STRASSENBAHN MAGAZIN Neue Bahnen für Deutschland (Vorschau)

814465.jtrvv

Österreich: € 9,50

4/2013 | April € 8,50

Schweiz: sFr. 15,90

NL: LUX: € € 9,90

Europas größte Straßenbahn-Zeitschrift

9,90

STRASSENBAHN IM MODELL

Alle Neuheiten von der

Spielwarenmesse 2013!

Betriebe

Fahrzeuge

Geschichte

Neue Bahnen für Deutschland

Auslieferungen und Bestellungen, Typen und Technik

Die Steilste in Deutschland:

Würzburgs Linie 5 im Porträt

Typisch in West und Ost: Die

Berliner »Mitteleinstiegler«

Von Schwaben nach Südtirol

und zurück: Tw 13 der END


Die schönsten

Seiten der Bahn

Das

neue Heft

ist da.

Jetzt am

Kiosk!

Online blättern oder Testabo mit Prämie bestellen unter:

www.bahn-extra.de/abo


Einsteigen, bitte …

Mehr Freude am Bahnsteig?

Stimmen Sie ab

Großstädte haben in Sachen Öffentlicher

Personennahverkehr ihren Reiz – und auch

wieder nicht. Metropolen wie Frankfurt am

Main bieten ausgedehnte Liniennetze mit

Straßen-, Stadt- und U-Bahn-Verkehr in

dichter Folge. Die Schattenseite: Nicht nur

die Bankenmetropole schickt platzbedingt

etliche ihrer Züge im Zentrum in den Untergrund,

wo viele – vor allem ältere – Haltestellen

einen nüchtern-sterilen Charakter

haben. Im Extremfall zeigen sie sich düster

oder betongrau, in Kunstlicht getaucht und

kameraüberwacht, damit Graffiti oder Vandalismus

nicht überhand nehmen.

Dass man auch positive Akzente setzen

kann, zeigt die Verkehrsgesellschaft Frankfurt

am Main (VGF). Seit dem 23. Januar

Sollten Verkehrsbetriebe ihre Tunnelbahnhöfe mit speziellen

regionsbezogenen Gestaltungen aufwerten?

• Ja, das ist eine gute Idee, das bringt Ablenkung für die Fahrgäste und

macht die Stationen attraktiver

• Nein, das hilft nicht. Tunnelstationen müssten insgesamt attraktiver

gestaltet und aufgewertet werden

• Das ist mir egal. Hauptsache, die Bahn fährt pünktlich.

Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de

2013 zieren elf legendäre Fußballspieler

von Eintracht Frankfurt die am 4. Oktober

1973 eröffnete U-Bahn-Station Willy-

Brandt-Platz. Auf der Gleisebene der Linien

U1, U2, U3 und U8 sind an den Zwischensäulen

nun große Aufnahmen der Protagonisten

abgebildet. Für die VGF sind derartige

Gestaltungen kein Neuland: Schon seit

2009 schmücken die B-Ebene der Station

Willy-Brandt-Platz großformatige Fotografien

von Künstlern des Frankfurter Schauspiels

sowie Textauszüge aus dem aktuellen

Schauspielprogramm.

Fahrgäste bekommen so auf dem Weg zur

oder beim Warten auf die U-Bahn willkommene

Abwechslung. Kunstfreunde finden

Info zum Geschehen, Fußballanhänger Erinnerungen

an „ihre“ Eintracht. Regionale

Verbundenheit, wie sie sich auch für andere

Städte eignen könnte.

Oder vielleicht doch nicht? Ist

das Beispiel Frankfurts am

Ende ungeeignet, weil Werbung

und Fußballbilder nicht

die hilflose Gestaltung vieler

Tunnelhaltestellen ausgleichen

können? Was, liebe Leser von

STRASSENBAHN MAGAZIN,

denken Sie darüber?

Seit 23. Januar 2013

zieren Fotos von

legendären Fuß ballern

von Eintracht

Frankfurt die

Zwischenwände in der

U-Bahn-Station Willy-

Brandt-Platz. Ein Beispiel,

um Tunnelstationen

aufzuwerten?

JÖRN SCHRAMM

André

Marks

Verantwortlicher

Redakteur

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

3


Inhalt

Inhalt

TITEL

Neue Straßenbahn-Generation in Deutschland. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34

Betriebe

Schubkräfte an der Weser . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16

Bremens Straßenbahn seit 1998 im Aufwind – Vor 15 Jahren

fielen Entscheidungen, die den ÖPNV in Bremen gleich mehrfach voranbrachten.

Stand zuvor der motorisierte Individualverkehr ganz oben

auf der Prioritätenliste, so wurde 1998 die Rolle der Straßenbahn gestärkt

Die Einstellungsuhr tickt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

Krefeld: Tackheider Streckenast vor der Stilllegung – Der

exakte Termin ist noch offen, die Entscheidung aber steht fest: Im

Laufe des Sommers 2013 wird die Linie 043 im Südwesten der

Seidenstadt gekappt. Der Straßenbahnbetrieb jenseits der Station

Oberschlesienstraße wird eingestellt

Über den Main zum fränkischen Wein. . . . . 22

Würzburgs Linie 5 im Portrait – Unterwegs auf der längsten Linie

Würzburgs von Rottenbauer im 9,1-Prozent-Gefälle hinunter ins

Maintal, durch die Innenstadt und vorbei am Weingut Julius spital bis

Grombühl. Dort steht für die Erschließung des Klinikgeländes eine

Streckenerweiterung bevor

Gegen den Bus gewonnen!. . . . . . . . . . . . . . . . . . 30

Die Frauenfeld-Wil-Bahn – Im Jahr 2012 feierte die Strecke ihr

125. Jubiläum. Der fast auf seiner ganzen Streckenlänge unmittelbar

neben der Straße herführende elektrische Betrieb befördert mehr als

eine Million Fahrgäste im Jahr. 2013 werden neue Wagen erwartet

RUBRIKEN

»Einsteigen, bitte ...«. . . . . 3

Bild des Monats. . . . . . . . . 6

Journal . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Nächster Halt. . . . . . . . . . . 29

Einst & Jetzt. . . . . . . . . . . . 58

Fundstück des Monats . . . . 67

»Forum«, Impressum . . . . . 78

Vorschau . . . . . . . . . . . . . . 82

»Ende gut ...« . . . . . . . . . . 82

Das besondere Bild . . . . . . 83

STRASSENBAHN im Modell

Modelltram-News von der Messe. . . 72

Neue Anbieter und Fertigungsmethoden stehen im Fokus

des großen Reports von der Nürnberger Spielwarenmesse im

in diesem Heft auf sechs Seiten erweiterten Modellteil

4 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

STRASSENBAHN MAGAZIN FOTOEDITION Nr. 4

Straßenbahn in Duisburg-Ruhrort einst und jetzt 68

Munchens P-Tw 2005 am Lenbachplatz. Der 1967 gebaute Kurzgelenkwagen

steht noch immer im Einsatz und erhielt Ende 2012 sogar

eine neue Hauptuntersuchung

P. SCHRICKER

Im Jahr 2013 machen wir unseren Abonnenten ein ganz besonderes

Geschenk: Mit jeder STRASSENBAHN MAGAZIN-

Ausgabe des Jahrgangs liefern wir Ihnen ein faszinierendes,

historisches Foto der interessantesten Fahrzeugtypen. Die

Bilder sind auf hochwertigem Chromolux-Karton gedruckt

und können auch als Ansichtskarten verschickt werden.

Durch alle Ligen: Fußballwerbetrams in Deutschland 50

Übrigens: Wer sich jetzt entschließt, das STRASSENBAHN

MAGAZIN künftig bequem nach Hause geschickt zu bekommen,

erhält die komplette zwölfteilige Foto-Edition und

spart gegenüber dem Heft-Einzelkauf im Handel bares Geld!

Fahrzeuge

Neue Bahnen braucht das Land! . . . . . . . . . . . 34

Generationswechsel in Deutschland – Von vielen deutschen Betrieben

werden derzeit neue Straßen- oder Stadtbahnwagen beschafft.

Namen wie Avenio, Vamos oder Tramino stehen im Raum,

wenn es z. B. um die Ablösung von Tatras oder M- und N-Wagen geht.

Doch welcher Betrieb hat welchen Typ bestellt?

Einmal Ritten und zurück . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46

Wagen 13 der END nun in Stuttgart – Zum Abschluss seines Jubiläumsjahres

hat sich für den Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen

ein Wunsch erfüllt: Nach 30 Jahren bei der Rittnerbahn ist der

Triebwagen 13 der Straßenbahn Esslingen – Nellingen – Denkendorf

Ende 2012 nach Württemberg zurückgekehrt

Wenn der Ball an der Tram rollt. . . . . . . . . . . . . 50

Trams als Werbeträger für Fußballvereine – In vielen Tram-Städten

können sich Fußballfans an Bahnen mit Vereinswerbung erfreuen.

Wir laden zu einem fotografischen Streifzug durch die ganze Republik

ein – von der Spitze der 1. Bundesliga bis in die Niederungen der

Viertklassigkeit …

Geschichte

Mitten rein in die Stadt! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60

Die Mitteleinstieg-Wagen der Berliner Straßenbahn – In den

1920er-Jahren gab es in Berlin einen großen Bedarf an neuen Straßenbahnfahrzeugen.

1926 stellte die Berliner Straßenbahn-Betriebs GmbH

die ersten Tw mit Mitteleinstieg in Dienst, weitere Serien folgten

Per Tram zu den »großen Pötten«

im Pott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68

Straßenbahn im Milieu von Ruhrort – Lange bevor ein gewisser

Schimanski ab 1981 der Stadt Duisburg mit seinem „Tatort“-Debüt

„Duisburg- Ruhrort“ ein vielbeachtetes Image verlieh, übte der Kleinkosmos

des Stadtteils Ruhrort mit seiner Atmosphäre bereits Faszina -

tion auf Tramfreunde aus

Titelmotiv

Aus Leipzig für Bielefeld:

Die innovativen Hochflurwagen

vom Typ Vamos lösen

beim Meterspurbetrieb der

Seidenstickstadt viele

N8C-Stadtbahnwagen ab

BERNHARD KUSSMAGK

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

5


Bild des Monats

6

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Bild des Monats

Bild des Monats

Im sich langsam seinem

Ende zuneigenden Winter

2012/13 fielen auch in

Wien teils beträchtliche

Schneemengen. Für die

Beräumung setzten die

Wiener Linien die mit

einem Schneepflug ausgestatteten

Arbeitswagen der

Type LH ein. Diese Wagen

mit den Nummern 6421

bis 6462 wurden zwischen

1981 und 1998 von der

Zentralwerkstätte der

Wiener Linien sowie von

verschiedenen Waggon fabriken

aus den Personen -

triebwagen der Type L

umgebaut.

Am 23. Februar hielt

Dr. Ernst Plefka den 1987

bei Bombardier in Wien

umgebauten LH 6448 bei

der Ausfahrt aus der

Schleife der Linien 2 und

33 am Friedrich-Engels-

Platz im Einsatz fest.

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

7


Meldungen aus Deutschland,

aus der Industrie und aus aller Welt

Stuttgart: Viele Baustellen für die neue Durchmesserlinie U12

Stadtbahnnetz wird fit

gemacht für »Stuttgart 21«

Nicht weniger als sechs Linien nutzen die Tunnelstation Staatsgalerie. Im Rahmen von Stuttgart 21 soll sie verschoben

und durch einen Neubau ersetzt werden P. KRAMMER (3)

ONLINE-UMFRAGE

Einladungen über

Facebook abgelehnt

Im SM 3/2013 fragten wir Sie, ob Verkehrsbetriebe

für Terminankündi gungen

oder Einladungen zu Präsentationen

ausschließlich das virtuelle Computer-

Netzwerk »Facebook« nutzen sollten.

Immerhin elf Prozent der an der Umfrage

Teilnehmenden befürworteten eine

solche Bewerbung von Veranstaltungen.

Sie sehen darin eine gute Möglichkeit,

speziell auch Jugendliche für den öffentlichen

Nahverkehr zu begeistern.

Die klare Mehrheit sprach sich hingegen

gegen diesen Vorschlag aus. 56,8 Prozent

erklärten, dass auf solche Weise

bekanntgegebene Termine sie nicht erreichen

würden und forderten dazu auf,

wie gehabt zusätzlich auch auf Printund

Funkmedien zu setzen.

Mit 32,1 Prozent fast exakt ein Drittel

der teilnehmenden Leser gingen noch

einen Schritt weiter: Sie gaben zu, »Face

book« persönlich abzulehnen und

keinerlei Verständnis für derartige Aktionen

aufzubringen.

SM

An nicht weniger als fünf neuen

Stadtbahnstrecken wird in Stuttgart

im Laufe des Jahres 2013 gebaut bzw.

gebaut werden. Dass es zu dieser außergewöhnlichen

Häufung von Neubauprojekten

kommt, ist aber kein

Zufall. Denn die meisten Vorhaben

hängen direkt mit dem Bahnhofsprojekt

Stuttgart 21 zusammen.

Zwei Tunnel sind im Weg

Als reine Folgemaßnahmen von Stuttgart

21 lassen sich die Neubauten der

Tunnelstrecken im Bereich der Statio-

nen Staatsgalerie und Stadtbibliothek

(bis 2012: Türlenstraße) identifizieren.

Die Haltestelle Staatsgalerie wird in

verminderter Tiefenlage komplett neu

gebaut werden müssen. Künftig wird

die Station direkt auf den rechtwinklig

kreuzenden tiefer liegenden Eisenbahntunnel

liegen. Die Deutsche Bahn

will Ende 2013 mit dem Bau des Tunnels

im Bereich Staatsgalerie beginnen.

Die SSB wird ihre Tunnelanlagen nun

doch nach den ursprünglichen Planungen

erstellen, nachdem zuvor Naturschützer

einen Vergabestop aufgrund

eines betroffenen Juchtenkäferhabitats

Einige neue Stadtbahnstrecken

hängen mit dem Bahnprojekt

Stuttgart 21, für das sich die baden-württembergische

Bevölkerung

2011 in einer Volksabstimmung

aussprach, zusammen

erwirken konnten. Auch zwischen den

Stationen Hauptbahnhof und Stadtbibliothek

sind die Bestandstunnel der

SSB dem neuen Eisenbahntunnel im

Weg. Hier wird deshalb ein tief liegender

Tunnel bergmännisch unter dem

Kriegsberg aufgefahren. Auf der B27,

nahe des Hauptbahnhofs und der

Handwerkskammer, werden dazu dieser

Tage zwei Baugruben errichtet.

Zu den Entwicklungsflächen

am Budapester Platz

Vom neuen Tunnel Hauptbahnhof-

Stadtbibliothek wird sich künftig die

U12 vor Erreichen der Station Stadtbibliothek

ausfädeln und zunächst unterirdisch

das derzeit entstehende Europaviertel

queren und nach Passieren

der oberirdisch liegenden Station Budapester

Platz an der Haltestelle

Milchhof an das Bestandsnetz an-

8 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Deutschland

Künftig wird sich

die Station Stadtbibliothek,

die derzeit

seitlich zum Europaviertel

hin geöffnet

ist, durch die Anhebung

des dortigen

Geländeniveaus in

eine „echte“ Tunnelstation

wandeln

knüpfen. Hier starteten die Bauarbeiten

bereits 2009 mit dem Neubau der

Stadtbibliothek, durch deren Unter -

geschoss die Tunnel verlaufen. Die anschließenden,

offen gebauten Tunnel

konnten 2011 fertiggestellt werden

und warten seitdem auf ihren Anschluss

an die neuen Tunnelröhren

Richtung Hauptbahnhof. Auch wurden

die Flächen für die anschließende

oberirdische Strecke Richtung Milchhof

bereits für den Bau vorbereitet.

Dieser Tage soll zudem der Bau einer

145 m langen Stadtbahnbrücke, die

vom künftigen Budapester Platz aus

die Wolframstraße überspannen wird,

beginnen.

Über den Hallschlag nach

Remseck

Weiter nördlich wird bereits im September

2013 eine zwei km lange neue

Strecke vom Löwentor zum Hallschlag

für die U12 in Betrieb gehen. Während

an dieser oberirdischen Strecke noch

gebaut wird, haben die vorbereitenden

Arbeiten an deren nochmaliger

Verlängerung hinunter ins Neckartal

als Lückenschluss zur U14 (1,1 km, davon

450 m im Tunnel) bereits begonnen.

Für alle Neubaustrecken der

nördlichen Verlängerung der U12 war

der Bau von Stuttgart 21 Voraussetzung,

denn die Besiedlung der freiwerdenden

Gleisflächen ist fest in die

Wirtschaftlichkeitsberechnungen eingeflossen.

Deshalb konnte der Bau

auch erst beginnen, als der neue Tiefbahnhof

gesichert schien.

Im Süden nach Dürrlewang

Auch im Süden wird die U12 eine 1,1

km lange Neubaustrecke von der Haltestelle

Wallgraben nach Dürrlewang bekommen.

Seit Ende Januar liegt der

Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) dafür

der Planfeststellungsbeschluss vor.

Bis Ende des Jahres sollen als Vorbereitung

für die neue Trasse viele Kabelund

Leitungstrassen verlegt werden.

Nach derzeitigem Planungsstand sollen

alle Neubaustrecken der U12, ausgenommen

der bereits im September fertigen

Strecke zum Hallschlag, im Jahr

2016 in Betrieb gehen. Damit wird die

formal schon im Dezember 2010 auf

der Strecke Killesberg-Möhringen im

20-Minuten-Takt eingeführte U12 ab

2016 alle zehn Minuten von Remseck

nach Dürrlewang fahren. Da ab 2016

80-m-Züge eingesetzt werden, müssen

bis dahin auch noch sieben Haltestellen

im Bestandsnetz verlängert werden.

Obwohl das eigentlich schon sicher geglaubte

Bahnprojekt Stuttgart 21 in der

jüngeren Vergangenheit vom Aufsichtsrat

der Deutschen Bahn in Frage gestellt

wurde, soll die U12 nun komplett fertig

gebaut werden. Schließlich würden im

Falle eines Ausstiegs beträchtliche Entschädigungen

der Baufirmen fällig werden.

PKR

Magdeburg

Tatrawagen offiziell

verabschiedet

Am 27. Januar wurden die Tatrawagen

in Magdeburg offiziell aus

dem Planeinsatz verabschiedet. Von 9

bis gegen 16 Uhr rollten auf der Linie

3 zwischen Olvenstedt und der neuen

Endschleife Reform letztmalig fünf Tatrazüge

im planmäßigen Personenverkehr,

bevor sie gegen NGT8D ausgetauscht

wurden. Im Einsatz waren die

Garnituren 1244 + 1245 (T4DM),

1280 + 1281 (T6A2M), 1001 + 1120

+ 2002 (Historischer Tatragroßzug),

1272 + 1248 (T4DM) und 1275 +

1279 + 2147 (T6-Großzug). Die drei

letztgenannten Züge rückten kurz

nach 16 Uhr ins historische Depot Sudenburg

zu einer emotionalen Abschiedsveranstaltung

ein. Im Einsatz

waren an diesem Tage auch der Atw

756 mit Lore 765, der Fahrschulwagen

774, der auch Mitfahrmöglichkeiten

anbot, sowie der historische Gotha

-Wagenzug 413 + 509. Weit über

500 Straßenbahnfreunde aus ganz

Deutschland sowie aus dem angrenzenden

Ausland säumten die Strecken.

Der größte Teil von ihnen fand

sich denn auch im Depot Sudenburg

zur Verabschiedung ein. Höhepunkte

waren eine Dia-Show aus der Geschichte

der Tatrawagen in Magdeburg

und eine Licht- und Feuershow.

Gegen 18 Uhr schlossen sich dann die

Tore des Depots.

Neben dem historischen T4-Großzug

bleiben weitere T4D als Arbeitsfahrzeuge

und für den Winterdiensteinsatz

im Bestand. Noch nicht

entschieden ist, ob auch ein T6-Zug

aufgehoben werden kann. Da drei

NGT (1319, 1382, 1383) bei Redaktionsschluss

noch nicht einsatzfähig

waren, fuhren auch nach der Abschiedsveranstaltung

noch vereinzelt

T6 auf den Linien 8 und 10. DP

Magdeburg: Am 27. Januar wurden die Tatra-Wagen offiziell verabschiedet;

u.a. war der historische T4-Großzug unterwegs

D. PAUKE

Hannover

Für die Zukunft der „D-Strecke“,

der letzten oberirdischen

Stadtbahnstrecke in der Innenstadt,

hat sich eine neue Entwicklung

ergeben. Nun soll ab

Hauptbahnhof (oben) eine neue

Strecke zum Raschplatz gebaut

werden. Eine Weiterführung von

dort zum Platz der Kaufleute ist

dagegen wieder vom Tisch. Zwischenzeitlich

wurde auch eine

Variante, in der die Stadtbahnen

aus Richtung Ahlem abwechselnd

die alte D-Strecke und den

bestehenden A-Tunnel zum

Hauptbahnhof befahren sollten,

heiß diskutiert.

PKR

Bochum

In der Presse wurde heftige

Kritik an den kräftig gestiegenen

Baukosten der neuen Straßenbahnstrecke

über Langendreer

nach Witten geäußert. War

anfangs noch von 35,7 Mio. Euro

die Rede, sollen sich die Kosten

nach heutigem Kenntnisstand

auf fast 62 Mio. Euro

belaufen. Im April sollen die ersten

Gleise zur Verlängerung der

Straßenbahn durch Langendreer

nach Witten verlegt werden und

bis Oktober soll der erste von

sechs Bauabschnitten vollendet

sein. Mit der Fertigstellung des

Gesamtvorhabens wird für 2017

gerechnet.

MBE

Aachen

Am 10. März (nach Redaktionsschluss)

wurde in Aachen ein

Ratsbürgerentscheid zur geplanten

Campusbahn durchgeführt.

Der exakte Fragetext lautete

„Sind Sie für den Bau der Campusbahn“.

Zuvor hatte sich der

Stadtrat grundsätzlich für das

neue Straßenbahnsystem ausgesprochen,

wollte aber dennoch

nicht auf eine Einbeziehung der

Bevölkerung verzichten. Auch

das Land Nordrhein-Westfalen

und der Bund unterstützen das

Projekt, welches bereits ins

GVFG-Förderprogramm aufgenommen

wurde, sodass das Projekt

gute Chancen auf eine Realisierung

hat.

PKR

rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

9


Aktuell

Ein Flexity der Linie 2 fährt vor

der Kulisse des Klinikum BKH zur

Endstelle P+R Augsburg West.

Künftig soll hier auch die Linie 5

fahren

P. KRAMMER

Augsburg

Linie 5 kommt, »Max-Linie« bleibt

Seit Jahren wird in Augsburg eine

neue Straßenbahnlinie 5, für die eine

Neubaustrecke vom Hauptbahnhof

zur heutigen Wendeschleife P+R

Augsburg West notwendig wäre, geplant.

Die Linie ist auch Teil des umfassenden

Ausbauprojektes „Mobilitätsdrehscheibe“,

dem auch der

Umbau des Königsplatzes und der

Tunnel unter dem Hauptbahnhof zugerechnet

wird. Im Februar begann

die Bürgerbeteiligung für die neue

Strecke, was sowohl Informationsabende

als auch eine Planungswerkstatt,

in der Bürger mit Fachleuten

über den genauen Streckenverlauf diskutieren,

beinhaltet. Offen ist noch,

wie die Trasse vom westlichen, stadtauswärtigen

Portal des Bahnhofstunnels

zur Bürgermeister-Ackermann-

Straße verlaufen wird. Der vierspurigen

Bürgermeister-Ackermann-Straße

soll die etwa 3,75 km lange Neubaustrecke

dann auf drei km bis zur bestehenden

Wendeschleife P+R Augsburg

West folgen. Ab P+R Augsburg West

wird die Linie 5 die Trasse der Linie 2

bis zur nächsten Haltestelle Klinikum

BKH nutzen. Dort wird eine neue Wendeschleife

entstehen. Genau genommen

wird es sich bei der Linie 5 um

den Westast der heutigen Linie 6

handeln, denn am Hauptbahnhof

sollen beide Linien zu einer durchgehenden

Ost-West-Achse (Friedberg

West – Klinikum BKH) verknüpft

werden. Läuft alles nach Plan, würden

die Detailplanung 2014 und das

Planfeststellungsverfahren 2015

starten. Der etwa 50 Mio. Euro teure

Bau könnte dann 2016 beginnen,

sodass die neue Strecke 2018 betriebsbereit

wäre.

Neuigkeiten gibt es auch von der

Straßenbahnstrecke durch die Augsburger

Prachtmeile Maximilianstraße

und den Milchberg. Diese ist eigentlich

nur eine Betriebsstrecke,

dient während der bis Ende des Jahres

dauernden Sperrung des Königsplatzes

derzeit als Stammstrecke des

Straßenbahnnetzes. Obwohl sich die

Verwaltung gegen einen weiteren

Fahrgastbetrieb auf der „Max-Linie“

ab 2014 aussprach, beschloss der

Stadtrat Ende Januar die Fortsetzung

des dortigen Linienverkehrs. Derzeit

wird geprüft, wie die Trasse künftig

in das Augsburger Liniennetz eingebunden

werden soll.

PKR

Berliner U-Bahn

111-jähriges Bestehen

Mit vier Sonderfahrten eines AI-

Dreiwagenzuges wurde am 23. Februar

2013 das 111. Jubiläum der Ber liner

U-Bahn begangen. Bei der ersten

Fahrt fuhr der Zug vom Potsdamer

Platz zum Olympia-Stadion und bei

der zweiten wieder zurück. Die dritte

Fahrt führte ebenfalls zum Olympia-

Stadion, von wo aus es weiter zur

Warschauer Straße ging.

Der Zug hielt, außer bei der vierten

Fahrt, auf allen Zwischenstationen

und konnte zum regulären Fahrpreis

benutzt werden. Am Olympia-Stadion

befindet sich das sehenswerte U-

Bahn-Museum, das am 23. Februar

zum Nulltarif zu besuchen war. Die

Sonderfahrten der Arbeitsgemeinschaft

Berliner U-Bahn e. V. wurden

sehr gut angenommen, teilweise

konnten wegen der Fülle nicht alle

Fahrgäste einsteigen. Der eingesetzte

Zug bestand aus den Fahrzeugen 7

(Busch, Bautzen, Baujahr 1926), 737

(Gebrüder Credé & Co, Kassel, Baujahr

1925) und 302 (Orenstein & Koppel,

Berlin, Baujahr 1926).

BEKUS

Berlin: Am

23. Februar

konnte ein

Dreiwagenzug,

Typ AI, auf der

Fahrt zwischen

Gleisdreieck

und Mendelssohn-Bartholdy-Park,

zum

regulären Fahrpreis

genutzt

werden

B. KUSSMAGK

Duisburg

Sightseeing mit der

Straßenbahn

Die Duisburger Verkehrsgesellschaft

(DVG) bietet zusammen mit

dem Stadtmarketing dieses Jahr geführte

Touren mit der Straßenbahn an.

In diesem Zusammenhang wird die

Straßenbahnlinie 901 (Mülheim –

Obermarxloh) als Kulturlinie und die

Linie 903 (Hüttenheim – Dinslaken) als

Industrielinie vermarktet. Auf dem

Programm steht beispielsweise ein Besuch

der Mannesmann-Hüttenwerke

im Duisburger Süden. Im multikulturellen

Stadtteil Marxloh, wo sich beide

Straßenbahnlinien kreuzen, wird die

größte Brautmodenmeile Westeuropas

sowie eine der größten Moscheen

Deutschlands besichtigt. Für 2013 sind

noch elf Termine geplant. Karten gibt

es im Internet bei der Tourist-Info

Duisburg.

Zusätzlich wirbt Wagen 1015 des

Typs GT10NC-DU mit einer auffälligen

Ganzreklame unter dem Motto „Duis-

10 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Deutschland

Chemnitz: Die offiziellen Einweihung der Straßenbahnhaltestelle im Haupt bahnhof wollten sich

viele Chemnitzer nicht entgehen lassen

C. MUCH

burg erfahren“ für Sightseeing-Touren

per Straßenbahn. Das Fahrzeug zeigt

verschiedene Fotomotive der bei

Nacht bunt beleuchteten, stillgelegten

Hochöfen im Duisburger Landschaftspark

Nord, der mit den Straßenbahnen

der Linie 903 an der gleichnamigen

Haltestelle erreichbar ist.

CLÜ

Mainz

M8-Großaufgebot am

Rosenmontag

Am Rosenmontag stand in der

Karnevalshochburg Mainz noch einmal

ein Großteil der M-Wagenflotte

im Einsatz.

Wegen der Netzteilung während

des Rosenmontagzuges mussten alle

Linien am Gautor und am Hauptbahnhof

stumpf wenden.

Da die neun neuen Variobahnen

Einrichtungswagen sind, konnten sie

nicht eingesetzt werden – stattdessen

kamen gleich sieben der zehn vorhandenen

M8 zu Linienehren. Im regulären

Betrieb werden die M-Wagen seit

Inbetriebnahme der letzten Variobahnen

auch werktags planmäßig kaum

noch benötigt. Die 1984 beschafften

M8C (271-276) bleiben noch im Einsatzbestand,

die vier 1987 aus Bielefeld

übernommenen M8S (277-280)

will die Mainzer Verkehrsgesellschaft

dagegen bald ausmustern. CLÜ

Chemnitz

Einfahrt in den Hauptbahnhof

eröffnet

Seit dem 15. Februar fährt die Straßenbahn

direkt in die Bahnhofshalle

des Hauptbahnhofs. Die Eröffnungsfahrt

fand mit zwei geschmückten

Variobahnen statt. Jeweils ein Tw der

Citybahn und der Chemnitzer Verkehrs-AG

(CVAG) fuhren von der neuen

Haltestelle Omnibusbahnhof in den

Hauptbahnhof.

Am darauffolgenden Wochenende

fanden Schnupperfahrten mit Variobahnen

zwischen der neuen Endstelle im

Hauptbahnhof und der Zentralhaltestelle

sowie einer Tatra T3-Heck-an-

Heck-Traktion und dem historischen

Gothawagen 802 zwischen Hauptbahnhof

und Straßenbahnmuseum

statt. Seit dem Fahrplanwechsel am 18.

Februar enden die Linien 2, 6 und 522

planmäßig in der Bahnhofshalle. CMU

Nürnberg

Umsteigeknoten

Steinbühl vollendet

Mit etwas Verspätung ging am 28.

Dezember 2012 der zweite Bahnsteig

am S-Bahn-Haltepunkt Nürnberg-Steinbühl

in Betrieb, womit dieser 2004 eröffnete

S-Bahn-/Straßenbahn-Umsteigeknoten

nun auch von der S-Bahnlinie

Mainz: Der M8S

279 (ex Bielefeld),

hier beim

Wenden vor

dem Gautor,

hatte dieses

Jahr vermutlich

seinen letzten

Rosen montags -

einsatz

C. LÜCKER

S1 angefahren wird. Die Station im

westlichen Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs

wurde zunächst als Umsteigestelle

zwischen der Straßenbahn und

der damaligen S3 (Nürnberg – Roth)

eröffnet und erforderte eine baulich

aufwändige Konstruktion zwei Stockwerke

über den Straßenbahngleisen.

Bereits damals war ein weiterer Bahnsteig

für die künftige S1 in Richtung Erlangen/Forchheim

geplant. Obwohl die

S1 schon seit Dezember 2010 am S-

Bahnhof Steinbühl vorbeifährt, begannen

die Bauarbeiten für den neuen

Bahnsteig erst im Sommer 2012.

Nach Fertigstellung präsentiert sich

der Umsteigepunkt wie folgt: Auf der

„Nullebene“ verkehrt die Straßenbahn

mit den Linien 4 (Thon – Gibitzenhof)

und 6 (Westfriedhof – Doku-Zentrum),

darüber kreuzt auf Ebene „+1“ neu

die S-Bahnlinie S1 (Hartmannshof –

Nürnberg – Bamberg). Nochmals darüber

im Zuge eines Überwerfungsbauwerks

befindet sich der Bahnsteig

für die Linie S2 (Altdorf – Nürnberg –

Roth). Jeder Bahnsteig besitzt nur ein

Gleis. Den S-Bahnfahrgästen bietet die

Haltestelle Steinbühl per Straßenbahn

schnelle Anschlüsse in Richtung Plärrer,

Gibitzenhof und in die Südstadt,

womit der Hauptbahnhof von Umsteigern

entlastet wird.

UR

Potsdam

Friedrich-Ebert-Straße

wird saniert

Seit dem 1. März und voraussichtlich

bis November 2014 wird die

Friedrich-Ebert-Straße auf einer Länge

von 600 m zwischen dem Nauener Tor

und der Alleestraße saniert und umgestaltet.

Der Autoverkehr wird für

knapp zwei Jahre aus der Straße verbannt

und die Straßenbahnlinien 92

Duisburg: Seit Anfang 2013 wirbt Tw 1015 mit Motiven des ehemaligen

Hüttenwerks Landschaftspark Nord fur Tram-Sightseeing-Touren C. LÜCKER

Nürnberg: Vom neuen „Erlanger Bahnsteig“ des Knotenpunkts Steinbühl

hat man einen guten Blick auf die Straßenbahnhaltestelle U. ROCKELMANN

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

11


Aktuell

ANZEIGE

An der Kesselstraße, vor der Hochhauskulisse des Medienhafens, wird die neue Wendeschleife für die Ver -

längerung der Linie 704 gebaut M. BEITELSMANN

Düsseldorf

Fortschritte bei der Hafen-Strecke

Die Stadt Düsseldorf hat im Februar den Fahrleitungsbau

für die lange geplante Verlängerung der Linie 704 in den

Medienhafen bis zur Weizenmühlenstraße, für die der Gleisbau

bereits begann, ausgeschrieben. Es handelt sich unter

anderem um die Lieferung und Montage von 44 Fahrleitungsmasten,

20 Eingleis- und 14 Zweigleisauslegern. Zusätzlich

sollen im Verlauf der bisherigen Linie 708 rund 150

m Einfachfahrleitung ersetzt werden. Die Maßnahme soll

am 24. Mai beginnen und ein halbes Jahr dauern.

Mit dem Bau der neuen Trasse soll die Linie 704 künftig

vom Hauptbahnhof über die Graf-Adolf-Straße zur Bilker

und 96 werden überwiegend eingleisig

verkehren. Vorgesehen sind die

Neuaufteilung der Verkehrsfläche mit

neuen beidseitigen Radstreifen, se -

parater Verkehrsspur für Bus und

Straßenbahn sowie eine behindertengerechte

Gestaltung der Doppelhaltestelle

inklusive Anlage einer Ampel

am Rathaus. Bei dieser Gelegenheit

werden auch die Gleise der Straßenbahn

etwas auseinandergerückt, damit

perspektivisch breitere Fahrzeuge

eingesetzt werden können. Zum Einbau

der ersten Bauweichen wurden

die Straßenbahnlinien 92 und 96 von

ihren nördlichen Endpunkten zurückgezogen

und endeten vom 1. März

gegen 20 Uhr bis zum 4. März gegen

3 Uhr am Platz der Einheit. Die Streckenäste

zur Viereckremise und zur

Kirschallee wurden mit Bussen bedient.

Seit dem 4. März verkehren die

Linien 92 und die 96 zwischen den

Haltestellen Nauener Tor und Rathaus

eingleisig. Da die Haltestelle Rathaus

um etwa 170 m nach Norden zur

Helene-Lange-Straße verlegt wurde,

entfiel die Haltestelle Reiterweg/Alleestraße.

Zwei weitere Straßenbahnbetriebsunterbrechungen

wird es

nach derzeitigem Planungsstand vom

27. März gegen 20 Uhr bis zum

7. April sowie vom 27. Juli gegen

20 Uhr bis zum 30. Juli geben. BEKUS

Kirche fahren und dann über die Gladbacher Straße den

Hafen erreichen. Die Neubaustrecke, die über die Franziusstraße

und die Holzstraße in die Kesselstraße verläuft, erhält

die barrierefreien Haltestellen Speditionstraße und

Kesselstraße. Am Ende der Haltestelle Kesselstraße entsteht

eine zweigleisige Wendeschleife. Der Gleisbau auf

der neuen Strecke ist abschnittsweise bereits abgeschlossen.

Die 6,5 Mio. Euro teure Verlängerung erschließt den

in den letzten Jahren mit neuen Büro-und Geschäftshäusern

boomenden Medienhafen. Einen genauen Eröffnungstermin

gibt es noch nicht.

MBE

München U-Bahn

Neue Werkstatt in

Fröttmaning geplant

Neben der Allianz Arena in Fröttmaning

entsteht in den nächsten zwei

Jahren ein neuer Werkstatt-Komplex

für U-Bahn-Gliederzüge. Die Stadtwerke

München (SWM) bauen auf dem

Gelände der dortigen Technischen Basis

der U-Bahn eine zusätzliche Halle

für die Wartung, Inspektion und Reparatur

von C-Zügen sowie das dazugehörige

Betriebsgebäude. Baubeginn

soll – in Abhängigkeit von der Dauer

des Genehmigungsverfahrens – noch

2013 sein. Die Inbetriebnahme wird

frühestens Anfang 2015 erfolgen. Die

Baukosten liegen nach derzeitigem

Planungsstand bei knapp 19 Mio. Euro.

Die neue dreigleisige Halle wird

rund 160 m lang und 30 m breit und

über ein angegliedertes Betriebsgebäude

verfügen. Der Neubau ist zwingend

erforderlich, weil der Wagenpark

der U-Bahn in den nächsten Jahren

weiter anwächst und damit die Kapazitätsgrenze

der bisher bestehenden

Werkstatt-Infrastruktur übersteigt. Bis

2015 wird die Münchener Verkehrsgesellschaft

(MVG) 39 sechsteilige Züge

vom Typ C1 und C2 im Wagenpark haben.

Für weitere 46 Einheiten könnte

das Verkehrsunternehmen Beschaffungsoptionen

einlösen.

SM

Berliner Straßenbahn

BVG erwägt Stilllegung

der Linie 61

Im Hinblick auf die notwendige Sanierung

der Strecke zwischen Friedrichshagen

und Rahnsdorf, bei gleichzeitig

sehr geringen Fahrgastzahlen,

denken die Berliner Verkehrsbetriebe

(BVG) nun erneut öffentlich über eine

Stilllegung dieses Abschnitts der Linie

61 nach. Gegenüber dem Tagesspiegel

Potsdam: Bis voraussichtlich November 2014 wird die Friedrich-Ebert-

Straße auf der Höhe des Rathauses saniert

B. KUSSMAGK

München: In den nächsten zwei Jahren soll in Fröttmaning ein neuer

Werkstatt-Komplex für die C1- und C2-Züge der U-Bahn entstehen SWM

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Deutschland · Industrie · Weltweit

Van Hool: Der ExquiCity für Parma auf Vorführtour bei den Stadtwerken Solingen,

wo er auf einen alten Van Hool-Gelenkobus aus Gent traf D. BUDACH

Ansaldobreda: Mit 65 Exemplaren ist die Flotte der Göteborger M32-Niederflur-Tw

komplett

C. MUCH

bezifferte das Verkehrsunternehmen

die Sanierungskosten auf etwa 15 bis

20 Mio. Euro. Die Erneuerung des 2,5

km langen Abschnitts müsste bis spätestens

2017 erfolgen, da sie auch die

Voraussetzung für den Einsatz von

Niederflurwagen auf der Linie 61 ist.

Im Jahr 2017 möchte die BVG nach

gegenwärtiger Planung die letzten

modernisierten KT4D ausmustern.

Östlich der Haltestelle Hartlebenstraße

ist die Strecke zwar landschaftlich

reizvoll, erschließt aber nur wenig

Fahrgastpotenzial: Auf den letzten vier

km führt die Trasse durch unbebautes

Gebiet, um dann in Rahnsdorf, das zusätzlich

mit der Buslinie 161 erschlossen

ist und in fußläufiger Entfernung

zum gleichnamigen S-Bahnhof liegt,

direkt am Beginn der Bebauung zu enden.

Für volle Züge sorgt hier an sonnigen

Sommerwochenenden das

Strandbad Müggelsee, doch sonst sind

die solo fahrenden KT4D meist nur

mäßig besetzt.

JBE

Industrie

Van Hool

Neun ExquiCity

für Parma

BMS Stahlbau: Ende Januar 2013 wartet der Gerätewagen A 93 (II) der

Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn auf seinen Umbau F. HEILMANN

Zur Modernisierung der bis zu 32

Jahre alten Fahrzeugflotte liefert der

belgische Hersteller Van Hool neun

Gelenkobusse nach Parma aus. Es

wurde ein futuristisches Fahrzeugdesign

gewählt, dass sich äußerlich den

aktuellen Niederflur-Straßenbahn-Entwürfen

anlehnt. Der erste dieser Obusse,

von Van Hool unter der Bezeichnung

‚ExquiCity‘ vermarktet, stieß

nicht nur in Parma auf großes Interesse.

So war der Obus im Sommer 2012

beim 60-jährigen Jubiläum in Solingen

gezeigt worden. Auf der meistbefahrenen

Linie 5 werden die Wagen in Parma

vornehmlich zum Einsatz kommen,

eingereiht werden sie unter den Nummern

5101-5109. Ausgemustert werden

dafür die noch einsatzbereiten, ältesten

Obusse von Menarini aus dem

Jahre 1981. Ähnliche Wagen werden

für Genf hergestellt.

BUD

Ansaldobreda

Letzter M32 in

Göteborg eingetroffen

Am 22. Januar 2012 hat der Wagen

465 das Straßenbahnnetz im schwe -

dischen Göteborg erreicht. Die Göteborger

Straßenbahn hat damit jetzt

insgesamt 65 Wagen vom Typ M32 im

Bestand. Die Fahrzeuge wurden in

zwei Serien bestellt und ausgeliefert.

Nachdem die Verkehrsbetriebe mit den

ersten 40 Wagen durchwachsene Erfahrungen

gemacht haben, wurde

2009 eine Option über 25 weitere

Fahrzeuge eingelöst. Wagen 465 ist der

letzte Wagen der zweiten Lieferung.

Die Neubaufahrzeuge wurden von Kiel

aus per Schiff nach Göteborg gebracht

und im dortigen Hafen ent laden. Der

Wagen 465 kam bereits am 7. Dezember

per Schiff an, musste dann aber

noch über einen Monat im Hafen verbleiben.

Der Grund war ein Streit über

die Transportgebühren zwischen der

Spedition und Ansaldobreda.

Die Einrichtungs-Niederflurwagen

sind bereits seit Jahren sehr störanfällig.

So waren in den letzten Monaten

von 64 Fahrzeugen durchschnittlich

nur 45 Wagen im Einsatz. Die Übrigen

befanden sich in der Werkstatt oder

waren als Fahrschule unterwegs. CMU

BMS Stahlbau Ostritz

Vom Geräte- zum

Traditionswagen

Am 3. Januar wurde der Gerätewagen

A 93 (II) der Schöneicher-Rüdersdorfer

Straßenbahn (SRS) per Sattelschlepper

zur BMS Stahlbau in das

sächsische Ostritz transportiert. Hier

soll der Gerätewagen, der zuletzt zum

100. Jubiläum der SRS am 25. und

26. August 2012 im Einsatz war, eine

Hauptuntersuchung (HU) erhalten. Der

Verein Tram 88 e.V. und der Betreiber

SRS lassen im Rahmen dieser HU den

Tw A 93 (II) ab März 2013 in einen Traditionswagen

im Zustand der 1930er-

Jahre umbauen. Danach soll der Gerätewagen

A 93 (II) wieder mit seiner

ehemaligen Betriebsnummer Tw 3 für

Sondereinsätze auf dem Streckennetz

der SRS zum Einsatz kommen.

Gebaut wurde der Gerätewagen

A 93 (II) im Jahr 1914 von der Gottfried

Lindner AG in Ammendorf. Als

Gerätewagen wurde er aber erst ab

1972 genutzt. FHE

Ausland

Tschechien: Most

Optimiertes Netz und

neue Triebwagen

Zum Fahrplanwechsel im Dezember

2012 wurde der Nahverkehr der nordböhmischen

Industriestädte Most und

Litvínov neu strukturiert, optimiert und

das Taktgefüge vereinheitlicht. Die

Linienführungen der vier Straßenbahnlinien

1 bis 4 blieben dabei unverän-

Most: Für den Einsatz der Linie 2 wurden zwei neue VarioLF+ angeschafft,

wovon der erste seit Mitte Januar im Linienverkehr eingesetzt wird M. JUNGE

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

13


Aktuell

dert, jedoch gibt es veränderte Einsatzzeiten

und auf der Überlandbahn

auch Taktausdünnungen.

Für die Linie 2, die ausschließlich in

Most verkehrt, beschaffte der Verkehrsbetrieb

zwei neue teilniederflurige

Triebwagen vom Typ VarioLF+ von

Pragoimex, von denen der erste seit

Mitte Januar 2013 im Linienverkehr

unterwegs ist.

YUG

Schweiz: Basel BVB

Fahrgäste wählten

Grünton

Die Fahrgäste der Basler Verkehrs-

Betriebe (BVB) konnten bis zum 26.

Januar über den Farbton, in dem künftig

die Trams in der Stadt am Dreiländereck

lackiert sein sollen, abstimmen.

In einer internen Vorauswahl wurden

neben den zwei heute genutzten

Grüntönen zwei weitere festgelegt,

sodass vier Grüntöne zur Wahl standen.

Combino 301 wurde deshalb zu

je einem Viertel seiner Länge mit den

zur Auswahl stehenden Farben lackiert.

BVB-Trams waren zwar schon

immer grün, allerdings wurde der

Farbton von Zeit zu Zeit variiert. Zuletzt

musste das satte Grün der Nachkriegszeit

dem Hellgrün der Combinos

weichen. Ab 2014 werden 60 neue

Flexity-Trams in Betrieb gehen und

gleichzeitig stehen bei den Combinos

Generalüberholungen zur Hälfte ihrer

Nutzungszeit an, womit für beide

Fahrzeugtypen ein neuer Farbton eingeführt

werden kann. Die Fahrgäste

haben sich zu etwa 40% für die Variante

1 (im Bild ganz rechts) und damit

einen für Basel neuen Grünton entschieden.

JÖS

Großbritannien: Manchester

Metrolink auf

Expansionskurs

Am 11. Februar wurde die „Metrolink“

genannte Stadtbahn von Manchester

um einen sechs km langen

Streckenast erweitert. Die neue „East

Manchester Line“ beginnt am Bahnhof

Piccadilly und verläuft über sieben

Zwischenstationen zum vorläufigen

Endpunkt Droylsden. Anders als die

meisten früheren Strecken, die durch

Übernahme von Eisenbahnstrecken

entstanden, wurde dieser Ast als neue,

abschnittsweise straßenbündig trassierte

Stadtbahnstrecke gebaut. Am

28. Februar folgte nun der nächste 7,4

km lange Abschnitt der umgebauten

Strecke über Oldham nach Rochdale,

Kuala Lumpur:

Im Rahmen

des Schnellbahnausbaus

in Kuala Lumpur

wird auch

die Kelana

Jaya-Linie in

Kuala Lumpur

in den nächsten

Jahren erweitert

J. PERBANDT

die erst am 16. Dezember 2012 von

Oldham Mumps bis Shaw & Crompton

(4.1 km) verlängert worden war. Neben

den zwei bestehenden Haltestellen

kamen zwei neue Zwischenhalte

hinzu. Ein kurzer Abschnitt im Stadtzentrum

von Rochdale soll 2014 fertiggestellt

werden.

Somit ist das Metrolink-Netz auf69

km angewachsen. Im Sommer 2013

soll die Strecke nach East Didsbury, im

Winter 2013/14 die Verlängerung von

Droylsden nach Ashton-under-Lyne,

2014 auch die Strecke durchs Zentrum

von Oldham und schließlich 2016 der

Ast über Wythenshawe zum Manchester

Airport in Betrieb genommen werden,

womit eine Netzlänge von 95 km

erreicht wird.

RSC

Malaysia/Singapur

Schnellbahnnetze

werden ausgebaut

Gewinnspiel SM 3/2013

Hinweis zum

Lösungswort

Im SM 3/2013 haben wir Sie

liebe Leser, auf Seite 35 eingeladen,

an einem gemeinsamen Gewinnspiel

von STRASSENBAHN

MAGAZIN, LOK MAGAZIN und

BAHN EXTRA teilzunehmen.

Bei der Gewinnfrage jedoch

hat in unserer Redaktion der

Druckfehlerteufel zugeschlagen.

Die richtige Frage an alle Leser

des STRASSENBAHN MAGAZIN

lautet natürlich: Wie heißt der

tschechische Hersteller von Straßenbahnwagen,

die bis heute

nicht nur in Prag, sondern z. B.

auch in Berlin, Rostock, Leipzig

oder Halle an der Saale zum Einsatz

kommen?

Leider schlug der Fehlerteufel

auch in der E-Mail-Adresse zu,

die richtige lautet: redaktion@

strassenbahn-magazin.de

Der GeraMond-Verlag verlänfert

daher den Einsendeschluss

für die Antworten vom 15. auf

den 30. April 2013. Alle bisher

eingegangenen Zuschriften behalten

ihre Gültigkeit und nehmen

selbstverständlich an der

Verlosung teil.

SM

Die Städte Kuala Lumpur in Malaysia

und Singapur haben einen massiven

Ausbau ihrer Nahverkehrssysteme

angekündigt. Für die malaysische

Hauptstadt Kuala Lumpur will die Regierung

ihr bisheriges, rund 56 km

umfassendes, Metrosystem bis 2020

um 100 km erweitern. Die erste Ausbaustufe

über 51 km, welche bis 2016

abgeschlossen sein soll, wird mit 450

Mio. Euro veranschlagt. Davon profitiert

auch das deutsche Unternehmen

Siemens, welches Aufträge in Höhe

von 260 Mio. Euro für sich verbuchen

konnte.

Auch im Stadtstadt Singapur, flächenmäßig

etwas kleiner als die Hansestadt

Hamburg, soll das Metronetz

ausgebaut werden. Bis 2030 soll die

Netzlänge von heute 178 km auf 360

km verdoppelt werden. Neben zwei

unterschiedlichen U-Bahn-Systemen

gibt es in der fünf Mio. Einwohner

Basel: Combino 301 zeigte im Januar die vier Grüntöne, die für die künftige Farbgebung der Baseler Trams zur Auswahl standen. BVB

14 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Weltweit

zählenden Stadt auch zwei automatische

People-Mover Linien, welche der

Erschließung neuer Großsiedlungen

dienen. Nach der Verwirklichung des

ehrgeizigen Planes der Land Transport

Authority (LTA) werden rund 80 % der

Einwohner Singapurs es nicht weiter

als zehn Minuten Fußweg zu einer

Schnellbahnhaltestelle haben. JEP

Schweiz: Winterthur Obus

Betrieb komplett

niederflurig

Mit der Inbetriebnahme von zwei

nachbestellten Hess/Vossloh-Kiepe-

Gelenkwagen wurde die Umstellung

der Flotte auf ausschließlich niederflurige

Fahrzeuge abgeschlossen. Der

Fuhrpark besteht jetzt aus 23 dieser

seit 2010 beschafften Wagen sowie

weiteren 10 Gelenkobussen von Solaris

mit Cegelec E-Ausrüstung aus dem

Jahre 2004.

Die beiden aktuellen Neuwagen ersetzen

die letzten Daimer-Benz/ABB-

Gelenkobusse Nr. 147 und 149 des

Typs O 405 GTZ, die lange Zeit das

Rückgrat der Flotte darstellten und

fast 25 Jahre auf Winterthurs Straßen

zu finden waren. Ähnliche Wagen

wurden in größerer Stückzahl auch im

benachbarten Zürich angeschafft,

doch auch dort geht diese Ära in Kürze

zu Ende.

Der Obusbetrieb in Winterthur kann

im Dezember 2013 sein 75-jähriges

Jubiläum feiern. Er besteht gegenwärtig

aus drei stark befahrenen Linien,

die sich alle am Bahnhof treffen. BUD

Schweiz: Zürich

Neuplanung für

Altstetten

Ab 2020 soll eine neue Stadtbahn -

linie, Limmattalbahn genannt, das

westlich von Zürich gelegene, dicht besiedelte

Limmattal erschließen. Die

neue Bahn wird, von Westen her kommend,

ab der heutigen Tramendstelle

Farbhof zum Bahnhof Altstetten führen

und dort enden. Im gleichen Schritt

wird die Linie 2 über den Farbhof hinaus

wieder bis Schlieren, wohin sie

bis 1955 schon mal fuhr, verlängert. Im

Hinblick auf diese Planungen wurde

jetzt die neue Führung der Linie 2 in

Altstetten festgelegt. Ab der heutigen

Haltestelle Lindenplatz wird sie über

eine Neubaustrecke durch die Altstetterstrasse

zum Bahnhof Altstetten geführt

und von dort aus auf den Gleisen

der Limmattalbahn im Zuge der Hohlstrasse

über den Farbhof nach Schlie-

Künftig werden auf der Gmundener Straßenbahn moderne Niederflur-Triebwagen vom Gmundener Hauptbahnhof

bis nach Vorchdorf fahren

ROS

Österreich: Gmunden

StadtRegioTram beschlossen

Die Stadtgemeinde Gmunden beschloss am 14. Februar

die Traunseebahn (Gmunden – Vorchdorf) mit der Gmundner

Straßenbahn zu verbinden. 80 Prozent der Investitionskosten

von 25 bis 30 Mio. Euro wird das Land Oberösterreich

tragen. Darin enthalten sind die 700 m lange und

zweigleisige Verbindungsstrecke zwischen Franz- Josef-

Platz und Gmunden-Seebahnhof, eine neue Traunbrücke,

die Neugestaltung der Stadtdurchfahrt, die Kanalsanierung

und die Anbindung an den Hauptbahnhof-Neubau, wo die

neue Endstation der StadtRegioTram parallel zu den Gleisen

der ÖBB-Salzkammergutbahn verlegt wird.

Das Land Oberösterreich drängte auf eine Entscheidung

seitens der Stadt. Schließlich mussten für die von

Stern & Hafferl betriebenen Meterspurbahnen Traunseebahn

und Attergaubahn neue Niederflur-Tw ausgeschrieben

werden, denn ab 2015 werden die derzeit von den

ren fahren. Die Obuslinie 31 wird dann

vom Bahnhof Schlieren zum Bahnhof

Altstetten verkürzt. Der Bahnhof Altstetten

wird dadurch in seiner Funktion

als Umsteigeknoten gestärkt. Auch das

Quartier Altstetten soll profitieren: Die

Zürich: Während

die Tram

künftig über

die heutige

Endstelle Farbhof

hinaus bis

Schlieren fahren

soll, wird

der Obus von

hier zum Bahnhof

Altstetten

verkürzt

J. SCHRAMM

Altstetterstrasse wird zwischen Lindenplatz

und Bahnhof Altstetten vom

Autoverkehr befreit und soll ein „attraktiver

Stadtboulevard“ werden. Auf

der stadtauswärtigen Seite des Bahnhofs

Altstetten endet bereits seit Ende

Innsbrucker Verkehrsbetrieben geliehenen Flexity Outlook

wieder in der tirolischen Landeshauptstadt benötigt. Für

die Straßenbahn fördert das Land neue Fahrzeuge nur

dann, wenn der Zusammenschluss beider Bahnen zustande

kommt. Ohne Neufahrzeuge wiederum wäre ein Betrieb

der Straßenbahn über 2015 hinaus massiv gefährdet

gewesen, denn der vorhandene Fuhrpark entspricht nicht

dem Bundes-Behindertengleichstellungsgesetz und erfordert

einen zunehmend größeren Instandhaltungsaufwand.

Die Finanzierung des städtischen Anteils konnte gemäß

eines Vorschlags des Vereins „Pro Gmundner Straßenbahn“

unter Beteiligung des Vereins, des Betreibers Stern

& Hafferl sowie der Gemeinden entlang der Traunseebahn,

die von einer Durchbindung der Züge in die Gmundener

Innenstadt und zum Gmundener Hauptbahnhof profitieren,

halbiert werden.

R. Schrempf

2011 die Tramlinie 4, die im Rahmen

des Projekts „Tram Zürich West“ dorthin

verlängert wurde. Durch die Bahnsteigunterführung

des Bahnhofs wird

man künftig zwischen beiden Tramhaltestellen

umsteigen können. JÖS

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

15


Betriebe

Bis 1998 schien Bremen den ÖPNV mehr zu dulden als zu fördern. Der Blick aus dem Parlament – hier im Juni 1992 – belegt den Abgeordneten, die

Straßenbahnen fahren regelmäßig und sind gut besetzt. Doch das Streckennetz war schon lange nicht mehr erweitert worden ALLE FOTOS: A. MAUSOLF

Schubkräfte an der Weser

Bremens Straßenbahn seit 1998 im Aufwind Vor 15 Jahren fielen Entscheidungen, die den

ÖPNV in Bremen gleich mehrfach voranbrachten. Stand zuvor der motorisierte Individualverkehr

ganz oben auf der Prioritätenliste, so wurde 1998 die Rolle der Straßenbahn gestärkt

Es gibt Jahre, in denen nichts passiert,

was eine Stadt, eine Region oder ein

Land wirklich voranbringt. Schmerzhaft

ist dies allemal, vor allem jedoch,

wenn es um Stillstand in einem Bereich geht,

der – und das wurde an vielen Orten sehr

spät erkannt – der Daseinsvorsorge dient.

Bremen und der schienengebundene Nahverkehr

kamen über eine lange Zeit nicht

voran.

Zwar gab es Anläufe, die Rolle der Straßenbahn

zu stärken, doch lange stand in der

Hansestadt der motorisierte Individualverkehr

ganz oben auf der Prioritätenliste. Es

Die Endstelle der Linie 5 an der Kulenkampff -

allee (hier im Sommer 1988) war vielen ein

Dorn im Auge: Zwei Kilometer weiter befand

sich seit 1971 die Universität, die erst 1998

über die Linie 6 Netzanschluss erhielt

16 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Bremen

Die neue „4“ mit dem inzwischen verschrotteten Stadtbahnwagen 3544

in Horn: Wo immer möglich, wird die eigene Gleistrasse in Bremen zum

Maß der Dinge: Nur so kann der ÖPNV alle seine Vorteile entfalten

Jahrelang mehr „Zielvorstellung“ als tatsächliches Fahrtziel: Falkenberg

in Niedersachsen. Die Linie 4 endet in Borgfeld, hat dort aber Busanschluss

nach Niedersachsen; Buntentor 2008 mit Tw 3046

Daten & Fakten: BSAG

Bremer Straßenbahn AG – www.bsag.de

Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 mm

Linienlänge 1995: . . . . . 6 Linien; 77,2 km Länge

Linienlänge 2000: . . . . . 8 Linien; 99,2 km Länge

Linienlänge 2011: . . . . 8 Linien; 110,6 km Länge

Linienlänge 2013

(ab Jahresmitte): . . . . . . 8 Linien; 121 km Länge

Fahrzeuge 1995:. . . . . . . . . . . . 87 Hochflurzüge

56 Niederflur-Triebwagen

Fahrzeuge 2000:. . . . . . . . . . . . 52 Hochflurzüge

78 Niederflur-Triebwagen

Fahrzeuge 2013: . . . . 120 Niederflurtriebwagen

(Nach Verabschiedung der letzten

Hochflurwagen im März)

Betriebshöfe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

Zum Schlüsselprojekt für den ÖPNV-Schub wurde die neue Linie 4: Sie machte jene Buslinien überflüssig,

die nach Einstellung der alten Linie 4 einst als neue Angebote bis in die City geführt wurden.

Vor der Eröffnung begegnen sich am 19. April 1998 Bus und Bahn an der Friedhofstraße

dauerte, bis ein Umdenken einsetzte und es

dauerte noch mal, bis dieses Umdenken Taten

hervorbrachte …

Langer Stillstand

Vor 15 Jahren ging Bremen in ein außergewöhnliches

Jahr für den ÖPNV. Es konnte

der Eindruck gewonnen werden, an der Weser

sollte nun aufgeholt werden, was über

Jahrzehnte versäumt worden war. Das Netz

der Tram war 1976 letztmalig gewachsen,

als die Verlängerung von Grolland an den

Rand des Stadtteils Huchting in Betrieb ging.

Neuentstandene Siedlungsbereiche und die

1971 eröffnete Universität sollten zu diesem

Zeitpunkt noch lange auf „ihre“ Trambahnlinie

warten müssen! Ein politisches Votum

für den Ausbau des Netzes fehlte. Der

Paradigmenwechsel wurde erst Mitte der

1980er-Jahre eingeläutet: Die Diskussion um

die neue Rolle des ÖPNV begann – nicht zuletzt

aufgrund steigender Belastungen durch

den motorisierten Individualverkehr (mIV)

– mit der „Umweltkarte“ und führte 1986

zur Einführung der Bremer Karte – dem noch

heute erfolgreichsten Ticket an der Weser

überhaupt. Als 1989 die Notwendigkeit von

Erweiterungen des Tramnetzes sowie von

flankierenden Maßnahmen zur Vorrang-Gewährung

des ÖPNV immer deutlicher wurde

– Verbände, Gewerkschaften und schließlich

auch politische Parteien hatten einen

zielgerichteten Diskussionsprozess in Gang

gebracht – verabschiedete der Senat das

„ÖPNV-Konzept 89“ und ernannte für das

weitere Verfahren einen Sonder-Beauftragten.

Der Grundstein für längst überfällige

Maßnahmen war gelegt. Doch bis die erste

neue Tramstrecke in Betrieb gehen konnte,

sollte es noch einmal fast ein Jahrzehnt dauern:

Der erste Bauabschnitt der Linie 4 nahm

am 23. Mai 1998 den Betrieb auf. Nach 22

Jahren wurde damit zum ersten Mal wieder

eine neue Straßenbahnstrecke in Bremen in

Dienst gestellt! Erst mit der Fertigstellung

des dritten Bauabschnitts bis ins niedersächsische

Lilienthal/Falkenberg im Sommer

2013 wird sie komplett sein.

Geballtes Voranschreiten

und ein Abschied

Der 23. Mai 1998 war nicht nur für die Linie

4 erst der Anfang. Doch der Reihe nach.

Mit Eröffnung des ersten Abschnitts der Linie

4 konnte bereits auf diesem Ast eine längere

Strecke in Betrieb gehen, als dies bei der

ursprünglichen Linie 4 der Fall war. Endete

Bremens älteste und 1972 endgültig eingestellte

Trambahnlinie an der Horner Kirche,

war ihre Nachfolgerin gleich bis zum Horner

Kreisel vor der Autobahn weitergebaut worden.

Als moderne Stadtbahnstrecke mit eigener

Trasse und entsprechender Phasenansteuerung

bei den Lichtsignalanlagen brachte

sie eine neue Qualität des ÖPNV ins Spiel.

Darüber hinaus gestattete sie endlich die

Rücknahme der Buslinien, die als Ersatz für

die alte Linie 4 bis in Bremens Innenstadt fuhren

und in den Hauptverkehrszeiten kaum

noch verlässliche Fahrzeiten zu gewährleisten

vermochten. Am 23. Mai 1998 hatte Bremen

Grund zum Feiern und man blickte zufrieden

auf einen aufmunternden Anfang!

Neue Strecke zum Flughafen

An gleichen Tage rollten Trambahnen über

eine neue Strecke in Bremens Süden: Die idyllische

alte Flughafenstrecke musste neuen

Wegen weichen. Im Rahmen einer großen

Linien-Umstrukturierung fuhr nun die Linie

6 zum Flughafen und zum noch im Entstehen

begriffenen Technologie- und Gewerbegebiet.

Sie sollte 1998 – genau wie die Linie

4 – noch ein zweites Mal von sich reden ma-

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

17


Betriebe

Auch am Flughafen wurde alles anders: An einem der letzten Betriebstage der alten Strecke, die

idyllisch entlang eines Entwässerungsgrabens verlief, fährt Tw 3076 in Richtung Innenstadt

„Wald- und Wiesenbahn“ am Bremer Flughafen mit Triebwagen 3074: Ende Mai 1998 war es

damit vorbei. Hier verläuft heute die Autobahn A 281

chen: Am 10. Oktober des Jahres 1998 endete

nach 27 Jahren endlich das „Universitäts-Provisorium“:

Die Tram erreichte den

Campus und das auch hier noch im Aufbau

befindliche Technologie- und Gewerbegebiet.

Die unzulängliche Anbindung des Universitätsareals

über eine Buslinie, die an der

Kulenkampffallee Anschluss an die Trambahn

bot, hatte ein Ende. Zwei Monate später

war kurz vor Jahresende Bremens Süden

wieder am Zuge: Von Arsten aus ging am

7. Dezember die kurze, jedoch wichtige Verlängerung

der Linie 4 bis Arsten Süd in Betrieb.

Sie erschließt ein wachsendes Siedlungsgebiet.

Umgestaltung am Hauptbahnhof

Nicht vergessen wollen wir einen weiteren

Aspekt, der zur reibungslosen Abwicklung

des ÖPNV in der Hansestadt schlicht unverzichtbar

geworden war. Zwar wurde die

neue Umsteigeanlage am Hauptbahnhof offiziell

erst mit dem letzten Spatenstich im

Mai 1999 eingeweiht, doch am 7. November

1998 waren erstmals alle Gleisstränge

der neuen Anlage befahrbar: Das alte Durcheinander

auf engem Raum und abseits liegende

Bushaltestellen sollten in Kürze der

Vergangenheit angehören. Bremen war ein

gehöriges Stück vorangekommen auf dem

Weg zu einer Stadt mit modernstem ÖPNV-

Angebot.

Doch 1998 brachte auch einen Abschied

der besonderen Art: Ein Fahrzeug, das die

Hansestadt für kurze Zeit in den Mittelpunkt

des Weltinteresses gerückt hatte, ging auf

eine große Reise. Der weltweit erste Niederflurwagen

mit durchgehendem Fahrzeugflur

blieb in Bremen ein Einzelgänger,

für den keine sinnvolle Verwendung mehr

gegeben war. Im schwedischen Norrköping

hatte man Bedarf: Gemeinsam mit „Kollegen“

aus München stützte er dort 13 Jahre

lang den ÖPNV. Am 16. Juni 1998 verließ

der Bremer Tw 3801 die Hansestadt gen

Schweden, am 12. Juli 2011 kehrte er

schließlich an die Weser zurück. Hier wird

er museal oder vielleicht auch „in Funktion“

erhalten werden.

Genauer betrachtet:

Bremens Flughafentram

Genauer anschauen wollen wir uns Vorgeschichte

und Hintergründe eines der bedeutenden

Ereignisses des Jahres 1998: Die Entwicklung

der Flughafenbahn, die seinerzeit

ein wenig im Schatten der „Wiedergeburt“

von Bremens Linie 4 stand, reicht weit zurück.

Am 13. Januar 1934 war die Strecke

zum Flughafen in Betrieb genommen wor-

Der Flughafen heute – wo einst die Idylle war,

führt heute die Autobahn entlang, die neue Haltestelle

„Flughafen“ befindet sich direkt vor

den Terminals (Frühjahr 2005 mit Tw 3107)

18 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Bremen

Die alte Haltestellenanlage am Hbf wies unterschiedliche Bereiche auf. Sie war beschaulich, gar kleinstädtisch – aber auch unpraktisch! Seit 1998

ist die heutige Anlage komplett in Nutzung. Unter Einbeziehung der Buslinien ist sie optimal gestaltet, erfordert aber eine hohe Konzentration …

den. Die alte Linie 5 bediente zunächst diesen

Ast, ab 1952 ging er an die Linie 15. Aus

ihr wurde Mitte 1967 die „neue“ Linie 5,

nachdem deren Vorgängerin – die seit 1952

nicht mehr zum Flughafen verkehrte – Anfang

Mai 1964 aufgegeben worden war.

43 neue Wagen bis Ende 2012

Die große Netzumstrukturierung im Zusammenhang

mit der Eröffnung des ersten

Bauabschnittes der neuen Linie 4 im Mai

1998 und der neuen Flughafenanbindung

änderte noch einmal alles: Nun erhielt die

Linie 6 den Zielpunkt Flughafen, wobei die

alte idyllische Trassenführung ab Flughafendamm

entlang der Neustädter Wasser lose

zugunsten einer direkten Anbindung des

Flughafens – also Vorfahrt vor das Terminal

statt bisher eher wenig attraktiv lediglich in

dessen Nähe – aufgegeben wurde. Die Neubaustrecke

verläuft heute durch rasch entstandene

Technologie- und Gewerbekomplexe

rund um den Flughafen. Da mit der

Inbetriebnahme der Anbindung der Universität

und der dortigen Technologiebetriebe

am anderen Ende der Linie 6 im Oktober

1998 zwei Technologie-Standorte durch eine

Tramlinie verbunden sind, spricht man in

Bremen gerne von der „Technologie-Linie“.

Auf dieser Linie verkehrt heute in der Regel

nur die Baureihe GT8N1 – also die neueste

Generation Bremer Trambahnwagen – die

seit Dezember 2012 mit 43 Fahrzeugen vollständig

im Einsatz steht.

Technologiepark an der Universität: Die Linie 6 – hier Triebwagen 3078 – verbindet als „Technologielinie“

die Universität und den Flughafen miteinander

Eine Ortsbesichtigung

Die alte Tramstrecke verlief – durch einen

Entwässerungsgraben getrennt – parallel zur

Güterstichstrecke der Eisenbahn, die von der

DB-Strecke nach Oldenburg abzweigend den

Großmarkt – inzwischen längst andernorts

angesiedelt – und die BSAG bediente. Kurz

vor der Kurve am Flughafendamm kreuzte

dieses Gleis der „großen Bahn“ die Tramstrecke.

Die Anbindung der Luft- und Raumfahrtindustrie

im Umfeld des Flughafens

erfolgte über ein vorher geradeaus verlaufendes

Gleis der Güterbahn. Dies ermöglichte

die Belieferung mehrerer inzwischen

nicht mehr aktiver Betriebe. Mit dem Umbau

des gesamten Areals ist diese Strecke in

Richtung Flughafen nun nicht mehr vorhanden.

Inzwischen hat eine vieldiskutierte

Straßenbaumaßnahme das gesamte Gebiet

noch dazu grundlegend verändert. Ein weithin

sichtbares Brückenbauwerk führt die

aufgeständerte Autobahn A 281 direkt neben

der Hauptverwaltung der BSAG über

den Flughafendamm. Wer im Umfeld der

neuen Autobahnabfahrt „Flughafen“ nach

Überresten der einstigen Naturidylle sucht,

müht sich vergebens. Es ist nichts übrig geblieben!

Die alte Güterbahn ist nun zwischen

dem Flughafendamm und der Duckwitzstraße

als Tramtrasse für Aus- und Einrückfahrten

sowie Umleitungen eingerichtet worden.

Vielleicht wird auf ihr auch einmal

Linienverkehr betrieben werden.

Perspektiven

15 Jahre nach dem Schubjahr 1998 gibt es

neben Erfolgen und Perspektiven auch Rückschläge.

So wird auf absehbare Zeit die West-

Ostachse über Sebaldsbrück hinaus nicht verlängert,

die wichtigen Erweiterungen in

Bremens Süden kommen durch andauernde

Bürgerproteste erheblich später als geplant.

Zwei bedeutende Maßnahmen allerdings

werden 2013 endlich zu Ende geführt: Die

Linie 1 in Bremens „fernem Osten“ erreicht

Anfang April mit dem Bahnhof Mahndorf

ihren Endpunkt mit Eisenbahn-Verknüpfung

und die Linie 4 etwas später endlich Falkenberg

im niedersächsischen Umland. Das

Schubjahr 1998 hat also einiges in Bewegung

gebracht. Vor allem hat es die Erkenntnis bewirkt,

dass Schub immer wieder nachgelegt

werden muss … ANDREAS MAUSOLF

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

19


Betriebe

Ein M8C hat von der

Endschleife Tackheide

kommend den eingleisigen

Abschnitt verlassen und

passiert die ehemalige

Hauptverwaltung der

Krefelder ThyssenKrupp-

Edelstahlwerke. Der Straßenbahnbetrieb

wird

im Sommer 2013 eingestellt,

die Strecke stillgelegt

ALLE BILDER: F. FREDENBAUM

Die Einstellungsuhr tickt

Krefeld: Tackheider Streckenast vor der Stilllegung Der exakte Termin ist noch offen, die

Entscheidung aber steht fest: Im Laufe des Sommers 2013 wird die Linie 043 im Südwesten der Seidenstadt

gekappt. Der Straßenbahnbetrieb jenseits der Station Oberschlesienstraße wird eingestellt

Ein Flexity Outlook auf dem Weg in

Richtung Tackheide an der Haltestelle

Oberschlesienstraße. Bald wird die

Linie 043 hier ihre Endstation haben

geschlossen sind, dürfte es mit der Umsetzung

aber sehr schnell gehen.

Neuer Endpunkt Oberschlesienstraße

Nach Auskunft von SWK Mobil werden die

Bahnen der Linie 043 auf alle Fälle noch im

Sommer 2013 ihren neuen Endpunkt an der

Station Oberschlesienstraße finden und dort

künftig über einen kurzfristig einzurichten-

Irgendwann im Sommer 2013 wird zum

letzten Mal eine Straßenbahn den Streckenast

nach Tackheide im Krefelder

Südwesten befahren. Fortan wird die

vom Uerdinger Bahnhof kommende Linie

043 an der Haltestelle Oberschlesienstraße

im Stadtteil Stahldorf enden. Die Stilllegung

der 1,1 km langen Strecke von hier weiter

im Verlauf der B57/Gladbacher Straße ist beschlossene

Sache. Allein der Termin

steht noch nicht fest, da eine Entscheidung

über das Bedienungskonzept

des Stadtteils Tackheide per Busbzw.

Kleinbusangebot als Ersatz für

den Straßenbahnverkehr noch nicht

gefallen ist. Wenn die dazu laufenden

Verhandlungen zwischen der Stadt

Krefeld und der Stadtwerke-Tochter

SWK Mobil GmbH als Betreiber des

Bus- und Straßenbahnverkehrs abden

Gleiswechsel stumpf wenden. Die weiterführende

Strecke nach Tackheide wird dadurch

vom Gleisnetz abgetrennt. Pläne, die

Linie 043 bereits am Hauptbahnhof – dort

ist eine Stumpfwendestelle vorhanden – zu

kappen, gibt es laut SWK Mobil derzeit

nicht. Der Stadtteil Stahldorf bleibt also

durch zwei Straßenbahnlinien (042 und 043)

erschlossen. Die Aufrechterhaltung des Straßenbahnverkehrs

nach Tackheide sei

wegen der sehr niedrigen Fahrgastzahlen

und des anstehenden Sanierungsbedarfs

der Infrastruktur nicht

zu rechtfertigen. Zudem könne eine

Buslinie wesentlich bedarfsgerechter

eingesetzt werden und auch in das

Wohngebiet hineinfahren – im Gegensatz

zur Bahn, denn diese fährt

nur am Areal der Stahlwerke entlang

und endet am Siedlungsrand.

Zu wenig Fahrgäste

Eröffnet wurde die Strecke nach

Tackheide im Jahre 1910. Einer ursprünglich

geplanten Verlängerung

20 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Krefeld

Zwischen den Fahrbahnen der B57/Gladbacher Straße erreicht die Straßenbahn eingleisig die

Dreiwegweiche vor der Wendeschleife, die sich inklusive der „Beton-Haltestelle” Tackheide unter

der Straßenbrücke befindet. Das geradeaus führende Stumpfgleis ist nicht mehr befahrbar

Oft sind die Bahnen der Linie

043 zwischen den Stationen

Oberschlesienstraße

und Tackheide sehr leer

Krematorium

Oberschlesienstr.

043

042

042, 043

Richtung Krefeld Hbf

Tackheide

043

Thyssenstr.

Edelstahlwerk

Outokumpu Nirosta

(vormals ThyssenKrupp)

ThyssenKrupp

Nirosta

042

Edelstahlwerk

Tor 3

Tackheide: Blick vom Wendel, der die Haltestelle und den Gehsteig der

Straßenbrücke verbindet. Der Wegweiser ist bald nicht mehr aktuell ...

Gleisplan der Streckenäste jenseits

der Station Oberschlesienstraße

bis Hückelsmay stand die ehemalige Eisenbahnstrecke

Krefeld – Willich – Mönchengladbach

„im Weg“, die nur einen Steinwurf

von der Endstation entfernt verläuft. Sie wird

in diesem Bereich heute noch rege als Anschlussgleis

zu den Edelstahlwerken genutzt,

welche seit Anfang 2013 nicht mehr unter

ThyssenKrupp, sondern unter Outokumpu

Nirosta firmieren.

Die ganz überwiegende Mehrzahl der Straßenbahn

fahrenden Beschäftigten des Unternehmens

erreicht heute ihre Arbeitsplätze

über die dafür wesentlich günstiger

gelegenen Haltestellen der Linie 042 (siehe

Plan). Dieser Streckenabschnitt Oberschlesienstraße

– Edelstahlwerke Tor 3 wurde

1989 eröffnet, wobei hier schon früher einmal

Straßenbahnen fuhren, und zwar jene

der 1962 eingestellten Überlandlinie 8 Richtung

Willich/Schiefbahn.

Die Linie 043 schöpft ihr Fahrgastpotenzial

somit fast ausschließlich aus den

Bewohnern der Tackheider Siedlung, Schülern,

Besuchern der Bezirkssportanlage an

der Gladbacher Straße sowie des Hauptfriedhofs.

Das dortige

Krematorium kam

der Straßenbahn und

der gleichnamigen Haltestelle übrigens zuvor

– es wurde bereits 2012 stillgelegt.

Nur bis 20 Uhr

Die Endstation Tackheide, die bis 2008 noch

TEW-Betriebsverwaltung (TEW = Thyssen-

Krupp-Edelstahlwerke) hieß, wird derzeit

von der Linie 043 werktags im 15-Minuten-

Takt und sonntags alle 30 Minuten erreicht

– aber nur bis 20 Uhr abends. Später wenden

die Bahnen der 043 bereits am Hauptbahnhof.

Zur Fahrt in den Stadtteil Stahldorf

steht dann nur noch die Linie 042 zur

Verfügung.

Mit dem Tackheider Ast verliert die Krefelder

Straßenbahn eine wenig spektakuläre

Strecke, aber eine architektonisch sehr interessante

Endstation: Die zunächst ab der

Oberschlesienstraße schnurgerade im Mittelstreifen

der vierspurigen Gladbacher Straße/B57

über die Station Krematorium verlaufende

Strecke wird rund 200 Meter vor

der Endstation eingleisig. Zwischen

den ansteigenden (Aufschüttungen)

Richtungsfahrbahnen

der B57 erreicht der signalgesicherte

eingleisige Abschnitt ebenerdig die symmetrisch

angelegte gleichschenklige Wendeschleife

mit Dreiwegweiche und innen liegendem

Stumpfgleis. Sie befindet sich

inklusive Haltestelle – und einigen Parkplätzen

– unter der Brückenkonstruktion,

mittels der die B57 hinter der Stationsanlage

das Eisenbahngleis zu den Edelstahlwerken

überquert. Die Schleife wird im Uhrzeigersinn

durchfahren; das Stumpfgleis ist

nicht mehr befahrbar, die Weichenherzstücke

sind entsprechend verschweißt worden.

Unmittelbar neben der Wendeschleife liegt

das Tor 1 des riesigen Areals der Edelstahlwerke.

Der Weg zur Wohnsiedlung Tackheide

ist dagegen wesentlich umständlicher

und länger. Er führt über einen stufenfreien

Wendel hinauf auf den südlichen Gehsteig

der vielbefahrenen Straßenbrücke und jenseits

der Eisenbahngleise über einen weiteren

Wendel wieder hinab. FALK FREDENBAUM

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

21


Betriebe

Über den Main zum

fränkischen Wein

Würzburgs Linie 5 im Porträt Unterwegs auf der längsten Linie Würzburgs von Rottenbauer

im 9,1-Prozent-Gefälle hinunter ins Maintal, durch die Innenstadt und vorbei am Weingut Julius spital

bis Grombühl. Dort steht für die Erschließung des Klinikgeländes eine Streckenerweiterung bevor

Dort, wo sich Würzburg am weitesten

nach Süden erstreckt, liegt Rottenbauer.

Bis es 1974 auf eigenen

Wunsch in die Stadt eingemeindet

wurde, war Rottenbauer abgeschieden und

noch ganz landwirtschaftlich geprägt. Dies ist

bis heute die eine Seite des Stadtteils mit seinem

schönen Landschloss mitten im dörflichen

Kern geblieben; die andere ist massives

Wachstum seit der Eingemeindung und vor

allem seit Anbindung an die Straßenbahn im

September 1997. Nur ein paar Schritte vom

Schlossgarten entfernt beginnt die rund 13 Kilometer

lange Fahrt nach Grombühl. Nach

der Haltestelle Brombergweg, die die Rottenbauerer

Neubaugebiete erschließt, und einer

Passage über Rübenäcker folgt das Gewerbegebiet

Heuchelhof, in dem sich auch ein Betriebshof

der Würzburger Straßenbahn befindet.

Querfeldein geht es nun durch

Kleingärten zum Stadtteil Heuchelhof und seinen

weitläufigen, seit den 1970er-Jahren errichteten

Wohngebieten. Dort befindet sich

linker Hand die Wendeschleife Athener Ring;

ab hier werden die Züge der Linie 5 wochentags

durch die Linie 3 auf einen 7,5-Minuten-

Takt bis zum Hauptbahnhof verdichtet.

Steil bergab ins Maintal

Die zentrale Haltestelle Berner Ring zeigt wie

auch später der Halt an der Reuterstraße in

Form und Farbe das Design der damaligen

Jahre in seiner ganzen „Pracht“. Zwei weitere

Haltestellen erschließen den Heuchelhof,

bis anschließend mit einer Steilrampe

der Höhenunterschied von der mainfränkischen

Gäufläche hinunter ins Maintal überwunden

wird. Nun hatte man 1968 beim

Bau der Erschließungsstraße die Straßenbahn

zwar eingeplant, war aber beim Straßenbau

recht wagemutig, was die Neigungsverhältnisse

betraf: Zweimal wurde im

Zuge des ca.1,5 km langen Hangabstiegs die

9-Prozent-Marke überschritten, so dass die

technische Aufsichtsbehörde für Straßenbahnen

des Regelverkehrs den Antrieb an allen

Achsen und drei unabhängig voneinander

arbeitende Bremssysteme zur Auflage

22 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Würzburg

Der Einzelhandel in der Würzburger Innenstadt boomt auch ohne steriles Einkaufszentrum in Form eines abweisenden

Betonkastens – einer der Gründe ist die perfekte Erschließung mit der Straßenbahn. Wer das Treiben vor den Laden türen

beobachtet, der sieht überdeutlich, wie viele Einkäufer die Straßenbahn nutzen

M. KOCHEMS

Wo bis vor wenigen

Jahren die Schau -

seite der Stadt noch

zur Nutzung als

Parkplatz degradiert

war, findet man heute

von April bis Oktober

den vielleicht

schönsten „Stadtstrand“

Deutschlands.

Er ist von der

Haltestelle Sanderring

mit 300 m Fußweg

zu erreichen

gemacht hatte. Talwärts ist die Höchstgeschwindigkeit

auf der Steilstrecke zudem auf

30 km/h beschränkt.

Quer durch Heidingsfeld

Auf der Talsohle angelangt, durchqueren die

Schienen den Stadtteil Heidingsfeld mit der

Altstadt und den großen Wohngebieten

Lehmgrube und Katzenberg. Auch Heidingsfeld

hatte sich dereinst im Eingemeindungsvertrag

mit Würzburg ausbedungen,

einen Straßenbahnanschluss zu erhalten. Der

wurde 1929 auch geschaffen, aber zunächst

einmal nur bis an die alte Stadtbefestigung

heran; auf die restliche Strecke durch die Altstadt

zum Ostbahnhof mussten die Heidingsfelder

dann noch geschlagene 40 Jahre

warten. An der Haltestelle Reuterstraße

mündet das Gleis vom Ostbahnhof in die

Heuchelhofstrecke ein. Es war nur 33 Jahre

in Betrieb und ist seit Juni 2001 ohne Regelverkehr,

denn damals war die Nachfrage

Die Innenstadt ist mittlerweile in weiten Teilen Fußgängern, Radfahrern und der Tram vorbehalten,

hier am Oberen Markt. Rund 100.000 Menschen pro Tag besuchen die City und genießen

dieses von Autos ungestörte Leben

BILDER, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: T. NAUMANN

zum Heuchelhof so stark angestiegen, dass

sie dringend verdichtet werden musste. Die

Lösung sah so aus, dass die bisher in ihrem

Südabschnitt zum Ostbahnhof fahrende Linie

3 zum Heuchelhof verlegt wurde. Bis zur

Reuterstraße haben wir die Neubaustrecke

von 1989 befahren, nun geht es auf einer ab

1987 zweigleisig ausgebauten und grunderneuerten

Trasse Richtung Innenstadt.

Flott und durch grünes, kaum bebautes

Land geht es an der Nobelwohnlage Steinbachtal

vorbei zur Innenstadt. Über die in

der Gründerzeit erbaute Löwenbrücke queren

wir den Main, und der Blick wird frei

auf Würzburgs Schauseite: das prachtvolle

Panorama von Käppele, Festung Marienberg

und den Weinhängen der Leiste – all das zeigt

sich in Fahrtrichtung linksseitig. Ein kurzes

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

23


Betriebe

Daten & Fakten: Linie 5

Linienlänge 5:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 km

(Linienlänge 3: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7,5 km)

Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.000 mm

Fahrzeugeinsatz: . . . . . . . . . . . . . GT-E, Bj. 1989

GT N Bj. 1995/96

Takt der Linie 5: . . . . . . . . . . . . . Mo–Fr: 15 Min.

Sa: 20 Min. (bis 18 Uhr)

abends, Sonn- und Feiertags: 20/30 Min.

Während der Sommerschulferien verkehrt nur

Linie 5; während des Schuljahres früh

talwärts und mittags bergwärts einzelne

Schnellfahrten (504, 505)

Tarif: . . . . . . . . Verkehrsunternehmens-Verbund

Mainfranken GmbH (VVM),

Gebiet „Großwabe Würzburg“

Einzelfahrschein: . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,35 EUR

Tageskarte: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,60 EUR

Stück geht es am Ringpark entlang, einem

Grüngürtel, der die Innenstadt umschließt

und an dessen Stelle sich einstmals die Befestigungsanlagen

der Altstadt befanden.

Dann beginnt am Sanderring mit den von

rechts aus Sanderau einmündenden Linien 1

und 4 das Nadelöhr der Würzburger Straßenbahn,

die Stammstrecke durch die Innenstadt.

Nicht der engste, aber sicherlich der spektakulärste Gleisbogen im Würzburger Netz ist die

„Rathauskurve“ an der gleichnamigen Haltestelle. Hier befinden sich rundum Sehenswürdigkeiten,

so auch der Rathausturm, Grafeneckart genannt

Noch endet die Linie 5 hier in der Robert-Koch-Straße im Stadtteil Grombühl. In den nächsten

zwei Jahren soll sie um 1,5 km verlängert werden, so dass die Haltestelle, an der heute

Buslinien mit der Tram verknüpft sind, zu einer reinen Durchgangshaltestelle wird

Durch die »gute Stube«,

direkt zur Kneipenmeile

Es wird nun eng in so mancher Straße und

in so manchem Bogen, aber die Straßenbahn

verträgt sich bestens mit Fußgängern und

Radfahrern in den zentralen Geschäftsstraßen

– übrigens 100 Prozent unfallfrei, seit

es dort keinen Autoverkehr mehr gibt. Die

waghalsige „Rathauskurve“, die vor allem

stadtauswärts dem Betrachter den Eindruck

vermittelt, jetzt würden die Wagen gleich

mit den Mauern des Eckhauses kollidieren,

weist aber nicht den mit einen Radius von

18 m engsten Gleisbogen im Netz auf. Den

haben wir stadteinwärts wenige Minuten

vorher an der Auffahrt zur Löwenbrücke

befahren.

Die Haltestellen Rathaus, Dom und Juliusspital

erschließen die Innenstadt perfekt,

ihre Lage inmitten der Fußgängerbereiche ist

neben der Existenz der Straßenbahn als

solcher DIE Trumpfkarte des Würzburger

ÖPNV und wichtigster Grund, warum der

Nahverkehr in hier überdurchschnittlich gut

genutzt wird. Nach der Haltestelle Rathaus

folgt linkerhand ein kurzer Blick zur Alten

Mainbrücke, die sich seit Sperrung für den

Autoverkehr 1990 zu einem wunderbar urbanen

Ort entwickelt hat, wo bis in den späten

Abend hinein und gut versorgt aus der

anliegenden Gastronomie die Würzburger

und ihre Gäste aus aller Welt vor prächtiger

Kulisse dem Frankenwein zusprechen.

24 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Würzburg

Eng geht es im alten Eisenbahnerstadtteil Grombühl zu. Dass

eine Straßenbahnstrecke auf eigenem Gleiskörper durch eine

so enge Straßenflucht erst 1975 neu angelegt wurde, dürfte

in Deutschland einmalig sein. Der Wagen biegt soeben aus

der Matterstockstraße in die Brücknerstraße ein

Die Würzburger Straßenbahn fährt seit der ersten Stunde problemlos

mitten durch die Fußgängerbereiche. Dort befinden

sich die am stärksten frequentierten Haltestellen und die Bahnen

bringen tagtäglich Zehntausende von Einkäufern direkt

bis vor die Türen der Einzelhandelsgeschäfte

Unmittelbar vor dem Dom geht es in einem

Linksbogen zur gleichnamigen Haltestelle,

die auch die beiden Würzburger

Marktplätze erschließt. Hier beleben tagsüber

vor allem Einkäufer und Besucher zahlreicher

Praxen, Büros und Dienstleister das

Straßenbild, während abends Dutzende von

Kneipen für quirliges Leben sorgen: Würz-

UNTEN Nicht weit vom Main-Ufer

fährt ein Triebwagen auf der Mergentheimer

Straße in der Nähe der

Haltestelle Judenbühlweg

AUSSCHNITT AUS

SCHWANDL’S „TRAM ATLAS

DEUTSCHLAND“

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

25


Betriebe

Zwei Abschnitte im Zuge der Heuchelhofstraße erreichen die Maximalneigung von 9,1 Prozent. Einen davon befährt Wagen 207 hier bergauf in

Richtung Heuchelhof. Gleich wird er die Brücke der Bundesautobahn Nürnberg – Frankfurt über den Rottenbauerer Grund unterqueren

Ende 2013 sollen die Arbeiten zur Verlängerung der Strecke in Grombühl durch die weitläufigen

Bereiche der Universitätskliniken beginnen. Dann verläuft die Straßenbahn als Ersatz für

die heute hier noch vorhandene Durchgangsstraße mitten durch das Klinikgelände WVV

Streckenerweiterung Uni-Klinikum

Beim Wiederaufbau Würzburgs orientierte man

sich nach dem Zweiten Weltkrieg traditionsgebunden

am alten Grundriss, womit zugleich einem

autogerechten Stadtumbau der Boden entzogen

war. Heute wird die Straßenbahn zum tragenden

Pfeiler eines nachhaltigen Mobilitätskonzeptes,

das ohne sie kaum denkbar wäre. Nach langer Vorbereitungs-

und Planungszeit sollen die Gleise der

Linie 5 – im laufenden Jahr beginnend – vom Endpunkt

Grombühl durch das Gelände der Universitätskliniken

um ca. 1,5 km weiter bergan verlängert

werden und damit den weitläufigen

Krankenhausbereich umweltfreundlich erschließen.

Seit Langem drängt die Klinik-Geschäftsführung

darauf, im Interesse der Patienten den Autoverkehr

aus ihrem Gelände zu verbannen – die

Straßenbahn wird als ein Instrument zur Schaffung

einer ruhigen, der Genesung der Patienten förderlichen

Atmosphäre gesehen, die gleichwohl die

Erreichbarkeit der Kliniken vollständig gewährleistet.

Insgesamt drei Haltestellen werden dies

garantieren. Dem Weitblick der Universität, der

sich in diesem Vorgehen ausdrückt, darf man an

dieser Stelle Respekt und Dankbarkeit zollen. Auch

hier wird es wieder mit gut neun Prozent Steigung

bergauf gehen. Wer dann an der neuen Endhaltestelle

aussteigt, dem wird sich ein wunderbares

Panorama von den Rebhängen des Steinbergs auf

das ihm zu Füssen liegende Maintal und die Stadt

Würzburg bieten.

THN

burg beherbergt rund 25.000 Studenten

mehrerer Hochschulen – die Innenstadt, ihre

Kneipen und Wohnungen sind fest in Studentenhand.

Im Sommer zeigt das Stadtleben

mediterrane Züge, und überall, wo die

Fußgänger das Sagen haben, sind einst zu

Parkplätzen degradierte Stadträume von

Freiluftgastronomie genutzt.

Wo früher pünktlich um 18 Uhr die Gehsteige

hochgeklappt wurden, fängt das urbane

Leben jetzt erst richtig an, und das ist

nicht nur menschenfreundlicher, sondern

auch wirtschaftlich erfolgreicher: Als z. B.

die Domstraße 1989 zur Fußgängerzone

wurde, stiegen die Umsätze des Einzel -

handels um gut 30 Prozent und die Außengastronomie

als Wirtschaftsfaktor entstand

völlig neu. Nun fahren wir durch die Schönbornstraße

auf die imposante Front des

Juliusspitals zu, Weingut und Krankenhaus

in einem: noch heute werden die Mittel, die

zum Betrieb des Krankenhauses benötigt

werden, zu einem guten Teil aus dem Verkauf

der Weine finanziert, die das im Rahmen

einer Stiftung geführte Spital erzeugt.

Tramknoten am Juliusspital

Vor dem altehrwürdigen Spital befindet sich

die Zentralhaltestelle des Würzburger Straßenbahnverkehrs,

die man mit einem lachenden

und einem weinenden Auge betrachten

muss: baulich ist diese erheblich

attraktiver als ihre Vorgängerin am Dominikanerplatz,

andererseits fährt die vordem

in den Zentralhalt eingebundene Linie 4 Zellerau

– Sanderau heute nur 20 m entfernt

ohne Halt am Knoten vorbei. Am anderen

Ende der Zentralhaltestelle wird wahrscheinlich

in wenigen Jahren die Linie 6 zur

26 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Würzburg

Die in den 1950er-Jahren mit dem Neubau des Hbf entstandenen Haltestellen auf dem Bahnhofsvorplatz sind längst überaltert und überlastet.

Sie soll nun bald durch eine zeitgemäße Anlage ersetzt werden. Der Blick vom Dach des Posthochhauses zeigt u.a. einen Wagen der Linie 5 gerade

in Richtung Grombühl fahren; im Vordergrund stehen Wagen der Linien 1 und 5 in Richtung Sanderau und Rottenbauer

Die Linie 3 ist eine verkürzte Verstärkung der

Linie 5; am Heuchelhof wendet sie in der Schleife

Athener Ring, wo dieser Wagen zur Rückfahrt

in Richtung Hauptbahnhof bereitsteht

Universität abzweigen, für die im Moment

das Planfeststellungsverfahren durchgeführt

wird. Dann werden die Schienen der Straßenbahn

auf wenigen hundert Metern alle

drei großen Weingüter der Stadt direkt verbinden.

Durch die Kaiserstraße

zum Hauptbahnhof

Während die Linie 4 in Richtung Zellerau

abgebogen ist, gesellt sich die Linie 2 neu hinzu,

vier der fünf Würzburger Straßenbahnlinien

legen gemeinsam den Weg durch die

Kaiserstraße zum Hauptbahnhof zurück;

2013 und 2014 wird diese wichtige Geschäftsstraße

endlich ihrem Rang als Fußgängerbereich

entsprechend gestaltet. An

dieser Stelle noch zwei betriebliche Anmerkungen:

die Gleise der Linie 5 führen fast

vollständig auf eigenem Gleiskörper oder

durch Fußgängerbereiche und der Betrieb

verläuft durch Vorrangschaltung an fast allen

Lichtsignalanlagen weitgehend ungestört

vom Individualverkehr. Die einzige Kreuzung

ohne jede Priorisierung der Straßenbahn

ist die nun befahrene Querung des

Röntgenrings zum Bahnhofsvorplatz mit

seiner seit 17 Jahren provisorischen Haltestelle.

Nach der folgenden Haltestelle Berliner

Platz überquert die Linie 5 auf der Grombühlbrücke

das Gleisvorfeld des Hauptbahnhofs

und erreicht den gleichnamigen

Stadtteil, der im Gefolge des Eisenbahnbaus

in der Gründerzeit vor allem als Wohnviertel

für die Bahnbediensteten entstand. Später

wurden auf den angrenzenden Feldern

Zug um Zug die Gebäude einer neuen Universitätsklinik

errichtet, und dies führte 1926

zum Bau einer Straßenbahnverbindung dort-

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

27


Betriebe

Seit 1975 kann die Straßenbahn den Stadtteil Grombühl über die neu gebaute Grombühlbrücke auf eigenem Gleiskörper erreichen. Vor der

klassischen Kulisse der Weinhänge des Würzburger Steins fährt ein Wagen der Linie 5 in Richtung Innenstadt

An der Reuterstraße in Heidingsfeld war 1989

diese Haltestellenanlage entstanden. Schutz

vor Wind und Wetter bieten die gewöhnungsbedürftigen

Kästen nicht, aber ihr Erscheinungsbild

harmonierte mit den von LHB gelieferten

Straßenbahnen …

Gaststättentipps für Tramfreunde

Speis und Trank gibt es entlang der Straßenbahngleise

in Hülle und Fülle und für jeden Geschmack

– hier eine Auswahl:

Direkt an der gleichnamigen Haltestelle befindet

sich im Bau des Juliusspitals das vorzüg liche

Restaurant des Hauses, in dem die Weine des Guts

ausgeschenkt werden; gleich um die Ecke befindet

sich in der Gerberstraße ein Verkaufsladen

des Weinguts mit Probierstube. Zwischen den

Haltestellen Juliusspital und Dom mündet die

Maulhardgasse in die Schönbornstraße ein, und

dort findet man nur 20 m von den Gleisen entfernt

die Weinstube Maulaffenbäck. Dort wird – zumindest

nachmittags – noch immer die uralte Tradition

der „Bäck“ genannten, volkstümlichen

Weinschenken gepflegt, wonach die Brotzeit mitgebracht

und zum Wein des Hauses verzehrt werden

darf.

Der Maulaffenbäck bietet einen weitgehend

unverfälschten Blick auf diese traditionelle Form

fränkischer Gastlichkeit wie sie ansonsten weitgehend

der Vergangenheit angehört.

Von der Haltestelle Rathaus sind es nur wenige

Schritte auf die Alte Mainbrücke, wo die

„Mainmühle“ vor heraus ragender Kulisse mit

ordentlicher fränkischer Küche aufwartet und der

bereits im Text erwähnte „Brückenschoppen“ unbedingt

Teil des Besuches sein sollte!

Gleich an der Haltestelle Sanderring befindet

sich der „Sandertorbäck“, für den Autor vielleicht

der beste Ort für ausgezeichnete regionale Küche.

Und schließlich noch ein Tipp für alle, die Würzburg

mehr als nur einen Tagesausflug widmen wollen:

An der Haltestelle Zollhaus-Steinbachtal befindet

sich mit dem „Postkutscherl“ ein kleines, aber

feines Hotel mit wunderbarem Gasthof und Biergarten

am Waldrand – dank Straßenbahn (Fahrplan

hängt in der Gaststube aus!) mittendrin und

draußen zugleich in einer der schönsten Ecken der

Bischofsstadt am Main.

THN

hin – übrigens aufgrund der klammen öffentlichen

Kassen erst durch eine großherzige

Spende des Würzburger Augenarztes

Dr. Josef Schneider ermöglicht, der schon

Ende des 19. Jahrhunderts in die USA ausgewandert

war und mit dieser Unterstützung

seiner alten Alma Mater unter die Arme greifen

wollte. Grombühl ist ein in den Hang des

Steinbergs gebauter Stadtteil, die im Schachbrettmuster

gehaltenen Straßen sind so eng,

dass die Straßenbahn nur eingleisig angelegt

werden konnte.

Sonderlösung für enge Straßen

Erst Mitte der 1970er-Jahre gelang es, die

gesamte Strecke einschließlich der Grombühlbrücke

grundlegend zu erneuern und dabei

mit einem Trick zweigleisig auszubauen:

Das stadtauswärts führende Gleis folgt der

1926 angelegten Trasse, stadteinwärts wurde

durch die nächste Parallelstraße ebenfalls

ein Gleis gelegt, so dass sich eine langgezogene,

durch den gesamten Stadtteil führende

Schleifenfahrt ergab. Erst kurz vor der

Grombühlbrücke kommen die beiden Richtungsgleise

wieder zusammen. Nirgendwo

im Würzburger Schienennetz geht es enger

zu als in der Grombühler Brücknerstraße,

wo wir am Ende unserer Fahrt angelangt

sind. Damit haben wir nun Würzburg nicht

nur einmal von Süden nach Norden durchquert,

sondern die Geschichte der Linie 5

auch schon ein wenig beleuchtet.

THOMAS NAUMANN

28 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Nächster Halt: …

Der 1996 in Bautzen modernisierte KT4D mod. Nr. 6063 nimmt am ersten Weihnachtsfeiertag 2010 gegen 15.15 Uhr an der Waldschänke in

Rahnsdorf seine kurze Pausenzeit. Im Rücken des Fotografen befindet sich die Gaststätte Waldschänke

B. KUSSMAGK

Nächster Halt:

Waldschänke

Das 1375 erstmals urkundlich erwähnte

Rahnsdorf gehört seit 1920 zum Berliner Stadtgebiet.

Hier geht es heute noch idyllisch zu,

denn außer der breiten Hauptstraße Fürstenwalder

Allee quer durch den Ortsteil gibt es nur

kleine Nebenstraßen. Unzählige Einfamilienhäuser,

der Kleine und der Große Müggelsee

und die Müggelspree mit ihren Nebenarmen,

das Ganze eingebettet in viel Grün – das ist

Rahnsdorf. Die Zahl der Einwohner blieb bis

heute mit knapp 9.000 recht überschaubar und

die Gegend hat eine gehobene Sozialstruktur.

Am westlichen Ende von Rahnsdorf liegt eine

kleine Gaststätte: die Waldschänke. Sie ist unspektakulär,

aber gegenüber befindet sich die

östlichste Endstelle der Berliner Straßenbahn,

eröffnet am 17. Juli 1929, ursprünglich hieß

diese Rahnsdorf, Mühle.

Einst kam die Linie 187 aus der Berliner Innenstadt

und fuhr bis hierher hinaus, später

war es die 87. Im Zuge der Spaltung des Straßenbahnnetzes

in einen West- und in einen

Ostteil und durch Streckenstilllegungen wurde

der stadtseitige Endpunkt weiter aus dem

Stadtzentrum in Richtung Schöneweide zurückgezogen.

Seit dem 14. Juli 1973 fuhr statt

der 87 die 25 ab Schöneweide. Aus ihr wurde

durch die Linienreform am 23. Mai 1993 die

61, sie fährt noch heute zur Waldschänke,

wenngleich sie seit einigen Jahren aus Adlershof

kommt.

Die 61 lädt ganztägig im 20-Minuten-Takt

zur entspannenden Mitfahrt ein, denn ab Friedrichshagen

fährt sie auf den letzten vier Kilometern

vor der Waldschänke nur noch durch

Wald. Wenige Haltestellen bremsen die rasche

Fahrt, meist sind die hier fahrenden Tatras leer.

Das geht aber auch ganz anders, denn an schönen

Wochenenden und vor allem in der Badesaison

sind die Züge „knüppeldickevoll“, wie

der Berliner sagt. Dann gibt es Doppeltraktionen

und auch schon mal Taktverdichtungen.

Die meisten Fahrgäste wollen bis zur vorletzten

Haltestelle Strandbad Müggelsee. Bis zur Waldschänke

fahren außer einigen Ausflüglern, eher

wenige. Deshalb gab es schon mehrfach Stilllegungsgerüchte,

aktuell denkt die BVG wieder

einmal laut darüber nach – siehe Journal.

Für Straßenbahnfans ist übrigens ab der

Waldschänke ein wunderschöner Spaziergang

quer durch den Berliner Stadtforst am Fredersdorfer

Mühlenfließ entlang angesagt, denn es

sind nur 1,1 Kilometer bis zur Woltersdorfer

Straßenbahn ... BERNHARD KUSSMAGK

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

29


Betriebe

Gegen den Bus gewonnen!

Schweiz: Die Frauenfeld-Wil-Bahn (FWB) Im vergangenen Jahr feierte die Strecke ihr 125. Jubiläum.

Der fast auf seiner ganzen Streckenlänge unmittelbar neben der Straße herführende elektrische

Betrieb befördert mehr als eine Million Fahrgäste im Jahr. 2013 werden neue Wagen erwartet

Am Endbahnhof Wil ist im September 2012 dieser Blick in einen Triebwagen der FW-Bahn möglich

Ursprünglich war geplant gewesen,

eine normalspurige, „richtige“ Eisenbahn

zu errichten. Bald erkannte

man aber, dass der Bau einer solchen

die finanziellen Möglichkeiten deutlich

übersteigen würde. Und so näherte man sich

immer mehr dem Projekt einer „Straßen-

eisenbahn“ an.

Die 17 km lange Strecke, in Meterspur

ausgeführt, wurde in nur viereinhalb Monaten

fertig gestellt. Seit dem 1. September

1887 verbindet die Frauenfeld-Wil-Bahn

(FW) die namensgebenden Städte in den

Kantonen Thurgau bzw. St. Gallen. Zur Anfangsausstattung

gehörten drei Dampflokomotiven,

acht Personenwagen, zwei Post-/

Gepäckwagen sowie vier gedeckte und acht

offene Güterwagen; gefahren wurden fünf

Zugpaare. Die Bahn beförderte neben Personen

auch Post, Tiere sowie alle möglichen

Güter. Ab 1907 wurden der Personen- und

Güterverkehr getrennt und reine Güterzüge

gefahren.

Wie alle Schweizer Bahnen, so litt auch die

FW in der Zeit des Ersten Weltkriegs und da-

30 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Schweiz: Frauenfeld – Wil

In den Jahren vor 1920 steht die Dampflokomotive Nr. 2 der FW-Bahn vor dem alten Depot im

Endbahnhof Wil

STADTARCHIV FRAUENFELD, FOTOARCHIV BÄR

Die Triebwagen der Frauenfeld-Wil-Bahn

fallen mit ihrer Zebra-Lackierung auf – ein

vom Unternehmen so gewollter Effekt

AUFNAHMEN, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN, J. SCHRAMM

Daten & Fakten: FW

Spurweite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.000 mm

eröffnet: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.09.1887

Länge:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 km

Stromsystem: . . . . . . . . . . . 1.200 V Gleichstrom

Anzahl Stationen: . . . 13 (+ 2 Betriebsbahnhöfe)

maximale Steigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46 ‰

Fahrgäste pro Jahr:. . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Mio.

Fahrplanfeld: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 841

Tw 201 stammt aus der Zeit der elektrischen Erstausstattung. Ab 1921 war er im Einsatz, im Mai

1985 fotografierte ihn Hanspeter Teutschmann noch in Wil

nach unter Kohlenmangel bzw. unter den

stark gestiegenen Preisen für diesen Lokomotivbrennstoff.

So wurde 1919 die Elektrifizierung

der Strecke beschlossen. Seit dem

20. November 1921 fährt die FW elektrisch

mit einer Fahrspannung von 1.200 Volt.

Mehrmals während ihrer Geschichte stand

die Frauenfeld-Wil-Bahn in der Diskussion:

Ist vielleicht ein Busbetrieb eine bessere Lösung?

Und jedes Mal wurde die Frage zu

Gunsten der Eisenbahn entschieden, zuletzt

erst 2006.

In der Zwischenzeit arbeitete man konsequent

an einer Modernisierung des Betriebs.

Nach und nach wurde der Fahrplan erweitert

und weitere Kreuzungsstationen in Betrieb

genommen. Die Strecke wurde signalisiert,

die Signale mit einer automatischen

Zugsicherung versehen und ein Streckenblock

installiert, so dass die Sicherungsanlagen

heute auf einem hohen Niveau sind. In

Wil wurde eine moderne Fahrzeughalle in

Betrieb genommen und 1984/85 gingen fünf

neue Triebwagen mit Steuerwagen in den

Dienst, denen 1992 zwei weitere Triebwagen

folgten.

Dichter Takt geplant

Fünf neue Niederflur-Triebwagen sollen ab

2013 die ersten älteren Triebwagen ablösen;

in diesem Zusammenhang wurden und werden

die Haltestellen modernisiert, so dass ein

ebenerdiger Einstieg in die neuen Wagen

möglich wird.

Gefahren wird derzeit ein Halbstundentakt

mit einer ersten Abfahrt von Wil 4.25

Uhr und einer letzten Fahrt von Frauenfeld

ab 23.49 Uhr. In den Nächten von Freitag

auf Samstag bzw. Samstag auf Sonntag geht

der Betrieb noch drei Stunden länger. Hierbei

ist die Strecke in den Tarifverbund OST-

WIND eingebunden.

In der Fahrplanperiode 2013/2014 soll zunächst

zwischen Wil und Wängi ein 15-Minuten-Takt

während der Hauptverkehrszeiten

eingeführt werden. Eine Erweiterung

dieser Verdichtung auf die ganze Strecke ist

angedacht, aber abhängig von einer Bestellung

durch die Kantone. Hierzu wären allerdings

Streckenausbauten erforderlich, um

die notwendigen zusätzlichen Kreuzungsmöglichkeiten

zu schaffen.

Der Güterverkehr endete 1999. Die Rollbockgrube

wurde im Jahr 2011 abgebro-

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

31


Betriebe

So werden die neuen Züge von Stadler aussehen, die 2013 in Betrieb gehen sollen

STADLER

Technische Daten

der neuen Triebwagen

Bezeichnung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ABe 4/8

Speisespannung. . . . . . . . . . . . . . . . . 1.200 VDC

Achsanordnung . . . . . . . . . . . . . . . . . Bo’2’2’Bo’

Sitzplätze 2. Kl.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110

Sitzplätze 1. Kl.. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12

Klappsitze. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11

Stehplätze (4 Pers./m²) . . . . . . . . . . . . . . . . . 133

Fußbodenhöhe

(Niederflur am Einstieg) . . . . . . . . . . . . 385 mm

Hochflur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 950/1.010 mm

Einstiegbreite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.350 mm

Längsdruckkraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 800 kN

Länge über Kupplung . . . . . . . . . . . . 4.5500 mm

Fahrzeugbreite . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2.650 mm

Fahrzeughöhe. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4.020 mm

Dienstmasse, tara. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 t

Motordrehgestell Achsstand . . . . . . . 1.900 mm

Laufdrehgestell Achsstand . . . . . . . . . 1.700 mm

Treibraddurchmesser . . . . . . . . . . . . . . . 750 mm

Laufraddurchmesser . . . . . . . . . . . . . . . 750 mm

Dauerleistung am Rad . . . . . . . . . . . . . . 800 kW

Max Leistung am Rad . . . . . . . . . . . . . 1.400 kW

Anfahrzugskraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140 kN

Minimaler Bogenradius . . 40 m (auf der Strecke)

Anfahrbeschleunigung . . . . . . . . . . . . . 1.2 m/s²

Höchstgeschwindigkeit . . . . . . . . . . . . 100 km/h

Bremsverzögerung. . . . . . . . . . . . . . . . . 1.5 m/s²

QUELLE: STADLER

Den Straßenbahn-Charakter der Frauenfeld-Wil-Bahn zeigt diese im September 2012 entstandene

Aufnahme vom Bahnhofsplatz in Frauenfeld

17 Kilometer, 13 Stationen

– der Streckenverlauf

von Frauenfeld nach Wil

chen, die meisten Rollböcke daraufhin verschrottet.

Einige wenige Güterwagen stehen

für Dienstzwecke noch zur Verfügung. Auf

mehreren Grundstücken entlang der Strecke

sind noch Reste der Anschlussgleise zu erkennen.

Die Fahrzeuge

Der Fahrzeugpark besteht zu Beginn des Jahres

2013 aus sieben baugleichen Triebwagen,

die in zwei Losen geliefert wurden. Die

Be 4/4 11 bis 15 wurden mit den Steuerwagen

111 bis 115 in den Jahren 1984/85

geliefert. Sieben Jahre später folgten ihnen

die baugleichen Wagen 16 und 17, übrigens

die ersten Fahrzeuge aus den Hallen der heutigen

Firma Stadler.

Ab 2013 sollen fünf neue Niederflurtriebwagen

auf die Gleise der FW kommen.

Diese Triebwagen der Bauart ABe 4/8 werden

wiederum von Stadler gebaut und

sind weit gehend baugleich mit den

DIAMANT-Triebwagen der

Bremgarten-Dietikon-

Wohlen-Meisterschwanden-Bahn

(BDWM). Erstmalig wird

mit ihnen ein Abteil 1. Klasse angeboten, das

zwölf Sitzplätze enthält.

Nach Inbetriebnahme der neuen Triebwagen

sollen die Wagen 11 bis 15 und einige

der Steuerwagen zum Verkauf angeboten

werden. Im Hinblick auf den angestrebten

15-Minuten-Takt werden die Wagen 16 und

17 sowie zwei Steuerwagen bis auf Weiteres

im Bestand bleiben.

Die Zebra-artige Lackierung, die vor allem

der Sicherheit gegenüber dem benachbarten

Straßenverkehr dient, soll auch bei

den neuen Triebwagen in ähnlicher Form

beibehalten werden.

Historisches Rollmaterial der FW ist vor

Ort nicht mehr vorhanden. Allerdings besitzt

der Verein „Freunde Schweizer Schmalspurbahnen“

den Triebwagen BCe 2/4 1 (Baujahr

1921), den Personenwagen BC 16 (1887), den

offenen Güterwagen L 105 (1887) und den

geschlossenen Güterwagen K 164 (1891).

Eine der ersten Lokomotiven der Bahn steht

beim Stadtweiher in Wil als Denkmal.

Die Strecke

Die Kilometrierung der Strecke beginnt im

Bahnhof Wil bei km 0,0. Zwei Stumpfgleise

liegen hier, wobei planmäßig nur eines befahren

wird. Nach der Ausfahrt folgt die

Strecke ein kurzes Stück den SBB-Gleisen,

32 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Schweiz: Frauenfeld – Wil

Der Tw 13 erreicht am 5. September 2012 das Empfangsgebäude der etwa in Streckenmitte liegenden Station Wängi

Der Führerstand der „alten“ Triebwagen sieht gar nicht so altmodisch

aus. Dennoch werden sie bald von neuen Stadler-Wagen abgelöst

Ein Zug der FW mit Steuerwagen 112 an der Spitze bahnt sich seinen

Weg durch den Straßenverkehr in Frauenfeld

wendet sich dann aber nach Nordwesten und

folgt für ein Stück der Autobahn 1. Hier

dient ein längerer zweigleisiger Abschnitt mit

dem Betriebsbahnhof „Schweizerhof“ planmäßigen

Zugkreuzungen; ansonsten ist die

Strecke, von den Ausweichen abgesehen, in

ganzer Länge eingleisig. Ab hier schließen

sich die Gleise der Hauptstraße 7 (hier: Wilerstrasse)

an, der sie auf deren westlicher

Seite nach Münchwilen hinein folgen. Die

Trasse folgt zwischen Münchwilen und

Wängi der Hauptstraße 7. Unmittelbar neben

der Straße werden die Ortschaften

durchfahren, wobei alle neuralgischen Berührungspunkte

mit dem Straßenverkehr

durch Ampeln geregelt sind.

In Wängi wechseln die Gleise auf die östliche

Straßenseite und bleiben dort, der Frauenfelderstrasse

und später der St. Galler

Strasse folgend, bis zur Station Frauenfeld

Marktplatz. Ab hier wird die FW zur Straßenbahn

und fährt für das restliche Stück bis

zum Bahnhof Frauenfeld in der Straßenmitte.

Am Bahnhof endet die Strecke in zwei

Stumpfgleisen ohne Umsetzmöglichkeit mitten

auf dem Bahnhofsvorplatz.

Neben den bereits erwähnten Ortsdurchfahrten

bietet die Strecke auch Abschnitte

„reiner Natur“, und an der einen oder anderen

Stelle hat man das Gefühl, die Züge

fahren den Anwohnern direkt durch den

Vorgarten. Die Stationen Münchwilen und

Wängi besitzen wunderbare alte Stationsgebäude;

in Matzingen wurde ein modernes,

aber irgendwie „passendes“ Dienstgebäude

neu gebaut.

In 24 Minuten von Endbahnhof zu Endbahnhof,

betrieben von 23 Mitarbeitern – so

ist die Frauenfeld-Wil-Bahn ein gleichermaßen

sympathisches und gemütliches wie modernes

Verkehrsmittel, das sich für die Aufgaben

der Zukunft rüstet. JÖRN SCHRAMM

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

33


Titel

Der Vamos für Bielefeld gilt

wegen seiner ungewöhnlichen

taillierten Form derzeit

als Symbol für innovative

Stadtbahn wagen. Auf

der Linie 2 fahren die brandneuen

Hochflurwagen solo,

hier der Tw 5014 am

21. Oktober 2012 am Niederwall

in Richtung Sieker

M. KOCHEMS

34 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Neue Fahrzeuge

Neue Bahnen

braucht das Land!

Generationswechsel in Deutschland Von vielen deutschen

Betrieben werden derzeit neue Straßen- oder Stadtbahnwagen

beschafft. Namen wie Avenio, Vamos oder Tramino stehen im

Raum, wenn es z. B. um die Ablösung von Tatras oder M- und

N-Wagen geht. Doch welcher Betrieb hat welchen Typ bestellt?

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

35


Titel

Die BVG beziehen aus Bautzen „Flexity Berlin“. Alle Wagen, so auch die Einrichtungs züge vom

Typ GT8-11ER, tragen dabei die seit den 1990er-Jahren typische Lackierung

BOMBARDIER

In der Nacht auf den 27. Februar 2013 traf in Strausberg der erste Niederflurwagen aus Bautzen

ein. Er entspricht von seiner Ausführung und Lackierung den BVG-Wagen WWW.STRAUSBERG-LIVE.DE

Seit 1989 bestellten deutsche Straßenbahnbetriebe

über 3.100 Mittel- und

Niederflurwagen, hinzu kamen rund

600 Hochflurstadtbahnwagen. Damit

hat sich das Erscheinungsbild der Betriebe

in Deutschland grundlegend gewandelt:

Binnen 23 Jahren wurden etwa drei

Viertel des Wagenparks erneuert und zu einem

großen Teil auf Niederflurfahrzeuge

umgestellt. Noch größer jedoch ist der Wandel

in der Straßen- und Stadtbahnfahrzeuge

fertigenden Industrie. Wo 1989 Düwag oder

Tatra das Maß aller Dinge waren, dringen

heute mehr und mehr neue Namen wie Vossloh

oder Stadler vor. Parallel lassen verschiedene

Betriebe aktuell vermehrt ältere

Wagen runderneuern. Doch in diesem Jahr

und 2014 werden auch wieder zahlreiche

Neufahrzeuge erwartet. Darunter befinden

sich erstmals seit Langem wieder Importwagen

– aus Polen und Spanien.

Ablösung für Tatras und M/N-Wagen

Für den Straßenbahnfreund hat das einerseits

den Reiz einer neuen, bunten Vielfalt,

andererseits galt und gilt es, von altbekannten

und geliebten Wagen Abschied zu nehmen.

Standard-Düwags schienen vor wenigen

Jahren noch unersetzlich, doch zuletzt

schieden sie in Düsseldorf, Krefeld und

Mannheim/Ludwigshafen aus dem Betrieb.

Den Typ Mannheim gibt es noch bis 2015

in Braunschweig und auch die Typen M und

N werden in den nächsten Jahren langsam

von den deutschen Stadt- und Straßenbahngleisen

verschwinden.

In den Ländern der früheren DDR geht die

Tatra-Ära ebenfalls zu Ende, lediglich die aus

dem KT4D weiterentwickelten teilniederflurigen

Wagen dürften auch über das Jahr

2020 noch im Einsatz stehen. Und: Allmählich

kommen auch die Niederflurfahrzeuge

der ersten Generation in die Jahre und die

Betriebe stehen vor der Frage: erneuern oder

ersetzen? Wir gehen der Frage nach, was

wird in den nächsten Jahren neu auf

Deutschlands Straßen- und Stadtbahngleise

kommen? Begeben wir uns dazu auf eine

kleine Rundreise durch die Republik.

Generationenwechsel in Berlin

In Berlin geht die Auslieferung des Flexity

Berlin planmäßig voran. Kamen zunächst

bis September 2012 die ersten 24 der langen

Einrichtungszüge GT8-11ER, bezieht

die BVG 2013 auch den kurzen Zweirichtungsfünfteiler

GT6-11ZR. Bis Ende 2012

waren die Wagen bis Tw 4013 ausgeliefert,

bis Februar 2013 folgten die Tw 4014 bis

4016, aus der insgesamt 53 Wagen umfassenden

kurzen Serie. Bis 2017 werden insgesamt

38 siebenteilige Einrichtungswagen

(per Februar 2013 vorhanden: Tw 8001 bis

8025), 53 fünfteilige Zweirichtungswagen

36 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Neue Fahrzeuge

Die Hallesche Verkehrs-AG

(HAVAG)

setzt auf Flexity

Classic von Bombardier.

In diesem Jahr

werden zwölf weitere

MGT-K erwartet.

Am 28. Februar traf

der erste davon ein.

Die kurzen Eineinhalbrichtungswagen

werden dann die

letzten Tatras im

Plandienst ersetzen

S. VOCKRODT

und die 47 siebenteiligen Zweirichtungswagen

(bisher nur Tw 9001 vorhanden) an

die Spree kommen. Zwei weitere fünfteilige

Zweirichtungswagen werden ab diesem

Frühjahr in Strausberg die Tatrawagen im

Plandienst ablösen. Der erste Niederflurwagen

aus Bautzen traf am Abend des 26.

Februar in Strausberg ein. Äußerlich unterscheiden

sich die Neuzugänge von den Berliner

Wagen nicht.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) modernisieren

parallel ihre Niederflurwagen der

ersten Generation. Dabei erhalten die Einrichtungs-GT6-N

eine neue elektrische Ausrüstung

vom tschechischen Hersteller Cegelec.

Die umgebauten Wagen tragen um 500

erhöhte Betriebsnummer, derzeit sind im Einsatz

die Tw 1506 (ex 1006), 1512 (ex 1012),

1515 (ex 1015), 1516 (ex 1016), 1520 (ex

1020), 1522 (ex 1022) und 1527 (ex 1027).

Auf eine neue Inneneinrichtung, wie sie die

Tw 1522 und 1527 im Jahr 2010 erhielten,

wird bei den weiteren Umbauten aus Kostengründen

verzichtet.

Seit 1989 von deutschen Betrieben bestellte Niederflurwagen (inkl. Umbauten)

Betrieb Anzahl Bemerkung Betrieb Anzahl Bemerkung

Augsburg 79 GT6-M, Combino, Flexity Outlook

Berlin 292 GT6-N, GT6-NZ, Flexity Berlin

Bochum-Gelsenk. 87 MGT6D, Variobahn

Bonn 24 NGT6D

Brandenburg 14 MGT6D, KT-NF6 (Umbauten)

Braunschweig 43 GT6-BS, NGT8D-BS, GT6-NF, Tramino BS

Bremen 122 GT6N, GT8N, GT8N-1 (Flexity Classic)

Chemnitz 30 Variobahn, teilweise als Tramtrain

Cottbus 26 KT-NF6 (Umbauten)

Darmstadt 38 MGT8D, plus 30 B4Nf

Dessau 10 Classic NGT6

Dortmund 47 Classic NGT8

Dresden 166 NGTD6-DD, NGTD8-DD Classic, NGT12, NGT8

Düsseldorf 175 NF6, Combino-NF10, -NF8, NF8U

Duisburg 45 GT10-NC (Umbauten)

Erfurt 76 MGT6D, Combino Basic, Advanced, Classic

Essen 61 NF-2000, Classic MGT8

Frankfurt (Main) 115 GT6-R, Classic NGT8

Frankfurt (Oder) 8 GT6-M

Freiburg 55 GT8-NF, GT8Z, Combino Basic, Advanced

Gera 18 KT-NF8, MGT8-D

Halberstadt 5 Leoliner

Halle (Saale) 104 MGT6-D, Classic MGT-K, (MGT-K2)

Jena 38 GT6-M, Tramino Jena (2013)

Karlsruhe 211 GT6-70, GT8-70, GT8-100D/2S-M,

Vossloh Citylink, Bombardier Flexity Swift

Kassel 107 NGT6-C, Classic NGT8, NGT8-2, Regio Citadis,

davon 10 hybrid

Köln 193 Flexity Swift K4000 und K4500

Krefeld 31 Flexity Outlook

Leipzig 141 NGT8, Classic NGT12, Leoliner GT6N,

46 Beiwagen NB4, B4D-U

Magdeburg 83 NGT8-D

Mainz 25 GT6M, Variobahn

München 115 GT6N, GT8N, Variobahn, Avenio

Mülheim (Ruhr) 16 M8D-NF, MGT6D, Classic MGT8

Nordhausen 12 Combino (Bambino), davon drei Hybrid

Nürnberg 60 N8C-NF, GT6N, GT8N, Variobahn

Oberhausen 6 MGT6D

Plauen 6 Classic MGT-K, ER

Potsdam 35 Combino, Variobahn

Rostock 53 NGTW6DE, Citylink, Beiwagen: 22 4NBWE

Rhein-Neckar-Verk. 181 GT8Nfu, MGT6D, MGT6, MGT8, Variobahn,

M8C-Nf

Saarbrücken 28 Flexity Link

Schwerin 30 NF-2001 (Classic)

Strausberg 2 Flexity Berlin

Ulm 10 Combino Advanced, Classic

Würzburg 34 GT8N-Wü, GT6M-Wü

Zwickau 12 GT6-M

Summe 3.124 + 98 Beiwagen (inkl. Regiotrams)

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

37


Titel

In Rostock werden voraussichtlich Ende 2013 die ersten der 13 bestellten NGT6 vom

Typ „Tramlink“ erwartet. Die von Vossloh-Kiepe im spanischen Valencia gefertigten

Wagen sollen dann die letzten Tatras der Rostocker Straßenbahn AG ersetzen

Die Verkehrs-AG

Braunschweig erwartet

2014/15

insgesamt 18 von

Solaris in Polen gefertigte

vierteilige

Tramino. Er ist die

lange Version des

Jenaer Modells,

allerdings als Einrichtungswagen

SLG. S. VOCKRODT

Der gegenwärtige Tatrabestand in Berlin

wird dadurch bis 2017 wohl vollständig

durch Niederflurwagen ersetzt werden. Derzeit

lösen die Flexity die GT6 auf deren alten

Stammlinien ab, freiwerdende GT6 werden

zum Ersatz von KT4D benutzt, so dass

seit 2012 auch in Köpenick und auf anderen

eher zweitrangigen Linien Niederflurwagen

verkehren.

Neue Wagen für Potsdam

und Rostock

Die brandenburgische Landeshauptstadt

Potsdam hat die Option über weitere acht

Variobahnen in einen Auftrag umgewandelt.

Trotz der Probleme, die die Fahrzeuge auch

hier bereitet haben. Damit werden ab 2014

neben den 17 Combinos auch 18 Variobahnen

durch Potsdam fahren. Die Ära der

KT4D nähert sich dadurch nun auch dort

allmählich dem Ende.

In Rostock endet die Zeit der Tatras nach

aktuellem Stand voraussichtlich 2015. Derzeit

sind noch 17 Züge aus T6(A2M) und

Niederflurbeiwagen vom Typ 4N(BWE) im

Einsatz. Sie werden durch 13 neue NGT6

„Tramlink“ von Vossloh-Kiepe ersetzt, die

weitgehend im spanischen Valencia gefertigt

werden. Ihre ursprünglich für Mai 2013 geplante

Lieferung verzögert sich voraussichtlich

bis zum Jahresende. Die RSAG führt die

Wagen als Typ 6N2 – sechsachsiger Niederflurwagen

der zweiten Generation. Den

Dachbereich der neuen Wagen wird innen

übrigens die Aufnahme eine Wolkenlandschaft

zieren, die an der Küste bei Warnemünde

entstanden ist. Diese Fahrzeuge werden

die ersten Niederflurwagen mit Taille

sein, denn bei 2,65 Meter Wagenbreite müssen

die Fahrzeuge, um an den vorhandenen

Bahnsteigen halten zu können, unten auf

2,30 Meter Breite eingezogen werden. Rostocks

Straßenbahnnetz wurde bereits zu

DDR-Zeiten für 2,50 Meter breite Fahrzeuge

vorbereitet, der damals geplante Einsatz

von Tatra T3D zerschlug sich allerdings. Was

aus den vorhandenen Tatra-Triebwagen

wird, ist noch unklar, fünf Beiwagen hat die

RSAG nach Leipzig verkauft.

Halle und Magdeburg:

NGT verdrängen Tatras

In Halle an der Saale befinden sich derzeit

noch immer modernisierte T4D/B4D-Züge

im Linieneinsatz (Linie 1 und 2). Doch hier

steht 2013 die Auslieferung der zweiten Bauserie

der rund 21 Meter kurzen MGT-K2 an.

38 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Neue Fahrzeuge

2013 zu erwartende Neufahrzeuge

Hersteller Typ Betrieb

Bombardier Classic Halle, Kassel, Frankfurt (M),

Plauen, Essen

Outlook Krefeld

U5-50 Frankfurt (M)

Swift TT Karlsruhe

Variobahn RNV

Berlin Berlin, Strausberg

Siemens Avenio München

Solaris Tramino Jena

Stadler Variobahn Potsdam

Tango Stuttgart

Alstom/Vossloh (HeiterBlick) TW 3000 Hannover

Vossloh Tramlink Rostock

Citylink Karlsruhe

Auf sechs Achsen

sollen die ab 2014 in

Hannover eintreffenden

TW 3000 rollen,

die ausschließlich

Hochbahnsteige bedienen

werden. Für

die von HeiterBlick

endmontierten Wagen

steuert Vossloh-

Kiepe die Elektrik

und Alstom die Drehgestelle

bei. Bis zu

146 Einheiten sollen

die lindgrünen

6000er ersetzen

HEITERBLICK GMBH

Bei diesen handelt es sich um Zweirichtungswagen,

die aber lediglich über einen

Fahrschalter verfügen, wodurch sie nur

Heck-an-Heck gekuppelt in Doppeltraktion

in beide Richtungen verwendbar sind. Es

werden zwölf gegenüber den vorhandenen

30 Wagen geringfügig modifizierte Fahrzeuge

erwartet. Damit dürfte 2013 der Planeinsatz

der Tatras in Halle enden, als eiserne

Reserve werden einige Züge wohl aber

noch eine Weile erhalten bleiben.

Mit Auslieferung der letzten elf NGT8D

ging um den Jahreswechsel 2012/13 in Magdeburg

die Tatra-Ära zu Ende. Ganz vorbei

ist sie jedoch nicht, laufen doch auf den nachfragestarken

Linien seit 2011 die aus Berlin

übernommenen B6A2-Beiwagen hinter den

NGT8D der ersten Serie, neben Magdeburg

gibt es den Einsatz älterer Hochflurbeiwagen

hinter Niederflurwagen nur in Braunschweig

(dort seit 2008). Die letzten Magdeburger

NGT8D dürften auf absehbare

Zeit die letzten Straßenbahnwagen sein, die

Alstom in seinem Werk Salzgitter gebaut hat.

Dabei wurden von ursprünglich geplanten

120 Wagen insgesamt 83 ausgeliefert.

Der dritte Niederflurtyp an der Oker

In Braunschweig tobt derzeit eine heftige

Debatte um die Wiederaufnahme des Straßenbahnausbaus,

den die zehn Jahre regierende

schwarz-gelbe Rathausmehrheit blockierte,

wo es nur möglich war. Daher hat

die Verkehrs-AG noch vor Auslieferung des

ersten Zuges die Option auf drei weitere

Tramino Braunschweig gezogen. 2014/15

werden so insgesamt 18 vierteilige, 36 Meter

lange, auf acht Radsatzpaaren laufende

Einrichtungstriebwagen an die Oker kommen,

welche die alten Düwags des Typs

Mannheim (derzeit noch zehn Züge) und die

nicht modernisierten LHB-Stadtbahnwagen

der 81er Reihe (fünf Züge) ersetzen sollen.

Damit werden in Braunschweig dann drei

verschiedene Niederflurwagenserien in Betrieb

sein: zwölf GT6-S von 1995, zwölf

NGT8-D-BS von 2007 und die 18 Traminos.

Für einen mittelgroßen Betrieb eine große Typenvielfalt,

die zwar gewisse betriebliche Flexibilität,

aber nicht unbedingt große Wirtschaftlichkeit

in der Unterhaltung verspricht.

Hinzu kommen auch nach 2015 noch neun,

dann 34 Jahre alte Hochflurzüge der 81er Serie,

die Anfang des Jahrtausends geringfügig

modernisiert wurden. Dass mit den 18

Traminos im Prinzip ein Teil der in den

1990er-Jahren geplanten Beschaffung vierteiliger

GT8-S realisiert wird – wenn auch

von einem anderen Hersteller und auf anderen

Fahrgestellen –, ist eine Randnotiz wert.

Hannover mit individuellen TW 3000

Hannover erwartet im Herbst 2013 die ersten

von vorerst 50 TW 3000, die zum Typ

Vamos HF zu rechnen sind und im Auftrag

von Vossloh Kiepe/Alstom in Leipzig bei

HeiterBlick gebaut bzw. montiert werden.

Diese reinen Hochflurwagen werden auf den

entsprechend umgerüsteten Linien die TW

2000/2500 ergänzen bzw. verdrängen, die

wiederum die alten grünen TW 6000 dort

ersetzen werden, wo noch Klapptrittstufen

gebraucht werden und 2,65 Meter breite

Wagen eingesetzt werden können. Es steht

daher zu erwarten, dass mit Auslieferung der

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

39


Titel

2012 endete nach sieben Jahren die Auslieferung der 43 „dicken“ Flexity Classic für Bremen.

Auf der Neubaustrecke der Linie 1 in Tenever fährt Tw 3120 in Richtung Mahndorf S. VOCKRODT

weiteren 96 geplanten Einheiten die TW

6000 ersetzt werden. Neben der Linie 17

dürfte die Linie 5 zur Auslauflinie der „lindgrünen“

Achtachser werden.

Bremen: Mehr Dicke oder

modernisierte Alte?

Mit Tw 3143 stellte die Bremer Straßenbahn

AG am 6. Dezember 2012 den letzten „dicken

Bremer“, der 2,65 Meter breiten Flexity

Classic-Version GT8-N1, fast auf den

Tag genau sieben Jahre nach dem ersten seiner

Art in Dienst. Damit verfügt die Hansestadt

über einen Wagenpark von 120 achtachsigen

Niederflurwagen, mit denen das

derzeitige Netz inklusive der Verlängerungen

der Linie 1 zum Bahnhof Mahndorf und

der Linie 4 nach Lilienthal, die beide 2013

eröffnet werden, bedient wird. Ab 2016 soll

dann ein Teil der 77 GT8-N aus den Jahren

1993 bzw. 1996/97 ersetzt werden. Etwa die

Hälfte dieser Wagen läuft gegenwärtig mit

technischen Anpassungen.

Vamos läuft in Bielefeld, weitere

Classic für »VIA«

Die ersten 16 Vamos-Triebwagen für das Bielefelder

Stadtbahnnetz stehen Anfang 2013

vollständig im Einsatz. Sie lösen die ältesten

M8C aus den Jahren 1982–83 ab. Vorerst

ist der Einsatz der „Dicken“, auch die

Vamos sind über der Bahnsteighöhe 2,65

Meter breit, auf die Stadtbahnlinien 2 und 4

beschränkt, wobei auf Linie 2 nur Solofahrzeuge,

auf der nachfragestarken Univer -

sitätslinie 4 hingegen Doppeltraktionen laufen.

Es ist rund zwölf Jahre her, dass die heute

in der VIA-Verkehrsgesellschaft zusammenarbeitenden

Betriebe von Essen, Duisburg

und Mülheim an der Ruhr letztmals

neue Straßen- bzw. Stadtbahnwagen bezo-

Eine bunte Vielfalt

Wer vor einigen Jahren glaubte, im zweiten Jahrzehnt

des 21. Jahrhunderts würden nur noch Systemfahrzeuge

auf die Straßenbahngleise kommen,

die dem bestellenden Betrieb bestenfalls die Wahl

der Kopfform sowie des Farbdesigns von Außenhülle

und Inneneinrichtung lassen, der hat sich getäuscht.

Tatsächlich ist der Markt für Stadt- und

Straßenbahnwagen im Jahre 2013 so bunt und

vielfältig wie Ende der 1990er-Jahre.

Auch was heute als Systemfahrzeug vermarktet

wird, unterscheidet sich oft zwischen einzelnen

Städten derart, dass ein Austausch nahezu unmöglich

wird. Am weitesten kommt derzeit im

deutschsprachigen Raum noch Bombardiers Classic-Zweirichtungs-Achtachser

dem Ideal des weitgehend

vereinheitlichten Systemfahrzeugs nahe.

Bildet der Frankfurter Typ S doch die Basis für die

weitgehend identischen Fahrzeuge von Dortmund,

Norrköping und Kassel sowie die meterspurige Variante

für Essen und Mülheim. Auch der kurze MGT-

K2 für Halle und dessen Einrichtungsvariante für

Plauen sind sich recht ähnlich. Aber sonst?

Wirklich Einheitstypen?

Was in Deutschland als Tramino, Tango, Vamos oder

auch Variobahn läuft, hat tatsächlich nichts mit

irgendeinem Einheitstyp zu tun. Hier werden Familien

geschaffen, die vielleicht einige – durchaus

wesentliche – Bauteile gemein haben, aber dahinter

verbergen sich dann doch wieder Maßanfertigung

für die Betriebe. Das ist sogar sinnvoll, unterscheiden

sich doch die älteren Netze hierzulande oft

wie Tag und Nacht. Siemens mit dem Combino aber

auch Stadler mit der Variobahn zahl(t)en viel Lehrgeld,

weil sie glaubten, sie können einen Typ für alle

Netze tauglich machen.

KOMMENTAR

In den nächsten Jahren werden zwar Städte wie

Brandenburg, Frankfurt (Oder) oder auch Görlitz

vor der Frage der Wagenparkerneuerung stehen.

Dennoch ist die große Modernisierung in Deutschland

weitgehend abgeschlossen. Der Markt

schrumpft, die Zahl der Anbieter steigt. Ob Alstom,

CAF, Ansaldo-Breda, PESA oder andere Hersteller

aus den östlichen EU-Ländern hier weiter oder wieder

mitbieten? Ja, obgleich die Gewinnmargen seit

2000 drastisch gesunken sind, obwohl kleine Serien

kaum das Engineering lohnen, und obwohl

die klammeren kommunalen Kassen viele deutsche

Betriebe vor arge Beschaffungsprobleme stellen

werden. Denn noch ist Deutschland ein Kernmarkt

im Straßen- und Stadtbahnbereich – trotz

der gigantischen chinesischen Pläne. Es bleibt

spannend und es wird wohl auch bunt bleiben.

STEFAN VOCKRODT

40 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Neue Fahrzeuge

Die Taillierung der dreiteiligen Vamos

ermöglicht es, die in Bielefeld vorhandenen

Hochbahnsteige zu bedienen

HEITERBLICK GMBH (1), SLG. ST. VOCKRODT

gen. Damals erwarb Essen 34 NF-2000

Achtachser von Bombardier, ein Typ, der

heute als „Classic“ vermarktet wird. 2013/

2014 werden insgesamt 32 weitere, aber dem

aktuellen Stand entsprechende Fahrzeuge

dieses Typs an die Ruhr kommen, 27 nach

Essen und fünf nach Mülheim, so dass auch

hier trotz aller Stilllegungsdebatten neue

Fahrzeuge zum Einsatz kommen werden.

Die 32 Wagen werden identisch ausgeführt

und erhalten auch den neuen silber-gelben

VIA-Anstrich.

Krefeld hat bei Bombardier Ende 2012

zwölf weitere Niederflurwagen vom Typ Flexity

Outlook nachbestellt. Die in der zweiten

Jahreshälfte 2014 bei den Stadtwerken

erwarteten Wagen werden hier ebenfalls M-

Wagen ersetzen.

Classic nach Hessen, Varios für RNV

Kassel erhält derzeit die dritte Serie von Bombardiers

Classic. Der ursprüngliche Auftrag

belief sich auf 18 der Fahrzeuge vom Typ

NGT8 plus einer Option auf weitere sechs

Die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft AG bezieht

von Bombardier Transportation Flexity Classic.

Wichtig war es der KVG dabei, auch mobilitätseingeschränkten

Reisenden gute Voraussetzungen

zu bieten BOMBARDIER TRANSPORTATION

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

41


Titel

Um echte „Tramtrains“

handelt es

sich bei den im September

2009 von

der Albtal-Verkehrs-

Gesellschaft (AVG)

und den Verkehrsbetrieben

Karlsruhe

(VBK) bestellten 30

Flexity Swift TT von

Bombardier. Seit

2012 befinden sich

die Wagen in Auslieferung,

in diesem

Jahr wird der letzte

in der ehemaligen

badischen Hauptstadt

erwartet

BOMBARDIER TRANSPORTATION

Wagen. Davon bestellte die KVG später jedoch

lediglich vier, die Option auf die restlichen

beiden Fahrzeuge ist verfallen. Die

letzten Wagen werden noch in diesem Jahr

ausgeliefert, am 27. Februar traf Tw 668 ein.

Auf eine Modernisierung mit Nachrüstung

eines Niederflurmittelteils ihrer N8C verzichtet

die KVG. Der Hauptgrund dafür sind die

gegenüber einer Aufarbeitung der gut zehn

Jahre jüngeren NGT6C wesentlich höheren

Kosten. Für 15 Tw dieses Typs (Nr. 451 bis

475) hat der Aufsichtsrat inzwischen bereits

die Gelder bewilligt, um sie einem Refit-Programm

zu unterziehen. Je nach Entwicklung

der Fahrgastzahlen könnten danach eventuell

auch weitere NGT6C „aufgemöbelt“ werden.

Von den N8C werden nach Auslieferung

der letzten 8NGT womöglich noch 2013 die

ersten ausscheiden. Für sie ist ein Verkauf im

Gespräch. Die Kasseler N-Wagen der zweiten

Lieferserie sollen hingegen als Ersatzwagen

bis voraussichtlich 2016 im Einsatz bleiben.

Auch Frankfurt (Main) beschafft weitere

Classic nach. Die zehn nachbestellten Züge der

Type S werden 2013/14 zum Einsatz kommen

und den Fahrzeugmangel beheben helfen, der

jüngst den Planeinsatz von Museumswagen erforderte!

2013 kommen auch weitere Hochflur-Stadtbahnwagen

vom Typ U5-50 an den

Main, die die letzten Pt und auch U2 ersetzen.

Die Rhein-Neckar-Verkehr, in der die Betriebe

in Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen,

die OEG und RHB vereinigt sind,

erhält die letzten noch ausstehenden RNV-

Variobahnen von Bombardier. Diese Wagen

erhalten Ultra-CAP Stromspeicher und können

daher auch bei Ausfall der Fahrspannung

kürzere Strecken zurücklegen.

In Heidelberg geht die Modernisierung der

M8C weiter, 2013 werden auch die noch

nicht umgebauten Wagen mit neuem Niederflur-Mittelteil

und neuer Elektronik (Cegelec)

nach Heidelberg zurückkehren.

Karlsruhe: auf Zuwachs getrimmt

In Karlsruhe nähert sich die Umstellung der

letzten noch mit den DWM-Achtachsern betriebenen

Linie 5 auf Niederflurwagen. Denn

Vossloh liefert ab 2013 zunächst 25 Wagen

der „City Link“ Type. Die 37,2 Meter langen

Fahrzeuge sind wieder als Einrichtungsfahrzeuge

ausgeführt und bieten Niederflur

auf rund 80 Prozent der Wagenkastenlänge.

Mit 2,65 Meter haben sie die Stadtbahnwagenbreite,

ihr Einsatz auf Linie 5 wird dann

möglich sein, wenn die letzten Engstellen der

Linie 5 in Rintheim für 2,65 Meter breite

Wagen umgerüstet sind.

Neben den neuen Stadtwagen erhält Karlsruhe

derzeit weitere Zweisystem-Stadtbahnwagen.

Es handelt sich nicht um einen

Nachbau der zuletzt beschafften Serie,

sondern um eine Variante des Bombardier

Flexity Swift, der vom Hersteller Swift TT

(TT = Tramtrain) genannt wird. Die 30 Wa-

Aus Alt mach Neu am Rhein

Die beiden großen Stadtbahnnetze am Rhein, Düsseldorf

und Köln/Bonn werden in den nächsten

Jahren keine neuen Fahrzeuge erhalten. Mit Auslieferung

der letzten NF8U ist der Düsseldorfer

Tramfahrzeugpark nun komplett niederflurig, abgesehen

von den noch als eiserne Reserve vorgehaltenen

Düwag-GT8. Im Hochflurbereich wird

die Modernisierung der GT8SU fortgesetzt. Ob

auch die Düsseldorfer B-Wagen einer Auffrischung,

die den Fahrzeugen gut täte, unterzogen werden,

ist noch unklar.

In Köln und Bonn – den ersten Betrieben, die

1973 B-Wagen erwarben, werden die rund 40 Jahre

alten Veteranen für weitere 20 Jahre ertüchtig.

Köln baut die 28 Wagen der 2100er Serie (Baujahr

1984/85) in neue Fahrzeuge der 2400er Serie

um. Neben einer neuen Elektrik erhalten die

Fahrzeuge eine komplett neue Inneneinrichtung

und neue Wagenköpfe mit nur noch einem Fahrerplatz.

Bonn lässt die äußere Gestalt seiner 1974/75

erworbenen ältesten B-Wagen bis auf den Lack

weitgehend unverändert. Doch auch hier entstehen

unter der Hülle komplett neue Wagen. Beide

Betriebe gehen davon aus, die so modernisierten

B-Wagen noch rund 20 Jahre zu nutzen. SV

In Frankfurt am Main haben sich die

neuen U5-Stadtbahnzüge bewährt.

Nach Auslieferung der U5-25 – im Bild

ein Dreier auf der Neubaustrecke am

Riedberg – kommen derzeit die mit

nur einem Führerstand versehenen

U5-50 an den Main

S. VOCKRODT

42 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Neue Fahrzeuge

OBEN In Krefeld werden 2014 hingegen zwölf

weitere Flexity Outlook erwartet, deren Inneres

sich ebenfalls modern und komfortabel

gestaltet

BOMBARDIER TRANSPORTATION

RECHTS Silber mit gelbem Fensterband: So sollen

die neuen Flexity Classic für Essen und Mülheim

aussehen. 27 Essener und fünf Mülheimer

werden ab 2013 geliefert und weitere

M-Wagen an der Ruhr ersetzen

gen sind seit 2012 in Auslieferung, geht alles

nach Plan, werden sie Ende 2013 im Planeinsatz

sein.

Stuttgart setzt auf Neue,

Freiburg modernisiert GT8Z

Baden-Württembergs Landeshauptstadt Stuttgart

erhält derzeit von Stadler (Pankow) die

der „Tango“-Familie zugehörigen DT8.12.

Am 7. Dezember 2012 traf mit dem Wagen

3501 das erste Fahrzeug dieses Typs ein.

Im Frühjahr 2013 wird das Verhalten der

neuen Wagen bei Doppeltraktion getestet.

Spätestens ab September dieses Jahres soll

der erste Teil der DT8.12 im Liniendienst

verwendet werden, dann geht die verlängerte

U12 bis Hallschlag in Betrieb.

Parallel geht auch in Stuttgart die Modernisierung

der ersten Generation der Stadtbahnwagen

weiter. Man ist hier von der „Düwag-

Qualität“ ebenso überzeugt wie am Rhein!

Freiburg hat zwölf neue Niederflurwagen

ausgeschrieben. Den Auftrag wird voraussichtlich

die Fa. CAF (Construcciones y Auxiliar

de Ferrocarriles S.A.) im nordspanischen

Beasain erhalten. Es sind für 2015 und

2017 jeweils sechs Wagen vorgesehen. Parallel

unterzieht die VAG ihre knapp 20 Jahre

alten GT8Z (Tw 241–266) einer gründlichen

Aufarbeitung, die auch den Einbau

einer neuen Elektronik des tschechischen

Ausrüster Cegelec umfasst.

München: Siemens-Inlandauftrag

Es ist kein Geheimnis: In München ist man

mit den Variobahnen weniger zufrieden. Um

dem dringendsten Wagenmangel abzuhelfen,

orderte die MVG deshalb im September

2012 bei Siemens acht vierteilige, gut 37 Meter

lange Wagen des Typs Avenio, der aus

dem 2005 für Budapest entwickelten Combino-Plus

abgeleitet wurde und dem Konzern

wieder neue Marktanteile auf dem

Straßenbahnwagenmarkt verschaffen soll.

Speziell für Deutschland ist es der erste Inlandsauftrag

seit längerem – die Endfertigung

der Wagen wird jedoch das Werk in

Wien übernehmen.

Wie die Tramino für Deutschland sind auch

die Avenio vom Grundaufbau her Wagen des

Typs GTXN, die noch immer das Gros der

Münchner Trams stellen. Die Modernisierung

der R2.2 wird in diesem Jahr fortgesetzt.

Niederflur im Vogtland

Während in Dresden und Leipzig die Umstellung

auf Niederflur abgeschlossen bzw.

stark fortgeschritten ist, zählt das vogtländische

Plauen (neben Görlitz) zu den letzten

deutschen Städten, deren Straßenbahn noch

ausschließlich mit Hochflurwagen bedient

wird. Wird das in Görlitz noch länger der Fall

sein, erhält Plauen Ende 2013 die ersten beiden

(von bestellten sechs) kurzen Flexity-Classic

aus dem Bombardier-Werk Bautzen. Es

handelt sich dabei um eine Einrichtungsversion

des für Halle gebauten MGT-K2, wie er

auch normalspurig in Dessau anzutreffen ist.

Leipzig übernimmt nach Auslieferung der

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

43


Titel

Die Freiburger GT8Z erhalten derzeit eine neue Elektronik von Cegelec sowie ein neues Innendesign.

2015/17 werden zwölf neue Wagen von CAF erwartet

S. VOCKRODT

3.100 Niederflurwagen in 23 Jahren

Seit 1989 bestellten Deutschlands Straßen- und

Stadtbahnbetriebe (inklusive aller Umbauten und

Erweiterungen von Altfahrzeugen) über 3.100

Nieder- und Mittelflurwagen – bei einer Gesamtzahl

von etwa 8.500 weltweit georderter

Fahrzeuge also ein Marktanteil von über einem

Drittel.

Hat sich dabei die Zahl der bestellten Fahrzeuge

in den vergangenen Jahren vermindert, so

nimmt die Zahl der Hersteller zu – und damit auch

die Zahl der Typen. Die ab etwa 2009 georderten

Fahrzeuge sind überwiegend wieder „Maßanfertigungen“

für die bestellenden Betriebe – wie

schon in der Pionierphase der Niederflurtram von

1989 bis 1992. Auch auf Basis vieler sogenannter

Systemfahrzeuge entstehen heute maßgeschneiderte

Fahrzeuge für den bestellenden Betrieb,

mit allen Vor- und Nachteilen. Denn neben

den auf den Betrieb zugeschnittenen Ausführungen

treten früher oder später Probleme bei der

Ersatzteilbeschaffung, der Software-Erneuerung

auf und vieles mehr.

SV

Tramlink die Rostocker Niederflurbeiwagen,

die dann überwiegend hinter NGT8

zum Einsatz kommen dürften.

Chemnitz erwartet Tramtrains,

Jena aus Polen Traminos

Der Verkehrsverbund Mittelsachsen GmbH

hat zur Vollendung der ersten Stufe des

„Chemnitzer Modells“ bei Vossloh acht Citylink

bestellt. Die Wagen sind prinzipiell

eine Zweirichtungsversion des neuen Karlsruher

Modells, erhalten aber neben der Ausrüstung

für 750 V Gleichspannung noch zusätzlich

ein dieselelektrisches Powerpack auf

dem Dach, um auf den nichtelektrifizierten

Strecken im Chemnitzer Umland fahren zu

können. Es handelt sich damit um echte

Tramtrains. Die Wagen sind mit rund 5,3

Mio. EUR pro Wagen entsprechend teuer.

Jena erwartet 2013 die fünf Traminos, die

die 33 GT6M-Z ergänzen sollen. Bei den für

die beiden bisherigen deutschen Kunden

(Jena und Braunschweig) entworfenen Tramino

handelt es sich um einen prinzipiellen

Nachbau des GTXN, mit dem MAN, AEG

und GHH 1990 die Ära der 100-Prozent-

Niederflurwagen in Deutschland begannen.

Mehr Anbieter, weniger Nachfrage

Zur Zeit haben sechs Hersteller Aufträge von

deutschen Betrieben. Neben den beiden Großen

– Bombardier und Siemens – sind das

Vossloh, Stadler, HeiterBlick und der polnische

Hersteller Solaris. Skoda führte im vergangenen

Jahr den Prager 15T (s. SM 7/2012)

in Chemnitz vor, Alstom ist nur als Zulie ferer

vertreten, aktuell bei Hannovers TW 3000,

44 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Neue Fahrzeuge

Die Avenio, die Münchens MVG bei Siemens bestellt hat, sind analog zum R3.3 aufgebaut. Ihr

Fahrwerk basiert hingegen auf dem bewährten Antrieb der Combinos

SIEMENS

In Stuttgart befindet

sich mit dem Tw 3501

der erste der neuen

Stadtbahnwagen vom

Typ DT8.12 derzeit in

Erprobung

HANS-JOACHIM KNUPFER

dessen Drehgestelle in Salzgitter gebaut werden.

Der Leipziger Hersteller HeiterBlick liefert

in diesem Jahr die ersten für das Konsortium

Vossloh-Kiepe/Alstom gebauten

TW 3000 nach Hannover.

Der Trend geht auch zur Lebenszeitverlängerung

älterer Fahrzeuge. Dies besonders

im Hochflurbereich, wo die Stadtbahnwagen

B wohl noch viele Jahre die Strecken im

größten Bundesland bedienen werden, aber

auch knapp 20 Jahre alte Niederflurwagen

der ersten Generationen werden für weitere

15 bis 20 Einsatzjahre ertüchtigt, derzeit in

Berlin, München, Kassel und Freiburg. Eine

sinnvolle und kostensparende Methode, den

Fahrzeugpark attraktiv zu erhalten.

STEFAN VOCKRODT/AM

Chemnitz und Karlsruhe erwarten neue Wagen vom Typ Citylink. Während sie in Karlsruhe auf

dem Stadtbahnnetz fahren werden, sollen sie in Sachsen als Tramtrains auch auf Eisenbahngleisen

fahren können. Dazu werden sie als Dieselhybrid-Fahrzeuge ausgeführt VOSSLOH-KIEPE

Die Plauener Straßenbahn GmbH erhält in diesem Jahr die ersten Flexity

Classic von Bombardier aus Bautzen. Es handelt sich dabei um eine

Einrichtungsversion des für Halle gebauten MGT-K2

BOMBARDIER

Die Jenaer Nahverkehr GmbH hat in Polen bei Solaris dreiteilige Wagen

vom Typ Tramino bestellt. Die in diesem Jahr noch erwarteten Tw

erhalten das neue Design des Verkehrsbetriebes JENAER NAHVERKEHR GMBH

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

45


Fahrzeuge

Transportvorbereitungen im Südtiroler Klobenstein für die Rückkehr nach Württemberg: Werkstattleute

der Rittnerbahn tauschen im Dezember 2012 einen Kupplungskopf von Trompete

auf die bei END bzw. SSB gebräuchliche SchaKu J. DAUR (2)

Einmal Ritten

und zurück

Wagen 13 der END nun in Stuttgart Zum Abschluss seines

Jubiläumsjahres hat sich für den Verein Stuttgarter Historische Straßenbahnen

ein Wunsch erfüllt: Nach 30 Jahren bei der Rittnerbahn

ist der Triebwagen 13 der Straßenbahn Esslingen – Nellingen – Denkendorf

Ende 2012 nach Württemberg zurückgekehrt

Im Vorgriff auf geplante, aber nicht realisierte

Netzerweiterungen beschaffte die

meterspurige Straßenbahn Esslingen –

Nellingen – Denkendorf (END) 1958

von der Maschinenfabrik Esslingen je zwei

vierachsige Großraum-Trieb- und Beiwagen

mit einheitlichen Abmessungen. Die Frontgestaltung

und das Interieur erinnerten an die

Stuttgarter Zweiachs-Tw der Reihe 700 von

1954, die allerdings 40 cm schmäler waren.

Die mit vier AEG-Fahrmotoren à 149 kW

Leistung ausgestatteten Tw erhielten die Betriebsnummern

12 und 13, die Bw wurden

unter den Nummern 36 bzw. 37 eingereiht.

Die sogenannten Neubauzüge blieben die

einzigen modernen Fahrzeuge der topogra-

Das Innere des ehemaligen END-Triebwagens

zeigt sich aktuell „arg gerupft“. Für die Mitglieder

des Vereins Stuttgarter Historische

Straßenbahnen (SHB) gibt es viel zu tun …

46 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


END-Triebwagen 13

phisch anspruchsvollen Überlandbahn zwischen

Neckartal und östlicher Filder. Das übrige

Rollmaterial stammte größtenteils aus

den 1920er-Jahren. Am 28. Februar 1978

stellte die END den Schienenverkehr ein. Die

anschließend im Depot Nellingen verwahrten

Neubauzüge konnten 1981 über die

Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), einem Mitgesellschafter

der END, an die Gemeinde

Ritten (Autonome Provinz Bozen in Südtirol)

veräußert werden. Mit dem Kauf der gut

erhaltenen Fahrzeuge hoffte die Kommune,

die damalige Betreibergesellschaft der Rittnerbahn,

die FEAR, zum Beibehalt des seit

Jahren infrage stehenden Schienenverkehrs

bewegen zu können.

Zweites »Leben« in Südtirol

Im September 1982 wurden beide Triebwagen

per Tieflader in die SSB-Hauptwerkstatt

Möhringen überstellt und gewartet, um wenig

später im Beisein einer Delegation aus Südtirol

Proberunden auf dem Betriebsgelände zu

drehen. Ende November gelangten alle vier

Fahrzeuge per Straßentransport in ihre neue

Heimat, die Beiwagen direkt von Nellingen

aus. Bis zur Sicherung des Fortbestandes der

Rittnerbahn sollten noch Jahre vergehen.

Lange Zeit verließen die früheren END-

Triebwagen die Remise nur ganz vereinzelt zu

Probe- und Bewegungsfahrten. Erst zwischen

1989 und 1992 wurde Tw 12 gründlich überarbeitet,

den italienischen Normen angepasst

und in Orange/Silber – den Hausfarben des

neuen Betreibers SAD – lackiert. Das Schwesterfahrzeug

sollte seinem Beispiel folgen. Erste

Teile, darunter die Dachwiderstände und

die Drehgestelle, waren bereits überholt und

die Bestuhlung komplett entfernt, als die Maßnahmen

abgebrochen wurden.

Ein Grund hierfür war der Unfalltod des

Betriebsleiters, ein anderer die veränderte

Tw 13 in der alten Heimat: Am 28. Mai 1970 ist

von Stilllegung der END noch keine Rede. Vor

dem Bahnhof Esslingen a. N. steht der Tw zur

Fahrt nach Denkendorf bereit – es bleibt Zeit

für ein kleines Schwätzchen WAGNER/ARCHIV SHB

Daten & Fakten: Tw 13

Hersteller . . . . . . . . Maschinenfabrik Esslingen

Baujahr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1958

Spurweite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.000 mm

Länge über Kupplung . . . . . . . . . . . . 16,90 m

Breite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,50 m

Motoren. . . . . . . . . . . . . 4 x à 149 kW von AEG

Beheimatung

1958–1982 . . . . . . . . . Straßenbahn Esslingen –

Nellingen – Denkendorf (END)

1982–2012. . . . . . . . . . . . Rittnerbahn (Südtirol)

seit 17.12.2012 . . Verein Stuttgarter Historische

Straßenbahnen (SHB)

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

47


Fahrzeuge

Diese Grüße vom Ritten und seiner Bahn zierten

den Tw bei seinem Transport

Ladearbeiten in Südtirol vor grandioser Bergkulisse: Tw 13 hat seinen Platz eingenommen. Nun

muss das knapp 20 t schwere Fahrzeug mit Kettenzügen gesichert und die Ladebrücke in waagrechte

Position gebracht werden J. DAUR (3)

Letzte Begegnung in Südtirol: Während Tw 12 den Bahnhof Klobenstein Richtung Oberbozen

verlässt, steht sein Schwesterfahrzeug an jenem 17. Dezember 2012 vor dem Beginn einer

sehr viel längeren Reise

Wahrnehmung der Rittnerbahn durch die

Bevölkerung und die Touristen. Der Charakter

einer alt-österreichischen Lokalbahn

sollte nun nach Möglichkeit gewahrt bleiben.

Auch erforderte der damalige Fahrplan

nicht zwingend einen weiteren Triebwagen.

Fast zwei Jahrzehnte lang trug Tw 12 unter

seiner alten Betriebsnummer die Hauptlast

des Verkehrs, unterstützt durch die Veteranen

aus der Zeit der k. u. k. Monarchie. Tw

13 blieb die Rolle des Ersatzteilspenders.

Generationenwechsel am Ritten

Die beiden Beiwagen, mit denen man auf

dem Ritten wenig anzufangen wusste, teilten

sein Schicksal. Aus Platzgründen im Freien

abgestellt, rosteten sie vor sich hin und

fielen schließlich Ende 2009 dem Schneidbrenner

zu Opfer. Im selben Jahr machte das

mittlerweile wirtschaftlich solide aufgestellte

Unternehmen einen bedeutenden Schritt

in Richtung Zukunft: Von den Appenzeller

Bahnen im schweizerischen Herisau konnten

die Pendelzuggarnituren BDe 4/8 Nr. 21

und 24 (ex Trogenerbahn) erworben werden

– Voraussetzung für den Halbstundentakt,

der 2011 eingeführt wurde. Während Tw 12

als Reserve ins zweite Glied rückte, drohte

Tw 13 das endgültige Aus.

Doch der Verein Stuttgarter Historische

Straßenbahnen (SHB) hatte frühzeitig Kontakte

geknüpft und sich um die Übernahme

dieses technik- wie heimatgeschichtlich bedeutenden

Sachzeugen beworben. Den Verantwortlichen

der Rittnerbahn gefiel die Vorstellung,

dass das Fahrzeug in gute Hände

kommt und dauerhaft erhalten bleibt. Allerdings

wollte man auf Nummer Sicher gehen

und den Wagen erst nach Eintreffen eines

dritten Zuges aus Herisau abgeben. Beim

Verein SHB konnte man mit diesen Aussichten

gut leben.

Die Heimkehr

Bevor die beiden Beiwagen zerlegt wurden,

erhielten die Stuttgarter Museumsaktiven

Gelegenheit, noch verwendbare Kleinteile

und Mobiliar zu bergen. Ein Drehgestell des

Bw 36 gelangte ebenfalls zurück an den Ne-

Als an der Endhaltestelle in Denkendorf im Juni

1977 diese Aufnahme entstand, war nicht abzusehen,

dass die am Wagen angebrachte

Werbung auch 35 Jahre danach noch den Tw

schmücken würde ...

WAGNER/ARCHIV SHB

48 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


END-Triebwagen 13

Die Straßenbahn Esslingen –

Nellingen – Denkendorf (END)

Überlandstraßenbahn von Esslingen am Neckar

nach Nellingen und von dort auf zwei getrennten

Strecken weiter nach Denkendorf und Neuhausen

Betriebseröffnung: . . . . . . . . . . . . . . . . 1926/29

Spurweite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.000 mm

Streckenlänge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11,6 km

Zweigleisigkeit: . Pliensauturm – Weilstraße und

Zollberg – Mutzenreisstraße

Stilllegung . 1978 (durch Omnibuslinien ersetzt)

ckar und ist heute in der Straßenbahnwelt

ausgestellt.

Im Herbst 2012 musste plötzlich alles sehr

schnell gehen. Grund waren bevorstehende

Baumaßnahmen der Rittnerbahn, verbunden

mit empfindlichem Platzmangel. In

Oberbozen entsteht eine neue Betriebswerkstatt,

während in Klobenstein die Wagenhalle

vergrößert wird. Noch vor Weihnachten

sollte Tw 13 vom Hof sein! Eine

Spedition mit einem geeigneten Tieflader war

rasch gefunden. Bis die Genehmigungen der

italienischen Behörden vorlagen, verstrich

jedoch wertvolle Zeit, in der sich die beteiligten

SHB-Mitglieder in Geduld üben mussten.

In der zweiten Dezemberwoche konnte

endlich ein Abholtermin vereinbart werden:

17. Dezember – eine Woche vor Heiligabend!

Ein extremer Wintereinbruch hätte die Aktion

noch zu Fall bringen können, doch dazu

sollte es nicht kommen. Am Nachmittag jenes

Tages wurde Tw 13 in Klobenstein mit

OBEN Die „END-Familie“

ist komplett! In

Bad Cannstatt trifft

Neubau-Tw 13 auf

mehrere Altwagen

der END aus dem Eröffnungsjahr

1926,

darunter den Tw 4

R. GRABOWSKI

RECHTS Abladen in

Bad Cannstatt: Fast

genau 30 Jahre nach

seinen Proberunden

in der Hauptwerkstatt

berührt Tw 13

im Dezember 2012

wieder SSB-Gleise

J. DAUR

Hilfe einer Seilwinde auf den mit Schienen

versehenen Tieflader gezogen und verzurrt.

Um 21 Uhr – so die polizeiliche Anordnung

– begann die 450 km lange Reise nach Stuttgart.

Auf der kurvenreichen Passstraße von

Klobenstein hinunter nach Bozen hielten

zwei Begleitfahrzeuge den übrigen Straßenverkehr

auf Distanz. Ziemlich genau 24

Stunden nach seiner Verladung rollte das zukünftige

Museumsstück im historischen SSB-

Depot Bad Cannstatt von der Ladebrücke.

Bis das Publikum in der Straßenbahnwelt

den Neuzugang zu Gesicht bekommt, wird

sicher einige Zeit vergehen.

Zukunftsaussichten

Im Moment ist die Museumswerkstatt mit

den Großprojekten Gartenschauwagen 714

und KSW 749 sowie dem Jugendprojekt

GT4 722 voll ausgelastet. Tw 13 verfügt

über eine insgesamt gute Substanz, was einen

Erhalt im letzten Betriebszustand nahe

legt. Eine Bestandsaufnahme wird Aufschluss

darüber geben, was fehlt und gegebenenfalls

neu angefertigt werden muss. Sehr

von Vorteil ist die werksseitige Ausstattung

mit zahlreichen Teilen, die auch beim Bau

der eingangs erwähnten SSB-Reihe 700 Verwendung

fanden. Zu einer echten Herausforderung

hingegen dürfte die punktuell erforderliche

Ausbesserung der blau-grünen

Lackierung werden, die keinem RAL-Farbton

entspricht. Sofern technisch machbar

könnte der „END-Dreizehner“ eines Tages

sogar zu neuem Leben erwachen – allerdings

nur auf der Depotschleife im nahen Umfeld

der Straßenbahnwelt. Einsätze auf den Oldtimerlinien

21 und 23 bleiben dem Überlandbahnfahrzeug

aufgrund seiner Breite

verwehrt.

JÜRGEN DAUR

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

49


Fahrzeuge

Typisch Köln: Rhein, Dom und der 1. FC.

Die Aufnahme an der Severinsbrücke

entstand am 18. August 2011

BILDER, WENN NICHT ANDERS ANGEGEBEN: SLG. SM

50 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Fußball-Werbetrams

Wenn der Ball

an der Tram rollt

Wenn der Ball

an der Tram rollt

Fahrzeuge als Werbeträger für Fußballvereine In vielen Straßen- und

Stadtbahnstädten können sich Fußballfans an Fahrzeugen mit Vereinswerbung

Trams erfreuen. als Werbeträger Wir laden zu für einem Fußballvereine Streifzug durch In die vielen Republik Tram-Städten ein – von

der können Spitze sich der Fußballfans 1. Bundesliga an bis Bahnen in die mit Niederungen Vereinswerbung der Viertklassigkeit erfreuen. Wir … laden

zu einem fotografischen Streifzug durch die ganze Republik ein – von der

Spitze der 1. Bundesliga bis in die Niederungen der Viertklassigkeit …

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

51


Fahrzeuge

Hansa Rostock zählt zu den populärsten Mannschaften

im Osten. Für die Verkehrsbetriebe der

Stadt war es deshalb eine Frage der Ehre, einen

T6-Zug mit Werbung zu versehen – der einzige

Tatrawagen, der in Deutschland mit Fußballwerbung

unterwegs ist

M. JUNGE

Aus Anlass des Gewinns der Deutschen

Fußballmeisterschaft 2004

spendierte der Bremer Straßenbahnbetrieb

den Fans von Werder

Bremen einen Triebwagen in Vollwerbung

grün/orange, den damaligen Trikotfarben

der Mannschaft. Dieses schöne Beispiel fand

2012 einen Nachahmer in Dortmund, als

nicht nur die halbe Stadt, sondern auch ein

Triebwagen der DSW21 passend in

schwarz/gelb und mit Glückwünschen für

den Titelgewinn gestaltet wurde.

Was den Dortmundern recht ist, ist den

Konkurrenten der „Knappen“ natürlich billig.

Zwar konnte noch keine „Meisterbahn“

beklebt werden, aber immerhin lassen die

Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

zwei Niederflurwagen mit blau/weißer

Ganzwerbung für Schalke 04 rollen. Damit

dürften die BOGESTRA im Moment der einzige

deutsche Bahnbetrieb sein, der sich dieses

Vergnügen gleich zweimal für verschiedene

Vereine leisten darf, wenn auch unter

gänzlich anderen Vorzeichen bei den Erfolgen

der Vereine, denn auch der VfL Bochum

gehört zum Betriebsgebiet und besitzt nicht

Werbung für Sport

Auch andere Sportarten können sich an rollenden

Vereinswerbungen erfreuen. Während in

Magdeburg früher beispielsweise eine Bahn mit

Werbung für den deutschen Superbowl im American

Football unterwegs war, wirbt in Kassel ein

moderner Niederflurwagen für die Handballer

des MT Melsungen.

RED

nur die gleichen Vereinsfarben, sondern auch

eine entsprechende Werbebahn. Hier weist

zusätzlich eine Namenstafel im Führerstand

auf den Verein hin. Obwohl der Nimbus der

„Unabsteigbaren“ ursprünglich eigentlich

für die 1. Bundesliga gemeint war, kämpft

die Mannschaft inzwischen um den Verbleib

in der 2. Liga, während die Schalker die

Münchner Bayern an der Spitze der 1. Liga

jagen.

Werbung für die 4. Liga

Einige Kilometer weiter westlich galoppieren

die „Zebras“ vom Meidericher Sportverein

in Duisburg zurzeit ebenfalls stark in

Richtung 3. Liga. Dagegen hilft auch der

schöne, ebenfalls blau/weiß lackierte GT10-

Triebwagen nicht, den die Duisburger Verkehrsbetriebe

mit der Hommage für den

52 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Fußball-Werbetrams

OBEN Der Sieg zum Deutschen Meister und

Deutschen Pokalsieger 2004 veranlasste die

Bremer Straßenbahn AG, dem Wagen 3024 diese

Lackierung zu spendieren M. KOCHEMS

LINKS Nicht für den Fußball, sondern für einen

Radiosender wirbt hingegen der Bremer Triebwagen

3024

A. MAUSOLF

Fuß ballverein der Stadt durch die Straßen

rollen lassen.

Noch schlimmer hat es in den letzten Jahren

die Stadt Essen getroffen, denn der traditionsreiche

Verein „Rot-Weiß“, immerhin

1955 zum bisher letzten Mal Deutscher Fußballmeister

gewesen, kickt inzwischen in der

4. Liga. Unabhängig davon gibt es aber auch

hier einen Triebwagen mit Vollwerbung, als

Besonderheit in diesem Kreis einen der wenigen

Hochflurwagen.

Einst ein Vorreiter als erster Bundesligaverein mit Trikotwerbung war die Braunschweiger Eintracht

lange Jahre in niederklassigen Ligen verschwunden. Inzwischen macht nicht nur der Triebwagen

0751 auf sie aufmerksam, sondern auch die Führungsposition in der 2. Liga

Wenn schon nicht im Fußball als deutsche Spitzenklasse

auffallen, dann doch wenigstens mit

der Werbung, mag man sich bei der Arminia

aus Bielefeld gedacht haben. Einen dreiteiligen

Stadtbahnzug – hier am 12. Mai 2009 an

der Universität – kann sonst jedenfalls kein

deutscher Fußballklub vorweisen M. KOCHEMS (2)

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

53


Fahrzeuge

Farbenfrohe Seitenwerbung und noch ein Schild im Führerstand – die BOGESTRA gibt sich mit der

„VfL Bochum-Bahn“ alle Mühe, das Image des Zweitligisten aufzupolieren. Schließlich plagt den

VfL Bochum schon seit langem der Ruf, eine „graue Maus“ zu sein

Nicht nur im heimischen Gelsenkirchen,

sondern auch im benachbarten Bochum –

hier in der Zufahrt zur Haltestelle Laer

Mitte auf der Linie 302 – wirbt der Niederflurwagen

421 für Schalke 04

Der Deutsche Meister BVB 09 Dortmund kurz vor dem Ziel – während das im Fußball eine

Titelverteidigung und/oder ein Erfolg in der europäischen Championsleague sein dürfte, rollt

der passend gestaltete Tw 11 der DSW21 im Mai 2012 zur Endstelle am Betriebshof Dorstfeld

In Düsseldorf kann man sich sicherlich

ebenfalls noch mit Schaudern an die Niederungen

der 4. Liga erinnern, spielte die Fortuna

doch dort kurzzeitig, bevor sie es bis

zur aktuellen Saison schrittweise wieder zurück

in die 1. Liga geschafft hat. Passend

dazu trägt ein Stadtbahnwagen der Rheinbahn

das Vereinswappen durch die Stadt.

Ohne »Poldi« durch Köln

Mit der Idee, dass Lukas Podolski auf jeden

Fall gut für die Teilnahme am internationalen

Fußballgeschäft sei, hatte der 1. FC Köln

ihn seinerzeit für gutes Geld von Bayern

München zurückgeholt. Inzwischen weiß

man, wie die Sache ausgegangen ist – „Prinz

Poldi“ spielt tatsächlich in der Champions

League, allerdings für Arsenal London. Und

Rot und Weiß sind nicht nur die Farben des

gleichnamigen Essener Traditionsklubs, der inzwischen

in den Niederungen der 4. Liga sein

Dasein fristet, sondern auch die Hauptbestandteile

des Werbewagens 1111, aufgenommen

am 14. November 2012 „Am Freistein“

54 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Fußball-Werbetrams

die Geißböcke mischen wieder einmal kräftig

die 2. Liga auf. Immerhin zeigt ein Niederflurwagen

der Kölner Verkehrs-Betriebe

eindeutig Flagge, interessanterweise aber

nicht in den Vereinsfarben rot/weiß.

Ebenfalls vor gar nicht allzu langer Zeit

erstklassig, aber inzwischen in der 3. Liga

angekommen, ist die Arminia aus Bielefeld.

Sie hat jedoch etwas Besonderes zu bieten,

Trams mit Fußballwerbung

Aktuell sowie in den vergangenen Jahren – ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

Stadt Wagennr. Verein Stadt Wagennr. Verein

Berlin 1048 Union Berlin Dresden 2617 Dynamo Dresden

Berlin 1092 Hertha BSC Berlin Essen 1111 Rot-Weiß Essen

Bielefeld 513, 586, 587 Arminia Bielefeld Frankfurt 216 1. FFC Frankfurt

Bochum/ 430 VfL Bochum

Hannover 2545 Hannover 96

Gelsenkirchen 419, 421 Schalke 04

Kassel 622 Hessen Kassel

Braunschweig 0751 Eintr. Braunschweig Köln 4074 1. FC Köln

Bremen 3042 Werder Bremen Magdeburg 1358 1. FC Magdeburg

Dortmund 11 Borussia Dortmund Potsdam 248 SV Babelsberg

Düsseldorf 4004 Fortuna Düsseldorf Potsdam 254 Turbine Potsdam

Duisburg 1009 MSV Duisburg Rostock 701 Hansa Rostock

denn für sie hat die moBiel gleich einen ganzen

Stadtbahnzug, bestehend aus zwei M8D-

Triebwagen und einem der kuriosen vierachsigen

Mittelwagen, im Vereinsoutfit

umgestaltet.

Am Main ehren die Frankfurter Verkehrsbetriebe

ebenfalls eine deutsche Fußball-Spitzenmannschaft

mit einer Vollwerbung. Nein,

es ist nicht die Eintracht, auch wenn diese gerade

eine überraschend gute Rolle nach ihrem

Auftrag in die 1. Liga spielt. Es handelt

sich vielmehr um den mehrfachen Deutschen

Meister im Frauenfußball, den 1. FFC Frankfurt,

der auf einem Niederflurwagen veredelt

durch die Stadt rollen darf.

Werbung auch für Frauenfußball

Was den Frankfurtern Recht ist, kann den

aktuellen Deutschen Fußballmeisterinnen

aus Potsdam natürlich nur billig sein. Daher

haben sie mit dem KT4D-Triebwagen 254

auch eine rollende Werbung.

In den neuen Bundesländern gibt es zurzeit

keinen einzigen Erstligisten, und auch

die Anzahl entsprechend beworbener Straßenbahnen

ist nicht so groß. In der Bundeshauptstadt

besitzt die Berliner Hertha eine

ansprechende Straßenbahnvollwerbung,

doch kämpft die Mannschaft nach dem

durchaus vermeidbaren Abstieg aus dem

Oberhaus aktuell in der 2. Liga um den direkten

Wiederaufstieg. Früher gab es in Berlin

zudem eine Werbung für den Lokalrivalen

Union auf dem Triebwagen 1048.

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

55


Fahrzeuge

Der Dresdner Tw 2617 hat die Ehre, mit Werbung für Dynamo durch die sächsische

Landeshauptstadt zu fahren. „Randalierende Trittbrettfahrer“ des Vereins

sind feste dabei, den Verein aufs Abstellgleis zu fahren

M. SPERL

Die VGF ehrt den siebenmaligen Deutschen Meister im Frauenfußball,

den 1. FFC Frankfurt, mit einer eigenen Trambahn. Zuspruch können die

Mädels brauchen – zuletzt lief es für sie eher durchwachsen

In Stuttgart war Werbung an Straßenbahnen lange Zeit nicht üblich.

Während der Fußball-WM 2006 gab es aber an den Stadtbahnwagen

wenigstens diese dezenten Aufdrucke ...

J. DAUR

Ligakonkurrent Dynamo Dresden hat das

Glück, dass die Dresdener Straßenbahnwagen

eigentlich alle die schwarz-gelben Vereinsfarben

tragen, doch wurde auch hier ein

Niederflurwagen noch weiter verschönert.

Ein Wappen muss reichen

Wie die bereits erwähnten Rot-Weißen aus

Essen spielt auch der 1. FC Magdeburg, immerhin

in den 1970er-Jahren dreimal DDR-

Fußballmeister und 1974 als einziger DDR-

Klub Europapokalsieger, inzwischen in der

4. Liga. Auch hier versucht eine Straßenbahn

mit Ganzwerbung für den Verein Mut zu

machen. Der Triebwagen 1358 ist dabei

nicht vollständig in die blau/weißen Vereinsfarben

getunkt worden, sondern zeigt

eine ansprechende Variante mit einer angedeuteten

Rasenfläche.

Leider eher klein war die zeitlich befristete

Werbung für den FC Energie Cottbus in

Form eines Aufklebers mit dem Vereinswappen

auf dem Cottbusser Triebwagen 109

ausgefallen.

Eine große Region der absoluten Fußball-

Diaspora – und auch nicht gerade reich an

Straßenbahnbetrieben – ist die geographische

Mitte der Bundesrepublik. Zwischen

Hannover im Norden, Paderborn im Westen,

Frankfurt am Main im Südwesten, Fürth

und Nürnberg im Südosten sowie Erfurt im

Osten gibt es keine Mannschaft im Profibereich.

Dafür gibt es wenigstens in Kassel eine

Werbung für den KSV Hessen, der aktuell in

der 4. Liga spielt – und dabei von baldigen

glorreichen Aufstiegen träumt. S. STILLER

56 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Lesen

Sie noch oder

sammeln

Sie schon?

Die „Zebras“ des „Meidericher SV“ galoppieren auch auf Schienen durch Duisburg, hier am

21. Mai 2009 in Obermarxloh M. KOCHEMS (2)


Nachdem der frühere Werbeträger für Fortuna-Düsseldorf, der Tw 4001, vor einigen Jahren bei

einem schweren Unfall zerstört wurde, zeigt inzwischen das Schwesterfahrzeug 4004 die Farben

des Vereins und eines wichtigen Sponsors

Der Kassler Tw 622 verlässt am 24. Februar 2010 als Linie 8 die Haltestelle Aschrottstraße in

Richtung Bebelplatz. Der Wagen wirbt seit Oktober 2008 für den Verein KSV Hessen Kassel, der

in der Fußball-Regionalliga Süd spielt

H. MENZEL

Diese hochwertigen Acryl-Sammelkassetten

helfen Ihnen, Ihre STRASSENBAHN-

MAGAZIN-Ausgaben zu ordnen. In jede

Kassette passt ein kompletter Jahrgang.

1 Acryl-Kassette

€ 18,95

Best.-Nr. 75000

ausgefallen. 15% gespart bei 5 Acryl-Kassetten

Eine € 79,95 große Region der absoluten Fußball-

Diaspora Best.-Nr. – und 75001 auch nicht gerade reich an

Straßenbahnbetrieben – ist die geographische

Mitte der Bundesrepublik. Zwischen Hannover

im Norden, Paderborn im Westen,

Frankfurt/M im Südwesten, Fürth und Nürnberg

im Südosten sowie Erfurt im Osten gibt

es keine Mannschaft im Profibereich. Dafür

gibt es wenigstens in Kassel eine Werbung für

den KSV Hessen, der aktuell immerhin in der

4. Liga spielt. LODDAR BALLUS

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

Jetzt bestellen unter:

www.strassenbahn-magazin.de oder

Telefon 0180-532 16 17

(14 Cent/Minute von 8-18 Uhr)


Geschichte

Einst&Jetzt

Bereits im Gründungsjahr 1872 der Leipziger Pferde-Eisenbahn entstand

zur Erschließung der Westvorstadt sowie der Gemeinden Plagwitz

und Lindenau eine Pferdebahnstrecke. Im Jahre 1882 wurde sie

bis zum Depot Plagwitz und im Zuge der Elektrifizierung 1896 bis zu

den Bahnhöfen der preußischen und sächsischen Staatseisenbahnen in

Plagwitz verlängert. Die Kuppelendstelle befand sich dabei zwischen

dem (preußischen) Bahnhof der Zeitzer Bahn und dem (sächsischen)

Bahnhof der Gaschwitzer Eisenbahn.

Am 30. Juni 1959 löste nördlich des früher preußischen Empfangsgebäudes

eine neue Gleisschleife die bisherige Kuppelendstelle ab. Die auf

der „Lehrbaustelle“ eingesetzten Arbeiter sind mit der Erstellung eines

Abstellgleises für die Endstelle betraut. Wahrscheinlich kurz nach

Eröffnung der Schleife entstand die Aufnahme des 1925 in Bautzen bei

der Waggon- und Maschinenfabrik Aktien-Gesellschaft vorm. Busch

gebauten Tw 1540 III , welcher auf der noch bis 1974 nach Engelsdorf

verkehrenden Linie 2 angetroffen werden konnte..

Mit der Leipziger Netzreform 2001 verschwand nach mehr als

80 Jahren das Liniensignal der „2“ aus Plagwitz, seither endet hier die

Linie 14. Die Vergleichsaufnahme zeigt den unmodernisierten

T4D/B4D-Zug 1941 + 709 am 21. Juni 2006. Auch wenn die originalen

Tatras bereits einen Monat darauf außer Betrieb gingen und heute

Niederflurkomfort mit „Leolinern“ oder modernisierten Tatras auch

auf Linie 14 geboten wird, so bietet die Gleisschleife selbst mit der

benachbarten Bebauung auch heute noch gute Vergleichsmöglichkeiten

mit der Situation Jahrzehnte früher. Während ein Teil der Bausubstanz

inzwischen mustergültig saniert ist, zeigen sich zahlreiche Häuser teils

von Vandalismus gezeichnet dringend erneuerungsbedürftig.

TEXT: MICHAEL SPERL

AUFNAHMEN: PETER MIERSCH/SLG. M. SPERL UND M. SPERL

58 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Einst & Jetzt

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

59


Geschichte

Mitten rein in die Stadt!

Die Mitteleinstiegswagen der Berliner Straßenbahn In den 1920er-Jahren gab es in Berlin

einen großen Bedarf an neuen Straßenbahnfahrzeugen. 1926 stellte die Berliner Straßenbahn-Betriebs

GmbH die ersten Tw mit Mitteleinstieg in Dienst, weitere Serien folgten

Bei der Bildung von Groß-Berlin aus

einer Vielzahl von Städten, Landkreisen

und Umlandgemeinden im

Jahre 1920 kamen als Folge eine

zahlreiche private oder gemeindeeigene Straßenbahnbetriebe

unter das Dach einer einheitlichen

Betriebsführung durch die neugebildete

„Berliner Straßenbahn“. Nach ihrer

Umbildung zur Berliner Straßenbahn-Betriebs

GmbH im Jahre 1923 kamen 1925

bzw. 1928 noch zwei weitere Unternehmen

hinzu. Die von diesen Vorgängerbetrieben

übernommenen Fahrzeuge stammten meist

noch aus deren ersten Betriebsjahren, waren

also teilweise über 25 Jahre alt und deshalb

in ihrem Erscheinungsbild sehr vielgestaltig.

Der Unterhalt dieses Wagenparks in seiner

Vielfalt war deshalb sehr umständlich, kostenaufwendig

und unrationell – also auf die

Dauer höchst unwirtschaftlich. Es war deshalb

zwingend, diese überalterten Fahrzeuge

auszumustern und in großem Stil durch

leistungsfähige Neubaufahrzeuge zu ersetzen.

Zugleich wollte man auch eine weitgehende

Vereinheitlichung und Normierung

erreichen. Ein erster Schritt wurde 1924/25

mit der Beschaffung von 501 Trieb- und 803

Beiwagen in zweiachsiger Bauweise ohne eigenes

Fahrgestell getan. Am Entwurf und der

Gestaltung dieser 1304 Fahrzeuge der Typen

T 24/25 und B 24/25 hatte der Architekt Bruno

Paul (1874–1968) wesentlichen Anteil.

Zu dieser Zeit machten sich im Straßenbahn-Fahrzeugbau

neue Tendenzen bemerkbar,

die eine verbesserte wirtschaftliche

Ausnutzung der vorhandenen Platzflächen

zugleich mit einer Erhöhung des Fahrkomforts,

der Abfertigungsbeschleunigung an

den Haltestellen und eine Verminderung der

Einstiegshöhe zwischen Straßenfläche und

Wagenfußboden zum Ziel hatten. Eine Entwicklungslinie

war die Konstruktion von

Fahrzeugen mit Mitteleinstieg, die in einfacher

Form schon bei einigen Betrieben (u. a.

in Dresden der „Große Kurfürst“) länger eingesetzt

waren. Mehrere Varianten dieser

Bauart waren auch schon seit längerem sowohl

als Trieb- wie auch als Beiwagen bei

60 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Berliner Mitteleinstiegswagen

Mitteleinstiegwagen gehören seit 1926

zum Bild der Berliner Straßenbahnen. 1941

wurde in Berlin-Rahnsdorf dieser TM36-

Zug mit dem Tw 3339 aufgenommen

ALLE ILLUSTRATIONEN SLG. ODER BILD K. H. GEWANDT

französischen Straßenbahnbetrieben, hauptsächlich

in Paris, in größerer Stückzahl im

Betrieb.

Das Gesicht der Zwillingswagen mit ihren auffälligen Starkstromkabeln für die Zugsteuerung

gehörte über Jahrzehnte zum Bild der Straßenbahn in Berlin

AEG

Die ersten Wagen mit Zugsteuerung und Mitteleinstieg waren die Tw 6201 bis 6210, hier der

6102 um 1929 in der Kaiseralle (Berlin-Friedenau) im Ursprungszustand

1926: Erstmals Mitteleinstieg-Tw

In den Jahren 1926/27 erschienen auch im

Berliner Straßenbild erstmals derartige Fahrzeuge.

Zehn Triebwagen mit eisernen Wagenkästen

ohne eigenes Fahrgestell, jedoch

mit Unterzug und 3,20 m Achsstand, wurden

bei Nordwaggon in Bremen (6201 bis

6203 sowie 6209 bis 6210) bzw. bei Busch

in Bautzen (6204 bis 6208) gebaut und von

der AEG elektrisch ausgerüstet. Sie waren

als Zwillingstriebwagen mit jeweils nur einem

Fahrerstand (Fahrschalter FB 3) konzipiert.

Diese neuartige Betriebs- und Antriebsweise

war aus mehreren praktischen

Überlegungen heraus entwickelt worden.

Man versprach sich u. a. Vorteile gegenüber

konventionellen Zweiachsern durch den

Wegfall eines Fahrschalters pro Wagen sowie

fahrdynamische Verbesserungen durch

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

61


Geschichte

OBEN Die ersten für Berlin gebauten Mitteleinstiegswagen lieferten 1926

Nordwaggon aus Bremen und die Waggon- und Maschinenfabrik AG vormals

Busch aus Bautzen nach Berlin (Wagen Nr. 6201 bis 6210)

UNTEN In dieser vermutlich auf Peter Behrens zurückgehenden

Farbgebung präsentierte sich in den 1920er-Jahren

der Wagenpark der Berliner Straßenbahn. Auch die

zehn Tw 6201 bis 6210 des Typs MEM 26 mit

Zugsteuerung trugen diesen Anstrich

die Zugsteuerung. Die Triebwagen eines Zuges

wurden Heck an Heck gekuppelt. Die

Erhöhung des Platzangebotes sowie die erhoffte

Beschleunigung des Fahrgastwechsels

an den Haltestellen, ferner die Verkürzung

der Wendezeiten an den Endpunkten waren

weitere Faktoren, die man im Auge hatte.

Für das Personal war von arbeitstechnischer

Bedeutung, dass der Fahrer seine Tätigkeit

erstmals in Berlin sitzend ausüben konnte.

Die beiden, durch einen breiten Mittelholm

getrennten einteiligen, halb hohen Plattform-

Schiebetüren wurden vom Schaffner mittels

eines Handrades betätigt, das sich an diesem

Holm befand. Die obere Hälfte der Einstiege

hatte Faltfenster, die jeweils in Fahrtrichtung

links geschlossen waren. Im Einstiegbereich

befand sich außen eine abklappbare,

über die ganze Plattformbreite reichende

Trittstufe, die sich beim Betätigen des Schließmechanismus

hob bzw. absenkte.

Der Kardanantrieb, zuvor schon bei einem

Triebwagen des Typs T 24 erprobt, stellte sich

dabei als wenig befriedigend heraus, sollte jedoch

hier noch einmal getestet werden. Der

in Längslage angeordnete Unterflur-Antriebsmotor

vom Typ 335 a mit 76 kW bedingte

durch die Anordnung der Kardanwelle

eine starre Achslagerung. Nutzen versprach

man sich bei dieser Bauweise von der niedrigen

Einstiegshöhe von 670 mm über Straßenniveau.

Diese Antriebsweise bewährte

sich aber in den Folgejahren im täglichen Einsatz

auch hier genau so wenig wie bei den

Versuchen mit dem T 24-Triebwagen.

Umbau unumgänglich

Die Störanfälligkeit der Fahrzeuge im täglichen

Betrieb, bedingt durch ihre technische

Auslegung, erwies sich auf die Dauer als

nicht tragbar. Die BVG entschloss sich deshalb

in den Jahren 1931/32 zum Umbau dieser

Wagen. Ihr Kardanantrieb wurde aufgegeben

und sie erhielten (mit Ausnahme des

Technische Daten der Berliner Mitteleinstiegswagen (Triebwagen)

Typ Anzahl Baujahr Betriebs- Sitz-/Steh- Lieferer Motoren Leistung Fahr- Umbau Kriegs- VerbleibBemerkungen

Nummer plätze elektr. Teil/Wagen in kW schalter verlust West Ost

TEM 26 10 1926/27 6201–6210 30/36 AEG/Nordwaggon/ USL 271/ 2 x 40 FB 3 1931/32 2 8 – –

Busch Dy 601

TM 33 56 1928/29 3300–3355 30/40 AEG/Wumag USL 271v 2 x 40 NXFB F 23/ 1933/34 22 25 9 –

NFB F 12

TM 34 50 1928/29 3801–3850 28/42 AEG/Düsseldorf USL 271v 2 x 40 N IV FB 27 1934/35 6 21 23 –

TM 36 194 1928/29 3401–3594 28/40 AEG/Unmagk Niesky USL 271v 2 x 40 NXFB 2 1936 56 98 40 –

TE 42 1 1928 3801 22/55 AEG/Düsseldorf USL 271v 2 x 40 N IV FB 3 1942 1 – –

1)

TM 31 US 1 1899 3600 32/42 o.A./NAG U3L 253 2 x 33,5 FB 3 1931 – – 1

2) 3)

TM 31 U 100 1899 3601–3700 24/40 o.A./NAG USL 253v 2 x 33,5 FB 3 1931 17 46 36

3)

1)

Umbau 1942 aus Reihe 3801–3850 zum Einrichtungswagen mit Fahrgastfluss, aufgrund Lackierung „Apfelsinchen“ genannt, 1944 Kriegsverlust

2)

Prototyp für TM 31-Umbau-Serie; der Wagen führte zunächst die Nummer 3300

3)

buchmäßiger Umbau als alten Berolina-Triebwagen; praktisch handelte es sich um Neubauten

62 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Berliner Mitteleinstiegswagen

Auf der Linie 3 waren die Mitteleinstieg-Triebwagen über Jahrzehnte im Einsatz. Kurz vor ihrer Einstellung im August 1964 wartet ein typenreiner

Verbundzug TM 33 an der Endstelle Fehrbelliner Platz auf die Abfahrt

Wagens 6202, der Dy 601-Motoren bekam)

je zwei Tatzlager-Motoren vom Typ USL 271

v. Der seitliche, liegende Fahrschalter war

vom Typ FB 3, der Wagen 6201 hatte jedoch

einen vom Typ VNFB 2.98 Form 5.

Es waren in der Normalbesetzung insgesamt

66 Fahrgastplätze vorhanden, davon

30 für sitzende Fahrgäste. Bei einem Leergewicht

von 13,2 t hatten die Wagen Fahrund

Bremsstromheizung, eine Kurzschlussbremse

und eine hebelbetätigte, auf die Ankerwelle

wirkende Handbremse.

Komplett in West-Berlin verblieben

Der Umbau erstreckte sich auch auf den Wagenkasten.

Durch den Ausbau der linken Tür

wurden die Fahrzeuge zu Einrichtungs-Wagen

und erhielten deshalb an den rückwärtigen

Stirnwänden Hilfsfahrschalter. Dort

wurde auch eine seitliche Nottür eingebaut.

Am verbliebenen Mittelplattform-Einstieg

wurde der breite Mittelholm entfernt. Zugleich

wurden normale, handbetätigte Schiebetüren

eingebaut. Die einklappbare Trittstufe

wurde entfernt und durch eine feste

ersetzt. Die Plattform wurde nicht verändert.

Das hintere Wagenteil als Raucherabteil

wurde durch eine Doppelschiebetür von ihr

getrennt. Die Typenbezeichnung nach dem

Umbau war TEM 26, zuvor ER 1926. Der

Einsatz dieser Wagen erfolgte nunmehr auf

Ringlinien oder auf Linien mit Endschleifen.

Die Wagen 6207 und 6210 schieden später

als Kriegsverlust aus. Die übrigen acht Tw

blieben bei der Netztrennung 1949 sämtlich

im Bereich der BVG West und erhielten dort

später zwei Frischstrom-Schienenbremsen

zu je 5000 kg Zugkraft zur Verstärkung der

1935/36 erhielten die TM 36-Wagen vorn beim Fahrer eine zusätzliche Einstiegstür, wie sie

auch die TM 34 schon hatten

auf die Achsen einwirkenden Motor-Kurzschlussbremsen.

Bis 1966 wurde die gesamte

Serie ausgemustert und verschrottet.

1929: Die »Schützenwagen« kommen

1927 bestellte die Berliner Straßenbahn-Betriebs-Gesellschaft

eine Serie von 300 weiteren,

ebenfalls zweiachsigen Mitteleinstieg-

Triebwagen in der Reihe 3301 bis 3600. Sie

wurden in den Jahren 1928/29 ausgeliefert

und hatten gewisse Ähnlichkeit mit der Reihe

TEM 26. Gegenüber diesen war der Achsstand

aber auf 3,50 m erweitert worden. Die

eiserne Bauweise ohne Fahrgestell mit seitlichen

Unterzügen hatte man beibehalten

und verbessert. Neu war die Peckham-Pendellagerung

der Radsätze. Sie ermöglichte

ihre seitliche Verschiebung und damit eine

leichtere Kurvendurchfahrt der Fahrzeuge.

Die 11,20 m langen Fahrzeuge hatten zwei

Fahrerstände mit seitlichem, flachen Nockenfahrschalter.

Auch hier arbeitete der

Fahrer sitzend. Je Wagen waren zwei Motore

zu je 40 kW/h der Typen USL 271 bzw.

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

63


Geschichte

Als der TM 36-Triebwagen 3466 im September 1967 vor den Gedächtniskirchen-Ruinen in die Endhaltestelle Hardenbergstraße einfährt, stand

das Ende der Straßenbahn in West-Berlin kurz bevor

Durch Umbau von 1929 gelieferten Fahrzeugen entstanden 1933/34 insgesamt 56 Wagen, die

fortan unter der Typenbezeichnung TM 33 liefen

Dy 601 vorhanden. Die Einstiegtüren konnten

einzeln mit der Hand betätigt werden.

32 Sitz- und 42 Stehplätze waren vorhanden.

Wenn der Wagen im Zugverband als zweiter

Wagen lief, kamen zwei Sitz- und drei

Stehplätze hinzu. Diese Wagen hatten noch

keine vordere Einstiegtür beim Fahrer.

Absolut neu war eine elektromagnetische

Zugsteuerung, Bauart AEG, die mit Schaltschützen

in Unterflurbauweise arbeitete. Sie

sollte nach Schnellbahnart den Einsatz mehrerer

Triebwagen in einem Zug über Steuerstromleitungen

ermöglichen. An Bremsen

war neben der elektrischen Kurzschlussbremse

außerdem eine Zangenbremse mit

Federspeicherwirkung vorhanden. Eine Abhängigkeitsschaltung

bewirkte, dass der Wagen

bzw. Zug nicht mit ungelöster Bremse

und ungespanntem Federspeicher anfahren

konnte.

Aus drei Wagen dieser Bauart bestehende

Züge wurden im Versuchsbetrieb in der Kombination

Tw + Tw + Tw oder Tw + Bw + Tw

gefahren. Derartige Züge sollten auf Außenstrecken

laufen. Bei Testfahrten setzte man

fallweise auch Züge mit zwei zwischengeschalteten

Mitteleinstieg-Beiwagen in der Anordnung

Tw + Bw + Tw + Bw + Tw ein. Alle

Triebwagen hatten dabei die Stromabnehmer

an die Fahrleitung angelegt. Im Linieneinsatz

gab es diese Zugbildung jedoch nicht.

Die gesamte elektrische Anlage einschließlich

der Schaltung der Wagen arbeitete

mit voller Fahrleitungsspannung von

550 V und war eine Hauptursache für mehrere

schwerwiegende Betriebsstörungen.

Über die bei diesen Zügen vorhandenen Probleme

fahr- und bremstechnischer Art ist

mehrfach in der damaligen Fachliteratur berichtet

worden. Sie führten in der Folge zu

mehreren z. T. sehr schweren Unfällen infolge

des Ausfalles der gesamten Bremsanlage

bei Notbremsungen oder Stromunterbrechungen,

beispielsweise Stromausfall

beim Entgleisen des Stangenstromabnehmers.

So konnte ein Zug in einer solchen Situation

weder geschaltet noch gebremst werden!

Insgesamt erlitten dabei zwölf Wagen

durch Auffahrunfälle usw. erhebliche Beschädigungen.

Ursache war letztendlich die

mangelhaft durchkonstruierte Bremsanlage.

Das führte dann im Jahre 1931 von einem

Tag auf den anderen schlagartig zur Außerbetriebsetzung

der kompletten Fahrzeugserie

und Wiederinbetriebnahme schon abgestellter

Altwagen.

Die Metamorphose

der Schützenwagen

Diese 300 abgestellten Wagen fehlten im täglichen

Einsatz natürlich erheblich, sodass

man intensiv nach einer Lösungsmöglichkeit

für dieses Problem suchte. AEG und Siemens

als die Hausfirmen der Berliner Verkehrs Betriebe

übernahmen die Aufgabe, eine völlig

neue Fahr- und Bremstechnik unter Vermeidung

der mit den Schützenwagen gemachten

Fehler zu entwickeln. Die seitlichen Nockenfahrschalter

wurden durch solche der

Bauart NXFB F 23 bzw. NFB F 12 ausgewechselt.

64 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Berliner Mitteleinstiegswagen

Die Mitteleinsteig-Züge TM 33 und TM 34 waren vor der Betriebseinstellung in West-Berlin zwischen Zoo und Spandau auf den Linien 55 und 75

im Einsatz, hier am 12. November 1965 ein Zug vor der Endstelle Kantstraße, Ecke Joachimstaler Straße

Die Neuentwicklung bewährte sich ab 1933

bei einer ersten Probe-Serie, denen weitere 50

Fahrzeuge folgten. Diese insgesamt 56 Wagen

waren zunächst die einzigen Umbauten in einer

neuen Nummernserie 3300 bis 3355, die

durch Einbeziehung der zwölf Schadwagen

bei teilweiser nummernmä ßiger Umzeichnung

entstand. Ihr hervorstechendes Merkmal waren

an den Stirnwänden die auffallend dicken

Kupplungsschläuche der Starkstromkupplung

für die Zugsteuerung. Die Reihe erhielt später

die Typenbezeichnung TM 33.

Über die Systematik der Neu-Nummerierung

bei diesen Fahrzeugen sind in der entsprechenden

Literatur viele Hypothesen und

Vermutungen aufgestellt worden, die jedoch

alle mehr oder weniger als spekulativ anzusehen

sind. Weil diese Frage bis heute nicht

eindeutig zu klären ist, wird hier bewusst von

der Veröffentlichung der vorhandenen Aufzeichnungen

und Tabellen darüber Abstand

genommen.

Weitere Umbauten

Um den hohen, weiterhin abgestellten Schützenwagen-Bestand

wieder zum Einsatz zu

bringen, wurden zusätzlich in der Folgezeit

weitere 50 Wagen umgebaut, die jedoch nur

zwei USL-271-Motoren und eine Einzelsteuerung

mit zwei seitlichen Fahrschaltern

vom Typ NIV FB 27 bekamen. Diese Fahrzeuge

waren dadurch nun keine Verbundwagen

mehr. Neben anderen Veränderungen

erhielten sie an beiden Enden rechts neben

Der Wagen 3801 war probeweise für Fahrgastfluss mit Sitzschaffner hergerichtet worden. 1944

verbrannte er nach einem Luftangriff auf Berlin

Ungewöhnlich im Aussehen und in der Farbgestaltung

war der 1942 aus der Reihe TM 34 entnommene Wagen

3801. Ihn führte die Straßenbahn als Typ TE 42

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

65


Geschichte

Als Verstärkung wurden auf der Linie 55 bis zur Einstellung im Oktober 1967 auch Einzelwagen TM 33 und TM 34 eingesetzt. Im Oktober 1965

wartet Tw 3482 an der Endhaltestelle Hardenbergstraße vor dem Kino Zoo-Palast

dem Fahrersitz einflügelige Einstiegtüren, um

den Fahrgastwechsel zu beschleunigen. Unter

der Typenbezeichnung TM 34 waren sie

unter den Nummern 3801 bis 3850 im Schema

der BVG zusammengefasst.

Als Serie TM 36 mit den Betriebsnummern

3401 bis 3594 wurden im Jahre 1936 noch

die übrigen abgestellten Schützenwagen umgerüstet.

Wie die TM 33 erhielten sie die gleiche

Zugsteuerungsanlage mit den auffallenden

Starkstromkabeln an den Stirnseiten. Sie

behielten ihre USL 271 v- bzw. Dy 601-Motoren,

hatten aber zwei Fahrschalter vom

Typ NXFB 2 F 23. Auf Grund dieser Ausrüstung

waren sie mit den Wagen vom Typ

TM 33 im Zugverband einsetzbar, da sie beide

über die gleichen leistungsstarken Motoren

verfügten.

Der Typ TM 36 unterschied sich im Aussehen

vom Typ TM 33 lediglich durch die

seitlichen Verkleidungen des Dachlaufsteges.

Auch hier wurde ebenfalls vorn rechts zusätzlich

eine einflüglige Einstiegstür wie bei

den TM 33-Wagen eingebaut. Diese Tür

konnte vom erhöht sitzenden Fahrer mit dem

Fuß über einen pedalbetätigten Seilzug geschlossen

werden.

Besonderheiten

Die Mittelplattformen aller 300 Wagen waren

ursprünglich zu den Fahrgastabteilen hin

beidseitig durch Zwischenwände mit handbetätigten

Doppelschiebetüren abgetrennt.

Bei den Umbauarbeiten wurde jedoch eine

davon ausgebaut. Um dem Schaffner des

führenden Wagens eines Zuges im Zugverband

die Abfertigung an den Haltestellen zu

erleichtern, leuchtete bei Betätigung der Abfahrtsklingel

der mitgeführten Wagen über

der Zwischentür zum Fahrgastraum eine

rote Lampe auf weil durch den Mitteleinstieg

das Abläuten der Hinterwagen oft nicht gut

wahrgenommen werden konnte. Das Sitz-

/Stehplatzverhältnis beim Typ TM 33 betrug

28:40, bei den TM 36 und 36 lauteten die

Werte 26:42 in Normalbesetzung.

Umbau nach italienischem Vorbild

Im Kriegsjahr 1942 entnahm die BVG aus

der Reihe TM 34 den Wagen 3801 und rüstete

ihn nach italienischem Vorbild unter

Ausbau eines Fahrerstandes zu einem Einrichtungs-Triebwagen

mit Sitzschaffner auf

der hinteren Plattform her – also mit Fahrgastfluss

von hinten nah vorn. Dabei wurde

hinten eine 1,30 m breite fünfteilige Schiebetür

eingebaut, der linke Flügel der

Mitteleinstiegtür jedoch entfernt. Die Tür an

der Vorderplattform blieb. Das Fassungsvermögen

des Wagens, der die Typenbezeichnung

TE 42 erhielt, veränderte sich dadurch

auf 22 Sitz- und 55 Stehplätze.

Entgegen der damaligen Farbgebung der

BVG-Fahrzeuge in hell-beige hatte dieser

Wagen im Bereich unterhalb der Fenster einen

Sonderanstrich in einem orangeroten

Farbton, (= „Apfelsinchen“). Er brannte bei

einem Luftangriff im Januar 1944 aus.

Im Mai 1945 waren bei Kriegsende von

den insgesamt 300 Berliner Mitteleinstiegwagen

69 Wagen als Totalschaden abzuschreiben.

Über den Einsatz und Verbleib der

noch erhaltenen Fahrzeuge, aber auch über

die passend zu den Triebwagen in den

1920er-Jahren gefertigten Beiwagen berichtet

Teil 2.

Fortsetzung folgt

Quellenverzeichnis

KARL-HEINZ GEWANDT

Neues bei der Berliner Straßenbahn“; in

Berliner Lokal-Anzeiger, 1. Januar 1927

Fahrzeug-Typenblätter der Berliner Straßenbahn

bzw. der BVG der Jahre 1932 bis 1965

H. Schumann: „Ein-Richtungswagen der Berliner

Verkehrs-Betriebe“ in Verkehrstechnik, Bb. 23

(1942), S. 116–118

TYPISCH BERLIN – Ein BVG-Portrait, Berlin 1987

Straßenbahnen in Berlin – Rückblicke in die Zukunft.

Signal Sonderausgabe 1990, Kaddoura-Verlag

Berlin

Ralf Ball: „Die Berliner Mitteleinstiegwagen der

Bauart 1927“ in: Tram Geschichte(n) Von der 3

zur 23, Denkmalspflegeverein Nahverkehr Berlin

e.V. 1995

Aufzeichnungen von Gesprächen des Verfassers

mit BVG-Angehörigen, besonders mit den Herren

Willy Esch † und Ing. Wolfgang v. Linstow †

eigene Unterlagen und Notizen des Verfassers

66 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Fundstück des Monats

FOLGE 2

Bad Wildbad

Ortseingang

Im Jahr 2011 erhielt die Standseilbahn zum Sommerberg in Bad Wildbad neue Fahrzeuge. Ein nicht mehr benötigter

Wagen (Baujahr 1967) wirbt nun am Ortseingang für die Bergbahn

P. KRAMMER

Bergbahn am falschen Berg

Die Besucher von Bad Wildbad empfängt neuerdings ein Denkmal besonderer Art: Zwischen

Hauptstraße und dem Bahnhofsvorplatz der Enzbahn steht vor dem Bahnhof unübersehbar einer

der bisherigen Wagen der Standseilbahn zum Sommerberg

Die 1908 eröffnete Sommerbergbahn ist 2011 komplett saniert

worden und hat neue Wagen des Herstellers Garaventa erhalten,

der schon 1999 die neue Bahn in Künzelsau ausgestattet hatte.

Die jetzigen Wildbader Wagen bilden dort die dritte Fahrzeug -

genera tion.

Der nun Schaustück gewordene Wagen mit der (alten) Nummer

1 entstand 1967. Ein Täfelchen informiert über seine wichtigsten

Daten. Wer sich die technischen Details einer Standseilbahn in

Ruhe anschauen will, wie die in Wildbad bisher verwendeten Keilkopfschienen,

die einseitigen Walzenräder oder die Fangbremse

mit ihren Hilfsrädern, kann das an dem Wildbader Objekt nun in

Ruhe tun. Bei Standseilbahnen, die in Betrieb stehen, gibt es dafür

kaum eine Gelegenheit.

Die Sommerbergbahn ist die am höchsten gelegene Standseilbahn

in Baden-Württemberg, ihre Bergstation liegt auf 720 Meter

Meereshöhe.

Da der Denkmalwagen schutzlos im Freien steht, dürften das

Schwarzwaldklima und „böse Buben“ allerdings in überschau -

barer Zeit bewirken, dass dem Schaustück kein langer Bestand

beschieden sein wird.

HANS-JOACHIM KNUPFER

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

67


Geschichte

Im Frühjahr 1983 fuhren noch andere Linien und andere Fahrzeuge durch Ruhrort: Triebwagen 1232 war ein Umbau aus einem Großraumwagen

von 1954, der zweimal verlängert worden war. Wir sehen ihn in der Fabrikstraße kurz vor deren Einmündung in die Weinhagenstraße, wo sich

einst die Gleisverschlingung befand. Heute fahren die Straßenbahnen umgekehrt durch Ruhrort und die Linie 904 ist längst Vergangenheit

Per Tram zu den

»großen Pötten« im Pott

Straßenbahn im Milieu von

Ruhrort Lange bevor ein

gewisser Schimanski ab

1981 der Stadt Duisburg mit

seinem „Tatort“-Debüt

„Duisburg- Ruhrort“ ein

vielbeachtetes Image verlieh,

übte der Kleinkosmos

des Stadtteils Ruhrort mit seiner

Atmosphäre bereits Faszina tion

auf Tramfreunde aus

Nur wenige Orte zeichnen sich – wir

dürfen ruhig im Präsens sprechen,

denn wenn auch gewandelt, so gilt

es meistens noch heute – durch eine

elektrisierende Mischung aus sozialen Zusammenhängen,

wirtschaftlicher Aktivität

und stadtteil-struktureller Attraktivität aus

– und haben dabei ihren eigenwilligen regionalgeprägten

Charakter bewahrt. Einige

dieser Orte hat darüber hinaus auch die Straßenbahn

geprägt, manchmal mit Besonderheiten,

meistens als „ganz normale“ Verkehrsverbindung.

In Ruhrort gab es und gibt

es Besonderheiten auf der Linie 901 von

Duisburg-Obermarxloh nach Mülheim an

der Ruhr, die mitten durch den Duisburger

Stadtteil Ruhrort führt. Wir schauen uns an,

wie es hier vor 30 Jahren aussah und wie sich

Ruhrort heute präsentiert.

Ruhrort ist Duisburg und Duisburg ist

Ruhrort. Nun, dies stimmt nicht ganz, doch

zumindest ist das 1905 nach Duisburg eingemeindete

Ruhrort ein ganz erheblicher

„Motor“ für die Stadt. Der größte Binnenhafen

der Welt befinde sich hier, behauptet

nicht nur ein Plakat in der Auslage eines Ladengeschäftes.

Ob das zutrifft, lässt sich nur

schwer belegen. Auf alle Fälle ist es der größte

Binnenhafen Europas. Das ist aktenkundig!

Gewaltige Ausmaße erschließen sich

dem Besucher, der eine Hafenrundfahrt unternimmt.

Und wenn die „dicken Pötte“ hier

auch andere Abmessungen als an der Küste

haben, so übt das maritime Geschehen dieselbe

Faszination wie im Norden aus.

Die erste Verbindung zwischen Duisburg

und Ruhrort stellte eine Pferdebahn im Jahre

1881 her. In und um Ruhrort war des Wei-

68 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Duisburg-Ruhrort

Triebwagen 1038 – ein Zehnachser mit Niederflurmittelteil

– heute in der Fabrikstraße

auf dem Weg zum Friedrichsplatz

ALLE BILDER: A. MAUSOLF

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

69


Geschichte

OBEN Hier haben wir nun Gelegenheit, die

Gleisverschlingung in der Weinhagenstraße in

Augenschein zu nehmen. Durch entsprechende

bauliche Veränderungen hat die Tram heute

freie Fahrt und muss keine Rücksicht mehr

auf die Gegenrichtung nehmen

RECHTS Überbleibsel aus längst vergangen

Zeiten – aber noch immer schon ab Mittag geöffnet!

teren von 1892 bis zur Übernahme durch die

Duisburger Verkehrsgesellschaft AG mit der

„Kreis Ruhrorter Straßenbahn AG“ ein eigenes

Tramunternehmen tätig.

Wer mit der Tram anreist, kann auf dem

Weg nach Ruhrort bereits Einblicke in das

Hafengeschehen bekommen. Irgendwann

kratzt die Linie 901 schließlich im wahrsten

Sinne des Wortes die Kurve und biegt in

den eigentlichen Stadtteil Ruhrort ein. Bis

zum Friedrichsplatz, wo der Stadtteil Laar

beginnt, fährt sie nun durch Ruhrorts Straßen,

was auch nach vielen Veränderungen in

den vergangenen Jahrzehnten noch immer

recht spektakulär geschieht: Ab der Kreuzung

Weinhagen-/Fabrikstraße geht es richtungsmäßig

getrennt eingleisig durch enge

Straßenzüge weiter, in denen die aus Achtachsern

durch Umbau 1996/97 entstandenen

Zehnachser mit Niederflurteil fast ein

wenig überdimensioniert wirken.

Mikrokosmos mit Straßenbahn

Die Zehnachser schlängeln sich in lang samer

Fahrt dennoch elegant durch um die Bögen.

Vereinsheime ruhrgebietstypischer Einrichtungen,

Häuser von 1875 und den folgenden

Jahrzehnten, Kneipen jeder „Kulör“,

LINKS Generell herrscht nun etwas mehr Harmonie

als früher in der Harmoniestraße. Triebwagen

1038 fährt als Verstärker nur bis zum

Zoo Duisburg

RECHTS Kurz vor der Einmündung der Fabrikstraße

in die Weinhagenstraße ist durch die

seinerzeitige Umgestaltung auch in der Weinhagenstraße

alles eleganter gelöst worden,

als früher: Triebwagen 1042 kommt vom Friedrichsplatz

und ist auf dem Weg nach Mülheim

über den Duisburger Hauptbahnhof

70 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Duisburg-Ruhrort

Wir vergleichen noch einmal gestern und

heute und sehen wiederum Triebwagen

1038 auf dem Weg nach Obermarxloh über

den Friedrichsplatz

Restaurants und allerhand Läden säumen

die Strecke, bis am Friedrichsplatz beide

Richtungsstränge wieder zueinander finden.

In diesem Mikrokosmos ist die Intimität der

Ruhr-Metropole zuhause.

Verkehrsführung der Tram geändert

In den vergangenen Jahrzehnten ist allerdings

viel geschehen: Der Friedrichsplatz hat

seine Funktion als Endstelle verloren, lediglich

eine Kneipe mit dem Namen „Endstation“

erinnert noch hieran. Das Platzambiente

wurde „aufgehübscht“. Ein großer

Supermarkt gegenüber lässt den fast dorfplatzähnlichen

Charakter allerdings wieder

zum schreienden Widerspruch verkümmern.

Die Straßenzüge von Ruhrort haben ebenfalls

eine Kur verordnet bekommen.

Die alte Verkehrsführung der Tram, die aus

der Innenstadt kommend über Weinhagenstraße

und Harmoniestraße zum Friedrichsplatz

verlief, ist heute umgekehrt. Bauliche

Umgestaltungen der schmalen Straßen machten

es möglich, dass die Gleisverschlin gung

am Einmündungsbereich Fabrik-/Weinhagenstraße

entfallen konnte. Heute verkehrt

die Linie 901 ohne dieses Nadelöhr durch ein

ruhiger gewordenes Ruhrort. Zwar existieren

immer noch „kleine Läden“, doch es sind

deutlich weniger als vor 30 Jahren.

Auf nach Ruhrort!

Weniger Menschen und mehr Blech auf den

Straßen – doch wenn man jemandem begegnet,

wird auch der Fremde mit einem

Kopfnicken gegrüßt und aus den verbliebenen

Kneipen dringt der wohltuende Dialekt,

der viel zu lange vor allem mit Maloche unter

Tage verbunden war! Ein Besuch Ruhrorts

lohnt immer ... ANDREAS MAUSOLF





10.

-14.

April 2013




STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

71


■ Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps und Neuheiten

Mit den neuen Abzweigweichen von Kato lassen

sich jetzt auch in N richtige Straßenbahnanlagen

bauen, wie der Hersteller auf seiner

Schauanlage eindrucksvoll demonstrierte

liegt aber nicht an der Faulheit der

Berichterstatter, sondern am erneut

knapperen Neuheitenangebot.

Die wunderschönen Mailänder Peter-Witt-Wagen

von 1928 in Spur N

waren bei Acme zwar auch dieses

Jahr noch am Stand „um die Ecke“

vertreten, von einer möglicherweise

wesentlich mehr Erfolg versprechen-

Die Nürnberger

Modelltram-

Neuheiten. Teil 2

Weniger

Aussteller,

knapperes Angebot

Spielwarenmesse 2013 ■ Wenn Hersteller,

die seit vielen Jahren stets in Nürnberg

vertreten waren, dort keine Neuheiten

mehr präsentieren, dann reißt das zwar

eine Lücke auf, macht aber auch Platz für

neue Anbieter und Fertigungsmethoden

Nachdem wir wie immer im

ersten Teil unserer Messeberichterstattung

nur

einen kurzen Überblick

geben konnten, folgt nun der ausführliche,

zweiteilige Bericht über

die interessantesten Neuheiten und

Wiederauflagen. Dass dieser Report

heuer leider etwas kleiner ausfällt,

72 STRASSENBAHN MAGAZIN 4|2013


Spielwarenmesse 2013

In der

attraktiven Lackierung

von De Lijn wirkt der Antwerpener PCC-

Triebwagen so modern, dass man nicht vermuten würde,

dass sein Ursprungsbaujahr 1966 war. Diese Lackierung erhielt er anlässlich

der 1991 erfolgten Modernisierung. Das H0-Modell stammt von Ferivan

den Variante in H0 war aber noch

nichts zu sehen. Als zuverlässiger

Neuheitenlieferant zeigte sich dagegen

wieder Auhagen. Hier wird

vor allem das Baukastensystem zum

Bau von Fabrikgebäuden um weitere

Packungen mit Wandbauelementen

und Ausstattungsteilen ergänzt. Gut

geeignet zum Unterstellen von Fahrzeugen,

die dem Unterhalt eines Verkehrsbetriebes

dienen, erscheint die

neue dreiständige Lagerhalle, die ohne

Probleme erweitert werden kann.

Auch das neue Pförtnerhaus macht

sich bestimmt an der Einfahrt eines

Betriebshofes sehr gut. Die TT-Bahner

dürfen sich über eine Trafostation

und ein neues, relativ schlicht gestaltetes

Stadthaus mit vier Geschossen

freuen.

Beka blieb der Messe fern

Bachmann zeigte als weitere Farbvariante

der bekannten IIm-Straßenbahn

nun einen Zug in Düsseldorfer

Lackierung. Wie bereits berichtet,

war Beka nicht mehr in Nürnberg

vertreten, was leider das „Berichtsvolumen“

deutlich verringert. Hoffen

wir, dass Bernd Kasten im nächsten

Jahr, wie bislang gewohnt, wieder

mit einer großen Zahl an Neuheiten

vertreten sein wird. Bei Bus und

Bahn und mehr ist der von Halling

produzierte sechsachsige Düwag-

Gelenktriebwagen der Stadtwerke

Bielefeld bereits lieferbar. Das

Modell ist mit zwei verschiedenen

Herrmann & Partner zeigten das H0-Modell des Dresdener Arbeitstriebwagens 201 003, der 1984 aus einem

Tatra T4D entstanden ist. Wie die meisten Fotos entstand auch diese Aufnahme auf einem Diorama von H & P

Am Messestand des tschechischen Herstellers NB, der sich abseits der Modellbahnhalle 4a befand, entdeckten

wir diesen Henschel-Trolleybus HS 160. Das hübsche H0-Modell wird in Resin-Technik hergestellt

STRASSENBAHN MAGAZIN 4|2013 73


aßenbahn im Modell

Andreas Heyden zeichnet für dieses H0-Modell des Nürnberger Triebwagens der Serie 700 verantwortlich. Das interessante Modell ist nur direkt bei

den Freunden der Nürnberg-Fürther Straßenbahn als Standmodell oder motorisiert erhältlich OLGA BANDELOWA (15)

Wagennummern motorisiert und als

Standmodell erhältlich. Die motorisierte

Ausführung gibt es mit Stirn-/

Heckbeleuchtung und wahlweise

mit einer Digitalschnittstelle in den

Spurweiten H0 und H0m. Der schon

länger lieferbare Großraumbeiwagen

passt auch zu diesem Modell.

Der neue Gelenktriebwagen wird

vom Innsbrucker Fachhändler Heiss

auch in der Innsbrucker Version angeboten.

Die Bielefelder Vorbilder

waren einst dorthin verkauft wurden.

Bei Beli-Beco aus Feucht bei Nürnberg

erscheinen heuer verschiedene

neue Leuchten für die Baugrößen 0

ANZEIGEN

Für Dortmund-Spezialist Höfer hat VK-Modelle diese H0-Variante

45 Minuten

des Metrobusses

Arbeitsaufwand

MAN HOM 11A gefertigt

Arbeitaufwand 90 Minuten

Tramfreunde

aufgepasst!

Bei uns finden Sie sowohl

skandinavische wie auch viele

deutsche Trammodelle – alte

und moderne Fahrzeuge aus

Bremen, Nürnberg, Köln, Bonn,

Essen, Kassel oder Stuttgart.

Unsere H0- und 0-Modelle gibt

es fertig oder als Bausatz. Sie

sind mit allen Details ausgerüstet

und verfügen über perfekt

wirkende Fahrwerke.

Fax +4 6317111223

oder +4631211200

Bitte besuchen Sie

unsere Website

oder schreiben Sie

uns für mehr Infos

www.swedtram.se

swedtram@swipnet.se

74 STRASSENBAHN MAGAZIN 4|2013


Spielwarenmesse 2013

Der Innsbrucker Fachhändler

Heiss bietet das Halling-

Modell des Düwag-GT6

exklusiv mit den Betriebsnummern

37 und 42 für H0

und H0m in der Innsbrucker

Ausführung an

und I, vornehmlich mit Holzmasten.

Entgegen der letztjährigen Aussage,

dass man das Modell nur für H0

produziert werden würde, hat sich

Brekina wohl aufgrund der großen

Nachfrage doch dazu entschlossen,

die Sattelschleppertriebwagen der

für den innerstädtischen Verkehr

dürften die Mercedes-220-Taxis

in der Langversion vom Ende der

1960er-Jahre sein. Von diesem

Fahrzeugtyp erscheinen auch verschiedene

„zivile“ Varianten. Außer

den etwa 100 Farbvarianten bereits

Versionen hergestellt werden. Die

bereits bekannten Mercedes-O305/

O307-Stadt- und Überlandbusse

erscheinen in Varianten der Albtal-

Verkehrsgesellschaft und als Karlsruher

Stadtbus bzw. als Zubringer

zur Anti-Gorleben-Demonstration

1978 in Hannover.

Wie im letzten Jahr, so betrifft auch

heuer die Mehrzahl der Neuheiten,

die von Busch vorgestellt wurden,

die bereits bekannte Feldbahn und

eher ländliche Themen einschließlich

passender Fahrzeuge. Am interessantesten

erschien noch die

fahrbare Raumerweiterungshalle

nach DDR-Vorbild, die sowohl für

H0 wie auch für TT geplant ist. In

H0 erscheint eine Minol-Straßentankstelle.

Das Sortiment der Straßenlampen

wird durch Holzmast-,

Park- und Siedlungsleuchten erweitert.

Neue Modelle für H0 und N gibt

es auch bei den Autos, in H0 wollen

wir vor allem auf den Mercedes

Citan in Kombi- und Kastenversion

hinweisen. Weder DreiKa, die im

Hummel-Straßenbahnen aus Bochum,

die einen Teil der vormaligen

Spieth-Modelle übernommen

haben, fertigen verschiedene

H0-Kleinteile in Messingguss,

darunter Kupplungsauflagebügel

und ein Liniensignal

Mit einer Jalousie anstatt der Mitteltüre wurde der Dresdener Schienenschleifwagen

versehen. Das H0-Modell stammt unverkennbar von H & P

Sylter Inselbahn jetzt vorbildgerecht

auch für H0m anzubieten – daneben

gibt es auch die Variante für Dreileiter-Wechselstrom.

Viele Lkw- und Busmodelle

Im Bereich der Pkw-Modelle kommt

das von Starmada für Brekina produzierte

Mercedes-600-Landaulet,

das im Original mit nur 59 Exemplaren

zu den heute gefragtesten

Oldtimern zählen dürfte. Wichtig

bekannter Modelle erscheinen neu

der Opel Kapitän von 1954 und der

Dodge 100 als Pickup. Die Freunde

von Modellen nach DDR-Vorbildern

dürfen sich über den Barkas 1000

mit Kofferaufbau und als Krankenwagen

mit Sonderaufbau genauso

freuen wie über den Lkw Robur

Garant. Vorher kommen die von

Starline produzierten Steyr-LKW

380 und 480 aus Österreich, von denen

auch die entsprechenden Bus-

ANZEIGE

www.bus-und-bahn-und-mehr.de

DÜWAG-Gelenkwagen GT6

Bielefeld

Bielefeld

Verschiedene Varianten



Jetzt

lieferbar!

Mehr Infos im Internet oder Infoblatt anfordern

Sie finden uns im Internet oder fordern Sie einfach unsere kostenlose

Versandliste an vom: Versandhandel BUS UND BAHN UND MEHR

Geschwister-Scholl-Straße 20 · 33613 Bielefeld · Telefon 0521-8989250

Fax 03221-1235464 · E-Mail: info@bus-und-bahn-und-mehr.de

STRASSENBAHN MAGAZIN 4|2013 75


aßenbahn im Modell

Leider etwas hochbeinig und mit deutlich zu kurzem Radstand, aber sonst doch sehr gelungen wirkt das Spur-IIm-Modell des ältesten erhaltenen

Stuttgarter Museumwagens 222. Der Holzbausatz wird von Oc-Cre in Spanien produziert und ist in Deutschland bei Corona-Net erhältlich

Auf Basis des Steyr 380 entstanden der Bus der Steiermärkischen Landesbahn

und ein Bäckereiwagen (Starline-H0-Modelle von Brekina)

letzten Jahr den Goliath Express

1100 präsentierten, noch Epoche

waren heuer in Nürnberg vertreten.

Nichts Neues bei den Straßenbahnen

gab es auch diesmal bei ETS.

Aus dem riesigen Neuheitenangebot

von Faller sind für Modellstraßenbahner

vor allem die Wartehäuschen

nach modernem Vorbild

interessant. Der Ausgestaltung des

Modelldepots dienen können die

Spindelhebebänke, die es sowohl

mit Handkurbel- wie auch mit Motorantriebsattrappen

geben wird.

Bei den Gebäuden sticht die Weberei

heraus, gut macht sich auch

das in recht knalligen Farben gehaltene

Architektenhaus. Im TT- und

N-Sortiment dominieren eher ländliche

Gebäude. Das Car-System wird

wieder durch neue Start-Sets mit

Solo-Lkw, einem ADAC-Bus, einem

Ford Transit und einem Mercedes-

O-404-Reisebus ergänzt, letzteren

für Spur N. Das „Car System digital

3.0“ wird durch viele Komponenten

ANZEIGEN

Neue Straßenbahn-Modelle

Die

Gelben

kommen

Düwag

GT6

Vorbestellpreise bis 15. 4. 2013, danach 175 U , 225 U, 235 U

Bei Bestellung Ausführung und Streifenfarbe angeben Handmuster auf Basis E 1

TramShop, Rolf Hafke, Sieben-Schwaben-Weg 22, 50997 Köln

TS:

T t

165 €

Standmodell 205 €

Rheinbahn 2501 mit grauem,

2432 mit rotem Streifen

motorisiert mit Licht 215 €

mot., Licht + Schnittstelle

Ende

Mai

t 0 22 33-92 23 66 F 0 22 33-92 23 65 m Hafke.Koeln@t-online.de

76 STRASSENBAHN MAGAZIN 4|2013


Spielwarenmesse 2013

73 mm

Museumswagen auf der Probefahrt in Gera

Heutiger Eigentümer: Straßenbahnmuseum

Skjoldenaesholm, Dänemark

Photo: Helmut Gieramm

Neuheiten &

Neuigkeiten

H0 Kartonbausatz Flensburg 36

© Gottfried Kuře 2013

Fröhliche Farben und viele bunte Bilder an den Seitenwänden sowie eine entfernte Mitteltüre zeichnen die

Kinderstraßenbahn Lottchen aus Dresden aus. Das H0-Modell wurde von Herrmann & Partner vorgestellt

ergänzt, sodass die Steuerung über

einen Computer erfolgen kann. Notwendig

für den Betrieb sind neben

dem PC eine DCC-fähige Digitalzentrale,

das Car System digital Master

(mit Erweiterungsmodul), Satelliten

und entsprechend ausgerüstete

Fahrzeuge. Damit wird dann das

langsame Anfahren und Bremsen

sowie das Fahren in verschiedenen

Geschwindigkeitsstufen möglich.

Außerdem sollen sich Front-, Bremsund

Signallichter ansteuern lassen,

weiterhin kann eine automatische

Abstandssteuerung genutzt werden.

Belgische Hauptneuheit

Fernand Vanhoey von Ferivan stellte

neben dem im letzten SM bereits vorgestellten

Bus Typ Brossels A98 DAR

der Belgischen Kleinbahngesellschaft

als Hauptneuheit den Antwerpener

PCC-Wagen der Serie 2061-2165

vor. Das Vorbild wurde ab 1966 neun

Jahre lang für die städtische Straßenbahngesellschaft

MIVA gebaut.

Noch mehr Neuheiten für unser

Hobby stellen wir im nächsten SM

vor. BERTHOLD DIETRICH-VANDONINCK

Am Messestand von Herrmann & Partner traf sich wie jedes Jahr alles,

was an der Modelltram interessiert ist. Dortmund-Spezialist Georg Höfer,

Swedtram-Chef Hans Josefson und SM-Messereporter Berthold Dietrich-

Vandoninck (von links) hatten sichtlich recht Erfreuliches zu besprechen

Kartontram

runterladen

■ In der Februarausgabe stellte

SM-Leser Helmut Gieramm den

Kartonbausatz des Flensburger

Tw 36 und das daraus entstandene

H0-Modell vor. Den von

Gottfried Kuře entwickelten

Bastelbogen gibt es jetzt auf der

SM-Internetseite in PDF-Form

zum Runterladen. Unter www.

strassenbahn-magazin.de finden

Sie den Originalbogen von Kuře

(149 KB) sowie eine höher aufgelöste

Version (2,99 MB). JOG

Ihre Anlage

gewinnt

■ Haben Sie auch eine Tramanlage

gebaut? Dann bringen Sie doch den

Gleisplan zu Papier, machen ein paar

scharfe Fotos und schrei ben Sie uns

einige Zeilen dazu. Die besten Arbeiten

werden hier veröffentlicht und

mit einem Freiabonnement für zwölf

Ausgaben des STRASSENBAHN

MAGAZIN ausgezeichnet! Senden

Sie ihren Vorschlag an: STRAS-

SENBAHN MAGAZIN, „Ihre

Anlage gewinnt“, Postfach

40 02 09, D-80702 München.

ANZEIGEN

Das kommt nie wieder!

Original

Spieth-Modelle

Ausführliche Beschreibung mit Preisen und Bestellschein per frankiertem Rückumschlag (U 0,58) anfordern

HANS-JOACHIM SPIETH

Die letzten Exemplare des

Karlsruher

Spiegelwagen

und verschiedene

Stuttgarter Fahrzeuge

Trammodelle

(H0 und H0m)

aus Resin mit

Metallteilen

Postfach 300137

70771 Leinfelden-Echterdingen

SPIEL + TECHNIK

MODELLBAHNEN

MODELLISMO FERROVIARIO

• täglicher Versand • vendita per corrispondenza

Museumstrasse 6 • 6020 Innsbruck • T: +43-512-585056

info@heiss.co.at • www.heiss.co.at

Unser neuestes Tram-

Modell in H0 und H0m

Gelenkwagen

Düwag GT6

Innsbruck

Zwei Motoren

LED-Beleuchtung

8-Pin-Schnittstelle

€ 209,95

MODELLBAHNEN

MODELLISMO FERROVIARIO

• täglicher Versand • vendita per corrispondenza

Museumstraße 6 • 6020 Innsbruck • T: +43-512-585056

info@heiss.co.at • www.heiss.co.at

STRASSENBAHN MAGAZIN 4|2013 77


Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik und Anregung

0 89 – 13 06 99-720

ö 0 89 – 13 06 99-700

: redaktion@geramond.de

STRASSENBAHN MAGAZIN

Postfach 40 02 09 · 80702 München

Zu „Anschluss unter neuer

Nummer“ (SM 1/2013)

Plan erst später gültig

Zu diesem Artikel habe ich zwei Anmerkungen:

Bei der Aufstellung der alten

und neuen Liniennummern ab 1993

(S. 60) wird als Nachfolger der alten „20“

die „22“ angegeben. Bei dieser Linie

dürfte es sich jedoch um die einzige Neubildung

im Zuge der Netzreform handeln.

Die „20“ fuhr vom Bahnhof Lichtenberg

über Weißensee zum Hackeschen Markt,

die „22“ hingegen von Lichtenberg zur

Revaler Straße. Letztere befuhr dabei u. a.

die seit 1954 als Betriebsstrecke genutzten

Gleise in der Scheffelstraße. Identisch

war bei beiden Linien lediglich der Abschnitt

vom heutigen Roederplatz zum

Bahnhof Lichtenberg.

Der auf S. 57 gezeigte Netzausschnitt

stellt ferner eine Situation dar, wie sie erst

ab 1995 vorliegt. Die Linien „21“ und

„22“ wurden 1994 zusammengelegt, wodurch

die verwinkelte Linienführung entstand,

die wir heute noch vorfinden. Die

aufgezeigte „28“ wurde erst im April

1995 eingeführt.

Christian Liebscher, Dorsten

Zu „Verstreut in alle Richtungen“

(SM 2/2013)

Berliner in Australien

Ergänzend zum Leserbrief von Wolfgang

Kaiser im SM 3/2013 betreffs „Berliner

Export-Trams“ möchte ich anmerken,

dass der ursprünglich ins Museum Sydney-Loftus

versandte Berliner Reko-Tw

3007 seit 2010 im Melbourner Tram-Museum

„Hawthorn Depot“ nicht fahrfähig

steht hinter dem Mailänder „Peter Witt“

Tw 1692 und neben dem Melbourner Tw

180 vom Typ T. Leider sind die Exponate

recht eng zusammen stehend, ein Fotografieren

ist kaum möglich.

Die beiden restlichen Berliner Reko-Tw

und -Bw sind noch in Loftus, aber auch

nicht mehr fahrfähig. Der Tw 3008 ist in

der Halle in gutem Zustand, der Bw 3717

steht im Freien und ist graffitibeschmiert.

Tw 3008 ist wohl der einzige Reko-Tw mit

Stangenstromabnehmer. Er verlor seinen

Der ex Berliner Tw 3007 am 21. September 2010 im australischen Melbourne

im Hawthorn Depot, das heute als Tram-Museum genutzt wird P. GEMEINHARDT

Scherenbügel, weil die Tram in Sydney einen

Schienenschleif-Tw benötigte, den

man aus dem Museum Loftus holte. Da ein

Einsatz mit Stange bei der neuen Sydney-

Tram nicht mehr möglich ist, tauschte man

einfach die Stromabnehmer der beiden Tw

aus. So fährt der Schleif-Tw mit DDR-Schere

und der Reko-Tw steht mit Stange da.

Peter Gemeinhardt, Offenbach

Zu „Das besondere Bild – Igls“

(SM 1/2013)

Wann endlich reguläre

Verbindung?

Vielen Dank für die Aufnahme vom Tw

3 der Mittelgebirgsbahn Innsbruck – Igls

(Straßenbahnlinie 6) im Endbahnhof Igls.

Jetzt, 32 Jahre danach, führt diese Linie

immer noch genau dasselbe einsame Eigenleben,

bedingt durch den Ausgangspunkt

an der Peripherie von Innsbruck. Es

fehlt eine direkte Anbindung zum Hbf –

obwohl inzwischen die Fahrzeuge zweimal

erneuert und die Strecke sowie auch

die Haltestellen großteils saniert wurden.

Dabei wäre es meiner Meinung nach sehr

einfach, dies zu ändern. Man müsste die

Linie nur wie in den Jahren 2004 bis 2009

wiederum das kurze Stück vom Bergisel

bis zum Stubaitalbahnhof verlängern und

den Fahrplan so gestalten, dass ein kurzer

Anschluss von und zur dort halbstündlich

verkehrenden Stubaitalbahn besteht!

Die Fahrzeit der stündlich verkehrenden

Linie 6 vom Stubaitalbahnhof bis Igls beträgt

einfach etwa 20 Minuten, das ergibt

hin und zurück ungefähr 40 Minuten. Der

Fahrplan könnte dann etwa so aussehen:

Ab Innsbruck Hbf mit Stubaitalbahn: 8.47

Uhr, Abfahrt Linie 6 ab Stubaitalbahnhof:

9 Uhr, Ankunft Igls: 9.20 Uhr; zurück ab

Igls: 9.25 Uhr, Ankunft Stubaitalbahnhof:

9.45 Uhr, weiter mit Stubaitalbahn: 9.46

Uhr, Ankunft Innsbruck Hbf: 10 Uhr und

so in stündlicher Folge. Damit wäre auch

die Mittelgebirgsbahn genau so wie die

Stubaitalbahn seit 1983 nicht nur mit der

weiten Welt am Hauptbahnhof, sondern

auch mit dem Stadtzentrum und dem

Westbahnhof (Arlbergbahn, Mittenwaldbahn)

direkt verbunden.

Der Stockholmer

Linienplan

von 1949 enthielt

für kurzgeführte

Linien

Zusatzbuch -

staben

SLG. D. E. GÖRANSSON

Wichtig wäre natürlich, dass die Fahrpläne

durchgehend mit Vor- und Nachlauf

durch die Stubaitalbahn (also von und bis

Hbf) als Einheit angeführt und ausgedruckt

werden. Es werden derzeit bei Fahrplananfragen

im Internet nur Busverbindungen

ausgewiesen. In Innsbruck ist

durch umfangreiche Neubauten und Ausbaupläne

ein neues Straßenbahnzeitalter

angebrochen. Nichts jedoch hört man von

einer notwendigen kurzen Verlängerung

der Linie 6 von Igls/Bahnhof durch die

Obexerstraße ins Ortszentrum, wo ein

Bahnsteig mit Stumpfgleis ausreichend

wäre. Der Platz ist vorhanden. Die Bahn

wäre attraktiver und würde von der Bevölkerung

und auch Pendlern (eventuell

auch abwechselnd mit dem Bus) sicherlich

gerne angenommen werden. Der Weg zur

Talstation der Patscherkofelbahn wäre

nicht mehr weit und könnte den Leuten,

die oben ohnedies wandern oder schifahren,

durchaus zugemutet werden. Die

Stadtverwaltung und Betriebsleitung mögen

darüber nachdenken!

Manfred Mair, Mils bei Hall (Tirol)

Zu „Viele Ziele, viele

Nummern?“ (SM 2/2013)

Lösung mit Zusatz-

Buchstaben

Neben den im Beitrag skizzierten drei

Varianten gibt es auch noch eine vierte

zur Kennzeichnung unterschiedlich langer

Liniennutzung: Zusatzbuchstabe nach der

Liniennummer, ein System, das die Fahr-

78 STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013


Stadtbahnen und Trams

an der Westküste

Der zweite Atlas, den Robert Schwandl in seiner Reihe

„Subways & Light Rail in den USA“ herausgebracht

hat, führt in den Westen der USA. Neben den Betrieben

an der Westküste stellt der Band auch die in den

Bundesstaaten Utah, Arizona und Colorado bestehenden

Betriebe vor.

Interessant ist, dass es hier sowohl Hochflurstadtbahnen

als auch Niederflurtrams gibt und dazwischen

eben auch Stadtschnellbahnen, die teilniederflurige

Fahrzeuge bedienen. Daneben stellt Schwandl auch die reinen U-Bahn-Betriebe

sowie die Museumstrams vor. Das ist ein volles Paket, das als Reiseführer für einen

Tram-Urlaub im fernen Westen hervorragend geeignet ist.

Aber das ist es halt nicht allein, denn die Vielfalt, die gerade der Westen der USA

in den rund 30 Jahren, seit in San Diego die erste neue Stadtbahn der USA den

Betrieb aufnahm, zu bieten hat, derart konzentriert in einem kleinen, recht dünnen

Buch zu finden – das lässt einerseits manche Lücke, bietet aber andererseits eben

einen kompakten Überblick, auf dessen Basis sich weiter lesen lässt.

Auch wenn Schwandl zu jedem Betrieb einen kurzen historischen Abriss liefert –

der Schwerpunkt ist der aktuelle Betrieb. Diesen stellt er nicht nur in Wort und Bild

vor, sondern er liefert auch von Seattle über San Francisco und San Diego bis Phoenix

die gewohnt exzellenten Netz- und Detailpläne, die vielen – ebenfalls gewohnten

– oft sehr klein wiedergegebenen Fotos und eben auch sehr viele, komprimierte Informationen.

Ob als Reiseführer oder als Überblicksband – der Band sei jedem empfohlen, der

sich für die internationale Entwicklung auf dem Stadt- und Straßenbahnsektor interessiert.

STEFAN VOCKRODT

Aus Tradition.

www.geramond.de

Robert Schwandl: Subways & Light Rail in den USA, Band 2: Der Westen, 144

S. DIN A5, broschiert, zahlreiche Fotos und Karten, Robert Schwandl Verlag,

Berlin 2012, ISBN 978-3-936573-35-0, Preis 19,50 €

gästen meiner Meinung nach am besten

informiert. Dieses System ist in Stockholm

schon immer verwendet worden, früher

bei den Straßenbahnen – und heute noch

für Buslinien. Innerhalb von 100 Jahren

hat man dabei fast alle Buchstaben des

Alphabets genutzt! Bei Ringlinien zum

Beispiel: V = links herum, H = rechts herum.

Es funktioniert so: E bedeutet immer

Kurzführung einer Linie, wie X, aber dann

mit einer kleinen abweichenden Linienführung.

E und X werden von Extrawagen

im Spitzenverkehr benutzt. Andere, permanente

Abweichungen bekommen andere

Zusatzbuchstaben, wie z. B. unsere

früheren Straßenbahnlinien in Stockholm

2N, 7N (= Norrmalmstorg), 8R, 19R (=

Ringvägen), 11Å (= Åkeshov), 12Å (=

Ålstens Gård), 16A (= Aspudden), 17M(=

über Midsommarkransen), 17K (= über

Kilaberg), 17T (= Telefonplan), 19 S

(=Svedmyra). Das ist also stets der erste

Buchstabe der abweichenden Endhaltestelle

oder des Zielgebietes. Das ist für

die Fahrgäste sehr einfach zu verstehen.

Die drei Münchener Straßenbahnlinien

20, 21, 22 sollten ebenfalls nach diesem

System benannt werden: Die 21 zum

Westfriedhof – 20W, die 22 zur Hochschule

– 20H. Die 20 bleibt als Stamm-

STRASSENBAHN MAGAZIN 4 | 2013

linie unverändert. Ich stimme für die vierte

Variante.

Dan Erik Göransson, Stockholm

Zu „Schüttelrutschen und

Schaukelpferde“ (SM 1/2013)

Zeitweise Zehnachser!

Der auf Seite 50 unten abgebildete

Duisburger GT8 Nr. 1231 und sein

Schwes terfahrzeug Nr. 1232 sind 1972

zunächst durch Einfügung von zwei Mitteilen

von Sechs- zu Zehnachsern umgebaut

worden. Erst 1974 wurde nach Herausnahme

eines Mittelteils jeweils ein

GT8 aus diesen Fahrzeugen.

Die Bildunterschrift ist ebenfalls nicht

richtig. Der Wagen befindet sich auf der

Wanheimer Straße in Höhe der Haltestelle

Fischerstraße, wo weiterhin regulär die Straßenbahn

fährt – nicht auf der heutigen Betriebsstrecke

Kulturstraße. Linie 904 wurde

durch den Stadtbahnbau 1992 in diesem

Abschnitt durch die Linie 903 ersetzt.

Darüber hinaus zählen weder der abgebildete

Wuppertaler GT 8 Nr. 3816 noch

der DVG-GT8 zur Kategorie der „Schüttelrutschen“.

Auch durch den Umbau fuhren

diese weiterhin auf Drehgestellen mit

vergleichbaren Fahreigenschaften wie

Neubauwagen. Horst Knist, Duisburg

Sie ist aus dem öffentlichen Leben der großen Schweizer Städte

nicht wegzudenken und erfreut sich wachsender Beliebtheit: die

Straßenbahn. Alles über Gegenwart und Geschichte der eidgenössischen

Trams und Straßenbahnbetriebe weiß dieses mit

historischen Fotos anregend bebilderte Porträt. Rollmaterial,

Netzerweiterungen, stillgelegte Linien und neue Verbindungen –

Bahnexperte Ralph Bernet gibt Auskunft. Umfassend, kompetent,

hoch informativ.

144 Seiten · ca. 240 Abb. · 22,3 x 26,5 cm

€ [A] 30,80 · sFr. 39,90

ISBN 978-3-86245-122-7 € 29,95

144 Seiten · ca. 200 Abb.

22,3 x 26,5 cm

€ [A] 30,80 · sFr. 39,90

ISBN 978-3-86245-104-3

€ 29,95

Faszination Technik

144 Seiten · ca. 200 Abb.

22,3 x 26,5 cm

€ [A] 30,80 · sFr. 39,90

ISBN 978-3-86245-148-7

€ 29,95

www.geramond.de

oder gleich bestellen unter

Tel. 0180-532 16 17 (0,14 €/Min.)


Termine · Impressum

Nummer 282 • 4/2013 • April • 44. Jahrgang

Termine

31. März/1. April, Sehnde-Wehmingen:

Ostern im Hannoverschen Straßenbahn-Museum,

Hohenfelser Straße 16,

31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr,

weitere Informationen unter www.tram-museum.de

5. April, Bad Schandau: anlässlich des

VVO-Entdeckertags pendelt der 75-jährige

Tw 8 mit einem Einheitsbeiwagen im Stil wie

vor 25 Jahren regulär durch das Kirnitzschtal.

Außerdem steht Besuchern die Werkstatt offen,

u.a. Besichtigung Frühjahrsrevision am

HTw 9 (Bj. 1926) möglich. Weitere Infos:

www.ovps.de/verein

14. April, Bochum: „Werkstattfahrt Straßenbahn“

der VhAG BOGESTRA: Werfen Sie

zunächst einen Blick hinter die Kulissen des

Straßenbahnbetriebs Bochum. Von dort aus

geht es mit dem historischen Tw 96 zum Betrieb

Gelsenkirchen und anschließend über

Buer und Erle zurück nach Bochum. Infos

und Anmeldung: www.vhag-bogestra.de

14. April, Berlin: Themenfahrten mit historischen

Straßenbahnen, ab Alexanderplatz/Dircksenstraße

um 11 und 14 Uhr:

Rundfahrten durch die Innenstadt mit dem

TM 34 und LOWA-Beiwagen sowie dem Rekozug;

Dauer: ca. 2,5 Stunden; Fahrpreise:

Erwachsene 6 EUR, Kinder (6–14 Jahre) 3

EUR; Fahrscheine in den Wagen erhältlich,

keine Platzreservierung; weitere Informationen

unter www.dvn-berlin.de

20./21. April 2013, Dresden: Das Straßenbahnmuseum

Dresden auf dem Gelände

des Betriebshofes Dresden-Trachenberge hat

von 10 bis 17 Uhr geöffnet; Besichtigung

der Museumshallen, des Werkstattbereiches

und der historischen Wagen; gezeigt wird

u.a. der vor seiner Vollendung stehende Post-

Ob Tag der offenen Tür, Sonderfahrt oder Sym posium:

Veröffentlichen Sie Ihren Termin hier kostenlos.

Fax (0 89) 13 06 99-700 · E-Mail: redaktion@geramond.de

wagen der Lockwitztalbahn von 1908, im Museumscafé

läuft auf der Großbildleinwand eine

neue Fotopräsentation. Achtung: an beiden

Tagen keine Führungen; Eintrittspreis: 3 EUR

pro Person. An beiden Tagen ist außerdem der

Gotha-Großraumzug Tw 1734 mit Bw 2015

nach seiner HU erstmalig wieder im Einsatz,

stündliche Rundfahrten durch Dresden

20./21. April, Bad Schandau: Bahnerlebnistage

in der Sächsischen Schweiz, regulärer

Fahrzeugeinsatz auf Kirnitzschtalbahn sowie

Tag der offenen Tür im Depot mit Besichtigung

der Werkstatt.

21. April, Berlin: Anlässlich „100 Jahre

U2 sind zwei Dreiwagenzüge vom Typ AI auf

der U2 im Einsatz; außerdem Themenfahrt mit

historischem Omnibus, ab Alexander -

platz/Dircksenstraße um 10 Uhr: Rundfahrt

nach Müggelheim; Dauer: ca. fünf Stunden;

Fahrpreise: Erwachsene 12 EUR, Kinder (6–14

Jahre) 8 EUR; eine Platzreservierung ist erforderlich

unter businfo@dvn-berlin.de; weitere

Informationen unter www.dvn-berlin.de

21. April, Bochum: Zwischen 11 und 17

Uhr fährt der »Muse umsExpress« der VhAG

Bogestra mit historischen Straßenbahnen als

Zu brin ger vom Hbf Bochum, Bstg. Linie

308/318, zum Bahnhof Bo.-Dahl hausen, wo

in den Pendel-Schienenbus zum Eisenbahnmuseum

umgestiegen werden kann. Nähere

Infos: www.vhag-bogestra.de

21. April, Sehnde-Wehmingen: Tag des

Kalibergbaus im Hannoverschen Straßenbahn-

Museum, Hohenfelser Straße 16, 31319 Sehnde,

geöffnet von 11–17 Uhr, weitere Informationen

unter www.tram-museum.de oder

vorstand@tram-museum.de

28. April, Sehnde-Wehmingen: Straßenbahn

selbst fahren im Hannoverschen Stra-

ßenbahn-Museum, Hohenfelser Straße 16,

31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr,

Gelegenheit, unter Anleitung eines HSM-

Fahrlehrers selbst eine Straßenbahn zu fahren,

Kosten: 15 EUR, siehe www.tram-museum.de

1. Mai, Bad Schandau: Sonderfahrten

auf Kirnitzschtalbahn mit historischen Fahrzeugen.

Es gilt der normale Fahrpreis zzgl.

eines Obolus von 1,- € pro Fahrt, den Fahrplan

gibt es unter www.ovps.de/verein

4. Mai, Berlin: Führungen durch das Baudenkmal

Betriebshof Niederschönhausen

und die Sammlung historischer Straßenbahnen

und Busse, Dietzgenstraße 100 (Haltestelle

Nordend, Straßenbahnlinie M1, Buslinien

107 und 124), stündlich von 10 bis

15 Uhr; Eintritt: Erwachsene 2 EUR, Kinder

(6–14 Jahre) 1 EUR; weitere Informationen

unter www.dvn-berlin.de

4. Mai, Augsburg: Rundfahrt mit GT8-Tw

806, organisiert von den Freunden der Augsburger

Straßenbahn e.V. und den Verkehrsbetrieben.

Start ist am Königsplatz (Bahnst.

„H“ der Linie 2 Richtung Stadttheater) um

13.05, 14.05 und 15.05 Uhr. Die Fahrt dauert

ca. 40 Minuten und kostet 3 EUR für Erwachsene

und 1,50 EUR für Kinder. Mitglieder

anderer Nahverkehrsfreunde sind frei.

Bitte beim Fahrbegleiter melden

4. Mai, Essen/Gelsenkirchen: Die historischen

Straßenbahnen der VhAG EVAG,

BOGESTRA und MVG fahren im Stundentakt

zwischen Essen-Holsterhausen und

Gelsenkirchen Hbf, zwischen Essen Hbf und

Zeche Zollverein sogar alle 30 Minuten. Zustieg

mit einem gültigen VRR-Ticket. Infos:

www.vhag-bogestra.de

Betriebe

Fahrzeuge

Geschichte

www.strassenbahn-magazin.de

Redaktionsanschrift:

STRASSENBAHN MAGAZIN

Postfach 40 02 09 · D-80702 München

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.720

Fax + 49 (0) 89.13 06 99.700

redaktion@strassenbahn-magazin.de

Verantw. Redakteur:

André Marks, andre.marks@geramond.de

Redaktion:

Michael Krische (Redaktionsleitung),

Thomas Hanna-Daoud, Martin Weltner

Redaktion Journal/aktuelle Meldungen:

Philipp Krammer,

philipp.krammer@geramond.de

Redaktion Straßenbahn im Modell:

Jens-Olaf Griese-Bande low,

jobandelow@geramond.de

Redaktionsteam:

Berthold Dietrich-Vandoninck, Wolfgang Kaiser,

Michael Kochems, Bernhard Kuß magk,

Ronald Glembotzky, Dr. Martin Pabst,

Axel Reuther, Robert Schrempf, Michael Sperl

Redaktionsassistenz: Brigitte Stuiber

ABO –HOTLINE

Leserservice, GeraMond-Programm

Tel. 0180 – 532 16 17 (14 ct/min.)

Fax 0180 – 532 16 20 (14 ct/min.)

leserservice@strassenbahn-magazin.de

Gesamtanzeigenleitung:

Helmut Kramer

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.270

helmut.kramer@verlagshaus.de

Anz.-leitung STRASSENBAHN MAGAZIN:

Helmut Gassner

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.520

helmut.gassner@verlagshaus.de

Anzeigendispo STRASSENBAHN MAGAZIN:

Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.130

anzeigen@verlagshaus.de

www.verlagshaus-media.de

Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 23 vom 1.1.2013

Layout: Axel Ladleif

Litho: Cromika, Verona

Druck: Stürtz GmbH,

Alfred-Nobel-Straße 33, 97080 Würzburg

Verlag:

In diesen Fachgeschäften erhalten Sie das STRASSENBAHN MAGAZIN

80

Postleitzahlgebiet 0

Thalia-Buchhandlung, 02625 Bautzen,

Kornmarkt 7 · Fachbuchhandlung

Hermann Sack, 04107 Leipzig,

Harkortstr. 7

Postleitzahlgebiet 1

Schweitzer Sortiment, 10117 Berlin,

Französische Str. 13/14 · Loko Motive

Fachbuchhandlung, 10777 Berlin,

Regensburger Str. 25 · Modellbahnen

& Spielwaren Michael Turberg, 10789

Berlin, Lietzenburger Str. 51 · Buchhandlung

Flügelrad, 10963 Berlin,

Stresemannstr. 107 · Modellbahn-

Pietsch, 12105 Berlin, Prühßstr. 34

Postleitzahlgebiet 2

Roland Modellbahnstudio,

28217 Bremen, Wartburgstr. 59

Postleitzahlgebiet 3

Buchhandlung Decius, 30159 Hannover,

Marktstr. 52 · Train & Play, 30159

Hannover, Breite Str. 7 · Pfankuch

Buch, 38023 Braunschweig, Postfach

3360 · Pfankuch Buch, Kleine Burg

10, 38100 Braunschweig

Postleitzahlgebiet 4

Menzels Lokschuppen, 40217 Düsseldorf,

Friedrichstr. 6 · Goethe-Buchhandlung,

40549 Düsseldorf, Will -

stätterstr. 15 · Modellbahnladen Hilden,

Hofstr. 12, 40723 Hilden · Fach -

buchhandlung Jürgen Donat, 47058

Duis burg, Ottilienplatz 6

Postleitzahlgebiet 5

Technische Spielwaren Karin Lindenberg,

50676 Köln, Blaubach 6-8 ·

Modellbahn-Center Hünerbein, 52062

Aachen, Augustinergasse 14 · Mayersche

Buchhandlung, 52064 Aachen,

Matthiashofstr. 28-30 · Buchhandlung

Karl Kersting, 58095 Hagen, Berg -

str. 78

Postleitzahlgebiet 6

Kerst & Schweitzer, 60486 Frankfurt,

Solmsstr. 75

Postleitzahlgebiet 7

Stuttgarter Eisenbahn-u.Verkehrsparadies,

70176 Stuttgart, Leuschnerstr. 35

· Buchhandlung Wilhelm Messerschmidt,

70193 Stuttgart, Schwabstr.

96 · Buchhandlung Albert Müller,

70597 Stutt gart, Epplestr. 19C · Eisen -

bahn-Treffpunkt Schweickhardt,

71334 Waiblingen, Biegelwiesenstr.

31 · Osiandersche Buch handlung,

72072 Tübingen, Unter dem Holz 25 ·

Buch verkauf Alfred Junginger, 73312

Geis lingen, Karlstr. 14 · Service rund

ums Buch Uwe Mumm, 75180 Pforzheim,

Hirsauer Str. 122 · Modellbahnen

Mössner, 79261 Gutach, Landstr.

16 A

Postleitzahlgebiet 8

Fachbuchzentrum & Antiquariat Stiletto,

80634 München, Schulstr. 19 ·

Augsburger Lok schuppen, 86199

Augsburg, Gögginger Str. 110 · Verlag

Benedikt Bickel, 86529 Schroben -

hausen, Ingolstädter Str. 54

Postleitzahlgebiet 9

Buchhandlung Jakob, 90402 Nürnberg,

Hefners platz 8 · Modellbahnvertrieb

Gisela Scholz, 90451 Nürnberg,

Nördlinger Str. 13 · Modell spielwaren

Helmut Sigmund, 90478 Nürnberg,

Schweiggerstr. 5 · Buchhandlung

Rupprecht, 92648 Vohenstrauß, Zum

Beckenkeller 2 · Fried rich Pustet & .,

94032 Passau, Nibe lun gen platz 1 ·

Schöningh Buchhandlung & ., 97070

Würz burg, Franziskanerplatz 4

Österreich

Buchhandlung Herder, 1010 Wien,

Wollzeile 33 · Modellbau Pospischil,

1020 Wien, Novaragasse 47 · Technische

Fachbuch handlung, 1040 Wien,

Wiedner Hauptstr. 13 · Leporello – die

Buchhandlung, 1090 Wien, Liechtensteinstr.

17 · Buchhandlung Morawa,

1140 Wien, Hackinger Str. 52 · Buchhandlung

J. Heyn, 9020 Klagenfurt,

Kramergasse 2-4

Belgien

Musée du Transport Urbain Bruxellois,

1090 Brüssel, Boulevard de Smet de

Naeyer 423/1

Tschechien

Rezek Pragomodel, 110 00 Praha 1

Klimentska 32

Dänemark

Peter Andersens Forlag, 2640 Hede -

husene, Brandvaenget 60

Spanien

Librimport, 8027 Barcelona, Ciudad

de Elche 5

Großbritannien

ABOUT, GU46 6LJ, Yateley,

4 Borderside

Niederlande

van Stockum Boekverkopers, 2512 GV,

Den Haag, Westeinde 57 · Norsk

Modell jernbane AS, 6815 ES, Arnheim,

Kluizeweg 474

GeraMond Verlag GmbH,

Infanteriestraße 11a, 80797 München

Geschäftsführung:

Clemens Hahn, Carsten Leininger

Herstellungsleitung:

Sandra Kho

Vertrieb Zeitschriften:

Dr. Regine Hahn

Vertrieb/Auslieferung Handel:

MZV, Moderner Zeitschriftenvertrieb

GmbH & Co. KG, Unterschleißheim

Im selben Verlag erscheinen außerdem:

Preise: Einzelheft Euro 8,50 (D), Euro 9,50 (A),

sFr. 15,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Porto;

Jahresabopreis (12 Hefte) Euro 91,80 (incl. MwSt.,

im Ausland zzgl. Versandkosten)

Erscheinen und Bezug: STRASSENBAHN MAGAZIN

erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -

land, in Österreich und in der Schweiz im Bahnhofs buch -

handel, an gut sortierten Zeitschriftenki os ken, im Fachbuchhandel

sowie direkt beim Verlag.

© 2013 by GeraMond Verlag. Die Zeitschrift und alle ihre

enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich

geschützt. Durch Annahme eines Manu skripts erwirbt

der Verlag das aus schließ liche Recht zur Ver öffentlichung.

Für unverlangt ein gesandte Fotos wird keine Haftung

übernommen. Gerichtsstand ist München.

Ver antwortlich für den redaktionellen Inhalt: André Marks;

verantwortlich für Anzeigen: Helmut Kramer, beide Infanteriestr.

11a, 80797 München.

ISSN 0340-7071 • 10815

80


12x STRASSENBAHN MAGAZIN

+ Geschenk

Tramino Jena

GT8SU

Grazer TW 206

Ihr

Willkommensgeschenk

GRATIS!

STRASSENBAHN MAGAZIN Stockschirm

Wir lassen Sie nicht im Regen stehen! Mit diesem extra leichten

und großen Schirm mit hochwertigem Aluminiumstock und einem

schwarzen Bezug mit aufgedrucktem STRASSENBAHN MAGAZIN

Logo trotzen Sie allen Wetterlagen.


Mein Vorteilspaket

✓ Ich spare 10%

(bei Bankeinzug sogar 12%)!

✓ Ich erhalte mein Heft 2 Tage vor

dem Erstverkaufstag (nur im Inland)

bequem nach Hause und verpasse

keine Ausgabe mehr!

✓ Ich kann nach dem ersten Jahr

jederzeit abbestellen und erhalte

zuviel bezahltes Geld zurück!


Das STRASSENBAHN MAGAZIN- Vorteilspaket

❑ JA, ich möchte mein STRASSENBAHN MAGAZIN-Vorteilspaket

Bitte schicken Sie mir das STRASSENBAHN MAGAZIN ab sofort druckfrisch und mit 10% Preisvorteil für

nur €7,65* pro Heft (Jahrespreis: €91,80*) monatlich frei Haus. Ich erhalte als Will kommens geschenk

das Buch »Straßenbahnen in der DDR«**. Versand erfolgt nach Bezahlung der ersten Rechnung. Ich

kann das Abo nach dem ersten Bezugsjahr jederzeit kündigen.

Bitte informieren Sie mich künftig gern per E-Mail, Telefon oder Post über interessante

❑ Neuigkeiten und Angebote (bitte ankreuzen).

Sie möchten noch mehr sparen?

Dann zahlen Sie per Bankab bu chung (nur im Inland möglich)

und Sie sparen zusätzlich 2 % des Abopreises!

Ja, ich will sparen und zahle künftig per Bankabbuchung

❑ pro Quartal nur €22,50 ❑ pro Jahr nur €89,90

WA-Nr. 620SM60121 – 62189147

Ihr Geschenk

Vorname/Nachname

Straße/Hausnummer

PLZ/Ort

Telefon

E-Mail (für Rückfragen und weitere Infos)


Datum/Unterschrift

Kreditinstitut

Kontonummer


Datum/Unterschrift

Bankleitzahl

Bitte ausfüllen, ausschneiden oder kopieren und gleich senden an:

STRASSENBAHN MAGAZIN Leserservice, Postfach 1280, 82197 Gilching

oder per Fax an 0180-532 16 20 (14 ct/min.),

per E-Mail: leserservice@strassenbahnmagazin.de

www.strassenbahn-magazin.de/abo

* Preise inkl. Mwst., im Ausland zzgl. Versandkosten

** Solange Vorrat reicht, sonst gleichwertige Prämie


Vorschau

TOPTHEMA

Als Hamburgs Straßenbahn noch eine Zukunft hatte

Nach dem Zweiten Weltkrieg erholte sich die Straßenbahn in Hamburg noch einmal. Anfang der 1950er-Jahre wurden

zwei seit 1945 brach liegende Strecken wieder in Betrieb genommen, bis 1955 entstanden sogar noch zwei neue Linien.

Damit hatte der Betrieb in der Nachkriegszeit seinen Zenit erreicht. Der fulminant bebilderte Beitrag erinnert an diese für

Hamburgs Straßenbahnen aus heutiger Sicht so rosigen Jahre.

W. WOLFF

Der »Tausendsassa« –

Schleifwagen aus Rheine

Weitere Themen der kommenden Ausgabe

Mit dem Bau eines Schleifwagens für die Metro Ankara trat

die Firma Windhoff aus Rheine 1994 in einen Markt ein, der

Jahrzehnte von der Firma Schörling Waggonbau in Hannover

beherrscht wurde. Der Beitrag stellt die Produktion in

Rheine sowie die für Freiburg im Breisgau und Helsinki gelieferten

Wagen vor.

Die Stilllegung der Tram im

spanischen Vélez-Málaga

Sie war erst im Oktober 2006 in Betrieb genommen worden.

Im Januar 2013 wurde der Straßenbahnbetrieb zwischen

der spanischen Kreishauptstadt Vélez-Málaga und

ihrem Vorort Torre del Mar an der Mittelmeerküste nun

endgültig eingestellt. Der Beitrag schildert die Hintergründe

für diese ungewöhnliche Entscheidung.

Augsburg: Geschichte der

Wagenhalle Lechhausen

Im Sommer 1930 erwarb die Augsburger Straßenbahn im

Stadtteil Lechhausen ein Grundstück an der Blücherstraße

65a. In den folgenden Monaten entstand darauf eine sechsgleisige

Wagenhalle. Winfried Wolff schildert die Entstehung

und den Werdegang dieser 1931 eingeweihten Halle, deren

Bau mit 100.630,90 RM deutlich weniger als ursprünglich

veranschlagt kostete …

Einmal quer durch den

Dresdner Elbtalkessel

Die Porträts von Straßenbahnlinien sind im STRASSENBAHN

MAGAZIN eine feste Größe geworden. Reisen Sie im nächsten

Heft in Gedanken auf Dresdens Linie 7 einmal quer

durch die sächsische Landeshauptstadt. Immerhin verbindet

diese Strecke den höchsten Punkt des Dresdner Netzes

u.a. mit dem Stadtzentrum und Szeneviertel Neustadt …

K. LINDOW, SLG. R. SCHULZ

SLG. W. WOLFF

Liebe Leser,

Sie haben

Freunde, die

sich ebenso

für die

Straßenbahn

mit all Ihren

Facetten begeistern

wie Sie? Dann empfehlen

Sie uns doch weiter! Ich freue mich

über jeden neuen Leser

André Marks,

verantwortlicher Redakteur

Ende gut …?

»Foul-Spiel« eines

Autos gegen ÖPNV

Die „Bonner Runde“ im Fahrgastverband

Pro Bahn verurteilte Ende Februar

eine Werbekampagne der Firma

Daimler für einen Kleinwagen als „unfair“

und forderte die sofortige Einstellung

sowie eine Entschuldigung. Ein

im Auftrag des Automobilkonzerns

produzierter Werbespot sei gegen den

ÖPNV gerichtet. Der Kurzfilm hatte die

möglichen Auswüchse des mensch -

lichen Fehlverhaltens von Fahrgästen

in öffentlichen Bussen und Bahnen der

Selbstbestimmtheit beim Autofahren

gegenübergestellt.

Dabei bediene der Werbefilm dumpfe

Klischees und diffamiert nach Meinung

von Pro Bahn Fahrgäste. Es werde der

Eindruck erweckt, dass sich in den

Nahverkehrsmitteln vorwiegend Rüpel

aufhalten, die Mitfahrer durch mitgebrachte

Speisen und Getränke, Musikdarbietungen,

Hunde, Grippeviren

und Körperschweiß zwangsläufig belästigen.

Unterstützt wird die Kampagne in der

Öffentlichkeit mit Plakaten, auf denen

damit geworben wird, dass in den Automobilen

– im Gegensatz zum ÖPNV

– in der Hauptverkehrszeit immer zwei

freie Plätze zur Verfügung stünden.

Damit zeichne Daimler eine „negatives

Zerrbild des ÖPNV“, welches mit

der Realität des heutigen Nahverkehrs

in Deutschland überhaupt nichts zu tun

habe. Denn während die Zulassungszahlen

des Miniautos in Deutschland

seit Jahren sinken würden (seit 2004

um 44 Prozent), nahm der Nahverkehr

im gleichen Zeitraum um 15 Prozent

zu, so Pro Bahn.

AM

DAS STRASSENBAHN-MAGAZIN 5/2013 erscheint am 19. April 2013

82

… oder schon 2 Tage früher mit bis zu 36 % Preisvorteil und Geschenk-Prämie! Jetzt sichern unter www.strassenbahn-magazin.de

Plus Geschenk

Ihrer Wahl:

z.B. DVD »Trams

im Wirtschafts -

wunderland«


Das besondere Bild

Das besondere Bild

Das besondere Bild

Eröffnet worden war die Straßenbahn 1893 auf 900 mm breiten

Gleisen als Pferdebahnbetrieb. Als letzter Betrieb in Spanien

Ein Die Jahr spanische vor der Hafenstadt Stilllegung Alicante der Straßenbahn an der Costa Esslingen Blanca – ist Nellingen – Denkendorf

fand 1924 die

(END)

Elektrifizierung

entspannte

statt.

sich

Vermutlich

im Jahre 1977

wurde

am

das

Esslinger

Netz

Bahnhof unter Straßenbahnfreunden das Personal des vierachsigen heute aufgrund Triebwagens ihrer am 6 vor 15. der August Abfahrt nach

zeitgleich

Neuhausen.

auf 1.000

Die

mm

meterspurige

umgespurt.

Überlandstraßenbahn

Das Rollmaterial – 27

wurde

1926 2003 eröffnet, eröffneten drei meterspurigen Jahre später kam Stadtbahn ein Abzweig bekannt. von Doch Nellingen bis nach Neuhausen

Trieb- und

hinzu.

15 Beiwagen

In der Hauptverkehrszeit

– stammte von Nivelles

verließ

in

alle

Belgien

zwölf

und

Minuten

zum ein November Beiwagenzug 1969 die gab Endstation es hier bereits in der eine Nähe Straßenbahn. des Neckars, abwechselnd

wurde

ging

nach

eine

dem

Fahrt

spanischen

nach Denkendorf

Bürgerkrieg

oder

teilweise

nach Neuhausen.

umgebaut

Der

abgebildete Als im Juli Triebwagen 1969 diese 6, Aufnahme 1927 gebaut in trister und immer Umgebung mit derselben entstand, Farbgebung

bzw. moder

(türkisgrün)

nisiert.

unterwegs,

Die Maximalausdehnung

wurde der Nachwelt

des alten

vorerst

Netzes

erhalten.

waren noch die Linien 2 und 6 im Betrieb. Es fällt schwer zu trug 34 km. Darauf verkehrten in den besten Zeiten acht Linien.

be-

1981 glauben, gelangte dass man er in sich die in private einer Fahrzeugsammlung beliebten Urlaubsregion nach befindet. Marxzell im nördlichen

FOTO:

Schwarzwald. Da er dort aber stets im Freien stand,

NICOLÁS MÜLLER; TEXT: NICOLÁS MÜLLER/AM

verrottete der hölzerne Wagenkasten langsam. Nach mehr als 20 Jahren unter freiem Himmel wurde der Wagen 6 nach der Jahrtausendwende

verschrottet. OLAF GÜTTLER


Exklusiv und gratis

nur für Abonnenten –

die Fotoedition »Die schönsten Straßenbahnen«

2013 erhalten Sie als Abonnent von STRASSENBAHN

MAGAZIN mit jeder Ausgabe ein Exemplar der Fotoedition

»Die schönsten Straßenbahnen«. Die Karten –

zum Sammeln, zum Aufhängen oder Weiterverschicken

– sind aus hochwertigem Chromokarton,

12 x 17 cm groß und erscheinen in limitierter Auflage.

In

5/2013

Sie sind noch nicht Abonnent?

Dann bestellen Sie am besten heute noch Ihr Vorteilspaket unter:

www.strassenbahn-magazin.de/abo Telefon 0180-532 16 17 *

Fax 0180-532 16 20 *

* (14 ct/min.)

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine