weil wir eine sehr

gute Kooperation gehabt haben

und noch haben. Aber als wir

Drei „Riesen“ unter

sich: Nicolai Valuev,

Jürgen Hingsen und

Wilfried Sauerland

(von links)

damals bei RTL weggegangen

sind, waren auch einige verunsichert

und dann haben wir

jetzt schon zwölf Jahre auf der

ARD gutes Boxen gezeigt. Das

wichtige ist, wenn man ein vernünftiges

Team hat, vernünftigen

Sport bietet, dann wird sich

immer jemand finden. Welche

andere Sportart, außer Fußball,

fängt an einem Samstagabend

noch so viele Zuschauer?

BoxSport: Die Trainer, die

das Boxen in Deutschland groß

gemacht haben, wie Wolke, Wegner,

Sdunek, sind jetzt in einem

Alter, wo sie irgendwann mal

aufhören werden. Siehen Sie da

gute Nachfolger?

Wilfried Sauerland: Wir

haben ja jetzt vor allen mit Karsten

Röwer und Otto Rahim gute

Trainer, die im Grunde die gleiche

Ausbildung haben, wie die

eben genannten. Sie sammeln

auch jetzt immer mehr Erfahrungen,

je länger sie im Profigeschäft

sind. Da werden wir uns

keine Sorgen machen müssen.

BoxSport: Also sehen Sie

trotz alledem eine rosige Zukunft

im Boxen?

Wilfried Sauerland: Ich

bin da eigentlich sehr positiv.

Ich sage mal voraus, dass wir in

ein, zwei Jahren auch wieder ein

paar charismatische Leute oben

haben werden.

BoxSport: Was aber nicht

unbedingt Deutsche sein müssen?

Wilfried Sauerland: Doch,

das sind schon Deutsche. Gut,

heute sagt man ja immer „mit

Migrationshintergrund“. Komischerweise

wird das beim

Boxen immer so hochgespielt.

Wenn man sich mal die deutsche

Fußballnationalmannschaft

anguckt, da kann man

ja kaum noch einen Deutschen

drin finden oder sagen wir mal

einen deutschen Namen. Die

Welt wird ja insgesamt immer

internationaler und das finde

ich gerade beim Boxen sehr gut.

Wenn ich mir manchmal angucke,

aus welchen Nationen

die Jungs stammen, auch aus

unterschiedlichen Religionen,

und wie gut sie doch miteinander

auskommen – eine bessere

Möglichkeit zur Integration gibt

es eigentlich gar nicht.

Marco Huck

(li.) feierte mit

den Sauerlands

zünftig in Tracht

Der Sauerland-Stammtisch…

… auf dem Oktoberfest ist schon zu einer langen Tradition

geworden. Auch in diesem Jahr reiste das Ehepaar Jochi und

Wilfried Sauerland extra zur Wiesn an. Neben Marco Huck und den

anderen Sauerland-Boxern, Trainern und Managern begrüßten die

beiden auch zahlreiche weitere Gäste an ihrem Riesentisch: Ex-

Zehnkämpfer Jürgen Hingsen mit Freundin Francesca Elstermeier,

die Schauspieler Max Tidorf – mit Frau Lisa und Tochter Luzie

–,Otto Retzer und Natascha Ochsenknecht, die Moderatoren

Gundis Zambo, Mareille Höppner und Alexander Bommes, Nicolai

Valuev mit Frau Galina, Autorennfahrerin Christina Surer mit

Partner Martin Tomczyk, Unternehmer Clemens Tönnies plus

Ehefrau Margit und viele andere.

BoxSport: Ja, das ist eine

schöne Entwicklung…

Wilfried Sauerland: Und

ich glaube, dass der Sport zu

einer vernünftigen Integration

viel mehr beitragen kann als

andere.

BoxSport: Wer ist denn bei

Sauerland eigentlich der Chef?

Sind Sie das noch?

Wilfried Sauerland: Christian

Meyer und Frederick Neß

sind die beiden Geschäftsführer,

die machen das ganze Tagesgeschäft.

Aber ansonsten ist in

Deutschland mein Sohn Kalle

der Chef und in Skandinavien

mein Sohn Nisse. Aber wenn es

mal Fragen gibt oder ein Rat gebraucht

wird, dann kommen sie

noch auf mich zu.

BoxSport: Wie lange wollen

Sie denn noch dabei bleiben,

beim Boxen?

Wilfried Sauerland: Solange

ich noch laufen kann.

Ich komme ja auch nicht mehr

zu jeder Veranstaltung, aber

es macht immer noch sehr viel

Spaß. Wenn ich früher 100 gemacht

habe, mache ich heute

noch 80.

BoxSport

23


Zwei Fragen vor der lang

Abraham fit für die Reva

WM-Duell mit Hopkins: Ge

Im Boxgym des Sauerlandstalls

schwirrt Startrainer

Ulli Wegner durch die

Halle. Von Arthur Abraham

geht er zu Karo Murat, von Pablo

Hernandez zu Robert Woge.

Wenn die Boxer schwitzend die

Trainingsstunde beenden, ist

für den 71 Jahre alten Boxprofessor

noch lange nicht Schluss.

Dann schließt er sich in seinem

Zimmer ein, studiert Videos, erstellt

genaue Pläne, wie die Vorbereitung

seiner Profis auf die

nächsten Kämpfe laufen müssen.

„Hier im Gym habe ich mit

meinem Co-Trainer Georg Bramowski

alle Hände voll zu tun“,

erklärt Wegner.

Großkampftag oder besser

gesagt eine lange Nacht wird

der 26. Oktober. Da boxt Arthur

Arthur Abraham will mit der perfekten Einstellung den Ring gegen De Carolis als

Sieger verlassen

Abraham (37-4, 28 K.o.s) in Oldenburg

gegen Giovanni De Carolis

(20-4, 10 K.o.s), gegen den

Abraham nicht nur die WBO-

Giovanni De Carolis (links) hat international bisher noch keine großen

Kämpfe gewonnen

Intercontinental Meisterschaft

im Super-Mittelgewicht verteidigen

will. Gegen den Italiener

soll er auch beweisen, dass er

für ein drittes Duell mit Weltmeister

Robert Stieglitz bereit

ist. „Endlich herrscht für mich

Klarheit“, so Abraham (33), der

beim Verband WBO momentan

an Position eins der Rangliste

steht und den Status des Pflichtherausforderers

innehat. „Mit

einer perfekten Einstellung auf

den Gegner werde ich den Ring

in Oldenburg auf jeden Fall als

Sieger verlassen.“

Der Trainerfuchs Wegner hat

den 29-jährigen Mann aus Rom

schon genauestens unter die

Lupe genommen. „Er boxt technisch

sauber und sucht zumeist

sein Heil in der Offensive“, sagt

Wegner über den aktuellen WBC

International Champion De Carolis.

„Das ist eine gute Standortbestimmung

für Arthur.“

Am gleichen Abend tritt Karo

Murat als Herausforderer in

Atlantic City gegen Weltmeister

Bernhard Hopkins (USA) an. Die

24 BoxSport


en Box-Nacht in der ARD

Sensation?

nche gegen Stieglitz

ingt Murat

ARD wird live aus dem Norden

Deutschlands übertragen und

nach der Veranstaltung in Oldenburg

in die Boardwalk Hall

im US-Bundesstaat New Jersey

schalten. „Der Kampf ist eine

große Herausforderung. Wir haben

Karo intensiv vorbereitet.

Der Junge ist richtig gut drauf.

Mich hat es schon gereizt, einen

WM-Kampf in den USA zu betreuen.

Aber wegen Arthur und

den Fans gehe ich nach Oldenburg“,

verrät Wegner. Dazu liegt

ihm der dritte WM-Kampf von

Abraham gegen Robert Stieglitz

zu sehr am Herzen. „Arthur ist

jeder Zeit in der Lage, sich den

Titel im Super-Mittelgewicht

von Stieglitz wieder zurückzuholen.

Ich werde deshalb intensiv

mit Arthur arbeiten. Zum

WM-Kampf Anfang nächsten

Jahres wird Arthur in Topform

sein“, glaubt der Trainer. Abraham

fiel der Einstieg ins Training

dieses Mal leichter als sonst, „da

die Pause seit dem letzten Fight

nicht wirklich lang war“. In Oldenburg

in den Ring zu steigen

ist für den 33-Jährigen dabei etwas

ganz Besonderes: „Ich freue

mich, wieder in der EWE Arena

zu boxen. Im Jahr 2006 habe

ich hier gegen Shannan Taylor

meine erste Titelverteidigung

als IBF-Weltmeister im Mittelgewicht

bestritten. An diese Zeiten

habe ich tolle Erinnerungen. Die

Zuschauer gehen hier beim Boxen

immer richtig mit und werden

emotional. Ich hoffe, dass

sich diese Leidenschaft auf mich

im Ring überträgt und ich alle

überzeugen kann.“

Die Überschneidung der

Kämpfe kam nur zustande, weil

Murat für den ersten WM-Auftritt

kein Einreise-Visum erhalten

hatte. Jetzt bekam er für das

Duell gegen Hopkins sogar eine

Green-Card. „Vielleicht habe

ich bis dahin aber schon einen

deutschen Pass. Ich habe alle

Prüfungen bestanden und warte

jetzt nur noch auf den Pass.

Ich wohne seit 17 Jahren in

Deutschland, habe mir mit meiner

Familie ein Haus gekauft.

Ich habe keine andere Heimat

als Deutschland“, erklärt der

Halbschwergewichtler. Georg

Bramowski, der Murat in den

USA betreuen wird, glaubt sogar

fest an den Titel: „Mit 48 Jahren

ist Hopkins als Weltmeister ein

Phänomen. Ich denke aber, dass

Karo nicht nur 18 Jahre jünger,

sondern auch boxerisch richtig

gut drauf ist.“

Für den Abend in Oldenburg

ist auch der frühere Frankfurter

Robert Woge

vorgesehen. Auf

den Halbschwergewichtler

hält Trainer

Wegner große

Stücke: „Robert

wurde von klein

auf gut ausgebildet.

Er ist ein rich-

Bernhard Hopkins will seinen

WM-Gürtel gegen Murat verteidigen

tig prima Boxer. Robert verfügt

über einen Hammer und ist

technisch in Ordnung. Nachdem

er es gelernt hat, die Deckung

richtig einzusetzen, bin ich fest

überzeugt: Robert wird unser

nächster Weltmeister.“

Den Titel des Weltmeisters

will in Oldenburg auch Jack

Culcay (14-1, 10 K.o.s) zurück.

Gegen Guido Nicolas Pitto (18-

1, 7 K.o.s) hätte „Golden Jack“

eigentlich am 14. September

in Stuttgart boxen sollen, doch

durch die verletzungsbedingte

Absage von Weltmeister Marco

Huck musste sein Kampf verschoben

werden,

wird nun am

26. Oktober

nachgeholt.

Culcay

und Pitto

standen

sich schon einmal

Ende April in Hamburg

gegenüber.

Dabei kassierte

der Amateur-

Weltmeister aus

dem Jahr 2009 eine

äußerst umstrittene

Punktniederlage gegen

den 26-jährigen Argentinier.

Zusammen mit dem Trainer-

Gespann Fritz Sdunek und Artur

Grigorian sowie Fitness-Coach

und Manager Moritz Klatten hat

sich Culcay in den letzten Wochen

intensiv auf seinen Gegner

vorbereiten können. „Ich werde

im Rückkampf noch konzentrierter

und aktiver boxen“, verspricht

Culcay.

Das umstrittene Punktrichterurteil

aus Hamburg hat Culcay

hinter sich gelassen. „Ich schaue

nur nach vorn. Mit einem klaren

Sieg möchte ich mich für größere

Aufgaben empfehlen“, so

Gehen in der USA

gemeinsam auf

Titeljagd: Karo Murat

(links) und Georg

Bramowski

der 28-Jährige. Bei einem Erfolg

über Pitto würde der Schützling

von Sdunek nicht nur die WBA-

Intercontinental Meisterschaft

zurückerobern, sondern auch

wieder in die Top-15 der WBA-

Weltrangliste vorrücken.

Jack Culcay möchte sich mit einem

klaren Sieg gegen Pitto „für größere

Aufgaben empfehlen“

BoxSport

25


Nach der Absage von Marco Huck wegen Verletzung

Wegners Kampf an

der Seite von Merkel

WM-Fight gegen Arslan jetzt am 25. Januar in Stuttgart

Der verletzte

Ellbogen von

Marco Huck

machte dem

für September

geplanten

Fight gegen

Firat Arslan

einen Strich

durch die

Rechnung

Die Enttäuschung auf

beiden Seiten war groß,

als sich WBO-Cruisergewichts-Weltmeister

Marco Huck (36-2-1, 25 K.o.s)

im Abschlusssparring am linken

Ellbogen verletzt hatte und

seine Titelverteidigung gegen

Firat Arslan (33-6-2, 21 K.o.s)

aufgrund dessen für den 14. September

absagen musste. „Daher

haben wir uns in Absprache mit

allen Beteiligten dafür entschieden,

die Veranstaltung zu einem

späteren Zeitpunkt nachzuholen“,

erklärte Sauerland Event-

Geschäftsführer Chris Meyer.

Dieser Termin wurde mit dem

25. Januar 2014 zeitnah gefunden.

Sauerland Event, die beiden

WM-Kontrahenten, die Hanns-

Martin-Schleyer-Halle und die

ARD einigten sich problemlos.

„Wir freuen uns sehr, dass

wir den Kampf in Stuttgart nachholen

werden. Denn die Euphorie

um dieses WM-Duell war und

ist riesengroß“, so Chris Meyer.

„Die bereits erworbenen Eintrittskarten

behalten ihre Gültigkeit.“

Dem Titelverteidiger

selbst fiel wohl der größte Stein

vom Herzen. „Für mich war erst

einmal wichtig, dass die Ärzte

sagen, dass ich bis dahin fit bin.

Da dies der Fall ist, steht dem

Kampf nichts mehr im Wege. Ich

war vor der Verletzung in Bestform.

Und das wird auch im Januar

der Fall sein“, so Huck.

Firat Arslan zeigte – trotz eigener

Enttäuschung – Verständnis

für die Situation: „Solche

Dinge können während

einer

harten

und langen Vorbereitung

passieren“, so der WBO-

Weltranglistenerste. „Ich habe

schon vorher gesagt, dass ich ein

geduldiger Mensch bin. Nun bekomme

ich meine Chance eben

später. Ich glaube fest daran,

dass ich Marco Huck

den WM-Titel abnehmen

kann.

„Ich verspreche,

dass ich in

der Vorbereitung

alles geben

werde und

zu Beginn des

neuen Jahres

wieder in

Top-

Form sein

werde“, kündigt

Arslan, der am 28. September

43 Jahre alt wurde, an. „Das

wird ein ganz schwerer Kampf

für Marco Huck.“

Ulli Wegner

konzentrierte

sich in der

„Zwangspause“

auf den Wahlkampf

für Angela Merkel

Chris Meyer freut sich, dass der Kampf

bereits im Januar nachgeholt wird

Nach der Absage des Fights

seines Schützlings Marco Huck

stürzte sich Trainer Ulli Wegner

in den Wahlkampf. Er zählt zu

den zahlreichen Unterstützern

der Kanzlerin Angela Merkel und

der CDU. Anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung

in Potsdam

kam es auch zu einem intensiven

Austausch zwischen Wegner

und der Staatschefin. „Eine

beeindruckende Persönlichkeit,

die uns hervorragend durch die

Wirtschaftskrise der letzten Jahre

gebracht hat“, so der Coach.

Im Rahmen dieser Veranstaltung

wurde Wegner, der seit vielen

Jahren eng mit der CDU verbunden

ist und u.a. fünf Jahre

für die CDU im Sportausschuss

in seinem Heimatbezirk Berlin-

Reinickendorf tätig war, vor den

knapp 3.000 Gästen auch auf der

Bühne interviewt.

26 BoxSport


Der Deutsch-Türke

wirbt um die Nichtwähler

Firat

Arslan

Statt für den – geplatzten – Revanchekampf gegen Marco Huck zu

trainieren (Bild unten), kam Firat Arslan im September in Sachen

Wahlmotivation groß raus

Firat Arslan hatte zwei wichtige

Termine im September: Weltmeisterschafts-

und Wahlkampf.

Der Profiboxer mit dem

Kevin-Kuranyi-Bart widmete den beiden

Ereignissen jeweils einen Slogan:

„Die Gerechtigkeit wird siegen!“ Die

Botschaft war an Marco Huck gerichtet.

Am 14. September sollte es zur Revanche

in Stuttgart kommen, zur Korrektur

des Skandal-Urteils (Punktniederlage)

vom 3. November 2012. „Wer

auch mal austeilen will, geht wählen!“

Die Aufforderung in einer Kampagne

des Deutschen Bundestages

galt den

Bürgern der

Republik. Am 22. September

war bekanntlich Kanzler-Wahl. Das

Datum des Boxkampfes hatte sich am

Sonntag zuvor erledigt. Cruisergewichts-Weltmeister

Huck hatte sich im

letzten Sparring einen Haarriss im linken

Ellenbogen zugezogen. Absage.

Obwohl „Boxen im Ersten“ also geplatzt

war, hatte Firat Arslan dennoch

seinen Auftritt in der ARD, sogar in der

populärsten Sendung, in den „Tagesthemen“.

Beim Thema Nichtwähler

erschien plötzlich Firat Arslan im dunkelblauen

Sakko auf dem Bildschirm,

schlug zwei Haken und verkündete

seine Botschaft: „Im Ring habe ich das

Sagen. Beim Wählen auch.“

Bundesweit hingen nicht nur großflächige

Plakate mit den Köpfen und

dem Motto von Angela Merkel und Peer

Steinbrück, sondern hier und da auch

von Firat Arslan. Sein Slogan: „Wer

auch mal austeilen will, geht wählen.“

Seine Biografie und Glaubwürdigkeit

hatten den 43-jährigen Deutschen mit

türkischen Wurzeln für die Wahlmotivationskampagne

des Deutschen Bundestages,

„Du hast/bist die Wahl!“,

empfohlen.

Als er von der Agentur „media

consulta“ in Berlin angesprochen

wurde, ob er sich an dieser offiziellen

Aktion beteiligen würde, sagte der Ex-

Weltmeister im Cruisergewicht sofort

zu. Die Deutschen sollten dieses demokratische

Recht achten und nutzen,

für das in manch anderem Land dieser

Welt die Menschen kämpfen und auf

die Straße gehen. Ausgewählt wurden

die Wahlkämpfer nach der Vorgabe,

eine bestimmte Bevölkerungsschicht

ansprechen. Im Fall Arslans deutsche

Bürger mit Migranten-Hintergrund.

Die Sängerin Linda Hesse („Ich bin

ja kein Mann“), die dreimalige Paralympics-Siegerin

Kirsten

Bruhn

Wahlkampf

statt Boxkampf

(Schwimmen)

und der Schauspieler Rául Richter

(„GZSZ“) waren die drei anderen Protagonisten,

die im Auftrag des Bundestages

Unentschlossene an die Wahlurnen

locken sollten.

Der in Friedberg bei Augsburg geborene

Muslim praktiziert seine Religion,

denkt aber weltoffen. „Wichtig

ist nicht, dass du in die Moschee oder

in der Kirche gehst, sondern was du

außerhalb tust.“ Nie kam es diesem

Athleten in den Sinn, sich zur besseren

Vermarktung, wie Huck (Muamar

Hukic), Arthur Abraham (Avetik Abrahamyan)

oder Felix Sturm (Adnan

Cadic), einen deutschen Namen zuzulegen.

„Mein Geburtsname ist meine

Identität. Die gebe ich nicht auf.“

Firat Arslan fühlt sich dem Landkreis

Göppingen seit seiner Kindheit

verbunden. „Aber auch die Türkei ist

meine Heimat. Da es keine doppelte

Staatsbürgerschaft gibt, habe ich nur

einen deutschen Pass. Deutschland

und Türkei sind für mich wie Vater

und Mutter.“ Seine Sprache mit dem

schwäbischen Akzent ist klar und

deutlich, drückt Selbstbewusstsein

und Siegermentalität aus. Der Schwabe

war Spätstarter, wurde erst mit 18

Jahren Amateurboxer, mit 27 Profi, mit

37 WBA-Weltmeister. Arslan sagt: „So

lange ich topfit bin, möchte ich kämpfen.

Denn ich liebe den Boxsport.“

Hartmut Scherzer

BoxSport

27


Beim „Jahrhundertkampf“ in Las Vegas hatte der hochgehandel

Eine Blondine ärgerte M

mehr als der schwache

63 Jahre alte Punktrichterin löste mit einem skandalösen Unentschieden ei

Floyd Mayweather verzichtete

auf jegliche

Jubelpose. „Es war cool

heute. Ich habe den Job

erledigt“, sagte der 36 jahre alte

Superstar lakonisch und mit

gleichgültiger Miene dem Showtime-Reporter.

Für den Routine-

Job wurde der Champion aller

Champions mit astronomischen

41,5 Millionen Dollar (31,2 Millionen

Euro) königlich entlohnt.

Zwölf Runden lang hatte der alle

Gewichtsklassen übergreifend

beste Boxer der Welt (pound for

pound) dem 13 Jahre jüngeren

Mexikaner Saul „Canelo“ Alvarez

eine Lektion in der wahren

Kunst des Boxens erteilt.

Das „einzige Mysterium

war“, empörte sich die Zeitung

„USA TODAY“, gleichsam stellvertretend

für jeden Zuschauer,

der keine Tomaten auf den

Augen hatte, wieso ein Punktrichter

den völlig einseitigen

Vereinigungskampf (WBC/WBA

Super) im Halbmittelgewicht

unentschieden wertete.

Mayweather verzog das Gesicht

zu einer ungläubigen Grimasse,

als Ringsprecher Jimmy

Lennon jr. die 114:114 Punkte von

Mit präzisen Treffern zermürbte Mayweather (li.) den Mexikaner

28 BoxSport

Gegen „Canelo“ Alvarez

bewies Floyd Mayweather

(re.), dass er der Beste

seiner Generation ist

C. J. Ross verkündete. „Erst habe

ich das für einen Witz gehalten.

Dann war ich leicht geschockt.

Aber solche Dige passieren im

Boxen“, sagte Mayweather. Die

Kommission von Nevada sei

für die Kampfrichter zuständig.

„Und wenn die Kommission der

Meinung ist, sie soll am Ring sitzen

und punkten, dann ist das

eben so.“

Es war eine Frau aus Las

Vegas, Cynthia J. Ross, 63 Jahre

alt und blond, die für diese

„Peinlichkeit“ (New York Daily

News) sorgte. „Lebenslang sperren“,

forderte Graciano „Rocky“

Rocchigiani als trockener Fachkommentator

der deutschen

Live-Übertragung bei DMAX

am Morgen des 15. Septembers.

Lennox Lewis führte den

weltweiten Twitter-Protest an:

„Der Punktrichter, der ein Unentschieden

hatte, muss sofort

aufhören.“ Meistertrainer Teddy

Atlas entrüstete sich als Analyst

von ESPN: „Ein weiteres blaues

Auge für den Boxsport.“ Die

Punktrichterin war schon in der

Vergangenheit des Öfteren an

höchst kontroversen Urteilen

beteiligt, wie an der skandalösen

1:2-Punktniederlage Manny Pacquiaos

gegen Timothy Bradley.

Was sagt uns das, bei allem

Respekt vor der Frauen-Quote?

Mit den Augen einer Frau sieht

ein Boxkampf der Männer eben

anders aus. Daher kann die Kon-


te Mexikaner nicht die Spur einer Chance gegen den Weltmeister

ayweather

Alvarez

nen weltweiten Twitterprotest aus

sequenz eigentlich nur heißen:

Keine Frauen mehr als Punktrichter

am Ring, wenn sich Männer

um Titel schlagen. Dave Moretti

(116:112) und Craig Metcalfe

(117:111) hatten zwar auch nach

mancher Runde eine Auge für Alvarez

zugedrückt, aber dennoch

am Sieger nicht den geringsten

Zweifel gelassen. Nach unserer

Fernsehwertung hatte der chancenlose

Mexikaner nur in einer

Runde, der zehnten, leichte Vorteile.

Logische Wertung also:

119:109. Cynthia Ross, Punkrichterin

sein 1989, reagierte auf

die Proteste und teilte vier Tage

nach ihrer Skandalwertung der

Nevade State Athletic Commission

mit, dass sie sich eine Auszeit

nehmen werde und vorerst nicht

mehr zur Verfügung stehe...

Der ausgefuchste Mayweather

war einfach zu schnell für

den limitierten Alvarez. Der Mexikaner

konnte den Amerikaner

einfach nicht stellen. Wie Pfeile

schoss Mayweather seine linken

und rechten Geraden ab – und

weg war der Gummimann

auf seinen flinken

Beinen. Mit der für ihn typischen

Defensive, beide

Arme und Fäuste wie zu

einem Schutzschild vor

Brust und Bauch zu kreuzen,

mit vorgeschobener

linker Schulter alle Schläge abzublocken

oder ihnen mit seinen

Sensoren-Reflexen geschmeidig

auszuweichen, bot Mayweather

Alvarez (re.) agierte insgesamt zu

ungenau, auch wenn er einige Treffer

unterbrachte

dem bald frustrierten Alvarez

keine Blöße.

„Ich konnte ihn nicht fangen,

er war nicht zu treffen. Ich war

frustriert. Ein großer und intelligenter

Boxer“, fügte sich der rothaarige

Latino in seine erste Niederlage

im 44. Kampf, der ihm

garantierte fünf Millionen Dollar

mit einem millionenfachen Zuschlag

vom texanischen Fernsehen

brachte. Die Schlagstatistik

bewies Mayweathers Präzision

gegenüber Alvarez‘ Ungenauigkeit.

46 Prozent (232 von 505)

der Schläge waren Treffer, beim

Gegner nur 22 Prozent (117 von

Keine große

Jubelpose, ein

Freudenschrei muss

dennoch sein

526). Weil Alvarez die hohen

Erwartungen als jüngerer, aggressiverer,

stärkerer Gegner

nicht erfüllen konnte, wurde

das hochgejazzte Ereignis nach

all dem Hype nicht zum erhofften

spannenden Spektakel. Das

Publikum in der mit 16.746 Zuschauern

(Rekordeinnahme von

2.003.150 Dollar) ausverkauften

MGM Grand Garden Arena von

Las Vegas schwenkte denn auch

ab der achten Runde um. Den

Sprechchören „Si se puede“ (yes

we can) folgten bald die Gesänge

„TMT, TMT“ (The Money Team)

und „USA, USA“. TMT ist Mayweathers

Markenzeichen, das er

auf Baseballkappe und T-Shirt

zeigt. Nach dem Sieg setzte der

Moneymaker aber eine Mütze

mit drei neuen Initialen auf: TBE

– The Best Ever.

Von seinem 250-Millionen-

Dollar-Vertrag für sechs Kämpfe

innerhalb von 30 Monaten seit

Jahresbeginn hat Floyd Mayweather

nun die zwei Auflagen

nach Robert Guerrero erfüllt. Für

diesen Punktsieg hatte er 32 Millionen

Dollar kassiert. Wer ist der

nächste? Danny Garcia aus Philadelphia?

Im Vorprogramm hatte

der Amerikaner in einem brutal

harten Kampf seinen WBA-Super-

Titel im Halbweltergewicht durch

einen einstimmigen Punktsieg

gegen den aggressiven Argentinier

Lucas Martin Matthysse verteidigt.

Der Herausforderer wurde

durch eine schlimme Schwellung

unter dem rechten Auge behindert

und musste in der elften

Runde zu Boden.

„Ich habe den Kampf gesehen.

Beide haben stark und hart

gekämpft. Beide waren großartig.

Aber ich weiß noch nicht, was ich

als Nächstes tun werde.“ Floyd

Mayweather hat gegen einen vermeintlich

neuen Superstar, Alvarez,

eindrucksvoll bewiesen,

dass er weiterhin, unbesiegt in

nunmehr 46 Kämpfen, der Beste

seiner Generation ist. Und es gibt

keine Anzeichen, als würde sich

das in absehbarer Zeit ändern.

Hartmut Scherzer

Bei der abschließenden Pressekonferenz konnte Alvarez (2.v.re.) seine

Enttäuschung nicht ganz verbergen

BoxSport

29


Ich bin der Champion der

Welt, und der Champion

hat vor Niemandem Angst”,

sagte Danny Garcia (26-0),

nachdem er K.o.-König Lucas

Matthysse (34-3, 32 Knockouts)

in Las Vegas klar nach Punkten

(114-112, 115-11, 114-112) besiegt

hatte. „Wenn du außerhalb von

Philadelphia gewinnst, kannst

du es überall“, fügte er noch

selbstbewusst hinzu.

Über zwölf Runden hatte

sich ein spannender Fight entwickelt,

bei dem der Amerikaner

Garcia zunächst den besseren

Anfang erwischte, Matthysse

aber nach und nach warm

lief und Garcia mächtig unter

Druck setzte. Nichtsdestotrotz

kassierte der Argentinier in der

siebten Runde einen linken Haken,

der sein rechtes Auge

zuschwellen ließ. Diese behinderte

Matthysse derart,

dass er die weiteren linken

Haken seines Kontrahenten

nicht mehr richtig sehen

konnte, immer härtere

Treffer einstecken und in

der elften Runde nach einer

Rechts-Links-Rechts-

Kombination seinen ersten

Niederschlag wegstecken

musste. Der Ringarzt war

kurz davor, Matthysse aus dem

Ring zu nehmen, nach der achten

Runde beließ er es aber bei

der Überlegung, nachdem sich

das Auge ein Stück weit wieder

geöffnet hatte. „Ich konnte trotz

der Schwellung sehen”, verteidigte

sich Matthysse. „Ich habe

weiter gekämpft, war ein Krieger

und habe auf einen Knockout

30 BoxSport

beispielsweise Jack Nicholson, Denzel Washington, Magic Johnson,

Michael Phelps, Wayne Gretzky, Justin Bieber, Puff Daddy, Lil Wayne,

Busta Rhymes, LL Cool J mit Ehefrau Simone Smith, Charles

Justin Bieber und Rapper Lil Wayne (re.) sorgten für Stimmung am Ring

arcia zu clever für

In Runde elf ging Matthysse (li.)

erstmals in seiner Karriere zu Boden

hingearbeitet.“ Vergebens. Der

deutliche Vorsprung war Garcia,

der wegen eines Tiefschlags

sogar noch einen Punkt abgezogen

bekam, in der letzten Runde

nicht mehr zu nehmen. Somit

blieb der 25-Jährige verdient

WBA Super- und WBC Weltmeister

im Halbweltergewicht.

Hitparade der P

Auch Heidi Klum war beim Spe

Das Who is Who der amerikanischen Promi-Szene gab sich

bei dem Megafight zwischen Mayweather und Alvarez natürlich

ein Stelldichein, egal ob Schauspieler, Sänger, Rapper

oder – ehemalige – Sportgrößen. Am Ring zeigten sich

GArgentinier

wollte Verletzung aber nicht als Ausrede gelten lassen

Danny Garcia (re.) setzte Lucas Matthysse ordentlich zu

„Ich wusste, dass ich ihn

ausgebremst habe”, so Garcia,

der einige linke Haken und

zahlreiche Kombinationen unterbrachte,

„und dass ich den

Körper angreifen konnte. Ich bin

ein großer Kämpfer. Matthysse

hat nicht nachgelassen, aber ich

habe mich mit Herz durchgebissen,

denn ich bin ein Fighter aus

Philadelphia.“ Für Garcia, der

vor dem Kampf verkündet hatte,

dass dies sein vermutlich letzter

im Superleichtgewicht wird,

könnte 2014 ein Fight gegen

Floyd Mayweather winken.

Dies war eigentlich das erklärte

Ziel von der „Maschine“

Lucas Matthysse. Doch der

30-Jährige, dessen Stil mittlerweile

gerne mit dem von Manny

Pacquiao verglichen wird, muss

nun erst einmal mit dem herben

Rückschlag umgehen. Nahm

diesen direkt nach dem Kampf

allerdings recht gelassen: „Er ist

ein großer Champion. Ich wusste,

dass er von meinen Schlägen

nicht groß eingeschüchtert war.

Dass ich die Hälfte des Kampfes

nur mit einem Auge bestritten

habe, soll keine Entschuldigung

sein. Garcia hat großartig geboxt.

Ich bin jedoch sehr stolz auf meine

Leistung und dankbar für die

große Chance.“ Die nächste wird

sicherlich nicht lange auf sich

warten lassen.


omis am Ring

ktakel in Las Vegas dabei

Jack

Nicholson

hielt

natürlich

zu seinem

Landsmann

Mayweather

Barkley, William H. Macy, Don Cheadle, John Voight, Owen Wilson

oder, oder, oder. Sogar Heidi Klum tummelte sich in dem Spektakel

und postete in ihrem Facebook-Account ein Foto des Kampfes mit

der Frage „Who will be #TheOne?“ Die Frage konnte Jack Nicholson

begründet beantworten: „Er ist ein Boxer, der schwer zu treffen ist“,

sagte US-Schauspieler über seinen Landsmann Floyd Mayweather.

Heidi Klum verfolgte den Kampf gespannt und postete munter im Internet

einäugigen Matthysse

Jubelte am Ende über seine verdiente Titelverteidigung: Danny Garcia (li.)

Der Argentinier versuchte, in Runde zwölf noch zu einem K.o.-Sieg gegen Garcia

(li.) zu kommen, aber vergeblich

Smith verlor WM-Titel

In einem langweiligen Kampf verlor überraschend der Amerikaner

Ishe Smith seine IBF-WM-Titel im Halbmittelgewicht

gegen den Mexikaner Carlos Molina. Das Urteil war allerdings

sehr umstritten, da eigentlich Smith leichte Vorteile hatte. Mit

seinen gewohnt klaren Worten kommentierte DMAX-Co-Kommentator

Graciano Rocchigiani das Ringgeschehen: „Von diesen

beiden Boxern hat keiner den WM-Titel verdient. Das ist doch

alles ein Witz. Und unglaublich, wenn man sie vergleicht mit den

beiden Hauptkämpfern Mayweather und Matthysse.“

BoxSport

31


Vor dem Kampf seines großen Schützlings Alvarez

Alkohol und Drogen –

nach der Beichte von

Mike Tyson erklärte

mit Oscar De La Hoya

ein weiterer Boxer, sich aufgrund

seiner Suchtprobleme in eine

Reha-Klinik zu begeben. Bereits

2011 hatte sich der mittlerweile

40-jährige Amerikaner einer

mehrwöchigen Entziehungskur

unterzogen, nach eigenen Worten

waren damals Kokain und

Alkohol sein Laster. Der „Golden

Boy“, Olympiasieger 1992,

neunfache Weltmeister in sechs

Gewichtsklassen, Multimillio-

Oscar De La

Hoya (rechts)

konnte seinen

Schützling Canelo

Alvarez nur vor

dem Fight gegen

Mayweather

unterstützen

när, Superstar und erfolgreiche

Promoter ließ sogar den bedeutendsten

Kampf seines Boxstalls

Golden Boy Promotion, den

Fight seines Schützlings Canelo

Alvarez gegen Floyd Mayweather

Jr., sausen, um clean

zu werden. „Ich habe Canelo

erklärt, dass meine Gesundheit

und langfristige Erholung von

meiner Krankheit an erster Stelle

stehen muss“, so De La Hoya.

Alvarez zeigte Verständnis für

De La Hoyas Ehefrau Millie

Corretjer hat schwere

Zeiten an der Seite des

Olympiasiegers von 1992

mitgemacht

Wieder Drogen und Alkohol

De La Hoya in der Suchtklinik

dessen Entscheidung: „Ich unterstütze

ihn in seinem großen

Kampf und bin sicher, dass er

ihn gewinnen wird, so wie ich

auch siegen werde.“ Golden Boy

CEO Richard Schaefer fand den

Zeitpunkt, den De La Hoya für

den Gang in die Klinik gewählt

hatte, zwar nicht gerade günstig,

akzeptierte den Entschluss

jedoch. „Die Show muss weitergehen

und das wird sie“, so

Schaefer.

Der Kampf gegen die Sucht

ist der härteste für den

Golden Boy

Nachdem Oscar

De La Hoya

2009 das Ende

seiner aktiven

Boxkarriere

bekanntgegeben

hatte, war

er in ein Loch

gefallen, litt unter

Depressionen

und Angstzuständen,

flüchtete sich in

seine Drogen- und Alkoholsucht,

hegte sogar

Selbstmordgedanken.

Besonders

pikant:

2007 waren Bilder

aufgetaucht,

die den Amerikaner

in Reizwäsche

und Stöckelschuhen

zeigten – die Fotos hatte

eine Stripperin verkauft.

Zunächst hatte der Golden Boy

geleugnet, auf diesen Bildern zu

sehen zu sein, es später aber in

einer ersten Drogenbeichte zugegeben.

Des Weiteren gab er

zu, seine Frau, die puertoricanische

Sängerin Millie Corretjer

mehrfach betrogen zu haben. Im

Zuge seiner ersten Entziehungskur

lebte Corretjer getrennt von

ihrem Mann, hat sich aber von

ihm zurück erobern lassen.

Keines seiner 45 Duelle im

Ring war so schwer wie dieses

gegen die Sucht. „Diesen Kampf

habe ich jeden Tag, aber ich muss

dieses Monster bekämpfen“, so

De La Hoya. Canelo Alvarez ist

indes nicht der erste Golden Boy-

Boxer, dessen Kampf De La Hoya

wegen einer Entziehungskur

verpasst: Im Mai 2011 besiegte

Bernhard Hopkins Jean Pascal,

wurde Weltmeister der WBC im

Halbschwergewicht und mit damals

46 Jahren und 126 Tagen

ältester Boxweltmeister der Geschichte

– ohne die Anwesenheit

De La Hoyas.

32 BoxSport


ROMAN

THE DESTROYER

GOLOVASHCHENKO

CHRIS

BLACK MAGNUM

MAFUTA

LELITO

THE LIGHTNING

LÓPEZ LÓPEZ

RONNY

EL CASTIGO

LÓPEZ LÓPEZ

OX

GBENGA

BANG BANG

OLOUKUN

BENJAMIN

IRON BEN

SIMON

FOTOS & PLAKAT: Klaus Frevert

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26.10.2013

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Die Weltrangliste des

Durch die konkurrierenden Weltverbände

WBA, WBC, IBF und WBO gibt es im Boxen

mittlerweile vier Weltmeister pro Gewichtsklasse,

teilweise sogar fünf: Denn

mittelgewicht

Superchamp: Sergio Martinez (Argentinien) WBC

01. Gennady Golovkin (Kasachstan) WBA

02. Darren Barker (England) IBF

03. Felix Sturm (Deutschland)

04. Peter Quillin (USA) WBO

05. Daniel Geale (Australien)

06. Julio Cesar Chavez Jr. (Mexiko)

07. Max Bursak (Ukraine)

08. Martin Murray (England)

09. Anthony Mundine(Australien)

10. Lukas Konecny (Tschechien)

Von der ersten Runde an dominierte Adonis Stevenson (rechts) den Kampf in Montreal gegen den US-Amerikaner

Tavoris Cloud – und verteidigte seinen WBC-Weltmeistertitel im Halbschwergewicht eindrucksvoll. Cloud hatte

nicht den Hauch einer Chance gegen den Kanadier, kassierte zudem noch einen Cut über dem rechten Auge,

weswegen der Fight in Runde sieben abgebrochen werden musste. Stevenson feierte so seinen 22. Sieg im 23.

Profi-Kampf (19 Knockouts). Jean Pascal setzte sich im zweiten Hauptkampf mittels T.K.o gegen George Blades

durch. Eine gelungene Generalprobe für den anstehenden Fight versus Lucian Bute, der für Januar 2014 geplant

ist.

Schwergewicht

Superchamp: W. Klitschko (Ukraine) WBA-Super, IBF, WBO

01. Vitali Klitschko (Ukraine) WBC

02. David Haye (England)

03. Alexander Povetkin (Russland) WBA

04. Kubrat Pulev (Bulgarien)

05. Robert Helenius (Finnland)

06. Bermane Steverne (Kanada)

07. Denis Boytsov (Russland)

08. Tyson Fury (England)

09. Carlos Takam (Frankreich)

10. Chris Arreola (USA)

HalbSchwergewicht

Superchamp: Bernard Hopkins (USA) IBF

01. Adonis Stevenson (Kanada) WBC

02. Sergey Kovalev (Russland) WBO

03. Tavoris Cloud (USA)

04. Beibut Shumenov (Kasachstan) WBA

05. Karo Murat (Deutschland)

06. Nathan Cleverly (Wales)

07. Jürgen Brähmer (Deutschland)

08. Lucian Bute (Kanada)

09. Tony Bellew (England)

10. Chad Dawson (USA)

halbmittelgewicht

Superchamp: Floyd Mayweather Jr. (USA) WBA-Super

01. Erislandy Lara (Kuba)

02. Austin Trout (USA)

03. Miguel Cotto (Puerto Rico)

04. Saul Alvarez (Mexiko) WBC, WBA

05. Zaurbek Baysangurov (Russland) WBO

06. Carlos Molina (Mexiko) IBF

07. Cornelius Bundrage (USA)

08. Vanes Martirosyan (Armenien)

09. Sergey Rabchenko (Weissrussland)

10. Shane Mosley (USA)

weltergewicht

Superchamp: Floyd Mayweather Jr. (USA) WBC

01. Timothy Bradley (USA) WBO

02. Manny Pacquiao (Philippinen)

03. Devon Alexander (USA) IBF

04. Robert Guerrero (USA)

05. Adrien Broner (USA) WBA

06. Paulie Malignaggi (USA)

07. Keith Thurman (USA)

08. Kelly Brook (England)

09. Humberto Soto (Mexiko)

10. Luis Carlos Abregu (Argentinien)

leichtSchwergewicht (Cruiser)

Superchamp: Yoan P. Hernandez (Deutschland) IBF

01. Marco Huck (Deutschland) WBO

02. Guillermo Jones (Panama) WBA

03. Krzysztof Wlodarczyk (Polen) WBC

04. Denis Lebedev (Russland)

05. Firat Arslan (Deutschland)

06. Danie Venter (Südafrika)

07. Ola Afolabi (England)

08. Mateusz Masternak (Polen)

09. Alexander Alekseev (Russland

10. Rakhim Chakhkiev (Russland)

supermittelgewicht

Superchamp: Andre Ward (USA) WBA-Super

01. Carl Froch (England) IBF, WBA

02. Mikkel Kessler (Dänemark)

03. Robert Stieglitz (Deutschland) WBO

04. Arthur Abraham (Deutschland)

05. Thomas Oosthuizen (Südafrika)

06. George Groves (England)

07. Stanyslav Kashtanov (Ukraine)

08. Sakio Bika (Kamerun) WBC

09. Edwin Rodriguez (USA)

10. Marco Antonio Rubio (Mexiko)

halbweltergewicht

Superchamp: Danny Garcia WBA-Super

01. Mike Alvarado (USA)

02. Lucas Martin Matthysse (Argentinien)

03. Lamont Peterson (USA) IBF

04. Amir Khan (England)

05. Khabib Allakhverdiev (Russland) WBA

06. Robert Ortiz (Mexiko)

07. Brandon Rios (USA)

08. Denis Shafikov (Russland)

09. Zolani Murat (Südafrika)

10. Ruslan Provodnikov (Russland)

34 BoxSport

Die top-ten


BOXSPORT

die WBA vergibt an Titelträger mit mehr

als einem Gürtel auch noch den WBA-Super-Titel.

Wer soll da noch den Überblick

behalten? Die Redaktionen von BoxSport

und der amerikanischen Box-Bibel „The

Ring" natürlich. Wir sagen Ihnen, wer der

Superchampion in jeder Gewichtsklasse

ist und wer „nur" die Nummer 10.

Stand: Oktober 2013

superbantamgewicht

Superchamp: Guillermo Rigondeaux (Kuba) WBA, WBO

01. Nonito Donaire (Philippinen)

02. Kiko Martinez (Spanien) IBF

03. Leo Santa Cruz (Mexiko) WBC

04. Jeffrey Mathebula (Südafrika)

05. Nehomar Cermeno (Panama)

06. Carl Frampton (Nordirland)

07. Anselmo Moreno (Panama) WBA-Super

08. Tomoki Kameda (Japan)

09. Hozumi Hasegawa (Japan)

10. Vic Darchinyan (Armenien)

leichtgewicht

Superchamp: Adrien Broner (USA) WBC

01. Ricky Burns (Schottland) WBO

02. Miguel Vazquez (Mexiko) IBF

03. Richard Abril (Kuba) WBA

04. Yuri Gamboa (Kuba)

05. Sharif Bogere (Uganda)

06. Omar Figueroa (Mexiko)

07. Raymundo Beltran (Mexiko)

08. Daniel Estrada (Mexiko)

09. Kevin Mitchell (England)

10. John Molina (USA)

superfedergewicht

Superchamp: Takashi Uchiyama (Japan) WBA

01. Takashi Miura (Japan) WBC

02. Argenis Mendez (Dom. Republik) IBF

03. Roman Martinez (Puerto Rico) WBO

04. Juan Carlos Salgado (Mexiko)

05. Diego Magdaleno (Mexiko)

06. Jesus Cruz Bibiani (Mexiko)

07. Juan Carlos Burgos (Mexiko)

08. Takahiro Ao (Japan)

09. Devis Boschiero (Italien)

10. Sipho Taliwe (Südafrika)

federgewicht

Superchamp: Chris John (Indonesien) WBA-Super

01. Miguel Garcia (USA)

02. Evgeny Gradovich (Russland) IBF

03. Jhonny Gonzales (Mexiko) WBC

04. Alexander Miskirtchan (Georgien)

05. Juan Manuel Lopez (Puerto Rico)

06. Daniel Ponce De Leon (Mexiko)

07. Abner Mares (Mexiko)

08. Jesus Marcello Andres Cuellar (Argentinien)

09. Nicholas Walters (Jamaika) WBA

10. Timur Akhundov (Ukraine)

bantamgewicht

Superchamp: Shinsuke Yamanaka (Japan) WBC

01. Anselmo Moreno (Panama) WBA-Super

02. Tomoki Kameda (Japan) WBO

03. Koki Kameda (Japan) WBA

04. Roberto Vasquez (Panama)

05. Jamie McDonnell (England) IBF

06. Lubabalo Mauthu (Südafrika)

07. Karim Guerfi (Frankreich)

08. Pungluang Sor Singyu (Thailand)

09. Stephane Jamoye (Belgien)

10. Paulus Ambunda (Namibia)

superfliegengewicht

Superchamp: Omar Andres Narvaez (Argentinien) WBO

01. Daiki Kameda (Japan) IBF

02. Liborio Solis (Venezuela) WBA

03. Srisaket Sor Rungvisai (Thailand) WBC

04. Kohei Kono (Japan)

05. Tepparith Singwancha (Thailand)

06. Denkosan Kaovichit (Thailand)

07. Carlos Cuadras (Mexiko)

08. Ryo Akaho (Japan)

09. Rodel Mayol (Philippinen)

10. Juan Carlos Sanchez (Mexiko)

fliegengewicht

Superchamp: Moruti Mthalane (Südafrika) IBF

01. Juan F. Estrada (Mexiko) WBO, WBA-Super

02. Brian Viloria (USA)

03. Akira Yaegashi (Japan) WBC

04. Toshyaki Igarashi (Japan)

05. Hernan Marquez (Mexiko)

06. Sonny Boy Jaro (Philippinnen)

07. Silvio Olteanu (Rumänien)

08. Koki Eto (Japan)

09. Juan Carlos Reveco (Argentinien) WBA

10. Edgar Sosa (Mexiko)

Die Gewichtsklassen:

Schwergewicht über 90,720 kg, Cruisergewicht (- 90,720 kg) auch Leichtschwergewicht. Halbschwer (- 79,378

kg), Supermittel (- 76,203 kg), Mittelgewicht (- 72,574 kg), Superwelter (- 69,853 kg) auch Junior- oder Halbmittelgewicht.

Weltergewicht (- 66,678 kg) Halbwelter (63,503 kg). die Klasse wird auch Juniorwelter- oder Superleichtgewicht

genannt. Leichtgewicht (-61,235 kg), Superfeder (- 58,967 kg), Feder (- 57,153 kg), Superbantam

(- 55,338 kg), Bantam (- 53,524 kg), Superfliegen (- 52, 163 kg), Fliegengewicht (- 50,802 kg), Halbfliegen

(- 48,988 kg) auch Juniorfliegengewicht. Strohgewicht (- 47,628 kg) auch Minifliegengewicht.

Die Abkürzungen WBA, WBC, WBO und IBF hinter den Namen bezeichnen die Weltmeistertitel der jeweiligen Verbände.

Im kalifornischen Indio schickte US-Schwergewichtler

Chris Arreola (rechts) seinen Landsmann Seth Mitchell

bereits in der ersten Runde auf die Bretter und feierte

seinen 31. K.o.-Sieg im 39. Profikampf. Damit hatte auch

Mitchell nicht gerechnet, der nach eigener Aussage

„kalt erwischt wurde“. Für Arreola rückt somit ein

WM-Kampf wieder näher. Gefragt ist er jedenfalls, als

nächster Gegner könnte Bryant Jennings, der Arreola

direkt nach dem Kampf herausforderte, bereit stehen.

Lieber wäre dem Amerikaner jedoch der Kanadier

Bermane Stiverne, gegen den er im April in einem

Ausscheidungskampf verloren hatte.

halbfliegengewicht

Superchamp: Roman Gonzalez (Nica.) WBA-Super

01. Adrien Hernandez (Mexiko) WBC

02. Donnie Nietes (Philippinen) WBO

03. Moises Fuentes (Mexiko)

04. Ulises Solis (Mexiko)

05. Johnriel Casimero (Philippinen) IBF

06. Kazuto Ioka (Japan) WBA

07. Masayuki Kuroda (Japan)

08. Kompayak Porpramook (Thailand)

09. Pedro Guevara (Mexiko)

10. Alberto Rossel (Peru)

mini-fliegengewicht

Superchamp: Katsunari Takayama (Japan) IBF

01. Raul Garcia (Mexiko)

02. Merlito Sabillo (Philippinen) WBO

03. Denver Cuello (Philippinen)

04. Wanheng Menayothin (Thailand)

05. Xiong Zhao Zhong (China) WBC

06. Julian Yedres (Mexiko)

07. Nkosinanthi Joyi (Japan)

08. Ryo Miyazaki (Japan) WBA

09. Hekkie Budler (Südafrika)

10. Jesus Silvestre (Mexiko)

BoxSport 35


KOnig Artur

Der Ex-Weltmeister und Trainer steht

Artur Grigorian verteidigte den WM-Gürtel der WBO im leichtgewicht insgesamt 17-mal

Der traurige

Clown, der so

viel Spaß

bereitet hat

Verschafft ihm „Papa Fritz“

noch mal einen guten Job?

Dies ist die Geschichte

eines Königs. Eines

Königs ohne Land,

ohne Krone und vielleicht

auch ohne Zukunft. Es ist

die Geschichte eines traurigen

Clowns, der in seinem Leben so

vielen Leuten Spaß bereitet hat,

und der sich jetzt fragt, wo all

der Spaß geblieben ist. „Ich habe

in meinem Leben viel Glück

gehabt und auch einiges an Unglück

und Unsinn erlebt. Aber

eine solch schlimme Zeit wie

jetzt hatte ich noch nie“, sagt er.

Artur Grigorian, geboren vor

46 Jahren als Sohn armenischer

Eltern in Usbekistans Hauptstadt

Taschkent, war zwischen April

1996 und Januar 2004 WBO-

Weltmeister im Leichtgewicht.

Er kämpfte für den Hamburger

Universum-Stall von Klaus-Peter

Kohl, und wenn er in Hamburg

in den Ring stieg, dann war die

Sporthalle im Bezirk Wandsbek,

wo Grigorian bis heute im

Stadtteil Jenfeld lebt, voll. Der

171 Zentimeter kleine Athlet mit

dem markanten Schnauzbart

begeisterte seine Fans mit seiner

Schnelligkeit, seiner technischen

Raffinesse und dem Schalk, der

ihm im Nacken saß. „König von

Wandsbek“, so nannten sie ihn

damals. Als er am 16. November

1996 seinen Titel zum zweiten

Mal verteidigte, da traten in seinem

Vorprogramm in der Sporthalle

Wandsbek zwei schwergewichtige

Brüder an, die später

zu Weltstars werden sollten.

Dass jene Klitschkos einst sein

schmückendes Beiwerk waren,

erzählt Artur Grigorian noch immer

mit diebischer Freude.

Diese Freude am Leben und

am Sport war es, die den einstigen

Weltklasse-Amateur auszeichnete.

Er hatte immer gute

Laune, stets einen dummen

Spruch auf Lager, sein Sprachwitz

wurde verstärkt durch

Fritz Sdunek (re.) ist

Grigorians ehemaliger

Trainer und längst

einer der wichtigsten

Menschen in dessen

Leben

den starken russischen Akzent,

mit dem er heute noch Deutsch

spricht. Grigorian war und ist

einer dieser Menschen, die sich

weigern, erwachsen zu werden.

„Artur ist ein liebenswerter Chaot,

ein erwachsener Mann mit

dem Gemüt eines Kindes“, sagt

Fritz Sdunek, Grigorians ehemaliger

Trainer und längst einer der

wichtigsten Menschen im Leben

des Boxers.

Dessen Abstieg begann,

als er 2002 in große finanzielle

Schwierigkeiten geriet. Grigorian

hatte seine in 19 WM-Kämpfen

verdienten

Millionen einem

Freund anvertraut,

der sie fast komplett

in Immobiliengeschäften

verzockte. Sieben

Wohnungen, drei

in Berlin und vier

in Magdeburg,

verlor Grigorian.

Als er, tief unter

dem Eindruck der

finanziellen Pleite

stehend, im Januar

2004 auch noch seinen WM-

Titel verlor, stand er erstmals

am Scheideweg. Promoter Kohl

hatte das Vertrauen in seinen

Vorzeigesportler verloren, „ihm

fehlte die Frische, die Schnelligkeit

war weg“, sagte er damals.

Man einigte sich darauf, noch

einen Abschiedskampf zu veranstalten

und dann die Karriere

als beendet zu erklären.

Es war Sdunek, der seinen

Schützling auffing, diesem eine

neue Chance bot. Auf Betreiben

Kohls, der Grigorian nach dessen

finanzieller Bauchlandung auch

monetär unterstützt hatte, durfte

der gestrandete Ex-Weltmeister

als Assistent seines Cheftrainers

anfangen. Sdunek weihte Grigorian

in die Geheimnisse des

Trainerberufs ein, er versuchte,

ihm die Gestaltung sinnvoller

Trainingspläne näherzubringen,

was jedoch nicht wie gewünscht

funktionierte, da Grigorian viele

Situationen mit seiner Intuition

löste, mit seinem Gespür für das

Boxen und den Boxer. Doch für

ihn war dieser Weg genau richtig,

die Sportler schätzten sein

Wissen und sein Einfühlungsvermögen.

„Artur ist ein guter

Trainer geworden, weil er die

Sprache der Sportler spricht und

sehr gut erklären kann“, sagt

Sdunek.

36 BoxSport


nach dem Untergang von Universum vor einer schweren Zukunft

Grigorian genoss die Zeit bei

Universum. Die sorglosen Jahre

zwischen 2004 und 2009, als das

Unternehmen zum Weltmarktführer

aufstieg und zeitweise bis

zu 60 Boxer unter Vertrag hatte,

waren für einen Trainernovizen

wie ein Versuchslabor. Der

kleine Usbeke war für die gute

Laune zuständig, legendär waren

seine verbalen Auseinandersetzungen

mit dem polnischen

Physiotherapeuten Christoph

Busch, der Grigorian zu einem

Geburtstag mal ein T-Shirt mit

dessen zehn besten Sprüchen

unter dem Motto „Deutsch – Artur,

Artur – Deutsch“ schenkte.

Als Universum im Februar 2009

25-jähriges Bestehen feierte,

stieg Grigorian als Hommage an

Stallgründer Kohl noch einmal

für einen Schaukampf in den

Ring. Sogar den Schnauzbart,

den er nach seiner aktiven Zeit

abrasiert hatte, ließ er sich dafür

wachsen. Er war der perfekte

Stimmungsmacher, und er fühlte

sich wieder wie ein König.

Der Abstieg, der ihn in das

tiefste Tal seines Lebens führen

sollte, begann im Juli 2010. Universum

verlor den millionenschweren

TV-Vertrag mit dem

ZDF, ein Jahr später übergab Kohl

die Geschäfte an seinen Nachfolger

Waldemar Kluch, unter

dessen Führung Universum im

Herbst 2012 Insolvenz anmelden

musste. Grigorian war einer der

Letzten, die die Stellung hielten;

auch noch, als niemand mehr

an eine gute Zukunft glaubte. Einerseits

hatte er nichts anderes,

an das er sich klammern konnte.

Andererseits, und darauf legt

er Wert, habe Kluch, der wegen

diverser Vorwürfe seit Anfang

Mai in Untersuchungshaft sitzt,

sich ihm gegenüber stets korrekt

verhalten. „Für mich war er ein

guter Mensch, hat mir geholfen

und auch meistens pünktlich

mein Gehalt bezahlt“, sagt er.

Ein Gehalt von 2000 Euro

brutto im Monat, das schon

damals keine großen Sprünge

erlaubte, aber zuzüglich Versicherungszahlungen

und Prämien

aus Kämpfen seiner Sportler

reichte, um die vier Kinder – 23,

21, 15 und zehn Jahre alt – durchbringen

zu können. Doch seit

dem Aus Universums steht auch

Grigorian vor dem Abgrund.

Derzeit trainiert er lediglich den

ehemaligen Schwergewichts-

Weltmeister Ruslan Chagaev,

den er vor mehr als 20 Jahren

auf einem Jugendturnier in Usbekistan

kennenlernte. „Von

ihm nehme ich aber kein Geld,

er ist mein Freund“, sagt Grigorian.

Auf Honorarbasis arbeitet

er mit dem türkischen Halbschwergewichtler

Ismail Özen,

und natürlich hat auch Sdunek

wieder Herz gezeigt und ihn als

Assistenten für seine Arbeit mit

dem Hamburger Halbmittelgewichtler

Jack Culcay ins Boot

geholt. Zusammen mit dem Arbeitslosengeld,

das Grigorian

bekommt, reicht

das Einkommen

gerade so, um

sich und die Familie

über Wasser

zu halten.

Ende Oktober

aber läuft die Förderung

durch das

Arbeitsamt aus,

dann steht der

einstige „König

von Wandsbek“

Zwei seiner Schützlinge: Denis Boytsov

(li.) und Sebastian Zbik (re.)

1998 setzte sich Grigorian gegen den Italiener Giorgio Campanella

(li.) in der 10. Runde durch technischen K.O. durch

vor einer ungewissen Zukunft.

Längst ist er bereit, sich nach einem

Leben für den Faustkampf

umzuorientieren, einen anderen

Job anzunehmen. „Ich will auf

jeden Fall arbeiten, egal wo. Ich

habe keine Angst vor harter Arbeit“,

sagt er. Aber er hat Angst

davor, dass er keine Arbeit findet,

dass für ihn nichts mehr

kommt. Er ist ehrlich genug zuzugeben,

„dass ich nichts anderes

kann als Boxen. Ich habe nie

etwas anderes gemacht. Ich war

Weltmeister, wurde Trainer und

dachte, dass ich das bis zu meinem

Ende machen kann“.

Natürlich hat er sich umgehört,

hat bei anderen Profiställen

angefragt oder im Amateurlager,

aber bislang hat er nur Absagen

bekommen. „Manchmal frage

ich mich schon, wo die ganzen

Freunde sind, die ich hatte, als

ich Weltmeister war“, sagt er. Er

könnte nach Usbekistan zurückgehen,

dort hat sein Name noch

immer guten Klang, immerhin

war er der

erste Profiweltmeister

in der

Geschichte

des Landes,

seine

Mutter und

große Teile

seiner Familie

leben

noch dort.

Sportminister

hätte er

dort werden

können, das Angebot gab es,

aber er hat es abgelehnt, „weil

ich keine Geduld habe und kein

Diplomat bin“. Außerdem wollten

seine Frau Olga und die vier

Kinder Deutschland nicht verlassen,

und eine Trennung von

der Familie kommt für ihn nicht

infrage. „Ich lebe doch nur für

die Familie, alles, was ich tue,

tue ich für sie“, sagt er.

Und so hofft er, dass es doch

eine Zukunft im Boxen für ihn

geben kann. Hofft, dass Sdunek,

sein „Papa Fritz“, wie er

den Coach seit vielen Jahren

nennt, ihm einen lukrativen Job

beschaffen kann. Oder dass sich

irgendwo eine Stelle auftut, die

er besetzen kann. „Ich bin ein

Kämpfer, deswegen werde ich

niemals aufgeben. Als Boxer

habe ich gelernt, dass Kopf und

Körper immer stark sein müssen,

und ich glaube, dass ich

auch aus dieser Situation herauskomme“,

sagt er.

Björn Jensen

BoxSport

37


Blaue Flecke für

soziale Zwecke

Sie engagieren sich beide

für soziale Projekte,

waren Profis in ihren

jeweiligen Disziplinen,

sind Freunde – und lassen nun

für einen guten Zweck die Fäuste

fliegen. Gegeneinander. Beim

Charity Boxabend in der MHP

Arena Ludwigsburg. Luan Krasniqi

und Uwe Hück steigen am

16. November unter dem Motto

„Blaue Flecke für soziale Zwecke“

in den Ring, acht Runden

sind geplant.

Uwe Hück, Betriebsratsvorsitzender

und stellvertretender

Aufsichtsratsvorsitzender der

Porsche AG, ist mittlerweile 51

Jahre alt, ehemaliger Thai-Boxeuropameister

und gründete

im September die Lernstiftung

Hück in Pforzheim. Diese unterstützt

Lern- und Integrationsprojekte

für sozial benachteilig-

Ulli Wegner nach dem Training mit Ex-Thaiboxer Uwe Hück

Ulli Wegner macht Uwe Hück (links) fit

„Luan muss sich warm anziehen,

ich habe einen Tiger gesehen“

Udo Lindenberg und Peter Maffay beim Duell Hück – Krasniqi

te Jugendliche. Des Weiteren ist

Uwe Hück Vorsitzender des FSV

Buckenberg, dessen Mitglieder

zu 70 Prozent Jugendliche

mit Migrationshintergrund aus

Pforzheim sind. Der breit aufgestellte

Verein bietet nicht nur

zahlreiche Sportarten an, sondern

auch Hilfe und Perspektiven

in vielen Lebensbereichen.

Auf dieser Basis wird auch die

Lernstiftung Hück arbeiten. Seinen

Teil der Einnahmen aus dem

Charity-Event in Ludwigsburg

wird Hück ohne Abzüge

der Stiftung spenden.

Der ehemalige

Europameister im

Schwergewicht

Luan Krasniqi unterstützt

das SOS-

Kinderdorf in Pristina,

Kosovo, seit seiner

Gründung im Jahr

2004. Er hat sich auch im

Rahmen der Kampagne „6 Kinderdörfer

für 2006“ von FIFA und

SOS-Kinderdörfer weltweit engagiert.

Die Begegnungen mit den

Kindern dort waren für Krasniqi

38 BoxSport

Luan Krasniqi (links)

und Uwe Hück stiften

ihre Einnahmen für

ihre jeweiligen sozialen

Projekte

Udo Lindenberg

eine bahnbrechende

Erfahrung, er konnte

mit eigenen Augen sehen,

was es bedeutet, verlassenen

Kindern eine Familie zu geben,

in der sie sich wieder zuhause

fühlen. „Die SOS-Kinderdörfer

weltweit liegen mir sehr am

Peter Maffay

Herzen, denn sie geben

Kindern nicht nur

ein Dach über dem Kopf,

sondern eine echte Familie. Deshalb

ist es mir wichtig, nicht nur

selbst zu spenden, sondern mit

meinem Einsatz auch andere zu

motivieren, diese wunderbare

Arbeit zu unterstützen“, so der

42-jährige Krasniqi, dessen Hälfte

der Einnahmen an die Weltorganisation

SOS-Kinderdörfer

geht.

Vor dem Event haben sich

sowohl Hück als auch Krasniqi

beim Training mächtig ins Zeug

gelegt. Uwe Hück hat schon über

10 kg abgenommen, musste sogar

seine Garderobe komplett

neu kaufen. Luan Krasniqi –

sichtlich beeindruckt von den

Fortschritten – änderte entsprechend

seinen Trainingsplan

von Ausdauer auf intensives

Boxtraining.

In den Ecken finden

sich zwei hervorragende

Trainer wieder:

Ulli Wegner

setzt sich für Uwe

Hück ein und misst

sich so mit Firat Arslan,

der Luan Krasniqi unterstützen

wird. „Luan muss sich

warm anziehen, ich habe einen

Tiger gesehen“, sagte Wegner,

für den es eine Selbstverständlichkeit

ist, bei solch einem


Event mitzumachen, nach zwei

intensiven Trainingssessions

in Neuruppin und Pforzheim.

„Uwe, der ja eigentlich Thaiboxer

ist, macht als Boxer eine gute

Figur. Nach unseren Trainingseinheiten

weiß ich, dass er am

16. November alles geben wird.

Er hat ein richtig großes Kämpferherz.“

Der große Vorteil für Hück:

Wegner kennt Luan Krasinqis

Stärken, aber auch seine Schwächen.

Gemeinsam haben die

beiden den ehemaligen Europameister

im Schwergewicht studiert

und eine passende Taktik

für diesen besonderen Kampf

entwickelt, denn schließlich

soll beim Charity Boxen nicht

mit Wattebällchen geworfen

werden. „Der Kampf wird intergalaktisch.

Ich werde schwitzen,

ich werde bluten, aber

ich werde nicht heulen“, zeigt

sich Hück hochmotiviert. Doch

davon ist Krasniqi gänzlich unbeeindruckt:

„Wenn er wild auf

mich zugeht, dann wird er entsprechend

die Abrechnung bekommen.“

Hück habe nicht die

Schnelligkeit, ihn zu besiegen,

da er nicht aus dem Boxen kommen

würde. „Aber ich werde

seine Nehmerfähigkeiten prüfen“,

so Krasniqi.

Ein Herz für Kinder zeigen nicht nur Luan Krasniqi (rechts) und Uwe Hück (3. von links), sondern auch deren Trainer Firat

Arslan (links) und Ulli Wegner (2. von links), die ihre Unterstützung als selbstverständlich nehmen

Prominente aus allen Bereichen

werden an dem Abend in

Ludwigsburg erwartet. So haben

neben den beiden Deutschrocklegenden

Peter Maffay und Udo

Lindenberg auch Wendelin

Wedekind und Ralf Möller ihr

Kommen angekündigt. Neben

dem sportlichen und caritativen

Aspekt des Events wird den

Zuschauern in der Halle von

Veranstalter Bernard Michaelis

einiges geboten: stark besetzte

Vorkämpfe mit jungen, wilden

Profis, Filme, Comedians. Ringsprecher

und Moderator des

Abends wird Roman Roell sein,

die Stimme des Bayerischen

Rundfunks sowie Ringsprecher

der ARD Boxabende. Der SWR3

begleitet das Projekt mit zahlreichen

Aktionen – nach dem

Kampf findet die große Party

„SWR3 goes Clubbing“ statt.

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Marco Catikkas sowie sein Chef und Kumpel Felix

Sturm beim gemeinsamen Training im Sturm-Gym

Während seiner Amateurzeit

machte der 35-Jährige eine

Ausbildung zum Masseur

Stu

Cat

Sie kennen sich seit 23 Jahren, sie haben für Bayer Leve

Bundesliga geboxt, jetzt wollen sie als Profis gemeinsam

Sich nach fünf Jahren

Pause wieder ins Profiboxen

zurück zu kämpfen,

ist nicht ganz leicht.

Doch Marco Catikkas ist den

Weg gegangen. „Die Vorbereitung

war hart, ich hab‘ geblutet“,

erzählt der 35-Jährige, der am 6.

Juli in der Dortmunder Westfalenhalle

gegen Marcen Gierke

sein erfolgreiches Comeback gegeben

hat. „Aber der Kampf war

ok“, fügt er grinsend hinzu. „Ich

habe ja schon mal gegen Gierke

geboxt und auch gewonnen, dieses

Mal war ich allerdings besser

als 2005.“ Den Leistungssprung

schiebt er auf mehr Weisheit und

Erfahrung. Und auf eine gute Vorbereitung:

„Ich bin oft mit dem

Fahrrad aus Leverkusen nach

Köln zum Training gekommen

– 1,5 Stunden hin, 1,5 Stunden

Training und 1,5 Stunden wieder

zurück. Es war schon eine Herausforderung.“

Stellt sich die Frage, wieso

Marco Catikkas, der mit Vornamen

eigentlich Özcan heißt, diese

fünfjährige Pause überhaupt

eingelegt hat? „Mein Vertrag mit

Universum wurde damals nicht

verlängert“, so Cattikas. „Es galt

das K.o.-System – wer nicht erfolgreich

war, wurde nicht weiter

beschäftigt.“ Zudem sei er

2006 – nach erst elf Profikämp-

40 BoxSport

fen – gegen seinen damaligen

Stallkollegen Michel Trabant

viel zu früh ins kalte Wasser geworfen

worden. Catikkas lieferte

dem zu den besten Weltergewichtlern

der Welt gehörenden

Trabant zwar einen taffen Fight,

ein Cut über dem Auge stoppte

ihn jedoch in Runde acht. Dass

Trabant bei dem Kampf gedopt

war und ein Jahr gesperrt wurde,

interessierte bei Universum

scheinbar niemanden, denn Cattikas

wurde mehr oder weniger

links liegengelassen, woraufhin

der gebürtige Leverkusener zwei

Jahre pausierte.

Im

März 2008

meldete

er sich mit

einem Sieg

über Maurycy

Goijko

wieder zurück,

der

anschließende

Fight gegen

Ex-Weltmeister

Jan Zaveck

im Juni in

Slowenien

kam dann

aber erneut

zu früh. Nach zwölf Runden

unterlag Catikkas – und hängte

seine Boxhandschuhe vorerst an

den Nagel. „Ich habe Fußball gespielt,

bin laufen gegangen und

habe Krafttraining gemacht“,

erklärt er, wie er die Pause mit

sportlichen Aktivitäten gefüllt

hat. „Geboxt habe ich auch noch

ein bisschen, aber natürlich

nicht in den Maßen wie jetzt.“

Beruflich hat er sich als Masseur

betätigt. „In der Zeit, als

ich massiert habe, habe ich auch

als Trainer gearbeitet und Kurse

gegeben. Die Nachfrage war

groß, aber ich hatte dafür keine

Zeit“, so Catikkas, der eine Zeit

lang Jugendtrainer beim ASV

Köln gewesen ist. Vor seinem

Comeback im Juli dieses Jahres

arbeitete er noch ein halbes Jahr

in der Gastronomie, hatte dort

aber weniger Spaß, da ihm die

ganzen Abläufe zu monoton waren.

So war er froh, dass er den

Betrieb an seinen Partner übergeben

konnte: „Die Gastronomie

ist eine verrückte, abgezockte,

niveaulose Welt.“ Dann doch

lieber wieder boxen – den Sport,

den er mit acht Jahren begonnen


m holt Masseur und Freund

ikkas in den Ring zurück

Wie in früheren Zeiten: Catikkas

mit einem seiner weiteren

Freunde, Maurice Weber

rkusen in der

Erfolge feiern

hat, nachdem er als Kind schon

immer früh aufgestanden war,

um die Kämpfe von Mike Tyson

im Fernsehen zu schauen.

Eines Tages ist Marco Catikkas

auf einem großen Markt

in der Nähe von Felix Sturms

Gym in Köln einkaufen gewesen,

dort vorbei gefahren und

hat mal reingeschaut. „Ja, und

dann hab ich wieder angefangen

zu trainieren, es hat wieder in

den Fäusten gejuckt“, fasst der

1,75 m große Athlet knapp zusammen,

wie er in die Riege bei

der Sturm Box-Promotion aufgenommen

wurde. Gut: Marco Catikkas

und Felix Sturm kennen

sich aus Leverkusener Zeiten,

sind zusammen zur Theodor-

Wuppermann-Schule gegangen,

wenn auch in unterschiedlichen

Jahrgängen – Catikkas ist

ein Jahr älter als sein Kumpel

Sturm. „Wir kennen uns jetzt

seit rund 23 Jahren“, erklärt Felix

Sturm, der seinen Freund als

Boxer unter Vertrag genommen

hat. Die beiden haben für Bayer

Leverkusen in der Bundesliga

geboxt, standen bei Universum

unter Vertrag, teilten sich eine

Wohnung.

Der Werdegang des Duos war

jedoch ein anderer. Während Felix

Sturm am 27. Januar 2001 in

München sein erfolgreiches Profidebüt

gegen den Portugiesen

António Ribeiro gab, zog Marco

Catikkas erst 2004 nach. Und

während die Karriere von Sturm

bergauf ging, musste Catikkas

diverse Hürden meistern. In der

fünfjährigen Pause sahen sich die

beiden Boxer auch nur mal sporadisch,

verloren sich ein wenig

aus den Augen. Da Felix Sturm

jedoch seine Freunde nicht vergisst,

hat er Catikkas die Chance

gegeben, wieder Fuß als Profi zu

fassen. Erneut mit Maurice Weber

und Petrit Dobroshi in einem

Team, die sich alle aus Leverkusener

Kindertagen kennen. „Wir

bauen auf keinen Druck auf“, so

Sturm, der natürlich hofft, dass

sich alle von ihm promoteten Boxer

erfolgreich schlagen.

Marco Catikkas hat mit dem

Sieg über Gierke den ersten

Schritt gemacht – und allen gezeigt,

dass er es noch drauf hat.

„Es haben im Vorfeld nicht alle

dran geglaubt, dass ich so zurückkommen

würde, ich war ja

auch lange weg“, weiß Catikkas.

„Es waren alle nervös, vor dem

Kampf kam Konni Konrad noch

an und meinte, ‚du machst das

schon‘.“ Nach dem Duell kehrte

dann erst mal wieder Ruhe und

Entspannung ein. Jetzt muss sich

der „Rhythmus langsam wieder

einpegeln“, denn der nächste

Kampf steht noch in diesem Jahr,

Gegen Michel Trabant (re.) wurde Marco Catikkas viel zu früh in seiner Laufbahn ins

kalte Wasser geschmissen. Ein Cut über dem rechten Auge stoppte ihn zusätzlich...

am 7. Dezember in Stuttgart im

Rahmen von Sturm vs. Barker,

statt. Ein Gegner steht indes noch

nicht fest. Catikkas trainiert unter

Magomed Schaburow – „Bei

dem bleib ich auch, ich kann

mir keinen besseren Trainer vorstellen“

– bereits wieder fleißig,

denn er weiß: „Wenn man nicht

fit ist, hat man ein Problem.“

Die Qualen vor dem Comeback-

Kampf sind vergessen. „Die Leidenschaft

macht das aus. Und

ich glaub, ich steh auf Schmerzen“,

lacht der 35-Jährige, der

von Hause aus auf eine gesunde

Ernährung achtet, hin und wieder

aber auch mal ein Stückchen

Schokolade genießt. „Man muss

auch was für die Seele tun.“

Ans Aufhören denkt er jetzt

natürlich noch nicht (wieder).

„Solange ich körperlich noch

mithalten kann, das Auge da ist,

alles funktioniert, vor allem die

Reflexe, mache ich weiter“, hat

Catikkas genug Ehrgeiz, noch

einmal auf einen WM-Kampf

hinzuarbeiten. „Wenn ich merke,

das funktioniert alles nicht mehr,

höre ich auf.“ Für die Zeit nach

dem Boxen hat er aber schon

einen Plan B im Hinterkopf, der

wohl auf das Trainerdasein hinauslaufen

wird. Vielleicht ja erst

mal als Co-Trainer bei Sturm Box-

Promotion... Nicole Bitter

BoxSport

41


Am 1. April 2011 verletzte sie ihr Stiefvater mit vi

Neulich wurde sie gebeten,

auf einer Kinderkrebsstation

Geschenke

an die kleinen Patienten

zu verteilen. Die Presse

sollte dabei sein und dieses Bild

in die Welt schicken. Das Bild der

gutherzigen Boxerin, die so viel

Schlimmes erlebt hat und deshalb

jetzt Gutes tut. Rola El Halabi

hat das Angebot freundlich

abgelehnt. Nicht, dass sie nicht

gern todkranken Kindern helfen

möchte. „Aber ich mache das

nicht, um in der Öffentlichkeit

gut dazustehen, sondern nur,

wenn ich glaube, damit etwas

bewirken zu können. Deshalb

mache ich lieber Vorlesestunden

oder ähnliche Aktionen, von

denen ich glaube, dass sie den

Kindern mehr bringen“, sagt sie.

„Und vor allem möchte ich nicht

nur auf meine Geschichte reduziert

werden.“

2013 stand Rola El-Halabi in ihrer

Heimatstadt Ulm wieder auf

der Boxbühne.

Natürlich hat sie gewusst,

dass dieser Kampf gegen die

Italienerin Lucia Morelli, den

sie nach Punkten verlor und

natürlich trotzdem gewann,

weil es der Schritt zurück ins

Leben war, der Höhepunkt ihrer

Karriere werden würde.

„Der Riesen-Hype, der um diesen

Kampf gemacht wurde, hat

mich gar nicht überrascht“, sagt

sie heute, „schließlich hatten

mir alle großen Promoter immer

gesagt, dass ich eine Geschichte

brauche, um wahrgenommen

zu werden.“ Die im Libanon

geborene Sportlerin, die im Alter

von eineinhalb Jahren mit

der Familie nach Deutschland

floh, war auch nie so blauäugig

gewesen zu glauben, dass das

weltweite Interesse an ihrer Person

von Dauer sein würde. Ein

Dreivierteljahr nach dem Comeback

kann sie ein gewisses Maß

an Desillusionierung allerdings

nicht verbergen.

Noch immer hat sie weder

einen großen Promoter noch

einen Fernsehpartner für sich

gewinnen können, auch Sponsoren

stehen nicht Schlange. Ihre

Biografie „Stehaufmädchen“,

die sie kurz nach dem Comeback

vorstellte, verkauft sich mäßig.

„Ich habe eine Hollywood reife

Geschichte und trotzdem interessiert

das im Boxen niemanden.

Das Boxgeschäft ist eben

ein bisschen anders“, sagt sie.

„Ich wäre wohl für viele eine

echte Konkurrenz. Vielleicht

scheuen deshalb die wenigen

großen Promoter, die im Boxen

etwas zu sagen haben, die Zusammenarbeit

mit mir.“

Es ist ihre direkte Art und

die charakterfeste Ablehnung

jeglicher ihr unangemessen erscheinender

Angebote, die es

ihr unmöglich macht, sich im

Kampf zurückruderte und sie

nur noch im Vorprogramm von

Felix Sturm zeigen wollte, beendete

sie die Zusammenarbeit

und boxte ohne Fernsehpräsenz.

Dass sie deshalb mithilfe

ihres langjährigen Sponsors

Dolobene eine mittlere fünfstellige

Summe investieren musste,

anstatt ordentliche TV-Gelder

einzustreichen, hält sie bis heute

für richtig. Eine wie sie wird

im profitorientieren Profiboxen,

wo Anpassung gefragt ist, kaum

reüssieren können.

Einerseits findet sie das

schade, „weil ich mir ein Stück

weit Gerechtigkeit gewünscht

hatte, und weil ich auch gern

große Kämpfe bekommen würde“.

Andererseits hat sie sich

mit diesem Los abgefunden,

weil sie seit ihrem Comeback

wieder spürt, wofür sie sich

im Training quält. Bis zu diesem

12. Januar war ihr Ziel,

wieder zurückzukehren in den

Ring, um zu beweisen, dass sie

Grenzen überwinden kann, die

Der steinige W

Sie hat Angst, wenn ihr Pein

Die Narbe an der Hand wird Rola El Halabi wohl ein Leben lang an die schreckliche

Tat ihres Stiefvaters erinnern

Diese Geschichte, das ist die

Zeitspanne zwischen dem 1. April

2011 und dem 12. Januar 2013,

die Rola El Halabi bekannter gemacht

hat, als es jeder Boxkampf

hätte bewirken können. An jenem

1. April hatte ihr Stiefvater

Roy El Halabi vor einem Kampf

in Berlin ihre Kabine gestürmt

und ihr in eifersüchtiger Raserei

viermal in Hände, Füße und

Knie geschossen. Er fühlte sich

von seiner Tochter geschnitten,

weil diese ein eigenes Leben führen

wollte, unabhängig von ihm.

Mehrere Wochen nach dem Anschlag

war die heute 28-Jährige

auf einen Rollstuhl angewiesen,

doch ihr Wille, in den Ring zurückzukehren,

war größer als alle

Schmerzen. Im Februar 2012

stand der Plan, ein Comeback

zu schaffen, und am 12. Januar

Box-Business anzubiedern. Weil

sie vor ihrem Comebackkampf

eine feste Absprache mit Sat.1

getroffen hatte, sagte sie alle anderen

TV-Anfragen ab. Als Sat.1

dann wenige Wochen vor dem

unüberwindbar scheinen. Doch

jetzt, nachdem dieses Ziel erreicht

ist und sich trotzdem in

ihrem Leben als Boxerin kaum

etwas geändert hat, musste sie

sich neue Ziele setzen.

42 BoxSport


er Pistolenschüssen schwer – aber sie gab nie auf

Zwei Gründe gibt es für sie,

um weiterzukämpfen. „Zum einen

tue ich das, weil mir nichts

im Leben bislang ein solches

Gefühl gegeben hat, wie der

Moment, im Ring zu stehen

und gewonnen zu haben. Und

zum anderen tue ich es, weil ich

spüre, wie vielen Menschen ich

durch meine Kämpfe Kraft gebe,

egal ob ich gewinne oder verliere.“

Zweimal hat sie seit ihrem

Comeback geboxt, am 3. August

in Laubach, keine 30 Kilometer

entfernt von Ulm, und am 7.

September in Saarbrücken, beide

Male nahm die Öffentlichkeit

kaum Notiz von ihren Siegen.

Der Kampf in Laubach war Horror,

den Druck empfand sie als

viel stärker als vor dem Comeback.

„Damals hat mir niemand

die Niederlage übel genommen.

Doch im Kampf nach dem Comeback

hätte es für eine Niederlage

keine Ausrede mehr gegeben.

Ich hätte aufgehört, wenn ich

verloren hätte, und deshalb war

der Druck enorm“, sagt sie. Sie

zu halten. Jetzt macht mir das

richtig Spaß“, sagt sie.

Und wahrscheinlich ist genau

das die wichtigste Lehre,

die sie aus den Monaten seit

ihrem Comeback gezogen hat:

dass nicht ihre Karriere sich

verändert hat, sehr wohl aber

ihr Leben außerhalb des Rings.

„Ich bin für viele nicht mehr nur

eine Boxerin, sondern eine Frau,

die sich durchs Leben kämpft.

Die Menschen hören mir zu und

nehmen mich wahr, und das ist

mir viel mehr wert, als es ein

WM-Titel sein könnte“, sagt sie.

Seit dem Tag ihres Comebacks

kennt ihr Leben nur noch eine

Richtung: aufwärts. Nach zwei

Jahren emotionaler Achterbahnfahrt,

die bisweilen in tiefsten

Tälern steckenzubleiben drohte,

genießt sie dieses Gefühl, keine

Depressionen mehr zu haben,

kaum noch Panikattacken. Mit

ihrem Mann Kosta hat sie in der

Ulmer Altstadt eine neue Bar

eröffnet, die BaRola, in der sie

für die Fans stets ansprechbar

Roy El Halabi zeigte

vor Gericht wenige

Schuldgefühle

eg des „Stehaufmädchen“

iger schon 2015 aus dem Gefängnis entlassen wird

hielt Stand, wohl auch, weil sie

das Boxen einfach noch nicht

missen will. Weil sie das Kämpfen

zu sehr liebt, um es aufzugeben,

nachdem sie so hart für die

Rückkehr geackert hat.

Dennoch spürt sie längst,

dass es nicht das Boxen ist, das

ihr die Achtung der Menschen

eingebracht hat. Jeden Tag hat

sie außergewöhnliche Erlebnisse,

wildfremde Menschen sprechen

sie an, umarmen sie, bedanken

sich bei ihr für das Beispiel,

das sie ihnen ist, ein Beispiel

dafür, niemals aufzugeben.

Sie bekommt viel Post und viele

Anfragen, vor allem von Frauenverbänden,

die im muslimisch

geprägten Umfeld mit ähnlichen

Problemen kämpfen, die Rola

mit ihrem Stiefvater erlebt hat.

Sie versucht, dort zu helfen, wo

es ihr sinnvoll erscheint, sie wird

seit kurzem von einer Agentur an

Firmen vermittelt, die Motivationsredner

suchen. „Vor einem

Jahr hätte ich mir nicht träumen

lassen, vor Menschen eine Rede

ist. „Es geht uns gut, wir sind

gesund und genießen unser Leben“,

sagt sie, und ihr Blick verklärt

sich, als sie diesen Worten

nachlauscht.

Natürlich ist da immer noch

dieser Wunsch, einen Investor

zu finden, der ihr große Kämpfe

ermöglicht, sie würde ja gern

„eine Legende werden und große

Hallen füllen“. Und auch die

Gedanken an die Zeit, wenn der

Stiefvater aus der Haft entlassen

wird, peinigen sie bisweilen.

In Saarbrücken verteidigte Rola El Halabi nur fünf Wochen nach dem Gewinn des

WBF-Titels im Halbweltergewicht ihren Titel gegen Sopio Pudkaradze

Zu sechs Jahren Gefängnis war

er verurteilt worden, bei guter

Führung könnte er im April 2015

freikommen. Durch ihren Bruder

bekommt sie mit, wie es ihrem

Peiniger geht, sie weiß, dass

er ihre Kämpfe zur Kenntnis genommen

und ihr Buch gelesen

hat. „In manchen Momenten

scheint er zu begreifen, was er

getan hat, aber oft gibt er sich

weiterhin als Unschuldslamm

und den anderen die Schuld. Er

ist derselbe kranke Mann wie

früher. Ich habe Angst davor,

dass der Ärger wieder losgeht,

wenn er rauskommt, und noch

mehr, dass er mich um Verzeihung

bittet. Ob ich die Kraft aufbringe

zu boxen, wenn er wieder

auf freiem Fuß ist, weiß ich

nicht“, sagt sie.

Aber sie weiß, dass dann

etwas anderes, vielleicht sogar

besseres kommen wird. Sie ist

ein Stehaufmädchen, das hat sie

längst bewiesen. Und sie ist bereit

für neue Geschichten.

Björn Jensen

BoxSport

43


Cecilia Braekhus‘ souveräner Sieg über die starke Oxandia Castillo

So jubelt die „First Lady“ nach einem Sieg

Gegen Oxandia Castillo (rechts) setzte

Cecilia Braekhus die klareren Treffer

Die „First

Lady“ ist

und bleibt die Box-Königin

Cecilia ist die beste Boxerin

der Welt“, sagte Promoter

Nisse Sauerland.

„Mit dieser Vorstellung

hat sie das wieder einmal eindrucksvoll

bewiesen.“ Mit Vorstellung

meinte Sauerland den

spektakulären Sieg von Braekhus

(23-0, 7 K.o.s), die im Duell

der ungeschlagenen Champions

die hoch gehandelte WBO-Halb-

Mittelgewichts-Weltmeisterin

Oxandia Castillo (12-1-2, 8

K.o.s) aus der Dominikanischen

Republik durch technischen K.o.

in der neunten Runde bezwang.

Damit verteidigte die als „First

Lady“ bekannte Braekhus ihre

Weltmeister-Gürtel (WBA,

WBC, WBO) sowie ihren Status

als beste Boxerin der Welt – sowohl

die angesehene Zeitschrift

„The Ring“ als auch die unabhängige

Weltrangliste „BoxRec“

führen sie in der gewichtsklassenübergreifenden

Weltrangliste

auf Platz eins.

Der Beginn des Fights in Frederikshavn,

Dänemark, hatte es

gleich in sich. Beide Kämpferinnen

gingen sofort in die Offensive.

Dabei war es Braekhus, welche

die klareren Treffer für sich

verbuchen konnte. Doch Castillo

war brandgefährlich und setzte

immer wieder zu Angriffen an,

die durch die Titelverteidigerin

geschickt pariert wurden. Auch

in Runde zwei und drei ging es

hin und her, doch Braekhus behielt

weiterhin die Oberhand.

In der Folge dominierte die

„First Lady“ das Geschehen im

Ring. Immer wieder fanden ihre

Führhände das Ziel. Mit schönen

Links-Rechts-Kombinationen

drängte sie die 18-Jährige

immer mehr in die Defensive –

sehr zur Freude der Heerscharen

von norwegischen Fans, die sie

frenetisch anfeuerten.

Die Herausforderin steckte

allerdings nicht auf und zeigte

Herz – wusste aber nicht, wie

der 13 Jahre älteren Titelverteidigerin

beizukommen war. Als

Braekhus in der neunten Runde

einige knallharte Hände zum

Kopf ihrer Gegnerin unterbrachte

und diese verteidigungsunfähig

schien, brach der englische

Ringrichter Mickey Vann das

mittlerweile einseitige Gefecht

ab.

„Das war eine sehr gute

Leistung von Cecilia – gegen

eine bärenstarke Gegnerin“, so

Georg Bramowski, der Braekhus

als Trainer in der Ecke betreute.

„Wir wussten, dass Castillo aggressiv

starten würde, doch Cecilia

hat ihre Angriffe geschickt

abgewehrt und in jeder Runde

ihr Können gezeigt. Wir sind

sehr zufrieden.“

Nach dem Kampf freute

sich die Siegerin riesig über die

Unterstützung ihrer Fans, die

„wieder einmal fantastisch“ waren.

„Castillo war unglaublich

gefährlich, aber unsere Strategie

ist komplett aufgegangen“, so

Braekhus, die der Unterlegenen

noch ein paar Worte mit auf den

Weg gab: „Sie ist noch jung, und

wenn ich einmal nicht mehr boxe,

wird auch sie eine ganz große

Titelträgerin sein.“ Castillo

wusste indes, dass sie zu Recht

verloren hatte. „Sie ist die beste

Boxerin der Welt und hat mich

deutlich geschlagen“, fiel ihre

Analyse entsprechend den Worten

Nisse Sauerlands aus. Die

„First Lady“ ist und bleibt die

Box-Königin auf dieser Welt.

44 BoxSport


Rolf Neumann dort, wo alles begann:

in der Ritze

Der Promoter, der

aus der Ritze kam

Rolle Neumann: „Bei mir gibt es keine gefakten Boxkämpfe“

Die Boxszene hat Rolf

Neumann, genannt

„Rolle“ sein Leben

lang begleitet, ob aktiv

oder passiv. Begonnen hat alles

in früher Jugend, in der „Ritze“

in Hamburg. Mittlerweile hat

er die Rolf Neumann Box Promotion

(RNBP) gegründet. Der

Grund? Ihn haben in den letzten

Jahren die seiner Meinung nach

„gefakten Boxkämpfe, die leider

ständig zunehmen, mächtig geärgert“.

Manche seien am Rande,

das Publikum zum Narren zu

halten. „Solche Kämpfe schaden

dem Ansehen des Boxsports.

Wenn man sich einige Urteile

oder Paarungen von Kämpfen

anschaut, ist es skandalös und

ein Betrug am Publikum“, meint

Neumann.

Aus diesem Grunde möchte

er versuchen, einen anderen

Weg zu gehen und hat sich

deshalb mit dem Management

von 8M Box-Promotion zusammengeschlossen.

Ziel des Ganzen:

gemeinsam mit dem Bund

Deutscher Faustkämpfer hochklassige,

faire und interessante

Boxveranstaltungen zu veranstalten.

Am 26. Oktober hat

Neumann nun ein Event in Lübeck

zusammengestellt, bei dem

unter dem Motto „Strike Back“

seine unter Vertrag stehenden

Boxer Benjamin Simon, Ronny

und Lelito Lopez Lopez, Chris

Mafuta sowie Roman Golovashchenko

in den Ring steigen.

Für Supermittelgewichtler

Benjamin Simon, Spitzname

„Iron Ben“, dürfte sein Gegner

Gevorg Khatchikian im Hauptkampf

um den IBO Inter-Kontinentaltitel

laut Neumann eine

harte Nuss werden. Immerhin

hat der Niederländer Khatchikian

von 19 Kämpfen bisher noch

keinen verloren. „Ben Simon bereitet

sich hart darauf vor und ab

dem 8. Oktober steht ihm ‚König

Artur‘ im Gym World of Punch

in Lübeck mit Christian Honhold

zur Seite“, so Neumann. Im

zweiten Titelkampf des Abends,

bei dem es um den IBO International

Titel im Cruisergewicht

geht, treffen Roman Golovashchenko

und Serdar Sahin aufeinander.

Benjamin Simon (links) steht mit Gevorg Khatchikian eine harte Nuss bevor

Chris Mafuta bekommt in

Lübeck ebenfalls die Chance,

um einen Titel zu kämpfen und

Internationaler Deutscher Meister

BDF zu werden. „Auch für

ihn wird es ein schwerer Gang

werden“, glaubt Rolf Neumann.

„Mafuta weiß, wenn er

den Kampf gewinnt, hat er einen

Fuß in der Tür auf dem Weg

nach ganz oben.“ Zuletzt hatte

Mafuta gegen Dominic Bösel

einen ordentlichen Fight abgeliefert,

nun trifft er auf Mounir

Toumi, gegen den er im vergangenen

Jahr in einem 6-Runden-

Kampf nach Punkten unterlag.

Über das Verhalten von

manch einem Promi in speziellen

TV-Formaten kann Rolf

Neumann indes nur den Kopf

schütteln: „Von meinen Boxern

hat aufgrund der Paarungen in

Lübeck keiner Zeit, sich im Fernsehen

zum Clown zu machen. Es

fragt sich, wenn man so etwas

sieht, wo soll das Ganze noch

enden?“ Damit es nach Neumann

nicht ganz so schlimm endet,

hat er sich als leidenschaftlicher

Box-Fan dazu entschlossen,

selber etwas dafür zu tun.

BoxSport

45


Die Medaillen-Tipps

von BoxSport-Experte

Peter Jaschke

Halbfliegen:

1. David Ayrapetyan, Russland.

2. Temertas Zhussupov,

Kasachstan.

3. Jonghun Shin, Korea.

4. Paddy Barnes, Irland.

Fliegen:

1. Robeisy Ramirez, Kuba

2. Andrew Selby, Wales.

3. Misha Aloyan, Russland.

4. Michael John Conlan, Irland.

Bantam:

1. Lazaro Jorge Estrada, Kuba.

2. Shiva Thapa, Indien.

3. Satoshi Shimizu, Japan.

4. John Joe Nevin, Irland.

Leicht:

1. Gani Zhailauov, Kasachstan.

2. Yasniel Toledo Lopez, Kuba.

3. Soon Chul Han, Korea.

4. Anvar Yunusov, Tadschikistan.

Halbwelter:

1. Denis Berinchyk, Ukraine.

2. Roniel Igelisias Sotolongo,

Kuba.

3. Munkh-Erdene Uranchimeg,

Monogolei.

4. Everton Dos Santos Lopes,

Brasilien.

Welter:

1. Serik Säpijew, Kasachstan.

2. Taras Shelestyuk, Ukraine.

3. Freddie Evans, Wales.

4. Arajik Marutjan, Deutschland.

Mittel:

1. Ievgen Khytrov, Ukraine.

2. Esquiva Falcao, Brasilien.

3. Jason Quigley, Irland, oder

Michel Tavares, Frankreich.

4. Bogdan Juratoni, Rumänien.

Halbschwer:

1. Ädilbek Nijasymbetow,

Kasachstan.

2. Egor Mekhontsev, Russland.

3. Julio Cesar La Cruz Peraza,

Kuba.

4. Oybek Mamzulunov, Usbekistan.

Schwer:

1. Tervel Pulev, Bulgarien.

2. Aleksei Egorov, Russland.

3. Anton Pinchuk, Kasachstan.

4. Jose Angel Larduet Gomez,

Kuba.

Superschwer:

1. Iwan Dytschko, Kasachstan.

2. Magomedrasul Medzhidov,

Aserbeidschan.

3. Roberto Cammarelle, Italien.

4. Erik Pfeifer, Deutschland.

Die letzte Vorbereitu

4 Musketiere unse

Robert Harutyunyan (mitte) legt sich unter dem kritischen Blick von Bruder Artem beim Training, hier an den Pratzen mit

Michael Timm, mächtig ins Zeug

Artur Bril musste wegen Verletzung absagen

Die alte, ehemalige

Kasachen-Metropole

Alma-Ata hat nicht nur

ihren Namen geändert.

Vom einstigen sozialistischen

Ambiente ist in Almaty nicht

mehr viel zu sehen. Die Arena

für die Amateur-Box-Weltmeisterschaften

ab 14. Oktober

liegt am Fuße des mächtigen

Tienschan-Gebirges und kann

es mit jeder modernen Halle

aufnehmen. Bundestrainer Valentin

Silaghi kennt die Halle

und glaubt: „Die Kasachen sind

alle sehr boxbegeistert. Bei der

WM wird bestimmt immer eine

wilde Stimmung sein. Ich schätze,

dass in die Arena 10.000

Zuschauer passen.“ Zumal die

Kasachen in ihren Reihen Boxer

wie Birschan Schaqypow

(49 kg), Danijar Jeleussinow

(64 kg), Olympiasieger Serik

Säpijew, den Olympiazweiten

Ädilbek Nijasymbetow und den

superschweren Iwan Dytschko

haben. Überhaupt könnten

bei dieser WM die mittelasiatischen

Boxer deutliche Zeichen

setzten, da auch Usbekistan mit

einer starken Mannschaft und

größeren Fan-Gruppen anreist.

Sicher wird auch der mongolische

Olympiazweite Tugstsogt

Nyambayar (52 kg) nicht nur

einige gute Boxer, sondern viele

Fans im Schlepptau haben.

Ulan-Bator ist nur eine Flugstunde

von Almaty entfernt.

Natürlich gehören die Kubaner

wieder mit zu den Favoriten.

Was die Ukrainer in den

Ring schicken, ist ungewiss. Die

Olympiasieger Wassyl Lomatschenko

(60 kg) und Schwergewichtler

Alexander Usyk haben

sich zu den Profis verabschiedet.

Letzterer wurde vom K2-

Stall der Klitschkos verpflichtet.

„Völlig im Dunkeln tappen wir

bei den Russen. Die bereiten

gleich drei Staffeln auf die WM

vor. Man weiß gar nicht, welche

Mannschaft nun zur WM

kommt. Es kann sein, dass von

ihren EM-Medaillengewinnern

gar kein Boxer zur WM-Mannschaft

gehört“, vermutet der

Berliner Coach Ralf Dickert. Die

drei deutschen WM-Trainer Dr.

Michael Bastian, Dickert und

der Schweriner Michael Timm

bestanden übrigens im September

in Berlin die Drei-Sterne-

Prüfung. Das ist die höchste

Trainer-Qualifikation des Internationalen

Verbandes (AIBA).

Ob ihr Können reicht, um aus

Kasachstan auch WM-Medaillen

mit nach Deutschland zu

bringen, bleibt abzuwarten.

Pech hatte der Kölner Jugend-

Olympiasieger Artur Bril. Der

Leichtgewichtler verletzte sich

die Hand und musste die Vorbereitung

abbrechen. Für ihn steigt

nun der Schweriner Robert Harutyunyan

in den WM-Ring.

„Auf alle Fälle haben wir uns

gut in der Sportschule Hennef

vorbereitet“, sagt DBV-Cheftrainer

Dr. Michael Bastian. „Sollten

die deutschen Amateurboxer

wie bei Olympia im vorigen

Jahr in London bei der Medaillenvergabe

fehlen, müssen wir

uns keine Vorwürfe bezüglich

der Vorbereitung machen“,

meint Ralf Dickert.

Zum Sparring in Hennef waren

gleich ganze WM-Teams angereist.

Neben Engländern und

Brasilianern stiegen auch Kanadier,

Finnen, Esten und Tschechen

zum Sparren in den Ring.

Dr. Bastian hofft, „dass wir

aus Almaty wenigstens mit

zwei Medaillen zurückkehren“.

Bantamgewichtler Edgar Walth

(Straubing), der EM-Zweite Artem

Harutyunyan (Schwerin)

im Halbwelter, Stefan Härtel

(Berlin) im Mittelgewicht und

Superschwergewichtler Erik

46 BoxSport


ng für die WM in Kasachstan

Emir Ahmatovic wird von Ralf Dickert für die WM fit gemacht

Serge Michel und Edgar Walth ( im Hintergrund) beim individuellen Warm-up

re Medaillenhoffnungen

Erik Pfeifer Stefan Härtel Edgar Walth Artem Harutyunyan

Pfeifer (Lohne) sieht der Cheftrainer

am ehesten in der Lage,

sich bei der EM in Richtung einer

Medaille durchzuboxen. Also

auf diesen vier Musketieren

ruhen die deutschen Hoffnungen.

Wer Weltmeister werden

will, muss in einigen Gewichtsklassen

bis zum Gold sieben

Kämpfe siegreich gestalten. Allein

im Mittelgewicht erwartet

Ralf Dickert ein Meldeergebnis

von 60 bis 65 Boxern.

Erstmals wird bei einem internationalen

AIBA-Turnier ohne

Kopfschutz geboxt. Das könnte

die Athleten begünstigen, die

bei der semiprofessionellen

World Series Of Boxing schon

seit 2010 Erfahrungen mit dem

Kämpfen „oben ohne“ sammeln

konnten. Darüber hinaus weiß

man nicht, wie sich das neue

Punktsystem „10-Points-Must“

auf die Urteile auswirkt.

Auf der Basis der jüngsten

Weltrangliste des Dachverbands

AIBA und seiner Einschätzungen

tippt unser Mitarbeiter Peter

Jaschke (siehe links) dennoch

die Medaillenanwärter. Unter

anderem Kuba, WM-Gastgeber

Kasachstan, Ukraine und Russland

sind demnach die Medaillen-Krösusse.

Ein Manko der AIBA-Rankings:

Es werden nach wie vor

ganz vorn ehemalige Amateur-

Spitzenleute wie die früheren

Halbschweren Artur Berterbiev

aus Russland und Usbekistans

Elshod Rasulov gelistet, die inzwischen

Profis geworden sind,

und zwar nicht bei der AIBA.

Zudem nutzen viele Nationen

diese erste WM im neuen Olympiazyklus

als Startpunkt für

neue Leute. Man wusste also bei

Redaktionsschluss dieser Ausgabe

noch gar nicht genau, wer

tatsächlich in Almaty antritt.

Auffallend: Fast in jeder

Gewichtsklasse finden sich in

der Bestenliste vom 1. September

plötzlich Boxer aus dem

WM-Gastgeberland, die beim

vorvergangenen Ranking noch

nicht platziert waren. Ursache

sind vordergründig die jüngsten

Asienmeisterschaften, wo

die Kasachen sieben Finalisten

stellten. Es ist kein Geheimnis,

dass Kasachstan neben

Aserbeidschan zu den größten

Geldgebern der AIBA gehört.

Nach den Erfahrungen der vergangenen

Monate müsste gegen

einen Gegner aus einem dieser

Länder schon ein sehr deutlich

dominanter Ringauftritt her, um

die Punktrichter überzeugen zu

können.

Von Null auf Rang sechs

kommt im September „Halbfliege“

Temertas Zhussupov

als neuer Asienmeister 2013.

Im Fliegen-Limit ist auf Platz

neun Berik Abdrakhmanov wie

aus dem Nichts aufgetaucht.

Jeweils Siebter sind auf Anhieb

Merey Akshalov (Bantam) und

Zhanibak Alimkhanuly (Mittel)

geworden. Im Schwergewicht

findet man den neuen kasachischen

Asienmeister Anton

Pinchuk auf Platz neun. Nur in

den Limits, wo sowieso schon

ein renommierter Kasache

weit vorn platziert war, also im

Leicht-, Welter- Halbschwerund

Superschwer-Gewicht, fehlt

ein solcher Neuzugang,

BoxSport

47


WSB-Chef Bittner liebt es bunt

Rocky als Trainer und

Jürgen Drews als Sänger

Setzt seine Pläne langsam, aber

sicher in die Tat um: Ulrich Bittner

Bernhard Brink (links) singt bei der ersten WSB-Veranstaltung im November, Jürgen Drews ist Frontmann einer Gruppe Boxer, die das Mottolied für das deutsche Team vorträgt

Bernhard Brink singt bei

der ersten WSB-Veranstaltung

in Hanau am

15. November gegen

Algerien. Jürgen Drews soll

als Frontmann einer Gruppe

Boxer auftreten, die das Mottolied

für das deutsche Boxteam

vorträgt. Der Titel steht schon

fest: „Steh‘ auf mein Freund

und fighte weiter!“ Man sieht,

die WSB wird bunt und es geht

weiter rund. Ulrich Bittner, der

neue Teamchef für die deutsche

WSB, bringt Musik in die Bude.

Der Hansdampf aus Hanaus

Gassen beginnt nun, seine großen

Pläne umzusetzen. Und er

plant einen weiteren Coup: Er

verhandelt mit Graciano Rocchigiani.

Der Profi-Ex-Weltmeister

soll als Betreuer oder

Trainer dem Team etwas mehr

von professionellem Boxen beibringen.

Bittner: „Das ist mit

dem DBV genau abgestimmt,

aber welche Funktion Graciano

da genau übernehmen soll,

müssen die Cheftrainer entscheiden.“

Nach einigen

Ungereimtheiten

in der ersten

Phase

spricht

Bittner

jetzt von

einer

harmonischen

Zusammenarbeit

mit

dem DBV,

vor allem

mit Sportdirektor

Michael

Müller. Dies wurde

auch dadurch

verbessert, dass

AIBA-Chef Dr. Wu

aus dem Hintergrund mit seinem

Lausanner Generalsekretär

dafür sorgte, dass im deutschen

Team Frieden herrscht. Für Wu

ist dies wichtig, da er durch den

cleveren Geschäftsmann Bittner

erstmals aus Deutschland die

Lizenzgebühr von 500.000 Dollar

erhält. Diese Summe macht

Graciano Rocchigiani könnte als

Trainer im WSB-Team einsteigen

Bittner keinerlei Sorgen:

„Die Finanzierung

steht

längst. Eine

Bank und

andere

Sponsoren

stehen

bei

Fuß.

Außerd

e m

haben

w i r

schon einen

Vertrag

mit einem

deutschen TV-

Sender. Was dann

noch an Zuschauereinnahmen

kommt, ist reines Zubrot.“

Dass bei der Vorstellung des

deutschen WSB-Teams in Hanau

die meisten Boxer fehlten, weil

sie im Trainingslager in Hennef

den letzten Schliff für die WM

in Almaty/Kasachstan bekamen,

hat Bittner zwar nicht geschmeckt,

doch letztlich hat er

es geschluckt, zumal man ihm

wenigstens den Schwergewichtler

Erik Pfeifer schickte, der in

der nächsten Bundesliga-Saison

für Bittners Club Hanau boxt.

„Das muss doch jeder einsehen,

dass wir drei Tage vor Abflug

zu den Titelkämpfen nach

Almaty keine WM-Boxer mehr

abstellen können. Im Kader des

WSB-Teams sind ja noch andere

Boxer, die diese Verpflichtung

wahrnehmen können“, so DBV-

Cheftrainer Dr. Michael Bastian.

Die Vorstellung fand im Rahmen

der hessischen Meisterschaften

in der August-Schärttner-Halle

in Hanau statt. Hier

ist jetzt auch der erste Auftritt

des WSB-Teams geplant, nachdem

es mit dem Luxushotel in

Kassel, dem LaStrada mit einem

Palazzo von 3.000 Zuschauern,

nicht geklappt hat. Doch Bittner

plant weiterhin Events in

größeren Lokalitäten, so im Europapark

Rust oder im Berliner

Superhotel Estrel, in dem früher

Universum WM-Kämpfe ausgetragen

hat. Hans Reski

48 BoxSport


Der

Start

in die WSB

Samstag, den 16. November, ab 14 Uhr in der August-Schärttner-Halle in Hanau

1.Kampftag

Deutschland gegen Algerien

Außerdem die ersten Bundesligakämpfe

der 1. und 2. Mannschaft von Boxring Hanau

Karten können per Mail unter info@boxring-hanau.de

oder telefonisch unter 0171-92 72 328 bestellt werden!


Die Termine der 1. Bundesliga

Der erste Gong für die 1. Boxbundesliga ertönt am 15./17. November dieses Jahres.

Titelverteidiger BC Velbert, der BC Motor Babelsberg, der BC Straubing, der Nordhäuser

SV und Aufsteiger BR Hanau treten in der Liga an, um am letzten Wettkampftag

Mitte März den Meisterpokal in den Händen zu halten. Dazu müssen die Teams aber

erst einmal am BC Velbert vorbei. Das wird nicht einfach, denn der Club hat seinen 13.

Titel bereits fest im Blick. Wenn es klappt, wäre es die zwölfte Meisterschaft in Folge.

Der Motor in Velbert ist der Grandseigneur der Bundesliga Hans-Gerd Rosik. Und der

75-Jährige will erneut Deutscher Meister und baut dabei auf das Team der vergangenen

Saison, wie er im BoxSport erklärt.

Hans-Gerd Rosik

will auch nach

dieser Bundesliga-

Saison den

Meisterschaftspokal

in die Luft stemmen

Wk-Tag Datum Heim Auswärts

1. WK-Tag 15./17.1.2013 Velbert Nordhausen

15./17.1.2013 Hanau Straubing

15./17.1.2013 frei: Babelsberg

2. WK-Tag 29.11/1.12.2013 Straubing Babelsberg

29.11/1.12.2013 Velbert Hanau

29.11/1.12.2013 frei: Nordhausen

3. WK-Tag 13./15.12.2013 Nordhausen Hanau

13./15.12.2013 Babelsberg Velbert

13./15.12.2013 frei: Straubing

4. WK-Tag 10./12.1.2014 Babelsberg Nordhausen

10./12.1.2014 Straubing Velbert

10./12.1.2014 frei: Hanau

5. WK-Tag 24./26.1.2014 Straubing Nordhausen

24./26.1.2014 Hanau Babelsberg

24./26.1.2014 frei: Velbert

6. WK-Tag 31.1/2.2.2014 Nordhausen Velbert

31.1/2.2.2014 Straubing Hanau

31.1/2.2.2014 frei: Babelsberg

7. WK-Tag 14./16.2.2014 Babelsberg Straubing

14./16.2.2014 Hanau Velbert

14./16.2.2014 frei: Nordhausen

8. WK-Tag 21./23.2.2014 Nordhausen Babelsberg

21./23.2.2014 Velbert Straubing

21./23.2.2014 frei: Hanau

9. WK-Tag 7./9.3.2014 Hanau Nordhausen

7./9.3.2014 Velbert Babelsberg

7./9.3.2014 frei: Straubing

10. WK-Tag 14./16.3.2014 Nordhausen Straubing

14./16.3.2014 Babelsberg Hanau

14./16.3.2014 frei: Velbert

Boxen ist Volkssport in Velbert

„Für uns stellt sich nur die Frage, wer Zweiter wird“

BoxSport: Herr Rosik, Sie stehen

mittlerweile im 75. Lebensjahr

und drehen im VBC immer noch

das große Rad. Denken Sie manchmal

ans Aufhören?

Hans-Gerd Rosik: Ans Aufhören

denken? Keine Spur. Solange ich

fit bin und mich wohlfühle, möchte

ich in Velbert weitermachen.

BoxSport: Dann stellt sich ja

eigentlich nur noch die Frage, wer

in der nächsten Saison Zweiter

wird.

Hans-Gerd Rosik: Nordhausen

oder Babelsberg

BoxSport: Das sieht der Boxring

Hanau aber ganz anders.

Wenn es nach Ulrich Bittner gehen

würde, wäre Velbert Zweiter.

Hans-Gerd Rosik: Schritt eins:

Zuerst muss man boxen. Schritt

zwei: Dann muss man gewinnen.

Schritt drei: Wenn man am Ende

der Saison Erster ist, dann ist man

Deutscher Meister. Ich habe Schritt

eins bis drei bei den Hanauern noch

nicht gesehen.

BoxSport: Nächste Saison wird

Vize-Europameister Arajik Marutjan

den VBC verstärken. Wird

es sonst noch Änderungen in der

Mannschaft geben?

Hans-Gerd Rosik: Auf der einen

oder anderen Position wollen

wir uns verstärken. Da ist aber noch

nichts spruchreif. Im Wesentlichen

bauen wir auf die Mannschaft, die

sich in der letzten Saison bewährt

hat.

BoxSport: Als da wären?

Hans-Gerd Rosik: Radovan,

Harutyunyan, Weiß, Sittner, Mullenberg,

la Cruz, Makarov, um nur

einige zu nennen.

BoxSport: Denis Makarov boxte

auf der Deutschen Meisterschaft

seiner Form hinterher. Er quälte sich

durch die Vorrunde und verlor dann

im Finale gegen Edgar Walth.

Hans-Gerd Rosik: Die Deutsche

Meisterschaft lief wirklich an

ihm vorbei. Ich denke, Denis zieht

seine Lehren daraus und wird in

der nächsten Saison wieder eine

glänzende Leistung für den VBC

abliefern.

BoxSport: Es gibt Gerüchte,

dass Peter Mullenberg zu den AIBA

Profis gehen wird.

Hans-Gerd Rosik: Geredet

wird viel. Mit mir hat Peter über

solche Pläne jedenfalls nicht gesprochen.

Daher kann ich ihnen

ruhigen Gewissens versichern, dass

Peter die nächste Saison wieder in

Velbert boxen wird, denn hier ist er

zuhause.

BoxSport: In der Vergangenheit

waren Sie nicht gut auf die World

Series of Boxing zu sprechen. Sie

waren ärgerlich, dass die WSB Ihre

Boxer für die Bundesliga blockiert.

Hans-Gerd Rosik: Ich habe

mich auf der DM in Oldenburg mit

dem DBV-Cheftrainer Dr. Bastian

unterhalten. Er hat mir erklärt, wie

das deutsche WSB Team eingesetzt

wird. Das Gespräch hätten wir viel

früher führen sollen, denn es ist

wirklich nicht so schlimm, wie wir

anfangs gedacht hatten.

BoxSport: Also keinen Groll

mehr gegen die WSB?

Hans-Gerd Rosik: Überhaupt

nicht.

BoxSport: Stimmt es, dass es

in Velbert nun auch Länderkämpfe

zu sehen gibt?

Hans-Gerd Rosik: Das ist

richtig. Ich komme gerade aus

einer Sitzung mit dem NRW-

Verband. Im November werden

in Nordrhein-Westfalen mehrere

Länderkämpfe gegen Australien

ausgerichtet. Davon wird der VBC

einen übernehmen. Den Termin

gibt es auch schon. Es ist der 2.

November, wie immer in der Boxhalle

Birth.

BoxSport: Bundesliga, Länderkämpfe,

ist das nicht etwas viel

Boxen für so eine kleine Stadt wie

Velbert?

Hans-Gerd Rosik: Überhaupt

nicht. Boxen ist in Velbert mittlerweile

so etwas wie Volksport.

Sogar unser Bürgermeister ist

Mitglied im VBC.

50 BoxSport


So hat sich die Konkurrenz verstärkt

BC Motor Babelsberg

In Babelsberg fiebert

Manager und Trainer

Ralf Mantau der neuen

Bundesliga-Saison

entgegen: „Wir waren

in der vorigen Saison

Vizemeister, da ist es doch nur logisch,

dass wir Velbert vom Thron

stoßen wollen. Der Meister-Pokal

soll am Ende der Saison in Babelsberg

stehen.“ Babelsberg muss

zum Auftakt am 30. November

nach Straubing.

Wie in den vergangenen Jahren

bleibt das Toyota-Autohaus in Babelsberg

wieder die bewährte

Kampfstätte für bis zu 700 Zuschauer.

Durch die gute Zusammenarbeit

mit der Bundeswehr-Fördergruppe

in Frankfurt/Oder und dem Berliner

Boxverband kann Motor auf eine

starke Staffel verweisen. Neben

den Babelsberger Stammboxern,

wie Marcel Schneider (58 kg) und

Jaroslav Minin (82), kann Manager

Mantau mit Artrym Daschyan (65

kg) und Sadula Abdulai (75 kg) auch

auf einige Neuzugänge verweisen.

Streit gab es nur um Josef Atanjaoui,

der auch bei Nordhausen im

Gespräch war.

Nordhäuser SV

Die Ballspiel-Halle

in Nordhausen (Fassungsvermögen

1.050

Zuschauer) bleibt die

Wettkampfstätte der

SV-Boxer. „Wir haben mit Junioren-

und Kadetten-Turnieren die

Boxstimmung in Nordhausen angeheizt.

Die Bundesligasaison soll

erneut der Box-Höhepunkt der

Saison werden. „Dabei setzen wir

Harzer auf Kontinuität. Wir formieren

unsere Staffel vorwiegend aus

deutschen Boxern“, sagt Manager

Michael Döring. Von den bis jetzt

verpflichteten elf Boxern, haben

nur der Schwede Salomo N‘Tuve

(58 kg) und der Ungar Balazs Bacskai

(70 kg) einen ausländischen

Pass. Besonders stark sind nach

Dörings Meinung das Federgewicht

mit Angelo Welp und David

Müller sowie das Schwergewicht

mit Artur Mann und Eugen Waigel

besetzt. Im Halbschwergewicht

sollte der Berliner Josef Attanjaoui

für Nordhausen boxen: „Aber die

Berliner gaben den Jungen für uns

nicht frei. Er muss in Babelsberg

boxen. Ich finde das unfair“, ärgert

sich Döring.

BC Straubing

Die Bayern wollen

in der Boxbundesliga

voll mitmischen.

„Ich will nicht gleich

sagen, dass wir

Meister werden, aber um den Titel

kämpfen werden wir“, sagt Manager

und Trainer Hans Buchmeier.

Der Box-Haudegen spricht von einem

neuen Zeitalter in der Straubinger

Boxszene: „Wir sind Bundesstützpunkt

geworden. Dadurch

können wir einen hauptamtlichen

Trainer beschäftigen. Das schlägt

sich natürlich auf die Leistungen

unserer Boxer nieder. Außerdem

können wir unsere zahlreichen

Nachwuchsboxer und -boxerinnen

besser beschäftigen.“ Das Aushängeschild

der Bayern bleibt natürlich

der Deutsche Meister Edgar Walth.

„Ich denke aber, dass sich auch

der eine oder andere junge Boxer

durchsetzen wird“, hofft Horst

Buchmeier. Ihre Kämpfe tragen

die Straubinger wieder in der Halle

an der Trabrennbahn aus. 500 Zuschauer

finden da locker Platz. „Für

die Zukunft planen wir aber eine

Erweiterung der Halle“, verrät Horst

Buchmeier.

BR Hanau

Es ist nicht neu:

Bau-Unternehmer

Ulrich Bittner

will in Hanau

großes Boxen

aufziehen (siehe

Seite 48). In der August-Schärttner-

Halle soll zum Saisonstart neben

der 1. auch die 2. Liga boxen. „Als

Krönung steigt das WSB-Gefecht

Deutschland gegen Algerien“, erklärt

Hanaus Präsident Bittner. Die Stars

des Bundesliga-Kaders beim BR Hanau

sind die Schwergewichtler Erik

Pfeifer und Max Keller, der weitere

Nezugang – neben Pfeifer – Stefan

Härtel im Mittelgewicht sowie

im Bantamgewicht der WM-Boxer

Hamza Touba. Hafid Bouji (58 kg),

Rinat Karimov (69 kg) und Igor Teziev

(81) kämpften bereits im letzten Jahr

erfolgreich für Hanau in der 2. Liga,

Kastriop Sopa (65 kg), Xhek Paskali

(75 kg) und Ali Kydin (82 kg) sind

ebenfalls neu. „Weitere Namen oder

Aufstellungen verrate ich aus taktischen

Gründen nicht. Wir wollen

unsere Gegner auch ein bisschen

überraschen“, so Bittner. Eins ist jedoch

klar: Der amtierende Meister

Velbert soll angegriffen werden.

Relaunch von box-sport.de

Täglich BoxSport lesen – alle News im Web

BoxSport rund um die Uhr! Lesen sie alle News, Stories und Kommentare aus der Welt des

Profi- und Amateurboxens täglich im Internet. Dazu gibt es auf www.box-sport.de alle Termine:

Wann wird in Deutschland geboxt, auf welchem TV-Sender, wo gibt es Tickets zu kaufen?

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Bei der ersten Amateur-DM oh

Der favorisierte Ronny Beblik zog gegen Hamza Touba (rechts) den Kürzeren

Die jungen Wilden rüttelte

Siegte Härtel gegen Radovan nur durch ein Fehlurteil?

Bei der ersten Amateurbox-DM

ohne Kopfschutz

seit 25 Jahren

haben vor allem die

Nachwuchskämpfer für Furore

gesorgt. „Die jungen Wilden

haben mächtig am Thron der

Etablierten gerüttelt – und einige

wurden sogar gestürzt“, sagte

Präsident Jürgen Kyas vom

Deutschen Boxsport-Verband

(DBV) und zog ein überaus positives

Fazit der Titelkämpfe in

Oldenburg: „Sportlich bin ich

sehr zufrieden, wir können mit

viel Selbstvertrauen zur WM

fahren. Auch die Regeländerungen

haben sich bewährt.“

Erstmals seit Ende der 80er

Jahre wurden die DM-Kämpfe

wieder ohne Kopfschutz bestritten,

zudem wurde das vom

Profiboxen bekannte Zählsystem

„10-Points-Must“ eingeführt.

„Der Athlet hat jetzt

wieder ein Gesicht bekommen,

ist nicht mehr so anonym

wie früher. Das tut dem Sport

gut“, meinte Kyas. Zwar habe

es vor allem in den Halbfinals

einige Gesichtsverletzungen

gegeben, doch die seien nicht

so dramatisch gewesen, versicherte

der DBV-Chef: „Einen

verletzungsfreien Sport gibt es

nirgendwo.“

Aus Oldenburg

berichtet

Heinz Arndt

Der Wegfall des Kopfschutzes,

den der Weltverband AIBA

in seinem Reformstreben zur

Annäherung an das populäre

Profiboxen durchgesetzt hat,

hatte auch sportlichen Einfluss.

„Es war zu sehen, dass

die Kampfführung

sich total geändert

hat“, sagte

Kyas: „Das ist

alles noch

nicht perfektioniert,

weder

bei den

Sportler noch

bei den Trainern

oder Wettkampfrichtern.“

Vielleicht lag es auch

an der Umstellung, dass Favoriten

wie Ronny Beblik (Chemnitz)

im Fliegengewicht (gegen

Hamza Touba/Neuss) und Ex-

Europameister Denis Makarow

(Velbert) im Bantamgewicht (gegen

Edgar Walth/Straubing) in

den Finals den Kürzeren zogen.

Keine Blöße gaben sich dagegen

der EM-Zweite Arayk Marutyan

(Schwerin), Halbweltergewichtler

Artem Harutyunyan (Hamburg)

und Superschwergewichtler

Erik Pfeifer (Lohne).

Von den deutschen Nachwuchsboxern

war es insbesondere

Edgar Walth im Bantamgewicht,

der durchweg eine überzeugende

Leistung bot. Sein

Kampf im Halbfinale gegen den

favorisierten Berliner Omar El-

Hag wurde von den Experten als

bester Kampf der gesamten

Meisterschaften eingestuft.

Und auch

im Finale zeigte

er sich taktisch

klug eingestellt

und angriffsstark

und kam

nach einer weiteren

Klasseleistung

gegen Dennis

Makarov zu einem

verdienten Punktsieg.

Er wurde auch als bester

Kämpfer der Meisterschaften

ausgezeichnet. Verdienter Lohn:

die Berufung in den WM-Kader.

Überraschend große Schwierigkeiten

hatte im Mittelgewicht

der zum Top-Favoriten erklärte

Stefan Härtel (Berlin) gegen Denis

Radovan (Köln). Die beiden

als hervorragende Techniker

bekannten Boxer lieferten sich

teilweise einen wilden Schlagabtausch,

wobei es dem Olympia-Fünften

zwischendurch

gelang zu kontern. Mit seinem

2:1-Punktsieg zeigte sich der

Großteil der Zuschauer nicht

einverstanden und offen wurde

von einem Fehlurteil gesprochen.

Härtel hatte zuvor auch

dem Jüngeren Xhek Paskali

(Ludwigsburg) gerade noch die

Stirn bieten können. „Da zeichnet

sich eine Wachablösung ab“,

sagte Kyas. „Es ist eingetreten,

was ich erhofft habe: Der Nachwuchs

macht den Platzhirschen

Probleme. Die Jungen wollen

nach Rio.“ Der Berliner Härtel

sieht das anders: „Ich bin älter,

erfahrener. Ich bin ein gestandener

Mann und habe deshalb

Vorteile vor den Jüngeren.“

Auch für Superschwergewichtler

Erik Pfeifer wurde sein

Finalkampf alles andere als ein

Selbstläufer. Letztlich rettete die

größere Erfahrung und Cleverness

den Olympia-Teilnehmer

beim Punktsieg gegen Ali Kiydin

(Oberursel). Pfeifer konnte seinen

stetig brandgefährlich angreifenden

Gegner zumeist auf Distanz

zu halten. Es war diesmal die einzige

Goldmedaille für den niedersächsischen

Landesverband.

Im Halbfliegengewicht lieferten

sich Sergej Neumann (Saterland)

und Morsar Isaev drei

Runden lang einen packenden

Kampf, wobei am Ende der Berliner

mit 2:1 Punkten der überaus

glückliche Sieger war. Ronny

52 BoxSport


ne Kopfschutz seit 25 Jahren

Im Mittelgewichtsfinale profitierte

Stefan Härtel (links) gegen Denis

Radovan – noch – von seiner Erfahrung

n am Thron der Etablierten

Die Sieger präsentierten – eingerahmt von Bundestrainer Dr. Michael Bastian (2.v.l.) und DBV-Präsident Jürgen Kyas (2.v.r. stehend) – stolz ihre Pokale und Medaillen. Der

Berliner Landestrainer Ralf Dickert (rechts kniend) freute sich über den Pokal für den besten Landesverband

Beblik tat im Fliegengewicht gegen

Hamza Touba über die drei

Runden zu wenig und verlor verdientermaßen

mit 1:2.

Im Leichtgewicht konterte

Ahmet Eminovic (Thüringen)

gegen Aidtdhe Gashi (Babelsberg)

immer wieder geschickt

und verdiente sich so seinen 2:1

Sieg. Der Osnabrücker Eugen

Burhard fand im Halbweltergewicht

nicht zu seiner gewohnten

Leistung und dem richtigen Rezept

gegen Artem Harutyunyan

und verlor nach Punkten mit0:3.

Vize-Europameister Arayk Marutyan

(Schwerin) ließ den Lohner

Slawa Kerber geschickt nicht in

den Kampf kommen und gewann

mit 3:0. Immer im Vorwärtsgang

sicherte sich Igor Teziev

(Esslingen) mit 3:0 gegen Josef

Attanjaoui (Berlin) den Titel im

Halbschwergewicht. Johann

Witt (Schwenningen) bestimmte

gegen den unermüdlich angreifenden

Artur Mann (Gifhorn)

weitgehend das Kampfgeschehen

und gewann glatt mit 3:0.

Aus Verletzungsgründen waren

in Oldenburg die favorisierten

Artur Brill im Leichtgewicht

und im Schwergewicht Emir

Ahmatovic nicht am Start. Beide

wurden dennoch für Almaty

nominiert.

BoxSport

53


Das gespräch

Der kleine

Heinz Arndt mit Michael Müller

Walth war der Größte

Kampf gegen gegen El-Hag war der beste des Abends

sport

DBV Sportdirektor Michael Müller

In einem Gespräch äußert sich

Michael Müller, Sportdirektor

des Deutschen Boxsport-Verbandes

(DBV) zum Verlauf der

diesjährigen Deutschen Box-

Meisterschaften der Männer-

Eliteklasse in Oldenburg und zu

den im Oktober bevorstehenden

Weltmeisterschaften in Almaty.

BoxSport: Wie beurteilen

Sie das Leistungsniveau bei den

diesjährigen Deutschen Meisterschaften?

Michael Müller: Gerade in

den Finalkämpfen hatten wir

sehr viele enge Kämpfe auf hohem

Niveau. Es freut mich natürlich,

dass wir im nach-olympischen

Jahr eine so hohe Leistungsdichte

aufweisen können.

Darauf wollen wir jetzt aufbauen.

Ich bin sehr gespannt, was

Amateurboxen sieht jetzt anders aus.

Bei den 91. Deutschen Meisterschaften in

Oldenburg hat es deutlich mehr Bewegung

im Ring, aber auch mehr Platzwunden an

den Köpfen der Faustkämpfer gegeben.

„Das Kampfverhalten ist wesentlich dynamischer

geworden“, sagte Jürgen Kyas, Präsident

des Deutschen Boxsport-Verbandes

(DBV).

Ursache sind Regeländerungen: Erstmals

seit 25 Jahren wurde ohne Kopfschutz

geboxt. Zudem wird nach der bei den Profis

bekannten 10-Punkte-Methode pro Runde

gewertet, die einen aktiveren Boxstil erzwingt.

Fünf Punktrichter geben ihr Urteil

Der Fight

zwischen

Edgar Walth

(links) und

Omar El-Hag

wurde als

bester der

DM bewertet

bei den Weltmeisterschaften im

kasachischen Almaty heraus

kommt.

BoxSport: Welcher Boxer hat

Sie während der Meisterschaften

am meisten positiv überrascht?

Michael Müller: Das war

zweifelsohne im Bantamgewicht

Edgar Walth. Insbesondere

das Halbfinale gegen Omar

El-Hag war ein überzeugender

Kampf. Das war für mich der

beste Kampf der gesamten Meisterschaften.

Aber auch Denis Radovan

hat einen hervorragenden

Kampf abgeliefert. So dass wir

insgesamt gesehen mit unseren

jungen Athleten zufrieden sein

können. Der Nachwuchs drängt

immer mehr nach vorn.

BoxSport: Und welcher Boxer

hat Sie enttäuscht?

Michael Müller: Einigen

Boxern ist es nicht gelungen,

ihr eigentliches Leistungsniveau

hier zu präsentieren. So hatten

wir schon von Kevin Künzel einiges

mehr erwartet. Er ist aber

sang- und klanglos bereits in

der Vorrunde ausgeschieden.

Das wird seine Gründe haben

und wir müssen herausfinden,

welche es sind, und ihn wieder

aufbauen.

BoxSport: Welche Ihrer Boxer

werden bei den Weltmeisterschaften

Chancen haben, sich

vorn zu platzieren?

Michael Müller: Unsere

Medaillengewinner aus Minsk

sind hier überzeugend aufgetreten.

So gehe ich davon aus,

dass Arajik Marutjan und Artem

Harutyunyan auch in Almaty

überzeugend auftreten können

und einiges erreichen. Natürlich

ab. Um vorherige Absprachen zu vermeiden,

werden per Zufallsgenerator nur drei

ausgewählt.

„Die Intensität der Kämpfe hat extrem

zugenommen“, resümierte Kyas. „Die Boxer

sind aggressiver, machen Tempo bis

zum Schluss.“ Was allerdings negativ auffällt:

Weil nicht mehr ausschließlich die

Zahl der Treffer über den Sieg entscheidet,

sondern Aktivität und Dominanz enorm

wichtige Kriterien sind, stürzen einige Rivalen

wild aufeinander los und lassen die

boxerische Linie vermissen. „Der Lernprozess

hat erst angefangen. Er braucht noch

Zeit“, sagte Kyas entschuldigend.

erwarten wir auch von Stefan

Härtel und Erik Pfeifer, nachdem

sie ihre ersten Erfahrungen ohne

Kopfschutz sammeln konnten,

eine Leistungssteigerung gegenüber

diesen Meisterschaften.

BoxSport: Wie fallen Ihre

ersten Erfahrungen, nachdem

erstmals nach 25 Jahren wieder

ohne Kopfschutz geboxt wurde,

aus?

Michael Müller: Gerade

bei den zehn Finalkämpfen sind

keine Cuts vorgekommen. Wir

glauben, dass wir das Problem

erkannt haben. Es war eine Problematik

an den Klettverschlüssen

der Handschuhe, die wir am

Finaltag allesamt getapt haben

und das hat sich überaus positiv

ausgewirkt.

BoxSport: Und wie lauten

Ihre ersten Erfahrungen mit den

Veränderungen im Bewertungssystem?

Michael Müller: Ich muss

unseren Ring- und Kampfrichtern

ein großes Kompliment

aussprechen. Der Finaltag hat

gezeigt, dass sie sehr schnell gelernt

haben. So haben sie durchweg

am Finaltag sehr starke

Leistungen geboten.

Ohne Kopfschutz aggressiver

13 Cuts in 95 Kämpfen wegen des fehlenden

Kopfschutzes sind mehr als befürchtet.

Aber nur zwei Duelle mussten aufgrund der

Risswunden abgebrochen werden. „Wir hatten

mehrere Hinterkopfverletzungen, aber

nicht durch Kopfstöße. Die scharfen Kanten

der Klebebänder am Handschuhschaft haben

dazu geführt. Das haben wir erst spät

bemerkt“, erklärte Kyas. Dennoch zieht er

ein positives Fazit: „Der Kopfschutz suggerierte

bisher eine Sicherheit, die es nicht gab.

Jetzt ist die Reaktionsfähigkeit der Boxer höher,

weil sie mehr sehen. Die Kämpfer müssen

andere Bewegungsabläufe lernen, um

sich vor Kopfstößen zu schützen.“

54 BoxSport


So sah es Trainer Bastian

Bundestrainer Dr. Michael Bastian

Artem

Harutyunyan

fährt als

Deutscher

Meister zur

WM – mit ihm

jubelt Michael

Timm im

Hintergrund

„In Rio müssen

Medaillen her“

Die Meisterschaft hat gezeigt, dass das Amateurboxen

attraktiver und spannender geworden ist.

Es wird angriffsorientierter und mit sehr hohem

Risiko gekämpft. Die Zeit des Rückwärtsboxens

ist vorbei. Das ist aber auch ein internationaler Trend. Die

meisten Boxer beobachten wir ja schon lange. Da zählen

auch die Vorleistungen. Die DM war aber das abschließende

Kriterium vor der WM-Nominierung.

Für die nächsten olympischen Spiele stehen wir unter

Zugzwang. In Rio de Janeiro müssen wir 2016 Medaillen

gewinnen. Sonst ist das verheerend für unseren Verband.

An den Erfolgen hängen schließlich Fördergelder und Arbeitsplätze.

Wir müssen jetzt mit Beginn des olympischen

Zyklus’ drei Jahre engagiert daran arbeiten. Es haben sich

einige junge Athleten in den Vordergrund gespielt.

Unsere Aufgabe ist es, sie für Rio in

Stellung zu bringen.

Aus meiner Sicht haben sich die Regeländerungen

bei der DM bewährt. Durch

den Wegfall des Kopfschutzes erkennt das

Publikum nun die Gesichter der Boxer. Die

neue Zählweise bringt Vorteile, auch wenn

sich vieles noch einspielen muss. Schade, dass

die Arena nur so gering ausgelastet war. Es

muss sich erst wieder herumsprechen, dass

man beim Amateurboxen tollen Sport zu sehen

bekommt. Und auch unsere mediale Präsenz muss

größer werden.

Der WM-Kader für Almaty

Im Anschluss an die 91. Deutschen

Meisterschaften in Oldenburg

benannte der Deutsche

Boxsport-Verband den

Kader für die WM, die vom 9. bis

27. Oktober in kasachischem Almaty

stattfinden wird. Erstmals

war mit Stefan Härtel ein Athletensprecher

bei einer Nominierungssitzung

anwesend.

DBV-Präsident Jürgen Kyas

wird als Delegationsleiter folgen-

Arajik Marutjan (rechts)

setzte sich bei der DM auch

gegen Slawa Kerber sicher

durch und vertritt die

deutschen Farben bei der

WM im Weltergewicht

de Staffel ins

Feld führen:

Halbfliegen 46

– 49 Kg: Serge

Neumann (Saterland)

Fliegen 52 Kg:

Hamza Touba

(Neuss) – Ersatz:

Ronny

Beblik (Chemnitz)

Bantam 56 Kg:

Edgar Walth

(Straubing) –

Ersatz: Omar El

Hag (Berlin)

Leicht 60 Kg:

Robert Harutyunyan

(Hamburg-Eilbeck)

Halbwelter

64 Kg: Artem

Harutyunyan

(Hamburg-Eilbeck) — Ersatz:

Kastriot Sopa (Baden-Württemberg)

Welter 69 Kg: Arajik Marutjan

(Schwerin) - Ersatz: Vjaceslav

Kerber (Lohne)

Mittel 75 Kg: Stefan Härtel (Berlin-Lichtenberg)

– Ersatz: Denis

Radovan (Köln)

Halbschwer 81 Kg: Serge Michel

(Traunreut) – Ersatz: Igor

Teziev (Esslingen)

Schwer 91 Kg: Emir Ahmatovic

(Wetzlar) – Ersatz: Johann Witt

(Willigen-Schwenningen)

Superschwer 91+ Kg: Erik

Pfeifer (Lohne) – Ersatz: Florian

Schulz (Greifswald)

Neben Delegationsleiter Jürgen

Kyas werden folgende Trainer

und Betreuer die DBV-Boxer

vor Ort betreuen:

Mannschaftsleitung: Michael

Müller

Teammanager: Martin Volke

Cheftrainer: Dr. Michael Bastian

Mannschaftsärzte: Dr. Ulrich

Kau und Dr. Mark Dorfmüller

Physiotherapeutin: Eleni Coskina

Disziplintrainer AOB: Ralf Dickert

Trainer: Michael Timm, Zoltan

Lunka

Pressesprecher: Oliver Palme

BoxSport

55


h rausG GeB n on roF Dr B rnharD V n chuBe t

Alle Ergebnisse der DM in Oldenburg

48 Kg: 2 Teilnehmer:

Mosar Isaev BE - 2:1 PS ü. Sergej Neumann NS

52 Kg: 3 Teilnehmer

Hamza Touba NRW - 3:0 PS ü. Tom Tran BB

Ronny Beblik SN - 3:0 PS ü. Tom Tran BB

Hamza Touba NRW - 2:1 PS ü. Ronny Beblik SN

56 Kg: 11 Teilnehmer

Edgar Walth BY - 3:0 PS ü. Bedir Koray NRW

Omar El Hag BE - 3:0 PS ü. Dieter Geier BW

Sako Mamedov SH - 3:0 PS ü. Andre Stoika HE

Dennis Makarow NRW - 2:1 PS ü. Erik Sokolov BY

Dias Kuzumbaew BW - 3:0 PS ü. Hakan Erserker NS

Edgar Walth BY - 3:0 PS ü. Marcel Schneider BB

Omar El Hag BE - 3:0 PS ü. Sako Mamedov SH

Dennis Makarow NRW - TKO-S. 2.R.ü. Dias Kuzumbaew BW

Edgar Walth BY - 3:0 PS ü. Omar El Hag BE

Edgar Walth BY - 3:0 PS ü. Dennis Makarow NRW

60 Kg: 11 Teilnehmer

Tobias Tatai NRW - 2:1 PS ü. Howik Barsegjan BY

Arbian Zefai NS - 3:0 PS ü. David Gork SN

Ahmet Eminovic TH - 2:1 PS ü. Robert Harutyunyan HA

Atdhe Gashi BB - 3:0 PS ü. Hagen Worofka SA

Sergej Dudinski NS - 3:0 PS ü. Virtali Gafurov NRW

Tobiass Tatai NRW - 2:1 PS ü. Eduard Schmidt BW

Ahmet Eminovic TH - 3::0 PS ü. Arbian Zefai NS

Atdhe Gashi BB - 3:0 PS ü. Sergej Dudinski NS

Ahmet Eminovic TH - 2:1 PS ü. Tobias Tatai NRW

Ahmet Eminovic TH - 2:1 PS ü. Atdhe Gashi BB

64 Kg: 12 Teilnehmer

Eugen Burhard NS - 3:0 PS ü. Aytekin Yöreci BW

Thulassi Thuramaligam NS - 3:0 PS ü. Feim Lutoli SW

Angelo Welp NS - 3:0 PS ü. Artjom Daschyan BB

David Müller TH - 3:0 PS ü. Jörg Alles SH

Artem Harutyunyan HA - TKOI-S. 1.R. ü. Clemens Busse MV

Eugen Dahinten BY - 3:0 PS ü. Kastriot Sopa BW

Eugen Burhard NS - 2:0 PS ü. Thulassi Thuramaligam NS

David Müller TH - 3:0 PS ü. Angelo Welp NS

Artem Harutyunyan HA - 3:0 PS ü. Eugen Dahinten BY

Eugen Burhard NS - 2:1 PS ü. David Müller TH

Artem Harutyunyan HAA - 3:0 PS ü. Eugen Burhard NS

69 Kg: 13 Teilnehmer

Arayk Marutyan MV - 3:0 PS ü. Abdelilah El Karouia HE

Vincenco Gualtieri NRW - 3:0 PS ü. Sebastian Günther TH

Oleg Schäfer BY - 3:0 PS ü. Sebastian Knigge SA

Raimund Klose HA - 3:0 PS ü. Vjatscheslaw Spomer BW

Slawa Kerber NS - 3:0 PS ü. Harun Güler NRW

Abbas Baraou NRW - 3:0 PS ü. Besir Ay NS

Arayk Marutyan MV - 3:0 PS ü. Serkan Oral HA

Oleg Schäfer BY - 3:0 PS ü. Vincenco Gualtieri NRW

Slawa Kerber NS - 3:0 PS ü. Raimund Klose HA

Arayk Marutyan MV - 3:0 PS ü. Abbas Baraou NRW

Slawa Kerber NS - 3:0 PS ü. Oleg Schäfer BY

Arayk Marutyan MV - 3:0 PS ü. Slawa Kerber NS

75 Kg: 19 Teilnehmer

Sebastian Formella HA - 3:0 PS ü. Mario Jassmann HE

Edison Demay NS - TKO-S. 3.R. ü. Farhid Yousif NRW

Marten Arsumanjan BY - 2:1 PS ü. Sadula Abdulai BB

Dennis Radovan NRW - 3:0 PS ü. Alan Unadzhev RL

Andreas Herrmann NRW - 3:0 PS ü. Michael Seitz SW

Abu Lubdeh Abdulrahmanov BE - 2:1 PS ü. Simon Stromeyer

BW

Jacob Deines NS - 3:0 PS ü. Ahmet Ali SW

Stefan Härtel BE - 3:0 PS ü. Nuri Yesil NRW

Konstantin Buga NRW - 3:0 PS ü. Cihan Calik NRW

Xhek Paskali BW - 2:1 PSS ü. Sebastian Formella HA

Marten Arsumanjan BY - WO-S. ü. Edison Demay NS

Dennis Radovan NRW - WO-S. ü. Andreas Herrmann NRW

Abu Lubdeh Abdulrahmanov BE - 2:0 PS ü. Jacob Deines

NS

Stefan Härtel BE - WO-S. ü. Konstantin Buga NRW

Xhek Paskali BW - 3:0 PS ü. Marten Arsumanjan BY

Dennis Radovan NRW - 3:0 PS ü. Abu Lubdeh Abdulrahmanov

BE

Stefan Härtel BE - 3:0 PS ü. Xhek Paskali BW

Stefan Härtel BE - 3:0 PS ü. Dennis Radovan NRW

81 Kg: 15 Teilnehmer

Igor Teziew BW - 3:0 PS ü. Ibrahim Bazuev HA

Toni Witzke MV - 2:1 PS ü. Sascha Arsumanjan BY

Alex Jasinczuk NRW - TKOI-S. 2.R. ü. Dennis Nyamot- Bbege

SH

Josef Attanjaoui BE - 3:0 PS ü. Kevin Künzel SA

Elvis Hetemi NRW - 2:1 PS ü. Artur Manschos NS

Artur Reis NS - 3:0 PS ü. Hüseyin Cincara SW

Constantin Fischer NS - TKO-S. 3.R. ü. Roy Baumann BB

Igor Teziev BW - 3:0 PS ü. Leon Bunn HE

Toni Witzke MV - 2:1 PS ü. Alex Jasinczuk NRW

Josef Attanjaoui BE - 3:0 PS ü. Elvis Hetemi NRW

Artur Reis NS - 2:1 PS ü. Constantin Fischer NS

Igor Teziev BW - 3:0 PS ü. Toni Witzke MV

Josef Attanjaoui BE - 3:0 PS ü. Artur Reis NS

Igor Teziev BW - 3:0 PS ü. Josef Attanjaoui BE

91 Kg: 9 Teilnehmer

Issa Karimi HE - 3:0 PS ü. Frank Leib SN

Johann Witt BW - 3:0 PS ü. Eugen Waibel NS

Ehsan Maudodi BY - 3:0 PS ü. Alexander Pell NRW

Artur Mann NS - 3:0 PS ü. Marco Deckmann SH

Slatko Strauch HA - 3:0 PS ü. Issa Karimi HE

Johann Witt BW - 3:0 PS ü. Ehsan Maudodi BY

Artur Mann NS - 3:0 PS ü. Slatko Strauch HA

Johann Witt BW - 3:0 PS ü. Artur Mann NS

91+ Kg: 9 Teilnehmer

Erik Pfeifer NS - 3:0 PS ü. Max Keller NRW

Phillipp Gruner SN - 3:0 PS ü. Konstantin Biegler BW

Ali Kiydin HE - TKO-S. 2.R.ü. Eric Brechlin BB

Ibra Debatik BW - 3:0 PS ü. Mohamad Nasser NS

Erik Pfeifer NS - 3:0 PSS ü. Roman Gorst BY

Ali Kiydin HE - TKO-S. 2.R. ü. Phillipp Gruner SN

Erik Pfeifer NS - 3:0 PS ü. Ibra Debatik BW

Erik Pfeifer NS - 3:0 PS ü. Ali Kiydin HE

Auszeichnungen:

Bester Landesverband: Berlin

Bester Techniker: Arayk Marutyan (Traktor Schwerin)

Bester Kämpfer: Edgar Walth (BC Straubing)

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56 BoxSport


Das

sport

gespräch

Manfred Hönel mit Stefan Härtel

Mittelgewichtler Stefan Härtel (25) ist viermaliger Deutscher

Meister und bei nationalen Turnieren seit sieben Jahren ungeschlagen.

Jetzt will der Berliner zu den Profis wechseln. Box-

Sport traf den Boxer vom SV Lichtenberg 47 im Olympiastützpunkt

Berlin zu einem Gespräch.

Als Profi komme ich

leichter nach Rio

Ich bezweifele, dass der Wegfall des

Kopfschutzes das olympische Boxen belebt

Stefan Härtel hat keine Angst, zu den Profis zu wechseln

BoxSport: Sie wollen unter

dem Patronat der AIBA als Profi

in der sogenannten APB (AIBA

Professional Boxing) antreten.

Glauben Sie, dass sich die AIBA

da gegen die anderen Profiboxverbände

durchsetzt?

Stefan Härtel: Auf Dauer

denke ich schon. Natürlich

wurden bei einem Kampf wie

Floyd Mayweather gegen Canelo

Alvarez Millionen umgesetzt.

Soweit ist die AIBA noch nicht.

Weltergewichtler Mayweather

ist eine Ausnahme und für mich

im Moment der weltbeste Boxer

überhaupt. Ich glaube aber, dass

sich die AIBA mittelfristig etablieren

wird, einfach, weil sie das

Box-Monopol besitzt. Wer bei

einer WM oder Olympia boxen

will, muss eine Lizenz der AIBA

besitzen. Ich halte deshalb die

APB für zukunftsträchtig.

BoxSport: Sie sind als Amateur

erfolgreich. Warum gehen

Sie diesen Schritt zu den Profis?

Stefan Härtel: Auf keinen

Fall wegen des Geldes. Ich sehe

als AIBA-Profi die Chance, mich

sicherer für die Olympischen

Spiele in Rio zu qualifizieren,

da die ersten sechs Boxer einer

jeden Gewichtsklasse für die

Spiele nominiert sind. Da bei

der APB von vornherein pro

Gewichtsklasse nur zwölf Boxer

antreten dürfen, stehen die

Chancen 50:50 für mich. Wenn

ich aber über die WM und das

einzige Qualifikationsturnier gehen

muss, ist der Weg nach Rio

viel komplizierter. Außerdem

boxe ich weiter in der WSB, die

World Series of Boxing. Theoretisch

könnte ich mich auch dort

für Olympia qualifizieren, vorausgesetzt,

ich komme in der

Rangliste unter die Top five.

BoxSport: Sie könnten sich

also zweimal für Olympia qualifizieren?

Stefan Härtel: Ich kann

mich theoretisch auf zwei Wegen

qualifizieren. Praktisch wird das

kaum möglich sein, da ich nicht

in der WSB boxen kann, wenn

ich gerade einen Profikampf bei

der APB bestreite.

BoxSport: Die Boxer bei der

AIBA besitzen also drei Chancen,

um ein Olympiaticket zu

ergattern. Einmal bei der APB,

einmal bei der WSB und einmal

über die EM, WM und ein Qualifikationsturnier.

Wenn sich in all

diesen drei Formen ein deutscher

Boxer durchsetzt, könnten dann

drei Deutsche pro Gewichtsklasse

in Brasilien starten?

Stefan Härtel: Es ist richtig,

dass sich drei Boxer pro Land für

Olympia qualifizieren könnten.

Von diesen drei Boxern muss

der DBV einen Boxer auswählen,

den er nach Rio schickt.

BoxSport: Es könnte also

sein, dass Sie sich für Olympia

qualifiziert haben und trotzdem

nicht nach Rio fahren?

Stefan Härtel: So weit will

ich nicht denken, aber die Gefahr

besteht, wenn sich außer mir

noch ein anderer Mittelgewichtler

über die WSB durchsetzt. In

Deutschland ist die Gefahr jedoch

nicht sehr groß. Ich kann

mir jedoch schon vorstellen,

dass Russland, Kasachstan oder

Kuba vor dieser Frage stehen.

BoxSport: Sie sind bei der

Bundeswehr. Werden Sie jetzt

als Profi ausscheiden?

Stefan Härtel: Bei der APB

bin ich auf der sicheren Seite.

Ich boxe als Profi, bleibe aber

mit allen Rechten und Pflichten

bei der Bundeswehr. Ich muss

mich dadurch nicht selbst krankenversichern.

Ich erhalte jeden

Monat mein Gehalt, auch wenn

ich aus irgendwelchen Gründen

nicht kämpfen kann. Die Profis

anderer Verbände sind praktisch

freischaffende Künstler und

müssen für alles selbst sorgen.

BoxSport: Was wird aus Ihrem

Lehramts-Studium?

In der WSB ebenfalls erfolgreich: Stefan

Härtel – hier gegen William McLaughlin

(li.) beim Kampf gegen die Italiener

Stefan Härtel: Ich habe

gerade im September meinen

Vorlesungs-Plan abgegeben.

Ich kann natürlich nicht in der

Regelstudienzeit fertig werden,

das ist jedoch kein Problem, da

der Olympiastützpunkt Berlin

einen Kooperationsvertrag mit

der Humboldt-Universität hat.

Aber am Ende meiner Box-Karriere

will ich so weit sein, dass

nur noch ein oder zwei Jahre

bis zum Studienabschluss übrig

bleiben.

BoxSport: Haben Sie nicht

ein bisschen Angst vor dem

Wechsel zu den Profis?

Stefan Härtel: Angst hat

im Boxen nichts zu suchen. Ich

sehe die APB als eine neue Herausforderung

und einen Tapetenwechsel.

Immerhin boxe ich

schon seit fast 16 Jahren olympisch

und langsam wird es mal

Zeit für was Neues.

BoxSport: Sie sind 1,84 m

groß, können Sie da das Mittelgewicht

überhaupt halten?

Stefan Härtel: Bei uns im

olympischen Boxen beträgt das

Mittelgewicht 75 kg. Dafür muss

ich in der Regel sechs Kilo abkochen,

was bei einem langfristigen

Plan kein Problem ist.

BoxSport: Bei wem werden

Sie in Zukunft trainieren?

Stefan Härtel: Mein Stützpunkttrainer

ist und bleibt Ralf

Dickert. Natürlich werden wir

uns Tipps und Ratschläge von

den ehemaligen Profitrainern

Valentin Silaghi und Michael

Timm holen. Deren Erfahrung

kann auf jeden Fall nicht schaden

und sogar ein Vorteil sein!

BoxSport: Bei der APB wird

von acht bis zwölf Runden geboxt,

bei der WSB fünf Runden

und bei WM und Olympia drei

Runden. Geht das nicht alles ein

bisschen durcheinander?

Stefan Härtel: Da man als

AIBA-Profi in der Regel acht

Runden und in der WSB fünf

Runden boxt, wird die Umstellung

nicht allzu groß sein. Olympisch

dürfte ich ja erst wieder zu

den Olympischen Spielen in Rio

boxen. Da muss man natürlich

das Training wieder umstellen,

damit man auch bei drei Runden

konkurrenzfähig bleibt!

BoxSport: Wie war das bei

den Deutschen Meisterschaften

ohne Kopfschutz?

Stefan Härtel: Schmerzhafter

als mit. Da ich ein Freund

des Kopfschutzes bin, sehe ich

natürlich überwiegend die Verletzungen,

die mit Kopfschutz

nicht passiert wären. Ich bin

gespannt, ob der Wegfall des

Kopfschutzes wirklich das olympische

Boxen belebt, bezweifele

es jedoch.

BoxSport

57


Einmal Bronze die magere Ausbeute bei der U17-WM in Kiew

Alexander Grundler ist

der deutsche Held der

jüngsten Junioren-Weltmeisterschaften:

In Kiew

gewann der 16-jährige Bayer nämlich

überraschend Bronze in der

U17-Gewichtsklasse bis 80 Kilogramm.

Eine starke Leistung. In seinem

heimatlichen Box-Club, dem

Köferinger Sportverein, ist man zu

Recht stolz auf das Talent mit dem

Spitznamen „Maschine“. Ist dieser

Junge doch auch der einzige deutsche

Athlet aus dem insgesamt

elfköpfigen Kader, der bei diesen

Weltmeisterschaften eine Medaille

ergatterte.

Nach zwei klaren Siegen über

den Bosnier Ahmed Krjic und den

Koreaner Kim Jun stand Grundler,

der ab 2006 beim Köferinger Coach

Peter Probst das ABC des Boxens gelernt

hat, im Halbfinale. Dort lieferte

er sich ein hochklassiges Gefecht

mit dem favorisierten Vladislav Redko,

das vom Kampfgericht am Ende

knapp für den Russen gewertet wurde.

Dieser unterlag im Finale Robert

Marton aus der Ukraine. Übrigens

Alexander Grundler (im Kreis) ragte bei der WM mit seiner Bronzemedaille aus dem deutschen Team heraus. Die

anderen WM-Fahren waren: Thomas Kross, Vladimir Pletnev, Christian Foos, Hans Birka, Oliver Ginkel, Grundler,

Andreas Schulze (Trainer verdeckt), Jonathan Zumbe, Peter Kadira, Dr. Heuer, Jonathan Fischbuch, Physio

Alex Ognjuk (hintere Reihe von links), Alexander Kupreenko, Denis Gashi, Silvio Schierle, Jonas Stang, Adalbert

Dopkewitschus (vordere Reihe von links)

Ohne Kohle und Athletik

gab es nicht viel zu holen

war Grundler dieses Jahr Deutscher

Juniorenmeister in einem höheren

Limit geworden, das aber nicht

international vorhanden ist. Von

Nachwuchsbundestrainer Hansi

Birka gefragt, zögerte die „Maschine“

nicht und machte Gewicht.

„Alexander hat das toll gemacht“,

lobt Birka. Trotz dieses singulären

Erfolgs gilt es leider festzustellen:

Wenn es noch eines Beweises

bedurft hätte, dass der nationale

Box-Nachwuchs nicht konsequent

genug gefördert wird, dann ist es

diese WM-Bilanz. Denn Deutschland

liegt in der Medaillenwertung,

allerdings zusammen mit starken

Boxnationen wie Brasilien, Rumänien,

Mexiko und Usbekistan, auf

dem 14. und damit letzten Rang.

Drohen die deutschen Jungboxer

international den Anschluss

zu verlieren? Wie das BoxSport-

Magazin im Vorfeld ausführlich berichtet

hatte, sah sich der Deutsche

Boxsport-Verband gezwungen, von

58 BoxSport

Alexander Grundler war der Held des DBV-Teams

den Landesverbänden und Vereinen

3000 Euro pro Starter zu fordern,

weil sich das Bundesinnenministerium

nicht an der Finanzierung von

Zielwettkämpfen der deutschen

U15- und U17-Boxer beteiligt.

Selbst die Teilnahme des einzigen

Medaillengewinners Grundler

wäre beinahe an dieser hohen

finanziellen Hürde des DBV gescheitert:

„Aus Eigenmitteln des

Köferinger Vereins und nur mit Unterstützung

durch den Bayrischen

Landesverband sowie der Mithilfe

von Landesjugendwart Gerhard

Winnerl und Bezirkssportwart Herbert

Mühlbauer konnte sein Start

noch realisiert werden“, hält der

Landesverband Bayern auf seiner

Internetseite fest.

Weil die Mittel fehlen, mangelt

es den U17-Boxern an herausfordernden

Turnieren wie Round Robins

und damit an internationaler

Erfahrung. Zu diesem strukturellen

Dauerproblem kamen diesmal konditionelle

Mängel bei den Boxern:

„Die Athletik hat einigen gefehlt“,

urteilt Birka. Technisch habe man

durchaus mithalten können. Wie

konnte das passieren? „Wir hatten

die Jungs dieses Jahr noch nicht

richtig zusammen. Es gab beispielsweise

keinen Grundlagenlehrgang“,

erklärt Birka.

Bei dem Turnier waren 351

Youngsters im Alter von 15 und 16

Jahren aus 52 Nationen im ukrainischen

Kiew am Start – ein neuer

Rekord. Die Gastgeber holten wie

Kasachstan jeweils zwei Titel, was

Platz drei bedeutet. Das im Nationalranking

zweitplatzierte Kuba

schaffte es, mit einem nur sechsköpfigen

Aufgebot stolze drei Goldmedaillen

zu gewinnen. Doch Russlands

komplettes Team übertrumpfte

mit zehnfachem Edelmetall – drei

Finalsiegern, fünf Silber- und zwei

Bronzemedaillen – wie schon bei

den EM der Männer auch im Juniorenlager

einfach alle Teilnehmer in

13 Limits. Stark schlugen sich laut

Turnierbilanz des Weltverbands

AIBA auch die Teams von Irland,

Australien und der USA.

Unter den weltweit besten acht

Kämpfern pro U17-Gewichtsklasse

taucht neben Grundler nur noch Peter

Kadiru aus Deutschland auf: In

der Klasse über 80 Kilogramm landete

der Hamburger glücklich auf

Platz fünf, indem er per Freilos ins

Viertelfinale vorgestoßen war. In seinem

folgenden Auftaktkampf unterlag

er aber dem Bulgaren Angelov.

„Kadiru hat mir ebenso leidgetan

wie Alexander Kupreenko:

Beide wurden von den Punktrichtern

einfach weggedrückt“, meint

Birka. Auch weitere deutsche Medaillenhoffnungen

wie Silvo Schierle

(Thüringen) und Jonas Stang

(Baden-Württemberg), denen Birka

gute Kämpfe attestiert, schieden

aufgrund knapper Urteile nach der

zweiten Turnieransetzung aus.

Peter Jaschke


Bei der U17- und U19-WM in Bulgarien

Keine Medaille! Deutsche

Boxerinnen waren frustriert

Trainer Kubath: Alle Mädchen gehören ausnahmslos an die Stützpunkte

Die U19-Mädchen aus

Polen gelten beim

Weltverband AIBA als

die Überraschungsgewinner

der Jugend-Weltmeisterschaften

in Albena an der

bulgarischen Schwarzmeerküste.

Dort fanden parallel auch die

Juniorinnen-Titelkämpfe statt.

In dieser Altersklasse der U17

lagen unterm Strich die jungen

Russinnen vorn. In beiden Altersklassen

landeten die Box-

Girls aus Kasachstan auf Rang

zwei der Nationen-Wertung. Jeweils

Dritter: Chinas weibliche

Jugend (U19) beziehungsweise

die US-Juniorinnen (U17).

Allerdings ernannte man die

16 Jahre alte irische Weltmeisterin

Ciara Ginty zur besten Juniorboxerin

dieser WM. Zur besten

Boxerin des U19-Turniers wurde

indes die US-Vorzeigeboxerin

und Olympiasiegerin von London

gekürt, Claressa Shields.

Sie bezwang im Halbfinale die

Russin Matrena Vyachkina mit

Leichtigkeit und verwies im Finale

auch die starke Polin Elzbieta

Wojcik überzeugend auf

Platz zwei. Shields gilt jetzt als

eine heiße Medaillenanwärterin

für die Frauen-WM 2014 in Kanada.

Und Deutschland? Im Viertelfinale

war Schluss für die

sechs zu diesem Zeitpunkt nur

noch im Rennen befindlichen

Teilnehmerinnen des Deutschen

Boxsportverbands, nämlich die

amtierende EU-Cup-Vizemeisterinnen

Anika Scheuermann

(Helbra) und Mandy Berg (Fürstenfeldbruck)

sowie Justine

Metzdorf (Cottbus, alle U17), die

aktuelle EU-Dritte Justine Mörl

(Schwerin), EU-Championesse

Carlotta Hansen (Hamburg)

und EU-Vizemeisterin Sarah Ali

(Neunkirchen, alle U19).

Die Enttäuschung ist groß:

„Die Mädels sind frustriert“,

berichtet der für den weiblichen

Nachwuchs zuständige Bundestrainer

Roland Kubath. Auch

er hatte sich wenigstens eine

Medaille in jeder Altersklasse

erhofft. Dass es nicht geklappt

hat, liegt an mehreren Faktoren.

Seiner Analyse schickt Kubath

jedoch voraus: „Alle haben eine

recht gute Leistung gebracht.“

Konditionell hätten die Mädchen

gut mithalten können, doch habe

es im technisch-taktischen

Bereich gehapert.

pari stand, wurden wir nie bevorzugt.

So war es auch beim

EU-Cup schon“, sagt Kubath.

Als Beispiel für die fortgesetzte

Ungleichbehandlung führt

er die Kölner U19-Boxerin Anja

Moskil an, die beim EU-Cup

Bronze geholt hatte. Die Fans ihrer

türkischen Gegnerin hätten

so ohrenbetäubend laut getrommelt,

dass die Deutsche prompt

Viel zu lachen hatten die deutschen Boxerinnen und Delegierten am Ende in Albena nicht mehr, sie gingen leer aus...

„Wir müssen jetzt klar machen,

ein Kampfrichterkommando Beleg dafür an, dass ausnahmslos

dass ausnahmslos alle

Mädchen an Stützpunkte gehören“,

unterstrich Kubath. Bei der

WM habe sich gezeigt, dass es

an Wettkampferfahrung mangele.

Auch mit hohem Druck müssen

die jungen Frauen besser

umgehen lernen. Aufgrund des

neuen Ten-Points-Must-Systems

bei der Wertung werde anders

geboxt als vorher, was einige

noch nicht umsetzen könnten:

So seien bei großem Tempo

Mehrfachangriffe gefragt.

Dazu kam erneut das alte

Manko: „Wenn es am Ende mal

überhört und dafür noch eine

Verwarnung kassiert habe. Trotz

dieses Vorteils habe die obendrein

unsauber boxende Kontrahentin

nur mit 2:1 gewinnen

können. Pech hatte die Juniorin

Justine Metzdorf: Die Cottbusserin

unterlag in einem starken

zweiten WM-Kampf der späteren

Weltmeisterin aus China.

„Eine enge Kiste war auch

der Kampf von Carlota Hansen“,

sagt Kubath. Allerdings

habe sich die Hamburger EU-

Cupsiegerin dieses Jahres auf

einen Schlagabtausch eingelasmäßig

alle Kadermädchen regel-

in den Leistungszentren

trainieren müssen.

Insgesamt waren ein Dutzend

deutsche Mädels in Albena

angetreten: Neben den bereits

Genannten gehörten noch

Antonia Birardi (Alzey, U17)

sowie in der Jugendklasse Selin

Korkmaz (Wesel), Elisabeth

Wohlgemuth (EU-Cup-Bronze,

Wismar) und Olivia Endale

Maky (EU-Silber, Berlin) zum

Aufgebot mit dem Bundesadler

auf dem Trikot.

Peter Jaschke

sen und für ihre Defizite in der

Deckungsarbeit die Quittung

erhalten. Mörl, Ali und Juniorin

Marie Maciejewski (Stralsund)

habe man im Ring von Albena

deutlich angemerkt, dass sie

kurz zuvor beim international

besetzten Turnier um den Strela-

Cup in Stralsund schon Herausforderungen

bewältigt hatten.

Dies sieht Kubath als weiteren

BoxSport

59


ALLE KÄMPFE -- alle sieger

TERMINKALENDER

DER AMATEURE

Bayern

BRI Senden: Nachwuchsveranstaltung

n Samstag, 26. Oktober 2013 -

14.00 Uhr

Ort: Senden, Dreifach-Turnhalle

ATS Kulmbach: Nachwuchsveranstaltung

n Samstag, 26. Oktober 2013 -

14.00 Uhr

Ort: Kulmbach, EKZ Fritz

TS Markredwitz-Dörflas:

Nachwuchsveranstaltung

n Samstag, 2. November 2013 -

16.00 Uhr

Ort: Marktredwitz, Turnhalle

BRA Immenstadt: Nachwuchsveranstaltung

n Samstag, 9. November 2013 -

14.00 Uhr

Ort: Immenstadt, Julius-Kunert-

Halle

BC Kaufbeuren: Intern.

Mannschaftsvergleich

vs. Szamathely/Ungarn

n Samstag, 9. November 2013 -

19.00 Uhr

Ort: Kaufbeuren-Neugablonz,

Dreifach-Turnhalle

BC Landau: Nachwuchsveranstaltung

n Samstag, 23. November 2013

- 15.00 Uhr

Ort: Landau, Dreifachturnhalle

BERLIN

Johann-Trollmann-

Kampftag des BC Viktoria

71-BC Cottbus

n Sonntag, 20. Oktober 2013 -

11.00 Uhr

Ort: Sporthalle Lobeckstr., Berlin-

Kreuzberg

1. Schöneberger Kiez-

Boxturnier des BC Isigym

n Samstag, 2.11.2013 - 14.00

Uhr, Sonntag, 3.11.2013 - 11 Uhr

Ort: Boxcamp Potsdamer Str. 152,

Berlin-Schöneberg

Bayern

Nachwuchsveranstaltung BC

Gunzenhausen

Schüler: Pap. 38: Nurdinov (04

Schwabach) n.P. über Abrahamyan

(Gunzenhausen); Kadetten: HW:

Amaev (1880 München) n.P. über

Dikmen (Gunzenhausen); Junioren:

B: Golpira (1860 München)

TKO-A. 1.R. über Faust (1860), F:

Atac Waldkraiburg) n.P. über Klasing

(Gunzenhausen); Männer/Frauen: L

(weibl): Coussens (Windsheim) n.P.

über Bauer (1860), L: Wolf (1860)

n.P. über Karadogan (Eichstätt), HW:

Geier (Windsheim) n.P. über Schöfer

Hans (1860), M: Waigand (Windsheim)

TKO-A. 2.R. über Rodic (1860),

HS: Avagyan (Windsheim) TKO-A.

1.R. über Meßling (1860), HS: Eckert

(Stein) n.P. über Schlüß (1860), S:

Shamilov (1860) n.P. über Büchner

(Windsheim)

Intern. Mannschaftsvergleich

Boxfit Regensburg vs. PSV Salzburg

8:10

Kadetten: HFl: Frank (R) n.P. über

Nikolic (S), HW: Spannbauer (S)

TKO-A über Becker (R); Jugend: HFl

(weibl): Steinsdorfer (R) n.P. über

Aras (S), L (weibl): Stephan (S) n.P.

über Kaufmann (R), W: Paul (S) n.P.

über Probst (R); Männer/Frauen: B

(weibl): Loichinger (R) n.P. über Vogt

(S), W: Wilhelm (R) n.P. über Petrischor

(S), HS: Wenzl (S) n.P. über

Cukur (R), HS: Minarik (S) n.P. über

Lanzl (R)

Mannschaftsvergleich ASV Happing

vs. TV Altötting 10:8

Schüler: B: Sadoyan (H) n.P. über

Stele (A); Kadetten: Pap. 30: März

(A) TKO 3.R. über Kryezür (H), F: Gruber

(A) n.P. über Perzati (H), HS: Ojo

(H) n.P. über Pechmann (A); Männer:

W: Schmidt (A) n.P. über Mirzaev (H),

M: Betzl (H) n.P. über Rolitsch (A), M:

Seven Ufuk (A) n.P. über Schachidov

(H), M: Shamilov (H) n.P. über Seven

Baris (A), S: Diksic (H) n.P.. über Filatow

(A)

Intern. Mannschaftsvergleich

BC Innsbruck vs. Picc.

Fürstenfeldbruck 4:12

Kadetten: W: Steko (FFB) n.P. über

Berger (I); Junioren: F: Malcev (FFB)

n.P. über Mashollaj (I), W: Osdamirov

(I) n.P. über Beka (FF), M: Utz (FFB)

TKO.2.R. über Avdic (I); Männer: HW:

Aladzic (FFB) n.P. über Barchoev (I),

M: Atalay (FFB) n.P. über Schmidleitner

(I), M: Zarkiev (I) n.P. über Cukur

(FFB), HS: Berisha (FFB) n.P. über

Mataev (I)

Intern. Mannschaftsvergleich TSV

Mühldorf vs. VSE Cegled 12:12

Schüler: Pap. 30: Borod (M) n.P.

über Gert (C), Pap. 46: Horvath (C)

n.P. über Vinogradow (M), L: Kraus

(M) n.P. über Fegy (C); Kadetten: F:

Pasztor (C) n.P. über Kurz (M); Junioren:

F: Horvath (C) n.P. über Atac

(M), L: Brester (M) n.P. über Vass (C);

Jugend: L: Bondarenko (M) n.P. über

Kozak (C), HS: Vascenko (M) n.P.

über Varga (C), S: Miehling (M) n.P.

über Eger (C); Männer: W: Burger (C)

n.P. über Klyputa (M), W: Szabo (C)

n.P. über Ellenschläger (M), M: Malya

(C) n.P. über Haufellner (M)

Mannschaftsvergleich DJK Bav.

Rosenheim vs. TSC Berlin 6:16

Schüler: HFl: Abdurachmanov (B)

n.P. über Vollmann (R), L: Boino-

Nogoeiro (R) n.P. über Rackwitz (B);

Kadetten: HFl: Saidow (B) n.P. über

Bondarenko (R), Fl: Karamazov (B)

TKO 1.R. über Schöll (R); Junioren:

S: Karalioglu (B) n.P. über Pechmann

(R); Jugend: HW: Hoffmann (R) n.P.

über Danljan (B), HW: Mantaev (B)

TKO 1.R. über Heitkamp (R); Männer/Frauen:

Fl (weibl): Saupe (B)

n.P. über Menthel (R), W: Erpel (B)

n.P. über Parwani (R), W: Klyputa (R)

n.P über Eraslan (B), HS: Baumann

(B) n.P. über Berisha (R)

Berlin

Spandauer Juliusturm-Pokalturnier

/ Halbfinale

Kadetten: 50 kg Ibrahim Riedel

(Olympia 75) PS über Güneyt Dogangüzel

(Isigym); 57 kg: Pierre Finet

(Füchse) PS über Mustaf Cinar (Isigym);

Junioren: 50 kg Surab Sultigov

(NSF) PS über Haris Hokic (Hertha

BSC); 53 kg: Patrick Wolf (Südwest

47) PS über Raphael Schmiedeke

(Füchse); 57 kg: Pascal Finet (Füchse)

PS über Luis Freisem (Südwest

47); 60 kg: Hamed El Abadi (ABV) Ps

über Mohsen Dahout (Isigym); Yasim

Issa (NSF) TKO-I 1. Rd. über Benjamin

Masa (Stahl); + 86 kg: Alexander Müller

v. Berge (BSG 76) TKO 2.Rd. über

Waled Saaed (Isigym); Jugend: + 91

kg: Ali Ali-KHan (Isigym) TKO 1.Rd.

über Patrick Kliem (PSV), Männer:

69 kg: Mohamed El-Mosleh (NSF)

PS über Younes El-Khatib (Isigym),

75 kg: Wolkan Bünger (SBC 26) PS

über Enno Warring (Sparta 58).

34. Juliusturm-Pokalturnier in

Spandau -Vorrunde

Männer: Halbweltergewicht: Sebastian

Erpel (BTSC) PS über Serkan

Kaya (Olympia 75), Weltergewicht:

Firat Tekin TKO-Sieger 3.R. über Cengiz

Cayir (Stahl Schöneweide), Mittelgewicht:

David Ohlsen (SC Koryo)

PS über Mohamed Kharbot (Südwest

47), Halbschwergewicht: Marlon

Tunger WO über Damir Gabaidulin

(Reinickendorf 03), Philipp Chadzynsky

(BTSC) TKOI 3.R. über Max Diehn

(Olympia 75), Philipp Stammer (Isigym)

TKOA 1. R. über Bryan Haserick

(Olympia 75), Bart Sparnaaij (Isigym)

TKO 2.R. über Erik Kulig (Reinickendorf

03),Mateusz Okbi (Isigym) TKOI-

Sieger 2. R. über Mamaa Diallo (Reinickendorf

03), Junioren: Jihad Nazif PS

über Ajhmad Farhat (Koryo), Patrick

Wolf (Südwest 47) PS über Nurullah

Geckil (Koryo), Yasim Eskier (Koryo)

PS über Mustafa Helal (BFC).

Nordrhein-Westfalen

Int. Box-Oberliga: Wanne-Eickel/

Marl-Hüls gegen Düsseldorf/Hilden

64 Kg: Christian Eckert, Düsseldorf/

Hilden, PS über Andreas Wacker,

Wanne-Eickel/Marl Hüls; 64 Kg:

Malke Buyukkaya, Wanne-Eickel/

Marl Hüls, TKO- A Rd. 1 über Donato

Mucci, Düsseldorf/Hilden; 75 Kg: Gianluca

Taccia, Düsseldorf/Hilden, PS

über Emad El-Farhi, Wanne-Eickel/

Marl Hüls; 75 Kg: Berkant Kaplan,

Wanne-Eickel/Marl Hüls, PS über

Shahin Mohammadi, Düsseldorf/Hilden;

81 Kg: Alpay Berber, Wanne-Eickel/Marl

Hüls, TKO-I über Mateusz

Hajbowicz, Düsseldorf/Hilden; 91

Kg: Wladimir Eichholz, Düsseldorf/

Hilden, WO; +91 Kg: Blerim Hajdari,

Wanne-Eickel/Marl Hüls, Sieg durch

Disquali. Rd. 3 über Robert Zyla, Düsseldorf/Hilden

MBR Hamm gegen das Team

Nordrhein

60 kg: Ivan Freidenberg, Nordrhein,

PS über Rachid Nehas, Hamm; 64

kg: Muhammed Köse, Nordrhein,

WO; 69 kg: Abbas Baraou, Nordrhein,

TKO-A über Hasan Özer, Hamm; 69

kg: Morad Möllenbeck, Nordrhein,

PS über Narek Hovannisyan, Hamm;

75 kg:Cihan Calik, Nordrhein, PS

über Nuri Yesil, Hamm; 81 kg: Jaron

Transfeld, Nordrhein, PS über Josef

Jäschke, Hamm; +91 kg: Max Keller,

Nordrhein, PS über Mohammed Nasser,

Hamm

Redaktionsschluss für die nächste Ausgabe: 31. Oktober 2013

60 BoxSport


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AUS DEN VERBÄNDEN

DBV

Ehrung für Christa Hamann

Christa Hamann bekommt bei der DM

den Pokal von Jürgen Kyas überreicht

Auch wenn Christa Hamann

(75) kein Amt mehr im Boxsport

innehat, so hat man beim

Deutschen Boxsport-Verband

(DBV) ihr umfangreiches Wirken

im Boxsport und ihre vielfältigen

Verdienste um diesen

nicht vergessen. Im Rahmen der

diesjährigen DM der Männer in

der kleinen EWE Arena dankte

ihr DBV-Präsident Jürgen Kyas

mit einem großen Pokal. Zuvor

war sie bereits mit der goldenen

Ehrennadel des DBV geehrt worden.

Christa Hamann – Ehefrau der

jüngst verstorbenen Oldenburger

Trainer-Legende Heinrich

Hamann – war von 1972 bis 1990

die einzige Frau in Deutschland,

die eine Boxabteilung leitete.

Ferner war sie u.a. von 1974

bis 1989 Frauenwartin im Stadtsportbund

Oldenburg. Maßgeblich

trug sie zu zahlreichen internationalen

Sportbegegnungen

mit Oldenburgs Partnerstädten

bei.

Im Verlauf der Turbulenzen

des letztlich 2000 erfolgreich

abgeschlossenen Insolvenzverfahrens

sorgte Christa Hamann

gemeinsam mit ihrem Ehemann

für die Gründung des neuen

Klubs Verein Für Boxsport (VFB)

Oldenburg und sorgte damit für

den Erhalt des Boxens in Oldenburg.

Heinz Arndt

Glockengeläut zum 97.

Geburtstag von Kordts

Am 5. September läuteten in

Warnau bei Kiel, Schleswig-

Holstein, die Kirchenglocken

besonders laut. Siegfried Kordts,

ehemaliger Präsident des DABV

(1979 bis 1987) feierte im engen

Kreis seiner Familie und seiner

Freunde seinen 97. Geburtstag.

Der gebürtige Neumünsteraner

und Richter beim Sozialgericht

hatte in seinem Amt den DABV

auf nachhaltigen Erfolgskurs

gebracht. Ab 1963 bis 1977 war

Kordts Vorsitzender des SHABV,

1973 wurde er in das Vorstandsgremium

des DABV aufgenommen,

1991 wurde er zum Ehrenpräsidenten

des DBV gewählt.

Diesen Ehrenposten gab er 2002

aus Altergründen zurück. 1979

organisierte Kordts die EM in

Köln-Deutz, drei Jahre später die

WM in München. In seine Zeit

fielen viele internationale Turniere

im Amateurboxsport. 1995

war er als Ehrenpräsident Repräsentant

und Mit-Organisator

der WM in Berlin. Für seine auf

vielen Gebieten hervorragenden

Leistungen erhielt Siegfried

Kordts 1986 das Bundesverdienstkreuz

1. Klasse.

Baden-Württemberg/NRW

Sportart 3 schließt adidas

Ausrüstungsverträge mit

Boxsport-Verbänden ab

Frank Koch (li.) und Jürgen Wiedemann

im Rahmen der Vertragsunterzeichnung

Die Deutschen Meisterschaften

der Männer in Oldenburg

waren der würdige Rahmen für

eine Vertragsunterzeichnung

der Ausrüstungsverträge zwischen

adidas/Sportart3 und den

Boxsport-Verbänden Baden-

Württemberg und Nordrhein-

Westfalen.

Vor fast genau einem Jahr wurde

an gleicher Stelle der Ausrüstungsvertrag

zwischen adidas/

Sportart 3 und dem Deutschen

Boxsport-Verband besiegelt.

Nun haben auch die beiden Landesverbände

Nordrhein-Westfalen

und Baden-Württemberg einen

adidas Ausrüstungsvertrag

unterzeichnet. Frank Koch (Geschäftsführer

der Firma Sportart

3), Jürgen Wiedemann (Präsident

Baden-Württemberg) und

Erich Dreke (Präsident Nordrhein-Westfalen)

unterschrieben

die Verträge.

Der Böblinger Dennis Malsam bezwang den mit mehreren Kämpfen ausgestatteten

Schwenninger Tobias Neubauer nach Punkten

Drei Böblinger Siege

bei sechs Startern

Der SV Böblingen hatte kürzlich

Vereine aus Baden-Württemberg

zu einem Boxnachmittag eingeladen,

um seinen Jungboxern

eine Betätigungsmöglichkeit im

eigenen Ring zu ermöglichen.

Elf Vereine nahmen teil, mit dem

BC Nordend Offenbach partizipierte

sogar ein Club aus dem

Landesverband Hessen beim

Böblinger Boxnachmittag. Von

den ursprünglich zehn vorgesehenen

Startern des Gastgebers

kamen sechs zum Einsatz, es

gab eine ausgeglichene Bilanz,

drei gewonnene Gefechte und

drei Kämpfe gingen verloren.

Insgesamt standen 17 Kämpfe,

davon zwei Begegnungen von

jungen Damen, auf der Programmkarte.

Von den weiblichen

Boxerinnen konnte die Esslingerin

Leonie Müller besonders gefallen,

die einen vorzeitigen Sieg

über die Offenbacherin Lorena

Dittmann feierte. Den besten

Kampf sah man im Junioren Mittelgewicht

zwischen dem Böblinger

David Omerovic und dem

Karlsruher Leon Bauer, der drei

Runden lang fast ausgeglichen

verlief. Der Böblinger wuchs

während den drei Runden über

sich hinaus, hatte in der letzten

Runde einige Hände mehr im Ziel

und wurde noch knapper Punktsieger.

Zu Punktsiegen kamen

auch die Böblinger Erwin Kliese

gegen Seredal Teke (Kampfsport

Lahr) und Dennis Malsam gegen

Tobias Neubauer (BR Villingen/

Schwenningen).

Berlin

Good bye „Bubi“

Am 9.11.2013 hat Berlins Boxsport

ein trauriger Schlag getroffen.

Im Alter von 80 Jahren

ist der verdiente Sportkamerad

Gerhard „Bubi“ Dieter im Pflegeheim

Falkensee nach längerer

Krankheit verstorben. Dieter

boxte von 1951–1966 für den

Spandauer Box-Club 1926 und

bestritt 228 Kämpfe. Von 1956

bis 1963 gewann er acht Berliner

Meistertitel, von 1960 bis 1964

vier deutsche Titel sowie 1963

die Bronzemedaille bei der EM

in Moskau. 1964 siegte er im vorolympischen

Turnier in Tokio.

Als größte persönliche Erfolge

nannte Bubi stets die drei Siege

über den legendären polnischen

Meister und Olympiasieger 1964

Jerzej Kulej und den K.o.-Sieg

über den schottischen Olympiasieger

Mc Taggert.

Nach längerer Krankheit ist „Bubi“

Dieter mit 80 Jahren verstorben

Nach seiner aktiven Laufbahn

war er als Vereinstrainer zusammen

mit seinem Entdecker und

Trainerguru Bruno Kurtzer tätig

und wechselte dann als Verbandstrainer

zum Berliner Box-Verband.

Mit ihm als Coach wurden

Berlins Boxer eine Macht und

holten Deutsche Meisterschaften

und internationale Erfolge.

Für drei Jahre wechselte er die

Seiten und führte Eckhard Dagge

zum Profiweltmeister. Nach

dem Ausflug kehrte Bubi zum

BBV zurück und wurde beim

LSB als Landestrainer Boxen angestellt.

Im Landesleistungszentrum

Deutschlandhalle formte

er wieder Berliner Athleten zur

Spitzenklasse, wie z.B. Peter

Suckrow, Klaus Niketta, Nadir

Kurt, Adnan Özcoban, Oktay Ur-

62 BoxSport


In Gifhorn war der BSK erfolgreich: Hasan Özer (als Assistent in der Ecke), Trainer

Arthur Matteis, Roman Schäfer, Arian Sadikovic (v.l.n.r.)

kal, Uli Junger, Michael Gusnick,

Andre Hoth, Frank Zegel, Sven

Ottke und Thomas Ulrich. 1996

wurde er in der Bruno-Gehrke-

Halle vom LSB und BBV unter

dem Motto „Good bye Bubi“

feierlich als Landestrainer verabschiedet.

Er wird unvergessen

bleiben.

Amtliche Bekanntmachung

Die Sportler Ervin Mesic, geb.

am 16.03.1997, Isigym Boxverein;

Kevin Halilovic, geb. am

15.08.1998, Isigym Boxverein

werden wegen schwerer Tätlichkeit

und grober Unsportlichkeit

gegen einen Trainingspartner für

die Dauer von 5 Jahren für jegliche

Wettkampftätigkeit im Bereich

des Deutschen Boxsport-

Vebandes g e s p e r r t.

Die Startpässe Nr. 3168 und Nr.

3173 wurden vom Berliner Box-

Verband eingezogen.

gez. Hans-Peter Miesner, Präsident;

gez. Andrew Colbourne,

Sportwart

Mecklenburg-Vorppmmern

85. Geburtstag von

AIBA-Referee Räsch

Werner Räsch feierte Ende August

seinen 85. Geburtstag. In

Anklam hatte er 1948 mit dem

Boxen begonnen, ging nach

Greifswald und wurde einer der

bekanntesten und erfolgreichsten

Boxer von Mecklenburg-Vorpommern.

Als Mitglied der bekannten

Schweriner „Einheit“-

Staffel stand er mit vielen Spitzenboxern

im Ring. Nach seiner

aktiven Laufbahn entwickelte

sich Räsch zu einem international

geachteten Kampfrichter

der AIBA. Bei vielen Meisterschaften

und Turnieren im Inund

Ausland sowie der größten

europäischen Turniere war er

ein umsichtiger und wissender

Kampfrichter.

Niedersachsen

Dudinski verpasst

DM-Finale knapp

Schade: Sergei Dudinski vom

BSK Hannover-Seelze hat bei

den Deutschen Meisterschaften

in Oldenburg den Einzug ins Finale

nur knapp verpasst. Dabei

hatte das Turnier für den Bantamgewichtler

vielversprechend

angefangen: Gegen den Kölner

Vitalie Gaurow konnte er in der

Vorrunde deutlich seine Überlegenheit

demonstrieren und so

durch einen Punktsieg ins Halbfinale

einziehen. Dort traf er auf

Beim öffentlichen Training in Oberdorstfeld wurden diverse Schlagtechniken

demonstriert

Hathe Gashi vom SV Motor Babelsberg.

„Sergei war in Topform

und hat eine überragende Leistung

gezeigt“, so BSK-Trainer

Arthur Mattheis. Dennoch reichte

es nicht ganz: Am Ende hatten

die Punktrichter seinen Gegner

vorn. Für Mattheis eine „klare

Fehlentscheidung“: „Sergei war

in allen Runden technisch besser

und der überlege Mann im Ring.

Für mich war er der Sieger.“

An der Bundesliga-Front haben

die Seelzer ebenfalls einen Erfolg

zu vermelden: Punktegarant

Jakob Deines wird in der

kommenden Saison wieder der

Seelzer Liga-Staffel angehören.

Zuletzt hatte der Mittelgewichtler

einige Angebote von Erstliga-

Vereinen. Nun hofft man, auch

Angelo Welp im Halbweltergewicht

behalten zu können.

Sergei Dudinski (rechts) kam in

Oldenburg bis ins Halbfinale

Roman Schäfer in

Gifhorn überlegen

Bei einem Vergleichsturnier in

Gifhorn stiegen gleich zwei Athleten

des BSK Hannover-Seelze

in den Ring – und holten zwei

Siege. Zunächst kletterte Roman

Schäfer (bis 63 kg) ins Seilgeviert.

Sein Gegner Michael Otto

vom BC Gifhorn konnte seinen

Vorteil als Lokalmatador nicht

ausnutzen und musste sich nach

Punkten geschlagen geben.

Schäfer zeigte in allen Runden

seine technische Dominanz und

schaltete im Schlussdurchgang

sogar noch einen Gang hoch.

„Roman war absolut überlegen“,

freute sich sein Trainer Arthur

Mattheis. Die Punktrichter

sahen das ebenso und erklärten

den Seelzer einstimmig zum

Punktsieger.

Noch besser lief es für Arian Sadikovic

(bis 75 kg). Gegen Viktor

Slawinski (BC Gifhorn), der

bereits in Kasachstan reichlich

Kampferfahrung sammeln konnte,

präsentierte sich Sadikovic in

Topform. Schon nach der ersten

Runde gab die gegnerische Ecke

verletzungsbedingt auf. „Arian

hat eine sehr gute Leistung gezeigt.

Er stand sehr kompakt und

hatte eine gute Deckung“, freute

sich Mattheis. Das Tagesfazit des

Trainers: „Die Jungs haben sich

von ihrer besten Seite gezeigt

und das umgesetzt, was wir trainiert

haben. Super!“

Nordrhein-Westfalen

Viel Beifall für variable

Boxschulung

Am Tag der Vereine lud die Interessengemeinschaft

Dorstfelder

Vereine den Dortmunder Boxsport

20/50 zu einem „Öffentlichen

Training“ in die Gartenanlage

„Oberdorstfeld“ ein. Vor

rund 200 Zuschauern gaben die

Faustkämpfer einen Einblick in

das umfangreiche Boxtraining.

Die beiden DBS-Trainer Martin

Cwiklinski und Siegfried Kucznierz

zeigten mit ihren Schützlingen

eine variable Boxschulung.

Bei den Partnerübungen wurden

die vielseitigen Schlagtechniken

demonstriert. Die Übungen wurden

mit viel Beifall bedacht.

Senioren bringen

sich in Form

Jeden Donnerstag von 20.30

– 22.00 Uhr nehmen zirka 30

Senioren am DBS-Boxtraining

teil. In der Turnhalle der Tremonia-Schule,

Lange Str. 84

(Nähe Westpark), bringen sich

die Teilnehmer in Form. Trainer

Christian Grelik macht ein

abwechslungsreiches Training:

Laufschule, Gymnastik, Seilspringen,

Ballspiele, Boxschulung,

Partnerübungen und Gerätearbeit

wechseln einander ab.

Die DBSler machen begeistert

mit. „Sport in der Gruppe macht

einfach Spaß“ ist der allgemeine

Tenor. Man spornt sich gegenseitig

an und verbessert seine

Kondition. Die bis 70 Jahre alten

Sportler sind zum Teil schon viele

Jahre in der Seniorengruppe

aktiv. Weitere Informationen

unter www.dbs2050.de.

Hermann Woelm

feierte die „75“

Der ehemalige erfolgreiche

Schwergewichtsboxer Hermann

Woelm hat am 10. September

seinen 75. Geburtstag gefeiert –

und lud seine Senioren-Boxsportfreunde

zur Geburtstagsfeier ins

Vereinshaus der Gartenanlage

Ardeyblick ein. Der ehemalige

Polizei-Oberkommissar Woelm

nimmt noch jeden Montag und

Donnerstag am Seniorentraining

der ehemaligen Dortmunder Boxer

teil. Woelm bestritt in seiner akti-

BoxSport

63


AUS DEN VERBÄNDEN

Immer noch aktiv: Hermann Woelm

ven Zeit 105 Kämpfe. In seinem

Rekordbuch stehen 74 Siege, 14

Unentschieden und 17 Niederlagen.

Während seiner zwölf Jahre

dauernden Laufbahn wurde Woelm

einmal Junioren-Westfalenmeister

und viermal im Schwergewicht

Bezirksmeister. Neben

den Schwergewichtlern Peter

Hussing (Siegen) und Jochen

Döll (Hamm) zählte Woelm zu

den besten Kämpfern seiner Gewichtsklasse

im Westfälischen

Amateur-Box-Verband. Nach

seiner aktiven Zeit legte Woelm

unter Bundestrainer Karl Hess

in der Sportschule Kaiserau das

Trainerdiplom mit Auszeichnung

ab. Mehrere Jahre war er

dann erfolgreicher Trainer beim

PSV-Hattingen. Seine Vereinskameraden

schätzen seine ehrliche

und kameradschaftliche Art.

Boxring Hilden ist wieder

Düsseldorfs next Boxchamp

Konstantin Hellwich besiegte Ali Cem

Koc mit toller Technik

Eigentlich sollte es ein Triumph

für den TuS Gerresheim werden.

Dieses Jahr wollten die Düsseldorfer

Faustkämpfer den Boxchamp

Titel unbedingt gewinnen, doch

der Boxring Hilden versalzte ihnen

die Suppe. Hinzu kam eine Menge

Pech. Viele Clubs meldeten ihre

Athleten krankheitsbedingt ab. So

kamen einige Kämpfe mit Gerresheimer

Beteiligung nicht zustande,

wodurch am Ende wichtige Punkte

fehlten. Einziger Lichtblick für

Gerresheim war Konstantin Hellwich,

der im schönsten Kampf der

Veranstaltung Ali Cem Koc mit toller

Technik besiegte. Auch dieses

Jahr gab es für die Erstplatzierten

wertvolle Sachpreise vom Sponsor

BenLee. Neuer Boxchamp ist der

Boxring Hilden, der damit seinen

Erfolg aus dem Vorjahr wiederholte.

Der TuS Gerresheim, SV Menden

und der Boxring Essen belegten

punkgleich den zweiten Platz.

Düsseldorf/Hilden verliert

Auftaktkampf in Westfalen

Mit einem dicken Kracher startete

die internationale Oberliga in

ihre erste Saison. Das Box Team

Wanne-Eickel/Marl-Hüls empfing

mit der Kampfgemeinschaft Düsseldorf/Hilden

eines der beiden

Teams vom Niederrhein. Eigentlich

galten die Boxer aus Düsseldorf

und Hilden als die Favoriten.

Doch es kam anders, denn die

Fans der Westfalen spielten Zünglein

an der Waage.

Für die Gäste begann alles nach

Plan. Halbweltergewichtler Christan

Eckert boxte taktisch erstklassig

gegen einen starken Andreas

Wacker. Nach langer Pause vom

Wettkampfsport kletterte Hildens

Donato Mucci gegen Malke Buyukkaya

in den Ring, stand gegen

den amtierenden Deutschen Meister

der U21 aber auf verlorenem

Posten. „Das war ein krasses Fehlurteil“,

so lautete der Kommentar

von Uwe Ottehenning, dem Cheftrainer

der Gäste zur Niederlage

seines Mittelgewichtsboxers Shahin

Mohammadi. Aus Ottehennings

Sicht machte Mohammadi

gegen Berkant Kaplan alles richtig.

Er boxte klug nach vorn und

ließ dabei seine Führhand laufen.

Doch Kaplan hielt dagegen und

versuchte den Düsseldorfer durch

aggressives Angriffsboxen in den

Infight zu zwingen. Allem Ärger

zum Trotz: Nach der dritten Runde

erklärte der Ringrichter Kaplan

zum Sieger.

Im letzten Kampf zwischen Robert

Zyla und Blerim Hajdari kam

es zu einem echten Showdown,

denn nach Punkten stand es zwischen

den Teams unentschieden.

Die Zuschauer wussten, gegen

den bärenstarken Zyla brauchte

Hajdari jede Unterstützung.

Und die „besten Fans der Liga“

ließen ihren Boxer nicht hängen.

Durch ihren ohrenbetäubenden

Lärm wurde aus der Box-Halle

am Schwimmbad ein Tollhaus.

Zyla machte eigentlich alles richtig,

ließ seine Schlaghand richtig

krachen und brachte Hajdari in

schwere Bedrängnis. In der dritten

Runde passierte es. Wegen des

höllischen Getöses in der Halle

hörte Zyla das Break-Kommando

des Ringrichters nicht und schlug

nach. Folgerichtig disqualifizierte

er Zyla und besiegelte so die 10:9

Niederlage der Niederrheiner.

Team Nordrhein schlägt

MBR Hamm 14:6

Am zweiten Kampftag der Internationalen

Box-Oberliga

Das Team Nordrhein setzte sich gegen

Hamm durch

musste das Team Nordrhein in

Hamm antreten. Nach Siegen im

Leichtgewicht von Ivan Freidenberg

über den Hammer Rachid

Nehas, im Weltergewicht von

Morad Möllenbeck gegen Narek

Hovannisyan sowie von Abass

Baraou gegen Hasan Özer vom

MBR Hamm, im Mittelgewicht

von Cihan Calik gegen Nuri Yesil

und von Jaron Transfeld im

Halbschwergewicht gegen Josef

Jäschke boxte der Mannschaftskapitän

der Nordrheiner, Max

Keller, im Superschwergewicht

gegen den starken Mohammed

Nasser. Nach drei spannenden

Runden, in denen beide sich

nichts schenkten, konnte Keller

sein Können unter Beweis stellen

und führte somit das Team

Nordrhein ungeschlagen zum

Mannschaftssieg.

Kids holen einstimmigen

Punktsieg

Steffen Müller konnte sich gegen die

Kinderschar in Düsseldorf kaum retten

Vom 24.–31. August gehörte das

Düsseldorfer Rheinufer ganz

den Kindern und Jugendlichen.

Beim Olympia Adventure Camp

rund um den Apollo-Platz gab

es wieder unzählige Sport- und

Freizeitangebote, zu denen die

NRW-Landeshauptstadt gemeinsam

mit den Städtischen

Sportvereinen einlud. Erstmalig

waren auch die Boxer dabei. Der

Förderverein Düsseldorfer-Box-

Vereine und der TuS Gerresheim

demonstrierten, was den Boxsport

ausmacht. Das Gewusel im

Ring war mächtig. In Gruppen

bis zu zehnt boxten die Kinder

auch gegen Steffen Müller, der

1996 Fünfter bei der Box-WM in

Kuba wurde und für Leverkusen

in der Bundesliga startete.

Eigentlich eine lösbare Aufgabe

für den Trainer aus Gerresheim,

doch Müller ging jede Runde

zu Boden. Immer wieder rannten

die Nachwuchsboxer in die

neutrale Ecke und zählten –

nein, sie brüllten bis zehn. Wie

durch ein Wunder schaffte es

Müller jedoch kampfbereit auf

den Füßen zu stehen, bevor er

ausgezählt wurde. Am Ergebnis

konnte er jedoch nichts ändern.

Einstimmige Punktsieger waren

die Düsseldorfer Kids.

Weitere

Nachwuchsschulung

Die Schulung des Nachwuchses

wird im Mittelrheinischen Amateur-Box-Verbands

(MABV) mit

einer weiteren Sichtungsveranstaltung

fortgesetzt. Ausrichter

ist am Samstag, den 12.10.2013,

der BC Westen Köln. Veranstaltungsort

ist in der Everhardhalle,

Everhardstr 60 in 50823 Köln-Ehrenfeld.

Das Wiegen beginnt ab

13:00 Uhr, Beginn ist um 16:00

Uhr. Eingeladen sind auch Vereine

aus den benachbarten Landesverbänden.

Startberechtigt sind

nur Kämpfer, die im Besitz einer

gültigen Starterlaubnis sind.

Sachsen-Anhalt

Martikke blickt auf 50 Jahre

Mitgliedschaft zurück

Eine 50-jährige Mitgliedschaft

im organisierten Sport hat das

Leben des Magdeburger Gerald

Martikke mit geprägt. Als kleiner

Steppke mit elf Jahren hat

es ihm der Boxsport angetan.

Seitdem ist für den späteren

ehrenamtlichen Boxtrainer und

lizensierten Kampfrichter viel

Zeit ins Land gegangen. Nicht

zu Unrecht wurden in den Folgejahren

die erreichten Leistungen

mit verschiedenen Ehrungen

und Auszeichnungen gewürdigt,

dabei hat bei ihm die Ehrennadel

in Gold des Deutschen

Amateurboxverbandes seit 2004

höchste Priorität. Martikke, sein

Amtskollege Karsten Weisheit

und Co. entschieden sich, mit

dem BC Punching am 1. Januar

2003 einen neuen Magdeburger

Verein zu gründen. Gleichzeitig

erreichte man damit, alte Boxtraditionen

des BC Punching

neu zu beleben. Die neue strukturelle

Vereinsgliederung hat es

so gewollt, dass heute mit Stützpunkten

für den Nachwuchs

gearbeitet wird. Einer davon ist

der Stützpunkt Olvenstedt, wo

Martikke das Zepter führt und

auch noch Mitglied des Vereinsvorstandes

ist. Am 3. September

blickte er auf eine fünfjahrzehntelange

Mitgliedschaft zurück.

64 BoxSport


Ulli Wegner:

Mein Leben

in 13 Runden.

Die spannende

Biografie des

Weltmeister-

Trainers aus dem

Sauerland-Stall

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Robert Stieglitz bei seinem Erfolg

über den Japaner Yuzo Kiyota

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Leben „Nach

dem nächsten Kampf

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Robert Stieglitz greift

jetzt nach den Sternen

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Lesen Sie in der nächsten Ausgabe

Am 19. Oktober

will Robert Stieglitz

(rechts) seinen Super-

Mittelgewichts-Titel auf

jeden Fall gegen Ekpo

verteidigen, während

der Kapitän des Team

Deutschland, Dominic

Bösel, gegen Mirko

Ricci die WBO-Junioren-

Weltmeisterschaft im

Halbschwergewicht

bestreitet

Nächster

Erscheinungstermin ist

für Abonnenten

der 7. November,

ab dem 9. November

im Handel

Arthur Abraham wird

von seinem Trainer Ulli

Wegner auf das Duell

gegen de Carolis gut

vorbereitet

Arajik Marutjan (links)

gilt bei der WM als einer

der Hoffnungsträger in

der DSB-Mannschaft

Nächste Ausgabe: Die Wahl

Boxer des Jahres

mit Liste aller Nominierten

11. WM-Fight von Robert Stieglitz

Alles über die letzte Titelverteidigung des SES-Boxers

in diesem Jahr gegen den Nigerianer Isaac Ekpo in

Leipzig und die Auftritte der jungen Wilden des „Team

Deutschland".

Die lange Box-Nacht in der ARD mit

Abraham und Murat

Große Berichte über Arthur Abrahams Kampf in

Oldenburg gegen Giovanni de Carolis – und seine

Vorbereitung auf das dritte Duell mit Weltmeister

Robert Stieglitz sowie den Auftritt von Karo Murat in

Atlantic City gegen Weltmeister Bernhard Hopkins.

Sturm-Lauf

Alle Nachrichten, wie sich der Kölner Boxer auf seinen

WM-Kampf in Stuttgart gegen Barker vorbereitet.

Herausgeber und Chefredakteur: Hans Reski (0221-2587-260/261/334)

Redaktion: Nicole Bitter

Ständige Mitarbeiter: Tobias Drews, Manfred Hönel, Peter Jaschke, Björn

Jensen, Bertram Job, Matthias Kerber, Hans-Joachim Leyenberg, Jörg Lubrich,

Alexander Mazur, Gunnar Meinhardt, Susanne Rohlfing, Hartmut Scherzer,

Wolfgang Wycisk

Fotos in dieser Ausgabe: Bastian, dpa, Frevert, Getty Images, Imago, Marianne

Müller, Michaelis GmbH, Sat.1, Schmitt/agency babiradpicture, SES, van Elten,

Wende, WBC

Layout: Katharina Büchner, Michael Rosenstein, Bernd Schulte zur Wissen

Internet: www.sportverlag.de

E-Mail der Redaktion: boxsport@sportverlag.de

Verlag: DSV Deutscher Sportverlag GmbH, Friesenplatz 16, 50672 Köln

Tel.: (0221) 2587-0, Fax: (0221) 2587-200

Verlagsleitung: Patrick Bücheler

Geschäftsführung: Lutz Bandte, Gerd Franz

IMPRESSUM

Die getgoods.de Fight Night

Ist Francesco Pianeta gegen Minto die Rache für

Axel Schulz gelungen? Und wie hat sich Robin

Krasniqi gegen Oleksandr Cherviak geschlagen?

Alles über die Anwärter auf WM-Kämpfe und hohe

Weltranglistenpositionen.

Die WM in Almaty

Holen die DBV-Boxer endlich mal wieder Medaillen

bei einer WM? Berichte und Analysen von den

Welttitelkämpfen plus Ergebnisse.

Start in die WSB

Wie stark ist das deutsche Team? Welche Boxer

sind beim Start in Hanau dabei? Welcher TV-Sender

überträgt das Eröffnungsspektakel?

Anzeigenverwaltung: Sabine Fechner, Tel. (0221) 2587-261.

E-Mail: boxsport@sportverlag.de.

Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 10 vom 1.1.2012.

Abonnement: DSV Deutscher Sportverlag GmbH, Friesenplatz 11, 50672 Köln,

Telefon (0221) 2587-243, E-Mail: service@sportverlag.de.

Einzelverkauf: Partner Medienservices GmbH,

Postfach 81 06 40, 70523 Stuttgart, Fax.: (0711) 7252320

Druck: Dierichs Druck + Media GmbH & Co KG, Frankfurter Str. 168, 34121 Kassel

BOXSPORT erscheint monatlich, Einzelpreis: € 4,20. Jahresabonnementpreis

(12 Ausgaben): € 45,60. Abonnementkündigungen sind sechs Wochen vor Ablauf

des berechneten Zeitraums dem Abonnement-Vertrieb schriftlich bekannt zu

geben. Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Zeitschrift darf ohne schriftliche

Genehmigung des Verlages vervielfältigt oder verbreitet werden. Unter dieses

Verbot fällt insbesondere auch die Vervielfältigung per Kopie, die Aufnahme in

elektronische Datenbanken und die Vervielfältigung auf CD-ROM. Der Verlag haftet

nicht für unverlangt eingesandte Manuskripte, Unterlagen und Fotos.

66 BoxSport

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