26.02.2014 Aufrufe

Bergsteiger Das Mythos-Horn (Vorschau)

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08

DIE PATEN II: Gipfelparade in den Westalpen

D 5.90 €

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CH 9.90 sFr

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F 6.50 €

| Bergwandern | Klettersteige | Alpinismus

Juli 2013

Plus 12 Tourenkarten zum Herausnehmen: Dolomiten • Glarner Alpen • Walliser Alpen • Urner Alpen

Das Mythos-Horn

Matterhorn-Special rund um den schönsten Berg der Welt

Hohe Tauern

Auf zum Wandermarathon!

Allgäu

Sternstunden

in Obersdorf

SÜDTIROL

Hexen am Schlern

SERVICE

Bergwetter

Wie man Wolken und

Wind richtig deutet

»Bergsteiger

sind Zigeuner«

Jonathan und Rufus Beck

im großen Interview

REPORTAGE

Bergfeuer

Zum Nationalfeiertag

lodern die Schweizer Gipfel

WIR SIND MILLIONÄR

DAV am Scheidepunkt:

Naturschutz oder Berg-ADAC?

v

EXTRA

+ über

65 Touren-

tipps

Klettersteig-

Schuhe

im Test

AUF TOUR

Bergabenteuer

Wandern durch Tag und

Nacht in Berchtesgaden


Brenta Dolomiten Italien.

Träume …

… leben.

Spannende Ausrüstungs- und Reisetipps von

Globetrotter Experten zum Thema Sportklettern

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EDITORIAL

Ehrgeiz,

Mythos und

ein gefrorenes

Lächeln

Ich erinnere mich mit gemischten Gefühlen

an meinen letzten Halb-Marathon rund um

den Tegernsee; ein Lauf im September, der in

der Szene deshalb so beliebt ist, weil man zwischendurch

zur Abkühlung in den See springen

kann. Das stimmt, wie Sie sich denken

können, nicht ganz, denn der Ehrgeiz treibt die meisten immer ein wenig mehr um,

als sie sich eingestehen wollen – auch wenn sich der Tegernseelauf noch nicht bis in

die Marathon-Weltspitze herumgesprochen hat. Dafür aber bis zur Elite der Rückwärtsläufer,

allen voran zu deren Frontmann (oder besser Rearman?) Achim Aretz.

Womit wir beim Problem wären. Aretz hatte sich just den Tegernsee ausgesucht, um

einen neuen Weltrekord im Rückwärtslaufen aufzustellen. Die Veranstalter kündigten

das als Kuriosum an, insofern musste man mit dem Schlimmsten rechnen. Mich

wurmt besonders, dass ich Achim Aretz, der schneller lief als ich, nicht zu Gesicht

bekommen habe. Nicht beim Start, nicht während des Laufs. Er blieb ein Phantom

für mich. Es wäre mir sicherlich aufgefallen, wenn er mich überholt hätte, schräg

von der Seite lächelnd, triumphierend. Wäre das passiert, ich hätte die letzten Reserven

mobilisiert. Ihm wäre das Siegerlächeln eingefroren. Garantiert.

Apropos eingefrorenes Lächeln: Als Reinhold Messner vor vielen Jahren die Gewinnerin

eines Preisausschreibens aufs Matterhorn führte, stand dort unterhalb des Gipfels

ein Kiosk. Messner schnaubte regelrecht vor Wut (»Ich werde mich beim Bürgermeister

von Zermatt beschweren!«) und konnte erst wieder lachen, als Kurt Felix von »Verstehen

Sie Spaß?« per Helikopter einschwebte und ihm eine Flasche Schampus überreichte

– als kleine Wiedergutmachung für die Minuten des Ärgers. Kuriosa gibt es

rund ums Matterhorn zur Genüge: Wir haben zehn Personalien für Sie zusammengetragen

(S. 28/29), die zeigen, dass der Mythos dieses Berges seit vielen Jahren ungebrochen

ist. Eine wenig bekannte, aber umso schönere Art, sich ihm zu nähern, ist

ein zehntägiges Trekking rund um den Gebirgsstock (S. 20-27). Falls Sie die Herausforderung

Wandern oder Laufen über längere Strecken an einem Tag suchen: In Berchtesgaden

(S. 84-87) und in Mittersill (S. 94-97) können Sie sich beweisen.

Sollten Sie dabei rückwärts überholt werden: Ärgern Sie sich nicht, lächeln Sie!

Michael Ruhland, Chefredakteur

Marokko

Den Zauber entdecken

Egal ob Sie mehr an Kultur- und Genusswanderungen

interessiert sind, zu den

Gipfelstürmern oder Wüstenfreunden

zählen – Marokko fasziniert in jeder

Hinsicht und hat für jeden Geschmack

etwas zu bieten. Nach einem erfüllten

Wandertag voll intensiver Naturerlebnisse

und Begegnungen zelten Sie an schönen

Lagerplätzen. Die von unseren Gästen

durchweg hoch gelobten Trekkingköche

bereiten liebevoll landestypische Speisen

zu. Eine Trekkingreise durch Marokko

spricht alle Sinne an! Erleben Sie Düfte,

Klänge, Farben und vor allem die großartige

Gastfreundschaft der Berber! Sie

profitieren von unserer Kompetenz und

Erfahrung in Marokko seit über 30 Jahren.

aktive Reisen

kleine Gruppen

8 Tage

Mit Beduinen die Wüste entdecken

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Telefon: 089 / 23 50 06 - 0

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INHALT

20

Tour de Matterhorn

Für alle, die den Gipfel dieses Sehnsuchtsberges

niemals erreichen, gibt

es eine spektakuläre Alternative:

einmal rundherum wandern

TITELTHEMA

20 Das Mythos-Horn

Bei der zehntägigen Trekkingtour wird das

Matterhorn von allen Seiten beleuchtet.

AKTUELL

38

Glarner Galaxis

Nur eine Fahrstunde von Zürich entfernt

findet der Bergsteiger ein eigenes Universum

– mit unendlichen Weiten.

12 Neues aus der Welt der Berge

15 AKTIV Alpenverein startet umfangreiches

Tourenportal.

16 PRO&CONTRA Ist Fracking im Alpenraum

sinnvoll?

17 PROTEST Mountain Wilderness prangert

Bauboom bei Klettersteigen an.

18 MEDIEN-Tipps Aktuelle Bücher, Apps und

Webpages zum Thema Berg

AUF TOUR

30 Nabel der Alpen

In Oberstdorf kreuzen sich drei europäische

Fernwanderwege.

34 Der Herrscher des Aostatals

Wie ein königliches Jagdrevier am Gran

Paradiso in Italien die Steinböcken vor der

Ausrottung bewahrte.

Familien-TIPP


30

Sternstunden

in Oberstdorf

Die südlichste Gemeinde

Deutschlands ist Ausgangspunkt

für sieben Täler.

34

Bock auf Italien

Auf den Spuren der Steinböcke

im Gran-Paradiso-

Nationalpark

TOURENKARTEN ZUM MITNEHMEN

12 Top-Touren für den August

Schlern und Gabels-Mull .............................................59

Tour Matterhorn 1 + 2 ......................................................59

Tour Matterhorn 3 + 4 ......................................................59

Tour Matterhorn 5 + 6 ........................................................61

Tour Matterhorn 7 + 8 .......................................................61

Tour Matterhorn 9 + 10 ....................................................61

Vorder Glärnisch ....................................................................63

Panixerpass ...................................................................................63

Gitschen ............................................................................................63

Uri Rotstock ..................................................................................65

Vincent-Pyramide .................................................................65

Ulrichshorn ..................................................................................65

98

Profil zeigen

Bei Klettersteigschuhen

kommt es vor allem auf

die Sohle an.

68

Rekord!

Der DAV hat eine Million

Mitglieder – eine Bürde?

Cover: Andreas Strauss; Mark Zahel, C. Fink, Tourismus Oberstdorf, C. Warta, Deutscher Alpenverein, M. Birck

38 Die Glarner Alpen

Einsame Pässe und wildes Karstgelände

rund um Glärnisch und Tödi

44 Auf der Schiene zum Berg

Mit der DB-Regio Bayern zu Touren mit unterschiedlichen

Ausgangs- und Endpunkten

52 Serie: Geotop | Schlernriff

Von Seis führt der so genannte Geologensteig

auf den Gipfel des Schlern (Petz)

74 Zugspitze mal anders

Zahlreiche Attraktionen

motivieren auch Kinder zum Wandern.

78 Die neue Blüte der Walser

In Graubünden lässt sich beim Fernwandern

eine alte Kultur erleben.

84 24-Stunden auf den Beinen

Im Berchtesgadener Land startet bald das

3. Wander-Festival.

94 Hohe Tauern Wandermarathon

Laufen, gehen, speed-walken: Ein Wettkampf

mit drei Möglichkeiten für jedermann

am Großvenediger.

Familien-TIPP

SERVICE

98 Kaufberatung Klettersteigschuhe

So vielfältig wie Klettersteige sind auch die

Schuhe für die Eisenwege.

106 Wetterboten

Wer Himmelsboten und Zeichen der Natur

richtig einschätzt, ist auf Tour im Vorteil.

108 Serie: Spaltenbergung

Prusikknoten, lose Rolle, T-Anker sind kompliziert

und müssen oft geübt werden.

REPORTAGE

68 Wir sind Millionär!

Trotz Feierlaune ist der Mitgliederrekord für

den DAV auch Bürde und Herausforderung

– eine kritische Bestandsaufnahme

88 Feuerspektakel

Am Schweizer Nationalfeiertag (1. 8.) werden

auf den Gipfeln riesige Feuer entzündet.

116 Serie: Die Paten | Westalpengipfel

Viele Alpengipfel wurden nicht nur nach

ihren Erstbegehern benannt.

46 Das große

BERGSTEIGER-

Interview

Die Schauspieler Rufus

und Jonathan Beck gehen

häufig gemeinsam

in die Berge

– und

erziehen

sich als

Vater und

Sohn dabei

gegenseitig.

RUBRIKEN

Editorial 3

TV-Programm 19

Bergpredigt 56

Saisonfinale 112

Im Härtetest 113

Briefe/Impressum 120

Bergwachteln 122

Vorschau 122

08⁄13 Bergsteiger 5


BERG-BILDER

In Freiheit

Sonnenkind: Ein schöner Überhang

ist schon fein. Wenn dahinter auch

noch das Meer in den blauen Himmel

übergeht, dann ist das pures Glück.

Positano, Amalfiküste, Italien

6 Bergsteiger 08⁄13


Überm Berg

Himmelsstürmerin: Im Klettergarten

Hanger bei Ehrwald steigt

man der Zugspitze aus dieser

Perspektive aufs Dach.

Hanger, Ehrwald, Wettersteingebirge


Am Haken

Felstänzerinnen: Die Wand verlangt

viele Qualitäten. Mal heißt es rantasten,

mal ausgucken – und hin und

wieder ist der Bizeps gefragt.

Positano (links) / Geyikbayiri, Türkei (Mitte/rechts)


08 ⁄13 Bergsteiger 9


Frauen und Technik

Noch immer werden in Magazinen

besonders oft Männer beim Klettern

abgebildet. Dabei sind Frauen am Fels

vielleicht nicht unbedingt besser,

aber zumeist nicht weniger ansehnlich.

Im Vergleich zu Männern,

bei denen Kraft meist

die entscheidende Rolle

spielt, klettern Frauen

oft raffinierter. Das wirkt

ästhetischer, graziler,

gleicht mehr einem »Tanz

in der Vertikalen«. Sogar

bei gleichen Bewegungsabfolgen

sieht es bei Frauen oftmals zarter

aus. Verkürzt ließe sich sagen: Vorsprung

durch Technik. Hinzu kommt der modische

Aspekt. Hier hat sich beim Klettern

einiges getan, was bei den Damen noch augenscheinlicher

wird als bei den Herren der

Schöpfung. Ganz ehrlich: Ich kenne kaum

Männer, die nicht gerne hinsehen, wenn

eine gut aussehende Frau durch die Wand

klettert, nein, tänzelt. Christian Pfanzelt

10 Bergsteiger 08⁄13


Über Generationen

Altmeisterin: Ruth Ochsner legte

schon Hand an den Fels, als andere

Kletterinnen auf diesen Seiten nicht

einmal laufen konnten.

Engelhörner, Schweiz (oben) / Utah, USA (unten)

Oberreintal, Wettersteingebirge (links)

08 ⁄13 Bergsteiger 11


Bergsteiger

08/13 AKTUELL

Zitat des Monats

»Als ich zum ersten

Mal auf die Berge

gestiegen bin, war

das Chaos, das

Durcheinander für

mich die größte

Motivation: Ich wollte

die Geheimnisse

erkunden. Jetzt stelle

ich fest: Ein Leben

reicht nicht einmal,

um die Dolomiten

genau zu kennen.«

Maurizio Zanolla alias Manolo, italienischer Kletterer,

55, Pionier des modernen Felskletterns, bei

einer Veranstaltung im Münchner Künstlerhaus

Alpinist Michi

Wohlleben erlebte

Schlimmes

am Dhaulagiri.

Neuer Ärger im Himalaya

MICHI WOHLLEBEN ERLEBT AM DHAULAGIRI EINE ÄHNLICHE SZENE

WIE SIMONE MORO, UELI STECK UND JONATHAN GRIFFITH AM

EVEREST: DEN AGGRESSIVEN ÜBERGRIFF EINES NEPALESEN

Er wollte Erfahrungen an einem Achttausender sammeln, allerdings nicht

die, die ihn dort heimsuchten: der Tod eines Kollegen und ein Nepalese, der ihm

nach dem Leben trachtete. Im Mai war der deutsche Nachwuchs-Alpinist Michi

Wohlleben zum Dhaulagiri aufgebrochen. Der Heilbronner war als Begleiter einer

kommerziellen Expedition unterwegs, stieg deshalb über die Normalroute auf und

nutzte Fixseile der Sherpas. Im Base Camp lernte er den 47-jährigen Spanier Juanjo

Garra kennen. Als Wohlleben nach einem gescheiterten Gipfelversuch bereits

wieder ins Basislager abgestiegen war, erfuhr er vom Sturz Garras auf 8000 Metern

Höhe. Er hatte sich ein Bein gebrochen. Wohlleben organisierte mit anderen Bergsteigern

die Rettung per Hubschrauber, die für den Spanier jedoch zu spät kam.

In den angespannten Stunden im Base Camp geriet Wohlleben in ein Wortgefecht

mit einem nepalesischen Koch, der schließlich Steine nach ihm warf. In Panik

verließ Wohlleben das Base-Camp gemeinsam mit dem Alpinisten Simone Moro

in dessen Rettungshubschrauber. Moro hatte selbst Ähnliches in der Everest-Region

im April erlebt (BERGSTEIGER 07/2013, S. 17). Michi Wohlleben zieht aus dem

Erlebten eine Konsequenz: »Ich werde bestimmt nicht mehr über eine Normalroute

einen Achttausender versuchen. Zu viele Menschen, zu viele Probleme.« –sz–

Foto: Archiv M. Wohlleben

Ein Tag mit einem Kletter-Star

BERGSTEIGER VERLOST ZWEI KARTEN FÜR »WALK AND TALK« MIT HANSJÖRG AUER

BEIM DIESJÄHRIGEN IMS IN BRIXEN

Eintauchen in die Abenteuerwelt eines Top-Alpinisten und selbst eine leichte (Wander-)Tour

mit dem Star machen: Das Rezept »Walk and Talk« des International Mountain Summit kommt

beim Publikum seit Jahren gut an und wird auch beim diesjährigen Bergfestival vom 17. bis 22. Oktober

in Brixen wieder präsentiert. Leserinnen und Leser des BERGSTEIGER können ein Doppelpack

mit dem österreichischen Ausnahme-Kletterer Hansjörg Auer gewinnen: zwei Karten für die Wanderung

(»Walk«) am Sonntag, 20. Oktober 2013 (Beginn: 8 Uhr), in Kombination mit Auers Vortrag

(»Talk«) am Montag, 21. Oktober ( Beginn: 20 Uhr). Ferner ist der Eintritt zur IMS-Diskussion »Mountain

Extreme« am Sonntagabend (Beginn: 18 Uhr) mit eingeschlossen.

Schicken Sie uns eine Postkarte (BERGSTEIGER, Postfach 400209, 80702 München) oder eine E-Mail

(bergsteiger@bruckmann.de) mit dem Stichwort IMS und beantworten Sie die Frage: Zum wievielten

Male findet der IMS in Brixen statt? Einsendeschluss ist der 31. August 2013. Die Karten beinhalten

ein Doppelzimmer mit Frühstück für drei Nächte. Anreise ist am 19., Abreise am 22. Oktober.

Weitere Informationen zum IMS gibt es unter www.ims.biz

–mr–

Hansjörg Auer, österreichischer

Kletterer und Alpinist

Foto: The North Face

12 Bergsteiger 08 ⁄13


Fünf Fragen an …

Der Alpinhistoriker und

Schriftsteller Jochen

Hemmleb (41) ist unter

anderem Autor des

Buches »Nanga Parbat.

Das Drama 1970 und

die Kontroverse.«

Heuer jährt sich die Erst -

besteigung des Nanga

Parbat zum 60. Mal.

Gipfelstürmer.

NEU!

…den Nanga-Parbat-Experten

Noch heute fasziniert viele Bergsteiger kaum ein Achttausender

so sehr wie der Nanga Parbat. Warum ist das so?

Ich glaube, das hat zwei Gründe. Zum einen ist es der alte Mythos

als Schicksalsberg der Deutschen. Zweitens ist er nach wie vor einer

der objektiv schwierigeren Berge, was ihn zu einer bergsteigerischen

Herausforderung macht.

Welche Bedeutung hat der Nanga Parbat für Sie persönlich?

Für mich ist er ein alpinhistorisch einzigartiger Berg. Man hat es mit

Ereignissen zu tun, über die es sich heute noch nachzudenken lohnt.

Sei es die Tragödie 1934 um den Expeditionsleiter Willi Merkl,

die später ja propagandistisch von den Nationalsozialisten ausge -

schlachtet wurde. Sei es die Erstbesteigung 1953 durch Hermann

Buhl, der Pervitin eingesetzt hat, um hochzukommen. Und dann

natürlich die Messner-Tragödie 1970 (Reinhold Messners Bergpartner

und Bruder Günther starb unter nicht exakt zu klärenden

Umständen, Anm. d. Red.) – und was diese nach sich gezogen hat.

Zu dem Thema hat fast jeder eine Meinung, und viele vertreten

eine klare Position pro oder gegen Messner. Welche ist ihre?

Ich sehe mich selbst als Beobachter, der geschichtliche Abläufe

aus einer gewissen Distanz darstellen und nachvollziehbar machen

möchte. Ich möchte aber keine fertige Bewertung erstellen,

die der Leser übernimmt. Er soll zu seinem eigenen Urteil kommen.

Das muss keineswegs meinem eigenen entsprechen.

Überfüllte Normalwege, Warteschlangen am Gipfel? Nicht auf

dem Großteil dieser 3000er, die Alpenkenner Richard Goedeke

in seinem Buch zusammengestellt hat. Fundiert und ausführlich

beschreibt der Autor 98 Aufstiege und gibt zu weiteren 306 Gipfeln

die wichtigsten Infos. Frisch verschneit bieten diese 3000er selbst

in den weithin viel besuchten Alpenregionen häufig die Chance,

sich dort oben wie der erste Mensch zu fühlen!

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ISBN 978-3-7654-6122-4 € 32,99

Aber Sie haben doch eine Meinung zur Messner-Tragödie?

Es gibt dabei zwei Aspekte. Das eine ist 1970. Es gibt meiner Meinung

nach nichts, was eine Verurteilung Messner rechtfertigt. Der zweite

Aspekt ist der spätere Umgang Messners mit dem Vorfall, insbesondere

seine Beschuldigungen der Expeditionsteilnehmer und -leiter.

Einige seiner Kritikpunkte sind klar widerlegbar. Da fragt man sich:

Wie kommt er dazu, solche Anschuldigungen auszusprechen?

Buhls Erstbesteigung war damals als Schlussakt geplant. Wirkt

es heute nicht eher so, als wäre es eher ein Auftakt gewesen?

In der Rückschau sind Ereignisse immer Wendepunkte, Initialzündungen

gewesen. Das Interessante am Nanga Parbat ist, dass sich

diverse Besteigungsstile und -epochen nachzeichnen lassen. Man

darf gespannt sein, was sich dort noch tun wird. Interview: D. Prantl

192 Seiten · ca. 120 Abb.

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Die Welt neu entdecken

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Bergsteiger

12/11 08/13 AKTUELL

Berg-Splitter

Auf dem Normalweg

zum Makalu, dem

fünfthöchsten Achttausender

TourNatur in Düsseldorf

Vom 6. bis 8. September öffnet in Düsseldorf

mit der TourNatur eine der wichtigsten Wander -

messen Deutschlands zum elften Mal ihre

Pforten. In zwei Hallen erwartet die Besucher ein

Komplettangebot rund um die Themen Aus -

rüstung, Beratung, Wanderregionen und Wander -

wege sowie eine interessante Mischung aus

Aktionen, Sonderthemen und Fachprogramm.

Mehr Infos unter www.tournatur.com –bd–

Foto: Daniel Bartsch

Dann waren es nur noch Drei

DAVID GÖTTLER BEZWINGT MAKALU (8462 m)

Foto: Respect the Mountains

Klettern unter griechischer Sonne

Die Erstauflage des Kalymnos Climbing

Festivals ging 2012 erfolgreich über die Bühne.

Und auch in diesem Jahr werden vom 10. bis

zum 13. Oktober – wenn auf der griechischen

Insel in der Ägäis optimale Kletterbedingungen

herrschen – wieder zahlreiche Teilnehmer

und internationale Profi s erwartet. Im letzten

Jahr konnten unter anderem die Kletterkünste

von Anna Stöhr, Iker Pou, Kilian Fischhuber

und Alex Megos bewundert werden. –bd–

»Envirotrek«

In Garmisch-Partenkirchen fi ndet am 20. Juli

eine große Müllsammelaktion statt. Das Projekt

wurde von der Nonprofi t-Organisation »Respect

the Mountains« ins Leben gerufen und fi ndet

heuer bereits zum fünften Mal in Folge statt.

Unterstützt wird die Aktion vom Outdoor-Hersteller

KEEN. Wann und an welchen Stand -

orten Envirotrek stattfi ndet, erfährt man unter

www.respectthemountains.nl/envirotrek –bd–

Zu hohe Instandhaltungskosten

Die Pflege und Erhaltung von Berghütten und

Wanderwegen ist teuer. Um die Instandhaltung

auch künftig aufrechtzuerhalten, fordert der

Österreichische Alpenverein von der Bundesregierung

deshalb ein Jahresbudget von vier

Millionen Euro. Um die Forderung durchzusetzen,

hat der Verein die Unterschriftenaktion »petition.

prohuettenundwege« ins Leben gerufen. –bd–

Foto: Tappeiner AG

»Ein bisschen wie Superman« – so habe sich

David Göttler gefühlt, als er am 21. Mai zusammen

mit seinen Teamkollegen Daniel Bartsch und Hans

Mitterer am Gipfel des 8462 Meter hohen Makalu

stand. Die drei Bergsteiger erreichten den fünfthöchsten

Berg der Welt, der östlich vom Mount Everest

an der Grenze zwischen Nepal und Tibet liegt,

über den Normalweg. Wie der gebürtige Starnberger

in seinem Blog berichtet, habe die ambitionierte

Göttler, Bartsch und Mitterer

am Gipfel des Makalu

Route über den markanten Westpfeiler, die Göttler eigentlich angehen wollte, bei

den vorherrschenden Wetter- und Schneebedingungen ein zu hohes Risiko bedeutet.

Dass auch der Normalweg auf einen Achttausender kein Spaziergang ist, haben

zwei weitere Expeditionsteilnehmer am eigenen Leib erfahren: Michi Wärthl musste

seinen Besteigungsversuch wegen drohender Erfrierungen kurz vor dem sogenannten

»French Couloir« abbrechen. Und auch der Schweizer Profialpinist Stephan

Siegrist, der vor wenigen Jahren einen Schädelbruch erlitten hat und in großer Höhe

nun starke Kopfschmerzen bekam, gab das Projekt vorzeitig auf.

–bd–

Paul Grohmann –

150 Jahre Dolomiten-

Erschließung

SONDERAUSSTELLUNG IM MESSNER

MOUNTAIN MUSEUM DOLOMITES

Wer sich mit der alpinistischen Erschließung der »bleichen Berge« beschäftigt,

stolpert unweigerlich über den Namen Paul Grohmann (1838–1908). Der

Wiener gilt als der bedeutendste Erschließer der Dolomiten in den 1860er-Jahren.

Die meisten der großen Gipfel zwischen Sellastock und Sextener Dolomiten bestieg

er – zusammen mit seinen fähigen Bergführern – als erster Tourist: Tofana di

Mezzo (1863), Antelao (1863), Marmolada di Rocca (1864), Cristallo (1864), Langkofel

(1869), Große Zinne (1869) – um nur einige zu nennen. Wo könnte man besser

eine Sonderausstellung über den großen Dolomitenpionier platzieren als im MMM

Dolomites auf dem Monte Rite? Und wer wäre kompetenter, eine solche Ausstellung

zusammenzustellen, als Reinhold Messner? Das Ergebnis der Arbeit kann sich sehen

lassen. Noch bis 30. September ist das MMM Dolomites geöffnet – die genauen

Öffnungszeiten finden sich unter www.messner-mountain-museum.it –ak–

14 Bergsteiger 08 ⁄13


Foto: Christoph Höbenreich

Unterwegs am letzten Breitengrad

FÜR POLAREXPEDITION ZUM SÜD-

POL NOCH TEILNEHMER GESUCHT

Für den Südpolarsommer 2014

hat sich der Tiroler Polarexperte Christoph

Höbenreich erneut den Südpol

zum Ziel gesetzt. Geplant ist eine inter -

nationale Expedition mit Ski und Pulkaschlitten

vom 89. Breitengrad über

111 Kilometer bis zum südlichsten Punkt der Erde. Polartaugliche Skiläufer haben

die Möglichkeit, an der Expedition vom 29. Dezember 2014 bis zum 19. Januar

2015 teilzunehmen: Neben dem Österreicher und zwei Norwegern sind noch drei

Plätze frei. Höbenreich war bereits im Vorjahr mit einem deutsch-österreichischen

Team am Südpol und weiß daher genau, wie einem zumute ist in der menschenleeren

Weite der Antarktika: »Raum und Zeit verschwimmen ineinander, man

fühlt sich wie ein Astronaut auf einem fremden Planeten.« Nähere Informationen

und Anmeldung zur Expedition über christoph.hoebenreich@aon.at –bd–

Neues Tourenportal

DAV, OEAV UND AVS GEHEN MIT ALPENVEREINAKTIV.COM ONLINE

Digitale Tourenplanung: Anfang Juni ist das neue Tourenportal der Alpenvereine

an den Start gegangen. Egal ob Wandern, Bergsteigen, Klettersteiggehen,

Skitouren oder Klettern: Eine Unternehmung in den Bergen erfordert akribische

Planung im Vorfeld. Mit alpenvereinaktiv.com – einem Gemeinschaftsprojekt

des Deutschen (DAV), Österreichischen (OeAV) und Südtiroler Alpenvereins (AVS)

– soll dies künftig auch problemlos im Internet möglich sein. Die Touren werden

von AV-Experten ins Netz gestellt und von den jeweiligen Sektionen kontrolliert.

Das Alpenvereinaktiv-Qualitätssiegel soll dabei die Zuverlässigkeit der Information

garantieren. User können auch ihre Erfahrungen mit Touren mitteilen. Ab Herbst

erhalten Bergsportler auf der Seite auch Prognosen zum Bergwetter. –bd–

Berg-Fundstück

ES WERDE LICHT!

Ausreden für das nächt -

liche Rumgestolpere

im Hüttenlager gibt’s nicht

mehr! Die Schlüsselan -

hän gerlampe von Rubytec,

die natürlich nicht Schlüsselanhänger

heißt, sondern

»Kao Baby Swing Solar Flash -

light«, wiegt 25 Gramm, ist

in sieben Farben erhältlich

und lässt sich ganz ohne

Akku per Handkurbel oder

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Aluminiumstöcke. Deshalb sind heute bereits mehr als die Hälfte unserer Stöcke

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Bergsteiger

12/11 AKTUELL

08/13 AKTUELL

Umwelt und Nachhaltigkeit

Foto: Joachim Chwaszcza/Summit Club

Im Taurusgebirge gibt

es viele Wandertouren,

die noch im Dornröschenschlaf

liegen.

Sanfter Tourismus im Taurus

DER DAV SUMMIT CLUB PLANT WANDERREISEN IM

HINTERLAND DER PROVINZ ANTALYA

Der DAV Summit Club bemüht sich um sanften Tourismus im

türkischen Taurusgebirge. Gemeinsam mit dem »Studienkreis für

Tourismus und Entwicklung« und der Organisation »Antalya Destination«

soll ein nachhaltiger Aktiv-Tourismus aufgebaut werden. Noch

in diesem Herbst bietet der Summit Club zwei Wanderreisen an. Per

Gutachten waren die Voraussetzungen vor Ort geprüft worden. »Wir müssen sehr behutsam vorgehen

und die Angebote langsam aufbauen«, sagte Bergführer Franz Kellner, der für die Studie eine Reihe

von Bewohnern befragt hatte. Als erste »Basecamps« würden in Elmali und Ovacik kleinere Pensionen

von Einheimischen genutzt. Pressereferent Joachim Chwaszcza will Ökö-Bauern in die Versorgung der

Wanderer einbeziehen. Demnächst sollen Einheimische zu Wanderreiseführern ausgebildet werden.

»All die Fehler, die wir in den Alpen gemacht haben, wollen wir in dieser Region nicht wiederholen«,

sagte Geschäftsführer Ingo Nicolay. Sein türkischer Partner, Dr. Yusuf Örnek von »Antalya Destination«

gab zu verstehen, dass die Türkei ihr Hinterland bislang im touristischen Sinne vergessen habe.

»Wir brauchen neue Produkte für die Klientel der aktiven Naturtouristen«, sagte er.

–mr–

Sind Bohrungen nach Schiefergas in den Alpen sinnvoll?

Das Fracking, eine spezielle Technologie zur Förderung von Schiefergas aus tiefen Gesteinsschichten, wird derzeit in mehreren Alpenländern heftig diskutiert.

Auch an den Ufern des Genfer Sees und des Bodensees könnte schon bald nach Schiefergas gebohrt werden.

Pro & Contra

Peter Burri, Präsident der Schweizerischen Vereinigung

von Energie-Geowissenschaftern (SASEG)

Madeleine Rohrer, Projektleiterin bei der Internationalen

Alpenschutzkommission CIPRA

»Es gibt keinen wissenschaftlichen

Grund, Fracking zu verbieten«

Negative Vorkommnisse in den USA haben dem Ruf der Fracking-Technologie

geschadet – obwohl diese stets mit defekten Bohrungen und nicht mit

Fracking zu tun hatten. Fracking, d.h. künstliches Erzeugen von Rissen im

Gestein, sind ausgereifte Technologien; sie werden seit Jahrzehnten weltweit

hunderttausendfach in konventioneller Exploration angewandt, um höhere

Fließraten zu erreichen. Auch in Europa sind diese Methoden Routine, ohne

dass je ernsthafte Probleme aufgetaucht wären. Zudem sind die Techniken

massiv verbessert worden: Es ist heute möglich, Fracking gänzlich ohne

potentiell schädliche Zusätze durchzuführen und mit 100 Prozent Recycling

des Wassers. Es gibt daher heute keinen wissenschaftlichen Grund,

Fracking zu verbieten. Werden diese Tätigkeiten mit klaren Umwelt- und

Sicherheitsvorschriften geregelt, dann hat diese Technologie nicht mehr

Risiken als jede andere verantwortungsvolle industrielle Tätigkeit. Wer

wirklich umweltbewusst ist, müsste sich sogar dafür einsetzen, dass

möglichst viel des benötigen Gases in Europa produziert wird:

1. können wir die Sicherheits- und Umweltstandards selbst bestimmen

2. verbrauchen wir nicht einen großen Teil der Energie für den Transport

3. wird damit der CO 2

-Ausstoß reduziert, Methanlecks ausgeschlossen

Noch ein pragmatischer Gedanke: Gas ist von allen fossilen Brennstoffen

deutlich der sauberste. Wenn es gelingt, einen großen Teil der weit

schädlicheren Kohle durch Gas zu ersetzen, haben wir für das globale

Klima mehr erreicht als mit allen anderen Maßnahmen zusammen.

»Die Förderung von Schiefergas ist

riskantes Spiel mit dem Trinkwasser«

Die Flüsse der Alpen versorgen rund 170 Millionen Menschen mit Trink -

wasser. Es ist nicht nur ein riskantes Spiel mit dieser Lebensgrundlage,

einen Chemie-Cocktail wie beim Fracking in den Boden zu pumpen,

um Gas aus dem Gestein zu pressen. Es ist energiepolitisch kurzsichtig.

Die Förderung von Schiefergas ist an das Versprechen geknüpft, das

Zeitalter der fossilen Energienutzung noch ein klein wenig zu verlängern.

Aber Schiefergas erleichtert nicht das Erreichen der Klimaziele und

verringert kaum den CO 2

-Ausstoß. Schiefergas liefert auch keine Inno -

va tionen für sparsamere Technologien. Und Schiefergas macht die

Investition in erneuerbare Energien und den Klimaschutz nicht attraktiver.

Die rasche und angestrebte Energiewende gelingt uns nur, wenn wir

weniger Energie verbrauchen. Denn Schiefergas muss erst gar nicht auf -

wändig und mit ökologischen Risiken tief aus der Erde geholt werden,

wenn die Nachfrage nach Brennstoff und Strom sinkt. In Zukunft weniger

Energie konsumieren heißt vielmehr ein Gewinn an Lebensqualität. Zum

Beispiel bringt die energetische Sanierung der Häuser und Bürogebäude

neue Arbeitsplätze für die Region, eine deutlich freundlichere Stromrechnung

und macht uns das Wohnen angenehmer. Ein besser ausgebauter

öffentlicher Verkehr schafft frei verfügbare Zeit und Raum für persönliche

Begegnungen. Schöner ist unser Leben noch dazu in einer Landschaft

ohne Bohrtürme, mit sauberen Gewässern und einer artenreichen Natur.

Fracking stellt all das in Frage.

Fotos: privat, Caroline Begle

16 Bergsteiger 08 ⁄13


»Gipfel der Verdrahtung«

MOUNTAIN WILDERNESS PRANGERT

ZUNAHME VON KLETTERSTEIGEN AN

In ihrer aktuellen Broschüre prangern

Mountain Wilderness Deutschland und

Schweiz den Bauboom von Klettersteigen in

Österreich, der Schweiz und Deutschland an:

nicht die klassischen alpinen Klettersteige,

sondern Auswüchse wie Sportklettersteige mit

Funpark-Charakter in Tal- oder Seilbahnnähe,

mit 360°-Drehleitern, Seilbrücken, Stahlnetzen

und Unmengen an Eisenkrampen, die in

den Fels gedroschen werden. Teilweise werden

Stahlseile Frisch saniert: über klassische der Weg Kletterrouten gelegt.

Verantwortlich über die Brunnenauscharte

für diese Entwicklung

seien die Tourismusverbände

und Ausrüstungshersteller. Die

Dokumentation steht zum Download

bereit (www.mountainwilderness.de),

und man kann sie

gratis unter info@mountainwilderness.de

bestellen. –pgk–

Foto: ODLO

Ausgezeichnete Arbeitsbedingungen

ODLO, MAMMUT UND SCHÖFFEL ERHALTEN VON DER FAIR WEAR

FOUNDATION DEN »BEST PRACTICE AWARD«

Seit mehreren Jahren setzen sich die Outdoor-Ausrüster Odlo, Mammut

und Schöffel für Frisch verbesserte saniert: Arbeitsbedingungen der Weg in als kritisch eingestuften

Produktionsländern über ein. die Brunnenauscharte

Dafür verlieh die »Fair Wear Foundation« den drei

Unternehmen nun den »Best Practice Award«. Die Fair Wear Foundation

ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich für die Einhaltung eindeutig definierter

Sozialstandards einsetzt. Dazu zählt beispielsweise: keine Kinderarbeit,

keine Niedriglöhne, angemessenes Arbeitsumfeld. An den drei prämierten

Firmen gefiel der Jury besonders ihr Engagement, mit anderen Unternehmen

zusammenzuarbeiten und den Nachhaltigkeitsgedanken innerhalb der

Outdoor-Industrie voranzutreiben.

–bd–

NatURLAUBEN im Nationalpark

Villa Sonnwend National Park Lodge S

Unterwegs am Kalkalpenweg

Der Kalkalpenweg ist ein 150 km langer Weitwanderweg zu den schönsten Plätzen

im und um den Nationalpark Kalkalpen. Er führt u.a. über das Sengsengebirge nach

Windischgarsten und über Spital/Pyhrn auf die Wurzeralm.

Pauschalpreis pro

Person im DZ, Euro 189,–

im EZ, Euro 203,–

4 Tage/3 Nächte, buchbar bis 6. 10. 2013

Genießen Sie Komfort und Abenteuer mit folgenden Leistungen:

• 2 Übernachtungen mit Verwöhnpension in der Villa Sonnwend

• 1 Übernachtung mit Frühstück auf der Gowilalm oder Dümlerhütte

• Pyhrn Priel Aktiv Card mit vielen Gratisleistungen

• sämtliche Transfers

Info & Buchung

Mayrwinkl 80

4575 Roßleithen

Telefon 0 75 62 / 205 92

villa-sonnwend@kalkalpen.at

www.villa-sonnwend.at


Bergsteiger

12/11 AKTUELL

08/13 AKTUELL

Medien

BergBücher …

Herbert Raffalt

»TAUERNHÖHENWEG«

162 Seiten mit durchwegs farbigen

Abb., Format 21 x 24 cm, Hardcover

mit Schutzumschlag, Verlag Anton

Pustet, Salzburg 2013, 25,- €

Ein Traum für Weitwanderer:

Einen Monat lang immer am Alpenhauptkamm entlang unterwegs

sein, von Seckau in der Steiermark bis Krimml am Ende des Pinzgaus.

Der Bergführer und passionierte Fotograf Herbert Raffalt hat

sich aufgemacht, diese etwa 200 Kilometer lange Strecke zu erkunden,

die die unterschiedlichsten »Tauern« Österreichs verbindet:

Seckauer, Rottenmanner, Wölzer, Schladminger, Radstätter

und Hohe Tauern. So unterschiedlich wie die Namen sind auch die

Bergregionen und ihre Ansprüche– Talwege durch Wald, aussichtsreiche

Kammwanderungen, hochalpine Überschreitungen

und natürlich imposante Gipfeltouren (Hochgolling, Hafner,

Ankogel, Hoher Sonnblick, Großglockner, Großvenediger u. a.).

Mit den Informationen und der emotionalen Motivation des

Buches muss der Tauernhöhenweg kein Traum bleiben … –pgk–

Michael Pröttel

»DAS PERFEKTE BERGWOCHEN-

ENDE IN DEN OSTALPEN«

144 Seiten; 16,5 x 23,5 cm,

Klappenbroschur, Bruckmann

Verlag, München 2013, 19,99 €

Ein Bergwochenende ergibt

sich meistens ganz spontan,

wenn sich ein Schönwetterfenster

auftut. Für eine akribische

Planung bleibt dann

keine Zeit mehr. Wie gut, dass

das schon Michael Pröttel erledigt

hat, der in seinem Buch

25 Zwei- und Dreitagetouren

in den Ostalpen vorstellt. Ob

gemütliche Rundwanderung

oder knackige Gipfelüberschreitung,

hier werden Spontanurlauber

fündig. –bd–

Martin Wiesmeier

»BLUMENWANDERUNGEN IN DEN

MÜNCHNER HAUSBERGEN«

144 Seiten, Format 14,8 x 21 cm,

Klappenbroschur, Rosenheimer

Verlagshaus, 2013, 12,95 €

Hier gilt: Der Wegrand ist

das Ziel. An den Berghängen

und Hochalmen blüht und

grünt es, was das Zeug hält;

man muss nur wissen, wo –

und genau hinschauen. Der

Autor stellt zwischen Ammergauer

und Chiemgauer Alpen

leichte bis mäßig anspruchsvolle

Bergtouren vor, bei denen

man die schönsten Alpenblumen

entdecken kann. Ein

Blütezeitkalender hilft bei der

genauen Planung. –pgk–

BergApp … BergFilm … BergWeb …

Foto: menschensbilder Filmproduktion

MEINE – DEINE – UNSERE ROUTE

Wofür? Rundum-Informationen zu allen Gebieten

im Kletterdorado Tirol

Wie? Topos für Sportklettern, Mehrseillängenrouten,

Klettersteige, Bouldern und Eisklettern;

mit Klettertagebuch und Bewertungsfunktion

Wieviel? »Climbers Paradise« ist kostenlos

Warum? Weil zerfl edderte Papierausdrucke auf

die Nerven gehen.

»DER WEG WAR SEIN ZIEL«

Von München nach Venedig, das sind

600 Kilometer, 20 000 Höhenmeter, fast

30 Wandertage. Christopher Dillig hat

daraus einen sehr persönlichen Film

gemacht. Sein Doku-Feature führt in

Tagebucheinträgen aus dem Off über die

Alpen und beinhaltet auch ein Interview

mit Ludwig Graßler, der den Weg seit

1973 dokumentiert. –sz–

Von: Christopher Dillig; Premiere 7. August im

Rio-Filmpalast München

Mit: Christopher Dillig, Felix Werner

Aus: Deutschland

www.4000er.de

Die Hochtourensaison ist in vollem

Gangen. Und weil sich viele nur zu gerne

auch den Viertausendern widmen, kommt

man um das Portal 4000er.de mit vielen

Infos über Normalwege und Varianten bei

der Internetrecherche kaum herum. Und

wem das Netz verständlicherweise zu

wenig ist, findet hier auch weiterführende

Literaturemfehlungen.

–dp–

www.cipra.org

Für alle, die im Gebirge über die Wandkante

schauen: die Seite der Internationalen

Alpenschutzkommission. –dp–

18 Bergsteiger 08 ⁄13


TV-Programm Juli / August 2013

15.7. | 9.00 | Arte

Kampf ums Bergtrikot

Dauer: 75 Min.

15.7. | 19.15 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise –

durch Europa

Berge aus dem Wasser

Dauer: 55 Min.

16.7. | 20.15 | WDR

Abenteuer Erde:

Wilde Pyrenäen

Dauer: 45 Min.

16.7. | 20.15 | HR

Sommerspaß im Rheingau

Wandern, schunkeln und ein

großes Feuerwerk

Dauer: 45 Min.

18.7. | 15.50 | Arte

Wilder Rhein

Von den Burgen

bis in die Berge

Dauer: 45 Min.

20.7. | 13.30 | ZDF Info

Afrikas NaturparadieseAH

Mount Kenia

Dauer: 45 Min.

20.7. | 14.30 | 3sat

Reisewege:

Die bayerischen Voralpen

Dauer: 45 Min.

21.7. | 6.45 | N 3

Schätze der Welt

Felsenstadt der früheren

Christen – Göreme (Türkei)

Dauer: 15 Min.

21.7. | 14.10 | ZDF Neo

Neuseeland von oben

Die Südalpen

Dauer: 45 Min.

21.7. | 23.10 | Servus TV

Rufende Stille

Drama an der Eiger-Nordwand

Dauer: 85 Min.

22.7. | 13.00 | alpha

alpha-Forum:

Stefan Glowacz

Profikletterer

Dauer: 45 Min.

22.7. | 19.30 | Arte

Naturparadiese

in Lateinamerika

Die Anden

Dauer: 45 Min.

23.7. | 6.10 | ZDF Neo

Terra X:

Gefahr aus den Bergen

Dauer: 45 Min.

23.7. | 20.15 | WDR

Abenteuer Erde: Himalaya

Dauer: 45 Min.

J24.7. | 17.00 | BR

traumpfade: Der Alpenritt

Dauer: 30 Min.

24.7. | 18.25 | Arte

Leben über den Wolken

Ein Bergbauernhof

in Südtirol

Dauer: 45 Min.

25.7. | 11.05 | HR

Die Gipfelstürmer

Lesley und Isabel

gehen an ihr Limit

Dauer: 30 Min.

27.7. | 9.35 | 3sat

Zimba –

Vorarlbergs Matterhorn:

Erstbesteigung 1948

Dauer: 10 Min.

27.7. | 9.45 | 3sat

Lechtal – Lebensraum Berg

Dauer: 45 Min.

27.7. | 19.00 | BR

natur exclusiv

Der Fjord in den Bergen –

Ein Jahr am Vilsalpsee

Dauer: 45 Min.

28.7. | 10.45 | ZDF

Steile Felsen, stolze Burgen

Im Tal der Loreley

Dauer: 12 Min.

28.7. | 11.25 | 3sat

Das Erbe der Bergler

Dauer: 95 Min.

28.7. | 17.15 | SWR

Länder – Menschen –

Abenteuer

Australiens Nationalparks:

Die Alpen

Dauer: 45 Min.

28.7. | 22.30 | Phoenix

Gipfel, Gletscher, Grasland

Chinas imposanter Westen

Dauer: 45 Min.

AH

J29.7. | 16.00 | BR

Messners Alpen

Von Monaco zum Mont Blanc

Dauer: 45 Min.

1.8. | 17.15 | 3sat

Der Ruf der Berge

150 Jahre Schweizer

Alpen-Club

Dauer: 25 Min.

1.8. | 19.15 | Servus TV

Auf Entdeckungsreise

Zypern

Dauer: 60 Min.

1.8. | 19.20 | 3sat

Vom Sandstrand

ins Sägemehl

Ein afrikanischer Ringer

in den Schweizer Bergen

Dauer: 55 Min.

1.8. | 23.45 | HR

Die beliebtesten

Berge Deutschlands

Dauer: 60 Min.

2.8. | 20.15 | Servus TV

Bergwelten

Die schwarze Madonna

Dauer: 60 Min.

2.8. | 21.15 | Servus TV

Retroalpin

Matterhorn –

Gefangen in der Nordwand

Dauer: 60 Min.

4.8. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Das Magazin für Bergsteiger

Dauer: 30 Min.

5.8. | 8.25 | S: Disc. Channel

Everest: Spiel mit dem Tod

Dauer: 48 Min.

J21.7. | 19.00 | BR

Unter unserem Himmel

Das Hagengebirge

Dauer: 45 Min.

21.7. | 21.15 | BR

Bergauf-Bergab

Das Magazin für Bergsteiger

Dauer: 30 Min.

25.7. | 13.50 | 3sat

Himalaya –

Reich des Windpferds

Dauer: 45 Min.

25.7. | 18.25 | Arte

Leben über den WolkenAH

In den Weißen Bergen Kretas

Dauer: 45 Min.

26.7. | 19.30 | Arte

Naturparadiese

in Lateinamerika

Patagonien

Dauer: 45 Min.

29.7. | 22.25 | 3sat

Berg & Geist

Porträtreihe

Dauer: 30 Min.

31.7. | 16.45 | Phoenix

Höhenflüge

Im Ballon über die Alpen

Dauer: 45 Min.

1.8. | 13.50 | 3sat

La Haute Route –

Von Chamonix bis Zermatt

Der Berg siegt immer

Dauer: 45 Min.

J6.8. | 15.50 | Arte

Auf den Gipfeln der Welt

Ladakh – Karakorum

Dauer: 40 Min.

8.8. | 15.45 | Arte

Auf den Gipfeln der Welt

Libanon-Gebirge

Dauer: 45 Min.

Das tagesaktuelle

TV-Programm finden Sie

auf bergsteiger.de

08 ⁄13 Bergsteiger 19


TITELTHEMA

Trekking in zehn Tagen um das Schweizer Wahrzeichen

Das Mythos-Horn

Nicht der Gipfel ist das Ziel, sondern der Weg.

Wer mehr sehen möchte als das »Horu« selbst,

ist mit einem mehrtägigen Trekking gut beraten.

Tour Matterhorn, Tour du Cervin, Tour del Cervino –

der Weg führt durch sechs verschiedene Täler mit

drei Sprachgruppen und liefert vielfältige Panoramen

auf dem Präsentierteller. Von Mark Zahel

20 Bergsteiger 08 ⁄13


Am siebten Tag die

Er scheinung: Blick auf das

Matter horn von Süden

Alle Fotos: Mark Zahel


Freiheit: unterwegs

am Höhenweg über

dem Val d’Anniviers

Frische: Am dritten

Tag geht es am

Lac de Moiry vorbei.

Wucht: Das Meidhorn

ist Blickfang

am zweiten Tag.

Weite: Die Alp Louché

liegt am Höhenweg

nach Arolla.

Verwegen schwebt die kleine

Gondel hoch über dem Abgrund.

Die Tiefe des Mattertals wächst

von Minute zu Minute, während

die Bergumrahmung prachtvoll

Gestalt annimmt. Beim Ausstieg ist man

augenblicklich von einer Walliser Bilderbuchidylle

umgeben: die Alp Jungu. Erwartungsfroh

werden die ersten Schritte getan,

auf einer Tour, die binnen zehn Tagen rund

um den vermeintlich schönsten, auf jeden

Fall berühmtesten Berg der Alpen führen

soll. Doch das Matterhorn darf ruhig noch

einige Zeit im Verborgenen bleiben. Umso

mehr wird sich Spannung auf bauen, umso

mehr wird man auch Augen für jene Dinge

haben, die im Schatten von Glanzpunkten

sonst leicht zu kurz kommen.

Das Turtmanntal zum Beispiel gehört zu

den wenig bekannten Walliser Seitentälern.

Massentourismus ist hier ein Fremdwort

– es gibt im inneren Bereich ja nicht

mal eine richtige Siedlung, sondern nur

das Maiensäß-Dorf Gruben-Meiden. Dort

findet sich im Hotel Schwarzhorn auch das

erste Quartier auf der Tour Matterhorn.

Zuvor gilt es freilich, den fast 3000 Meter

hohen Augstbordpass zu überschreiten,

einen jener wunderbaren alten Übergänge,

die Hirten und Säumer schon vor langer

Zeit benutzten, um Weidegründe zu erreichen

oder Waren zwischen benachbarten

Talschaften auszutauschen. Der Weg ist

bestens in Schuss und trotz der stattlichen

Höhenlage im Grunde eine Genusswanderung.

Später sitzt man bei einem Bier oder

Panaché entspannt im Gastgarten, genießt

die friedvolle Stimmung des Turtmanntals

und lässt die erste Etappe nochmals in Gedanken

Revue passieren. Neun weitere werden

folgen…

Breitwandkino am Meidpass

Mit der Morgensonne im Rücken über die

Alpstafel von Meide bergwärts zu steigen,

löst jenes typische Gefühl aus, von dem

Trekkingfreunde immer wieder schwärmen:

ganz vereinnahmt von der Umgebung,

die ihre Schätze dem entdeckungsfreudigen

Wanderer bereitwillig offenbart.

Heute wechselt man über den Meidpass ins

Val d’Anniviers und damit vom deutschsprachigen

Oberwallis ins französischsprachige

Zentralwallis. Der Blick hinaus

22 Bergsteiger 08 ⁄13


Der Höhenweg nähert sich der Szenerie, die

zurecht als Couronne Impériale bezeichnet wird:

die Kaiserkrone von Zinal

ins Rhonetal und zur Südabdachung von

Wildhorn, Wildstrubel und Co. hat etwas

von Breitwandkino.

Allerdings orientiert man sich nicht in

diese Richtung, sondern taleinwärts, um

den großartigen Höhenweg nach Zinal zu

beschreiten. Durch die Alpkessel von Nava

und Barneuza schneidet er die Flanken

über dem Val d’Annviers und nähert sich

allmählich jener Szenerie, die von Kennern

zurecht als »Couronne Impériale«, die Kaiserkrone

von Zinal, bezeichnet wird. Den

einzelnen Zacken gehören solch verheißungsvolle

Namen wie Weisshorn, Zinalrothorn,

Obergabelhorn, Dent Blanche und

Grand Cornier. Ganz selbstbewusst mogelt

sich das dunkle Felshorn des Besso in den

Vordergrund. Der Ferienort Zinal (1670 m)

bietet sich für die zweite Nacht an, doch

lässt sich das Quartier auch gen Berg verlegen,

sofern man die letzte Seilbahn nach

Sorebois erwischt. Mit einem »Futterkorb«

aus dem Seilbahnrestaurant versorgt, richtet

man es sich in der kleinen Hütte nebenan

ein: Das kann sehr romantisch sein.

Respekt vor den rauflustigen Eringerkühen

Nachdem tags darauf der von den Gletscherschmelzen

intensiv türkisfarbene Moiry-

Stausee passiert und der zuweilen windumtoste

Col de Torrent überschritten ist, tritt

man in den Bereich des Val d’Hérens ein

– die Heimat der rauflustigen Eringerkühe,

die ihre Kräfte sogar in hochoffiziellen

Wettkämpfen messen. Auch wenn bislang

nie etwas von Angriffen auf rucksacktragende

Zweibeiner bekannt geworden ist:

Eine Portion Respekt ist sinnvoll und stellt

sich angesichts der stämmig-untersetzten

Körper meist von ganz alleine ein, selbst

wenn die Tiere ganz friedlich die Sommerweide

abgrasen.

Die Strecke vom Talort Les Haudères bis zuhinterst

nach Arolla wird von vielen Wanderern

mit dem Postauto zurückgelegt,

vermutlich wissen sie nicht, was sie am Höhenweg

entlang der westlichen Talflanke

versäumen. Allein schon der zauberhafte

Lac Bleu ist es wert, der Versuchung eines

motorisierten Transfers zu widerstehen. In

Arolla angekommen, sind die Eisriesen so

nah wie nie zuvor. Besonders der wuchtige

Mont Collon hinterlässt mit seinen Hängegletschern

einen starken Eindruck. Er

scheint das Tal hinter Arolla abzuriegeln,

doch der Übergang Richtung Italien liegt

genau in dieser Richtung…

Am fünften Tag kündigt sich also erstmals

alpinistischer Anspruch an, wenn man

seine Schritte dem Haut Glacier d’Arolla

entgegen lenkt. Tücken lauern dort wohl

weniger aufgrund etwaiger Spalten als vielmehr

in der Tatsache, dass die Orientierung

nun kein Kinderspiel auf gebahnten Wegen

mehr ist. Da man nicht auf eine zuverlässige

Stangenmarkierung vertrauen kann,

braucht es einen gewissen Instinkt, um

die günstige Route hinauf zum Col Collon

zu finden, besonders bei schlechter Sicht.

Diese wäre noch aus einem anderen Grund

sehr misslich: Das hochalpine Ambiente ist

nämlich derart eindrucksvoll, dass es einfach

ein Jammer wäre, nur eine verschleierte

Ahnung zu erhalten. Schließlich

Badegebot: Der Lac

Bleu ist mehr als

eine Einladung …

08 ⁄13 Bergsteiger 23


Steinig: der Moränen-

Zustieg zum Haut

Glacier d’Arolla

Stolz: Auf italienischer

Seite zeigen

sich oft Steinböcke.

Idylle: Das Rifugio

Prarayer liegt

am Lago di Places.

Vuillermoz zählt, dürften die Stimmungen

intensiver ausfallen. Außerdem bieten sich

gute Chancen, gegen Abend oder am frühen

Morgen Steinwild zu beobachten.

Die Etappe über den Col de Valcournera beweist,

dass der Süden hier keineswegs mit

dem Prädikat »lieblich« gleichzusetzen ist.

Steiniger geht’s sonst kaum irgendwo auf

der gesamten Tour Matterhorn zu. Zwei

Schritte vorwärts, einer zurück, lautet

gleichsam das Motto im unbarmherzigen

Schlusshang hinauf zur Scharte, wo man

ein weitläufig zerknittertes Relief zwischen

den Tälern des Valpelline und Valtournenche

überblickt. Ein geradezu herber Charme

entfaltet sich hier oben auf 3000 Metern

Höhe. Zum Glück liegt nach dem beschwerlichen

Aufstieg das Rifugio Vuillermoz fast

nur einen Katzensprung entfernt. Bis ins

mondäne Breuil-Cervinia muss man heute

wirklich nicht mehr weiterlaufen.

Zwei Schritte vorwärts, einer zurück, lautet

das Motto im unbarmherzigen Schlusshang

hinauf zur Scharte.

steckt man ja plötzlich mittendrin in der-

Gletscherszenerie, die man am Tag zuvor

noch aus der Ferne bestaunt hat.

Von wegen lieblicher Süden

Der Wechsel über den Hauptkamm der Walliser

Alpen ist ein Meilenstein der Tour. Ob

man sich auf italienischer Seite dann für

das spartanische Rifugio Nacamuli-Collon

oben in der urweltlichen Comba d’Oren entscheidet

oder lieber komfortabler eine Etage

tiefer im Rifugio Prarayer nächtigt, bleibt

Geschmackssache. Auf den hoch gelegenen

Hütten, zu denen auch das Rifugio Perucca-

Am siebten Tag wirst du sehen

Im zarten Licht des nächsten Morgens präsentiert

sich dieser Weg ohnehin am schönsten.

Vorbei an türkis schimmernden Seen

und tosenden Wasserfällen geht es zur Alpe

di Cignana hinab, bevor jenseits eines Sattels

ein echter Knalleffekt bevorsteht: Unvermittelt

tritt das Matterhorn im Talschluss des

Valtournenche ins Blickfeld. Zwar ist es nicht

jene unverwechselbare Zermatter Silhouette,

gleichwohl aber ein stolzer Felsriese von

markantem Zuschnitt. Erst der siebte Tag der

Tour setzt das zentrale Objekt also in Szene!

Die Hotelsiedlung Breuil-Cervinia erscheint

dann als hartes Kontrastprogramm zu den

ursprünglichen Naturlandschaften, die bisher

so viel Freude bereitet haben. Sobald

man seinen Proviant aufgefüllt hat – nichts

wie weg: zum Beispiel mit der Seilbahn

zum Plan Maison. Damit lässt sich auch der

wenig erquickende Aufstieg durchs trostlose

Skigebiet bis zum Theodulpass (3301 m)

verkürzen. Die Ernüchterung an dieser Stelle

kann man trotz der unmittelbaren Präsenz

des Traumbergs leider nicht leugnen. Am

Ende des Tages kann der Bergsteiger immerhin

seinen Frieden mit sich und der Bergwelt

schließen, wenn am höchsten Punkt des gesamten

Treks, dem Rifugio Teodulo (3327 m),

die Dämmerung hereinbricht.

24 Bergsteiger 08 ⁄13


Gesperrt: die

Hängebrücke am

Grabengufer

Geduldig: Der Heilige

Bernhard weist

bis ins Rhonetal.

Eisig: Am 8. Tag wird

der Obere Theodulgletscher

überquert.

Immer wieder schaut man sich um zum »Horu«,

während ein nicht minder formvollendeter Berg

ins Blickfeld rückt: das Weisshorn.

Würdiges Finale

Der Abstieg über den Theodulgletscher zurück

in die Schweiz wird in Führern mitunter

als spaltengefährlich beschrieben.

Tatsächlich verläuft er entlang einer von Pistenraupen

präparierten Trasse und wird nur

bei nachmittäglichem Sulz manchmal lästig.

Wie und ob man überhaupt das Zentrum

von Zermatt ansteuert, muss jeder selbst

entscheiden. Wer die Tour Matterhorn als

»fließendes« Trekking begreift, sollte so bald

wie möglich bergwärts abdrehen. Bei den

Gasthäusern Grünsee und Fluhalp hat man

einen fabelhaften Blick in die Zermatter

Viertausender-Arena und kann am nächsten

Tag bequem in den Europaweg einsteigen.

Dieser bildet nun zwei Tage lang das würdige

Finale, beginnend mit dem fast promenadenartigen

Abschnitt über Tufteren

zur Täschalp. Immer wieder wird man sich

jetzt umschauen zum »Horu«, das ganz allmählich

vom Präsentierteller verschwindet,

während sich ein anderer, nicht minder

formvollendeter Berg immer prächtiger

herausputzt: das Weisshorn. Der Europaweg

– auf 30 Kilometern zwischen Zermatt

und Grächen verlaufend – bringt die ganze

Kette jenseits des tief eingeschnittenen Mattertals

voll zur Geltung und gewinnt dabei

nach und nach an alpiner Strenge. Wirre

Blockfelder durchziehen die unwegsame

Westflanke der Mischabelgruppe, in der erst

seit anderthalb Jahrzehnten überhaupt eine

durchgängige Höhenwegverbindung besteht

und sich naturgegebene Tücken immer

wieder bemerkbar machen. So ließ sich die

Problemstelle am Grabengufer unweit der

Europahütte bis dato nicht effektiv bändigen.

Mehrmals schon wurde der Weg verlegt

oder galerienartig überbaut, zuletzt sogar

über eine lange Hängebrücke geführt, die

prompt von Felsstürzen schwer beschädigt

wurde. Zurzeit ist der Europaweg in diesem

Bereich gesperrt, was Wanderer zu einem

zweistündigen Umweg mit beträchtlichem

Höhenverlust zwingt. Offen also, welche Lösung

Geologen und Planer künftig finden –

angesichts der Bedeutung der Originalroute

darf zumindest auf eine baldige Wiederbelebung

gehofft werden. Denn auch die Europahütte

ist letztlich davon abhängig.

Den Europaweg auf ganzer Länge abzuschreiten,

bedeutet höchstes Wanderglück.

Ein spektakulärer Verlauf mit prickelnden

Traversen wie in der schluchtartigen Kintole,

urwüchsigen Momenten wie am Springelboden

oder ruppigen Passagen wie im Blockchaos

des Grossen Grabens lässt niemals Langeweile

aufkommen. Blickt man schließlich

von der Bernhardsstatue (dem Schutzpatron

der Wanderer) auf die Hangterrasse von Grächen

hinaus, mag man kaum glauben, dass

die Tour Matterhorn in wenigen Stunden

vollendet sein wird: zehn Tage im Herzen

der Walliser Alpen und weit über den Bannkreis

des Matterhorns hinaus.


26 Bergsteiger 08 ⁄13


TOUREN

Trekking par excellence: die Tour Matterhorn

Zehn Tage rund um das Matterhorn, durch sechs verschiedene Täler auf schweizerischer und

italienischer Seite, erweisen sich als alpines Trekking, das keine Wünsche offen lässt.

Anreise: Über Brig und Visp nach

nach St. Niklaus im vorderen

Mattertal, vorteilhaft auch per Bahn

Dauer: Etwa 10 Tage

Übernachtung: Teils Talquartiere,

teils Berghütten, wobei in gewissem

Rahmen Flexibilität besteht

Beste Jahreszeit: Mitte Juli bis Mitte

September

Karten: Swisstopo 1:50 000,

Blätter 273 T »Montana«, 274 T

»Visp«, 283 T »Arolla«, 284 T

»Mischabel« und 293 »Valpelline«

Führer: Mark Zahel »Walliser Alpen

– Die großen Trekking-Runden«,

Bergverlag Rother, 2013

1 St. Niklaus – Gruben-Meiden

▶ mittel 5¼ Std.

910 Hm 1070 Hm

Charakter: Gute Bergwege ohne

schwierige Stellen, allerdings

relativ hoher Übergang. Konditionell

durchschnittliche Etappe.

Ausgangspunkt: Alp Jungu (1988 m),

Seilbahn von St. Niklaus

Zielpunkt: Hotel Schwarzhorn

(1825 m) in Gruben-Meiden (Turtmanntal),

Tel. 00 41/27/9 32 14 14

Route: Alp Jungu – Augstbordkessel –

Augstbordpass (2894 m) – Gruben-

Meiden

Tour 1+2: Tourenkarte 2 Heftmitte

2 Gruben-Meiden – Zinal

▶ mittel 7½ Std.

1200 Hm 1350 Hm

Charakter: Gut ausgebaute Bergwege,

zuerst über einen Pass, später

ein Flankensteig. Lange Etappe,

die notfalls geteilt werden kann.

Zielpunkt: Zinal (1675 m) im inneren

Val d’Anniviers

Route: Gruben-Meiden – Meide

Mittler und Ober Stafe Meidsee –

Meidpass (2790 m) – Le Chiesso –

Hotel Weisshorn (2337 m) – Nava –

Barneuza – Zinal

3 Zinal – Les Haudères

▶ mittel 7¾ Std.

1090 Hm 2070 Hm

Charakter: Passable Bergwege über

zwei recht hohe Pässe, streckenweise

auch breitere Wirtschaftswege.

Zielpunkt: Les Haudères (1452 m)

im Val d’Hérens

Route: Zinal – Sorebois (Seilbahn) –

Col de Sorebois (2835 m) – Barrage

de Moiry – Alpage de Moiry – Lac des

Autannes – Col de Torrent (2916 m)

– Mayens de Cotter – Villaz –

Les Haudères

Tour 3+4: Tourenkarte 3 Heftmitte

4 Les Haudères – Arolla

▶ leicht 5¾ Std.

1200 Hm 650 Hm

Charakter: Meist leichte Wander -

wege zwischen Wald und Alpbereichen,

manchmal etwas verschlungen.

Zielpunkt: Arolla (2006 m) im inneren

Val d’Hérens

Route: Les Haudères – Mayens de la

Coûta – Les Faches – Lac Bleu – Arolla

5 Arolla – Rifugio Nacamuli

▶ schwierig 5¾ Std.

1170 Hm 350 Hm

Charakter: Hochalpiner, verglet -

scher ter Übergang, nur bis zum Eis

zuverlässig bezeichnet. Keine besondere

Spaltengefahr, aber mitunter

Steigeisen vorteilhaft, bei Nebel

besser meiden.

Zielpunkt: Rifugio Nacamuli-Collon

(2830 m), Tel. 00 39/01 65/73 00 47

Route: Arolla – Talschluss – Haut

Glacier d’Arolla – Col Collon (3069 m)

– Rifugio Nacamuli

Tour 5+6: Tourenkarte 4 Heftmitte

6 Rifugio Nacamuli – Rifugio

Vuillermoz

▶ schwierig 5½ Std.

1100 Hm 1020 Hm

Charakter: Beschwerlicher, hochalpiner

Passübergang, trotz Markierung

ziemlich unwegsam (Felsen und

Blockschutthalden). Vereinzelt Sicherungen,

gute Trittsicherheit nötig.

Zielpunkt: Rifugio Perucca-Vuillermoz

(2909 m), Tel. 00 39/3 38/4 26 47 05

Route: Rifugio Nacamuli – La Garda

– Rifugio Prarayer – Alpe Valcournera

– Col de Valcournera (3072 m) –

Rifugio Perucca-Vuillermoz

7 Rifugio Vuillermoz – Rifugio

Teodulo

▶ leicht 6¼ Std.

1070 Hm 1200 Hm

Charakter: Bis Breuil ordentliche

Berg wanderwege, zum Theodulpass

planierte Schotterpiste. Trotz der

großen Höhe leicht, aber eventuell

anstrengend.

Zielpunkt: Rifugio Teodulo (3317 m),

Tel. 00 39/01 66/94 94 00

Route: Rifugio Vuillermoz – Alpe

di Cignana – Finestra di Cignana –

Breuil-Cervinia – Plan Maison

(Seilbahn) – Cappella Bontadini –

Rifugio Teodulo

Tour 7+8: Tourenkarte 5 Heftmitte

8 Rifugio Teodulo –

Berghaus Grünsee

▶ mittel 5½ Std.

500 Hm 1520 Hm

Charakter: Anfangs Gletschertraverse

entlang einer Skipiste, sonst gut

ausgebaute Bergwege.

Zielpunkt: Berghaus Grünsee (2296 m),

Tel. 00 41/27/9 67 25 53

Route: Rifugio Teodulo – Oberer

Theodulgletscher – Trockener Steg

– Furi – Augstchumme – Riffelalp –

Berghaus Grünsee

9 Berghaus Grünsee –

Europahütte

▶ mittel 8¼ Std.

1350 Hm 1380 Hm

Charakter: Gut ausgebauter Höhenweg

(Europaweg), in ausgesetztem

Gelände häufi ger versichert, phasenweise

Trittsicherheit wichtig. Mit der

derzeitigen Umleitung konditionell

anspruchsvoll (auf der Originalroute

über die Hängebrücke 2 Std. kürzer).

Zielpunkt: Europahütte (2265 m),

Tel. 00 41/27/9 67 82 47

Route: Berghaus Grünsee – Sunnegga

– Tufteren – Täschalp – Täschgufer

– Springelboden – Kintole

– Umgehung Grabengufer – Lärchberg

– Europahütte

Tour 9+10: Tourenkarte 6 Heftmitte

10 Europahütte – Grächen

▶ mittel 6 Std.

550 Hm 1200 Hm

Charakter: Insgesamt etwas anspruchsvollerer

zweiter Teil des Europawegs,

der auch heikles Blockgelände

quert. Der lange Schluss abstieg

ist wieder leichter. Trittsicherheit und

Ausdauer notwendig.

Zielpunkt: Grächen (1619 m)

Route: Europahütte – Miesboden –

Galenberg – Grosse Grabe – Bernhardsstatue

– Grathorn – Schalbettu

– Gasenried – Grächen

08 ⁄13 Bergsteiger 27


Aufs Horn genommen

Auf dem Promi-Berg standen schon Präsidenten und Künstler.

Zehn Matterhorn-Personalien von Theodore Roosevelt bis Kurt Felix

Präsidentenbesuch Man kann von republikanischen US-Präsidenten halten, was man

möchte, aber zumindest Theodore Roosevelt blickte weit über seinen Tellerrand hinaus.

Er stieg 23-jährig während seiner Europareise im Jahre 1881 und damit lange vor seiner

Inauguration sogar auf das Matterhorn. Interessanterweise gab es 63 Jahre später unter

Theodores Namensvetter und entfernten Verwandten Franklin D. Roosevelt (Cousin 5. Grades)

einen strategischen Bombenangriff auf die japanischen Streitkräfte mit dem Namen:

Operation Matterhorn.

Schokoberge Manche Berge sind so markant, dass

sie in stilisierter Form von Firmen verwendet werden.

Dazu gehört auch das Matterhorn. Zumindest geht die

Legende, dass Theodor Tobler bei der Schöpfung seiner

Schweizer Dreiecksschokolade Toblerone den Berg zum

Vorbild nahm. Toblers Söhne wiederum plauderten gemäß

Internet-Recherchen aus, dass sich der Papa von den Tänzerinnen

einer Pariser Revue hatte inspirieren lassen. Sie hatten während

der Vorstellung eine Pyramide formiert.

Wächter und Denker Kurt Lauber ist

Skilehrer, Bergführer, Hubschrauberpilot

und Rettungsspezialist mit der Erfahrung

von mehr als 1000 Rettungseinsätzen.

Vor allem aber ist er bereits seit 1995 Hüttenwart

auf der Hörnlihütte, dem Drehkreuz

für Matterhorn-Besteigungen. Und Autor

der Buches »Der Wächter des Matterhorns«.

Kevin Lauber, der 1999 im Alter von acht

Jahren und damit als Jüngster überhaupt das

Matterhorn bestieg, heißt nicht zufällig so.

Er ist Kurts Sohn.

Alter Schweizer! Als Ulrich Inderbinen 1990 zum angeblich

371. und letzten Mal das Matterhorn bestieg, befand er sich in

seinem 90. Lebensjahr. Einige Jahre später verfasste er zum Ende

seiner Bergführerkarriere ein Buch mit dem Titel: »Ich bin so alt

wie das Jahrhundert.« Sein Lebenselixier: eine positive Lebenseinstellung

und die Freude an der Natur. Sein Motto: langsam, stetig,

am liebsten ohne Pause. Er starb erst im Alter von 103 Jahren und

war zu diesem Zeitpunkt der älteste Mann im Wallis.

Glückspilz auf Snowboard

Ein 24-jähriger Slowene, dessen Name nicht

überliefert ist, versuchte sich 1995 in der

Ostwand mit einem Snowboard. Dass zuvor

viele andere Versuche missglückt waren,

schreckte den Hasardeur nicht ab. Trotz seines

Mutes kam er nicht sonderlich weit: Er

stürzte auf Höhe der Solvayhütte 700 Meter

in die Tiefe – und überlebte mit lediglich

ein paar Schrammen.

*Drei Geschichten wurden dem Matterhorn

Trail von Zermatt Tourismus entnommen.

28 Bergsteiger 08 ⁄13


Verstehen Sie Spaß?

Kurt Felix, das Gesicht

der Unterhaltungssendung

»Verstehen Sie

Spaß?«, ließ sich einst per

Helikopter am Hörnligrat

einfliegen. Hätte er das

nicht getan, wäre Reinhold

Messner (Bildquelle: youtube.com) auf etwa

4000 Metern wahrscheinlich vor Wut explodiert.

Denn als der Alpinist die Gewinnerin

eines Preisausschreibens auf das Matterhorn

führte, stand dort plötzlich: ein Kiosk!

Mit Knallbombe und Bunte! Und Messners

Büchern! Messners Reaktion: »Jetzt schreibe

ich keine Bücher mehr.« Dann kam Kurt.

Würfelwerfer Im Rahmen seines Projekts »Bergwürfel« warf der Künstler Heinz Julen vor

einigen Jahren Metallkuben von verschiedenen Gipfeln und dokumentierte Fall, Abwurf,

Fundstelle, Zeit und Ort. Ein klarer Fall von Kunst also. »Durch das Wegstoßen, im Loslassen,

entziehe ich mich der Verantwortung für das Objekt«, hat Julen den Vorgang einmal beschrieben.

Allerdings hätte er am Matterhorn beinahe die beiden Bergsteiger Robert Jasper und

Roger Schäli erschlagen, die eine selten begangene Route in der Nordwand durchstiegen.

Music in the air Mit einer geheimnisvollen Fracht stiegen im

August 1986 Walter Gruber und Odilo Summermatter mit einigen

Freunden auf das Matterhorn. Oben angekommen holten sie um

neun Uhr morgens tatsächlich die Einzelteile von zwei Alphörnern

aus ihren Rucksäcken hervor. Nachdem die Instrumente zusammengesetzt

waren, gab es ein Morgenständchen auf einem der höchsten

Punkte des Wallis.

Abgeschlagen Einer merkwürdigen Anfrage sah sich der

Zermatter Bergführer Leo Imesch von einem Engländer in den

1970er Jahren ausgesetzt. Der Gast fragte Imesch am Gipfel des

Matterhorns doch tatsächlich, ob es erlaubt sei, Golf zu spielen.

Weil der Bergführer keinen Grund sah, der dagegen sprach (Jahre

später sollte ein Künstler Metallwürfel vom Gipfel werfen), zog

der Engländer einen Golfschläger und zwei Golfbälle hervor. Einen

Ball schlug er in die Schweiz, einen nach Italien. Als Gruß an die

Kollegen des Golfclubs.

Nur 24 Stunden Ein Berg wie das Matterhorn ist natürlich

auch ein Berg der Rekorde. Vor allem die Geschwindigkeit spielt

dabei eine Rolle. Der Vater der Matterhorn-Rekorde ist freilich

Hans Kammerlander. 1992 bestieg er mit dem Schweizer Diego

Wellig das Matterhorn über dessen vier Grate – Zmuttgrat, Hörnligrat,

Furggengrat und Liongrat – innerhalb von 24 Stunden. Um 23.30

Uhr waren die beiden zurück auf der Hörnlihütte. Es soll nicht nur

Wasser gegeben haben.

Fotos: swiss-image.ch/Robert Bösch, swiss-image.ch/Andy Mettler,

Zermatt Matterhorn Group, www.youtube.com, Mondelezinternational

08 ⁄13 Bergsteiger 29


AUF TOUR

Wandern rund um Oberstdorf

Sternstunden

Familien-TIPP

In Oberstdorf kreuzen sich drei europäische

Fernwanderwege. Seine Seitentäler laufen auf

den Ort zu wie auf die Mitte eines Sterns. In einem

davon steht das jahrhundertealte, komplett denkmalgeschützte

Bergdorf Gerstruben.

Von Diana Gäntzle

In strengen Wintern ist es wie vor 500

Jahren in Gerstruben: Das Dorf auf

1154 Metern ist eingeschneit. Nur zu

Fuß, auf steiler, lawinengefährlicher Route,

könnte sich André Dodier mit seiner Familie

nach Oberstdorf durchkämpfen. Doch

der Wirt lässt sich auch von einer ausgiebigen

Zwangspause nicht aus der Ruhe bringen.

»Dann hat man wenigstens mal viel

Zeit zum Lesen«, sagt er und schmunzelt

unter seinem Schnauzbart. Einen leeren

Fotos: Tourismus Oberstdorf

30 Bergsteiger 08⁄13


Selbst die Oberstdorfer Kinder erkennen die 2258 Meter hohe Höfats auf Anhieb.

Idyllisch: In Gerstruben

fühlt man sich auf einen Schlag

um 500 Jahre zurückversetzt.

Vorratskeller braucht er auch nach wochenlanger

Abgeschiedenheit nicht zu fürchten.

Der Oberstdorfer betreibt mit seiner Familie

den Gasthof Gerstruben.

Die Dodiers sind die einzigen verbliebenen

Bewohner der jahrhundertealten Ortschaft,

deren historische Bedeutung sich schon darin

zeigt, dass das ganze Dorf unter Denkmalschutz

steht. Es hat etwas von den Südtiroler

Bergweilern hier oben, wie sich die uralten,

dunkelbraunen Holzhäuser fest an die stei-

»Wir haben auch

Gäste, die mit Pickel

und Steigeisen kommen

und offenbar

Großes vorhaben. «

len Hänge drücken. Jetzt, im Sommer, weiden

die Kühe auf der bunten Kräuterwiese

an der Kapelle. Gleich dahinter ragt die 2258

Meter hohe Höfats in den Himmel. Ein Postkartenidyll.

Um seine Liebe zu Gerstruben macht André

Dodier nicht viel Aufhebens. »Man hat ein

bisschen mehr Freiheiten«, wenn man abseits

wohne, ist so ein Satz von ihm, oder:

»Man ist halt naturverbunden.« Er richtet

seine Küche gerne nach den Dingen aus, die

es vor der Haustür gibt, und wenn er mal frei

hat, macht er sich selbst gern auf Richtung

Gipfel. Erst nach einer Weile rückt André

Dodier damit heraus, dass es eine Art real gewordener

Kindheitstraum ist, dass er jetzt gemeinsam

mit seinem Sohn hier oben an den

Töpfen steht. »Ich durfte schon als kleiner

Junge mit Pferdegespannen nach Gerstruben

herauffahren«, erzählt er in weichem

Allgäuer Dialekt. Seit dem Bau einer für die

Öffentlichkeit gesperrten Straße 1953 dauert

der Aufstieg anderthalb bis zwei Stunden.

Ausgangspunkt für Hochgebirgstouren

Oben geht Richard Müller jedes Mal das

Herz auf. »Es ist ein beeindruckender, fantastischer

Blick«, schwärmt der Bergführer.

Die Höhensiedlung ist für ihn oft nur eine

erste Station auf seinen Touren. »Gerstruben

ist ein lohnender Ausgangspunkt für Wanderungen

und Hochgebirgstouren«, sagt

Richard Müller. Viele Tageswanderungen

bieten sich an, etwa über das Hahnenköpfle

oder den Älpelesattel hinüber ins Oytal.

»Wir haben auch Gäste, die mit Pickel und

Steigeisen kommen« und offenbar Großes

vorhaben, erzählt Dodier.

Oberstdorf ist als Wanderortschaft eine

Allrounderin. Die besondere Geografie hat

die 10 000-Einwohner-Gemeinde mit einer

großen Bandbreite alpiner Herausforderungen

ausgestattet. So liegt die südlichste

Gemeinde Deutschlands eingebettet in den

Allgäuer Alpen, ohne Durchgangsstraße

und -verkehr. Um Oberstdorf herum öffnen

sich sternförmig sieben Seitentäler: Stillach-

und Trettachtal, Oytal, Dietersbachtal,

Trauf bachtal, Rappenalptal und Warmatsgundtal.

Dort findet sich für jeden Bergliebhaber

die passende Tour. Wer es einfach

mag, durchschreitet die Breitachklamm,

nimmt eine Talwanderung in Angriff

Für Einsteiger: Tour durch die Breitachklamm

08⁄13 Bergsteiger 31


Umrahmt von Bergen: Oberstdorf,

südlichste Gemeinde Deutschlands

KOMPAKT

Südluft schnuppern

Markt Oberstdorf (814 m) ist die südlichste

Gemeinde Deutschlands.

Anfahrt: Mit der Deutschen Bahn via Ulm

oder Kempten oder mit dem ALEX direkt von

München; mit dem Auto: B 19 Kempten,

Sonthofen, Fischen, Oberstdorf

Informationen: Tourismus Oberstdorf,

Prinzregenten-Platz 1, 87561 Oberstdorf,

Tel. 0 83 22/70 00, www.oberstdorf.de;

Informationen über die Bergbahnen an

Nebelhorn, Fellhorn, Kanzelwand, Söllereck

und Walmendingerhorn und Ifen unter

www.das-hoechste.com

Karte: Kompass-Karte 1:50 000, Blatt 3

»Allgäuer Alpen Kleinwalsertal«

In Gerstruben: Berggasthof Gerstruben, von

Mitte Juli bis Mitte Oktober durchgehend

geöffnet; außerhalb der Saison montags

geschlossen, Tel. 0 83 22/95 92 90.

Das Heimatmuseum Gerstruben ist während

der Saison samstags von 13 bis 16 Uhr

geöffnet. Für Gruppen auf Anfrage

BERGSTEIGER Tipp: Mit dem Angebot

»Bergbahn inklusive« sind bei rund 400

Gastgebern während der Sommersaison

beliebig viele Fahrten mit den Bergbahnen

im Übernachtungspreis enthalten. Es gilt

auch im benachbarten Kleinwalsertal.

oder fährt mit der Bergbahn hinauf und

läuft bei traumhaftem Blick am Grat vom

Fellhorn (2039 m) zum Söllereck, direkt entlang

der deutsch-österreichischen Grenze.

Dazu gibt es viele Tagestouren in mittleren

Lagen, allerorts Hütten und für Sportliche

Klettersteige an den steilen Bergen.

Knotenpunkt Europäischer Fernwanderwege

Mit ambitionierten Wanderern ist Bergführer

Richard Müller etwa auf dem aussichtsreichen

Heilbronner Höhenweg von

Hütte zu Hütte unterwegs oder empfiehlt

die rund einwöchige Allgäu-Durchquerung.

»Die Walserwege sind auch beliebt«,

setzt Richard Müller hinzu. Er schwärmt

» Ich durfte schon

als kleiner Junge mit

Pferdegespannen

nach Gerstruben

herauf fahren. «

von den Touren in der Silvretta und führt

demnächst wieder eine Gruppe auf dem E5

über die Alpen bis nach Meran. »Oberstdorf

ist ein Schnittpunkt für europäische Fernwanderwege«,

erklärt der Bergführer. Dort

treffen sich drei der fünf Routen der Via

Alpina, eines Weitwanderwegs durch acht

Alpenstaaten von Monaco bis Triest. Richard

Müller kennt davon lange Abschnitte.

Seit fast 50 Jahren ist er als Bergführer

im Einsatz und brachte seine Expertisen

jahrelang bei der Alpinen Beratungsstelle

Oberstdorf ein.

Firm ist er auch in puncto Geschichte. Richard

Müller tänzelt durch das Heimatmuseum

Gerstruben in einem mehr als 400

Jahre alten Bauernhaus und sprüht vor

Energie und Wissen. Er erzählt, wie mühsam

früher jedes Kantholz von Hand behauen

wurde, wie sich die Flachsproduktion

als Zuerwerb kaum noch rentierte und die

Menschen im Allgäu die Käseherstellung als

Geldquelle entdeckten. Er berichtet davon,

wie der Tourismus nach Oberstdorf kam

und die Gäste anfangs mit einem Strauß

Edelweiß begrüßt wurden – bis die seltene

Bergblume fast ausgerottet war.

Wirt André Dodier

lebt und kocht in

Gerstruben.

Wie vor 500 Jahren

In dem kleinen Museum

zeugen Bilder

davon, wie die Bergbauern

einst auf gefährlich

steilen Hängen

Gras mähten und

das Heu zu Schobern

auftürmten. Erst

im Winter konnten

sie die Heuballen

(»Burden«) über steile,

schneebedeckte

Hangseiten mittels Seil hinunter in das Dorf

bringen. Zu der gefährlichen Arbeit kamen

Katastrophen. Brände und Lawinen zerstörten

immer wieder Teile der Siedlung. 1893

gaben die letzten Bauernfamilien ihr anstrengendes

Leben in Gerstruben auf und zogen

ins Tal. Ein reicher Jagdherr aus Worms

kaufte daraufhin das ganze Dorf, etwa 50

Jahre später ging Gerstruben an die Oberstdorfer

zurück.

Die Handvoll Häuser, die heute noch übrig

sind, sehen aus wie vor 500 Jahren. Der

Oberstdorfer »Verein der ehemaligen Rechtler«

erhält mit viel Aufwand ihren Originalzustand.

»Wenn die Dächer kaputt sind,

werden sie mit den für die Region typischen

Legschindeln repariert«, sagt Richard Müller.

Dann deutet er vor das Haus, wo sich eine

wahre Pracht an Gewächsen entfaltet. »Auch

um einen Kräutergarten, wie man ihn damals

hatte, kümmert sich der Verein.« Durch

die sonnige Lage ist das Gerstruber Klima im

Sommer milder als jenes im Tal, und die

Pflanzen gedeihen fantastisch. Im Frühjahr

gab es viel Bärlauch hier oben. Dodier hat

gleich ein paar Bärlauch-gerichte auf die

Speisekarte gesetzt.


32 Bergsteiger 08⁄13


TOUREN

Für Liebhaber großer Panoramen

Die Touren rund um Oberstdorf sind dafür bekannt, dass

sie besonders eindrucksvolle Aussichten bieten.

1 Über den Fellhorngrat

3 Laufbacher Eck (2179 m)

Ein Tag,

der bleibt.

▶ leicht 3½ Std.

Gondel 600 Hm

Charakter: Leichte Grattour vom

Gipfel des Fellhorns auf dem Grenzkamm

zwischen Bayern und Vorarlberg,

über den Schlappoldkopf und

den Söllerkopf zum Schönblick auf

gut befestigten Wegen. Artenreiche

Botanik, sagenhafter Ausblick auf das

Gottesackerplateau im Kleinwalsertal,

dem Allgäuer Hauptkamm am Ende

des Stillachtals und eine Fülle an

anderen Berggipfeln. Hinunter geht

es mit der Söllereckbahn. Alternativ

lohnt sich der Abstieg über den

Naturerlebnispfad zur Hochleite

und weiter über den Freibergsee,

zurück nach Oberstdorf (ca. 3 Std.

zusätzlich).

Ausgangspunkt: Gipfelstation der

Fellhornbahn (1967 m)

Einkehr: Gipfelrestaurant Fellhornbahn

(1967 m), Söller-Alpe (1522

m), Berghaus am Söller (1445 m),

Berggasthaus Schönblick (1345 m)

Route: Gipfelstation der Fellhornbahn

– Fellhorngipfel – Schlappoldkopf

– Söllerkopf – Söllereck

– Söller-Alpe – Schönblick – mit der

Söllereckbahn hinunter – per Bus

nach Oberstdorf

2 Gerstruben (1155 m) und

Hahnenkopf (1735 m)

▶ leicht 5 Std.

900 Hm 900 Hm

Charakter: Zunächst führt der

Weg über Straßen (für allgemeinen

Verkehr gesperrt). Schon bald kann

man den abwechslungsreichen Weg

durch den Hölltobel einschlagen (bei

Regen nicht zu empfehlen). Von dort

geht es weiter bis nach Gerstruben

über einen gut angelegten Steig.

Zum Hahnenkopf führen kleinere

Bergwege, die nach Regen sehr

matschig sein können.

Ausgangspunkt: Parkplatz beim

Oberen Renksteg (824 m)

Einkehr: Berggasthof Gerstruben,

Mitte Juli bis Mitte Oktober durchgehend

geöffnet, Tel. 0 83 22/

95 92 90

Route: Parkplatz – Dietersberg

– Hölltobel – Gerstruben – Älpele –

Hahnenkopf

▶ mittel 4½ Std.

250 Hm 1100 Hm

Charakter: Herrliche, teils steile

Panoramatour über einen Höhenweg,

der etwa längs der 2000-Meter-

Grenze über dem Oytal steile Hänge

quert und so freie Ausblicke gewährt.

Besonders imponierend zeigen sich

die Höfats (2258 m) und der alles

überragende Hochvogel (2592 m).

Wichtig: vor der Tour Abfahrtszeiten

zurück nach Oberstdorf checken!

Ausgangspunkt: Nebelhornbahn Station

»Höfatsblick« (1929 m)

Einkehr: Restaurant Höfatsblick

(1929 m), Giebelhaus (1069 m)

Route: Nebelhornbahn – Schochensattel

– Laufbachereck – Schönberghütte

– Bärgündeletal – Giebelhaus

– per Bus zurück nach Oberstdorf

4 Schlappoldalpe

▶ leicht 3½ Std.

420 Hm 420 Hm

Charakter: Leichte Wanderung auf

dem aussichtsreichen, sanft geschwungenen

Fellhornkamm auf gut

befestigten Wegen. Botaniker kommen

vor allem im Frühsommer zur

Blüte der Alpenrose auf ihre Kosten.

Einsam ist man hier aber nicht.

Ausgangspunkt: Fellhorn Mittelstation

(1780 m)

Einkehr: Schlappoldalpe (1760

m), Tel. 01 51/14 91 00 62; Obere

Bierenwangalpe (1737 m)

Route: Fellhorn Mittelstation –

Schlappoldsee – Schlappoldalpe

– Schlappoldkopf – Fellhorngipfel

– Fellhornbahn-Gipfelstation –

Gundsattel – Obere Bierenwangalpe

– Fellhornbahn-Mittelstation

Mit dem

Bayern-Ticket

für nur 22 Euro

und 4 Euro

je Mitfahrer.

Ticket gilt auch in:

Weitere Informationen,

Ausflugstipps und Kauf

unter bahn.de/bayern

Mit persönlicher Beratung für 2 Euro mehr.

Erhältlich für bis zu 5 Personen.

Die Bahn macht mobil.


AUF TOUR

Durchs wilde Aostatal

Der König des

Gran Paradiso

Einst war der Alpensteinbock

nahezu ausgerottet.

Nur im Aostatal überlebten

einige Exemplare – von ihnen

stammen sämtliche Artgenossen

in den Alpen ab.

Von Christina Warta

Fotos: Luca Fassio/Archivio FGP, Massimo Re Calegari/Archivio FGP

Sie kommen in aller Stille, unbemerkt.

Plötzlich stehen sie in den

grünen, von Felsen durchsetzten

Hängen: drei, vier, dann sechs

Steinböcke. Unverwandt blicken

sie hinüber zu den menschlichen Beobachtern,

die gerade noch leise plauderten,

jetzt mit einem Mal verstummen und dann

hektisch nach ihren Kameras kramen. Die

prachtvollen Tiere dagegen scheint es nicht

zu stören, dass da wieder einmal Zweibeiner

in ihrem Revier umherlaufen. Sie neigen

die Köpfe mit den mächtigen Hörnern,

rupfen etwas Gras. Dann schreiten sie weiter,

langsam, geräuschlos, majestätisch.

Warum auch nicht? Die Herrschaft von

Capra ibex hier im Nationalpark

Gran Paradiso ist schließlich

eine unangefochtene.

Den meisten Bergsteigern

ist der Gran

Paradiso natürlich

ein Begriff:

Mit

4061 Metern

knackt

der Gipfel gerade eben so die Viertausender-Grenze

und ist nicht zuletzt deshalb

eine beliebte Herausforderung

für

ambitionierte

Gipfelbezwin- ger. Sein Massiv

liegt im äußersten Nordwesten Italiens:

dem Aostatal, autonome Provinz wie auch

Südtirol, in dem Italienisch und Französisch

gesprochen wird. Hier liegt der

älteste Nationalpark Italiens, der den gleichen

verheißungsvollen Namen wie der

Gipfel trägt: der Gran-Paradiso-Nationalpark.

Über 70 000 Hektar nimmt

das Schutzgebiet ein und grenzt im Westen

an den französischen Nationalpark Vanoise.

Dass man hier und auch anderswo in den

Alpen heute überhaupt noch Alpensteinböcke

beobachten kann, hat man ausgerechnet

einem jagdverrückten Herrscher zu verdanken:

dem Savoyerkönig Viktor Emanuel

II. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts jagten die

Menschen, die in den Tälern rund um den

Gran Paradiso lebten, alles, was ihnen vor

die Flinte kam: nicht nur Steinböcke, sondern

auch Gämsen und sogar Murmeltiere.

Der Steinbock stand kurz vor der Ausrottung

– bis Viktor Emanuel II. das Areal zum

34 Bergsteiger 08⁄13


Spiegel der Natur: einer

der wunderbaren

Djouanseen auf mehr

als 2500 Metern oberhalb

von Valsavarenche

08⁄13 Bergsteiger 35


Steinböcken offenbar eher degoutant fand.

»Er hatte null Interesse an der Jagd«, sagt

Vuillermoz. Und so schenkte er das rund

2000 Hektar große Jagdrevier 1920 der italienischen

Regierung. Aus dem Gebiet wurde

zwei Jahre später der erste Nationalpark

Italiens. Während der folgenden Weltkriege

wurde kaum mehr kontrolliert, und so

sollte der Steinbock erneut fast ausgerottet

werden. Von den 4000 Tieren, die vor den

Kriegsjahrzehnten in der Gegend lebten,

existierten in den 1940er-Jahren gerade

noch 400 Stück in den unzugänglichen Tälern

rund um den Gran Paradiso.

Fotos: Roberto Maggioni/Maggioni Tourist (2), Massimo Re Calegari/Archivio FGP, Enzo Massa Micon/Archivio FGP

Stein auf Stein: die typisch lokale Architektur in den Seitentälern

KOMPAKT

Der Weg zu den

den Steinböcken

Anreise: Von Deutschland führt die kürzeste

Strecke über Luzern durch den Gotthard-Tunnel,

vor dem sich der Verkehr allerdings nicht

selten staut. Deshalb gelten die Routen durch

die Schweiz und den Großen-St.-Bernhard-

Tunnel oder über den Brennerpass und durch

Norditalien ins Aostatal als zügigere Varianten.

Mautkosten fallen auf allen Routen an: für die

Autobahnvignette in der Schweiz, die Gebühr

durch den Großen-St.-Bernhard-Tunnel, aber

auch für den Brennerpass und die Autobahnen

in Österreich und Italien. Alternative

Anreise möglich mit dem Flugzeug oder

der Bahn bis Turin und von dort weiter zum

Hauptort Aosta, von wo aus Busverbindungen

in die einzelnen Täler existieren.

Informationen: Tourismusbüro der Region

Aosta, Piazza Porta Praetoria, 3, I-11100

Aosta, Tel. 00 39/01 65/23 66 27,

aosta@turismo.vda.it, www.lovevda.it

Nationalpark Gran Paradiso: www.pngp.it.

Umfangreiche Tourensammlung auch unter

www.giroparchi.it

Karten: Das regionale Tourismusbüro hat

Wanderkarten für das Aostatal im Maßstab

1:25 000 herausgebracht, die das gesamte

Tal abdecken und gegen eine Schutzgebühr

von zwei Euro erhältlich sind. Kompass-Karte

1:50 000, 86 »Gran Paradiso – Valle d’Aosta«.

königlichen Jagdrevier erklärte und das Volk

kurzerhand aussperrte. Zwei, manchmal

auch drei Wochen im Jahr reiste die royale

Entourage nach Cogne oder Valsavarenche,

damit der König seinem Hobby nachgehen

konnte. Fotos zeigen den Herrscher mit Dutzenden

erlegten Steinböcken zu seinen Füßen.

Nun jagte nur noch er allein mit Unterstützung

seiner Vasallen – Nachhaltigkeit

der eher ungewöhnlicheren Art.

Königliche Hütten

»Es stimmt: Er tötete viele Steinböcke«, sagt

Luisa Vuillermoz, Direktorin der Nationalpark-Stiftung

Gran Paradiso. Noch heute

kann man in der Burg Sarre, die 1869 vom

Haus Savoyen gekauft wurde und als Jagdresidenz

diente, hunderte Gämsen- und Steinbockgeweihe

im Trophäensaal besichtigen.

»Aber Viktor Emanuel stellte auch Regeln

auf und Jagdwächter ein. Das war die Basis

für den heutigen Nationalpark«, sagt Vuillermoz.

Und nicht nur das: Die einstigen Jagdunterkünfte,

etwa die Schutzhütten Chabod

oder Vittorio Emanuele II, bieten heute den

Wanderern Rast- und Nächtigungsmöglichkeiten

im Nationalpark. Auch die beliebten

breiten Wanderwege hat seinerzeit der

König anlegen lassen, damit seine Jagdhelfer

mit Pferden alles Nötige transportieren

konnten. Man habe, so Vuillermoz, damals

außergewöhnlich viel investiert.

Die Schweiz, wo der Steinbock ebenfalls

ausgerottet war, bediente sich zu Beginn

des 20. Jahrhunderts gar des raren Genpools

und griff zu einer besonderen Variante der

Wiederansiedlung: Man stahl einige Tiere

aus dem italienschen Nationalpark und

– so geht das Gerücht – kreuzte sie mit

Ziegen. »Alle Steinböcke im gesamten Alpenbogen

sind gewissermaßen Söhne und

Töchter der Tiere aus dem Gran-Paradiso-

Nationalpark«, sagt Luisa Vuillermoz, »unsere

Steinböcke sind ihrer aller Großeltern.«

Dass die Tiere ein richtiges Schutzgebiet bekamen,

war Viktor Emanuel III. zu verdanken,

der das massenhafte Abknallen von

Symbol statt Bedrohung

Die strikten Maßnahmen, die nach dem

Ende des Zweiten Weltkriegs ergriffen wurden,

zeigten indes Wirkung: Der Bestand

erholte sich. In den 60er- und 70er-Jahren

stieg zwar die Zahl der Steinböcke weiter

an, doch kämpfte die Parkverwaltung

»regelrechte Kriege«, so Vuillermoz, mit

der örtlichen Bevölkerung: Die Menschen

fühlten sich eingeschränkt vom Reglement

des Nationalparks. Sie hatten das Gefühl,

der Naturschutz sei wichtiger als ihre Bedürfnisse.

Es dauerte, bis sich die Wogen

glätteten und »die Menschen verstanden,

dass der Park ihre einzige Ressource ist«.

Heute leben rund 8000 Menschen in den

13 Gemeinden in und rund um den Park.

»Die Jüngeren in der Gegend leben ganz

natürlich mit dem Park. Er ist keine Bedrohung,

sondern ein wertvolles Erbe«, sagt

Luisa Vuillermoz. Mittlerweile gibt es ein

friedliches Nebeneinander von Mensch

und Natur.

Heute ist der Steinbock im Nationalpark

Gran Paradiso und dem östlich angrenzenden

Regionalpark Mont’Avic nicht mehr

bedroht. Rund 2500 Exemplare leben in

der Gegend. Wanderer können fast sicher

davon ausgehen, auf Touren wenigstens

eines der königlichen Tiere zu erspähen.

»Der Steinbock ist ein Symbol«, sagt Luisa

Vuillermoz. »Er ist unsere Ikone.« ◀

Wieder oft zu sehen: der Alpensteinbock

36 Bergsteiger 08⁄13


TOUREN

Gämsen und Gletscher am Horn Italiens

Vier Touren im Nationalpark Gran Paradiso zu ehemaligen königlichen Jagdhäusern,

vorbei an Wild und Wasserfällen – hinein in die grandiose Bergwelt des Aostatals

1 Zur Parkwächterhütte Arolla

(2258 m) im Cognetal

▶ mittel 4 Std.

650 Hm 650 Hm

Charakter: Aussichtsreiche Tour vor

Hochgebirgskulisse, Steinbock und

Steinadler inklusive. Am besten von

Juni bis Oktober.

Ausgangspunkt: Lillaz (1602 m)

Route: Von Lillaz zunächst auf einer

nicht asphaltierten Straße, dann

auf einem Saumweg ins Valeilletal.

Auf dem Weg zur gleichnamigen Alp

genießt man eine grandiose Aussicht

auf die Gletscher des Talendes. Durch

Lärchen- und Tannenwald sowie

Laubhaine entlang des Baches wandert

man dem Schlussanstieg zu, der

den Wanderer zur Parkwächterhütte

im Arolla-Seitental führt.

2 Zu den Djouanseen (2516 m)

im Valsavarenche

▶ mittel 7 Std.

980 Hm 980 Hm

Charakter: Auf dem historischen

Saumweg zum ehemaligen königlichen

Jagdhaus Orvieille. Hier startete

Viktor Emanuel II. zu seinen Jagden,

und hier machen heute Naturfreunde

fette Beute: Sie sehen Murmeltiere

und Steinböcke sowie wunderbar

blühende Almwiesen.

Ausgangspunkt: Dégioz (1540 m)

Route: Von Dégioz, dem Hauptort

des Valsavarenche, über den Bach

Savara zum Weiler Vers le Bois, wo

der historische Saumweg Richtung

Orvieille beginnt. Durch den Wald

und über Weiden gelangt man zum

historischen Jagdhaus. Von hier

wandert man weiter über das Plateau

von Orvieille in Richtung der Alpen

Djouan und Tzoplana, ein sanfter

Anstieg führt in das Seitental der

Djouanseen.

3 Zur Gontierhütte und der

Alpe Gran Nomenon (2309 m)

▶ mittel 6 Std.

990 Hm 990 Hm

Charakter: Das Cognetal ist ein

Dorado für Wanderer – und der Weg

zur Alpe Gran Nomenon eine beliebte

Tour zu Beginn des Tals von Juli bis

Oktober.

Ausgangspunkt: Sylvenoire (1324 m)

im Cognetal

Route: Vom kleinen Dorf Sylvenoire

wandert man über einen Kiesweg bis

zur Alpe Plan Pessey, überquert den

Bach und trifft auf den aus Vieyes

aufsteigenden Saumweg. Man steigt

bis zu einer Abzweigung, geht rechts

und durch einen dichten Fichtenwald

weiter hinauf zur Parkwächterhütte

Chantel. An der naheliegenden

Abzweigung wendet man sich nach

Überragendes Massiv: der

Viertausender Gran Paradiso

links. Oberhalb der Weidefl ächen

liegen die Hütten Gran Nomenon,

unweit davon die Schutzhütte Mario

Gontier. Von hier aus kann man

die majestätische, von mehreren

Gletschern überzogene Nordwand der

Grivola bewundern.

4 Vom Valsavarenche über

den Col Lauson (3296 m)

nach Valnontey

▶ schwierig 8–10 Std.

1600 Hm 1600 Hm

Charakter: Anstrengende, alpine,

aber landschaftlich grandiose

Überquerung eines fast 3300 Meter

hohen Passes zum Rifugio Vittorio

Sella (2584 m). Von dort hinab nach

Valnontey im Cognetal. Im Normalfall

ist die Wanderung ohne Steigeisen

möglich.

Ausgangspunkt: Eau-Roussex (1660

m) im Valsavarenche

Hütte: Rifugio Vittorio Sella, Tel.

00 39/01 65/7 43 10,

www.rifugiosella.com, 160 Betten

Route: Von der Siedlung Eau-

Roussex verläuft der Pfad stramm

bergauf durch Bergwald. Mit Blick

auf die umliegenden Gletscher und

Fast-Viertausender geht es über

weite Almfl ächen mit verfallenen

Steinhütten in endlosen Serpentinen

Richtung Col Lauson. Verlaufen ist

nicht möglich, sofern man den Abzweig

Richtung Rifugio Chabod rechts

liegen lässt (möglich als Rundweg-

Wasser – ruhig, wild

oder gefroren – ist

eines der bestimmenden

Elemente.

Variante; die hier zu überquerende

Felsbarrikade des Colle Ouest del

Gran Neyron, 3295 m, ist allerdings

mit Drahtseil versichert und teilweise

vereist). Auf dem Col Lauson (3296

m) ist der Aufstieg geschafft; der

Weg hinab strapaziert dafür die Knie.

Kurz vor dem Rifugio Vittorio Sella

gibt es so etwas wie eine Steinbock-

Garantie – Scheu kennen diese Tiere

jedenfalls nicht. Nach der Pause auf

der Hütte (gute Küche!) geht es ohne

Umweg vorbei an Wasserfällen und

schließlich durch den Wald hinab

nach Valnontey (1666 m).

08⁄13 Bergsteiger 37


AUF TOUR

Die Glarner

Berge wie Lichtjahre von der Zivilisation entfernt

Galaxis

Das Glarnerland ist bloß eine Stunde von Zürich entfernt.

Dennoch ist diese Bergwelt einsam geblieben.

Zwischen ihrem grünen Talboden und den vergletscherten

Gipfeln des Glärnisch und des Tödi entdecken

Wanderer Orte, von denen manche wirken, als gäbe es

keine Menschen. Von Caroline Fink

38 Bergsteiger 08 ⁄13


Sehnsuchtsort: Hinter

dem Fanenstock, nahe

dem Dorf Elm, kehrt

in der Zwischensaison

die große Stille ein.

Alle Fotos: Caroline Fink

08 ⁄13 Bergsteiger 39


Ballon-Perspektive: Blick vom Vorder

Glärnisch ins Glarner Haupttal

Frühmorgens scheint die Sonne auf

die Hänge oberhalb des Urner Bodens.

Ohne Markierungen käme man auf dem

Karstrücken der Silberen nicht weit.

»Blauster See der Schweiz«:

der Klöntalersee vom Vorder Glärnisch

KOMPAKT

Wanderungen in den Glarner Alpen

Anreise: Mit der Bahn von

Zürich oder Sargans via Ziegel -

brücke – oder mehrmals

täglich direkt mit dem «Glarner

Sprinter» von Zürich – ins

Glarnerland. Weiter per Bus

oder Bahn zu den Ausgangspunkten.

www.sbb.ch

Übernachten: Die meisten

Dörfer bieten Hotels oder

Pensionen. Diverse Berghütten

in der Höhe.

Allgemeine Informationen:

Braunwald-Klausenpass

Tourismus, 8784 Braunwald,

Tel. 00 41/(0)55/6 53 65 65,

www.braunwald.ch; Elm Ferienregion,

8767 Elm, Tel. 00 41/

(0)55/6 42 52 52, www.elm.ch;

Kerenzerberg Tourismus, 8757

Filzbach, Tel. 00 41/(0)55/

6 14 18 18, www.kerenzerberg.ch;

Glarussell, 8750 Glarus,

www.glarusell.com

Fabriken zeugen von der einst

wichtigen Textilindustrie.

Als der Wanderweg zum ersten Mal

die Geländekante erreicht, legen

wir uns bäuchlings ins Gras,

schieben uns vorsichtig an den

Abgrund heran, blicken hinab

und sehen: Luft, so viel Luft, als würden wir

aus einem Ballon auf die Erde blicken. Wir

sind fast auf der Spitze des Vorder Glärnisch,

einem jener Gipfel, die für die Glarner Alpen

so typisch sind. Steil sind seine Felsflanken,

fast senkrecht wirken sie, so dass der Berg

wie ein Wächter über dem Tal aufragt.

Weit unter uns – genauer: 1700 Meter

unter uns – liegt das Glarner Haupttal.

Ein tief eingeschnittenes Tal, das von oben

40 Bergsteiger 08 ⁄13


etrachtet aussieht, als hätte ein Riese mit

einer Axt eine Kerbe in eine wilde Bergwelt

gehauen. Wie weiße Sprenkel liegen

die Häuser des Städtchens Glarus und der

umliegenden Dörfer im Talboden, der im

Sommer so grün leuchtet, als hätte sich ein

Stück Schottland in die Schweiz verirrt.

Nur eine Stunde dauert die Fahrt mit dem

Zug von Zürich nach Glarus. Doch die wanderfreudigen

Städter haben meist andere

Ziele. Wenn kurz vor der Kleinstadt Ziegelbrücke

die Lautsprecher des Waggons knacken

und »Reisende nach Glarus« gebeten

werden umzusteigen, dann plaudern die

Fahrgäste weiter, lesen in der Zeitung, setzen

ihren Weg fort Richtung Graubünden.

Dass kurz nach Ziegelbrücke das Glarner

Haupttal nach Süden abzweigt und sich

rund um dieses ein kleines Universum aus

Bergen und Tälern ausbreitet, scheint in

Vergessenheit geraten.

Einst ein Zentrum der Textilindustrie

So blieben die Glarner Alpen bis heute eine

Welt frei von Touristenströmen. Als wir

kurz nach unserem Ausblick von der Geländekante

auf dem luftigen Gipfel des Glärnisch

stehen, breitet sich um uns eine Welt

aus, in der Sonnenstrahlen noch still über

Bergflanken gleiten, der Wind einsam über

Pässe bläst, Föhnstürme durch Hochtäler fegen

und Gewitter über Berggipfel krachen,

als gäbe es keine Menschen auf Erden.

Dass die Glarner Alpen für sich geblieben

sind, mag an der Vergangenheit dieses Berggebiets

liegen: Passten Bergdörfer wie Chamonix

oder Zermatt in der zweiten Hälfte

des 19. Jahrhundert zu den Traumvorstellungen

des beginnenden Alpentourismus,

gehörte das Glarnerland damals zu einer

der am stärksten industrialisierten Gegenden

Europas. Bis heute erinnern die großen,

weißen Fabrikgebäude im Tal daran, dass

hier einst Tausende von Arbeitern mit verfärbten

Händen in der Textilindustrie tätig

waren. Und dabei Tücher woben und bedruckten,

die so schön waren, dass wohlhabende

Kunden in Skandinavien oder Sumatra

diese kauften und Glarner Fabrikanten

am Fuß des Glärnisch Herrschaftshäuser

mit Gärten voll blühendem Flieder bauten.

Zeugen verblichener Noblesse, an denen

man auf Talwanderungen im Glarnerland

auch heute noch vorbeigeht.

»Einen starken Gegensatz zwischen Industrie

und Bergen«, empfindet Kletterpionier

und Schriftsteller Emil Zopfi denn auch in

diesem kleinen Bergkanton. Vom Vorder

Glärnisch aus sehen wir, wovon er spricht:

Mit bloßem Auge erkennen wir im Tal die

großen Fabrikgebäude aus alten Zeiten,

während direkt hinter uns die wuchtigen

Flanken des über 2900 Meter hohen Vrenelisgärtli,

eines Gipfel des Glärnischmassivs,

in den Himmel ragen. Jenes Berges, der seinen

Namen vom sagenumwobenen Vreneli

erhielt, das angeblich so keck gewesen sei,

auf den Firnfeldern des Gipfels einen Garten

anzulegen und dabei für immer dort

eingeschneit wurde.

Von der Erde in den Himmel

Nicht viel weiter südlich erhebt sich der

3614 Meter hohe Tödi, der höchste Gipfel

der Glarner Alpen. Abweisend wirkt seine

breite Kappe aus Eis und seine dunklen

INFO

General Suworows

Scheitern auf

dem Panixerpass

Im Krieg zwischen Russland und Frankreich

hatte General Alexander Wassiljewitsch

Suworow als erfolgreicher Feldherr im Jahr

1799 in Norditalien gesiegt. Entschlossen,

Paris zu erreichen, zog er daraufhin mit

21 000 Soldaten Richtung Norden durch

die Alpen. Doch die Franzosen trieben ihn

unterwegs so sehr in die Enge, dass er

sich entschied, seine Armee ostwärts über

mehrere Alpenpässe Richtung Österreich

zu führen. Ein waghalsiges Manöver, mit dem

er in die Geschichte einging. Auf tragische

Weise jedoch, denn der Panixerpass zwischen

dem Glarnerland und Graubünden sollte

zu seinem persönlichen Waterloo werden:

Er verlor fast sämtliche seiner 2000 Lasttiere,

25 Geschütze blieben unterwegs

stehen und Hunderte von Soldaten erfroren

im Schneesturm, stürzten ab, wurden

von Lawinen mitgerissen. Suworow selbst

er krank te schwer und starb ein halbes Jahr

später in Sankt Petersburg.

Übrig geblieben von seinem abenteuerlichen

Feldzug durch die Alpen sind Denkmäler

und Gedenkstätten in den Schweizer Bergen.

Und gelegentlich hoher russischer Besuch

zu Ehren des Generalissimus.

Die Alp Mer liegt bis heute einsam auf

der Bündner Seite des Panixerpasses.

Wie weiße Sprenkel

liegen die Häuser

im Talboden, der so

grün leuchtet, als

hätte sich ein Stück

Schottland in die

Schweiz verirrt.

08 ⁄13 Bergsteiger 41


Wie ein Wächter thront der Vorder Glärnisch

über dem Kantonshauptort Glarus.

Vom Chärpfgebiet blicken Wanderer

zum vergletscherten Glärnischmassiv.

TOUREN

Über einsame Pässe und durch wilden Karst

Das Glarnerland bietet Wanderungen in allen Höhenlagen, vom sanften Talboden

über karge Pässe bis hin zu luftigen Gipfeln: die acht schönsten Touren.

1 Vorder Glärnisch (2327 m)

▶ schwierig 6½ Std.

1500 Hm 1500 Hm

Ausgangspunkt: Klöntal, Rhodannenberg

(851 m)

Charakter: Eine steile, teils ausgesetzte

und abwechslungsreiche

Wanderung auf einen der schönsten

Aussichtsgipfel des Glarnerlands.

Route: Rhodannenberg – Hinter

Saggberg – Vorder

Glärnisch – Rhodannenberg

2 Fridlispitz (1624 m)

Tourenkarte 7

Heftmitte

▶ mittel 5 Std.

1200 Hm 1200 Hm

Ausgangspunkt: Oberurnen (430 m)

Charakter: Eine Wald- und Wiesentour,

die direkt aus dem Tal auf einen

Aussichtsgipfel führt.

Route: Oberurnen – Tschingel –

Gugger – Fridlispitz – Brunnenberg –

Läuferberg – Bränden – Näfels

3 Durch das Löntschtobel

▶ leicht 4¼ Std.

700 Hm 700 Hm

Ausgangspunkt: Bahnhof Glarus

(472 m)

Charakter: Diese Wanderung lässt

einen direkt vor den Toren Glarus in

ein unberührtes Stück Glarner Wald

eintauchen.

Route: Bahnhof Glarus – Riedern

– Löntschtobel – Rhodannenberg –

Schwammhöchi – Vorder Saggberg

– Unter Sagg – Bahnhof Glarus

4 Karstwanderung bei

Braunwald

▶ mittel 4 Std.

500 Hm 500 Hm

Ausgangspunkt: Bergstation Gumen

(1900 m)

Charakter: Eine Rundwanderung,

die dank der Seilbahn auf nicht allzu

langem Weg mitten in die Welt der

Karstfelder führt.

Route: Bergstation Sesselbahn Braunwald-Gumen

– Bützi – P. 2056 – P. 2101

– Lauchboden – Grind – Bützi – Gumen

5 Silberenseeli (1944 m)

▶ mittel 4½ Std.

900 Hm 900 Hm

Ausgangspunkt: Chäseren (1272 m)

Charakter: Über Almen in einen

wunderbar wilden Kessel aus Karst,

in dem einsam das hellblaue Silberenseeli

liegt.

Route: Chäseren (Taxi ab Klöntalersee,

Tel. 00 41/(0)55/6 40 11 77)

– Zeinenstafel – Dräckloch – Silberenseeli

– Läcki – Schattgaden – Dräckloch

– Zeinenstafel – Chäseren

6 Leglerhütte SAC (2273 m)

▶ leicht 4½ Std.

830 Hm 830 Hm

Ausgangspunk: Bergstation Luftseilbahn

Kies-Mettmen (1600 m)

Charakter: Fels und Wasser prägen

diese abwechslungsreiche Wanderung

durch das älteste Jagdbanngebiet

der Schweiz. In der Leglerhütte lässt

es sich gut rasten und übernachten.

Route: Bergstation Luftseilbahn Kies-

Mettmen – Ober Stafel – Sunnenbergfurggele

– Leglerhütte – Ängisee

– Matzlenfurggelen – Bergstation

Luftseilbahn Kies-Mettmen

7 Panixerpass (2404 m)

▶ schwierig 7 Std.

1450 Hm 1150 Hm

Ausgangspunk: Elm (977 m)

Charakter: Eine große Wanderung

über einen der schönsten Wanderpässe

der Alpen, der vom Glarner

Sernftal in die Bündner Surselva führt.

Route: Elm – Jetzberg – Lochhüttli –

Häxenseeli – Panixerpass – Alp Mer –

Alp Ranasca – Pigniu; Übernachtung in

der unbewirtschafteten Panixerpasshütte

möglich.

8 Zeinenfurggel

Tourenkarte 8

Heftmitte

▶ schwierig 6 Std.

1350 Hm 1250 Hm

Ausgangspunk: Bergstation Seilbahn

Luchsingen-Brunnenberg (1000 m)

Charakter: Meist steil, oft weglos

und alles andere als knieschonend:

Dieser selten begangene Wanderpass

bietet dank Firn und Gletscher

Hochtourengefühle.

Route: Bergstation Seilbahn Luchsingen-Brunnenberg

– Bösbächi –

Mittler Stafel – Schwiböden – Zeinenfurggel

– Zeinenstafel – Chäseren

(Taxi zum Klöntalersee Tel. 00 41/

(0)55/6 40 11 77)

42 Bergsteiger 08 ⁄13


Felswände, über die sich Gletscher winden.

Ein Ort, an dem es nichts außer Fels und

Eis, Geröll und Schotter gibt: d’Ödi, die Öde,

nannten ihn die Bergbewohner vor Jahrhunderten.

Als schier unüberwindbarer

Riegel bildet er den südlichen Talabschluss

des Glarnerlandes. »Ein Ende der Welt« sei

er für die Glarner lange gewesen, sagt Emil

Zopfi, «ein Übergang von der Erde in den

Himmel.» Und doch wagten sich schon vor

Jahrhunderten Säumer mit ihren Waren

über seine Flanken, heute sind es Bergwanderer,

die über die weiten, wilden Wege des

Panixerpasses oder des Sandpasses ins südliche

Bündnerland streben.

Noch karger als der Tödi sind im Glarnerland

nur die Karstfelder, die zu den größten der

Schweizer Alpen gehören. Jene Steinwüsten

aus Kalk, weit und weiß, wie Gletscher aus

Kalkplatten, durchzogen von Rinnen, Rissen

und Spalten. Landschaften, die der Wanderbuchautor

Fridolin Becker im Jahr 1912

als »Labyrinthe unter offenem Himmel«

bezeichnete, »wo man bei hellem Tage, geschweige

bei Nacht oder bei Nebel zusehen

mag, wie man durchkommt«. Landschaften

aber, die er dennoch so eindrücklich fand,

dass er damals schon jedem »rüstigen Besucher«

riet, einen »Streifzug in diese fremde

Welt der Kalkwüsten zu machen«.

Edelweiß am Wegesrand

Vielleicht liegt es an diesen Höhen aus Karst

und Geröll, Fels und Eis, dass die Bergseen

und Alpenblumen in den Glarner Alpen daneben

wie kleine Schätze wirken. Die Alpenanemonen,

Teufelskrallen und Feuerlilien

etwa im Pflanzenschutzgebiet oberhalb des

Dorfs Braunwald. Oder die Männertreu, die

nach Kakao riechen, und die Edelweiße,

die mancherorts dank kalkhaltigem Boden

direkt am Wegrand wachsen. Sie lassen

Wanderer immer wieder innehalten und

staunen. Genau so die kleinen Bergseen

wie etwa das Silberenseeli: Inmitten einer

Kalkwüste gelegen, schimmert es so hellblau,

dass man sich für einen Moment in

Neukaledonien meint, in Island oder im

Himmel sogar.

Auch auf unserem luftigen Gipfel fühlen

wir uns an diesem Sommertag ein wenig

wie im Himmel. Eine lange Weile stehen

wir neben dem Gipfelkreuz, lassen Blick

und Gedanken schweifen und erinnern uns

TIPP

Das Buch

zum Thema

Caroline Fink »Das große Wanderbuch

Glarnerland«. Im großformatigen Bildband

stellt Autorin und Fotografi n Caroline Fink

40 Wanderungen in den Glarner Alpen vor –

mit vielen Infos zu den Touren.

Fink erzählt kleine und große

Geschichten aus dieser

Schweizer Bergregion und

lässt den Leser eintauchen

in die mal bunte, mal

karge, mal sanfte, mal wilde

Welt der Glarner Alpen.

168 Seiten, 21 x 28 cm,

gebunden, AT Verlag,

Aarau und München

2013, 39,90 €

an die Worte des Berner Schriftstellers Otto

Zinnikers, der Anfang des 20. Jahrhunderts

auf einer Wanderung in den Glarner Alpen

schrieb: »Je höher ich stieg, desto freier und

weiter wurde die Welt.«


(c) Michael Huber

(c) Gerald Lobenwein


AUF TOUR

Von der Elmauer Alm hat

man einen sagenhaften Blick

ins Wettersteingebirge.

Schiene

statt Stress

Das Bergdorf Gerstruben (oberes

Bild) hoch über dem Dietersbachtal.

Das Hotel Kranzbach ist

vom Bahnhof Klais für Wanderer

gut zu erreichen (unteres Bild).

Wer gerne wandert, sei’s in den Bergen

oder im Alpenvorland, muss in

aller Regel erst einmal hin. Denn

die wenigsten wohnen gleich mitten im

Wunder-Wanderland, eher schon in einer

Stadt. Ist das angepeilte Ziel nicht zu weit

weg, kann man sich aufs Radl schwingen,

sonst steigt man ins Auto. Wer’s mit dem

Zweirad versucht, sollte einigermaßen trainiert

sein; der Automobilist braucht zwar

weniger Kraft, dafür aber manchmal eine

Portion Geduld. Das liegt daran, dass man

hierzulande am liebsten ins Steuerrad greift,

wenn es darum geht, die Freizeit sinnvoll zu

gestalten. Und weil das so viele tun, kommt’s

auf dem Weg immer mal wieder zu Staus.

Es geht auch anders, feudaler. Nein, ich meine

nicht die Kutsche aus der guten alten Zeit,

sondern die Eisenbahn: Man lässt fahren,

lehnt sich zurück, schaut aus dem Fenster,

sieht, wie die grünen Hügel allmählich näher

kommen, entdeckt zwischen Kuhweiden

einen Voralpensee. Und am Horizont stehen

die Karwendelberge, kantig und felsgrau. Irgendwo

zwischen Murnau und Traunstein

steigt man dann aus dem DB-Regio-Zug, der

Rucksack wird geschultert: Auf geht’s!

Kein Stress, sondern gesunde Entspannung.

Vor allem ältere Semester wissen das zu

schätzen, auch Familien reisen gerne mit

der Bahn. Hinterher, der Gipfel ist bezwungen,

die Sahnetorte auch, lehnt man sich bequem

zurück auf der Fahrt nach Hause. Und

wenn in Sichtweite gerade ein endloser Tatzelwurm

aus Blech »stop and go« zelebriert,

so mancher Nerv blank liegt, denkt sich der

Feudal-Reisende: selber schuld.


INFO

Mit der Bahn

zum Berg

Lisa Bahnmüller, Tassilo Wengel

»Die schönsten Wanderungen

mit dem Bayern-Ticket für

Jung und Alt«, 144 S., 120

Abb., Format 16,5 x 23,5 cm,

Klappenbroschur mit Fadenheftung,

€ 17,95, J. Berg Verlag,

München 2013

In dem Führer werden 35

leichte, für Familien und Senioren

bestens geeignete Rund- und

Streckenwanderungen in ganz Bayern

vorgestellt. Die An- und Rückreise

erfolgt dabei stets per Bahn, manchmal

in Verbindung mit einem Regionalbus.

Eine Anleitung für stressfreie

Tage draußen in der Natur.

44 Bergsteiger 08⁄13


TOUREN

Acht ausgewählte Bahn-Wanderungen am Alpenrand

Eugen E. Hüsler hat Touren ausgewählt, deren Start- und

Endpunkte perfekt mit der DB-Regio Bayern erreichbar sind.

Fotos: Lisa Bahnmüller, Tassilo Wengel, Tegernseer Tal Tourismus GmbH/B. Ritschel

1 Breitachklamm

▶ leicht 2½ Std.

200 Hm 200 Hm

Charakter: Spannende Klammwanderung

mit gemütlichem Auftakt

– bestens geeignet für heiße Sommertage.

Auch Kinder haben natürlich

ihren Spaß an den tosenden Wassern

und der spektakulären Felskulisse.

Ausgangs-/Endpunkt: Bahnhof

Oberstdorf; weiter mit dem Bus zum

Gasthof Breitachklamm (830 m)

Einkehr: Gasthaus Alpe Dornach,

Gasthof Breitachklamm

Route: Gasthof Breitachklamm –

Gsessel (960 m) – Zwingsteig –

Walserschanz – Breitachklamm –

Gasthof Breitachklamm

2 Gerstruben (1155 m)

▶ leicht 4 Std.

350 Hm 350 Hm

Charakter: Ein klassisches Wanderziel

in der näheren Umgebung von

Oberstdorf ist die alte Walsersiedlung

Gerstruben im Mündungsbereich des

Dietersbachtals. Bei schönem Wetter

lohnt es sich, noch ein Stück weit ins

Tal hinein zu wandern, mindestens

bis zur Gerstrubner Alpe (1216 m).

Ausgangs-/Endpunkt: Bahnhof

Oberstdorf (813 m)

Einkehr: Berggasthof Gerstruben,

Hotel und Café Gruben

Route: Bahnhof Oberstdorf – Moorbad

– Golfplatz – Dietersbachtobel

(Hölltobel) – Gerstruben – Raut

(1125 m) – Gottenried – Gruben –

Bahnhof Oberstdorf

3 Hohenpeißenberg (988 m)

▶ leicht 3 Std.

400 Hm 400 Hm

Charakter: Nicht umsonst wird der

Hohenpeißenberg als »Rigi Oberbayerns«

bezeichnet. Von dem Inselberg

genießt man ein phänomenales

Panorama; nicht weniger als elf Seen

und 324 Kirchtürme sollen zu sehen

sein. Und dann die Alpen! Vom

Wendelstein bis zum Grünten stehen

sie alle, die Gipfel der Bayerischen

Alpen, mit dem höchsten, der Zugspitze

(2962 m), genau im Süden.

Ausgangs-/Endpunkt: Bahnhof

Peißenberg (591 m)

Einkehr: Berggasthof Bayerischer Rigi

Route: Bahnhof Peißenberg – Weinbauer

(763 m) – Mitterschwaig (823

m) – Hohenpeißenberg – Taigschuster

(850 m) – Michaelskapelle (685 m)

– Bahnhof Peißenberg

4 Burgruine Werdenfels (795 m)

▶ leicht 3 Std.

300 Hm 300 Hm

Charakter: Leichte Höhenwanderung

mit bezaubernden Ausblicken auf

die schönsten Garmischer Berge:

Alp- und Zugspitze, dazu der schroffzackige

Waxenstein. Die Hangwanderung

lässt sich leicht bis Grainau

erweitern.

Ausgangspunkt: Bahnhof Farchant

(672 m)

Endpunkt: Bahnhof Garmisch-

Partenkirchen (707 m)

Einkehr: Werdenfelser Hütte, Gasthaus

Pfl egersee

Route: Bahnhof Farchant – Burgrain

(698 m) – Burgruine Werdenfels

– Pfl egersee – Kellerleitensteig –

Bahnhof Garmisch-Partenkirchen

5 Elmauer Alm (1203 m)

▶ leicht 3¼ Std.

420 Hm 420 Hm

Charakter: Absolutes Highlight

dieser gemütlichen Wald- und

Wiesenwanderung ist die Aussicht

von der Elmauer Alm auf Wetterstein

und Karwendel. Weiter sehenswert:

Schloss Elmau, 1914–16 erbaut

(heute Luxushotel)

Ausgangspunkt: Bahnstation Klais

(933 m)

Einkehr: Elmauer Alm

Route: Bahnhof Klais – Kranzbach

(1034 m) – Elmauer Alm – Drüsselgraben

– Kranzbach – Bahnhof Klais

6 Tegernseer Höhenweg

▶ leicht 2 Std.

100 Hm 100 Hm

Charakter: Ausgedehnter Spaziergang

über dem Ostufer des

Tegernsees mit Aussicht auf das

Gewässer und seine Bergkulisse: eine

Voralpenidylle, die schon seit zwei

Jahrhunderten vor allem Reiche und

Berühmte anzieht. Tendenz allerdings

eher sinkend.

Tipp: Nach der wenig beschwerlichen

Hangwanderung lohnt sich ein

Bummel durch den Ort Tegernsee,

vielleicht mit Einkehr im legendären

Bräustüberl.

Ausgangspunkt: Bahnhof Gmund

(735 m)

Endpunkt: Bahnhof Tegernsee

(759 m)

Einkehr: In Tegernsee

Route: Bahnhof Gmund – Gasse –

Oberbuchberg – Bahnhof Tegernsee

7 Petersberg (848 m)

▶ leicht 3 Std.

370 Hm 370 Hm

Charakter: Sakrale Kunst, verfallene

Räubernester, dazu ein paar hübsche

Blick vom Ostufer oberhalb von

Tegernsee nach Bad Wiessee

Ausblicke auf das Inntal und die Berge

auf seiner Ostseite bietet diese kleine

Wanderung. Und praktischerweise

steht am höchsten Punkt gleich noch

eine Wirtschaft – was will man mehr?

Ausgangspunkt: Bahnhof Flintsbach

(478 m)

Einkehr: Gasthof am Petersberg

Route: Bahnhof Flintsbach – Ruine

Falkenstein – Petersberg – Ruine

Rachelburg – Wagnerberg – Bahnhof

Flintsbach

8 Ratzinger Höhe (694 m)

▶ leicht 3½ Std.

250 Hm 250 Hm

Charakter: Viel Aussicht auf Berge

und Seen des Chiemgaus bietet diese

leichte Wanderung, die lediglich

mit einem etwas steileren Anstieg

aufwartet. Interessant: der »Obst- und

Kulturweg«. Sehr einladend: die Terrasse

des Berggasthofs Weingarten.

Ausgangspunkt: Bahnhof Bad Endorf

(522 m)

Endpunkt: Bahnhof Prien (532 m)

Einkehr: Café-Restaurant Weingarten,

Gasthof Werndl (Greimharting)

Route: Bahnhof Bad Endorf – Thalkirchner

Moos – Thalkirchen – Ratzinger

Höhe – Weingarten – Greimharting

– Pinswang – Prien am Chiemsee

08⁄13 Bergsteiger 45


INTERVIEW


Das große

-Interview

Rufus und Jonathan Beck

»Bergsteiger sind

auch so Zigeuner«

Millionen Menschen kennen seine Stimme. Der Schauspieler Rufus Beck hat die

Abenteuer des Harry Potter vertont, bis zu 80 verschiedene Stimmen imitiert er in den

Hörbüchern. Die Berge durften in seiner Karriere nie zu kurz kommen, die Kinder nahm

er kurzerhand mit. Sohn Jonathan, ebenfalls Schauspieler und sportbegeistert, bezeichnet

die Berge als Heimat. Ein Gespräch über Erziehung – in beide Richtungen.

Von Michael Ruhland und Sandra Zistl

Foto: Meike Birck

BERGSTEIGER: Sie teilen die Leidenschaft

für den Schauspieler-Beruf und für die Berge.

In ihrer Branche ist das eher selten, oder?

Rufus Beck: Dabei gibt es viele Parallelen.

Man kann sowohl im Theater als auch auf

dem Berg abstürzen. Und in der Kunst will

man immer hoch hinaus und den nächsten

Gipfel erreichen.

Jonathan Beck: Und wir entspannen in den

Bergen.

Rufus: Die Urlaube, die wir machen, wären

für andere eine Tortur.

Für andere Künstler?

Rufus: Als ich früher noch in München am

Theater war, war ich der einzige, der rausging.

Die kannten ja alle nix – außer ihrer

Kantine. Theaterschauspieler sind dann

soo… (legt die Hände wie Scheuklappen an die

Schläfen) Zum Teil verstehe ich das ja. In dem

Job braucht man eine gewisse Hybris, muss

in der Lage sein, sich zu fokussieren: Da

denkt man, es gibt jetzt in München nichts

Wichtigeres als dieses Stück. Aber wenn

man dann ein bisschen draußen ist, merkt

man: Das stimmt nicht. Man braucht Distanz,

um Nähe zu ertragen.

Jonathan: Berge erden. Sie lehren einen

Demut.

1988 kamen Sie nach München. Ist dort

Ihre Liebe zu den Bergen erwacht?

Rufus: Das erste, was ich gemacht habe,

war: die Zugspitze hochklettern. Ich hatte

null Ahnung. Vom Klettersteig hatte ich

gehört, aber nichts dabei. Als ich vor der

Wand stand, wurde mir ganz anders. Ich

fragte andere Bergsteiger, ob sie ein Seil für

mich hätten.

Sie konnten damals schon klettern?

Rufus: Ja, naja,…

Jonathan: (fasst seinen Vater am Arm und unterbricht

ihn grinsend) Er stürzt sich gerne in

Sachen, in denen er noch kein Profi ist.

Ihre Heimat ist Heidelberg, die Berge

lernten Sie erst als Erwachsener kennen?

Rufus: Im Odenwald besuchte ich ein Internat.

Mit Bayern kam ich schon früher in Be-

rührung, da meine Eltern einen Bauernhof

bei Passau gekauft hatten.

Jonathan: Gut, aber wann hast du Skifahren

gelernt?

Rufus: Spät. Ich war durch meinen Beruf so

viel in anderen Städten. Als ich mich an der

Otto-Falckenberg-Schule beworben habe –

die mich nicht genommen hat –, stand ich

wie ein kleiner Junge vor den Schaufenstern

der Kammerspiele. Ich war damals 18

und wollte so gerne nach München! Angekommen

bin ich erst 15 Jahre später.

Sie kamen also über Umwege zum Ziel?

Rufus: Manchmal muss man Umwege gehen,

weil das dann dein eigener Weg ist.

Meiner war nicht der akademische, sondern

der autodidaktische. Außerdem (grinst breit):

15 Jahre später war das eh viel cooler. Da

musste ich mich nicht bewerben, sondern

der Intendant wollte mich haben. Ich dachte

mir: Wenn ich jetzt schon in München

bin, mit dem Umland (begleitet seine Worte

mit sanften Faustschlägen auf den Tisch): Dann

muss ich raus in die Berge!

08 ⁄13 Bergsteiger 47


Jonathan: Obwohl in jedem Vertrag steht,

dass man das nicht darf.

Gipfelstolz: die Sohn-Vater-Seilschaft auf dem Großvenediger (3666 m)

Tut es das?

Jonathan: Extremsport ist nicht erlaubt.

Rufus: Das hat mich weniger gekümmert

als die Sache mit der Erreichbarkeit. Es gab

ja keine Handys, und bis 16 Uhr musste

man erreichbar sein, falls es eine Veränderung

in der Besetzung gab. Das war dann

blöd, wenn man grad’ irgendwo auf einem

Berg oberhalb von Garmisch war. Wie oft

bin ich kurz vor vier in eine Hütte rein und

hab gesagt: Kann ich mal kurz telefonieren?

Wenn ich tatsächlich spielen musste, hab

ich Panik gekriegt, bin den Berg runtergerannt,

ins Auto gesprungen und hab’s gerade

noch so geschafft.

Ist das für Sie, Jonathan, einfacher heute?

Jonathan: Total. Ich wechsle sogar Kontinente,

um Bergsteigen zu gehen. Ich war

im Januar und Februar in Südamerika und

wusste, meine Agentin kann mich per Mail

erreichen. Mindestens alle zwei Tage gab

es Internet. Und innerhalb von 24 Stunden

bin ich, wenn es sein muss, sogar aus Bolivien

wieder zurück. Für ihn (Kopfnicken zum

Vater) war Garmisch schon ziemlich weit

weg. Ich kann nach Südamerika.

Kletterspaß: Rufus Beck mit Jonathan in den Lienzer Alpen

TOUR

Rufus Becks Bergtipp: der Schönberg (1621 m)

Die Skitour zum Schönberg

ist meine Einsteiger-Route für

den Beginn des Winters. Und

obwohl dieser Voralpengipfel

so leicht und schnell von

München aus zu erreichen ist,

ist man meistens allein auf

dem Gipfelplateau.

Charakter: Der Schönberg

macht seinem Namen alle

Ehre, denn von hier oben

ge nießt man einen grandiosen

Panoramablick auf Seekarkreuz,

Fockenstein, Hirschberg,

Wallberg, Rotwand – alles

lohnende Skitouren-Berge.

Ich empfehle Orientierung per

GPS. Ich habe mich schon oft

verfranzt, weil ich wieder mal

dachte, ich hätte eine tolle Abkürzung

gefunden. Mein Sohn

kann ein Lied davon singen!

Ausgangspunkt: Die Tour be -

ginnt in Fleck südlich von

Lenggries, wo man im Ortskern

hinter der Kapelle links ab -

biegen muss und zu einem

Wanderparkplatz am Waldrand

hoch fährt.

Aufstiegszeit: ca. 2 Std.

(ca. 900 Hm). Man geht den

Wanderweg entlang Richtung

Mariaeck (Nr. 624). Unterhalb

von Mariaeck auf ca. 1300 m

kommt man auf eine Lichtung;

dort nicht rechts zum Schön -

berg aufsteigen, sondern

sich leicht links halten – und

die Abfahrtsspuren ignorieren.

Es geht weiter zum Kamm

bei Mariaeck, zu einem Durchschlupf

zwischen einigen

Felstürmchen und über den

Gipfelhang zum höchsten

Punkt: einem Plateau.

Abfahrt: wie Aufstieg.

Lohnender jedoch ist, vom

Gipfel entlang des breiten

Rückens nach Westen abzufahren.

Dann nach Norden

in eine sehr steile Schneise

einfahren, bis man auf den

Anstiegsweg trifft.

Rufus, Sie sind dann wohl recht schnell

fit geworden, wenn Sie sich am Berg immer

so beeilen mussten?

Rufus: Es gibt Spielbein-Standbein-Schauspieler.

Ich habe immer sehr körperlich

gespielt. Irgendwann habe ich dann auch

meine Stimme als Instrument entdeckt. Ich

habe erst recht spät gemerkt, dass ich viel

mit ihr machen kann.

Haben Sie Ihre drei Kinder von Anfang an

in die Berge mitgenommen?

Rufus: Sie sind alle in München geboren.

Von klein auf sind sie mit in die Berge gestiefelt.

Und wir haben viel Zeit im Klettergarten

in Thalkirchen und an den Sandsteinwänden

bei Bad Heilbrunn verbracht. Das hat

uns allen unheimlich viel Spaß gemacht.

Und diese Begeisterung ist nie

abgebrochen?

Jonathan: Ich nehme das Mountainbiken

als Beispiel. Da hat er mich mit zwölf Jahren

Fotos: Meike Birkck (3), privat (4)

48 Bergsteiger 08 ⁄13


mitgenommen. Mein

Rad war doppelt so

schwer wie seines, und

dann wollte er auch

noch schnell vorausfahren.

Da war die Lust

eher weniger. Es ging

meist lang bergauf. Als

Kind fährst du lieber

runter. Aber so mit 15/16 Jahren wandelte

sich das. Mit 18 hatte ich dann eine richtige

Leidenschaft für die Berge entwickelt und

das Gefühl: Wow, das ist meine Heimat!

Rufus: Für Kinder muss immer ein Abenteuer

dabei sein. Auch bei der Skitour, da gilt dann:

Das Abenteuer lockt, kiddies, wir fahren

durch den Wald, auch wenn wir vielleicht

wieder aufsteigen müssen. Es muss immer

ein Bonus für die Anstrengung dabei sein.

Wie war das mit Ihren Töchtern?

Rufus: Beide sind mit zum Mountainbiken

gefahren. Bei Skitouren war Sarah dabei,

Nathalie nicht. Sie fuhr Snowboard.

Jonathan: Am Tag vor der Tour wurde dann

immer geknobelt. Er war mehr so panoramamäßig

drauf…

Rufus: Wie Panorama?

Jonathan: Du wolltest die Berge sehen, die

Natur. Ich wollte möglichst viel Abfahrt

und Trails. Auf keinen Fall durfte irgendwo

Asphalt kommen. Das war auch bei unserer

ersten Transalp-Tour total wichtig. Oder bei

Skitouren: Wenn ich da irgendwo einen Lift

in der Nähe sehe, dann gehe ich nicht.

Rufus: Ich glaube, die Kids hatten ihren

Spaß. Sarah lebt mittlerweile in Wien, aber

wir haben es bis auf dieses Jahr immer hinbekommen,

eine Woche im Jahr gemeinsam

Mountainbike zu fahren oder mindestens

eine Woche auf Skitour zu gehen

Jonathan: Man lernt viel. Als Kind weißt du

nie so genau, wie weit es noch ist bis zum

Gipfel. Man sieht da oben eine Kurve, und

er sagt: »Nach der Kurve sind wir da.«

Der alte Trick.

Jonathan: Wie oft ich das gehört habe! Da

habe ich wirklich gelernt, mich immer wieder

neu zu motivieren.

Rufus: Die Kinder mussten mit, denn ich

wollte auf nix verzichten. Die haben alle

Sportarten gemacht: Segeln, Flaschentauchen,

Klettern, Skitouren, Mountainbike,

»Man kann sowohl im Theater als auch auf dem Berg abstürzen.« Vater Rufus Beck mit

Sohn Jonathan im BERGSTEIGER-Interview – beide Schauspieler, beide bergbegeistert

Rennrad, wir haben Boots- und Segelschein

gemacht. Als Vater will man ja auch seinen

Spaß haben.

Ein egoistischer Ansatz. Aber wenn er

funktioniert, ist er gut.

Jonathan: Das fing so mit 15 an, dass das

funktionierte. Da wurde ich fitter, und

da hat man’s schon gemerkt, wenn er am

Abend vorher ein Glas Rotwein getrunken

hatte.

Rufus: Dann hatte ich nur noch zehn Minuten

Vorsprung.

Jonathan: In deinen Träumen vielleicht.

Vater und Sohn bei den Dreharbeiten zum

Kinofilm »Die Wilden Fußballkerle«

Auf dem Munt Buffalora (2630 m): Sarah und

Jonathan Beck, Tim Bettermann, Rufus Beck

»Ich könnte nie am

Meer leben. Berge

wecken immer die

Sehnsucht danach,

was dahinter liegt.«

Konkurrieren Sie am Berg miteinander?

Jonathan: Wenn er noch Chancen hätte,

wäre der Ehrgeiz da.

Rufus: Also hör‘ mal! Bei der letzten Transalp

ging’s mir wirklich nicht so gut. Weil…

Jonathan: (grinsend) Er stottert jetzt, also habe

ich Recht.

Rufus: Ich konnte wenig trainieren, und der

Sattel war so fürchterlich.

Jonathan: Das sind die Ausreden, die dann

kommen.

Rufus: Das ist wirklich wahr! Er konnte bequem

fahren, aber ich hatte so Arschweh,

dass ich die ganze Zeit im Wiegetritt fahren

musste.

Jonathan: Ich hatte ein Déjà-vu. Ich erinnerte

mich an eine Transalp-Tour, bei der

ich 13 war. Er sagte immer: Komm, wir

machen die Pause später. Ich musste noch

eine Stunde weiter – auf einem schweren

Mountainbike. Einmal habe ich mich verletzt

und trage heute noch eine Narbe, denn

in die Wunde ist Öl hineingelaufen.

Rufus: (lachend) Oh Mann, das stimmt!

Jonathan: Es hieß: ausspülen, hoffen, dass

es ausblutet, und weiter!

Also ja: Ehrgeiz ist dabei.

Jonathan: Mittlerweile haben wir den, was

die Höhe betrifft.

Rufus: Da hat er mich überholt. Er war auf

einem 6000er.

Auf welchem?

Jonathan: Huayna Potosí in Bolivien. Wohlgemerkt

ein einfacher 6000er. Aber die

Höhe (6088 m, Anm. d. Red.) habe ich schon

gespürt.

08 ⁄13 Bergsteiger 49


Abenteuer

Transalp (li.):

auf dem Passo

di Rabbi mit

Ziel Gardasee

Skitour

Wildspitze:

Bergführer Abi

Kirschner mit

Sarah, Jonathan

und Rufus

»Ich wollte beim Sport

nicht verzichten,

aber auch nicht beruflich.

Also mussten

die Kinder autark sein.«

Abgesehen davon, dass Sie selbst auf

nichts verzichten wollten. Steckte hinter

dem Sport auch ein pädagogischer Ansatz?

Rufus: Eher intuitiv, aber rückblickend

schon. Alleine die Verantwortung, beim

Tauchen wie beim Klettern. Die Kinder

müssen wirklich cool und diszipliniert sein.

Da als Vater loszulassen, ist nicht ganz einfach.

Wenn du zu viel Angst hast, überträgt

sich das. Die waren zum Beispiel beim Tauchen

total locker. Haben mit dem Mundstück

gespielt, sich irgendwelche Ventile

zugedreht… Ich war innerlich gar nicht so

cool, konnte ihnen aber offenbar trotzdem

dieses Gefühl vermitteln.

Jonathan: Verantwortung übernehmen, das

haben wir gelernt.

Rufus: Ich wollte beim Sport nicht verzichten,

aber auch nicht beruflich. Bei meiner

Frau und mir konnte es sein, dass wir von

einem Tag auf den anderen unterwegs waren.

Also mussten die Kinder autark sein.

Über die Erfolgserlebnisse in den Bergen haben

sie Selbstvertrauen gewonnen. Es ging

aber nicht nur darum. Ich war beruflich

zwar viel weg. Aber wenn ich dann schon

mal da war, wollte ich, dass wir tolle Sachen

miteinander erleben.

Jonathan: Quality time nennt man das heute.

Er war Monate weg, dafür dann aber wochenlang

da und hatte Zeit.

Rufus: Meine Eltern hatten diese Zeit überhaupt

nicht für mich. Ich wollte es anders

machen, weil ich das bei meinem Papa so

vermisst habe. Mein Instinkt sagte mir:

Wenn ich Kinder habe, dann will ich mit

ihnen etwas erleben.

Jonathan: Die Berge sind schon eine Schule

fürs Leben.

Rufus: Absolut. Und klettern zum Beispiel

wollen Kinder ja eh. Bouldern müsste

Schulunterricht sein.

Gab es brenzlige Situationen?

Rufus: Mir fällt ein Erlebnis mit meiner Tochter

ein. Ein Freund drehte einen »Tatort« in

der Leutasch. Ich habe ihn besucht und

Sarah mitgenommen. Irgendwer sagte: Da

oben gibt es einen Klettersteig. Also sind wir

los, hatten aber nix dabei. Einer der Schauspieler

ging vor. Irgendwann verschwand er

hinter einem Fels und rief: »Scheiße Rufus,

hier geht’s nimmer weiter.« Runter kam er

auch nicht mehr. Ich wusste, wir mussten

queren, absteigen war mit Kind zu steil.

Wie alt war ihre Tochter?

Rufus: Vielleicht sieben oder acht. Es gab

einen Sporn. Da habe ich sie

eingeklemmt. Ich sagte ihr,

sie solle dort kurz bleiben,

bin vor zu dem Freund und

wieder zurück. Da sagte sie

ganz ruhig: »Papa, müssen

wir jetzt sterben?«

»Du wolltest die Berge sehen, die Natur. Ich wollte möglichst viel Abfahrt.« (Jonathan)

Ein Albtraum.

Rufus: (lacht) Ich dachte,

wenn ihr was passiert,

bringt mich ihre Mutter eh

um. Ich habe ihr gesagt, sie

solle sich auf meine Füße

stellen und immer mit drei

Fotos: Meike Birkck (3), privat (3)

50 Bergsteiger 08 ⁄13


Punkten am Fels sein. Wenn sie ausrutscht,

könnte ich sie halten. Das war natürlich

trotzdem der Wahnsinn. Ich war so wütend

auf mich selbst! Ich dachte: Das darf doch

nicht wahr sein, dass du so einen Schmarrn

machst! Jahre später haben Jonathan, Sarah

und ich dann mal gemeinsam erlebt, dass jemand

bei einer Skitour eine Wechte lostrat.

Jonathan: Und da wundert er sich, dass sie

nicht mehr mit ihm in die Berge geht! Wir

hatten sogar einen Bergführer dabei. Der

wollte, dass wir für ein Foto immer weiter

hintergehen. Ein Kerl hat die Wechte dann

losgetreten. Er war eigentlich mit einem

Bein weg, aber die Sarah hat ihn gerade noch

erwischt und mit einem Ruck weggezogen.

Rufus: Neben uns ging’s dann plötzlich 300

Meter runter. Ein Wahnsinn.

Sind die Berge heute für Sie ein Ausgleich

zum Roten Teppich?

Jonathan: Sie sind Heimat.

Rufus: Ich könnte nie am Meer leben. Berge

wecken die Sehnsucht danach, was dahinter

liegt. Mit am Schönsten finde ich die bayerischen

Alpen. Vorne sieht man Filzen, hinten

dann Karwendel oder Rofan – vorne das

Liebliche, hinten das Alpine. Das ist wie ein

gerahmtes Bild mit verschiedenen Ebenen.

Mir wird es da so leicht ums Herz. Das ist wie

Zen. Die Gedanken: Weg! Du tust es einfach.

Auch, wenn es anstrengend ist?

Jonathan: Danach fühlt man sich vollgepumpt

mit Glück.

Rufus: Man muss die Qual überwinden,

vielleicht sogar transzendieren. Als Schauspieler

braucht man auch die Fähigkeit,

sich von außen zu betrachten und den Körper

als Transportmittel zu sehen, in dem

eine Seele steckt. Das funktioniert bis zu

einem gewissen Grad auch bei Schmerzen.

Als Betrachter bin ich nicht mehr Opfer. Ich

schaue ihn mir an, den Schmerz.

Ist Ihr Zugang zur Kunst anders als bei

Kollegen, die keinen Sport machen?

Jonathan: Ich würde das nicht auf Kollegen

einengen, sondern auf Mitmenschen ausweiten.

Rufus: Es gibt ja nicht umsonst das Bild der

Seilschaften. Oft negativ konnotiert. Aber es

ist ein tolles Bild: Man wechselt sich ab, hängt

an einem Seil zusammen. Ich bringe oft Bilder

aus den Bergen. Auch eine Beziehung

könnte ich anhand eines Berges beschreiben.

Und zwar?

Rufus: Man muss es probieren, denn erst in

der Wand drin weiß man: Bleiben wir Kletterpartner?

Bleiben wir es fürs Leben?

Jonathan: Es gibt tatsächlich viele Parallelen

zu unserem Beruf.

Rufus: Bergsteiger sind ja auch so Zigeuner

wie wir Schauspieler. Aber einmal saß ich

bei einer Tour im Kaiser abends mit dem

ZU DEN PERSONEN

Bühne, Bücher, Berge

Rufus Beck, geboren am 23. Juli 1957 in Heidelberg,

ist Autodidakt. Schon während seines

Studiums der Islamwissenschaften, Ethnologie

und Philosophie in Heidelberg bewies er

großes Talent als freier Theaterschauspieler an

den Städtischen Bühnen und bekam 1981 ein

erstes festes Engagement am Saarländischen

Landestheater – ohne je an einer Schauspielschule

Unterricht genommen zu haben. 1989

bekam er die Auszeichnung »Nachwuchsschauspieler

des Jahres« für die Rolle des Franz Moor

in Schillers »Die Räuber«. Beck spielte parallel

auch in vielen Fernseh- und Kinofi lmen, unter

anderem in den Krimiserien »Derrick« und »Der

Alte«. Populär wurde er durch seine Rolle des

schrägen Schwulen Walter in Sönke Wortmanns

»Der bewegte Mann«. Karriere machte Beck

nicht zuletzt als Sprecher von Hörbüchern.

Einem Millionenpublikum ist er als Stimme von

»Harry Potter« bekannt. Beck hat drei Kinder

und ist leidenschaftlicher Bergsteiger.

Bergführer zusammen. Wir sprachen über

unsere Jobs und auch über Depressionen. Er

wusste nicht, was ich meine.

Welche Depressionen meinen Sie?

Rufus: Du hast eine Premiere, du hast etwas

geschaffen. Und unabhängig davon,

ob es toll war oder nicht, fällt man in ein

Loch voller Zweifel: Kann ich das nochmal

schaffen? Man sitzt alleine im Dunkeln. Das

scheinen merkwürdige Künstlerzweifel zu

sein. Es ist wohl eine Erschöpfungs-Depression.

Ich dachte lange, das habe jeder. An

dem Abend lernte ich, dass das nicht so ist.

Helfen dann die Berge?

Rufus: Schon. Aber man muss aufpassen,

dass man nicht in die Berge rennt, um vor

der Auseinandersetzung mit dem Gefühl

davonzurennen.

Wissen Sie schon, auf welcher Route Sie

dieses Jahr über die Alpen radeln?

Rufus: Noch nicht.

Jonathan: Ich würde ja planen. Aber ich

habe Angst, dass ihn die Route dann überfordert.

Rufus: Frechheit.


Jonathan Beck, geboren am 6. März 1991

in München, war schon im Alter von vier Jahren

im Kino zu sehen (in Sönke Wortmanns »Das

Superweib«). Seither reihen sich Engagements

für Kino- und vor allem Fernsehfi lme aneinander.

Derzeit tourt Beck mit dem Familien-Musical

»Yakari – Freunde fürs Leben« durch die Lande.

Die Begeisterung für die Berge früh

geweckt: Vater und Sohn am Schönberg

08 ⁄13 Bergsteiger 51


AUF TOUR

Das breite Gipfel plateau des

Schlern über dem Völser Weiher

52 Bergsteiger 8/13


SERIE: GeoTop-Touren in den Alpen

Teil 14: Das Schlernriff und der Geologensteig

Die doppelten

Schlernhexen

Fotos: Siegfried Garnweidner

An diesem mächtigen Bergmassiv wird

Erd geschichte begehbar: Der Weg von Seis

hinauf führt von alt nach jung und beginnt

fast am Anfang des Erdmittelalters in der

Triaszeit. Von Siegfried Garnweidner (Tour)

und Ulrich Lagally (Geologie)

Es spielt nicht die geringste Rolle,

auf welchem Weg man sich dem

Schlerngipfel nähert: Ob von

Tiers über die steile Steiganlage

durch die Bärenfalle, vom Völser

Weiher über den Prügelweg, auf dem Schäufelesteig,

von der Seiseralm herüber oder gar

auf dem luftigen Gamssteig – man wird der

Schlernhexe fast immer begegnen. Sie liebt

die Sonne und hält sich deshalb besonders

gern an den Südhängen auf. Aber sie ist

auch ausgesprochen frosthart. Wenn der

Wind an den freien Hängen in Gipfelnähe

auffrischt, hört der aufmerksame Wanderer

ihr Rauschen und wird beim Blick auf den

Boden die violetten Blüten oder im Herbst

die grauen Zotteln ihrer Samenstände nicht

übersehen. Wer wenig Fantasie hat, wird zu

diesen Blumen banal Alpen-Grasnelke sagen.

Dieses robuste Blümchen hat aber noch

weitere Namen, wie zum Beispiel Schwundkraut,

weil es gegen Schwindsucht helfen

soll. Schlernhexe klingt noch viel besser,

und der Name erinnert an das, was sich vor

langer Zeit am Schlern zugetragen hat.

Der benachbarte Rosengarten war früher,

wie der Name sagt, ein prächtiger Garten

voller Rosen, in dem der kleine König Laurin

thronte. Vis-à-vis am Schlern hingegen

blühten duftende Pflanzen wie Rosmarin,

Nelken, Oregano und Thymian. Das machte

den kleinen König neidisch. Da stand er nun

zwischen den schroffen Zinnen seiner felsigen

Rosenburg und ärgerte sich über seinen

Nachbarn und die schönen Fräulein, die den

Schlerngarten hegten und pflegten und Salige

genannt wurden. Es gab noch andere,

die wegen der Saligen seufzten. Das waren

die bösen Buben aus Völs und Seis, die sich

nicht um die Blumen, sondern um die Gärtnerinnen

kümmern wollten. Jene zertraten

eines Tages die Rosen, fesselten König Laurin

und schleppten ihn ins Tal. Gerade als diese

traurige Gesellschaft Tiers erreichte, kam auf

der anderen Talseite eine Salige herab, um

eine alte Kranke zu pflegen. Als sie den kleinen

König in Seile gebunden sah, lachte sie

ihn aus und verspottete ihn. Laurin kochte

vor Wut, verwandelte die feschen Saligen in

grausige Hexen und verwünschte den wunderschönen

Schlerngarten zu der wilden,

felsigen Berggestalt, die er heute noch ist.

Und damals entstanden die blauen Blumen,

die graue Zottelhaare bekommen, wenn sie

verblüht sind: die Schlernhexen.

Viele Jahre trieben die Hexen am Schlern

ihr Unwesen. Am liebsten trafen sie sich am

Petz, dem höchsten Punkt des breiten

Als Trias bezeichnet man

den Zeitraum des Erdmittelalters

(Mesozoikum) von

251 bis 200 Millionen Jahren

vor heute zwischen Perm

und Jura; sie wird gegliedert

in die Stufen Skyth (jetzt

Induan und Olenekian), Anis,

Ladin, Karn, Nor und Rhät.

In Mitteleuropa (»Germanische

Trias«) ist ihre Einteilung

in Buntsandstein, Muschelkalk

und Keuper gebräuchlich.

Gesteine der alpinen Trias

entstanden im nördlichen

Randbereich des afrikanischen

Kontinents, die der germanischen

Trias auf dem europäischen

Kontinent.

Die Alpen-Grasnelke, auch Schwundkraut

oder Schlernhexe genannt

08 ⁄13 Bergsteiger 53


KOMPAKT

Sagenhafter Schlern

Anreise: Mit dem Auto auf der

Brenner autobahn bis Ausfahrt Bozen-Nord;

dann der Beschilderung folgen

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der

Bahn auf der Brennerlinie bis Bozen.

Die Talorte sind ab Bozen und untereinander

per Bus erreichbar, Infos unter www.sii.bz.it

Talorte: Völs, Prösels, Tiers, Kastelruth,

Seis/Seiser Alm

Karte: Kompass Wanderkarte 1:50 000,

Blatt 54 »Bozen«

Informationen: Seiser Alm Marketing,

Dorfstr. 15, Völs am Schlern, Tel. 00 39/

04 71/70 96 00, www.seiseralm.it

Die Kapelle St. Kassian mit Tschafatsch und Rosengarten

Schlernmassivs. Von dort schickten sie verheerende

Gewitter und schmiedeten neue

böse Pläne. Und so wäre es weitergegangen,

weil niemand ahnte, dass die blauen Blumen

verwunschene Salige waren. Nur der

Wind wusste Bescheid und fing im Herbst

mit solcher Wucht zu blasen an, dass sich

die Schlernhexen kaum mehr am Boden

halten konnten. Dabei hat er ihnen die Haare

ausgerissen und am Kalvarienberg auf

die Erde geworfen. Im nächsten Jahr blühten

dort seltsame Blumen, die niemand

kannte. Hoch oben am Berg hat sich keiner

um die Blumen gekümmert, auch nicht die

Patres, die hin und wieder in der Kassian-

Kapelle die Messe lasen. Doch unten im Tal,

an der heiligen Stelle des Kalvarienbergs,

hat sich der Fluch Laurins nicht halten können.

Dort verwandelten sich alle Blumen

wieder in winzige Salige. Und wenn der

Storch gut aufgelegt ist und ein besonders

schönes Mädchen bringen will, dann holt

er es dort…

Geotoptour: Der Geologensteig am Schlern

Das Schlernmassiv ist als weithin sichtbare,

auffällige Landschaftsform weit über

Südtirol hinaus bekannt. Im Gegensatz zu

den schroffen Spitzen der umliegenden

Dolomitenberge wie Rosengarten oder

Langkofelmassiv besitzt es ein fast ebenes

Gipfelplateau. Davon abgesetzt sind im

Norden, oberhalb von Seis, zwei markante

Felstürme, die Santner- und die Euringerspitze,

vorgelagert. Man fragt sich, warum

diese Berge so abrupt die fast flache Seiser

Alm überragen und warum an diesem Bergstock,

der doch anscheinend aus den gleichen

Gesteinen besteht, auf so engem Raum

diese unterschiedlichen Formen entstehen

konnten. Die Erklärungen dazu liefert der

geologische Bau der Gebirgsgruppe.

Der Weg von Seis zu den Schlernhäusern

führt in der Erdgeschichte von unten nach

oben, von alt nach jung, und beginnt fast

am Anfang des Erdmittelalters vor 251 Millionen

Jahren. Damals, in der Triaszeit, wurden

über einen Zeitraum von 30 Millionen

Jahren die Gesteine, die wir auf der Tour

antreffen, abgelagert. Diese sind zunächst

jedoch entlang des Frötschbaches bis nach

Bad Ratzes durch ganz junge Bildungen wie

Hangschutt- und Bergsturzmaterial verdeckt.

Dann aber finden wir dort, wo sich

das Tal verengt, an den Hängen Gesteinsschichten

aus der unteren Trias, zur Zeit

des mittleren Skyth, abgelagert. Es sind dies

zunächst graue bis gelbliche Seis-Schichten,

fossilreicher Gastropoden-Oolith und violettrote

Campiller-Schichten als Teil der vor

250 bis 240 Millionen Jahren entstandenen

Werfener-Schichten. Am so genannten Geologensteig,

wie der Weg auch genannt wird,

hat das Südtiroler Amt für Naturparke 2006

zehn Informationstafeln mit Erläuterungen

der geologischen Fakten aufgestellt.

Über den Campiller-Schichten folgt eine rote

Bank aus groben Geröllen, das Richthofen-

Konglomerat, benannt nach dem berühmten

Dolomitenforscher des 19. Jahrhunderts.

GEOTOP

Geologischer Schnitt von

der Seiser Alm zum Schlernmassiv:

Während auf den

Buchensteiner Schichten

im tieferen Meeresbereich

vor allem vulkanische

Ge steine abgelagert wurden,

wuchs auf einer angrenzenden,

seich teren Schwelle

das Schlern riff empor.

Fotos: Siegfried Garnweidner, Grafi k: Ulrich Lagally

54 Bergsteiger 08 ⁄13


TOUREN

Das Schlernhaus in

2450 Meter Höhe

unterhalb des Gipfels

Diese festländischen Bildungen liegen auf

unterschiedlich alten Schichten und weisen

damit auf einen unruhigen Untergrund hin,

Zeichen für tektonische Bewegungen zur

Zeit der Sedimentation. Auf ihnen abgelagerter

Tonschlamm wurde später zu den ziegelroten

Peres-Schichten verfestigt. Darüber

folgen der massige, zuckerkörnige Sarldolomit

und die grauen Buchensteiner Schichten.

Vereinzelte grünliche Zwischenlagen in

diesen, Reste vulkanischer Aschen, sind die

ersten Anzeichen für einen folgenden, über

Jahrmillionen aktiven Vulkanismus.

Beim Verlassen des Bacheinschnitts Richtung

Schlernbodenhütte bewegen wir uns

auf vulkanischen Gesteinen, die vor etwa

235 Millionen Jahren, zur Zeit des Mittleren

Ladin, vorwiegend als Kissenlava am Meeresboden

gebildet wurden. Während sich dort

die vulkanischen Ablagerungen anhäuften,

entstanden auf seichteren Schwellenbereichen

mächtige Riffe. Sie waren von zahlreichen

Algen, Seelilien, Korallen und anderen

Riffbewohnern besiedelt, die sie in die Höhe

wachsen ließen. Im Lauf der Zeit verfestigte

sich das Riffmaterial zu Kalkstein, der später

in Dolomit umgewandelt wurde.

Nach einer kurzen Strecke über dunkle Sedimente

der Wengener-Schichten treffen

wir dort, wo der Gamssteig beginnt, auf den

Unteren Schlerndolomit. Damit verlassen

wir das ehemals tiefere Meeresbecken und

begeben uns in den seichteren Riff bereich.

Sein helles, massiges Karbonatgestein reicht

vom Wandfuß bis fast in den Gipfelbereich

des Gebirgsstockes. Kurz bevor unser Weg

dann auf den Touristensteig von der Saltner

Hütte herauf trifft, geht es in einen Korallenriffdolomit

über.

Und etwas weiter, etwa auf halbem Weg zu

den Schlernhäusern, finden wir auch den

Grund für das fast ebene Schlernplateau:

flach liegende rote Sandsteine, Mergel und

Dolomite der Raibler-Schichten. Zusammen

mit vereinzelten Resten ihrer einstigen Überlagerung,

dem Hauptdolomit aus der Zeit

des Nor, bilden sie den Deckel des Schlernmassivs.

Sie sind nicht nur ein Zeichen dafür,

dass das Riff abstarb, sie trotzten auch

der Verwitterung und Erosion. Dort, wo sie

fehlten wie bei der vorgelagerten, etwa 100

Meter niedrigeren Santner- und der Euringerspitze,

konnte die Erosion viel erfolgreicher

angreifen und deshalb die beiden Felstürme

herauspräparieren.


IM OKTOBER-HEFT: Teil 15: Das Salzbergwerk von

Bouillet in der Schweizer Diableretsgruppe

Auf den Gipfel

Aus allen Himmelrichtungen

führen abwechslungsreiche

Wege auf den Schlern.

1 Schlern und Burgstall

(2564 m)

▶ mittel 8 Std.

1300 Hm 1500 Hm

Charakter: Am beliebtesten ist

die Route von der Seiser Alm aus.

Schöne Aufstiege gibt es auch

von Tiers durch die Bärenfalle oder

vom Völser Weiher auf dem Prügelsteig,

spannend ist der Aufstieg

von Seis über den Gamssteig.

Alle Routen bieten die Möglichkeit

bei Auf- und Abstieg zu variieren.

Anforderungen: Nur der Gamssteig

verlangt etwas Klettergeschick (II)

und lange Zeit volle Konzentration

im steilen Geröllhang. Die übrigen

Routen sind lang, aber leicht.

Ausgangs-/Endpunkte: Seis,

Seilbahnparkplatz (1062 m),

Völser Weiher (1210 m),

Tiers/Weißlahnbad (1203 m)

Hütten: Schlernbödelehütte,

Schlernhaus

Gehzeit: Aufstieg 4 Std.;

Abstieg 4 Std.

2 Schlern und Gabels-Mull

(2564 m)

▶ mittel 7¼ Std.

1500 Hm 1500 Hm

Vom Schlern aus bietet sich ein fantastischer Blick auf das Rosengartenmassiv.

Charakter: Unterschiedliche Routen

für Auf- und Abstieg, ein stilles

und ein stark besuchtes Ziel sowie

Ausblicke der Königsklasse hat

diese Schlern-Variante zu bieten.

Anforderungen: Der Anstieg auf

dem Schäufelesteig ist steil, aber

un schwierig; der Abstieg auf dem

Prügelweg meistens sehr rutschig.

Ausgangs-/Endpunkt: Parkplatz

am Völser Weiher (1056 m)

Hütte: Schlernhaus

Gehzeit: Aufstieg

3¼ Std.; Abstieg 4 Std.

Tourenkarte 1

Heftmitte

08 ⁄13 Bergsteiger 55


KOLUMNE

Die Karawane

Wer zu einem Weltkulturerbe fährt, darf sich nicht

wundern, dass andere auch auf die Idee kommen.

Frühaufsteher können dem Trubel entkommen –

und machen doch längst nicht alles richtig.

Foto: privat; Illustration: Max Baitinger

Sandra Zistl

ist im bayerischen Oberland

an und mit den Bergen

aufgewachsen. Sie arbeitet als

freie Journalistin und Autorin

für verschiedene Zeitungen

und Magazine. Die 33-Jährige

schreibt im Wechsel mit Axel

Klemmer, Caroline Fink und

Eugen E. Hüsler über das aktuelle

Geschehen in den Bergen.

Kinderbücher spielen damit: zwei Bilder,

die identisch aussehen, es aber

nicht sind. Eines der beiden Bilder

enthält Details, die das andere nicht

aufweist. Kinder können einen sportlichen

Ehrgeiz darin entwickeln, die Dinge zu

identifizieren, die auf dem einen Bild zu

wenig vorhanden sind und auf dem anderen

zuviel. Am Nachmittag eines Frühsommertages

sitze ich auf einer Dachterrasse

des Dorfes Vernazza in den Cinque Terre,

Weltkulturerbe. Es ist Sommer, drei Tage

liegen vor uns, an denen wir wandern und

baden wollen. Wir genießen die Wärme der

Nachmittagssonne, blicken auf die blühenden

Hänge von Vernazza und sprechen über

mögliche Touren.

Die Franzosenwelle

Während ich so versonnen in die Gegend

blicke – vorne die bunten Häuser Vernazzas,

im Hintergrund die ligurische Steilküste

– dämmert mir, dass etwas nicht stimmt

an dem Bild. Es ist eindeutig zu viel drin!

Zu viele Menschen! Wie in einer Karawane

reiht sich ein Wanderer an den anderen, die

Stufen von Vernazza hinaus nach oben und

von dort auf dem Höhenweg nach Westen.

Blick auf die andere Seite der Dachterrasse,

gleicher Anblick: Stufen, ein Mensch hinter

dem anderen. Höhenweg mit Karawane.

Wow. Das sind dann doch mehr Touristen,

als ich mir vorgestellt hatte. Enzo, unser

Vermieter, schmunzelt. »Das ist die Franzosenwelle«,

sagt er mit der Miene des Kenners,

»die haben gerade Ferien«. Amerikaner seien

den ganzen Sommer über da. Also gut, wir

sind schließlich auch Touristen. Am nächsten

Tag probieren wir das mal aus. Eigentlich

ist es ganz lustig: Die Amerikaner tapsen tapfer

in Flipflops und Ballerinas über den Panoramaweg,

die Franzosen tauchen in bestens

gelaunten Zehnertrupps auf. Da wird es

zum Gesprächsthema, wenn zwei Deutsche

schneller sind und sich auf dem schmalen

Pfad peu à peu nach vorne arbeiten.

Zauber mit Hindernissen

Trotzdem nehmen wir uns für den zweiten

Tag vor, die Tour umzudrehen: erst den Panoramaweg,

frühmorgens, wenn alle hoffentlich

noch beim Frühstück sitzen, dann über

einen Gipfel zurück. Und tatsächlich, welch

ein Unterschied. Wer nicht damit beschäftigt

ist, anderen Menschen auszuweichen,

nimmt den Zauber dieses Küstenstreifens

wahr. All die Blumen, die Blicke aufs Meer

mit Agaven im Vordergrund, die Ortschaft

Corniglia im ersten Sonnenlicht, das die Pastelltöne

der Häuser voll zur Geltung bringt.

Und trotzdem stimmt etwas nicht. Diesmal

für zwei Italiener, denen wir in der Morgensonne

begegnen. Sie haben Schaufeln in der

Hand und allerlei anderes Werkzeug herumliegen.

Mit genervtem Blick sehen sie uns an.

»Alles ok? Dürfen wir vorbei?« Ein Seufzen,

dann ein Lächeln und die Erklärung. Der

Morgen, das sei die einzige Zeit des Tages, die

sie ungestört für die Instandhaltung des Weges

nutzen könnten. Amerikaner und Franzosen,

die säßen da noch beim Frühstück.

Und jetzt diese Deutschen! Madonna mia! ◀

56 Bergsteiger 08⁄13


3. Berchtesgadener Land

Wander-Festival

30. August – 1. September 2013

24 Stunden Wandern –

Dranbleiben und Genießen

24 Stunden alpin Classik (ca. 2.600 Hm, ca. 56 km)

Die Strecke führt ab Berchtesgaden Richtung Königssee und hinauf zur ersten Station (Kühroint-Alm),

weiter geht‘s zum Watzmannhaus (1.930 m), von dort abwärts zur Wimbachbrücke und weiter nach

Ramsau, durch den Zauberwald, um den Hintersee und Taubensee, hinauf zur Mordaualm (mitternächtliches

Highlight), über Loipl und Hochschwarzeck zum Toten Mann (Sonnenaufgang mit Bergmesse); Finisher-Frühstück

bei Ankunft in Berchtesgaden.

Preis: 99,- Euro

24 Stunden alpin Spezial (ca. 3.050 Hm, ca. 50 km)

Die gleiche Streckenführung mit zeitlichem Versatz zur 24 h alpin Classik. Diese Spezial-Variante für den

ambitionierten und fitten Bergsteiger führt zum Gipfel des Watzmann Hocheck, über Serpentinen und

leichte Felskletterstellen bis zum Gipfelkreuz (2.651m). Die Teilnehmer genießen alle Inszenierungen der

24 Stunden Tour alpin Classik. Preis: 119,- Euro

NEU – 24 Stunden Genuss (ca. 1.500 Hm, ca. 60 km)

Für Einsteiger in das Ausdauer-Wandern bietet sich die 24 Stunden GENUSS-Tour an: Streckenführung (gut

zu gehende Wege) quer durch das Berchtesgadener Land mit viel Zeit, die Bergwelt ausgiebig zu genießen.

In der Nacht sind ebenso Inszenierungen wie bei den alpin-Varianten eingeplant. Preis: 119,- Euro

Weitere außergewöhnliche

Themenwanderungen…

• Single-Wanderung

• Salz-Erlebnis-Wanderung

• Kulinarische Bier-Wanderung

• Nationalpark-Wanderung

präsentiert von

Alle Infos unter:

www.bglt.de/wanderfestival

Veranstalter:

grassl event & promotion services gmbh

Holzengasse 26

83486 Ramsau bei Berchtesgaden

Telefon: +49-8657-98352-0

info@grassl-eps.de

Tickets:

OUTDOOR CLUB · www.outdoor-club.de

Telefon: +49-8657-98352-0


TIPP

12 Tourenkarten zum Mitnehmen

Die besten Touren aus Bergsteiger 8/13

Dolomiten, Walliser Alpen,

Glarner Alpen, Urner Alpen

Abtrennen

Falten

Einstecken

2 Tour Matterhorn

6 Tour Matterhorn

9 Gitschen, im Gipfelbereich

10 Uri Rotstock, einfache

7 Vorder Glärnisch,

8 Panixerpass, unschwieriger

1/2, gute Bergwege,

Passübergänge steinig

9/10, anspruchsvoller

Höhensteig

steil und

ausgesetzt

Hochtour für erste

Gletschererfahrung

knackiger Anstieg,

z. T. mit Fixseilen

Übergang

in rauer Landschaft

3 Tour Matterhorn

4 Tour Matterhorn

5 Tour Matterhorn

11 Vincent-Pyramide, 12 Ulrichshorn, unschwierige

3/4, leichte Wanderwege,

zwei hohe Pässe

5/6, hochalpine Etappen

mit Gletscher

7/8, über Schotterund

Gletscherpiste

Einsteiger-Hochtour

über einfache Firnhänge Hochtour,

doch Spaltengefahr

1 Schlern, steiler,

aber unschwieriger

Anstieg; lange Tour

GPS-Daten als Download unter www.bergsteiger.de, falls vorhanden

Tourenart

Schwierigkeit

Wandern Klettern Klettersteig Hochtour Skitour

Blau: leicht Rot: mittel Schwarz: schwierig


TIPP

Dolomiten Schlern (2563 m) und Gabels-Mull (2389 m)

1

aus Bergsteiger 8/2013– Seite 52

TIPP

Über den Schäufelesteig hinauf und auf dem Prügelweg

wieder hinunter

Der Petz, höchster Punkt des Schlerns, ist ein vielbesuchter Berg und

eine Aussichtswarte von hohem Rang. Im Nahbereich allerdings sind

die Eindrücke nicht gerade überwältigend. Richtig großartig wird die

Rundschau aber hinüber Richtung Rosengarten.

1650 Hm | 7¼ Std.

normale Wanderausrüstung mit

soliden Schuhen; Stöcke empfehlenswert

Talort: Völs am Schlern (859 m)

Ausgangspunkt: Parkplatz am Völser Weiher (1056 m)

Koordinaten Breite Nord: 46,52095

Länge Ost: 011,520517

Öffentliche Verkehrsmittel: Busverbindung ab Völs

am Schlern

Höhenunterschied: 1650 Hm

Entfernung: 20,20 km

Gehzeiten: Aufstieg 3¼ Std.; Abstieg 4 Std.

Beste Jahreszeit: Sommer und Herbst

Karte: Kompass Wanderkarte 1:50 000, Blatt 54 »Bozen«

Informationen: Seiser Alm Marketing Gen., Dorfstr. 15,

I-39050 Völs am Schlern, Tel. 00 39/04 71/70 96 00,

www. seiseralm.it

Walliser Alpen Tour Matterhorn 1 + 2: St. Niklaus – Gruben – Zinal

Vom Mattertal ins Val d’Anniviers

Die Tour Matterhorn wird vorteilhaft im vorderen Mattertal mit der

Jungenbahn aufgenommen und führt am ersten Tag über den Augstbordpass

ins Turtmanntal. Die zweite Etappe schließt sich über den

Meidpass an und folgt später einem herrlichen Höhenweg über dem

Val d’Anniviers.

910 + 1200 Hm | 5¼ + 7½ Std.

Einkehr und Übernachtung: Schlernhaus (2450 m)

Schwierigkeiten: Der Anstieg auf dem Schäufelesteig ist

zwar steil, aber nicht schwierig. Beim Abstieg auf dem Prügelweg

geht es bisweilen rutschig zu; entsprechende Vorsicht

ist angebracht.

2

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

normale Bergwanderausrüstung

aus Bergsteiger 8/2013 – Seite 20

Ausgangspunkt: St. Niklaus (1116 m) im Mattertal

Endpunkt: Zinal (1675 m) im Val d’Anniviers

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahnverbindung via Visp nach

St. Niklaus; Postautokurs zwischen Sierre und Zinal

Gehzeiten: 1. Etappe: Jungu – Augstbordpass 3¼ Std. –

Gruben-Meiden 2 Std. 2. Etappe: Gruben-Meiden – Meidpass

3 Std. – Hotel Weisshorn 1½ Std. – Zinal 3 Std.

Höhenmeter: 1. Etappe: 910 Hm Aufstieg, 1070 Hm Abstieg.

2. Etappe: 1200 Hm Aufstieg, 1350 Hm Abstieg

Beste Jahreszeit: Anfang Juli bis Ende September

Karte: LKS 1:50 000, Blatt 274 T »Visp« und 273 T »Montana«

Führer: Mark Zahel »Walliser Alpen – Die großen Trekking-

Runden«, Bergverlag Rother, 2013

Fremdenverkehrsamt: Offi ce du Tourisme Zinal,

Tel. 00 41/27/4 75 13 70

Hütten: Hotel Schwarzhorn (1825 m) in Gruben-Meiden, Tel.

00 41/27/9 32 14 14. Hotel Weisshorn (2337 m),

Tel. 00 41/27/4 75 11 06

Charakter/Schwierigkeiten: Gut ausgebaute Bergwanderwege,

im Bereich der Passübergänge etwas steiniger. Trittsicherheit

und im zweiten Abschnitt gute Ausdauer nötig

TIPP

Walliser Alpen Tour Matterhorn 3 + 4: Zinal – Les Haudères – Arolla

3

aus Bergsteiger 8/2013 – Seite 20

Durch die Heimat der Eringerkühe

Am dritten Tag wird der Moiry-Stausee passiert und jenseits des Col de Torrent ins Val d’Hérens

gewechselt. Es ist das Stammgebiet der kampflustigen Eringerrasse. Nachdem in Les Haudères Station

gemacht wird, geht es am vierten Tag auf reizvollen Alpwegen weiter bis Arolla im Talschluss.

1090 + 1200 Hm | 7¾ + 5¾ Std.

normale Bergwanderausrüstung

Ausgangspunkt: Zinal (1675 m) im Val d’Anniviers

Endpunkt: Arolla (2006 m) im Val d’Hérens

Öffentliche Verkehrsmittel: Postauto von Sierre ins

Val d’Anniviers bzw. von Sion ins Val d’Hérens

Gehzeiten: 3. Etappe: Zinal/Sorebois – Lac de Moiry 2¼

Std. – Col de Torrent 2½ Std. – Les Haudères 3 Std

4. Etappe: Les Haudères – Mayens de la Coûta 1½ Std. –

Lac Bleu 3 Std. – Arolla 1¼ Std.

Höhenmeter: 3. Etappe: 1090 Hm Aufstieg, 2070 Hm

Abstieg. 4. Etappe: 1200 Hm Aufstieg, 650 Hm Abstieg

Beste Jahreszeit: Anfang Juli bis Ende September

Karte: Swisstopo 1:50 000, Blatt 273 T »Montana« und 283 T

»Arolla«

Führer: Mark Zahel »Walliser Alpen – Die großen Trekking-

Runden«, Bergverlag Rother, 2013

Fremdenverkehrsamt: Evolène Region Tourisme,

Tel. 00 41/27/2 83 40 00

Hütten: Gîte d’Étape Lac de Moiry (2307 m), Tel.

00 41/27/4 75 12 88. Ansonsten Talquartiere in Les Haudères

bzw. Arolla

Charakter/Schwierigkeiten: Überwiegend relativ leichte

Bergwanderwege, auf der 3. Etappe aber über zwei recht hohe

Pässe. Dabei erdig-schuttiges Gelände, sonst meist Hochweiden.

Elementare Trittsicherheit und für die 3. Etappe einige Ausdauer

erforderlich

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen


TIPP

Dolomiten Schlern (2563 m) und Gabels-Mull (2389 m)

TIPP

Aufstieg: Vom Völser Weiher gegen Osten, einen Fahrweg

kreuzen und durch den Wald zum Huberweiher hinauf. Nun

anfangs noch auf dem Sträßchen, bei der Verzweigung rechts

herum auf einem alten Bergweg steil durch den Wald hinauf

und in der Nähe der Tuffalm (Bergwirtschaft) aus dem Wald

heraus. Etwas unter der Tuffalm rechts abzweigen, wieder in

den Wald hinein, lange gegen Südosten und zum Völser Bach.

Im Bachgraben nach Süden ab und an der Talstation der Materialseilbahn

vorbei. Dort schräg links zum Rastplatz Putzes

Egg; auf 1510 m an beschilderter Stelle links ab. Auf breitem

Wanderweg nun im Wald gegen Südosten hinauf. Der Hang

wird steiler und der Weg felsiger. Auf Treppenstufen an steilen

Felswänden entlang. Schließlich fällt der Pfad rund 20 Hm ab

und mündet auf einen breiten Weg, der sogleich nach links

ansteigt. Auf 1655 m zweigt nach links der Schäufelesteig

ab. Er schwingt sich steil im Krummholz über Wurzelwerk und

Treppenstufen auf. Mühsam auf dem stark ansteigenden

Bergpfad hinauf und an einem Rastplatz auf einer Aussichtskanzel

auf 1817 m vorbei. Auf 2000 m tritt der Pfad aus

dem Wald aus und führt weiterhin steil über aussichtsreiche

Wiesenhänge weiter nach Nordosten hinauf. Erst auf 2230

Walliser Alpen Tour Matterhorn 1+2: St. Niklaus – Gruben – Zinal

Etappe 1: Der Anstieg von St. Niklaus zur Alp Jungu (1988

m) wird gewöhnlich mithilfe der kleinen Gondelbahn absolviert.

So startet man bereits auf knapp 2000 Metern Höhe,

taucht an einem idyllischen Weiher vorbei in lichten Lärchenwald

ein und gelangt knapp oberhalb der Waldgrenze zu einer

Gabelung. Nun nicht weiter in Richtung Jungtal, sondern

scharf rechts und mit einer Schleife um den Ausläufer des

Steitalgrats herum. Über einige Blockfelder in den Augstbordkessel,

wo nach einer Flachpassage der Anstieg durch

den Karschluss (»Inners Tälli«) bis hinauf zum Augstbordpass

(2894 m) erfolgt. Westseitig mäßig steil ins Grüobtälli hinab

und bis zur Trogschulter in recht geradem Verlauf. Danach

setzen Kehren ein, die durch bewaldetes Terrain, zuletzt noch

über einen Graben, ins Turtmanntal leiten. Im Alpdorf Gruben-

Meiden befi ndet sich das Hotel Schwarzhorn.

Etappe 2: Vom Quartier ein kurzes Stück taleinwärts und

dann am bewaldeten Gegenhang bergauf. Im freien Gelände

werden die beiden Alpweiler von Meide passiert. Weiter ins

zunehmend kargere Meidtälli und über eine Geländeschwelle

zum stattlichen Meidsee (2661 m). Links daran vorbei, über

einen steinigen Boden und zuletzt mit wenigen kurzen Kehren

m fl acht der Bergweg ab und führt über weite, steinige Wiesenhänge

hinauf. Über einen breiten Wiesenrücken mäßig

steil hinauf. Allmählich wird der Anstieg fl acher, die Wegspur

unterquert die Materialseilbahn und verläuft in einem weit

ausholenden Rechtsbogen fast eben über Wiesengelände

bis zum Schlernhaus. Vom Schlernhaus in einer Viertelstunde

auf einem breiten Schotterweg zum Gipfel (Petz) hinauf.

Zum Aussichtspunkt Gabels-Mull über einen Schuttrücken

nach Westen. Auf Trittspuren nach rechts im losen Schotter

vom Rücken herunter und über der eindrucksvollen Seiser

Klamm wieder zu Wiesengelände. Auf dem langen Wiesenhang

nach Norden und dabei auf der rechten Seite bleiben,

bis der Wiesenhang jäh in die Tiefe abbricht.

Abstieg: Der Abstieg beginnt mit einem Aufstieg: auf

dem Wiesenrücken zurück bis zum oberen Rand der Seiser

Klamm. Von dort auf markiertem Wiesenweg, der gegen Osten

zum Schlernhaus führt. Unmittelbar unter dem Schlernhaus

rechts ab und gegen Süden in vielen Kehren anfangs

über freie Berghänge, dann durch lichten Latschen- und

Zirbenwald zur Sessel-Schwaige. Bei der Alm rechts, um dem

sogenannten Prügelweg zu folgen. Ziemlich steil in die Klamm

zum Meidpass (2790 m) empor. Auf der Westseite hält man

sich links und wandert ins Alpgebiet von Toûno. Man muss

bis zum Stall von Le Chiesso (2198 m) absteigen, um in den

komfortablen Weg, der die Bergstation Tignousa mit dem altehrwürdigen

Hotel Weisshorn verbindet, einzufädeln. Von dort

auf dem Höhenweg mit geringem Auf und Ab südwärts durch

die Flanken über dem Val d’Anniviers. Dabei durch die Geländekessel

von Nava und Barneuza (2211 m), bis bei P. 2173

(vor Lirec) allmählich der Abstieg nach Zinal (»Z«-Markierung)

eingeleitet wird. Nach letzten Querungen im Bereich der

Waldgrenze führen steilere Kehren in den Talort hinunter.

Mark Zahel

Ein einfacher Weg führt zum Hotel Weisshorn.

des Schlernbachs hinab und auf einem aufwendig mit quer

gelegten Holzbalken über dem Bach angelegten, verwegenen

Weg steil hinab, bis schließlich die Aufstiegsroute erreicht

wird. Auf ihr zum Ausgangspunkt zurück.

Siegfried Garnweidner

Übergang vom Schlern zum Gabels-Mull

Foto: Mark Zahel Foto: Siegfried Garnweidner

TIPP

Walliser Alpen Tour Matterhorn 3+4: Zinal – Les Haudères – Arolla

Etappe 3: Nach einer empfehlenswerten Seilbahnfahrt stehen

ab Sorebois bis zum ersten Pass nur 400 Hm auf einem

breiten Sandsträßchen durchs Skigebiet bevor. Jenseits des

Col de Sorebois (2835 m) windet sich der Weg kehrenreich

abwärts, tangiert das Restaurant Lac de Moiry und kommt

damit zur Dammkrone des lang gestreckten Stausees (2249

m). Nun scharf links auf den Güterweg zur Alpage de Moiry

(auch Alpage de Torrent) und weiter auf einem gewöhnlichen

Steig in mäßiger Steigung am Lac des Autannes (2686 m)

vorbei. Erst gegen den Col de Torrent (2916 m) steilt das Gelände

deutlich auf und wird karger; nach einigen Kurven und

Schleifen erreicht man den höchsten Punkt des dritten Tages.

Auf der Seite des Val d’Hérens steht ein langwieriger Abstieg

über Alplagen und Maiensäße bevor. Man steuert über die

Mayens de Cotter (2058 m) das oberste Dorf Villaz (1738 m)

an. Entlang der Straße weiter nach La Sage und später etwas

abseits davon bis in die Talsohle nach Les Haudères.

Etappe 4: Zunächst zum Fluss La Borgne hinunter, der bei P.

1421 überschritten wird. Anschließend durch Wald und über

Lichtungen teils kräftig bergauf, dabei zweimal die Straße

nach Arolla kreuzend. Man gelangt in das Gebiet der verstreuten

Mayens de la Coûta, wo die horizontale Weiterführung gen

Süden zuletzt gesperrt war. Stattdessen mit einigem Mehraufwand

bis auf ca. 2300 m ansteigen und dort die beiden

Tobel auf harmlose Weise kreuzen. Bei Les Faches wieder in

den Originalweg einmündend, geht es im weiteren Verlauf

mehr oder weniger hangparallel und im Detail ein wenig verschlungen

entlang der Waldgrenze gen Süden. Über Louché

zum malerischen Lac Bleu (2092 m) und jenseits der nächsten

Bachbrücke zu einer Gabelung. Sinnvoller ist jetzt die Variante

»diffi cile«, womit man in der steilen, licht bewaldeten

Berglehne bleibt und schließlich in Arolla einläuft.

Mark Zahel

Der langgestreckte Lac de Moiry

Foto: Mark Zahel


TIPP

Walliser Alpen Tour Matterhorn 5 + 6: Arolla – Nacamuli – Vuillermoz

4

aus Bergsteiger 8/2013 – Seite 20

TIPP

aus Bergsteiger 8/2013– Seite 20

Über den Alpenhauptkamm nach Italien

Die Etappen 5 und 6 der Tour Matterhorn halten die größten Hürden bereit. Zunächst muss der Haut

Glacier d’Arolla begangen werden, um nach Italien zu gelangen. Tags darauf wartet der beschwerliche

Col de Valcournera. Zum Lohn gibt’s hochalpine Eindrücke in geballter Form.

1170 + 1100 Hm | 5¾ + 5½ Std.

normale Bergwanderausrüstung,

evtl. Steigeisen

Ausgangspunkt: Arolla (2006 m) im inneren Val d’Hérens

Endpunkt: Rifugio Perucca-Vuillermoz (2909 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bus von Sion nach Arolla

Gehzeiten: 5. Etappe: Arolla – Abzweig zum Gletscher 2

Std. – Col Collon 3 Std. – Rifugio Nacamuli ¾ Std

6. Etappe: Rifugio Nacamuli – Rifugio Prarayer 2 Std. – Col

de Valcournera 3 Std. – Rifugio Vuillermoz ½ Std.

Höhenmeter: 5. Etappe: 1170 Hm Aufstieg, 350 Hm

Abstieg. 6. Etappe: 1100 Hm Aufstieg, 1020 Hm Abstieg

Walliser Alpen Tour Matterhorn 7 + 8: Vuillermoz – Teodulo – Grünsee

Im Angesicht des Matterhorns zurück in die Schweiz

Am siebten Tag gewahrt man das Matterhorn erstmals von der Südseite. Über den Theodulpass

wechselt man später zurück in die Schweiz und befindet sich dort im Reich der Zermatter Viertausender.

Diese Abschnitte vermitteln Gegensätze zwischen großartigen Bergen und harter Erschließung.

1070 + 500 Hm | 6¼ + 5½ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Ausgangspunkt: Rifugio Perucca-Vuillermoz (2909 m)

Endpunkt: Berghaus Grünsee (2296 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie zwischen Valtournenche

(Breuil) und dem Aostatal. In der Schweiz ist

Zermatt ans Bahnnetz angeschlossen.

Gehzeiten: 7. Etappe: Rif. Vuillermoz – Finestra di Cignana

1¾ Std. – Breuil-Cervinia 2¼ Std. – Plan Maison – Rif.

Teodulo 2¼ Std. 8. Etappe: Rif. Teodulo – Trockener Steg

1¼ Std. – Furi 2 Std. – Riffelalp 1¼ Std. – Grünsee 1 Std.

Beste Jahreszeit: Mitte Juli bis Mitte September

Karte: LKS 1:50 000, Blatt 283 T »Arolla« und 293 »Valpelline«

Führer: Mark Zahel »Walliser Alpen – Die großen Trekking-

Runden«, Bergverlag Rother, 2013

Fremdenverkehrsamt: Offi ce Regionale du Tourisme Valpelline,

Tel. 00 39/01 65/71 35 02

Hütten: Rifugio Nacamuli-Collon (2830 m), Tel.

00 39/01 65/73 00 47. Rifugio Prarayer (2010 m), Tel.

00 39/01 65/73 00 40. Rifugio Perucca-Vuillermoz (2909 m),

Tel. 00 39/3 38/4 26 47 05

Charakter/Schwierigkeiten: Zwei hochalpine Übergänge,

von Arolla zum Col Collon mit Gletschertraverse (spaltenarm, aber

bei schlechter Sicht schwierige Orientierung). Über den Col de

Valcournera steile Felsen (vereinzelt gesichert) und Blockschutthänge

(sehr mühsam). Hochgebirgserfahrung und ausgeprägte

Trittsicherheit wichtig.

Höhenmeter: 7. Etappe: 1070 Hm Aufstieg, 1200 Hm Abstieg.

8. Etappe: 500 Hm Aufstieg, 1520 Hm Abstieg

Karte: Swisstopo 1:50 000, Blatt 293 »Valpelline«, 283 T

»Arolla« und 284 T »Mischabel«

Fremdenverkehrsamt: AIAT Monte Cervino/Breuil,

Tel. 00 39/01 66/94 91 36

Hütten: Rif. Perucca-Vuillermoz (2909 m),

Tel. 00 39/3 38/4 26 47 05. Rif. Teodulo (3317 m),

Tel. 00 39/01 66/94 94 00. Gandegghütte (3029 m),

Tel. 00 41/(79/6 07 88 68. Berghaus Grünsee (2296 m),

Tel. 00 41/27/9 67 25 53

Charakter/Schwierigkeiten: Im Allgmeinen unschwierige

Bergwanderwege, zum Theodulpass breite Schotterpiste und jenseits

präparierte Gletscherpiste (jeweils Skigebiet). Zu beachten

ist die große Höhe des Passes.

5

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

TIPP

Walliser Alpen Tour Matterhorn 9 + 10: Grünsee – Europahütte – Grächen

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aus Bergsteiger 8/2013 – Seite 20

Der Europaweg als grandioses Finale

Zwischen Zermatt und Grächen lässt sich auf dem Europaweg die gesamte östliche Talflanke des

Mattertals abschreiten. Die Route zählt zu den großartigsten Höhensteigen im ganzen Alpenraum.

Das Panorama ist bestechend, der Verlauf mitunter spektakulär. Allerdings sorgt ein Felssturzhang

vor der Europahütte aktuell für einen beträchtlichen Umweg.

870 + 550 Hm | 6¾ + 6 Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Ausgangspunkt: Berghaus Grünsee (2296 m)

Endpunkt: Grächen (1619 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Bahnlinie durchs Mattertal

bis Zermatt, in St. Niklaus Bus nach Grächen

Gehzeiten: 9. Etappe: Grünsee – Sunnegga ¾ Std. –

Täschalp 2½ Std. – Europahütte 3½ Std. (Achtung: derzeit

durch Umleitung 2 Std. mehr). 10. Etappe: Europahütte –

Galenberg 2 Std. – Heiliger Bernhard 2 Std. – Grächen 2 Std.

Höhenmeter: 9. Etappe: 870 Hm Aufstieg, 900 Hm Abstieg

(derzeit fast 500 Hm mehr). 10. Etappe: 550 Hm Aufstieg, 1200

Hm Abstieg

Beste Jahreszeit: Mitte Juli bis Mitte Oktober

Karte: LKS 1:50000, Blatt 284 T »Mischabel« und 274 T »Visp«

Fremdenverkehrsamt: Zermatt, Tel. 00 41/27/9 66 81 00

Hütten: Europaweghütte (Täschalp, 2214 m),

Tel. 00 41/27/9 67 23 01. Europahütte (2265 m),

Tel. 00 41/27/9 67 82 47

Charakter/Schwierigkeiten: Anspruchsvoller Höhensteig,

anfangs harmlos, hinter der Täschalp aber zunehmend alpine

Hindernisse. Ausgesetztes Gelände meist gut abgesichert, streckenweise

heikles Blockgelände. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit

und gute Kondition unerlässlich. Hängebrücke am Grabengufer

derzeit gesperrt

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen


TIPP

Walliser Alpen Tour Matterhorn 5+6: Arolla – Nacamuli – Vuillermoz

TIPP

Etappe 5: Hinter Arolla ins Hochtal hinein und nach einer

Weile auf die linke Seite, wo man dem Bertol-Hüttenweg folgt.

Auf ca. 2500 m rechts ab und mit blau-weißer Markierung

über einen Felsriegel ins Vorfeld des Haut Glacier d’Arolla.

Durch das Moränengelände am Rand der Schwemmebene

weiter auf die Obermoräne des nur mäßig steilen Gletschers,

die sich normalerweise gut begehen lässt (Stangenmarkierung).

Bevor sich der Blockschuttstreifen weitgehend

im Eis verliert, schert man nach rechts aus und überquert

den Gletscherstrom in Richtung des etwas unangenehmen

Geröllriegels, welcher das Hochbecken unter dem Col Collon

(3069 m) abtrennt. Am Pass an einem Schmelzwassersee

vorbei und anhand gelber Markierungen über einen Felsriegel

bergab, danach mit einem Geröllpfad auf die rechte Seite

des Kartrichters und zum Rifugio Nacamuli.

Etappe 6: Von der Hütte links ausholend über den Wildbach

und über eine steilere Geländepartie ins Hochtal hinab. Dort

fl acher weiter nach La Garda (2211 m) und bei der Gabelung

unterhalb der Alp d’Oren die Hauptroute nach links verlassen.

Damit wandert man zum Rifugio Prarayer (2010 m) unweit

des Lago di Places Moulin. Ein Stück weiter hinten kann der

Walliser Alpen Tour Matterhorn 7 + 8: Vuillermoz – Teodulo – Grünsee

Etappe 7: Vom Rifuigo Vuillermoz am Lago del Dragone sowie

am Lago Balanselmo vorbei. Die folgende Steilpassage

wird von einem Wasserfall begleitet. Man steigt zum Boden

ab und orientiert sich auf die linke Seite, wo ein schöner

Weg die Hänge schneidet. Er zieht durch eine Geländebucht

zur Alpe di Cignana (2298 m). Hinter dem Finestra di

Cignana (2441 m) schräg links zu einem Eck, wo plötzlich

das Matterhorn auftaucht. Die Route führt nun über dem

Valtournenche gen Norden, das Touristendorf Breuil schon

im Visier. Man verliert allmählich an Höhe, ignoriert den

Hinweis nach Perreres und folgt vorerst weiter dem Alpbalkon.

Erst nach einer kleinen Zwischensteigung wird vorteilhaft

in die Talsohle abgestiegen (schlecht beschildert). Von

Breuil-Cervinia (2006 m) am besten mit der Seilbahn rasch

hinauf nach Plan Maison (2548 m), wo man in verdrahtetes

Skigelände entlassen wird. Entlang der breiten Sandstraße

in wechselnder Steigung via Cappella Bontadini (3043 m)

Richtung Theodulpass. Knapp oberhalb steht auf einem

Absatz das Rifugio Teodulo (3317).

Etappe 8: Vom Theodulpass (3301) zum nahen Rand des

Oberen Theodulgletschers und entlang der Lifttrasse fast

Zufl uss des Stausees überschritten werden. Drüben quert

man in die entgegengesetzte Richtung, bis kurz vor einer

Bachschlucht Route Nr. 12 zum Col de Valcournera abzweigt.

Über die Alpe Valcournera (2166 m) ins Hochtal und auf ca.

2300 m linker Hand in die Steilhänge, wo zwei gesicherte

Felsstufen auftreten. Ein mühsamer Schutthang führt zu

einer Karschwelle, wo der unerquickliche Schlusshang zum

Col erscheint: noch rund 300 Hm Trümmergelände, in dem

Markierungen zwar vorhanden, Steigspuren jedoch dürftig

sind. Vom Col de Valcournera (3072 m) ostwärts über einen

abschüssigen Bröselhang (Fixseil) hinab auf harmlosere

Schotterböden. Ein Stück weiter steht das Rifugio Perucca-

Vuillermoz (2909 m) inmitten der kleinen Seenplatte eines

Hochkessels.

Mark Zahel

Das Rifugio Perucca-Vuillermoz

schnurgerade in leichtem Gefälle gegen Norden. Während

das Eis morgens meist angenehm zu begehen ist, weicht es

tagsüber bei warmer Witterung auf und kann stellenweise

sogar knöcheltief unter Wasser stehen; Spalten lauern

indes kaum. Bei der Station Trockener Steg (2939 m)

schlägt man rechts den gut ausgebauten Steig ein, der sich

über die so genannten »Lichenbretter« – eine Rundhöckerlandschaft

– abwärts windet. Man gelangt in die Nähe der

Station Furgg, etwas tiefer über den Furggbach und schräg

abwärts durch lichten Wald nach Furi (1867 m, Restaurants).

Dieser Abschnitt kann auch per Seilbahn abgekürzt

werden. Nachdem Richtung Osten die Gornera-Brücke

überschritten ist, geht es wieder bergauf. Ein Waldweg führt

zum Restaurant Augstchumme (2114 m), wenig später ist

das stattliche Hotel auf der Riffelalp (2222 m) erreicht. Von

dort quer durch den Nordhang bis zum Berghaus Grünsee

(2296 m).

Mark Zahel

Ziemlich hoch: das Rifugio Teodulo (3317 m)

Foto: Mark Zahel Foto: Mark Zahel

TIPP

Walliser Alpen Tour Matterhorn 9 + 10: Grünsee – Europahütte – Grächen

Etappe 9: Vom Berghaus Grünsee den Einschnitt des

Findelbachs durchschreiten und über den Leisee zur Bergstation

Sunnegga (2288 m), wo der eigentliche Europaweg

aufgenommen wird. Mit wenig Höhenunterschied via Tufteren

(2215 m) nach Norden, bei P. 2340 um ein Eck herum und

später in den Einschnitt der Täschalp (2193 m) einbiegend.

Etwas unterhalb des Alpdorfs zweigt der Weiterweg von

der Zufahrtsstraße ab. Man verliert bis zur Weggabelung

am Täschgufer (1980 m) merklich an Höhe, passiert im

Gegenanstieg eine Hangüberbauung und kommt durch eine

urwüchsige Blocklandschaft zum Abzweig am Springelboden

(2219 m). Es folgt die spektakuläre Traverse der Kintole – ein

Wildbacheinschnitt, der in großem Bogen ausgegangen wird

(Seilgeländer, Eisenbrücke und kurze Tunnels). Anschließend

zu jener Stelle, wo die Umleitung talwärts angezeigt ist. Während

der originale Europaweg weiter nahezu horizontal durch

die Flanken am Grüengarten führt und das extrem steinschlägige

Grabengufer per Hängebrücke überwindet, muss man

derzeit bis auf ca. 1600 m absteigen und jenseits einer Reiße

über den normalen Hüttenweg von Randa zur Europahütte

(2265 m) wieder weit hinauf.

Etappe 10: Man startet nordwärts Richtung Miesboden und

überschreitet im Kessel des Birchbachs eine Hängebrücke.

Um den nächsten Rücken herum in den Kessel des Geisstriftbachs,

der von steilen, unwegsamen Blockhalden durchsetzt

ist. Hier deutlich aufwärts und hinüber zum Galenberg (2581

m). Im weiteren Verlauf wird es wieder holpriger, phasenweise

sogar regelrecht beschwerlich. Wiederholt werden rinnenartige

Einschnitte und diverse Rippen passiert, womit man

sich allmählich dem Grosse Grabe nähert. Die chaotische

Blocklandschaft wird absteigend gequert, bevor es um den

nächsten Vorsprung am Mittelberg herumgeht. Weiter zur

Bergschulter mit der Statue des Heiligen Bernhard (2474

m). Der Schlussabstieg beginnt links am breiten Rücken des

Grathorns und dreht rechts in den Geländetrichter von Ried

ein. Nahe der Kapelle Schalbettu läuft der Bergweg aus; von

dort auf Straßen und Spazierwegen über Gasenried (1659

m) bis zum Zielort Grächen (1619 m).

Mark Zahel

Passage am Europaweg; hinten das Weisshorn

Foto: Mark Zahel


TIPP

Glarner Alpen Vorder Glärnisch (2327 m)

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aus Bergsteiger 8/2013 – Seite 38

TIPP

aus Bergsteiger 8/2013 – Seite 38

Freie Sicht auf Glarus und mehr

Eine steile, teils ausgesetzte und abwechslungsreiche Wanderung auf einen der schönsten Aussichtsgipfel

des Glarnerlandes. Die ideale Route, für alle, die auch beim Wandern gern ein wenig

Kraxeln.

1500 Hm | 6½ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Glarus (472 m)

Ausgangspunkt: Bushaltestelle Klöntal, Rhodannenberg

(851 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 504 ab Bahnhof

Glarus, fährt Mitte Mai bis Mitte Oktober

Gehzeiten: Aufstieg 4 Std., Abstieg 2½ Std.

Beste Jahreszeit: Juli bis September

Karten: Swisstopo 1:25 000, Blatt 1153 »Klöntal«

Glarner Alpen Panixerpass (2404 m)

Führer: Caroline Fink »Das grosse Wanderbuch Glarnerland«,

AT-Verlag, 2013

Informationen: Glarussell, CH-8750 Glarus,

www.glarusell.com

Einkehr: Restaurant Rhodannenberg (Glarner Spezialitäten), Tel.

00 41/55/6 50 16 00, www.rhodannenberg.ch; Berggasthaus

Schwammhöhe, Tel. 00 41/55/6 40 28 17,

www.schwammhoehe.ch

Charakter/Schwierigkeit: T4; mehrere mit Fixseilen versicherte

Passagen, die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit

erfordern

Zu Fuß vom Glarnerland nach Graubünden

Raue Landschaften, kleine Seen, einsame Alpen: Diese große Wanderung führt ohne technische

Schwierigkeiten über einen der schönsten Wanderpässe der Alpen vom Glarner Sernftal in die

Bündner Surselva.

1450 Hm | 7¼ Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Elm (977 m)

Ausgangspunkt: Bushaltestelle Elm, Steinibach

(1112 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Buslinie 541 ab Bahnhof

Schwanden, fährt täglich

Gehzeiten: Aufstieg bis Passhöhe 4½ Std., Abstieg ins

Dorf Pigniu 2¾ Std.

Beste Jahreszeit: Juli bis September

Karten: Swisstopo 1:25 000, Blätter 1174 »Elm« und 1194

»Flims«

Führer: Caroline Fink »Das grosse Wanderbuch Glarnerland«,

AT-Verlag, 2013

Informationen: Elm Ferienregion, CH-8767 Elm,

Tel. 00 41/55/6 42 52 52, www.elm.ch

Einkehr: Oberjetz-Beizli beim Ober Stafel, winzige Einkehrmöglichkeit,

sofern die Älpler vor Ort sind; Alpina in Pigniu, Gasthaus

mit Übernachtungsmöglichkeit, Tel. 00 41/79/620 12 16

Tipp: Die unbewartete Panixerpasshütte (2404 m) auf der

Passhöhe eignet sich für eine Rast oder Übernachtung; Ofen und

Wolldecken vorhanden, Holz (meist) auch, Informationen im gesamtschweizerischen

Hüttenverzeichnis von www.vs-wallis.ch

Charakter/Schwierigkeit: T2; auf der Bündner Seite des

Passes weiden teils Schafe mit Herdenschutzhunden. Bitte Verhaltensempfehlungen

beachten, www.herdenschutzschweiz.ch

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Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

TIPP

Urner Alpen Gitschen (2513 m)

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aus Bergsteiger 8/2013 – Seite 88

Ausblick über den Urner See

Gut 2000 Meter bricht die steile Ostwand des Gitschen zum Urner See ab. Auf dem Gipfelplateau des

Hausberges von Seedorf haben Schwindelfreie deshalb eine herrliche Aussicht über den See und die

Berge im Kanton Uri.

1120 Hm | 7 Std.

normale

Bergwanderausrüstung

Talort: Isenthal (771 m)

Ausgangspunkt: Bergbahn Gietisfl ue (1393 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der Bahn über Zürich

nach Altdorf im Kanton Uri, von dort weiter mit Bus 517

nach Isenthal

Gehzeiten: Aufstieg über Oberberg-Alm und Rinderstöckli

3 Std., Abstieg über Chessel und Musenalp 4 Std.

Beste Jahreszeit: Juli bis September

Karte: Landeskarte der Schweiz 1:50 000, Blatt 245 T

»Stans« oder 1:25 000, Blatt 1191 »Engelberg«

Fremdenverkehrsamt: Altdorf Tourismus, Schützengasse 11,

CH-6460 Altdorf UR 1, Tel. 00 41/41/8 74 80 00, info@altdorftourismus.ch,

www.altdorftourismus.ch

Hütten: Musenalp (1486 m), 4 DoZi und 50 Lager, Juni bis

Anfang Oktober, Tel. 00 41/41/8 78 11 22, www.musenalpisenthal.ch

Charakter/Schwierigkeiten: Der Aufstieg zum Gitschen sieht

von Seedorf schwieriger aus, als er ist. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit

braucht man allerdings schon im Gipfelbereich. Der

erste Teil des Aufstiegs führt über Almwiesen bis zur Oberberg-Alm

und weiter am steilen Gratrücken. Ab etwa 2200 m muss man an

einigen leichten Kletterstellen die Hände zu Hilfe nehmen. Der

markierte Abstieg bis zur Musenalp führt teils steil durch Schotter

und Blockwerk, anschließend auf einem Waldpfad und zuletzt

Asphalt bis zur Talstation der Gietisfl ue-Seilbahn.

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen


TIPP

Glarner Alpen Vorder Glärnisch (2327 m)

TIPP

Route: Von der Bushaltestelle Rhodannenberg überquert

man die Staumauer und steigt auf dem markierten Wanderweg

durch den Wald hoch Richtung Schwammhöchi. Rund 500 m

bevor man diese erreicht, führt eine Abzweigung rechts weg zur

großen Lichtung des Hinter Saggberg. Rund 500 m folgt man

der Straße am nördlichen Rand der Lichtung bis zum Wegweiser

bei P. 1053. Hier beginnt der eigentliche Alpinwanderweg










Glarner Alpen Panixerpass (2404 m)

Route: Von der Bushaltestelle Steinibach folgt man kurz

der Straße in Fahrtrichtung, nimmt nach wenigen Metern

bei einer Gabelung die linke Straße und geht dieser entlang

talwärts bis zur Sernfbrücke, die man überquert. Auf

der anderen Flussseite leitet die Straße zu einem Hof, wo

die Route rechts weiterführt und es eindeutig via Jetzberg

Richtung Talende geht. Kurz vor dem Panzerschießplatz

Wichlen erreicht man die Einmündung jenes Tals, das erst

in südlicher, dann in westlicher Richtung zum Panixerpass

führt. Kurz nachdem man in dieses Tal einbiegt, überquert

eine Brücke den Bach. Von hier aus führt der Wanderweg

klar sichtbar bergauf bis zum Kessel, in dem sich die Alphütte

des Ober Stafel befi ndet, und von diesem in einer

Steilstufe über die westlichen Talfl anken in den höher gelegenen

Kessel des Walenbodens. Von diesem geht es weiter

aufwärts, nun durch die Enge von Gurglen, um danach bald

das Häxenseeli zu erreichen, welches man auf Wegspuren

auf der Nordseite passiert. Nach einer letzten Steigung erreicht

man den Panixerpass. Direkt auf dem Pass befi ndet

sich die kleine Panixerpasshütte. An dieser vorbei (der

Wegweiser befi ndet sich an der Hüttenmauer) führen die

zum Vorder Glärnisch. Vorerst führ dieser noch südwärts der

Alpstraße entlang bis zum Einschnitt, der in den mächtigen

Felskessel von Vorder Glärnisch und Höchtor führt. Von hier aus

geht es weiter auf dem nun steileren Weg, am Stäfeli vorbei,

zu einem Felsband, das durchgehend mit Ketten gesichert ist.

Danach steigt man über steilere Grasplanggen, jedoch immer

auf einem ausgeprägten Pfad, in einer weiten Kehre via P.






Markierungen und Wegspuren über den Pass und anschließend

steil über Schotter in die kleine Hochebene der Alp

Mer, die man auf einem teils undeutlichen Wanderweg der

Länge nach durchquert. Am südöstlichen Zipfel der Ebene

geht es über eine Brücke auf die andere Seite der tosenden

Aua dil Mer, und auf gutem Weg – teils etwas abschüssig

– zur Alp Ranasca. Von dieser führt eine Alpstraße durch

schattigen Wald hinab ins Dorf Pigniu.

Caroline Fink





Der Weg über den Panixerpass führt auch durch die

einsame Hochebene der Alp Mer.

1716 erneut zu einem Felsband, welches ebenfalls mit Ketten

gesichert ist. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind dennoch

nötig. Nach diesem geht es immer steiler bergwärts über die

Glärnischplanggen zur Kante, von wo man erstmals hinab nach

Glarus blickt, um danach der Kante folgend über steiles Geröll

und über ein paar Felstritte zum Gipfelkreuz zu gelangen.

Rückweg auf der selben Route.

Caroline Fink









Foto: Caroline Fink Panorama: www.peakfinder.org

TIPP

Urner Alpen Gitschen (2513 m)

Aufstieg: 350 Höhenmeter spart man sich mit der Seilbahn

Gietisfl ue, an deren Talstation man gratis parken kann

(Voranmeldung ratsam, Tel. 00 41/41/8 78 10 17). Von der

Bergstation geht es durch lichten Wald und über Wiesen bis

auf einen Sattel (1552 m, Materiallift nach Oberberg ). Auf

dem folgenden, steilen Wegstück über den Gratrücken bis zur

bewirtschafteten Oberbergalm und weiter zur felsigen Schulter

des Gitschen wird es an sonnigen Tagen extrem heiß. Erst

kurz vor der Musenalp gibt es eine Quelle zum Nachfüllen der

Trinkfl aschen. Der Weg quert nun die Ostfl anke des Gitschen

durch Fels und über Sandreisen bis hin zu den Biwakplätzen

unter dem Felsvorsprung (bitte das deponierte Material wirklich

nur im Notfall verwenden, es gehört zur Ausrüstung der

Gruppe, die hier am Nationalfeiertag das Bergfeuer entzündet).

Am Südgrat geht es nun durch die Felsen weglos und

kletternd aufwärts bis zum höchsten Punkt.

Abstieg: Über den Südgrat zurück zum Sattel, wo der Weg

über Gras und Fels noch einmal aufsteilt, aber mit Fixseilen

entschärft wurde. Oben angekommen, breitet sich eine fl a-

che Steinwüste aus, die sich bis zum Chlitaler Firn unter dem

Uri Rotstock erstreckt. Der Weg verläuft nördlich des Schotter-

und Felskammes bergab. Auch hier sind kritische Stellen

seilversichert. Im Chessel (1989 m) trifft der Weg auf den

Aufstieg zum Uri Rotstock – wer diesen Gipfel noch dranhängen

will, kann bereits weiter oben der orangefarbenen, spärlichen

Markierung durchs Schottergelände folgen und erreicht

den Aufstiegsweg so gut 200 Meter weiter oben im Schuttkessel

direkt unterhalb des Gletschers. Der weitere Abstieg

zur Musenalp (1486 m) führt auf steilem Weg durch Felsen

abwärts; Stöcke zur Knie-Entlastung sind hier unbedingt zu

empfehlen. Nach Querung eines Baches wird der Pfad angenehmer,

bis er bei der Musenalp in einen Wald- und Wiesenweg

übergeht. Erschöpfte können hier den Lift abwärts nutzen

und müssen dann nur noch auf der Teerstraße bis zur Gietisfl

ue-Talstation laufen.

Dagmar Steigenberger

Am Gipfelplateau des Gitschen mit

Tiefblick auf den Urner See

Foto: Dagmar Steigenberger


TIPP

Urner Alpen Uri Rotstock (2928 m)

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aus Bergsteiger 8/2013 – Seite 88

TIPP

aus Bergsteiger 8/2013 – Seite 116

Über Gletscherrest und Felsplatte

Als einer der höchsten Berge rund um den Vierwaldstätter See wartet der Uri Rotstock sogar mit

einem kleinen Gletscherrest an seiner Ostflanke auf; für Hochtouren-Neulinge, aber auch für geübte

Wanderer ein lohnendes Ziel mit schönem Gipfelpanorama.

1450 Hm | 7½ Std.

normale Wanderausrüstung;

evtl. Steigeisen

Talort: Isenthal (771 m)

Ausgangspunkt: Bergbahn Musenalp (1486 m)

Öffentliche Verkehrsmittel: Mit der Bahn über Zürich

nach Altdorf, von dort weiter mit Bus 517 nach Isenthal

Gehzeiten: Aufstieg von Musenalp über Chlitaler Firn

4 Std., Abstieg über Gitschenhörelihütte und Sassigrat

3½ Std.

Beste Jahreszeit: Juli bis September

Karte: Landeskarte der Schweiz 1:50 000, Blatt 245 T

Walliser Alpen Vincent-Pyramide (4215 m)

Volle Punktzahl für Viertausender-Sammler

Nicht alle benannten Berge im Monte-Rosa-Massiv sind »echte« Gipfel. Die Vincent-Pyramide ist

einer. Mit dem Start ab der Seilbahnstation Punta Indren erreicht man schnell eine Höhe, die dem

nicht akklimatisierten Alpinisten durchaus zu schaffen machen kann

600 Hm | 3 Std.

komplette Gletscherausrüstung

Talort: Alagna (1190 m)

Ausgangspunkt: Capanna Gnifetti (3647 m)

Gehzeiten: Hüttenzustieg 1½ Std.; Gipfelaufstieg 2 Std.;

Abstieg 1 Std.

Beste Jahreszeit: Ende Juni bis August

Karte: Istituto Geografi co Centrale 1:25 000, Blatt 109

»Monte Rosa«

Führer: Goedeke »4000er Tourenführer«, Bruckmann

Verlag

»Stans« oder 1:25 000, Blatt 1191 »Engelberg«

Fremdenverkehrsamt: Isenthal Tourismus, CH-6461 Isenthal,

Tel. 00 41/79/5 10 49 58

Hütten: Musenalp (1486 m), 4 DoZi und 50 Lager, Juni bis

Anfang Oktober, Tel. 00 41/41/8 78 11 22, www.musenalpisenthal.ch;

Gitschenhörelihütte (2325 m), nicht bewartet, 14

Schlafplätze, Tel. wie Biwaldalp; Biwaldalp (1696 m), 106 Lager,

Juni bis Mitte Oktober, Tel. 00 41/41/8 78 11 62

Charakter/Schwierigkeiten: Die einfache Hochtour ist

ideal für diejenigen, die erstmals Berührung mit einem Gletscher

suchen: Vom Chlitaler Firn sind nur noch Reste übrig, die man im

Sommer auch ohne Seil und Steigeisen überwinden kann. Der

kürzeste Aufstieg über die Musenalp hält im Fels kurz unterhalb

des Gletscherkessels die Schlüsselstelle parat: eine steile Felsplatte,

die mit Fixseilen gesichert ist

Informationen: ATL Valsesia Vercelli, Tel. 00 39/01 63/56 44

04, www.alagna.it

Hütte: Capanna Giovanni Gnifetti (3647 m), CAI, Ende Juni bis

Anfang September, Tel. 00 39/01 63/7 80 15, www.rifugimonterosa.it

Charakter/Schwierigkeiten: WS. Wenig schwierige Gletschertour,

die allerdings wegen ihrer Höhe nicht unterschätzt werden

sollte. Im Gegensatz zu mehreren anderen der Viertausender

rund um die Dufourspitze ist die Vincent-Pyramide ausreichend

erhaben über die Nachbargipfel, so dass sie als eigenständiger

Berg gewertet werden darf. Simple Firnhänge bei entsprechenden

Verhältnissen

11

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen Karte © Christian Rolle, Holzkirchen

w

TIPP

Walliser Alpen Ulrichshorn (3925 m)

12

aus Bergsteiger 8/2013 – Seite 116

Nicht nur als Dreingabe attraktiv

Das Ulrichshorn ist wahrlich nicht herausragend in seiner Umgebung.

Es kratzt nicht einmal an der Viertausender-Marke. Aber sollten die

Verhältnisse für die »großen« Touren rund um die Mischabelhütte gerade

nicht passen, so ist das Ulrichshorn ein perfektes Ausweichziel.

600 Hm | 4 Std.

komplette Hochtourenausrüstung

Talort: Saas Fee (1809 m)

Ausgangspunkt: Mischabelhütte (3335 m)

Gehzeiten: Hüttenzustieg 4–5 Std.; Gipfelaufstieg 2½ Std;

Abstieg zur Hütte 1½ Std.

Beste Jahreszeit: Juli, August

Karte: Landeskarte der Schweiz 1:50 000, Blatt 284

»Mischabel«

Führer: Biner »Hochtouren im Wallis«, SAC-Verlag

Informationen: Saas-Fee/Saastal Tourismus,

Tel. 00 41/27/9 58 18 58, www.saas-fee.ch

Hütte: Mischabelhütte (3335 m), AACZ, Mitte Juni bis Mitte

September, Tel. 00 41/27/9 57 13 17,

www.mischabelhütte.ch

Charakter/Schwierigkeiten: WS. Wenig schwierige Hochtour

über (allerdings auch steilere) Gletscher. Die Spaltengefahr

im Anstieg zum Windjoch sollte nicht unterschätzt werden. Der

Hüttenzustieg ist aufgrund seiner Länge und der über 1500

Höhenmeter (samt 500 Hm an Drahtseilversicherungen) schon

für sich eine Tour.

Karte © Christian Rolle, Holzkirchen


TIPP

Urner Alpen Uri Rotstock (2928 m)

Aufstieg: Wer eine gute Kondition hat, kann auf die Seilbahn

zur Musenalp verzichten und gleich vom Parkplatz beim

Neihüttli im hintersten Chlital losmarschieren. Andernfalls

spart man sich 300 Höhenmeter und läuft ausgeruht von der

Musenalp zunächst auf Graswegen, dann über einen Bach

und steinerne Stufen bis zur Oberen Stelli, nach welcher bald

ein Weg Richtung Gitschen abzweigt, den man links liegen

lässt (1989 m). Nun kommt der anstrengendste Teil der Tour,

bei dem man auch die Schlüsselstelle – eine steile Felsplatte

– mittels Fixseilen passiert. Im Kessel unter den Gletscherresten

angelangt, folgt man den gut sichtbaren, rot-weiß-roten

Markierungen über das gestufte Felsgelände, während der

Gipfel nach und nach ins Blickfeld rückt. Gut 200 Meter

unterhalb des Sattels führt der Weg schließlich auf das

Firnfeld. Der Uri Rotstock ist ein beliebtes Gipfelziel und der

Weg durch den Schnee daher gut ausgetreten. Am Sattel

(2798 m) öffnet sich nicht nur ein herrlicher Rundumblick

vom Grosstal bis zu den Bergen um Engelberg; hier sind es

außerdem nur noch wenige Meter über einen Schottersteig

bis zum Gipfel des Uri Rotstocks.

Abstieg: Abwärts folgt man zunächst dem Aufstiegsweg

bis zum Sattel. Dort kann man entweder steil nach Südwesten

bergab steigen, oder man nimmt den Südostgrat

bis zu einem weiteren Sattel, von dem aus es weniger steil

zur unbewirtschafteten Gitschenhörelihütte am Fuß des

Blüemlisalpfi rns geht. Obwohl dieser Gletscher nirgendwo die

3000-Meter-Marke erreicht, wirkt er doch sehr imposant. Der

rot-weiß-roten Markierung folgend, marschiert man auf dem

etwas ausgesetzten, von kleinen Felsstufen durchzogenen

Weg Richtung Biwaldalp (1696 m). Um auf den Sassigrat

zu gelangen, muss man nicht bis zur Biwaldalp absteigen,

sondern kann bei Punkt 1877 direkt zum Sassigrat (1868

m) queren. Auf dem Sassigrat genießt man ein letztes Mal die

Aussicht, bevor ein steiler Abstieg zurück zur Musenalp und

ins Chlital führt.

Dagmar Steigenberger

Unterhalb des Gipfels (hinten Mitte) führt

die Route über Firnfelder.

Foto: Dagmar Steigenberger

TIPP

Walliser Alpen Vincent-Pyramide (4215 m)

1. Tag: Von Alagna nimmt heutzutage kaum noch jemand

den 7-Stunden-Aufstieg zur Bergstation der Seilbahn an der

Punta Indren (3275 m) auf sich. Von dort den Ghiacciaio

di Indren nach Westen queren. Über die Felsen (zum Teil

gesicherter Steig) hinüber zum Rifugio Città di Mantova








(3440 m), 1 Std. Weiter über den Ghiacciaio di Garstelet zur

Capanna Gnifetti (3647 m), ½ Std.

Aufstieg: Von der Capanna Gnifetti (3647 m) in nordöstlicher

Richtung über den Gletscherboden (Spaltenfeld!), stetig

ansteigend Richtung Lisjoch bis unterhalb vom Balmenhorn














mit der markanten Christusstatue. Nun rechts abbiegend

(gen Osten) bis zum Colle Vincent (4087 m). Vom Sattel über

die Nordabdachung zum Gipfel (4215 m).

Abstieg: wie Aufstieg

Folkert Lenz









Panorama: www.peakfinder.org

TIPP

Walliser Alpen Ulrichshorn (3925 m)

Hüttenzustieg: Von Saas Fee über die Trift bis westlich unter

das Distelhorn. Kurz danach erreicht man den Grat, welchen

man direkt bis zur Hütte verfolgt. Gut ersichtliche Wegmarkierungen

sowie Stahlseil am Gratverlauf (4–5 Stunden von

Saas Fee).

Rund eine Stunde Gehzeit erspart es, die Seilbahn bis Hannigalp

zu nehmen und dem markierten Weg Richtung Mischabelhütte

(Richtung Westen) mehr oder weniger eben zu folgen.

Im Bereich Trift kreuzt sich diese Alternative mit dem vom Tal

kommenden Aufstiegspfad (3–4 Stunden von Hannigalp).

Aufstieg: Von der Mischabelhütte (3335 m) dem Steig folgend

über die Gratrippe (Leiter) bis auf den Hohbalmgletscher.

Übergang auf diesem bei etwa 3600 m. In Linksbogen hinüber

zum Firnhang, der schließlich (Spur rechts ausholend) zum

Windjoch auf 3845 m führt. Auch wenn dieser Abschnitt harmlos

wirkt und gute Spuren vorhanden sind, ist die Spaltengefahr

zu beachten. Vom Windjoch über den verfi rnten Südwest-

Grat bis zur Spitze des Ulrichshorns (3925 m).

Abstieg: wie Aufstieg

Folkert Lenz

Panorama: www.peakfinder.org


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Zwei Wanderer legen 150 Kilometer zurück und passieren die Alpen

auf ihrem faszinierenden Weg von Oberstdorf nach Meran in Südtirol.

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Faszination Matterhorn: Der Aufstieg

zum König der Schweizer Berge erfolgt

vom Hörnligrat zum Gipfel mit

einer Höhe von 4478 Metern über

dem Meer.

2013 · ca. 50 Min.

DVD: Best.-Nr. 5943

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Die berühmteste und begehrteste

große Einzeltour der Allgäuer Alpen

ist der Heilbronner Weg. Begleiten

Sie uns auf unseren Erkundungen

durch dieses Wanderparadies.

2006 · ca. 60 Min.

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Die Tannheimer Berge in den Allgäuer

Alpen bieten zahlreiche Wander- und

Klettererlebnisse. Eine Ein-Tages-Tour

führt zur Landsberger Hütte und zurück.

2012 · ca. 50 Min.

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Eine faszinierende Bergtour durch

das Hochpustertal von Sexten hinauf

zum Paternkofel. Zusätzliche

Luftaufnahmen zeigen die einzigartige

Landschaft.

2011 · ca. 50 Min.

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Vom Höllental aus erfolgt der atemberaubende

Aufstieg zur Zugspitze. Nicht

minder faszinierend gestaltet sich der

Abstieg nach Garmisch-Partenkirchen.

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Der nördliche Teil des gut ausgebauten

Meeraner Höhenwegs bis zum

Wanderziel Pfleders bietet herrliche

Bergszenerien und führt hinauf bis

über 3000 m Höhe.

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Faszinierende Bergtouren in den

Sextener Dolomiten, gekonnt und

professionell gefilmt. Mit Bonusmaterial:

Bergstimmungen in den

Sextener Dolomiten.

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Auf dem Meraner Höhenweg kann

die gesamte Texelgruppe in einer

Wandertour von sechs Tagen umrundet

werden. Dieser Film widmet

sich der Südroute des Weges.

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AUF TOUR

Posieren fürs Album:

Das Bild ist von der

Sektion Tübingen um

die Jahrhundertwende

gemacht worden und

zeigt Ausflügler im

Sonntagsgewand.

Kritische

Masse

Der DAV knackt die Millionengrenze

Zum ersten Mal in seiner fast 150-jährigen Geschichte zählt

der Deutsche Alpenverein mehr als eine Million Mitglieder.

Ein Grund zum Feiern? Nicht unbedingt. Der DAV steht am

Scheideweg: Will er eine Art Berg-ADAC sein oder sich klar für

den Schutz der Bergwelt positionieren? Von Michael Ruhland

68 Bergsteiger 09 ⁄12


Gesellige Runde in

einer Hüttenstube

vor rund 100 Jahren;

unten: Küche des

Brandenburger Hauses

im Jahr 1909

1929 errichten die sudetendeutschen

Sektionen des Alpenvereins per Gemeinschaftswerk

die Hütte im südlichen Teil

der Granatspitzgruppe in Osttirol.

Fotos: Deutscher Alpenverein (1), Historisches Alpenarchiv (3)

Jede Partei, jedes Unternehmen, jede

Volkswirtschaft träumt von solchen

Zahlen: ein konstantes, jährliches

Wachstum von fünf Prozent, der

Kundenstamm verjüngt sich und

wird obendrein weiblicher (s. Kasten S. 72).

Es gibt also allen Anlass für den Deutschen

Alpenverein, einen Jubelgesang anzustimmen

und die Hüttenruhe bis auf weiteres

von 22 Uhr auf weit nach Mitternacht zu

verschieben. Im Juni hat der DAV die Eine-

Million-Mitglieder-Grenze geknackt. Weil

seine 355 Sektionen rechtlich selbständige

Vereine sind, lässt sich nicht exakt auf die

Stunde und Minute bestimmen, welches

Neu-Mitglied nun das millionste ist. Der

Dachverband nutzte diese Ungewissheit

für eine Werbeaktion und versprach allen

im Juni neu Beigetretenen, per Los das millionste

Mitglied zu ermitteln. Der oder die

Glückliche darf mit einem Toyota zur Messe

»Outdoor« nach Friedrichshafen fahren.

Dort gibt’s dann diverse Ausrüstungsgeschenke,

Kost und Logis sind natürlich frei.

Naturnutzung oder Naturschutz?

Man würde auch gut mit dem Zug nach

Friedrichshafen kommen. Dass es ein Toyota

sein muss, offenbart exemplarisch

das Dilemma, in das sich der weltgrößte

Bergsportverband und fünftgrößte Sportverband

im Deutschen Olympischen Sportbund

selbst manövriert hat: Als großer Lobbyist

der Berg- und Kletterbegeisterten zieht

er eben auch große Unternehmen an. Nach

einer vom deutschen Wanderverband in

Auftrag gegebenen Untersuchung aus dem

Jahr 2010 geben Wanderer in Deutschland

pro Jahr etwa 7,5 Milliarden Euro in den

Bergen aus. 3,7 Milliarden kommen jährlich

für Ausrüstung oben drauf.

Solche Zahlen ziehen. Toyota ist seit 2008

»offizieller Mobilitätspartner des DAV«, wie

auf der Homepage zu lesen ist. Wie schwer

sich die Verbandsführung moralisch mit

der Partnerschaft tut, lässt sich zwischen

den Zeilen lesen, die der DAV (seit 1984 anerkannter

Naturschutzverband, s. Kasten

S. 70) seinen Mitgliedern als Begründung

liefert: »Der DAV ist sich bewusst, dass jede

Autofahrt die Umwelt belastet – so wie

jede bergsportliche Aktivität die Natur beansprucht.

In diesem Spagat zwischen Naturnutzung

und Naturschutz ging es dem

DAV schon immer darum, vernünftige und

vertretbare Lösungen zu finden; eine Aufgabe,

die heute im Hinblick auf den Klimawandel

immer wichtiger wird.« Die Anreise

ins Gebirge sei, so argumentiert der DAV, oft

nur mit dem Auto möglich. Und da biete

Toyota »als führender Anbieter von Hybrid-

Technologie« quasi das maximal Umweltverträgliche.

»Das waren bezahlte Aussagen«

Irgendwie klingt das plausibel, ist aber nicht

viel anders, als wenn ein Fernreisender seinen

Flug nach Kathmandu damit kompensieren

will, dass er mit ein paar Euro andernorts

Bäume aufforsten lässt: Man redet sich

die Sache schön, beruhigt sein Gewissen. Mit

dem Toyota-Sponsoring hatte sich der DAV

schon vor drei Jahren in die Nesseln gesetzt.

Die Geschäftsstelle versandte 2010 einen

Brief an die Sektionen, in denen diese aufgefordert

wurden, gemeinsame Aktionen mit

örtlichen Toyota-Händlern zu organisieren.

»Wir sollten uns äußern, dass Hybridfahrzeuge

technisch am besten seien und Toyota

die umweltfreundlichsten baut«, erinnert

sich Martin Pfund, Leiter der Sektion Bad

Tölz. »Als wären wir Autofachleute und hätten

das geprüft.« Sponsoring und Werbung

seien mit den eigentlichen Aufgaben des

Bergsport- und Naturschutzverbandes »äußerst

unprofessionell vermischt worden«,

bilanziert der Sektionschef. »Das waren bezahlte

Aussagen, und das ist Korruption«,

sagt Pfund. Sein Name tauchte damals in

vielen Zeitungsartikeln auf, Christoph Süß

lud ihn zu seinem Wochenmagazin »quer«

ins Bayerische Fernsehen ein. »Ich wurde aus

den eigenen Reihen angefeindet, aber das

war mir wurscht«, sagt Pfund. Er habe auch

»viele positive Reaktionen« erfahren.

08 ⁄13 Bergsteiger 69


Ziele, Zäsuren, Zwiste

Die Geschichte des DAV von 1869 bis heute

Im Zentrum

stehen die Hütten

und Wege:

Wanderer auf

dem Weg zur

Nürnberger

Hütte, Stubai

• Der Deutsche Alpenverein ging aus der am

9. Mai 1869 gegründeten Sektion München

hervor. Hauptziel: der Bau von Hütten und

Wegen in den bayerischen und österreichischen

Alpen. Der Alpenverein organisierte das alpine

Rettungswesen, die Ausbildung der Bergführer,

begründete den alpinen Naturschutz, war wissenschaftlich

aktiv, förderte kulturelle Aktivitäten

und engagierte sich sozial in den Gebirgstälern.

• 1873 hat der Verband 34 Sektionen in Österreich

und Deutschland mit 2383 Mitgliedern.

• 1874 Fusion zum Deutschen und Österreichischen

Alpenverein (D.u.Oe.A.V.). Antisemitische

Tendenzen waren im Alpenverein seit den

frühen 1890er-Jahren zu verzeichnen. Bis

zum Ersten Weltkrieg verweigerten sieben Sektionen

jüdischen Bergfreunden die Aufnahme.

• 1914 hatte der Verein 102 092 Mitglieder,

die in 407 Sektionen organisiert waren.

Diese betrieben 345 Hütten in den Ostalpen,

verbunden durch ein ausgedehntes, einheitlich

beschildertes und markiertes Wegenetz.

• 1921 veranlasste der Bergsteiger und Antisemit

Eduard Pichl durch die Machtübernahme

in der Wiener Sektion Austria mit dem Ziel,

dort den »Arierparagraphen« einzuführen, den

Austritt der Mehrzahl ihrer jüdischen Mitglieder,

die im gleichen Jahr die Sektion Donauland

gründeten. Pichl initiierte eine Kampagne, die

1924 zum Ausschluss dieser Sektion führte.

• 1938 hieß der Verband »Deutscher Alpenverein

– Deutscher Bergsteigerverband im Nationalsozialistischen

Reichsbund für Leibesübungen«.

• 1945 trat der »Alpenverein«, welcher am

10. 9. 1950 in »Österreichischer Alpenverein«

umbenannt wurde, die Rechtsnachfolge des

Deutschen Alpenvereins an. Auf deutschem

Staatsgebiet wurde der Alpenverein mit der

Machtübernahme der Alliierten im Mai 1945

als ehemalige Nazi-Organisation verboten.

• Vereinsrechtlich gesehen erfolgte die

Neugründung am 14. Oktober 1948 in

München. Den Namen »Deutscher Alpenverein«

führt der Verband offi ziell seit dem Zusammenschluss

aller deutschen Sektionen, beschlossen

in Würzburg am 22. Oktober 1950.

• 1956 Rückübertragung der ab 1945 durch

den »Alpenverein« treuhänderisch verwalteten

Hütten der westdeutschen Sektionen

• 1958 beschloss die Hauptversammlung den

Verzicht auf den Bau weiterer Hütten und die

Verstärkung des Engagements im Naturschutz.

• 1984 Anerkennung des DAV als Naturschutzverband

in Bayern wegen der Verdienste um

Erhalt von Natur und Landschaft im Alpenraum

• 1995 trat der DAV als Spitzenverband in den

Deutschen Sportbund (DSB) ein und erhielt

damit die Fachkompetenz für alle Formen des

Bergsports – inklusive des Skibergsteigens.

• 2001 verabschiedete der DAV-Hauptausschuss

eine Proklamation, in der er »die Vorgänge

im damaligen Deutschen und Österreichischen

Alpenverein (D.u.Oe.A.V.), die 1924 zum

Ausschluss der (jüdischen) Sektion Donauland

(…) geführt haben«, ausdrücklich bedauert.

• 2005 erfolgte die Anerkennung des DAV als

Naturschutzverband auf Bundesebene.

• 2011 veröffentlichten DAV, OeAV und AVS

den umfangreichen Dokumentationsband »Berg

Heil! Alpenverein und Bergsteigen 1918–1945«.

• 2012 verabschiedete die Hauptversammlung

ein neues Leitbild. Zentraler Satz: »Seiner Rolle

als Bergsport- und Naturschutzverband wird

der DAV durch eine kontinuierliche Abwägung

zwischen Schutz der Natur und den Interessen

der Bergsportlerinnen und Bergsportler gerecht.«

Weitere Infos: Nicholas Miländer, DAV, in:

Historisches Lexikon Bayerns, www.historischeslexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45980

Foto: Thilo Brunner

Eine Halbe zur Begrüßung: Skifahrer vor der

Auhütte im Schwarzwassertal (um 1930)

Am Ende gab’s eine Aussprache mit dem

damaligen Hauptgeschäftsführer Thomas

Urban und dem seinerzeit frisch gewählten

Präsidenten Josef Klenner. »Urban hat sich

rausgewunden, war vollkommen uneinsichtig,

und Klenner sagte so gut wie gar nichts«,

erzählt Pfund. Dennoch glaubt er, dass der

DAV aus dem Eklat gelernt habe.

»Die Hauptversammlung ist der Souverän«

Zumindest ist sich der neue Hauptgeschäftsführer

Olaf Tabor der Brisanz des Themas

bewusst. »Wenn es uns nicht gelingt, sowohl

die sportlichen Ambitionen unserer Mitglieder

als auch den Naturschutzgedanken, den

wir unbedingt brauchen, zusammenzubringen,

dann haben wir ein massives Problem«,

sagt Tabor. Der DAV beweise aber zum Beispiel

mit Projekten wie dem »Skibergsteigen

umweltfreundlich«, dass ihm der Spagat

auch gelinge. Gemeinsam mit dem Freistaat

habe der Alpenverein in den vergangenen 18

Jahren an 180 beliebten Skitourenbergen in

den bayerischen Alpen 500 Routenempfehlungen

erarbeitet. Dabei legten die Experten

besonderen Wert darauf, dass Tourengeher

mehr als 200 Wald-Wild-Schongebiete bei

ihrer Tourenplanung aussparen.

Tabor trat im September 2012 die Nachfolge

Urbans an, in einer Zeit also, in der sich

der DAV gerade von dem internen Machtkampf

zwischen Präsidium und Hauptgeschäftsstelle

halbwegs erholt hatte. Dass der

frühere Vize-Präsident Ulrich Kühnl seinen

eigenen Verband als »ADAC der Alpen« bezeichnet

hatte, bevor er 2010 zurücktrat,

dass Präsident Heinz Röhle wegen »unüberbrückbarer

Auffassungsunterschiede bezüglich

der Wahrnehmung der Führungsverantwortung

(...)« zuvor das Handtuch

geworfen hatte – Tabor muss dies nicht

70 Bergsteiger 08 ⁄13


F

Fotos: Alpenverein, Historisches Alpenarchiv (3)

110 Jahre auf dem Buckel: Die Verpeilhütte (2025 m) gehört der DAV-Sektion Frankfurt am

Main und liegt im Verpeiltal, das vom Kaunertal in den Ötztaler Alpen abzweigt.

zwingend belasten. Es dürfte Kalkül gewesen

sein, mit dem früheren Generalsekretär

des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes

einen Mann von außen in

die Geschäftsstelle zu holen. »Heute gilt ein

völlig anderes Führungsverständnis, als offenbar

zuvor gegolten hat«, sagt Tabor. »Die

Hauptversammlung ist der Souverän.« Den

Sektionen, die ja eigenständige Vereine seien,

gebe man auf keinen Fall vor, »was sie

zu tun oder gar, was sie zu lassen haben«.

Der Facettenreichtum innerhalb der Sektionen,

betont er, sei eines der Erfolgsrezepte

des DAV. Genau diesen sieht die Sektion

Dienstleistung: Postkarte der

Plauener Hütte; ehrenamtliche

Helfer beim Bau des Notlagers

der Mindelheimer Hütte 1935


Bayerland in Gefahr. Die geplante Strukturreform,

die im Herbst beschlossen werden

soll, statte das Präsidium mit zu viel Macht

aus, beklagen die Vorsitzenden Walter Lackermayr,

Nicholas Mailänder und Walter

Welsch in einem »offenen Brief«.

Fotos: HIstorisches Alpenarchiv

»Jeder nach seiner Façon«

Wohin steuert der Tanker DAV? Tabor sieht

seine Stärke eher im Lobbying. Konflikten

wie um die Aussichtsplattform »AlpSpix« am

Osterfelderkopf unterhalb der Alpspitze, die

unter anderem den Alpinisten Stefan Glowacz

erboste und 2009 zum Austritt aus der

Garmischer Sektion bewog, müsse sich der

DAV differenziert stellen. »Einfach nur contra

sein, das geht nicht mehr, das wird auch

der Sache nicht gerecht«, sagt Tabor. Man

müsse sich immer den Einzelfall anschauen.

Was für den »AlpSpix«, salopp gesagt, hieß:

Hier in der Nähe der Seilbahn ist der Berg

eh schon touristisch stark genutzt, lieber an

anderer Stelle Schlimmes vermeiden.

Als Opfer des eigenen Erfolgs sieht Tabor

den DAV nicht. Seit 2012 gibt es ein neues

Leitbild. Darin bekennt sich der Alpenverein

zum Bergsteigen als Kerngeschäft. Zugleich

will er den Ausgleich zwischen Bergsport

und Naturschutz suchen. Geht das auch mit

mehr als einer Million Mitgliedern? »Wir haben

nichts gegen weiteres Wachstum«, sagt

Tabor, »wir sehen das als Bestätigung für das,

was wir tun.«

»Jeder nach seiner Façon«, gibt der DAV in

einer Image-Broschüre als Devise aus. Ob

das der richtige Weg sei, stellt Martin Pfund

in Frage. »Ich habe den Eindruck, dass der

Alpenverein den Naturschutz vernachlässigt«,

sagt er. Der enorme Mitgliederzuwachs

habe dazu geführt, dass das Konsumdenken

im Vordergrund stehe. Man zahle

Beitrag, also erwarte man Dienstleistung.

Sein Fazit: »Wir sind mehr der Verein der

Bergnutzer als der Bergschützer.« ◀

Tradition der Dokumentation: Ein Bergsteiger

trägt sich im Jahr 1909 ins Hüttenbuch ein.

Naturkatastrophen wie der Lawinenabgang, der die Sulzenauhütte im April 1975

zerstörte, werden mehr. Einzelne Standorte werden wohl in Zukunft aufgegeben.

KOMPAKT

Der weltgrößte Bergsportverband

9. Mai 1869 Gründung

1 Mio. Mitglieder Ende Juni 2013; damit weltgrößter Bergsportverband

355 regionale Vereine, die sogenannten »Sektionen«, im gesamten

Bundesgebiet; davon 255 in Bayern

rund 5 % Mitgliederzuwachs im Jahr (5,25 % in 2012)

40,6 % weibliche Mitglieder

23 % Jugendliche und junge Erwachsene unter 26 Jahren

19 % Mitglieder über 60 Jahre

325 öffentlich zugängliche Berg- und Schutzhütten in den Alpen und

deutschen Mittelgebirgen; zusammen mit OeAV und AVS 588

Alpenvereinshütten

20 400 Betten in Hüttenzimmern und Matratzenlagern (mit OeAV und AVS 33600

Betten)

2 Mio. Tagesgäste pro Jahr

700 000 Übernachtungen jährlich (mit OeAV und AVS 1,2 Mio.)

30 000 km Wege und Steige (mit OeAV 50 000 km); deren Pfl ege kostet

den DAV jährlich ca. 1 Mio. Euro und 50 000 ehrenamtlich geleistete

Helferstunden

200 Kletteranlagen

30 000 Besucher jährlich im Haus des Alpinismus auf der Münchner Praterinsel

140 000 Einzelveranstaltungen pro Jahr, vor allem in den Bereichen

Breitenbergsport (Wandern, Familienbergsteigen, Klettern etc.)


Spitzenbergsport (nationale und internationale Wettkämpfe im Sportklettern

und Skibergsteigen, Nachwuchsförderung)

Naturschutz (Hochlagenaufforstung, Wanderfalkenbewachung)


Kinder- und Jugendarbeit

ca. 12 300 vom DAV ausgebildete ehrenamtliche Kursleiter für alle Formen

des Bergsports und der Familien-, Kinder- und Jugendarbeit

ca. 4 400 Ehrenamtliche in den Gremien der Vereinsführung

ca.. 1,3 Mio. Stunden pro Jahr geleistete ehrenamtliche Arbeit

ca. 19,5 Mio. Euro jährlich volkswirtschaftliche Wertschöpfung durch Ehrenamtliche

140 000

Quelle: Deutscher Alpenverein

19,5 Mio

1,3 Mio

700 000

23 %

1.000 000 40,6 %

30 000

72 Bergsteiger 08 ⁄13


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AUF TOUR

SERIE: Mit der Familie in die Berge

TEIL 12: Rund um die Zugspitze

Familien-TIPP

Auch Klein-Norah will

im Waldklettergarten

ihren Mann stehen.

Wipfelglück

74 Bergsteiger 08 ⁄13


»Wie soll man denn da hochkommen?«

Kilian inspiziert die Felswände der Zugspitze.

Pause mit Aussicht –

danach wandert es

sich gleich viel besser.

Deutschlands höchster Berg wirkt auf Kinder besonders

anziehend. Auch wenn sie für eine Gipfeltour

noch zu klein sind – am Fuße der Zugspitze gibt es viel

für sie zu erleben. Von Claudia Steiner

Fotos: Claudia Steiner

Mit einem Wanderstock gerüstet gibt

Kilian das Tempo vor.

TIPP

»

Ist das wirklich Deutschlands

höchster Berg?«, fragt mein acht

Jahre alter Sohn Kilian bei der

Hinfahrt im Zug. »Wirklich?« »Ist der sooo

hoch?«, ruft Norah (3), klettert auf den Sitz

und streckt ihre Arme so weit sie kann nach

oben. »Noch viel höher«, sage ich. »Ihr werdet

es schon sehen.« Und tatsächlich schauen

wir gleich nach unserer Ankunft in Ehrwald

in Tirol von unserem Hotelbalkon aus

auf die 2962 Meter hohe Zugspitze. Mächtig.

Schön. Der Gipfel wolkenverhangen.

Kilian schnappt sich das Fernglas und inspiziert

die Felswände. »Wie soll man denn

da hoch kommen? Das ist doch supersteil.«

Nein, eine Tour auf die Zugspitze haben wir

dieses Mal nicht geplant, aber wer weiß,

vielleicht laufe ich in ein paar Jahren mit

meinen Kindern die einfachste Route von

Ehrwald aus über das Gatterl zur Zugspitze

rauf. Vorher müssen wir aber noch etwas

trainieren.

Am ersten Tag wollen wir nur ein bisschen

Höhenluft schnuppern und fahren mit dem

Sessellift hoch zur Sunnalm am Marienberg.

Danach laufen wir ein kurzes Stück bis zur

Alm, wo die Kinder auf den Almwiesen

und einem Spielplatz mit Bergblick toben.

Almdudler, Tiroler Gröstl, Speck – Bergluft

macht hungrig! Dann sausen wir die 1300

Meter lange Biberwierer Sommerrodelbahn

runter ins Tal. Viele Kurven und Biegungen

– und wer den Hebel ganz nach vorne

drückt wie Kilian, nimmt rasch Fahrt auf.

Insgesamt 165 Höhenmeter tiefer kommen

wir an. Mein Sohn schaut schelmisch auf

die Uhr. »Mama, du musst fahren, nicht nur

bremsen. Ich warte hier schon seit Stunden«,

ruft er Norah und mir entgegen.

Balancieren, klettern, abseilen

Am nächsten Tag wird’s dann im Waldklettergarten

in Bichlbach richtig sportlich.

Gefragt sind Koordination, Konzentrati-

Tiere zum Anfassen

Nach einem Ausflug heißt es ab zum

Ziegenpeter! Hier können Kinder Ziegen

streicheln, außerdem gibt es Biokäse,

-milch und -joghurt ab Hof. Und die Kleinen

können sich an Bioeis aus Ziegen milch

erfreuen. Hofführungen nach Voranmeldung.

Kontakt: Peter Senftlechner,

Lähngraben-Umgebung 10,

A-6632 Ehrwald, Tel. 00 43/56 73/39 31

oder 00 43/6 76/3 39 20 17

Die Kleinen können Ziegen streicheln,

die Eltern Käse, Milch und Joghurt kaufen.

08 ⁄13 Bergsteiger 75


Mama hatte Recht: Auf der Zugspitze ist es

kalt – rund 20 Grad kühler als im Tal.

Mit der Zugspitzbahn ist man in wenigen

Minuten auf Deutschlands Höchstem.

»Kräuterspaß«

Miraculix heißt eine Tour für Kinder, bei der

sich alles um Kräuter und Blumen dreht.

Welche Pfl anzen kann man essen? Aus welchen

Kräutern wird Medizin gemacht? Welche

Pfl anze hilft, wenn ich in Brennnesseln

gefallen bin? Es wird gesammelt, geschnuppert,

probiert und zum Schluss aus Kräutern,

Blumen und Blüten sowie Quellwasser ein

köstlicher Zaubertrank angesetzt und in

kleine Flaschen zum Mitnehmen abgefüllt.

Infos zu Miraculix und weiteren Kinder- und

Familienangeboten unter:

www.bergsport-total.at/willkommen/kinder

Bereit fürs Schiff: Die Tour am Heiterwanger

See hat die Kinder müde gemacht.

on, Mut und ein guter Gleichgewichtssinn.

Hier können schon die Kleinen – natürlich

gesichert – klettern, abseilen und balancieren

üben. Ein Trainer zeigt uns, wie wir

den Klettergurt richtig anlegen. Dann geht

es zum Übungsparcours am Boden. Das ist

Pflicht. »Die wichtigste Regel: Ihr müsst immer

gesichert sein, ein Haken ist immer im

Stahlseil.« Der Trainer übt mit uns, wie wir

uns einhaken, umhängen und die unterschiedlichen

Elemente bewältigen können.

Erst danach dürfen wir die Holzleiter zum

ersten Parcours hochsteigen. Kilian sucht

sich den gelben Parcours mit dem Namen

»Indiana Jones« aus. Er klettert mutig los

und ist hochkonzentriert. Auch Norah, von

einer klettergartenerfahrenen Freundin

gesichert, will es versuchen. Sie steigt die

Leiter hoch und dann ganz schnell wieder

runter. Macht nichts. Wir schauen zu, wie

Kilian sich Tarzan-gleich über Hindernisse

schwingt, über Seile balanciert, vorsichtig

über wackelige Bretter läuft und sich zum

Schluss laut juchzend ins Seil fallen lässt

und mit einer kleinen Seilbahn runter zum

Boden saust.

Insgesamt sechs Parcours in einer Höhe zwischen

drei und acht Metern sind zwischen

den Bäumen installiert. Die Empfehlung

der Trainer lautet: ab sechs Jahren. Aber

Kräuterkunde kindgerecht: Für Norah sind

vor allem die Bilder im Heft aufschlussreich.

Nur zwei fehlen noch: Kilian steht kurz vor der

Vervollständigung seiner Sammlung.

im Grunde hängt es von den Kindern ab.

»Es gibt Zehnjährige, die sich nicht trauen

und es nicht schaffen, und auch viele Erwachsene

kommen schnell wieder runter.

Und dann hat man manchmal Drei-, Vierjährige,

die echt super sind.« Auch Norah

will es nun doch probieren und hat sich im

zweiten Anlauf tapfer geschlagen. Nachdem

sie sich bei ihrem Bruder abgeschaut

hat, wie es funktioniert, klettert sie mutig

am Minigolfparcours, dem einfachsten Parcours

im Waldklettergarten, die Leiter hoch

und balanciert hochkonzentriert über die

verschiedenen Elemente.

Hoch hinauf auf die Zugspitze

Am Nachmittag drängeln die Kinder dann.

»Zugspitze, Zugspitze!«, rufen sie vereint.

Also fahren wir mit der Tiroler Zugspitzbahn

auf den Gipfel. Vor einem Jahr bin

ich – ohne Kinder – von Ehrwald aus mit

einem Bergführer hochgelaufen. Zwei Tage

hat die Tour gedauert. Mit der Bahn sind wir

in nur acht Minuten auf knapp 3000 Metern

Höhe. Die Kinder bibbern, als sich die Gondeltür

öffnet: Im Tal hatten sie T-Shirts an

und noch in der Gondel haben sie mir nicht

geglaubt, dass oben der Wind bläst und es

kalt ist. Die Temperatur liegt nur knapp

über dem Gefrierpunkt. Norah und Kilian

76 Bergsteiger 08 ⁄13


Deutschlands

gegen

großes Reisemagazin

Fernweh.

5 Ausgaben

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für nur 22,50 €

Fotos: Foto Somweber, Claudia Steiner (4)

Auch Norah hält fast bis zum Schluss durch.

Nur die letzten Meter lässt sie sich tragen.

ziehen gerne Mütze, Handschuhe und Jacke

an. Wir schauen über letzte Schneefelder

in alle vier Himmelsrichtungen, und ich

zeige den Kindern, welche Strecke ich damals

hochgelaufen bin. Auf dem Plateau

drängeln sich Touristen, in Flip-Flops und

kurzen Hosen – auch sie haben wohl nicht

gedacht, dass es auf Deutschlands höchstem

Berg selbst im Sommer recht frisch ist.

Wandern am See

Am nächsten Tag ist Wandern angesagt.

Wir gehen am Ufer des Heiterwanger

Sees entlang, der durch einen Kanal mit

dem Plansee verbunden ist. Die Sonne

scheint, der Himmel ist blau, die Berge

rund um den kristallklaren Bergsee sind

mächtig und wunderschön. Immer wieder

halten wir an: Die Kinder pflücken

Blumen, bestaunen Schmetterlinge, werfen

Steine ins Wasser und sammeln Stöcke.

Zwei Stunden dauert die Tour. Auch

Norah hält fast bis zum Schluss durch.

Nur die letzten zehn Minuten des Weges

will sie nicht mehr, und ich nehme sie

auf die Schultern. Die letzten Meter bis

zum Bootsanleger Seespitze müssen wir

uns dann sputen, denn zurück geht es

mit dem Schiff, und das legt pünktlich ab.

Wir sitzen auf dem Sonnendeck, blinzeln

in die Sonne und genießen die Aussicht.

»Wo geht’s morgen hin?«, fragt Kilian. »Ich

bin ganz toll gelaufen«, sagt Norah und

streckt mir ihre Füße mit den Wanderschuhen

entgegen. »Können wir wieder

wandern gehen?« Klar. Können wir. Morgen

geht’s weiter.


KOMPAKT

Ein Ziel, viele

Möglichkeiten

Region: Die Tiroler Zugspitz Arena liegt

auf der österreichischen Seite der Zugspitze

in Tirol, eingebettet zwischen der Zugspitze

im Norden und der Mieminger Kette sowie

dem Wettersteingebirge im Süden.

Anreise: Mit der Bahn (www.bahn.de)

bis Garmisch-Partenkirchen, dann weiter in

die Orte Ehrwald, Lermoos, Lähn-Wengle,

Bichlbach und Heiterwang am See.

Mit dem Auto von München kommend über

die A95 bis zum Autobahnende und weiter

über die Bundesstraßen 2, 23 bzw. auf

der österreichischen Seite B187 und 179.

Von Österreich aus über den Fernpass

Infos: www.zugspitzarena.com,

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AUF TOUR

19 Etappen, 300 Kilometer, 1000 Geschichten

Die neue Blüte der

78 Bergsteiger 08 ⁄13


Wer sich auf den Walserweg in Graubünden begibt,

erwandert mehr als nur Etappenziele. Der

Bergsteiger erfährt eine Menge über die Kultur

der Walser, die bis in die heutige Zeit erlebbar

ist. Zu verdanken ist das vor allem der Initiative

einer einzigen Person. Von Sandra Zistl

Obermutten (1863 m) ist eine alte

Walsersiedlung, deren Lärchenholzkirche

von 1718 die einzige in der

Schweiz ist. Unten: Früher war das

Sensen ein mühsames Arbeiten.

Seit ein paar Minuten ist Irene

Schuler auffällig still. Ihre Augen

schweifen suchend über über die

Maiensäß-Siedlungen von Samest.

»Ist okay, da ist keine Mutterkuh

mit Kalb auf dem Wanderweg«, sagt

sie plötzlich und schwenkt abrupt von der

Straße ab über einen elektrischen Weidezaun

hinweg und auf einen Trampelpfad

durch eine blühende Almwiese. Dort weiden

Kühe, die kurz interessiert auf blicken

und dann weiterfressen. Eigentlich, erklärt

Irene, gäbe es einen alten Weg, der hier

entlang führt. »Uneigentlich« verlaufe der

ausgeschilderte Walserweg in mehreren

Serpentinen auf der Alpstraße. Dem Bauer,

dem die Weide gehört, ist das Risiko zu

gross, Wanderer über eine Weide zu schicken,

auf der Mütterkühe mit

ihren Kälbern grasen. »Während

der paar Wochen, in denen

die Tiere hier sind, könnte man

den Weg ja umleiten«, überlegt

Irene Schuler.

Walser

Fotos: M. Ruhland, Walservereinigung Gr.

Mehr als nur Höhenmeter

Die Geografin sucht ständig

nach Verbesserungen, denn sie

hat ihn erarbeitet, den »Walserweg

Graubünden« – zumindest

als Weitwanderkonzept – und

in einem Buch publiziert. Der

im Juni 2010 eröffnete Trail

führt in 19 Etappen über 300

Kilometer und 16 000 Höhenmeter

auf den Spuren der Walser

durch den Kanton Graubünden. Vom

San Bernardino mäandert er von Tal zu Tal

über mehrere Gebirgsstöcke und drei Pässe,

die mehr als 2800 Meter hoch sind, bis nach

Brand in Österreich. Wenn immer möglich

führt die Route auf historischen Wegen von

Dorf zu Dorf und endet bei jeder Etappe

an einem Ort mit Übernachtungsmöglichkeit.

Mal liegt der auf 1863 Metern wie

08 ⁄13 Bergsteiger 79


Wilde Schlucht: Der Ragn da Ferrera im Val Ferrera mündet wenig später in den Hinterrhein.

Von Obermutten aus führt der Walserweg ins Schams,

Obermutten, ein Haufendorf aus Lärchenholzhäusern,

mal unten im Tal wie das

vergleichsweise mondäne Andeer (982 m)

mit seinem Mineralbad und gepflasterten

Straßen, die zwischen den alten Patrizierhäusern

hindurchführen. Die Etappen verlaufen

über liebliche Blumenwiesen, durch

schroffe Schluchten, über weite Almen und

karge Pässe.

Neues Leben für entlegene Dörfer

Die Tagesetappen sind teils mit bis zu siebeneinhalb

Stunden Gehzeit recht kernig,

ein andermal bleibt viel Zeit, um sich auf

Menschen und Kultur einzulassen. »Es soll

ja nicht nur um Höhenmeter und Kilometer

gehen, oder?«, fragt Irene Schuler in ihrem

sympathischen Akzent, im Gesicht ein

verschmitztes Lächeln, das dort fast immer

liegt. Es weicht auch nicht daraus, wenn

Irene bereits seit neun Stunden auf den

Beinen ist und beinahe ohne Pause von den

Walsern und den heutigen Bewohnern der

Orte entlang »ihres« Weges, von Pflanzen,

Bäumen und Gesteinsformen unterwegs

erzählt und dabei eine komplette Etappe

zurückgelegt hat. »Chuchischälla«, ruft sie

beispielsweise begeistert aus, wenn sie Kuhschellen

in der Wiese entdeckt. Enzian ist

sowieso ein ständiger Begleiter.

Irene brennt noch immer für das Projekt,

das sie als Studentin zunächst zum Thema

80 Bergsteiger 08 ⁄13

ihrer Diplomarbeit in Wirtschaftsgeografie

gemacht hatte, das dann zum Weg-,

Schwerpunkt- und Buchprojekt wurde und

mittlerweile die Dimension eines Lebenswerkes

annimmt. Sie winkt ab, wenn man

sie darauf anspricht. Dabei ist es tatsächlich

so einfach wie bewundernswert: Ohne Irene

Schuler gäbe es den »Walserweg Graubünden«

nicht.

Sie war es, die sich in die Idee verbissen hatte,

die Geschichte entlegener Dörfer für eine

europaweite Wanderklientel spannend zu

machen. Sie wollte, dass dort wieder Leben

einzieht, sei es durch vereinzelte Übernachtungsmöglichkeiten

oder Kulturprojekte.

Sie hatte den Ehrgeiz, etwas aufzuziehen,

das die Wertschöpfung in die abgelegenen

Regionen zurückbringt. Denn was heute

droht, der Zentralisierung geopfert zu werden,

war einst eine prosperierende Region.

Dank der Walser (s. Kasten S. 81).

Irene Schuler hat deren Wege in Graubünden

rekonstruiert. Dafür musste sie die alten

Verbindungswege oft im Wortsinne suchen.

»Da bin ich schon das ein oder andere Mal

im Gestrüpp steckengeblieben«, erzählt sie.

Hat sie nie daran gedacht, aufzugeben? »Du

lernst die Landschaft zu lesen und mit den

Einheimischen zu reden«, lautet ihr Kommentar.

Wenn Probleme anstehen, überlegt

sie sich eine Strategie – oder verlässt sich

auf ihren Instinkt. Denn auch heute, da der

Kartenstudium: Irene Schuler (re.), Initiatorin des

Walserweges, mit Christina Hofer aus Reischen

Kunstvoll: Den Hauseingang

hat Wandermaler

Hans Ardüser verziert.


wo man im Mineralbad in Andeer entspannen kann.

Den Pass Fallerfurgga (2838 m) oberhalb von Juf muss der Wanderer auf der 10. Etappe überschreiten.

Fotos: Michael Ruhland (4), Irene Schuler

gesamte Weg ausgeschildert ist, muss da

und dort noch Überzeugungsarbeit geleistet

werden. Wie lohnenswert zum Beispiel die

Passage ist, die über die oben beschriebene

Weide führt, zeigt eine Begehung mit Irene:

Der alte Transitweg, der vom Albulatal über

Obermutten ins Schams führte, verläuft

hier von alten Mauern gesäumt auf einem

verwunschenen Hohlweg durch lichte Lärchenwälder.

Keine Frage, dass das schöner ist

als die Alpstraße. Irene wird diesen Sommer

noch einmal eine Charme-Offensive beim

betreffenden Landwirt starten.

Alte Schmelzöfen im »Eisental«

Wenn jemand mit seiner Art innerhalb

weniger Sekunden Menschen aufzuschließen

versteht, dann diese Frau. In Reischen

beispielsweise, nicht weit vom Etappenziel

Andeer entfernt, begegnet ihr auf der Straße

eine ältere Dame. Es dauert keine zehn

Minuten, da stehen Schuler und ihre Begleiter

in der Stube von Christina Hofer und

staunen über die Geschichte ihres Hauses,

das 1595 erbaut wurde und seither in Familienbesitz

ist. Die 69-Jährige erzählt, wie das

war, als im Keller noch zentnerweise Kartoffeln

lagerten, damit die Familie den Winter

überlebte und dass das Highlight des Sommers

darin bestand, mit Geschwistern und

Eltern nach Obermutten hinaufzugehen

und dort eine Rivella zu trinken.

Was die Menschen eint, denen der Wanderer

begegnet, ist ihre zurückhaltende,

aber umso ehrlichere Herzlichkeit. David

Pedrett ist auch so einer, der einfach nur

in Kordhose und kariertem Hemd in der

Landschaft steht, und man hat ihn schon

gern. Der Elektriker aus Andeer engagiert

INFO

sich seit seiner Pensionierung für den Verein

der Erzminen Hinterrhein. Der erhält

die Geschichte des Bergbaus am Leben, der

vom 17. bis ins 19. Jahrhundert für Prosperität

im Val Ferrera sorgte. Irene Schuler war

wichtig, dass Weitwanderer das unterwegs

erklärt bekommen. Also führt die Route

Gastarbeiter de luxe

Eine Völkerwanderung und ihre Folgen

Walser-Bauern zogen in der zweiten Hälfte des

13. Jahrhunderts von Süden über Pässe wie

den San Bernadino nach Graubünden. Ins

Wallis waren die deutschsprachigen Alemannen

erst um das Jahr 1000 vom Berner Oberland

her eingewandert. Weshalb die Hirten, Viehzüchter

und Bergbauern diese Region schon bald

wieder in verschiedene Himmelsrichtungen verließen

(und fortan »Walser« hießen), beschäftigt

Sprachforscher und Volkskundler schon lange.

»Push- und Pull-Faktoren haben eine Rolle gespielt«,

fasst Irene Schuler die aktuell gängige

Lehrmeinung zusammen. Bevölkerungsdruck

in den Tälern trieb die Leute an, sich in höhere

Regionen vorzuwagen und Teile der Westalpen

zu besiedeln, die zuvor nicht ganzjährig bewohnt

waren. Allerdings scheint die Auswanderung

der Walser eine Art Gastarbeiterschaft

de luxe gewesen zu sein: »Wer sich aufmachte,

wusste bereits, was ihn erwartete«, berichtet

Schuler. Demnach siedelten die Feudalherren

ihre Untertanen in unwirtlichen Gegenden an,

um ihre Herrschaftsansprüche zu festigen. Dafür

mussten die Walser beispielsweise Passübergänge

unterhalten oder neu anlegen und hoch

gelegene Almen kultivieren. Die Landesherren

gewährten ihnen im Gegenzug Freiheiten, die

die restliche Bevölkerung nicht hatte: Die Wahl

ihres eigenen Ammanns, die Selbstverwaltung,

das Recht auf Heirat gehörten dazu und das

Erblehen auf das von ihnen gerodete Land.

Informationen: www.walserverein-gr.ch

08 ⁄13 Bergsteiger 81


WALSERREZEPT

»Härdöpfelpazoggal«

Zutaten für 4 Personen:

700 g Kartoffeln

200 g Bündner

Alpkäse gerieben

150g Mehl

2 Zwiebeln

1 Schafsalziz (=Wurst)

Salz, Pfeffer, Muskatnuss

Zubereitung:

Kartoffeln reiben und den Saft gut ausdrücken.

Mehl, Salz, Pfeffer und Muskatnuss

daruntermischen. Mit dem Kaffeelöffel

kleine Pazzogal formen und ins knapp siedende

Salzwasser geben. Nach 10 Minuten

herausnehmen, abtropfen lassen und in

eine gefettete Gratinform geben. Mit

Alpkäse bestreuen und bei 200 Grad in der

Ofenmitte 15 Minuten gratinieren. Zwiebeln

(in Streifen) und Salsiz (in kleinen Würfel) in

der Butter andünsten und danach über die

fertig gratinierten Pazzogal geben.

(Von Gerry Flatscher, Obermutten, www.gasthauspost.ch)

an alten Schmelzöfen vorbei. Wer Lust hat,

kann Führungen in die früheren Eisen-,

Kupfer- und Silberminen mitmachen (www.

bergbau-gr.ch, www.naturpark-beverin.ch).

25 Prozent mehr Übernachtungen

»Die Irene, die ist sehr stark«, sagt

Robert Heinz mit anerkennendem

Kopfnicken. »Sie hat fachlich sehr

viel drauf und sie weiß, wie sie die

Leute von etwas überzeugen kann.«

Heinz weiß das, weil Irene Schuler einst

auch bei ihm vorstellig wurde. Der ehemalige

Skilehrer und Bauer aus dem Hochtal

Avers sitzt für den gleichnamigen Kreis im

Graubündener Regionalparlament in Chur

und gehört dem Vorstand der Walservereinigung

Graubünden (WVG) an. Und die ist

wiederum der entscheidende Partner für

das gesamte Projekt.

Die WVG hat neben einer Reihe von Finanzierungspartnern

Geld, Wissen und

Engagement hineingesteckt und mit ihren

Kontakten und Beziehungen geholfen. Inzwischen

buchen an die hundert Wanderer

pro Jahr einzelne Wanderangebote des

Walserwegs (s. Bergsteiger KOMPAKT unten).

Weitere geschätzte 1800 Bergsteiger

sind individuell unterwegs, so dass Wirtsleute

wie Regina und Gerry Flatscher vom

Gasthaus Post in Obermutten angeben, bis

zu 25 Prozent mehr Übernachtungsgäste

durch den Weitwanderweg zu haben.

Trotzdem sieht sich Irene Schuler noch

nicht am Ziel.

Aktuell ist sie beispielsweise zusammen

mit Einheimischen und der WVG dabei,

in Obermutten eine »Kulturtenn« aufzuziehen:

In einer alten Scheune soll Raum

geschaffen werden für kulturelle Veranstaltungen

und für die Vermarktung regionaler

Produkte. Sobald man ein Gefühl dafür

bekommt, welches Potenzial im Walserweg

steckt, kann man verstehen, dass vielleicht

das eine oder andere Dorf enttäuscht ist,

nicht am neuen Trail zu liegen. »Du kannst

nicht alle Orte anbinden«, verteidigt Irene

Schuler ihre Entscheidungen. »Mir war

wichtig, dass es ein attraktiver Weitwanderweg

ist.«

KOMPAKT

»Dr Wäg zun dä Walser«

Ausgangsort: San

Bernardino, Schweiz

Endpunkt: Brand in

Vorarlberg, Österreich

Charakter: Weitwanderweg,

19 gut ausgeschilderte

Tagesetappen zwischen 3½

und 7½ Std., insgesamt 300

km, 16000 Hm, Trittsicherheit

nötig

Wegverlauf: San Bernardino

– San-Bernardino-Pass –

Hinterrhein – Vals – Tomülpass

– Safi en-Turrahus – Camanaboda

– Safi en-Platz – Glaspass

– Thusis – Carschenna

– Obermutten – Samest-Zillis

– Andeer – Rofl aschlucht –

Innerferrera – Cresta – Juf

– Stallerberg – Alp Flix – Pass

d’Ela – Filisur – Jenisberg

– Monstein

– Ducantal –

Sertig-Dörfl i – Tällifurgga

– Davos


Stafelalp –

Arosa – Medergen

– Sapün

– Langwies

– Strassberg

– Klosters-Platz – Rätschenjoch

– St. Antönien – Partnun

– Schweizertor – Brand

Buchbare Angebote mit

Gepäcktransport:

San Bernardino – Thusis,

5 Tage; Thusis – Avers, 5 Tage;

Davos – St. Antönien, 5 Tage;

Kultur- und Wandertage im

Safi ental, 3 Tage; Kulturtage

in Strassberg, 2 Tage;

Leistungen: Halbpension,

Proviant, Gepäcktransport,

Reiseunterlagen, Kulturangebote;

Preis: 275 bis 795 CHF;

Buchung: www.walserweg.ch,

Tel. 00 41/81/2 88 47 28

Tipp: Es gibt im Ferreratal

geführte Wanderungen zu den

früheren Silberminen und Erzstollen.

Sie eignen sich auch

für Familien. Informationen

unter www.viamala.ch

Literatur: Irene Schuler

»Walserweg Graubünden«,

Rotpunkt Verlag, Zürich,

2. Aufl age 2010;

Informationen:

www.walserweg.ch

www.viamala.ch

82 Bergsteiger 08 ⁄13


Die Alte Averserstraße (li.) wurde 1895 erbaut und in den

1950er-Jahren ersetzt. Heute gehört sie den Wanderern.

Mit dem Vieh bis nach Mailand

Bisweilen verläuft er parallel zu Routen wie

der Via Alpina, die von Monaco durch die

acht Alpenstaaten nach Triest führt, oder

auf lokalen, mühevoll restaurierten Wegen

wie der alten Averserstraße (s. Kasten

rechts). Avers ist die höchstgelegene, ganzjährig

bewohnte Gemeinde Europas, in der

folgerichtig auch Europas höchstgelegenes,

ganzjährig bewohntes Dorf

liegt: Juf (2126 m). Im Juni, wenn

sich der Schnee zurückgezogen

hat, überziehen gelbe Teppiche

aus Löwenzahn und Hahnenfuß

die weich geschwungenen Wiesen

des Avers. Der Weg führt

mal steigend, mal fallend über

sie hinweg ins Tal hinein und

vorbei an dessen einziger kleiner

Kirche. Deren Glocke wurde

im 15. Jahrhundert aus Bivio

über den Stallerberg nach Norden

transportiert.

Denn bis zum Bau der Averserstraße

1895 orientierte sich die

Bevölkerung des Hochtales nach

Süden. Von dort kamen die ersten

Siedler, und dahin ging die

Mutter von Robert Heinz als

junge Frau, wenn sie tanzen

wollte. Über den 2579 Meter

hohen Stallerberg und dann

hinab ins auf 1769 Meter gelegene

Bivio war der Weg weniger

beschwerlich als nach Norden

ins Val Schons (dt. Schams). Zu

gefährlich war die Schlucht des

Averser Rheins, durch die heute

der Walserweg führt.

Auch als Handelspartner eigneten sich die

Italiener aus geografischen Gründen besser.

Über Forcellina (2672 m) und Septimerpass

(2310 m) trieben die Bauern ihr Vieh zum

Verkauf und weiter über Casaccia, Chiavenna

und Como bis nach Mailand. Robert

Heinz erwähnt dieses historische Detail gerne

in Vorträgen über die Geschichte seiner

Vorfahren. Deren innere Kompassnadel hat

erst der Bau der Averserstraße eingenordet.

Seit durch den Bau von Wasserkraftwerken

Ende der 1950er-Jahre eine Teerstraße vom

Rheintal bis ins Avers führt, kommen nur

noch Wanderer und Bergsteiger auf die Idee,

von Juf hinauf in die Berge zu ziehen.

Idealerweise wirkt der Walserweg auf subtile

Weise ähnlich, wie es der Straßenbau im

Avers tat: Dort hat die Bevölkerung in den

vergangenen zehn Jahren um 15 Prozent

zugenommen. In die 500 Jahre alten Walserhäuser

ziehen wieder junge Familien ein. ◀

INFO

Wandern auf der

alten Averserstraße

Sie schmiegt sich an die Felsen, überwindet

Seitentäler über prächtige Bogenbrücken

und ermöglichte es den Walsern aus

dem Hochtal Avers, mit der romanischen

Bevölkerung des Val Schons in Austausch

zu gelangen: Die alte Averserstraße, 1895

gebaut, diente mehr als 60 Jahre lang als

wichtiger Verkehrsweg von der Roffl a-

schlucht nahe Andeer (982 m) bis nach Juf

(2126 m), der höchstgelegenen ganzjährig

bewohnten Siedlung Europas. Die kunstvolle

Natursteinstraße verlor ihre Bedeutung und

verfi el allmählich, als im Zuge der Wasserkraftnutzung

eine neue, asphaltierte Straße

mit Tunnels gebaut wurde. Seit dem Jahr

2000 saniert ein Verein die Averserstraße

mit großem Aufwand. Sie bietet grandiose

Tiefblicke und ist Teil der Via Alpina und des

Walserweg Graubünden. Infos: www.aast.ch

Fotos: Michael Ruhland


EVENT

In 24 Stunden quer durchs Berchtesgadener Land

Before Sunrise

Das Wander-Festival

bietet Touren für

diverse Leistungsstufen

an – von Genuss

bis Anspruch.


Für konditionsstarke Wanderer

bietet das 3. Berchtesgadener

Land Wander-

Festival in diesem Jahr

gleich drei unterschiedliche

24-Stunden-Wanderungen

an. Eine davon verläuft auf

den historischen Pfaden

des frühen Salzhandels und

schlängelt sich quer durchs

Berchtesgadener Land.

In der Hektik des Alltags sind 24 Stunden

schnell mal verflogen. Beim

24-Stunden-Wandern wird einem die

gleiche Zeit deutlich länger vorkommen.

Vor allem wenn man merkt, dass die

Kräfte langsam schwinden. »Wenn’s zäh

wird, ist die motivierende Kraft der Gruppe

nicht zu unterschätzen. Das ist der wichtigste

Durchhalte-Faktor«, erzählt Toni Grassl,

Bergführer und Veranstalter des Wander-

Festivals. Wer einen ganzen Tag und eine

ganze Nacht marschiert, dem mangelt es

nicht an Gelegenheiten, neue Bergfreunde

kennenzulernen.

Mit dem Watzmann im

Blick beschleunigt sich

der Schritt automatisch.

Schritt halten mit Bubi & Co.

Dabei geht es aber nicht nur um zwischenmenschliche

Kontakte, auch tierische

Freundschaften können geknüpft werden

– und das nicht nur mit dem inneren

Schweinehund. Sondern auch mit

Nico, Nero und Bubi. Denn die quer durchs

Berchtesgadener Land führende »24-Stunden-Genuss-Wanderung«

verläuft zum

Großteil auf den alten Salzpfaden – jenen

historischen Handelswegen, auf denen

vom 14. bis ins 19. Jahrhundert die frühen

Vorfahren der drei Kaltblutpferde schwere

Salzsteine und -scheiben von den Salinen

in Bad Reichenhall und Berchtesgaden in

Richtung München, Regensburg und Tirol

getragen und gezogen haben. Um den

Geist der alten Zeit ein wenig aufleben zu

lassen und den Teilnehmern die Möglichkeit

zu bieten, mehr zur Geschichte des

Salzes zu erfahren, begleitet Hufschmied

Werner Zeininger die 24-Stunden-Wanderer

auf einem Teil der Strecke – und zwar

im historischen Gewand mit Karren und

Pferden.

Besser mal runter kommen

Fürchten muss sich niemand vor den Tieren,

denn die kräftigen und ausdauernden

Noriker sind vor allem wegen ihres

Fotos: Manfred Kern

08 ⁄13 Bergsteiger 85


TOUREN

XXL-Wandern im Berchtesgadener Land

Die Gipfel um Berchtesgaden gehören zum Schönsten, was die bayerischen Alpen zu bieten haben.

Zur Einstimmung auf das Wanderfestival stellen wir Ihnen zehn attraktive Touren vor.

1 Berchtesgadener

Stollenweg

▶ leicht 3 Std.

300 Hm 300 Hm

Charakter: Wanderung meist auf

sandgebundenen Wegen und durch

Stollenanlagen (Taschenlampe

empfehlenswert); man kommt kaum

mit Straßenverkehr in Berührung; ab

Oberau sonnig und aussichtsreich

Ausgangspunkt: Parkplatz in Unterau

an der Abzweigung nach Oberau

Einkehr: Gasthaus Laroswacht,

Unterau

Route: Unterau – Oberau – Stollenweg

– Wiesenweg – Unterau

2 Almbachklamm-

Rundwanderweg

▶ mittel 3 Std.

525 Hm 525 Hm

Charakter: Trittsicherheit und gutes

Schuhwerk erforderlich. Bei Regen

nicht zu empfehlen! Steiganlage

durch eine der schönsten Klammen

in Bayern. Auf dem 1894 angelegten

Wanderweg erhält man zahlreiche

Informationen zur damaligen Holztrift

durch die Klamm.

Ausgangspunkt: Gasthaus Kugelmühle

an der B305 zwischen Berchtesgaden

und Marktschellenberg

Einkehr: Gasthäuser Almbachklamm

und Kugelmühle, Mesnerwirt in

Ettenberg

Route: Gasthaus Kugelmühle – Theresienklause

– Wallfahrtskirche Maria

Ettenberg – Gasthaus Kugelmühle

3 Klausbachtal – Alte

Salzhandelsroute in

den Pinzgau

Ausgangspunkt: Parkplatz Wildgatter

(0,5 km südlich des Hintersees)

Einkehr: Ghs. Auzinger, Bindalm, Ghs

Hirschbichl, Ghs. Lohfeyer

Route: Wildgatter – Hirschbichl –

Litzalm (1310 m) – Weißbach b. Lofer

(zurück mit Wanderbus)

4 Durch die Weißbachschlucht

▶ mittel 3 Std.

140 Hm 140 Hm

Charakter: Trittsicherheit erforderlich,

Vorsicht bei Nässe! Wanderung

verläuft auf schmalem Steig

durch die eindrucksvolle Gebirgsschlucht.

Ausgangspunkt: Schneizlreuth

Parkplatz neben der Kirche

Einkehr: Ghs. Schneizlreuth, Mauthäusl,

Ghs. Stabach, Gasthäuser in

Weißbach

Route: Schneizlreuth – Weißbachschlucht

– Weißbach – gleicher Weg

zurück oder Wanderbus

5 Zu den Almen bei Weißbach

▶ leicht 4 Std.

690 Hm 690 Hm

Charakter: Wanderung führt auf

Steigen oder wahlweise gutbegehbaren

Forstwegen zu vier traditionellen

Almen

Ausgangspunkt: Parkplatz Mautnerfeld/Reitereck,

am nördlichen Ende

von Weißbach

Einkehr: Gasthäuser in Weißbach,

Almen

Route: Weißbach – Harbachalm –

Bichleralm – Kaitlalm – Reiteralm

– Weißbach

6 Rotofenscheibn

Karkopf – Dreisesselberg – Signalkopf

– Hallthurm (Variante: ab Bad

Reichenhall mit der Predigtstuhlbahn

– Schlegelmulde)

7 Burgenweg Reichenhall

▶ mittel 9½ Std.

730 Hm 730 Hm

Charakter: Rundwanderweg umfasst

alle Burganlagen im Gebiet Reichenhall,

Bayerisch Gmain und Großgmain;

gut begehbare Wege, aber

sehr gute Kondition erforderlich (Streckenlänge:

33 Kilometer); geschichtliche

Informationen zum Burgenweg

unter www.850-bad-reichenhall.de/

burgenweg/

Ausgangspunkt: Parkplatz Schloss

Marzoll

Einkehr: Wolfschwangalm in Großgmain,

Schlossberghof in Marzoll,

Gasthaus Staufeneck in Piding

Route: Schloss Marzoll – Wildpark

Wolfschwang – Hallthurm – Burg

Gruttenstein – Karlstein – Soleleitungsweg

Richtung Thumsee

– Burgruine Karlstein – Schloss

Staufeneck – Pidingerau – Marzoll

8 Zur Stoißeralm

▶ leicht 5 Std.

970 Hm 970 Hm

Charakter: Gut begehbare Wege,

Bergpanorama und urige Einkehrmöglichkeit

auf der Stoißeralm; die

Fürmannalm am Rückweg ist nicht

bewirtschaftet (falls die Besitzer vor

Ort sind, erhält man Getränke).

Ausgangspunkt: Parkplatz Stoißberg/Neuhausalm

Einkehr: Stoißeralm (1300 m)

Route: Neuhausalm – Stoißeralm –

Fürmannalm – Neuhausalm

9 Zum Kehlsteinhaus

▶ leicht 4 Std.

950 Hm 950 Hm

Charakter: Gut begehbare,

aussichtsreiche Wege; für die 950

Aufstiegsmeter wird man am his-

▶ leicht 4 Std.

400 Hm 400 Hm

▶ mittel 8 Std.

1540 Hm 1540 Hm

Charakter: Die Talwanderung zwischen

Hochkalter und Reiteralm führt

vorbei an den »Ramsauer Dolomiten«.

Der Weg folgt der historischen

Salzhandelsroute von Ramsau über

den Hirschbichlpass nach Weißbach

(A), über die früher Salz aus Berchtesgaden

mit Tragtieren ins Pinzgau

transportiert wurde.

Charakter: Feste, gut begehbare Pfade;

mit Ausnahme des Signalkopfes

(leichte Kletterstelle); aussichtsreiche

Tour mit Blick über das Salzburger

und Berchtesgadener Land

Ausgangspunkt: Bayerisch Gmain

Einkehr: Schlegel-Alm

Route: Bayerisch Gmain – Dötzenkopf

– Spechtenköpfe – Schlegelmulde –

86 Bergsteiger 08 ⁄13


Glühwürmchengleich leitet das

Licht der Stirnlampen die Wanderer

durch die Finsternis.

INFO

Fit fürs Langzeit-

Wandern

Wer sich für die 24-Stunden-Wanderung

gezielt vorbereiten möchte, hat dazu vom

27. bis 29. August Gelegenheit:

1.Tag: Rund um den Grünstein (550 Hm, 6 km)

2. Tag: Entdeckungstour Blaueisgletscher

(1000 Hm, 5,5 km)

3. Tag: Jenner und Schneibstein

(ca. 640 Hm, 5,5 km)

Die Trainingstouren werden von einem Bergführer

begleitet und kosten im Paket 99 €. Weitere

Infos unter www.berchtesgadener-land.com/

de/vorbereitungswoche/

Fotos: Manfred Kern

torischen Kehlsteinhaus mit einem

schönen Bergblick belohnt.

Ausgangspunkt: Ofener Boden,

Höhenringstraße

Einkehr: Kehlsteinhaus

Route: Ofener Boden – Kehlsteinhaus

– Ofener Boden

10 Hochstaufen

▶ schwierig 4 Std.

1120 Hm 1120 Hm

Charakter: Steiles Fels- und Schrofengelände

(I) erfordert Trittsicherheit;

Gipfelpanorama über Berchtesgadener

Alpen, Hohe Tauern, Loferer

Steinberge, Kaisergebirge und die

Kitzbüheler Alpen

Ausgangspunkt: Parkplatz Padinger

Alm

Einkehr: Reichenhaller Haus

Route: Padinger Alm – Steinerner

Jäger – Bad Reichenhaller Haus –

Bartlmahd – Padinger Alm

Wanderprogramm

Samstag, 31. August

7:30 Uhr Anmeldung und Akkreditierung

(auch am Freitag von 15 bis

20 Uhr möglich)

9:00 Uhr 24 Std. Alpin-Spezial-

Wanderung

9:00 Uhr Nationalpark-Wanderung

9:30 Uhr Single-Wanderung

10:00 Uhr 24 Std. Alpin-Classik-

Wanderung

10:00 Uhr 24 Std. Genuss-Wanderung

10:00 Uhr Kulinarische Bier-Wanderung

10:30 Uhr Erlebnis-Salz-Wanderung

ausgeglichenen Temperaments und ihres

gutmütigen Charakters geschätzte Arbeitstiere.

»An ihrer Ruhe und Gelassenheit

könnte sich so mancher der heutigen Bergsteiger

eine Scheibe abschneiden«, meint

Werner Zeininger, der aufpasst, dass keines

seiner Pferde aus der Reihe tanzt. Und

tatsächlich: Schaut man während der Bergmesse

am frühen Sonntagmorgen oder

beim gemeinsamen Abschlussfrühstück in

die zufriedenen und glücklichen Gesichter

der Teilnehmer, scheint Runterkommen

und Abschalten während einer 24-Stunden-Wanderung

besser zu funktionieren

als bei einer zackigen Halbtagestour.

Für jedes Leistungsniveau die richtige Tour

Auf den mehr als 60 Kilometern der

»24-Stunden-Genuss-Tour« legen die Teilnehmer

insgesamt 1500 Höhenmeter zurück.

Die Runde eignet sich daher ideal für

alle, die ins Langzeit-Wandern einsteigen

möchten. Die beiden anderen 24-Stunden-

Wanderungen sind mit 2600 (Alpin-Classik)

und 3050 Höhenmetern (Alpin-Spezial)

deutlich anspruchvoller. Die kernige Special-Tour,

die bis aufs Watzmann-Hocheck

führt, ist nur etwas für gut trainierte und

erfahrene Bergsteiger.

Beim Berchtesgadener Wander-Festival

kommen aber auch diejenigen auf ihre

Kosten, die nicht gleich eine solche Herausforderung

angehen wollen: Bei der Single-

Wanderung beispielsweise wird der Gipfel

des Grünsteins erklommen. Oben angekommenen

können die Teilnehmer nicht

nur das Panorama bestaunen, sondern

auch nach dem (Berg-)Partner fürs Leben

Ausschau halten. Wer sich eher für kulinarische

Genüsse interessiert, ist bei der Bier-

Wanderung mit mehreren Verkostungs-

stationen gut aufgehoben. Und wer etwas

über die Geschichte oder die Natur des

Berchtesgadener Landes erfahren möchte,

schließt sich der Erlebnis-Salz-Wanderung

oder der Tour durch den Nationalpark an.

Alle Informationen zum vielfältigen Programm,

Tickets und Preisen finden Sie unter

www.bglt.de/wanderfestival. ◀

In der Nacht der großen Wanderung wird der

Zauberwald illuminiert (oben).

Nach 24 Stunden wandern darf man schon

mal müde sein (unten).

08 ⁄13 Bergsteiger 87


AUF TOUR

Bergfeuer am Schweizer Nationalfeiertag

Erleuchtung

garantiert

Überall in der Schweiz gibt es das Ritual,

zum Nationalfeiertag am 1. August ein

großes Feuer zu entzünden. Im Kanton Uri

veranstaltet eine Gruppe von Männern

jedes Jahr hoch über dem Urnersee

ein riesiges Feuerspektakel.

Von Dagmar Steigenberger

88 Bergsteiger 08 ⁄13


Rot-weiße Fahnen flattern an den

Häusern. Hin und wieder mischt

sich zwischen die Schweizer

Kreuze ein Stier auf gelbem Hintergrund

– das Wappen von Uri,

einem der drei Schweizer Gründungskantone.

Männer und Frauen schwitzen in Festtagstrachten,

die Sommersonne glüht über

der Tellsgasse und dem Rathausplatz mit

der Wilhelm-Tell-Statue. Kinder probieren

an Schießbuden, ob sie mit der Armbrust genauso

treffsicher sind wie der Schweizer Nationalheld.

Es herrscht Jahrmarktstimmung

in den Tälern – wie immer am 1. August,

dem Nationalfeiertag in der Schweiz.

All das ist weit weg von Matthias Albert. Der

junge Seedorfer sitzt knapp 2000 Meter über

Altdorf und dem Urnersee unter der überhängenden

Gipfelwand des Gitschen und

genießt die Aussicht. Auf dem Gaskocher

schmoren Kartoffeln und Zwiebeln im Öl,

ein paar Meter weiter köcheln Nudeln

in einem Topf, der an einem Haken

in der Felswand über der kleinen

Feuerstelle baumelt. Es gibt

Älplermakronen – ein

Einfache-Leute-Essen

als Festtagsmenü.

Am Felsvorsprung

weht eine ein-

zelne Schweizer Flagge; ein paar Meter weiter

oben, am Gipfel des Gitschen, hat jemand

einen Zahnstocher mit papierener Urner

Flagge hinterlassen. Erst Stunden später,

wenn die Dunkelheit über das Tal hereinbricht,

werden Matthias und seine Kollegen

im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen.

Dann, wenn sie das Bergfeuer entzünden.

Kommando zum Angriff

Die Bergfeuer sind der Höhepunkt und Abschluss

des Festes, seit die Berner Regierung

im Jahr 1891 den 1. August zum Schweizer

Nationalfeiertag erklärt hat. Im August 1291

besiegelten die Führer der drei Talschaften

Uri, Schwyz und Nidwalden auf der Rütliwiese

am Urnersee ihren gemeinsamen

Kampf gegen die Unterdrückung durch

die Habsburger. Die Geschichtsschreibung

machte daraus den berühmten Rütlischwur:

die Geburt der Schweizer Eidgenossenschaft,

auch wenn von den »Eidgenossen« erst in

dem Bundesbrief von Brunnen im Jahr 1315

die Rede ist. Doch in Bern wollte man 1891

eben das 700. Stadtjubiläum gern mit der

600-Jahr-Feier der Schweiz verquickt haben,

und so erhob man kurzerhand die Urkunde

vom Rütli mit passenderem Datum in

den Rang des Gründungsdokumentes. Was

soll’s, ein paar Jahre hin oder her – die

Entflammt in

Heimat liebe: In der

Nacht zum 2. August

erleuchtet ein Bergfeuer

die Gipfelwand

des Gitschen.

Foto: Erich Wipfl i


Am Feuerplatz weht die Nationalflagge.

Gipfelfähnchen: Der Urner Stier wacht am Gitschen hoch überm Urnersee.

Bisweilen mussten

die Feuerer zu Beginn

ihres Einsatzes

feststellen, dass ihre

Vorräte geplündert

und die Schlafsäcke

benutzt worden waren.

KOMPAKT

Uri und die Urschweiz

Anreise: Mit dem Auto von

Norden über den Bodensee

nach Zürich, auf der A4 bis

Ausfahrt Altdorf; von Osten

über Liechtenstein bis Schwyz,

weiter auf der A4 bis Altdorf.

Mit dem Zug über Zürich und

Arth-Goldau nach Brunnen,

Flüelen und Altdorf; weiter

per Bus nach Seedorf und

Isen thal oder per Schiff

in die Ortschaften rund um

den Urnersee.

Beste Jahreszeit: für die

Bergfeuer rund um den

1. August, zum Wandern allgemein

von Juni bis September

Tourismusverband:

Uri Tourismus AG, Schützengasse

11, CH-6460 Altdorf,

Tel. 00 41/41/8 74 80 00,

www.uri.info

Museum: Tell-Museum,

Postplatz, 6463 Bürglen,

vom 15. Mai bis 15. Oktober

tägl. von 10–11.30 und

13.30–17 Uhr geöffnet, Juli

und August durchgehend von

10–17 Uhr, www.tellmuseum.ch

Karten: Landeskarte der

Schweiz 1:50 000, Blatt 245

»Stans« und Blatt 246

»Klausenpass«

Literatur: Ulrich Tubbesing

»Vierwaldstättersee«, Rother

Wanderführer, 2007; Reto Solèr

»Uri – Gotthard. Vom Mythos

zur Moderne: 22 Wanderungen

in der Urschweiz«, Rotpunkt

Verlag (Naturpunkt-Reihe)

2007; Friedrich Schiller

»Wilhelm Tell«, dtv 1998

Schweizer Unabhängigkeitskämpfe brodelten

im Mittelalter ohnehin während mehrerer

Jahrzehnte.

In jener Zeit dienten die Bergfeuer den Freiheitskämpfern

als Kommunikationsmittel.

Über Kilometer hinweg konnten sie so Zeit

für einen Alarm oder den Befehl zum Angriff

weitergeben. »Auf die Art und Weise

sollen sie auch den Zeitpunkt für das geheime

Treffen auf dem Rütli im August 1291

vereinbart haben«, erzählt Matthias.

Das Feuer, das er und seine Kollegen am

Abend des Nationalfeiertages anzünden,

trägt eine andere Botschaft: »Es ist ganz einfach

ein Freudenfeuer.« Und es ist – dank

moderner Pyrotechnik – spektakulärer und

riesiger als seine Vorgänger, weil es nicht

Holz, sondern ein chemikalisches Pulver mit

Magnesiumanteilen verbrennt. »Das Bengalpulver

brennt viel heller, und man sieht es

auch viel weiter«, sagt Matthias. Außerdem

wiegen die drei Dosen mit dem hellroten

Pulver nur wenige Kilo – für den Aufstieg

von der Gietisflue-Seilbahn über gut 1000

Höhenmeter bis zum Feuerplatz unter den

Gipfelfelsen ein gewichtiges Argument.

Geplünderte Vorräte

Seit 1962 gibt es die Feuertradition am

Gitschen. Matthias’ Vater hat sie ins Leben

gerufen, gemeinsam mit den Vätern jener

Freunde, mit denen Matthias nun diesen

Tag zelebriert. »Der Ort ist ideal, man sieht

die Gipfelwand fast vom ganzen Seeufer

aus.« Matthias lässt seinen Arm von weit

entfernten Brunnen am Nordufer über die

Landkegel bei Sisikon und Flüelen bis zu

den roten Hausdächern von Altdorf und

Seedorf schweifen. »Damals waren noch

recht wenige Touristen hier heroben unterwegs,

sodass man ungestört war.«

Heute ist das anders. Der Gitschen ist Seedorfs

Hausberg und beliebte Aussichtskanzel,

obwohl seine Besteigung gute Kondition,

Trittsicherheit und Schwindelfreiheit

verlangt. Bisweilen mussten die Feuerer zu

Beginn ihres Einsatzes feststellen, dass man

90 Bergsteiger 08 ⁄13


INFO

Vorsorgliche Stärkung: Die Feuerer kochen Älplermakronen.

Fotos: Dagmar Steigenberger (3), Tellspiele Interlaken

ihre Vorräte geplündert, ihre Biwakausrüstung

aus dem Depot genommen und die Sachen

nicht wieder ordentlich verstaut hatte.

Matthias und seine Freunde ärgert das:

»Die Schlafsäcke hatten schon zu gammeln

begonnen.«

Sein Vater ist in diesem Jahr erstmals nicht

mit von der Partie – gesundheitsbedingt.

»Ich glaube, unten zu bleiben ist ganz

schön hart für ihn.« Dafür drängen die

Enkel der ersten Generation nach – der

17-jährige Stephan etwa. Und Fabian, mit

14 der Jüngste der Truppe. Es ist das erste

Mal, dass er seinen Vater bei der Zeremonie

begleitet. Für den jungen Burschen ist es

»ei’fach cool«. Für Matthias ist es ein wunderbares

Erbe seines Vaters und eine Tradition,

»die mir wichtig ist, sie zu erhalten«.

Längst ist alles vorbereitet. Die Fackeln stecken

in Steinhaufen und die zu Feuerschalen

umfunktionierten Regenrinnen sind

sicher am Hang positioniert. Nach so vielen

Jahren kennt jeder die nötigen Handgriffe an

diesem Tag. »Das einzige, was mehrere Wochen

vorher passieren muss, ist die Bestellung

des Bengalpulvers«, erklärt Matthias.

Ob es einen Zeremonienmeister gibt? Matthias

lacht. »Bei uns ist keiner der Chef, wir

machen das gemeinsam.« Eidgenossen eben.

Das Feuermachen scheint übrigens Männersache

zu sein – Steffy, Matthias’ Frau, ist die

einzige weibliche Verstärkung im Team, und

das auch nur ausnahmsweise, da der Nachwuchs

bei den Großeltern untergebracht ist.

Nicht dass Damen unerwünscht wären: »Sie

scheuen halt den anstrengenden Aufstieg

und das Biwakieren im Freien. Das ist den

meisten zu ungemütlich«, glaubt Steffy.

Der Vollmond als Konkurrenz

Bei nahezu jedem Wetter haben die Feuerer

bisher ihre Aufgabe erledigt. Ein bisschen

Regen vertreibt sie noch lange nicht von

dem geschützten Biwakplatz unter den

Felsvorsprüngen. Und das bengalische Feuer

brennt ohnehin so heiß, dass Wasser es

nicht löschen kann. Markus, der mit seinem

rotblonden Struwelhaar, der kräftigen Statur

und den zerschlissenen Klamotten einen

glaubwürdigen Tell abgäbe, erinnert sich

an das einzige Mal, als das Feuer ausfallen

musste: »Es hat geschneit, mitten im August.

Unter den Umständen war es uns zu gefährlich,

den abschüssigen Weg über Schotterrinnen

und Felsen hier heraufzugehen.«

An diesem Abend aber scheint das große

Finale nichts zu beeinträchtigen. Bis vielleicht

auf den Vollmond am sternenklaren

Himmel, der gerade über dem Felsvorsprung

mit der Schweizer Flagge aufgeht. Matthias

beäugt ihn skeptisch. »Der könnte uns noch

die Show stehlen. Wenn er die Wand hell beleuchtet,

dann sieht man unten im Tal nicht

mehr viel vom Feuer.«

Über Altdorf platzen die ersten Feuerwerkskörper

und hinterlassen einen grellen

Die Tell-Sage

Die Geschichte um Wilhelm Tell spielt im

13. Jahrhundert, zur Zeit der Gründungsphase

der Schweiz. Damals wurde das

Gebiet der heutigen Zentralschweiz aufgrund

der Erschließung des Gotthardpasses

politisch und wirtschaftlich bedeutungsvoll.

Habsburger kamen als kaiserliche Vögte

in die Urkantone und unterdrückten das

Volk. Um die Gesinnung der Landleute von

Uri zu prüfen, ließ der Landvogt Hermann

Gessler auf dem Hauptplatz in Altdorf eine

Stange mit einem habsburgischen Hut

darauf errichten und befahl, dass jeder

beim Vorübergehen den Hut mit entblößtem

Haupt grüßen müsse. Wilhelm Tell achtete

dieses Gebot nicht. Auf Befehl des Landvogtes

sollte er deshalb dem eigenen Sohn

einen Apfel vom Kopf schießen. Der Schuss

glückte, doch Gessler war nicht entgangen,

dass Tell zwei Pfeile in seinen Köcher gesteckt

hatte. Auf seine Frage, wozu, antwortete

Tell aufgebracht, dass er ihn, Gessler,

mit dem zweiten Pfeil erschossen hätte,

falls der Schuss auf den Apfel misslungen

wäre. Tell wurde gefesselt und in Flüelen

auf Gesslers Schiff gebracht, um ihn auf der

Burg bei Küssnacht einzukerkern.

Doch kaum waren sie unterwegs, setzte ein

ge waltiger Föhnsturm ein. Die Mannschaft

drohte zu kentern. Tell, der als erfahrener

Schiffsmann ebenso berühmt war wie als

Armbrustschütze, wurde losgebunden,

um das Boot auf Kurs zu halten. Tell nutzte

seine Chance und steuerte die Felsplatte

am Axen an, wo heute eine Kapelle an Tells

rettenden Sprung in die Freiheit erinnert.

Von dort eilte Tell in die »Hohle Gasse«

bei Küssnacht, wo er den tyrannischen

Landvogt erschoss. Wilhelm Tell und seine

Taten wurden zu Symbolträgern für den

Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit in

der Urschweiz.

Wie vielerorts in der Schweiz finden

auch in Interlaken Tell-Spiele statt.

08 ⁄13 Bergsteiger 91


Winzige Menschlein, riesenhafte

Schatten: Szenen

für die Zuschauer im Tal

Fotos: Dagmar Steigenberger (4), Uri Tourismus AG

Binnen Sekunden ist

die ganze Bergwand

in gleißend rotes

Licht getaucht – so

grell, dass man die

Hände vor die Augen

nehmen muss.

Lichterregen über dem dunklen Urnersee.

Zaghaft hallt das Knallen von Böllern herauf.

Die Männer beachten es kaum – sie

sitzen in einer Runde um die Kochstelle. Die

winzigen Flämmchen, die an den Holzscheiten

zwischen den Steinen lecken, sind das

einzige, was momentan am Gitschen brennt.

Dann flammt an einem der gegenüberliegenden

Berge ein winziges rotes Licht auf.

»Am Fronalpstock haben sie schon angezündet«,

stellt Matthias fest. Noch immer macht

niemand den Anschein, dass es nun auch

hier gleich zur Sache gehen könnte. Nur

Fabian, der Jüngste, sprudelt vor Aufregung

über das bevorstehende Ereignis. Später wird

er gemeinsam mit seinem Vater eine der drei

großen Feuerstellen entzünden.

Plötzlich geht alles ganz schnell. Was auch

immer das Zeichen war, es muss recht geheim

gewesen sein. Mit Wachsfackeln in

den Händen und einer Dose voller Bengalpulver

unterm Arm steigen die Männer

zu den Feuerplätzen ab. »Steffy, du kümmersch

di um die Fackeln«, ertönt Matthias’

knappe Anweisung. Dann folgt das Kommando:

»Jetzt!«

Tanzende Riesen

Binnen Sekunden ist die ganze Bergwand

in gleißend rotes Licht getaucht – so grell,

dass man schützend die Hände vor die Augen

nehmen muss. Sechsarmige Monster

und winkende Riesen

tanzen über die Felsen

– es sind die Schatten

der Männer, die mit dem

Rücken zum Feuer ein

kleines Spontan-Theater

aufführen. Rauchfahnen

ziehen durch die

Luft, hie und da ertönt

ein Juchzer.

Nach 20 Minuten werden

die Riesen schwächer,

das Rot verglimmt.

Ein Handy klingelt.

»Händ ihr’s gsäh?«, fragt

Steffy in den Hörer.

Ihre Augen leuchten aufgeregt im Schein

des Holzfeuers in der Kochnische. Steffi legt

auf: »Isch super gsie! De ganze Fälswand hätt

g’lüüchtet, und de Schatten hätt mer guat

gsä«, gibt sie den Männern das Lob von den

Talbewohnern weiter. Matthias kommentiert

es mit einem zufriedenen Lächeln.

Stunden später, als längst alle im Schutz der

Felsnischen in ihren Schlafsäcken kauern,

versucht sich jemand an der Fortsetzung des

Feuerspektakels. Dicke Wolken haben das

Mondlicht vertrieben, Blitze zucken über

den Himmel, begleitet vom Platschen dicker

Tropfen. Doch so laut der Donner auch

dröhnt: Es interessiert niemanden mehr. ◀

Wie ein Stein unter Steinen: in den Biwakplätzen am Gitschen

92 Bergsteiger 08 ⁄13


TOUREN

Der Urnersee vom Rinderstöckli aus Die Kapelle erinnert an Tells rettenden Sprung. Der Mond geht auf am Gitschen.

Wandern durch ein Stück Schweizer Geschichte

Der Vierwaldstättersee mit dem Urnersee ist ein Stück Urschweiz. An seinem Ufer am Rütli schworen

die Eidgenossen einander die Treue, Wilhelm Tell schoss in Altdorf seinem Sohn den Apfel vom Kopf und in

Küssnacht seinem Widersacher ins Herz. All diese Orte lassen sich auf schönen Wanderungen erkunden.

1 Weg der Schweiz

▶ leicht 8 Std.

450 Hm 450 Hm

Charakter: Der 35 Kilometer lange

Weg passiert wichtige Orte der

Schweizer Geschichte wie die Rütliwiese,

die Tellskapelle sowie die

Dorfkapelle von Brunnen und kann

auch in Teilstücken bewältigt werden.

Die Aussicht vom Schillerbalkon

auf der Marienhöhe bei Seelisberg

hat übrigens der Maler Charles

Giron 1901 in seinem Wandbild im

Nationalratssaal in Bern verewigt.

Ausgangspunkt: Rütliwiese (482 m),

per Schiff erreichbar, alle anderen

Ortschaften auf der Wanderung sind

ebenfalls über den öffentlichen

Verkehr zu erreichen

Endpunkt: Brunnen (435 m)

Einkehr: Restaurants in den

Ortschaften

Route: Rütli – Seelisberg (801 m) –

Bauen (436 m; 960 Treppenstufen

abwärts!) – Isleten (436 m) – Seedorf

(452 m) – Flüelen (435 m) – Tellskapelle

(435 m) – Sisikon mit Urnerloch

(453 m) – Morschach – Brunnen

2 Rigi-Lehnenweg

▶ mittel 7 Std.

1170 Hm 1170 Hm

Endpunkt: Gersau (435 m), per

Schiff zurück nach Küssnacht

Einkehr: Restaurants am Wegrand

Route: Immensee – Hohle Gasse –

Gesslerburg über Küssnacht –

Rotenhof – Greppen – Eggi – Chestenenweid

– Wilen (774 m) – Vitznau

– Bürglen – Gersau

3 Fronalpstock (1921 m)

▶ mittel 4 Std.

845 Hm 845 Hm

Charakter: Vom berühmten Aussichtsberg

hat man neben unzähligen

Berggipfeln gleich zehn Seen im

Blick. Schon während des Aufstiegs

bieten sich einige schöne Ausblicke

auf den Talkessel von Schwyz,

oben erfährt man am Panoramaweg

mit zwei Ausstellungspavillons

Wissenswertes über die Schweiz

und – natürlich – Wilhelm Tell.

Ausgangspunkt: Stoos, Bergstation

der Luftseilbahn Morschach

Einkehr: Gipfelrestaurant

Fronalpstock

Route: Stoos – Eu – Bödmeren –

Charenstöckli – Abstecher zum Aussichtspunkt

Chänzeli – Fronalpstock

– Panoramaweg – Furggeli – Frontal

– Stoos

4 Gitschen (2513 m)

nehmen. Zur Ermutigung: Von unten

sieht die Sache schlimmer aus, als

sie dann tatsächlich ist.

Ausgangspunkt: Bergbahn Gietisfl ue

(1393 m)

Einkehr: Oberberg-Alm (1800 m);

Musenalp (1486 m)

Route: Gietisfl ue – Oberberg-Alm

– Rinderstöckli – Gitschen –

Chessel – Musenalp

– Gietisfl ue-Talstation

5 Uri Rotstock (2928 m)

Tourenkarte 9

Heftmitte

▶ schwierig 7½ Std.

1450 Hm t 1450 Hm

Charakter: Ausnahmsweise trifft man

hier nirgendwo auf Tell-Relikte, aber

als einer der höchsten Berge rund um

den Urnersee hat es der Uri Rotstock

trotzdem verdient, besucht zu werden.

Der Weg über die gestuften Felsen

und den kleinen Gletscherrest ist auch

ohne Hochtouren-Ausrüstung gut zu

meistern.

Ausgangspunkt: Bergbahn Musenalp

(1486 m) bei Neiberg oberhalb

Isenthal

Hütten: Musenalp (1486 m);

Gitschenhörelihütte (2325 m, nicht

bewartet); Biwaldalp (1696 m)

Route: Musenalp – Obere Stelli – Weggabelung

(1989 m) – Chessel – Sattel

(2798 m) – Uri Rotstock – Sattel –

Gitschenhörelihütte – Biwaldalp

– Sassigrat (1868 m)

– Musenalp

Tourenkarte 10

Heftmitte

Charakter: Aussichtsreiche Wanderung

am Fuß des Rigi durch Wiesen

und teils auch auf Asphalt. Gleich

zu Beginn des 22 km langen Wegs

trifft man auf die berühmte »Hohle

Gasse« bei Küssnacht, in welcher der

Legende nach Wilhelm Tell auf seinen

Widersacher traf.

Ausgangspunkt: Schiffsanlegestation

Immensee (416 m)

▶ mittel 7 Std.

1120 Hm 1120 Hm

Charakter: Direkt unter der Gipfelwand

des Seedorfer Hausberges

brennen die hellsten Bergfeuer am

Abend des Schweizer Nationalfeiertages.

Wer ganz hinauf will, muss

Schwindelfreiheit mitbringen und

hin und wieder die Hände zuhilfe


REPORTAGE

Jeder auf

seine Weise

Der Hohe Tauern Wandermarathon

Laufen, speed-walken, gehen: Ein Wettkampf, drei Möglichkeiten

– die Strecke des Mittersiller Marathons bringt Einheimische und

Gäste gleichermaßen ins Schwärmen. Von Sandra Zistl

94 Bergsteiger 08⁄13


Die Nebelbänke über dem Tal

verleihen dem Gipfel des 2190

Meter hohen Elferkogels einen

besonderen Rahmen.

INFO

Fotos: Franz Reifmüller, Gerald Lobenwein

Auf den letzten Metern kommt er.

Wie immer. War zu erwarten,

wäre trotzdem schöner gewesen

ohne ihn. »Die letzten vier Kilometer an

der Salzach entlang nach Westen, die ziehen

sich einfach«, erinnert sich Günther Gruber.

»Also galt es ihn zu überwinden, den inneren

Schweinehund.« Die Rede ist von den

letzten Kilometern des Hohe Tauern Wandermarathons,

der am 25. August zum zweiten

Mal stattfindet. Mehr als 200 Teilnehmer

waren bei der Premiere in der Region Mittersill-Hollersbach-Stuhlfelden

im vergangenen

Jahr dabei. Für diesen Spätsommer erwarten

die Veranstalter 500 Wanderer und Läufer.

Wer die Strecke wie Günther Gruber joggt,

kann sich auf die, wie er sagt, »ziemlich

perfekte Kombination aus Halbmarathon

und abwechslungsreichem Berglauf« freuen.

Und, für Läufer wie Wanderer wichtig:

»Es gibt fast keine Teerstraßen.« Die Strecke

führt vom Startpunkt im Nationalparkzen-

Die Starter haben sich

viel vorgenommen: Die

25,6 Kilometer lange

Strecke laufend zurückzulegen,

ist schon eine

ziemliche Herausforderung.

trum Mittersill (750 m) auf den ersten vier

Kilometern erst kurz Richtung Süden, dann

gen Westen kontinuierlich bergauf bis auf

etwa 1100 Meter, anschließend in ähnlichem

Gefälle wieder bergab nach Hollersbach.

Nach den ersten zehn Kilometern sind

die meisten Höhenmeter also bereist bewältigt.

Weiter führt die Strecke auf der anderen

Seite des Salzachtals leicht ansteigend, dann

auf der Höhenlinie nach Osten und zurück

nach Mittersill.

»Und dann«, erzählt Gruber und macht eine

kurze rhetorische Pause, »kommt das

Schlosswegerl.« Mit einer Steigung von bis

zu 30 Prozent bringt es Wanderer wie Läufer

ins Schwitzen. Allerdings werden sie dann

auf einem weichen Wald- und Wiesenweg

Richtung Stuhlfelden mit einer herrlichen

Aussicht belohnt. Denn die Region Mittersill-Hollersbach-Stuhlfelden

liegt zwischen

den Dreitausendern des Nationalparks Hohe

Tauern und den sanften Grasbergen der

Gut untergebracht in

den »Wanderhotels«

Zwischen den Dreitausendern des Nationalparks

Hohe Tauern und den sanften

Grasbergen der Kitzbüheler Alpen liegt

Mittersill-Hollersbach-Stuhlfelden. Die

Region mit 5444 Kilometern ausgeschilderten

Wanderwegen und 200 Hütten und

Gasthöfen ist Ausgangspunkt für die ganze

Bandbreite an Touren: von gemütlich bis

hochalpin.

Insgesamt 15 als Wanderhotels zertifi zierte

Betriebe bieten Touren direkt vom Hotel

aus an, beraten ihre Gäste und verfügen

über eine spezielle Wanderer-Infrastruktur:

Kartenmaterial, Wanderbücher, Wasch- und

Trockenraum, aber auch Rucksäcke und

Wanderstöcke zum Ausleihen. Bei Bedarf

steht den Gästen ein Shuttle-Service

zum Ausgangspunkt ihrer Wanderung zur

Verfügung.

Die Wanderhotels bieten in der Hauptsaison

(Ende Juni bis Ende September)

jede Woche sechs geführte Touren mit Bergführer

und Nationalpark-Ranger an und in

der Nebensaison (Mitte Mai bis Ende Juni,

Ende September bis Ende Oktober) drei

pro Woche. Der von der Region herausgegebene

Wanderguide beschreibt 55 Touren

inklusive Höhenprofi l und kann kostenlos

angefordert werden unter welcome@

mittersill.info.

Zwischen dem 6. Juli und dem 28. September

bieten die Wanderhotels Wochenpakete

(ab 249 Euro pro Person) an. Diese enthalten

sieben Übernachtungen mit Frühstück,

sechs geführte Touren im Nationalpark

Hohe Tauern und in den Kitzbüheler Alpen,

kostenlose Nutzung des Wandershuttles

und eine Wanderkarte.

Kontakt: www.mittersill.info, welcome@

mittersill.info, Tel. 00 43/(0)65 62/42 92

08⁄13 Bergsteiger 95


Bei der Tour auf den Pihapper

müssen über 1300 Höhenmeter

überwunden werden.

Kitzbüheler Alpen. Eingebettet in die beiden

Gebirgsformen, ist die Region mit 5444 Kilometern

Wandertouren und 200 Hütten und

Gasthöfen ein idealer Ausgangspunkt für

Wanderer und Bergsteiger. Die klangvollsten

Gipfelnamen sind natürlich Großglockner

(3798 m) und Großvenediger (3657 m). Aber

auch der Mittersiller Hausberg Pihapper

(2513 m), der Gaisstein (2363 m) oder der Große

Rettenstein (2366 m) sind lohnende Ziele.

Der Wald- und Wiesenweg am Nordhang des

Salzachtals öffnet auf der zweiten Hälfte des

Wandermarathons den Blick auf die langen

Rücken, die sich in Nord-Süd-Ausrichtung

KOMPAKT

Hohe Tauern

Wandermarathon

Fotos: Franz Reifmüller (3), Gerald Lobenwein

Am 25. August fi ndet zum

zweiten Mal der Hohe Tauern

Wandermarathon in der

Region Mittersill-Hollersbach-

Stuhlfelden statt. Einzeln oder

in der Staffel müssen 25,6

Kilometer und 851 Höhenmeter

zurückgelegt werden. Für

Kinder (8–13 Jahre) werden

die Distanzen 7,4 und knapp

drei Kilometer (4–7 Jahre)

angeboten. Ein Mindestmaß

an Trittsicherheit ist erforderlich,

allerdings erwarten die

Teilnehmer keine technischen

Schwierigkeiten. Die lange

Strecke führt vom Startpunkt

im Nationalparkzentrum Mittersill

(750 m) auf den ersten

fünf Kilometern kontinuierlich

bergauf bis auf etwa 1100

Meter, dann in ähnlichem

Gefälle wieder bergab. Das

Ziel befi ndet sich ebenfalls im

Nationalparkzentrum.

Informationen und Anmeldung:

Mittersill Plus Tourismus

GmbH www.wandermarathon.

info, Tel. 00 43/(0)65 62/42

92, www.mittersill-tourismus.at

Karten: Kompass 1:50 000,

Blatt 29 »Kitzbüheler Alpen«,

Blatt 39 »Glocknergruppe,

NP Hohe Tauern«, Blatt 38

»Venedigergruppe Oberpinzgau«

Wandermarathon Wochenpackage:

24. – 31. August 2013:

7 Nächte mit Frühstück

oder Halbpension in einem

zertifzierten Wanderhotel,

Wanderprogramm mit fünf

geführten Wanderungen,

Teilnahme am 2. Hohe Tauern

Wandermarathon am 25. 08.

2013, ein Almsommer Kombi-

Ticket (1 Berg- & Talfahrt mit

der Panoramabahn Kitzbüheler

Alpen und ein Eintritt in die

Nationalparkwelten Mittersill)

Angebote: 4*-Hotel: ab €

439,-/Person, 3* Hotel: ab €

339,-/Person, Pension: ab €

229,-/Person

Wandermarathon Wochenendpackage:

im Zeitraum 23. – 28. August

2013: 3 Nächte mit Frühstück

oder Halbpension in einem zertifi

zierten Wanderhotel, Warm up

– geführte Wan-derung (Freitag),

Pasta Party und Registrierung

(Samstag), Teilnahme am 2.

Hohe Tauern Wandermarathon

am 25. 08. 2013

Angebote: 4*-Hotel: ab €

229.-/Person, 3*-Hotel: ab €

189.-/Person

wie Toblerone-Riegel Richtung Großvenediger

und Großglockner erstrecken. Deren

weiße Gipfel leuchten aus der Ferne herüber.

»Die Wanderer haben vermutlich mehr

Augen für das Panorama gehabt als ich«,

mutmaßt Günther Gruber. »Mir hat’s pressiert«,

fügt der 47-Jährige grinsend hinzu.

»Und außerdem: Ich bin hier aufgewachsen,

ich kenn’ den Blick schon auswendig.«

Das kann auch seine Frau Maria von sich

behaupten. Mit ihren zwei Nordic-Walking-

Freundinnen ist sie jeden Mittwoch unterwegs.

»Wir kennen die Gipfel rundum, der

Wandermarathon war trotzdem eine schöne

Herausforderung.« Das Trio hat die Strecke

in beachtlichen drei Stunden und 23 Minuten

bewältigt. Und das Panorama trotzdem

genossen. »Es ist immer wieder schön«,

schwärmt die 40-jährige Maria Gruber. »Und

der Blick in die Berge war eine ganz gute seelische

Nahrung für die flachen vier Kilometer

vor dem Ziel.« Denn die letzten Meter sind die

schwersten, sei es nun laufend, gehend oder

speed-walkend. Vor allem für diejenigen, die

die Strecke als Einheimische im Detail kennen.

Auch die Damenrunde ist voll des Lobes

für die Streckenführung. Aktuell trainieren

sie für den Wettbewerb im August, denn die

Veranstaltung im Vorjahr hat bei allen Dreien

den Ehrgeiz geweckt: »Wir sind als Team angetreten,

und als wir da so am Start standen,

haben wir gemerkt, dass wir’s den anderen

Mädelstrupps zeigen wollten.«


96 Bergsteiger 08⁄13


TOUREN

Unterwegs im Pinzgau

Die Region Mittersill-Hollersbach-Stuhlfelden wird auf zwei

Seiten von namhaften Berggruppen und Gipfeln begrenzt:

Im Norden warten Ziele in den Kitzbüheler Alpen, im Süden

in den Hohen Tauern und der Venedigergruppe.

1 Pihapper (2513 m)

▶ mittel 8 Std.

1363 Hm 1363 Hm

Charakter: Klassische Tour mit

traumhaftem Ausblick auf die 3000er

des Nationalparks Hohe Tauern und

die Grasberge der Kitzbüheler Alpen.

Ein Mindestmaß an Trittsicherheit und

Schwindelfreiheit erforderlich.

Ausgangspunkt: Gasthof Berghof

(1200 m)

Route: Vom Gasthof Berghof in

Hollersbach (Wegnummer 934) bis

zur Pösneralm auf die »Mittersiller

Platte« (Wegnummer 935) weiter

in Richtung Süden zum Vorgipfel

»Plugsberg« bis zum Aufschwung des

Pihappergipfels.

2 Geißstein (2363 m)

▶ leicht 6 Std.

653 Hm 653 Hm

Charakter: Beliebte, familienfreundliche

Tour auf einen der höchsten

Grasberge Europas, schöne Ausblicke,

Kondition und Trittsicherheit

erforderlich.

Ausgangspunkt: Stuhlfelden

Route: Vom Dorfplatz Stuhlfelden

(Wegnummer 7) Richtung Dürnberg –

Abzweigung Bürglhütte (Wegnummer

13) – Saueck – Bürglhütte (1699 m) –

Geißstein. Anfahrt mit dem Auto bis zur

Bürglhütte möglich.

3 Großer Rettenstein (2366 m)

▶ schwierig 7 Std.

1098 Hm 1098 Hm

Charakter: Mehrgipfeliger Berg in

den Kitzbüheler Alpen; durch sein Aussehen

zählt er zu den markantesten

Aussichtsbergen. Alpine Wanderausrüstung

erforderlich.

Ausgangspunkt: Bergstation

Resterkogel der Panoramabahn Kitzbüheler

Alpen

Route: Ausgehend von der Bergstation

Resterkogel führt der Arnoweg

(Wegnummer 745) vorbei an der

Panorama-Alm in westlicher Richtung

zur Stangenalm, weiter über Stangenjoch

zum Großen Rettenstein.

4 Hollersbachtal (1132 m)

▶ leicht 3 Std.

429 Hm 429 Hm

Charakter: Familienwanderung

für Jung & Alt – ein Mindestmaß an

Trittsicherheit erforderlich.

Ausgangspunkt: Hollersbach

Route: Wanderung über den

Bachlehrweg (Wegnummer 16) ins

Hollersbachtal – danach mündet

der Bachlehrweg in den Forstweg

(Wegnummer 916) zur Senningeralm

(1132 m). Diese ist Ausgangspunkt

für zahlreiche weitere Touren (siehe

Wanderguide).

5 Großvenediger (3657 m)

▶ leicht 9 Std.

2800 Hm 2800 Hm

Charakter: Der Aufstieg über die

Kürsingerhütte fordert den ganzen Alpinisten:

nach langem Zustieg durch das

Obersulzbachtal Gletscherbegehung in

mäßiger Steigung; Achtung auf Spalten!

Gipfelanstieg über Firn. Komplette

Hochtourenausrüstung nötig.

Ausgangspunkt: Gasthof Siggen

oder Hopffeldboden südlich von

Neukirchen a. Großvenediger

Stützpunkt: Kürsingerhütte

(2558 m)

Route: Zu Fuß oder mit dem MTB

(evtl. auch Hüttentaxi) über Berndlund

Postalm zur Obersulzbachhütte.

Weiterweg auf alpinem Steig zur

Kürsingerhütte. Über das Obersulzbachkees

zur Venedigerscharte und

über den Südgrat zum Firngipfel.

Der Hausberg von Mittersill: der Pihapper

Das Hollersbachtal erstreckt sich bis zur Neuen Fürther Hütte.

08⁄13 Bergsteiger 97


KAUFBERATUNG: Klettersteigschuhe

Profil

zeigen

Klettersteiggehen boomt wie nie zuvor. Je nach Anspruch

des Klettersteigs, der eigenen Fitness sowie des Zu- und

Abstiegs benötigt man dafür nicht nur ein spezielles Set,

sondern auch Schuhe. Den Klettersteigschuh schlechthin

gibt es allerdings nicht. Von Christian Schneeweiß

Foto: Bernd Ritschel

Rüstet man sich für Klettersteige,

sollte man an geeigneten Schuhen

nicht sparen. Grundsätzlich

gibt es hiervon zwei Arten: Hochschaftige,

oft bedingt steigeisenfeste

Schuhe sind sinnvoll für Klettersteige

mit alpinem Abstieg. Approachschuhe

(ursprünglich für Kletter-Zustieg/leichtes

Klettern) mit weniger griffigem Profil, aber

hohem Reibungseffekt sind optimal für

Sportklettersteige.

Schafthöhe und Gewicht

Diese beweglichen, leichten und doch relativ

robusten Halbschuhe eignen sich für

Klettersteige mit gut angelegtem Zu- und

Abstieg (ca. 1–1,2 kg in Größe 46; Boreal

1020 g, Damenvariante Salewa 825 g in 42).

Zwar sind sie bequem und ermöglichen

einen sauberen Felsantritt – ihr Profil ist

aber kaum geländetauglich, meist fehlt

ein Absatz, und der Fuß kann umknicken.

Sicherer ist eine die Knöchel bedeckende

Mid-Variante, wo der Fuß noch recht beweglich

und der Knöchel geschützt ist.

Im Hochgebirge wie den Dolomiten oder

den Zentralalpen mit ausgesetztem Gelände,

Geröll oder Schneefeldern zumindest

im Abstieg sind grobstollige, einkantbare

und steigeisentaugliche (Hoch-)Alpinschuhe

mit höherem Schaft sicherer. Dafür hat

man in ihnen kein ganz so gutes Gespür

zum Klettern, zudem sind sie schwer (ca.

1,6–1,9 kg; Meindl 1670 g). Einige All-


Wichtig für das gute

Gefühl von Anfang an:

ein Schuh mit hohem

Reibungseffekt

08⁄13 Bergsteiger 99


All das muss

er haben!

So unterschiedlich Klettersteige, so unterschiedlich

die dafür konstruierten Schuhe.

Je nach Verwendungszweck sollten Sie auf

die folgenden Punkte achten.

INNENFUTTER

Das Futter muss bei der »Schönwetteraktivität«

Klettersteiggehen keine

wasserdichte Membran enthalten

(außer im Hochgebirge). Ohne diese

sind die Schuhe dampfdurchlässiger.

SCHAFT

Der Schaft kann

bei Klettersteigen

mit leichtem Zu-/

Abstieg niedrig

oder mittelhoch

sein, sollte aber bei

alpinen Abstiegen

zur Fußstabilisierung

deutlich über den

Knöchel reichen.

TIPP

Checkliste für

den guten Schuh

■ Der Halt zählt: Leichte Klettersteige lassen

sich gut mit Trekkingschuhen begehen,

sofern man in ihnen einen guten Halt hat

und die Sohle relativ torsionssteif ist.

■ Festigkeit je nach Zweck: Schuhe für

hochalpine Klettersteige mit Firnpassagen

und Geröll sind bedingt steigeisenfest,

also im Vorfuß fl exibel. Voll steigeisenfeste

Schuhe bieten kaum Gespür im Fels!

■ Atmung: Atmungsaktive Einlegesohlen

sollte man nach einem schweißtreibenden

Klettersteig herausnehmen und trocknen

(Lederschuhe nicht in der Sonne!).

■ Heckzug: Gute Heck-Zugschlaufen (zwei

Fixpunkte vertikal oder horizontal) lassen

sich nach oben und unten ziehen, also zum

An- und Ausziehen verwenden.

ABSATZ

Da man auf

Eisenstangen und

-klammern abrutschen

kann, sollte

man auf solchen

Kletterstei gen Schuhe

mit Absatz oder

Mittelfußmulde

tragen.

ZEHENBEREICH

Der Schuh sollte für besten Halt

schlanker geschnitten und exakt

anpassbar sein, wobei auf einen

nicht zu engen Zehenbereich

(Druckstellen, Blasen) zu achten ist.

SOHLE

Die Sohle ist im

Idealfall von der

Ferse bis unter den

Mittelfuß steifer, am

Vorfuß weicher oder

mit Knick versehen

und ab dem Ballen

aufgebogen.

PROFIL

Das Profi l sollte

vorn und innen

Reibungsfl ächen

besitzen (bei

leichtem Klettersteig

nicht nötig) und

gleichzeitig griffi g

genug für die Zuund

Abstiege sein.

100

Bergsteiger eige

ger

08⁄13


Fotos: Bernd Ritschel (1), Andreas Strauß

rounder mit Alpinsohle sind ultraleicht

(Damenvariante Hanwag 925 g) bzw. niedrig

(Millet) – und damit kaum geeignet zum

Einkanten oder für Steigeisen.

Obermaterial und Verstärkung

Grundsätzlich ist es egal, welches Obermaterial

der Klettersteigschuh besitzt. Textilschuhe

(Salewa) sind zwar meist leichter,

aber weniger robust (genauer: zäh) als

Lederschuhe. Sie sind trotz Wasserresistenz

(abhängig von den Nähten) auch relativ

atmungsaktiv. In der Praxis werden

bei Klettersteigschuhen Leder und Textil

(dampfdurchlässigere Flächen, beweglichere

Zungen und Manschetten) meist

kombiniert.

Schuhe zum Klettersteiggehen sollten als

vergrößerte Zehenkappe am Vorfuß eine

randliche Gummiverstärkung besitzen,

die ein Stück über die Zehen hochgezogen

ist. Hochalpin- oder Allround-Modelle mit

Vollschutzanspruch haben umlaufende

Gummiränder (z. B. Mammut bzw. Hanwag).

Bei einer Fersenverstärkung aus Gummi ist

die Sekundärfunktion der exakten Formgebung

meist wichtiger als der Schutz.

Futter mit Einlage

Klettersteigschuhe besitzen häufig als Zwischenlage

eine wasserdicht-atmungsaktive

Membran (meist Gore-Tex) mit kuscheligem

Innenfutter. Schwitzt man stark am Fuß,

ist diese Allwetterkombination allerdings

nicht in der Lage, den Schweißdampf

schnell genug nach außen abzuführen.

Da man außer bei langen oder hochalpinen

Touren selten einen Klettersteig bei

Regen bzw. über Schneefelder begeht,

sind durchlässigere Klettersteigschuhe ohne

Membran die bessere Alternative. Ihr

Futter sollte aus robusterem Poren- oder

luftigerem Meshtextil bestehen, damit der

Schweißdampf zügig vom Socken nach außen

abgeleitet wird (Millet bzw. Boreal).

Von der Fußsohle lässt er sich über die

Einlage durch Absorption und Ableitung

zur Innensohle führen. Hierzu sollte der

Schönwetterdestination

Klettersteig –

wasserdichte

Schuhe sind

da verzichtbar

Schaumstoff entweder offenzellig (Millet),

eine Zwischenschicht bei Textilsohlen bilden

(nur Garmont 100 Prozent Textil) oder

unterm Vorfuß gelocht sein (meist Modelle

mit Normal-Schaumstoff). Mammut hat ein

sehr durchlässiges und doch strapazierfähiges

Schaumstoffgitter.

So bewertet der BERGSTEIGER

EINSATZBEREICH

Leichte Klettersteige (A bis B/C

bzw. Hüslerskala K1 bis K3): Keine

speziellen Schuhe erforderlich.

Generelle Anforderungen: Für den

Zu-/Abstieg sollte das Profi l griffi g

sein, für den Klettersteig sind Reibungspartien

sinnvoll, aber nicht

erforderlich. Eine Sohle mit relativ

hoher Torsionssteifi gkeit ist ideal.

Sportklettersteige mit leichtem

Zu-/Abstieg (C/D bis E bzw. K4

bis K6): Bewegliche Schuhe mit

festem Sitz, einer biegsameren

Sohle (aber relativ torsionssteif)

mit Untergrundgespür und guter

Reibung/Reibungszonen sind

optimal. Bei vielen Trittstangen oder

-klammern sollte die Sohle härter

sein und Absatz oder Höhlung besitzen.

Low Cut (Halbschuh), sofern

Zu- und Abstieg auf angelegtem

Pfad oder Wanderweg erfolgen.

Hochalpine Klettersteige mit

anspruchsvollem Abstieg: Die

wasserdichten, (halb-)hohen

Schuhe sollten ein griffi ges Profi l

haben, dessen Reibungspartien/

Blockschnitte vom erwarteten Anspruch

des Klettersteigs abhängen.

Sie besitzen eine torsionssteife

Sohle (zum Einkanten) und können

bedingt steigeisenfest sein (mit

Fersenriefe für Kombisteigeisen).

KONSTRUKTION

Das Besondere an Klettersteigschuhen

ist, dass sie nicht nur zum

Klettern am Drahtseil, sondern

auch zum Zu- und besonders

Abstieg taugen müssen.

Der Sitz am Fuß sollte für sicheres

Gehen am Klettersteig möglichst

umfassend sein, d. h. einen gut

passenden Fußraum und anpassende

Schnürung besitzen. Die

mittelhohen Vaude und der niedrige

Salewa passten sich perfekt dem

Fuß an, während Lowa, The North

Face und Garmont diesen optimal

in Form brachten.

Das Abrollen wurde aufwärts auf

weichem, abwärts auf hartem

Untergrund geprüft. Die weichen

Modelle Boreal und Vaude rollten

am rundesten ab, die bedingt steigeisenfesten

Modelle erwartungsgemäß

nur mäßig (v. a. Meindl; The

North Face und Mammut etwas

besser).

Die Seitenstabilität wurde geprüft

durch Stehen längs auf einer Leiste

bei 60 Prozent Überstand und durch

Stehen auf Felsleisten. Eine hohe

Seitenstabilität ermöglichte besonders

bei höherem Schaft bequemes

Stehen (v. a. hohe Lowa, Meindl,

mittlerer Hanwag, niedriger Millet).

Das Profi l von Klettersteigschuhen

muss sowohl Reibungszonen für

den Aufstieg am Fels als auch ein

Greifprofil, möglichst inklusive

Die bunte Mischung aus Halbund

Midschuhen sowie schweren

hohen Stiefeln zeigt wie unterschiedlich

Klettersteigschuhe

sein können – was weniger am

Klettern selber als eher am Zuund

Abstieg liegt.

Absatz besonders für den Abstieg

besitzen. Es wurde durch Stehen

auf Fels und Gehen auf erdigem/

grasigem Untergrund geprüft. Den

besten Griff im Gelände oder auf

steilen Steigen wiesen die Hochgebirgsschuhe

auf (v. a. Mammut und

Meindl), guten Griff bei guter Reibung

die Schuhe mit Alpinprofi len

(v. a. Millet und The North Face). Die

vergleichsweise mäßig greifenden

Schuhe mit Approachprofi len glänzten

meist mit sehr guter Felsreibung

(v. a. Aku, mittlere Vaude und

La Sportiva). Bei Salewa war sie nur

mäßig, bei Meindl schwach).

Profilgummi-Mischung, Reibungszone

und die Anpassung

der Vorfußsohle an den Fels bestimmen

über die Reibung beim

Klettern oder beim Stemmen

gegen das Drahtseil bei glatter

Platte.

08⁄13 Bergsteiger 101


KAUFBERATUNG : Klettersteigschuhe (Damen ■ und Herren ■ )

Aku

Rock II GTX

Boreal

Gravity Azul

Garmont

Ferrata GTX

Lowa

Cevedale Pro GTX

Mammut

Merlon GTX M

Meindl

Skye GTX

Vertrieb, Info 07 51/7 69 54 10,

www.aku.it

08 00/1 82 52 60,

www.e-boreal.com

00 43/77 11/3 31 33,

www.garmont.com

0 81 37/99 90,

www.lowa.de

0 83 34/3 62 00,

www.mammut.ch

0 86 85/7 70 90,

www.meindl.de

Preis in Euro 170,- 119,95 199,95 299,95 200,- 219,90

Gew. in Größe 1110 g in 46 1020 g in 46 1690 g in 45 1870 g in 46 1690 g in 45 1670 g in 46

Schafthöhe/

Obermaterial

Niedrig/Leder mit Textil

Niedrig/aufgerautes

Leder

Höher/Leder Hoch/Leder + etwas Textil Hoch/Leder + Grobtextil Hoch/Leder mit Textil

Verstärkungen Vorfußrand + Absatzrand

Gummi

Zehen- + Fersenkappe +

Innenrand Gummi

Vorfußrand Gummi,

Absatz + Leder

Hoher Gummirand, Ferse +

Zehen hochgezogen

Gummirand, vorn + hinten

hochgez., Flanken Leder

Vorfußrand hochgezogen

+ Ferse Gummi

Futter mit

Einlage

Feines Textil mit

Gore-Tex/robust + hart,

seitenstabil

Grobmesh/seitenstabil,

Schaumstoffgitter,

Verstärkungen

Isoliertes Kuscheltextil

mit Gore-Tex/seitenstabil,

100% Textil/Filz

Isoliertes Textil mit Gore-Tex/

seitenstabil, Textil mit

Schaumstoff

Kuscheltextil mit

Gore-Tex/durchgehend

Schaumstoffgitter

Textil mit Gore-Tex/ergonomisch,

weich, Textil

Fußraum

Eher mittel, Zehenbox

perfekt

Schmaler, ausgeprägte

Ferse

Schmaler, ausgeprägte

Ferse

Eher schmaler Breiter, Ferse ausgeprägt Vorn mittel, hinten schmaler,

Ferse ausgeprägt

Schnürung Nachziehösen ab Zehen Nachziehösen Nachziehösen ab Zehen,

Zugschlaufe, Schnürhaken

Rollösen und Haken, Fixierungs-,

Zug- + Schnürhaken,

Zungenfi xierung

Schlaufen und Haken,

Fixierungs-, Zug- +

Schnürhaken

Ösen, Fixierhaken, Zughaken,

Haken

Sohlenhärte

Relativ steif mit weichem

Vorfuß

Mittelsteif mit weicherem

Vorfuß

Steif, Vorfuß bei Volllast

biegsam

Steif, Vorfuß bei Volllast

biegsam

Steif, Vorfuß bei Volllast

gut biegsam

Steif, Vorfuß bei Volllast

biegsam

Profilsohle

Tropfnoppen 3 mm,

Muldenabsatz, große

seitliche Reibungsfl äche

Quadratnoppen 3 mm,

Mulde, hinten 3–2 mm,

Reibungsfl äche

Klassisch 5 mm abgeschrägt,

Kantnoppen,

Profi labsatz, Reibungszone

2 mm

Blockig 7 mm abgeschrägt,

Blocknoppen, scharfer

Absatz ca. 1 cm, Reibungszone

Blockig 5–6 mm abgeschrägt,

Längsnoppen,

scharfer Absatz 6–9 mm,

Reibungszone

Blockig 5 mm schräg,

Kantnoppen, scharfer

Absatz 9 mm, Reibungszone

schmal

Extras

Airmesh-Manschette,

Refl ektoren, gute Zug-/

Hängschlaufen

Flankenschutz, Refl ektoren,

gute Zug-/Hängschlaufe

Geeignet für Kombi-

Steigeisen, Zug-/Hängschlaufe

Geeignet für Kombi-

Steigeisen, Schlaufe

Pfl egeanleitung

Geeignet für Kombi-

Steigeisen, gute Zug-/

Hängschlaufen

Steigeisentauglich,

Beratungs- und Pfl ege-

Anleitung

BEWERTUNGEN

Sitz am Fuß ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Abrollen ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Seitenstab. ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Reibgs.-profil ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Greifprofil ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Unser

Eindruck

Robuster Approachschuh;

schiebt nach

vorn, perfekte Vorform

mit super Anpassung,

gutes Bodengespür,

super Reibung bei gutem

Seitenhalt, mäßiges

Profi l für leichten Zu-/

Abstieg

EINSATZBEREICHE

Dampfdurchlässiger

Leichtschuh; sehr

bequem, Einlage

luftig, Schnürung super

anpassend, gutes Bodengespür,

aber mäßige

Dämpfung, auf großen

Zeh geschnitten, Außenzeh

kann drücken

Steigeisentauglicher

(Hoch-)Tourenschuh;

Sohle recht steif, aber

schiebende Rolle, funktionell

und doch bequem,

kaum klobig, super

Dreckabweisung, Profi l

sehr griffi g, aber Absatz

mäßig, warm, schwer

Eistauglicher Hochtourenschuh;

äußerst robust,

grobstolliges Schnee-/

Geröll-Profi l, Rolle schiebt

vor, variable Schnürung vorn

schnell, aber komplizierte

Öffnung, Schnürung löst

sich, schwer, klobig

Hochtouren-Allrounder;

ideal für breiteren Fuß,

sehr robust, sehr komfortabel,

schneetauglich,

griffi ges Profi l mit guter

Reibung, aber bei Normfuß

mäßiger Seitenhalt,

Schnürung löst sich,

warm, schwer

Steigeisentauglicher

Trekkingschuh; sehr

robust, sehr bequem,

schneetauglich, sehr

griffi ges Profi l mit guter

Dreckabweisung, mäßige

Reibung, Sohle recht steif,

aber runde Rolle, klobig,

keine Zugschlaufe, schwer

Leicht/Allrd. ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

Sport/Zustieg ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ –

Hochalpin – – ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

102 Bergsteiger 08⁄13


TIPP

Preis/Leistg.

TIPP

Alpin

TIPP

Sport

Millet

Trident Guide

The North Face

Verto S4K GTX

Vaude

Me Dibona Sympatex

Hanwag

Badile Lady GTX

La Sportiva

Hyper Mid WS GTX

Salewa

WS Firetail GTX

0 70 23/9 51 10,

www.millet.fr

0 08 00/32 45 57 11,

www.thenorthface.eu

0 75 42/5 30 60,

www.vaude.com

0 81 39/9 35 60,

www.hanwag.de

00 39/04 62/57 18 00,

www.lasportiva.com

Tel. 0 89/90 99 30,

www.salewa.com

139,90 270,- 180,- 189,95 165,- 149,95

1160 g in 46,5 1780 g in 45,5 1250 g in 46 925 g in 42 980 g in 42 825 g in 42

Niedrig/aufgerautes Leder

Hoch, Schneefang/

Grobtextil + Leder

Mittel/Leder + Grobtextil Mittel/Textil Mittel/Leder + Textil Niedrig/Textil

Vorfuß-Kappe Gummi,

Rand gummiert, Ferse

Gummirand, Ferse Kunststoff,

Flankengitter

Rand ergonomisch +

Ferse Gummi

Rand, vorn hochgezogen +

Ferse Gummi

Vorfuß-Kappe + Ferse

Gummi, Flanken gummiert

Vorfußrand + Ferse Gummi,

Textilrand, Flankengitter

Porentextil/gepolstert,

Vorfuß Schaumstoff

offenzellig

Kuscheltextil mit Gore-Tex/

Seitenhalt, Fersen- + Ballenpolster

Kuscheltextil mit Sympatex/

robust, ergonomisch, Vorfuß

gelocht

Textil mit Gore-Tex/ergonomisch,

Filz-Textil

Weiches Textil mit Gore-Tex/

ergonomisch, Schaumstoff

gelocht

Porentextil mit Gore-Tex/

Schaumstoff, Vorfuß gelocht

Mittel, ausgeprägte Ferse Schmaler, vorn mittel +

niedriger

Mittel, Volumen vorn niedrig,

Ferse weiter

schmaler, Ferse ausgeprägt Mittel, vorn breiter Mittel, vorn schmaler,

Volumen variabel

Nachziehösen ab Zehen,

Zugschlaufe, Zungenfi xierung,

Haken

Schnellschlaufen, Ösen,

Fixier-/Zughaken, Haken

Nachziehösen ab Zehen,

Fixierungsöse, Haken

Schnellschlaufen, Fixierungsschlaufe

+ Ösen

Nachziehschlaufen ab

Zehen, Fixierungsschlaufe,

Abschlusshaken

Nachziehösen ab Zehen,

Abschluss-/Fixierungsöse

Relativ steif, Vorfuß eher

weich

Steif, Vorfuß bei Volllast gut

biegsam

Steif, Vorfuß weicherer Knick relativ steif, Vorfuß weicher relativ steif, Vorfuß weich steif, Vorfuß weicher

Klassisch-alpin, leicht

schräg 5 mm, scharfer Absatz

6 mm, Reibungszone

Klassisch-alpin, leicht schräg

5 mm, scharfer Absatz 6 mm,

Reibungszone

Tropfnoppen 3 mm, Mulde

schwach, große seitliche

Reibungsfl äche

Klassisch-alpin 5 mm leicht

schräg, scharfer Absatz 6

mm, Reibungszone

Schleifennoppen 2–3 mm,

hinten 3–4 mm, scharfer

Absatz 9 mm, Reibungszone

Noppen/Kanten 3 mm, Profi

labsatz 5 mm, Reibungszonen

auch innen/hinten

Etwas Pro-/Supinationsschutz,

Zug-/Hängschlaufe

Geeignet für Kombi-Steigeisen,

gute Zug-/Hängschlaufe

Pronationsschutz Vorfuß, gute

Zug-/Hängschlaufe

2 gute Zug-/Hängschlaufen,

Ledermanschette

Gute Zugschlaufe + asymmetrische

Hängschlaufe

Refl ektoren, Option Volumeneinlage,

Zug-/Hängschlaufen

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Niedriger Allroundschuh mit

gutem Profi l; robust, kombiniert

Funktion und hohen

Komfort, super anpassbar,

gute Dreckabweisung, übermäßige

Sprengung reduziert

guten Absatzhalt, Einlage

vorn anfällig

Sehr bequemer Alpin-/

Hochtourenschuh; beweglich,

optimale Vorformung, gute

Dreckabweisung, Dämpfung

erstaunlich gut, etwas

schweißig, Knick überm

Vorfuß möglich, fällt etwas

kleiner aus, schwer

Mittelhoher Approach-Schuh

mit super Funktion; optimale

Vorfußanpassung, aber

nichts für gewölbte Füße,

kombiniert super Abrollen mit

gutem Seitenhalt, sehr gute

Reibung, aber mäßiges Profi l,

Einstieg mühsam

Ultraleichter Allrounder; recht

stabil und doch beweglich,

bequem, Schnürung unten

super schnell, oben Ein-/

Ausstieg mühsam, gutes

Bodengespür, aber mäßige

Dämpfung, zieht an der Ferse

Super bequemer Midschuh;

gutes Bodengespür, Einlage

gut schweißableitend, Profi l

hält gut bei Nässe + Abstieg,

Schnürung super anpassend,

Vorfuß schwammig, weniger

funktionell als die Männer-

Version!

sehr bequemer Schuh mit

super Anpassung; Volumen

variabel, gutes Bodengespür,

Reibungszonen zerschnitten

für besseren Griff, aber

mäßige Reibung, Profi labsatz

unvollständig, leicht

■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■ ■■■■■

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08⁄13 Bergsteiger 103


EXPERTEN-TIPP

»Im Vorfußbereich

sollte die Sohle den

nötigen Flex haben,

um richtigen Antritt

zu ermöglichen.«

Joseph Reichenberger

ist

Außendienstmitarbeiter

von Hanwag

und Erbauer

des Pidinger

Klettersteigs.

Bei Trittstangen tut man sich mit härteren Sohlen leichter.

Tipp 1 Schuhe mit niedrigem Schaft eignen

sich vor allem für Klettersteige mit einfachen

Zustiegen. Sie sind leicht und man ist mit

ihnen sportlich unterwegs und sie lassen ein

hohes Maß an Bewegungsfreiheit. Wer

Probleme mit den Gelenken hat, einen

schweren Rucksack trägt und/oder in

schwierigen Steigen unterwegs ist, sollte

besser einen hohen Schaft wählen, weil er den

Knöchel besser stabilisiert. Zudem schützt er in

losem Geröll vor Verletzungen.

Tipp 2 Vor allem im Zehen-, Fersen- und

Sohlenrandbereich ist Leder die bessere

Materialwahl. Es ist formstabiler und scheuert

nicht so schnell ab. Für ein textiles Obermaterial

spricht jedoch die Leichtigkeit und

Flexibilität beispielsweise im Laschenbereich.

Eine Kombination aus beiden Materialien –

eventuell mit einem Geröllschutz aus Gummi

– wird (fast) allen Ansprüchen gerecht.

Tipp 3 Im Vorfußbereich sollte die Sohle

den nötigen Flex haben, um auch in felsigen

und steilen Passagen den richtigen Antritt zu

ermöglichen. Ansonsten kommt es auch hier

auf die Bedingungen an. Eine weichere Sohle

gibt ein besseres Gefühl auf felsigem Grund.

Für eisige und schneereiche Steige ist ein

bedingt steigeisenfester Schuh von Vorteil –

da muss auch die Sohle steif genug sein.

Fußraum und Schnürung

Bei Klettersteigschuhen geht exakte Anpassung

vor Komfort, das heißt breitere Modelle

sind nur für breitere Füße geeignet

(Mammut, Damenvariante La Sportiva), und

für mittelbreite Füße tut es auch mal ein

schmalerer Schuh (vor allem Hanwag) –

sofern keine Zehen schmerzen. Vaude und

The North Face besitzen einen niedrigeren

Fußraum, bei Salewa lässt sich dessen Volumen

variieren. Für engere oder höherschaftige

Schuhe sind Zugschlaufen über

der Ferse sinnvoll, an denen man die Schuhe

auch an den Karabiner hängen kann.

Zwecks optimaler Kraftübertragung sollte

sich der Schuh durch eine vorzugsweise

bis zu den Zehen reichende Schnürung

fest um den Fuß schließen lassen (vor allem

Boreal und Salewa; Mid-Modelle Hanwag

und La Sportiva).

Hierbei hat sich bei sportlichen Schuhen

die nicht rückrutschende Ösen-Nachzieh-

schnürung aus dem Kletterschuhbereich

durchgesetzt. Mittelhohe oder höhere

Modelle besitzen am Schaft Haken (außer

Hanwag mit mühsamem Ein-/Ausstieg).

Zwischen Schaft und Vorfuß sollte sich

zum Andrücken der Ferse ein Tiefzughaken

befinden. Bei Alpinschuhen lässt

sich die Vorfußschnürung getrennt vom

Schaftbereich fixieren. Bei Hanwag und

Lowa lässt sich der gesamte Fußbereich in

einem effizienten Zug zuziehen.

Sohlenhärte und Profilsohle

Klettersteigschuhe sollten eine von der

Ferse bis zum Mittelfuß relativ steife Sohle

besitzen. Der vorn aufgebogene Vorfuß

sollte dagegen deutlich weicher sein und

ein möglichst gutes Bodengespür vermitteln

(dafür weniger Dämpfung im Abstieg),

und so einen gefühlvollen Antritt am Fels

ermöglichen. Trotzdem sollte der Schuh

seitlich relativ torsionssteif sein, um auch

Fotos: Bernd Ritschel, Andreas Strauß (5), privat

Tipp 4 Gute Reibung braucht man vor

allem, wenn man häufi g am Fels antreten

muss. Wenn ein Schuh vorne eine fl ache

Reibungszone ohne Profi l hat, kann man wie

im profi llosen Kletterschuh auch kleinere Tritte

nutzen oder gegen eine glatte Felswand

treten. Ein gutes Profi l ist vor allem auf

weichem Grund nötig, bei erdigen Aufstiegen

und Querungen oder bei Schnee.

Allround- gegen Kletter-Profil: Während La

Sportiva (li.) überwiegend profiliert ist und

einen Absatz besitzt, glänzt Aku großteils mit

raffinierter seitlicher Reibungsfläche sowie

Mulde (gut für Eisenkrampen).

Unterschiedliches Terrain: Der bedingt

steigeisenfeste The North Face (li.) ist für

Klettersteige mit schwierigem Hochgebirgsabstieg

konzipiert, während sich Millet eher

für schwierige Klettersteige eignet.

104 Bergsteiger 08⁄13


gut auf Leisten stehen zu können. Für

Klettersteige im hochalpinen Bereich sollte

auch der Vorfuß zum Einkanten steifer

sein und eine Fersenriefe für Steigeisen

mit Kombibindung besitzen (Meindl eher

robuster Trekkingschuh).

Für schwierigere Klettersteige mit unproblematischem

Zu- und Abstieg sind drei Millimeter

tiefe Approach-Profile mit großzügigen

Reibungsflächen optimal (z. B. Boreal

oder Aku), die ab Schwierigkeitsgrad C das

Klettern erheblich erleichtern.

Vielseitiger einsetzbar sind Schuhe mit

tieferem Profil (5 Millimeter) und kantigem

Profilabsatz, welches sich für alpine

Abstiege eignet. Es besitzt nur dort Rei-

bungsflächen, wo man sie häufig braucht

– nämlich an der Spitze und dem Innenballen.

Schneetauglich sind gröbere Hochtourenprofile

(Lowa und Mammut). Eine Mischung

der Profiltypen bietet der mittelhohe

Hyper Mid von La Sportiva (3 Millimeter +

Absatz).


Bis zu den Zehen: Typisch sind die Ösen von

Salewa (re.), bei denen man die Schnürsenkel

durch jedes Ösenpaar nachzieht, technisch

die in einem Zug bis zur Fixierungsöse

hochgezogenen Rollösen von Lowa.

Fest oder leicht: Das für Felsschuhe typische

Leder von Garmont (re.) ist abriebfest,

das anfälligere Grobtextil von Hanwag wird

durch hohen Gummirand und Lederrahmen

für die Schnellschnürung stabilisiert.

Wirksames Detail: Heck-Zugschlaufen

(Vaude bzw. Mammut) sollten zwei Fixpunkte

besitzen, damit man bequem den Finger

einstecken und diesen nach oben oder unten

zum An- bzw. Ausziehen bewegen kann.

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SERVICE

Treten Cumuluswolken

so vereinzelt auf wie

hier hinterm Gosaukamm,

ist kein Regen

zu befürchten.

Wetterkunde fürs Gebirge

Himmelsboten

Bei Tagestouren ist die

Sache klar: Wetterbericht

hören und bei Gewitterneigung

die Planung der

Tour überdenken. Bei

Mehrtagetouren sollte

man die Zeichen der

Natur zu deuten wissen.

Von Bettina Willmes

Ist ein Felsvorsprung tatsächlich ein guter

Unterschlupf, wenn es blitzt? Über

das richtige Verhalten bei Gewitter gibt

es nur allzu viele Weis- und Halbweisheiten.

Das Problem: Steckt man erst in einem,

ist keine Zeit mehr für Überlegungen. Dann

muss man handeln.

Doch meist tauchen der dichte Wald oder

die Hütte mit Blitzableiter gerade dann eben

nicht auf, wenn man sie als Unterschlupf

bräuchte. Daher ist es am sichersten, gar

nicht erst in ein Unwetter zu geraten. Wenn

man auf Wolken, Wind und Tiere um sich

herum achtet, ist das gar nicht so schwer.

Erster Anhaltspunkt sind die Wolken. Während

weiße Kumulus- oder Haufenwolken,

die sich vormittags bilden und spätnachmittags

wieder auflösen, für ein stabiles

Hoch stehen, sind von Westen kommende

Cirruswolken (siehe Bild S. 107) Boten

einer Wetterverschlechterung innerhalb

von 24 bis 48 Stunden. Dies gilt insbesondere

dann, wenn sie sich zunehmend verdichten.

In Verbindung mit Cirruswolken

sind häufig auch Halos zu beobachten. Die

bekanntesten Erscheinungen sind farblose

Lichtkränze um Sonne oder Mond sowie Nebensonnen.

Sie weisen darauf hin, dass die

Fotos: Andreas Strauß, picture alliance/Alaska Stock

Wetterweisheiten – altbekannt und bewährt

»Abendrot – Schönwetterbot;

Morgenrot – Schlechtwetter

droht«

»Regenbogen am Morgen,

des Hirten Sorgen«

»Cirren am Morgen –

Regen am Abend«

»Wenn die Sonne scheint

sehr bleich, ist die Luft an

Regen reich«

»Südwest – Regennest,

mit Ostwind schönes Wetter

beginnt«

»Starker Tau hält den Himmel

blau«

»Kreuzen sich die Winde,

ändert sich’s Wetter geschwinde«

»Beginnt der Tag nebelgrau,

auf gutes Wetter vertrau’«

»Je weißer die Schäfchen

am Himmel stehen,

desto länger bleibt das

Wetter schön«

»Ander Wind, ander Wetter«

106 Bergsteiger 08 ⁄13


Luftfeuchtigkeit zunimmt und das Wetter

sich verschlechtert.

Gemeinsam mit den Wolken sollte man

auch den Wind beobachten. Kommt er aus

Nordost bis Ost, verspricht das fast immer

gutes Wetter. Wind aus West bis Süd hingegen

lässt auf ein nahendes Tief schließen.

Zumindest in den Nordalpen ist Südwind

typisch für Föhn-Wetterlagen. Eine wirklich

sichere Aussage erhält man aber erst,

wenn man den Wind über längere Zeit beobachtet.

Grundsätzlich deutet jede Änderung

der Windrichtung auf einen Wetterwechsel

hin.

Kondensstreifen als Hilfsindikator

Befindet man sich bereits in einem Tief,

oder ist dieses im Anmarsch, kann die Querwindregel

hilfreich sein. Dafür muss man

die Richtung des Höhenwindes (erkennbar

an der Zugrichtung hoher Wolken) und des

Bodenwindes definieren. Steht man mit

dem Rücken zum Bodenwind, bedeuten

hohe Wolken von links, dass sich das Wetter

verschlechtert. Kommen sie von rechts,

befindet man sich bereits auf der Rückseite

des Tiefs – das Wetter wird besser. Bewegen

sich die Wolken in die gleiche Richtung wie

der Bodenwind, bessert sich das Wetter ebenfalls.

Kommen einem die Wolken entgegen,

bleibt das Wetter vorerst, wie es ist.

Auch Kondensstreifen von Flugzeugen sind

gute Wetterboten, da sie die Luftbewegungen

am Himmel visualisieren. Lösen sie sich

rasch auf, ist die Luft in der Höhe trocken,

die stabile Schönwetterlage bleibt erhalten.

Lösen sich die Streifen dagegen nur langsam

auf oder verbreitern sich noch, ist dies ein

sicheres Zeichen dafür, dass die Feuchtigkeit

INFO

Übersehen!

Sie sind trotz aller Anzeichen in

ein Gewitter geraten? Dann sollten Sie

folgende Regeln beherzigen:

• Meiden Sie Gipfel, Grate, hohe Geländepunkte,

Felsrinnen, Wasserläufe, alleinstehende

Felsbrocken, senkrechte Wände

und erdige Moosfl ächen. Halten Sie

einen Abstand von circa einem Meter

zu Felswänden ein.

• Befreien Sie sich von metallischen

Ausrüstungsgegenständen wie Pickel,

Stöcken, Karabiner.

• Eine Hütte ist nur dann sicher, wenn sie

einen Blitzableiter hat. Falls nicht, sollten

Sie sich in der Mitte des Raumes aufhalten,

ohne die Außenwände zu berühren.

Gleiches gilt für Zelte.

TIPP

Schnell weg!

Die Geschwindigkeit des Schalls beträgt

340 Meter pro Sekunde. Damit lässt

sich aus dem Zeitintervall zwischen dem

Aufl euchten des Blitzes und dem Einsetzen

des Donners die Entfernung des Blitzes

abschätzen.

Beispiel: Zwischen Blitz und Donner liegen

5 Sekunden => 5 x 340 m = 1700 m

Der Cirrus gehört zur höchsten Wolkengattung

und besteht nur aus Eiskristallen.

Kommen sie aus Südwest und verdichten

sich zunehmend, wird das Wetter schlecht.

zunimmt und sich das Wetter verschlechtert.

Alle weiteren Bilder wie wolkenförmige

oder ausfransende Streifen bedeuten meist

nichts Gutes. Ausnahme: Die Kondensstreifen

flocken nach unten hin aus oder verblassen

von Norden nach Süden.

Doch nicht nur am Himmel, auch am Boden

gibt es viele Indizien für die Wetterentwicklung.

Beispiel Spinnen: Je aktiver sie ihr Netz

spinnen, desto stabiler ist das Wetterhoch.

Spinnen können das Material für ihr Netz

nicht unendlich produzieren und sind somit

auf gutes Wetter angewiesen. Auch bei Bienen

deutet Aktivität auf stabil schönes Wetter

hin. Halten sie sich hingegen in der Nähe

ihres Stocks auf, steht schlechtes Wetter an.

Mücken, die in der Abendsonne spielen,

sind Anzeichen für einen beständigen Folgetag;

werden sie hingegen Mensch und Tier

lästig, muss man mit Regen rechnen. Rehe

wird man vor Regen oder Gewittern kaum

außerhalb des Waldes antreffen, Schafe und

Kühe weiden dann bevorzugt bergab. Selbst

Pflanzen reagieren. So lässt beispielsweise

Klee seine Blütenköpfe hängen.

Bei all diesen Indizien ist man allerdings darauf

angewiesen, ihnen tatsächlich zu begegnen.

Was man hingegen jederzeit befragen

kann, ist das Barometer – oft unterschätzt,

aber in der Regel zuverlässig. Fällt es, ist

schlechtes Wetter zu erwarten – je schneller

es fällt, desto ärger. Steigt es hingegen,

spricht das für anhaltend schönes Wetter. ◀

Das neue Highlight der

Alpinschuhe

Neuer, steigeisenfester Bergschuh

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SERVICE

SERIE: Stille Helfer

Stille

Helfer

+

Teil 5: Rettung aus dem Eis

EINE INITIATIVE VON

Mensch

sichere

dich!

108 Bergsteiger 08⁄13


Wer in einer Gletscherspalte steckt, möchte

meist so schnell wie möglich wieder raus.

Bei der Spaltenbergung kommt neben

viel Material auch die hohe Kunst der

alpinen Sicherungstechnik zum Einsatz.

Inzwischen gibt es sogar ein Gerät, das

einen Teil der Arbeit abnimmt.

Von Moritz Baumstieger

Fotos: Thomas Senf/Mammut, Bruckmann-Verlag; Grafi ken: Georg Sojer

Noch drei Schritte, natürlich kosten

sie Überwindung. Der Gletscher

sperrt sein hässliches Maul

auf, gibt den Blick in seinen Rachen

frei. Noch zwei Schritte.

Die Partner am Seil tun so, als ahnten sie

nichts. Noch ein Schritt. Für die Frage, warum

man sich freiwillig in eine Spalte stürzt,

ist es jetzt zu spät. Der Absprung. Ein kurzer

Moment des freien Falls, dann ein starker

Ruck, als sich das Seil strafft. Während von

oben etwas Schnee nachrieselt, zeigt sich,

dass das Maul des Gletschers gar nicht so

hässlich ist. Eisformationen in Blau, Türkis

und Weiß gibt es zu bestaunen. Die Kollegen

oben könnten sich eigentlich etwas

Zeit lassen, um ihren Mannschaftszug zu

organisieren oder die lose Rolle zu bauen.

Wenn heute Selbstrettung auf dem Übungsprogramm

steht, dürfen sie sich auf jeden

Fall ein wenig gedulden, bis das Reißen an

ihren Gurten nachlässt.

Kaum eine alpine Notlage kann so gut simuliert

werden wie ein Spaltensturz. Und

er sollte auch von Zeit zu Zeit geübt werden,

denn den Sturz eines Bergkameraden

zu halten, erfordert Kraft. Ihn – oder im

Falle der Selbstrettung: sich selbst – wieder

hinauszuziehen auch, zusätzlich aber

auch das Auf bauen von nicht ganz einfachen

Sicherungen. Wer schon auf dem Sofa

ins Grübeln kommt, wie noch einmal ein

gesteckter Prusik (siehe Abb. 1 und 2) funktioniert,

wird unter Stress Probleme haben.

Ob man nun freiwillig bei einer Übung oder

unfreiwillig bei einer Bergtour in die Spalte

geraten ist: Es gibt verschiedene Techniken,

sie wieder zu verlassen. Bei ihnen

kommen von einer einfachen Reepschnur

über neuartige Rücklaufsperren bis hin zu

topmodernen Spezialgeräten eine große

Bandbreite an Material zum Einsatz. Wer

das Ankergraben, Prusikfädeln und Bauen

von losen Rollen oder gar Flaschenzügen

beherrscht, darf sich schon fast Diplom-

Ingenieur des Alpinismus’ nennen.

Die Mannschaft zieht mit

Welche Rettungstechnik konkret zu wählen

ist, hängt von der Größe der Seilschaft

und den Verhältnissen ab. Wenn man in

einer großen Gruppe (ab vier, besser fünf

Personen) unterwegs ist und weder weitere

Spalten noch zu tiefer Sulzschnee ein

paar kräftige Schritte unmöglich machen,

ist der Mannschaftszug die einfachste und

damit beste Wahl. Die Seilschaft zieht den

Pechvogel mit vereinten Kräften und koordinierten

Kommandos aus der Spalte,

auf zusätzliche Sicherungen wird

verzichtet, das Körpergewicht

der »Obengebliebenen« reicht

hierfür aus. Der Seilpartner,

der dem Gestürzten am nächsten

ist, sollte sich mit einer

Prusikschlinge gesichert zum

Spaltenrand vortasten, so kann

er mit dem Gestürzten und den

restlichen Seilpartnern kommunizieren.

Es ist schon vorgekommen,

dass sich beim Sturz Unversehrte

an der Wirbelsäule verletzt haben,

weil die Helfer auch noch

kräftig am Seil zogen, als der

Gestürzte unter der Wächte am

Spaltenrand festgeklemmt war.

Wenn nicht zufällig ein Großmeister

im Tauziehen mit von

der Partie ist, werden jedoch die meisten

Viererseilschaften und sicher alle Dreierseilschaften

Schwierigkeiten mit dem

Mannschaftszug haben. Um den Gestürzten

aus seiner Spalte zu befreien, wird

nun auf physikalische Prinzipien (das des

Flaschenzuges), Ausrüstung und alpine Sicherungstechniken

zurückgegriffen. Um

handlungsfähig zu werden, muss sich die

Seilschaft zunächst des Gewichts des Gestürzten

entledigen und das Seil fixieren. Ist

man auf Blankeis unterwegs, können zwei

Eisschrauben gesetzt werden, ansonsten

ist das Vergraben eines Ankers notwendig

(siehe BERGSTEIGER 7/2013). Während die

hinteren Seilschaftspartner das Gewicht

des Gestürzten halten, vergräbt der

Abb. 1 und 2:

Der Prusikknoten

sollte für die Gletscherbergung

sowohl

gesteckt (oben) als

auch gelegt (links)

beinahe blind beherrscht

werden.

08 ⁄13 Bergsteiger 109


der Spalte am nächsten Stehende Pickel,

Ski oder zur Not auch den Rucksack quer

zur Belastungsrichtung. Zirka 50 Zentimeter

tief, dann klopft er den Schnee über

und um die Stelle fest. Das Band oder die

Reepschnur, die um den Anker gelegt wurde,

muss so nach vorne geleitet werden,

Abhängen am Spaltenrand

macht auf

Dauer nicht einmal

in Übungssituationen

Spaß.

dass der Anker bei Belastung nicht nach

oben aus dem Schnee gezogen wird.

Der Fixpunkt ist fertig, das Seil mit einer

zum Prusik geknüpften kurzen Reepschnur

und einem Schraubkarabiner an ihm befestigt

(siehe auch Abb. 3). Während der

mittlere Partner den Anker zusätzlich mit

seinem Gewicht beschwert, knüpft der

Hintermann nun eine drei Meter lange

Reepschnur mit einem Prusikknoten um

den Teil des Seiles, auf dem keine Belastung

ist. Mit dem einen Ende sichert er sich

selbst, das andere wird gleich als Rücklaufsperre

für die Konstruktion der losen Rolle

benötigt. Wahlweise (wie in Abb. 3) kann

die Reepschnur auch mit einem Sackstich

abgebunden werden und die Rücklaufsperre

mit einer weiteren Reepschnur geknüpft

werden. Der Hintermann geht nun vorsichtig

zum Spaltenrand, klinkt einen Karabiner

in das lose (und hoffentlich knotenfreie)

Restseil und lässt diesen zum Gestürzten hinunter.

Wenn der den Karabiner in seinen

Gurt einhängen konnte, sichert der Partner

am Spaltenrand das Seilende am zweiten

Ende der Reepschnur mit einem gesteckten

Prusik – oder eben mit einer weiteren

Reepschnur. Jetzt kann gezogen werden –

ein unter das Seil gelegter Pickel verhindert,

dass es sich in Schnee oder Eis einfräst.

Im Stil des Lügenbarons

Manchmal ist der Gestürzte beim Verlassen

der Spalte jedoch auf sich selbst angewiesen:

weil seine Seilschaftspartner oben

Probleme haben, weil er vielleicht nur in

einer Zweierseilschaft unterwegs ist und

der Partner schon genug damit zu tun hat,

die Belastung zu halten. In diesem Fall legt

man eine armlange Prusikschlinge (in Abb.

4 gelb dargestellt) an das Seil über sich, knotet

sie mit einem Sackstich nach einigen

Fotos: Tobias Bach, Mammut, Thomas Senf/Mammut, privat; Grafi ken: Georg Sojer

INFO

Rettung in Sicht

Das Gerät RescYou

wurde von der

Firma Mammut

zusammen mit einem privaten

Tüftler für den Bergungseinsatz

bei einem Spaltensturz entwickelt. Es

lässt sich bei der Fremd- wie auch der

Selbstrettung einsetzen. Nach dem Abbremsen

eines Spaltensturzes wird das Gerät am

Klettergurt (Selbstrettung) oder am Fixpunkt

(Fremdrettung) per Karabiner eingehängt.

Anschließend werden die beiden Seilklemmen

am Partieseil eingehängt und der

kompakte 6-fache Flaschenzug, welcher

die beiden Seilklemmen verbindet, betätigt.

Komplizierte Installationen und Manöver bei

einer Spaltenbergung werden somit ersetzt.

Eine detaillierte Bedienungsanleitung fi ndet

sich auf www.mammut.ch.

Abbildung 3: Lose Rolle

Die lose Rolle ist in kleineren Seilschaften

die einfachste Form der Gletscherbergung.

Auch sie verlangt jedoch einiges an Material

– und die richtige Technik.

110 Bergsteiger 08⁄13


Taglingers Tipp:

Vorsprung

durch Technik

Abbildung 4: Selbstrettung

Prusiken, Trittschlaufe abbauen

und Gardaschlinge erstellen.

Klingt kompliziert. Ist es auch.

Zentimetern ab (wird später zum Einhängen

eines Karabiners benötigt) und hängt

sich ein. Eine zweite Prusikschlinge dient

als Trittschlaufe (in Abb. 4 rot dargestellt), je

kürzer sie ist, desto schneller lässt sich Höhe

gewinnen. Wenn man nun in der Trittschlaufe

aufsteht, ist der Sicherungsprusik

entlastet und lässt sich nach oben schieben.

Anschließend wird die Trittschlaufe nachgeholt

und das Ganze beginnt von vorne

(siehe Abb. 4, links und Mitte).

Schwierig wird es nur, wenn das Seil sich zu

tief in den Spaltenrand gefräst hat – dann

braucht es eine Technik, die manchmal

nach dem berühmten Lügenbaron Münchhausen

benannt ist. Der war bekanntlich

in der Lage, sich selbst an der Haaren aus

dem Sumpf zu ziehen. So etwas ähnliches

klappt, wenn man unter dem Spaltenrand

einen kleinen Umbau vornimmt: Die Trittschling

wird abgebaut. Das Schlappseil unterhalb

der armlangen Sicherungs-Prusikschlinge

wird durch eine Rücklaufsperre

am Gurt (Plate, T-Bloc, Ropeman oder Garda-Schlinge

wie in Abb. 4, ganz rechts) gefädelt,

dann in jenen Karabiner eingehängt,

der oben in der Sicherungs-Prusikschlinge

angebracht ist. Dadurch entsteht ein Flaschenzug

– mit dem man sich Schritt für

Schritt nach oben ziehen – ober besser:

kämpfen und wuchten – kann.

Klingt kompliziert – und ist es auch. Der

Schweizer Hersteller Mammut hat deshalb

ein Gerät entwickelt, in dem zwei Seilklemmen

durch einen sechsfachen Flaschenzug

verbunden sind (siehe Kasten S. 110).

Zwar erfordert auch die Benutzung von

»RescYou« Übung, mit ihm sollte es aber

jedem möglich sein, eine Spalte schnell zu

verlassen.

Neben Rettungstechnik und Ausrüstungs-

Innovationen gibt es manchmal auch eine

ganz einfache Art, wieder ans Tageslicht

zu kommen. Besonders am Gletscherrand

führen zuweilen Rampen aus dem

Eis nach oben. So mancher, der sich den

Höllenschlund des Gletschers nach seiner

Rettung noch einmal genauer angeschaut

hat, musste feststellen, dass sich die ganze

Seilschaft Stress und Anstrengung hätte

sparen können. Hätten sie ihn einfach noch

ein paar Meter hinuntergelassen – der Gestürzte

wäre einfach hinaus spaziert. ◀

Das neue System

RescYou eignet sich

für die Fremd- und

die Selbstrettung.

»Es gibt viele Arten, wieder aus einer Spalte

herauszukommen, darunter so ausgefuchste

wie die ›Münchhausen-Technik‹. Aber ganz

ehrlich: Das ist eher etwas für Geübte. Schon

vier Wochen nach dem Eiskurs haben die

meisten Gelegenheits-Hochtourengeher die

Details vergessen. Ich empfehle daher, sich

auf die einfacheren Techniken wie Selbstrettung

und lose Rolle zu konzentrieren und sie

ab und zu aufzufrischen. Die Selbstrettung

mit Prusikschlinge kann man an vielen Orten

üben, im Treppenhaus, am Balkon – das

macht sogar Spaß. Normalerweise ist die Prusikschlinge,

an der das Körpergewicht hängt,

etwa armlang. Mein Spezialtrick ist, schon

beim Legen des Prusik nach zehn bis 15 Zentimetern

einen zusätzlichen Knoten zu machen.

In den kann man sich einhängen, wenn

man am Spaltenrand angekommen ist und

es Probleme gibt, weil sich das Seil in den

Schnee gefräst hat. So hängt man näher am

Seil und hat den Körperschwerpunkt enger an

der Wand. Wenn man sich nun mit den Beinen

gegen das Eis stemmt, kann man es schaffen,

das Seil aus der Furche zu bekommen, die

Münchhausen-Technik ist dann überfl üssig.

Außerdem hilft ein naher Körperschwerpunkt,

wenn man sich abschließend mit Gewalt

durch die Schneewächte gräbt.«

Reiner Taglinger, Jahrgang 69, ist Leiter der

Mammut Alpine School, Vorstand Ausbildung

des deutschen Bergführerverbandes und

Profi bergführer seit mehr als 20 Jahren.

08 ⁄13 Bergsteiger 111


EVENT

Großes Saisonfinale von

Der Herbst

wird steil

Der perfekte Ausklang für

den Sommer 2013:

Beim Saisonfinale in Arco am

Gardasee vom 28. September

bis 1. Oktober geht es um

Felsen statt ums Faulenzen.

Die Bergführer der Mammut

Alpine School zeigen Ihnen,

worauf es ankommt.

+

DAS SAISON-FINALE

Termin: Los geht’s am 28. September um

17 Uhr am Hotel Garden in Arco am Gardasee.

Das genaue Programm wird je nach Leistungsstand

und Wünschen der Teilnehmer vor Ort

abgestimmt. Es endet am 1. Oktober, 15 Uhr.

Teilnehmer: 15–30 Personen

Leistungen

▪ Betreuung durch die Bergführer der MAMMUT

Alpine School

▪ ein Alpine-School-T-Shirt (im Wert von 30,– €)

▪ wahlweise Smart-Sicherungsgerät und Element

Smart HMS-Karabiner oder

MAMMUT Alpine Underwear All Year (beides im

Wert von 50,– €)

▪ umfangreiche Testausrüstung (Schuhe, Softshelljacken,

Hosen, Rucksack, Klettergurt,

Helm, Klettersteigset, Klemmgeräte, Seile usw.)

Variante A

▪ drei Übernachtungen inkl. Frühstück im

Hotel Garden in Arco

Preis: 399,– €

Variante B

▪ drei Übernachtungen auf dem

Campingplatz Arco

Preis: 299,– €

Hatten Sie als Bergwanderer schon

immer das Verlangen, auch einmal

die Vertikale kennenzulernen?

Waren Ihnen Klettersteige ohne

professionelle Anleitung zu wenig vertrauenswürdig?

Juckt es Sie beim Anblick eines

Felsens stets in den Fingern? Dann haben

Sie Glück. Der BERGSTEIGER und die Mammut

Alpine School veranstalten am letzten

September-Wochenende in Arco am

Gardasee das große Saisonfinale. Lernen

Sie jede Menge Tipps und Tricks von den

Profi-Bergführern der Alpine School. Verbringen

Sie einige Tage mit Gleichgesinnten

am Fels und nutzen Sie im Mammut-

Testcenter die Möglichkeit, die neuesten

Ausrüstungsgegenstände einem ganz

persönlichen Härtetest zu un terziehen

– nämlich beim Einsatz am Berg.

Je nach Leistungsstand werden beim

Kletter steiggehen auch knifflige Probleme

wie am Mori-Klettersteig angegangen oder

beim Sportklettern Mehrseillängenrouten

versucht. So kommen Neulinge wie Fortgeschrittene

auf Ihre Kosten. Die Devise am Fels

lautet: lernen statt warten. Lust statt Frust.

Neugierig geworden? Dann melden Sie sich

an. Sie können urig auf dem Camping Arco

direkt unter den Steilwänden des Colodri

zelten oder im Bergsteiger-Hotel Garden

unweit des Campingplatzes übernachten.

Details zu Programmablauf und Angeboten

finden Sie unter www.bergsteiger.de

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Foto: Markus Brand/Mammut

112 Bergsteiger 08 ⁄13


Glaubt man den Herstellern,

ist so gut wie jedes Produkt

grandios. Doch stimmt das

wirklich? Die Redaktion

schildert ihre Eindrücke.

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verstellbaren Beinschlaufen zum Sportklettern

und Bergsteigen. Die 3D-Vent-Technologie sorgt

durch dreidimensionale Formgebung für

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Kraftverteilung und maximale Luftdurchlässigkeit.

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Das sagen wir: Tatsächlich kann man in diesem

Gurt ohne weiteres auch mal etwas länger hängen,

ohne dass er einschneidet. Für Komfort sorgen

auch die Materialschlaufen, die nach außen

gebogen sind, wodurch man Karabiner leichter

einhängen kann. Die Bändel lassen sich schnell

und einfach in dezenten Haltern verstauen.

Sitz-/Tragekomfort

Luftdurchlässigkeit

Preis/Leistung

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Fotos: Hersteller, Andreas Strauß

Vaude Rucksack

Bulin

Das sagt der

Hersteller: Robuster und

wasserresistenter

einschnalliger Deckelrucksack für Alpin- und

Hochtouren. CO 2

-neutral am Vaude-Hauptsitz

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geripptem Flexrücken, PU-Deckel/Boden verschweißt,

Eisbeile-/Stöcke-Halterung, Seilhalter,

2 Paar Kompressionsriemen, Deckel, Rücken- und

Wertfach, RV-Fronteingriff, abnehmbare Hüftfl ossen

Gewicht: 1200 g (30+ L) Größen: 30 l, 40 l

Preis: 200 € (30 l), 220 € (40 l)

Info: www.vaude.com

Das sagen wir: Der Rucksackrücken ist beim

Gehen super luftig und liegt beim Kraxeln fest an

– teilweise sogar etwas zu hart auf dem Kreuz. Die

Tragegurte sind auch für Große optimal

konfi guriert. Das Deckelfach könnte größer sein.

Funktionalität

Wetterschutz

Preis/Leistung

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Chiba Klettersteig-Handschuhe

Via Ferrata

Das sagt der Hersteller:

Klettersteighandschuh aus elastischen

Oberhandmaterialien für beste Belüftung. Die

Knöchel sind durch Neopren geschützt, der

Daumenbereich ist verstärkt. Für einen sicheren

Griff ist die Innenhand mit einem robusten

Silikon-Aufdruck versehen.

Farbe: schwarz-grün Preis: 24,90 €

Größen: XS–XXL Info: www.chiba.de

Das sagen wir: Durchdachter Handschuh, der

auch dann angenehm zu tragen ist, wenn es mal

etwas wärmer wird. Praktisch sind vor allem die

Quick-Pull-Ausziehhilfe und der Daumenbereich

aus Frottee, mit dem man sich den Schweiß aus

dem Gesicht wischen kann.

Tragekomfort

Belüftung

Preis/Leistung

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Bergans

3-Lagen-Jacke

Dynamic Neo Jacket

Das sagt der Hersteller:

3-Lagen-Hardshell, die dank der

neuen Dermizax NX Membran

neue Maßstäbe in Sachen

Atmungsaktivität schafft.

Farben: dunkelblau, pink, schwarz, rot, lila,

mittelblau (Damen); schwarz, dunkelblau, rot,

grün, orange, mittelblau (Herren) Preis: 440 €

Größen: XS–XL (Damen; schwarz auch XXL);

S–XXL (Herren; schwarz auch XXXL) Gewicht:

635 g (Damen, Gr. M) Info: www.bergans.de

Das sagen wir: Die Jacke ist dank 4-Wege-

Stretch deutlich weicher und anschmieg samer als

eine gewöhnliche 3-Lagen-Jacke. Allerdings ist sie

auch verhältnismäßig schwer. Die Kapuze lässt

sich sehr fl exibel einstellen. Und selbst bei Touren

im Starkregen-Monat Mai ging kein Wasser durch.

Tragekomfort ■■■■■

Atmungsaktivität ■■■■■

Preis/Leistung ■■■■■


08⁄13 Bergsteiger 113


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08 ⁄13 Bergsteiger 115


AUF TOUR

Serie: Die Paten

Teil 2:

Eine Frage

der Ehre

Der zweite Teil der BERGSTEIGER-Serie stellt Gipfel

der Westalpen vor, die nach Persönlichkeiten benannt wurden.

Manchmal werden Bergnamen sogar zum Politikum.

Von Folkert Lenz

116 Bergsteiger 08 ⁄13


Die Dufourspitze in der Monte-

Rosa-Gruppe zwischen Gorner- (links)

und Grenzgletscher (rechts)

Benennung eines Gipfels

nach einer verdienten

Persönlichkeit, die

keinen Bezug zum Gipfel

hat, ist ein Frevel.« »Die

Deutliche Worte vom langjährigen Ober-

Kartografen des Österreichischen Alpenvereins,

Herbert Schirmer. Der ist zwar vor

drei Jahren gestorben, seine Aussage aber

nicht weniger aktuell in einer Zeit, in der

Firmen, Politiker oder Verbände mit eigenen

Kreationen bei der Berg-Nomenklatur

Pate stehen. Und das ist wahrlich kein Phänomen

der Neuzeit.

Doch wie kamen Spitz, Kogel, Flue oder

Horn eigentlich zu ihren Namen? Meist waren

es Einheimische, die Vokabeln für die

umgebende Bergwelt brauchten. Und da lag

es nahe, die Klapfen oder Zinnen nach Aussehen,

Farbe oder Eigenheiten einzuordnen.

Schwarzkögel, Weißensteine und Rothörner

sind dabei alpenweit so dutzendfach hervorgekommen

wie Sonnenspitzen oder Schattwände.

Und dem Hirten oder Älpler diente

natürlich die XXL-Sonnenuhr umliegender

Felszacken zur zeitlichen Orientierung im

Tageslauf: Zehner, Elfer, Zwölfer eben.

Persönlichkeiten als Vorlage für Gipfelnamen?

Das galt bestenfalls in der Sturm- und

Drangzeit des Alpinismus als schick. »Erstbesteiger

haben das inoffizielle Recht, den

Berg zu benennen, den sie erstbestiegen

haben«, erklärt Johannes Fischer, Chef der

Foto: Folkert Lenz

Kartografie Beim Deutschen Alpenverein.

Klar also, dass sich vor allem im 19. Jahrhundert

manch tollkühner Bergbezwinger

ein Denkmal setzte. Ob Niklaus- (Engelhörner)

oder Zumsteinspitze (Wallis): Hier standen

die als Paten bereit, die ihren Fuß als

Erste auf jenen Höhen platzierten (Niklaus

Kohler, Joseph Zumstein). Anders schon bei

Grohmann- (Langkofelgruppe) oder Simonyspitzen

(Venedigergruppe): OeAV-Gründer

Paul Grohmann und der Alpingeograf

Friedrich Simony waren nur Namensgeber

ehrenhalber – vorgeschlagen von Dritten.

Die verbale Inbesitznahme spielte sich

auch in anderen Gebirgen der Welt ab: Der

Mount Everest kam erst spät zu seinem

heute gebräuchlichen Namen, der an den

britischen Geodäten Sir George Everest erinnert.

Die Nepalesen bezeichnen den höchsten

Berg der Welt weiter als Sagarmatha,

die Tibeter und Chinesen als Qomalangma.

Ähnlich in Alaska: Reden auch Bergsteiger

mittlerweile wieder vom Denali, so führte

die höchste Erhebung Nordamerikas mehr

als zehn Dekaden den amerikanischen Präsidenten

McKinley im Titel. Und der afrikanische

Kilimanjaro musste eine Zeitlang als

Kaiser-Wilhelm-Spitze durchgehen.

Gelegentlich werden Gipfelnamen menschlicher

Provenienz zum Politikum. Der DAV

Berlin schlägt sich derzeit mit den Schatten

brauner Vergangenheit in seinem Arbeitsgebiet

herum. Die Dahmann- und die Ehrichspitze

im hintersten Ötztal sind noch in

den Landkarten eingetragen. Dabei gelten

die beiden Namensgeber als »gleichgesinnte

Mitstreiter« des Juden- und Ausländerhassers

Waldemar Titzenthaler, der ab 1922

Vorsitzender der früheren Berliner Alpenvereinssektion

Mark Brandenburg war.

Auch die Schweizer haben mit der Agassizspitze,

benannt nach dem Naturforscher

und Rassentheoretiker Louis Agassiz, eine

Altlast (siehe S. 119).

Als nominale Machtergreifung der Neuzeit

darf wohl der Vorstoß gewertet werden,

den Mullwitzkopf in der österreichischen

Venedigergruppe zur Wiesbauerspitze zu

machen. 2007 stimmte der Gemeinderat

Prägraten der Begehrlichkeit eines Wiener

Wurstfabrikanten auf den grasigen Buckel

zu. Mit der Entscheidung ist der Willkür bei

der Namensvergabe Tür und Tor geöffnet.

Sind Berge nun käuflich?

Dann wird man sich wohl darauf einrichten

müssen, künftig auf einen Red-Bull-Kofel,

ein Toyota-Horn oder eine Heidi-Klum-Höhe

zu treffen.

Der nächste Teil über die Hüttenpaten in den

Südalpen erscheint in der Oktober-Ausgabe.

08 ⁄13 Bergsteiger 117


Nr. 1 Pointe Walker/Grandes Jorasses (4208 m)

Mont-Blanc-Massiv

Nr. 2 Ulrichshorn (3925 m)

Wenn ein Ausländer Namensgeber

für eine bedeutende Bergspitze

werden darf, dann muss er schon

etwas Besonderes geleistet haben – zum

Beispiel als Erster auf einem Gipfel stehen.

Unter seine zahlreichen Erstbesteigungen

konnte der Londoner Alpinist Horace Walker

(1838–1908) auch die Grandes Jorasses

(auf dem Bild im Hintergrund) einreihen.

Als 30-Jähriger erreichte Walker mit

drei Gefährten über die Südwestflanke

den höchsten Punkt des mehrgipfligen

Berges. Den berüchtigten Walkerpfeiler

knackten übrigens andere: erst 1938, also

70 Jahre später.

Walliser Alpen

Nr. 3 Dufourspitze

Welch ein Glück für die Schweizer,

dass sie sich das Monte-Rosa-

Massiv zwar mit den Italienern

teilen müssen, der höchste Punkt aber etwa

150 Meter von der Grenze entfernt auf

helvetischer Seite liegt. 1863 benannten

sie das Gornerhorn in Dufourspitze um.

Damit ehrten sie den Schweizer General

Guillaume-Henri Dufour (1787–1875)

noch zu Lebzeiten für dessen kartografische

Leistungen. Unter seiner Leitung ent-

Nr. 4 Vincent-Pyramide

(4215 m) Walliser Alpen

Der Gipfel in der Mischabelgruppe ist

nach Melchior Ulrich (1802–1893)

benannt. Ulrich hat sich als einer

der 35 Mitbegründer des Schweizerischen

Alpen-Clubs (SAC) im Jahr 1863 einen

Namen gemacht. Von 1867 bis 1869 war

er Vorsitzender des SAC. Der zeitweilige

Chef der Zürcher Sparkasse war aber auch

draußen aktiv: zum Beispiel als Erstbegeher

der Guppenwand am Vrenelisgärtli

(2904 m, Glarner Alpen). Auch die Drittbesteigung

des Tödi (3614 m, Glarner Alpen)

gemeinsam mit dem Berner Alpinpionier

Gottlieb Samuel Studer geht auf Ulrichs

Konto. Wie viele Akademiker seiner Zeit

veröffentlichte Ulrich seine Berg-Erlebnisse

unter Naturforschungsaspekten in

mehreren Büchern. Das Walliser Ulrichshorn

wurde 1848 erstmals bestiegen –

auch da war Ulrich selbst dabei.

Als der Nachbargipfel vom Monte

Rosa 1819 das erste Mal von Menschen

angesteuert wurde, ging es

nicht um sportliche Meriten, sondern um

wahrlich Profanes: Der Goldsucher und

Besitzer entsprechender Minen im nahen

Alagna Johann Nikolaus Vincent hoffte,

auch in größeren Höhen Edelmetall zu

entdecken. So soll er sich mit dem Jäger

Jacques Castel und zwei seiner Bergbauarbeiter

am 5. August ans Seil gebunden

haben. Ob er Gold am italienischen Gipfel

fand? Wenigstens wurde Vincent die Ehre

zuteil, dass der Berg seitdem den Namen

des Erstbesteigers trägt, nämlich seinen.

118 Bergsteiger 08 ⁄13


(4634 m) Walliser Alpen

stand die so genannte Dufourkarte, die die

Schweiz erstmals im Maßstab 1:100 000

abbildete. Weil Dufour auch zu den fünf

Gründungsvätern des Internationalen Komitees

vom Roten Kreuz gehörte, er bei der

Bildung des Schweizer Bundesstaates 1848

mitwirkte und außerdem als Erfinder des

Wappens mit weißem Kreuz auf rotem

Grund gilt, darf Dufour als bedeutender

Schweizer angesehen werden. Gründe genug,

ihm den höchsten Punkt zu widmen.

Nr. 6 Gertrudspitze/Engelhörner (2632m)

Berner Alpen

Gleiches Recht für alle: Wer als Erste

oben steht, darf dem Gipfel eine

Bezeichnung verpassen. Warum

sich die Britin Gertrude Bell (1868–1926)

aber für ihren Vor- und nicht den Nachnamen

entschied? Nun rufen neuzeitliche

Jung-Kletterer den Kalkberg an den

Engelhörnern schlicht »Trudi«. Allemal

stand die Industriellentochter für ein

unkonventionelles Frauenleben zu ihrer

Zeit: Forschungsreisende, Archäologin,

Alpinistin und Agentin des Secret Intelligence

Service. Ihre wohl größten Coups

neben der Erstbegehung des Grates zwischen

Lauteraarhorn und Schreckhorn

sowie einem kühnen Versuch in der Ostwand

des Finsteraarhorns: Sie plante die

Grenzen des neuen Königreichs Irak und

gründete das Archäologische Museum in

Bagdad.


Fotos: Ralf Gantzhorn (2), Bernd Ritschel (2), Haslital Tourismus, Zermatt Tourismus

Nr.5 Agassizhorn

(3946 m) Berner Alpen

Zu seiner Zeit war Louis Agassiz

(1807–1873) vornehmlich als Gletscherkundler

bekannt, der die Theorie

der Eiszeiten voranbrachte. Weniger

bekannt war, dass der gebürtige Westschweizer

nach seiner Emigration in die

USA Rassentheorien entwickelte. Demnach

gebe es höherwertige und niedere

menschliche Rassen. Vor sechs Jahren versuchten

2600 Menschen mittels Petition

den Schweizer Bundesrat davon zu überzeugen,

das Agassizhorn umzutaufen.

Doch der Bundesrat wollte dem Begehren

genauso wenig folgen wie die Gemeinden

Guttannen, Grindelwald und Fieschertal.

KOMPAKT

Zwischen Berner Alpen und Mont Blanc

1 Pointe Walker (4208 m),

Grandes Jorasses

Ein Klassiker: wild, aber elegant.

Der Allround-Hochtourist ist

hier schon beim Normalanstieg

gefragt (ZS–).

2 Ulrichshorn (3925 m),

Walliser Alpen

Wird häufi g als Zusatzgipfel angehängt,

wenn man sowieso das

nahe Nadelhorn

(WS) anpeilt.

3 Dufourspitze (4634 m),

Walliser Alpen

Höher geht es nicht in der

Schweiz. Unten langer Gletscherhatsch,

später nicht ganz

anspruchslose Kletterei am

Gipfelgrat (Normalweg WS+).

4 Vincent-Pyramide

(4215 m), Walliser Alpen

Immerhin eine selbständige

Erhebung im Viertausender-

Meer des Monte-

Rosa-Massivs

(WS).

Tourenkarte 12

Heftmitte

Tourenkarte 11

Heftmitte

5 Agassizhorn (3946 m),

Berner Alpen

Der »kleine Bruder« des berühmten

Finsteraarhorns (der

markante Berg links im Bild).

Normalweg vom Agassizjoch

(WS–). Eis-Experten arbeiten

sich durch die Westfl anke.

6 Gertrudspitze

(2632 m), Engelhörner,

Berner Alpen

Kletterer bezeichnen die Engelhörner

gern als »Dolomiten der

Schweiz«. Auch die Besteigung

der Gertrudspitze ist versierten

Fels-Spezialisten vorbehalten.

08 ⁄13 Bergsteiger 119


LESERBRIEFE/IMPRESSUM

GRASSLS TIPPS

Toni Grassl ist staatlich geprüfter

Berg- und Skiführer

und Inhaber der Eventagentur

grassl-eps. Exklusiv für

den BERGSTEIGER gibt er

Tipps rund ums Bergsteigen.

In dieser Ausgabe geht es

darum, was einen guten

Bergläufer ausmacht.

»Eine gute Lungenfasskraft,

ein starkes Herz, hervorragende

Kondition und psychische

Belastbarkeit sind

Grundvoraussetzung für einen

guten Bergläufer – man

muss sich quälen können.

Berglauftrainings machen

erst Sinn, wenn schon eine

gute Grundlagenausdauer

vorhanden ist, beispielsweise

drei bis vier Trainingseinheiten

die Woche.

BERGSTEIGER

Juli 2013

Nur sechs Gipfel

Betrifft: Die glorreichen Sieben

»Seven Summits der Alpenländer«

ist ein klassischer Misnomer,

denn es sind zwar, wenn

man Monaco ausklammert, tatsächlich

sieben Alpenstaaten,

aber nur sechs Gipfel. Der

höchste Berg Italiens heißt

Monte Bianco (alias Mont

Blanc), und mit seiner Besteigung

packt man sich gleich

zwei der sieben Trophäen ins

Ein ruhiges Anfangstempo

auf den ersten Kilometern

verhindert das zu schnelle

Ansteigen des Pulses, und der

Körper gewöhnt sich an den

Laufschritt. Durch die etwas

andere Körperhaltung werden

die Muskelgruppen geschult,

die beim Laufen in der

Ebene eher vernachlässigt

werden: Gesäßmuskulatur,

vordere Oberschenkel- und

Rückenmuskultur. Durch

den stärkeren Fußabdruck

und die größere Beugung im

Fußgelenk wirkt eine stärkere

Belastung auf Wadenmuskel

und die Achillessehne.

Am besten wählt man Schuhe

mit einem guten Profil – gerade

bei steilen Passagen kann

ein Ausrutschen fatal sein.

Außerdem sollten die Laufschuhe

möglichst leicht sein,

denn vor allem bei den letzten

Metern spürt man jedes

Gramm in den Muskeln. Vorsicht

gilt beim Bergablaufen,

da der Stütz- und Bewegungsapparat

mehr belastet wird.

Am besten langsam und kontrolliert

laufen, um die Aufprallkräfte

zu minimieren

und die Knie zu schonen.«

Täschchen. Signore Bianco hat

satte 750 Höhenmeter mehr auf

dem runden Buckel als der Gran

Paradiso, der also unmöglich

Italiens Highpoint sein kann.

Ihm steht ohne Zweifel ein anderes

Superlativ zu – nämlich

das des höchsten Berges, der

sich zur Gänze auf italienischem

Territorium befindet –,

aber das ist für diese Seven-Summits-Liste

nicht das entscheidende

Kriterium. Sonst hätten

Zugspitze, Dufourspitze und

Grauspitz auf ihr nämlich nix

zu suchen. Als Grenzberge sind

sie ebenfalls nicht »reinrassig«.

Bevor Sie es mir vorhalten: Oui,

es trifft zu, daß Franzosen »ihrem«

Höchsten diese doppelte

Staatsbürgerschaft absprechen.

Diese einseitige Parteinahme ist

der Kern des Problems. Sie unterstellt

der französischen »Version«

eine Allgemeingültigkeit,

die sie in Wahrheit nicht hat.

Mit freundlichen Grüßen

Olli Klemm, per Mail

BERGSTEIGER

Juni 2013

Faszinierende Reportage

Betrifft: Heiligenkult San Besso

Lieber Herr Bätzing,

lieber Herr Ruhland,

die Reportage über San Besso im

BERGSTEIGER hat mich fasziniert!

Vielen Dank dafür! Wenn

es so klappt, wie ich es mir vorstelle,

kann ich dieses Jahr an

dem Festtag dort am Santuario

mit teilnehmen – und dann weiter

gen Monviso ziehen.

Alles sehr interessant!

Viele Grüße,

Gotlind Blechschmidt

BERGSTEIGER

Juli 2013

Einiges dazugelernt

Betrifft: Quinten am Walensee

Liebe Redaktion!

Kompliment: Ein toller, gut recherchierter

Artikel. Ich befasse

mich schon eine Weile mit

Quinten und der Heidiland-Region.

Durch Ihren Artikel konnte

ich dennoch noch einiges dazulernen.

Merci!

Mein persönliches Kompliment

auch für Ihr gesamtes Magazin.

Die Themenwahl, die Bilder und

vor allem die Tipps und Routen

gefallen mir sehr. Ich werde mir

wohl in Zukunft öfters mal eine

Ausgabe am Kiosk kaufen.

Herzliche Grüße,

Tabitha Forrer, per Mail

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08/13 | 80. Jahrgang

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Repro ludwig:media, Zell am See

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ISSN 1435–8905 • 1681

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GmbH. Geschäftsführender Gesellschafter:

Clemens Schüssler

Verantwort lich für den redak tionellen Inhalt

Michael Ruhland, Infanteriestraße 11a,

80797 München.

Verantwort lich für Anzeigen

Helmut Kramer, Infanteriestraße

11a, 80797 München

120 Bergsteiger 08 ⁄13


12x grüßt BERGSTEIGER

Die neue Fotoedition exklusiv und gratis nur für Abonnenten!

2013 erhalten Sie als Abonnent von

BERGSTEIGER mit jeder Ausgabe ein

Exemplar der BERGSTEIGER-

Fotoedition.

Die Postkarten – mit Motiven von

dem renommierten Bergfotografen

Bernd Ritschel – sind aus hochwertigem

Chromokarton, 12 x 17 cm

groß und erscheinen in limitierter

Auflage.

In 9/2013

Foto: Andreas Strauß

Noch kein Abo? Dann gleich bestellen unter www.bergsteiger.de/abo


VORSCHAU

Runterkommen

mal anders!

Des Bergsteigers Ziel liegt

zumeist oben, wo die Luft

klarer, der Blick weit und die

Gefühle groß sind. Das

Runtergehen macht meist

weit weniger Spaß. Wir

stellen Ihnen ein die besten

Alternativen vor.

AUF TOUR

Wildnis vor der Haustür

Wer gerne über den Dingen steht, der

ist auf dem Anhalter Höhenweg in den

Lechtaler Alpen genau richtig. Die Gratwanderung

bietet grandiose Ausblicke.

&

REPORTAGE

IM INTERVIEW

Profi hinter der Kamera

Lothar Brandler war einer der weltweit

besten Kletterer und Bergfilmer. Ein

Gespräch über die Frage, was einem die

Berge geben – und nehmen können.

Transalpine-Run: in acht Etappen über die Alpen

SERIE Wandern im Valcamonica, dem Tal der 1000 Felsbilder

PORTRÄT Lynn Hill – 20 Jahre nach ihrem »Nose«-Meisterstück

SERVICE

Der nächste Bergsteiger ist vom 10. August an am Kiosk erhältlich.

Jetzt schon aufs

Weiterlesen freuen!

Das Bergsteiger-Abo mit

bis zu 32% Preisvorteil und

Geschenk-Prämie!

Tel. 01 80/5 32 16 16

www.bergsteiger.de/

abo.html

Im Test: Mini-Stöcke

Nicht nur am Klettersteig sind

sie ungemein praktisch: Trekkingstöcke,

die sich auf ein

Minimalmaß zusammenschieben

oder -falten lassen

und dadurch Platz in jedem

Rucksack haben.

Wie man sich bettet

Bei Schlafsäcken und Matten

haben Bergsteiger und Trekkingfreunde

die Qual der Wahl. Die Serie »Stille

Helfer« beschäftigt sich mit der Frage,

worauf es beim Übernachten im

Gebirge wirklich ankommt.

Fotos: Klaus Fengler/Ortovox, Hersteller

COMIC

HE CHEÄÄÄF!

ICH HAB NE GUTE UNNE

SCHLECHTE NACHRICHT FÜR

UNS WACHTLN...

DIE FIESN WIESL SIN

INNE WALD ZURÜCK-

GEKEHRT UND WOLLN

UNS ANNE EIER!

ACH DU

GRÜNE KACKE!

UNNE GUTE NACHRICHT?

SCHLECHTE ERST!

SAG DIE GUTE, BECHTL!

NU JA...

ACH WAS... ECH JETZ?

VOLLGAS!

NA DANN BIN

ICH JA BERUHIGT...

JE FIESER DAS WIESL,

UMSO SCHLECHTER KANN‘S

AUF BÄUME KLETTERN.

122 Bergsteiger 08 ⁄13


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