Orkus! VNV Nation (Vorschau)

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Erlebt: M’era Luna

+ Rock’n’Heim

O rkus

O rkus

Nr. 10 · Oktober 2013

!

Exklusiv!

über das neue Album

+ das groSSe Fan-Interview

Gary Numan + Covenant + HIM + Placebo + Dream Theater + ASP

In Extremo + Running wild + Schlafes Bruder + Rotersand

SOPOR AETERNUS + Eisherz + Nailed to Obscurity + New Model Army

Santa Hates You + Anathema + The Red Paintings + The Vyllies

Arts of Erebus + Unshine + Anneke van Giersbergen + Nhor

Eyes Set To Kill + Dracul + Asking Alexandria + Stormlord

EYCROMON + Hans Platz + Glamour Of The Kill + Ministry

Martin Hall + Hämatom + Onslaught + Jex Thoth + Unzucht

die perlen + Pest + LowCityRain + Wraithcult + Chvrches

AutoViolet + Eden’s Curse + Blackfield + The Devil ’n’ Us

Down Below + endanger + The Vision Bleak


OUT NOw!

„Ein kraftvolles, dynamisches Spektakel der Superlative:

Gothic Novel Rock deluxe.“

M. Wosgien (EMP Redaktion)

„Der neue Longplayer ist ein Erlebnis, für das man gerne

verharrt, das man gerne im Ganzen genießt

und das vor allem auch nach mehrfachem Hören

immer noch mit neuen Facetten überrascht. Bravo!“

Steffie Wunderl (Rockfanatics)

„Fast unbemerkt [..] verbinden sich die Lieder zu einem großen Werk.

Ein Versinken des Hörers in dunkler Schönheit aus

Klängen, Geschichten und Bildern.“

A. Schön (Orkus)

ACHTUNG + + + ACHTUNG + + + ACHTUNG + + + ACHTUNG + + + ACHTUNG + + + ACHTUNG + + + ACHTUNG + + + ACHTUNG

nicht im regulÄren handel erhÄltlich!

DIE FAN-DVD EXKLUSIV

AUF DER MASKENBALL-TOUR!

Nur für das ASP Live-Publikum erhältlich.

Diese DVD „ASP auf dem Summer Breeze

Festival 2012“ wird es ausschließlich

am ASP Merchandising-Stand der

MASKENBALL-TOUR geben.

DIE COMPILATION-CD ZUR

MÄZENATENTUMULT-AKTION!

Alle Gewinnerbands sowie ein exklusiver

ASP Track vereint auf einer Doppel-CD.

Diese Veröffentlichung wird es ausschließlich

am ASP Merchandising-Stand der

MASKENBALL-TOUR und später

im ASP-Shop geben.

präsentiert von:

die groSSe maSkenball-tournee 2013

featuring mÄZenatentumult!

19.09.2013 Schwabach, Markgrafensaal

20.09.2013 Potsdam, Waschhaus

21.09.2013 Magdeburg, Altes Theater

25.09.2013 Oberhausen, Turbinenhalle

26.09.2013 Osnabrück, Halle Gartlage

27.09.2013 Bremen, Aladin

28.09.2013 Leipzig, Haus Auensee

02.10.2013 Gießen, Hessenhalle

03.10.2013 Erfurt, Stadtgarten

04.10.2013 Dresden, Alter Schlachthof

05.10.2013 Wiesbaden, Schlachthof

09.10.2013 Saarbrücken, Garage

10.10.2013 Köln, Live Music Hall

11.10.2013 Hamburg, Markthalle

12.10.2013 Hamburg, Markthalle

16.10.2013 CH-Pratteln, Z7

17.10.2013 Stuttgart, Theaterhaus

18.10.2013 München, Muffathalle

19.10.2013 A-Wien, Arena

Tickets im ASP-Online Shop

Weitere Infos unter www.aspswelten.de


Titelstorys

VNV Nation 112

EYCROMON 28

Orkus!-Newcomer des Monats

LowCityRain 44

Orkus!-Act des Monats

Hämatom 58

Interviews & Storys

Adam Is A Girl 42

Anathema 18

Arts of Erebus 19

Asking Alexandria 41

AutoViolet 50

Blackfield 47

Chvrches 94

Deals Death 42

die perlen 82

Down Below 48

Dracul 100

Dream Theater 84

Eden’s Curse 54

Eisherz 92

endanger 31

Eyes Set To Kill 72

Glamour Of The Kill 74

Martin Hall 46

HIM 16

In Extremo 52

Jex Thoth 32

Ministry 43

Mundtot 12

MyGrain 71

Nailed to Obscurity 55

New Model Army 90

Nhor 20

Gary Numan 36

Onslaught 96

Pest 103

Placebo 24

Hans Platz 89

Running wild 22

Schlafes Bruder 106

Schwarzbund 13

SOPOR AETERNUS & The Ensemble Of Shadows 76

Stormlord 34

Syntonic 14

The Devil ’n’ Us 51

The Red Paintings 98

The Vision Bleak 86

The Vyllies 56

Unshine 88

Unzucht 110

Anneke van Giersbergen 38

Wraithcult 102

Specials

Denkpause

Rotersand: Rascal Nikov 35

Santa Hates You: Jinxy 83

Movies of my life

The Brains: Colin The Dead 40

Henkersmahlzeit

Luci van Org 40

Was wäre, wenn...

Inkubus Sukkubus: Candia McKormac 80

Wortschatz

Die Krupps: Jürgen Engler 80

Orkus! Compilation 93 104

In eigenen Worten

Covenant 105

ASP: Asp 108

On Stage

Service

M’era Luna Festival 2013 118

The Rise of Rock’n’Heim 124

short cut 8

Album des Monats & Top 5 62

Plattentipps 63

Jahrestage 71

Buchtipps 73

Kleinanzeigen 126

Abo 127

Tourdates 128

Impressum 130


Empfangbar über:

ASTRA – 19,2 Grad Ost

DVB-T Berlin – Kanal 56

DVB-T Hessen – Kanal 52

Unitymedia – Kanal 29

Kabel BW – Kanal 57

primacom – Kanal 65

T-Entertain – Kanal 96

Vodafone TV – Kanal 50

www.iM1.tv


Hallo liebe Leserin, lieber Leser,

ein neues VNV Nation-Album ist ohne Zweifel immer etwas ganz

Besonderes. Etwas ganz Besonderes ist es auch, von Ronan Harris

zu erfahren, wie ein VNV Nation-Album entsteht. Und nicht weniger

besonders ist es, wenn die Fans den Musiker mit Fragen überhäufen

dürfen und der Musiker – in dem Fall Ronan Harris – offen und

warmherzig Auskunft gibt. Wir wünschen Dir viel Vergnügen beim

Lesen dieses besonderen Interviews.

•••••••••••••••••••••

MEIN TICKETPORTAL

Nun, das Wort „besonders“ haben wir jetzt oft genug eingesetzt,

oder? Nehmen wir das Wort „speziell“? Okay. Also... jemand ganz

Spezielles hat es dieses Mal zu unserer Co-Titelstory gebracht:

EYCROMON. Eine noch recht junge Band, mit Tatendrang wie die

großen Formationen. Und zu jenen könnten EYCROMON sicherlich

bald gehören! Wir wünschen viel Spaß beim Kennenlernen.

Ebenfalls viel Spaß beim Kennenlernen und Entdecken wünschen

wir Dir mit den zahlreichen Themen in der vorliegenden Ausgabe,

welche erneut für jeden etwas Schönes bereithalten dürfte. So

wahrscheinlich auch unsere Erlebnisberichte von den Festivals

Rock’n’Heim und M’era Luna. Nachdem die Open Air-Saison

für dieses Jahr beendet ist, freuen wir uns auf die kommenden

Clubtourneen, die wieder reichlich anstehen. Haben wir nicht eine

phantastische Szene?! Eine Frage, die keine Frage, sondern eine

Aussage ist! Jawoll!

DAF

25.10. Bochum, Matrix

26.10. Hamburg, Markthalle

15.11. Berlin, K17

16.11. Dresden, Strasse E

28.03. Wiesbaden, Schlachthof

29.03. München, Feierwerk

Liebe Grüße & cheers,

Dein Orkus!-Team

.COM/KILL

04.10. Frankfurt, Das Bett

09.11. Augsburg, Kantine

11.01. Hamburg, MarX

DIARY OF DREAMS &

IN STRICT CONFIDENCE

04.04.

05.04.

06.04.

08.04.

09.04.

10.04.

11.04.

12.04.

Leipzig, Werk 2

Erfurt, Gewerkschaftshaus

München, Backstage

Frankfurt, Batschkapp

Bochum, Zeche

Hannover, MusikZentrum

Berlin, C-Club

Hamburg, Markthalle

POETS OF THE FALL

09.10.

11.10.

12.10.

14.10.

15.10.

17.10.

18.10.

19.10.

Nürnberg, Hirsch

Mannheim, Alte Seilerei

Freiburg, Schmitz Katze

Frankfurt, Batschkapp

München, Backstage

Bielefeld, Forum

Hamburg, Grünspan

Berlin, C-Club

...und 30.000 ••••••••••••••••

weitere Veranstaltungen!

Tickets auf www.ADticket.de


Aurora Sutra (ursprünglich eine Art

Seitenprojekt von Project Pitchfork) ist

endlich im Netzzeitalter angekommen: Nun

werden die letzten beiden, längst vergriffenen

Alben Passing Over

In Silence Towards

Nuit und I And

I Shall Descend

in 250 Ländern

digital veröffentlicht und nach und nach auf

allen gängigen Plattformen zur Verfügung

gestellt. Aus diesem Anlass wurden die Werke

extra neu gemastert und erhielten frische

Cover.

Ein ganz besonderes Debut haben

Clarence+Napoleon unter

dem Titel Breaking The Silence

abgeliefert. Ein Spiel mit düsteren

Klängen, welche zwischen Tanz-

Pop und klaviergetragenen

Balladen wechseln. Der Löwe und

der Feldherr eben...

Seit August ist das vierte Album von

Ereb Altor erhältlich! Auf Fire Meets Ice

begeistert die Truppe ein weiteres Mal durch

epischen Black Metal. Elemente des Doom

und Viking kommen allerdings auch nicht

zu kurz. Abwechslungsreich und für jeden

Metaller definitiv eine Runde im CD-Player

wert!

Die Psychedelic Rocker White

Hills sind zurück und wollen ihre

Fans nach dem Release des Albums

So You Are... So You’ll Be auch live von

ihrem Können überzeugen und mit

neuem sowie altem Material für einen

unvergesslichen Abend sorgen. Also

rasch Karten sichern!

White Hills

11.10. Esslingen, KOMMA

12.10. Siegen, Vortex Musikclub

13.10. Hamburg, Hafenklang

14.10. Köln, Sonic Ballroom

Kürzlich erschien Rendezvous beim

Aethercircus – das Drittwerk der

Steampunker Drachenflug.

Geboten werden 21 Tracks, die

uns mit handgemachten und

synthetischen Klängen sowie einem

Hörspiel zu einer phantasiereichen,

unkonventionellen Reise

einladen. Der Ausflug beginnt

im strömenden Regen auf einem

dampfbetriebenen Luftschiff.

Einsteigen lohnt sich!

Nach dreijähriger Abstinenz sind die Doom

Metaller/Psychedelic Rocker Jex Thoth

mit ihrem zweiten Album Blood Moon

Rise aus der Versenkung aufgetaucht. Das

Ergebnis ist sagenhaft und läuft in unserer

Redaktion immer noch hoch und runter...

Covenants lang erwartetes

Album Leaving Babylon ist

nicht nur in regulärer und

limitierter Edition auf CD erhältlich, sondern erscheint nun auch

als Schallplatte: Das 180-Gramm-Vinyl wurde auf 1.000 Exemplare

limitiert, kommt im wunderschönen Klappcover (mit zusätzlichem

Gratisdownloadcode) und dürfte schnell zum echten Sammlerstück

avancieren!

Bist Du im Moment sensibel und

leicht weinerlich? Dann solltest Du

EFs kürzlich veröffentlichtes Album

Ceremonies vorerst besser ignorieren.

Sobald Du für ihre komplexen

und hochgradig harmonischen

Arrangements bereit bist, kannst Du Dich auf folgenden Konzerten von

Deinen Gefühlen überwältigen lassen...

EF

05.10. Hamburg, Haus III&70

07.10. Hannover, Béi Chéz Heinz

08.10. Oberhausen, Druckluft

09.10. Wiesbaden, Kulturpalast

10.10. CH-Bern, ISC CLUB

11.10. CH-Aarau, KiFF

12.10. Stuttgart, Universum*

13.10. Aachen, Musikbunker*

15.10. Dresden, scheune

16.10. Erfurt, Engelsburg

17.10. Osnabrück, Kleine Freiheit

01.11. A-Ebensee, Kino

02.11. A-Innsbruck, p.m.k

04.11. Leipzig, UT Connewitz

05.11. Berlin, Magnet Club

*mit Turbostaat

Unter dem Titel The Harbinger of Doom

verspricht uns das libanesische Death Metal-

Gespann Kimaera wohlige Gänsehaut...

mit schweren Gitarrenriffs, ausdrucksstarkem

Gesang und düsterer Atmosphäre. Unbedingt

empfehlenswert für Fans von Truppen wie Orphaned Land oder

AHAB!

Endlich ist das heiß ersehnte Buch von Umbra et

Imagos Mastermind Mozart auf dem Markt! Gothic

Erotic – Erzählungen behandelt ganz selbstverständlich

sexgeladene Themen aus der Szene sowie selbstkritische

und beißend lustig aufgearbeitete persönliche

Erlebnisse: S/M, Musik, zwanglose Phantasien und

erotische Ausschweifungen...

Am 27.09.2013 erscheint via

Massacre Records das zehnte Album

von Deutschlands führender Speed/

True Metal-Band Wizard. An Mix

und Mastering beteiligte sich niemand

anderes als Achim Köhler, der schon

bei Primal Fear, Sinner und

Totenmond zur Stelle war. Von

Trail Of Death wird ein limitiertes Vinyl (500 handnummerierte

Exemplare) erhältlich sein. Also schnell ran an den Speck!

Mit Der Totenerwecker liefert Wrath James

White ein weiteres Werk ab, welches Dich

Nacht für Nacht um Deinen friedlichen und

wohlverdienten Schlaf bringen wird. Erschienen

beim Festa Verlag, dem absoluten Spezialisten für

Horror und Psychothriller, streckt hier selbst einer

der Lehrmeister amerikanischer Gruselschule –

Jack Ketchum – beide Daumen nach oben.

„ER ist der grausamste Serienmörder, den es je

gab!“ Wenn Lesen zur Mutprobe wird...

8 - Orkus!


Gelangweilt vom Musikfernsehen? Dann nichts wie ab zu !

Der digitale Musik-TV-Sender iM1 hat sein Programm um eine

überaus dunkle Facette erweitert: In Kooperation mit unserem

Magazin präsentiert er

– wöchentlich eine volle Stunde

Musikvideos für die düstere Generation. Klassiker, aktuelle Clips,

Weltpremieren und mehr – immer mittwochs um 23.00 Uhr, in der

beliebten und ganz besonderen „Stunde vor Mitternacht“...

Empfangbar über:

ASTRA – 19,2 Grad Ost

DVB-T Berlin – Kanal 56

DVB-T Hessen – Kanal 52

Unitymedia – Kanal 29

Kabel BW – Kanal 57

primacom – Kanal 65

T-Entertain – Kanal 96

Vodafone TV – Kanal 50

Tele Columbus – DigitalTV Basic

www.iM1.tv

Anfang 2014 veröffentlicht das kontroverse Industrial-

Projekt Nachtmahr sein fünftes Album... und bietet Dir

in Kooperation mit Orkus! die einmalige Gelegenheit, im

Artwork verewigt zu werden. Hierbei handelt es sich um

eine Zusammenarbeit zwischen Thomas Rainer und dem

schottischen Künstler Bruce Stirling John Knox,

welcher die Welt der Österreicher in seinen einzigartigdunklen

Comicstil tauchen wird. Schicke ein Bild von

Dir in Nachtmahr-Outfit oder generell in einer Uniform

beziehungsweise uniformähnlichen Kluft an propaganda@

nachtmahr.at – unter Angabe Deines vollen Namens,

Deiner Adresse und Deines Alters sowie einer kurzen

Erklärung, dass Du damit einverstanden bist, dass das eingesandte Bild im Orkus!

Magazin sowie auf allen Seiten von Nachtmahr (Homepage, Facebook et cetera)

veröffentlicht wird. Wer gewinnt, wird auf Basis des eingesandten Photos ins Artwork

hineingezeichnet. Sei sexy, verrückt oder einfach originell. Letztendlich entscheidend

sind Deine Kreativität und, wie gut das Bild zur Ästhetik an sich passt. Einsendeschluss

ist der 09.10.2013, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

THE ONE

Das neue Album -

erhältlich ab dem 13.11.2013!

präsentiert von:

&

„THE ONE“-Tour

2013

02.11. Schwerin, „Der Speicher“

14.11. München, „Garage Deluxe“

15.11. Reichenbach (Vogtland), „Bergkeller“

16.11. Affalter, „Zur Linde“

- Support für „Crematory“

19.11. Dresden, „Club Puschkin“

21.11. Rostock, „M.A.U.“

22.11. Berlin, „K17“

23.11. Leipzig, „Tonelli‘s“

2014

09.01. Frankfurt/M., „Café Nachtleben“

10.01. Aachen, „Jakobshof“

11.01. Siegburg, „Kubana“

07.02. Havetoftloit, „Land Art“

und mehr

Toursupport: u.a. Revolution Eve,

Illusoria und Fistful of Monkeys


Nach einem Jahr kam Benjamin dann aus der

U-Haft in den Kindergarten ...

Auch Fall 03 der Sherlock

Holmes Chronicles

sorgt für gänsehautlastiges

Hörabenteuer: Man schreibt

das Jahr 1897. Dr. Watson

liest mit Begeisterung den

gerade erschienenen Roman

Dracula von Bram Stoker.

Als wenig später in London

eine blutleere Leiche gefunden

wird, glaubt Watson an

Vampire. Holmes ist da

natürlich anderer Meinung.

Doch dann begegnet Dr. Watson im Nebel ein Werwolf. Und

plötzlich ist nichts mehr, wie es scheint...

Ulver, die frühen Pioniere des

norwegischen Black Metal, haben sich

stets weiterentwickelt. Als lebende Legende

kombinieren sie Rock, Electronica und

Kammermusik mit Noise und Experimental,

um ihr innovatives Material zu erschaffen.

Auf Childhood’s End präsentieren sie eine

Sammlung klassischer Psychedelic-Stücke in Form einzigartiger

Cover-Versionen von Bands wie 13 th Floor Elevators oder

The Pretty Things.

Weiterlesen unter WWW.uline-store.de

In der Reihe Dark Mysteries

von Markus Winter erscheint am

25.10.2013 via WinterZeit ein neues

Gruselhörspiel namens Das verbotene

Zimmer. „Ein Wochenende in den Bergen.

Auf Onkels Hütte. Tinkerbell hüten – seine

Katze. Nichts leichter als das. Ich schnappte

mir meine neue Flamme Olivia, und

ab ging’s. Doch Spaß sollten wir keinen

haben. Tinkerbell war verschwunden, seltsame Stimmen erklangen,

mein Auto wurde abgefackelt. Jemand spielte ein perfides Spiel mit

uns, das unweigerlich mit unserem Tod enden musste...“ Unbedingt

alle Türen verschlossen halten!!!

Am 27.09.2013 erblickt ein neues Werk von Mystic Prophecy

das Licht der Welt. KillHammer wurde in den Prophecy Studios der

MUSIC FACTORY

aufgenommen.

Ans Abmischen

machte sich Fredrik

Nordström, der unter

anderem schon bei

HammerFall, In Flames und Arch Enemy Hand anlegte.

KillHammer wird auch als Digipak mit zusätzlicher DVD erhältlich

sein!

Einen Tipp für alle Leseratten haben wir

mit Die Nachtmahr Wunschträume von

Jean Sarafin. Auch in der Fortsetzung

von Die Nachtmahr Traumtagebücher

plagen Albdrücke das Mädchen Liz. „Das

Leben der 17-Jährigen ist endlich wieder

ruhig und normal. Na ja, so normal, wie es

eben sein kann, wenn man die Königin der

Albträume ist und der eigene Freund einen

pünktlich zu seinem 18. Geburtstag umbringen muss...“ 260 Seiten,

die Dir den Atem rauben werden. Überaus empfehlenswert für Fans

der düsteren Fantasy!


DAS NECRONOMICON – das berüchtigte Grimoire

des „Wahnsinnigen Arabers Abdu Al Hazred“ – von

H.P. LOVECRAFT erwähnt, jetzt in erweiterter Ausgabe:

Die Aufnahmen zum neuen Corvus Corax-Album Gimlie

schreiten gut voran. Nach Ragnarök bricht jetzt also das Goldene

Zeitalter der nordischen Mythologie an... Mit Hilfe von vielen Gästen,

wie der isländischen Sängerin Arndis Halla (offizielle Stimme von

APASSIONATA), ist Corvus Corax ein echtes Meisterwerk gelungen.

Das Album wird am 15.11.2013 veröffentlicht.

26,00 Euro

ISBN 9783935684071

Doppelband mit DAS NECRONOMICON

BUCH DER ZAUBERSPRÜCHE (Die 50 Namen Marduks)

Erneut weisen wir voller Vorfreude auf ASPs großen

Mäzenatentumult hin, bei dem sich allerhand vielversprechende

Nachwuchsbands beworben haben, unter welchen 19 glückliche

Gewinner ermittelt wurden.

SECOND SIGHT BOOKS – Ein teufl isches Lesevergnügen!

Okkulte Bücher und Schmuck unter www.second-sight-books.com

Als Support für ASP auf der „Maskenball“-Tournee werden für Euch ihr

Können zeigen:

19.09. Schwabach, Markgrafensaal

Divamee

(www.divamee.de)

20.09. Potsdam, Waschhaus

Violet Light Syndrome

(www.facebook.de/

violetlightsyndrome)

21.09. Magdeburg, Altes Theater

TAINA

(www.tainamusic.de)

25.09. Oberhausen, Turbinenhalle

Godex

(www.godex-music.de)

26.09. Osnabrück, Halle Gartlage

Herzfeind

(www.herzfeind.com)

27.09. Bremen, Aladin

Die Vorboten

(www.dievorboten.de)

28.09. Leipzig, Haus Auensee

Birdeatsbaby

(www.birdeatsbaby.co.uk)

02.10. Gießen, Hessenhalle

Jovian Spin

(www.jovianspin.com)

03.10. Erfurt, Stadtgarten

EXT!ZE

(www.extize.com)

04.10. Dresden, Alter Schlachthof

Broken Soldiers Project

(www.broken-soldiers.de)

05.10. Wiesbaden, Schlachthof

Ego Get Your Gun

(www.egogetyourgun.com)

09.10. Saarbrücken, Garage

Spielbann

(www.facebook.com/Spielbann)

10.10. Köln, Live Music Hall

NOYCE

(www.facebook.com/noycetm)

11.10. Hamburg, Markthalle

Schwarzbund

(www.myspace.com/

schwarzbund)

12.10. Hamburg, Markthalle

Syntonic

(www.syntonic-music.com)

16.10. CH-Pratteln, Z7

Koraktor

(www.facebook.com/koraktor)

17.10. Stuttgart, Theaterhaus

Schwarzer Engel

(www.schwarzerengel.info)

18.10. München, Muffathalle

Mundtot

(www.mundtot.net)

19.10. A-Wien, Arena

Surgery

(www.facebook.com/surgerycaos)

Wie bereits in den letzten Ausgaben des Orkus! Magazins, stellen wir auf

den folgenden Seiten die Gewinnerbands vor. Und dies im Rahmen eines

Interviews, das jeweils von Asp selbst initiiert und durchgeführt wurde!


mitschwimmen zu können, wie es letztlich etwa mit Dubstep oder gewissen

Cover-Versionen von Radiohits der Fall war, dann geht das unheimlich

schnell. Andererseits vergeht so ein Hype genauso schnell, wie er kommt,

und dann bleiben doch wieder die Künstler mit Substanz hängen. Was

man aber auf jeden Fall sieht: durch das Internet kommt man leichter an

Fans auf der ganzen Welt. Schade ist nur, dass das nicht gleich bedeutet,

dass auch all diese Fans auf das nächste Konzert kommen können.

Asp: Spätsommer heißt euer Debutalbum. Lasst euch von einem älteren

Herren sagen: Früher dachte man, wenn man einen Plattenvertrag ergattert

hat und ein Album veröffentlichen darf, dann hat man es echt geschafft.

Heute weiß ich es besser. Wie empfindet ihr das? Sind eure Erwartungen

erfüllt worden?

T: Auch wenn nun die Träume von einigen, die das hier lesen, platzen...

Ein Plattenvertrag bedeutet heute leider gar nichts mehr. Natürlich bringt

es einem Erfahrungen, die wir nicht missen wollen, und den einen oder

anderen Kontakt – was nun mal das Wichtigste im Musikgeschäft ist. Mehr

hatten wir uns aber, ehrlich gesagt, auch nicht erwartet. Wir versuchen

immer alles möglichst realistisch und bodenständig einzuschätzen.

Asp: Hallo Tino. Wenn du die Musik von Mundtot in einem Satz

beschreiben sollst, wie würdest du das machen?

Tino: Ein YouTube-Fan aus den USA hat einmal geschrieben: „I’ve been

looking for music that fits my ears like a glove and I haven’t found it yet –

until I found you guys.“

Asp: Einige Leute haben natürlich die Musik von Mundtot bereits

kennengelernt, trotzdem würde ich mich freuen, wenn du folgenden Satz

vervollständigst: Mundtot könnte etwas sein für Fans von...

T: ... düsterer Musik, die nicht in die Klischeeschubladen passt?

Asp: Mundtot ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Was hat dich trotzdem

bewogen, dich für diesen Contest zu bewerben?

T: Es war einfach eine Möglichkeit für uns, viele Menschen zu erreichen,

die sonst vielleicht nie von uns hören würden. Zu dem kommt natürlich,

dass es immer ein ganz anderes Gefühl ist, auf so großen Bühnen zu stehen

und den Abend mit alten Hasen des Musikgeschäfts zu teilen.

Asp: Ihr habt tatsächlich schon recht häufig die Bühnen der Republik

unsicher gemacht. Welche Erfahrungen habt ihr da mit nach Hause

gebracht? Bucht sich Mundtot wie von selbst?

T: Das stimmt, wir haben immer versucht, möglichst überregional zu sein.

Viele Bands haben die Taktik, erst zu Hause eine möglichst große Fanbase

aufzubauen und dann langsam vom Heimatort wegzutouren. Doch bei uns

haben sich sehr früh Möglichkeiten ergeben, vor allem außerhalb unserer

Heimat München zu spielen. Das brachte vor allem eine Erfahrung: Jede

Stadt hat eine andere Live-Mentalität. Und wir, damit meine ich die Band

intern, sind definitiv tourtauglich. Trotzdem ist und bleibt es ein harter

Weg nach oben für Bands abseits der aktuellen Trends. Das merkt man

dann doch immer wieder, wenn Bookinganfragen teilweise ungelesen

direkt gelöscht werden. Aber es geht voran, und die Gigs werden immer

größer und aufregender – zum Beispiel am 18. Oktober. (lacht)

Asp: Durch soziale Netzwerke und Onlineplattformen scheint es

immer leichter zu sein, sich und seine Musik anderen Menschen zu

präsentieren. Wie siehst du das – wie leicht oder schwer ist es, aus der

Masse herauszuragen?

T: Sagen wir es so: Wenn man gerade das Glück hat, den aktuellsten Hype

Asp: Ich habe auf eurem YouTube-Kanal die offiziellen Clips zu Zweites

Gesicht und Virus Mensch angesehen. Da liegen doch wirklich musikalisch

Welten zwischen den Songs. Ist das ein Merkmal eurer Band, dass ihr

stilistisch recht weit gefächert seid?

T: Sonic Youth haben einmal sinngemäß gesagt, dass das Leben so viel

verschiedene Seiten hat, wieso sollte es also bei den Songs einer Band

anders sein? Ich schreibe die Songs und Texte aus einer Lebenssituation

heraus. Wie der Song am Ende klingt, ist immer beeinflusst dadurch, was

mich in diesem Moment gerade inspiriert hat. Bei Virus Mensch war ich

sehr negativ aufgeladen, alles schien sinnlos. Mein Umfeld machte mich

wütend. Das hört man auch im Song. Bei Zweites Gesicht hatte ich eine

Auseinandersetzung mit einer Person, die mir sehr nahesteht; das hat mich

bestürzt, weil ich einfach nicht verstanden habe, was los ist. Und ich finde,

auch das hört man wiederum.

Asp: Wie wichtig sind Videoclips heutzutage, um Resonanz vom

Publikum zu bekommen? Wie lässt sich „Click“ in „Erfolg“ umrechnen?

T: Das Blöde ist, dass viele genau so rechnen: „Mehr Clicks = mehr Erfolg.“

Das stimmt nicht unbedingt. Mehr Clicks heißen vor allem, es wurde mehr

Geld in die Promotion gesteckt. Aber das verwechselt man ja gerne. Fakt

ist und bleibt, dass es Bands gibt, die kaum Clicks haben und trotzdem

Hallen füllen.

Asp: Was würdest du dir wünschen, als Künstler erreichen zu können?

T: Ganz realistisch wäre mein Traum, mit Mundtot irgendwann so viele

Leute zu begeistern, dass wir touren, Songs schreiben und Festivals spielen

können, ohne uns Sorgen um Nebensächlichkeiten machen zu müssen.

Asp: Was sind konkret eure nächsten Pläne, wird es bald einen Nachfolger

zu Spätsommer geben?

T: Aktuell sind wir wieder im Studio und nehmen die Songs für das zweite

Album auf. Es wird voraussichtlich 2014 im ersten Quartal erscheinen,

und wir freuen uns jetzt schon sehr darauf, da wir glauben, dass wir uns

noch mal hörbar weiterentwickelt haben.

www.mundtot.net

Line-Up:

Tino – Gesang, Bass

Cesco – Synthesizer

Flo – Schlagzeug

12 - Orkus!


Asp: Hallo Dirk und René. Wenn ihr die Musik von Schwarzbund in

einem Satz beschreiben solltet, wie würdet ihr das machen?

René: Hallo Asp. Unsere Musik definieren wir selbst als Dark Electro

Pop mit vorwiegend deutschsprachigen Texten, die sich irgendwo

zwischen Leben, Leid und Liebe bewegen.

Asp: Einige Leute haben natürlich die Musik von Schwarzbund nun

schon mal durch das Mäzenatentumult kennengelernt, trotzdem würde

ich mich freuen, wenn ihr folgenden Satz vervollständigt: Schwarzbund

könnte etwas sein für Fans von...

R: „... dunklen Synth Pop-Melodien mit tiefgründigen Lyrics.“ So

beschrieb es eine CD-Kritik von 2012; in dieser stand außerdem, wir

wären eine „seltsame Mixtur aus And One, Janus, Mantus, Second

Decay...“ Andere Vergleiche gab es natürlich auch, aber dieser ist am

lebhaftesten in Erinnerung geblieben.

Dirk: Uns selbst fällt es immer etwas schwer, uns mit anderen Musikern

zu vergleichen. Man findet sicherlich des Öfteren Soundparallelen

zu anderen Bands, aber wir glauben, dass wir schon einen recht

eigenständigen Stil haben.

Asp: Sicher habt ihr mit eurer Band in der Vergangenheit versucht,

Live-Auftritte zu absolvieren? Wie habt ihr das bewerkstelligt, und

welche Erfahrungen habt ihr da gemacht?

R: Auftritte zu ergattern, ist trotz Facebook & Co. recht schwierig, da

der Markt an talentierten jungen Künstlern mehr als übersättigt ist. Des

Weiteren ist es auch immer ein Risiko für den Veranstalter, unbekannte

Bands mit aufzustellen. Wir freuen uns sehr über jede Möglichkeit,

live zu spielen, umso mehr, dass wir nun mit dir und deiner Band die

Bühne in Hamburg teilen dürfen. Vielen Dank dafür noch mal!

D: Wir konnten dennoch auch außerhalb unserer Harzregion einige

Konzerte bestreiten, und bisher haben wir immer ein positives Feedback

bekommen.

Asp: Durch soziale Netzwerke und Onlineplattformen scheint es

immer leichter zu sein, sich und seine Musik anderen Menschen zu

präsentieren. Wie seht ihr das – wie leicht oder schwer ist es, aus der

Masse herauszuragen?

D: Unser Ziel ist es noch nie gewesen, aus der Masse herauszuragen,

sondern es ging gerade in der Anfangszeit darum, die Musik zu machen,

die uns gefällt. Dass diese nun schon einen gewissen Zuspruch findet,

freut und ehrt uns sehr.

R: Diesen Zuspruch haben wir sicherlich auch dem Internet, sprich:

Seiten wie Myspace und Facebook zu verdanken. Wir freuen uns sehr

darüber, dass viele Menschen fleißig unsere Musik, Photos und Videos

teilen und im Netz verbreiten. Soziale Netzwerke sind mittlerweile

unsere komplette Marketingabteilung. (grinst)

Asp: Von der Suche nach Wärme und Licht ist der Titel eures

Fulltimedebuts. Nun ist seither einige Zeit ins Land gegangen. War

diese titelgebende Suche von Erfolg gekrönt?

D: Es ist ein Album mit sehr persönlichem Inhalt und entstand in einer

Zeit, in der es sinnbildlich an Wärme und Licht fehlte. In meinem

privaten Leben habe ich sie gefunden, und auch musikalisch hat uns

unser Erstlingswerk recht weit gebracht.

R: Für uns war es schon sensationell, dass wir so schnell die Möglichkeit

bekommen haben, unser erstes Album direkt über ein Label – Danse

Macabre – veröffentlichen zu dürfen. Umso erstaunter waren wir,

als wir uns auf dem zehnten Platz der Deutschen Alternative Charts

wiederfanden, da waren wir schon recht stolz.

Asp: Ihr arbeitet momentan laut Website an einem Nachfolger für

das Album. Könnt ihr bereits verraten, welche Richtung ihr damit

einschlagen werdet?

R: Das stimmt. Unser kommendes Album wird den Namen Schatten

im Verstand tragen und sich inhaltlich noch intensiver mit inneren,

emotionalen Abgründen befassen und auch um einiges sozialkritischer

werden als unser Debut.

D: Musikalisch werden wir uns weiterhin im dunkelelektronischen

Bereich bewegen, und der Hörer wird auch wieder eine schöne

Mischung aus alten und neuen Sounds genießen dürfen. Wir stehen

kurz vor Vollendung der Produktion und werden die Scheibe laut Plan

im Herbst 2013 veröffentlichen.

Asp: Ihr habt eure Besetzung aufgestockt, beziehungsweise ein neues

offizielles Mitglied. Wird sich das auch live bemerkbar machen? Was

sind die spürbarsten Veränderungen, seit ihr vom Duo zum Trio

angewachsen seid?

R: Seit Sommer 2012 steht die wundervolle Ani K mit uns auf der

Bühne, und zwar bedient sie live den Synthesizer. Eine spürbare

Veränderung war eigentlich nur auf der Bühne zu bemerken. Ani hat

uns von Anfang an auf fast allen Konzerten begleitet und unsere Lyrik

mitgeprägt. Es war einfach eine längst fällige Entscheidung, sie mit in

den Schwarzbund aufzunehmen, da sie ein vollwertiges Mitglied der

Band war und ist.

Asp: Was würdet ihr euch wünschen, als Künstler erreichen zu

können?

D: Hauptsächlich hoffen wir, dass wir noch sehr lang zusammen

musikalisch wirken können. Wünschenswert wäre es sicherlich auch,

dass sich der finanzielle Input irgendwann wieder etwas ausgleicht.

Asp: Was sind konkret eure nächsten Pläne, neben den neuen Songs?

R: Wir werden weiterhin dafür sorgen, dass man uns so häufig wie

möglich auf der Bühne zu sehen bekommt, und werden diesbezüglich

auch unsere Musikerkollegen weiter mit unterstützen. Außerdem

werden wir wohl noch das ein oder andere Musikvideo verbrechen.

(lacht)

www.myspace.com/schwarzbund

Line-Up:

René – Gesang

Ani – Keyboard

Dirk – Schlagzeug, Produktion

Orkus! - 13


kannst du die beste Musik der Welt machen, und keinen interessiert

es. Natürlich ist die Möglichkeit, gerade im Netz entdeckt zu

werden, da, aber die Möglichkeit, im Lotto zu gewinnen, gibt es

auch. Wahrscheinlichkeitsrechnung? Wenn ich lese, dass jetzige Stars

größtenteils über Plattformen wie zum Beispiel YouTube bekannt

geworden sind, finde ich das eher fragwürdig. Jedenfalls empfinden wir

es immer noch als surreal, vor euch spielen zu können. In so einer fetten

Location und tollen Stadt.

Asp: „Einfach machen“, lautet ein sehr schönes Credo, welches ich auf

eurer Website lesen konnte. Das klingt erst mal sehr einfach und schön;

wie zeigt sich das in eurer Herangehensweise beim Entstehen der Songs?

RH: Du hast recht, es klingt einfach, und manchmal ist es das auch.

Teilweise entstehen die Songs aber auch aus endlosen, anstrengenden

Jams. Dabei spielt es eigentlich keine Rolle, wer die Ideen einbringt.

Das Wichtigste dennoch ist: alle müssen zufrieden sein – was uns

erstaunlicherweise oft gelingt, aber ab und zu auch nervenaufreibend ist,

weil wir alle drei das fiese Perfektionsgen in uns tragen, das vor allem

unser lieber Studiomeister Christian „Moschus“ Moos ertragen musste.

Asp: Hallo Rocco. Wenn du die Musik von Syntonic in einem Satz

beschreiben solltest, wie würdest du das machen?

Rocco Harzbecker: Na ja, so ein Satz kann schon lang werden. Aber

um es kurz zu machen: Drei Freunde treffen sich und versuchen, etwas

zu kreieren, das originell klingt und den Zuhörer bewegt.

Asp: Einige Leute haben natürlich die Musik von Syntonic bereits

vorher gekannt oder nun schon mal durch das Mäzenatentumult

kennengelernt, trotzdem würde ich mich freuen, wenn du folgenden

Satz vervollständigst: Syntonic könnte etwas sein für Fans von...

RH: Vor allem für Leute, die Musik nicht in Schubladen stecken und ihr

ganzes Leben lang den gleichen Kram hören. Aber bitte sehr: Faith No

More, The Smashing Pumpkins, NIN und so weiter...

Asp: Sicher habt ihr mit eurer Band in der Vergangenheit versucht,

Live-Auftritte zu ergattern? Wie habt ihr das bewerkstelligt, und welche

Erfahrungen habt ihr da gemacht?

RH: Das mit den Live-Auftritten ist so ’ne Sache. Natürlich haben wir

Live-Erfahrung und ziehen Gigs im Großen und Ganzen Aufnahmen

im Studio vor, wobei das Studio auch seine schönen Seiten hat. Live

hast du aber sofort ein Feedback, weil der direkte Kontakt zum Zuhörer

einmalig ist. Leider haben wir in den letzten Jahren immer mehr die

Erfahrung machen müssen, dass es vor allem für unbekannte Bands

immer schwieriger wird, Gigs an Land zu ziehen. Ob das nun auf die

Vielzahl der Bands, auf die generelle Live-Situation in Deutschland oder

auf wirtschaftlich-finanzielle Aspekte zurückzuführen ist, kann ich nicht

beurteilen. Vielleicht ist es ja ’ne Mischung.

Asp: Durch soziale Netzwerke und Onlineplattformen scheint es

immer leichter zu sein, sich und seine Musik anderen Menschen zu

präsentieren. Wie siehst du das – wie leicht oder schwer ist es, aus der

Masse herauszuragen?

RH: Musik anzubieten und sich von der Masse abzuheben, sind zwei

unterschiedliche Sachen. Die Frage ist, welchen Effekt das Ganze

haben soll. Sich wirklich von der Masse abzuheben, ist eine Frage

der Vermarktung und des Managements. Wenn du das nicht hast,

Asp: Syntonic gibt es seit 1999. Wie regelmäßig trefft ihr euch zum

Musizieren? Wie gelingt es, über so eine lange Zeit die Spannung zu

halten und weiterzumachen?

RH: Ja, es ist schon eine lange Zeit. Aber die Band ist mehr als eine

Band. Vielleicht klingt das jetzt zu pathetisch, aber die Band hat familiäre

Züge, nicht nur, weil Sandra meine Zwillingsschwester ist, sondern weil

uns auch geistig viel verbindet. Auch unser absurder Humor und die

Fähigkeit, generell open-minded zu sein, trifft auf uns drei zu. Vor ein

paar Jahren haben wir immer dreimal wöchentlich geprobt. Zurzeit nur

zwei Mal die Woche, da wir alle berufstätig sind. Ich weiß auch nicht,

wie wir die Spannung aufrechterhalten. Sie ist einfach da, mal mehr,

mal weniger. Wir wissen, dass die Motivation, Musik zu machen, nicht

vergeht.

Asp: Verzeih die freche Frage: Bis zum Nachfolgeralbum zu New Old

Film wird die Welt aber nicht bis 2025 warten müssen, oder seid ihr da

ganz entspannt?

RH: Du musst dich nicht entschuldigen, denn diese Frage ist berechtigt

und wurde oft in den Rezensionen erwähnt. Zur Frage: auf keinen Fall.

Wir arbeiten schon an einem Nachfolgealbum. New Old Film bleibt ein

einmaliges Projekt. Die lange Zeit für seine Fertigstellung ist vor allem

privaten Umständen geschuldet.

Asp: Was würdest du dir wünschen, als Künstler erreichen zu können?

RH: Was sich die meisten Bands wünschen: reich und berühmt zu

werden. (lacht) Natürlich, mehr live unterwegs zu sein und sich noch

mehr Fans zu erspielen. Vielleicht ja schon in Hamburg, dank eurer

coolen Aktion.

Asp: Was sind die nächsten konkreten Pläne für Syntonic?

RH: So weiterzumachen wie bisher, das heißt: weiter New Old Film zu

promoten, am zweiten Album zu arbeiten und sich live oft blicken zu

lassen.

www.syntonic-music.com

Line-Up:

Rocco Harzbecker – Gitarre, Gesang

Sandra Harzbecker – Bass

Christian Baakes – Schlagzeug

14 - Orkus!


Das neue Album. In Originalbesetzung. Kein Vorbeikommen.

ab dem

20.Sept.

2013

Ab 20. September als CD / Ltd. Edition 2CD / Doppel-LP / Deluxe Fan Box

(strengstens limitiert)

Live:

20. Dez.: Batschkapp – Frankfurt

21. Dez.: Postbahnhof – Berlin

22. Dez.: Markthalle – Hamburg

23. Dez.: Live Music Hall – Köln

Zur Sonne - Zur Freiheit

Das neue Album inkl. der Radio-Single "Unvergessene Zeit"

feat. Natalia Avelon ("Summer Wine"/HIM)!

Erhältich als CD / Ltd. Edition 2CD / Deluxe Edition

ab dem

20.Sept.

2013

DOWN BELOW live: «Zur Sonne - Zur Freiheit Tour 2013»

07.09. Oranienbaum - Sportplatz

(Release Konzert / Fantreffen 2013)

06.11 Frankfurt - Nachtleben

07.11 Bochum - Matrix

08.11 Leipzig - Hellraiser

09.11 Berlin - Kesselhaus

10.11 Hamburg - Logo

20.12 Oranienbaum - Jackson’s

10 Jahre Down Below Party

21.12 Vockerode - Kraftwerk (X-Mas

Special)

DRACUL

AUF GRUND

Das neue Album des elektronischen

Alter Egos von Mozart (UMBRA ET IMAGO)!

Feat. Tom O’Connell (The House Of Usher) &

Madeleine Le Roy!

Special Edition 2CD-Set inkl. Bonus-Live-Album

«The Hard Years» (Originalveröffentlichung

1997, lange vergriffen)

Special Edition 2CD-Set inkl. Bonus-Album

«Gedanken Eines Vampirs»

Ab 20.September für kurze Zeit zum Sonderpreis im Handel und als Download erhältlich!

LIVE: 08.11.2013 Erfurt - From Hell *Special - mit Erotikshow (NICHT jugendfrei)!

31.12.2013 Dresden - Strasse E *Silvester-Special - mit Erotikshow (NICHT jugendfrei)!

DIE KRUPPS: The Machinists Of Joy - elektronisch, hart, DIE KRUPPS eben!

SOLAR FAKE: Reasons To Kill - das neue Album des Acts um Sven Friedrich (Zeraphine/Dreadful Shadows)!

DARKHAUS: My Only Shelter - die neue Band aus Mitgliedern von EISBRECHER und PRO-PAIN!


„Es ist gleichzeitig seltsam,

unheimlich und wundervoll.“

Las Vegas, 40 Grad im Schatten. HIM sind gerade in den USA auf Tour und ächzen unter den Temperaturen. Frontmann Ville Valo

fürchtet gar, demnächst einfach wegzuschmelzen. Vorher stellt sich der Finne aber ausgiebig unseren Fragen über das Tourleben und

dessen Tücken.

Orkus: Ihr seid momentan im Rahmen

der Rock Allegiance Tour 2013 mit All That

Remains, Airbourne und Volbeat unterwegs.

Wie läuft es bisher?

Ville Valo: Ich bin total begeistert, was auch

daran liegt, dass die Bands so unterschiedlich

sind. Wenn du vier Death Metal-Bands an einem

Abend hörst, bist du irgendwann gelangweilt.

Aber so macht es richtig Spaß. An einem Abend

ist die Halle voller HIM-Fans, am nächsten

haben Volbeat mehr Anhänger im Publikum. Das

ist herausfordernd, was mir persönlich gefällt.

Bei zwei Gigs standen Avenged Sevenfold als

Headliner an der Spitze, was wieder ein anderes

Bild ergab. Wir spielen in Clubs vor 600 Leuten

und Open Airs mit 15.000 Zuschauern. Es ist

eine tolle Gelegenheit, in den Tourrhythmus

zurückzufinden.

O: Wie sieht denn eure Setlist aus? Gibt es

Überraschungen, spielt ihr viel vom neuen

Album Tears On Tape?

VV: Die Setlist basiert im Groben auf jener,

welche wir bei den Sommerfestivals gespielt

haben. Also vier bis fünf neue Titel, ansonsten

ein Querschnitt der bisherigen Alben. Wir fühlen

uns wohl damit und sind eingespielt. So können

wir uns auf die Details konzentrieren. Hier und

dort verändern wir die Arrangements ein wenig,

damit die Stücke ineinander übergehen können,

wie Black Sabbath das früher gemacht haben.

Das funktioniert zum Beispiel bei Join Me In

Death, Your Sweet Six Six Six, Passion’s Killing

Floor und Tears On Tape sehr gut, da ist alles im

Fluss. Wahrscheinlich wird dies auch das Gerüst

für unsere Auftritte in Europa im Oktober sein.

Allerdings haben wir zuvor noch einige Konzerte

ausstehen, vielleicht ändert sich doch noch

etwas.

O: In Deutschland wird euch die instrumentale

Post Rock-Band Caspian begleiten. Eine ziemlich

ungewöhnliche Wahl. Kennst du die Jungs?

VV: Nicht persönlich, aber ich mag ihre Musik.

Wir haben bandintern lange diskutiert und uns

für sie entschieden. Auf keinen Fall sollte es

eine weitere Gothic Metal-Band sein. Stell’ dir

vor, wir würden gemeinsam mit Paradise Lost,

Type O Negative – Gott hab’ Pete Steele selig –,

The 69 Eyes und Anathema auftreten. Die Fans

würden stundenlang nur schräge Liebeslieder

in Moll hören, das würde selbst mir auf die

Nerven gehen. Gerade The 69 Eyes schätze

ich musikalisch und privat sehr, doch wir sind

uns einfach zu ähnlich. Allerdings sollte die

Vorgruppe auch nicht zu unterschiedlich sein.

Ich erinnere mich an einen Gig in Helsinki, zu

dem wir die Black Metaller Impaled Nazarene

einluden, auf die ich total stehe. Du hättest die

Gesichter im Publikum sehen sollen. (lacht)

O: Wie groß ist dein Einfluss auf die Wahl der

Supportband? Darfst du Wünsche äußern, oder

bestimmst du tatsächlich selbst?

VV: Ich würde sagen, mein Einfluss liegt bei

95 Prozent. Wir sprechen Booker direkt an und

fragen, wer gerade Zeit und Lust hat. Außerdem

suchen wir immer nach neuen Bands. Für die

Gigs in Europa waren ein paar Combos im

Gespräch, mein persönlicher Favorit wären

tatsächlich Anathema gewesen. Ich liebe ihre

Live-Shows! Aber sie hatten leider keine Zeit.

Also nahmen wir Caspian, die in ihren Stücken

eine ganz eigenartige Atmosphäre kreieren. Ich

muss dabei immer an David Lynch und Twin

Peaks denken. Sie haben zwar keine Texte und

keinen Gesang, aber sie transportieren Gefühle.

Leider ist ihr Bassist Ende August gestorben. Da

wir uns noch nicht kennen, wollte ich sie nicht

belästigen. Doch auf der Tour werden wir sicher

ins Gespräch kommen.

O: Zurück in die USA, auf die sich momentan

einmal mehr die Augen der Welt richten. Der

Syrienkonflikt steuert auf einen neuen, traurigen

Höhepunkt zu. Ist das ein Thema innerhalb der

Crew und auf der Straße?

VV: Bei uns schon, wir haben erst gestern mit

unserem Busfahrer darüber diskutiert. Aber

grundsätzlich bin ich kein Newsjunkie. Ich

habe zwar immer meinen Laptop dabei, aber ich

versuche so wenig wie möglich vom aktuellen

Tagesgeschehen mitzukriegen. Ganz einfach,

weil die meisten Meldungen negativ sind. Und

das versaut mir die Stimmung. Ich vertraue

darauf, dass mir jemand aus der Crew berichtet,

wenn etwas wirklich Wichtiges passiert.

Ansonsten bin ich damit beschäftigt, mich auf

die Show am Abend zu konzentrieren und meine

Wäsche zu waschen. Und die Fans kommen ja

auch in den Club, um die alltäglichen Sorgen zu

vergessen.

O: Wie ist eigentlich deine Einstellung zu den

USA? Bist du eher ein Fan, oder siehst du das

Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten

kritisch?

VV: Das ist schwer zu beantworten. Es ist

gleichzeitig seltsam, unheimlich und wundervoll.

Was mich als Europäer am meisten beeindruckt,

ist die pure Größe dieses Landes. Und die riesigen

Unterschiede, die von Staat zu Staat herrschen.

Du kannst 200 Meilen fahren, und wo eben

noch Alkoholkonsum auf der Straße oder die

Heirat zwischen Homosexuellen erlaubt waren,

sind es jetzt die größten denkbaren Verbrechen.

O: Ursprünglich hättet ihr bereits im Mai einige

Konzerte in Übersee spielen sollen, sie wurden

jedoch aufgrund deiner Erkrankung abgesagt.

Ärgerst du dich darüber heute noch? Schließlich

hätte diese Tour das erste Lebenszeichen nach

einer rund dreijährigen Pause sein sollen.

VV: Natürlich war der Zeitpunkt extrem

ungünstig. Aber es ist nicht mehr zu ändern. Ich

kam in den USA an und fühlte mich schrecklich.

Vielleicht habe ich mir auf dem langen Flug

etwas eingefangen. Jedenfalls diagnostizierte

der Arzt eine Lungenentzündung, wodurch sich

mein Asthma stark verschlimmerte. Erst bekam

ich eine Woche Bühnenverbot, dann noch

eine Woche obendrauf. Ich saß in Los Angeles

herum und konnte nichts tun. Weil aber die

Tour eh nur zehn Termine umfasst hätte und

die Festivalsaison vor der Tür stand, war eine

Verlegung unmöglich... Da kannst du leben

wie ein Zenmönch, so etwas passiert leider.

Doch wir haben in unserer Karriere ungefähr

1.100 Konzerte gespielt und davon gerade mal

16 absagen müssen. Ich denke, das ist eine gute

Quote.

www.heartagram.com

Marc Halupczok

Discographie (Alben):

Greatest Lovesongs Vol. 666 (1997)

Razorblade Romance (1999)

Deep Shadows and Brilliant Highlights (2001)

Love Metal (2003)

Dark Light (2005)

Venus Doom (2007)

Screamworks: Love In Theory And Practice (2010)

Tears On Tape (2013)

Line-Up:

Ville Valo – Gesang, Musik, Texte

Mikko Lindström alias Linde – Gitarre

Mikko Paananen alias Migé Amour – Bass

Janne Puurtinen alias Emerson Burton –

Keyboard

Mika Karppinen alias Gas Lipstick – Schlagzeug

Orkus! präsentiert:

HIM

06.10. Hamburg, Grosse Freiheit 36

07.10. Berlin, Huxleys Neue Welt

08.10. Wiesbaden, Schlachthof

11.10. Leipzig, Haus Auensee

17.10. München, Kesselhaus

18.10. Köln, E-Werk

Buchtipp:

Orkus! - 17


„Hoffentlich werden wir all das, was wir sein können.“

Wenn eine Band den Metal aufgibt, um sich viel sanfteren Klängen zu

widmen, könnte man einen Energieverlust befürchten. Doch im Fall

von Anathema ist die Kreativität nie so stark gewesen wie seit ihrem

Richtungswechsel hin zu atmosphärischem Progressive Rock. Nach einer

siebenjährigen Pause liefern sie nicht nur alle zwei Jahre ein Album ab,

sondern sogar spezielle Releases zwischendrin, um uns nicht warten

zu lassen. Nach Falling Deeper (2011) spielt jetzt die Live-CD/DVD

Universal diese Rolle.

„Der Veranstalter unseres Konzerts in Bulgarien, im alten römischen

Theater von Philippopolis, bot die Möglichkeit an, mit einem

philharmonischen Orchester aufzutreten. Da ist die Idee geboren, ein

Live-Album zu machen. Der Ort war wunderschön, und die bulgarischen

Fans sind sehr enthusiastisch!“, erklärt Danny Cavanagh, der gerade mit

seinem Bruder Vincent am Telefon war, um sein nächstes Wochenende

bei ihm in Paris für dessen Geburtstag vorzubereiten. „Schon früher

dachten wir, dass ein Live-Album nach Weather Systems sinnvoll wäre,

besonders wegen Liedern wie Untouchable, Dreaming Light, Presence

und Universal, in denen es Streichinstrumente gibt. In gewisser Weise

schließt es ein Kapitel: Die letzten zwei Werke sind ziemlich eng

miteinander verwoben, da sie beide echte Streichinstrumente enthalten.“

Ebenso sinnvoll scheint die Wahl eines Regisseurs, welcher mit vielen

Künstlern aus dem Progressive Rock und Metal, etwa Porcupine Tree,

Opeth oder Dream Theater, gearbeitet hat. Doch die Frage, ob das eine

Form war, die neuen musikalischen Verbindungen zu betonen, wird

ohne Zögern beantwortet: „Wir haben Lasse Hoile durch Steven Wilson

kennengelernt, fühlen uns aber ansonsten mit ihm, Opeth und der

progressiven Szene nicht so stark verbunden. Ich empfinde mich zum

Beispiel näher an Thom Yorke, mit Radiohead und Atoms For Peace.“

Diese Aussage ist vielleicht keine Überraschung, dennoch könnten

Anathema mit neuen stilistischen Richtungen selbst ihre treuesten Fans

erstaunen. „Es gibt in Zukunft bestimmt ein neues Feeling. Man wird

wohl auf den folgenden drei Alben einen Wandel in unserem Stil hören.

Wahrscheinlich werden sie offener für andere Musikbereiche und andere

Klänge. Ich besuchte ein Konzert von Atoms For Peace, und wer sie

mal live gesehen hat, weiß, was ich meine: Aus dieser Band fließt so

viel Energie, unglaubliche Schönheit, Kraft und Intensität. Ich hatte am

Schluss das Gefühl, ein neuer Musiker geworden zu sein. Es hat eine

Tür geöffnet. Ich habe diese Art von Sound – wie Dance und Rave –

20 Jahre geliebt, daher denke ich... vielleicht nicht beim kommenden

Album, aber sicherlich im Laufe der nächsten drei wird sich unsere

Musik entwickeln, und wir werden hoffentlich furchtlos all das, was wir

sein können. Ich glaube, das ist der Schlüssel: Ablehnung vom Publikum

nicht zu fürchten.“ Jenes neue Kapitel hat im März begonnen, Gestalt

anzunehmen, während einer Writingsession in Portugal, und die Band

plant eine weitere Sitzung im November, bevor im Dezember oder

Januar die Aufnahmen anfangen. Mit Universal sollte es nicht allzu

schwierig sein, sich bis 2014 zu gedulden...

www.anathema.ws

Jessica Boucher-Rétif

Discographie (Alben):

Serenades (1993)

The Silent Enigma (1995)

Eternity (1996)

Alternative 4 (1998)

Judgement (1999)

A Fine Day To Exit (2001)

A Natural Disaster (2003)

We’re Here Because We’re Here (2010)

Weather Systems (2012)

Universal (live, 2013)

Line-Up:

Vincent Cavanagh – Gesang, Gitarre

Lee Douglas – Gesang

Daniel Cavanagh – Gitarre, Keyboard, Gesang

Jamie Cavanagh – Bass

Daniel Cardoso – Keyboard

John Douglas – Schlagzeug, Keyboard

18 - Orkus!


Hart, brutal ...

Wenn Lesen zur

Mutprobe wird …

„Es kann wohl

kein Happy End geben...“

Arts of Erebus sind vier Musiker, verteilt auf zwei Staaten. Eine Hälfte stammt aus Frankreich, die andere

hat sich in deutschen Landen nahe der französischen Grenze angesiedelt. Wie Gründungsmitglied Michel

Meneguzzi (Gitarre, Schlagzeug, Programmierung) erklärt, haben sie es sich zum Ziel gesetzt, den alten Geist

der Gothic-Szene mit modernen Elementen zu verbinden. Nach einer kreativen Pause kehren sie jetzt mit

ihrem dritten Studioalbum An open case of Parousia zurück.

Formiert wurde die Band 2001. Zwölf Jahre, die auch einige Personalwechsel mit sich brachten. Frisch an Bord

ist Raven Burroughs, der die Gruppe als Sänger perfekt ergänzt und komplettiert. „Das aktuelle Line-Up ist

für mich das beste, das wir je hatten. Raven ist unglaublich inspirierend und bereitet mir große Freude“, lacht

Michel. Doch sich zu finden, war gar nicht so einfach, erzählt Raven. „Das war recht kurios. Ich wurde ein

paarmal von Leuten darauf aufmerksam gemacht, dass eine Gothic Rock-Band eine neue Stimme sucht, und

immer hat es zeitlich nicht gepasst. Das letzte Mal dachte ich mir: Okay, vielleicht ist es Schicksal... Und ich war

sofort von Michels Kompositionen begeistert. Et voilà: Hier sind wir!“

Raven hat sich gut integriert, steuerte eigene Lyrics bei, und einige Aufnahmen erfolgten sogar in seinem

Heimstudio. Das Ergebnis ist ein Konzeptwerk, wie man es sich wünscht. Ein Album mit einer traurigschönen

Handlung. „Es ist die Geschichte eines Mannes, der durch ein falsches Spiel der Götter seine Frau

verliert und eigentlich schon am Anfang an seinem persönlichen Ende steht, dann aber, wiederum durch

göttliche Einwirkung, einen Hoffnungsschimmer sieht und beschließt, seine Frau aus der Unterwelt zu

befreien“, verrät Raven, welcher die einzelnen Stationen dieser Reise zu Papier brachte. Michel ergänzt, es

sei wichtig, dass sie sich beim Begriff „Parusie“ nicht auf dessen christliche Bedeutung, sondern jene in der

hellenistischen Philosophie – also die Beeinflussung durch Gottheiten – beziehen. „Wie der Titel schon sagt,

ist das Schicksal des Protagonisten noch nicht besiegelt. Es ist spannend, sich auszumalen, wohin sein Weg

führt. Aber wenn man die Texte aufmerksam gelesen hat, erkennt man, dass es für ihn wohl kein Happy End

geben kann...“, fügt Michel hinzu. Bereits 2012 haben sie einen Clip zu On the edge of insanity gedreht. Dieses

Stück darf als eines der emotionalsten des Albums gelten. Der Protagonist steht am Ende seiner Existenz, er

denkt, er wäre alleine für den Tod seiner Frau verantwortlich. Er verfällt dem Wahnsinn. Die physische und

psychische Reise des Mannes nimmt ihren Lauf. „Arts of Erebus sind eine Verbindung von musikalischen, aber

auch graphischen Elementen. Unsere dominanten Themen heißen Mystik, Mythologie und Magie. Deswegen

verwenden wir auch unsere eigenen Symbole, die einzigartig sind. Sie repräsentieren uns. Es sind die Tore in

unsere Unterwelt!“ Und der Einladung folgen wir doch gerne.

www.arts-of-erebus.com

Manuela Ausserhofer

122 - Orkus!

Literarische

Körperverletzung ...

Das Haus

des Horrors

www.Festa-Verlag.de

(Leseproben, Infos und mehr)


„Meine Texte sind

wie die Dunkelheit zwischen den Sternen...“

Endlos viele Fragen und ehrfürchtige Stille sind die Reaktionen, zu denen sich Mastermind Nhor beim Blick ins

nächtliche Firmament berufen fühlt. Der englische Eigenbrötler verwirklicht sich in zutiefst melancholischen,

einsamen Klangwelten zwischen harschem, traditionellem Black Metal und wunderbar elegischen Klavierstücken,

hebt lyrisch zu einer Wanderung durch unerforschtes Dickicht an. Orkus! sprach mit dem Künstler über Natur,

Nacht und Black Metal.

Orkus: Nhor transzendiert nicht nur das Genre des Black

Metal, sondern die Musik als solche. Was ist dein Anliegen

mit diesem Projekt?

Nhor: Ich möchte eine Rückbesinnung auf die Natur

herbeiführen. Wenn ich Menschen durch mein Projekt dazu

bringen, sie wieder in die Wildnis hinauslocken könnte, wäre

ich mehr als zufrieden. Ich bin gespannt, was sie dort draußen

für Entdeckungen machen. Denn das werden sie.

O: Deine Herangehensweise unterscheidet sich grundlegend

von britischen Kollegen wie A Forest of Stars oder

Winterfylleth. Vielmehr atmet deine Musik denselben Geist

– ob du dich nun mit Black Metal, Ambient oder Pianotönen

verwirklichst. Ist es stets zufällig, welcher Sound gerade

entsteht?

N: Meine Musik wird von einem durchgehenden Gefühl der

Trauer getragen. Diese Empfindung war seit jeher ein Teil von

mir und ist es bis heute... ganz gleich, wie ich mich musikalisch

ausdrücke. Ich kann einfach nicht anders, als jene düsteren

Wolken, die über meiner Musik hängen, immer wieder aufs

Neue zu kreieren. Auch thematisch durchzieht Traurigkeit

mein Schaffen, wie auf dem Kompendium Towards A Light

That Dwells Within The Trees nachzuhören.

O: Dein jüngstes Album kombiniert all deine bisherigen

Ausdrucksformen. Warum diese Vermählung?

N: Within The Darkness Between The Starlight setzt sich

mit weiter reichenden Konzepten auseinander als meine

früheren Arbeiten. Konzepten, die ein breiteres Spektrum

abdecken. Dieser Vielfalt werde ich besser gerecht, wenn

ich die verschiedenen Stile mische – als bildeten sie eine

Balance zwischen dem beruhigenden Nachthimmel und der

Lebendigkeit der nächtlichen Natur.

O: Bei aller Abwechslung fängt Within The Darkness Between

The Starlight die Essenz des ursprünglichen Black Metal ein:

melancholisch, spirituell, verhext, karg und monoton. Ist bei

dir demzufolge auf eine klassische Black Metal-Sozialisation

zu schließen?

N: Darkthrone waren die erste Black Metal-Band, die ich

hörte. Mich beeindruckte, welche Atmosphäre sie erschaffen

konnten. Bald darauf verfiel ich Immortal und ihrer

Verbindung zur Natur. Diese beiden Bands ebneten mir

den Pfad, auf dem ich mich zu bewegen begann... ergänzt

um Neurosis, die zwar keine Black Metaller, aber trotzdem

in der Lage sind, überwältigende emotionale Landschaften

aufzutürmen.

O: Was steht am Beginn einer jeden neuen Nhor-

Veröffentlichung? Ein Bild? Ein Gefühl? Eine Melodie?

N: Es ist immer die Natur. Genau genommen: die Wälder,

die meine Heimat umgeben, und die Sterne, die über ihr

glimmen. Ich scheine stets neue Lernphasen zu durchlaufen,

die mir neue Perspektiven und Einsichten bescheren.

Meist geschieht das, wenn ich im Wald unter den Sternen

kontempliere. Daher auch der Albumtitel.

20 - Orkus!


O: Die Sterne über uns, die Bäume um uns... Was geht in dir vor,

wenn du zwischen den Bäumen umherstreifst?

N: Mein Blickwinkel wandelt sich sofort. Ein Wald kann sich schon

nach wenigen Schritten total verändern. Schwierig wird es nur,

vergessene oder oft übersehene Pfade im Dickicht auszumachen.

Dort, an den unentdeckten Plätzen, wird meine Phantasie entfesselt.

O: Oscar Wilde sagte einmal: „Wir liegen alle in der Gosse, aber einige

von uns betrachten die Sterne.“

N: Die Sterne betrachten zu können, wird für viele Menschen immer

mehr zur Seltenheit. Ich kenne Leute, die die Sterne noch nie wirklich

gesehen haben, weil sie dafür in zu großen Städten leben. Das stimmt

mich traurig, denn der Nachthimmel ist einer der schönsten Anblicke,

die ich mir vorzustellen vermag. Wenn ich nachts nach oben schaue,

löst das meist zwei Dinge bei mir aus: endlos viele Fragen. Und:

ehrfürchtige Stille.

O: Sind das auch die beiden Elemente, die du in das Album einfließen

ließest?

N: Es enthält Kurzgeschichten, ausgewählte Passagen meiner Werke

und ein paar eigenständige Ideen, die ich lange mit mir herumtrage.

Hierauf könnte ich jetzt seitenlang eingehen – oder die Worte für sich

selbst sprechen lassen. Ich entscheide mich für die zweite Alternative.

Meine Texte sind wie die Dunkelheit zwischen den Sternen, die

es dir erlaubt, dich ohne Ablenkung auf das Licht der Sterne zu

konzentrieren.

www.nhor.bigcartel.com

Björn Springorum

Orkus! - 21


„Es interessiert nur der Profit,

nicht mehr der Mensch.“

Nach dem enttäuschenden Comeback Shadowmaker besinnt sich „Rock’n’Rolf“ Kasparek mit Resilient auf alte Tugenden und lässt

wieder den Piraten von der Leine. Beim persönlichen Gespräch im Hauptquartier seiner Plattenfirma SPV wirkt der 52-Jährige

sympathisch und zurückhaltend, fast schüchtern. Aber er hat immer noch eine Menge zu sagen.

Orkus: Mit deinem neuen Album vollziehst du fraglos eine

musikalische Kehrtwende. Hand aufs Herz... waren die Kritiken zu

Shadowmaker doch zu heftig?

Rolf Kasparek: Nein, das würde ich nicht sagen. Ich hatte bereits

drei oder vier Stücke für Resilient komponiert, als mir die Idee für den

Song Soldiers Of Fortune kam. Ich unterbrach sofort meine Arbeiten

und legte los. Das Stück war innerhalb weniger Stunden fertig, und

ich fand es richtig geil. Damit hatte ich offensichtlich einen Prozess

in Gang gesetzt, denn in den nächsten Tagen entstanden Run Riot,

Adventure Highway, The Drift und Bloody Island. Es ging wie von

selbst. Sogar die Reihenfolge, in der die Stücke später auf dem Album

landeten, hatte ich bereits klar vor Augen.

O: Mit Ausnahme von Adventure Highway hast du quasi genau

jene Titel auf dem neuen Werk aufgezählt, welche diesen typischen

Piratenklang haben. Das ist ein Image, das du nicht mehr loswirst, weil

die Fans immer wieder danach rufen. Ein Problem für dich?

RK: Nein, überhaupt nicht. Mir ist nur wichtig, dass der Text und das

transportierte Image zum Song passen. Als ich an The Drift arbeitete,

wusste ich sofort, dass dies ein Piratensong sein würde. Allerdings

möchte ich das nicht nur machen müssen. Denn so müsste ich diverse

Ideen nur aus dem Grund verwerfen, weil sie nicht zum Image passen.

O: Ein weiterer, wichtiger Themenbereich war bei Running wild seit

jeher die Auflehnung gegen Obrigkeiten, in welcher Form auch immer.

22 - Orkus!


Das wird auf Resilient fortgesetzt. Eigentlich ein zeitloses Thema,

oder?

RK: Natürlich, schau dir nur aktuell den NSA-Skandal an. Aber

ich versuche auch in meinen Texten Neuland zu betreten. Das

Stück Crystal Gold handelt zum Beispiel davon, wie lebenswichtige

Ressourcen wie Wasser plötzlich zur Ware werden. Es interessiert nur

der Profit, nicht mehr der Mensch. Musikalisch ist der Song übrigens

sehr simpel gehalten. Er basiert im Groben nur auf einem Gitarrenriff.

Aber gerade dadurch wird das Lied sehr eindringlich. Grundsätzlich

habe ich keine Formel für das Komponieren. Manchmal bestimmt

der Text das Lied, manchmal das Lied den Text.

O: Allerdings hat sich diesmal deine Herangehensweise ein wenig

verändert. Du bist zum ersten Mal mit vollständigen Lyrics ins

Studio gegangen.

RK: Das stimmt. Und ich denke, Resilient hat davon profitiert. Da

ich ja alle Songs schreibe und – mit Ausnahme einiger Gitarrensoli

von Peter Jordan – alle Instrumente einspiele, gerate ich immer

unter Zeitdruck. Oft war es so, dass der jeweilige Produzent meine

eingespielten Instrumentalspuren abmischte, während ich im

Nebenraum meine Texte zu Papier brachte. Dieses Mal schrieb ich

sie bereits zu Hause und konnte mich im Studio viel mehr auf Details

konzentrieren.

O: Das heißt jedoch auch, dass Running wild immer ein Projekt

bleiben wird. Die Zeiten einer richtigen Band sind definitiv vorbei?

RK: Ja, aber das sind sie eigentlich schon seit 20 Jahren. Ein normaler

Entwicklungsprozess, wenn du so willst. Es gab mal eine Zeit, in der

wir von der Plattenfirma eine Art monatliches Gehalt bekamen, egal

was wir taten. Das führte dazu, dass einige eben gar nichts mehr

taten, während alles an mir hängen blieb. Da kann ich die ganze

Sache gleich alleine durchziehen. Ich würde aber keinesfalls sagen,

dass unser Weg der einzig wahre ist. Bands wie die Rolling Stones

oder AC/DC leben von der Chemie, die unter den Mitgliedern

herrscht.

O: Aber mit diesem Modell hat sich der Live-Sektor doch eigentlich

erledigt, oder?

RK: Nein, nicht vollständig. Es ist richtig, dass Running wild keine

Tourneen mehr spielen. Das hat bei mir allerdings auch private

Gründe. Es gibt für 2014 aber eine Menge Anfragen von Festivals,

die ich mir in Ruhe anschauen werde, wenn die Pressearbeit um

Resilient erledigt ist. Ich habe bereits ein Line-Up im Hinterkopf,

lasst Euch überraschen.

www.running-wild.net

Marc Halupczok

Discographie (Alben):

Gates To Purgatory (1984)

Branded and Exiled (1985)

Under Jolly Roger (1987)

Ready for Boarding (live, 1988)

Port Royal (1988)

Death or Glory (1989)

Blazon Stone (1991)

Pile Of Skulls (1992)

Black Hand Inn (1994)

Masquerade (1995)

The Rivalry (1998)

Victory (2000)

The Brotherhood (2002)

Live (live, 2002)

Rogues En Vogue (2005)

The Final Jolly Roger (live, 2011)

Shadowmaker (2012)

Resilient (2013)

Line-Up:

Rolf Kasparek – Gesang, Instrumente

Peter Jordan – Gitarre

Orkus! - 123


„In gewisser Weise

bin ich den Drogen sogar dankbar.“

Endlich lernt es laufen... Das jüngste Placebo-Album Loud Like Love ist offiziell erhältlich, die Band wieder da, wo sie hingehört –

auf dem Thron der hedonistischen Indie Rock-Szene, an der Spitze aller androgynen Weltstars. Mit einem Unterschied: Neuerdings

ist man bescheiden geworden, vorbei sind die Tage der narzisstischen Grenzerfahrung. Dass das dem Material nicht geschadet hat,

legten wir bereits in unserer letzten Ausgabe dar. Dunkle Spuren seien jedoch auch auf diesem Werk zu finden, bekennt Brian Molko.

Orkus: Bei allem Optimismus auf Loud Like

Love: Ein Lied wie Bosco mit seinem erschütternd

intimen Text aus der Perspektive eines Alkoholikers

entwirft ein sehr morbides Liebesbild. War

es befreiend, solch ein persönliches Stück zu

schreiben?

Brian Molko: In gewisser Weise war es das

tatsächlich, ja. Jeder Künstler träumt davon, das

hinter sich zu lassen, was die Leute in ihm sehen.

Ein solches Stück zu schreiben, erfordert ein

großes Maß an Verwundbarkeit, und Bosco ist der

verletzlichste Moment unserer gesamten Karriere.

Dieser Song transzendiert uns und wird zu etwas

Allgemeingültigem, zu etwas, das die weitere

Karriere von Placebo definiert.

O: Du singst nicht zum ersten Mal offen über

Sucht und Abhängigkeit, hast diese Themen

aber selten in derart unmissverständliche Worte

gekleidet. Fällt es dir schwer, Alkohol und Drogen

in deinen Lyrics anzusprechen?

BM: Mir ist es wichtig, all meine persönlichen

Erfahrungen durch das Prisma des Songwritings zu

schicken. Dazu gehören auch Alkohol und Drogen.

Das Album ist im Grunde eine lose Sammlung

von zehn Kurzgeschichten, die aus meinem

Seelenleben erzählen. Es ist allerdings nötig, dass

ich diese Erfahrungen in der künstlerischen Form

eines Liedtexts wiedergebe. Einfach eine Seite

aus meinem Tagebuch zu reißen, würde nicht

funktionieren. Das würde sich nur anfühlen,

als wollte ich meine schmutzige Wäsche in der

Öffentlichkeit waschen. Viele dieser Erlebnisse

sind einfach zu emotional, also muss ich eine Story

um sie herum spinnen.

O: Ihr habt alle vor Jahren aufgehört, Drogen zu

konsumieren. Kann Liebe ein Ersatz dafür sein?

BM: Als ich mich entschied, eine spirituelle

Dimension in mein Leben zu lassen, geschah

der Rest von ganz allein. Wenn du wirklich zu

dir selbst vordringen willst, ist es nicht gerade

hilfreich, nächtelang am Stück durchzufeiern. Als

ich das einsah, war es plötzlich ganz leicht.

O: Wann genau war das?

BM: Das kann ich nicht mehr genau sagen.

Vieles aus dieser Phase ist für mich nur noch

verschwommen wahrnehmbar. Auch deshalb bin

ich froh, da rausgekommen zu sein. Trotzdem wäre

es schädlich, jene Zeit einfach zu ignorieren. Damit

würde ich es mir zu leicht machen, außerdem

konnte ich sehr viel daraus lernen.

O: Demnach betrachtest du diese Erfahrungen

nicht als Fehler?

BM: Absolut nicht. In gewisser Weise bin ich all

den Drogen sogar dankbar.

O: Deswegen dieses Emotionskaleidoskop auf

dem Album? Von himmelhoch jauchzend bis zu

Tode betrübt ist wahrlich alles dabei...

Steve Forrest: Das stimmt. Auch ich sehe

das Album wie eine Skala von eins bis zehn. Mit

Loud Like Love beginnt es sehr erhebend und

endet bei Bosco ganz tief unten. Die Ehrlichkeit

dieses Albums war für uns alle eine gewaltige

Herausforderung, weil es ungemein schwer war,

sich nicht wieder abzuschotten. Wir halfen uns

gegenseitig dabei, unsere bequemen Ecken zu

verlassen, um etwas wirklich Neues zu erschaffen.

Das bedeutete Blut, Schweiß und Tränen... aber

auch ein überwältigendes Triumphgefühl.

O: Warum war es ausgerechnet jetzt Zeit für diesen

Schritt hinaus aus den bequemen Ecken?

SF: Eigentlich ist es immer Zeit für diesen Schritt,

jedoch hat man nicht immer die Kraft dazu. Hier

hatten wir aber das nötige Durchhaltevermögen,

um diesen teils sehr schmerzhaften Prozess

durchzustehen. Das geschafft zu haben, ist ein

äußerst glorreiches Gefühl.

O: Mittlerweile ist das Album erschienen. Habt ihr

dem Releasetermin entgegengefiebert?

BM: Das kannst du laut sagen! Allerdings war die

Spanne zwischen der Fertigstellung des Materials

und seiner Veröffentlichung auch eine Zeit des

Schreckens, die viel Raum für die schlimmsten

Befürchtungen ließ. Klar, wir lieben das Album

und sind stolz darauf, doch was wäre, wenn es

plötzlich unseren Fans nicht gefällt? Ich fühlte mich

wie in einer Art Vorhölle, einer Blase. Sobald das

Werk herauskommt, gehört es eh nicht mehr uns,

und wir können nichts mehr an ihm ändern. Aber

diese Spanne dürfte gerne ein wenig kürzer sein.

Orkus! - 25


clarence + napoleon

breaking the silence

Ab 06.09.2013 überA l l erhältlich!

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w

O: Im Internet war zu lesen, die Songs von Loud

Like Love seien ursprünglich für dein Solo-Debut

geplant gewesen. Was ist denn daraus geworden?

BM: Ich fing irgendwann an, Lieder zu schreiben,

die nur für mich gedacht waren und keinerlei

Placebo-Standards folgen mussten. Die einzige

Regel, die ich mir auferlegte, war, nur normale

Gitarren zu benutzen, ohne Verzerrer. Das

erlaubte mir ein völlig anderes Arbeiten und

führte schlussendlich dazu, dass ich die Sachen

doch zu den beiden anderen schleppte. Wie es

ausschaut, muss das Solo-Album also noch ein

Weilchen warten. (lacht)

O: Unter den Stücken ist auch die Single Too

Many Friends, die mit der Zeile „My computer

thinks I’m gay“ beginnt...

BM: Das tut er anscheinend wirklich –

zumindest, wenn ich der Bannerwerbung glaube,

die er mir anzeigt. Ich weiß, dass das eine ziemlich

dämliche Zeile ist, um einen Song zu eröffnen,

aber irgendwie blieb sie hängen. Sie passte

jedenfalls zur Idee des Liedes, das von Freunden

inspiriert wurde, die bei den sozialen Netzwerken

keine neuen Freunde mehr annehmen. Sie sagten,

sie hätten „zu viele Freunde“ – und da ich auf

diesen Netzwerken gar nicht aktiv bin, begann

ich darüber nachzudenken: Was bedeutet es

eigentlich, zu viele Freunde zu haben?

www.placeboworld.co.uk

Björn Springorum

Photos: Joseph Llanes

Discographie (Alben):

Placebo (1996)

Without You I’m Nothing (1998)

Black Market Music (2000)

Sleeping With Ghosts (2003)

Meds (2006)

Battle For The Sun (2009)

Loud Like Love (2013)

Line-Up:

Brian Molko – Gesang, Gitarre

Stefan Olsdal – Bass, Gitarre

Steve Forrest – Schlagzeug, Percussion


„Something for the Pain“ – Das ‘Best Of’ Album.

Inklusive allen Hits aus den vergriffenen, ersten Alben.

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„Man kann das wohl übergreifend

als bedeutsame Zahl für die Band bezeichnen.“

In zwei Jahren kann viel geschehen. So auch bei EYCROMON, deren treibende Kräfte die klassisch ausgebildete Sängerin Mandra

Gore und der Komponist Bergerac sind. 22 Monate nach ihrem Debut Awake from the Sleepers wird jetzt mit neuer, erweiterter

Besetzung die Single Spiel mit mir als akustischer Vorbote für das am 21. Oktober folgende Album REPRESSURE präsentiert. Es ergab

sich die Chance, von Mandra und Bergerac ein paar Informationen zu bekommen...

Orkus: Was war der Beweggrund, EYCROMON zu gründen? Hat es

euch an Musik gefehlt, die ihr selbst gerne hören möchtet?

Mandra Gore: Bergerac und ich lernten uns vor vier Jahren zufällig

über ein früheres Bandprojekt kennen. Wir bemerkten sehr schnell, dass

wir musikalisch und künstlerisch auf einer Wellenlänge sind. Als die alte

Formation sich dann auflöste, war für uns klar, dass wir etwas zu zweit

machen wollen. In den darauffolgenden Wochen haben wir zehn bis 15

unserer ersten Songs geschrieben – es war eine kreative Produktivität, wie

man sie selten erlebt. Wir ergänzen uns, haben dieselben Vorstellungen/

denselben Geschmack und arbeiten sehr ehrlich und offen miteinander.

Was in dieser Zeit entstand, war so stark, dass wir beschlossen haben,

EYCROMON zu gründen – und alle bisherigen Projekte hinter uns

zu lassen. Zur zweiten Frage: Als Musiker muss man einfach Musik

machen. Es ist nicht immer der leichteste Beruf, man kommt oft an seine

Grenzen oder geht darüber hinaus, aber wir verspüren einfach diesen

starken, inneren Drang, uns zu verwirklichen und anderen Menschen

einen Einblick in die Welt zu geben, wie wir sie sehen.

lang gehegte Ideen an, und die Umsetzung liegt definitiv außerhalb der

Erwartungshaltung. Der Dreh ging allerdings nicht ganz ohne Strapazen

vonstatten... doch es hat sich sehr gelohnt, wir konnten etwas schaffen,

das über den Song hinaus künstlerisch Bestand hat, und das war uns

sehr wichtig.

B: Wir blicken bei Spiel mit mir in die menschliche Psyche: Verdrängung,

Beschönigung, Selbstverleugnung liegen dort an der Tagesordnung. Die

Handlung des Videos zeigt den Menschen als moderne Marionette seiner

selbst. Dabei pendeln die Akteure des Clips zwischen fremdgesteuerter

Konformität und ausuferndem Freiheitsdrang bedrohlich hin und her,

bis schließlich der Druck zu groß wird... Mehr wird noch nicht verraten,

das Video erscheint zusammen mit der Single am 20. September.

O: Wird es noch weitere Stücke auf der Single geben?

B: Für unsere Konzerte gibt es die Single als Sonderedition, darauf

werden auch noch zwei bis drei andere Songs zu finden sein, lasst Euch

überraschen...

O: Nun erscheint die Single Spiel mit mir. Was könnt ihr zum Inhalt

des Liedes sagen?

MG: Ein Versteckspiel mit sich selbst... ein sarkastischer Blick in

innere Abgründe, die uns – sosehr wir uns auch dagegen wehren – doch

unbewusst steuern und gerne auch mal überhandnehmen. Man kann

sich selbst nicht ewig aus dem Weg gehen – irgendwann holt uns alles,

was wir verdrängen, wieder ein...

O: Musikalisch klingt es wie eine respektvolle Verbeugung vor den

frühen Achtziger Jahren. War das beabsichtigt?

Bergerac: Spiel mit mir ist einer jener Songs, die sich wie von selbst

schreiben, bei denen man sofort weiß, was sie brauchen, um gut zu

werden. Dass wir von den Eighties und vom Dark Wave sehr beeinflusst

sind, können wir nicht leugnen. Diese Zeit hat uns geprägt und

musikalisch und künstlerisch ihre Spuren hinterlassen. Eine derartige

Fülle an tiefer, echter und innovativer Musik hat es seit damals nicht

mehr gegeben.

O: Könnt ihr drei Dinge/Bands/Ereignisse aus den Achtzigern nennen,

die ihr besonders großartig findet?

B: Gary Numan, The Human League, The Cure, Depeche Mode,

Tears For Fears, Cabaret Voltaire... man könnte hier noch viele weitere

Künstler nennen...

O: Wie ist die Entscheidung gefallen, dass Spiel mit mir die Vorabsingle

zum neuen Album sein soll?

MG: Im Wesentlichen durch die Erfahrung, wie der Song live bei

Konzerten ankommt. Einige der Stücke des kommenden Albums haben

wir vorab schon mal vor Publikum „getestet“. Spiel mit mir zündet

jedes Mal wie eine Bombe – im positiven Sinne. Von daher war die

Entscheidung recht einfach.

O: Ihr habt auch bereits einen Clip zu Spiel mit mir gedreht...?

MG: Das haben wir. Der Hintergrund zur Story im Video knüpft an

O: Was ganz anderes: Was ist eure Lieblingszahl und warum?

MG: Ohne ein Klischee bedienen zu wollen: die Zahl 13. Schlicht und

ergreifend, weil wir uns an einem Freitag, den 13., kennengelernt haben

– von daher kann man das wohl übergreifend als bedeutsame Zahl für

die Band bezeichnen.

O: Woher kommt bei euch die Faszination und die Liebe zur Farbe

Schwarz?

B: Die war eigentlich schon immer da. Sie kennzeichnet uns als

Querdenker, unangenehme Nachfrager. Im Spektrum des Lichts bietet

sie eine Neutralität, Dinge ohne Einfluss des Menschen zu betrachten.

Sie ist die Summe aller Farben und steht damit nicht für eine, sondern

für alle Farben.

O: Als was seht ihr den Tod?

MG: Als Übergang. Ich denke nicht, dass man als Mensch diese großen

Rätsel des Lebens endgültig lösen kann. Deshalb beschäftigen wir uns

Orkus! - 29


eher mit der Faszination des Lebens und Sterbens... Was danach

kommt, erwarten wir mit Spannung.

O: Was, glaubt ihr, macht unsere schwarze Szene so einmalig?

MG: Offenheit, Respekt, Tiefgang, Freundlichkeit, Kreativität,

Gemeinschaft – fällt mir spontan dazu ein. Wir haben hier schon

sehr viel Herzlichkeit erlebt. Toleranz finde ich auch besonders

wichtig, jeder kann und darf so sein und sich so zeigen, wie

er möchte. Man kann sich ausdrücken, jeder hat Raum zur

Entfaltung und lässt dabei auch dem Gegenüber Freiheit und

Raum. Vielleicht anders als in anderen Musikszenen, ist hier fast

jeder Künstler, ganz gleich ob in seiner Lebensart, mit/über seinen

Körper oder in der Musik/Lyrik/Malerei oder anderen Bereichen.

Das finde ich sehr faszinierend.

O: Welches besonders schöne Erlebnis mit unserer Szene werdet

ihr wohl nie vergessen?

MG: Zu den schönsten Erlebnissen zählen natürlich unsere

beiden Konzerte auf dem WGT 2012 und 2013. Die Stimmung

und die Menschen waren einfach großartig. Wenn einen das

Publikum mit seinen Reaktionen mitreißt, mitträgt, einen auf der

musikalischen Reise begleitet... das sind die größten Momente.

O: Ihr seid gerade noch in den Arbeiten zu eurem Zweitwerk. Was

gestaltet sich für REPRESSURE derzeit als besonders aufwändig

oder schwierig?

B: Im Moment arbeiten wir nur noch am letzten Schliff...

die meisten Songs sind ja schon innerhalb des letzten Jahres

entstanden. Es gibt aber auch zwei sehr frische Kompositionen,

die spontan ihren Weg in das Album gefunden haben – an

diesen Songs arbeiten wir gerade noch. Auch wenn das jetzt

etwas stressiger ist als ursprünglich geplant, sie komplettieren

REPRESSURE, und deshalb lohnt sich dieser kleine Umweg.

O: Was könnt ihr bereits über das Album verraten?

MG: Der Titel REPRESSURE symbolisiert für uns die Freiheit

und die Kraft, die es braucht, um zurückzuschlagen... aus der

Unterdrückung, der Angst, dem Schmerz heraus neue Wege

für sich zu finden, die Gefangenschaft – ausgeübt durch andere

oder sich selbst – zu durchbrechen und den Druck, den die Welt

auf uns ausübt, mit Gegendruck zu erwidern. Insofern knüpft

das Album an unser Debut an: Der Mensch ist aus dem Schlaf

von Unterdrückung und Unbewusstheit erwacht und erhebt

sich. Musikalisch gesehen, ist das Spektrum des neuen Albums

breiter gefächert – mehr Härte, aber auch mehr Emotion als im

Vorgänger, und auch mal sanftere Züge. Der Stil hat sich in den

letzten zwei Jahren gewandelt – allein schon aufgrund der neuen

Besetzung: von rein elektronisch zu einer ausgewogenen Mischung

aus Synth- und Rockelementen. Auch gesanglich und textlich

wird es vielseitiger – und was Titelzahl und Booklet angeht, um

einiges umfangreicher als der Vorgänger. Wir haben uns hier etwas

Besonderes einfallen lassen, auf das Ihr Euch freuen könnt.

O: Warum sollte man sich Spiel mit mir keinesfalls entgehen

lassen?

B: Mit Spiel mit mir präsentieren wir uns musikalisch und optisch

zum ersten Mal in der neuen Besetzung... In dem Song und Video

steckt außerdem viel Arbeit, Kraft und Herzblut – die Umsetzung

kann man durchaus als außergewöhnlich bezeichnen. Wir haben

selbst Regie geführt, hatten dabei aber großartige Unterstützung

von unserem Kameramann Christian Beer, der auch schon

für Bands wie Megaherz und Unzucht am Werk war. Definitiv

sehens- und hörenswert.

www.eycromon.de

Marc Frei

Discographie (Alben):

Awake from the Sleepers (2011)

REPRESSURE (2013)

Line-Up:

Mandra Gore – Gesang, Texte

Morrygan – Gesang

Dean Ashe – Gitarre

Dolor Es – Bass

Bergerac – Keyboard, Programmierung, Komposition

Sandmann – E-Schlagzeug

30 - Orkus!


„Natürlich ist man auch ein bisschen nackt...“

Allzu oft hört man Unkenrufe, es gebe nur selten guten

deutschsprachigen Synthiepop zu finden. Ein sehr schönes Beispiel

für solch ein Projekt, welches es immer wieder zu diversen Erfolgen

(etwa Besetzung der Poleposition in den German Gothic Radio-

Charts mit ihrer 2011er Single Die Show muss weitergehen) gebracht

hat, sind endanger. Fronter Rouven Walterowicz entscheidet jedem

Lied entsprechend, ob es auf Deutsch oder Englisch verfasst wird,

was ihm die eine oder andere Freiheit bietet. „Es gibt nach wie vor

interessanten deutschsprachigen Synthiepop. Insgesamt sind wir

glücklich über die Entwicklung der letzten Jahre, in denen deutsche

Lyrik zu neuen Ehren gelangt ist. Natürlich ist man auch ein bisschen

nackt, wenn man auf Deutsch singt, da man beim Texten aufpassen

muss, dass man nicht zu kitschig oder seltsam klingt“, lacht er. „Aber

man kann in dieser Sprache absolut anspruchsvolle Songs entwickeln.“

Als Beweis hierfür gilt das bereits 15-jährige Bestehen von endanger.

Dabei fallen Rouven einige Veränderungen ein, die im Laufe der Zeit

zu mancher Verbesserung führten. „Man reift ja immer, wenn man

etwas länger und ernsthaft betreibt. Noch vor fünf Jahren hätte ich

mir zum Beispiel die Produktion eines ganzen Albums nicht zugetraut.

Doch jetzt, als Marc aus Zeitgründen öfter ausgefallen ist, konnte ich

sagen: Kein Thema, ich übernehme das!“ Daneben steht dem Duo noch

Torben Schmidt von Infacted Recordings zur Seite. „Dass wir damals,

nachdem Hypnobeat die Arbeit eingestellt hat, bei ihm gelandet sind,

hat sich als absoluter Glücksgriff erwiesen. In unserem Lied Grüße nach

Frankfurt tragen wir dem auch Rechnung.“ Zu finden ist dieses Stück

auf REVOLT.

Ehe im Oktober Larger Than Life folgt, erscheint Ende September Mit

Dir untergehen/Close to the Edge zur Einstimmung. Ist das als trickreiche

Marketingstrategie zu verstehen? „Es ist ja nicht unüblich, eher der

klassische Weg, dass dem Longplayer eine Single vorangeschickt wird.

Bei Die Show muss weitergehen haben sich alle gefragt, wann denn nun

das neue Album komme, aber wir hatten leider nichts in petto. Diesmal

machen wir es richtig“, schmunzelt Rouven, „wir wollen schließlich die

maximale Aufmerksamkeit bei unseren Hörern wecken.“

www.endanger.de

Marie-Luise Henke

Discographie (Alben):

MOTION (1999)

eternalizer (2002)

addicted to the masses (2004)

REVOLT (2008)

Larger Than Life (2013)

Line-Up:

Rouven Walterowicz – Gesang, Komposition

Marc Pollmann – Produktion

122 - Orkus!

Orkus! - 123


„Band und Frau in einem!“

Alle Fans von klassischem Doom Metal dürfen sich nun freuen, denn die Musik von Jex Thoth

hat es wirklich in sich. Das Gespann selbst bezeichnet seinen Stil als „Alchemical Doom“ oder

auch „verflucht psychedelischen Heavy Metal“, wie Sängerin Jessica Toth, kurz: Jex, erklärt. Somit

erkennen wir den großen Unterschied zu anderen Doom-Projekten... Hier steht eine Frau an

vorderster Front und leitet ihre Gefolgschaft. „Wir haben uns 2006 als Totem gegründet. Nach

einigen Wechseln im Line-Up kam auch die Zeit, den Namen zu ändern, bevor unser erstes Album

veröffentlicht wurde. Der neue Name soll zeigen, dass ich die Band führe. Wie bei Alice Cooper

oder Danzig. Das sind ebenfalls Typen und Bands zugleich. Jex Thoth ist also Band und Frau in

einem! Das war der Grundgedanke“, erzählt sie.

2008 erschien das Debut Jex Thoth. Unlängst folgte über I Hate Records das Zweitwerk Blood

Moon Rise – alle Tracks stehen in der Tradition der ganz Großen: Gruppen wie Black Sabbath,

Amon Düül II, Pink Floyd oder auch Blue Öyster Cult bieten gute Inspirationsquellen für die

aus Wisconsin stammende Künstlerin. „Mein Gefühl und Verständnis für Musik entwickelt sich

fortlaufend. Wenn ich ein Lied schreibe, versuche ich allem gegenüber offen zu bleiben. Der Song

soll sich selber entwickeln und am Ende eigenständig atmen. Ich weiß nie vorher, welche Einflüsse

ich einarbeite“, schildert Jessica den Prozess. „Blood Moon Rise handelt von Anpassung und Wandel.

Es ist dafür gedacht, dass man es ohne Unterbrechung anhört. Alle Stücke bauen aufeinander auf.

Die früheren Tracks prägen die späteren. Dadurch können wir viel mehr erreichen als nur mit einer

einzelnen Nummer. Es ist wichtig, dass ein Album fließt. Ein einzelner Song kann etwas sehr viel

Großartigeres werden, wenn man ihn in den Kontext eines Albums steckt.“

Zusammengearbeitet haben sie mit dem Produzenten Randall Dunn, der auch schon für Earth

oder Sunn O))) verantwortlich war. „Randall hat meine Vision vollkommen verstanden. Die

Kooperation mit ihm war bis jetzt die beste, und die Aufnahmen klingen noch besser, als ich

es mir gewünscht habe. Er ist wahrhaft ein Meister seines Fachs“, freut sich Jessica. Doch nicht

nur die Stücke sind grandios... auch das Artwork, gestaltet vom finnischen Musiker und Künstler

Sami Hynninen, begeistert. „Sami ist außergewöhnlich. Er hat keines unserer Lieder zuvor gehört,

sondern kannte lediglich den Albumtitel. Ich wollte das Ergebnis erst sehen, als es komplett

fertig war, wir haben ihm auch nichts hineingeredet. Und was er geschaffen hat, übertrifft alle

Vorstellungen. Es ist faszinierend und passt wirklich zur Musik!“

Die Single Circles – ein ambienter Vorläufer von Blood Moon Rise – dient als Brücke zwischen dem

letzten und dem aktuellen Release. Jex Thoth haben einen Meilenstein gesetzt. Hypnotisierender,

okkulter Doom Metal der Extraklasse!

www.jexthoth.net

Manuela Ausserhofer

32 - Orkus!


„... unter Blut, Schweiß und Tränen.“

Eine Karriere von über 20 Jahren, vier Studioalben, weltweit Hunderte

Konzerte. Was will man mehr? Alles Dagewesene noch toppen! Das

versuchen die italienischen Extreme Epic Metaller Stormlord. 2008

erschien ihr letztes Album Mare Nostrum, das bisher erfolgreichste

Werk der sechsköpfigen Truppe, die nun Andrea Angelini als neuen

Gitarristen an ihrer Seite hat. Es katapultierte sie einen großen Schritt

nach vorne – jetzt ist natürlich der Druck hoch, diesen Erfolg mit

Hesperia zu übertrumpfen. „Wir haben uns aber nicht unter Druck

setzen lassen“, berichtet Sänger Cristiano Borchi. „Wir wussten

einfach, dass wir das Beste nur rausholen können, wenn wir uns treu

bleiben und das in der Musik wiedergeben.“

Aufgenommen wurde das Material erneut unter Leitung von Giuseppe

Orlando in den OuterSound Studios. Dieses Mal waren auch einige

Gäste mit von der Partie, etwa Simone D’Andrea und Daniele Melis

oder Elisabetta Marchetti (Riti Occulti). Doch zurück zum Konzept

von Hesperia: Das Wort stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so

viel wie „Abendland“ oder „westliches Land“, erklärt Bassist Francesco

Bucci. „Es bezieht sich auf die Reise, welche Aeneas mit seiner

Gefolgschaft unternommen hat... von den Ruinen Trojas bis zu den

Küsten Latiums. Ihr Ziel war es, jenen Ort zu erreichen, an dem eines

Tages Rom gegründet werden sollte.“ Für Francesco war der Wunsch

nach dem ersten Konzeptalbum sehr groß. „Es war ein Traum, den ich

schon lange in mir trug. Betrachtet man die Menge Arbeit, die dann

auf mich zukam, wurde aus dem Traum schier ein Albtraum!“, scherzt

er. Mit dem Resultat ist er im Endeffekt allerdings mehr als zufrieden.

„Ich habe das perfekte Thema in der Aeneis, einem antiken Epos des

römischen Dichters Vergil, gefunden. Zu Schulzeiten habe ich Vergils

Werke jahrelang studiert. Es ist aber was ganz anderes, wenn man

eine solche Thematik selber anpackt – damals wusste ich sie nicht zu

schätzen. Die gesamte Geschichte kann man als eine Art Flashbacks

von Aeneas bezeichnen. Diese ereilen ihn, wenn er an bestimmte

Episoden aus seinem Leben denkt: Liebe, Rachegelüste, Verachtung,

Enttäuschung oder Ahnenverehrung. Ich war sehr fasziniert von

Aeneas. Er ist ein moderner Held. Nicht wie Achill. Die Götter gaben

ihm eine schwere Bürde, und er trägt sie unter Blut, Schweiß und

Tränen.“

Außergewöhnlich ist nicht nur der Inhalt, sondern auch das vom

ungarischen Illustrator Gyula Havancsák gestaltete Artwork. Es

stellt Aeneas’ Flotte dar, welche Latium ansteuert. „Einerseits steht

das Bild für Ruhm, denn die Schlacht ist vorbei, und Roms Ehre,

repräsentiert durch den Adler, muss bloß noch niedergeschrieben

werden. Andererseits ist die Zukunft nun ungewiss und voller dunkler

Wolken...“ Wie die Zukunft des Aeneas aussah, steht bereits fest. Wie

es mit Stormlord weitergeht, wird die Zeit zeigen...

www.stormlord.net

Manuela Ausserhofer

34 - Orkus!


Kannst du dir vorstellen, für ein ganz besonderes

Album mehr als 50 Euro auszugeben?

Oh, das habe ich schon öfters. Vor längerer Zeit habe ich beispielsweise

in London eine Sonderausgabe eines Goldfrapp-Albums für über 50

Euro erstanden. Während der letzten US-Tour habe ich eine Limited

Edition einer Digweed-Box gebraucht für 80 Dollar gekauft.

Wenn dein Leben ein Album wäre, wie würde es

heißen?

Dare to live.

Welches Album hast du zuletzt komplett angehört,

ohne dabei irgendetwas anderes zu machen?

Simple Minds Sons And Fascination, Tears For Fears The Hurting,

Atticus Ross The Book of Eli (Soundtrack)...

Wann und wo bist du das letzte Mal in einem

echten Plattenladen gewesen?

Signierstunde bei Last Chance in Dortmund, so grob um 1982 rum.

Bei iTunes und bei Zero kaufe ich am meisten.

Welches Album kannst du deinen besten Freunden

empfehlen?

Denen stelle ich meist Compilations zusammen, damit sie auch mal

was anderes hören. Das reicht dann von Deadmau5 über Presets zu

Death Cab for Cutie oder Get Well Soon.

Welches Album würdest du deinen größten

Feinden/Widersachern empfehlen?

Zur Strafe für alle, die mir auf den Keks gehen, gäbe es alles von

Crüxshadows, BlutEngel und so auf die Ohren. Das ist für Musiker

nicht gut zu ertragen.

Welches Konzert möchtest du gerne noch einmal

erleben?

Underworld im Move Club in Köln anno 1996.

Bist du bei Konzertbesuchen in den vorderen

Reihen zu finden oder weiter hinten als stiller

Genießer?

Depends. Bei Elena Alice Fossi stehe ich grundsätzlich in der ersten

Reihe, Mitte. Hier hört das Auge gerne mit.

Für welches Konzert hast du erstmalig und nun

zuletzt eine Karte gekauft?

Erstmalig, glaub’ ich, für Pink Floyd. Letztmalig für ein

Kirchenkonzert eines Gregorianerchores an der Ostsee vor wenigen

Tagen.

Musik ist...?

... leben.

Rascal Nikov


„Für mich waren die

Achtziger eine ganz

schlimme Zeit...“

Es gibt zwei Gary Numans. Der erste startete seine

Blitzkarriere Ende der Siebziger mit Top 10-Hits wie

Are ‚Friends‘ Electric? oder Cars und verstrickte sich

dann in zahlreiche fragwürdige Stilwechsel und teilweise

lächerliche Alter Egos. Der zweite fing geläutert und

mit frischer Kraft Mitte der Neunziger an. Sacrifice

(1994) gilt heute noch als die Grundsteinlegung des

„neuen“ Numan: rockig, dunkler, energetischer. Und es

eröffnete Numan eine neue Welt... Künstler wie Trent

Reznor oder Marilyn Manson wurden zu seinen Fans

und Mitstreitern. Dieser damalige Neubeginn findet

im aktuellen Album Splinter – Songs From A Broken

Mind einen weiteren Höhepunkt.

Gary Numan: Das 1992er Machine + Soul war mein

absoluter Tiefpunkt, der Endpunkt einer langen, falschen

Entwicklung und Verstrickung. Ich hatte nur noch Musik

gemacht, um etwas zu erreichen, ohne zu wissen, was

überhaupt. Danach habe ich Musik wieder als das betrachtet,

was sie als Teenager für mich war: ein Hobby. Es musste mir

Spaß machen, ohne Rücksicht auf die Charts oder andere

kommerzielle Aspekte. Bei Sacrifice ging es nur um die Musik

und mich. Das führte dazu, dass der Sound schwerer und

dunkler wurde, führte zu Alben wie Pure, das zu meinen

Favoriten der „neuen“ Phase zählt. Bei den Aufnahmen von

Splinter ging es sogar so weit, dass ich, wann immer ich das

Gefühl hatte, ein Track wäre zu radiotauglich, ihn sofort

verworfen habe. Ich habe einfach Angst, wieder den alten

Schemata zu verfallen. Wenn man diesen Weg verfolgt, ist

der kommerzielle Erfolg beschränkt. Doch ich war auch nie

sehr gut, wenn ich gerade diesen Erfolg erzwingen wollte. Ich

habe meine Lektion gelernt.

Orkus: Dafür klingst du nun befreiter und pointierter als

je zuvor.

GN: Ich habe meine Stimme nie gemocht. Ich finde sie

furchtbar. Erst auf den letzten Alben habe ich gelernt, sie zu

36 - Orkus!


akzeptieren. Bei Splinter sind wir jetzt sogar so weit gegangen,

auf gesangliche Effekte, Harmonizer und Kaschierungen fast

völlig zu verzichten. Das ist ein wirklich neuer Schritt für mich.

O: Der Gary Numan der zweiten Phase scheint ohnehin ohne

Masken auszukommen. Du wirkst heute weitaus authentischer

und bodenständiger. Was für ein Gefühl ist es, die alten Photos,

zum Beispiel das weiß geschminkte Gesicht aus der Berserker-

Phase, zu betrachten? Ein anderer Mensch?

GN: Eine andere Haltung, definitiv. Der Grund, warum

ich mir diese Images zugelegt habe, war mein wahnsinniges

Lampenfieber. Ich habe mich hinter diesen Figuren stets

versteckt. Ich bin eigentlich extrem schüchtern und ruhig, alles

andere als der geborene Showman. Mein Fehler war, dass ich das

Image bei jedem Album komplett geändert habe, weil ich dem

Irrglauben unterlag, dass die Fans das erwarten. Als ich damit

aufhörte, wurde ich zwangsläufig glaubwürdiger, auch weil ich

mich einfach wohlgefühlt habe. Ich wurde immer mehr zu der

Person, die ich wirklich bin.

O: Wenn du dich so wohlfühlst, warum ist Splinter dann so

unheimlich dunkel und nihilistisch?

GN: Als ich Familienvater wurde und die 50 überschritt,

hatte ich eine echte Midlife-Crisis. Ich wünschte mir mein

altes Leben zurück und wollte nicht das Leben meiner Kinder

leben. Zudem bekam meine Frau schwerste Depressionen.

Dies alles ist durchgestanden. Ich denke, ich habe einen guten

Mittelweg zwischen Karriere und Familienvater gefunden. Doch

die Erfahrungen jener schwierigen Zeit fließen immer noch in

meine Musik ein.

O: Du bist mittlerweile 55, siehst aber gesünder und jünger aus

als vor 20 Jahren. Was ist das Geheimnis?

GN: Ich habe noch nie eine Zigarette angerührt und trinke

wirklich kaum Alkohol. Allerdings treibe ich keinen Sport und

ernähre mich furchtbar, fast ausschließlich von Burgern und

Fritten. Offensichtlich tut mir dieser Lebensstil gut. Oder ich

habe einfach Glück und gute Gene.

O: Viele deiner jetzigen Fans kennen, neben deinen aktuellen

Alben, fast nur die sehr frühen Werke, aber kaum das, was du

Mitte der Achtziger produziert hast...

GN: Und darüber bin ich heilfroh! Denn ich bin auf mein

Schaffen in der zweiten Hälfte der Achtziger Jahre alles andere

als stolz. Je weniger Leute diese Phase wahrnehmen, desto besser.

Für mich waren die Achtziger eine ganz schlimme Zeit, die ich

ohne Verklärung sehe. Mit jedem Album ging es für mich weiter

abwärts. Ich bin froh, dass dieses Jahrzehnt lange hinter mir liegt.

www.garynuman.co.uk

Ecki Stieg

Discographie (Alben):

The Pleasure Principle (1979)

Telekon (1980)

Dance (1981)

I, Assassin (1982)

Warriors (1983)

Berserker (1984)

The Fury (1985)

Strange Charm (1986)

Metal Rhythm (1988)

Outland (1991)

Machine + Soul (1992)

Sacrifice (1994)

Exile (1997)

Pure (2000)

Jagged (2006)

Dead Son Rising (2011)

Splinter – Songs From A Broken Mind (2013)

der neue, erotische liebesroman von deutschlands bester

erotikautorin Sandra Henke! unbedingt lesen!

Orkus! - 123

Signiert vorbeStellen: uline-Store.de


„Es ist immer noch

dasselbe Herz...“

38 - Orkus!

Bereits als Teenagerin beteiligte sie sich an diversen

musikalischen Projekten und spielte am Wochenende in der

Fußgängerzone, um sich den einen oder anderen Gulden

hinzuzuverdienen. Dann gelang ihr mit 22 als Frontfrau

von The Gathering der internationale Durchbruch in der

Metal-Szene. 13 Jahre hielt diese Verbindung, seit 2007

wandelt die sympathische Niederländerin auf Solo-Pfaden

und entledigte sich beim Release von Everything Is Changing

(2012) schließlich auch des wohlklingenden, jedoch etwas

verwirrenden Bandnamens Agua de Annique. „Als ich The

Gathering verließ, fühlte es sich ganz natürlich an, mir einen

Bandnamen zu suchen, ich kannte ja nichts anderes. Bloß

entpuppte er sich als zu kompliziert, niemand konnte ihn

richtig schreiben oder buchstabieren. Ihn abzulegen, war

unglaublich befreiend“, strahlt Anneke van Giersbergen.

Glich ihr Debut noch einem Flickenteppich an Ideen,

erscheint Drive – abgesehen von der Ballade My Mother Said

– wie aus einem Guss. „Ich hatte eine sehr genaue Vorstellung

davon, wie Drive klingen soll“, bestätigt die charmante

Künstlerin. „Es sollte ein schnelles, energiegeladenes und

positives Album werden. Auf Everything Is Changing war ein

bisschen von allem dabei, dieses Mal wollte ich eine klare

Linie verfolgen.“

Der Titel geht auf Annekes Faible für Bewegung jeder Art

zurück. „Ich fahre unheimlich gerne mit dem Auto, drehe

die Musik voll auf und bin einfach nur unterwegs. Ich liebe

es, zu reisen, mich vorwärtszubewegen. Das gilt für alle

Bereiche meines Lebens. Neue Dinge auszuprobieren und

neue Leute kennenzulernen, bereitet mir große Freude.“

Für das Stück Mental Jungle hat sie sich Unterstützung vom

türkischen beziehungsweise armenischen Rocksänger Hayko

Cepkin geholt. „Ich wollte schon lange mit Hayko ein Lied

machen, und Mental Jungle hatte von Anfang an einen leicht

orientalischen Touch, weshalb seine Stimme super dazu passt.

Er hat seinen Teil in Istanbul geschrieben und aufgenommen

und wirklich einen tollen Job gemacht“, schwärmt die

40-Jährige. „Inhaltlich geht es darum, dass wir alle heute

so viel zu erledigen und zu entscheiden haben. Manchmal

hat man schon Probleme, heil durch den Tag zu kommen,

ohne sich im eigenen Kopf zu verlaufen“, schmunzelt sie.

„Ich denke, wir müssen lernen, uns auf unser Bauchgefühl

zu verlassen und danach zu handeln, sonst kommen wir

überhaupt nicht vorwärts.“

Einige Sachen bleiben für die Vollblutmusikerin allerdings

unveränderlich. „Die Themen, mit denen ich mich in

meinen Texten beschäftige, haben sich über die Jahre kaum

gewandelt. Es geht noch immer um Liebe, das Leben,

die Natur. Klar gibt es Unterschiede, denn ich habe mich

verändert, viele Erfahrungen sammeln dürfen und gelernt,

bessere Songs zu schreiben. Aber ich versuche Musik mit dem

Herzen zu machen, und es ist ja immer noch dasselbe Herz

wie vor 20 Jahren.“ Auch mit sich selbst ist Anneke im Reinen

und hat ihren ureigenen Stil gefunden, zu dem mittlerweile

sechs Tattoos gehören. „Ich liebe meinen Schutzengel auf

dem rechten Unterarm. Ich habe ihn seit etwa fünf Jahren,

und er beschützt mich jeden Tag mit Feuer und Schwert.“

www.annekevangiersbergen.com

Isabell Köster

Photo: Raymond van Olphen

Discographie (Alben):

Air (2007)

In Your Room (2009)

Live in Europe (live, 2010)

Everything Is Changing (2012)

Drive (2013)


Movies of my life

Henkersmahlzeit

Colin The Dead (The Brains)

Frankenstein (1931)

Die Idee von Geisterbeschwörung, Grab -

räu berei und verrückten Wissenschaftlern

gefiel mir schon immer. In Frankenstein

findet sich alles drei. Was will man mehr? Ich

liebe Colin Clive als Dr. Frankenstein und all

die Gerätschaften in der Szene, als das Monster

durch einen Blitz erweckt wird. All das Krachen

und Donnern ist so cool. Ein Geschöpf, das

nie sein sollte, geboren als Abscheulichkeit.

„Ich liebe den Tod, hasse das Leben...“

Nosferatu (1922)

Der Film sollte in jeden Horror-Top 5

zu finden sein. Es ist ganz einfach ein

phantastisch-gruseliges Werk, Max Schreck

spielt einen perfekten Dracula. Alles in

allem schlicht grandios. Keine gesprochenen

Dialoge, tolles Make-up, Kostüme und

Licht. Das macht diesen Film zu meinem

Favoriten. Lang lebe Bram Stoker!

The Evil Dead (1981)

Bruce Campbell!! Oder? Zombies (oder

Menschen, die vom BÖÖÖÖÖSEN

besessen sind) in den Wäldern des originalen

Holzhüttenschockers. Lo-Fi, richtig umgesetzt:

Es gibt Humor, Blut, Mumm, Kettensägen und

gekillte Freunde und Liebste. Großartig, haha.

Besessen vom Buch der Toten, um Chaos über

die Lebenden zu bringen... FOLGE UNS!

The Shining (1980)

Was du heute kannst besorgen, das

verschiebe nicht auf morgen... Dieser Film

hat mich umgehauen, als ich ihn zum

ersten Mal gesehen habe. Eine Blutflut

rauscht durch einen Korridor, diese

gruseligen Zwillinge uuund: „Hier ist

Johnny!“ Von Anfang bis Ende war ich echt

gefesselt, Jack Nicholson bringt es auf den

Punkt. Stanley Kubrick hat einige meiner

liebsten Filme gedreht, und dieser gehört definitiv zu den besten.

The Human Centipede I + II (2009/2011)

Irrer Typ näht Leute aneinander, weil

er einen „menschlichen Tausendfüßler“

kreieren will, durchtrennt ihre Kniesehnen,

um Fluchtbewegungen zu verhindern,

Opfer kacken sich gegenseitig in den Mund,

Leute sterben... und von vorn. Haha, das

fasst ungefähr zusammen, warum ich diese

Streifen liebe.

Luci van Org

Berlinersiatische Hühnersuppe

1 Bio-Huhn

2 rote Zwiebeln

1 Knoblauchknolle (nein, nicht nur eine Zehe... das ganze Ding!)

1/2 Paket Tamarinde (zu Blöcken abgepacktes, absolut nicht

essbar aussehendes, klebriges braunes Zeugs)

3 Chilischoten

1 Ingwerknolle

1 Bund frischer Koriander

2 Stangen Zitronengras

ca. 500 ml Kokosmilch,

je nach Geschmack und Anzahl der Gäste auch mehr

1 Paket Glasnudeln

2 Paprikaschoten (der Optik halber möglichst unterschiedlich gefärbt)

1/4 Chinakohl

1 Bund Frühlingszwiebeln

thailändische Austernsauce, chinesische Sojasauce (also nicht die,

die an Sushi drankommt, sondern die andere) und Sesamöl zum Würzen

Auch wenn die Zutaten erst einmal kompliziert klingen – bis auf das Huhn

gibt es alle im Asia-Shop Eures Vertrauens (und diesen ja glücklicherweise

mittlerweile in so gut wie jeder kleineren Kreisstadt). Die Zubereitung dieser

Köstlichkeit ist außerdem so simpel, dass selbst absolute Grobmotoriker locker

bis zu sechs Gäste bewirten können:

Das Huhn in den größten Eurer Töpfe legen und – damit auch noch alles

andere reinpasst – das Brustbein platt drücken („Krrrack!“... ja, klingt wie im

Horrorfilm, aber Fleisch kommt nun mal vom Tier...).

Zwiebeln, Tamarinde, Ingwer, Knoblauch und eine Chilischote ungeschält in

grobe Stücke hacken (... vierteln reicht!). Das Zitronengras mit einem Hammer

platt kloppen. Alles zum Huhn in den Topf werfen. Die Stiele vom Koriander

abschneiden und ebenfalls ab damit zum Huhn (ja, wirklich nur die Stiele!

Gummiband kann man vorher abmachen, muss man aber nicht...). Dann mit

Wasser bis ungefähr drei Fingerbreit unter den Topfrand aufgießen und mild

salzen. Damit das Huhn gleich nicht auf dem, sondern im Wasser brodelt, einen

für den Topf etwas zu kleinen Deckel umgedreht auf die Wasseroberfläche legen

und mit Mörser/Schale/Wackerstein oder sonst etwas Passendem beschweren.

Ab auf den Herd das Ganze und circa eineinhalb Stunden kochen lassen.

Wenn dem Huhn das Fleisch von den Knochen zu fallen beginnt, das Tier aus

der Brühe nehmen, Fleisch von den Knochen lösen und auf einem Extrateller

in kleinen Fetzen hübsch anrichten. Was sonst noch in der Brühe dümpelt, mit

einem Kartoffelstampfer zermanschen. Weil wir nur die Brühe brauchen, diese

durch ein Sieb in einen anderen Topf abgießen und die im Sieb verbleibende

Matsche wegwerfen. Kokosmilch zur Brühe gießen, dann mit Austernsauce,

Sojasauce und Sesamöl nach Geschmack würzen.

Die Glasnudeln mit kochendem Wasser übergießen. Circa drei Minuten ziehen

lassen, bis sie gar sind, und abgießen. Dann die Nudeln nach Geschmack mit

etwas Sojasauce und Sesamöl marinieren und in einer Schüssel anrichten.

Paprika, Koriandergrün, restliche Chilischoten und die Frühlingszwiebeln

möglichst fein würfeln, den Chinakohl in feine Streifen schneiden. Alles hübsch

voneinander getrennt in kleinen Schüsselchen neben Hühnerfetzen und Nudeln

auf dem Tisch anrichten.

Beim Essen packen sich alle Gäste nach Belieben Hühnerfleisch, Nudeln,

Gemüse, Chili und Koriander als Suppeneinlage auf die Teller. Dann die heiße

Brühe darüberkellen – voilà! Wärmt im Winter, kühlt im Sommer, macht

süchtig!

40 - Orkus!


subkultur

subkultur

die Band UMBRA

s heute über 10

nd zu einer der

ugleich umstrittensten

e avancierte.

lturruine in Karlsruhe

Bizarre Schachtelsätze, ausgelegt mit Tretminen!

nball“ eine der größten

Mozarts extreme Sichtweisen und sein

ropas.

ungezwungener Umgang mit Sex polarisieren

projekt Dracul ins

und faszinieren zugleich. Seine Texte sind voll

rschien ein Hörbuch mit

spöttischem Zynismus und schonungsloser

Der Tourplan ist so dicht, da bleibt fast kein hatte. Ich bin dort aufgewachsen, habe dort meine

ten von François Villon.

Selbstironie. Die ungeschminkte Wahrheit kann

Durchkommen mehr. Die Briten entern gerade Kindheit verbracht“, erzählt Ben. Auch die erste Asking

g mit Sex und SM und

Amerika, Nordso

wie

komisch

Süd-.

sein!

Ihr

Mozart

neues

avancierte

Album

wegen

From

seiner

Alexandria-Version gründete er in Dubai. Als die sich

n für eine freie Death und to Destiny ist exzessiven aus dem SM-Bühnenshows Stand auf Platz und fünf seiner der expliziten auflöste und Ben ohnehin 17 und mit der Schule

ur und die expliziten „Billboard“-Top 200 Hymnen vorgestoßen. zum umstrittenen Seit Kultmusiker 2012 – der sie Gothic- fertig war, zog er zurück nach England... und arbeitete

auch das Interesse bezeichnen es als Szene. ihr „breakout year“ – stürmten die hart, um seinem Traum eine neue Chance zu geben.

und bescherten Jungs ihm mit ihrem aggressiven In „Gothic Erotic“ Post erzählt Hardcore-Sound der UMBRA-ET-IMAGO- die Vor zwei Jahren erschien Reckless & Relentless... Mit

nsehshows. Bühnen. Und 2013 Mastermind wurde aus es seinem kein Stück außergewöhnlichen leiser. Ein Leben, den Arbeiten für das neue Werk ging es gleich weiter.

erschöpfter, aber niemals zu unterschätzender Ben Besonders viele der Texte stammen diesmal aus der

Bruce erzählt: „Momentan läuft alles super. Die Gigs in Feder von Danny Worsnop. „From Death to Destiny ist

Südamerika waren bisher einfach nur der Wahnsinn!“ die wahre Geschichte über unser Leben, wie es derzeit

Wer ihn grinsen sieht, weiß, dem Gitarristen und ist. Alles auf diesem Album kommt direkt von Herzen“,

Bandgründer sitzt der Schalk im Nacken. Oder wo betont Ben. Auch „radiofreundlicher“ sollte es werden,

auch immer. Vor allen Dingen nimmt er kein Blatt ein Begriff, welcher im Undergroundimperium schon

vor den Mund. „Wenn wir aufwachen, sind wir etwas nach Blasphemie klingt. „Nee, das bedeutet nur,

normalerweise noch besoffen“, schildert er einen dass wir eben ein paar Lieder geschrieben haben mit der

typischen Tag auf Tour. „Wir machen uns auf den Weg Aussicht, dass sie auch im Radio laufen“, wiegelt Ben

zur nächsten Konzerthalle und dem Soundcheck. Oft ab. „Wir wollen dadurch beweisen, dass harte Musik

gibt’s auch noch eine Autogrammstunde.“ Ein paar sehr lebendig und, ja: dass sie es einfach wert ist, im

ruhige Stunden sind dem Gespann anschließend im Radio gespielt zu werden.“

Aufenthaltsraum oder im Bus vergönnt. Die nutzen Auch Gerüchte über eine Trennung von Asking

sie, um an frischer Musik zu schreiben. „Ja, und dann Alexandria dementiert er. „Da muss sich wirklich

wird’s genial, wir rocken die Show, treffen unsere Fans niemand Sorgen machen. Asking Alexandria sind zu

und suchen uns eine anständige Bar, wo man die einer Familie herangewachsen. Klar, wir haben auch

restliche Nacht abhängen kann.“ Überraschend andere Höhen und Tiefen, aber das gehört nun mal zum

Töne schlägt Ben jedoch an, wenn man ihn auf den Familienleben dazu. Wir halten jetzt stärker zusammen

Song The Road anspricht, der ein ziemlich betrübliches als je zuvor.“

Bild vom Tourleben zeichnet. „Na klar, manchmal www.askingalexandriaofficial.com

sehnen wir uns nach einem normalen Leben zurück.

Miriam Claus

Auf den Straßen unterwegs zu sein, ist immer auch Discographie (Alben):

stressig, ermüdend, und du vermisst deine Familie und Stand Up and Scream (2009)

Freunde.“ Gleichzeitig würden sie dieses Leben aber für Reckless & Relentless (2011)

nichts in der Welt eintauschen wollen, beteuert er. From Death to Destiny (2013)

Darüber, dass er der Einzige aus der Band ist, der in

„beiden Versionen“ gespielt hat, amüsiert sich Ben. Line-Up:

Denn die erfolgreiche Truppe, die hier ihr drittes Danny Worsnop – Gesang

Album begießt, ist sozusagen Asking Alexandria 2.0. Ben Bruce – Gitarre

„Eigentlich stamme ich aus Wandsworth, London, Cameron Liddell – Gitarre

doch meine Familie zog nach Dubai, als ich sechs Jahre Sam Bettley – Bass

alt war, weil mein Vater dort einen Job angenommen James Cassells – Schlagzeug

„Die wahre Geschichte

über unser Leben...“

ISBN: 978-3-943412-66-6 limited Ed.

Mozart

Gothic

Erotic

MUSIK IST SEX - SEX IST MUSIK.

Mozarts extreme Sichtweisen und

sein ungezwungener Umgang mit Sex

polarisieren und faszinieren zugleich.

Seine Texte sind voll spöttischem

Zynismus und schonungsloser

Selbstironie.

Mozart avancierte wegen seiner

expliziten Hymnen und exzessiven SM-

Bühnenshows mit UMBRA ET IMAGO

zum umstrittenen Kultmusiker der

Gothic-Szene.

In „Gothic Erotic“ erzählt der

UMBRA-ET-IMAGO-Mastermind

aus seinem außergewöhnlichen

Leben, berichtet von Gangbangs

und Gigs, philosophiert, schreibt

Kurzgeschichten über die Liebe und

wettert gegen die Moralisten.

Limitierte, hochwertige

Klappenboschur, jetzt im Handel!

ISBN: 978-3-943412-66-6

Orkus! - 123

www.edition.subkultur.de


„Ich wollte immer

nur Lehrer sein.“

Dark Pop mit atmosphärischen, tief berührenden Sounds und klar

schwingender Frauenstimme... wer den ersten Tönen des Debuts von Adam

Is A Girl lauscht, weiß sofort, dass er sehnsüchtig darauf gewartet hat. Mit

Of Daydreams and Nightmares präsentieren sich Sängerin und Songwriterin

Anja Koch sowie Schlagzeuger und Klangtüftler Alex Pierschel in schönster

Form in dieser Abteilung des Genres. Doch kann man sie dort keinesfalls

festnageln! All jene, denen etwas auf der Seele lastet, die dem „Kind ihrer

Sorgen oder gar Qualen aber keinen Namen geben können“, sollten Of

Daydreams and Nightmares besonderes Gehör schenken. Vielleicht liefert

das Berliner Duo mit seiner ersten Veröffentlichung nicht direkt Antworten,

doch Werke wie dieses stecken so voll ungefilterter Kraft, Ideenreichtum und

Hingabe, dass sie zweifelsohne unser eigenes kreatives Talent – in welcher

Kunstform auch immer – entdecken oder fördern helfen. Und damit ist

noch nicht genug gesagt. Das Album erzeugt extremen Hunger, der einzig

beim Anhören von selbigem gestillt zu werden vermag. Also: bitte, schenk’

dem 2011 gegründeten Gespann Deine Aufmerksamkeit. Hier kann nur

jeder für sich selbst etwas gewinnen.

www.adamisagirl.de

Kerstin Müller

Der Tod von Gitarrist Mike Scaccia hat das Schicksal

der Band endgültig besiegelt: From Beer To Eternity ist

das definitiv letzte Ministry-Studioalbum. Wirklich.

Im Interview spricht ein den Umständen entsprechend

gut aufgelegter Al Jourgensen über die glorreiche

Abschlussvorstellung, den Tod, die Zukunft und die

Wünsche seiner Frau.

Orkus: Es ist nicht das erste Mal, dass du das Ende von

Ministry verkündest. Warum ist es diesmal endgültig?

Al Jourgensen: Mikey war derjenige, der die Band

weiterführen wollte. Jetzt, da mein bester Freund, mein

Bruder, der beste Gitarrist überhaupt nicht mehr bei uns ist,

gibt es keinen Grund mehr, die Band weiterzuführen.

O: From Beer To Eternity enthält die letzten Songs, die du

mit Mike geschrieben hast. War es schwer, das Album nach

seinem überraschenden Tod zu vollenden?

AJ: Es war sogar verdammt schwer. Zwei Tage, nachdem

wir die Gitarrenaufnahmen beendet hatten, starb er plötzlich

während eines Gigs mit seiner Band Rigor Mortis. Ich fuhr

zu seiner Beerdigung, hielt dort eine Rede und musste danach

sofort zurück ins Studio, um das Album fertig zu mixen.

Keine sehr gute Zeit, kann ich dir sagen. Dennoch war ich

nicht allein im Studio – wann immer etwas nicht rundlief

oder mir nicht gelingen wollte, fiel ein Bild von der Wand

oder passierte irgendwas anderes Gruseliges. Mikey war mit

mir im Studio, um sicherzustellen, dass dieses Album so gut

wird, wie er sich das vorgestellt hatte.

O: Es ist auf jeden Fall kein selbstmitleidiges Album

geworden, sondern sprüht wie gewohnt vor Zynismus und

Sarkasmus.

AJ: Ich wünschte, ich müsste nicht sarkastisch sein. Doch

dieses Land lässt mir keine Wahl.

An dieser Band sollten Melodic Death Metal-Fans ihre Freude haben.

Nach Schweden, Finnland, Japan und England ist es jetzt Zeit, sich auch

in Deutschland vorzustellen. Die Geschichte der düsteren Gitarrenhelden

begann mit Erik Jacobson 2007 an einer Musikhochschule mit dem

passenden Namen Boomtown. Das Debut Internal Demons nahm

letztlich 2008 Gestalt an, 2012 wurde der Elite betitelte Nachfolger

präsentiert. Wer hätte da gedacht, dass 2013 schon gleich das dritte

Werk auf die Erde trifft? Bei Point Zero Solution darf man das „Auf-die-

Erde-Treffen“ aus musikalischer Sicht tatsächlich wörtlich nehmen...

Das Album ist eine wahre Deals Death-Bombe. Alles wird geboten! Man

spürt die energetische Anspannung, den phantastischen Schaffensdrang,

die emotionale Power. All dies musste sich hier unter großem Druck bis

hin zum Coverartwork entladen, sonst wären die Herren vermutlich

einer spontanen Selbstentzündung erlegen. Deals Death haben bereits

die Bühne mit Hypocrisy oder Dark Tranquillity geteilt – nun heißt es,

das eigene Potenzial richtig zu nutzen und voll auszuspielen.

www.facebook.com/dealsdeath

Kerstin Müller

O: Trotzdem lebst du freiwillig in Texas...

AJ: Klar, wenn du so willst, lebe ich hinter feindlichen

Linien. (lacht) Aber irgendjemand muss es tun, damit die

Sturköpfe hier merken, dass es auch anders geht. Außerdem

gibt es genügend Fluchtwege: Ich wohne sechs Blocks von

New Mexico und eine Meile von der mexikanischen Grenze

entfernt. Wenn sich die Texas-Rednecks also mal wieder zu

viel über mich aufregen, bin ich Hals über Kopf raus aus dem

Staat.

O: Apropos „Zynismus“: In Hail To His Majesty inszenierst

du dich selbst als König, der auf alle herabblickt.

AJ: Ich wollte nie ein Rockstar sein und mache mich über

all die Menschen lustig, die sich als solche fühlen oder mich

als solchen sehen. „Schaut alle her, ich bin Al Jourgensen,

ein verdammter Rockstar!“ Ich wollte immer nur Lehrer

sein. Doch damit konnte man nicht genug verdienen, und


in der Rockmusik war damals noch eine hübsche Stange

Geld drin. Folglich verkaufte ich meine Seele und versuchte,

die Leute durch meine Band zu unterrichten. Ich musste

jedoch feststellen, dass es schwierig ist, einem Moshpit etwas

beizubringen, der sich gerade das Hirn aus dem Schädel

prügelt. Ich habe es erst spät gemerkt, aber Rockmusik ist

nicht das richtige Medium, um Menschen zum Umdenken

zu bewegen.

O: Das klingt ganz schön verbittert.

AJ: Ist es aber gar nicht. Ich finde es gut, dass die Leute zu

meiner Musik ihren Frust rauslassen können. Ich hatte es

mir nur anders vorgestellt.

O: Und jetzt? Al Jourgensen an der Abendschule?

AJ: Du wirst lachen, die zweite Laufbahn ist längst

geplant. Ich nehme ein Jahr Pause von der Musik, um

eine Vortragsreihe an Colleges auf der ganzen Welt

anzutreten. Ministry werden mit diesem Album außerdem

nicht touren. Es würde sich falsch anfühlen, das mit

einem Aushilfsgitarristen durchzuziehen. Mike ist einfach

unersetzlich. So bleibt mehr Zeit für meine Buchprojekte.

Eines heißt Mind Fuck und dreht sich um einen Serienkiller

im Chicago der Siebziger. Daran schreibe ich bereits seit 27

Jahren. Daneben wird es einen Comic namens The Captain

of Industry geben, in dem ich zum Superhelden mutiere.

O: Superheld, deine offizielle Biographie... klingt aber doch

irgendwie nach Rockstar.

AJ: Hör mir bloß auf! (lacht) Ich habe den Autor sechs

Mal abblitzen lassen, aber irgendwann überredete mich

meine Frau, zuzustimmen. Aus gutem Grund: Immer

wenn wir beide auf einer Party, einem Empfang oder in

der Oper waren, erzählte ich früher oder später volltrunken

irgendwelche Geschichten aus der Vergangenheit, die sie

schon tausendmal gehört hatte. Also empfahl sie mir, dieses

Buch zu schreiben und an alle zu verteilen, sodass endlich

Schluss mit diesen Anekdoten ist und ich einfach in Ruhe

meinen Wodka saufen kann. Diese Biographie ist das

ultimative Geschenk an meine Frau, nichts weiter.

www.thirteenthplanet.com/ministry

Annabelle Reiter

Discographie (Alben):

With Sympathy (1983)

Twitch (1986)

The Land Of Rape And Honey (1988)

The Mind Is A Terrible Thing To Taste (1989)

In Case You Didn’t Feel Like Showing Up (live, 1990)

Psalm 69 (1992)

Filth Pig (1996)

Dark Side Of The Spoon (1999)

Sphinctour (live, 2002)

Animositisomina (2003)

Houses Of The Molé (2004)

Rio Grande Blood (2006)

The Last Sucker (2007)

Adios... Puta Madres (live, 2009)

Relapse (2012)

From Beer To Eternity (2013)

Line-Up:

Al Jourgensen – Gesang

Sin Quirin – Gitarre

Casey Orr – Bass

John Bechdel – Keyboard

Aaron Rossi – Schlagzeug

Orkus! - 43


„Eine gewisse Sehnsucht

nach dem Unbekannten.“

Mit der Hauptband Lantlôs läuft es, doch Markus Siegenhort gelüstet es nach mehr. Nach einer neuen Facette in seinem

kreativen Schaffen. Nach Plastikcharme und urbanen Träumereien. Nach dem Ausdruck sprachloser Unnahbarkeit,

grau-trüber Gefühlswelten und einem vergangenen Jahrzehnt. Begriffe, die wie Lichtinseln über sein Ein-Mann-Projekt

huschen und ein ganz eigenes Gefüge bilden. Das hat uns der Musiker mal ein wenig genauer erläutert.

Orkus: Was war für dich die zündende Idee, mit einem weiteren

Projekt an den Start zu gehen? Metal und Wave – das ist ja doch

eine etwas außergewöhnliche Liaison...

Markus Siegenhort: Na ja, ich höre privat wirklich, bis auf

Schlager, alles! Es gibt Phasen, da höre ich Metal, dann vielleicht

wieder New Wave, was ja für LowCityRain relevant ist. Aber

auch mal Gothic, Techno, Neunziger-Hip Hop, von Grunge über

Jazz bis zu Post Rock. Stark beeinflusst bin ich von Shoegaze, das

zeigt sich wohl auch deutlich bei vielen Songs auf LowCityRain.

Wenn ich etwas höre, das ich noch nicht kenne, werde ich richtig

neidisch und befasse mich erst recht damit. Und dann habe ich

tierisch Bock darauf, auch Songs in diese Richtung zu machen.

Ich habe lange Zeit fast jeden Tag einen Song geschrieben – ob

das Jazz war, Electro, Hip Hop oder sonst was. So haben sich über

die Zeit eine Menge Tracks angesammelt.

O: Das klingt, als würdest du massig Stücke produzieren und

sie anschließend einem Auffangbecken, nämlich dem jeweiligen

Projekt, zuordnen.

MS: Vielleicht im Prinzip, aber nicht so abfertigend. Wenn dir

Sachen über Jahre im Kopf bleiben, dann lohnt es sich echt, die

mal aufzunehmen. Bei LowCityRain sind es zwei Tracks, die schon

älter sind: You Are Everyone You Are Everywhere und Grey View.

Als ich sie mir in der nächsten „New Wave-Phase“ neu anhörte,

kamen da wieder neue Ideen. Das führte zu noch mehr Output.

So ist dieses ganze Album entstanden.

O: Das waren also die Rahmenbedingungen für die Arbeit an

LowCityRain?

MS: Das und – meine persönliche Situation. Ich bin viel mit

meinen Freunden unterwegs gewesen; morgens war ich immer im

Studio. Eine echt sehr schöne Zeit! Sonne, am See rumhängen,

Erlebnisse mit meinen Freunden... Wenn ich dann wieder im

Studio saß, bin ich all diese sehr dichten Emotionen noch einmal

durchgegangen, wollte einen Sound suchen, der das kanalisieren

kann. Und dann passierte irgendwas. Ich merkte gar nicht, wie

die Zeit verging, und wenn ich nachmittags um drei gegangen

bin, hatte ich irgendwie einen Song fertig.

O: Vermutlich hast du hier sehr viel am Computer programmiert,

obwohl du eigentlich auch ein paar Instrumente beherrschst.

MS: Nur bei You Are Everyone You Are Everywhere und Grey View

sind die Drums echt, der Rest ist programmiert. Bass und Gitarre

habe ich eingespielt. Bei vielen Sachen habe ich Arpeggiator

verwendet, also ganz statische, automatische Bässe. Und

irgendwann habe ich auch das Keyboard links liegen gelassen und

einfach weiterprogrammiert. So aus dem Workflow heraus.

O: Das heißt, das gesamte Album war ein einziger Flow? Auf

Facebook erwähnst du was von Hindernissen...

MS: Nee, also: Schreiben und Aufnehmen ging ziemlich fix. Das

meiste war in einem Monat, im April, erledigt. Aber ich musste

sehr lang auf die Artworkphotos warten – einfach, weil ich kein

Budget dafür hatte. Ein Kumpel hat sie als Freundschaftsdienst

für mich gemacht. Vorab hatte ich mehrere andere Zusagen fürs

Artwork erhalten, aber die Leute waren extrem unzuverlässig. Das

war echt nervig.

O: Was fasziniert dich denn eigentlich so am Charme der

Achtziger?

MS: Ach, das ist einiges. Dieses kühle Image, gerade im Wave-

Bereich. Aber ich stehe beispielsweise auch auf diesen Miami

Vice-Style oder Achtziger-Metal. Auf den ganzen Lifestyle, so, wie

ich ihn mir vorstelle... stilvoll, schicke Klamotten, aber auch alles

total in Plastik.

O: Das heißt, du bist kein Kind der Achtziger.

MS: Nein, ich bin erst 24. Leider ist das an mir vorbeigezogen.

Da ärgere ich mich regelmäßig drüber! Ich fühle mich einfach

sehr mit den Achtzigern verbunden. Beim Wave ist es vor allen

Dingen dieses Depressive und betont Langweilige, das dem so

anhaftet.

O: Du meinst dieses Gleichgültige?

MS: Ja. Das trifft jetzt nicht auf alle Bands zu, aber zum Beispiel

auf viele französische. Vor allem die Bassisten finde ich cool.

Die stehen einfach nur da und wirken irgendwie so gelangweilt,

deplatziert und entfernt. Finde ich echt geil! Und auch dieses

Regnerische und Urbane, was ja sehr stark im Wave angesiedelt

ist. Das gibt mir einfach eine Menge.

O: „Regnerisch und urban“? Aha, nun sind wir bei LowCityRain

angekommen, was?

MS: Ja, aber der Titel hat auch noch einen anderen Grund: Ich

musste mal Moon Palace von Paul Auster lesen. Das ist ein ganz

urbaner Roman mit so einem Typen, der sein Leben versiebt.

An vielen Stellen geht er durch diese regnerische Stadt – so

vermittelt dieser Roman ein ganz... graues Gefühl. Und dabei

habe ich Disintegration von The Cure gehört. Das wird wohl auf

ewig für mich damit verbunden bleiben. „LowCityRain“ sind für

mich drei Schlagwörter. Dieses „low“ drückt es noch einmal ein

bisschen.

O: Also dann: Was fasziniert dich an dieser Komposition aus dem

Urbanen, Gedrückten und Regnerischen? Was gibt es dir?

MS: Ich bin jetzt nicht ständig der „gedrückte“ Typ, aber

manchmal... Ich weiß nicht, ich stehe irgendwie auf dieses

Anonyme. So viele Leute, so viele Geschichten gehen einfach

aneinander vorbei und interessieren sich nicht füreinander.

Dabei gäbe es im Zwischenmenschlichen so viel zu entdecken.

Aber durch die eigene Angst oder Ignoranz wird man das nie

erfahren. Wenn ich zum Beispiel mal nachts durch eine Stadt

gehe, durch eine Hochhaussiedlung, da ist dieses Gefühl! Ich sehe

ein erleuchtetes Fenster und frage mich, was wohl dahinter gerade

passiert. Da kann wer weiß was passieren, aber man bekommt

nichts davon mit. Das gibt mir so eine gewisse Sehnsucht nach

dem Unbekannten. Mit Worten lässt sich das einfach schwer

beschreiben.

www.lowcityrain.bandcamp.com

Miriam Claus

Orkus! - 45


„Goth, Gott oder Goethe?“

Martin Hall steht für moderne Klassik. Der 1963 geborene, aus Dänemark

stammende Musiker ist Komponist, Schriftsteller und Multiinstrumentalist.

Seine Kreationen lassen sich in keine Schublade stecken – er verarbeitet, was

er verarbeiten muss, und das Ergebnis ist jedes Mal individuell und voller

Überraschungen. Nun erscheint mit Phasewide, Exit Signs das erste Solo-Album

des Künstlers seit rund sieben Jahren, wie er uns erzählt. „Mir war wichtig, dass

es einen hohen Grad an Präsenz und Ehrlichkeit erreicht. Man soll den Atem

des Moments spüren können, wenn man die Stücke hört. Ich wollte bei den

Aufnahmen sichergehen, dass das Album seismographische Qualitäten besitzt.

Wenn man einen Song schreibt und ihn aufnimmt, dann sollte das eine Biopsie

der eigenen Seele sein. Für mich ist nichts anderes akzeptabel“, erklärt der

sympathische Perfektionist.

Martin wollte hier erneut klassische Instrumente verwenden, sie jedoch etwas

„gedämpfter und ruhiger“ einsetzen als auf früheren Werken. „Viele erwarten,

dass ein Künstler immer nur das eine macht. Ich hatte schon Zeiten, wo ich in den

Charts war, aber das endete stets damit, dass ich ein potenziell karrierezerstörendes

Avantgarde-Projekt veröffentlicht habe. So ticke ich. Ich muss Dinge entdecken.

Geht es um Goth, Gott oder Goethe? Ich weiß es nicht“, sagt er. „Aus meiner

Sicht war Mozart wohl der größte Glam Rock-Star aller Zeiten und Liberace der

erste klassische Burlesque-Künstler. Du wirst immer definiert nach deiner Zeit

und den Umständen.“

Mit Phasewide, Exit Signs zeigt sich

Martin Hall so offen und „entblößt“

wie noch nie zuvor. „Das Album lebt

von meinem Geisteszustand. Es ist ein

ruhiges, beinahe zerbrechlich klingendes

Werk. Ich habe es an verschiedenen

Orten der Welt aufgenommen. Während

der Produktion habe ich Diktaphone

und alte Kassettenrekorder benutzt,

um den richtigen Sound festzuhalten.

Musikalisch und lyrisch ist das Material

von einer starken Isolation durchdrungen.

Mit Othon Mataragas (Marc Almond,

Current 93...) zu arbeiten, war eine tolle

Erfahrung. Wir versuchen beide, Klassik

und Elektronik zu mischen, das hat uns

zusammengeschweißt.“

Neben der Musik hegt Martin auch eine

große Leidenschaft für Literatur, 1983

erschien sein Debut als Autor. Unter dem

Titel Memo verbindet sein jüngstes Werk

Poesie und Graphik: „Der Text ist mit

Illustrationen von mir kombiniert. Ich

schreibe meine Bücher auf Dänisch. Mit

dem zweiteiligen Der letzte Romantiker

wollte ich die Geschichte einer ganzen

Generation erzählen. Doch manchmal

ist auch weniger mehr, und ich schätze

es, wenn ein paar Zeilen fähig sind,

etwas darzustellen, das Massen von

Enzyklopädien nicht können.“ Alle Infos

über geplante Auftritte und die spannenden

Releases dieses Ausnahmekünstlers gibt’s

natürlich online!

www.martinhall.com

Manuela Ausserhofer

46 - Orkus!


„Ein Lied kann tödlicher

als jeder Panzer sein.“

Wie definiert man eine „Supergroup“? Große Namen,

bekannte Bands und die Freude der Fans, sobald

sie von dem Projekt hören – das sind die Maßstäbe.

Der israelische Musiker Aviv Geffen und Porcupine

Tree-Fronter Steven Wilson haben diese Bezeichnung

sicherlich verdient, als sie 2004 Blackfield ins Leben

riefen. Ihr selbstbetiteltes Debut überzeugte durch seine

fein gesponnene Melancholie, Streicher schufen das

fluffige Bindeglied zwischen rockigen und poppigen

Stücken. Aviv Geffen stammt aus Israel, wurde dort als

Solo-Künstler zum Star... und mit Blackfield gelang ihm

der Sprung auf den internationalen Markt.

Beim ersten Hören fällt besonders die Zeile „Die Zeit

wartet niemals, ist nicht dein bester Freund“ auf. Ist

da die Angst vor dem Alter? „Es gibt ein Sprichwort“,

erwidert der 40-Jährige: „Wenn Du Gott zum Lachen

bringen willst, dann erzähl’ ihm von Deinen Plänen.“ Es

gehe nicht darum, dass wir älter werden, sondern um die

Kürze unserer Existenz. „Wir kämpfen und beten um ein

bisschen mehr Zeit.“

Im Vorfeld hieß es, auf dem neuen Werk hätte Steven

Wilson weniger Einfluss gehabt. Ist IV eher ein Solo-

Album? „Blackfield ist eine Mischung aus meinen

Songs und Stevens musikalischen Visionen, die man so

auf meinen Alben nicht findet“, erläutert Geffen. „Sie

sind dunkler als mein Material. Wie immer haben wir

ein echtes Orchester verwendet, wichtig war mir dabei

das Zusammenspiel der Streicher und Hörner.“ Wilson

arbeite stets daran, den richtigen Gitarrensound zu

kreieren.

Das vierte Werk darf als ein klassisches Blackfield-Release

bezeichnet werden. Dennoch hat sich zum Vorgänger

etwas verändert, erzählt Aviv: „Ich habe das Album in eine

neue, weitere Welt geführt und abermals mit großartigen

Gastmusikern gearbeitet.“ Einer von ihnen ist Brett

Anderson von der englischen Britpop-Band Suede. „Ich

bin um den ganzen Globus gereist, um sie einmal live zu

sehen“, sagt Geffen. „Du kannst dir vorstellen, wie toll der

Moment war, als er eines meiner Stücke gesungen hat!“

Zwischen den Alben wirkte Geffen als Juror bei einer

israelischen Talentshow mit, ähnlich Deutschland sucht

den Superstar. „Ich war hauptsächlich da“, betont er, „um

den jungen Menschen drei Dinge klarzumachen: Es gibt

keine Blitzkarrieren, Erfolg kommt durch harte Arbeit,

und es geht immer um die Kunst, nie um das Leben als

Prominenter.“

Israelis erklären oft, dass man – wenn man beispielsweise

in Jerusalem aufwächst – sich der Politik überhaupt

nicht zu entziehen vermag. Für Aviv ist die Kombination

von Musik und politischen Texten schon immer

Aushängeschild gewesen. „Ein gutes Lied kann tödlicher

als jeder Panzer oder sogar Bomben sein“, glaubt er.

„Songs können die Welt verändern. Das ist hier noch

wichtiger als anderswo. Ich denke, der Frieden wird

kommen.“

www.blackfieldmusic.com

Julian Rohrer

Discographie (Alben):

Blackfield (2004)

Blackfield II (2007)

Welcome To My DNA (2011)

Blackfield IV (2013)

Line-Up:

Aviv Geffen – Gesang, Gitarre, Keyboard

Steven Wilson – Gesang, Gitarre

Orkus! - 123


„Ich habe einen schwarzen

und einen weißen Wolf in mir.“

Ein Aufbruch. Nach vorn und nach oben. Der Berg und sein Gipfel, die Natur und der Mensch... Motive und Konzept für das neue

Down Below-Album Zur Sonne – Zur Freiheit. Was dabei zählt? Ehrlichkeit, Zusammenhalt, das Besinnen auf eigene Stärken und der

Verzicht auf faule Kompromisse. Kein Schein, nur noch Sein.

Orkus: Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch... euch gibt es jetzt

bereits seit zehn Jahren! Wenn ihr auf eure letzte Dekade als musikalisches

Projekt zurückblickt: Was war gut, was war vielleicht weniger ideal?

Neo Scope: Gut waren die vielen Auftritte, die Touren und magischen

Momente auf und vor der Bühne. Alben zu schreiben, aufzunehmen und

dann fertig in der Hand zu halten. Das Gefühl, zusammenzugehören.

Schwierig waren die Momente, in denen wir nicht wussten, wie es mit

uns weitergehen sollte – sicher waren wir immer nur, dass es weitergeht.

Sehr prägend war der Tag, an dem unser Management sich mit unseren

Gagen aus dem Staub machte und wir während der „Zeichen“-Tour

entscheiden mussten, ob wir die Konzertreise abbrechen oder alles aus

eigener Tasche weiterfinanzieren.

O: Brüder, zur Sonne, zur Freiheit heißt eines der meistgesungenen

Lieder der Arbeiterbewegung. Der Titel eures neuen Werkes klingt

ähnlich. Gibt es einen Zusammenhang?

NS: Nein, wir sind keine Ostalgiker, wenngleich ich noch viele und

eigentlich auch positive Erinnerungen an die DDR habe. Wobei ich

damals noch sehr jung war. Hauptsächlich geht es jedoch um die Härte

und Kraft des Albums, und Zur Sonne – Zur Freiheit vereint die Attribute

sehr gut. Man kann den Namen aber gern auch als kleine Anlehnung an

unsere Herkunft verstehen.

O: Das Cover vermittelt eine Art Luis Trenker-Ästhetik. Weshalb diese

stilistische Form, im Gegensatz zu eurer modernen Musik?

NS: Der Stil des Coverbildes verstand sich für mich von selbst. Es sollte

48 - Orkus!


cineastisch wirken. Ich mag den Film Nordwand sehr und habe dessen

Bildästhetik zum Teil auch als Impulsgeber für das Artwork der neuen

Scheibe verwendet.

O: Ihr habt die Geschichte der Messner-Brüder als Grundlage für das

Stück Bruder genommen. Warum ist euch ihre Story einen Song wert,

wofür steht sie?

NS: Sie steht dafür, schmerzhafte Entscheidungen zu treffen. Das

Drama um den Verlust des Bruders empfand ich als ziemlich ergreifend.

Reinhold Messner selbst wirkte nach meinem Empfinden in seinen

öffentlichen Fragen zu diesem Thema immer recht abgeklärt. Das

beschäftigte mich und bewog mich dazu, mich mit diesem Thema weiter

auseinanderzusetzen. Ursprünglich sollte der Song gar nicht auf das

Album kommen. Die Band entschied sich aber doch dafür, weil sie ihn

sehr gut fand.

O: Mit Unvergessene Zeit habt ihr ein sehr schönes Duett mit

Natalia Avelon eingespielt. Stand sie der Idee und dem Stück gleich

aufgeschlossen gegenüber?

NS: Wir schickten Natalia den Song zu, und er gefiel ihr auf Anhieb

gut. Sie erzählte, dass ihre Mutter ihre beste Kritikerin wäre und dieser

wohl beim Hören des Liedes Tränen in den Augen standen. Für uns galt

es eher, herauszufinden, ob die Chemie zwischen uns stimmte. Wenn

das nämlich nicht funktioniert, nützt auch der beste Song nichts. Unsere

Stimmen würden dann hörbar nicht harmonieren. Glücklicherweise

passte jedoch alles.

O: Warum ist Natalia genau die Richtige für dieses Lied? Gab es auch

andere Kandidatinnen, die ihr euch für ihren Part hättet vorstellen

können?

NS: Ich mochte gut gemachte Duette immer schon. Bei Unvergessene

Zeit dachte ich sofort an eine Stimmung wie bei den Duetten von Natalia

Avelon mit Ville Valo oder Nick Cave mit Kylie Minogue. Dass wir nun

Natalia tatsächlich für unseren Song gewinnen konnten, empfinde ich

als großen Zugewinn. Besser geht nicht!

O: „Ich seh’ es vor uns, wie wir waren: fest entschlossen, alles zu

wagen...“, lautet eine Zeile aus dem eben angesprochenen Lied. Und

heutzutage? Immer noch fest entschlossen, alles zu wagen?

NS: Ich denke, wir sind ruhiger geworden. Ruhiger, aber nicht müde.

Wir schauen etwas wachsamer, vertrauen nicht mehr so schnell und hören

mehr auf unser Bauchgefühl denn je – wenn nicht sogar ausschließlich.

Ich lebe etwas gesünder, treibe Sport und muss mich auch nicht mehr

regelmäßig bis ins Koma trinken, um am nächsten Morgen neben einer

fremden Frau aufzuwachen. Nach meinem letzten Autounfall habe ich

angefangen, etwas sorgsamer mit mir umzugehen. Alles das schlummert

sicher noch immer in mir. Ich bin Zwilling und habe einen schwarzen

und einen weißen Wolf in mir. Aber wessen Ruf der beiden ich folge,

entscheide ich am Ende selbst.

www.downbelow.de

Axel Schön

Discographie (Alben):

Silent Wings:Eternity (2004)

Sinfony 23 (2007)

Wildes Herz (2009)

Zeichen (2012)

Zur Sonne – Zur Freiheit (2013)

Line-Up:

Neo Scope – Gesang

Carter – Gitarre

Convex – Bass

Mr. Mahony – Schlagzeug

Mit neuem Album unterwegs durch den aether

Drachenflug geraten mit ihrem

gecharterten Luftschiff in ein

unerhörtes musikalisches

Abenteuer und in skurrile

Verwicklungen mit einem

dubiosen Harlekin …

Buch mit CD

Musik-Tracks

Hörspiel

Kurzgeschichte

Illustrationen und Fotos

w w w . s t e a m p u n k b a n d . d e

Orkus! - 123


„Etwas ändern oder sterben!“

Tattoos, Leidenschaft und Rock’n’Roll! Das ist es, was diese dreiköpfige

Band ausmacht. Ihr Stil lässt sich nur schwer kategorisieren. Wie

Frontfrau Amy Arsenault erklärt, wächst die Gruppe dadurch, dass sie

unzählige Einflüsse zusammenbringt. „Wir haben lauter unterschiedliche

musikalische Backgrounds und versuchen sie in unserem eigenen,

rockig-aggressiven Sound zu vereinen. Wir spielen Rock, gemixt mit

Elektronik. Dazu fügt man eine gesunde Portion Metal und mariniert

das Ganze mit ein wenig Pop. Und das ist noch nicht alles...“, lacht die

hübsche Blonde.

Sie stieß erst später hinzu: „Ich hab’ in der Lokalzeitung eine Anzeige

entdeckt und mich beworben. Wir trafen uns in einem alten Stripclub,

der zur Karaokebar umgewandelt worden war. Ich habe Zombie von

The Cranberries dargeboten und meine eigene Version von Britney

Spears’ Toxic. Den Rest des Abends verbrachten wir damit, Pantera-

Stücke Karaoke zu singen, und so wurde ich AutoViolets Stimme.“

Das selbstbetitelte Debutalbum sollte simpel ausfallen. Aufgenommen

in Vancouver, stand Experimentieren dabei an erster Stelle. Mit

dem Ergebnis ist die Band mehr als zufrieden, was sie auch ihrem

Produzenten Dave Ogilvie verdankt. „Ich bin ein großer Fan seiner

Arbeit und war sehr nervös, ihn kennenzulernen“, verrät Amy. „Ich

hab’ fast eine Panikattacke gekriegt, bevor er in unserem Studio eintraf.

Im Endeffekt stellte sich heraus, dass er ein cooler, entspannter Typ ist,

der besonderes Talent dafür besitzt, außerhalb gewohnter Rahmen zu

denken.“ Resultat ist ein Werk mit elf Tracks, die das gesamte Spektrum

der Formation abdecken.

Privat liebt Amy neben der Musik auch die Kunst des Tätowierens,

welche sie schon im Kindesalter begeisterte. „Seit jeher faszinieren mich

verschiedene Body Arts. Ich fuhr zu Läden und blätterte durch die

Portfolios der Künstler. Ich bettelte meine Mutter an, mir ein Tattoo

stechen lassen zu dürfen, doch alles Flehen blieb umsonst, bis ich 18 war.

An meinem 18. Geburtstag hatte ich meine erste Session. Eine kleine

graue Rose entstand auf meinem Rücken. Nicht mein bestes Motiv, aber

es geht hier um Nostalgie. Jedes Tattoo bedeutet mir etwas. Ich verwende

sie als Erinnerungen an Orte, wo ich war und wo ich niemals wieder

hinwill“, bekennt sie. Ihr Bauch wird von den lateinischen Worten „Ut

sementem feceris, ita metes“ geziert, übersetzt: „Wie die Saat, so die

Ernte.“ Ein wichtiger Spruch für Amy. „Er soll mich daran erinnern,

dass ich diejenige bin, die mein Leben kontrolliert. Alles, was ich gebe,

ob negativ oder positiv, kommt zu mir zurück. Ich litt über Jahre unter

Depressionen, Drogen und Alkohol und hab’ immer anderen die Schuld

gegeben, anstatt sie bei mir zu suchen. Irgendwann wurde mir klar, dass

ich diesen Weg nicht länger gehen kann. Ich hatte nicht viele Optionen

– etwas ändern oder sterben!“ Wir sind froh, dass sie den richtigen Weg

gewählt hat, und freuen uns auf noch mehr Tattoos, Songs und Storys.

www.autoviolet.net

Manuela Ausserhofer

50 - Orkus!


„Fast wie in einer Ehe,

wohl noch extremer.“

The Devil ’n’ Us sind brandneu, doch ist es kaum verwunderlich, wenn Dir das

eine oder andere Gesicht bekannt vorkommt, denn musikalische Frischlinge

sind die Jungs garantiert nicht. Im Mai 2012 fassten sie die Idee, dieses Projekt

zu gründen. Niemand Geringerer als Szene-Urgestein Hellvis (Ex-Mad Sin),

Tex Morton (Kamikaze Queens, Sunny Domestozs), Joe Tedesco und Burnout

Bruno (beide Blue Rockin’) fanden sich zusammen und beschlossen, gemeinsame

Sache zu machen. Gemixt wird „ein Cocktail aus Fifties-Rock’n’Roll, Glam und

Punkrock“, erklärt Hellvis. Ergebnis ist das Debut Devil’s Music, welches über ihr

Wunschlabel Wolverine Records erscheint. „Es entstanden schnell Songgerüste,

die wir ausarbeiten konnten. Das Album entstand in drei Aufnahmesessions

im Wild at Heart-Studio. Bei der ersten entstand auch das Video zu Kriminal

Tango. Die Arbeiten an sich waren sehr entspannt, mit Uli hatten wir einen

guten Freund an unserer Seite“, berichtet der charismatische Fronter, dem noch

ein paar lustige Augenblicke in Erinnerung sind: „Auf dem Nachhauseweg von

einer dieser Sessions und anschließendem Begießen derselben kam mir die Idee,

ein Saxophon in die Aufnahmen einzubauen. Kurzerhand wurde Rollo, ein

Kollege von Tex, angerufen und seine Saxophonseele auf das Album gebannt.

Bei einer nächtlichen Party trafen wir Pete Deville, der wie wild mit seinen

Drumsticks auf den Barhockern herumtrommelte. Wir luden ihn ein, und am

nächsten Tag gab er dann die Percussion und Bongos für Voodoo Child zum

Besten.“

Die enge Freundschaft zwischen Hellvis und Bruno war ausschlaggebend für

das Projekt. „Der Gedanke, eine Band zu gründen, begann nach meinem

letzten Konzert mit Mad Sin in Schweden“, erzählt Hellvis, der stolze 15 Jahre

lang mit ihnen getourt war. „Beim Touren muss man so viel Zeit gemeinsam

verbringen und mit den Marotten der anderen leben... das ist fast wie in einer

Ehe, wohl noch extremer. Da kann es passieren, dass du eines Tages feststellst,

dass es so nicht weitergehen kann.“ Man trennte sich aber nicht im Streit, und

nun darf Hellvis sich ganz auf sein neues Gespann konzentrieren. Devil’s Music

ist ein Werk voll verflossener Lieben, Alltagsgeschichten und schlummernder

Teufel. Let’s rock’n’roll!

www.facebook.com/TheDevilnUs

Manuela Ausserhofer

Orkus! - 123


„Wer gibt so einen Schatz

in die Hände eines tatterigen Mütterchens?“

Mit ihrem neuen Album Kunstraub beweisen die sieben Musikanten von In Extremo ihren Mut, Veränderungen durchzuführen, ohne

dabei auf gewohnte Elemente zu verzichten. Sänger Michael „Das letzte Einhorn“ Rhein und Bassist Kay „Die“ Lutter erklären ihre

Sicht der Dinge, die auch gerne abweichend sein darf.

Orkus: Viele Bands wechseln den Produzenten, um den viel zitierten

frischen Wind reinzubekommen. Das habt ihr anscheinend nicht nötig:

Kunstraub klingt trotz des Standardteams um Vincent Sorg und Jörg

Umbreit von den altbekannten Principal Studios wieder anders als seine

Vorgänger.

Michael Rhein: Warum sollten wir gute Freunde austauschen, wenn

alles gut funktioniert? Neue Besen kehren gut, aber manchmal kehren alte

eben noch besser.

Kay Lutter: Zumindest ein Ortswechsel ist immer mal wieder im

Gespräch. Aber letztlich bleiben wir doch in Senden, weil dort sehr viel

Platz ist. Und wir kennen uns aus, das Risiko ist gering. Außerdem ist

die Situation bei uns schon speziell. Neben der Freundschaft zur Crew ist

auch ausschlaggebend, dass sie sich mit dem ganzen Mittelalter-Gerödel

auskennen. In der Regel kommen wir auch sehr gut vorbereitet ins

Studio... jeder weiß, was er zu tun hat. Vincent und seine Crew sind dann

hauptsächlich für das Technische zuständig.

O: Der Albumtitel lehnt sich an den spektakulären Kunstraub in

Rotterdam 2012 an. Im Juli 2013 kam heraus, dass die Mutter eines

der Täter die Bilder von Picasso, Monet & Co. in Panik verbrannt hat.

Irgendwie versteht man unter einem „perfekten Verbrechen“ etwas

anderes, oder?

KL: Ich halte das für eine Supersache und habe herzlich gelacht. Das

passte irgendwie zur Veröffentlichung. Auf die Idee, Kunstwerke im Wert

von unzähligen Millionen einfach so in den Ofen zu werfen, musst du erst

mal kommen.

MR: Ich halte es auch für möglich, dass es sich hierbei um einen Fake

handelt. Ich meine, wer gibt denn so einen Schatz in die Hände eines

alten, tatterigen Mütterchens? Und so steigen die anderen Bilder besagter

Künstler natürlich massiv im Wert. Okay, ich verrate es: Wir haben die

Originale! (grinst)

O: Dieses Mal gibt es keine Gastmusiker oder -sänger auf dem Album, was

in letzter Zeit ja fast zu einem eurer Markenzeichen geworden war. Man

52 - Orkus!


erinnere sich nur an die Zusammenarbeit mit dem Grafen von

Unheilig, Mille Petrozza von Kreator oder Henning Wehland

von den H-Blockx. War das eine bewusste Entscheidung, oder

hat es sich schlicht nicht ergeben?

MR: Das hat sich so ergeben... wir machen uns da im Vorfeld

keine großen Gedanken. Solche Kooperationen entstehen

zufällig im Studio. Oder eben nicht.

KL: So war es zumindest am Anfang, bis zu Thomas D, der auf

Ave Maria von 7 zu hören ist. Aber bei den letzten Gästen war

es zum Teil sogar so, dass bereits beim Komponieren darüber

nachgedacht wurde, wer als Gast mitwirken soll. Das fanden

einige Bandmitglieder – ich schließe mich da ein – nicht so

toll. Denn ich finde, dass ein paar Stücke durch die Beteiligung

Außenstehender sogar verloren haben. Deshalb sprachen sich

einige von uns im Vorfeld ganz klar gegen Gäste aus, auch wenn

andere alles versucht haben, diese doch noch unterzubringen.

O: Ein weiteres Thema ist euer Bandgefüge. Ihr seid sieben

Mann, betont aber immer wieder, dass es bei euch demokratisch

zugeht. Wie darf man sich das in der Praxis vorstellen? Das muss

doch endlos Zeit verschlingen?

KL: Oh ja, das tut es. Und ich gebe zu, dass es mit zunehmender

Dauer unserer Karriere nervt. Wir sind ein bisschen wie die

Piraten in der Politik. Als unser Schlagzeuger Specki neu zu uns

kam, hielt er unsere Organisation für sehr chaotisch. Aber je

länger du mit uns zusammenarbeitest, desto besser erkennst du

die Strukturen. Und ein bisschen konnten wir auch aus unseren

Fehlern lernen. Früher haben wir bei jeder Kleinigkeit alle

Meinungen gehört und diskutiert. Heute gewinnt schon mal die

Mehrheit, fertig. Obwohl Micha bei den Texten oft der Meinung

ist, er würde zwei Stimmen besitzen. (lacht)

MR: Manchmal dauert es auch einfach sehr lange, bis man zu

einer Entscheidung kommt. Aber wir sind halt eine Band, mitten

aus dem Leben gegriffen.

www.inextremo.de

Marc Halupczok

Photo: Christian Thiele

Discographie (Alben):

In Extremo („Die Goldene“, 1997)

Hameln (1998)

Weckt die Toten! (1998)

Die Verrückten sind in der Stadt (live, 1998)

Verehrt und Angespien (1999)

Sünder ohne Zügel (2001)

Live 2002 (live, 2002)

7 (2003)

Mein rasend Herz (2005)

Raue Spree 2005 (live, 2006)

Sængerkrieg (2008)

Sængerkrieg – Akustik Radio-Show (live, 2008)

Am goldenen Rhein (live, 2009)

Sterneneisen (2011)

Sterneneisen Live (live, 2012)

Kunstraub (2013)

Line-Up:

Das letzte Einhorn alias Michael Robert Rhein – Gesang,

Cister, Schlagwerk, Hörner, Klangbaum, Tabla, Pferd, Schelle,

Schalmayen

Van Lange alias Sebastian Oliver Lange – Gitarre, Gong,

Klangbaum, Schelle, Pferd

Dr. Pymonte alias André Strugala – Sackpfeife, Harfe, Hörner,

Klangbaum, Pferd, Schelle

Flex der Biegsame alias Marco Ernst-Felix Zorzytzky – Sackpfeife,

Drehleier, Hörner, Klangbaum, Pferd, Schelle, Schalmayen

Yellow Pfeiffer alias Boris Pfeiffer – Sackpfeife, Nyckelharpa,

Hörner, Klangbaum, Tabla, Pferd, Schelle, Schalmayen

Die Lutter alias Kay Lutter – Bass, Trumscheit, Hörner,

Klangbaum, Pferd, Schelle

Specki T.D. alias Florian Speckardt – Schlagwerk, Percussion

Die neue CD „Achtung!“

Ab 13.09.2013 im Handel.

Als CD oder als Download

in den gängigen Stores.

CD mit 20-seitigem Booklet

mit Bildern und Texten!

www.eisherz.de

www.eisherz.com

Orkus! - 123


„Schotten geben nicht so schnell auf.“

Mit einer Mischung aus Hard Rock und

melodisch-symphonischem Power Metal

weiß auch das vierte Studioalbum von

Eden’s Curse zu gefallen. Die Texte sind

allerdings deutlich schwerer, als die Musik

vermuten lässt. Bandgründer Paul Logue

erinnert sich an die Geburt des Werkes: „Als

ich daran arbeitete, waren die Nachrichten

voll von Kindesmisshandlungen, Morden,

Plünderungen, terroristischen Verbrechen

und den Anschlägen in London. Ich fragte

mich als Vater und vernünftiger Mensch, der

sich an gewisse moralische Standards hält, in

welcher Welt wir eigentlich leben? Diese Welle

schlechter Nachrichten brachte mich dazu, das

Stück Symphony Of Sin zu schreiben und auch

das Album so zu betiteln.“

Doch damit nicht genug – die multinationale

Truppe hatte im Vorfeld der Aufnahmen mit

massiven Personalproblemen zu kämpfen.

Namensgeber Michael Eden seilte sich ab und

hinterließ einen ratlosen Logue. Allerdings

nur kurz. „Es gab vielleicht zehn Sekunden,

in denen wir überlegten, ob wir weitermachen

sollen. Dann war klar, dass wir nach einem

neuen Sänger suchen. Ich bin Schotte, und die

geben nicht so schnell auf. Eine Umbenennung

stand übrigens auch nicht zur Debatte,

denn Michael heißt eigentlich Brobeck mit

Nachnamen. Er hatte sich nach der Band

benannt, nicht umgekehrt!“ Paul stieß auf den

Italiener Marco Sandron, welcher den Posten

des Fronters jedoch bloß flüchtig bekleidete.

„Musikalisch ist er ein Riesentalent, aber es

passte auf der persönlichen Ebene einfach

nicht. Wir haben es versucht, doch weder

er noch wir waren glücklich, also schrieben

wir die Stelle erneut aus.“ Und es meldeten

sich unzählige Sangeskünstler, von denen

niemand restlos überzeugen konnte. Folglich

surfte Paul selbst ein wenig durch das Internet

und entdeckte eine ungarische Band namens

Dreyelands, deren serbischer Frontmann

Nikola Mijić seine Begeisterung entfachte.

„Er besitzt genau die Einzigartigkeit, nach

der wir gesucht haben. Natürlich klingt

er phasenweise mal nach Glenn Hughes,

Steve Augeri oder Tobias Sammet... was ich

als großes Kompliment verstanden wissen

möchte. Aber letztlich hat er sein ganz eigenes

Profil.“

Bei so vielen Neuerungen – auch Keyboarder

Steve Williams ist frisch an Bord – scheint

es beruhigend, dass zumindest eine alte

Bekannte zurückkehrt. Die hübsche Eve, eine

Art Maskottchen für Eden’s Curse, zeigte ihr

Gesicht bis dato nur auf dem selbstbetitelten

Debut. Jetzt ist sie zurück. Laut Paul eine

logische Entwicklung: „Das neue Album

ist vielleicht kein Debut, aber eine Art

Wiedergeburt. Die anderen Bandmitglieder

gaben mir vor, dass Symphony Of Sin alles

repräsentieren sollte, was Eden’s Curse bisher

ausgemacht hat. Deshalb wollten wir Eve

wieder dabeihaben. Abgesehen davon, bietet

sie ja auch etwas fürs Auge.“

www.edenscurse.com

Marc Halupczok

Discographie (Alben):

Eden’s Curse (2007)

The Second Coming (2008)

Trinity (2011)

Symphony Of Sin (2013)

Line-Up:

Nikola Mijić – Gesang

Thorsten Koehne – Gitarre

Paul Logue – Bass

Steve Williams – Keyboard

Pete Newdeck – Schlagzeug

54 - Orkus!


„Ausbruch aus der kranken

(Schein-) Welt.“

Die norddeutschen, progressiven Death Metaller Nailed to Obscurity kehren nach

längerer Pause mit ihrem zweiten Studioalbum Opaque zurück. Raimund Ennenga

heißt der neue Mann am Mikro, und das gemeinsam Geschaffene ist, wie Volker Dieken

(Gitarre) erläutert, „atmosphärischer Death Metal mit meist gemächlichem Tempo. Wir

legen Wert auf aussagekräftige Melodien, auf den Kontrast von Härte und Schönheit.“

Damit das Material Perfektion erreicht, haben sie es sogar zwei Mal eingespielt, erzählt

Gitarrist Jan-Ole Lamberti: „Beim ersten Versuch ging eine Menge schief. Wir waren

mit dem Sound nicht zufrieden. Im März 2012 verließ Sänger Alex die Band, und

Raimund stieß zu uns. Wir schrieben alle Texte von Grund auf neu und nahmen Vocals

sowie den Rest noch einmal auf. Im Nachhinein sind wir überglücklich, dass wir diese

Entscheidung getroffen haben.“

Raimund verrät, was der geheimnisvolle Titel und das mysteriöse Cover bedeuten...

„Wir haben es hier mit keinem Konzeptalbum zu tun, aber es gibt einen Grundtenor,

der sich durch sämtliche Lieder zieht. Opaque steht in diesem Sinne für blickdicht oder

undurchlässig. Sehr oft in unserem Leben setzen wir Masken auf, um gewisse Dinge

aus unserem tiefsten Inneren nicht preisgeben zu müssen. Wir machen dies, um nicht

verwundbar zu sein, und erschaffen uns so eine Art Festung, an die wir im schlimmsten

Falle niemanden heranlassen.“ Jene Thematik wird über insgesamt neun Stücke reflektiert.

Mythomania etwa handelt von einem Lügengebäude, dem nur sehr schwer zu

entkommen ist. Raimund erklärt, dass äußere Umstände uns manchmal zum Lügen

zwingen. „Mit jeder weiteren Lüge wächst dieses Konstrukt zu einem Monument heran,

das uns förmlich einsperrt. In dem Song geht es um den Versuch des Ausbruchs aus

dieser kranken (Schein-) Welt.“

Für iNnerME wurde bereits ein Lyricvideo produziert. „Inhaltlich geht es um die innere

Zerrissenheit. Häufig unterdrückt man Gefühle so lange, bis diese einen einholen. Man

wird sich dabei selbst fremd, man bekommt das Gefühl, sein eigener Feind zu sein.

Die Schreibweise soll das einfangen. In iNnerME stecken die Buchstaben NME, die –

nacheinander ausgesprochen – für enemy stehen“, weiht uns Raimund ein. Auch zum

Titeltrack ist ein Clip geplant, und im Herbst sind die Jungs live zu erleben. Alle Termine

findest Du online!

www.nailedtoobscurity.com

Manuela Ausserhofer

Ab dem 20.09.!

Erhältlich als CD oder

streng limitierte LP Version

(500 only - 180gr.

splattered Vinyl)

GLAMOUR OF THE KILL live als

Support von PAPA ROACH:

10.11. BREMEN – Aladin

16.11. NÜRNBERG – Rockfabrik

17.11. BERLIN – Huxleys

18.11. MÜNCHEN – Kesselhaus

20.11. WIEN / Österreich – Gasometer

21.11. ZÜRICH / Schweiz – Komplex

23.11. SAARBRÜCKEN – Garage |

27.11. KÖLN – E Werk

29.11. WIESBADEN – Schlachthof


„Die Musik der Achtziger

lässt Melancholie als Lebensstil zu.“

Selbst rückblickend ist die Dark Wave-Szene der Schweiz ziemlich überschaubar und nur von einigen

wenigen markanten Namen geprägt. Umso erstaunlicher die Gründung der Vyllies bereits Anfang der

Achtziger: Ein Damentrio, das binnen kurzer Zeit eine ebenso rasante wie faszinierende Entwicklung

von einer dunklen, minimalistischen Synthie-Band bis zur stilvollen, schwarz angehauchten Pop-Gruppe

durchlebte. Ihre komplette Historie ist jetzt auf der liebevoll gestalteten Kollektion 1983–1988 zu finden,

die das Gesamtwerk enthält. Obwohl sich The Vyllies schon 1988 auflösten, ist ihre Musik für alte Fans, aber

auch für nachwachsende Generationen.

Orkus: Was war damals die Initialzündung, die

Inspiration, das kulturelle Umfeld?

Manue Moan: In der Schweiz erhielten die Frauen erst

in den Siebzigern das Stimmrecht! Zu der Zeit wurde von

den Töchtern erwartet, dass sie Fremdsprachen studieren

und brav heiraten. Am Horizont jedoch tobte die Punk-

Bewegung. Sie befreite Kunst und Musik in verrückter

Weise. Es ging nicht um Virtuosität, sondern um Aussage

und Kreativität. Jeder konnte zu einem Instrument greifen

und sich ausdrücken. Vor diesem Hintergrund lernte ich

1980 Ursula Nun an der Uni Lausanne kennen – etwas

später stieß Ilona hinzu. Wir wollten unser eigenes Ding

schaffen. Anfangs spielte ich Schlagzeug, merkte aber bald,

dass ich lieber texte und singe. So entschieden wir uns für

die außergewöhnliche Formel mit zwei Leadsängerinnen

und überließen die Beats einer Maschine. Ursula Nun

schrieb sämtliche Synthlines.

O: Ebenfalls ungewöhnlich: eine reine Frauenband.

Bundesdeutsche Pendants waren damals höchstens Xmal

Deutschland oder Mania D./Malaria!. Die markanteste

Schweizer Frauenband – etwas vor The Vyllies – waren

Kleenex. Siehst du da Parallelen?

MM: Von Kleenex kenne ich nur den Namen, die waren


ei uns in der französischen Schweiz weniger bekannt. Als wir 1985

nach Zürich zogen, gab es sie bereits nicht mehr. Aber uns kümmerte

grundsätzlich nicht, ob spannende Kunst von Männern oder Frauen

stammte. Das war nicht unsere Art, zu kategorisieren. Zudem hatten

wir nicht bewusst entschieden, eine Frauenband zu sein. Einzig die

Musik war uns wichtig. Wir ergänzten uns sehr, hatten eine Fülle an

Ideen und wollten sie umsetzen. Tatsächlich mochten gewisse Schweizer

Journalisten nicht glauben, dass Frauen eigene Songs schreiben,

geschweige denn einen Computer bedienen können. Heute kann man

darüber nur lachen.

O: Das Schöne an 1983–1988 ist die streng chronologische Folge,

die nicht nur die beeindruckende Entwicklung der Band, sondern

auch ein Stück die Entwicklung von Stil und Instrumentarium der

damaligen Zeit dokumentiert. Ich könnte mir vorstellen, dass solch eine

Veröffentlichung für denjenigen, der diese Musik gemacht hat, dem

Blättern in alten Tagebüchern gleichkommt. Teilst du diese Empfindung

und Sichtweise?

MM: Ja, klar. Unsere Musik entwickelte sich parallel zu den technischen

Neuerungen... vom winzigen Casio bis zu den vom Computer

gesteuerten Kompositionen. Für die ersten Aufnahmen in Athen hatten

wir zum Beispiel nur sechs Stunden Zeit zur Verfügung und einen

kleinen Drei-Oktaven-Casio. Die Stücke wirken daher sehr direkt und

roh, ein wahrhaftiges Experiment. Wenn du Tagebücher erwähnst,

denke ich dabei vor allem an die sehr persönlichen Texte, deren zum Teil

autobiographischer Inhalt sämtliche Wirrungen widerspiegelt.

O: Die Entwicklung der Band innerhalb der wenigen Jahre ihrer Existenz

war sehr rasant. Ist das auch durch die vielfältigen Erfahrungen bedingt,

die man gerade in diesem Alter macht?

MM: Es war eine intensive, energetisch geladene Zeit. Wir befanden uns

jeweils an drei bis vier Abenden pro Woche im geschützten Übungsraum.

Von außen gab es Unmengen an interessanten Inputs – seitens der

unabhängigen Label, aber auch aus dem Mainstream, man denke an The

Cure oder Prince. Das alles hörten wir uns an, gleichsam verfolgten wir

unsere eigenen inneren Pläne. Wir drei waren sehr verschieden, trafen

uns aber in der Essenz. Die Lust am Experimentieren war mächtig, und

wir gaben einander alle Freiheiten. Auf diese Weise entstanden starke,

spontane Äußerungen: Ilona Prisms Schreien in Madness, aber auch der

Freudenschrei aus Ahia – der rutschte mir einfach raus... Oft diente eine

Synthline von Ursula Nun als Hauptquelle der Phantasien. Wir zogen

viele Fäden und spannen fleißig. Das allein war Ansporn zum Machen

und Weitermachen. Unser Alter war uns nicht bewusst.

O: Jede „Phase“ der Band hat ihren speziellen Reiz, von den einfachen,

noch etwas naiv anmutenden ersten Schritten bis hin zu den

facettenreichen Liedern der Sacred Games. Welche Phase war für dich am

reizvollsten und wichtigsten?

MM: Jeder einzelne Song hat seinen eigenen Geist und seine besondere

Geschichte. Je nach Verfassung fühlt man sich mehr zum einen oder

anderen hingezogen. Mein persönlicher Liebling ist wohl Lilith. Für diese

LP hatten wir knapp zwei Wochen Aufnahmezeit, mit Voco Fauxpas

als Tonproduzent... Wir verbrachten jeweils zwölf bis 14 Stunden am

Tag im Studio, und die Stücke wurden im Schlaf noch weitergeträumt.

Ein hypnotischer Zustand. Was dabei herauskam, übertraf unsere

Erwartungen. Mit Songs wie Bad Trip oder Seventh Heaven rannten wir

die Türen zum Unterbewussten ein.

O: Was war das prägendste Erlebnis? Ihr hattet ja auch recht großen

internationalen Kontakt und Austausch?

MM: Vieles war prägend. Die intensive Zeit im Studio. Oder die

Freundschaft mit damaligen Künstlern. Sicher jedoch die Europatour

1987, die von Berlin-West (!) bis Valencia reichte und uns weitere

szenische Experimente erlaubte. Wir traten einerseits an kleinen,

intimen Orten auf, wo wir noch Blickkontakt zu den Fans hatten,

oder andererseits auf größeren Bühnen mit Tausenden Zuschauern. Es

geschah Unvorhergesehenes, mal sprang ein Fan zu uns und spuckte

Feuer, mal regnete es Rosen...

O: Noch immer werden Titel wie Now We Fall auf den Tanzböden

eingesetzt und gefeiert von jungen Leuten, die deine Kinder sein

könnten. Mit welchen Gefühlen siehst du dies? Stolz und Bestätigung?

MM: Bis vor Kurzem wusste ich nicht mal, dass die Vyllies im Internet

herumgeistern. Was wohl der Grund für dieses Phänomen ist, kann ich

nur erahnen. Wir nahmen unsere Musik und unsere Performances ernst,

erzählten unsere Geheimnisse, unsere persönlichen Geschichten. So ist

es schön, zu wissen, dass andere sich darin wiederfinden. Es freut mich

und berührt mich.

O: Warum, denkst du, erreicht gerade diese Art von Musik auch heute

ein sehr junges Publikum?

MM: Wahrscheinlich ist noch heute die Intensität jener Zeit spürbar,

und vielleicht liegt eine ähnliche Bedrohung in der Luft („Big Brother is

watching you“ und so weiter). Vielleicht fasziniert die Kleidung... nein,

natürlich geht es hier um mehr als ein Outfit... In einer Welt, die ständig

Leistung und positives Denken abverlangt, lässt die Musik der Achtziger

Jahre Melancholie als Lebensstil zu.

O: The Vyllies waren eine sehr ambitionierte Band. Warum war 1988

bereits Schluss?

MM: Wir wohnten uns auseinander. Aus privaten Gründen zogen

Ursula und Ilona zurück nach Lausanne respektive Genf. Ich blieb in

Zürich... Der enge Kontakt war somit rein geographisch gebrochen. Jede

ging ihren Weg. Wobei Ursula Nun später unter dem Namen Lussia

noch zwei CDs einspielte.

O: Was machen du und die anderen in der Band heute?

MM: Wir leben, arbeiten, haben Familie und behalten unseren Sinn

für Humor. Die Vyllies jedoch bleiben Geisterwesen im nächtlichen

Schatten unserer Seelen.

www.myspace.com/thevyllies

Ecki Stieg

Discographie (Alben):

Lilith (1985)

Sacred Games (1987)

Line-Up:

Manue Moan – Gesang, Percussion

Ilona Prism – Gesang, Bass

Ursula Nun – Keyboard, Programmierung

mital-U ist ein rühriges Label aus der Schweiz, das

es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht hat, fast

verloren gegangene Schätze aus dem Post Punk-, New

Wave- und Dark Wave-Genre wieder zugänglich zu

machen. Dabei handelt es sich nicht um lieblose,

billig aufgemachte Wiederveröffentlichungen, sondern

um hochwertig gemasterte Reissues... inklusive

ausführlicher, informativer Booklets und hochklassiger

Artworks. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf Musik

aus der Schweiz. So wurden bereits die Backkataloge und

Raritäten von Grauzone und mittageisen veröffentlicht.

Discographie (Auswahl):

CRAZY CRAZY (1998)

Grauzone 1980–1982 Remastered (2010)

mittageisen ... alles ist anders ... nichts hat sich geändert ... (1998)

mittageisen 1981–1986 Remastered (2008)

The Vyllies 1983–1988 Remastered (2013)

toini amble (1999)

Orkus! - 57


„Sonst kommt noch eine Anzeige vom Naturschutzverein...“

Was 2004 mit Kinderliedern wie Butzemann begann, mauserte sich zur abgefahrenen Erfolgsgeschichte. Bereits ein Jahr nach

Bandgründung erschien die erste EP Nein. Es folgten Auftritte bei Festivals, Hämatom agierten als Support für J.B.O. und Knorkator,

und von Jahr zu Jahr wuchs ihre „kränke“ Fangemeinde. Nach der Live-DVD Schutt und Asche ballern die Deutschmetaller nun erneut

mit kritischen Songs um sich und starten durch Keinzeitmensch einen weiteren Weckruf an unsere heutige Gesellschaft. Natürlich

waren wir neugierig, was sich hinter dem Album verbirgt, und Schlagzeuger Süd gab uns Einblick in den hereinbrechenden Wahnsinn.

Orkus: Wie geht es euch nach all dem Stress? Genießt ihr die Ruhe vor

dem Tourstart im Herbst?

Süd: Von Ruhe ist leider nicht zu sprechen. Es gibt sehr viel Promokram

zu erledigen, wie eben Interviews. Wir wollen noch Videos zu diversen

Songs drehen, und die Tour, auf der wir etwas Besonderes bieten

möchten, verlangt auch sehr viel Vorbereitungszeit von uns ab. Also,

gerade ist Vollgas angesagt und somit keine Zeit, um über neue Pläne

nachzudenken.

O: Eure Texte sind nicht mehr so extrem wie zu Anfangstagen mit Leck

58 - Orkus!


mich. Hat sich eure Weltanschauung geändert?

Oder würdet ihr sogar sagen, dass ihr erwachsener

geworden seid?

S: Unsere Weltanschauung hat sich in keiner

Weise geändert. Ja, vielleicht sind wir ein wenig

erwachsener geworden. Leck mich ist einfach

ein Wutausbruch, der zum Beispiel live immer

noch großen Spaß macht zu performen. Auf

der neuen Platte wird unsere allgemeine Kritik

oft auch durch ein Spiegelvorhalten verpackt.

Wir beschreiben Zustände, ohne gleich mit dem

Vorschlaghammer die Lösung zu erzwingen.

Dabei finde ich aber nicht, dass es inhaltlich

harmloser um uns geworden ist. Die Themen

haben heute wie früher ähnliches Kaliber.

Vielleicht wird auf der neuen Scheibe in dem

ein oder anderen Song der Themeninhalt

mehr in den Mittelpunkt gestellt, weil er nicht

im Schatten eines derben Schlagwortes oder

Ausdruckes wie „Leck mich“ steht.

O: Wie waren die bisherigen Reaktionen der

Fans auf Keinzeitmensch?

S: Es behauptet bestimmt jede Band, aber die

Resonanz ist gerade durch die Bank positiv. Schon

nachdem unser erstes Video zu Alte Liebe rostet

nicht online war, wurden die Kommentarfelder

der jeweiligen Plattformen vollgetippt mit Lob.

Und ich bin bescheiden, ich würde das jetzt nicht

behaupten, wenn es nicht wirklich so gewesen

wär’. (lacht) Ein wenig Risiko war bei diesem

Album schon wieder dabei, da wir vermehrt

Synths und Programmings dazugenommen

haben. Wir wollten zwar den Hämatom-

Härtegrad beibehalten, aber die Melodieebene

ausbauen. Ein Eingriff, der manchmal bei Fans

auch nach hinten losgehen kann.

O: Warum habt ihr euch entschieden,

ausgerechnet Alte Liebe rostet nicht als Single und

Clip zu veröffentlichen?

S: Wie jede Band, suchten wir natürlich einen

Song als erste Single, der Vorgeschmack auf das

neue Album gibt, nicht gleich überfordert und

eine gewisse Aufbruchstimmung signalisiert:

„Hämatom sind mit neuem Album zurück!“

Dafür haben wir uns bandintern Gedanken

gemacht, aber auch im Freundeskreis oder

beim Label Meinungen eingeholt, und schnell

war dann eine Entscheidung für diesen ersten

Singlekandidaten klar. Und beim Video wollten

wir visuell einen Hingucker auf Leinwand

bringen und die Story skurril erzählen, was,

glaube ich, mit dieser Extremform der alten

Liebe eine gute Idee war.

O: Gibt es bei euch eine „alte Liebe“?

S: Jeder von uns hat eine alte Liebe. Im

direkten Sinne, also eine alte Partnerschaft, an

der man vielleicht nicht mehr hängt, die aber

wichtig im Leben war und nicht spurlos an

einem vorübergegangen ist. Aber auch eine alte

Leidenschaft kann die „alte Liebe“ sein. Übrigens

war der Auslöser dieses Songs wirklich die

Komm mit auf die

DUNKLE Seite

des Hörspiels!

DARK MYSTERIES

Das verbotene Zimmer

SHERLOCK HOLMES CHRONICLES

Die Moriarty Lüge

DIE SCHWARZE FLEDERMAUS

Das Zeichen d. schw. Fledermaus

FLAVIA de LUCE

Mord im Gurkenbeet

Die neuen

HÖRBÜCHER und

HÖRPSPIELE von

Mehr INFOS im Netz unter

www.winterzeitstudios.de

Diese und viele andere

Hörspiele und Hörbücher

gibt es PORTOFREI (ab 20

Euro Bestellwert) bei uns im

SHOP: Orkus! winterzeit-shop.de - 123


Begegnung eines Hämatom-Mitgliedes mit seiner „alten Liebe“ – mehr

Details werden aber nicht erzählt!

O: Wie oft wurde eigentlich die Endszene gedreht, bis sie im Kasten

war? Ich hoffe, es sind nicht zu viele Autos Opfer der Klippe geworden?

S: Was soll ich dazu sagen? Na ja, bin ich mal ehrlich, sonst kommt noch

eine Anzeige vom Naturschutzverein. Wir haben diese Filmsequenz

gekauft. Es wäre zu teuer und eben für die Umwelt unerträglich gewesen,

hätten wir ein Auto die Klippe herunterstürzen lassen, das dann noch in

Feuer aufgeht.

O: Bei dem Stück Ahoi möchte man am liebsten selbst einfach mal

verschwinden. Wenn ihr ohne Weiteres die Segel hissen könntet, wohin

würde euch die Reise bringen?

S: Ich spreche natürlich nur für mich, und jeder von der Band hat

andere Ziele, aber mich interessiert gerade Südamerika. Auf hohen

weiten Gebirgsplateaus in der Einsamkeit wandern, stelle ich mir

wunderschön vor. Ahoi handelt übrigens von der Reise eines Flüchtlings

in Richtung „Paradies Europa“. Doch leider wird er dieses Ziel im Song

nicht erreichen. Ein Text, wie er regelmäßig in den Nachrichten erzählt

wird und auch, bezogen auf deine Frage, mal wieder klarstellen soll, wie

gut es uns geht. Wir können schließlich das Ziel frei wählen und die

Segel hissen, wann wir wollen.

O: Genug ist genug ist kein Wink mit dem Zaunpfahl, sondern ein

ordentlicher Hieb mit dem Garagentor für unsere Gesellschaft. Was

würdet ihr als Erstes ändern, wenn ihr die Macht dazu hättet?

S: Ich würde versuchen, wieder gesunde Verdienstrelationen herzustellen.

Bei einer Gegenüberstellung eines schlechten Schuhverkäufergehalts

und einem Gehaltsniveau eines Vorstandsvorsitzenden oder Juristen

ermittelt man oft eine zu große Kluft, die es zu beschwichtigen gilt.

Wobei ich hier nicht auf einzelne Berufsgruppen losgehen möchte.

Es gibt natürlich auch gut bezahlte Verkäufer und schlecht bezahlte

Juristen, das war jetzt exemplarisch. Traurig sind nur zu große finanzielle

Diskrepanzen. Es gibt Topverdiener, die ihr Vermögen wohl nicht mehr

zu Lebenszeiten auszugeben schaffen, das ist doch Schwachsinn!

O: Die Welt ist laut Mayakalender schon x-mal untergegangen. War

dieser Hype um den Weltuntergang Grund für Seelenpiraten?

S: Eigentlich nicht, wobei: jetzt, wo du es erwähnst... Ich denke, dieses

Gedankenspiel ist bei jedem Menschen immer wieder gegenwärtig. Mal

sehr prominent, durch so Nachrichten wie vom Mayakalender, oder mal

geschürt durch Ängste anderer Szenarien, wie Krieg oder globale Krisen.

O: Angenommen, morgen ist es tatsächlich so weit, und die Hölle tut

sich auf. Wie würdest du deinen letzten Tag auf Erden verbringen?

S: Ich für meinen Teil werde wohl kurzfristig noch versuchen, nach

Südamerika zu kommen, um die erwähnte Wanderung zu probieren.

(grinst)

O: Gibt es ein Stück auf Keinzeitmensch, das euch besonders am Herzen

liegt?

S: Auch hier kann ich nur für mich sprechen. Jeder von uns hat andere

Favoriten. Aber neben der ersten Single steht bei allen auch Warum ganz

oben auf der Lieblingsliste. Das zu begründen, ist immer schwierig. Ich

werde von diesem Song emotional ergriffen, wenn ich ihn höre. Und

ich habe ihn mir nun schon oft angehört, was nach einer langen CD-

Produktion für meinen Teil eher selten ist. Warum ein Song etwas in

einem Menschen auslöst, lässt sich schwer in Worte fassen, deswegen

macht man ja Musik. Es ist eine andere Ausdrucksform. Ich kann viel

im Interview über die CD erwähnen und neugierig machen, aber das

persönliche Reinhören des Interessenten kann ich nicht abnehmen.

O: Leider sind wir bereits am Ende... vorerst! Doch das letzte Wort

möchte ich gerne dir überlassen.

S: Wir sehen uns hoffentlich bei der „Keinzeitmensch“-Tour. Wer sich

noch multimedial ein erstes Bild zur neuen Scheibe machen möchte, sei

auf unser EPK 2013 verwiesen! STAY KRÄNK!

www.haematom.de

Bettina Pudmensky

Discographie (Alben):

Wut (2008)

Stay Kränk (2010)

Wenn man vom Teufel spricht (2011)

Keinzeitmensch (2013)

Line-Up:

Nord – Gesang

Ost – Gitarre

West – Bass

Süd – Schlagzeug

60 - Orkus!


Plattentipps

Top 5

... das Orkus!-Album

des Monats

Björn Springorum

1. Satyricon

Satyricon

2. The Vision Bleak

Witching Hour

Isabell Köster

1. Anneke van Giersbergen

Drive

2. Dalriada

Ígéret

3. Casper

Im Ascheregen (Track)

3. Leaves’ Eyes

Hell to the Heavens (Track)

4. Nadine Shah

Love Your Dum and Mad

4. The Vision Bleak

The Wood Hag (Track)

5. Anna von Hausswolff

Ceremony

5. Ashes of Ares

Dead Man’s Plight (Track)

Axel Schön

1. ASP

MASKENHAFT

Doreen Krase

1. The Other

They’re Alive!

2. Schöngeist

Wehe!

2. The Fright

The Fright

3. Down Below

Zur Sonne – Zur Freiheit

4. Corey Hart

Sunglasses at Night (Track)

3. The Brains

The Monster Within

4. HIM

Venus Doom (Track)

5. Dracul

Auf Grund

5. Esoteric

The Maniacal Vale

Dream Theater

Dream Theater

CD (Roadrunner/Warner)

vorauss. 20.09.2013

Detailverliebter Pomp

Pompös und cineastisch starten die Prog-Marktführer in ihr

selbstbetiteltes, zwölftes Studioalbum. Und dieser Eindruck

verschwindet während der kommenden 70 Minuten nicht. Dream

Theater gehen ein wenig epischer zu Werke als zuletzt, was

Songperlen wie dem bereits vorab veröffentlichten The Enemy Inside,

der gelungenen Halbballade The Bigger Picture oder dem spacigmelancholischen

Along For The Ride gut zu Gesicht steht. Natürlich

spendieren uns die New Yorker auch wieder eine überlange

Nummer, in diesem Fall das fünfteilige Illumination Theory mit einer

Spielzeit von über 20 Minuten. Das Monumentalwerk spannt einen

Bogen von Keyboardmelodien, die an alte Hollywoodschinken

erinnern, über walgesangähnliche Passagen bis hin zu reinrassigen

Metal-Abfahrten. Dabei bleibt das Stück jederzeit nachvollziehbar,

auch wenn Musiklaien hier und da an ihre Grenzen stoßen. Unter

dem Strich ein beeindruckendes Album mit einer unglaublichen

Detailfülle.

Marc Halupczok

Claus Müller

1. ASP

MASKENHAFT

2. shy guy at the show

shy guy at the show

3. Covenant

Leaving Babylon

4. Eden’s Curse

Symphony Of Sin

5. Glamour Of The Kill

Savages

Lars Schubert

1. Nine Inch Nails

Hesitation Marks

2. Anathema

Universal (live)

3. Woodkid

The Golden Age

4. Katatonia

Dethroned & Uncrowned

5. Unzucht

Rosenkreuzer

Nadine Ahlig

1. Avenged Sevenfold

Hail to the King

2. Watain

The Wild Hunt

3. Satyricon

Satyricon

4. Nine Inch Nails

Hesitation Marks

5. Wintersun

Time I

Lydia Aufschlager

1. SEA + AIR

My Heart’s Sick Chord

2. The Cure

Disintegration

3. Electric Sarajevo

If You Only Knew (Track)

4. Aesthetic Perfection

All Beauty Destroyed

5. Massive Attack

100th Window


Adam Is A Girl

Of Daydreams

and Nightmares

MP3 (Pikomi)

bereits erschienen

Dark Pop-Kreativmaterial

Wenn eine so junge Formation zwei

Jahre nach ihrer Gründung bereits solch

ein Debut zutage fördert, kann man nur

lobender Worte sein. Of Daydreams and

Nightmares lebt von düsterer Energie,

ausgereiften Klangstrukturen und

weiblichem Gesangstalent. Das aus

Berlin stammende Duo nimmt mit

Liedschreiberin Anja Koch und

Soundtüftler Alex Pierschel strahlend

Platz in der Dark Pop-Abteilung. Stücke

wie Daydream to Nightmare, Wish oder

Your Silence lassen wirklich keine

Wünsche offen. Man kann sich kaum

entscheiden, welches besser ist als das

andere. Es geht einfach nicht. Obwohl

Of Daydreams and Nightmares erst

einmal mit „nur“ neun Titeln aufwartet,

darf man ehrlich gespannt sein, was

beim nächsten Anhören mit einem selbst

passiert. Zu viel versprechen kann man

bei diesem Duo nicht! Wie schwer muss

es der Band gefallen sein, eine Single

auszuwählen!? Jetzt bist Du dran: Erst

raten und dann prüfen, ob man

richtiglag.

Kerstin Müller

Arts of Erebus

An open case of Parousia

CD (Sonorium/ALTONE)

bereits erschienen

Gothic Rock nach maßgeschneidertem

Konzept

An open case of Parousia ist ein

Konzeptalbum, wie man es sich nur

wünschen kann. Die deutsch-französische

Gothic Rock-Truppe präsentiert uns auf

elf Tracks die schicksalsträchtige

Geschichte eines verzweifelten Mannes,

der glaubt, schuld am Tod seiner Frau zu

sein. Nach Ouverture (death shall have

no dominion) beginnt die eigentliche

Geschichte mit On the edge of insanity.

Während der folgenden Lieder begleiten

wir die Reise des Mannes, der den

letzten Funken Hoffnung nicht aufgibt –

gefunden in der Nummer Spark of hope.

Sein Weg geht in die Unterwelt (Gates

of Hades), er überquert den Fluss Styx

(The wanderer between life and death).

Am Ende muss er erkennen, dass man ins

Schicksal einfach nicht eingreifen kann.

Er nimmt Abschied mit Requiescat in

pace („Ruhe in Frieden“). Lass Dich

selber in ferne Welten entführen... Das

zwölfseitige Booklet mit Lyrics ist dabei

sehr hilfreich. Der neue Sänger Raven

Burroughs gliederte sich perfekt in das

Projekt ein. Gerne mehr davon!

Manuela Ausserhofer

Das neue, düstere

Meisterwerk

des ELECTRONICund

WAVE-Pioniers!

Ab dem 11.10. auf CD,

LP und als Download

erhältlich.

cookingvinyl.com

numan.co.uk

Anathema

Universal

CD + DVD (Kscope/Edel)

vorauss. 27.09.2013

Emotionale Live-Reise

mit den Prog-Meistern

Es ist sicher kein Zufall, dass

Bühnenwerke in der Discographie von

Anathema so selten sind: Einfache Live-

Versionen ihrer Lieder zu präsentieren,

ist für die Engländer keine Option. Die

Aufnahme muss musikalisch etwas

Eigenes bringen. Deswegen verewigt

Universal das spezielle Konzert der

„Weather Systems“-Tour im alten

römischen Theater von Philippopolis in

Bulgarien mit dem Philharmonischen

Orchester Plovdiv. So wird diese Live-

CD/DVD der perfekte Abschluss eines

Kapitels, das gerade der emotionalen

Essenz von Anathemas Musik einen

großen Platz einräumt. Wer eine Show

dieser Tour besuchte, wurde vielleicht

von einer gewissen Saftlosigkeit

enttäuscht, durch Lieder, die ohne ihre

Streicherarrangements von Sensibilität

zu Fadheit übergingen. Was für eine

Freude, sie hier in der vollen Kraft ihrer

Emotion zu hören! Das Orchester

unterstützt den Elan von Untouchable, A

Simple Mistake oder A Natural Disaster

bis zum Himmel, und das Duo Daniel

Cavanagh/Lee Douglas klingt reiner

denn je... Prächtige Aufnahme einer

Musik, die sich der Universalität immer

mehr annähert...

Jessica Boucher-Rétif

Asking Alexandria

From Death to Destiny

CD (Sumerian/Soulfood)

bereits erschienen

Post Hardcore-Explosionsgefahr

Es ist ja nun nicht so, dass man von

Asking Alexandria Durchgekautes,

Vorhersagbares oder schlechtes

Handwerk erwarten würde. Das vorab.

Die Erwartungen beim dritten Studioalbum

der Briten sind also hochgradig

angespannt – eine passende Einstiegshaltung

für From Death to Destiny. Denn

der Post Hardcore-Kessel steht von der

ersten Sekunde an mächtig unter Druck,

und man sieht quasi schon die Jungs

grinsend an der Lunte zündeln. Dabei

lösen sie sich auch je nach Belieben aus

dem Stahlkorsett ihres Genres und

greifen in die Metal-, Rock- oder sogar

mal Pop Electro-Werkzeugkisten anderer.

Radiotauglicher, so angekündigt, soll es

außerdem sein, weniger hart aber

garantiert nicht. Hauptsache, das

Endergebnis dampft vor Energie. Starke

Melodien, Growls und klassischer

Rockgesang brennen bei textlichen

Amokläufen die Hütte in Grund und

Boden. Programmatisch auch das

Mitgrölpotenzial: zum Durchdrehen sehr

empfohlen.

Miriam Claus

AutoViolet

AutoViolet

CD (Neutrino/AL!VE)

bereits erschienen


an, Freunde von Brothers of End kommen

trotzdem auf ihre Kosten.

Julian Rohrer

Below in ihrem zehnten Jahr, auf dem

Weg zur Sonne – zur Freiheit.

Axel Schön

Poppiger Rock aus Kanada

AutoViolet sind anders, und das ist auch

gut so. Die Band rund um die hübsche

Amy Arsenault mischt Genres, wie es ihr

beliebt. Jetzt präsentieren die drei ihr

Debut. Und es geht gleich in die Vollen

mit No Tomorrow: ein fetziges Stück, das

Amys Stimme perfekt zur Geltung bringt.

Edle Bridges leiten über zu gekonnt

inszenierten Refrains, die allesamt von

großem Ohrwurmpotenzial zeugen.

Weiter geht es genauso schnell und

stimmig mit Falling, einer der besten

Nummern des Albums, welche

emotionsreich beginnt und sich zu ihrem

Höhepunkt emporsteigert. Amys Gefühle

und Erlebnisse – sie litt unter anderem an

Depressionen – werden hier transportiert,

die Lieder wirken authentisch und nicht

gekünstelt. Sehr spannend sind auch das

elektronischere Fade Away sowie Lullaby,

die eine andere Seite der Gruppe

zeigen. Auf insgesamt elf Tracks mit einer

Spieldauer von rund 45 Minuten

begrüßen uns die Kanadier in ihrer Welt,

welche eine Mischung aus Elektronik,

Metal und einer gehörigen Portion Pop

ist. Freunde von All Ends, The Birthday

Massacre oder auch Deadlock dürften

Gefallen an dem Sound finden.

Manuela Ausserhofer

Blackfield

IV

CD (Kscope/Edel)

bereits erschienen

Blackfield-„Titanic“ geht unter

im Meer aus Kitsch

Och Gottchen, ist das schön! Wenn der

israelische Superstar Aviv Geffen eine

Kooperation mit Steven Wilson eingeht,

dann bedeutet das Melancholie,

Tränchen und Gefühl, bis Dir ganz rosa

ums Spitznäschen ist. But, is this the way

it should have begun? It’s hopeless. Man

möchte von politischem Ernst schreiben,

vom Nahostkonflikt, der so eindrücklich

und schrecklich ist, dass er seinen Weg

in die anspruchsvollen Texte von Aviv

Geffen findet. „Mutter, hast du unsere

Welt gesehen? Sie schießen sich in der

ganzen Stadt über den Haufen – (...) ich

lebe noch immer“, textet er in Sense of

Insanity, doch alles, was zu hören ist, ist

schöner, leicht angerockter Pop. Und

Geigen. Man möchte von der Dunkelheit,

der abseitigen Genialität eines Steven

Wilson erzählen, der mit Porcupine Tree

Prog Rock-Geschichte geschrieben hat.

Doch dann ist da dieses Kissed by the

Devil, ein Song, der an die besten Alice

In Chains-Zeiten erinnert, nur in viel

fluffiger und anheimelnder. Es ist

hoffnungslos. Blackfield machen Album

Nummer vier zu Kitschfeld Nummer eins.

Die grandiosen Pop-Melodien schlagen

leck an den kurzen, aber spitzen Kanten

des Werkes, und die Geffen/Wilson-

„Titanic“ geht unter in einem Meer aus

Pomp. Schade, das. Aber hey, trotz

allem: es ist schön! Und damit spricht das

Album nun zwar weniger die Proggies

die perlen

Mein rechter Platz ist leer

MCD (kompuphonik/emmo.biz)

bereits erschienen

Nachdenken und tanzen!

Nach dem schrillen, punkigen

Lebenszeichen mit ihrem Langspieler

Zurück melden sich die Initiatoren des

berüchtigten Telektroponk jetzt deutlich

elektronischer und um ein Weiteres

tanzbarer zu Wort. Der Dreh- und

Angelpunkt der inhaltlichen Idee wird

schnell klar, ebenso die Gäste, die sich

auf der Party aus synthetischen Beats und

treibendem Rhythmus zu dem meinungsstarken

Duo gesellen dürfen: „Komm, wie

du bist, Hauptsache ist, du bist kein

Faschist!“, tönt es an unser Ohr. Neben

einigen Remixen des Titelsongs, bei

denen neben der Gedankenfabrik im

Kopf auch der Körper ordentlich zum

Laufen kommt, erstrahlen hier noch

Stücke vom letzten Album – darunter

Morgen und UKSSR – in neuem Gewand.

Komplettiert wird das vielschichtige Werk

durch eine absolute Rarität, nämlich

einen Mix der fast in Vergessenheit

geratenen Großstadtangst. die perlen

bringen es auf den Punkt, zeigen den

Facettenreichtum elektronischer Musik

und nehmen wie immer kein Blatt vor den

Mund!

Tanja Pannwitz

Down Below

Zur Sonne – Zur Freiheit

CD (Oblivion/SPV)

vorauss. 20.09.2013

Dynamischer Rock

und große Gefühle

Ein wenig haben sich Down Below

wieder auf ihre metallischen Wurzeln

besonnen. Bei den Aufnahmen der

Stücke zum neuen Album scheint eine

neue Souveränität die Band um

Frontmann Neo Scope geleitet zu haben,

mit Liedern um der Lieder willen. Das

Quartett kombiniert harte, rockige

Gitarren mit erhebenden oder auch mal

dunkel-bedrohlichen orchestralen Parts,

ruhigem Piano und elektronischblubbernden

Sounds, großes Gefühlskino

mit kraftvoller Entschlossenheit. Druckvoll,

rhythmisch ist der Titelsong, schnell jagt

Lauf aus den Boxen, wirkt Alles wird gut

in melodiösem Midtempo nachdenklich.

Bruder ist ruhiger und schafft die dem

Thema angemessene Emotionalität,

während Nordstern auf die Tanzfläche

zu bitten weiß, ohne seicht anzumuten.

Einer der Höhepunkte ist sicher

Unvergessene Zeit: ein großartiges Duett

mit Natalia Avelon. Zwei tolle Stimmen

treffen hier aufeinander und verbreiten,

musikalisch unterstützt von den

Streichern, bittersüße Melancholie.

Abwechslungsreich, über weite Strecken

mitreißend, gefühlvoll... das sind Down

Dracul

Auf Grund

CD (Synthetic Symphony/SPV)

vorauss. 20.09.2013

Elektronische Sounds und kritische Texte

in dunkler Allianz

Sechs Jahre schien Funkstille um das

Elektronik-Projekt Dracul zu herrschen.

Doch nun geht Mozart mit seinem

Künstlerkollegen Tom O’Connell und den

Sängerinnen Karo Hafke sowie

Madeleine Le Roy wieder gesellschaftlichen

oder menschlichen

Fehlentwicklungen Auf (den) Grund.

Dabei nimmt Mozart einerseits kein Blatt

vor den Mund, legt mit seinen Texten den

Finger tief in die Wunden, das Album

punktet aber auch mit ironischen

Anspielungen oder setzt augenzwinkernd

altbekannte Pop-Songaussagen für

eigene Zwecke ein. Natürlich kommt der

Tanzfaktor elektronischer Musik nicht zu

kurz, die Kompositionen verschiedener

Härtegrade werden aber hier und da

auch von Gitarren und organisch

wirkenden Drums verstärkt, und bei so

manchem Text, wie beispielsweise Heil-

Kräuter, gerät der Tanzrhythmus erst

einmal schlichtweg in den Hintergrund

der Aufmerksamkeit. Lyrisch wie

musikalisch ist Auf Grund anspruchsvoll,

kontrovers, nicht unbedingt leicht

verdaulich, möchte erarbeitet, erhört

werden und deckt bei häufigerem

Abspielen je nach eigener

Grundstimmung verschiedene Schichten

auf. Kreative Szene-Kunst!

Axel Schön

Eden’s Curse

Symphony Of Sin

CD (AFM/Soulfood)

vorauss. 04.10.2013

Bombige Melodien

Nachdem US-Sänger und Namensgeber

Michael Eden von Bord ging und es sein

italienischer Ersatzmann Marco Sandron

nur wenige Monate bei der

Multikultitruppe aushielt, ist es nun an

dem Serben Nikola Mijić, Eden’s Curse

zurück in die Spur zu bringen. Und das

gelingt dem guten Mann, der

international bisher kaum in Erscheinung

trat, sehr ordentlich. Bisweilen erinnert er

von der Stimmlage an den jungen David

Coverdale (Break The Silence, Fallen

From Grace, Wings To Fly), meistert aber

auch alle anderen Anforderungen, die

seine Band an ihn stellt. Und die sind bei

Eden’s Curse traditionell vielfältig. Die

Musik reicht von rockigen Ausflügen der

Marke Pink Cream 69 bis hin zu

traditionellem Metal im Sinne von Judas

Priest, legt aber immer besonderen Wert

auf Eingängigkeit. Fans der genannten

Referenzbands sollten in diese

Melodiebombe unbedingt mal reinhören.

Marc Halupczok

Eisherz

Achtung!

CD (recordJet/NMD)

bereits erschienen

Achtziger Jahre-Herz-Electro

Bereits 2002 gründeten die

Mönchengladbacher Kai und Sebastian

das Electro-Projekt Eisherz. 2006

öffneten sie mit ihrem Debut Kalte Zeiten

ein neues Tor für Liebhaber von

minimalistisch-düsterem Wave, Electro

sowie auch Achtziger-Sound und ließen

durch Klang und Text in ihre Herzen und

Seelen blicken. Was für viele

Musikbegeisterte und aufgeschlossene

Newcomergeister folgte, waren knapp

sieben Jahre der Funkstille. Desto mehr

Freude und Aufregung herrscht nun, mit

Achtung! einen Longplayer präsentiert zu

bekommen, der Kalte Zeiten nacheifert

und das Duo in Sachen Bandgeschichte

weiter vorantreibt. „Düster“,

„melancholisch“, „romantisch“,

„magisch“, bisweilen irgendwie sogar

„witzig“, „erotisch“, „mächtig“,

„eigenwillig“, „angsteinflößend“,

„verspielt“ und „harmonisch“ sind wohl

treffende Wörter, um dieses Album im

Großen zu beschreiben. Titel wie

Rumpelstilzchen oder Liore Christo

verstärken den Eindruck, dass es um mehr

als nur Musik geht. Also: Reinhören!

Zuhören! Und aufpassen!

Kerstin Müller

endanger

Mit Dir untergehen

Close to the Edge

MCD (Infacted/Soulfood)

vorauss. 20.09.2013

Ein Appetizer, der hungrig

auf mehr macht

Zwei Tracks, die Tanzbarkeit und

Innehalten, Sehnsucht und Schmerz,

Hoffnung und Zuversicht versprechen.

Mit Dir untergehen ist eine wunderschöne

Ballade, die an keiner Stelle schnulzig

wirkt. Die Synths erklingen dezent,

untermalen den Gesang von Rouven

Walterowicz auf eine weiche Art und

Weise, die zum Träumen bringt. Den

Gegenpol liefert Close to the Edge. Dort

kommt die Clubtauglichkeit voll zum

Tragen. Der Rhythmus ist eingängig,

schon beim ersten Hören. Erneut ist es

Rouvens Stimme, die uns wie ein

samtener Mantel in ein Gewand aus dem

Wunsch nach einer grenzenlosen Liebe

hüllt, welche es jedoch nie zu geben

scheint. Die Single gilt als Kostprobe für

das im Oktober folgende Album des

Duos, und die Vorfreude ist hiermit

geschürt.

Marie-Luise Henke

endanger

Larger Than Life

CD (Infacted/Soulfood)

vorauss. 04.10.2013

Wechselbad der Gefühle...

... ein solches löst das fünfte Album der

beiden Herren aus Salzgitter bei seinen

64 - Orkus!


Hörern aus. Mal fordern sanfte Stücke

zum Innehalten auf, dass man dem Text

Aufmerksamkeit schenkt und in sich selbst

geht. Doch daneben gibt es auch Tracks

wie Your Hell oder The Saint Pauls Remix

der 2011er Single Die Show muss

weitergehen, welche für Partylaune

sorgen. Erfrischend wirken die

vornehmlich deutschen Nummern, die

thematisch feinst abgestimmt sind und

nicht kantig oder zu schwer verdaulich

klingen. Dass vor allem Rouven

Walterowiczs Vocals das Gros der

heraufbeschworenen Atmosphäre

ausmachen, ist nicht von der Hand zu

weisen. Seine Stimme erinnert an De/

Vision, Felix Marc oder mesh und lässt in

andere Gefilde schweifen. Ein

wunderbares Werk für Synthiepop-Fans,

die sich für deutsche Lieder nicht zu

schade sind – warum auch? endanger

zeigen, dass sie vollkommen zu Recht seit

15 Jahren im Geschäft sind, und werden

dies hoffentlich noch lange bleiben.

Marie-Luise Henke

Epysode

Fantasmagoria

CD (AFM/Soulfood)

vorauss. 11.10.2013

Düster und melancholisch

Auch für den zweiten Streich seines

progressiven Power Metal-Projektes

Epysode hat der belgische Gitarrist

Samuel Arkan wieder eine illustre Zahl

von Künstlern um sich geschart. Unter

anderem durften Tom S. Englund

(Evergrey), Michael LePond (Symphony

X), Léo Margarit (Pain of Salvation), Ida

Haukland (Triosphere) und die deutsche

Wunderstimme Henning Basse (ehemals

Brainstorm und Metalium, heute bei Uli

Jon Roth) ihren Teil zum Gelingen von

Fantasmagoria beitragen. Natürlich

färben so prominente Musiker auf den

Gesamtsound ab, speziell Evergrey

scheinen an allen Ecken und Enden

durch. Erstaunlicherweise auch in jenen

Stücken, an welchen Englund offiziell gar

nicht mitgewirkt hat. Düster, melancholisch,

manchmal verspielt und nicht

immer eingängig (Venom, Raven’s Curse,

Now And Forever), dürfte dieses Album

vor allem Fans ansprechen, denen

Kamelot, Epica oder die viel zitierten

Evergrey besonders nahestehen.

Anspieltipp: der überragende Titelsong.

Marc Halupczok

Eyes Set To Kill

Masks

CD (Century Media)

vorauss. 20.09.2013

Screams, Grunge

und starke Melodien

Mädelspower. Na gut, nicht nur. Aber als

nicht gerade dominierende Kraft in der

Metal- und Post Hardcore-Szene stechen

die Vokaldarbietungen von Alexia,

unterstützt durch ihren Mikromitstreiter

Cisko, aus der Masse heraus. Die

Schwestern Alexia und Anissa Rodriguez

sind eben doch mehr als schmückendes

Beiwerk. In diesem Fall zusätzlich auch

Bandgründerinnen von Eyes Set To Kill,

die sich mit ihrem bereits fünften Album

auf Identitätssuche begeben. Ebenfalls

herausstechendes Erkennungszeichen ist

ein feiner, längst verwittert geglaubter

Hauch Grunge, der in Person der

Frontfrau in diese Identität einfließt, sieht

man Alexia auf den Brettern, die die Welt

bedeuten, kernig in die Gitarrensaiten

langen. Gesanglich geht da jedoch mehr


vonstatten: In auffallend starken,

eingängigen Melodien ergänzen

sich Cisko Mirandas harte Screams

und Alexias weibliche Screamo-

Parts, während Schlagzeug, Bass

und Gitarre tun, was ihre heilige

Pflicht ist: rocken. Ein Konzept, das

funktioniert, ganz ohne Maskierung.

Miriam Claus

Glamour Of The Kill

Savages

CD (Steamhammer/SPV)

vorauss. 20.09.2013

Knackfrischer, harter Rock

nach alten Vorbildern

Gitarren kann man nie genug haben!

Müsste man sich nun zwischen

Glamour und dem harten „Kill“

überhaupt entscheiden, dann sinkt

die Waage bei Letzterem. Jetzt noch

jedem in der Band einen

Backgroundpart abgeben, so ist

schon mal eine anständige

Grundlage geschaffen, wenn man

seinen Vorbildern KISS und Mötley

Crüe nachzueifern gedenkt. Also fix

das Hitpotenzial der Rockgötter

extrahieren: Starke Melodien –

check! Zwirbelnde und jaulende

Gitarren – check! Ordentlich Tempo

vorlegen, mit maximal ein, zwei

ruhigen Nummern – check! Und vor

allem den Old School-Touch frisch

aufpolieren und mit einer

eigenständigen Note anreichern,

denn bei ihren Fans dürften sich die

grauen Haarsträhnen noch sehr in

Grenzen halten. Heraus kommt eine

mehr rockige als metallische Combo,

die ihr zweites Album ganz genau

durchdacht und sich damit neu

definiert hat. Spaß macht sie

außerdem. Was will man mehr?

Miriam Claus

Hämatom

Keinzeitmensch

CD (Rookies & Kings/SPV)

vorauss. 20.09.2013

Schluss mit lustig

Hämatom sind endgültig aus den

Kinderschuhen herausgewachsen.

Das bewiesen sie nicht nur mit ihrer

2012 erfolgreich veröffentlichten

Live-DVD Schutt und Asche, sondern

sie widmen sich mit ihrem neuen

Album noch kritischer Dingen, die an

keinem von uns vorbeigehen. Schon

ein erster Blick aufs Cover lässt

erahnen, was den Hörer erwartet.

Wer sind wir heute? Haben wir noch

eine eigene Meinung? Oder

plappern wir lediglich nach, was uns

die Medien vorgeben? Was ist

moralisch korrekt? Was nicht?

Nehmen wir uns überhaupt noch die

Zeit, um darüber nachzudenken?

Ernsthaft? Ohne lustige Bildchen und

Zitate, die durchs World Wide Web

flattern? Die vier Franken greifen

Punkte auf, die nicht nur die politische

Lage auseinandernehmen, auch

persönliche Ängste und Probleme

werden angesprochen. Nach einem

Intro geht es mit Säulen des

Wahnsinns direkt in die Vollen.

Aggressive Riffs unterstreichen die

raue Stimme von Sänger Nord, und

melodische Synthesizer bilden einen

Kontrast zu den düsteren Thematiken.

Die Texte sind eingängig, schnell hat

sich der eine oder andere Ohrwurm

eingenistet. Die Märchenstunde ist

vorbei! Das wahre Leben ruft, und

zwar aus vollem Hals und mit

ordentlichem Bums dahinter.

Bettina Pudmensky

Martin Hall

Phasewide, Exit Signs

CD (VME/Soulfood)

vorauss. 04.10.2013

Moderne Klassik aus Dänemark

Die Musik von Martin Hall lässt sich

schwer in Worte fassen. Das neue

Solo-Album des vielseitigen Künstlers

beweist das einmal mehr. Es

vermischt neo-klassische Momente

mit elektronischen Experimenten,

ambienten und atmosphärischen

Passagen sowie klarem, berau schendem

Gesang... rockig, gefühlvoll und

inspirierend. Martin Hall ist Perfektionist,

dies spiegelt sein rund 45

Minuten dauerndes Material wider.

Stücke wie Forgetting the Details

erzeugen eine romantische,

verführerische Stimmung. Fast 20

verschiedene Gäste sind auf dem

Tonträger vertreten, welche durch

eine Vielzahl an Instrumenten ihre

Würze beisteuern. Neben

klassischen Kandidaten wie Klavier

oder Geige sind auch Saxophon,

Mandoline oder Sousaphon mit von

der Partie. Phasewide, Exit Signs

umfasst ein enormes Spektrum, und

Freunde von (neo-) klassischer Musik,

die sich selber keine Grenzen setzt,

sollten hier unbedingt mal reinhören.

Manuela Ausserhofer

In Extremo

Kunstraub

CD (Vertigo/Universal)

vorauss. 27.09.2013

Unter Volldampf

Mit gesunder Härte eröffnen die

Könige des Mittelalter Metal ihr

neues Album. Der die Sonne schlafen

schickt gibt die Richtung vor, die mit

dem eingängigen Lebemann, dem

süchtig machenden Die Beute,

der genial betitelten Abrechnung

Doof oder dem Tanzflächenfeger

Belladonna (Anspieltipp!) kaum Zeit

zum Verschnaufen lässt. Einer dieser

wenigen Momente sind die tollen

Halbballaden Alles schon gesehen

und Gaukler, bei denen die Berliner

ihrem Hang zur Melancholie frönen.

Ansonsten steht der Kahn, ähnlich

wie bei den Vorgängern Sterneneisen

und Sængerkrieg, unter Volldampf,

das Material schreit geradezu nach

einer Live-Umsetzung. In Extremo

sind damit auch im 19. Jahr ihrer

Karriere kein bisschen leise oder gar

müde und werden ihre Fans, so viel

steht jetzt schon fest, mit ihrem

zehnten Studioalbum garantiert nicht

enttäuschen.

Marc Halupczok

KoRn

The Paradigm Shift

CD (Capitol/Universal)

vorauss. 04.10.2013

Düsterer Paradigmenwechsel

Einen Paradigmenwechsel gab es ja

eigentlich bereits beim letzten KoRn-

Album. Durch The Path Of Totality

demonstrierten die Nu Metal-

Begründer, dass sie weiterhin für

Impulse und wegweisende Werke

gut sind, traten mit dem „Metal meets

Dubstep“-Exkurs eine regelrechte Flut

los. Zwei Jahre später ist aus dem

Dubstep-Tsunami eine zahme Pop-

Welle für Kinotrailer geworden, aus

KoRn jedoch eine abermals

gewandelte, deutlich düsterer als

zuletzt operierende Formation, die

noch immer überrascht. Und

begeistert: The Paradigm Shift ist das

Album, welches sich viele schon

nach Take A Look In The Mirror

gewünscht hätten. Angepisst,

wütend, innerlich zerfressen... und

ohne Dudelsack. Verschwunden sind

die Dubstep-Elemente nicht ganz,

wie die (schwache) Single Never

Never zeigt, vielmehr integrieren

KoRn die Elektronik jetzt merklich

untergeordneter in die schlabbernde

Gitarrenwucht: Prey For Me oder

Love & Meth sind wahre Brecher in

bester Manier dieser Band, grooven

wie verrückt, bieten tolle Refrains und

geradezu zarte Melodien. Respekt

vor diesem Paradigmenwechsel –

mehr als ein Fan hätte wohl seinen

Allerwertesten darauf verwettet, dass

das Gespann nach der Zusammenarbeit

mit Skrillex noch tiefer in den

Dubstep-Kosmos vordringt.

Björn Springorum

LowCityRain

LowCityRain

CD (Prophecy/Soulfood)

vorauss. 27.09.2013

Glasklarer und träumerischer

Wave-Rundflug

Wir befinden uns im Schwebezustand.

Ab und an tanzen kleine

Discolichtpünktchen vorbei.

Melodien umschmeicheln den Flug,

leicht zieht der Rhythmus auf seine

66 - Orkus!


hypnotische Bahn, während eine klare

Männerstimme mit uns die Soundflächen

und -ebenen quert. Einfach den Einstieg

über den Gesangspart einer Freundin

wagen – selbstverständlich, warum nicht?

Eine Abgeklärtheit, hinter der sich der

Emotionsrausch nur mühsam verbirgt. Die

angekündigte Hommage an die

Achtziger ist geglückt, ebenso der

Startschuss des Nebenprojekts von

Markus Siegenhort. Weniger „dark“ als

mit vielmehr träumerischer Melancholie

widmet er sich dem Wave, teilweise mit

einer Langsamkeit und Puristik, wie es

sich nicht viele trauen. Phantom

schließlich zieht ein bisschen an, ohne

dass man je aus der seelenvollen

Klangwoge aufschreckt. Das passiert

erst, wenn die acht Stücke ein jähes Ende

genommen haben und man sich

verwundert im Hier und Jetzt

wiederfindet.

Miriam Claus

Nailed to Obscurity

Opaque

CD (Apostasy/Edel)

vorauss. 20.09.2013

Atmosphärischer Doom/Death Metal

aus deutschen Landen

Seit dem selbst veröffentlichten Abyss

sind einige Jahre verstrichen. Jetzt haben

Nailed to Obscurity genügend Material

gesammelt, um ihr Labeldebut

vorzulegen: voller atmosphärischer

Death Metal-Stücke, die sich teils stark in

der Doom-Ecke ansiedeln. Es gibt kein

Intro, es geht gleich ordentlich los, und

zwar mit iNnerME, der Nummer, die

auch als Lyricvideo online begutachtet

werden kann. Und schon dieser Track

beweist, dass Nailed to Obscurity einen

großen Schritt nach vorne gemacht

haben. Melodischer Death/Doom der

Extraklasse, der in manchen Momenten

sogar an die Heroen des Genres, wie

Opeth, erinnert. Glaubt man nun, dass

vielleicht das Beste an den Anfang

gestellt wurde, liegt man falsch. Es geht

grandios weiter mit Torn To Shreds, das

noch ein bisschen melodielastiger ist und

mit ruhig gehauchten Textpassagen für

Abwechslung sorgt. Genug der Worte.

Opaque ist ein kleines Meisterwerk, und

die letzten Jahre, die auch den neuen

Sänger Raimund Ennenga mit sich

brachten, führten zur Vollendung. Sehr

geil!

Manuela Ausserhofer

New Model Army

Between Dog And Wolf

CD (earMUSIC/Edel)

vorauss. 20.09.2013

Was für eine beeindruckende Rückkehr!

Nachdem die jüngere Geschichte von

New Model Army nicht gerade arm an

Schicksalsschlägen (Todesfälle,

Studiobrand, Ausstieg des langjährigen

Bassisten Nelson et cetera) war und die

AntI-PoP!

Der Neustart

der legendären

Reihe!

mit teils exklusiven Geschichten von

Ramona Ambs, Ina Brinkmann, Stiff

Chainey, Oliver Flesch, Markolf Hoffmann,

Alexander Kaschte, Andreas

Kurz, Boris Koch, Christoph Straßer,

Luci van Org und Christian von Aster

Infos unter www.ulIne-store.de

edItIon

Band nur als „Justin Sullivan & Friends“

tourte, konnte man alles andere als

sicher sein, dass sich die Mannen noch

einmal aufraffen würden. Doch gerade

die personellen Wechsel und die lange

Pause (das letzte Album Today Is A

Good Day erschien bereits 2009)

haben der Gruppe mehr als gutgetan:

Between Dog And Wolf ist in einem

intensiven Reifeprozess entstanden und

ohne Abstriche ihr bis dato beeindruckendstes

und tiefgehendstes

Album. Gerade weil sich die Band

bisher eher als Live-Act einen Namen

machte, ist die Konsequenz bemerkenswert:

Rockige Hymnen findet man

hier kaum, dafür eine Sammlung retround

introspektiver Lieder, welche

Sullivan einmal mehr als hochgradig

gereiften Songwriter und Lyriker zeigen.

Längst vorbei die Zeiten, in denen

plakativ zur Tagespolitik Stellung

genommen wurde. Die Texte sind noch

persönlicher, nachdenklicher und

philosophischer geraten, ohne in

Alterslarmoyanz zu verfallen. Dies geht

konform mit den diffizil instrumentierten,

mit vielen liebevollen Details

inszenierten Stücken, die trotz ihres

höchst unterschiedlichen Charakters –

vom drumdominierten Opener

Horsemen über fernöstliche Anleihen

(Quasr El Nil Bridge) bis hin zu

atmosphärischen Balladen (Summer

Moors) – ein homogenes Gesamtbild

abgeben, dessen roter Faden die

charismatische Stimme Justin Sullivans

bleibt. Ein durchweg überzeugendes

Alterswerk... gerade und auch für Leute,

die mit New Model Army bis jetzt

wenig anfangen konnten.

Ecki Stieg

Nhor

Within The Darkness

Between The Starlight

DLP (Lupus Lounge/Soulfood)

bereits erschienen

Nächtliches Black Metal-Manifest

Es sind Alben wie dieses, welche die

derzeitige Ausnahmestellung der

englischen Black Metal-Szene

untermauern. Einzelgänger Nhor

wirkt im Verborgenen, durchstreift die

weiten Wälder Albions, schaut voller

Hingabe in den Sternenhimmel. Dabei

hört er wahrscheinlich Darkthrone

oder Immortal... Bands, die seine

Liebe zum Black Metal entfacht und

dazu geführt haben, dass er sich

musikalisch zur Hälfte im schroffen,

klirrenden und hypnotisierenden

Genre des althergebrachten Black

Metal ausdrückt. Das hat ein wenig

was von Lunar Aurora, mutet bei Nhor

aber noch waldiger, noch nächtlicher

an. Die andere Hälfte seines Schaffens

gilt Klavierkompositionen, die

den Kopf tiefer hängen lassen als

Trauerweiden und sich wie ein

Leichentuch um die frostigen Black

Metal-Ausbrüche legen. In der

Dualität jener Extreme steckt das

Wesen dieses Projekts, das im Dunkel

zwischen den Sternen nach Weisheit,

Erleuchtung und Antworten sucht.

Hoffen wir, dass Nhor noch lange mit

dieser Suche beschäftigt ist.

Björn Springorum

Gary Numan

Splinter

Songs From A Broken Mind

CD (Cooking Vinyl/Indigo)

vorauss. 11.10.2013

Neues von dem Mann,

dessen Texte zu 90 Prozent

aus Possessivpronomen bestehen

Splinter ist das fünfte reguläre Gary

Numan-Album seit seinem beeindruckenden

Neubeginn mit Sacrifice

Mitte der Neunziger. Und das bedeutet:

dräuende, schwere, extrem dunkle

Industrial-Klänge, die auch Liebhabern

von Nine Inch Nails (Trent Reznor ist

großer Numan-Fan) gefallen, dazu die

typischen mollgeschwängerten Flächen.

Nach dem bisher düstersten Werk

Jagged (2006) folgte mit Dead Son

Rising (2011) eine Auflockerung: Numan

ließ wieder mehr Licht und auch

Spurenelemente seiner Arbeiten aus

früheren Jahren zu. Dieser Weg wird hier

erfolgreich fortgesetzt. Durch stilistische

Hakenschläge, die auch untypische, fast

rührende Balladen wie Lost umfassen,

erhalten die energetischen, nach vorne

drängenden Tracks wie I Am Dust im

Kontext eine noch größere Dynamik.

Besonders beeindruckend aber ist die

vokalistische Leistung Numans, der nie so

ausdrucksstark und variationsreich klang

wie hier und damit noch mehr an Profil

gewinnt. Lyrisch gibt es die gewohnte

Ladung Nihilismus, Lebensverneinung

und Atheismus, streckenweise derart

geballt, egozentrisch und plakativ, dass

man sich fragt, was diesen Mann

eigentlich noch am Leben hält. Sei’s

drum: insgesamt zählt Splinter zu den

definitiv besseren Werken Numans.

Aufgrund der wieder vermehrt aufblitzenden

Reminiszenzen an die

stärkeren Momente seines Schaffens in

den Achtziger Jahren dürfte es auch für

die älteren Honoratioren von Interesse

sein, ohne wirklich groß zu überraschen.

Gutes Album.

Ecki Stieg

Onslaught

VI

CD (AFM/Soulfood)

vorauss. 20.09.2013

Wurzelpflege auf höchstem Niveau

Seitdem die britischen Thrasher nach

langer Pause 2007 mit Killing Peace

wieder auf der Bildfläche erschienen,

sind sie ein Garant für Qualität. Mit dem

schlicht VI betitelten sechsten Studioalbum

setzen sich die Engländer allerdings

selbst die Krone auf. Schon Chaos Is King

gibt die Richtung vor: So brutal und

gleichzeitig eingängig klang die Band

wohl noch nie. Ähnlich wie Testament

oder Kreator, schaffen es die Jungs aus

Bristol, Härte mit Melodie zu verbinden

und dabei ihren Wurzeln treu zu bleiben.

Höhepunkt des Ganzen ist das über

sechsminütige Children Of The Sand, das


mit arabischen Tonfolgen und weiblichem

Gesang überrascht. Wer die pure Thrash-

Abfahrt sucht, wird mit Fuel For My Fire,

66’Fucking’6, Slaughterize (hier ist der

Name Programm) oder Cruci-Fiction

bestens bedient. Pflichtkauf für alle

Anhänger der gepflegten Nackenmassage.

Marc Halupczok

Lindenberg spielte), dem Bassisten TM

Stevens (Tina Turner, Joe Cocker...) oder

dem in Deutschland immer noch viel zu

unbekannten Gitarrengott Mattias „IA“

Eklundh (Freak Kitchen), zelebriert Platz

seine eigene musikalische Messe. Dabei

stehen nicht die instrumentalen Höchstleistungen

im Mittelpunkt, sondern die

Stücke. Der Ohrwurm Birdrange, das

progressive Deadman, der Swinger Pull

It Out oder das schräge This Is War sind

Beweis genug dafür.

Marc Halupczok

Der Song geht ab wie Schmidts Katze,

und die ersten Häupter dürfen sich gerne

schon vor den neuen Heroen des

epischen Metal verneigen oder wild

mitbangen. Genauso geht es bei

Nummern wie Bearer of fate oder

Onward to Roma weiter. Schnell,

melodie- und emotionsgeladen, einfach

stimmig. Mit Sic Volvere Parcas haben wir

einen weiteren lateinischen Titel an Bord

unter insgesamt acht Tracks, die den

Protagonisten auf seinen Reisen

begleiten. Sehr gelungen!

Manuela Ausserhofer

bewegen. Kurz, prägnant und äußerst

stimmungsvoll. Pray begrüßt uns und

zeigt das Spektrum der Truppe. Ein

Highlight ist definitiv Kriminal Tango, zu

dem auch ein spaßiges Video gedreht

wurde. Hellvis’ Stimme ist klar

verständlich, und so macht es Spaß, die

Texte mitzuverfolgen. The Devil ’n’ Us

lassen ihre inneren Teufel frei und

manifestieren sie auf diesem Album. Dass

das nur gut werden kann, haben sie

bewiesen.

Manuela Ausserhofer

Pest

The Crowning Horror

CD (Agonia/Soulfood)

bereits erschienen

Roher schwedischer Black Metal

Seit 2008 war es ein wenig ruhig um die

sonst umso lauteren Schweden

geworden. Doch nun durchbrechen

Necro und Equimanthorn, gemeinsam mit

dem neuen Schlagzeuger Insulter, diese

Stille mit ihrem bereits fünften

Studioalbum, das den kryptischen Titel

The Crowning Horror trägt. Zehn Songs,

die dem traditionellen, skandinavischen

Old School-Black Metal huldigen.

Freunde von Bathory, Darkthrone oder

Deströyer 666 kommen garantiert auf

ihre Kosten! In Empfang genommen

werden wir durch das atmosphärische

The Funeral Hours, welches uns noch

sanft einstimmt. Nach der Ruhe folgt

bekanntlich der Sturm, und der kommt bei

A Face Obscured By Death auch gleich

um die Ecke. Schnelles Geknüppel,

altbewährtes Gekrächze, fetzige Riffs.

Pest zeigen, dass sie in der heutigen

Szene eindeutig unterbewertet sind.

Thirteen Chimes ist wohl eines der

eingängigsten Stücke dieses Werkes,

bleibt mit seiner Melodie und seinem

Rhythmus länger in den Gehirnwindungen

hängen. Richtig guter Black Metal, dem

man unbedingt eine Chance geben

sollte. Hoffentlich dauert es bis zu Album

Nummer sechs nicht wieder fünf Jahre.

Obwohl... Qualität geht vor Quantität.

Und das ist hier der Fall.

Manuela Ausserhofer

Running wild

Resilient

CD (Steamhammer/SPV)

vorauss. 04.10.2013

Wieder auf Kurs

Seien wir ehrlich – das Running wild-

Comeback Shadowmaker aus dem Jahr

2012 war eine halbgare Veröffentlichung.

Mit Resilient besinnt sich Bandboss Rolf

Kasparek wieder deutlicher auf die

besonders erfolgreiche Phase zwischen

Death or Glory und Black Hand Inn und

liefert ein paar Piratenhymnen ab, auf die

die Fans lange gewartet haben. Stücke

wie Soldiers Of Fortune, The Drift, das

herausragende Run Riot oder der

zehnminütige Rausschmeißer Bloody

Island vereinen textlich wie musikalisch

alle Trademarks der deutschen Metal-

Legende: flirrende Gitarren, hymnische

Refrains und Geschichten von Meersalz

und Abenteuer. Nicht jedes Stück auf

dem Album kann dieses hohe Niveau

komplett halten, so mangelt es Desert

Rose trotz toller Gitarrenarbeit an einer

richtig starken Melodie, während Down

To The Wire im Refrain seltsam holprig

daherkommt. Aber mit seinem neuen

Werk hat Kasparek die Fregatte Running

wild definitiv wieder in sichere Fahrwasser

gelenkt.

Marc Halupczok

The Devil ’n’ Us

Devil’s Music

CD (Wolverine/Soulfood)

vorauss. 20.09.2013

Rock’n’Roll von deutschen Urgesteinen

Mit Devil’s Music präsentieren uns die

frisch formierten The Devil ’n’ Us ihr

Debut. Hellvis, den man schon von Mad

Sin kennt, ist am Mikrophon kein Neuling,

und auch die restlichen Mitglieder

konnten in ihren anderen Bands

genügend musikalische Erfahrung

sammeln, um diese hier gekonnt

festzuhalten. Das Rad wird nicht neu

erfunden, doch das muss es auch nicht.

Uns erwartet Rock’n’Roll, gemischt mit

einer Portion Punk, Glam, Rockabilly und

Humor. Auf CD gebannt wurden 13

Nummern, die sich von ihrer Länge her

meistens zwischen zwei und drei Minuten

The Red Paintings

The Revolution

Is Never Coming

CD (Graphite/Edel)

vorauss. 04.10.2013

Mehr als Musik und Worte

Einen schwer in Worte zu fassenden Mix

aus Klassik, Alternative, Electro und Prog

verbindet dieses Gespann um den

australischen Multiinstrumentalisten Trash

McSweeney auf seinem Debut The

Revolution Is Never Coming zu einem

Kunstwerk. Einzelne Songs herauszugreifen,

verbietet sich fast, da alles

ineinanderfließt und zu einem großen

Ganzen verschmilzt. Einige Passagen

erinnern an pure Klassik, andere

wiederum klingen, als würden Ministry

mit Nirvana kollaborieren. Abwechslung

ist Trumpf; so sind auf dem Album, das

dank Fanspenden in Höhe von rund

Hans Platz

Timestamps

CD (Piazza/Cargo)

vorauss. 11.10.2013

Die zwei Seiten des Hans Platz

Hans Platz dürfte den meisten vielleicht

von seiner Band Feuerschwanz ein

Begriff sein. Auf Solo-Pfaden wandelnd,

widmet sich der Gitarrist aus Erlangen

allerdings ganz anderen Sphären.

Timestamps ist ein anspruchsvolles

Instrumentalalbum geworden, am

ehesten dem klassischen Rock

zuzuordnen. Unterstützt von Weltklassemusikern,

wie dem Jazz-Schlagzeuger

Wolfgang Haffner (unter anderem Till

Brönner), dessen Kollegen Marco

Minnemann (der schon für so

unterschiedliche Formationen wie

Necrophagist, Kreator, Nena und Udo

Stormlord

Hesperia

CD (Trollzorn/Soulfood)

vorauss. 20.09.2013

Auf den Spuren von Vergil

Mare Nostrum hieß das vierte Album der

italienischen Extreme Metaller, welches

bereits 2008 erschien. Die Reaktionen

waren grandios. Umso gespannter ist

man nun auf den Nachfolger, ob er das

hohe Level halten kann. Und das tut

Hesperia allemal. Hier wurde noch ein

Konzept mit draufgepackt, et voilà: Es

entstand ein neues Meisterwerk der

epischen und doch mehr als nur ein

bisschen schwarzmetallisch angehauchten

Truppe. Behandelt wird die

Aeneis des Vergil, alles beginnt mit einem

metallischen Experiment. Der Opener

Aeneas wurde in der lateinischen

Originalsprache aufgenommen, noch

dazu in exakt übernommenem Versmaß.


160.000 US-Dollar realisiert wurde,

unter anderem ein 35-köpfiges Orchester

und ein 22-köpfiger Chor zu hören. The

Red Paintings verstehen sich auch nicht

als Band, sondern als grenz- und

genreüberschreitendes Projekt, das sich

inhaltlich mit düsteren (aber realistischen)

Zukunftsvisionen auseinandersetzt und

live sogar bildende Künstler ins Konzept

einbindet. Fazit: Anspruchsvolle, völlig

eigenständige Kost, die echtes

Hitpotenzial beweist und diverse

Gänsehautmomente auslöst.

Marc Halupczok

The Vision Bleak

Witching Hour

CD (Prophecy/Soulfood)

vorauss. 27.09.2013

Verhextes Horror Metal-Prachtstück

Bald zehn Jahre erfreuen uns die

Todeskutscher nun bereits mit ihrer

gespenstischen Unterhaltung. Auf bis

dato vier Alben ging es vom Totenschiff

über die Karpaten unter Wölfe und

wieder zurück an Bord, zu neuen

gruseligen Abenteuern. Jetzt schlägt es

Mitternacht, die Kerzen verlöschen,

Nebel zieht auf – es ist die Stunde der

Hexen. Witching Hour ist ganz und gar

Nokturnal, ein Nachtstück für all jene,

die sich insgeheim gern mal auf dem

Blocksberg treffen würden. Von

zähnefletschender Metal-Wucht bis hin

zu geisterhaften Melodien, von

mörderischem Groove bis hin zu

gotischem Pomp ist tatsächlich alles

vertreten, was die Band seit The

Deathship Has A New Captain so

schaurig-schön gemacht hat. A Witch Is

Born überrascht mit Knurrhahnvocals und

lässt eiserne Riffs regnen, The Blocksberg

Rite verzaubert durch Flöten und

hypnotisierenden Gesang, Cannibal

Witch fährt tonnenschwere Langsamkeit

auf, das Finale fällt mit The Valkyrie

angemessen episch aus. Spannend

waren The Vision Bleak schon immer,

herausragende Geschichtenerzähler

sowieso. Ein Konzeptalbum über Hexen

allerdings wirkt in ihrer Vita wie der

fehlende Baustein in diesem verfluchten

Monument.

Björn Springorum

The Vyllies

1983–1988

Remastered

DCD (mital-U)

bereits erschienen

Die Älteren werden sich erinnern...

The Vyllies waren eine dreiköpfige

Frauenband aus der Schweiz, die von

1983 bis 1988 einen ungemein hohen

Output hatte und eine erstaunliche

Metamorphose von der autodidaktischen

Synthie-Formation zur respektablen Pop-

Gruppe vollzog. Nachdem Erinnerung

und Interesse an den Vyllies nie ganz

abebbten und im Zeitalter des Internets

neu befeuert wurden, erschien nun

konsequenterweise eine Sammlung ihres

Gesamtwerks. Fein säuberlich chronologisch

geordnet, dokumentiert diese

Doppel-CD nicht nur die Entwicklung der

Band, sondern zudem einen Abriss der

musikalischen Historie jener Zeit: Waren

die Anfänge noch geprägt durch teils

holprigen Casio-Pop, wurden die Klänge

über die Jahre immer geschmeidiger,

facettenreicher und farbiger, ohne ihre

melancholische und desolate Grundstimmung

zu verlieren. Auch wenn einige

Songs der frühen Phase aus heutiger

Sicht lediglich dokumentarischen

Charakter besitzen, blitzt doch Charme

und juveniler Drang aus etlichen Poren

(Ahia), der sich bei den später

entstandenen Liedern des Albums Sacred

Games in elegante, vielschichtigere

kleine Epen verwandelt: Now We Fall

wird auch heute noch zu Recht als

Klassiker gefeiert. 1983–1988 zeichnet

ein stimmiges und spannendes

Gesamtbild mit Kanten, Höhen und

Tiefen, das für jene, welche diese Jahre

nicht miterleben durften, perfekten

Anschauungsunterricht bietet und auch

das eine oder andere Juwel enthält, das

die Zeit schadlos überdauert hat.

Ecki Stieg

Unshine

Dark Half Rising

CD (Massacre/Soulfood)

bereits erschienen

„Druid Metal“ aus Finnland

Mit Dark Half Rising präsentiert das

Quintett aus der Nähe von Helsinki ein

Konzeptalbum über einen kleinen

keltischen Stamm, der gegen die Römer

kämpft. Klingt verdächtig nach Asterix &

Obelix. Der Gedanke scheint den Finnen

auch schon gekommen zu sein, aber man

nimmt es mit Humor. Der Opener Nadja’s

Wailing About Coming Of The Frost klingt

durch Melodieführung und Einsatz von

Akustikgitarre verspielt und folkig, was

sehr gut zum Gesang von Frontfrau

Susanna Vesilahti passt. Ihre Stimme ist

durchgängig angenehm zu hören,

plätschert jedoch im Großteil der Lieder

recht höhepunktarm vor sich hin,

weswegen die Stücke eintöniger wirken,

als sie es eigentlich sind. Denn vor allem

die Gitarrenfraktion legt soundtechnisch

eine gute Grundlage und brilliert ab und

zu mit ausgelassenen Soli. In Liedern wie

Arduinna oder Ategenos (At The Death Of

Winter) passt dann stellenweise alles

zusammen, Unshine bleiben aber zu

vorhersehbar. Einzig das 13-minütige

Ikuinen Taistelu ist eine gelungene

Überraschung: Es begeistert sowohl mit

einer interessanten Struktur und

imposantem Sprechgesang von Tapio

Wilska (Ex-Finntroll) als auch mit absolut

passenden Vocals seitens Susanna, die in

ihrer Muttersprache endlich glänzen kann.

Isabell Köster

Unzucht

Rosenkreuzer

CD (NoCut/SPV)

vorauss. 20.09.2013

Brachial-elektronischer

Deutsch-Gothic

Dreh den Regler ruhig runter, das bringt

nichts. Denn dieses Album erscheint

immer laut. Züchten und kreuzen kann

man ja so einiges. Deutsch-Gothic mit

krachigen Gitarren etwa, elektronische

Komplettraserei mit sehr eingängigen

Melodien und, vor allem: brachial

stampfenden Beats. Bereits auf ihrem

Zweitwerk besitzen Unzucht jenen

Wiedererkennungswert, welchen so viele

Bands anstreben. Und sie verspielen

nichts – textlich darf es gerne mal ein

Schlag Emphase mehr sein, während der

Rhythmus vor dem inneren Auge den

Strobo tanzen lässt. Düstertaugliche

Klagen über das Leben und die Vergänglichkeit

geben ab an programmatisch

blasphemische Unsittlichkeiten... so

gehört sich das. Ein Konzeptalbum soll

es schließlich nicht sein, sondern das

schwarze Herz mit all seinen Facetten

erfreuen. Hier und da ein markiger

Urschrei darf natürlich auch nicht fehlen.

Deine Nachbarn werden Dich hassen.

Aber manchmal muss man eben Opfer

bringen.

Miriam Claus

Anneke van Giersbergen

Drive

CD (Inside Out/Universal)

vorauss. 20.09.2013

Ein Soundtrack für jede Lebenslage

Nach dem recht heterogenen Everything

Is Changing von 2012 präsentiert die

sympathische Niederländerin jetzt das

geradlinige Drive. Einzig die melancholische

Ballade My Mother Said bildet

eine Ausnahme auf einem ansonsten vor

Optimismus und Lebensfreude sprühenden

Album. Jedoch verliert Anneke nie

die unterschiedlichen Facetten des Lebens

aus den Augen. Ihre Welt ist zwar im

Grunde eine schöne, aber sicherlich keine

naive Traumwelt, denn in ihr gibt es

durchaus Traurigkeit, Wut und Ungerechtigkeit

(Treat Me Like A Lady, Forgive

Me), diese dominieren allerdings nicht die

menschliche Existenz, sondern werden als

natürlicher Teil von ihr akzeptiert. Im

energiegeladenen The Best Is Yet To

Come bricht Annekes zerbrechlich-süße,

gleichzeitig jedoch kraftvoll-raue Stimme

immer wieder wie ein hoffnungsvoller

Sonnenstrahl durch eine dunkle Wolkendecke.

Auf Drive feiert Anneke das Leben

– ihr Leben –, wie es nun einmal ist; dabei

klingt sie durchweg positiv und

authentisch, was ihr neues Solo-Release

zu einem ebenso motivierenden wie

berührenden Werk macht.

Isabell Köster

Wraithcult

Gestalt

CD (Black Skull/Soulfood)

vorauss. 20.09.2013

Mitglieder von Helfahrt

melden sich zurück

Vielen Liebhabern von gutem Pagan/

Black Metal sind Helfahrt natürlich ein

Begriff. Die Trennung jener Formation

mündete direkt in die Gründung von

Wraithcult. Deren Debut ist auch nicht

Welten von den Vorgängern entfernt.

Alte Fans dürfen sich also freuen, denn

ihrem Stil sind sie treu geblieben und

haben ihn noch verfeinert. Die Zwillinge

Sebastian (Gesang, Gitarre) und Tobias

Ludwig (Bass) beweisen, dass sie in den

letzten Jahren eine Menge Erfahrung

sammeln konnten, und bieten in Stücken

wie Nine Wounds oder Serpent Sacrifice

alles, was sie können. Black Metal mit

einer gehörigen Portion Melodie und teils

sehr gefühlvollen Parts. Eine ausgewogene

und passende Mischung. Stand

bei Helfahrt, grob gesagt, das

Mythologische im Mittelpunkt, legen

Wraithcult ihr Hauptaugenmerk auf

gesellschaftliche Missstände und liefern

so ein neues thematisches Spektrum.

Gestalt gefällt ausgesprochen gut. Und

wer Bands wie Dark Fortress oder Secrets

of the Moon mag, sollte dem Album

etwas Aufmerksamkeit schenken.

Manuela Ausserhofer

Sampler

Compilation des Monats

Dependence 2013

CD (Dependent/AL!VE)

bereits erschienen

Elektronische Gourmetklänge

zum Midprice

Darf ich an dieser Stelle ein kleines

Geheimnis verraten? Ja? Nun, vor allem

in den letzten Tagen und Stunden der

Produktion einer Orkus!-Ausgabe läuft in

unserem Büro extrem oft Musik vom Label

Dependent! Warum? Weil der Sound

etwas positiv Treibendes, aber nicht

negativ Hektisches hat. Und genau das

braucht es in der Endproduktion: ein

Vorwärts- und Antreiben. Jedoch

möglichst keine Hektik, da sonst nur

Fehler passieren. Unser dienstältester

Redakteur Alexander Maciol hat in

seinen Rezensionen gerne vom Fahren

durch neonlichtdurchflutete Nächte in

Großstädten geschrieben. Ebenfalls

äußerst passend für Musik aus dem

Hause Dependent. Diese Klänge lassen

uns stets in die Zukunft schauen, aber

dennoch auch im Heute leben. Was das

nun mit diesem Sampler hier zu tun hat?

Eine Menge! Er ist erneut eine Fortsetzung

als faszinierender Soundtrack zu unserem

Leben! Und muss man Bandnamen wie

Covenant, Fractured, Pride and Fall, Front

Line Assembly, Seabound, Skinny Puppy

et cetera noch erklären? Nicht wirklich,

oder? Muss man erwähnen, dass es sich

um größtenteils rare oder exklusive

Beiträge handelt? Müssen vielleicht nicht.

Aber dürfen, oder? Eben! Bei dieser

Qualität bleibt nur die Frage: Warum

zum reduzierten Midprice das Ganze?

Die Musik hätte eher einen Aufpreis

verdient! Doch so freuen wir uns einfach

über dieses sensationelle Angebot!

Claus Müller

70 - Orkus!


September

Bill Leeb (Front Line Assembly) – 21.09.1957 in Wien, Österreich

Nick Cave – 22.09.1957 in Warracknabeal, Australien

Emilie Autumn – 22.09.1979 in Los Angeles, Kalifornien, USA

Shawn „Clown“ Crahan (Slipknot) – 24.09.1969 in Des Moines, Iowa, USA

Steven Severin (Ex-Siouxsie and the Banshees) – 25.09.1955 in London, UK

John Foxx (Ex-Ultravox) – 26.09.1947 in Chorley, UK

Oktober

Ungeachtet der Tatsache, dass dieses finnische Gespann 2014 sein

zehnjähriges Jubiläum feiern darf, blicken MyGrain auf einen im August/

September 2012 stattgefunden habenden Schaffensprozess für ihr viertes

Studioalbum Planetary Breathing zurück. Und das neue Werk kann sich von

Beginn an wahrlich hören lassen. Nicht dass das bei Orbit Dance, Signs of

Existence oder dem selbstbetitelten MyGrain anders gewesen wäre... Doch

in Zeiten wie diesen packen einen die – schwarzen Nebelschwaden gleich

– dahinziehenden Melodien, düsteren schnellen Gitarren und infernalen

Texte, gesungen von Tommy Tuovinen, regelrecht bei der Kehle, bis man sein

eigenes Leben praktisch an sich vorüberziehen sieht. Es wundert daher wenig,

dass das Label Spinefarm Records diese Band unter ihren Fittichen hat.

Um die fünf Jungs sowie eine junge Dame in Aktion erleben zu können,

musst Du Dir wohl allerdings ein Flugticket kaufen. Deutsche Gigs sind

momentan (noch) nicht geplant. Also heißt es entweder: Urlaub nehmen und

nach Finnland reisen, oder: lautstark hierzulande auf die Gruppe aufmerksam

machen, sodass MyGrain gar keine andere Wahl bleibt, als dem Ruf ihrer

Fans zu folgen. Im Zweifelsfall sollte man einfach beides tun!

www.mygrain1.com

Kerstin Müller

James „Jim“ Root (Slipknot) – 02.10.1971 in Las Vegas, Nevada, USA

Gavin Friday (Ex-Virgin Prunes) – 08.10.1959 in Dublin, Irland

Al Jourgensen (Ministry) – 09.10.1958 in Havanna, Kuba

James „Midge“ Ure (Ultravox) – 10.10.1953 in Cambuslang, UK

Rhys Fulber (Conjure One) – 10.10.1970 in Vancouver, Kanada

Markus Heitz – 10.10.1971 in Homburg/Saar

Jürgen Engler (Die Krupps) – 12.10.1960 in Düsseldorf

Roger Moore – 14.10.1927 in London, UK

Jyrki 69 (The 69 Eyes) – 15.10.1968 in Helsinki, Finnland

Kim Ljung (Zeromancer) – 17.10.1971 in Tønsberg, Norwegen

Das Orkus!-Team gratuliert

allen Jubilarinnen und Jubilaren!


„Anfangs war ich viel zu leise.“

Ein Vertrag. Endlich. Für dieses erklärte Ziel

mussten Eyes Set To Kill mit ihrem fünften

Album eine Geduldsprobe bestehen. Denn

um bei einem Majorlabel unterzuschlüpfen,

wälzten die vier aus dem sonnigen Westen der

USA einen Fragenkatalog: Wer sie eigentlich

sind, wie sie sich am besten präsentieren, was

sie darstellen wollen und wo es hingehen soll.

Mehr Metal? Mehr Screams? Oder doch stärker

mit den Marktgepflogenheiten liebäugeln? Mit

einem Deal bei Century Media in der Tasche ist

diese Identitätskrise nun erst mal Geschichte.

Aber warum nicht das Erlebte kreativ umsetzen?

„Das Konzept mit den Masken war letztlich

Ciskos Idee“, erzählt Frontfrau Alexia. „Als wir

uns den verschiedenen Plattenfirmen vorstellten,

ließen wir uns eine Maske aufdrängen. Aber

auch im Alltag trägt jeder mal eine Maske, um

seinen Arbeitgeber oder andere Menschen zu

beeindrucken. Jeder kann in diesem Konzept

eine eigene Bedeutung für sich finden.“

Mit der trocknenden Tinte auf dem Papier kam

das Versteckspiel zu einem glücklichen Ende,

doch bis zur Fertigstellung von Masks waren

noch nicht alle Hürden genommen. „Beim

Songwriting hatte ich echt Schwierigkeiten,

auch mal abzuschalten“, schildert Alexia ein für

sie riesengroßes Problem. Sogar auf Tour oder am

mexikanischen Strand kreisten ihre Gedanken

um das, was noch alles auf Erledigung wartete.

„Ich mache mich da oft selbst verrückt“, gesteht

die Künstlerin in ihrer sympathisch offenen

Art. Das Gegenmittel: Frühsport. Ja, wirklich!

„Eigentlich bin ich jemand, der gerne bis um elf

im Bett liegt. Aber wenn ich jogge, kriege ich

meinen Kopf frei“, lächelt sie.

Im Studio ging es so gleich beschwingter ans

Werk. Und zur nächsten Herausforderung.

„Bisher war meine Musik ein Ventil für meine

Gefühle“ – über ihre Beziehungen zu anderen

Menschen und zu sich selbst. Persönlicher geht’s

kaum; Alexia suchte unbedingt einen Wandel.

„Dieses Mal wollte ich aus meiner Haut heraus

und Sachen zur Sprache bringen, die andere

betreffen. Wenigstens für ein paar Stücke.

Lost And Forgotten zum Beispiel dreht sich um

Soldaten im Krieg und ihre inneren Konflikte,

etwa wenn sie vergessen, wofür sie da eigentlich

kämpfen.“ Einigen Kampfgeist mussten sie

und ihre Schwester Anissa beweisen, um sich

als Musikerinnen in der Szene zu etablieren.

„Manche Leute gehen von vornherein davon

aus, dass ein Mädchen nur dabei ist, weil sie das

Groupie ist. Auch heute noch, wo es doch viele

weibliche Rockstars gibt“, wundert sich Alexia.

Allerdings sieht sie gar nicht ein, das überhaupt

ernst zu nehmen, sondern konzentriert sich

lieber auf bandinterne Geschehnisse.

Auch hier musste sie sich in der Vergangenheit

dafür starkmachen, die Kontrolle zu behalten

über die Richtung, welche Eyes Set To Kill

einschlagen sollten... sei es gegen die Interessen

der ehemals angestrebten Label oder frühere

Mitglieder, die nicht dieselbe Vision teilten.

Mehrere Gitarristen, Drummer sowie Sänger

und Sängerinnen später haben sie jetzt

das passende Profil erlangt, glaubt Alexia:

„Deswegen fühlt sich dieses Album an wie unser

allererstes!“ Anscheinend hat sich das auf ihre

stimmlichen Qualitäten ausgewirkt, klingt sie

doch auf Masks gereifter und selbstbewusster

denn je. Gesangsunterricht war jedenfalls

nicht das Geheimnis, den hat sie nach zwei

Stunden wieder abgebrochen. „Tatsächlich war

ich anfangs auf der Bühne viel zu leise. Das

lag einfach daran, dass ich noch ein bisschen

ängstlich war“, plaudert sie gewohnt freimütig

und grinst: „Aber über die Zeit hat sich meine

Stimme wohl weiterentwickelt. Wäre ja auch

blöd, wenn die Leute das, was ich geschrieben

habe, gar nicht hören könnten, nur weil ich zu

leise bin.“

www.facebook.com/eyessettokill

Miriam Claus

Discographie (Alben):

Reach (2008)

The World Outside (2009)

Broken Frames (2010)

White Lotus (2011)

Masks (2013)

Line-Up:

Alexia Rodriguez – Gesang, Gitarre, Keyboard

Cisko Miranda – Gesang, Live-Gitarre

Anissa Rodriguez – Bass

Caleb Clifton – Schlagzeug, Programmierung

72 - Orkus!


Oliver Flesch

Baby, das war’s!

(Edition Anti-Pop/U-Line)

Oliver Flesch geistert schon seit

geraumer Zeit im World Wide Web

herum. Viele kennen ihn durch sein

eMag „Wahre Männer“ über Liebe,

Lust und Pop-Kultur. Der in Berlin

lebende Hamburger brachte

bereits einige Veröffentlichungen

auf den Markt – jetzt ist ein kecker

Nachfolger erschienen, mit dem

Flesch ein Manifest für seine

Herzensangelegenheiten verfasst

hat. Da gibt es Lisa, die mal glaubte,

er sei die Liebe ihres Lebens, und

die sich nun mit dem nächsten

Loverboy vergnügt. Gebrochenen

Herzens macht sich unser Erzähler

auf in die Bundeshauptstadt zu

Freund Rocko, einem notorischen

Schwindler, der eigentlich ganz

sympathisch rüberkommt. Der

Versuch, sich neu zu verlieben,

Rona Walter

Gläsern

(LUZIFER-Verlag)

„Gesucht wird: verhasste Tochter

– Haut, so weiß wie Kalk, Haare,

schwarz wie das lausige Gefieder

einer alten Krähe und Lippen so

rot wie frischer Wundbrand.“ Hier

haben wir ein viktorianisch

angehauchtes Schauermärchen,

das zweite Werk von Rona Walter,

deren Debut Kaltgeschminkt als

einer der besten Gruselromane

2012 den „Vincent Preis“ gewann.

In Schottland geboren, lebt die

junge Autorin heute in ihrer

Wahlheimatstadt Hamburg.

Gläsern ist ein Märchen für

Erwachsene und erinnert an die

Geschichte von Schneewittchen,

die jedoch gekonnt abgeändert

Für die Ewigkeit

Das umfangreiche Hardcoverbuch

über diese ganz besondere Ausnahmeformation enthält eine Vielzahl

an spannenden Interviews und interessanten Hintergrundinfos!

Außerdem gibt es mehr als 100 wunderschöne Farbphotos zu bestaunen.

Erhältlich bei www.letzte-instanz.de & www.orkus.de

scheitert. Denn da ist immer noch

Lisa, jene Frau, welche die Zügel

weiterhin in Händen hält... Sie

hauchte ihm „Baby, das war’s“

nach, kann aber auch nicht ganz

von Oliver lassen. Was er will, ist:

die Gefühle der ersten Teenagerliebe

zurückhaben, doch diese

Gefühle sind eine glitschige

Schlampe, die umso lieber

entflieht. Auf knapp 180 Seiten

dürfen wir einen tiefen Einblick in

das Leben des Autors gewinnen,

denn (fast) alles ist wahrhaftig

geschehen, und was dazu geflunkert

wurde, bleibt ein kleines

Geheimnis. Humorvoll, authentisch

und sympathisch. Genau so, wie

wir’s gerne mögen!

Manuela Ausserhofer

wurde. Als Erzähler fungiert

Kammerdiener Frederick. Nachdem

Eirwyn, die Tochter des Hofherrn,

weggelaufen ist, erkrankt Graf

Hektor schwer. Seine Gemahlin

Lady Amaranth glaubt, er könne

nur genesen, wenn man das

Mädchen findet. Frederick macht

sich mit Kopfgeldjäger Lord

Sandford auf die Suche. Eine Suche

voller Überraschungen. Und mit

einem besonders spannenden

und unerwarteten Schluss... Die

Geschichte fesselt nach den ersten

paar Seiten sehr, allerdings muss

man sich an den altertümlich

inspirierten Schreibstil gewöhnen,

welcher das viktorianische Flair

noch verstärken soll. Wer diese

kleine Hürde gemeistert hat, wird

schnell von den Figuren gefangen.

Rona Walter ist es gut gelungen,

ihr eigenes Märchen zu kreieren

und es mit literarischer Leidenschaft

zu würzen. Uns gefällt’s!

Manuela Ausserhofer


„Die Aktion hat mich eine Menge Mut gekostet.“

Es ist Samstag, noch relativ früh am Vormittag, und Davey Richmond kriegt den Frosch nicht so richtig aus seinem Hals. Zugegeben,

es ist eine eher ungewöhnliche Zeit fürs Interview. Aber der Brite ist bemerkenswert aufgeschlossener Laune, lacht viel und erzählt,

nachdem er sich endlich freigehustet hat, über sich und das zweite Album, welches jetzt mehr als alles andere für Glamour Of The

Kill stehen soll.

Orkus: Hallo Davey, sag’ mal, es ist ja doch ein wenig ungewöhnlich,

dass ich hier bei jedem Mitglied den Zusatz „Gesang“ dahinterschreiben

muss. Wie kommt’s, dass ihr alle am Mikro mitmischt?

Davey Richmond: Stimmt, wir singen alle, so wird jeder als Teil der

Band involviert. Bereits wenn wir ein Stück aufnehmen, ist das etwas,

worüber wir nachdenken. Gitarren und Gesangsstimmen – davon haben

wir wirklich eine Menge bei Glamour Of The Kill.

O: Wie habt ihr eigentlich zusammengefunden?

DR: Chris, Mike und ich sind gemeinsam zur Schule gegangen. So

um 2007 gaben wir dem, was wir da als junge Band gemacht haben,

den Namen Glamour Of The Kill und stiegen um auf schnellere und

fesselndere Songs, einfach Material, was die Leute auch mögen würden.

(lacht) Davor haben wir eigentlich nur rumprobiert. Ehrlich gesagt: das

war schreckliches Zeug.

O: Das heißt, mit dem neuen Image kam der Erfolg?

DR: Na ja, von da ab haben sich die Dinge wirklich schnell entwickelt.

2007 haben wir gleich unseren ersten Manager getroffen. Und dann ging

es auch direkt los auf eine richtige Tour. Da mussten wir uns erst mal

beweisen.

O: Dann bist du nun beim zweiten Studioalbum so erprobt, dass

„Nervosität“ für dich ein Fremdwort ist? Nein, oder?

DR: Ha, ich bin immer noch total aufgeregt! Außerdem muss man

bedenken: Unser letztes Album erschien 2011. Das hatten wir aber

bereits 2009 aufgenommen. Mit der ganzen Planung zuvor sind das

sage und schreibe fünf Jahre. Ich war damals praktisch noch ein Kind.

Deswegen kann ich es gerade überhaupt nicht erwarten, dass Savages

herauskommt. Wir sind seitdem erwachsen geworden, und ich will, dass

die Leute endlich hören, dass wir mit unserer Musik eine weitere Stufe

erklommen haben.

74 - Orkus!


O: Was hat sich denn alles auf dieser neuen Stufe

verändert?

DR: Der Sound! Und die Texte – sie sind ein

Beispiel für mehr Welterfahrung, Fortschritte, die

wir durch das Touren erreicht haben. Wir haben

so viele Dinge in so kurzer Zeit gemacht. Heute

sind wir eine große Band, haben große Auftritte

und spielen auf großen Bühnen. Wir haben

viele Musiker kennengelernt, die uns wirklich

weitergebracht haben.

O: Eine Veränderung, die ich noch bemerkt

habe, ist das Verschwinden deiner Nikki Sixx-

Gedächtnisfrisur...

DR: Auch das war etwas, wo ich dachte: „Das

muss jetzt sein!“ Ich hatte die Haare echt so lang,

und ein bisschen sind sie das ja immer noch.

Aber ehrlich, die Aktion hat mich eine Menge

Mut gekostet. Erst fand ich’s ganz schrecklich.

Irgendwie war das... schon ein trauriger Tag für

mich.

O: Ui, so schlimm? Hast du etwa geweint? Ähm,

das wäre übrigens völlig legitim...

DR: (lacht) Nee, hab’ ich nicht. Aber es war schon

nahe dran.

O: Wo liegt das Zentrum von Glamour Of The

Kill? Großbritannien? Oder inzwischen USA, wo

ihr ja auch Savages aufgenommen habt?

DR: Wo immer wir hinkommen. Ich würde sagen,

in Großbritannien haben wir unser Fundament.

Aber in Amerika ist es auch super. Im Juni haben

wir ja diese große Tour mit Papa Roach gemacht.

Der Hammer! Diese massiven Menschenmengen!

Wir waren auch wieder ein paarmal in

Deutschland. Und im November geht die Tour

mit Papa Roach weiter. Das wird großartig. Ich

meine, ich kenne sie, seit ich ein Kind war. Als wir

dann diesen einen Anruf bekamen, waren wir alle

sprachlos und dachten: „Das ist doch nicht wahr!

Total geil!“ Shaddix ist so ein cooler Typ, er hat

so viel Bühnenerfahrung und ist gleichzeitig total

nett. Wir haben uns super verstanden.

O: In eure berüchtigte Partywut bietet YouTube

Einblicke. Jägermeister scheint dabei eine nicht

unerhebliche Rolle zu spielen...

DR: Oh ja. Aber um ehrlich zu sein, bei Alkohol

könnte ich mich auf gar nichts Bestimmtes

festlegen. Wir sind da auf jeden Fall nicht pingelig.

O: Stimmt es, dass ihr in so einer Situation auch

zu eurem Bandnamen gekommen seid?

DR: Der Name ist tatsächlich an einer Bar zu uns

gekommen, wo wir mit Freunden waren. Einer

meinte: „Jungs, ihr müsst einfach Glamour Of

The Kill heißen.“ Und wir so: „Yeah, klingt super!“

Von der Band namens He Is Legend gibt es den

Song I Am Hollywood, darin kommt die Zeile vor:

„It’s the glamour that kills.“ Ein cooles Stück, und

es repräsentiert unseren Stil einfach perfekt.

O: Lass uns über Savages sprechen: Gibt es so etwas

wie einen roten Faden, der die Lieder verbindet?

DR: Es ist kein richtiges Konzeptalbum. Wir

geben uns Mühe, Themen zu wählen, mit denen

sich die Hörer verbunden fühlen, sei es eine

Abhängigkeit oder wie es ist, jemand Geliebten zu

verlieren. Wir schreiben gerne über ganz konkrete

Dinge.

O: Arbeitet ihr in dem Punkt zusammen, oder hat

einer die alleinige Macht?

DR: Nein, wir treffen uns fünf Tage die

Woche, um das gemeinsam zu machen. Mike

macht eine Menge, aber wenn wir zusammen

sind, verschmelzen die Aufgaben. Unsere

Songwriterkämpfe sind teilweise echt brutal. Aber

wir sind ein Team und wollen eben auch die beste

Form finden.

O: Das Artwork für Savages ist ein ziemlicher

Schocker, der im Gedächtnis haften bleibt...

DR: Der Künstler heißt Paul Jackson und arbeitet

sehr eng mit vielen Bands – wie Alexisonfire

– zusammen. Wir sagten ihm ungefähr, wie

wir es haben wollten, und er kam dann mit

verschiedenen Vorschlägen an. Den hier fanden

wir super. Es sollte ein Blickfang sein. Und das ist

es.

O: Allerdings. Sehr geeignet, um eine

Hundephobie hervorzurufen.

DR: Lustig, dass du das erwähnst. Denn als ich

klein war, hatte ich tatsächlich ein kleines Trauma.

Ich wurde mal von einem Hund gebissen, als

ich sieben Jahre alt war. Aber ich konnte meine

Ängste besiegen.

O: Spielt der visuelle Part bei Glamour Of The

Kill eine große Rolle?

DR: Kann man schon sagen! Wie wir uns und

unsere Musik präsentieren, ist uns durchaus

wichtig. Mit Bands wie Mötley Crüe und Guns

N’ Roses verbinden wir unser Aussehen und

unseren Sound.

O: ... und die Tattoos. Gibt’s bei euch überhaupt

jemanden, der keine hat?

DR: (lacht) Nee, das wäre gar nicht denkbar. Ich

für meinen Teil habe ja bereits echt früh damit

angefangen, nämlich mit 16. Ich geb’s zu, ich

wollte eine Zeit lang Nikki Sixx sein, auch vom

Style her. Inzwischen ist es in der Band schon

fast ein Wettkampf, wer sich am schnellsten

zutätowieren lässt.

O: Ich vermute, den hast du gewonnen.

DR: Aber Chris muss ich im Auge behalten, der

holt ganz schön auf.

www.facebook.com/glamourofthekill

Miriam Claus

Discographie (Alben):

The Summoning (2011)

Savages (2013)

Line-Up:

Davey Richmond – Gesang, Bass

Chris Gomerson – Gitarre, Gesang

Mike Kingswood – Gitarre, Gesang

Ben Thomson – Schlagzeug, Gesang

MARTIN HALL

PHASEWIDE,

EXIT SIGNS

NEW ALBUM

OCTOBER 4

Feat. Othon Mataragas,

The Vista Dome Ensemble

+ Funeral Tag Brass Band

WRITTEN ABOUT MARTIN HALL:

”A monolith” (NME)

”Considerable aplomb” (THE WIRE)

”The perfect music” (GOTHIC)

Orkus! - 123


Eigentlich hätte dies hier der überaus brillante zweite Teil des POETICA-Interviews werden sollen ... und, was soll ich sagen ...

es war tatsächlich auch über die Maßen fabelhaft. Geradezu atemberaubend brillant sogar. Ein literarisches Meisterwerk erster

Güte, das alles bisher Dagewesene locker in den Schatten gestellt hätte. Doch dann ...

... nun, lassen Sie es mich so formulieren: FUCK THIS PIECE OF SHIT COMPUTER.

Meine sämtlichen Antworten waren weg, der Abgabetermin nur ein paar Stunden entfernt, und die Vorstellung, noch einmal ganz

von vorne zu beginnen, komplett abwegig. Unsagbar griesgrämig, entschied ich mich stattdessen für einen postmitternächtlichen

Spaziergang ... in der vagen Hoffnung, dass mir, dank frischer Luft und vielleicht durch ein kleines Wunder, irgendetwas

halbwegs Lesbares zugeflogen kommen möge.

Irgendwann ... so auf halber Strecke ... im

abnehmenden Mondlicht, mitten zwischen

den frisch gemähten, nebelverhangenen

Feldern, brummte plötzlich mein schlaues

cleverPhone in meiner Tasche. Ein Freund

aus Amerikaland hatte mir eine Nachricht

geschickt und wollte sich kurz unterhalten.

Da ich immer noch zutiefst schlechter Laune

war, klagte ich ihm kurzerhand mein Leid.

Typisch amerikanischer Geschäftssinn, war

sein prompter Ratschlag, doch einfach nur

das neue Album ausgiebig zu promoten.

Klasse, dachte ich ... und WIE GENAU soll

ich das anstellen? Etwa 500 Mal „POETICA

ist ein wirklich fabelhaftes Album, so

unglaublich gut, das Beste, was die Welt

je gehört hat“ tippen? Ich meine, schließlich

muss ich am Ende ja irgendwie zwei DIN A4-

Seiten halbwegs sinnvoll füllen! Daraufhin

er: „Dass das neue Album phantastisch

ist, versteht sich bei Dir ja sowieso von

selbst. Jetzt musst Du den Leuten nur noch

klarmachen, warum es um Längen besser ist als

die Alben aller anderen Bands.“

Urgh. OK ...

Eine halbe Stunde später klingelt erneut das

Telefon. Diesmal war es ein Chatpartner

aus England. Da ich einer Lösung meines

Problems immer noch keinen Deut näher

war und nach wie vor nicht die geringste

Lust verspürte, alles noch ein zweites Mal

durchzukauen, erzählte ich auch ihm von

meiner Lage ...

Er: Wenn Du willst, kann ich Dir helfen.

Wie viele Fragen müssen es denn sein?

Ich: Ach, völlig egal. Am Ende müssen

einfach nur zwei Seiten gefüllt werden.

Er: A4-Seiten?

Ich: Ja.

Er: Umm, OK. Sollen die Fragen von Fans

kommen, oder soll es so aussehen, als ob das

Magazin die Fragen selbst geschrieben hätte?

Ich: Völlig egal.

Er: OK, sag’ mir, wenn die Fragen scheiße

sind ... oder sie Dir schon mal gestellt

wurden.

Ich: Definitiv!

Er: (überlegt kurz) OK ... stimmt es, dass

Du in einem Schloss mitten im Nirgendwo

in Deutschland lebst?

Ich: Fuck, die Frage ist nicht nur TOTAL

scheiße, die gab’s auch schon ungefähr

tausend Mal.

Er: Autsch.

Ich: Abgesehen davon ... soweit ich mich

erinnere, lautete das beknackte Gerücht

damals immer, ich würde in einer Höhle in

Frankreich hausen.

Er: Also, als ich vor 16 Jahren das erste

Mal von SOPOR hörte, hieß es, es wäre ein

Schloss in Deutschland.

Ich: Und vermutlich wohnte ich dort

zusammen mit meinem Diener Holger, der

mich jeden Morgen ankleiden musste, da ich

das mit meinen langen Fingernägeln selbst

nicht mehr bewerkstelligen konnte?

Er: Ja, den Teil habe ich auch gehört. Und

irgendwas von einem Käfig und Ratten.

Ich: Was für ein Käfig mit Ratten??? Das ist

mir neu.

Er: Ich weiß nicht mehr genau. Ich hatte

damals einen Bericht gelesen, in dem

behauptet wurde, Du würdest in einem Käfig

gehalten, und Holger würde Dich mit Ratten

füttern.

Ich: Hahaha, das ist ja wohl völlig

bescheuert!

Er: Hehe. OK, wie wär’s mit dem Thema

„Geschlecht und soziale Geschlechterrolle“,

beziehungsweise wie Du selbige definieren

würdest.

Ich: G-ä-ä-ä-ä-ä-h-n.

Er: Ernsthaft?

Ich: Mann, rutsch mir bloß den Buckel

runter mit dem ganzen kleinkarierten

Geschlechterscheiß. Davon hab’ ich echt die

Nase voll.

Er: Wie wär’s hiermit: Gestern hatte ich

zufällig wieder Shave, if you love me gehört.

Bedauerst Du es heute nicht, dieses Lied

geschrieben zu haben? Ich meine, in

Anbetracht der Tatsache, dass Du ja so auf

Bären stehst.

Ich: Haha ... OK ... die ist gut.

Er: Hurra!

Ich: Aber, weißt Du ... wie stark er behaart

ist, war mir eigentlich immer ziemlich egal.

Der Punkt ist, wenn er anfangen würde,

sich zu rasieren und besonders zu pflegen,

nur um mir zu gefallen ... also aus dem

eigenen Bedürfnis heraus, für mich attraktiv

erscheinen zu wollen ... und das alles, ohne

dass ich dies irgendwie auch nur ansatzweise

erwähne ... also, you know ... darum geht es

insgeheim eigentlich in dem Stück.

Er: Aaah. Und ich dachte immer, es ginge

bloß um den Abscheu vor Körperbehaarung.

Ich: Nein, das wäre ja viel zu eindimensional.

Zugegeben, ich mag zwar meine eigene

Körperbehaarung nicht, aber das ist eine

andere Geschichte.

Er: Ich vermute, Du wirst auch oft zum

Thema „Seitenprojekte“ angesprochen.

Ich: Hmm.

Er: OK, Lieblingsbands oder -filme?

Ich: Wen interessiert’s?! Abgesehen

davon, kann ich mit diesem ganzen

Lieblingsfragengedöns nichts anfangen. Ich

hatte auch nie irgendwelche Lieblingsbands.

Es gab Stücke, die ich gerne mochte, oder

auch ganze Alben ... aber die Bands an sich

waren mir eher gleichgültig.

Er: Vergleichen Dich Leute oft mit Mortiis?

76 - Orkus!


Orkus! - 77


Ich: Gibt’s den überhaupt noch? Ich

glaube, ein oder zwei Mal habe ich den

Vergleich tatsächlich gehört, das ist aber

schon so lange her. Mittlerweile lese ich nur

ständig immer wieder was von Lady Gaga.

Er: Was???

Ich: Doch, ernsthaft. Ich weiß allerdings

auch nicht, warum. Klar, Marilyn

Manson wird auch immer wieder gerne

herangezogen, aber die meiste Zeit ist es

jetzt Lady Gaga.

Er: Das ergibt doch gar keinen Sinn.

Ich: Ich weiß. Ich wusste seinerzeit auch

noch nicht mal, wer das sein soll. Ich musste

sie erst googeln.

Er: Die Alte nervt.

Ich: Was nervt, ist die Tatsache, dass da dreist

von anderen Künstlern aus den Siebzigern

und Achtzigern zusammengeklaut wird,

aber alle sie trotzdem als originell und crazy

abfeiern.

Er: Stimmt. Wie ist es mit SOPOR-Ripoffs?

Ich: Wie meinst Du das?

Er: Ich meine Bands, die Dich kopieren.

Sind Dir je welche untergekommen?

Ich: Hmm, ja ... irgendwelche Russen. Mir

fällt der Name aber nicht mehr ein.

Er: Meinst Du DVAR?

Ich: Ja, genau. So hießen die.

Er: Hahaha, ja ... der Typ singt in

irgendeinem Kauderwelsch. Angeblich

seine eigene, erfundene Sprache.

Ich: Ja, vermutlich, um zu verbergen, dass

er nichts mitzuteilen hat. Die hatten mir

mal zwei ihrer CDs geschickt, aber ich hab’

sie weiterverschenkt.

Er: No way! War auch ein Liebesbrief mit

dabei?

Ich: Weiß ich nicht mehr. Falls ja, hab’ ich

den gleich weggeschmissen.

Er: Hehe, das musst Du unbedingt in das

Interview schreiben!

Ich: Dann schicken die mir am Ende aber

vielleicht noch die Russenmafia hinterher.

Er: OK, wie wär’s mit Fragen zu

Musikequipment, Software, Instrumenten

und so. Oder ist das zu langweilig?

Ich: Ja, das ist blöd. Abgesehen davon,

geht das auch niemanden was an. Aus dem

gleichen Grund würde ich auch niemals

Photos von mir im Studio zeigen.

Er: Wie wär’s damit ... Du hast schon so

viele Alben veröffentlicht. Findest Du es

nicht schwer, immer wieder neues Material

zu schreiben? Kommt es vor, dass Du aus

Versehen Lieder schreibst, die Du schon

mal geschrieben hast?

Ich: Dass ich aus Versehen Lieder doppelt

schreibe?! Wie soll das denn gehen???

Er: Hehe ... ich meine, Du spielst zum

Beispiel einen Basslauf und findest ihn

klasse, aber dann merkst Du plötzlich, dass

der aus einem alten Stück von Dir ist.

Ich: Hmm, so ähnlich. Ich hatte mal einen

halben Tag lang eine Melodie vor mich hin

gesummt, aber ich konnte mich einfach

nicht erinnern, wo ich sie schon mal gehört

hatte. Irgendwann des Abends fiel mir dann

ein, dass das ein altes Stück von mir war,

das ich bloß noch nicht veröffentlicht hatte.

Er: Interessant. OK, hättest Du lieber vier

Arme oder einen langen Affenschwanz?

Ich: Kann ich auch beides haben?

Er: Nein. Du musst Dich für eins

entscheiden und erklären, warum.

Ich: Verdammt, das alte Dilemma. Stil

oder Funktionalität ...

Er: Mit vier Armen könntest Du echt

krasse technische Sachen auf dem Keyboard

spielen, aber mit einem Schwanz könntest

Du Dich von irgendwo runterhängen

lassen, und das wäre auch cool.

Ich: Zum Beispiel von einer Straßenlaterne?

Er: Ja. Und Du könntest Passanten die

Handtasche klauen.

Ich: Es ist fast drei Uhr morgens. Solche

schwerwiegenden Entscheidungen kann ich

jetzt unmöglich treffen.

Er: Gut, dann ... angenommen, Du würdest

von einem Geist heimgesucht. Wer wäre

Dir lieber? H.P. Lovecraft, Lord Dunsany

oder E.A. Poe?

Ich: Na, endlich kommen wir aufs Thema

zurück. OK, das ist leicht. Schließlich trage

ich Poe schon, seit ich acht oder neun bin,

mit mir herum.

Er: Poe also?

Ich: Ja. Zwangsläufig.

Er: Ich glaube, ich würde eher Dunsany

nehmen. Der war weniger abgefuckt als die

andern beiden. Und nicht so unglücklich.

Ich: Hmm ... ja ... ich weiß.

Er: Andererseits gibt’s bei Lovecraft

Tentakel.

Ich: Lovecraft geht mir auf die Nerven,

dabei fand ich ihn früher mal ganz gut. Vor

ungefähr einem Jahr fiel mir dann aber aus

irgendeinem Grund auf, dass ich mich nicht

mehr erinnern konnte, jemals Mountains of

Madness von ihm gelesen zu haben. Also

kramte ich die Bücher hervor, aber schon

nach ein paar Minuten dachte ich nur noch:

„Maaaaann, Howard, komm endlich auf den

Punkt!“

Er: Hehe.

Ich: Ernsthaft, ich bin zu alt dafür.

Er: Wie wäre es mit Tentakeln auf dem

Kopf anstelle von Haaren? Dann könntest

Du Dich an der Zimmerdecke festsaugen.

Ich: Nein, danke. Das sähe zu bescheuert

aus. Aber erinnerst Du Dich noch an den

Majordomus aus Return of the Jedi? Oder

das Sklavenmädchen? So was schon eher.

Er: Ja, doch ... das wäre hübsch. OK,

mehr fällt mir nicht ein. Hat Dir das

weitergeholfen?

Ich: Nein, nicht wirklich. Aber wenigstens

habe ich jetzt bessere Laune.

Er: Na also.

www.soporaeternus.de

Anna-Varney Cantodea

Photos: Achim Webel

Discographie (Alben):

„...Ich töte mich jedesmal aufs Neue, doch ich

bin unsterblich, und ich erstehe wieder auf;

in einer Vision des Untergangs...“ (1994)

‚Todeswunsch – Sous le soleil de Saturne’

(1995)

The Inexperienced Spiral Traveller (1997)

Dead Lovers’ Sarabande... Face One...

(1999)

Dead Lovers’ Sarabande... Face Two... (1999)

„Songs from the inverted Womb“ (2000)

„Es reiten die Toten so schnell“ (or: the

Vampyre sucking at his own Vein) (2002)

„La Chambre d’Echo“ Where the dead Birds

sing (2004)

Les Fleurs du MAL (2007)

Have you seen this GHOST? (2011)

POETICA – all beauty sleeps (2013)

78 - Orkus!


Orkus! - 79


Was wäre, wenn...

Candia McKormac (Inkubus Sukkubus)

Stell’ dir vor, du wärst...

... eine Farbe? Moosgrün oder Schwarz.

... ein Tier? Eine schwarze Katze in einem gemütlichen Heim... mit

einem gesunden Vorrat an Mäusen vor der Haustür, damit ich fit

und meine Jagdinstinkte fein bleiben.

... ein Planet? Der Vollmond.

... ein Lied? I Am A Cider Drinker von The Wurzels.

... eine Blume? Im Hochsommer muss ich das wohl mit

Wiesenkerbel beantworten. Ich liebe es, zu sehen, wie sein

schaumiges Weiß die Ränder der Landstraßen ziert. Diese

Pflanze ist anspruchslos und zieht Insekten an wie nichts sonst.

Zaubert jedoch auch ein Lächeln auf mein Gesicht.

... ein Edelstein? Ist eher halbedel, aber ich wähle den Mondstein.

... eine mythologische Figur? Dionysos, wenn ich mich besonders

hedonistisch fühle. Ansonsten vielleicht Diana, die Jägerin.

... ein Buch? Do What You Will von Geoffrey Ashe.

... ein Film? The Libertine – basiert auf der Lebensgeschichte des

zweiten Earl of Rochester und ist mit Johnny Depp.

... eine Jahreszeit? Herbst. Ich liebe die Luft am Ende des Sommers,

wenn sich alles in Richtung der nächsten Jahreszeit neigt.

... eine Stadt? New Orleans. Ganz besonders das French Quarter.

Als Inkubus Sukkubus dort zum ersten Mal im Rahmen der

„Endless Night“ spielten, habe ich mich gefühlt, als wäre ich

schon mal da gewesen, und wusste instinktiv, wohin ich ging. Es

fühlte sich an wie Heimkommen.

Wortschatz

Jürgen Engler (Die Krupps)

Meine aktuelle Lektüre ist Robert Rodriguez’ Rebel without a crew.

Ich hatte das Buch bei Erscheinen in den Neunzigern gekauft,

nachdem ich seinen Filmstil sehr mochte und mir der Titel extrem

gut gefallen hat! Ich war leider nie dazu gekommen, mich richtig

in das Buch zu vertiefen, was ich aber jetzt, wo unser neues Album

fertiggestellt ist, nachhole. Im Laufe der Jahre hat Rodriguez

dermaßen viele gute Filme produziert, dass ich ihn definitiv zu

meinen Lieblingsregisseuren zähle. Sei es Sin City, From Dusk

Till Dawn, Planet Terror oder Machete, all seine Filme haben eine

eigene, wiederzuerkennende Handschrift. Es handelt sich hier

zwar nicht um intellektuelle Ergüsse, aber wenn es um nackte

Unterhaltung geht, ziehe ich Rodriguez jedem anderen vor, auch

seinem Regisseurfreund Tarantino.

Das Buch beschreibt, wie er sich im Alleingang mit minimalsten

Mitteln, „Do It Yourself“-Attitüde und quasi ohne Crew durchgesetzt

und in Hollywood Fuß gefasst hat. Der Mann ist einfach

ein Rebell, ein Quertreiber, und ich weiß ihn schon alleine daher

sehr zu schätzen. Ein anderer Grund, warum mich dieses Buch jetzt

mehr denn je interessiert, ist, dass ich mit Rodriguez im letzten Jahr

gearbeitet habe, und zwar werde ich als Statist in Sin City 2 sowie

Machete Kills zu sehen sein. Es war extrem interessant, mal eine für

mich „neue“ Welt aus der Nähe kennenzulernen. Ich war in Szenen

mit Mickey Rourke, Bruce Willis, Jessica Alba, Mel Gibson, Joseph

Gordon-Levitt und einigen mehr. Wie viel davon letztlich nach

dem Endschnitt zu sehen ist, wird sich zeigen. Aber da Rodriguez

in meiner Heimatstadt Austin seine Filmstudios hat, wird es mit

Sicherheit nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich bei ihm

am Set war. Und wer weiß, vielleicht fällt auch mal eine größere

Rolle für mich ab... Wie man ja weiß, im Land der unbegrenzten

Möglichkeiten geht fast alles... man darf gespannt sein!

80 - Orkus!


„Jede Freiheit hört da auf,

wo Dummheit anfängt.“

„Mein rechter, rechter Platz ist leer...“ Was viele

als Spiel aus unbeschwerten Kindertagen kennen,

nutzen die perlen, um ihrer Meinung zum

gesellschaftlichen Umgang mit rechten Tendenzen

Ausdruck zu verleihen. „Rechtes Gedankengut

breitet sich schleichend aus und findet Zustimmung

beim Bürgertum“, mahnt Ferdinand Ess empört zur

Vorsicht. „Echte Rechtsextreme passen sich immer

besser an und geben sich ein harmloses, bürgerliches

Image.“ – „Augen auf!“, könnte die Botschaft der

EP Mein rechter Platz ist leer lauten. Doch nicht

nur Neonazis, die sich über das Organisieren von

Volksfesten, Jugendfreizeiten oder Bürgerinitiativen

in der Gesellschaft verankern, bereiten dem

aufgeweckten Duo Kopfzerbrechen. „Während sich

Rechtsextreme immer stärker tarnen, kokettieren

auf der anderen Seite Künstler und Fans mit einem

Naziimage.“ Ferdinand hat die alte Leier einfach

satt: „Ob zur Provokation, Ironie, Ästhetik oder aus

echter Überzeugung... meist wird aber vorgeschoben,

dass man gar nicht wirklich rechts ist. Das ist pure

Heuchelei!“ Schweigen, mysteriös erscheinen und

sich auf der Künstlerfreiheit ausruhen, ist für den

Nürnberger keine Option zum eigenständigen und

vernünftigen Denken, Entscheiden und Handeln.

„Jede Freiheit hört da auf, wo Dummheit anfängt.

Freiheit funktioniert nur dann, wenn man gewisse

Grenzen von selbst einhält.“

Wäre es bei den wiederholt aufflammenden

Debatten, bei so vielen Missverständnissen, welche

die Verbindung von Musik und Politik mit sich

bringt, nicht leichter, die beiden völlig zu trennen?

Ferdinand hat einen festen Standpunkt... „Auf

keinen Fall! Kunst war schon immer ein Mittel, um

Politik mitzugestalten. Bei den Diskussionen um

die Naziimages in der Musik geht es immer nur um

die Frage: Rechts oder nicht?“ Im Hinblick auf das

neue Werk, das nicht zuletzt mit multikulturellen

Remixen und Zusammenarbeiten ein Statement

setzt, fügt er an: „Uns geht es mehr um die Frage, ob

durch Gleichgültigkeit die Akzeptanz von rechtem

Gedankengut in der Gesellschaft steigt.“

Vielleicht liegt es aber auch in der Natur bestimmter

Gruppierungen, die durch häufig proklamierte

Toleranz letztendlich unbewusst Türen und Tore

für etwas öffnen, das so – geschickt getarnt – in

seiner destruktiven Kraft noch gar nicht erkannt

wird. „Sapere aude“, hieß es einst bei Immanuel

Kant. Wiewohl die perlen ihre Botschaften im

tanzflächentauglichen Klang präsentieren, rufen

sie dazu auf, trotz der Fülle an Informationen,

trotz des Bombardements unserer Nervenzellen

durch Einflüsse aller Art, selbstständig zu denken

und mithilfe der Vernunft eine Position zum

Weltgeschehen zu beziehen. „Heute empört sich

doch keiner mehr, wenn jemand mit SS-Uniform

herumläuft. Doch jede Toleranz kennt ihre Grenzen.

Wenn ich einfach zu allem schweige, bin ich nicht

tolerant, sondern gleichgültig“, erklärt Ferdinand

und fordert uns heraus: „Ist Euch alles egal? Habt

Ihr keine eigene Meinung mehr?“

www.dieperlen.de

Tanja Pannwitz

Discographie (Alben):

Telektroponk! (2006)

Szenenwechsel (2008)

Zurück (2012)

Line-Up:

Katja Hah – Gesang

Ferdinand Ess – Gesang, Schlagzeug, Gitarre,

Synthesizer


Jinxy

Welche Band hat dich als Kind/Jugendliche am meisten

beeindruckt?

Es waren eher Komponisten klassischer Musik als Mainstreambands. Die

Werke von Vivaldi, Beethoven, Bach, Rossini und Puccini haben mich am

meisten beeindruckt.

Kannst du dir vorstellen, für ein ganz besonderes Album

mehr als 50 Euro auszugeben?

Ja, das kann ich mir durchaus vorstellen.

Wenn dein Leben ein Album wäre, wie würde es heißen?

Shit Happens – or: The Tragicomic Ballad Of An Inconveniently Empathic

Misanthrope.

Welches Album hast du zuletzt komplett angehört, ohne

dabei irgendetwas anderes zu machen?

Tim Minchins Ready For This?, sofort gefolgt von Tim Minchins Tim

Minchin and the Heritage Orchestra (live). Ja, ich bin in einer Tim Minchin-

Phase.

Wann und wo bist du das letzte Mal in einem echten

Plattenladen gewesen?

Es gab mal Plattenläden?

Welches Album kannst du deinen besten Freunden

empfehlen?

OTEPs Smash The Control Machine.

Welches Album würdest du deinen größten Feinden/

Widersachern empfehlen?

Wenn es ein Album von Alphonse Allais’ Marche funèbre composée pour les

funérailles d’un grand homme sourd aus dem Jahr 1897 gäbe, dann würde ich

es meinem größten Feind sogar schenken.

Welches Konzert möchtest du gerne noch einmal

erleben?

Keines. Wenn ich mir schon das Unmögliche wünschen dürfte, würde ich

lieber ein Konzert erleben wollen, das stattfand, lange bevor ich geboren

wurde. Und zwar: David Bowies legendäres letztes Konzert als Ziggy

Stardust im Hammersmith Odeon am 03. Juli 1973.

Bist du bei Konzertbesuchen in den vorderen Reihen zu

finden oder weiter hinten als stille Genießerin?

Ich bin immer in der ersten Reihe.

Für welches Konzert hast du erstmalig und nun zuletzt

eine Karte gekauft?

Meine erste Konzertkarte kaufte ich für London After Midnight, die letzte

für Arch Enemy.

Musik ist...?

... mein zweiter Vorname.


„Wir sind als Individuen reifer

und erwachsener geworden.“

Mit ihrem zwölften, selbstbetitelten Album stellen die Prog-Meister von Dream Theater erneut unter Beweis, dass ihnen in diesem

Genre kaum jemand das Wasser reichen kann. Fronter James LaBrie zeigt sich bei seiner Analyse jedenfalls sehr zufrieden...

Orkus: Dream Theater klingt dramatischer, epischer und theatralischer

als die beiden direkten Vorgänger. Was sind die Gründe für diese leichte

Verschiebung der musikalischen Schwerpunkte?

James LaBrie: Eine schöne Zusammenfassung, der ich komplett

zustimme. Genau das waren die Elemente unseres Sounds, die wir

stärken und hervorheben wollten, weil sie uns einfach wichtig sind.

Dass diese Idee auch in der Praxis funktioniert, haben wir nicht zuletzt

unserem neuen Schlagzeuger Mike Mangini zu verdanken. Sein Spiel ist

phantastisch. Es gibt einige Parallelen zu seinem Vorgänger Mike Portnoy,

aber auch ein paar Unterschiede. Mangini geht viel mehr auf die Ideen

der anderen ein, während Portnoy eher seinen Stiefel heruntergespielt

hat. Als Mangini zu uns stieß, stand der Großteil von A Dramatic Turn

Of Events, unser Gitarrist John Petrucci hatte die Drumparts bereits

programmiert. Mike konnte zwar noch eigene Ideen einbringen, mehr

aber nicht. Dieses Mal konnte er sich von Anfang an als Komponist

einbringen. Und ich finde, dass man den Unterschied hört.

O: Manche Passagen auf Dream Theater, allen voran der dreiteilige

Opener False Awakening Suite, erinnern deutlich an große Werke der

Filmmusik... von Hans Zimmer über John Williams bis Danny Elfman.

Wer von euch ist der glühendste Fan dieses Genres?

JLB: Das sind wir eigentlich alle. Und die Idee, eine reine

Instrumentalnummer in diesem Stil zu schreiben, schwebte uns schon

lange vor. Diesmal hatten wir im Studio ein wenig mehr Zeit und konnten

die False Awakening Suite ausarbeiten. Wir haben viel herumprobiert, bis

wir endlich zufrieden waren. Das Stück steht absichtlich am Beginn des

Albums, weil wir glauben, damit sofort die Aufmerksamkeit des Hörers

zu gewinnen. Und die lässt dann hoffentlich nicht nach.

O: In Anbetracht der vielfältigen Arrangements nicht immer ganz leicht.

Vor allem der fünfteilige Rausschmeißer Illumination Theory erfordert

volle Aufmerksamkeit. Im krassen Gegensatz dazu scheint die erste

Single zu stehen: The Enemy Inside ist ein für eure Verhältnisse eher

simples und geradliniges Lied, das unbedarfte Hörer nicht ansatzweise

erahnen lässt, was sie auf Dream Theater erwartet.

JLB: Das ist eben der Song, dem jeder folgen kann. (lacht) Im Ernst,

die Band und das Label mochten den Track auf Anhieb. Er ist sehr

heavy, hat aber eine starke Melodie und einen tollen Refrain. Das sollte

den Appetit unserer alteingesessenen Fans wecken und andere Leute

neugierig machen. Es ist prinzipiell ein Problem dieser Band, dass wir nie

einen Song haben, der das ganze Album repräsentiert. So komponieren

wir einfach nicht.

O: Was langjährigen Anhängern auffallen dürfte, ist die Tatsache, dass

84 - Orkus!


sich dein Gesangsstil seit A Dramatic Turn Of Events ein bisschen

verändert und dem deiner Solo-Alben angeglichen hat. Du klingst

insgesamt entspannter und kontrollierter. Und du setzt öfter deine

Flüsterstimme ein.

JLB: Ja, richtig. Ich habe diese bewusste Entscheidung getroffen,

um mehr Intensität und Emotionen zu erzeugen. Natürlich jeweils

passend zum Text. Wenn es das Stück verlangt, kann ich auch sehr

aggressiv agieren. Doch für Sänger gilt grundsätzlich noch stärker als

für Instrumentalisten, dass man in den Liedern sein Innerstes preisgibt.

Wir alle sind als Individuen reifer und erwachsener geworden. Das

sollte sich in der Musik widerspiegeln. Alle möchten zeigen, wo sie

heute, im Jahr 2013, stehen. Und was du auf dem neuen Album hörst,

bin ich zu diesem Zeitpunkt.

O: Eure Anhänger dürfen sich nicht nur über das neue Album freuen,

sondern auch über eine DVD mit dem Titel Live At Luna Park, die

bereits wenige Wochen nach der CD erscheinen wird. Warum zwei

Veröffentlichungen so kurz hintereinander?

JLB: Weil für die DVD das Gleiche gilt wie für das Album: Wir wollen

zeigen, wo wir zum Moment der Aufnahmen – in diesem Fall im

Sommer 2012 – standen. Und es sollte nicht zu viel Zeit zwischen den

Aufnahmen und dem Release liegen. Unterm Strich ist Live At Luna

Park, das in Buenos Aires aufgenommen wurde, wahrscheinlich unsere

enthusiastischste und komplexeste Produktion überhaupt. Allein die

Vorproduktion dauerte ewig. Doch wir wollten ganz sichergehen,

visuell alles auszudrücken, was uns in jenem Moment wichtig war.

Es klingt vielleicht komisch, wenn ich das über unsere eigene DVD

sage, aber sie hat die Magie der beiden Abende perfekt eingefangen.

Ab September läuft Live At Luna Park in diversen Kinos weltweit, was

mich besonders stolz macht. Schon der Gedanke, dass unsere Fans im

Kino sitzen und das Konzert mit 5.1 Dolby Surround-Sound genießen

können, ist für uns eine einmalige Sache.

O: Eine andere Frage ist, ob du deinen Job eigentlich noch genießen

kannst. Denn die Musik scheint bei euch immer noch komplexer und

anspruchsvoller zu werden. Wie schaffst du es, in diesem Tornado von

Noten genügend Freiraum für deine Lyrics zu finden?

JLB: (lacht) Diese Frage wird mir häufiger gestellt. Und ich muss

gestehen, dass ich sie nicht ganz nachvollziehen kann. Seit den Anfängen

der Band pflegen Dream Theater einen sehr eigenen Stil, der im Laufe

der Jahre natürlich verfeinert wurde. Doch je kreativer die Instrumente

eingesetzt werden, desto mehr Freiheiten bieten sich mir. Ich habe

unzählige Möglichkeiten, meine Gesangslinien unterzubringen. Das

ist viel einfacher, als wenn ich in einer Band spielen würde, die streng

nach der Formel „Strophe – Bridge – Refrain“ vorgeht. Aber ich finde

es sehr interessant, dass Außenstehende das offensichtlich völlig anders

einordnen.

www.dreamtheater.net

Marc Halupczok

Discographie (Studioalben):

When Dream And Day Unite (1989)

Images And Words (1992)

Awake (1994)

Falling Into Infinity (1997)

Metropolis Pt. 2: Scenes From A Memory (1999)

Six Degrees Of Inner Turbulence (2002)

Train of Thought (2003)

Octavarium (2005)

Systematic Chaos (2007)

Black Clouds & Silver Linings (2009)

A Dramatic Turn Of Events (2011)

Dream Theater (2013)

Line-Up:

James LaBrie – Gesang

John Petrucci – Gitarre

John Myung – Bass

Jordan Rudess – Keyboard

Mike Mangini – Schlagzeug

Erhältlich als Limitierte CD - Erstauflage im Digipak inkl.

DVD (60 Min. Spielzeit) und als LIMITED FREAK BOX Set

Inhalt: Digipak CD+DVD, Fanschal, Autogrammkarte, Aufkleber

und eine exklusive Hämatom Uhr.

Keinzeitmensch Tour 2013

20.09.13 - WIESAU - Storm Crusher Festival

(EXKLUSIVE RELEASE PARTY)

11.10.13 - LEIPZIG - Hellraiser

12.10.13 - LOSHEIM - Eisenbahnhalle

13.10.13 - BRUCHSAL - Fabrik

18.10.13 - MEMMINGEN - Kaminwerk

19.10.13 - TALHAUSEN - Primels Bar

24.10.13 - BONN - Klangstation

25.10.13 - GEISELWIND - Music Hall

26.10.13 - FLENSBURG - Roxy

30.10.13 - HAMBURG - Markthalle

31.10.13 - BERLIN - C-Club

01.11.13 - DRESDEN - Strasse E

02.11.13 - HANNOVER - Musikzentrum

08.11.13 - MAGDEBURG - Factory

15.11.13 - WIEN - Szene

16.11.13 - MÜNCHEN - Backstage

22.11.13 - CH-ST.GALLEN - Grabenhalle

23.11.13 - CH-ZÜRICH - Dynamo

28.11.13 - FRANKFURT - Nachtleben

29.11.13 - KAISERSLAUTERN - Kammgarn

30.11.13 - BOCHUM - Matrix

06.12.13 - AUGSBURG - Kantine

07.12.13 - CHAM - LA-Cafe

13.12.13 - TROCKAU - MCT 1

14.12.13 - ESSLINGEN - Komma

www.haematom.de

Ab dem 20.09.!

Orkus! - 123


„Gefürchtet und geliebt zugleich.“

Jetzt also Hexen. Nach kopflosen Reitern, Totenschiffen, uralten Flüchen und Kutschfahrten ins Grauen setzen Deutschlands

Horrormeister Nummer eins auf Witching Hour den warzigen, boshaften und todbringenden Wesen ein unheilvolles Denkmal. Das

verheißt gespenstische Unterhaltung in ihrer besten Form, düster, mystisch und nachtumweht wie selten zuvor. Mit Ulf Theodor

Schwadorf ließen wir uns für ein Gespräch am Hexenkessel nieder.

Orkus: Witching Hour ist vom ersten Schrei bis zum letzten Glockenschlag

den Hexen gewidmet. Aber was ist eigentlich eine Hexe für dich?

Ulf Theodor Schwadorf: Eine Hexe ist im Kontext unseres Albums

ein weibliches, mystisches und übernatürliches Wesen aus Märchen und

Sagen, das im Verborgenen lebt und für uns Menschen schreckliche Dinge

tut. Sie ist ein Sinnbild für die dunklen Kräfte unserer Natur.

O: Eine richtige Hexe aus der Horrorliteratur umweht etwas Böses,

Modriges, Sumpfiges, Garstiges. Trifft das auch auf eure Hexen zu?

UTS: Natürlich. Siehe die Baba Jaga aus Cannibal Witch, die die Pest

personifizierende Hexe aus Pesta Approaches oder die drei Hexen aus A Witch

Is Born.

O: Man sieht: die Literatur ist voll von klassischen Hexen wie diesen und

weiteren. Welche berühmten Hexen standen Patin für das neue Werk?

UTS: Es stand zwar nicht nur eine Hexe Patin, auf dem Cover jedoch sieht

man auch eine Abbildung der Baba Jaga – eine Hexe aus der russischen

Folklore. Sie nimmt so etwas wie eine zentrale Rolle ein... als Paradebeispiel

dafür, was uns an dem Thema fasziniert und inspiriert hat.

O: Warst du schon mal auf dem Brocken, der auch als Blocksberg bekannt

ist?

UTS: Ich war einmal auf dem Brocken, das aber zur Tageszeit, und ich

könnte nicht sagen, dass es mich sehr inspiriert hat. Gerade hier wird

das Ganze ja sehr kommerziell ausgeschlachtet und die Hexe dort sehr

verniedlicht. Ich bin eher inspiriert von alten Gemälden oder Märchen/

Sagen und Überlieferungen.

O: Gib doch bitte einen kurzen Einblick in die Geschichten, die dieses

Album erzählt. Was gibt es zu erleben?

86 - Orkus!


UTS: A Witch Is Born erzählt die Geburt einer Hexe. Drei Hexen

um einen dampfenden Kessel, die finstere Reime flüstern und durch

verdarbte Zauberei eine neue Hexe gebären. The Blocksberg Rite

beschreibt die Walpurgisnacht und die Ausschweifungen der Hexen

in jener Nacht auf dem Blocksberg. Cannibal Witch ist, wie gesagt, der

Baba Jaga gewidmet – ein altes, menschenfressendes Weib, welches

durch Jahre der Einsamkeit und Zauberei wahnsinnig geworden ist.

Sie ist eine Art Kali, sie bringt den Tod, jedoch auch die Wiedergeburt.

The Wood Hag dann ist das klassische Hänsel und Gretel-Märchen,

Hexenmeister ist dem Doktor Faustus gewidmet. An einer Kreuzung

zur Mitternacht im Wald verkauft er seine Seele an den Teufel und

wird der Hexenmeister. Pesta Approaches ist inspiriert von Kittelsens

Svartedauen-Reihe. Die Pest in Person der Hexe Pesta, die selbst die

entlegensten Gegenden erreicht, um dort den Schwarzen Tod zu

verbreiten. The Call Of The Banshee widmet sich der Banshee aus der

irischen Folklore. Wer immer ihren markerschütternden Schrei hört,

weiß, dass es mit ihm oder einer Person, die er liebt, zu Ende geht.

Und in The Valkyrie schließlich geht es um die Walküren: Todesengel

des Nordens, die die Toten in ein besseres Leben führen... wenn sie es

verdienen. Sie sind gefürchtet und geliebt zugleich.

O: Sind all diese Hexen grundsätzlich böse? Oder liegt das im Auge

des Betrachters?

UTS: Das Faszinierende an der Hexe ist ja, dass sie zwischen Gut

und Böse tendiert – sie ist eine Art europäisches Yin und Yang. Sie ist

zwielichtig und nicht zu begreifen, ein Teil von uns... im Guten wie

im Schlechten.

O: Konzeptalben und „normale“ Liedersammlungen halten sich bei

euch die Waage. Was liegt euch mehr?

UTS: The Vision Bleak sind eine Konzeptband, also liegt uns das

Arbeiten mit Konzepten selbstverständlich mehr. Ich sehe allerdings

auch jedes unserer Werke als eine Art Konzeptalbum: Carpathia und

Witching Hour haben ein strengeres Konzept, während The Deathship

Has A New Captain, The Wolves Go Hunt Their Prey und Set sail to

mystery ein loseres Konzept haben. Trotzdem segeln alle unsere Alben

unter dem Banner grauenerregender Geschichten.

O: Musikalisch gibt es diesmal einen Rundumschlag durch alle

düsteren Fahrwasser, die ihr bisher gequert habt. Wie ist es passiert,

dass ihr unterm Strich dennoch eher in die Gewässer des ersten

Albums zurückgefunden habt?

UTS: Uns war nach einer Platte, die eingängig und mit einem

gewissen geradlinigen Rockvibe ausgestattet ist. Eben wie unser

Debut. Wir haben auch bewusst alle Außeneinflüsse abgeschaltet und

uns frisch und frei an die Aufnahmen gemacht. Kein Business und

nicht zu viele zweite Gedanken.

O: Die neuen Stücke sind selbst für eure Verhältnisse sehr mystisch,

gespenstisch und unheimlich, klingen wie aus tiefer Vergangenheit.

Was war die große Vision?

UTS: Die große Vision für dieses Album war, Bilder

heraufzubeschwören, die in unser aller Unterbewusstsein zum Thema

„Hexe“ vorhanden sind.

O: Was macht The Vision Bleak zehn Jahre nach dem Debut aus?

UTS: The Vision Bleak steht heute mehr als jemals zuvor für „creepy

and haunting entertainment“.

www.the-vision-bleak.de

Björn Springorum

Discographie (Alben):

The Deathship Has A New Captain (2004)

Carpathia (2005)

The Wolves Go Hunt Their Prey (2007)

Set sail to mystery (2010)

Witching Hour (2013)

Line-Up:

Ulf Theodor Schwadorf – Gitarre, Bass, Keyboard

Allen B. Konstanz – Gesang, Schlagzeug, Keyboard

Orkus! - 87


„Ich hatte schon immer große

Sehnsucht nach der alten Zeit...“

BLACK OATH

Ov Qliphoth and Darkness

CD

122 - Orkus!

- IHATE.BANDCAMP.COM

OFFICIAL DISTRIBUTION: SOULFOOD - GERMANY, AUSTRIA, SWITZERLAND, BELGIUM, THE NETHERLANDS, ITALY. SHELLSHOCK - UK & IRELAND

SOUND POLLUTION - SWEDEN

UNOFFICIAL DISTRIBUTION: HELLS HEADBANGERS & CENTURY MEDIA - USA & CANADA

Im Gegensatz zu vielen ihrer Landsleute widmen

sich die Finnen von Unshine nicht ihrem eigenen

Nationalepos, sondern setzen sich intensiv mit

keltischer Geschichte und Mythologie auseinander.

Kreativkopf Harri Hautala findet sein Interesse

daran überhaupt nicht ungewöhnlich: „Wenn man

sich näher mit der spirituellen Unterfütterung der

verschiedenen Nationen beschäftigt, erkennt man

sehr viele Gemeinsamkeiten. Die finnische und die

keltische Mythologie sind gar nicht so unähnlich...

Ich hatte allerdings seit jeher ein starkes Gefühl der

Verbundenheit mit dem keltischen Kulturraum.

Manchmal glaube ich sogar, diese Verbindung als etwas

Uraltes in meinen Adern zu spüren.“ Kein Wunder,

dass das Quintett aus der Nähe von Helsinki seinen

Stil „Druid Metal“ nennt – eine Kategorisierung,

die, wie der Nordländer zugeben muss, bereits für

allerlei komische Assoziationen sorgte. „Wir haben

diese Bezeichnung gewählt, da wir uns sehr für

Naturspiritualität interessieren und die Druiden uns

in ihrer Funktion als Seher und Propheten, aber auch

als Liedermacher faszinieren. Unser Sound wurde

außerdem schon als Wicca Metal oder Bard Metal

beschrieben. Den Begriff Bard Metal fand ich erst ganz

passend, bis mir einfiel, dass Troubadix, der Barde

bei Asterix & Obelix, dauernd gefesselt, geknebelt

und am Baum festgebunden wird, weil er so schlecht

musiziert. Zu sagen, wir spielen Druid Metal, ist also

weit unverfänglicher“, schmunzelt er.

Inhaltlich handelt es sich bei Dark Half Rising um ein

Konzeptalbum mit klarer historischer Ausrichtung.

„Schauplatz der fiktiven Geschichte ist das Gebiet des

heutigen Belgien und Frankreich, speziell der Ardenner

Wald“, erläutert Harri. „Ein kleiner keltischer Stamm

kämpft zur Zeit Julius Cäsars gegen die Römer und

um sein Überleben.“ Diese Thematik spiegelt auch

das auffällige Cover: „Das Artwork wurde durch Jan

Örkki Yrlund von Darkgrove Design gestaltet und

zeigt einen majestätischen Adler als Symbol Roms, der

einen wilden Eber angreift. Jener darf als Totemtier der

Region gelten, und die Göttin Arduinna, nach welcher

wir auch ein Lied betitelt haben, wurde stets auf einem

wilden Eber reitend dargestellt.“ Neben den englischen

Lyrics findet sich auf dem Drittwerk der Band erstmals

ein komplett muttersprachlich vorgetragener Track.

Das 13-minütige Ikuinen Taistelu („Der ewige Kampf“)

entstand hauptsächlich aus Neugier... „In Finnland

erzählt dir jeder, wie schwer es ist, Texte auf Finnisch

zu verfassen, deswegen habe ich es lange nicht probiert.

Es war aber viel leichter als gedacht. Neben Susanna

singt Tapio Wilska (Ex-Finntroll – Anm.d.Verf.) und

macht das Stück durch seine eindrucksvolle Stimme zu

einem echten Hörerlebnis.“

Als waschechter Finne braucht Harri viel Natur um

sich herum, damit er sich kreativ entfalten kann;

ein Leben im urbanen Raum kommt für ihn nicht

in Frage. „Neben meiner Familie und der Musik ist

mir die Natur am wichtigsten. Ich habe eine sehr

emotionale Beziehung zu meiner Umgebung und

hatte schon immer große Sehnsucht nach der alten

Zeit und einer einfacheren Lebensweise.“

www.unshine.com

Isabell Köster

Discographie (Alben):

Earth Magick (2005)

The Enigma Of Immortals (2008)

Dark Half Rising (2013)

Line-Up:

Susanna Vesilahti – Gesang

Harri Hautala – Gitarre, Keyboard

Jari Hautala – Gitarre

Teemu „Teemal“ Vähäkangas – Bass

Jukka „Stibe“ Hantula – Schlagzeug


„Die Liste der Mitspieler

wurde immer länger.“

Ab dem

04.10.!

Mit Timestamps präsentiert Hans Platz, der auch bei

Feuerschwanz in die Gitarrensaiten greift, sein Solo-

Debut. Auf diesem Werk gibt es anspruchsvolle, aber

auch sehr eingängige Instrumentalmusik zu hören.

Unterstützt wird der Franke durch Weltklasseleute wie

TM Stevens (unter anderem für Billy Joel oder Steve

Vai tätig), Wolfgang Haffner, Mattias „IA“ Eklundh,

Marco Minnemann und viele mehr. Für jeden

Künstler ein Traum, welchen sich Platz im Laufe der

letzten Jahre erfüllte. „2009 begann ich, erste Stücke

zu schreiben. Freak Sauna war als Erstes fertig. Mir war

von Anfang an klar, dass ich kein reines Gitarrenalbum

machen wollte. Also brauchte ich fähige Musiker

an Schlagzeug und Bass. Ich setzte mich hin und

schrieb eine Mail an TM Stevens. Bereits nach einer

halben Stunde antwortete seine Managerin... ein paar

Wochen später meldete er sich bei mir und stimmte

zu, mitzuspielen.“

Beflügelt durch diesen Erfolg, fragte Platz weitere

Weltstars an – mit erstaunlicher Resonanz. „Nachdem

Stevens zugesagt hatte, war klar, dass wir das Material

irgendwie veröffentlichen müssen. Für die Schublade

war es zu schade! Das gab mir einen Kick. Manche

meiner Mails blieben komplett unbeantwortet, doch

die Liste der Mitspieler wurde immer länger. Es machte

Spaß, zu lesen, was meine Helden von meinen Stücken

hielten. Außerdem konnte ich einige Freunde für das

Projekt gewinnen. Wolfram Kellner von J.B.O. kenne

ich schon seit Jahrzehnten. Und über Feuerschwanz

lernte ich Simon Michael von Subway to Sally kennen,

der bei mir direkt um die Ecke wohnt.“ Trotzdem

dauerte es letztlich vier Jahre bis zur endgültigen

Fertigstellung von Timestamps. „Ich stieg in der

Zwischenzeit bei Feuerschwanz ein, was die Arbeiten

an meinem Solo-Album verzögerte. Außerdem hatte

ich keinen Zeitdruck. Wenn man alleine arbeitet, fällt

es schwer, einen Abschluss zu finden. Man muss sich

selbst eingestehen, dass das Material irgendwann nicht

mehr besser, sondern nur noch anders wird. Dann ist

es Zeit für den Schlussstrich.“

Jenen zog Platz im Frühling 2013. Und nun präsentiert

er sich voller Freude der interessierten Öffentlichkeit.

Denn auch Instrumentalisten haben in ihren Tracks

eine Menge zu sagen: „Natürlich ist es mit einem

Sänger einfacher, gewisse Dinge zu transportieren.

Aber die Kunst besteht darin, das Instrument nicht

als Barriere, sondern als Kommunikationsmittel zu

sehen. Ein Stück wie Father ist für mich zum Beispiel

sehr emotional. Ich bin ein Scheidungskind und hatte

nie viel Kontakt zu meinem Vater. Als er vor einigen

Jahren starb, musste ich seine Wohnung ausräumen.

Dabei lernte ich neue Seiten von ihm kennen. In einer

Schublade hatte er Dinge von mir gesammelt. Das

reichte von Bildern, die ich als Kind gemalt hatte, über

Urlaubspostkarten bis hin zu Zeitungsausschnitten

über mich. All die Gefühle, die mir damals durch

den Kopf gingen, habe ich versucht, in dem Stück

darzustellen.“

www.hansplatz.de

Marc Halupczok

Das neue

Studioalbum!

Erhältlich als limitiertes

Digipak incl. 2 Bonus

Tracks und Poster, 2 LP

Gatefold farbiges Vinyl,

CD und Download.

Exklusive Autogrammstunde

mit Rock N´Rolf Samstag

05.10.2013, 14 Uhr,

Köln, Hansaring 97

www.running-wild.de

Orkus! - 123


„Keiner von uns ist wirklich gezähmt.“

Todesfälle, der Ausstieg des langjährigen Bassisten Peter Nice alias Nelson und schließlich ein Brand im Studio, der fast alle Habseligkeiten

vernichtete... Die Pechsträhne der Mannen um Kopf und Sänger Justin Sullivan ist lang. Nachdem ihr letztes Album bereits 2009

erschien und die Akustikshows der Band als „Justin Sullivan & Friends“ betitelt waren, glaubten viele Fans das Ende schon gekommen.

Doch wie so oft, kommt es anders: Das neue Werk Between Dog And Wolf setzt ohne Übertreibung den bisherigen Höhepunkt ihrer

Karriere. Trotz – und gerade wegen – der Tatsache, dass sich New Model Army diesmal besonders stark gehäutet haben. Das Album

gleicht beinahe einer Zäsur: facettenreich und diffizil, derart liebevoll en détail produziert, dass es auf der Bühne kaum zu realisieren sein

wird, stilistisch vielfältig, die Lyrics von großer, retrospektiver Qualität. Der Phönix steigt aus der Asche.

Justin Sullivan: Es war ein Album, das wir schon lange geplant haben.

Wir benötigten lediglich Zeit. Natürlich war das Feuer ärgerlich, und wir

haben viele Dinge verloren, aber letztendlich waren dies nur materielle Werte.

Dass Nelson gehen würde, wussten wir bereits sehr lange, und es war ein gut

gehütetes Geheimnis, bevor wir es bekannt gaben. Es war eine Trennung

im Guten, dennoch brauchte es einige Zeit, bis wir einen neuen Bassisten

gefunden haben. Das Album wurde im Wesentlichen von Michael Dean

und mir konzipiert. Das Schlagzeug in all seinen Facetten ist ein wesentliches

Element von Between Dog And Wolf. Nachdem die Richtung klar war, ist es

ziemlich rasch entstanden, nämlich von August letzten Jahres bis zum Februar

2013.

Orkus: Wobei sich Between Dog And Wolf nicht anhört, als sei es schnell

entstanden. Man spürt in jedem Song, dass hier sehr fein und mit Hingabe

produziert und arrangiert wurde. Klingt beinahe wie eine neue Band...

JS: Wann immer jemand neu in die Band kommt, bringt er frische Ideen und

Energie mit. Unser neuer Bassist Ceri ist sehr jung – und allein diese Tatsache

bedeutet eine Energiespritze. Ein weiterer Grund, warum wir ihn gewählt

haben: Er ist ein hervorragender zweiter Drummer. Gerade weil der Fokus des

neuen Albums auf den Drums liegt. Bei den Aufnahmen haben wir auch zuerst

mit dem Schlagzeug angefangen.

O: Dabei ist die Energie nicht vordergründig und laut, sondern eher subtil und

dramaturgisch inszeniert.

JS: Ich würde die Gesamtatmosphäre als „brütend“ bezeichnen. Es gibt

Höhepunkte, aber sie kommen nicht sehr oft – und wenn, dann unerwartet

oder fast unmerklich. Es ist ein sehr spannungsgeladenes Album... und diese

Spannung wird nicht immer aufgelöst.

O: Das geht konform mit den sehr persönlichen, retrospektiven Texten, die

jegliche Plakativität eines 51st State vergessen lassen. Dementsprechend auch

der Titel – ein altertümliches, französisches Synonym für den Sonnenaufgang...

JS: Es ist auch ein Synonym für die Band. Wir sind allesamt nette Kerle, doch

keiner von uns ist wirklich gezähmt. Wir mögen es, wenn man uns mag, aber

es gibt auch Elemente in uns, die uns veranlassen, das zu tun, was wir wollen

– egal ob es jemandem gefällt. Wenn bei unseren Konzerten jeder Besucher

Vagabonds hören will, ist es möglich, dass wir das Stück spielen, falls wir Lust

dazu haben – oder eben nicht, wenn uns nicht danach ist. Die Texte sind mit

den Jahren immer persönlicher geworden. Mir geht es heute mehr um die

Menschen als um das Weltgeschehen. Es ist sinnlos, einen tagespolitischen

Song über den Börsencrash zu schreiben, der nach sechs Monaten bereits

überholt ist. Das Menschsein selbst bietet so vielfältige, tiefe Thematiken. Und

auch wenn viele Lieder aus der Ich-Perspektive geschrieben wurden, sind sie

nur selten autobiographisch, eher beobachtend.

O: Wie zum Beispiel I Need More Time, mit Zeilen wie: „I need more time to

make good on the promises I made to the world when the world was moving

slower.“ Ein Stück über das Altern und das Verrinnen der Zeit...?

JS: Das ist nun ausgerechnet absolut nicht retrospektiv, sondern richtet den

Blick eher in die Zukunft! Gerade junge Leute beklagen sich, dass sie keine Zeit

haben, weil durch die zunehmende Technik unser Leben immer rasanter wird.

Dadurch entsteht ein enormer Druck, und jeder fühlt sich gehetzt. Dieser

90 - Orkus!


Song ist auch ein gutes Beispiel, wie viele Tracks des Albums funktionieren.

Er hat oberflächlich eine sehr entspannte Atmosphäre, aber du spürst, es

brodelt unter der Oberfläche. Etwas wird passieren, doch du ahnst nicht, was.

Und in einem unerwarteten Moment erfolgt dann der emotionale Ausbruch.

O: Between Dog And Wolf lässt die Hymnen der Vergangenheit missen. Dies

mag alte Fans zunächst schmerzen, dennoch ist dieser vermeintliche Verlust

die Stärke eines Albums, dessen unvermittelte Spannungsbögen einen großen

Langzeitwert besitzen und ihre Wirkung erst nach und nach offenbaren.

Zugleich ist dieses Album ein sehr mutiger Schritt für eine Gruppe, die ihr

Renommee bis dato hauptsächlich als Live-Band erworben hat.

JS: Between Dog And Wolf ist eigentlich kein Album, das sich für die Live-

Performance eignet. Und weil dies so ist, werden wir die Stücke für unsere

Konzerte alle neu arrangieren. Du wirst nie erleben, dass New Model Army

mit Playbacktapes oder Musik aus der Konserve auf die Bühne gehen.

Von daher werden den neuen Songs andere Facetten hinzugefügt, was ein

sehr spannender Prozess sein kann. Ich vermute auch, dass sich die Lieder

während unserer Tournee noch entwickeln und verändern, sodass sie am

Ende ganz anders klingen als zu Beginn.

O: Damit verfolgen New Model Army eine komplett entgegengesetzte

Philosophie zu beispielsweise The Mission (siehe Interview in der September-

Ausgabe des Orkus!). Für Wayne Hussey war gerade der Live-Aspekt, die

Momentaufnahme im Studio wichtig, zumal alles andere die Produktion

auch verteuert hätte...

JS: Nach deinen Worten zu urteilen, scheint Wayne Hussey eher das schnelle

Geld im Auge zu haben. Daran waren wir wirklich nie interessiert. Selbst

wenn niemand unser neues Album kaufen würde, bin ich froh und stolz,

es gemacht zu haben. Wir haben etwas Schönes geschaffen. Das ist das

Wichtigste.

O: Über all die Jahre haben sich New Model Army den Ruf einer integeren

Band bewahrt, die trotz der Tatsache, dass sie stilistisch nie genau zu

definieren war, extrem treue Fans in diversen Lagern halten konnte, sei es die

Rock-, Folk- oder Gothic-Klientel.

JS: Wir besitzen Identität genug, um uns von allen Seiten inspirieren zu lassen.

Außerdem wollten wir nie einem bestimmten Publikum gefallen, sondern

in erster Linie uns selbst überzeugen und zufriedenstellen. Wenn uns dann

jemand für eine Folk-Band hält, ist das für uns ebenso in Ordnung, wie wenn

man glaubt, wir seien Gothic. Genres sind für uns absolut irrelevant. Und

obwohl ich das einzig verbleibende Originalmitglied von New Model Army

bin, ist es kein Solo-Projekt, sondern immer noch eine Band, die permanente

Wandlungen und Häutungen durchläuft. Jeder bringt sehr verschiedene

Einflüsse mit hinein. Wir hatten uns vor Jahren einmal den Spaß gemacht,

dass jeder sein Lieblingsalbum benennen soll. Die Schnittmenge war null!

Michael Dean und ich haben einen völlig konträren Musikgeschmack.

Meine erste Liebe war Motown und Southern Soul. Darauf würde man nicht

zwangsläufig kommen, wenn man New Model Army hört. Genauso verhält

es sich mit den anderen in der Band. Es ist diese Mischung, die uns besonders

und einzigartig macht.

www.newmodelarmy.org

Ecki Stieg

Discographie (Alben):

Vengeance (1984)

No Rest For The Wicked (1985)

The Ghost of Cain (1986)

Thunder and Consolation (1989)

Impurity (1990)

Raw Melody Men (live, 1991)

The Love of Hopeless Causes (1993)

Strange Brotherhood (1998)

... & Nobody Else (live, 1999)

Eight (2000)

Carnival (2005)

High (2007)

Fuck Texas, Sing For Us (live, 2008)

Today Is A Good Day (2009)

Between Dog And Wolf (2013)

Line-Up:

Justin Sullivan – Gesang, Gitarre, Mundharmonika

Marshall Gill – Gitarre

Ceri Monger – Bass, Schlagzeug

Dean White – Keyboard, Gitarre

Michael Dean – Schlagzeug, Percussion

STORMLORD ~ HESPERIA

CD + Download | IN STORES: 20.09.2013

Italiens Extreme Metal Band Nummer 1 sind mit Ihrem

neuen Meisterwerk „Hesperia“ zurück ! Mastering durch

Mika Jussila (Stratovarius, Nightwish, Wintersun)

Rock Hard DEU (8,5 / 10)

Rock Hard Italy (8 / 10)

Legacy Magazin (12/15)

WRAITHCULT „GESTALT“

CD + Download | IN STORES: 20.09.2013

Groovender Blackn Roll, enstanden aus der Asche von

Helfahrt und Mitgliedern von Thulandra !

WWW.TROLLZORN.DE/STORE

CDs, T-Shirts und mehr, aus den Bereichen des Folk,

Mittelalter, Viking und Pagan Metals.


„Ich freue mich immer, wenn es Lämpchen hat.“

Achtung: Eisherz kommen! Nach Jahren der Stille kehrt das Duo jetzt zurück. Düster, romantisch, bisweilen auch magisch,

erotisch, mächtig, eigenwillig, angsteinflößend und harmonisch, präsentieren die Mönchengladbacher zu Recht mit Stolz

ihren zweiten Longplayer. Treu dem Vorgänger Kalte Zeiten, folgen auch diese 16 (!) Tracks einer Mischung aus Wave,

Electro und einem gewissen Maß an Achtziger-Charme. Was noch alles Deiner Achtsamkeit vor dem Abspielen der CD nicht

entgehen sollte, erklären Kai und Sebastian in unserem Interview.

Orkus: Achtung! glänzt mit einem Intro, Zwischenstück und Outro.

Der Titel lässt natürlich gleich aufhorchen. Worauf sollte sich der

Hörer einstellen, wenn er dieses Album einlegt?

Kai Eisherz: Auf Eisherz!

Sebastian Eisherz: Genau!

KE: Das Wort „Achtung“ klingt sehr deutsch. Wir machen nun

mal deutschsprachige Musik, insofern ist das ein schöner CD-Titel,

der auch ein bisschen das Bild der Deutschen im Ausland persifliert,

welches damit oft Korrektheit und Regelungswahn verbindet.

SE: Musikalisch würde ich sagen: Harte Bassdrums, treibende

Bassläufe, schneidende Leadsounds und eingängige Melodien sind

charakteristisch für das Album. Angelehnt an den Electro-Sound der

Achtziger. Von daher passt das mit dem „Achtung!“, es ist also durchaus

Vorsicht geboten beim Hören... und Lautstärkeeinstellen.

O: Habt ihr seit dem Debut kontinuierlich an Achtung! gearbeitet? Wie

darf man sich euer Arbeiten vorstellen?

SE: Wir haben uns selber darüber gewundert, dass so viel Zeit

vergangen ist, aber die meisten Lieder waren eigentlich schon 2010

oder 2011 fertig. Nur der Feinschliff fehlte.

KE: An die Texte musste ich dann noch ran. (zwinkert) Die entstehen

erst, wenn das Lied so weit fertig ist.

SE: Und Feintuning am Sound, die Aufnahmen des Gesangs und

dann das Mastern der einzelnen Lieder. Nicht zu vergessen: die

Auswahl der Lieder, die wirklich aufs Album kommen. Und wir haben

in der Zeit ja auch zwei Videos gedreht, die man auf unserer Homepage

sehen kann. Bei uns gibt es eine klare Arbeitsteilung. Kai ist so die

Kreativabteilung, und ich bin für die Technik zuständig. Da ergänzen

wir uns eigentlich prima. Und in den elf Jahren haben sich so die

Arbeitsabläufe eingespielt.

KE: Ohne Sebastian kriege ich aus der ganzen Technik kaum einen

Ton heraus. (lacht)

SE: Aber es ist mir immer wieder eine Freude, Kai eine neue technische

Errungenschaft zu zeigen, die er dann auf seine Art benutzt. Auf die ich

nie gekommen wäre.

KE: Und ich freue mich immer, wenn es Lämpchen hat. (zwinkert)

O: Was genau war der Anlass, dass ihr euch gesagt habt: „Wir müssen

einfach selbst Musik machen, sonst...“?

KE: Ich mache ja bereits seit 21 Jahren in einer Punk-Band Musik. Das

ist natürlich schon was anderes – richtige Instrumente, viel Krach...

SE: Ich wollte schon immer Musik machen, auch in meiner Jugend.

Ich hab’s mit einer Gitarre probiert... aber das Üben war mir zu lästig.

Und das Ergebnis war unbefriedigend. Ich wollte immer, wenn ich

Musik mache, den ganzen Song komponieren. Und dann kam der

Homecomputer, der mir diese Möglichkeit eröffnet hat. Da hab’ ich

meine Leidenschaft für elektronische Musik entdeckt.

KE: Ich fand immer beides toll. Gitarrenmusik, aber eben auch

elektronische Musik, wie früher Depeche Mode, Kraftwerk oder

Laibach. Mit Sebastian konnte ich das endlich auch mal ausleben.

O: Achtung! stützt sich, wie bereits erwähnt, wieder auf deutsche Texte

– nur bei Kaltes Herz werden vermutlich Samples von Frauenstimmen

verwendet. Dadurch bekommt das Stück irgendwie etwas besonders

Düsteres, ja fast Magisches...

SE: Das war die Idee. Allerdings sind es keine Samples im eigentlichen

Sinne, denn wir haben das schon selber aufgenommen.

KE: Ich fand es spannend, dass Frauen im Bekannten- und

Freundeskreis in ihrer Muttersprache etwas für uns flüstern, was wir

dann in das Lied einbauen konnten.

92 - Orkus!


Berlin ist ein heißes Pflaster für Sklaven ...

Als die Meteorologin Shade Mallory in ihre Heimat, ein

kleine Stadt inmitten der Sierra Nevada, reist, traut sie ihren

Augen kaum: Am Fuße des Mount Jackson herrscht tiefster

Winter, während nur einige Kilometer entfernt die milde

Herbstsonne den Boden erwärmt.

Als sie den verschneiten Berg erklimmt, um das merkwürdige

Wetterphänomen zu erforschen, steht plötzlich ein

Fremder vor ihr, der bis auf einen Lendenschurz völlig nackt

ist. Seine in allen Regenbogenfarben schillernden Augen sind

schon faszinierend genug, aber als der geheimnisvolle Fremde

dann auch noch ein Paar schneeweißer Flügel entfaltet,

glaubt Shade zu träumen.

Doch sie weiß nicht so recht, ob es ein guter oder ein schlechter

Traum ist. Denn irgendetwas an dem Fremden, der sich

selbst als Eisengel und Jäger vorstellt, lässt ihr das Blut in den

Adern gefrieren.

Kein Zweifel: Roque, so sein Name, steht in unmittelbarem

O: Warum Zusammenhang deutsche mit Texte, dem und plötzlichen was zeichnet Wintereinbruch. für euch die Was

deutsche aber Sprache verbirgt er aus? sonst noch? Und auf wen macht er Jagd?

KE: Shade Deutsch ahnt, ist dass meine sie ihm Muttersprache, mit größter Vorsicht in der begegnen ich mich sollte

am besten – und ausdrücken ist ihm doch kann. schon längst Daher verfallen. fällt es mir in Deutsch

leichter, Sachen rüberzubringen, die ich sagen möchte. Ich

mag Deutsch.

SE: Ich finde, dass die deutsche Sprache durch ihre

harte Phonetik sehr gut zu elektronischer Musik passt.

Also, zumindest zu Eisherz. Wenn wir auf Englisch

singen würden, fänd’ ich das nicht authentisch, sondern

eher aufgesetzt, da die deutsche Sprache für uns ein sehr

wichtiges Stilmittel ist.

EternalLove

KE: Die Amerikaner und Engländer lieben es. Wir haben

In Deutschland und Österreich: 12,95 €

zumindest positive Rückmeldungen von Fans aus den USA

und England, die elektronische Musik auch ganz eng mit

Deutschland verbinden.

Nachschlag

Ole Tänzer

Love


uq

v

r

O: Mir sticht gerade das Wort „Rumpelstilzchen“ ins Auge.

Warum hat diese Märchengestalt einen Platz auf eurem

Album bekommen oder gar verdient?

KE: Mich faszinieren deutsche Märchen. Oft so brutal und

durchaus für Kinder nicht immer gut zum Einschlafen.

Überdies mag ich Sprüche, die fast jeder kennt. Und den

Kerl, der im Lied vorkommt, kennt auch fast jeder...

SE: Und es ist typisch Eisherz, auch mal was

Unkonventionelles zu machen...

KE: Das Thema ist auch noch nicht ausgeschöpft.

SE: Vielleicht machen wir ja mal eine Märchen-CD.

(Gelächter)

Weiterlesen unter WWW.uline-store.de

O: Leider kommen wir bereits zum Schluss, doch auf einen

Titel muss ich noch eingehen. Halb ernst gefragt – aber

mit Gänsehaut! Das einzige Stück, welches ganz ohne

musikalische Untermalung auskommt, heißt Der kleine

Rächer. Wo kommt dieser denn her?

SE: Das ist eine lustige Geschichte, die hat sich erst bei der

Endabmischung ergeben. (lacht)

KE: Da bekam ich eine Sounddatei aufs Handy geschickt

von einer Freundin, deren achtjähriger Sohn wohl so

etwas wie ein Eisherz-Fan ist. Er hat das Lied Der Rächer

unserer ersten CD gesungen, und sie hat es mit dem Handy

aufgenommen. Das fanden wir so gut, dass wir gefragt

haben, ob wir es auf die neue CD machen dürfen.

SE: Ich empfand die Vorstellung, dass ein Achtjähriger

Eisherz hört, schon als Auszeichnung. Von daher sollte er

dann auch seinen Platz auf der neuen CD als „Der kleine

Rächer“ bekommen.

www.eisherz.de

Kerstin Müller

Discographie (Alben):

Kalte Zeiten (2006)

Achtung! (2013)

Orkus! - 123


„Retroband sind wir genauso wenig

wie Onlineband.“

Unsere letztmonatigen „Newcomer“ veröffentlichen nun ihr Debutalbum The Bones Of What You Believe. Im

zweiten Teil unseres Interviews sprechen die schottischen Electro Pop-Künstler über ihren Erfolg im Internet,

musikalische Vorurteile und Serien aus den Achtzigern.

Orkus: Auf euren Erfolg angesprochen, meintet ihr, dass

ihr keine „Onlineband“ seid. Trotzdem habt ihr gerade über

das World Wide Web Aufmerksamkeit auf euch ziehen

können. Wie ist euer Verhältnis zum Internet?

Lauren Mayberry: Zunächst einmal bietet das Netz

heute einfach sehr viele Möglichkeiten. Unser Song Lies

wurde dadurch bekannt. Leute stellten ihn auf ihre Blogs,

und so hat er sich verbreitet. Das ist mittlerweile Normalität

geworden, und im Prinzip ist es Mundpropaganda im

globalen Stil. Das, denke ich, ist positiv. Speziell für junge

Künstler, die so die Chance bekommen, gehört zu werden

– auch ohne große PR-Maschinerie oder den A&R-Bereich

eines Labels. Aber wir haben das nicht forciert. Wenn es den

Menschen gefällt, verbreiten sich die Dinge eben schneller.

Martin Doherty: Ich glaube, die größte Errungenschaft

des Internets, noch vor allen anderen, ist der erleichterte

Zugang zur Kunst. Vor ein paar Jahren noch gab es aus

heutiger Sicht bloß eine recht kleine Zahl von Bands und

Musikern, die ihr Schaffen einer Öffentlichkeit präsentieren

konnten. Und gerade durch die moderne Technik ist

es fast jedem mit ein bisschen Geschick möglich, seine

Kreativität nach außen zu tragen. Um gehört zu werden,

sind Künstler jetzt nicht mehr nur auf die Gunst von

Radio- und Fernsehsendern oder großen Plattenfirmen

angewiesen. Stell’ dir vor, jemand macht einfach in seinem

Schlafzimmer ein wenig Musik. Sogar der hat die Chance,

erfolgreich zu werden. Das halte ich für sehr positiv.

O: Besteht aber nicht so die Gefahr, dass der Markt – auch

mit belanglosem Material – überschwemmt wird?

94 - Orkus!


MD: Klar, doch die positiven Aspekte überwiegen

für mich. Man muss zwar mehr selektieren, aber der

Markt regelt das immer selbst. Und natürlich ist jeder

Künstler ein Individuum...

LM: Wir versuchen auch, möglichst wenig über

uns selbst zu lesen oder im Netz mitzukriegen. Das

kann eine Band auch krank machen. Mit unseren

Fans aber stehen wir dauernd in Kontakt, da ist das

Internet wieder sehr hilfreich. Alles hat eben Vor- und

Nachteile. (lacht)

O: Als „Band der Stunde“, die mit Electro Pop

über Blogs bekannt wurde, liegt es nahe, dass ihr

euch mit Vorurteilen und Klischees unserer Zeit

auseinandersetzen müsst. Trotzdem schafft ihr

es, dieses Thema – zumindest gefühlt – von euch

fernzuhalten. Wie?

LM: Nun, wir machen unsere Musik und sagen nicht:

„Hey, lasst uns dieses oder jenes Genre bedienen!“

Wir machen einfach und, das hatten wir schon mal

erwähnt, pflegen eine „indiehafte“ Herangehensweise.

Ich glaube, das nimmt den Klischees und Stereotypen

über junge, hippe Electro Pop-Künstler ein bisschen

den Wind aus den Segeln. Wir machen Indiemusik

mit teilweise elektronischen Mitteln und klingen

dabei auch noch poppig. Das ist doch toll. (lacht)

MD: Besonders in Deutschland haben wir ohnehin

viele Unterstützer und hören fast nur Gutes. Die

Musik, die wir machen, scheint hier gut anzukommen.

(lacht)

O: Das mag stimmen. Ihr habt allerdings auch diesen

„Retrofaktor“ in eurer Musik. Da ist man leicht an

TV-Serien wie Magnum oder Miami Vice erinnert...

LM: (lacht) Findest du?

O: ... ich wollte noch hinzufügen, dass ihr düsterer

klingt. Hältst du das für „Bullshit“?

LM: Nein, gar nicht. (lacht) Vielleicht können wir

uns darauf einigen. (lacht wieder) Natürlich haben wir

verschiedene Inspirationsquellen, und jeder Hörer hat

einen anderen Background und assoziiert etwas anderes

mit der Musik, die er hört. Ich kann nachvollziehen,

was du meinst. Aber Achtziger-Serien zu vertonen, war

nicht unbedingt unser Bestreben. Wir wollten etwas

Einzigartiges schaffen, doch irgendein Teil des Puzzles

war immer schon vorher da.

MD: Genau. Wir versuchen schon, einen modernen

Sound zu schaffen oder uns einem modernen Sound

zumindest anzunähern. Gerade auch durch die

Aufnahmemethoden. Was heute alles möglich ist, gab

es früher einfach nicht. Und unsere Inspiration liegt in

neuer Musik genauso wie in älterer. Obwohl wir auch,

man könnte sagen: „klassische Melodien“ verwenden,

haben wir unsere eigene musikalische Persönlichkeit

gefunden. „Retroband“ sind wir also genauso wenig

wie „Onlineband“. (lacht)

www.chvrch.es

David Skrinjar

Photo: Christina Kernohan

Line-Up:

Lauren Mayberry – Gesang

Martin Doherty – Synthesizer

Iain Cook – Synthesizer

Orkus! - 123


„Bereits kleine Kinder lernen zu hassen.“

Die Zeiten der britischen Thrash-Welle, die kultige

Bands wie Xentrix, Deathwish, Sabbat, Acid Reign,

Cerebral Fix oder Tortoise Corpse hervorbrachte,

sind lange vorbei. Heute halten neben ein paar

Jungspunden vor allem Onslaught die Flagge hoch.

Auf ihrem neuen Album präsentieren sich die

Engländer brutal, aber gleichzeitig sehr variabel.

Einen Song wie Children Of The Sand etwa hätte

man als Fan nicht unbedingt erwartet. Gitarrist

Nige Rockett nickt zustimmend. „Das Stück ist

unser bisher größtes Experiment. Wir arbeiten

mit arabischen Tonskalen, echten Streichern und

weiblichen Vocals im Refrain. Das gab es bei uns

noch nie. Wir passten die Musik dem Text an,

der von der problematischen Situation im Nahen

Osten handelt. Meiner Meinung nach werden die

Konflikte durch Religionen ausgelöst... bereits

kleine Kinder lernen zu hassen.“

Das Thema „Religion“ spielte im Kosmos von

Onslaught schon immer eine große Rolle. Da

macht VI keine Ausnahme, wie ein Blick aufs

Cover mit seinen drei Sechsen beweist. Woher

kommt eigentlich diese Abneigung gegen die

Konfessionen? Nige überlegt einen Moment.

„Ich wuchs in einer religiösen Familie auf. Meine

Eltern zwangen mich, jeden Sonntag die Kirche zu

besuchen. Und wehe, ich wollte mal nicht gehen.

Erst mit zehn hatte ich die Kraft, mich zu wehren.

Seit jenem Tag zeige ich meinen Ekel und meinen

Hass gegen Religionen. Sie sind seit Tausenden von

Jahren der Grund für Kriege, Morde, physischen

und psychischen Missbrauch. Und wofür das alles?

Falsche Idole, die verwirrten Menschen geistigen

Halt bieten und ihnen Vergebung für all ihre Sünden

verheißen.“ Deutliche Worte, die Onslaught auch

in anderen Bereichen finden. Enemy Of My Enemy

ist so ein Fall. „Ein altes arabisches Sprichwort

sagt: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.

Dieser Spruch kann auf viele Konflikte angewandt

werden. Das Musterbeispiel dafür bilden wohl die

Taliban. Die Mudschahedin wurden jahrelang

finanziell von den USA unterstützt, um in

Afghanistan die Sowjets zu bekämpfen. Solche

Allianzen sind grundsätzlich sehr fragil, wie man

hier sieht. Denn jetzt sind die Taliban die Feinde

des Westens. Ein anderes gutes Beispiel waren die

Unterstützung von Nordkorea durch Russland

und China und die Hilfe der USA für Südkorea

während des Kalten Krieges. Es lässt sich aber auch

auf kleinere Schauplätze wie Schulhöfe oder Gangs

in der Nachbarschaft herunterbrechen.“

Live stellen Onslaught ihr neues Material im

Herbst als Slaughterfest-Headliner in Europa vor.

Ebenfalls mit von der Partie sind die deutsche

Thrash-Legende Exumer, der Venom-Ableger

M:PIRE of EVIL und die Ur-Deather Master.

Nige kann es kaum noch erwarten. „Das Line-Up

ist sehr vielfältig und liefert sicher beste brutale

Abendunterhaltung. Onslaught feiern außerdem

30-jähriges Bestehen, also werden wir Lieder von

allen sechs Alben spielen. Das wird schmutzig!“

www.facebook.com/onslaughtuk

Marc Halupczok

Discographie (Alben):

Power From Hell (1985)

The Force (1986)

In Search Of Sanity (1989)

Killing Peace (2007)

Live Damnation (live, 2009)

Sounds Of Violence (2011)

VI (2013)

Line-Up:

Sy Keeler – Gesang

Nige Rockett – Gitarre

Andy Rosser-Davies – Gitarre

Jeff Williams – Bass

Mic Hourihan – Schlagzeug

122 - Orkus!


„So wird die Revolution nicht kommen...“

Das australische Projekt The Red Paintings möchte mit einem audiovisuellen Konzept auf Missstände in der Welt aufmerksam machen.

Bandkopf Trash McSweeney versucht in diesem ersten Teil unseres Interviews anhand des Debuts The Revolution Is Never Coming –

welches Einflüsse von Klassik, Alternative, Industrial und Electro enthält – zu beschreiben, was schwer in Worte zu fassen ist.

Orkus: Trash, du sagst im Booklet, dass die meisten Künstler ein

Album um ihr Leben herum konzipieren. Du aber hättest ein Leben um

ein Album herum erschaffen. Wie genau meinst du das?

Trash McSweeney: Nun, der Entwicklungsprozess von The

Revolution Is Never Coming dauerte fünf Jahre und hat mich mehrfach

um den Globus geführt. Wir nahmen in neun Studios mit neun

verschiedenen Produzenten auf. Eigentlich sollte das Ganze binnen sechs

Monaten fertiggestellt sein. Doch im Nachhinein weiß ich, dass es so

passieren musste.

O: Im Info wird angedeutet, dass es für dich persönlich keine leichte

Zeit war.

TMS: Es war ein verdammt schwieriger Prozess, der mich sehr viel

Kraft gekostet hat. Zwischenzeitlich verfiel ich in Depressionen,

98 - Orkus!


dachte ernsthaft über Selbstmord nach. Aus den ursprünglich

anvisierten sechs Monaten wurden fünf Jahre, aus 50.000 Dollar

Budget letztlich 230.000. Wir haben ein Crowdfunding gestartet

und durch unsere Fans 160.000 Dollar eingenommen. Ohne sie

wäre das Projekt gar nicht möglich gewesen. Aber es war immer

noch hart genug. Ich erinnere mich, dass ich in Kanada ein paar

Tage auf der Straße lebte, weil wir all unser Geld ins Studio

investierten. Trotzdem bin ich sicher, dass es sich gelohnt hat.

O: Das Coverartwork scheint eine Hommage an Russland und

China zu sein. Zwei Staaten, in denen lange der Kommunismus

herrschte beziehungsweise noch heute herrscht. Wie ist das im

Gesamtkonzept zu verstehen?

TMS: Die Lyrics schildern ein Leben... von der Geburt (Vampires

Are Chasing Me) bis zum bitteren Ende (The Revolution Is Never

Coming). Thematisch dreht es sich unter anderem darum, dass

wir lieber vor unseren Computern sitzen, als wirklich etwas zu

verändern. So wird die Revolution nicht kommen, da mache

ich mir keine Hoffnungen. Die optische Ausrichtung habe ich

gewählt, weil ich den Kommunismus grundsätzlich für eine

interessante Idee halte. Sie hat nicht funktioniert, weil Leute

sie missbraucht haben. Es ist wie immer, wenn einige wenige

sehr viel mehr Macht haben als alle anderen. Im Booklet sind

zudem noch Photos, die uns als russische Soldaten zeigen. Hier

geht es mir weniger um die Herrschaftsform als vielmehr um die

Schrecken des Zweiten Weltkriegs, die nicht in Vergessenheit

geraten dürfen.

1/4 Bl AZ New Model Army (oben) +

1/4 Bl AZ KLangfabrik (unten)

DEUTSCHLAND TOUR 2013

01.10. Münster | Jovel 12.10. Dresden | Beatpol

02.10. Hamburg | Markthalle 17.10. Darmstadt | Centralstation

03.10. Berlin | Huxleys 18.10. Nürnberg | Löwensaal

04.10. Hannover | Capitol 19.10. Stuttgart | LKA

05.10. Rostock | Mau 20.10. München | Backstage

21.12. Köln | Palladium (Weihnachtskonzert) Guests: The Levellers

Tickets an allen bekannten VVK-Stellen

Tickethotline 0711 - 238 50 50 sowie unter www.contour-music.de

Neues NMA Album

„Between dog and wolf“

Ab 20.9. im Handel erhältlich

O: Außerdem hast du unter diversen Liedtexten Webadressen

von Hilfsorganisationen wie PETA oder Suicide Prevention

angegeben. Es sieht schon ein bisschen danach aus, als wolltest

du auf Biegen und Brechen die Welt verändern.

TMS: (lacht) Nein, nicht die Welt. Aber ich versuche, die

Gedanken von zumindest ein paar Menschen positiv zu

beeinflussen. Ich kann darauf aufmerksam machen, dass einen

ein vegetarischer Tag pro Woche nicht umbringt. Und allein so

ließe sich verhindern, dass Tiere Höllenqualen leiden müssen.

Doch um die Welt wirklich zu verändern, bin ich nicht groß, ist

meine Stimme nicht laut genug.

O: Neben der klanglichen und thematischen Vielfalt gibt es

bei The Red Paintings noch den visuellen Aspekt, der Musik

und Message in ein frisches Licht taucht. Besonders bei Live-

Performances versucht ihr euren Hörern eine neue Dimension

aufzuzeigen.

TMS: Für mich ist jeder Song ein Theaterstück. Und die

inszenieren wir jeden Abend neu. Wir haben Zeichner, die live

während der Show Bilder auf Leinwände und Menschen malen.

Außerdem gibt es Schauspieler, welche die Inhalte auf ihre Weise

umsetzen. Ich möchte, dass die Leute nicht nur hören, sondern

auch sehen und fühlen, was wir anzubieten haben. Für unsere

deutschen Termine im November suchen wir übrigens noch

einheimische Künstler, die uns ihre Bilder zur Verfügung stellen

oder selbst auf der Bühne aktiv werden wollen. Meldet Euch

einfach über www.facebook.com/TheRedPaintings.

In der nächsten Ausgabe folgt der zweite Teil unseres Gesprächs!

www.theredpaintings.com

Marc Halupczok

Orkus! - 123


„Das Leben

provoziert mich jeden Tag...!“

Nach gut sechs Jahren Pause knallen uns Dracul ein neues Album in die Ohren. Und wenngleich das Seitenprojekt von Mozart

und Mitstreitern weiterhin elektronisch bleibt, ist sein Impetus keineswegs weich gespült. Auf Grund präsentiert sich böse, hart,

sarkastisch, musikalisch unbequem und herausfordernd: Szene-Kunst in ihrem originären Anspruch.

Orkus: Gerade Szene-Künstler suchen verstärkt nach Möglichkeiten,

ihre Veröffentlichungen finanzieren zu können. Ihr habt für euer neues

Dracul-Werk den Weg über das Portal PledgeMusic gewählt. Warum?

Mozart: PledgeMusic hat mich von all den vielen Portalen, die es

gibt, intuitiv am meisten überzeugt. Die Gestaltung, die Spielregeln,

die Professionalität und die Kollegen, das alles war entscheidend!

Nach und nach erst habe ich wirklich begriffen, dass dies ein Weg ist,

die Freunde unserer Musik nicht „abzuzocken“ – böse formuliert –,

sondern bei dem sich neue Gelegenheiten für alle ergeben. Es entsteht

fast etwas Familiäres, das den „Aktionären“ erlaubt, an der Arbeit des

Künstlers teilzuhaben und mehr zu erhalten als nur die CD. Damit

wird eine Nähe geschaffen, die ein Label schon allein strukturell nicht

hinbekommen kann. Dabei bleibt es dem Künstler überlassen, welche

Angebote er machen möchte und wie viel Nähe er dadurch zulässt. Die

Angebote soll der Künstler machen und genau überlegen, wie viel Nähe

er zulassen will! Das hat mich überzeugt, denn ich suche die Nähe zu

100 - Orkus!


meinen Hörern... auf der Bühne und nun

auch im Produktionsprozess. Ohne diese

Zusammenarbeit, obwohl wir mit SPV auch

einen Vertrieb und ein Label haben, wäre

diese Scheibe nicht am Start!

O: Und was hättet ihr mit dem Material

gemacht, wenn dieses Experiment

gescheitert wäre? Die Lieder waren doch

bestimmt bereits vorher fertig.

M: Na ja, natürlich hatten wir schon

lange daran gearbeitet, aber die endgültige

Finanzierung fehlte. Wir hätten also schöne

Musik gehabt, aber diese wahrscheinlich

dann selbst gehört!

O: „Auf Grund“ klingt entweder nach

U-Boot oder nach einem untergegangenen

Schiff. Was ist bei euch damit gemeint?

M: Der Titelsong hat mehrere Ebenen.

Gesellschaftsbeleuchtend soll er sein, aber

auch Drogenerfahrungen widerspiegeln. Es

ist vielen vielleicht nicht bekannt, aber es

gibt neue Studien, die besagen, dass hier als

auch besonders in den USA die Wirtschaft

zusammenbrechen würde, wenn man auf ein

Mal alle verschriebenen (!) Leistungsdrogen

abziehen würde. Die Menschheit leidet

unter einer globalen Depression! Es

werden aber nicht die Lebensverhältnisse

geändert, sondern die Menschen werden

narkotisiert! Der Kapitalismus in seinen

heutigen Auswüchsen ist gescheitert, aber

die Menschen blasen das durch digitale wie

analoge Narkotika einfach weg.

O: Wie ernst oder mit wie viel

Augenzwinkern wollt ihr das Stück Heil-

Kräuter verstanden wissen?

M: Ich meine das sehr ernst, denn ich weiß

mittlerweile und vermute nicht mehr nur,

dass gerade unsere Szene von den neuen

Rechten zielstrebig unterwandert wird. Ich

habe ordentlich diskutiert und recherchiert,

bevor ich dieses ironische und sarkastische

Liedgut geschrieben habe! Wir stehen als

Band alle dahinter und sahen die einzige

Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu erregen,

im Polarisieren. Das ist ja irgendwo auch

mein Spezialgebiet. Der Song Heil-Kräuter

war nach vielen negativen Erlebnissen mit

Rechtstümelei in unserer Szene absolut

notwendig, wenn ich meine Würde

wiedererlangen wollte.

O: Follow Me heißt ein weiteres der neuen

Stücke. Einen gleichnamigen Dracul-Song

gab es bereits vor zehn Jahren. Habt ihr den

aktuellen Track jetzt – eine Dekade später –

bewusst so ausgewählt?

M: Follow Me (Part zwei) war eines der

lustigen Experimente bei der Produktion.

Der von dir angesprochene erste Teil

war und ist schließlich immer noch der

populärste Song der Band. Wir hatten es

uns nun zur Aufgabe gemacht, zu versuchen,

noch einmal so etwas zu machen, aber mit

komplett anderen Stilmitteln. Einen neuen

Song zu schaffen, den alten jedoch bewusst

durchklingen zu lassen! Er ist einer meiner

Lieblingssongs, aber das Urteil über Top

oder Flop müssen die Hörer sprechen.

O: Das Stück ist zunächst als Cover-Version

einer bekannten älteren Pop-Nummer

umgesetzt. Was verbindet Dracul mit

Amanda Lear?

M: Das war Tom O’Connells Idee, der

an dem Album mitgewirkt hat. Ich selbst

erkannte erst später als er die Genialität

dabei. Denn diesen Song zusätzlich

einzubauen, schafft nicht nur Verwirrung,

sondern schlägt dem Fass den Boden

aus. Wir haben die zwei Follow Mes auch

ineinander verkoppelt. Es klingt wie ein

Song, doch es ist uns gelungen, völlig

differenziert zu arbeiten.

O: Auch für Killing Fields holt ihr

offensichtliche musikalische Anleihen aus

der Vergangenheit, nämlich bei Donna

Summer. Böse Zungen könnten fast schon

behaupten, dass euch die eigenen Ideen

ausgehen.

M: Der Witz dabei war der textliche Bezug.

Völlig konträr zum eigentlichen „I feel love“,

kommt dann die Kritik am Menschen, da „is

no feeling, there is no love“. Eingefallen ist

uns diesmal also ziemlich viel!

O: Auf Grund ist bereits die fünfte Dracul-

Veröffentlichung. Hättet ihr euch das

vorstellen können, als ihr dieses zunächst ja

Nebenprojekt ins Leben gerufen habt?

M: Nein, auf keinen Fall. Aber nun ist

es für mich auch nicht mehr vorstellbar

ohne Dracul. Das Projekt ist ein

wunderbarer Kontrapunkt zu Umbra et

Imago geworden... vom Arbeitsansatz her

vergleichbar wie ein Symphonieorchester zu

einem Kammerorchester.

O: Ist Auf Grund eher ein Album zum

Tanzen oder aufgrund (!) der Texte eher

eines zum Zuhören?

M: Beides. Manche Leute meinen, es wäre

insgesamt zu unterschiedlich, da würde der

„rote Faden“ flöten gehen! Mag sein, dass

man dies so sehen kann. Ich persönlich

aber langweile mich oft bei Alben, die

zwar knallen, aber letztlich beim Titel fünf

ermüden, weil nix mehr Neues passiert! So

etwas möchte ich selbst nicht produzieren.

O: Und würdest du sagen, dass Auf Grund

ein boshaftes, vielleicht auch bösartiges

Album geworden ist?

M: Es ist seit Langem wieder einmal

ein Album, das provoziert. Das Leben

provoziert mich jeden Tag, und ich bin

der Spiegel der Gesellschaft, aber auch ein

Prediger des Wahnsinns! „Bösartig“ gefällt

mir auch gut. Nur Massenmörder und böser

Abschaum bekommen ja offensichtlich noch

Denkmäler gesetzt, nicht die Friedfertigen

und Guten! Mal sehen, was für ein Denk-

Mal wir mit diesem Album hinterlassen!

www.dracul-music.de

Axel Schön

Discographie (Alben):

Die Hand Gottes (1994)

Speichel und Blut (1999)

Follow Me (2003)

Like an animal (2006)

Auf Grund (2013)

DRIVE

VÖ 20.09.13

Auf „DRIVE“ erweist sich Anneke einmal

mehr in Topform und facettenreicher

denn je: von ihren unverkennbaren intimen

Balladen bis hin zu euphorischen Stadionrock-Hymnen

– und ihre himmlisch schöne

Stimme ist das Juwel im Mittelpunkt, um

das alles andere kreist.

AUF GROSSER EUROPA-TOUR

IM OKTOBER UND NOVEMBER!

EYES SET TO KILL

MASKS · VÖ 20.09.13

Mit „Masks“ enthüllen EYES SET TO KILL ihre

wahre Identität: eingängige Hooks, metallische

Härte und eine erfrischend rotzige Attitüde.

Orkus! - 123


„Wie ein Geist in dieser

kaputten Gesellschaft...“

Zwar erscheint nun das Debut von Wraithcult, aber die Jungs sind

keine Neulinge in der Schwarzmetall-Szene. Die meisten Mitglieder

entstammen der Gruppe Helfahrt, die schon einen beträchtlichen

Fankreis aufbauen konnte. „Helfahrt hat uns über fünf Jahre lang

begleitet, wir haben drei Alben veröffentlicht, viel live gespielt und

uns einen recht guten Namen gemacht. Eine der besten Zeiten meines

Lebens. Gegen Ende hin gab es immer mehr Unstimmigkeiten

innerhalb der Band, bis der Split unumgänglich wurde. Wraithcult

wurde am Tag der Trennung gegründet, da wir weiter Musik machen

wollten“, erzählt Bassist Tobias Ludwig. Das erste Produkt des 2010

neu formierten Gespanns heißt Gestalt.

Direkt zu Beginn fällt auf, dass alle Tracks englisch betitelt sind und nur

das Album selber (vermeintlich) deutsch. „Einer der Gründe, warum

wir den Titel gewählt haben, ist, dass es sich bei Gestalt tatsächlich auch

um ein englisches Wort handelt. Eine gestalt bezeichnet im Englischen

eine Wesenheit, die sich aus mehreren Teilen zusammensetzt und in

der Summe mehr ergibt als ihre Einzelteile. Diese Gestalt lässt sich

nicht in ihre ursprünglichen Einzelteile zurückverfolgen und ist zu

etwas Neuem, Größerem geworden“, erklärt Tobias, der auch verrät,

was hinter dem Bandnamen steckt: „Wraiths – böse Geister – stehen

als Metapher dafür, in dieser kaputten Gesellschaft zu leben, aber

doch nicht dazuzugehören... wie ein Geist, nicht wahrgenommen,

aber doch alles beobachtend. Das Gefühl des Nichtgehörens, aber

auch Verbitterung, Trauer und Wut. Diese Emotionen wollen wir

mit unserer Musik ausdrücken, es ist der rote Faden, der sich durch

sämtliche Texte zieht“, plaudert der Münchner. Ein Stück, das für

die vier etwas ganz Besonderes bedeutet, ist Miasma of a thousand

Truths, welches partiell bereits bei ihrer allerersten Bandprobe

entstand. „In den nächsten Monaten haben wir Miasma ruhen lassen

und tatsächlich erst als letzten Song fertig geschrieben. Es umschließt

also den gesamten Songwritingprozess von Gestalt und ist dadurch

Anfang und Abschluss zugleich.“ Übrigens sollen bald wieder einige

Live-Auftritte der Truppe stattfinden!

www.wraithcult.com

Manuela Ausserhofer

122 - Orkus!

Orkus! - 123


„Das Böse

lässt sich keine

Ketten anlegen.“

Dass Skandinavien als Geburtsort

wahrer Black Metal-Größen fungiert,

steht seit Truppen wie Immortal,

Bathory oder Darkthrone außer Frage.

Pest wurden 1997 von Necro und

Equimanthorn in Schweden gegründet.

Das Duo hat es sich zur Aufgabe

gesetzt, dem traditionellen Black Metal

treu zu bleiben, und hält nicht viel

von immer häufigeren experimentellen

Einflüssen. Pest wollen Musik machen,

die sie auch selber gerne hören mögen.

Der schonungslose Name soll laut

Sänger und Gitarrist Necro das Gefühl

vermitteln: „Diese Band ist nichts für

jedermann!“

Bereits 2008 erschien ihr letztes Album

Rest in Morbid Darkness. „In den fünf

Jahren danach waren wir vollkommen

damit beschäftigt, das dadurch verdiente

Geld wieder auszugeben“, grinst Basser/

Gitarrist Equimanthorn. Auf ihrem

brandneuen Werk The Crowning Horror

unterstützt die beiden ein zusätzlicher

Schlagzeuger. „Er heißt Insulter und

hat ein paar der Stücke eingespielt.

Man kennt ihn von Nifelheim und

einer Million anderer Bands... Ich

denke, dass er zu uns gestoßen ist, weil

diese Gruppen für seinen Geschmack

ein bisschen zu sehr Life Metal sind!“,

schmunzelt Equimanthorn.

Necro bezeichnet The Crowning Horror

als ein wenig „kryptisch“. „Wie man

den Titel auffasst, liegt im Auge des

Betrachters. Im Album selbst steckt viel

Horrormäßiges. Manchmal schleicht

es verwirrt in der Dunkelheit umher,

um dann plötzlich zu explodieren.

Alles handelt von Düsternis und Tod.“

Musikalisch beschreibt Equimanthorn

das Ganze als „eine Überdosis Metal,

direkt in die Venen“. Aufgenommen

wurde das Material mit Hilfe von Fred

Estby, welcher das Mixing besorgte.

„Fred hört zwar privat KISS, aber ich

wusste, er war der Richtige für den

Job“, lacht Equimanthorn. Außerdem

hat Andrew Jackson (Produzent von

Pink Floyd) das Album gemastert. Was

kann da noch schiefgehen?

Wer offen für den Schwarzen Tod

aus Schweden ist, dürfte das neue

Werk dieses Projektes lieben. Necro

charakterisiert es abschließend sehr

treffend: „Wir kombinieren die

frühe New Wave Of British Heavy

Metal mit Horror und einer guten

Prise osteuropäischer Magie sowie

südamerikanischem Chaos. Wir

vermischen das alles, um einen neuen

Wahnsinn zu schaffen, den wir Euch

über die Lautsprecher weitergeben. Der

Sound von Pest duldet keine Grenzen –

genauso, wie sich das Böse keine Ketten

anlegen lässt.“

www.pest.se

Manuela Ausserhofer

122 - Orkus!

Orkus! - 123


Orkus! COMPILATION 93

Liebe Leserin, lieber Leser, wir wünschen Dir viel Vergnügen mit der 93. Ausgabe unserer Samplerreihe!

Sei der Talentscout! Entdecke Du die beste Band. Hier anhören und dann voten auf www.orkus.de!

01. IN DIVISION

Pitch Black Sea

Vor zwei Jahren im kühlen Norden

Deutschlands formiert, präsentieren sich

In Division nun mit Pitch Black Sea.

Wieder wird ein vielfältiges Spektrum aus

elektronischen Sounds, tiefen Gitarrenriffs

und pumpenden Grooves geboten. Letztes i-Tüpfelchen ist der Gesang,

der das Quintett in Sachen Charisma noch ein bisschen stärker erstrahlen

lässt.

02. BROKEN SOLDIERS PROJECT

LOST?

Ob romantisch-schwermütig, rockig oder

elektronisch... hier findet jeder etwas für

sich. Broken Soldiers Project lassen Herzen

höherschlagen und Füße nicht mehr

stillstehen. Es geht um das WIR, das diese

Band vermitteln möchte und auch kann. Wohl einer der Gründe,

weshalb das Gespann im Oktober als Supportact bei ASPs großer

„Maskenball“-Tournee zu sehen sein wird.

03. DOG ON WHEELS

desire

Ein weiterer Kandidat, der schon mal auf

unserer Compilation zu Gast war. DOG

ON WHEELS verzichten nach wie vor auf

elektronische Komponenten und bleiben ihrem

Power Pop/Rock treu. Für desire verwenden die

drei Münchner Gitarre, Bass und Schlagzeug

nebst Gesang. Zu wenig? HALT: immer erst

reinhören, dann urteilen!

04. ARTS OF EREBUS

Spark Of Hope (single track edit)

„Klassischer Achtziger- und Neunziger-

Goth Rock trifft auf Moderne.“ So könnte

man die deutsch-französische Formation

beschreiben, die bereits seit 2001 unsere

Szene durch ihre Werke bereichert. Spark

Of Hope entstammt ihrem Konzeptalbum

An Open Case Of Parousia, welches das

Schicksal eines Mannes und dessen

emotionale Verarbeitung widerspiegelt.

05. HERZFEIND

Kein zu spät

Elektronische harte Beats, schwere

Gitarren und angriffslustige deutsche

Texte – das sind Herzfeind. 2009 von

Juliane Richter und André Feller (Dreadful

Shadows) gegründet, präsentieren sie

jetzt ihre aktuelle EP Botox Party. Alles,

nur nicht Mainstream. Damit liegen sie

goldrichtig. Testen!

06. LURKER

Logout

Lurker heißt das Solo-Projekt von J.M.

Hoffmann, 2012 ins Leben gebrüllt auf

einer einsamen Insel in der Mitte Berlins.

Zwangsläufig freiwillig. Entstanden ist ein

atmosphärischer Hybrid aus Industrial Rock, Electro Pop und Filmscore

in Gestalt kompakt-treibender Stücke zwischen Dreck und Romantik,

Brechstangen und Nebelkerzen, Caps Lock und „Steuerung-Z“.

07. LIGHTSHIFTERS

The Storm

Ein Sturm zieht auf. Vielleicht weniger

nasskalt, dafür aber in Form eines

emotionalen Gewitters. Synthbeats und

einfühlsame, starke weibliche Vocals

lassen keine Wünsche offen. Wundervoll zum Tanzen sowie Schwelgen

in Erinnerungen. Das norwegisch-deutsche Künstlerpaar hat ganze

Arbeit geleistet!

08. IMAGINE

My Way

Wenn Musiker und Produzent über einen längeren

Zeitraum eng kooperieren, kann es durchaus

passieren, dass urplötzlich etwas Neues entsteht.

So geschehen bei Christian Marks und Tim Grote,

welche gemeinsam Lieder schufen, die nicht unentdeckt bleiben sollten.

Einen ersten Eindruck vermittelt My Way. Im Herbst wird dann mehr

folgen.

09. ELECTRO LYTH

Fleischmacht (Orkus! Edit)

Nach längerer Pause kehren Electro Lyth

zurück. Das Projekt um RK bietet feinsten

Dark Electro und ist im Begriff, mit frischen

Tracks um sich zu werfen. Fleischmacht stammt vom aktuellen Demo

und wurde als exklusiver Edit für das Orkus! Magazin bereitgestellt.

10. DIMENSIONAL EXPLOSION

Malaria

Treffender hätte man den Bandnamen wirklich nicht

wählen können! Dein Nachbar ist nett? Dann schenke

ihm Ohrenschützer, bevor Du Malaria in vollen

Zügen genießt. Mit schrillen Sounds und knackigen

Bässen geht es mächtig zur Sache. Harmonische

Klänge? Wer braucht die schon. Oder, besser gesagt: Leben bedeutet

Abwechslung. Da darf es auch mal monoton hämmern.

11. NIGHTMARE OF CAIN

The Coldness of Love

Knapp ein Jahr nach ihrem Debutalbum Tanz in den

Untergang meldeten sich Nightmare of Cain düsterer

und brachialer als je zuvor mit der EP Parasitic

zurück. Thematisch und musikalisch gereift, geht es

noch tiefer in die Abgründe der menschlichen Natur.

The Coldness of Love ist einer von vier brandneuen

Titeln, die jeden Dancefloor zerschmettern.

Mit Deiner Band auf der nächsten Orkus! Compilation sein? Bewirb Dich einfach unter cd@orkus.de!

104 - Orkus!


Leaving Babylon

Joakim Montelius: Ich liebe den Beat und den Groove, die Daniel

Myer hier geschaffen hat, und wie sie mit Daniel Jonassons abstraktem

Text und Eskils Stimme durch den Vocoder verschmelzen. Ein exzellentes

Intro und ein gutes Beispiel dafür, wie Kooperation aus einer simplen

Idee sehr viel mehr machen kann. Ziel: Eschaton!

Daniel Jonasson: Für mich war diese kreative Zusammenarbeit

eine Herausforderung. Ich bin per se kein erfahrener Musiker, und es tat

gut, beim Entwickeln von Ideen mal so angetrieben zu werden.

Eskil Simonsson: Covenant sind zu einer Art erweiterten Familie

herangewachsen, und ich merke, dass wir bequem werden und riskieren,

uns zu wiederholen. Das ist immerhin unser achtes Studioalbum. Aber

seitdem wir andere Leute an Bord holen, beginnen wir wieder, achtsam

zu sein und die Dinge neu zu entdecken. Eine sehr wertvolle Erfahrung.

Prime Movers

ES: Dieses Lied fängt etwas ein, über das wir uns schon eine Weile den

Kopf zerbrechen: der Gedanke, dass wir Menschen uns selbst gestalten

können. Unser Handeln definiert uns, wir setzen Dinge in Bewegung.

Wir sind die „Antriebskräfte“.

DJ: Gute alte Covenant! Hahaha. Nein, im Ernst – Prime Movers

zeichnet sich durch seine majestätische Struktur aus und baut sich

immer weiter auf, das liebe ich. Zudem passt es prima ins Konzept des

Albums, wenn ich das so sagen darf.

JM: Ich bin kein so großer Fan von trancigem Sound wie Eskil und

Daniel, stimme aber zu. Dieser Song entfaltet sich tatsächlich recht

eindrucksvoll und hat jene Power, die ich beim Verfassen der Lyrics für

ihn vorgesehen hatte. Ein Titel wie Prime Movers kann ziemlich kitschig

werden, doch das ist er überhaupt nicht.

For Our Time

JM: Noch ein Stück, das von Daniel Myer und Eskil gemeinsam

geschrieben wurde. Diese fast schon entspannt daherkommende

Melancholie ist etwas Einzigartiges, das immer entsteht, wenn die beiden

kollaborieren. Hier ist es eine geradezu rastlose Melancholie, mit der ich

mich ganz klar identifizieren kann.

DJ: Ein wenig unheimlich, aber ziemlich cool und wunderschön.

Wenngleich traurig. Ich bin froh, dass wir den Song für das Album

ausgewählt haben.

ES: Ich habe die Zusammenarbeit mit Daniel Myer seit jeher genossen

und hoffe, dass wir sie auch in Zukunft pflegen werden. Natürlich

wünschen wir ihm für seine Projekte alles Gute. Ganz besonders freue

ich mich auf das neue Haujobb-Material. Ihr letztes Album fand ich

super!

Thy Kingdom Come

ES: Dieser Track ist bereits fünf Jahre alt. Wir haben ihn als Demo

oft live gespielt, und Fans baten immer wieder um eine Albumversion.

Anfangs war es für mich sehr frustrierend, eine gute Demoversion auf

das nächste Level zu hieven. Viele Versuche scheiterten. Schließlich habe

ich einfach die Augen zugemacht und quasi einen Blindflug gewagt. Und

nun bin ich zufrieden mit dem Resultat.

JM: Das Cembalointro mit seiner kleinen raffinierten melodischen

Figur habe ich schon immer geliebt. Und den Refrain und überhaupt

den grandiosen Text von Eskil: „Come Caesar, come mother, come and

tend to me.“ Solch eine poetische, verletzliche Zeile. Ich wünschte, ich

hätte das geschrieben!

I Walk Slow

JM: Andreas Catjar in Aktion. Dieses Lied macht mir Gänsehaut. Ich

habe den Text vor ein paar Jahren an einem ziemlich schwierigen Punkt

meines Lebens geschrieben und hätte mir niemals vorstellen können,

ihn musikalisch so zu verpacken. Andreas’ kontrolliertes Chaos, seine

einsame Gitarre und Eskils phantastischer Gesang – wunderbar. Für

mich fühlt es sich an wie der Soundtrack zu einem dunklen Moment

meiner Seele. Ein Soundtrack, den ich bis jetzt nicht zu hören vermochte.

DJ: Die Instrumentierung ist, wie soll ich sagen... waghalsig?

ES: Das ursprüngliche Stück entstammt einer von Andreas’

Theatermusikperformances, ich habe es von zehn Minuten auf eine

relativ kurze Nummer heruntergebrochen. Dann habe ich Joakims

Lyrics dazu „probiert“, und sie passten perfekt. Ein weiteres Beispiel für

die intuitivere, ungeschliffenere Herangehensweise, die wir für Leaving

Babylon gewählt haben. Irgendwie auch eine Rückkehr zu unserem alten

Stil. Weniger Planung, mehr Action.

Orkus! - 105


Ignorance & Bliss

ES: Nun reisen wir knapp acht Jahre in die Vergangenheit. Das

erste Demo für Ignorance & Bliss hatten wir schon für Skyshaper

erstellt. Doch es war nie so, wie es sein sollte, und wir haben

darüber innerhalb der Band auch viel gestritten. Es ist immer

wieder liegen geblieben.

JM: Ja, ich kann mich an keinen anderen Song erinnern, der

so viele Auseinandersetzungen bewirkt hat. Gewaltige Melodie

und Schlachtschiffbeat. Aber irgendwie übertrieben. Etwas

fehlte. Darum wollte ich ihn nicht auf Skyshaper haben. Eskil

hat ihn jetzt wieder auf den Tisch geholt. Erneut haben wir

experimentiert und wurden uns doch nicht einig, bis sich Eskil

schließlich daran erinnerte, dass in der ersten Demoversion dieser

Gitarrensound zu hören war. Und ich wusste sofort: das ist, was

die ganze Zeit gefehlt hatte. Ironischerweise etwas, das bereits die

ganze Zeit da gewesen war. Bizarr, dass wir das so lange übersehen

konnten...

Last Dance

JM: Als es um die Entscheidung ging, welcher Track als Single

fungieren sollte, war Last Dance in der engeren Auswahl. Als die

Deadline immer näher rückte, hat Eskil aus einer Laune heraus

– typisch für das Album – die Single praktisch über Nacht fertig

gemacht. Man kann viel über die Studioarbeit mit Covenant

sagen, aber langweilig ist sie sicher nie!

ES: Ja. Endlich lassen wir mal ein bisschen locker, und das

Resultat ist sehr befriedigend. Ich meine: direkt auf Platz eins in

den DAC. Acht Wochen lang vor David Bowie, Nine Inch Nails,

Depeche Mode... unglaublich!

Auto (Circulation)

ES: Das Stück entstand aus einer Kooperation zwischen Daniel J

und mir. Er kam aus Stockholm zu uns ins Studio, und wir haben

die ersten Male einfach rumgehangen, geredet, Musik gehört.

Wie eine echte Band! Eines Abends brachte er Material mit, das

mich inspirierte und letztlich zu diesem Lied wurde.

DJ: Für mich als ursprünglichen DJ, Promoter und Mitglied

des Duos Dupont war es sehr ungewohnt, gemeinsam mit zwei

Partnern zu arbeiten. Wenn jedoch drei Individuen Konsens

darüber erreichen können, welche Ideen sich zu entwickeln

lohnen, ist das ein starkes Gefühl.

JM: Eine sehr produktive Zeit. Daniel J ist ein toller Motivator

und hat uns geholfen, aus alten Mustern auszubrechen. Bei dieser

Session entstand auch I Scan The Surface. Für Covenant sind zwei

Tracks in drei bis vier Tagen ein eindrucksvoller Rekord.

Not To Be Here

ES: Mehr oder weniger das Cover eines Songs vom schwedischen

Künstler Marcus Dimbodius. Wir spielten beide auf einem

Festival in Göteborg, und er hat mich tief beeindruckt. Deswegen

habe ich ihn später kontaktiert und gefragt, ob wir Not To Be

Here covern dürfen. Momentan ist es vielleicht sogar mein

Lieblingslied des Albums.

DJ: Ein klassisches Covenant-Outro, nur eben nicht von

Covenant. Es ist toll, für ein Album mit so vielen Leuten

zusammengearbeitet zu haben. Fühlt sich fast wie ein Hip Hop-

Album an. Haha!

JM: Noch ein Song, bei dem ich wünschte, ich hätte die Lyrics

geschrieben. So schön, traurig und berührend, dass es mich

zum Weinen bringt. Und das ist die höchste Auszeichnung, die

ich vergeben kann. Dieser Text rüttelt an meiner Welt, schenkt

mir neue Perspektiven, erlaubt mir, mit meinem gesamten Sein

zu fühlen und zu denken. Genau das sollte ein Lied bewirken.

Danke, Marcus!

„Sie verstärkt

die schizophrene

Ausstrahlung...“

Ein auffälliges, verstörendes und bizarres Video wurde gerade

zur dritten Schlafes Bruder-Single aus ihrem Debutalbum

Heute war Gott nicht hier veröffentlicht. Wer, wie, was? Wieso,

weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt...: bingo! Und weil es

sicherlich nicht schön ist, dumm zu sein, nun im Folgenden ein

paar Fragen an Kris Weller.

Orkus: Mit Ritter und Knecht habt ihr wohl euren bisher aufwändigsten

Clip gedreht...?

Kris Weller: Das Video zu Absolution war auch schon sehr aufwändig,

allerdings eher in der Postproduktion, da es ja im Greenscreenverfahren

gedreht wurde. Bei Ritter und Knecht dagegen sind wir andere Wege

gegangen, haben eine „echte“ Location gewählt und viel mehr Darsteller

eingebunden. Von daher war der Aufwand vor und während des Drehs

natürlich viel größer. Glücklicherweise hat das Videokonzept viele

phantastische Leute begeistert, die uns bei der Umsetzung mit sehr viel

Engagement und Enthusiasmus unterstützt haben. Ohne sie hätten wir

das Video überhaupt nicht in diesen Dimensionen realisieren können.

Unser Dank geht an dieser Stelle vor allem an den Regisseur Andreas

Marschall, der mit seinem Know-how und viel Eigenleistung das Ganze

von Anfang bis Ende geschultert hat.

O: Hat durch den Clip der Song eine andere, weitere Aussage als Thema

bekommen?

KW: Nein, die Aussage wird vor diesem Hintergrund nur anders

beleuchtet. Der Hintergrund stellt sich aber nicht nur einfach durch

das Treiben in einem Fetish-Club dar. Vielmehr findet Ritter und Knecht

106 - Orkus!


im Kopf eines schizophrenen Clowns statt, in dem zwei Stimmen auf

ihn einreden wie das bildhafte Engelchen auf der einen Schulter und das

Teufelchen auf der anderen.

O: Sänger Fritz ist neben seiner Rolle als Knecht auch als Braut zu sehen.

Wie kam es zu dieser Idee?

KW: Die Gegensätze „naiver Narr“ und „böse Braut“ waren von Anfang

an Hauptbestandteil der Videoidee. Der Narr betritt die Bühne des

Geschehens in einem Dialog mit sich selbst. Formelhaft wiederholt er die

Worte: „Du bist so schlecht!... Du bist so schlecht!...“ Erst im Laufe des

Videos wird klar, dass hier nur ein Teil von ihm spricht, der später durch

die Braut verkörpert wird. Dass Fritz dann beide Rollen spielen muss, ist

also die logische Konsequenz daraus. Bleibt nur noch die Frage: Wieso

eine Braut? Durch das Video wird sie zwar nicht direkt beantwortet, aber

die Vermutung liegt natürlich nahe, dass es sich vielleicht um so etwas wie

plagende Kindheitserinnerungen an eine maßregelnde Mutter handelt, die

hier zum Vorschein treten. Die psychedelische Wirkung von tiefer Stimme

in Kombination mit kräftiger Statur, die ganz und gar nicht im Einklang

mit dem Bild einer Braut steht, verstärkt außerdem die schizophrene

Ausstrahlung unseres Protagonisten.

O: Neben zahlreichen Mitwirkenden sind auch alle Bandmitglieder im

Clip dabei...?

KW: Ja. Heilig war da die Ausnahme und konzentrierte sich voll und

ganz auf eine Person, mit Bildern, die mentaler und reduzierter angelegt

waren. Weitere Darsteller hätten nur abgelenkt. Bei Ritter und Knecht aber

geht es deftiger zur Sache. Zur Darstellung der fetish- und tattoolastigen

Szenerien waren dann aber neben der Band natürlich noch weitere

Mitwirkende nötig.

O: Was war bisher das beste Kompliment, das ihr für euren Ritter und

Knecht-Clip bekommen habt?

KW: Wir haben glücklicherweise sehr viele und auch euphorische

Komplimente bekommen. Manchmal ist aber viel wichtiger, von wem ein

Kompliment kommt... wie zum Beispiel das hier: „What a piece of art!“

(Patrick Henschen, Head of Sales Marketing/Warner Music)

O: Wie geht es mit Schlafes Bruder weiter, und wann kann man euch auf

einer Bühne sehen?

KW: Als Nächstes arbeiten wir an einer neuen Single fürs nächste Album,

zu der wir bereits grandiose Videovisionen haben, die wir hoffentlich mit

der gleichen Crew umsetzen können. Es wird aber deutlich kostspieliger,

sodass wir uns – auch im Hinblick auf die Ausgaben für das neue Album

– entschlossen haben, ein neues Terrain zu betreten... Crowdfunding. Für

all diejenigen, die sich darunter nichts vorstellen können: Es geht darum,

ein in Planung befindliches Produkt (wie zum Beispiel ein Album) durch

Kaufzusicherungen von Fans/Interessenten risikofrei zu finanzieren.

Wir werden in dem Zusammenhang eine ganze Reihe spannender

Produktpakete schnüren und zum Kauf anbieten, aus deren Erlös wir

dann die Umsetzung unserer Vorhaben realisieren können. Dazu haben

wir mit PledgeMusic nicht nur eine tolle Plattform, sondern auch einen

sehr kompetenten Partner gefunden, denn ihr Betreiber ist gleichzeitig

der Manager von Apocalyptica. Wir sind sehr gespannt, wie das laufen

wird. Das Thema „Crowdfunding“ ist ja nun wirklich sehr faszinierend

und läutet insbesondere für den medialen und dort ganz besonders für

den Musikbereich ein neues Zeitalter bei Finanzierung und Vermarktung

ein. Die Majors müssen sich warm anziehen und sollten da nicht den

Anschluss verpassen. Neben diesem Vorhaben steht für uns aber auch

noch eine spannende Kooperation mit Andreas Marschall an, der sich ja

als Undergroundhorrorfilmemacher einen Namen gemacht und schon

viele Preise auf Festivals abgeräumt hat. Wir werden in seinem neuen

Horrorepisodenfilm German Angst auftreten und außerdem den Titelsong

zu einer der Episoden beisteuern.

www.schlafes-bruder.com

Claus Müller

Photos: Svan PhotoArt

Line-Up:

Fritz Graner – Gesang

Ricky Grasser – Gitarre

Halid Pestil – Bass

Kris Weller – Keyboard, Synthesizer

Andreas Schulz – Schlagzeug

Orkus! - 107


Augenaufschlag

Wie lange mag es her sein, seit die letzten Töne von Unverwandt

verklungen sind? Tage? Jahre? Übermorgen? Sind wir zurückgesprungen

oder nach vorn? Sind die eiskalten urbanen Legenden der fremd nur ein

böser Traum gewesen, oder erwacht der Protagonist – wie oft zuvor – nur

wieder in einer anderen, aber nicht minder grausamen Wirklichkeit? Sein

erneutes Auftauchen ist nicht nur metaphorisch zu sehen, sondern als

tatsächliches Durchs-Wasser-an-die-Oberfläche-Gleiten. Fühlst Du Dich

nicht auch oft so, wenn Du morgens aus den tiefen Wäldern (oder von

eiskalten Stränden) der Traumlande zurückkehrst, als würde Dein Geist

zurück in Deine Haut schlüpfen? Doch Vorsicht ist angebracht, sonst

wirst Du alsbald von der Realität eingeholt und wirst wieder zur

Kreatur mit der stählernen Maske

Die leicht „Dumasierte“ Titelgebung ist das komplette Vorspiel und

zeichnet mit der kollektiven Erzählungserfahrung das Bühnenbild für

unseren Kerker. Ein theatralisch augenzwinkerndes „Schockschwerenot!“

erschallt und zeigt uns gleich zu Beginn, dass trotz aller Melancholie

und Tristesse der geschundene Protagonist genauso wie der Hörer nicht

ganz ohne Galgenhumor „ans Werk gehen“ sollte. Schwermetall in der

Erzählung und als musikalische Ausdrucksform. Vom Tragen der Maske

alleine kann doch der Nacken nicht so schmerzen?

Aufbruchstimmung

Ausbruchsstimmung oder Aufbruchstimmung? Hat nicht irgendein

zweitklassiger Songschreiber mal getextet: „Nur wer sich öffnet für den

Schmerz, lässt auch die Liebe mit hinein“ (oder „herein“, wenn er sich

selbst meint)? Hier kommt die böse Überraschung: Nur wer sich unter

Schmerzen aufmacht, lässt sie auch heraus (oder eben „hinaus“, wenn sie

sich im Zickzack davonmacht). Eigentlich ein echter Schocker, diese ganze

Selbstzerfleischung. Da kommt noch was nach, wart’s nur ab!

Wanderer

Und nun? Wandert er nun ganz ohne Herz durch die Welt? Fragt sich

das denn keiner? Der ein oder andere mag an den „ewigen Wanderer“

denken. Darf er. Muss er aber nicht. Fast auf dem gesamten Album konnte

ich mir offensichtliche Sozialkritik verkneifen, als Präventivschutz gab es

dafür ja die GeistErfahrer. Aber wer mit offenen Augen durch die Welt

wandert, der kann einfach nicht anders, der muss die Öfen erkennen und

nennen. Der Song ist schuld, dass wir nun die Akustikklampfe mit auf

Tour nehmen müssenwollendürfen.

Schneefall in der Hölle

Da ist die Romantik bis zur äußersten Kitschgrenze mit mir

durchgegangen, und nur die bleierne Schwere der Gitarren konnte uns

vorm Zuckergussfall in der Hölle bewahren, haha. Anmerkung: Dies hätte

der einzige englische Titel werden können auf dem Album, denn die

englische Sprache verschleiert ja gerne viel textliche Schmerzgrenzen. Aber

ich wollte lieber dazu stehen. Eigentlich ist dies das traurigste Lied auf

dem ganzen Album. Der Erzähler darf gar nicht selbst am romantischen

Geschehen teilnehmen [okay, manche Leute stört das nicht, aber es geht

hier nicht um diese Art Beobachter], sondern freut sich nur mit einem

lachenden und einem weinenden Auge beinah postalisch entfernt über

das kurze Glück der Liebenden, die sich nur für eine einzige Nacht lieben

dürfen und dann getrennte Wege gehen müssen. Aber ist es nicht bei uns

allen so? Währt die Liebe nicht eigentlich immer nur eine Nacht? Oder,

besser gesagt: Sollte man nicht stets so hemmungslos lieben, als wäre alles

am nächsten Morgen schon vorüber?

Die Löcher in der Menge

Allgemein bekannt sein dürfte ja bereits die Tatsache, dass ich mich von

einer Szene aus dem Roman Arkadien erwacht von meinem Freund Kai

Meyer inspirieren ließ. Ich fand die Stelle im Roman wirklich gruselig

und konnte mich danach beim Lesen kaum noch auf die eigentliche

Handlung konzentrieren, weil das Gesagte noch lange in meinem Kopf

herumspukte. Es passte wunderbar in das MASKENHAFT-Konzept. Die

Idee, den Menschen die Welt mit einer zweiten, parallel existierenden,

mächtigen und intelligenten Spezies teilen zu lassen, die darauf lauert, im

richtigen Moment zuzuschlagen und die Vorherrschaft zu übernehmen,

mag zwar nicht ganz neu sein, aber für mich barg das Thema eine Fülle

108 - Orkus!


an schönen und sehr gruseligen Gedanken und Lesarten, die man wiederum als

Keim für eigenes Kopfkino dem Hörer in seine Vorstellung pflanzen darf.

Reflexionen

Der Wanderer hat nun schon ein weites Stück seines Weges zurückgelegt und

zieht ein erstes Fazit zum Tragen seiner Maske, die sich ihn ausgesucht hat. Er

hat so ziemlich alles versucht, diese Maske loszuwerden, auch auf die denkbar

schmerzhaftesten Arten. Aber die Maske hat ein Eigenleben, und es ist nicht

raus, wer nun wen besitzt. Ein Dr. Jekyll & Mr. Hyde-Motiv in Maskenhaft, und

eine dritte Person ist auch anwesend, deren Schicksal im Dunkel liegt. Noch ist

unklar, ob der Protagonist das Maskenwesen von einer grausigen Tat abhalten

kann. Ein innerer Kampf in all seinen... äh... Facetten.

Das Märchen vom Wildfang-Windfang (Schlüpftanz)

Diesen Song haben die ASP-Fans als Erstes adoptiert, schenkt man den

Reaktionen im Internet Glauben. Das liegt sicher daran, dass er meinem

musikalischen Albenkonzept am ehesten zuwiderläuft: Ich wollte ein Album, das

vor allem durch seine Gesamtatmosphäre besticht und dem Hörer nur nach und

nach die musikalische Tiefe der einzelnen Songs offenbart. Da der Schlüpftanz

aber von solch einer textlichen und musikalischen Frechheit ist, war relativ früh

klar, dass dies das Lied sein würde, das aus der eng verwobenen Einheit der

Songs dann doch ausbrechen musste. Und prompt wurde er als erster offizieller

„Hit“ des Albums identifiziert. Aber ich muss zugeben, dadurch, dass wir den

Song zur Clubsingle auserkoren haben, trugen wir natürlich unseren Teil dazu

bei. Wobei der Spagat aus tanzbarer Elektronik und extrem metallischen Parts

recht abenteuerlich geworden ist. Und das freut mich, denn so wünschte ich mir

es. Ich hatte das Vergnügen, einige Fans auf dieses Lied bei der Releaseparty in

Leipzig tanzen zu sehen, und die Wucht des Songs auf der Tanzfläche gefiel mir

außerordentlich.

Panzerhaus

Ein sehr persönliches Lied über die Problematik, wie Abwehrmechanismen

auf einen selbst zurückfallen können und wie man sich unvermittelt von

der Last seiner selbst gebauten Schutzpanzerung erdrückt finden kann.

FremdkörPerson 2 lautet der Untertitel zu Recht, denn hier wird eine weitere

Facette des schauderhaften Gefühls beschrieben, wenn man sich in seiner eigenen

fleischlichen Hülle nicht mehr wirklich zu Hause fühlt, aber keinen Weg findet,

aus den instinktiven Verhaltensreflexen auszubrechen, die sich auf lange Sicht

als selbstzerstörerisch herausstellen. Stimme und Sprache mussten hier auf einer

zusätzlichen Ebene zum eigentlichen Text arbeiten, und das war eine große

Herausforderung für mich. In den Strophen taucht zunächst eine verführerische,

beschwörende Stimme auf, die von einem – sowohl was Rhythmus als auch, was

das Reimschema anbelangt – krassen Gegengewicht gefolgt wird, das sich gegen

die Verführung wehrt, sich schließlich jedoch immer geschlagen geben muss,

was sich in der flächigen Auflösung des Gesangs im Chorus zeigen sollte. Äh.

Was rede ich da eigentlich. Das interessiert doch keinen. Also: Ein Lied, das mir

genauso wie alle anderen sehr viel bedeutet.

Per aspera ad aspera

So. Nun ist unser Wanderer ein gutes Stück des Weges gegangen, und auf dieser

Reise sind ihm auch Menschen begegnet. So etwas geht ja meistens nicht gut

aus, schon gar nicht im Leben einer Figur, die sich dem Gothic Novel Rock

verschrieben hat. Einige „Fans“ meinten wohl, mich und mein Leben in diesem

Song zu erkennen (mag sein, mag sein), und empfanden das Lied inhaltlich als

Resignation vor den schweren Zeiten. Dabei ist es doch gar kein „Abgesang“

und im Gegenteil sogar sehr kämpferisch. Nichts ist jemals leicht, aber wie wir

alle wissen, ist das doch auch nicht die Hauptsache, wenn es um Lebensträume

und deren Verwirklichung geht. Übrigens: Wenn man so oft hintereinander die

Worte „per aspera“ singt, dann verliert man genauso schnell den Bezug zu deren

Bedeutung wie inhaltlich zu der Problematik des „rauen Pfades“, auf dem man,

wenn man auf ihm dahinrast, vergessen kann, der Frage nachzugehen, wohin

dieser einen führen sollte. Genauso wie der vorangehende Satz, hihi.

Die Klippe

Ich entschuldige mich für dieses Lied. Eine Auflösung anzubieten, indem

man viele Antworten andeutet und weitere Rätsel aufgibt, ist natürlich nicht

besonders nett. Schon gar nicht an einem Abgrund. Wie es weitergeht? Schalten

Sie auch nächstes Mal wieder ein, wenn Sie die Fortsetzung und den ersten Teil

des spannenden Finales erleben! Wenn es wieder heißt: Fremder-Zyklus und

„wovon zur Hölle singt dieser komische Mann da eigentlich?“ Vielen Dank für

Deine Aufmerksamkeit.


„Sekt: sehr gerne; Sekten: nein, danke!“

Ob so viel Herzklopfen gesund ist? Das Debut liegt noch nicht lange zurück, und auch als notorische Live-Band bleibt der Puls im

Training. Nun muss sich zeigen, ob der Nachschub aus dem unzüchtigen Hause den Erwartungen der Fans gerecht wird. Hauptsächlich

jedoch beschleunigt Vorfreude den Herzschlag, als die vier Jungs ihren „elektronischen Wahnsinn mit schweißtreibenden Gitarren“

präsentieren und außerdem ruhigen Blutes über Schrakk und Schnizzle philosophieren.

Orkus: Wie lange stand Rosenkreuzer eigentlich bereits in den

Startlöchern? Beim Release von Todsünde 8 wusstet ihr ja schon ziemlich

sicher, dass 2013 ein Geschwisterchen folgen würde...

Der Schulz: Es war immer Ziel, das zweite Album ein Jahr nach

dem ersten zu veröffentlichen. Aber tatsächlich hatten wir – außer einer

Menge Ideen, vor allem von De Clercq – bis nach dem Abschluss unserer

ausgiebigen Touren Ende Februar noch gar nichts.

De Clercq: Unser Zeitplan war eng gestrickt, und wir mussten

ordentlich Gas geben. Aber andauerndes und nächtelanges Schrauben an

den Songs sowie komplettes Freisetzen jeglichen Wahnsinns hat uns weit

nach vorne gebracht. Bis jetzt hat uns beim Songwriting nichts aufhalten

können, und das wird auch so bleiben. Zeitdruck, ideenlos, unkreativ?

Come on! (lacht)

110 - Orkus!


O: Auf den biblischen Kontext der Todsünden folgt also die

Sektiererei – wenn man die Rosenkreuzer unter „Sekte“ verbuchen

will.

DS: Weniger „Sekte“ als Geheimbünde im Generellen. Und

irgendwie sollte eine Band auch so was wie eine Bruder- oder

Schwesternschaft sein. Der eine sollte für den anderen da sein und

jeder für den anderen einstehen. Eine verschworene Gemeinschaft

eben.

O: Könntet ihr euch nicht auch vorstellen, Sektenführer zu sein?

DS: Sekt: sehr gerne; Sekten: nein, danke!

DC: Sekt mag ich nicht.

O: Geheimbünde, mystische Orden... was gibt euch diese Thematik?

DS: Das ist ein geschichtlich wie auch aktuell absolut faszinierendes

Thema. Schließlich beinhaltet es die Antwort auf die Frage,

wer uns wirklich regiert, also: wer die Puppenspieler unserer

Politikermarionetten sind...

O: Rosenkreuzer klingt schwermütiger als der Vorgänger. Es hebt

sich insgesamt doch deutlich von Stücken wie Kleine geile Nonne ab.

DS: Das stimmt schon, ein Teil der Texte ist ernster als auf Todsünde

8. Das liegt vor allem daran, dass es mit dem plötzlichen Tod eines

sehr guten Freundes und Musikerkollegen von mir einen Todesfall

im unmittelbaren Umfeld der Band gegeben hat. Dieser Verlust

wird natürlich jetzt thematisch verarbeitet, speziell in Songs wie

Nur die Ewigkeit. Das Video von Christian Beer hierzu fällt auch

superemotional und schön aus. Ich bin sehr froh, so ein Ventil für

solche einschneidenden Emotionen zu haben. Aber dem Wahnsinn

und dem Zorn bieten wir auch wieder ein ausgiebiges Podium,

gerade bei Triebwerk oder Angst. Und so weit von der Nonne

ist Angst mit dem Thema „Inquisition“ ja nicht weg, oder? Die

katholische Kirche wird beide Songs gleichermaßen lieben!

O: Warum habt ihr neben den zwölf neuen Liedern zu genau

diesem Cover von Héroes del Silencio gegriffen? Oft steckt ja hinter

einem derart ausgewählten Titel eine besondere Liebesgeschichte zu

dem Stück...

DS: Ich bin Halbdeutscher beziehungsweise Halbspanier, ganz wie

man es sehen möchte, und liebe meine zweite Heimat Spanien.

Aber ich hab’ tatsächlich nicht den Anstoß gegeben – es waren

die anderen drei, die Bock hatten, mich mal auf Spanisch singen

zu hören. Und da war der Konsens mit Entre dos tierras schnell

gefunden, wenn ich auch erst Bedenken hatte. Aber als ich die

Programmings von De Clercq gehört habe, waren meine Zweifel

dahin.

O: Wer ganz großes Kino erleben will, sollte auf YouTube euer

„Gothic Internat“ besuchen! Klärt doch bitte mal auf: Was sind

denn nun Schrakk und Schnizzle?

DS: Wir erfinden öfters neue Ausdrücke; dazu gehören „Schrakk“

und „Schnizzle“ (gesprochen „Schnissel“), mit denen wir fast jeden

infizieren, der mit uns zu tun hat. Beides ist ziemlich universell

einsetzbar. Wenn man zum Beispiel den ganzen Tag am Schnizzlen

ist, kann es schon mal sein, dass der Schrakk hinterher total wund

ist.

www.unzucht-music.com

Miriam Claus

Photo: Holger Bücker

Discographie (Alben):

Todsünde 8 (2012)

Rosenkreuzer (2013)

debut album

THE BONES

OF WHAT

YOU BELIEVE

out 20 Sept.

Line-Up:

Der Schulz – Gesang

De Clercq – Gitarre, Elektronik, Gesang

Blaschke – Bass

Fuhrmann – Schlagzeug


„Die besten Dinge im Leben können nicht

geplant werden...“

Was wäre Energiebündel Ronan Harris wohl geworden, wenn es zum erfolgreichen Musiker nicht gereicht

hätte? Sieht man sich das wunderschöne Artwork von Automatic an und bedenkt, dass Ronan auch am Art

déco-Erscheinungsbild der kommenden Veröffentlichung wieder kräftig mitgewerkelt hat, wäre Graphikdesigner

bestimmt eine gute Wahl gewesen. Bedenkt man jedoch seine Leidenschaft für Oldtimerrestauration, wäre wohl

eher ein Mechaniker aus dem Iren geworden. Ist man allerdings Ronans schier unerschöpflichem Wortvorrat

und der Begeisterung für sein Tun und zukünftige Ereignisse ausgesetzt, steht nach wenigen Minuten das einzig

geeignete Berufsbild fest: Politiker! Wobei Ronan im Gegensatz zu diesen etwas zu sagen hat – nicht nur, aber

natürlich vor allem zum neuen Album Transnational.

Ronan Harris: Über Transnational

habe ich so viel zu erzählen, dass ich

überhaupt nicht weiß, wo ich anfangen

soll...

Orkus: Nun, ich hätte da ein paar

Fragen vorbereitet.

RH: ... und eigentlich kann und will

ich dir auch noch gar nichts über das

Album erzählen, denn wir sind gerade

in den letzten Zügen, das Album wird

demnächst gemastert, und was ich dir

jetzt erzähle, kann übermorgen oder

vielleicht schon heute Abend wieder

Schnee von gestern sein.

O: Wieso das denn?

RH: Ich arbeite generell immer auf den

letzten Drücker und bin in diesen Phasen

auch am produktivsten. Da kann es dann

passieren, dass es ein solch zentraler

und wichtiger Song, wie es Radio auf

Automatic ist, erst ganz am Ende auf das

Album schafft. Oder ein noch besseres

Beispiel: Bevor Automatic zum Mastern

ging, habe ich einen kompletten Tag am

Stück gearbeitet. In der folgenden Nacht

war ich aber plötzlich mit dem Gesang

von Space & Time nicht mehr zufrieden.

Daraufhin habe ich die Blätter mit den

Gesangslinien weggeschmissen, die

Vocals kurzerhand gelöscht... und hatte

vier Stunden später den Track komplett

neu eingesungen. Einmal mehr habe ich

festgestellt: Die besten Dinge im Leben

können nicht geplant werden, und es ist

hilfreich, wenn man alles einfach laufen

lässt.

O: Okay, aber kannst du uns zumindest

verraten, ob ihr mit Transnational zu euren

musikalischen Wurzeln zurückkehrt, wie

es momentan „en vogue“ zu sein scheint?

RH: Nein, ganz und gar nicht, wie du

gleich noch hören wirst. Transnational ist

die logische Fortsetzung von Automatic.

Das Album hat jedoch ein wenig mehr

Drive und Power und deckt die ganze

Bandbreite von VNV Nation ab. Es wird

Songs geben, die den Fans von Depeche

Mode gefallen mögen, aber es wird auch

Songs geben, die dich langsam und hart

mit der Wucht einer Betonplatte mitten

ins Gesicht treffen. Das sind die Titel,

die mein Umfeld bisher am meisten

überrascht haben. Derzeit ist noch nicht

mal ein Instrumental geplant... oder

eventuell doch? Ach, keine Ahnung. Ich

mag eigentlich die Tatsache, dass Musik

auch ohne Gesang so viel zu sagen hat.

Sicherlich gibt es eine Handvoll Fans, für

die Empires das einzig wahre Album von

VNV Nation ist, weil es damals einfach

den richtigen Nerv bei ihnen getroffen

hat. Sie wären also glücklich, wenn wir

ein Empires II veröffentlichen würden.

Aber ich bin nicht mehr der Ronan von

1999.

O: War es schwer, für ein so erfolgreiches

Werk wie Automatic einen adäquaten

Nachfolger einzuspielen?

RH: Die Reaktionen auf Automatic waren

einfach umwerfend: Eine Menge Fans

fanden die verschiedenen Stile der Stücke

gut, andere wiederum haben in den

Songs tatsächlich die Seele herausgehört,

die ich hineingelegt hatte. Natürlich

ist es schwer, so etwas zu toppen, aber

genau das ist schon immer mein Ansporn

gewesen: besser zu werden! Folgerichtig

hat es zu Beginn der Produktion von

Transnational eine Weile gedauert, bis

„Fleisch auf den Knochen“ war. Als der

Beginn allerdings geschafft war, lief der

Rest wie am Schnürchen, und heraus

kam ein Album, welches Fans, DJs,

Autofahrer und mit ihnen auch die

Polizei glücklich machen wird. (lacht)

O: Hegst du nicht manchmal die

Befürchtung, deinen eigenen Ansprüchen

nicht mehr gewachsen zu sein?

RH: Nein, eigentlich nicht, denn die

Hauptsache ist doch, dass man eine

kreative Vision hat und diese erfüllen

kann. Ich sehe das recht pragmatisch –

um es bildlich darzustellen: Am Anfang

einer Albumproduktion befinde ich mich

auf einer steil ansteigenden Geraden

bei Punkt A und versuche mit Punkt

C nach den Sternen zu greifen. Wenn

das Album dann fertig ist, bin ich zwar

112 - Orkus!


lediglich mittendrin an einem imaginären Punkt

B, aber das ist auch genau der Punkt, bei dem

ich anlangen wollte und bis zu dem meine Mittel

reichen. Nur: die Träume, Punkt C irgendwann

einmal zu erreichen, werde ich wohl nie aufgeben.

O: Wer ist neben dir selbst dein größter Kritiker?

RH: Nach mir kommt zunächst eine ganze Weile

niemand und irgendwann dann meine Freundin

und eine Handvoll enger Mitstreiter. Marks

Meinung ist mir natürlich sehr wichtig, ebenso

die unseres Live-Keyboarders André Winter, der

hier im Studio nebenan sitzt. Wer mich kennt,

weiß, dass man mich aber gern kritisieren darf,

wenn es konstruktiv ist. Meinungen, die lediglich

den persönlichen Geschmack berücksichtigen,

interessieren mich überhaupt nicht. Wenn jedoch

meine Freundin sagt, dass sie allein vom Hören

der Instrumentalspuren für Transnational die

Melodien nicht mehr aus dem Kopf bekommt,

dann ist das natürlich eine Meinung, mit der ich

sehr gut leben kann. (grinst)

O: Den Fakt der eingängigen Melodien kann ich

nach meinen ersten Eindrücken nur bestätigen.

Hatte das letztjährige Gothic Meets Klassik-

Festival in Leipzig einen Einfluss auf deine

aktuelle Arbeit?

RH: Danke für das Kompliment, und: du

warst auch der erste Journalist, der etwas von

Transnational zu hören bekam, denn – wie gesagt

– es ist noch nicht ganz fertig! Die VNV Nation-

Songs in einem klassischen Gewand zu hören,

war die berührendste musikalische Erfahrung

meines Lebens. Bei unseren Konzerten habe

ich immer eine gewisse Distanz zu den Liedern,

aber hier fühlte ich mich stark und zerbrechlich

zugleich. Die Arbeiten zu Transnational hat es

zwar nicht tangiert, aber dafür meinen Wunsch

verstärkt, in dieser Richtung zu arbeiten und diese

andere Facette von mir zu erkunden. Immer öfter

ertappe ich mich dabei, wie ich im Studio sitze

und Streicher arrangiere, nur um mir kurz später

auf die Finger zu klopfen und mich zur Geduld

zu ermahnen. Zunächst werde ich auf der 2013

Gothic Cruise unsere Lieder singen und dabei nur

von einem klassischen Konzertpianisten begleitet.

O: Da wird es sicher eine Menge Stücke geben,

die aufgrund ihrer plötzlichen Fragilität zum

Heulen schön sind. In welcher Stimmung muss

man denn für das neue Album sein?

RH: Automatic war ja bereits ein sehr positives

Album mit nur wenigen sentimentalen Momenten.

Es war zugleich Rückblick und Abgesang auf das

20. Jahrhundert. Wenn man sich überlegt, was in

dem Jahrhundert alles passiert ist: Es gab Könige,

die regierten, die Idee einer Demokratie wurde

verbreitet und etabliert, Weltkriege fanden statt,

und die wissenschaftlichen Errungenschaften

haben sich förmlich überschlagen. Ich habe meine

Mutter gefragt, wie sie das Ganze gesehen hat, und

rückblickend kam ihr vieles davon zur damaligen

Zeit nahezu undenkbar vor. Transnational hingegen

ist vielmehr ein Hochlebenlassen der Dreißiger

Orkus! - 113


Jahre in Amerika. Es dürfte sich inzwischen

herumgesprochen haben, dass ich ein Faible

für diese Epoche habe. Mich faszinieren vor

allem der Pioniergeist, der Idealismus, der

Mut und die Aufbruchstimmung jener Zeit,

auch wenn diese Ideale wenig später von

Männern in Uniformen und Militärstiefeln

niedergetrampelt wurden. Eines meiner

Lieblingsthemen für Diskussionen ist:

„Wo wären wir heute, wenn die Kriege

des letzten Jahrhunderts nie stattgefunden

hätten?“

O: Siehst du solche Ideale auch noch heute?

RH: An sich begegnet man diesem

Idealismus heutzutage nur vereinzelt, aber

das liegt in der Natur der Sache, denn

damals hatte man den Tourismus gerade

für sich entdeckt, weil die frisch erbauten

Städte fern jeglicher Natur waren und es

inzwischen entsprechende Möglichkeiten

zur Fortbewegung gab. Schaut man sich

die ersten Reiseplakate an, kann man

eigentlich nur schmunzeln. Da wurden

Länder in Afrika und Asien noch als

„unentdecktes Gebiet“ beworben, während

sich heute an den betreffenden Stränden

ein Pauschaltourist an den anderen reiht.

Und genau das ist aber der Punkt, der

mich immer wieder nachdenklich stimmt.

Der britische Dokumentarfilmer Sir David

Attenborough hat Mitte der Fünfziger

mit einem Kameramann einen Fluss auf

Borneo befahren. Wohin man schaute, gab

es Urwald und unberührte Natur. Einige

Jahrzehnte später kam er wieder nach

Borneo, und die Ufer des Flusses sahen,

oberflächlich betrachtet, noch immer so

aus. Betrachtet man das Ganze allerdings

aus der Luft, erkennt man, dass nur ein

schmaler Streifen Natur übrig ist und direkt

hinter der Uferlinie die Industrie ihre Zelte

aufgeschlagen hat. Ich finde es erschreckend,

so etwas zu sehen... oder zu ahnen, dass

nachfolgende Generationen wahrscheinlich

nicht einmal mehr wissen, was Lemuren sind

und dass sie auf Madagaskar vorkamen. Die

Reiseführer konnten damals mit Tieren und

Pflanzen werben, für die man jetzt in den

Zoo oder einen Botanischen Garten gehen

muss. Es muss also ein neuer Idealismus her.

O: Um noch mal kurz auf Transnational zu

kommen: Was ist neben der teilweise bereits

ausverkauften Tour rund um das Release

geplant?

RH: Ich habe eine Menge Ideen, und

das, obwohl ich überhaupt kein Fan von

groß angelegten Kampagnen bin. Ich bin

beispielsweise begierig, erste Ausschnitte

unseres neuen Artworks unter die Leute zu

bringen. Wir haben erneut Züge des Art déco

mit dem amerikanischen Industriedesign

des frühen 20. Jahrhunderts kombiniert.

Zudem nimmt auch mein Traum, ein

Video zu veröffentlichen, langsam konkrete

Formen an. Wir hatten zwar schon eine

Menge Angebote, einen Clip zu drehen, aber

die waren meistens großer Mist. Oftmals

ging es nicht über das bekannte „Band steht

in einem Raum und spielt ihr Lied“ hinaus.

Und wenn mich jemand gleich zu Beginn

eines Gesprächs nach der Nummer meines

Agenten fragt, ohne dass wir uns über das

Kreative unterhalten hätten, fühle ich mich

sowieso verarscht und kann der Versuchung

widerstehen, jemandem dafür 20.000 Euro

in den Hintern zu schieben.

O: Und inzwischen hast du gespart...?

RH: Nein, aber ich habe Filmemacher

mit einer kreativen Vision getroffen, bei

welchen ich mir eine Zusammenarbeit sehr

gut vorstellen kann. Ich hoffe, wir schaffen

es, mehrere kleine Episoden zu filmen,

die dann als Ganzes eine tolle Geschichte

ergeben. Fakt ist aber auch, dass ich

zunächst wahnsinnig auf die Tour und auf

die Reaktionen der Fans gespannt bin.

www.vnvnation.com

Lars Schubert

Photos: Ricarda Grimm

Discographie (Alben):

Advance and Follow (1995)

Praise the Fallen (1998)

Empires (1999)

Futureperfect (2002)

Matter + Form (2005)

Judgement (2007)

Of Faith, Power and Glory (2009)

Automatic (2011)

Transnational (2013)

Line-Up:

Ronan Harris – Elektronik, Texte, Gesang

Mark Jackson – Live-Schlagzeug

114 - Orkus!


Das große VNV Nation-Faninterview

„Was wir, glaube ich, verloren haben,

sind die generelle Höflichkeit und herzliche Art...“

Es ist uns eine große Ehre und Freude, mit Euch (und uns) als Fans sowie natürlich Ronan dieses besondere Interview führen zu können.

Danke für Eure Zusendung an Fragen – und Dank an Ronan Harris für seine offene Art. Wir wünschen nun schöne Momente beim Lesen.

Sandra via e-mail: Danke, dass du uns, den Fans,

dieses Interview ermöglichst! Ist VNV Nation für

dich so etwas wie ein gelebter Traum?

Ronan Harris: Ich freue mich, diese Fragen

beantworten zu können. Solch eine Gelegenheit

bietet sich selten. Als ich an jener Musik zu arbeiten

begann, die später VNV Nation werden sollte, war

ich einfach glücklich, nur für mich selbst zu Hause

Musik zu machen. Ich träumte nie davon, sie mit

anderen zu teilen, und hatte keine Vorstellung, was sie

für mich und andere werden würde. Ich schrieb Praise

the Fallen für mich, ohne Plan zur Veröffentlichung,

und konnte die Reaktion darauf immer noch nicht

glauben, nachdem ich von engen Freunden schier

gezwungen worden war, bei einer Plattenfirma zu

unterzeichnen. Erst bei Empires wurde mir klar, was

diese Musik anderen Menschen bedeutet, und das

war mehr, als irgendeine Musik oder „Band“ je sein

könnte. Ich für mich bin keine Band. Ich stecke meine

Erlebnisse, meine Gedanken und Beobachtungen

in die Musik und teile sie mit vielen Leuten, von

denen eine Menge ähnlich ticken. Ich halte das für

einen wesentlichen Unterschied zu manch anderen

Künstlern, und ich bin jeden Tag dankbar für das, was

ich tun darf. Ich hatte nie geträumt, es zu machen,

also ist es kein wahr gewordener Traum, sondern eher

ein unerwarteter Segen.

Wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte, was

würdest du heute beruflich machen?

RH: Ich war Computerprofi, hatte mit

Kommunikation und einem Haufen Spitzentechnik

zu tun, aber ich liebte seit jeher die Chance, kreativ

zu sein und meine Talente durch verschiedene

schöpferische Dinge zu erproben (ich meine Sachen

wie Computergraphik, keine Wollstrickmützen).

Ich weiß nicht, ob ich bei dieser Karriere geblieben

wäre oder zu etwas anderem gewechselt hätte. Wer

weiß, was ich geworden wäre. Wirklich ist nur,

was geschehen ist, zumindest in dieser Version des

Universums. Vielleicht habe ich es ja in einer anderen

zum Weltpräsidenten gebracht – und ich hoffe sehr,

dass jener Ronan bei seinem Job schöne Klamotten

trägt.

Bist du eigentlich ein guter Schüler gewesen?

Was waren deine guten und was deine schlechten

Unterrichtsfächer?

RH: Schule? Aber... aber... das ist Hunderte von

Jahren her. Ich kann mich nicht erinnern, worin ich

gut oder schlecht war. Ich liebte Mathe und Erdkunde

und Geschichte, langweilte mich jedoch die meiste

Zeit. Wenn ich rückwirkend irgendetwas ändern

könnte, hätte ich mich auf eine Montessori-Schule

geschickt oder nach Hogwarts. Ich wäre ein mächtiger

Zauberer geworden. Die Menschen würden mich

fürchten und wegrennen, und Kinder würden meinen

Namen flüstern, bevor sie sich unter ihrer Bettdecke

verstecken.

Bernd Schönburg (ADACTA) via e-mail: Wird es

irgendwann vielleicht doch mal einen offiziellen

Videoclip von VNV Nation geben?

RH: Abgesehen von dem Sextape, das letztes Jahr

veröffentlicht wurde (ich frage mich, wie viele Leute

nach Lektüre dieses Satzes zu YouTube gegangen

sind)... Die ernsthafte Antwort lautet: Ich würde

liebend gerne einen machen, aber fast alle Videos, die

ich sehe, sind „nur ein Video“ (mit Ausnahme des

wunderbaren Videos, das Ihr als Medienfans gestaltet

habt). Die meisten sind nichts Besonderes, füllen

lediglich einen Platz aus und dienen einem Zweck.

Mir ist es lieber, gar keinen Clip zu machen, als durch

sinnlose Vergeudung von visuellem Raum einen Song

zu ruinieren. Ich habe Pläne, ich habe Wünsche. Mal

schauen, ob sie sich verwirklichen.

Mariah Yarza aus Mexiko: „EBM“ und

„Industrial“ werden oft benutzt, um bestimmte

Arten von Architektur zu charakterisieren. Beides

hat Rhythmus, Farbe und Kanten. Wenn du

deine Musik als ein Bauwerk oder als eine Stadt

beschreiben wolltest, wie würdest du das tun?

RH: Interessante Frage, wenngleich ich noch nie

gehört habe, dass jemand einen Architekturstil als

„EBM“ bezeichnet. Ich frage mich, wie ein Old

School-EBM-Gebäude wohl aussähe. Ein baufälliges

Arbeitsamt oder Kraftwerk aus den Siebzigern

vielleicht, das allerdings mit einer Menge „Maschinen“

errichtet wurde. Wer weiß. Ich würde meine Musik als

das Chrysler Building in New York beschreiben. Das

trifft es eigentlich perfekt.

Torsten Krieger via e-mail: Seit Jahren wünsche ich

mir eine Further-Pianoversion (aus dem Studio).

Gerne auf der Reformation 02. Kann man damit

rechnen?

RH: Du kannst sicher sein, dass diese Version

eines Tages auf CD erscheint. Ich habe sie bei der

„Anthems“-Show mit einem Konzertpianisten gespielt

und werde das auf der Gothic Cruise wiederholen, sie

wird definitiv irgendwann aufgenommen.

Gibt es im „VNV-Archiv“ Remixe von Homeward,

die auf einer damals geplanten Homeward EP oder

auf einer EP zu Matter + Form vorgesehen waren?

RH: Remixe gibt es keine, aber eine Cover-Version

von der Band Chamber, die ursprünglich für eine

mögliche EP gedacht war.

xavier2006 via e-mail: Was sagst du dazu, dass es

immer mehr Veganer in der Szene gibt?

RH: Ich habe keine Ahnung, ob es mehr gibt oder nicht.

In den USA kenne ich viele, mehr als hierzulande,

muss ich sagen. Ich denke, es ist als Lebensstil eine

gute Wahl, solange die Leute ganz genau darauf

achten, was sie essen, und alle nötigen Nährstoffe

bekommen. Ich kenne einen Arzt, der Menschen mit

Ernährungsproblemen behandelt, und darunter sind

viele Veganer, die nicht genügend von den richtigen

Lebensmitteln zu sich nehmen. Ein Großteil des

Problems ist: Wenn du dich gesund vegan ernähren

willst, musst du dir einen Haufen Mühe machen,

jeden Tag selbst zu kochen, dreimal täglich, und in

dieser hektischen Welt ist das nicht immer möglich.

Das Verrückte ist: Wenn es darum geht, in jedem

Supermarkt schmackhafte und nahrhafte vegane Kost

zu bekommen, sind Großbritannien und die USA ein

veganes/vegetarisches Paradies und lassen Deutschland

aussehen, als wäre es nur für „Fleischliebhaber“. Falls

jemand von Euch nach Amerika reist, sucht die

Produkte von MorningStar Farms®, um zu wissen,

was ich meine. Es braucht auf jeden Fall mehr Druck,

damit die hiesigen Supermärkte mehr vegetarische

und vegane Produkte anbieten. Außerdem enthalten

viele Nahrungsmittel nicht nur potenziell schädliche

Zusatzstoffe, sondern oft auch Fleischprodukte, ohne

dass es auf dem Etikett steht, und das muss aufhören,

nicht nur im Sinne der Vegetarier. Darüber hinaus

sollten Restaurants kapieren, dass Brot oder eine

Kartoffel als einzige „vegetarische Option“ auf ihrer

Speisekarte nicht genügen.

Andrea aus Köln: War der 11. November

2012 (Gothic Meets Klassik) der glücklichste

beziehungsweise emotionalste Tag in deinem

Leben?

RH: Ohne Zweifel war es der großartigste Moment

meiner musikalischen Karriere. Nichts, was ich

gemacht habe, lässt sich damit vergleichen. Es war


der emotionalste und seelenzerreißendste Moment

meines bisherigen Lebens. Wer weiß, was die Zukunft

bringt.

Stefan via e-mail: Wann und aus welchem Anlass

kam in dir erstmals der Wunsch auf, Musiker

werden zu wollen?

RH: Meine Eltern kauften ein Klavier, vermutlich in

der Hoffnung, dass eines ihrer Kinder zum Virtuosen

wird. Keiner sonst hat es zu spielen probiert, aber

ich versuchte mich an Happy Birthday. Ich war fünf

oder sechs. Ratet mal, wer schließlich Klavierstunden

bekommen hat. Ja, ich. Das hielt ein Jahr.

Maria via e-mail: Was fasziniert dich an den

Dreißiger Jahren ganz besonders?

RH: Ich bin mit amerikanischen und britischen

Schwarzweißfilmen und Cartoons aus den Dreißigern

aufgewachsen, die oft im Fernsehen liefen. Mich

begeisterten sehr viele dieser Dinge, doch mir war nie

bewusst, dass die meisten von ihnen aus jener Epoche

stammten. Erst als ich mit zehn Jahren ein Buch über

Hollywoods Goldene Ära und ihre Welt entdeckte,

begriff ich, was diese Epoche war, und es löste eine

emotionale Reaktion in mir aus. Meine Liebe für die

kreative Seite des Ganzen wuchs, und mit ihr mein

Wissen über dessen Geschichte. Obwohl die Welt

eine schwere ökonomische Krise durchlief, herrschten

tiefster Optimismus und Entschlossenheit, die

Probleme zu lösen. Die gemeinsame Hoffnung auf

eine schöne und gute Zukunft für alle ist etwas, das

ich sehr faszinierend finde. Unendlich fasziniert mich

die Explosion von Kreativität, die sich quer über

Nordamerika, weite Teile Europas und Osteuropa

vollzog. Modedesign, Maschinen, Gebäude, bildende

Kunst, Alltagsprodukte. Die Beschäftigung damit

wird mich nie ermüden. Nichts Vergleichbares ist

vorher oder nachher je dagewesen.

Wünschst du dir, dass die alten Umgangsformen

wiederkommen?

RH: Das hängt davon ab, über welches Land wir

reden. In Nordamerika waren die Dreißiger ein

großer Gleichmacher der Menschen. Nicht so

weitreichend, wie es möglich gewesen wäre, aber in

jener Zeit entstanden viele große Ideen der Befreiung

von Unterdrückten und Ausgebeuteten... und wurden

auch laut zum Ausdruck gebracht. In Europa wären

das Klassensystem, der Fremdenhass und andere

Faktoren im Alltagsleben für mich unerträglich

gewesen. Was wir, glaube ich, verloren haben, sind

die generelle Höflichkeit und herzliche Art, welche

die Menschen im wechselseitigen Austausch pflegten.

Freundlich und respektvoll und nicht gefühlskalt.

Verglichen damit, erscheinen wir heute extrem

aggressiv und defensiv. Es gibt keinen Grund, warum

dies Teil dessen sein soll, was „Fortschritt“ genannt

wird. Das ist definitiv kein „Fortschritt“, sondern

vielmehr ein „Rückschritt“.

Micha aus Hamburg: Was waren die Gründe, dass

du nach Deutschland gezogen bist?

RH: VNV Nation wurde in Deutschland

erfolgreich, ich wollte einen neuen Horizont, eine

Herausforderung, und dachte, es wäre eine tolle

Selbsterprobung, hierher zu ziehen, ohne die Sprache

zu kennen, ohne zu wissen, wie die Dinge hier laufen

oder wie sehr die deutsche Bürokratie Formulare

liebt und Papiere, die aneinandergeheftet und

(mindestens) fünf Mal kopiert werden. Immer wenn

ich Deutschland besucht hatte, fühlte ich mich echt

wohl und beinah wie zu Hause, es war also eine ganz

natürliche Sache.

Was magst du an Hamburg ganz besonders?

RH: Das ist schwer zu sagen. Eines Tages traf mich

die Erkenntnis, dass ich mich in die Stadt verliebt

hatte. Es ist ein wunderbarer Ort mit jeder Menge

verborgener Schätze in Hintergassen und Ecken. Es

ist keine Abfolge von Denkmälern und berühmten

Bauwerken. Es ist ein Ort, der sich lebendig anfühlt,

was von den Mauern und dem Boden ausstrahlt. Hier

gibt es etwas, das ich nicht definieren kann, aber ich

liebe es.

Vermisst du deine alte Heimat manchmal?

RH: Manchmal vermisse ich Irland, verschwende

jedoch kaum Zeit mit Gedanken daran, was ich nicht

habe oder mir fehlt. Ich werde eines Tages auf Besuch

zurückkehren, aber das Irland, das ich kannte und in

dem ich aufgewachsen bin, gibt es schon lange nicht

mehr. Ich würde lediglich einen Ort besuchen, der so

ähnlich aussieht und klingt. Allerdings liebe ich die

Landschaften, die Volkserzählungen, die Traditionen

und die Gesichter der Menschen.

Mike aus Dortmund: Was waren für dich die drei

spannendsten Städte, in denen du gewesen bist?

RH: Buenos Aires hat mich am meisten überrascht.

Es gefiel mir sehr. Solch eine wunderschön kultivierte

Stadt. Und auch wunderbare Menschen. Es passiert

so viel, und doch hast du nie das Gefühl, dass es an

dir vorbeiläuft. Rom hat einen besonderen Platz in

meinem Herzen, weil es den phantastischen Eindruck

tiefer und vielschichtiger Geschichte vermittelt, egal

wo man ist. Selbst abseits der Monumente und

touristischen Orte... Einfach durch die Straßen zu

gehen, fühlt sich an, als wärest du in deinem eigenen

Film. An der Spitze meiner Liste steht Melbourne.

Ich wünschte, alle modernen Städte wären so.

Die perfekte Mischung aus allem, was Menschen

brauchen, und weniger von dem, was sie nicht

brauchen.

Claus via e-mail: Ist deine Lieblingsfarbe Grau?

Oder bevorzugst du eine andere Farbe?

RH: Es ist eine bestimmte blaue Farbe zwischen

Kobaltblau und Indigo.

Viktor via e-mail: Welches Album eines

anderen Künstlers hast du dir zuletzt mit voller

Aufmerksamkeit und in voller Länge angehört?

RH: Ólafur Arnalds’ For Now I am Winter. Das ist

ein stark akustischer und fast ambienter Künstler, also

rennt nicht los, um es in dem Glauben zu kaufen,

elektronischer Clubwahnsinn würde Euch erwarten.

Nina via e-mail: Hast du Haustiere?

RH: Abgesehen von meinen Nachbarn und dem

imaginären Völkchen, das unter dem Bett lebt, nein.

Jens via e-mail: Deine Aktivitäten auf der Bühne

sind stets sehr schweißtreibend. Trainierst du, oder

machst du eine bestimmte Sportart?

RH: Ihr wisst, wie ich auf Tour herumrenne und mein

Ding mache? Das ist mein Sport. Kein Witz. Ich fühle

mich dann so motiviert und bewegungsbereit. Mark

hat kürzlich versucht, bei einer Show zu tun, was ich

tue, als er ein Lied sang, und war anschließend dem

Kollaps nahe. Er weiß nicht, wie ich es schaffe, zumal

drei Stunden lang, und ich weiß es genauso wenig. Im

Wesentlichen geht es um Motivation.

Alex via e-mail: Bist du dem Tode schon mal sehr

nahe gewesen?

RH: Yeah, er saß mal neben mir im Bus. Er gab

mir seine Karte, und ich überlegte, ihm eine SMS

oder eine Mail zu schicken, um ihn zu fragen, ob

wir uns auf einen Drink treffen sollten, aber dann

befürchtete ich, er könne es in den falschen Hals

kriegen und mich missverstehen. Die ernsthafte

Antwort lautet: Am nächsten bin ich ihm gewesen,

wenn ich jemandes Sterben begleitet habe. Das hat

mich zum Nachdenken gebracht, und ich sehe den

Tod nicht als das Ende. Ja, es ist traurig, jemanden

zu vermissen, den du liebst und der in die nächste

Existenzstufe übergetreten ist, aber ansonsten macht

er mir keine Angst.

John via e-mail: Was trinkst du vor einer Show am

liebsten und was nach der Show?

RH: Möglichst viel und alles, was ich in die Finger

kriege, wenn es nicht weggesperrt ist.

Marco aus Nürnberg: Wenn du drei Dinge in der

Welt sofort ändern könntest, welche wären diese?

RH: Nur drei? 1. Alle müssen sich bei einem Drink

zusammensetzen und darüber nachdenken, warum

sie ein Problem miteinander haben und wie sie es

lösen können. Letztendlich gibt es keinen Sinn und

Zweck für Hass. Am nächsten Morgen können wir

das Lösen der Probleme anpacken. 2. Ich würde

The Venus Project ein sehr gewichtiges Wort bei der

künftigen Entwicklung der Welt mitreden lassen. 3.

Wir haben uns aus der Herrschaft von KönigInnen

und Diktatoren befreit, trotzdem stehen wir noch

immer unter der Kontrolle eines Systems, auch

wenn es jetzt vor uns versteckt ist... hinter einem

Finanzsystem, welches uns alle als Sklaven hält, ohne

dass wir es jemals merken. Ich will, dass die Macht

dem Volk zurückgegeben – nicht vorenthalten –

wird. „Wo das Volk die Regierung fürchtet, herrscht

Tyrannei. Wo die Regierung das Volk fürchtet,

herrscht Freiheit.“ (Thomas Jefferson)

Welche drei Autos magst du ganz besonders und

warum?

RH: 1. Dubonnet Xenia (1938). Französisches,

spanisches und Schweizer Talent vereint im

großartigsten Design aller Zeiten. 2. Delahaye 175


(1949) – was das Design von Kraftfahrzeugen

betrifft, haben die Franzosen mehr geleistet als

jedes andere Land. Dies ist kein Auto, dies ist

Automobilkunst. 3. Lincoln-Zephyr Coupé (1937).

Zumindest eines der drei sollte regulär produziert

sein. Hier gelang den Massenproduzenten ein

phänomenaler Entwurf. Ein V12 unter einer der

bestgestylten Karosserien ever.

Alex aus Esslingen: Welches VNV Nation-

Album magst du zurzeit ganz besonders? Das

kommende mal ausgenommen...

RH: Ich liebe alle Alben, aus verschiedenen

Gründen. Sie bilden eine Chronologie meines

Lebens, doch wenn es um jenes Album geht,

welches ich am meisten liebe, ist es Automatic.

Dieses Album stellte für mich eine Leistung dar, die

in sich selbst ein Traum war.

Was treibt dich innerlich immer wieder an,

Musik zu machen?

RH: Wenn ich es nicht täte, würde ich platzen. In

meinem Kopf schreibe ich andauernd Songs, höre

und erdenke Melodien. Musik ist für mich eine

Sprache und der einzige Weg, wie ich viele Dinge

kommunizieren kann. Ohne sie wäre ich um 80

Prozent meines Sprachvermögens beraubt.

Techno Lover via e-mail: Auch wenn mich nun

alle hassen, aber wie kam es zu der Namensidee

VNV Nation“?

RH: Das ist eine lange Geschichte, die ich oft

erzählt habe. „VNV“ ist die Abkürzung für ein

Motto, das ich und ein paar Freunde in Irland

damals verwendeten, und ich habe sie mit „Nation

kombiniert, weil jene Menschen, welche die

Musik ansprach, eine Sammlung frei denkender

Individuen rund um die Welt waren, die man

ironischerweise als eine Nation bezeichnen könnte,

die aber auf ewig voneinander getrennt bleiben

würden.

Alex aus Darmstadt: Was sind deiner Meinung

nach die besten drei Eiscremesorten?

RH: Die wichtigste Frage des gesamten Interviews.

1. Spaghettieis. 2. Spaghettieis. 3. Spaghettieis.

Frank via e-mail: Wie viele VNV Nation-Songs

hast du veröffentlicht und wie viele geschrieben

und aufgenommen? Wann dürfen wir auch diese

Songs hören?

RH: Ich habe absolut keine Ahnung. Ich müsste sie

erst mal durchzählen. Im Grunde ist alles, was auf

CD ist, mehr als ein Demo. Alles andere ist nur ein

Demo, nicht ausgearbeitet oder unfertig.

Jessica via e-mail: Was muss ich machen, damit

du mich heiratest?

RH: Du wirst um meine Liebe einen Kampf

mit meiner Freundin, Frau gegen Frau, antreten

müssen, während ich über der Arena throne wie

Cäsar. Klingt eigentlich nach einer echt guten

und heißen Idee. Wow, hier drin ist es richtig

warm geworden? Im Ernst, mich ehrt das in der

Frage steckende Kompliment, aber mich morgens

aufwachen zu sehen, würde Dein wundervoll

idyllisches Bild von mir zerstören. Übrigens singe

ich unter der Dusche auch nicht wie ein Engel.

Franz aus München: Über was kannst du am

besten lachen?

RH: Britische Comedy und surrealen Humor. Ich

liebe intelligente oder nerdige Witze.

Peter via e-mail: Was ist für dich Kunst?

RH: Schwer zu sagen. Alles, was aus dem Bedürfnis,

sich auszudrücken, geschaffen wurde, und nicht rein

für kommerzielle Zwecke. Kunst ist die greifbare

Seite des Ausdrucks. Kunst spricht von und aus der

Seele, dem Intellekt und dem Menschsein, nicht

von und aus dem Bankguthaben.

Es gibt in nächster Zeit Kunstbilder/Poster von

VNV Nation? Wie kam es zu dieser Idee?

RH: Ich wollte schon immer eine Posterserie rund

um ein VNV Nation-Album, wie verschiedene

Ausstellungsplakate, doch bis vor Kurzem habe ich

nie den passenden Künstler gefunden.

Tobias via e-mail: Wie sieht für dich der perfekte

Urlaub aus?

RH: Keine Wespen oder Moskitos, schlicht und

einfach, keine Menschenmassen... und in der Nähe

das Meer.

Susanne via e-mail: In welchem existierenden

Film hättest du gerne die Hauptrolle gespielt?

RH: Der dünne Mann. Ich hätte Nick Charles

gespielt.

In welchem noch nicht gedrehten Film würdest

du gerne die Hauptrolle spielen?

RH: Iron Man 4. Ich bin Tony Stark. Ich bin... Iron

Man.

Hanno via e-mail: Bei welchen Momenten

kannst du melancholisch werden?

RH: Wenn ich über Dinge nachsinne, entwickeln

sich bei mir immer gemischte Gefühle, und ich

verliere mich in melancholischen Gedanken.

Musik besitzt zuverlässig die Fähigkeit, mich

auf diese emotionalen Reisen zu schicken. Das

Interessante an der Frage ist: Ich glaube, die

meisten Leute wissen überhaupt nicht mehr,

was das Wort „Melancholie“ bedeutet. Es meint

keine „Traurigkeit“ oder „Verstimmung“, und ich

denke, die LeserInnen sollten sich intensiver damit

auseinandersetzen.

Was brauchst du zum Glück, oder was fehlt dir

zum Glück?

RH: Die Gelegenheit, mich hinter das Lenkrad

eines Oldtimers zu setzen, offene Straßen und alle

Zeit der Welt, um zu reisen und Orte in meinem

eigenen Tempo zu erkunden. Ich würde Erlebnisse

und Erinnerungen sammeln wie andere Postkarten

und Briefmarken. Ich würde all die Menschen

photographieren, die mir begegnen, und darüber

schreiben.

Welchen Traum möchtest du dir gerne noch

dieses Jahr erfüllen?

RH: Auf der Tour einige interessante Menschen

kennenzulernen und ein paar gute Gespräche zu

führen, bei den Shows im Publikum Gesichter zu

erblicken und zu spüren, dass dies ihr Moment ist,

wenn ein Lied ihnen das Gefühl gibt, dass sie alles

tun und erreichen können, und in der Lage zu sein,

vielen Leuten zu helfen, ihre Sorgen zu vergessen,

sie daran zu erinnern, wie es ist, zu lächeln und

zusammen mit anderen wirklich glücklich zu sein,

zu singen und feiern, wer wir gemeinsam sind. Das

mag sich wie ein Haufen bedeutungsloser Bullshit

anhören, aber wer mich gut kennt, weiß, dass mir

das wichtiger ist als irgendetwas sonst.

Alexandra via e-mail: Was könnte ein jeder

machen, damit die Welt ab morgen ein klein

wenig besser ist?

RH: Wenn ich es zweiteilen darf: Die Finanzmärkte

regulieren, bis diese Herrschaften nicht mal mehr

aufs Klo gehen können, ohne von jemandem

Erlaubnis erhalten zu haben. Und das Volk daran

erinnern, dass alle Macht bei ihm liegt, es muss sich

dessen nur bewusst werden und sie für das Gute

und zum Wohle der Menschen einsetzen.

Orkus! - 117


Impressionen (CS)

Wie in den vergangenen 13 Jahren, zog es die schwarzen Seelen am zweiten Augustwochenende zum Flugplatz Hildesheim-Drispenstedt, um

nicht nur einen sagenhaften Mix aus Szene-Musik jeglicher Couleur, sondern auch eine friedliche, familiäre Zusammenkunft sowie einen

neuen Besucherrekord zu feiern. Schon am frühen Freitagmittag hatten viele der insgesamt 25.000 Gäste ihre Zelte aufgeschlagen, das riesige

Gelände erkundet... und genossen abends bei altertümlichen Klängen den Charme des umfangreichen Mittelaltermarkts oder ließen sich

durch Lesungen von Christian von Aster, Boris Koch und Markus Heitz in andere Welten entführen.

Samstag, 10.08.

Obwohl einige bis spät in die Nacht die neue M’era Luna-eigene

Discothek eingeweiht hatten, dauert es am Vormittag nicht lange, bis

sich der staubige Boden vor der Main Stage merklich füllt. Spätestens

beim unmissverständlichen Startschuss der Leipziger Opera Metal-Band

molllust, die den Newcomerwettbewerb im Vorfeld für sich entscheiden

konnte, denkt niemand daran, den Schlafsack noch einmal über die

Ohren zu ziehen. Bei dem Talent, welches das aufgeweckte Trüppchen mit

Instrumenten und Stimme zeigt, wird sicher keiner mehr Metal-Klänge als

brachiale Gewaltausbrüche abtun wollen. Mit jeder Menge Energie legen

Lord Of The Lost nach. Dass die Gothic Rocker um Chris Harms von

den Festivalbühnen unserer Republik nicht mehr wegzudenken sind, zeigt

der enorme Andrang. Mit bemalten Oberkörpern feuern die Jungs einen Hit

nach dem anderen ins freudige Publikum. Bei Songs wie Black Lolita oder

Sex On Legs kleben die Blicke der überwiegend weiblichen Fans an Chris, der

sich vollends verausgabt und sein zerrissenes Shirt nicht allzu lange an seinem

durchtrainierten Körper tragen wird. Im Anschluss an diesen Augenschmaus

entlocken OST+FRONT dem Himmel ein paar erste Tränen. Doch auch

das hindert niemanden, den brachialen Neue Deutsche Härte-Klängen zu

frönen. Zwar haben die Berliner das Rad nicht neu erfunden, sieht man

doch Größen wie Rammstein oder Oomph! mit ähnlichem Sound vor dem

inneren Auge rocken. Dennoch schafft es die Truppe um Herrmann Ostfront

mit blutigen Outfits, auffälligen Showeinlagen und martialischen Nummern

wie Heimat Erde oder Heimkind, das Publikum bei Laune zu halten, zu

schockieren und zu polarisieren.

Währenddessen ist man auch an der Hangar Stage nicht untätig. Zwar

verheißen die Klänge von Rêverie alles andere als unbeschwerte Träumerei,

aber das adrette Quartett verleiht der Menge mit seinem finster angehauchten

Rock schnell Flügel. Und obwohl die Jungs um Sänger Max Leonhardt erst

seit Kurzem in den unergründlichen Tiefen der Szene mitmischen, wirkt es,

als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Mit einer gekonnten Mixtur aus

Electro, Industrial und Metal dauert es auch bei Desdemona nicht lange,

ehe sich die Menge der Musik hingibt und erste Tanzversuche unternimmt.

Nicht weniger ambitioniert geht es mit The Arch weiter, die von feinfühlig

zitternden Beats auf die Bühne begleitet werden. Als Vokalist CUVG die

Mannschaft komplettiert, kennen einige Fans kein Halten mehr. Zwar

dauert es heute etwas länger, bis der quirlige Fronter aus sich herausgeht,

doch spätestens beim Klassiker Babsi ist tot ist wieder alles beim Alten, und er

kreist in seiner hautengen Hose und der skurrilen schwarzen Felljacke seine

Hüften besser als manche Frau. Nun kann auch die Menge die Beine kaum

mehr stillhalten und steigert sich immer weiter bis zum Höhepunkt mit dem

Kracher Ribdancer.

Auf der Main Stage treiben derweil end of green ihr Unwesen und

schöpfen vor einer unüberschaubaren Menge wieder einmal aus dem Vollen.

Bei der Dynamik auf der Bühne, die deutlich signalisiert, wie viel Spaß die

118 - Orkus!


Lord Of The Lost (MG)

Jungs an ihrer Sache haben, dauert es nicht lange, bis der Funke überspringt.

tie me a rope... oder dead end hero heißen nur ein paar der Meilensteine eines

gut gewählten Sets. Etwas poppiger geht es mit mesh weiter, die ihre Fans

sofort auf ihrer Seite wissen. Mit seinem essenziellen Utensil – der Mütze –

ausgestattet, reißt Mark Hockings bereits bei den ersten Tönen von Adjust

Your Set in seinen Bann. Einmal der Bristoler Synthiepop-Band verfallen,

kommt hier keiner mehr los und lässt sich zu Krachern wie You Didn’t

Want Me und einigen neuen Stücken, darunter Born To Lie, leiten, bewegen

und führen. Jetzt, da alle Anwesenden warm getanzt sind, ist der richtige

Zeitpunkt für die gut gelaunten und energiegeladenen Saltatio Mortis

gekommen. Wie gewohnt schaffen es die Spielleute, ein enges Band zwischen

dem Treiben auf der Bühne und dem Auditorium zu knüpfen. Alea der

Bescheidene springt immer wieder in die Höhe, wirbelt über die Bretter und

heizt der Menge ordentlich ein. Kein Wunder, dass bei dieser Energie Lieder

wie Prometheus, Koma (bei dem sich die Fans die Hände reichen und eins

werden) oder Eulenspiegel (das die Menge aus tiefster Seele mitsingt) wahre

Selbstläufer sind. Auch für Überraschungsmomente ist gesorgt, denn heute

wird nicht nur die neue Single Wachstum über alles angestimmt und erläutert,

sondern auch MONO INC.s Martin Engler betritt bei Spielmannsschwur

die Bühne, um gemeinsam mit den Karlsruhern zu begeistern. Phantastisch!

Kontrastprogramm liefert unterdessen die Aggrotech-Brigade Eisenfunk

auf der Hangar Stage. Zum ersten Mal an diesem Tag wird es so voll in der

großen Flugzeugunterkunft, dass manchen BesucherInnen sogar der Einlass

verwehrt bleibt. Vor der Bühne zelebriert man ausgelassen die treibenden,

elektronischen Klänge des bayerischen Trios, das jeden Schritt der Menge

kontrolliert und sie erst nach rund 40 Minuten wieder aus der exzessiven

Tanzorgie entlässt. Wilde Lebensart bieten auch Cultus Ferox, die

anschließend die Bretter erobern. Mit ihrem Mittelalter Rock zielen sie in

eine ähnliche Kerbe wie ihre Kollegen von Saltatio Mortis und beweisen

unbändige Spiellust, die zu fesseln weiß. Mit feinem düsteren Synthiepop

folgen Diorama. In den vorderen Reihen ist es bereits eng und kuschelig,

doch heute möchte jeder dem Multitalent Torben Wendt und seiner

sympathischen Band so nahe wie möglich sein. Mit neuer Kurzhaarfrisur

schafft es Torben schnell, seinen Status als Mann mit tausend Gesichtern

zu verteidigen. Kaum einer begleitet Texte und Töne so gut mimisch und

gestisch wie er. Auch den Fans fällt es schwer, stillzuhalten, zumal zwei

Kracher – synthesize me und child of entertainment – schon in der ersten

Hälfte abgefeuert werden. Hat er gerade noch selbst am Rand mit den

Beinen gezuckt, steht Daniel Myer wenig später mit Haujobb persönlich

auf der Bühne und lässt direkt zu Beginn mit Let’s Drop Bombs die Bombe

platzen. Trotz langer M’era Luna-Abstinenz bringt der Mastermind die

Leute ohne Umwege zum Tanzen und Mitsingen und kann den Auftritt

als vollen Erfolg verbuchen. Nach so viel geerdeter Klangkunst wird es

dann mit Gothminister ganz schön skurril. Das norwegische Gespann

greift zwischen satten Metal-Riffs und ratternden Beats immer wieder in die

Trickkiste. Blutige, rauchende Kostüme, eine funkenspuckende Gitarre oder

eine umherflatternde Fledermaus... das sind nur ein paar der Dinge, welche

die Nordlichter aus ihrem imaginären Zauberhut ziehen. Ausgelassene

Stimmung ist da natürlich programmiert!

Zügellos wird auch auf der Main Stage gefeiert, denn The Crüxshadows

sind mit einer Extraportion guter Laune angereist. Die illustre Truppe

weiß genau, wie man einen Auftritt musikalisch und optisch ansprechend

gestaltet. Während Sänger Rogue Hits wie Quicksilver oder Klassiker wie

Winterborn und Birthday in die Menge schickt, ziehen die bandeigenen

Tänzerinnen mit ihrer perfekten Choreographie alle Blicke auf sich. Aber

auch der Frontmann selbst sorgt dafür, dass seinen Fans nicht langweilig

wird, macht die wildesten Figuren, lehnt sich weit ins Publikum und

klettert schlussendlich noch eine Runde auf den hohen Traversen herum.

end of green (MG)

Cultus Ferox (CS)

Saltatio Mortis (MG)

The Crüxshadows (MG)

Diorama (CS)

Haujobb (CS)

Gothminister (MG)


ASP (CS)

MONO INC. (MG)

ASP (CS)

Deine Lakaien (CS)

Nachtmahr (MG)

The Klinik (MG)

Deine Lakaien (CS) HIM (CS)

Noch etwas enger drängt man sich bei den Nächsten im Bunde. MONO

INC. feilen derzeit mit akribischer Genauigkeit an ihrer steilen Karriere und

befinden sich auch heute auf der Überholspur. Ein pompöses Intro gibt einen

Vorgeschmack auf das, was uns erwartet... und das ist durchaus einiges. Fast

ununterbrochen umjubelt, stürmt Martin Engler von einer Ecke zur anderen

und kann bei Hymnen wie After The War, Voices Of Doom oder Get Some

Sleep voll auf seine Fans zählen. Und auch wenn bei der ersten Single des

neuen Albums (Heile, heile Segen) der eine oder andere noch nicht so ganz aus

sich herausgeht, ist die Überraschung doch gelungen, als der ebenfalls neue

Hit Kein Weg zu weit gemeinsam mit Joachim Witt und echtem Kinderchor

präsentiert wird. Nach so viel Aufregung kommt es gelegen, dass Deine

Lakaien mit einem Akustikset die Gemüter ins Träumen versetzen. Teils

auf Decken sitzend oder liegend, teils stehend genießen die Fans Alexander

Veljanovs eindringliche und unverwechselbare Stimme, die von Ernst Horns

Kunststücken am Flügel begleitet wird. Ob Where you are, Over and Done

oder Return... hier sitzt wirklich jeder Ton, und jedes Wort, das Veljanov mit

andächtigem Blick und in sich ruhend in unseren Köpfen platziert, erzeugt

ganz eigene Bilder und Gedanken.

Nachdem die Hangar Stage für einen ungestörten Akustikauftritt von Deine

Lakaien ein Stündchen pausierte, erklingen bei Nachtmahr ganz andere

Töne. Bis zum Anschlag füllt sich der überdachte Kriegsschauplatz in

Windeseile, und der unbändigen Energie des Generals Thomas Rainer kann

sich keiner entziehen. Während die uniformierten Damen auf der Bühne

zunächst durch ihre Immobilität ein Statement setzen, wird in der Menge

wild getanzt, Hände in die Luft gerissen und lautstark mitgeschrien. Der

120 - Orkus!

Tanzdiktator kommandiert seine Untertanen gleich zu Beginn und lässt sie

bis zur letzten Sekunde nicht mehr los. Eine solch ausgelassene Stimmung

lässt man sich gerne diktieren, zumal auch fürs Auge im Verlauf der Show

noch einiges geboten wird! Um den ersten Tag im Hangar zu komplettieren,

stehen am späten Abend die Altmeister The Klinik auf der Agenda. Gewiss

nicht den üblichen Massengeschmack treffend, sind derartige Künstler bei

Festivals dieses Kalibers doch wirklich gern gesehene Gäste. Die beiden

Belgier halten ihre Gesichter mit weißen Masken bedeckt und treffen mit

Stücken wie Bite Now Bite, Hours + Hours oder ihrem wohl bekanntesten Hit

Black Leather den Nagel auf den Kopf. Sänger Dirk Ivens und sein Kollege

Peter Mastbooms beherrschen ihren Ausdruckstanz perfekt. Auch die Fans

tun es ihnen nach und zappeln, stampfen, trampeln, was der Boden aushält.

Ein gelungener Auftritt, der eine Mischung aus Kälte und Nostalgie durch

unsere Körper fahren lässt!

Nicht weniger namhaft nähern wir uns auf der Main Stage mit großen

Schritten dem ersten Finale. Doch zunächst fahren ASP eine bombastische

Show auf. Nebel bohrt sich während des Intros seinen Weg durch tiefblaue

Lichtkegel, bis die Band ins Licht tritt und das Spektakel mit rot glühenden

Stichflammen eröffnet wird. „Ihr schönen Menschen, ich habe mich seit

Wochen auf euch gefreut“, beteuert Asp. Seine Fans merken schnell, dass

sie ihm an diesem Abend besonders am Herzen liegen. Showtechnisch wird

jede Möglichkeit genutzt, um für staunende Mienen, leuchtende Augen und

nicht enden wollende Stimmungshochs zu sorgen. Von Nebelfontänen bei

Schwarzes Blut über einen Schneesturm und ein Meer aus Wunderkerzen

bei Und wir tanzten bis hin zu lodernden Flammen, die weit in den Himmel


auschen, bei Ich will brennen: hier bleibt kein Wunsch offen, keines der Tausenden

Fanherzen unbefriedigt, und am Ende sind Künstler wie Publikum gleichermaßen

glücklich. Noch völlig beflügelt vom gerade Erlebten, wird wenig später der Headliner

HIM auf der riesigen Hauptbühne unter Jubel begrüßt. Vor dem überdimensionalen

Heartagram-Logo zeigen die rockenden Finnen, dass sie trotz einer etwas längeren

Pause in den letzten beiden Jahren nichts verlernt haben. Kracher wie Wings of A

Butterfly, Right Here In My Arms (bei dem die Menge unbeirrbare Textsicherheit

beweist) oder Join Me verfehlen ihre Wirkung nicht, und Frauenschwarm Ville Valo

schafft es, ein gutes Maß an mysteriöser Unnahbarkeit und fannaher Sympathie zu

treffen. Auch wenn es etwas dauert, bis Band und Fans richtig miteinander warm

werden, steigert sich die Show allmählich zu einem Auftritt, den jeder lange in

Erinnerung behalten wird.

Sonntag, 11.08.

Nachdem bereits am ersten Festivaltag die Messlatte in Sachen Atmosphäre so hoch

angesetzt wurde, zeigt der zweite Tag schnell, dass er es damit problemlos aufnehmen

kann. Durch ihren melodischen Dark Metal locken Schwarzer Engel eine Vielzahl

von Gästen auf den Vorplatz der Main Stage und beweisen mit ihrer vielschichtigen

Musik, dass sie die Menge mitreißen können wie die ganz Großen. Mindestens

genauso viel Aufsehen erregen dann Unzucht mit ihren dunklen, energiegeladenen

Rockklängen. Vor der Bühne wird es nun um ein Weiteres voller und enger. Mit ihrem

unzüchtigen Sound katapultieren die Hannoveraner das Stimmungslevel schnell in

den grünen Bereich und bringen bei Stücken wie Nur die Ewigkeit oder Kleine geile

Nonne vor allem die vorderen Reihen zum Ausflippen. Mit dem Tanz der Zuckerfee

aus Tschaikowskis Der Nussknacker werden wir stilvoll vom unterhaltsamen Sextett

Coppelius begrüßt. Wer einmal einem Konzert der Herren beigewohnt hat, weiß,

dass sie mit ihrem multiinstrumentalen Metal und ihren mondänen Gewandungen

jede Menge Spiel, Spaß und Spannung verheißen: „Wir sind froh, Sie hier für

Festivalbedingungen zu so nachtschlafender Stund’ begrüßen zu dürfen!“ Zum Glück

ist jeder hellwach und guten Mutes, bei Stimmungsgaranten wie Bitten Danken

Petitieren oder Habgier vergnügt Beine, Hände und Köpfe tanzen zu lassen.

Wesentlich ruhiger und bedächtiger geht es unterdessen auf der Hangar Stage zu,

die neben einem Tisch, drei Stühlen und einem filigranen Kerzenständer, auf dem

die Lichtlein zaghaft zucken, nichts weiter benötigt. Die Halle ist gerammelt voll,

das Publikum sitzt in den bestuhlten Reihen, macht es sich auf dem Boden bequem

oder steht dicht an die Wände geschmiegt, als Asp mit Gitarrist Sören Jordan den

Schriftsteller der Stunde ankündigt, der uns heute aus seinen Arkadien- und Die

Alchimistin-Serien vorliest. ASP & Kai Meyer... ein kreatives Gespann, das die

Menge für eine gute Stunde fesselt, bewegt und zum Nachdenken bringt. Und so

begeben wir uns mit dem gebürtigen Lübecker auf die Reise durch eine Welt aus

raubkätzigen Gestaltwandlern und wenig später mit einer Unsterblichen auf die Suche

nach einem Mann mit sechs Fingern. Inspiriert von Sinn und Tiefe dieser Geschichten,

präsentieren ASP zwei Akustikstücke, darunter Die Löcher in der Menge, die einem

Gänsehaut bescheren. Eine wirklich hochwertige Darbietung! Auf dem schmalen Grat

zwischen Leben und Todessehnsucht wandern wir anschließend mit Eden Weint

Im Grab. „Hereinspaziert, meine Damen und Herren, Gespenster-Revue im Theater

Obszön“, tönt es, und jedem ist klar, dass wir es hier mit einer ganz besonderen Art

von düsterer Musik zu tun haben. Ein schaurig-morbides Gastspiel, das dem einen

oder anderen noch lange im Kopf herumspuken wird. Bombast beschallt den

Hangar wenig später bei In The Nursery. Die Briten brauchen nicht lange, um

zu zeigen, dass sie sich mit ihren sphärischen, allumfassenden Klangteppichen ganz

an der Spitze befinden. Während Klive Humberstone sich mit Leibeskräften an den

überdimensionalen Trommeln verausgabt, sie mal gefühlvoll streichelt, mal – mit dem

Rücken zu uns stehend – so stark bearbeitet, als wolle er wie ein Stier durch die Wand,

kreiert Vokalistin Dolores Marguerite C die passende stimmliche Untermalung. Ob

Hymn Noir, Bombed oder A rebours... In The Nursery sind der absolute Wahnsinn!

Obwohl mittlerweile ein paar Regentropfen vom Himmel fallen, lassen sich die

Fans vor der Main Stage ihre gute Laune nicht nehmen. Grund für das anhaltende

Stimmungshoch sind The 69 Eyes, die mit ihren langen Lederkutten wie vom

Wind getragen über die Bühne wehen und einen Hit nach dem anderen aus den Tiefen

ihrer dunklen Herzen in die Menge schicken. Klassiker wie Gothic Girl oder Sleeping

With Lions steigern die Atmosphäre immer mehr, und auch die Stücke des aktuellen

Albums X müssen sich nicht verstecken und werden beklatscht und bejubelt. Nach so

viel finnischem Goth’n’Roll reisen wir mit Tanzwut zurück ins Mittelalter, das sich

eines rockenden Gewandes erfreuen darf. Der Teufel und seine Mannen geben von der

ersten Sekunde an Vollgas und haben ihre Fans bald mit der Tanzkrankheit infiziert.

Glücklicherweise beschränkt sich diese auf das wilde Schwenken und Zusammenführen

der Hände, euphorisches Hin-und-her-Wiegen des Körpers sowie lautstarken Gesang

bei Titeln wie Bitte, Bitte oder Ihr wolltet Spaß. So ausgelassen und unbeschwert kann

man nur mit wahren Spielmännern zelebrieren! Dass die Feier hier noch lange nicht zu

Ende ist, wissen die Fans von Staubkind genau. Fronter Louis Manke stürmt voller

Energie den Schauplatz des Geschehens und legt mit Lieblingen wie Rette mich und

Nur ein Tag stark los. So manchem stehen beim Lauschen mehrmals die feinen Härchen

nach oben, denn an tiefgründiger und überschäumender Melancholie mangelt es den

Texten nicht. Trotzdem bleibt genug Raum, sich mit geschlossenen Augen fallen zu

lassen und von den rockigen Hymnen wie eine Feder im Wind getragen zu werden.

Tanzwut (CS)

ASP & Kai Meyer (MG)

The 69 Eyes (MG)

Coppelius (CS)

Unzucht (MG)

Impressionen (MG)


Clan Of

Xymox (CS)

Apoptygma

Berzerk (CS)

Front 242 (MG)

Zeromancer (CS)

BlutEngel (MG)

Nightwish (MG)

Front Line Assembly (CS)

Kirlian Camera (MG)

Wohlige Nostalgiegefühle schafft derweil auf der Hangar Stage Ronny Moorings

mit seinem Clan Of Xymox. Die vielen Interessenten an düsteren Klängen

dürfen mit Louise, A Day oder Jasmine & Rose gedanklich in die Vergangenheit

reisen und sich die gekonnten Sounds der ursprünglich niederländischen

Combo um die Ohren sausen lassen. Mastermind Ronny selbst zeigt sich wie

sein Publikum in Bestform, und schnell spürt man die Magie des Augenblicks,

die mehrfach aufflammt. Mit dem Shocking Blue-Cover Venus setzt der Clan

nicht zuletzt ein Zeichen, dass uns die gute alte Zeit nicht in Vergessenheit gerät.

Weniger sehnsüchtig im Gestern versunken, dafür um einiges schweißtreibender

geht es bei [:SITD:] zur Sache. Nach einem höchst vertrauten Intro, nämlich

Ennio Morricones The Ecstasy of Gold, mit welchem Metallica seit Dekaden

ihre Shows eröffnen, wird daran gefeilt, die Stimmungslage um ein Weiteres

zu steigern. Antreiber Carsten Jacek ist dabei nicht ganz unschuldig, fordert

er seine Fans mit Songs wie Laughingstock, Code:Red oder Richtfest doch zu

Höchstleistungen auf. Eine Kalkulation, die zu 100 Prozent aufgeht! Sind

maskierte Italiener eigentlich attraktiv? Natürlich, aber nur, wenn sich die

Powerfrau Elena Alice Fossi von Kirlian Camera unter einer der Masken

verbirgt. Glücklicherweise ist dies jetzt der Fall, und schon bald dürfen wir nicht

nur ihren wohlgeformten Körper, der sich heute in Hotpants, weiße Bluse und

lange Handschuhe hüllt, lasziv durch das perfekt abgestimmte Nebel-Licht-

Gemisch huschen sehen, sondern auch ihre kraftvollen Vocals zu Perlen wie

Eclipse, Nightglory oder Heldenplatz hören. Die anmutige Italienerin lässt es

sich nicht nehmen, ihre männlichen und weiblichen Fans zu bezirzen, sich wie

eine schwarze Katze anzuschleichen, um sie schlussendlich um den Verstand zu

bringen.

Französischer Chanson dringt auf der Main Stage mit Dominique, manchen

vorrangig aus der TV-Serie American Horror Story bekannt, an unsere

Ohren. Doch mit einem lauten Knall, der uns zurück auf den Boden des

Hildesheimer Flugplatzes bringt, befinden wir uns in der dynamischen Show

von Apoptygma Berzerk. Wenn man sich in der eng gedrängten Menge

umschaut, ist es für viele keine neue Information mehr, dass das M’era Luna

2013 mit 25.000 BesucherInnen restlos ausverkauft ist. Die geballte Ladung

Stimmenergie tönt daher bei Nummern wie Non-Stop Violence, Eclipse oder

Kathy’s Song nicht nur von der Bühne, sondern vor allem aus der wild feiernden

Menge. Diese bejubelt auch den neuen und doch altbekannten Hit Major Tom,

der uns völlig losgelöst in den schrägsten Tönen singen und wie beflügelt in

ferne Sphären gleiten lässt. Düster-melancholischen Electro Pop beschert uns

dann Aushängeschild Chris Pohl mit BlutEngel. Wie gewohnt mangelt es

nicht an Showelementen wie halb nackten, blutjungen Frauen, die nur darauf

warten, sich von den Klängen des Meisters auf die dunkle Seite ziehen zu lassen.

Und wenngleich es bei Lucifer oder You Walk Away ziemlich zur Sache geht und

die Menge kaum mehr zu halten ist, zeigt Herr Pohl, dass er auch anders kann:

Die emotionale Ballade Save Our Souls verzaubert jedes Fanherz.

Als würdiger Ersatz für IAMX, die ihren Auftritt wegen Erkrankung von Chris

Corner leider absagen mussten, stehen Zeromancer auf der Hangar Stage

bereit und werden unter Jubel begrüßt. „Schade, dass eine unserer Lieblingsbands

heute nicht hier sein kann“, bekundet Alex Møklebust sein Mitgefühl mit den

Fans. „Wir geben aber unser Bestes, um euch glücklich zu machen!“ Gesagt,

getan – und so stimmen der charismatische Norweger und seine Jungs den

IAMX-Kracher After Every Party I Die an. Eine wirklich schöne Geste! Natürlich

schlagen aber auch die eigenen Hits wie Sinners International, Doppelgänger I

love you oder Auf Wiedersehen Boy ein wie eine Bombe. Binnen weniger Minuten

füllt sich die Halle im Anschluss für den Headliner des zweiten Festivaltages.

Diese krönende Aufgabe ist niemand Geringerem als dem Szene-Urgestein

Front Line Assembly vorbehalten. Die Kanadier brauchen außer ihrer

Musik nicht viel, um ihre Fans glücklich zu machen. Die Tanzfraktion, die zu

Killing Grounds, Plasticity oder Mindphaser ausgelassen stampft, befindet sich

hierbei nicht nur an den Seiten der Halle, sondern nahezu überall, sodass sich

das Publikum schnell in ein großes, bebendes Etwas verwandelt, das nicht gewillt

ist, aufzuhören, ehe der letzte Ton verklungen ist. Bill Leeb und seine Crew

treffen auch heute noch den Nerv der Zeit und wissen ihre Fans zu begeistern.

Ein musikalisch exzellenter Abschluss!

Auch auf der Main Stage rückt das Ende immer näher. Doch zunächst stehen uns

noch zwei phänomenale Acts bevor, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Den Anfang machen die Urgesteine Front 242 und hüllen die Bühne in ein

Meer aus Nebel und rotem Licht, das fast wie eine Warnung eine aufregende

Show verheißt. Die erfahrenen Herren heizen ihren Fans mit stoischen Klängen

und stampfender Manier ordentlich ein, und vor allem seitlich der Bühne

marschiert man auf und ab, als gäbe es kein Morgen. Front 242 liefern einen

feinen Querschnitt durch ihre Historie... kühl, rhythmisch und energisch. Das

im Takt des EBM schlagende Herz bekommt mit Krachern wie Headhunter,

Quite Unusual oder Im Rhythmus bleiben genau das, wonach es dürstet. Um das

M’era Luna Festival 2013 zu beschließen, wird es bei Nightwish epischer

denn je. Eingeleitet wird die Show mit dem bombastischen Crimson Tide, das

die Spannung in der Menge so sehr aufbaut, dass ihr gar keine Wahl bleibt,

als sich bei Dark Chest Of Wonders vollends zu entladen. Begeisterung strömt

in ungehaltenen Lauten vom Flugplatzgelände vermutlich noch bis in die

umliegenden Ortschaften, als Live-Frontfrau Floor Jansen die Bühne betritt

und sich rasch herausstellt, dass sie ihren Vorgängerinnen stimmlich in nichts

nachsteht. Kein Wunder, hat sie doch mit After Forever ausreichend Erfahrung

gesammelt. Die schnellen, kreisenden Bewegungen ihres Kopfes beim Schütteln

ihrer langen Haarpracht machen den einen oder anderen Metaller neidisch und

versetzen das Publikum immer wieder in Staunen. Showtechnisch hat man hier

an nichts gespart, und so sind Feuerfontänen und lodernde Flammen genauso

enthalten wie wunderbare Leinwandanimationen, die einen regelrecht in andere

Welten katapultieren. Ein Gänsehautmoment jagt den nächsten; speziell wenn

Floor die hohen Oktaven singt, fahren einem wohlige Schauer über den Rücken

oder manchem vor Rührung die Tränen in die Augen. Songtechnisch wird auf

alte Stimmungsgaranten wie She Is My Sin, Ever Dream oder Bless The Child

genauso gesetzt wie auf neuere Werke wie Amaranth, Storytime oder Last Ride Of

The Day. Ein Wahnsinnserlebnis! Besser hätte man das M’era Luna wohl nicht

beschließen können.

Text: Tanja Pannwitz

Photos: Michael Gamon (MG) & Claudia Schöne (CS)

122 - Orkus!


BONAPARTE

Nine Inch Nails

Bald liegt die Open Air-Saison schon wieder hinter uns. Doch bevor es Zeit ist, das eine oder andere Tränchen zu verdrücken, ging es für rund

40.000 Festivalfans noch einmal bergauf, und viele waren dankbar, dass die Veranstalter von Rock am Ring in diesem Jahr ein weiteres Event

aus dem Ärmel geschüttelt haben, welches folgerichtig auch an einer Motorsportrennstrecke – dem Hockenheimring – stattfand. Lasset uns

gemeinsam in Erinnerungen schwelgen, denn wir feierten eine Premiere: The Rise of Rock’n’Heim.

Freitag, 16.08.

„Wir alle sind dabei, wenn hier ein neues Rockfestival entsteht!“ So fällt

der Startschuss des ersten Rock’n’Heim durch Moderatorin Daniela Hilpp

auf der großen Evolution Stage. Obwohl einige den Weg nach Hockenheim

noch finden müssen, springen sich die Anwesenden bereits bei Zebrahead

warm. Die kalifornischen Jungs zeigen schnell, wo die Messlatte in Sachen

guter Stimmung hängt, wetzen über die Bühne, prügeln ihre Gitarren und

lassen ein Schlauchboot durch die Menge schippern. Wenig später sorgen

die kunterbunten BONAPARTE mit ihrer ausgeflippten Performance

für Aufsehen. Ob ein sinkendes Schiff, Hasen, Einhörner, bunte Farben

oder nackte Körper... das Trüppchen aus Berlin stachelt die immer größer

werdende Menge durch seine Freakshow und nicht zuletzt Kracher wie Anti

Anti zu Höchstleistungen an.

Mit der Titelmelodie von Ghostbusters eröffnet die selbst ernannte beste Band

der Welt ihren heiß ersehnten Auftritt. Um keinen Spruch verlegen und

mit Berliner Attitüde, katapultieren die ärzte ihre Fans in den Olymp

der guten Laune. Nebenwirkungen sind programmiert... Jubelstürme,

ausgelassenes Tanzen, propellerartiges Schwenken von Kleidungsstücken und

nicht enden wollende Circlepits. „Wenn ich mit Freunden abhänge, labere

ich gerne mal ein bisschen“, scherzt Bela B und überbietet sich immer wieder

mit Frontsänger Farin Urlaub, der sich ebenfalls mehrmals ans Publikum

richtet. Natürlich gibt es neben der regen Kommunikation im zweistündigen

Set auch ein paar Hits zu vernehmen, darunter Hurra, Unrockbar oder Junge.

Anschließend ist es Aufgabe der Headliner Volbeat, die Bühne zu zerlegen.

Mit Hallelujah Goat schaffen die Dänen einen fulminanten Start und fesseln

die Menge sofort. Speziell Michael Poulsens Stimme brennt sich bei Songs wie

Lola Montez oder dem Rock’n’Roll-Kracher 16 Dollars in Kopf und Ohr. Und

während die Herren auf den Brettern immer weiter aufdrehen, verwandelt

sich der Vorplatz in einen brodelnden Kessel, in dem gesprungen wird, Fäuste

in die Luft fliegen und Frauen von ihren Männern auf den Schultern getragen

werden. Ein gelungenes Finale!

Auch auf der kleineren der beiden Bühnen, der Revolution Stage, zelebriert

man seit dem späten Abend mit Robert DeLong, den Indie Rock-Helden

Franz Ferdinand, welche mit Krachern wie Do You Want To, Michael oder

This Fire aufwarten, und Knife Party bis tief in die Nacht.

Samstag, 17.08.

Vor einem noch etwas kleineren Grüppchen eröffnen Long Distance

Calling den zweiten Festivaltag und locken mit satten Gitarrenklängen

und einer düsteren Grundatmosphäre immer mehr BesucherInnen vor

die Evolution Stage, wo sie sich schon einmal warm rocken. Das ist auch

notwendig, denn Enter Shikari drehen im Anschluss richtig auf. „Wir

kommen vom Planeten Erde“, behaupten die „Trancecore“-Pioniere. Doch

wer die Jungs erlebt hat, weiß, dass so viel schräge Energie niemals irdischen

Ursprungs sein kann. Sänger Roughton Reynolds rennt wie ein Irrer durch

die Menge, lässt sich auf Händen tragen, stellt sich auf die Wellenbrecher

und verbringt die meiste Zeit des Auftritts schreiend und ausflippend im

Publikum. Genial! Nicht weniger namhaft, dafür aber etwas gesitteter, jedoch

mit genauso viel Spaß geht es bei den Schotten von Biffy Clyro und

anschließend den Deftones in eine weitere Runde aus Synchronspringen

und Crowdsurfing.

Auch auf der Revolution Stage wird heute vergleichsweise früh gestartet.

124 - Orkus!


die ärzte

Nine Inch Nails

System Of A Down

Heaven Shall Burn

Volbeat

Enter Shikari

Acts wie Oliver Koletzki, Lexy & K-Paul, Sub Focus oder Boys

Noize sorgen für Kontrastprogramm und unterstreichen die musikalische

Artenvielfalt des Festivals. Nicht weniger Aufmerksamkeit genießen am

späten Abend Casper, der ordentlich Laune garantiert, sowie Nero, die

dem Publikum seine letzten Kräfte entlocken.

Vor der Evolution Stage wird es unterdessen bei den spaßigen Tenacious D

ganz schön eng. Das zunächst in Kutten gehüllte Duo stimmt Rize of the Fenix

an, postiert sich vor dem überdimensionalen, phallusförmigen Vogel und setzt

in puncto Atmosphäre neue Maßstäbe. Die Menge ist schier am Ausflippen,

als Nummern wie The Metal, Tribute oder Fuck Her Gently ertönen. Mit

trockenem Humor und einigen Showeinlagen verwandeln die Multitalente

die Bretter rasch in einen riesigen Spielplatz. Ungeduldig erwartet man im

Anschluss System Of A Down, die den Samstag perfekt beenden sollen.

Stürme aus Anfeuerungsrufen holen die armenisch-amerikanische Combo auf

die noch in einen dunklen Schein gehüllte Bühne. Es ist kaum zu fassen,

wie stark sich die Spannung entlädt, als das unter die Haut gehende Aerials

beginnt. Bei allem, was jetzt folgt, wird getanzt, gebangt und aus tiefster Kehle

mitgesungen. Vor allem der sich aus über 30.000 Stimmen aufbauende Chor

beim Klassiker Chop Suey! toppt in Sachen Gänsehautatmosphäre einfach

alles. Phänomenal und unvergesslich!

Sonntag, 18.08.

Vor einem riesigen, im Universum taumelnden Kreuz mischt die Metalcore-

Band Callejon die Menge am Morgen ordentlich auf. Mit Liedern wie

Blitzkreuz oder ihren Covern Schwule Mädchen (Fettes Brot) und Schrei

nach Liebe (die ärzte) sorgen die Düsseldorfer nicht nur für wippende Köpfe,

sondern initiieren sogar die erste offizielle Wall of Death dieses Festivals. Bei

ersten Regentropfen übernehmen AWOLNATION das Ruder, wissen sich

dank ihrer Fusion aus Pop, Rock, Hip Hop und Funk sowie gut gelaunter

Fans stimmungsmäßig auf der sicheren Seite. Mit musikalischem Würgegriff

legen Kvelertak nach und verschaffen der wild feiernden Menge Luftnot

im positiven Sinne. Und obwohl wir uns heute längst im Metal-Genre

befinden, packen Heaven Shall Burn noch etwas an Härte obendrauf.

Der charismatische Fronter Marcus Bischoff stiftet direkt die ersten Circlepits

an, die sich immer mehr steigern und letztlich in einem so vernichtenden Kreis

enden, dass selbst weit abgelegene Publikumsbereiche erfasst werden. Seine

Mutter schaue sich den im Fernsehen übertragenen Auftritt an; nun könne

der Thüringer ihr endlich beweisen, wie gut das Klima ist. Ob Frau Mama

sich an Krachern wie Endzeit oder Black Tears genauso erfreut wie die Fans

der Band? Stolz kann sie auf ihren Sprössling allemal sein. Kontrastprogramm

liefern dann die gut gelaunten Jungs von Kraftklub, die sich mit Ritalin/

Medikinet oder Melancholie in die Herzen rocken.

Susanne Blech, Baauer, Modestep und Marteria legen derweil

die Revolution Stage durch schallende Klänge und zum Teil berauschend bunte

Farbmeere in Schutt und Asche. Bevor Peter Fox mit Seeed das Spektakel

auf der kleineren Bühne beendet, wird auf der Evolution Stage noch mal großes

Geschütz aufgefahren. Mit einem exklusiven Konzert haben sich Nine Inch

Nails angekündigt, die von den Leuten sehnsüchtig erwartet werden. Vor

dem weißen Nichts erscheint plötzlich Mastermind Trent Reznor, regelt

ein paar Sounds und stimmt alleine Copy of A an, bis nach und nach seine

Live-Musiker dazustoßen und Bild und Ton komplettieren. Die Show kann

beginnen! Wie durch Geisterhand werden kleinere Leinwände immer wieder

neu platziert, sodass stets ein anderes Bühnenbild aus Farben, Formen und

Lichtern entsteht. Doch nicht nur optisch schöpfen die Herren aus dem

Vollen, auch musikalisch wird ein riesiges Fass geöffnet. Von March Of The

Pigs und Terrible Lie über Closer und Wish bis hin zu neuen Stücken à la Find

My Way – die Fans fressen dem Genius aus der Hand und feiern dieses perfekte

Schauspiel. Mit dem Klassiker Hurt entlocken wir dem Gespann sogar eine

Zugabe, und keiner kann sich dem überwältigenden Gänsehautschauer

entziehen, als die Menge zusammen mit Trent in die Nacht singt. Fulminant

und ergreifend!

Text: Tanja Pannwitz

Photos: Michael Gamon

Orkus! - 125


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vermisse ich dich, und der Schmerz treibt mich voran.

Schon seit tausend Jahren suche ich dich in jeder

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dich. Bin 42 Jahre, 63 kg und ein Romantik-Goth.

Habe nichts gegen kleine Fledermäuse. Bin Vegetarier

und liebe Schwarz in Schwarz. Wenn du dich

angesprochen fühlst und auf schwarze Rosen stehst,

ein Leben in der Dunkelheit, dann schreibe mir. Meine

Musen sind: Blutengel, Indica, Faun, Subway To Sally

und Unheilig. Würde mich über eine Antwort von dir

freuen. Chiffre: 13/10/02

Mit 46 Jahren und einer ewigen Suche, ist es an der

Zeit, es mal hier zu versuchen. Bin männlichen

Geschlechts, 190 cm lang und schlank. Wohnhaft in

Ostthüringen und durch meinen Job auch relativ

ortsgebunden. Möglicherweise sind wir uns ja schon

einige Male über den Weg gelaufen, hatten aber

einfach keine Augen füreinander. Das könnte sich jetzt

ändern. Trau Dich! Ich habe es ja auch gemacht. SMS

an: 0179-4173438

Einsame treue Seele, männlich, 39 Jahre, 167 cm, ca.

100 kg, blaue Augen, braune, kurze Haare, sucht eine

Frau, die Lust hat, mich aus der Einsamkeit zu befreien.

In meiner Freizeit treffe ich mich gerne mit Freunden.

Sehr gern gehe ich auf Konzerte oder auch mal auf

Festivals. Musik höre ich: Gothic, EBM und Electro. Je

nach Stimmung mag ich auch Mittelalter oder Metal.

Wenn es dir auch so geht wie mir und du aus

Leverkusen plus 100 km kommst, und keine Lust mehr

auf einsame Stunden hast, würde ich mich freuen, dich

kennenzulernen: Chiffre: 13/10/03 oder 01578-

3606454

Verrückte Sie, 35 Jahre jung, lange schwarze Haare,

tätowiert und gepierct, sucht IHN – gern langhaarig,

ist aber kein Muss. Du solltest höchstens 45 Jahre alt

sein und aus dem Raum Niedersachsen kommen, um

späteres Kennenlernen zu erleichtern. Alle anderen,

egal ob männlich oder weiblich, können aber ebenso

zum Stift greifen. Bin auch an ehrlichen Brieffreundschaften

interessiert und freue mich über jeden neuen

Kontakt. Chiffre: 13/10/04

Lindenstraße

... dark dreams. www.netvel.de

Kostenlose Kleinanzeigen

Private Kleinanzeigen sind kostenlos. Eine Chiffreanzeige kostet 1,45 Euro

(bitte eine deutsche Briefmarke à 1,45 Euro beilegen) und erscheint

voraussichtlich in der November-Ausgabe, sofern sie bis spätestens Freitag,

den 27.09.2013, bei uns eingetroffen ist. Es gilt die Höchstwortzahl

von 300 Wörtern. Gewerbliche Kleinanzeigen werden nicht berücksich tigt.

Kleinanzeigen gerne auch per e-mail: kleinanzeigen@orkus.de

Orkus! • „Kleinanzeigen“ • Postfach 1121

61477 Glashütten/Taunus

Antworten auf Chiffreanzeigen verseht Ihr bitte außen auf dem Umschlag mit der

betreffenden Chiffrenummer. Aber bitte deutlich und groß!!! Wir leiten die Briefe

dann an den jeweiligen Empfänger weiter. NUR gewöhnliche Briefe.

bis 100 Zeichen = 29,00

von 101–130 = 34,90

von 131–140 = 39,90

von 141–150 = 44,90

von 151–160 = 49,90

Gewerbliche Kleinanzeigen:

von 161–170 = 54,90

von 171–180 = 59,90

von 181–190 = 64,90

von 191–200 = 69,90

Preise in Euro inkl. 19% MwSt.! Zahlbar per Vorauskasse,

Rechnung folgt nach Geldeingang.


5 Abo-Werbe-Geschenke

Bei Abschluss eines Werbe-Abos über ein Jahr erhält der Werbende eine Prämien-CD seiner

Wahl, eine CD nach unserer Wahl plus einen der folgenden Artikel nach seinem Wunsch:

Bei Abschluss eines Werbe-Abos über zwei Jahre kann sich der Werbende zwei Extra-Prämien aussuchen!

Bei Abschluss eines Werbe-Abos für ein halbes Jahr erhält der Werbende keine Extra-Prämie!

1.

Extra-Prämien

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten!

Ganz einfach:

Der neue Orkus!-Abonnent und der Prämienempfänger dürfen nicht identisch sein. Die Prämien erhaltet Ihr nach Bezahlung mit

separater Lieferung. Dieses Angebot gilt nicht für Geschenk-Abonnements sowie ein Abo ohne Werber.

Du musst selbst kein Abonnent sein, um einen neuen Abonnenten zu werben.



Achtung! Das Abo verlängert sich NICHT automatisch und muss NICHT gekündigt werden.

Bei eventuell auftauchenden Fragen ist für Euch Kerstin unter abo@orkus.de zu erreichen.

Bildband von Andy Julia

Ideal

oder

Madeleine Le Roy

Kalender 2013

oder

Katze „Whisky“

(süßer Plüsch-Anhänger, ca. 12 cm)

Leichter als gedacht!

Ja, hiermit abonniere ich Orkus! ab Ausgabe

für ein halbes Jahr (5 Ausgaben)

zum Preis von

Abo (ohne Werber)

24,95 Euro (1/2 Jahr, D)

49,90 Euro

(1 Jahr, D)

für ein Jahr (10)

38,95 Euro (1/2 Jahr, Europa)

99,80 Euro

(2 Jahre, D)

Werbe-Abo

77,90 Euro

(1 Jahr, Europa)

für zwei Jahre (20)

59,90 Euro (1/2 Jahr, Welt)

Geschenk-Abo

119,00 Euro

(1 Jahr, Welt)

oder

Mütze SAW VII

oder

„wichtig card“

oder

Bildband von Felix Flaucher

Under Your Skin

Werbe-Abo

Prämienempfänger

(Adresse des Werbenden):

Geschenk-Abo

Adresse des Schenkenden:

Telefon (bitte Nummer des

Schenkenden für Rückfragen angeben)

Adresse des Abonnenten/Geworbenen/Beschenkten

oder

Lyrikband

Gedanken 2

oder

DJ-Single von Project Pitchfork

Beholder

oder

DJ-Single von Samsas Traum

Auf den Spiralnebeln

Name

Straße

PLZ

Ort

2.

Wunsch-CDs

Land

Geburtstag

e-mail

Beruf

Ort, Datum

Unterschrift

Telefon (bitte für Rückfragen angeben)

Newsletter-Aufnahme

ASP

MASKENHAFT –

Ein Versinken in elf Bildern

Covenant

Leaving Babylon

In Extremo

Kunstraub

Ich habe

den Abo-Betrag als Scheck beigelegt

den Abo-Betrag überwiesen

(bitte eine Kopie des Überweisungsscheines beifügen)

1.

Meine Extra-Prämie:

Bestellen unter www.orkus.de

oder einsenden an:

Orkus!, Stichwort: „Abo”,

Postfach 1121, 61477 Glashütten/Taunus

e-mail: abo@orkus.de

Kreissparkasse Waiblingen:

Claus Müller, Konto Nr. 203 35 01, BLZ 602 500 10

Zusatz für Auslandsüberweisungen:

BIC/SWIFT: SOLADES1WBN

IBAN: DE63 6025 0010 0002 0335 01

Ministry

From Beer To Eternity

MONO INC.

Nimmermehr

Samsas Traum

Best Of ·

Leben bedeutet kämpfen

2.

Meine Wunsch-CD ist (bitte unbedingt mindestens 5 Titel zur Wahl angeben):

A)

D)

B)

C)

E)

F)

VNV Nation

Transnational

Buch:

Die echte, inoffizielle,

geheime Biografie von HIM

Buch:

Kranke Geschichten

3.

5.

Orkus-Postkarte

(schwarz)

Orkus

Wir legen noch 1 CD drauf! Kreuze einfach Deine Dark Wave

bevorzugten Musikrichtungen (mind. 2) an: Electro/Industrial

Synth Pop

Mittelalter

Die Abo-Prämien gelten nur für Abos, die über das Orkus! Magazin und nicht über eine Zweitfirma (amazon...) abgeschlossen werden.

Dark Metal

Gothic

egal

Noch einfacher geht es unter www.orkus.de... und das ganz ohne Briefmarke!

4.

Mono Inc.-

Flaschenöffner

Orkus! - 127


Aesthetic Perfection

20.09. Erfurt, HsD

21.09. Dresden, REITHALLE STRASSE E®

22.09. Berlin, C-Club

Orkus! präsentiert:

Alcest

Hexvessel

The Fauns

05.10. Wiesbaden, Schlachthof

09.10. Saarbrücken, Garage

10.10. Köln, Live Music Hall

11.10. Hamburg, Markthalle

12.10. Hamburg, Markthalle

16.10. CH-Pratteln, Z7

17.10. Stuttgart, Theaterhaus

18.10. München, Muffathalle

19.10. A-Wien, Arena

04.10. Leipzig, der ANKER

05.10. Berlin, C-Club

01.11. Erfurt, HsD

02.11. München, Backstage

13.12. Hannover, MusikZentrum

Orkus! präsentiert:

Dornenreich

18.10. Hamburg, O 2

World

19.10. Berlin, O 2

World

HENKE

25.10. Bayreuth, Rosenau

Orkus! präsentiert:

HIM

Avenged Sevenfold

12.11. Hamburg, Sporthalle

14.11. München, Zenith

15.11. Frankfurt/M., Jahrhunderthalle

17.11. Bochum, RuhrCongress

17.01. A-Wien, ((szene))

18.01. München, Backstage

19.01. CH-Luzern, Konzerthaus Schüür

21.01. Köln, GEBÄUDE 9

22.01. Berlin, Lido

Orkus! präsentiert:

Ally the Fiddle

02.11. Schwerin, DER SPEICHER

14.11. München, GARAGE deluxe

15.11. Reichenbach im Vogtland,

Bergkeller

16.11. Affalter, Gasthof zur Linde*

19.11. Dresden, Club Puschkin

21.11. Rostock, MAU Club

22.11. Berlin, K17

23.11. Leipzig, Tonelli’s

09.01. Frankfurt/M., Nachtleben

10.01. Aachen, Jakobshof

11.01. Siegburg, KUBANA Live Club

07.02. Havetoftloit, Land-Art

*Support für Crematory

Amorphis

05.11. Köln, Essigfabrik

06.11. Bochum, Zeche

07.11. Ludwigsburg, Rockfabrik

08.11. München, Backstage

09.11. Frankfurt/M., Batschkapp

21.11. Saarbrücken, Garage

22.11. Dresden, Tante JU

28.11. Osnabrück, Hyde Park

04.12. Hamburg, Markthalle

And One

05.10. Hamburg, Grosse Freiheit 36

19.10. Dresden, Alter Schlachthof

27.10. Hannover, Capitol

09.11. München, Backstage

16.11. Köln, Theater am Tanzbrunnen

30.11. Leipzig, Haus Auensee

07.12. Magdeburg, Factory

13.12. Berlin, C-Halle

14.12. Berlin, C-Halle

Apocalyptica & Avanti! Chamber

Orchestra

17.03. Hamburg, CCH

18.03. Berlin, Tempodrom

Orkus! präsentiert:

ASP

20.09. Potsdam, Waschhaus

21.09. Magdeburg, Altes Theater

25.09. Oberhausen, Turbinenhalle

26.09. Osnabrück, Halle Gartlage

27.09. Bremen, Aladin

28.09. Leipzig, Haus Auensee

02.10. Gießen, Hessenhalle

03.10. Erfurt, Stadtgarten

04.10. Dresden, Alter Schlachthof

BerlinskiBeat

04.10. Hannover, Béi Chéz Heinz

Black Veil Brides

22.11. Köln, Essigfabrik

01.12. Hamburg, Grünspan

03.12. Berlin, C-Club

06.12. München, Theaterfabrik

Blood on the Dance Floor

07.11. Heidelberg, Karlstorbahnhof

08.11. Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld

10.11. Hamburg, Knust

Bullet For My Valentine

09.12. Köln, Palladium

Nick Cave & the Bad Seeds

10.11. Hamburg, Sporthalle

12.11. Düsseldorf,

Mitsubishi Electric HALLE

13.11. Offenbach, Stadthalle

21.11. München, Zenith

Children Of Bodom

29.09. Hamburg, Markthalle*

01.10. Köln, Live Music Hall*

02.10. Berlin, Postbahnhof*

03.10. Osnabrück, Halle Gartlage*

05.10. Leipzig, Werk II*

17.10. Saarbrücken, Garage*

18.10. Straubing, Messeareal

(Metal Invasion)*

19.10. Alsfeld, Stadthalle*

21.10. Stuttgart, LKA/Longhorn*

24.10. CH-Pratteln, Z7**

07.11. CH-Lausanne, Les Docks**

10.11. A-Wien, Arena**

*mit Insomnium & Medeia

**mit Decapitated & Medeia

.com/kill

04.10. Frankfurt/M., Das Bett

09.11. Augsburg, Kantine

11.01. Hamburg, Markthalle

Covenant

20.09. Erfurt, HsD

21.09. Dresden, REITHALLE STRASSE E®

22.09. Berlin, C-Club

Cultus Ferox

03.10. München, Feierwerk

04.10. Ingolstadt, eventhalle Westpark

05.10. Annaberg-Buchholz, Alte Brauerei

DAF

25.10. Bochum, Bahnhof Langendreer

26.10. Hamburg, Markthalle

15.11. Berlin, K17

28.03. Wiesbaden, Schlachthof

29.03. München, Feierwerk

Depeche Mode

23.11. Hannover, TUI Arena

25.11. Berlin, O 2

World

27.11. Berlin, O 2

World

01.12. Erfurt, Messehalle

03.12. Bremen, ÖVB-Arena

05.12. Oberhausen,

König-Pilsener-ARENA

04.02. Mannheim, SAP Arena

08.02. A-Wien, Stadthalle

12.02. Dresden, Messehalle

TICKETS: www.orkus.de

– unter „Tourdaten“!

De/Vision

02.10. Bochum, Matrix

03.10. Frankfurt/M., Batschkapp

30.04. Stuttgart, Club Zentral

01.05. Losheim am See, Hexentanz

02.05. Köln, Die Werkstatt

03.05. Leipzig, Theater-Fabrik-Sachsen

04.05. Hamburg, Markthalle

05.05. Berlin, K17

06.05. Frankfurt/M., Nachtleben

08.05. München, Backstage

09.05. A-Wien, ((szene))

10.05. CH-Zürich, Alte Kaserne

EF

05.10. Hamburg, Haus III&70

07.10. Hannover, Béi Chéz Heinz

08.10. Oberhausen, Druckluft

09.10. Wiesbaden, Kulturpalast

10.10. CH-Bern, ISC CLUB

11.10. CH-Aarau, KiFF

12.10. Stuttgart, Universum*

13.10. Aachen, Musikbunker*

15.10. Dresden, scheune

16.10. Erfurt, Engelsburg

17.10. Osnabrück, Kleine Freiheit

01.11. A-Ebensee, Kino

02.11. A-Innsbruck, p.m.k

04.11. Leipzig, UT Connewitz

05.11. Berlin, Magnet Club

*mit Turbostaat

Eisbrecher

27.11. Hamburg, DOCKS

28.11. Köln, Live Music Hall

29.11. Bielefeld, Ringlokschuppen

30.11. Berlin, Huxleys Neue Welt

05.12. Nürnberg, Löwensaal

06.12. Leipzig, Werk II

07.12. Stuttgart, LKA/Longhorn

12.12. Langen, Neue Stadthalle

14.12. München, TonHalle

Empyrium

Duncan Evans

22.11. Berlin, Passionskirche

end of green

17.10. Nürnberg, HIRSCH

18.10. Berlin, C-Club

19.10. Dresden, Tante JU

25.10. München, Backstage

26.10. Aschaffenburg, Colos-Saal

01.11. Bochum, Matrix

02.11. Hamburg, Knust

08.11. Osnabrück, Rosenhof

09.11. Köln, Underground

16.11. Stuttgart, LKA/Longhorn

EYCROMON

05.10. Berlin, K17 (Benefiz for Kids)

09.11. Fürth, KOPFundKRAGEN

(Kontrastmittel)

15.11. Augsburg,

„Nights in Metropolis“

Fields of the Nephilim

Merciful Nuns

28.11. Hamburg, Markthalle

29.11. Berlin, Postbahnhof

30.11. Leipzig, der ANKER

01.12. Köln, Live Music Hall

Forced To Mode

04.10. Teltow, Stadtfest

26.10. Schwarzheide, NARRENHOF®

02.11. Guben, WerkEins

23.11. Aschaffenburg, ANNA

Peter Gabriel

11.10. Leipzig, Arena

13.10. Stuttgart, Schleyer-Halle

16.10. Düsseldorf, ISS DOME

06.10. Hamburg, Grosse Freiheit 36

07.10. Berlin, Huxleys Neue Welt

08.10. Wiesbaden, Schlachthof

11.10. Leipzig, Haus Auensee

17.10. München, Kesselhaus

18.10. Köln, E-Werk

Hurts

10.11. Berlin, Velodrom

11.11. München, Zenith

13.11. Düsseldorf,

Mitsubishi Electric HALLE

14.11. Frankfurt/M., Jahrhunderthalle

15.11. Hamburg, Sporthalle

18.11. CH-Bern, Festhalle BERNEXPO

20.11. B-Brüssel, Ancienne Belgique

21.11. NL-Utrecht,

Vredenburg Leidsche Rijn

22.11. LUX-Esch-sur-Alzette, Rockhal

IAMX

02.10. Hamburg, Grünspan

04.10. Köln, Essigfabrik

16.10. Dresden, beatpol

17.10. München, Backstage

In Extremo

19.10. PL-Warschau, Progresja

21.10. Lingen, Alter Schlachthof

22.10. NL-Eindhoven, Dynamo

23.10. F-Paris, Trabendo

24.10. LUX-Esch-sur-Alzette, Rockhal

25.10. Köln, E-Werk

26.10. Hannover, SwissLife Hall

01.11. Hamburg, Sporthalle

02.11. Leipzig, Haus Auensee

09.11. Stuttgart, Porsche-Arena

10.11. CH-Zürich, Komplex N o 457

15.11. Weissenhäuser Strand,

Ferienpark (METAL HAMMER

PARADISE)

16.11. Berlin, C-Halle

21.11. CZ-Zlín, Masters of Rock Café

22.11. A-Wien, Gasometer

23.11. München, Zenith

28.11. Mainz, Phönix-Halle

29.11. Erfurt, Thüringenhalle

30.11. St. Ingbert,

Mechanische Werkstatt

13.12. Geiselwind, EventHalle

(Christmas Metal Festival)

14.12. Ilsenburg, Harzlandhalle

Orkus! präsentiert:

Letzte Instanz

16.10. Würzburg, Posthalle

19.10. Dresden, EVENTWERK

26.12. Jena, F-Haus

27.12. Hannover, MusikZentrum

28.12. Mannheim, Alte Seilerei

29.12. Ingolstadt,

eventhalle Westpark

MONO INC.

28.11. Berlin, Huxleys Neue Welt

29.11. Bremen, Aladin

30.11. Oberhausen, Turbinenhalle

05.12. Köln, Live Music Hall

06.12. Bielefeld, Ringlokschuppen

07.12. Hamburg, Markthalle

Schickt bitte alle Eure Tourdaten für die nächste Ausgabe bis spätestens Freitag, 27.09.2013, an e-mail: tourdates@orkus.de

128 - Orkus


12.12. Nürnberg, HIRSCH

13.12. Kaiserslautern, Kammgarn

14.12. Stuttgart, LKA/Longhorn

15.12. Frankfurt/M., Batschkapp

Motörhead

26.11. Berlin, Velodrom

27.11. Frankfurt/M., Jahrhunderthalle

29.11. Stuttgart, Schleyer-Halle

30.11. München, Zenith

02.12. Düsseldorf,

Mitsubishi Electric HALLE

03.12. Hamburg, Sporthalle

MS MR

09.11. Frankfurt/M., Gibson

10.11. Köln, Live Music Hall

12.11. Hamburg, Kampnagel [k6]

13.11. Berlin, Astra Kulturhaus

14.11. München, Theaterfabrik

Negurǎ Bunget

03.10. Essen, turock

06.10. Osnabrück, Bastard Club

09.10. München, Backstage

10.10. Berlin, K17

22.11. Hohenstein-Ernstthal,

Schützenhaus

(Autumn from Hell Festival)

23.11. Erfurt, Club From Hell

Orkus! präsentiert:

New Model Army

01.10. Münster, Jovel Music Hall

02.10. Hamburg, Markthalle

03.10. Berlin, Huxleys Neue Welt

04.10. Hannover, Capitol

05.10. Rostock, MAU Club

12.10. Dresden, beatpol

15.10. A-Wien, ((szene))

17.10. Darmstadt, Centralstation

18.10. Nürnberg, Löwensaal

19.10. Stuttgart, LKA/Longhorn

20.10. München, Backstage

22.10. CH-Zürich, Komplex N o 457

21.12. Köln, Palladium*

*mit „Special Guests“ Levellers

Nickelback

31.10. A-Wien, Stadthalle

04.11. Berlin, O 2

World

05.11. Mannheim, SAP Arena

10.11. CH-Zürich, Hallenstadion

11.11. Oberhausen,

König-Pilsener-ARENA

18.11. NL-Amsterdam, Ziggo Dome

21.11. B-Brüssel, Forest National

NO CEREMONY///

27.09. Hamburg, Reeperbahn Festival

28.09. Berlin,

Berlin Independent Night

01.10. Köln, GEBÄUDE 9

Panic! at the Disco

New Politics

10.11. Köln, Die Werkstatt

11.11. Hamburg, LOGO

13.11. Berlin, Imperial Club

Orkus! präsentiert:

Paradise Lost

Lacuna Coil

Katatonia

04.11. Köln, Essigfabrik

06.11. Herford, X

07.11. Aschaffenburg, Colos-Saal

11.11. Nürnberg, HIRSCH

Placebo

15.11. Leipzig, Arena

16.11. Köln, LANXESS arena

18.11. CH-Zürich, Hallenstadion