WIRTSCHAFT+MARKT Messen 2014 (Vorschau)

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25. Jahrgang | Heft 1 | Februar/März 2014 | € 3,50 | ZKZ 84618

WIRTSCHAFT+

MARKT

DAS OSTDEUTSCHE E UNTERNEHMERMAGAZIN

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Messe Berlin – ein ausgezeichneter Platz für

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Perfekte Infrastruktur, intelligente Services und eine weltberühmte Stadt voller

Kultur und Leben.

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W+M Editorial | 3

Schwarz-roter Koalitionsvertrag setzt zu

wenig auf Wachstum und Beschäftigung

Zum Ende des abgelaufenen Jahres hat es dann doch noch geklappt

– CDU, CSU und SPD einigten sich auf die Bildung einer Großen

Koalition, die bis 2017 die Geschicke des Landes lenken soll.

Der zähe Prozess der Erarbeitung eines Koalitionsvertrages lässt

zumindest Bedenken aufkommen, ob diese in beiden Lagern ungeliebte

„Vernunft-Ehe“ in der Praxis zu wichtigen und richtigen Entscheidungen

fähig sein wird. Spätestens seit Jahresbeginn stehen

Union und Sozialdemokraten hier unter öffentlicher Beobachtung.

Aus Sicht der Wirtschaft scheint es so, als sei mit dem Koalitionsvertrag

nicht der große Wurf gelungen. Trotz einiger guter

Aspekte – etwa dem Verzicht auf Steuererhöhungen – finden sich im

Regierungsprogramm zu viele Regelungen, die die Wirtschaft, den

Arbeitsmarkt und auch künftige Generationen zusätzlich belasten.

Leider befasst sich der Koalitionsvertrag an vielen Stellen mit dem

Umverteilen und zu wenig damit, wie Wachstum, Beschäftigung

und damit auch Steuereinnahmen erwirtschaftet werden können.

Auch wenn im Wahlkampf vielstimmig ein flächendeckender und

einheitlicher Mindestlohn gefordert worden war, könnte er in den

neuen Ländern wie ein Bumerang wirken. Nach Ansicht von Experten

gefährdet der geplante Mindestlohn von 8,50 Euro speziell in

etlichen Branchen in Ostdeutschland viele Arbeitsplätze und verschlechtert

die Beschäftigungschancen von Geringqualifizierten.

Zwischen Rügen, Rheinsberg und dem Rennsteig ist jeder vierte

Arbeitnehmer von dem geplanten Mindestlohn betroffen. Gerade

für kleine Betriebe im Handel und für Dienstleister steigen durch

den Mindestlohn die Kosten, was letztlich zum Abbau von Stellen

führen könnte.

Beim Thema Energiewende zeigt die Große Koalition bislang keinen

überzeugenden Weg aus der Kostenfalle auf. Der Anstieg der EEG-

Umlage wird nicht gestoppt und damit ist zu befürchten, dass sie in

den kommenden Jahren auf über 30 Milliarden Euro klettert. Damit

werden die hohen Energiepreise ein großes Konjunktur- und Wachstumsrisiko

bleiben.

Investitionen in die Infrastruktur sind dringend erforderlich. Doch

auch hier springt die Koalition sehr kurz – sie hat lediglich fünf

Milliarden Euro für Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen vorgesehen.

Das wird bei Weitem nicht reichen.

Es bleibt zu hoffen, dass öffentlich kommunizierte Ideen, wie man

die Staatseinnahmen weiter erhöhen könnte, von den Regierungspartnern

nicht in die Praxis umgesetzt werden. Der Wirtschaftsstandort

Deutschland sollte nicht durch zusätzliche Abgaben, wie

etwa die angedachte Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen,

belastet werden.

Das Kapitel „Deutsche Einheit stärken“ nimmt im 185 Seiten

umfassenden Koalitionsvertrag knapp anderthalb Seiten ein. Der

Inhalt ist auch hier – wie insgesamt – vage und allgemein gehalten.

Zitat: „Wir wollen eine stabile und gute wirtschaftliche sowie

soziale Entwicklung Ostdeutschlands erreichen. Investitionen in

die gewerbliche Wirtschaft, in Forschung und Entwicklung sowie

in die Chancen des ländlichen Raumes haben einen hohen Stellenwert,

um dieses Ziel zu erreichen.“

Dieser grundsätzlich positiven Rhetorik müssen Maßnahmen

folgen, die die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den

neuen Ländern verbessern. Unser Magazin wird die Umsetzung des

Koalitionsvertrages intensiv verfolgen und journalistisch begleiten.

Ihr

Karsten Hintzmann

Chefredakteur

KH@wundm.info

Impressum

WIRTSCHAFT+MARKT

Das ostdeutsche Unternehmermagazin

Ausgabe 1/2014

Redaktionsschluss: 10.01.2014

Verlag: Verlag Frank Nehring GmbH

Zimmerstraße 56, 10117 Berlin

Tel.: 030 479071-0

Fax: 030 479071-20

www.NehringVerlag.DE

Verlagsleiter: Dr. Robert Nehring

Herausgeber/Geschäftsführer: Frank Nehring,

Tel.: 030 479071-11, FN@NehringVerlag.DE

(Alleiniger Inhaber und Gesellschafter, Wohnort Berlin)

Chefredakteur: Karsten Hintzmann

Tel.: 030 479071-24, KH@wundm.info

Redaktion: Janine Pirk-Schenker

Tel.: 030 479071-21, JP@NehringVerlag.DE

Constanze Treuber, Matthias Salm, Steffen Uhlmann,

Thomas Schwandt, Dr. Ulrich Conrad, Harald Lachmann,

Hannelore Koard, Tomas Morgenstern, Anette Pröber,

Dr. Wolfgang Schwarz

Abo- und Anzeigenverwaltung; Vertrieb:

Tobias Meier, Tel.: 030 479071-28,

TM@NehringVerlag.DE

Erscheinungsweise, Einzelverkaufs- und Abonnementpreis:

Die Zeitschrift WIRTSCHAFT+MARKT erscheint zweimonatlich.

Als Magazin der Interessengemeinschaft der Unternehmerverbände

Ostdeutschlands und Berlin erhalten die Mitglieder die

Zeitschrift im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Einzelpreis: 3,50 €,

Jahresabonnement (Inland): 20 € inkl. MwSt. und Versand, Jahresabonnement

(Ausland): 20 € inkl. MwSt. zzgl. Versand.

Layout & Design: Drechsel Kommunikations-Design,

www.drechsel-berlin.com

Druck: möller Druck und Verlag GmbH, ISSN 0863-5323. Alle

Rechte vorbehalten. Nachdruck und Kopien nur mit vorheriger

schriftlicher Genehmigung des Verlages. Namentlich gekennzeichnete

Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion

übereinstimmen. Für unverlangt eingesandte Manuskripte

und Fotos übernehmen wir keine Haftung.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


4 | W+M Inhalt

22 Messen

2014: Sprungbrett für den Mittelstand

58 Klassikhochburg

Mecklenburg-Vorpommern

12 ADAC

Postbusse starten durch 64

Ma

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


W+M Inhalt | 5

W+M Titelthema

Messemarkt Ostdeutschland 26

W+M Aktuell

Köpfe 6

Nachrichten 8

W+M Länderreports

Berlin: Weltmarktführer aus Ostdeutschland 10

Berlin-Brandenburg: ADAC Postbusse starten durch 12

Sachsen: Problem Unternehmensübergabe 14

Mecklenburg-Vorpommern: Energiewende braucht neue Rahmenbedingungen 16

Brandenburg: Großprojekte auf Umwegen zum Erfolg 18

Berlin: Steckdosen für Elektromobilität 20

W+M Titelthema

Messen 2014: Sprungbrett für den Mittelstand 22

Interview mit Christian Göke, Geschäftsführer Messe Berlin 25

Messemarkt Ostdeutschland 26

ILA: Gute Aussichten für Zulieferer 28

W+M Politik

Kolumne: Klaus von Dohnanyi 30

Pro und Contra: Deutschland und die Energiewende 31

Die neue Ostbeauftragte Iris Gleicke im Porträt 32

Erwartungen der Finanzwirtschaft an das neue Jahr 34

W+M International

Berlin wirbt mit Start-ups in New York 36

W+M Ratgeber

Tourismus: Interview mit DRV-Präsident Jürgen Büchy 38

Familienfreundliche Unternehmen 46

Steuern 48

Immobilien 50

Management und Personal 52

Finanzen und Multimedia 54

Kultur 56

W+M Netzwerk

VBIW: Aktuelles aus dem Verein 60

Nachrichten aus den Unternehmerverbänden 62

W+M Rückblick

Was macht eigentlich Manfred Stolpe? 64

W+M Die letzte Seite

Ausblick und Personenregister 66

nfred Stolpe

W+M Weitere Beiträge

Editorial 3

Impressum 3

Sonderveröffentlichung KfW 40

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


6 | W+M Köpfe

Maria Groß

Erfurt. Die Küchenchefin des Restaurants „Clara“ im Kaisersaal ist der neue

Stern am Thüringer Kochhimmel. Die 34-jährige Spitzenköchin, die auch studierte

Philosophin ist, wurde erstmalig mit einem Michelin-Stern bedacht. Sie

hatte die Leitung der Küche im „Clara“ erst vor knapp einem Jahr übernommen.

Ihre Ausbildung absolvierte sie im Berliner Gourmetlokal „Guy“, danach

sammelte sie Berufserfahrung in diversen Restaurants in Nordrhein-Westfalen

und der Schweiz. Maria Groß ist eine von bundesweit drei Köchinnen, die neu

mit einem Stern prämiert wurden.

Hendrik Richter

Burg. Der Geschäftsführer der AiMECC Services

GmbH kann mit Fug und Recht stolz

darauf sein, zu den „National Champions“ im

European Business Award zu gehören.

AiMESS Services ist Dienstleister für 3D-

Messtechnik und wird Deutschland neben

weiteren 21 deutschen Preisträgern bei dem

Wettbewerb vertreten – darunter sind in anderen

Kategorien zum Beispiel Bombardier

Transportation, Deutsche Telekom Kundenservices

und Katjes International GmbH. „Wir

haben unsere Vision des Infrarot-Scanners

zum Leben erweckt und etwas weltweit Einzigartiges

hervorgebracht“, sagt Hendrik

Richter. „Dass wir nun mit internationalen

Top-Unternehmen um den Innovations-

Award konkurrieren dürfen, ist ein großartiger

Erfolg für das gesamte AiMESS-Team.“

Die Preisträger werden im Mai 2014 bekannt

gegeben.

Thomas Lambusch

Rostock. Neuer Präsident des Arbeitgeberverbandes

Nordmetall ist seit November

2013 der Rostocker Unternehmer Thomas

Lambusch. Der 60-Jährige folgte im Amt

Ingo Kramer, der zuvor zum Präsidenten der

Bundesvereinigung der deutschen Arbeit-

Werner Schwarze

Götz Sobisch

Ralf Scheler

Jena. Der findige Biophysiker und Geschäftsführer

der Jena Med Tech GmbH dehnt kontinuierlich

das weltweite Vertriebsnetz für

sein selbst entwickeltes Nierensteinzertrümmerungssystem

LithoSpace® aus. Mittlerweile

erreicht er für den urologischen Arbeitsplatz

mit extrakorporaler Stoßwelle Absatzpartner

auf allen fünf Erdteilen. Ende

Januar 2014 präsentiert er sich darüber

hinaus wieder auf der Fachmesse Arab

Health in Dubai sowie im April auf dem größten

Urologen-Kongress Europas in Stockholm.

Halle. Trotz seiner mittlerweile 71 Jahre tritt

Götz Sobisch nicht kürzer. Der langjährige

Geschäftsführer des hochspezialisierten Unternehmens

JOSCH Strahlschweißtechnik

GmbH in Teicha bei Halle, gilt nicht nur in

Fachkreisen als der „innovativste Schweißer

der Nation“. Sobisch wurde zudem seit 2006

mehrfach als ehrenamtlicher Bürgermeister

von Teicha wiedergewählt und engagiert

sich für den Ort auch im Parlament der Einheitsgemeinde

Petersberg (Saalekreis). Nach

Feierabend surft er mit Kite-Drachen und

fährt Alpinski.

Eilenburg. Der Sachse Ralf Scheler wurde

Ende 2013 in das Präsidium des Zentralverbandes

des deutschen Handwerks (ZDH) gewählt.

Der 49-jährige Maschinenbauingenieur

ist geschäftsführender Gesellschafter der

Schlüssel-Kratzsch GmbH im nordsächsischen

Eilenburg. Seit 2011 agiert er auch als

ehrenamtlicher Präsident der Handwerkskammer

Leipzig. Im ZDH setzt er sich vor allem

für Nachjustierungen beim Rundfunkbeitrag

zugunsten von Betrieben mit mehreren

Filialen sowie die Beibehaltung des

Meisterbriefes ein.

Fotos: Harald Lachmann, Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


W+M Köpfe | 7

geberverbände gewählt worden war. Lambusch

ist geschäftsführender Gesellschafter

der SEAR GmbH, die auf den Elektroanlagenbau

spezialisiert ist.

Matthias Machnig

In eigener Sache

W+M erweitert Kompetenz durch Gründung eines Beirates

WIRTSCHAFT+MARKT hat einen Beirat gegründet und erste Mitglieder berufen. Der

Beirat wird künftig die Arbeit von Herausgeber und Redaktion flankierend mit Ideen

unterstützen und somit dazu beitragen, dass das Magazin permanent engen Kontakt

zu den Lesern hält. Herausgeber Frank Nehring: „Wir versprechen uns darüber hinaus

tatkräftige Unterstützung bei der Weiterentwicklung von WIRTSCHAFT+MARKT

als Kommunikationsplattform.“

Erfurt. Der SPD-Politiker Matthias Machnig

gab Ende 2013 sein Amt als Thüringens Wirtschaftsminister

auf. Er wechselte nach Berlin,

wo der 53-Jährige den Europawahlkampf der

Sozialdemokraten organisieren soll. Er kommt

damit Bitten von SPD-Chef Sigmar Gabriel sowie

des Präsidenten des Europäischen Parlaments,

Martin Schulz (SPD), nach. Machnigs

Nachfolger als Minister wird der studierte

Feinwerkingenieur und bisherige Thüringer

SPD-Landtagsfraktionschef Uwe Höhn (55).

Zu den jetzt berufenen Beiratsmitgliedern

zählen Eberhard Walter, Präsident

des Unternehmerverbandes Brandenburg-Berlin,

Manuela Balan, Geschäftsführerin

des Unternehmerverbandes

Rostock-Mittleres Mecklenburg und

Rolf Kammann, Geschäftsführer der

Wirtschaftsfördergesellschaft Vorpommern.

Dr. Milos Stefanovic, Geschäftsführer

der Bürgschaftsbank Brandenburg,

unterstützt das Gremium, das

perspektivisch noch erweitert werden

soll, beratend.

Manuela Balan

Geschäftsführerin des

Unternehmerverbandes

Rostock-Mittleres Mecklenburg

Rolf Kammann

Geschäftsführer der

Wirtschaftsfördergesellschaft

Vorpommern

Eberhard Walter

Präsident des Unternehmerverbandes

Brandenburg-Berlin

Marcus Mattes

Ralf Brummer

Hans-Joachim Polk

Potsdam. Der geschäftsführende Gesellschafter

der Naturwerksteinfirma Mattes

Granit GmbH aus dem brandenburgischen

Brück, Marcus Mattes, engagiert sich nun

auch im Ausschuss für Recht und Steuern der

IHK Potsdam. Hier wirkt der 35-Jährige bei

der Formulierung des Gesamtinteresses der

regionalen Wirtschaft gegenüber der Landesverwaltung

mit. Im Jahr 2013 sponserte

Mattes zudem die erste „Experimentierkiste“

im Potsdamer IHK-Bereich. Sie ging an die

Kindertagesstätte „Rappelkiste“ in Linthe.

Unter dem Titel „Wie funktioniert die Welt?“

enthält das Überraschungspaket 30 Experimente,

mit denen bei Kindern das Interesse

an Naturwissenschaften, speziell Physik und

Mathematik, gefördert werden soll.

Leipzig. Dank des Unternehmers Ralf

Brummer findet sich der Pamir-Gipfel „Pik

Leipzig“ nun auch auf den Landkarten der

Welt wieder. Der 62-Jährige, der in Leipzig

die Alpin Maler und Werterhaltung GmbH

führt, hatte den 5.725 Meter hohen Berg in

Kirgisistan bereits 1989 als Erster bestiegen

und auf den Namen seiner Heimatstadt

getauft. Doch da es von dieser Expedition

unter damals noch sowjetischen Verhältnissen

keine Aufzeichnungen gab, zog Brummer

2012 noch einmal los. Zudem besorgte

er sich exakte Daten der US-Raumfahrtbehörde

NASA, auf deren Basis nun der Kartograph

Rolf Böhm aus Bad Schandau eine

detaillierte Karte im Maßstab 1:100.000 erstellte.

Leipzig. Zu Jahresbeginn hat Hans-Joachim

Polk als neues Vorstandsmitglied das Ressort

„Infrastruktur/Technik“ der Verbundnetz Gas

AG übernommen. In diesem Ressort werden

jetzt die Geschäftsbereiche Netz, Speicher

sowie die Exploration und Produktion gebündelt.

Polk wurde 1966 in Essen geboren

und absolvierte ein Masterstudium in Erdölund

Erdgastechnik an der Universität Clausthal-Zellerfeld.

Danach arbeitete er viele Jahre

bei der RWE Dea AG mit den Schwerpunkten

Speicherung von Erdgas, Feldentwicklungsprojekte

sowie Produktion von Öl und

Gas. In den letzten zwei Jahren war er Managing

Director der RWE Dea Norge AS und Managing

Director der RWE Dea UK Holdings

Limited.

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8 | W+M Nachrichten

Leipzig und Dresden

Hochburg der Kreativen

Dresden. Kultur- und Kreativwirtschaft in

Sachsen befinden sich im Aufwind: In Dresden

und Leipzig liegt ihr Anteil an der Gesamtwirtschaft

laut Wirtschaftsministerium

bei über zehn Prozent. Die meisten Beschäftigten

sind in der Software- und Gamesindustrie

tätig. 2012 erhielt die Branche 28 Millionen

Euro Förderung, 2013 dürfte diese Summe

erneut erreicht worden sein.

Hoffnung in Frankfurt:

Chinesen kaufen Conergy

Frankfurt (Oder). Die Modulfabrik des insolventen

Photovoltaikunternehmens Conergy

in Frankfurt (Oder) ist durch den chinesischen

Hersteller Astronergy übernommen

worden. Nach Managementangaben will Astronergy

die Produktion fortführen, um mit

Modulen „Made in Germany“ seine Marktposition

auszubauen. 210 der zuletzt rund 280

Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben.

Vorbild in Sachen

Energieeffizienz

Magdeburg. Die Börde-Stadt ist von der

Deutschen Energie-Agentur neben Remseck

am Neckar als erste dena-Energieeffizienz-Kommune

ausgezeichnet worden. Beide

Städte haben das Energie- und Klimaschutzmanagement

der dena durchlaufen. Magdeburg

will den Energieverbrauch bis 2015 vor

allem durch Verbesserungen an kommunalen

Immobilien um mehr als fünf Prozent senken.

Inspiration für Kreative: Blick von der Carolabrücke auf die Skyline von Dresden.

Fotos: Antje Knepper/pixelio.de, Müritz-Yacht-Management

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


W+M Nachrichten | 9

Große Nachfrage nach Booten von der Müritz

Rechlin. Die Müritz-Yacht-Technik GmbH in Rechlin verlegt ihren

Bootsbau an einen neuen Standort in der de Lärz. Dort sollen künftig Sportboote te und Motoryachten nach

Kundenwünschen hergestellt werden, während Service und Re-

Nachbargemeinparatur

in Rechlin erfolgen. Grund für

die Erweiterung ist die gestiegene

Nachfrage nach Booten von vier

bis sieben Metern Länge.

W+M-Medientreff auf

Potsdamer WirtschaftsForum

Potsdam. Das Magazin WIRTSCHAFT+MARKT

präsentiert sich am 3. März 2014 auf einem mMe-

dientreff des WirtschaftsForum Brandenburg

e. V. Im Rahmen der Veranstaltung, die ab

18 Uhr im Dorint Hotel Potsdam (Jägerallee

20) stattfindet, wird W+M-Verleger Frank

Nehring Struktur und Schwerpunkte des ostdeutschen

Unternehmermagazins für 2014

vorstellen. Anschließend besteht die Möglichkeit,

mit Frank Nehring, Chefredakteur

Karsten Hintzmann und Mitgliedern der Redaktion

bei einem Get-Together ins Gespräch

zu kommen. W+M-Leser sind herzlich eingeladen.

Bei Interesse melden Sie sich bitte

bis zum 15. Februar 2014 bei Janine Pirk-

Schenker unter folgender Mailadresse an:

JP@NehringVerlag.DE.

Chemikalien für Plastik

aus Biomasse

Leuna. Die Global Bioenergies GmbH wird in

Leuna eine Pilotanlage zur industriellen Erzeugung

von Chemikalien aus Biomasse errichten.

Sie ist für jährlich bis zu 100 Tonnen

Isobuten ausgelegt, das an Hersteller von

Kunststoffen, Elastomeren und Treibstoffen

geliefert wird. Das Vorhaben wird durch das

Bundesforschungsministerium mit 5,7 Millionen

Euro gefördert.

250. InnoPrämie geht

an Dresdner Unternehmen

Dresden. Die Gummitechnik Ziller GmbH

in Dresden-Langebrück hat die 250. „Inno-

Prämie“ erhalten. Diese wird seit 2010 innerhalb

der Innovationsförderung in Sachsen

vergeben. Das Kleinunternehmen realisiert

mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft

Dresden ein Projekt zur Oberflächenbehandlung

von Gummiformteilen, zum Beispiel

von Scheibenwischergummis.

Touchscreen erkennt

erstmals Fingerabdruck

Potsdam. Den weltweit ersten Touchscreen,

der Fingerabdrücke erkennt, haben Forscher

des Hasso-Plattner-Instituts Potsdam entwickelt.

Damit entfällt das „Einloggen“ des Nutzers

zum Beispiel auf Smartphone oder Tablet.

Ein unberechtigter Zugriff ist praktisch

unmöglich. Das Team um den Masterstudenten

Sven Köhler ist für den CeBIT-Award 2014

nominiert.

Hitfox Group

wächst rasant

Berlin. Die Berliner Hitfox Group, ein 2011

gegründetes Start-up mit Büros in San Francisco

und Seoul, will seine Mitarbeiterzahl

auf 300 verdoppeln. Im ersten Quartal sollen

drei neue Unternehmen präsentiert werden,

derzeit gehören Applift, Ad2games und

Gamefinder zur Gruppe. Sie arbeiten als Mittler

zwischen Spieleherstellern und großen Internetplattformen.

Mecklenburg-Vorpommern

setzt auf längere Ferien

Schwerin. Mecklenburg-Vorpommern setzt

auf die Verlängerung des Sommerferienkorridors

ab 2018: Während im Juli und August

auch 2013 jeweils über fünf Millionen Übernachtungen

gezählt wurden, sind es im Juni

und September stets nur rund drei Millionen.

Der Tourismus erwirtschaftet mit fünf Milliarden

Euro einen Anteil von zehn Prozent am

Primäreinkommen des Landes.

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10 | W+M Länderreport

Ein „Ufo“ aus Berlin im New Yorker Hudson River Park.

Heimliche Spitzenreiter

„We are the Champions“ – Unternehmen, die das von sich behaupten dürfen, tragen nicht unbedingt

bekannte Namen. Weltmarktführer wie die Berliner Seilfabrik sind oft mit Nischenprodukten

erfolgreich.

Von Constanze Treuber

Ein Baum, findet David Köhler, ist das

perfekte Klettergerät für Kinder: „Es

wäre anmaßend zu behaupten, unsere

Seilspielgeräte seien besser, obwohl sie zweifellos

sicherer sind. Unser Anspruch ist aber,

nach dem Baum die Zweitbesten zu sein und

zwischen ihm und uns keine Lücke zu lassen.“

Gemeinsam mit seinem Vater Karl-Heinz Köhler

führt er die Berliner Seilfabrik GmbH & Co.,

ein mittelständisches Unternehmen in Berlin-

Reinickendorf, das vor 148 Jahren mit der Herstellung

von Stahlseilen für Aufzüge begann.

In den 1970er Jahren wurde dort das weltweit

erste Spielplatz-Raumnetz aus polyesterummantelten

Stahlseilen gebaut. Seither hat sich

die Firma zu einem jener Spezialisten entwickelt,

für die seit einiger Zeit die Bezeichnung

„Hidden Champions“ in Umlauf ist – zu einem

der Weltmarktführer, von denen die Öffentlichkeit

kaum etwas weiß. Denn sie gehören

nicht zu jenen „großen Tausend“ in Deutschland,

die mit imposanten Milliardenumsätzen

und oft weltbekannten Namen auftrumpfen

und deren Gros mit schöner Regelmäßigkeit

in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen

und Bayern verortet wird.

Die heimlichen Gewinner haben Nischen

durchaus auch anderswo besetzt, viele von

ihnen traten ihre wirtschaftlichen Siegeszüge

inzwischen von den neuen Bundesländern

und Berlin aus an. Vor zwei Jahren stellten

Wissenschaftler des Leipziger Leibniz-Instituts

für Länderkunde fest, dass überproportional

viele nach 1989 gegründete Marktführer-

Unternehmen aus dem Osten stammen. Dort

kamen 1,8 junge Weltmarktführer auf eine

Million Einwohner, im Westen nur etwa 1,4.

Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen

rangierten in dieser Studie vor Bayern

Fotos: Berliner Seilfabrik

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Berlin | 11

David und Karl-Heinz Köhler.

„Greenville“, die jüngste Kreation, wurde mit dem reddot design award 2013 ausgezeichnet.

und Baden-Württemberg. Berlin hatte Hamburg

überholt und war 2011 zur Stadt mit den

zahlenmäßig meisten jungen, global besonders

erfolgreichen Firmen aufgestiegen.

Abgesehen davon, dass 148 Jahre für eine

Firma ein stattliches Alter sind, entspricht die

Berliner Seilfabrik mit ihren 50 Mitarbeitern

fast exemplarisch dem Bild eines sehr vitalen

Hidden Champion. David Köhler führt das auf

ganz bestimmte Vorzüge seiner Firma zurück.

Seit sein Vater die Berliner Seilfabrik 1995 im

Management-Buy-out aus einer größeren

Firmengruppe herauskaufte, ist es wieder ein

reines Familienunternehmen. „Man bringt

nicht nur privates Vermögen ein“, sagt David

Köhler, „sondern auch enormen persönlichen

Ehrgeiz und Einsatz. Das ist bei vielen kleineren

Marktführern so.“

Dazu passt der ständige Drang nach Innovation,

der nicht nur dem Konkurrenzdruck

geschuldet ist, sondern auch der Begeisterung

der Köhlers für das immer Bessere. „Im

Segment der Seilspielgeräte haben wir weltweit

maximal sieben Mitbewerber“, so der

Juniorchef, „davon zwei in Berlin. Ihnen allen

wollen wir als tonangebender Hersteller immer

mindestens einen Schritt voraus sein. Wir

legen größten Wert auf kontinuierliche Entwicklung,

um technologischer Weltmarktführer

zu bleiben.“ Die Berliner Seilfabrik stellt

fast alle Komponenten ihrer Produkte selbst

her und hat so immer die Qualität im Blick. Sie

besitzt 15 internationale Patente und entwickelt

das mehrfach preisgekrönte Design der

Spielgeräte im eigenen Haus. Die neue, sehr

erfolgreiche Produktgruppe Greenville folgt

mit dem Einsatz von Bambuspaneelen dem

aktuellen Trend zu optischer Natürlichkeit,

während das Innenleben höchsten High-Tech-

Standards entspricht.

Seinen Umsatz kann das Berliner Unternehmen

nicht so leicht mit anderen vergleichen.

„Ich denke aber, dass wir meistens knapp

vorn liegen“, sagt David Köhler, „vor allem in

so ausnehmend guten Jahren wie 2013, als

wir unseren Umsatz um 20 Prozent steigern

konnten – wegen einer neuen Vertriebsstruktur

vor allem in Deutschland.“ Das hatte zur

Folge, dass das Unternehmen aktuell nur noch

einen Exportanteil von 60 statt zuvor über 70

Prozent hat. Außer in China, Russland und

dem überwiegenden Teil Afrikas ist es weltweit

auf allen Märkten aktiv, besonders erfolgreich

dort, wo es von sorgfältig ausgewählten,

engagierten Partnern vertreten wird wie

beispielsweise in Chile und Australien. In den

USA betreibt die Berliner Seilfabrik eine eigene

Niederlassung.

Ein weiteres Pfund, mit dem das Familienunternehmen

wuchert, ist die ausgiebig genutzte

Möglichkeit, auf individuelle Wünsche der

meist kommunalen Kunden einzugehen. Und

die Schnelligkeit: Drei bis vier Wochen nach

Auf tragseingang – länger soll es in der Regel

nicht dauern, bis ein Berliner Seilspielgerät

irgendwo in der Welt ausgeliefert wird. W+M

Die Berliner

Seilfabrik

produziert

Klettergeräte

für

Spielplätze

in aller Welt.

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12 | W+M Länderreport

ADAC Postbus startet durch

Ziel: Qualitätsführer am Fernbusmarkt

Die ADAC Postbusse wollen sich durch Sicherheit und Komfort am Markt behaupten.

2013 hat sich der Fernbusmarkt in Deutschland geöffnet. Der Konkurrenzschutz für die Bahn und

die vorhandenen Fernbuslinien wurde aufgehoben. Das Ergebnis ist ein boomender, aber auch hart

umkämpfter Markt mit bereits ca. 200 Linien. Zuletzt haben ADAC und Deutsche Post mit einem gemeinsamen

Angebot die Konkurrenz erweitert. Über den ADAC Postbus sprach Wirtschaft+Markt

mit Manfred Voit, dem Vorstandsvorsitzenden des ADAC Berlin-Brandenburg.

W+M: ADAC und Deutsche Post sind Riesen

in ihrem Markt. Warum lassen Sie sich auf

das Experiment Fernbus ein?

Manfred Voit: Die Initiative ging von der

Deutschen Post aus, die bis in die 1980er-Jahre

mit Postbussen bereits diesen Markt bedient

hatte. Aber auch auf Seiten des ADAC

war schnell klar, dass zwei so starke Marken

prädestiniert sind für ein gemeinsames Linienangebot.

Es gehört zu unseren wichtigsten

Aufgaben, die individuelle Mobilität der Menschen

zu fördern. Natürlich lassen wir unsere

Kompetenzen im Bereich Sicherheit einfließen.

Mit dem ADAC Postbus können wir also

eine attraktive Alternative zu Bahn, Flugzeug

und Pkw anbieten.

W+M: Wie ist der ADAC Postbus organisiert?

Manfred Voit: Für die Umsetzung des Joint

Ventures wurde die Deutsche Post Mobility

GmbH gegründet. ADAC und Deutsche Post

beteiligten sich mit je 50 Prozent. Mitarbeiter

aus beiden Mutterhäusern bilden das Team.

Tickets gibt es online, in den Postfilialen und

unseren ADAC-Geschäftsstellen sowie direkt

beim Busfahrer.

W+M: Ist der Marktstart gelungen?

Manfred Voit: Wir sind derzeit auf sechs

Linien unterwegs und verbinden 24 deutsche

Fotos: ADAC e. V. (3), Marcus Altmann (1)

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Berlin-Brandenburg | 13

Städte. Insgesamt können wir als Neueinsteiger

sehr zufrieden sein mit der Auslastung.

Einige Busse waren bereits ausgebucht. Interessant

ist, dass nicht wie erwartet Kurzstrecken,

sondern vor allem die mittleren und

langen Strecken – etwa Berlin–Köln – sehr gut

genutzt werden. Die Kunden scheinen auf

unseren Komfort zu setzen.

W+M: Heben Sie sich dadurch von der Konkurrenz

ab?

Manfred Voit: Unser Ziel ist klar: Qualitätsführer

am Fernbusmarkt zu sein. Wir wollen

nicht die Günstigsten sein, sondern die

Sichersten. Deshalb lassen wir uns auch nicht

auf einen Preiskampf um jeden Euro ein. Wir

bieten eine preisgünstige Form des Reisens,

Manfred Voit

Vorstandsvorsitzender

ADAC Berlin-Branden burg

die zudem besonders umweltfreundlich und

kraftstoffsparend ist. Der ADAC Postbus soll

„der Bus für Deutschland“ werden.

W+M: Was heißt das im Einzelnen?

Manfred Voit: Im ADAC Postbus haben wir

moderne 3-Punkt-Gurte, mit denen man auch

Kleinkinder in Kindersitzen sicher anschnallen

kann. Unsere Busse sind mit allen modernen

Fahrassistenzsystemen ausgestattet, zudem

durchlaufen unsere Fahrer spezielle Schulungen.

Ein von der Lufthansa entwickeltes

WLAN-System macht den Bus zum mobilen

Büro. Onboard-Entertainment, Snacks und

unsere Wunschplatz-Garantie machen die Fahrten

noch angenehmer. Wir werden außerdem

an großen Haltestellen Personal haben, das

unseren Fahrgästen zur Seite steht.

M+W: Seit 1. November gehört Berlin zu Ihrem

Liniennetz. Welche Rolle spielt die Hauptstadt?

Manfred Voit: Von Berlin aus steuern wir 15

deutsche Großstädte auf vier Linien an. Mit

17 Abfahrten und Ankünften täglich ist der

Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) am Funkturm

eine der wichtigsten Stationen im bundesweiten

Netz. Zu den befahrenen Linien

gehört auch die beliebteste Fernverbindung

Berlin ist eine der wichtigsten Stationen

im Netz der ADAC Postbusse.

Deutschlands: die Linie Berlin–Hamburg. Diese

Strecke ist außerdem Pilotlinie für den barrierefreien

Fernbusverkehr – ein absolutes Novum.

Befahren wird sie mit Bussen, die neben

barrierefreien Sitzplätzen sogar einen Platz für

Rollstuhlfahrer bieten.

M+W: Profitieren auch regionale Unternehmen

vom Fernbus?

Manfred Voit: Die Linien des ADAC Postbusses

werden von zehn regionalen Busunternehmen

bedient, die ein bundesweites Netz bilden.

Als Subunternehmer sind sie ganz wichtige

Partner für uns. Dazu zählt beispielsweise der

Berliner Traditionsbetrieb „Der Tempelhofer“.

M+W: Bislang steuern Sie von Berlin aus drei

ostdeutsche Städte an. Soll das Netz ausgebaut

werden?

Seit 1. November 2013 steuern die ADAC Postbusse 17 Mal täglich die Hauptstadt an.

Manfred Voit: Zunächst wollen wir die

aktuellen Linien am Markt etablieren, danach

ist ein sukzessiver Ausbau geplant. Bis zum

Frühjahr 2014 wird der ADAC Postbus 30 Städte

mit rund 60 Bussen verbinden. Erfurt gehört

dann beispielsweise dazu. Bis Sommer 2014

wird über einen weiteren Ausbau entschieden.

Interview: Janine Pirk-Schenker

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


14 | W+M Länderreport

Warum Unternehmensübergaben

oft problematisch sind

Ein Erfahrungsbericht aus Dresden

Mit der Wende kam die Freiheit. Meine

Eltern hatten schon immer von

einem eigenen kleinen Hotel geträumt

und überlegten nicht lange. Sie

kauften mit Anfang 50 einen alten Gasthof,

den Waldgasthof Hirschbachmühle, krempelten

die Ärmel hoch und bauten um. Als

Sicherheit für den Kredit verpfändeten sie

ihr Wohnhaus an die Bank. 100 Prozent

Risiko, während sich im Westen die nur

wenige Jahre älteren Vetter ertragreiche

Lebensversicherungen auszahlen ließen und

an ihren Ruhestand dachten. Die Erfahrungen

der DDR – mit wenig auszukommen, nach

Lösungen zu suchen und mindestens „Plan

B“ in der Hinterhand zu haben – sind die

Stärken meiner Eltern. Sie sind flexibel und

krisenerprobt. Es geht um die Sache, ums

Voranbringen und Verwirklichen. Die Firma

ist Lebenswerk, Lebensmittelpunkt und Lebenssinn.

Sie bauen ihr Unternehmen auf

und bringen es zum Gedeihen. Führen charismatisch

und autoritär, sind präsent für

Gäste und Mitarbeiter.

Das Problem der geordneten Übergabe von Familienunternehmen

an die nächste Generation stellt sich zunehmend

auch in den neuen Bundesländern. Denn die erste Gründergeneration,

die zu Beginn der 1990er Jahre ins kalte Wasser

sprang und sich in der damals noch ungewohnten Marktwirtschaft

ausprobierte, erreicht mehr und mehr das Pensionsalter.

Katrin Ziebart, eine 43-jährige Unternehmerin

aus Dresden, schildert im folgenden Beitrag ihre persönlichen

Erfahrungen bei der Übergabe des elterlichen Gastronomiebetriebes.

Die Autorin

Katrin Ziebart arbeitet seit 20 Jahren als Geschäftsführerin

und Teilhaberin in der elterlichen Firma bei Dresden. Darüber

hinaus unterstützt sie als Coach und Beraterin Familienunternehmen

und Unternehmerfamilien darin, inmitten familiärer

Beziehungen und Rollen selbstbestimmt, frei und achtsam zu

handeln.

www.katrinziebart.de

Als meine Eltern mich mit Anfang 20 fragen,

ob ich einsteige, habe ich nicht lange überlegt.

Eigentlich gar nicht. Habe nicht darüber

nachgedacht, wie mein eigener Lebensentwurf

aussieht, was mich die Entscheidung

kostet, was auf dem vorgefertigten Weg

für mich verloren gehen könnte. Laut Verträgen

war ich Gesellschafterin und Miteigentümerin.

Informell hatten meine Eltern das

Sagen. Gemäß dem Motto: „Selbstverständlich

kannst Du machen, was Du willst. Aber

nicht so!“ Heute weiß ich, dass mein Vater

und ich zwei Dickköpfe und viel zu stark waren,

als dass wir nebeneinander in einem

kleinen Hotel Platz finden konnten. Mein

Vater hatte in der DDR viel schlucken und

sich unterordnen müssen. Ein Kraftakt, vor

dem ich den Hut ziehe. Das ging für ihn jetzt

nicht mehr, auch nicht mir zuliebe.

Ich entwickelte mich zur rebellischen Juniorchefin.

Wollte verändern, meine Kompetenz

beweisen, stellte Abläufe in Frage.

Es diente eher dem Beweis meiner eigenen

Unabhängigkeit als dem Wohl des Miteinanders.

Und führte zwangsläufig zu Konflikten

mit den Senioren. Beim Wort „Veränderung“

gingen meine Eltern in Verteidigungsstellung.

Ich wurde getrieben von der

Sehnsucht, mich abzugrenzen und auszuprobieren.

Schaute neidisch auf meine „freie“

Schwester. Einerseits ermöglichte mir die

Mühle viel, allein in finanzieller Hinsicht.

Andererseits verhinderte sie auch vieles. Ich

musste mir nicht die Frage stellen, was ich

mit meinem Leben anfangen will. Es war eingegrenzt

und absehbar. Ein Fakt, den ich

Fotos: Katrin Ziebart

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Sachsen | 15

Waldgasthof Hirschbachmühle bei Dresden.

meinen Eltern heftig und bitter vorwarf. Sie

mir im Gegenzug Undankbarkeit.

Mit 29 gründete ich meine eigene Familie,

mit Ende 30 wollte ich die Mühle übernehmen.

Allerdings hatte ich ausgeblendet, dass

meine Eltern Macher waren, die sich nicht

einfach so aufs Nebengleis rangieren lassen.

Wer mit 50 gründet, plant nicht mit 65, sein

Unternehmen zu übergeben. Denkt ganz sicher

nicht an Ruhestand, an das eigene Alter

und Bilanz ziehen. Die Gespräche zum Thema

Nachfolge führten wir mit großer Emotionalität

und Heftigkeit. Wir kämpften darum,

vom anderen gesehen und wertgeschätzt

zu werden. Enttäuschungen und Frust, jahrelang

akribisch geführt auf geheimen Beziehungskonten,

entluden sich und verhinderten

jedes sachliche Gespräch. Die Gefühle

siegten über die Ratio. An eine Lösung war

nicht zu denken.

Wir machten, was viele Familienunternehmer

an dieser Stelle tun, und baten einen

bewährten Vertrauten um Rat. Unser Steuerberater

sollte richten, was uns offensichtlich

nicht gelang: eine Einigung bezüglich

der Nachfolge. Er mühte sich redlich mit Paragraphen

und Zahlenkolonnen. Doch der

Vertragsentwurf im Aktenkoffer brachte uns

keinen Schritt weiter. Das vermeintlich Klare

wurde uns keineswegs klar. Es ging hier

um uns als Menschen, die nicht nur ökonomische

Probleme zu bewältigen haben, sondern

in erster Linie emotionale. Ein gemeinsames

Unternehmen und Eigentum als Familie

schafft Verwicklungen, die sich enorm

verschärfen, wenn sie unter den Tisch gekehrt

werden.

Einer Beraterin, die ich für unseren Prozess

vorschlug, begegnete der Rest der Familie

mit einem typischen Phänomen von Familienunternehmen:

Sie neigten zur Sprachlosigkeit.

Erst recht Externen gegenüber. Der

Hof bleibt sauber! Stillschweigend einigten

wir uns darauf, das Thema Nachfolge ab sofort

zu ignorieren. Ich vermute, meine Eltern

hofften, was andere auch hoffen: „Wir

sind eine Familie. Wir kriegen das schon

hin.“ Dies offenbarte sich leider als Trugschluss.

Meine Eltern vertieften ihre persönliche

Beziehung zur Mühle, an Loslassen

war nicht ansatzweise zu denken. Ich

verschwieg mein mittlerweile entstandenes

Desinteresse an einer Übernahme. Wir arbeiteten

weiter, mehr neben- und gegeneinander

als miteinander. Nach außen konnten wir

die Differenzen gut abfedern und weiterhin

glaubwürdig auftreten. Die Nachfolgeregelung

wurde allerdings für unbestimmte Dauer

auf Eis gelegt.

Mein Vater ist im Sommer gestorben. Der

Krebs war stärker. Vieles blieb unausgesprochen.

Er hat Großes geleistet, ich bin verdammt

stolz auf ihn. Sehr traurig macht

mich, dass ich es ihm nie gesagt habe. Wir

haben uns zwischen all den schrägen Erwartungen

und Verstrickungen einfach verpasst.

Die Mühle rattert vorerst weiter als Gasthof

und kleines, gemütliches Seminarhaus. Mein

Wunsch ist, ein Sowohl-als-auch zu finden,

die Verbindung zwischen dem Lebenswerk

meines Vaters und einem Sinn für mich ganz

persönlich.

W+M

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


16 | W+M Länderreport

Die notwendige gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende setzt voraus, dass Klimaund

Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit sowie Bezahlbarkeit als gleichrangige

Ziele gelten. Das Unternehmen EWE plädiert für eine nachhaltige Energiemarktreform.

Energiewende braucht neue

Rahmenbedingungen

Fotos: EWE, W. Mausolf/IHK Ost-Brandenburg

EWE zählt bei der Offshore-Stromerzeugung zu

den Pionieren auf dem deutschen Markt.

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Mecklenburg-Vorpommern | 17

W+M: Herr Dr. Müller, Energie aus regenerativen Quellen macht in

den Netzen von EWE schon heute über 70 Prozent der Gesamteinspeisung

aus. Die Energiewende soll dazu führen, dass der Anteil der Erneuerbaren

Energien (EE) am gesamten deutschen Stromverbrauch

bis 2050 auf 80 Prozent steigt. Da kann Ihr Unternehmen sich quasi

Zeit lassen, oder?

Ulrich Müller: Das tun wir keineswegs, denn schließlich geht es um

die Zukunft unserer Energieversorgung. EWE hat mit Riffgat gerade

seinen zweiten Offshore-Windpark in der Nordsee fertig gestellt. Spätestens

im Februar 2014 wird dort dann auch erneuer barer Strom produziert.

Und in unserer Geschäftsregion Brandenburg/Rügen

geht es ebenfalls weiter voran.

Im Mai vergangenen Jahres haben wir eine

Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, um

gemeinsam mit Landwirten und der Kommune

Breydin einen Windpark im Barnim zu bauen.

Bis zu 15 Windkraftanlagen der Multimegawatt-Klasse

sollen entstehen. Neben den Vertragspartnern

werden sich auch Bürger, Unternehmen

und andere Kommunen beteiligen können.

Wir wollen den nachhaltigen Umbau der

Energieversorgung gemeinsam mit den Menschen

in der Region vollziehen und so auch

die Akzeptanz der Energiewende dauerhaft sicherstellen.

W+M: Aus der EWE Unternehmenszentrale in

Oldenburg sind seit längerem Forderungen zu

vernehmen, die Rahmenbedingungen der Energiewende

müssten dringend neu justiert werden.

Konzerne setzen sich in solchen Fällen

rasch dem Verdacht aus, vornehmlich die eigene

Gewinnoptimierung im Visier zu haben.

Was passt Ihnen denn konkret nicht?

Ulrich Müller: An vorderer Stelle zum Beispiel,

dass die Stromkosten für die Verbraucher, für Millionen

von Privathaushalten und Unternehmen,

derzeit immer teurer werden, je mehr Energie aus

erneuerbaren Quellen produziert wird. Die Mengen

drücken zwar den Strompreis an der Börse

immer öfter in den Keller, aber zum Ausgleich

– gesetzlich festgelegt – steigt die so genannte

EEG-Umlage, die direkt in die Verbraucherpreise

eingeht. Hier muss am Fördermechanismus etwas

geändert werden. Das gilt auch im Hinblick

darauf, dass Neuanlagen zur regenerativen Energieerzeugung

künftig nur noch an bestens geeigneten

Standorten und zugleich möglichst auch

nicht mehr in Regionen errichtet werden sollten,

Dr. Ulrich Müller

Leiter Geschäftsregion

Brandenburg/Rügen der EWE AG

in denen bereits Engpässe in den Übertragungsnetzen bestehen. Und

schließlich sehen wir die Gefahr, dass aus wirtschaftlichen Gründen

in die notwendigen konventionellen Kraftwerkskapazitäten zur Wahrung

der Versorgungssicherheit angesichts des höchst volatilen Dargebots

an Wind und Sonne in absehbarer Zeit Lücken gerissen werden

könnten. All das sieht im Übrigen keineswegs nur EWE so, dazu gibt es

breiten Konsens unter Experten. Wir haben zu all diesen Fragen auch

substanzielle Reformvorschläge unterbreitet.

W+M: Dann lassen Sie uns einige Stichworte aufrufen: Wie stehen

Sie zur Förderung erneuerbarer Energien?

Ulrich Müller: EWE spricht sich dafür aus, das bestehende

Modell aus Einspeisevorrang und fester Vergütung auslaufen zu

lassen. Für alle EE-Neuanlagen sollte ab einem bestimmten Zeitpunkt,

etwa 2015, eine verpflichtende Direktvermarktung eingeführt werden.

Die Betreiber sollten zusätzlich eine Marktprämie erhalten, die die Vermarktungserlöse

flankiert.

W+M: Und zum Thema Netzeinspeisung?

Ulrich Müller: Zur effizienten Integration regenerativer Ener gien

hat EWE den sogenannten 5%-Ansatz entwickelt. Statt wie bisher 100

Prozent sollten die Netzbetreiber zukünftig nur 95 Prozent der Erneuerbaren

Energien aufnehmen müssen. Innerhalb der letzten fünf

Prozent sollte den Netzbetreibern ein intelligentes Einspeisemanagement

ohne Verpflichtung zum Netzausbau und bei Neuanlagen auch

ohne Verpflichtung zur finanziellen Entschädigung entgangener

Einspeisemengen ermöglicht werden. In Kombination mit neuen Konzepten

zur Spannungsoptimierung könnten so die Netzanschlusskapazität

deutlich erhöht, das geschätzte Investitionsvolumen in

den klassischen Netzausbau bis 2030 hingegen um nahezu 70 Prozent

gesenkt werden. Dieser 5%-Ansatz wurde übrigens in der Koalitionsvereinbarung

der neuen Bundesregierung berücksichtigt.

W+M: Brauchen wir weiterhin konventionelle Kraftwerke?

Ulrich Müller: Sie werden auch zukünftig eine entscheidende Voraussetzung

für eine sichere und zuverlässige Stromversorgung sein –

bis weit über 2020 hinaus. Aus Sicht von EWE sollte daher ein Kapazitätsmechanismus

eingerichtet werden, der das Vorhalten gesicherter

Leistung angemessen entlohnt und so die erforderlichen Investitionen

in Erhalt und Zubau konventioneller Kapazitäten sicherstellt.

Interview: Dr. Wolfgang Schwarz

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18 | W+M Länderreport

Auf Umwegen zum Erfolg

Mit Millioneninvestitionen hat das Land Brandenburg in den 1990er Jahren ehrgeizige Großprojekte

zur Entwicklung strukturschwacher Regionen gefördert. Doch die in die Chipfabrik in Frankfurt

(Oder), den Chemiestandort Premnitz oder den Cargolifter-Luftschiffbau gesetzten Hoffnungen

erfüllten sich nicht. Auch am künftigen Hauptstadt-Flughafen BER in Schönefeld herrscht sieben

Jahre nach Baubeginn Stillstand.

Von Tomas Morgenstern

Im Jahr 1996 von den Ländern Berlin und

Brandenburg gemeinsam mit dem Bund als

wichtigstes Infrastrukturprojekt der Region

in Angriff genommen, hat der Neubau des

BER alle Zeit- und Kostenpläne gesprengt.

Dagegen haben die „exotischsten“ Vorhaben

von einst möglicherweise ihren Weg heraus

aus der Problemzone gefunden.

An eine Investruine erinnert die Baustelle

des künftigen Berliner Großflughafens

BER in Schönefeld. Das bedeutendste Infrastrukturprojekt

von Berlin-Brandenburg liegt

seit seiner im Juni 2012 geplatzten Eröffnung

in Agonie. Nur mühsam lässt sich das

Planungschaos entwirren, werden Strukturund

Baumängel aufgedeckt. Mitte Dezember

übernahm Berlins Regierender Bürgermeister

Klaus Wowereit, der den Vorsitz des Aufsichtsrates

ein Jahr zuvor als einer der Verantwortlichen

für das Desaster räumen musste,

erneut die Leitung dieses Kontrollgremiums.

Wowereit und auch Flughafenchef Hartmut

Mehdorn legen sich nicht mehr auf einen neuen

Eröffnungstermin fest und schweigen sich

derzeit auch über die Kostenentwicklung am

Flughafen aus. Noch gilt also ein Kostenrahmen

von insgesamt 4,3 Milliarden Euro, doch

Experten rechnen mit deutlich mehr. Millionensummen

werden allein für den Unterhalt

des unfertigen Airports, durch notwendige

Nacharbeiten, Umbauten, Vertragsstrafen und

zusätzlichen Lärmschutz für Anwohner fällig.

Bis am Flughafen BER einmal bis zu 27 Millionen

Flugreisende pro Jahr abfertigen können,

müssen auch die überlasteten Flughäfen in

Tegel und Schönefeld ertüchtigt werden.

Wie ein gestrandetes Ufo erhebt sich bei der

Ortschaft Brand an der Autobahn A13 die Halle

der Freizeitwelt Tropical Islands. Sie ist das

Eine tropische Ferienwelt mit Lagunen, Badestränden und verschlungenen Dschungelpfaden

ist seit 2004 in der ehemaligen Luftschiffhalle entstanden.

eindrucksvollste Überbleibsel des gescheiterten

Cargolifter-Großprojekts. Die Cargolifter

AG hatte sich ab 1998 die auf einem früheren

sowjetischen Militärflugplatz errichtete

Werfthalle für ihre geplante Produktion

von Transportluftschiffen 78 Millionen

Euro kosten lassen, das Land hatte 40 Millionen

Euro Fördermittel bereitgestellt. Als sich

2002 die Zweifel an der technischen Machbarkeit

des Luftschiffprojekts mehrten, die

Geldgeber ausblieben und der Bund weitere

Bürgschaften ablehnte, ging Cargolifter in

die Insolvenz. Der malaysische Tanjong-Konzern

kaufte die leer stehende und mit 107m

Höhe, 360m Länge und 210m Breite größte

freitragende Halle der Welt. Er ließ sie für

70 Millionen Euro umbauen und eröffnete im

Dezember 2004 darin seine Freizeitwelt Tropical

Islands. Das anfangs von Spott und Häme

begleitete Unternehmen hat sich in den

neun Jahren seines Bestehens als Attraktion

etabliert. Kamen zunächst hauptsächlich Neugierige

aus dem Berliner Umland, so parken

mittlerweile Busse und Pkw aus ganz Deutschland,

Polen, Tschechien und sogar Skandinavien

vor der Freizeitwelt. Bis zu einer Million

Besucher wollen jedes Jahr bei tropischen

Temperaturen an künstlichen Sandstränden

baden, exotisch speisen oder in der Saunawelt

entspannen. Nach Unternehmensangaben

checken immer mehr Gäste für mehrere Tage

ein, die Tropenhalle verfügt über 1.000 Hotelbetten

und bietet rund um die Uhr vielfältige

kulturelle und sportliche Zerstreuung. Insgesamt

200 Millionen Euro wurden in den Ausbau

der Anlage investiert. Rund 600 Menschen

Fotos: Tropical Islands, EuroSpeedway, Flughafen Berlin-Brandenburg

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Brandenburg | 19

sind bei Tropical Islands fest angestellt. Und

die Freizeitwelt soll weiter wachsen. Derzeit

läuft das Raumplanungsverfahren für das 550

Hektar große Außengelände, auf dem eigenständige

Resorts mit Feriendomizilen im Western-,

Mittelalter-, Piraten- oder auch 1950er-

Jahre-Stil entstehen sollen.

Ein BMW-Bolide passiert beim Rennen der Deutschen

Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) die Zuschauertribüne

des Lausitzrings.

Im Tagebauland um Schipkau reiften nach

1990 kühne Formel-1-Träume, als die Idee einer

international konkurrenzfähigen Rennstrecke

Gestalt annahm. Die Lausitz war bereits

in den 1970er Jahren Domizil des einheimischen

Motorgeländesports. Zwar hatte

sich der DDR-Motorsport wegen knapper Ressourcen

weitgehend vom internationalen Geschehen

abgekoppelt, doch das öffentliche Interesse

war ungebrochen

groß. Der Wunsch nach einer

modernen Sicherheitsstandards

genügenden

Rennstrecke fand 1986

als Vorhaben sogar Eingang

in den letzten Fünfjahrplan

der DDR. Nach

der Wende von der Landesregierung

gefördert,

wurde im August 2000

auf dem Gelände des ehemaligen

Tagebaus Meuro

der Euro Speedway Lausitz

eröffnet. 159 Millionen

Euro kostete das, 126

Millionen Euro davon flossen

als Fördermittel. Seit 2009 führt die Euro-

Speedway Verwaltungs GmbH die Anlage, die

– seit 2013 wieder unter ihrem Traditionsnamen

Lausitzring – heute eine der modernsten

Motorsportarenen der Welt ist. Auf 434 Hektar

können zehn verschiedene Streckenvarianten

befahren werden, die Tribünen fassen bis zu

40.000 Schaulustige. Für 2013

rechnet man damit, dass die

Besucherzahl auf 340.000 gestiegen

ist. Am Lausitzring entstanden

45 feste und 150 Saisonarbeitsplätze.

Der Betreiber

schätzt, dass vom Betrieb der

Anlage der Fremdenverkehr, Hotels

und Gaststätten sowie zahlreiche

Dienstleister in der Region

mit insgesamt bis zu 1.500

Arbeitsplätzen profitieren.

Wichtigstes wirtschaftliches

Standbein des Unternehmens ist

die Streckenvermietung – in der

Saison ist die Strecke nahezu

täglich belegt. 2014 geht am

Ring eine Motocross-Strecke in Betrieb. Pro

Jahr gibt es bis zu 20 Publikumsveranstaltungen.

Highlight ist das jährliche Rennen der

Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM),

2013 zog es 65.000 Besucher an.

Der Mehrzahl der Brandenburger Großprojekte

blieb anhaltender Erfolg indes versagt.

So scheiterten bereits im Februar 2002 alle

Rettungsversuche für die insolvente Prefil

Der Flughafen

Berlin-Brandenburg „Willy Brandt”.

GmbH in Premnitz. Am Ende verloren die 200

Beschäftigten ihre Arbeit. Überdies gelang es

dem Land nicht, den Chemiestandort Premnitz,

an dem bis zum Zusammenbruch der DDR

7.500 Menschen beschäftig waren, zu erhalten.

Die öffentliche Hand kostete der vergebliche

Versuch ab 1990 rund 430 Millionen Euro.

Auch der Entwicklung von Frankfurt (Oder)

zum Zentrum der Elektronik- und Solar-Branche

war kein Glück beschieden. Am Standort

des nach der Wende geschlossenen DDR-

Halbleiterwerks sollte ab 1998 für 1,3 Milliarden

Euro eine Chipfabrik zur Herstellung von

Bauelementen für Mobiltelefone gebaut werden.

Die Fertigungshalle an der Autobahn A12,

in der 1.500 Menschen arbeiten sollten, stand

bereits, als das Projekt im November 2003

wegen der ungeklärten Finanzierung gestoppt

wurde. 2007 investierte das Hamburger Unternehmen

Conergy 250 Millionen Euro und

baute die Halle in eine Produktionsstätte für

Solarmodule mit 1.000 Arbeitsplätzen um, 40

Millionen Euro steuerte das Land bei. Als die

Krise der Solarbranche 2012 Frankfurt erreichte,

mussten zunächst die Mitbewerber Odersun

(260 Beschäftigte) und First Solar (1.200

Beschäftigte) aufgeben. Im Juli 2013 meldete

auch Conergy Insolvenz an. Im Dezember

2013 kaufte das chinesische Unternehmen

Astroenergy die Frankfurter Fabrik. Die Chinesen

wollen in der Oderstadt mit 210 der zuletzt

280 Arbeitskräfte die Produktion von Solarmodulen

fortsetzen.

W+M

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


20 | W+M Länderreport

Strom tanken – aber wo?

Elektro-Fahrzeuge rollen als Car-Sharing-Angebot oder bei den Stadtfahrten von Dienstleistern.

Bei leerem Akku müssen sie an die Steckdose. Rund 10.000 Euro kostet eine davon – das Berliner

Start-up ubitricity senkt die Kosten um 90 Prozent.

Von Dr. Ulrich Conrad

In diesem Elektroauto A2 hat ubitricity sein Konzept des intelligenten Ladekabels umgesetzt – die speziell dafür entwickelte kleine

Systemsteckdose befindet sich im Mast der Straßenlaterne.

Fotos: ubitricity, Vattenfall

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Berlin | 21

Nach anfänglichem Zögern bringen die Autohersteller nun

doch mehr oder weniger alltagstaugliche Elektroautos auf

den Markt. Noch sind sie sehr teuer, der Komfort meist eingeschränkt

und die Reichweite im rein elektrischen Betrieb zu gering.

Für Kurzstrecken und Stadtfahrten könnten sie trotzdem bald

zur ernsthaften Alternative zum Verbrennungsmotor werden, so auch

der kritische ADAC. Offenbar zeigen die mit großen Summen geförderten

Entwicklungsarbeiten Wirkung. Schon gibt es zudem Konzepte,

den Pendlerverkehr in Ballungsgebieten wie Berlin, München oder

Hamburg zumindest zum Teil mit E-Cars zu bewältigen. Grüne denken

dabei eher an Fahrräder mit Elektromotor und große Pedelec-Parkplätze

an der S-Bahn. Andere Visionäre sehen die Lösung des Speicherproblems

erneuerbarer Energien: In einem „intelligenten“ Stromnetz

hängen die Autos zum Aufladen an den Steckdosen, können

aber bei hohem Strombedarf auch Elektrizität ins Netz einspeisen. Natürlich

so, dass die Besitzer oder Nutzer trotzdem noch fahren können

– wenn sie das möchten. Bevor das intelligente Stromnetz mit

neuartigen Zählern, komplexer Steuerungstechnologie und einer funktionierenden

Software für die Abrechnung der Kosten bzw. Einspeisevergütung

aufgebaut wird, steht eine ganz andere, einfache Frage:

Wie viele Stromsteckdosen werden in Zukunft gebraucht? Eine für

jedes Fahrzeug oder eine für zwei im Durchschnitt? In Berlin gibt es

derzeit rund 400 öffentlich zugängliche Ladepunkte, rund 1.200 elektrisch

angetriebene Pkw und Nutzfahrzeuge laufen im Test, sie gehören

überwiegend zu Projekten im „Internationalen Schaufenster

Elektromobilität Berlin-Brandenburg“, das vom Bundesforschungsministerium

gefördert wird. Am Quartier Potsdamer Platz, das sich als

Hotspot der Elektromobilität versteht, konzentrieren sich die Ladesäulen,

jede hat zwei oder mehr Ladepunkte. Größte Anbieter sind die

Stromerzeuger Vattenfall und RWE. Die Kosten liegen bei rund 10.000

Euro für einen Ladepunkt – kaum vorstellbar, dass diese aufwendigen

Systeme einmal die Straßenränder in noch kürzerem Abstand als

Alleebäume zieren werden.

Ein Berliner Start-up mischt jetzt die Szene der Ladeinfrastruktur auf:

„Warum muss die Ladestation unbedingt die teure Technik zur Abrechnung

enthalten?“, fragt Dr. Frank Pawlitschek, Geschäftsführer der

ubitricity Gesellschaft für verteilte Energiesysteme mbH. „Es ist wesentlich

effizienter, wenn der Nutzer die Technik selbst mitbringt, genau wie

beim Mobiltelefon. Ubitricity verlagert die Intelligenz ins Ladekabel der

Fahrzeuge. Damit können die Ladepunkte einfache und günstige Systemsteckdosen

sein, die nahezu keine laufenden Kosten verursachen.

Autofahrer bringen ihren mobilen Stromzähler also selbst mit, wenn sie

Energie zapfen, mobile metering nennen es die Fachleute. Überall, wo

sie parken, können die Kunden Ladestrom vom Stromlieferanten ihrer

Wahl beziehen und bezahlen an diesen mit nur einer Stromrechnung.

Auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt am Main

im September hat ubitricity seine Entwicklung vorgestellt. Die Fachwelt

zeigte sich hochinteressiert, vor allem, weil die Kosten für Ladepunkte

beim Einsatz des Systems um bis zu 90 Prozent sinken würden.

Installation einer Wallbox, einer intelligenten Ladestation

an der Hauswand.

Schon für rund 300 Euro ließe sich zum Beispiel eine geeignete Straßenlaterne

mit einer Systemsteckdose ausrüsten. Am EUREF-Campus

der TU in Berlin-Schöneberg, wo ubitricity seinen Sitz hat, kann man

sich dies an einer normalen Straßenlampe ansehen.

Seit der Gründung 2008 ist ubitricity inzwischen auf 27 Mitarbeiter

gewachsen. Das Team ist so vielseitig wie das Aufgabenfeld: Neben

Systemingenieuren, Diplom-Physikern oder Diplom-Informatikern ist

auch das Wissen von Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlern sowie

Kommunikationswissenschaftlern gefragt. Das Start-up arbeitet mit

großen Unternehmen zusammen und hat auch die internationalen Märkte

im Fokus. Das Sicherheitskonzept und die Spezifikation der sicheren

Datenkommunikation wurden mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt

in Berlin entwickelt. Falls in den nächsten Jahren tatsächlich

massenhaft Steckdosen für Elektroautos installiert werden

müssen, dürfte das Konzept gute Karten haben.

W+M

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


22 | W+M Titelthema

Messen 2014:

Sprungbrett für den Mittelstand

Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren zum international

bedeutendsten Messeplatz gemausert. Mehr als 65 Prozent

aller Weltleitmessen finden hier statt. Insgesamt richten deutsche

Messeveranstalter pro Jahr 150 internationale Messen mit

gut 160.000 Ausstellern und 10 Millionen Besuchern aus. Damit

erzielt die Messebranche einen Gesamtjahresumsatz von mehr

als 2,5 Milliarden Euro.

Über 56.000 deutsche Unternehmen engagieren

sich als Aussteller im Business-to-Business-Segment.

Durchschnittlich fließen bis

zu 40 Prozent der Ausgaben für Business-to-

Business-Kommunikation von Firmen in Messebeteiligungen.

Auch das gerade begonnene Jahr 2014 und

das darauffolgende Jahr versprechen zahlreiche

wichtige und innovative Messen, die

speziell für mittelständische Unternehmer

– auf Aussteller- wie Besucherebene – interessant

sein dürften. W+M stellt auf den folgenden

Seiten ausgewählte Messen und Messemärkte

vor.

Den Auftakt im Frühjahr bildet die „analytica“,

die Internationale Leitmesse für Labortechnik,

Analytik und Biotechnologie, die

vom 1. bis 4. April stattfindet. 2013 kamen

mehr als 30.000 Fachbesucher aus über 110

Ländern zu dieser Leistungsschau nach München.

Die diesjährige Messe geht mit einer

Neuerung an den Start: Erstmals wird mit einer

Sonderschau der Bereich Arbeitsschutz

und Arbeitssicherheit im Labor abgebildet.

Auf der IFAT, der Weltleitmesse für Wasser-,

Abwasser-, Abfall- und Rohstoffwirtschaft,

trifft sich zwischen dem 5. und 9. Mai alles,

was in der „Green Economy“ Rang und Namen

hat. Die im Zwei-Jahres-Turnus stattfindende

Gut besucht: die alle zwei Jahre in

München stattfindende IFAT.

Messe verbuchte 2012 mit mehr als 125.000

in- und ausländischen Gästen einen historischen

Besucherrekord.

Ein Besuchermagnet dürfte auch die ebenfalls

alle zwei Jahre durchgeführte AUTO-

MATICA werden, die vom 3. bis 6. Juni ihre

Tore öffnet. Die Fachmesse für Automation

und Mechatronik richtet sich an Anwender

und Entwickler von Automatisierungs- sowie

Systemkomponenten. In diesem Jahr wird

München erwartet

zwei Millionen Messebesucher

Die Messe München rechnet in diesem Jahr mit 30.000 Ausstellern.

Am Messeplatz München wird 2014 eine Vielzahl

von hochwertigen Fachmessen stattfinden.

Veranstalter sind die Messe München

International sowie diverse Gastveranstalter,

wie zum Beispiel die Gesellschaft für

Handwerksmessen. Die Messegesellschaft

rechnet damit, dass in diesem Jahr mindestens

30.000 Aussteller und insgesamt mehr

als zwei Millionen Besucher an den Veranstaltungen

auf dem Münchner Messegelände

und im Internationalen Congress Center

teilnehmen werden.

Fotos: Messe München International, Koelnmesse

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Messejahr 2014 | 23

es zum ersten Mal einen extra Bereich für

Service-Robotik geben. Bewusst stellt sich

die Messe internationaler Konkurrenz. Dr.

Reinhard Pfeiffer, Geschäftsführer der Messe

München: „Wir wollen die Messe auf Basis

der Vorbilder 2008 und 2010 erfolgreich weiterführen

und haben uns dazu entschieden,

die AUTOMATICA parallel zur Intersolar Europe

zu halten.“

Die internationale Fachmesse für Gewerbeimmobilien

und Investitionen EXPO REAL (6.

bis 8. Oktober) gilt als zentrale Leistungsschau

für Networking bei branchen- und länderübergreifenden

Immobilienprojekten, Investitionen

und Finanzierungen. Sie bildet

das gesamte Spektrum der Immobilienwirtschaft

ab und bietet eine internationale Networking-Plattform

für die wichtigsten Märkte

von Europa über Russland, den mittleren

Osten bis in die USA.

25 Branchen

mit Leitmessen in Köln

Die Koelnmesse gehört mit 75 Messen und 2.000 Kongressen zu den

großen Playern im Messemarkt.

Mit rund 75 internationalen Fachmessen und

Fachausstellungen im In- und Ausland und

rund 2.000 Kongressen gehört die Koelnmesse

zweifellos zu den großen Playern im Messegeschäft.

Fest im Fokus hat die Kölner Messegesellschaft

einen wichtigen Kundenstamm

– den Mittelstand, darunter auch zahlreiche

ostdeutsche Unternehmen, die Köln seit Jahren

die Treue halten. Gerald Böse, Vorsitzender

der Geschäftsführung der Koelnmesse, ist

denn auch voll des Lobes: „Es ist beeindruckend,

wie viele ostdeutsche Unternehmen

heute ihren Erfolg – neben der Qualität ihrer

Produkte – gerade ihrem Bekenntnis zu ihrer

regionalen Herkunft verdanken. Für weiteres

Wachstum brauchen sie aber Plattformen, auf

denen sie sich dem Weltmarkt präsentieren

können. Die Koelnmesse bietet diese Foren,

in Köln finden für rund 25 Branchen die weltweit

führenden Messen statt. Das haben ostdeutsche

Unternehmen in den vergangenen

beiden Jahrzehnten erkannt, das hat für viele

von ihnen bereits entscheidend zum Erfolg

beigetragen. Und sie sind in bester Gesellschaft:

90 Prozent unserer Aussteller kommen

aus dem Mittelstand und finden via Köln

ihren Weg zur internationalen Nachfrage.“

Speziell für Aussteller und Besucher aus den

neuen Ländern sind diverse in Köln ausgerichtete

Messen der Ernährungsbranche interessant,

etwa die Leitmesse für die globale

Ernährungswirtschaft Anuga (fand zuletzt

im Oktober 2013 statt), die internationale

Süßwarenmesse ISM (26. bis 29. Januar

2014) oder die internationale Fachmesse für

Lebensmittel- und Getränkeindustrie „Anuga

FoodTec“ (24. bis 27. März 2015). Wichtig waren

und sind zudem internationale Einrichtungs-

und Küchenmessen, wie die „imm cologne“

(13. bis 19. Januar 2014) oder die „LivingKitchen“,

die im kommenden Jahr vom

19. bis 25. Januar 2015 stattfinden wird.

Hamburg als Mekka

der maritimen Industrie

Alle zwei Jahre im September wird der Messeplatz

Hamburg zum Mekka der internationalen

maritimen Industrie. In 26. Auflage findet

vom 9. bis 12. September 2014 die weltweit

führende Schiffbaumesse SMM statt.

Mehr als 2.000 Austeller und 50.000 Fachbesucher

werden in diesem Jahr erwartet. Die

SMM bildet vom Schiffbau über die Schifffahrt,

die Zuliefer- und Offshore-Industrie

bis hin zur Schiffsfinanzierung alle Bereiche

der maritimen Wirtschaft ab. Traditionell

sind etliche Vertreter der Branche aus

Mecklenburg-Vorpommern in Hamburg vertreten.

Die maritime Industrie im Nordosten

erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von

1,9 Milliarden Euro. Auf der SMM langjährig

präsent ist zum Beispiel das Schiffbauunternehmen

Nordic Yards, das sich mit dem Bau

von riesigen Konverterplattformen für Offshore-Windparks

empfiehlt. Die Werft mit

Standorten in Wismar und Warnemünde ist

in kurzer Zeit zum Weltmarktführer in dieser

Sparte avanciert.

Die Mecklenburger Metallguss GmbH aus

Waren/Müritz, weltgrößter Hersteller von

Schiffspropellern, hat der SMM in der Vergangenheit

ihren besonderen Stempel aufgedrückt.

Regelmäßig zierte ein tonnenschwerer

Schiffspropeller den Vorplatz am Eingang

Ost der Hamburg Messe.

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24 | W+M Titelthema

aller Zeiten sein. Ihr Rang als weltweit

bedeutendster Branchentreff

ist so unbestritten, dass sie sich

2013 sogar den Namen „Spielwarenmesse“

als Wortbegriff schützen

lassen konnte. Traditionell ist

sie nur Fachbesuchern zugänglich,

die sie als das Ereignis des Jahres

ansehen wie John Tong, Vizepräsident

des Hong Kong Toys Council,

bekräftigt: „Nürnberg ist die führende

Spielwarenmesse der Welt

und ermöglicht es, an einem Ort

zugleich Einkäufer, Hersteller, Erfinder

und Designer zu treffen.“

Im September wird Hamburg zum Mekka der internationalen maritimen Industrie.

Im Kontext des wachsenden Ausbaus der

Windenergie auf Land und auf See erlebt der

Messeplatz an der Alster in der zweiten Jahreshälfte

eine Premiere. Zum ersten Mal wird

die Fachmesse „WindEnergy Hamburg“ veranstaltet.

Sie offeriert vom 23. bis 26. September

2014 die gesamte Bandbreite der

Onshore- und Offshore-Windindustrie. Unter

den gut 1.000 Ausstellern werden aus Mecklenburg-Vorpommern

etwa die KGW Schweriner

Maschinen- und Anlagenbau GmbH, Hersteller

von Stahlrohrtürmen für Windräder

und der Windkraftanlagenbauer Nordex SE

aus Rostock vertreten sein.

Während die SMM und „WindEnergy“ auf

maritime Großprojekte und den Anlagenbau

fokussiert sind, geben sich in Hamburg

alljährlich Bootsbauer sowie Ausrüster

und Dienstleister im maritimen Freizeitbereich

ein Stelldichein auf der Messe „hanseboot“.

Vom 25. Oktober bis 2. November 2014

werden neben gut 600 Ausstellern auch ca.

80.000 Besucher erwartet, die sich rund um

den Wassersport informieren können. Großes

Interesse weckte in den letzten Jahren

die HanseYachts AG aus Greifswald, die die

Hamburger Bootsmesse regelmäßig nutzt,

um ihre neuesten Yachtmodelle einem breiten

Publikum zu präsentieren.

Nürnberg lockt

mit Spielwarenmesse

Mit der Erfahrung von 65 Jahren, 170.000

Quadratmetern Ausstellungsfläche, 2.700

nationalen und internationalen Ausstellern,

über 73.000 Fachbesuchern aus weit

mehr als 100 Ländern und etwa einer Million

Exponaten wird die Nürnberger Spielwarenmesse,

die vom 29. Januar bis 3. Februar

2014 stattfindet, die größte Spielwarenmesse

Auch namhafte ostdeutsche Hersteller,

wie die Eichsfelder Technik

eitech GmbH, die Kösener Spielzeugmanufaktur

oder PIKO Spielwaren

aus Sonneberg, sind mit

Ständen vertreten. Erstmals präsentiert die

Spielwarenmesse 2014 Trends und Neuheiten

auf einer gemeinsamen Fläche in der Trend-

Gallery. Ein wichtiges Thema ist die Eröffnung

neuer Spielräume: Kombinationen von

traditionellen Spielen und digitalen Sphären

ziehen erfahrungsgemäß nicht nur Kinder

in ihren Bann.

Karsten Hintzmann,

Thomas Schwandt und

Constanze Treuber

Die Spielwarenmesse Nürnberg gilt weltweit als größter Treff der Branche.

Fotos: Alex Schelbert/Spielwarenmesse, Thomas Schwandt, Messe Berlin

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Messejahr 2014 | 25

2014 wird das Jahr der Leitmessen“

W+M-Interview mit Christian Göke, Geschäftsführer Messe Berlin

W+M: Herr Dr. Göke, Sie sind seit Juli 2013 neuer Geschäftsführer der

Messe Berlin. Welche strategischen Ziele verfolgen Sie?

Christian Göke: Wir wollen mit unserem Unternehmen ein immer

besserer Arbeitgeber werden, weil wir zutiefst von der These überzeugt

sind, dass in unserem Markt der Mensch der entscheidende Erfolgsfaktor

ist.

W+M: Wo sieht sich die Messe Berlin im Wettbewerb mit Köln,

Frankfurt, München und Düsseldorf positioniert?

Christian Göke: Deutschland ist der weltweit bedeutendste Messemarkt.

Zwei Drittel aller Leitmessen finden hier statt. Kein anderes Land

hat so viele starke Messeplätze und -gesellschaften. Gemeinsam versuchen

wir, diesen Status beizubehalten und stehen uns ansonsten im

fairen Wettbewerb gegenüber, für den wir uns mit unserem starken

Veranstaltungsportfolio und der Attraktivität unserer Hauptstadt gut

gewappnet sehen.

W+M: Wie wichtig sind ostdeutsche Unternehmen sowohl als Aussteller

als auch Besucher?

Christian Göke: Ostdeutschland zählt für uns zum direkten Einzugsgebiet.

Je nach Branche und Veranstaltung verbuchen wir dabei einen

stetigen Zuwachs bei der Anzahl von Ausstellern, Fachbesuchern und

Besuchern, beispielsweise bei der belektro, Boot & Fun Berlin, bautec

oder Hippologica Berlin.

W+M: Was sind die wich tigsten Messen und Kongresse in diesem

Jahr?

Christian Göke:

Im Jahr 2014 finden

alle unsere Leitmessen

statt: Internationale

Grüne Woche, Fruit-

Logistica, ITB Ber lin,

ILA Berlin Air Show,

Dr. Christian Göke

Geschäftsführer

Messe Berlin

IFA und InnoTrans. Aber auch unsere kleineren Messen haben ihre

Bedeutung und sind für die jeweilige Branche und die Hauptstadtregion

wichtig. Am 10. Mai 2014 werden wir voraussichtlich mit dem Bundeskongress

des Deutschen Gewerkschaftsbundes unsere neue Multifunktionshalle

CityCube einweihen.

W+ M: Sind neue Messeprojekte geplant?

Christian Göke: Im Mai 2014 startet die „tools“, mit

der wir ein Messeformat rund um webbasierte Anwendungen

anbieten. Dabei stehen nicht die Entwickler,

sondern die Anwender im Focus. Im Juni 2015

folgt dann die „stage/set/scenery“. Mit dieser neuen

Veranstaltung sprechen wir die gesamte professionelle

Bandbreite der Theaterfachplanung, Film,

Bühnen-, Licht-, Ton-, Video- und Medientechnik,

Maske, Kostümdesign, Dekorationsbau, Architektur,

Akustik, Studio-, Ausstellungs- und Museumstechnik

an.

W+M: Wie und mit welchen Projekten entwickelt sich

das Auslandsgeschäft der Messe Berlin?

Der multifunktionelle Haupteingang Süd der Messe Berlin.

Christian Göke: Mit unseren Veranstaltungen ITB

Asia in Singapur und der AsiaFruitLogistica in Hongkong

sichern wir unsere Berliner Leitmessen. Beide Veranstaltungen

sind mittlerweile Marktführer im asiatischen

Markt und wachsen weiter.

Interview: Torsten Holler

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26 | W+M Titelthema

Messemarkt Ostdeutschland:

Ein Leuchtturm und viele Blinklichter

Leipzig hat sich als einziger Messestandort Ost unter den nationalen Top 10 etabliert. Einige regionale

Messegesellschaften brachten es dank satter steuerlicher Alimentierung zumindest in die

zweite Liga – allen voran Erfurt, gefolgt von Dresden, Chemnitz, Rostock, Magdeburg, Halle.

Von Harald Lachmann

Leipzigs futuristisches Messegelände wurde bereits international mit Architekturpreisen geehrt.

Es geht aufwärts in Leipzig. Die gut 85 Millionen

Euro Umsatz, die Messechef Martin

Buhl-Wagner für 2013 verkündete,

be deuteten nicht nur ein Plus von 17 Prozent

gegenüber 2012, sondern das überhaupt beste

Geschäftsjahr seit der Wende. Mithin etablierte

sich die traditionsreiche Messe national fest

in den Top 10. Das war 1990 weiß Gott nicht

zu erwarten. Denn keiner brauchte da noch

wirklich jenen einstigen Welthandelsplatz, an

dem man 1895 das Prinzip der Mustermesse

erfand und wo sich zuvor auf den Rundgängen

von Erich Honecker gleich noch viel Politisches

(ver)handeln ließ. Immerhin lagen da

schon fünf der zehn weltgrößten Messegesellschaften

in Westdeutschland.

Leipzig belegt mit einer Hallenfläche sowie

einem Freigelände von 111.300 bzw. 70.000

Quadratmetern jeweils Platz 8 in Deutschland.

Fünf der größten Messen finden sich heute

unter jenen Events, die stabil 100.000 und

mehr Besucher anlocken: neben der Buchmesse

und der zweitgrößten deutschen Automesse

AMI auch die Publikumsschauen „Haus-Gar-

Fotos: Harald Lachmann

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Messejahr 2014 | 27

ten-Freizeit“ und „Modell-Hobby-Spiel“. Hinzu

kam lange das Computerspiele-Forum „Games

Convention“, das jedoch nach dem sensationellen

Aufbauerfolg auf unfeine Weise nach Köln

verschoben wurde. Dennoch wurden in Leipzig

weitere internationale Branchengradmesser

heimisch, etwa die Weltleitmesse für Orthopädie

und Rehatechnik „OT World“, Europas Leitmesse

für Denkmalpflege und Restaurierung

„denkmal“ und die Fachschau für Kommunalund

Regionalentwicklung „euregia“.

Typisch für Leipzigs Messestrategie ist ein

internationaler oder zumindest konsequent

überregionaler Fokus. Damit beherbergt man

den einzigen Messeleuchtturm Ost. Doch dunkel

ist es darunter nicht. Es wimmelt nur so

an Blinklichtern, Streulichtern und zuweilen

auch Irrlichtern zwischen Rügen und Vogtland,

Eisenach und Frankfurt/Oder. Die Fülle

an Gewerbe-, Verkaufs- oder Regionalschauen

ist kaum zu überschauen. Keine Kreisstadt,

kein Mittelzentrum, erst recht keine frühere

Bezirks metropole, die sich nicht als Messestandort

feiert. Und da sie fast durchweg aus

Steuergeldern alimentiert werden (was indes

auch auf alle ganz Großen an Rhein und Main

und natürlich auch Leipzig zutrifft), haben sie

auch einen langen Atem – und einen gewissen

Hang zum Kannibalismus. Fast jeder Lokalfürst

will sich im eigenen Messeareal sonnen, selbst

wenn nur 30 Autominuten weiter ein weiterer

Reisemarkt oder Lifestyle-Basar buhlt. Man

Die lichtdurchflutete Glashalle des Leipziger Messegeländes.

kennt Vergleichbares bei Regionalflugplätzen.

Damit schafften es weitere Oststandorte zumindest

in die zweite Liga. Thüringen powerte

etwa die Messe Erfurt als seine 100-Prozent-Tochter

nach schwerem Neustart 2011 zur

Nummer 2 im Osten: sowohl bei Hallenfläche

(25.070 Quadratmeter) und Umsatz (knapp

acht Millionen Euro) als auch den Jahresgesamtzahlen

bei Veranstaltungen (200 – darunter

auch Rock, Sport, Flohmärkte, etc.), Ausstellern

(7.000) und Besuchern (600.000). Zudem

holte man mit Thomas Tenzler Leipzigs Ex-

Messesprecher an Bord und will sich so nun

internationaler öffnen. Bereits recht erfolgreich

ist die „Rapid.Tech“, gekoppelt an eine

Anwendertagung zur Rapid-Technologie.

Umsatzmäßig auf den Plätzen folgt erneut

zweimal Sachsen: Chemnitz und Dresden mit

6,3 bzw. 5,2 Millionen Euro. Auch diese Zahlen

resultieren aus einem breiten Mix von Pop

bis hochkarätiger Fachschau. Immerhin richtet

Dresden (23.000 Quadratmeter Hallenfläche)

mit der SEMICON Europas Leitmesse für

Mikroelektronik aus. Zuletzt zählte man 420

Aussteller. Chemnitz (19.000 Quadratmeter)

musste dagegen sein bisher erfolgreichstes

Eigengewächs – Ostdeutschlands wichtigste Industriemesse

Intec – nach Leipzig verlagern:

Hier lässt es sich einfach besser verkaufen.

Größere Messekomplexe leisten sich auch

Magdeburg, wo die Stadt als 91-Prozent-Gesellschafter

indes immer wieder bitter für

Liquiditätszuschüsse blutet, Rostock, Halle,

Cottbus sowie Potsdam, wo man jedoch Anfang

2013 Insolvenz anmeldete. Das Portfolio

der Veranstaltungen – teils von Fremdpromotern

gestemmt – beschränkt sich hier noch

deutlich regionaler auf die Felder Auto, Reise,

Eigenheim, Fashion, Floristik oder Handwerkliches

für Endkunden. Zuweilen ist die Messe

auch nur eine Sparte einer kommunalen

Kongress- und Immobilienagentur. So lassen

sich auch schwer exakte Umsatzzahlen vergleichen.

Auch nicht in Halle, wo das heimische

Paar Beate und Roland Zwerenz das erste

privat finanzierte Messegelände im Osten

errichtete. Doch auch das ist seit 2008 einem

Dresdner Medienkonzern angegliedert. W+M

Thüringens Landesregierung verfolgt als Alleinbesitzer der Messe Erfurt GmbH

ehrgeizige Pläne mit dem modernen neuen Gelände.

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28 | W+M Titelthema

ILA: Gute Aussichten für Zulieferer

Neuheiten wie der Prototyp eines Airbus A320-214 (WL) ziehen alle zwei Jahre über 230.00 Besucher auf die ILA.

Die Internationale Messe für Luft- und

Raumfahrt, die ILA Berlin Air Show, ist

die älteste Luftfahrtmesse der Welt. Nach der

Premiere 1909 in Frankfurt/Main fand sie

von 1912 bis zum Zweiten Weltkrieg in Berlin

statt. Nach einer mehr als 30 Jahre dauernden

Präsenz in Hannover – bedingt durch den

kalten Krieg – feierte sie 1992 am Standort

Berlin-Brandenburg ein furioses Comeback.

2012 waren 1.243 Aussteller aus 46 Ländern

und allen Bereichen der Aerospace präsent,

282 Fluggeräte aller Größen und Kategorien

wurden präsentiert.

Mit ähnlichen Zahlen ist zu rechnen, wenn

die ILA vom 20.–25. Mai 2014 ihre diesjährigen

Türen öffnet, davon an den ersten

drei Tagen ausschließlich für Fachbesucher.

Gute Aussichten bieten sich den Zulieferern,

speziell auch aus den neuen Bundesländern,

mit den Großen der Branche ins Geschäft zu

kommen. Mit dem International Suppliers

Center (ISC) hat die ILA eine Marketingplattform

für die gesamte Zuliefererindustrie

etabliert. Neben Vertretern des Einkaufs werden

2014 erstmalig auch Experten aus dem

Entwicklungsbereich eingeladen. Mehr als

40 Vertreter internationaler Hersteller und

Fachbesucherausweise

Preis: 55 € pro Tag

bzw. 135 € für alle Tage

Bestellung auf www.ila-berlin.de

Zulieferer der ersten Führungsebene haben

ihre Teilnahme an den Internationalen Buyers'

Days zugesagt. Ebenfalls zum ersten Mal

werden die Gespräche an allen drei Fachbesuchertagen

stattfinden. Bereits im Vorfeld

der Messe werden etwaige Gesprächswünsche

durch ein Matchmaking-System koordiniert.

Bereits heute liegen bei der Produktion von

Flugzeugen ca. 80 Prozent aller wertschöpfenden

Leistungen in den Händen der Zulieferer.

Das ist vor dem Hintergrund eines prosperierenden

Wachstumsmarktes ein hochinteressantes

Potenzial, auch gerade für mittelständische

Unternehmen. In den nächsten

zwanzig Jahren wird sich die weltweite

Flotte von Passagierflugzeugen auf 32.000

nahezu verdoppeln. Torsten Holler

Foto: Markus Pirk

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


MESSEN & VERANSTALTUNGEN 2014

27.02. – 02.03. IMMOBILIEN

27.02. – 28.02. Gewerbe & Kongress

28.02. – 02.03. Wohnen & Eigentum

www.immobilienmesse-leipzig.de

01.03. – 03.03. CADEAUX Leipzig*

Fachmesse für Geschenk- und Wohntrends

www.cadeaux-leipzig.de

13.03. – 16.03. Leipziger Buchmesse / Lesefest Leipzig liest

www.leipziger-buchmesse.de

13.05. – 16.05. OTWorld

Orthopädie + Reha-Technik 2014

Internationale Fachmesse und Weltkongress

www.ot-world.com

31.05. – 08.06. AMI Auto Mobil International

www.ami-leipzig.de

31.05. – 04.06. AMITEC

Fachmesse für Wartung, Pfl ege und

Instandsetzung von PKW, Nutzfahrzeugen

und mobilen Großgeräten aller Art

www.amitec-leipzig.de

05.06. – 06.06. CosmeticBusiness*

Die internationale Fachmesse der Kosmetik

Zulieferindustrie

Veranstaltungsort: MOC München

www.cosmetic-business.com

* nur für Fachbesucher

Auszug · Änderungen vorbehalten

06.09. – 08.09. CADEAUX Leipzig*

Fachmesse für Geschenk- und Wohntrends

www.cadeaux-leipzig.de

06.09. – 08.09. COMFORTEX *

Fachmesse für Raumgestaltung

www.comfortex.de

06.09. – 08.09. MIDORA Leipzig*

UHREN- & SCHMUCKMESSE

www.midora.de

03.10. – 05.10. modell-hobby-spiel

Ausstellung für Modellbau, Modelleisenbahn,

kreatives Gestalten und Spiel

www.modell-hobby-spiel.de

23.10. – 26.10. Designers’ Open

Design Festival Leipzig

www.designersopen.de

27.10. – 29.10. new mobility

Mobilität neu denken

www.new-mobility-leipzig.de

04.11. Absolventenmesse Mitteldeutschland

www.absolventenmesse-mitteldeutschland.de

06.11. – 08.11. denkmal

Europäische Messe für Denkmalpfl ege,

Restaurierung und Altbausanierung

www.denkmal-leipzig.de

www.leipziger-messe.de


30 | W+M Politik

Dohnanyi-Kolumne

Die Wahl war gestern, die Regierung in Berlin

ist heute – was aber wird morgen sein?

Denn was eine Regierung „heute“ entscheidet,

das wird frühestens „morgen“ zu sehen sein;

oft sogar erst sehr viel später: „übermorgen“.

Heute zum Beispiel, 25 Jahre nach dem Fall

der Mauer, tragen wir noch immer an einer

Last von Staatsschulden, die 1989 nur knapp

40 Prozent unserer Jahreswirtschaftsleistung

(Bruttoinlandsprodukt) betragen hatte, aber

bis 2007 (also vor der Krise!) auf über 63 Prozent

anstieg – nur weil sich die Regierung Kohl

trotz der voraussehbaren Aufbau-Ost-Kosten

weigerte, die Steuern zu erhöhen!

Wie wollen wir

regiert werden?

„Ich finde, wir alle sollten

uns bemühen, unsere politischen

Urteile sorgfältiger

auch auf ihre möglichen

Spätfolgen zu prüfen.“

Oder: Bundeskanzler Gerhard Schröder entschied

im März 2003 für einen flexibleren

Arbeitsmarkt, verlor aber dann 2005 die Bundestagswahlen,

weil damals erst die Schmerzen

seiner Entscheidungen zu spüren waren,

noch nicht die guten Folgen. Zehn Jahre später,

im Bundestagswahlkampf 2013, rühmte sogar

seine christlich-liberale Nachfolgerin Angela

Merkel die mutigen Entscheidungen ihres

Vorgängers; Schröders Weichenstellungen von

2003 waren eben erst „übermorgen“ wirklich

spürbar geworden.

Ich finde, wir alle sollten uns bemühen, unsere

politischen Urteile sorgfältiger auch auf

ihre möglichen Spätfolgen zu prüfen. Und gerade

eine Koalition, die sich auf eine so überwältigende

Parlamentsmehrheit stützen kann

wie die heutige, sollte sich dessen bewusst sein

und sich gegen die Kräfte augenblicklicher Gefälligkeiten

stemmen.

Zwei große Linien der unsere Zukunft bestimmenden

politischen Herausforderungen müssen

wir als Richtschnur stets beachten: die

wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und eine

soziale und gerechte Verteilung ihrer Erträge.

Beide Leitplanken sind aber heute höchst gefährdet.

Warum?

Deutschlands gegenwärtiger Wirtschaftserfolg

ist nicht nur das Ergebnis innovationsstarker

Unternehmen und fleißiger Menschen. Wir verdanken

unsere Welterfolge auch einer ungewöhnlichen,

aber vermutlich vorübergehenden

Konstellation in der Weltwirtschaft: Viele

Länder wollen sich heute industrialisieren,

aber nur wenige sind – wie

Deutschland – in der Lage,

die dafür notwendigen Maschinen

und Anlagen zu

liefern. Wann werden das

auch Andere können? Chinesen,

die einen kleinen

Forschungswagen auf dem

Mond landen konnten, werden

wohl auch hier nicht

allzu lang auf sich warten

lassen.

Unser Kolumnist Klaus von Dohnanyi war

von 1972 bis 1974 Bundesminister für Bildung

und Wissenschaft und von 1981

bis 1988 Erster Bürgermeister der Freien

und Hansestadt Hamburg. Von 1990 bis

1994 arbeitete er an der Privatisierung des

Kombinats Tagebau-Ausrüstungen, Krane

und Förderanlagen TAKRAF. Von 2003 bis

2004 war er Sprecher des Gesprächskreises

Ost der Schröder- Regierung.

Auch wir werden uns also auf neue Wettbewerbssituationen

einstellen müssen. Dafür

brauchen wir in erster Linie eine hohe Flexibilität

der Unternehmen. Wird diese den Unternehmern

heute belassen? Gegenwärtig regulieren

wir immer mehr, als dass wir Freiheiten

schaffen. Ohne diese flexiblen Freiheiten geraten

Unternehmen aber in Gefahren der Stagnation.

Nicht „heute“, aber vielleicht schon

„morgen“?

Was die gerechte Verteilung angeht, so unterliegen

wir in der öffentlichen Debatte vielen

Irrtümern. Denn bei den Einkommen erreichen

wir (nach einem sozialen Ausgleich

durch Transferzahlungen), im internationalen

Vergleich ein relativ gutes Ergebnis; Ausreißer

ausgenommen z. B. beim Fußball. Aber

wir finden bisher keinen Weg, die wachsende

Ungleichheit der Vermögen aufzuhalten. Denn

hier drohen dann gefährliche Belastungen für

die Substanz der Unternehmen. Den Parteien

fehlen pragmatische Ideen für heute, morgen

und übermorgen.

Unsere Zukunft verlangt auf beiden Gebieten

eine offene, grundsätzliche und problemorientierte

politische Debatte. Parteipolitik hilft

uns da nicht weiter. Eine Große Koalition wäre

die Chance.

W+M

Foto: luise/pixelio.de, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, DIHK/ Thomas Kierok, Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


W+M Politik | 31

Deutschland als

Vorreiter bei der Energiewende?

PRO

Deutschland ist leider nicht mehr Vorreiter der Energiewende.

Union und FDP haben diese Position vergeigt.

Spätestens mit dem schwarz-roten Koalitionsvertrag verliert

unser Land auch noch den Anschluss an die Spitze.

Das ist klimapolitisch und ökonomisch hoch riskant, denn

damit wird einerseits ein Innovationsvorsprung verspielt.

Andererseits geben Union und SPD einen wertvollen Erfahrungsvorsprung

auf. Denn mit dem Erneuerbare-Energien-

Gesetz (EEG) hat Deutschland Umweltgeschichte geschrieben

und durch den Aufbau einer neuen Branche zukunftsfähige

Arbeitsplätze geschaffen. Auf den Weltklimakonferenzen

konnte Deutschland bis vor wenigen Jahren sogar zum

Nachmachen motivieren.

Aus nüchternen, wirtschaftlichen und politischen Überlegungen

sollte Deutschland wieder Vorreiter der Energiewende werden.

Denn nur Vorreiter können Entwicklungen prägen. Als Vorreiter

für Erneuerbare Energien könnte Deutschland Ideen und

Produkte exportieren.

W+M

CONTRA

Die Politik muss die Energiewende dringend bezahlbar

gestalten. Die EEG-Umlage wird 2014 mit einem Volumen

von 24 Milliarden Euro fast fünf mal so hoch sein wie

vor fünf Jahren. Nicht die Ausnahmen für die Industrie

sind das Problem, sondern die Kostenexplosion. Die Energiepreise

sind das Risiko Nummer 1 für den Wirtschaftsstandort

Deutschland.

Unternehmen und Bürger dürfen durch die Energiewende

nicht über Gebühr belastet werden. Die Politik muss

wieder ein stärkeres Gewicht auf wettbewerbsfähige

Preise und Versorgungssicherheit setzen. Die Erneuerbaren

Energien können heute schon mehr, als ihnen

zugetraut wird. Das heißt: Sie müssen sich schnellstmöglich

selbst vermarkten. Sie könnten ihren Strom

als „Grünstrom Made in Germany“ verkaufen. Es ist

Zeit, dass sich Erneuerbare Energien jenseits der Einspeisevergütung

einen Platz am Markt erobern. Dann

kann der Ausbau ohne immer weiter steigende Kosten

gelingen.

W+M

Anton Hofreiter

Vorsitzender der Bundestagsfraktion

Bündnis 90/Die Grünen

Eric Schweitzer

Präsident des Deutschen Industrieund

Handelskammertages (DIHK)

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32 | W+M Politik

Ostbeauftragte Iris Gleicke:

Investitionszuschüsse erhöhen und

Exportförderung ankurbeln

Die SPD-Politikerin Iris Gleicke fungiert seit Mitte Dezember 2013

als Ostbeauftragte der neuen Bundesregierung. Die 49 Jahre alte

Hochbau-Ingenieurin stammt aus Schleusingen, einer Kleinstadt

mit knapp 6.000 Einwohnern am südlichen Abhang des Thüringer

Waldes. Sie ist verheiratet und Mutter eines Sohnes.

Von Karsten Hintzmann

Ostbeauftragte des Bundesregierung:

Iris Gleicke.

Obwohl Iris Gleicke bislang kaum überregionale

Schlagzeilen gemacht hat, ist sie im

Politikgeschäft keine Unbekannte. Seit Dezember

1990 ist sie ohne Unterbrechung Mitglied

des Deutschen Bundestages, gewann

zwischen 1998 und 2005 drei Mal in Folge

das Direktmandat in ihrem Heimatwahlkreis,

der die Region Suhl, Schmalkalden und Hildburghausen

umfasst. Unter dem damaligen

SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck arbeitete

Gleicke von 1998 bis 2002 als Vize-

Fraktionschefin. Von 2002 bis 2005 wirkte sie

unter Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe

(SPD), der parallel auch Ostbeauftragter im

Kabinett von Bundeskanzler Gerhard Schröder

(SPD) war, als Parlamentarische Staatssekretärin.

Stolpe hält bis heute große Stücke

auf Gleicke. Gegenüber W+M sagte er: „Iris

Gleicke ist eine resolute Frau, sehr durchsetzungsfähig.

Ich verspreche mir, dass sie

den nach wie vor nötigen Druck macht und

im Kabinett sehr deutlich aufzeigen wird, mit

welchen Förderprogrammen und Maßnahmen

die Dinge angegangen werden müssen, damit

eine Angleichung der Wirtschaftskraft zwischen

Ost und West gelingt.“

Im Gegensatz zu ihrem Amtsvorgänger Christoph

Bergner, der als Staatssekretär im Bundesinnenministerium

angebunden war, hat

Gleicke künftig einen direkten Draht zur

Wirtschaft – als Parlamentarische Staatssekretärin

bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar

Gabriel (SPD).

Im Gespräch mit W+M kündigte Gleicke an,

sie setze als Ostbeauftragte klar auf die Fortsetzung

der Wirtschaftsförderung. Gleicke:

„Die ist unverzichtbar, um die Unterschiede

in der Wirtschaftskraft weiter abzubauen.

Nach allen Kennziffern betragen die Ost-

West-Unterschiede noch immer zwischen 20

bis 30 Prozent, sei es bei der Wirtschaftsleistung

pro Kopf mit rund 30 Prozent oder

bei der Produktivität der Betriebe mit rund

20 Prozent.“ Wichtig sei in diesem Zusammenhang,

so die Thüringer SPD-Politikerin,

die Erhöhung der Investitionszuschüsse im

Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung

der regionalen Wirtschaftsstruktur.

„Damit stehen den Ländern mehr Mittel

für die Ansiedlung und die Wachstumsförderung

von Unternehmen zur Verfügung. Wir

werden die wichtige Innovationsförderung

auf hohem Niveau fortsetzen – hier denke

ich an die Programme meines eigenen Ministeriums

sowie die des Forschungsministeriums.

Außerdem wird ein Schwerpunkt auf

der Exportförderung und der Investorenwerbung

liegen, um den vielen kleinen und mittelgroßen

ostdeutschen Betrieben dabei zu

helfen, mit den Chancen und Herausforderungen

der internationalen Märkte zurechtzukommen,“

so Gleicke.

Weit oben auf ihrer Agenda stehe zudem

die Vorbereitung von Anschlussregelungen

beim Länderfinanzausgleich, da der bisherige

„Solidarpakt II“ zum 31. Dezember 2019

ausläuft. Hierbei wolle sie jedoch den Blick

auf ganz Deutschland ausweiten: „Alle strukturschwachen

Regionen und Länder in Ost

und West müssen sich künftig auf ein verlässliches

Finanzierungssystem stützen können.

Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart,

dass die Grundzüge dafür bis zur Mitte

der Legislaturperiode erarbeitet werden

sollen.“ In dieser Neuregelung, betont Gleicke,

liege der Schlüssel für die richtige Antwort

auf die Frage nach der künftigen Struktur

der gesamtdeutschen Solidarität. Ihr seien

alle Regionen, alle Menschen in Ost und

West gleich wichtig und gleich viel wert: „Wir

müssen endlich weg von diesen ganzen idiotischen

Neiddebatten. Die sind ja nur Öl ins

Feuer unter dem Kessel all derer, die darauf

ihr politisches Süppchen kochen möchten.“

W+M

Foto: Büro Gleicke/Sandra Ludewig

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


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Die Canon Dokumentenscanner verfügen

über einen CMOS Contact Image Sensor. Dank

mehrerer Linsen, die auf dem Sensor untergebracht

sind, werden scharfe, saubere Scans

erzielt. Zudem werden die Lesbarkeit von

Texten und das OCR verbessert. Da das

reektierte Licht direkt vom Dokument zum

Sensor gelangt, ist die Bauweise des Scanners

sehr leicht und kompakt. Durch den extrem

kurzen Lichtweg und den Einsatz von LEDs als

Lichtquelle wird der Strom verbrauch gesenkt*

und der Scanner ist ohne Aufwärmzeit sofort

einsatzbereit. Über zwei Scanleisten werden

Vorder- und Rückseite gleichzeitig eingelesen.

Variabler, zuverlässiger

Dokumenteneinzug

Höchst vielseitig: Die Canon Scanner

verarbeiten mühelos unterschiedlichste

Vorlagen vom Stapel – von schwerem Papier

über Durchschläge bis hin zu Scheckkarten.

Der Papiereinzug ist unkompliziert und

zuverlässig und umfasst bei den meisten

Systemen auch eine Ultraschall-Doppelzufuhrerkennung.

Benutzerfreundliche Software für

verschiedene Anwendungen

Die Canon Software ist auf die Anforderungen

des Nutzers zugeschnitten und bietet

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Kontrastschärfung erleichtern die Weiterverarbeitung

und Archivierung (und nicht

zuletzt das Wieder nden).

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* Der Stromverbrauch für den CIS Sensor und die LEDs zusammen ist in etwa nur 1/16 dessen, was konventionelle CCD Sensoren und Fluoreszenzlampen benötigen


34 | W+M Politik

Erwartungen deutscher Finanz

Dr. Gertrud R. Traud

Chefvolkswirtin und Leitung

Research der Landesbank

Hessen-Thüringen

Zieh an die

Wanderschuh‘

In unserem Hauptszenario „Wanderschuhe“

setzt sich der Ende 2012 begonnene Aufschwung

der Weltwirtschaft fort, der konjunkturelle

Gipfel wird nun in Angriff genommen.

Der Vorteil dieser Fortbewegungsart ist, dass

nicht alle das gleiche Tempo gehen müssen.

Das können sie auch nicht, da die einzelnen

Länder mit unterschiedlich schweren Rucksäcken

bepackt sind und ihr Trainingszustand

stark variiert.

2014 werden die maßgeblichen Impulse für das

globale Wachstum von den Industrieländern

ausgehen, mit den USA als Schrittmacher. Im

Euroraum ist die konjunkturelle Wende nach

einer langen Durststrecke geschafft. Alle Euroländer

bewegen sich wieder aufwärts, aber

mit sehr unterschiedlichem Tempo. Deutschland

geht in dieser Gruppe voran.

Andreas Schulz

Mitglied des Vorstandes

der Mittelbrandenburgischen

Sparkasse

„Kreditklemme“

bleibt Fremdwort

Fast alle Auguren prognostizieren mit knapp

zwei Prozent ein gegenüber 2013 deutlich stärkeres

Wachstum der deutschen Wirtschaft –

trotz der nach wie vor vorhandenen Probleme

andernorts in Europa. Diese positive Grundstimmung

nehmen wir auch bei uns wahr.

Wir setzen uns dafür ein, dass „Kreditklemme“

in unserem Geschäftsgebiet auch weiterhin ein

Fremdwort bleibt. Gerade die vielen kleinen

und mittelständischen Unternehmen hierzulande

können 2014 voll Zuversicht angehen.

Als Großsparkasse freuen wir uns, unseren Firmenkunden

allumfassend und in jeder Lage als

Partner zur Verfügung zu stehen, vom klassischen

Bankgeschäft über Leasing, Versicherungen

bis zu Zins- und Währungssicherungen.

Kunden erwarten Stabilität und Verlässlichkeit;

und die finden sie bei uns.

Dr. Ralph Solveen

Economic Research der

Commerzbank AG

Wirtschaft wächst

wieder stärker

Nach zwei Jahren mit einer Null vor dem Komma

dürfte die deutsche Wirtschaft 2014 mit 1,7

Prozent wieder stärker wachsen. Denn die Unternehmen

scheinen ihre Investitionszurückhaltung

aufzugeben, und die Exporte profitieren

von einer stärkeren Nachfrage aus anderen

Euro-Ländern.

Deutsche Börse in Frankfurt.

Allerdings wird das durch die expansive Geldpolitik

angeschobene kräftige Wachstum verdecken,

dass Deutschland innerhalb der Währungsunion

an Wettbewerbsfähigkeit verliert,

auch wegen der Wirtschaftspolitik der neuen

Regierung. Als erstes Warnsignal dürfte

die Teuerung anziehen. Im Euroraum dürften

die meisten Krisenländer die Talsohle

zwar durchschritten haben, Italien und

Frankreich bremsen aber durch mangelnde

Reformen und lassen im Euro raum nur eine

quälend langsame Erholung mit einer Wachstumsrate

von 0,9 Prozent zu.

Fotos: La-Liana/pixelio.de, Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


W+M Politik | 35

institute an das Jahr 2014

Harald Eisenach

Vorstandsvorsitzender des

Ostdeutschen Bankenverbandes

und Vorsitzender der Geschäftsleitung

der Region Ost

der Deutschen Bank

Solide aufgestellt

und erfolgreich

Die ostdeutsche Wirtschaft präsentiert sich

aus Sicht der privaten Banken in einer guten

Ausgangslage für 2014. Die Unternehmen

sind weithin solide aufgestellt und zum

Teil sogar weltweit erfolgreich. Die realwirtschaftliche

Lage hat sich in den letzten Jahren

verändert: Die ostdeutsche Wirtschaftsstruktur

hat sich an jene Gesamtdeutschlands

angenähert. So tragen mittlerweile

auch das Verarbeitende Gewerbe und die

Unternehmensdienstleister entscheidend zur

Wertschöpfung bei. Auch beim Export gelang

der Anschluss an Deutschlands starke Wettbewerbsposition.

Die privaten Banken sind

nach den Daten der Bundesbank Marktführer

bei Mittelstandskrediten im Osten. Über

die Finanzierung hinaus steht den Unternehmen

auch 2014 ein breites Produkt- und

Dienstleistungsangebot der privaten Banken

zur Verfügung.

Tillmann Stenger

Vorstandsvorsitzender

der Investitionsbank des

Landes Brandenburg

Kräftiger

Wachstumspfad

Aktuell deuten die Frühindikatoren darauf

hin, dass die wirtschaftliche Entwicklung in

Deutschland zunehmend an Fahrt aufnimmt

und 2014 einen kräftigen Wachstumspfad einschlagen

wird.

Auch im Land Brandenburg entwickelt sich

die Wirtschaft weiterhin erfreulich. Die Konjunkturbefragungen

der brandenburgischen

Kammern und die starke Nachfrage nach Finanzierungen

der ILB zeigen, dass ein Großteil

der Unternehmen optimistisch auf das

Jahr 2014 blickt.

Von der anziehenden Konjunktur dürfte der

Bankensektor insgesamt profitieren. Das historisch

niedrige Zinsumfeld und die Umsetzung

aufsichtsrechtlicher Regularien stellen

allerdings Herausforderungen für die Kreditwirtschaft

dar.

Die Investitionsbank des Landes Brandenburg

hat vor diesem Hintergrund ihr Finanzierungsangebot

weiterentwickelt und wird

in 2014 attraktive und passgenaue Programme

in den Förderfeldern Wirtschaft, Arbeit,

Infrastruktur und Wohnungsbau anbieten.

Die Bank rechnet mit einem Neuzusage volumen

von knapp unter einer Milliarde Euro.

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36 | W+M International

Berlin gehört im internationalen Vergleich zu den attraktivsten Städten für junge Menschen im

Alter zwischen 15 und 29 Jahren. In einer von der Organisation „Youthfulcities“ weltweit durchgeführten

Studie landete die Bundeshauptstadt hinter der kanadischen Metropole Toronto auf Platz

zwei und ließ damit u. a. Städte wie New York, Dallas, Paris oder London hinter sich.

Von Karsten Hintzmann

„Start-up-Hauptstadt“ Berlin wirbt

uf diese gewachsene Beliebtheit bei der

A jungen Generation setzen auch Berlins

Wirtschaftsförderer. Jüngst warb die Fördergesellschaft

„Berlin Partner“ in New York für

die „Start-up-Hauptstadt“ Deutschlands, in der

laut offizieller Statistik alle zwölf Minuten ein

neues Unternehmen gegründet wird. Gemeinsam

mit amerikanischen Partnern wurde die

dreitägige „Transatlantic Entrepreneur Partnership

Conference“ durchgeführt, an der politische

Prominenz, Start-up-Gründer aus Berlin

und New York, amerikanische Kapitalgeber,

Vertreter wirtschaftsnaher Institutionen und

von Universitäten teilnahmen. Wie hoch diese

Veranstaltung angesiedelt war, zeigte sich daran,

dass von Berliner Seite sowohl Wirtschaftssenatorin

Cornelia Yzer als auch Senatskanzleichef

Björn Böhning teilnahmen.

In Richtung der zahlreich anwesenden Manager

von Venture Capital Gesellschaften sagte

Yzer: „Start-ups haben in Berlin im ersten

Fotos: Karsten Hintzmann, SenWTF/Lopata, Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


W+M International | 37

in New York um US-Investoren

Halbjahr 2013 rund 200 Millionen Euro umgesetzt.

Der kreative Sektor ist eine der am

stärksten wachsenden Branchen in unserer

Stadt. Ich lade Sie herzlich ein, sich bei uns

zu engagieren.“ Sie wisse sehr wohl, so Yzer,

dass US-Investoren mitunter Vorbehalte gegenüber

Aktivitäten in Deutschland hätten. Yzer:

Blick von der Brooklyn Bridge

auf Manhattan.

Cornelia Yzer

Senatorin für Wirtschaft,

Technologie

und Forschung des

Landes Berlin

Christian Gräff

Wirtschaftsstadtrat

im Berliner Bezirk

Marzahn-Hellersdorf

„Aber ich kann Ihnen Hoffnungen machen: Die

neue Bundesregierung wird die Rahmenbedingungen

für ausländische Investitionen attraktiver

gestalten.“ In Berlin sei schon heute vieles

möglich, versicherte die Wirtschaftssenatorin,

und sowohl ihre Verwaltung als auch „Berlin

Partner“ würden sich bemühen, konkrete

Wünsche von Investoren zu erfüllen.

Mit der Reise in die vom Gründergeist beseelte

Stadt New York erfüllte sich auch Stephan

Bayer, Geschäftsführer des Berliner Start-up-

Unternehmens „Sofa Tutor“ einen Wunsch. Er

präsentierte vor Ort seine Geschäftsidee, die in

Deutschland schon passabel funktioniert und

rund 100 Mitarbeitern Beschäftigung bringt:

„Wir bieten Online-Nachhilfe für Schüler von

der ersten bis zur zwölften Klasse an. Der Unterrichtsstoff

wird in kurzen Filmen erklärt.

Dazu gibt es Live-Chats mit Lehrern. Das ganze

Paket ist für eine Monatsgebühr von ca. 15

Euro erhältlich.“ Der „Sofa Tutor“-Chef war auf

der Konferenz nicht vorrangig auf der Suche

nach US-Kapital für die Berliner Firma. Stephan

Bayer: „Wir haben großes Interesse an

der Internationalisierung unserer Dienstleistung

und tragen uns mit dem Gedanken, ähnliche

Bildungsangebote für die USA und Brasilien

zu entwickeln. In beiden Ländern gibt

es einen starken Mittelstand, der sehr auf die

Bildung der eigenen Kinder achtet und in Bildung

investiert. Hier in New York wollen wir

ausloten, wie die konkreten Bedingungen auf

dem US-Markt sind.“

Als „Region des spektakulären Wandels“ – von

der ehemals grauen Plattenbau-Schlafstadt

hin zu einem grünen, lebenswerten und wirtschaftlich

prosperierenden Standort – stellte

sich der Ostberliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf

in New York vor. Ein Bild, das bei vielen

amerikanischen Konferenzteilnehmern auf Interesse

stieß. Sie erfuhren unter anderem, dass

im citynahen „CleanTech-Business-Park“, der

im kommenden Jahr eröffnet werden soll, ideale

Ansiedlungsmöglichkeiten für produzierendes

Gewerbe und Dienstleister vorhanden

sind. Darüber hinaus stellte der Bezirk die aufstrebende

Gesundheitswirtschaft mit international

renommierten Leuchttürmen, wie dem

Unfallkrankenhaus Berlin, in den Fokus. Nicht

zuletzt sorgten die Pläne für die im Jahr 2017

in Marzahn-Hellersdorf stattfindende Internationale

Gartenausstellung (IGA), die weltweit

rund 2,4 Millionen Besucher anlocken

soll, für Aufmerksamkeit. Die bislang größte

Gartenschau Berlins wird auf einer Fläche von

mehr als 100 Hektar und 20 Kilometern entlang

des Flüsschens Wuhle stattfinden und als

voraussichtliche Attraktion eine Seilbahn bieten,

die Touristen auf den 102 Meter hohen

Kienberg bringt. Wirtschaftsstadtrat Christian

Gräff begründete das Engagement seines

Bezirks in New York mit den Worten: „Bei vorangegangenen

Veranstaltungen haben wir registriert,

wie groß das Interesse bei US-Unternehmen

am Wirtschaftsstandort Marzahn-Hellersdorf

ist. Mit unserer Konferenzteilnahme

wollten wir gezielt Netzwerkarbeit betreiben

und mögliche Investoren identifizieren und

ansprechen. Das ist uns gelungen.“ W+M

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


38 | W+M Ratgeber

DRV-Präsident Jürgen Büchy zur Bilanz der Tourismusbranche, über politische

Rahmenbedingungen für die Reiseindustrie und abenteuerliche Steuerbescheide.

Zehntausende Arbeitsplätze in Gefahr

W+M: Herr Büchy, die Bücher für das Geschäftsjahr

2012/13 sind geschlossen. Sind

Sie mit den Ergebnissen der Branche zufrieden?

Jürgen Büchy: Sehr zufrieden, denn die

Deutschen haben im abgelaufenen Geschäftsjahr

rund 40 Millionen professionell organisierte

Reisen bei Reiseveranstaltern und

Reisebüros gebucht und damit für ein neues

Allzeithoch beim Umsatz in Höhe von mehr

als 25 Mrd. Euro gesorgt.

W+M: Erwarten Sie für 2013/14 eine Fortsetzung

dieser Entwicklung?

Jürgen Büchy: Ja, denn die Reiselaune der

Deutschen ist ungebrochen, wie der aktuelle

Stand der Vorausbuchungen vermuten

läßt – dieser liegt rund fünf Prozent über

dem Vorjahr.

W+M: Worauf führen Sie das zurück?

Jürgen Büchy: Auf die Steigerung des

gewachsenen Einkommens, die hohe Konsumneigung,

die gesunkene Arbeitslosigkeit

sowie die positiven Erwartungen für die

Zukunft der Mehrheit unserer Bürger.

W+M: Welchen Anteil hat die Reiseindustrie

gegenwärtig an der Wirtschaftsleistung

Deutschlands?

DRV-Präsident Jürgen Büchy.

Jürgen Büchy: Sie trägt jährlich rund 214

Mrd. Euro zum Bruttosozialprodukt der Bundesrepublik

bei. Darin eingerechnet sind

Aufträge für die Werftindustrie zum Bau von

Kreuzfahrtschiffen, Nutzungsentgelte von

Fluggesellschaften an die Betreiber deutscher

Flughäfen sowie Ausgaben für Einzelhandel

und Dienstleister.

Fotos: Torsten George

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Tourismus | 39

W+M: Weiß die Politik den Stellenwert der

Branche für die Wirtschaftsleistung Deutschlands

zu schätzen und spiegelt sich das im

schwarz-roten Koalitionsvertrag entsprechend

wider?

Jürgen Büchy: Bedingt, aber immerhin

finden wir auf 14 Zeilen des 185 Seiten

dicken Vertragswerkes Erwähnung. Dennoch

darf bezweifelt werden, ob die neue Regierung

bereits verstanden hat, welches wirtschaftliche

Gewicht die Reiseindustrie im

Vergleich mit der Automobilindustrie für

unsere Volkswirtschaft hat.

W+M: Was erwarten Sie in der kommenden

Legislatur von ihren Partnern in Parlament

und Regierung?

Jürgen Büchy: Wir erwarten, dass sie für

ein gesundes Wirtschaftsklima sorgen und

unserer Branche keine neuen Knüppel zwischen

die Beine werfen.

W+M: Welche Knüppel?

Jürgen Büchy: Bettensteuer, Luftverkehrssteuer,

Gewerbesteuer – allesamt zusätzliche

betriebswirtschaftliche Belastungen für die

Mehrzahl unserer Klientel, die sie bei einer

Marge von ein bis drei Prozent kaum noch

zusätzlich zu verkraften vermag.

W+M: Was hat es mit der aktuellen Auslegung

der im Jahre 2008 erfolgten Novellierung

des Gewerbesteuerrechts auf sich?

Jürgen Büchy: In einigen Bundesländern

fordern plötzlich deren Finanzämter auf

weltweit eingekaufte Hotelbetten für Reisepakete

fünf Jahre rückwirkend zusätzliche

Steuerleistungen.

W+M: Was hat die Steuerforderung des

Fiskus zur Folge?

Jürgen Büchy: Wenn diese Forderung

deutschlandweit vollzogen wird, kostete

das die Reisebranche zusätzlich mehrere

Millionen Euro pro Jahr – rückwirkend seit

2008 summiert sich das auf 1,4 Mrd. Euro.

Zusätzliche Belastungen dieser Art treiben

insbesondere kleine und mittlere Veranstalter

zwangsläufig in die Pleite, vernichten mit

einem Schlag zehntausende Arbeitsplätze.

W+M: Was muss geschehen, um den drohenden

Kahlschlag in der deutschen Tourismuswirtschaft

durch eine offensichtliche Fehlinterpretation

des 2008 novellierten Gewerbesteuerrechts

abzuwenden?

Jürgen Büchy: Die Finanzministerien der

Länder müssen dem Treiben ihrer Finanzämter

bei der kontraproduktiven Auslegung des

Gewerbesteuerrechts einen Riegel vorschieben.

Die Zeit drängt!

W+M: Wie beurteilen Sie die Aussichten?

Jürgen Büchy: Im Moment zeigt die politische

Ebene wenig Bereitschaft, sich des

Problems anzunehmen. Weder der Bund, der

für die Handhabung der Steuergesetze nicht

verantwortlich ist, noch die 16 Bundesländer,

die sich in der Sache zum Nachteil der

Tourismuswirtschaft geeinigt haben. Das

bereitet uns große Sorge.

Der Deutsche Reiseverband e. V. (DRV)

ist der Fachverband der Tourismusbranche

in Deutschland und vertritt die

Interessen der Reisebüros und Reiseveranstalter

auf nationaler und internationaler

Ebene gegenüber Politik und

Öffentlichkeit. Präsident Jürgen Büchy

wurde Mitte November 2013 auf dem

Verbandstag in Salzburg bis zum Jahr

2016 im Amt bestätigt.

W+M: Sorge bereitet Ihnen vermutlich auch

Brüssel, das 2013 einen Entwurf für die überarbeitete

EU-Pauschalreise-Richtlinie vorgelegt

hat, die Rechte und Pflichten für Verbraucher

und Reiseveranstalter neu regelt?

Jürgen Büchy: Sorge insofern, da die Reiseveranstalter

auch in Fällen höherer Gewalt

die Kunden finanziell entschädigen sollen.

Dabei trifft den Veranstalter in solchen

Situationen keinerlei Schuld an der Störung

einer Reise. Durch solch eine Reglung würde

das allgemeine Lebensrisiko des Kunden dem

Veranstalter aufgebürdet. Das wird zu Mehrkosten

bei den Veranstaltern führen und damit

die Preise für Pauschalreisen verteuern.

W+M: Stichwort Online-Vertrieb: Wird er das

Reisebüro auf Dauer überflüssig machen?

Jürgen Büchy: Das glaube ich nicht. Noch

verfügen wir deutschlandweit über ca. 10.000

Reisebüros, in denen gegenwärtig 90 Prozent

aller Pauschalreisen gebucht werden, wobei

in Ostdeutschland Thüringen und Sachsen

die größte Dichte bezogen auf die Einwohnerzahl

aufweisen. Dennoch muss auf Dauer

auch der stationäre Vertrieb eine angemessene

Antwort auf den unaufhaltsamen

Vormarsch des Online-Vertriebs finden, was

allerdings gegenwärtig schon geschieht. Es

gibt kaum noch ein stationäres Reisebüro

ohne Internetauftritt und Buchungsmöglichkeit.

W+M: Wie würden Sie den reisefreudigen

Kunden des Jahres 2014 charakterisieren?

Jürgen Büchy: Er ist zunehmend qualitätsbewusst.

Für seine Kaufentscheidung ist der

Preis allein nicht mehr das ausschließliche

Kriterium. Vielmehr erwartet er vom Veranstalter

ein differenziertes Angebot. Die

Urlaubsreise von der Stange ist ein Auslaufmodell.

Interview: Klaus George

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


40 | Sonderveröffentlichung

Spezialisiert auf innovative Displays für Industrie und Handel: Jürgen Schoepe, Gründer und Geschäftsführer der Schoepe Display GmbH.

Mit KfW-Krediten

in die Zukunft investieren

Als größter Mittelstandsfinanzierer in Deutschland fördert die KfW mit zinsgünstigen Krediten und

attraktiven Beratungszuschüssen die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen.

Wie im Falle der brandenburgischen Schoepe Display GmbH: Mit Hilfe eines KfW-Unternehmerkredits

investierte Firmenchef Jürgen Schoepe in moderne Digitaldrucktechnik zur Display-Herstellung

und konnte so neue Kundenkreise erschließen.

Von Matthias Salm

B

esucher der Schoepe Display GmbH

(www.schoepe-display.com) im südbrandenburgischen

Dahme/Mark erwartet

schon im Eingangsbereich des Unternehmens

ein illustres Empfangskomitee:

Hollywoodstar Will Smith gesellt sich hier zu

Wolfgang Amadeus Mozart und auch Benjamin

Blümchen, der sprechende Elefant aus

dem gleichnamigen Hörspiel-Klassiker für

Kinder, gibt sich ein Stelldichein.

Das Staraufgebot in den Firmenräumen des

renommierten Display-Herstellers ist allerdings

im wahrsten Wortsinne nur von Pappe

– Musterbeispiele aus der Ideenschmiede

des Unternehmens, die die Schoepe Display

GmbH zu einem der führenden deutschen

Produzenten von Werbeaufstellern aus Karton

und Wellpappe haben werden lassen.

Ob in Kinofoyers, Spielzeughandlungen

oder im Kassenbereich der Supermärkte –

die Kurzzeitdisplays aus dem Hause Schoepe

kommen bundesweit bei verkaufsfördernden

Maßnahmen am Point of Sale zum

Einsatz. Ein Gang durch das Warenlager

des Unternehmens gleicht denn auch einem

Blick ins Who is Who der weltweit agierenden

Markenartikelhersteller. Vom Radeberger

Bier über Nivea-Creme bis hin zu den

CDs des Elektronikkonzerns Sony – für sie

alle hat der ursprünglich 1984 im Westteil

Fotos: Torsten George

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Sonderveröffentlichung | 41

Kritischer Blick: Geschäftsführer Jürgen Schoepe begutachtet das Ergebnis des

Druckprozesses.

Im Einsatz: Der Digitaldruck bietet hohe Druckqualität zu günstigen Kosten bei kleinen

Druckauflagen unter 1.000 Bogen.

Berlins gegründete Displayspezialist bereits

warentragende Displays, Dekorationen

oder Sonder- und Präsentverpackungen

designt und gefertigt.

Das Kompetenzzentrum der Schoepe Display

GmbH hat ihren Sitz in Dahlewitz nahe der

Berliner Stadtgrenze. Hier tüftelt das Grafikteam

an ausgefallenen Ideen für die Warenpräsentationen,

die bereits mehrfach mit

dem Branchenpreis „Display-Superstar“ ausgezeichnet

wurden. Auch die Stanzwerkzeuge

fertigen die Dahlewitzer im eigenen Unternehmen

– eine Ausnahme in der Branche.

In der kleinen Fläming-Gemeinde Dahme/Mark

übernahm Firmengründer Jürgen

Schoepe 1991 einen Verpackungsbetrieb und

baute diesen sukzessive zum Produktionsstandort

aus. „Von der damaligen Belegschaft

sind übrigens immer noch 15 Mitarbeiter im

Unternehmen“, verweist Geschäftsführer

Schoepe nicht ohne Stolz auf die jahrelange

Erfahrung seiner Belegschaft, denn in der

Display-Fertigung ist an vielen Stellen immer

noch sorgfältige Handarbeit gefragt.

Insgesamt beschäftigt Schoepe Display heute

knapp 200 Mitarbeiter. Eine ausgeklügelte

elektronische Vernetzung und ein beispielloses

Warenwirtschaftsprogramm der beiden

Standorte sorgen dabei für die reibungslose

Zusammenarbeit zwischen Kompetenz- und

Produktionszentrum.

Das Herzstück der Produktion in Dahme/

Mark ist aber die „Durst Rho 1000“, eine moderne

Digitaldruckmaschine, in die das Management,

neben Firmengründer Schoepe

auch sein Mit-Gesellschafter und Geschäftsführer

Andreas Grathwohl, im Mai 2013 rund

1,5 Millionen Euro investierte. Im Juni 2013

wurde Schoepe Display als erstes Unternehmen

weltweit nach Fogra Standard für Digitaldruck

auf Wellpappe zertifiziert.

„Die aktuelle Marktsituation verlangt zunehmend

nach Klein- und Kleinstauflagen zu bezahlbaren

Preisen“, beschreibt Schoepe den

gegenwärtigen Markttrend. Mit dem traditionellen

Offsetdruckverfahren können den

Kunden für solche Auflagen keine akzeptablen

Konditionen geboten werden. „Beim Offsetdruck

fallen hohe Einrichtungskosten und

oft auch ein massenhafter Drucküberschuss

an“, so Schoepe. „Diese Faktoren machen den

Offsetdruck für kleine Auflagen unrentabel.“

Mit seiner Investition in den Digitaldruck

nahm der Brandenburger Mittelständler auch

einen Strategiewechsel vor. Der Offsetdruck

erfolgt außer Haus, weil die Auslastung der

Maschinen in der Displayherstellung traditionell

schwankt – Schoepe nennt Weihnachten,

Ostern, Muttertag und den Schulanfang

als Spitzenzeiten der Branche – und eine Investition

in eigene Offsetdruck-Kapazitäten

daher stets als zu kostspielig erschien.

Mit dem Erwerb einer Digitaldruckmaschine

hat Schoepe Display dagegen nun Druckkompetenz

im eigenen Unternehmen aufgebaut.

„Für die rund 1,5 Millionen Euro Investitionskosten

haben wir einen Finanzierungsmix

aus Eigenkapital, einem Hausbankkredit

sowie dem KfW-Unternehmerkredit

eingesetzt“, erläutert Schoepe seine Finanzierungsstrategie.

Von der gesamten

Investitionssumme konnten rund 869.000

Euro über den zinsgünstigen KfW-Unternehmerkredit

abgesichert werden.

Der KfW-Unternehmerkredit wird Unternehmen

bis maximal 500 Millionen Euro Umsatz

sowie Freiberuflern, die jeweils mehr als drei

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


42 | Sonderveröffentlichung

Roland und Sebastian Habeck leiten gemeinsam die Hawart OMV Landtechnik GmbH.

Jahre am Markt aktiv sind, bereitgestellt.

Damit können die Unternehmen beispielsweise

in Anlagen und Maschinen, Grundstücke,

Gebäude oder in die Betriebs- und

Geschäftsausstattung investieren. Insgesamt

lassen sich dafür Darlehenssummen

bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben abrufen.

Außerdem gewährt der KfW-Unternehmerkredit

den Darlehensnehmern eine

langfristige Planungssicherheit. Bei Investitionsfinanzierungen

sind beispielsweise

Laufzeiten der Förderkredite bis zu

20 Jahre möglich. KMU erhalten den KfW-

Das KfW-Infocenter

Telefonische Beratung zu den gewerblichen

Förderprogrammen der KfW:

Tel.: 0800 539-9001

Weitere Informationen: www.kfw.de

Unternehmerkredit im Rahmen des „KMU-

Förderfensters“ mit einer zusätzlichen Zinsverbilligung

angeboten.

Auch für Mittelständler Schoepe waren die

günstigen Konditionen des KfW-Unternehmerkredits

ausschlaggebend: „Bei fast allen

Finanzierungen der zurückliegenden Jahre

haben wir deshalb KfW-Kredite mit eingebunden.“

Im Falle der neuen Digitaldrucktechnik

hat sich die Investition für den Brandenburger

Displayprofi bereits jetzt ausgezahlt.

Von „einer Revolution im Druckhandwerk,

ausgelöst durch den Digitaldruck“,

schwärmt Jürgen Schoepe bezogen auf die

Produktion von Kurzzeitdisplays. Das Ziel,

damit neue Kundenkreise im Segment der

kleinvolumigen Auflagen zu erschließen, hat

das Unternehmen bereits nach kurzer Zeit

erreicht. „Wir registrieren eine gestiegene

Nachfrage, die nicht nur von neuen Kunden

herrührt“, freut sich Schoepe. „Auch viele

unserer langjährigen Partner nutzen nun

die Möglichkeit, Displays in kleinen Auflagen

produzieren zu können.“

Auch Roland Habeck weiß die günstigen

Konditionen des KfW-Unternehmerkredits

für zukunftsorientierte Finanzierungsvorhaben

in seinem Unternehmen zu schätzen.

Der gelernte Maschinenbauingenieur wagte

1990 mit vier Mitarbeitern den Sprung in die

Selbständigkeit. Aus dem ursprünglich noch

absichtlich weit gefassten Geschäftszweck

„Handelswaren aller Art“, der sich heute noch

im Firmennamen Hawart OMV Landtechnik

GmbH (www.hawartomv.de) ablesen lässt,

kristallisierte sich schon Mitte der 90er Jahre

einer der führenden Handels- und Servicebetriebe

für Landmaschinentechnik in Mecklenburg-Vorpommern

heraus.

Die wesentliche Grundlage für diesen Erfolg

bildete der Abschluss eines Händlervertrags

mit dem US-amerikanischen Weltmarktführer

für Landtechnik, John Deere. „Unser Vertriebsgebiet

umfasst grob gesagt alles südlich

der Autobahn A20 und nördlich der

Landesgrenze zu Brandenburg“, beschreibt

Firmengründer Roland Habeck, der heute

gemeinsam mit seinem Sohn Sebastian die

Firmengeschicke leitet, den Einzugsbereich

seines Unternehmens.

Habeck profitiert dabei auch vom gegenwärtigen

Boom in der Landtechnik. Laut einer

Erhebung des Verbands Deutscher Maschinen-

und Anlagenbau e. V. wird der deutsche

Landtechnikmarkt 2013 ein neues, mittlerweile

drittes Rekordhoch in Folge einfahren.

Bei einem Umsatz von 5,6 Milliarden

Euro wird ein Zuwachs von drei Prozent erwartet.

Bereits im ersten Halbjahr stieg der

Verkauf von Landmaschinen und Traktoren

um vier Prozent.

Die Traktoren und Erntemaschinen des US-

Herstellers John Deere sind dabei auch auf

dem deutschen Markt ein Verkaufsschlager.

„Wir haben Anfang der 90er Jahre da-

KfW-Unternehmerkredit

Förderung für KMU

Antragsberechtigt:

Unternehmen bis maximal 500 Millionen

Umsatz und Freiberufler, die drei Jahre

am Markt aktiv sind.

Kreditsumme:

Bis 25 Millionen Euro pro Vorhaben.

Förderzwecke:

- Erwerb von Grundstücken und Gebäuden

- Kauf von Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen

und Einrichtungen

- Erwerb von Patenten und Lizenzen

- Übernahmen und tätige Beteiligungen

- Finanzierung von Warenlagern und

Betriebsmitteln

- Beratungsleistungen

- Erstteilnahme Messen

Laufzeiten:

Bis zu 5, 10 oder 20 Jahre.

Fotos: Sebastian Habeck, John Deere, Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Sonderveröffentlichung | 43

rauf vertraut, dass die Zukunft der großflächigen

Agrarwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern

gehören wird“, erinnert sich Habeck.

„Daher erschien uns die Firma John

Deere, deren Technik ja auf die Bearbeitung

von Großflächen spezialisiert ist, als geeigneter

Partner.“

Weitere Vertriebspartnerschaften mit anerkannten

Herstellern im Bereich Ernte- und

Melkmaschinen runden das Produktportfolio

des Neubrandenburger Unternehmens ab, das

mittlerweile an elf Standorten Handels- und

Serviceleistungen für die Agrarwirtschaft im

Küstenland bereitstellt. Mehr als 980 Traktoren

und 400 Erntemaschinen werden von

der Hawart OMV Landtechik GmbH im mittleren

und südlichen Mecklenburg-Vorpommern

betreut.

Breites Angebot: Die Harwart OMV Landtechnik GmbH bietet von Traktoren über Mähdrescher

bis hin zu Melkmaschinen nahezu ein Komplettangebot für Agrarbetriebe.

Marktvorteile schaffen

Claudia Schneider, Direktorin der KfW, über

das ERP-Innovationsprogramm der KfW.

W+M: Mit dem ERP-Innovationsprogramm

fördert die KfW Innovationen von kleinen

und mittleren Unternehmen. Wie innovativ

muss ein Vorhaben sein, um einen solchen

Förderkredit zu erhalten?

Schneider: Der verwendete Innovationsbegriff

ist transparent und sehr einfach: Im

Fokus des Programms steht eine unternehmensbezogene,

nicht zwingend hochgradige

oder technologisch sehr anspruchsvolle

Innovation.

W+M: Der Innovationsbegriff ist also sehr

weit gefasst?

Schneider: Ja, es muss sich keinesfalls

um eine patentwürdige Marktneuheit handeln.

Es geht vielmehr um eine Innovation,

die das Unternehmen weiterbringt und

ihm Marktvorteile verschafft, beispielsweise

auch merkliche Produktweiterentwicklungen

und -verbesserungen. Hauptsache ist, dass

das Vorhaben für das Unternehmen neuartig

ist. Lediglich bei Unternehmen mit einem

Jahresgruppenumsatz von mehr als 125

Millionen Euro muss es sich um ein Vorhaben

handeln, das für Deutschland neuartig ist.

W+M: Wie groß ist der bürokratische Aufwand

bei der Antragstellung, wie detailliert

muss beispielsweise die Vorhabensbeschreibung

ausfallen?

Scheider: Aus der Beschreibung muss das

Neue, das Innovative hervorgehen. Dazu

kann in manchen Fällen schon eine Seite

als Vorhabenbeschreibung ausreichen.

Interview: Matthias Salm

Claudia Schneider

Direktorin der KfW

Um die Kompetenzen weiter zu bündeln und

mit der Zielsetzung, Marktführer bei der

Betreuung landwirtschaftlicher Systeme

und Maschinen zu werden, entschied sich

Roland Habeck 2011 zur Übernahme eines

weiteren John Deere-Vertriebspartners, der

im mecklenburgischen Plau am See ansässigen

Ottomeyer MV GmbH & Co. KG. Im Zuge

eines Asset Deals wurden deren Standorte

und Mitarbeiter in die Hawart OMV Landtechnik

GmbH inte griert. „Durch die Übernahme

wird das weitere Wachstum des Unternehmens

abgesichert. Die Bündelung der

Kräfte entspricht auch dem Vertriebskonzept

von John Deere“, erläutert Firmenchef Habeck.

Der wachsenden Spezialisierung und

Serviceorientierung der Kunden soll so ein

möglichst dichtes Service- und Vertriebsnetz

entgegengesetzt werden.

Der sorgfältig vorbereitete Übernahmeprozess

konnte zu Jahresbeginn 2012 abgeschlossen

werden. Die Finanzierung der

Übernahme erfolgte über die Hausbank unter

Einbeziehung eines zinsgünstigen KfW-

Unternehmerkredits. „Die Kreditgewährung

verlief auch dank der von uns vorgelegten

betriebswirtschaftlichen Daten zügig und

reibungslos,“ lobt der gebürtige Mecklenburger

die Zusammenarbeit mit den Finanzierungspartnern.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


44 | Sonderveröffentlichung

Die Finanzierungsangebote der

KfW will der 62-jährige Mittelständler,

der mit der Einbeziehung

seines Sohnes Sebastian

in die Geschäftsleitung

bereits langfristig die Nachfolgeregelung

in Angriff genommen

hat, auch künftig nutzen.

Etwa bei Investitionen in

eines der wichtigsten Zukunftsthemen

der Agrarwirtschaft: Die

Fernüberwachung von landtechnischen

Maschinen und Anbaugeräten

zur Optimierung des

Maschinenein satzes. Dadurch

sollen nicht nur Landwirte in

der Lage sein, jederzeit die Effizienz

ihrer Maschinen überprüfen

zu können.

Auch die Harwart OMV Landtechnik

GmbH als Servicebetrieb

will so erste Diagnosen über einen

möglichen Reparaturbedarf an den Maschinen

via Fernüberwachung vornehmen.

„Dazu müssen wir aber sowohl in Gebäude

als auch in die entsprechende EDV-Technik

investieren“, weiß Habeck, dass es für die

Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens

unabdingbar ist, mit dem rasanten Innovationstempo

in der Agrartechnik Schritt zu

halten.

Um im Unternehmen neue und innovative

Verfahren zu implementieren, so wie es

beispielsweise die Harwart OMV Landtechnik

GmbH in den kommenden Jahren plant,

können KMU zur Finanzierung solcher Vorhaben

nicht nur den KfW-Unternehmerkredit

heranziehen. Die KfW fördert mit dem ERP-

Innovationsprogramm gezielt die Entwick-

Die KfW fördert gezielt die Entwicklung

innovativer Produkte

und Verfahren im Unternehmen.

Die größten Innovationshemmnisse für KMU

Mangel an

Finanzierungsquellen

Zu hohe Innovationskosten

Bürokratie

Mangel an Fachpersonal

Organisatorische Probleme

Fehlen von relevanten

Marktinformationen

Fehlen von

technologischem Know-how

Quelle: KfW-Research, KFW-Mittelstandspanel

13,2

20,0

19,0

0 10 20 30 40 50 60 70 80

Anteile in Prozent

telständischen Betrieben aufgebracht. Dies

gilt gerade auch für den ostdeutschen Mittelstand:

Der soeben veröffentlichte Innovationsindikator

2013, der gemeinsam von

der Deutschen Telekom Stiftung und dem

Bundesverband der deutschen Industrie

(BDI) herausgegeben wird, preist etwa die

Forschungslandschaft an den Innovationsschwerpunkten

Dresden und Chemnitz, aber

auch in der Region Leipzig oder Zwickau. Von

1,2 Milliarden Euro, die die Wirtschaft allein

im Freisaat Sachsen in Forschung und Entwicklung

investierte, flossen rund 500 Millionen

Euro aus den Kassen des Mittelstands,

z. B. im Mikroelektronik- oder Biotechnologiecluster

des Landes.

Doch der Innovationstätigkeit von kleinen

und mittleren Unternehmen

sind finanziell

oft Grenzen

gesetzt. So

untersuchte die

KfW in einer Studie

2009 die wesentlichen

Innovationshemmnisse für den deutschen

Mittelstand. Das eindeutige Ergebnis:

Mangelnde Finanzierungsquellen stellen die

größte Hürde bei der Umsetzung innovativer

Vorhaben dar. Kleine und mittlere Unterneh-

31,0

47,1

54,1

57,6

62,3

ERP-Innovationsprogramm

Kapital für Ideen

Antragsberechtigt:

Freiberufler und Unternehmen, die mindestens

zwei Jahre am Markt aktiv sind.

Kreditbetrag:

Maximal fünf Millionen Euro pro Vorhaben,

im Rahmen der Energiewende

maximal 25 Millionen Euro pro Vorhaben

und 50 Millionen Euro pro Kalenderjahr.

Laufzeiten:

- Fremdkapitaltranche: zehn Jahre bei

höchstens zwei tilgungsfreien Jahren.

- Nachrangtranche: zehn Jahre bei

sieben tilgungsfreien Jahren.

lung innovativer

Produkte und Verfahren

im Unternehmen,

weil diese wesentlich

zum Erhalt

der Wettbewerbsfähigkeit

des Mittelstands

beitragen. Und umgekehrt leisten

gerade KMU einen erheblichen Beitrag zur

Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Knapp ein Drittel der Innovationsaufwendungen

hierzulande werden von mitmen

müssen solche Vorhaben überwiegend

aus internen Quellen finanzieren. Bankkredite

spielen dagegen aufgrund der hohen Risiken

innovativer Prozesse nur eine untergeordnete

Rolle.

An dieser Stelle setzt das ERP-Innovationsprogramm

der KfW als Finanzierungsalternative

für die marktnahe Forschung und

Foto: Privat

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Sonderveröffentlichung | 45

die Entwicklung von neuen Produkten und

Verfahren an. Zur Innovationsfinanzierung

können Unternehmen Darlehen bis zu fünf

Millionen Euro pro Vorhaben beantragen.

Ausgereicht werden die Förderkredite als

Finanzierungspaket aus einem klassischen

Darlehen und einem Nachrangdarlehen. Diese

spezielle Konstruktion stärkt die Bilanzen

des mittelständischen Betriebs zusätzlich,

wie Claudia Schneider, Direktorin der KfW,

erläutert: „Bei der Bilanzanalyse und dem

Rating durch Kreditinstitute kann die Nachrangtranche

mit bestimmten Restlaufzeiten

als wirtschaftliches Eigenkapital gewertet

werden. Das Nachrangdarlehen verbessert

somit die rechnerische Eigenkapitalquote

des geförderten Unternehmens.“ Zudem ergibt

sich durch die unbesicherte Nachrangtranche

für das Unternehmen freies Besicherungspotenzial,

das für andere Finanzierungen

genutzt werden kann. Und – last but not

least – ermöglichen die sieben tilgungsfreien

Anlauf jahre der Nachrangtranche den Unternehmen

die Thesaurierung von Gewinnen

und schonen den operativen Cashflow, der

Betriebliche Energieeffizienz

wird zukünftig zu einem wichtigen

Faktor im Wettbewerb.

dann für andere betriebliche Maßnahmen

zur Verfügung steht.

Als erhebliche Belastung für die Wettbewerbsfähigkeit

kleiner und mittelständischer

Unternehmen haben sich in den zurückliegenden

Jahren die stark steigenden

Energiekosten erwiesen. Betriebliche Energieeffizienz

wird deshalb immer mehr zu einem

wichtigen Faktor im Wettbewerb. Die

KfW unterstützt aktiv KMU, die ihren Energieverbrauch

und damit ihre Energiekosten

senken wollen.

Das Thema steht bei mittelständischen Betrieben

mittlerweile oft an erster Stelle der

Prioritätenliste, wie Corneli us Ober, Geschäftsführer

der ESA-Energieberatung –

Cornelius Ober GmbH (www.esa-energieberatung.de)

im thüringischen Eisenach bestätigt:

„Als Energieberater stoßen wir in den

Unternehmen angesichts steigender Energiekosten

zunehmend auf offene Ohren. Wenn

Unternehmen im Gegenzug zu Entlastungen

bei der Stromsteuer künftig zudem den

Einsatz eines Energiemanagementsystems

nachweisen müssen, wird dies die Nachfrage

nach Energieberatungen noch weiter steigern.“

Cornelius Ober

Geschäftsführer der

ESA-Energieberatung –

Cornelius Ober GmbH

Der Einsatz eines professionellen Energieberaters

kann aber schon jetzt helfen, energetische

Schwachstellen im Unternehmen aufzudecken.

„Die Beleuchtungssysteme, die

Heizungsanlagen, aber auch verschwenderisches

Verhalten von

Mitarbeitern sind immer wiederkehrende

Ansatzpunkte für eine

Verbesserung der Energieeffizienz.

Oft nutzen die Unternehmen

zudem nicht die für sie optimalen

Tarife bei der Energieversorgung.

Auch die Vorteile einer

eigenständigen Energieerzeugung,

beispielsweise durch

den Einsatz von Photovoltaik,

werden unterschätzt“, weiß

Ober aus seiner Beratungstätigkeit

bei mittelständischen Betrieben

in der Region Hessen, Thüringen

und Sachsen zu berichten.

Die KfW fördert Energieberatungen

gleich in zweifacher Weise:

Im Förderprogramm „Energieberatung

Mittelstand“ zahlt sie

einen Zuschuss zu den Kosten einer

Energieberatung für kleine

und mittlere Unternehmen. Dabei

wird sowohl eine Initialberatung

bezuschusst, bei der die bestehenden

Mängel vom Energieberater

identifiziert und erste Vorschläge

für Einsparmaßnahmen erarbeitet

werden. Ebenfalls gefördert

wird eine anschließende Detailberatung,

bei der der Energieberater

eine tiefergehende Analyse

vornimmt und konkrete Handlungs- und Finanzierungsmöglichkeiten

aufzeigt. „Leider

ist diese Fördermöglichkeit bei den Unternehmen

noch nicht ausreichend bekannt“,

hat Energie-Profi Cornelius Ober feststellen

müssen. „Dabei sind Einsparungen von zehn

Prozent nach einer Energieberatung in der

Regel immer zu realisieren, in vielen Fällen

liegt das Einsparpotenzial aber noch weitaus

höher.“

Wer die Handlungsempfehlungen des Energieberaters

in die Tat umsetzen möchte, erhält

auch bei den dafür notwendigen Investitionen

staatliche Unterstützung. Bei Investitionsmaßnahmen,

die wesentliche Einspareffekte

erzielen, ist eine Finanzierung

mit Krediten aus dem KfW-Energieeffizienzprogramm

möglich.

W+M

Energieberatung Mittelstand

Lohnende Zuschüsse

Antragsberechtigt:

KMU und Freiberufler.

Zuschusshöhe:

- Initialberatung: 80 Prozent der förderfähigen

Beratungskosten, maximal 1.280 Euro.

- Detailberatung: 60 Prozent der förderfähigen

Beratungskosten, maximal 4.800 Euro.

KfW-Energieeffizienz programm

Energiekosten senken

Antragsberechtigt:

Unternehmen mit einem Gruppenumsatz

bis zu vier Milliarden Euro sowie Freiberufler.

Kreditsumme:

Bis zu 25 Millionen Euro pro Vorhaben.

Förderzwecke:

Investitionen, die wesentliche Energieeinspareffekte

erzielen.

Laufzeiten:

Bis zu 5, 10 oder 20 Jahre.

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46 | W+M Ratgeber

Personalpolitik

im Zeichen der Familie

Familienfreundliche Arbeitsbedingungen sind für junge Eltern längst zum wichtigen Kriterium

bei der Auswahl des Arbeitgebers geworden. Für Unternehmen bieten sie eine Chance, sich im

Wettbewerb um die rar gewordenen Fachkräfte zu behaupten – auch mit staatlicher Unterstützung.

Von Matthias Salm

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird zur Zukunftsaufgabe

von Unternehmen.

Seit dem 17. Dezember ist sie offiziell im Amt – Mecklenburg-Vorpommerns

Vorzeige-Sozialdemokratin Manuela

Schwesig hat die eher glücklos agierende Kristina

Schröder im Amt der Bundesfamilienministerin abgelöst.

Damit hat die gebürtige Brandenburgerin auch

eines der Lieblingsthemen ihrer christdemokratischen

Vorgängerin geerbt – die Förderung der Vereinbarkeit

von Beruf und Familie.

Dass die von der Landes- zur Bundesministerin aufgestiegene

Schwesig den eingeschlagenen Kurs fortsetzen,

gar noch intensivieren wird, steht außer Zweifel:

Schließlich haben die Koalitionäre die Fortsetzung des

Förderprogramms „Betriebliche Kinderbetreuung“ bereits

in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben. Auch das

Unternehmensprogramm „Erfolgsfaktor Familie“, in dessen

Rahmen das Familienministerium gemeinsam mit

großen Stiftungen, Spitzenverbänden der Wirtschaft und

den Gewerkschaften für eine familienfreundliche Ausrichtung

von Unternehmen wirbt, bleibt auf der Agenda

der neuen Bundesregierung. Dass Schwesig mit ihrem ersten

Vorstoß, einer zum Teil steuerfinanzierten 32-Stunden-Woche

für Eltern, gescheitert ist, wird den Elan der

neuen Ministerin nicht bremsen. Umgehend kündigte sie

Gespräche mit Arbeitgebern und Gewerkschaften über

praktikable Modelle zur Familienarbeitszeit an.

Unternehmen sollten die staatlichen Informations- und

Förderangebote jetzt nutzen, um die eigene Attraktivität

im Kampf um die begehrten Fachkräfte zu steigern.

Denn laut DIHK-Arbeitsmarktreport 2013, basierend auf

einer Umfrage unter mehr als 20.000 Betrieben, fürchten

viele Unternehmer, dass sich der Fachkräftemangel

gleichermaßen zu einer Wachstumsbremse und zu einem

Innovationshemmnis für den eigenen Betrieb auswachsen

kann. Mit flexiblen Arbeitszeiten und Arbeitsorten

hingegen können Unternehmen, so die Empfehlung des

DIHK, gerade die noch ungenutzten Potenziale berufstätiger

Frauen besser ausschöpfen. Auch die finanziel-

Foto: Sundikova/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Unternehmen | 47

le oder organisatorische Unterstützung der

Mitarbeiter bei der Kinderbetreuung sollten

sich Unternehmen verstärkt auf die Fahnen

schreiben.

Unternehmer, die die Belange berufstätiger

Eltern bei der Gestaltung des Arbeitsumfeldes

stärker berücksichtigen wollen, können

dafür die staatlichen Förder- und Informationsangebote

in Anspruch nehmen.

Das Förderprogramm „Betriebliche

Kinderbetreuung” schafft beispielsweise

finanzielle Anreize für die Einrichtung

neuer Betreuungsgruppen

für Mitarbeiterkinder bis zum vollendeten

dritten Lebensjahr.

Ansatzpunkt für die Förderung ist

die Kooperation der Unternehmen mit

den Trägern von Betreuungseinrichtungen.

Dazu wird seitens des Bundes ein

Zuschuss zu den Betriebskosten in Höhe von

400 Euro monatlich pro neu geschaffenem

Ganztagsbetreuungsplatz gezahlt. Die Förderung

durch das Bundesfamilienministerium

versteht sich als Startfinanzierung für

einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren.

Für kleinere Unternehmen, die trotz staatlicher

Förderung an finanzielle Grenzen stoßen,

empfiehlt es sich dabei, die Zusammenarbeit

mit anderen Unternehmen der Region

zu suchen, um neue Betreuungsplätze zu

schaffen.

Die Fördermittel erhalten entweder die Träger

der Kinderbetreuungseinrichtungen, mit denen

die Arbeitgeber zur Schaffung der neuen

Betreuungsplätze kooperieren, oder die

Betriebe selbst, wenn sie als Träger der Kinderbetreuungseinrichtung

fungieren. Ein

Wermutstropfen bleibt allerdings: Die bisher

Familienfreundliche Arbeitsbedingungen

steigern die Attraktivität des Unternehmens

bei der Personalsuche.

zur Verfügung stehenden Mittel waren Ende

2013 wegen der großen Nachfrage nahezu

ausgeschöpft. Hier gilt es nun abzuwarten,

wie die Ankündigung der neuen Bundesregierung,

das Förderprogramm fortzusetzen,

in die Tat umgesetzt wird. Eine erste Anlaufstelle

für allgemeine Informationen, wie Unternehmen

Kinderbetreuungsangebote einrichten

und betreiben können, leistet im Übrigen

die Servicestelle Betriebliche Kinderbetreuung

(Tel.: 0800 0000945).

Während sich die Einführung von Betreuungsangeboten

organisatorisch und finanziell

aufwändiger gestaltet, sind auf Familienbedürfnisse

abgestimmte Arbeitszeiten

leichter zu verwirklichen. Dazu bedarf es

aber bei der Planung immer der engen Abstimmung

mit den Mitarbeitern. Dies gilt übrigens

nicht nur für Mitarbeiter mit Kleinkindern.

Auch die Betreuung pflegebedürftiger

Angehöriger wird in den kommenden Jahren

verstärkt zur zeitlichen Herausforderung für

ältere Mitarbeiter im Unternehmen

heranwachsen. Hilfreiche Leitfäden

zur Einführung flexibler Arbeitszeitmodelle

bietet die Initiative

„Familienbewusste Arbeitszeiten”

(www.erfolgsfaktor-familie.de).

Die Initiative ist Teil des

Unternehmensprogramms „Erfolgsfaktor Familie”.

Auf dieser Plattform können Unternehmen

zum Erfahrungsaustausch im Netzwerk

zusammenfinden. Zudem hat die Initiative

zahlreiche Best-Practice-Beispiele

gesammelt, die anschaulich belegen, wie Unternehmen

aus ganz unterschiedlichen Branchen

und verschiedener Größenordnungen

betriebsindividuelle Lösungen von Gleit- und

Teilzeitangeboten über Vertrauensarbeitszeit

und Jahresarbeitszeitkonten bis hin zu Teilzeitmodellen

in Verbindung mit Telearbeit erfolgreich

umgesetzt haben. W+M

Anteile der Unternehmen, die mindestens eine Maßnahme im Jahr 2012 verwirklicht haben

Mindestens eine Maßnahme

zur Arbeitszeitflexibilisierung/Telearbeit

95,8

Mindestens eine Maßnahme

im Bereich Elternzeit/Elternförderung

86,3

Mindestens eine Maßnahme

im Bereich Kinder/Angehörigenbetreuung

54,7

Mindestens eine Maßnahme

im Bereich Familienservice

16,4

Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Anteile in Prozent

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48 | W+M Ratgeber

Pferdestärken

für China

2014 ist das Chinesische Jahr des Pferdes. Das Pferd

steht im Reich der Mitte für den Aufbruch zu neuen

Abenteuern. Für Unternehmer bedeutet das vielleicht

die Erschließung neuer Märkte oder den Aufbau neuer

Produktionsstätten in Fernost. Immer mehr fordern

die Konzerne, allen voran in der Automobilindustrie

und im Maschinen- und Anlagenbau, dass die Zulieferer,

viele davon aus Ostdeutschland, eigene Produktionsstätten

in Fernost errichten.

Das Pferd steht aber im chinesischen Jahr auch für

finanzielle Sicherheit. Investitionen in Fernost sollten

deshalb sehr gut geplant werden. Sie erfordern kreative

Lösungen, dies habe ich bei der Begleitung zahlreicher

Mittelständler auf ihrem Gang nach Fernost

erfahren. Und gerade dann, wenn die Finanzierung

erfolgreich war, war der Gang nach China ein wunderbarer

Aufbruch ins Reich der aufgehenden Sonne.

Die Sozietät bdp Bormann, Demant & Partner mit ihren

Büros in Berlin und Dresden wird die Leser von

WIRTSCHAFT+MARKT in diesem Jahr mit Finanzierungs-

und Steuerthemen begleiten. Scheuen Sie sich

nicht, uns zu fragen, was Sie bewegt. Wir freuen uns

auf Sie.

Ihr Michael Bormann

Anlagenfinanzierung in Fernost

Dass mittelständische Zulieferer von ihren Großkunden angesprochen

werden, in China ein Werk zu errichten, hat auch Hubertus

Bartsch, geschäftsführender Gesellschafter der Neuen Zahnradwerk

Leipzig GmbH (NZWL) erlebt. Nach Prüfung aller Optionen wie etwa

einem Joint Venture, entschied sich Geschäftsführer Bartsch gemeinsam

mit bdp dafür, eine eigene Produktionsstätte in China zu

errichten. Das Investitionsvolumen: 40 Mio. Euro.

Bei einer Investition direkt in China stellt sich häufig die Frage der

ausreichenden Sicherheiten. So wird eine chinesische Bank einer

für sie neuen Firma nur unter größeren Schwierigkeiten einen Kredit

für die Anfangs- und Investitionsphase gewähren, ohne zusätzlich

eine Bürgschaft oder Garantieerklärung der deutschen Muttergesellschaft

zu bekommen. Die Anforderungen an Eigenkapital in

China sind hoch (s. Tabelle).

Eigenkapitalanforderungen in China

Gesamtinvestition

bis 3 Mio. USD

über 3 Mio. bis 10 Mio. USD

über 10 Mio. bis 30 Mio. USD

über 30 Mio. USD

Mindesteigenkapital

70 % der Gesamtinvestition

50 % der Gesamtinvestition,

mindestens 2,1 Mio. USD

40 % der Gesamtinvestition,

mindestens 5 Mio. USD

33,3 % der Gesamtinvestition,

mindestens 12,5 Mio. USD

Die zweite Möglichkeit einer Direktfinanzierung in China könnte

jedoch auch eine ganz andere Bedeutung bekommen, wenn die Ansiedlung

der deutschen Tochtergesellschaft in der betreffenden Provinz

gefördert wird. Hier gibt es Subventionen in Form von verbilligten

Krediten oder aber auch Bürgschaften für Kredite. Dies muss

individuell von Provinz zu Provinz analysiert werden.

Als dritte Alternative bietet sich die Überlegung an, die Finanzierung

der Investitionen durch Emission einer Unternehmensanleihe

in Deutschland vorzunehmen.

Eine vierte Möglichkeit der Investitionsfinanzierung stellt die Finanzierung

über so genannte Objektfinanzierer dar, die nicht selten

von den Maschinenverkäufern unterstützt oder vermittelt werden.

Hier ist dann zu prüfen, ob sich der Objektfinanzierer mit einer

Verbringung dieser Maschine in das chinesische Tochterunternehmen

einverstanden erklärt.

Fazit: Anlagenfinanzierungen in Fernost sollten kreativ gestaltet

und an die Rahmenbedingungen vor Ort geknüpft werden. NZWL-

Chef Bartsch bekam unter anderem finanzielle Unterstützung durch

die chinesische Niederlassung der Commerzbank und der CCB China

Construction Bank.

Fotos: Privat, Tiberius Gracchus/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Steuern | 49

Sale-and-Lease-Back mit

Betriebsimmobilien verbessert

die Eigenkapitalquote und

optimiert die Erbschaftssteuer

Mit der Finanzierungsform Sale-and-Lease-Back stärken Unternehmen

die Liquidität und verbessern gleichzeitig die Bilanzrelationen.

Dabei steht insbesondere eine Steigerung der Eigenkapitalquote

im Fokus. So funktioniert das Sale-and-Lease-Back-Modell

mit Betriebsimmobilien: Der Verkauf und eine Rückvermietung

von Anlagen und Maschinen helfen den Unternehmen, stille Reserven

zu heben und frei gewordene Liquidität im Unternehmen

einzusetzen. Außerdem können derartige Modelle gut bei einer

erbschaftssteuerlich optimierten Unternehmensnachfolge helfen.

Hier liegt der Vorteil darin, dass die Betriebsimmobilie der steuerlichen

Erbmasse entzogen wird, gleichzeitig der Erbe aber Inhaber

des Ankaufsrechts sein kann. Die Betriebsimmobilie ist im

Anlagevermögen des Unternehmens bilanziert und im Idealfall lastenfrei.

Das Unternehmen erhält vom Erwerber bzw. Leasinggeber

den Verkaufspreis, in der Regel in Höhe des Verkehrswertes, und

least die Immobilie über einen vorab vertraglich fest vereinbarten

Zeitraum von beispielsweise 20 Jahren zur weiteren betrieblichen

Nutzung zurück. Das Hauptziel der Leasingstruktur ist es, die

Finanzierung und Nutzung des Objektes in der Zukunft bilanzneutral

zu gestalten. Weiter verschafft sich der Leasingnehmer

bisher in der Immobilie gebundene Liquidität zur freien Disposition

und gestaltet die Immobilienfinanzierung eigenkapitalschonend.

Rückkauf der Immobilie ist möglich

Das Unternehmen profitiert auf verschiedene Weise: Die Bilanzstruktur

des Unternehmens verbessert sich bei Eigenkapitalquote

und Verschuldungsgrad. Dem Unternehmen wird Liquidität in Höhe

des Verkehrswertes des Objektes zugeführt. Die Nutzung bleibt weiterhin

vollständig beim

Unternehmen. Der Zugriff

auf das Objekt bleibt

durch die Regelungen im

Ankaufsrecht erhalten.

Vorhandene stille Reserven

im Objekt können ertragssteuerlich

neutral

im Zeitpunkt der Veräußerung

realisiert werden.

Der Leasingnehmer erhält

einen entsprechenden

Leasingvertrag mit meist

zwei aufeinanderfolgenden Mietperioden. Im Rahmen einer ersten

Mietperiode werden die anfallenden Investitionskosten durch die

Leasingraten des Leasingnehmers je nach Modellgestaltung entweder

vollständig oder teilweise amortisiert. Dies erhöht Gestaltungsspielräume

und Flexibilität. Zudem wird parallel zum Immobilien-Leasing-Vertrag

ein Ankaufsrechtsvertrag zum Vertragsende

geschlossen, welcher die Wertsteigerungschance am Objekt dem

Ankaufsberechtigten, in der Regel der Leasingnehmer, zuordnet.

Jetzt auch Lohnsteuer-Nachschau

Ab 2014 hat der Gesetzgeber aufgrund des großen Erfolgs der

schon vor Jahren eingeführten Umsatzsteuer-Nachschau auch

eine Lohnsteuer-Nachschau eingeführt. Während der normalen

Geschäftszeiten kann der Lohnsteuer-Nachschauer, in der Regel ein

Betriebsprüfer, völlig unangemeldet beim Unternehmen läuten,

um Einlass bitten und dann Einsicht in die Lohnsteuerunterlagen

verlangen. Dazu muss keine formelle Prüfungsanordnung mit dann

mindestens zehn Tagen Vorlauf vorliegen. Sinn und Zweck ist hierbei,

den Unternehmer auf dem falschen Fuß zu erwischen, etwa

dass er eine nicht ganz richtige Auskunft gibt und so dem Nachschauer

das Recht gibt, die Nachschau sofort zu einer vollständigen

Lohnsteuer-Betriebsprüfung auszuweiten. Das hat zur Konsequenz,

dass dann keine strafbefreiende Selbstanzeige mehr möglich ist.

Kreditkarte: Nach Unterschrift

als Betriebsausgabe buchen

Neues Urteil bei Kreditkartennutzung: Die Betriebsausgabe fließt

bereits dann ab, wenn der Belastungsbeleg unterzeichnet wird.

Beim Kreditkartengeschäft wird mit der Unterschrift des Belastungsbelegs

die Leistung gemäß §11 Abs. 2 S. 1 Einkommensteuergesetz

(EStG) bewirkt. Die wirtschaftliche Verfügungsmacht des

Kreditkarteninhabers auf das Vertragsunternehmen wird übertragen,

sobald der Kreditkarteninhaber den Belastungsbeleg unterzeichnet.

Bei Zahlung mittels Kreditkarte erfolgt somit der Abfluss

mit der Unterschrift auf dem Belastungsbeleg und nicht erst

im Zeitpunkt der Belastung des Kontos, so das Finanzgericht (FG)

Rheinland-Pfalz. Das FG folgte in seiner Entscheidung der herrschenden

Meinung. Danach liegt die Zahlung mit Kreditkarte im

steuerrechtlichen Sinne dann vor, wenn die Unterschrift auf dem

Belastungsbeleg erfolgt. Bei der Kreditkarte fallen zwar Leistungsund

Erfüllungszeitpunkt auseinander. Jedoch dient die Kreditkarte

als Zahlungsmittel im bargeldlosen Zahlungsverkehr, während

ihre Kreditfunktion nicht im Vordergrund steht.

Für den redaktionellen Inhalt der Seiten 48/49 zeichnet die Sozietät bdp Bormann, Demant & Partner, Berlin, verantwortlich.

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50 | W+M Ratgeber

Der neue Mittelpunkt

Erfurt wächst wieder und gehört inzwischen zu den dynamischsten deutschen

Städten. Das Geheimnis: die Lage im Zentrum Deutschlands. Und

dieser Vorteil wird sich noch verstärken, wenn die Stadt in drei Jahren zum

Verkehrsdrehkreuz aufsteigt.

Von Steffen Uhlmann

„Eine Stadt in der Mitte der Mitte – die zentral

gelegenste Großstadt Deutschlands.“

Schon Martin Luther pries vor über 500 Jahren

die geographischen Vorzüge Erfurts.

Anno 2014 tut das auch Katrin Hoyer, wenn

sie nach dem Erfurter Erfolgsgeheimnis gefragt

wird. „Lage, Lage, Lage“, sagt die energische

Beigeordnete des Bürgermeisters für

Wirtschaft und nennt nüchtern noch andere

Gründe für den Wechsel der Hauptstadt Thüringens

von der regionalen Bratwurstmetropole

zur bundesweit bekannten Residenz,

die mit wachsender Dynamik ihre Zukunft

gestaltet: „Coole Lage, gute Bedingungen,

fitte Verwaltung – das wissen die Unternehmen

zu schätzen.“

Handfester Beleg für den unaufhaltsamen

Aufstieg der Kommune ist der jüngste Handelsblatt-Zukunftsatlas

der 402 deutschen

Regionen und kreisfreien Städte: 2004 belegte

Erfurt in der Gesamtwertung noch Platz

315. Sechs Jahre später schaffte die Stadt

schon Platz 258. Jetzt ist sie auf Rang 124 geklettert.

Keine deutsche Stadt konnte in der

Zeit mehr Plätze gutmachen. Die Investitionsquote

ist hoch, in Sachen Dynamik steht

Erfurt im Bundesvergleich gar auf Rang 35 –

bei nur reichlich 200.000 Einwohnern.

Das mit der Einwohnerzahl aber könnte sich

ändern: Nach vielen Jahren der massenhaften

Abwanderung nach Westdeutschland und

Blick über die Dächer der thüringischen Landeshauptstadt.

Fotos: Marco Barnebeck/pixelio, Matthias Plhak/pixelio, Ingrid Kranz/pixelio.de

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Immobilien | 51

auch in das Umland verzeichnet die Hauptstadt

des zweiten ostdeutschen Freistaates

nun eine ausgeglichene Bilanz bei Zuwanderung

und Abwanderung. Und diese Entwicklung

dürfte sich in den Folgejahren sogar

noch verbessern. Auf Basis aktueller statistischer

Prognosen geht der Beigeordnete

für Stadtentwicklung Uwe Spangenberg

davon aus, dass sich Erfurts Einwohnerzahl

von derzeit knapp 207.000 in den nächsten

zehn Jahren um jeweils 500 bis 600 Bürger

erhöhen könnte. Seine Hoffnung macht sich

dabei vor allem an der Zuwanderung junger

Leute fest, die zum Studium nach Erfurt

kommen oder aus Westdeutschland zurückkehren.

Ohne junge Leute, sagt er, werde es

kein Wachstum für Erfurt geben. Indes, ob

sie wirklich kommen und auch bleiben, hängt

vor allem von Ausbildungsmöglichkeiten und

Arbeitsplätzen in der Stadt ab. Und auch da

kann Erfurt trotz drastischer Rückschläge in

der heimischen Solarbranche punkten: Zum

Beispiel mit dem Stuttgarter Buchgroßhändler

KNV und dem Online-Schuhhändler Zalando,

die beide neue Logistikzentren am Rande

Erfurts bauen und dabei jeweils 1.000 neue

Arbeitsplätze schaffen.

Mit Erfurts Anbindung an den ICE-Verkehr,

die nun endlich 2017 kommen soll, werde

Der Fischmarkt im Zentrum von Erfurt.

Erfurter Neubausiedlung.

Erfurt endgültig zum neuen Mittelpunkt

Deutschlands aufsteigen, hofft die Landespolitik.

Auf dem Immobilienmarkt ist das

schon jetzt zu spüren. Steigende Einwohner-

und Haushaltszahlen produzieren Wohnraumnachfrage.

Der Leerstand ist seit 2005

von knapp elf Prozent auf deutlich unter sieben

Prozent zurückgegangen. Mit dem drohenden

Wohnungsmangel aber steigen Kaufwie

Mietpreise, vornehmlich in bevorzugten

Lagen der Innenstadt. Dort, wo es sich in

Erfurt am schönsten leben lässt, erhöhten

sich die Kaupreise um bis zu 15 Prozent. Im

Dichterviertel (Löbervorstadt) sind inzwischen

für Einfamilienhäuser sogar Spitzenpreise

bis zu 1,5 Millionen Euro zu erzielen.

Der Durchschnittspreis aller Einfamilienhäuser,

die nach 1990 errichtet worden sind, hat

mit 209.000 Euro die 200.000-Euro-Grenze

deutlich überschritten.

Auf dem Vermietermarkt das gleiche Bild: Der

durchschnittliche Mietzins (kalt) ist binnen

eines Jahres zwischen vier und neun Prozent

gestiegen – auf derzeit 6,20 Euro pro Quadratmeter.

Für die nächsten Jahre sind Steigerungen

in gleicher Größenordnung prognostiziert.

Lokalpolitiker beobachten die Entwicklung

mit gemischten Gefühlen. Denn der

Neubau kommt nicht in Gang und die Zahl

der fertiggestellten Wohnungen hinkt hinter

dem kommenden Bedarf deutlich hinterher.

Umso wichtiger sind Pläne der Kommune

für die Entwicklung neuer Wohnviertel, die

jetzt – zumindest auf dem Papier – Gestalt

annehmen. Sogar ein komplett neues Stadtviertel

befindet sich darunter. Es ist für die

Brachflächen gleich neben dem Hauptbahnhof

geplant und der erste Abschnitt soll nach

Willen der Stadtoberen mit der Einweihung

des ICE-Knotens 2017 bezogen werden. Eine

Fläche von acht Hektar steht für diesen ersten

Bauabschnitt bereit. Entstehen sollen

Wohnungen, Büros, Gaststätten, Handelsund

Dienstleistungseinrichtungen. Für weitere

Bauabschnitte könnten dann noch einmal

fast 50 Hektar erschlossen werden. Viel

Platz für die großen Erfurter Träume und

Visionen.

W+M

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


52 | W+M Ratgeber

Ausländische Fachkräfte gewinnen

Wer Fachkräfte aus Europa und der Welt in Deutschland

beschäftigen möchte, muss einige Formalitäten beachten.

Finden Unternehmen in Deutschland

keine geeigneten Fachkräfte,

so ist es durchaus möglich, Arbeitnehmer

aus dem Ausland einzustellen.

Hierbei muss zwischen

EU-Ausländern und Nicht-EU-Ausländern

unterschieden werden, da

bei beiden unterschiedliche Voraussetzungen

für eine Arbeitsaufnahme

in Deutschland existieren.

Am einfachsten lässt sich eine Anwerbung

von Fachkräften aus dem

EU-Ausland realisieren, da innerhalb

der Europäischen Union die

Arbeitnehmerfreizügigkeit gilt

und Arbeitnehmer aufgrund dessen

keine Arbeitserlaubnis benötigen.

Diese Regelung gilt zudem für

Island, Norwegen, Liechtenstein

und die Schweiz, welche nicht der

EU angehören. Für Rumänien und

Bulgarien besteht die Freizügigkeit

seit 1. Januar 2014, für Kroatien

erst ab Juli 2015. Für die Suche

nach ausländischen Fachkräften

können sich Unternehmen direkt

an die örtlichen Arbeitsagenturen

wenden, aber auch an die Zentrale Arbeitsvermittlung

der Bundesagentur für Arbeit

(ZAV) oder das europäische Portal zur

beruflichen Mobilität (EURES). Dort erhalten

Arbeitgeber auch weitere nützliche Informationen

zur Einstellung von EU-Ausländern.

Schwieriger gestaltet sich die Situation bei

Nicht-EU-Ausländern. Hier muss vorerst geprüft

werden, ob in Deutschland für die zu

besetzende Position ein Mangelberuf vorliegt.

Dies lässt sich aus einer entsprechenden

Liste unter www.zav.de/positivliste entnehmen.

Besteht in dem Herkunftsland des

Bewerbers ebenfalls ein Mangel an Fachkräften

in diesem Beruf, so kann eine Genehmigung

ausgeschlossen werden. Für

die Staaten Serbien, Bosnien und Herzegowina,

Philippinen und Tunesien existiert

beispielsweise das Sonderprogramm

für Pflegeberufe „Triple Win“ der ZAV und

der Deutschen Gesellschaft für Internationale

Zusammenarbeit (GIZ). Ziel des Programms

ist die Vermittlung von 2.000 qualifizierten

Fachkräften nach Deutschland bis

Ende 2014. Um an dem Programm teilzunehmen,

müssen potentielle Arbeitgeber für die

Vermittlung und Qualifizierung der Fachkräfte

eine Gebühr entrichten.

Möglich ist aber auch die Ausbildung von Ausländern

zu Fachkräften vor Ort in Deutschland.

So kann sichergestellt werden, dass die

Auszubildenden deutsche Standards von der

Pike auf erlernen können. Zudem erhalten

erfolgreiche Absolventen ein Bleiberecht in

Deutschland. Weitere Informationen unter

www.management-praxis.de

Hund im Büro?

Arbeitgeber entscheidet darüber, ob

Haustiere im Büro erlaubt sind

Ob ein Hund ins Büro mitgebracht werden

darf, liegt bis auf wenige Ausnahmefälle

allein im Ermessen des Arbeitgebers. Ein

Anspruch auf die Mitnahme eines Vierbeiners

besteht nur, wenn es sich etwa um einen

begleitenden Blindenhund handelt.

Über die Mitnahme eines Haustiers ins Büro

sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine

schriftliche Übereinkunft festhalten. Sollten

sich aber die Verhältnisse ändern, so kann der

Arbeitgeber jederzeit von der Vereinbarung

zu rücktreten, beispielsweise bei einer Tierhaarallergie

oder Ängsten von Mitarbeitern.

Ist ein Haustier erkrankt, so besteht kein Anspruch

auf Sonderurlaub oder darauf, das Tier

mit ins Büro zu nehmen. Entstehen durch ein

Haustier im Büro Schäden, so muss der Halter

dafür aufkommen. Studien belegen, dass

Tiere am Arbeitsplatz das Wohlbefinden

und den kollegialen Zusammenhalt der Mitarbeiter

stärken können. Weitere Infos unter

www.dashoefer.de

Abmahnung ohne Folgen

Wirksamkeit der Kündigung bei

mehreren Abmahnungen

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Köln hat

jüngst entschieden, dass eine ordentliche

Kündigung nach sieben erfolgten Abmahnungen

unter bestimmten Voraussetzungen

nicht wirksam ist. Im vorliegenden Fall hatte

ein Arbeitnehmer wiederholt unentschuldigt

gefehlt und dadurch innerhalb von viereinhalb

Jahren sieben Abmahnungen erhalten.

Die Abmahnungen enthielten jeweils die

Androhung arbeitsrechtlicher Konsequenzen

bis hin zur fristlosen Kündigung. Allerdings

war eine Steigerung der Intensität nicht zu

Fotos: arahan/fotolia.com, WavebreakMediaMicro/fotolia.com, Twinlili/pixelio.de

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Management und Personal | 53

erkennen und ein Abmahngespräch fand

auch nicht statt. Das LAG entschied deshalb,

dass die Kündigung unrechtmäßig sei, da das

Unternehmen die Warnfunktion durch das

inkonsequente Verhalten selbst entwertet

hatte. Um einem solchen Fall vorzubeugen,

sollten Arbeitgeber daher auf eine gesteigerte

Intensität der Abmahnung achten.

Az 11 Sa 119/12

Gefahr Burnout

Präventionsmaßnahmen in

Unter nehmen noch kaum verbreitet

Einer Studie des Hernstein Instituts für Management

und Leadership zufolge ist das

Thema Burnout in den Unternehmen angekommen.

Knapp ein Viertel der Befragten

schätzt das Risiko für Burnout-Erkrankungen

im Unternehmen als sehr hoch und eher

hoch ein, 58 Prozent jedoch als weniger hoch.

Da Burnout keine eigenständig definierte

Krankheit ist und mit verschiedensten Symptomen

auftreten kann, sollten Mitarbeiter

möglichst geschult und sensibilisiert werden.

Maßnahmen zur Burnout-Prävention finden

aber nur in 37 Prozent der befragten Unternehmen

statt. Als geeignete Maßnahmen werden

z. B. die Sensibilisierung von Führungskräften

und Mitarbeitern genannt, gefolgt von

einem Überdenken der Arbeitsorganisation.

Lediglich 22 Prozent der Befragten sehen in

der Kürzung des Arbeitspensums und dem

Abbau von Überstunden geeignete Maßnahmen.

Weitere Infos unter www.hernstein.at

Sabbatical beliebt

Arbeitgeber sollten Regelungen der

Finanzbehörden beachten

Immer mehr Arbeitnehmer wünschen sich

eine Auszeit vom Berufsalltag und finden

Gefallen an so genannten Sabbaticals. Aber

auch den Unternehmen nützt diese Auszeit.

Sie können in wirtschaftlich schwächeren

Phasen Personalkosten einsparen und verbessern

ihr Image als Arbeitgeber. Die Arbeitnehmer

verzichten zunächst auf einen

Teil des Gehaltes bei gleichbleibender Arbeitszeit.

Im Gegenzug gewährt ihnen der

Arbeitgeber dann eine mehrmonatige Jobpause

unter Fortzahlung der Bezüge. Zu diesem

Zweck richten Arbeitgeber ein Zeitwertkonto

als Langzeitkonto ein. Typische Stolperfallen

stellen hierbei eine fehlende Zinsregelung

für das Zeitwertkonto, überhöhte

Ansparungen, die nicht mehr vollständig aufgebraucht

werden können, sowie planwidrige

Auszahlungen dar. Arbeitgeber sollten

sich daher rechtzeitig professionellen Rat holen.

Weitere Infos unter www.dhpg.de

Kündigung

Wie sich Unternehmen fair und

reibungslos von Mitarbeitern trennen

Es gibt viele Gründe, warum sich Arbeitgeber

auch von leistungsfähigen Mitarbeitern

trennen müssen. Outplacement kann dafür

sorgen, dass die Trennung fair abläuft und

juristische Auseinandersetzungen und Imageschäden

vermieden werden. Über einen

externen Outplacement-Berater wird der

Trennungsprozess moderiert. Dieser führt

das klärende Gespräch, analysiert die Fähigkeiten

des Mitarbeiters und begleitet seinen

Bewerbungsprozess. Arbeitgeber profitieren

davon, wenn ihre ehemaligen Mitarbeiter

nach der Kündigung aufgefangen

und betreut werden. Er gewinnt dadurch

auch Vertrauen bei der bleibenden Belegschaft.

Zudem entsteht der deutschen Wirtschaft

jährlich allein durch erhöhte Fehlzeiten

von gekündigten Mitarbeitern ein

Verlust von 18,3 Milliarden Euro. Weitere

Infos unter www.business-wissen.de

ORGANISATION

KOMPAKT

TEAMARBEIT

Faulenzer erkennen

Bereits vor 100 Jahren wurde erforscht,

dass die individuelle Leistung mit der

Größe des Teams kontinuierlich sinkt. Einfallstore

für soziales Faulenzen sind somit

die Größe der Gruppe und damit die Gelegenheit,

sich zu verstecken. Aber auch die

Teamzusammensetzung, schwer teil- und

messbare Aufgaben, eine schlechte Teamführung,

fehlende Leistungs- und Fortschrittskontrollen

sowie eine ungerechte

Aufgabenverteilung können sich negativ

auf die Leistung des einzelnen Teammitglieds

auswirken. Die Forschung hat bisher

folgende „Faulenzer-Typen“ definiert:

• Zuspätkommer und Zufrühgeher

(nimmt es nicht so genau mit den

Arbeitszeiten)

• Jovialer Müßiggänger (klassischer Kumpeltyp,

der vor lauter Reden nicht zum

Arbeiten kommt)

• Operativer Hektiker (entweder ein

Unorganisierter, der sich verzettelt,

oder ein Simulant, der Arbeit bewusst

vortäuscht)

• Phlegmatischer Bremser (versucht,

das Tempo des Teams auf seines zu

drosseln)

• Schnorrer (lässt gern andere für sich

arbeiten und nutzt die Gutmütigkeit

seiner Kollegen aus)

• Blendender Abstauber (schmückt sich

gern mit fremden Federn und kann sich

gut verkaufen)

• Alphatier (lässt seinen Hofstaat für sich

arbeiten, ist charismatisch und dominant)

• Böswilliger Blutsauger (kennt die

schwachen Punkte seines Gegenübers

und beutet dies gnadenlos aus).

Um sich und das Team vor solchen Faulenzern

zu schützen, sollten Arbeitgeber

und Führungskräfte versuchen, kleine und

übersichtliche Teams mit etwa gleichstarken

Mitarbeitern zu bilden, die ein gemeinsamer

Leistungswille eint.

www.business-wissen.de

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54 | W+M Ratgeber

Neue Energieeinsparverordnung ab Mai 2014

Verabschiedete Novelle setzt neue Standards bei zulässigen

Werten der Energieeffizienz von Gebäuden

Im Mai dieses Jahres tritt mit zweijähriger Verspätung die „Zweite Verordnung zur Änderung

der Energieeinsparverordnung“ (EnEV) in Kraft. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel,

bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Daher setzt die neue

Verordnung vor allem für Neubauten höhere energetische Standards; aber auch Besitzer älterer

Gebäude müssen einige neue Regelungen beachten.

Ab 1. Januar 2016 müssen neu gebaute Wohn- und Nichtwohngebäude

höhere energetische Anforderungen erfüllen: Der

zulässige Wert für die Gesamtenergieeffizienz (Jahres-

Primär energiebedarf) wird um 25 Prozent gesenkt. Ab

2021 gilt dann für alle Neubauten der von der EU festgelegte

Niedrigstenergie-Gebäudestandard. Insgesamt

sind für den Gebäudebestand keine wesentlichen

Ver schärfungen vor ge sehen. Trotzdem müssen

auch Besitzer von Bestandsgebäuden einige

Vorgaben beachten: So müssen Öl- und Gasheizkessel,

die vor 1985 eingebaut wurden, ab 2015

außer Betrieb genommen werden. Wurden die

entsprechenden Heizungsanlagen nach dem

1. Januar 1985 eingebaut, müssen sie nach

30 Jahren ersetzt werden. Beispielsweise

Niedertemperatur- und Brennwertkessel

sind von der Austauschpflicht ausgenommen.

Zudem müssen oberste

Geschossdecken, die nicht die Anforderungen

an den Mindestwärmeschutz

erfüllen, bis Ende 2015

gedämmt sein.

Zudem bekommt der Energieausweis

für Gebäude

mehr Gewicht. Verkäufer

und Vermieter müssen

den Ausweis künftig

bereits bei der Besichtigung

vorlegen.

Nach Abschluss des

Vertrags muss der

Ausweis dann

unverzüglich

an den Käufer

bzw. Mieter

übergeben werden – zumindest in Kopie. Die wichtigsten energetischen Kennwerte aus dem

Energieausweis müssen außerdem schon in der Immobilienanzeige genannt werden, zum

Beispiel der durchschnittliche Endenergiebedarf des Gebäudes. Die energetischen Kennwerte

werden künftig nicht mehr nur auf einer Skala von grün bis rot dargestellt, sondern

zusätzlich einer Effizienzklasse zugeordnet, ähnlich wie bei der Kennzeichnung von Elektro-

und Haushaltsgeräten. Weitere Infos unter

www.dena.de

Verbot privater E-Mails

Kündigung des Arbeitnehmers bei

Verstoß unter Umständen unzulässig

Die private E-Mail-Nutzung am Arbeitsplatz,

welche zudem durch eine Betriebsvereinbarung

verboten ist, führt regelmäßig zu

einer rechtmäßigen Kündigung des Arbeitnehmers.

Im vorliegenden Fall wurden im

Rahmen einer staatsanwaltschaftlichen Ermittlung

Computer eines Unternehmens beschlagnahmt.

Dabei wurden pornografische

Bilder und lange E-Mail-Kontakte mit sexuellem

Inhalt auf dem PC eines Mitarbeiters

entdeckt. Die daraufhin ausgesprochene

Kündigung durch das Unternehmen wurde

vom Landesarbeitsgericht Köln zurückgewiesen,

da der Arbeitnehmer mehr als 30

Jahre beanstandungsfrei beim Unternehmen

gearbeitet hatte und seine Arbeitsleistung

durch den privaten E-Mail-Verkehr

nicht eingeschränkt wurde. Daher wäre dem

Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung zumutbar

und das mildere Mittel der Abmahnung

zu wählen gewesen.

Az. 14 Ca 1740/11

Zwei Milliarden für KMU

Leichterer Zugang zu Finanzmitteln

durch EU-Rahmenprogramm COSME

Am 5. Dezember 2013 hat der Europäische

Rat das neue Rahmenprogramm COSME

gebilligt. Damit stehen in der kommenden

Förderperiode von 2014 bis 2020 2,3 Milliarden

Euro für die Förderung von kleinen

und mittelständischen Unternehmen (KMU)

bereit. Das Programm COSME soll dazu beitragen,

die Wettbewerbsfähigkeit europäischer

Unternehmen zu erhöhen. Ziel ist es,

den KMU einen erleichterten Zugang zu

Finanzmitteln zu ermöglichen und ein günstiges

Umfeld für Gründungen und Wachs-

Fotos: Scanrail/fotolia.com, styleuneed/fotolia.com

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Finanzen und Multimedia | 55

tum von Unternehmen zu schaffen. Zudem

sollen die Unternehmerkultur in Europa, die

Expansion ins Ausland und der Zugang zu

Märkten unterstützt werden. Weitere Infos

unter

www.dihk.de

Sicherheitsrisiko

Gefahr durch öffentliche

Ladestationen für Mobiltelefone

Vor allem an Flughäfen befinden sich

öffentliche Ladestationen für Handys, welche

für alle gängigen Geräte Ladekabel bereithalten.

Diese nützliche Erfindung birgt

aber Sicherheitsrisiken und ist nur bedingt

zu empfehlen. Ist eine Ladestation manipuliert,

können unbemerkt Daten vom

Telefon kopiert oder auch Schadsoftware auf

das Handy geladen werden. Nutzer können

sich schützen, indem sie stets ihr eigenes

Ladegerät dabei haben, was sie direkt an eine

Steckdose anschließen. Zudem gibt es das

sogenannte USB-Kondom, das zwischen die

Ladestation und das Handy geschaltet werden

und so Zugriffe verhindern kann. Weiter

Infos unter

www.datenschutzbeauftragter-info.de

Vernachlässigte Pflicht

Bei Datenschutz erklärungen auf

Webseiten Nachholbedarf

Unter Beteiligung des Hessischen Datenschutzbeauftragten

fand 2013 eine überblicksartige

Internetrecherche statt. Hierbei

wurde festgestellt, dass etwa ein Fünftel

aller überprüften Webseiten und Apps über

keine Datenschutzerklärung verfügten.

Nach §13 des Telemediengesetzes (TMG)

besteht in Deutschland die Pflicht, eine Datenschutzerklärung

auf der Webseite einzubinden.

Der Diensteanbieter darf personenbezogene

Daten eines Nutzers nur erheben

und verwenden, soweit dies erforderlich

ist, um die Inanspruchnahme von

Telemedien zu ermöglichen und abzurechnen.

Diese sogenannten Nutzungsdaten

sind insbesondere Merkmale zur Identifikation

des Nutzers, Angaben über Beginn, Ende

und Umfang der jeweiligen Nutzung sowie

Angaben über die vom Nutzer in Anspruch

genommenen Telemedien (§15 TMG). Wer

den Nutzer nicht, nicht richtig, nicht vollständig

oder nicht rechtzeitig unterrichtet,

begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer

Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet

werden kann. Weitere Infos unter

www.datenschutz.hessen.de

Leichterer Zugang

Unternehmen können EU-Fördergelder

künftig komplett digital beantragen

Beim Thema E-Government kämpfen 86

Prozent der durch das Beratungsunternehmen

Steria Mummert Consulting befragten

Behörden noch immer mit Medienbrüchen.

Fehlende Schnittstellen unterbrechen

automatisierte, durchgängige Prozesse und

sind potenzielle Fehlerquellen. Wenn es um

Gelder aus den europäischen Strukturfonds

geht, erzeugt das Verfahren einen zu großen

Aufwand. So kämpft sich nahezu jeder

Fördermittelempfänger über hohe bürokratische

Hürden, indem er zahlreiche Dokumente

sowie Angaben zur Person in Papierform

einreicht. Die EU will diesen Vorgang

künftig einfacher gestalten und plant

mit Hilfe des Programms E-Cohesion die

schrittweise Umsetzung des Prozesses in einen

komplett digitalen bis 2016. Knackpunkt

bei der Umsetzung war bislang das Beharren

des Gesetzgebers auf der Schriftform. In

Deutschland wurde diese Barriere im Bundesrecht

durch das neue E-Government-

Gesetz beseitigt. Weiter Infos unter

www.steria.com/de

FINANZEN

KOMPAKT

GESCHÄFTSKONTO

Vergleich lohnt sich

In Deutschland sind lediglich Kapitalgesellschaften

die Nutzung von Geschäftskonten

vorgeschrieben, dennoch empfiehlt sich für

Unternehmer die Führung eines solchen

Kontos. Werden Privatkunden von Banken

oft mit kostenlosen Girokonten gelockt, so

kommen auf Geschäftskontoinhaber dagegen

einige Gebühren zu. Daher lohnt sich

ein Vergleich der einzelnen Faktoren:

• Kontoführungsgebühren

In der Regel verlangen Bankinstitute von

Geschäftskontoinhabern eine Kontoführungsgebühr.

Einige Banken reduzieren

diese ab einem gewissen Guthaben.

• Buchungsvorgänge

Zudem fallen bei Geschäftskonten meist

Gebühren bei allen Buchungsvorgängen

an – sowohl mit und ohne Beleg. Diese

können von Institut zu Institut erheblich

variieren. Einige Tarife beinhalten bereits

ein bestimmtes Kontingent an Buchungen,

das in den Kontoführungsgebühren

beinhaltet ist.

• EC-/Kreditkarte

Idealerweise sollte im Firmenkonto bereits

eine EC- und Kreditkarte enthalten

sein. Auch hierfür können zusätzliche

Gebühren erhoben werden.

• Zinsen

In der Regel gewähren Banken Zinsen

auf Kontoguthaben. Diese variieren je

nach Institut und Tarif.

• Bargeld

Durch die Verbundnetze der Banken haben

Kunden heute eine große Auswahl

an Bankautomaten für den Bezug von

Bargeld. Bei Einzahlungen hingegen

können – gerade bei Direktbanken – zusätzliche

Kosten anfallen.

Um hohe Kosten zu vermeiden, sollten Geschäftskunden

die Tarife der verschiedenen

Bankinstitute miteinander vergleichen und

je nach Nutzungsintensität Modellrechnungen

aufstellen. Weitere Infos unter

www.banktip.de

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56 | W+M Ratgeber

Wirtschaftsliteratur – Empfehlungen der Redaktion

Dirk Müller:

„Showdown: Der Kampf um Europa

und unser Geld“,

Droemer 2013, 272 S., 19,99 Euro.

Daniel Kahnemann/Thorsten Schmidt:

„Schnelles Denken, langsames Denken“,

Siedler 2012, 624 S., 26,99 Euro.

Martin Wehrle:

„Ich arbeite immer noch in einem

Irrenhaus: Neue Geschichten aus

dem Büroalltag“,

Econ 2012, 320 S., 14,99 Euro.

Matthias Weik/Marc Friedrich:

„Der größte Raubzug der Geschichte:

Warum die Fleißigen immer ärmer und

die Reichen immer reicher werden“,

Tectum 2012, 381 S., 19,90 Euro.

Julia Scharnhorst:

„Burnout. Präventionsstrategien und

Handlungsoptionen für Unternehmen“,

Haufe 2012, 279 S., 39,95 Euro.

Catri Tegtmeier/Michael A. Tegtmeier:

„Wie Streß im Beruf krank macht und

wie Sie sich schützen“,

Walhalla 2013, 240 S., 29,00 Euro.

Henryk M. Broder:

„Die letzten Tage Europas. Wie wir eine

gute Idee versenken“,

Albrecht Knaus 2013, 224 S., 19,99 Euro.

Katharina Daniels/Manfred Engeser/

Jens Hollmann:

„Sieg der Silberrücken. Beruflicher

Richtungswechsel in der Lebensmitte.

Zehn Neustarter verraten ihr Erfolgsgeheimnis“,

Linde 2013, 176 S., 19,90 Euro.

Rolf Dobelli:

„Die Kunst des klaren Denkens:

52 Denkfehler, die Sie lieber anderen

überlassen“,

Carl Hanser 2011, 256 S., 14,90 Euro.

Robert Skidelsky/Edward Skidelsky:

„Wie viel ist genug? Vom Wachstumswahn

zu einer Ökonomie des guten

Lebens“,

Kunstmann Antje 2013, 318 S., 19,95 Euro.

Der Weg durch die Steuererklärung ist gar nicht so schwer, wie man

denkt. In diesem Ratgeber steht alles, was Selbstständige und Existenzgründer

für die Steuererklärung wissen müssen – in leicht verständlicher

Sprache ohne Steuerchinesisch. Der Ratgeber informiert mit gut

lesbaren und knappen Texten, vielen praktischen Beispielen, Tipps, Tabellen

und nachvollziehbaren Berechnungen und führt Selbstständige

sicher und lösungsorientiert durch die Steuererklärung. Geeignet ist

dieser Ratgeber vor allem für kleine Unternehmen, Freiberufler und Existenzgründer.

Hans W. Fröhlich: „Steuererklärung 2013/2014 – Selbstständige, Existenzgründer“,

Stiftung Warentest 2013, 272 S., 16,90 Euro.

Richtig wahrzunehmen, wie andere sich fühlen, ist in nahezu allen beruflichen

und privaten Situationen die Basis für ein gutes Miteinander, eine

harmonische und erfolgreiche Zusammenarbeit sowie für Vertrauen und

Wertschätzung. Nirgends werden Emotionen so deutlich wie im Gesicht.

Wer seine Empathiefähigkeit ausbauen möchten, für den lohnt sich ein

Training im Erkennen und Deuten von Gesichtsausdrücken, insbesondere

von Mikroexpressionen. Letztere zeigen sich nur für den Bruchteil

einer Sekunde und geben Aufschluss über unbewusste oder unterdrückte Emotionen.

So kann man erkennen, wie andere Menschen sich fühlen oder z. B. auch besser sehen,

ob jemand lügt.

Dirk W. Eilert: „Mimikresonanz. Gefühle sehen, Menschen verstehen“,

Junfermann 2013, 232 S., 22,90 Euro.

Der GmbH-Geschäftsführer erhält durch das Buch einen Überblick

über seine Pflichten und Rechte als Organ der GmbH. Es beinhaltet alle

wichtigen rechtlichen Aspekte rund um die Geschäftsführung einer

GmbH, von den Anforderungen an und die Bestellung des Geschäftsführers,

Anstellungsvertrag, Sozialversicherung und Altersvorsorge,

Aufgaben und Pflichten, Abberufung und Beendigung, Haftung und

Haftungsvermeidung bis hin zu strafrechtlicher Verantwortung. Beispiele

und praktische Tipps machen die Ausführungen anschaulich und

erleichtern die Umsetzung. Im Anhang finden sich zudem zahlreiche Muster – vom

Anstellungsvertrag bis zur Geschäftsordnung.

Christian Kühn: „GmbH-Geschäftsführer. Pflichten, Anstellung, Haftung, Haftungsvermeidung,

Abberufung und Kündigung“, dtv 2013, 2. Aufl., 240 S., 16,90 Euro.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verfügen meistens über wenig

Kapazitäten und sehr enge Ressourcen. Trotzdem müssen sie besonders

innovativ sein – eine Herausforderung, an der viele KMU scheitern.

Das Buch zeigt, speziell auf die Situation von KMU abgestimmt,

wie ganzheitliche Innovationsstrategien entwickelt und umgesetzt werden.

Dabei werden nicht nur Technologien, sondern auch Geschäftsmodelle

überdacht sowie Kernkompetenzen identifiziert. Konkrete Handlungsanweisungen

mit Fallbeispielen, Checklisten und Tipps, aber auch

Hinweisen auf mögliche Hürden und Fallstricke erleichtern den Transfer in die unternehmerische

Praxis.

Oliver Gassmann/Peter Granig: „Innovationsmanagement. 12 Erfolgsstrategien

für KMU“, Carl Hanser 2013, 198 S., 29,90 Euro.

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Kultur | 57

Senk ju vor treffeling

Englisch is janz light, behauptet

Ernst Röhl, you can learn it in nullkommanothing

R

Ernst Röhl

udolf Wijbrand Kesselaar aus Alkmaar

galt unter dem Künstlernamen Rudi

Carrell seinerzeit als berühmtester Fernseh-Entertainer

Deutschlands. „Als ich aus

Holland kam“, sagte er, „beherrschte ich nur

eine einzige Fremdsprache: Englisch. Doch

weil sich das Deutsche im Laufe der Zeit so

viele englische Wörter einverleibte, spreche

ich mittlerweile fließend deutsch.“

Dieser Trend setzt sich ungebrochen fort.

In Berlin weigern sich die Nutten, auf den

Strich zu gehen, sie gehen lieber professionally

online. Der bayerische Turnerbund

anglisierte den Volkssport Tauziehen zu

Ropeskipping, und wer auf Parties nicht

als oldfashioned gelten will, verwendet

Lifestyle-Vokabeln am laufenden Band:

the briefing – die Postzustellung, the laptop

– der Topplappen, the job – die Joppe,

the dog – der Doktor, the patchwork

– die Fliegenklatsche, the striptease-table

– der Ausziehtisch. Oder coffee to go –

Kaffee zum Davonlaufen. Ein monumentales

Gebäude in der Mitte Berlins heißt Upper

East Side, eine Bockwurschtbude in der

Nähe des einstigen Grenzübergangs Snack

Point Scharlie und ein Lokal in Reichstagsnähe

Oval Office Snack, offenbar ein Versuch

der Inhaber, sich dem Weißen Haus

in Washington sprachlich anzuschmiegen.

Die Deutsche Telekom lehnt es ab, die Sprache

ihrer deutschen Kunden zu sprechen.

Sie deckt uns ein mit Call by Call von Town

to Town, mit Sunshine- und Moonshine-

Tarifen, mit Flatrate, Hotline und Global

Call zum Weekend-Tarif. Um rauszukriegen,

was dies alles bedeutet, müsste

der Kunde schon die Auskunft bemühen,

doch ist es unwahrscheinlich, dass

bei der Deutschen Telekom noch irgendeiner

deutsch versteht. Nur der liebe Gott

kann helfen, und er ist auch dazu bereit.

„Rufe mich an in der Not“, spricht der HERR.

Die Bereitschaft, gegen das denglische

Kauderwelsch etwas zu unternehmen, war

in der Bildungsrepublik Deutschland lange

Zeit nur schwach entwickelt. Vor kurzem

aber ging in Ermangelung größerer Projekte

ausgerechnet das Bundesverkehrsministerium

in die Offensive. Schwungvoll

wurde das Travel Management in Reisestelle

rückübersetzt, der Team Manager

wurde wieder zum Zugführer, die DB-

Lounge zum Wartesaal und der McClean

Point zum Bahnhofsklo. Und damit kein

Fahrgast argwöhnt, die Bahn-Mitarbeiter

beherrschten keine Fremdsprachen, verabschieden

sich die ICE-Schaffner weltmännisch

von ihren Passagieren: „Senk ju vor

treffeling wiss Deutsche Bahn!“

Mit dem guten, alten Deutsch ist bis auf weiteres

kein Blumentopf zu gewinnen. English

is in, Deutsch ist out. Im Management deutscher

Global Player ist das Englische schon

seit Jahren Pflicht. Die Firmenbereiche

beim Sportartikelhersteller adidas in Herzogenaurach

beispielsweise haben allesamt

klangvolle Namen: Supply Chain Management,

Product Creation, Finance & Controlling,

Human Resources and so on. Merke:

Schlechtet Englisch is’ det beste Deutsch.

Psychologie – eine Nachhilfe der besonderen Art

Psychopathen gelten landläufig als

schwer gestörte Menschen. Zur Einschätzung

von solchen Persönlichkeiten

wird die Psychopathy Checklist, kurz

PCL, eingesetzt. Wer mehr als 75 Prozent

der Merkmale erfüllt, gilt als Psychopath. Es

ist nicht überraschend, dass sich die größte

Dichte an Psychopathen in den Hochsicherheitstrakten

findet. Aber nicht nur Kriminelle,

sondern sehr viele „normale“ Menschen

haben das eine oder andere Merkmal von

dieser Liste. Und einige wirken keineswegs

zerstörerisch, sondern dienen der Gesellschaft,

indem sie besondere Aufgaben besonders

gut erfüllen.

Nach Ansicht von Kevin Dutton kann man

sich also sehr wohl fragen, was man von Menschen

lernen kann, die solche Eigenschaften

besitzen und sie nicht zerstörerisch, sondern

konstruktiv einsetzen. Dazu muss man sich

mit ihm in eine psychologische Achterbahn

begeben und eintauchen in eine eigene

Welt, die bevölkert ist von Verbrechern, Helden,

Bankern, Anwälten und Filmstars. Die

neuesten Erkenntnisse der Forschung sind

eingebettet in eine Fülle von Fallbeispielen,

Anekdoten und Begegnungen, die Kevin

Dutton bei der Arbeit an „Psychopathen“

erlebt hat.

Kevin Dutton:

„Psychopathen.

Was man von Heiligen,

Anwälten und Serienmördern

lernen kann“,

dtv 2013, 5. Auflage,

320 Seiten, 14,90 Euro.

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58 | W+M Ratgeber

Klassik in Schlössern, Kirchen und

Werfthallen

Es sind die ungewöhnlichen und verwunschenen

Konzertorte, die den Reiz

der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

ausmachen und die selbst große

internationale Orchester, Musiker und Künstler

in die Provinz locken. Beispielsweise in

eine ehemalige Rostocker Werfthalle, die heute

rostigen Charme besitzt. „A GREAT HALL“

schrieb der 2013 verstorbene Dirigent Sir Colin

Davis nach seinem Festspiele-Konzert 2007 mit

großen Lettern ins Gästebuch. Einer, der alle

großen Konzertsäle der Welt gesehen hat. Auf

der Werft-Bühne standen Nigel Kennedy (Violine),

Till Brönner (Trompete), Hélene Grimaud

(Piano) und Armin Mueller-Stahl (Schauspieler)

und begeisterten ihre Fans.

Und wer kannte vor 20 Jahren den Ort Ulrichshusen

in der Nähe von Waren-Müritz? Helmuth

Freiherr von Maltzahn und seine Familie erweckten

ihn 1993 aus dem Schlaf und bauten

die alte Wasserburg samt Feldsteinscheune mit

viel Engagement aus. Die große Scheune wurde

1994 mit einem Konzert von Lord Yehudi Menuhin

eingeweiht und ist heute eine der größten

Konzertsäle des Nordens. Künstler aus aller

Welt kommen regelmäßig nach Ulrichshusen

und sind begeistert: von der großartigen

Akustik und von der einzigartigen Atmosphäre

des Ortes zwischen Hügeln, Feldern und Seen

– mitten in der Mecklenburgischen Schweiz.

Das Klassikfestival in Mecklenburg-Vorpommern

gilt in Deutschland als drittgrößtes seiner

Art, nach dem Schleswig-Holstein Musik-

Festival und dem Rheingau Musik-Festival. In

den neuen Bundesländern sind die Festspiele

nahezu einzigartig – vor allem durch die

Vielzahl der Angebote und das große Spektrum

von Sinfonie-Konzerten, Kammermusik

bis hin zum musikalischen Wandertheater mit

Pantomime, Tanz und Akrobatik. Es gibt keine

Einschränkung auf Komponisten, Themen

oder Orte – wie sie die Bach- oder Mozartfeste

im sächsischen oder thüringischen Raum

Open-Air-Konzert vor Schloss Bothmer mit Justus Frantz und seinem Orchester

„Philharmonie der Nationen“ im Sommer 2013.

Die 25. Festspiele Mecklenburg-Vorpommern präsentieren vom

20. Juni bis 21. September 2014 rund 125 Konzerte mit großen

Klassikstars und jungen Nachwuchskünstlern. Erstmalig werden

die Berliner Philharmoniker und Sir Simon Rattle auftreten. Die

Festspiele sind die „schönste Marke“ des Landes.

Von Anette Pröber

oder viele andere Musikfestspiele in Potsdam

und Berlin schon im Namen tragen. Noch am

ehesten vergleichbar sind die Festspiele des

Nordostens mit den Brandenburgischen Sommerkonzerten.

Allerdings zählen diese ca. 30

Konzerte und 20.000 Besucher. Die Festspiele

Mecklenburg-Vorpommern können jeden

Sommer auf 110 bis 130 Konzerte und rund

70.000 Besucher verweisen. Musiker aus der

ganzen Welt sind zum Fest geladen, das den

Spagat zwischen großen Namen und Orchestern

und noch unbekannten jungen Talenten

wagt. Denn in der Reihe „Junge Elite“ ringt

der Nachwuchs um begehrte Preise. Künstler

wie Julia Fischer (Violine), Daniel Hope (Violine)

und Daniel Müller Schott (Cello) gehörten

zu den ersten Preisträgern. Heute füllen

sie weltweit die Konzertsäle.

Die ländliche Idylle in Mecklenburg-Vorpommern

haben aber auch schon die Wiener Philharmoniker,

die Academy of St. Martin in the

Fields, das Australian Youth Orchestra, der

Thomanerchor oder Weltstars wie Anne-Sophie

Mutter (Violine), Christoph Eschenbach

(Pianist und Dirigent), Joshua Bell (Violine),

Sol Gabetta (Cello) und Rudolf Buchbinder

(Pianist) genossen. Außerdem lud der USamerikanische

Geiger Daniel Hope, die letzten

Jahre Künstlerischer Direktor der Festspiele,

erfolgreich viele amerikanische Kollegen ein.

Und weil sich die „sehr familiäre Atmosphäre

zwischen Künstlern aus aller Welt“ herumgesprochen

hatte, kamen die „Friends“ zahlreich.

Die Landespolitik zeigt sich begeistert von der

Weltoffenheit und den hochkarätigen Veranstaltungen.

Ministerpräsident Erwin Sellering

(SPD) betont als Schirmherr gern, dass die

Festspiele zu den schönsten „Marken“ des Landes

zählen. Über die Hälfte der jährlich rund

70.000 Konzertbesucher sind in anderen Bun-

Fotos: Anette Pröber, Bernd Schwarz/pixelio.de

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Kultur | 59

Schloss Ulrichshusen in der Mecklenburger Schweiz wurde

zum zentralen Festspiele-Ort.

desländern zu Hause. Finanziert werden die

Festspiele im Übrigen zu über 90 Prozent durch

private Sponsoren und Eintrittsgelder.

Bei dem Erfolg verwundert es nicht, dass das

Klassikfestival inzwischen durch das ganze

Jahr klingt. So beginnen die Festspiele mit

den Neujahrskonzerten in Ulrichshusen (4.

und 5. Januar) und dem Festspielfrühling auf

Rügen (14. bis 23. März 2014 mit Fokus Russland)

und reichen über das umfangreiche Sommerprogramm

bis hin zu

den jährlichen Adventskonzerten

im Schloss Ulrichshusen

und im Gutshaus

Stolpe (bei An klam).

Ehemalige

Rostocker Werfthalle

besitzt tolle Akustik

für Klassikkonzerte.

Das 25. Jahr der Festspiele

2014 beginnt mit einem neuen

Intendanten. Der erfolgreiche

Gründervater Dr. Matthias

von Hülsen übergibt

den Staffelstab an Dr. Markus

Fein. Dieser will die Erfolgsgeschichte

fortschreiben und

durch eigene Akzente ergänzen.

Konzertliebhaber dürfen

sich beispielsweise erstmals

auf ein dreitägiges Streichquartett-Festival

freuen, das

auch Künstlergespräche,

Hörexperimente und offenen

Unterricht mit jungen Musikern

beinhaltet. Oder auf die

neuen Formate „Pavillons der

Jahrhunderte“, die sich 2014

der Romantik und der Wiener

Klassik widmen und das kulturgeschichtliche

Panorama

der jeweiligen Epoche von der

Bildenden Kunst über die Literatur

bis zur Musik erlebbar

machen. „Der Brückenschlag

zu den anderen Künsten kann

den Zuhörern ganz neue Perspektiven

und ein noch tieferes Verständnis

der Musik ermöglichen“, sagt Intendant Fein.

Mit dem Preisträger in Residence, der das Konzertprogramm

mitgestalten wird, gibt es eine

bewährte Konstante. Diesmal wird der 26-jährige

Pianist Igor Levit in rund 20 Konzerten zu

erleben sein. Der von der Fachwelt hochgelobte

Künstler aus Nischni Nowgorod sorgte zuletzt

mit Beethoven-Sonaten für Furore. Er war

2004 erstmals Gast der Festspiele, errang 2012

den Solistenpreis und kann nun seine gesamte

künstlerische Breite offerieren. Und als besonderes

Erlebnis gilt ohne Frage in diesem Sommer

das Picknick-Klassik-Sinfoniekonzert mit

den Berliner Philharmonikern und Sir Simon

Rattle an der Spitze.

W+M

AUSGESUCHTE

KLASSIK-MUSIKFESTIVALS

Festspiele Mecklenburg-Vorpommern

20. Juni bis 21. September 2014

Konzertkarten telefonisch unter 0385

5918585 oder www.festspiele-mv.de.

Brandenburgische Sommerkonzerte

Mitte Juni bis Mitte September 2014

Das Programm ist ab dem Frühjahr abrufbar

unter www.brandenburgische-sommerkonzerte.de.

Thüringer Bachwochen

8. März bis 16. August 2014

Die Thüringer Bachwochen sind das größte

Musikfestival Thüringens. Mit seiner

Spezialisierung auf Barockmusik und die

Aufführung der Werke Johann Sebastian

Bachs an den authentischen Bachstätten

verfügt das Festival über große Anziehungskraft.

www.thueringer-bachwochen.de

Usedomer Musikfestival

20. September bis 11. Oktober 2014

In diesem Jahr wird es vorrangig deutschpolnische

Musikbegegnungen geben.

www.usedomer-musikfestival.de

Musikfestspiele Potsdam

13. bis 29. Juni 2014

Die Musikfestspiele feiern 2014 ihr 60. Jubiläum

und wollen ihre Gäste mit mehr als

60 Konzerten, Opern, Open Airs und dem

Fahrradkonzert verzaubern. Karten telefonisch

unter 0331 2888828.

www.musikfestspiele-potsdam.de

Musikfestspiele Dresden

23. Mai bis 10. Juni 2014

Seit über 30 Jahren reisen namhafte Orchester,

gefeierte Solisten und Ensembles

für drei Festivalwochen nach Dresden,

um die Stadt mit Musik zu erfüllen. Karten

telefonisch unter 0351 65606700.

www.musikfestspiele.com

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60 | W+M Netzwerk

Seit Juni 2013 ist die tausende

Jahre alte Himmelsscheibe von

Nebra UNESCO-Dokumentenerbe.

Mitglieder des VBIW erkundeten vor

Ort im Rahmen des Projekts „Technik

im Urlaub“ die Bronzescheibe und

erhielten spannende Einblicke in die

Erkenntnisse der damaligen Zeit.

Die Himmelsscheibe von Nebra – Blick zum Westhorizont (gedreht und bearbeitet).

Die Himmelsscheibe von Nebra

Von Rudolf Miethig

Nebra. Das Original der Himmelsscheibe von Nebra

wird im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle

(Saale) verwahrt. In Nebra (Unstruttal), wo die

Himmelsscheibe einst gefunden wurde, sind im extra

errichteten Ausstellungskomplex „Arche Nebra“

Nachbildungen der Himmelscheibe ausgestellt. Die

Mitglieder des VBIW informierten sich vor Ort in der

Arche Nebra über das auf ihr verschlüsselte Wissen

und begeisterten sich an der Schönheit der Scheibe.

Für sie ist die Himmelsscheibe von Nebra in mehrfacher

Hinsicht interessant – als Objekt der Schmiedekunst,

als Beweis weitreichender astronomischer

Kenntnisse der Menschen in der Bronzezeit, als bäuerlicher

Kalender und als Schaltkalender.

Es handelt sich dabei um eine 3.600 Jahre alte Bronzescheibe

von 32 cm Durchmesser mit Applikationen

aus Gold. Die Scheibe war aus einer gegossenen

Bronzeplatte getrieben worden und musste dabei wiederholt erhitzt

werden, um Spannungsrisse zu vermeiden.

Die Forscher haben inzwischen drei Phasen der Entstehung der Himmelsscheibe

identifiziert. In der ersten Phase waren nur Vollmond, Neumond

und das Siebengestirn der Plejaden dargestellt. Weitere 25 Sterne

ordnen sie keinem konkreten Sternbild zu. Harald Meller, Landesarchäologe

von Sachsen-Anhalt, und Prof. Dr. Wolfhard Schlosser von

der Ruhr-Universität Bochum fanden heraus, warum ausgerechnet

die Plejaden ausgewählt worden sind. Denn Mond und Plejaden stehen

für zwei Termine, den 10. März und den 17. Oktober, also für Beginn

und Ende des bäuerlichen Jahres. Dabei wird am 10. März in

Plejadennähe der Mond als Neumond und am 17. Oktober als Vollmond

sichtbar. Damit könnte die Himmelsscheibe als Erinnerung für die Vorbereitung

des Ackers und dem Abschluss der Ernte gedient haben.

Der Astronom Rahlf Hansen vom Planetarium Hamburg interpretiert

diese erste Phase der Himmelsscheibe noch weitgehender. Er sieht darin

den Versuch einer Harmonisierung des Mondjahres (354 Tage) mit

dem Sonnenjahr (365 Tage). Für Naturvölker begann stets bei Neulicht

ein neuer Monat. Weil das Mondjahr elf Tage kürzer als das Sonnenjahr

ist, musste ein Schaltmonat eingelegt werden, wenn eine dicke Mondsichel

bei den Plejaden stand. Dieser Umstand geschieht ungefähr alle

drei Jahre und ist auf der Scheibe von Nebra dargestellt.

In einer zweiten Phase wurden der Himmelsscheibe zwei Horizontbögen

hinzugefügt. Sie überstreichen jeweils einen Winkel von 82 Grad. Peilt man

über den rechten Bogen nach Westen, geht die Sonne um den 21.12. am

linken Ende des Bogens und um den 21.06. am rechten Ende des Bogens

unter.

In einer letzten und dritten Phase wurde ein weiterer goldener Bogen

hinzugefügt, der u. a. als Sonnenbarke gedeutet werden kann, wie

man sie aus ägyptischen Abbildungen kennt. Ihm wird keine kalendarische

Bedeutung zugeordnet. Die Löcher am Rand der Scheibe dienten

vermutlich zu ihrer Befestigung auf einer Unterlage und ihrer Verwendung

für kultische Zwecke.

Die Himmelsscheibe von Nebra ist die älteste bekannte Darstellung des

Kosmos, daher wurde sie im Juni 2013 in das UNESCO-Dokumentenerbe

„Memory of the World“ aufgenommen.

Fotos: Dbachmann/Creative Commons, Wikimedia Commons, Bernd Geller (VBIW)

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


VBIW | 61

Goethe als Förderer der

Naturwissenschaften

Rheinsberg. Auf Einladung des VBIW-Regionalvereins Nordwestbrandenburg

hielt der Chemiker Prof. Dietmar Linke einen ansprechenden

Vortrag zum Thema „Goethe als Anreger für Naturforscher

und Techniker“.

Als Staatsminister bemühte sich Goethe, anderswo gefundene wissenschaftlich-technische

Lösungen auch für das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach

nutzbar zu machen, beispielsweise bei der Gewinnung

von Rübenzucker und Stärkesirup. Er beschäftigte sich

darüber hinaus mit der Stahlverbesserung durch das Schmelzen

von Eisen mit Braunstein und Kienruß sowie mit der Gasbeleuchtung,

Feuer- und Glutversuchen zur synthetischen Nachbildung

von Steinen und Glasschmelzversuchen zur Verbesserung der optischen

Eigenschaften.

Besonders erfolgreich erwiesen

sich seine Anregungen

an andere Forscher, so

an den später in Oranienburg

als Entdecker des Anilins

berühmt gewordenen

Friedlieb Ferdinand Runge.

Dieser promovierte in Jena

und so bot sich die Gelegenheit,

Goethe die Pupillenerweiterung

eines lebendigen

Katzenauges unter Einwirkung

des aus der Tollkirsche

stammenden Atropins

vorzuführen. Goethe erahnte

die Bedeutung der Chemie

in der Botanik und übergab

Runge eine Schachtel mit

Kaffeebohnen. Kurz darauf

konnte Runge aus ihnen das

Johann Wolfgang von Goethe

(Gemälde von Joseph Karl

Stieler).

Coffein isolieren. Vom Chemiker H. W. F. Wackenroder wünschte sich

Goethe, „die chemischen Pflanzenfarben isoliert zu sehen“. Der entnahm

daraufhin das Carotin aus Möhren. Große Unterstützung durch

Goethe erfuhr auch der Erfinder des gleichnamigen Feuerzeugs J. W.

Döbereiner. Er beauftragte Döbereiner, das in Dornburg/Saale anstehende

Coelestin (Strontiumsulfat SrSO4) zu analysieren. Das Ergebnis

brachte Dobereiner auf die nach ihm benannte Döbereinersche

Triade (Calcium–Strontium–Barium), ein erster Schritt zum späteren

Periodensystem der Elemente.

Prof. Linke verdeutlichte in seinem Vortrag die Rolle Goethes in der

Chemie. Zwar hatte dieser keine eigenen Entdeckungen gemacht,

gab aber Anregungen an Forscher, man könnte es Forschungsaufträge

nennen, die sich als fruchtbar erwiesen.

Dr. Norbert Mertzsch

Besuch der neuen Papierfabrik

Eisenhüttenstadt. Der VBIW-Ortsverein Eisenhüttenstadt besichtigte

die neue, seit 2010 produzierende Papierfabrik am Oder-Spree-

Kanal. Sie gehört der Progroup AG aus Rheinland-Pfalz, welche hier

die größte und schnellste Anlage für Wellpappen-Rohpapier weltweit

betreibt. Als Rohstoff wird Altpapier verarbeitet.

Die neue Papierfabrik in Eisenhüttenstadt.

Zur Standortwahl trugen offenbar auch die Möglichkeiten der Wasser-

und Abwasserversorgung, der Energieversorgung, die neue das

Stadtzentrum umgehende Straßenanbindung an die B112 und die

Bereitstellung von 30 Wohnungen durch die Stadt bei, vermutet der

Ortsverein. Er freut sich, dass der regionale Wachstumskern Eisenhüttenstadt-Frankfurt/Oder

ein weiteres Standbein erhalten hat.

In der Fabrik arbeiten 145 Beschäftigte. Da rüber hinaus wurden in

den Branchen Wasseraufbereitung und -klärung, Energieversorgung,

etc. etwa 500 Arbeitsplätze in ihrem Umfeld geschaffen.

VBIW – Verein Brandenburgischer

Ingenieure und Wirtschaftler e. V.

Landesgeschäftsstelle:

Fürstenwalder Straße 46

15234 Frankfurt (Oder)

Tel.: 0335 8692151

E-Mail: buero.vbiw@t-online.de

Internet: www.vbiw-ev.de

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62 | W+M Netzwerk

UV Rostock/Schwerin/Vorpommern

Termine

UV Berlin

25.02.2014: 18:30 Uhr UV-Unternehmerstammtisch

„Der Snowden-Effekt – Wie

sicher sind die elektronischen Netze

kleiner und mittlerer Unternehmen?”,

Holiday Inn Berlin City East, Landsberger

Allee 203, 13055 Berlin

1. UV-Branchentag Metall/Elektro

Beim ersten Branchentreffen für Unternehmen der Bereiche Metall/Elektro,

organisiert von den drei größten regionalen Unternehmerverbänden Mecklenburg-

Vorpommerns, wurde nach gemeinsamen Ideen und Möglichkeiten gesucht.

UV Brandenburg-Berlin

13.02.2014: 18:00 Uhr „Herausforderung

Burnout – Streß bei Angestellten und

Familienmitgliedern“, Krankenhaus

Strausberg, Prötzeler Chaussee 5,

15344 Strausberg

Dr. Stefan Rudolph, Staatssekretär im Ministerium

für Wirtschaft, Bau und Tourismus,

überbrachte nicht nur die Grüße des Wirtschaftsministeriums,

sondern damit verbunden

auch die Wertschätzung der Landesregierung

für diesen wichtigen Wirtschaftszweig.

Zwar ist die Metall- und Elektroindustrie

in Mecklenburg-Vorpommern

nicht stark ausgeprägt, dennoch schafft

diese Branche dort 34.000 sozialversicherungspflichtige

Arbeitsplätze. Im Mittelpunkt

der Branchenkonferenz standen so

auch die Klein- und mittelständischen Unternehmer

des Landes. Für diese gab es in

Vorträgen und zwei Workshops Tipps und

Vorschläge zur Energieeffizienz und neue

Informationen über Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten.

25.02.2014: 18:00 Uhr „Gesundheitsmanagement

– Das Kreuz mit dem Kreuz,

Regionalgeschäftsstelle Oderland-Spree

18.03.2014: „Zusammenarbeit Kommune

und Wirtschaft“, Rathaus Fürstenwalde/Spree,

Am Markt 4-6, 15517 Fürstenwalde/Spree

UV Sachsen

21.03.2014: 9:00 Uhr Technologie-Tag

Teltow, Pentahotel Teltow, Warthestraße

20, 14513 Teltow

Neue Kooperation

Die UV Sachsen Projektentwicklungs- und

Verwaltungsgesellschaft mbH, vertreten

durch Geschäftsführer Rüdiger Lorch,

und ARBEIT UND LEBEN Sachsen e. V.,

vertreten durch Geschäftsführer Frank

Schott, haben eine Kooperationsvereinbarung

zur künftigen Zusammenarbeit

unterzeichnet.

Im Zuge der derzeitigen Entwicklung am

Arbeitsmarkt und der damit einhergehenden

Anforderungen an die Beschäftigten positionieren

sich die UV Sachsen GmbH sowie

ARBEIT UND LEBEN Sachsen e. V. zu neuen

Formen der Zusammenarbeit. Dabei bringt

die UV Sachsen GmbH ihr Know-how als

unternehmenszentriert wirkender Dienstleister

und Partner des Unternehmerverbandes

Sachsen ein, während ARBEIT UND LEBEN

Sachsen seine Kompetenz bei der Beantragung,

Durchführung und Abrechnung von

Bildungsprojekten beisteuert.

UV Rostock-Mittleres

Mecklenburg

05.02.2014: Neumitgliedertreffen,

Steigenberger Hotel Sonne,

Neuer Markt 2, 18055 Rostock

20.02.2014: Führungskräfteseminar

Team player-Workshop

Veränderungen von Themen, Terminen

und Veranstaltungsorten können nicht

ausgeschlossen werden.

Fotos: UV Sachsen, UV Schwerin

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Unternehmerverbände | 63

UV Brandenburg-Berlin

Hilfe für die Philippinen

Mitglieder des Unternehmerverbands

spenden für das vom Wirbelsturm verwüstete

Land.

UV Rostock-Mittleres Mecklenburg

Mutmachervideo für Schüler

Dem Arbeitskreis Schule–Wirtschaft des

Unternehmerverbands Rostock-Mittleres

Mecklenburg liegt viel daran, Jugendlichen

aufzuzeigen, dass es auch in Mecklenburg-

Vorpommern gute berufliche Chancen gibt.

Gemeinsam mit TV Rostock haben deshalb

engagierte Rostocker Unternehmen

Die Mitgliedsunternehmen des Unternehmerverbands

Brandenburg-Berlin setzen

sich für die von dem verheerenden Wirbelsturm

betroffenen Philippiner ein. „Einige

Unternehmer haben von sich aus im

Gespräch mit mir das Thema angeschnitten.

Es berührt die Menschen sehr“, sagt

Geschäftsführer Steffen Heller. Daher empfiehlt

der Verband die gemeinsame Sammlung

vom Deutschen Roten Kreuz und der

Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ)

zu unterstützen, für die Manfred Stolpe die

Schirmherrschaft übernommen hat. Wenn

auch Sie helfen möchten, so überweisen Sie

Ihre Spende auf das Hilfskonto des Deutschen

Roten Kreuzes, Kontonummer 41 41

41, BLZ 370 205 00, Bank für Sozialwirtschaft,

Stichwort „Wirbelsturm“.

und der Unternehmerverband auf eigene

Kosten und ohne Fördermittel einen Film

produziert, der den Schulen für die Berufsorientierung

kostenfrei als Unterrichtsmaterial

zur Verfügung gestellt wird. Unter dem

Titel „Bleib bei uns und mach was draus!“

verfolgt der Film das Ziel, Mädchen und

jungen Frauen Mut zu machen, sich etwas

zuzutrauen.

Einladung

zum Ostsee-Kongress

Wer in den vergangenen Jahren schon

dabei war, wird sich den 10. Ostsee-Kongress

sicherlich auch nicht entgehen lassen.

Der Ostsee-Kongress hat sich in Rostock

als Anlaufpunkt für Wissenshungrige

und Erfolgsinteressierte etabliert und auch

als Begegnungsplattform für Fach- und Führungskräfte

sowie Selbstständige in der

Region Nord. Zum nunmehr zehnten Mal findet

der Ostsee-Kongress am 4. April 2014 in

der Stadthalle Rostock statt. Experten aus

den Bereichen Persönlichkeit & Erfolg,

Management & Führung und Marketing &

Verkauf sorgen für kompetenten Wissenstransfer

und fesselnde Unterhaltung. Ab

sofort können vergünstigte Karten über den

Unternehmerverband erworben werden.

GESCHÄFTSSTELLEN

Unternehmerverband Berlin e. V.

Präsident: Armin Pempe

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Andreas Jonderko

Frankfurter Allee 202, 10365 Berlin

Tel.: +49 30 9818500

Fax: +49 30 9827239

E-Mail: mail@uv-berlin.de

Internet: www.uv-berlin.de

Unternehmerverband Brandenburg-Berlin e. V.

Präsident: Eberhard Walter

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführer: Steffen Heller

Schillerstraße 71, 03046 Cottbus

Tel.: +49 355 22658

Fax: +49 355 22659

E-Mail: cottbus@uv-brandenburg-berlin.de

Internet: www.uv-brandenburg-berlin.de

Bezirksgeschäftsstelle Potsdam

Hegelallee 35, 14467 Potsdam

Tel.: +49 331 810306

Fax: +49 331 8170835

E-Mail: potsdam@uv-brandenburg-berlin.de

Repräsentanz Frankfurt Oder:

Repräsentant: Detlef Rennspieß

Perleberger Straße 2, 15234 Frankfurt Oder

Tel.: +49 335 4007458

Fax: +49 335 4007457

E-Mail: detlef.rennspiess@signal-iduna.net

Unternehmerverband Norddeutschland

Mecklenburg-Schwerin e. V.

Präsident: Rolf Paukstat

Hauptgeschäftsstelle

Hauptgeschäftsführer: Wolfgang Schröder

Gutenbergstraße 1, 19061 Schwerin

Tel.: +49 385 569333

Fax: +49 385 568501

E-Mail: mecklenburg@uv-mv.de

Internet: mecklenburg.uv-mv.de

Unternehmerverband Rostock-Mittleres Mecklenburg e. V.

Präsident: Frank Haacker

Hauptgeschäftsstelle

Geschäftsführerin: Manuela Balan

Wilhelm-Külz-Platz 4, 18055 Rostock

Tel.: +49 381 242580

Fax: +49 381 2425818

E-Mail: info@rostock.uv-mv.de

Internet: www.uv-mv.de

Unternehmerverband Sachsen e. V.

Präsident: Hartmut Bunsen

Geschäftsführer: Lars Schaller

Hauptgeschäftsstelle

Bergweg 7, 04356 Leipzig

Tel.: +49 341 52625844

Fax: +49 341 52625833

E-Mail: info@uv-sachsen.org

Internet: www.uv-sachsen.de

Geschäftsstelle Chemnitz

Repräsentantin: Gabriele Hofmann-Hunger

Marianne-Brandt-Str. 4, 09112 Chemnitz

Tel.: +49 371 49512912

Fax: +49 371 49512916

E-Mail: chemnitz@uv-sachsen.org

Geschäftsstelle Dresden

Repräsentant: Klaus-Dieter Lindeck

Semperstraße 2b, 01069 Dresden

Tel.: +49 351 8996467

Fax: +49 351 8996749

E-Mail: dresden@uv-sachsen.org

Unternehmerverband Sachsen-Anhalt e. V.

Präsident: Jürgen Sperlich

Geschäftsstelle Halle/Saale

Berliner Straße 130, 06258 Schkopau

Tel.: +49 345 78230924

Fax: +49 345 7823467

Unternehmerverband Thüringen e. V.

Präsident: Peter Baum

c/o IHK Erfurt – Abteilung Standortpolitik

Arnstädter Str. 34, 99096 Erfurt

Tel.: +49 361 4930811, Fax: +49 361 4930826

E-Mail: info@uv-thueringen.de

Internet: www.uv-thueringen.de

Unternehmerverband Vorpommern e. V.

Präsident: Gerold Jürgens

Geschäftsstelle

Geschäftsstellenleiter: Steffen Hellmuth

Am Koppelberg 10, 17489 Greifswald

Tel.: +49 3834 835823, Fax: +49 3834 835825

E-Mail: uv-vorpommern@t-online.de

Internet: vorpommern.uv-mv.de

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64 | W+M Rückblick

Was macht eigentlich Manfred Stolpe, langjähriger Ministerpräsident

Brandenburgs und ehemaliger Bundesverkehrsminister?

Der Mutmacher aus Potsdam

Erholung vom Ministerpräsidenten-Alltag: Manfred und Ingrid Stolpe im Urlaub im österreichischen Seefeld im März 1996.

Manfred Stolpe hat das Bundesland Brandenburg

geprägt wie kein anderer Politiker

in den 24 Jahren seit der deutschen Wiedervereinigung.

Der im Jahr 1936 in Stettin

geborene Stolpe übernahm am 1. November

1990 das Amt des Ministerpräsidenten in dem

damals neu gebildeten Bundesland. Knapp

zwölf Jahre fungierte er als Landesvater zwischen

Prenzlau und Finsterwalde. Kein leichter

Job in einer Zeit, als die regionale Wirtschaft

einen brutalen Transformationsprozess

durchlaufen musste, der von Firmenpleiten,

Massenarbeitslosigkeit und damit einhergehender

Perspektivlosigkeit – besonders bei den

Menschen in den ländlichen Gebieten, fernab

des Berliner Speckgürtels – geprägt war.

Doch Stolpe schaffte es, Aufbruchstimmung,

neuen Lebensmut und ein brandenburgisches

Selbstwertgefühl zu erzeugen. Als Ministerpräsident

war er der oberste Kümmerer im ersten

Jahrzehnt nach der deutschen Einheit. Stolpe

war überall im Land unterwegs und nahm

sich der kleinen und großen Probleme „seiner“

Brandenburger an. Stolpe machte keine leeren

Versprechungen, er half, wo es eben ging. Und

so gelang es, landesweit insgesamt 47 industrielle

Kerne zu sichern und gewachsene Strukturen

in der Landwirtschaft zu retten.

Vor gut zwei Jahren, zum 75. Geburtstag von

Manfred Stolpe, brachte Amtsnachfolger Mat-

Fotos: Karsten Hintzmann, Scmidtke/Staatskanzlei des Landes Brandenburg, Helga Simon

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


W+M Rückblick | 65

Manfred Stolpe im Gespräch mit Bundespräsident

Roman Herzog und Ehefrau Christiane.

Der Kanzler und sein Verkehrsminister:

Gerhard Schröder und Manfred Stolpe.

Gern gesehene Ballgäste:

Ingrid und Manfred Stolpe.

thias Platzeck gemeinsam mit dem damaligen

SPD-Fraktionschef im Brandenburger Landtag,

Ralf Holzschuher, ein Buch heraus, dessen Titel

für die wohl wichtigste Lebensleistung des

ersten märkischen Ministerpräsidenten steht:

„Der Mutmacher.“ Stolpe gehört zu den wenigen

Politikern, die es über die Jahre geschafft

haben, auf private Eitelkeiten völlig zu verzichten

und die Entwicklung des Landes zur persönlichen

Hauptaufgabe zu deklarieren. Legendär

ist ein Zitat Stolpes aus den schweren

Anfangsjahren: „Nicht Dienst nach Vorschrift,

sondern Pioniergeist ist gefragt. Wir

wollen nicht wissen, warum es nicht vorwärts

geht, sondern wie es trotzdem zu schaffen ist.“

Vermutlich wird auch Stolpe in privaten Stunden

gegrübelt und mitunter auch gezweifelt

haben – vor allem im Zusammenhang mit der

über Jahre ausgetragenen öffentlichen Debatte

über seine früheren Kontakte als Konsistorialpräsident

der evangelischen Kirche zur DDR-

Staatssicherheit. Aber äußerlich ließ er sich

nie etwas anmerken. Er strahlte stets Ruhe,

Besonnenheit, Souveränität und eine fast

preußisch anmutende Bereitschaft zur Pflichterfüllung

aus.

So verwunderte es nicht, dass Stolpes politische

Karriere auch nach dem selbst gewählten

Rückzug vom Amt des Brandenburger Ministerpräsidenten

am 26. Juni

2002 nicht zu Ende war. Bundeskanzler

Gerhard Schröder berief

ihn am 22. Oktober 2002 als

Minister für Verkehr, Bau- und

Wohnungswesen sowie als Ostbeauftragten

in sein neues Kabinett. Auch

in diesen Job kniete er sich mit voller Kraft

hinein, ohne Rücksicht auf den eigenen Körper

und die angeschlagene Gesundheit zu nehmen.

Als ihn der Krebs im Jahr 2004 das erste Mal ereilte,

verschob er eine nachhaltige Behandlung

wegen der vielfältigen dienstlichen Aufgaben.

Mit dem vorzeitigen Ende der rot-grünen Bundesregierung

im Herbst 2005 trat Stolpe einen

geordneten Rückzug aus dem aktiven

Politgeschäft an. Heute, so sagt

er, sei er in der glücklichen Lage, sich

aussuchen zu können, was er mache.

Bei einem Treffen in einem gemütlichen

Restaurant mit Havelblick in Potsdam

verrät Stolpe: „Nur still sitzen und über

Krankheiten nachzudenken, ist nichts

für mich.“ Ein Satz, der nicht lapidar daher

gesagt ist. Inzwischen kämpft Stolpe

das zehnte Jahr gegen die heimtückische

Erkrankung. Auch seine Frau Ingrid

ist davon betroffen. Im Jahr 2009

machten sie die Krebserkrankung in der ARD-

Sendung „Menschen bei Maischberger“ gemeinsam

publik. Der eiserne Wille, sich nicht

unterkriegen zu lassen, hat Kraft gekostet. Das

sieht man Manfred Stolpe an. Aber er blickt unbeirrt

nach vorn: „Ich habe drei Dinge, für die

ich mich aktuell engagiere: Erstens kümmere

ich mich um die Verbindung zu unseren osteuropäischen

Nachbarn. Zweitens versuche ich,

in meiner Funktion als Vorsitzender des Landesdenkmalrates,

die gebaute Kultur zu erhalten

und zu nutzen. Drittens engagiere ich mich

im Aktionsbündnis ‚Tolerantes Brandenburg‘

gegen Intoleranz und Rassismus.“

Speziell das erstgenannte Thema treibt ihn um:

„Nach meiner Überzeugung müssen wir mehr

Vertrauen zu Russland und Polen aufbauen.

Ich arbeite im deutsch-russischen Forum mit

und beim Petersburger Dialog. Ich mache mir

Sorgen über das unnötig schlechte Verhältnis

zu Russland. Wir sind mittel- und langfristig

auf eine enge Kooperation angewiesen. Wir

sollten daher nicht das Trennende betonen,

sondern an die langen gemeinsamen Traditionen

unserer Länder anknüpfen.“

Vor einigen Wochen sorgte

Manfred Stolpe mit

Überlegungen zur Länderehe

zwischen Berlin und

Brandenburg für bundesweite

Aufmerksamkeit.

Bei einem Vor trag

im Haus der Brandenburgisch

Preußischen Geschichte

sagte er: „Brandenburg

als Flächenland

und Berlin als eine hochverdichtete

Metropole ergänzen

sich zu einer Region mit vielfältigen

Entwicklungspotenzialen. Deshalb ist der Gedanke

richtig, dass beide Länder zusammengehen

sollten, um Kräfte zu bündeln.“ Einordnend

ergänzt er im Gespräch mit W+M: „Die

Fusion ist keine aktuelle Aufgabe. Aber wir

sollten uns vor Augen halten, dass am Silvestertag

2019 die Sonderfinanzierung für den

Osten ausläuft. Ich bin mir sicher, dass schon

im Vorfeld Druck von den Geberländern und

dem Bund kommen wird, der uns zwingt, über

andere Strukturen nachzudenken. Wir sollten

darauf vorbereitet sein.“

Manfred Stolpe wird sich auch zu diesem

Thema künftig wieder zu Wort melden.

Karsten Hintzmann

Stolpe auf dem

Roten Platz in Moskau.

www.wundm.info WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


66 | W+M Die letzte Seite

Ausblick:

Die nächste Ausgabe von W+M

In diesem Jahr finden in drei ostdeutschen Bundesländern Landtagswahlen

statt – in Brandenburg, Sachsen und Thüringen. Mit den bevorstehenden

Urnengängen und den unterschiedlichen politischen

Kräfteverhältnissen wenige Monate vor den Wahlen befasst sich

WIRTSCHAFT+MARKT in der Titelgeschichte des nächsten Magazins.

Dazu ein ausführliches Interview mit Brandenburgs Ministerpräsident

Dietmar Woidke, der sich zu den Wahlchancen seiner SPD, dem politischen

Erbe seiner prominenten Amtsvorgänger Matthias Platzeck und

Manfred Stolpe sowie seinen Ideen für die wirtschaftliche Entwicklung

Brandenburgs äußert.

Darüber hinaus lesen Sie einen umfassenden Rückblick auf den

W+M-Medientreff beim Brandenburger WirtschaftsForum im Potsdamer

Dorint Hotel, interessante Länderporträts und einen ausführlichen

Ratgeberteil.

Die nächste Ausgabe von WIRTSCHAFT+MARKT erscheint am

27. März 2014.

Personenregister

Balan, Manuela 7

Bartsch, Hubertus 48

Bayer, Stephan 37

Bell, Joshua 59

Bergner, Christoph 32

Böhm, Rolf 7

Böhning, Björn 36

Bormann, Michael 48

Böse, Gerald 23

Broder, Henryk M. 56

Brönner, Till 58

Brummer, Ralf 7

Buchbinder, Rudolf 59

Büchy, Jürgen 38, 39

Daniels, Katharina 56

Davis, Colin 58

Dobelli, Rolf 56

Dohnanyi, Klaus von 30

Dutton, Kevin 57

Eilert, Dirk W. 56

Engeser, Manfred 56

Eschenbach, Christoph 59

Fein, Markus 59

Fischer, Julia 59

Frantz, Justus 58

Friedrich, Marc 56

Fröhlich, Hans W. 56

Gabetta, Sol 59

Gabriel, Sigmar 7, 32

Gassmann, Oliver 56

Gerhard Schröder 65

Gleicke, Iris 32

Göke, Christian 25

Gräff, Christian 37

Granig, Peter 56

Grathwohl, Andreas 41

Grimaud, Hélene 58

Groß, Maria 6

Habeck, Roland 42, 43, 44

Habeck, Sebastian 42, 44

Hansen, Rahlf 60

Heller, Steffen 63

Herzog, Roman 65

Hofreiter, Anton 31

Höhn, Uwe 7

Hollmann, Jens 56

Holzschuher, Ralf 65

Hope, Daniel 59

Hoyer, Katrin 50

Hülsen, Matthias von 59

Kahnemann, Daniel 56

Kammann, Rolf 7

Kennedy, Nigel 58

Köhler, David 10, 11

Köhler, Karl-Heinz 10, 11

Köhler, Sven 9

Kramer, Ingo 6

Kühn, Christian 56

Lambusch, Thomas 6

Levit, Igor 59

Linke, Dietmar 61

Lorch, Rüdiger 62

Machnig, Matthias 7

Maltzahn, Helmut Freiherr von 58

Mattes, Marcus 7

Mehdorn, Hartmut 18

Meller, Harald 60

Menuhin, Yehudi 58

Merkel, Angela 30

Mueller-Stahl, Armin 58

Müller Schott, Daniel 59

Müller, Dirk 56

Müller, Ulrich 16, 17

Mutter, Anne-Sophie 59

Nahles, Andrea 46

Nehring, Frank 9

Ober, Cornelius 45

Pawlitschek, Frank 21

Pfeiffer, Reinhard 23

Platzeck, Matthias 65

Polk, Hans-Joachim 7

Rattle, Simon 59

Richter, Hendrik 6

Rudolph, Stefan 62

Scharnhorst, Julia 56

Scheler, Ralf 6

Schlosser, Wolfhard 60

Schmidt, Thorsten 56

Schneider, Claudia 43, 45

Schoepe, Jürgen 40, 41, 42

Schott, Frank 62

Schröder, Gerhard 30, 32, 65

Schulz, Andreas 34

Schulz, Martin 7

Schwarze, Werner 6

Schweitzer, Eric 31

Schwesig, Manuela 46

Sellering, Erwin 59

Skidelsky, Edward 56

Skidelsky, Robert 56

Smith, Will 40

Sobisch, Götz 6

Solveen, Ralph 35

Spangenberg, Uwe 51

Stefanovic, Milos 7

Stenger, Tillmann 35

Stolpe, Ingrid 64, 65

Stolpe, Manfred 32, 63, 64, 65

Struck, Peter 32

Tegtmeier, Catri 56

Tegtmeier, Michael A. 56

Tenzler, Thomas 27

Tong, John 24

Traud, Gertrud R. 34

Voit, Manfred 12, 13

Walter, Eberhard 7

Wehrle, Martin 56

Weik, Matthias 56

Wowereit, Klaus 18

Yzer, Cornelia 36, 37

Ziebart, Katrin 14, 15

Zwerenz, Beate 27

Zwerenz, Roland 27

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014


Netze für

neue Energie

Die E.DIS AG investiert in die Zukunft Brandenburgs

und Mecklenburg-Vorpommerns. Mit unseren

modernen Strom- und Gasnetzen sorgen wir dafür,

dass immer mehr grüne Energie aufgenommen und

zu den Verbrauchern transportiert werden kann.

Für die Zukunft der Energie – hier in unserer Region.

www.e-dis.de


68 | W+M Länderreport

WIRTSCHAFT+MARKT | 1 / 2014

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