Die MünzenZeitung Titanic - Untergang eines Schatzes (Vorschau)

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05 / 12

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Mai 2012

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ISSN 2049 - 1387

MünzenZeitung

TiTaniC

Untergang eines Schatzes

Banque Centrale

du Luxembourg

Misstrauen


Editorial

TITANIC

das Thema des Jahres

auch andere Münzprägeanstalten, nicht nur die Royal

Mint, geben zu diesem Ereignis eine Gedenkmünze in

Gold oder Silber heraus. Münzgestalter haben ihrer

inspiration freien Lauf gelassen und Münzgestaltungen

nicht nur klassisch, sondern auch mit der Eleganz

der Farbigkeit die Münzen gestaltet. Schauen Sie in

unseren Titelbeitrag mal rein und erfahren Sie mehr

über den Untergang des unsinkbaren Luxusliners. im

anschluss können Sie auch ein ausgezeichnetes Buch

über die „TiTaniC“ mit 181 Seiten gewinnen.

Das Thema „Europäische Prägeanstalten“ berichtet

in dieser ausgabe über den Besuch in der Banque du

Luxemburg - numismatische abteilung in Luxemburg.

nicht nur das Gebäude ist etwas Besonderes,

sondern auch die künstlerische ader der Gestaltung

der Gedenkmünzen. Sie ist die einzige Prägeanstalt,

die bei 2-Euro-Gedenkmünzen Besonderheiten bei der

Prägetechnik benutzen darf.

Mit freundlichen Grüßen

ihr Chefredakteur

Ralf Enders


Impressum

6

Misstrauen

15 TITANIC

44 BCL - Banque Centrale du

Luxembourg

4

| Die MünzenZeitung 05/12


Inhalt

19

TITANIC-Rätsel

Münzen Spezial Teil 1

6 Misstrauen

Münzen Spezial Teil 2

20 200 Jahre Souveränität

Liechtenstein

Münzen Spezial Teil 3

28 Von der Idee zur Münze

28

Geldproduktion DDR

Auktionsvorbericht

11 Gerhard Hirsch Nachfolger

46 Christoph Gärtner

Titelthema

15 TITANIC

Warum die Titanic wirklich sank

Besitz, Eigentum und

rechtlicher Status

White Star Line

19 TITANIC-Rätsel

22 Münzen Neuheiten

26 Termine

36

150 Jahre Rotes Kreuz

36 150 Jahre Rotes Kreuz

BCL - Banque Centrale

du Luxembourg

44 Europäische Prägeanstalt

und Verkaufsstelle

50 NumisGuide

51 Im nächsten Heft

Die MünzenZeitung 6/2012

erscheint am 25. Mai 2012

Die MünzenZeitung 05/12 |

5


Münzen Spezial Teil 1

Misstrauen

hatte gute Gründe

Wie im 19. Jahrhundert Platin und Aluminium

zu Münzmetallen avancierten

In der allgemeinen Gunst steht das

Edelmetall Platin aus den unterschiedlichsten

Gründen höher als Gold,

doch das war nicht immer so. Umgekehrt

besitzt das Aluminium, das im

19. Jahrhundert für kurze Zeit wie Gold

aufgewogen wurde, als Münzmetall

wenig Ansehen. Die während der Regierungszeit

des Zaren Nikolaus I.

(1825-1855) geprägten Rubelstücke

aus Platin sind ein treffliches Beispiel

dafür, wie man es im alten Russland

verstand, die reichen Bodenschätze

profitabel zu vermarkten und welche

Probleme es gab, bis der Wert des Platin

als Münzmetall und für Schmuckzwecke,

aber auch für technische

Geräte aller Art erkannt und anerkannt

wurde.

Zwischen 1828 und 1845 wurden in

Russland Werte zu drei, sechs und

zwölf Rubel in unterschiedlichen Größen

hergestellt. Obwohl die Auflagen

dieser Platinmünzen recht groß waren,

blieben nur wenige Stücke erhalten.

Das hat sie zu großen numismatischen

Raritäten gemacht, und entsprechende

Preise erzielen sie im Münzhandel und

auf Auktionen. Platin war um 1819 im

Ural entdeckt worden. Zuvor hatte man

im Erzbergbau gefundenen Spuren des

silbrig schimmernden Edelmetalls

keine Aufmerksamkeit geschenkt und

den Abraum unbeachtet auf Halden gefahren.

Schon bald gelang es russischen

Wissenschaftlern, im Zusammenhang

mit der Goldgewinnung auch reines

Platin zu gewinnen. Dies geschah auf

Ländereien des Zaren sowie solchen

des Fürsten Demidow und des Grafen

Schuwalow. Sie waren verpflichtet, das

6

| Die MünzenZeitung 05/12


Münzen Spezial Teil 1

Edelmetall der kaiserlichen Münze zur

weiteren Verwertung zu verkaufen. Zunächst

hatte man für das aus dem fernen

Sibirien angelieferte Platin keine

angemessene Verwendung. Erst 1825

wurde überlegt, ob es nicht sinnvoll ist,

es für die Münzprägung zu nutzen. Um

ganz sicher zu gehen, wurde der deutsche

Naturforscher und Weltreisende

Alexander von Humboldt vom russischen

Finanzminister um eine Stellungnahme

gebeten. Der in Russland sehr

geschätzte Gelehrte war dafür bestens

prädestiniert, denn er verfügte auch in

Bezug auf Münzangelegenheiten über

einige Erfahrungen. Humboldt riet von

der Platinprägung mit dem Einwand ab,

dass Gold- und Silbermünzen zur Geldherstellung

ausreichen würden und ein

drittes, zudem noch wie Silber aussehendes

Edelmetall nur Verwirrung stiften

würde.

Zar Nikolaus I., seine Beamten und die

genannten adligen Grubenbesitzer ließen

sich von diesem Votum nicht beeindrucken,

denn sie waren daran

interessiert, durch die Prägung von Platinmünzen

der Staatskasse und sich

selbst zusätzliche Einnahmen zu verschaffen.

Deshalb wurden im Frühjahr

1828 per kaiserlichen Ukas so genannte

Platin-„Dukaten“ im Wert zu drei Rubeln

und einem Gewicht von 10,35 Gramm

eingeführt. Weitere Erlasse ließen

Münzen zu sechs und zwölf Rubeln in

Gewichten von 20,7 beziehungsweise

41,41 Gramm zu. Damit wurde das

Zwölfersystem dem sonst bei den russischen

Münzen üblichen Dezimalsystem

an die Seite gestellt. Hinsichtlich

des Designs orientierten sich die in der

Münze zu Sankt Petersburg hergestellten

Geldstücke an bekannten Formen,

indem sie den kaiserlichen Doppeladler

mit Angaben über den Wert des betreffenden

Geldstücks kombinierten.

An die Tradition der Platinmünzen knüpfte die Sowjetunion und nach ihrem Ende die

Russische Föderation an.

Viel Glück hatte der russische Staat mit

den neuen Geldstücken nicht. Ihre Herstellung

war wegen des komplizierten

Verfahrens vom Abbau des Erzes bis

zur Erzeugung der Platinronden langwierig

und teuer. Wegen steigernder

Metallpreise wanderten viele dieser ungewöhnlichen

Rubelstücke ins Ausland

ab, wo sie, in ihrem Wert erkannt, eingeschmolzen

wurden. Das korrosionsbeständige

Edelmetall wurde und wird

auch heute für die Herstellung von

Schmuck und in der Dentaltechnik,

aber auch von Geräten in der chemischen

Industrie und zu vielen anderen

Zwecken gebraucht. Überdies waren

die Platinmünzen sehr gewöhnungsbedürftig,

ja sie waren bei den Untertanen

Nikolaus I. unbeliebt, weil man sie

leicht mit Silbergeld verwechseln

konnte. Vor der Täuschung schützte

auch nicht die Aufschrift in russischer

Sprache, dass es sich bei dem betreffenden

Stück um reines Platin handelt.

Hinzu kam, dass man den numismatischen

Novitäten wegen der grauen

Metallfarbe mit Misstrauen begegnete.

Man nannte sie – ins Deutsche übersetzt

– Grauchen und tat alles, ihnen

aus dem Weg zu gehen. Wir kennen

diese Verweigerung auch aus der deutschen

Münzgeschichte. Da gab es in

der Kaiserzeit die winzigen Goldmünzen

zu fünf Mark von 1877 und 1878

und die zwergenhaften Zwanzig-Pfennig-Stücke

aus Silber von 1872 bis

1877, die bald wieder aus der Öffentlichkeit

verschwanden, ferner die

„jugendstilig“ gestalteten Fünfundzwanzig-Pfennigstücke

von 1909 bis

1912 und schließlich die so genannten

Brüningpfennige von 1932, mit denen

Reichskanzler Heinrich Brüning auf

dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise

das Sparen im Deutschen Reich

stimulieren wollte.

Für die Einstellung der Platinprägung

durch einen kaiserlichen Ukas im Juni

1845 gab es außer ihrer Unbeliebtheit

in der Bevölkerung weitere Gründe.

Man hatte erkannt, dass Platin weitaus

wertvoller als Gold ist. Außerdem

Die frühen Pfennige und

Groschen der DDR erheben

mit der Landesbezeichnung

DEUTSHLAND einen gesamtdeutschen

Anspruch

Die MünzenZeitung 05/12 |

7


Münzen Spezial Teil 1

waren die Preisschwankungen auf

dem nationalen und internationalen

Markt unkalkulierbar, und schließlich

eröffneten sich neue und bessere Verwendungsmöglichkeiten

für das Edelmetall.

Nachdem die Platinprägung

eingestellt war, wurden viele Geldstücke

eingezogen und eingeschmolzen.

Das erklärt ihre Seltenheit heute

und die hohen Preise, die für sie

verlangt und bezahlt werden, vor allem

wenn es sich um makellose Stücke

handelt.

Um ihre Platinfunde gewinnbringend

zu vermarkten, haben die Sowjetunion

und nach ihrer Auflösung die Russische

Föderation zu besonderen Anlässen

Rubelstücke aus diesem Metall hergestellt.

Im Münzhandel werden die Prägungen

mit dem Sowjetwappen

beziehungsweise dem russischen Doppeladler

ohne die Insignien der 1917

überwundenen Zarenherrschaft ab und

zu angeboten. Beliebte Motive sind Ereignisse

und Gestalten aus der Landesgeschichte,

aber auch die Olympischen

Spiele, die im Sommer 1980 in Moskau

stattfanden und wegen des Einmarschs

sowjetischer Truppen in Afghanistan

von den USA und weiteren westlichen

Ländern einschließlich der Bundesrepublik

Deutschland boykottiert wurden.

Erwähnt sei, dass der höchste

Militärorden der Sowjetunion aus

Platin besteht und mit Brillanten besetzt

ist. Der 1943 gestiftete Siegesorden

wurde nur an hochbedeutende

Militärs und Politiker verliehen, darunter

zweimal an Generalissimus Josef

Stalin und einmal an einen seiner Nachfolger,

Staats- und Parteichef Leonid

Breshnew, aber auch an führende

Köpfe der Anti-Hitler-Koalition wie

US-General Eisenhower und den britischen

Feldmarschall Montgomery.

Ab und zu werden Abschläge von

Kurs- und Gedenkmünzen des 19. und

20. Jahrhunderts aus Platin angeboten.

Es handelt sich dabei um extravagante

Probestücke aus einem besonders wertvollen

Metall oder um Gefälligkeitsprägungen,

für die Münzsammler viel

Geld auszugeben bereit sind. In unsere

Betrachtung gehören natürlich auch

Ungarische Alu-Medaillen aus dem Jahr 1948 zeigen auf ihren Vorderseiten die Münzprägung

mit dem Balancier und mit der Kniehebelpresse.

Platinmünzen aus der Zarenzeit stellen eine numismatische Besonderheit dar und erfreuen

sich bei Russland-Sammlern großer Beliebtheit.

Die Aluminiummünzen aus der frühen Weimarer Republik besaßen geringes Ansehen,

münzgeschichtlich aber sind sie interessante Dokumente.

8

| Die MünzenZeitung 05/12


Münzen Spezial Teil 1

Medaillen aus Platin, für die Sammler

sehr tief in die Tasche greifen müssen.

In der numismatischen Literatur wird

überdies auf Fälschungen von Platinmünzen

hingewiesen, weshalb wir

beim Kauf der auch zur Geldanlage gut

geeigneten Stücke zur Vorsicht und zur

Konsultation mit Experten raten.

numismatische Leichtgewichte

Im Unterschied zu Platin-, Gold- und

Silbermünzen sind solche aus Aluminium

sowie Medaillen aus diesem Metall

numismatische Leichtgewichte. Ein

Blick in die Literatur ergibt, dass die

erste Synthese von Aluminium im Jahr

1825 dem dänischen Chemiker Hans

Christian Ørsted gelang. Die Herstellung

von reinem Aluminium in Pulverform

schaffte 1827 der Chemiker

Friedrich Wöhler. Er war auch der

erste, der die relative Dichte des silbrig

glänzenden Metalls bestimmte. 1854

gewann Henri Sainte-Claire Deville in

Frankreich das Metall, indem er eine

Mischung aus Kochsalz und Aluminiumchlorid

mit Natrium reduzierte.

Dank der Unterstützung durch den

französischen Kaiser Napoleon III.

baute Deville eine Experimentalfabrik

auf und präsentierte auf der Pariser

Weltausstellung von 1855 unter dem

Werbeslogan „Silber aus Lehm“ einen

Block aus reinem Aluminium. In dieser

Zeit war die Herstellung des ungewöhnlichen

Metalls so teuer, dass man

es mit Gold aufwog. Einem Bericht von

Peter Hammer in den „Numismatischen

Beiträgen“ (Heft 1976/I, S. 54 ff.) ist zu

entnehmen, dass 1852 ein Kilogramm

Aluminium mit 480 Mark und 1865 nur

noch mit 30 Francs berechnet wurde.

Wann die ersten Aluminiummünzen geprägt

wurden, ist nicht leicht zu sagen.

Peter Hammer nennt als Beispiel eine

Probeprägung von 1883 zu fünf Francs

von der Insel Madagaskar, die unter

französischem Einfluss stand. Da die

Herstellung von Aluminium anfangs

noch sehr umständlich und teuer war,

bezahlte man für das leichtgewichtige

Aluminium viel Geld. Doch das blieb

nicht lange so. Im ausgehenden

19. Jahrhundert hat man Medaillen aus

Aluminium geprägt, und im frühen

20. Jahrhundert ging man dazu über,

auch Kleingeld aus Aluminium zu

prägen. Zu den ältesten Zahlungsmitteln

dieser Art gehören 1/10 Pennystücke

von 1906 für Britisch-Westafrika,

Halbcentstücke von 1908 für

Britisch-Ostafrika sowie weitere Münzen

in den französischen Kolonien.

Während des Ersten Weltkriegs stellte

man im Deutschen Reich Kleinmünzen

und Notgeld aus Aluminium her, weil

Buntmetall für die Kriegsindustrie gebraucht

wurde. Frühe Beispiele dafür

sind Aluminiumpfennige mit dem kaiserlichen

Adler aus dem Jahr 1917.

Pläne, weitere Werte aus diesem Metall

herzustellen, wurden nicht verwirklicht.

Nach der Abschaffung der

Monarchie in der Novemberrevolution

1918 gab die Weimarer Republik Fünfzig-Pfennig-Stücke

mit der Aufschrift

„Sich regen bringt Segen“ und danach

einige Kurs- und Gedenkmünzen aus

dem Leichtmetall in Werten zwischen

drei und 500 Mark heraus.

Angesichts der riesigen Berge aus

Papiergeld, die während der unseligen

Inflationszeit tagtäglich gedruckt wurden,

hatten diese Münzen kaum eine

Chance, sich am Markt zu behaupten.

Münzen aus unedlen Metallen wie Aluminium,

Eisen oder Zink besaßen angesichts

der Scheine im Wert von

Millionen, Milliarden und Billionen nur

Erinnerungswert, wurden aber auch

vielfach zweckentfremdet verwendet.

Dass es sich bei dem so genannten Verfassungstaler

von 1922 um ein numismatisches

Intermezzo handelt, wurde in

der zeitgenössischen Presse kritisch

kommentiert. Das billige Aluminium

war nicht gerade dazu angetan, Vertrauen

in diese Emission zu wecken

sowie die Verbundenheit der Bevölkerung

zur jungen Weimarer Republik zu

fördern. Schnell verschwand diese

Münze auf den dritten (!) Gründungstag

von der Bildfläche. Das gilt auch

für weitere Münzen aus dem Leichtmetall

zu 200 und 500 Mark aus dem Jahr

1923. Sie sind ähnlich gestaltet, zitieren

aber auf der Adlerseite mit der Umschrift

EINIGKEIT UND RECHT

UND FREIHEIT aus der dritten

Strophe des „Deutschlandlieds“ von

Heinrich Hoffmann von Fallersleben.

Die „Vossische Zeitung“ in Berlin

schrieb am 15. Mai 1923 über diese

Emissionen unter der Überschrift „Entwöhnung

vom Hartgeld“, dass die

neuen 200-Mark-Münzen ungern vom

Verkehr angenommen werden und die

Reichsbank bei der Verpackung von je

100 Stück Selbstkosten in Höhe von

36 Mark hat, also noch draufzahlt. Probeweise

seien einige Aluminiumstücke

zu 1000 Mark „mit Schillerkopf“ statt

Hoheitszeichen geprägt worden. Dass

die Aluminiummünzen nicht ganz wertlos

waren, geht aus einer Meldung in

den „Blättern für Münzfreunde“ vom

Mai 1923 hervor, wo es heißt, in Läden

an der Berliner Friedrichstraße würden

die 200 Markmünzen 250 Mark kosten

und „daraus gemachte Fingerhüte“

1000 Mark. Dem Hinweis, dass

„Verfassungstaler“ umgeprägt werden

sollen, folgt der Ratschlag „Verkauf an

Auslandssammler wäre lohnender“.

Den „Blättern für Münzfreunde“

(April/Mai 1925) ist zu entnehmen,

dass die Hamburger Münze die

Aluminiumstücke zu 200 Mark zu

Hundemarken umgestempelt hat. So

hatten diese Münzen wenigstens noch

einen praktischen Verwendungszweck.

Selbstverständlich wurden, wie Sammler

wissen, unzählige Notgeldmünzen

und Wertmarken, aber auch Medaillen

aus Aluminium und anderen Metallen

hergestellt. Das weiche und zerbrechliche

Aluminium ist für die Münzprägung

eigentlich ungeeignet, doch lässt

sich durch Zugabe anderer Metalle

seine Haltbarkeit verbessern. Diesen

Umstand nutzten verschiedene Staaten

vor, während und nach dem Zweiten

Weltkrieg bei der Ausgabe von Aluminiummünzen.

In den Weltmünzkatalogen

finden sich zahlreiche Beispiele,

auf die wir hier nicht näher eingehen

können.

In der DDR wurden massenhaft Kursmünzen

in Werten zwischen einem

Pfennig und zwei Mark hergestellt. Sie

gingen schnell von Hand zu Hand und

bekamen alsbald ein unansehnliches

Die MünzenZeitung 05/12 |

9


Münzen Spezial Teil 1

Als im Sommer 1956 die ersten Mark-

Stücke aus Aluminium erschienen

waren, hagelte es in der Bevölkerung

Proteste. Zwar lobte die von der SED

„angeleitete“, das heißt kontrollierte

und gesteuerte Presse die silbrige Farbe

der Novitäten, und in der Ost-Berliner

Zeitung „BZ am Abend“ erschien eine

Karikatur, die den riesigen Unterschied

zwischen exotischen Stein-„Münzen“

von der Insel Yap und den neuen Stücken

betonte. Aber wirklich glücklich

war kaum jemand mit diesen Leichtgewichten,

ja in Meinungsumfragen kam

zum Ausdruck, dass das neue Geld

irgendwie billig wirkt und „ein schlechter

Repräsentant“ der DDR ist. Viele

ihrer Bewohner fühlten sich an die bereits

erwähnten Aluminiummünzen aus

der frühen Weimarer Republik erinnert

und forderten sofortigen Stopp der Prägung.

Als positiv wurde lediglich vermerkt,

dass etwa beim Verkauf von

Waren unter freiem Himmel nun nicht

mehr die Geldscheine davon flattern,

weil man jetzt mit Münzen bezahlt. Für

die Regierung der DDR und die hinter

ihr stehende SED-Führung war es völlig

ausgeschlossen, die Aluminium-

Emission anzuhalten und aufzugeben.

Die Blamage wäre bei einem solchen

Rückzieher denn doch zu groß gewesen.

Außerdem war die Verwendung

des Leichtmetalls für Münzzwecke

„ganz oben“ beschlossen und abgesegnet

worden.

Zu den Klagen des Geizhalses auf der im Inflationsjahr 1923 geprägten Medaille passt das

Leichtmetall Aluminium.

Äußeres. Es war pure Not, weshalb

sich der Arbeiter-und-Bauern-Staat, der

sich als Krönung der deutschen Geschichte

und seine Gründung am

7. Oktober 1949 als deren Wendepunkt

pries, zur Verwendung von Aluminium

als Münzmetall entschloss. Die ersten

Ausgaben zu einem, fünf und zehn

Pfennigen wurden bereits 1948 geprägt,

ergänzt durch ein aus einer Bronzemischung

bestehendes Fünfzig-Pfennig-

Stück von 1950 mit dem Pflug vor einer

Fabrik. Dass auf den frühen DDR-Münzen

DEUTSCHLAND als Ausgabeland

genannt wird, hat mit dem Anspruch der

damaligen Machthaber zu tun, für das

ganze Deutschland zu sprechen und zu

handeln. Auf einem Münzentwurf sind

das Brandenburger Tor und Berlin und

zwischen den Säulen ein kleiner Kölner

Dom dargestellt. Da man den Griff nach

der imperialistischen Bundesrepublik,

wie es in der DDR-Propaganda hieß,

nicht derart plakativ ausdrücken wollte,

wurde die Idee verworfen.

Ungeachtet der Kritik von vielen Seiten

haben sich die Aluminiummünzen bis

zum Ende des zweiten deutschen Staates

im Jahr 1990 gehalten. Man mochte

sie nicht, aber man hatte auch keine

Alternativen. Nach der Währungsunion

am 1. Juli 1990 wurden weder die

„Aluchips“ – der Begriff wurde im

Westen gebraucht, war jedoch im Osten

bis zur so genannten Wende unbekannt

– noch die anderen Münzen und die

Banknoten nicht mehr gebraucht. Die

übergroße Zahl der Aluminiummünzen

wurde eingeschmolzen, um daraus Aluminiumfelgen,

Bierbüchsen, Fahrradrahmen

und andere Gegenstände

herzustellen.

Irgendwann erzielen die übrig gebliebenen

Alu-Pfennige, Groschen und

Mark-Stücke gute Preise. Einige Ausgaben,

vor allem solche aus der Frühzeit

der DDR, sind schon heute recht

teuer, vor allem wenn sie in exzellenter

Erhaltung vorkommen, also nicht im

Umlauf waren.

Bericht und Fotos: Helmut Caspar

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| Die MünzenZeitung 05/12


Gerhard Hirsch Nachfolger

Auktionsvorbericht

VORBERICHT AUKTION 281

Münzen und Medaillen (02.-04.05.2012)

Die zweite Auktion der Firma Gerhard Hirsch Nachfolger

ist den Münzen und Medaillen gewidmet und beginnt mit

den Münzen der Antike (ca. 1250 Lots). Zu Anfang stehen die

keltischen Münzen, darunter eine Tetradrachme der Donaukelten.

Die seltene Imitation einer Prägung Philipps II. wird auf

EUR 3.500.- geschätzt. Es folgen die griechischen Münzen (ca.

500 Lose) mit sehr vielen Raritäten, so zum Beispiel aus Metapont

in Lukanien ein Gold 1/3 Stater aus der Zeit um 280 v.

Chr. mit dem Kopf des Leukippos und zwei Ähren mit einer

Taxe von EUR 4.000.-. Ein Stater aus Lokroi Epizephyrioi in

Bruttium (300-268 v. Chr.) zeigt einen Zeuskopf und einen fliegenden

Adler mit einem Hasen, dieser wird in vorzüglicher Erhaltung

auf EUR 7.500.- geschätzt. Unter den Münzen aus

Syrakus auf Sizilien ragen zwei Dekadrachmen aus der Zeit

405-395 v. Chr. hervor, die beide eine Quadriga im Galopp und

den Kopf der Kore-Persephone zeigen. Das von Euainetos signierte

Exemplar ist auf EUR 12.000.- taxiert, ein weiteres, wohl

unediertes Stück auf EUR 15.000.-. Auf Cossura, dem heutigen

Pantelleria bei Sizilien, wurde eine Bronze-24 mm mit Isiskopf

im späten 3. oder frühen 2. Jh. v. Chr. geprägt, diese kommt mit

EUR 750.- zur Auktion. Ein Stater aus Abdera in Thrakien

(411-385 v. Chr.) mit einem springenden Greifen und Dreifuss

ist auf EUR 5.000.- geschätzt. Aus Amphipolis stammt eine

Drachme, 369/368 v. Chr., mit Apollonkopf und Rennfackel,

diese bezieht sich auf den Kult der Artemis Tauropolos, zu

deren Ehren kultische Fackelwettläufe veranstaltet wurden

(Taxe EUR 5.000.-). Es folgen Prägungen aus dem Königreich

Makedonien und Paeonien, darunter eine Tetradrachme des

Lykkeios (359-340 v. Chr.), der für kurze Zeit die Unabhängigkeit

seines Reiches von Makedonien erringen konnte. Das

schönste bekannte Exemplar dieser Prägung in stempelglänzender

Erhaltung wird auf EUR 4.500.- geschätzt und zeigt einen

Zeuskopf und Herakles im Kampf mit dem nemeischen Löwen.

Eine Drachme aus Phalanna mit Jünglingskopf in hohem Relief

soll EUR 4.000.- erzielen. Unter den Münzen aus Athen ragt

eine Tetradrachme aus der Zeit 510-480 v. Chr. hervor und wird

auf EUR 9.000.- geschätzt. Ein seltener Tetrobol aus der Zeit

des Satrapen Orontas (357-352 v. Chr.), der in Kisthene in Mysien

geprägt wurde, zeigt einen knieenden Hopliten und geflügelte

Eberprotome (Taxe EUR 3.500.-). Aus Mylasa in Karien

stammt eine Tetradrachme (175-150 v. Chr.) mit Rose und

Adler, die in vorzüglicher Erhaltung auf EUR 5.000.- taxiert

wird. Unter den Münzen aus Afrika ragt ein Gold-Oktadrachmon

aus Ägypten hervor, das Ptolemaios II. für Arsinoe II.

(285.246 v. Chr.) prägen ließ, dieses zeigt den verschleierten

Kopf der Königin und 2 Füllhörner und gelangt mit EUR

7.000.- zur Auktion. Ein Gold-Stater aus Kyrene, 322-313

v. Chr., mit Nike in einer Quadriga und dem thronenden Zeus

Lykaios wird auf EUR 7.500.- taxiert. Es folgen die römischen

Münzen mit zuerst ca. 100 Geprägen der Römischen Republik

und der Bürgerkriegszeit, darunter ein Denar des Julius Caesar

aus dem Jahr 47 v. Chr., dieser zeigt einen Frauenkopf mit

Eichenkranz und ein Tropaeum mit gallischen Waffen und wird

auf EUR 825.- geschätzt. Eine in Spanien geprägte Bronze

31 mm des Octavianus stammt wohl aus dem Jahr 27 v. Chr.

und gelangt mit EUR 1.000.- zur Auktion. Die Münzen des

Römischen Kaiserreiches beginnen mit einem Aureus des

Augustus (27 v. Chr.-14 n. Chr.), auf dessen Rückseite eine

Elefantenbiga auf einem Viadukt steht. Diese ungewöhnliche

und seltene Darstellung feiert den Ausbau des Straßennetzes

und wird auf EUR 17.500.- taxiert. Es folgt ein Denar des

Augustus mit einem Krokodil, der an die Eroberung Ägyptens

erinnert und mit EUR 5.000.- geschätzt wird. Eine weitere der

insgesamt 25 Prägungen des Augustus ist ein Denar aus Samos,

der einen stehenden Stier zeigt und in fast stempelglänzender

Erhaltung EUR 3.000.- erzielen soll. Ein unter Claudius (41-54

n. Chr.) für seinen Vater geprägter Aureus des Nero Claudius

Drusus nimmt Bezug auf dessen militärische Erfolge in Germanien

und wird auf EUR 7.500.- taxiert. Ein Sesterz des Claudius

zeigt einen Triumphbogen mit Reiterstatue, der als

Siegesdenkmal für den Vater Drusus d. Älteren identifiziert

werden kann (Taxe EUR 4.500.-). Unter Nero (54-68 n. Chr.)

wurde ein Aureus geprägt, der den stehenden Kaiser mit Zweig

und Globus darstellt, dieser kommt mit EUR 8.000.- unter den

Hammer. Ein Aureus des Domitianus (81-96 n. Chr.) als Caesar

mit dem belorbeerten Kopf des späteren Kaisers und als Reiter

mit Zepter soll EUR 7.000.- erzielen. Es folgt ein weiterer

seltener Aureus des Domitian, der die trauernde Germania auf

einem Schild sitzend zeigt (Taxe EUR 6.500.-). Ein Aureus des

Traianus (98-117 n. Chr.) mit der Fassade des Trajansforums

aus der Sammlung L. Biaggi wird mit EUR 8.500.- taxiert.

Unter Antoninus Pius (138-161 n. Chr.) wurden zwei Aurei geprägt,

die den stehenden Kaiser mit Globus und Victoria mit

Kranz und Palmzweig zeigen. Beide Exemplare werden auf

EUR 5.000.- geschätzt. Besonders selten ist ein postum geprägter

Aureus der Gemahlin des Antoninus Pius, dieser zeigt die

drapierte Büste der Faustina Maior und einen von Elefanten gezogenen

Wagen auf der Rückseite. Das vorzüglich erhaltene

Stück mit hohem Relief wird auf EUR 15.000.- taxiert. Ein fast

stempelglänzender Aureus der Julia Domna, der Gemahlin des

Septimius Severus, wird auf EUR 7.500.- geschätzt. Auf seiner

Rückseite ist Venus mit hinab geglittenem Gewand in Rücken-

Die MünzenZeitung 05/12 |

11


Auktionsvorbericht

ansicht dargestellt. Ein überaus seltener Solidus des Constantinus

I. Magnus (307-337 n. Chr.) mit dem reitenden Kaiser soll

EUR 4.500.- bringen. Auf einem Solidus des Magnus Maximus

(383-388 n. Chr.) aus Trier ist der stehende Kaiser mit Labarum

und Victoria dargestellt, das vorzüglich erhaltene Stück mit

schöner Tönung wird mit EUR 10.000.- taxiert. Zum Abschluss

folgen Münzen der Völkerwanderungszeit, byzantinische Münzen

und Bleisiegel, sowie fast 100 Lots. Der dritte Tag dieser

Auktion beginnt mit einigen Münzen des Mittelalters, unter

denen ein Gold-Token aus dem Königreich Jerusalem hervorragt.

Das wahrscheinlich unedierte Stück soll EUR 500.- erzielen.

Es folgen die Gepräge der Deutschen und Habsburgischen

Lande mit einer kleinen Partie Augsburg (ca. 30 Lose), so zum

Beispiel ein seltener Reichstaler 1624 mit Stadtpyr zwischen

Genien und der geharnischten Büste des Kaisers Ferdinand II.

(Taxe EUR 2.500.-). Unter den bayerischen Prägungen ragt ein

2 Dukaten 1742 auf die Wahl des Kurfürsten Karl Albert zum

Kaiser Karl VII. hervor, dieser wird mit EUR 1.350.- geschätzt.

Ein sehr seltener 10 Dukaten 1906 wurde als Geschenk zur Goldenen

Hochzeit des Ehepaares Sponholz von der Freimaurerloge

Urania zur Unsterblichkeit in Berlin geprägt und kommt

mit EUR 2.250.- unter den Hammer. Unter Christian Friedrich

Karl Alexander von Brandenburg-Franken wurde ein Konventionstaler

1779 mit der geharnischten Büste des Markgrafen und

dem „bellenden“ Löwen geprägt, das fast stempelglänzende

Stück gelangt mit einer Taxe von EUR 1.650.- zur Auktion.

Aus einer kleinen Serie von Prägungen des Deutschen Ordens

ragt ein Breiter Reichstaler 1614 mit dem geharnischten Hochmeister

Maximilian I. Erzherzog von Österreich hervor, dieser

wird auf EUR 1.250.- taxiert. In Erfurt wurde ein Dukat 1645

in schwedischem Auftrag mit dem Brustbild der Königin Christine

von Schweden geprägt, dieser gelangt mit EUR 3.500.-

zum Ausruf. Unter den Geprägen der Habsburgischen Kronund

Erblande ist ein Breiter 2 Reichstaler 1675 Leopolds I.

(1657-1705) zu erwähnen, der dessen belorbeerte Büste zeigt,

dieser soll EUR 2.250.- erzielen. Es folgt eine Medaille 1685

auf die Einnahme von Gran und Neuhäusel, die auf EUR

3.000.- geschätzt wird. Unter Kaiser Franz Joseph I. (1848-

1916) wurden zwei sehr seltene Taler auf die Eröffnung des

Carl-Ludwig-Hauses auf der Raxalpe geprägt, die beiden Erstabschläge

kommen mit EUR 6.500.- und 6.000.- unter den

Hammer. Es folgt eine kleine interessante Partie Salzburg, darunter

ein 5 Dukaten 1593 des Wolf Dietrich Graf von Raitenau

(1587-1612), das seltene Stück in fast stempelglänzender Erhaltung

zeigt St. Rudbertus mit Salzfass und einen von 4 Winden

umblasenen Turm im Meer (Taxe EUR 9.000.-). Ein Dukat

1699 des Johann Friedrich von Hohenlohe-Neuenstein-Öhringen

(1676-1702) mit einem Ritter zu Ross wird auf EUR

2.750.- taxiert. Ein Unikum ist die Medaille 1715 auf die

Grundsteinlegung des Oberamtshauses zu Kreuznach, diese

zeigt die drapierte Büste des Kurfürsten Johann Wilhelm von

aUKTiOn 281

Münzen und Medaillen

02.-04. Mai 2012

623: Römisches Kaiserreich. Augustus.

27 v. Chr.-14 n. Chr. Aureus.

657: Römisches Kaiserreich.

Claudius. 41-54 n. Chr.

Aureus für Nero Claudius Drusus.

899: Römisches Kaiserreich. Julia Domna.

Gemahlin des Septimius Severus

(193-211 n. Chr.) Aureus.

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12

| Die MünzenZeitung 05/12


Auktionsvorbericht

der Pfalz und den Kurhut über Schilden und gelangt mit EUR

4.500.- zum Ausruf. Ebenfalls ein Unikum ist das Silberne Torzeichen

1712 der Freien Reichsstadt Nürnberg für den Ältesten

Christoph Fürer von Haimendorf, dieses erlaubte dem Besitzer

die Tore der Stadt zu jeder Tag- und Nachtzeit zu passieren

(Taxe EUR 2.000.-). Ein weiteres Silbernes Torzeichen 1804

wurde dem Nachfahren Christoph Carl Fürer von Haimendorf

verliehen und wird ebenfalls auf EUR 2.000.- geschätzt. Aus

dem Bistum Würzburg stammt ein 3 Dukaten 1707 des Johann

Philipp II. von Greiffenklau-Vollraths mit dem Brustbild des

Bischofs und einer Madonna auf Wolke, das sehr seltene Stück

wird auf EUR 8.000.- taxiert. Es folgen die Neueren Deutschen

Prägungen mit einem 2 Gulden 1821 des Ludwig Wilhelm August

von Baden, dieser wird auf EUR 1.000.- geschätzt. Aus

Bayern stammt ein Dukat 1813 des Maximilian I. Joseph mit

einer Taxe von EUR 1.600.-.

Äußerst selten ist ein Probe-Konventionstaler 1813 des Wilhelm

I. von Hessen-Kassel in fast stempelglänzender Erhaltung.

Der Mittelschild des Talers blieb leer, um Platz für einen Kurschild

nach einer womöglichen Restitution des Heiligen Römischen

Reiches zu lassen (Taxe EUR 3.750.-). Unter den

Deutschen Reichsmünzen seit 1871 ragt ein 5 Mark 1904 zum

400. Geburtstag Philipps des Großmütigen hervor. Von dem

unter Ludwig III. von Hessen-Darmstadt geprägten Stück gelangten

in Polierter Platte nur 700 Stück in Umlauf (Taxe EUR

900.-). Ein 2 Mark 1892 A des Heinrich XXII. von Reuss mit

feiner Tönung wird auf EUR 1.100.- taxiert, während ein

2 Mark 1877 F des Karl I. von Württemberg in Polierter Platte

auf EUR 2.500.- geschätzt wird. Selten ist ein 10 Mark 1874 A

des Friedrich Wilhelm von Mecklenburg-Strelitz, der mit EUR

6.000.- unter den Hammer kommt. Es folgen die Münzen der

Weimarer Republik, der BRD und der DDR, darunter ein 20

Mark 1980 zum 75. Todestag des Physikers Ernst Abbé, das

überaus seltene Stück wird auf EUR 300.- geschätzt. Nach den

Nebengebieten, den Proben, den Notmünzen und Münzen aus

Porzellan und Ton gelangen die Gepräge des Auslandes zur

Auktion. Aus China stammt eine Goldmedaille 1988 zu 1 Unze

Feingold anlässlich der 1. Münzbörse in Hong Kong, diese soll

EUR 3.000.- bringen. Ein äußerst seltener 200 Riyals 1969 aus

dem Emirat Fudschairah wird in Polierter Platte auf EUR

2.000.- taxiert. Ein 5 Franchi An 10 (=1801) der Repubblica

Subalpina, Italien, mit der Personifikation der Republik und

Frankreichs soll EUR 1.800.- erzielen. Aus Kroatien kommt ein

500 Kuna 1941, das überaus seltene Stück in Polierter Platte

wird auf EUR 2.000.- taxiert. Nachfolgend kommt eine kleine

Serie Olympia in Nummis unter den Hammer, so zum Beispiel

ein 50000 Won 1988 auf die XXIV. Sommerspiele in Seoul

1988 (Taxe EUR 1.500.-). Danach die Kunst- und Gelegenheitsmedaillen

und die Schützenmedaillen, darunter eine Große

Medaille 1886 auf das IV. Niederösterreichische Landesschießen

zu Oberhollabrunn, die EUR 1.000.- erzielen soll. Unter

den Orden und Ehrenzeichen ragt ein Panzerkampfabzeichen

III. Stufe in Silber (1943-1945) mit einer Taxe EUR 3.000.- hervor,

den Abschluss dieser Auktion bilden Brettsteine, Luft- und

Raumfahrt, Banknoten sowie Ikonen.

56: Italien. Bruttium. Lokroi Epizephyrioi. Stater. 300-268 v. Chr. Griechenland. Attika. Athen. Tetradrachme. 510-480 v. Chr.

Die MünzenZeitung 05/12 |

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Auktionsvorbericht

531: Afrika. Kyrenaika. Kyrene. Goldstater. 322-313 v. Chr.

899: Römisches Kaiserreich. Julia Domna. Gemahlin des Septimius

Severus (193-211 n. Chr.) Aureus.

623: Römisches Kaiserreich. Augustus.

27 v. Chr.-14 n. Chr. Aureus.

1686: Kaiserreich Österreich. Franz Joseph I.

Taler 1877 (sog. Raxalpe-Taler).

657: Römisches Kaiserreich. Claudius. 41-54 n. Chr.

Aureus für Nero Claudius Drusus.

1710: Erzbistum Salzburg.

Wolf Dietrich Graf von Raitenau. 5 Dukaten 1593.

674: Römisches Kaiserreich. Claudius. 41-54 n. Chr. Sesterz.

1757: Reichsstadt Nürnberg. Silbernes Torzeichen 1712.

839: Römisches Kaiserreich. Faustina Maior.

Gemahlin des Antoninus

1811: Bistum Würzburg. Johann Philipp II.

von Greiffenklau-Vollraths. 3 Dukaten 1707.

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| Die MünzenZeitung 05/12


Warum die „TITANIC“ wirklich sank

Steuermaat verwechselte rechts und links,vertraute der

Zweite Offizier später seiner Familie an

Peter Michalski und Thomas Frankenfeld

London Es war eine der größten Katastrophen in der Geschichte

der Seefahrt: In der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 rammte

der „unsinkbare“ Luxusliner „Titanic“ auf seiner Jungfernreise

einen Eisberg und riss mehr als 1500 Menschen mit in den Tod.

Wie konnte es zu dieser Tragödie kommen? Die englische Schriftstellerin

Louise Patten, 56, glaubt, das Rätsel gelöst zu haben.

Zwei Geheimnisse, die ihre eigene Familie jahrzehntelang bewahrt

hat, geben ihrer Ansicht nach die Antwort. Lady Patten -

ihr Mann ist ein geadelter Ex-Minister und sie selbst eine erfolgreiche

Unternehmerin - ist die Enkeltochter des ranghöchsten

Titanic“-Offiziers, der den Untergang überlebt hat.

Fregattenkapitän Charles Lightoller war Zweiter Offizier an Bord.

Vor dem Untersuchungsausschuss schwieg er. Aber seiner Frau,

und nur ihr, vertraute er die beiden Geheimnisse an. Als Zehnjährige

erfuhr Louise Patten sie von ihrer Großmutter.

Unglücksursache Nummer eins soll ein Missverständnis zwischen

Erstem Offizier und Steuermann gewesen sein. Als der Erste Offizier

William Murdoch den Eisberg ortete und „Hart Steuerbord“

anordnete, reagierte der Mann am „Titanic“-Rad, Steuermannsmaat

Robert Hitchins, - so die Autorin - aus Panik zunächst falsch

und lenkte das Schiff auf Kurs in den Eisberg. Bis der Irrtum korrigiert

war, vergingen zwei wertvolle Minuten. Damit war die Kollision

unvermeidbar geworden.

Unglücksursache Nummer zwei soll die verhängnisvolle Anweisung

des Reedereichefs gewesen sein, die „Titanic“ nach dem

Zusammenstoß nicht zu stoppen. Die Order an Kapitän Edward

Smith kam von Bruce Ismay, dem Vorsitzenden der White Star

Line, persönlich. Louise Patten: „Mein Großvater bezeichnete

diese Entscheidung als verbrecherisch.“ Der Versuch zur Weiterfahrt

erhöhte den Wasserdruck auf den Rumpf, trieb das einbrechende

Wasser über die Schotten und beschleunigte das Sinken

des Schiffs um viele Stunden. „Das nächste Schiff war vier Stunden

entfernt. Wäre die ,Titanic’ auf Stopp geblieben, dann hätte

sie wahrscheinlich so lange getrieben, bis die Hilfe eingetroffen

wäre.“

Pattens Großvater verschwieg beide Geheimnisse vor der Untersuchungskommission

aus Furcht, die Wahrheit könnte den

Bankrott der Reederei herbeiführen und den Verlust aller Arbeitsplätze.

„Er empfand es als Pflicht, seine Arbeitgeber zu

schützen, und er zweifelte nicht einen Augenblick an der

Richtigkeit dieser Entscheidung“, sagte Patten. Und die Familie

bewahrte die Geheimnisse bis heute, um den verstorbenen Großvater

zu schützen - die Welt sollte nicht erfahren, dass „Opa gelogen

hatte“.

Als eine Hauptursache der Katastrophe wurde bislang das

Fehlen eines Fernglases auf dem Ausguck der „Titanic“ angesehen.

Die Ferngläser befanden sich in einem abgeschlossenen

Schrank auf der Brücke und waren dem Ausguck an diesem

Abend nicht zugänglich. Auch hatte der Kapitän darauf

verzichtet, den Ausguck angesichts der Eisberg-Gefahr um

einen Mann zu verstärken. So wurde stets berichtet, der einsame

Mann ohne Fernglas habe den Eisberg viel zu spät erblickt.

Die 53 329 Tonnen verdrängende „Titanic“, das größte Schiff

seiner Zeit, habe trotz der 51 000 PS starken Maschinen nicht

mehr rechtzeitig gegensteuern können und sei vom Eis aufgerissen

worden. In den neuen Enthüllungen heißt es jedoch, der

Ausguck habe den Eisberg bereits auf eine Entfernung von zwei

Seemeilen - also rund 3,6 Kilometer - erspäht. Dies hätte bei

schnellem und korrektem Rudermanöver für die „Titanic“ allemal

gereicht.

Wie Untersuchungen ergaben, betrug die Gesamtfläche der langen,

aber sehr schmalen Lecks, die der Eisberg in die Schiffswand

riss, kaum 1,2 Quadratmeter. Doch dies reichte aus, das

Schiff sinken zu lassen, da die stählernen Schotten nicht

durchgängig vom Boden bis zur Decke reichten. Der

Todeskampf der „Titanic“ dauerte zwei Stunden und 40

Minuten.

In den folgenden Untersuchungen zur Unglücksursache stellte

sich heraus, dass die Titanic zu schnell durch gefährliches

Gewässer gefahren war, dass in den Rettungsbooten nur Platz

für etwa die Hälfte der Passagiere und Mannschaften war, und

dass die SS Californian, die dem Unglücksort am nächsten war,

nicht zu Hilfe kommen konnte, weil ihr Bordfunker dienstfrei

hatte und schlafen gegangen war. Diese Erkenntnisse führten

zu einer langen Liste neuer Vorschriften.

Die MünzenZeitung 05/12 |

15


Titelthema

Besitz, Eigentum

und rechtlicher Status

Am 7. Juni 1994 sprach der zuständige Distrikts-Gerichtshof

des US-Bundesstaats Virginia dem Unternehmen RMS

Titanic Inc. das ausschließliche Eigentums- und Bergungsrecht

am Wrack der Titanic zu.

RMS Titanic Inc., eine Tochterfirma der US-Aktiengesellschaft

Premier Exhibitions Inc., sowie ihre Vorgängerinnen hatten

zwischen 1987 und 2004 sieben Expeditionen durchgeführt und

über 5.500 Objekte geborgen. Das größte einzelne geborgene

Objekt war ein 17 Tonnen schwerer Abschnitt der Außenhaut,

welcher 1998 gehoben wurde.[28]

Viele dieser Fundstücke werden auf Wanderausstellungen der

Gesellschaft gezeigt, welche neben den exklusiven

Bergungsrechten an der Titanic auch das Eigentum an der RMS

Carpathia besitzt. Die RMS Carpathia hatte an der Rettung von

Passagieren der RMS Titanic teilgenommen und war im Ersten

Weltkrieg von einem deutschen U-Boot versenkt worden.

Bereits 1987 hatte eine amerikanisch-französische Expedition

unter Teilnahme einer Vorgängergesellschaft der RMS Titanic

Inc. mit der Bergung von Teilen des Wracks und seiner Ladung

begonnen und während insgesamt 32 Tauchoperationen etwa

1.800 Fundstücke geborgen und zur Konservierung und Restaurierung

nach Frankreich gebracht. 1993 hatte die Abteilung für

Maritime Angelegenheiten im französischen Ministerium für

Ausrüstung, Transport und Tourismus der Vorgängerin der

RMS Titanic Inc. den Eigentumstitel an den 1987 geborgenen

Fundstücken zugesprochen. Kleinere Stücke Kohle aus der

Titanic wurden in Kunststoff eingeschweißt und kamen auch in

den privaten Handel.

In einem Antrag vom 12. Februar 2004 beantragte RMS Titanic

Inc., dass das zuständige US-Distriktsgericht von Virginia der

Firma einen Rechtstitel an allen Fundstücken (einschließlich

Teilen der Hülle) aussprechen möge, die dem Finder-Recht unterliegen

oder ihr alternativ eine Bergungsprämie in Höhe von

225 Millionen US-Dollar zusprechen solle. RMS Titanic Inc.

schloss von diesem Antrag gezielt die Fundstücke von 1987

aus, beantragte jedoch, dass das Distriktsgericht den französischen

Eigentumstitel expressis verbis anerkennen solle. Nach

der Anhörung lehnte das Gericht am 2. Juli 2004 sowohl die

Anerkennung des französischen Eigentumstitels für die Fundstücke

von 1987 als auch das Zugeständnis eines Eigentumstitels

auf die ab 1993 geborgenen Fundstücke auf der Grundlage

des maritimen Finderrechts ab.

RMS Titanic Inc. ging daraufhin beim US-Berufungsgericht

(United States Court of Appeals) in Berufung. In seiner

Entscheidung vom 31. Januar 2006 erkannte das Berufungsgericht

„ausdrücklich die Anwendbarkeit des maritimen

Bergungsrechts auf historische Wracks wie das der Titanic“ an

16

| Die MünzenZeitung 05/12


Titelthema

White Star Line

und lehnte die Anwendbarkeit des maritimen Finderrechts ab.

Das Gericht urteilte weiterhin, dass das Distriktsgericht keine

Jurisdiktion über die „Fundstücke von 1987“ habe, und hob das

Urteil vom 2. Juli 2004 insofern auf. Mit anderen Worten

bestätigte das Urteil des Berufungsgerichts den in der französischen

Entscheidung zugesprochenen Eigentumstitel, welcher

in einem früheren Gutachten mit 16,5 Millionen US-Dollar bewertet

worden war. Außerdem wurde damit RMS Titanic Inc.

nun von höchster Stelle expressis verbis das exklusive

Bergungsrecht am Wrack der Titanic bestätigt.

Das Berufungsgericht verwies den Fall mit diesen Klärungen

zurück an das Distriktsgericht mit der Maßgabe, dass dieses die

Höhe der Bergungsprämie bestimme, auf die RMS Titanic Inc.

nach maritimem Bergungsrecht Anspruch hat. Die Firma hatte

einen Betrag in Höhe von 225 Millionen US-Dollar gefordert,

bekam diese Summe aber bisher nicht zugesprochen. Der durch

ein Gutachten geschätzte Gesamtwert der bisher gesicherten

Fundstücke liegt bei über 70 Millionen US-Dollar.

Mit Wirkung ab 15. April 2012 wurde das Wrack unter den

Schutz der UNESCO-Konvention zum Schutz des Kulturerbes

unter Wasser gestellt.

Quelle: WIKIPEDIA

gründete Thomas Ismay, ehemaliger Direktor der

1869National Line, die Oceanic Steam Navigation

Company, um einen regelmäßigen Liniendienst von Liverpool

nach New York zu unterhalten. Zuvor hatte er für 1000 Pfund

Sterling das Reedereisymbol und den Handelsnamen der bankrotten

White Star Line erstanden. Weitere Markenzeichen der

neuen White Star Line wurden die Endung „ic“ bei den Schiffsnamen

sowie ein ockerfarbener Schornstein mit schwarzer

Kappe. Hauptsitz der Reederei war zunächst Liverpool, später

wurde er nach London verlegt. Während die Schiffe unter dem

Namen White Star Line fuhren, war der eigentliche Eigentümer

stets die Oceanic Steam Navigation Company.

Die neue Reederei bestellte bei der Werft Harland & Wolff aus

Belfast (Nordirland) eine Serie von vier ähnlichen Schiffen,

denen später noch zwei weitere folgten. Entsprechend dem offiziellen

Namen der Gesellschaft wurde das erste Schiff Oceanic

genannt.

Obwohl es nie eine schriftlich fixierte Übereinkunft gab, bestellte

die White Star alle zukünftigen Schiffe bei Harland &

Wolff, welche im Gegenzug keinen direkten Konkurrenten belieferten.

Beide Partner wurden im Prinzip nie enttäuscht.

Von den ersten Schiffen eroberten dann auch die Baltic und die

Adriatic das Blaue Band für die White Star Line. 1873 traf die

junge Reederei ein schwerer Verlust: Die Atlantic war nahe Halifax

(Kanada) mit einem hohen Verlust an Menschenleben gesunken.

Um den Imageschaden wieder auszugleichen, wurden

zwei neue, größere, sicherere und schnellere Schiffe bei der

Werft von Harland & Wolff geordert. 1874 ging das erste, die

Germanic, in Dienst und eroberte sich das Blaue Band. Ein Jahr

später verlor sie es an die City of Berlin der Inman Line, doch

das Schwesterschiff der Germanic, die Britannic (I), konnte die

Trophäe noch im gleichen Jahr für die White Star zurück holen.

1879 eroberte die Arizona der Guion Line das Blaue Band. Die

White Star Line konterte aber nicht sofort, sondern konzentrierte

sich ab dem Jahr 1884 auf den Aufbau eines Liniendienstes

von Liverpool über Kapstadt nach Australien und

Die MünzenZeitung 05/12 |

17


Titelthema

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Neuseeland. In dieser Zeit ging die Oceanic Steam Navigation

Company eine Partnerschaft mit der britischen Reederei Shaw,

Savill & Albion Steamship Co. ein. Diese Partnerschaft sollte bis

1933 Bestand haben.

1887 bestellte man bei Harland & Wolff Ltd. zwei neue Liner, die

ausdrücklich als Rekordschiffe geplant waren. 1889 ging das erste

dieser Schiffe, die Teutonic in Dienst. Als erster Transatlantik-

Liner hatten sie keine Segel mehr. Schon auf der Jungfernfahrt

holte sie sich das Blaue Band von dem Schiff der Inman-Line City

of Paris. Ein knappes Jahr später wurde die Teutonic von ihrem

Schwesterschiff, der Majestic, überboten. Sie sollten die letzten

beiden Schiffe der White Star Line bleiben, die neue Rekorde auf

der Strecke aufstellten. 1892 ging die Auszeichnung an den

Inman-Liner City of New York verloren.

1896 orderte die Oceanic Steam Navigation Company einen

neuen Rekordbrecher, der 1899 als zweite Oceanic in Dienst ging.

Die RMS Oceanic war mit 17272 BRT das damals größte Schiff

der Welt, einen neuen Geschwindigkeitsrekord konnte sie aber

nicht aufstellen, mit 19,5 Knoten war sie zu langsam. Ende November

1899 verstarb der Firmengründer Thomas Ismay, und sein

Sohn Bruce Ismay übernahm die Geschicke der White Star Line.

Unter Bruce Ismay änderte sich die Firmenpolitik drastisch: Von

nun an sollten Größe und Komfort verstärkt im Vordergrund stehen

und nicht mehr Geschwindigkeit. Die ab 1901 in Dienst gehenden

„big four“, Celtic (II) (20904 BRT), Cedric (21035 BRT),

Baltic (II) (23884 BRT) und Adriatic (II) (24541 BRT) waren das

erste sichtbare Zeichen dieser Politik.

1901 wurde die Oceanic Steam Navigation Company durch den

US-amerikanischen Bankier John Pierpont Morgan aufgekauft

und der wichtigste Teil in Morgans IMMC-Trust. Bruce Ismay

behielt nicht nur den Vorsitz in der Oceanic Steam Navigation

Company, sondern bekam auch den Vorstandsposten in der

IMMC, nach Morgan natürlich. Nachdem 1907 die Cunard Line

mit den beiden Schwesterschiffen RMS Lusitania und RMS Mauretania

den Nordatlantik beherrschten, konterte die White Star

Line mit noch mehr Größe, viel mehr Luxus und dem Bestreben

um möglichst wirtschaftlichen Betrieb. Bei Harland & Wolff wurden

die ersten 40000-Tonner der Welt in Auftrag gegeben. Es

waren die Schiffe der Olympic-Klasse, Olympic, Titanic und Britannic

(II) (anfänglich Gigantic genannt). Keines dieser Schiffe

wurde konzipiert, das Blaue Band zu erobern. Mit 22 Knoten

waren die Schiffe dieser Serie außer Stande, mit dem damaligen

Inhaber der Auszeichnung, der Mauretania, mitzuhalten.

1912 kollidierte die Titanic auf ihrer Jungfernfahrt mit einem Eisberg,

und 1504 Menschen fanden in den eisigen Fluten des Nordatlantiks

den Tod. Erst unter Eindruck dieser Katastrophe wurde

festgelegt, dass Passagierschiffe für alle Passagiere ausreichende

Rettungsmittel an Bord haben müssen. Das dritte Schiff der Olympic-Klasse,

die Britannic ging 1916 als Lazarettschiff in der Ägäis

nach Minentreffer verloren. Die Oceanic Steam Navigation Company

erholte sich nie wieder von diesen Verlusten.

1915 ging der IMMC-Trust in Konkurs und wurde Anfang der

1920er als United States Lines reorganisiert. Die ausländischen

Reedereien, darunter auch die White Star, wurden abgestoßen.

Neuer Eigentümer wurde die britische Royal Mail-Gruppe, zu der

so angesehene Reedereien wie die Royal Mail Line und die Pacific

Steam Navigation Company gehörten.

Als Ersatz für die untergegangene Britannic übernahm die Oceanic

Steam Navigation Company 1922 den ehemaligen Hapag-

Liner Bismarck, die als Majestic (II) in Dienst ging – mit 56551

BRT das größte Passagierschiff der Welt. 1928 gab die Reederei

bei Harland & Wolff Ltd. ihre letzten Neubauten in Auftrag, die

1930 als Britannic (III) und 1931 als Georgic (II) den Betrieb aufnahmen.

1931 musste die Royal Mail-Gruppe unter Eindruck der

Weltwirtschaftskrise Konkurs anmelden und wurde als Royal

Mail Lines Ltd. reorganisiert. Die Oceanic Steam Navigation

Company muss ihrerseits 1933 ebenfalls in Konkurs gehen. Der

Australien-Service wurde an den langjährigen Partner Shaw,

Savill & Albion Steamship Co. verkauft.

1934 fusionierte die White Star Line mit der Cunard Line zur Cunard-White

Star Ltd. Der Zusammenlegung beider Flotten fielen

die meisten ehemaligen White Star-Schiffe zum Opfer. Die stillgelegte

Oceanic Steam Navigation Company wurde 1939 liquidiert.

1947 kaufte Cunard alle Cunard-White Star-Aktien auf und

benannte die Reederei 1950 wieder in Cunard Steamship Co. Ltd.

um. Die letzten ehemaligen White Star-Schiffe Britannic (III) und

Georgic (II) behielten auch unter Cunard-Regie als letzte Anerkennung

bis zur Außerdienststellung das Farbenkleid der White

Star Line.

Quelle: WIKIPEDIA

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| Die MünzenZeitung 05/12


Rätsel

TITANIC-Rätsel

Um wieviel Uhr sank die TiTaniC am 15.04.1912 ?

0:50 Uhr

2:20 Uhr

1:05 Uhr

Die ersten 8 Gewinner erhalten das exklusive Buch

„TITANIC“ vom Koehler-Verlag mit 181 Seiten.

Buchbeschreibung:

Zum Jubiläum: Ein Titanic-Buch, wie es bisher noch keines gab!

Das größte und luxuriöseste Schiff seiner Zeit stand nur 12 Tage im Dienst, wurde in dieser kurzen Zeit

aber zum wohl berühmtesten Schiff der Menschheitsgeschichte.

Am 14. April 1912 kollidierte es auf seiner Jungfernfahrt in Richtung New York mit einem Eisberg und

sank. Dem Unglück fielen ca. 1.500 Passagiere zum Opfer.

Für sein Buch begab sich der renommierte Schifffahrtsjournalist und -fotograf Eigel Wiese auf Spurensuche

und reiste nach Belfast zur Werft Harland & Wolff, wo der Schiffsgigant entstand. Er besichtigte das Dock,

in dem das Schiff gebaut wurde und besuchte einige der letzten Häfen, die das Schiff anlief, bevor es seine

verhängnisvolle Reise antrat. An all diesen Stätten gedenkt man heute noch des Schiffes, das die Welt erobern

sollte.

Warum aber wurde die Titanic zu einem derartigen Mythos? Eigel Wiese sprach darüber mit Philosophen,

Historikern und denjenigen Menschen, die das Andenken des Schiffes bis heute am Leben erhalten und versucht

eine Antwort auf diese Frage zu finden. Nicht zuletzt spielte die damalige Presse eine entscheidende

Rolle: Der Untergang der Titanic kann als erster Medienhype der Geschichte gelten und wurde dementsprechend

ausgeschlachtet.

Des Weiteren liefert das Buch einen Überblick über Gedenkstätten, Museen und Sammlungen zur Titanic.

Es verrät, welche Filme über den Untergang gedreht wurden und beschreibt, wie die Unterwasserexpedition

von Robert D. Ballard zu dem Wrack hinabtauchte.

Einsendeschluß ist der 31.05.2012

Bitte Antwort senden an: wiesbaden@numismediaplc.com

Die MünzenZeitung 05/12 |

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Münzen Spezial Teil 2

200 JAHRE SOUVERÄNITÄT

LIECHTENSTEIN 1806 - 2006

2006 erschienen die bisher letzten Gold- und Silbermünzen des

Fürstentums Liechtenstein. In diesem Bericht soll vor allem

die Zeit vor 200 Jahren etwas beleuchtet werden, dabei soll

nicht nur das Jahr 1806 isoliert betrachtet werden, sondern der

Hintergrund, in welchem das Ereignis zustande kam, dessen

200-Jahr-Jubiläum gefeiert wurde. In diesem Zusammenhang

soll als erstes das Leben und Werk des Fürsten Johann I. von

Liechtenstein behandelt werden. Ein Fürst, der sicher zu den

großen Regenten des Hauses Liechtenstein zählt. Leider gibt es

vom Fürstenhaus Liechtenstein aus der Jahrhundertwende vom

18. ins 19. Jahrhundert aus Sicht der Numismatik nicht viel zu

berichten. Es fällt in die Zeit, in der zwischen 1778 und 1862

keine Münzen des Hauses Liechtenstein geprägt wurden. Zu erwähnen

sind allenfalls die großen Gussmedaillen mit dem Bildnis

seines Bruders Alois I. und dessen Gemahlin Karoline aus

dem Jahre 1802. Diese Medaillen wurden im Eisenwerk

Adamstal (Mähren) hergestellt. 1

Johann I. kam am 27. Juli 1760 als Sohn des Fürsten Franz

Joseph und der Fürstin Leopoldine in Wien zur Welt. Schon

früh entschied er sich die militärische Laufbahn einzuschlagen

in der er - begünstigt durch die Napoleonischen Kriege - einen

steilen Aufstieg erleben sollte. Im Alter von 28 Jahren zog er

als Oberstleutnant gegen die Türken. 1790 wurde Johann nach

der Erstürmung von Cetin mit dem Ritterkreuz des Maria

Theresia-Ordens ausgezeichnet. 1792 heiratete er die erst

16-jährige Josepha-Sophie Landgräfin zu Fürstenberg-Weitra,

deren Ehe 11 Kinder entsprangen.

In den darauf folgenden Kämpfen gegen Frankreich erwarb sich

der Fürst hohe militärische Ehren und wurde 1794 zum Generalmajor

befördert. 1797 hatte Johann I. den ersten Kontakt zu

Napoleon. In der Schlacht an der Trebbia im Juni 1799 hat Fürst

Johannes I. durch sein mutiges Eingreifen wesentlich zum Erfolg

beigetragen. Als sein Pferd durch einen Schuss verletzt

wurde, sprang er ab und nahm sich ein Pferd vom nächsten Soldaten.

Solche Szenen sollen sich während des Schlachtgetümmels

mehrmals zugetragen haben. Ein Artilleriegeschoss streifte

ihn so knapp, dass ihm der Rockschoß abgerissen wurde. Dadurch

ging sein Geldbeutel mit 30 Dukaten und 200 Gulden

verloren. 2 Sein mutiger Einsatz wurde mit dem Aufstieg zum

Feldmarschallleutnant belohnt. Trotz mehrerer starker Gichtanfälle

meldete er sich zum Militärdienst zurück und kämpfte

im Dezember des Jahres 1800 gegen Napoleon. Auch er konnte

die Niederlage der österreichischen Truppen bei

Hohenlinden nicht verhindern, konnte aber durch einen geschickten

Rückzug wesentlich größere Verluste vermeiden. Am

24. März 1805 verstarb sein älterer Bruder Alois, wodurch

Johannes regierender Fürst und Majoratsträger wurde. Am

2. Dezember 1805 unterlagen die Österreichisch-Russischen

Truppen bei Austerlitz der Armee Napoleons. Die anschließenden

Friedensverhandlungen zwischen Napoleon und Kaiser

Franz I. fanden unter der Leitung von Fürst Johann in Nasedlowitz

statt. Napoleon war sich seiner Siegerposition bewusst

und stellte hohe Forderungen an Österreich. Nach der

Unterzeichnung des Friedensvertrages von Pressburg am

27. 12. 1805 wurde Johannes von Liechtenstein als Friedensbringer

gefeiert. Danach kamen für das heutige Fürstentum

Liechtenstein wichtige Veränderungen. Napoleon gründete den

Rheinbund, in den auch Liechtenstein aufgenommen wurde;

allerdings ohne das Zutun des Fürsten! Das Land am Alpenrhein

war nun unabhängig. Allerdings durfte Johann I. das Land

nur regieren, wenn er nicht in fremden militärischen Diensten

stehen würde. Dadurch war er nun in eine unangenehme Situation

geraten. Da war einerseits die traditionelle Verbundenheit

des Hauses Liechtenstein zum österreichischen Kaiser, andererseits

wollte und konnte er den großen Imperator Napoleon

nicht brüskieren. Schließlich nutzte Johannes ein vertragliches

Hintertürchen, indem er die Regentschaft seinem dreijährigen

Sohn Karl Johann übertrug. Dies war natürlich rein formell,

denn sein Sohn stand unter Johanns Vormundschaft. Möglicherweise

wurde dieser Artikel im Vertrag speziell für Fürst Johann

von Napoleon abgefasst. 3

1809 brachen die Napoleonischen Kriege erneut aus. Wieder

zog Johann Liechtenstein, inzwischen zum Feldmarschall aufgestiegen,

in den Krieg. Auch aus dieser Zeit finden sich immer

wieder große Taten des Fürsten in den Geschichtsbüchern. Bei

Wagram sprang er über eine Truppe Infanteristen, die sich in

einem Hohlweg befanden. Daraus entstand ein berühmtes

Gemälde, das den Fürsten Johann I. auf einem „fliegenden

Pferd“ darstellt.

1809 war Johann Liechtenstein damit betraut, den Friedensvertrag

von Schönbrunn auszuhandeln. Auch dieses Abkommen

war für Österreich mit schweren Lasten verbunden. Fürst

Liechtenstein versuchte sogar, seine wertvolle Gemäldegalerie

als Entschädigungszahlung anzubieten. Nachdem Napoleon die

Unterschrift Liechtensteins als verbindlich betrachtete, hätte

der Vertrag eigentlich noch dem Kaiser vorgelegt werden sollen.

Wieder wurde Johann I. von der Wiener Bevölkerung als

Friedensbringer gefeiert; der Kaiser hingegen war höchst ver-

20

| Die MünzenZeitung 05/12


Münzen Spezial Teil 2

ärgert, derart hohe Entschädigungszahlungen an die Franzosen

zu tolerieren. Schließlich musste sich der Fürst auch gefallen

lassen, zwar über hervorragende militärische Fähigkeiten zu

verfügen, weniger aber über diplomatische. Diese Umstände

trugen maßgeblich dazu bei, dass Johann I. im September 1810

den militärischen Dienst quittierte und sich der Bewirtschaftung

seiner Güter widmete. Wirtschaftlich und politisch folgten turbulente

Zeiten. 1811 kam es zum österreichischen Staatsbankrott,

immerhin konnte mit dem einsetzenden Niedergang

Napoleons die negative Last des Schönbrunner Vertrages revidiert

werden. Als es 1816 zur Gründung der österreichischen

Nationalbank kam, war auch Fürst Liechtenstein mit einem Kapital

von 100.000 Gulden beteiligt.

Fürst Johann kaufte auch viele Güter zurück, die einst in Liechtensteinischem

Familienbesitz waren, so die Burg Liechtenstein

bei Mödling oder Schloss Riegersburg, um nur zwei zu nennen.

Die Sümpfe um Schloss Eisgrub verwandelte er in eine ausgedehnte

Parklandschaft, welche noch heute bewundert werden

kann. Zu gerne hätte er auch die Herrschaft Nikolsburg, das seit

1560 den Dietrichstein gehört, wieder zurückgekauft, doch dies

soll ihm vergönnt gewesen sein. Fürst Johann I. verstarb am

20. April 1836 in Wien und wurde in die Fürstliche Gruft in

Wranau überführt. Fürst Johann I. war einerseits ein großer Militarist,

widmete sich aber in den letzten zwei Jahrzehnten seines

erfüllten Lebens auch der Ökonomie und mehrte das

Liechtensteinische Majorat erfolgreich. Obschon Johann I.

nicht direkt die Unabhängigkeit Liechtensteins zuzuschreiben

ist, sondern pikanterweise seinem großen Gegenspieler, so ist

es durchaus der herausragenden Persönlichkeit dieses Fürsten

zu verdanken, dass diese Souveränität „von Napoleons Gnaden“

überhaupt zustande kam.

10 Franken 2006 Silber

Gewicht: 30g (900/1000)

Auflage: 15’000

Geld und Wirtschaft vor 200 Jahren

in Liechtenstein

Die Unabhängigkeit Liechtensteins fällt in eine schwere Zeit.

Liechtenstein war ein armes Agrarland. Durch die fürstliche

Herrschaft konnte kein gehobenes Bürgertum entstehen, wie in

gewissen Städten der Schweiz, ebenso erschwerte die Abgeschiedenheit

die ökonomische Entwicklung erheblich. Die

nächste größere Stadt Chur liegt 40 km entfernt, damals eine

Tagesreise. In regelmäßigen Abständen fielen die Ernten den

Launen des damals noch ungebändigten Rheines zum Opfer.

1778 prägte Fürst Franz Joseph I. die letzten Münzen des Fürstenhauses

Liechtenstein, Dukaten, Taler, Halbtaler und

20-Kreuzer-Münzen, die theoretisch auch in Liechtenstein Gültigkeit

hatten, aber im Umlauf nicht anzutreffen waren. Über

den Geldumlauf in Liechtenstein gibt es in Ermangelung eines

eigenen Finanzinstitutes 4 nicht allzu viele Informationen. Immerhin,

so wird berichtet, soll Johann Wolfgang von Goethe,

als er 1788 in Vaduz übernachtete, mit Churer Geld bezahlt

haben. 5 Man kann davon ausgehen, dass einerseits schweizerische,

aber auch österreichisch, Geldstücke umliefen. So befanden

sich 1802 österreichische 12-Kreuzer-Münzen im

Nennwert von 15.000 Gulden im Lande. Diese wurden nämlich

außer Kurs gesetzt. Dank den Beziehungen des Fürsten in Wien

konnten solche 12-Kreuzer-Münzen nachträglich für 12.000

Gulden eingelöst werden, ansonsten diese dem Land bzw. der

Bevölkerung verlorengegangen wären. 5 Auch wurde den Liechtensteinern

österreichisches Papiergeld aufgedrängt, dies jedoch

nur in beschränktem Umfang, durch die Abgeschiedenheit

Liechtensteins waren die „Wiener Stadt-Banco-Zettel“ nur selten

anzutreffen, wodurch sich die Papiergeldinflation Österreichs

auf Liechtenstein nicht derart dramatisch auswirkte.

Inwiefern sich das Silbergeld in Liechtenstein gehalten hat, lässt

sich nicht genau bestimmen. Österreich begann ab 1760 mit der

Ausgabe von Kupferscheidemünzen, die mit Bestimmtheit bis

nach Liechtenstein gelangt sind: (30 Kreuzer, 15 Kreuzer, 6

Kreuzer, 3 Kreuzer, 1 Kreuzer, 1/2 Kreuzer und 1/4 Kreuzer.) 6

Abschließend lässt sich sagen, dass von 200 Jahren in Liechtenstein

neben österreichischem auch St. Gallisches und Bündner

sowie süddeutsches Geld umlief, von einer einheitlichen

klaren Regelung kann keine Rede sein. Diese brachte erst der

Wiener Münzvertrag von 1857, dem auch die erste Münze des

souveränen Fürstentums Liechtenstein entsprang, dem Vereinstaler

von 1862 mit dem Portrait des Fürsten

Johann II.

André Zülle

50 Franken 2006 Gold

Gewicht: 10g (900/1000)

Auflage: 10’000

1

J.P. Divo Nr. 83,84,85

2

Gerhard Schöpfer. Klar und Fest, Geschichte des Hauses Liechtenstein Riegersburg 1996

3

Pierre Raton. Liechtenstein Staat und Geschichte. Vaduz 1969.

4

Die erste Sparkasse Liechtensteins wurde erst 1861 gegründet (Die spätere Liechtensteinische Landesbank)

5

Herbert Rittmann. Kleine Münz- und Geldgeschichte von Liechtenstein. Karlsruhe 1977

6

Günter Deecke. Jahresheft des LNZ 2004. Balzers 2004.

Die MünzenZeitung 05/12 |

21


Münzen Neuheiten

Österreich

10 Euro

„Bundesländer-Serie“

Die Steiermark

Land:

Österreich

Ausgabejahr: 2012

Nennwert: 10 Euro

Material: Silber 925, Kupfer

Gewicht: 16 g

Durchmesser: 32 mm

Auflage (max.): 40.000 HGH., 100.000 N.P.

Ausgabedatum: 25. April 2012

Einen Münzwettbewerb der besonderen Art hat sich Österreich einfallen lassen: Bis 2016 werden alle

Bundesländer Österreichs auf Münzen verewigt – mit von Kindern gestalteten Motiven! Jedes Jahr wird

je ein Wettbewerb für zwei Bundesländer veranstaltet. Teilnehmen dürfen alle Volksschüler der 3. und

4. Klasse aus dem jeweiligen Bundesland.

Bereits abgeschlossen ist der Wettbewerb für die Münze „Steiermark“.

Den 1. Platz belegte Viktoria Reicht mit ihrem Entwurf „Das grüne Steiermarkherz“:

Slowakei

10 Euro

„Pavol von Levoča“ (Leutschau)

Land:

Slowakei

Nennwert: 10 Euro

Metall: Silber 900, Kupfer 100

Gewicht: 18 g

Durchmesser: 34 mm

Auflage (max.): 25.000

Ausgabedatum: Mai 2012

Pavol von Levoča (Leutschau) war einer der bedeutendsten mittelalterlichen Holzkünstler und Bildhauer des

15. und 16. Jahrhunderts, dessen Hauptwerke in Leutschau (damals Königreich Ungarn, heute Levoča in

der Ostslowakei) entstanden sind. Sein Hauptwerk ist der höchste gotische Altar (18,62 m hoch) in der Welt,

der sich in der Kirche des Hl. Jakobus vom 14. Jahrhundert in Levoca befindet. Die Münze trägt einen Stern

vom Europäischen Silber-Programm.

22

| Die MünzenZeitung 05/12


Münzen Neuheiten

Frankreich

1000 Euro Gold

„Or Hercule 2012“

Künstler: Joaquim Jimenez

Gewicht : 20 g

Durchmesser : 39 mm

Auflage: 10.000

Feingewicht: 999,99/1000

Prägequalität : Brillant Universel

Herakles oder Herkules: „Der, der sich an Hera Ruhm erwarb“, Lateinisch Hercules) ist ein für seine Stärke

berühmter altgriechischer Nationalheros, dem göttliche Ehren zukamen und der in den Olymp aufgenommen

wurde. Er war Heil- und Orakelgott, Beschirmer der Gymnasia (Sportstätten) und Paläste. Er war ein

Schützling der Athene.

Seine Attribute sind das Fell des Nemëischen Löwen, Keule, Bogen und Köcher.

Herakles war der Sohn des Zeus und der Alkmene, Zwillingsbruder des Iphikles, erster Gatte der Megara,

zweiter Gatte der Omphale, Gatte der Deianeira, nach einigen Gatte der Auge und nach seinem Tode

Gatte der Göttin Hebe, außerdem Geliebter der Iole und des Abderos und Vater zahlreicher Kinder.

Herakles war Vetter und Freund des Oionos, Urgroßvater des Hippotes und des Deiphontes und Vorfahre

des Polyphontes. Sein Ziehvater ist Amphitryon. Über die Genealogie seiner Mutter gehört er zum

Geschlecht der Persiden.

Großbritannien

5 Pfund

Titanic

Land: Großbritannien Großbritannien Großbritannien

Nennwert: 5 GBP 5 GBP 2 GBP

Material: Silber .925 Nickel Gold

Durchmesser: 38,61 mm 38,61 mm

Gewicht: 28,28 g 28,28 g

Prägejahr: 2012 2012 2012

Auflage (max.): 7.500

Ausgabedatum: 2012 2012 2012

Ausgabepreis: 82,50 GBP 12,99 GBP 995,00 GBP

Die Titanic gehört aufgrund der Umstände, die mit ihr und ihrem Untergang verbunden werden, zu den

bekanntesten Schiffen der Geschichte. Weltweit beschäftigen sich Literatur, bildende Kunst sowie Film und

Fernsehen regelmäßig mit den Ereignissen und Umständen ihrer letzten Fahrt und des Untergangs.

Ihr Name steht für schwerwiegende Unglücke und die Unkontrollierbarkeit der Natur durch technische

Errungenschaften.

Die MünzenZeitung 05/12 |

23


Münzen Neuheiten

Korea

20000 Won

„EXPO 2012

Yeosu Korea“

Korea

15000 Won

„EXPO 2012

Yeosu Korea“

Land:

Korea

Ausgabejahr: 2012

Nennwert: 20000 Won

Material: Gold 99,9%

Gewicht:

1/2 oz

Durchmesser: 28 mm

Auflage (max.): 6.000

Ausgabedatum: Mai 2012

Die größte Fläche auf dem Gelände wird durch den

internationalen Pavillon abgedeckt, der Ausstellungen der

Länder in einzelnen und gemeinsamen nationalen Pavillons

beherbergt. Die fünf Ozean-Cluster, die Harmonie, Koexistenz

und Wohlstand symbolisieren, befinden sich auf einer

säulenfreien Ausstellungsfläche. Von der Aussichtsplattform,

die im internationalen Pavillon installiert wurde, bietet sich

dem Besucher eine wunderschöne Aussicht auf die

Umgebung.

Land:

Korea

Ausgabejahr: 2012

Nennwert: 15000 Won

Material: Gold 99,9%

Gewicht:

1/4 oz

Durchmesser: 22 mm

Auflage (max.): 10.000

Ausgabedatum: Mai 2012

Der Big-O ist der Orientierungspunkt der Expo Yeosu. Auf

der Big-O-Ausstellungsfläche können die Besucher die

Bedeutung des Expo-Themas in verschiedenen Erlebnisbereiche

kennenlernen und Großveranstaltungen, kulturelle

Darbietungen und eine Vielzahl von Shows mit dem offenen

Meer als Kulisse genießen.

Korea

10000 Won

„EXPO 2012

Yeosu Korea“

Korea

5000 Won

„EXPO 2012

Yeosu Korea“

Land:

Korea

Ausgabejahr: 2012

Nennwert: 10000 Won

Material: Silber 99,9%

Gewicht:

1 oz

Durchmesser: 40 mm

Auflage (max.): 20.000

Ausgabedatum: Mai 2012

Der Korea-Pavillon präsentiert die Zukunftsvision Koreas als

führende Seenation.

Der Sky-Tower ist das höchste Bauwerk auf dem Expo-

Gelände (73 Meter hoch). Erbaut aus einem Paar stillgelegter

Silos, wird er dauerhaft auf dem Expo-Gelände bleiben als

ein kulturelles Wahrzeichen der Expo Yeosu.

Land:

Korea

Ausgabejahr: 2012

Nennwert: 5000 Won

Material: Silber 99,9%

Gewicht:

1/2 oz

Durchmesser: 32 mm

Auflage (max.): 20.000

Ausgabedatum: Mai 2012

Der Themen-Pavillon, der erste Offshore-Pavillon in Korea,

ist der Hauptpavillon, der das Expo-Thema „Der lebende

Ozean und die Küste“ darstellt.

Der Sky-Tower verdient es, das Symbol der umweltbewussten

Yeosu Expo zu sein, indem Reste aus dem industriellen

Zeitalter in ein schönes künstlerisches Meisterwerk

verwandelt wurden und wirft ein neues Licht auf Koreas

fortschrittliche und umfassende Meereskenntnisse und die

Technologien.

24

| Die MünzenZeitung 05/12


Münzen Neuheiten

Korea

1000 Won

„EXPO 2012

Yeosu Korea“

Korea

5000 Won

„EXPO 2012

Yeosu Korea“

Land:

Korea

Ausgabejahr: 2012

Nennwert: 1000 Won

Material:

Kupfer+Zink

Gewicht:

10,10 oz

Durchmesser: 28,2 mm

Auflage (max.): 137.512

Ausgabedatum: Mai 2012

Die Yeosu-Expo-Maskottchen – Yeony und Suny – genossen

vor kurzem eine große Popularität bei einem bekannten

britischen Straßenfest. Das Organisationskomitee für die Expo

2012 Yeosu in Korea hatte einen Promotion-Stand auf dem

Thames-Festival eingerichtet, das vom 10. bis 11. September

2011 entlang der Themse in London stattfand. Die Besucher

hatten Gelegenheit, verschiedene Tipps und Hinweise für die

Yeosu Expo auf einem großen Ballon zu lesen, und sie

zeigten auch Fotos mit Yeony und Suny. Die beiden Maskottchen,

die einen Wassertropfen und das Plankton des Meeres

symbolisieren, zogen vor allem das Interesse der Kinder auf

sich.

Land:

Korea

Ausgabejahr: 2012

Nennwert: 5000 Won

Material: Silber 99,9%

Gewicht:

1/2 oz

Durchmesser: 32 mm

Auflage (max.): 20.000

Ausgabedatum: Mai 2012

Der Korea-Pavillon präsentiert die Zukunftsvision von Korea

als eine führende maritime Nation und wirft ein neues Licht

auf den fortschrittlichen und expansiven Wissens-und

Technologietransfer der Marine Koreas.

Die MünzenZeitung 05/12 |

25


Termine

2012

TERMINE

Mai

Münzauktionen

02. - 04.05.2012

Gerhard Hirsch nachfolger

Promenadenplatz10/II, 80333 München

Tel.: +49 (0)89 / 29 21 50

05.05.2012

680. auktion

Varia-auktion mit Münzanteil

BBA-Therese, Frankfurt/Main

Tel.: +49 (0)69 / 2 97 79 29

07. - 08.05.2012

LHS numismatik aG

In Gassen 20, CH 8001 Zürich

Tel.: +44 (0)217 / 42 42

07. - 08.05.2012

auktionen Meister und Sonntag (aMS)

allgemein

70182 Stuttgart

Tel.: +49 (0)711 / 24 84 73 69

08. - 09.05.2012

Baldwin’s auctions

11 Adelphi Terrace, GB London

Tel.: +44 (0)20 / 79 30 98 08

09. - 10.05.2012

Hess+Divo aG

Löwenstr. 55, CH 8001 Zürich

Tel.: +41 (0)44 / 2 25 40 90

10. - 11.05.2012

Emporium Hamburg, 67. auktion

Störtebeker-Haus

Süderstraße 288, 20537 Hamburg

Tel.: +49 (0)401 / 2 57 99-1 34

10. - 11.05.2012

135. auktion, allgemein

Tempelhofer Münzenhaus

12099 Berlin

Tel.: +49 (0)30 / 6 26 33 59

18. - 19.05.2012

aix-Phila GmbH, 50. auktion

Lothringstraße 13, 52062 Aachen

Tel.: +49 (0)241 / 3 39 95

18. - 19.05.2012

Gert Müller GmbH & Co. KG

int. Brief- und Münzenauktion

Carl-Zeiss-Straße 2, 76275 Ettlingen

Tel.: +49 (0)7243 / 5 61 74-0

21. - 22.05.2012

Hess+Divo aG

321. auktion, allgemein

CH 8001 Zürich

23. - 25.05.2012

SinCOna aG auktion

Pelikanstraße 11, CH 8001 Zürich

Tel.: +41 (0)44 / 2 15 10 90

25. - 26.05.2012

Teutoburger Münzauktion und Handel,

63. auktion

Brinkstraße 9, 33829 Borgholzhausen

Tel.: +49 (0)5425 / 93 00 50

31. 05. - 01.06.2012

59. Möller-auktion

Mercure-Hotel, in der Kurfürstengalerie

Spohrstraße 4, 34117 Kassel

Tel.: +49 (0)5673 / 21 79

Vorträge

15.05.2012

Damastion

Bayerische Numismatische Gesellschaft

München

17. - 20.05.2012

numismatische Exkursion

Basler Münzen- und Medaillenfreunde

CH-Basel

18.05.2012

Götter, nymphen, Ungeheuer-Mythen

vom Wasser und ihre ausprägungen im

Münzbild der antike

Numismatische Gesellschaft Schweinfurt

Schweinfurt

26

| Die MünzenZeitung 05/12


Termine

2012

TERMINE

Mai

Veranstaltungskalender

06.05.2012

Ostfriesischer Münzfreunde e.V. - Treffen

von 10.00 Uhr - 15.00 Uhr

Ostfriesland

13.05.2012

Münzclub Jever - Tauschtag

mit Sammlerflohmarkt

von 10.00 Uhr - 12.00 Uhr

Jever

22.05.2012

Oldenburger Münzfreunde e.V. - Treffen

ab 19.30 Uhr

Oldenburg

24.05.2012

Ostfriesischer Münzverein e.V.

Vereinsabend mit auktion

ab 19.00 Uhr

Wirdum

Münzbörsen

01.05.2012

95. int. Münzenbörse

von 10.00 Uhr - 16.00 Uhr

Hann.-Congress-Centrum

in der Niedersachsenhalle

30171 Hannover

Kontakt: Christoph Walczak e.K.

Tel.: +49 (0)511 / 32 37 44

05.05.2012

Börse der Grafschafter

Münzfreunde Moers e.V.

von 10.00 Uhr - 13.30 Uhr

EUROtec-Center

Eurotec-Ring 15

47447 Moers

Kontakt: Ulrich Heßeler

Tel.: +49 (0)1577 / 2 17 76 04

05.05.2012

41. int. Münzenmesse BERna 2012

von 9.00 Uhr - 17.00 Uhr

Kultur-Casino Bern, CH-3000 Bern

Kontakt: Num. Verein Bern

Tel.: +41 (0)7 95 34 22 33

06.05.2012

37. Münzbörse

von 9.00 Uhr - 16.00 Uhr

im Saal des Gesellschaftshaus, Gartenstadt

90469 Nürnberg

Tel.: +49 (0)911 / 2 20 77

06.05.2012

Münzbörse

Stadthalle, Walter-Mehnert-Straße3

von 9.00 Uhr - 15.00 Uhr

09496 Marienberg

Tel.: +49 (0)3735 / 6 18 80

06. - 08.05.2012

15. SBERaTEL 2012

Münzfreunde Moers e.V.

von 10.00 Uhr - 18.00 Uhr, bzw. -16.00 Uhr

Fairgrounds Prague

PVA letany, Beranovych 667, CZ-Praha 9

Kontakt: Progres Partners Adverttising

Tel.: +420 2 24 21 84 03

12.05.2012

3. Filanumis 2012

von 9.30 Uhr - 16.00 Uhr

Expo Houten

Meidoornkade 24, NL-3992 Houten

Kontakt: Wouter Beerekamp

Tel.: +31 5050 / 3 39 26

13.05.2012

38. Pfälzische Münzbörse

Stadthalle Speyer, 67346 Speyer

Tel.: +49 (0)6232 / 6 50 50

13.05.2012

Münzbörse

von 9.00 Uhr - 15.00 Uhr

Hotel de Druiventros, Bosscheweg 11

NL-Tilburg

17.05.2012

Münzbörse

von 9.00 Uhr - 15.00 Uhr

Neuberinhaus, Weinholdstraße 7

08468 Reichenbach

Tel.: +49 (0)3765 / 1 21 69

Die MünzenZeitung 05/12 |

27


Von der Idee zur Münze

Geldproduktion verlief in der DDR

unter dem Mantel der Verschwiegenheit

Was sich hinter den Mauern des damaligen VEB Münze der DDR abspielte, ist bisher nur zum Teil erforscht. Bis Ende 2005 war das aus der NS-

Zeit stammende Haus Prägeanstalt. Die Staatliche Münze Berlin prägt heute ein Fünftel des deutschen Hartgeldbedarfs im Bezirk Reinickendorf.

Dass man mit gut gestalteten Münzen viel Staat machen

kann, ist ein alter Hut. Schon in der Antike legten Cäsaren

und andere Potentaten großen Wert auf die Verherrlichung ihrer

Person und Taten auf Münzen. In der Renaissance wurde dieser

Brauch neu belebt, und in den Jahrhunderten danach hat man

unzählige Kurs- und Geschichtsmünzen nur zu dem Zweck geprägt,

einen Monarchen oder eine Kommune in bestem Licht

erscheinen zu lassen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es zunächst

die Bundesrepublik Deutschland, die mit Gedenkmünzen

glänzte. Erst 1966 zog die DDR nach und weckte sofort

Begehrlichkeiten. In einer zweiteiligen Folge wird berichtet,

wie hier wie dort nach langwierigen Debatten aus einer Idee

eine geprägte Münze wurde und was auf dem Weg dorthin auf

der Strecke blieb.

Während in der Bundesrepublik Deutschland die vier Münzanstalten

Hamburg, Karlsruhe, Stuttgart und München für die

Herstellung des Hartgeldes zuständig waren, prägten in der

DDR zunächst zwei staatliche Geldfabriken - die Münze in Berlin

und die in Muldenhütten. Die letzten aus der sächsischen

Prägeanstalt bei Freiberg stammenden und mit einem „E“ gezeichneten

Ein-, Fünf- und Zehnpfennigstücke aus Aluminium

tragen die Jahreszahl 1953, versehen mit der Staatsbezeichnung

DEUTSCHLAND. Sie drückt die Hoffnung der damaligen

Machthaber in Ostberlin und der hinter ihnen stehenden Sowjets

aus, die Herrschaft in ganz Deutschland an sich zu reißen,

natürlich unter kommunistischen Vorzeichen. Nach Annahme

des Gesetzes über das Staatswappen der DDR vom

26. September 1955 wurde ein neues Münzbild eingeführt, das

auf der Rückseite Hammer und Zirkel im Ährenkranz sowie die

Bezeichnung DEUTSCHE DEMOKRATISCHE REPUBLIK

zeigt. In der Berliner Münze wurden ab 1956 neue Geldstücke

aus Aluminium zu einer Deutschen Mark, ab 1957 zu zwei

Deutschen Mark, ab 1958 zu 50 Pfennig, ab 1960 zu einem und

ab 1963 zu zehn Pfennig geprägt. Hinzu kamen 1958 ein Fünf-

Pfennig-Stück, 1972 ein Zwanzig-Pfennig-Stück und 1969 ein

28

| Die MünzenZeitung 05/12


Münzen Spezial Teil 3

Fünf-Mark-Stück, das 20 JAHRE DDR feiert. Neben regulären

Kursmünzen kommen Proben aus verschiedenen Legierungen

sowie Abschläge mit fehlerhaften Randschriften und manch anderen

Abweichungen vor. Alle diese Ausgaben werden von

Sammlern gesucht und gut bezahlt, obwohl sie eigentlich Ausschuss

sind, der die Münzstätte eigentlich nie hätte verlassen

dürfen.

In der frühen DDR wurde ernsthaft erwogen, ähnlich wie in der

Bundesrepublik Deutschland silberne Fünf-Mark-Stücke als

Kursmünzen auszugeben. Im deutschen Westen waren sie ab

1951 in München, Hamburg, Karlsruhe und Stuttgart als Kursmünzen

und ab 1952 auch als Gedenkmünzen geprägt worden.

Dazu wurde in Mexiko gekauftes Silber verwendet, weil bedeutende

eigene Edelmetallbestände nicht zur Verfügung standen.

Die Berechnung der Kosten für das benötigte Silber und das zur

Legierung hinzugesetzte Kupfer und eine kritische Analyse der

wirtschaftspolitischen Begleitumstände ließen DDR-Politiker

von dem Plan abrücken, durch besonders schöne und wertvolle

Edelmetallmünzen zu glänzen. Viele Silberstücke wären, so

mutmaßte man, von den DDR-Bewohnern gehortet, aber nicht

wieder ausgegeben worden, oder man hätte sie in den westdeutschen

und West-Berliner Wechselstuben zum Schaden der DDR

in Deutsche Mark umgetauscht.

Für die ersten DDR-Gedenkmünzen gab es Vorschläge, die sich auch

sehen ließen, jedoch nicht realisiert wurden.

Argument kam aus der Wirtschaft und dem Verkehrswesen, die

nach einem neuen Nominal für Fahrkarten-, Tankstellen- und

Verkaufsautomaten riefen. Ein anderes Motiv war politischer

Natur, denn mit den leichtgewichtigen Aluminiummünzen zwischen

einem Pfennig und zwei Mark war kein Staat zu machen.

Nicht leicht war die Geburt des Fünf-Mark-Stücks von

1969 zum 20. Jahrestag der DDR. Neben den in hoher

Auflage geprägten kupferfarbigen Stücken gibt es auch

seltene Materialproben aus Neusilber und anderen

Legierungen.

Reizvoll ist es zu sehen, wie die gleichen Personen und Anlässe beiderseits

der innerdeutschen Grenze gewürdigt und dargestellt wurden.

Nach Überwindung vieler politischer, wirtschaftlicher und technischer

Schwierigkeiten wurde 1969 im VEB Münze der DDR

am Berliner Molkenmarkt eine Fünf-Mark-Münze nicht aus Silber,

sondern aus einer rötlich schimmernden Kupfer-Nickel-

Legierung anlässlich des 20. Jahrestages der Gründung der

DDR geprägt. Die Geburt dieses Geldstücks verlief unter großen

Wehen. Außenstehende erfuhren von ihnen nichts, denn das

Projekt stand unter der üblichen Geheimhaltung und wurde erst

öffentlich, als alles unter Dach und Fach war. Für ein Geldstück,

das mehr wert und schwerer war als die aus Aluminium bestehende

Zwei-Mark-Ausgabe, gab es gute Gründe. Ein wichtiges

Nachdem es 1959 nicht gelungen war, Gedenkmünzen zum

zehnten Jahrestag der DDR auszugeben, versuchte man es 1969

zum opulent begangenen 20. Republikgeburtstag, über den der

Volksmund spottete: „Keine Kohlen im Keller, / keine Kartoffeln

im Sack, / es lebe der 20. Jahrestag“. Hohen und höchsten

Partei- und Regierungsgremien lagen unterschiedliche Entwürfe

vor. Gedacht war zunächst an eine Münze mit dem Kopf

des 1960 verstorbenen Staatspräsidenten Wilhelm Pieck beziehungsweise

mit dem Brandenburger Tor. Seit dem Mauerbau

am 13. August 1961 hermetisch abgeriegelt, spielte das klassizistische

Wahrzeichen an der Trennlinie zwischen den Berliner

Die MünzenZeitung 05/12 |

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Mit Zwanzig- und Zehn-Mark-Stücken zur Erinnerung an Gottfried Wilhelm Leibniz und Karl Friedrich Schinkel (beide 1966) sowie Käthe Kollwitz

(1967) startete die DDR ihre bis 1990 laufende Gedenkserie.

Ost- und den Westsektoren in der kommunistischen Propaganda

eine große Rolle, weil an diesem Ort angeblich mit der Errichtung

des „antifaschistischen Schutzwalls“ dem Imperialismus

ein entscheidender Schlag versetzt wurde. Im Gespräch waren

für die neuen DDR-Münzen ferner der Berliner Fernsehturm,

der am 3. Oktober 1969 vom damaligen SED-Chef und Staatsratsvorsitzenden

Walter Ulbricht feierlich eröffnet wurde, aber

auch der wieder aufgebaute Zwinger in Dresden sowie Szenen

mit Arbeitern und Bauern. Ebenso wurde an Bildnisse von Karl

Marx und Friedrich Engels für die Jubelmünze gedacht, die als

Klassiker des Marxismus-Leninismus in der DDR geradezu

kultische Verehrung genossen.

All diese Motive fanden bei der Regierung und der SED-Führung

keine Gnade, einige wurden erst später verwirklicht. Geprägt

wurde nach einem Entwurf von Axel Bertram das

Fünf-Mark-Stück mit der großen Wertzahl 5 und der lapidaren

Inschrift XX JAHRE DDR. Interesse verdient, dass die Zahl 20

nicht in arabischen Ziffern geschrieben wurde, sondern mit

einer römischen XX analog zur Zählung der SED-Parteitage.

Als 1979 der 30. Jahrestag der DDR gefeiert wurde, wich man

von dieser Schreibweise ab, weil man befürchtete, dass die römische

XXX vom Volksmund mit den bekannten drei Kreuzen

gleichgesetzt wird, die man nach alter Tradition unter etwas Unlesbares

setzte oder mit denen man festgestellt hatte, dass eine

bestimmte Sache erledigt, aus und vorbei ist.

Silberne Ehrengedächtnisse

Als die DDR 1966 die ersten silbernen Gedenkmünzen prägen

ließ, belebte sie die Tradition der „silbernen Ehrengedächtnisse“,

wie man in der Barockzeit solche Sonderprägungen und

Medaillen nannte. Der zweite deutsche Staat zog gegenüber der

Bundesrepublik Deutschland mit vierzehnjähriger Verspätung

nach, denn schon 1952 hat man dort die ersten Gedenkmünzen

im Wert von fünf DM herausgebracht. Den Anfang machte in

der DDR-Geldfabrik ein von Gerhard Rommel und Dietrich

Dorfstecher gestaltetes Zwanzig-Mark-Stück zum 250. Todestag

des Philosophen und Universalgelehrten Gottfried Wilhelm

Leibniz, dem unter anderem die Gründung der Berliner Akademie

der Wissenschaften im Jahr 1700 zu verdanken ist. Hinzu

kam ein von Gerhard Rommel und Axel Bertram entworfenes

Zehn-Mark-Stück zum 125. Todestag des preußischen Baumeisters,

Stadtplaners, Designers, Malers und Denkmalpflegers

Karl Friedrich Schinkel. Mit einer Serie von Gedenkmünzen

sollten „hervorragende international bekannte Persönlichkeiten

der deutschen Geschichte im Münzbild“ gewürdigt werden. In

diesem Sinne wurden Künstler, Wissenschaftler und Politiker

ausgewählt, um ihnen ein numismatisches Denkmal zu setzen.

Doch ging man alsbald zur Darstellung von Gebäuden und bekannten

Monumenten über. Ab und zu gab es Überschneidungen

und Parallelen mit Münzen, die die Bundesrepublik

Deutschland zu den gleichen Anlässen prägen ließ.

In der DDR besonders verehrte Parteiführer und Politiker wie Pieck,

Grotewohl und Thälmann wurden auf Münzen dargestellt, die auch im

normalen Geldverkehr anzutreffen waren.

Große Komponisten wie Bach, Händel und Beethoven wurden durch

schön gestaltete Gedenkmünzen geehrt.

30

| Die MünzenZeitung 05/12


Münzen Spezial Teil 3

Als „Flach- und Massenware“

waren solche zu wichtigen politischen

Ereignissen geprägten

Münzen manchem Spott in der

Bevölkerung ausgesetzt.

Insgesamt wurden im VEB Münze der DDR bis zur Wiedervereinigung

am 3. Oktober 1990 nicht weniger als 123 Gedenkmünzen

zu zehn und 20 Mark sowie ab 1968 zu fünf Mark in

unterschiedlichen Auflagen und künstlerischer Qualität geprägt.

Zu dieser erstaunlich großen, gegen Ende der DDR stark wachsenden

Zahl kommen weitere Stücke, die außerhalb des offiziellen

Programms hergestellt wurden, so dass sich die Menge

noch ein wenig erhöht. In den Geldbörsen klapperten nur massenhaft

hergestellt Stücke, hingegen legten Sammler die silbernen

Gedenkmünzen gleich weg, weshalb diese meist in der

Prägequalität „Stempelglanz“ angeboten werden. Die ersten

DDR-Gedenkmünzen von 1966 und 1967 tragen die Abkürzung

„MDN“ (Mark der Deutschen Notenbank), ab 1968 ging man

zur Kurzbezeichnung „Mark“ über, wobei aber immer „Mark

der Deutschen Demokratischen Republik“ gemeint war. Über

alle diese Prägungen gibt es eine umfangreiche Literatur, die

die Hintergründe der einzelnen Prägungen, aber auch die seinerzeit

im Gesetzbuch angegebenen und die tatsächlichen Auflagezahlen

erläutert. Man erfährt dort außerdem, wer die an der

Münzgestaltung beteiligten Künstler waren und welche Material-

und Bildvarianten vorkommen.

Im Archiv der Kreditanstalt für Wiederaufbau unweit des Gendarmenmarkts

in Berlin-Mitte befindliche Zeichnungen und andere

Dokumente zeigen, dass Künstler und Finanzleute um die

„geprägte Form“ gerungen haben, wie Johann Wolfgang von

Goethe zu den auch von ihm so geliebten und mit Hingabe gesammelten

Münzen und Medaillen sagte. So liegen bemerkenswerte

Vorschläge des an vielen Entwürfen beteiligten Grafikers

Axel Bertram für Schinkel und Leibniz vor. Mal sind sie in zeitgenössischen

Kostümen dargestellt, mal nur mit ihrem Kopf

kombiniert mit unterschiedlichen Umschriften.

Geprägt wurden die ersten beiden Silberstücke bis in das Jahr

1967 hinein. Sie stellten in vieler Hinsicht eine Novität dar,

denn sie wichen formal und in der Ausführung vom Üblichen

ab. Durch ihre ungewöhnliche „schüsselförmige“ Prägung sollten

sie Aufsehen und Käufer finden und letztlich auch das Bild

aufpolieren helfen, das die um internationale Reputation bemühte

DDR von sich abgab. Da die Bildnisse erhaben aus einer

Art Teller oder einer Schüssel herausragten, mussten die Stempel

leicht gerundet sein. Allein die Stempelfertigung war für die

Werkzeugmacher in der Berliner Münze eine große technische

Herausforderung, wurde aber mit Bravour gemeistert.

Neben der regulären Ausgabe „700 Jahre Münzprägung in Berlin“ mit einem „ewigen Pfennig“ gibt es

auch die seltene Motivprobe mit einem brandenburgischen Goldgulden aus dem Jahr 1513.

Die MünzenZeitung 05/12 |

31


Münzen Spezial Teil 3

Weitere Stücke erinnern an große Gelehrte wie Guericke, Liebig,

Einstein und Planck.

Im Frühjahr 1968 stand das eben erst in der DDR begonnene

Gedenkmünzenprogramm vor dem Aus. Mag sein, dass der Absatz

im Westen unter den Bedingungen des Kalten Krieges nicht

den Erwartungen entsprach. Doch die Emission wieder einzustellen,

hätte Prestige gekostet und die Sammler zwischen

Rügen und Erzgebirge, Elbe und Oder enttäuscht. Deshalb

stimmte der Ministerrat weiteren Emissionen mit der Bedingung

zu, dass mit dem Verkauf der Silbermünzen gegen Devisen

wenigstens der Einkauf des erforderlichen Silbers

ermöglicht wird. Um Klagen aus der Bevölkerung zu begegnen,

wurden die zum Verkauf im Inland bestimmten Stückzahlen auf

15 000 erhöht. In den folgenden Jahren nahm im Westen das

Interesse an den DDR-Münzen zu, so dass weitere Gedenkmünzen

erscheinen konnten. Sammler in der DDR werden sich noch

daran erinnern, mit welchen Schwierigkeiten ihr Erwerb verbunden

war und was man in den Fachgruppen Numismatik des

Kulturbundes tun musste, um auf den Wartelisten einen vorderen

Platz zu bekommen. Wer Deutsche Mark, also das begehrte

„Westgeld“ besaß, konnte die Münzen des eigenen Landes im

Intershop kaufen.

Utopische Vorstellungen

Utopisch war die im DDR-Finanzministerium entwickelte Vorstellung,

pro Jahr sechs Münzen zu 20 MDM (Mark der Deutschen

Notenbank) mit Bildern bekannter Baudenkmale in der

DDR sowie zu zehn MDM mit Bildnissen von Dichtern, Musikern

und anderen Persönlichkeiten zu prägen. Statt der anvisierten

zwölf Werte kamen im Jahr anfangs nur zwei zustande,

später wurden es mehr. Es wurde auch überlegt, innerhalb der

Serie ähnlich wie bei den Briefmarken so genannte Sperrwerte

herzustellen. Nur wenn man diese in Miniauflagen geprägten

und daher sehr teuren Münzen besitzt, wäre man komplett. Der

Plan wurde in den folgenden Jahrzehnten umgesetzt, indem

man im VEB Münze sogenannte Proben und Sonderausgaben

Eine der bemerkenswertesten Münzen ehrt mit der Figur des gestiefelten

Katers die Sprachforscher und Märchensammler Jacob und Wilhelm

Grimm. Die anderen Münzen ehren Lessing, Gauß und Abbe.

anfertigte. So wurde mit zwei unterschiedlich gestalteten Zehnmarkstücken

1981 an „800 Jahre Münzprägung in Berlin“ erinnert,

wobei ein „ewiger Pfennig“ aus dem 14. Jahrhundert mit

laufendem Bären und ein Goldgulden des brandenburgischen

Kurfürsten Joachim I. als Motiv verwendet wurden. Während

die Bären-Münze in einer doch recht beachtlichen Auflage von

über 60 000 Stück hergestellt wurde, betrug sie bei der Gulden-

Version nur 2250 Stück. Wer beide Münzen beisammen haben

wollte, hatte große Mühe und musste tief in die Tasche greifen.

Gegen Ende der DDR nahm die Gedenkmünzenproduktion inflationäre

Formen an und war kaum noch zu überschauen. Erst

nach der Wiedervereinigung wurde öffentlich, dass es in der

Berliner Münze manche Manipulationen und Stempelverwechselungen

gab, die gewisse Prägestücke zu heiß begehrten Raritäten

werden ließen. Bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass bei

den DDR-Münzen nicht immer die vorgeschriebenen Stempelkopplungen

und Stücke mit falscher Randschrift vorkommen.

Solche Stücke hätten als Ausschuss die Geldfabrik am Berliner

Molkenmarkt eigentlich nicht verlassen dürfen. Wie sie es trotz

vielfältiger Kontrollen dennoch geschafft haben, ist nicht bekannt.

Anlässe für Sonderprägungen gab es zur Genüge - Geburtstage

und Todestage von Schriftstellern, Musikern, Architekten und

anderen historischen Persönlichkeiten, aber auch die so häufig

gefeierten und zur sozialistischen Selbstdarstellung genutzten

Staats- und Stadtjubiläen. Außerdem wurden bekannte Bauwerke,

Mahnmale und weitere Sehenswürdigkeiten ins Programm

aufgenommen. Um dort hinein zu kommen, war es

wichtig, dass die betreffenden Ereignisse und Gestalten zum

progressiven deutschen Kulturerbe gehören, wie man damals

sagte, und überdies mit solchen Münzen im Ausland Eindruck

und Kasse gemacht werden kann.

Wurden die ersten Gedenkmünzen noch mit mehr oder weniger

gelungenen Porträts geschmückt, so kamen alsbald auch symbolische

Darstellungen, technische Geräte und ähnlichs für die

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| Die MünzenZeitung 05/12


Münzen Spezial Teil 3

Viel Geheimniskrämerei

Beteiligt waren an der Gestaltung der DDR-Münzen Wilfried

Fitzenreiter, Gerhard Rommel, Dietrich Dorfstecher, das Ehepaar

Sneschana Russewa-Hoyer und Heinz Hoyer und weitere

Künstler. Die Diskussionen und die Auswahl der Motive fand

unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Diese wurde erst informiert,

wenn die betreffende Münze im DDR-Gesetzblatt angekündigt

war und die Stücke ausgegeben wurden. Im

Unterschied zur Bundesrepublik Deutschland war die „Geburt“

der Kurs- und Gedenkmünzen mit viel Geheimniskrämerei verbunden.

Was in geschlossenen Zirkeln diskutiert und gewertet

wurde, kam erst nach dem Ende der DDR ans Tageslicht.

Mit der Darstellung berühmter Baudenkmale war man in jedem Fall

auf der richtigen Seite, hier konnte man nichts falsch machen.

zu ehrende Person oder Ereignisse hinzu, und manche sind ausgesprochen

reizvoll und originell gestaltet. In beiden deutschen

Staaten gab es Bestrebungen, an die Stelle von Bildnissen da

und dort Symbole und kleine Spielszenen auf die Vorderseiten

der Münzen zu setzen. Dafür gibt es sehr schöne Beispiele wie

den gestiefelten Kater aus dem gleichnamigen Märchen, mit

dem 1986 an die Sprachforscher und Märchensammler Jacob

und Wilhelm Grimm erinnert wurde. Die von Heinz Hoyer und

Sneschana Russewa-Hoyer entworfene Münze zählt denn auch

zu den schönsten Stücken der ganzen Serie, und das kann man

auch von der Lessing-Münze aus dem Jahr 1979 und weiteren

Ausgaben sagen. Hier wie dort hatte man die Wahl zwischen

einem Porträt des Dichters und einem symbolischen Bild, und

man entschied sich für eine von Axel Bertram gestaltete Szene

aus dem Schauspiel „Nathan der Weise“.

Auch in anderen Fällen wie bei dem Mathematiker Carl Friedrich

Gauß (1977) und dem Instrumentenhersteller und Fabrikanten

Carl Zeiss (1988) wären Porträts möglich gewesen, doch

auch hier wurden Alternativen in Gestalt der so genannten

Gaußschen Glockenkurve und eines Mikroskops aus dem weltbekannten

Optik-Unternehmen in Jena verwendet. Bei den

Münzen von 1968 zur Erinnerung an Johannes Gutenberg, den

Erfinder des Buchdrucks, und von 1969 an Johann Friedrich

Böttger, dem wir das europäische Hartporzellan verdanken, war

man gut beraten, eine symbolische Lösung zu wählen, denn

authentische Porträts von beiden sind nicht überliefert. Für die

Würdigungen entweder durch Bildnisse oder durch symbolische

Figuren und ähnliche Motive lassen sich weitere Beispiele

nennen, und die meisten besitzen einen hohen Wiedererkennungswert

und sind gut durchgeformt.

Axel Bertram, der langjährige künstlerische Leiter der für die

Münzemissionen zuständigen Staatsbank, hat dieser Kompetenz

und das Bemühen um partnerschaftliche Zusammenarbeit

bescheinigt. Dass es Ausschreibungen zur Ermittlung der besten

Entwürfe nicht gegeben hat, führt er auf „enorme“ Sparsamkeit

des Geldinstituts zurück, „aber natürlich auch, weil die Bankleute

die Entwurfsarbeit bis zur Realisierung für übertrieben

vertraulich hielten.“. Der Beirat habe Methoden gefunden, um

trotz der fehlenden Wettbewerbsbedingungen eine gewisse Auswahlmöglichkeit

zu schaffen und die Entwurfsarbeit nicht auf

eine schmale oder zufällige Basis zu stellen. So seien zu einzelnen

Themen mehrere Künstler beauftragt worden. Die Zusammenarbeit

mit den alten Graveuren der Münze habe zu den

angenehmsten Erfahrungen gezählt, erklärte Bertram im Rückblick.

Der muldenförmig vertiefte Münzrand sei von Anfang an

vorgegeben gewesen, eine Novität, von der man sich eine gewisse

Attraktivität und Aufmerksamkeit für die DDR versprach.

Der Vorzug der vertieften Prägung habe in der Möglichkeit bestanden,

so Bertram, den Entwurf stärker plastisch durchzugestalten

und größere Reliefhöhen im Teller zu gewinnen.

Nachteilig sei der Zwang zu konzentrischen Kompositionen gewesen,

da der Prägedruck zu umfangreichen Materialverdrängungen

nicht ausreichte. Damit seien „unkonventionelle,

pointierte Anordnungen“ ausgeschieden.

Mit Themen hatte man bei der Herausgabe der DDR-Gedenkmünzen

keine Not. Geburtstage und Todestage bedeutender Gelehrter

und Künstler, aber auch von führenden Funktionären der

deutschen Arbeiterbewegung und von Politikern boten sich an.

Zu diesen Motiven gesellten sich die häufig gefeierten und zur

staatlichen Selbstdarstellung, vor allem aber zur Ankurbelung

der Wirtschaft und zur ideologischen Ertüchtigung genutzten

Staatsjubiläen.

Schließlich wurden herausragende Ereignisse des Zeitgeschehens

wie der gemeinsame Weltraumflug des sowjetischen Kosmonauten

Waleri Bykowski und seines DDR-Kollegen

Sigmund Jähn am 26. August 1978 durch eine von Rainer Radack

und Erika Schöneberg gestaltete und in einer hohen Auflage

geprägte Zehn-Mark-Münze gefeiert. Die Sonderausgabe

wurde unter strenger Geheimhaltung auf Vorrat geprägt, um sie

sofort nach der glücklichen Heimkehr der beiden Weltraumfahrer

in den Verkehr zu bringen. Hätte es ein Unglück gegeben,

dann wäre die ganze Auflage vernichtet worden.

Die MünzenZeitung 05/12 |

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Münzen Spezial Teil 3

In die Reihe der politischen und propagandistischen Prägungen

gehören Sondermünzen zu den X. Weltfestspielen in Berlin

1973 (von Axel Bertram), zum Internationalen Jahr der Frau

1975 (von Klaus Hennig und Axel Bertram), zum Internationalen

Anti-Apartheid-Jahr 1978 (von Volker Beier und Joachim

Rieß) oder zum 40. Jahrestag der Grünung des Turn- und Sportbundes

1988 (von Heinz Hoyer und Sneschana Russewa-

Hoyer). Die meist in hohen Auflagen geprägten und daher für

den alltäglichen Verkehr bestimmten Geldstücke zeichnen sich

nicht gerade durch originelle Darstellungen aus. Es war offenbar

ein Unterschied, ob man anspruchsvolle Silbermünzen mit

schüsselförmigem Fonds herstellte oder flache, schnell zu prägende

Massenware mit schützendem Randstäbchen.

Es sei angemerkt, dass andere wichtige Ereignisse aus Politik

und Zeitgeschehen wie die von Staats- und Parteichef Erich Honecker

als eine Art Ritterschlag gefeierte Aufnahme der DDR

in die Vereinten Nationen (1976), das Europäische Denkmaljahr

1975, an dem auch die DDR beteiligt war und dem ein bundesdeutsches

Fünfmarkstück gewidmet wurde, oder auch der

125. Jahrestag der Revolution von 1848 durch DDR-Gedenkmünzen

nicht gewürdigt wurden. Ohne sie ging 1981 auch der

200. Geburtstag von Karl Friedrich Schinkel vorüber. Doch das

war zu verschmerzen, denn sein Kopf wurde bereits auf das von

Gerhard Rommel und Axel Bertram gestaltete Zehn-Mark-

Stück von 1966 gesetzt. Vierzig Jahre später fügte es sich, dass

Bertram mit einem Entwurf für ein Schinkel gewidmetes Zehn-

Euro-Stück den ersten Preis errang. Die Silbermünze zum

225. Geburtstag des Meisters zeigt ein Motiv von einem Relief

an der Berliner Bauakademie und trägt die Randschrift

DER MENSCH BILDE SICH IN ALLEM SCHÖN.

Numismatischer Adel in Form einer Gedenkmünze wurde dem

Berliner Palast der Republik, der von 1973 bis 1976 auf dem

Areal des 1950 abgerissenen Stadtschlosses errichtet wurde,

und auch dem 1962 bis 1964 erbauten Staatsratsgebäude in

Berlin mit dem barocken Schlossportal nicht zuteil, obwohl es

diesbezügliche Ideen gab. Der Palast der Republik wurde in den

vergangenen Jahren in seine Einzelteile zerlegt und abgetragen.

Von „Erichs Lampenladen“ bleiben nur Erinnerungen an frohe

Feste, billiges Mittagessen und markige Parteitagsreden, ferner

DDR-Banknoten, verschiedene Medaillen sowie Porzellangeschirr

mit Palast-Logo übrig.

Im Archiv der

Kreditanstalt für

Wiederaufbau blieben

verschiedene

Entwürfe für

Gedenk- und Kursmünzen

erhalten.

Wie dieser Vorschlag

für eine

Leibniz-Ausgabe,

wurden auch

andere nicht verwirklicht.

Manipulierte Prägezahlen

Im Zusammenhang mit einer im Sommer 2000 überaus erfolgreich

beendeten Serie von Auktionen der Restbestände der

DDR-Staatsbank durch die Münzhandlung Dr. Busso Peus

Nachf. in Frankfurt am Main haben Mitarbeiter des Berliner

Münzkabinetts wichtige Forschungsergebnisse über die DDR-

Münzen und ihre Schöpfer veröffentlicht. Durch Auswertung

der Akten in der DDR-Staatsbank und dem VEB Münze der

DDR konnten nicht nur Einzelheiten über die Auswahl der Motive

auf den Münzen und die beteiligten Künstler ermittelt werden.

Es zeigte sich auch, dass die im DDR-Gesetzblatt

veröffentlichten Auflagedaten häufig nicht stimmen. Als Begründung

für die zum Teil beträchtlichen Einschmelzungszahlen

wird angegeben, dass die Staatsbank der DDR zwischen

1972 und 1982 silberne Gedenkmünzen, die nicht für den Valutaverkauf

benötigt wurden, einschmelzen ließ. Man wollte

damit Silber für neue Emissionen gewinnen, denn bei dem

Edelmetall gab es erhebliche Beschaffungsprobleme. So wurden

von der 1967 in 100.552 Exemplaren hergestellten Kollwitz-Münze

38.612 Stück vernichtet, von den 87.776

Exemplaren der Wilhelm von Humboldt-Münze aus dem Jahr

1967 wanderten 35.178 in den Tiegel. Ähnlich verfuhr man

auch bei anderen Gedenk- und Kursstücken. Selbstverständlich

findet man in den offiziellen DDR-Münzkatalogen nur „runde“

Zahlen. Bei Kollwitz und Humboldt liest man die falsche Angabe

„Auflagehöhe: 100.000“.

Bei näherem Hinsehen zeigt sich auch, dass es bei den in Berlin

geprägten Münzen neben Motiv- auch Materialproben sowie

nicht der Vorschrift entsprechende Stempelkopplungen auch

manch andere Unregelmäßigkeit gibt. So kommen Münzen mit

mongolischer Randschrift vor, was auf die Prägung von Hartgeld

für die mit der DDR „befreundete“ Mongolei in der Berliner

Münze weist. Solche Stücke hätten die Geldfabrik

eigentlich nicht verlassen dürfen. Wie sie es dennoch geschafft

haben, kann nicht gesagt werden. Bei den DDR-Gedenkmünzen

muss man beachten, dass von ihnen wenige Exemplare in der

höchsten Prägequalität Polierte Platte (PP) hergestellt wurden.

Diese Raritäten erreichen Liebhaberpreise. Es ist übrigens sehr

reizvoll, Gedenkmünzen der Bundesrepublik Deutschland mit

denen der DDR aus dem gleichen Anlass gegenüberzustellen.

Vor einiger Zeit war dazu in einer Sonderausstellung der Staatlichen

Münze Berlin Gelegenheit.

Natürlich spielten bedeutende Bauwerke in der Planung und

Realisierung von Sondermünzen eine große Rolle. Mit solchen

Motiven konnte man nichts falsch machen, die DDR polierte

ihr Ansehen durch Darstellungen des Dresdner Zwingers, der

Wartburg bei Eisenach und der Albrechtsburg bei Meißen sowie

Bauten in Ost-Berlin, Leipzig, Potsdam, Wittenberg und in anderen

Städten auf. Bei all dem Glanz, den diese Darstellungen

verbreiten, sollte nicht übersehen werden, dass es in der DDR

erhebliche Defizite beim Erhalt und der Pflege des baulichen

Erbes gab, ja dass überall historische Stadtquartiere dem Verfall

überlassen waren, um sie alsbald durch Neubauten in Platten-

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| Die MünzenZeitung 05/12


Münzen Spezial Teil 3

Bauwerke in Ost-Berlin, das offiziell Hauptstadt der DDR hieß, waren ebenfalls beliebte Münzmotive.

bauweise zu ersetzen. Nach der Wiedervereinigung bedurfte es

immenser Anstrengungen und Investitionen, das gefährdete

Bau- und Kulturerbe zu retten und einer angemessenen Nutzung

zuzuführen.

Die Preise sind gefallen

Im Gegensatz zu den ersten, in einer Auflage von 200 000 Stück

geprägten bundesdeutschen Gedenkmünzen stießen die DDR-

Prägungen bei Sammlern im zweiten deutschen Staat auf großes

Interesse. In den sechziger Jahren hatten sich überall im Land

Sammlergruppen gebildet, und auch erste Publikationen speziell

für sie kamen auf den Markt. In unangenehmer Erinnerung

ist, dass Münzfreunde dort große Not hatten, die doch in vergleichsweise

kleiner Auflage emittierten eigenen Jubelprägungen

zu bekommen, es sei denn, man hätte sie für Westgeld im

Intershop erstanden, natürlich zu überhöhten Preisen. Eine limitierte

Zuteilung erfolgte zwar über die Fachgruppen Numismatik

des Kulturbundes, in denen sich seit den sechziger Jahren

ein recht intensives Vortrags-, Ausstellungs- und Tauschwesen

entwickelt hatte. Doch war es auch bei guten „Beziehungen“

kaum möglich, die Serie komplett zu bekommen. Da und dort

wurden die begehrten Sondermünzen zu Auszeichnungszwecken

für hervorragende Leistungen im sozialistischen Wettbewerb,

wie es damals hieß, verwendet.

Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am

3. Oktober 1990 war auch die Münzgesichte des zweiten deutschen

Staats abgeschlossen. Es kam nichts mehr hinzu, doch es

tauchten in den folgenden Jahren manche Stücke auf, über die

erst nach und nach in den Katalogen berichtet wurde. Die Preise

für DDR-Münzen sind im Laufe der Zeit gefallen. Ein ganz normaler

Satz ohne Sonderprägungen und Materialproben kostete

anfangs rund 33 000 DM (ca. 16 500 Euro), ist aber heute in

einer Größenordnung von rund 3600 Euro plus Versteigerungsgebühren

zu haben. Selbstverständlich muss man für Raritäten

und Sonderlinge viel tiefer in die Tasche greifen, doch das ist

ein Thema, das später einmal behandelt werden soll.

Bericht und Fotos: Helmut Caspar

Die MünzenZeitung 05/12 |

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150 Jahre Rotes Kreuz

Rotes Kreuz und Münzen

Die Konstellation kann man sich sehr gut vorstellen. Eine Hilfsorganisation mit vielen ehrenamtlichen Kräften benötigt immer

Geld. Ob Haus- oder Straßensammlung, Sammelbüchse bzw. restliches Kleingeld aus dem Urlaub, alles wird gesammelt.

Nun ist das Rote Kreuz nicht nur eine, sondern die Hilfsgesellschaft weltweit überhaupt. Vor fast 150 Jahren wurde das Rote

Kreuz gegründet. Das erste Augenmerk lag auf dem Schutz der Verwundeten im Felde, dafür sollte schon in Friedenszeiten vorgesorgt

werden.

Henry Dunant, der seine Erinnerungen vom Schlachtfeld in Solferino in einem Buch festhielt, bekam großen Zuspruch. Ihm ist

es zu verdanken, dass ein internationaler Kongress 1863 zustande kam und seine Anregungen angenommen wurden. Seine Gedanken

gingen sogar weiter, ein Jahr später wurde beim Abschluss der 1. Genfer Konvention das Hilfspersonal als „Neutral“

unter Schutz gestellt.

Das Rote Kreuz verbreitete sich weltweit mit weiteren Aufgaben, als eine der ersten Gesellschaften wurde 1863 der Sanitätsverein

im Königreich Württemberg gegründet, bis heute ist es in fast 190 Staaten vertreten.

Bei dieser großen humanitären Gemeinschaft könnte man sich auch viele Münzausgaben zu diesem Thema vorstellen. Neben

dem Internationalen Roten Kreuz und dem Gründervater Henry Dunant gibt es noch zwei weitere wichtige Persönlichkeiten.

Florence Nightingale war als „Dame mit der Lampe“ schon 1854 im Krimkrieg im Einsatz, versorgte Verletzte und baute die

Krankenpflege auf. Henry Dunant hat sich von ihrer Arbeit inspirieren lassen und noch heute verleiht das Internationale Rote

Kreuz die Florence-Nightingale-Medaille. Auch zu nennen ist Clara Barton, der „Engel des Schlachtfeldes“, sie setzte sich (ähnlich

wie Dunant) im Amerikanischen Bürgerkrieg von 1862-65 sowohl für die verwundeten Nord- wie Südstaatenkämpfer ein. Sie

sorgte für den Beitritt Amerikas zu den Genfer Abkommen und gründete das Rote Kreuz in den USA. Sie richtete den ersten Vermisstensuchdienst

ein und initiierte einen Zusatz, dass auch bei Katastrophen Hilfe geleistet wird.

Natürlich haben auch die vielen Nationalen Hilfsgesellschaften einen Grund, aus Anlass eines Ereignisses oder Jubiläums das

Rote Kreuz mit einer Münze zu würdigen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich im Jahr 2013 die Sammlung anlässlich des Jubiläums 150 Jahre Rotes Kreuz wesentlich

vergrößern wird. Deutschland hat schon bekannt gegeben, dass es eine 10,- € -Sondermünze auflegen wird. Ich wer noch für

jeden Hinweis dankbar. Ich hatte für die EURO-Währung ein gemeinsames 2,- € Stück vorgeschlagen, denn gerade hier waren

und sind die aktivsten Rotkreuzler am Werk. Interessant wäre auch eine Gemeinschaftsausgabe der Länder Österreich, Frankreich

und Italien mit der Abbildung der damaligen Regenten Napoleon III. und Kaiser Franz-Joseph I., darüber das Porträt von Henry

Dunant mit dem weisen Spruch „Tutti fratelli“ (Alle sind Brüder).

Klein aber fein, so könnte man dieses Sammelgebiet bezeichnen, denn es beinhaltete im Grundgefüge keine 30 Münzen!

Das Thema Rotes Kreuz hat viele Sammler, neben dem Gebiet von Orden und Ehrenzeichen gibt es eine Briefmarken-Motivgruppe

sowie allein in Deutschland 16 Rotkreuz-Museen und mehrere im Ausland, aber nirgendwo gibt es eine Aufstellung bzw. komplette

Sammlung zur Numismatik.

Das Museum des Internationalen Roten Kreuzes in Genf, mit einer der umfangreichsten Sammlung, schrieb mir: „Wir sind sehr

dankbar für die wertvolle Information, sie wird helfen, unsere eigene Sammlung besser zu kennen.“

Durch Zufall und einem glücklichem Umstand konnte ich diese Sammlung aufbauen.

Als D-Mark-Geburtstagskind (20.06.1948) fing ich in den 80er-Jahren erst die D-Mark an zu sammeln und begann in dieser Zeit

auch eine Tätigkeit bei einer Bank. Dort konnte ich meine Kenntnisse einsetzen und bekam auch Informationen über Neuerscheinungen,

so auch zum Thema Rotes Kreuz, wo ich seit 1968 ehrenamtlich aktiv bin und so mein zweites Sammelgebiet wurde.

Der größte Erfolg war die Ausstellung der Sammlung in Heiden/ Schweiz, dort wurde am 8.5.2010 zum 100. Todestag von Henry

Dunant von der Swissmint die 20,- SFR Sondermünze vorgestellt.

Besonders bedanken möchte ich mich für die Unterstützung bei der Mitarbeiterin der Volksbank Meinerzhagen Annegret Pawelzik

und bei Prof. Dr. Rainer Schlösser von der Motivgruppe bzw. von der Arbeitsgemeinschaft der deutschen RK-Museen und Leiter

der Rotkreuzgeschichtlichen Sammlung Fläming-Spreewald, sowie verschiedenen Mitgliedern der Motivgruppe, die mich immer

wieder mit Hinweisen versorgten.

Mein Dank gilt auch dem DRK Ortsverein Waldbröl, als jetziger Eigentümer der Sammlung, der mir alle Freiheiten lässt.

Ich würde gerne über das Thema fachsimpeln und stehe gerne für Fragen zur Verfügung, nachfolgend eine detaillierte Beschreibung

der Sammlung.

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| Die MünzenZeitung 05/12


150 Jahre Rotes Kreuz

Numismatik-Motiv-Sammlung

„Rotes Kreuz, Roter Halbmond, Henry Dunant“

Münzen mit Wertangaben und Symbol:

Jahr nation nennwert / Legierung anlass

1963 Schweiz 5 SFR S 100 Jahre Rotes Kreuz

G* dito (15 Ex.)

1978 Schweiz 5 SFR K-N 150. Geburtstag Henry Dunant

1980 Österreich 500 ÖS S 100 Jahre RK Österreich

1988 Nepal 250 Rs S 25 Jahre Rotes Kreuz Nepal

1991 Andorra 25 Diners S 10 Jahre RK Andorra

1993 Thailand 2* + 10 Baht K-N 100 Jahre Thailändisches RK

600 Baht S dito

1993 Türkei 50000 Lira S 125 Jahre Türkischer Roter Halbmond

500000 Lira G* dito (144 Ex.)

1999 Republik Sahara 1000 Pesetas S Pioniere der Menschheit, Henry Dunant

2001 VR Korea (Nord) 1 WON K-N Henry Dunant, 100 Jahre Nobelpreis

2004 China 10 Yuan S 100 Jahre RK China

2006 Ungarn 50 FT K-N 125 Jahre RK Ungarn

2010 Schweiz 20 SFR S 100. Todestag Henry Dunant

2010 Falkland Inseln 1/25 Crown G* 100. Todestag Henry Dunant

2013 Deutschland 10 €* 150 Jahre Rotes Kreuz

Münzen mit Beziehung zum Roten Kreuz:

Jahr nation nennwert / Legierung anlass

1988 Isle of Man 4er Set G* + 1 Unze G 125 Jahre IKRK

1993 Bosnien-Herzegowina 14+ 2 ECU S Zuschlag für RK + UNICEF

„Wohltätigkeitsausgabe“ 21+ 3 ECU S*

70+10 ECU G*

1995 Dänemark 5 KR Numisbrief Prinz Hendrik Beauftragter RK

1995 Jersey (4er Set) 10 Pounds G* 50. Tag Befreiung IKRK Versorgungsschiff

2000 Liberia 20 $ S* Clara Barton Gründerin RK USA

(1962 Maryland 50 ct K Souvenir Money Engel a .d. Schlachtfeld)

2002 Schweiz 20 SFR S 50 Jahre Rega (Ko-Mitglied SRK)

2004 Belgien 3,88 € KMS + Medaille 140 Jahre RK Belgien

2010 Russland 3 Rubel S Ende des II. WK (Schwester mit RK-Tasche)

2010 Russland 2 Rubel S 200. Geb. NI Pirogov (u.a. RK-Delegierter)

2010 England 2 Pound K-N Florence Nightingale

100. Todestag + 150 Jahre Krankenpflege

2001 Gibraltar 1/5 Crown G* Dame mit der Lampe

1 Crown K-N Dame mit der Lampe

1 Crown S* Dame mit der Lampe

2004 England 5 Pound K-N* 150. Jahrestag Krimkrieg

2004 Alderney 5 Pound G* 150. Jahrestag Krimkrieg

2006 Jersey 5 Pound S* Große Briten

Sonstige:

Jahr nation nennwert / Legierung anlass

2001 Spremberg Numisbrief 100 Jahre Friedensnobelpreis

Die MünzenZeitung 05/12 |

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150 Jahre Rotes Kreuz

Sammelgebiet mit ROTKREUZ-Motiven!

Klein aber fein, so könnte man die Sammlung von Münzen nennen mit den Motiven:

Rotes Kreuz, Roter Halbmond und Henry Dunant.

Ich teile das Sammelgebiet in drei Bereiche:

1. Münzen mit Wertangabe und Symbol

2. Münzen mit Beziehung zum Thema

3. Sonstige z. B. örtl. Numisbriefe, Banknoten, Schuldverschreibung etc.

Bemerkungen:

zu 1.: - nur die Schweiz gibt für die weltweite Organisation und dessen Gründer Münzen aus

- andere Länder nur für Jubiläen auf nationaler Ebene

- die Türkei mit dem Symbol Roter Halbmond

- interessant aus Korea der Bezug auf den (1.) Friedensnobelpreis vor 100 Jahren

- die Republik Sahara als besetztes Land mit einer farbigen Münze „Pioniere der Humanität“

Historisch sind jetzt schon die alten Nennwerte der EURO-Beitrittsländer.

zu 2.:

zu 3.:

- Bosnien-Herzegowina mit Zuschlag und ECU-Wert

- unerschwingliche Goldmünzsätze von Isle of Man mit einer zusätzlichen Prägung wie Belgien

und Jersey mit dem gleichen Ansatz wie Russland, hier finden wir unter dem Zeichen des

Roten Kreuzes das Versorgungsschiff bzw. die Sanitätstasche bei der Helferin

- Numisbrief Dänemark mit Themenbriefmarke als Bezug, sowie einer Kursmünze

- KMS Belgien mit Themen-Medaille vom gleichen Gestalter (LL) der EURO-Vorderseiten

- nochmal die Schweiz mit der Rettungsflugwacht als Korporativmitglied des SRK

- 2x Russland: 65. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg (RK-Schwester)

200. Geburtstag Pirogov (berühmter Feldarzt und RK-Delegierter)

- Engel der Barmherzigkeit: Florence Nightingale + Clara Barton gehören dazu.

- Numisbriefe mit Rotkreuzthemen, aber Themenbriefmarke anderen Datums und Münzen ohne Themenbezug

können sehr individuell erstellt werden, haben aber nur örtlichen Sammlerwert

- Banknoten habe ich nicht recherchiert

- in England gab es eine 10 Pound-Note von 1975-1994 mit Porträt Florence Nightingales

- eine Schuldverschreibung Kriegsanleihe aus Österreich ist bekannt.

Natürlich kann man die Münzen auch nach einem anderen Kriterium einteilen. Einmal die Umlaufmünzen wie die 5 SFR,

vergleichbar mit den heutigen 2 € Stücken, die Sondermünzen wie 500 ÖS, hier der Vergleich mit den 10 € Münzen oder die

Gedenkprägungen in höchster Qualität wie PP oder Goldausgaben.

Für normale Sammler sind einige Goldausgaben, teils im Set, einfach nicht zu finanzieren, z.B.

Insel of Man mit 7.179,-$, Jersey 1.350,-$ und Alderney mit 2.380 Pound, und fehlen in der Sammlung.

Eine Ausgabe mit dem Roten Kristall, mit zwei oder allen drei Symbolen ist nicht bekannt, auch zum Jubiläumsjahr „150 Jahre

Schlacht von Solferino“ erschien keine Münze. Ich bin gespannt, was die Zukunft bringt, denn 2013 und 2014 heißt es 150 Jahre

Rotes Kreuz bzw. 1. Genfer Abkommen. Hier ist eine 10 € Gedenkmünze der Bundesrepublik in Planung. Vorher noch in 2012

feiert das Buch „Eine Erinnerung an Solferino“ sein Jubiläum, ohne dessen Veröffentlichung es die Organisation und die Neutralität

nicht gäbe!

ansprechpartner:

Ekkehard Wutschke

e.wutschke@t-online.de

*fehlen in der Sammlung des DRK OV Waldbröl

Stand: 03 / 2012 Wu.

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| Die MünzenZeitung 05/12


150 Jahre Rotes Kreuz

I. Münzen mit Wertangabe und Rotkreuzmotiv

Die Schweiz hat Henry Dunant und dem von ihm gegründeten Roten Kreuz mit der

Ausgabe von drei Gedenkmünzen ein numismatisches Denkmal gesetzt.

1963 Schweiz 5 SFR

1963 erinnert die Schweiz mit ihrer letzten silbernen (835) Gedenkmünze zu 5 SFR

(Serie 1) an das 100jährige Bestehen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz.

Rv: Stehende Krankenschwester und Verwundete ins Kreuz gestellt.

Gewicht: 15 g Auflage von 623.000 Prägungen in Stempelglanz (32 mm) + 15 Ex. in Gold.

1978 Schweiz 5 SFR

Zur 150. Wiederkehr des Geburtstages von Henry Dunant, der am 8.5.1828

in Genf geboren wurde, erschien 1978 eine weitere Gedenkmünze aus Kupfer-

Nickel. Sie zeigt den Kopf des Begründers des Roten Kreuzes.

Auflage 963.000 Exemplare Durchmesser: 32 mm

1980 Österreich 500 ÖS

500 Schilling – 100 Jahre Österreichisches Rotes Kreuz (1880 - 1980)

Ausgabetag: 20.11.1980 Rv: Henri Dunant

Legierung: Ag 640 Rauhgewicht: 24 g Durchmesser: 38 mm

Auflage: 860.000 Außer Kurs seit: 31.12.2001

1988 nepal 250 Rs

250 Rupees (S) – 25 Jahre Rotes Kreuz Nepal

Av: V.S. 2045 (=1988) Dreizack im Quadrat,

Namen des Königs in drei Zeilen

Rv: 25 Jahre Nepalesisches Rotes Kreuz

1991 andorra 25 D.

25 Diners – 10 Jahre Creu Roja Andorrana

Qualität: Proof Metall: Plata (925/000)

Gewicht: 28,28 g Durchmesser: 38,60 mm

Auflage: 5.000 Rv: Friedenstaube und Kreuz

1993 Thailand 10 + 600 Baht

Set mit drei Münzen zu 2 + 10 in Kupfer-Nickel und 600 Baht in Silber

100 Jahre Thailändisches Rotes Kreuz

Av: zwei Kreuzmotive, Rv: Königsfamilie

1993 Türkei 50000 Lira

50.000 Lira (S) 125 Jahre Türkischer Roter Halbmond

Auflage 938 Ex. + 144 Ex. in Gold, Gewicht: 23,33 g Durchmesser: 38,6 mm

Av: Wertangabe zwischen gebundenen Ähren- und Olivenzweigen

Rv: Emblem vom Roten Halbmond mit der Welt und seinen Dienstleistungen


150 Jahre Rotes Kreuz

1999 ? Republik Sahara 1000 Pesetas

ohne Prägejahr (Münzzeichen PR=Presor, Barcelona, Fa. insolvent)

ist auch nicht im Weltmünzkatalog registriert

Av: Wertangabe + Neues Staatswappen (seit 1996)

Rv: Pioniere der Menschheit,

Farbbild Henry Dunant + Schlachtfeld 1864 ( = 1. Konvention)

2001 VR Korea 1 WOn

(nicht im Weltmünzkatalog registriert, nur 5 WON Frédéric Passy)

Gedenkmünzen: Persönlichkeiten Anlass: 100 Jahre Nobelpreis

Feingehalt: 19,7 g Kupfer-Nickel Durchmesser: 35 mm

Av: Gründervater des IKRK und erster Friedensnobelpreisträger Henry Dunant

Rv: Staatswappen

Gesamtauflage: nur 200 Exemplare!

2004 China 10 CnY

10 Yuan – 100 Jahre Rotes Kreuz China

Qualität: PP Metall: Ag 999

Gewicht: 31,1 g

Durchmesser: 40 mm

Auflage: 60.000

Exklusivverpackung mit Briefmarke

Av: Herz und Friedenstaube Rv: Rotes Kreuz in gold. Lorbeerkranz

2006 Ungarn 50 Ft

50 Forint - 125 Jahre Rotes Kreuz Ungarn

Gewicht: 7,7 g CuNi

Durchmesser: 27,4 mm

Auflage: 12.000 in Blisterpackung Gesamt: 2.000.000

Rv: Kreuz mit Umschrift

2010 Schweiz 20 SFR

20 SFR (seit 1991 Ausgabe von 20 SFR in 835er Silber) Motiv wurde am 8. Mai

in Heiden zum 100. Todestag von Henry Dunant (30.10.1910 in Heiden) vorgestellt

Gewicht: 20 g, Durchmesser: 33 mm, Auflage: 50.000 Normalprägung, 7.000 PP

Ausgabetag: 03.06.2010

2010 Falkland inseln 1/25 Crown

1/25 oz zum 100. Todestag von Henry Dunant als Gründervater des Roten Kreuzes

Proof Fine 999 G, 1,2572 g Durchmesser: 13,83 Auflage: 10.000

Rv: Porträt Dunant und Jahreszahlen im Kreuz, Namenszug und Wertangabe im Kreis

Fünfzig Cent aus dem Verkauf jeder Münze gehen an das Rote Kreuz Falkland Inseln

2013 Deutschland 10 € + Briefmarke 150 Jahre Rotes Kreuz

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150 Jahre Rotes Kreuz

II. Münzen mit Beziehung zum Roten Kreuz

1988 insel of Man 1, ½, ¼ und 1/10 Unzen Gold “angel“ Münzen-Set

sowie 1 Unze Gold Helvetia 125. Jahrestag der Internationalen Rotkreuz-Bewegung

Rv: Bilder Henry Dunant, Clara Barton + RK-Schwester

Auflage: 5.000 Wert ca. 7.200 $

1993 Bosnien-Herzegowina 14+2 ECU

Was bei Briefmarken schon seit Jahrzehnten an der Tagesordnung ist,

nämlich „Zuschläge“ zu erheben, wurde jetzt erstmals auch von den

Numismatikern übernommen. Die Nationalbank von Bosnien-Herzegowina

gab drei attraktive „Zuschlags-Münzen“ heraus:

1. 14+2 Ecu, 10 g (S) 925er, Durchmesser 30 mm, Auflage 20.000

2. 21+3 Ecu, 15,56 g (S) 999er, Durchmesser 32,25 mm, Auflage 15.000

3. 70+10 Ecu, 6,22 g (G) 999er, Durchmesser 22 mm, Auflage 5.000

Av: Staatswappen über Neretvabrücke, Mostar

Rv: Moschee Sarajevo + Friedenstaube

Der Erlös der Ausgaben geht je zur Hälfte an das dortige „Rote Kreuz“

bzw. an UNICEF zur Linderung des Elends im Kriegsgebiet.

1995 Dänemark 5 KR numisbrief

Ein Numisbrief mit Rotkreuzbriefmarke (mit Zuschlag) aus 1994 (60. Geburtstag)

gestempelt am 26.1.1995 und einer 5 Kronen-Münze aus 1994, CuNi Stempelglanz,

Titel: Prins Henrik Kommitteret Dansk Rode Kors Auflage: 7.000

Prinz Hendrik Beauftragter des Roten Kreuzes im In- und Ausland u.a. in Kroatien.

1995 Jersey 10, 25, 50, 100 Pounds - Vierer Gold Set 50. Jahrestag der Befreiung

Die 10 Pound Münze zeigt eine herrliche Darstellung der Ankunft des Schiffes „Vega“ vom

Internationalen Roten Kreuz mit lebenswichtigen Nahrungsmitteln und zur medizinischen

Versorgung, der Beweis, dass die Islanders nicht vergessen waren.

G 999 3,13 g Durchmesser: 16,5 mm Auflage: 500 Gesamtwert: ca. 1.350 $

2000 Liberia 20 $

Clara Barton „Engel des Schlachtfeldes“

im Bürgerkrieg und Gründerin des RK in der USA

Proof 999 S Auflage: 20.000

1962 Maryland 50 ct (Token) Souvenir Money

Clara Barton (50. Todestag) organisierte Vermisstensuche, RK-Arbeit auch bei Katastrophen

und sorgt für den Beitritt der USA zu den Genfer Abkommen, Gedenkstätte in Maryland

2002 Schweiz 20 SFR

50 Jahre „Rega“ (Schweizerische Rettungsflugwacht – Garde aérienne)

Ausgabetag: 8. Juni 2002 Auflage: 80.000 + 12.000 PP

Silber 835 Gewicht 20g Durchmesser 33mm + Briefmarke m. Hologramm

Av: In der linken oberen Hälfte ist groß das Kreuz angebracht, das entweder als

Schweizer Kreuz oder als das Rote Kreuz interpretiert werden kann. Der Hintergrund wird

von einer kreisförmigen Struktur bestimmt, die einen drehenden Rotor simuliert.

Rv: Abbildung eines Rettungshelikopters vor einer Bergkette, Jahreszahlen + Logo.

Die Rettungsflugwacht ist aus der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft entstanden.

1960 kam es zur Verselbständigung der Flugrettung (private gemeinnützige Stiftung).

Ab 1965 war sie eine Hilfsorganisation und ab 1981 Korporativmitglied des SRK.


150 Jahre Rotes Kreuz

2004 Belgien 3,88 € KMS

Ein Kursmünzsatz der belgischen Münze im Schuber mit Begleittext in Französisch

und Flämisch. Mittig eine Medaille zum Anlass: 140 Jahre Belgisches Rotes Kreuz.

Die Medaille trägt das gleiche Künstlerzeichen (LL) wie die Vorderseiten aller

Euromünzen. Auflage: 80.000 Motiv: Henry Dunant im Kreuzhintergrund

2010 Russland 3 Rubel

65. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945 (3er Set).

Ausgabetag: 1.3.2010 Prägung in St. Petersburg Auflage: 7.500 PP

Metall: Ag 925 Gewicht 31,10g Durchmesser 39mm

Vs: in der Mitte – eine Krankenschwester mit Rotkreuztasche, die einen Verwundeten pflegt

in zwei Zeilen links die Daten „1941-1945“, am unteren Rand farbiges Ordensband.

Das „Sankt-Georgs-Band“ ist ein weithin respektiertes Symbol militärischer Tapferkeit.

Das Band besteht aus einem Muster von drei schwarzen und zwei orangen Streifen.

Es wurde ab 1769 mit dem Orden des Heiligen Georg verliehen, ab 1806 als St. Georgs-Band

als Kampfauszeichnung, oder ab 11/1943 für den „Ruhmesorden“ z.B. an Matrena Semenova

Netschiportschukova für Mut und Aufopferung bei der Rettung Verwundeter (bekam auch vom

IKRK 1973 die „Florence-Nightingale-Medaille),bzw. ab 1945 zur Medaille „Für den Sieg über

Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg 1941-45“ verliehen.

2010 Russland 2 Rubel

200. Geburtstag von Nikolaj Iwanowitsch (NI) Pirogov 1810 – 1881

Serie: Herausragende Persönlichkeiten aus Russland

Ausgabetag: 1.10.2010 Prägung in St. Petersburg Auflage: 5.000 PP

Metall: Ag 925 Gewicht 15,55g Durchmesser 33mm + Briefmarkenblock

Vs: links Porträt Pirogov, darunter Namenszug,

rechts: eine Krankenpflegerin und ein verletzter Mann im Feldlazarett, darunter Jahreszahlen.

Pirogov u.a. Mediziner und erster Feldchirurg der Äther zur Betäubung und Gips bei Knochenbrüchen,

sowie die osteoplastische Methode zur Amputation des Fußes einsetzte.

Führte ein System der Triage in fünf Kategorien ein.

Einsatz als Vertreter des Russischen Roten Kreuzes 1870 im französisch-preußischen Krieg.

Das Russische Rote Kreuz gibt auch eine Medaille „Pirogov“ aus.

2010 Großbritannien 2 GBP

Zum 100. Todestag von Florence Nightingale und der von ihr vor 150 Jahren gegründeten

Krankenpflege gibt England ein 2 Pound Umlaufmünze aus.

Bimetall 12 g 28,4 mm Durchmesser Auflage: 25.000

Eine kleine Auflage (1.000) gibt es in Gold und (20.000) in Silber z.T. auch mit Vergoldung

Rv: Betreuende Hand, die den Puls fühlt, im Hintergrund Lichtstrahlen von der Lampe

Für die „Dame mit der Lampe“ gibt es weitere Ausgaben aus den UK-Gebieten:

2001 Gibraltar 1/5 + 2 x 1 Crown

ausgestellt im Rahmen der viktorianischen Ära Serie

1/5 Crown Gold, 1 Crown Silber 28,28 g Auflage 10.000, 1 Crown K-N 28,28 g, 38,6 mm

2004 England 5 GBP

zum 150. Jahrestag Krimkrieg in Präsentationspackung

K-N 28,2 g, 38,6 mm Durchmesser Auflage: ?

Gold 39,94 g, 38,6 mm Durchmesser Auflage: 150

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| Die MünzenZeitung 05/12


150 Jahre Rotes Kreuz

2004 alderney 5 Pound

zum Gedenken an die Dame mit der Lampe und dem 150. Jahrestag seit dem Krimkrieg

Motiv: Porträt mit Umschrift und Wertangabe

22 Karat Gold 39,94 g 38,6 mm Auflage: 150 Wert: ca. 2380 GBP

2006 Jersey 5 Pound

aus der Serie „Große Briten“: Portät mit Kerze, Namen und Wertangabe

Silber 925 28,28 g 38,6 mm Auflage: 25.000

III. Sonstige

numisbrief (unecht) als Mischdokument

Beispiel Numisbrief Spremberg mit drei Daten und zwei Währungen:

Anlass: 2001 100 Jahre Friedensnobelpreis = Bild und Stempel

Münze: 1978 5 SFR zu 150. Geburtstag Henry Dunant

Briefmarke: 1988 25 Jahre Int. Rotes Kreuz, 0,80 DM Deutschland

Natürlich gibt es auch echte Numisbriefe wie z.B. Schweiz 1978, hier ist Anlass,

Münze und Briefmarke abgestimmt auf den 150. Geburtstag von Henry Dunant.

Die echten Numisbriefe verschönern die Sammlung, erhöhen aber auch die Kosten.

Wer die unechten Exoten sammeln will, hat zwar eine Ergänzung aber keinen höheren

Wert.

„Weltweit wehen die Fahnen mit den bekannten

Symbolen der Menschlichkeit, die Idee von

Henry Dunant lebt!“

Die MünzenZeitung 05/12 |

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BCL - Banque Centrale du Luxembourg

Früher:

Europäische Prägeanstalt

und Verkaufsstelle

Heute:

Numismatische

Abteilung der

Banque Centrale du

Luxembourg (BCL)

Sie wurde im Jahre 2007 als

Unterabteilung der Zentralkasse der

BCL aufgebaut und ist mit den

Aufgaben der Gestaltung, Beschaffung

und dem Vertrieb von Gedenkmünzen

und Kurssätzen beauftragt. Heute hat die

Abteilung fünf Mitarbeiter. Herr Alain

Hoffmann ist Leiter dieser Abteilung

und hat uns einen Blick hinter die

Kulissen dieser Abteilung gewährt.

Mindestens 9 Monate vor Ausgabe einer

Münze beginnen die Vorbereitungen an

der Gestaltung. Das Thema des

Münztitels steht einige Zeit vorher fest,

jedoch ist es auch möglich, wenn auch

schwer umzusetzen, diesen noch zu

ändern, wenn Ereignisse das

Münzprogramm verändern, z. B. die

Hochzeit im Hause des Großherzogs.

Nach guter Überlegung und Recherche

wird eine Künstlerin oder ein Künstler

beauftragt, dieses Münzthema in eine

Gedenkmünze umzuwandeln.

Vorschläge der Künstlerin oder des

Künstlers werden zunächst der

numismatischen Abteilung vorgelegt

und entschieden, welcher Münzvorschlag

dem Direktorium der Banque

Centrale du Luxembourg und seinem

Vorsitzenden Yves Mersch als

Präsidenten vorgestellt wird. Die

Rückseite der Münze ist seit längerer

Zeit festgelegt und wird nur zu

besonderen Anlässen mit vorheriger

Genehmigung des Großherzogs

geändert. Nach positiver Entscheidung

und „Abnicken“ des Direktoriums muss

der Vorschlag dem Großherzog von

Luxemburg zur Genehmigung vorgelegt

werden. Nach seinem Einverständnis

wird nunmehr der Vorschlag des Motivs

dem Gremium der Finanzbehörde zur

Genehmigung vorgelegt. Ist die letzte

Hürde positiv durchlaufen, erfolgt der

zweite Schritt mit der Beschaffung,

die im Vorfeld durch eine Angebotsausschreibung

an diverse Prägeanstalten

in Europa, z. B. Royal Dutch Mint,

Münze Österreich usw. durchgeführt

wurde. Es wird versucht, mit einer

Prägeanstalt einen längeren Kontrakt zur

Herstellung von Gedenkmünzen zu

vereinbaren. Bei den BICOLOR-

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| Die MünzenZeitung 05/12


BCL - Banque Centrale du Luxembourg

Münzen ist man jedoch auf eine

Prägeanstalt der Münze Österreich

angewiesen, die auf die Herstellung

solcher Münzen spezialisiert ist.

Die Prägestückzahl der Münze kann je

nach Ausgabe unterschiedlich sein, diese

wird nach der Marktlage und der

vorherigen Absatzzahl der vorherigen

Münze festgelegt. Der Grundsatz des

Finanzministeriums richtet sich daran

aus, dass „JEDER“ eine Münze dieser

Ausgabe erhält. Jedoch ist dies nicht

immer möglich, da bereits Vorbestellungen

(Abos und feste Zuteilungen

an Händler) festliegen, somit ist der Rest

der zu vergebenen Stückzahlen

beschränkt.

Die numismatische Abteilung der BCL

ist bei der Umsetzung von neuen

Techniken der Prägekunst immer auf

dem Laufenden. Sie nutzt neue

Verfahren wie zum Beispiel die „Multi-

View“-Münzprägetechnik, um Spieleffekte

besser auf der Münze

darzustellen. Insbesondere wurde das

Verfahren bei der 2-Euro-Gedenkmünze

2012 eingesetzt und auf der Rückseite

des Gemeinschaftsbildes das Gesicht

des Großherzogs Henri eingebaut.

Die übersichtliche Anzahl an Münzausgaben

der Banque Centrale du

Luxembourg zeigt, dass das Sammeln

dieser Euro-Münzen durch die geringe

Auflagenhöhe sehr interessant ist. Es

werden nicht nur die Gemeinschaftsausgaben

der 2-Euro-Gedenkmünzen

jedes Jahr herausgegeben,

sondern auch jeweils Gold- und Silber-

Gedenkmünzen mit einem Nominalwert

von 10 und 25 Euro. BICOLOR-

Münzen werden erst seit dem Jahre 2009

von der BCL mit einem Nominalwert in

Höhe von 5 Euro herausgegeben. Im

Jahre 2010 wurde zum 700. Jahrestag

der Heirat Johann von Luxemburgs mit

Elisabeth von Böhmen eine 700-Euro-

Cent-Gedenkmünze in Silber ausgegeben.

Zusätzlich wird jedes Jahr ein

Münzsatz in „Polierte Platte“, verpackt

in einer edlen Holzschatulle, jeweils mit

der 2-Euro-Gedenkmünze herausgegeben.

Der Vertrieb dieser Münzserien und

Kurssätze erfolgt über den Handel durch

Abos, online und dem Verkaufsshop

direkt bei der BCL im Montery Building

in Luxemburg von Montag bis Freitag

von 10 bis 16 Uhr, solange der Vorrat

reicht.

Die MünzenZeitung 05/12 |

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Auktionsvorbericht

22. Christoph

Gärtner Auktion

vom 8. - 12.05.2012

Faszinierendes

Angebot erlesener

Kostbarkeiten aus

aller Welt

Nach der erfolgreichen Großauktion

im Februar präsentiert das Auktionshaus

Gärtner in Bietigheim in seiner

Mai-Auktion erneut ein beeindruckendes

Spektrum internationaler Philatelie

& Numismatik.

Ü

ber 1.000 Einlieferer aus aller Welt

vertrauten Christoph Gärtner und

seinem Team ihre Schätze an, und so

kamen letztlich mehr als 21.500 Lose zusammen,

die in insgesamt 8 Katalogen

präsentiert werden. 4 Bände davon sind

den Einzellosen gewidmet (Asien, Übersee

& Thematik, Europa, Deutschland,

2 Bände den Sammlungen und 1 Band

der Internationalen Numismatik. Zusätzlich

wurde wieder ein Band aus der

Reihe Raritätenkataloge herausgegeben,

der die wichtigsten und wertvollsten

Lose zusätzlich separat zeigt. Inzwischen

gelten die Gärtner-Raritätenkataloge

auch als starke Referenzliteratur der Philatelie.

Im Auktionsangebot finden Sie

wieder große und bedeutende Sammlungen,

wie etwa die unvergleichliche

(Österreich-Sammlung) mit Raritäten

und Unikaten in großer Zahl, eine Großgoldsammlung

Dänemark, die in

223 Einzellosen aufgeteilt wurde, oder

die beeindruckende Kollektion von Einzellosen

Großbritannien mit einem der

schönsten Ersttagsbriefe der ‚Black

Penny' überhaupt, ebenso wie Einzellose

der Spitzenklasse. Neben der Rekordzahl

von mehr als 3.200 Einzellosen Asien

brillieren so erlesene Stücke wie etwa ein

Essay zur ersten Ausgabe Russlands von

1854 oder die unverausgabte 12 Kr.-Marke

Österreichs von 1850. Und der (Deutschland-Sammler)

wird ebenso wenig zu

kurz kommen wie Liebhaber von Münzen

oder etwa der Motivbegeisterte.

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| Die MünzenZeitung 05/12


Auktionsvorbericht

12. MAI 2012, ab 16.00 Uhr:

MÜnZEn/Einzellose und

Sammlungen, Los-nr. 23.000 - 23.285

Ein Highlight der Gärtner-Auktion:

Römische Münzen – die außergewöhnliche

Richard Stoll Sammlung

Immer wieder nehmen im besten Sinne

Amateure es auf sich, mit vielen Mühen

ein breiteres Publikum mit ihrem

„Hobby“ bekannt zu machen. In den

neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts

erschienen so mehrere Bücher von

Richard Stoll, geschrieben vom Sammler

für Sammler römischer Münzen.

Darin greift er verschiedene inhaltliche

Themen der römischen Münzkunde auf.

In vieren behandelt er Architektur, Herakles,

Frauenporträts und Tiere auf römischen

Münzen. Im fünften Buch gibt

der Autor einen Überblick über die Tätigkeit

der Münzstätte seiner Heimatstadt

Trier im vierten Jh. n. Chr. Ein

weiterer Sammlungsteil widmet sich

Kaiser Gordian III. und seiner Frau

Tranquillina.

Zur Illustration der Bücher verwandte er

sowohl die Münzen seiner eigenen

Sammlungen wie auch ihm von Auktionshäusern

und Museen überlassene Fotografien,

bisweilen ergänzt durch - das

Thema erweiternd und abrundend - Bilder

von Vasen, Gemmen oder rundplastischen

Werken. Der Großteil seiner

Sammlung kommt in fünf Losen zum

Aufruf.

Los 23.000 antike

ausruf 43.000,- Euro

TiERE: (219 Münzen)

Seine Tiermenagerie hat Richard Stoll

gegliedert in einen Teil Haus- und Nutztiere,

einen Teil Wildtiere und einen Teil

„Bestiarium Mythologicum“, in dem

mythische Gestalten wie Kentaur, Greif,

Phoenix, Sphinx versammelt sind.

Schon die frühesten Münzen greifen in

ihrer Bildwahl Tierdarstellungen als

Herrschafts- bzw. Wappensymbole auf:

die Stier- und Löwenköpfe im Lydien

des 6. Jahrhunderts, die geradezu sprichwörtlichen

Eulen Athens, die Fohlen von

Korinth, die Schildkröten Äginas. Auch

die in Rom um 300 v. Chr. einsetzende

Münzprägung steht in dieser Tradition:

die erste Silberprägung, ein Didrachmon

mit Mars- und Pferdekopf als Kriegssymbolik.

Auf republikanischen Münzen

erscheint das Nutztier Pferd immer

wieder auf Quadrigati oder Bigati, die

Rückseitendarstellung eines Vier- bzw.

Zweigespanns wird zum Namensgeber

für Münzsorten. Religiöse Kontinuität

spiegeln die Dioskuren zu Pferd wieder,

deren Erscheinen auf Denaren des

2. Jahrhunderts v. Chr. noch auf Folles

des frühen 4. Jahrhunderts n. Chr. wieder

aufgegriffen wird. Das Pferd als

Reittier, als „Staatspferd“, spielt immer

auch auf die staatstragende Schicht der

Senatoren und Ritter an (herrlich die

Darstellung des Pferdes auf der Antinoos-Drachme

aus Alexandria). In seinem

Vorwort spricht Stoll die über die

wirtschaftliche Bedeutung des Nutztieres

hinausgehende Verflechtung „mit der

Welt des Kultisch -Religiösen“ an. Tiere

waren in die Rituale des römischen Staates

verwoben, vielfach als Opfertier (und

da meist unfreiwillig), die römische

Wölfin in den Gründungsmythos Roms,

oder etwa in der Vogelschau. In himmlische

Sphären verweist der am Scheiterhaufen

des Kaisers in den Himmel

aufsteigende Adler, der Pfau begleitet

die in die Göttlichkeit entschwebende

kaiserliche Verstorbene. Profaner gibt

sich die kaiserliche Münzpropaganda

mit zwei friedlich grasenden Maultieren

auf einem Sesterz Nervas, eine Allegorie

auf die Aufhebung der lästigen Spanndienste

in Italien. Kleine Tierbilder dienen

als Beizeichen für Emissionen, als

Symboltierchen für Provinzen, die Purpurschnecke

steht für den Reichtum von

Tyros, Wildtiere (Nashorn) künden von

Tierhatzen im Colosseum. Die antike

Münzprägung bietet zum Thema Tier

eine schier unerschöpfliche Vielfalt an,

von der ein schöner Ausschnitt sich in

Richard Stolls Sammlung findet. Und

warum erscheint ein (ägyptisches) Krokodil

auf Münzen der heute südfranzösischen

Stadt Nimes? Als Anhang

diesem Münz-Zoo beigegeben sind

mehrere kleinformatige rundplastische

Artefakte. Auch sie zeigen die Beliebtheit

des Tiermotivs in der Antike an: der

Löwenkopf als Gürtelschnalle oder als

Teil eines Zaumzeugs, Schoßhund oder

Hahn als Aufsatz für Haarnadeln.

Die MünzenZeitung 05/12 |

47


Auktionsvorbericht

Los 23.001 antike

ausruf 13.000,- Euro

Gordian iii. und Tranquillina

(102 Münzen)

Gordian III. (Imperator Caesar Marcus

Antonius Gordianus Augustus) wurde

im März 238 als Dreizehnjähriger zum

Caesar ernannt, und im August desselben

Jahres nach der Ermordung seiner

Vorgänger Pupienus und Balbinus zum

Kaiser proklamiert. Nachdem die innenpolitische

Lage sich halbwegs beruhigt

hatte, brach Gordian 242 zusammen mit

seinem die Regierung führenden Praetorianerpräfekten

Timesitheus zu einem

Feldzug gegen die den Osten des Reiches

bedrohenden Sassaniden auf. Im

Jahr zuvor hatte er Timesitheus’ Tochter

Furia Sabina Tranquillina geheiratet; die

Ehe blieb kinderlos. 243 sicherte ein zunächst

erfolgreicher Feldzug die östlichen

Reichsteile, eine Niederlage

Anfang 244 bedeutete auch das Aus für

Gordian III., der unter ungeklärten Umständen

im Februar zu Tode kam. Nachfolger

wurde Philippus Arabs,

Stellvertreter des Timesitheus und nach

dessen Tod 243 dessen Erbe als Prätorianerpräfekt.

Die Sammlung Stoll spiegelt

die politische Situation wider in den

zahlreichen noch guthaltigen Silberprägungen

(Denare und Antoniniane).

Über die Hälfte der Münzen der Sammlung

Stoll sind provinzialr ö m i s c h :

s i e illustrieren den Weg des Kaisers in

den Osten über die Städte des Donauraums

- Nikopolis, Markianopolis, Thessalonike,

Hadrianopolis (Eurydike

zwischen Orpheus und Hermes) etc.-,

Kleinasiens und Syr i e n s , z . B .

Aspendos (Rs. Hephaistos mit Hammer

und Gorgonenschild - unpubliziert?),

die kapitolinische Trias (Laerte/

Kilikien), Saitta/ Lydien (Tranquillina

und der Flußgott Hermos). Sie geben

Kunde vom noch immer reichen städtischen

Leben in der K r i s e d e s

3. Jahrhunderts.

Los 23.002 antike

ausruf 34.000,- Euro

Die Münzstätte Trier

im 4. Jahrhundert n. Chr.

(163 Münzen)

Gegen Ende des 3. Jahrhunderts wird

Richard Stolls Heimatstadt im Zuge der

Diocletianischen Reformen eine der nun

straff zentral geführten Prägestätten. Mit

dem Argenteus wird eine neue guthaltige

Silbermünze geschaffen, die Kleinmünzen

werden in ein neues System

verteilt und nach einigen Jahren wird

unter Constantin mit dem Solidus eine

neue Goldmünze eingeführt, die mit einigen

Abstrichen für fast ein Jahrtausend

„Leitwährung“ für Europa und den

Mittelmeerraum war.

Die Sammlung Stoll führt repräsentativ

durch über 100 Jahre Tätigkeit einer

Münzstätte, im Buch in bewährter Weise

ergänzt durch Abbildungen anderer

Sammlungen. Glanzstück der Sammlung

ist der seltene Solidus Constantins

I. mit Pax und Italia dem Kaiser gegenübertretend

und eine Victoriola überreichend

(Depeyrot 20,6; RIC 17). Aus den

Anfängen der 293/4 stammen einige seltene

Antoniniane, die Tetrarchie ist reich

vertreten, ebenso die constantinische

Dynastie mit den kaiserlichen Damen

und Söhnen Constantins mit vielen vorzüglich

erhaltenen Bronzen. Die

2. Hälfte des Jahrhunderts glänzt mit

mehreren Solidi und Siliquae (darunter

Eugenius, Constantin III.), und einem

leichten Miliarense des Valens.

Los 23.003 antike

ausruf 30.000,- Euro

Herakles: (69 Münzen)

Herakles (lateinisch Hercules), Sohn des

Zeus, mythischer Begründer der Olympischen

Spiele, tapferer Held zahlreicher

Kämpfe und Abenteuer, derb-gewaltiger

Kraftprotz, aber auch menschlich-selbstloser

Dulder, ist Vorbild für Philosophen,

Athleten, Herrscher, nach seinem

tragischen Ende unter die Götter erhoben.

Sein Leben und seine Taten sind in

zahlreichen Erzählungen überliefert,

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| Die MünzenZeitung 05/12


Auktionsvorbericht

dargestellt sind schon früh seine kanonischen

Taten (Metopen des Zeustempels

von Olympia), über Jahrhunderte hinweg

auch auf Münzen illustriert. Über

die Etrusker findet der griechische Held

seinen Weg nach Rom, wie die Dioskuren

Nothelfer und Beschützer Roms,

und – wie zahlreiche Inschriften bezeugen

– Gott des Handels, des Gewinns

und Schützer von Gewicht und Münze.

Kenntlich machen Herakles seine Attribute,

eine Keule und das Fell des nemeischen

Löwen, mehr jugendlich unbärtig

auf dem frührepublikanischen Didrachmon

(Cr. 20.1, um 270 v. Chr.) oder bärtig

gereift auf dem Denar des

Ti.Quinctius (Cr. 297.1, um 110 v. Chr.).

Die reichsrömische Prägung der Kaiserzeit

greift das Thema immer wieder auf

bis hin zu Kaiser Commodus, der sich

geradezu mit Herakles identifiziert,

wenn er sich mit Löwenfell und Keule

abbilden lässt (Denar, RIC 290). Der stehende

nackte H. ist immer ein beliebtes

Sujet der Prägungen im 3./4. Jh.

Einen reichen, fast unerschöpflichen

Bilderschatz bieten die provinzialrömischen

Prägungen im Osten des Reiches.

Die jahrhundertalte griechische Tradition

der Münzprägung wird fortgeführt

in der Ausgabe meist für den lokalen

Handel gedachter (Bronze-) Münzen.

Seien es die Städte im Donauraum, die

eine reiche Prägung entfalten, seien es

die kleinasiatischen Städte, die Städte

der Levante und Syriens, dazu das ägyptische

Alexandria, die Münzbilder bieten

ein gewaltiges Bildpanorama zu Kultur,

Religion, zu Wirtschaft und Handel.

Und ein nicht unerheblicher Teil ist Herakles

gewidmet. Dargestellt sind seine

Taten, er wird verehrt als Gründungsheros

der Stadt, verschmilzt mit lokalen

Gottheiten, ist verantwortlich für Sicherheit

und Handel. Glanzstück der Sammlung

Stoll ist ein sehr seltener Aureus

des Maximianus (Mzst. Rom), die Rs.

zeigt H. im Kampf mit der Hydra von

Lerna (RIC-, C.vgl. 255), weitere Highlights

finden sich in seltenen oder sogar

unpublizierten Provinzialprägungen.

Los 23.004 antike

ausruf 33.000,- Euro

Römische Porträts

(ca. 405 Münzen):

250 Jahre hatte man in Rom Münzen

geprägt, aber erst in den Wirren

der untergehenden Republik erscheinen

Köpfe von Lebenden

auf ihnen. Der Diktator Caesar

macht 45/44 v. Chr. den Anfang,

sogleich von seinen

Gegnern und Mördern imitiert,

wird das Herrscherporträt

in seiner Nachfolge zum gewöhnlichen

Bild der Vorderseite. Die Sammlung

Stoll bietet auf über 400 Münzen

einen guten Querschnitt markanter

Charakterköpfe:

Caligula aus dem julisch-claudischen

Haus, Traian, der größte Kaiser (zumindest

erreichte unter ihm das Reich seine

größte Ausdehnung), die Antoninen und

ihre kaiserlichen Damen, von den Severern

der kraftvoll-finstere Caracalla.

Ihren Schwerpunkt hat die Sammlung

im dritten, vierten und in Teilen im fünften

Jahrhundert: die Reihe der schnell

wechselnden Soldatenkaiser, die Konsolidierung

des Reiches in der Tetrarchie,

die constantinische Familie, die Trennung

in zwei Hälften bis zum Untergang

Westroms 476 n. Chr

Die MünzenZeitung 05/12 |

49


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| Die MünzenZeitung 05/12


Im nächsten Heft

iM nÄCHSTEn HEFT

EUROPÄISCHE ZENTRALBANK

Prägeanstalten und ihre Verkaufsstellen

Ein Bericht über den Besuch der Europäischen Zentralbank

in Frankfurt am Main durch unseren Chefredakteur

Ralf Enders. Es wird berichtet, wie die EZB in

Zukunft unseren EURO zu stabilisieren versucht und

was es Neues gibt im Bereich Münzen und Banknoten.

FALSCHGELD - Besuch der Bundesbank-

Außenstelle Mainz

Es wird berichtet von der Deutschen Nationalbank

„Bundesbank“ in Mainz, Abteilung Falschgeld:

Was sie macht und wie sie uns vor Falschgeld

schützt.

Vorbereitungen Olympische Spiele

London 2012

Was ist mit der Numismatik? Welche Länder bringen

welche Münze zu diesem Ereignis heraus?

Das erfahren Sie in der nächsten Ausgabe.

Die MünzenZeitung 05/12 |

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