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DIE BESTEN TIPPS VON PROFIS<br />
<strong>PC</strong> <strong>Games</strong> <strong>Hardware</strong> <strong>Spezial</strong><br />
oto-<strong>Workshop</strong><br />
<strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />
228 Seiten Tipps<br />
<strong>Profis</strong> <strong>helfen</strong><br />
<strong>Hobby</strong>-<strong>Foto</strong>grafen<br />
Bessere<br />
Bilder<br />
in jeder<br />
Situation<br />
SPORT UND ACTION STADTURLAUB MAKROFOTOS<br />
Motocross, Skifahren, Malen mit Licht:<br />
Die besten Tipps für schwierige Szenen<br />
Bilder für die Ewigkeit: So holen Sie<br />
mehr aus Ihrem Stadturlaub heraus!<br />
Kleinstmotive ganz groß: So schaffen<br />
Sie die besten Detailaufnahmen!<br />
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Österreich 14,50 € | Schweiz sfr 22,00 |<br />
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<strong>PC</strong> <strong>Games</strong> <strong>Hardware</strong> <strong>Spezial</strong><br />
<strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />
Durch den Kauf einer digitalen Spiegelreflexkamera<br />
eröffnen sich Ihnen viele neue Möglichkeiten im<br />
Reich der <strong>Foto</strong>grafie. Mit einer DSLR haben Sie<br />
einfach viel mehr Kon trolle über Ihre Aufnahmen.<br />
Die Blende bestimmt, ob das Bild scharf durchgezeichnet<br />
wird – oder auch nicht. Die Verschlusszeit erlaubt Ihnen zu<br />
entscheiden, ob Sie die Action einfrieren wollen oder doch<br />
lieber kreativ ver schwim men lassen. Sie können festlegen,<br />
wo Ihre Kamera den Fokuspunkt setzt, ob sie bei bewegten<br />
Objekten kontinuierlich nachfokussiert und ob das Drücken<br />
des Auslösers nur zu einem <strong>Foto</strong> oder gleich zu<br />
Serienbildern führt.<br />
Diese Vielfalt an Möglichkeiten will aber auch beherrscht<br />
werden und jede Art der <strong>Foto</strong>grafie erfordert eine andere<br />
Herangehensweise. Diese lernt man am besten in<br />
<strong>Foto</strong>kursen, bei denen ein Experte Sie an die Hand nimmt<br />
und an konkreten Beispielen mit Ihnen übt, damit Sie von<br />
der langjährigen Erfahrung des <strong>Profis</strong> profitieren können.<br />
Genau das ist das Konzept dieses <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>s. Unsere<br />
englischen Kollegen von Future haben einige der besten<br />
<strong>Foto</strong>grafen gebeten, den Lehrlingen zu zeigen, wie man<br />
Makromotive, Hochzeiten, Motorsport-Action oder Städte<br />
und Landschaften fotografiert. In diesem ‚Bookazine‘<br />
können Sie nachlesen, wie viel die Lehrlinge jeweils an nur<br />
einem Tag gelernt haben und davon profitieren. Übrigens:<br />
Selbst wenn Sie eine DSLR eines<br />
anderen Herstellers besitzen, die<br />
Lektionen in diesem Heft lassen<br />
sich auf alle entsprechenden<br />
Kameras anwenden.<br />
Thilo Bayer<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 3
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DAS HARDWARE-MAGAZIN FÜR <strong>PC</strong>-SPIELER<br />
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Verleger Jürg Marquard<br />
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Product Manager Daniel Waadt (dw)<br />
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Lektorat Claudia Brose (Ltg.), Birgit Bauer, Esther Marsch, Natalja Schmidt,<br />
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Bildredaktion Albert Kraus (Ltg.), Tobias Zellerhoff<br />
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MARQUARD MEDIA<br />
Deutschsprachige Titel: SFT, WIDESCREEN, <strong>PC</strong> GAMES, <strong>PC</strong> GAMES MMORE, <strong>PC</strong> GAMES HARDWARE, BUFFED,<br />
X3, PLAY 3, GAMES & MORE, GAMES AKTUELL, N-ZONE, XBG GAMES, PLAY BLU Polen: COSMOPOLITAN, JOY,<br />
SHAPE, HOT, PLAYBOY, CKM, VOYAGE Ungarn: JOY, SHAPE, ÉVA, IN STYLE, PLAYBOY, CKM
Kapitel 1<br />
Menschen 6<br />
Kinderleicht den<br />
Nachwuchs fotografieren ..................... 8<br />
Perfekte Porträts ................................18<br />
Harmonische Hochzeitsfotos ............. 20<br />
<strong>Foto</strong>s, die wirklich rocken! ................. 30<br />
Kapitel 2<br />
Natur 52<br />
Sandburgen und Meer ...................... 54<br />
<strong>Foto</strong>grafieren für Gipfelstürmer .......... 66<br />
Moor- und Meerlandschaften .............76<br />
Natur hautnah fotografieren ............... 88<br />
Gefiederte <strong>Foto</strong>s ................................ 98<br />
Blühende Aufnahmen! ...................... 112<br />
Kapitel 3<br />
Orte 122<br />
Postkarten aus Paris ........................124<br />
Die Märkte von Marrakesch ..............136<br />
Viva Las Vegas! ................................146<br />
Kurzurlaub in Venedig .......................156<br />
Das nenne ich einen Weitwinkel! .......166<br />
Mehr Dynamik für<br />
Ihre Aufnahmen! ...............................176<br />
Kapitel 4<br />
Action 188<br />
Hoch hinaus mit<br />
Action-Aufnahmen! ...........................190<br />
Ein alpines Abenteuer ...................... 202<br />
Fantastische Lichtmalerei ................ 210<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 5
Menschen<br />
Seite 18<br />
6 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Seite 40<br />
Menschen<br />
Menschen<br />
1<br />
Kinderleicht den<br />
Nachwuchs fotografieren 8<br />
Perfekte Portraits.......................... 18<br />
Harmonische Hochzeitsfotos...... 30<br />
<strong>Foto</strong>s, die wirklich rocken............ 40<br />
Seite 8<br />
Seite 30<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 7
Menschen<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Debbie Moylan<br />
Kamera: Canon EOS 40D<br />
Die 43-jährige Debbie liebt es,<br />
ihren 15 Monate alten Sohn<br />
Kieran zu fotografieren. Sie findet<br />
es aber gar nicht so leicht, Aufnahmen<br />
von ihm zu machen, und<br />
wünscht sich Ratschläge für<br />
professionellere Bilder.<br />
8 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
DER PROFI<br />
Name: Sheryl Long<br />
Kamera: Canon EOS-1Ds Mark II<br />
Sheryl, 28, ist eine Vollzeit-Baby- und<br />
Kinderfotografin aus Tintern. Sie war<br />
eine der Finalisten im BPPA Master<br />
Photo grapher of the Year-Wettbewerb<br />
und hat eine Auszeichnung im Bereich<br />
“Mutter und Baby” verliehen bekommen.<br />
Sie arbeitet mit natürlichem Licht,<br />
um Bilder aufzunehmen, die die Personalität<br />
des Kindes widerspiegeln und<br />
Geschichten erzählen. Ihre Werke<br />
können unter www.sheryl-long.com<br />
angeschaut werden.<br />
Kinderleicht<br />
den Nachwuchs<br />
fotografieren<br />
Tolle Kinderfotografien sind gar nicht so schwer. Während<br />
der Aufnahmen in der Abtei von Tintern stellt unser Lehrling<br />
fest, dass man im Freien schon mit einfachen Mitteln<br />
umwerfende Bilder knipsen kann ...<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 9
Menschen<br />
Sheryl benutzt für die Aufnahmen eine<br />
Canon 5D oder Canon EOS-1Ds Mark II<br />
mit folgenden Linsen:<br />
Canon EF 70-200mm f/2.8 IS USM<br />
Canon EF 50mm f/2.5 Compact Macro<br />
Canon EF 24-70mm f/2.8L USM<br />
Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />
Technik-Check<br />
Ist Debbie bereit für die Aufnahmen?<br />
Vor der ersten Aufnahme erklärte Sheryl Debbie die wichtigsten Einstellungen<br />
ihrer DSLR, um die besten Resultate zu bekommen.<br />
IM AV-MODUS<br />
FOTOGRAFIEREN<br />
DIE RICHTIGE ISO<br />
AUSWÄHLEN<br />
Die Schärfentiefe kontrollieren<br />
„Debbie sollte im Zeitautomatik-Modus<br />
fotografieren und den Blendenwert<br />
bei f/2.8 oder f/4 lassen“,<br />
rät Sheryl. „Wenn ich den Wert<br />
einmal eingestellt habe, ändere ich<br />
ihn selten. Aufnahmen mit einem<br />
ISO und Belichtungszeit<br />
„Wenn der Blendenwert einmal<br />
gesetzt ist, variiert die Belichtungszeit<br />
je nach verfüg barem Licht.<br />
Wenn mir die Belichtungszeit zu<br />
lang ist und die Bilder verwackeln,<br />
stelle ich meine ISO so lange hoch,<br />
hohen Blendenwert ermöglichen es,<br />
das aufzunehmende Objekt in den<br />
Fokus zu rücken und den Hintergrund<br />
unscharf darzustellen. Die<br />
Kamera setzt die Belichtungszeit<br />
selbst fest.“<br />
bis ich zufrieden<br />
bin. Ich mag ein bisschen<br />
Unruhe im Bild, besonders<br />
Rauschen - denn es gibt<br />
dem Bild das besondere<br />
Etwas.“<br />
PROFI-AUSRÜSTUNG #1<br />
Lastolite Sunfire/Silber Reflektor<br />
„Ich habe immer diesen Lastolite-Reflektor dabei”, sagt<br />
Sheryl. „Wenn man mit vielen Schatten auf einer Seite<br />
des Gesichts konfrontiert ist, kann man den Reflektor<br />
benutzen, um das Licht zu kontrollieren und zu lenken.<br />
Dieser hat zwei Seiten - gold und silber. Ich bevorzuge<br />
die goldene Seite, da es die Gesichtsfarbe wärmer<br />
macht und Kinder wie Engel aussehen lässt! Ich<br />
platziere den Reflektor an einer Wand, auf einem Stativ<br />
oder halte ihn selbst fest.”<br />
10 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
SHERYLS TIPP<br />
Immer auf<br />
die Augen<br />
fokussieren<br />
„Babys und Kinder<br />
bewegen sich sehr<br />
schnell, daher ist es<br />
fast unmöglich, den<br />
Fokus manuell<br />
festzulegen”, sagt<br />
Sheryl. „Ich setze den<br />
Autofokus-Modus (AF)<br />
meiner Kamera auf AI<br />
Servo. Dann passt die<br />
Kamera den Fokus<br />
automatisch an.<br />
Fokussieren Sie immer<br />
auf die Augen - das ist<br />
das Geheimnis eines<br />
guten Portraitfotos.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Mit Licht und<br />
Schatten arbeiten<br />
„Um herauszufinden, wie das<br />
Licht auf das Gesicht fallen wird,<br />
nehmen Sie ein weißes Blatt<br />
Papier und falten sie es in der<br />
Mitte.“ sagt Sheryl. „Stellen Sie<br />
sich dann vor, dass das gefaltete<br />
Papier die zwei Seiten des<br />
Gesichts darstellt. Halten Sie es<br />
in den Bereich, den Sie<br />
foto gra fieren wollen, und Sie<br />
können nun entscheiden, wo<br />
Licht und Schatten am besten<br />
fallen. Runde Kindergesichter<br />
fotografiere ich am liebsten ohne<br />
Schatten, um das Funkeln in<br />
ihren Augen hervorzuheben. Mit<br />
dem Papier kann ich sehen, wo<br />
ich das Kind und mich positionieren<br />
muss, um das bestmögliche<br />
Licht zu bekommen. Auch<br />
hilfreich: Wenn Sie Menschen<br />
fotografieren, halten Sie sich ein<br />
Auge zu, um zu sehen, was die<br />
Kamera ‚sieht‘. Sie nehmen jetzt<br />
alles zweidimensional wahr und<br />
sehen Farben, Texturen und<br />
Licht deutlicher.“<br />
Belichtung: 1/85 s bei f/5.6; ISO800<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Debbies<br />
Kommentar<br />
„Sheryl erklärte<br />
ausführlich, wie man<br />
das Licht ‚sieht‘ und<br />
wie man ein gefaltetes<br />
Blatt Papier benutzt,<br />
um festzustellen, wie<br />
Schatten und Licht<br />
auf das Objekt fallen<br />
(siehe oben). Sheryl<br />
schlug vor, dass ich<br />
Kieran vor einem<br />
steinigen Hintergrund<br />
in einem Alkoven<br />
fotografiere. Dort<br />
gab es direktes Licht<br />
von rechts, das sein<br />
Gesicht beleuchtete.<br />
Wir benutzten einen<br />
Lastolite-Reflektor,<br />
um das Licht von links<br />
anzupassen. Das war<br />
mein erster Versuch<br />
und ich bin glücklich<br />
mit dem Ergebnis, da<br />
er sich viel bewegt<br />
hat.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 11
Menschen<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Kinderfotografie: Eine<br />
Herangehensweise<br />
„Meine Art zu fotografieren ist sehr lebendig: Es geht darum, Emotionen<br />
einzufangen und eine Verbindung aufzubauen. Ich mache lieber ungewöhnliche<br />
Bilder zum Beispiel in solchen Momenten, in denen die Kamera das Kind<br />
un vor bereitet erwischt. Ich fotografiere nur mit natürlichem Licht, denn das gibt<br />
Bildern ein weicheres, gefühlvolleres Aussehen. Wenn Sie Babys oder Kinder<br />
fotografieren, ist es wichtig, im richtigen Moment schnell zu reagieren. Achten<br />
Sie immer auf die kleinen Momente. Ich finde bei Baby- und Kinderfotografie<br />
geht es nicht strikt um die richtige Technik: Wichtig ist es, den Moment und die<br />
Gesichtsausdrücke einzufangen sowie das Beste aus dem natürlichen Licht<br />
herauszuholen.“<br />
SHERYLS TIPP<br />
Vergessen<br />
Sie den Blitz<br />
Sheryl nutzt generell<br />
keinen Blitz, denn das<br />
führt zu künstlichen und<br />
harten Schatten.<br />
„Außerdem mag ich<br />
nicht, wie Kinder auf<br />
Blitzlicht reagieren“, sagt<br />
sie. „Sie erschrecken<br />
sich und sind dann nicht<br />
bereit für die nächste<br />
Aufnahme. Zudem<br />
braucht die Kamera<br />
zwischen den Blitzen<br />
eine kurze Wiederaufladezeit,<br />
in der Sie<br />
vielleicht eine gute<br />
Aufnahme verpassen, da<br />
sich Kinder schnell<br />
bewegen und oft den<br />
Gesichtsausdruck<br />
wechseln. Natürliches<br />
Licht, das Sie mit Reflektoren<br />
und Diffusor<br />
kontrollieren, liefert viel<br />
bessere Resultate.“<br />
SHERYLS TIPP<br />
Hinlegen<br />
„Vergessen Sie nie die<br />
Größe des zu foto grafierenden<br />
Kindes“, sagt<br />
Sheryl. „Für die besten<br />
Ergebnisse knien Sie sich<br />
hin, um auf der gleichen<br />
Höhe zu fotografieren und<br />
um zu sehen, was sich dort<br />
im Hintergrund befindet.<br />
Stellen Sie sich darauf ein,<br />
dreckig zu werden, wenn<br />
Sie auf dem Boden liegen<br />
oder knien, während Sie<br />
fotografieren.“<br />
PROFI-AUSRÜSTUNG #2<br />
Crumpler-Daily-Kameratasche<br />
„Meine Crumpler-Tasche ist modern und optisch<br />
topaktuell - ich finde alle Taschen nützlich und dass ich<br />
die Taschengröße verstellen kann, ist ein echter<br />
Bonus. So kann ich den Innenraum an die<br />
jeweilige Ausrüstung anpassen“,<br />
sagt Sheryl. „Da sie knallrot<br />
ist, ist sie unterwegs einfach<br />
wiederzufinden.“<br />
12 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
Belichtung: 1/250 s bei f/5; ISO400<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Debbies Kommentar<br />
„Sheryl schlug vor, dass ich mir bildlich vorstelle,<br />
wie ich den Alkoven für meine Aufnahme nutzen<br />
kann. Ich beschloss, Kieran in der Ecke zu platzieren<br />
und den Alkoven als Rahmen zu verwenden. Das<br />
Ganze wurde mit natürlichem Licht beleuchtet und<br />
mir gefällt, dass es sich von einer “Glücklich-lächeln-Aufnahme”,<br />
bei der Kieran in die Kamera<br />
schaut, abhebt. Es sieht so aus, als ob er nach<br />
etwas hinter der Kamera greift, und das Bild erzählt<br />
eine Geschichte. Wir haben die Aufnahme während<br />
der Nachbearbeitung in Schwarz-Weiß konvertiert,<br />
um ihr mehr Wirkung zu geben.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Der Bildaufbau ist wichtig<br />
Debbies Hot Shot #2 (oben) funktioniert, weil sie die drei wichtige Regeln befolgt<br />
Sheryl hat Debbie geraten, nach Bereichen zu<br />
suchen, die einen neutralen Hintergrund haben,<br />
aber auch viel Textur und Details. Es war<br />
wichtig, dass Debbie den Bildaufbau bei der<br />
eigenen Platzierung im Kopf behält, während<br />
sie Kieran fotografiert. Eine Aufnahme steht<br />
und fällt mit einem guten Rahmen. Die drei<br />
Regeln des Bildaufbaus, denen sie folgte,<br />
werden unten erklärt.<br />
DEBBIES TIPP<br />
Das Kind steht im Mittelpunkt<br />
„Sheryl erklärte mir, dass es in der Baby- und<br />
Kinder-<strong>Foto</strong>grafie am wichtigsten ist, nicht zu<br />
vergessen, dass das Kind an erster Stelle steht. Man<br />
muss ihm Zeit geben, sich an die Umgebung zu<br />
gewöhnen. Dann muss man sehr flexibel sein und das<br />
machen, was das Kind möchte. Bei diesen Aufnahmen<br />
hatten wir einiges dabei, mit dem wir Kierans Interesse<br />
auf uns lenken konnten. Zum Schluss war es aber am<br />
besten, ihn machen zu lassen, was er wollte und damit<br />
zu arbeiten.”<br />
Zusammenlaufende Linien<br />
„Kieran sitzt an dem Punkt, an dem sich die<br />
drei deutlichen Linien, die aus der Form des<br />
Alkoven entstehen, treffen. Diese Linien ziehen<br />
den Betrachter in das Bild und zu Kieran hin,<br />
da sie ihn subtil mit der Kulisse verbinden. ”<br />
Drittel-Regel<br />
„Unbeabsichtigt, aber instinktiv hat Debbie<br />
beim Bildaufbau Kieran so positioniert, dass er<br />
ungefähr ein Drittel des Bildes einnimmt. Das<br />
macht aus der Aufnahme ein gut balanciertes<br />
und interessantes Bild.”<br />
Gespiegelte Formen<br />
„Der dreieckig geformte Bereich aus hellen<br />
Steinen an der hinteren Wand imitiert die<br />
Form von Kierans Sitzposition. Seine helle<br />
Kleidung gibt der Aufnahme Balance. Dass<br />
er aus dem Bild herausschaut, statt in die<br />
Kamera, verleiht zudem Tiefe und Bedeutung.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 13
Menschen<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Quietschendes Spielzeug<br />
Sheryl erklärt, warum ein quietschendes Spielzeug so<br />
wichtig ist: „Es nimmt wenig Platz weg und macht ein<br />
kurzes, schrilles Geräusch, das die Aufmerksamkeit<br />
des Kindes auf sich lenkt.<br />
Außerdem ist es klein genug, um es in<br />
meiner Hand über die Kamera zu<br />
halten, wenn ich möchte, dass das<br />
Kind direkt in die Linse schaut.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Aufmerksamkeit<br />
richtig leiten<br />
Beim <strong>Foto</strong>grafieren eines fremden Kindes findet es<br />
Sheryl wichtig, dass nur eine Person versucht, seine<br />
Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Wenn zu viele<br />
Leute anwesend sind, wird das Kind immer hin und<br />
her schauen. Stellen Sie sicher, dass nur eine Person<br />
die Aufmerksamkeit bekommt - ob der <strong>Foto</strong>graf oder<br />
ein Elternteil. Dann werden sich die Augen des Kindes<br />
auf einen Punkt fokussieren. Dadurch ist es einfacher,<br />
eine gute Aufnahme zu bekommen.”<br />
Belichtung: 1/250 s bei f/5.6; ISO400<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Debbies Kommentar<br />
„In einem anderen Teil der Abtei von Tintern stellte Sheryl<br />
einen Reflektor an die Wand mit der Idee, dass ich Kieran<br />
fotografieren könnte, während er die Treppe runterläuft.<br />
Allerdings beschloss Kieran stattdessen, die Treppe<br />
hochzusteigen und so entstand diese Aufnahme. Mir<br />
gefällt, wie das Bild eine andere Seite von Kierans<br />
Persönlichkeit einfängt. Sheryl schlug vor, dieses Bild<br />
ebenfalls in Schwarz-Weiß zu konvertieren, da das Grün<br />
auf den Stufen und die Grasbüschel abgelenkt hätten.”<br />
14 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
Debbies Kommentar<br />
„Ich mag diese Aufnahme von Kieran,<br />
obwohl es mir lieber gewesen wäre, wenn<br />
der Hintergrund unschärfer geworden<br />
wäre. Das war noch mal ein anderer Teil<br />
der Abtei und die Sonne war inzwischen<br />
hervorgekommen. Sheryl meinte, Kieran<br />
könnte auf den Stufen sitzen, die nicht im<br />
direkten Sonnenlicht lagen. Sie benutzte<br />
dann einen Reflektor, um die Schatten auf<br />
seiner linken Seite auszugleichen.”<br />
SHERYLS TIPP<br />
RAW für<br />
Qualität benutzen<br />
„Ich fotografiere alles<br />
mit den RAW-Einstellungen,<br />
aber nur wegen der<br />
Art, wie ich meine Bilder<br />
präsentieren muss”, sagt<br />
Sheryl. “Als Profi-<strong>Foto</strong>grafin<br />
werde ich<br />
manchmal gebeten,<br />
große Gemälde aus den<br />
Aufnahmen zu machen.<br />
Ich kann mich darauf<br />
verlassen, dass RAW die<br />
Details beinhaltet, die<br />
solche Vergrößerungen<br />
brauchen.”<br />
Belichtung: 1/60 s bei f/5.6, ISO400<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 15
Menschen<br />
Sheryls Fazit<br />
„Das ist ein großartiges <strong>Foto</strong>. Das Licht ist<br />
sehr schön [1] und der Bildaufbau ist interessant<br />
sowie dreidimensional [2]. Debbie hat<br />
es außerdem geschafft, einen fantastischen<br />
Gesichtsausdruck und eine schöne Pose [3]<br />
von Kieran einzufangen, was gar nicht einfach<br />
war, weil er sich sehr schnell bewegte! Ich<br />
finde, diese Aufnahme fasst alles zusammen,<br />
was wir während des Lehrgangs<br />
besprochen haben.<br />
Debbie zeigte eine schnelle<br />
Auffassungsgabe, als es<br />
1<br />
darum ging Licht, zu ‚sehen‘<br />
und zu nutzen. Sie hat alle<br />
Informationen zusammengefasst<br />
und das Wissen<br />
dazu genutzt, ein echtes<br />
Kunstwerk zu erschaffen.”<br />
2<br />
3<br />
Debbies Kommentar<br />
„Sheryl hat mir einen verdeckten Teil<br />
der Abtei gezeigt. Das Dach hat das<br />
grelle, direkte Licht blockiert. Kieran hat<br />
viel geweint und der Großteil der <strong>Foto</strong>s<br />
in dieser Serie zeigt ihn mit Tränen in<br />
den Augen. Wir haben diese Aufnahme<br />
so gut hinbekommen, weil wir seine<br />
Aufmerksamkeit mit Handy-Klingeltönen<br />
erregt haben. Ich freue mich, dass<br />
ich seinen wahren Charakter einfangen<br />
konnte. Normalerweise ist er sehr glücklich<br />
und lächelt viel. Außerdem schaut<br />
er sehr erwachsen aus, mit der Hand in<br />
der Tasche. Ich habe gelernt, dass man<br />
nicht immer den perfekten Hintergrund<br />
für eine gute Aufnahme braucht. Es geht<br />
vielmehr darum, das natürliche Licht<br />
kreativ einzusetzen.”<br />
16 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Belichtung: 1/125 s bei f/5.6, ISO400<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6
Menschen<br />
Perfekte<br />
Porträts<br />
Unser Lehrling stellte sich im professionellen<br />
<strong>Foto</strong>studio als vorbildlicher Schüler heraus.<br />
18 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Luke Bayliss<br />
Kamera: Nikon D90<br />
Luke wohnt in Bournemouth und<br />
arbeitet im Vertrieb von Tesco.<br />
Seit drei Jahren interessiert er<br />
sich für <strong>Foto</strong>grafie und würde<br />
gerne professionelle Portraitfotos<br />
erstellen. Darum haben wir<br />
ein Treffen in einem komplett<br />
ausgestatteten Studio mit zwei<br />
Models, einer Kosmetikerin und<br />
unserem Profi arrangiert.<br />
DER PROFI<br />
Name: John Morley<br />
Kamera: Nikon D3x<br />
John hat mehr <strong>Foto</strong>grafien von<br />
Menschen aufgenommen, als er<br />
zählen kann. Er arbeitet schon seit<br />
Schulzeiten als professioneller<br />
<strong>Foto</strong>graf. Seine Eltern fuhren den<br />
damals 15-Jährigen zu den Hochzeiten,<br />
auf denen er fotografieren<br />
sollte. Sein Studio in Dorset hat er<br />
seit 19 Jahren. Normalerweise<br />
fotografiert er angehende Models<br />
und gibt Kurse. Der richtige Mann,<br />
um Luke die Grundlagen von<br />
Portrait aufnahmen beizubringen.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 19
Menschen<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Auf Schatten<br />
achten<br />
Am wichtigsten ist es, die Schatten auf<br />
Gesicht oder Körper des Models unter<br />
Kontrolle zu haben. Ein bestimmtes Lichtverhältnis<br />
passt vielleicht zu einer Pose, aber<br />
sobald sich das Model bewegt, kann es sein,<br />
dass sich der Schatten ändert. Achten Sie<br />
besonders auf den Schatten, den die Nase<br />
wirft. Ändern Sie die Position des Lichts oder<br />
des Kopfs ein wenig, damit kein schwarzes<br />
Dreieck auf dem Gesicht erscheint.<br />
Belichtung: 1/100 s bei f/11; ISO200<br />
Linse: 70-300mm f/4-5.6<br />
Lukes Kommentar<br />
„Mir gefällt, dass diese Aufnahme so simpel<br />
aussieht. Dabei habe ich bereits in der ersten<br />
Stunde des Lehrgangs gemerkt, dass<br />
Studioporträts nicht immer so unkompliziert<br />
sind, wie es scheint. John hat sich um das<br />
Licht, die Kamerahöhe und die Brennweite gekümmert. Ich<br />
fotografierte in mehreren Variationen, sodass ich nachvollziehen<br />
konnte, welche Kombinationen funktionieren und<br />
welche nicht. Als ich dieses Porträt von Louisa machte,<br />
nutzte ich zwei Lichtquellen. Johns 1,80m hohe Röhrenlampe<br />
befand sich links neben der Kamera. Sie lieferte das<br />
meiste Licht und erzeugte den richtigen Blickfang in ihren<br />
Augen. Knapp über dem Boden befand sich hinter dem<br />
Model ein zweites Blitzgehäuse, das etwas Hintergrundbeleuchtung<br />
lieferte und ein Lichtkranz um ihre Haare herum<br />
erzeugte.”<br />
Tipp zum<br />
Zoom<br />
Als Erstes lernte Luke,<br />
mit unterschiedlichen<br />
Brennwerten und<br />
variierenden Abständen<br />
zu fotografieren,<br />
damit er merkte, welche<br />
Einstellungen die besten<br />
Ergebnisse liefern.<br />
20 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
Technik-Check<br />
War Luke bereit fürs Studio?<br />
Während das erste Model aus dem Make-up-<br />
Raum kam, erklärte John Luke die grundlegenden<br />
Einstellungen seiner Kamera für Aufnahmen mit<br />
professionellem Studiolicht.<br />
Manuell auf f/11 einstellen<br />
„Bei der Benutzung von Studiolicht muss die<br />
DSLR auf den manuellen Belichtungsmodus (M)<br />
umgestellt werden”, erklärt John. “Die tatsächliche<br />
Beleuchtung wird durch die Veränderung des<br />
Lichts des Blitzgeräts kontrolliert . Zur Vereinfachung<br />
nutze ich bei den meisten meiner Aufnahmen<br />
f/11. Das macht genug Tiefenschärfe und holt<br />
die beste Qualität aus der Linse. Die Verschlusszeit<br />
wird dann auf 1/125 s gesetzt, damit sich der<br />
Blitz problemlos mit der Verschlussöffnung<br />
synchronisiert.“<br />
Luke lernt, warum<br />
Weitwinkel sich nicht für<br />
Nahaufnahmen eignen.<br />
Welche Linse ist die richtige?<br />
Ganz am Anfang erklärte John, dass man die<br />
richtige Linse nutzen muss, um gute Porträtaufnahmen<br />
zu bekommen. Mit Weitwinkel-Linsen<br />
muss man sehr nah an der Person fotografieren,<br />
um Gesichtszüge deutlicher darzustellen.<br />
Teleobjektive machen das Gesicht flach.<br />
18 mm<br />
John ließ Luke diese<br />
unvorteilhafte Aufnahme<br />
von Louisa mit der<br />
maximalen Weitwinkel-Einstellung<br />
knipsen. Beachten<br />
Sie, wie das die Nase<br />
vergrößert.<br />
55 mm<br />
Diese niedrige Teleobjektiv-Einstellung<br />
ermöglicht<br />
attraktivere Aufnahmen<br />
und reicht aus, wenn Sie<br />
in engen Räumen keine<br />
längeren Linsen<br />
einsetzen können.<br />
100 mm<br />
Eine höhere Teleobjektiv-Einstellung<br />
ist ideal für<br />
Porträts. Sie verhindern<br />
Verzerrungen, aber man<br />
braucht einen Raum, der<br />
groß genug ist für den<br />
Einsatz.<br />
Eine Graukarte nutzen<br />
„Für Studioaufnahmen sind die Standardeinstellungen<br />
für den Weißabgleich ungeeignet”, warnt<br />
John. „Eine stetige manuelle Anpassung eignet<br />
sich am besten, da es eine schnelle Verarbeitung<br />
der Bilder ermöglicht. Wenn Sie sich unsicher<br />
sind, was das Licht angeht, lesen Sie den<br />
Weißabgleich manuell aus - mithilfe einer im<br />
Fachhandel erhältlichen Graukarte oder einem<br />
weißen Blatt Papier.“<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Funkauslöser<br />
Es ist nicht mehr notwendig, dass der Blitz notgedrungen<br />
per Kabel mit der Kamera verbunden ist. Funkauslöser<br />
(auch Radio Trigger genannt) sind inzwischen<br />
erschwinglich. „Ich nutze diese günstigen, zweiteiligen<br />
Auslöser”, sagt John. „Der Sender passt in den<br />
Blitzschuh und der netzbetriebene Empfänger ist an den<br />
Blitz angeschlossen.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 21
Menschen<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Optimal<br />
fokussieren<br />
Bei Porträtaufnahmen ist es wichtig, dass<br />
die Augen scharf dargestellt werden. Damit<br />
das klappt, sollten Sie die Kamera nur auf<br />
die Pupillen fokussieren und nicht auf den<br />
Rest des Gesichts oder Körpers. Statt den<br />
voreingestellten Autofokus-Modus zu<br />
nehmen, benutzen Sie die Einzelfeld-Option.<br />
Dann können Sie im Sucher den Fokuspunkt<br />
auswählen, der am nächsten am Auge der<br />
Person ist. Das geht viel schneller, als mit<br />
dem zentralen Autofokuspunkt in Verbindung<br />
mit der Fokussperre zu arbeiten.<br />
Belichtung: 1/125 s bei f/11; ISO200<br />
Linse: 18-55mm f/3.5-5.6<br />
Lukes Kommentar<br />
„Da Johns Studio so groß ist, konnten wir einfach<br />
von Nahaufnahmen auf Ganzaufnahmen<br />
wechseln. Dabei habe ich gelernt, dass ich wieder<br />
mein übliches 18-55mm-Objektiv verwenden<br />
muss, um die ganze Person abbilden zu können.<br />
John gab mir einen guten Tipp, als ich das Objektiv getauscht<br />
habe: Man sollte die Kamera immer ein wenig nach unten<br />
richten, wenn man die Objektive tauscht. Es kann teuer werden,<br />
den Sensor zu reinigen, erklärte er. Das ist eine einfache<br />
Vor sichtsmaßnahme, um Schäden zu vermeiden. Die Beleuchtung<br />
war ähnlich wie bei den vorherigen Nahaufnahmen. Die<br />
Hintergrundbeleuchtung musste jedoch an die Seite geschoben<br />
werden, um nicht in der Aufnahme zu erscheinen. John hielt<br />
einen gigantischen weißen Reflektor dahinter, den man<br />
California Sunbounce nennt, damit wir genug Licht hatten.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
Belichtungsmesser Sekonic L-508<br />
„Für Studiofotgrafie ist ein Belichtungsmesser<br />
nicht unbedingt erforderlich, da man mit Digitalkameras<br />
einfach den Blitz so lange anpassen<br />
kann, bis man die gewünschte Belichtung<br />
erreicht. Jedes Mal, wenn man die Position des<br />
Lichts ändert, geht die Konfiguration mit einem<br />
Belichtungsmesser allerdings viel schneller.<br />
Man stellt einfach ISO und Verschlusszeit ein, der Belichtungsmesser löst<br />
einen Blitz aus und misst die für die Belichtung nötige Blende. Bei Bedarf<br />
kann man dann noch die Blitz-Power-Einstellung anpassen. Der L-580 von<br />
Sekonic, die ich verwende, wird nicht mehr hergestellt. Vergleichbare Modelle<br />
von Sekonic bekommt man zwischen 180 und 250 Euro”, meint John.<br />
22 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
Richtig fokussieren<br />
Luke lernt, seine Kamera so einzustellen, dass<br />
er den Autofokuspunkt schnell setzen kann.<br />
So kann er sicher sein, dass die Augen des<br />
Models immer scharf sind.<br />
Richtig kommunizieren<br />
Erzählen Sie Ihrem Model, was Sie erreichen<br />
wollen, und zeigen Sie die Ergebnisse. So<br />
verbessern Sie die Zusammenarbeit.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Beine länger<br />
aussehen<br />
lassen<br />
Die meisten Menschen wollen längere Beine und<br />
Sie können die Kameraperspektive nutzen, um das<br />
zu erreichen. Das Geheimnis liegt darin, von weiter<br />
unten zu fotografieren, sodass Sie zu dem Model<br />
hochschauen. Das verlängert die Beine und ist ein<br />
super Tipp für Ganzkörperaufnahmen.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 23
Menschen<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Von oben<br />
Ein guter Tipp für Kopf-und-Schulter-Aufnahmen ist das <strong>Foto</strong>grafieren<br />
des Models von oben. Eine erhöhte Kamera bedeutet, dass die<br />
Augen näher an der Kamera sind als der Rest des Gesichts – das<br />
lässt sie größer und anziehender erscheinen. Eine stabile Trittleiter<br />
ist daher ein wichtiges Werkzeug in jedem professionellen Portraitstudio!<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Das Model zum<br />
Glühen bringen<br />
Die erste Aufnahme war ein Fehlversuch – durch das Licht von der<br />
Seite war der Hintergrund zu hell und unschöne Schatten wurden<br />
erzeugt. Durch das Verschieben der Hauptlichtquelle und der<br />
„Beauty Dish“ hinter die Kamera wurde das Model besser beleuchtet,<br />
sodass die Helligkeit reduziert werden konnte und der Hintergrund<br />
weniger prominent wurde. Das gleichmäßig verteilte Licht an<br />
den Seiten erzeugte ein schönes Glühen, das der Aufnahme einen<br />
Rahmen verpasste.<br />
Beauty Dish<br />
Luke schaut sich den<br />
Scheinwerfer-Effekt an, den<br />
der große Beauty-Dish-Reflektor<br />
hinter ihm erzeugte.<br />
Größenvorteile<br />
Eine Trittleiter ist ein super<br />
Werkzeug - sie ermöglicht<br />
Ihnen mehr Kameraperspektiven,<br />
positioniert<br />
Sie über dem Model und<br />
gibt Ihnen eine bessere<br />
Perspektive.<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Aurora 150cm Octobox Lite Bank<br />
„Die Hauptbeleuchtung in meinem Studio kommt von Bowens<br />
Esprit-1500-Lichtern”, verrät John. „Von diesen leistungsstarken<br />
Monoblock-Lichtern besitze ich vier Stück, die jeweils<br />
auf einem Rollstativ sitzen, damit sie einfacher zu bewegen<br />
sind. Zusätzlich brauche ich aber noch Unterstützung, um die<br />
Beleuchtung zu formen und zu kontrollieren sowie um die gewünschten<br />
Effekte zu erzeugen. Diese achtseitige Softbox erzeugt ein diffuseres Licht<br />
und schöne Reflexionen in den Augen des Models. Sie kostet ungefähr 300 Euro.“<br />
24 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Ein Studio<br />
mieten<br />
Sie brauchen nicht notgedrungen<br />
eine teure Ausstattung oder den<br />
perfekten Ort, um professionelle<br />
<strong>Foto</strong> grafie auszuprobieren. Es gibt<br />
genug <strong>Foto</strong>studios, die man mieten<br />
kann. Tatsächlich gibt es viele<br />
Profifotografen, die sich ein Studio<br />
und Lichter für kommerzielle Aufträge<br />
mieten. Die Preise sind sehr unterschiedlich,<br />
aber oft nicht so hoch, wie<br />
man denkt. John vermietet sein<br />
Studio zum Beispiel für ca. 100 Euro<br />
pro halben Tag.<br />
Zeit für Großaufnahmen<br />
Für kunstvollere Porträts stellen Sie<br />
sicher, dass das Model in die Ferne<br />
oder auf den Boden schaut und<br />
nicht direkt in die Kamera.<br />
Belichtung: 1/125 s bei f/11; ISO200<br />
Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />
Lukes Kommentar<br />
„Jetzt war Jessica an der Reihe. John<br />
erklärte mir, dass einfache Requisiten<br />
wie Stühle die Zahl der möglichen Posen<br />
steigern können. Unsere erste Beleuchtung<br />
war ein wenig unglücklich gewählt<br />
(siehe „Das Model zum Glühen bringen“), aber<br />
nachdem wir das Licht ein wenig bewegt haben, war es<br />
gut. Wir benutzten eine riesige Schüssel, die ein wenig<br />
wie eine fliegende Untertasse geformt war, um das<br />
Hauptlicht zu verändern. Dieser Beauty-Dish-Reflektor<br />
erhellte Jess mit einem weichen Schweinwerfer-Effekt,<br />
der, in der richtigen Position, eine natürliche Vignettierung<br />
auf dem grauen Papierhintergrund erzeugte.“<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 25
Menschen<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />
Bessel 200x40cm Softbox mit Raster<br />
„Diese ca. 1,80m große Röhrenlampe ist<br />
super für Ganzkörperaufnahmen und zudem<br />
sehr günstig mit ca. 90 Euro”, sagt John. „Die<br />
Softbox erzeugt eine schmale, lange, diffuse<br />
Lichtquelle und besitzt ein entfernbares<br />
Raster. Der schwarze, gitterartige Aufsatz<br />
ermöglicht einen lenkbaren Effekt, der das<br />
Licht davon abhält, auf Bereiche zu fallen,<br />
wo es nicht hingehört.”<br />
Lukes Kommentar<br />
„Nach einem schnellen Kostümwechsel<br />
und wieder weißer Hintergrundfarbe war<br />
der Aufbau ganz anders zu fotografieren.<br />
Der Plan war, einen sogenannten High-Key-<br />
Effekt zu erzeugen. Darin dominieren die<br />
hellen Töne und lenken so die Aufmerksamkeit auf die<br />
dunkleren. John erklärte, dass das die klassische Art sei,<br />
um blonde Frauen zu fotografieren. Wir positionierten<br />
vorsichtig zwei Lichter, um den wichtigen weißen Hintergrund<br />
zu beleuchten, damit er ebenmäßig angestrahlt wird<br />
und als pures Weiß in den Aufnahmen erscheint. Währendessen<br />
wurde Jess von Johns gigantischer Softbox<br />
angeleuchtet, was schöne Reflexionen in ihren Augen<br />
erzeugte.”<br />
26 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />
Belichtung: 1/125 s bei f/11; ISO200<br />
Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />
Licht von acht Seiten<br />
Man braucht ein großes Studio, um Johns<br />
riesige, oktogonale Softbox zu beherbergen,<br />
aber sie erzeugt ein gleichförmiges Licht und<br />
schöne Reflexionen in den Augen.
Menschen<br />
Von oben gucken<br />
Erneut half die Trittleiter Luke in eine<br />
erhöhte Position, damit die Augen der<br />
Models groß erschienen.<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #5<br />
Hintergrund-Aufzugssystem<br />
Kostümwechsel<br />
Bitten Sie die Models darum, viele<br />
verschiedene Kleidungsstücke in unterschiedlichen<br />
Farben mitzubringen.<br />
Eine große Auswahl an Accessoires<br />
sorgt dafür, dass Sie unterschiedlichste<br />
Bilder bekommen.<br />
„In meinem Studio gibt es eine riesige 5-Meter-Höhle,<br />
die einen guten Hintergrund für Gruppenfotos oder<br />
Ganzportraits liefert”, meint John mit einem Lächeln.<br />
„Die eigentliche Höhle besteht aus weißem Plastik,<br />
aber es ist wichtig, dass ich schnell und einfach auf<br />
andere Farben wechseln kann. Die Lösung ist ein auf<br />
Rollen basierendes automatisches System, mit dem<br />
ich zwischen drei weiteren Farben umschalten kann.<br />
Dafür drücke ich einfach den entsprechenden Knopf<br />
auf meiner Fernbedienung. Ein vergleichbares System,<br />
das an der Decke angebracht wird, würde rund 450<br />
Euro kosten.”<br />
Profitipps für<br />
Portraitfotos<br />
Für gute Portraits ist die richtige Kamera ein Anfang,<br />
aber man muss sie immer noch korrekt einrichten und<br />
zum richtigen Zeitpunkt auslösen.<br />
Der Hintergrund sollte aufgeräumt sein und nicht<br />
1 fokussiert werden. In einem Studio hat man die<br />
volle Kontrolle, aber auch dann kann die Beleuchtung<br />
einen großen Einfluss auf den Hintergrund haben.<br />
Wenn man einen Blitz verwendet, ist die Verschluss<br />
zeit hauptsächlich dafür verantwortlich,<br />
2<br />
den Hintergrund heller oder dunkler zu machen. Bei<br />
Party-<strong>Foto</strong>s kann eine langsamere Verschlusszeit die<br />
Atmosphäre steigern. Wenn der Hintergrund unruhig<br />
ist, verwenden Sie die maximale Synchronisationszeit<br />
(normalerweise 1/200 s), damit der Hintergrund so<br />
dunkel wie möglich wirkt.<br />
3Kommunikation ist der Schlüssel für tolle<br />
Portraitfotos. Reden Sie immer mit dem<br />
<strong>Foto</strong>grafierten; erklären Sie, was Sie machen, oder<br />
betreiben Sie einfach Smalltalk. Falls Konversation<br />
nicht Ihr Ding ist, hilft auch Hintergrundmusik.<br />
4<br />
Richten Sie Beleuchtung und Kamera so weit wie<br />
möglich ein, bevor das Model bereit ist. <strong>Profis</strong><br />
arbeiten mit einem Double, das so tut, als würde es<br />
posieren, während sie die Einstellungen vornehmen,<br />
damit das Porträt-Setup so gut wie möglich wird.<br />
5<br />
Studiolicht gibt Ihnen volle Kontrolle über die<br />
Beleuchtung. Allerdings kann man auch ohne<br />
diese Ausstattung tolle <strong>Foto</strong>s machen. Verwenden Sie<br />
ein großes Fenster für die hauptsächliche Beleuchtung<br />
der Person. Nutzen Sie einen Reflektor auf der<br />
anderen Seite als Notlösung.<br />
Bearbeiten Sie Ihre <strong>Foto</strong>s vorsichtig in Photoshop.<br />
6 Der Farbtonregler kann dafür sorgen, dass die<br />
Haut geschmeidig aussieht, jedenfalls sofern man<br />
RAW-Aufnahmen nutzt. Ein negativer Wert sorgt für<br />
schmeichelhafte Ergebnisse, welche die meisten<br />
<strong>Foto</strong>grafierten lieben werden.<br />
7<br />
Der <strong>Foto</strong>grafierte sollte unterschiedliche Kleidung<br />
mitbringen. Bei Gruppenfotos ist es gut, wenn alle<br />
Oberteile dieselbe Farbe aufweisen, damit sich die<br />
Komposition optimal zusammenfügt.<br />
Man braucht im Studio keine besondere<br />
8 Ausstattung, aber ein schnelles Objektiv ist ein<br />
riesiger Vorteil bei Portraitaufnahmen, da man so<br />
Hintergründe sehr einfach unscharf darstellen kann.<br />
<strong>Profis</strong> setzen meist auf ein 70-200-mm-f/2.8-Modell<br />
für ungestellte <strong>Foto</strong>s und Nahaufnahmen. Allerdings<br />
kosten die Profi-Varianten mehr als 2.000 Euro. Eine<br />
günstigere Lösung ist ein 85-mm-f/1.8-Objektiv –<br />
sowohl Nikon als auch Canon haben gute Varianten<br />
für ungefähr 360 Euro.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 27
Menschen<br />
Lukes Kommentar<br />
„Bei unseren letzten Aufnahmen sahen die<br />
beiden Models erst misstrauisch aus, als<br />
sie nebeneinander auf dem Boden liegen<br />
sollten, damit wir ihre Gesichter mit<br />
unterschiedlichen Blickrichtungen in<br />
einem <strong>Foto</strong> zusammenfassen konnten. Doch nach ein<br />
paar Minuten fühlten sie sich in der Pose wohl und das<br />
Motiv nahm Gestalt an. Ich habe dabei mehr als fünf<br />
verschiedene Lichtquellen genutzt. Drei davon übernahmen<br />
aus einem flachen Winkel nah an den Models die<br />
seitliche Beleuchtung, während die Beauty Dish und die<br />
Softbox von beiden Seiten der Kamera Licht spendeten.“<br />
Johns Fazit<br />
„Wenn man zwei Models zusammen<br />
fotografieren will, ist das immer schwierig,<br />
besonders wenn sie noch nie<br />
miteinander gearbeitet haben. Man muss<br />
wirklich gut sein, um das Beste aus den<br />
Models herauszuholen und eine Verbindung zwischen<br />
ihnen herzustellen. Luke hat tolle Arbeit geleistet.<br />
Dabei hat er effektvolle, direkte Beleuchtung genutzt,<br />
die sehr schön mit Lichtgittern und Abschirmklappen<br />
gesteuert wurde. Dadurch wirken die Augen der<br />
Models lebendig. Außerdem hat er eine tolle Komposition<br />
mit einem engen Bildausschnitt geschaffen. So<br />
wirkt die Art der Beleuchtung besser. Luke kann auf<br />
dieses Bild wirklich stolz sein, besonders wenn man<br />
bedenkt, dass er dafür nur wenige Stunden gebraucht<br />
und zum ersten Mal in einem Studio gearbeitet hat.“<br />
28 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
Belichtung: 1/125 s bei f/11; ISO200<br />
Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 29
Menschen<br />
Harmonische<br />
DER PROFI<br />
Name: James Howard<br />
Kamera: Canon EOS-1D Mk II<br />
James ist 34 Jahre alt und seit<br />
zehn Jahren Profi-<strong>Foto</strong>graf. Seit<br />
fünf Jahren fotografiert er<br />
größtenteils Hochzeiten. Dabei<br />
bleibt er immer unauffällig im<br />
Hintergrund. James fotografiert<br />
an die 100 Hochzeiten pro Jahr!<br />
30 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
Hochzeitsfotos<br />
Sie wurden gebeten, bei einer Hochzeit zu fotografieren?<br />
Profi-<strong>Foto</strong>graf James Howard gibt<br />
seine Geheimnisse für die perfekten Aufnahmen<br />
am schönsten Tag des Lebens preis.<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Gbenga Sodeke<br />
Kamera: Canon EOS 400D<br />
Gbenga ist 31 Jahre alt und<br />
arbeitet als Tatort-Ermittler in<br />
Hertfordshire. <strong>Foto</strong>grafieren ist<br />
seit drei Jahren sein <strong>Hobby</strong>. Er<br />
hat sich einverstanden erklärt,<br />
die Hochzeit seiner Schwester<br />
zu fotografieren, und braucht<br />
vorher dringend Profi-Tipps!<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 31
Menschen<br />
Für Hochzeits-<br />
Aufnahmen hat James<br />
immer zwei EOS-1D Mk II<br />
dabei, falls eine ausfallen<br />
sollte, plus extra Batterien<br />
und Speicherkarten<br />
sowie diese Objektive:<br />
2x Canon 28-300mm f/3.5-5.6L IS<br />
Canon 17-35mm f/2.8L<br />
Canon 70-200mm f/2.8 IS<br />
2x Canon 50mm f/1.4 USM<br />
Canon 100mm f/2<br />
Canon 135mm f/2L<br />
JAMES‘ TIPP<br />
Essenzielle<br />
Aufnahmen<br />
James erklärte Gbenga,<br />
welche Aufnahmen er auf der<br />
Hochzeit seiner Schwester<br />
nicht verpassen darf. „Die<br />
Braut tritt vor den Altar, das<br />
Brautpaar schaut sich zum<br />
ersten Mal dort an und der<br />
Vater übergibt die Braut.<br />
Danach wird viel geredet,<br />
jetzt besser keine ablenkenden<br />
Aufnahmegeräusche<br />
machen. Das nächste<br />
wichtige <strong>Foto</strong> ist der Tausch<br />
der Ringe und dann kommt<br />
die wichtigste Aufnahme: Der<br />
erste Kuss. Den darf Gbenga<br />
auf keinen Fall verpassen.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Lastolite Ezybalance Aufheller Graukarte<br />
James benutzt sie, um in Räumen die<br />
Belichtung und den Weißabgleich korrekt<br />
einzustellen. „Die graue Seite wird für<br />
die Belichtung benutzt: Lies den<br />
Zähler im manuellen Modus<br />
aus und passe Verschlusszeit<br />
sowie Blendenwert an, bis die<br />
Belichtungsanzeige zentral<br />
eingestellt ist.”<br />
JAMES‘ TIPP<br />
Richtig atmen<br />
„Wenn man während der Aufnahme<br />
den Atem anhält, ist die Wahrscheinlichkeit<br />
höher, ein verwackeltes <strong>Foto</strong><br />
zu bekommen. Die beste Zeit, um zu<br />
knipsen, ist gegen Ende des<br />
Ausatmens.”<br />
Technik-Check<br />
Ist Gbenga bereit für die Feier?<br />
IN EINE E SCHNELLE<br />
LINSE INVENSTIEREN<br />
DAS HISTOGRAMM<br />
BENUTZEN<br />
32 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />
James beobachtet Gbenga bei der Einrichtung seiner DSLR<br />
Das richtige Objektiv<br />
„Bei Innenaufnahmen steht Ihnen viel<br />
weniger Licht zur Verfügung”, sagt<br />
James. „Statt den ISO-Wert hochzustellen<br />
oder ein Blitzgerät zu nutzen,<br />
nutzt man besser eine schnelle Linse.<br />
Gbengas 18-55-mm-Linse erlaubt ihm,<br />
Das Histogramm<br />
„Für Innenaufnahmen nehme ich den<br />
M-Modus und mache immer nur eine<br />
Aufnahme, statt Bracketing einzusetzen”,<br />
sagt James. „Das Histogramm ist<br />
draußen und drinnen die einzige<br />
Möglichkeit sicherzustellen, dass die<br />
Belichtung stimmt. Auf Gbengas 400D<br />
nur mit der größten Blendenöffnung<br />
(f/3.5) zu fotografieren. Ich benutze<br />
50mm f/1.4 am Anfang der Kirche und<br />
135mm f/2 am Ende. Die große<br />
Blendenöffnung lässt mehr Licht rein<br />
und mit einer 50-mm-Linse kann ich<br />
ohne Stativ mit 1/50 s fotografieren -<br />
siehe auch die Checkliste rechts.”<br />
muss er so lange den Display-Knopf<br />
drücken, bis die Miniaturansicht des<br />
Bildes zusammen mit dem Histogramm<br />
erscheint. Wenn auf dem Brautkleid<br />
Clipping-Warnungen aufleuchten, ist<br />
das problematisch. Suchen Sie dann<br />
nach einem ausgeglicheneren<br />
Histogramm.”
Menschen<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Den Weißabgleich<br />
einstellen<br />
JAMES RATSCHLAG<br />
Checkliste für<br />
Innenaufnahmen<br />
Während der Zeremonie hält<br />
sich James an diese Regeln:<br />
Den ISO-Wert auf 800 setzen<br />
Den Weißabgleich wie rechts<br />
beschrieben ermitteln<br />
Im M-Modus aus der Hand<br />
fotografieren, nicht langsamer<br />
als 1/50s<br />
Ein schnelles Objektiv mit<br />
fester Brennweite und großer<br />
Blendenöffnung nutzen<br />
Bei Innenaufnahmen unter<br />
schlechten Lichtbedingungen<br />
ist es unverzichtbar,<br />
den Weißabgleich<br />
anzupassen, um hässliche<br />
Farbstiche auf dem<br />
Braut kleid zu vermeiden.<br />
James erklärt, wie das<br />
funktioniert: „Sie können<br />
eine professionelle<br />
Grau karte (siehe links)<br />
benutzen oder einfach ein<br />
weiße Karte, aber auch das<br />
Brautkleid, sofern der Stoff<br />
richtig Weiß ist. Erstellen<br />
Sie ein <strong>Foto</strong> des weißen<br />
Bereiches, der die<br />
Aufnahme komplett<br />
ausfüllen muss, und öffnen<br />
Sie das Menü Ihrer<br />
Kamera, um Custom-Weißabgleich<br />
auszuwählen.<br />
Suchen Sie das eben<br />
erstellte <strong>Foto</strong> und tippen<br />
Sie auf Set. Drücken Sie<br />
nun den WB-Knopf hinten<br />
auf der Kamera ganz nach<br />
rechts, um Custom<br />
einzustellen.”<br />
Gbengas<br />
Kommentar<br />
„Eine frühe Aufnahme,<br />
aber sie gefällt mir.<br />
James meinte, wenn<br />
ich eine große Blende<br />
benutze, stellt diese eine<br />
geringe Schärfentiefe<br />
her - eine sehr kreatives<br />
Element, sofern<br />
es richtig eingesetzt<br />
wird. Hilfreich ist hier<br />
auch, dass die Braut<br />
vorne scharf und der<br />
Bräutigam weiter hinten<br />
unscharf dargestellt<br />
werden. James riet mir<br />
zudem, im M-Modus<br />
zu fotografieren, um<br />
Kontrolle über Blendwert<br />
und Verschlusszeit<br />
zu haben. Ich benutzte<br />
das Histogramm, um<br />
Störungen und Belichtung<br />
zu checken.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 33
Menschen<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Der passende<br />
Hintergrund<br />
Als erstes schaut sich James den Ort der Zeremonie an, um<br />
Bereiche mit neutralem Hintergrund zu finden. „Vermeiden Sie<br />
es, das Brautpaar vor dem Himmel zu fotografieren. Der große<br />
Dynamikbereich könnte Ihrer SLR Probleme bereiten. Die<br />
Kirche bietet einen perfekten Hintergrund, da sie grau ist.<br />
Verwenden Sie die Mehrfeld- oder Matrixmessung für eine<br />
gleichmäßige Belichtung.”<br />
JAMES‘ TIPP<br />
ISO hochdrehen<br />
„Meine Art, Hochzeiten zu<br />
fotografieren, ist sehr<br />
rasant. Manchmal macht<br />
das Brautpaar etwas, das<br />
Sie direkt aufnehmen<br />
wollen, dafür ist eine<br />
langsame Verschlusszeit<br />
hinder lich. Ich foto grafiere<br />
regelmäßig mit ISO800,<br />
denn damit ändert sich die<br />
Qualität nicht sehr viel und<br />
es gibt mir eine viel<br />
schnellere Verschlusszeit.”<br />
34 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Bracketing<br />
für perfekte<br />
Aufnahmen<br />
Die SLR wird das Brautkleid wahrscheinlich<br />
unterbelichten, sodass es grau wirkt. James<br />
empfiehlt, Bracketing auszuprobieren: „Ihre<br />
SLR macht dann eine Aufnahme in der richtigen<br />
Belichtung und eine leicht überbelichtete sowie<br />
eine unterbelichtete. Um Bracketing einzustellen,<br />
muss Gbenga auf seiner 400D ins Menü<br />
gehen und dort AEB (Belichtungsreihenautomatik)<br />
aus dem Bereich mit dem Kamera2-Symbol<br />
auswählen”, sagt James. Sie können dann das<br />
am besten belichtete <strong>Foto</strong>s nehmen. Stellen Sie<br />
zudem den Continuous-Shooting-Modus ein<br />
und setzen Sie das Bracketing zurück, wenn Sie<br />
Objektiv oder Karte wechseln.<br />
Gbengas Kommentar<br />
„James meinte, ich sollte die Momente<br />
abpassen, in denen das Brautpaar vergisst,<br />
dass ich da bin. In dieser Aufnahme gingen<br />
die beiden ganz natürlich miteinander um.<br />
Das gibt dem <strong>Foto</strong> das gewisse Etwas, das<br />
nicht da gewesen wäre, wenn sie für mich<br />
posiert hätten.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
In JPEG<br />
fotografieren<br />
„Wegen der Geschwindigkeit, mit der ich<br />
fotografiere, und der Art, wie ich die<br />
Bilder hinterher bearbeite, nutze ich für<br />
Hochzeiten nur JPEG”, sagt James.<br />
„Damit kann ich bis zu 1.500 Aufnahmen<br />
pro Stunde machen, was mit<br />
RAW nicht geht. Ich nutze die<br />
höchsten JPEG-Einstellungen<br />
und setze die Auflösung auf 8<br />
Millionen Pixel, was absolut<br />
ausreicht.“<br />
JAMES‘ RATSCHLAG<br />
Checkliste für<br />
Außenaufnahmen<br />
Wenn das Paar die Kirche verlässt,<br />
gibt es andere Regeln zu beachten:<br />
Den ISO-Wert irgendwo<br />
zwischen 200 und 800 setzen<br />
Den Weißabgleich auf „wolkig“<br />
stellen für bessere Farben<br />
Im AV-Modus aus der Hand<br />
fotografieren, mit f/8 für mehr<br />
Schärfe<br />
Bracketing-Aufnahmen mit 2/3<br />
Blendenabstand<br />
Ein 28-300mm Objektiv für<br />
höchste Flexiblität nutzen<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 35
Menschen<br />
JAMES’ TIPP<br />
Die wichtigsten<br />
Aufnahmen<br />
„Jeder Hochzeitstag setzt<br />
sich aus vier wichtigen<br />
Teilen zusammen. Vor der<br />
Zeremonie ist die richtige<br />
Zeit, um die Braut bei den<br />
Vorbereitungen aufzunehmen.<br />
Das kann sehr<br />
hektisch werden. Die<br />
Zeremonie selber ist eine<br />
Herausforderung, weil sie<br />
immer unter anderen<br />
Lichtbedingungen stattfindet.<br />
Danach ist es wichtig,<br />
die Kamera-Einstellungen<br />
zwischen Gruppenfotos und<br />
Schnappschüssen unter<br />
Kontrolle zu haben. Zum<br />
Schluss kommen das<br />
Anschneiden des Kuchens,<br />
Reden und der erste Tanz.<br />
Die Atmosphäre sollte jetzt<br />
deutlich entspannter sein.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
Tragschlaufe<br />
„Die großen Profi-Linsen sind so schwer, dass meine<br />
Finger nach einem Arbeitstag ohne Schlaufen sehr<br />
schmerzen würden. Die Tragschlaufe sorgt dafür, dass<br />
das Gewicht auf meinem Handgelenk liegt, sodass ich<br />
die SLR nicht mit den Fingern verkrampft festhalten muss.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Vor Ort<br />
„Wenn das Wetter passt, können Sie einige schnelle<br />
Aufnahmen auf dem Weg zum Empfang erstellen”, sagt<br />
James. „Blumenfelder eignen sich für ausdrucksstarke,<br />
romantische Bilder. Ist das Wetter nicht so gut, gibt es<br />
andere Möglichkeiten, draußen zu fotografieren. Suchen<br />
Sie dafür nach Plätzen, die überdacht sind wie Vor dächer<br />
und Torbögen. Sie können der Braut auch einen weißen<br />
Regenschirm geben. Der schützt sie nicht nur vor Regen,<br />
sondern lenkt auch grelles Licht ab. Vermeiden Sie aber<br />
bunte Schirme, da diese Farbstiche auf das Brautkleid<br />
werfen.”<br />
36 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
Gbengas Kommentar<br />
„Ich liebe diese Aufnahme. James gab mir den Tipp,<br />
Umgebung so zu nutzen, dass sie dem <strong>Foto</strong> mehr Kraft<br />
verleiht, und mit diesem Feld, das nur eine kurze<br />
Autofahrt entfernt war, konnte ich das umsetzen. Ich<br />
wählte einen niedrigen Aufnahmewinkel und<br />
positionierte mich richtig. So habe ich es geschafft, den<br />
Eindruck zu vermitteln, als ob die Braut komplett von<br />
gelben Blumen umgeben ist. Dabei stand sie auf einem<br />
kleinen Weg.”<br />
Weitere Hochzeitsaufnahmen...<br />
Es dreht sich nicht alles nur um das Brautpaar, gibt der Hochzeitsprofi zu bedenken...<br />
Vorbereitungen<br />
1„Hier wird nicht posiert.<br />
Ich mache nur Schnappschüsse,<br />
während Frisur<br />
und Make-Up der Braut entstehen.<br />
Ich dokumentiere einfach.<br />
Außerdem mache ich Nahaufnahmen<br />
von den Blumen. Dabei<br />
verstecke ich mehr, als ich zeige,<br />
in dem ich nur auf eine Blume<br />
fokusiere und den Rest unscharf<br />
darstelle.”<br />
Schnappschüsse<br />
2„Hier ist es wichtig, eine<br />
Brennweite irgendwo<br />
zwischen 200mm und<br />
300mm einzustellen. Die Gäste<br />
bemerken Sie nicht und liefern<br />
Ihnen gute Gesichtsausdrücke.<br />
Sie können auch versuchen,<br />
über jemandes Schulter zu fotografieren.<br />
Ein Hinterkopf kreiert<br />
Kontext und funktioniert gut als<br />
Rahmen für das Bild.”<br />
Die Gäste<br />
3„Für <strong>Foto</strong>s der Gäste ist die<br />
richtige Aufnahmeposition<br />
wichtig. Versuchen Sie,<br />
den Himmel zu vermeiden und<br />
stattdessen neutrale, dunkle<br />
Hintergründe zu finden. Breite<br />
Treppen eignen sich hervorragend<br />
für Gruppenfotos. Idealerweise<br />
erstellen Sie diese von<br />
einem Fenster aus und bitten<br />
alle, nach oben zu schauen.”<br />
Der Kuchen<br />
4„Das Anschneiden des<br />
Kuchens ist eine gute<br />
Gelegenheit für eine Aufnahme.<br />
Stellen Sie sicher, dass<br />
der Weißabgleich richtig eingestellt<br />
ist - nichts ist schlimmer<br />
als ein grüner Hochzeitskuchen!<br />
Ihre Kamera wird versuchen, die<br />
Helligkeit auszugleichen, daher<br />
müssen Sie ein wenig überbelichten.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 37
Menschen<br />
3<br />
1<br />
2<br />
James‘ Fazit<br />
„An dieser Stelle [1] zeigt die Belichtung, wie gut natürliches<br />
Licht sich manchmal macht. Die einzige Lichtquelle<br />
war ein großes Kirchenfenster, darum kommt die Belichtung<br />
einfach und elegant daher. Die Aufnahme zeigt<br />
nur das Brautpaar [2], so lässt Gbenga alle ungewollten<br />
Details außen vor. In dieser Aufnahme geht es nur um die<br />
Liebe des Paares. Die Pose in diesem <strong>Foto</strong> ist einfach umwerfend<br />
[3]. Das Paar sieht so entspannt aus zusammen,<br />
dass es sich fast voyeuristisch anfühlt. Die beste Art, so<br />
etwas zu erreichen, ist, nicht zu viel zu posieren. Wenn das<br />
Paar entspannt ist, findet es selber die beste Pose.”<br />
Gbengas Kommentar<br />
„Ich finde diese Aufnahme fasst alles zusammen, was<br />
James mir heute beigebracht hat. Das Paar war sehr<br />
ungezwungen und merkte gar nicht, dass das <strong>Foto</strong><br />
entstand. James meinte, ich soll von einem niedrigen<br />
Winkel aus fotografieren und das Licht des Kirchenfensters<br />
nutzen, um Glanzlichter und Schatten zu<br />
kreieren. Durch die Umwandlung in Schwarz-Weiß<br />
wird die Aufnahme noch emotionaler.”<br />
38 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen
Menschen<br />
<strong>Foto</strong>s,<br />
die wirklich<br />
rocken!<br />
Seien Sie dabei, wenn Profi-Rock-’n’-Roll-<strong>Foto</strong>graf<br />
Laurence Baker seinem Lehrling während eines<br />
Whitesnake- und Def-Leppard-Konzerts in der<br />
Wembley Arena zeigt, wie man umwerfende<br />
Aufnahme von Live-Auftritten macht.<br />
40 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
DER PROFI<br />
Name: Laurence Baker<br />
Kamera: Canon EOS 5D<br />
Profi-<strong>Foto</strong>graf Laurence, 42,<br />
fotografiert regelmäßig große<br />
Auftritte und Festivals für Q,<br />
Classic Rock, Guitarist und<br />
weitere bekannte Musik-Magazine<br />
sowie für <strong>Foto</strong>-Agenturen.<br />
Er arbeitet auch viel hinter der<br />
Bühne und bei Studioaufnahmen.<br />
Mehr über Laurence<br />
erfahren Sie auf seiner Webseite:<br />
www.laurencebaker.com.<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Heather Fitsell<br />
Kamera: Canon EOS 400D<br />
Heather, 28, ist eine Qualitätsmanagerin<br />
aus London. Sie hat bereits versucht,<br />
Aufnahmen von Barauftritten zu machen,<br />
ist aber an der Innenbeleuchtung, der<br />
Verschlusszeit und den ISO-Werten<br />
gescheitert. Um die harten Aufnahme-<br />
Bedingungen der Wembley Arena zu<br />
meistern, lernt sie besser schnell!<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 41
Menschen<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Streulicht- oder Gegenlichtblenden<br />
„Ich schwöre auf meine Profi-Objektive”, sagt<br />
Laurence. „Wenn ich aus der Hand fotografiere, sind<br />
sie solide genug, um Verwacklungen zu verhindern,<br />
und sie verhindern die verwaschene, milchige Optik,<br />
die man manchmal bekommt, wenn man in sehr<br />
helles Licht fotografiert. Bei Auftritten lasse<br />
ich die Gegenlichtblen den immer dran.<br />
Die halten Streulicht ab und<br />
schützen zudem die Linse vor<br />
Schaden, wenn es zu<br />
Drängeleien in der erste<br />
Reihe, wo man als <strong>Foto</strong>graf<br />
steht, kommt.”<br />
LAURENCES TIPP<br />
Der richtige Umgang mit der<br />
Keine-Blitze-Regel<br />
Es ist ganz normal bei großen Auftritten, dass<br />
<strong>Foto</strong>grafen keinen Blitz verwenden dürfen. Aber<br />
anstatt die Lichtempfindlichkeit (ISO) ganz hoch zu<br />
drehen und damit digitales Rauschen zu riskieren,<br />
stellt Laurence seine Kamera lieber nicht über<br />
ISO400 ein. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass<br />
geringere ISO-Werte in jeder Situation bessere<br />
Ergebnisse produzieren. In dem Moment, wo die<br />
Show losgeht, erkennt man, was funktionieren wird.<br />
Ich versuche immer, die <strong>Foto</strong>s realistisch zu halten.<br />
Ich sehe oft Aufnahmen von Konzerten, bei denen<br />
ich auch war, die aussehen, als wären sie woanders<br />
entstanden, weil der <strong>Foto</strong>graf einen hohen ISO-Wert<br />
benutzt und dadurch überbelichtet hat. Einige Leute<br />
meinen, wenn ihre Bilder nicht immer superhell sind,<br />
wird sie keiner kaufen.“<br />
Technik-Check<br />
Ist Heather bereit zu rocken?<br />
Bevor die erste Band die Bühne betrat, sah sich Laurence Heathers<br />
Einstellungen an und machte einige zeitsparende Vorschläge.<br />
DAS RICHTGE<br />
FORMAT WÄHLEN<br />
VON AUTO AUF MA-<br />
NUELL WECHSELN<br />
RAW und JPEG<br />
„Bis jetzt hat Heather nur im JPEG-<br />
Format fotografiert, was bei Auftritten<br />
riskant ist. Sie sollte zur RAW+L-<br />
Einstellung wechseln. Die RAW-Dateien<br />
kann man für bessere Ergebnisse<br />
Manuell-Modus nutzen<br />
„Mir ist aufgefallen, dass Heathter den<br />
Auto-Modus nutzt. Ich nehme immer den<br />
Manuell-Modus wegen des Bühnenlichts,<br />
denn das zwingt den Auto-Modus jeder<br />
SLR in die Knie. Manuell fotografieren<br />
bearbeiten, aber die JPEGs kann man<br />
dem Kunden schnell schicken, sofern<br />
gewünscht. Für diese Vorgehensweise<br />
braucht man allerdings eine große<br />
Speicherkarte.”<br />
bedeutet, dass ich Blendenwert und<br />
Verschlusszeit selber einstelle, damit<br />
Beleuchtung und Band richtig erfasst<br />
werden. Heather sollte außerdem ihren<br />
Weißabgleich auf Tageslicht setzen.”<br />
42 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
Belichtung: 1/80 s bei f/5.6, ISO400<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Laurence benutzt die Canon EOS 5D,<br />
denn diese besitzt einen Vollformat-CMOS-Sensor<br />
für große, sehr<br />
detaillierte Bilder. Sie ist verhältnismäßig<br />
leicht und daher ideal, um bei<br />
Konzerten oder auf Reisen aus der<br />
Hand zu fotografieren, wenn man<br />
keine Stative benutzen kann. Er nutzt<br />
zudem folgende Linsen und Zubehör:<br />
Canon EF 28-70mm f/2.8L<br />
Canon EF 70-200mm f/2.8L<br />
Canon EF 20mm f/2<br />
Elinchrom Ranger Lighting Kit<br />
(für Ortsaufnahmen und Portraits)<br />
Heathers Kommentar<br />
„Als die Vorband auf die Bühne kam, war<br />
ich ein wenig besorgt, dass zu wenig<br />
Licht zur Verfügung stehen könnte, aber<br />
bei Events von dieser Größe ist mehr<br />
Beleuchtung vorhanden, als man denkt.<br />
Ein ISO-Wert von 400 hat den größten Teil<br />
des Abends gereicht. Laurence meinte,<br />
ich sollte Aufnahmen vermeiden, bei denen<br />
das Gesicht eines Bandmitglieds von<br />
Mikrofonen, Instrumenten oder Körperteilen<br />
verdeckt wird. Das ist mir in diesem<br />
Bild gelungen. Die Aufnahme wurde früh<br />
am Abend gemacht und fängt das weiche<br />
Bühnenlicht ein, das das Gesicht des<br />
Sängers der Vorband Black Stone Cherry<br />
beleuchtet.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 43
Menschen<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Drei Songs<br />
Sogar erfahrene Profi-<strong>Foto</strong>grafen wie Laurence<br />
dürfen normalerweise nicht länger als drei<br />
Songs vor der Bühne fotografieren. Daher ist es<br />
wichtig, die DSLR so schnell wie möglich<br />
einzustellen. „Normalerweise starte ich mit einer<br />
Grund belichtung von circa 1/100 s bei f/5.6 und<br />
passe das dann an, je nachdem, wie die ersten<br />
Aufnahmen aussehen. Bei solchen Shows<br />
<strong>helfen</strong> Scheinwerfer bei einer gleichmäßigen<br />
Belichtung, egal wo sich die zu fotografierende<br />
Person befindet. Die Vorband heute Abend hatte<br />
allerdings keine Scheinwerfer, sodass die<br />
Be leuchtung schwer vorhersehbar war. In<br />
solchen Fällen ist es wichtig, nachdem man<br />
zwischendurch die Einstellungen geändert<br />
hat, direkt weiterzufotografieren und keine<br />
Zeit mit dem Ansehen bereits erstellter<br />
Aufnahmen zu verschwenden.“<br />
LAURENCES TIPP<br />
Ein gutes Verhältnis aufbauen<br />
„Die Auftritte sind nur ein Teil der Rock-<strong>Foto</strong>grafie.<br />
Backstage-Aufnahmen, Gruppenfotos und Portraits<br />
gehören auch dazu. Dabei ist soziale Kompetenz gefragt<br />
und die Fähigkeit, einen Kompromiss zwischen den<br />
Wünschen der Band und denen des Kunden zu finden.<br />
Rockbands sind normalerweise umgänglich, aber man<br />
braucht Geduld. Zakk Wylde (Ozzy Osbournes Gitarrist)<br />
ist mal drei Stunden zu spät aufgetaucht, trampelte dann<br />
auf meinen Objektiven herum und war der Grund, warum<br />
ich meinen Flug nach Hause verpasste.”<br />
44 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
LAURENCES TIPP<br />
Recherche<br />
„Indem man sich die<br />
Webseite der Band vor<br />
dem Auftritt ansieht,<br />
spart man ebenfalls<br />
Zeit. Hier kann man<br />
rausfinden, wer das<br />
fotogenste Bandmitglied<br />
ist. Es geht nicht<br />
nur um den Sänger, Sie<br />
können auch Bilder an<br />
Magazine oder Webseiten<br />
verkaufen, die<br />
sich nur mit Gitarristen<br />
beschäftigen. Beobachten<br />
Sie die Bandmitglieder<br />
genau vor<br />
Ort, um deren nächste<br />
Schritte zu erahnen.<br />
Versuchen Sie Musiker,<br />
die Sie kennen, während<br />
des Auftritts für<br />
eine Aufnahme zu sich<br />
zu rufen.”<br />
Heathers Kommentar<br />
„Eine meiner liebsten Aufnahmen. Ich<br />
finde den Winkel toll und die Art, wie das<br />
Licht einen Duoton-Effekt erzeugt. Dass<br />
man das Gesicht des Bassisten nicht<br />
sieht, ist hier unwichtig. Es war zudem hilfreich,<br />
dass ich unterhalb der Bühne stand<br />
(allerdings kann das auch eine Einschränkung<br />
sein, weshalb eine Auswahl an Objektiven<br />
hilfreich ist). Ich mag es, wie sein<br />
Körper das Schlagzeug subtil einrahmt.<br />
Die vielen verschiedenen Lichtwinkel finde<br />
ich ebenfalls sehr gut - ein wenig wie ein<br />
Feuerwerk.”<br />
Belichtung: 1/80 s bei f/5.6, ISO400<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Bekannt werden<br />
Trotz der intensiven Wettbewerbssituation ist Laurence<br />
der Meinung, dass es heutzutage einfacher ist, als<br />
Anfänger in der Rock-<strong>Foto</strong>grafie durchzustarten. „Man<br />
muss nicht mehr für Filmrollen und deren Entwicklung<br />
zahlen! Arbeiten Sie bitte trotzdem nicht umsonst, wenn<br />
Sie gerade anfangen. Das macht es für andere <strong>Foto</strong>grafen<br />
schwerer. Versuchen Sie, sich durch das <strong>Foto</strong>grafieren<br />
lokaler Bands ein Portfolio zusammenzustellen. Wenn Sie<br />
eine gute SLR besitzen, die Sie zudem auch beherrschen,<br />
stellen Sie sicher, dass Ihre Aufnahmen etwas Besonderes<br />
werden. Lernen Sie, wie man die Belichtung anpasst, und<br />
machen Sie scharfe Aufnahmen. Niemand wird unscharfe<br />
Bilder kaufen.”
Menschen<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Mit Licht arbeiten<br />
„Hüten Sie sich vor Spitzlichtern in Ihren Aufnahmen”, sagt<br />
Laurence. „Niedrige ISO-Werte und hochwertige Objektive<br />
<strong>helfen</strong>, diese zu vermeiden. Bei vielen unterschiedlich<br />
positionierten Lichtern auf der Bühne entsteht irgendwann<br />
ein Leuchten. Wenn Sie die zu fotografierende Person<br />
zwischen sich und die Hintergrundbeleuchtung positionieren<br />
können, kann das hilfreich sein. Aber Sie können auch<br />
absichtlich einige nette Spitzlichter-Effekte erzeugen, wenn<br />
die Hintergrundbeleuchtung sehr grell ist!”<br />
HEATHERS TIPP<br />
Auf einen Bereich fokussieren<br />
„Es war sehr hektisch vor der Bühne, aber mir hat es geholfen,<br />
meine DSLR auf One-Shot AF-Modus (Einzelaufnahme/<br />
Autofokus) zu stellen und auf einen bestimmten Bereich auf<br />
Brusthöhe zu fokussieren - zum Beispiel das Muster eines<br />
Oberteils. Laurence meinte zudem, ich sollte die Schärfe der<br />
Aufnahme kontrollieren, indem ich auf einen strukturierten<br />
Bereich ranzoome. In dieser Aufnahme auf der rechten Seite<br />
habe ich auf die Kette des Gitarristen fokussiert.”<br />
Belichtung: 1/80 s bei f/5.6, ISO400<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Heathers Kommentar<br />
„Es hat Spaß gemacht, Phil Collen von Def Leppard zu fotografieren. Zu<br />
diesem Zeitpunkt hatte ich rausgefunden, wer sich für gute Aufnahmen<br />
eignet. Mir war aufgefallen, dass sich die blauen Lichter in früheren <strong>Foto</strong>s<br />
gut machten, und ich habe das zu meinem Vorteil genutzt. In dieser<br />
Aufnahme brachten sie auch die Farben der Gitarre zur Geltung. Es war<br />
zwar schwer, den Gitarristen ohne unscharfe Finger zu fotografieren,<br />
aber hier ist es mir gelungen.”<br />
46 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Menschen<br />
Belichtung: 1/80 sec at f/5.6, ISO400<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Heathers Kommentar<br />
„Bei dieser Aufnahme des Whitesnake-Frontmanns<br />
David Coverdale hatte ich großes<br />
Glück. Er war schwer zu fotografieren, da er nie<br />
mehr als eine Sekunde lang stillstand! In fast<br />
jedem Bild von ihm war immer ein Arm oder<br />
etwas anderes unscharf. Laurence meinte, ich<br />
sollte, statt dem Künstler auf der Bühne zu<br />
folgen, warten, bis er zu mir kommt. Ich wartete<br />
und es hat funktioniert. Sein Oberteil eignete<br />
sich gut als Fokuspunkt und der Scheinwerfer<br />
zeigt ihn perfekt bei dem, was er am besten<br />
kann.”<br />
HEATHERS TIPP<br />
Details vergrößern<br />
„Ich finde es erstaunlich, wie kritisch man<br />
mit sich selber sein muss, wenn man die<br />
eigenen Aufnahmen zwischen den<br />
Bandauftritten anschaut. Ein guter Tipp<br />
ist es, die Schärfe durch das Vergrößern<br />
detaillierter Bereiche zu kontrollieren.<br />
Wenn Sie die schwarzen Bereiche<br />
ranzoomen und diese dunkelgrau<br />
angezeigt werden, bedeutet das zudem,<br />
dass Ihre DSLR Details nicht richtig<br />
darstellt.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 47
Menschen<br />
Laurences Fazit<br />
„Ich finde das Bild gut, da es unauffällig daherkommt, aber<br />
gleichzeitig wie eine großartige Rock-’n’-Roll-Aufnahme<br />
aussieht. Obwohl sein Gesicht verdeckt ist, kann man<br />
erkennen, dass es sich um den Gitarristen handelt. Die<br />
Beleuchtung macht sich sehr gut: Sie kommt eigentlich<br />
direkt von oben und hebt sein Haare hervor, ohne diese<br />
zu sehr zu betonen [1]. Mir gefällt, wie dunkel der Rest von<br />
ihm erscheint - und er stimmt gerade die Gitarre, statt sie<br />
zu spielen, was, wie ich finde, der Aufnahme noch mehr<br />
‘Coolness’ gibt [2]. Die Hintergrundbeleuchtung ist auch<br />
gedämpft [3]. Die sich ständig ändernde Beleuchtung<br />
macht das <strong>Foto</strong>grafieren zum Glücksspiel, aber wenn man<br />
aufmerksam und schnell reagiert, hat man schon die halbe<br />
Schlacht gewonnen. Ansonsten muss man nur darauf achten,<br />
dass man die richtige Belichtung eingestellt hat und<br />
kein anderer <strong>Foto</strong>graf im Weg steht.”<br />
1<br />
2<br />
3<br />
Heathers Kommentar<br />
„Diese Aufnahme des Gitarristen Ben<br />
Wells, der zu der Vorband Black Stone<br />
Cherry gehört, ist mein Lieblingsbild von<br />
diesem Abend. Er ist nicht nur genau<br />
mittig in der Aufnahme, die lineare Komposition<br />
des Bildes wird auch von der<br />
Lücke, die seine Haare bilden, unterstützt.<br />
Ben ist sehr fotogen, weshalb er so gut<br />
zu fotografieren war. Das eher schwierige<br />
rote Licht gab bei dieser Gelegenheit eine<br />
gute Hintergrundbeleuchtung ab und<br />
ergänzte zudem die Farben seiner Gitarre.<br />
Die Wellen in seinen Haaren kommen<br />
auch in seinem Oberteil vor. Ich habe so<br />
viel gelernt und bin begeistert von dieser<br />
Aufnahme.”<br />
48 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
People<br />
Exposure: 1/80 sec at f/5.6, ISO400<br />
Lens: Canon 17-85mm IS<br />
Belichtung: 1/80 s bei f/5.6, ISO400<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 49
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rund um Tablets<br />
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Geräten, Tipps für das optimale Zubehör, hilfreiche Apps sowie Spiele für alle wichtigen<br />
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Natur<br />
Seite 66<br />
Seite 54<br />
Seite 98<br />
Seite 76<br />
52 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Seite 112<br />
Natur<br />
Natur<br />
2<br />
Sandburgen und Meer................. 54<br />
<strong>Foto</strong>grafieren<br />
für Gipfelstürmer........................... 66<br />
Moor- und Meerlandschaften..... 76<br />
Natur hautnah fotografieren........ 86<br />
Gefiederte <strong>Foto</strong>s............................ 98<br />
Blühende Aufnahmen!.................112<br />
Seite 86<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 53
Natur<br />
Sandburgen<br />
und Meer<br />
Landschafts- und Wildtier-Profifotograf Chris<br />
Weston nimmt unseren Lehrling mit ins schöne<br />
Northumberland für eine Einzelstunde mit.<br />
DER PROFI<br />
Name: Chris Weston<br />
Kamera: Nikon D3<br />
Chris ist einer der besten Wildtier-<br />
<strong>Foto</strong>grafen Großbritanniens. Sein<br />
atemberaubendes Buch Animals on<br />
the Edge zeigt die fotogensten, vom<br />
Aussterben bedrohten Säugetiere<br />
der Welt. Er veranstaltet regelmäßig<br />
<strong>Workshop</strong>s sowie Safaris und war<br />
daher unsere erste Wahl für den<br />
Seelandschaft-Meisterkurs in Northumberland.<br />
Mehr erfahren Sie<br />
unter www.chrisweston.uk.com.<br />
54 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Oliver Godwin<br />
Kamera: Nikon D7000<br />
Oliver ist Mikrobiologe und lebt in<br />
Reading. Seine erste DSLR war<br />
eine Sony A350, aber er fand den<br />
Mangel an verfügbaren Objektiven<br />
und Accessoires für diese Kamera<br />
so frustrierend, dass er beschloss,<br />
auf eine Nikon D7000 zu wechseln.<br />
Diese hat er sich letztes Jahr<br />
gekauft, damit er sie mit in seine<br />
Flitterwochen nach Borneo nehmen<br />
kann. Er fotografiert gerne<br />
Landschaften und Wildtiere und<br />
bat uns darum, ihm zu <strong>helfen</strong>,<br />
seine Fähigkeiten auszubauen.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 55
Natur<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Den Wecker<br />
stellen!<br />
Wenn Sie während der Morgendämmerung<br />
fotografieren, müssen Sie lange vor dem<br />
Sonnenaufgang ankommen. Stellen Sie<br />
sicher, dass Sie an jedem neuen Ort genug<br />
Zeit haben, sich umzusehen und den besten<br />
Kamerawinkel zu finden. Starten Sie diesen<br />
Vorgang aber am besten ohne Kamera und<br />
Stativ. Das geht schneller und einfacher.<br />
Belichtung: 1/5 s bei f/16, ISO100<br />
Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />
Olivers Kommentar<br />
„Als wir in Dunstanburgh in Northumberland<br />
ankamen, war es noch<br />
dunkel. Sobald es dämmerte, war<br />
klar, dass sich die Sonne Zeit lassen<br />
würde, um zwischen den Wolken<br />
hervorzukommen. Das gab Chris genug Zeit, mir<br />
einige tolle Tipps darüber zu geben, wie ich meine<br />
Kamera einstelle und die Aufnahmen organisiere,<br />
sobald das Licht besser wird. Er schickte mich auf<br />
die Suche nach festen Punkten auf dem Boden, die<br />
die Aufmerksamkeit des Betrachters einfangen und<br />
halten können. Ich sollte den richtigen Stein für den<br />
Vordergrund finden. Dieser durfte aber nicht so<br />
mächtig sein, dass er eine Mauer innerhalb der<br />
Aufnahme erzeugt. Dann meinte Chris noch, dass<br />
ich nach einem Element (Führungslinie) suchen<br />
sollte - wie zum Beispiel die Meeresbrandung -,<br />
welches das Auge durch das Bild zum Schloss<br />
leitet. Als ob ich eine Geschichte erzählen würde -<br />
die braucht einen Anfang, eine Mitte und ein Ende.<br />
Mithilfe des speziellen Neutralgraufilters von Chris<br />
konnte ich sicherstellen, dass der Himmel noch<br />
detailliert genug war, als die Sonne endlich<br />
rauskam. Für das endgültige <strong>Foto</strong> musste ich<br />
warten und mehrere Aufnahmen machen, bis die<br />
Wellen endlich an der richtigen Stelle brachen. ”<br />
Tiefenschärfe maximieren<br />
Chris zeigte seinem Lehrling Oliver, wie man<br />
Tiefenschärfe-Tabellen nutzt, um den Fokus auf<br />
die hyperfokale Entfernung zu setzen, damit diese<br />
scharf dargestellt wird.<br />
56 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Von oben oder<br />
von unten?<br />
Es ist einfach, die meisten Aufnahmen<br />
auf Augenhöhe oder aus der Höhe<br />
des Stativs zu machen. Aber das<br />
Variieren der Höhe ist eine gute Art,<br />
frische Kompositionen einzufangen.<br />
Die Aufnahme rechts entstand an der<br />
gleichen Stelle wie der Hot Shot #1,<br />
aber das Stativ war näher am Vor dergrund.<br />
Das ergab eine sig nifikante<br />
Änderung der Perspektive.<br />
Technik-Check<br />
War Oliver bereit, gegen Northumberlands<br />
fotogene Schlösser zu kämpfen? Während sie sich<br />
die Küste bei Dunstanburgh anschauten, gab Chris<br />
seine Meinung zu Olivers grundlegenden<br />
Kameraein stellungen ab. Diese zwei wichtigen<br />
Einstellungen schlug er Oliver vor zu ändern.<br />
Zeitautomatik statt<br />
Manuell-Modus<br />
„Oliver meinte, er nutzt normalerweise Motivprogramme.<br />
Er dachte, ich würde ihn direkt anweisen,<br />
auf die manuelle Belichtungssteuerung (M) zu<br />
wechseln. Tatsächlich ist (M) die veraltete Art. Man<br />
hat die gleiche Kontrolle mit der Zeitautomatik (A)<br />
oder der Blendenautomatik (S), die sich zudem<br />
einfacher bedienen lassen. Ich benutze die Zeitautomatik<br />
für 90% meiner Aufnahmen.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Tiefenschärfen-Tabellen<br />
Sonnenaufgang<br />
Nach langem Warten kam die Sonne endlich<br />
hinter den Wolken hervor und Oliver und Chris<br />
konnten loslegen.<br />
„Mit dieser Tabelle stelle ich sicher, dass<br />
ich die Szene so scharf wie möglich bekomme.<br />
Ich schaue nach Brennweite und<br />
Blendenwert und kann dann rausfinden, wo<br />
ich fokussieren muss, um die Tiefenschärfe<br />
zu maximieren. Meine Festbrennweiten<br />
besitzen Anzeigen für den Fokusabstand.<br />
Damit ist es einfach, die vorgeschriebene<br />
hyperfokale Entfernung einzustellen. Die<br />
Tabellen können Sie unter www.dofmaster.<br />
com/doftable.html runterladen.”<br />
Schlechtes Wetter<br />
„Oliver hatte den Weißabgleich auf Automatik<br />
gestellt, aber ich riet ihm, zu den voreingestellten<br />
Weißabgleich-Settings „Bewölkt“ oder „Schatten“<br />
zu wechseln. Diese funktionieren wie Aufwärm-Filter,<br />
die eine freundlichere Aufnahme liefern,<br />
wenn die Szene gerade nicht von Sonnenlicht<br />
erleuchtet wird.”<br />
PROFIAUSSTATTUNG #2<br />
Sonnenkarte<br />
„Die Sonne geht nicht im Osten auf – tatsächlich erscheint<br />
sie irgendwo südöstlich bis nordöstlich, abhängig von der<br />
Jahreszeit und dem Breitengrad”, verrät Chris. „Damit ich<br />
sicher sein kann, dass ich immer an der richtigen Stelle bin,<br />
habe ich diese einfache Karte dabei (versandkostenfrei<br />
bei www.suncard.co.uk für 4,70 Euro bestellbar), die ich<br />
zusammen mit einem Kompass nutze, um den richtigen Ort<br />
des Sonnenaufgangs oder -untergangs zu ermitteln.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 57
Natur<br />
Belichtung: 1/10 s bei f/22, ISO100<br />
Linse: 10-20mm f/4-5.6<br />
Olivers Kommentar<br />
„Unglücklicherweise hatten wir offensichtlich<br />
den stürmischsten Tag des Jahres erwischt!<br />
Trotz des rauen Windes war das Wetter aber,<br />
was die Beleuchtung anging, sehr gut. Nach<br />
den ersten Aufnahmen gingen wir an der<br />
Küste lang auf das Bamburgh Castle zu. Unser Ziel war es,<br />
eine Aufnahme zu erstellen, auf der man durch die Dünen<br />
auf das Schloss schaut. Wir hatten schnell den richtigen<br />
Platz gefunden. Hier lotst ein kleiner Pfad den Blick durch<br />
den Sand und die Dünen direkt auf das Schloss. Leider war<br />
der Vordergrund zu dunkel und die Textur des Grases daher<br />
nicht erfassbar. Chris schlug vor, ein Blitzgerät zu nutzen,<br />
das mit einem Synchronisationskabel an meine Kamera<br />
angeschlossen wurde. Der Blitz wurde von einem Reflektor<br />
geleitet, den Chris‘ Assistent in Position hielt. Dieser musste<br />
ganz schön schuften, wegen des Windes!”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Faltbarer Reflektor<br />
„Ein faltbarer Reflektor ist kein gängiges<br />
Accessoire für einen Landschafts- und<br />
Tierfotografen”, gibt Chris zu. „Normalerweise<br />
wird es eher von Portrait-<strong>Spezial</strong>isten<br />
benutzt, aber ich finde es besonders<br />
nützlich, um Licht auf dunkle Bereiche des<br />
Vordergrunds von Landschaftsaufnahmen<br />
umzuleiten und als Hilfe für Naturgroßaufnahmen.<br />
Hier hielt mein Assistent Marc den<br />
Reflektor in einem Winkel, der es dem Licht<br />
erlaubte, die Dünen zu beleuchten.”<br />
Alle anfassen!<br />
Chris sorgte dafür, dass der Blitz so<br />
vom Reflektor geleitet wird, dass er<br />
die Dünen und das Gras beleuchtet,<br />
während Oliver die perfekte<br />
Aufhellblitz-Aufnahme gelang.<br />
58 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />
VisibleDust 8mm Sensor Brush<br />
„Mir war aufgefallen, dass Olivers Sensor sehr<br />
dreckig war und dunkle Punkte im Himmel auf<br />
jedem seiner <strong>Foto</strong>s erzeugte”,<br />
warnte Chris.<br />
„Mit Staub auf dem<br />
Sensor hat jeder Profi<br />
zu kämpfen, darum<br />
nehme ich meine 8mm<br />
Sensor Brush von<br />
VisibleDust (ca. 40<br />
Euro) und die dazugehörigen<br />
Accessoires<br />
überallhin mit. Damit<br />
kann ich Flecken, sofort<br />
wenn sie auftauchen,<br />
entfernen.”<br />
Den Ultra-Weitwinkel-<br />
Zoom auspacken<br />
Damit so viel Vordergrund wie möglich mit<br />
Dünen gefüllt wird, wechselt Oliver auf sein<br />
Sigma 10-20mm.<br />
Windgeschützt<br />
Unser Lehrling lehnt sich für mehr<br />
Standfestigkeit gegen die Hütte (und<br />
um vor dem Sturm geschützt zu<br />
sein), als er das Schloss fotografierte.<br />
Monochrome<br />
Atmosphäre<br />
Es ist nicht nur wichtig, Aufnahmen nicht zu sehr durchzuplanen,<br />
sondern auch sich bietende Gelegenheiten zu nutzen. Oliver<br />
machte diese Aufnahme des Bamburgh Castles vom Parkplatz<br />
aus und in Farbe stellte es eine nette Postkarten-Szene dar. Aber<br />
der detaillierte Himmel und die beeindruckende Architektur<br />
deuteten auch das Potenzial für eine fantastische<br />
Schwarz-Weiß-Aufnahme an, wenn man die Farben zu Hause in<br />
Monochrom umwandelt.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 59
Natur<br />
Abstraktes fotografieren<br />
Chris ermutigte Oliver dazu, nach unterschiedlichen Arten des Einrahmens der Szene zu suchen,<br />
indem er neben den etablierten, malerischen Landschaftsaufnahmen auch abstrakte <strong>Foto</strong>s<br />
machte. Eine Contre-Jour-Aufnahme (direkt gegen das Licht fotografiert) des nassen Sandes<br />
und der hervorkommenden Sonne funktionierte sehr gut, während wir in Richtung Holy Island<br />
liefen. Zurück in Bamburgh, als die beiden darauf warteten, dass die Sonne untergeht, konzentrierten<br />
sie sich auf die brechenden Wellen und die Gischt, die durch den starken Wind entstand.<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #5<br />
Festbrennweiten<br />
„Wenn ich Landschaftsaufnahmen mache, trage ich keine<br />
Zoomobjektive mit mir rum. Mir reichen eine Handvoll<br />
Objektive mit festen Brennweiten von 20mm, 24mm, 28mm<br />
und 50mm,” gesteht Chris. „Diese sind sehr leicht und ich<br />
bin zudem gezwungen, sorgfältig über Bildkompositionen<br />
und Kamerapositionen nachzudenken. Diese Linsen<br />
besitzen zudem Fokussierskalen, mit denen ich die<br />
hyperfokale Entfernung einstellen kann. Ich benutze die<br />
Festbrennweiten meistens, um Wildtiere zu fotografieren.<br />
Statt viel Geld für schnelle, große Objektive auszugeben, die<br />
ich nur selten nutze, leihe ich diese aber für entsprechende<br />
Aufträge lieber aus.”<br />
Auf die Gezeiten<br />
achten<br />
Der Damm nach Holy Island ist nur bei<br />
Ebbe nutzbar. Da das Wasser schnell<br />
steigt, bleiben Fahrzeuge manchmal<br />
auf halbem Weg stecken. Es ist daher<br />
sinnvoll, den Gezeitenkalender und die<br />
Wetterwarnungen genau zu studieren!<br />
Die Welle einfangen<br />
Als die beiden bei Bamburgh auf den Sonnenuntergang<br />
warteten, ermutigte Chris Oliver dazu, ein wenig Zeit in<br />
abstrakte Aufnahmen der brechenden Wellen am Strand<br />
zu investieren.<br />
Sandaufnahmen<br />
Das Hineinzommen in den Sand erlaubte es Oliver,<br />
eine tolle abstrakte Aufnahme des Riffelmusters zu<br />
machen. Auf den ersten Blick erkennt man nicht,<br />
was es ist, was das Bild interessanter macht.<br />
60 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Belichtung: 1/40 s bei f/5.6, ISO100<br />
Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />
Olivers Kommentar<br />
„Wir überquerten den Damm nach Holy Island<br />
und schauten uns die Ebbezeiten an, aber<br />
mussten feststellen, dass wir zu spät dran waren.<br />
Wenn wir zum Lindisfarne Castle rübergelaufen<br />
wären, wären wir dort bis in die Nacht gestrandet<br />
gewesen. Statt wieder zum Festland zurückzukehren,<br />
beschlossen wir, die Aufnahmemöglichkeiten<br />
des Dammes zu erkunden. Die Muster im<br />
Sand, die das Meer erzeugt hatte, waren sehr<br />
auffällig und Chris bestärkte mich, diese<br />
ranzuzoomen, sodass sie das Bild komplett<br />
ausfüllen. Die beste Aufnahme entstand mit<br />
einem diagonal verlaufenden Muster, aber für ein<br />
wirklich gutes Bild musste ich den Kontrast in<br />
Photoshop noch deutlich verstärken.“<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 61
Natur<br />
Belichtung: 1/125 s bei f/11, ISO200<br />
Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />
Olivers Kommentar Bildanalyse<br />
„Für die letzte Aufnahme des Tages liefen<br />
wir vom Parkplatz aus zum nördlichen<br />
Teil des Bamburgher Ufers. Chris<br />
berechnete, dass wir während der<br />
Abenddämmerung von dort aus den<br />
besten Blick auf das Schloss haben würden. Damit<br />
hätte ich ein komplettes Portfolio des Tages - vom<br />
Sonnenauf- bis zum -untergang - vorzuzeigen. Die<br />
Wolken bewegten sich wegen des Windes sehr schnell.<br />
Damit wir das beste Licht nutzen konnten, mussten wir<br />
schnell die richtige Position finden. Mir gefällt die<br />
Aufteilung der Aufnahme - das Schloss ist nicht zu<br />
mittig positioniert und sowohl das Gras als auch der<br />
Winterhimmel bieten jede Menge Farben und Details.<br />
Beides wurde mithilfe von Photoshop noch ein wenig<br />
betont.”<br />
Sorgen Sie dafür, dass sich das lange Warten<br />
auf Licht auszahlt! Mithilfe von Chris überprüft<br />
Oliver die aufgenommenen Bilder sorgfältig,<br />
bevor er weiterfotografiert.<br />
62 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Eine der ersten Dinge, die man beachten für<br />
die Komposition einer Landschaftsaufnahme<br />
sollte, ist die Platzierung des Horizonts.<br />
Es gibt dafür drei beliebte Möglichkeiten<br />
(von rechts nach links). Bei der ersten<br />
befolgen Sie die Zwei-Drittel-Regel und<br />
platzieren den Horizont so, dass er ein<br />
Drittel des Bildes einnimmt. Die zweite<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Aufnahmen<br />
markieren<br />
Die meisten <strong>Foto</strong>grafierenden schauen sich ihre<br />
Bilder nach dem Aufnehmen genau an,<br />
entweder noch vor Ort oder auf dem Weg nach<br />
Hause. Dort angekommen, muss man aber noch<br />
mal alle durchgehen, um die Lieblingsbilder zu<br />
finden. Chris markiert seine bevorzugten<br />
Aufnahmen sehr clever bereits vor Ort. Er<br />
benutzt einfach die Taste auf der Rückseite der<br />
Kamera (nur bei Nikon-Geräten), die den<br />
Schlüssel zeigt, um entsprechende Aufnahmen<br />
zu markieren. Damit stellt er nicht nur sicher,<br />
dass die <strong>Foto</strong>s nicht aus Versehen gelöscht<br />
werden, sondern auch, dass er diese mit seinem<br />
Bildbearbeitungsprogramm schnell findet.<br />
Wie hoch sollte der Horizont sein?<br />
Option nutzt den Horizont in der Mitte, um<br />
Symmetrie und Harmonie zu erzeugen.<br />
Wenn der Himmel sehr ausdruckstark ist<br />
und der Vordergrund uninteressant,<br />
funktioniert es besser, wenn der Himmel<br />
zwei Drittel einnimmt - wie bei dem Blick<br />
vom Bamburgher Strand an diesem späten<br />
Nachmittag.<br />
Profi-Tipps für<br />
Landschaftsaufnahmen<br />
Manchmal ist die Szenerie so umwerfend, dass man<br />
nichts machen muss, außer die DSLR einzustellen und<br />
loszuschießen, um atemberaubende Landschaftsaufnahmen<br />
zu bekommen. Die meiste Zeit ist es<br />
allerdings eher harte Arbeit, Aufnahmen zu erstellen,<br />
auf die man stolz sein kann.<br />
1<br />
Nehmen Sie ein Stativ mit - und nutzen Sie es! Es<br />
geht natürlich auch ohne, aber dann schränken Sie<br />
sich ein, denn Sie können zum Beispiel keine langsame<br />
Verschlusszeit einsetzen, um Bewegungsunschärfe zu<br />
nutzen, oder einen Blendenwert einstellen, der sowohl<br />
den Vordergrund, als auch den Horizont scharf darstellt.<br />
Stellen Sie sich einen Wecker und fangen Sie vor<br />
2 Sonnenaufgang an. Manchmal bekommt man<br />
mittags gute Aufnahmen, aber ein früher Start wird fast<br />
immer mit besseren <strong>Foto</strong>s belohnt. Der niedrige Winkel<br />
des Lichts erzeugt Muster auf dem Land, die man nicht<br />
bekommt, wenn die Sonne hoch steht. Zudem ändern<br />
sich Schatten und Farben der Szene sehr schnell beim<br />
ersten Licht. Außerdem schmeckt das Frühstück immer<br />
besser, wenn man bereits Aufnahmen in der Tasche hat!<br />
3Genießen Sie Weitwinkel-Objektive mit Vorsicht.<br />
Manchmal funktioniert es, wenn man versucht,<br />
alles in ein einziges Bild zu packen, aber achten Sie darauf,<br />
dass Sie für den Vordergrund etwas Interessantes<br />
finden, ansonsten wird das Bild leer wirken.<br />
4<br />
Überraschenderweise eignen sich Teleobjektive<br />
auch, wenn man Berge, Wüsten oder Dünen<br />
erforscht. Zoomen Sie zum Beispiel auf entfernte Ziele<br />
oder entdecken Sie ungewöhnliche Muster.<br />
Variieren Sie die Position des Horizonts. Die traditionelle<br />
Herangehensweise ist es, den Himmel ein<br />
5<br />
Drittel des Bildes ausfüllen zu lassen (siehe links), aber<br />
machen Sie das nicht bei jeder Aufnahme. Manchmal<br />
zahlt es sich aus, den Vordergrund oder den Himmel<br />
ganz wegzulassen.<br />
6<br />
Seien Sie geduldig! Das beste Licht bekommen die,<br />
die am richtigen Ort warten. Lernen Sie beeindruckende<br />
Lichteffekte vorherzusehen, indem Sie die<br />
Wolken beobachten.<br />
7<br />
Wählen Sie die richtige Komposition! Variieren Sie<br />
die Höhe der Kamera, um die Szene in unterschiedlichen<br />
Winkeln zu erleben. Suchen Sie dabei nach<br />
diagonalen Linien wie Wege und Klippenränder - diese<br />
leiten das Auge des Zuschauers über das Bild.<br />
8<br />
Investieren Sie in einen Neutralgraufilter! Der hilft<br />
Ihnen dabei, die Belichtung auszubalancieren. So<br />
bekommen Sie mehr Farbe in den Himmel, mehr Details<br />
in den Wolken und können die Schatten am Boden<br />
sehen.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 63
Natur<br />
Olivers<br />
Kommentar<br />
„Dort, wo wir uns während<br />
der Morgendämmerung<br />
auf hielten, fanden wir die<br />
Art von Seelandschaft, die<br />
ich schon immer mal<br />
professionell fotografieren wollte. Mir<br />
gefallen die wettergegerbten Steine im<br />
Vordergrund. Das goldene Sonnenlicht,<br />
das sich darauf spiegelt, haben wir<br />
mithilfe von Polarisationsfiltern verstärkt.<br />
Die Uferlinie leitet das Auge ganz natürlich<br />
zu den ruhig anmutenden Ruinen des<br />
Dunstanburgher Castles in der Ferne.<br />
Eine weitere leitende Linie bilden die<br />
brechenden Wellen.”<br />
Chris Fazit<br />
„Oliver hat es geschafft,<br />
während der wenigen<br />
Stunden mit nutzbarem<br />
Licht, das das Winterwetter<br />
mitbrachte, eine vielseitige<br />
Auswahl an Auf nahmen zu sammeln. Es<br />
war gar nicht so einfach, das beste Bild<br />
rauszusuchen! Dieses <strong>Foto</strong> gefällt mir am<br />
besten, einfach weil es so ein klassisches<br />
Bild der Küste von Northumberland<br />
darstellt. Die langsame Verschlusszeit von<br />
1/6 s hat einen verschwommenen Effekt<br />
bei den brechenden Wellen erzeugt, der<br />
mir gut gefällt. Da die Morgendämmerung<br />
nicht so zustande kam, wie wir gehofft<br />
hatten, mussten wir eine Stunde in der<br />
Kälte warten, bis wir diese Aufnahme so<br />
hinbekamen - aber es hat sich gelohnt,<br />
dem Wetter zu trotzen!”<br />
64 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Belichtung: 1/6 s bei f/29, ISO100<br />
Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 65
Natur<br />
<strong>Foto</strong>grafieren<br />
für Gipfelstürmer<br />
Lernen Sie, Ihre Winterlandschaftsaufnahmen zu verbessern,<br />
während Sie Profi-<strong>Foto</strong>graf Geoff Simpson und seinen Lehrling<br />
bei einem <strong>Workshop</strong> im Peak District begleiten.<br />
66 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Mike Stephenson<br />
Kamera: Canon EOS-1Ds Mk II<br />
Mike ist 41 Jahre alt und arbeitet im<br />
Bereich Telekommunikation. Er liebt es,<br />
Landschaftsaufnahmen zu machen,<br />
aber befürchtet, dass er nicht alles aus<br />
seiner Kamera rausholt. Besonders die<br />
Belichtung bereitet ihm Probleme. Mike<br />
bat uns um Hilfe bei Bildkomposition<br />
und Filternutzung, damit er tolle Aufnahmen<br />
des Peak District erstellen kann.<br />
Ein Ort, den er bereits ohne Erfolg<br />
versucht hat zu fotografieren.<br />
DER PROFI<br />
Name: Geoff Simpson<br />
Kamera: Canon EOS-1D Mk II<br />
Geoff ist 49 und einer der führenden<br />
Wildtier- und Landschaftsfotografen<br />
Großbritanniens. Er wohnt mitten im<br />
Peak District und beliefert Bilderdatenbanken<br />
und <strong>Foto</strong>magazine aus<br />
der ganzen Welt mit seinen Aufnahmen.<br />
Geoff bietet <strong>Workshop</strong>s sowie<br />
Einzelstunden an und besitzt eine<br />
sehr informative Webseite unter<br />
www.geoffsimpsonphotography.com.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 67
Natur<br />
Geoff benutzt eine Canon EOS-1D<br />
Mk II und diese Objektive:<br />
Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />
Canon EF 70-200mm f/2.8L IS USM<br />
Canon EF 300mm f/4L IS USM<br />
Canon EF 24mm f/3.5L Tilt-Shift<br />
Canon EF 90mm f/2.8 Tilt-Shift<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Winkelsucher<br />
Neben seinen Weitwinkel- und Zoom-<br />
Objektiven schwört Geoff auf seinen<br />
Winkelsucher. „Der hilft mir dabei,<br />
interessante Winkel zu finden,<br />
und reduziert Streulichter.”<br />
Technik-Check<br />
Sind Mike und seine<br />
Kamera bereit für<br />
Winteraufnahmen?<br />
Spiegel vorauslösung<br />
SPIEGEL-<br />
VORAUSLÖSUNG DAS HISTOGRAMM<br />
nutzen<br />
„Auch mit einem guten Stativ empfehle ich,<br />
dass Mike die Spiegelverriegelung nutzt, um<br />
unscharfe Aufnahmen zu vermeiden”, rät<br />
Geoff. „Zudem sollte Mike den Timer der<br />
Kamera oder gleich ein Auslösekabel nutzen,<br />
um Aufnahmen zu machen. Das hilft dabei,<br />
Vibrationen zu vermeiden, wenn man eine<br />
geschlossene Blende (f/11) und eine langsame<br />
Verschlusszeit nutzt.”<br />
Aufnahmen im<br />
Kamera-Histogramm<br />
überprüfen<br />
„Mike überprüft die Belichtung seiner<br />
Aufnahmen auf dem Display auf der<br />
Rückseite der Kamera. Dabei sollte man<br />
das Histogramm der Kamera nutzen”,<br />
sagt Geoff. „Wenn die Anzeige auf der<br />
linken Seite gebündelt ist, ist das Bild oft<br />
unterbelichtet. Eine Bündelung rechts<br />
bedeutet Überbelichtung.”<br />
68 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
MIKES TIPP<br />
Das Stativ befestigen!<br />
„Es war sehr windig oben auf Curbar<br />
Edge. Geoff erklärte mir, dass sich<br />
auch teure Dreibeinstative durch<br />
den Wind bewegen können und riet<br />
mir, die Kameratasche an die<br />
Mittelsäule für mehr Stabilität zu<br />
hängen. Er schimpfte mich auch ein<br />
wenig aus, als ich das Stativ während<br />
des Aufnehmens festhielt. Denn das<br />
reduziert die Stabilität!”<br />
Mikes Kommentar<br />
„Während die Sonne über den Steinen<br />
aufstieg, erstellte ich diese erste gute<br />
Aufnahme des Tages. Geoff riet mir,<br />
schnell, aber nicht panisch zu arbeiten<br />
und mir genug Zeit zu nehmen, mir alle<br />
vier Ecken der Aufnahme anzuschauen.<br />
Wir achteten außerdem darauf, dass<br />
keine unerwünschten Objekte im <strong>Foto</strong><br />
auftauchen.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Bildaufbau<br />
beachten<br />
Geoff erklärte, dass bei guten Landschaftsaufnahmen<br />
die Bildkomposition entscheidend ist und stellte sein<br />
Zonen-System dar: „Bei der ersten Aufnahme nutze<br />
ich mein stärkstes Weitwinkel, zum Beispiel 17mm.<br />
Dann taste ich mich an die Szenerie ran -<br />
entweder durch Vergrößern oder ein<br />
Objektiv mit größerer Brennweite. So<br />
kann ich alle Aspekte einer Szenerie<br />
einfangen: vom weiten Blick über<br />
den Schauplatz bis zu den Details<br />
auf den Steinen.”<br />
GEHEIMNISSE DER<br />
BILDKOMPOSITION
Natur<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
Dreibeinstativ<br />
Mike gefiel Geoffs Dreibeinstativ sehr gut, da es<br />
standfest und einfach einsetzbar ist. „Ich nutze ein<br />
Gitzo-1548-Carbon-Modell mit einem Kugelkopf -<br />
ebenfalls von Gitzo”, sagt Geoff. „Der Kopf ist ganz<br />
leicht verstellbar, sodass ich die Kamera in viele<br />
verschiedene Winkel drehen kann.”<br />
GEOFFS TIPP<br />
Kampf dem Wind<br />
„Wenn es auf dem Berg<br />
besonders windig ist, kann<br />
es sinnvoll sein, die<br />
Lichtempfindlichkeit (ISO)<br />
hochzudrehen, um die<br />
Verschlusszeit und damit<br />
Verwacklungen zu<br />
reduzieren. Besser ein<br />
scharfes Bild mit ISO 200<br />
oder 400 als ein verwackeltes<br />
mit ISO 100.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Gute Objektiv-Filter nutzen<br />
Mike stieß auf ein Problem<br />
bei der Benutzung seiner<br />
Cokin-X-Pro-Filter. „Anscheinend<br />
kann man den<br />
Cokin-Polarisator nicht mit<br />
einem weiteren Cokin-Filter<br />
nutzen. Der Polarisator<br />
gehört hinter den Verlauffilter<br />
und lässt sich daher schwer<br />
anpassen. Mein Lee-Filter hat<br />
den Polarisator an der<br />
Außenseite, weswegen<br />
sich dieser besser<br />
drehen lässt, während<br />
der Neutralgraufilter<br />
fest bleibt. In Mikes<br />
Cokin-Filter muss man<br />
viel zu viel Arbeit<br />
stecken, während man gute<br />
Aufnahmen verpasst.” Mike<br />
entschied sich stattdessen,<br />
Geoffs Filter zu borgen!<br />
70 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Filter erklärt<br />
Polfilter<br />
Einer der nützlichsten<br />
Objektivfilter ist der<br />
Polfilter, der polarisiertes<br />
Licht absorbiert -<br />
Licht, das von Glas,<br />
Wasser oder<br />
spiegelnden<br />
Oberflächen<br />
reflektiert wird. Diese<br />
Filter sind hervorragend,<br />
um unerwünschte<br />
Reflexionen in Landschaftsaufnahmen<br />
sowie atmosphärische<br />
Effekte wie Nebel und Wolken zu<br />
entfernen. Polfilter können zudem<br />
Farben, besonders das Blaue im<br />
Himmel, verstärken.<br />
Neutralgraufilter<br />
Diese Filter werden<br />
auch ND-Filter<br />
genannt und<br />
reduzieren die<br />
Menge des Lichts,<br />
das den Kamerasensor<br />
erreicht. Damit<br />
kann man eine längere<br />
Verschlusszeit nutzen, als<br />
ohne Filter möglich wäre.<br />
Neutralgraufilter werden oft bei<br />
Landschaftsaufnahmen benutzt, um<br />
die Belichtung zu kontrollieren - unter<br />
anderem, um alle Details im<br />
Himmel mit aufnehmen zu können.<br />
Mikes Kommentar<br />
„Mir gefällt diese Aufnahme, weil die Steine den<br />
Vordergrund interessant machen”, sagt Mike.<br />
„Sie führen zudem das Auge in das Bild. Geoff<br />
riet mir davon ab, zu viel langweiligen Himmel<br />
aufzunehmen und er hatte absolut recht.”<br />
Geoffs Landschaftstipps<br />
Wenn Geoff Simpson nicht gerade in den heimatlichen Gefilden des Peak Districts<br />
unterwegs ist, besucht er andere Orte für tolle Winterlandschaftsaufnahmen.<br />
1. Lindisfarne Castle Northumberland<br />
„Das Licht am späten Nachmittag ist hier sehr ausdrucksstark und es<br />
gibt viele interessante Vordergründe an der Küste. Ein klassischer Ort<br />
für Außenaufnahmen.”<br />
2. Ardnamurchan Point Westküste von Schottland<br />
„Meeresflächen und heftiger Seegang, mit einem Leuchtturm<br />
im Vordergrund. Hier ist stürmisches Wetter sogar hilfreich!”<br />
3. Glenmore Forest Speyside, Schottland<br />
„Diese uralten, knorrigen Kiefern sind perfekt für schöne<br />
Bildkompositionen. Die Beleuchtung auf der Rinde ist<br />
wundervoll.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 71
Natur<br />
Mikes Kommentar<br />
„Um diese Bildkomposition zu erreichen, hat<br />
Geoff mich ganz schön angetrieben.<br />
Tiefenschärfe und Belichtung sind perfekt.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Mehr Filter-Tipps<br />
„Bevor Sie einen Filter kaufen, informieren Sie sich genau<br />
und probieren Sie ihn aus”, rät Geoff. „Filter sind komplexe<br />
Accessoires, aber hier sind meine Tipps.”<br />
Nutzen Sie den schwächsten Neutralgraufilter,<br />
um das gewünschte Resultat zu erreichen. Oft<br />
werden Neutralgraufilter einfach eingesetzt, um den<br />
Himmel zu verdunkeln, anstatt vorher rauszufinden, ob der<br />
Himmel dann auch zu allen anderen Bildteilen passt.<br />
Neutralgraufilter mit weichen Kanten funktionieren<br />
sehr gut mit ungeraden Horizonten. Für<br />
schnurgerade Horizonte sind hartkantige Neutralgraufilter<br />
besser.<br />
Vorsicht vor unnatürlichen Hell-Dunkel-Übergängen,<br />
die durch einen Polfilter und bei<br />
Verwendung eines Weitwinkelobjektivs unter<br />
28mm auftreten. Bleiben Sie bei maximal 28mm<br />
oder machen Sie eine Aufnahme im Portrait-Format,<br />
um diesen Effekt zu vermeiden.<br />
72 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
GEOFFS TIPP<br />
Zeitautomatik<br />
und Bracketing<br />
„Mikes hervorragende SLR in<br />
Kombination mit meinen<br />
Lee-Filtern war in der Lage,<br />
ausgeglichen belichtete<br />
Aufnahmen in Zeitautomatik<br />
statt im Manuell-Modus zu<br />
liefern. Mein Polfilter erhöhte<br />
den Kontrast und entfernte<br />
Blendeffekte, während der<br />
Lee-0.9-Neutralgraufilter dafür<br />
sorgte, dass der Himmel<br />
überbelichtet wird. Ich empfahl<br />
Mike zudem Bracketing, sodass<br />
die Kamera mehrere Aufnahmen<br />
mit unterschiedlicher<br />
Belichtung macht. Die besten<br />
Bereiche jeder Aufnahme<br />
können dann später in<br />
Photoshop zu einem Bild<br />
zusammengefügt werden.“<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Tilt-/Shift-Objektive<br />
Geoff hat immer Tilt-/Shift-Linsen dabei, die<br />
ihm <strong>helfen</strong>, die Perspektive zu verschieben<br />
und verzerrte Formen in der Landschaft zu<br />
verhindern. „Diese Objekte schließen die<br />
Lücke zwischen dem, was der <strong>Foto</strong>graf und<br />
was die Kamera sieht.“ sagt Geoff.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Belichtungsmessung<br />
Geoff hat Mike auch dazu angeregt, über die beste<br />
Methode zur Belichtungsmessung nachzudenken.<br />
„Obwohl die Mehrfeldmessung meistens gute<br />
Resultate liefert, empfehle ich Mike auch mit<br />
Spotmessung oder Selektivmessung zu experimentieren,<br />
indem er die Messung eines mittleren<br />
Tons in der Szenerie vornimmt und dann einen<br />
Neutralgraufilter benutzt, um die Belichtung durch<br />
den Himmel zu reduzieren.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 73
Natur<br />
74 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Geoffs Fazit<br />
„Gratulation, Mike, diese Aufnahme könntest du glatt<br />
verkaufen! Die Bildkomposition und -balance sind sehr gut<br />
[1] und sowohl Vordergrund als auch der mittlere Bereich<br />
sowie der Hintergrund sind interessant. Die Aufnahme zeigt<br />
auch eine gute Anwendung der Ein-Drittel-Regel [2], die<br />
Mike dabei half, gute Zusammenstellungen zu bekommen,<br />
bevor sich das Licht änderte. Die Belichtung in diesem Bild<br />
ist perfekt [3] und der Neutralgraufilter wurde geschickt<br />
eingesetzt, um den Vordergrund in Verbindung mit dem<br />
Himmel auszubalancieren. Mike kann stolz auf sich sein.”<br />
3<br />
1<br />
2<br />
Mikes Kommentar<br />
„Ich mag diese Aufnahme, da sie die Mühlsteine zeigt, die<br />
ein Wahrzeichen des Peak Districts sind. Ich denke, es ist<br />
ein gutes <strong>Foto</strong>, wegen der Art, wie das Licht mit den<br />
Steinen spielt und wie der Himmel der Szenerie Ausdruck<br />
verleiht. Durch die Benutzung des Neutralgraufilters wird<br />
die Szenerie gut<br />
beleuchtet und der<br />
Himmel wirkt düster,<br />
ohne unterbelichtet zu<br />
sein. Ich habe sehr viel<br />
von Geoff gelernt und<br />
plane bereits meinen<br />
nächsten <strong>Foto</strong>-Ausflug<br />
- dieses Mal zum Lake<br />
District!”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 75
Natur<br />
Moor- und<br />
Meer landschaften<br />
einfangen<br />
Verbringen Sie einen Tag im Exmoor und begleiten<br />
Sie Profi-<strong>Foto</strong>graf Adam Burton, während er unserem<br />
Lehrling beibringt, wie man windgepeitschte<br />
Moorgebiete und steinige Küsten in Szene setzt.<br />
76 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
DER PROFI<br />
Name Adam Burton<br />
Kamera Canon EOS-1Ds Mark III<br />
Seit 2008 ist Adam Vollzeit-Profi-<strong>Foto</strong>graf und<br />
einer der führenden Landschaftsfotografen<br />
Großbritanniens. Er hat vier <strong>Foto</strong>grafie-Bücher<br />
veröffentlicht und fünf Kontinente besucht - immer<br />
auf der Suche nach dem perfekten Bild. Sein<br />
Schwerpunkt liegt aber auf der südwestlichen<br />
Landschaft Englands, wo er auch regelmäßig<br />
<strong>Workshop</strong>s gibt. Mehr erfahren Sie auf seiner<br />
Webseite www.adamburtonphotography.com.<br />
DER LEHRLING<br />
Name David Pullin<br />
Kamera Canon EOS 5D<br />
David, 56, fotografiert seit den Sechzigern,<br />
aber gibt zu, dass er eher Schnappschüsse<br />
machte als ernst zu nehmende Aufnahmen. Er<br />
hat sich letztes Jahr nach mehr als 30 Jahren<br />
aus dem Polizeidienst zurückgezogen und ist<br />
gleichzeitig von London nach Bideford umgesiedelt.<br />
Er möchte das Beste aus der wunderschönen<br />
Natur von Devon machen und seine<br />
Landschafts- sowie Meeresaufnahmen<br />
verbessern.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 77
Natur<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Dreibeinstativ mit 3-Wege-Kopf<br />
„David gab zu, dass er sein Stativ oft zu Hause<br />
lässt. Ich habe ihm erklärt, dass es genauso<br />
wichtig ist wie seine Kamera. Es hilft ihm nicht<br />
nur, beim Einsatz längerer Verschlusszeiten<br />
Verwacklungen zu vermeiden, sondern ist<br />
auch unersetzlich für Bildkompositionen. Man<br />
kann damit besser die Szene einrahmen, ein<br />
wenig zoomen, neu zusammensetzen und<br />
nachstellen, als es bei Aufnahmen aus der<br />
Hand möglich wäre”, sagt Adam. „Ein<br />
3-Wege-Kopf lässt sich zudem feiner<br />
einstellen als ein Kugelkopf.”<br />
ADAMS TIPP<br />
Ungewöhnlicher Einsatz<br />
für Neutralgraufilter<br />
„Neutralgraufilter werden normalerweise<br />
eingesetzt, um die Belichtung eines hellen<br />
Himmels im Zusammenspiel mit einem dunklen<br />
Vordergrund auszubalancieren”, erklärt Adam,<br />
„aber in dieser Wald-Szenerie (unten rechts) wurde<br />
das Gras links oben von der Sonne beleuchtet und<br />
war daher heller als der Rest des Schauplatzes. Um<br />
das auszugleichen, wies ich Daniel an, die Filterhalterung<br />
um 45 Grad zu drehen und damit den Filter<br />
so zu positionieren, dass er diesen Bereich dämpft.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Farben und Kontrast stärken<br />
Polfilter werden oft benutzt, um den Himmel blauer und die Wolken<br />
ausdrucksstärker erscheinen zu lassen. Zudem kann man sie<br />
be nutzen, um die Spiegelung eines Flusses zu entfernen, damit<br />
man auch das Flussbett aufnehmen kann. Andererseits reduzieren<br />
Polfilter auch Reflexionen von nassem Laub, was sehr satte<br />
Far ben ergibt. Sie schlucken auch ein bis zwei Blenden an Licht<br />
und verlängern dadurch die Verschlusszeit, was dabei hilft, die<br />
Bewegung des schnell fließenden Flusses hervorzuheben.<br />
Technik-Check<br />
Ist David bereit für das wilde Exmoor?<br />
Adam bat David, seine DSLR so einzustellen, wie er es sonst auch für Landschaftsaufnahmen tut, und empfahl dann einige Änderungen.<br />
Manuell-Modus<br />
„David nutzte die Zeitautomatik für<br />
seine Aufnahmen. Das ist eine gute<br />
Wahl für alltägliche Landschaftsaufnahmen.<br />
Aber wir werden durch<br />
Filter fotografieren und daher<br />
selber die Belichtung bestimmen.<br />
Dafür ist der Manuell-Modus die<br />
bessere Wahl. In der Regel ist es<br />
am besten, bei ISO100 zu bleiben, es sei denn, es ist sehr windig und<br />
Laub fliegt rum, dann kann man auch auf ISO200 oder sogar 400 gehen.<br />
Die moderen Sensoren sind gut genug, um Störungen zu kontrollieren.”<br />
Zu kleine Blende<br />
„David nutzte die kleinste Blendenöffnung,<br />
die sein Objektiv bietet (f/22), um<br />
die höchste Schärfentiefe für die ganze<br />
Aufnahme zu bekommen. Allerdings<br />
führen solche kleinen Blendenöffnungen<br />
zu einer optischen Anomalie, die sich<br />
Diffraktion nennt. Diese bewirkt, dass Bilder weniger scharf werden, wenn<br />
Lichtstrahlen von den Blendenlamellen zurückgeworfen werden. Die<br />
meisten Linsen bringen die beste Qualität bei f/8, aber für Landschaftsaufnahmen<br />
mit Vordergrund und einem weit entfernten Horizont ist f/6 der<br />
beste Kompromiss zwischen Objektivleistung und Tiefenschärfe.”<br />
78 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
Drahtauslöser<br />
„Ein Kabel-Fernauslöser ist entscheidend, um<br />
Aufnahmen zu machen, ohne dabei die<br />
Kamera zu bewegen, was zu Verwacklungen<br />
im Bild führt. Man kann sich billige Versionen<br />
zum Beispiel bei Ebay kaufen, aber es ist<br />
besser, das Kamerazubehör des Herstellers<br />
zu nehmen. Man will sich auf sein Zubehör<br />
verlassen können, besonders wenn man es<br />
jeden Tag nutzt”, sagt Adam.<br />
Einen Wald gestalten<br />
Adam bat David, seine<br />
eigene Komposition<br />
einzustellen, und half ihm<br />
dann, diese zu verbessern.<br />
[1] Der dunkle Baumstamm,<br />
der das Bild einrahmt, lenkt<br />
zu sehr ab. Wenn nur das<br />
Blätterdach zu sehen ist,<br />
reicht das, um ein Waldgefühl<br />
zu erzeugen.<br />
[2] Das große Stück Rasen<br />
wirkt diesem Gefühl<br />
entgegen und sollte daher<br />
minimiert werden.<br />
[3] Das große Schild ist<br />
hässlich und ablenkend. Die<br />
[1]<br />
[5]<br />
[2]<br />
kleine Hinweistafel hingegen<br />
passt gut in einen Nationalpark<br />
und kann daher ruhig<br />
auf dem Bild erscheinen.<br />
[4] In der Öffentlichkeit zu<br />
fotografieren, bedeutet<br />
immer auch, dass irgendwann<br />
Spaziergänger ins Bild<br />
laufen. Wenn Sie mit allem<br />
anderen zufrieden sind,<br />
warten Sie ab, damit diese<br />
nicht auch auf der Aufnahme<br />
erscheinen.<br />
[5] Mit einem Polfilter<br />
kann das Wasser weicher<br />
dargestellt und Reflexionen<br />
können entfernt werden.<br />
[3]<br />
[4]<br />
Belichtung: 1.3 s bei f/16; ISO100<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
Davids<br />
Kommentar<br />
„Adam bat mich, meine<br />
eigene Bildkomposition zu<br />
erstellen. Ich versuchte,<br />
Informationsschnipsel,<br />
die ich in <strong>Foto</strong>grafie-Magazinen<br />
gelesen hatte,<br />
praktisch anzuwenden,<br />
und daraus entstand die<br />
obere Aufnahme. Meine<br />
eigentliche Idee war es,<br />
die Brücke als blickführendes<br />
Element zu nutzen<br />
und den Baumstamm<br />
als Bildrahmen. Adams<br />
Hinweise verbesserten<br />
die Komposition deutlich!<br />
Auch wenn es wichtig<br />
ist, die Regeln im Kopf zu<br />
haben, im Endeffekt ist es<br />
wichtiger, eine Aufnahme<br />
zu erstellen, die gut aussieht.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 79
Natur<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
iPod Touch<br />
„Es ist wichtig zu wissen, wann die Sonne auf- und<br />
untergeht, wann Ebbe und Flut beginnen und was das<br />
Wetter macht. Früher musste ich immer Gezeitentabellen,<br />
Sonnenkompasse und Katasterkarten mit mir rumschleppen,<br />
aber inzwischen gibt es Apps für so gut wie alles! Ich nutze Ayetides<br />
(www.mrtides.com, 8,99 €) für die Gezeiten und NDCalc (www.nsonic.de, 0,89 €),<br />
um lange Belichtungszeiten auszurechnen. Wenn man mal wieder auf einen Wetterwechsel<br />
warten muss, gibt es dann noch Angry Birds (www.angrybirds.com, 0,89 €)”,<br />
erzählt Adam lachend.<br />
ADAMS TIPP<br />
Filter mit Vorsicht genießen<br />
„David nutzt ein Basisset mit Cokin-’P’-Filtern. Das<br />
eignet sich gut für Anfänger, aber man muss<br />
aufpassen, wenn man mit einem Weitwinkelobjektiv<br />
fotografiert”, warnt Adam. „Bei 24 mm war die Ecke<br />
des Filters deutlich sichtbar und musste aus der<br />
Aufnahme rausgeschnitten werden! Zudem ist es<br />
wichtig, den Filter in den Steckplatz zu packen, der<br />
der Linse am nächsten ist. Bei dieser Aufnahme<br />
war das nicht der Fall, und das erzeugte unschöne<br />
Reflexionen. Ich empfehle jedem, der es ernst<br />
meint mit den Landschaftsaufnahmen, in<br />
Lee-Filter zu investieren. Diese sind nicht nur<br />
optisch sehr genau und produzieren keine<br />
Farbstiche, sie sind auch physisch größer - das<br />
beseitigt das Vignetten-Problem und erlaubt, den<br />
Horizont genau dort auszurichten, wo man ihn<br />
haben will.”<br />
DAVIDS TIPP<br />
Auch mal Gärtner spielen<br />
„Nachdem wir anderthalb Stunden nach dem<br />
‘idealen’ Farnkraut unter den perfekten Voraussetzungen<br />
gesucht hatten, schlug Adam vor, dass<br />
ich ihm ein wenig beim Gartenbau helfe. Auch<br />
wenn man versucht, nur das zu zeigen, was man<br />
auch sieht, würde ein bisschen heimliche<br />
Gartenarbeit die Aufnahme deutlich verbessern.<br />
Es ist nicht schlimm, ein paar verwelkte Blätter zu<br />
entfernen oder vorsichtig einige verstreute<br />
Stängel in eine andere Position zu drücken, wenn<br />
das eine bessere Aufnahme ergibt.”<br />
80 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Davids Kommentar<br />
„Sobald ich einen guten, pflanzenreichen Fleck für einen<br />
interessanten Vordergrund gefunden hatte, versuchte ich<br />
ewig, eine gute Landschaftskombination hinzu bekommen,<br />
aber jeder Aufnahme fehlte das gewisse Etwas.<br />
Adam erklärte mir dann, dass Landschaftsaufnahmen<br />
nicht unbedingt im Querformat sein müssen. Ich nutzte<br />
dann eine vertikale Bildkomposition und durch die<br />
Sonne, die die Felder beleuchtet, und die Pflanzen im<br />
Schatten fügte sich plötzlich alles zusammen. Weitwinkel-Aufnahmen<br />
bedeuten, dass man im Hochkantformat<br />
so viel mehr in den Vordergrund packen kann.<br />
Zudem entsteht ein großartiges Gefühl von Tiefe. Adam<br />
wies auch darauf hin, dass man sich nicht von den<br />
3:2-Bildseitenverhältnissen der Kamera einschränken<br />
lassen sollte. Es lohnt sich, quadratische sowie unkonventionelle<br />
Ausschnitte, Panoramaaufnahmen oder<br />
Letterbox-Formate auszuprobieren, um das meiste aus<br />
den wichtigen Teilen der <strong>Foto</strong>grafien rauszuholen.”<br />
Belichtung: 1/8 s bei f/16; ISO100<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
Aufrgrund ihres<br />
Vollbild-21-<br />
Megapixel-Sensors<br />
ist die Canon<br />
EOS-1DS Mark III die<br />
Kamera, die Landschaftsfotograf Adam<br />
nutzt. Ein weiterer Blick in seinen Lowepro-<br />
Vertex-200-Rucksack enthüllt:<br />
Canon EF 16-35mm f/2.8L II USM<br />
Canon EF 24-70mm f/2.8L USM<br />
Canon EF 70-200mm f/4L USM<br />
Lee 0.3, 0.6 & 0.9 hartkantiger<br />
Neutralgraufilter<br />
Lee 0.3, 0.6 & 0.9 weichkantiger<br />
Neutralgraufilter<br />
2x Lee reine Neutralgraufilter<br />
Lee Big Stopper 10-stop Filter<br />
Lee Polarisator<br />
Gitzo 3541 Systematic Dreibeinstativ<br />
DAVIDS TIPP<br />
Wichtiger Vordergrund<br />
„Bis jetzt habe ich dem, was zu meinen<br />
Füßen liegt, wenig Aufmerksamkeit<br />
geschenkt, und mich stattdessen einzig<br />
auf die entfernte Landschaft konzentriert.<br />
Adam erklärte mir, dass ein guter<br />
Vordergrund, der ins Blickfeld des<br />
Interesses gerückt wird, dem Betrachter<br />
dabei hilft, sich in das Bild „einzufühlen“<br />
- so als würde er tatsächlich dort stehen.<br />
Darum ist es so wichtig, sich die Zeit zu nehmen und nach dem richtigen Vordergrund zu<br />
suchen. Das Moor besteht aus Heidekraut und Farn. Das Heidekraut füllt es mit Farbe,<br />
während der Farn interessante Formen hergibt. Der Trick ist also, eine Weitwinkel-<br />
Blickrichtung zu wählen, die den interessanten Vordergrund aktiv einbezieht, statt nur<br />
durch ihn hindurchzufotografieren.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 81
Natur<br />
Belichtung: 1/5 s bei f/16; ISO100<br />
Linse: 70-300mm f/4-5.6<br />
Davids Kommentar<br />
„Für diese Aufnahme hatten wir den Blick den Bergen<br />
auf der anderen Seite des Tals zugewandt, aber waren<br />
inzwischen zu einem Objektiv mit großer Brennweite<br />
übergegangen, um für diese Szenerie die Perspektive<br />
zu verkürzen. Das Wetter wurde gerade schlechter,<br />
aber ich habe es geschafft, diese Aufnahme mit der<br />
Sonne, die gerade durch die dunklen, über die Felder<br />
rasenden Wolken bricht, einzufangen. Ich habe auch<br />
versucht, auf 300 mm ranzuzoomen - für eine isolierte<br />
Nahaufnahme eines einsamen Baumes in einem der<br />
Felder. Das war auch sehr effektiv, aber ich finde<br />
dieses Bild besser.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Nicht dem Licht<br />
hinterherrennen...<br />
„…sondern darauf warten! Der Tag<br />
des Lehrgangs war von leichten<br />
Schauern bis zu schweren<br />
Regenfällen durchzogen. Ich hätte<br />
wahrscheinlich einfach meine Sachen<br />
gepackt und wäre nach Hause<br />
gegangen, wenn Adam nicht dabei<br />
gewesen wäre”, gesteht David. „Er<br />
erklärte mir, das unbeständige<br />
Wetter bedeutet, dass wir<br />
unsere Aufnahme bekommen<br />
würden, wenn wir geduldig<br />
warten. Denn der Wind<br />
drückt die Wolken zur<br />
Seite, sodass die Sonne<br />
über die Felder tanzt.<br />
Man muss nur darauf<br />
warten, dass das<br />
Wetter mitspielt.”<br />
Schneller messen mit Neutralgraufiltern<br />
Der Trick, um exakte, manuelle Belichtungswerte zu bekommen, besteht darin, den Vordergrund zu belichten und dann den korrekten Neutralgraufilter<br />
zu benutzen, um den Himmel darauf abzustimmen. Einmal gemeistert, geht das ganz schnell und sollte vor jeder Aufnahme durchgeführt werden.<br />
1. Der Himmel<br />
Wenn Sie einmal mit<br />
Ihrer Komposition<br />
zufrieden sind, richten<br />
Sie die Kamera ein paar<br />
Grad nach unten, damit<br />
der Himmel weniger<br />
dominant, aber nicht<br />
komplett weg ist.<br />
DAVIDS TIPP<br />
2. Die Belichtung<br />
Stellen Sie die Verschlusszeit<br />
so ein, dass die<br />
Belichtungsmarke mittig<br />
ist. Schwenken Sie die<br />
Kamera zurück zum Motiv<br />
schaut; die Belichtungsmarke<br />
wird jetzt eine<br />
Überbelichtung anzeigen.<br />
3. Der Filter<br />
Wählen Sie den richtigen<br />
ND-Filter (beispielsweise<br />
ND2), aber schauen Sie<br />
durch den Sucher, um den<br />
Effekt auf den Himmel zu<br />
beobachten, während Sie<br />
den Filter in die Halterung<br />
drücken.<br />
82 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #4<br />
Gummistiefel<br />
„Oben im Moor, wo es trocken<br />
ist, ist es klug, feste Wanderschuhe<br />
und Regenkleidung<br />
anzuhaben, aber unten an der<br />
Küste sind Gummistiefel<br />
unverzichtbar!”, sagt Adam.<br />
„Keine Frage, wenn man das<br />
Stativ genau dort platziert, wo<br />
die Wellen am Ufer brechen,<br />
wird man nass!”<br />
ADAMS TIPP<br />
Niedriger ISO-Wert<br />
„Ich empfehle, mit ISO100 zu fotografieren,<br />
weil das die beste Bildqualität ergibt, aber<br />
einige Kameras, wie auch Davids Canon<br />
EOS 5D, besitzen noch niedrigere ISO50-<br />
Einstellungen. Das reduziert zwar nicht die<br />
Störgeräusche weiter - es gibt also keine<br />
Vorteile, was die Bildqualität betrifft -, aber<br />
es erlaubt eine noch langsamere<br />
Verschlusszeit, die wiederum dabei hilft,<br />
schnelles Wasser zu verwischen. Da das<br />
unter den normalen ISO-Werten liegt,<br />
müssen Sie erst im Benutzermenü<br />
entspechende Einstellungen vornehmen.<br />
Mehr erfahren Sie im Kamera-Handbuch.”<br />
Natur<br />
Davids Kommentar<br />
„Wegen des schnell abnehmenden<br />
Lichtes musste ich alle paar Minuten<br />
die Werte für die Aufnahme der Küste<br />
neu ablesen. Um nah an das Wasser<br />
ranzukommen, stand ich zudem genau<br />
auf dem steinigen Ufer, wo die Wellen<br />
brechen - darum musste ich nicht nur<br />
die Szenerie im Auge behalten, sondern<br />
auch das näher kommende Meer. Ich<br />
hatte über einen niedrigen Kamerawinkel<br />
nachgedacht, um mehr Vordergrund<br />
auf dem Bild zu haben, aber Adam<br />
warnte mich, dass eine plötzliche,<br />
große Welle schlimme Konsequenzen<br />
haben könnte. Stattdessen sollte ich<br />
besser die Kamera nach unten richten,<br />
um die glänzenden Steine in Szene zu<br />
setzen, und direkt nachdem die Wellen<br />
aufgeschlagen sind, den Auslöser betätigen,<br />
damit sie milchig-verschwommen<br />
dargestellt werden.”<br />
Belichtung: 2 s bei f/14; ISO100<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 83
Natur<br />
Belichtung: 25 s bei f/11; ISO100<br />
Linse 24-105mm f/4<br />
84 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Adams Fazit<br />
„In 30 Jahren als Polizist konnte sich<br />
David gute Beobachtungsfähigkeiten<br />
aneignen, wie man an dieser Aufnahme<br />
sieht! Die lange Belichtung verleiht den<br />
vorbeiziehenden Wolken eine düstere<br />
Atmosphäre [1]. Die Holzbuhnen liefern<br />
einen interessanten Vordergrund und<br />
spiegeln die Küstenlinie symmetrisch [2].<br />
Die Belichtung balanciert perfekt zwischen<br />
Meer und Himmel [3]. Zudem war der<br />
Zeitpunkt gut gewählt, was zu dem nebligen<br />
Effekt auf den Wellen führte [4].”<br />
[1]<br />
Natur<br />
[3]<br />
[2]<br />
[4]<br />
Davids<br />
Kommentar<br />
„Ich habe heute so viel von Adam gelernt.<br />
Seine Methode zur Ausmessung der Szenerie<br />
und Anpassung des Neutralgraufilters ist<br />
mir bereits in Fleisch und Blut übergegangen.<br />
Am schwersten war es - besonders während<br />
einer Belichtungszeit von 25 Sekunden -,<br />
den richtigen Zeitpunkt für eine effektvolle<br />
Darstellung des Wassers zu finden. Nach<br />
einigen Fehlversuchen wartete ich, bis eine<br />
große Welle auf mich zukam ... drückte den<br />
Auslöser ... und geschafft!”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 85
Natur<br />
Natur hautnah<br />
fotografieren<br />
Unser Lehrling bekommt Nachhilfe für Makroaufnahmen in einem<br />
Schmetterlingshaus, um beeindruckende <strong>Foto</strong>s von Insekten und<br />
Blumen erstellen zu können.<br />
86 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
DER LEHRLING<br />
Name Julie Richardson<br />
Kamera Nikon D5100<br />
Julie entdeckte <strong>Foto</strong>grafie für sich, als<br />
sie vor vier Jahren ihren Partner Dave<br />
traf. Er nutzte damals eine Olympus<br />
E-420, aber inzwischen sind beide auf<br />
DSLRs von Nikon umgestiegen. Julie<br />
fotografiert sehr viel und hat bereits<br />
einen Kurs zum Thema Dunkelkammer<br />
absolviert. Sie liebt Nahaufnahmen.<br />
DER PROFI<br />
Name Heather Angel<br />
Kamera Nikon D3<br />
Heather ist seit 40 Jahren eine von Großbritanniens<br />
führenden Wildtier-<strong>Foto</strong>grafinnen<br />
und hat vom Blauwal bis zum Wasserfloh<br />
alles bezwungen. Ihre zwei Leidenschaften<br />
sind China, das sie bereits 32 Mal besucht<br />
hat, und Makroaufnahmen. Sie hat gerade<br />
ihr 59. Buch Digital Outdoor Photography:<br />
101 Top Tips veröffentlicht.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 87
Natur<br />
Belichtung: 1/250 s bei f/5.6; ISO800<br />
Linse: 105mm f/2.8<br />
Julies Kommentar<br />
„Ich besitze keine Makrolinse und obwohl ich mit meinem<br />
18-55mm-Kit-Objektiv gut im Nahbereich fotografieren kann, reicht<br />
es nicht, um das Bild mit einem Objekt, das so klein wie ein<br />
Schmetterling ist, zu füllen. Ich habe mir ein Sigma-Makro-Objektiv<br />
(105mm, f/2.8) geliehen und der Unterschied war sofort sichtbar.<br />
Das war einer meiner ersten Versuche - ich sah die Dryas iulia, auch bekannt als<br />
Fackel beziehungsweise Julia, auf der Blüte sitzen und fand den Farbkontrast toll.<br />
Heather erklärte mir, dass Makro-Objektive mit einer längeren Brennweite ideal<br />
sind für Nahaufnahmen von Motiven, die sich leicht gestört fühlen.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Einbeinstativ<br />
Julie hatte sich darauf eingestellt, ein Dreibeinstativ<br />
zu benutzen, aber Heather empfahl stattdessen<br />
ein Einbein. „Schmetterlinghäuser sind beheizt<br />
und wenn die Temperatur steigt, werden die Tiere<br />
aktiver“, erklärt Heather. „Darum muss man sich schnell bewegen und fotografieren<br />
können. Das Risiko, verwackelte Aufnahmen zu bekommen, ist zwar<br />
größer als mit einem Dreibeinstativ, aber ein Einbein zu nutzen, ist noch immer<br />
stabiler, als aus der Hand zu fotografieren. Man muss allerdings ein wenig auf<br />
die Fokussierung achten. Es ist schwer, das Wackeln komplett zu vermeiden,<br />
während man das Bild zusammenstellt. So kann das Objekt möglicherweise<br />
nicht mehr vom Fokus erwischt werden.“<br />
Einbein statt Dreibein?<br />
Durch Heathers Tipp ließ Julie ihr Dreibeinstativ links liegen und<br />
fotografierte entweder aus der Hand (mit höherem ISO-Wert) oder<br />
nutzte ein Einbeinstativ (für mehr Stabilität bei schlechtem Licht).<br />
So konnte sie besser mit sich bewegenden Motiven mithalten.<br />
88 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Selektive Schärfe<br />
Julie stellte fest, dass man bei Makro-Aufnahmen nicht alles in<br />
den Fokus bekommt, wenn man ein Motiv aus einem bestimmten<br />
Winkel fotografiert. Heather zeigte ihr, welche Bereiche<br />
scharf sein sollten.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Makro und<br />
Tiefenschärfe<br />
Beim zweiten Versuch schaffte Julie es,<br />
den Schmetterling noch näher zu<br />
fotografieren. Dabei fiel ihr aber auch<br />
direkt eine der Schwierigkeiten auf, die<br />
die Makro-<strong>Foto</strong>grafie mit sich bringt - je<br />
näher man seinem Motiv kommt, desto<br />
weniger Tiefenschärfe steht zur<br />
Verfügung. Zudem bekommt man sein<br />
Objekt aus diesem Winkel nicht<br />
komplett scharf auf das Bild. Das ist<br />
aber gar nicht schlimm. Wichtig ist,<br />
dass man sich die richtigen Punkte für<br />
die Fokussierung sucht. Bei einem<br />
Schmetterling sind das der Kopf und<br />
die Fühler. Leider liegt der Fokus bei<br />
Julies Aufnahme ein wenig unter dem<br />
Kopf, weswegen das Bild nicht so<br />
richtig funktioniert. Aber durch dieses<br />
Ergebnis verstand sie, was sie beim<br />
nächsten Mal besser machen muss.<br />
Technik-Check<br />
Ist Julies Kamera richtig<br />
eingestellt, um flatterhafte<br />
Objekte einzufangen?<br />
Nah- und Makroaufnahmen benötigen eine<br />
etwas andere Herangehensweise als die<br />
alltägliche <strong>Foto</strong>grafie. Um die Motive scharf<br />
einzufangen, muss man jegliche Ver wackelungen<br />
vermeiden, die durch die Bewegung<br />
der Kamera oder der Objekte entstehen<br />
könnten. Zudem muss die Fokussierung sehr<br />
genau sein – der normale Fokus-Modus ist<br />
hier eventuell nicht die beste Wahl.<br />
ISO hochstellen<br />
„Julie hatte ihre Kamera auf ISO 100 gestellt,<br />
was die beste Qualität ergibt“, sagt Heather.<br />
„Da wir aber an einem bewölkten Tag fotografierten,<br />
empfahl ich ISO800. Ihre Kamera ist in<br />
der Lage, auch mit diesem Wert noch gute<br />
Qualität zu liefern, und die schnelle Verschlusszeit<br />
von 1/250 s reduziert das Risiko von<br />
Verwackelungen. Das führt nämlich meistens<br />
dazu, dass manche Bereiche in Makro-Aufnahmen<br />
unscharf sind in.<br />
Hinweise zum Fokus<br />
Heather sagt: „Julie hatte die Autofokus-Automatik<br />
(AF-A) eingestellt, bei dem die Kamera<br />
selbstständig einen Bereich der Szenerie<br />
fokussiert (normalerweise das, was sich am<br />
nächsten an der Kamera befndet). Ich riet ihr,<br />
zum Einzelautofokus (AF-S) zu wechseln, weil<br />
sie damit genau kontrollieren kann, was<br />
fokussiert wird. Damit kann sie, falls notwendig,<br />
einen anderen Autofokuspunkt auswählen,<br />
wenn das Onjekt nicht zentral liegt. Bei<br />
Makroaufnahmen muss man den Fokus ganz<br />
genau kontrollieren können.“<br />
Spotmessung<br />
Julie probierte ihre Makro-Techniken an<br />
einem unbeweglichen Objekt aus und<br />
stellte schnell fest, dass es gar nicht so<br />
einfach ist, die Belichtung richtig hinzubekommen.<br />
Heather zeigte ihr, wie sie<br />
die Spotmessung ihrer Kamera nutzt,<br />
um von hinten beleuchtete Motive wie<br />
dieses richtig zu fotografieren.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 89
Natur<br />
Belichtung: 1/125 s bei f/5.6; ISO800<br />
Linse: 105mm f/2.8 macro<br />
Julies Kommentar<br />
„Heather mochte meinen ersten<br />
Versuch (auf der vorherigen<br />
Seite), war aber der Meinung,<br />
dass ich noch näher rangehen<br />
könnte, um das Bild mit dem<br />
Objekt auszufüllen. Dieser Papilio thoas, auch<br />
Königs-Schwalbenschwanz genannt, ruhte<br />
sich auf dem Weg aus, der durch das Schmetterlingshaus<br />
führte. Er hielt so still, dass ich<br />
mehrere Aufnahmewinkel ausprobieren konnte.<br />
Heather erklärte, dass man am besten von<br />
oben fotografiert, wenn ein Schmetterling seine<br />
Flügel geöffnet hat - sodass man die Kamera<br />
parallel zu den Flügeln hält. So bleiben diese<br />
komplett scharf, sogar mit der geringen<br />
verfügbaren Tiefenschärfe. Bei meinem ersten<br />
Versuch positionierte ich mich so, dass der<br />
Schmetterling waagerecht in der Aufnahme<br />
dargestellt wurde. Heather ermutigte mich<br />
aber, die Kamera anzuwinkeln, um dieses<br />
dynamischere Bild zu bekommen.“<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
Makrolinse mit großer Brennweite<br />
„Ich benutze einen<br />
70-180-mm-<br />
Makro-Zoom”,<br />
sagt Heather.<br />
„Der ermöglicht<br />
es mir, mich<br />
schnell verschiedenen<br />
Objekten<br />
und Aufnahmebedingungen anzupassen.<br />
Die wichtigste Voraussetzung für diese Art<br />
der <strong>Foto</strong>grafie ist eine ungewöhnlich hohe<br />
Brennweite, damit ich aus der Ferne fotografieren<br />
kann. Das reduziert das Risiko,<br />
scheue Subjekte zu vertreiben, allerdings<br />
verringert sich die Tiefenschärfe dadurch<br />
noch mehr. Darum ist es so wichtig, exakt zu<br />
fokussieren und auf die Winkel - am besten<br />
parallel zum Objekt - zu achten, in dem man<br />
aufnimmt.“<br />
Geöffnete Flügel?<br />
Wenn man von oben fotografiert, wird der ganze<br />
Schmetterling scharf dargestellt und zudem<br />
offenbart sich so das wunderschöne Flügelmuster.<br />
90 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
EXPERTENWISSEN<br />
Hinlegen<br />
Wenn die Flügel des Schmetterlings<br />
geschlossen sind, sollte man von der<br />
Seite fotografieren und nah rangehen,<br />
um das Muster einzufangen. Nicht<br />
vergessen: Die Kamera muss parallel zu<br />
den Flügeln sein, also begeben Sie sich<br />
auf die gleiche Ebene wie der Schmetterling.<br />
Sitzt dieser auf dem Boden,<br />
werden Sie sich hinlegen müssen. Das<br />
ist vielleicht unbequem, aber notwendig,<br />
um sicherzustellen, dass die Flügel<br />
scharf aussehen. Im Liegen ist es auch<br />
einfacher, die Kamera ruhig zu halten.<br />
Natur<br />
Mehrere<br />
Kompositionen<br />
ausprobieren<br />
Heather schlug vor, Aufnahmen<br />
der Schmetterlinge mit<br />
offenen Flügeln, frontal, essend<br />
und vielleicht sogar bei<br />
der Paarung zu machen und<br />
dabei sowohl Hochformat-,<br />
als auch Querformat-Bilder<br />
zu erstellen.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 91
Natur<br />
Die Schärfe kontrollieren<br />
Heather riet Julie, ihre Aufnahmen auf dem Kamera-LCD zu<br />
überprüfen, bevor sie weitermacht, und sich dabei vorzustellen,<br />
dass sie die Bilder verkaufen wird und daher auf jeden Fall ein<br />
besonders gutes <strong>Foto</strong> braucht.<br />
Julies Kommentar<br />
„Dieser Greta oto war ein<br />
schwieriges Motiv, wegen seiner<br />
durchsichtigen Flügel. Heather<br />
erklärte mir, dass es hier<br />
besonders wichtig sei, den Hin tergrund richtig<br />
hinzubekommen. Sie erinnerte mich daran, die<br />
Kamera parallel zu den Flügeln des Schmetterlings<br />
auszurichten, um die Tiefenschärfe<br />
komplett auszunutzen. Gleichzeitig sollte ich<br />
nach einem gedämpften Hintergrund<br />
Ausschau halten, der etwas weiter entfernt<br />
war, damit er sich gut für eine Defokussierung<br />
eignet. Für diese Aufnahme musste ich auf den<br />
Zehenspitzen stehen, was die Fokussierung<br />
schwierig machte - trotz des Einbeinstativs.<br />
Heather gab mir den Tipp, die Schärfe nach<br />
jeder Aufnahme zu kontrollieren und so lange<br />
bei dem Subjekt zu bleiben, bis die Aufnahme<br />
passt.“<br />
Die richtige Höhe<br />
Die Flügel des Schmetterlings<br />
waren geschlossen, weswegen<br />
Heather Julie empfahl, die Kamera<br />
auf die gleiche Höhe wie das Tier<br />
zu bringen, um die Flügel scharf<br />
aussehen zu lassen.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Der richtige<br />
Weißabgleich<br />
Bei Aufnahmen in einem Schmetterlingshaus<br />
ist es sinnvoll, den Weißabgleich-Modus<br />
„direktes Sonnenlicht“ zu nutzen - auch an<br />
bedeckten Tagen. Es gibt den Pflanzen ein<br />
frischeres Aussehen und das ist sehr wichtig.<br />
Die Modi „bewölkter Himmel“ oder „Schatten“<br />
fügen einen warmen Ton hinzu, der in diesem<br />
Zusammenhang einfach nicht passt.<br />
Auf den Hintergrund achten<br />
Julies erster Versuch wurde von der Richtung, aus der das Licht kam,<br />
sowie dem hässlichen Gitter im Hintergrund verdorben. Heather half<br />
ihr dabei, ein ähnliches Motiv zu finden, das besseres Licht und einen<br />
weicheren Hintergrund bot.<br />
92 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Belichtung: 1/100 s bei f/5.6; ISO800<br />
Linse: 105mm f/2.8 macro<br />
Kameraunabhängiger Blitz<br />
Heather schob einen der Blitzköpfe auf die eine<br />
Seite des Schmetterlings, um den Strauch zu beleuchten.<br />
Das Licht fiel auf die Flügel und Fühler des<br />
Schmetterlings.<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Makroblitz<br />
Nikons Makroblitz-Kit R1C1 beinhaltet eine<br />
kabellose IR-Blitzfernsteuerungseinheit und<br />
zwei Slave-Blitzgeräte, die man mit dem ebenfalls<br />
mitgelieferten Vorsatzadapter am Objektiv<br />
befestigt. „Diese sorgen für eine ausgeglichene<br />
Belichtung bei Nahaufnahmen, können aber auch<br />
für Gegenlicht benutzt werden, wenn aus der Hand<br />
fotografiert wird“, verrät Heather. „Ich benutze<br />
zudem noch ein Blitzgerät<br />
SB-900 von Nikon mit einer<br />
darauf abgestimmten, transportablen<br />
Softbox. Damit<br />
bekomme ich kontrollierbares,<br />
diffuses Licht und ein<br />
ferngesteuerter Blitz kann<br />
zudem unabhängig vom<br />
Kameraauslöser genutzt<br />
werden, um die Richtung des<br />
Lichts zu variieren.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 93
Natur<br />
Belichtung: 1/250 s bei f/5.6; ISO800<br />
Linse: 105mm f/2.8 macro<br />
Julies Kommentar Bildfüllend<br />
„In Studley Grange gibt es<br />
neben den Schmetterlingen<br />
noch andere Wildtiere. Als<br />
Heather diesen bärtigen<br />
Drachen sah, nutzte sie die<br />
Gelegenheit, um mir noch einige umfassendere<br />
Tipps zu Tiernahaufnahmen zu<br />
geben. Sie erklärte mir, dass diese Seitenansicht<br />
gut funktionierte, um das meiste aus<br />
der Tiefenschärfe rauszuholen, aber dass es<br />
trotzdem wichtig wäre, um das Objekt<br />
herum nach weiteren Aufnahmewinkeln zu<br />
suchen. Ich ging so nah ran, dass der Kopf<br />
der Echse das Bild vollständig ausfüllte,<br />
während der Hintergrund komplett defokussiert<br />
war. Heather sagte, ich sollte ein wenig<br />
Platz rechts neben dem Kopf lassen, in den<br />
das Tier ‚reinschauen‘ kann - so wie man<br />
das auch bei Portraitfotos von Menschen<br />
macht. Sonst würde sich die Komposition<br />
unausgeglichen anfühlen.”<br />
Julie möchte keine<br />
Schlangen fotografieren,<br />
aber die Nahaufnahme der<br />
Echse hat ihr gut gefallen.<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />
Selbst gemachte Reflektoren<br />
Die nützlichsten Accessoires müssen nicht zwingend die teuersten sein.<br />
„Ich habe immer ein Notizbuch dabei, das ich in Aluminiumfolie verpackt<br />
habe“, sagt Heather. „So kann ich es als Reflektor benutzen, um Licht in<br />
dunkle Bereiche der Szenerie zu dirigieren. Das ist besonders hilfreich bei<br />
direktem Sonnenlicht. Folie gibt ein helles, ‘funkelndes’ Licht, während<br />
eine matte, weiße Oberfläche einen weicheren, diffuseren Effekt erzeugt.<br />
Eine gute Art, das Licht zu kontrollieren, ohne weiteres Zubehör mit sich<br />
herumtragen zu müssen.“<br />
94 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
PROFI-AUSSTATTUNG #5<br />
Wimberley Plamp - flexibler Arm<br />
Jeder, der mal probiert hat, Nahaufnahmen von<br />
Wildtieren zu machen, weiß, dass die Natur nicht immer<br />
mitspielt. Pflanzen wachsen, wo sie wollen - ohne<br />
Rücksicht auf Ihre Bildkompositionen. Mein Wimberley<br />
Plamp (ca. 27 €) ermöglicht mir, Halme aus dem Weg zu<br />
nehmen oder besser in meiner Aufnahme zu platzieren,<br />
ohne dass ich Schaden anrichte.<br />
Stabilisierung<br />
Wenn Sie kein Stativ nutzen, schalten Sie die<br />
Stabilisierung Ihres Objektivs an, sofern<br />
vorhanden. Sie werden definitiv einen Unterschied<br />
bei langen Verschlusszeiten sehen.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Von allen<br />
Seiten<br />
Julies Objekt bot viele Facetten: zum<br />
Beispiel die Struktur seiner Schuppen und<br />
seines Rückens, seine Gesichtsausdrücke<br />
und die Form seines Kopfes. Es ist<br />
immer eine gute Idee, sowohl vertikale als<br />
auch horizontale Kompositionen zu<br />
erstellen. Man weiß nie, was am besten<br />
funktionieren wird.<br />
Profi-Tipps<br />
für tolle Makro-<br />
Aufnahmen<br />
Wenn Sie mit kleinen Tieren arbeiten, ist es fast<br />
unmöglich, einfach draufloszuschießen. Es ist<br />
wichtig, über Bildkompositionen und Beleuchtung<br />
nachzudenken sowie über die Art, wie man sich in der<br />
Gegenwart von nervösen Wildtieren verhält.<br />
1<br />
Suchen Sie nach schönen Exemplaren. Wenn<br />
eine Makroaufnahme es wert ist, erstellt zu<br />
werden, dann sollte alles stimmen. Vermeiden Sie<br />
Schmetterlinge mit zerfetzten Flügeln, verwelkte<br />
Blumen oder zerdrückte Pflanzen.<br />
Studieren Sie die Struktur Ihrer Objekte, um herauszufinden,<br />
wie Sie diese am besten beleuch-<br />
2<br />
ten. Glänzende Blätter und Käfer reflektieren Licht,<br />
also vermeiden Sie direktes Blitzlicht. Andererseits<br />
wirken durchsichtige Flügel und Blätter beeindruckender,<br />
wenn sie von hinten beleuchtet werden.<br />
3<br />
Füllen Sie das Bild ganz aus. Es ist sinnlos, eine<br />
Makroaufnahme zu erstellen, wenn um das Subjekt<br />
noch jede Menge Platz ist. Passen Sie aber auf,<br />
dass Insekten oder Frösche nicht aus Ihrer Bildkomposition<br />
herauskrabbeln, wenn sie ihnen zu schnell zu<br />
nah kommen. Nutzen Sie ein Teleobjektiv, um einen<br />
größeren Arbeitsabstand zu schaffen.<br />
4<br />
Variieren Sie Ihre Bildkompositionen. Wenn Sie<br />
mehrere Stunden mit einem Subjekt verbringen<br />
- egal ob Schmetterlinge oder Blumen -, variieren Sie<br />
den Winkel der Kamera und die Kompositionen. Nehmen<br />
Sie Schmetterlinge mit offenen Flügeln, frontal<br />
oder paarend auf. Vergessen Sie nicht, vertikale aber<br />
auch horizontale Aufnahmen zu erstellen.<br />
5<br />
Schalten Sie den Stabilisator Ihres Objektivs an,<br />
sofern vorhanden. Das reduziert Verwackelungen,<br />
wenn aus der Hand geschossen wird. Lassen Sie das<br />
Dreibeinstativ weg, um schneller auf Positionswechsel<br />
Ihrer Objekte reagieren zu können.<br />
6<br />
Nutzen Sie jede Hilfe für schärfere Bilder.<br />
An warmen Tagen sind Schmetterlinge bereits<br />
weggeflogen, wenn Sie ein Dreibeinstativ aufgestellt<br />
haben. Nutzen Sie dann besser ein Einbeinstativ.<br />
Andererseits müssen gerade geschlüpfte Insekten<br />
sich ausruhen, bis ihre Flügel getrocknet sind und<br />
ein Dreibeinstativ erlaubt dann eine längere Verschlusszeit<br />
sowie eine Feinabstimmung der Komposition.<br />
7<br />
Einfache Hintergründe sind besser. Schauen Sie<br />
hinter das Subjekt, um sicher zu sein, dass sich<br />
dort nichts Ablenkendes befindet. Wenn doch, dann<br />
bewegen Sie sich ein wenig zur Seite, um den Winkel<br />
der Kamera zu ändern.<br />
8<br />
Ziehen<br />
Natur<br />
Sie mehrere Schichten Kleidung an, wenn<br />
Sie ein tropisches Schmetterlinghaus besuchen.<br />
Egal wie das Wetter draußen ist, in dem Haus wird es<br />
warm sein. Damit Sie bequem arbeiten können, sollten<br />
Sie auch etwas ausziehen können.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 95
Natur<br />
Julies Kommentar<br />
„Es war ein toller Tag und ich habe das Gefühl,<br />
viel gelernt zu haben. Am Anfang war ich wohl<br />
ein wenig zu zögerlich, was die Nähe zu meinen<br />
Objekten anging. Aber Heather zeigte mir,<br />
welche Auswirkungen es hat, wenn das Motiv<br />
bildfüllend ist. Sie erklärte zudem, wie wichtig es ist, die<br />
geringe verfügbare Tiefenschärfe zu kontrollieren, und wie<br />
man den Hintergrund so auswählt, dass er das Objekt<br />
vervollständigt. Gegen Ende des Tages machte ich eine Serie<br />
von Aufnahmen von einem Bananenfalter, der gerade aß, und<br />
war erstaunt über den Detailreichtum. Ich befolgte zudem<br />
Heathers goldene Regel: Immer die Fühler mit aufnehmen!”<br />
Heathers Fazit<br />
„Ich war sehr beeindruckt von dem Fortschritt,<br />
den Julie während des Tages gemacht hat. Sie<br />
verstand, was ich ihr zu erklären versuchte, und<br />
am Ende fing sie an, ihre eigenen Bildkompositionen<br />
zu finden - ohne, dass ich ihr <strong>helfen</strong><br />
musste. Ihre beste Aufnahme wurde von der Seite erstellt und<br />
fängt perfekt den Kopf und den Rüssel eines Schmetterlings<br />
ein, der gerade an einer Orange speist. Präzises Fokussieren<br />
ist entscheidend, wenn man einem Objekt so nah kommt wie<br />
hier und Julie hat es genau richtig gemacht.”<br />
96 Der Landscape <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> Photography Made Easy 2010
Natur<br />
Belichtung: 1/160 s bei f/5.6; ISO800<br />
Linse: 105mm f/2.8 macro<br />
2010 Landscape Photography Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> Made Easy 97
Natur<br />
Gefiederte<br />
<strong>Foto</strong>s<br />
Unser Lehrling bekommt Profi-Tipps<br />
zum Schießen unserer geflügelten<br />
Freunde - zum Glück nur mit der<br />
Kamera.<br />
98 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
DER PROFI<br />
Name: David Tipling<br />
Kamera: Nikon D3S & D7000<br />
David ist seit 1992 freischaffender<br />
<strong>Foto</strong>graf und Vögel waren schon<br />
immer eine seiner Leidenschaften.<br />
Er hat mit seinen Bildern zur Veröffentlichung<br />
von über 40 Büchern<br />
über unsere gefiederten Freunde<br />
beigetragen, inklusive dem RSPB<br />
Guide to Digital Wildlife Photography.<br />
Er lebt und arbeitet in Norfolk.<br />
Unter www.davidtipling.com erfahren<br />
Sie mehr.<br />
DER LEHRLING<br />
Name: David Durant<br />
Kamera: Nikon D300S<br />
David gestaltet Zeitungsanzeigen<br />
für ein Reiseunternehmen. Er liebt<br />
es, Wildtiere zu fotografieren, und<br />
nutzt dafür die Nikon-Objektive<br />
70-300mm f/4.5-5.6G, 16-85mm<br />
f/3.5-5.6G und 50mm f/1.4G. Er<br />
hat bereits mit Vogelaufnahmen<br />
experimentiert und hat uns gebeten,<br />
ihm zu <strong>helfen</strong>, seine Fähigkeiten<br />
zu verbessern.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 99
Natur<br />
Belichtung: 1/800 s bei f/8; ISO400<br />
Linse: 70-300mm f/4.5-5.6<br />
David Durants Kommentar<br />
„Ich habe mich gefreut, als ich merkte, dass mein 70-300-mm-Zoom<br />
ausreicht, um die Rotkopfente zu fotografieren. David empfahl mir, mich<br />
auf den Boden zu legen, um einen besseren Winkel zu bekommen.<br />
Dadurch bekam ich ein interessanteres Bild, das den Vogel und seinen<br />
Hintergrund zeigt. Es war allerdings gar nicht so einfach, den sich<br />
bewegenden Vögeln zu folgen. Zudem habe ich heute gelernt, im Manuell-Modus<br />
aufzunehmen und das Histogramm zu benutzen, um die Belichtung so anzupassen, dass<br />
sowohl Schatten als auch Glanzlichter gut aussehen. Bis jetzt hatte ich immer nur den<br />
AE-Modus meiner DSLR genutzt.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Superteleobjektiv 500mm<br />
Dieses Objektiv bringt die Art der Bildvergrößerung<br />
mit, die man braucht, um<br />
Vögel aus der Entfernung aufzunehmen.<br />
Der Bildstabilisator hillft dabei, die un vermeidbaren<br />
Verwacklungen zu bekämpfen,<br />
die entstehen, wenn man aus der Hand<br />
fotografiert. Die große Ausgangsblende<br />
verbessert zudem den Autofokus. Es ist<br />
zwar sehr teuer, aber macht qualitativ einen<br />
großen Unterschied.<br />
Den besten<br />
Winkel finden<br />
Die beiden legten sich flach auf<br />
den Weg, um den Ententeich<br />
aus dem richtigen Winkel zu<br />
fotografieren, und stützten sich<br />
dabei auf die Ellenbogen, um die<br />
Kamera gerade zu halten.<br />
Aufs Auge<br />
Die beiden Davids schauten,<br />
ob die Aufnahme scharf war.<br />
Das Vogelauge muss immer im<br />
Fokus sein.<br />
100 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Das richtige Objektiv<br />
Ein Objektiv mit einer Brennweite von 500mm<br />
oder mehr ist eine große Hilfe in der Vogelfotografie,<br />
aber für die Aufnahme der Enten in Slimbridge<br />
reichte unserem Lehrling seine 70-300-mm-Linse.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Schwarz<br />
und Weiß<br />
Viele Enten, Gänse und Schwäne in<br />
Slimbridge sind schwarz und weiß. Man<br />
hat also beide Enden des Spektrums<br />
und das macht es schwierig, die richtige<br />
Belichtung zu finden. „Mein Ziel ist es<br />
immer, die weißen Stellen richtig zu<br />
belichten”, erklärt David Tipling. „Aber<br />
wenn der Vogel schwarz-weiß ist, dann<br />
möchte man auch das Schwarze im<br />
Gefieder bewahren. Ich versuche, die<br />
Pixel auf dem Histogramm so weit wie<br />
möglich nach rechts zu bekommen,<br />
ohne es zu weit zu treiben. So verliert<br />
man nicht die Details der Federn und die<br />
Wahrscheinlichkeit, dass man das<br />
Schwarz in Photoshop verstärken kann,<br />
ist sehr groß.”<br />
Technik-Check<br />
Ist die Kamera unseres<br />
Lehrlings bereit für<br />
Vogelaufnahmen?<br />
Das <strong>Foto</strong>grafieren von Vögeln bringt besondere<br />
Herausforderungen mit sich und die Alltags-<br />
Kameraeinstellungen sind eventuell nicht die<br />
richtigen. Unser Profi-<strong>Foto</strong>graf schaute sich die<br />
Einstellungen seines Lehrlings am Anfang des<br />
Tages an und schlug einige Änderungen vor.<br />
Kontinuierlicher Autofokus<br />
„Davids DSLR war auf Einzelautofokus (S)<br />
eingestellt. Dabei fokussiert die Kamera einmal,<br />
wenn der Auslöser halb durchgedrückt wird, und<br />
dann kann man die Aufnahme machen”, erklärt<br />
David Tipling. „Das macht sich gut bei statischen<br />
Subjekten, aber Vögel bewegen sich meistens<br />
schnell und unvorhersehbar. Ein Wechsel auf den<br />
kontinuierlichen Autofokus (C) bedeutet, dass die<br />
Kamera für die ganze Dauer, die der Auslöser halb<br />
runtergdrückt wird, fokussiert. Wenn das Subjekt<br />
sich während der Aufnahme bewegt, wird der von<br />
der Kamera vorhergesagte Autofokus benutzt und<br />
die Wahrscheinlichkeit, dass das Tier trotzdem<br />
fokussiert war, ist höher.”<br />
Bewegung einfangen<br />
Stellen Sie eine kurze Verschlusszeit von<br />
1/1000 s ein, wenn Sie schnelle Bewegungen<br />
erwarten. Abhängig von den<br />
Blendenwerten können Sie auch die<br />
ISO-Werte hochstellen, sofern notwendig.<br />
Reflexionen nutzen<br />
Man muss nicht immer aus einem niedrigen<br />
Winkel fotografieren. Wenn das Wasser<br />
ruhig ist, versuchen Sie eine höhere<br />
Perspektive, um Reflexionen einzufangen.<br />
Besser RAW statt JPEG<br />
David Tipling sagt: „Wenn Sie normalerweise im<br />
JPEG-Format fotografieren, empfehle ich<br />
stattdessen, RAW zu nutzen. Das erhält alle<br />
Farbinformationen, die die Kamera eingefangen<br />
hat, und sichert auch ein wenig mehr Details in<br />
den Schatten und Glanzlichtern. Damit haben Sie<br />
mehr Spielraum beim Bearbeiten der Bilder, denn<br />
Sie können kleine Belichtungsfehler bereinigen<br />
sowie den Weißabgleich erst anwenden, wenn Sie<br />
das Bild genau angeschaut haben. Das ist besser,<br />
als dies vor dem Aufnehmen zu tun und dadurch<br />
vielleicht ein gutes Bild zu verpassen.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 101
Natur<br />
Machst du Witze?<br />
Profi-<strong>Foto</strong>graf David versuchte, seinen Lehrling<br />
zu überreden, dass es eine gute Idee wäre,<br />
sich in die Mitte der grimmig aussehenden<br />
Schwäne zu legen. Es hat einige Zeit gedauert,<br />
bis er davon überzeugt war!<br />
Belichtung: 1/250 s bei f/13; ISO500<br />
Linse: 16-85mm f/3.5-5.6<br />
David Durants Kommentar<br />
„Ich hätte nie gedacht, dass ich<br />
meine 16-85-mm-Linse für Vogelfotografie<br />
nutzen würde. Ich wurde<br />
überredet, mich zwischen die<br />
Schwäne auf den Boden zu legen<br />
und die Kamera nach oben zu richten, um die Vögel<br />
von einem ungewöhnlichen Winkel aus gegen den<br />
Himmel auf zu nehmen. Dabei kamen einige sehr<br />
beachtliche, aber auch verrückte Bilder ohne<br />
störende Umgebungsdetails heraus. Die Vögel<br />
bewegten sich allerdings sehr schnell, weshalb ich<br />
eine einigermaßen hohe Verschlusszeit brauchte<br />
und viel Tiefenschärfe bei geschlossener Blende.<br />
So war die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die<br />
Subjekte im Fokus waren.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
PocketWizard Blitzauslöser<br />
„Wenn ich Blitze einsetzen muss, benutze<br />
ich diese Blitz-Fernbedienungen von<br />
PocketWizard. Damit kann ich externe<br />
Blitzgeräte bedienen, die unabhängig<br />
von der Kamera benutzt werden. Die<br />
hier sind sehr verlässlich, besitzen einen<br />
großen Einsatzbereich und nutzen zudem<br />
Radiosignale statt Sichtverbindungen. Nikon<br />
hat sein eigenes Creative Lighting System<br />
(CLS), aber dafür braucht man eine Kamera<br />
oder ein externes Blitzgerät<br />
von Nikon (Speedlight), die<br />
dann jeweils die Befehle<br />
geben. Zudem ist die<br />
Reichweite sehr gering.”<br />
Besserer Himmel<br />
Unser Lehrling wurde angewiesen, seinen Kamerablitz<br />
einzusetzen, um Aufhelllicht beizutragen.<br />
Das reduzierte die Belichtung, sodass der<br />
Himmel kräftiger dargestellt wurde.<br />
102 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Mitten unter<br />
Schwänen<br />
Wenn Sie kein Teleobjektiv besitzen, versuchen Sie so nah<br />
wie möglich, an ihre Subjekte ranzukommen. Legen Sie sich<br />
dafür auf den Boden und halten Sie die Kamera nach oben zu<br />
den Vögeln. Sie können diese Technik im Park nebenan<br />
anwenden oder überall da, wo es zahme Vögel gibt und so<br />
ungewöhnliche Bilder erstellen. Wenn wir Futter dabei gehabt<br />
hätten, wäre das natürlich noch besser gewesen. Man muss<br />
viele Aufnahmen machen, um eine gute zu bekommen, und<br />
dabei oft den Autofokus nutzen sowie den richtigen Zeitpunkt<br />
ab passen. Wenn Sie ein gutes Weitwinkelobjektiv besitzen,<br />
müssen Sie nicht notgedrungen durch den Sucher schauen.<br />
Es reicht, die Kamera auf Bodenhöhe zu halten und ungefähr<br />
in die richtige Richtung zu zielen.<br />
Alternative<br />
Perspektive<br />
Eine weitere erfolgreiche<br />
Nahaufnahme von einem<br />
Höckerschwan.<br />
Vogelfutter<br />
Bei zahmen (und gierigen)<br />
Vögeln lohnt es sich oft,<br />
Futter mitzubringen, um die<br />
Tiere zur Kamera zu locken.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 103
Natur<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Der richtige<br />
Blendenwert<br />
Es ist gar nicht so einfach, die richtige Blende und<br />
Verschlusszeit für Vogel aufnahmen zu finden. Bei<br />
Action-<strong>Foto</strong>s nutzt man eine Ver schluss zeit, die<br />
Bewegungen einfriert. Für statische Aufnahmen,<br />
bei denen der Hintergrund verschwommen sein<br />
muss, nimmt man am besten einen geringen<br />
Blendenwert.<br />
David Durants Kommentar<br />
„Ich habe mich regelrecht in das<br />
500-mm-Objektiv verliebt, das ich bei<br />
den Aufnahmen benutzen durfte, aber<br />
dieses Bild habe ich mit meinem<br />
eigenen 70-300-mm-Zoom erstellt.<br />
Diese weiße Taube hat sich zu schnell<br />
bewegt und kam zu nah für eine 500-mm-Linse. Ich<br />
habe es geschafft, ihren Flug mit dem Serienaufnahmen-Modus<br />
einzufangen und das hier ist das letzte<br />
Bild aus der Sequenz. Ich bin sehr beeindruckt, dass<br />
es so scharf geworden ist, denn der Vogel war sehr<br />
schnell unterwegs. Durch leicht erhöhte ISO-Werte<br />
konnte ich eine kurze Verschlusszeit und einen<br />
Blendenwert von f/8 einsetzen. Das hat dabei<br />
geholfen, dass die Tiefenschärfe richtig aussieht.<br />
David erklärte mir, dass bei analogen Filmen die<br />
Tiefenschärfe immer problematisch war, aber<br />
Digitalfotografie bietet höhere ISO-Werte, welche<br />
wiederum schnellere Verschlusszeiten und geschlossene<br />
Blenden erlauben und damit auch Hochgeschwindigkeits-Serienaufnahmen.<br />
Er erzählte mir<br />
auch, dass es, wenn ein Vogel wie rechts im Flug<br />
umdreht und dabei mit hoher Geschwindigkeit<br />
unterwegs ist, einen Moment gibt, in dem der<br />
Schwanz aufgefächert, die Flügel geöffnet und das<br />
Licht perfekt ist. Den Moment habe ich versucht, in<br />
dieser Aufnahme einzufangen.”<br />
Belichtung: 1/640 s bei f/13; ISO500<br />
Linse: 16-85mm f/3.5-5.6<br />
Blick<br />
nach oben!<br />
Diese Kolonie bot eine<br />
gute Möglichkeit, Vögel<br />
in ihrem Habitat zu fotografieren.<br />
Versuchen Sie,<br />
ein Weitwinkelobjektiv<br />
zu benutzen, um Bäume<br />
in eindrucksvolle Silhouetten<br />
zu verwandeln.<br />
Legen Sie sich flach auf<br />
den Boden - am besten<br />
in alten Kleidern wegen<br />
des Vogelkots.<br />
104 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Belichtung: 1/1000 s bei f/8; ISO320<br />
Linse: 70-300mm f/4.5-5.6<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Dietmar-Nill-Stativkopf<br />
„Dieser Dreibeinstativkopf<br />
bietet<br />
eine U-Schiene,<br />
die Objektiv<br />
und Kamera gut<br />
ausbalanciert<br />
festhält”, erklärt<br />
David Tipling.<br />
„Damit kann man<br />
fließend schwenken.<br />
Der Kopf<br />
ist speziell für Wildtier-<strong>Foto</strong>grafen entwickelt<br />
und ich benutze ihn immer mit meinem<br />
großen und schweren 500-mm-Objektiv. Er<br />
erlaubt gleichzeitig horizontale und vertikale<br />
Bewegungen. Das bedeutet, man kann mit<br />
sich bewegenden Vögeln mitschwenken,<br />
aber ihnen auch folgen, wenn sie sich entfernen<br />
oder näher kommen. Erhältlich unter<br />
www.dietmar-nill.de/Stativkopf.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 105
Natur<br />
Belichtung: 1/1000 s bei f/7.1; ISO320<br />
Linse: 500mm f/4, 1.4x Telekonverter<br />
David Durants<br />
Kommentar<br />
„Als wir die Wildvögel<br />
von einem Hochsitz aus<br />
fotografierten, wurde<br />
mir klar, wie lang das<br />
benötigte Objektiv sein<br />
muss. Ich lieh mir ein<br />
500mm-f/4-Modell und einen<br />
1.4x-Tele konverter für diese Aufnahme.<br />
Damit war ich in der Lage, eine<br />
Sequenz von zwei Vögeln bildfüllend<br />
aufzunehmen. Jetzt weiß ich, dass ich<br />
unbedingt auch so ein Objektiv haben<br />
möchte! Der Dietmar-Nill-Stativkopf<br />
war ebenfalls eine Offenbarung. Ich<br />
bin an normale Dreibeinstative<br />
gewöhnt, mit denen die Bewegung<br />
eingeschränkt ist, aber mit diesem<br />
Kopf wird das ganze Gewicht vom<br />
Objektiv weggenommen und es lässt<br />
sich frei bewegen. Es macht Aufnahmen<br />
wie diese viel einfacher.”<br />
Feuerkraft<br />
Mit einer 500-mm-Linse und<br />
einem 1.4x-Telekonverter<br />
bewaffnet, verfügte unser<br />
Lehrling über eine Brennweite<br />
von 1050mm auf<br />
seiner D300S. Die 500mm<br />
kosten zwar ca. 6.900 Euro,<br />
können aber für ca. 200<br />
Euro pro Woche ausgeliehen<br />
werden.<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />
1.4x-Telekonverter<br />
Dieser Telekonverter sitzt zwischen dem Objektiv und der Kamera<br />
und vergrößert das Bild 1,4 Mal, verringert aber den minimalen<br />
Blendenwert um eine Stufe. Er ist nützlich, wenn man die Reichweite<br />
einer Linse erweitern will, mit einem lichtstarken Objektiv<br />
wie dem 500mm f/4 kann man auch Einbußen beim Blendenwert<br />
hinnehmen - f/5.6 ist immer noch viel. Beim Kauf eines Telekonverters<br />
darf man aber nicht vergessen, dass Größe und Gewicht<br />
entscheidend sind, besonders auf Reisen.<br />
106 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Auf Details achten<br />
Man muss nicht immer den ganzen Vogel<br />
aufnehmen. Manchmal wirken Bilder<br />
besser, wenn man sie der Fantasie des<br />
Betrachters überlässt. Auch wenn er nicht<br />
alles sieht, wird er ein Gefühl dafür<br />
bekom men, was er sich anschaut, und<br />
sich länger an die Aufnahme erinnern. Mit<br />
einem Teleobjektiv hat man 101 potenzielle<br />
Motive vor der Kamera - wenn man sich<br />
einzelne Details raussucht.<br />
Unterstützung suchen<br />
Wenn man ein Teleobjektiv wie das 500mm<br />
nutzt, braucht man ein solides Dreibeinstativ<br />
mit einem Gimbal-Kopf, der das Gewicht unterstützt<br />
und Kontrolle über die Bewegungen<br />
von Kamera und Linse gibt.<br />
Kopfsache<br />
Bei einem<br />
Gimbal-Kopf<br />
erlauben zwei<br />
U-Schienen die<br />
freie Bewegung<br />
des Objektivs,<br />
ohne dass das<br />
Stativ umfällt.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Schnell<br />
schießen<br />
Je mehr Bilder pro Sekunde Ihre Kamera<br />
schießen kann, desto größer die Chance,<br />
das perfekte Bild zu erwischen. <strong>Foto</strong>grafieren<br />
Sie also am besten in der höchsten<br />
Bildrate, die Ihre Kamera anbietet. David<br />
Tipling macht viele Aufnahmen mit seiner<br />
Nikon D7000 (mit 6 Fps), da sie mit einem<br />
Teleobjektiv eine große Reichweite bietet.<br />
Seine Vollbild-D3S ist mit einer Bildrate von<br />
9 Fps viel schneller für Aufnahmen von<br />
fliegenden Vögeln. Die D300S unseres<br />
Lehrlings bietet eine respektable Höchstgeschwindigkeit<br />
von 7 Fps.<br />
Profi-Tipps für<br />
tolle Vogelaufnahmen<br />
Den ganzen Tag lang gab David Tipling seine<br />
Tipps zur Vogelfotografie preis. Hier eine<br />
Zusammenfassung.<br />
1<br />
Kontrollieren Sie immer die Histogramme Ihrer<br />
Aufnahmen, um zu sehen, ob die Belichtung<br />
stimmt. Sie wollen die Details in den hellsten, aber<br />
auch in den dunkelsten Stellen erhalten.<br />
2<br />
Stellen Sie sicher, dass der Fokus auf dem Auge<br />
des Vogels liegt. Autofokus kann zu langweiligen<br />
Kompositionen führen, bei denen der Körper<br />
fokussiert ist und das Auge verschwommen.<br />
3<br />
Legen Sie sich für persönlichere Aufnahmen<br />
hin. Nutzen Sie eine geringe Tiefenschärfe, um<br />
den Vordergrund oder den Hintergrund unscharf<br />
darzustellen.<br />
4<br />
<strong>Foto</strong>grafieren Sie nicht nur mit der Sonne im<br />
Rücken. Aufnahmen direkt ins Licht morgens<br />
oder abends können echte Blickfänge werden.<br />
5<br />
Ihre Aufnahme wird ausgeglichener wirken, wenn<br />
der Vogel in eine Richtung auf dem Bild schaut<br />
oder fliegt, anstatt aus dem Bild raus. Widerstehen<br />
Sie der Versuchung, die Aufnahme zu nah am Tier zu<br />
schneiden.<br />
6<br />
7<br />
Kaufen Sie das teuerste Objektiv, das Sie sich<br />
leisten können. Qualität zahlt sich aus.<br />
Ich beschreibe Bildkompositionen oft mit<br />
„weniger ist mehr“. Versuchen Sie, unruhige<br />
Hintergründe und andere ablenkende Elemente zu<br />
vermeiden. Diese können den Betrachter des fertigen<br />
Bildes vom Subjekt weglocken.<br />
8<br />
Achten Sie auf die Körpersprache, die Vögel<br />
zeigen, wenn Sie kurz davor sind, loszufliegen.<br />
Enten, Gänse und Schwäne zum Beispiel signalisieren<br />
das ihren Vogelnachbarn, indem sie den Kopf<br />
bewegen. Raubvögel plustern sich auf und große<br />
Vögel nehmen eine bestimmte Position ein.<br />
9<br />
Fangen Sie früh an. Die besten Gelegenheiten<br />
ergeben sich kurz nach dem Morgengrauen,<br />
da die meisten Vögel (außer Raubvögel) bei<br />
Tagesanbruch am aktivsten sind. Wenn die Sonne<br />
niedrig steht, sind die Farben intensiver und das<br />
<strong>Foto</strong>grafieren ins Licht kann schöne Silhouetten<br />
erzeugen. Ignorieren Sie trotzdem keine bewölkten<br />
Tage. Besonders die feinen Federdetails weißer Vögel<br />
können dann sehr schön aussehen.<br />
10<br />
Natur<br />
Schauen Sie sich die Arbeiten anderer<br />
<strong>Foto</strong>grafen sowie Vogelkunst an, um Ideen für<br />
eigene Aufnahmen zu entwickeln und einen eigenen<br />
Stil zu finden.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 107
Natur<br />
David Durants<br />
Kommentar<br />
„Die wichtigste Lektion des Tages für mich ist, wie<br />
entscheidend das richtige Zubehör sein kann. Bis heute<br />
habe ich immer versucht, Vögel mit meiner 70-300mm-<br />
Linse aufzunehmen und das hat mich sehr eingeschränkt.<br />
Ein 500-mm-Teleobjektiv ist toll, nicht nur für<br />
Aufnahmen aus großer Distanz, sondern auch für Situationen, bei<br />
denen man sich auf Details konzentrieren möchte. David erklärte mir<br />
unter anderem, dass er während des Aufnehmens schon weiß, was er<br />
mit dem Bild tun wird. Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Er hat<br />
mir eine andere Herangehensweise an das <strong>Foto</strong>grafieren vermittelt,<br />
weswegen meine Bilder ab jetzt anders aussehen werden.”<br />
David Tiplings<br />
Fazit<br />
„David hat heute eindeutig viel gelernt und möchte es<br />
am liebsten sofort umsetzen. Er kam bereits mit Vorwissen<br />
in den <strong>Workshop</strong>, konnte aber viel lernen, zum<br />
Beispiel, wie wichtig das richtige Zubehör ist: Besonders<br />
der Gimbalkopf und ein großes, schnelles<br />
Teleobjektiv. Man kann sich den Unterschied kaum vorstellen, bis man<br />
es selbst ausprobiert hat. Darüber hinaus muss man in der Vogelfotografie<br />
seine Subjekte kennen und mit viel Geduld erahnen, wie sie sich<br />
verhalten werden. David hat einige nützliche Tricks gelernt und sieht<br />
seine Subjekte jetzt mit ganz neuen Augen, wie diese Aufnahme der<br />
Flamingos zeigt.”<br />
108 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Belichtung: 1/800 s bei f/14; ISO500<br />
Linse: 500mm f/4<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 109
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Natur<br />
Blühende<br />
Aufnahmen!<br />
Seien Sie dabei, wenn der preisgekrönte<br />
<strong>Foto</strong>graf Mark Bolton seine Profi-Tipps für tolle<br />
Gartenaufnahmen mit seinem Lehrling während<br />
einer frühmorgendlichen <strong>Foto</strong>session in Wiltshire teilt.<br />
112 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Clare Scott<br />
Kamera: Canon EOS 450D<br />
Clare, 35, arbeitet in Teilzeit als Produktionsleiterin<br />
und lebt in Bristol. Sie fotografiert<br />
seit drei Jahren und hat sich ihre<br />
DSLR gekauft, um Landschafts- und<br />
Gartenaufnahmen zu erstellen. Sie hat<br />
vor Kurzem einen allgemeinen <strong>Foto</strong>kurs<br />
absolviert, aber uns um Hilfe gebeten,<br />
weil sie im Bereich der Gartenfotografie<br />
mehr lernen möchte.<br />
DER PROFI<br />
Name: Mark Bolton<br />
Kamera: Canon EOS 5D Mk II<br />
Mark ist ein etablierter Profi-<strong>Foto</strong>graf, der mit<br />
seinen Gartenfotos bereits Preise gewonnen<br />
hat. So wurde er zum Beispiel vor Kurzem<br />
zum internationalen Gartenfotografen des<br />
Jahres gewählt. Er lebt in Bristol, ist 48 Jahre<br />
alt und arbeitet seit 1994 als <strong>Foto</strong>graf. Er<br />
fotografiert regelmäßig für Gartenmagazine<br />
und den National Trust. Mehr seiner umwerfenden<br />
Garten- und Interieurbilder finden Sie<br />
unter www.markbolton.co.uk.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 113
Natur<br />
Belichtung: 1/8 s bei f/16; ISO100<br />
Linse: 18-55mm f/3.5-5.6<br />
Technik-Check<br />
Ist Clare bereit für<br />
Gartenaufnahmen?<br />
Während Clare sich für die ersten Aufnahmen<br />
vorbereitete, schlug Mark einige Möglichkeiten<br />
vor, die ihre Resultate verbessern würden.<br />
Die beste Qualität wählen<br />
„Clare hat bis jetzt im JPEG-Format fotografiert.<br />
Ich empfahl ihr, stattdessen die Einstellung RAW +<br />
L für die beste Bildqualität zu nutzen. Auf diese<br />
Weise kann sie mit den detaillierteren RAW-Dateien<br />
experimentieren, hat aber auch noch die JPEGs,<br />
falls sie diese mal brauchen sollte.”<br />
Manuell fokussieren<br />
„Clare verlässt sich auf den Autofokus (AF), was<br />
bedeutet, dass die Kamera einfach das nächste<br />
Motiv fokussiert. Ich schlug vor, auf den manuellen<br />
Fokus (MF) umzustellen und damit selber auszusuchen,<br />
was fokussiert werden soll.”<br />
RAW-QUALITÄT<br />
FOKUS<br />
Clares Kommentar<br />
„Das ist der Beweis, dass es sich lohnt, früh aufzustehen.<br />
Ich erstellte diese Aufnahme um 5:30 Uhr und ich liebe die<br />
Art, wie das niedrige, warme Sonnenlicht die Bäume und<br />
Büsche hervorhebt und so das Gefühl von Tiefe erzeugt.<br />
Ich benutzte mein Dreibeinstativ und einen Blendenwert<br />
von f/16, um eine gute Tiefenschärfe einzufangen. Mark<br />
half mir ein wenig mit der Bildkomposition und mir gefällt,<br />
dass es aussieht, als würden wir um die Ecke in einen<br />
geheimen Garten spähen. Mark schlug vor, dass ich die<br />
Aufnahme weiter unten ansetze, sodass sie mit Garten und<br />
Landhaus gefüllt ist und weniger mit leerem Himmel.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Tiefenschärfe<br />
Beim <strong>Foto</strong>grafieren einer Gartenszenerie ist es besser,<br />
eine kleine Blendenöffnung zu nutzen, um die maximale<br />
Tiefenschärfe und dadurch ein Bild zu bekommen, das<br />
durchgängig scharf ist. „Nutzen Sie die Zeitautomatik Ihrer<br />
Kamera, um den Blendenwert kontrollieren zu können. Die<br />
DSLR wählt selbstständig die richtige Verschlusszeit für die<br />
richtige Belichtung aus”, rät Mark. „Ich nutze einen hohen<br />
Blendenwert von ca. f/16 für die höchste Tiefenschärfe, wenn<br />
ich große Bauerngärten aufnehme. Für Nahaufnahmen von<br />
Blumen wechsel ich zu einem niedrigen Blendenwert von ca.<br />
f/5.6, um eine geringe Tiefenschärfe und verschwommene<br />
Hintergründe zu erzeugen.”<br />
114 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
MARKS TIPP<br />
Der frühe Vogel<br />
erwischt die weltbeste Gartenaufnahme!<br />
„Für die meisten meiner<br />
Gartensessions bin ich bei<br />
Sonnenaufgang bereit, da dann<br />
das beste Licht zur Verfügung<br />
steht”, erklärt Mark. „Das<br />
Sonnenlicht ist dann weicher und<br />
stimmungsvoller. Zudem kreiert<br />
die niedrige Sonne lange Schatten<br />
und Hintergrundbeleuchtung für<br />
Bäume und Pflanzen. Zudem gibt<br />
es morgens weniger Wind, der um<br />
die Pflanzen hin und her weht. Zu<br />
früh muss man allerdings auch<br />
nicht sein. Ein bis zwei Stunden<br />
nach Sonnenaufgang ist die beste<br />
Zeit, da dann die Sonne über den<br />
Bäumen und Büschen, die den<br />
Garten umgeben, erscheint.“<br />
Profi-<strong>Foto</strong>graf Mark benutzt eine<br />
Vollbild Canon EOS 5D Mk II, um<br />
große Gartenszenen einzufangen,<br />
sowie die folgenden Objektive und<br />
Accessoires: PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Canon EF 24-70mm f/2.8L<br />
Canon EF 70-200mm f/4L<br />
Canon EF 17-40mm f/4L<br />
Canon TS-E 24mm f/3.5L<br />
Sigma 105mm f/2.8 Macro<br />
Canon EOS 5D als Reserve<br />
Canon Kabelfernauslöser<br />
Lastolite 30cm tragbarer Reflektor<br />
Lastolite Reflektorfuß<br />
Ein Dreibeinstativ<br />
Canon 430EX II Speedlite Blitzgerät<br />
Pocket Wizard Blitzauslöser<br />
Stabiles Dreibeinstativ<br />
Mark nutzt ein bewährtes und stabiles<br />
Dreibeinstativ von Manfrotto bei seinen<br />
Gartenaufnahmen. „Da ich oft bei<br />
schwacher Beleuchtung fotografiere,<br />
brauche ich wegen der langen Verschlusszeit<br />
ein Stativ, das meine Kamera so ruhig<br />
wie möglich hält”, verrät Mark. „Ich nutze<br />
es meistens auch noch, wenn ich Pflanzen<br />
in hellem Mittagslicht aufnehme, um<br />
scharfe Ergebnisse zu garantieren.<br />
Außerdem habe ich so die Hände frei, um<br />
Blätter anzupassen.”<br />
PhotoPlus September 2010 Der | 115 <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 115
Natur<br />
CLARES TIPP<br />
Histogramme<br />
nutzen<br />
„Mark riet mir, die<br />
Histogramme zu kontrollieren,<br />
während ich meine<br />
Aufnahme auf dem Display<br />
der Kamera betrachte”,<br />
sagt Clare. „Ich wusste nicht, was<br />
ein Histogramm ist, bis Mark<br />
erklärte, dass der Graph einfach<br />
den Tonwertumfang des Bildes<br />
zeigt - von den Tiefen links, den<br />
Mitteltönen in der Mitte bis zu den<br />
hellen Tönen rechts. An einem<br />
vollen Tonwertumfang erkenne ich,<br />
dass die Belichtung ausgewogen<br />
war. Überbelichtete Bereiche, die<br />
weiß und ohne Details dargestellt<br />
werden, erkenne ich an Unregelmäßigkeiten<br />
im Histogramm.”<br />
MARKS TIPP<br />
Messmodi<br />
„Herauszufinden, welcher<br />
Messmodus der richtige ist, kann<br />
verwirrend sein. Mark empfiehlt<br />
die simpelste Lösung: „Mit dem<br />
Durchschnitts- oder Matrix-Modus<br />
können Sie nichts falsch<br />
machen. Wenn Sie den Auslöser<br />
halb drücken und fokussieren,<br />
wird automatisch eine Komplettmessung<br />
für die Belichtung der<br />
gewählte Szenerie erstellt.”<br />
116 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
EXPERTENWISSEN<br />
Tageszeiten nutzen<br />
Wenn man erst einmal den richtigen Garten gefunden hat, empfiehlt<br />
Mark, in der folgenden Reihenfolge vorzugehen: „Ich komme am frühen<br />
Morgen an und nutze das niedrige Sonnenlicht, um mit großen Gartenaufnahmen<br />
im Landschaftsstil anzufangen. Dafür setze ich Weitwinkel-<br />
und Teleobjektive ein, um unterschiedliche Blickwinkel einfangen<br />
zu können”, sagt Mark. „Wenn die Sonne höher steht, mache ich weiter,<br />
indem ich mich auf Details und Blumen konzentriere - am besten sonnengeschützt,<br />
um Schlagschatten und Glanzlichter zu vermeiden.”<br />
Belichtung: 1/4 s bei f/16; ISO100<br />
Linse: 18-55mm f/3.5-5.6<br />
CLARES TIPP<br />
Das weiße Zeug<br />
„Den Weißabgleich habe ich nie so<br />
richtig verstanden, weswegen ich<br />
immer den automatischen<br />
Weißabgleich (AWB) eingestellt<br />
habe”, sagt Clare. „Mark nutzt<br />
ebenfalls AWB und erklärte mir,<br />
dass ich den Weißabgleich in<br />
Adobes Camera-RAW-Programm<br />
anpassen kann, sofern ich im<br />
RAW-Format aufnehme. Das habe<br />
ich dann auch getan, um meine<br />
Gartenbilder ein<br />
wenig aufzuwärmen.”<br />
Once you’ve found a suitable garden location, Mark recommends you work in<br />
the following order: “I always work methodically when photographing gardens.<br />
I arrive early morning and utilise the low sunlight to start off with big garden<br />
landscape-type shots, using both wide-angle and telephoto zoom lenses for<br />
different angles of view,” says Mark. “As the morning progress and the sun rises<br />
higher in the sky, I’ll build up to focusing on individual details and flowers – in the<br />
shade where possible to avoid harsh shadows and highlights.”<br />
Clares Kommentar<br />
„Mark führte mich durch den Garten und<br />
zeigte mir, wie interessante Formen, zum<br />
Beispiel Eingänge, sich großartig als<br />
Rahmen in Bildern eignen. Wir nutzten<br />
eine hochformatige Komposition, die<br />
mit der Kontur des Einganges übereinstimmte.<br />
Damit schafften wir es, die<br />
symmetrische Gestaltung der Bäume<br />
und Büsche einzufangen. Mir gefällt<br />
die Perspektive und wie der Weg direkt<br />
zu einem dunklen Durchgang am Haus<br />
führt. Es ist noch früh (6 Uhr), weswegen<br />
die Sonne niedrig steht und kräftige<br />
Schatten sowie Tiefe erzeugt werden.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 117
Natur<br />
Belichtung: 1/60 s bei f/5.6; ISO100<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
Clares Kommentar<br />
„In einem schattigen Teil des Gartens beleuchtete ein Sonnenstrahl die Rückseite dieser Lauchsamenköpfe. Ich nutzte einen<br />
Blendenwert von f/5.6 und zoomte auf eine Brennweite von 80mm, um das Bild zu füllen. Das verstärkte die bereits geringe<br />
Tiefenschärfe noch mehr und defokussierte den Hintergrund komplett. Um eine drastischere Bildkomposition zu erreichen,<br />
neigte ich die Kamera.”<br />
Clares Kommentar<br />
„Ich habe ein wenig mit meinem Blitz<br />
experimentiert, um zusätzliches Licht zu<br />
bekommen, das die Schatten auffüllt.<br />
Aber ich bevorzuge die Aufnahme ohne<br />
Blitz. Die wirkt künstlerischer und nutzt<br />
das Hintergrundlicht besser.”<br />
118 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #2<br />
Kleiner transportabler Reflektor<br />
„Ich habe immer einen 30cm großen, faltbaren,<br />
weißen Reflektor dabei. Der eignet sich hervorragend<br />
dafür, Licht auf kleine Blumen und<br />
Pflanzen umzulenken, um buntere, hellere und<br />
schattenfreie Aufnahmen zu bekommen”, sagt<br />
Mark.<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Kabelfernauslöser<br />
„Bei einer langen Belichtungszeit verlasse ich<br />
mich auf meinen Kabelfernauslöser. Damit<br />
vermeide ich, den Auslöser zu drücken,<br />
was Verwacklungen nach sich<br />
ziehen würde, und bekomme<br />
scharfe Bilder”, sagt Mark.<br />
Alternativ können Sie auch<br />
den Selbstauslöser Ihrer<br />
Kamera verwenden.<br />
Belichtung: 1/200 s bei f/8; ISO100<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
MARKS TIPP<br />
Live-View-Aufnahmen<br />
„Ich liebe es, die Live-View-Funktion<br />
einzusetzen. Es ist eine tolle Art, Gärten<br />
und Blumen zu fotografieren. Mit dem<br />
großen Display der Kamera kann man die<br />
Belichtung gut erkennen und so direkt<br />
kontrollieren, ob die Verschlusszeit<br />
hoch- oder runtergesetzt werden muss,<br />
um hellere oder dunklere Aufnahmen zu<br />
bekommen”, sagt Mark. „Die Gitteranzeige<br />
hilft mir bei der Bildkomposition und<br />
mit dem Horizont. Ich nutze auch das<br />
Live-View-Histogramm, um die Belichtung<br />
zu kontrollieren - alles, bevor ich den<br />
Auslöser betätige.”<br />
Clares Kommentar<br />
„Während die Sonne höher stieg, suchten wir nach farbenfrohen Plätzen. Für diese Aufnahme fotografierte ich mit der<br />
Sonne im Rücken, um die Blumen zu beleuchten. Ich zielte nach oben, weswegen der blaue Himmel mit den pinken Blumen<br />
kontrastiert. Ich mag dieses <strong>Foto</strong>, weil es lebhaft, aber auch einfach ist und wegen der Kurve, die die Blumen formen.”
Natur<br />
120 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Natur<br />
Belichtung: 1/250 s bei f/5.6; ISO100<br />
Linse: 50mm f/2.5 macro<br />
Marks Fazit<br />
„Eine großartige Aufnahme! Der dunkle<br />
Hintergrund verstärkt die Farbe des Wald-<br />
Scheinmohns [1]. Der Fokus liegt ganz genau auf<br />
den Blüten [2], das ist gar nicht so einfach bei<br />
Blumen, die mit der leichtesten Brise mitgehen.<br />
Clare wandte die Ein-Drittel-Regel an [3], indem<br />
sie dem Mohn Platz zum Atmen ließ. Zudem<br />
gefällt mir die Rückenansicht des Mohns besser<br />
[4] als die klassische Frontaufnahme.”<br />
1<br />
4<br />
2<br />
3<br />
Clares Kommentar<br />
„Ich fotografierte mit Verschlusszeitautomatik<br />
(Av) und einem Blendenwert von f/5.6, um den<br />
Hintergrund verschwommen darzustellen. Zudem<br />
benutzte ich eine Belichtungskorrektur von -2/3,<br />
um die Glanzlichter an den Kanten der Blüten zu<br />
reduzieren. Die klassische Frontansicht habe ich<br />
ebenfalls aufgenommen, aber bevorzuge diese<br />
horizontale Komposition, da sie markanter ist.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 121
Orte<br />
Seite 124<br />
Seite 166<br />
Seite 136<br />
Seite 146<br />
122 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Seite 176<br />
Orte<br />
3Orte<br />
Postkarten aus Paris......................124<br />
Die Märkte von Marrakesch..........136<br />
Viva Las Vegas!................................146<br />
Kurzurlaub in Venedig....................156<br />
Das nenne ich einen Weitwinkel....166<br />
Mehr Dynamik für<br />
Ihre Aufnahmen!...............................176<br />
Seite 156<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 123
Orte<br />
Postkarten<br />
aus Paris<br />
DER PROFI<br />
Name: Peter Hendrie<br />
Kamera: Nikon D700<br />
Peter ließ sich gerade zum Schiffbauer<br />
ausbilden, als er vor 20 Jahren den<br />
Weg des Profi-<strong>Foto</strong>grafen einschlug.<br />
Inzwischen ist er einer der besten<br />
Landschaftsfotografen und unterrichtet<br />
auch <strong>Foto</strong>grafie. Für seine Pariser<br />
Bilder wurde er zum Reisefotografen<br />
des Jahres ernannt, was ihn zum<br />
idealen Kandidaten macht, um unserem<br />
Lehrling in Paris zur Seite zu<br />
stehen. Seine Arbeiten können Sie auf<br />
www.peterhendrie.co.uk. bewundern.<br />
124 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Unser Lehrling hat eine Nacht (inklusive Sonnenuntergang<br />
und Morgendämmerung) in<br />
Paris vor sich, an die er sich erinnern wird.<br />
DER LEHRLING<br />
Name: David Francis<br />
Kamera: Nikon D7000<br />
David wohnt in Ipswich und arbeitet<br />
als IT-Manager für ein Pflegeheim-Unternehmen.<br />
David möchte<br />
unbedingt seine <strong>Foto</strong>grafie verbessern,<br />
darum haben wir ihn mit<br />
einem Experten nach Paris geschickt.<br />
Wir sind gespannt, ob er<br />
mit tollen Aufnahmen unbekannter<br />
Ansichten der französischen<br />
Hauptstadt zurückkommt.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 125
Orte<br />
Belichtung: 2.5 s bei f/11; ISO200<br />
Linse: 18-55mm f/3.5-5.6<br />
Davids Kommentar<br />
„Wir sind bei Dunkelheit vom Hotel<br />
aufgebrochen, damit wir rechtzeitig<br />
vor Sonnenaufgang für dieses <strong>Foto</strong> in<br />
Position waren. Darauf sieht man<br />
vom Ufer der Seine aus die Conciergerie<br />
und Pont Neuf. Da wir so früh dort waren,<br />
hatten Peter und ich genug Zeit, um vor den ersten<br />
Sonnenstrahlen unsere Kameras und Stative<br />
aufzubauen. Während wir warteten, schlug Peter<br />
vor, an der Bildkomposition meines <strong>Foto</strong>s zu<br />
arbeiten: Wir nutzten die Lichtspuren der vorbeifahrenden<br />
Autos, damit diese farbigen Linien die<br />
Augen des Betrachters in die Aufnahme ziehen. Ein<br />
Kniff bei dieser Aufnahme war es, das <strong>Foto</strong> im<br />
richtigen Moment aufzunehmen, in dem möglichst<br />
viele Autos durch das Bild fuhren. Wir haben uns<br />
dabei auf die Grünphasen der (leider nicht<br />
sichtbaren) Ampeln verlassen. Ich mag die Farben<br />
der Lichter und ihre Reflexionen sehr.“<br />
Prüfen Sie den Aufbau<br />
im Live-View-Modus<br />
Nachdem Kamera und Stativ aufgebaut sind,<br />
können Sie im Live-View-Modus einfach Fokus<br />
oder Bildkomposition optimieren.<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
LED-Lampe<br />
Wenn man Bilder in Dunkelheit macht, ist es<br />
schwierig, die Kameraeinstellungen zu sehen<br />
oder das Zubehör in der Kameratasche zu<br />
finden. „Ich habe immer eine Lampe in meiner<br />
Kameratasche dabei. Moderne LED-Lampen<br />
sind optimal, denn sie sind energieeffizient.<br />
Daher muss man nicht dauernd die Batterien<br />
wechseln“, erklärte Peter. Die guten Aluminium-Lampen<br />
von LED<br />
Lenser werden in<br />
Deutschland von<br />
www.zweibrüder.<br />
com vertrieben<br />
und sind unter<br />
anderem bei<br />
www.amazon.de<br />
erhältlich.<br />
126 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Technik-Check<br />
Orte<br />
Gute Stadtfotos trotz<br />
schlechter Lichtverhältnisse<br />
Während Peter und David am Ufer der Seine auf den<br />
Sonnenaufgang warteten, gab Peter Tipps zu den<br />
Einstellungen und Davids Ausstattung.<br />
Kabelauslöser lohnen sich<br />
„Wenn du <strong>Foto</strong>s bei schlechten Lichtverhältnissen<br />
machst und ein Dreibeinstativ nutzt, brauchst du<br />
unbedingt einen Kabelauslöser”, erklärte Peter. „Bei<br />
einer Belichtungszeit von mehreren Sekunden oder gar<br />
Minuten kann jede kleinste Erschütterung der Kamera<br />
beim Drücken des Auslösers das Bild unscharf machen.<br />
Ich nutze den Hama Ni-1 für rund 15 Euro. David besitzt<br />
keinen Kabelauslöser, doch zum Glück hatte ich einen<br />
zusätzlichen als Ersatz dabei, den ich ihm geliehen habe.<br />
So konnten wir sehr scharfe <strong>Foto</strong>s bei Sonnenauf- und<br />
Sonnenuntergang machen.<br />
Spot an<br />
Ein solches Stirnband mit Lampe ist besonders nachts<br />
sinnvoll, denn damit kann man die Einstellungen der Kamera<br />
sehen und hat außerdem beide Hände frei.<br />
Die richtige Szenen-Komposition<br />
Peter gab ein paar Profitipps für kreative Bilder. So kann man<br />
beispielsweise eine lange Belichtungszeit nutzen, um Autolichter<br />
in beeindruckende Lichtstreifen zu verwandeln.<br />
Weißabgleich auf Kunstlicht<br />
„David hatte den Weißabgleich auf den Auto-Modus<br />
gestellt. Das passt zwar für <strong>Foto</strong>s bei Tageslicht, bei<br />
Kunstlicht reicht es jedoch nicht aus“, warnte Peter.<br />
„Wenn du versuchst, die Lichter der Stadt nachts oder<br />
auch sonst bei schlechtem Licht zu fotografieren,<br />
empfehle ich, den Weißabgleich auf Kunstlicht zu stellen<br />
(mit einem Kelvin-Wert von 3.000K). Da David vernünftigerweise<br />
Aufnahmen im RAW-Format machte, konnte<br />
die Farbabstimmung einfach später ohne Qualitätsverlust<br />
mit einer Bildbearbeitungs-Software verbessert<br />
werden. Die manuelle Voreinstellung ist aber besser,<br />
damit gleich alles richtig auf der Kamera landet.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 127
Orte<br />
Belichtung: 1/50 s bei f/3.5; ISO1600<br />
Linse: 10-20mm f/3.5<br />
Davids Kommentar<br />
„Wir mussten uns in der<br />
Schlange anstellen und durch<br />
die Sicherheits-Checks<br />
kommen, um in die Sainte-Chapelle<br />
zu gelangen. Wir betraten<br />
das Gebäude durch die unteren Gewölbe und<br />
nahmen die Treppen zur sensationellen oberen<br />
Kapelle mit ihren spektakulären Kirchenglasfenstern.<br />
Stative waren hier verboten, daher<br />
meinte Peter, ich solle probieren, den ISO-Wert<br />
auf 1.600 zu setzen, damit ich die <strong>Foto</strong>s aus der<br />
Hand aufnehmen konnte. Ich habe ein<br />
Weit winkel-Objektiv für dieses <strong>Foto</strong> verwendet,<br />
damit möglichst viel von dem Fenster ins Bild<br />
passte. Meine ersten Bilder waren zu dunkel,<br />
daher habe ich letztendlich eine Belichtungskorrektur<br />
von +2 genutzt, damit die Belichtung<br />
der großartigen Architektur gerecht wird.“<br />
DAVIDS TIPP<br />
„Ich habe so viel von Peter gelernt, dass ich<br />
befürchtete, ich kann mir nicht alles merken.<br />
Daher habe ich mir Stichpunkte gemacht,<br />
als wir mit der Metro gefahren sind. Papier<br />
und Stift sind heutzutage überflüssig: Ich<br />
habe einfach alles, was ich nicht vergessen<br />
wollte, in mein Smartphone eingetragen.“<br />
Details per Weitwinkel<br />
Um die Größe und Schönheit des Kirchenglasfensters<br />
von Sainte-Chappelle einzufangen, hat David ein Sigma-Weitwinkel-Objektiv<br />
mit 10-20mm f/3.5 benutzt.<br />
128 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
Manfrotto 405 Pro Getriebe-Stativkopf<br />
„Mein Stativkopf hat rund 360 Euro gekostet, doch der digitale Getriebeneiger<br />
ist sein Geld wert. Drei separate Nivelierlibellen können gedreht<br />
werden, um die Kamera Schritt für Schritt zu neigen. So kann ich den<br />
Bildaufbau mit der größten Präzision festlegen. Zudem gibt es die Möglichkeit,<br />
die Halterungen schnell auszukoppeln, um die Kameraposition<br />
mit der Hand zu bestimmen. Nach dem Einkoppeln kann man dann die<br />
genaue Feineinstellung vornehmen. Der Stativkopf ist auch für meine Panoramakamera<br />
geeignet. Wenn jemand ausschließlich DSLRs verwendet,<br />
empfehle ich den Manfrotto 410 Junior für rund 170 Euro,“ meinte Peter.<br />
Beleuchtung<br />
Wenn der Kontrast zwischen den beleuchteten<br />
Fenstern und dem dunklen Innenraum zu groß ist,<br />
versuchen Sie, mit Bracketing eine Belichtungsreihe<br />
aufzunehmen, damit Sie später HDR-Bilder<br />
erstellen können. Dafür ist aber in Stativ nötig.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Flexible<br />
Höhe<br />
Vermeiden Sie es, den Stativkopf<br />
jedes Mal auf die gleiche Höhe<br />
einzustellen. Zwar ist ein Stativ auf<br />
Augenhöhe am einfachsten zu<br />
benutzen, doch ein gutes Stativ lässt<br />
sich praktisch für jede Höhe<br />
verwenden. Bevor Sie das Stativ<br />
aufstellen, sollten Sie die Umgebung<br />
mit einem Papprahmen erkunden.<br />
Wenn Sie die richtige Position für die<br />
Kamera gefunden haben, dann<br />
wissen Sie auch, auf welche Höhe<br />
Sie das Stativ einstellen sollten.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 129
Orte<br />
Nahaufnahmen<br />
Komplexe Architektur und Spiegelungen<br />
auf Fensterscheiben eignen<br />
sich für tolle, abstrakte <strong>Foto</strong>s.<br />
Bildauswahl<br />
Die Details der Galerie<br />
Vivienne bieten tolle Motive<br />
für <strong>Foto</strong>s, sowohl in Farbe als<br />
auch in Schwarz-Weiß.<br />
Peter meint…<br />
Glauben Sie nicht, dass Sie ein gesamtes<br />
Gebäude in ein Bild quetschen müssen,<br />
um eine gute Aufnahme zu bekommen.<br />
Tolle Details in der Architektur gibt es bei<br />
praktisch allen Gebäuden und solche <strong>Foto</strong>s können<br />
genauso begeistern.<br />
1<br />
Wiederholungen suchen<br />
Achten Sie auf Muster, die sich durch das verwendete<br />
Material der Gebäude ergeben. Sich wiederholende<br />
Formen liefern tolle semi-abstrakte Bilder.<br />
2<br />
Moderne Gedanken<br />
Die besten abstrakten <strong>Foto</strong>s sind mit modernen<br />
Gebäuden möglich. Nutzen Sie ein Teleobjektiv, um<br />
einzelne Elemente zu isolieren. So können Sie vermeiden,<br />
Himmel oder Bürgersteig mit aufzunehmen.<br />
3<br />
Schießen Sie diagonal<br />
Die Bildzusammenstellung wirkt oft besser, wenn<br />
diagonale Linien durch das Bild laufen. Ändern Sie den<br />
Kamerawinkel oder gehen Sie näher an das Motiv heran,<br />
um solche Linien in die Aufnahme zu bekommen.<br />
Den Fokus<br />
optimieren<br />
Nach der Aufnahme<br />
prüfte David, ob das Bild<br />
scharf war, indem er auf<br />
dem Display der DSLR<br />
hineinzoomte.<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Schnellwechselplatte<br />
In der Zeit, in der man den Blitzfuß an- oder abnimmt,<br />
kann man die Gelegenheit für ein tolles <strong>Foto</strong> verpassen.<br />
Deutlich flotter<br />
geht es beispielsweise<br />
mit der Schnellwechselplatte<br />
410PL von<br />
Manfrotto für rund 20<br />
Euro. „Eine Schnellwechselplatte<br />
befindet<br />
sich stets an meinem<br />
Kameragehäuse und<br />
eine andere an der<br />
Stativschelle meines<br />
bewährten 70-200mm<br />
f/2.8”, meinte Peter.<br />
Optimale Winkel<br />
ausprobieren<br />
Machen Sie sich keine Gedanken,<br />
was die Passanten denken:<br />
Für tolle <strong>Foto</strong>s lohnt es sich, auf<br />
dem Boden herumzuliegen.<br />
130 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Genau<br />
hinsehen<br />
Wenn Sie Architekturdetails fotografieren,<br />
sollten Sie versuchen, dass alles so<br />
scharf wie möglich aussieht. Prüfen Sie<br />
daher die ersten Aufnahmen ganz<br />
genau, um zu sehen, ob alles so scharf<br />
ist, wie Sie es haben möchten. Wenn Sie<br />
das Bild betrachten, verwenden Sie die<br />
Zoom-Funktion (die Taste mit einer<br />
Lupe und einem Pluszeichen). Zoomen<br />
Sie möglichst weit in das Bild hinein und<br />
nutzen Sie die Pfeiltasten, um das<br />
ganze Bild abzusuchen. Wenn das Bild<br />
nicht scharf genug ist, nutzen Sie eine<br />
kleinere Blendenöffnung oder fokussieren<br />
Sie neu und machen Sie das <strong>Foto</strong><br />
noch einmal, bis alles perfekt aussieht.<br />
Steil nach oben<br />
Wenn die Kamera direkt nach oben<br />
zeigen soll, drehen Sie den Blitzfuß<br />
und bringen Sie die Kamera auf diese<br />
Weise „rückwärts“ an.<br />
Belichtung: 1.3 s bei f/16; ISO200<br />
Linse: 10-20mm f/3.5<br />
Davids Kommentar<br />
„Peter nahm mich mit zu Stellen von Paris, die<br />
abseits der üblichen Touristenzentren lagen.<br />
Diese fantastische Wendeltreppe gab es in der<br />
Einkaufspassage namens Galerie Vivienne, die<br />
1826 gebaut wurde – ganz in der Nähe der Pariser<br />
Börse. Die Treppe führt von den Boutiquen zu den Büros<br />
und Apartments. Es dauerte lange, bis wir den besten Winkel<br />
für die Aufnahme gefunden hatten. Dazu gehörte auch, an<br />
allen möglichen Positionen auf dem Boden zu liegen, bis wir<br />
den richtigen Platz für das Stativ gefunden hatten. Außerdem<br />
haben wir Schwarz-Weiß-Aufnahmen ausprobiert. Peter ließ<br />
mich seinen Getriebe-Stativkopf verwenden. Damit konnte ich<br />
den Bildausschnitt exakt so wählen, wie ich es wollte.“<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 131
Orte<br />
Belichtung: 1/200 s bei f/5; ISO800<br />
Linse: 70-300mm f/4-5.6<br />
Davids Kommentar<br />
„Ein paar der besten <strong>Foto</strong>s<br />
von Paris zeigen eher die Menschen<br />
als die Umgebung –<br />
beispielsweise Aufnahmen<br />
von so legendären <strong>Foto</strong>grafen<br />
wie Henri Cartier-Bresson oder Robert<br />
Doisneau. Während unseres Aufenthalts<br />
hatten wir zweimal die Gelegenheit für<br />
solche Schnappschüsse. Die besten Bilder<br />
entstanden im Geschäftszentrum von La<br />
Défense. Wir wollten <strong>Foto</strong>s der Grand Arche<br />
bei Einbruch der Nacht machen und<br />
während wir warteten, fing es an zu regnen.<br />
Mit meinem Weitwinkel-Objektiv beobachtete<br />
ich, wie die Menschen nach der Arbeit<br />
nach Hause gingen und dabei versuchten,<br />
nicht nass zu werden. Ich mag besonders<br />
das <strong>Foto</strong> von der Frau mit dem roten<br />
Regenschirm. Ich habe den Schirm schon<br />
von Weitem gesehen und hatte gehofft, dass<br />
er ein tolles Motiv ergibt. Tatsächlich sorgte<br />
der Kontrast zum grünen Gras und den<br />
übrigen Regenschirmen für eine tolle<br />
Bildzusammenstellung.“<br />
Stellen Sie sich die Szene vor<br />
Es ist deutlich einfacher, zuerst die richtige Szene zu finden<br />
und dort die Menschen zu fotografieren, die in das Bild laufen.<br />
Also suchen Sie sich einen Ort aus und warten Sie einfach.<br />
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #4<br />
Hotel-Wäschesack<br />
„Es ist nützlich, diese Plastiktüten<br />
dabeizuhaben, wenn es<br />
anfängt zu regnen“, lacht Peter.<br />
„Die Tüte in meinem Rücksack<br />
war ein Gottesgeschenk, als wir<br />
<strong>Foto</strong>s von der unglaublichen<br />
Grande Arche machten. So blieb<br />
Davids Kamera relativ trocken,<br />
als wir trotz sintflutartigen<br />
Regens weiterfotografierten.<br />
Normalerweise nehme ich auch<br />
einen kleinen Regenschirm mit,<br />
den ich dieses Mal aber leider<br />
vergessen hatte. Der Schirm ist<br />
nicht nur für Regen, sondern<br />
er eignet sich auch gut, um bei<br />
direktem Sonnenlicht das DS-<br />
LR-Display lesen zu können.“<br />
Weitwinkel-Objektiv nutzen<br />
Mit Stativ, Kabelauslöser und Weitwinkel-Objektiv konnte<br />
David unaufdringlich tolle Schnappschüsse machen.<br />
132 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #5<br />
Papprahmen<br />
Profifotografen nutzen gerne diese Rahmen. Das<br />
sind einfach nur Papprahmen im Format 3:2, die<br />
quasi einen Rahmen um das Motiv legen. So kann<br />
man sich den Bildausschnitt vorstellen, ohne von<br />
der Kamera und ihren Einstellungen abgelenkt zu<br />
werden.<br />
Sie können aber auch einen Bilderrahmen als Vorlage<br />
nehmen und so ein Passepartout ausschneiden,<br />
das sich genauso gut eignet.<br />
Regen<br />
Schlechtes Wetter<br />
eignet sich toll für<br />
Aufnahmen von<br />
Menschen. Regenschirme<br />
sind die<br />
Farbtupfer und es<br />
gibt tolle Spiegelungen<br />
auf regennassen<br />
Straßen.<br />
Optimale Umgebung<br />
Suchen Sie sich einen Ort aus, der sich<br />
gut für ein Weitwinkel-Objektiv eignet oder<br />
einen interessanten Hintergrund bietet.<br />
Zur Nachteule werden<br />
Egal ob Sie Menschen oder Landschaften fotografieren:<br />
Im Dunkeln erwachen Städte zum Leben. Legen Sie die<br />
Kamera also nicht weg, nur weil die Sonne untergeht.<br />
Profitipps für<br />
tolle Straßenaufnahmen<br />
Der Gedanke, Schnappschüsse von Fremden<br />
auf der Straße zu schießen, macht vielen<br />
<strong>Foto</strong>grafen Angst. Doch gute Aufnahmen zu<br />
machen, ohne bemerkt zu werden, ist eigentlich<br />
ganz einfach, wie Peter hier zeigt.<br />
1<br />
Nutzen Sie ein Weitwinkelobjektiv, um<br />
unaufdringlich weit weg sein zu können.<br />
2<br />
Suchen Sie sich zuerst die Umgebung<br />
und warten Sie, bis Personen in das Bild<br />
laufen. Der Platz auf dem links abgebildeten<br />
<strong>Foto</strong> bot uns die offensten, aufgeräumtesten<br />
Aufnahmen. Wir richteten einfach unsere Objektive<br />
auf diesen Bereich und warteten.<br />
3<br />
Machen Sie viele <strong>Foto</strong>s. Die Erfolgsaussichten<br />
sind nämlich gering, da sich nicht<br />
absehen lässt, wie sich Personen verhalten<br />
werden oder wer noch in das Bild läuft und die<br />
Aufnahme ruiniert.<br />
4<br />
Wenn Sie Menschen fotografieren, die<br />
nicht herumlaufen, verwenden Sie ein<br />
Stativ, den Live-View-Modus, einen Kabelauslöser<br />
und ein Weitwinkelobjektiv. So ist kaum<br />
zu erkennen, wen Sie gerade fotografieren.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 133
Orte<br />
Davids<br />
Kommentar<br />
„Am späten Abend, als es<br />
dunkel war, machte ich ein<br />
<strong>Foto</strong> von Notre Dame. Das ist<br />
ein typischer Anblick von<br />
Paris, allerdings ist zu dieser<br />
Tageszeit die Wahrscheinlichkeit hoch, dass<br />
man ein Boot sieht, dessen Scheinwerfer<br />
das Ufer beleuchten. Bei langer Belichtung<br />
vertreiben die Scheinwerfer die Schatten im<br />
Bild und sorgen für tolle Spuren, die das<br />
Auge des Betrachters in das Motiv ziehen.“<br />
Peters Fazit<br />
„Ich mag Davids Bildkomposition.<br />
Er hat Notre Dame gleich<br />
links neben das Zentrum<br />
gestellt, während das Ufer für<br />
einen Rahmen sorgt. Er hat<br />
die Lichter der Schiffe verwendet, um tolle<br />
Linien zu erzeugen. Zudem hat er den<br />
Bäumen an beiden Seiten des Ufers Platz<br />
eingeräumt. Allerdings hätte er den<br />
Weißabgleich auf Kunstlicht setzen sollen,<br />
um den Farbstich zu entfernen.“<br />
134 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Belichtung: 30 s bei f/16; ISO200<br />
Linse: 18-55mm f/3.5-5.6<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 135
Orte<br />
DER PROFI<br />
Name: David Sutherland<br />
Kamera: Canon EOS 7D & 5D Mk II<br />
Der gebürtige Kanadier arbeitet seit 25<br />
Jahren als professioneller <strong>Foto</strong>graf und lebt<br />
derzeit in London. Seine Fähigkeiten bezüglich<br />
Licht und Farben machten ihn erfolgreich.<br />
David reist für Getty, Corbis und andere<br />
Bilddatenbanken um die Welt. Wenn er<br />
gerade nicht reist, kümmert er sich mit seiner<br />
Tochter um sein <strong>Foto</strong>studio. Seine Bilder<br />
finden Sie unter www.thedrunkenboat.net.<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Cliff Hobbs<br />
Kamera: Canon EOS 5D Mk II<br />
Der 22-jährige Cliff lebt in Milton Keynes<br />
in England. Vor drei Jahren kaufte er die<br />
Canon EOS 400D, kam damit jedoch<br />
nicht zurecht, weshalb er vor einem Jahr<br />
auf das Multitalent Canon EOS 5D Mk II<br />
umstieg. Er reist oft zusammen mit seiner<br />
brasilianischen Frau und träumt wie viele<br />
<strong>Hobby</strong>-<strong>Foto</strong>grafen davon, ein Vollzeit-Reisefotograf<br />
zu werden. Wir gaben ihm die<br />
Möglichkeit, nach Marrakesch in Marokko<br />
zu fliegen, um ihm einen Vorgeschmack<br />
auf diesen Job und wertvolle Ratschläge<br />
zu geben.<br />
136 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Die<br />
Märkte von<br />
Marrakesch<br />
Auf einem wuseligen marokkanischen Markt gute <strong>Foto</strong>s zu<br />
machen, ist eine echte Herausforderung für jeden Reisefotografen.<br />
Wir haben einen erfahrenen Profi nach Marrakesch geschickt,<br />
damit er unserem Lehrling ein paar Expertentipps gibt.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 137
Orte<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Ohne Rucksack<br />
„Wenn ich vor Ort herumlaufe, versuche ich,<br />
nicht aufzufallen, und trage daher keinen<br />
Rucksack. Meine beiden Objektive belasse<br />
ich an den Kameras, die ich mit einem<br />
günstigen schwarzen Neopren-Schultergurt<br />
von Ebay trage. Beide EOS-Kameras haben<br />
unterschiedliche Sensorgrößen und damit<br />
Cropfaktoren, daher steht mir ein größerer<br />
Zoombereich zur Verfügung, als die Brennweite<br />
es vermuten lässt. Bei schlechten<br />
Lichtverhältnissen nehme ich ein Stativ mit,<br />
das ich mit einem simplen Gurt trage.”<br />
Technik-Check<br />
Ist Cliff bereit für<br />
die Kasbah?<br />
Nachdem sie ein bis zwei Stunden über den Markt gelaufen waren, erklärte<br />
David zwei Möglichkeiten für Cliff, die Einstellungen seiner SLR zu optimieren.<br />
SERIENBILD-<br />
MODUS<br />
VERSCHLUSS-<br />
ZEITAUTOMATIK<br />
Andauerndes <strong>Foto</strong>grafieren<br />
„Wenn man auf Märkten<br />
fotografiert, dauert es oft sehr<br />
lange, bis die richtigen<br />
Personen im richtigen<br />
Bildausschnitt auftauchen.<br />
Wenn der Moment gekommen<br />
ist, machen Sie so viele <strong>Foto</strong>s<br />
Nicht manuell<br />
„Bei Schnappschüssen<br />
tauchen tolle Momente auf und<br />
verschwinden sehr schnell<br />
wieder. Da bleibt normalerweise<br />
keine Zeit, mit den Einstellungen<br />
herumzuspielen. Cliff<br />
wie möglich – kleine Unterschiede<br />
können eine große<br />
Wirkung haben. Daher habe<br />
ich Cliff empfohlen, auf den<br />
Serienbildmodus zu wechseln.<br />
Das kostet aber natürlich jede<br />
Menge Speicherplatz.”<br />
hat im manuellen Modus <strong>Foto</strong>s<br />
gemacht, doch ich hab ihm<br />
empfohlen, auf Verschlusszeitautomatik<br />
zu wechseln und<br />
zeigte ihm, wie man den<br />
Drehregler seiner 5D für eine<br />
schnelle Anpassung der<br />
Belichtung nutzt.”<br />
Wenn er im Einsatz ist, reist David mit<br />
leichtem Gepäck und nimmt nur das<br />
Nötigste für seine Arbeit mit. Die<br />
folgende Liste zeigt, was er unbedingt<br />
braucht:<br />
Canon EOS 5D Mk II<br />
Canon EOS 7D<br />
Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />
Canon EF 70-200mm f/4L IS USM<br />
Gitzo GT 2540 Stativ<br />
Canon Speedlite 580EX II<br />
138 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Cliffs Kommentar<br />
„ Die meisten Läden im Basar sind<br />
wunderschön, aber diese Gewürzbude<br />
war etwas Besonderes. David<br />
meinte, ich soll den Bildausschnitt mit<br />
Bedacht wählen. Zunächst habe ich<br />
den ganzen Laden und die vorbeilaufenden<br />
Personen mit aufgenommen.<br />
David schlug vor, dass ich auf mein<br />
70-200mm wechsle und auf die Farben<br />
und Formen der Waren zoome. Ich<br />
finde, das funktioniert wirklich gut. Bei<br />
einer alternativen Aufnahme war der<br />
Verkäufer mit im Bild, da David meinte,<br />
es ist wichtig, Reisefotos mit Menschen<br />
aufzuwerten.”<br />
Belichtung: 1/160 s bei f/8, ISO100<br />
Linse: 70-200mm f/2.8<br />
CLIFFS TIPP<br />
Mehr Auswahl dank<br />
Reihenbildmodus<br />
„Davids Tipp, den Serienbildmodus zu<br />
nutzen, hat sich gelohnt. Erst haben wir<br />
uns für eine Umgebung entschieden<br />
und warteten, bis eine interessante<br />
Person in das Bild läuft. Als ich sah, wie<br />
ein Eselskarren durch die Lichtstrahlen<br />
auf uns zukam, wusste ich: Das ist es!<br />
Das beste <strong>Foto</strong> ist wahrscheinlich das<br />
letzte der Reihe und im Einzelbildmodus<br />
hätte ich wahrscheinlich nur dieses<br />
aufgenommen. Doch dank Serienbildaufnahme<br />
habe ich mich für das vorletzte<br />
Bild entscheiden können, da hier<br />
nicht der Kopf einer Person im Weg ist.”<br />
DAVIDS TIPP<br />
„Für manche <strong>Foto</strong>s<br />
muss man früh<br />
auf stehen, um das<br />
beste Licht zu bekommen.<br />
Das gilt aber nicht<br />
für die engen Märkte.<br />
Die bleiben bis zum<br />
Mittag im Schatten.<br />
Steht die Sonne<br />
senkrecht, sorgen die<br />
Holzlatten oben für ein<br />
pittoreskes Muster aus<br />
Schatten.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 139
Orte<br />
Cliffs<br />
Kommentar<br />
„Um in dem großen,<br />
offenen Markt der<br />
alten Stadt gute <strong>Foto</strong>s<br />
zu machen, musste<br />
ich möglichst weit<br />
hineinzoomen, damit<br />
ich ungestört Aufnahmen<br />
erstellen kann.<br />
Ich habe die Umgebung<br />
nach interessant<br />
aussehenden Personen<br />
abgesucht, die bei den<br />
Läden standen. Diese<br />
Gruppe von Kindern<br />
bei dem Orangenstand<br />
hatte keine Ahnung,<br />
dass ich sie fotografiere.<br />
Daher konnte ich einfach<br />
warten, bis ich die beste<br />
Bildkomposition hatte.”<br />
Belichtung: 1/160 s bei f/8, ISO100<br />
Linse: 70-200mm f/2.8<br />
Belichtung: 1/1000 s bei f/8, ISO100<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
Cliffs Kommentar<br />
„Bei diesem Blick über den See auf die Menara-Gärten sieht man an einem hellen Tage die<br />
Atlas-Berge im Hintergrund. Bei unserem Besuch wirkte der Himmel nicht sehr beeindruckend.<br />
Trotzdem hat mich David überzeugt, dass ich den Himmel nicht als Nachteil sehen, sondern damit<br />
arbeiten soll, indem ich einen großen Ausschnitt und einen niedrigen Horizont wähle. Er meinte,<br />
ich sollte die Aufnahme unterbelichten, damit das Sonnenlicht den Pavillon hervorhebt.”<br />
140 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #1<br />
Western Digital Passport<br />
„Ich mache jeden Abend<br />
zwei Backups von allen<br />
<strong>Foto</strong>s. Eines davon<br />
landet auf der<br />
Fest platte meines<br />
Notebooks, das<br />
andere auf meiner<br />
externen Festplatte.<br />
Mit der großartigen<br />
Software SyncBack<br />
Freeware<br />
(www.2brightsparks.com) sorge ich<br />
dafür, dass beide Backups stets<br />
synchron sind.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
Really Right Stuff L-Plate<br />
„Diese Schnellwechselplatte für mein Stativ<br />
ist permanent mit meiner Kamera verbunden<br />
(www.reallyrightstuff.com – verschickt auch<br />
nach Deutschland). Dank der L-Form<br />
befindet sich sowohl unten als auch an der<br />
Seite eine Befestigung für das Stativ. Sobald<br />
ich ein <strong>Foto</strong> vorbereitet habe, kann ich schnell<br />
vom Breitbild zum Hochformat wechseln,<br />
ohne den Stativkopf anpassen zu müssen.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 141
Orte<br />
DAVIDS TIPP<br />
Weg damit<br />
„Löschen Sie <strong>Foto</strong>s konsequent.<br />
Kein <strong>Foto</strong>verlag ist an<br />
Ihren zweitbesten Bildern<br />
interessiert. Es geht nur um<br />
die Top-<strong>Foto</strong>s, die sich wieder<br />
und wieder verkaufen. Daher<br />
ist es wichtig, dass Sie Ihre<br />
Zeit mit der Jagd nach diesen<br />
gewinn bringenden <strong>Foto</strong>s<br />
verbringen. Verschwenden Sie<br />
keine Zeit mit Bildern, die nicht<br />
gut genug sind.“<br />
142 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />
Orange (CTO) Abdeckung<br />
„Ich versuche, Blitzlicht zu vermeiden,<br />
allerdings ist es für <strong>Foto</strong>s von<br />
Menschen bei sehr schlechten<br />
Lichtverhältnissen nötig. Damit<br />
der Blitz natürlicher wirkt, habe<br />
ich mit einer selbst ausgedachten<br />
Klettbandbefestigung einen orangen<br />
Gelfilter auf meinem<br />
Speedlite angebracht. Eine gute<br />
Auswahl gibt es etwa bei www.<br />
warehouseexpress.com; leider ist der<br />
Versand nach Deutschland teuer.“<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Bakschisch<br />
„Es gibt Aufnahmen, die bekommt man einfach nur,<br />
wenn man die Personen bezahlt – Spenden, bekannt<br />
als Bakschisch, sind Teil der Kultur. Tänzer, Schlangenbändiger<br />
und bunt gekleidete Wasserverkäufer wie diese<br />
verdienen damit sogar ihren Lebensunterhalt. Nehmen Sie daher immer ein<br />
paar Münzen mit – und rechnen Sie immer damit, um mehr gebeten zu<br />
werden, egal wie viel Sie geben.”<br />
Cliffs Kommentar<br />
„Wenn es dunkel wird, füllt sich der Marktplatz von Marrakesch<br />
mit Straßenkünstlern. Diese Typen haben ein großes<br />
Getöse veranstaltet; der Lärm und die Farben haben mich<br />
angezogen. Dank der Perspektive von unten konnten wir die<br />
Künstler optisch vom Gewimmel isolieren. Wir haben auch<br />
<strong>Foto</strong>s von weiter weg probiert, allerdings war es doch nötig,<br />
näher ranzugehen, um ein gutes <strong>Foto</strong> zu machen – und die<br />
gewünschte Reaktion der Künstler zu bekommen.”<br />
Belichtung: 1/250 s bei f/5.6, ISO100<br />
Linse: 70-200mm f/2.8<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 143
Orte<br />
144 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Davids Fazit<br />
„Cliff hat zwei individuelle Belichtungen für<br />
dieses <strong>Foto</strong> genutzt und sie dann mit Photoshop<br />
kombiniert. Die Beleuchtung für den Himmel [1]<br />
haben wir gemacht, als die Sonne am Horizont<br />
unterging. Das zweite Bild [2] nahmen wir eine<br />
Stunde später auf, um das Licht des belebten<br />
Markts optimal einzufangen. Die meisten Menschen<br />
glauben, ein solcher HDR-Effekt sei rein<br />
digital, aber ich habe die Technik schon genutzt,<br />
bevor Photoshop erfunden wurde, indem ich<br />
doppelte Belichtung auf einen Film aufgenommen<br />
habe.”<br />
1<br />
2<br />
Belichtung 1: 1/4 s bei f/8; ISO100<br />
Belichtung 2: 3.2 s bei f/8; ISO100<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
Cliffs Kommentar<br />
„Diesen tollen Aussichtspunkt, von dem aus man<br />
den Markt sieht, haben wir schon früh am Tag<br />
auf der Terrasse eines Cafés entdeckt. Wir haben<br />
gleich den besten Platz reserviert und bezahlt.<br />
Als die Sonne unterging, machten wir mehrere<br />
Aufnahmen. Es war schwierig, der Versuchung<br />
zu widerstehen, die Kamera und das Stativ zu<br />
bewegen, während wir darauf warteten, das Bild<br />
mit der zweiten Belichtung machen zu können.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 145
Orte<br />
Viva<br />
Las Vegas!<br />
Planen Sie einen Stadturlaub? Lernen Sie, wie man<br />
die Lichter der Nacht einfängt, während ein amerikanischer<br />
Profi-<strong>Foto</strong>graf einem Leser hilft, in Las Vegas<br />
den ganz großen Gewinn zu landen.<br />
DER PROFI<br />
Name: John Morris<br />
Kamera: Canon EOS 5D<br />
John, 38, ist ein erfolgreicher <strong>Foto</strong>graf mit<br />
einem Studio in der Nähe von Las Vegas. Er ist<br />
auf Architekturfotografie für große Kunden spezialisiert<br />
und für eine Reihe von kommerziellen<br />
Projekten zuständig. Seine Webseite finden Sie<br />
unter www.johnmorrisphotography.com.<br />
146 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Dr. Gordon Holyoak<br />
Kamera: Canon EOS 5D<br />
Gordon, 70, ist ein teilpensionierter<br />
Zahnarzt aus Arizona. Während seines<br />
Militärdienstes in Vietnam begann er,<br />
sich für <strong>Foto</strong>grafie zu interessieren. Gordon<br />
fotografiert am liebsten Landschaften<br />
und Porträts und reist viel. Daher war<br />
er sofort dabei, als sich die Möglichkeit<br />
bot zu lernen, tolle Stadtaufnahmen bei<br />
Nacht zu erstellen.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 147
Orte<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Drahtauslöser<br />
„Ein Drahtauslöser ist unverzichtbar für<br />
Nachtaufnahmen, da er dabei hilft,<br />
Kamerawackeln zu verhindern”, sagt John.<br />
„Spannen Sie das Kabel, bevor Sie den<br />
Knopf drücken. Sie können aber auch den<br />
Selbstauslöser Ihrer Kamera nutzen, um<br />
Verwacklungen zu reduzieren.”<br />
JOHNS TIPP<br />
Leichtes Gepäck<br />
„Für Außenaufnahmen bei Nacht bin ich mit<br />
leichtem Gepäck unterwegs: ein 16-35mm<br />
sowie ein 24-105-mm-Objektiv und eine Tilt-/<br />
Shift-Linse. Zu viel Zubehör macht mich<br />
langsam und hält mich vom <strong>Foto</strong>grafieren ab.<br />
Ich nutze zudem ein Bogen-Dreibeinstativ mit<br />
einem Getriebeneiger, der präzise Anpassungen<br />
zulässt. Das geht viel schneller als mit<br />
einem Kugelkopf.”<br />
Technik-Check<br />
Ist Gordon bereit für Vegas?<br />
John beobachtete Gordon dabei, als dieser seine DSLR und sein Stativ auf dem Las Vegas Strip aufstellte und machte<br />
einige Verbesserungsvorschläge.<br />
DIE KONTROLLE<br />
ÜBERNEHMEN DAS STATIV<br />
AUSBALANCIEREN<br />
Manueller Modus<br />
„Gordon fotografierte im Av-Modus”,<br />
sagt John. „Ich benutze den manuellen<br />
Modus, da wir ein unbewegliches<br />
Motiv (die Stadt) in einem gleichbleibenden<br />
Licht aufnehmen. Bei der<br />
Verschlusszeitautomatik (Av) kann es<br />
passieren, dass die SLR die Szenerie<br />
über- oder unterbelichtet. Zudem<br />
kann man im manuellen Modus die<br />
Verschlusszeit besser anpassen.”<br />
148 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />
Für ein standfesteres<br />
Dreibeinstativ<br />
„Gordon stellte seine Kamera<br />
mithilfe der Halterung in der Mitte<br />
höher. Das reduziert aber die<br />
Stabilität, es ist besser, die Beine<br />
einfach zu verlängern. Es war sehr<br />
windig, darum haben wir zusätzlich<br />
noch eine Tasche am Ende<br />
des mittleren Beines als Balast<br />
befestigt.”<br />
Profi-<strong>Foto</strong>graf John Morris<br />
macht Aufnahmen von<br />
eleganten Hotels bis hin zu<br />
Hochzeiten. Abhängig von<br />
der Art des Auftrags nutzt er<br />
unterschiedliche Kameras<br />
von Canon: EOS 5D, 40D oder<br />
30D - plus dieses Zubehör:<br />
Canon EF 70-200mm f/2.8L IS USM<br />
Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />
Canon EF 16-35mm f/2.8L II USM<br />
Canon EF TS-E 24mm f/3.5L<br />
Canon EF 50mm f/1.4 USM<br />
Canon Speedlite 580EX Blitzgeräte und PocketWizards<br />
Bogen 3221 Gear Dreibeinstativ mit 3275 3-Axis Getriebeneiger<br />
Bogen 190mf3 Dreibeinstativ mit Medium-Kugelkopf (486RC2)
Orte<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Besser Dämmerung als Nacht<br />
„Versuchen Sie besser, während der Abenddämmerung<br />
ein paar Aufnahmen zu erstellen als in kompletter<br />
Dunkelheit”, rät John. „Eine halbe Stunde nach<br />
dem Sonnnenuntergang ist der Himmel besondes<br />
schön und blau. In dieser magischen Stunde<br />
balancieren sich der Himmel und die Neonlichter<br />
besonders gut aus. Das hält allerdings nicht lange an,<br />
also muss die SLR schon vorher eingestellt werden.<br />
Zudem muss man die Belichtung die ganze Zeit neu<br />
anpassen.”<br />
Belichtung: 6 s bei f/11, ISO400<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
Gordons<br />
Kommentar<br />
„Da es sich um einen ersten<br />
Versuch handelt, bin ich zufrieden<br />
mit dieser Aufnahme. Wir haben<br />
viel Zeit damit verbracht, Kamera<br />
und Stativ aufzubauen und die<br />
Benutzung des Drahtauslösers zu<br />
üben - irgendwie hingen wir fest.<br />
John veranlasste mich dazu,<br />
gründ lich über die Bildkomposition<br />
nachzudenken und wie ich<br />
Straßenelemente, die notgedrungen<br />
auf der Aufnahme erscheinen<br />
würden, einbeziehe. Ich habe<br />
dieses Bild im manuellen Modus<br />
fotografiert und eine geschlossene<br />
Blende von f/11 eingesetzt. Ich<br />
nutzte eine lange Belichtung<br />
(6 Sekunden), um Lichtspuren aus<br />
dem Verkehr unter der Brücke zu<br />
erzeugen. Ich finde, das funktioniert<br />
gut.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 149
Orte<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
Tilt-/Shift-Objektiv<br />
John schwört auf Tilt-/Shift-Linsen, denn damit<br />
muss man die Kamera nicht nach oben richten,<br />
um den oberen Teil eines Gebäudes mit aufs<br />
Bild zu quetschen. So lassen sich stürzende<br />
Linien und andere Verzerrungen vermeiden.<br />
„Mein Tilt-/Shift-Objekt mit 24mm eignet sich<br />
sehr gut, um Perspektiven und Linien zu kontrollieren.<br />
Zudem nutze ich einen Polfilter, um Reflexionen<br />
in Schach zu halten.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Der richtige<br />
Blendenwert<br />
„Bei Nachtaufnahmen nutzen Sie am besten<br />
einen mittleren Blendenwert”, rät John. „Ich<br />
empfahl Gordon, seine Blende auf f/8 oder f/11 zu<br />
setzen, und zwar aus mehreren Gründen: So ist<br />
das Objektiv am schärfsten und nimmt weniger<br />
Verzerrungen auf. Zudem ist die Tiefenschärfe<br />
besser, was mehr Details liefert. Zu guter Letzt<br />
bedeutet ein höherer Blendenwert eine längere<br />
Verschlussszeit, um Lichtspuren zu erzeugen."<br />
150 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Belichtung: 5 s bei f/11, ISO400<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
Gordons Kommentar<br />
„Nachdem wir einige Aufnahmen auf dem Las Vegas Strip in der Nähe von 'New York, New York'<br />
erstellt hatten, zogen wir zum Hotel Paris weiter. Dort befinden sich einige Nachbildungen von<br />
Sehenswürdigkeiten aus dem echten Paris, wie der Eiffelturm und der Triumphbogen. In dieser<br />
Aufnahme nutzten wir eine lange Verschlusszeit, um die Springbrunnen zu bremsen und dadurch<br />
einen schönen, milchigen Effekt im Wasser zu erzeugen - und um gleich sicherzustellen, dass die<br />
Aufnahme gut beleuchtet war.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 151
Orte<br />
JOHNS TIPP<br />
Die Magie der Spotmessung<br />
„Wir nutzen Spotmessung, um die Details in der ausgeprägten Pariser Architektur zu<br />
bewahren. Wenn wir die Kamera hätten entscheiden lassen, hätte diese vielleicht<br />
versucht, den schwarzen Himmel zu belichten und damit die helleren Details überblendet.<br />
Bei früheren Aufnahmen haben wir den Belichtungsmesser genutzt, um einen allgemeinen<br />
Eindruck von den benötigten Einstellungen zu bekommen, und wechselten dann auf<br />
den manuellen Modus, um die Feineinstellungen für die Belichtung vorzunehmen. So<br />
haben wir das hier auch gemacht, nur eben mit Spotmessung.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Belichtungsreihen<br />
„Ein guter Tipp für Nachtaufnahmen von<br />
Städten ist die Nutzung von Bracketing”,<br />
sagt John. „Damit nimmt man mehrere Bilder<br />
hintereinander auf - mit unterschiedlichen<br />
Belichtungen (überbelichtet, unterbelichtet<br />
und so weiter). Diese kann man dann in<br />
Photoshop miteinander verbinden. Wenn Sie<br />
eine Nachtszene aufnehmen, die helles<br />
Neonlicht beinhaltet, müssen Sie nämlich<br />
Komprisse zwischen den Glanzlichtern<br />
und den Schatten eingehen, da die<br />
Kamera nur eine begrenzte Palette von<br />
Tönen einfangen kann. Mit Bracketing<br />
können Sie die komplette Palette von hell bis<br />
dunkel belichten und kombinieren. HDR-Effekte<br />
(High dynamic range) können ebenfalls<br />
genutzt werden, um Bilder zu erstellen, die<br />
näher an dem sind, was das Auge sieht.”<br />
152 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
GORDONS TIPP<br />
Das Display kennen<br />
„Wenn Sie das Display auf<br />
der Rückseite der Kamera<br />
nutzen, reduzieren Sie die<br />
Helligkeit, denn Kameras<br />
zeigen Auf nahmen tendenziell<br />
zu hell. Nutzen Sie besser das<br />
His togramm für eine akkurate<br />
Überprüfung der Belichtung.<br />
Das Display der Kamera<br />
nehmen Sie am besten nur für<br />
Bildkompositionen zu Hilfe.<br />
Und nicht vergessen: Auf dem<br />
Display können Sie auch nicht<br />
erkennen, ob ein Bild<br />
fokussiert ist."<br />
Belichtung: 2 s bei f/11, ISO400<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
Gordons<br />
Kommentar<br />
„Ich bin sehr zufrieden<br />
mit dieser Aufnahme des<br />
Eiffelturms neben dem Hotel<br />
Paris. Dafür musste ich<br />
mich neben dem verkürzten<br />
Dreibeinstativ auf den<br />
Bürgersteig legen - was die<br />
Passanten sehr amüsant<br />
fanden. Ich habe eine Weile<br />
gebraucht, um mich an<br />
das eingezogene Stativ zu<br />
gewöhnen, aber das war<br />
notwendig, da wir mit einer<br />
langen Verschlusszeit (2<br />
Sekunden) fotografierten.<br />
Diese Zeit konservierte die<br />
Details in den Flaggen - wie<br />
man sehen kann, war es sehr<br />
windig.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 153
Orte<br />
154 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Belichtung: 5 s bei f/11, ISO400<br />
Linse: 24-105mm f/4<br />
Johns Fazit<br />
„Diese Aufnahme bietet eine gute Blickführung<br />
und eine tolle Bildkomposition, aber die<br />
Farben gebe das besondere Etwas [1]. Das<br />
dunkle Blau kontrastiert sehr gut mit dem<br />
warmen, orangenen Glühen der Kunstlichter,<br />
genauso wie die roten Bremslichter und die<br />
gelben Scheinwerfer der Autos [2]. Die<br />
geschlossene Blende (f/11) führte zu schönen,<br />
sternförmigen Glanzlichtern [3]. Gordon hat es<br />
zudem geschafft, alles scharf aufzunehmen.”<br />
Gordons<br />
Kommentar<br />
„Dieses Bild hat mir besonders gut gefallen,<br />
weil ich es früh aufgenommen habe. Ich musste<br />
mir viele neue Informationen merken, aber<br />
John war ein toller Lehrer. Diese Aufnahme<br />
funktioniert so gut, weil sie zur richtigen Zeit<br />
am richtigen Ort aufgenommen wurde - die<br />
kräftigen blauen Lichter verleihen das gewisse<br />
Etwas. Und wie John mir beigebracht hat:<br />
genau über die Bildkomposition nachdenken!<br />
Welche Elemente man mit reinnimmt oder<br />
außen vorlässt, zahlt sich aus.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 155
Orte<br />
Kurzurlaub<br />
Sie wollen ein Meister der Reisefotografie<br />
werden? Begleiten Sie<br />
unseren Profi-<strong>Foto</strong>grafen Julian<br />
Love, während er unseren Lehrling<br />
durch Venedig führt.<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Tony Stevens<br />
Kamera: Canon EOS 400D<br />
Tony, 39, lebt in Poole und arbeitet in<br />
der Personalbeschaffung. Seit 18<br />
Monaten besitzt er eine EOS 400D<br />
und benutzt ein 55-200-mm-Objektiv<br />
von Tamron sowie eine 18-55-mm-<br />
Linse von Canon. Er liebt es zu reisen,<br />
möchte aber auch bessere <strong>Foto</strong>s<br />
machen, wenn er schon einmal da ist!<br />
156 Der <strong>Foto</strong>-Worksop
Orte<br />
in Venedig<br />
DER PROFI<br />
Name: Julian Love<br />
Kamera: Canon EOS-1Ds Mk II<br />
Julian gab vor zweieinhalb Jahren<br />
einen gut bezahlten Job in der Stadt<br />
auf, um als Profi-<strong>Foto</strong>graf zu arbeiten,<br />
und hat es nie bereut. Er gewann<br />
bereits einen angesehenen Preis als<br />
Reisefotograf des Jahres. Mehr erfahren<br />
Sie auf seinem Blog unter adventure-photographer.blogspot.com.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 157
Orte<br />
Wenn er für einen Auftrag unterwegs ist,<br />
packt Julian seine Tasche so leicht wie<br />
möglich. Das wichtigste Zubehör:<br />
Canon EF 16-35mm f/2.8<br />
Canon EF 24-105mm f/4L IS<br />
Canon EF 70-200mm f/4L<br />
Canon TS-E 24mm f/3.5L Tilt/Shift<br />
Canon 580EX II Blitzgerät<br />
PocketWizard Blitz-Radioauslöser<br />
Ersatzbatterien für die Kamera<br />
16-GB-Speicherkarten<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Gitzo G1158T Reise-Stativ<br />
Die Lichtbedingungen beim Sonnenunter-<br />
oder -aufgang können schwierig sein.<br />
Daher ist es wichtig, ein Dreibeinstativ<br />
dabeizuhaben, um scharfe Aufnahmen<br />
bei unterschiedlichen<br />
Verschlusszeiten erstellen zu<br />
können. Julian nutzt das Reisestativ<br />
G1158T von Gitzo und<br />
einen Markins-Q-Kugelkopf.<br />
„Das Stativ ist aus Karbonfasern<br />
und daher sehr klein und<br />
leicht genug, um es an meiner<br />
Tasche zu befestigen.”<br />
Technik-Check<br />
Ist Tony bereit für Venedig?<br />
Nach dem ersten Capuccino des Tages gab Profi-<strong>Foto</strong>graf Julian Tony Tipps für die besten Einstellungen.<br />
KAMERA<br />
ANLASSEN<br />
FARBRAUM<br />
ANPASSEN<br />
158 Der <strong>Foto</strong>-Worksop<br />
Nicht ausschalten<br />
„In stark frequentierten Bereichen wie<br />
einem Markt oder einem Stadtzentrum ist<br />
es wichtig, dass die Kamera einsatzbereit<br />
ist. Mir ist aufgefallen, dass Tony sein Gerät<br />
zwischen den Aufnahmen oft ausschaltet.<br />
Ich lasse meine Kamera den ganzen Tag<br />
Adobe RGB wählen<br />
„Während ich Tonys frühe Aufnahmen<br />
durchsah, ist mir aufgefallen, dass er seine<br />
400D auf sRGB eingestellt hatte. Bei<br />
diesem Farbraum handelt es sich um einen<br />
Standard von Canon, der dabei <strong>helfen</strong> soll,<br />
problemlose Farben für die Betrachtung<br />
an, damit sie immer bereit ist, eine<br />
Aufnahme zu machen. Aktuelle Digicams<br />
haben einem Stromsparmodus, dadurch<br />
werden Akkus nicht entladen. Ich halte die<br />
Kamera auch immer in der Hand und trage<br />
sie nicht auf der Schulter, sofern möglich.”<br />
am Rechner zu kreieren. Ich empfehle<br />
trotzdem die Einstellung „Adobe RGB“.<br />
Damit kann die Kamera einen größeren<br />
Farbraum einfangen, was besser ist - besonders<br />
wenn man die Bilder später einmal<br />
ausdrucken möchte.”
Orte<br />
Tonys<br />
Kommentar<br />
„Ich habe schnell gemerkt,<br />
dass dieser Trip kein Urlaub<br />
wird. Obwohl ich nur fünf<br />
Stunden geschlafen hatte<br />
nach einem verspäteten<br />
Flug, bestand Julian darauf,<br />
um 6 Uhr aufzustehen. Erst<br />
als wir an der Rialtobrücke<br />
ankamen, wurde mir klar,<br />
warum das so wichtig ist. Auf<br />
dem Canale Grande führen<br />
Bargen mit Früchten und Gemüse<br />
zum Markt, während<br />
Palast und Restaurants sich<br />
in einem goldenen Licht baden.<br />
Der beste Beweis dafür,<br />
dass sich frühes Aufstehen<br />
lohnt.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 159
Orte<br />
JULIANS TIPP<br />
Aufnahmen anderer <strong>Foto</strong>grafen<br />
„Mittags kann es schwerer sein, gute Aufnahmen mit<br />
passender Belichtung zu erstellen. Aber man kann die Zeit<br />
nutzen, um interessante Orte auszukundschaften. Nutzen Sie<br />
dafür auch <strong>Foto</strong>s anderer Leute, die in dem Land aufgenommen<br />
wurden, das Sie gerade besuchen. Postkarten eignen<br />
sich hier gut und können zudem Hinweise geben, wann die<br />
beste Zeit für Aufnahmen an diesen Orten ist.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
Kirk Enterprises L-Bracket<br />
Julians EOS-1Ds Mk II ist eine sehr große Kamera. Mit diesem<br />
L-Bracket, das extra für eine 1Ds Mk II gestaltet wurde, wird<br />
sie noch größer. Es gibt aber auch Versionen für die meisten<br />
anderen Kameramodelle (www.kirkphoto.com). Es handelt<br />
sich hierbei um eine Schnellwechselplatte für kompatible<br />
Dreibeinstative, die sowohl am Boden als auch an der Seite der<br />
Kamera befestigt werden kann. Damit kann man schnell und ohne<br />
Umstände vom vertikalen auf das horizontale Format wechseln.<br />
160 Der <strong>Foto</strong>-Worksop
Orte<br />
EXPERTENWISSEN<br />
UV-Filter: Pro<br />
und Kontra<br />
„Auf meinen Reisen bekommt meine Ausstattung<br />
den einen oder anderen Kratzer ab. Zudem sind<br />
viele Orte, die ich besuche, staubig”, sagt Julian.<br />
„Ich nutze keine Objektivdeckel, da ich diese zu<br />
sperrig finde. Stattdessen packe ich UV-Filter auf<br />
meine Linsen, um das Glas zu schützen. Dabei ist es<br />
aber wichtig, daran zu denken, dass man bei<br />
bestimmten Aufnahmen die Filter abnehmen muss,<br />
um bessere Re sul tate zu erzielen. Besonders wenn<br />
man in die Sonne fotografiert, wird das Abnehmen<br />
der Filter das Risiko von Lichtreflexen reduzieren.<br />
Ich empfehle zudem, Stadtaufnahmen bei Nacht<br />
ohne Filter zu erstellen, ansonsten kann es<br />
passieren, dass man Geisterbilder durch die<br />
Straßenlampen mit aufnimmt.”<br />
Tonys Kommentar<br />
„Während dieses Ausflugs machte ich sehr<br />
viele Aufnahmen von Gondeln, aber dieses Bild<br />
gefällt mir am besten. Trotz seiner schlichten Art<br />
sieht man sofort, dass es in Venedig entstanden<br />
ist. Julian meinte, ich sollte nach ‘bildlastigen<br />
Umgebungen’ suchen und dann versuchen, so<br />
viele Aufnahmen wie möglich zu machen. Dieser<br />
Anlegeplatz bot viele gute <strong>Foto</strong>s. Ich mag die Art,<br />
wie die Gebäude im Hintergrund ein wenig defokussiert<br />
sind und damit die gestreiften Masten<br />
im Vordergrund hervorheben.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Die Sonne im<br />
Auge behalten<br />
Julian hat auf seinen Reisen immer einen Kompass<br />
dabei. „Der hilft mir dabei, die besten Zeiten für die<br />
Aufnahme der unterschiedlichen Szenen rauszufinden.<br />
Wenn ich ankomme, nehme ich eine Peilung bei<br />
Sonnenaufgang und -untergang vor. Dann weiß ich<br />
genau, wo die Sonne auf- und untergeht (das ändert<br />
sich, abhängig vom Breitengrad und der Jahreszeit).<br />
Dann nutze ich eine Karte, auf der ich erkennen kann,<br />
wann welches Gebäude das beste <strong>Foto</strong> abgibt.”
Orte<br />
Tonys<br />
Kommentar<br />
„Der Markusplatz war voller<br />
Touristen, weswegen es<br />
schwer war, eine gute Aufnahme<br />
zu bekommen. Dieses<br />
Detail der Straßenlampen<br />
blendet die Menge aus.”<br />
162 Der <strong>Foto</strong>-Worksop
Orte<br />
Tonys Kommentar<br />
„Diese Aufnahme wurde am späten Nachmittag erstellt, nachdem die grelle Mittagssonne verschwunden<br />
war. Währung unserer ersten Session in Venedig hatte Julian mich darauf aufmerksam<br />
gemacht, dass ich zu weit von den Personen, die ich fotografiere, entfernt bin. Er meinte, ich<br />
sollte keine Angst haben, näher ranzugehen - wenn notwendig soll ich sie um Erlaubnis bitten.<br />
Meine Schnappschüsse wurden sofort besser! Ich mag es, wie die drei Gondoliere das Bild ausfüllen<br />
und dabei in ihre Konversation vertieft sind. Die Aufnahme ist sehr scharf geworden und das<br />
warme Licht macht sich zusammen mit dem blauen Wasser ganz hervorragend.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Diktierfunktion<br />
„Statt mir umständlich die Details zu fotografierten<br />
Gebäuden oder Orten aufzuschreiben, nutze ich die<br />
Sprachnotiz-Funktion meiner SLR. Ich drücke dafür<br />
einfach die Diktiertaste, während ich meine Aufnahmen<br />
durchschaue, und das Mikro der Kamera nimmt<br />
.WAV-Dateien auf, die dann den gleichen Namen wie<br />
das aktuelle RAW-Bild tragen. Zu Hause kann ich so<br />
die Beschreibung dem Bild zuordnen.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Nexto mobiler <strong>Foto</strong>speicher<br />
Bei seinen Aufträgen macht Julian mit seiner<br />
Profikamera hochauflösende Bilder und am<br />
Ende des Tages sind viele Gigabyte Speicherplatz<br />
belegt. Er benutzt mehrere Speichergeräte<br />
von Nexto, um die vielen Aufnahmen zu sichern.<br />
Diese haben nur ein einfaches Display und eine<br />
leistungsstarke Batterie, sodass sie tagelang<br />
ohne Stromquelle auskommen<br />
- perfekt für abgelegene Orte.<br />
Die Geräte finden Sie auf<br />
amazon.de.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 163
Orte<br />
164 Der <strong>Foto</strong>-Worksop
Orte<br />
Julians Fazit<br />
„Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte diese Aufnahme nicht<br />
funktioniert. Aber sogar in der Abenddämmerung war das<br />
Timing entscheidend; bei einer früheren Aufnahme wäre<br />
der Kontrast zu hoch gewesen und später wäre die Farbe<br />
aus dem Himmel verschwunden [1]. Die Kurve des Kanals<br />
leitet den Betrachter sanft am Canale Grande entlang<br />
[2] und kreiert eine tolle Bildkomposition. Die lange<br />
Verschlusszeit hat den Kanal in ein tolles, verschwommenes<br />
Blau verwandelt [3]. Die Wassertaxis haben<br />
sich ebenfalls in Lichtstreifen verwandelt. Tony machte<br />
mehrere Aufnahmen, um sicherzugehen, dass sie an der<br />
richtigen Stelle auftauchen. Der hohe Blendenwert von<br />
f/16 verwandelte die künstlichen Lichter in malerische<br />
Sterne [4]. Ein super <strong>Foto</strong>!”<br />
1<br />
3<br />
2<br />
4<br />
Tonys Kommentar<br />
„Julian erkannte das Potenzial dieser Aufnahme bereits<br />
früher am Tag, aber das Licht passte zu diesem Zeitpukt<br />
noch nicht. Er kalkulierte, dass dies ein guter Platz<br />
wäre, um zur Dämmerung zurückzukommen. Nachdem<br />
also das Sonnenlicht weg war, kehrten wir zu diesem<br />
Punkt auf der vollen Rialtobrücke zurück. Im Endeffekt<br />
mussten wir mit unseren Stativen dann noch fast eine<br />
Stunde warten, bis das Licht passte. Als die Lichter<br />
der Cafés endlich hell genug waren und die Farbe des<br />
Himmels dunkel genug, brauchte ich eine Verschlusszeit<br />
von 10 Sekunden. Ich nutzte den Selbstauslöser meiner<br />
Kamera und den Spiegelvorauslöser für eine wackelfreie<br />
Belichtung.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 165
Orte<br />
DER PROFI<br />
Name: Paul Freeman<br />
Kamera: Canon EOS-1Ds Mark II<br />
Paul ist aus Oxford und hat sich auf Architektur<br />
und Innenaufnahmen spezialisiert.<br />
Seine Talente sind sehr gefragt, besonders<br />
bei großen Firmen - nicht schlecht, wenn<br />
man bedenkt, dass er erst vor 6 Jahren<br />
Profi-<strong>Foto</strong>graf wurde.<br />
166 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
DER LEHRLING<br />
Name: Howard Waddicor<br />
Kamera: Canon EOS 350D<br />
Howard ist 52 und lebt in Sheffield. Er fotografiert<br />
gerne Gebäude, also haben wir ihn<br />
mit Paul zusammengebracht - für einen Tag<br />
in den Salford Quays in Manchester, wo es<br />
viel moderne Architektur gibt.<br />
Orte<br />
Das nenne<br />
ich mal einen<br />
Weitwinkel!<br />
Lesen Sie, wie Sie Ihre Gebäudeaufnahmen<br />
sofort verbessern, indem Sie einen Profi-<br />
Architekturfotografen und seinen Lehrling<br />
durch Manchester begleiten.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 167
Orte<br />
Technik-Check<br />
Ist Howard bereit<br />
für Weitwinkel?<br />
Nachdem sie 30 Minuten das spektakuläre Imperial War Museum North fotografiert hatten, war<br />
Howard bereit, Paul Feedback zu seinen Aufnahmen zu geben. Pauls Einschätzung war einfach:<br />
Wenn Howard die beste Qualität für seine <strong>Foto</strong>s möchte, muss er anfangen, die besten<br />
Einstellungen zu nutzen, die seine Kamera anbietet.<br />
PAULS RATSCHLAG<br />
Auf RAW wechseln<br />
„Howards Entscheidung, in der besten<br />
JPEG-Qualität zu fotografieren, ist die<br />
richtige Richtung, aber besser wäre es,<br />
RAW zu verwenden. Damit kann er Probleme,<br />
zum Beispiel mit überbelichteten<br />
Himmeln, zu Hause beseitigen.”<br />
Niedriger ISO-Wert<br />
„Bei dem ISO-Wert von 400 handelt<br />
es sich um eine gute Einstellung für<br />
alltägliche <strong>Foto</strong>grafie. Aber in dem<br />
kräftigen Salforder Sonnenlicht und mit<br />
einem Stativ im Schlepptau wird Howard<br />
schärfere, saubere Aufnahmen mit ISO<br />
100 bekommen.”<br />
PAULS RATSCHLAG<br />
Ein robusteres Stativ<br />
„Auch wenn Howards Dreibeinstativ ein gutes,<br />
leichtes Gerät von Manfrotto ist, bedeutet<br />
das nicht, dass es ideal für diese Situation<br />
geeignet ist. Mein Manfrotto-Stativ ist<br />
vielleicht teurer, aber es ist auch größer<br />
und schwerer und daher perfekt für<br />
wackelfreie Aufnahmen.”<br />
168 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Wasserwaage für den Blitzschuh<br />
Die kleine Wasserwaage hilft Paul nicht nur<br />
dabei, den Horizont auf seinen Aufnahmen<br />
gerade auszurichten, sie ist auch eine Hilfe<br />
dabei, Vibrationen im Auge zu behalten. Erst<br />
wenn die Flüssigkeit sich nicht mehr bewegt,<br />
drückt er den Auslöser. Es gibt diese Geräte<br />
für wenig Geld beim lokalen <strong>Foto</strong>laden.<br />
PROFI-AUS-<br />
STATTUNG #2<br />
Kabelauslöser<br />
Ein Stativ alleine reicht<br />
Paul nicht aus. Er nutzt<br />
zusätzlich noch einen<br />
Kabelauslöser und stellt die<br />
Spiegelvorauslösung seiner<br />
Kamera ein, um Vibrationen<br />
zu verhindern.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Richtig vorbereitet sein!<br />
„Paul war sehr gut auf den heutigen Tag vorbereitet”, sagt<br />
Howard. „Er hatte eine Umgebungskarte und eine Sonnenkarte<br />
dabei, sodass er wusste, wo die Sonne wann sein<br />
würde.” Aufgrund dieser Recherche wusste Paul,<br />
welches Gebäude zu welchem Zeitpunkt am besten<br />
beleuchtet sein würde. Umgebungskarten<br />
bekommen Sie problemlos im Internet.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 169
Orte<br />
Zusätzlich zu seiner Canon<br />
EOS-1Ds Mk II packt Paul bei<br />
Aufträgen die folgenden<br />
Objektive in seine Tasche:<br />
Canon TS-E 24mm f/3.5L<br />
Canon TS-E 45mm f/2.8<br />
Canon TS-E 90mm f/2.8<br />
Sigma 12-24mm f/4.5-5.6<br />
Canon EF 50mm f/1.4<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Seine Objektive kennen<br />
Objektive geben ihr Bestes bei mittleren Blendenwerten und Howard<br />
entdeckte einen netten Trick bei Paul, um das auszunutzen. Er klebte<br />
eine Tabelle mit den Ergebnissen seiner Kameraperformance bei jedem<br />
Blendenwert auf die Rückseite seines Kameradeckels.<br />
Den richtigen<br />
Wert wählen<br />
„Ich habe rausgefunden, dass<br />
die Verschlusszeit nicht so<br />
wichtig ist wie der Blendenwert,<br />
wenn man ein Stativ nutzt”, sagt<br />
Howard. „Mit dem Blendenprioritätsmodus<br />
hatte ich die beste<br />
Kontrolle über den Blendenwert.”<br />
170 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Howards Art<br />
Howard hat schon immer gerne Gebäude fotografiert. „Es ist die Art, wie Linien und Perspektiven<br />
miteinander agieren”, erklärt er. „Ähnliche Effekte treten zwar auch natürlich auf, aber<br />
bei Gebäuden ist es einfacher zu sehen”. Howard mag ganz besonders abstrakte Details wie<br />
dieses Fenster an der Ecke das Museums, das wie ein Auge aussieht.<br />
Fertig: Howards Aufnahme<br />
von der Szene oben. Das<br />
orangene Glühen in der<br />
Ecke sieht aus wie ein<br />
Sonnenuntergang<br />
- tatsächlich handelt es<br />
sich um die Reflexion des<br />
Gebäudes links.<br />
HOWARDS TIPP<br />
Schwarz-Weiß-Sehen<br />
„Wollen Sie wissen, wie eine<br />
Szenerie in Schwarz-Weiß<br />
aussieht, bevor Sie fotografieren?<br />
Paul hat mir einen tollen<br />
Trick gezeigt. Wenn man den<br />
Picture Style Monochrome<br />
einstellt, zeigt das Display der<br />
Kamera soeben erstellte<br />
Aufnahmen in Graustufen an.<br />
Solange ich im RAW-Format<br />
fotografiere, bleiben die<br />
Farben erhalten und ich kann<br />
das Bild zu Hause in Schwarz-<br />
Weiß konvertieren.”<br />
Um die Aufnahme<br />
in Schwarz-Weiß zu<br />
visualisieren, ändern Sie den<br />
Picture Style zu Monochrome<br />
(nehmen Sie aber in RAW auf).<br />
Paul benutzt Adobe<br />
Lightroom, um<br />
die RAW-Datei zu einem<br />
Schwarz-Weiß-Bild zu<br />
konvertieren.<br />
Das ist eine von Howards<br />
favorisierten Aufnahmen<br />
des Tages - sie wurde vor Ort auf<br />
Pauls Laptop zu Schwarz-Weiß<br />
konvertiert.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 171
Orte<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Histogramme nutzen!<br />
Die Kombination von stark reflektierender moderner Architektur und hellen Wolken machte es sehr schwer<br />
für Howard, die richtige Belichtung zu finden. Dann erzählte Paul ihm von Histogrammen. „Ich habe diese<br />
bereits in Photoshop benutzt, aber nie auf meiner Kamera”, erklärte Howard. „Ich achtete dann darauf, dass<br />
der Graph sich nicht zu sehr auf der rechten Seite anhäufte und vermied so weitere Überbelichtungen.”<br />
172 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
PROFI-AUS-<br />
STATTUNG #3<br />
Tilt-/Shift-Objektive<br />
Normale Objektive haben<br />
Probleme mit Perspektiven,<br />
wenn man Gebäudeaufnahmen<br />
erstellt. Darum benutzt<br />
Paul ein Tilft-/Shift-Objektiv.<br />
Diese können ‚verschoben‘<br />
werden, sodass der Sensor<br />
der Kamera Motive wie hohe<br />
Gebäude genauer aufnehmen<br />
kann. Diese Objektive kosten<br />
je nach Brennweite zwischen<br />
1.000 und 2.000 Euro.<br />
Mehr Architektur<br />
Howard und Paul fotografierten in den Salford Quays,<br />
aber es gibt noch mehr großartige, moderne Architektur,<br />
von der sich Aufnahmen lohnen. Paul verrät seine drei<br />
liebsten, weniger bekannten Orte.<br />
Willis-Gebäude London<br />
„Vergessen Sie ‚Gherkin‘ und die<br />
‚Canary Wharf‘! Dieses neue<br />
und weniger fotografierte<br />
Gebäude im Herzen von<br />
London ist voller<br />
abstrakter Formen.”<br />
Orte<br />
Park der Nationen Lissabon<br />
„Für die Expo 98 gebaut, beherbergt dieses<br />
Gebäude (links) ein riesiges Aquarium.”<br />
Jüdisches Museum Berlin<br />
„Berlin ist eine echte Fundgrube. Dieses Museum<br />
mit seinen Schlitzen auf der Seite wurde<br />
vom gleichen Architekten entworfen, der auch<br />
für das Imperial War Museum in Salford verantwortlich<br />
ist – Daniel Libeskind.”<br />
Howard testete eine 70-300-mm-<br />
Linse mit Bildstabilisator, um diese<br />
tolle Nahaufnahme der Lowry-<br />
Fußgängerbrücke zu erstellen.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 173
Orte<br />
Howards<br />
Kommentar<br />
„Das Imperial War Museum North<br />
bietet so viele Perspektiven, dass es<br />
schwer war, das Gebäude in einer<br />
einzelnen Aufnahme darzustellen.<br />
Ich bin sehr zufrieden mit dieser<br />
Bildkomposition, da sie die kantige<br />
Natur des Gebäudes perfekt<br />
einfängt.”<br />
Pauls Fazit<br />
1<br />
„Das ist Howards beste<br />
Aufnahme. Ein klasse<br />
Bild und genau die Art<br />
2<br />
von <strong>Foto</strong>, die ich selber<br />
3 gerne erstelle. Er hatte<br />
echtes Glück mit den<br />
wirbelmäßigen Wolken [1]; ein<br />
wolkenloser blauer Himmel wäre nur<br />
halb so spannend gewesen. Das<br />
Superweitwinkelobjektiv hat eine tolle<br />
dreidimensionale Form geschaffen<br />
[2]. Howard hat den Blickwinkel gut<br />
gewählt [3], indem er sich unter das<br />
Ende des Gebäudes mit einem<br />
10-20-mm-Zoom hockte.”<br />
174 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
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Orte<br />
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Aufnahmen!<br />
Folgen Sie Profi-<strong>Foto</strong>graf<br />
David Clapp, der<br />
unserem Lehrling beibringt,<br />
wie man HDR-<br />
Architekturaufnahmen<br />
erstellt.<br />
176 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
DER PROFI<br />
Name: David Clapp<br />
Kamera: EOS-1Ds Mk III<br />
David, 39, fotografiert Landschaften, Länder<br />
und Architektur und wohnt in Devon. Seine<br />
<strong>Spezial</strong>ität sind HDR-Bilder (Hochkontrastbilder)<br />
und Belichtungsreihen. Zudem gibt er<br />
<strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>s. Obwohl er erst seit 2009<br />
Vollzeit als <strong>Foto</strong>graf tätig ist, hat er bereits ein<br />
Weltklasse-Portfolio vorzuzeigen. Siehe auf<br />
www.davidclapp.co.uk.<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Adrian Evans<br />
Kamera: EOS 5D Mk II<br />
Adrian, 47, ist ein teilpensionierter Pubbesitzer,<br />
der das halbe Jahr in Rhyl im Norden von<br />
Wales verbringt und das andere halbe Jahr in<br />
Hua Hin in Thailand. Er fotografiert seit 30<br />
Jahren, hat aber in letzter Zeit sein Interesse<br />
daran vertieft. Er hat uns um Hilfe gebeten,<br />
weil er seine Aufnahmen in den Bereichen<br />
Architektur und HDR verbessern möchte.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 177
Orte<br />
Technik-Check<br />
Ist Adrian bereit für HDR?<br />
Nach einigen Aufnahmen gab David Adrian einige Hinweise für bessere Einstellungen.<br />
AEB NUTZEN<br />
REIHENFOLGE ÄNDERN<br />
HDR-Einstellungen<br />
„Die Belichtungsreihenautomatik (AEB)<br />
ist das Wichtigste für HDR-Aufnahmen.<br />
Man macht damit eine Reihe von<br />
Bildern der gleichen Szene, die<br />
unterschiedlich belichtet werden.<br />
Diese kombiniert man dann, um ein<br />
Bild mit einem größeren Tonumfang zu<br />
bekommen”, erklärt David. „Je nach<br />
Kamera kann man während des<br />
Bracketings mit bis zu -/+ 3 Stufen<br />
aufnehmen. Adrians DSLR bietet<br />
maximal -/+ 2 Stufen an.“<br />
Bracketing<br />
„Adrian hat in den Einstellungen seiner<br />
Kamera die Standard-Sequenz<br />
(Standardbelichtung, Unterbelichtung,<br />
Überbelichtung beziehungsweise 0, -, +)<br />
für das Bracketing eingestellt. In dieser<br />
Reihenfolge ist es allerdings schwerer,<br />
die Unterschiede in der Belichtung zu<br />
erkennen. Ich schlug vor, dass er die<br />
Sequenz zu ‚+, 0, -‘ ändert. So wird er<br />
sofort sehen, ob er die Belichtungskorrektur<br />
anwenden muss, um den besten<br />
Tonumfang zu bekommen.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Bereit für Architektur-<strong>Foto</strong>s<br />
Davids sieben Regeln für die perfekten Kameraeinstellungen in der Architektur-<strong>Foto</strong>grafie.<br />
Nutzen Sie ein standfestes Stativ. Damit werden<br />
Ihre Aufnahmen scharf und Sie können sicher sein,<br />
dass alle Aufnahmen der Bracketing-Sequenz von exakt<br />
derselben Stelle aus aufgenommen werden.<br />
Nutzen Sie ein Weitwinkelobjektiv, damit Sie so viel<br />
wie möglich von der Szene und den besten<br />
Tonwertumfang einfangen.<br />
Für Architektur und HDR-Aufnahmen ist es<br />
entscheidend, in RAW zu fotografieren. Damit man<br />
die meisten Details in jedem Farbton rausholen kann,<br />
braucht man die maximale Bildqualität.<br />
Nutzen Sie die Blendenpriorität (oder manuelle<br />
Belichtung) und einen hohen Blendenwert wie f/11<br />
oder f/16, damit die komplette Szene scharf ist - von<br />
Vordergrund bis Hintergrund.<br />
Wählen Sie einen Weißabgleich (Tageslicht,<br />
Bewölkt, je nach den Bedingungen), sodass die<br />
Farben konsistent sind.<br />
Nutzen Sie die Spiegelvorauslösung, sofern<br />
vorhanden, um sicherzustellen, dass die Aufnahmen<br />
scharf werden.<br />
Nutzen Sie den Selbstauslöser (oder einen<br />
Kabelauslöser), damit Sie die Kamera<br />
während der Belichtung nicht berühren müssen.<br />
Ihre DSLR wird während des Bracketings<br />
automatisch schnell hintereinander drei<br />
Bilder mit den unterschiedlichen<br />
Belichtungen aufnehmen. So können<br />
Sie auch sicherstellen, dass die<br />
Szene in identischen Lichtbedingungen<br />
während jeder Bracketing-Belichtung<br />
aufgenommen<br />
wird.<br />
DAVIDS TIPP<br />
HDR vs. Belichtungsfusion<br />
„HDR-<strong>Foto</strong>grafie wurde in den letzten Jahren sehr<br />
beliebt, aber es verführt dazu, Bilder zu perfekt und<br />
damit unrealistisch zu machen”, sagt David. „Aus<br />
diesem Grund ziehe ich die Fusionsoption des<br />
Programms Photomatix Pro vor. Diese produziert<br />
sehr viel realistischere Ergebnisse, wenn man die<br />
unterschiedlich belichteten Bilder mischt.”<br />
178 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Belichtung: 1/60 s bei f/11; ISO100<br />
Linse: 17-40mm f/4<br />
Adrians<br />
Kommentar<br />
„Für diese Aufnahme des At-Bristol<br />
Wissenschaftsmuseums mussten<br />
wir uns hinlegen. Ich befolgte Davids<br />
Anweisungen und versuchte sicherzustellen,<br />
dass es eine Verbindung<br />
gibt zwischen den Kreisen auf dem<br />
Vordergrund und der fokussierten<br />
silbernen Sphäre in der Mitte.<br />
Dieses Bild wurde tatsächlich aus<br />
einer RAW-Datei hergestellt. Diese<br />
habe ich drei Mal bearbeitet und mit<br />
unterschiedlichem Tonumfang abgespeichert.<br />
Unter Daniels Anleitung<br />
nutzte ich dann die Fusionsoption von<br />
Photomatix Pro, um die drei Dateien<br />
zusammenzufügen.”<br />
DAVIDS TIPP<br />
Voraussetzungen für dynamische Bilder<br />
„Während der Ablichtung einer Szene für ein HDR-Bild sind die idealen<br />
Voraussetzungen eine gute Mixtur aus Licht, um den vollen Tonumfang von<br />
dunklen Schatten, über mittlere Töne bis zu hellen Glanzlichtern einzufangen.<br />
Zu kräftige Töne, wie zum Beispiel grelles Mittagssonnenlicht, können<br />
jedoch zu extrem für realistische Ergebnisse sein. Nutzen Sie also frühe<br />
Stunden oder Nachmittage für weicheres Licht oder den frühen Abend,<br />
wenn die Straßenlaternen angehen - so wie wir in Bristol”, rät David.<br />
Danksagung<br />
Wir bedanken uns bei den Mitarbeitern<br />
des At-Bristol (www.at-bristol.org.uk)<br />
und dem Domkapitel der Bristol<br />
Cathedral (www.bristol-cathedral.co.uk).<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 179
Orte<br />
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #1<br />
Canon Tilt/Shift-Objektiv<br />
„Bei Architektur-<strong>Foto</strong>grafie ist es<br />
zwingend erforderlich, die Linien<br />
und Formen des Gebäudes<br />
akkurat und ohne Verformungen<br />
aufzunehmen - besonders wenn<br />
man für Agenturen und Bilddatenbanken<br />
arbeitet. Wenn ich<br />
mein normales Weitwinkelobjektiv<br />
nutzen würde, um diese Kirche<br />
aufzunehmen, müsste ich meine<br />
Kamera verschwenken, um den<br />
Kirchturm komplett einzufangen. Das<br />
führt zu vertikalen Perspektiven und stürzenden<br />
Linien”, sagt David. „Stattdessen benutze<br />
ich das Canon-Weitwinkelobjektiv TS-E 24mm f/3.5L II USM. Dieses<br />
bietet Verschwenkungen (Tilt) und Verschiebungen (Shift) unabhängig<br />
voneinander für mehr Kontrolle und Flexibilität an. Der Shift-Mechanismus<br />
rotiert +/- 90° und ermöglicht Verschiebungen in alle Richtungen. Der<br />
Tilt-Mechanismus rotiert ebenfalls +/- 90° in Relation zur Verschiebung.<br />
Dadurch sind meine Vertikalen schnurgerade und ich bekomme mehr<br />
Architektur in meine Aufnahmen .”<br />
ADRIANS TIPP<br />
RGB-Histogramm<br />
„Normalerweise nutze ich nur das<br />
Helligkeits-Histogramm, aber David<br />
erklärte mir, dass ich hier nur den<br />
Durchschnittswert der Farbkanäle<br />
Rot, Grün und Blau angezeigt bekomme”, sagt<br />
Adrian. „Mehr und aufgeschlüsseltere Informationen bietet<br />
das RGB-Histogramm. Hier werden die Primärfarben einzeln<br />
angezeigt, sodass ich die Qualität meiner Aufnahmen noch<br />
besser einschätzen kann.”<br />
24-mm-WEITWIN-<br />
KEL-OBJEKTIV<br />
24-mm-TILT-/<br />
SHIFT-OBJEKTIV<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #2<br />
Olympus Tilft-/Shift-Objektiv<br />
Ein Objektiv von Olympus auf einer<br />
DSLR von Canon? Wie kann<br />
das funktionieren? David<br />
nutzt die 35mm f/2.8<br />
Tilft-/Shift-Linse mit<br />
einem Konverter, damit<br />
sie auf seine EOS-<br />
DSLRs passt. Er meint<br />
dazu: „Dieses<br />
kompakte Objektiv ist<br />
mein liebstes Zubehör,<br />
denn von Canon gibt es<br />
noch keine 35-mm-Tilt-/<br />
Shift-Objektive.”<br />
DAVIDS TIPP<br />
Live-View einsetzen<br />
„Viele aktuelle DSLRs bieten eine Live-View an.<br />
Dabei handelt es sich um ein tolles Feature für<br />
Architektur-<strong>Foto</strong>grafie. Sie haben damit die<br />
Möglichkeit, perfekte Bildkompositionen zu wählen<br />
und zu belichten - alles, bevor Sie den Auslöser<br />
betätigen”, verrät David. „Stellen Sie das RGB-<br />
Histogramm an während des Live-Views, dann<br />
können Sie Ihre Standard-Belichtung anpassen, um<br />
sicherzustellen, dass die Szenerie perfekt eingefangen<br />
wird. Zudem können Sie, wenn Sie den Auslöser halb<br />
runterdrücken, kurz sehen, wie die verminderte Bracketing-Belichtung<br />
aussieht. Daran erkennen Sie, wie viel oder wie wenig<br />
Lichtdetails Sie aufnehmen werden.”<br />
180 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Belichtung: 0.4 s, 1.6 s und 6 s bei f/11; ISO100<br />
Linse: 24mm f/3.5 Tilt/Shift<br />
Adrians<br />
Kommentar<br />
„Mit Davids Hilfe benutzte ich ein Tilft-/<br />
Shift-Objektiv, um ein akkurates und<br />
unverzerrtes Bild von der Innenansicht<br />
der Bristol Cathedral ohne stürzende<br />
Linien aufzunehmen. Für ein subtibles<br />
HDR-Ergebnis haben wir die drei<br />
Bracketing-Belichtungen vorsichtig<br />
mit dem Photomatix Pros HDR Details<br />
Enhancer bearbeitet. Ich finde es toll,<br />
wie viele Details man in den Steinen und<br />
Fenstern erkennen kann.”<br />
David verlässt sich auf seine<br />
Vollformat-DSLR Canon EOS-1Ds Mk<br />
III. Als Backup hat er auch eine EOS<br />
5D und eine 5D Mk II dabei sowie das<br />
folgende Zubehör:<br />
Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />
Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />
Canon EF 70-200mm f/4L IS USM<br />
Canon TS-E 24mm f/3.5L II Tilt/Shift<br />
Olympus 35mm f/2.8 Tilt/Shift<br />
Nikon AF-S 14-24mm f/2.8<br />
Canon EF 300mm f/2.8L USM<br />
Canon 1.4x II und 2x II Telekonverter<br />
Think Tank Kameratasche<br />
Vanguard Alta Pro 283CT Stativ<br />
FLM CB48 Kugelkopf<br />
Apple MacBook<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 181
Adrians Kommentar<br />
„Wir mussten eine Weile warten, bis keine<br />
Fußgänger mehr im Bild waren, um diese<br />
Aufnahme der Bristol Cathedral zu erstellen. Ich<br />
habe mich für ein Hochformat entschieden,<br />
damit ich die Kurve, die die Poller kreieren, die<br />
gelbe Doppellinie und das Straßenpflaster<br />
nutzen konnte, um den Blick in das Bild zu<br />
lenken. Obwohl Licht und Himmel blass und<br />
grau waren, konnte ich - dank HDR - eine<br />
düstere Stimmung erzeugen. Auch hier<br />
bearbeitete ich die drei Bracketing-Belichtungen<br />
mit dem HDR Details Enhancer von<br />
Photomatix Pro und verstärkte den Kontrast<br />
dann noch in Photoshop.”<br />
Belichtung: 1/13 s, 1/3 s und 1.3 s bei f/13; ISO100<br />
Linse: 17-40mm f/4<br />
HDR-Software Schritt für Schritt<br />
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #3<br />
HDR-Software<br />
„Meinen Einstieg in HDR fand ich, indem ich<br />
mithilfe der ‚Zu HDR zusammenfügen‘-Option<br />
von Photoshop (nicht in Elements verfügbar)<br />
Belichtungen kombinierte. Aufgrund unterschiedlich<br />
guter Ergebnisse bevorzuge ich<br />
jetzt Photomatix Pro. Da habe ich mehr<br />
Kontrolle und bekomme realistischere<br />
Resultate. Ich nutze auch PTgui (Panoramic<br />
Tools graphical user interface; www.ptgui.<br />
com) für größere Bildkompositionen”, verrät<br />
David.<br />
Photomatix Pro wurde entwickelt, um mehrere Belichtungen zusammenzufassen. Eine Demo-Version kann unter<br />
www.hdrsoft.com heruntergeladen werden.<br />
RAW-Dateien konvertieren<br />
1Nutzen Sie einen RAW-Konverter, wie in<br />
diesem Fall Lightroom 3. Kontrollieren<br />
Sie dann alle drei Bilder, um sicherzustellen,<br />
dass weder Licht- noch Schattendetails<br />
verloren gegangen sind, und passen Sie die<br />
Belichtung gegebenenfalls an. Achten Sie auf<br />
Bewegung zum Beispiel von Menschen, um<br />
zu sehen, wie die HDR-Software diese<br />
rendern wird.<br />
182 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />
Bilder zusammenfassen<br />
2Öffnen Sie die Bilder in Photomatix Pro<br />
und nutzen Sie die Exposure Fusion für<br />
natürlichere Resultate. Während Sie Anpassungen<br />
über die Regler links machen, können<br />
Sie das Histogramm sowie eine <strong>Vorschau</strong> im<br />
Lupenmodus beobachten. Ausgewogene<br />
Bilder bekommen Sie durch Midtones und<br />
Blending Point. Die Regler White/Black Clip<br />
belassen Sie am besten bei null.<br />
Der Feinschliff<br />
3Passen Sie nun alle weiteren Details in<br />
Photoshop CS oder Elements an.<br />
Nutzen Sie hier die Tiefen-/Lichter-Einstellungen,<br />
um weitere Details aus dem<br />
Bild zu holen. Achten Sie auf ein ausbalanciertes<br />
Histogramm (Tonwertspreizung)<br />
und nehmen Sie noch weitere<br />
Anpassungen beim Kontrast vor, sofern<br />
notwendig.
Orte<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />
Weitwinkelobjektiv von Nikon<br />
Ja, das stimmt! David nutzt auch ein Weitwinkelobjektiv<br />
von Nikon! Das Nikon AF-S 14-24mm f/2.8 befestigt er<br />
mit einem Objektivadapter von Novaflex an seiner<br />
DSLR von Canon. „Mit diesem Superweitwinkelobjektiv<br />
werden die Aufnahmen meiner Vollbild-EOS-<br />
1Ds gestochen scharf. Ich bin der Meinung, dass<br />
dieses Gerät alle anderen gleichwertigen Objektive<br />
anderer Hersteller schlägt. Es eignet sich bestens für<br />
Innenaufnahmen in engen Räumen, aber auch für große<br />
Landschaftsaufnahmen”, sagt David.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Deckenbilder!<br />
Bei Architektur-Aufnahmen muss es sich nicht immer um ausufernde<br />
Szenerien handeln: „Wenn ich mit den traditionellen Bildkompositionen<br />
eines Gebäudes fertig bin, suche ich nach interessanten Details für<br />
Kunst- und Abstraktaufnahmen.<br />
Kirchendecken können<br />
sehr fotogen sein, besonders<br />
in großen Kathedralen. Dieses<br />
Beispiel habe ich Octopus<br />
Autopsy genannt und mit<br />
meinen Weitwinkelobjektiv<br />
von Nikon aufgenommen:<br />
AF-S 14-24mm f/2.8 bei<br />
14mm.”<br />
David Clapp<br />
DAVIDS TIPP<br />
Symmetrie ist wichtig<br />
„Wenn Sie Gebäude oder Interieur<br />
fotografieren, lohnt es sich, nach Linien,<br />
Formen, Mauerwerk und Wegen zu<br />
schauen. Diese können den Blick des<br />
Betrachters in das Bild leiten. Die<br />
Innenbereiche von Gotteshäusern bieten<br />
eine perfekte Symmetrie, die Ihnen dabei<br />
hilft. Bei diesen Aufnahmen müssen Sie<br />
für gute Resultate sicherstellen, dass die<br />
Bildkomposition symmetrisch und gerade<br />
ist. Nutzen Sie für Letzteres eine Wasserwaage.<br />
Bei diesem Beispiel habe ich mein Objektiv mit 17-40mm f/4<br />
bei 17mm genutzt”, sagt David.<br />
David Clapp<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 183
Orte<br />
184 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Orte<br />
Belichtung: 3.2 s, 13 s und 30 s bei f/13; ISO100<br />
Linse: 17-40mm f/4<br />
Davids Fazit<br />
„Ein tolles Beispiel für die Vorteile<br />
von HDR – mit nur einer Belichtung<br />
wäre dieser große Tonwertumfang<br />
nicht möglich gewesen. Durch den<br />
geringen Blendenwert und Adrians<br />
Fokussierung wurde die Szene komplett<br />
scharf aufgenommen [1]. Dank der drei<br />
verschiedenen Belichtungen konnte er<br />
nicht nur viele Details in dem beleuchteten<br />
Gebäude darstellen [2], sondern<br />
gleichzeitig auch die Farbe des Himmels<br />
erhalten [3].”<br />
[3]<br />
[1]<br />
[2]<br />
Adrians<br />
Kommentar<br />
„Am späten Nachmittag war das Wetter<br />
nicht so toll, weshalb wir auf die Dunkelheit<br />
gewartet haben - bis die Lichter angingen.<br />
Ich habe das flache Wasser im Vordergrund<br />
genutzt, um Reflexionen einzufangen.<br />
Den Rest der Bildkomposition füllen<br />
die Gebäude und der ausdrucksstarke<br />
Himmel. Durch die lange Belichtungszeit<br />
werden die Fußgänger verschwommen<br />
dargestellt, was ein nettes, sauberes Bild<br />
ermöglicht.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 185
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Action<br />
Seite 200<br />
188 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Seite 210<br />
Action<br />
4Action<br />
Hoch hinaus mit<br />
Action-Aufnahmen!.........................190<br />
Ein alpines Abenteuer................... 200<br />
Fantastische Lichtmalerei.............210<br />
Seite 190<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 189
Action<br />
190 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
Hoch hinaus<br />
mit Action-<br />
Aufnahmen!<br />
Während einer Session mit dem Motorsport-<strong>Foto</strong>grafen<br />
Adam Duckworth lernt<br />
unser Lehrling, fliegende Motocross-<br />
Fahrer und weitere actiongeladene<br />
Aufnahmen einzufangen.<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Emma Holmon<br />
Kamera: Canon EOS 450D<br />
Emma aus Teignmouth in<br />
Devon ist 37 Jahre alt und<br />
Managerin eines Autismus-Pflegedienstes.<br />
Sie fotografiert, seit<br />
sie sich vor vier Jahren eine<br />
DSLR gekauft hat. Ihr Partner<br />
ist leidenschaftlicher Motocross-Fahrer<br />
und sie möchte<br />
in der Lage sein, bessere<br />
Action-Aufnahmen von ihm<br />
aufzunehmen, wenn er an ihr<br />
vorbeirast.<br />
DER PROFI<br />
Name: Adam Duckworth<br />
Kameras: Canon EOS 5D Mk II and EOS 7D<br />
Der 44-jährige Adam aus Northampton ist ein erfolgreicher<br />
Motorsport-<strong>Foto</strong>graf. Er arbeitet seit 1987 als<br />
Profi-<strong>Foto</strong>graf und seit 2007 mit dem Schwerpunkt<br />
Motorsport. Zudem schreibt er für Motorrad-Magazine<br />
inklusive Motor Cycle News und ist derzeit Chefredakteur<br />
und Chef-<strong>Foto</strong>graf des Moto Magazine (www.<br />
motomagazine.co.uk). Er ist Autor zweier <strong>Foto</strong>grafie-Bücher:<br />
One Light Flash und The Flash Photography<br />
Field Guide und hält <strong>Foto</strong>grafie-<strong>Workshop</strong>s ab.<br />
Mehr Informationen finden Sie auf seiner Webseite:<br />
www.adamduckworth.com.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 191
Action<br />
Technik-Check<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Externe Blitzgeräte<br />
Adam ist ein großer Befürworter von<br />
Blitzgeräten, die die Beleuchtung bei seinen<br />
Motocross-Aufnahmen verbessern. „Der<br />
Blitz der meisten Kameras ist okay für<br />
einfache Aufnahmen, aber durch den<br />
Einsatz eines Blitzgerätes sehen die <strong>Foto</strong>s<br />
sehr viel besser aus”, sagt er. „Damit kann<br />
man die Richtung des Lichts kontrollieren.<br />
Zum Beispiel mit einem Seitenlicht, um<br />
Tiefe durch Schatten zu erzeugen. Mit<br />
einem Blitzgerät bekommt man gute<br />
Ergebnisse, aber ich nutze meistens<br />
zwei bis drei auf Stativen, die ich mit<br />
einem kabellosen Auslöser von<br />
PocketWizard abfeuere.”<br />
Ist Emma bereit für Action-<strong>Foto</strong>s?<br />
Nachdem Emma einige Aufnahmen von unserem MX-Fahrer und seinem Motorrad erstellt hat, bekam sie von Adam Tipps, um<br />
ihre Technik zu verbessern.<br />
Auf manuell<br />
umstellen<br />
„Bis jetzt habe ich immer das<br />
Motiv-Pogramm Sport in der<br />
Vollautomatik benutzt”, gibt Emma<br />
zu. „Adam zeigte mir aber, dass<br />
ich im manuellen Modus viel mehr<br />
Kontrolle über meine Aufnahmen<br />
habe. Ich lernte, wie man die<br />
Szenerie richtig belichtet, indem<br />
man das Histogramm auf dem Display der Kamera einsetzt. Hier kann<br />
ich bei jeder Aufnahme anhand der blinkenden Bereiche erkennen,<br />
wenn diese falsch belichtet wurden.”<br />
RAW statt JPEG<br />
„Normalerweise erstelle ich alle<br />
meine Aufnahmen als JPEGs”,<br />
sagt Emma, „Adam erklärte mir<br />
allerdings, dass ich mit RAW<br />
meine Bilder später besser<br />
bearbeiten kann. Erst versuchte<br />
ich, die JPEG+RAW-Option zu<br />
verwenden, aber meine Kamera<br />
konnte mit der Geschwindigkeit,<br />
mit der ich fotografierte, in dieser Einstellung nicht mithalten. Ich<br />
wechselte auf RAW und das Gerät funktionierte viel verlässlicher und<br />
war in der Lage, den Moment einzufangen.”<br />
192 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
Emmas Kommentar<br />
„Bevor wir mit den Action-Aufnahmen anfingen, schlug Adam vor, ein paar coole Portraitbilder unseres<br />
MX-Fahrers Dave neben seinem frisch gereinigten Motorrad zu machen. Es war ein grauer Tag, deswegen half<br />
Adam mir, die Blitzgeräte aufzustellen. Wir nutzten einen Schirm, um diffuses Licht auf Dave zu lenken. Ich<br />
nahm im manuellen Modus auf, 1/200 s bei f/13 für einen effektvollen Himmel und einen ISO-Wert von 200,<br />
damit der Blitz stark genug ist, um das Motorrad zu erleuchten. Ich habe kniend fotografiert, aber Adam<br />
veranlasste mich dazu zu fokussieren, dann die Kamera nach unten zu richten und den Auslöser zu betätigen,<br />
um ein dynamischeres Bild mit der Blickrichtung nach oben zu bekommen.”<br />
MIT BLITZ<br />
ADAMS TIPP<br />
Blitzgeräte nutzen!<br />
„Bevor wir unseren MX-Fahrer auf seinem<br />
Motorrad fotografierten, habe ich Emma<br />
gesagt, dass es gut wäre, einige Schnappschüsse<br />
des Gefährts aufzunehmen, solange<br />
es noch sauber ist”, sagt Adam. „Zuerst haben<br />
wir Bilder mit einem Weitwinkelobjektiv und<br />
ohne Blitz gemacht, aber der Himmel war<br />
langweilig, darum habe ich zwei Blitzgeräte<br />
aufgestellt und das Motorrad angeleuchtet,<br />
während der langweilige Himmel mit dreieinhalb<br />
Stufen (von f/4 bis f/13) unterbelichtet<br />
wurde. Das erzeugte ein professionelleres Bild.”<br />
OHNE BLITZ<br />
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #2<br />
PocketWizard-Auslöser<br />
Um seine Blitzgeräte ferngesteuert<br />
auslösen zu können, benutzt Adam<br />
drei Sets der PocketWizard Flex TT5<br />
Auslöser (je ca. 210 €), die von einem<br />
PocketWizard-Mini-TT1 Auslöser (ca.<br />
200 €) auf dem Blitzschuh seiner<br />
Kamera abgefeuert werden, zusammen<br />
mit einem AC3-Zone-Controller<br />
(ca. 71 €). „Die sind zwar teuer, aber<br />
die besten Auslöser, die es gibt, weil<br />
sie verlässlich sind und mir dabei<br />
<strong>helfen</strong>, mehrere Blitze aus der Ferne<br />
auszulösen”, sagt Adam.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 193
Action<br />
ADAMS TIPP<br />
Auf den Hintergrund achten<br />
Adam sagt, dass der Hintergrund einer Aufnahme genauso<br />
wichtig ist wie das Subjekt im Vordergrund. „Vermeiden Sie<br />
unbedingt Reifenflanken, Banner und hässliche Ablenkungen”,<br />
rät er. „Auch wenn Sie sehr schnell fotografieren werden,<br />
schauen Sie sich die Strecke vorher an. Suchen Sie sich eine<br />
geeignete Position und zoomen Sie heran, um zu verhindern,<br />
dass das Bild von Störungen im Hintergrund ruiniert wird.<br />
Wählen Sie zudem einzelne Autofokuspunkte, um den Fahrer zu<br />
verfolgen, aber seien Sie vorsichtig, dass Sie nicht den Hintergrund<br />
fokussieren.”<br />
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #3<br />
Telezoom-Objektiv<br />
Da man sich direkt an die Motocross-Strecke<br />
stellen kann, reicht<br />
bei einer normalen DSLR, die einen<br />
Crop-Sensor mit 1,5- oder 1,6x-Multiplikationsfaktor<br />
mitbringt, ein<br />
70-200-mm-Objektiv. Das sollte<br />
reichen, da die tatsächliche „Brennweite“<br />
bei 200 mm dann 300-320<br />
mm beträgt. Adam sagt dazu: „Ich<br />
liebe mein 70-200-mm-Objektiv mit<br />
f/2.8. Es ist schnell und der hohe<br />
maximale Blendenwert von f/2.8<br />
bleibt durchgehend von 70mm bis<br />
zu 200mm. Mit offener Blende<br />
erstellt es tolle, verschwommene<br />
Hintergründe.” Adams Profi-Objektiv<br />
kostet ca. 2.100 €, während ein<br />
Objektiv mit 70-200mm f/4L nur eine<br />
Blendenstufe schlechter ist, aber<br />
auch nur ungefähr die Hälfte kostet.<br />
194 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
Belichtung: 1/500 s bei f/4; ISO800<br />
Linse: 70-200mm f/4<br />
In seiner <strong>Foto</strong>grafen-Tasche trägt Adam<br />
eine Vollformat-Canon EOS 5D Mk II und<br />
eine schnelle Canon EOS 7D zusammen<br />
mit diesen Objektiven und Zubehör:<br />
Canon EF 24mm f/1.4 II USM<br />
Canon EF 24-70mm f/2.8L USM<br />
Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />
Canon EF 70-200mm f/2.8L IS II USM<br />
Canon EF 17-40mm f/4L USM<br />
Canon EF 50mm f/1.4 USM<br />
Canon EF 85mm f/1.2L II USM<br />
Canon EF 300mm f/2.8L IS II USM<br />
3x Canon Speedlite 580EX II Blitzgeräte<br />
Pocket Wizard Flex TT5 Auslöser<br />
3x Manfrotto Nano Ständer<br />
Emmas Kommentar<br />
„Adam meinte, meine DSLR muss mindestens<br />
genauso schnell sein wie der Fahrer.<br />
Darum sollte ich die Einstellungen sehr<br />
überlegt wählen. Der Verschluss sollte<br />
zwischen 1/500-1/800 liegen und der<br />
Blendenwert sehr niedrig sein - f/5.6 oder<br />
sogar f/4, je nachdem was das Objekt leisten<br />
kann. Adam sagte, ich sollte auch den<br />
ISO-Wert so weit hochsetzen, bis eine<br />
schnelle Verschlusszeit erreicht wurde.<br />
Generell sollte der ISO-Wert aber so niedrig<br />
wie möglich sein, bei schlechtem Wetter<br />
kann man ihn allerdings bis zu 800 hochstellen,<br />
so wie wir hier.”<br />
ADAMS TIPP<br />
Höhepunkte aufnehmen<br />
„Um sicherzugehen, dass Sie den<br />
Höhepunkt der Action aufnehmen,<br />
drücken Sie den Auslöser beim Start einer<br />
Drehung oder eines Sprungs und fotografieren<br />
Sie im Burst-Modus bis zum Schluss<br />
durch. Wenn Sie die Aufnahmen bearbeiten,<br />
achten Sie auf Winkel, dynamische<br />
Positionen und Bewegungen, die den<br />
perfekten Moment eingefangen haben.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 195
Action<br />
EMMAS TIPP<br />
Bildstabilisator abstellen<br />
„Adam schlug vor, dass ich den Bildstabilisator<br />
meines Telephoto-Objektivs ausschalte. Das hört<br />
sich erstmal falsch an, aber dadurch erhöht sich die<br />
Geschwindigkeit des Autofokus an der Linse und da<br />
man mit kurzer Verschlusszeit fotografiert, braucht man<br />
den Stabilisator nicht.”<br />
Emmas<br />
Kommentar<br />
„Dave hat sich schnell bewegt,<br />
darum musste ich gut vorbereitet<br />
sein, bevor er um die Ecke<br />
sauste. Adam zeigte mir, dass<br />
wenn ich von automatischer<br />
AF-Punktmessung auf mittenbetonter<br />
Messung umstelle, ich<br />
gestochen scharfe Aufnahmen<br />
einfangen kann. Der Nachteil<br />
einzelner AF-Punkte ist, dass<br />
man aufpassen muss, damit der<br />
Fokus nicht auf dem Hintergrund<br />
einrastet, wie es mir ein<br />
paar Mal passiert ist. Für sich<br />
bewegende Motive ist auch<br />
wichtig, dass man einen<br />
kontinuierlichen Autofokus<br />
aktiviert.”<br />
Belichtung: 1/800 s bei f/4; ISO800<br />
Linse: 70-200mm f/4<br />
196 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action Sport<br />
Belichtung: 1/200 s bei f/9; ISO200<br />
Linse: 70-200mm f/4<br />
Emmas Kommentar<br />
„Ich habe gelernt, dass man die Lichtbedingungen genau einschätzen muss, um dann<br />
die Kameraeinstellungen und das Lichtequipment auf die Umgebung anpassen zu<br />
können. Adam zeigte mir, dass externe Blitzgeräte bei jedem Wetter nützlich sein können.<br />
Sie erhellen das Motiv im Dunkeln und füllen dunkle Schatten an sonnigen Tagen auf. Wir<br />
haben drei externe Blitzgeräte auf Ständern benutzt. Anfangs war ich ein wenig eingeschüchtert<br />
von dem Gedanken, diese einzusetzen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass<br />
sie gar nicht so schwer zu bedienen waren, wie ich dachte, und Adam stellte sie so ein,<br />
dass sie automatisch losfeuerten. Er gab mir außerdem den Rat, beim Streckendienst<br />
anzufragen, bevor ich Blitzlicht einsetze, da das die Fahrer ablenken kann.”<br />
UNSER PROFI-MX-FAHRER<br />
Der Motocross-Fahrer<br />
auf den Aufnahmen ist<br />
der zweimalige British<br />
Motocross Champion<br />
Dave Willet. Dave, 32,<br />
ist zudem Cheftestfahrer<br />
für Moto-Magazine<br />
und andere große<br />
Motocross-Marken.<br />
ADAMS TIPP<br />
Perfekt mitziehen<br />
„Um Ihre Schwenktechnik zu verbessern, setzen Sie als Erstes<br />
die Verschlusszeit auf ca. 1/160 s (nutzen Sie das Tv-Programm).<br />
Positionieren Sie Ihre Füße schulterweit voneinander<br />
entfernt und drehen Sie sich gleichmäßig mit dem Motiv in<br />
Ihrem Bildsucher mit, während es vorbeifährt. Wenn Sie jetzt<br />
konstant scharfe Aufnahmen von dem Motiv erhalten, fangen<br />
Sie an, die Verschlusszeit eine Stufe nach der anderen zu<br />
verringern, um den Hintergrund zu verwischen und damit ein<br />
Gefühl von Geschwindigkeit zu kreieren. Eine Zeit von 1/60 s<br />
eignet sich dafür gut und das Motiv bleibt trotzdem scharf.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 197
Action<br />
Adams Fazit<br />
„In dieser Aufnahme ist alles drin! Der Hintergrund ist<br />
gut verschwommen [1], sodass er nicht vom Fahrer<br />
ablenkt, und die Verschlusszeit hat die Action super<br />
eingefroren [2]. Emma hat die Belichtung richtig hinbekommen,<br />
sodass der Himmel nicht zu hell<br />
dargestellt wird [3]. Sie hat es auch geschafft, die<br />
schräge Position von Fahrer und Motorrad einzufangen<br />
[4]. Das sieht man an der Bewegung des Vorderrades,<br />
das gerade um die Ecke geschossen kommt.”<br />
[3]<br />
[1]<br />
[4]<br />
[2]<br />
Emmas Kommentar<br />
„Durch Einsatz des Serienaufnahmenmodus habe ich<br />
es geschafft, diesen dynamischen Moment einzufangen.<br />
Die Art, wie der Schlamm von den Reifen<br />
wegspritzt, und die Position von Fahrer und Motorrad,<br />
während er um die Ecke prescht, sind richtig aufregend.<br />
Unglaublich, dass ich so eine tolle Aufnahme<br />
erstellt habe. Ich kann es gar nicht abwarten, mein neu<br />
erworbenes Action-<strong>Foto</strong>-Wissen auszuprobieren.”<br />
198 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
Belichtung: 1/500 s bei f/4; ISO800<br />
Linse: 70-200mm f/4<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 199
Action<br />
DER PROFI<br />
Name: Adrian Myers<br />
Kamera: Canon EOS-1Ds Mark II<br />
Adrian fing mit 17 an zu fotografieren und<br />
wurde 1996 Profi-<strong>Foto</strong>graf. Jetzt mit 36<br />
wohnt er in London und fotografiert<br />
Actionsportler für Lynx, Quicksilver, FHM,<br />
GQ, Harrods, BBC, Channel 4 und<br />
McLaren. Seine Ski-<strong>Foto</strong>s zieren regelmäßig<br />
das Cover der Daily Mail Ski and<br />
Snowboard - Großbritanniens größtes<br />
Ski- und Snowboard-Magazin. Mehr<br />
erfahren Sie hier: www.hmmm-uk.com.<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Geoff Andrew<br />
Kamera: Canon EOS 40D<br />
Der Neuseeländer Geoff ist pensioniert<br />
und lebt inzwischen in Somerset. Er<br />
fotografiert seit zehn Jahren und macht<br />
gerne Wildtier- sowie Reisebilder. Seit<br />
2004 verbringt er jedes Jahr den Winter<br />
in Sainte Foy in den französischen<br />
Alpen. Da er genauso gerne Ski fährt,<br />
wie er fotografiert, möchte er lernen, wie<br />
er seinen Lieblingssport mit der Kamera<br />
einfangen kann.<br />
200 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
Ein alpines<br />
Abenteuer<br />
Lernen Sie, wie man atemberaubende Ski-Aufnahmen macht,<br />
wenn Actionsport-<strong>Foto</strong>graf Adrian Myers unserem Lehrling einen<br />
Crashkurs in den französischen Alpen gibt.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 201
Action<br />
Technik-Check<br />
Ist Geoff bereit für<br />
eiskalte Action?<br />
Nachdem Geoff sich wortwörtlich aufgewärmt und einige Ski-Aufnahmen<br />
erstellt hatte, fielen Adrian einige Möglichkeiten ein, wie sein Lehrling<br />
seine Aufnahmen verbessern könnte.<br />
MEHR BILDER<br />
PRO SEKUNDE<br />
BESSER<br />
FOKUSSIEREN<br />
Serienbilder<br />
„Ich konnte Geoff überzeugen, auf<br />
die Betriebsart schnelle Serienaufnahmen<br />
umzustellen”, sagt Adrian.<br />
„Damit nimmt seine SLR 6,5 Bilder<br />
pro Sekunde auf, wenn der Skifahrer<br />
vorbeisaust. Er kann später schauen,<br />
welche Aufnahme die beste ist.”<br />
202 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong><br />
AI Servo AF<br />
„Geoff sollte den AF-Modus auf „AI<br />
Servo AF“ stellen, der eignet sich gut<br />
für sich bewegende Motive, bei denen<br />
sich der Fokussierabstand ändert”,<br />
sagt Adrian. „Ich zeigte ihm, wie man<br />
den Auslöser halb nach unten drückt,<br />
um kontinuierlich zu fokussieren.”<br />
Adrian verlässt sich auf Canons EOS-1Ds Mark II.<br />
Damit fotografiert er seine unglaublichen<br />
Actionsport-<strong>Foto</strong>s. Er hat auch eine Canon EOS 5D<br />
als Backup dabei sowie dieses Zubehör:<br />
Canon EF 20mm f/2.8 USM<br />
Canon EF 70-200mm f/2.8L IS USM<br />
Canon EF 24-105mm f/4L IS USM<br />
4x4 GB, 4x2 GB und 6x1 GB Lexar Compact Flash<br />
2x 500 GB LaCie Rugged externe Festplatten
Action<br />
ADRIANS TIPP<br />
Den Kleiderschrank<br />
immer dabeihaben<br />
„Bei wichtigen Aufnahmesessions<br />
trage ich eines der Outfits des Models<br />
und nachdem wir halb durch sind,<br />
tauschen wir die Kleidung. Dadurch<br />
bekomme ich noch mal eine ganze<br />
Reihe von Aufnahmen mit einer<br />
farblich anderen Ausrüstung. Es ist<br />
erstaunlich, wie unterschiedlich Bilder<br />
nach einem schnellen Umziehen<br />
wirken.”<br />
GEOFFS TIPP<br />
Sicherheit geht vor!<br />
Geoff hat seinen Spaß im<br />
Tiefschnee abseits der Pisten!<br />
Der erfahrene Skifahrer Geoff hat gute Sicherheitstipps<br />
anzubieten: „Ziehen Sie nicht bei schlechtem Wetter los,<br />
erzählen Sie immer jemandem, wo Sie hingehen und wann Sie<br />
zurück sein wollen. Wenn möglich, gehen Sie nicht alleine und<br />
nehmen Sie ein Handy mit, in dem die Nummer der Bergrettung<br />
eingespeichert ist. Sie sollten zudem ein Lawinensuchgerät<br />
dabeihaben (siehe unten). Am besten tragen Sie mehrere<br />
Schichten: eine Mütze, Handschuhe sowie warme wind- und<br />
wasserfeste Kleidung.”<br />
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #1<br />
Lawinensuchgerät<br />
„Ich habe immer dieses<br />
LVS-Gerät dabei”, sagt Adrian.<br />
„Bei dieser Aufnahme-Session<br />
hatten sowohl unser Model Chris<br />
als auch Geoff und ich eines dabei.<br />
Ich bin ein erfahrener Skifahrer, aber<br />
wenn wir abseits der Pisten Aufnahmen<br />
erstellen, kann man trotzdem in eine<br />
Lawine geraten. Dieses Suchgerät<br />
steigert die eigenen Überlebenschancen<br />
deutlich, denn Sie senden ein Signal<br />
aus, das es den Rettern ermöglicht, den<br />
genauen Ort verschütteter Lawinenopfer<br />
zu ermitteln.”<br />
Belichtung: 1/1600 s bei f/5.6; ISO200<br />
Geoffs<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Kommentar<br />
„Es handelt sich um eine der<br />
ersten Aufnahmen, daher bin<br />
ich sehr zufrieden. Sie zeigt<br />
sowohl Geschwindigkeit<br />
als auch Bewegung und mir<br />
gefällt die Belichtung und<br />
der Fokus. Die Sonne war<br />
auf unserer rechten Seite<br />
und ich setzte mein Weitwinkelobjektiv<br />
ein, um den<br />
Skifahrer zusammen mit<br />
seinen Skistöcken einzufangen,<br />
während er den Schnee<br />
aufwirbelt. Adrian wies mich<br />
darauf hin, dass zu viel Sonne<br />
rechts oben ablenkend ist.<br />
weswegen ich das Bild in<br />
Photoshop beschnitten habe,<br />
um den Einfluss der Sonne zu<br />
reduzieren.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 203
Action<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Ein Weitwinkelobjektiv nutzen<br />
„Direkt zu Beginn unserer Session riet ich Geoff, sein Weitwinkelobjektiv<br />
(Canon EF-S 17-85mm) mit einer Brennweite zwischen 17<br />
oder 20 mm zu nutzen. Damit stellt er sicher, dass er nicht nur<br />
den halben Skifahrer aufnimmt”, sagt Adrian. „Er kann das Bild<br />
hinterher einfach ein wenig in Photoshop beschneiden, wenn sich<br />
zu viel leerer Platz um das Motiv befinden sollte.”<br />
ADRIANS TIPP<br />
Das<br />
weißeste<br />
Weiß<br />
Ihre DSLR wird von sich aus versuchen, den<br />
weißen Schnee grau darzustellen, da sie<br />
denkt, er ist überbelichtet. Es gibt einen<br />
einfachen Weg, das zu verhindern: „Ich<br />
fotografiere im manuellen Modus. Dabei führe ich eine Messung des<br />
Schnees durch - indem ich die Kamera auf den Schnee richte, den<br />
Autofokus nutze und dann ein Bild aufnehme”, sagt Adrian. „Der<br />
Blendenwert liegt dabei bei ca. f/16, dann öffne ich die Blende zwei<br />
Stufen auf f/8, um den Schnee richtig zu belichten.” Wo wir gerade bei<br />
Schnee sind: Entfernen Sie sich nicht zu weit von den markierten<br />
Skipisten, es sei denn, Sie kennen sich aus und wissen, dass kein<br />
Lawinenrisiko besteht. „Wir haben uns immer in der Nähe der sicheren<br />
Skipisten aufgehalten. Man muss nicht weit wandern, um gute Plätze<br />
mit frischem, unberührtem Schnee zu finden”, sagt Adrian. „Schauen<br />
Sie sich oben bei den Liften um, dort wo die Sonne scheint.”<br />
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG#2<br />
Walkie-Talkies<br />
„Walkie-Talkies sind essenziell<br />
für die Kommunikation mit dem<br />
Ski-Model, das Sie fotografieren.<br />
Es wird sich oft außerhalb Ihrer<br />
Sicht oder Rufweite befinden. Sie<br />
können die Walkie Talkies nutzen, um<br />
sich darüber zu verständigen, wann Sie bereit<br />
sind, die Aufnahme zu machen.”<br />
204 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
Skibrille<br />
„Sie sollten immer eine Skibrille tragen”,<br />
sagt Adrian. „Die Erfahrung hat mir<br />
gezeigt, dass sich das besonders bei<br />
Action-Aufnahmen bezahlt macht. Der<br />
Skifahrer kommt einem bei hohen<br />
Geschwindigkeiten sehr nah. Sowohl<br />
der Schnee als auch die Fahrer sind<br />
manchmal schwer einzuschätzen und<br />
man weiß nie, wann ein Fehler passiert und<br />
es zu einem Zustammenstoß kommt.“<br />
GEOFFS TIPP<br />
Den manuellen<br />
Modus nutzen<br />
„Adrian ermutigte mich dazu,<br />
im manuellen Modus zu<br />
fotografieren, damit ich die<br />
volle Kontrolle über Verschlusszeit<br />
und Blende habe. So kann<br />
ich Aufnahmen so belichten,<br />
wie ich möchte (statt es meiner<br />
Kamera zu überlassen). Ich<br />
habe schnell gemerkt, dass meine <strong>Foto</strong>s viel genauer wurden.<br />
Der Skifahrer war scharf und der Schnee sowie die Umgebung<br />
waren perfekt belichtet - und nicht unterbelichtet, wie es mir<br />
früher bei der Verwendung der Zeitautomatik oft passiert ist.”<br />
Belichtung: 1/2000 s bei f/8; ISO200<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Geoffs<br />
Kommentar<br />
„Bei dieser Aufnahme<br />
befanden wir uns auf dem<br />
gleichen Hang wie für<br />
den Hot Shot #1. Diesmal<br />
schauten wir in die andere<br />
Richtung und lehnten uns<br />
gegen den Hang. Das<br />
Ski-Model fuhr in einer<br />
großen Kurve um uns rum.<br />
Ich verfolgte seine Bewegungen.<br />
Bei diesem <strong>Foto</strong><br />
gefallen mir besonders<br />
die Berge und die Bäume<br />
darunter und dahinter -<br />
beides fügt sich gut in die<br />
alpine Atmosphäre ein.<br />
Meine Reaktionszeit und<br />
meine Selbstsicherheit<br />
hatten sich verbessert,<br />
darum habe ich mit einer<br />
Brennweite von 30mm ein<br />
wenig reingezoomt.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 205
e<br />
Action<br />
UNSER SKIFAHRER<br />
Chris Rowe, 22, ist einer der<br />
besten Freeskiers Großbritanniens.<br />
Er fährt gerne Ski<br />
- auf und neben den Pisten.<br />
Er nimmt regelmäßig an<br />
Wettbewerben teil und lässt<br />
sich oft für Ski-Magazine<br />
abbilden. Chris wird von<br />
Salomon, Dare2be sowie<br />
Scott and Sweet gesponsert.<br />
Mehr erfahren Sie auf<br />
seiner Webseite:<br />
www.chris-rowe.co.uk.<br />
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #5<br />
Kamera-Rucksack<br />
„Mein Kamera-Rucksack ist super<br />
für Ski-Aufnahmen”, sagt Adrian.<br />
„Ich kann damit das Gewicht der<br />
Ausstattung gut verteilen<br />
und verhindern, dass die<br />
einzelnen Teile sich zu<br />
sehr hin und her<br />
bewegen. Darum<br />
kann ich auf<br />
meinen Ski zu<br />
Aufnahmeorten<br />
fahren, ohne dass<br />
mich das Gewicht<br />
aus der Balance<br />
bringt.”<br />
e<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />
Ersatzhandschuhe<br />
Handschuhe halten die Hände<br />
zwar warm, aber man verliert<br />
auch das Gefühl für den<br />
Auslöser. Adrian schwört auf<br />
warme, aber dünne Thermo-Handschuhe,<br />
die er unter<br />
seinen gefütterten Ski-Fäustlingen<br />
trägt. „Ich kann damit meine<br />
dicken Handschuhe ausziehen und<br />
trotzdem den Auslöser mit Gefühl betätigen”,<br />
sagt er.<br />
206 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
VIELEN DANK!<br />
Wir bedanken uns bei dem<br />
Touristenzentrum von Sainte Foy (www.<br />
saintefoy.net) und Optimum Ski (www.<br />
optimumski.com) für die Unterbringung<br />
im Chalet Tarentaise.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
ISO-Wert<br />
hochsetzen<br />
Adrian empfiehlt bei Ski-Action-Aufnahmen, den<br />
ISO-Wert hochzusetzen. Es war ein sonniger Tag und der<br />
Schnee reflektierte viel Licht auf unser Motiv. „Durch das<br />
Erhöhen von ISO 100 auf 200 bekommt man eine<br />
schnellere Verschlusszeit”, sagt Adrian. „Bei<br />
f/6.3-f/8 kann man dann mit ca. 1/1600 s<br />
aufnehmen und die Bewegung einfrieren.<br />
Dadurch bekommt man schärfere Aufnahmen<br />
und bei ISO 200 braucht man sich keine Sorgen<br />
wegen Bildrauschen zu machen.”<br />
Geoffs<br />
Kommentar<br />
„Wir fuhren den Berg<br />
runter und fanden diesen<br />
Fels, von dem Chris nur<br />
zu gerne runtersprang.<br />
Adrian schlug vor, dass<br />
wir uns darunter positionieren<br />
und im Hochformat<br />
aufnehmen, um<br />
die Höhe des Sprungs<br />
darzustellen. Ich fotografierte<br />
mit einem Blendenwert<br />
von f/6.3 und einer<br />
schnellen Verschlusszeit<br />
von 1/2000 s.”<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 207
Action<br />
Adrians Fazit<br />
„Geoff war der perfekte Schüler - er hörte<br />
aufmerksam zu und setzte meine Vorschläge<br />
dann um. Nach nur einem Tag hat er diese tolle<br />
Aufnahme hinbekommen. Ich habe ihn dazu<br />
veranlasst, den Felsen vorzufokussieren und<br />
dann auf manuellen Fokus zu wechseln, damit<br />
Chris scharf dargestellt wird. Die Belichtung ist<br />
toll. Der Schnee ist richtig weiß und trotzdem<br />
finden sich im Felsen noch genug Details [1]. Der<br />
ISO-Wert von 200 und die Verschlusszeit von<br />
1/1250 s halfen dabei, die Action einzufrieren [2].<br />
Zudem ist die Bildkomposition super - er hat<br />
Chris mit dem blauen Himmel hinter ihm<br />
eingefangen [3]. Nur wenig später würde Chris im<br />
Fels als Hintergrund verloren gehen [4].”<br />
4<br />
Geoffs Kommentar<br />
„Ich bin sehr stolz auf diese Aufnahme. Ich habe<br />
versucht, alles, was Adrian mir beigebracht<br />
hat, hier anzuwenden, und ich finde, das ist mir<br />
gelungen. Chris schoss ziemlich schnell über die<br />
Kante, weswegen Adrian meinte, ich sollte manuell<br />
fokussieren. Ich machte mehrere Aufnahmen<br />
im Serienbildmodus und finde diese am besten,<br />
da sie die Begeisterung und das Gefühl der Gefahr<br />
einfängt, während Chris ein weiteren Sprung<br />
ins Ungewisse macht.”<br />
208 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
Belichtung: 1/1250 s bei f/5.6; ISO200<br />
Linse: 17-85mm f/4-5.6<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 209
Action<br />
Fantastische<br />
Lichtmalerei<br />
Hier lernen Sie, wie man umwerfende Aufnahmen im<br />
Dunkeln erstellt. Unser Lehrling wird dazu in der Kunst<br />
der Lichtmalerei unterrichtet.<br />
210 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
DER PROFI<br />
Name: Andrew Whyte<br />
Kamera: Nikon D300<br />
Andrew interessiert sich für <strong>Foto</strong>grafie, seit<br />
er seine Arbeitsstelle aufgegeben hat, um<br />
sich um seine kleinen Kinder zu kümmern.<br />
Während der Nacht zu fotografieren, war<br />
seine einzige Möglichkeit, aus dem Haus<br />
zu kommen. Seine unglaublichen Lichtmalerei-Talente<br />
sind inzwischen unter<br />
Auto-Enthusiasten sehr gefragt. Unter<br />
www.longexposures.co.uk können Sie sich<br />
selber davon überzeugen.<br />
DER LEHRLING<br />
Name: Eddie Bull<br />
Kamera: Nikon D700<br />
Eddie arbeitet in einem Autohaus<br />
in der Nähe seines Wohnortes<br />
Bognor Regis. Früher fotografierte<br />
er mit einer Olympus<br />
OM-10, aber letztes Jahr hat er<br />
sich seine erste DSLR gekauft,<br />
um diese auf eine Kreuzfahrt an<br />
der Adria mitzunehmen. Er<br />
interessiert sich für Nachtaufnahmen<br />
und möchte wissen, wie<br />
er bessere <strong>Foto</strong>s mit seiner<br />
Kamera machen kann.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 211
Action<br />
Belichtung: 1/500 s bei f/4; ISO800<br />
Linse: 70-200mm f/4<br />
Technik-Check<br />
Ist Eddie bereit für die Nacht?<br />
Als es dunkel wurde, gab Andrew Eddie Tipps für seine Kameraeinstellungen, die seine Nachtaufnahmen verbessern sollen.<br />
Brillant sein<br />
„Wenn Sie Autolichtspuren<br />
und Nachtlichter<br />
fotografieren wollen,<br />
wollen Sie auch die<br />
kräftigsten Farben<br />
einfangen, die Ihre<br />
Kamera erlaubt. Dafür<br />
setze ich die Bildkontrolle-Konfiguration<br />
meiner Kamera auf ‚Brillant‘ und drehe dann<br />
noch manuell Kontrast, Sättigung und Schärfe<br />
hoch, um die ausdrucksstarken Ergebnisse zu erlangen, die diese<br />
Gattung der <strong>Foto</strong>grafie verlangt.”<br />
JPEG und RAW<br />
„Ich fotografiere am liebsten<br />
im JPEG-Format, da es alle<br />
Einstellungen mit berücksichtigt.<br />
Bei RAW hingegen<br />
werden zum Beispiel die<br />
Bildkontrolle-Konfigurationen<br />
nicht beibehalten und es ist<br />
schwierig, diese bei der<br />
Bildbearbeitung wiederherzustellen.<br />
Aber das <strong>Foto</strong>grafieren meiner Nachtaufnahmen bedeutet auch,<br />
dass ich manchmal mehrere Bilder zusammenfügen muss, und einige<br />
Ebenen profitieren davon, in RAW aufgenommen zu werden. Daher arbeite<br />
ich mit der Bildqualität RAW + JPEG.”<br />
212 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #1<br />
Warnweste<br />
„Wenn Sie an einer viel befahrenen Straße<br />
fotografieren und vielleicht von Ihrer Kamera<br />
abgelenkt sind, ist es wichtig, dass Sie verstärkt<br />
auf Ihre eigene Sicherheit achten“, warnt Andrew.<br />
„Tragen Sie eine Warnweste, damit die Autofahrer<br />
Sie gut erkennen können. Diese Signalwesten<br />
sind sehr günstig und reflektieren das Licht stark.<br />
Darum mussten Eddie und ich unsere Westen für<br />
einige Hintergrund-Aufnahmen ausziehen, aber<br />
es war immer jemand mit heller Kleidung<br />
anwesend!“<br />
Stellen Sie die Verschlusszeit im manuellen<br />
Modus bei einem Blendenwert<br />
von ca. f/11 ein.<br />
Belichten Sie nicht<br />
zu lange, sonst<br />
verschmelzen die<br />
Scheinwerfer zu sehr und<br />
Sie verlieren Details.<br />
Eddies Kommentar<br />
„Bei unserem ersten Aufnahmeort kamen wir lange,<br />
bevor es dunkel wurde, an. Wir hatten gehofft, dass<br />
der Himmel eine schöne Farbe annehmen würde, aber<br />
der graue Tag wurde nur noch trüber. Die frühe<br />
Ankunft war aber trotzdem nicht umsonst. Andrew<br />
erklärte mir, dass es wichtig sei, gründlich nach<br />
Bildkompositionen für die Nacht zu suchen - und das<br />
idealerweise schon, bevor es komplett dunkel wird.<br />
Ansonsten kann es passieren, dass man zum Beispiel<br />
einen Zweig im Vordergrund übersieht, der erst<br />
auffällt, wenn man sich die Bilder zu Hause anschaut.<br />
Ich habe außerdem gelernt, dass man diese Aufnahmen<br />
per Autofokus auf ein Licht in der Mitte fokussiert.<br />
Ich mag dieses <strong>Foto</strong>, da die sich entfernenden Autos<br />
alle in ihrer Spur bleiben und dadurch ein sauber<br />
verlaufendes, rotes Licht erzeugen.”<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Tipps für Auto-<br />
Lichtspuren<br />
Bei langen Belichtungszeiten ist es wichtig,<br />
dass die Kamera richtig eingestellt ist. Hier<br />
die zehn besten Tipps, um die Erfolgsquote<br />
bei Aufnahmen von Verkehrslichtspuren zu<br />
maximieren.<br />
Stellen Sie den niedrigsten ISO-Wert<br />
ein, den Ihre Kamera erlaubt, um<br />
Rauschen in den Aufnahmen zu minimieren.<br />
Um herauszufinden, welche Verschlusszeit<br />
die richtige ist, zählen Sie<br />
langsam hoch, während Sie beobachten, wie<br />
lange es dauert, bis die Autolichter im Vordergrund<br />
anfangen zu verschwimmen. Wir<br />
errechneten, dass wir mindestens 10<br />
Sekunden brauchen, aber bei langsam<br />
fließenden Verkehr kann es auch bis zu 30<br />
Sekunden dauern.<br />
Nutzen Sie immer ein standsicheres<br />
Stativ sowie einen Kabelauslöser oder<br />
eine Fernbedienung, um den Auslöser<br />
auszulösen.<br />
Wenn Ihr Objektiv<br />
einen Bildstabilisator besitzt,<br />
stellen Sie diesen aus. Eddie hatte seinen für<br />
die ersten Aufnahmen an und diese waren<br />
alle ein wenig unscharf.<br />
Wenn Sie einen<br />
Skylight- oder<br />
UV-Filter nutzen, nehmen<br />
Sie diesen ab. Damit<br />
reduzieren Sie alle<br />
potenziellen Streulicht-Probleme.<br />
Fokussieren Sie nicht manuell - Sie<br />
werden vor Ort nicht merken, wenn Sie<br />
falschliegen. Nutzen Sie stattdessen den<br />
Autofokus, um einen hellen Bereich<br />
festzulegen. Der Fokus wird entweder<br />
perfekt sein oder total danebenliegen!<br />
Stellen Sie manuell einen Weißabgleich<br />
von 3800K ein. Das ergibt ein kühleres<br />
Bild und bessere Farben.<br />
Sofern vorhanden, stellen Sie die<br />
Rauschunterdrückung<br />
bei Langzeitbelichtung ab.<br />
Das reduziert die Zeit, die<br />
Sie zwischen den Aufnahmen<br />
warten müssen.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 213
Action<br />
Eddies Kommentar<br />
„Andrew hatte einen Ford Galaxy ausgeliehen und schnell war klar,<br />
dass wir das Auto nicht nur als Transportmöglichkeit zwischen den<br />
einzelnen Aufnahmeorten nutzen konnten. Nachdem wir erfolgreich<br />
Autolichter von einem festen Punkt aus aufgenommen<br />
hatten, fotografierten wir Lichtstreifen vom fahrenden Auto aus.<br />
Wir haben das Dreibeinstativ auf dem Rücksitz aufgestellt, sodass<br />
Aufnahmen durch die Windschutzscheibe und das Sonnendach<br />
möglich waren. Um das Innere des Autos zu erhellen, nutzten wir<br />
ein einzelnes Blitzgerät, das wir so platzierten, dass es den Fahrer<br />
nicht blendete. Wir verwendeten einen externen Blitz, der von dem<br />
integrierten Blitz der Kamera das Signal zum Auslösen bekam.<br />
Sobald alles aufgebaut war und die Belichtung getestet wurde,<br />
fuhr Andrew herum, während ich per Langzeitbelichtung die<br />
Straßenlichter aufnahm.“<br />
PROFI-<br />
AUSSTATTUNG #2<br />
LED-Inspektionsleuchte<br />
Diese Lichtquelle ist ideal zur<br />
Lichtmalerei am Auto. Es gibt<br />
verschiedene Arten dieser<br />
Lampen, am besten kaufen Sie<br />
eine aufladbare. Dabei ist es<br />
wichtig, nicht zu nah an das Auto<br />
heranzugehen und das Licht mit<br />
dem Körper abzuschirmen.<br />
Nutzen Sie die Bulb-Einstellung<br />
Ihrer Kamera, damit die Belichtung<br />
nur so lang ist wie nötig.<br />
214 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Setzen Sie Ihr Auto<br />
ins richtige Licht<br />
Die Umgebung sollte sehr<br />
dunkel sein, aber noch indirekt<br />
von der Stadt sowie vorbeifahrenden<br />
Autos beleuchtet werden.<br />
Sorgen Sie dafür, dass Ihr Auto<br />
absolut sauber ist.<br />
Fenster und Windschutzscheibe<br />
müssen trocken sein.<br />
Im Dunkeln findet man die<br />
richtige Bildzusammenstellung<br />
nur schwer. Machen Sie zunächst eine<br />
Aufnahme mit langer Belichtungszeit,<br />
um zu sehen, ob das Auto im Bild an<br />
der richtigen Stelle steht.<br />
Setzen Sie den ISO-Wert nach<br />
oben (bei einer D700 lieber ISO<br />
200 als ISO 100). Das halbiert die<br />
nötige Belichtungszeit, beeinträchtigt<br />
aber die Qualität kaum. So können Sie<br />
schneller arbeiten.<br />
Während Sie alles aufbauen,<br />
lassen Sie die Auto-Scheinwerfer<br />
an und fokussieren Sie darauf.<br />
<strong>Foto</strong>grafieren Sie zuerst den<br />
Himmel. Danach dürfen Sie die<br />
Kamera nicht mehr bewegen.<br />
Betrachten Sie die Bilder vorsichtig<br />
und stoßen Sie nicht an das Stativ.<br />
Machen Sie zwei <strong>Foto</strong>s von den<br />
Scheinwerfern: eines, um die<br />
Glühbirnen zu belichten, und ein<br />
Belichtung: 5 s bei f/8; ISO100<br />
Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />
zweites für den Lichtstrahl. Bei den<br />
restlichen Bildern bleiben die<br />
Scheinwerfer aus.<br />
Nutzen Sie jeweils verschiedene<br />
Belichtungszeiten für die Seiten<br />
des Autos.<br />
Der Farbabgleich kann zum<br />
Problem werden. Ein silbernes<br />
Auto ist ideal – wenn Sie mit<br />
Photoshop die Sättigung anpassen,<br />
sieht es trotzdem silber aus.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 215
Action<br />
Licht einbauen<br />
Das blaue Leuchten hat im ursprünglichen <strong>Foto</strong><br />
nicht den unteren Bereich des Bilds ausgefüllt.<br />
Eddie machte ein zweites <strong>Foto</strong> mit kürzerer<br />
Belichtungszeit, bei dem er Neon-Licht verwendete.<br />
Anschließend hat er beide Bilder kombiniert.<br />
Andrews Kommentar<br />
„Indem wir das Elektrolumineszenz-Licht<br />
während der 120-Sekunden-Belichtung<br />
wie eine Peitsche bewegt haben,<br />
entstand dieser außerirdisch wirkende<br />
Science-Fiction-Lichteffekt.“<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Die Bildmontage-Funktion<br />
Die meisten von Andrews Nachtaufnahmen bestehen aus <strong>Foto</strong>s mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, die zu<br />
einem Bild zusammengesetzt sind. Mit der Bildmontage-Funktion im Menü Bildbearbeitung von aktuellen<br />
Nikon-DSLR-Kameras kann er die Bilder vor Ort kombinieren. So ist es möglich, direkt zu prüfen, ob alle Elemente<br />
gut dargestellt werden und die <strong>Foto</strong>s zusammenpassen. Für die Bildmontage-Funktion muss man im RAW-Format<br />
fotografieren (oder wie in seinem Fall RAW + JPEG). Zwar können immer nur zwei Bilder kombiniert werden, aber da<br />
man das kombinierte Bild als RAW speichern kann, lassen sich danach weitere <strong>Foto</strong>s hinzufügen.<br />
Eddies Kommentar<br />
„Ich finde, das Bild auf der rechten<br />
Seite ist die außergewöhnlichste<br />
Aufnahme unseres nächtlichen<br />
<strong>Foto</strong>-Abenteuers. Ich bat einen Freund,<br />
für die Dauer der 120 Sekunden langen<br />
Belichtung absolut stillzustehen, damit<br />
diese bedrohliche Figur entsteht.<br />
Währenddessen haben wir den blauen<br />
Nebel erzeugt, indem wir ein sogenanntes<br />
EL-Wire-Kabel (siehe Kasten auf der<br />
rechten Seite) wie eine Peitsche bewegt<br />
haben. Das orangefarbene Glühen wird<br />
von der Luftverschmutzung der Stadt<br />
Portmouth erzeugt. Andrew meint, dass<br />
viele seiner <strong>Foto</strong>s dadurch ruiniert<br />
werden, in diesem Fall sorgt es aber für<br />
eine passende Zusatzfarbe in unserem<br />
Science-Fiction-Porträt.”<br />
216 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
Belichtung: 100 s bei f/6.3; ISO200<br />
Linse: 10-20mm f/4-5.6<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #3<br />
EL-Wire-Kabel<br />
Ein EL-Wire-Kabel (Elektrolumineszenz-<br />
Lichtquelle) wird normalerweise verwendet, um<br />
Autos oder Computer optisch aufzuwerten.<br />
Allerdings eignet es sich auch optimal für unseren<br />
Zweck, da es gleichmäßig leuchtet und in verschiedenen<br />
Farben erhältlich ist. Die Stromversorgung<br />
übernehmen zwei AA-Batterien, aber man braucht<br />
zusätzlich einen tragbaren Wandler, um auf 100 Volt zu<br />
kommen. Das EL-Kabel kostet nur rund vier Euro pro Meter und auch<br />
den Wandler gibt es sehr günstig. Der Online-Shop www.elwirecraft.<br />
co.uk hat eine große Auswahl und verschickt auch nach Deutschland.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 217
Action<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Eine Lichtkugel<br />
erzeugen<br />
Bei <strong>Foto</strong>s, die nachts aufgenommen<br />
werden, sind Lichtkugeln sehr beliebt.<br />
Viele fragen sich, wie man diese<br />
erzeugt. Der Trick ist, dass man eine<br />
LED-Lampe an einem Faden langsam<br />
herumwirbelt. Hierfür bleibt man an<br />
einem festen Punkt stehen und dreht<br />
sich um die eigene Achse. Mit den<br />
ersten <strong>Foto</strong>s von halben Lichtkugeln<br />
wie auf dem Bild links hat Andrew auf<br />
Flickr für eine kleine Sensation gesorgt.<br />
Hierfür hat er batteriebetriebene<br />
Lichterketten genutzt, die er bei John<br />
Lewis gekauft hat. Diese hat er am Rad<br />
eines alten Fahrrads angebracht. Alle<br />
Infos dazu, wie man eine Lichtkugel<br />
erzeugt, finden Sie auf Andrews Blog<br />
unter http://bit.ly/night-05.<br />
Belichtung: 260 s bei f/7.1; ISO200<br />
Linse: 10-20mm f/4-5.6<br />
Eddies Kommentar<br />
„Wir haben dieses <strong>Foto</strong> unter einer Brücke aufgenommen.<br />
Tagsüber ist dies eine beliebte Radfahrstrecke,<br />
doch nachts war es sehr unheimlich. Nachdem wir<br />
geparkt hatten, holte Andrew Kisten mit eigenartigem<br />
Zubehör aus dem Wagen. Das waren die selbst<br />
gebastelten Dinge, mit denen er die Formen für die<br />
Lichtmalerei erzeugt. Bei diesem Bild haben wir drei<br />
dieser Geräte genutzt. Im Vordergrund stand das Rad<br />
eines Fahrrads mit Lichterketten, das dreimal gedreht<br />
wurde. In der Mitte haben wir mit EL-Wire-Kabeln die<br />
beiden grünen Kreise erzeugt. Im Hintergrund hat<br />
Andrew einen Käfig mit brennender Stahlwolle hinund<br />
hergeschwungen. Das alles haben wir mit einer<br />
Langzeitbelichtung über vier Minuten aufgenommen.”<br />
PROFI-AUSSTATTUNG #4<br />
Stahlwolle<br />
Stahlwolle verbrennt auf spektakuläre Art. Man<br />
bekommt Sie im Baumarkt. Wenn man Vorsichtsmaßnahmen<br />
beachtet, kann man sie relativ<br />
gefahrlos für Aufnahmen mit Langzeitbelichtung<br />
nutzen. Hierfür braucht man feine Stahlwolle und<br />
einen Container, in dem man die Stahlwolle<br />
unterbringen kann, während sie verbrennt. Ich habe<br />
ein Vogelfutterkäfig samt Kette verwendet. Sobald<br />
die Stahlwollte brennt, lässt sich die Vorrichtung im<br />
Kreis schwingen, um den Effekt zu erzeugen.<br />
Passen Sie auf, dass Sie die übrig gebliebene<br />
Stahlwolle dabei nicht entzünden – oder Ihre Haare.<br />
218 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Action<br />
Lichtkugel<br />
Lichtkugeln sind sehr beeindruckend und<br />
werden einfach mit Lichterketten erzeugt, die an<br />
dem Rad eines Fahrrads befestigt sind.<br />
König der Lichter<br />
EL-Wire-Kabel, die an einer Art Windmühle<br />
befestigt und schnell geschwungen wurden,<br />
sorgten für die grünen Kreise im Bild.<br />
Wie ein Vulkan<br />
Wenn Stahlwolle verbrennt, erzeugt sie diesen<br />
spektakulären Effekt und das ist gar nicht so<br />
gefährlich, wie es aussieht.<br />
EXPERTENWISSEN<br />
Szenen mit Lichtmalerei<br />
<strong>Foto</strong>s mit Lichtmalerei zu schießen, macht viel<br />
Spaß. Bevor man loslegt, ist eine gute Planung<br />
nötig. Mit Andrews Tipps gelingen Ihre <strong>Foto</strong>s.<br />
Drehung<br />
Das beleuchtete Rad wurde auf der Höhe seiner<br />
eigenen Achse befestigt und langsam dreimal<br />
gedreht, um auf dem Kamerasensor den Effekt<br />
einer halben Kugel aus Licht zu erzeugen.<br />
„Windmühle“ aufbauen<br />
Mit diesem selbst gebauten Gerät, das wie<br />
eine Windmühle aussieht, entstanden aus dem<br />
herumgewirbeltem EL-Wire-Kabel sehr einfach<br />
perfekte Kreise.<br />
Die Bilder müssen in einer sehr dunklen<br />
Umgebung entstehen – dadurch wird<br />
das Fokussieren zum Problem. Verwenden Sie<br />
eine helle Taschenlampe wie die TerraLUX<br />
LightStar 220 für rund 40 Euro und leuchten<br />
Sie damit auf die Stelle, die Sie fokussieren<br />
wollen. Nutzen Sie erst den AF-Modus, aber<br />
wechseln Sie dann auf manuelle Einstellung.<br />
Machen Sie Probeaufnahmen, um zu<br />
prüfen, ob alle Lichtmalerei-Elemente an<br />
der richtigen Stelle sind. Während der<br />
Belichtung ist es stockdunkel. Markieren Sie<br />
daher Stellen für Ihre Elemente mit Steinen,<br />
damit die Elemente im richtigen Moment in die<br />
Aufnahme gestellt werden können.<br />
In völliger Dunkelheit erkennt man nicht<br />
sofort, wo das Stativ steht und in<br />
welche Richtung die Kamera zeigt. Andrew<br />
bringt daher einen Leuchtstab am vorderen<br />
Bein des Stativs an. So kann er sicherstellen,<br />
dass alle Lichtmalerei-Effekte auch in<br />
Richtung der Kamera erfolgen.<br />
Die Kamera sichern<br />
Bei einer Belichtung von über vier Minuten musste<br />
die Kamera sicher am Stativ befestigt werden.<br />
Andrew hat eine Lampe am Stativ angebracht, um<br />
seine Effekte richtig positionieren zu können.<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 219
Action<br />
The Photographer’s<br />
Apprentice<br />
Belichtung: Acht unterschiedliche Einstellungen von 1 bis 10 s bei f/6.3-f/16; ISO200<br />
Linse: 18-105mm f/3.5-5.6<br />
Andrews Fazit<br />
„Das ist eine tolle Aufnahme und ich wäre stolz darauf, sie in<br />
meinem Portfolio zu haben. Eddie hat meine Anweisungen genau<br />
befolgt und wir haben als Team diese Aufnahme erstellt.<br />
Sie zeigt ein Auto, das sich perfekt eignet, um der Stadt zu<br />
entfliehen. Wenn man mehrere <strong>Foto</strong>s als Ebenen in Photoshop<br />
kombiniert, sollte man handgemalte Masken nutzen, um<br />
auszuwählen, welche Bereiche man von den Ebenen jeweils<br />
zeigen will.“<br />
Die folgenden neun Photoshop-Ebenen sorgen für das finale<br />
Bild. Wir zeigen hier, wie sie zusammengestellt wurden:<br />
Ebene 1 Beleuchtete Seite<br />
des Autos – 10 s bei f/8<br />
Ebene 2 Beleuchtetes Dach<br />
– 10 s bei f/8<br />
Ebene 3 Beleuchtete Motorhaube<br />
– 10 s bei f/8<br />
Ebene 4 Ebene 1-3 kombiniert<br />
Ebene 5 Zwischen den<br />
Scheinwerfern – 4 s bei f/16<br />
Ebene 6 Scheinwerferstrahlen<br />
– 5 s bei f/8<br />
Ebene 7 Lichter von vorbeifahrenden<br />
Autos – 1.3 s<br />
bei f/8<br />
Ebene 8 Lichter von vorbeifahrenden<br />
Autos – 10 s<br />
bei f/8<br />
Ebene 9 Himmel und Hintergrund<br />
– 7 s bei f/8<br />
Eddies Kommentar<br />
„Dieses Bild haben wir auf einem Berg aufgenommen, der<br />
einen tollen Blick auf die Lichter von Portsmouth bietet.<br />
Andrew hat darauf geachtet, dass das Auto an der richtigen<br />
Stelle steht. Er hat genau geprüft, ob Position und Fokus passen,<br />
bevor wir mit den Aufnahmen begonnen haben. Wir sind<br />
bei den <strong>Foto</strong>s so präzise wie möglich vorgegangen. Sobald<br />
keine anderen Autos vorbeikamen, haben wir unseren Wagen<br />
optimal beleuchtet. Jedes <strong>Foto</strong> mit neuer Beleuchtung<br />
wurde gründlich geprüft. Außerdem haben wir genau darauf<br />
geachtet, nicht an das Stativ zu stoßen. Sobald wir den Dreh<br />
heraushatten, dauerte es nur eine halbe Stunde, die übrigen<br />
<strong>Foto</strong>s zu machen. Letztendlich haben wir acht unterschiedlich<br />
belichtete <strong>Foto</strong>s aufeinandergelegt, um dieses Ergebnis<br />
zu erhalten.”<br />
220 Der Landscape <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> Photography Made Easy 2010
The Photographer’s Action<br />
Apprentice<br />
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Community<br />
Name Daniel-André Reinelt<br />
Kamera Canon EOS 40D<br />
Belichtung: 30 s bei f/3.5; ISO 1600<br />
Linse: 18-55 mm<br />
Community-<br />
<strong>Foto</strong>grafien<br />
Als Abrundung unseres <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>s finden Sie auf den<br />
folgenden Seiten noch einige sehenswerte Bilder aus <strong>Foto</strong>-<br />
Communitys, unter anderem von <strong>PC</strong>GH Extreme (www.pcghx.de).<br />
224 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
Community<br />
Name Thilo Bayer<br />
Kamera Nikon D70<br />
Belichtung: 1/250 s bei f/8; ISO 400<br />
Linse: 18-200 mm von Nikon<br />
Name Tobias Hetzel<br />
Kamera Canon EOS 500D<br />
Belichtung: 1/200 s bei f/6.3; ISO 100<br />
Linse: 100 mm f/2.8 IS<br />
Name Philip Happeck<br />
Kamera Canon EOS 550D<br />
Belichtung: 1/1250 s bei f/7.1; ISO 200<br />
Linse: 300mm f/5.42<br />
Name Florian Stangl<br />
Kamera Canon EOS 60D<br />
Belichtung: 1/100 bei f/2.8; ISO 1600<br />
Linse: Canon ES-F 17-55mm<br />
www.metal-fotos.de<br />
Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong> 224
Community<br />
Name Andreas Schaufel<br />
Kamera Canon EOS 5D MarkII<br />
Belichtung: 117 s bei f/14; ISO 100<br />
Linse: Canon EF 24-70 mm f/2.8 L USM<br />
Name Thilo Bayer<br />
Kamera Nikon D70<br />
Belichtung: 1/320 s bei f/9; ISO 500<br />
Linse: 10-20 mm von Sigma<br />
Name Robin Harazim<br />
Kamera Sony Alpha 57 DSLT<br />
Belichtung: 1/50 s bei f/2.0; ISO 1600<br />
Linse: Sony DT 50 mm f/1.8 SAM<br />
Name Rene Heinrichs<br />
Kamera Canon EOS 600D<br />
Belichtung: 4 s bei f/8.0; ISO 100<br />
Linse: Canon EF-S 18-55 mm<br />
226 Der <strong>Foto</strong>-<strong>Workshop</strong>
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• Adam Burton • David Clapp • Adam Duckworth • Paul Freeman • Peter Hendrie • James Howard •<br />
• Sheryl Long • Julian Love • John Morley • John Morris • Adrian Myers • Geoff Simpson •<br />
• David Sutherland • David Tipling • Chris Weston • Andrew Whyte •<br />
NATURAUFNAHMEN KAMERA-TIPPS MALEN MIT LICHT<br />
Nie wieder langweilige <strong>Foto</strong>s, ob Flora<br />
oder Fauna<br />
Spezielle Einstellungen für Nikon- und<br />
Canon-Kameras erläutert<br />
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