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PC Games Hardware Spezial: Foto-Workshop Profis helfen Hobby-Fotografen (Vorschau)

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DIE BESTEN TIPPS VON PROFIS<br />

<strong>PC</strong> <strong>Games</strong> <strong>Hardware</strong> <strong>Spezial</strong><br />

oto-<strong>Workshop</strong><br />

<strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />

228 Seiten Tipps<br />

<strong>Profis</strong> <strong>helfen</strong><br />

<strong>Hobby</strong>-<strong>Foto</strong>grafen<br />

Bessere<br />

Bilder<br />

in jeder<br />

Situation<br />

SPORT UND ACTION STADTURLAUB MAKROFOTOS<br />

Motocross, Skifahren, Malen mit Licht:<br />

Die besten Tipps für schwierige Szenen<br />

Bilder für die Ewigkeit: So holen Sie<br />

mehr aus Ihrem Stadturlaub heraus!<br />

Kleinstmotive ganz groß: So schaffen<br />

Sie die besten Detailaufnahmen!<br />

Präsentiert von<br />

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DAS HARDWARE-MAGAZIN FÜR <strong>PC</strong>-SPIELER<br />

€ 12,99 01/2013<br />

Österreich 14,50 € | Schweiz sfr 22,00 |<br />

Holland/Belgien/Luxemburg € 15,00


<strong>PC</strong> <strong>Games</strong> <strong>Hardware</strong> <strong>Spezial</strong><br />

<strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />

Durch den Kauf einer digitalen Spiegelreflexkamera<br />

eröffnen sich Ihnen viele neue Möglichkeiten im<br />

Reich der <strong>Foto</strong>grafie. Mit einer DSLR haben Sie<br />

einfach viel mehr Kon trolle über Ihre Aufnahmen.<br />

Die Blende bestimmt, ob das Bild scharf durchgezeichnet<br />

wird – oder auch nicht. Die Verschlusszeit erlaubt Ihnen zu<br />

entscheiden, ob Sie die Action einfrieren wollen oder doch<br />

lieber kreativ ver schwim men lassen. Sie können festlegen,<br />

wo Ihre Kamera den Fokuspunkt setzt, ob sie bei bewegten<br />

Objekten kontinuierlich nachfokussiert und ob das Drücken<br />

des Auslösers nur zu einem <strong>Foto</strong> oder gleich zu<br />

Serienbildern führt.<br />

Diese Vielfalt an Möglichkeiten will aber auch beherrscht<br />

werden und jede Art der <strong>Foto</strong>grafie erfordert eine andere<br />

Herangehensweise. Diese lernt man am besten in<br />

<strong>Foto</strong>kursen, bei denen ein Experte Sie an die Hand nimmt<br />

und an konkreten Beispielen mit Ihnen übt, damit Sie von<br />

der langjährigen Erfahrung des <strong>Profis</strong> profitieren können.<br />

Genau das ist das Konzept dieses <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>s. Unsere<br />

englischen Kollegen von Future haben einige der besten<br />

<strong>Foto</strong>grafen gebeten, den Lehrlingen zu zeigen, wie man<br />

Makromotive, Hochzeiten, Motorsport-Action oder Städte<br />

und Landschaften fotografiert. In diesem ‚Bookazine‘<br />

können Sie nachlesen, wie viel die Lehrlinge jeweils an nur<br />

einem Tag gelernt haben und davon profitieren. Übrigens:<br />

Selbst wenn Sie eine DSLR eines<br />

anderen Herstellers besitzen, die<br />

Lektionen in diesem Heft lassen<br />

sich auf alle entsprechenden<br />

Kameras anwenden.<br />

Thilo Bayer<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 3


www.pcgh.de ■ www.pcghx.de<br />

DAS HARDWARE-MAGAZIN FÜR <strong>PC</strong>-SPIELER<br />

Ein Unternehmen der Marquard Media International AG<br />

Verleger Jürg Marquard<br />

Verlag<br />

Vorstand<br />

Chefredakteur (V.i.S.d.P.)<br />

Computec Media AG<br />

Dr.-Mack-Straße 83, 90762 Fürth<br />

Telefon: 0911/2872-100<br />

Telefax: 0911/2872-200<br />

redaktion@pcgameshardware.de<br />

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Albrecht Hengstenberg (Vorsitzender),<br />

Rainer Rosenbusch, Ingo Griebl<br />

Thilo Bayer (tb), verantwortlich für den redaktionellen Inhalt,<br />

Adresse siehe Verlagsanschrift<br />

Leitende Redakteure Marco Albert (ma), Daniel Möllendorf (dm)<br />

Redaktion Frank Stöwer (fs), Carsten Spille (cs), Raffael Vötter (rv),<br />

Marc Sauter (ms), Andreas Link (al),<br />

Stephan Wilke (sw), Lars Craemer (lc), Reinhard Staudacher (rs)<br />

Product Manager Daniel Waadt (dw)<br />

Mitarbeiter dieser Ausgabe Susanne Möllendorf, Daniel-André Reinelt, Tobias Hetzel,<br />

Philip Happeck, Florian Stangl, Andreas Schaufel, Robin Harazim,<br />

Rene Heinrichs, Thilo Bayer<br />

Lektorat Claudia Brose (Ltg.), Birgit Bauer, Esther Marsch, Natalja Schmidt,<br />

Ina Hulm, Heidi Schmidt<br />

Layout Frank Pfründer<br />

Bildredaktion Albert Kraus (Ltg.), Tobias Zellerhoff<br />

Titelgestaltung Frank Pfründer<br />

CD, DVD, Video<br />

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Vertrieb, Abonnement<br />

Marketing<br />

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Chefredakteur Online<br />

Redaktion<br />

Entwicklung<br />

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Jürgen Melzer (Ltg.), Alexander Wadenstorfer, Thomas Dziewiszek,<br />

Michael Schraut, Daniel Kunoth<br />

Hans Ippisch<br />

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Jeanette Haag, Iris Manz<br />

Martin Closmann, Jörg Gleichmar<br />

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Thilo Bayer<br />

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Carsten Spille, Marc Sauter, Raffael Vötter, Stephan Wilke<br />

Markus Wollny (Ltg.), René Giering, Aykut Arik, Tobias Hartlehnert<br />

Tony von Biedenfeld<br />

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CMS Media Services GmbH, Dr.-Mack-Straße 83, 90762 Fürth<br />

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Gunnar Obermeier<br />

verantwortlich für den Anzeigenteil, Adresse siehe Verlagsanschrift<br />

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Peter Elstner: Tel.: +49 911 2872-252; peter.elstner@computec.de<br />

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Es gelten die Mediadaten Nr. 26 vom 01.01.2013.<br />

<strong>PC</strong> <strong>Games</strong> <strong>Hardware</strong> wird in den AWA- und ACTA-Studien geführt. Ermittelte Reichweite: 351.000 Leser<br />

Abonnement – http://abo.pcgameshardware.de<br />

Die Abwicklung (Rechnungsstellung, Zahlungsabwicklung und Versand)<br />

erfolgt über unser Partnerunternehmen DPV Direct GmbH:<br />

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Mit der Einsendung von Manuskripten jeder Art gibt der Verfasser die Zustimmung zur Veröffentlichung in den von der Verlagsgruppe<br />

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Lizenz<br />

Artikel in dieser Ausgabe sind übersetzt oder reproduziert aus The Photographer’s Apprentice und unterliegen dem Copyright<br />

von Future plc, UK 2012. Inhalte wurden als Lizenz erworben. Alle Rechte vorbehalten. „Bookazines and Masterclass series“<br />

ist ein eingetragenes Warenzeichen von Future Publishing Limited. Weitere Informationen über diese und andere Zeitschriften<br />

der Future plc Gruppe:<br />

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Licence<br />

Articles in this issue are translated or reproduced from The Photographer’s Apprentice and are the copyright of or licensed to Future<br />

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MARQUARD MEDIA<br />

Deutschsprachige Titel: SFT, WIDESCREEN, <strong>PC</strong> GAMES, <strong>PC</strong> GAMES MMORE, <strong>PC</strong> GAMES HARDWARE, BUFFED,<br />

X3, PLAY 3, GAMES & MORE, GAMES AKTUELL, N-ZONE, XBG GAMES, PLAY BLU Polen: COSMOPOLITAN, JOY,<br />

SHAPE, HOT, PLAYBOY, CKM, VOYAGE Ungarn: JOY, SHAPE, ÉVA, IN STYLE, PLAYBOY, CKM


Kapitel 1<br />

Menschen 6<br />

Kinderleicht den<br />

Nachwuchs fotografieren ..................... 8<br />

Perfekte Porträts ................................18<br />

Harmonische Hochzeitsfotos ............. 20<br />

<strong>Foto</strong>s, die wirklich rocken! ................. 30<br />

Kapitel 2<br />

Natur 52<br />

Sandburgen und Meer ...................... 54<br />

<strong>Foto</strong>grafieren für Gipfelstürmer .......... 66<br />

Moor- und Meerlandschaften .............76<br />

Natur hautnah fotografieren ............... 88<br />

Gefiederte <strong>Foto</strong>s ................................ 98<br />

Blühende Aufnahmen! ...................... 112<br />

Kapitel 3<br />

Orte 122<br />

Postkarten aus Paris ........................124<br />

Die Märkte von Marrakesch ..............136<br />

Viva Las Vegas! ................................146<br />

Kurzurlaub in Venedig .......................156<br />

Das nenne ich einen Weitwinkel! .......166<br />

Mehr Dynamik für<br />

Ihre Aufnahmen! ...............................176<br />

Kapitel 4<br />

Action 188<br />

Hoch hinaus mit<br />

Action-Aufnahmen! ...........................190<br />

Ein alpines Abenteuer ...................... 202<br />

Fantastische Lichtmalerei ................ 210<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 5


Menschen<br />

Seite 18<br />

6 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Seite 40<br />

Menschen<br />

Menschen<br />

1<br />

Kinderleicht den<br />

Nachwuchs fotografieren 8<br />

Perfekte Portraits.......................... 18<br />

Harmonische Hochzeitsfotos...... 30<br />

<strong>Foto</strong>s, die wirklich rocken............ 40<br />

Seite 8<br />

Seite 30<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 7


Menschen<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Debbie Moylan<br />

Kamera: Canon EOS 40D<br />

Die 43-jährige Debbie liebt es,<br />

ihren 15 Monate alten Sohn<br />

Kieran zu fotografieren. Sie findet<br />

es aber gar nicht so leicht, Aufnahmen<br />

von ihm zu machen, und<br />

wünscht sich Ratschläge für<br />

professionellere Bilder.<br />

8 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

DER PROFI<br />

Name: Sheryl Long<br />

Kamera: Canon EOS-1Ds Mark II<br />

Sheryl, 28, ist eine Vollzeit-Baby- und<br />

Kinderfotografin aus Tintern. Sie war<br />

eine der Finalisten im BPPA Master<br />

Photo grapher of the Year-Wettbewerb<br />

und hat eine Auszeichnung im Bereich<br />

“Mutter und Baby” verliehen bekommen.<br />

Sie arbeitet mit natürlichem Licht,<br />

um Bilder aufzunehmen, die die Personalität<br />

des Kindes widerspiegeln und<br />

Geschichten erzählen. Ihre Werke<br />

können unter www.sheryl-long.com<br />

angeschaut werden.<br />

Kinderleicht<br />

den Nachwuchs<br />

fotografieren<br />

Tolle Kinderfotografien sind gar nicht so schwer. Während<br />

der Aufnahmen in der Abtei von Tintern stellt unser Lehrling<br />

fest, dass man im Freien schon mit einfachen Mitteln<br />

umwerfende Bilder knipsen kann ...<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 9


Menschen<br />

Sheryl benutzt für die Aufnahmen eine<br />

Canon 5D oder Canon EOS-1Ds Mark II<br />

mit folgenden Linsen:<br />

Canon EF 70-200mm f/2.8 IS USM<br />

Canon EF 50mm f/2.5 Compact Macro<br />

Canon EF 24-70mm f/2.8L USM<br />

Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />

Technik-Check<br />

Ist Debbie bereit für die Aufnahmen?<br />

Vor der ersten Aufnahme erklärte Sheryl Debbie die wichtigsten Einstellungen<br />

ihrer DSLR, um die besten Resultate zu bekommen.<br />

IM AV-MODUS<br />

FOTOGRAFIEREN<br />

DIE RICHTIGE ISO<br />

AUSWÄHLEN<br />

Die Schärfentiefe kontrollieren<br />

„Debbie sollte im Zeitautomatik-Modus<br />

fotografieren und den Blendenwert<br />

bei f/2.8 oder f/4 lassen“,<br />

rät Sheryl. „Wenn ich den Wert<br />

einmal eingestellt habe, ändere ich<br />

ihn selten. Aufnahmen mit einem<br />

ISO und Belichtungszeit<br />

„Wenn der Blendenwert einmal<br />

gesetzt ist, variiert die Belichtungszeit<br />

je nach verfüg barem Licht.<br />

Wenn mir die Belichtungszeit zu<br />

lang ist und die Bilder verwackeln,<br />

stelle ich meine ISO so lange hoch,<br />

hohen Blendenwert ermöglichen es,<br />

das aufzunehmende Objekt in den<br />

Fokus zu rücken und den Hintergrund<br />

unscharf darzustellen. Die<br />

Kamera setzt die Belichtungszeit<br />

selbst fest.“<br />

bis ich zufrieden<br />

bin. Ich mag ein bisschen<br />

Unruhe im Bild, besonders<br />

Rauschen - denn es gibt<br />

dem Bild das besondere<br />

Etwas.“<br />

PROFI-AUSRÜSTUNG #1<br />

Lastolite Sunfire/Silber Reflektor<br />

„Ich habe immer diesen Lastolite-Reflektor dabei”, sagt<br />

Sheryl. „Wenn man mit vielen Schatten auf einer Seite<br />

des Gesichts konfrontiert ist, kann man den Reflektor<br />

benutzen, um das Licht zu kontrollieren und zu lenken.<br />

Dieser hat zwei Seiten - gold und silber. Ich bevorzuge<br />

die goldene Seite, da es die Gesichtsfarbe wärmer<br />

macht und Kinder wie Engel aussehen lässt! Ich<br />

platziere den Reflektor an einer Wand, auf einem Stativ<br />

oder halte ihn selbst fest.”<br />

10 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

SHERYLS TIPP<br />

Immer auf<br />

die Augen<br />

fokussieren<br />

„Babys und Kinder<br />

bewegen sich sehr<br />

schnell, daher ist es<br />

fast unmöglich, den<br />

Fokus manuell<br />

festzulegen”, sagt<br />

Sheryl. „Ich setze den<br />

Autofokus-Modus (AF)<br />

meiner Kamera auf AI<br />

Servo. Dann passt die<br />

Kamera den Fokus<br />

automatisch an.<br />

Fokussieren Sie immer<br />

auf die Augen - das ist<br />

das Geheimnis eines<br />

guten Portraitfotos.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Mit Licht und<br />

Schatten arbeiten<br />

„Um herauszufinden, wie das<br />

Licht auf das Gesicht fallen wird,<br />

nehmen Sie ein weißes Blatt<br />

Papier und falten sie es in der<br />

Mitte.“ sagt Sheryl. „Stellen Sie<br />

sich dann vor, dass das gefaltete<br />

Papier die zwei Seiten des<br />

Gesichts darstellt. Halten Sie es<br />

in den Bereich, den Sie<br />

foto gra fieren wollen, und Sie<br />

können nun entscheiden, wo<br />

Licht und Schatten am besten<br />

fallen. Runde Kindergesichter<br />

fotografiere ich am liebsten ohne<br />

Schatten, um das Funkeln in<br />

ihren Augen hervorzuheben. Mit<br />

dem Papier kann ich sehen, wo<br />

ich das Kind und mich positionieren<br />

muss, um das bestmögliche<br />

Licht zu bekommen. Auch<br />

hilfreich: Wenn Sie Menschen<br />

fotografieren, halten Sie sich ein<br />

Auge zu, um zu sehen, was die<br />

Kamera ‚sieht‘. Sie nehmen jetzt<br />

alles zweidimensional wahr und<br />

sehen Farben, Texturen und<br />

Licht deutlicher.“<br />

Belichtung: 1/85 s bei f/5.6; ISO800<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Debbies<br />

Kommentar<br />

„Sheryl erklärte<br />

ausführlich, wie man<br />

das Licht ‚sieht‘ und<br />

wie man ein gefaltetes<br />

Blatt Papier benutzt,<br />

um festzustellen, wie<br />

Schatten und Licht<br />

auf das Objekt fallen<br />

(siehe oben). Sheryl<br />

schlug vor, dass ich<br />

Kieran vor einem<br />

steinigen Hintergrund<br />

in einem Alkoven<br />

fotografiere. Dort<br />

gab es direktes Licht<br />

von rechts, das sein<br />

Gesicht beleuchtete.<br />

Wir benutzten einen<br />

Lastolite-Reflektor,<br />

um das Licht von links<br />

anzupassen. Das war<br />

mein erster Versuch<br />

und ich bin glücklich<br />

mit dem Ergebnis, da<br />

er sich viel bewegt<br />

hat.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 11


Menschen<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Kinderfotografie: Eine<br />

Herangehensweise<br />

„Meine Art zu fotografieren ist sehr lebendig: Es geht darum, Emotionen<br />

einzufangen und eine Verbindung aufzubauen. Ich mache lieber ungewöhnliche<br />

Bilder zum Beispiel in solchen Momenten, in denen die Kamera das Kind<br />

un vor bereitet erwischt. Ich fotografiere nur mit natürlichem Licht, denn das gibt<br />

Bildern ein weicheres, gefühlvolleres Aussehen. Wenn Sie Babys oder Kinder<br />

fotografieren, ist es wichtig, im richtigen Moment schnell zu reagieren. Achten<br />

Sie immer auf die kleinen Momente. Ich finde bei Baby- und Kinderfotografie<br />

geht es nicht strikt um die richtige Technik: Wichtig ist es, den Moment und die<br />

Gesichtsausdrücke einzufangen sowie das Beste aus dem natürlichen Licht<br />

herauszuholen.“<br />

SHERYLS TIPP<br />

Vergessen<br />

Sie den Blitz<br />

Sheryl nutzt generell<br />

keinen Blitz, denn das<br />

führt zu künstlichen und<br />

harten Schatten.<br />

„Außerdem mag ich<br />

nicht, wie Kinder auf<br />

Blitzlicht reagieren“, sagt<br />

sie. „Sie erschrecken<br />

sich und sind dann nicht<br />

bereit für die nächste<br />

Aufnahme. Zudem<br />

braucht die Kamera<br />

zwischen den Blitzen<br />

eine kurze Wiederaufladezeit,<br />

in der Sie<br />

vielleicht eine gute<br />

Aufnahme verpassen, da<br />

sich Kinder schnell<br />

bewegen und oft den<br />

Gesichtsausdruck<br />

wechseln. Natürliches<br />

Licht, das Sie mit Reflektoren<br />

und Diffusor<br />

kontrollieren, liefert viel<br />

bessere Resultate.“<br />

SHERYLS TIPP<br />

Hinlegen<br />

„Vergessen Sie nie die<br />

Größe des zu foto grafierenden<br />

Kindes“, sagt<br />

Sheryl. „Für die besten<br />

Ergebnisse knien Sie sich<br />

hin, um auf der gleichen<br />

Höhe zu fotografieren und<br />

um zu sehen, was sich dort<br />

im Hintergrund befindet.<br />

Stellen Sie sich darauf ein,<br />

dreckig zu werden, wenn<br />

Sie auf dem Boden liegen<br />

oder knien, während Sie<br />

fotografieren.“<br />

PROFI-AUSRÜSTUNG #2<br />

Crumpler-Daily-Kameratasche<br />

„Meine Crumpler-Tasche ist modern und optisch<br />

topaktuell - ich finde alle Taschen nützlich und dass ich<br />

die Taschengröße verstellen kann, ist ein echter<br />

Bonus. So kann ich den Innenraum an die<br />

jeweilige Ausrüstung anpassen“,<br />

sagt Sheryl. „Da sie knallrot<br />

ist, ist sie unterwegs einfach<br />

wiederzufinden.“<br />

12 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

Belichtung: 1/250 s bei f/5; ISO400<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Debbies Kommentar<br />

„Sheryl schlug vor, dass ich mir bildlich vorstelle,<br />

wie ich den Alkoven für meine Aufnahme nutzen<br />

kann. Ich beschloss, Kieran in der Ecke zu platzieren<br />

und den Alkoven als Rahmen zu verwenden. Das<br />

Ganze wurde mit natürlichem Licht beleuchtet und<br />

mir gefällt, dass es sich von einer “Glücklich-lächeln-Aufnahme”,<br />

bei der Kieran in die Kamera<br />

schaut, abhebt. Es sieht so aus, als ob er nach<br />

etwas hinter der Kamera greift, und das Bild erzählt<br />

eine Geschichte. Wir haben die Aufnahme während<br />

der Nachbearbeitung in Schwarz-Weiß konvertiert,<br />

um ihr mehr Wirkung zu geben.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Der Bildaufbau ist wichtig<br />

Debbies Hot Shot #2 (oben) funktioniert, weil sie die drei wichtige Regeln befolgt<br />

Sheryl hat Debbie geraten, nach Bereichen zu<br />

suchen, die einen neutralen Hintergrund haben,<br />

aber auch viel Textur und Details. Es war<br />

wichtig, dass Debbie den Bildaufbau bei der<br />

eigenen Platzierung im Kopf behält, während<br />

sie Kieran fotografiert. Eine Aufnahme steht<br />

und fällt mit einem guten Rahmen. Die drei<br />

Regeln des Bildaufbaus, denen sie folgte,<br />

werden unten erklärt.<br />

DEBBIES TIPP<br />

Das Kind steht im Mittelpunkt<br />

„Sheryl erklärte mir, dass es in der Baby- und<br />

Kinder-<strong>Foto</strong>grafie am wichtigsten ist, nicht zu<br />

vergessen, dass das Kind an erster Stelle steht. Man<br />

muss ihm Zeit geben, sich an die Umgebung zu<br />

gewöhnen. Dann muss man sehr flexibel sein und das<br />

machen, was das Kind möchte. Bei diesen Aufnahmen<br />

hatten wir einiges dabei, mit dem wir Kierans Interesse<br />

auf uns lenken konnten. Zum Schluss war es aber am<br />

besten, ihn machen zu lassen, was er wollte und damit<br />

zu arbeiten.”<br />

Zusammenlaufende Linien<br />

„Kieran sitzt an dem Punkt, an dem sich die<br />

drei deutlichen Linien, die aus der Form des<br />

Alkoven entstehen, treffen. Diese Linien ziehen<br />

den Betrachter in das Bild und zu Kieran hin,<br />

da sie ihn subtil mit der Kulisse verbinden. ”<br />

Drittel-Regel<br />

„Unbeabsichtigt, aber instinktiv hat Debbie<br />

beim Bildaufbau Kieran so positioniert, dass er<br />

ungefähr ein Drittel des Bildes einnimmt. Das<br />

macht aus der Aufnahme ein gut balanciertes<br />

und interessantes Bild.”<br />

Gespiegelte Formen<br />

„Der dreieckig geformte Bereich aus hellen<br />

Steinen an der hinteren Wand imitiert die<br />

Form von Kierans Sitzposition. Seine helle<br />

Kleidung gibt der Aufnahme Balance. Dass<br />

er aus dem Bild herausschaut, statt in die<br />

Kamera, verleiht zudem Tiefe und Bedeutung.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 13


Menschen<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Quietschendes Spielzeug<br />

Sheryl erklärt, warum ein quietschendes Spielzeug so<br />

wichtig ist: „Es nimmt wenig Platz weg und macht ein<br />

kurzes, schrilles Geräusch, das die Aufmerksamkeit<br />

des Kindes auf sich lenkt.<br />

Außerdem ist es klein genug, um es in<br />

meiner Hand über die Kamera zu<br />

halten, wenn ich möchte, dass das<br />

Kind direkt in die Linse schaut.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Aufmerksamkeit<br />

richtig leiten<br />

Beim <strong>Foto</strong>grafieren eines fremden Kindes findet es<br />

Sheryl wichtig, dass nur eine Person versucht, seine<br />

Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Wenn zu viele<br />

Leute anwesend sind, wird das Kind immer hin und<br />

her schauen. Stellen Sie sicher, dass nur eine Person<br />

die Aufmerksamkeit bekommt - ob der <strong>Foto</strong>graf oder<br />

ein Elternteil. Dann werden sich die Augen des Kindes<br />

auf einen Punkt fokussieren. Dadurch ist es einfacher,<br />

eine gute Aufnahme zu bekommen.”<br />

Belichtung: 1/250 s bei f/5.6; ISO400<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Debbies Kommentar<br />

„In einem anderen Teil der Abtei von Tintern stellte Sheryl<br />

einen Reflektor an die Wand mit der Idee, dass ich Kieran<br />

fotografieren könnte, während er die Treppe runterläuft.<br />

Allerdings beschloss Kieran stattdessen, die Treppe<br />

hochzusteigen und so entstand diese Aufnahme. Mir<br />

gefällt, wie das Bild eine andere Seite von Kierans<br />

Persönlichkeit einfängt. Sheryl schlug vor, dieses Bild<br />

ebenfalls in Schwarz-Weiß zu konvertieren, da das Grün<br />

auf den Stufen und die Grasbüschel abgelenkt hätten.”<br />

14 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

Debbies Kommentar<br />

„Ich mag diese Aufnahme von Kieran,<br />

obwohl es mir lieber gewesen wäre, wenn<br />

der Hintergrund unschärfer geworden<br />

wäre. Das war noch mal ein anderer Teil<br />

der Abtei und die Sonne war inzwischen<br />

hervorgekommen. Sheryl meinte, Kieran<br />

könnte auf den Stufen sitzen, die nicht im<br />

direkten Sonnenlicht lagen. Sie benutzte<br />

dann einen Reflektor, um die Schatten auf<br />

seiner linken Seite auszugleichen.”<br />

SHERYLS TIPP<br />

RAW für<br />

Qualität benutzen<br />

„Ich fotografiere alles<br />

mit den RAW-Einstellungen,<br />

aber nur wegen der<br />

Art, wie ich meine Bilder<br />

präsentieren muss”, sagt<br />

Sheryl. “Als Profi-<strong>Foto</strong>grafin<br />

werde ich<br />

manchmal gebeten,<br />

große Gemälde aus den<br />

Aufnahmen zu machen.<br />

Ich kann mich darauf<br />

verlassen, dass RAW die<br />

Details beinhaltet, die<br />

solche Vergrößerungen<br />

brauchen.”<br />

Belichtung: 1/60 s bei f/5.6, ISO400<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 15


Menschen<br />

Sheryls Fazit<br />

„Das ist ein großartiges <strong>Foto</strong>. Das Licht ist<br />

sehr schön [1] und der Bildaufbau ist interessant<br />

sowie dreidimensional [2]. Debbie hat<br />

es außerdem geschafft, einen fantastischen<br />

Gesichtsausdruck und eine schöne Pose [3]<br />

von Kieran einzufangen, was gar nicht einfach<br />

war, weil er sich sehr schnell bewegte! Ich<br />

finde, diese Aufnahme fasst alles zusammen,<br />

was wir während des Lehrgangs<br />

besprochen haben.<br />

Debbie zeigte eine schnelle<br />

Auffassungsgabe, als es<br />

1<br />

darum ging Licht, zu ‚sehen‘<br />

und zu nutzen. Sie hat alle<br />

Informationen zusammengefasst<br />

und das Wissen<br />

dazu genutzt, ein echtes<br />

Kunstwerk zu erschaffen.”<br />

2<br />

3<br />

Debbies Kommentar<br />

„Sheryl hat mir einen verdeckten Teil<br />

der Abtei gezeigt. Das Dach hat das<br />

grelle, direkte Licht blockiert. Kieran hat<br />

viel geweint und der Großteil der <strong>Foto</strong>s<br />

in dieser Serie zeigt ihn mit Tränen in<br />

den Augen. Wir haben diese Aufnahme<br />

so gut hinbekommen, weil wir seine<br />

Aufmerksamkeit mit Handy-Klingeltönen<br />

erregt haben. Ich freue mich, dass<br />

ich seinen wahren Charakter einfangen<br />

konnte. Normalerweise ist er sehr glücklich<br />

und lächelt viel. Außerdem schaut<br />

er sehr erwachsen aus, mit der Hand in<br />

der Tasche. Ich habe gelernt, dass man<br />

nicht immer den perfekten Hintergrund<br />

für eine gute Aufnahme braucht. Es geht<br />

vielmehr darum, das natürliche Licht<br />

kreativ einzusetzen.”<br />

16 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Belichtung: 1/125 s bei f/5.6, ISO400<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6


Menschen<br />

Perfekte<br />

Porträts<br />

Unser Lehrling stellte sich im professionellen<br />

<strong>Foto</strong>studio als vorbildlicher Schüler heraus.<br />

18 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Luke Bayliss<br />

Kamera: Nikon D90<br />

Luke wohnt in Bournemouth und<br />

arbeitet im Vertrieb von Tesco.<br />

Seit drei Jahren interessiert er<br />

sich für <strong>Foto</strong>grafie und würde<br />

gerne professionelle Portraitfotos<br />

erstellen. Darum haben wir<br />

ein Treffen in einem komplett<br />

ausgestatteten Studio mit zwei<br />

Models, einer Kosmetikerin und<br />

unserem Profi arrangiert.<br />

DER PROFI<br />

Name: John Morley<br />

Kamera: Nikon D3x<br />

John hat mehr <strong>Foto</strong>grafien von<br />

Menschen aufgenommen, als er<br />

zählen kann. Er arbeitet schon seit<br />

Schulzeiten als professioneller<br />

<strong>Foto</strong>graf. Seine Eltern fuhren den<br />

damals 15-Jährigen zu den Hochzeiten,<br />

auf denen er fotografieren<br />

sollte. Sein Studio in Dorset hat er<br />

seit 19 Jahren. Normalerweise<br />

fotografiert er angehende Models<br />

und gibt Kurse. Der richtige Mann,<br />

um Luke die Grundlagen von<br />

Portrait aufnahmen beizubringen.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 19


Menschen<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Auf Schatten<br />

achten<br />

Am wichtigsten ist es, die Schatten auf<br />

Gesicht oder Körper des Models unter<br />

Kontrolle zu haben. Ein bestimmtes Lichtverhältnis<br />

passt vielleicht zu einer Pose, aber<br />

sobald sich das Model bewegt, kann es sein,<br />

dass sich der Schatten ändert. Achten Sie<br />

besonders auf den Schatten, den die Nase<br />

wirft. Ändern Sie die Position des Lichts oder<br />

des Kopfs ein wenig, damit kein schwarzes<br />

Dreieck auf dem Gesicht erscheint.<br />

Belichtung: 1/100 s bei f/11; ISO200<br />

Linse: 70-300mm f/4-5.6<br />

Lukes Kommentar<br />

„Mir gefällt, dass diese Aufnahme so simpel<br />

aussieht. Dabei habe ich bereits in der ersten<br />

Stunde des Lehrgangs gemerkt, dass<br />

Studioporträts nicht immer so unkompliziert<br />

sind, wie es scheint. John hat sich um das<br />

Licht, die Kamerahöhe und die Brennweite gekümmert. Ich<br />

fotografierte in mehreren Variationen, sodass ich nachvollziehen<br />

konnte, welche Kombinationen funktionieren und<br />

welche nicht. Als ich dieses Porträt von Louisa machte,<br />

nutzte ich zwei Lichtquellen. Johns 1,80m hohe Röhrenlampe<br />

befand sich links neben der Kamera. Sie lieferte das<br />

meiste Licht und erzeugte den richtigen Blickfang in ihren<br />

Augen. Knapp über dem Boden befand sich hinter dem<br />

Model ein zweites Blitzgehäuse, das etwas Hintergrundbeleuchtung<br />

lieferte und ein Lichtkranz um ihre Haare herum<br />

erzeugte.”<br />

Tipp zum<br />

Zoom<br />

Als Erstes lernte Luke,<br />

mit unterschiedlichen<br />

Brennwerten und<br />

variierenden Abständen<br />

zu fotografieren,<br />

damit er merkte, welche<br />

Einstellungen die besten<br />

Ergebnisse liefern.<br />

20 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

Technik-Check<br />

War Luke bereit fürs Studio?<br />

Während das erste Model aus dem Make-up-<br />

Raum kam, erklärte John Luke die grundlegenden<br />

Einstellungen seiner Kamera für Aufnahmen mit<br />

professionellem Studiolicht.<br />

Manuell auf f/11 einstellen<br />

„Bei der Benutzung von Studiolicht muss die<br />

DSLR auf den manuellen Belichtungsmodus (M)<br />

umgestellt werden”, erklärt John. “Die tatsächliche<br />

Beleuchtung wird durch die Veränderung des<br />

Lichts des Blitzgeräts kontrolliert . Zur Vereinfachung<br />

nutze ich bei den meisten meiner Aufnahmen<br />

f/11. Das macht genug Tiefenschärfe und holt<br />

die beste Qualität aus der Linse. Die Verschlusszeit<br />

wird dann auf 1/125 s gesetzt, damit sich der<br />

Blitz problemlos mit der Verschlussöffnung<br />

synchronisiert.“<br />

Luke lernt, warum<br />

Weitwinkel sich nicht für<br />

Nahaufnahmen eignen.<br />

Welche Linse ist die richtige?<br />

Ganz am Anfang erklärte John, dass man die<br />

richtige Linse nutzen muss, um gute Porträtaufnahmen<br />

zu bekommen. Mit Weitwinkel-Linsen<br />

muss man sehr nah an der Person fotografieren,<br />

um Gesichtszüge deutlicher darzustellen.<br />

Teleobjektive machen das Gesicht flach.<br />

18 mm<br />

John ließ Luke diese<br />

unvorteilhafte Aufnahme<br />

von Louisa mit der<br />

maximalen Weitwinkel-Einstellung<br />

knipsen. Beachten<br />

Sie, wie das die Nase<br />

vergrößert.<br />

55 mm<br />

Diese niedrige Teleobjektiv-Einstellung<br />

ermöglicht<br />

attraktivere Aufnahmen<br />

und reicht aus, wenn Sie<br />

in engen Räumen keine<br />

längeren Linsen<br />

einsetzen können.<br />

100 mm<br />

Eine höhere Teleobjektiv-Einstellung<br />

ist ideal für<br />

Porträts. Sie verhindern<br />

Verzerrungen, aber man<br />

braucht einen Raum, der<br />

groß genug ist für den<br />

Einsatz.<br />

Eine Graukarte nutzen<br />

„Für Studioaufnahmen sind die Standardeinstellungen<br />

für den Weißabgleich ungeeignet”, warnt<br />

John. „Eine stetige manuelle Anpassung eignet<br />

sich am besten, da es eine schnelle Verarbeitung<br />

der Bilder ermöglicht. Wenn Sie sich unsicher<br />

sind, was das Licht angeht, lesen Sie den<br />

Weißabgleich manuell aus - mithilfe einer im<br />

Fachhandel erhältlichen Graukarte oder einem<br />

weißen Blatt Papier.“<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Funkauslöser<br />

Es ist nicht mehr notwendig, dass der Blitz notgedrungen<br />

per Kabel mit der Kamera verbunden ist. Funkauslöser<br />

(auch Radio Trigger genannt) sind inzwischen<br />

erschwinglich. „Ich nutze diese günstigen, zweiteiligen<br />

Auslöser”, sagt John. „Der Sender passt in den<br />

Blitzschuh und der netzbetriebene Empfänger ist an den<br />

Blitz angeschlossen.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 21


Menschen<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Optimal<br />

fokussieren<br />

Bei Porträtaufnahmen ist es wichtig, dass<br />

die Augen scharf dargestellt werden. Damit<br />

das klappt, sollten Sie die Kamera nur auf<br />

die Pupillen fokussieren und nicht auf den<br />

Rest des Gesichts oder Körpers. Statt den<br />

voreingestellten Autofokus-Modus zu<br />

nehmen, benutzen Sie die Einzelfeld-Option.<br />

Dann können Sie im Sucher den Fokuspunkt<br />

auswählen, der am nächsten am Auge der<br />

Person ist. Das geht viel schneller, als mit<br />

dem zentralen Autofokuspunkt in Verbindung<br />

mit der Fokussperre zu arbeiten.<br />

Belichtung: 1/125 s bei f/11; ISO200<br />

Linse: 18-55mm f/3.5-5.6<br />

Lukes Kommentar<br />

„Da Johns Studio so groß ist, konnten wir einfach<br />

von Nahaufnahmen auf Ganzaufnahmen<br />

wechseln. Dabei habe ich gelernt, dass ich wieder<br />

mein übliches 18-55mm-Objektiv verwenden<br />

muss, um die ganze Person abbilden zu können.<br />

John gab mir einen guten Tipp, als ich das Objektiv getauscht<br />

habe: Man sollte die Kamera immer ein wenig nach unten<br />

richten, wenn man die Objektive tauscht. Es kann teuer werden,<br />

den Sensor zu reinigen, erklärte er. Das ist eine einfache<br />

Vor sichtsmaßnahme, um Schäden zu vermeiden. Die Beleuchtung<br />

war ähnlich wie bei den vorherigen Nahaufnahmen. Die<br />

Hintergrundbeleuchtung musste jedoch an die Seite geschoben<br />

werden, um nicht in der Aufnahme zu erscheinen. John hielt<br />

einen gigantischen weißen Reflektor dahinter, den man<br />

California Sunbounce nennt, damit wir genug Licht hatten.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

Belichtungsmesser Sekonic L-508<br />

„Für Studiofotgrafie ist ein Belichtungsmesser<br />

nicht unbedingt erforderlich, da man mit Digitalkameras<br />

einfach den Blitz so lange anpassen<br />

kann, bis man die gewünschte Belichtung<br />

erreicht. Jedes Mal, wenn man die Position des<br />

Lichts ändert, geht die Konfiguration mit einem<br />

Belichtungsmesser allerdings viel schneller.<br />

Man stellt einfach ISO und Verschlusszeit ein, der Belichtungsmesser löst<br />

einen Blitz aus und misst die für die Belichtung nötige Blende. Bei Bedarf<br />

kann man dann noch die Blitz-Power-Einstellung anpassen. Der L-580 von<br />

Sekonic, die ich verwende, wird nicht mehr hergestellt. Vergleichbare Modelle<br />

von Sekonic bekommt man zwischen 180 und 250 Euro”, meint John.<br />

22 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

Richtig fokussieren<br />

Luke lernt, seine Kamera so einzustellen, dass<br />

er den Autofokuspunkt schnell setzen kann.<br />

So kann er sicher sein, dass die Augen des<br />

Models immer scharf sind.<br />

Richtig kommunizieren<br />

Erzählen Sie Ihrem Model, was Sie erreichen<br />

wollen, und zeigen Sie die Ergebnisse. So<br />

verbessern Sie die Zusammenarbeit.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Beine länger<br />

aussehen<br />

lassen<br />

Die meisten Menschen wollen längere Beine und<br />

Sie können die Kameraperspektive nutzen, um das<br />

zu erreichen. Das Geheimnis liegt darin, von weiter<br />

unten zu fotografieren, sodass Sie zu dem Model<br />

hochschauen. Das verlängert die Beine und ist ein<br />

super Tipp für Ganzkörperaufnahmen.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 23


Menschen<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Von oben<br />

Ein guter Tipp für Kopf-und-Schulter-Aufnahmen ist das <strong>Foto</strong>grafieren<br />

des Models von oben. Eine erhöhte Kamera bedeutet, dass die<br />

Augen näher an der Kamera sind als der Rest des Gesichts – das<br />

lässt sie größer und anziehender erscheinen. Eine stabile Trittleiter<br />

ist daher ein wichtiges Werkzeug in jedem professionellen Portraitstudio!<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Das Model zum<br />

Glühen bringen<br />

Die erste Aufnahme war ein Fehlversuch – durch das Licht von der<br />

Seite war der Hintergrund zu hell und unschöne Schatten wurden<br />

erzeugt. Durch das Verschieben der Hauptlichtquelle und der<br />

„Beauty Dish“ hinter die Kamera wurde das Model besser beleuchtet,<br />

sodass die Helligkeit reduziert werden konnte und der Hintergrund<br />

weniger prominent wurde. Das gleichmäßig verteilte Licht an<br />

den Seiten erzeugte ein schönes Glühen, das der Aufnahme einen<br />

Rahmen verpasste.<br />

Beauty Dish<br />

Luke schaut sich den<br />

Scheinwerfer-Effekt an, den<br />

der große Beauty-Dish-Reflektor<br />

hinter ihm erzeugte.<br />

Größenvorteile<br />

Eine Trittleiter ist ein super<br />

Werkzeug - sie ermöglicht<br />

Ihnen mehr Kameraperspektiven,<br />

positioniert<br />

Sie über dem Model und<br />

gibt Ihnen eine bessere<br />

Perspektive.<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Aurora 150cm Octobox Lite Bank<br />

„Die Hauptbeleuchtung in meinem Studio kommt von Bowens<br />

Esprit-1500-Lichtern”, verrät John. „Von diesen leistungsstarken<br />

Monoblock-Lichtern besitze ich vier Stück, die jeweils<br />

auf einem Rollstativ sitzen, damit sie einfacher zu bewegen<br />

sind. Zusätzlich brauche ich aber noch Unterstützung, um die<br />

Beleuchtung zu formen und zu kontrollieren sowie um die gewünschten<br />

Effekte zu erzeugen. Diese achtseitige Softbox erzeugt ein diffuseres Licht<br />

und schöne Reflexionen in den Augen des Models. Sie kostet ungefähr 300 Euro.“<br />

24 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Ein Studio<br />

mieten<br />

Sie brauchen nicht notgedrungen<br />

eine teure Ausstattung oder den<br />

perfekten Ort, um professionelle<br />

<strong>Foto</strong> grafie auszuprobieren. Es gibt<br />

genug <strong>Foto</strong>studios, die man mieten<br />

kann. Tatsächlich gibt es viele<br />

Profifotografen, die sich ein Studio<br />

und Lichter für kommerzielle Aufträge<br />

mieten. Die Preise sind sehr unterschiedlich,<br />

aber oft nicht so hoch, wie<br />

man denkt. John vermietet sein<br />

Studio zum Beispiel für ca. 100 Euro<br />

pro halben Tag.<br />

Zeit für Großaufnahmen<br />

Für kunstvollere Porträts stellen Sie<br />

sicher, dass das Model in die Ferne<br />

oder auf den Boden schaut und<br />

nicht direkt in die Kamera.<br />

Belichtung: 1/125 s bei f/11; ISO200<br />

Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />

Lukes Kommentar<br />

„Jetzt war Jessica an der Reihe. John<br />

erklärte mir, dass einfache Requisiten<br />

wie Stühle die Zahl der möglichen Posen<br />

steigern können. Unsere erste Beleuchtung<br />

war ein wenig unglücklich gewählt<br />

(siehe „Das Model zum Glühen bringen“), aber<br />

nachdem wir das Licht ein wenig bewegt haben, war es<br />

gut. Wir benutzten eine riesige Schüssel, die ein wenig<br />

wie eine fliegende Untertasse geformt war, um das<br />

Hauptlicht zu verändern. Dieser Beauty-Dish-Reflektor<br />

erhellte Jess mit einem weichen Schweinwerfer-Effekt,<br />

der, in der richtigen Position, eine natürliche Vignettierung<br />

auf dem grauen Papierhintergrund erzeugte.“<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 25


Menschen<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />

Bessel 200x40cm Softbox mit Raster<br />

„Diese ca. 1,80m große Röhrenlampe ist<br />

super für Ganzkörperaufnahmen und zudem<br />

sehr günstig mit ca. 90 Euro”, sagt John. „Die<br />

Softbox erzeugt eine schmale, lange, diffuse<br />

Lichtquelle und besitzt ein entfernbares<br />

Raster. Der schwarze, gitterartige Aufsatz<br />

ermöglicht einen lenkbaren Effekt, der das<br />

Licht davon abhält, auf Bereiche zu fallen,<br />

wo es nicht hingehört.”<br />

Lukes Kommentar<br />

„Nach einem schnellen Kostümwechsel<br />

und wieder weißer Hintergrundfarbe war<br />

der Aufbau ganz anders zu fotografieren.<br />

Der Plan war, einen sogenannten High-Key-<br />

Effekt zu erzeugen. Darin dominieren die<br />

hellen Töne und lenken so die Aufmerksamkeit auf die<br />

dunkleren. John erklärte, dass das die klassische Art sei,<br />

um blonde Frauen zu fotografieren. Wir positionierten<br />

vorsichtig zwei Lichter, um den wichtigen weißen Hintergrund<br />

zu beleuchten, damit er ebenmäßig angestrahlt wird<br />

und als pures Weiß in den Aufnahmen erscheint. Währendessen<br />

wurde Jess von Johns gigantischer Softbox<br />

angeleuchtet, was schöne Reflexionen in ihren Augen<br />

erzeugte.”<br />

26 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />

Belichtung: 1/125 s bei f/11; ISO200<br />

Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />

Licht von acht Seiten<br />

Man braucht ein großes Studio, um Johns<br />

riesige, oktogonale Softbox zu beherbergen,<br />

aber sie erzeugt ein gleichförmiges Licht und<br />

schöne Reflexionen in den Augen.


Menschen<br />

Von oben gucken<br />

Erneut half die Trittleiter Luke in eine<br />

erhöhte Position, damit die Augen der<br />

Models groß erschienen.<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #5<br />

Hintergrund-Aufzugssystem<br />

Kostümwechsel<br />

Bitten Sie die Models darum, viele<br />

verschiedene Kleidungsstücke in unterschiedlichen<br />

Farben mitzubringen.<br />

Eine große Auswahl an Accessoires<br />

sorgt dafür, dass Sie unterschiedlichste<br />

Bilder bekommen.<br />

„In meinem Studio gibt es eine riesige 5-Meter-Höhle,<br />

die einen guten Hintergrund für Gruppenfotos oder<br />

Ganzportraits liefert”, meint John mit einem Lächeln.<br />

„Die eigentliche Höhle besteht aus weißem Plastik,<br />

aber es ist wichtig, dass ich schnell und einfach auf<br />

andere Farben wechseln kann. Die Lösung ist ein auf<br />

Rollen basierendes automatisches System, mit dem<br />

ich zwischen drei weiteren Farben umschalten kann.<br />

Dafür drücke ich einfach den entsprechenden Knopf<br />

auf meiner Fernbedienung. Ein vergleichbares System,<br />

das an der Decke angebracht wird, würde rund 450<br />

Euro kosten.”<br />

Profitipps für<br />

Portraitfotos<br />

Für gute Portraits ist die richtige Kamera ein Anfang,<br />

aber man muss sie immer noch korrekt einrichten und<br />

zum richtigen Zeitpunkt auslösen.<br />

Der Hintergrund sollte aufgeräumt sein und nicht<br />

1 fokussiert werden. In einem Studio hat man die<br />

volle Kontrolle, aber auch dann kann die Beleuchtung<br />

einen großen Einfluss auf den Hintergrund haben.<br />

Wenn man einen Blitz verwendet, ist die Verschluss<br />

zeit hauptsächlich dafür verantwortlich,<br />

2<br />

den Hintergrund heller oder dunkler zu machen. Bei<br />

Party-<strong>Foto</strong>s kann eine langsamere Verschlusszeit die<br />

Atmosphäre steigern. Wenn der Hintergrund unruhig<br />

ist, verwenden Sie die maximale Synchronisationszeit<br />

(normalerweise 1/200 s), damit der Hintergrund so<br />

dunkel wie möglich wirkt.<br />

3Kommunikation ist der Schlüssel für tolle<br />

Portraitfotos. Reden Sie immer mit dem<br />

<strong>Foto</strong>grafierten; erklären Sie, was Sie machen, oder<br />

betreiben Sie einfach Smalltalk. Falls Konversation<br />

nicht Ihr Ding ist, hilft auch Hintergrundmusik.<br />

4<br />

Richten Sie Beleuchtung und Kamera so weit wie<br />

möglich ein, bevor das Model bereit ist. <strong>Profis</strong><br />

arbeiten mit einem Double, das so tut, als würde es<br />

posieren, während sie die Einstellungen vornehmen,<br />

damit das Porträt-Setup so gut wie möglich wird.<br />

5<br />

Studiolicht gibt Ihnen volle Kontrolle über die<br />

Beleuchtung. Allerdings kann man auch ohne<br />

diese Ausstattung tolle <strong>Foto</strong>s machen. Verwenden Sie<br />

ein großes Fenster für die hauptsächliche Beleuchtung<br />

der Person. Nutzen Sie einen Reflektor auf der<br />

anderen Seite als Notlösung.<br />

Bearbeiten Sie Ihre <strong>Foto</strong>s vorsichtig in Photoshop.<br />

6 Der Farbtonregler kann dafür sorgen, dass die<br />

Haut geschmeidig aussieht, jedenfalls sofern man<br />

RAW-Aufnahmen nutzt. Ein negativer Wert sorgt für<br />

schmeichelhafte Ergebnisse, welche die meisten<br />

<strong>Foto</strong>grafierten lieben werden.<br />

7<br />

Der <strong>Foto</strong>grafierte sollte unterschiedliche Kleidung<br />

mitbringen. Bei Gruppenfotos ist es gut, wenn alle<br />

Oberteile dieselbe Farbe aufweisen, damit sich die<br />

Komposition optimal zusammenfügt.<br />

Man braucht im Studio keine besondere<br />

8 Ausstattung, aber ein schnelles Objektiv ist ein<br />

riesiger Vorteil bei Portraitaufnahmen, da man so<br />

Hintergründe sehr einfach unscharf darstellen kann.<br />

<strong>Profis</strong> setzen meist auf ein 70-200-mm-f/2.8-Modell<br />

für ungestellte <strong>Foto</strong>s und Nahaufnahmen. Allerdings<br />

kosten die Profi-Varianten mehr als 2.000 Euro. Eine<br />

günstigere Lösung ist ein 85-mm-f/1.8-Objektiv –<br />

sowohl Nikon als auch Canon haben gute Varianten<br />

für ungefähr 360 Euro.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 27


Menschen<br />

Lukes Kommentar<br />

„Bei unseren letzten Aufnahmen sahen die<br />

beiden Models erst misstrauisch aus, als<br />

sie nebeneinander auf dem Boden liegen<br />

sollten, damit wir ihre Gesichter mit<br />

unterschiedlichen Blickrichtungen in<br />

einem <strong>Foto</strong> zusammenfassen konnten. Doch nach ein<br />

paar Minuten fühlten sie sich in der Pose wohl und das<br />

Motiv nahm Gestalt an. Ich habe dabei mehr als fünf<br />

verschiedene Lichtquellen genutzt. Drei davon übernahmen<br />

aus einem flachen Winkel nah an den Models die<br />

seitliche Beleuchtung, während die Beauty Dish und die<br />

Softbox von beiden Seiten der Kamera Licht spendeten.“<br />

Johns Fazit<br />

„Wenn man zwei Models zusammen<br />

fotografieren will, ist das immer schwierig,<br />

besonders wenn sie noch nie<br />

miteinander gearbeitet haben. Man muss<br />

wirklich gut sein, um das Beste aus den<br />

Models herauszuholen und eine Verbindung zwischen<br />

ihnen herzustellen. Luke hat tolle Arbeit geleistet.<br />

Dabei hat er effektvolle, direkte Beleuchtung genutzt,<br />

die sehr schön mit Lichtgittern und Abschirmklappen<br />

gesteuert wurde. Dadurch wirken die Augen der<br />

Models lebendig. Außerdem hat er eine tolle Komposition<br />

mit einem engen Bildausschnitt geschaffen. So<br />

wirkt die Art der Beleuchtung besser. Luke kann auf<br />

dieses Bild wirklich stolz sein, besonders wenn man<br />

bedenkt, dass er dafür nur wenige Stunden gebraucht<br />

und zum ersten Mal in einem Studio gearbeitet hat.“<br />

28 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

Belichtung: 1/125 s bei f/11; ISO200<br />

Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 29


Menschen<br />

Harmonische<br />

DER PROFI<br />

Name: James Howard<br />

Kamera: Canon EOS-1D Mk II<br />

James ist 34 Jahre alt und seit<br />

zehn Jahren Profi-<strong>Foto</strong>graf. Seit<br />

fünf Jahren fotografiert er<br />

größtenteils Hochzeiten. Dabei<br />

bleibt er immer unauffällig im<br />

Hintergrund. James fotografiert<br />

an die 100 Hochzeiten pro Jahr!<br />

30 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

Hochzeitsfotos<br />

Sie wurden gebeten, bei einer Hochzeit zu fotografieren?<br />

Profi-<strong>Foto</strong>graf James Howard gibt<br />

seine Geheimnisse für die perfekten Aufnahmen<br />

am schönsten Tag des Lebens preis.<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Gbenga Sodeke<br />

Kamera: Canon EOS 400D<br />

Gbenga ist 31 Jahre alt und<br />

arbeitet als Tatort-Ermittler in<br />

Hertfordshire. <strong>Foto</strong>grafieren ist<br />

seit drei Jahren sein <strong>Hobby</strong>. Er<br />

hat sich einverstanden erklärt,<br />

die Hochzeit seiner Schwester<br />

zu fotografieren, und braucht<br />

vorher dringend Profi-Tipps!<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 31


Menschen<br />

Für Hochzeits-<br />

Aufnahmen hat James<br />

immer zwei EOS-1D Mk II<br />

dabei, falls eine ausfallen<br />

sollte, plus extra Batterien<br />

und Speicherkarten<br />

sowie diese Objektive:<br />

2x Canon 28-300mm f/3.5-5.6L IS<br />

Canon 17-35mm f/2.8L<br />

Canon 70-200mm f/2.8 IS<br />

2x Canon 50mm f/1.4 USM<br />

Canon 100mm f/2<br />

Canon 135mm f/2L<br />

JAMES‘ TIPP<br />

Essenzielle<br />

Aufnahmen<br />

James erklärte Gbenga,<br />

welche Aufnahmen er auf der<br />

Hochzeit seiner Schwester<br />

nicht verpassen darf. „Die<br />

Braut tritt vor den Altar, das<br />

Brautpaar schaut sich zum<br />

ersten Mal dort an und der<br />

Vater übergibt die Braut.<br />

Danach wird viel geredet,<br />

jetzt besser keine ablenkenden<br />

Aufnahmegeräusche<br />

machen. Das nächste<br />

wichtige <strong>Foto</strong> ist der Tausch<br />

der Ringe und dann kommt<br />

die wichtigste Aufnahme: Der<br />

erste Kuss. Den darf Gbenga<br />

auf keinen Fall verpassen.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Lastolite Ezybalance Aufheller Graukarte<br />

James benutzt sie, um in Räumen die<br />

Belichtung und den Weißabgleich korrekt<br />

einzustellen. „Die graue Seite wird für<br />

die Belichtung benutzt: Lies den<br />

Zähler im manuellen Modus<br />

aus und passe Verschlusszeit<br />

sowie Blendenwert an, bis die<br />

Belichtungsanzeige zentral<br />

eingestellt ist.”<br />

JAMES‘ TIPP<br />

Richtig atmen<br />

„Wenn man während der Aufnahme<br />

den Atem anhält, ist die Wahrscheinlichkeit<br />

höher, ein verwackeltes <strong>Foto</strong><br />

zu bekommen. Die beste Zeit, um zu<br />

knipsen, ist gegen Ende des<br />

Ausatmens.”<br />

Technik-Check<br />

Ist Gbenga bereit für die Feier?<br />

IN EINE E SCHNELLE<br />

LINSE INVENSTIEREN<br />

DAS HISTOGRAMM<br />

BENUTZEN<br />

32 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />

James beobachtet Gbenga bei der Einrichtung seiner DSLR<br />

Das richtige Objektiv<br />

„Bei Innenaufnahmen steht Ihnen viel<br />

weniger Licht zur Verfügung”, sagt<br />

James. „Statt den ISO-Wert hochzustellen<br />

oder ein Blitzgerät zu nutzen,<br />

nutzt man besser eine schnelle Linse.<br />

Gbengas 18-55-mm-Linse erlaubt ihm,<br />

Das Histogramm<br />

„Für Innenaufnahmen nehme ich den<br />

M-Modus und mache immer nur eine<br />

Aufnahme, statt Bracketing einzusetzen”,<br />

sagt James. „Das Histogramm ist<br />

draußen und drinnen die einzige<br />

Möglichkeit sicherzustellen, dass die<br />

Belichtung stimmt. Auf Gbengas 400D<br />

nur mit der größten Blendenöffnung<br />

(f/3.5) zu fotografieren. Ich benutze<br />

50mm f/1.4 am Anfang der Kirche und<br />

135mm f/2 am Ende. Die große<br />

Blendenöffnung lässt mehr Licht rein<br />

und mit einer 50-mm-Linse kann ich<br />

ohne Stativ mit 1/50 s fotografieren -<br />

siehe auch die Checkliste rechts.”<br />

muss er so lange den Display-Knopf<br />

drücken, bis die Miniaturansicht des<br />

Bildes zusammen mit dem Histogramm<br />

erscheint. Wenn auf dem Brautkleid<br />

Clipping-Warnungen aufleuchten, ist<br />

das problematisch. Suchen Sie dann<br />

nach einem ausgeglicheneren<br />

Histogramm.”


Menschen<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Den Weißabgleich<br />

einstellen<br />

JAMES RATSCHLAG<br />

Checkliste für<br />

Innenaufnahmen<br />

Während der Zeremonie hält<br />

sich James an diese Regeln:<br />

Den ISO-Wert auf 800 setzen<br />

Den Weißabgleich wie rechts<br />

beschrieben ermitteln<br />

Im M-Modus aus der Hand<br />

fotografieren, nicht langsamer<br />

als 1/50s<br />

Ein schnelles Objektiv mit<br />

fester Brennweite und großer<br />

Blendenöffnung nutzen<br />

Bei Innenaufnahmen unter<br />

schlechten Lichtbedingungen<br />

ist es unverzichtbar,<br />

den Weißabgleich<br />

anzupassen, um hässliche<br />

Farbstiche auf dem<br />

Braut kleid zu vermeiden.<br />

James erklärt, wie das<br />

funktioniert: „Sie können<br />

eine professionelle<br />

Grau karte (siehe links)<br />

benutzen oder einfach ein<br />

weiße Karte, aber auch das<br />

Brautkleid, sofern der Stoff<br />

richtig Weiß ist. Erstellen<br />

Sie ein <strong>Foto</strong> des weißen<br />

Bereiches, der die<br />

Aufnahme komplett<br />

ausfüllen muss, und öffnen<br />

Sie das Menü Ihrer<br />

Kamera, um Custom-Weißabgleich<br />

auszuwählen.<br />

Suchen Sie das eben<br />

erstellte <strong>Foto</strong> und tippen<br />

Sie auf Set. Drücken Sie<br />

nun den WB-Knopf hinten<br />

auf der Kamera ganz nach<br />

rechts, um Custom<br />

einzustellen.”<br />

Gbengas<br />

Kommentar<br />

„Eine frühe Aufnahme,<br />

aber sie gefällt mir.<br />

James meinte, wenn<br />

ich eine große Blende<br />

benutze, stellt diese eine<br />

geringe Schärfentiefe<br />

her - eine sehr kreatives<br />

Element, sofern<br />

es richtig eingesetzt<br />

wird. Hilfreich ist hier<br />

auch, dass die Braut<br />

vorne scharf und der<br />

Bräutigam weiter hinten<br />

unscharf dargestellt<br />

werden. James riet mir<br />

zudem, im M-Modus<br />

zu fotografieren, um<br />

Kontrolle über Blendwert<br />

und Verschlusszeit<br />

zu haben. Ich benutzte<br />

das Histogramm, um<br />

Störungen und Belichtung<br />

zu checken.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 33


Menschen<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Der passende<br />

Hintergrund<br />

Als erstes schaut sich James den Ort der Zeremonie an, um<br />

Bereiche mit neutralem Hintergrund zu finden. „Vermeiden Sie<br />

es, das Brautpaar vor dem Himmel zu fotografieren. Der große<br />

Dynamikbereich könnte Ihrer SLR Probleme bereiten. Die<br />

Kirche bietet einen perfekten Hintergrund, da sie grau ist.<br />

Verwenden Sie die Mehrfeld- oder Matrixmessung für eine<br />

gleichmäßige Belichtung.”<br />

JAMES‘ TIPP<br />

ISO hochdrehen<br />

„Meine Art, Hochzeiten zu<br />

fotografieren, ist sehr<br />

rasant. Manchmal macht<br />

das Brautpaar etwas, das<br />

Sie direkt aufnehmen<br />

wollen, dafür ist eine<br />

langsame Verschlusszeit<br />

hinder lich. Ich foto grafiere<br />

regelmäßig mit ISO800,<br />

denn damit ändert sich die<br />

Qualität nicht sehr viel und<br />

es gibt mir eine viel<br />

schnellere Verschlusszeit.”<br />

34 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Bracketing<br />

für perfekte<br />

Aufnahmen<br />

Die SLR wird das Brautkleid wahrscheinlich<br />

unterbelichten, sodass es grau wirkt. James<br />

empfiehlt, Bracketing auszuprobieren: „Ihre<br />

SLR macht dann eine Aufnahme in der richtigen<br />

Belichtung und eine leicht überbelichtete sowie<br />

eine unterbelichtete. Um Bracketing einzustellen,<br />

muss Gbenga auf seiner 400D ins Menü<br />

gehen und dort AEB (Belichtungsreihenautomatik)<br />

aus dem Bereich mit dem Kamera2-Symbol<br />

auswählen”, sagt James. Sie können dann das<br />

am besten belichtete <strong>Foto</strong>s nehmen. Stellen Sie<br />

zudem den Continuous-Shooting-Modus ein<br />

und setzen Sie das Bracketing zurück, wenn Sie<br />

Objektiv oder Karte wechseln.<br />

Gbengas Kommentar<br />

„James meinte, ich sollte die Momente<br />

abpassen, in denen das Brautpaar vergisst,<br />

dass ich da bin. In dieser Aufnahme gingen<br />

die beiden ganz natürlich miteinander um.<br />

Das gibt dem <strong>Foto</strong> das gewisse Etwas, das<br />

nicht da gewesen wäre, wenn sie für mich<br />

posiert hätten.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

In JPEG<br />

fotografieren<br />

„Wegen der Geschwindigkeit, mit der ich<br />

fotografiere, und der Art, wie ich die<br />

Bilder hinterher bearbeite, nutze ich für<br />

Hochzeiten nur JPEG”, sagt James.<br />

„Damit kann ich bis zu 1.500 Aufnahmen<br />

pro Stunde machen, was mit<br />

RAW nicht geht. Ich nutze die<br />

höchsten JPEG-Einstellungen<br />

und setze die Auflösung auf 8<br />

Millionen Pixel, was absolut<br />

ausreicht.“<br />

JAMES‘ RATSCHLAG<br />

Checkliste für<br />

Außenaufnahmen<br />

Wenn das Paar die Kirche verlässt,<br />

gibt es andere Regeln zu beachten:<br />

Den ISO-Wert irgendwo<br />

zwischen 200 und 800 setzen<br />

Den Weißabgleich auf „wolkig“<br />

stellen für bessere Farben<br />

Im AV-Modus aus der Hand<br />

fotografieren, mit f/8 für mehr<br />

Schärfe<br />

Bracketing-Aufnahmen mit 2/3<br />

Blendenabstand<br />

Ein 28-300mm Objektiv für<br />

höchste Flexiblität nutzen<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 35


Menschen<br />

JAMES’ TIPP<br />

Die wichtigsten<br />

Aufnahmen<br />

„Jeder Hochzeitstag setzt<br />

sich aus vier wichtigen<br />

Teilen zusammen. Vor der<br />

Zeremonie ist die richtige<br />

Zeit, um die Braut bei den<br />

Vorbereitungen aufzunehmen.<br />

Das kann sehr<br />

hektisch werden. Die<br />

Zeremonie selber ist eine<br />

Herausforderung, weil sie<br />

immer unter anderen<br />

Lichtbedingungen stattfindet.<br />

Danach ist es wichtig,<br />

die Kamera-Einstellungen<br />

zwischen Gruppenfotos und<br />

Schnappschüssen unter<br />

Kontrolle zu haben. Zum<br />

Schluss kommen das<br />

Anschneiden des Kuchens,<br />

Reden und der erste Tanz.<br />

Die Atmosphäre sollte jetzt<br />

deutlich entspannter sein.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

Tragschlaufe<br />

„Die großen Profi-Linsen sind so schwer, dass meine<br />

Finger nach einem Arbeitstag ohne Schlaufen sehr<br />

schmerzen würden. Die Tragschlaufe sorgt dafür, dass<br />

das Gewicht auf meinem Handgelenk liegt, sodass ich<br />

die SLR nicht mit den Fingern verkrampft festhalten muss.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Vor Ort<br />

„Wenn das Wetter passt, können Sie einige schnelle<br />

Aufnahmen auf dem Weg zum Empfang erstellen”, sagt<br />

James. „Blumenfelder eignen sich für ausdrucksstarke,<br />

romantische Bilder. Ist das Wetter nicht so gut, gibt es<br />

andere Möglichkeiten, draußen zu fotografieren. Suchen<br />

Sie dafür nach Plätzen, die überdacht sind wie Vor dächer<br />

und Torbögen. Sie können der Braut auch einen weißen<br />

Regenschirm geben. Der schützt sie nicht nur vor Regen,<br />

sondern lenkt auch grelles Licht ab. Vermeiden Sie aber<br />

bunte Schirme, da diese Farbstiche auf das Brautkleid<br />

werfen.”<br />

36 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

Gbengas Kommentar<br />

„Ich liebe diese Aufnahme. James gab mir den Tipp,<br />

Umgebung so zu nutzen, dass sie dem <strong>Foto</strong> mehr Kraft<br />

verleiht, und mit diesem Feld, das nur eine kurze<br />

Autofahrt entfernt war, konnte ich das umsetzen. Ich<br />

wählte einen niedrigen Aufnahmewinkel und<br />

positionierte mich richtig. So habe ich es geschafft, den<br />

Eindruck zu vermitteln, als ob die Braut komplett von<br />

gelben Blumen umgeben ist. Dabei stand sie auf einem<br />

kleinen Weg.”<br />

Weitere Hochzeitsaufnahmen...<br />

Es dreht sich nicht alles nur um das Brautpaar, gibt der Hochzeitsprofi zu bedenken...<br />

Vorbereitungen<br />

1„Hier wird nicht posiert.<br />

Ich mache nur Schnappschüsse,<br />

während Frisur<br />

und Make-Up der Braut entstehen.<br />

Ich dokumentiere einfach.<br />

Außerdem mache ich Nahaufnahmen<br />

von den Blumen. Dabei<br />

verstecke ich mehr, als ich zeige,<br />

in dem ich nur auf eine Blume<br />

fokusiere und den Rest unscharf<br />

darstelle.”<br />

Schnappschüsse<br />

2„Hier ist es wichtig, eine<br />

Brennweite irgendwo<br />

zwischen 200mm und<br />

300mm einzustellen. Die Gäste<br />

bemerken Sie nicht und liefern<br />

Ihnen gute Gesichtsausdrücke.<br />

Sie können auch versuchen,<br />

über jemandes Schulter zu fotografieren.<br />

Ein Hinterkopf kreiert<br />

Kontext und funktioniert gut als<br />

Rahmen für das Bild.”<br />

Die Gäste<br />

3„Für <strong>Foto</strong>s der Gäste ist die<br />

richtige Aufnahmeposition<br />

wichtig. Versuchen Sie,<br />

den Himmel zu vermeiden und<br />

stattdessen neutrale, dunkle<br />

Hintergründe zu finden. Breite<br />

Treppen eignen sich hervorragend<br />

für Gruppenfotos. Idealerweise<br />

erstellen Sie diese von<br />

einem Fenster aus und bitten<br />

alle, nach oben zu schauen.”<br />

Der Kuchen<br />

4„Das Anschneiden des<br />

Kuchens ist eine gute<br />

Gelegenheit für eine Aufnahme.<br />

Stellen Sie sicher, dass<br />

der Weißabgleich richtig eingestellt<br />

ist - nichts ist schlimmer<br />

als ein grüner Hochzeitskuchen!<br />

Ihre Kamera wird versuchen, die<br />

Helligkeit auszugleichen, daher<br />

müssen Sie ein wenig überbelichten.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 37


Menschen<br />

3<br />

1<br />

2<br />

James‘ Fazit<br />

„An dieser Stelle [1] zeigt die Belichtung, wie gut natürliches<br />

Licht sich manchmal macht. Die einzige Lichtquelle<br />

war ein großes Kirchenfenster, darum kommt die Belichtung<br />

einfach und elegant daher. Die Aufnahme zeigt<br />

nur das Brautpaar [2], so lässt Gbenga alle ungewollten<br />

Details außen vor. In dieser Aufnahme geht es nur um die<br />

Liebe des Paares. Die Pose in diesem <strong>Foto</strong> ist einfach umwerfend<br />

[3]. Das Paar sieht so entspannt aus zusammen,<br />

dass es sich fast voyeuristisch anfühlt. Die beste Art, so<br />

etwas zu erreichen, ist, nicht zu viel zu posieren. Wenn das<br />

Paar entspannt ist, findet es selber die beste Pose.”<br />

Gbengas Kommentar<br />

„Ich finde diese Aufnahme fasst alles zusammen, was<br />

James mir heute beigebracht hat. Das Paar war sehr<br />

ungezwungen und merkte gar nicht, dass das <strong>Foto</strong><br />

entstand. James meinte, ich soll von einem niedrigen<br />

Winkel aus fotografieren und das Licht des Kirchenfensters<br />

nutzen, um Glanzlichter und Schatten zu<br />

kreieren. Durch die Umwandlung in Schwarz-Weiß<br />

wird die Aufnahme noch emotionaler.”<br />

38 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen


Menschen<br />

<strong>Foto</strong>s,<br />

die wirklich<br />

rocken!<br />

Seien Sie dabei, wenn Profi-Rock-’n’-Roll-<strong>Foto</strong>graf<br />

Laurence Baker seinem Lehrling während eines<br />

Whitesnake- und Def-Leppard-Konzerts in der<br />

Wembley Arena zeigt, wie man umwerfende<br />

Aufnahme von Live-Auftritten macht.<br />

40 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

DER PROFI<br />

Name: Laurence Baker<br />

Kamera: Canon EOS 5D<br />

Profi-<strong>Foto</strong>graf Laurence, 42,<br />

fotografiert regelmäßig große<br />

Auftritte und Festivals für Q,<br />

Classic Rock, Guitarist und<br />

weitere bekannte Musik-Magazine<br />

sowie für <strong>Foto</strong>-Agenturen.<br />

Er arbeitet auch viel hinter der<br />

Bühne und bei Studioaufnahmen.<br />

Mehr über Laurence<br />

erfahren Sie auf seiner Webseite:<br />

www.laurencebaker.com.<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Heather Fitsell<br />

Kamera: Canon EOS 400D<br />

Heather, 28, ist eine Qualitätsmanagerin<br />

aus London. Sie hat bereits versucht,<br />

Aufnahmen von Barauftritten zu machen,<br />

ist aber an der Innenbeleuchtung, der<br />

Verschlusszeit und den ISO-Werten<br />

gescheitert. Um die harten Aufnahme-<br />

Bedingungen der Wembley Arena zu<br />

meistern, lernt sie besser schnell!<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 41


Menschen<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Streulicht- oder Gegenlichtblenden<br />

„Ich schwöre auf meine Profi-Objektive”, sagt<br />

Laurence. „Wenn ich aus der Hand fotografiere, sind<br />

sie solide genug, um Verwacklungen zu verhindern,<br />

und sie verhindern die verwaschene, milchige Optik,<br />

die man manchmal bekommt, wenn man in sehr<br />

helles Licht fotografiert. Bei Auftritten lasse<br />

ich die Gegenlichtblen den immer dran.<br />

Die halten Streulicht ab und<br />

schützen zudem die Linse vor<br />

Schaden, wenn es zu<br />

Drängeleien in der erste<br />

Reihe, wo man als <strong>Foto</strong>graf<br />

steht, kommt.”<br />

LAURENCES TIPP<br />

Der richtige Umgang mit der<br />

Keine-Blitze-Regel<br />

Es ist ganz normal bei großen Auftritten, dass<br />

<strong>Foto</strong>grafen keinen Blitz verwenden dürfen. Aber<br />

anstatt die Lichtempfindlichkeit (ISO) ganz hoch zu<br />

drehen und damit digitales Rauschen zu riskieren,<br />

stellt Laurence seine Kamera lieber nicht über<br />

ISO400 ein. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass<br />

geringere ISO-Werte in jeder Situation bessere<br />

Ergebnisse produzieren. In dem Moment, wo die<br />

Show losgeht, erkennt man, was funktionieren wird.<br />

Ich versuche immer, die <strong>Foto</strong>s realistisch zu halten.<br />

Ich sehe oft Aufnahmen von Konzerten, bei denen<br />

ich auch war, die aussehen, als wären sie woanders<br />

entstanden, weil der <strong>Foto</strong>graf einen hohen ISO-Wert<br />

benutzt und dadurch überbelichtet hat. Einige Leute<br />

meinen, wenn ihre Bilder nicht immer superhell sind,<br />

wird sie keiner kaufen.“<br />

Technik-Check<br />

Ist Heather bereit zu rocken?<br />

Bevor die erste Band die Bühne betrat, sah sich Laurence Heathers<br />

Einstellungen an und machte einige zeitsparende Vorschläge.<br />

DAS RICHTGE<br />

FORMAT WÄHLEN<br />

VON AUTO AUF MA-<br />

NUELL WECHSELN<br />

RAW und JPEG<br />

„Bis jetzt hat Heather nur im JPEG-<br />

Format fotografiert, was bei Auftritten<br />

riskant ist. Sie sollte zur RAW+L-<br />

Einstellung wechseln. Die RAW-Dateien<br />

kann man für bessere Ergebnisse<br />

Manuell-Modus nutzen<br />

„Mir ist aufgefallen, dass Heathter den<br />

Auto-Modus nutzt. Ich nehme immer den<br />

Manuell-Modus wegen des Bühnenlichts,<br />

denn das zwingt den Auto-Modus jeder<br />

SLR in die Knie. Manuell fotografieren<br />

bearbeiten, aber die JPEGs kann man<br />

dem Kunden schnell schicken, sofern<br />

gewünscht. Für diese Vorgehensweise<br />

braucht man allerdings eine große<br />

Speicherkarte.”<br />

bedeutet, dass ich Blendenwert und<br />

Verschlusszeit selber einstelle, damit<br />

Beleuchtung und Band richtig erfasst<br />

werden. Heather sollte außerdem ihren<br />

Weißabgleich auf Tageslicht setzen.”<br />

42 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

Belichtung: 1/80 s bei f/5.6, ISO400<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Laurence benutzt die Canon EOS 5D,<br />

denn diese besitzt einen Vollformat-CMOS-Sensor<br />

für große, sehr<br />

detaillierte Bilder. Sie ist verhältnismäßig<br />

leicht und daher ideal, um bei<br />

Konzerten oder auf Reisen aus der<br />

Hand zu fotografieren, wenn man<br />

keine Stative benutzen kann. Er nutzt<br />

zudem folgende Linsen und Zubehör:<br />

Canon EF 28-70mm f/2.8L<br />

Canon EF 70-200mm f/2.8L<br />

Canon EF 20mm f/2<br />

Elinchrom Ranger Lighting Kit<br />

(für Ortsaufnahmen und Portraits)<br />

Heathers Kommentar<br />

„Als die Vorband auf die Bühne kam, war<br />

ich ein wenig besorgt, dass zu wenig<br />

Licht zur Verfügung stehen könnte, aber<br />

bei Events von dieser Größe ist mehr<br />

Beleuchtung vorhanden, als man denkt.<br />

Ein ISO-Wert von 400 hat den größten Teil<br />

des Abends gereicht. Laurence meinte,<br />

ich sollte Aufnahmen vermeiden, bei denen<br />

das Gesicht eines Bandmitglieds von<br />

Mikrofonen, Instrumenten oder Körperteilen<br />

verdeckt wird. Das ist mir in diesem<br />

Bild gelungen. Die Aufnahme wurde früh<br />

am Abend gemacht und fängt das weiche<br />

Bühnenlicht ein, das das Gesicht des<br />

Sängers der Vorband Black Stone Cherry<br />

beleuchtet.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 43


Menschen<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Drei Songs<br />

Sogar erfahrene Profi-<strong>Foto</strong>grafen wie Laurence<br />

dürfen normalerweise nicht länger als drei<br />

Songs vor der Bühne fotografieren. Daher ist es<br />

wichtig, die DSLR so schnell wie möglich<br />

einzustellen. „Normalerweise starte ich mit einer<br />

Grund belichtung von circa 1/100 s bei f/5.6 und<br />

passe das dann an, je nachdem, wie die ersten<br />

Aufnahmen aussehen. Bei solchen Shows<br />

<strong>helfen</strong> Scheinwerfer bei einer gleichmäßigen<br />

Belichtung, egal wo sich die zu fotografierende<br />

Person befindet. Die Vorband heute Abend hatte<br />

allerdings keine Scheinwerfer, sodass die<br />

Be leuchtung schwer vorhersehbar war. In<br />

solchen Fällen ist es wichtig, nachdem man<br />

zwischendurch die Einstellungen geändert<br />

hat, direkt weiterzufotografieren und keine<br />

Zeit mit dem Ansehen bereits erstellter<br />

Aufnahmen zu verschwenden.“<br />

LAURENCES TIPP<br />

Ein gutes Verhältnis aufbauen<br />

„Die Auftritte sind nur ein Teil der Rock-<strong>Foto</strong>grafie.<br />

Backstage-Aufnahmen, Gruppenfotos und Portraits<br />

gehören auch dazu. Dabei ist soziale Kompetenz gefragt<br />

und die Fähigkeit, einen Kompromiss zwischen den<br />

Wünschen der Band und denen des Kunden zu finden.<br />

Rockbands sind normalerweise umgänglich, aber man<br />

braucht Geduld. Zakk Wylde (Ozzy Osbournes Gitarrist)<br />

ist mal drei Stunden zu spät aufgetaucht, trampelte dann<br />

auf meinen Objektiven herum und war der Grund, warum<br />

ich meinen Flug nach Hause verpasste.”<br />

44 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

LAURENCES TIPP<br />

Recherche<br />

„Indem man sich die<br />

Webseite der Band vor<br />

dem Auftritt ansieht,<br />

spart man ebenfalls<br />

Zeit. Hier kann man<br />

rausfinden, wer das<br />

fotogenste Bandmitglied<br />

ist. Es geht nicht<br />

nur um den Sänger, Sie<br />

können auch Bilder an<br />

Magazine oder Webseiten<br />

verkaufen, die<br />

sich nur mit Gitarristen<br />

beschäftigen. Beobachten<br />

Sie die Bandmitglieder<br />

genau vor<br />

Ort, um deren nächste<br />

Schritte zu erahnen.<br />

Versuchen Sie Musiker,<br />

die Sie kennen, während<br />

des Auftritts für<br />

eine Aufnahme zu sich<br />

zu rufen.”<br />

Heathers Kommentar<br />

„Eine meiner liebsten Aufnahmen. Ich<br />

finde den Winkel toll und die Art, wie das<br />

Licht einen Duoton-Effekt erzeugt. Dass<br />

man das Gesicht des Bassisten nicht<br />

sieht, ist hier unwichtig. Es war zudem hilfreich,<br />

dass ich unterhalb der Bühne stand<br />

(allerdings kann das auch eine Einschränkung<br />

sein, weshalb eine Auswahl an Objektiven<br />

hilfreich ist). Ich mag es, wie sein<br />

Körper das Schlagzeug subtil einrahmt.<br />

Die vielen verschiedenen Lichtwinkel finde<br />

ich ebenfalls sehr gut - ein wenig wie ein<br />

Feuerwerk.”<br />

Belichtung: 1/80 s bei f/5.6, ISO400<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Bekannt werden<br />

Trotz der intensiven Wettbewerbssituation ist Laurence<br />

der Meinung, dass es heutzutage einfacher ist, als<br />

Anfänger in der Rock-<strong>Foto</strong>grafie durchzustarten. „Man<br />

muss nicht mehr für Filmrollen und deren Entwicklung<br />

zahlen! Arbeiten Sie bitte trotzdem nicht umsonst, wenn<br />

Sie gerade anfangen. Das macht es für andere <strong>Foto</strong>grafen<br />

schwerer. Versuchen Sie, sich durch das <strong>Foto</strong>grafieren<br />

lokaler Bands ein Portfolio zusammenzustellen. Wenn Sie<br />

eine gute SLR besitzen, die Sie zudem auch beherrschen,<br />

stellen Sie sicher, dass Ihre Aufnahmen etwas Besonderes<br />

werden. Lernen Sie, wie man die Belichtung anpasst, und<br />

machen Sie scharfe Aufnahmen. Niemand wird unscharfe<br />

Bilder kaufen.”


Menschen<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Mit Licht arbeiten<br />

„Hüten Sie sich vor Spitzlichtern in Ihren Aufnahmen”, sagt<br />

Laurence. „Niedrige ISO-Werte und hochwertige Objektive<br />

<strong>helfen</strong>, diese zu vermeiden. Bei vielen unterschiedlich<br />

positionierten Lichtern auf der Bühne entsteht irgendwann<br />

ein Leuchten. Wenn Sie die zu fotografierende Person<br />

zwischen sich und die Hintergrundbeleuchtung positionieren<br />

können, kann das hilfreich sein. Aber Sie können auch<br />

absichtlich einige nette Spitzlichter-Effekte erzeugen, wenn<br />

die Hintergrundbeleuchtung sehr grell ist!”<br />

HEATHERS TIPP<br />

Auf einen Bereich fokussieren<br />

„Es war sehr hektisch vor der Bühne, aber mir hat es geholfen,<br />

meine DSLR auf One-Shot AF-Modus (Einzelaufnahme/<br />

Autofokus) zu stellen und auf einen bestimmten Bereich auf<br />

Brusthöhe zu fokussieren - zum Beispiel das Muster eines<br />

Oberteils. Laurence meinte zudem, ich sollte die Schärfe der<br />

Aufnahme kontrollieren, indem ich auf einen strukturierten<br />

Bereich ranzoome. In dieser Aufnahme auf der rechten Seite<br />

habe ich auf die Kette des Gitarristen fokussiert.”<br />

Belichtung: 1/80 s bei f/5.6, ISO400<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Heathers Kommentar<br />

„Es hat Spaß gemacht, Phil Collen von Def Leppard zu fotografieren. Zu<br />

diesem Zeitpunkt hatte ich rausgefunden, wer sich für gute Aufnahmen<br />

eignet. Mir war aufgefallen, dass sich die blauen Lichter in früheren <strong>Foto</strong>s<br />

gut machten, und ich habe das zu meinem Vorteil genutzt. In dieser<br />

Aufnahme brachten sie auch die Farben der Gitarre zur Geltung. Es war<br />

zwar schwer, den Gitarristen ohne unscharfe Finger zu fotografieren,<br />

aber hier ist es mir gelungen.”<br />

46 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Menschen<br />

Belichtung: 1/80 sec at f/5.6, ISO400<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Heathers Kommentar<br />

„Bei dieser Aufnahme des Whitesnake-Frontmanns<br />

David Coverdale hatte ich großes<br />

Glück. Er war schwer zu fotografieren, da er nie<br />

mehr als eine Sekunde lang stillstand! In fast<br />

jedem Bild von ihm war immer ein Arm oder<br />

etwas anderes unscharf. Laurence meinte, ich<br />

sollte, statt dem Künstler auf der Bühne zu<br />

folgen, warten, bis er zu mir kommt. Ich wartete<br />

und es hat funktioniert. Sein Oberteil eignete<br />

sich gut als Fokuspunkt und der Scheinwerfer<br />

zeigt ihn perfekt bei dem, was er am besten<br />

kann.”<br />

HEATHERS TIPP<br />

Details vergrößern<br />

„Ich finde es erstaunlich, wie kritisch man<br />

mit sich selber sein muss, wenn man die<br />

eigenen Aufnahmen zwischen den<br />

Bandauftritten anschaut. Ein guter Tipp<br />

ist es, die Schärfe durch das Vergrößern<br />

detaillierter Bereiche zu kontrollieren.<br />

Wenn Sie die schwarzen Bereiche<br />

ranzoomen und diese dunkelgrau<br />

angezeigt werden, bedeutet das zudem,<br />

dass Ihre DSLR Details nicht richtig<br />

darstellt.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 47


Menschen<br />

Laurences Fazit<br />

„Ich finde das Bild gut, da es unauffällig daherkommt, aber<br />

gleichzeitig wie eine großartige Rock-’n’-Roll-Aufnahme<br />

aussieht. Obwohl sein Gesicht verdeckt ist, kann man<br />

erkennen, dass es sich um den Gitarristen handelt. Die<br />

Beleuchtung macht sich sehr gut: Sie kommt eigentlich<br />

direkt von oben und hebt sein Haare hervor, ohne diese<br />

zu sehr zu betonen [1]. Mir gefällt, wie dunkel der Rest von<br />

ihm erscheint - und er stimmt gerade die Gitarre, statt sie<br />

zu spielen, was, wie ich finde, der Aufnahme noch mehr<br />

‘Coolness’ gibt [2]. Die Hintergrundbeleuchtung ist auch<br />

gedämpft [3]. Die sich ständig ändernde Beleuchtung<br />

macht das <strong>Foto</strong>grafieren zum Glücksspiel, aber wenn man<br />

aufmerksam und schnell reagiert, hat man schon die halbe<br />

Schlacht gewonnen. Ansonsten muss man nur darauf achten,<br />

dass man die richtige Belichtung eingestellt hat und<br />

kein anderer <strong>Foto</strong>graf im Weg steht.”<br />

1<br />

2<br />

3<br />

Heathers Kommentar<br />

„Diese Aufnahme des Gitarristen Ben<br />

Wells, der zu der Vorband Black Stone<br />

Cherry gehört, ist mein Lieblingsbild von<br />

diesem Abend. Er ist nicht nur genau<br />

mittig in der Aufnahme, die lineare Komposition<br />

des Bildes wird auch von der<br />

Lücke, die seine Haare bilden, unterstützt.<br />

Ben ist sehr fotogen, weshalb er so gut<br />

zu fotografieren war. Das eher schwierige<br />

rote Licht gab bei dieser Gelegenheit eine<br />

gute Hintergrundbeleuchtung ab und<br />

ergänzte zudem die Farben seiner Gitarre.<br />

Die Wellen in seinen Haaren kommen<br />

auch in seinem Oberteil vor. Ich habe so<br />

viel gelernt und bin begeistert von dieser<br />

Aufnahme.”<br />

48 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


People<br />

Exposure: 1/80 sec at f/5.6, ISO400<br />

Lens: Canon 17-85mm IS<br />

Belichtung: 1/80 s bei f/5.6, ISO400<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 49


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TESTS | TIPPS | NEWS | WISSEN | PRAXIS<br />

Das Magazin<br />

rund um Tablets<br />

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Natur<br />

Seite 66<br />

Seite 54<br />

Seite 98<br />

Seite 76<br />

52 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Seite 112<br />

Natur<br />

Natur<br />

2<br />

Sandburgen und Meer................. 54<br />

<strong>Foto</strong>grafieren<br />

für Gipfelstürmer........................... 66<br />

Moor- und Meerlandschaften..... 76<br />

Natur hautnah fotografieren........ 86<br />

Gefiederte <strong>Foto</strong>s............................ 98<br />

Blühende Aufnahmen!.................112<br />

Seite 86<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 53


Natur<br />

Sandburgen<br />

und Meer<br />

Landschafts- und Wildtier-Profifotograf Chris<br />

Weston nimmt unseren Lehrling mit ins schöne<br />

Northumberland für eine Einzelstunde mit.<br />

DER PROFI<br />

Name: Chris Weston<br />

Kamera: Nikon D3<br />

Chris ist einer der besten Wildtier-<br />

<strong>Foto</strong>grafen Großbritanniens. Sein<br />

atemberaubendes Buch Animals on<br />

the Edge zeigt die fotogensten, vom<br />

Aussterben bedrohten Säugetiere<br />

der Welt. Er veranstaltet regelmäßig<br />

<strong>Workshop</strong>s sowie Safaris und war<br />

daher unsere erste Wahl für den<br />

Seelandschaft-Meisterkurs in Northumberland.<br />

Mehr erfahren Sie<br />

unter www.chrisweston.uk.com.<br />

54 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Oliver Godwin<br />

Kamera: Nikon D7000<br />

Oliver ist Mikrobiologe und lebt in<br />

Reading. Seine erste DSLR war<br />

eine Sony A350, aber er fand den<br />

Mangel an verfügbaren Objektiven<br />

und Accessoires für diese Kamera<br />

so frustrierend, dass er beschloss,<br />

auf eine Nikon D7000 zu wechseln.<br />

Diese hat er sich letztes Jahr<br />

gekauft, damit er sie mit in seine<br />

Flitterwochen nach Borneo nehmen<br />

kann. Er fotografiert gerne<br />

Landschaften und Wildtiere und<br />

bat uns darum, ihm zu <strong>helfen</strong>,<br />

seine Fähigkeiten auszubauen.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 55


Natur<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Den Wecker<br />

stellen!<br />

Wenn Sie während der Morgendämmerung<br />

fotografieren, müssen Sie lange vor dem<br />

Sonnenaufgang ankommen. Stellen Sie<br />

sicher, dass Sie an jedem neuen Ort genug<br />

Zeit haben, sich umzusehen und den besten<br />

Kamerawinkel zu finden. Starten Sie diesen<br />

Vorgang aber am besten ohne Kamera und<br />

Stativ. Das geht schneller und einfacher.<br />

Belichtung: 1/5 s bei f/16, ISO100<br />

Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />

Olivers Kommentar<br />

„Als wir in Dunstanburgh in Northumberland<br />

ankamen, war es noch<br />

dunkel. Sobald es dämmerte, war<br />

klar, dass sich die Sonne Zeit lassen<br />

würde, um zwischen den Wolken<br />

hervorzukommen. Das gab Chris genug Zeit, mir<br />

einige tolle Tipps darüber zu geben, wie ich meine<br />

Kamera einstelle und die Aufnahmen organisiere,<br />

sobald das Licht besser wird. Er schickte mich auf<br />

die Suche nach festen Punkten auf dem Boden, die<br />

die Aufmerksamkeit des Betrachters einfangen und<br />

halten können. Ich sollte den richtigen Stein für den<br />

Vordergrund finden. Dieser durfte aber nicht so<br />

mächtig sein, dass er eine Mauer innerhalb der<br />

Aufnahme erzeugt. Dann meinte Chris noch, dass<br />

ich nach einem Element (Führungslinie) suchen<br />

sollte - wie zum Beispiel die Meeresbrandung -,<br />

welches das Auge durch das Bild zum Schloss<br />

leitet. Als ob ich eine Geschichte erzählen würde -<br />

die braucht einen Anfang, eine Mitte und ein Ende.<br />

Mithilfe des speziellen Neutralgraufilters von Chris<br />

konnte ich sicherstellen, dass der Himmel noch<br />

detailliert genug war, als die Sonne endlich<br />

rauskam. Für das endgültige <strong>Foto</strong> musste ich<br />

warten und mehrere Aufnahmen machen, bis die<br />

Wellen endlich an der richtigen Stelle brachen. ”<br />

Tiefenschärfe maximieren<br />

Chris zeigte seinem Lehrling Oliver, wie man<br />

Tiefenschärfe-Tabellen nutzt, um den Fokus auf<br />

die hyperfokale Entfernung zu setzen, damit diese<br />

scharf dargestellt wird.<br />

56 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Von oben oder<br />

von unten?<br />

Es ist einfach, die meisten Aufnahmen<br />

auf Augenhöhe oder aus der Höhe<br />

des Stativs zu machen. Aber das<br />

Variieren der Höhe ist eine gute Art,<br />

frische Kompositionen einzufangen.<br />

Die Aufnahme rechts entstand an der<br />

gleichen Stelle wie der Hot Shot #1,<br />

aber das Stativ war näher am Vor dergrund.<br />

Das ergab eine sig nifikante<br />

Änderung der Perspektive.<br />

Technik-Check<br />

War Oliver bereit, gegen Northumberlands<br />

fotogene Schlösser zu kämpfen? Während sie sich<br />

die Küste bei Dunstanburgh anschauten, gab Chris<br />

seine Meinung zu Olivers grundlegenden<br />

Kameraein stellungen ab. Diese zwei wichtigen<br />

Einstellungen schlug er Oliver vor zu ändern.<br />

Zeitautomatik statt<br />

Manuell-Modus<br />

„Oliver meinte, er nutzt normalerweise Motivprogramme.<br />

Er dachte, ich würde ihn direkt anweisen,<br />

auf die manuelle Belichtungssteuerung (M) zu<br />

wechseln. Tatsächlich ist (M) die veraltete Art. Man<br />

hat die gleiche Kontrolle mit der Zeitautomatik (A)<br />

oder der Blendenautomatik (S), die sich zudem<br />

einfacher bedienen lassen. Ich benutze die Zeitautomatik<br />

für 90% meiner Aufnahmen.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Tiefenschärfen-Tabellen<br />

Sonnenaufgang<br />

Nach langem Warten kam die Sonne endlich<br />

hinter den Wolken hervor und Oliver und Chris<br />

konnten loslegen.<br />

„Mit dieser Tabelle stelle ich sicher, dass<br />

ich die Szene so scharf wie möglich bekomme.<br />

Ich schaue nach Brennweite und<br />

Blendenwert und kann dann rausfinden, wo<br />

ich fokussieren muss, um die Tiefenschärfe<br />

zu maximieren. Meine Festbrennweiten<br />

besitzen Anzeigen für den Fokusabstand.<br />

Damit ist es einfach, die vorgeschriebene<br />

hyperfokale Entfernung einzustellen. Die<br />

Tabellen können Sie unter www.dofmaster.<br />

com/doftable.html runterladen.”<br />

Schlechtes Wetter<br />

„Oliver hatte den Weißabgleich auf Automatik<br />

gestellt, aber ich riet ihm, zu den voreingestellten<br />

Weißabgleich-Settings „Bewölkt“ oder „Schatten“<br />

zu wechseln. Diese funktionieren wie Aufwärm-Filter,<br />

die eine freundlichere Aufnahme liefern,<br />

wenn die Szene gerade nicht von Sonnenlicht<br />

erleuchtet wird.”<br />

PROFIAUSSTATTUNG #2<br />

Sonnenkarte<br />

„Die Sonne geht nicht im Osten auf – tatsächlich erscheint<br />

sie irgendwo südöstlich bis nordöstlich, abhängig von der<br />

Jahreszeit und dem Breitengrad”, verrät Chris. „Damit ich<br />

sicher sein kann, dass ich immer an der richtigen Stelle bin,<br />

habe ich diese einfache Karte dabei (versandkostenfrei<br />

bei www.suncard.co.uk für 4,70 Euro bestellbar), die ich<br />

zusammen mit einem Kompass nutze, um den richtigen Ort<br />

des Sonnenaufgangs oder -untergangs zu ermitteln.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 57


Natur<br />

Belichtung: 1/10 s bei f/22, ISO100<br />

Linse: 10-20mm f/4-5.6<br />

Olivers Kommentar<br />

„Unglücklicherweise hatten wir offensichtlich<br />

den stürmischsten Tag des Jahres erwischt!<br />

Trotz des rauen Windes war das Wetter aber,<br />

was die Beleuchtung anging, sehr gut. Nach<br />

den ersten Aufnahmen gingen wir an der<br />

Küste lang auf das Bamburgh Castle zu. Unser Ziel war es,<br />

eine Aufnahme zu erstellen, auf der man durch die Dünen<br />

auf das Schloss schaut. Wir hatten schnell den richtigen<br />

Platz gefunden. Hier lotst ein kleiner Pfad den Blick durch<br />

den Sand und die Dünen direkt auf das Schloss. Leider war<br />

der Vordergrund zu dunkel und die Textur des Grases daher<br />

nicht erfassbar. Chris schlug vor, ein Blitzgerät zu nutzen,<br />

das mit einem Synchronisationskabel an meine Kamera<br />

angeschlossen wurde. Der Blitz wurde von einem Reflektor<br />

geleitet, den Chris‘ Assistent in Position hielt. Dieser musste<br />

ganz schön schuften, wegen des Windes!”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Faltbarer Reflektor<br />

„Ein faltbarer Reflektor ist kein gängiges<br />

Accessoire für einen Landschafts- und<br />

Tierfotografen”, gibt Chris zu. „Normalerweise<br />

wird es eher von Portrait-<strong>Spezial</strong>isten<br />

benutzt, aber ich finde es besonders<br />

nützlich, um Licht auf dunkle Bereiche des<br />

Vordergrunds von Landschaftsaufnahmen<br />

umzuleiten und als Hilfe für Naturgroßaufnahmen.<br />

Hier hielt mein Assistent Marc den<br />

Reflektor in einem Winkel, der es dem Licht<br />

erlaubte, die Dünen zu beleuchten.”<br />

Alle anfassen!<br />

Chris sorgte dafür, dass der Blitz so<br />

vom Reflektor geleitet wird, dass er<br />

die Dünen und das Gras beleuchtet,<br />

während Oliver die perfekte<br />

Aufhellblitz-Aufnahme gelang.<br />

58 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />

VisibleDust 8mm Sensor Brush<br />

„Mir war aufgefallen, dass Olivers Sensor sehr<br />

dreckig war und dunkle Punkte im Himmel auf<br />

jedem seiner <strong>Foto</strong>s erzeugte”,<br />

warnte Chris.<br />

„Mit Staub auf dem<br />

Sensor hat jeder Profi<br />

zu kämpfen, darum<br />

nehme ich meine 8mm<br />

Sensor Brush von<br />

VisibleDust (ca. 40<br />

Euro) und die dazugehörigen<br />

Accessoires<br />

überallhin mit. Damit<br />

kann ich Flecken, sofort<br />

wenn sie auftauchen,<br />

entfernen.”<br />

Den Ultra-Weitwinkel-<br />

Zoom auspacken<br />

Damit so viel Vordergrund wie möglich mit<br />

Dünen gefüllt wird, wechselt Oliver auf sein<br />

Sigma 10-20mm.<br />

Windgeschützt<br />

Unser Lehrling lehnt sich für mehr<br />

Standfestigkeit gegen die Hütte (und<br />

um vor dem Sturm geschützt zu<br />

sein), als er das Schloss fotografierte.<br />

Monochrome<br />

Atmosphäre<br />

Es ist nicht nur wichtig, Aufnahmen nicht zu sehr durchzuplanen,<br />

sondern auch sich bietende Gelegenheiten zu nutzen. Oliver<br />

machte diese Aufnahme des Bamburgh Castles vom Parkplatz<br />

aus und in Farbe stellte es eine nette Postkarten-Szene dar. Aber<br />

der detaillierte Himmel und die beeindruckende Architektur<br />

deuteten auch das Potenzial für eine fantastische<br />

Schwarz-Weiß-Aufnahme an, wenn man die Farben zu Hause in<br />

Monochrom umwandelt.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 59


Natur<br />

Abstraktes fotografieren<br />

Chris ermutigte Oliver dazu, nach unterschiedlichen Arten des Einrahmens der Szene zu suchen,<br />

indem er neben den etablierten, malerischen Landschaftsaufnahmen auch abstrakte <strong>Foto</strong>s<br />

machte. Eine Contre-Jour-Aufnahme (direkt gegen das Licht fotografiert) des nassen Sandes<br />

und der hervorkommenden Sonne funktionierte sehr gut, während wir in Richtung Holy Island<br />

liefen. Zurück in Bamburgh, als die beiden darauf warteten, dass die Sonne untergeht, konzentrierten<br />

sie sich auf die brechenden Wellen und die Gischt, die durch den starken Wind entstand.<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #5<br />

Festbrennweiten<br />

„Wenn ich Landschaftsaufnahmen mache, trage ich keine<br />

Zoomobjektive mit mir rum. Mir reichen eine Handvoll<br />

Objektive mit festen Brennweiten von 20mm, 24mm, 28mm<br />

und 50mm,” gesteht Chris. „Diese sind sehr leicht und ich<br />

bin zudem gezwungen, sorgfältig über Bildkompositionen<br />

und Kamerapositionen nachzudenken. Diese Linsen<br />

besitzen zudem Fokussierskalen, mit denen ich die<br />

hyperfokale Entfernung einstellen kann. Ich benutze die<br />

Festbrennweiten meistens, um Wildtiere zu fotografieren.<br />

Statt viel Geld für schnelle, große Objektive auszugeben, die<br />

ich nur selten nutze, leihe ich diese aber für entsprechende<br />

Aufträge lieber aus.”<br />

Auf die Gezeiten<br />

achten<br />

Der Damm nach Holy Island ist nur bei<br />

Ebbe nutzbar. Da das Wasser schnell<br />

steigt, bleiben Fahrzeuge manchmal<br />

auf halbem Weg stecken. Es ist daher<br />

sinnvoll, den Gezeitenkalender und die<br />

Wetterwarnungen genau zu studieren!<br />

Die Welle einfangen<br />

Als die beiden bei Bamburgh auf den Sonnenuntergang<br />

warteten, ermutigte Chris Oliver dazu, ein wenig Zeit in<br />

abstrakte Aufnahmen der brechenden Wellen am Strand<br />

zu investieren.<br />

Sandaufnahmen<br />

Das Hineinzommen in den Sand erlaubte es Oliver,<br />

eine tolle abstrakte Aufnahme des Riffelmusters zu<br />

machen. Auf den ersten Blick erkennt man nicht,<br />

was es ist, was das Bild interessanter macht.<br />

60 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Belichtung: 1/40 s bei f/5.6, ISO100<br />

Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />

Olivers Kommentar<br />

„Wir überquerten den Damm nach Holy Island<br />

und schauten uns die Ebbezeiten an, aber<br />

mussten feststellen, dass wir zu spät dran waren.<br />

Wenn wir zum Lindisfarne Castle rübergelaufen<br />

wären, wären wir dort bis in die Nacht gestrandet<br />

gewesen. Statt wieder zum Festland zurückzukehren,<br />

beschlossen wir, die Aufnahmemöglichkeiten<br />

des Dammes zu erkunden. Die Muster im<br />

Sand, die das Meer erzeugt hatte, waren sehr<br />

auffällig und Chris bestärkte mich, diese<br />

ranzuzoomen, sodass sie das Bild komplett<br />

ausfüllen. Die beste Aufnahme entstand mit<br />

einem diagonal verlaufenden Muster, aber für ein<br />

wirklich gutes Bild musste ich den Kontrast in<br />

Photoshop noch deutlich verstärken.“<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 61


Natur<br />

Belichtung: 1/125 s bei f/11, ISO200<br />

Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />

Olivers Kommentar Bildanalyse<br />

„Für die letzte Aufnahme des Tages liefen<br />

wir vom Parkplatz aus zum nördlichen<br />

Teil des Bamburgher Ufers. Chris<br />

berechnete, dass wir während der<br />

Abenddämmerung von dort aus den<br />

besten Blick auf das Schloss haben würden. Damit<br />

hätte ich ein komplettes Portfolio des Tages - vom<br />

Sonnenauf- bis zum -untergang - vorzuzeigen. Die<br />

Wolken bewegten sich wegen des Windes sehr schnell.<br />

Damit wir das beste Licht nutzen konnten, mussten wir<br />

schnell die richtige Position finden. Mir gefällt die<br />

Aufteilung der Aufnahme - das Schloss ist nicht zu<br />

mittig positioniert und sowohl das Gras als auch der<br />

Winterhimmel bieten jede Menge Farben und Details.<br />

Beides wurde mithilfe von Photoshop noch ein wenig<br />

betont.”<br />

Sorgen Sie dafür, dass sich das lange Warten<br />

auf Licht auszahlt! Mithilfe von Chris überprüft<br />

Oliver die aufgenommenen Bilder sorgfältig,<br />

bevor er weiterfotografiert.<br />

62 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Eine der ersten Dinge, die man beachten für<br />

die Komposition einer Landschaftsaufnahme<br />

sollte, ist die Platzierung des Horizonts.<br />

Es gibt dafür drei beliebte Möglichkeiten<br />

(von rechts nach links). Bei der ersten<br />

befolgen Sie die Zwei-Drittel-Regel und<br />

platzieren den Horizont so, dass er ein<br />

Drittel des Bildes einnimmt. Die zweite<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Aufnahmen<br />

markieren<br />

Die meisten <strong>Foto</strong>grafierenden schauen sich ihre<br />

Bilder nach dem Aufnehmen genau an,<br />

entweder noch vor Ort oder auf dem Weg nach<br />

Hause. Dort angekommen, muss man aber noch<br />

mal alle durchgehen, um die Lieblingsbilder zu<br />

finden. Chris markiert seine bevorzugten<br />

Aufnahmen sehr clever bereits vor Ort. Er<br />

benutzt einfach die Taste auf der Rückseite der<br />

Kamera (nur bei Nikon-Geräten), die den<br />

Schlüssel zeigt, um entsprechende Aufnahmen<br />

zu markieren. Damit stellt er nicht nur sicher,<br />

dass die <strong>Foto</strong>s nicht aus Versehen gelöscht<br />

werden, sondern auch, dass er diese mit seinem<br />

Bildbearbeitungsprogramm schnell findet.<br />

Wie hoch sollte der Horizont sein?<br />

Option nutzt den Horizont in der Mitte, um<br />

Symmetrie und Harmonie zu erzeugen.<br />

Wenn der Himmel sehr ausdruckstark ist<br />

und der Vordergrund uninteressant,<br />

funktioniert es besser, wenn der Himmel<br />

zwei Drittel einnimmt - wie bei dem Blick<br />

vom Bamburgher Strand an diesem späten<br />

Nachmittag.<br />

Profi-Tipps für<br />

Landschaftsaufnahmen<br />

Manchmal ist die Szenerie so umwerfend, dass man<br />

nichts machen muss, außer die DSLR einzustellen und<br />

loszuschießen, um atemberaubende Landschaftsaufnahmen<br />

zu bekommen. Die meiste Zeit ist es<br />

allerdings eher harte Arbeit, Aufnahmen zu erstellen,<br />

auf die man stolz sein kann.<br />

1<br />

Nehmen Sie ein Stativ mit - und nutzen Sie es! Es<br />

geht natürlich auch ohne, aber dann schränken Sie<br />

sich ein, denn Sie können zum Beispiel keine langsame<br />

Verschlusszeit einsetzen, um Bewegungsunschärfe zu<br />

nutzen, oder einen Blendenwert einstellen, der sowohl<br />

den Vordergrund, als auch den Horizont scharf darstellt.<br />

Stellen Sie sich einen Wecker und fangen Sie vor<br />

2 Sonnenaufgang an. Manchmal bekommt man<br />

mittags gute Aufnahmen, aber ein früher Start wird fast<br />

immer mit besseren <strong>Foto</strong>s belohnt. Der niedrige Winkel<br />

des Lichts erzeugt Muster auf dem Land, die man nicht<br />

bekommt, wenn die Sonne hoch steht. Zudem ändern<br />

sich Schatten und Farben der Szene sehr schnell beim<br />

ersten Licht. Außerdem schmeckt das Frühstück immer<br />

besser, wenn man bereits Aufnahmen in der Tasche hat!<br />

3Genießen Sie Weitwinkel-Objektive mit Vorsicht.<br />

Manchmal funktioniert es, wenn man versucht,<br />

alles in ein einziges Bild zu packen, aber achten Sie darauf,<br />

dass Sie für den Vordergrund etwas Interessantes<br />

finden, ansonsten wird das Bild leer wirken.<br />

4<br />

Überraschenderweise eignen sich Teleobjektive<br />

auch, wenn man Berge, Wüsten oder Dünen<br />

erforscht. Zoomen Sie zum Beispiel auf entfernte Ziele<br />

oder entdecken Sie ungewöhnliche Muster.<br />

Variieren Sie die Position des Horizonts. Die traditionelle<br />

Herangehensweise ist es, den Himmel ein<br />

5<br />

Drittel des Bildes ausfüllen zu lassen (siehe links), aber<br />

machen Sie das nicht bei jeder Aufnahme. Manchmal<br />

zahlt es sich aus, den Vordergrund oder den Himmel<br />

ganz wegzulassen.<br />

6<br />

Seien Sie geduldig! Das beste Licht bekommen die,<br />

die am richtigen Ort warten. Lernen Sie beeindruckende<br />

Lichteffekte vorherzusehen, indem Sie die<br />

Wolken beobachten.<br />

7<br />

Wählen Sie die richtige Komposition! Variieren Sie<br />

die Höhe der Kamera, um die Szene in unterschiedlichen<br />

Winkeln zu erleben. Suchen Sie dabei nach<br />

diagonalen Linien wie Wege und Klippenränder - diese<br />

leiten das Auge des Zuschauers über das Bild.<br />

8<br />

Investieren Sie in einen Neutralgraufilter! Der hilft<br />

Ihnen dabei, die Belichtung auszubalancieren. So<br />

bekommen Sie mehr Farbe in den Himmel, mehr Details<br />

in den Wolken und können die Schatten am Boden<br />

sehen.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 63


Natur<br />

Olivers<br />

Kommentar<br />

„Dort, wo wir uns während<br />

der Morgendämmerung<br />

auf hielten, fanden wir die<br />

Art von Seelandschaft, die<br />

ich schon immer mal<br />

professionell fotografieren wollte. Mir<br />

gefallen die wettergegerbten Steine im<br />

Vordergrund. Das goldene Sonnenlicht,<br />

das sich darauf spiegelt, haben wir<br />

mithilfe von Polarisationsfiltern verstärkt.<br />

Die Uferlinie leitet das Auge ganz natürlich<br />

zu den ruhig anmutenden Ruinen des<br />

Dunstanburgher Castles in der Ferne.<br />

Eine weitere leitende Linie bilden die<br />

brechenden Wellen.”<br />

Chris Fazit<br />

„Oliver hat es geschafft,<br />

während der wenigen<br />

Stunden mit nutzbarem<br />

Licht, das das Winterwetter<br />

mitbrachte, eine vielseitige<br />

Auswahl an Auf nahmen zu sammeln. Es<br />

war gar nicht so einfach, das beste Bild<br />

rauszusuchen! Dieses <strong>Foto</strong> gefällt mir am<br />

besten, einfach weil es so ein klassisches<br />

Bild der Küste von Northumberland<br />

darstellt. Die langsame Verschlusszeit von<br />

1/6 s hat einen verschwommenen Effekt<br />

bei den brechenden Wellen erzeugt, der<br />

mir gut gefällt. Da die Morgendämmerung<br />

nicht so zustande kam, wie wir gehofft<br />

hatten, mussten wir eine Stunde in der<br />

Kälte warten, bis wir diese Aufnahme so<br />

hinbekamen - aber es hat sich gelohnt,<br />

dem Wetter zu trotzen!”<br />

64 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Belichtung: 1/6 s bei f/29, ISO100<br />

Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 65


Natur<br />

<strong>Foto</strong>grafieren<br />

für Gipfelstürmer<br />

Lernen Sie, Ihre Winterlandschaftsaufnahmen zu verbessern,<br />

während Sie Profi-<strong>Foto</strong>graf Geoff Simpson und seinen Lehrling<br />

bei einem <strong>Workshop</strong> im Peak District begleiten.<br />

66 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Mike Stephenson<br />

Kamera: Canon EOS-1Ds Mk II<br />

Mike ist 41 Jahre alt und arbeitet im<br />

Bereich Telekommunikation. Er liebt es,<br />

Landschaftsaufnahmen zu machen,<br />

aber befürchtet, dass er nicht alles aus<br />

seiner Kamera rausholt. Besonders die<br />

Belichtung bereitet ihm Probleme. Mike<br />

bat uns um Hilfe bei Bildkomposition<br />

und Filternutzung, damit er tolle Aufnahmen<br />

des Peak District erstellen kann.<br />

Ein Ort, den er bereits ohne Erfolg<br />

versucht hat zu fotografieren.<br />

DER PROFI<br />

Name: Geoff Simpson<br />

Kamera: Canon EOS-1D Mk II<br />

Geoff ist 49 und einer der führenden<br />

Wildtier- und Landschaftsfotografen<br />

Großbritanniens. Er wohnt mitten im<br />

Peak District und beliefert Bilderdatenbanken<br />

und <strong>Foto</strong>magazine aus<br />

der ganzen Welt mit seinen Aufnahmen.<br />

Geoff bietet <strong>Workshop</strong>s sowie<br />

Einzelstunden an und besitzt eine<br />

sehr informative Webseite unter<br />

www.geoffsimpsonphotography.com.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 67


Natur<br />

Geoff benutzt eine Canon EOS-1D<br />

Mk II und diese Objektive:<br />

Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />

Canon EF 70-200mm f/2.8L IS USM<br />

Canon EF 300mm f/4L IS USM<br />

Canon EF 24mm f/3.5L Tilt-Shift<br />

Canon EF 90mm f/2.8 Tilt-Shift<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Winkelsucher<br />

Neben seinen Weitwinkel- und Zoom-<br />

Objektiven schwört Geoff auf seinen<br />

Winkelsucher. „Der hilft mir dabei,<br />

interessante Winkel zu finden,<br />

und reduziert Streulichter.”<br />

Technik-Check<br />

Sind Mike und seine<br />

Kamera bereit für<br />

Winteraufnahmen?<br />

Spiegel vorauslösung<br />

SPIEGEL-<br />

VORAUSLÖSUNG DAS HISTOGRAMM<br />

nutzen<br />

„Auch mit einem guten Stativ empfehle ich,<br />

dass Mike die Spiegelverriegelung nutzt, um<br />

unscharfe Aufnahmen zu vermeiden”, rät<br />

Geoff. „Zudem sollte Mike den Timer der<br />

Kamera oder gleich ein Auslösekabel nutzen,<br />

um Aufnahmen zu machen. Das hilft dabei,<br />

Vibrationen zu vermeiden, wenn man eine<br />

geschlossene Blende (f/11) und eine langsame<br />

Verschlusszeit nutzt.”<br />

Aufnahmen im<br />

Kamera-Histogramm<br />

überprüfen<br />

„Mike überprüft die Belichtung seiner<br />

Aufnahmen auf dem Display auf der<br />

Rückseite der Kamera. Dabei sollte man<br />

das Histogramm der Kamera nutzen”,<br />

sagt Geoff. „Wenn die Anzeige auf der<br />

linken Seite gebündelt ist, ist das Bild oft<br />

unterbelichtet. Eine Bündelung rechts<br />

bedeutet Überbelichtung.”<br />

68 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

MIKES TIPP<br />

Das Stativ befestigen!<br />

„Es war sehr windig oben auf Curbar<br />

Edge. Geoff erklärte mir, dass sich<br />

auch teure Dreibeinstative durch<br />

den Wind bewegen können und riet<br />

mir, die Kameratasche an die<br />

Mittelsäule für mehr Stabilität zu<br />

hängen. Er schimpfte mich auch ein<br />

wenig aus, als ich das Stativ während<br />

des Aufnehmens festhielt. Denn das<br />

reduziert die Stabilität!”<br />

Mikes Kommentar<br />

„Während die Sonne über den Steinen<br />

aufstieg, erstellte ich diese erste gute<br />

Aufnahme des Tages. Geoff riet mir,<br />

schnell, aber nicht panisch zu arbeiten<br />

und mir genug Zeit zu nehmen, mir alle<br />

vier Ecken der Aufnahme anzuschauen.<br />

Wir achteten außerdem darauf, dass<br />

keine unerwünschten Objekte im <strong>Foto</strong><br />

auftauchen.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Bildaufbau<br />

beachten<br />

Geoff erklärte, dass bei guten Landschaftsaufnahmen<br />

die Bildkomposition entscheidend ist und stellte sein<br />

Zonen-System dar: „Bei der ersten Aufnahme nutze<br />

ich mein stärkstes Weitwinkel, zum Beispiel 17mm.<br />

Dann taste ich mich an die Szenerie ran -<br />

entweder durch Vergrößern oder ein<br />

Objektiv mit größerer Brennweite. So<br />

kann ich alle Aspekte einer Szenerie<br />

einfangen: vom weiten Blick über<br />

den Schauplatz bis zu den Details<br />

auf den Steinen.”<br />

GEHEIMNISSE DER<br />

BILDKOMPOSITION


Natur<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

Dreibeinstativ<br />

Mike gefiel Geoffs Dreibeinstativ sehr gut, da es<br />

standfest und einfach einsetzbar ist. „Ich nutze ein<br />

Gitzo-1548-Carbon-Modell mit einem Kugelkopf -<br />

ebenfalls von Gitzo”, sagt Geoff. „Der Kopf ist ganz<br />

leicht verstellbar, sodass ich die Kamera in viele<br />

verschiedene Winkel drehen kann.”<br />

GEOFFS TIPP<br />

Kampf dem Wind<br />

„Wenn es auf dem Berg<br />

besonders windig ist, kann<br />

es sinnvoll sein, die<br />

Lichtempfindlichkeit (ISO)<br />

hochzudrehen, um die<br />

Verschlusszeit und damit<br />

Verwacklungen zu<br />

reduzieren. Besser ein<br />

scharfes Bild mit ISO 200<br />

oder 400 als ein verwackeltes<br />

mit ISO 100.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Gute Objektiv-Filter nutzen<br />

Mike stieß auf ein Problem<br />

bei der Benutzung seiner<br />

Cokin-X-Pro-Filter. „Anscheinend<br />

kann man den<br />

Cokin-Polarisator nicht mit<br />

einem weiteren Cokin-Filter<br />

nutzen. Der Polarisator<br />

gehört hinter den Verlauffilter<br />

und lässt sich daher schwer<br />

anpassen. Mein Lee-Filter hat<br />

den Polarisator an der<br />

Außenseite, weswegen<br />

sich dieser besser<br />

drehen lässt, während<br />

der Neutralgraufilter<br />

fest bleibt. In Mikes<br />

Cokin-Filter muss man<br />

viel zu viel Arbeit<br />

stecken, während man gute<br />

Aufnahmen verpasst.” Mike<br />

entschied sich stattdessen,<br />

Geoffs Filter zu borgen!<br />

70 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Filter erklärt<br />

Polfilter<br />

Einer der nützlichsten<br />

Objektivfilter ist der<br />

Polfilter, der polarisiertes<br />

Licht absorbiert -<br />

Licht, das von Glas,<br />

Wasser oder<br />

spiegelnden<br />

Oberflächen<br />

reflektiert wird. Diese<br />

Filter sind hervorragend,<br />

um unerwünschte<br />

Reflexionen in Landschaftsaufnahmen<br />

sowie atmosphärische<br />

Effekte wie Nebel und Wolken zu<br />

entfernen. Polfilter können zudem<br />

Farben, besonders das Blaue im<br />

Himmel, verstärken.<br />

Neutralgraufilter<br />

Diese Filter werden<br />

auch ND-Filter<br />

genannt und<br />

reduzieren die<br />

Menge des Lichts,<br />

das den Kamerasensor<br />

erreicht. Damit<br />

kann man eine längere<br />

Verschlusszeit nutzen, als<br />

ohne Filter möglich wäre.<br />

Neutralgraufilter werden oft bei<br />

Landschaftsaufnahmen benutzt, um<br />

die Belichtung zu kontrollieren - unter<br />

anderem, um alle Details im<br />

Himmel mit aufnehmen zu können.<br />

Mikes Kommentar<br />

„Mir gefällt diese Aufnahme, weil die Steine den<br />

Vordergrund interessant machen”, sagt Mike.<br />

„Sie führen zudem das Auge in das Bild. Geoff<br />

riet mir davon ab, zu viel langweiligen Himmel<br />

aufzunehmen und er hatte absolut recht.”<br />

Geoffs Landschaftstipps<br />

Wenn Geoff Simpson nicht gerade in den heimatlichen Gefilden des Peak Districts<br />

unterwegs ist, besucht er andere Orte für tolle Winterlandschaftsaufnahmen.<br />

1. Lindisfarne Castle Northumberland<br />

„Das Licht am späten Nachmittag ist hier sehr ausdrucksstark und es<br />

gibt viele interessante Vordergründe an der Küste. Ein klassischer Ort<br />

für Außenaufnahmen.”<br />

2. Ardnamurchan Point Westküste von Schottland<br />

„Meeresflächen und heftiger Seegang, mit einem Leuchtturm<br />

im Vordergrund. Hier ist stürmisches Wetter sogar hilfreich!”<br />

3. Glenmore Forest Speyside, Schottland<br />

„Diese uralten, knorrigen Kiefern sind perfekt für schöne<br />

Bildkompositionen. Die Beleuchtung auf der Rinde ist<br />

wundervoll.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 71


Natur<br />

Mikes Kommentar<br />

„Um diese Bildkomposition zu erreichen, hat<br />

Geoff mich ganz schön angetrieben.<br />

Tiefenschärfe und Belichtung sind perfekt.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Mehr Filter-Tipps<br />

„Bevor Sie einen Filter kaufen, informieren Sie sich genau<br />

und probieren Sie ihn aus”, rät Geoff. „Filter sind komplexe<br />

Accessoires, aber hier sind meine Tipps.”<br />

Nutzen Sie den schwächsten Neutralgraufilter,<br />

um das gewünschte Resultat zu erreichen. Oft<br />

werden Neutralgraufilter einfach eingesetzt, um den<br />

Himmel zu verdunkeln, anstatt vorher rauszufinden, ob der<br />

Himmel dann auch zu allen anderen Bildteilen passt.<br />

Neutralgraufilter mit weichen Kanten funktionieren<br />

sehr gut mit ungeraden Horizonten. Für<br />

schnurgerade Horizonte sind hartkantige Neutralgraufilter<br />

besser.<br />

Vorsicht vor unnatürlichen Hell-Dunkel-Übergängen,<br />

die durch einen Polfilter und bei<br />

Verwendung eines Weitwinkelobjektivs unter<br />

28mm auftreten. Bleiben Sie bei maximal 28mm<br />

oder machen Sie eine Aufnahme im Portrait-Format,<br />

um diesen Effekt zu vermeiden.<br />

72 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

GEOFFS TIPP<br />

Zeitautomatik<br />

und Bracketing<br />

„Mikes hervorragende SLR in<br />

Kombination mit meinen<br />

Lee-Filtern war in der Lage,<br />

ausgeglichen belichtete<br />

Aufnahmen in Zeitautomatik<br />

statt im Manuell-Modus zu<br />

liefern. Mein Polfilter erhöhte<br />

den Kontrast und entfernte<br />

Blendeffekte, während der<br />

Lee-0.9-Neutralgraufilter dafür<br />

sorgte, dass der Himmel<br />

überbelichtet wird. Ich empfahl<br />

Mike zudem Bracketing, sodass<br />

die Kamera mehrere Aufnahmen<br />

mit unterschiedlicher<br />

Belichtung macht. Die besten<br />

Bereiche jeder Aufnahme<br />

können dann später in<br />

Photoshop zu einem Bild<br />

zusammengefügt werden.“<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Tilt-/Shift-Objektive<br />

Geoff hat immer Tilt-/Shift-Linsen dabei, die<br />

ihm <strong>helfen</strong>, die Perspektive zu verschieben<br />

und verzerrte Formen in der Landschaft zu<br />

verhindern. „Diese Objekte schließen die<br />

Lücke zwischen dem, was der <strong>Foto</strong>graf und<br />

was die Kamera sieht.“ sagt Geoff.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Belichtungsmessung<br />

Geoff hat Mike auch dazu angeregt, über die beste<br />

Methode zur Belichtungsmessung nachzudenken.<br />

„Obwohl die Mehrfeldmessung meistens gute<br />

Resultate liefert, empfehle ich Mike auch mit<br />

Spotmessung oder Selektivmessung zu experimentieren,<br />

indem er die Messung eines mittleren<br />

Tons in der Szenerie vornimmt und dann einen<br />

Neutralgraufilter benutzt, um die Belichtung durch<br />

den Himmel zu reduzieren.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 73


Natur<br />

74 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Geoffs Fazit<br />

„Gratulation, Mike, diese Aufnahme könntest du glatt<br />

verkaufen! Die Bildkomposition und -balance sind sehr gut<br />

[1] und sowohl Vordergrund als auch der mittlere Bereich<br />

sowie der Hintergrund sind interessant. Die Aufnahme zeigt<br />

auch eine gute Anwendung der Ein-Drittel-Regel [2], die<br />

Mike dabei half, gute Zusammenstellungen zu bekommen,<br />

bevor sich das Licht änderte. Die Belichtung in diesem Bild<br />

ist perfekt [3] und der Neutralgraufilter wurde geschickt<br />

eingesetzt, um den Vordergrund in Verbindung mit dem<br />

Himmel auszubalancieren. Mike kann stolz auf sich sein.”<br />

3<br />

1<br />

2<br />

Mikes Kommentar<br />

„Ich mag diese Aufnahme, da sie die Mühlsteine zeigt, die<br />

ein Wahrzeichen des Peak Districts sind. Ich denke, es ist<br />

ein gutes <strong>Foto</strong>, wegen der Art, wie das Licht mit den<br />

Steinen spielt und wie der Himmel der Szenerie Ausdruck<br />

verleiht. Durch die Benutzung des Neutralgraufilters wird<br />

die Szenerie gut<br />

beleuchtet und der<br />

Himmel wirkt düster,<br />

ohne unterbelichtet zu<br />

sein. Ich habe sehr viel<br />

von Geoff gelernt und<br />

plane bereits meinen<br />

nächsten <strong>Foto</strong>-Ausflug<br />

- dieses Mal zum Lake<br />

District!”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 75


Natur<br />

Moor- und<br />

Meer landschaften<br />

einfangen<br />

Verbringen Sie einen Tag im Exmoor und begleiten<br />

Sie Profi-<strong>Foto</strong>graf Adam Burton, während er unserem<br />

Lehrling beibringt, wie man windgepeitschte<br />

Moorgebiete und steinige Küsten in Szene setzt.<br />

76 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

DER PROFI<br />

Name Adam Burton<br />

Kamera Canon EOS-1Ds Mark III<br />

Seit 2008 ist Adam Vollzeit-Profi-<strong>Foto</strong>graf und<br />

einer der führenden Landschaftsfotografen<br />

Großbritanniens. Er hat vier <strong>Foto</strong>grafie-Bücher<br />

veröffentlicht und fünf Kontinente besucht - immer<br />

auf der Suche nach dem perfekten Bild. Sein<br />

Schwerpunkt liegt aber auf der südwestlichen<br />

Landschaft Englands, wo er auch regelmäßig<br />

<strong>Workshop</strong>s gibt. Mehr erfahren Sie auf seiner<br />

Webseite www.adamburtonphotography.com.<br />

DER LEHRLING<br />

Name David Pullin<br />

Kamera Canon EOS 5D<br />

David, 56, fotografiert seit den Sechzigern,<br />

aber gibt zu, dass er eher Schnappschüsse<br />

machte als ernst zu nehmende Aufnahmen. Er<br />

hat sich letztes Jahr nach mehr als 30 Jahren<br />

aus dem Polizeidienst zurückgezogen und ist<br />

gleichzeitig von London nach Bideford umgesiedelt.<br />

Er möchte das Beste aus der wunderschönen<br />

Natur von Devon machen und seine<br />

Landschafts- sowie Meeresaufnahmen<br />

verbessern.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 77


Natur<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Dreibeinstativ mit 3-Wege-Kopf<br />

„David gab zu, dass er sein Stativ oft zu Hause<br />

lässt. Ich habe ihm erklärt, dass es genauso<br />

wichtig ist wie seine Kamera. Es hilft ihm nicht<br />

nur, beim Einsatz längerer Verschlusszeiten<br />

Verwacklungen zu vermeiden, sondern ist<br />

auch unersetzlich für Bildkompositionen. Man<br />

kann damit besser die Szene einrahmen, ein<br />

wenig zoomen, neu zusammensetzen und<br />

nachstellen, als es bei Aufnahmen aus der<br />

Hand möglich wäre”, sagt Adam. „Ein<br />

3-Wege-Kopf lässt sich zudem feiner<br />

einstellen als ein Kugelkopf.”<br />

ADAMS TIPP<br />

Ungewöhnlicher Einsatz<br />

für Neutralgraufilter<br />

„Neutralgraufilter werden normalerweise<br />

eingesetzt, um die Belichtung eines hellen<br />

Himmels im Zusammenspiel mit einem dunklen<br />

Vordergrund auszubalancieren”, erklärt Adam,<br />

„aber in dieser Wald-Szenerie (unten rechts) wurde<br />

das Gras links oben von der Sonne beleuchtet und<br />

war daher heller als der Rest des Schauplatzes. Um<br />

das auszugleichen, wies ich Daniel an, die Filterhalterung<br />

um 45 Grad zu drehen und damit den Filter<br />

so zu positionieren, dass er diesen Bereich dämpft.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Farben und Kontrast stärken<br />

Polfilter werden oft benutzt, um den Himmel blauer und die Wolken<br />

ausdrucksstärker erscheinen zu lassen. Zudem kann man sie<br />

be nutzen, um die Spiegelung eines Flusses zu entfernen, damit<br />

man auch das Flussbett aufnehmen kann. Andererseits reduzieren<br />

Polfilter auch Reflexionen von nassem Laub, was sehr satte<br />

Far ben ergibt. Sie schlucken auch ein bis zwei Blenden an Licht<br />

und verlängern dadurch die Verschlusszeit, was dabei hilft, die<br />

Bewegung des schnell fließenden Flusses hervorzuheben.<br />

Technik-Check<br />

Ist David bereit für das wilde Exmoor?<br />

Adam bat David, seine DSLR so einzustellen, wie er es sonst auch für Landschaftsaufnahmen tut, und empfahl dann einige Änderungen.<br />

Manuell-Modus<br />

„David nutzte die Zeitautomatik für<br />

seine Aufnahmen. Das ist eine gute<br />

Wahl für alltägliche Landschaftsaufnahmen.<br />

Aber wir werden durch<br />

Filter fotografieren und daher<br />

selber die Belichtung bestimmen.<br />

Dafür ist der Manuell-Modus die<br />

bessere Wahl. In der Regel ist es<br />

am besten, bei ISO100 zu bleiben, es sei denn, es ist sehr windig und<br />

Laub fliegt rum, dann kann man auch auf ISO200 oder sogar 400 gehen.<br />

Die moderen Sensoren sind gut genug, um Störungen zu kontrollieren.”<br />

Zu kleine Blende<br />

„David nutzte die kleinste Blendenöffnung,<br />

die sein Objektiv bietet (f/22), um<br />

die höchste Schärfentiefe für die ganze<br />

Aufnahme zu bekommen. Allerdings<br />

führen solche kleinen Blendenöffnungen<br />

zu einer optischen Anomalie, die sich<br />

Diffraktion nennt. Diese bewirkt, dass Bilder weniger scharf werden, wenn<br />

Lichtstrahlen von den Blendenlamellen zurückgeworfen werden. Die<br />

meisten Linsen bringen die beste Qualität bei f/8, aber für Landschaftsaufnahmen<br />

mit Vordergrund und einem weit entfernten Horizont ist f/6 der<br />

beste Kompromiss zwischen Objektivleistung und Tiefenschärfe.”<br />

78 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

Drahtauslöser<br />

„Ein Kabel-Fernauslöser ist entscheidend, um<br />

Aufnahmen zu machen, ohne dabei die<br />

Kamera zu bewegen, was zu Verwacklungen<br />

im Bild führt. Man kann sich billige Versionen<br />

zum Beispiel bei Ebay kaufen, aber es ist<br />

besser, das Kamerazubehör des Herstellers<br />

zu nehmen. Man will sich auf sein Zubehör<br />

verlassen können, besonders wenn man es<br />

jeden Tag nutzt”, sagt Adam.<br />

Einen Wald gestalten<br />

Adam bat David, seine<br />

eigene Komposition<br />

einzustellen, und half ihm<br />

dann, diese zu verbessern.<br />

[1] Der dunkle Baumstamm,<br />

der das Bild einrahmt, lenkt<br />

zu sehr ab. Wenn nur das<br />

Blätterdach zu sehen ist,<br />

reicht das, um ein Waldgefühl<br />

zu erzeugen.<br />

[2] Das große Stück Rasen<br />

wirkt diesem Gefühl<br />

entgegen und sollte daher<br />

minimiert werden.<br />

[3] Das große Schild ist<br />

hässlich und ablenkend. Die<br />

[1]<br />

[5]<br />

[2]<br />

kleine Hinweistafel hingegen<br />

passt gut in einen Nationalpark<br />

und kann daher ruhig<br />

auf dem Bild erscheinen.<br />

[4] In der Öffentlichkeit zu<br />

fotografieren, bedeutet<br />

immer auch, dass irgendwann<br />

Spaziergänger ins Bild<br />

laufen. Wenn Sie mit allem<br />

anderen zufrieden sind,<br />

warten Sie ab, damit diese<br />

nicht auch auf der Aufnahme<br />

erscheinen.<br />

[5] Mit einem Polfilter<br />

kann das Wasser weicher<br />

dargestellt und Reflexionen<br />

können entfernt werden.<br />

[3]<br />

[4]<br />

Belichtung: 1.3 s bei f/16; ISO100<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

Davids<br />

Kommentar<br />

„Adam bat mich, meine<br />

eigene Bildkomposition zu<br />

erstellen. Ich versuchte,<br />

Informationsschnipsel,<br />

die ich in <strong>Foto</strong>grafie-Magazinen<br />

gelesen hatte,<br />

praktisch anzuwenden,<br />

und daraus entstand die<br />

obere Aufnahme. Meine<br />

eigentliche Idee war es,<br />

die Brücke als blickführendes<br />

Element zu nutzen<br />

und den Baumstamm<br />

als Bildrahmen. Adams<br />

Hinweise verbesserten<br />

die Komposition deutlich!<br />

Auch wenn es wichtig<br />

ist, die Regeln im Kopf zu<br />

haben, im Endeffekt ist es<br />

wichtiger, eine Aufnahme<br />

zu erstellen, die gut aussieht.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 79


Natur<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

iPod Touch<br />

„Es ist wichtig zu wissen, wann die Sonne auf- und<br />

untergeht, wann Ebbe und Flut beginnen und was das<br />

Wetter macht. Früher musste ich immer Gezeitentabellen,<br />

Sonnenkompasse und Katasterkarten mit mir rumschleppen,<br />

aber inzwischen gibt es Apps für so gut wie alles! Ich nutze Ayetides<br />

(www.mrtides.com, 8,99 €) für die Gezeiten und NDCalc (www.nsonic.de, 0,89 €),<br />

um lange Belichtungszeiten auszurechnen. Wenn man mal wieder auf einen Wetterwechsel<br />

warten muss, gibt es dann noch Angry Birds (www.angrybirds.com, 0,89 €)”,<br />

erzählt Adam lachend.<br />

ADAMS TIPP<br />

Filter mit Vorsicht genießen<br />

„David nutzt ein Basisset mit Cokin-’P’-Filtern. Das<br />

eignet sich gut für Anfänger, aber man muss<br />

aufpassen, wenn man mit einem Weitwinkelobjektiv<br />

fotografiert”, warnt Adam. „Bei 24 mm war die Ecke<br />

des Filters deutlich sichtbar und musste aus der<br />

Aufnahme rausgeschnitten werden! Zudem ist es<br />

wichtig, den Filter in den Steckplatz zu packen, der<br />

der Linse am nächsten ist. Bei dieser Aufnahme<br />

war das nicht der Fall, und das erzeugte unschöne<br />

Reflexionen. Ich empfehle jedem, der es ernst<br />

meint mit den Landschaftsaufnahmen, in<br />

Lee-Filter zu investieren. Diese sind nicht nur<br />

optisch sehr genau und produzieren keine<br />

Farbstiche, sie sind auch physisch größer - das<br />

beseitigt das Vignetten-Problem und erlaubt, den<br />

Horizont genau dort auszurichten, wo man ihn<br />

haben will.”<br />

DAVIDS TIPP<br />

Auch mal Gärtner spielen<br />

„Nachdem wir anderthalb Stunden nach dem<br />

‘idealen’ Farnkraut unter den perfekten Voraussetzungen<br />

gesucht hatten, schlug Adam vor, dass<br />

ich ihm ein wenig beim Gartenbau helfe. Auch<br />

wenn man versucht, nur das zu zeigen, was man<br />

auch sieht, würde ein bisschen heimliche<br />

Gartenarbeit die Aufnahme deutlich verbessern.<br />

Es ist nicht schlimm, ein paar verwelkte Blätter zu<br />

entfernen oder vorsichtig einige verstreute<br />

Stängel in eine andere Position zu drücken, wenn<br />

das eine bessere Aufnahme ergibt.”<br />

80 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Davids Kommentar<br />

„Sobald ich einen guten, pflanzenreichen Fleck für einen<br />

interessanten Vordergrund gefunden hatte, versuchte ich<br />

ewig, eine gute Landschaftskombination hinzu bekommen,<br />

aber jeder Aufnahme fehlte das gewisse Etwas.<br />

Adam erklärte mir dann, dass Landschaftsaufnahmen<br />

nicht unbedingt im Querformat sein müssen. Ich nutzte<br />

dann eine vertikale Bildkomposition und durch die<br />

Sonne, die die Felder beleuchtet, und die Pflanzen im<br />

Schatten fügte sich plötzlich alles zusammen. Weitwinkel-Aufnahmen<br />

bedeuten, dass man im Hochkantformat<br />

so viel mehr in den Vordergrund packen kann.<br />

Zudem entsteht ein großartiges Gefühl von Tiefe. Adam<br />

wies auch darauf hin, dass man sich nicht von den<br />

3:2-Bildseitenverhältnissen der Kamera einschränken<br />

lassen sollte. Es lohnt sich, quadratische sowie unkonventionelle<br />

Ausschnitte, Panoramaaufnahmen oder<br />

Letterbox-Formate auszuprobieren, um das meiste aus<br />

den wichtigen Teilen der <strong>Foto</strong>grafien rauszuholen.”<br />

Belichtung: 1/8 s bei f/16; ISO100<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

Aufrgrund ihres<br />

Vollbild-21-<br />

Megapixel-Sensors<br />

ist die Canon<br />

EOS-1DS Mark III die<br />

Kamera, die Landschaftsfotograf Adam<br />

nutzt. Ein weiterer Blick in seinen Lowepro-<br />

Vertex-200-Rucksack enthüllt:<br />

Canon EF 16-35mm f/2.8L II USM<br />

Canon EF 24-70mm f/2.8L USM<br />

Canon EF 70-200mm f/4L USM<br />

Lee 0.3, 0.6 & 0.9 hartkantiger<br />

Neutralgraufilter<br />

Lee 0.3, 0.6 & 0.9 weichkantiger<br />

Neutralgraufilter<br />

2x Lee reine Neutralgraufilter<br />

Lee Big Stopper 10-stop Filter<br />

Lee Polarisator<br />

Gitzo 3541 Systematic Dreibeinstativ<br />

DAVIDS TIPP<br />

Wichtiger Vordergrund<br />

„Bis jetzt habe ich dem, was zu meinen<br />

Füßen liegt, wenig Aufmerksamkeit<br />

geschenkt, und mich stattdessen einzig<br />

auf die entfernte Landschaft konzentriert.<br />

Adam erklärte mir, dass ein guter<br />

Vordergrund, der ins Blickfeld des<br />

Interesses gerückt wird, dem Betrachter<br />

dabei hilft, sich in das Bild „einzufühlen“<br />

- so als würde er tatsächlich dort stehen.<br />

Darum ist es so wichtig, sich die Zeit zu nehmen und nach dem richtigen Vordergrund zu<br />

suchen. Das Moor besteht aus Heidekraut und Farn. Das Heidekraut füllt es mit Farbe,<br />

während der Farn interessante Formen hergibt. Der Trick ist also, eine Weitwinkel-<br />

Blickrichtung zu wählen, die den interessanten Vordergrund aktiv einbezieht, statt nur<br />

durch ihn hindurchzufotografieren.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 81


Natur<br />

Belichtung: 1/5 s bei f/16; ISO100<br />

Linse: 70-300mm f/4-5.6<br />

Davids Kommentar<br />

„Für diese Aufnahme hatten wir den Blick den Bergen<br />

auf der anderen Seite des Tals zugewandt, aber waren<br />

inzwischen zu einem Objektiv mit großer Brennweite<br />

übergegangen, um für diese Szenerie die Perspektive<br />

zu verkürzen. Das Wetter wurde gerade schlechter,<br />

aber ich habe es geschafft, diese Aufnahme mit der<br />

Sonne, die gerade durch die dunklen, über die Felder<br />

rasenden Wolken bricht, einzufangen. Ich habe auch<br />

versucht, auf 300 mm ranzuzoomen - für eine isolierte<br />

Nahaufnahme eines einsamen Baumes in einem der<br />

Felder. Das war auch sehr effektiv, aber ich finde<br />

dieses Bild besser.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Nicht dem Licht<br />

hinterherrennen...<br />

„…sondern darauf warten! Der Tag<br />

des Lehrgangs war von leichten<br />

Schauern bis zu schweren<br />

Regenfällen durchzogen. Ich hätte<br />

wahrscheinlich einfach meine Sachen<br />

gepackt und wäre nach Hause<br />

gegangen, wenn Adam nicht dabei<br />

gewesen wäre”, gesteht David. „Er<br />

erklärte mir, das unbeständige<br />

Wetter bedeutet, dass wir<br />

unsere Aufnahme bekommen<br />

würden, wenn wir geduldig<br />

warten. Denn der Wind<br />

drückt die Wolken zur<br />

Seite, sodass die Sonne<br />

über die Felder tanzt.<br />

Man muss nur darauf<br />

warten, dass das<br />

Wetter mitspielt.”<br />

Schneller messen mit Neutralgraufiltern<br />

Der Trick, um exakte, manuelle Belichtungswerte zu bekommen, besteht darin, den Vordergrund zu belichten und dann den korrekten Neutralgraufilter<br />

zu benutzen, um den Himmel darauf abzustimmen. Einmal gemeistert, geht das ganz schnell und sollte vor jeder Aufnahme durchgeführt werden.<br />

1. Der Himmel<br />

Wenn Sie einmal mit<br />

Ihrer Komposition<br />

zufrieden sind, richten<br />

Sie die Kamera ein paar<br />

Grad nach unten, damit<br />

der Himmel weniger<br />

dominant, aber nicht<br />

komplett weg ist.<br />

DAVIDS TIPP<br />

2. Die Belichtung<br />

Stellen Sie die Verschlusszeit<br />

so ein, dass die<br />

Belichtungsmarke mittig<br />

ist. Schwenken Sie die<br />

Kamera zurück zum Motiv<br />

schaut; die Belichtungsmarke<br />

wird jetzt eine<br />

Überbelichtung anzeigen.<br />

3. Der Filter<br />

Wählen Sie den richtigen<br />

ND-Filter (beispielsweise<br />

ND2), aber schauen Sie<br />

durch den Sucher, um den<br />

Effekt auf den Himmel zu<br />

beobachten, während Sie<br />

den Filter in die Halterung<br />

drücken.<br />

82 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #4<br />

Gummistiefel<br />

„Oben im Moor, wo es trocken<br />

ist, ist es klug, feste Wanderschuhe<br />

und Regenkleidung<br />

anzuhaben, aber unten an der<br />

Küste sind Gummistiefel<br />

unverzichtbar!”, sagt Adam.<br />

„Keine Frage, wenn man das<br />

Stativ genau dort platziert, wo<br />

die Wellen am Ufer brechen,<br />

wird man nass!”<br />

ADAMS TIPP<br />

Niedriger ISO-Wert<br />

„Ich empfehle, mit ISO100 zu fotografieren,<br />

weil das die beste Bildqualität ergibt, aber<br />

einige Kameras, wie auch Davids Canon<br />

EOS 5D, besitzen noch niedrigere ISO50-<br />

Einstellungen. Das reduziert zwar nicht die<br />

Störgeräusche weiter - es gibt also keine<br />

Vorteile, was die Bildqualität betrifft -, aber<br />

es erlaubt eine noch langsamere<br />

Verschlusszeit, die wiederum dabei hilft,<br />

schnelles Wasser zu verwischen. Da das<br />

unter den normalen ISO-Werten liegt,<br />

müssen Sie erst im Benutzermenü<br />

entspechende Einstellungen vornehmen.<br />

Mehr erfahren Sie im Kamera-Handbuch.”<br />

Natur<br />

Davids Kommentar<br />

„Wegen des schnell abnehmenden<br />

Lichtes musste ich alle paar Minuten<br />

die Werte für die Aufnahme der Küste<br />

neu ablesen. Um nah an das Wasser<br />

ranzukommen, stand ich zudem genau<br />

auf dem steinigen Ufer, wo die Wellen<br />

brechen - darum musste ich nicht nur<br />

die Szenerie im Auge behalten, sondern<br />

auch das näher kommende Meer. Ich<br />

hatte über einen niedrigen Kamerawinkel<br />

nachgedacht, um mehr Vordergrund<br />

auf dem Bild zu haben, aber Adam<br />

warnte mich, dass eine plötzliche,<br />

große Welle schlimme Konsequenzen<br />

haben könnte. Stattdessen sollte ich<br />

besser die Kamera nach unten richten,<br />

um die glänzenden Steine in Szene zu<br />

setzen, und direkt nachdem die Wellen<br />

aufgeschlagen sind, den Auslöser betätigen,<br />

damit sie milchig-verschwommen<br />

dargestellt werden.”<br />

Belichtung: 2 s bei f/14; ISO100<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 83


Natur<br />

Belichtung: 25 s bei f/11; ISO100<br />

Linse 24-105mm f/4<br />

84 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Adams Fazit<br />

„In 30 Jahren als Polizist konnte sich<br />

David gute Beobachtungsfähigkeiten<br />

aneignen, wie man an dieser Aufnahme<br />

sieht! Die lange Belichtung verleiht den<br />

vorbeiziehenden Wolken eine düstere<br />

Atmosphäre [1]. Die Holzbuhnen liefern<br />

einen interessanten Vordergrund und<br />

spiegeln die Küstenlinie symmetrisch [2].<br />

Die Belichtung balanciert perfekt zwischen<br />

Meer und Himmel [3]. Zudem war der<br />

Zeitpunkt gut gewählt, was zu dem nebligen<br />

Effekt auf den Wellen führte [4].”<br />

[1]<br />

Natur<br />

[3]<br />

[2]<br />

[4]<br />

Davids<br />

Kommentar<br />

„Ich habe heute so viel von Adam gelernt.<br />

Seine Methode zur Ausmessung der Szenerie<br />

und Anpassung des Neutralgraufilters ist<br />

mir bereits in Fleisch und Blut übergegangen.<br />

Am schwersten war es - besonders während<br />

einer Belichtungszeit von 25 Sekunden -,<br />

den richtigen Zeitpunkt für eine effektvolle<br />

Darstellung des Wassers zu finden. Nach<br />

einigen Fehlversuchen wartete ich, bis eine<br />

große Welle auf mich zukam ... drückte den<br />

Auslöser ... und geschafft!”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 85


Natur<br />

Natur hautnah<br />

fotografieren<br />

Unser Lehrling bekommt Nachhilfe für Makroaufnahmen in einem<br />

Schmetterlingshaus, um beeindruckende <strong>Foto</strong>s von Insekten und<br />

Blumen erstellen zu können.<br />

86 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

DER LEHRLING<br />

Name Julie Richardson<br />

Kamera Nikon D5100<br />

Julie entdeckte <strong>Foto</strong>grafie für sich, als<br />

sie vor vier Jahren ihren Partner Dave<br />

traf. Er nutzte damals eine Olympus<br />

E-420, aber inzwischen sind beide auf<br />

DSLRs von Nikon umgestiegen. Julie<br />

fotografiert sehr viel und hat bereits<br />

einen Kurs zum Thema Dunkelkammer<br />

absolviert. Sie liebt Nahaufnahmen.<br />

DER PROFI<br />

Name Heather Angel<br />

Kamera Nikon D3<br />

Heather ist seit 40 Jahren eine von Großbritanniens<br />

führenden Wildtier-<strong>Foto</strong>grafinnen<br />

und hat vom Blauwal bis zum Wasserfloh<br />

alles bezwungen. Ihre zwei Leidenschaften<br />

sind China, das sie bereits 32 Mal besucht<br />

hat, und Makroaufnahmen. Sie hat gerade<br />

ihr 59. Buch Digital Outdoor Photography:<br />

101 Top Tips veröffentlicht.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 87


Natur<br />

Belichtung: 1/250 s bei f/5.6; ISO800<br />

Linse: 105mm f/2.8<br />

Julies Kommentar<br />

„Ich besitze keine Makrolinse und obwohl ich mit meinem<br />

18-55mm-Kit-Objektiv gut im Nahbereich fotografieren kann, reicht<br />

es nicht, um das Bild mit einem Objekt, das so klein wie ein<br />

Schmetterling ist, zu füllen. Ich habe mir ein Sigma-Makro-Objektiv<br />

(105mm, f/2.8) geliehen und der Unterschied war sofort sichtbar.<br />

Das war einer meiner ersten Versuche - ich sah die Dryas iulia, auch bekannt als<br />

Fackel beziehungsweise Julia, auf der Blüte sitzen und fand den Farbkontrast toll.<br />

Heather erklärte mir, dass Makro-Objektive mit einer längeren Brennweite ideal<br />

sind für Nahaufnahmen von Motiven, die sich leicht gestört fühlen.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Einbeinstativ<br />

Julie hatte sich darauf eingestellt, ein Dreibeinstativ<br />

zu benutzen, aber Heather empfahl stattdessen<br />

ein Einbein. „Schmetterlinghäuser sind beheizt<br />

und wenn die Temperatur steigt, werden die Tiere<br />

aktiver“, erklärt Heather. „Darum muss man sich schnell bewegen und fotografieren<br />

können. Das Risiko, verwackelte Aufnahmen zu bekommen, ist zwar<br />

größer als mit einem Dreibeinstativ, aber ein Einbein zu nutzen, ist noch immer<br />

stabiler, als aus der Hand zu fotografieren. Man muss allerdings ein wenig auf<br />

die Fokussierung achten. Es ist schwer, das Wackeln komplett zu vermeiden,<br />

während man das Bild zusammenstellt. So kann das Objekt möglicherweise<br />

nicht mehr vom Fokus erwischt werden.“<br />

Einbein statt Dreibein?<br />

Durch Heathers Tipp ließ Julie ihr Dreibeinstativ links liegen und<br />

fotografierte entweder aus der Hand (mit höherem ISO-Wert) oder<br />

nutzte ein Einbeinstativ (für mehr Stabilität bei schlechtem Licht).<br />

So konnte sie besser mit sich bewegenden Motiven mithalten.<br />

88 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Selektive Schärfe<br />

Julie stellte fest, dass man bei Makro-Aufnahmen nicht alles in<br />

den Fokus bekommt, wenn man ein Motiv aus einem bestimmten<br />

Winkel fotografiert. Heather zeigte ihr, welche Bereiche<br />

scharf sein sollten.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Makro und<br />

Tiefenschärfe<br />

Beim zweiten Versuch schaffte Julie es,<br />

den Schmetterling noch näher zu<br />

fotografieren. Dabei fiel ihr aber auch<br />

direkt eine der Schwierigkeiten auf, die<br />

die Makro-<strong>Foto</strong>grafie mit sich bringt - je<br />

näher man seinem Motiv kommt, desto<br />

weniger Tiefenschärfe steht zur<br />

Verfügung. Zudem bekommt man sein<br />

Objekt aus diesem Winkel nicht<br />

komplett scharf auf das Bild. Das ist<br />

aber gar nicht schlimm. Wichtig ist,<br />

dass man sich die richtigen Punkte für<br />

die Fokussierung sucht. Bei einem<br />

Schmetterling sind das der Kopf und<br />

die Fühler. Leider liegt der Fokus bei<br />

Julies Aufnahme ein wenig unter dem<br />

Kopf, weswegen das Bild nicht so<br />

richtig funktioniert. Aber durch dieses<br />

Ergebnis verstand sie, was sie beim<br />

nächsten Mal besser machen muss.<br />

Technik-Check<br />

Ist Julies Kamera richtig<br />

eingestellt, um flatterhafte<br />

Objekte einzufangen?<br />

Nah- und Makroaufnahmen benötigen eine<br />

etwas andere Herangehensweise als die<br />

alltägliche <strong>Foto</strong>grafie. Um die Motive scharf<br />

einzufangen, muss man jegliche Ver wackelungen<br />

vermeiden, die durch die Bewegung<br />

der Kamera oder der Objekte entstehen<br />

könnten. Zudem muss die Fokussierung sehr<br />

genau sein – der normale Fokus-Modus ist<br />

hier eventuell nicht die beste Wahl.<br />

ISO hochstellen<br />

„Julie hatte ihre Kamera auf ISO 100 gestellt,<br />

was die beste Qualität ergibt“, sagt Heather.<br />

„Da wir aber an einem bewölkten Tag fotografierten,<br />

empfahl ich ISO800. Ihre Kamera ist in<br />

der Lage, auch mit diesem Wert noch gute<br />

Qualität zu liefern, und die schnelle Verschlusszeit<br />

von 1/250 s reduziert das Risiko von<br />

Verwackelungen. Das führt nämlich meistens<br />

dazu, dass manche Bereiche in Makro-Aufnahmen<br />

unscharf sind in.<br />

Hinweise zum Fokus<br />

Heather sagt: „Julie hatte die Autofokus-Automatik<br />

(AF-A) eingestellt, bei dem die Kamera<br />

selbstständig einen Bereich der Szenerie<br />

fokussiert (normalerweise das, was sich am<br />

nächsten an der Kamera befndet). Ich riet ihr,<br />

zum Einzelautofokus (AF-S) zu wechseln, weil<br />

sie damit genau kontrollieren kann, was<br />

fokussiert wird. Damit kann sie, falls notwendig,<br />

einen anderen Autofokuspunkt auswählen,<br />

wenn das Onjekt nicht zentral liegt. Bei<br />

Makroaufnahmen muss man den Fokus ganz<br />

genau kontrollieren können.“<br />

Spotmessung<br />

Julie probierte ihre Makro-Techniken an<br />

einem unbeweglichen Objekt aus und<br />

stellte schnell fest, dass es gar nicht so<br />

einfach ist, die Belichtung richtig hinzubekommen.<br />

Heather zeigte ihr, wie sie<br />

die Spotmessung ihrer Kamera nutzt,<br />

um von hinten beleuchtete Motive wie<br />

dieses richtig zu fotografieren.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 89


Natur<br />

Belichtung: 1/125 s bei f/5.6; ISO800<br />

Linse: 105mm f/2.8 macro<br />

Julies Kommentar<br />

„Heather mochte meinen ersten<br />

Versuch (auf der vorherigen<br />

Seite), war aber der Meinung,<br />

dass ich noch näher rangehen<br />

könnte, um das Bild mit dem<br />

Objekt auszufüllen. Dieser Papilio thoas, auch<br />

Königs-Schwalbenschwanz genannt, ruhte<br />

sich auf dem Weg aus, der durch das Schmetterlingshaus<br />

führte. Er hielt so still, dass ich<br />

mehrere Aufnahmewinkel ausprobieren konnte.<br />

Heather erklärte, dass man am besten von<br />

oben fotografiert, wenn ein Schmetterling seine<br />

Flügel geöffnet hat - sodass man die Kamera<br />

parallel zu den Flügeln hält. So bleiben diese<br />

komplett scharf, sogar mit der geringen<br />

verfügbaren Tiefenschärfe. Bei meinem ersten<br />

Versuch positionierte ich mich so, dass der<br />

Schmetterling waagerecht in der Aufnahme<br />

dargestellt wurde. Heather ermutigte mich<br />

aber, die Kamera anzuwinkeln, um dieses<br />

dynamischere Bild zu bekommen.“<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

Makrolinse mit großer Brennweite<br />

„Ich benutze einen<br />

70-180-mm-<br />

Makro-Zoom”,<br />

sagt Heather.<br />

„Der ermöglicht<br />

es mir, mich<br />

schnell verschiedenen<br />

Objekten<br />

und Aufnahmebedingungen anzupassen.<br />

Die wichtigste Voraussetzung für diese Art<br />

der <strong>Foto</strong>grafie ist eine ungewöhnlich hohe<br />

Brennweite, damit ich aus der Ferne fotografieren<br />

kann. Das reduziert das Risiko,<br />

scheue Subjekte zu vertreiben, allerdings<br />

verringert sich die Tiefenschärfe dadurch<br />

noch mehr. Darum ist es so wichtig, exakt zu<br />

fokussieren und auf die Winkel - am besten<br />

parallel zum Objekt - zu achten, in dem man<br />

aufnimmt.“<br />

Geöffnete Flügel?<br />

Wenn man von oben fotografiert, wird der ganze<br />

Schmetterling scharf dargestellt und zudem<br />

offenbart sich so das wunderschöne Flügelmuster.<br />

90 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


EXPERTENWISSEN<br />

Hinlegen<br />

Wenn die Flügel des Schmetterlings<br />

geschlossen sind, sollte man von der<br />

Seite fotografieren und nah rangehen,<br />

um das Muster einzufangen. Nicht<br />

vergessen: Die Kamera muss parallel zu<br />

den Flügeln sein, also begeben Sie sich<br />

auf die gleiche Ebene wie der Schmetterling.<br />

Sitzt dieser auf dem Boden,<br />

werden Sie sich hinlegen müssen. Das<br />

ist vielleicht unbequem, aber notwendig,<br />

um sicherzustellen, dass die Flügel<br />

scharf aussehen. Im Liegen ist es auch<br />

einfacher, die Kamera ruhig zu halten.<br />

Natur<br />

Mehrere<br />

Kompositionen<br />

ausprobieren<br />

Heather schlug vor, Aufnahmen<br />

der Schmetterlinge mit<br />

offenen Flügeln, frontal, essend<br />

und vielleicht sogar bei<br />

der Paarung zu machen und<br />

dabei sowohl Hochformat-,<br />

als auch Querformat-Bilder<br />

zu erstellen.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 91


Natur<br />

Die Schärfe kontrollieren<br />

Heather riet Julie, ihre Aufnahmen auf dem Kamera-LCD zu<br />

überprüfen, bevor sie weitermacht, und sich dabei vorzustellen,<br />

dass sie die Bilder verkaufen wird und daher auf jeden Fall ein<br />

besonders gutes <strong>Foto</strong> braucht.<br />

Julies Kommentar<br />

„Dieser Greta oto war ein<br />

schwieriges Motiv, wegen seiner<br />

durchsichtigen Flügel. Heather<br />

erklärte mir, dass es hier<br />

besonders wichtig sei, den Hin tergrund richtig<br />

hinzubekommen. Sie erinnerte mich daran, die<br />

Kamera parallel zu den Flügeln des Schmetterlings<br />

auszurichten, um die Tiefenschärfe<br />

komplett auszunutzen. Gleichzeitig sollte ich<br />

nach einem gedämpften Hintergrund<br />

Ausschau halten, der etwas weiter entfernt<br />

war, damit er sich gut für eine Defokussierung<br />

eignet. Für diese Aufnahme musste ich auf den<br />

Zehenspitzen stehen, was die Fokussierung<br />

schwierig machte - trotz des Einbeinstativs.<br />

Heather gab mir den Tipp, die Schärfe nach<br />

jeder Aufnahme zu kontrollieren und so lange<br />

bei dem Subjekt zu bleiben, bis die Aufnahme<br />

passt.“<br />

Die richtige Höhe<br />

Die Flügel des Schmetterlings<br />

waren geschlossen, weswegen<br />

Heather Julie empfahl, die Kamera<br />

auf die gleiche Höhe wie das Tier<br />

zu bringen, um die Flügel scharf<br />

aussehen zu lassen.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Der richtige<br />

Weißabgleich<br />

Bei Aufnahmen in einem Schmetterlingshaus<br />

ist es sinnvoll, den Weißabgleich-Modus<br />

„direktes Sonnenlicht“ zu nutzen - auch an<br />

bedeckten Tagen. Es gibt den Pflanzen ein<br />

frischeres Aussehen und das ist sehr wichtig.<br />

Die Modi „bewölkter Himmel“ oder „Schatten“<br />

fügen einen warmen Ton hinzu, der in diesem<br />

Zusammenhang einfach nicht passt.<br />

Auf den Hintergrund achten<br />

Julies erster Versuch wurde von der Richtung, aus der das Licht kam,<br />

sowie dem hässlichen Gitter im Hintergrund verdorben. Heather half<br />

ihr dabei, ein ähnliches Motiv zu finden, das besseres Licht und einen<br />

weicheren Hintergrund bot.<br />

92 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Belichtung: 1/100 s bei f/5.6; ISO800<br />

Linse: 105mm f/2.8 macro<br />

Kameraunabhängiger Blitz<br />

Heather schob einen der Blitzköpfe auf die eine<br />

Seite des Schmetterlings, um den Strauch zu beleuchten.<br />

Das Licht fiel auf die Flügel und Fühler des<br />

Schmetterlings.<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Makroblitz<br />

Nikons Makroblitz-Kit R1C1 beinhaltet eine<br />

kabellose IR-Blitzfernsteuerungseinheit und<br />

zwei Slave-Blitzgeräte, die man mit dem ebenfalls<br />

mitgelieferten Vorsatzadapter am Objektiv<br />

befestigt. „Diese sorgen für eine ausgeglichene<br />

Belichtung bei Nahaufnahmen, können aber auch<br />

für Gegenlicht benutzt werden, wenn aus der Hand<br />

fotografiert wird“, verrät Heather. „Ich benutze<br />

zudem noch ein Blitzgerät<br />

SB-900 von Nikon mit einer<br />

darauf abgestimmten, transportablen<br />

Softbox. Damit<br />

bekomme ich kontrollierbares,<br />

diffuses Licht und ein<br />

ferngesteuerter Blitz kann<br />

zudem unabhängig vom<br />

Kameraauslöser genutzt<br />

werden, um die Richtung des<br />

Lichts zu variieren.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 93


Natur<br />

Belichtung: 1/250 s bei f/5.6; ISO800<br />

Linse: 105mm f/2.8 macro<br />

Julies Kommentar Bildfüllend<br />

„In Studley Grange gibt es<br />

neben den Schmetterlingen<br />

noch andere Wildtiere. Als<br />

Heather diesen bärtigen<br />

Drachen sah, nutzte sie die<br />

Gelegenheit, um mir noch einige umfassendere<br />

Tipps zu Tiernahaufnahmen zu<br />

geben. Sie erklärte mir, dass diese Seitenansicht<br />

gut funktionierte, um das meiste aus<br />

der Tiefenschärfe rauszuholen, aber dass es<br />

trotzdem wichtig wäre, um das Objekt<br />

herum nach weiteren Aufnahmewinkeln zu<br />

suchen. Ich ging so nah ran, dass der Kopf<br />

der Echse das Bild vollständig ausfüllte,<br />

während der Hintergrund komplett defokussiert<br />

war. Heather sagte, ich sollte ein wenig<br />

Platz rechts neben dem Kopf lassen, in den<br />

das Tier ‚reinschauen‘ kann - so wie man<br />

das auch bei Portraitfotos von Menschen<br />

macht. Sonst würde sich die Komposition<br />

unausgeglichen anfühlen.”<br />

Julie möchte keine<br />

Schlangen fotografieren,<br />

aber die Nahaufnahme der<br />

Echse hat ihr gut gefallen.<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />

Selbst gemachte Reflektoren<br />

Die nützlichsten Accessoires müssen nicht zwingend die teuersten sein.<br />

„Ich habe immer ein Notizbuch dabei, das ich in Aluminiumfolie verpackt<br />

habe“, sagt Heather. „So kann ich es als Reflektor benutzen, um Licht in<br />

dunkle Bereiche der Szenerie zu dirigieren. Das ist besonders hilfreich bei<br />

direktem Sonnenlicht. Folie gibt ein helles, ‘funkelndes’ Licht, während<br />

eine matte, weiße Oberfläche einen weicheren, diffuseren Effekt erzeugt.<br />

Eine gute Art, das Licht zu kontrollieren, ohne weiteres Zubehör mit sich<br />

herumtragen zu müssen.“<br />

94 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


PROFI-AUSSTATTUNG #5<br />

Wimberley Plamp - flexibler Arm<br />

Jeder, der mal probiert hat, Nahaufnahmen von<br />

Wildtieren zu machen, weiß, dass die Natur nicht immer<br />

mitspielt. Pflanzen wachsen, wo sie wollen - ohne<br />

Rücksicht auf Ihre Bildkompositionen. Mein Wimberley<br />

Plamp (ca. 27 €) ermöglicht mir, Halme aus dem Weg zu<br />

nehmen oder besser in meiner Aufnahme zu platzieren,<br />

ohne dass ich Schaden anrichte.<br />

Stabilisierung<br />

Wenn Sie kein Stativ nutzen, schalten Sie die<br />

Stabilisierung Ihres Objektivs an, sofern<br />

vorhanden. Sie werden definitiv einen Unterschied<br />

bei langen Verschlusszeiten sehen.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Von allen<br />

Seiten<br />

Julies Objekt bot viele Facetten: zum<br />

Beispiel die Struktur seiner Schuppen und<br />

seines Rückens, seine Gesichtsausdrücke<br />

und die Form seines Kopfes. Es ist<br />

immer eine gute Idee, sowohl vertikale als<br />

auch horizontale Kompositionen zu<br />

erstellen. Man weiß nie, was am besten<br />

funktionieren wird.<br />

Profi-Tipps<br />

für tolle Makro-<br />

Aufnahmen<br />

Wenn Sie mit kleinen Tieren arbeiten, ist es fast<br />

unmöglich, einfach draufloszuschießen. Es ist<br />

wichtig, über Bildkompositionen und Beleuchtung<br />

nachzudenken sowie über die Art, wie man sich in der<br />

Gegenwart von nervösen Wildtieren verhält.<br />

1<br />

Suchen Sie nach schönen Exemplaren. Wenn<br />

eine Makroaufnahme es wert ist, erstellt zu<br />

werden, dann sollte alles stimmen. Vermeiden Sie<br />

Schmetterlinge mit zerfetzten Flügeln, verwelkte<br />

Blumen oder zerdrückte Pflanzen.<br />

Studieren Sie die Struktur Ihrer Objekte, um herauszufinden,<br />

wie Sie diese am besten beleuch-<br />

2<br />

ten. Glänzende Blätter und Käfer reflektieren Licht,<br />

also vermeiden Sie direktes Blitzlicht. Andererseits<br />

wirken durchsichtige Flügel und Blätter beeindruckender,<br />

wenn sie von hinten beleuchtet werden.<br />

3<br />

Füllen Sie das Bild ganz aus. Es ist sinnlos, eine<br />

Makroaufnahme zu erstellen, wenn um das Subjekt<br />

noch jede Menge Platz ist. Passen Sie aber auf,<br />

dass Insekten oder Frösche nicht aus Ihrer Bildkomposition<br />

herauskrabbeln, wenn sie ihnen zu schnell zu<br />

nah kommen. Nutzen Sie ein Teleobjektiv, um einen<br />

größeren Arbeitsabstand zu schaffen.<br />

4<br />

Variieren Sie Ihre Bildkompositionen. Wenn Sie<br />

mehrere Stunden mit einem Subjekt verbringen<br />

- egal ob Schmetterlinge oder Blumen -, variieren Sie<br />

den Winkel der Kamera und die Kompositionen. Nehmen<br />

Sie Schmetterlinge mit offenen Flügeln, frontal<br />

oder paarend auf. Vergessen Sie nicht, vertikale aber<br />

auch horizontale Aufnahmen zu erstellen.<br />

5<br />

Schalten Sie den Stabilisator Ihres Objektivs an,<br />

sofern vorhanden. Das reduziert Verwackelungen,<br />

wenn aus der Hand geschossen wird. Lassen Sie das<br />

Dreibeinstativ weg, um schneller auf Positionswechsel<br />

Ihrer Objekte reagieren zu können.<br />

6<br />

Nutzen Sie jede Hilfe für schärfere Bilder.<br />

An warmen Tagen sind Schmetterlinge bereits<br />

weggeflogen, wenn Sie ein Dreibeinstativ aufgestellt<br />

haben. Nutzen Sie dann besser ein Einbeinstativ.<br />

Andererseits müssen gerade geschlüpfte Insekten<br />

sich ausruhen, bis ihre Flügel getrocknet sind und<br />

ein Dreibeinstativ erlaubt dann eine längere Verschlusszeit<br />

sowie eine Feinabstimmung der Komposition.<br />

7<br />

Einfache Hintergründe sind besser. Schauen Sie<br />

hinter das Subjekt, um sicher zu sein, dass sich<br />

dort nichts Ablenkendes befindet. Wenn doch, dann<br />

bewegen Sie sich ein wenig zur Seite, um den Winkel<br />

der Kamera zu ändern.<br />

8<br />

Ziehen<br />

Natur<br />

Sie mehrere Schichten Kleidung an, wenn<br />

Sie ein tropisches Schmetterlinghaus besuchen.<br />

Egal wie das Wetter draußen ist, in dem Haus wird es<br />

warm sein. Damit Sie bequem arbeiten können, sollten<br />

Sie auch etwas ausziehen können.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 95


Natur<br />

Julies Kommentar<br />

„Es war ein toller Tag und ich habe das Gefühl,<br />

viel gelernt zu haben. Am Anfang war ich wohl<br />

ein wenig zu zögerlich, was die Nähe zu meinen<br />

Objekten anging. Aber Heather zeigte mir,<br />

welche Auswirkungen es hat, wenn das Motiv<br />

bildfüllend ist. Sie erklärte zudem, wie wichtig es ist, die<br />

geringe verfügbare Tiefenschärfe zu kontrollieren, und wie<br />

man den Hintergrund so auswählt, dass er das Objekt<br />

vervollständigt. Gegen Ende des Tages machte ich eine Serie<br />

von Aufnahmen von einem Bananenfalter, der gerade aß, und<br />

war erstaunt über den Detailreichtum. Ich befolgte zudem<br />

Heathers goldene Regel: Immer die Fühler mit aufnehmen!”<br />

Heathers Fazit<br />

„Ich war sehr beeindruckt von dem Fortschritt,<br />

den Julie während des Tages gemacht hat. Sie<br />

verstand, was ich ihr zu erklären versuchte, und<br />

am Ende fing sie an, ihre eigenen Bildkompositionen<br />

zu finden - ohne, dass ich ihr <strong>helfen</strong><br />

musste. Ihre beste Aufnahme wurde von der Seite erstellt und<br />

fängt perfekt den Kopf und den Rüssel eines Schmetterlings<br />

ein, der gerade an einer Orange speist. Präzises Fokussieren<br />

ist entscheidend, wenn man einem Objekt so nah kommt wie<br />

hier und Julie hat es genau richtig gemacht.”<br />

96 Der Landscape <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> Photography Made Easy 2010


Natur<br />

Belichtung: 1/160 s bei f/5.6; ISO800<br />

Linse: 105mm f/2.8 macro<br />

2010 Landscape Photography Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> Made Easy 97


Natur<br />

Gefiederte<br />

<strong>Foto</strong>s<br />

Unser Lehrling bekommt Profi-Tipps<br />

zum Schießen unserer geflügelten<br />

Freunde - zum Glück nur mit der<br />

Kamera.<br />

98 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

DER PROFI<br />

Name: David Tipling<br />

Kamera: Nikon D3S & D7000<br />

David ist seit 1992 freischaffender<br />

<strong>Foto</strong>graf und Vögel waren schon<br />

immer eine seiner Leidenschaften.<br />

Er hat mit seinen Bildern zur Veröffentlichung<br />

von über 40 Büchern<br />

über unsere gefiederten Freunde<br />

beigetragen, inklusive dem RSPB<br />

Guide to Digital Wildlife Photography.<br />

Er lebt und arbeitet in Norfolk.<br />

Unter www.davidtipling.com erfahren<br />

Sie mehr.<br />

DER LEHRLING<br />

Name: David Durant<br />

Kamera: Nikon D300S<br />

David gestaltet Zeitungsanzeigen<br />

für ein Reiseunternehmen. Er liebt<br />

es, Wildtiere zu fotografieren, und<br />

nutzt dafür die Nikon-Objektive<br />

70-300mm f/4.5-5.6G, 16-85mm<br />

f/3.5-5.6G und 50mm f/1.4G. Er<br />

hat bereits mit Vogelaufnahmen<br />

experimentiert und hat uns gebeten,<br />

ihm zu <strong>helfen</strong>, seine Fähigkeiten<br />

zu verbessern.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 99


Natur<br />

Belichtung: 1/800 s bei f/8; ISO400<br />

Linse: 70-300mm f/4.5-5.6<br />

David Durants Kommentar<br />

„Ich habe mich gefreut, als ich merkte, dass mein 70-300-mm-Zoom<br />

ausreicht, um die Rotkopfente zu fotografieren. David empfahl mir, mich<br />

auf den Boden zu legen, um einen besseren Winkel zu bekommen.<br />

Dadurch bekam ich ein interessanteres Bild, das den Vogel und seinen<br />

Hintergrund zeigt. Es war allerdings gar nicht so einfach, den sich<br />

bewegenden Vögeln zu folgen. Zudem habe ich heute gelernt, im Manuell-Modus<br />

aufzunehmen und das Histogramm zu benutzen, um die Belichtung so anzupassen, dass<br />

sowohl Schatten als auch Glanzlichter gut aussehen. Bis jetzt hatte ich immer nur den<br />

AE-Modus meiner DSLR genutzt.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Superteleobjektiv 500mm<br />

Dieses Objektiv bringt die Art der Bildvergrößerung<br />

mit, die man braucht, um<br />

Vögel aus der Entfernung aufzunehmen.<br />

Der Bildstabilisator hillft dabei, die un vermeidbaren<br />

Verwacklungen zu bekämpfen,<br />

die entstehen, wenn man aus der Hand<br />

fotografiert. Die große Ausgangsblende<br />

verbessert zudem den Autofokus. Es ist<br />

zwar sehr teuer, aber macht qualitativ einen<br />

großen Unterschied.<br />

Den besten<br />

Winkel finden<br />

Die beiden legten sich flach auf<br />

den Weg, um den Ententeich<br />

aus dem richtigen Winkel zu<br />

fotografieren, und stützten sich<br />

dabei auf die Ellenbogen, um die<br />

Kamera gerade zu halten.<br />

Aufs Auge<br />

Die beiden Davids schauten,<br />

ob die Aufnahme scharf war.<br />

Das Vogelauge muss immer im<br />

Fokus sein.<br />

100 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Das richtige Objektiv<br />

Ein Objektiv mit einer Brennweite von 500mm<br />

oder mehr ist eine große Hilfe in der Vogelfotografie,<br />

aber für die Aufnahme der Enten in Slimbridge<br />

reichte unserem Lehrling seine 70-300-mm-Linse.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Schwarz<br />

und Weiß<br />

Viele Enten, Gänse und Schwäne in<br />

Slimbridge sind schwarz und weiß. Man<br />

hat also beide Enden des Spektrums<br />

und das macht es schwierig, die richtige<br />

Belichtung zu finden. „Mein Ziel ist es<br />

immer, die weißen Stellen richtig zu<br />

belichten”, erklärt David Tipling. „Aber<br />

wenn der Vogel schwarz-weiß ist, dann<br />

möchte man auch das Schwarze im<br />

Gefieder bewahren. Ich versuche, die<br />

Pixel auf dem Histogramm so weit wie<br />

möglich nach rechts zu bekommen,<br />

ohne es zu weit zu treiben. So verliert<br />

man nicht die Details der Federn und die<br />

Wahrscheinlichkeit, dass man das<br />

Schwarz in Photoshop verstärken kann,<br />

ist sehr groß.”<br />

Technik-Check<br />

Ist die Kamera unseres<br />

Lehrlings bereit für<br />

Vogelaufnahmen?<br />

Das <strong>Foto</strong>grafieren von Vögeln bringt besondere<br />

Herausforderungen mit sich und die Alltags-<br />

Kameraeinstellungen sind eventuell nicht die<br />

richtigen. Unser Profi-<strong>Foto</strong>graf schaute sich die<br />

Einstellungen seines Lehrlings am Anfang des<br />

Tages an und schlug einige Änderungen vor.<br />

Kontinuierlicher Autofokus<br />

„Davids DSLR war auf Einzelautofokus (S)<br />

eingestellt. Dabei fokussiert die Kamera einmal,<br />

wenn der Auslöser halb durchgedrückt wird, und<br />

dann kann man die Aufnahme machen”, erklärt<br />

David Tipling. „Das macht sich gut bei statischen<br />

Subjekten, aber Vögel bewegen sich meistens<br />

schnell und unvorhersehbar. Ein Wechsel auf den<br />

kontinuierlichen Autofokus (C) bedeutet, dass die<br />

Kamera für die ganze Dauer, die der Auslöser halb<br />

runtergdrückt wird, fokussiert. Wenn das Subjekt<br />

sich während der Aufnahme bewegt, wird der von<br />

der Kamera vorhergesagte Autofokus benutzt und<br />

die Wahrscheinlichkeit, dass das Tier trotzdem<br />

fokussiert war, ist höher.”<br />

Bewegung einfangen<br />

Stellen Sie eine kurze Verschlusszeit von<br />

1/1000 s ein, wenn Sie schnelle Bewegungen<br />

erwarten. Abhängig von den<br />

Blendenwerten können Sie auch die<br />

ISO-Werte hochstellen, sofern notwendig.<br />

Reflexionen nutzen<br />

Man muss nicht immer aus einem niedrigen<br />

Winkel fotografieren. Wenn das Wasser<br />

ruhig ist, versuchen Sie eine höhere<br />

Perspektive, um Reflexionen einzufangen.<br />

Besser RAW statt JPEG<br />

David Tipling sagt: „Wenn Sie normalerweise im<br />

JPEG-Format fotografieren, empfehle ich<br />

stattdessen, RAW zu nutzen. Das erhält alle<br />

Farbinformationen, die die Kamera eingefangen<br />

hat, und sichert auch ein wenig mehr Details in<br />

den Schatten und Glanzlichtern. Damit haben Sie<br />

mehr Spielraum beim Bearbeiten der Bilder, denn<br />

Sie können kleine Belichtungsfehler bereinigen<br />

sowie den Weißabgleich erst anwenden, wenn Sie<br />

das Bild genau angeschaut haben. Das ist besser,<br />

als dies vor dem Aufnehmen zu tun und dadurch<br />

vielleicht ein gutes Bild zu verpassen.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 101


Natur<br />

Machst du Witze?<br />

Profi-<strong>Foto</strong>graf David versuchte, seinen Lehrling<br />

zu überreden, dass es eine gute Idee wäre,<br />

sich in die Mitte der grimmig aussehenden<br />

Schwäne zu legen. Es hat einige Zeit gedauert,<br />

bis er davon überzeugt war!<br />

Belichtung: 1/250 s bei f/13; ISO500<br />

Linse: 16-85mm f/3.5-5.6<br />

David Durants Kommentar<br />

„Ich hätte nie gedacht, dass ich<br />

meine 16-85-mm-Linse für Vogelfotografie<br />

nutzen würde. Ich wurde<br />

überredet, mich zwischen die<br />

Schwäne auf den Boden zu legen<br />

und die Kamera nach oben zu richten, um die Vögel<br />

von einem ungewöhnlichen Winkel aus gegen den<br />

Himmel auf zu nehmen. Dabei kamen einige sehr<br />

beachtliche, aber auch verrückte Bilder ohne<br />

störende Umgebungsdetails heraus. Die Vögel<br />

bewegten sich allerdings sehr schnell, weshalb ich<br />

eine einigermaßen hohe Verschlusszeit brauchte<br />

und viel Tiefenschärfe bei geschlossener Blende.<br />

So war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die<br />

Subjekte im Fokus waren.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

PocketWizard Blitzauslöser<br />

„Wenn ich Blitze einsetzen muss, benutze<br />

ich diese Blitz-Fernbedienungen von<br />

PocketWizard. Damit kann ich externe<br />

Blitzgeräte bedienen, die unabhängig<br />

von der Kamera benutzt werden. Die<br />

hier sind sehr verlässlich, besitzen einen<br />

großen Einsatzbereich und nutzen zudem<br />

Radiosignale statt Sichtverbindungen. Nikon<br />

hat sein eigenes Creative Lighting System<br />

(CLS), aber dafür braucht man eine Kamera<br />

oder ein externes Blitzgerät<br />

von Nikon (Speedlight), die<br />

dann jeweils die Befehle<br />

geben. Zudem ist die<br />

Reichweite sehr gering.”<br />

Besserer Himmel<br />

Unser Lehrling wurde angewiesen, seinen Kamerablitz<br />

einzusetzen, um Aufhelllicht beizutragen.<br />

Das reduzierte die Belichtung, sodass der<br />

Himmel kräftiger dargestellt wurde.<br />

102 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Mitten unter<br />

Schwänen<br />

Wenn Sie kein Teleobjektiv besitzen, versuchen Sie so nah<br />

wie möglich, an ihre Subjekte ranzukommen. Legen Sie sich<br />

dafür auf den Boden und halten Sie die Kamera nach oben zu<br />

den Vögeln. Sie können diese Technik im Park nebenan<br />

anwenden oder überall da, wo es zahme Vögel gibt und so<br />

ungewöhnliche Bilder erstellen. Wenn wir Futter dabei gehabt<br />

hätten, wäre das natürlich noch besser gewesen. Man muss<br />

viele Aufnahmen machen, um eine gute zu bekommen, und<br />

dabei oft den Autofokus nutzen sowie den richtigen Zeitpunkt<br />

ab passen. Wenn Sie ein gutes Weitwinkelobjektiv besitzen,<br />

müssen Sie nicht notgedrungen durch den Sucher schauen.<br />

Es reicht, die Kamera auf Bodenhöhe zu halten und ungefähr<br />

in die richtige Richtung zu zielen.<br />

Alternative<br />

Perspektive<br />

Eine weitere erfolgreiche<br />

Nahaufnahme von einem<br />

Höckerschwan.<br />

Vogelfutter<br />

Bei zahmen (und gierigen)<br />

Vögeln lohnt es sich oft,<br />

Futter mitzubringen, um die<br />

Tiere zur Kamera zu locken.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 103


Natur<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Der richtige<br />

Blendenwert<br />

Es ist gar nicht so einfach, die richtige Blende und<br />

Verschlusszeit für Vogel aufnahmen zu finden. Bei<br />

Action-<strong>Foto</strong>s nutzt man eine Ver schluss zeit, die<br />

Bewegungen einfriert. Für statische Aufnahmen,<br />

bei denen der Hintergrund verschwommen sein<br />

muss, nimmt man am besten einen geringen<br />

Blendenwert.<br />

David Durants Kommentar<br />

„Ich habe mich regelrecht in das<br />

500-mm-Objektiv verliebt, das ich bei<br />

den Aufnahmen benutzen durfte, aber<br />

dieses Bild habe ich mit meinem<br />

eigenen 70-300-mm-Zoom erstellt.<br />

Diese weiße Taube hat sich zu schnell<br />

bewegt und kam zu nah für eine 500-mm-Linse. Ich<br />

habe es geschafft, ihren Flug mit dem Serienaufnahmen-Modus<br />

einzufangen und das hier ist das letzte<br />

Bild aus der Sequenz. Ich bin sehr beeindruckt, dass<br />

es so scharf geworden ist, denn der Vogel war sehr<br />

schnell unterwegs. Durch leicht erhöhte ISO-Werte<br />

konnte ich eine kurze Verschlusszeit und einen<br />

Blendenwert von f/8 einsetzen. Das hat dabei<br />

geholfen, dass die Tiefenschärfe richtig aussieht.<br />

David erklärte mir, dass bei analogen Filmen die<br />

Tiefenschärfe immer problematisch war, aber<br />

Digitalfotografie bietet höhere ISO-Werte, welche<br />

wiederum schnellere Verschlusszeiten und geschlossene<br />

Blenden erlauben und damit auch Hochgeschwindigkeits-Serienaufnahmen.<br />

Er erzählte mir<br />

auch, dass es, wenn ein Vogel wie rechts im Flug<br />

umdreht und dabei mit hoher Geschwindigkeit<br />

unterwegs ist, einen Moment gibt, in dem der<br />

Schwanz aufgefächert, die Flügel geöffnet und das<br />

Licht perfekt ist. Den Moment habe ich versucht, in<br />

dieser Aufnahme einzufangen.”<br />

Belichtung: 1/640 s bei f/13; ISO500<br />

Linse: 16-85mm f/3.5-5.6<br />

Blick<br />

nach oben!<br />

Diese Kolonie bot eine<br />

gute Möglichkeit, Vögel<br />

in ihrem Habitat zu fotografieren.<br />

Versuchen Sie,<br />

ein Weitwinkelobjektiv<br />

zu benutzen, um Bäume<br />

in eindrucksvolle Silhouetten<br />

zu verwandeln.<br />

Legen Sie sich flach auf<br />

den Boden - am besten<br />

in alten Kleidern wegen<br />

des Vogelkots.<br />

104 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Belichtung: 1/1000 s bei f/8; ISO320<br />

Linse: 70-300mm f/4.5-5.6<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Dietmar-Nill-Stativkopf<br />

„Dieser Dreibeinstativkopf<br />

bietet<br />

eine U-Schiene,<br />

die Objektiv<br />

und Kamera gut<br />

ausbalanciert<br />

festhält”, erklärt<br />

David Tipling.<br />

„Damit kann man<br />

fließend schwenken.<br />

Der Kopf<br />

ist speziell für Wildtier-<strong>Foto</strong>grafen entwickelt<br />

und ich benutze ihn immer mit meinem<br />

großen und schweren 500-mm-Objektiv. Er<br />

erlaubt gleichzeitig horizontale und vertikale<br />

Bewegungen. Das bedeutet, man kann mit<br />

sich bewegenden Vögeln mitschwenken,<br />

aber ihnen auch folgen, wenn sie sich entfernen<br />

oder näher kommen. Erhältlich unter<br />

www.dietmar-nill.de/Stativkopf.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 105


Natur<br />

Belichtung: 1/1000 s bei f/7.1; ISO320<br />

Linse: 500mm f/4, 1.4x Telekonverter<br />

David Durants<br />

Kommentar<br />

„Als wir die Wildvögel<br />

von einem Hochsitz aus<br />

fotografierten, wurde<br />

mir klar, wie lang das<br />

benötigte Objektiv sein<br />

muss. Ich lieh mir ein<br />

500mm-f/4-Modell und einen<br />

1.4x-Tele konverter für diese Aufnahme.<br />

Damit war ich in der Lage, eine<br />

Sequenz von zwei Vögeln bildfüllend<br />

aufzunehmen. Jetzt weiß ich, dass ich<br />

unbedingt auch so ein Objektiv haben<br />

möchte! Der Dietmar-Nill-Stativkopf<br />

war ebenfalls eine Offenbarung. Ich<br />

bin an normale Dreibeinstative<br />

gewöhnt, mit denen die Bewegung<br />

eingeschränkt ist, aber mit diesem<br />

Kopf wird das ganze Gewicht vom<br />

Objektiv weggenommen und es lässt<br />

sich frei bewegen. Es macht Aufnahmen<br />

wie diese viel einfacher.”<br />

Feuerkraft<br />

Mit einer 500-mm-Linse und<br />

einem 1.4x-Telekonverter<br />

bewaffnet, verfügte unser<br />

Lehrling über eine Brennweite<br />

von 1050mm auf<br />

seiner D300S. Die 500mm<br />

kosten zwar ca. 6.900 Euro,<br />

können aber für ca. 200<br />

Euro pro Woche ausgeliehen<br />

werden.<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />

1.4x-Telekonverter<br />

Dieser Telekonverter sitzt zwischen dem Objektiv und der Kamera<br />

und vergrößert das Bild 1,4 Mal, verringert aber den minimalen<br />

Blendenwert um eine Stufe. Er ist nützlich, wenn man die Reichweite<br />

einer Linse erweitern will, mit einem lichtstarken Objektiv<br />

wie dem 500mm f/4 kann man auch Einbußen beim Blendenwert<br />

hinnehmen - f/5.6 ist immer noch viel. Beim Kauf eines Telekonverters<br />

darf man aber nicht vergessen, dass Größe und Gewicht<br />

entscheidend sind, besonders auf Reisen.<br />

106 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Auf Details achten<br />

Man muss nicht immer den ganzen Vogel<br />

aufnehmen. Manchmal wirken Bilder<br />

besser, wenn man sie der Fantasie des<br />

Betrachters überlässt. Auch wenn er nicht<br />

alles sieht, wird er ein Gefühl dafür<br />

bekom men, was er sich anschaut, und<br />

sich länger an die Aufnahme erinnern. Mit<br />

einem Teleobjektiv hat man 101 potenzielle<br />

Motive vor der Kamera - wenn man sich<br />

einzelne Details raussucht.<br />

Unterstützung suchen<br />

Wenn man ein Teleobjektiv wie das 500mm<br />

nutzt, braucht man ein solides Dreibeinstativ<br />

mit einem Gimbal-Kopf, der das Gewicht unterstützt<br />

und Kontrolle über die Bewegungen<br />

von Kamera und Linse gibt.<br />

Kopfsache<br />

Bei einem<br />

Gimbal-Kopf<br />

erlauben zwei<br />

U-Schienen die<br />

freie Bewegung<br />

des Objektivs,<br />

ohne dass das<br />

Stativ umfällt.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Schnell<br />

schießen<br />

Je mehr Bilder pro Sekunde Ihre Kamera<br />

schießen kann, desto größer die Chance,<br />

das perfekte Bild zu erwischen. <strong>Foto</strong>grafieren<br />

Sie also am besten in der höchsten<br />

Bildrate, die Ihre Kamera anbietet. David<br />

Tipling macht viele Aufnahmen mit seiner<br />

Nikon D7000 (mit 6 Fps), da sie mit einem<br />

Teleobjektiv eine große Reichweite bietet.<br />

Seine Vollbild-D3S ist mit einer Bildrate von<br />

9 Fps viel schneller für Aufnahmen von<br />

fliegenden Vögeln. Die D300S unseres<br />

Lehrlings bietet eine respektable Höchstgeschwindigkeit<br />

von 7 Fps.<br />

Profi-Tipps für<br />

tolle Vogelaufnahmen<br />

Den ganzen Tag lang gab David Tipling seine<br />

Tipps zur Vogelfotografie preis. Hier eine<br />

Zusammenfassung.<br />

1<br />

Kontrollieren Sie immer die Histogramme Ihrer<br />

Aufnahmen, um zu sehen, ob die Belichtung<br />

stimmt. Sie wollen die Details in den hellsten, aber<br />

auch in den dunkelsten Stellen erhalten.<br />

2<br />

Stellen Sie sicher, dass der Fokus auf dem Auge<br />

des Vogels liegt. Autofokus kann zu langweiligen<br />

Kompositionen führen, bei denen der Körper<br />

fokussiert ist und das Auge verschwommen.<br />

3<br />

Legen Sie sich für persönlichere Aufnahmen<br />

hin. Nutzen Sie eine geringe Tiefenschärfe, um<br />

den Vordergrund oder den Hintergrund unscharf<br />

darzustellen.<br />

4<br />

<strong>Foto</strong>grafieren Sie nicht nur mit der Sonne im<br />

Rücken. Aufnahmen direkt ins Licht morgens<br />

oder abends können echte Blickfänge werden.<br />

5<br />

Ihre Aufnahme wird ausgeglichener wirken, wenn<br />

der Vogel in eine Richtung auf dem Bild schaut<br />

oder fliegt, anstatt aus dem Bild raus. Widerstehen<br />

Sie der Versuchung, die Aufnahme zu nah am Tier zu<br />

schneiden.<br />

6<br />

7<br />

Kaufen Sie das teuerste Objektiv, das Sie sich<br />

leisten können. Qualität zahlt sich aus.<br />

Ich beschreibe Bildkompositionen oft mit<br />

„weniger ist mehr“. Versuchen Sie, unruhige<br />

Hintergründe und andere ablenkende Elemente zu<br />

vermeiden. Diese können den Betrachter des fertigen<br />

Bildes vom Subjekt weglocken.<br />

8<br />

Achten Sie auf die Körpersprache, die Vögel<br />

zeigen, wenn Sie kurz davor sind, loszufliegen.<br />

Enten, Gänse und Schwäne zum Beispiel signalisieren<br />

das ihren Vogelnachbarn, indem sie den Kopf<br />

bewegen. Raubvögel plustern sich auf und große<br />

Vögel nehmen eine bestimmte Position ein.<br />

9<br />

Fangen Sie früh an. Die besten Gelegenheiten<br />

ergeben sich kurz nach dem Morgengrauen,<br />

da die meisten Vögel (außer Raubvögel) bei<br />

Tagesanbruch am aktivsten sind. Wenn die Sonne<br />

niedrig steht, sind die Farben intensiver und das<br />

<strong>Foto</strong>grafieren ins Licht kann schöne Silhouetten<br />

erzeugen. Ignorieren Sie trotzdem keine bewölkten<br />

Tage. Besonders die feinen Federdetails weißer Vögel<br />

können dann sehr schön aussehen.<br />

10<br />

Natur<br />

Schauen Sie sich die Arbeiten anderer<br />

<strong>Foto</strong>grafen sowie Vogelkunst an, um Ideen für<br />

eigene Aufnahmen zu entwickeln und einen eigenen<br />

Stil zu finden.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 107


Natur<br />

David Durants<br />

Kommentar<br />

„Die wichtigste Lektion des Tages für mich ist, wie<br />

entscheidend das richtige Zubehör sein kann. Bis heute<br />

habe ich immer versucht, Vögel mit meiner 70-300mm-<br />

Linse aufzunehmen und das hat mich sehr eingeschränkt.<br />

Ein 500-mm-Teleobjektiv ist toll, nicht nur für<br />

Aufnahmen aus großer Distanz, sondern auch für Situationen, bei<br />

denen man sich auf Details konzentrieren möchte. David erklärte mir<br />

unter anderem, dass er während des Aufnehmens schon weiß, was er<br />

mit dem Bild tun wird. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Er hat<br />

mir eine andere Herangehensweise an das <strong>Foto</strong>grafieren vermittelt,<br />

weswegen meine Bilder ab jetzt anders aussehen werden.”<br />

David Tiplings<br />

Fazit<br />

„David hat heute eindeutig viel gelernt und möchte es<br />

am liebsten sofort umsetzen. Er kam bereits mit Vorwissen<br />

in den <strong>Workshop</strong>, konnte aber viel lernen, zum<br />

Beispiel, wie wichtig das richtige Zubehör ist: Besonders<br />

der Gimbalkopf und ein großes, schnelles<br />

Teleobjektiv. Man kann sich den Unterschied kaum vorstellen, bis man<br />

es selbst ausprobiert hat. Darüber hinaus muss man in der Vogelfotografie<br />

seine Subjekte kennen und mit viel Geduld erahnen, wie sie sich<br />

verhalten werden. David hat einige nützliche Tricks gelernt und sieht<br />

seine Subjekte jetzt mit ganz neuen Augen, wie diese Aufnahme der<br />

Flamingos zeigt.”<br />

108 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Belichtung: 1/800 s bei f/14; ISO500<br />

Linse: 500mm f/4<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 109


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Natur<br />

Blühende<br />

Aufnahmen!<br />

Seien Sie dabei, wenn der preisgekrönte<br />

<strong>Foto</strong>graf Mark Bolton seine Profi-Tipps für tolle<br />

Gartenaufnahmen mit seinem Lehrling während<br />

einer frühmorgendlichen <strong>Foto</strong>session in Wiltshire teilt.<br />

112 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Clare Scott<br />

Kamera: Canon EOS 450D<br />

Clare, 35, arbeitet in Teilzeit als Produktionsleiterin<br />

und lebt in Bristol. Sie fotografiert<br />

seit drei Jahren und hat sich ihre<br />

DSLR gekauft, um Landschafts- und<br />

Gartenaufnahmen zu erstellen. Sie hat<br />

vor Kurzem einen allgemeinen <strong>Foto</strong>kurs<br />

absolviert, aber uns um Hilfe gebeten,<br />

weil sie im Bereich der Gartenfotografie<br />

mehr lernen möchte.<br />

DER PROFI<br />

Name: Mark Bolton<br />

Kamera: Canon EOS 5D Mk II<br />

Mark ist ein etablierter Profi-<strong>Foto</strong>graf, der mit<br />

seinen Gartenfotos bereits Preise gewonnen<br />

hat. So wurde er zum Beispiel vor Kurzem<br />

zum internationalen Gartenfotografen des<br />

Jahres gewählt. Er lebt in Bristol, ist 48 Jahre<br />

alt und arbeitet seit 1994 als <strong>Foto</strong>graf. Er<br />

fotografiert regelmäßig für Gartenmagazine<br />

und den National Trust. Mehr seiner umwerfenden<br />

Garten- und Interieurbilder finden Sie<br />

unter www.markbolton.co.uk.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 113


Natur<br />

Belichtung: 1/8 s bei f/16; ISO100<br />

Linse: 18-55mm f/3.5-5.6<br />

Technik-Check<br />

Ist Clare bereit für<br />

Gartenaufnahmen?<br />

Während Clare sich für die ersten Aufnahmen<br />

vorbereitete, schlug Mark einige Möglichkeiten<br />

vor, die ihre Resultate verbessern würden.<br />

Die beste Qualität wählen<br />

„Clare hat bis jetzt im JPEG-Format fotografiert.<br />

Ich empfahl ihr, stattdessen die Einstellung RAW +<br />

L für die beste Bildqualität zu nutzen. Auf diese<br />

Weise kann sie mit den detaillierteren RAW-Dateien<br />

experimentieren, hat aber auch noch die JPEGs,<br />

falls sie diese mal brauchen sollte.”<br />

Manuell fokussieren<br />

„Clare verlässt sich auf den Autofokus (AF), was<br />

bedeutet, dass die Kamera einfach das nächste<br />

Motiv fokussiert. Ich schlug vor, auf den manuellen<br />

Fokus (MF) umzustellen und damit selber auszusuchen,<br />

was fokussiert werden soll.”<br />

RAW-QUALITÄT<br />

FOKUS<br />

Clares Kommentar<br />

„Das ist der Beweis, dass es sich lohnt, früh aufzustehen.<br />

Ich erstellte diese Aufnahme um 5:30 Uhr und ich liebe die<br />

Art, wie das niedrige, warme Sonnenlicht die Bäume und<br />

Büsche hervorhebt und so das Gefühl von Tiefe erzeugt.<br />

Ich benutzte mein Dreibeinstativ und einen Blendenwert<br />

von f/16, um eine gute Tiefenschärfe einzufangen. Mark<br />

half mir ein wenig mit der Bildkomposition und mir gefällt,<br />

dass es aussieht, als würden wir um die Ecke in einen<br />

geheimen Garten spähen. Mark schlug vor, dass ich die<br />

Aufnahme weiter unten ansetze, sodass sie mit Garten und<br />

Landhaus gefüllt ist und weniger mit leerem Himmel.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Tiefenschärfe<br />

Beim <strong>Foto</strong>grafieren einer Gartenszenerie ist es besser,<br />

eine kleine Blendenöffnung zu nutzen, um die maximale<br />

Tiefenschärfe und dadurch ein Bild zu bekommen, das<br />

durchgängig scharf ist. „Nutzen Sie die Zeitautomatik Ihrer<br />

Kamera, um den Blendenwert kontrollieren zu können. Die<br />

DSLR wählt selbstständig die richtige Verschlusszeit für die<br />

richtige Belichtung aus”, rät Mark. „Ich nutze einen hohen<br />

Blendenwert von ca. f/16 für die höchste Tiefenschärfe, wenn<br />

ich große Bauerngärten aufnehme. Für Nahaufnahmen von<br />

Blumen wechsel ich zu einem niedrigen Blendenwert von ca.<br />

f/5.6, um eine geringe Tiefenschärfe und verschwommene<br />

Hintergründe zu erzeugen.”<br />

114 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


MARKS TIPP<br />

Der frühe Vogel<br />

erwischt die weltbeste Gartenaufnahme!<br />

„Für die meisten meiner<br />

Gartensessions bin ich bei<br />

Sonnenaufgang bereit, da dann<br />

das beste Licht zur Verfügung<br />

steht”, erklärt Mark. „Das<br />

Sonnenlicht ist dann weicher und<br />

stimmungsvoller. Zudem kreiert<br />

die niedrige Sonne lange Schatten<br />

und Hintergrundbeleuchtung für<br />

Bäume und Pflanzen. Zudem gibt<br />

es morgens weniger Wind, der um<br />

die Pflanzen hin und her weht. Zu<br />

früh muss man allerdings auch<br />

nicht sein. Ein bis zwei Stunden<br />

nach Sonnenaufgang ist die beste<br />

Zeit, da dann die Sonne über den<br />

Bäumen und Büschen, die den<br />

Garten umgeben, erscheint.“<br />

Profi-<strong>Foto</strong>graf Mark benutzt eine<br />

Vollbild Canon EOS 5D Mk II, um<br />

große Gartenszenen einzufangen,<br />

sowie die folgenden Objektive und<br />

Accessoires: PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Canon EF 24-70mm f/2.8L<br />

Canon EF 70-200mm f/4L<br />

Canon EF 17-40mm f/4L<br />

Canon TS-E 24mm f/3.5L<br />

Sigma 105mm f/2.8 Macro<br />

Canon EOS 5D als Reserve<br />

Canon Kabelfernauslöser<br />

Lastolite 30cm tragbarer Reflektor<br />

Lastolite Reflektorfuß<br />

Ein Dreibeinstativ<br />

Canon 430EX II Speedlite Blitzgerät<br />

Pocket Wizard Blitzauslöser<br />

Stabiles Dreibeinstativ<br />

Mark nutzt ein bewährtes und stabiles<br />

Dreibeinstativ von Manfrotto bei seinen<br />

Gartenaufnahmen. „Da ich oft bei<br />

schwacher Beleuchtung fotografiere,<br />

brauche ich wegen der langen Verschlusszeit<br />

ein Stativ, das meine Kamera so ruhig<br />

wie möglich hält”, verrät Mark. „Ich nutze<br />

es meistens auch noch, wenn ich Pflanzen<br />

in hellem Mittagslicht aufnehme, um<br />

scharfe Ergebnisse zu garantieren.<br />

Außerdem habe ich so die Hände frei, um<br />

Blätter anzupassen.”<br />

PhotoPlus September 2010 Der | 115 <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 115


Natur<br />

CLARES TIPP<br />

Histogramme<br />

nutzen<br />

„Mark riet mir, die<br />

Histogramme zu kontrollieren,<br />

während ich meine<br />

Aufnahme auf dem Display<br />

der Kamera betrachte”,<br />

sagt Clare. „Ich wusste nicht, was<br />

ein Histogramm ist, bis Mark<br />

erklärte, dass der Graph einfach<br />

den Tonwertumfang des Bildes<br />

zeigt - von den Tiefen links, den<br />

Mitteltönen in der Mitte bis zu den<br />

hellen Tönen rechts. An einem<br />

vollen Tonwertumfang erkenne ich,<br />

dass die Belichtung ausgewogen<br />

war. Überbelichtete Bereiche, die<br />

weiß und ohne Details dargestellt<br />

werden, erkenne ich an Unregelmäßigkeiten<br />

im Histogramm.”<br />

MARKS TIPP<br />

Messmodi<br />

„Herauszufinden, welcher<br />

Messmodus der richtige ist, kann<br />

verwirrend sein. Mark empfiehlt<br />

die simpelste Lösung: „Mit dem<br />

Durchschnitts- oder Matrix-Modus<br />

können Sie nichts falsch<br />

machen. Wenn Sie den Auslöser<br />

halb drücken und fokussieren,<br />

wird automatisch eine Komplettmessung<br />

für die Belichtung der<br />

gewählte Szenerie erstellt.”<br />

116 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


EXPERTENWISSEN<br />

Tageszeiten nutzen<br />

Wenn man erst einmal den richtigen Garten gefunden hat, empfiehlt<br />

Mark, in der folgenden Reihenfolge vorzugehen: „Ich komme am frühen<br />

Morgen an und nutze das niedrige Sonnenlicht, um mit großen Gartenaufnahmen<br />

im Landschaftsstil anzufangen. Dafür setze ich Weitwinkel-<br />

und Teleobjektive ein, um unterschiedliche Blickwinkel einfangen<br />

zu können”, sagt Mark. „Wenn die Sonne höher steht, mache ich weiter,<br />

indem ich mich auf Details und Blumen konzentriere - am besten sonnengeschützt,<br />

um Schlagschatten und Glanzlichter zu vermeiden.”<br />

Belichtung: 1/4 s bei f/16; ISO100<br />

Linse: 18-55mm f/3.5-5.6<br />

CLARES TIPP<br />

Das weiße Zeug<br />

„Den Weißabgleich habe ich nie so<br />

richtig verstanden, weswegen ich<br />

immer den automatischen<br />

Weißabgleich (AWB) eingestellt<br />

habe”, sagt Clare. „Mark nutzt<br />

ebenfalls AWB und erklärte mir,<br />

dass ich den Weißabgleich in<br />

Adobes Camera-RAW-Programm<br />

anpassen kann, sofern ich im<br />

RAW-Format aufnehme. Das habe<br />

ich dann auch getan, um meine<br />

Gartenbilder ein<br />

wenig aufzuwärmen.”<br />

Once you’ve found a suitable garden location, Mark recommends you work in<br />

the following order: “I always work methodically when photographing gardens.<br />

I arrive early morning and utilise the low sunlight to start off with big garden<br />

landscape-type shots, using both wide-angle and telephoto zoom lenses for<br />

different angles of view,” says Mark. “As the morning progress and the sun rises<br />

higher in the sky, I’ll build up to focusing on individual details and flowers – in the<br />

shade where possible to avoid harsh shadows and highlights.”<br />

Clares Kommentar<br />

„Mark führte mich durch den Garten und<br />

zeigte mir, wie interessante Formen, zum<br />

Beispiel Eingänge, sich großartig als<br />

Rahmen in Bildern eignen. Wir nutzten<br />

eine hochformatige Komposition, die<br />

mit der Kontur des Einganges übereinstimmte.<br />

Damit schafften wir es, die<br />

symmetrische Gestaltung der Bäume<br />

und Büsche einzufangen. Mir gefällt<br />

die Perspektive und wie der Weg direkt<br />

zu einem dunklen Durchgang am Haus<br />

führt. Es ist noch früh (6 Uhr), weswegen<br />

die Sonne niedrig steht und kräftige<br />

Schatten sowie Tiefe erzeugt werden.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 117


Natur<br />

Belichtung: 1/60 s bei f/5.6; ISO100<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

Clares Kommentar<br />

„In einem schattigen Teil des Gartens beleuchtete ein Sonnenstrahl die Rückseite dieser Lauchsamenköpfe. Ich nutzte einen<br />

Blendenwert von f/5.6 und zoomte auf eine Brennweite von 80mm, um das Bild zu füllen. Das verstärkte die bereits geringe<br />

Tiefenschärfe noch mehr und defokussierte den Hintergrund komplett. Um eine drastischere Bildkomposition zu erreichen,<br />

neigte ich die Kamera.”<br />

Clares Kommentar<br />

„Ich habe ein wenig mit meinem Blitz<br />

experimentiert, um zusätzliches Licht zu<br />

bekommen, das die Schatten auffüllt.<br />

Aber ich bevorzuge die Aufnahme ohne<br />

Blitz. Die wirkt künstlerischer und nutzt<br />

das Hintergrundlicht besser.”<br />

118 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #2<br />

Kleiner transportabler Reflektor<br />

„Ich habe immer einen 30cm großen, faltbaren,<br />

weißen Reflektor dabei. Der eignet sich hervorragend<br />

dafür, Licht auf kleine Blumen und<br />

Pflanzen umzulenken, um buntere, hellere und<br />

schattenfreie Aufnahmen zu bekommen”, sagt<br />

Mark.<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Kabelfernauslöser<br />

„Bei einer langen Belichtungszeit verlasse ich<br />

mich auf meinen Kabelfernauslöser. Damit<br />

vermeide ich, den Auslöser zu drücken,<br />

was Verwacklungen nach sich<br />

ziehen würde, und bekomme<br />

scharfe Bilder”, sagt Mark.<br />

Alternativ können Sie auch<br />

den Selbstauslöser Ihrer<br />

Kamera verwenden.<br />

Belichtung: 1/200 s bei f/8; ISO100<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

MARKS TIPP<br />

Live-View-Aufnahmen<br />

„Ich liebe es, die Live-View-Funktion<br />

einzusetzen. Es ist eine tolle Art, Gärten<br />

und Blumen zu fotografieren. Mit dem<br />

großen Display der Kamera kann man die<br />

Belichtung gut erkennen und so direkt<br />

kontrollieren, ob die Verschlusszeit<br />

hoch- oder runtergesetzt werden muss,<br />

um hellere oder dunklere Aufnahmen zu<br />

bekommen”, sagt Mark. „Die Gitteranzeige<br />

hilft mir bei der Bildkomposition und<br />

mit dem Horizont. Ich nutze auch das<br />

Live-View-Histogramm, um die Belichtung<br />

zu kontrollieren - alles, bevor ich den<br />

Auslöser betätige.”<br />

Clares Kommentar<br />

„Während die Sonne höher stieg, suchten wir nach farbenfrohen Plätzen. Für diese Aufnahme fotografierte ich mit der<br />

Sonne im Rücken, um die Blumen zu beleuchten. Ich zielte nach oben, weswegen der blaue Himmel mit den pinken Blumen<br />

kontrastiert. Ich mag dieses <strong>Foto</strong>, weil es lebhaft, aber auch einfach ist und wegen der Kurve, die die Blumen formen.”


Natur<br />

120 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Natur<br />

Belichtung: 1/250 s bei f/5.6; ISO100<br />

Linse: 50mm f/2.5 macro<br />

Marks Fazit<br />

„Eine großartige Aufnahme! Der dunkle<br />

Hintergrund verstärkt die Farbe des Wald-<br />

Scheinmohns [1]. Der Fokus liegt ganz genau auf<br />

den Blüten [2], das ist gar nicht so einfach bei<br />

Blumen, die mit der leichtesten Brise mitgehen.<br />

Clare wandte die Ein-Drittel-Regel an [3], indem<br />

sie dem Mohn Platz zum Atmen ließ. Zudem<br />

gefällt mir die Rückenansicht des Mohns besser<br />

[4] als die klassische Frontaufnahme.”<br />

1<br />

4<br />

2<br />

3<br />

Clares Kommentar<br />

„Ich fotografierte mit Verschlusszeitautomatik<br />

(Av) und einem Blendenwert von f/5.6, um den<br />

Hintergrund verschwommen darzustellen. Zudem<br />

benutzte ich eine Belichtungskorrektur von -2/3,<br />

um die Glanzlichter an den Kanten der Blüten zu<br />

reduzieren. Die klassische Frontansicht habe ich<br />

ebenfalls aufgenommen, aber bevorzuge diese<br />

horizontale Komposition, da sie markanter ist.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 121


Orte<br />

Seite 124<br />

Seite 166<br />

Seite 136<br />

Seite 146<br />

122 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Seite 176<br />

Orte<br />

3Orte<br />

Postkarten aus Paris......................124<br />

Die Märkte von Marrakesch..........136<br />

Viva Las Vegas!................................146<br />

Kurzurlaub in Venedig....................156<br />

Das nenne ich einen Weitwinkel....166<br />

Mehr Dynamik für<br />

Ihre Aufnahmen!...............................176<br />

Seite 156<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 123


Orte<br />

Postkarten<br />

aus Paris<br />

DER PROFI<br />

Name: Peter Hendrie<br />

Kamera: Nikon D700<br />

Peter ließ sich gerade zum Schiffbauer<br />

ausbilden, als er vor 20 Jahren den<br />

Weg des Profi-<strong>Foto</strong>grafen einschlug.<br />

Inzwischen ist er einer der besten<br />

Landschaftsfotografen und unterrichtet<br />

auch <strong>Foto</strong>grafie. Für seine Pariser<br />

Bilder wurde er zum Reisefotografen<br />

des Jahres ernannt, was ihn zum<br />

idealen Kandidaten macht, um unserem<br />

Lehrling in Paris zur Seite zu<br />

stehen. Seine Arbeiten können Sie auf<br />

www.peterhendrie.co.uk. bewundern.<br />

124 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Unser Lehrling hat eine Nacht (inklusive Sonnenuntergang<br />

und Morgendämmerung) in<br />

Paris vor sich, an die er sich erinnern wird.<br />

DER LEHRLING<br />

Name: David Francis<br />

Kamera: Nikon D7000<br />

David wohnt in Ipswich und arbeitet<br />

als IT-Manager für ein Pflegeheim-Unternehmen.<br />

David möchte<br />

unbedingt seine <strong>Foto</strong>grafie verbessern,<br />

darum haben wir ihn mit<br />

einem Experten nach Paris geschickt.<br />

Wir sind gespannt, ob er<br />

mit tollen Aufnahmen unbekannter<br />

Ansichten der französischen<br />

Hauptstadt zurückkommt.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 125


Orte<br />

Belichtung: 2.5 s bei f/11; ISO200<br />

Linse: 18-55mm f/3.5-5.6<br />

Davids Kommentar<br />

„Wir sind bei Dunkelheit vom Hotel<br />

aufgebrochen, damit wir rechtzeitig<br />

vor Sonnenaufgang für dieses <strong>Foto</strong> in<br />

Position waren. Darauf sieht man<br />

vom Ufer der Seine aus die Conciergerie<br />

und Pont Neuf. Da wir so früh dort waren,<br />

hatten Peter und ich genug Zeit, um vor den ersten<br />

Sonnenstrahlen unsere Kameras und Stative<br />

aufzubauen. Während wir warteten, schlug Peter<br />

vor, an der Bildkomposition meines <strong>Foto</strong>s zu<br />

arbeiten: Wir nutzten die Lichtspuren der vorbeifahrenden<br />

Autos, damit diese farbigen Linien die<br />

Augen des Betrachters in die Aufnahme ziehen. Ein<br />

Kniff bei dieser Aufnahme war es, das <strong>Foto</strong> im<br />

richtigen Moment aufzunehmen, in dem möglichst<br />

viele Autos durch das Bild fuhren. Wir haben uns<br />

dabei auf die Grünphasen der (leider nicht<br />

sichtbaren) Ampeln verlassen. Ich mag die Farben<br />

der Lichter und ihre Reflexionen sehr.“<br />

Prüfen Sie den Aufbau<br />

im Live-View-Modus<br />

Nachdem Kamera und Stativ aufgebaut sind,<br />

können Sie im Live-View-Modus einfach Fokus<br />

oder Bildkomposition optimieren.<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

LED-Lampe<br />

Wenn man Bilder in Dunkelheit macht, ist es<br />

schwierig, die Kameraeinstellungen zu sehen<br />

oder das Zubehör in der Kameratasche zu<br />

finden. „Ich habe immer eine Lampe in meiner<br />

Kameratasche dabei. Moderne LED-Lampen<br />

sind optimal, denn sie sind energieeffizient.<br />

Daher muss man nicht dauernd die Batterien<br />

wechseln“, erklärte Peter. Die guten Aluminium-Lampen<br />

von LED<br />

Lenser werden in<br />

Deutschland von<br />

www.zweibrüder.<br />

com vertrieben<br />

und sind unter<br />

anderem bei<br />

www.amazon.de<br />

erhältlich.<br />

126 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Technik-Check<br />

Orte<br />

Gute Stadtfotos trotz<br />

schlechter Lichtverhältnisse<br />

Während Peter und David am Ufer der Seine auf den<br />

Sonnenaufgang warteten, gab Peter Tipps zu den<br />

Einstellungen und Davids Ausstattung.<br />

Kabelauslöser lohnen sich<br />

„Wenn du <strong>Foto</strong>s bei schlechten Lichtverhältnissen<br />

machst und ein Dreibeinstativ nutzt, brauchst du<br />

unbedingt einen Kabelauslöser”, erklärte Peter. „Bei<br />

einer Belichtungszeit von mehreren Sekunden oder gar<br />

Minuten kann jede kleinste Erschütterung der Kamera<br />

beim Drücken des Auslösers das Bild unscharf machen.<br />

Ich nutze den Hama Ni-1 für rund 15 Euro. David besitzt<br />

keinen Kabelauslöser, doch zum Glück hatte ich einen<br />

zusätzlichen als Ersatz dabei, den ich ihm geliehen habe.<br />

So konnten wir sehr scharfe <strong>Foto</strong>s bei Sonnenauf- und<br />

Sonnenuntergang machen.<br />

Spot an<br />

Ein solches Stirnband mit Lampe ist besonders nachts<br />

sinnvoll, denn damit kann man die Einstellungen der Kamera<br />

sehen und hat außerdem beide Hände frei.<br />

Die richtige Szenen-Komposition<br />

Peter gab ein paar Profitipps für kreative Bilder. So kann man<br />

beispielsweise eine lange Belichtungszeit nutzen, um Autolichter<br />

in beeindruckende Lichtstreifen zu verwandeln.<br />

Weißabgleich auf Kunstlicht<br />

„David hatte den Weißabgleich auf den Auto-Modus<br />

gestellt. Das passt zwar für <strong>Foto</strong>s bei Tageslicht, bei<br />

Kunstlicht reicht es jedoch nicht aus“, warnte Peter.<br />

„Wenn du versuchst, die Lichter der Stadt nachts oder<br />

auch sonst bei schlechtem Licht zu fotografieren,<br />

empfehle ich, den Weißabgleich auf Kunstlicht zu stellen<br />

(mit einem Kelvin-Wert von 3.000K). Da David vernünftigerweise<br />

Aufnahmen im RAW-Format machte, konnte<br />

die Farbabstimmung einfach später ohne Qualitätsverlust<br />

mit einer Bildbearbeitungs-Software verbessert<br />

werden. Die manuelle Voreinstellung ist aber besser,<br />

damit gleich alles richtig auf der Kamera landet.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 127


Orte<br />

Belichtung: 1/50 s bei f/3.5; ISO1600<br />

Linse: 10-20mm f/3.5<br />

Davids Kommentar<br />

„Wir mussten uns in der<br />

Schlange anstellen und durch<br />

die Sicherheits-Checks<br />

kommen, um in die Sainte-Chapelle<br />

zu gelangen. Wir betraten<br />

das Gebäude durch die unteren Gewölbe und<br />

nahmen die Treppen zur sensationellen oberen<br />

Kapelle mit ihren spektakulären Kirchenglasfenstern.<br />

Stative waren hier verboten, daher<br />

meinte Peter, ich solle probieren, den ISO-Wert<br />

auf 1.600 zu setzen, damit ich die <strong>Foto</strong>s aus der<br />

Hand aufnehmen konnte. Ich habe ein<br />

Weit winkel-Objektiv für dieses <strong>Foto</strong> verwendet,<br />

damit möglichst viel von dem Fenster ins Bild<br />

passte. Meine ersten Bilder waren zu dunkel,<br />

daher habe ich letztendlich eine Belichtungskorrektur<br />

von +2 genutzt, damit die Belichtung<br />

der großartigen Architektur gerecht wird.“<br />

DAVIDS TIPP<br />

„Ich habe so viel von Peter gelernt, dass ich<br />

befürchtete, ich kann mir nicht alles merken.<br />

Daher habe ich mir Stichpunkte gemacht,<br />

als wir mit der Metro gefahren sind. Papier<br />

und Stift sind heutzutage überflüssig: Ich<br />

habe einfach alles, was ich nicht vergessen<br />

wollte, in mein Smartphone eingetragen.“<br />

Details per Weitwinkel<br />

Um die Größe und Schönheit des Kirchenglasfensters<br />

von Sainte-Chappelle einzufangen, hat David ein Sigma-Weitwinkel-Objektiv<br />

mit 10-20mm f/3.5 benutzt.<br />

128 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

Manfrotto 405 Pro Getriebe-Stativkopf<br />

„Mein Stativkopf hat rund 360 Euro gekostet, doch der digitale Getriebeneiger<br />

ist sein Geld wert. Drei separate Nivelierlibellen können gedreht<br />

werden, um die Kamera Schritt für Schritt zu neigen. So kann ich den<br />

Bildaufbau mit der größten Präzision festlegen. Zudem gibt es die Möglichkeit,<br />

die Halterungen schnell auszukoppeln, um die Kameraposition<br />

mit der Hand zu bestimmen. Nach dem Einkoppeln kann man dann die<br />

genaue Feineinstellung vornehmen. Der Stativkopf ist auch für meine Panoramakamera<br />

geeignet. Wenn jemand ausschließlich DSLRs verwendet,<br />

empfehle ich den Manfrotto 410 Junior für rund 170 Euro,“ meinte Peter.<br />

Beleuchtung<br />

Wenn der Kontrast zwischen den beleuchteten<br />

Fenstern und dem dunklen Innenraum zu groß ist,<br />

versuchen Sie, mit Bracketing eine Belichtungsreihe<br />

aufzunehmen, damit Sie später HDR-Bilder<br />

erstellen können. Dafür ist aber in Stativ nötig.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Flexible<br />

Höhe<br />

Vermeiden Sie es, den Stativkopf<br />

jedes Mal auf die gleiche Höhe<br />

einzustellen. Zwar ist ein Stativ auf<br />

Augenhöhe am einfachsten zu<br />

benutzen, doch ein gutes Stativ lässt<br />

sich praktisch für jede Höhe<br />

verwenden. Bevor Sie das Stativ<br />

aufstellen, sollten Sie die Umgebung<br />

mit einem Papprahmen erkunden.<br />

Wenn Sie die richtige Position für die<br />

Kamera gefunden haben, dann<br />

wissen Sie auch, auf welche Höhe<br />

Sie das Stativ einstellen sollten.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 129


Orte<br />

Nahaufnahmen<br />

Komplexe Architektur und Spiegelungen<br />

auf Fensterscheiben eignen<br />

sich für tolle, abstrakte <strong>Foto</strong>s.<br />

Bildauswahl<br />

Die Details der Galerie<br />

Vivienne bieten tolle Motive<br />

für <strong>Foto</strong>s, sowohl in Farbe als<br />

auch in Schwarz-Weiß.<br />

Peter meint…<br />

Glauben Sie nicht, dass Sie ein gesamtes<br />

Gebäude in ein Bild quetschen müssen,<br />

um eine gute Aufnahme zu bekommen.<br />

Tolle Details in der Architektur gibt es bei<br />

praktisch allen Gebäuden und solche <strong>Foto</strong>s können<br />

genauso begeistern.<br />

1<br />

Wiederholungen suchen<br />

Achten Sie auf Muster, die sich durch das verwendete<br />

Material der Gebäude ergeben. Sich wiederholende<br />

Formen liefern tolle semi-abstrakte Bilder.<br />

2<br />

Moderne Gedanken<br />

Die besten abstrakten <strong>Foto</strong>s sind mit modernen<br />

Gebäuden möglich. Nutzen Sie ein Teleobjektiv, um<br />

einzelne Elemente zu isolieren. So können Sie vermeiden,<br />

Himmel oder Bürgersteig mit aufzunehmen.<br />

3<br />

Schießen Sie diagonal<br />

Die Bildzusammenstellung wirkt oft besser, wenn<br />

diagonale Linien durch das Bild laufen. Ändern Sie den<br />

Kamerawinkel oder gehen Sie näher an das Motiv heran,<br />

um solche Linien in die Aufnahme zu bekommen.<br />

Den Fokus<br />

optimieren<br />

Nach der Aufnahme<br />

prüfte David, ob das Bild<br />

scharf war, indem er auf<br />

dem Display der DSLR<br />

hineinzoomte.<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Schnellwechselplatte<br />

In der Zeit, in der man den Blitzfuß an- oder abnimmt,<br />

kann man die Gelegenheit für ein tolles <strong>Foto</strong> verpassen.<br />

Deutlich flotter<br />

geht es beispielsweise<br />

mit der Schnellwechselplatte<br />

410PL von<br />

Manfrotto für rund 20<br />

Euro. „Eine Schnellwechselplatte<br />

befindet<br />

sich stets an meinem<br />

Kameragehäuse und<br />

eine andere an der<br />

Stativschelle meines<br />

bewährten 70-200mm<br />

f/2.8”, meinte Peter.<br />

Optimale Winkel<br />

ausprobieren<br />

Machen Sie sich keine Gedanken,<br />

was die Passanten denken:<br />

Für tolle <strong>Foto</strong>s lohnt es sich, auf<br />

dem Boden herumzuliegen.<br />

130 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Genau<br />

hinsehen<br />

Wenn Sie Architekturdetails fotografieren,<br />

sollten Sie versuchen, dass alles so<br />

scharf wie möglich aussieht. Prüfen Sie<br />

daher die ersten Aufnahmen ganz<br />

genau, um zu sehen, ob alles so scharf<br />

ist, wie Sie es haben möchten. Wenn Sie<br />

das Bild betrachten, verwenden Sie die<br />

Zoom-Funktion (die Taste mit einer<br />

Lupe und einem Pluszeichen). Zoomen<br />

Sie möglichst weit in das Bild hinein und<br />

nutzen Sie die Pfeiltasten, um das<br />

ganze Bild abzusuchen. Wenn das Bild<br />

nicht scharf genug ist, nutzen Sie eine<br />

kleinere Blendenöffnung oder fokussieren<br />

Sie neu und machen Sie das <strong>Foto</strong><br />

noch einmal, bis alles perfekt aussieht.<br />

Steil nach oben<br />

Wenn die Kamera direkt nach oben<br />

zeigen soll, drehen Sie den Blitzfuß<br />

und bringen Sie die Kamera auf diese<br />

Weise „rückwärts“ an.<br />

Belichtung: 1.3 s bei f/16; ISO200<br />

Linse: 10-20mm f/3.5<br />

Davids Kommentar<br />

„Peter nahm mich mit zu Stellen von Paris, die<br />

abseits der üblichen Touristenzentren lagen.<br />

Diese fantastische Wendeltreppe gab es in der<br />

Einkaufspassage namens Galerie Vivienne, die<br />

1826 gebaut wurde – ganz in der Nähe der Pariser<br />

Börse. Die Treppe führt von den Boutiquen zu den Büros<br />

und Apartments. Es dauerte lange, bis wir den besten Winkel<br />

für die Aufnahme gefunden hatten. Dazu gehörte auch, an<br />

allen möglichen Positionen auf dem Boden zu liegen, bis wir<br />

den richtigen Platz für das Stativ gefunden hatten. Außerdem<br />

haben wir Schwarz-Weiß-Aufnahmen ausprobiert. Peter ließ<br />

mich seinen Getriebe-Stativkopf verwenden. Damit konnte ich<br />

den Bildausschnitt exakt so wählen, wie ich es wollte.“<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 131


Orte<br />

Belichtung: 1/200 s bei f/5; ISO800<br />

Linse: 70-300mm f/4-5.6<br />

Davids Kommentar<br />

„Ein paar der besten <strong>Foto</strong>s<br />

von Paris zeigen eher die Menschen<br />

als die Umgebung –<br />

beispielsweise Aufnahmen<br />

von so legendären <strong>Foto</strong>grafen<br />

wie Henri Cartier-Bresson oder Robert<br />

Doisneau. Während unseres Aufenthalts<br />

hatten wir zweimal die Gelegenheit für<br />

solche Schnappschüsse. Die besten Bilder<br />

entstanden im Geschäftszentrum von La<br />

Défense. Wir wollten <strong>Foto</strong>s der Grand Arche<br />

bei Einbruch der Nacht machen und<br />

während wir warteten, fing es an zu regnen.<br />

Mit meinem Weitwinkel-Objektiv beobachtete<br />

ich, wie die Menschen nach der Arbeit<br />

nach Hause gingen und dabei versuchten,<br />

nicht nass zu werden. Ich mag besonders<br />

das <strong>Foto</strong> von der Frau mit dem roten<br />

Regenschirm. Ich habe den Schirm schon<br />

von Weitem gesehen und hatte gehofft, dass<br />

er ein tolles Motiv ergibt. Tatsächlich sorgte<br />

der Kontrast zum grünen Gras und den<br />

übrigen Regenschirmen für eine tolle<br />

Bildzusammenstellung.“<br />

Stellen Sie sich die Szene vor<br />

Es ist deutlich einfacher, zuerst die richtige Szene zu finden<br />

und dort die Menschen zu fotografieren, die in das Bild laufen.<br />

Also suchen Sie sich einen Ort aus und warten Sie einfach.<br />

PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #4<br />

Hotel-Wäschesack<br />

„Es ist nützlich, diese Plastiktüten<br />

dabeizuhaben, wenn es<br />

anfängt zu regnen“, lacht Peter.<br />

„Die Tüte in meinem Rücksack<br />

war ein Gottesgeschenk, als wir<br />

<strong>Foto</strong>s von der unglaublichen<br />

Grande Arche machten. So blieb<br />

Davids Kamera relativ trocken,<br />

als wir trotz sintflutartigen<br />

Regens weiterfotografierten.<br />

Normalerweise nehme ich auch<br />

einen kleinen Regenschirm mit,<br />

den ich dieses Mal aber leider<br />

vergessen hatte. Der Schirm ist<br />

nicht nur für Regen, sondern<br />

er eignet sich auch gut, um bei<br />

direktem Sonnenlicht das DS-<br />

LR-Display lesen zu können.“<br />

Weitwinkel-Objektiv nutzen<br />

Mit Stativ, Kabelauslöser und Weitwinkel-Objektiv konnte<br />

David unaufdringlich tolle Schnappschüsse machen.<br />

132 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #5<br />

Papprahmen<br />

Profifotografen nutzen gerne diese Rahmen. Das<br />

sind einfach nur Papprahmen im Format 3:2, die<br />

quasi einen Rahmen um das Motiv legen. So kann<br />

man sich den Bildausschnitt vorstellen, ohne von<br />

der Kamera und ihren Einstellungen abgelenkt zu<br />

werden.<br />

Sie können aber auch einen Bilderrahmen als Vorlage<br />

nehmen und so ein Passepartout ausschneiden,<br />

das sich genauso gut eignet.<br />

Regen<br />

Schlechtes Wetter<br />

eignet sich toll für<br />

Aufnahmen von<br />

Menschen. Regenschirme<br />

sind die<br />

Farbtupfer und es<br />

gibt tolle Spiegelungen<br />

auf regennassen<br />

Straßen.<br />

Optimale Umgebung<br />

Suchen Sie sich einen Ort aus, der sich<br />

gut für ein Weitwinkel-Objektiv eignet oder<br />

einen interessanten Hintergrund bietet.<br />

Zur Nachteule werden<br />

Egal ob Sie Menschen oder Landschaften fotografieren:<br />

Im Dunkeln erwachen Städte zum Leben. Legen Sie die<br />

Kamera also nicht weg, nur weil die Sonne untergeht.<br />

Profitipps für<br />

tolle Straßenaufnahmen<br />

Der Gedanke, Schnappschüsse von Fremden<br />

auf der Straße zu schießen, macht vielen<br />

<strong>Foto</strong>grafen Angst. Doch gute Aufnahmen zu<br />

machen, ohne bemerkt zu werden, ist eigentlich<br />

ganz einfach, wie Peter hier zeigt.<br />

1<br />

Nutzen Sie ein Weitwinkelobjektiv, um<br />

unaufdringlich weit weg sein zu können.<br />

2<br />

Suchen Sie sich zuerst die Umgebung<br />

und warten Sie, bis Personen in das Bild<br />

laufen. Der Platz auf dem links abgebildeten<br />

<strong>Foto</strong> bot uns die offensten, aufgeräumtesten<br />

Aufnahmen. Wir richteten einfach unsere Objektive<br />

auf diesen Bereich und warteten.<br />

3<br />

Machen Sie viele <strong>Foto</strong>s. Die Erfolgsaussichten<br />

sind nämlich gering, da sich nicht<br />

absehen lässt, wie sich Personen verhalten<br />

werden oder wer noch in das Bild läuft und die<br />

Aufnahme ruiniert.<br />

4<br />

Wenn Sie Menschen fotografieren, die<br />

nicht herumlaufen, verwenden Sie ein<br />

Stativ, den Live-View-Modus, einen Kabelauslöser<br />

und ein Weitwinkelobjektiv. So ist kaum<br />

zu erkennen, wen Sie gerade fotografieren.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 133


Orte<br />

Davids<br />

Kommentar<br />

„Am späten Abend, als es<br />

dunkel war, machte ich ein<br />

<strong>Foto</strong> von Notre Dame. Das ist<br />

ein typischer Anblick von<br />

Paris, allerdings ist zu dieser<br />

Tageszeit die Wahrscheinlichkeit hoch, dass<br />

man ein Boot sieht, dessen Scheinwerfer<br />

das Ufer beleuchten. Bei langer Belichtung<br />

vertreiben die Scheinwerfer die Schatten im<br />

Bild und sorgen für tolle Spuren, die das<br />

Auge des Betrachters in das Motiv ziehen.“<br />

Peters Fazit<br />

„Ich mag Davids Bildkomposition.<br />

Er hat Notre Dame gleich<br />

links neben das Zentrum<br />

gestellt, während das Ufer für<br />

einen Rahmen sorgt. Er hat<br />

die Lichter der Schiffe verwendet, um tolle<br />

Linien zu erzeugen. Zudem hat er den<br />

Bäumen an beiden Seiten des Ufers Platz<br />

eingeräumt. Allerdings hätte er den<br />

Weißabgleich auf Kunstlicht setzen sollen,<br />

um den Farbstich zu entfernen.“<br />

134 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Belichtung: 30 s bei f/16; ISO200<br />

Linse: 18-55mm f/3.5-5.6<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 135


Orte<br />

DER PROFI<br />

Name: David Sutherland<br />

Kamera: Canon EOS 7D & 5D Mk II<br />

Der gebürtige Kanadier arbeitet seit 25<br />

Jahren als professioneller <strong>Foto</strong>graf und lebt<br />

derzeit in London. Seine Fähigkeiten bezüglich<br />

Licht und Farben machten ihn erfolgreich.<br />

David reist für Getty, Corbis und andere<br />

Bilddatenbanken um die Welt. Wenn er<br />

gerade nicht reist, kümmert er sich mit seiner<br />

Tochter um sein <strong>Foto</strong>studio. Seine Bilder<br />

finden Sie unter www.thedrunkenboat.net.<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Cliff Hobbs<br />

Kamera: Canon EOS 5D Mk II<br />

Der 22-jährige Cliff lebt in Milton Keynes<br />

in England. Vor drei Jahren kaufte er die<br />

Canon EOS 400D, kam damit jedoch<br />

nicht zurecht, weshalb er vor einem Jahr<br />

auf das Multitalent Canon EOS 5D Mk II<br />

umstieg. Er reist oft zusammen mit seiner<br />

brasilianischen Frau und träumt wie viele<br />

<strong>Hobby</strong>-<strong>Foto</strong>grafen davon, ein Vollzeit-Reisefotograf<br />

zu werden. Wir gaben ihm die<br />

Möglichkeit, nach Marrakesch in Marokko<br />

zu fliegen, um ihm einen Vorgeschmack<br />

auf diesen Job und wertvolle Ratschläge<br />

zu geben.<br />

136 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Die<br />

Märkte von<br />

Marrakesch<br />

Auf einem wuseligen marokkanischen Markt gute <strong>Foto</strong>s zu<br />

machen, ist eine echte Herausforderung für jeden Reisefotografen.<br />

Wir haben einen erfahrenen Profi nach Marrakesch geschickt,<br />

damit er unserem Lehrling ein paar Expertentipps gibt.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 137


Orte<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Ohne Rucksack<br />

„Wenn ich vor Ort herumlaufe, versuche ich,<br />

nicht aufzufallen, und trage daher keinen<br />

Rucksack. Meine beiden Objektive belasse<br />

ich an den Kameras, die ich mit einem<br />

günstigen schwarzen Neopren-Schultergurt<br />

von Ebay trage. Beide EOS-Kameras haben<br />

unterschiedliche Sensorgrößen und damit<br />

Cropfaktoren, daher steht mir ein größerer<br />

Zoombereich zur Verfügung, als die Brennweite<br />

es vermuten lässt. Bei schlechten<br />

Lichtverhältnissen nehme ich ein Stativ mit,<br />

das ich mit einem simplen Gurt trage.”<br />

Technik-Check<br />

Ist Cliff bereit für<br />

die Kasbah?<br />

Nachdem sie ein bis zwei Stunden über den Markt gelaufen waren, erklärte<br />

David zwei Möglichkeiten für Cliff, die Einstellungen seiner SLR zu optimieren.<br />

SERIENBILD-<br />

MODUS<br />

VERSCHLUSS-<br />

ZEITAUTOMATIK<br />

Andauerndes <strong>Foto</strong>grafieren<br />

„Wenn man auf Märkten<br />

fotografiert, dauert es oft sehr<br />

lange, bis die richtigen<br />

Personen im richtigen<br />

Bildausschnitt auftauchen.<br />

Wenn der Moment gekommen<br />

ist, machen Sie so viele <strong>Foto</strong>s<br />

Nicht manuell<br />

„Bei Schnappschüssen<br />

tauchen tolle Momente auf und<br />

verschwinden sehr schnell<br />

wieder. Da bleibt normalerweise<br />

keine Zeit, mit den Einstellungen<br />

herumzuspielen. Cliff<br />

wie möglich – kleine Unterschiede<br />

können eine große<br />

Wirkung haben. Daher habe<br />

ich Cliff empfohlen, auf den<br />

Serienbildmodus zu wechseln.<br />

Das kostet aber natürlich jede<br />

Menge Speicherplatz.”<br />

hat im manuellen Modus <strong>Foto</strong>s<br />

gemacht, doch ich hab ihm<br />

empfohlen, auf Verschlusszeitautomatik<br />

zu wechseln und<br />

zeigte ihm, wie man den<br />

Drehregler seiner 5D für eine<br />

schnelle Anpassung der<br />

Belichtung nutzt.”<br />

Wenn er im Einsatz ist, reist David mit<br />

leichtem Gepäck und nimmt nur das<br />

Nötigste für seine Arbeit mit. Die<br />

folgende Liste zeigt, was er unbedingt<br />

braucht:<br />

Canon EOS 5D Mk II<br />

Canon EOS 7D<br />

Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />

Canon EF 70-200mm f/4L IS USM<br />

Gitzo GT 2540 Stativ<br />

Canon Speedlite 580EX II<br />

138 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Cliffs Kommentar<br />

„ Die meisten Läden im Basar sind<br />

wunderschön, aber diese Gewürzbude<br />

war etwas Besonderes. David<br />

meinte, ich soll den Bildausschnitt mit<br />

Bedacht wählen. Zunächst habe ich<br />

den ganzen Laden und die vorbeilaufenden<br />

Personen mit aufgenommen.<br />

David schlug vor, dass ich auf mein<br />

70-200mm wechsle und auf die Farben<br />

und Formen der Waren zoome. Ich<br />

finde, das funktioniert wirklich gut. Bei<br />

einer alternativen Aufnahme war der<br />

Verkäufer mit im Bild, da David meinte,<br />

es ist wichtig, Reisefotos mit Menschen<br />

aufzuwerten.”<br />

Belichtung: 1/160 s bei f/8, ISO100<br />

Linse: 70-200mm f/2.8<br />

CLIFFS TIPP<br />

Mehr Auswahl dank<br />

Reihenbildmodus<br />

„Davids Tipp, den Serienbildmodus zu<br />

nutzen, hat sich gelohnt. Erst haben wir<br />

uns für eine Umgebung entschieden<br />

und warteten, bis eine interessante<br />

Person in das Bild läuft. Als ich sah, wie<br />

ein Eselskarren durch die Lichtstrahlen<br />

auf uns zukam, wusste ich: Das ist es!<br />

Das beste <strong>Foto</strong> ist wahrscheinlich das<br />

letzte der Reihe und im Einzelbildmodus<br />

hätte ich wahrscheinlich nur dieses<br />

aufgenommen. Doch dank Serienbildaufnahme<br />

habe ich mich für das vorletzte<br />

Bild entscheiden können, da hier<br />

nicht der Kopf einer Person im Weg ist.”<br />

DAVIDS TIPP<br />

„Für manche <strong>Foto</strong>s<br />

muss man früh<br />

auf stehen, um das<br />

beste Licht zu bekommen.<br />

Das gilt aber nicht<br />

für die engen Märkte.<br />

Die bleiben bis zum<br />

Mittag im Schatten.<br />

Steht die Sonne<br />

senkrecht, sorgen die<br />

Holzlatten oben für ein<br />

pittoreskes Muster aus<br />

Schatten.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 139


Orte<br />

Cliffs<br />

Kommentar<br />

„Um in dem großen,<br />

offenen Markt der<br />

alten Stadt gute <strong>Foto</strong>s<br />

zu machen, musste<br />

ich möglichst weit<br />

hineinzoomen, damit<br />

ich ungestört Aufnahmen<br />

erstellen kann.<br />

Ich habe die Umgebung<br />

nach interessant<br />

aussehenden Personen<br />

abgesucht, die bei den<br />

Läden standen. Diese<br />

Gruppe von Kindern<br />

bei dem Orangenstand<br />

hatte keine Ahnung,<br />

dass ich sie fotografiere.<br />

Daher konnte ich einfach<br />

warten, bis ich die beste<br />

Bildkomposition hatte.”<br />

Belichtung: 1/160 s bei f/8, ISO100<br />

Linse: 70-200mm f/2.8<br />

Belichtung: 1/1000 s bei f/8, ISO100<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

Cliffs Kommentar<br />

„Bei diesem Blick über den See auf die Menara-Gärten sieht man an einem hellen Tage die<br />

Atlas-Berge im Hintergrund. Bei unserem Besuch wirkte der Himmel nicht sehr beeindruckend.<br />

Trotzdem hat mich David überzeugt, dass ich den Himmel nicht als Nachteil sehen, sondern damit<br />

arbeiten soll, indem ich einen großen Ausschnitt und einen niedrigen Horizont wähle. Er meinte,<br />

ich sollte die Aufnahme unterbelichten, damit das Sonnenlicht den Pavillon hervorhebt.”<br />

140 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #1<br />

Western Digital Passport<br />

„Ich mache jeden Abend<br />

zwei Backups von allen<br />

<strong>Foto</strong>s. Eines davon<br />

landet auf der<br />

Fest platte meines<br />

Notebooks, das<br />

andere auf meiner<br />

externen Festplatte.<br />

Mit der großartigen<br />

Software SyncBack<br />

Freeware<br />

(www.2brightsparks.com) sorge ich<br />

dafür, dass beide Backups stets<br />

synchron sind.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

Really Right Stuff L-Plate<br />

„Diese Schnellwechselplatte für mein Stativ<br />

ist permanent mit meiner Kamera verbunden<br />

(www.reallyrightstuff.com – verschickt auch<br />

nach Deutschland). Dank der L-Form<br />

befindet sich sowohl unten als auch an der<br />

Seite eine Befestigung für das Stativ. Sobald<br />

ich ein <strong>Foto</strong> vorbereitet habe, kann ich schnell<br />

vom Breitbild zum Hochformat wechseln,<br />

ohne den Stativkopf anpassen zu müssen.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 141


Orte<br />

DAVIDS TIPP<br />

Weg damit<br />

„Löschen Sie <strong>Foto</strong>s konsequent.<br />

Kein <strong>Foto</strong>verlag ist an<br />

Ihren zweitbesten Bildern<br />

interessiert. Es geht nur um<br />

die Top-<strong>Foto</strong>s, die sich wieder<br />

und wieder verkaufen. Daher<br />

ist es wichtig, dass Sie Ihre<br />

Zeit mit der Jagd nach diesen<br />

gewinn bringenden <strong>Foto</strong>s<br />

verbringen. Verschwenden Sie<br />

keine Zeit mit Bildern, die nicht<br />

gut genug sind.“<br />

142 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />

Orange (CTO) Abdeckung<br />

„Ich versuche, Blitzlicht zu vermeiden,<br />

allerdings ist es für <strong>Foto</strong>s von<br />

Menschen bei sehr schlechten<br />

Lichtverhältnissen nötig. Damit<br />

der Blitz natürlicher wirkt, habe<br />

ich mit einer selbst ausgedachten<br />

Klettbandbefestigung einen orangen<br />

Gelfilter auf meinem<br />

Speedlite angebracht. Eine gute<br />

Auswahl gibt es etwa bei www.<br />

warehouseexpress.com; leider ist der<br />

Versand nach Deutschland teuer.“<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Bakschisch<br />

„Es gibt Aufnahmen, die bekommt man einfach nur,<br />

wenn man die Personen bezahlt – Spenden, bekannt<br />

als Bakschisch, sind Teil der Kultur. Tänzer, Schlangenbändiger<br />

und bunt gekleidete Wasserverkäufer wie diese<br />

verdienen damit sogar ihren Lebensunterhalt. Nehmen Sie daher immer ein<br />

paar Münzen mit – und rechnen Sie immer damit, um mehr gebeten zu<br />

werden, egal wie viel Sie geben.”<br />

Cliffs Kommentar<br />

„Wenn es dunkel wird, füllt sich der Marktplatz von Marrakesch<br />

mit Straßenkünstlern. Diese Typen haben ein großes<br />

Getöse veranstaltet; der Lärm und die Farben haben mich<br />

angezogen. Dank der Perspektive von unten konnten wir die<br />

Künstler optisch vom Gewimmel isolieren. Wir haben auch<br />

<strong>Foto</strong>s von weiter weg probiert, allerdings war es doch nötig,<br />

näher ranzugehen, um ein gutes <strong>Foto</strong> zu machen – und die<br />

gewünschte Reaktion der Künstler zu bekommen.”<br />

Belichtung: 1/250 s bei f/5.6, ISO100<br />

Linse: 70-200mm f/2.8<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 143


Orte<br />

144 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Davids Fazit<br />

„Cliff hat zwei individuelle Belichtungen für<br />

dieses <strong>Foto</strong> genutzt und sie dann mit Photoshop<br />

kombiniert. Die Beleuchtung für den Himmel [1]<br />

haben wir gemacht, als die Sonne am Horizont<br />

unterging. Das zweite Bild [2] nahmen wir eine<br />

Stunde später auf, um das Licht des belebten<br />

Markts optimal einzufangen. Die meisten Menschen<br />

glauben, ein solcher HDR-Effekt sei rein<br />

digital, aber ich habe die Technik schon genutzt,<br />

bevor Photoshop erfunden wurde, indem ich<br />

doppelte Belichtung auf einen Film aufgenommen<br />

habe.”<br />

1<br />

2<br />

Belichtung 1: 1/4 s bei f/8; ISO100<br />

Belichtung 2: 3.2 s bei f/8; ISO100<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

Cliffs Kommentar<br />

„Diesen tollen Aussichtspunkt, von dem aus man<br />

den Markt sieht, haben wir schon früh am Tag<br />

auf der Terrasse eines Cafés entdeckt. Wir haben<br />

gleich den besten Platz reserviert und bezahlt.<br />

Als die Sonne unterging, machten wir mehrere<br />

Aufnahmen. Es war schwierig, der Versuchung<br />

zu widerstehen, die Kamera und das Stativ zu<br />

bewegen, während wir darauf warteten, das Bild<br />

mit der zweiten Belichtung machen zu können.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 145


Orte<br />

Viva<br />

Las Vegas!<br />

Planen Sie einen Stadturlaub? Lernen Sie, wie man<br />

die Lichter der Nacht einfängt, während ein amerikanischer<br />

Profi-<strong>Foto</strong>graf einem Leser hilft, in Las Vegas<br />

den ganz großen Gewinn zu landen.<br />

DER PROFI<br />

Name: John Morris<br />

Kamera: Canon EOS 5D<br />

John, 38, ist ein erfolgreicher <strong>Foto</strong>graf mit<br />

einem Studio in der Nähe von Las Vegas. Er ist<br />

auf Architekturfotografie für große Kunden spezialisiert<br />

und für eine Reihe von kommerziellen<br />

Projekten zuständig. Seine Webseite finden Sie<br />

unter www.johnmorrisphotography.com.<br />

146 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Dr. Gordon Holyoak<br />

Kamera: Canon EOS 5D<br />

Gordon, 70, ist ein teilpensionierter<br />

Zahnarzt aus Arizona. Während seines<br />

Militärdienstes in Vietnam begann er,<br />

sich für <strong>Foto</strong>grafie zu interessieren. Gordon<br />

fotografiert am liebsten Landschaften<br />

und Porträts und reist viel. Daher war<br />

er sofort dabei, als sich die Möglichkeit<br />

bot zu lernen, tolle Stadtaufnahmen bei<br />

Nacht zu erstellen.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 147


Orte<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Drahtauslöser<br />

„Ein Drahtauslöser ist unverzichtbar für<br />

Nachtaufnahmen, da er dabei hilft,<br />

Kamerawackeln zu verhindern”, sagt John.<br />

„Spannen Sie das Kabel, bevor Sie den<br />

Knopf drücken. Sie können aber auch den<br />

Selbstauslöser Ihrer Kamera nutzen, um<br />

Verwacklungen zu reduzieren.”<br />

JOHNS TIPP<br />

Leichtes Gepäck<br />

„Für Außenaufnahmen bei Nacht bin ich mit<br />

leichtem Gepäck unterwegs: ein 16-35mm<br />

sowie ein 24-105-mm-Objektiv und eine Tilt-/<br />

Shift-Linse. Zu viel Zubehör macht mich<br />

langsam und hält mich vom <strong>Foto</strong>grafieren ab.<br />

Ich nutze zudem ein Bogen-Dreibeinstativ mit<br />

einem Getriebeneiger, der präzise Anpassungen<br />

zulässt. Das geht viel schneller als mit<br />

einem Kugelkopf.”<br />

Technik-Check<br />

Ist Gordon bereit für Vegas?<br />

John beobachtete Gordon dabei, als dieser seine DSLR und sein Stativ auf dem Las Vegas Strip aufstellte und machte<br />

einige Verbesserungsvorschläge.<br />

DIE KONTROLLE<br />

ÜBERNEHMEN DAS STATIV<br />

AUSBALANCIEREN<br />

Manueller Modus<br />

„Gordon fotografierte im Av-Modus”,<br />

sagt John. „Ich benutze den manuellen<br />

Modus, da wir ein unbewegliches<br />

Motiv (die Stadt) in einem gleichbleibenden<br />

Licht aufnehmen. Bei der<br />

Verschlusszeitautomatik (Av) kann es<br />

passieren, dass die SLR die Szenerie<br />

über- oder unterbelichtet. Zudem<br />

kann man im manuellen Modus die<br />

Verschlusszeit besser anpassen.”<br />

148 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />

Für ein standfesteres<br />

Dreibeinstativ<br />

„Gordon stellte seine Kamera<br />

mithilfe der Halterung in der Mitte<br />

höher. Das reduziert aber die<br />

Stabilität, es ist besser, die Beine<br />

einfach zu verlängern. Es war sehr<br />

windig, darum haben wir zusätzlich<br />

noch eine Tasche am Ende<br />

des mittleren Beines als Balast<br />

befestigt.”<br />

Profi-<strong>Foto</strong>graf John Morris<br />

macht Aufnahmen von<br />

eleganten Hotels bis hin zu<br />

Hochzeiten. Abhängig von<br />

der Art des Auftrags nutzt er<br />

unterschiedliche Kameras<br />

von Canon: EOS 5D, 40D oder<br />

30D - plus dieses Zubehör:<br />

Canon EF 70-200mm f/2.8L IS USM<br />

Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />

Canon EF 16-35mm f/2.8L II USM<br />

Canon EF TS-E 24mm f/3.5L<br />

Canon EF 50mm f/1.4 USM<br />

Canon Speedlite 580EX Blitzgeräte und PocketWizards<br />

Bogen 3221 Gear Dreibeinstativ mit 3275 3-Axis Getriebeneiger<br />

Bogen 190mf3 Dreibeinstativ mit Medium-Kugelkopf (486RC2)


Orte<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Besser Dämmerung als Nacht<br />

„Versuchen Sie besser, während der Abenddämmerung<br />

ein paar Aufnahmen zu erstellen als in kompletter<br />

Dunkelheit”, rät John. „Eine halbe Stunde nach<br />

dem Sonnnenuntergang ist der Himmel besondes<br />

schön und blau. In dieser magischen Stunde<br />

balancieren sich der Himmel und die Neonlichter<br />

besonders gut aus. Das hält allerdings nicht lange an,<br />

also muss die SLR schon vorher eingestellt werden.<br />

Zudem muss man die Belichtung die ganze Zeit neu<br />

anpassen.”<br />

Belichtung: 6 s bei f/11, ISO400<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

Gordons<br />

Kommentar<br />

„Da es sich um einen ersten<br />

Versuch handelt, bin ich zufrieden<br />

mit dieser Aufnahme. Wir haben<br />

viel Zeit damit verbracht, Kamera<br />

und Stativ aufzubauen und die<br />

Benutzung des Drahtauslösers zu<br />

üben - irgendwie hingen wir fest.<br />

John veranlasste mich dazu,<br />

gründ lich über die Bildkomposition<br />

nachzudenken und wie ich<br />

Straßenelemente, die notgedrungen<br />

auf der Aufnahme erscheinen<br />

würden, einbeziehe. Ich habe<br />

dieses Bild im manuellen Modus<br />

fotografiert und eine geschlossene<br />

Blende von f/11 eingesetzt. Ich<br />

nutzte eine lange Belichtung<br />

(6 Sekunden), um Lichtspuren aus<br />

dem Verkehr unter der Brücke zu<br />

erzeugen. Ich finde, das funktioniert<br />

gut.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 149


Orte<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

Tilt-/Shift-Objektiv<br />

John schwört auf Tilt-/Shift-Linsen, denn damit<br />

muss man die Kamera nicht nach oben richten,<br />

um den oberen Teil eines Gebäudes mit aufs<br />

Bild zu quetschen. So lassen sich stürzende<br />

Linien und andere Verzerrungen vermeiden.<br />

„Mein Tilt-/Shift-Objekt mit 24mm eignet sich<br />

sehr gut, um Perspektiven und Linien zu kontrollieren.<br />

Zudem nutze ich einen Polfilter, um Reflexionen<br />

in Schach zu halten.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Der richtige<br />

Blendenwert<br />

„Bei Nachtaufnahmen nutzen Sie am besten<br />

einen mittleren Blendenwert”, rät John. „Ich<br />

empfahl Gordon, seine Blende auf f/8 oder f/11 zu<br />

setzen, und zwar aus mehreren Gründen: So ist<br />

das Objektiv am schärfsten und nimmt weniger<br />

Verzerrungen auf. Zudem ist die Tiefenschärfe<br />

besser, was mehr Details liefert. Zu guter Letzt<br />

bedeutet ein höherer Blendenwert eine längere<br />

Verschlussszeit, um Lichtspuren zu erzeugen."<br />

150 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Belichtung: 5 s bei f/11, ISO400<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

Gordons Kommentar<br />

„Nachdem wir einige Aufnahmen auf dem Las Vegas Strip in der Nähe von 'New York, New York'<br />

erstellt hatten, zogen wir zum Hotel Paris weiter. Dort befinden sich einige Nachbildungen von<br />

Sehenswürdigkeiten aus dem echten Paris, wie der Eiffelturm und der Triumphbogen. In dieser<br />

Aufnahme nutzten wir eine lange Verschlusszeit, um die Springbrunnen zu bremsen und dadurch<br />

einen schönen, milchigen Effekt im Wasser zu erzeugen - und um gleich sicherzustellen, dass die<br />

Aufnahme gut beleuchtet war.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 151


Orte<br />

JOHNS TIPP<br />

Die Magie der Spotmessung<br />

„Wir nutzen Spotmessung, um die Details in der ausgeprägten Pariser Architektur zu<br />

bewahren. Wenn wir die Kamera hätten entscheiden lassen, hätte diese vielleicht<br />

versucht, den schwarzen Himmel zu belichten und damit die helleren Details überblendet.<br />

Bei früheren Aufnahmen haben wir den Belichtungsmesser genutzt, um einen allgemeinen<br />

Eindruck von den benötigten Einstellungen zu bekommen, und wechselten dann auf<br />

den manuellen Modus, um die Feineinstellungen für die Belichtung vorzunehmen. So<br />

haben wir das hier auch gemacht, nur eben mit Spotmessung.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Belichtungsreihen<br />

„Ein guter Tipp für Nachtaufnahmen von<br />

Städten ist die Nutzung von Bracketing”,<br />

sagt John. „Damit nimmt man mehrere Bilder<br />

hintereinander auf - mit unterschiedlichen<br />

Belichtungen (überbelichtet, unterbelichtet<br />

und so weiter). Diese kann man dann in<br />

Photoshop miteinander verbinden. Wenn Sie<br />

eine Nachtszene aufnehmen, die helles<br />

Neonlicht beinhaltet, müssen Sie nämlich<br />

Komprisse zwischen den Glanzlichtern<br />

und den Schatten eingehen, da die<br />

Kamera nur eine begrenzte Palette von<br />

Tönen einfangen kann. Mit Bracketing<br />

können Sie die komplette Palette von hell bis<br />

dunkel belichten und kombinieren. HDR-Effekte<br />

(High dynamic range) können ebenfalls<br />

genutzt werden, um Bilder zu erstellen, die<br />

näher an dem sind, was das Auge sieht.”<br />

152 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

GORDONS TIPP<br />

Das Display kennen<br />

„Wenn Sie das Display auf<br />

der Rückseite der Kamera<br />

nutzen, reduzieren Sie die<br />

Helligkeit, denn Kameras<br />

zeigen Auf nahmen tendenziell<br />

zu hell. Nutzen Sie besser das<br />

His togramm für eine akkurate<br />

Überprüfung der Belichtung.<br />

Das Display der Kamera<br />

nehmen Sie am besten nur für<br />

Bildkompositionen zu Hilfe.<br />

Und nicht vergessen: Auf dem<br />

Display können Sie auch nicht<br />

erkennen, ob ein Bild<br />

fokussiert ist."<br />

Belichtung: 2 s bei f/11, ISO400<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

Gordons<br />

Kommentar<br />

„Ich bin sehr zufrieden<br />

mit dieser Aufnahme des<br />

Eiffelturms neben dem Hotel<br />

Paris. Dafür musste ich<br />

mich neben dem verkürzten<br />

Dreibeinstativ auf den<br />

Bürgersteig legen - was die<br />

Passanten sehr amüsant<br />

fanden. Ich habe eine Weile<br />

gebraucht, um mich an<br />

das eingezogene Stativ zu<br />

gewöhnen, aber das war<br />

notwendig, da wir mit einer<br />

langen Verschlusszeit (2<br />

Sekunden) fotografierten.<br />

Diese Zeit konservierte die<br />

Details in den Flaggen - wie<br />

man sehen kann, war es sehr<br />

windig.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 153


Orte<br />

154 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Belichtung: 5 s bei f/11, ISO400<br />

Linse: 24-105mm f/4<br />

Johns Fazit<br />

„Diese Aufnahme bietet eine gute Blickführung<br />

und eine tolle Bildkomposition, aber die<br />

Farben gebe das besondere Etwas [1]. Das<br />

dunkle Blau kontrastiert sehr gut mit dem<br />

warmen, orangenen Glühen der Kunstlichter,<br />

genauso wie die roten Bremslichter und die<br />

gelben Scheinwerfer der Autos [2]. Die<br />

geschlossene Blende (f/11) führte zu schönen,<br />

sternförmigen Glanzlichtern [3]. Gordon hat es<br />

zudem geschafft, alles scharf aufzunehmen.”<br />

Gordons<br />

Kommentar<br />

„Dieses Bild hat mir besonders gut gefallen,<br />

weil ich es früh aufgenommen habe. Ich musste<br />

mir viele neue Informationen merken, aber<br />

John war ein toller Lehrer. Diese Aufnahme<br />

funktioniert so gut, weil sie zur richtigen Zeit<br />

am richtigen Ort aufgenommen wurde - die<br />

kräftigen blauen Lichter verleihen das gewisse<br />

Etwas. Und wie John mir beigebracht hat:<br />

genau über die Bildkomposition nachdenken!<br />

Welche Elemente man mit reinnimmt oder<br />

außen vorlässt, zahlt sich aus.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 155


Orte<br />

Kurzurlaub<br />

Sie wollen ein Meister der Reisefotografie<br />

werden? Begleiten Sie<br />

unseren Profi-<strong>Foto</strong>grafen Julian<br />

Love, während er unseren Lehrling<br />

durch Venedig führt.<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Tony Stevens<br />

Kamera: Canon EOS 400D<br />

Tony, 39, lebt in Poole und arbeitet in<br />

der Personalbeschaffung. Seit 18<br />

Monaten besitzt er eine EOS 400D<br />

und benutzt ein 55-200-mm-Objektiv<br />

von Tamron sowie eine 18-55-mm-<br />

Linse von Canon. Er liebt es zu reisen,<br />

möchte aber auch bessere <strong>Foto</strong>s<br />

machen, wenn er schon einmal da ist!<br />

156 Der <strong>Foto</strong>-Worksop


Orte<br />

in Venedig<br />

DER PROFI<br />

Name: Julian Love<br />

Kamera: Canon EOS-1Ds Mk II<br />

Julian gab vor zweieinhalb Jahren<br />

einen gut bezahlten Job in der Stadt<br />

auf, um als Profi-<strong>Foto</strong>graf zu arbeiten,<br />

und hat es nie bereut. Er gewann<br />

bereits einen angesehenen Preis als<br />

Reisefotograf des Jahres. Mehr erfahren<br />

Sie auf seinem Blog unter adventure-photographer.blogspot.com.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 157


Orte<br />

Wenn er für einen Auftrag unterwegs ist,<br />

packt Julian seine Tasche so leicht wie<br />

möglich. Das wichtigste Zubehör:<br />

Canon EF 16-35mm f/2.8<br />

Canon EF 24-105mm f/4L IS<br />

Canon EF 70-200mm f/4L<br />

Canon TS-E 24mm f/3.5L Tilt/Shift<br />

Canon 580EX II Blitzgerät<br />

PocketWizard Blitz-Radioauslöser<br />

Ersatzbatterien für die Kamera<br />

16-GB-Speicherkarten<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Gitzo G1158T Reise-Stativ<br />

Die Lichtbedingungen beim Sonnenunter-<br />

oder -aufgang können schwierig sein.<br />

Daher ist es wichtig, ein Dreibeinstativ<br />

dabeizuhaben, um scharfe Aufnahmen<br />

bei unterschiedlichen<br />

Verschlusszeiten erstellen zu<br />

können. Julian nutzt das Reisestativ<br />

G1158T von Gitzo und<br />

einen Markins-Q-Kugelkopf.<br />

„Das Stativ ist aus Karbonfasern<br />

und daher sehr klein und<br />

leicht genug, um es an meiner<br />

Tasche zu befestigen.”<br />

Technik-Check<br />

Ist Tony bereit für Venedig?<br />

Nach dem ersten Capuccino des Tages gab Profi-<strong>Foto</strong>graf Julian Tony Tipps für die besten Einstellungen.<br />

KAMERA<br />

ANLASSEN<br />

FARBRAUM<br />

ANPASSEN<br />

158 Der <strong>Foto</strong>-Worksop<br />

Nicht ausschalten<br />

„In stark frequentierten Bereichen wie<br />

einem Markt oder einem Stadtzentrum ist<br />

es wichtig, dass die Kamera einsatzbereit<br />

ist. Mir ist aufgefallen, dass Tony sein Gerät<br />

zwischen den Aufnahmen oft ausschaltet.<br />

Ich lasse meine Kamera den ganzen Tag<br />

Adobe RGB wählen<br />

„Während ich Tonys frühe Aufnahmen<br />

durchsah, ist mir aufgefallen, dass er seine<br />

400D auf sRGB eingestellt hatte. Bei<br />

diesem Farbraum handelt es sich um einen<br />

Standard von Canon, der dabei <strong>helfen</strong> soll,<br />

problemlose Farben für die Betrachtung<br />

an, damit sie immer bereit ist, eine<br />

Aufnahme zu machen. Aktuelle Digicams<br />

haben einem Stromsparmodus, dadurch<br />

werden Akkus nicht entladen. Ich halte die<br />

Kamera auch immer in der Hand und trage<br />

sie nicht auf der Schulter, sofern möglich.”<br />

am Rechner zu kreieren. Ich empfehle<br />

trotzdem die Einstellung „Adobe RGB“.<br />

Damit kann die Kamera einen größeren<br />

Farbraum einfangen, was besser ist - besonders<br />

wenn man die Bilder später einmal<br />

ausdrucken möchte.”


Orte<br />

Tonys<br />

Kommentar<br />

„Ich habe schnell gemerkt,<br />

dass dieser Trip kein Urlaub<br />

wird. Obwohl ich nur fünf<br />

Stunden geschlafen hatte<br />

nach einem verspäteten<br />

Flug, bestand Julian darauf,<br />

um 6 Uhr aufzustehen. Erst<br />

als wir an der Rialtobrücke<br />

ankamen, wurde mir klar,<br />

warum das so wichtig ist. Auf<br />

dem Canale Grande führen<br />

Bargen mit Früchten und Gemüse<br />

zum Markt, während<br />

Palast und Restaurants sich<br />

in einem goldenen Licht baden.<br />

Der beste Beweis dafür,<br />

dass sich frühes Aufstehen<br />

lohnt.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 159


Orte<br />

JULIANS TIPP<br />

Aufnahmen anderer <strong>Foto</strong>grafen<br />

„Mittags kann es schwerer sein, gute Aufnahmen mit<br />

passender Belichtung zu erstellen. Aber man kann die Zeit<br />

nutzen, um interessante Orte auszukundschaften. Nutzen Sie<br />

dafür auch <strong>Foto</strong>s anderer Leute, die in dem Land aufgenommen<br />

wurden, das Sie gerade besuchen. Postkarten eignen<br />

sich hier gut und können zudem Hinweise geben, wann die<br />

beste Zeit für Aufnahmen an diesen Orten ist.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

Kirk Enterprises L-Bracket<br />

Julians EOS-1Ds Mk II ist eine sehr große Kamera. Mit diesem<br />

L-Bracket, das extra für eine 1Ds Mk II gestaltet wurde, wird<br />

sie noch größer. Es gibt aber auch Versionen für die meisten<br />

anderen Kameramodelle (www.kirkphoto.com). Es handelt<br />

sich hierbei um eine Schnellwechselplatte für kompatible<br />

Dreibeinstative, die sowohl am Boden als auch an der Seite der<br />

Kamera befestigt werden kann. Damit kann man schnell und ohne<br />

Umstände vom vertikalen auf das horizontale Format wechseln.<br />

160 Der <strong>Foto</strong>-Worksop


Orte<br />

EXPERTENWISSEN<br />

UV-Filter: Pro<br />

und Kontra<br />

„Auf meinen Reisen bekommt meine Ausstattung<br />

den einen oder anderen Kratzer ab. Zudem sind<br />

viele Orte, die ich besuche, staubig”, sagt Julian.<br />

„Ich nutze keine Objektivdeckel, da ich diese zu<br />

sperrig finde. Stattdessen packe ich UV-Filter auf<br />

meine Linsen, um das Glas zu schützen. Dabei ist es<br />

aber wichtig, daran zu denken, dass man bei<br />

bestimmten Aufnahmen die Filter abnehmen muss,<br />

um bessere Re sul tate zu erzielen. Besonders wenn<br />

man in die Sonne fotografiert, wird das Abnehmen<br />

der Filter das Risiko von Lichtreflexen reduzieren.<br />

Ich empfehle zudem, Stadtaufnahmen bei Nacht<br />

ohne Filter zu erstellen, ansonsten kann es<br />

passieren, dass man Geisterbilder durch die<br />

Straßenlampen mit aufnimmt.”<br />

Tonys Kommentar<br />

„Während dieses Ausflugs machte ich sehr<br />

viele Aufnahmen von Gondeln, aber dieses Bild<br />

gefällt mir am besten. Trotz seiner schlichten Art<br />

sieht man sofort, dass es in Venedig entstanden<br />

ist. Julian meinte, ich sollte nach ‘bildlastigen<br />

Umgebungen’ suchen und dann versuchen, so<br />

viele Aufnahmen wie möglich zu machen. Dieser<br />

Anlegeplatz bot viele gute <strong>Foto</strong>s. Ich mag die Art,<br />

wie die Gebäude im Hintergrund ein wenig defokussiert<br />

sind und damit die gestreiften Masten<br />

im Vordergrund hervorheben.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Die Sonne im<br />

Auge behalten<br />

Julian hat auf seinen Reisen immer einen Kompass<br />

dabei. „Der hilft mir dabei, die besten Zeiten für die<br />

Aufnahme der unterschiedlichen Szenen rauszufinden.<br />

Wenn ich ankomme, nehme ich eine Peilung bei<br />

Sonnenaufgang und -untergang vor. Dann weiß ich<br />

genau, wo die Sonne auf- und untergeht (das ändert<br />

sich, abhängig vom Breitengrad und der Jahreszeit).<br />

Dann nutze ich eine Karte, auf der ich erkennen kann,<br />

wann welches Gebäude das beste <strong>Foto</strong> abgibt.”


Orte<br />

Tonys<br />

Kommentar<br />

„Der Markusplatz war voller<br />

Touristen, weswegen es<br />

schwer war, eine gute Aufnahme<br />

zu bekommen. Dieses<br />

Detail der Straßenlampen<br />

blendet die Menge aus.”<br />

162 Der <strong>Foto</strong>-Worksop


Orte<br />

Tonys Kommentar<br />

„Diese Aufnahme wurde am späten Nachmittag erstellt, nachdem die grelle Mittagssonne verschwunden<br />

war. Währung unserer ersten Session in Venedig hatte Julian mich darauf aufmerksam<br />

gemacht, dass ich zu weit von den Personen, die ich fotografiere, entfernt bin. Er meinte, ich<br />

sollte keine Angst haben, näher ranzugehen - wenn notwendig soll ich sie um Erlaubnis bitten.<br />

Meine Schnappschüsse wurden sofort besser! Ich mag es, wie die drei Gondoliere das Bild ausfüllen<br />

und dabei in ihre Konversation vertieft sind. Die Aufnahme ist sehr scharf geworden und das<br />

warme Licht macht sich zusammen mit dem blauen Wasser ganz hervorragend.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Diktierfunktion<br />

„Statt mir umständlich die Details zu fotografierten<br />

Gebäuden oder Orten aufzuschreiben, nutze ich die<br />

Sprachnotiz-Funktion meiner SLR. Ich drücke dafür<br />

einfach die Diktiertaste, während ich meine Aufnahmen<br />

durchschaue, und das Mikro der Kamera nimmt<br />

.WAV-Dateien auf, die dann den gleichen Namen wie<br />

das aktuelle RAW-Bild tragen. Zu Hause kann ich so<br />

die Beschreibung dem Bild zuordnen.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Nexto mobiler <strong>Foto</strong>speicher<br />

Bei seinen Aufträgen macht Julian mit seiner<br />

Profikamera hochauflösende Bilder und am<br />

Ende des Tages sind viele Gigabyte Speicherplatz<br />

belegt. Er benutzt mehrere Speichergeräte<br />

von Nexto, um die vielen Aufnahmen zu sichern.<br />

Diese haben nur ein einfaches Display und eine<br />

leistungsstarke Batterie, sodass sie tagelang<br />

ohne Stromquelle auskommen<br />

- perfekt für abgelegene Orte.<br />

Die Geräte finden Sie auf<br />

amazon.de.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 163


Orte<br />

164 Der <strong>Foto</strong>-Worksop


Orte<br />

Julians Fazit<br />

„Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte diese Aufnahme nicht<br />

funktioniert. Aber sogar in der Abenddämmerung war das<br />

Timing entscheidend; bei einer früheren Aufnahme wäre<br />

der Kontrast zu hoch gewesen und später wäre die Farbe<br />

aus dem Himmel verschwunden [1]. Die Kurve des Kanals<br />

leitet den Betrachter sanft am Canale Grande entlang<br />

[2] und kreiert eine tolle Bildkomposition. Die lange<br />

Verschlusszeit hat den Kanal in ein tolles, verschwommenes<br />

Blau verwandelt [3]. Die Wassertaxis haben<br />

sich ebenfalls in Lichtstreifen verwandelt. Tony machte<br />

mehrere Aufnahmen, um sicherzugehen, dass sie an der<br />

richtigen Stelle auftauchen. Der hohe Blendenwert von<br />

f/16 verwandelte die künstlichen Lichter in malerische<br />

Sterne [4]. Ein super <strong>Foto</strong>!”<br />

1<br />

3<br />

2<br />

4<br />

Tonys Kommentar<br />

„Julian erkannte das Potenzial dieser Aufnahme bereits<br />

früher am Tag, aber das Licht passte zu diesem Zeitpukt<br />

noch nicht. Er kalkulierte, dass dies ein guter Platz<br />

wäre, um zur Dämmerung zurückzukommen. Nachdem<br />

also das Sonnenlicht weg war, kehrten wir zu diesem<br />

Punkt auf der vollen Rialtobrücke zurück. Im Endeffekt<br />

mussten wir mit unseren Stativen dann noch fast eine<br />

Stunde warten, bis das Licht passte. Als die Lichter<br />

der Cafés endlich hell genug waren und die Farbe des<br />

Himmels dunkel genug, brauchte ich eine Verschlusszeit<br />

von 10 Sekunden. Ich nutzte den Selbstauslöser meiner<br />

Kamera und den Spiegelvorauslöser für eine wackelfreie<br />

Belichtung.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 165


Orte<br />

DER PROFI<br />

Name: Paul Freeman<br />

Kamera: Canon EOS-1Ds Mark II<br />

Paul ist aus Oxford und hat sich auf Architektur<br />

und Innenaufnahmen spezialisiert.<br />

Seine Talente sind sehr gefragt, besonders<br />

bei großen Firmen - nicht schlecht, wenn<br />

man bedenkt, dass er erst vor 6 Jahren<br />

Profi-<strong>Foto</strong>graf wurde.<br />

166 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


DER LEHRLING<br />

Name: Howard Waddicor<br />

Kamera: Canon EOS 350D<br />

Howard ist 52 und lebt in Sheffield. Er fotografiert<br />

gerne Gebäude, also haben wir ihn<br />

mit Paul zusammengebracht - für einen Tag<br />

in den Salford Quays in Manchester, wo es<br />

viel moderne Architektur gibt.<br />

Orte<br />

Das nenne<br />

ich mal einen<br />

Weitwinkel!<br />

Lesen Sie, wie Sie Ihre Gebäudeaufnahmen<br />

sofort verbessern, indem Sie einen Profi-<br />

Architekturfotografen und seinen Lehrling<br />

durch Manchester begleiten.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 167


Orte<br />

Technik-Check<br />

Ist Howard bereit<br />

für Weitwinkel?<br />

Nachdem sie 30 Minuten das spektakuläre Imperial War Museum North fotografiert hatten, war<br />

Howard bereit, Paul Feedback zu seinen Aufnahmen zu geben. Pauls Einschätzung war einfach:<br />

Wenn Howard die beste Qualität für seine <strong>Foto</strong>s möchte, muss er anfangen, die besten<br />

Einstellungen zu nutzen, die seine Kamera anbietet.<br />

PAULS RATSCHLAG<br />

Auf RAW wechseln<br />

„Howards Entscheidung, in der besten<br />

JPEG-Qualität zu fotografieren, ist die<br />

richtige Richtung, aber besser wäre es,<br />

RAW zu verwenden. Damit kann er Probleme,<br />

zum Beispiel mit überbelichteten<br />

Himmeln, zu Hause beseitigen.”<br />

Niedriger ISO-Wert<br />

„Bei dem ISO-Wert von 400 handelt<br />

es sich um eine gute Einstellung für<br />

alltägliche <strong>Foto</strong>grafie. Aber in dem<br />

kräftigen Salforder Sonnenlicht und mit<br />

einem Stativ im Schlepptau wird Howard<br />

schärfere, saubere Aufnahmen mit ISO<br />

100 bekommen.”<br />

PAULS RATSCHLAG<br />

Ein robusteres Stativ<br />

„Auch wenn Howards Dreibeinstativ ein gutes,<br />

leichtes Gerät von Manfrotto ist, bedeutet<br />

das nicht, dass es ideal für diese Situation<br />

geeignet ist. Mein Manfrotto-Stativ ist<br />

vielleicht teurer, aber es ist auch größer<br />

und schwerer und daher perfekt für<br />

wackelfreie Aufnahmen.”<br />

168 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Wasserwaage für den Blitzschuh<br />

Die kleine Wasserwaage hilft Paul nicht nur<br />

dabei, den Horizont auf seinen Aufnahmen<br />

gerade auszurichten, sie ist auch eine Hilfe<br />

dabei, Vibrationen im Auge zu behalten. Erst<br />

wenn die Flüssigkeit sich nicht mehr bewegt,<br />

drückt er den Auslöser. Es gibt diese Geräte<br />

für wenig Geld beim lokalen <strong>Foto</strong>laden.<br />

PROFI-AUS-<br />

STATTUNG #2<br />

Kabelauslöser<br />

Ein Stativ alleine reicht<br />

Paul nicht aus. Er nutzt<br />

zusätzlich noch einen<br />

Kabelauslöser und stellt die<br />

Spiegelvorauslösung seiner<br />

Kamera ein, um Vibrationen<br />

zu verhindern.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Richtig vorbereitet sein!<br />

„Paul war sehr gut auf den heutigen Tag vorbereitet”, sagt<br />

Howard. „Er hatte eine Umgebungskarte und eine Sonnenkarte<br />

dabei, sodass er wusste, wo die Sonne wann sein<br />

würde.” Aufgrund dieser Recherche wusste Paul,<br />

welches Gebäude zu welchem Zeitpunkt am besten<br />

beleuchtet sein würde. Umgebungskarten<br />

bekommen Sie problemlos im Internet.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 169


Orte<br />

Zusätzlich zu seiner Canon<br />

EOS-1Ds Mk II packt Paul bei<br />

Aufträgen die folgenden<br />

Objektive in seine Tasche:<br />

Canon TS-E 24mm f/3.5L<br />

Canon TS-E 45mm f/2.8<br />

Canon TS-E 90mm f/2.8<br />

Sigma 12-24mm f/4.5-5.6<br />

Canon EF 50mm f/1.4<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Seine Objektive kennen<br />

Objektive geben ihr Bestes bei mittleren Blendenwerten und Howard<br />

entdeckte einen netten Trick bei Paul, um das auszunutzen. Er klebte<br />

eine Tabelle mit den Ergebnissen seiner Kameraperformance bei jedem<br />

Blendenwert auf die Rückseite seines Kameradeckels.<br />

Den richtigen<br />

Wert wählen<br />

„Ich habe rausgefunden, dass<br />

die Verschlusszeit nicht so<br />

wichtig ist wie der Blendenwert,<br />

wenn man ein Stativ nutzt”, sagt<br />

Howard. „Mit dem Blendenprioritätsmodus<br />

hatte ich die beste<br />

Kontrolle über den Blendenwert.”<br />

170 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Howards Art<br />

Howard hat schon immer gerne Gebäude fotografiert. „Es ist die Art, wie Linien und Perspektiven<br />

miteinander agieren”, erklärt er. „Ähnliche Effekte treten zwar auch natürlich auf, aber<br />

bei Gebäuden ist es einfacher zu sehen”. Howard mag ganz besonders abstrakte Details wie<br />

dieses Fenster an der Ecke das Museums, das wie ein Auge aussieht.<br />

Fertig: Howards Aufnahme<br />

von der Szene oben. Das<br />

orangene Glühen in der<br />

Ecke sieht aus wie ein<br />

Sonnenuntergang<br />

- tatsächlich handelt es<br />

sich um die Reflexion des<br />

Gebäudes links.<br />

HOWARDS TIPP<br />

Schwarz-Weiß-Sehen<br />

„Wollen Sie wissen, wie eine<br />

Szenerie in Schwarz-Weiß<br />

aussieht, bevor Sie fotografieren?<br />

Paul hat mir einen tollen<br />

Trick gezeigt. Wenn man den<br />

Picture Style Monochrome<br />

einstellt, zeigt das Display der<br />

Kamera soeben erstellte<br />

Aufnahmen in Graustufen an.<br />

Solange ich im RAW-Format<br />

fotografiere, bleiben die<br />

Farben erhalten und ich kann<br />

das Bild zu Hause in Schwarz-<br />

Weiß konvertieren.”<br />

Um die Aufnahme<br />

in Schwarz-Weiß zu<br />

visualisieren, ändern Sie den<br />

Picture Style zu Monochrome<br />

(nehmen Sie aber in RAW auf).<br />

Paul benutzt Adobe<br />

Lightroom, um<br />

die RAW-Datei zu einem<br />

Schwarz-Weiß-Bild zu<br />

konvertieren.<br />

Das ist eine von Howards<br />

favorisierten Aufnahmen<br />

des Tages - sie wurde vor Ort auf<br />

Pauls Laptop zu Schwarz-Weiß<br />

konvertiert.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 171


Orte<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Histogramme nutzen!<br />

Die Kombination von stark reflektierender moderner Architektur und hellen Wolken machte es sehr schwer<br />

für Howard, die richtige Belichtung zu finden. Dann erzählte Paul ihm von Histogrammen. „Ich habe diese<br />

bereits in Photoshop benutzt, aber nie auf meiner Kamera”, erklärte Howard. „Ich achtete dann darauf, dass<br />

der Graph sich nicht zu sehr auf der rechten Seite anhäufte und vermied so weitere Überbelichtungen.”<br />

172 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


PROFI-AUS-<br />

STATTUNG #3<br />

Tilt-/Shift-Objektive<br />

Normale Objektive haben<br />

Probleme mit Perspektiven,<br />

wenn man Gebäudeaufnahmen<br />

erstellt. Darum benutzt<br />

Paul ein Tilft-/Shift-Objektiv.<br />

Diese können ‚verschoben‘<br />

werden, sodass der Sensor<br />

der Kamera Motive wie hohe<br />

Gebäude genauer aufnehmen<br />

kann. Diese Objektive kosten<br />

je nach Brennweite zwischen<br />

1.000 und 2.000 Euro.<br />

Mehr Architektur<br />

Howard und Paul fotografierten in den Salford Quays,<br />

aber es gibt noch mehr großartige, moderne Architektur,<br />

von der sich Aufnahmen lohnen. Paul verrät seine drei<br />

liebsten, weniger bekannten Orte.<br />

Willis-Gebäude London<br />

„Vergessen Sie ‚Gherkin‘ und die<br />

‚Canary Wharf‘! Dieses neue<br />

und weniger fotografierte<br />

Gebäude im Herzen von<br />

London ist voller<br />

abstrakter Formen.”<br />

Orte<br />

Park der Nationen Lissabon<br />

„Für die Expo 98 gebaut, beherbergt dieses<br />

Gebäude (links) ein riesiges Aquarium.”<br />

Jüdisches Museum Berlin<br />

„Berlin ist eine echte Fundgrube. Dieses Museum<br />

mit seinen Schlitzen auf der Seite wurde<br />

vom gleichen Architekten entworfen, der auch<br />

für das Imperial War Museum in Salford verantwortlich<br />

ist – Daniel Libeskind.”<br />

Howard testete eine 70-300-mm-<br />

Linse mit Bildstabilisator, um diese<br />

tolle Nahaufnahme der Lowry-<br />

Fußgängerbrücke zu erstellen.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 173


Orte<br />

Howards<br />

Kommentar<br />

„Das Imperial War Museum North<br />

bietet so viele Perspektiven, dass es<br />

schwer war, das Gebäude in einer<br />

einzelnen Aufnahme darzustellen.<br />

Ich bin sehr zufrieden mit dieser<br />

Bildkomposition, da sie die kantige<br />

Natur des Gebäudes perfekt<br />

einfängt.”<br />

Pauls Fazit<br />

1<br />

„Das ist Howards beste<br />

Aufnahme. Ein klasse<br />

Bild und genau die Art<br />

2<br />

von <strong>Foto</strong>, die ich selber<br />

3 gerne erstelle. Er hatte<br />

echtes Glück mit den<br />

wirbelmäßigen Wolken [1]; ein<br />

wolkenloser blauer Himmel wäre nur<br />

halb so spannend gewesen. Das<br />

Superweitwinkelobjektiv hat eine tolle<br />

dreidimensionale Form geschaffen<br />

[2]. Howard hat den Blickwinkel gut<br />

gewählt [3], indem er sich unter das<br />

Ende des Gebäudes mit einem<br />

10-20-mm-Zoom hockte.”<br />

174 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


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Orte<br />

Mehr ‚Dynamik‘<br />

für Ihre<br />

Aufnahmen!<br />

Folgen Sie Profi-<strong>Foto</strong>graf<br />

David Clapp, der<br />

unserem Lehrling beibringt,<br />

wie man HDR-<br />

Architekturaufnahmen<br />

erstellt.<br />

176 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

DER PROFI<br />

Name: David Clapp<br />

Kamera: EOS-1Ds Mk III<br />

David, 39, fotografiert Landschaften, Länder<br />

und Architektur und wohnt in Devon. Seine<br />

<strong>Spezial</strong>ität sind HDR-Bilder (Hochkontrastbilder)<br />

und Belichtungsreihen. Zudem gibt er<br />

<strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>s. Obwohl er erst seit 2009<br />

Vollzeit als <strong>Foto</strong>graf tätig ist, hat er bereits ein<br />

Weltklasse-Portfolio vorzuzeigen. Siehe auf<br />

www.davidclapp.co.uk.<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Adrian Evans<br />

Kamera: EOS 5D Mk II<br />

Adrian, 47, ist ein teilpensionierter Pubbesitzer,<br />

der das halbe Jahr in Rhyl im Norden von<br />

Wales verbringt und das andere halbe Jahr in<br />

Hua Hin in Thailand. Er fotografiert seit 30<br />

Jahren, hat aber in letzter Zeit sein Interesse<br />

daran vertieft. Er hat uns um Hilfe gebeten,<br />

weil er seine Aufnahmen in den Bereichen<br />

Architektur und HDR verbessern möchte.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 177


Orte<br />

Technik-Check<br />

Ist Adrian bereit für HDR?<br />

Nach einigen Aufnahmen gab David Adrian einige Hinweise für bessere Einstellungen.<br />

AEB NUTZEN<br />

REIHENFOLGE ÄNDERN<br />

HDR-Einstellungen<br />

„Die Belichtungsreihenautomatik (AEB)<br />

ist das Wichtigste für HDR-Aufnahmen.<br />

Man macht damit eine Reihe von<br />

Bildern der gleichen Szene, die<br />

unterschiedlich belichtet werden.<br />

Diese kombiniert man dann, um ein<br />

Bild mit einem größeren Tonumfang zu<br />

bekommen”, erklärt David. „Je nach<br />

Kamera kann man während des<br />

Bracketings mit bis zu -/+ 3 Stufen<br />

aufnehmen. Adrians DSLR bietet<br />

maximal -/+ 2 Stufen an.“<br />

Bracketing<br />

„Adrian hat in den Einstellungen seiner<br />

Kamera die Standard-Sequenz<br />

(Standardbelichtung, Unterbelichtung,<br />

Überbelichtung beziehungsweise 0, -, +)<br />

für das Bracketing eingestellt. In dieser<br />

Reihenfolge ist es allerdings schwerer,<br />

die Unterschiede in der Belichtung zu<br />

erkennen. Ich schlug vor, dass er die<br />

Sequenz zu ‚+, 0, -‘ ändert. So wird er<br />

sofort sehen, ob er die Belichtungskorrektur<br />

anwenden muss, um den besten<br />

Tonumfang zu bekommen.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Bereit für Architektur-<strong>Foto</strong>s<br />

Davids sieben Regeln für die perfekten Kameraeinstellungen in der Architektur-<strong>Foto</strong>grafie.<br />

Nutzen Sie ein standfestes Stativ. Damit werden<br />

Ihre Aufnahmen scharf und Sie können sicher sein,<br />

dass alle Aufnahmen der Bracketing-Sequenz von exakt<br />

derselben Stelle aus aufgenommen werden.<br />

Nutzen Sie ein Weitwinkelobjektiv, damit Sie so viel<br />

wie möglich von der Szene und den besten<br />

Tonwertumfang einfangen.<br />

Für Architektur und HDR-Aufnahmen ist es<br />

entscheidend, in RAW zu fotografieren. Damit man<br />

die meisten Details in jedem Farbton rausholen kann,<br />

braucht man die maximale Bildqualität.<br />

Nutzen Sie die Blendenpriorität (oder manuelle<br />

Belichtung) und einen hohen Blendenwert wie f/11<br />

oder f/16, damit die komplette Szene scharf ist - von<br />

Vordergrund bis Hintergrund.<br />

Wählen Sie einen Weißabgleich (Tageslicht,<br />

Bewölkt, je nach den Bedingungen), sodass die<br />

Farben konsistent sind.<br />

Nutzen Sie die Spiegelvorauslösung, sofern<br />

vorhanden, um sicherzustellen, dass die Aufnahmen<br />

scharf werden.<br />

Nutzen Sie den Selbstauslöser (oder einen<br />

Kabelauslöser), damit Sie die Kamera<br />

während der Belichtung nicht berühren müssen.<br />

Ihre DSLR wird während des Bracketings<br />

automatisch schnell hintereinander drei<br />

Bilder mit den unterschiedlichen<br />

Belichtungen aufnehmen. So können<br />

Sie auch sicherstellen, dass die<br />

Szene in identischen Lichtbedingungen<br />

während jeder Bracketing-Belichtung<br />

aufgenommen<br />

wird.<br />

DAVIDS TIPP<br />

HDR vs. Belichtungsfusion<br />

„HDR-<strong>Foto</strong>grafie wurde in den letzten Jahren sehr<br />

beliebt, aber es verführt dazu, Bilder zu perfekt und<br />

damit unrealistisch zu machen”, sagt David. „Aus<br />

diesem Grund ziehe ich die Fusionsoption des<br />

Programms Photomatix Pro vor. Diese produziert<br />

sehr viel realistischere Ergebnisse, wenn man die<br />

unterschiedlich belichteten Bilder mischt.”<br />

178 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Belichtung: 1/60 s bei f/11; ISO100<br />

Linse: 17-40mm f/4<br />

Adrians<br />

Kommentar<br />

„Für diese Aufnahme des At-Bristol<br />

Wissenschaftsmuseums mussten<br />

wir uns hinlegen. Ich befolgte Davids<br />

Anweisungen und versuchte sicherzustellen,<br />

dass es eine Verbindung<br />

gibt zwischen den Kreisen auf dem<br />

Vordergrund und der fokussierten<br />

silbernen Sphäre in der Mitte.<br />

Dieses Bild wurde tatsächlich aus<br />

einer RAW-Datei hergestellt. Diese<br />

habe ich drei Mal bearbeitet und mit<br />

unterschiedlichem Tonumfang abgespeichert.<br />

Unter Daniels Anleitung<br />

nutzte ich dann die Fusionsoption von<br />

Photomatix Pro, um die drei Dateien<br />

zusammenzufügen.”<br />

DAVIDS TIPP<br />

Voraussetzungen für dynamische Bilder<br />

„Während der Ablichtung einer Szene für ein HDR-Bild sind die idealen<br />

Voraussetzungen eine gute Mixtur aus Licht, um den vollen Tonumfang von<br />

dunklen Schatten, über mittlere Töne bis zu hellen Glanzlichtern einzufangen.<br />

Zu kräftige Töne, wie zum Beispiel grelles Mittagssonnenlicht, können<br />

jedoch zu extrem für realistische Ergebnisse sein. Nutzen Sie also frühe<br />

Stunden oder Nachmittage für weicheres Licht oder den frühen Abend,<br />

wenn die Straßenlaternen angehen - so wie wir in Bristol”, rät David.<br />

Danksagung<br />

Wir bedanken uns bei den Mitarbeitern<br />

des At-Bristol (www.at-bristol.org.uk)<br />

und dem Domkapitel der Bristol<br />

Cathedral (www.bristol-cathedral.co.uk).<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 179


Orte<br />

PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #1<br />

Canon Tilt/Shift-Objektiv<br />

„Bei Architektur-<strong>Foto</strong>grafie ist es<br />

zwingend erforderlich, die Linien<br />

und Formen des Gebäudes<br />

akkurat und ohne Verformungen<br />

aufzunehmen - besonders wenn<br />

man für Agenturen und Bilddatenbanken<br />

arbeitet. Wenn ich<br />

mein normales Weitwinkelobjektiv<br />

nutzen würde, um diese Kirche<br />

aufzunehmen, müsste ich meine<br />

Kamera verschwenken, um den<br />

Kirchturm komplett einzufangen. Das<br />

führt zu vertikalen Perspektiven und stürzenden<br />

Linien”, sagt David. „Stattdessen benutze<br />

ich das Canon-Weitwinkelobjektiv TS-E 24mm f/3.5L II USM. Dieses<br />

bietet Verschwenkungen (Tilt) und Verschiebungen (Shift) unabhängig<br />

voneinander für mehr Kontrolle und Flexibilität an. Der Shift-Mechanismus<br />

rotiert +/- 90° und ermöglicht Verschiebungen in alle Richtungen. Der<br />

Tilt-Mechanismus rotiert ebenfalls +/- 90° in Relation zur Verschiebung.<br />

Dadurch sind meine Vertikalen schnurgerade und ich bekomme mehr<br />

Architektur in meine Aufnahmen .”<br />

ADRIANS TIPP<br />

RGB-Histogramm<br />

„Normalerweise nutze ich nur das<br />

Helligkeits-Histogramm, aber David<br />

erklärte mir, dass ich hier nur den<br />

Durchschnittswert der Farbkanäle<br />

Rot, Grün und Blau angezeigt bekomme”, sagt<br />

Adrian. „Mehr und aufgeschlüsseltere Informationen bietet<br />

das RGB-Histogramm. Hier werden die Primärfarben einzeln<br />

angezeigt, sodass ich die Qualität meiner Aufnahmen noch<br />

besser einschätzen kann.”<br />

24-mm-WEITWIN-<br />

KEL-OBJEKTIV<br />

24-mm-TILT-/<br />

SHIFT-OBJEKTIV<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />

Olympus Tilft-/Shift-Objektiv<br />

Ein Objektiv von Olympus auf einer<br />

DSLR von Canon? Wie kann<br />

das funktionieren? David<br />

nutzt die 35mm f/2.8<br />

Tilft-/Shift-Linse mit<br />

einem Konverter, damit<br />

sie auf seine EOS-<br />

DSLRs passt. Er meint<br />

dazu: „Dieses<br />

kompakte Objektiv ist<br />

mein liebstes Zubehör,<br />

denn von Canon gibt es<br />

noch keine 35-mm-Tilt-/<br />

Shift-Objektive.”<br />

DAVIDS TIPP<br />

Live-View einsetzen<br />

„Viele aktuelle DSLRs bieten eine Live-View an.<br />

Dabei handelt es sich um ein tolles Feature für<br />

Architektur-<strong>Foto</strong>grafie. Sie haben damit die<br />

Möglichkeit, perfekte Bildkompositionen zu wählen<br />

und zu belichten - alles, bevor Sie den Auslöser<br />

betätigen”, verrät David. „Stellen Sie das RGB-<br />

Histogramm an während des Live-Views, dann<br />

können Sie Ihre Standard-Belichtung anpassen, um<br />

sicherzustellen, dass die Szenerie perfekt eingefangen<br />

wird. Zudem können Sie, wenn Sie den Auslöser halb<br />

runterdrücken, kurz sehen, wie die verminderte Bracketing-Belichtung<br />

aussieht. Daran erkennen Sie, wie viel oder wie wenig<br />

Lichtdetails Sie aufnehmen werden.”<br />

180 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Belichtung: 0.4 s, 1.6 s und 6 s bei f/11; ISO100<br />

Linse: 24mm f/3.5 Tilt/Shift<br />

Adrians<br />

Kommentar<br />

„Mit Davids Hilfe benutzte ich ein Tilft-/<br />

Shift-Objektiv, um ein akkurates und<br />

unverzerrtes Bild von der Innenansicht<br />

der Bristol Cathedral ohne stürzende<br />

Linien aufzunehmen. Für ein subtibles<br />

HDR-Ergebnis haben wir die drei<br />

Bracketing-Belichtungen vorsichtig<br />

mit dem Photomatix Pros HDR Details<br />

Enhancer bearbeitet. Ich finde es toll,<br />

wie viele Details man in den Steinen und<br />

Fenstern erkennen kann.”<br />

David verlässt sich auf seine<br />

Vollformat-DSLR Canon EOS-1Ds Mk<br />

III. Als Backup hat er auch eine EOS<br />

5D und eine 5D Mk II dabei sowie das<br />

folgende Zubehör:<br />

Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />

Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />

Canon EF 70-200mm f/4L IS USM<br />

Canon TS-E 24mm f/3.5L II Tilt/Shift<br />

Olympus 35mm f/2.8 Tilt/Shift<br />

Nikon AF-S 14-24mm f/2.8<br />

Canon EF 300mm f/2.8L USM<br />

Canon 1.4x II und 2x II Telekonverter<br />

Think Tank Kameratasche<br />

Vanguard Alta Pro 283CT Stativ<br />

FLM CB48 Kugelkopf<br />

Apple MacBook<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 181


Adrians Kommentar<br />

„Wir mussten eine Weile warten, bis keine<br />

Fußgänger mehr im Bild waren, um diese<br />

Aufnahme der Bristol Cathedral zu erstellen. Ich<br />

habe mich für ein Hochformat entschieden,<br />

damit ich die Kurve, die die Poller kreieren, die<br />

gelbe Doppellinie und das Straßenpflaster<br />

nutzen konnte, um den Blick in das Bild zu<br />

lenken. Obwohl Licht und Himmel blass und<br />

grau waren, konnte ich - dank HDR - eine<br />

düstere Stimmung erzeugen. Auch hier<br />

bearbeitete ich die drei Bracketing-Belichtungen<br />

mit dem HDR Details Enhancer von<br />

Photomatix Pro und verstärkte den Kontrast<br />

dann noch in Photoshop.”<br />

Belichtung: 1/13 s, 1/3 s und 1.3 s bei f/13; ISO100<br />

Linse: 17-40mm f/4<br />

HDR-Software Schritt für Schritt<br />

PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #3<br />

HDR-Software<br />

„Meinen Einstieg in HDR fand ich, indem ich<br />

mithilfe der ‚Zu HDR zusammenfügen‘-Option<br />

von Photoshop (nicht in Elements verfügbar)<br />

Belichtungen kombinierte. Aufgrund unterschiedlich<br />

guter Ergebnisse bevorzuge ich<br />

jetzt Photomatix Pro. Da habe ich mehr<br />

Kontrolle und bekomme realistischere<br />

Resultate. Ich nutze auch PTgui (Panoramic<br />

Tools graphical user interface; www.ptgui.<br />

com) für größere Bildkompositionen”, verrät<br />

David.<br />

Photomatix Pro wurde entwickelt, um mehrere Belichtungen zusammenzufassen. Eine Demo-Version kann unter<br />

www.hdrsoft.com heruntergeladen werden.<br />

RAW-Dateien konvertieren<br />

1Nutzen Sie einen RAW-Konverter, wie in<br />

diesem Fall Lightroom 3. Kontrollieren<br />

Sie dann alle drei Bilder, um sicherzustellen,<br />

dass weder Licht- noch Schattendetails<br />

verloren gegangen sind, und passen Sie die<br />

Belichtung gegebenenfalls an. Achten Sie auf<br />

Bewegung zum Beispiel von Menschen, um<br />

zu sehen, wie die HDR-Software diese<br />

rendern wird.<br />

182 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />

Bilder zusammenfassen<br />

2Öffnen Sie die Bilder in Photomatix Pro<br />

und nutzen Sie die Exposure Fusion für<br />

natürlichere Resultate. Während Sie Anpassungen<br />

über die Regler links machen, können<br />

Sie das Histogramm sowie eine <strong>Vorschau</strong> im<br />

Lupenmodus beobachten. Ausgewogene<br />

Bilder bekommen Sie durch Midtones und<br />

Blending Point. Die Regler White/Black Clip<br />

belassen Sie am besten bei null.<br />

Der Feinschliff<br />

3Passen Sie nun alle weiteren Details in<br />

Photoshop CS oder Elements an.<br />

Nutzen Sie hier die Tiefen-/Lichter-Einstellungen,<br />

um weitere Details aus dem<br />

Bild zu holen. Achten Sie auf ein ausbalanciertes<br />

Histogramm (Tonwertspreizung)<br />

und nehmen Sie noch weitere<br />

Anpassungen beim Kontrast vor, sofern<br />

notwendig.


Orte<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />

Weitwinkelobjektiv von Nikon<br />

Ja, das stimmt! David nutzt auch ein Weitwinkelobjektiv<br />

von Nikon! Das Nikon AF-S 14-24mm f/2.8 befestigt er<br />

mit einem Objektivadapter von Novaflex an seiner<br />

DSLR von Canon. „Mit diesem Superweitwinkelobjektiv<br />

werden die Aufnahmen meiner Vollbild-EOS-<br />

1Ds gestochen scharf. Ich bin der Meinung, dass<br />

dieses Gerät alle anderen gleichwertigen Objektive<br />

anderer Hersteller schlägt. Es eignet sich bestens für<br />

Innenaufnahmen in engen Räumen, aber auch für große<br />

Landschaftsaufnahmen”, sagt David.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Deckenbilder!<br />

Bei Architektur-Aufnahmen muss es sich nicht immer um ausufernde<br />

Szenerien handeln: „Wenn ich mit den traditionellen Bildkompositionen<br />

eines Gebäudes fertig bin, suche ich nach interessanten Details für<br />

Kunst- und Abstraktaufnahmen.<br />

Kirchendecken können<br />

sehr fotogen sein, besonders<br />

in großen Kathedralen. Dieses<br />

Beispiel habe ich Octopus<br />

Autopsy genannt und mit<br />

meinen Weitwinkelobjektiv<br />

von Nikon aufgenommen:<br />

AF-S 14-24mm f/2.8 bei<br />

14mm.”<br />

David Clapp<br />

DAVIDS TIPP<br />

Symmetrie ist wichtig<br />

„Wenn Sie Gebäude oder Interieur<br />

fotografieren, lohnt es sich, nach Linien,<br />

Formen, Mauerwerk und Wegen zu<br />

schauen. Diese können den Blick des<br />

Betrachters in das Bild leiten. Die<br />

Innenbereiche von Gotteshäusern bieten<br />

eine perfekte Symmetrie, die Ihnen dabei<br />

hilft. Bei diesen Aufnahmen müssen Sie<br />

für gute Resultate sicherstellen, dass die<br />

Bildkomposition symmetrisch und gerade<br />

ist. Nutzen Sie für Letzteres eine Wasserwaage.<br />

Bei diesem Beispiel habe ich mein Objektiv mit 17-40mm f/4<br />

bei 17mm genutzt”, sagt David.<br />

David Clapp<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 183


Orte<br />

184 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Orte<br />

Belichtung: 3.2 s, 13 s und 30 s bei f/13; ISO100<br />

Linse: 17-40mm f/4<br />

Davids Fazit<br />

„Ein tolles Beispiel für die Vorteile<br />

von HDR – mit nur einer Belichtung<br />

wäre dieser große Tonwertumfang<br />

nicht möglich gewesen. Durch den<br />

geringen Blendenwert und Adrians<br />

Fokussierung wurde die Szene komplett<br />

scharf aufgenommen [1]. Dank der drei<br />

verschiedenen Belichtungen konnte er<br />

nicht nur viele Details in dem beleuchteten<br />

Gebäude darstellen [2], sondern<br />

gleichzeitig auch die Farbe des Himmels<br />

erhalten [3].”<br />

[3]<br />

[1]<br />

[2]<br />

Adrians<br />

Kommentar<br />

„Am späten Nachmittag war das Wetter<br />

nicht so toll, weshalb wir auf die Dunkelheit<br />

gewartet haben - bis die Lichter angingen.<br />

Ich habe das flache Wasser im Vordergrund<br />

genutzt, um Reflexionen einzufangen.<br />

Den Rest der Bildkomposition füllen<br />

die Gebäude und der ausdrucksstarke<br />

Himmel. Durch die lange Belichtungszeit<br />

werden die Fußgänger verschwommen<br />

dargestellt, was ein nettes, sauberes Bild<br />

ermöglicht.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 185


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Action<br />

Seite 200<br />

188 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Seite 210<br />

Action<br />

4Action<br />

Hoch hinaus mit<br />

Action-Aufnahmen!.........................190<br />

Ein alpines Abenteuer................... 200<br />

Fantastische Lichtmalerei.............210<br />

Seite 190<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 189


Action<br />

190 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

Hoch hinaus<br />

mit Action-<br />

Aufnahmen!<br />

Während einer Session mit dem Motorsport-<strong>Foto</strong>grafen<br />

Adam Duckworth lernt<br />

unser Lehrling, fliegende Motocross-<br />

Fahrer und weitere actiongeladene<br />

Aufnahmen einzufangen.<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Emma Holmon<br />

Kamera: Canon EOS 450D<br />

Emma aus Teignmouth in<br />

Devon ist 37 Jahre alt und<br />

Managerin eines Autismus-Pflegedienstes.<br />

Sie fotografiert, seit<br />

sie sich vor vier Jahren eine<br />

DSLR gekauft hat. Ihr Partner<br />

ist leidenschaftlicher Motocross-Fahrer<br />

und sie möchte<br />

in der Lage sein, bessere<br />

Action-Aufnahmen von ihm<br />

aufzunehmen, wenn er an ihr<br />

vorbeirast.<br />

DER PROFI<br />

Name: Adam Duckworth<br />

Kameras: Canon EOS 5D Mk II and EOS 7D<br />

Der 44-jährige Adam aus Northampton ist ein erfolgreicher<br />

Motorsport-<strong>Foto</strong>graf. Er arbeitet seit 1987 als<br />

Profi-<strong>Foto</strong>graf und seit 2007 mit dem Schwerpunkt<br />

Motorsport. Zudem schreibt er für Motorrad-Magazine<br />

inklusive Motor Cycle News und ist derzeit Chefredakteur<br />

und Chef-<strong>Foto</strong>graf des Moto Magazine (www.<br />

motomagazine.co.uk). Er ist Autor zweier <strong>Foto</strong>grafie-Bücher:<br />

One Light Flash und The Flash Photography<br />

Field Guide und hält <strong>Foto</strong>grafie-<strong>Workshop</strong>s ab.<br />

Mehr Informationen finden Sie auf seiner Webseite:<br />

www.adamduckworth.com.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 191


Action<br />

Technik-Check<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Externe Blitzgeräte<br />

Adam ist ein großer Befürworter von<br />

Blitzgeräten, die die Beleuchtung bei seinen<br />

Motocross-Aufnahmen verbessern. „Der<br />

Blitz der meisten Kameras ist okay für<br />

einfache Aufnahmen, aber durch den<br />

Einsatz eines Blitzgerätes sehen die <strong>Foto</strong>s<br />

sehr viel besser aus”, sagt er. „Damit kann<br />

man die Richtung des Lichts kontrollieren.<br />

Zum Beispiel mit einem Seitenlicht, um<br />

Tiefe durch Schatten zu erzeugen. Mit<br />

einem Blitzgerät bekommt man gute<br />

Ergebnisse, aber ich nutze meistens<br />

zwei bis drei auf Stativen, die ich mit<br />

einem kabellosen Auslöser von<br />

PocketWizard abfeuere.”<br />

Ist Emma bereit für Action-<strong>Foto</strong>s?<br />

Nachdem Emma einige Aufnahmen von unserem MX-Fahrer und seinem Motorrad erstellt hat, bekam sie von Adam Tipps, um<br />

ihre Technik zu verbessern.<br />

Auf manuell<br />

umstellen<br />

„Bis jetzt habe ich immer das<br />

Motiv-Pogramm Sport in der<br />

Vollautomatik benutzt”, gibt Emma<br />

zu. „Adam zeigte mir aber, dass<br />

ich im manuellen Modus viel mehr<br />

Kontrolle über meine Aufnahmen<br />

habe. Ich lernte, wie man die<br />

Szenerie richtig belichtet, indem<br />

man das Histogramm auf dem Display der Kamera einsetzt. Hier kann<br />

ich bei jeder Aufnahme anhand der blinkenden Bereiche erkennen,<br />

wenn diese falsch belichtet wurden.”<br />

RAW statt JPEG<br />

„Normalerweise erstelle ich alle<br />

meine Aufnahmen als JPEGs”,<br />

sagt Emma, „Adam erklärte mir<br />

allerdings, dass ich mit RAW<br />

meine Bilder später besser<br />

bearbeiten kann. Erst versuchte<br />

ich, die JPEG+RAW-Option zu<br />

verwenden, aber meine Kamera<br />

konnte mit der Geschwindigkeit,<br />

mit der ich fotografierte, in dieser Einstellung nicht mithalten. Ich<br />

wechselte auf RAW und das Gerät funktionierte viel verlässlicher und<br />

war in der Lage, den Moment einzufangen.”<br />

192 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

Emmas Kommentar<br />

„Bevor wir mit den Action-Aufnahmen anfingen, schlug Adam vor, ein paar coole Portraitbilder unseres<br />

MX-Fahrers Dave neben seinem frisch gereinigten Motorrad zu machen. Es war ein grauer Tag, deswegen half<br />

Adam mir, die Blitzgeräte aufzustellen. Wir nutzten einen Schirm, um diffuses Licht auf Dave zu lenken. Ich<br />

nahm im manuellen Modus auf, 1/200 s bei f/13 für einen effektvollen Himmel und einen ISO-Wert von 200,<br />

damit der Blitz stark genug ist, um das Motorrad zu erleuchten. Ich habe kniend fotografiert, aber Adam<br />

veranlasste mich dazu zu fokussieren, dann die Kamera nach unten zu richten und den Auslöser zu betätigen,<br />

um ein dynamischeres Bild mit der Blickrichtung nach oben zu bekommen.”<br />

MIT BLITZ<br />

ADAMS TIPP<br />

Blitzgeräte nutzen!<br />

„Bevor wir unseren MX-Fahrer auf seinem<br />

Motorrad fotografierten, habe ich Emma<br />

gesagt, dass es gut wäre, einige Schnappschüsse<br />

des Gefährts aufzunehmen, solange<br />

es noch sauber ist”, sagt Adam. „Zuerst haben<br />

wir Bilder mit einem Weitwinkelobjektiv und<br />

ohne Blitz gemacht, aber der Himmel war<br />

langweilig, darum habe ich zwei Blitzgeräte<br />

aufgestellt und das Motorrad angeleuchtet,<br />

während der langweilige Himmel mit dreieinhalb<br />

Stufen (von f/4 bis f/13) unterbelichtet<br />

wurde. Das erzeugte ein professionelleres Bild.”<br />

OHNE BLITZ<br />

PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #2<br />

PocketWizard-Auslöser<br />

Um seine Blitzgeräte ferngesteuert<br />

auslösen zu können, benutzt Adam<br />

drei Sets der PocketWizard Flex TT5<br />

Auslöser (je ca. 210 €), die von einem<br />

PocketWizard-Mini-TT1 Auslöser (ca.<br />

200 €) auf dem Blitzschuh seiner<br />

Kamera abgefeuert werden, zusammen<br />

mit einem AC3-Zone-Controller<br />

(ca. 71 €). „Die sind zwar teuer, aber<br />

die besten Auslöser, die es gibt, weil<br />

sie verlässlich sind und mir dabei<br />

<strong>helfen</strong>, mehrere Blitze aus der Ferne<br />

auszulösen”, sagt Adam.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 193


Action<br />

ADAMS TIPP<br />

Auf den Hintergrund achten<br />

Adam sagt, dass der Hintergrund einer Aufnahme genauso<br />

wichtig ist wie das Subjekt im Vordergrund. „Vermeiden Sie<br />

unbedingt Reifenflanken, Banner und hässliche Ablenkungen”,<br />

rät er. „Auch wenn Sie sehr schnell fotografieren werden,<br />

schauen Sie sich die Strecke vorher an. Suchen Sie sich eine<br />

geeignete Position und zoomen Sie heran, um zu verhindern,<br />

dass das Bild von Störungen im Hintergrund ruiniert wird.<br />

Wählen Sie zudem einzelne Autofokuspunkte, um den Fahrer zu<br />

verfolgen, aber seien Sie vorsichtig, dass Sie nicht den Hintergrund<br />

fokussieren.”<br />

PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #3<br />

Telezoom-Objektiv<br />

Da man sich direkt an die Motocross-Strecke<br />

stellen kann, reicht<br />

bei einer normalen DSLR, die einen<br />

Crop-Sensor mit 1,5- oder 1,6x-Multiplikationsfaktor<br />

mitbringt, ein<br />

70-200-mm-Objektiv. Das sollte<br />

reichen, da die tatsächliche „Brennweite“<br />

bei 200 mm dann 300-320<br />

mm beträgt. Adam sagt dazu: „Ich<br />

liebe mein 70-200-mm-Objektiv mit<br />

f/2.8. Es ist schnell und der hohe<br />

maximale Blendenwert von f/2.8<br />

bleibt durchgehend von 70mm bis<br />

zu 200mm. Mit offener Blende<br />

erstellt es tolle, verschwommene<br />

Hintergründe.” Adams Profi-Objektiv<br />

kostet ca. 2.100 €, während ein<br />

Objektiv mit 70-200mm f/4L nur eine<br />

Blendenstufe schlechter ist, aber<br />

auch nur ungefähr die Hälfte kostet.<br />

194 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

Belichtung: 1/500 s bei f/4; ISO800<br />

Linse: 70-200mm f/4<br />

In seiner <strong>Foto</strong>grafen-Tasche trägt Adam<br />

eine Vollformat-Canon EOS 5D Mk II und<br />

eine schnelle Canon EOS 7D zusammen<br />

mit diesen Objektiven und Zubehör:<br />

Canon EF 24mm f/1.4 II USM<br />

Canon EF 24-70mm f/2.8L USM<br />

Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />

Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM<br />

Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />

Canon EF 50mm f/1.4 USM<br />

Canon EF 85mm f/1.2L II USM<br />

Canon EF 300mm f/2.8L IS II USM<br />

3x Canon Speedlite 580EX II Blitzgeräte<br />

Pocket Wizard Flex TT5 Auslöser<br />

3x Manfrotto Nano Ständer<br />

Emmas Kommentar<br />

„Adam meinte, meine DSLR muss mindestens<br />

genauso schnell sein wie der Fahrer.<br />

Darum sollte ich die Einstellungen sehr<br />

überlegt wählen. Der Verschluss sollte<br />

zwischen 1/500-1/800 liegen und der<br />

Blendenwert sehr niedrig sein - f/5.6 oder<br />

sogar f/4, je nachdem was das Objekt leisten<br />

kann. Adam sagte, ich sollte auch den<br />

ISO-Wert so weit hochsetzen, bis eine<br />

schnelle Verschlusszeit erreicht wurde.<br />

Generell sollte der ISO-Wert aber so niedrig<br />

wie möglich sein, bei schlechtem Wetter<br />

kann man ihn allerdings bis zu 800 hochstellen,<br />

so wie wir hier.”<br />

ADAMS TIPP<br />

Höhepunkte aufnehmen<br />

„Um sicherzugehen, dass Sie den<br />

Höhepunkt der Action aufnehmen,<br />

drücken Sie den Auslöser beim Start einer<br />

Drehung oder eines Sprungs und fotografieren<br />

Sie im Burst-Modus bis zum Schluss<br />

durch. Wenn Sie die Aufnahmen bearbeiten,<br />

achten Sie auf Winkel, dynamische<br />

Positionen und Bewegungen, die den<br />

perfekten Moment eingefangen haben.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 195


Action<br />

EMMAS TIPP<br />

Bildstabilisator abstellen<br />

„Adam schlug vor, dass ich den Bildstabilisator<br />

meines Telephoto-Objektivs ausschalte. Das hört<br />

sich erstmal falsch an, aber dadurch erhöht sich die<br />

Geschwindigkeit des Autofokus an der Linse und da<br />

man mit kurzer Verschlusszeit fotografiert, braucht man<br />

den Stabilisator nicht.”<br />

Emmas<br />

Kommentar<br />

„Dave hat sich schnell bewegt,<br />

darum musste ich gut vorbereitet<br />

sein, bevor er um die Ecke<br />

sauste. Adam zeigte mir, dass<br />

wenn ich von automatischer<br />

AF-Punktmessung auf mittenbetonter<br />

Messung umstelle, ich<br />

gestochen scharfe Aufnahmen<br />

einfangen kann. Der Nachteil<br />

einzelner AF-Punkte ist, dass<br />

man aufpassen muss, damit der<br />

Fokus nicht auf dem Hintergrund<br />

einrastet, wie es mir ein<br />

paar Mal passiert ist. Für sich<br />

bewegende Motive ist auch<br />

wichtig, dass man einen<br />

kontinuierlichen Autofokus<br />

aktiviert.”<br />

Belichtung: 1/800 s bei f/4; ISO800<br />

Linse: 70-200mm f/4<br />

196 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action Sport<br />

Belichtung: 1/200 s bei f/9; ISO200<br />

Linse: 70-200mm f/4<br />

Emmas Kommentar<br />

„Ich habe gelernt, dass man die Lichtbedingungen genau einschätzen muss, um dann<br />

die Kameraeinstellungen und das Lichtequipment auf die Umgebung anpassen zu<br />

können. Adam zeigte mir, dass externe Blitzgeräte bei jedem Wetter nützlich sein können.<br />

Sie erhellen das Motiv im Dunkeln und füllen dunkle Schatten an sonnigen Tagen auf. Wir<br />

haben drei externe Blitzgeräte auf Ständern benutzt. Anfangs war ich ein wenig eingeschüchtert<br />

von dem Gedanken, diese einzusetzen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass<br />

sie gar nicht so schwer zu bedienen waren, wie ich dachte, und Adam stellte sie so ein,<br />

dass sie automatisch losfeuerten. Er gab mir außerdem den Rat, beim Streckendienst<br />

anzufragen, bevor ich Blitzlicht einsetze, da das die Fahrer ablenken kann.”<br />

UNSER PROFI-MX-FAHRER<br />

Der Motocross-Fahrer<br />

auf den Aufnahmen ist<br />

der zweimalige British<br />

Motocross Champion<br />

Dave Willet. Dave, 32,<br />

ist zudem Cheftestfahrer<br />

für Moto-Magazine<br />

und andere große<br />

Motocross-Marken.<br />

ADAMS TIPP<br />

Perfekt mitziehen<br />

„Um Ihre Schwenktechnik zu verbessern, setzen Sie als Erstes<br />

die Verschlusszeit auf ca. 1/160 s (nutzen Sie das Tv-Programm).<br />

Positionieren Sie Ihre Füße schulterweit voneinander<br />

entfernt und drehen Sie sich gleichmäßig mit dem Motiv in<br />

Ihrem Bildsucher mit, während es vorbeifährt. Wenn Sie jetzt<br />

konstant scharfe Aufnahmen von dem Motiv erhalten, fangen<br />

Sie an, die Verschlusszeit eine Stufe nach der anderen zu<br />

verringern, um den Hintergrund zu verwischen und damit ein<br />

Gefühl von Geschwindigkeit zu kreieren. Eine Zeit von 1/60 s<br />

eignet sich dafür gut und das Motiv bleibt trotzdem scharf.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 197


Action<br />

Adams Fazit<br />

„In dieser Aufnahme ist alles drin! Der Hintergrund ist<br />

gut verschwommen [1], sodass er nicht vom Fahrer<br />

ablenkt, und die Verschlusszeit hat die Action super<br />

eingefroren [2]. Emma hat die Belichtung richtig hinbekommen,<br />

sodass der Himmel nicht zu hell<br />

dargestellt wird [3]. Sie hat es auch geschafft, die<br />

schräge Position von Fahrer und Motorrad einzufangen<br />

[4]. Das sieht man an der Bewegung des Vorderrades,<br />

das gerade um die Ecke geschossen kommt.”<br />

[3]<br />

[1]<br />

[4]<br />

[2]<br />

Emmas Kommentar<br />

„Durch Einsatz des Serienaufnahmenmodus habe ich<br />

es geschafft, diesen dynamischen Moment einzufangen.<br />

Die Art, wie der Schlamm von den Reifen<br />

wegspritzt, und die Position von Fahrer und Motorrad,<br />

während er um die Ecke prescht, sind richtig aufregend.<br />

Unglaublich, dass ich so eine tolle Aufnahme<br />

erstellt habe. Ich kann es gar nicht abwarten, mein neu<br />

erworbenes Action-<strong>Foto</strong>-Wissen auszuprobieren.”<br />

198 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

Belichtung: 1/500 s bei f/4; ISO800<br />

Linse: 70-200mm f/4<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 199


Action<br />

DER PROFI<br />

Name: Adrian Myers<br />

Kamera: Canon EOS-1Ds Mark II<br />

Adrian fing mit 17 an zu fotografieren und<br />

wurde 1996 Profi-<strong>Foto</strong>graf. Jetzt mit 36<br />

wohnt er in London und fotografiert<br />

Actionsportler für Lynx, Quicksilver, FHM,<br />

GQ, Harrods, BBC, Channel 4 und<br />

McLaren. Seine Ski-<strong>Foto</strong>s zieren regelmäßig<br />

das Cover der Daily Mail Ski and<br />

Snowboard - Großbritanniens größtes<br />

Ski- und Snowboard-Magazin. Mehr<br />

erfahren Sie hier: www.hmmm-uk.com.<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Geoff Andrew<br />

Kamera: Canon EOS 40D<br />

Der Neuseeländer Geoff ist pensioniert<br />

und lebt inzwischen in Somerset. Er<br />

fotografiert seit zehn Jahren und macht<br />

gerne Wildtier- sowie Reisebilder. Seit<br />

2004 verbringt er jedes Jahr den Winter<br />

in Sainte Foy in den französischen<br />

Alpen. Da er genauso gerne Ski fährt,<br />

wie er fotografiert, möchte er lernen, wie<br />

er seinen Lieblingssport mit der Kamera<br />

einfangen kann.<br />

200 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

Ein alpines<br />

Abenteuer<br />

Lernen Sie, wie man atemberaubende Ski-Aufnahmen macht,<br />

wenn Actionsport-<strong>Foto</strong>graf Adrian Myers unserem Lehrling einen<br />

Crashkurs in den französischen Alpen gibt.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 201


Action<br />

Technik-Check<br />

Ist Geoff bereit für<br />

eiskalte Action?<br />

Nachdem Geoff sich wortwörtlich aufgewärmt und einige Ski-Aufnahmen<br />

erstellt hatte, fielen Adrian einige Möglichkeiten ein, wie sein Lehrling<br />

seine Aufnahmen verbessern könnte.<br />

MEHR BILDER<br />

PRO SEKUNDE<br />

BESSER<br />

FOKUSSIEREN<br />

Serienbilder<br />

„Ich konnte Geoff überzeugen, auf<br />

die Betriebsart schnelle Serienaufnahmen<br />

umzustellen”, sagt Adrian.<br />

„Damit nimmt seine SLR 6,5 Bilder<br />

pro Sekunde auf, wenn der Skifahrer<br />

vorbeisaust. Er kann später schauen,<br />

welche Aufnahme die beste ist.”<br />

202 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />

AI Servo AF<br />

„Geoff sollte den AF-Modus auf „AI<br />

Servo AF“ stellen, der eignet sich gut<br />

für sich bewegende Motive, bei denen<br />

sich der Fokussierabstand ändert”,<br />

sagt Adrian. „Ich zeigte ihm, wie man<br />

den Auslöser halb nach unten drückt,<br />

um kontinuierlich zu fokussieren.”<br />

Adrian verlässt sich auf Canons EOS-1Ds Mark II.<br />

Damit fotografiert er seine unglaublichen<br />

Actionsport-<strong>Foto</strong>s. Er hat auch eine Canon EOS 5D<br />

als Backup dabei sowie dieses Zubehör:<br />

Canon EF 20mm f/2.8 USM<br />

Canon EF 70-200mm f/2.8L IS USM<br />

Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />

4x4 GB, 4x2 GB und 6x1 GB Lexar Compact Flash<br />

2x 500 GB LaCie Rugged externe Festplatten


Action<br />

ADRIANS TIPP<br />

Den Kleiderschrank<br />

immer dabeihaben<br />

„Bei wichtigen Aufnahmesessions<br />

trage ich eines der Outfits des Models<br />

und nachdem wir halb durch sind,<br />

tauschen wir die Kleidung. Dadurch<br />

bekomme ich noch mal eine ganze<br />

Reihe von Aufnahmen mit einer<br />

farblich anderen Ausrüstung. Es ist<br />

erstaunlich, wie unterschiedlich Bilder<br />

nach einem schnellen Umziehen<br />

wirken.”<br />

GEOFFS TIPP<br />

Sicherheit geht vor!<br />

Geoff hat seinen Spaß im<br />

Tiefschnee abseits der Pisten!<br />

Der erfahrene Skifahrer Geoff hat gute Sicherheitstipps<br />

anzubieten: „Ziehen Sie nicht bei schlechtem Wetter los,<br />

erzählen Sie immer jemandem, wo Sie hingehen und wann Sie<br />

zurück sein wollen. Wenn möglich, gehen Sie nicht alleine und<br />

nehmen Sie ein Handy mit, in dem die Nummer der Bergrettung<br />

eingespeichert ist. Sie sollten zudem ein Lawinensuchgerät<br />

dabeihaben (siehe unten). Am besten tragen Sie mehrere<br />

Schichten: eine Mütze, Handschuhe sowie warme wind- und<br />

wasserfeste Kleidung.”<br />

PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #1<br />

Lawinensuchgerät<br />

„Ich habe immer dieses<br />

LVS-Gerät dabei”, sagt Adrian.<br />

„Bei dieser Aufnahme-Session<br />

hatten sowohl unser Model Chris<br />

als auch Geoff und ich eines dabei.<br />

Ich bin ein erfahrener Skifahrer, aber<br />

wenn wir abseits der Pisten Aufnahmen<br />

erstellen, kann man trotzdem in eine<br />

Lawine geraten. Dieses Suchgerät<br />

steigert die eigenen Überlebenschancen<br />

deutlich, denn Sie senden ein Signal<br />

aus, das es den Rettern ermöglicht, den<br />

genauen Ort verschütteter Lawinenopfer<br />

zu ermitteln.”<br />

Belichtung: 1/1600 s bei f/5.6; ISO200<br />

Geoffs<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Kommentar<br />

„Es handelt sich um eine der<br />

ersten Aufnahmen, daher bin<br />

ich sehr zufrieden. Sie zeigt<br />

sowohl Geschwindigkeit<br />

als auch Bewegung und mir<br />

gefällt die Belichtung und<br />

der Fokus. Die Sonne war<br />

auf unserer rechten Seite<br />

und ich setzte mein Weitwinkelobjektiv<br />

ein, um den<br />

Skifahrer zusammen mit<br />

seinen Skistöcken einzufangen,<br />

während er den Schnee<br />

aufwirbelt. Adrian wies mich<br />

darauf hin, dass zu viel Sonne<br />

rechts oben ablenkend ist.<br />

weswegen ich das Bild in<br />

Photoshop beschnitten habe,<br />

um den Einfluss der Sonne zu<br />

reduzieren.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 203


Action<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Ein Weitwinkelobjektiv nutzen<br />

„Direkt zu Beginn unserer Session riet ich Geoff, sein Weitwinkelobjektiv<br />

(Canon EF-S 17-85mm) mit einer Brennweite zwischen 17<br />

oder 20 mm zu nutzen. Damit stellt er sicher, dass er nicht nur<br />

den halben Skifahrer aufnimmt”, sagt Adrian. „Er kann das Bild<br />

hinterher einfach ein wenig in Photoshop beschneiden, wenn sich<br />

zu viel leerer Platz um das Motiv befinden sollte.”<br />

ADRIANS TIPP<br />

Das<br />

weißeste<br />

Weiß<br />

Ihre DSLR wird von sich aus versuchen, den<br />

weißen Schnee grau darzustellen, da sie<br />

denkt, er ist überbelichtet. Es gibt einen<br />

einfachen Weg, das zu verhindern: „Ich<br />

fotografiere im manuellen Modus. Dabei führe ich eine Messung des<br />

Schnees durch - indem ich die Kamera auf den Schnee richte, den<br />

Autofokus nutze und dann ein Bild aufnehme”, sagt Adrian. „Der<br />

Blendenwert liegt dabei bei ca. f/16, dann öffne ich die Blende zwei<br />

Stufen auf f/8, um den Schnee richtig zu belichten.” Wo wir gerade bei<br />

Schnee sind: Entfernen Sie sich nicht zu weit von den markierten<br />

Skipisten, es sei denn, Sie kennen sich aus und wissen, dass kein<br />

Lawinenrisiko besteht. „Wir haben uns immer in der Nähe der sicheren<br />

Skipisten aufgehalten. Man muss nicht weit wandern, um gute Plätze<br />

mit frischem, unberührtem Schnee zu finden”, sagt Adrian. „Schauen<br />

Sie sich oben bei den Liften um, dort wo die Sonne scheint.”<br />

PROFI-<br />

AUSSTATTUNG#2<br />

Walkie-Talkies<br />

„Walkie-Talkies sind essenziell<br />

für die Kommunikation mit dem<br />

Ski-Model, das Sie fotografieren.<br />

Es wird sich oft außerhalb Ihrer<br />

Sicht oder Rufweite befinden. Sie<br />

können die Walkie Talkies nutzen, um<br />

sich darüber zu verständigen, wann Sie bereit<br />

sind, die Aufnahme zu machen.”<br />

204 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

Skibrille<br />

„Sie sollten immer eine Skibrille tragen”,<br />

sagt Adrian. „Die Erfahrung hat mir<br />

gezeigt, dass sich das besonders bei<br />

Action-Aufnahmen bezahlt macht. Der<br />

Skifahrer kommt einem bei hohen<br />

Geschwindigkeiten sehr nah. Sowohl<br />

der Schnee als auch die Fahrer sind<br />

manchmal schwer einzuschätzen und<br />

man weiß nie, wann ein Fehler passiert und<br />

es zu einem Zustammenstoß kommt.“<br />

GEOFFS TIPP<br />

Den manuellen<br />

Modus nutzen<br />

„Adrian ermutigte mich dazu,<br />

im manuellen Modus zu<br />

fotografieren, damit ich die<br />

volle Kontrolle über Verschlusszeit<br />

und Blende habe. So kann<br />

ich Aufnahmen so belichten,<br />

wie ich möchte (statt es meiner<br />

Kamera zu überlassen). Ich<br />

habe schnell gemerkt, dass meine <strong>Foto</strong>s viel genauer wurden.<br />

Der Skifahrer war scharf und der Schnee sowie die Umgebung<br />

waren perfekt belichtet - und nicht unterbelichtet, wie es mir<br />

früher bei der Verwendung der Zeitautomatik oft passiert ist.”<br />

Belichtung: 1/2000 s bei f/8; ISO200<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Geoffs<br />

Kommentar<br />

„Bei dieser Aufnahme<br />

befanden wir uns auf dem<br />

gleichen Hang wie für<br />

den Hot Shot #1. Diesmal<br />

schauten wir in die andere<br />

Richtung und lehnten uns<br />

gegen den Hang. Das<br />

Ski-Model fuhr in einer<br />

großen Kurve um uns rum.<br />

Ich verfolgte seine Bewegungen.<br />

Bei diesem <strong>Foto</strong><br />

gefallen mir besonders<br />

die Berge und die Bäume<br />

darunter und dahinter -<br />

beides fügt sich gut in die<br />

alpine Atmosphäre ein.<br />

Meine Reaktionszeit und<br />

meine Selbstsicherheit<br />

hatten sich verbessert,<br />

darum habe ich mit einer<br />

Brennweite von 30mm ein<br />

wenig reingezoomt.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 205


e<br />

Action<br />

UNSER SKIFAHRER<br />

Chris Rowe, 22, ist einer der<br />

besten Freeskiers Großbritanniens.<br />

Er fährt gerne Ski<br />

- auf und neben den Pisten.<br />

Er nimmt regelmäßig an<br />

Wettbewerben teil und lässt<br />

sich oft für Ski-Magazine<br />

abbilden. Chris wird von<br />

Salomon, Dare2be sowie<br />

Scott and Sweet gesponsert.<br />

Mehr erfahren Sie auf<br />

seiner Webseite:<br />

www.chris-rowe.co.uk.<br />

PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #5<br />

Kamera-Rucksack<br />

„Mein Kamera-Rucksack ist super<br />

für Ski-Aufnahmen”, sagt Adrian.<br />

„Ich kann damit das Gewicht der<br />

Ausstattung gut verteilen<br />

und verhindern, dass die<br />

einzelnen Teile sich zu<br />

sehr hin und her<br />

bewegen. Darum<br />

kann ich auf<br />

meinen Ski zu<br />

Aufnahmeorten<br />

fahren, ohne dass<br />

mich das Gewicht<br />

aus der Balance<br />

bringt.”<br />

e<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />

Ersatzhandschuhe<br />

Handschuhe halten die Hände<br />

zwar warm, aber man verliert<br />

auch das Gefühl für den<br />

Auslöser. Adrian schwört auf<br />

warme, aber dünne Thermo-Handschuhe,<br />

die er unter<br />

seinen gefütterten Ski-Fäustlingen<br />

trägt. „Ich kann damit meine<br />

dicken Handschuhe ausziehen und<br />

trotzdem den Auslöser mit Gefühl betätigen”,<br />

sagt er.<br />

206 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

VIELEN DANK!<br />

Wir bedanken uns bei dem<br />

Touristenzentrum von Sainte Foy (www.<br />

saintefoy.net) und Optimum Ski (www.<br />

optimumski.com) für die Unterbringung<br />

im Chalet Tarentaise.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

ISO-Wert<br />

hochsetzen<br />

Adrian empfiehlt bei Ski-Action-Aufnahmen, den<br />

ISO-Wert hochzusetzen. Es war ein sonniger Tag und der<br />

Schnee reflektierte viel Licht auf unser Motiv. „Durch das<br />

Erhöhen von ISO 100 auf 200 bekommt man eine<br />

schnellere Verschlusszeit”, sagt Adrian. „Bei<br />

f/6.3-f/8 kann man dann mit ca. 1/1600 s<br />

aufnehmen und die Bewegung einfrieren.<br />

Dadurch bekommt man schärfere Aufnahmen<br />

und bei ISO 200 braucht man sich keine Sorgen<br />

wegen Bildrauschen zu machen.”<br />

Geoffs<br />

Kommentar<br />

„Wir fuhren den Berg<br />

runter und fanden diesen<br />

Fels, von dem Chris nur<br />

zu gerne runtersprang.<br />

Adrian schlug vor, dass<br />

wir uns darunter positionieren<br />

und im Hochformat<br />

aufnehmen, um<br />

die Höhe des Sprungs<br />

darzustellen. Ich fotografierte<br />

mit einem Blendenwert<br />

von f/6.3 und einer<br />

schnellen Verschlusszeit<br />

von 1/2000 s.”<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 207


Action<br />

Adrians Fazit<br />

„Geoff war der perfekte Schüler - er hörte<br />

aufmerksam zu und setzte meine Vorschläge<br />

dann um. Nach nur einem Tag hat er diese tolle<br />

Aufnahme hinbekommen. Ich habe ihn dazu<br />

veranlasst, den Felsen vorzufokussieren und<br />

dann auf manuellen Fokus zu wechseln, damit<br />

Chris scharf dargestellt wird. Die Belichtung ist<br />

toll. Der Schnee ist richtig weiß und trotzdem<br />

finden sich im Felsen noch genug Details [1]. Der<br />

ISO-Wert von 200 und die Verschlusszeit von<br />

1/1250 s halfen dabei, die Action einzufrieren [2].<br />

Zudem ist die Bildkomposition super - er hat<br />

Chris mit dem blauen Himmel hinter ihm<br />

eingefangen [3]. Nur wenig später würde Chris im<br />

Fels als Hintergrund verloren gehen [4].”<br />

4<br />

Geoffs Kommentar<br />

„Ich bin sehr stolz auf diese Aufnahme. Ich habe<br />

versucht, alles, was Adrian mir beigebracht<br />

hat, hier anzuwenden, und ich finde, das ist mir<br />

gelungen. Chris schoss ziemlich schnell über die<br />

Kante, weswegen Adrian meinte, ich sollte manuell<br />

fokussieren. Ich machte mehrere Aufnahmen<br />

im Serienbildmodus und finde diese am besten,<br />

da sie die Begeisterung und das Gefühl der Gefahr<br />

einfängt, während Chris ein weiteren Sprung<br />

ins Ungewisse macht.”<br />

208 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

Belichtung: 1/1250 s bei f/5.6; ISO200<br />

Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 209


Action<br />

Fantastische<br />

Lichtmalerei<br />

Hier lernen Sie, wie man umwerfende Aufnahmen im<br />

Dunkeln erstellt. Unser Lehrling wird dazu in der Kunst<br />

der Lichtmalerei unterrichtet.<br />

210 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

DER PROFI<br />

Name: Andrew Whyte<br />

Kamera: Nikon D300<br />

Andrew interessiert sich für <strong>Foto</strong>grafie, seit<br />

er seine Arbeitsstelle aufgegeben hat, um<br />

sich um seine kleinen Kinder zu kümmern.<br />

Während der Nacht zu fotografieren, war<br />

seine einzige Möglichkeit, aus dem Haus<br />

zu kommen. Seine unglaublichen Lichtmalerei-Talente<br />

sind inzwischen unter<br />

Auto-Enthusiasten sehr gefragt. Unter<br />

www.longexposures.co.uk können Sie sich<br />

selber davon überzeugen.<br />

DER LEHRLING<br />

Name: Eddie Bull<br />

Kamera: Nikon D700<br />

Eddie arbeitet in einem Autohaus<br />

in der Nähe seines Wohnortes<br />

Bognor Regis. Früher fotografierte<br />

er mit einer Olympus<br />

OM-10, aber letztes Jahr hat er<br />

sich seine erste DSLR gekauft,<br />

um diese auf eine Kreuzfahrt an<br />

der Adria mitzunehmen. Er<br />

interessiert sich für Nachtaufnahmen<br />

und möchte wissen, wie<br />

er bessere <strong>Foto</strong>s mit seiner<br />

Kamera machen kann.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 211


Action<br />

Belichtung: 1/500 s bei f/4; ISO800<br />

Linse: 70-200mm f/4<br />

Technik-Check<br />

Ist Eddie bereit für die Nacht?<br />

Als es dunkel wurde, gab Andrew Eddie Tipps für seine Kameraeinstellungen, die seine Nachtaufnahmen verbessern sollen.<br />

Brillant sein<br />

„Wenn Sie Autolichtspuren<br />

und Nachtlichter<br />

fotografieren wollen,<br />

wollen Sie auch die<br />

kräftigsten Farben<br />

einfangen, die Ihre<br />

Kamera erlaubt. Dafür<br />

setze ich die Bildkontrolle-Konfiguration<br />

meiner Kamera auf ‚Brillant‘ und drehe dann<br />

noch manuell Kontrast, Sättigung und Schärfe<br />

hoch, um die ausdrucksstarken Ergebnisse zu erlangen, die diese<br />

Gattung der <strong>Foto</strong>grafie verlangt.”<br />

JPEG und RAW<br />

„Ich fotografiere am liebsten<br />

im JPEG-Format, da es alle<br />

Einstellungen mit berücksichtigt.<br />

Bei RAW hingegen<br />

werden zum Beispiel die<br />

Bildkontrolle-Konfigurationen<br />

nicht beibehalten und es ist<br />

schwierig, diese bei der<br />

Bildbearbeitung wiederherzustellen.<br />

Aber das <strong>Foto</strong>grafieren meiner Nachtaufnahmen bedeutet auch,<br />

dass ich manchmal mehrere Bilder zusammenfügen muss, und einige<br />

Ebenen profitieren davon, in RAW aufgenommen zu werden. Daher arbeite<br />

ich mit der Bildqualität RAW + JPEG.”<br />

212 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />

Warnweste<br />

„Wenn Sie an einer viel befahrenen Straße<br />

fotografieren und vielleicht von Ihrer Kamera<br />

abgelenkt sind, ist es wichtig, dass Sie verstärkt<br />

auf Ihre eigene Sicherheit achten“, warnt Andrew.<br />

„Tragen Sie eine Warnweste, damit die Autofahrer<br />

Sie gut erkennen können. Diese Signalwesten<br />

sind sehr günstig und reflektieren das Licht stark.<br />

Darum mussten Eddie und ich unsere Westen für<br />

einige Hintergrund-Aufnahmen ausziehen, aber<br />

es war immer jemand mit heller Kleidung<br />

anwesend!“<br />

Stellen Sie die Verschlusszeit im manuellen<br />

Modus bei einem Blendenwert<br />

von ca. f/11 ein.<br />

Belichten Sie nicht<br />

zu lange, sonst<br />

verschmelzen die<br />

Scheinwerfer zu sehr und<br />

Sie verlieren Details.<br />

Eddies Kommentar<br />

„Bei unserem ersten Aufnahmeort kamen wir lange,<br />

bevor es dunkel wurde, an. Wir hatten gehofft, dass<br />

der Himmel eine schöne Farbe annehmen würde, aber<br />

der graue Tag wurde nur noch trüber. Die frühe<br />

Ankunft war aber trotzdem nicht umsonst. Andrew<br />

erklärte mir, dass es wichtig sei, gründlich nach<br />

Bildkompositionen für die Nacht zu suchen - und das<br />

idealerweise schon, bevor es komplett dunkel wird.<br />

Ansonsten kann es passieren, dass man zum Beispiel<br />

einen Zweig im Vordergrund übersieht, der erst<br />

auffällt, wenn man sich die Bilder zu Hause anschaut.<br />

Ich habe außerdem gelernt, dass man diese Aufnahmen<br />

per Autofokus auf ein Licht in der Mitte fokussiert.<br />

Ich mag dieses <strong>Foto</strong>, da die sich entfernenden Autos<br />

alle in ihrer Spur bleiben und dadurch ein sauber<br />

verlaufendes, rotes Licht erzeugen.”<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Tipps für Auto-<br />

Lichtspuren<br />

Bei langen Belichtungszeiten ist es wichtig,<br />

dass die Kamera richtig eingestellt ist. Hier<br />

die zehn besten Tipps, um die Erfolgsquote<br />

bei Aufnahmen von Verkehrslichtspuren zu<br />

maximieren.<br />

Stellen Sie den niedrigsten ISO-Wert<br />

ein, den Ihre Kamera erlaubt, um<br />

Rauschen in den Aufnahmen zu minimieren.<br />

Um herauszufinden, welche Verschlusszeit<br />

die richtige ist, zählen Sie<br />

langsam hoch, während Sie beobachten, wie<br />

lange es dauert, bis die Autolichter im Vordergrund<br />

anfangen zu verschwimmen. Wir<br />

errechneten, dass wir mindestens 10<br />

Sekunden brauchen, aber bei langsam<br />

fließenden Verkehr kann es auch bis zu 30<br />

Sekunden dauern.<br />

Nutzen Sie immer ein standsicheres<br />

Stativ sowie einen Kabelauslöser oder<br />

eine Fernbedienung, um den Auslöser<br />

auszulösen.<br />

Wenn Ihr Objektiv<br />

einen Bildstabilisator besitzt,<br />

stellen Sie diesen aus. Eddie hatte seinen für<br />

die ersten Aufnahmen an und diese waren<br />

alle ein wenig unscharf.<br />

Wenn Sie einen<br />

Skylight- oder<br />

UV-Filter nutzen, nehmen<br />

Sie diesen ab. Damit<br />

reduzieren Sie alle<br />

potenziellen Streulicht-Probleme.<br />

Fokussieren Sie nicht manuell - Sie<br />

werden vor Ort nicht merken, wenn Sie<br />

falschliegen. Nutzen Sie stattdessen den<br />

Autofokus, um einen hellen Bereich<br />

festzulegen. Der Fokus wird entweder<br />

perfekt sein oder total danebenliegen!<br />

Stellen Sie manuell einen Weißabgleich<br />

von 3800K ein. Das ergibt ein kühleres<br />

Bild und bessere Farben.<br />

Sofern vorhanden, stellen Sie die<br />

Rauschunterdrückung<br />

bei Langzeitbelichtung ab.<br />

Das reduziert die Zeit, die<br />

Sie zwischen den Aufnahmen<br />

warten müssen.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 213


Action<br />

Eddies Kommentar<br />

„Andrew hatte einen Ford Galaxy ausgeliehen und schnell war klar,<br />

dass wir das Auto nicht nur als Transportmöglichkeit zwischen den<br />

einzelnen Aufnahmeorten nutzen konnten. Nachdem wir erfolgreich<br />

Autolichter von einem festen Punkt aus aufgenommen<br />

hatten, fotografierten wir Lichtstreifen vom fahrenden Auto aus.<br />

Wir haben das Dreibeinstativ auf dem Rücksitz aufgestellt, sodass<br />

Aufnahmen durch die Windschutzscheibe und das Sonnendach<br />

möglich waren. Um das Innere des Autos zu erhellen, nutzten wir<br />

ein einzelnes Blitzgerät, das wir so platzierten, dass es den Fahrer<br />

nicht blendete. Wir verwendeten einen externen Blitz, der von dem<br />

integrierten Blitz der Kamera das Signal zum Auslösen bekam.<br />

Sobald alles aufgebaut war und die Belichtung getestet wurde,<br />

fuhr Andrew herum, während ich per Langzeitbelichtung die<br />

Straßenlichter aufnahm.“<br />

PROFI-<br />

AUSSTATTUNG #2<br />

LED-Inspektionsleuchte<br />

Diese Lichtquelle ist ideal zur<br />

Lichtmalerei am Auto. Es gibt<br />

verschiedene Arten dieser<br />

Lampen, am besten kaufen Sie<br />

eine aufladbare. Dabei ist es<br />

wichtig, nicht zu nah an das Auto<br />

heranzugehen und das Licht mit<br />

dem Körper abzuschirmen.<br />

Nutzen Sie die Bulb-Einstellung<br />

Ihrer Kamera, damit die Belichtung<br />

nur so lang ist wie nötig.<br />

214 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Setzen Sie Ihr Auto<br />

ins richtige Licht<br />

Die Umgebung sollte sehr<br />

dunkel sein, aber noch indirekt<br />

von der Stadt sowie vorbeifahrenden<br />

Autos beleuchtet werden.<br />

Sorgen Sie dafür, dass Ihr Auto<br />

absolut sauber ist.<br />

Fenster und Windschutzscheibe<br />

müssen trocken sein.<br />

Im Dunkeln findet man die<br />

richtige Bildzusammenstellung<br />

nur schwer. Machen Sie zunächst eine<br />

Aufnahme mit langer Belichtungszeit,<br />

um zu sehen, ob das Auto im Bild an<br />

der richtigen Stelle steht.<br />

Setzen Sie den ISO-Wert nach<br />

oben (bei einer D700 lieber ISO<br />

200 als ISO 100). Das halbiert die<br />

nötige Belichtungszeit, beeinträchtigt<br />

aber die Qualität kaum. So können Sie<br />

schneller arbeiten.<br />

Während Sie alles aufbauen,<br />

lassen Sie die Auto-Scheinwerfer<br />

an und fokussieren Sie darauf.<br />

<strong>Foto</strong>grafieren Sie zuerst den<br />

Himmel. Danach dürfen Sie die<br />

Kamera nicht mehr bewegen.<br />

Betrachten Sie die Bilder vorsichtig<br />

und stoßen Sie nicht an das Stativ.<br />

Machen Sie zwei <strong>Foto</strong>s von den<br />

Scheinwerfern: eines, um die<br />

Glühbirnen zu belichten, und ein<br />

Belichtung: 5 s bei f/8; ISO100<br />

Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />

zweites für den Lichtstrahl. Bei den<br />

restlichen Bildern bleiben die<br />

Scheinwerfer aus.<br />

Nutzen Sie jeweils verschiedene<br />

Belichtungszeiten für die Seiten<br />

des Autos.<br />

Der Farbabgleich kann zum<br />

Problem werden. Ein silbernes<br />

Auto ist ideal – wenn Sie mit<br />

Photoshop die Sättigung anpassen,<br />

sieht es trotzdem silber aus.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 215


Action<br />

Licht einbauen<br />

Das blaue Leuchten hat im ursprünglichen <strong>Foto</strong><br />

nicht den unteren Bereich des Bilds ausgefüllt.<br />

Eddie machte ein zweites <strong>Foto</strong> mit kürzerer<br />

Belichtungszeit, bei dem er Neon-Licht verwendete.<br />

Anschließend hat er beide Bilder kombiniert.<br />

Andrews Kommentar<br />

„Indem wir das Elektrolumineszenz-Licht<br />

während der 120-Sekunden-Belichtung<br />

wie eine Peitsche bewegt haben,<br />

entstand dieser außerirdisch wirkende<br />

Science-Fiction-Lichteffekt.“<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Die Bildmontage-Funktion<br />

Die meisten von Andrews Nachtaufnahmen bestehen aus <strong>Foto</strong>s mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, die zu<br />

einem Bild zusammengesetzt sind. Mit der Bildmontage-Funktion im Menü Bildbearbeitung von aktuellen<br />

Nikon-DSLR-Kameras kann er die Bilder vor Ort kombinieren. So ist es möglich, direkt zu prüfen, ob alle Elemente<br />

gut dargestellt werden und die <strong>Foto</strong>s zusammenpassen. Für die Bildmontage-Funktion muss man im RAW-Format<br />

fotografieren (oder wie in seinem Fall RAW + JPEG). Zwar können immer nur zwei Bilder kombiniert werden, aber da<br />

man das kombinierte Bild als RAW speichern kann, lassen sich danach weitere <strong>Foto</strong>s hinzufügen.<br />

Eddies Kommentar<br />

„Ich finde, das Bild auf der rechten<br />

Seite ist die außergewöhnlichste<br />

Aufnahme unseres nächtlichen<br />

<strong>Foto</strong>-Abenteuers. Ich bat einen Freund,<br />

für die Dauer der 120 Sekunden langen<br />

Belichtung absolut stillzustehen, damit<br />

diese bedrohliche Figur entsteht.<br />

Währenddessen haben wir den blauen<br />

Nebel erzeugt, indem wir ein sogenanntes<br />

EL-Wire-Kabel (siehe Kasten auf der<br />

rechten Seite) wie eine Peitsche bewegt<br />

haben. Das orangefarbene Glühen wird<br />

von der Luftverschmutzung der Stadt<br />

Portmouth erzeugt. Andrew meint, dass<br />

viele seiner <strong>Foto</strong>s dadurch ruiniert<br />

werden, in diesem Fall sorgt es aber für<br />

eine passende Zusatzfarbe in unserem<br />

Science-Fiction-Porträt.”<br />

216 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

Belichtung: 100 s bei f/6.3; ISO200<br />

Linse: 10-20mm f/4-5.6<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />

EL-Wire-Kabel<br />

Ein EL-Wire-Kabel (Elektrolumineszenz-<br />

Lichtquelle) wird normalerweise verwendet, um<br />

Autos oder Computer optisch aufzuwerten.<br />

Allerdings eignet es sich auch optimal für unseren<br />

Zweck, da es gleichmäßig leuchtet und in verschiedenen<br />

Farben erhältlich ist. Die Stromversorgung<br />

übernehmen zwei AA-Batterien, aber man braucht<br />

zusätzlich einen tragbaren Wandler, um auf 100 Volt zu<br />

kommen. Das EL-Kabel kostet nur rund vier Euro pro Meter und auch<br />

den Wandler gibt es sehr günstig. Der Online-Shop www.elwirecraft.<br />

co.uk hat eine große Auswahl und verschickt auch nach Deutschland.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 217


Action<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Eine Lichtkugel<br />

erzeugen<br />

Bei <strong>Foto</strong>s, die nachts aufgenommen<br />

werden, sind Lichtkugeln sehr beliebt.<br />

Viele fragen sich, wie man diese<br />

erzeugt. Der Trick ist, dass man eine<br />

LED-Lampe an einem Faden langsam<br />

herumwirbelt. Hierfür bleibt man an<br />

einem festen Punkt stehen und dreht<br />

sich um die eigene Achse. Mit den<br />

ersten <strong>Foto</strong>s von halben Lichtkugeln<br />

wie auf dem Bild links hat Andrew auf<br />

Flickr für eine kleine Sensation gesorgt.<br />

Hierfür hat er batteriebetriebene<br />

Lichterketten genutzt, die er bei John<br />

Lewis gekauft hat. Diese hat er am Rad<br />

eines alten Fahrrads angebracht. Alle<br />

Infos dazu, wie man eine Lichtkugel<br />

erzeugt, finden Sie auf Andrews Blog<br />

unter http://bit.ly/night-05.<br />

Belichtung: 260 s bei f/7.1; ISO200<br />

Linse: 10-20mm f/4-5.6<br />

Eddies Kommentar<br />

„Wir haben dieses <strong>Foto</strong> unter einer Brücke aufgenommen.<br />

Tagsüber ist dies eine beliebte Radfahrstrecke,<br />

doch nachts war es sehr unheimlich. Nachdem wir<br />

geparkt hatten, holte Andrew Kisten mit eigenartigem<br />

Zubehör aus dem Wagen. Das waren die selbst<br />

gebastelten Dinge, mit denen er die Formen für die<br />

Lichtmalerei erzeugt. Bei diesem Bild haben wir drei<br />

dieser Geräte genutzt. Im Vordergrund stand das Rad<br />

eines Fahrrads mit Lichterketten, das dreimal gedreht<br />

wurde. In der Mitte haben wir mit EL-Wire-Kabeln die<br />

beiden grünen Kreise erzeugt. Im Hintergrund hat<br />

Andrew einen Käfig mit brennender Stahlwolle hinund<br />

hergeschwungen. Das alles haben wir mit einer<br />

Langzeitbelichtung über vier Minuten aufgenommen.”<br />

PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />

Stahlwolle<br />

Stahlwolle verbrennt auf spektakuläre Art. Man<br />

bekommt Sie im Baumarkt. Wenn man Vorsichtsmaßnahmen<br />

beachtet, kann man sie relativ<br />

gefahrlos für Aufnahmen mit Langzeitbelichtung<br />

nutzen. Hierfür braucht man feine Stahlwolle und<br />

einen Container, in dem man die Stahlwolle<br />

unterbringen kann, während sie verbrennt. Ich habe<br />

ein Vogelfutterkäfig samt Kette verwendet. Sobald<br />

die Stahlwollte brennt, lässt sich die Vorrichtung im<br />

Kreis schwingen, um den Effekt zu erzeugen.<br />

Passen Sie auf, dass Sie die übrig gebliebene<br />

Stahlwolle dabei nicht entzünden – oder Ihre Haare.<br />

218 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Action<br />

Lichtkugel<br />

Lichtkugeln sind sehr beeindruckend und<br />

werden einfach mit Lichterketten erzeugt, die an<br />

dem Rad eines Fahrrads befestigt sind.<br />

König der Lichter<br />

EL-Wire-Kabel, die an einer Art Windmühle<br />

befestigt und schnell geschwungen wurden,<br />

sorgten für die grünen Kreise im Bild.<br />

Wie ein Vulkan<br />

Wenn Stahlwolle verbrennt, erzeugt sie diesen<br />

spektakulären Effekt und das ist gar nicht so<br />

gefährlich, wie es aussieht.<br />

EXPERTENWISSEN<br />

Szenen mit Lichtmalerei<br />

<strong>Foto</strong>s mit Lichtmalerei zu schießen, macht viel<br />

Spaß. Bevor man loslegt, ist eine gute Planung<br />

nötig. Mit Andrews Tipps gelingen Ihre <strong>Foto</strong>s.<br />

Drehung<br />

Das beleuchtete Rad wurde auf der Höhe seiner<br />

eigenen Achse befestigt und langsam dreimal<br />

gedreht, um auf dem Kamerasensor den Effekt<br />

einer halben Kugel aus Licht zu erzeugen.<br />

„Windmühle“ aufbauen<br />

Mit diesem selbst gebauten Gerät, das wie<br />

eine Windmühle aussieht, entstanden aus dem<br />

herumgewirbeltem EL-Wire-Kabel sehr einfach<br />

perfekte Kreise.<br />

Die Bilder müssen in einer sehr dunklen<br />

Umgebung entstehen – dadurch wird<br />

das Fokussieren zum Problem. Verwenden Sie<br />

eine helle Taschenlampe wie die TerraLUX<br />

LightStar 220 für rund 40 Euro und leuchten<br />

Sie damit auf die Stelle, die Sie fokussieren<br />

wollen. Nutzen Sie erst den AF-Modus, aber<br />

wechseln Sie dann auf manuelle Einstellung.<br />

Machen Sie Probeaufnahmen, um zu<br />

prüfen, ob alle Lichtmalerei-Elemente an<br />

der richtigen Stelle sind. Während der<br />

Belichtung ist es stockdunkel. Markieren Sie<br />

daher Stellen für Ihre Elemente mit Steinen,<br />

damit die Elemente im richtigen Moment in die<br />

Aufnahme gestellt werden können.<br />

In völliger Dunkelheit erkennt man nicht<br />

sofort, wo das Stativ steht und in<br />

welche Richtung die Kamera zeigt. Andrew<br />

bringt daher einen Leuchtstab am vorderen<br />

Bein des Stativs an. So kann er sicherstellen,<br />

dass alle Lichtmalerei-Effekte auch in<br />

Richtung der Kamera erfolgen.<br />

Die Kamera sichern<br />

Bei einer Belichtung von über vier Minuten musste<br />

die Kamera sicher am Stativ befestigt werden.<br />

Andrew hat eine Lampe am Stativ angebracht, um<br />

seine Effekte richtig positionieren zu können.<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 219


Action<br />

The Photographer’s<br />

Apprentice<br />

Belichtung: Acht unterschiedliche Einstellungen von 1 bis 10 s bei f/6.3-f/16; ISO200<br />

Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />

Andrews Fazit<br />

„Das ist eine tolle Aufnahme und ich wäre stolz darauf, sie in<br />

meinem Portfolio zu haben. Eddie hat meine Anweisungen genau<br />

befolgt und wir haben als Team diese Aufnahme erstellt.<br />

Sie zeigt ein Auto, das sich perfekt eignet, um der Stadt zu<br />

entfliehen. Wenn man mehrere <strong>Foto</strong>s als Ebenen in Photoshop<br />

kombiniert, sollte man handgemalte Masken nutzen, um<br />

auszuwählen, welche Bereiche man von den Ebenen jeweils<br />

zeigen will.“<br />

Die folgenden neun Photoshop-Ebenen sorgen für das finale<br />

Bild. Wir zeigen hier, wie sie zusammengestellt wurden:<br />

Ebene 1 Beleuchtete Seite<br />

des Autos – 10 s bei f/8<br />

Ebene 2 Beleuchtetes Dach<br />

– 10 s bei f/8<br />

Ebene 3 Beleuchtete Motorhaube<br />

– 10 s bei f/8<br />

Ebene 4 Ebene 1-3 kombiniert<br />

Ebene 5 Zwischen den<br />

Scheinwerfern – 4 s bei f/16<br />

Ebene 6 Scheinwerferstrahlen<br />

– 5 s bei f/8<br />

Ebene 7 Lichter von vorbeifahrenden<br />

Autos – 1.3 s<br />

bei f/8<br />

Ebene 8 Lichter von vorbeifahrenden<br />

Autos – 10 s<br />

bei f/8<br />

Ebene 9 Himmel und Hintergrund<br />

– 7 s bei f/8<br />

Eddies Kommentar<br />

„Dieses Bild haben wir auf einem Berg aufgenommen, der<br />

einen tollen Blick auf die Lichter von Portsmouth bietet.<br />

Andrew hat darauf geachtet, dass das Auto an der richtigen<br />

Stelle steht. Er hat genau geprüft, ob Position und Fokus passen,<br />

bevor wir mit den Aufnahmen begonnen haben. Wir sind<br />

bei den <strong>Foto</strong>s so präzise wie möglich vorgegangen. Sobald<br />

keine anderen Autos vorbeikamen, haben wir unseren Wagen<br />

optimal beleuchtet. Jedes <strong>Foto</strong> mit neuer Beleuchtung<br />

wurde gründlich geprüft. Außerdem haben wir genau darauf<br />

geachtet, nicht an das Stativ zu stoßen. Sobald wir den Dreh<br />

heraushatten, dauerte es nur eine halbe Stunde, die übrigen<br />

<strong>Foto</strong>s zu machen. Letztendlich haben wir acht unterschiedlich<br />

belichtete <strong>Foto</strong>s aufeinandergelegt, um dieses Ergebnis<br />

zu erhalten.”<br />

220 Der Landscape <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> Photography Made Easy 2010


The Photographer’s Action<br />

Apprentice<br />

2010 Landscape Photography Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> Made Easy 221


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Community<br />

Name Daniel-André Reinelt<br />

Kamera Canon EOS 40D<br />

Belichtung: 30 s bei f/3.5; ISO 1600<br />

Linse: 18-55 mm<br />

Community-<br />

<strong>Foto</strong>grafien<br />

Als Abrundung unseres <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>s finden Sie auf den<br />

folgenden Seiten noch einige sehenswerte Bilder aus <strong>Foto</strong>-<br />

Communitys, unter anderem von <strong>PC</strong>GH Extreme (www.pcghx.de).<br />

224 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


Community<br />

Name Thilo Bayer<br />

Kamera Nikon D70<br />

Belichtung: 1/250 s bei f/8; ISO 400<br />

Linse: 18-200 mm von Nikon<br />

Name Tobias Hetzel<br />

Kamera Canon EOS 500D<br />

Belichtung: 1/200 s bei f/6.3; ISO 100<br />

Linse: 100 mm f/2.8 IS<br />

Name Philip Happeck<br />

Kamera Canon EOS 550D<br />

Belichtung: 1/1250 s bei f/7.1; ISO 200<br />

Linse: 300mm f/5.42<br />

Name Florian Stangl<br />

Kamera Canon EOS 60D<br />

Belichtung: 1/100 bei f/2.8; ISO 1600<br />

Linse: Canon ES-F 17-55mm<br />

www.metal-fotos.de<br />

Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 224


Community<br />

Name Andreas Schaufel<br />

Kamera Canon EOS 5D MarkII<br />

Belichtung: 117 s bei f/14; ISO 100<br />

Linse: Canon EF 24-70 mm f/2.8 L USM<br />

Name Thilo Bayer<br />

Kamera Nikon D70<br />

Belichtung: 1/320 s bei f/9; ISO 500<br />

Linse: 10-20 mm von Sigma<br />

Name Robin Harazim<br />

Kamera Sony Alpha 57 DSLT<br />

Belichtung: 1/50 s bei f/2.0; ISO 1600<br />

Linse: Sony DT 50 mm f/1.8 SAM<br />

Name Rene Heinrichs<br />

Kamera Canon EOS 600D<br />

Belichtung: 4 s bei f/8.0; ISO 100<br />

Linse: Canon EF-S 18-55 mm<br />

226 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>


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