STRASSENBAHN MAGAZIN Die letzten Tatras (Vorschau)
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Schleichender Abschied in Deutschland<br />
<strong>Die</strong> <strong>letzten</strong><br />
<strong>Tatras</strong><br />
Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
█<br />
█<br />
█<br />
Aktuelle Einsätze<br />
Abstellungen<br />
Zukunft<br />
47 Bahnen für zwei Linien:<br />
Dortmunds NGT8 im Porträt<br />
Vor 30 Jahren: Kahlschlag<br />
bei der Münchner Trambahn<br />
In den <strong>letzten</strong> M8C auf der<br />
Linie 3 durch Bielefeld
<strong>Die</strong> schönsten<br />
Seiten der Bahn<br />
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Einsteigen, bitte …<br />
Wirklich einen Schritt weiter?<br />
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<strong>Die</strong> Münchner Tagespresse thematisiert unlängst<br />
den Lärmpegel sowie andere Nebenwirkungen<br />
der starren Räder auf die Fahr -<br />
eigenschaften der Niederflurwagen eines<br />
Schweizer Herstellers – siehe auch Seite 82<br />
in <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5/2013.<br />
An der Reaktion der Münchner Verkehrs -<br />
gesellschaft (MVG) auf die Kritik war vor<br />
allem eines auffällig: das Fehlen überzeugender<br />
Gegenargumente. Stattdessen spulte die<br />
Presseabteilung einmal mehr ihr Sprüchlein<br />
von der Fortschrittlichkeit und Bequemlichkeit<br />
der Niederflurtechnik ab.<br />
Doch ist die von vielen Betrieben angestrebte<br />
100-prozentige Niederflurigkeit von<br />
Stadt- und Straßenbahnen wirklich ein Garant<br />
für die Zufriedenheit aller Fahrgäste?<br />
Und ist das für die kommunalen Betriebe<br />
wirklich wichtiger als der Aufwand zur Anpassung<br />
von Weichenstraßen und die hohen<br />
Wie akzeptiert sind Straßenbahnwagen mit unterschiedlichen<br />
Fußbodenhöhen?<br />
• Es ist mir noch nicht aufgefallen, dass Stufen in Straßenbahnwagen<br />
jemand zum Ärgernis geworden sind<br />
• Ich habe schon mehrmals Fahrgäste schimpfen gehört bzw. ihren Unmut<br />
gespürt. Zu 100-prozentigen Niederflurwagen gibt es keine Alternative<br />
• <strong>Die</strong> Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse weniger Fahrgäste geht zu weit!<br />
Es ist wichtiger, dass die Wagen technisch einwandfrei funktionieren<br />
Stimmen Sie online ab: www.strassenbahn-magazin.de<br />
Instandhaltungskosten der als „Rumpel kisten“<br />
geschmähten Wagen. Es mehren sich die<br />
Stimmen, die das eindeutig verneinen. Dahinter<br />
verbirgt sich jedoch keineswegs der<br />
Wunsch nach der Rückkehr von Hochflurwagen<br />
mit mehreren Einstiegsstufen!<br />
Jede Familie mit Kinderwagen, jeder Gehbehinderte<br />
– ganz gleich ob mit Stock oder<br />
Rollstuhl – und leider sogar manches Bübchen,<br />
was zu faul ist, sich trotz Trockenheit<br />
auf sein mitgeführtes Fahrrad zu setzen, genießt<br />
es, fast niveaugleich ein- und aussteigen<br />
zu können. Daran will keiner rütteln.<br />
Aber ist es wirklich zwangsläufig notwendig,<br />
mit einem Kinderwagen vom Fahrer bis<br />
zur Heckscheibe durch einen mehrgliedrigen<br />
Gelenkwagen laufen zu können? Anders gefragt:<br />
Würde auch nur ein Fahrgast weniger<br />
mit Niederflurwagen fahren, wenn er gezwungen<br />
wäre, im Wageninneren eine –<br />
freilich unbedingt gut sichtbare – Stufe zu<br />
steigen?<br />
In Düsseldorfer NF6-Wagen spontan ein<br />
Dutzend Reisende nach der Zumutbarkeit<br />
der einen Stufe in Richtung<br />
Wagenende befragt, gab es<br />
kürzlich nicht ein Wort der<br />
Inakzeptanz.<br />
Und welche Erfahrungen<br />
haben Sie, liebe Leser, mit<br />
Stufen in Straßenbahnwagen<br />
gesammelt?<br />
Bremen am 7. April<br />
2013: Der Niederflurwagen<br />
3058 der BSAG<br />
hält am St.-Joseph-<br />
Stift – ohne große<br />
Mühe und Hilfe kann<br />
die Frau mit ihrem<br />
Kinderwagen einsteigen.<br />
Aber muss sie ihn<br />
wirklich vom Fahrer<br />
bis zum Heck durch<br />
das Fahrzeug durchschieben<br />
können?<br />
M. KOCHEMS<br />
André<br />
Marks<br />
Verantwortlicher<br />
Redakteur<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
3
Inhalt<br />
Inhalt<br />
TITEL<br />
<strong>Die</strong> <strong>letzten</strong> Tatra-Einsätze in Deutschland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30<br />
Betriebe<br />
Ringsherum statt Mittendurch. . . . . . . . . . . . . . 16<br />
Erfurts Straßenbahnnetz unterbrochen – Aufgrund von Bauarbeiten<br />
am Anger und an der Schlösserbrücke kann die Straßenbahn seit März<br />
nicht mehr durch das Zentrum der thüringischen Landeshauptstadt fahren.<br />
Es kommt zu umfangreichen Ersatz- und Umleitungsverkehren<br />
Im Flexity durch Strausberg . . . . . . . . . . . . . . . . . 20<br />
Neue Bombardier-Wagen beim Kleinbetrieb östlich von<br />
Berlin – Seit Frühjahr 2013 verfügt die Strausberger Eisenbahn GmbH<br />
(STE) nun über zwei Flexity Berlin. Damit zog eine neue Farbe, aber auch<br />
Reisequalität auf der markanten normalspurigen Strecke ein<br />
TITEL<br />
Noch große Stücke Straßenbahn . . . . . . . . . . . 22<br />
Bielefelds Linie 3 im Porträt – <strong>Die</strong> Verbindung von Babenhausen<br />
nach Stieghorst bietet fast alles, was eine moderne Straßenbahn bieten<br />
kann: Als Stadtbahn auf unabhängiger Trasse, in Stadtmitte im Tunnel und<br />
dazwischen immer wieder echte Straßenbahnabschnitte<br />
Per Pferdebahn ins Sanatorium. . . . . . . . . . . . . 28<br />
Auf 900-mm-Gleisen durch Masowien – Nach der Eröffnung der<br />
Museums-Pferdestraßenbahn in Döbeln 2007 konnte nun in Polen eine<br />
ähnliche Bahn fertiggestellt werden. Sie befindet sich in der Gemeinde<br />
Mrozy, knapp 60 Kilometer östlich von Warschau<br />
Fahrzeuge<br />
Schleichender Abschied . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30<br />
<strong>Die</strong> <strong>letzten</strong> <strong>Tatras</strong> in Deutschland – Moder nisierte T3D, T4D, KT4D,<br />
T6A2 und sogar drei KT8 – noch gibt es sie bei immerhin 21 Betrieben im<br />
Osten Deutschlands. Doch seit dem Jahr 2000 hat sich ihr Bestand drastisch<br />
reduziert – und dieser Prozess geht weiter …<br />
Durch die Mitte auch nach dem Krieg. . . . . 44<br />
<strong>Die</strong> Mitteleinstiegswagen der Berliner Straßenbahn nach<br />
1945 – Nach dem Zweiten Weltkrieg standen noch zahlreiche Wagen dieser<br />
Bauform für den Verkehr in der geteilten Stadt zur Verfügung. Aber auch<br />
die Umbauwagen TM 31 US und TM 31 U werden nun vorgestellt<br />
Hochflurig durch die Weinberge … . . . . . . . . 48<br />
Rhein-Haardtbahn-GT6-Zug im Planeinsatz – <strong>Die</strong> RNV GmbH<br />
setzt von Zeit zu Zeit den Tw 1017 mit dem passenden Gelenk-Bw 1057<br />
auf deren alter Stammstrecke nach Bad Dürkheim ein; für die Freunde<br />
dieser Hochflurwagen ein Genuss – aber nicht für alle Reisende<br />
TITEL<br />
Komplett: 47 Wagen für zwei Linien . . . . . . . 50<br />
Der NGT8 der Dortmunder Stadtwerke – Mit dem Stadtbahntunnel<br />
III kam 2007 eine neue Fahrzeuggeneration auf Dortmunds Gleise –<br />
erstmals in Niederflur- statt Hochflurbauweise. Nach Hochwasserschäden<br />
beim Hersteller und einem Unfall ist die Flotte seit März 2013 nun komplett<br />
4 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> FOTOEDITION Nr. 6<br />
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Dortmunds »Niederflur-U-Bahnen« im Porträt 50<br />
Fast fabrikneu erklimmt der Esslinger Tw 13 mit Bw 37 im Sommer<br />
1958 auf der END-Strecke zwischen Esslingen und Nellingen den<br />
Zollberg<br />
WERKFOTO, SLG. A. REUTHER<br />
Im Jahr 2013 machen wir unseren Abonnenten ein ganz besonderes<br />
Geschenk: Mit jeder <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>-<br />
Ausgabe des Jahrgangs liefern wir Ihnen ein faszinierendes,<br />
historisches Foto der interessantesten Fahrzeugtypen. <strong>Die</strong><br />
Bilder sind auf hochwertigem Chromolux-Karton gedruckt<br />
und können auch als Ansichtskarten verschickt werden.<br />
Tram- und Lokalbahn-Nostalgie pur in Kärnten 68<br />
Übrigens: Wer sich jetzt entschließt, das <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong> künftig bequem nach Hause geschickt zu bekommen,<br />
erhält die komplette zwölfteilige Foto-Edition und<br />
spart gegenüber dem Heft-Einzelkauf im Handel bares Geld!<br />
Geschichte<br />
Großer Kahlschlag 1983. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60<br />
Einstellungswelle bei<br />
der Münchner Straßenbahn<br />
vor 30 Jahren –<br />
Am 28. Mai 1983 ging in<br />
Bayerns Landeshauptstadt<br />
die 3,3 km lange U1 in Betrieb.<br />
Zeitgleich endete der<br />
Betrieb auf drei Tramlinien<br />
mit ca. 10 km Länge – ein<br />
Etappenziel auf dem Weg<br />
zur Gesamteinstellung?<br />
Der älteste Postwagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66<br />
Restaurierung des Postwagens der Lockwitztalbahn abgeschlossen<br />
– Beim Straßenbahnmuseum Dresden e.V. wurde in den vergangenen<br />
Jahren der von der Strecke Niedersedlitz – Kreischa stammende<br />
Postbeiwagen 35 restauriert – ein Meterspurfahrzeug mit Superlativ<br />
Nostalgie total! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68<br />
Straßenbahnaktivitäten des Vereins „Nostalgiebahnen in<br />
Kärnten“ – In Österreichs südlichstem Bundesland hegt und pflegt ein<br />
Verein auch Straßenbahnen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.<br />
Ein Teil von ihnen ist einsatzfähig – und deshalb gibt es große Pläne!<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
TITEL<br />
RUBRIKEN<br />
»Einsteigen, bitte ...« . . . . . . 3<br />
Bild des Monats . . . . . . . . . . 6<br />
Journal . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8<br />
Nächster Halt . . . . . . . . . . . . 27<br />
Einst & Jetzt . . . . . . . . . . . . . 58<br />
Fundstück des Monats . . . . . 73<br />
»Forum«, Impressum . . . . . . 78<br />
<strong>Vorschau</strong> . . . . . . . . . . . . . . . 82<br />
»Ende gut ...« . . . . . . . . . . . 82<br />
Das besondere Bild. . . . . . . . 83<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> im Modell<br />
Geheime Modelle? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74<br />
Neuheitenreport 2013, letzter Teil: Nicht alle neuen Straßenbahnmodelle<br />
können von jedem Hobbyfreund gekauft werden. Immer<br />
mehr Neuheiten sind nur in einem einzigen Laden zu haben ...<br />
Titelmotiv<br />
Den <strong>Tatras</strong> in Deutschland<br />
widmet sich die Titelgeschichte.<br />
Im Bild ein<br />
modernisierter T4D am<br />
25. August 2011 in Leipzig<br />
R. GLEMBOTZKY<br />
5
Bild des Monats<br />
6<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Bild des Monats<br />
Bild des Monats<br />
Endlich gehören Schnee und Minusgrade nun der Vergangenheit an! Jetzt<br />
können die Straßenbahnfreunde wieder die Objekte ihres Interesses fotografieren<br />
oder filmen – ohne zu frieren. Auch nachts nicht, wenn es heißt, attraktive<br />
Szenen mit Stativ einzufangen. Das gelang Paul G. Liebhart am<br />
9. April 2013 in der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz, wo er den<br />
Tw 009 auf dem Hauptplatz mit dem alten Dom, der Dreifaltigkeitssäule<br />
und dem alten Rathaus im Bild festhielt. Seit Umspurung der Pöstlingbergbahn<br />
von 1.000 auf 900 mm und ihrer Wiedereröffnung im Mai 2009 beginnt<br />
diese auf dem im Vordergrund sichtbaren Stumpfgleis als Linie 50 am<br />
Linzer Hauptplatz. Dadurch ist hier nun Mitten im Zentrum der Stadt der<br />
Umstieg zu den drei anderen Linzer Straßenbahnlinien möglich.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
7
Meldungen aus Deutschland,<br />
aus der Industrie und aus aller Welt<br />
Viel Andrang herrschte bei der Eröffnung der „Mobilitätsdrehscheibe Mahndorf“. Im Hintergrund: Der Tunnel unter<br />
der Südumgehung Bremens von Dreye nach Sagehorn, der für die Tram aufgeweitet werden musste A. MAUSOLF (2)<br />
Bremen: Neuer Straßenbahn-, Bus- und S-Bahn-Verknüpfungspunkt in Mahndorf<br />
Ost-Verlängerung der Linie 1 vollendet<br />
ONLINE-UMFRAGE<br />
Große Reserven in der<br />
Lobbyarbeit für Trams!<br />
Im vergangenen Heft fragten wir Sie,<br />
ob die Öffentlichkeit von den Vorteilen<br />
eines Straßenbahnbetriebes überhaupt<br />
ausreichend informiert wird. Auslöser<br />
war das negative Ergebnis der Abstimmung<br />
zum Neubau einer Straßenbahn<br />
in Aachen.<br />
Lediglich 5,7 Prozent der an der Umfrage<br />
teilnehmenden Leser gaben an, dass<br />
nach ihren Beobachtungen alle Möglichkeiten<br />
genutzt werden, für das Verkehrsmittel<br />
Tram zu werben. Fast zwei<br />
Drittel der Votierenden (65,4 Prozent)<br />
waren hingegen der Meinung, dass in<br />
der Lobbyarbeit für Straßenbahnen große<br />
Reserven stecken. Der schienengebundene<br />
Personennahverkehr könnte<br />
noch viel mehr und deutlicher beworben<br />
werden. 28,9 Prozent der Umfragteilnehmer<br />
sind sowohl sehr gute als<br />
auch sehr schlechte Beispiele in der<br />
Bewerbung von Straßen- und Stadtbahnprojekten<br />
bekannt. SM<br />
Links und rechts der neuen Strecke war zwar noch weitestgehend Baustelle,<br />
doch der Eröffnungstermin konnte gehalten werden.<br />
Am 2. April fand die feierliche Eröffnung<br />
des neuen ÖPNV-Knotens am<br />
Bahnhof Mahndorf und des <strong>letzten</strong>,<br />
800 m langen Abschnitts der Linie 1<br />
von der provisorischen Endstelle Nußhorn<br />
hierher statt. <strong>Die</strong> neue Strecke<br />
schließt damit an die erst im März<br />
2012 eröffnete Strecke von Osterholz<br />
nach Nußhorn an. Beide Strecken waren<br />
von vornherein als Gemeinschaftsprojekt,<br />
mit dem weitere Großsiedlungen<br />
sowie ein Großeinkaufszentrum<br />
im Bremer Osten mit der Innenstadt<br />
und stadtauswärts mit dem Regio-S-<br />
Bahnhof Bremen-Mahndorf verbunden<br />
werden sollten, geplant. Neben der<br />
Bremer Straßenbahn AG (BSAG) war<br />
u.a. auch der Regionalbereich Nord<br />
„Station und Service“ der Deutschen<br />
Bahn AG am Gesamtprojekt beteiligt.<br />
<strong>Die</strong> Aufweitung des Tunnels unter<br />
der Umgehungsbahn Sagehorn –<br />
Dreye war die größte Einzelmaßnahme<br />
der neuen Strecke. Am Bahnhof<br />
Mahndorf können die Fahrgäste von<br />
Tram und Bus zur Regio-S-Bahn-Linie<br />
RS1 (Farge – Bremen Hauptbahnhof –<br />
Verden) umsteigen. Ab Dezember<br />
2013 sollen auch die Regionalexpress-<br />
Züge hier halten, womit viele Ziele im<br />
Osten Bremens für Fahrgäste aus Richtung<br />
Verden/Hannover künftig ohne<br />
einen Umweg über Bremens Hauptbahnhof<br />
erreichbar sind. Für die Fahrgäste<br />
sind 220 Park-&-Ride-, sowie<br />
200 Bike-&-Ride-Plätze eingerichtet,<br />
die Hälfte davon überdacht. <strong>Die</strong> Bahnstrecke<br />
nach Hannover verläuft mittig<br />
durch den Gesamtbereich der so<br />
genannten „Mobilitätsdrehscheibe<br />
8 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Deutschland<br />
Am auf die<br />
Eröffnung folgenden<br />
Wochenende<br />
wurde Tw 811<br />
erstmals nach<br />
seiner Grundüberholung<br />
eingesetzt –<br />
hier vor der<br />
Kulisse zweier<br />
Wohnhochhäuser<br />
im Bremer<br />
Osten<br />
M. BEITELSMANN<br />
Mahndorf“. Eine Bahnsteigbrücke, die<br />
mit Fahrstühlen ausgestattet ist, verbindet<br />
die Endstelle der Linie 1 mit<br />
den auf der anderen Seite der Eisenbahn<br />
befindlichen Bus-Endstellen. Drei<br />
Nachtlinien bedienen den neuen Endpunkt.<br />
Am ehemaligen Endpunkt Nußhorn<br />
wurde die provisorische Wendeschleife<br />
bereits wieder abgebaut.<br />
Technisch interessant ist der Einbau<br />
einer mit Erdwärme gespeisten Weichenheizung<br />
im Bereich der Endstelle.<br />
Der Gleiskörper des neuen Abschnitts<br />
ist weitestgehend als Rasengleis ausgeführt.<br />
Aufgrund der erforderlich gewesenen<br />
Eingriffe in den Naturraum<br />
werden u.a. 120 neue Bäume entlang<br />
der Strecke gepflanzt.<br />
Verspätete Eröffnung<br />
abgewendet<br />
Aufgrund des erneuten Wintereinbruchs<br />
wurde zeitweise eine verspätete<br />
Eröffnung befürchtet. Nun konnte<br />
der Terminplan zwar gehalten werden,<br />
allerdings waren begleitende Nebenarbeiten<br />
zum Eröffnungszeitpunkt noch<br />
nicht abgeschlossen. In der nachmittäglichen<br />
Hauptverkehrszeit wird nun<br />
auf der gesamten Strecke ein 7 ½-Minutentakt<br />
angeboten. In der morgendlichen<br />
Spitze verkehrt weiterhin von<br />
Tenever, auf der bereits 2012 eröffneten<br />
Neubaustrecke gelegen, zur Innenstadt<br />
die Expresslinie „1S“, die nur<br />
ausgewählte Haltestellen anfährt. <strong>Die</strong><br />
insgesamt knapp fünf km lange Neubaustrecke<br />
der Linie 1 von der Züricher<br />
Straße in Osterholz bis zum Mahndorfer<br />
Bahnhof kostete insgesamt 62 Mio.<br />
Euro, von denen 60 % aus Bundesmitteln,<br />
die restlichen 40 % von Land und<br />
Stadt Bremen getragen wurden.<br />
Während nun in Bremens Osten der<br />
Tramausbau beendet ist, sollen die Linien<br />
1 und 8 demnächst am südlichen<br />
Ende verlängert werden. Proteste von<br />
Anwohnern hatten hier in der Vergangenheit<br />
für Verzögerungen gesorgt.<br />
Zuvor soll der dritte Bauabschnitt der<br />
Linie 4 durch das niedersächsische Lilienthal<br />
bis nach Falkenberg eröffnet<br />
werden. Sofern alles glatt läuft, könnten<br />
dort schon im Herbst 2013 die ersten<br />
Bahnen fahren. Auch die dortige<br />
Endstelle soll als Umsteigeknoten,<br />
wenn auch ohne Eisenbahnanschluss,<br />
ausgebaut werden.<br />
Oldtimer- und Fast-Oldtimer-<br />
Einsätze<br />
Am auf die Eröffnung folgenden Sonnabend<br />
boten BSAG und Freunde der<br />
Bremer Straßenbahn (FdBS) Fahrten<br />
mit historischen Straßenbahnen auf<br />
dem neuen Linienabschnitt an. <strong>Die</strong> Wagen<br />
verkehrten zwischen dem Depot<br />
Kurt-Huber-Straße und Bahnhof Mahndorf.<br />
Zum ersten Mal nach einer Grundüberholung<br />
gelangte dabei u.a. der<br />
Großraumwagen 811 wieder zum Einsatz.<br />
Ansonsten waren der Kurzgelenk-<br />
Tw 446, der dreiachsige Gelenkwagen<br />
917 sowie die Zweiachser 134 und 701<br />
unterwegs. Am Eröffnungstag war Wagen<br />
446 der einzige historische Wagen,<br />
der im Einsatz stand. Neues gibt es derweil<br />
auch von den <strong>letzten</strong> beiden Wegmann-Hochflurzügen<br />
zu berichten:<br />
Nachdem beide bereits aus dem Fahrgastverkehr<br />
verabschiedet wurden, beschloss<br />
die BSAG nun jedoch aufgrund<br />
einer angespannten Situation beim Wagenpark<br />
zu prüfen, ob die beiden Züge<br />
für den Stadionverkehr eventuell kurzzeitig<br />
weiter eingesetzt werden können.<br />
Ein Ergebnis stand bei Redaktionsschluss<br />
noch aus.<br />
AMF<br />
Mülheim an der Ruhr/Essen<br />
Neue Lackierung<br />
<strong>Die</strong> Fahrzeuge der Essener Verkehrs-AG<br />
(EVAG) und der Mülheimer<br />
VerkehrsGesellschaft (MVG) erhalten<br />
derzeit nach und nach eine neue Lackierung<br />
im Farbton „Rapsgelb“.<br />
Nach offiziellen Angaben soll es sich<br />
bei der gemeinsamen Farbgebung um<br />
die Angleichung des „Corporate Designs“<br />
beider Verkehrsunternehmen<br />
und nicht um einen verbindlichen<br />
Farbton der Via handeln. Schließlich<br />
wird die Duisburger Verkehrsgesellschaft<br />
(DVG), die ebenfalls dem übergreifenden<br />
Unternehmensdach Via angehört,<br />
ihre Busse und Bahnen bis auf<br />
Weiteres rot/weiß lackieren. Ebenfalls<br />
„bis auf Weiteres“, so die Wortwahl<br />
eines Unternehmenssprechers, sollen<br />
die Teilbetriebe einen eigenständigen<br />
Außenauftritt behalten. Es bleibt also<br />
abzuwarten, ob eines Tages die Busse<br />
und Bahnen in allen drei Städten vielleicht<br />
in einer einheitlichen, vermutlich<br />
rapsgelben Lackierung unterwegs sein<br />
werden.<br />
PKR<br />
Tw 201 der Mülheimer Verkehrsgesellschaft trägt bereits den neuen Farbton,<br />
der derzeit auch bei den Essener Bahnen eingeführt wird M. KOCHEMS<br />
Düsseldorf<br />
<strong>Die</strong> Straßenbahnanbindung<br />
des Medienhafens wurde nun<br />
offiziell für den Dezember dieses<br />
Jahres festgelegt. Am 8. April<br />
haben die eigentlichen Bauarbeiten<br />
für die neue Strecke begonnen.<br />
<strong>Die</strong> Verlängerung der<br />
Linie 704 führt ab der Bilker Kirche,<br />
wo bereits 2010 ein Abzweig<br />
für die neue Linie entstand,<br />
zunächst über die Trasse<br />
der Linie 708. Auf Höhe der Haltestelle<br />
Franziusstraße zweigt<br />
die neue, 6,5 Mio. Euro teure<br />
Strecke zur Schleife Kesselstraße<br />
mit der Zwischenstation Speditionstraße<br />
ab.<br />
MBE<br />
Neckar-Alb<br />
<strong>Die</strong> Region Neckar-Alb plant<br />
unter Einbeziehung der vorhandenen<br />
Bahnstrecken ein Regionalstadtbahnsystem,<br />
wobei in<br />
Tübingen und Reutlingen neue<br />
Stadtstrecken entstehen sollen.<br />
Da das System aber nicht bis<br />
zum Auslaufen der GVFG-Fördermittel<br />
2019 verwirklicht werden<br />
kann, sollen zunächst die<br />
Ammertalbahn (Tübingen – Herrenberg)<br />
und die Ermstalbahn<br />
(Metzingen – Bad Urach) elektrifiziert<br />
werden. Der weitere Ausbau<br />
des Systems soll anschließend<br />
– unter den derzeit noch<br />
ungewissen Förderbedingungen<br />
– umgesetzt werden. PKR<br />
Heilbronn<br />
Obwohl die Gleisbauarbeiten<br />
für die Stadtbahn Nord durch die<br />
Witterung der <strong>letzten</strong> Monate<br />
behindert wurden, soll der Eröffnungstermin<br />
im Dezember gehalten<br />
werden. Neben den geplanten<br />
neuen Abstellgleisen<br />
westlich der Haltestelle Hauptbahnhof<br />
soll nun auch die ursprünglich<br />
in Böckingen vorgesehene<br />
Revisions- und Abstellhalle<br />
entstehen, wofür ein Änderungsverfahren<br />
zur Planfeststellung erforderlich<br />
ist. Mit der Stadtbahn<br />
Nord entsteht eine neue innerstädtische<br />
Stadtbahnstrecke, die<br />
in Neckarsulm an das Eisenbahnnetz<br />
anschließt. W. VÖGELE<br />
rz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet kurz gemeldet<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
9
Aktuell<br />
Karlsruhe: An den 360 m langen Bahnsteigen des ICE-Bahnhofs Vaihingen (Enz) sehen selbst Stadtbahn-Doppeltraktionen (hier als S5 Bietigheim-Bissingen<br />
– Karlsruhe – Wörth) recht verloren aus. Ab 2016 werden hier aber voraussichtlich nur noch Vollbahn-Fahrzeuge halten<br />
P. KRAMMER<br />
Karlsruher Stadtbahn:<br />
Änderungen im<br />
Außenbereich<br />
Im Außenbereich des Karlsruher<br />
Stadtbahnnetzes, weitab der Stadtgrenzen<br />
der Fächerstadt, zeichnen sich<br />
eine Linienverkürzung und eine Verlängerung<br />
ab: <strong>Die</strong> S5 (Wörth – Karlsruhe<br />
Marktplatz – Bietigheim-Bissingen)<br />
könnte ab 2016 nur noch bis<br />
Pforzheim statt bis Bietigheim-Bissingen<br />
fahren. Der Hintergrund sind die<br />
anstehenden Ausschreibungen im<br />
regionalen Bahnverkehr in Baden-<br />
Württemberg, die eine neue Angebotskonzeption<br />
für die Residenzbahn<br />
(Stuttgart – Karlsruhe) vorsehen. Für<br />
die Teilstrecke Pforzheim – Bietigheim-<br />
Bissingen, wo sich derzeit Regionalzüge<br />
der DB mit der S5 zu einem Halbstunden-Takt<br />
ergänzen, sollen künftig<br />
ausschließlich Vollbahn-Fahrzeuge auf<br />
Regionalzug-Linien mit direkter Durchbindung<br />
nach Stuttgart fahren.<br />
Der S41 (Karlsruhe Tullastraße –<br />
Freudenstadt – Eutingen im Gäu) steht<br />
dagegen wahrscheinlich eine Verlängerung<br />
ins Haus. Vermutlich werden<br />
ab 2017 die gelben Züge von Eutingen<br />
im Gäu weiter entlang der Gäubahn<br />
nach Bondorf fahren. Der Hintergrund<br />
sind hier geplante Änderungen auf der<br />
Gäubahn, wonach der zweistündliche<br />
Regionalzug Stuttgart – Singen durch<br />
eine Art Kombination aus Fern- und<br />
Regionalzug ersetzt und bis Zürich<br />
durchgebunden werden soll. Dadurch<br />
wird in Eutingen der zweistündliche<br />
Anschluss zwischen Freudenstadt<br />
(Stadtbahn) und Stuttgart (Regionalzug)<br />
entfallen und muss nach Bondorf<br />
verlegt werden.<br />
PKR<br />
Krefeld<br />
Linie 043 wird am<br />
Hauptbahnhof gekappt<br />
Mit dem 9. Juni steht nun für die<br />
anvisierte Einstellung des Verkehrs auf<br />
dem Streckenastes der Linie 043 nach<br />
Tackheide (s. SM 4/2013) ein geplantes<br />
Datum fest. Eine Genehmigung der<br />
Bezirksregierung steht zwar noch aus,<br />
die Stadtwerke Krefeld (SWK) rechnen<br />
aber von der Zustimmung der Behörde.<br />
<strong>Die</strong> Linie 043 wird demnach nun<br />
am Hauptbahnhof gekappt, so dass<br />
der Stadtteil Stahldorf dann nur noch<br />
mit der Linie 042 erreichbar ist. Vor<br />
wenigen Wochen, Anfang März 2013,<br />
schloss die SWK diese Variante noch<br />
aus und bestätigte gegenüber dem<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>, dass die<br />
Linie 043 künftig an der Oberschlesienstraße<br />
enden solle. Nach Tackheide<br />
fährt künftig die Buslinie 069.<br />
<strong>Die</strong> gut einen Kilometer lange Strecke<br />
zwischen Oberschlesienstraße und<br />
Tackheide soll aber vorerst betriebsfähig<br />
erhalten bleiben. <strong>Die</strong> Anlagen<br />
könnten zum Beispiel als Abstellfläche<br />
dienen, wenn umfangreiche Umbaumaßnahmen<br />
der Infraststruktur in der<br />
Innenstadt (voraussichtlich 2014) dazu<br />
führen, dass der Betriebshof temporär<br />
vom Netz abgeschnitten ist. CLÜ<br />
Cottbus<br />
Kundenzentrum<br />
erneuert<br />
Am 18. April hat Cottbusverkehr<br />
sein saniertes Kundenzentrum an der<br />
Haltestelle Stadtpromenade feierlich<br />
eingeweiht. Etwa 680.000 Euro hat<br />
Cottbusverkehr für den Umbau ausgegeben,<br />
damit sich Service und Modernität<br />
verbessern. Das Kundenzentrum<br />
an der Haltestelle Stadtpromenade<br />
wurde ganz gezielt umgebaut, da dies<br />
die Haltestelle mit den meisten Fahrgästen<br />
in Cottbus ist. Täglich steigen<br />
hier ca. 8000 Fahrgäste in die Straßenbahn<br />
ein bzw. um.<br />
Der in den 70er Jahren erbaute<br />
Komplex hat im Rahmen des Umbaus<br />
eine Rotunde in rot / weißem Design,<br />
den Hausfarben von Cottbusverkehr,<br />
erhalten.<br />
FHE<br />
Hamburger U-Bahn<br />
Lichterschau in<br />
U-Bahn-Haltestelle<br />
Seit dem 13. April gibt es sonnabends<br />
und sonntags zwischen 11 und<br />
18 Uhr eine Lichterschau im U-Bahnhof<br />
Hafencity Universität. Hamburgs<br />
neue U-Bahn-Linie in die Hafencity hat<br />
sich mit ihren kunstvoll gestalteten<br />
Haltestellen in kurzer Zeit zu einer Touristenattraktion<br />
entwickelt. <strong>Die</strong> Lichtschau<br />
wird mit klassischer Musik untermalt.<br />
Über dem Bahnsteig hängen<br />
Leuchtcontainer, die passend zur Musik<br />
ihre Farben wechseln. Von den Zwischenebenen<br />
der Haltestellen bietet<br />
sich dem Besucher ein Blick auf die<br />
zwölf imposanten Leuchtcontainer.<br />
Auszuge aus La forza del destino (Verdi),<br />
Toccata e fuga (Bach), Symphonie<br />
fantastique (Berlioz), Ungarischer Tanz<br />
(Brahms) und Contradanza (Vanessa<br />
My) werden für die Besucher und Fahrgäste<br />
illuminiert.<br />
LBR<br />
Mainz<br />
Straßenbahn soll in den<br />
Zollhafen fahren<br />
Im alten Mainzer Zollhafen soll ein<br />
neues Stadtquartier entstehen, das<br />
auch mit der Straßenbahn erschlossen<br />
werden soll. Das Gebiet grenzt direkt<br />
an den Betriebshof der Mainzer Verkehrsgesellschaft<br />
(MVG), sodass dessen<br />
Zulaufgleise künftig für den regulären<br />
Linienverkehr genutzt werden<br />
können. <strong>Die</strong> Bahnen würden am Bismarckplatz<br />
von der Strecke Richtung<br />
Finthen abzweigen und zunächst den<br />
eben genannten Abschnitt zum Betriebshof,<br />
der bis zur 1997 erfolgten<br />
Cottbus: Tw 140, der zweite generalsanierte KTNF6 (Langläufer), passiert<br />
an der Haltestelle Stadtpromenade das sanierte Kundenzentrum F. HEILMANN<br />
Hamburg: Von der Zwischenebene des U-Bahnhofs Hafencity Universität<br />
haben Besucher einen guten Blick auf die Lichterschau L. BRÜGGEMANN<br />
10 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Deutschland<br />
Einstellung der Strecke zur Ingelheimer<br />
Aue noch linienmäßig bedient<br />
wurde, bis zur Haltestelle Straßenbahnamt<br />
folgen. Nach dem Passieren<br />
dieser etwa 500 m langen Bestandsstrecke<br />
würde eine weitere 400 m lange<br />
Neubaustrecke folgen. Entlang der<br />
neuen Strecke sollen die Trams gemäß<br />
Vorentwurfsplanung die viel befahrene<br />
Rheinallee queren und im Anschluss<br />
in das Zollhafengebiet, dass<br />
derzeit neu entwickelt wird, fahren.<br />
<strong>Die</strong> aktuellen Planungen sehen eine<br />
als Häuserblockschleife angelegte<br />
Wendemöglichkeit vor.<br />
Wann die Strecke gebaut wird,<br />
hängt auch mit dem Entwicklungstempo<br />
des neu entstehenden Stadtquartiers<br />
zusammen. Obwohl noch<br />
keine Detailplanungen vorliegen,<br />
scheint die Realisierung der Strecke relativ<br />
sicher.<br />
PKR<br />
Dresden<br />
Museumsöffnung mit<br />
Höhepunkten<br />
2.500 Gäste waren gekommen, als<br />
der Verein Straßenbahnmuseum Dresden<br />
e.V. am 20. und 21. April in sein<br />
Domizil an der Trachenberger Straßen<br />
eingeladen hatte. Neben Sonderfahrten<br />
mit Bahnen und Bussen waren die<br />
Wiederinbetriebnahme des Gotha-<br />
Großraumzuges mit Tw 1734 und Bw<br />
2015 und die Präsentation des 105<br />
Jahre alten Postbeiwagen 35 der Lockwitztalbahn<br />
(siehe Seiten 66/67) die<br />
Höhepunkte der Veranstaltung. Letzterer<br />
wird nun neben der (Freital-)Deubener<br />
Güterbahn-Ellok und dem ebenfalls<br />
meterspurigen Tw 240 005 der<br />
Lockwitztalbahn präsentiert. Mit seiner<br />
postgelben Lackierung sticht der<br />
Neuling sofort ins Auge. <strong>Die</strong> Dresdner<br />
Verkehrsbetriebe bewarben die Veranstaltung<br />
in ihrem Fahrgastfernsehen<br />
„Tram-TV“ und trugen damit maßgeblich<br />
zum Erfolg bei. L. HABRECHT<br />
Stuttgart: Mit der Stadtbahnlinie U9, nahe der Haltestelle Schlachthof, fährt man direkt am ex-Baseler Säuli-<br />
Tram vorbei<br />
P. KRAMMER<br />
Stuttgart<br />
»Säuli-Tram« ist da<br />
Seit dem 5. April steht das ex-Baseler „Säuli-Tram“, ein<br />
mit einem großen Schweinekopf verzierter Beiwagen, vor<br />
dem alten Stuttgarter Schlachthof, in dem seit 2010 das<br />
Schweine-Museum untergebracht ist. Der B4-Anhänger -<br />
wagen war zuvor bei der Baselland-Transport im Einsatz,<br />
wo er zu Werbezwecken für die Basellandschaftlichen Kantonalbank<br />
seine außergewöhnliche Gestaltung als „Spar-<br />
Berliner Straßenbahn<br />
F6Z-Flexitys jetzt auch<br />
auf der M10<br />
Seit dem 8. April werden regelmäßig<br />
auch auf der Linie M10 die neuen<br />
Zweirichtungs-Flexitys (F6Z) eingesetzt.<br />
Von den 14 Umläufen der 7,8 Kilometer<br />
langen Linie M10, die tagsüber<br />
im Fünf-Minuten-Takt von der<br />
Warschauer Straße zum Nordbahnhof<br />
fährt, sind seither bis zu fünf mit F6Z<br />
besetzt. Wegen der kurzen Wendezeiten<br />
an beiden Endstellen, die jeweils<br />
über nur ein nutzbares Stumpfgleis<br />
verfügen, in Kombination mit derzeit<br />
noch recht langen Umrüstzeiten beim<br />
Fahrerstandwechsel, ist aktuell keine<br />
komplette Umstellung auf reinen Flexity-Betrieb<br />
möglich. Dass noch nicht<br />
genügend Fahrer für den neuen Fahrzeugtyp<br />
ausgebildet sind, kommt<br />
erschwerend hinzu. Eine Entlastung<br />
bringen die Wagen auf der hoch belasteten<br />
M10 aber jetzt schon – schließlich<br />
verfügen sie über etwa 20 Prozent<br />
mehr Plätze als die bislang eingesetzten<br />
GT6Z.<br />
Säuli“ erhielt. Ein Einsatz im Museumsverkehr auf den<br />
Stuttgarter Meterspurgleisen ist aber nicht geplant, was einerseits<br />
an der mangelnden Kompatibilität, aber auch an<br />
der schwierigen Vereinbarkeit mit den satzungsgemäßen<br />
Zielen des Museumsvereins Stuttgarter Historische Straßenbahnen<br />
(SHB) liegt. Schließlich hat das Säuli-Tram<br />
nichts mit der Stuttgarter Verkehrsgeschichte zu tun. PKR<br />
Bereits seit Dezember 2012 fahren<br />
die F6Z auf der M2 im Zweirichtungsbetrieb.<br />
Zuvor wurden sie nur auf Linien,<br />
die mit Wendeschleifen ausgestattet<br />
sind, eingesetzt. Neben den Linien<br />
M2 und M10 gibt es in Berlin seit dem<br />
3. Juni 2012 noch eine dritte Linie, die<br />
mit Zweirichtungswagen bedient werden<br />
muss. Seitdem wendet die Linie 18<br />
am S-Bahnhof Springpfuhl über ein<br />
neues, zwischen den Richtungsgleisen<br />
der Linie M8 verlegtes Stumpfgleis, womit<br />
sie vom Bahnhof Lichtenberg hierher<br />
eingekürzt werden konnte. BEKUS<br />
Mainz: <strong>Die</strong> Zulaufstrecke zum Betriebshof der Mainzer Straßenbahnen soll<br />
in einigen Jahren wieder Linienverkehr erhalten<br />
P. KRAMMER<br />
Berlin: Seit Anfang April sind fünf der 14 Umläufe der dicht getakteten Linie<br />
M10 mit Zweirichtungsflexitys bestückt<br />
B. KUSSMAGK<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 5 | 2013<br />
11
Aktuell<br />
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Hamburg: <strong>Die</strong> neue Monorail, die zur Internationalen Gartenbauausstellung gebaut wurde, soll bereits im Oktober<br />
wieder demontiert werden<br />
J. PERBANDT<br />
Noch mehr Auswahl unter<br />
www.strassenbahnmagazin.de/abo<br />
Hamburg Monorail<br />
Neue Strecke zur<br />
Gartenbauausstellung<br />
Am 26. April wurde in Hamburg die<br />
Internationale Gartenbauausstellung<br />
IGS zusammen mit einer neuen Monorail,<br />
die bis zu sechs Meter über dem<br />
rund 100 Hektar großen Ausstellungsgelände<br />
verläuft, eröffnet. Der eingleisige<br />
Rundkurs erstreckt sich über 3,4<br />
km. An drei Haltestellen können die<br />
Fahrgäste die Züge verlassen. Der<br />
Fahrpreis beträgt 7,50 Euro und fällt<br />
zusätzlich zum Eintrittspreis von 21<br />
Euro an. An der Haltestelle Nord befindet<br />
sich eine dreispurige Abstellanlage<br />
zum Zwischenparken der nicht benötigten<br />
Züge. Über einen Schiebebalken<br />
werden die Züge eingespurt. Da eine<br />
Werkstatt nicht vorhanden ist, werden<br />
Wartungsarbeiten im Freien durchgeführt.<br />
Für den Betrieb stehen acht voll<br />
verglaste Züge mit je elf Waggons zur<br />
Verfügung. <strong>Die</strong> Züge fassen je bis zu<br />
66 Personen. <strong>Die</strong> Bahn wird über eine<br />
Stromschiene mit 600V Gleichspannung<br />
versorgt und fährt mit maximal<br />
16 km/h über das Gelände. Während<br />
des Ausstellungszeitraumes kann die<br />
Zugfolge auf einen Drei-Minutentakt<br />
verdichtet werden, so dass rund 2000<br />
Fahrgäste stündlich befördert werden.<br />
<strong>Die</strong> Errichtung der Strecke, sowie deren<br />
Betrieb, erfolgt durch Intamin<br />
Bahntechnik und Betriebsgesellschaft,<br />
die bereits von anderen Monorail-Projekten<br />
bekannt ist. Nach dem Veranstaltungsende<br />
am 13.Oktober wird die<br />
Strecke wieder demontiert. JEP<br />
Essen<br />
Baurecht für Krupp -<br />
gürtel-Straßenbahn<br />
Mitte April hat die Bezirksregierung<br />
Düsseldorf den Planfeststellungsbescheid<br />
zum Bau einer Straßenbahntrasse<br />
in der Frohnhauser Straße von<br />
der Einmündung des Berthold-Beitz-<br />
Boulevard (auch Kruppgürtel genannt)<br />
zur Haltestelle Alfred-Krupp-Schule<br />
erlassen. Damit ist die neue Trasse der<br />
Linie 109 zwischen den Haltestellen<br />
ThyssenKrupp und Alfred-Krupp-Schule<br />
wieder ein Stück näher gerückt.<br />
Sobald der Bescheid bestandskräftig<br />
ist, will die Essener Verkehrs-AG<br />
(EVAG) mit dem Bau der Verbindung<br />
beginnen. Im neu angelegten Berthold-Beitz-Boulevard<br />
selbst, einem<br />
Straßenzug im ehemaligen Krupp-<br />
Werksgelände, liegen zum Teil schon<br />
seit Jahren Gleise auf dem dafür freigehaltenen<br />
Mittelstreifen. <strong>Die</strong> neue Linienführung<br />
soll den Knoten Helenenstraße<br />
entlasten, die Fahrzeiten der<br />
Linie 109 verkürzen und zudem einen<br />
Linienkurs einsparen. Weiterhin ist die<br />
Verlegung der Linie 101 in den Kruppgürtel<br />
sowie anschließend eine oberirdische<br />
Heranführung an den Hauptbahnhof<br />
geplant, wofür es derzeit<br />
aber keinen verlässlichen Zeitplan<br />
gibt.<br />
MBE<br />
Industrie<br />
Bombardier<br />
RNV-Variobahnen<br />
werden ausgeliefert<br />
<strong>Die</strong> vierte Serie der Rhein-Neckar-<br />
Variobahnen (Bombardier-Typ 6MGT-<br />
LDZ) wird seit Anfang Januar ausgeliefert.<br />
Es handelt sich um die Wagen<br />
4151 bis 4162. Sie sind baugleich mit<br />
ihren Vorgängern 4143 bis 4150. Damit<br />
verfügen auch die neuesten Exemplare<br />
über Mitrac Energy-Saver, mit<br />
denen sie kurze oberleitungsfreie Abschnitte<br />
befahren können. Tw 4151<br />
kam recht schnell auf der Linie 5, der<br />
ehemaligen OEG Rundlinie Weinheim-<br />
Mannheim-Heidelberg, die im Überlandbereich<br />
nach wie vor als Eisenbahn<br />
konzessioniert ist, zum Einsatz.<br />
Drei Wagen fahren in Heidelberg,<br />
hauptsächlich auf der 24. <strong>Die</strong> nächsten<br />
beiden Neulinge, Tw 4155 und<br />
4156, sind nach diversen Fahrschulfahrten<br />
jetzt auf der Linie 2 in Mannheim<br />
unterwegs. Als bislang letzter<br />
wurde Tw 4157 in Betrieb genommen.<br />
Er kam ab dem 16. April auf der Linie<br />
4, die von Bad Dürkheim über Mannheim<br />
nach Heddesheim ebenfalls abschnittsweise<br />
über konzessionierte Eisenbahnstrecken<br />
fährt, zum Einsatz.<br />
Während die Fahrer mit den Fahreigenschaften<br />
zufrieden zu sein scheinen,<br />
macht die recht gering bemessene<br />
Anzahl der Türen (drei pro<br />
Wagenseite) gerade beim Einsatz im<br />
Stadtbereich Probleme beim Fahrgastwechsel.<br />
HSC<br />
Essen: Bald fährt die Linie 109 über den Kruppgürtel statt über die Helmholtzstraße<br />
(im Bild) nach Frohnhausen<br />
P. KRAMMER<br />
Bombardier: <strong>Die</strong> neue RNV-Variobahn 4155 ist seit Kurzem in Mannheim<br />
auf der Linie 2, hier in der Schleife Feudenheim, im Einsatz H. SCHULZ<br />
12 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Deutschland · Industrie · Weltweit<br />
Siemens<br />
Inspiro-Auslieferung<br />
kommt in die Gänge<br />
Anfang 2011 bestellte die Metro<br />
Warschau beim Fahrzeughersteller<br />
Siemens Mobility 35 sechsteilige Inspiro-Metrogarnituren.<br />
<strong>Die</strong> ersten zehn<br />
werden vollständig in Wien gefertigt,<br />
die Endmontage der restlichen Garnituren<br />
erfolgt durch den polnischen<br />
Konsortialpartner Newag in Nowy<br />
Sacz, welcher regelmäßig mit Rohbaukästen<br />
beliefert wird.<br />
Der erste Inspiro-Serienzug für die<br />
Metro Warschau befindet sich inzwischen<br />
in der polnischen Hauptstadt<br />
und wird vor Ort laufend zu Präsen -<br />
tationen und Schulungen herangezogen.<br />
<strong>Die</strong> zweite Garnitur wurde am<br />
11. April 2013 anlässlich einer Endprüfung<br />
im Prüfcenter Wegberg-Wildenrath<br />
via Passau nach Deutschland<br />
überstellt.<br />
RWY<br />
Stadler<br />
DT 8.12-Auslieferung<br />
geht weiter<br />
<strong>Die</strong> neuen<br />
Niederflur-<br />
Triebwagen<br />
läuten bei<br />
der Frauenfeld-Wil-Bahn<br />
einen Generationenwechsel<br />
ein<br />
J. LÜTHARD<br />
Stadler<br />
Neue Züge für die »FW« und »SZU«<br />
tigt, weil die Eröffnung der verlängerten<br />
Linie U 12 bis Stuttgart-Hallschlag<br />
den Bedarf an Wagen erhöht. HJK<br />
Ausland<br />
Österreich: Attergaubahn<br />
Pressburger Trieb -<br />
wagen restauriert<br />
Das Traditionsunternehmen Stern &<br />
Hafferl Verkehr feierte am 19. April die<br />
100. Jubiläen der Attergaubahn und<br />
Der zweite Wagen und erste Serienwagen<br />
3503/04 des neuen Fahrzeugtyps<br />
DT 8.12 traf am 28. März in<br />
Stuttgart ein und hat bereits Probefahrten<br />
absolviert. Sobald der dritte<br />
Wagen 3505/06 eintrifft, werden die<br />
beiden Serienfahrzeuge in die Prüfung<br />
der Doppeltraktion gehen, während<br />
Wagen 3501 mit dem gleichen Tieflader<br />
nach Berlin zurückkehrt, damit er<br />
dort vollends den Serienwagen angeglichen<br />
wird. <strong>Die</strong> Stuttgarter Straßenbahnen<br />
AG (SSB) arbeitet darauf hin,<br />
dass ab Juli oder August die ersten<br />
Fahrgasteinsätze möglich sein werden.<br />
<strong>Die</strong> Fahrerschulung läuft bereits. Im<br />
Planbetrieb werden die ersten der<br />
neuen Wagen ab 14. September benöder<br />
Attersee-Schifffahrt. Einen Höhepunkt<br />
stellte die Präsentation des über<br />
den Winter einer Hauptrevision unterzogenen<br />
Triebwagen ET 20104 dar.<br />
Dabei wurden die Stirnfronten optisch<br />
rückgebaut in den Zustand vor seiner<br />
Inbetriebnahme im Attergau. Der<br />
Triebwagen wurde 1941 von der PO-<br />
HÉV (zu deutsch „Elektrische Lokaleisenbahngesellschaft<br />
Pressburg – Landesgrenze“)<br />
übernommen, wo er mit<br />
der Bezeichnung Cmg 1612 (Ganz &<br />
Co, Baujahr 1913) auf der Pressburger<br />
Am 27. März konnte die Frauenfeld-Wil-Bahn (FW) ihren<br />
ersten von fünf bei Stadler im Juni 2011 bestellten Triebzügen<br />
in Wil vom Rollschemel abladen. Erstmals erhält die<br />
Bahn klimatisierte Züge mit einen Niederfluranteil (> 60 %)<br />
und 1. Klasse. Als Besonderheit ist zwischen den Scheinwerfern<br />
eine Kamera installiert, deren Aufzeichnungen nach<br />
Kollisionen zur Beweissicherung dienen. Inklusive Streckenanpassungen<br />
in den Haltestellenbereichen und im Depot<br />
Wil, wo Dachzugangsstege, Putzgruben und die Waschanlage<br />
angepasst werden mussten, wurden 35 Mio. CHF (28.5<br />
Mio. Euro) investiert.<br />
Etwa zwei Wochen später und 40 km weiter empfing das<br />
Bahnunternehmen Sihltal – Zürich – Uetliberg Bahn (SZU)<br />
am 9. April in ihrer Werkstätte in Zürich-Giesshübel den ersten<br />
von sechs neuen Niederflur-Triebzügen. <strong>Die</strong> Triebwagen<br />
sollen primär auf der Uetlibergbahn (Gleichstrom) eingesetzt<br />
werden, können durch ihre Ausführung als Zwei-System-Fahrzeuge<br />
aber auch auf Sihltalbahn (Wechselstrom)<br />
fahren. Beide Bahnen nutzen auf dem Abschnitt Zürich HB –<br />
Giesshübel teilweise dieselben Geleise, weshalb die Fahrleitung<br />
der Uetlibergbahn um 1,3 m seitlich verschoben montiert<br />
ist. Der Stromabnehmer der neuen Zweisystem-Bahnen<br />
kann deshalb seitlich verschoben werden! Eingesetzt werden<br />
die Fahrzeuge auf der Uetlibergbahn zur Kapazitätssteigerung<br />
und ersetzen lediglich die zwei Be 8/8 von 1978.<br />
<strong>Die</strong> Züge kommen ab Juni 2013 in den Betrieb.<br />
Während die FW als meterspurige Lokalbahn eine Querverbindung<br />
zwischen den beiden unter anderem von der<br />
Züricher S-Bahn angefahrenen Bahnhöfen Frauenfeld und<br />
Wil darstellt, verbindet die Uetlibergbahn als steilste Normalspureisenbahn<br />
Europas Zürich mit seinem Hausberg –<br />
dem Uetliberg.<br />
JLÜ<br />
Stadtstrecke der Lokalbahn Wien –<br />
Pressburg (Bratislava) im Einsatz war.<br />
Der Triebwagen ET 20104 bildete gemeinsam<br />
mit den Beiwagen EB 20220<br />
(ex Triebwagen 2 der Lokalbahn Unterach<br />
– See bzw. Triebwagen 6 der<br />
Straßenbahn Gmunden) und EB 20222<br />
(ex Beiwagen 1 der Straßenbahn Linz-<br />
Ebelsberg – St. Florian) den Festzug.<br />
Nachdem sich die Anmietung eines<br />
Niederflur-TW von den Innsbrucker<br />
Verkehrsbetrieben (IVB) mehrfach verzögerte<br />
– der Grund war eine Rollkur<br />
Siemens: Der zweite Inspiro für Warschau passiert während einer Überstellungsfahrt<br />
am 11. April den Bahnhof Klein-Schwechat R. WYHNAL<br />
Stadler: Auf der Uetlibergbahn lösen die neuen Zweisystem-Tw (links) ab<br />
Juni 2013 zwei Be 8/8 (rechts) von 1978 ab<br />
J. LÜTHARD<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
13
Aktuell<br />
schweren Ausbauprogramm der thailändischen<br />
Regierung für den öffentlichen<br />
Verkehr. Derzeit wird das Netz<br />
der MRT um 91 km erweitert. Neben<br />
der Verlängerung der vorhandenen Linie<br />
werden zwei neue Linien gebaut.<br />
Auch das SkyTrain-Netz, das aus zwei<br />
Linien besteht, wurde bereits Anfang<br />
2013 erweitert und soll bis zum Jahresende<br />
nochmals verlängert werden.<br />
Damit gehen bzw. gingen 2013 insgesamt<br />
5,3 km neue Strecke mit vier<br />
neuen Haltestellen in Betrieb. Zudem<br />
liefert Siemens für die dort vorhandenen<br />
35 SkyTrain-Züge zusätzliche Mittelwagen,<br />
die bei Siemens-Austria gebaut<br />
werden. Während die MRT-Linie<br />
unterirdisch geführt wird, fährt der<br />
Skytrain als Hochbahn. Obwohl der<br />
Betrieb beider Metro-Systeme den<br />
gleichen technischen Parametern unterliegt,<br />
gibt es keine Gleisverbindung<br />
zwischen den beiden Bahnen. JEP<br />
Graz: <strong>Die</strong> ex-Wiener E 1 -Tw, hier Wagen 293 (ex Wien 4706) auf der Hauptbrücke, wurden im April offiziell aus<br />
dem Linienbetrieb verabschiedet<br />
H. LUTTENBERGER<br />
Österreich: Graz<br />
Abschied von den »Wienern«<br />
Durch die laufende Ablieferung der neuen Variobahnen<br />
wurden die ex-Wiener E 1 -Tw in Graz entbehrlich. Am 14.<br />
April wurde mit einer Sonderfahrt Abschied von den „Wienern“<br />
genommen. <strong>Die</strong> drei Fahrzeuge wurden 2007 von<br />
den Wiener Linien, wo sie zuvor ausgemustert wurden,<br />
sowie ein unfallbedingter Fahrzeugmehrbedarf<br />
bei den IVB – hat sich<br />
Stern & Hafferl von dem anvisierten<br />
Verleih-Geschäft zurückgezogen. Denn<br />
für die Attergaubahn und die StadtRegioTram<br />
Gmunden wurden elf mindestens<br />
zu 70 %-niederflurige Triebwagen<br />
ausgeschrieben, die bereits 2015 eintreffen<br />
sollen. <strong>Die</strong> knapp 14 km lange<br />
Attergaubahn verbindet Vöcklamarkt,<br />
auf der Bahnstrecke Linz – Salzburg<br />
gelegen, als meterspurige Lokalbahn<br />
mit Attersee.<br />
ROS<br />
Thailand: Bangkok<br />
MRT und SkyTrain auf<br />
Expansionskurs<br />
<strong>Die</strong> Bangkoker Schnellbahnsysteme<br />
MRT und SkyTrain sollen massiv ausgebaut<br />
werden. Beide profitieren von<br />
einem rund 100 Milliarden Euro<br />
übernommen. Aufgrund der seinerzeit erfolgten Eröffnungen<br />
der Straßenbahnstrecken ins Peterstal, zum Murpark<br />
und nach Puntigam herrschte akuter Wagenmangel, der<br />
durch die Gebrauchtfahrzeuge aus der Bundeshauptstadt<br />
behoben werden konnte.<br />
HLU<br />
Dominikanische Republik:<br />
Santo Domingo<br />
Zweite Metro-Linie<br />
eröffnet<br />
Am 1. April wurde knapp vier Jahre<br />
nach Inbetriebnahme der ersten Metro-Linie<br />
(Nord-Süd) nun eine zweite<br />
eröffnet. <strong>Die</strong>se verläuft gänzlich unterirdisch<br />
in Ost-West-Richtung durch die<br />
Stadt und kreuzt die L1 an der Station<br />
Juan Pablo Duarte. <strong>Die</strong> 10,3 km lange<br />
Strecke mit 14 U-Bahnhöfen folgt<br />
weitgehend dem Design der ersten,<br />
mit dem Know-how der Metro von<br />
Madrid errichteten Strecke. Eingesetzt<br />
werden Drei-Wagen-Züge vom Alstom-Typ<br />
Metropolis, wie sie auch in<br />
Barcelona unterwegs sind. RSC<br />
Österreich: Linz<br />
Linie 3 wird nach Traun<br />
verlängert<br />
Ab Mitte 2015 soll die Linie 3 von Leonding-Doblerholz<br />
weiter bis zur PlusCity,<br />
einem Einkaufszentrum in Pasching<br />
führen. Ab Frühjahr 2016 soll dann das<br />
Schloss der Stadt Traun erreicht werden.<br />
Anders als bisher wird die 4,4 km lange<br />
Neubaustrecke mit acht Haltestellen<br />
nicht mehr von den Linz AG Linien errichtet,<br />
sondern vom Land Oberöster-<br />
Attergaubahn: ET 20104, bildete gemeinsam mit den Beiwagen EB 20220 +<br />
20222 den Festzug zum 100. Jubiläum R. SCHREMPF<br />
Bangkok: Ein von Siemens gebauter SkyTrain-Zug erreicht die am 15. Februar<br />
eröffnete Station Talat Phlu<br />
J. PERBANDT<br />
14 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Weltweit<br />
reich (OÖ) selbst, das hierfür das Eisenbahninfrastruktur-Unternehmen<br />
„Schiene<br />
OÖ GmbH“ gründete. Baubeginn ist<br />
im Frühjahr 2014.<br />
Mit der Inbetriebnahme der „Stadt-<br />
RegioTram Traun“ wird der schon jetzt<br />
bis Doblerholz gefahrene 7,5-Minuten-Takt<br />
bis zur PlusCity erweitert.<br />
Weiter nach Traun wird nur jeder zweite<br />
Wagen der Linie 3 (15-Minuten-<br />
Takt) verkehren. Bei der Haltestelle<br />
Trauner Kreuzung entsteht ein ÖV-<br />
Knotenpunkt, wohin auch die Obus-Linie<br />
43 verlängert wird.<br />
<strong>Die</strong> Gesamtkosten werden rund 70<br />
Mio. Euro betragen, wovon die Gemeinden<br />
Leonding, Pasching und<br />
Traun 20 Prozent tragen. Der um zwei<br />
Wagen höhere Wagenauslauf wird aus<br />
dem Reservebestand abgedeckt, sodass<br />
keine Neufahrzeuge beschafft<br />
werden müssen.<br />
ROS<br />
Schweiz: Zürich<br />
Kurz- und mittelfristige<br />
Netzumstellungen<br />
Am stadtseitigen Endpunkt der neuen Linie W, Union Station, entsteht derezit ein neuer Fern- und S-Bahnhof<br />
sowie ein unterirdischer Busbahnhof<br />
R. SCHWANDL<br />
USA: Salt Lake City/Denver<br />
Neue Stadtbahn- Strecken im Westen<br />
Im April wurden im tiefen Westen der USA zwei bestehende<br />
Stadtbahnnetze wesentlich vergrößert: Seit dem 14.<br />
April verkehrt die Green Line in Salt Lake City, Utah, statt<br />
wie bisher zum Bahnhof Salt Lake Central nun auf einer 9,4<br />
km langen Neubaustrecke zum Flughafen und bedient dabei<br />
fünf Zwischenstationen. Der neue Ast zweigt westlich<br />
der Innenstadt am ehemaligen Bahnhof der Union Pacific<br />
von der Blue Line ab, überquert die Regionalbahn ‘FrontRunner’<br />
nach Ogden auf einer neu errichteten Straßenbrücke,<br />
wo ein direkter Umsteigepunkt North Temple<br />
Bridge/Guadalupe gebaut wurde. Wie die Red Line wird die<br />
Green Line ausschließlich mit 70%-Niederflurfahrzeugen<br />
vom Typ S70 von Siemens betrieben. Noch in diesem Jahr<br />
soll eine 5,7 km lange Südverlängerung der Blue Line von<br />
Sandy nach Draper folgen, womit das Stadtbahn-Netz eine<br />
Gesamtlänge von 71,4 km erreichen wird.<br />
letzt zu Unmut bei den betroffenen<br />
Fahrgästen geführt, die ihre traditionelle<br />
Direktverbindung zum Hauptbahnhof<br />
nicht missen wollen. Derzeit<br />
sieht es so aus, dass die Linie 17 nun<br />
doch langfristig erhalten bleibt, wobei<br />
sie auf die Stoßzeiten reduziert und<br />
bis zum Hardturm eingekürzt werden<br />
soll. Am anderen Linienende soll sie<br />
dagegen bereits ab dem nächsten Jahr<br />
im Berufsverkehr vom Hauptbahnhof<br />
zum Albisgütli verlängert werden und<br />
hier die Linie 13 verstärken. Auch im<br />
Obusnetz stehen 2014 Änderungen<br />
an: <strong>Die</strong> Linien 72 und 33, die gemeinsam<br />
die Hardbrücke überqueren, sol-<br />
In Denver, Colorado, wurde am 26. April die West Rail<br />
Line in Betrieb genommen. Als Linie W fährt sie vom zukünftigen<br />
ÖPNV-Knoten Union Station am nördlichen<br />
Rand der Innenstadt erst auf bestehender Strecke (Linien<br />
C und E) bis Aurora West Campus, wo sie ihre 19,4 km<br />
lange Neubaustrecke mit 11 Stationen erreicht. <strong>Die</strong>se folgt<br />
anfangs teilweise einer ehemaligen ‘Interurban’-Strecke<br />
nach Lakewood und erreicht nach einem Schlenker zum<br />
Federal Center das Jefferson County Government Center<br />
in Golden. Der Abschnitt ab Federal Center wurde vorerst<br />
nur eingleisig ausgebaut. In Denver werden auch weiterhin<br />
nur hochflurige Siemens-Wagen vom Typ SD100/160<br />
eingesetzt. Neben mehreren Stadtbahnverlängerungen<br />
sind in Denver derzeit auch drei von Union Station ausgehende<br />
elektrische S-Bahn-Linien im Bau, u.a. zum Flughafen<br />
(2016).<br />
RSC<br />
Mit 95 zu 22 Stimmen entschied<br />
der Zürcher Gemeinderat den städtischen<br />
Anteil der Finanzierung der neuen<br />
Tramstrecke vom Hardplatz zum<br />
Escher-Wyss-Platz via Hardbrücke beizusteuern.<br />
Eine Eröffnung der Querverbindung<br />
ist 2017 geplant. <strong>Die</strong> Strecke<br />
soll ins Liniennetz eingebunden<br />
werden, in dem der Außenast zum<br />
Werdhölzli an die Linie 8 angegliedert<br />
und somit ab Escher-Wyss-Platz via<br />
Hardplatz statt via Hauptbahnhof in<br />
die Innenstadt geführt wird. Seit Ende<br />
2011, als das Tram Zürich West eröffnet<br />
wurde, wird die Werdhölzli-Strecke<br />
von einer neuen Linie 17 (Hauptbahnhof<br />
–Werdhölzli) bedient, die eigentlich<br />
mit der Verlängerung der Linie 8<br />
wieder entfallen sollte. Das hatte zulen<br />
die Linienäste tauschen, sodass die<br />
33 künftig vom Bahnhof Tiefenbrunnen<br />
zum Triemli und die 72 vom<br />
Milchbuck nach Morgental fährt. Im<br />
Berufsverkehr sollen beide Linien von<br />
einer neuen Obuslinie 71 (Albisrieder<br />
Platz – Rosengartenstraße) verstärkt<br />
werden.<br />
PKR<br />
Linz: Ab Mitte 2015 fährt die Linie 3 (hier an der Remise Leonding) weiter<br />
bis zur PlusCity in Pasching und ab 2016 dann bis Traun R. SCHREMPF<br />
Zürich: <strong>Die</strong> 2011 eingeführte Linie 17, hier am Sihlquai, sollte eigentlich<br />
2016 wieder entfallen – nun bleibt sie als HVZ-Linie erhalten P. KRAMMER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
15
Betriebe<br />
<strong>Die</strong> so genannte<br />
Schlösserbrücke<br />
über<br />
einen Nebenfluss<br />
der Gera<br />
wurde 1862<br />
erreichtet.<br />
1965 letzt -<br />
malig umgebaut,<br />
muss sie<br />
nun saniert<br />
werden. Am<br />
5. März 2013<br />
überquerte zuvor<br />
der Tw 624<br />
das Bauwerk<br />
Der Gleisrückbau wurde unverzüglich am 11. März 2013 begonnen, am 16. März präsentiert sich die Schlösserbrücke<br />
bereits komplett ohne Gleise. <strong>Die</strong> ältesten Teile dieses Bauwerkes wurden 1862 errichtet<br />
ALLE FOTOS: HEIKO FELLNER<br />
Ringsherum statt<br />
Mittendurch<br />
Erfurts Straßenbahnnetz unterbrochen Aufgrund von Bauarbeiten am Anger und an der<br />
Schlösserbrücke kann die Straßenbahn seit März 2013 in der thüringischen Landeshauptstadt nicht<br />
mehr durch das Stadtzentrum fahren. Es kommt zu umfangreichen Ersatz- und Umleitungsverkehren<br />
Am 11. März 2013 wurde mit der<br />
größten Baumaßnahmen im Erfurter<br />
Straßenbahnnetz seit Jahrzehnten<br />
begonnen. Dauerten Sperrungen<br />
im Innenstadtbereich bisher meist nicht<br />
mehr als zehn Tage, so steht der Streckenabschnitt<br />
Anger – Domplatz jetzt für acht<br />
Monate nicht mehr zur Verfügung. Frühestens<br />
Ende Oktober rollt wieder eine Straßenbahn<br />
über diesen Streckenabschnitt.<br />
<strong>Die</strong> Strecke vom Anger zum Domplatz<br />
hat ihren ganz besonderen Reiz, vorbei an<br />
Geschäften und Cafés und dem Fischmarkt,<br />
Vor dem Erfurter Rathaus haben an der Haltestelle<br />
Fischmarkt seit Mitte März die Bagger<br />
das Sagen. Aufgrund eines Einspruchs einer<br />
Baufirma wurden die Arbeiten eine Woche<br />
später begonnen<br />
16 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Erfurt<br />
ist es die zweitwichtigste Erfurter Strecke<br />
(nach jener vom Hauptbahnhof durch die<br />
Bahnhofstraße zum Anger).<br />
Über 36.000 Fahrgäste fahren hier täglich<br />
mit den Linien 3, 4 und 6 vom Domplatz<br />
zum Anger bzw. umgekehrt, so dass ursprünglich<br />
auch gar keine Vollsperrung geplant<br />
war: Bereits für den Sommer 2012<br />
war ein Baubeginn unter Beibehaltung des<br />
Straßenbahnbetriebes vorgesehen. Eingleisig<br />
sollten zwei Linien im Abschnitt vom<br />
Domplatz zum Anger verkehren, der Stadt<br />
Erfurt war diese Variante „fahren und bauen“<br />
jedoch zu teuer und favorisierte recht<br />
schnell eine Vollsperrung.<br />
Ersatzbuslinien und Fahrzeitverlängerungen<br />
Ersatzbuslinien seit 11. März 2013<br />
Linie Laufweg Takt Mo-Fr Sa So<br />
R Anger – Theater – Domplatz – Andreaskirche/Webergasse –<br />
Boyneburgufer – Anger 10’ 15’ –<br />
S Hauptbahnhof – Kaffeetrichter – Steigerstraße 15’ 15’ 15’<br />
Ausgewählte Fahrzeitverlängerungen<br />
Haltestelle Ziel-Haltestelle Zeit alt [min] Zeit neu [min] Fahrzeitmehrung [min]<br />
Universität Hauptbahnhof 12 24 + 12<br />
Baumerstraße Hauptbahnhof 10 26 + 16<br />
Bergstraße Hauptbahnhof 9 27 + 18<br />
Sanierung für 7,1 Millionen Euro<br />
Der Grund für die Baumaßnahme liegt<br />
maßgeblich in der Schlösserbrücke, die den<br />
Breitstrom, einen Arm des Flusses Gera,<br />
überspannt. Das aus drei Tragwerksteilen<br />
bestehende Bauwerk aus den Jahren 1862,<br />
1948 und 1965 entspricht nicht mehr den<br />
heutigen Anforderungen. Parallel dazu sollen<br />
auch die Schlösserstraße und der Fischmarkt<br />
komplex saniert werden. <strong>Die</strong> neue<br />
Haltestelle Fischmarkt/Rathaus wird nach<br />
dem Umbau erstmals barrierefrei sein, zumindest<br />
auf einer Länge von 25 Metern. <strong>Die</strong><br />
Gesamtkosten der Baumaßnahme werden<br />
auf 7,1 Mio. Euro beziffert, wovon gleichwohl<br />
2,3 Mio. Euro von der Europäischen<br />
Union getragen werden, 3,3 Mio. Euro von<br />
der Stadt Erfurt und weitere Teile von der<br />
Erfurter Verkehrs-AG sowie dem Freistaat<br />
Thüringen.<br />
Bereits im September 2012 wurden Einwohner<br />
und Fahrgäste über alternative<br />
Fahrtmöglichkeiten zwischen Domplatz<br />
und Anger befragt. Das Ergebnis spiegelt<br />
sich maßgeblich im derzeitigen Liniennetz<br />
mit fünf Straßenbahn-Linien und zwei Ersatzbuslinien<br />
wider. <strong>Die</strong> Linie 1 (Europa-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
17
Betriebe<br />
<strong>Die</strong> Stadtrundfahren beginnen während der Baumaßnahme an der Betriebshaltestelle Lange<br />
Brücke/Eichenstraße. Am 16. März warten bereits zahlreiche Touristen auf 178+274<br />
Der historische Verkehr während der Bauarbeiten<br />
Auch die Erfurt-Tour mit dem historischen Gotha-<br />
Wagen G4 Nr. 178 muss durch die Streckensperrung<br />
anders als sonst durchgeführt werden. Da<br />
die Wendeschleife Domplatz durch die Linie 6 belegt<br />
ist, startet die Stadtrundfahrt an der Betriebshaltestelle<br />
Lange Brücke/Eichenstraße. <strong>Die</strong><br />
Fahrt startet von dort aus vorbei an der ega zur<br />
Schleife Messe, zurück über Domplatz und vorbei<br />
an der Erfurter Universität durch das Rieth und<br />
über Magdeburger Allee schließlich zum Anger.<br />
Nach einem kleinen Abstecher vorbei an der Erfurter<br />
Thüringenhalle endet die Fahrt schließlich<br />
an der Haltestellte Stadtmuseum/Kaisersaal. Von<br />
dort fährt der Stadtrundfahrtwagen ohne Fahrgäste<br />
zum Betriebshof Magdeburger Allee um<br />
schließlich nach einer kurzen Pause von dort wieder<br />
zur Starthaltestelle Lange Brücke/Eichenstraße<br />
zu fahren.<br />
Bei hohen Anmeldezahlen kommt zusätzlich<br />
der Beiwagen 274 zum Einsatz, zusätzlich steht<br />
auch der Tatra-Wagen 512 zur Verfügung.<br />
Abfahrten:<br />
Mai bis Oktober, Donnerstag bis Samstag:<br />
11, 14, 16 Uhr, Sonntag 11 und 14 Uhr<br />
1. bis 24. November, Samstag + Sonntag:<br />
11 und 14 Uhr HEIKO FELLNER<br />
Seit Mitte März verkehrt die Linie 3 als Ersatz für die Linie 1 vom Europaplatz über die Magdeburger<br />
Allee zum Anger und weiter wie gewohnt zum Urbicher Kreuz. Am 16. März 2013 biegt<br />
Triebwagen 632 am Anger in die Bahnhofstraße ein<br />
<strong>Die</strong> Umleitungs- und Ersatzverkehre im Überblick<br />
GRAFIK: S. PASCHINSKY<br />
platz – Thüringenhalle) entfällt komplett,<br />
die restlichen Linien verkehren wie folgt:<br />
2 Europaplatz – P+R Messe<br />
3 Europaplatz – Magdeburger Allee –<br />
Urbicher Kreuz<br />
4 Ringelberg – Bindersleben<br />
5 Zoopark – Magdeburger Allee –<br />
Thüringenhalle<br />
6 Domplatz – Magdeburger Allee –<br />
Wiesenhügel<br />
Zwei Ersatzbuslinien<br />
Als Schienenersatzverkehr werden zwei Linien<br />
bedient: Linie R im Einrichtungsverkehr<br />
Domplatz – Anger – Domplatz und eine Linie<br />
S vom Hauptbahnhof zur Steigerstraße<br />
aufgrund des Fehlens einer Straßenbahnlinie<br />
und ausgeschöpften Kapazität mit drei Linien<br />
in der Magdeburger Allee bzw. Johannesstraße.<br />
Auch wenn die Linie 2 von der Sperrung<br />
nicht betroffen ist, verkehrt diese ab<br />
dem Sparkassen-Finanzzentrum über den<br />
Domplatz zum Europaplatz. Von hier verkehrt<br />
die Linie 4 von Bindersleben kommend<br />
weiter über Anger zum Ringelberg und stellt<br />
so für zahlreiche Berufsschüler die Direktverbindung<br />
vom Anger zu den Berufsschulen<br />
am Hauptfriedhof dar. Als Ersatz verkehrt<br />
die Linie 6 ab Hauptbahnhof zum Wiesenhügel.<br />
Für Fahrgäste vom Anger zum Domplatz<br />
wird die SEV-Linie R angeboten, die<br />
18 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Erfurt<br />
<strong>Die</strong> neue barrierefreie Haltestelle Fischmarkt/Rathaus wird geringfügig vom Platz in Richtung Schlösserstraße verschoben. Am 5. März 2013<br />
hatten es Rollstuhlfahrer ohne Hilfe noch schwer, in die Niederflurwagen zu gelangen<br />
montags bis samstags als Ringlinie über<br />
Neues Theater, Andreaskirche und Juri-Gagarin-Ring<br />
führt. Verkehrt die Linie R nicht,<br />
werden die Linien 2 und 4 mit Umsteigen an<br />
der Haltestelle Sparkassen-Finanzzentrum<br />
empfohlen. <strong>Die</strong>se Variante bietet sich ebenso<br />
für Fahrgäste an, die nicht den Domplatz als<br />
direktes Ziel haben.<br />
Umsteigefrei zum Domplatz<br />
Als einzige Straßenbahn-Direktverbindung<br />
verkehrt schließlich die Linie 6 vom Anger<br />
über das Rieth zum Domplatz. Das stellt<br />
auch die einzige umsteigefreie Verbindung<br />
von der Nordhäuser Straße beziehungsweise<br />
Universität und Klinikum zum Hauptbahnhof<br />
dar. <strong>Die</strong> Fahrtzeit verlängert sich<br />
allerdings um mindestens das Doppelte und<br />
alle anderen Varianten stellen keinen adäquaten<br />
Ersatz dar.<br />
Noch im Februar war der Beginn der<br />
Bauarbeiten und damit der Liniennetzänderungen<br />
aufgrund etwaiger Einsprüche von<br />
Baufirmen unklar, der ursprünglich Anfangstermin<br />
– der 4. März – musste allerdings<br />
auf den 11. März verschoben werden<br />
und so startete die EVAG am 4. März ihre<br />
Informationskampagne.<br />
Nach nur wenigen Tagen waren 25.000<br />
Informationsblätter vergriffen. Schließlich<br />
begannen die Bauarbeiten bei Minusgraden<br />
Neu ist durch die Bauarbeiten in der Erfurter Innenstadt die Linie 2 in der Nordhäuser Straße:<br />
Triebwagen 643 und 712 sind am 24. März 2013 vom Europaplatz zur ega/Messe unterwegs<br />
und viel Schnee, die Erfurter zeigten auch<br />
viel Verständnis für alle Unannehmlichkeiten<br />
und geänderten Fahrtwegen oder längeren<br />
Fahrzeiten. Aufgrund des langen Winters<br />
bleibt allerdings abzuwarten, ob der<br />
ohnehin straffe Zeitplan gehalten werden<br />
kann und bereits Ende Oktober die Straßenbahn<br />
wieder vom Anger zum Domplatz<br />
verkehren kann. <strong>Die</strong> EVAG hat indes bereits<br />
angekündigt, sich zum Ende der Bauarbeiten<br />
für das entgegengebrachte Verständnis<br />
zu bedanken.<br />
HEIKO FELLNER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
19
Betriebe<br />
Bereits am 13. März war<br />
der Tw 0041 bei ersten<br />
Probefahrten auf der<br />
Strausberger Eisenbahn<br />
anzutreffen. Dabei folgte<br />
er dem an diesem Tag im<br />
Linienverkehr eingesetzten<br />
KT8D5, den an der<br />
Garzauer Straße ein<br />
Künstler verewigt hat<br />
S. SCHRADER<br />
Im Flexity durch Strausberg<br />
Neue Bombardier-Wagen beim Kleinbetrieb östlich<br />
von Berlin Seit Frühjahr 2013 verfügt die Strausberger<br />
Eisenbahn GmbH (STE) nun über zwei Flexity Berlin.<br />
Damit zog eine neue Farbe, aber auch Reisequalität auf<br />
der markanten normalspurigen Strecke ein<br />
Für die Gäste der offiziellen Vorstellung rückte<br />
man Tw 0041 am 21. März im Depotgebäude<br />
ins rechte Licht ...<br />
B. KUSSMAGK<br />
Der Betrieb ist einer der kleinsten Straßenbahnbetriebe<br />
weltweit. Nun sind<br />
bei der Strausberger Eisenbahn<br />
GmbH (STE) im Februar und März<br />
zwei neue Wagen eingetroffen. Bei den beiden<br />
Flexity Berlin handelt es sich um die ersten<br />
neuen Triebwagen, die das kleine Unternehmen<br />
seit knapp 90 Jahren bezieht. Solche Aktionen<br />
sind in Strausberg derzeit Programm.<br />
Einerseits wird der zwar sehr kleine, aber immerhin<br />
bisher fünf Wagen umfassende Fahrzeugpark<br />
im Betrieb nun durch Neubauwagen<br />
dominiert, andererseits wurden in den<br />
vergangenen Jahren bereits die sechs Kilometer<br />
lange Strecke und der Betriebshof saniert.<br />
Außerdem ließ das Unternehmen – seit 2006<br />
vollständig als Straßenbahnbetrieb konzessioniert<br />
– alle Haltestellen erneuern, was zum<br />
aufpolierten Ortsbild längs der Trasse passt.<br />
<strong>Die</strong> alten Wartehallen blieben bei diesen Arbeiten<br />
erhalten, während das heutige Kundenzentrum<br />
an der Endstelle Lustgarten als<br />
recht attraktiver Neubau entstand. Kenner<br />
der Straßenbahnszene beurteilen das als großartige<br />
Leistung in Zeiten knapper Kassen.<br />
<strong>Die</strong> neuen Flexity<br />
Bestellt worden waren beide Flexity Berlin<br />
am 5. September 2011. Sie sind zu den in<br />
Berlin eingesetzten Wagen identisch, womit<br />
in Strausberg nun der typische Gelbton einzog.<br />
Der in der Nacht vom 26. auf den 27.<br />
20 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Strausberg<br />
Technische Daten der Flexity<br />
• identisch mit Flexity Berlin GT6-08 ZR<br />
• sechsachsig und fünfmodular<br />
Gewicht: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39,1 Tonnen<br />
Länge:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30,8 Meter<br />
Breite: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,4 Meter<br />
Motorleistung: . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 x 50 kW<br />
Höchstgeschwindigkeit:. . . . . . . . . . . . . 70 km/h<br />
Kapazität: . . . . . . . . 52 Sitz- und 132 Stehplätze<br />
(bei 4 Personen/m 2 )<br />
Februar aus Bautzen angelieferte Tw 0041<br />
war bereits im März häufig für Probefahrten<br />
im Einsatz. Seine offizielle Vorstellung<br />
fand am 21. März 2013 vor viel örtlicher<br />
Polit-Prominenz im Betriebshof statt. Am<br />
folgenden Tag ging Tw 0041 in den Plandienst,<br />
der am 23. März eingetroffene Tw<br />
0042 folgte kurz danach diesem Beispiel.<br />
Der Einsatz<br />
Während bei der STE an Wochenenden nur<br />
ein Wagen im 40-Minuten-Takt unterwegs<br />
ist, wird von Montag bis Freitag mit zwei<br />
Umläufen im 20-Minuten-Takt gefahren,<br />
die an der einzigen Ausweiche Hegermühle<br />
kreuzen. Werktäglich werden dann ca.<br />
4.000 Fahrgäste befördert.<br />
Der aktuelle Fahrplan sieht von Montag<br />
bis Freitag jeweils einen Kurs mit einem der<br />
beiden Flexitys vor, häufig verkehren allerdings<br />
beide Kurse mit Flexitys. Eine generelle<br />
Bedienung mit Flexitys kann nicht immer<br />
garantiert werden, da es auch einmal<br />
möglich sein kann, dass eines der beiden<br />
Fahrzeuge zu Wartungs- oder Reparaturarbeiten<br />
im Betriebshof bleiben muss. Dann<br />
übernimmt einer der bisher im Schwerpunkt<br />
auf der STE eingesetzten drei KT8D5<br />
(Tw 21, 22 und 23, CKD, Baujahre 1989–<br />
1990, bis 1995 Kosice/Kaschau) die Leistungen.<br />
Davon soll Tw 22 langfristig in<br />
Strausberg verbleiben, für die übrigen zwei<br />
ist eine Abgabe nach Prag im Gespräch. Außerdem<br />
ist noch der T6C5-Triebwagen 30<br />
(CKD, Baujahr 1998, bis 2003 CKD Prag,<br />
ex New Orleans) vorhanden.<br />
Täglicher Niederflurkomfort<br />
Im Schülerverkehr wurde bisher häufig ein<br />
Umlauf mit zwei Tatra-Wagen geführt. Bis<br />
2004 kam ein Reko-Triebwagen als zusätzlicher<br />
Wagen zur Verstärkung zum Einsatz,<br />
dann übernahm im Bedarfsfall der Tw 30<br />
diesen Einsatz. Auf ihn würde man auch<br />
heute im Bedarfsfalle zurückgreifen. Das<br />
Haupteinsatzgebiet des Tw 30 waren in den<br />
vergangenen Jahren vor allem aber die<br />
Abendstunden und die Wochenenden. Das<br />
entfällt nun, da den Fahrgästen rund um die<br />
Uhr Niederflurkomfort geboten werden<br />
soll.<br />
B. KUSSMAGK/A. MARKS<br />
Der neue Tw 0041 am 21. März auf Jungfernfahrt durch Strausberg. Sein Schwesterfahrzeug<br />
ist ebenfalls im typischen Gelb der Flexity Berlin lackiert<br />
B. KUSSMAGK<br />
Der KT8D5 Nr. 23 hat am 2. März 2013 die Haltestelle Lustgarten verlassen und folgt nun der<br />
August-Bebel-Straße. Nur der baugleiche Tw Nr. 22 soll langfristig in Strausberg bleiben<br />
Winterlich ging es noch am 13. März 2013 zu, als der KT8D5 Nr. 23 durch den Stadtwald brauste.<br />
An dem Tw hat die Prager Straßenbahn Interesse geäußert S. SCHRADER (2)<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
21
Betriebe<br />
Noch große Stücke<br />
Straßenbahn<br />
Bielefelds Linie 3 im Porträt <strong>Die</strong> Verbindung von Babenhausen<br />
nach Stieghorst bietet fast alles, was eine moderne Straßenbahn bieten<br />
kann: Als Stadtbahn auf unabhängiger Trasse, in Stadtmitte im Tunnel<br />
und dazwischen immer wieder echte Straßenbahnabschnitte<br />
Von Sieker kommend hat der von Tw 538 geführte<br />
Zug den auf eigener Trasse geführten<br />
Süd-Ost-Abschnitt nach Stieghorst erreicht.<br />
Nach Unterquerung einer Ausfallstraße wird er<br />
gleich die Haltestelle der im Hintergrund sichtbaren<br />
Lutherkirche erreichen<br />
S. VOCKRODT<br />
22 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Bielefeld<br />
Willkommen in der Stadt, die es<br />
angeblich nicht geben soll! Dafür<br />
gibt es hier ein reges Leben<br />
und für den Straßenbahnfreund<br />
ist Bielefeld allemal interessanter als Münster,<br />
von wo aus die Gerüchte der „Bielefeld-<br />
Verschwörung“ dereinst gestreut wurden …<br />
Bielefelds Stadtbahn bietet dem Freund<br />
moderne Fahrzeuge auf neuen und trotz<br />
stadtbahnmäßiger Trassierung interessanten<br />
Strecken. Sie bietet aber auch klassisch enge<br />
Straßenbahnstrecken in baulich abwechslungsreicher<br />
Umgebung. Und neben Stuttgart<br />
und Hannover ist Bielefeld das heute<br />
einzige komplett hochflurig betriebene<br />
Stadtbahnsystem in Deutschland. Im Gegensatz<br />
zu Stuttgart behielt Bielefeld aber<br />
die Meterspur bei und zeigt, dass auch auf<br />
schmaler Spur ein sehr leistungsfähiger und<br />
erfolgreicher Stadtbahnbetrieb möglich ist.<br />
Linien nach Alter gestaffelt<br />
Vier Linien bedienen heute das Bielefelder<br />
Stadtbahnnetz und es ist ein interessanter<br />
Fakt, dass die Liniennummern auch das Alter<br />
der jeweiligen Strecken widerspiegeln. So<br />
entstanden die zentralen Äste der Linien 1<br />
und 2 – sieht man vom Stadtbahntunnel ab<br />
– bereits vor dem Ersten Weltkrieg, die Linie<br />
3 wurde ab 1928 eingeführt und die Linie 4<br />
ist die jüngste Bielefelder Linie und die erste,<br />
die vollständig als Stadtbahnlinie mit komplett<br />
eigener Trasse und Hochbahnsteigen<br />
an allen Haltestellen betrieben wird.<br />
Doch uns zieht es heute zur Linie 3, Babenhausen<br />
Süd – Stieghorst. <strong>Die</strong> Linie ist zwischen<br />
1928 und 1996 entstanden, als sie ihre<br />
heute Linienführung erhielt. Sie war die erste<br />
von Anbeginn an zweigleisig ausgebaute Straßenbahnlinie<br />
Bielefelds. Jahrzehntelang bediente<br />
sie nur den zentralen Teil Oststraße –<br />
Lange Straße, erst ab Mitte der 1960er-Jahre<br />
folgten die Verlängerung im Osten, zunächst<br />
bis Sieker Mitte (damals Otto-Brenner-Straße)<br />
mit Anschluss an den neuen Betriebshof, dann<br />
1996 nach Stieghorst und Nordwesten, von<br />
der Langen Straße zunächst bis zur Voltmannstraße<br />
und dann 1980 zur heutigen<br />
Endstelle Babenhausen Süd, die eine der ersten<br />
bereits für den Stadtbahnbetrieb vorbereitete<br />
Endstelle der Bielefelder Stadtbahn ist.<br />
<strong>Die</strong> Trasse durch Stieghorst verläuft völlig straßenunabhängig. <strong>Die</strong> verschiedenen Wegkreuzungen<br />
sind schrankengesichert, oft verläuft die Strecke direkt längs der Grundstücksgrenzen<br />
Der Straßenübergang der Dürkopp-Werke dürfte das meistfotografierte Straßenbahnmotiv<br />
Bielefelds sein. <strong>Die</strong> Züge der Linie 3 unterqueren ihn jede Stunde zwölf Mal S. VOCKRODT (2)<br />
Daten & Fakten: Linie 3<br />
Linienfarbe: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . gelb<br />
Führung: . . Babenhausen Süd – Lange Straße –<br />
Hauptbahnhof – Jahnplatz – Rathaus –<br />
Oststraße – Sieker Mitte – Stieghorst<br />
Fahrzeit: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Minuten<br />
Takt: . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Minuten (tagsüber)<br />
Abends und am Wochenende: . . . . . . . . 15 Min.<br />
(teilweise als Linie 10)<br />
Fahrzeuge: . . . . . . M8C, M8D in Doppeltraktion<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
23
Betriebe<br />
LINKS <strong>Die</strong> Station<br />
Hauptbahnhof wird<br />
von allen vier Stadtbahnlinien<br />
angefahren.<br />
Auf der Fahrt<br />
nach Stieghorst hat<br />
der M8C-Triebwagen<br />
hier etwa ein<br />
Drittel des Weges<br />
geschafft<br />
P. KRAMMER (3)<br />
RECHTS Von Babenhausen<br />
Süd kommend,<br />
legen die<br />
Züge der Linie 3 an<br />
der Voltmannstraße<br />
ihren ersten Halt ein<br />
Am Bielefelder Hauptbahnhof ist der Zugang<br />
zum Tiefbahnhof der Stadtbahn recht futuristisch<br />
überdacht<br />
L. BRÜGGEMANN<br />
Von der Sparrenburg hat man einen guten<br />
Blick auf die Bielfelder Innenstadt, die für die<br />
von Norden kommenden Stadtbahnen bis<br />
kurz vor das Rathaus untertunnelt ist. Im Vordergrund<br />
steht die Neustädter Marienkirche<br />
Schon 1980 entstanden hier die heute benützten<br />
Hochbahnsteige, an der in Fahrtrichtung<br />
linken Seite, da in den ersten Jahren<br />
noch Düwag-Einrichtungszüge hier<br />
wendeten. Noch eine Besonderheit zeichnet<br />
die Bielefelder Stadtbahn aus: Hier haben<br />
sich (wie im Südwesten des Landes auch)<br />
die Linienfarben gehalten. <strong>Die</strong> Linie 3 ist<br />
auch die „Gelbe“. Sind die Zielfilme der alten<br />
M8C, die derzeit durch neue Vamos abgelöst<br />
werden, noch auf gelbem Grund ausgeführt,<br />
wird bei den – nicht sehr gut<br />
lesbaren – Matrixanzeigen der jüngeren<br />
Fahrzeuge nur noch die Liniennummer farbig<br />
unterlegt, das Gelb geht hier auch ein<br />
wenig ins Orange.<br />
Daten & Fakten: MoBiel<br />
moBiel GmbH<br />
Otto-Brenner-Straße 242 · 33604 Bielefeld<br />
www.mobiel.de<br />
Spurweite. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.000 mm<br />
Linien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4<br />
Streckenlänge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35,6 km<br />
Fahrzeuge:. . . . . . . . . . . . 90 Tw (alle hochflurig)<br />
5 Mittelwagen<br />
Betriebshöfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1<br />
<strong>Die</strong> Endstelle Babenhausen Süd ist als<br />
große Wendeschleife mit innen liegendem<br />
Parkplatz angelegt. Ankunft- und Abfahrtbahnsteig<br />
sind getrennt, die Wendezeit ist<br />
recht knapp bemessen. Der ankommende<br />
Zug hält am Ankunftshochbahnsteig, die<br />
Fahrgäste steigen aus, dann durchfährt das<br />
M8C-Doppel die Schleife und hält erneut<br />
am Abfahrtbahnsteig. Nach wenigen Minuten<br />
Aufenthalt setzt sich der Zug Richtung<br />
Stieghorst in Bewegung. Der Grund<br />
für die kurze Wendezeit ist einfach: Das<br />
letzte Streckenstück der „3“ ist eingleisig<br />
Hinter dem Rathaus zweigt die „3“ in die A.-<br />
Schröder-Straße ab. Der Zug aus Stieghorst<br />
biegt nun zur stark frequentierten Haltestelle<br />
Rathaus ein, bevor er in den Innenstadttunnel<br />
einfährt<br />
S. VOCKRODT<br />
und liegt in klassischer Überlandbauweise<br />
am linken Fahrbahnrand der vierspurigen<br />
Ausfallstraße. Nun erreicht der Zug die<br />
ebenfalls neben der Straße liegende Haltestelle<br />
Voltmannstraße, die noch ebenerdig<br />
ausgeführt ist. Bis hierher wurde die Tram<br />
1957 verlängert, damals allerdings hatten<br />
die Linien 2 und 3 die Nordäste getauscht.<br />
Ab hier ist die Trasse durchgehend zweigleisig,<br />
der Zug wechselt nun in die Straßenmitte.<br />
Nun verkehrt die „3“ prinzipiell auf eigenem,<br />
wenn auch eingepflasterten Gleiskörper,<br />
denn die Trasse ist durch Farbmarkierungen<br />
von den Fahrbahnen abgetrennt.<br />
Hier fährt die „3“ durch eine typische Vor-<br />
24 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Bielefeld<br />
Der Bielefelder Wasserturm ist vor allem unter<br />
Modelleisenbahnern im ganzen Land bekannt.<br />
Per Straßenbahn kann er jedoch nicht mit der<br />
Linie 3, sondern mit der 2 von der Haltestelle<br />
„Stadtheider Straße“ erreicht werden A. LÜTKE<br />
Der Endpunkt der Linie 3 in Stieghorst ist als doppelgleisige Stumpfendstelle mit vorgelagertem<br />
doppelten Gleiswechsel und breitem Mittelbahnsteig ausgeführt<br />
P. KRAMMER<br />
stadtgegend an einer Ausfallstraße. Recht<br />
junge Bäume am Straßenrand sollen für etwas<br />
Abwechslung sorgen. Über die Haltestellen<br />
Koblenzer Straße und Lange Straße<br />
– letztere eine klassische ampelgesicherte<br />
Straßenbahnhaltestelle mit notwendiger<br />
Überquerung einer Fahrbahn – erreicht der<br />
Zug die Haltestelle Auf der Hufe, hinter der<br />
die Linie 3 im dunklen Untergrund verschwindet.<br />
Im Tunnel durchs Zentrum<br />
<strong>Die</strong>se Haltestelle ist (wie die Koblenzer<br />
Straße auch) mit einem recht schmalen Mit -<br />
telbahnsteig in Hochbauweise versehen.<br />
Stadtauswärts fahrende Züge tauchen unmittelbar<br />
vor der Haltestelle aus dem<br />
Untergrund auf, stadteinwärts fahrende<br />
Bahnen haben noch über 100 Meter oberirdische<br />
Fahrt vor sich, bevor sie ebenfalls<br />
im Untergrund verschwinden. Nun folgen<br />
vier unterirdische Haltestellen, die beiden<br />
zentralen Haltestellen Hauptbahnhof und<br />
Jahnplatz bedienen alle vier Bielefelder<br />
Linien. Hier sind die Bahnsteige immer gut<br />
besetzt, wer umsteigen will, tut dies am<br />
besten am Jahnplatz, da hier alle vier Linien<br />
an denselben Bahnsteigkanten halten.<br />
Hinterm Jahnplatz taucht die Stadtbahn<br />
aus dem Tunnel auf und erreicht die ebenfalls<br />
stark frequentierte Haltestelle Rathaus,<br />
im Gegensatz zu den Mittelbahnsteigen der<br />
Tunnelstationen liegen hier Seitenbahnsteige,<br />
die bei starkem Andrang doch recht<br />
schmal wirken. Während Linie 4 hier endet<br />
und die Linien 1 und 2 noch gemeinsam<br />
weiter hinauf zur Haltestelle Landgericht<br />
fahren, biegt die „3“ unmittelbar hinter der<br />
Haltestelle Rathaus ab in die Nikolaus-Dürkop-Straße.<br />
<strong>Die</strong>se enge Straße wird erst seit<br />
1986 von der „3“ befahren, als im Zuge der<br />
Vorarbeiten für den Stadtbahnbetrieb auch<br />
die Linie 3 wieder über den Jahnplatz geführt<br />
wurde. Hier liegt auch eines der meistfotografierten<br />
Straßenbahnmotive Bielefelds:<br />
<strong>Die</strong> Unterführung der Tram unter der<br />
Verbindungsbrücke zwischen zwei früheren<br />
Dürkop-Werkhallen.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
25
Betriebe<br />
Am nördlichen Ende der Linie 3 in<br />
Babenhausen Süd wartet der Tw 535<br />
auf die Abfahrt nach Stieghorst. <strong>Die</strong><br />
Hochbahnsteige für die Ankunft und<br />
Abfahrt sind hier getrennt in die Wendeschleife<br />
integriert<br />
P. KRAMMER<br />
Ab der Haltestelle August-Schroeder-<br />
Straße fährt die „3“ auf ihrem ältesten Streckenstück<br />
Richtung Oststraße. <strong>Die</strong> Straßen<br />
bieten nur Platz für zwei Fahrbahnen mit<br />
Tram, dicht gedrängte Stadthäuser und enge<br />
Bogenradien verlangsamen die Fahrt. Hinter<br />
der Haltestelle Ravensberger Straße<br />
biegt die Bahn wieder scharf nach Osten ab,<br />
nun nimmt die Umgebung den Charakter<br />
einer mondänen Vorstadt aus wilhelminischer<br />
Zeit an. Große, zum Teil repräsentative<br />
Villen säumen die Straße, an der Haltestelle<br />
Krankenhaus Ost ist derzeit noch<br />
kein Hochbahnsteig installiert, dafür hat<br />
man vor einigen Jahren die Tram hier in die<br />
Richtungsfahrbahnen verlegt um längere<br />
Wartezeiten zu vermeiden.<br />
Noch immer als klassische Straßenbahn<br />
geht es über die Oststraße, an der die Linie<br />
1928 begann, weiter nach Sieker. Vor der<br />
Station Sieker Mitte – bis 1996 Endhaltestelle<br />
– biegt die Bahn um 90 Grad nach<br />
rechts von der Straße ab. Hinter der Haltestelle<br />
zeigt das 1970 in Betrieb genommene<br />
Betriebsgleis zum Betriebshof Sieker ab.<br />
Hierdurch werden aufwändige Leerfahrten<br />
zum Ein- und Ausrücken drastisch verkürzt.<br />
Von Babenhausen Süd wird die Linie 3 eingleisig zur Haltestelle Voltmannstraße geführt, die<br />
über ein Ausweichgleis verfügt<br />
C. LÜCKER<br />
Als Stadtbahn nach Stieghorst<br />
Nun unterquert die Linie 3 eine stark befahrene<br />
Bundesstraße und biegt auf ihr<br />
jüngstes Streckenstück ein. Der rund drei<br />
Kilometer lange Abschnitt nach Stieghorst<br />
ist 1996 eröffnet worden und vollständig<br />
straßenunabhängig trassiert. Über die Haltestellen<br />
Lutherkirche mit einem kleinen<br />
Park fährt der Zug jetzt zwischen Gärten<br />
und Lärmschutzwänden hindurch Richtung<br />
Südosten. <strong>Die</strong> Haltestellen sind mit Seitenbahnsteigen<br />
ausgerüstet, die Straßenkreuzungen<br />
mit Halbschranken gesichert. An einigen<br />
Stellen ist die Trasse so eng an die<br />
Grundstücke herangerückt, dass kein Platz<br />
für einen Fuß- oder Radweg längs der Trasse<br />
bleibt.<br />
Hinter dem Halt Elpke beginnt der Neubaustadtteil<br />
Stieghorst. Über die Haltestelle<br />
Gesamtschule wird der Endpunkt Stieghorst<br />
Zentrum erreicht. <strong>Die</strong> doppelgleisige<br />
Stumpfendstelle mit vorgelagertem doppelten<br />
Gleiswechsel und breitem Mittelbahnsteig<br />
erinnert an vergleichbare Endstellen in<br />
Hannover oder Stuttgart. Sie hat echten<br />
Stadtbahnstandard, während die Seiten-<br />
bahnsteige der anderen Haltestellen manchmal<br />
doch etwas schmal wirken.<br />
Von hier aus soll die Linie 3 bald um 2,35<br />
Kilometer nach Hillegossen verlängert werden.<br />
<strong>Die</strong> ebenfalls im Konzept „Stadtbahn<br />
2030“ angedachte Verlängerung am Nordende<br />
von Babenhausen Süd nach Theesen<br />
wurde Anfang 2013 wegen mangelnder<br />
Wirtschaftlichkeit aufgegeben.<br />
Wie die Linie 1 kann die Linie 3 noch<br />
nicht von den 2,65 Meter breiten Vamos befahren<br />
werden. Auch hat sie noch zahlreiche<br />
nicht mit Hochbahnsteigen versehene Haltestellen,<br />
woran sich auf mittlere Sucht auch<br />
wenig ändern dürfte. STEFAN VOCKRODT<br />
26 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Nächster Halt: …<br />
Zwischen Basel und Riehen befindet sich auf schweizerischem Gebiet in Riehen die Station Fondation Beyeler. Am 18. April 2011 wird sie von<br />
Tw 311 bedient. <strong>Die</strong>ser Combino der Basler Verkehrsbetriebe war am 11. Oktober 2001 auf den Namen „Berlin“ getauft worden J. SCHRAMM<br />
Nächster Halt:<br />
Fondation Beyeler<br />
Was sich so Französisch anhört, liegt im<br />
Nordwesten der Schweiz, keine fünf Kilometer<br />
von der deutschen Grenze entfernt.<br />
Aber der Reihe nach: Verlässt man heute Basel<br />
mit der Tramlinie 6 über den Badischen<br />
Bahnhof stadtauswärts, so endet die Großstadt<br />
ziemlich abrupt hinter der Wendeanlage<br />
Eglisee. Von nun an säumen Kleingärten<br />
die Straße, gegenüber grasen Kühe auf saftigen<br />
Wiesen und aus der Ferne grüßen stolze<br />
Landhäuser. Nur ein kurzes Stück, dann<br />
wird die Gemeinde Riehen erreicht.<br />
Bereits 1899 stand fest, dass eine Tramlinie<br />
von Basel nach Riehen gebaut werden sollte.<br />
Am 7. August 1908 war es endlich so weit.<br />
<strong>Die</strong> Strecke endete zunächst im Kern von<br />
Riehen. 1914 wurde die Linie bis nach „Riehen<br />
Grenze“ vor den Toren Lörrachs verlängert.<br />
Nach dem Ersten Weltkrieg erreichte<br />
sie auch Lörrach, doch dieser grenzüberschreitende<br />
Verkehr wurde 1967 eingestellt.<br />
Wenige hundert Meter nördlich der Haltestelle<br />
„Riehen Dorf“ entstand eine kleine<br />
Wendeschleife mit sehr engem Radius. Kurz<br />
zuvor befindet sich heute die Station „Fondation<br />
Beyeler“. Benannt ist sie nach einer<br />
Stiftung (frz. „Fondation“) des Ehepaares<br />
Beyeler. Hildy und Ernst Beyeler hatten über<br />
Jahrzehnte Kunstwerke der „Klassischen<br />
Moderne“ zusammengetragen und diese<br />
später in eine Stiftung eingebracht. Ein Domizil<br />
erhielt diese Kunstsammlung 1997<br />
eben in Riehen, wo ein Museum entstand,<br />
das wegen seiner Architektur, seiner Einbindung<br />
in die umgebende Landschaft und der<br />
Präsentation der ausgestellten Werke heute<br />
als eines der schönsten der Welt gilt.<br />
Zur Eröffnung einer großen Monet-Ausstellung<br />
am 28. März 2002 wurde unmittelbar<br />
vor dem Eingang die Haltestelle „Fondation<br />
Beyeler“ eingerichtet; zu diesem<br />
Anlass wurden auch zwei Tramzüge der BVB<br />
mit Kunstmotiven versehen.<br />
<strong>Die</strong> Haltestelle überlebte das Ende der<br />
Monet-Ausstellung und wird bis heute von<br />
den Combinos der Linie 6 bedient. Aber<br />
auch für Menschen, die weniger kunstbegeistert<br />
sind, lohnt sich ein kleiner Spaziergang<br />
durch Riehen mit seinen vielen kleinen Geschäften.<br />
JÖRN SCHRAMM<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
27
Betriebe<br />
Bei der offiziellen Eröffnung am 10. August 2012 ist die Endstelle am Sanatorium erreicht.<br />
Im Jahr 2011 warben ein Gleisstück und eine Tafel für den Wiederaufbau (rechts)<br />
Per Pferdebahn<br />
ins Sanatorium<br />
Auf 900-mm-Gleisen durch Masowien Nach der Eröffnung der Museums-Pferdestraßenbahn<br />
in Döbeln 2007 konnte nun in Polen eine ähnliche Bahn fertiggestellt werden. Sie befindet sich in<br />
der Gemeinde Mrozy, knapp 60 Kilometer östlich von Warschau<br />
Seit Mai 2012 ist in der polnischen<br />
Wojewodschaft Masowien eine neue<br />
Pferdestraßenbahn als Museumsstrecke<br />
in Betrieb. Am 10. August<br />
2012 wurde sie in der etwa 8.700 Einwohner<br />
zählenden Gemeinde Mrozy nun auch<br />
offiziell eröffnet.<br />
<strong>Die</strong> Geschichte der Pferdestraßenbahn ist<br />
recht ungewöhnlich: Um 1900 grassierte in<br />
Warschau wie auch in anderen Großstädten<br />
die Tuberkulose. Einige Ärzte und Sponsoren<br />
in Russisch-Polen suchten einen Platz<br />
für ein Lungensanatorium, der gute klimatische<br />
Bedingungen bot, andererseits aber<br />
nicht allzu weit von Warschau entfernt und<br />
günstig erreichbar sein sollte. <strong>Die</strong>ser Platz<br />
fand sich in einem Waldgebiet zwischen<br />
dem Bahnhof Mrozy und dem Ortsteil Rudka.<br />
Im Jahre 1902 begann der Bau des Sanatoriums,<br />
und für den Transport der Baumaterialien<br />
vom Bahnhof legte man eine<br />
schmalspurige Bahn in einer Spurweite von<br />
900 mm an. <strong>Die</strong>se Spurweite besaß auch die<br />
frühere Pferdestraßenbahn in Krakau, damals<br />
Bestandteil der k.u.k.-Monarchie.<br />
Bis 1967 in Betrieb<br />
Als am 29. November 1908 das Sanatorium<br />
eröffnet wurde, nutzte man die Pferdestraßenbahn<br />
für die Beförderung der Patienten,<br />
Besucher und Beschäftigten. Daneben wurde<br />
aber auch Kohle zum Kesselhaus des Sanatoriums<br />
transportiert. <strong>Die</strong> Bahn war etwa 2 km<br />
lang. Mit kurzen Unterbrechungen in den<br />
Kriegsjahren war die Strecke bis 1967 in Betrieb<br />
– und zwar immer mit Pferden als Antriebskraft.<br />
Damit war sie neben Douglas auf<br />
der Isle of Man und Konya in Ungarn eine<br />
der drei <strong>letzten</strong> Pferdestraßenbahnen Europas<br />
mit regulärem Betrieb. <strong>Die</strong> Bahn fuhr nach<br />
Bedarf bis zu sechs Mal am Tag, abgestimmt<br />
auf den Fahrplan der Eisenbahnzüge.<br />
Im Laufe der Zeit gab es verschiedene<br />
Wagen, von der einfachen Lore mit Sitzbank<br />
über Sommerwagen bis hin zu geschlossenen<br />
Wagen. Nach der Einstellung<br />
der Bahn wurde der letzte vorhandene Wagen<br />
dem Warschauer Eisenbahnmuseum<br />
übergeben. Seit vielen Jahren ist er im Freigelände<br />
der 1986 eröffneten Außenstelle in<br />
Sochaczew zu besichtigen.<br />
28 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Polen: Mrozy<br />
Pferdestraßenbahn Mrozy<br />
Länge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,8 km<br />
Ziel:. . . . . . . . . . . . . . . Sanatorium im OT Rudka<br />
Spurweite:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 900 mm<br />
Fahrtage bis Ende Oktober 2012:<br />
Sa:. . . . . . . . . . 15 bis 19 Uhr<br />
So:. . . . . . . . . . 12 bis 19 Uhr<br />
Takt: . . . . . . . . . ca. stündlich<br />
(bei mindestens 5 zahlenden Fahrgästen)<br />
Fahrpreise: . . . . . . . . . . . . 5 Zloty je Einzelfahrt<br />
Kinder bis 12 Jahre 3 Zloty<br />
Hin- und Rückfahrt das Doppelte<br />
Mrozy ist etwa im Stundentakt mit der Masowischen<br />
Eisenbahn auf der Strecke von Warschau<br />
nach Siedlce bzw. Luków erreichbar.<br />
Der bis 1967 eingesetzte letzte originale Wagen der Pferdestraßenbahn Mrozy befindet sich<br />
seit vielen Jahren in der Außenstelle Sochaczew des Warschauer Eisenbahnmuseums<br />
Der Pferdebahnwagen an der Endstelle in der Nähe des Bahnhofs bei<br />
den ersten öffentlichen Fahrten Ende Oktober 2011 FOTOS: N. KUSCHINSKI<br />
<strong>Die</strong> 1,8 Kilometer lange Pferdebahnstrecke mit 900 mm Spurweite<br />
führt vom Bahnhof nach Südosten bis zum Sanatorium N. KUSCHINSKI<br />
Das Gleis wurde entfernt, und einige<br />
Schienenstücke fanden in den Gartenan -<br />
lagen des Ortes als Zaunpfähle Verwendung.<br />
<strong>Die</strong> Verbindung zwischen Sanatorium<br />
und dem Bahnhof von Mrozy übernahm ein<br />
Kleinbus, und heute gibt es mehrere Busverbindungen<br />
am Tag.<br />
Der Wiederaufbau<br />
Während der 100-Jahr-Feier des Sanatoriums<br />
entstand 2008 die Idee der Wiederbelebung<br />
der Pferdestraßenbahn als Touristenattraktion.<br />
<strong>Die</strong> Planungen und vor allem<br />
die Beschaffung der finanziellen Mittel waren<br />
jedoch kompliziert. Auch mit der Naturschutzbehörde<br />
standen Verhandlungen<br />
an, durchquert die Strecke doch ein Naturschutzgebiet.<br />
So war zunächst nicht viel mehr zu sehen<br />
als eine Art Denkmal am geplanten Endpunkt<br />
der Touristenstrecke am Sportsta dion<br />
in der Nähe des Bahnhofs, das aus einem<br />
kurzen Gleisstück und einem Foto der Pferdebahn,<br />
wie sie bis 1967 fuhr, besteht. Mitte<br />
2011 stand dann die Finanzierung fest.<br />
Der größte Teil der Kosten wurde von<br />
Fonds zur Strukturentwicklung ländlicher<br />
Regionen übernommen, so dass nur ein<br />
kleiner Teil von der Gemeinde kofinanziert<br />
werden musste. Nun ging es erstaunlich<br />
schnell voran: Der Bau der Strecke und<br />
eines neuen Wagens nach dem Vorbild des<br />
im Museum Sochaczew stehenden originalen<br />
Wagens wurden ausgeschrieben. Im August<br />
begann der Streckenbau, wobei Holzschwellen<br />
und neue Schienen des Profils<br />
H70 verwendet wurden. Bereits Anfang<br />
Oktober 2011 begannen erste Probefahrten.<br />
<strong>Die</strong> Strecke ist 1.750 Meter lang und damit<br />
etwas kürzer als die ursprüngliche Strecke.<br />
Der Endpunkt am Bahnhof liegt etwa<br />
130 Meter vom Bahnhof entfernt, und der<br />
Endpunkt am Sanatorium liegt vor dem<br />
Eingangstor. Früher führten die Gleise in<br />
das Sanatorium hinein, wo auch der (später<br />
abgebrannte) Wagenschuppen stand.<br />
Offizielle Eröffnung 2012<br />
Vom 28. bis zum 30. Oktober 2011 fanden<br />
die ersten angekündigten öffentlichen Fahrten<br />
statt. Damit war das Versprechen eingelöst,<br />
die Bahn noch 2011 zu eröffnen. Trotz<br />
der kurzfristigen Bekanntgabe fanden sich<br />
mehrere hundert Besucher ein, die die Gelegenheit<br />
der kostenlosen Mitfahrt nutzten.<br />
Unter die Einheimischen hatten sich auch<br />
Straßenbahnfreunde aus Warschau und<br />
dem Ausland gemischt. Bei den meisten<br />
Fahrten wurde allerdings die Steilstrecke<br />
nahe dem Bahnhof noch ausgelassen, da<br />
Pferd und Kutscher hierfür noch Erfahrungen<br />
sammeln mussten.<br />
Der reguläre Betrieb wurde im Mai 2012<br />
aufgenommen. Anfangs fuhr die Pferdestraßenbahn<br />
bei ausreichender Nachfrage<br />
jeweils freitags sowie sonnabends und sonntags,<br />
später nur noch sonnabends und sonntags.<br />
<strong>Die</strong> Abfahrtsstelle in der Nähe des<br />
Bahnhofs befand sich anfangs allerdings<br />
noch nicht im Endzustand. Deshalb lud die<br />
Gemeindeverwaltung erst nach der Neugestaltung<br />
des anliegenden Parkes „Piotra Starosty“<br />
am 10. August 2012 zur offiziellen<br />
Eröffnung ein. Im Oktober endete der Fahrbetrieb.<br />
<strong>Die</strong> neue Saison sollte ursprünglich bereits<br />
zu Ostern beginnen. <strong>Die</strong>s wurde aufgrund<br />
des langen Winters auf den Mai verschoben.<br />
Betrieb findet 2013 ausschließlich<br />
an Wochenenden statt.<br />
An der Abfahrtsstelle sind in der Zukunft<br />
ein Wagenschuppen, ein Info-Zentrum sowie<br />
eine gastronomische Einrichtung geplant,<br />
denn der Wagen steht bis jetzt im<br />
Freien. Dabei wird er durch eine Videokamera<br />
überwacht und ist mit einem Vorhängeschloss<br />
gesichert. NORBERT KUSCHINSKI<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
29
Fahrzeuge<br />
30 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
<strong>Tatras</strong><br />
Schleichender<br />
Abschied<br />
<strong>Die</strong> <strong>letzten</strong> <strong>Tatras</strong> in Deutschland Moder nisierte T3D, T4D, KT4D,<br />
T6A2 und sogar drei KT8 – noch gibt es sie bei immerhin 21 Betrieben<br />
in Deutschlands östlichen Bundesländern. Doch seit dem Jahr 2000 hat sich<br />
ihr Bestand drastisch reduziert – und dieser Prozess geht rasant weiter …<br />
Begegnung in Leipzigs R.-Breitscheid-Straße am 19. Juli 2006: Von<br />
den Wagen ist heute nur noch der als „Gläserner Leipziger“ genutzte<br />
Tw 1700 vorhanden. Der von Tw 1900 geführte nur teilmodernisierte<br />
T4D-Großzug wurde 2009 verschrottet, der Bw 807 vom Typ B6A2<br />
schied mit den T6A2-Triebwagen 2007 aus dem Liniendienst aus und<br />
wurde 2011 verschrottet<br />
S. REIMANN<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
31
Fahrzeuge<br />
Gleich drei KT4DM der BVG fotografierte Michael Kochems am 7. März 2011 am Hackeschen Markt in Berlin. Der Bestand der mit 6000er-Betriebsnummern<br />
versehenen Kurzgelenkwagen wird Jahr für Jahr geringer<br />
triebsfähige Fahrzeuge noch als E-Wagen<br />
genutzt werden. In Halle (Saale) liegen<br />
die Einsätze von <strong>Tatras</strong> im Liniendienst<br />
wortwörtlich in den „<strong>letzten</strong> Zügen“. <strong>Die</strong><br />
Verkehrsbetriebe in Erfurt und Rostock<br />
drängen ebenfalls auf eine baldige Verabschiedung<br />
ihrer <strong>Tatras</strong> aus dem Plandienst.<br />
In Städten wie z. B. Cottbus, Görlitz und<br />
Zwickau richten sich die Werkstätten hingegen<br />
derzeit auf einen Weiterbetrieb der<br />
<strong>Tatras</strong> bis weit in die 2020er-Jahre hinein<br />
ein! Der folgende Beitrag stellt die Entwicklung<br />
des Tatrabestandes seit der Jahrtausendwende<br />
vor und zeigt die aktuelle Situation<br />
sowie die Zukunftsaussichten der<br />
<strong>Tatras</strong> in 14 der insgesamt 21 Städte alphabetisch<br />
geordnet auf. Teil 2 geht auf Plauen<br />
bis Zwickau ein.<br />
<strong>Die</strong> Überhöhung des Gleisbogens bei der Haltestelle Nossener Straße in Berlin-Hellersdorf verleiht<br />
der Fahrt von Tw 6147 und 6165 am 24. Juli 2012 beeindruckende Dynamik J. BECKER<br />
Was im Westen der Republik die<br />
klassischen Gelenk-Düwag, das<br />
sind im Osten Deutschlands die<br />
Tatrawagen: Kultfahrzeuge, die<br />
das Bild zahlreicher Betriebe und Städte<br />
über viele Jahre geprägt haben.<br />
In Städten wie Schwerin, Magdeburg und<br />
Dresden gehören reguläre Planeinsätze von<br />
Tatrawagen heute schon der Vergangenheit<br />
an. Moderne Niederflurwagen haben sie<br />
hier bereits verdrängt, auch wenn in den<br />
beiden Städten am Elbufer weiterhin be-<br />
Berlin<br />
Im März 1976 traf mit dem Fahrzeug<br />
219 002 vom Typ KT4D der erste Tatra-<br />
Triebwagen in Berlin ein. Ab Herbst 1977<br />
folgten danach mehrere Hundert dieser<br />
Kurzgelenkwagen. Der letzte nicht modernisierte<br />
Tatrazug (Tw 9121 + 9111) fuhr am<br />
25. April 1998 auf der Linie 8E. Seitdem befinden<br />
sich für den Liniendienst durchweg<br />
nur noch zwischen 1993 bis 1997 modernisierte<br />
Wagen im Bestand der BVG. Im Jahr<br />
2000 hatten sie ihren Zenit in der Bundeshauptstadt<br />
jedoch schon erreicht – ihr Bestand<br />
ist seitdem rückläufig.<br />
Da es auch in diesem Jahr verschiedene<br />
Abgaben von Tatrawagen gegeben hat und<br />
gerade gibt, sind präzise Angaben zum Berliner<br />
Bestand in Kurzform problematisch,<br />
vor allem in Hinblick auf ihren Unterhaltungszustand.<br />
Folgende Zahlen geben den<br />
Stand Mitte April wieder, demnach waren<br />
in Berlin folgende <strong>Tatras</strong> im Einsatz bzw.<br />
vorhanden:<br />
• KT4D (im Nummernkreis 6001 bis<br />
6173): 163 Wagen im Einsatz plus sieben<br />
abgestellte<br />
• KT4Dt (im Nummernkreis 7001 bis<br />
7087): acht Wagen im Einsatz plus 27 abgestellte<br />
32 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
<strong>Tatras</strong><br />
Tatraeinsatz in Berlin 4/2013<br />
KT4D: Tw 6001 bis 6010, 6012, 6013, 6015 bis<br />
6066, 6068 bis 6110, 6112 bis 6123, 6125 bis<br />
6155, 6157, 6159, 6160, 6162, 6163 sowie<br />
6165 bis 6173<br />
KT4Dt: Tw 7002, 7003, 7005, 7008, 7016,<br />
7057, 7058 sowie 7087<br />
Gerade die Zahl der eingesetzten KT4Dt<br />
(mit Thyristorsteuerung) reduzierte sich im<br />
April mehrfach, bei Erscheinen dieser Ausgabe<br />
dürften obige Auflistungen bereits wieder<br />
inaktuell sein.<br />
Während auf den Linien M1, M2, M10<br />
und 12 im Raum Pankow/Prenzlauer Berg<br />
bereits seit Jahren die Niederflurwagen dominieren,<br />
ging der Einsatz der <strong>Tatras</strong> zwischenzeitlich<br />
auch auf den Linien M4 und<br />
M5 sowie im Südosten zurück, wo sie bisher<br />
noch in großer Zahl anzutreffen waren.<br />
Recht zahlreich sind sie derzeit an Werktagen<br />
noch auf den Linien M6, M8, M13,<br />
M17 und 50 anzutreffen. Typenrein verkehren<br />
noch immer die Linien 21, 37, 61<br />
und 67 sowie sonnabends die 16.<br />
Brandenburg (Havel)<br />
Bei den Verkehrsbetrieben Brandenburg an<br />
der Havel (VBBr) gibt es zwar seit 1995<br />
schon die ersten Niederflurwagen vom Typ<br />
MGT6D (Siemens/Düwag), aber man richtet<br />
sich derzeit darauf ein, die vorhandenen<br />
meterspurigen <strong>Tatras</strong> langfristig weiter zu<br />
betreiben. Alle Hauptuntersuchungen werden<br />
mit großer Gründlichkeit ausgeführt,<br />
um einen Einsatz bis weit ins neue Jahrzehnt<br />
garantieren zu können.<br />
Von den 16 zwischen 1979 und 1983<br />
nach Brandenburg gelieferten KT4D sind<br />
derzeit noch vier technisch im Ursprungszustand<br />
erhalten. Davon zwei als Reserve<br />
abgestellt. Ein fünfter solcher Wagen, der<br />
1997 aus Cottbus übernommene Tw 154,<br />
dient als Abschlepp- und Winterdienstwagen.<br />
Komplett im Regelbestand sind die<br />
zehn ab 1998 mit einen Niederflurteil versehenen<br />
und damit zu KTNF6 umgebauten<br />
Wagen (Tw 170, 172, 176 bis 178 und 181<br />
bis 185). <strong>Die</strong> <strong>Tatras</strong> kommen auf allen drei<br />
Linien der Stadt gleichermaßen häufig zum<br />
Einsatz.<br />
Im Jahr 2002 übernahmen die VBBr aus<br />
Gera zwei 1986 gebaute KT4D. Wurde der<br />
ehemalige Tw 329 bis 2006 als Werkstattwagen<br />
Nr. 129 genutzt und danach verschrottet,<br />
so ereilte den ehemaligen Tw 330<br />
dieses Schicksal als Nr. 130 im Jahr 2009.<br />
Chemnitz<br />
In Sachsens drittgrößter Stadt gab es im<br />
Jahr 2000 noch zahlreiche nicht modernisierte<br />
Großraumwagen vom Typ T3D. Sie<br />
In Brandenburg an der Havel stehen zehn mit einem Niederflurmittel versehene KTNF6 im Plandienst,<br />
hier Tw 185 am 30. September 2010 am Nikolaiplatz<br />
B. KUSSMAGK<br />
Zwar traditionell lackiert, aber um regulär in<br />
Chemnitz im Liniendienst genutzte modernisierte<br />
T3D handelt es sich bei den Tw 519 +<br />
509 (Foto vom 18. Oktober 2012). <strong>Die</strong> übliche<br />
Chemnitzer Farbgebung tragen hingegen die<br />
Tw 525 + 526, hier am 20. September 2012<br />
am Falkeplatz M. BERGELT (2)<br />
schieden jedoch kurze Zeit später aus und<br />
wurden verkauft oder verschrottet. Von den<br />
35 modernisierten T3D-M befinden sich<br />
aktuell noch 22 im Unterhaltungsbestand,<br />
die übrigen sind in Adelsberg abgestellt, einige<br />
seit Sommer 2004.<br />
<strong>Die</strong> modernisierten Beiwagen schieden im<br />
Juni 2010 aus dem Plandienst aus, sie sind<br />
im genannten Betriebshof noch abgestellt<br />
vorhanden.<br />
Bei den noch eingesetzten Fahrzeugen<br />
handelt es sich um 1988 gebaute Wagen, die<br />
1993/94 im heutigen Bombardierwerk Bautzen<br />
modernisiert worden sind. Sie werden in<br />
Doppeltraktion auf den Linien 1, 4 und 5<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
33
Fahrzeuge<br />
Auch 26 Cottbuser KT4D haben in den 1990er-Jahren ein niederfluriges<br />
Mittelteil erhalten. Der so als KTNF6 genutzte Tw 109 ist am 1. Mai<br />
2012 zwischen Vetschauer und Tranitzer Straße unterwegs J. BECKER<br />
Cottbus unterzieht derzeit die KTNF6 gründlichen Hauptuntersuchungen,<br />
bei denen die Wagen weiter modernisiert werden. <strong>Die</strong>se „Langläufer“<br />
erhalten im Inneren beispielsweise Matrixanzeigen M. KEUCHEL<br />
In Dresden sind noch 18 modernisiert T4D vorhanden. Sie kommen jedoch ausschließlich für<br />
Sonderverkehre oder als Verstärker zum Einsatz<br />
M. SPERL<br />
An der Verabschiedung der Dresdner <strong>Tatras</strong> aus dem regulären Liniendienst nahm die Bevölkerung<br />
am 29. Mai 2010 äußerst regen Anteil<br />
I. KÖHLER<br />
der CVAG eingesetzt, bei Bedarf auch auf<br />
den Linien 2 und 6. <strong>Die</strong> mit niederflurigen<br />
Variobahnen bedienten Kurse sind im Fahrplan<br />
speziell gekennzeichnet. Sonntags verkehren<br />
regulär keine <strong>Tatras</strong>. Dann setzt das<br />
Unternehmen ausschließlich Variobahnen<br />
ein, von denen 24 Wagen im Bestand der<br />
CVAG und sechs in dem der Citybahn sind.<br />
Problematisch für die Verkehrs-AG ist die<br />
Ausführung der T3D-M als Einrichtungswagen.<br />
Für baustellenbedingte Einsätze<br />
wurden deshalb die Tw 507/517 und 509/<br />
519 als Zweirichtungszüge adaptiert, im<br />
Heck-an-Heck-Betrieb ist jedoch aufgrund<br />
der einseitigen Türen nur der jeweils führende<br />
Wagen für Fahrgäste freigegeben.<br />
Deshalb greift die CVAG auf diese Lösung<br />
nur im Notfall zurück.<br />
Im Zusammenhang mit dem Chemnitzer<br />
Modell – siehe <strong>STRASSENBAHN</strong> MAGA-<br />
ZIN 3/2013 – sollen ab 2014 moderne Hybridfahrzeuge<br />
in der Stadt am Fuße des Erzgebirges<br />
eintreffen. Doch zur Ablösung der<br />
<strong>Tatras</strong> sollen in den nächsten Jahren parallel<br />
„richtige“ Stadtbahnfahrzeuge beschafft<br />
werden. Wann sie eintreffen, steht noch<br />
nicht fest, so dass die Chemnitzer <strong>Tatras</strong> mit<br />
ihrem typischen Äußeren einschließlich Lackierung<br />
in den nächsten zwei, drei Jahren<br />
auf jedem Fall noch zum Alltagsbild der<br />
Stadt gehören werden.<br />
Cottbus<br />
<strong>Die</strong> Cottbusverkehr GmbH hat von 1996 bis<br />
1998 insgesamt 26 meterspurige KT4D um<br />
ein Niederflurmittelteil ergänzt. Mit diesen zu<br />
KTNF6 umgebauten <strong>Tatras</strong> bot Cottbus ab<br />
Anfang 2004 jeden Kurs mit mindestens einem<br />
niederflurigen Einstieg an. Von den zehn<br />
im Jahr 2001 noch vorhandenen KT4D wurden<br />
neun verkauft. Tw 65 blieb zum Arbeitswagen<br />
umgebaut erhalten und wird heute<br />
vorwiegend im Winterdienst eingesetzt.<br />
Von den 26 KTNF6 wurden bis 2011 drei<br />
nach Schöneiche (Tw 139, 142 und 171) sowie<br />
Tw 172 nach Szeged verkauft und Tw<br />
144 nach einem Unfall 2011 verschrottet.<br />
Nachdem eine 2009 erwogene teilweise<br />
34 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
<strong>Tatras</strong><br />
Da die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) über keine Tatra-Beiwagen mehr verfügen, kommen die verbliebenen T4DM meist in Dreifachtraktion<br />
um Einsatz. Am 19. August 2012 führte 224 218 einen solchen Zug als Linie 4E über die Grunaer Straße nach Laubegast<br />
M. SPERL<br />
bzw. komplette Einstellung des Straßenbahnbetriebes<br />
in der südbrandenburgischen<br />
Stadt derzeit nicht weiterverfolgt wird, hat<br />
sich die Cottbusverkehr GmbH nun darauf<br />
eingestellt, von den vorhandenen 21 <strong>Tatras</strong><br />
mit Niederflurmittelteil 15 Wagen langfristig<br />
weiter zu verwenden.<br />
Am 19. April 2012 stellte das Unternehmen<br />
den ersten für eine Laufzeit von weiteren 16<br />
Jahren ertüchtigten „Langläufer“ der Öffentlichkeit<br />
vor (Tw 135), zum 30. Januar 2013<br />
folgte mit Tw 140 der zweite auf diese Weise<br />
für die Zukunft fit gemachte Wagen. Er ist seit<br />
Ende März 2013 im Fahrgastbetrieb.<br />
Bei den gründlichen Arbeiten werden Teile<br />
des Wagenkastens sandgestrahlt und der<br />
Innenraum modernisiert. Dazu gehören vergrößerte<br />
Flächen für Kinderwagen und<br />
Rollstühle sowie eine moderne Fahrgastinformation<br />
mit farbigen Matrixanzeigen und<br />
Flachbildschirmen.<br />
Gegenwärtig ist der Tw 143 als dritter in<br />
Arbeit, er soll voraussichtlich im dritten<br />
Quartal 2013 fertiggestellt werden. Für den<br />
täglichen Verkehr werden in Cottbus gegenwärtig<br />
wochentags 16 <strong>Tatras</strong> genutzt.<br />
In Erfurt gibt es nur noch sechs KT4DM, die im Liniendienst aushelfen. Der ehemalige Tw 430<br />
dient hingegen zum Schmieren der Kurven und als Fahrleitungsbeobachtungswagen D. LINSER<br />
Dresden<br />
Nach dem Ende der Zweiachser fuhren in<br />
Sachsens Landeshauptstadt in den 1990er-<br />
Jahren bis zum Eintreffen der ersten<br />
NGT6DD ausschließlich Tatra-T4D/B4D sowie<br />
die beiden T6/B6A2-Großzüge. Ab Sommer<br />
1991 wurden 181 der T4D und 65 B4D<br />
in eigener Werkstatt modernisiert. Davon erhielten<br />
ab 1994 insgesamt 150 Tw – darunter<br />
55 zu fahrerkabinenlosen Beitriebwagen umgebaute<br />
TB4D – eine TV8-Thyristorsteuerung.<br />
Kleinere Modernisierungen fanden<br />
auch an den für das Betriebsleitsystem in die<br />
Serie 224.5 umgezeichneten T4D-MI statt.<br />
Mit fortschreitender Auslieferung der<br />
Niederflurwagen verzichteten die DVB ab<br />
dem Jahr 2000 zunächst auf die T4D im Ursprungszustand,<br />
auf die Einzelgänger T6/<br />
B6A2 sowie auf die unmodernisierten Beiwagen.<br />
Ende 2002 rollten auch die <strong>letzten</strong><br />
T4D-MI aufs Abstellgleis. Nach Ankunft<br />
der 45 m langen Niederflurwagen des Typs<br />
NGTD12DD wurden bis Spätsommer 2005<br />
ebenso die <strong>letzten</strong> modernisierten Beiwagen<br />
entbehrlich. Im Spätherbst 2009 endete<br />
schließlich der reguläre Einsatz der Tatrawagen<br />
in Dresden, die zuletzt noch als Doppeltraktion<br />
auf Linie 8 fuhren.<br />
<strong>Die</strong> verbliebenen 18 Wagen, von denen<br />
nur ein gutes Dutzend tatsächlich betriebsfähig<br />
ist, kommen seitdem häufig in Sonderdiensten<br />
z. B. als „Studentenshuttle“, bei<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
35
Fahrzeuge<br />
<strong>Die</strong> über die Stadtgrenze von Frankfurt (Oder) weit nach Südwesten hinauslaufende Linie 4 nach Markendorf gehört zu den Besonderheiten<br />
der SVF. <strong>Die</strong> vorhandenen KT4DM gehören hier – wie auf allen anderen Linien – noch zum Alltag (Foto vom 14. April 2012)<br />
D. LINSER<br />
<strong>Die</strong> Tw 495 + 459 gehören zu den ca. ein halbes Dutzend KT4D, die in Erfurt noch für Reservezwecke<br />
zur Verfügung stehen. Sie verkehren meist in Doppeltraktion<br />
R. GLEMBOTZKY<br />
Messen, Konzerten oder Fußballspielen<br />
zum Einsatz. Dafür werden seit Herbst<br />
2009 auch kapazitätsstarke Dreifachtraktionen<br />
gebildet. <strong>Die</strong> in den vergangenen<br />
Monaten an den <strong>Tatras</strong> ausgeführten Untersuchungen<br />
lassen einen Einsatz bis über<br />
das Jahr 2015 hinaus zu.<br />
Erfurt<br />
Von den 156 zwischen 1975 und 1990 nach<br />
Erfurt gelieferten KT4D befinden sich derzeit<br />
noch 14 in Thüringens Landeshauptstadt.<br />
Davon sind jedoch nur die zwischen 1993<br />
und 1998 modernisierten Tw 405, 450, 495,<br />
518, 519 und 520 (Baujahre 1975 bis 1987)<br />
aktuell noch als Reservewagen im Einsatzbestand,<br />
die Tw 401, 508, 509, 521, 522,<br />
523, 528 und 530 sind hingegen abgestellt.<br />
Allerdings schwankte in den vergangenen<br />
Monaten/Jahren dieses Verhältnis von abgestellten<br />
und im Liniendienst genutzten<br />
Wagen sehr häufig – waren schon einmal lediglich<br />
noch fünf <strong>Tatras</strong> im Einsatz, so waren<br />
es kurze Zeit später wieder sieben.<br />
<strong>Die</strong> <strong>Tatras</strong> bedienen vor allem noch Kurse<br />
auf den Linien 2, 5 und 6. Voraussichtlich<br />
bis Mitte nächsten Jahres soll der letzte<br />
KT4DM aus dem Liniendienst ausgeschieden<br />
sein.<br />
Frankfurt (Oder)<br />
Im Bestand der Stadtverkehrsgesellschaft<br />
Frankfurt (Oder) mbH (SVF) befanden sich<br />
nach der 1997 erfolgten Zerlegung der nicht<br />
modernisierten KT4D-Tw 230 bis 233 (der<br />
seit 1995 abgestellte Tw 234 wurde 2002<br />
nach Prag verkauft) im Jahr 2000 für den regulären<br />
Verkehr insgesamt 29 in den 1990er-<br />
Jahren modernisierte KT4D (Tw 201 bis<br />
229) sowie acht Niederflurgelenktriebwagen<br />
des Typs GT6M von MAN/AEG.<br />
Von den KT4DM befinden sich aktuell<br />
noch 17 im Unterhaltungsbestand, ein 18.<br />
Wagen – Tw 206 – ist sein einem Unfall abgestellt.<br />
<strong>Die</strong> Tw 201 bis 204, 207, 211, 213,<br />
214, 216 und 227 waren 2005/06 verschrottet<br />
worden.<br />
Seit 2011 befindet sich ein aus Berlin<br />
stammender Tatrawagen vom Typ T6A2M<br />
(CKD 1988) als Arbeitswagen 501 im Bestand.<br />
Dabei handelt es sich um das einzige<br />
meterspurige Fahrzeug seines Typs in<br />
Deutschland. Es wird an der Oder seit 2012<br />
als Schleif- und Schmierwagen, Fahrleitungsbeobachtungs-<br />
sowie Schlepp- und<br />
Schiebewagen genutzt.<br />
Für den regulären Verkehr werden in<br />
Frankfurt wochentags zehn KT4DM genutzt,<br />
an Samstagen drei, sonntags regulär<br />
36 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
<strong>Tatras</strong><br />
Der Geraer Verkehrsbetrieb verfügt sowohl über mit Mittelflurmittelwagen zu KTNF8 umgebaute als auch über – natürlich modernisierte – KT4D<br />
in ihrer ursprünglichen Ausführung als Kurzgelenkwagen. Beide Typen verkehren oft in Doppeltraktion, so auch am 27. August 2012 R. GLEMBOTZKY<br />
gar keiner. Sie kommen auf allen fünf Linien<br />
der SVF gleichermaßen häufig zum Einsatz<br />
– seit Mitte Juni 2012 jedoch baustellenbedingt<br />
stets jeweils nur als Solowagen.<br />
Es ist vorgesehen, sich von den <strong>Tatras</strong><br />
mittelfristig ab ca. 2015 zu trennen – abhängig<br />
vom Zugang neuer Wagen, was derzeit<br />
im Gespräch ist und vorbereitet wird.<br />
Gera<br />
Von den 61 zwischen 1978 und 1992 ab<br />
Werk nach Gera gelieferten meterspurigen<br />
KT4D und von den vier aus anderen Städten<br />
übernommenen baugleichen Exemplaren<br />
befanden sich im Jahr 2000 noch 56, wenngleich<br />
teils schon zu KTNF8 umgebaut, im<br />
Bestand der Geraer Verkehrsbetrieb GmbH<br />
(GVB). <strong>Die</strong> Anzahl der im Jahr 2000 unterschiedlich<br />
umfangreich modernisierten<br />
KT4D hat sich seitdem stark dezimiert:<br />
Gelangte der Tw 319 im Jahr 2001 ins<br />
lettische Liepaja/Libau, so wurde der mit einer<br />
Choppersteuerung ausgerüstete Tw<br />
362 nach einem Unfall 2002 verschrottet.<br />
Im selben Jahr gab der GVB die Tw 329<br />
und 330 nach Brandenburg (Havel) ab,<br />
zwei Jahre später den Fahrschulwagen 105<br />
(ehemaliger Tw 311 ) nach Liberec/Reichenberg.<br />
Im Jahr 2004 kamen außerdem<br />
die aufgrund von Fahrplanoptimierungen<br />
nicht mehr benötigten KT4DM-Tw 322,<br />
325, 326 und 328 nach Tallinn/Reval. Nach<br />
der Ankunft von neu gebauten NGT8 gab<br />
der GVB im Jahr 2008 die Tw 321, 331 bis<br />
340 ins ukrainische Lwiw/Lemberg ab. Andere<br />
KT4DM(-C) werden inzwischen für<br />
Arbeitswagenzwecke genutzt.<br />
Damit sind für den Linienbetrieb aktuell<br />
noch 24 durch den Einbau einer Choppersteuerung<br />
zu KT4DM-C umgebaute <strong>Tatras</strong><br />
im Bestand. <strong>Die</strong>se unterteilen sich in die 14<br />
zwischen 1981 und 1983 gebauten Tw 303,<br />
304 II , 305 bis 310, 311 II , 312 bis 316 sowie<br />
in die zehn jeweils 1990 gebauten Tw 354<br />
bis 361, 362 II und 363. Davon sind allerdings<br />
die Tw 354 und 358 als Ersatzteilspender<br />
abgestellt, so dass sich im Unterhaltungsbestand<br />
des GVB aktuell derzeit 22<br />
KT4DM-C befinden.<br />
<strong>Die</strong> drei noch vorhandenen KT4DM –<br />
ohne Choppersteuerungen – sind allesamt<br />
abgestellt. Es handelt sich um den in den<br />
vergangenen Jahren als Kindergartenstraßenbahn<br />
genutzten Tw 346, den 2012 noch<br />
als Winterdienstwagen genutzten Tw 302<br />
sowie um den Tw 347 II .<br />
Durch den Einbau eines niederflurigen<br />
Mittelteils in KT4D entstanden für den<br />
GVB zwischen 1998 und 2003 insgesamt<br />
sechs KTNF8. <strong>Die</strong> unverändert als Tw 348<br />
bis 353 geführten Wagen – spätestens seit<br />
ihrem Umbau mit Choppersteuerungen versehen<br />
– werden alle im Liniendienst genutzt.<br />
Ergänzt wird der einschließlich der Museums-<br />
und Arbeitswagen in Summe heute<br />
37 Wagen umfassende Tatrabestand seit<br />
2006 durch von Alstom gebaute NGT8G.<br />
Bis zum Jahr 2008 waren zwölf Wagen ausgeliefert<br />
(Tw 201 bis 212). Im Linieneinsatz<br />
befinden sich die in Gera vorhandenen Ta-<br />
Gera: Arbeits-/Sonderwagen<br />
Als Arbeits- und Sonderwagen hat der GVB<br />
mehrere andere <strong>Tatras</strong> im Bestand:<br />
• Tw 104 – ein T4DMC (Baujahr 1984) als<br />
Schleifwagen mit zwei Stromabnehmern zur<br />
Oberleitungsenteisung, 2004 aus Dresden<br />
übernommen, dort zuletzt 224 212<br />
• Tw 106 – ein ZT4D (Baujahr 1981) als oberleitungsunabhängiger<br />
Hilfswagen (ex T4D<br />
222 168 in Dresden)<br />
• Tw 301 – ein KT4DM (Baujahr 1978) seit<br />
2012 als Winterdienstwagen<br />
• Tw 320 – ein originaler KT4D (Baujahr 1983)<br />
seit 2008 für Sonderverkehre und den Winterdienst<br />
• Bw 152 – ein im Auftrag der GVB aus einem<br />
1978 gebauten B4D entstandener vierachsiger<br />
Bewässerungswagen (bis 2005 als B4D-<br />
MS 274 065 in Dresden)<br />
trawagen regulär nur noch auf der Linie 3.<br />
Bis zum 26. April 2013 waren werktags für<br />
den Fünf-Minuten-Takt 22 Wagen (sechs<br />
KT4D in Doppeltraktion sowie je fünf<br />
KTNF8 mit einem KT4D) genutzt worden.<br />
<strong>Die</strong>ser Fahrplan bekommt voraussichtlich<br />
ab September wieder Gültigkeit. Bis dahin<br />
gilt baustellenbedingt ein Plan, für den<br />
werktags 20 <strong>Tatras</strong> ausreichen, an Sonnabenden<br />
acht (ab September wieder zehn).<br />
Sonntags kommen regulär keine <strong>Tatras</strong> zum<br />
Einsatz.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
37
Fahrzeuge<br />
Für 2015 und 2018 ist die Ankunft neuer<br />
Niederflurwagen im Gespräch. Treffen diese<br />
wie vorgesehen ein, so endet der reguläre<br />
Tatraeinsatz in Gera noch vor 2020.<br />
Görlitz<br />
Von den 19 im Jahre 2000 bei der Verkehrsgesellschaft<br />
Görlitz GmbH vorhandenen<br />
KT4D-C (Tw 301 bis 319) befinden<br />
sich derzeit noch 15 im Unterhaltungsbestand.<br />
<strong>Die</strong> Tw 304 und 307 wurden 2010<br />
verschrottet, die Tw 303 und 315 sind abgestellt.<br />
Bei den jeweils 1988 gebauten Tw 312 bis<br />
316 handelte es sich bis 1992 um Erfurter<br />
Wagen, die Tw 317 bis 319 (jeweils Baujahr<br />
1979) kamen 1998 aus Cottbus in die Neißestadt.<br />
Der 1983 gebaute Tw 301 erhielt<br />
1999 kurzzeitig eine Klimaanlage, wie die<br />
übrigen heute eingesetzten Wagen wurde er<br />
zuvor in den 1990er-Jahren modernisiert.<br />
Vier der im Unterhaltungsbestand befindlichen<br />
KT4D-C sind für einen Heck-an-<br />
Heck-Betrieb geeignet.<br />
Für den regulären Betrieb auf den beiden<br />
in Görlitz noch betriebenen Linien (2 und 3)<br />
werden wochentags neun Wagen benötigt.<br />
Dann verkehren auf der Linie 3 an Schultagen<br />
drei Doppeltraktionen sowie drei solo<br />
verkehrende Wagen auf der Linie 2.<br />
Samstags gibt es bis nach dem Mittag<br />
einen 20-Minuten-Takt mit sechs Solofahrzeugen,<br />
im nachmittäglichen 30-Minuten-<br />
Takt genügen vier <strong>Tatras</strong>. Sonntags verkehren<br />
auf den beiden Linien je zwei Umläufe,<br />
wofür vier Wagen eingesetzt werden.<br />
<strong>Die</strong> seit vielen Jahren ausschließlich mit<br />
den hochflurigen KT4D-C arbeitende Verkehrsgesellschaft<br />
plant, auch in die Zukunft<br />
nicht auf die Tatrawagen zu verzichten.<br />
In Görlitz kommen unverändert ausschließlich <strong>Tatras</strong> zum Einsatz. Von den 15 noch vorhandenen<br />
KT4DM kommen werktags neun zum Einsatz, hier der 1995 modernisierte Tw 305 D. KRAMER<br />
In Gotha sind neben in blau-gelb lackierten Wagen auch KT4DM in ihrer Erfurter Farbgebung<br />
unterwegs. Tw 315 war am 30. September 2012 auf der Linie 1 eingesetzt<br />
R. GLEMBOTZKY<br />
Gotha<br />
Bei der Thüringerwaldbahn und Straßenbahn<br />
Gotha (TWSB) befinden sich aktuell<br />
18 <strong>Tatras</strong> vom Typ KT4D im Unterhaltungsbestand<br />
– die Tw 301 bis 317 sowie<br />
Tw 319.<br />
Wurden die Tw 301 bis 306 in den Jahren<br />
1981/82 direkt für Gotha gebaut, so kamen<br />
im Jahr 2001 sechs (Tw 307 bis 312) sowie<br />
2006 sechs weitere 1990 gebaute Wagen<br />
dieses Typs aus Erfurt nach Gotha (Tw 313<br />
bis 317 und 319). Nachdem der Tw 310<br />
nach einem Unfall 2006 verschrottet wurde,<br />
nahm im Jahr 2008 der aus Erfurt übernommene<br />
Tw 537 mit Choppersteuerung<br />
seinen Platz als Tw 310 II ein.<br />
Aktuell wird der Tw 309 modernisiert.<br />
Dabei erhält er u. a. eine Choppersteuerung<br />
und Neulackierung.<br />
<strong>Die</strong> übrigen Tw kommen regulär auf den<br />
Linien 1, 2, 4 sowie als Ein- und Ausrückfahrt<br />
auf der Linie 3 zum Einsatz. Den Pendelverkehr<br />
vom Gleisdreieck zum Bahnhof<br />
Waltershausen übernehmen die mit einem<br />
38 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
<strong>Tatras</strong><br />
In Halle (Saale) kommen derzeit noch aus modernisierten T4D-Wagen gebildete Großzüge zum Einsatz. Am 27. März 2012 fährt ein solcher durch<br />
das Centrum der Stadt, was zu den vielen Vorteilen der Halleschen Straßenbahn zählt C. LÜCKER (2)<br />
zweiten Führerstand versehenen Tw 316<br />
und 317 als Linie 6.<br />
Halle (Saale)<br />
Im Unterhaltungsbestand der Halleschen<br />
Verkehrs-AG (HAVAG) befinden sich derzeit<br />
noch 20 T4D-C sowie elf B4D-C. Für<br />
den werktäglichen Einsatz werden allerdings<br />
nur sieben Großzüge benötigt, für die<br />
entsprechend 14 Trieb- und sieben Beiwagen<br />
genutzt werden. An Wochenenden und<br />
Feiertagen bleiben die Hochflurfahrzeuge<br />
im Betriebshof.<br />
Aktuell sind die Großzüge auf der Kombi-<br />
Linie 1/2 und während der innerstädtischen<br />
Baustellenphasen auch auf der Linie 3 unterwegs.<br />
Auf allen anderen Linien kommen<br />
aufgrund der momentanen Bauarbeiten nur<br />
die als Zweirichtungswagen ausgeführten<br />
Niederflurwagen der HAVAG zum Einsatz.<br />
<strong>Die</strong> Tatra-Wagen werden aber auch für Sonderverkehr<br />
z.B. als Einsatzwagen bei Fußballspielen<br />
noch betriebsfähig vorgehalten.<br />
Das offizielle Einsatzende der T4D-C/<br />
B4D-C wird am 1. Juni 2013 zum Tag der<br />
offenen Tür bei der HAVAG eingeleitet.<br />
Dann werden die ersten Niederflurfahrzeuge<br />
vom Typ MGTK-2 für den Fahrgasteinsatz<br />
freigegeben. Sind alle zwölf neuen Niederflurwagen<br />
in Betrieb, wird ein Großteil<br />
der Tatra-Wagen außer Betrieb gesetzt und<br />
zur Veräußerung angeboten. Dazu wird eine<br />
europaweite Ausschreibung stattfinden. Wo<br />
die Fahrzeuge nach ihrem Verkauf eingesetzt<br />
werden, steht heute noch nicht fest.<br />
Mit den <strong>Tatras</strong> geht es in Halle jedoch bergab: Ihr offizielles Einsatzende wird am 1. Juni dieses<br />
Jahres eingeleitet. Niederflurwagen vom Typ MGTK-2 machen sie entbehrlich<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
39
Fahrzeuge<br />
Im Bereich der Leipziger Moritzbastei war im Juli 2012 diese Doppeltraktion auf dem Weg zum Roßplatz. <strong>Die</strong> beiden modernisierten T4D sind an<br />
diesem Tag auf der Linie 11E im Einsatz, es führt Tw 2138<br />
T. LAAKE<br />
<strong>Die</strong> bereits veräußerten Tatra-Züge sind z.B.<br />
nach Kaliningrad/Königsberg, Pjatigorsk im<br />
Nordkaukasus sowie nach Rumänien und<br />
Bulgarien gekommen.<br />
Ein bis zwei Züge werden zunächst dennoch<br />
in Halle verbleiben und für den Einsatz<br />
bei Sonderfahrten und zur Ergänzung<br />
des Schülerverkehrs vorgehalten. Vielleicht<br />
findet man zukünftig auch ein Fahrzeug bei<br />
den Historischen Straßenbahnfreunden in<br />
Halle (Saale) wieder.<br />
Jena<br />
Auch die Universitätsstadt Jena verfügt seit<br />
kurzem erstmals über einen Tatrawagen! Es<br />
handelt sich um den mit zwei Führerständen<br />
versehenen Tw 435 aus Erfurt, am 7.<br />
Januar dieses Jahres traf dieses 1978 gebaute<br />
Fahrzeug vom Typ KT4DM in Jena<br />
ein. Es wird nun zum Arbeitswagen umgebaut<br />
und soll als Winterdienst- oder Abschleppwagen<br />
verwendet werden.<br />
Leipzig<br />
Bei der Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH<br />
(LVB) unterlag der Tatrabestand in den vergangenen<br />
13 Jahren drastischen Veränderungen.<br />
Waren im Jahr 2000 noch insgesamt<br />
325 Großraumtriebwagen vom Typ T4D in<br />
Der aus Erfurt stammende Tw 435 ist der erste Tatra-Wagen beim Jenaer Nahverkehr. Er wird<br />
seit Anfang 2013 im Betriebshof Burgau zum ATw umgebaut<br />
R. KÄSTNER<br />
unterschiedlichen Modernisierungsstufen<br />
vorhanden, so sind es aktuell noch 131.<br />
Bis 2006 ausgeschieden sind z.B. die 130<br />
damals noch weitestgehend im Originalzustand<br />
befindlichen Triebwagen. In den vergangenen<br />
Jahren ist aber auch der Bestand<br />
an teils aufwändig modernisierten T4D-M1<br />
und M2 gesunken – siehe Tabelle. <strong>Die</strong> vorhandenen<br />
Tatra unterscheiden die LVB intern<br />
in verschiedene Typen: T4D-M1 in Typ<br />
33a, 33c, 33h und 33i sowie die T4D-M2 in<br />
den LVB-Typ 33c. <strong>Die</strong> im Bestand befindlichen<br />
Großraumbeiwagen werden als LVB-<br />
Typ 65c und 65d geführt.<br />
Neben den für den Liniendienst vorgehaltenen<br />
Wagen gibt es z.B. drei T4D-M für Stadtrundfahrten<br />
mit einem Beiwagen als „Gläserne<br />
Leipziger“. Gegenwärtig erhalten viele<br />
40 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
<strong>Tatras</strong><br />
Sowohl 27 der seit Ende 2007 nicht mehr eingesetzten Leipziger T6A2 als auch ihre Beiwagen wurden 2011 in Heiterblick verschrottet. Unter ihnen<br />
war auch der 1989 gebaute Tw 1007, der 1993 – wie alle Leipiger T6A2 – teilmodernisiert worden war<br />
SLG. SM<br />
Tatrabestand in Leipzig<br />
2000 2006 2007 2008 2010 2013<br />
Triebwagen<br />
T4D nicht mod. 130 30 – – – –<br />
T4D–M1 97 95 95 95 95 89<br />
T4D–M2 70 70 70 70 49 42<br />
T6 28 28 28 – – –<br />
Summen: 325 223 193 165 144 131<br />
Beiwagen<br />
B4D nicht mod. 49 18 – – – –<br />
B4D–M 45 44 44 44 28 4<br />
B6 14 14 14 – – –<br />
Summen: 108 76 58 44 28 4<br />
• letzter Einsatztag nicht modernisierter T4D am 21.07.2006<br />
• letzter Einsatztag T6/B6 am 30.11.2007<br />
• nicht mitgezählt sind die zwei „gläsernen“ Tw und der „gläserne“ Bw, die seit 2002 zum<br />
Sonderwagenbestand gehören<br />
Da der Stadt Leipzig das Geld für neue Niederflurwagen fehlt, bleiben<br />
die <strong>Tatras</strong> bis in die 2020er-Jahre, hier Tw 2163 im Mai 2007 am Fosthaus<br />
Raschwitz<br />
T. LAAKE<br />
<strong>Tatras</strong> aus dem Liniendienst aufwändige<br />
Hauptuntersuchungen. Ziel ist es, sie für einen<br />
Einsatz bis in die 2020er Jahre zu ertüchtigen.<br />
Magdeburg<br />
<strong>Die</strong> Magdeburger Verkehrsbetriebe GmbH<br />
(MVB) gehört zu den Gesellschaften, bei<br />
denen der reguläre Tatraeinsatz offiziell<br />
schon beendet worden ist. Hieß es im Oktober<br />
2012, den Großraumwagen vom Typ<br />
T4DM adé zu sagen, so verabschiedeten die<br />
MVB am 27. Januar dieses Jahres auch die<br />
T6A2M aus dem Planeinsatz.<br />
Abgestellt im Betriebsbahnhof Nord befinden<br />
sich aktuell noch 21 Triebwagen des<br />
Typs T4DM sowie acht Großraumbeiwagen<br />
(Bw 2127 bis 2141) der Baujahre 1982<br />
bis 1987. <strong>Die</strong> zwischen 1976 und 1986 gebauten<br />
Triebwagen tragen Betriebsnummern<br />
zwischen 1167 und 1274.<br />
Seit 2000 sind schon insgesamt 41 modernisierte<br />
und sogar mehrere Anfang des<br />
Jahrtausends noch vorhandene unmodernisierte<br />
T4D sowie mehrere Dutzend Beiwagen<br />
nach Rumänien und in verschiedene<br />
Nachfolgestaaten der Sowjetunion abgegeben<br />
worden. <strong>Die</strong> elf im Jahr 2000 noch vor-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
41
Fahrzeuge<br />
Trotz offizieller Verabschiedung im Januar dieses Jahres – die T6A2 sind in Magdeburg noch nicht entbehrlich! Am 17. April 2013 lichtete Ditmar<br />
Pauke die Doppeltraktion Tw 1280/1281 auf Linie 8 am Opernhaus ab<br />
Martin Junge fotografierte in Magdeburg hingegen am 27. März 2013 an der Haltestelle<br />
Leiterstraße dieses T6A2-Pärchen auf der Linie 10 vor dem Hundertwasserhaus<br />
handenen T6A2M mit den Betriebsnummern<br />
1275 bis 1285 – alle 1989 gebaut – befinden<br />
sich bis heute in Magdeburg. Davon<br />
hatten im Frühjahr dieses Jahres noch die<br />
Tw 1279 bis 1283 Fristen. So war bis Ende<br />
März z. B. die T6-Doppeltraktion Tw 1282<br />
+ 1283 häufig auf der Linie 10 anzutreffen.<br />
Im April war das T6-Pärchen Tw 1280 +<br />
1281 fast täglich auf dieser Strecke unterwegs,<br />
vereinzelt aber auch auf der Linie 8.<br />
Auch der Früh- und Nachmittagsverstärker<br />
auf der Linie 5/6 wurde in den vergangenen<br />
Monaten bei Ausfall eines NGT wiederholt<br />
mit <strong>Tatras</strong> vom Typ T6A2M abgewickelt.<br />
Um die vorhandenen Wagen am Laufen zu<br />
halten, wurden dem Tw 1275 im April verschiedene<br />
Teile entnommen, um damit andere<br />
Wagen weiterverwenden zu können. So<br />
erhalten derzeit die Tw 1282 und 1283 eine<br />
Aufarbeitung. Auch in Zukunft dürfte damit<br />
mindestens ein T6-Zug anzutreffen sein.<br />
Neue Hauptuntersuchungen für <strong>Tatras</strong><br />
Für eventuelle Fußballeinsätze bleiben zwei<br />
originale Magdeburger B6-Tatrabeiwagen<br />
im Unterhaltungsbestand, d. h., man könnte<br />
dann immer zwei T6-Großzüge auf Strecke<br />
schicken.<br />
Aus Berlin trafen 2009 elf aufwändiger<br />
modernisierte Beiwagen vom Tatratyp<br />
B6A2M in Magdeburg ein. Hier von der<br />
MVG als Bw 2201 bis 2211 geführt, kommen<br />
sie bis auf den noch nicht in Betrieb genommenen<br />
Bw 2203 bereits hinter den<br />
NGT 1301 bis 1310 zum Einsatz.<br />
Im Bestand befinden sich außerdem T4D-<br />
Arbeits- und -Winterdienstwagen sowie der<br />
historische T4D-Großzug. Letzterer ist aus<br />
dem 1968 gebauten Tw 1001, dem Tw<br />
1120 von 1975 sowie dem Bw 2002 von<br />
1969 gebildet. Abgestellt zählt außerdem<br />
der T4D 1072 von 1971 zum Museumsbestand.<br />
ANDRÉ MARKS<br />
wird fortgesetzt; Teil 2 geht auf den<br />
Tatrabetrieb in Plauen, Potsdam,<br />
Rostock, Schöneiche, Schwerin, Strausberg<br />
und Zwickau ein<br />
42 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
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Fahrzeuge<br />
Beim Tw 3802 handelt es<br />
sich um den einzigen erhaltenen<br />
Wagen vom Typ TM 34<br />
(Nr. 3801 bis 3850), hier<br />
2001 in Niederschönhausen<br />
K.-H. GEWANDT<br />
Durch die Mitte<br />
auch nach dem Krieg<br />
<strong>Die</strong> Mitteleinstiegswagen der Berliner Straßenbahn nach 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg<br />
standen noch zahlreiche Wagen dieser Bauform für den Verkehr in der geteilten Stadt zur Verfügung.<br />
Aber auch die Umbauwagen TM 31 US und TM 31 U werden nun vorgestellt<br />
Bei Kriegsende im Mai 1945 waren<br />
von den insgesamt 310 zwischen<br />
1926 und 1929 für die Berliner Straßenbahn<br />
gebauten Triebwagen mit<br />
Mitteleinstieg 83 Wagen als Totalschaden<br />
abzuschreiben. Den größten Anteil dabei<br />
hatte die Reihe TM 36 mit 56 Wagen, während<br />
nur 22 Wagen TM 33 und fünf Wagen<br />
TM 34 als Totalverlust anzusehen waren.<br />
Der verbliebene Bestand war jedoch meist<br />
ebenfalls mehr oder weniger beschädigt und<br />
musste mühselig und vielfach unter Materialmangel<br />
wieder behelfsmäßig betriebsfähig<br />
gemacht werden.<br />
Bei der politisch bedingten Trennung der<br />
BVG-Verwaltung Jahre im 1949 wurde der<br />
Wagenbestand zwischen beiden aufgeteilt.<br />
Das bedeutete, dass die Fahrzeuge jeweils in<br />
Ost oder West auf jenen Betriebshöfen verblieben,<br />
denen sie gerade zugeteilt waren. So<br />
verfügte die BVG-Verwaltung in West-Berlin<br />
über einen Bestand von 25 Wagen TM<br />
33; 22 Wagen TM 34 und 98 TM 36. Ihre<br />
Schäden konnten hier recht schnell beseitigt<br />
waren. Sie boten nun wieder das gewohnte<br />
Aussehen und wurden nur wenig<br />
verändert, dazu gehörte ab 1948 der Ersatz<br />
des Stangenstromabnehmers durch einen<br />
Scherenbügel.<br />
Erste Nachkriegs-Modernisierungen<br />
Eine Änderung der BO Strab bedingte in späteren<br />
Jahren den Einbau von Frischstrom-<br />
Schienenbremsen, Rückspiegeln für den<br />
Fahrer und doppelte beleuchtete Rücklichtlampen<br />
ab 1959. <strong>Die</strong> Wagen TM 34 wurden<br />
seit 1966 abgestellt, während die TM 33 und<br />
TM 36 bis zur Einstellung des Betriebes in<br />
West-Berlin im Oktober 1967 als letzte Typenreihe<br />
im Einsatz waren.<br />
Bei der BVG Ost verblieben insgesamt 71<br />
Wagen dieser drei Typenreihen, davon handelte<br />
es sich um neun TM 33 sowie um 22<br />
TM 34. Von der Reihe TM 36 waren 40 Wagen<br />
vorhanden. <strong>Die</strong> Fahrzeuge wurden hier<br />
bei insgesamt fünf Waggonfabriken in der<br />
SBZ/DDR aufgearbeitet. <strong>Die</strong>se Aufarbeitung<br />
erstreckte sich auf den Ausbau der Zugsteuerungen<br />
bei den TM 33 und 36, die nun<br />
nicht mehr im Verbund, sondern nur noch<br />
im Beiwagenbetrieb eingesetzt werden konnten.<br />
Teilweise erhielten sie neue Fahrschalter<br />
StNFB 1 oder ältere der Bauart FB 3. Verändert<br />
wurde die Sitzplatzanordnung und<br />
die neun TM 33 erhielten ebenfalls vorn<br />
rechts eine zusätzliche, einteilige Schiebetür.<br />
Alle drei Typenreihen boten in Ost-Berlin<br />
nach den Umbauarbeiten ein fast einheit -<br />
liches, aber manchmal etwas schäbiges<br />
Erscheinungsbild. Bei beiden Betriebsteilen<br />
44 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Berliner Mitteleinstiegswagen<br />
Zu Teil 1 in Heft 4/2013<br />
Im Teil 1 dieses Beitrages im <strong>STRASSENBAHN</strong> MA-<br />
GAZIN 4/2013 ist es zu einigen Ungenauigkeiten<br />
in den Bildunterschriften gekommen. So ist auf<br />
den Seiten 60/61 kein reiner TM36-Zug, sondern<br />
ein „Mischzug“ aus TM33 (Tw 3339) und einem<br />
TM36 zu sehen. Auf den Seiten 65 und 66 sind hingegen<br />
jeweils im Bild oben stets TM36-Wagen abgebildet.<br />
Als farbige Zeichnung ist auf Seite 62 natürlich der<br />
Typ TEM 26, nicht MEM zu finden.<br />
Fließtext auf Seite 66, linke Spalte, dritter Absatz:<br />
TM33 haben vorne rechts vor 1945 nie eine einflüglige<br />
Einstiegstür erhalten, sondern TM34.<br />
Zum auf Seite 62 in der Tabelle aufgelisteten Verbleib<br />
der einzelnen Wagen gibt es ebenfalls Korrekturbedarf.<br />
So waren von den TM 34 nicht sechs,<br />
sondern fünf Wagen als Kriegsverlust abzuschreiben.<br />
In Ost- und Westberlin verblieben jeweils 22<br />
Wagen dieses Typs, während der 50. TM 34 schon<br />
1942 zum „Apfelsinchen“ umgebaut worden war.<br />
Bei den 100 TM 31 U fehlt der Verbleib eines<br />
Wagens – er ist zu den nach der Zonenbildung in<br />
Westberlin genutzten Fahrzeugen zu addieren,<br />
deren Anzahl damit nicht 46, sondern 47 betrug.<br />
MANFRED POETHKE/AM<br />
Der Tw 3678 vom Typ TM 31 war in den 1950er-Jahren in einen Unfall verwickelt. Während er<br />
dabei „nur“ entgleiste, kippte der Bw 209 an der Ecke Turm-/Rathenower Straße sogar um<br />
wurde der Umbau auf Scherenstromabnehmer<br />
vorgenommen. Ab 1963 wurden insgesamt<br />
41 Wagen ausgemustert. Buchmäßig<br />
wurde ein großer Teil von ihnen zu Reko-Wagen<br />
„umgebaut“, aber fünf Wagen hielt man<br />
noch einige Zeit aus betriebstechnischen<br />
Gründen für den Liniendienst vor. Ab Anfang<br />
1971 wurden auch sie nicht mehr benötigt.<br />
22 Wagen richtete man zu Arbeitswagen her,<br />
einige von ihnen erhielten für besondere Einsätze<br />
Scharfenberg-Kupplungen.<br />
Bis heute erhaltene Wagen<br />
In beiden Teilen der Stadt wurden insgesamt<br />
13 Wagen aller drei Typen vor der Verschrottung<br />
ausgenommen, von denen heute<br />
noch elf erhalten sind – siehe Tabelle. <strong>Die</strong><br />
BVG in West-Berlin ließ insgesamt neun<br />
Triebwagen nicht verschrotten. Daran hatte<br />
nicht zuletzt der damalige BVG-Betriebsingenieur<br />
Wolfgang von Linstow große Verdienste.<br />
So entkamen je zwei Wagen TM 33<br />
bzw. TM 34 sowie fünf TM 36 in Westberlin<br />
(zunächst) dem Schneidbrenner. Der Tw<br />
3325 ziert das ehemalige LHB-Werksmuseum<br />
in Salzgitter, Tw 3344 fuhr einige Jahre auf<br />
dem Hochbahnviadukt in der Bülowstraße<br />
bis 1991 im Museumsbetrieb, heute ist er abgestellt.<br />
Zwei TM 34 (Tw 3813 und 3824)<br />
Offiziell als „Umbauten“ alter Berolina-Triebwagen entstand 1931/32 die Triebwagenserie<br />
TM 31 U. Der Tw 3649 war 1962 am Händelplatz auf der Linie 44 im Einsatz SLG. K.-H. GEWANDT (2)<br />
Der TM 33-Tw 3344 wurde ab 1978 für mehrere<br />
Jahre auf der damals stillgelegten Hochbahnstrecke<br />
im Zuge der Bülowstraße als<br />
Touristenattraktion eingesetzt, hier am 7. Februar<br />
1982<br />
K.-H. GEWANDT<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
45
Fahrzeuge<br />
Durch Umbauten entstanden ab 1936 immerhin 194 Triebwagen des Typs TM 36. Sie trugen die<br />
Wagennummern 3401 bis 3594. Sieben dieser Tw blieben weltweit erhalten<br />
Um ein Einzelstück handelte es sich beim Tw 3600. Unter Verwendung verschiedener Kleinteile<br />
eines 1899 gebauten „Berolina“ entstand er 1931 offiziell als „Umbauwagen“ (TM 31 US)<br />
Unter Verwendung von „Berolina“-Einzelteilen entstanden <strong>letzten</strong>dlich exakt 100 „Umbau -<br />
wagen“ des Typs TM 31 U. Davon blieb keiner erhalten K.-H. GEWANDT (3)<br />
wurden an zwei Kindergärten in Charlottenburg<br />
und Wilmersdorf abgegeben, fristeten<br />
dort aber ein eher trauriges Dasein und sind<br />
heute längst zerlegt. Lediglich die beiden<br />
Fahrschalter des 3824 fanden jedoch private<br />
Liebhaber und schmücken heute deren Heim.<br />
Der Tw 3412 (TM 36) fährt im Museum<br />
Kennebunkport (USA), während sich die Tw<br />
3487 und 3495 heute im Museum Schönberger<br />
Strand bei Kiel befinden. Der letztere<br />
steht dort nach langer Zeit des Verfalls<br />
kurz vor der fahrfähigen Wiederherrichtung.<br />
Denkmal auf Garagendach<br />
Der Wagen 3566 gehört – als letzter am 3.<br />
Oktober 1967 in West-Berlin verkehrender<br />
Wagen – zum Bestand des Deutschen Technik-Museums<br />
Berlin, während der Tw 3587<br />
im Jahre 1967 an einen Privatmann verkauft<br />
wurde, der ihn auf einem Garagendach untergebracht<br />
hat. Er ist heute an der früheren<br />
Endstelle der Linie 96 an der Machnower<br />
Schleuse als technisches Denkmal<br />
aufgestellt. Aufgrund fehlender Finanzmittel<br />
wies er lange Zeit einen hohen Verfallsgrad<br />
auf, inzwischen wird er jedoch äußerlich<br />
aufgearbeitet und soll Mitte Mai 2013<br />
fertiggestellt sein.<br />
In Ost-Berlin hatte sich zu DDR-Zeiten in<br />
den 1960er-Jahren eine Gruppe sehr rühriger<br />
und interessierter Straßenbahnfreunde<br />
zusammengefunden, historische Wagen zu<br />
erhalten und zu restaurieren. Aus dem Bestand<br />
der ausgemusterten Mitteleinstiegs-<br />
Arbeitswagen wurden insgesamt drei Fahrzeuge<br />
übernommen. Der Wagen TM 33, ex<br />
Arbeits-Tw A10 II , ex 721 009, erhielt seine<br />
Original-Nummer 3337 zurück und wurde<br />
1981 wieder einsatzfähig hergerichtet. Er gehört<br />
zur Sammlung der historischen Berliner<br />
Straßenbahnen und wird ebenso wie der TM<br />
34-Wagen 3802, ex Arbeits-Tw A9 II , ex<br />
721 008, der schon ein Jahr zuvor im Zustand<br />
von 1934 unter seiner Ursprungsnum -<br />
mer einsatzfähig war, vom Denkmalpflege-<br />
Verein Nahverkehr Berlin e.V. betreut.<br />
Der Wagen 3493 (TM 36), ex Arbeits-Tw<br />
A2 III , ex 721 002, wurde in den Zustand von<br />
etwa 1952 versetzt, also ohne die Starkstromkabel<br />
der Zugsteuerung. Weiter wurde<br />
von diesem Typ der Tw 3434 im Jahre<br />
1991 nach Amsterdam verkauft. Das Vorhaben,<br />
eines Tages einen funktionstüchtigen<br />
Mitteleinstiegzug vorzustellen zu können, ist<br />
bis heute nicht aufgegeben worden.<br />
<strong>Die</strong> »Umbauwagen« TM 31 U<br />
In die Abstellzeit der Schützenwagen – siehe<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 4/13 Seite<br />
60ff. – fällt die Entwicklung einer interessanten<br />
Serie von Mitteleinstiegs-Triebwagen,<br />
die man in gewisser Hinsicht als Vorläufer<br />
der „Reko-Praxis“ bei den BVB im Ost-Berlin<br />
späterer Zeit bezeichnen könnte, weil<br />
auch hier schon aus buchungstechnischen<br />
46 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Berliner Mitteleinstiegswagen<br />
Gründen Neubaufahrzeuge unter Verwendung<br />
von Ausrüstungsteilen alter Fahrzeuge<br />
als Umbauten deklariert worden waren.<br />
Nur Einzelteile von »Berolina«<br />
Um 1930 verfügte die BVG noch über eine<br />
große Anzahl zweiachsiger Altwagen des<br />
Typs „Berolina“, die aus dem Bestand ihrer<br />
Vorgängerbetriebe aus der Zeit der Jahrhundertwende<br />
stammten und technisch veraltet<br />
waren. Unter Verwendung von deren<br />
Motoren und Schaltgeräten entstanden bei<br />
der NAG (Nationale Automobil-Gesellschaft)<br />
in Berlin-Oberschöneweide eine Serie<br />
von 100 Mitteleinstieg-Triebwagen, auch<br />
hier mit eisernem Wagenkasten und Unterzug,<br />
die sich eng an Aussehen und Inneneinrichtung<br />
der Schützenwagen anlehnten. Auch<br />
die Konzeption mit seitlichem Fahrschalter<br />
und Sitzfahrer war gleich, lediglich die Sitzplatzanordnung<br />
Längs-/Quersitze mit 32<br />
Sitz- und 32 Stehplätzen war anders. Bei der<br />
elektrischen Ausrüstung wurden die Bero -<br />
lina-Fahrschalter FB 3 und deren Motore (je<br />
2 x USL 253) wiederverwendet. Das bedingte<br />
eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit der<br />
Wagen bezüglich Geschwindigkeit und Behängung<br />
mit Beiwagen.<br />
Vorausgegangen war die Entwicklung eines<br />
Probewagens (Tw 3300, später 3600 =<br />
TM 31 US), der sich in Kleinigkeiten von der<br />
Serienausführung unterschied. <strong>Die</strong> im Aussehen<br />
ausgereifteren Serienwagen, zunächst<br />
mit der Typenbezeichnung U 3 m und später<br />
TM 31 U erhielten die Nummern 3601<br />
bis 3700. <strong>Die</strong> Wagen 3604 und 3605 erhielten<br />
zeitweise Einrichtungen für Zugsteuerung,<br />
zusammen mit einem dazwischen laufenden<br />
vierachsigen Beiwagen vom Typ<br />
BDM 26. Mit ihnen wurden über einen längeren<br />
Zeitraum später aufgegebene Versuchsfahrten<br />
unternommen.<br />
Kein TM 31 U erhalten<br />
Den Krieg hatten von diesem Bautyp 17<br />
Triebwagen nicht überlebt und waren als Totalverlust<br />
zu verbuchen. Der BVG in West-<br />
Berlin verblieben bei der Verwaltungsaufteilung<br />
im Jahre 1949 47 Wagen, die ab 1949<br />
wie auch die TM 33, TM 34 und TM 36 mit<br />
Schienenbremsen ausgerüstet wurden und an<br />
den Stirnfronten je zwei beleuchtete Schlusslampen<br />
sowie Fahrerrückspiegel erhielten.<br />
Sie gehörten zu den ersten Wagen mit eisernem<br />
Wagenkasten, die unter den Schneidbrenner<br />
kamen. Anfang 1966 verschwanden<br />
sie aus dem West-Berliner Straßenbild.<br />
<strong>Die</strong> 36 bei der Ost-BVG verbliebenen Wagen<br />
dieser Baureihe wurden nach und nach<br />
unter den gleichen Kriterien wie die anderen<br />
Mitteleinstiegwagen modernisiert. Auch sie<br />
erhielten ebenfalls vorn rechts beim Fahrer<br />
je eine zusätzliche Einstiegtür. Ab 1966 wurden<br />
sie in das Reko-Programm einbezogen.<br />
KARL-HEINZ GEWANDT<br />
Mitte der 1970er-Jahre waren die Tw 3487 und 3495 in Hamburg-Bahrenfeld zu finden. 1976<br />
kamen sie zum Schönberger Strand, wo ein Tw nun einsatzfähig gemacht wird K.-H. GEWANDT (2)<br />
Der Tw 3493 (TM 36) wurde in den 1970er-Jahren von der BVG Ost in den Zustand der 1950er-<br />
Jahre zurückversetzt. Er gehört zur Sammlung der historischen Berliner Straßenbahnen<br />
Erhaltene Berliner Mitteleinstiegswagen<br />
Tw 3325 TM 33 Exponat im LHB-Museum Salzgitter (heute ALSTOM) 1<br />
Tw 3337 TM 33 betriebsfähig, Slg. der historischen Berliner Straßenbahnen, ex A10 II , ex 721 009 2<br />
Tw 3344 TM 33 Slg. der historischen Berliner Straßenbahnen – abgestellt in Niederschönhausen 2<br />
Tw 3412 TM 36 Museum Kennebunkport (USA)<br />
Tw 3434 TM 36 1991 an Museumstramlinie Amsterdam (RETM), ex A19 II , ex 721 018<br />
Tw 3487 TM 36 Museum Schönberger Strand<br />
Tw 3493 TM 36 betriebsfähig, Slg. der historischen Berliner Straßenbahnen, ex A2 III , ex 721 002 2<br />
Tw 3495 TM 36 Museum Schönberger Strand<br />
Tw 3566 TM 36 Deutsches Technik-Museum Berlin<br />
Tw 3587 TM 36 technisches Denkmal an der Machnower Schleuse<br />
Tw 3802 TM 34 betriebsfähig, Slg. der historischen Berliner Straßenbahnen, ex A 9 II , ex 721 008 2<br />
(Tw 3813 TM 34 Kindergarten Charlottenburg – vor 1990 zerlegt)<br />
(Tw 3824 TM 34 Kindergarten Wilmersdorf – vor 1990 zerlegt)<br />
1<br />
es handelt sich um ein regulär für die Öffentlichkeit nicht zugängliches Firmenmuseum<br />
2<br />
betreut durch Denkmalpflege-Verein Nahverkehr Berlin e.V., Tw im Straßenbahnbetriebshof Niederschönhausen<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
47
Fahrzeuge<br />
Mitte März ließ auch im Raum Ludwigshafen der Durchbruch des Frühlings noch auf sich warten – überall fanden<br />
sich noch Schneereste, als der mittägliche Zug aus 1018 und 1058 aus der Station Ellerstadt Ost ausfährt<br />
Hochflurig durch<br />
die Weinberge …<br />
Rhein-Haardtbahn-Gelenkzug<br />
im Planeinsatz <strong>Die</strong> RNV<br />
GmbH setzt von Zeit zu Zeit den<br />
Tw 1017 mit dem passenden<br />
Gelenk-Bw 1057 auf deren alter<br />
Stammstrecke nach Bad Dürkheim<br />
ein; für die Freunde dieser<br />
Hochflurwagen ein Genuss –<br />
aber nicht für alle Reisende<br />
Bei Mangel an einsatzfähigen Niederflurwagen<br />
setzt die Rhein-Neckar-Verkehr<br />
GmbH (RNV) seit einiger<br />
Zeit immer wieder einmal den<br />
von der Rhein-Haardtbahn (RHB) stammenden<br />
Triebwagen auf deren Stammstrecke<br />
von Bad Dürkheim nach Ludwigshafen<br />
in einem Umlauf ein. Es handelt sich dabei<br />
um den sechsachsigen Gelenktriebwagen<br />
1017 mit seinem charakteristischen Gelenkbeiwagen<br />
1057.<br />
Wenn auf den Zug zurückgegriffen wird,<br />
dann führt er morgens von Bad Dürkheim<br />
Bahnhof (Abfahrt 7.14 Uhr) nach Ludwigshafen-Oppau<br />
(Ankunft 8.08 Uhr). Anschließend<br />
wird in den Mannheimer Betriebshof<br />
Möhlstraße eingerückt und dort<br />
die vormittägliche Pause verbracht. Ungefähr<br />
12.25 Uhr fährt die Garnitur dann leer<br />
über Mannheim Hbf wieder nach Oppau,<br />
von wo anschließend 13.07 Uhr planmäßig<br />
zurück nach Bad Dürkheim gefahren wird.<br />
Nachdem die Endstelle am Bad Dürkheimer<br />
Bahnhof 14.04 Uhr erreicht wurde, wendet<br />
der Zug und rückt bis zum nächsten Morgen<br />
in den Betriebshof Bad Dürkheim ein.<br />
Mit eingleisiger Ortsdurchfahrt<br />
Auf der Fahrplanseite des Verkehrsverbundes<br />
Rhein-Neckar (VRN) kann dieser Umlauf<br />
unter der Liniennummer „4X“, als gesonderte<br />
Expresslinie zur regulären Linie 4<br />
Heddesheim – Mannheim – Ludwigshafen<br />
– Bad Dürkheim, eingesehen werden. <strong>Die</strong><br />
Bahnen halten dabei nicht an allen Haltestellen<br />
der Linie 4. <strong>Die</strong> Höhepunkte der abwechslungsreichen<br />
Fahrt liegen sicherlich<br />
OBEN RECHTS <strong>Die</strong> Arbeit ist getan – die<br />
Garnitur rückt aus Richtung Bad<br />
Dürkheim Bahnhof kommend in Kürze<br />
in den Betriebshof ein<br />
ALLE FOTOS: M. KOCHEMS<br />
RECHTS Oft fotografiert ist die<br />
eingleisige Ortsdurchfahrt in<br />
Ellerstadt, durch die sich auch<br />
der Hochflurzug mehrmals pro<br />
Tag schlängelt<br />
nach Verlassen des Ludwigshafener Stadtgebiets<br />
sowie generell auch im Gegensatz<br />
zwischen der Industriekulisse der riesigen<br />
BASF-Werke im Norden Ludwigshafens<br />
und der Überlandfahrt westlich von Oggersheim.<br />
Sehr bekannt und bei Fotografen<br />
sehr beliebt ist dort die eingleisige Ortsdurchfahrt<br />
in Ellerstadt. Sehr markant ist<br />
außerdem die Fahrt durch die ausgedehnten<br />
Weinanbaugebiete vor Bad Dürkheim, wo<br />
zwar mit Gönnheim und Friedelsheim auch<br />
noch zwei Stationen angefahren werden, die<br />
jedoch weit außerhalb der gleichnamigen<br />
Ortschaften liegen. MICHAEL KOCHEMS<br />
48 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
RNV-Gelenkzug 1017/1057<br />
49
Fahrzeuge<br />
Dem Anfang 2010 nach Dortmund gelieferten<br />
Tw 36 der DSW21 begegnete Fred Teppe<br />
im Mai 2011 am Borsigplatz<br />
Endlich komplett:<br />
47 Wagen für zwei Linien<br />
Der NGT8 der Dortmunder Stadtwerke Mit dem Stadtbahntunnel III kam 2007 eine neue<br />
Fahrzeuggeneration auf Dortmunds Gleise – erstmals in Niederflur- statt Hochflurbauweise. Nach<br />
Hochwasserschäden beim Hersteller und einem Unfall ist die Flotte seit März 2013 nun komplett<br />
50 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Dortmund: NGT8<br />
<strong>Die</strong> Aufnahme des ersten in Bautzen von Bombardier Transportation für Dortmund gebauten<br />
NGT8 entstand im Mai 2008 an der Ausfahrt vom Betriebshof Dorstfeld<br />
F. TEPPE<br />
Am 27. April 2008, dem Eröffnungstag der Linie U43, entstand im Bereich der Haltestelle „Am<br />
Zehnthof“ diese Aufnahme des Tw 2 – schon ohne Fahrgäste: der NGT8 war defekt B. ZANDER<br />
Nachdem die Stadtbahntunnel I (Linien<br />
U41, 45, 47, 49) und II (U42,<br />
46) bereits geraume Zeit in Betrieb<br />
waren, stand Anfang des Jahrtausends<br />
die Vollendung des Tunnels III für die<br />
U43 und 44 an. Da bei diesen beiden Linien<br />
Streckenverläufe im Straßenplanum liegen<br />
und gleichzeitig eine Abkehr von Streckenkürzungen<br />
vollzogen wurde, stellte sich die<br />
Frage nach dem einzusetzenden Fahrzeugmaterial<br />
neu. Galt bislang der Vorsatz, mit<br />
Hochflurwagen des Typs „B“ einen niveaugleichen<br />
Einstieg zu schaffen, so war klar,<br />
dass die Errichtung von Hochbahnsteigen an<br />
der zukünftigen Linien U43 und U44 selbst<br />
mit ausgeklügelten Baumaßen außerhalb der<br />
Tunnel nicht überall möglich sein würde. Zudem<br />
stand mittlerweile eine weiterentwickelte<br />
Technologie in Bezug auf Niederflurfahrzeugen<br />
bzw. Mittelflurwagen zur Verfügung.<br />
Grundlegender Gedanken bedurfte es mit<br />
Blick auf die bereits fertigen unterirdischen<br />
Stadtbahnhöfe Reinoldikirche und Kampstraße.<br />
Hier waren zu Bauzeiten der Tunnel<br />
I und II bereits Hochbahnsteige erstellt worden,<br />
da es sich hierbei um Kreuzungsbauwerke<br />
handelt. Ansonsten waren alle weiteren<br />
Entscheidungen zum Bau der beiden<br />
Linien als wesentlich flexibeler anzusehen.<br />
Für eine andere – neue, Fahrzeuggeneration<br />
sprachen viele Faktoren, die auch eine<br />
Zweiteilung des Netzes rechtfertigten.<br />
Mit einer Fahrzeugbreite von nur 2,40<br />
Metern gegenüber den 2,65 Metern der B-<br />
Wagen war es problemlos möglich, die vorhandenen,<br />
teilweise eingleisigen Außenstrecken<br />
zu erhalten – also eine Kappung in<br />
Brackel bzw. Dorstfeld zu vermeiden. Ebenso<br />
konnte die Strecke zur Westfalenhütte<br />
weiterbetrieben werden. Auch dort stiegen<br />
bereits vor dem Eintreffen neuer Wagen die<br />
Fahrgastzahlen deutlich. Damit war der Erhalt<br />
aller drei Streckenäste gegeben.<br />
Der Neubeschaffung eines 2,40 Meter<br />
breiten Wagentyps erschien als sehr sinnvoll.<br />
Auf der Weststrecke zwischen der Haltestelle<br />
Poth in Dorstfeld und Marten verläuft die<br />
Gleistrasse eingleisig mit Ausweiche in Mittellage<br />
einer Straße. Hier hätten breitere<br />
Wagen immense Probleme mit entgegenkommenden<br />
oder parallel fahrenden Lkw<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
51
Fahrzeuge<br />
<strong>Die</strong> NGT8 der DSW21 gehören zur Flexity Classic-Familie. Sie basieren auf den von Bombardier<br />
Transportation für Frankfurt (Main) entwickelten Fahrzeugen dieses Typs. Sehr gut sichtbar<br />
ist auf der grob bemaßten Typenskizze die Anordnung der Drehgestelle BOMBARDIER TRANSPORTATION<br />
<strong>Die</strong> Flexity Classic bieten einen 70-%-Niederfluranteil. <strong>Die</strong> für Dortmund gebauten 47 Wagen<br />
wirken im Inneren hell und freundlich, die Sitzbezüge passen zu den Unternehmensfarben<br />
Der Arbeitsplatz der Fahrer ist im NGT8 übersichtlich gestaltet. Ein zusätzlicher Monitor überträgt<br />
dem Fahrer das Geschehen aus den Einstiegsbereichen F. TEPPE (3)<br />
Technische Daten<br />
Flexity Classic – Typ Dortmund<br />
Bauart . . . . . . . . . . . . . . . . . achtachsiger 70 %-<br />
„Niederflurzweirichtungswagen“<br />
Typ. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . NGT8<br />
Radsatzfolge . . . . . . . . . . . . . . . Bo’ + 2’ 2’+Bo’<br />
Spurweite. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1.435 mm<br />
maximale Geschwindigkeit . . . . . . . . . . 70 km/h<br />
Beschleunigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,2 m/s 2<br />
Bremsverzögerung . . . . . . . . . . . . . > 1,2 m/sec 2<br />
Notbremsung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,73 m/sec 2<br />
Netzspannung . . . . . . . . Gleichstrom 750/600 V<br />
Fahrzeuglänge über Kupplung . . . . . 31.000 mm<br />
Wagenkastenlänge<br />
über Prallelement. . . . . . . . . . . . . . . 30.040 mm<br />
Wagenkastenbreite über Blech . . . . . 2.400 mm<br />
Wagenkastenhöhe über SO . . . . . . . . 3.540 mm<br />
Drehgestellachsabstand . . . . . . . . . . . 1.800 mm<br />
Fußbodenhöhe<br />
über SO . . . . . . . . . . . . 400 mm (70 %)/620 mm<br />
Fahrzeugmasse. . . . . . . . . . . . . . . . . . 41.700 kg<br />
Sitzplätze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 + 7<br />
Stehplätze (4 Personen/m 2 ) . . . . . . . . . . . . . 114<br />
Raddurchmesser neu/abgenutzt. . . 600/520 mm<br />
Antrieb. . . . . . . . . . . . . vier 105-kW-Drehstrom-<br />
Asynchronmotoren<br />
verursacht. Ähnliches gilt auch für die Oststrecke<br />
zwischen Schleife Brackel und Wickede<br />
Bahnhof mit den eingleisigen, in Seitenlage<br />
befindlichen, Streckenführungen.<br />
Allenfalls die heutige U44 zur Westfalenhütte<br />
wäre einfacher umzustellen gewesen.<br />
Zu alledem kam, dass die Erstellung barrierefreier<br />
Einstiege unter Nutzung eines<br />
Mittelflurwagens deutlich einfacher und<br />
schneller realisierbarer wurde. Auf den langen<br />
eingleisigen, oftmals in Seitenlage befindlichen<br />
Gleisverläufen kann daher auch<br />
keineswegs immer ein durchgehender Bahnsteig,<br />
gleich in welcher Höhe, erstellt werden,<br />
sind doch Hauseinfahrten und andere<br />
Querungen zu beachten. Eine brauchbare<br />
52 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Dortmund: NGT8<br />
Der im August 2009 nach Dortmund gekommene Tw 28 ist am 2. September 2011 in Doppeltraktion mit einem Schwesterwagen auf der Linie<br />
U43 unterwegs. In Asseln haben die beiden NGT8 die Haltestelle Am Hagedorn erreicht F. TEPPE (3)<br />
Zur Bildung einer NGT8-Doppeltraktion müssen vom Personal die Abdeckschürzen<br />
per Hand hochgeklappt werden. <strong>Die</strong> Scharfenbergkupplungen<br />
sind gefedert<br />
Im Januar 2010 gab es im Betriebshof Dorstfeld diese Parade Dortmunder<br />
Wagen: der aus einem N8 entstandene ATw 902, der GT8 Nr.<br />
13, der NGT8 Nr. 33 sowie rechts im Depot der Lenkdreiachser 279<br />
Alternative stellen hierzu nur teilerhöhte<br />
Haltestellenbereiche dar. Grundlage ist natürlich,<br />
dass stets die gleiche Tür eines Zuges<br />
einen barrierefreien Zugang darstellt.<br />
Hierzu wurde die vordere Tür ausgewählt.<br />
An Haltestellen mit eben solcher Einschränkung<br />
gegenüber einem langen, durchgehenden<br />
Bahnsteig wurde nur der Bereich<br />
der Vordertür erhöht ausgebaut, was zumeist<br />
recht problemlos zwischen zwei<br />
Hauszufahrten Platz findet. Unter Berücksichtung<br />
solcher Vorgaben konnte man sich<br />
auf einen Mittelflurwagen einigen, nicht jedoch<br />
auf einen Niederflurwagen. Hier ließen<br />
sich die bereits fertigen Stadtbahnhöfe<br />
Reinoldikirche und Kampstraße nicht anpassen,<br />
da dies erhebliche bis unmögliche<br />
Eingriffe in die Bausubstanz und deren Statik<br />
verursacht hätte. Unter Berücksichtigung<br />
dieses Umstandes kam es endgültig zur Ausschreibung<br />
und Bestellung eines Mittelflurwagens.<br />
In den beiden unterirdischen Bahnhöfen<br />
(an der Reinoldikirche liegt der<br />
Bahnsteig der Linien U43 und U44 über den<br />
Bahnsteigen der Linien U42 und U46; an<br />
der Kampstraße liegt der Bahnsteig der<br />
U43/U44 in der untersten Ebene unter den<br />
Linien U41, U45, U47 und U49) mussten<br />
die bereits erstellten Hochbahnsteige angepasst<br />
werden, sei es durch Senkung derer<br />
Bauhöhe und/oder durch Unterfütterung<br />
der Gleise, so dass der Wagenboden sich der<br />
vorhandenen Bahnsteigkante entgegen bewegte.<br />
Eine Option, die ebenso sinnvoll, wie<br />
vertretbar war.<br />
<strong>Die</strong> Ausschreibung der neuen Wagen<br />
Einige Vorgaben an die neuen Wagen waren<br />
unumstößlich: Es musste sich um ein mehrfachtraktionsfähiges<br />
Fahrzeug mit einer<br />
Breite von maximal 2,40 Meter handeln. Es<br />
musste ein Zweirichtungswagen sein, da die<br />
Endstellen keine Wendeschleifen aufweisen,<br />
zudem waren Türen auf beiden Wagenseiten<br />
notwendig, da bereits mittig zwischen<br />
den Gleisen liegende Bahnsteige im Tunnel<br />
vorhanden waren. <strong>Die</strong> „Neuen“ mussten<br />
während der Übergangszeit gemeinsam mit<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
53
Fahrzeuge<br />
In der Dortmunder Innenstadt ist die Linie U43 unterirdisch geführt. Am 10. Mai 2012 entstand in der Haltestelle Westentor diese Aufnahme<br />
des zu diesem Zeitpunkt drei Jahre eingesetzten Tw 19. Er war Mitte Januar 2009 in <strong>Die</strong>nst gestellt worden<br />
P. KRAMMER<br />
<strong>Die</strong> Ankunft des oben abgebildeten Tw 19 in Dortmund hielt Fred<br />
Teppe am 17. Januar 2009 vor dem Betriebshof Dorstfeld noch auf<br />
dem Tieflader in der Huckarder Allee im Bild fest<br />
F. TEPPE<br />
Kuriose Anlieferung<br />
In die Rubrik „Kuriositäten“ fällt die Anlieferung des Triebwagen 19.<br />
Der mit dem NGT8 als Schwertransport verkehrende Tieflader schaffte<br />
es am Freitag, dem 9. Januar 2009, nicht, den Betriebshof Dorstfeld bis<br />
6 Uhr morgens zu erreichen. <strong>Die</strong> Polizei verwehrte dem Tieflader daraufhin<br />
die Weiterfahrt, doch um eine Sondergenehmigung zum Zurücklegen<br />
der <strong>letzten</strong> Meter kümmerte sich anschließend jedoch scheinbar<br />
niemand!<br />
So blieb der Tieflader wenige Hundert Meter vor seinem Ziel stehen<br />
und verbrachte das Wochenende mit seinem Ladegut bei Eis und<br />
Schnee auf einer abgelegenen Vorstadtstraße in Dortmund. Erst in der<br />
Nacht vom nächsten Montag zum <strong>Die</strong>nstag erreichte der Tw 19 dann<br />
seine neue Heimat.<br />
BZ<br />
Für Transporte<br />
werden die NGT8<br />
im Bereich der<br />
Drehgestelle auf die<br />
Tieflader geschnallt.<br />
<strong>Die</strong> dafür geöffneten<br />
Verkleidungsklappen<br />
lassen<br />
einen Blick auf diese<br />
sonst verdeckten<br />
Baugruppen zu<br />
B. ZANDER<br />
den vorhandenen Stadtbahnwagen N8C<br />
einsetzbar sein, was wiederum voraussetzte,<br />
dass sie sowohl noch unter 600 Volt als<br />
auch nach dem Ausscheiden der N8C unter<br />
750 Volt verkehren konnten. Eine weitere<br />
Vorgabe war das Vorhandensein einer Klimaanlage,<br />
einer abgeschlossenen Fahrerkabine<br />
und – ganz wesentlich – es sollte ein<br />
Drehgestellfahrzeug mit Stahlaufbau werden.<br />
Auch sollten klassische Antriebe zum<br />
Einbau kommen, weshalb ein Wagen mit<br />
nur ca. 70 Prozent Mittelflur infrage kam.<br />
Da bei Niederflur-/Mittelflurfahrzeugen<br />
die Verwendung eines Jakobdrehgestells<br />
bautechnisch weitestgehend ausscheidet,<br />
wurden die Laufdrehgestelle unter den Mittelwagen<br />
verlegt, wodurch bei ähnlicher<br />
Hüllkurve gleichzeitig eine größere Fahrzeuglänge<br />
mit höherer Kapazität ermöglicht<br />
54 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Dortmund: NGT8<br />
Im Vorfeld des Betriebshofes Dortmund-Dorstfeld hielt Fred Teppe am 25. April 2009 die Begegnung des auf der Linie U44 eingesetzten Triebwagen<br />
18 (links) und des an diesem Tag auf der U43 verkehrenden Triebwagen 3 (Baujahr 2007) fest<br />
wird. Somit „ruhen“ die außenliegenden<br />
Fahrzeugteile mittels Gelenkkonstruktion<br />
auf dem Mittelwagen.<br />
Erfahrungen mit Nieder- bzw. Mittelflurwagen<br />
gab es nun bei anderen Betrieben<br />
schon. Ein ähnlicher Wagen, der in die engere<br />
Wahl kam, verkehrte bereits in Frankfurt<br />
am Main (Typ S). Im Rahmen der Ausschreibungen<br />
bekam Bombardier den<br />
Zuschlag zum Bau von 47 Flexity Classic<br />
mit der Option auf weitere fünf Wagen. Gebaut<br />
wurden die Wagen bei Bombardier in<br />
Bautzen.<br />
Der lange Weg zum neuen Fahrzeug<br />
Nach überdurchschnittlich langen Verhandlungen<br />
wurden im Dezember 2005 der<br />
Vertrag zwischen Bombardier und den<br />
DSW21 unterzeichnet. <strong>Die</strong> 47 Wagen sollten<br />
rund 108 Mio. Euro kosten, jedoch mit<br />
Gleitwertklausel, die steigende Zuliefererkosten<br />
weiter gibt. Somit haben die DSW<br />
mit rund 120 Mio. Euro gerechnet. Der Einsatz<br />
sollte ab 2008 erfolgen. Der letzte Wagen<br />
wurde in 2010 erwartet. Im Mai 2007<br />
wurde im Werk Bautzen der erste Wagenkasten<br />
mit seinen Fahrwerken vereint, der<br />
erste Wagen war somit hergestellt. Am 20.<br />
August 2007 wurde in Bautzen der erste<br />
NGT8 von den Mitarbeitern der DSW21<br />
abgenommen. Am 28. September 2007 traf<br />
dann der erste NGT8 (Wagen 1) in Ermangelung<br />
eines Gleisanschlusses auf einem<br />
Straßentieflader in Dortmund ein.<br />
Neben Einstellfahrten, Schulungsfahrten<br />
und Abnahme durch die Aufsichtsbehörde<br />
standen nun reichlich Arbeiten an. Getestet<br />
Anlieferung der NGT8<br />
1. . . . . . . . . 28.09.2007<br />
2. . . . . . . . . 31.10.2007<br />
3. . . . . . . . . 07.11.2007<br />
4. . . . . . . . . 18.12.2007<br />
5. . . . . . . . . 04.01.2008<br />
6. . . . . . . . . 06.02.2008<br />
7. . . . . . . . . 27.02.2008<br />
8. . . . . . . . . 14.03.2008<br />
9. . . . . . . . . 09.04.2008<br />
10. . . . . . . . 06.05.2008<br />
11. . . . . . . . 29.05.2008<br />
12. . . . . . . . 19.06.2008<br />
13. . . . . . . . 11.07.2008<br />
14. . . . . . . . 15.08.2008<br />
15. . . . . . . . 10.09.2008<br />
16. . . . . . . . 30.09.2008<br />
17. . . . . . . . 23.10.2008<br />
18. . . . . . . . 26.11.2008<br />
19. . . . . . . . 12.01.2009<br />
20. . . . . . . . 16.01.2009<br />
nach Unfall an Bombardier<br />
➔ Flutopfer<br />
Baut zen, i.E. März 2013<br />
21. . . . . . . . 13.02.2009<br />
22. . . . . . . . 05.03.2009<br />
23. . . . . . . . 27.03.2009<br />
wurde unter 750 Volt in der Betriebspause<br />
der Tunnel I und II, wobei sich zeigte, dass<br />
der Schalter für die Umschaltung zwischen<br />
den unterschiedlichen Betriebsspannungen<br />
recht träge war, was zu Schäden führte, so<br />
dass später nur unter gleicher Voltzahl getestet<br />
wurde. Neben Regenwassereinbrüchen<br />
ins Wageninnere und in die Technik<br />
durch schlecht geschützte Kabeldurchführungen<br />
kamen reichlich „Kinderkrankheiten“<br />
zum Vorschein.<br />
Am 19. April 2008 wurde der Bevölkerung<br />
im Bahnhof Reinoldikirche der Wagen<br />
5 vorgestellt. Der Ersteinsatz erfolgte am<br />
Sonntag, den 27. April 2008, mit der Inbetriebnahme<br />
des West-Ost-Tunnels, da vorher<br />
ein Einsatz nicht möglich war – im Straßenbahnbereich<br />
der Innenstadt gab es<br />
aufgrund der Gleisführung zu viele Möglichkeiten<br />
zu einer Wagenberührung. Deshalb<br />
ist bisher kein NGT8 auf den Linien<br />
24. . . . . . . . 22.04.2009<br />
25. . . . . . . . 15.05.2009<br />
26. . . . . . . . 12.06.2009<br />
27. . . . . . . . 06.07.2009<br />
28. . . . . . . . 13.08.2009<br />
29. . . . . . . . 27.08.2009<br />
30. . . . . . . . 18.09.2009<br />
31. . . . . . . . 16.10.2009<br />
32. . . . . . . . 11.11.2009<br />
33. . . . . . . . 03.12.2009<br />
34. . . . . . . . 06.01.2010<br />
35. . . . . . . . 22.01.2010<br />
36. . . . . . . . 17.02.2010<br />
37. . . . . . . . 10.03.2010<br />
38. . . . . . . . 08.04.2010<br />
39. . . . . . . . 29.04.2010<br />
40. . . . . . . . 20.05.2010<br />
41. . . . . . . . 16.06.2010<br />
42. . . . . . . . 08.07.2010<br />
43 . . Flutopfer Bautzen,<br />
geliefert 2012<br />
44. . . . . . . . 25.10.2010<br />
45. . . . . . . . 08.12.2010<br />
46. . . . . . . . 10.03.2011<br />
47 . . Flutopfer Bautzen,<br />
geliefert 2012<br />
403 und/oder 404 im Einsatz gewesen. Mit<br />
Inbetriebnahme der U43 und U44 am 27.<br />
April 2008 kamen die ersten NGT8 in den<br />
Linienverkehr. Wie bei Neuwagen üblich –<br />
mit den Kinderkrankheiten der Technik, so<br />
dass bereits am ersten Tag etliche Ausfälle<br />
zu verzeichnen waren.<br />
Der Alltagseinsatz beginnt<br />
Eine häufige Störung waren Bügel- und<br />
Fahrleitungsschäden, da diese nicht optimal<br />
zueinander passten. Für den Fahrgast gab es<br />
ebenfalls etliche Punkte, die sich als nicht<br />
optimal darstellten. Neben sich extrem spät<br />
und langsam öffnenden Türen störte – und<br />
stört immer noch – die Sitzplatzbreite.<br />
Zudem stellen sich die NGT8 als wahre<br />
Lärmverursacher dar. Mehrere Anwohner<br />
entlang der befahrenen Strecken beschwerten<br />
sich. Um den zahlreichen Beschwerden<br />
sowie einem verstärkten Verschleiß entge-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
55
Fahrzeuge<br />
<strong>Die</strong> Ortsausfahrt Dorstfeld im Juli 2010 mit dem zu diesem Zeitpunkt erst zwei Monate alten Tw 40. <strong>Die</strong> „Kinderkrankheiten“ an den für Dortmund<br />
gebauten NGT8 hatte das Bombardierwerk Bautzen zu diesem Zeitpunkt bereits weitestgehend beseitigt<br />
Für den absolut barrierefreien Zugang in die<br />
NGT8 entstanden in Dortmund mehrere „Haltestellen-Podeste“,<br />
so auch an der Endstelle<br />
der U44 in Marten, wo im September 2011<br />
gerade Tw 16 hält F. TEPPE (2)<br />
genzuwirken, begann man Teflonscheiben<br />
in die Fahrwerke einzusetzen, um den Federweg<br />
zu verändern, was an den deutlich<br />
sichtbaren hellen Scheiben unter den Federn<br />
erkennbar ist.<br />
Pleiten, Pech und Pannen<br />
Am 14. Mai 2008 veröffentlichte die Lokalpresse,<br />
dass die DSW nicht viel Freude<br />
an den neuen Wagen haben, zumal wenige<br />
Tage zuvor im Tunnel ein Schwelbrand wegen<br />
eines „wundgescheuerten“ Kabels einen<br />
Wagen stillgelegt hatte, woraufhin die<br />
NGT8 erst einmal abgestellt wurden. Im<br />
Dezember verkündet der Vorstand in der<br />
Lokalpresse, dass die neuen Wagen „rund<br />
laufen“. Gleichzeitig wurden permanent die<br />
Schienen geschliffen, damit den Anwohnerklagen<br />
gegen den Lärm ein Teil der Grundlagen<br />
genommen wurde.<br />
Ein heißer Sommer 2010 „erlegte“ etlicher<br />
Wagen. Neben mangelnder Qualität<br />
machte sich in den NGT8 auch mangelnde<br />
Zu den wenigen mit Werbung versehenen<br />
Fahrzeugen der DSW21 gehört der 2008 gebaute<br />
Triebwagen 11. Damit war der NGT8<br />
bereits mehrfach im <strong>STRASSENBAHN</strong> MAGA-<br />
ZIN zu finden<br />
M. KOCHEMS<br />
56 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Dortmund: NGT8<br />
Eine Ellok aus Brandenburg und zwei NGT8 aus Bautzen (vorn Tw 17) ließen sich am 17. September 2009 am Haltepunkt Dortmund-Wickede<br />
gemeinsam fotografieren. Für die Erprobung der Ellok ließ sich die Reichsbahn einst mehrere Jahre Zeit, eher der Serienbau startete ... F. TEPPE<br />
Kommentar aus Fahrgastsicht<br />
Für den Fahrgast gibt es mehrere Punkte, die sich<br />
beim NGT8 als nicht optimal darstellen. Selbst<br />
schmalhüftige Personen können auf den Doppelsitzen<br />
nebeneinander nur bedingt angenehm<br />
Platz nehmen, Personen mit sportlichen Schulterbreiten<br />
haben gar keine Chance. Hier haben viele<br />
Fahrgäste eigene Abhilfe gefunden; man setzt<br />
sich auf den Gangplatz, denn kaum einer wird<br />
sich dann zwischen Fenster und belegten Gangplatz<br />
quetschen.<br />
<strong>Die</strong> Klimatisierung der Wagen ist sehr gut, aber<br />
die Luftschächte verlaufen als Auswölbung auf<br />
den Stegen zwischen den Fenstern und engen die<br />
Sitzplatzbreite nochmals ein. Ärgerlich sind bis<br />
heute Fahrzeugausfälle bei knappem Bestand, mit<br />
der Folge, dass statt Doppeltraktionen häufig Solowagen<br />
zum Einsatz kamen und kommen, was in<br />
Stabilität bemerkbar. Ein langsam entgleister<br />
Wagen mit einem verkanteten Drehgestelle<br />
ließ erheblichen Verzug am Wagen erkennen<br />
– und ein Auffahrunfall mit mäßiger<br />
Geschwindigkeit in einer Gleisschleife ließ<br />
den betroffen Wagen zum wirtschaftlichen<br />
Totalschaden werden.<br />
Nach längerer Standzeit wurde der Wagen<br />
20 nach Bautzen geschickt, da er vor<br />
Ort nicht wiederherzustellen war, und man<br />
scheinbar beim Hersteller selbst Erkenntnisse<br />
sammeln wollte. Beim Hochwasser im<br />
Februar 2011 erlitt er wie die damals noch<br />
den vergangenen Jahren regelmäßig zu Unmut<br />
unter den Fahrgästen führte und immer noch führt.<br />
Zudem stellen sich die NGT8 als wahre Lärmverursacher<br />
dar, dem mit permanentem Schienenschleifen<br />
versucht wird entgegenzuwirken. Selbst<br />
den Kommentator verleitete das zu einem Leserbrief<br />
in der Lokalpresse, der Anlehnung an eine<br />
ehemalige Kindersendung im Fernsehen den Titel<br />
trug „Ene mene Miste, da kommt ’ne Rappelkiste“<br />
(siehe auch SM 05/2012, S.13, zum Thema Graz).<br />
Um den zahlreichen Beschwerden der Nutzer<br />
und Anlieger sowie einem verstärkten Verschleiß<br />
entgegenzuwirken, begann man Teflonscheiben in<br />
die Fahrwerke einzusetzen, um den Federweg zu<br />
verändern, was an den deutlich sichtbaren hellen<br />
Scheiben unter den Federn erkennbar ist.<br />
BERND ZANDER<br />
im Bau befindlichen Tw 43 und 47 großen<br />
Schaden. Währen letztere beiden Tw im<br />
November 2012 in Dortmund eintrafen,<br />
kehrte Tw 20 im März fast völlig neugebaut<br />
Ende März 2013 zurück.<br />
Als ein Kleintransporter frontal einen<br />
NGT8 traf, bohrte sich eine eingeklappte<br />
Kupplung durch den Boden des Fahrerstandes.<br />
Auch andere Unfälle zeigten an den<br />
Wagen deutlich größere Folgen, als bei Bahnen<br />
älterer Bauart. Allein die seitens des<br />
Herstellers garantierte Verfügbarkeit der<br />
Wagen scheint recht gut eingehalten zu wer-<br />
den, allerdings ist/war Bombardier auch im<br />
hiesigen Betriebshof vor Ort vertreten.<br />
Resümee nach fünf Jahren Einsatz<br />
Auch fünf Jahre nach der Erstinbetriebnahme<br />
kommt es wiederholt zu Fahrzeugausfällen,<br />
mit der Folge, dass statt Doppeltraktionen<br />
häufig Solowagen zum Einsatz<br />
kommen, was dann sehr wohl zu Unmut<br />
unter den Fahrgästen führt.<br />
<strong>Die</strong> noch vorhandenen Vorgängerfahrzeuge<br />
vom Typ N8C sind alle an Danzig abgegeben<br />
worden. <strong>Die</strong> NGT8 müssen die Fahrten<br />
auf der U43 und U44 längst allein<br />
bestreiten. Neben der geforderten Barrierefreiheit,<br />
die noch lange nicht erreicht ist, verkehren<br />
auch weiterhin Solowagen, wo Doppeltraktionen<br />
fahren sollten. Hier scheinen<br />
die Optionswagen, die nie gezogen wurden,<br />
zu fehlen. <strong>Die</strong> Politik fordert weitere umgerüstete<br />
Haltestellen, nur das notwendige<br />
„Kleingeld“ wird dafür nicht bereitgestellt.<br />
Der Fahrgast schätzt an heißen Sommertagen<br />
die Klimaanlage, ärgert sich aber nach<br />
wie vor sehr über die Sitzplatzbreite. Hier haben<br />
viele Fahrgäste eigene Abhilfe gefunden;<br />
man setzt sich auf den Gangplatz, denn kaum<br />
einer wird sich dann zwischen Fenster und<br />
belegten Gangplatz quetschen. Ob diese Wagen<br />
je das Alter ihrer Vorgängertypen erreichen,<br />
muss sich erst noch zeigen – denn auch<br />
im Wageninneren schreitet das Rappeln von<br />
nicht mehr ganz festsitzenden Kunststoffteilen,<br />
Sitzflächen usw. deutlich wahrnehmbar<br />
voran. BERND ZANDER/FRED TEPPE<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
57
Geschichte<br />
58 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Düsseldorf<br />
Einst&Jetzt<br />
<strong>Die</strong> ursprüngliche Oberkasseler Brücke wurde als erste<br />
feste Düsseldorfer Rheinbrücke für den Individualverkehr<br />
zwischen 1896 und 1898 durch die Rheinische<br />
Bahngesellschaft AG erbaut. Sie diente nicht nur<br />
als Rheinquerung für die neue elektrische Kleinbahn<br />
Düsseldorf – Krefeld (heutige U76), sondern auch generell<br />
zum Anschluss der neuen linksrheinischen<br />
Stadtteile.<br />
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke zerstört,<br />
1948 ging eine kastenförmige Behelfsbrücke in<br />
<strong>Die</strong>nst. <strong>Die</strong>ses Provisorium wurde trotz seiner geringen<br />
Kapazität – es gab nur eine Fahrspur pro Richtung,<br />
die sich ÖPNV und Individualverkehr teilen<br />
mussten – bis zur provisorischen Inbetriebnahme der<br />
neuen Konstruktion 1974 genutzt. Nach Abriss der<br />
Behelfsbrücke wurde die neue Brücke im April 1976<br />
in einer viel beachteten Aktion in seine heutige Lage<br />
verschoben.<br />
Als 1973 die historische Aufnahme entstand, war<br />
die im Hintergrund sichtbare neue Brückenkonstruktion<br />
bereits zu einem großen Teil fertiggestellt und der<br />
ehemalige Neusser Triebwagen verlässt auf der Linie<br />
E5 gerade die alte Brücke. Der Aufnahmezeitpunkt<br />
liegt wahrscheinlich in der zweiten Jahreshälfte. Damals<br />
fuhren neben der Linie 5 und ihrer Verstärkerlinie<br />
außerdem die Straßenbahnlinien 10 und 15 sowie die<br />
Fernlinie K über die Brücke.<br />
40 Jahre später – auf der Aufnahme vom 18. März<br />
2013 – rollen nur noch Stadtbahnzüge über die neue<br />
Oberkasseler Brücke. Das ist auf ihr nun schon wieder<br />
fast ein Vierteljahrhundert üblich – seitdem am 6. August<br />
1988 der Verkehr durch den neuen Innenstadttunnel<br />
aufgenommen wurde. Aktuell führen die Linien<br />
U70, U74, U75, U76 und U77 über die Brücke.<br />
TEXT UND NEUE AUFNAHME: MICHAEL KOCHEMS<br />
HISTORISCHE AUFNAHME: OLAF GÜTTLER<br />
59
Geschichte<br />
Großer Kahlschlag 1983<br />
Vor 30 Jahren: Einstellungswelle bei der Münchner Straßenbahn Am 28. Mai 1983 ging<br />
in Bayerns Landeshauptstadt die 3,3 km lange U1 in Betrieb. Zeitgleich endete der Betrieb auf drei<br />
Tramlinien mit ca. 10 km Länge – ein Etappenziel auf dem Weg zur geplanten Gesamteinstellung?<br />
Der Samstag, 28. Mai 1983, gilt als<br />
ein schwarzer Tag in der Geschichte<br />
der Münchner Trambahn. Damals<br />
eröffneten die Verkehrsbetriebe<br />
die nur 3,3 Kilometer lange U1 zwischen<br />
Hauptbahnhof und Rotkreuzplatz und stellten<br />
gleichzeitig drei Straßenbahnlinien mit<br />
rund zehn Kilometer Strecke ein:<br />
• die letzte Linie mit einziffriger Nummer,<br />
die „Vierer“ (Maximiliansplatz – Hanauer<br />
Straße)<br />
• die 17 auf kompletter Länge zwischen<br />
dem Wettersteinplatz in Obergiesing und<br />
dem Romanplatz in Nymphenburg (inklusive<br />
der Zirkus-Krone-Schleife)<br />
• die 21 (Maximiliansplatz – Amalienburgstraße)<br />
Auch die innerstädtische Wendeschleife am<br />
Maximiliansplatz mit der Zulaufstrecke ab<br />
Lenbachplatz wurde aufgegeben. Damit<br />
dünnte sich das Trambahnnetz vor allem im<br />
Nordwesten der Stadt deutlich aus: Weder<br />
durch die Arnulfstraße noch durch die<br />
Nymphenburger Straße fuhren noch Trambahnen<br />
und auch der Stadtteil Gern verlor<br />
seine Straßenbahn.<br />
Eine kurzzeitig in Erwägung gezogene Bedienung<br />
des Südabschnittes der 17 durch die<br />
Linie 15 verwarfen die Verkehrsbetriebe wegen<br />
zu hoher Kosten und der anstehenden<br />
Sanierung der Wittelsbacherbrücke bald<br />
wieder. Erwähnt sei noch, dass mit dem 28.<br />
Mai 1983 auch der letzte Vertreter aus der<br />
Serie der M3-Treibwagen (Baujahre 1953–<br />
55) aus dem Betrieb genommen wurde.<br />
Rotstift auch im Vormonat<br />
Bereits im April 1983 war die 16 im Abschnitt<br />
Harras – Lorettoplatz der neu eröffneten<br />
IGA-U-Bahn (U6-Verlängerung vom<br />
Harras nach Holzapfelkreuth) zum Opfer<br />
gefallen, da sie kein eigenes Quellaufkommen<br />
mehr aufwies. Außerdem hatte der<br />
Werkausschuss des Stadtrats am 7. Dezember<br />
1982 – entgegen ursprünglicher Zusagen<br />
– mehrheitlich beschlossen, aus finanziellen<br />
Gründen den Straßenbahnbetrieb<br />
auf dem Streckenabschnitt Effnerplatz –<br />
Cosimapark, der wegen des Baus der U4<br />
seit Mai 1980 im Schienenersatzverkehr betrieben<br />
wurde, nicht wieder aufzunehmen.<br />
Erneut hatte damit der Bau des U-Bahn-<br />
Netzes seit 1971 einen gravierenden Eingriff<br />
ins traditionelle Trambahnnetz nach sich<br />
gezogen. Liegen doch in der Nymphenburger<br />
Straße die Ursprünge der Münchner<br />
Trambahn. Nächst der heutigen U-Bahn-<br />
Station Maillingerstraße befand sich der<br />
Endpunkt der 1876 eröffneten Pferdebahn<br />
Promenadeplatz – Stadtgrenze.<br />
Auch Münchens einzige Dampftrambahn<br />
vom Stiglmaierplatz zum Volksgarten in<br />
Nymphenburg ruckelte dereinst durch diese<br />
60 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
München<br />
Bei der Stadtratswahl 1984 warb die SPD für die Beibehaltung der Tram und gewann; die Linie<br />
17 – hier am Wettersteinplatz – hatte ihre Existenz 1983 schon verloren P. SCHRICKER<br />
Entwicklung Trambahn München 1973– 1983<br />
LINKS Als Tw 2459<br />
am 18. Juli 1978 auf<br />
Linie 2 die Kreuzung<br />
Bayerstraße/Paul-<br />
Heyse-Straße passierte,<br />
war im Stadtrat<br />
bereits die<br />
Stilllegung des<br />
Straßenbahnnetzes<br />
im Gespräch<br />
B. KUSSMAGK<br />
1973 1975 1980 1983<br />
Streckenlänge km 112,1 109,9 100,1 83,8<br />
Gleislänge km 255,1 275,4 235,7 190<br />
davon Betriebsgleise km 9,4 9,4 6 4,6<br />
Linienlänge km 202,6 187,6 149,3 127,9<br />
Linienanzahl 18 18 14 11<br />
Treibwagen (betriebsfähig) 278 296 218 199<br />
Beiwagen (betriebsfähig) 278 254 212 181<br />
Wagenkilometer in Tsd. 17.934 17.296 13.633 10.371<br />
(Bezug 1974)<br />
Ausfallstraße. Bereits der Bau der U1 hatte<br />
Abweichungen von der ursprünglichen Linienführung<br />
durch Umleitungsstrecken bedingt.<br />
<strong>Die</strong> Linien 4 und 21 hatten seit 1978<br />
statt des direkten Wegs ab Stiglmaierplatz<br />
einen zeitaufwendigen und bogenreichen<br />
Umweg über die Dachauer Straße, die Joseph-Ruederer-Straße<br />
am steilen Maßmann-<br />
„Bergl“ und die Sandstraße zu nehmen. Kurz<br />
vor dem Rotkreuzplatz mussten beide Linien<br />
seit 1979 zudem rechts in die Landshuter<br />
Allee einbiegen, um nach guten 100 Metern<br />
links in die enge Leonrodstraße einzuschwenken,<br />
über die sie den zentralen Platz<br />
Neuhausens erreichten. Zwischen September<br />
1979 und 1980 befand sich dort eine provisorische<br />
Wendeschleife, da die Außenäste<br />
beider Linien baustellenbedingt mit Schienenersatzverkehr<br />
bedient wurden.<br />
Streichkonzert nach 1983<br />
<strong>Die</strong> letzte Trambahn, die auf der traditionellen<br />
Strecke durch die Maxvorstadt und<br />
Neuhausen verkehrte, war der kurz vor<br />
zwei Uhr am 29. Mai 1983 von der Haunauer<br />
Straße her einrückende M5-Wagen<br />
2505 mit Beiwagen 3504 der Linie 12.<br />
<strong>Die</strong> Mehrheit der Münchner lehnte die Abschaffung der Trambahn ab. Ob auch diese Passanten<br />
der „Vierer“ nachtrauern? Haltestelle Neuhausen am 27. Mai 1983<br />
P. SCHRICKER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
61
Geschichte<br />
Ende nach knapp 107 Jahren – am 28. Mai 1983 fuhren letztmals Straßenbahnen in der Nymphenburger Straße. M4-Wagen 2443 verlässt die<br />
Umfahrung der damaligen U-Bahn-Baustelle am U-Bahnhof Maillingerstraße<br />
P. SCHRICKER<br />
Schon 1980 sollte der große Kahlschlag im Netz erfolgen (siehe linke Skizze), Bürgerproteste erreichten ein gemäßigtes Streichkonzert (rechte<br />
Skizze). So blieb die Linie 12 sogar mit neuer Linienführung erhalten – und die 25 fuhr weiterhin zur Innenstadt<br />
SLG. P. SCHRICKER<br />
Den Westast der ehemaligen 21 vom Rotkreuzplatz<br />
über den Romanplatz zur Amalienburgstraße<br />
bediente hinfort die bisher in<br />
Neuhausen endende 12er als U-Bahn-Zubringer.<br />
Besonders umstritten war die Einstellung<br />
der Linie 17. Als Grund gaben die<br />
Verkehrsbetriebe aus, dass die Strecke in der<br />
Arnulfstraße parallel zur neuen U-Bahn verlaufe<br />
und daher überflüssig sei, wobei die<br />
Entfernung der 17 zur U1 in diesem Abschnitt<br />
jedoch mindestens einen Kilometer<br />
betrug und man den Fahrgästen zu den einzelnen<br />
Haltestellen der U-Bahn ordentliche<br />
Fußmärsche zumutete.<br />
Ersatz durch Omnibus richteten die Verkehrsbetriebe<br />
nur zwischen Romanplatz<br />
und Donnersbergerstraße sowie zwischen<br />
Hauptbahnhof und Wettersteinplatz ein.<br />
Doch 1983 markierte aber keineswegs<br />
den Schlusspunkt des Rückzugs der Weiß-<br />
Blauen aus dem Stadtbild. 1984 endete der<br />
Linienbetrieb zwischen Martin-Greif-Straße<br />
und Messeplatz (Linie 14), die Wiesn-<br />
Schleife zur Bedienung des Oktoberfests<br />
war im Oktober 1983 letztmals befahren<br />
worden. 1991 und 1993 fielen schließlich<br />
noch die modernen stadtbahnähnlichen<br />
Neubaustrecken aus den 1960er-Jahren<br />
nach Fürstenried West und zum Harthof<br />
und ins Hasenbergl nach U-Bahn-Eröffnungen<br />
weg. Damit war die Phase der Streckeneinstellungen<br />
zum Ende gekommen.<br />
Ringen um die Tram<br />
Vor 30 Jahren schien also das Todesurteil<br />
über die „Weiß-Blaue“ gefällt. In mehreren<br />
Beschlüssen hatten sich die damalige politische<br />
Mehrheit der CSU im Werkausschuss<br />
und im Stadtrat sowie Oberbürgermeister<br />
Erich Kiesl (CSU) für die Abschaffung der<br />
Trambahn ausgesprochen und damit eine<br />
Entwicklung zum Abschluss bringen wol-<br />
62 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
München<br />
Vergleich: Preis pro Platz (1980)<br />
Stadt Wagentyp Preis pro Platz<br />
Nürnberg N6 11.880 DM<br />
Dortmund M8 10.714 DM<br />
München U-Bahn A2 8.621 DM<br />
Gelenkbus 2.806 DM<br />
Wagenbestand 1982<br />
Typ Tw/Bw Anzahl Tw Anzahl Bw Baujahre<br />
M3/m3 7 20 1953/55<br />
M4/m4 96 98 1956/59<br />
M5/m5 74 45 1963/65<br />
P/p 42 40 1967/69<br />
Summe 219 203<br />
len, die sich bereits seit Ende 1960er-Jahre<br />
angebahnt hatte.<br />
<strong>Die</strong> große Stilllegungswelle vor 30 Jahren<br />
mag Anlass sein, noch einmal einen Blick in<br />
die Archive und auf die verkehrspolitische<br />
Diskussion jener Zeit zu werfen. Wie der öffentliche<br />
Oberflächenverkehr in Zukunft<br />
gestaltet werden sollte, war nicht nur in<br />
München um 1980 ein gewichtiges verkehrspolitisches<br />
Thema. Am 13. November 1979<br />
diskutierten die Stadtratsvertreter im Werkausschuss<br />
– wie schon mehrfach seit Mitte<br />
der 1960er-Jahre – die Zukunft ihrer Tram.<br />
Das mittelfristige U-Bahn-Ausbauprogramm<br />
bis 1985 sah vor, das am stärksten belastete<br />
Gebiet der Innenstadt innerhalb der Stadtautobahn<br />
Mittlerer Ring durch unterirdische<br />
Schnellbahnen zu entlasten.<br />
Dort wirkte sich die hohe Konzentration<br />
des Individualverkehrs zudem besonders<br />
nachteilig auf den öffentlichen Oberflächenverkehr<br />
aus. Der vorhandene Straßenraum<br />
ließ eine Verlegung von Trambahngleisen<br />
auf abgeschirmte Trassen kaum zu. Mit der<br />
Realisierung der U-Bahn-Pläne verloren die<br />
radial verlaufenden Straßenbahnlinien ihre<br />
Funktion, sofern sie parallel zu den neuen<br />
U-Bahnen verliefen, wurden sie aufgegeben.<br />
Mai 1983 – graue Zeiten für die Weiß-Blaue. Ein M4-Zug verschwindet aus Obergiesing kommend<br />
am Holzkirchner Bahnhof gleich in der Paul-Heyse-Unterführung<br />
18. Juli 1978 – scheinbar noch eine heile Straßenbahnwelt vor dem Hauptbahnhof, wo M5-Tw<br />
2525 auf der Linie 19 die U-Bahn-Baustelle passiert B. KUSSMAGK<br />
Auch zahlreiche Bürgereingaben konnten die Einstellung des Südabschnitts der 17 nicht verhindern.<br />
Am Beethovenplatz hält heute statt der Tram eine Metrobuslinie P. SCHRICKER (2)<br />
Straßenbahn nur noch Vorläufer?<br />
Im Beschluss vom 13. November 1979<br />
heißt es: „<strong>Die</strong> Straßenbahn hat primär die<br />
Funktion eines Vorläufers der Schnellbahn,<br />
bei Zwischenstadien des U-Bahnbaus die eines<br />
Hauptzubringers zur Schnellbahn (verlängerter<br />
Arm der U-Bahn), während der<br />
Bus die Funktion des Zubringerverkehrs zur<br />
Schnellbahn und die Tangentialverbindungen<br />
übernimmt. Infolge des U-Bahnbaues<br />
konnten bisher durch konsequente Beibehaltung<br />
der o. a. Grundsätze etwa so viele<br />
Straßenbahnwagen freigesetzt werden, wie<br />
dies dem Abgang aufgrund der technischen<br />
Lebensdauer der Fahrzeuge entsprach. <strong>Die</strong>s<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
63
Geschichte<br />
<strong>Die</strong> Linienführung der 17 war seit 1967 unattraktiv, da sie nur den Rand der Innenstadt berührte. Der M4-Wagen 2481 biegt am 27. Mai 1983<br />
gerade aus der „Giftröhre“ Paul-Heyse-Unterführung in die Arnulfstraße ein<br />
Verwendete Quellen<br />
Stadtarchiv München: Protokolle der Werk aus -<br />
schuss-Sitzungen des Stadtrats (1979 bis 1983)<br />
Statistisches Handbuch der Stadt München 1985<br />
ist eine wesentliche Voraussetzung für die<br />
Wirtschaftlichkeit des etwa 1992 bis 1994<br />
auslaufenden Straßenbahnbetriebes.“ Es ist<br />
jedoch festzuhalten, dass dies noch keine<br />
endgültige Festlegung über die Form des so<br />
genannten Sekundärnetzes war – für eine<br />
Beibehaltung der Straßenbahn bestand noch<br />
eine kleine Chance.<br />
Deshalb reiste im Mai 1980 eine Delegation<br />
des Werkausschusses und der Verkehrsbetriebe<br />
nach Nürnberg, Essen, Dortmund<br />
und Hannover, um auszuloten, ob ein moderner<br />
Straßenbahnbetrieb eine Alternative<br />
zu dem Beschluss vom 13. November 1979<br />
sein könnte. In den genannten Städten besichtigte<br />
man die Wagentypen N6, M8, N8<br />
und Stadtbahnwagen, Betriebsanlagen,<br />
Leit stellen und nahm unternehmenspolitische<br />
Informationen entgegen.<br />
Hässliche Endstation mit P-Wagen: 1983 wurde die Strecke Harras – Lorettoplatz stillgelegt,<br />
1984 als Linie 26 wiederbelebt und 1993 endgültig aufgelassen P. SCHRICKER (2)<br />
Vergleich mit U-Bahn-Wagen<br />
Das Ergebnis der Reisen präsentierte man<br />
dem Münchner Stadtrat: „<strong>Die</strong> technischen<br />
Lösungen für den Einsatz neuer Straßenbahnwagen<br />
in München liegen vor. <strong>Die</strong><br />
An schaffungspreise liegen im Bereich von U-<br />
Bahn-Wagen, ohne deren Fassungsvermögen,<br />
Geschwindigkeit und Leistungs fä hig keit erreichen<br />
zu können und zu erheblich höherem<br />
Preis als bei in Fassungsvermögen, Geschwindigkeit<br />
und Leistungsvermögen vergleichbaren<br />
Bussen.“ (siehe Kasten „Vergleich“)<br />
Das Fazit dieser Gegenüberstellung lautete<br />
kaum verwunderlich: kein Abgehen vom<br />
Beschluss vom 13. November 1979, „eine<br />
Erprobung von neuen Fahrzeugen ist demnach<br />
erst nach Festlegung der weiteren Zukunft<br />
des Sekundärnetzes näherzutreten.“<br />
Im Klartext bedeutete das, allfällige Vorzüge<br />
eines modernen Straßenbahnbetriebs<br />
sollten gar nicht offenkundig werden, sie<br />
hätten die informell längst gefällte Entscheidung<br />
gegen die Tram revidieren können.<br />
Kahlschlag 1 – Beschluss von 1980<br />
Nächster Schritt dazu sollte die Ausgestaltung<br />
des „Anpassungsnetzes 1980“ auf der<br />
Oberfläche nach der Eröffnung der U2 (Neuperlach<br />
– Scheidplatz) im Oktober 1980 sein.<br />
<strong>Die</strong> Verkehrsbetriebe legten verschiedene Va-<br />
64 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
München<br />
<strong>Die</strong> Linie 12 gehörte zu den Linien, die auch nach 1983 noch im Betrieb waren. M5-Tw 2514 verlässt am 22. Dezember 1984 die Endstation Harthof.<br />
Neun Jahre später fiel diese Neubaustrecke der U-Bahn zum Opfer<br />
B. KUSSMAGK<br />
<strong>Die</strong> Linien 17 und 21 verschwanden im Mai 1983 von der Bildfläche, beide erlebten ein Comeback.<br />
<strong>Die</strong> 17 wendet seit 1996 wieder an der Amalienburgstraße<br />
P. SCHRICKER<br />
rianten vor – siehe Abbildungen. Den oben<br />
genannten Grundsätzen folgend waren die<br />
Strecken durch die Augustenstraße (Linie 7<br />
Schwanseestraße – Hauptbahnhof – Nordbad<br />
– Petuelring und Linie 12 Sendlinger<br />
Tor – Hauptbahnhof – Hohenzollernplatz –<br />
Scheidplatz – Harthof) sowie vom Ostbahnhof<br />
in die Trabantenstadt Neuperlach (Linie<br />
24, Neubaustrecke im Abschnitt Michaelibad<br />
– Neuperlach) einzustellen. Erwähnt sei<br />
noch, dass fast alle einstelligen Liniennummern,<br />
die grundsätzlich den U-Bahn-Linien<br />
vorbehalten sind, verschwanden, nämlich<br />
die Linien 1 (Steinhausen – Moosach), 2<br />
(Harras – Sendlinger Tor) und 7.<br />
Außerdem sah die umfangreichste Still -<br />
legungsvariante vom März 1979 (siehe Abbildung)<br />
auch noch vor, die Strecken Nordbad<br />
– Petuelring (L 7) und Holzkirchner<br />
Bahnhof – Wettersteinplatz (L 17) wegen<br />
Nähe zur neuen U-Bahn zu streichen. Im<br />
Abschnitt Haidenauplatz – Grillparzerstraße<br />
sollte der Linienbetrieb aufgelassen werden<br />
(L 4).<br />
Schließlich rang sich der Werkausschuss<br />
1980 zu einem gemäßigten Streichkonzert<br />
durch (Entwurf des MVV vom 3. Dezember<br />
1979), wohl auch, weil aus der Bürgerschaft<br />
der Tram eine große Sympathiewelle entgegenschlug.<br />
<strong>Die</strong> 17er blieb auf voller Streckenlänge<br />
erhalten, zumal die Fahrten vom<br />
Holzkirchner Bahnhof zur Wendeschleife<br />
an der Bayernhalle zu aufwendig erschienen.<br />
Der Weiterbestand sowohl der Linie 17<br />
als auch der Betrieb von 15 und 25 in der<br />
Frauenhoferstraße sowie der neuen 18 zum<br />
Petuelring sah man als „Grenzfälle von Parallelführung<br />
zur U-Bahn“, die später zu<br />
überprüfen seien. Ja sogar auf der seit 1970<br />
nur noch als Betriebsgleis bestehenden Strecke<br />
Hohenzollernplatz – Rotkreuzplatz<br />
(ehemals Linie 22) führten die Stadtwerke<br />
wieder Linienbetrieb ein – mit der Linie 12,<br />
die nun vom Harthof kommend ab Hohenzollernplatz<br />
bis Neuhausen verkehrte.<br />
<strong>Die</strong> Entscheidung 1982<br />
Damit war keine Kehrtwende der Verkehrspolitik<br />
eingeleitet, wie die bald einsetzenden<br />
Planungen für das Anpassungsnetz 1983<br />
zeigten, die den Werkausschuss das ganze<br />
Jahr 1982 über beschäftigten. Sie endeten<br />
mit den zu Beginn beschriebenen radikalen<br />
Betriebseinstellungen. Das, was die Stadtwerke<br />
1980 schon angedacht hatten, setzten<br />
sie jetzt in die Tat um. wird fortgesetzt<br />
PETER SCHRICKER<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
65
Geschichte<br />
Bei der Gottfried Lindner AG in Ammendorf (1950 in Halle/Saale eingemeindet) entstand im Jahr 1908 diese Werkaufnahme des Postbei wagens<br />
35 der meterspurigen Lockwitztalbahn SLG. <strong>STRASSENBAHN</strong>MUSEUM DRESDEN E.V.<br />
Der älteste Postwagen<br />
Restaurierung des Postwagens der Lockwitztalbahn abgeschlossen Beim Straßenbahnmuseum<br />
Dresden e.V. wurde in den vergangenen Jahren der von der Strecke Niedersedlitz – Kreischa<br />
stammende Postbeiwagen 35 restauriert – ein Meterspurfahrzeug mit Superlativ<br />
Der stadtspurige Dresdner Tw 979 holt im Jahr 1949 den damals noch rot lackierten Postbeiwagen<br />
auf der Werkstattlore von Niedersedlitz in den Betriebshof Trachenberge SLG. ARCHIV DVB AG<br />
Am 20./21. April 2013 öffnete der<br />
Verein Straßenbahnmuseum Dresden<br />
e.V. im Betriebshof Trachenberge<br />
die Tore des historischen<br />
Depots – dabei präsentierten die Vereinsmitglieder<br />
erstmals ein ganz besonderes<br />
Fahr zeug im alten Glanz: den von der meterspurigen<br />
Lockwitztalbahn stammenden<br />
zweiachsigen Postbeiwagen 35.<br />
Entstanden war das Fahrzeug 1908 in der<br />
Waggonfabrik Gottfried Lindner in Ammendorf<br />
direkt für die Strecke Niedersedlitz<br />
– Kreischa vor den Toren der sächsischen<br />
Residenz- und Landeshauptstadt. Anfangs<br />
mit einer postgelben Lackierung versehen,<br />
trug es ab 1934 das Rot der Reichspost.<br />
Während einer Hauptuntersuchung im<br />
Jahre 1949 erhielt der Zweiachser einen<br />
Anstrich in Hellelfenbein, das geflügelte<br />
Dresd ner Stadtwappen sowie den Schriftzug<br />
66 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Dresden<br />
Der Postbeiwagen 35<br />
Länge über Puffer:. . . . . . . . . . . . . . . . . . 4,50 m<br />
Wagenlänge: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3,90 m<br />
Wagenkastenlänge:. . . . . . . . . . . . . . . . . 2,80 m<br />
Achstand: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1,60 m<br />
Raddurchmesser:. . . . . . . . . . . . . . . . . . 785 mm<br />
Höhe über SO: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,60 m<br />
Breite Wagenkasten: . . . . . . . . . . . . . . . . 2,00 m<br />
Gesamtbreite Wagen: . . . . . . . . . . . . . . . 2,10 m<br />
„KWU Dresden Verkehrsbetriebe“, womit<br />
der im selben Jahr erfolgten Gründung des<br />
„Kommunalwirtschaftsunternehmens der<br />
Stadt Dresden“ (KWU) Rechnung getragen<br />
worden war. Ab 1949 führte der kleine Beiwagen<br />
zugleich die neue Fahrzeugnummer<br />
3522. Während der KWU-Schriftzug bereits<br />
nach dem 1. April 1951 wieder entfernt<br />
wurde, blieb das geflügelte Dresdner Stadtwappen<br />
als Logo der Verkehrsbetriebe bis<br />
zum Einsatzende des Zweiachsers im Sommer<br />
1960 erhalten.<br />
Anfang der 1960er-Jahre erwarb ein privater<br />
Interessent den Aufbau und nutzte ihn<br />
als Hühnerschuppen.<br />
<strong>Die</strong> Rettung<br />
1990 kaufte der Dresdner Straßenbahnfreund<br />
Reinhard Wobst den zur Ruine verfallenen<br />
Wagenkasten und brachte ihn auf<br />
sein Privatgrundstück. Dort begann er in<br />
aufwendiger und mühevoller Kleinarbeit<br />
mit der Restaurierung des völlig desolaten<br />
Wagens im Zustand von 1908.<br />
Aus Platzgründen suchte er ab 2010 nach<br />
einem neuen Eigentümer für das Fahrzeug.<br />
Nach einem Besuch der Ausstellung des<br />
Dresdner Straßenbahnmuseums bot er den<br />
Postwagen im Dezember 2011 dem Verein<br />
Straßenbahnmuseum Dresden e.V. zum Kauf<br />
an. Sein Wunsch war es, den Wagen in den<br />
Lackierzustand von 1908 mit dem Postgelb<br />
der Kaiserlichen Post zu versetzen. Der Verein<br />
ging auf diesen Vorschlag ein und erwarb<br />
das Fahrzeug. Am 6. Juli 2012 wurde der<br />
Wagen in die Hallen neben dem Betriebshof<br />
Trachenberge der DVB AG auf der Gemarkung<br />
von Dresden-Pieschen überführt.<br />
Anlässlich der Dresdner Museumssommernacht<br />
2012 präsentierte der Verein den<br />
Wagen am 14. Juli erstmals der Öffentlichkeit,<br />
allerdings noch ohne seine endgültige<br />
Lackierung. Sein Postgelb erhielt der Aufbau<br />
erst bis zum 8. Dezember 2012 zurück.<br />
Der zweite postgelbe Lack …<br />
Nach intensiven Recherchen stellten die Mitglieder<br />
des Vereins jedoch fest, dass das Äußere<br />
zu diesem Zeitpunkt noch nicht exakt<br />
dem Originalzustand entsprach. Daraufhin<br />
wurden alle Zierleisten wieder entfernt und<br />
Der fertiggestellte Postbeiwagen am dritten Aprilwochenende im Straßenbahnmuseum<br />
Dresden. Am Fahrgestell fehlen noch die Schutzbretter<br />
A. MARKS<br />
OBEN „Bürgerarbeiter“ trugen Anfang 2013<br />
den Decklack auf<br />
H. FRENZEL<br />
RECHTS OBEN Der Postbeiwagen als Hühnerstall<br />
1990 vor seiner Bergung<br />
RECHTS Auf einem Dresdner Grundstück begann<br />
in den 1990er-Jahren die Restaurierung<br />
des Unikates R. WOBST (2)<br />
nach penibel ausgewerteten Originalfotos<br />
neu angebracht und alles nochmals lackiert.<br />
Im Frühjahr begann die Anpassung und<br />
Montage der beiden Radsätze, Achslager<br />
und Wagenkastenfedern. Alle diese Arbeiten<br />
einschließlich der Lackierung führten Mitarbeiter<br />
einer „Bürgerarbeit“-Maßnahme<br />
unter der Regie des Straßenbahnmuseums<br />
durch. <strong>Die</strong> Wagenbeschriftung – einschließlich<br />
der Herstellung des Wappens der Kaiserlichen<br />
Post – übernahmen hingegen die<br />
Vereinsmitglieder. Vom Ergebnis waren alle<br />
Besucher am 20./21. April sehr angetan –<br />
seitdem kann der Postbeiwagen im Straßenbahnmuseum<br />
Dresden wirklich nahezu<br />
im Originalzustand von 1908 bewundert<br />
werden.<br />
HOLGER FRENZEL/AM<br />
<strong>Die</strong> nächsten Führungen im Museum finden<br />
am 4. Mai, 1. Juni, 3. August und 7.<br />
September jeweils von 10 bis 16 Uhr statt.<br />
Freie Besichtigungen sind im Rahmen der<br />
Dresdner Museumsnacht am 13. Juli von<br />
17.30 Uhr bis 1 Uhr nachts möglich.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
67
Geschichte<br />
Nostalgie total!<br />
Straßenbahnaktivitäten des Vereins „Nostalgiebahnen in Kärnten“ In Österreichs südlichstem<br />
Bundesland hegt und pflegt ein Verein auch Straßenbahnfahrzeuge aus Österreich, Deutschland<br />
und der Schweiz. Ein Teil von ihnen ist einsatzfähig – und deshalb gibt es große Pläne!<br />
<strong>Die</strong> Dampftramwaylok „Adele“ von der<br />
Budapester Lokalbahn und der Bw 152<br />
von den Wiener Lokalbahnen fahren auf<br />
der museumseigenen „Fernstrecke“ von<br />
Weizelsdorf nach Ferlach<br />
A. GERINGER<br />
Ihm hängt der Nimbus an, die vielfältigsten<br />
Museumsaktivitäten in ganz<br />
Europa vorweisen zu können – der Verein<br />
„Nostalgiebahnen in Kärnten“.<br />
1990 aus dem Verein „Kärntner Museumsbahnen“<br />
hervorgegangen, ist er heute der<br />
Betreiber von sieben Museumsbetrieben! Einen<br />
Schwerpunkt der Vereinstätigkeit stellt<br />
dabei der Erhalt und Betrieb von Straßenbahnfahrzeugen<br />
dar. <strong>Die</strong>se gehörten auch in<br />
Kärnten einst zum Alltag:<br />
1891 errichteten private Financiers Klagenfurt<br />
eine meterspurige Pferdetramway.<br />
Nach Übernahme durch die Stadt folgte 1911<br />
die „Elektrische“. Es entstand ein kleines<br />
Netz mit rund 10 km Streckenlänge und vier<br />
Linien zum Bahnhof, nach Annabichl, zum<br />
Kreuzbergl und zum Strandbad am Wörthersee.<br />
Ab dem Jahr 1944 wurde die Straßenbahn<br />
schrittweise zunächst auf Obusund<br />
später auf Autobusbetrieb umgestellt.<br />
1954 erlag der Gemeinderat der automobilen<br />
Propaganda und entschied die Einstellung der<br />
„altmodischen“ Straßenbahn. Schon wenige<br />
Wochen später ersetzten Autobusse die Straßenbahn<br />
auf der populären Linie S, welche<br />
die Verbindung der Innenstadt mit dem Wörthersee<br />
herstellte. Am 16. April 1963 wurde<br />
der Straßenbahn- wie auch der Obusbetrieb<br />
mit der <strong>letzten</strong> Fahrt zwischen Heiligengeist<br />
Platz und Hauptbahnhof eingestellt.<br />
Ein Ende ist ein Anfang!<br />
Das Ende der Straßenbahn in Klagenfurt<br />
bildete zugleich den Grundstein für eine<br />
große Sammlung historischer Fahrzeuge.<br />
Schon 1958 (!) konnte der vielerorts engagierte<br />
Dipl.-Ing. Gerhard Mayr (2009 verstorben)<br />
für ein künftiges österreichisches<br />
Museum den 1891 gebauten offenen Sommerbeiwagen<br />
109 retten. Nach einer umfangreichen<br />
Restaurierung wurde der Wagen<br />
noch für Sonderfahrten und für die<br />
Abschiedsfahrt nach Annabichl eingesetzt.<br />
Von den einst 52 Straßenbahnwagen Klagenfurts<br />
wurden 19 Exemplare nicht gleich<br />
verschrottet, sondern auf Spielplätzen aufgestellt.<br />
Acht davon konnten ab 1969, zum<br />
Teil in desolatem Zustand, von Idealisten<br />
erworben und somit gerettet werden. Der<br />
neu gegründete Verein „Kärntner Museumsbahnen“<br />
nahm sich die Erhaltung technischer<br />
Kulturgüter aus möglichst vielen<br />
Bereichen zum Ziel: die Führung von<br />
Dampfzügen auf ÖBB-Gleisen, die museale<br />
Erhaltung der Gurktalbahn und meterspuriger<br />
Straßenbahnwagen.<br />
68 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Österreich: Kärnten<br />
Zahlreiche Tram-Wagen wurden noch gerade<br />
zu jener Zeit sichergestellt, als viele<br />
Verkehrsbetriebe die <strong>letzten</strong> Holzkasten-<br />
Wagen durch modernere Fahrzeuge ersetzten.<br />
So hatten sich bis 1975 bereits 40<br />
Tram- und Lokalbahnwagen aus dem Inund<br />
Ausland angesammelt. <strong>Die</strong>se sollten<br />
aber nicht als verfallende Schaustücke, sondern<br />
fahrfähig der Öffentlichkeit gezeigt<br />
werden. Es entstand die Idee, eine Museumstramway<br />
zu errichten. <strong>Die</strong> Stadt Klagenfurt<br />
stellte nach einigem Zögern am<br />
Lendkanal (künstliche Wasserstrecke vom<br />
Wörthersee ins Stadtzentrum) eine Trasse<br />
für die Strecke und eine Fläche für eine Remise<br />
bereit.<br />
Museumstramway im<br />
Naturschutzgebiet<br />
Auf einem ehemaligen Güterweg wurden<br />
1976 eine rund 750 Meter lange Strecke<br />
und eine viergleisige Abstellanlage für einen<br />
Teil der Fahrzeugsammlung errichtet, die<br />
später noch überdacht wurde. Da die Errichtung<br />
einer Fahrleitung in dem sehr sensiblen<br />
Naturschutzgebiet unmöglich war,<br />
entschieden sich die Initiatoren für einen<br />
Pferdetrambetrieb.<br />
Mangels ausreichender Lagerflächen wurden<br />
1978 zwölf deutsche und Schweizer<br />
Tram-Wagen an das „Deutsche Straßenbahn-Museum<br />
Hannover“ abgegeben. Nach<br />
Der Akku-Triebwagen 25 und der Hallerbahn-Beiwagen 121 der Lendcanaltramway stehen am<br />
13. August 2005 an der Endstation „Im Moos“ R. SCHREMPF<br />
dessen Konkurs wurden die meisten Fahrzeuge<br />
verschrottet, der Birseckbahn-Triebwagen<br />
9 kam jedoch nach Österreich zurück<br />
und wartet im Historama in Ferlach auf seine<br />
Aufarbeitung.<br />
Heute finden Gäste am Ausgangspunkt<br />
der Lendcanaltramway (südlich des Strandbades)<br />
in einem Beiwagen der Tiroler Stubaitalbahn<br />
ein „Tramwaybuffet“ vor, welches<br />
von Vereinsmitgliedern betrieben wird.<br />
Am anderen Streckenende „Im Moos“ ist<br />
ebenfalls in einem Stubaitalbahn-Beiwagen<br />
eine Ausstellung über die Besonderheiten<br />
der Natur in diesem Gebiet zu sehen.<br />
Da der reine Pferdebetrieb sich recht aufwendig<br />
gestaltete, wurde die ehemals regelspurige<br />
Benzin-Draisine der 1976 eingestellten<br />
Straßenbahn St. Pölten in einen<br />
Akkutriebwagen umgebaut und optisch einer<br />
Dampftramwaylok nachempfunden.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
69
Geschichte<br />
Der Bonner Tw 437 im Einsatz auf der Histotram.<br />
<strong>Die</strong> von der END stammenden Gittermasten<br />
und Bogenausleger verstärken den<br />
Charme einer Überlandstraßenbahn<br />
A. GERINGER<br />
Streckenführung der geplanten Seetramway vom Wörthersee-Strandbad über die Schiffsanlegestelle<br />
und einer neuen Remise (Depot) zur Modellstadt Minimundus in Klagenfurt NBIK<br />
Mit diesem als Nr. 25 geführten Fahrzeug<br />
wird der Regelbetrieb bewältigt. Als Beiwagen<br />
dienen vornehmlich solche der 1974<br />
eingestellten Innsbrucker Hallerbahn (Nr.<br />
121, 123) sowie Sommerwagen der Klagenfurter<br />
Straßenbahn (Nr. 109, 111). Am<br />
Remisengelände sind noch weitere 15 Straßenbahnwagen<br />
unter Dach abgestellt.<br />
In einem naheliegenden Gebäude eines<br />
stillgelegten Rundfunksenders ist eine umfangreiche<br />
Fotodokumentation über alle öffentlichen<br />
Verkehrsmittel Klagenfurts zu<br />
sehen. <strong>Die</strong>se Ausstellung ist an den Betriebstagen<br />
der Lendcanaltramway für Fahrgäste<br />
gratis zu besichtigen, die Tramway-<br />
Fahrkarte gilt als Kombikarte. Weitere<br />
Öffnungszeiten ergeben sich im Rahmen<br />
von Nostalgie-Rundfahrten mit Oldtimerbussen.<br />
20 Jahre Historama<br />
Als weitere Attraktion richteten die „Nostalgiebahnen<br />
in Kärnten“ (NBiK) 1993 in<br />
Ferlach in einer ehemaligen Fabrikhalle der<br />
Kärntnerische Eisen- und Stahlwerke ein<br />
Museum für Technik und Verkehr ein, das<br />
HISTOrische PanoRAMA („Historama“).<br />
Auf über 2.200 m² Hallenfläche bietet sich<br />
den Besuchern eine Vielzahl an interessanten<br />
und spannenden Einblicken in die Kulturgeschichte<br />
der Technik. Das Angebot<br />
reicht von Kutschen, Autos, Lkw, Feuerwehrwagen<br />
und Dampfwalzen über Motorroller<br />
und Fahrräder bis zu Flugzeugen.<br />
Auch der Sektor Straßenbahn ist mit zahlreichen<br />
Exponaten vertreten: Tw 2 der 1954<br />
eingestellten Straßenbahn Ybbs, Sommer-<br />
Triebwagen III der Pöstlingbergbahn, Bw<br />
60, 101 und 112 aus Klagenfurt sowie aus<br />
Basel der Tw 203 mit Bw 1320. Ausgestellt<br />
sind zudem viele Ausrüstungsgegenstände<br />
und Utensilien, etwa Fahrleitungs-Wandrosetten<br />
und Haltestellen-Schilder verschiedener<br />
Tram-Betriebe.<br />
Zu besonderen Anlässen kommt im Außengelände<br />
der Kapfenberger Obus 10 (mit<br />
einem Aggregat-Anhänger zur Stromerzeugung)<br />
und eine kleine Feldbahn zum Einsatz.<br />
Auf der vereinseigenen Museumsbahn<br />
Weizelsdorf – Ferlach (6 km Normalspur)<br />
verkehren im Sommer an Wochenenden<br />
Dampfzüge im Zweieinhalb-Stunden-Takt.<br />
Zur Verbindung des Bahnhofes Ferlach mit<br />
dem Historama wurde ab 1992 ein Pendelverkehr<br />
mit Oldtimer-Autobussen eingerichtet.<br />
Schon bald stieß diese Busverbindung<br />
an die Kapazitätsgrenze – wenn ein<br />
Zug mit 300 Fahrgästen angekommen war,<br />
70 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Österreich: Kärnten<br />
Begegnung der<br />
Dampftramwaylok<br />
„Adele“ und der<br />
früheren Siemens-<br />
Werklok 1 im Bahnhof<br />
Ferlach<br />
A. GERINGER<br />
Blick in das Historama mit ausgestellten Basler, Klagenfurter und Innsbrucker<br />
Wagen, über denen ein Flugzeug hängt<br />
R. SCHREMPF<br />
Auf der „Histotram“ kreuzen sich am 21. August 2011 der aus Bonn<br />
stammende Vierachser und der Stern & Hafferl-Zweiachser A. GERINGER<br />
mussten bis zu drei Oldtimerbusse mehrfach<br />
pendeln, was zu Wartezeiten für die Fahrgäste<br />
führte. Andererseits gab es im Verein<br />
den langjährigen Wunsch nach einer eigenen<br />
Tramstrecke mit Fahrleitungsbetrieb.<br />
Neue Attraktion – die Histotram<br />
Da von der eigenen Strecke Ferlach – Weizelsdorf<br />
abzweigend eine ehemalige Anschlussbahn<br />
ins Werksgelände direkt zum<br />
Historama schon bestand, kam es zur Idee,<br />
diese zu elektrifizieren. Für erste Probefahrten<br />
wurden zwei aus Wien übernommene<br />
Arbeits-Triebwagen (BH 6382 und 6383)<br />
mit einem Güterwagen gekuppelt, auf den<br />
ein mitgeführtes Aggregat die Stromversorgung<br />
herstellte. 2006 begannen die Bauarbeiten<br />
symbolisch mit dem Setzen des ersten<br />
Mastes. In den folgenden fünf Jahren wurden<br />
von den Vereinsmitgliedern 75 Maste<br />
gesetzt, die Ausleger montiert, der Fahrdraht<br />
gespannt und die Schienenverbinder für die<br />
Rückleitung angebracht. Für die Stromversorgung<br />
wurde eine Gleichrichterstation für<br />
600 Volt Fahrdrahtspannung errichtet.<br />
Ein besonders spannendes Thema stellen<br />
die aufgestellten Fahrleitungsmasten dar, die<br />
verschiedene Bauarten veranschaulichen: So<br />
kam es zur Aufstellung von Betonmasten<br />
der ehemaligen Obusbetriebe in Klagenfurt<br />
und Kapfenberg, von Rohrmasten aus 1911<br />
von den Straßenbahnen in Klagenfurt und<br />
St. Pölten wie auch von Holzmasten auf Betonfüßen.<br />
<strong>Die</strong> Mehrzahl der Maste stammen<br />
jedoch von der 1978 eingestellten<br />
Überlandstraßenbahn Esslingen – Nellingen<br />
– Denkendorf (END), die 1996 in einer<br />
Großaktion abgebaut wurden. Alle diese<br />
Maste wurden auf Fußplatten geschweißt,<br />
sandgestrahlt und dreifach lackiert. In Verbindung<br />
mit den alten Bogenauslegern, aber<br />
auch der elastischen Bauart nach Schweizer<br />
Vorbild haben sie einen neuen Zweck erhalten<br />
und passen perfekt ins Ambiente der<br />
Nostalgie-Tramway.<br />
Mittlerweile wurden auch zahlreiche normalspurige<br />
Straßenbahnwagen beschafft:<br />
Aus Wien die Typen M, BH, GP und aus<br />
Graz Zweiachser der Reihe 200. Von Stern<br />
& Hafferl wurde der Elektrotriebwagen<br />
20113 (Baujahr 1912, ex ET 22104 der<br />
Linzer Lokalbahn) erworben und via Amsterdam<br />
kam der Bonner Düwag-Vierachser<br />
437 nach Kärnten.<br />
In der Regel kommen der Bonner und der<br />
Stern & Hafferl-Triebwagen zum Einsatz,<br />
letzterer wird fallweise als „Eilkurs“ bei den<br />
Dampfzügen mitgeführt. <strong>Die</strong> übrigen Tramwagen<br />
sind noch zu adaptieren, etwa mit<br />
breiteren Radreifen auszustatten. Denn die<br />
1,6 km lange Anschlussbahn ist als Eisenbahnstrecke<br />
konzipiert, da sie als Zufahrt<br />
zur museumseigenen „Kärntner Museums-<br />
Werkstätte“ dient und der Verein bedarfsweise<br />
Güterverkehr für diverse Betriebe<br />
durchführt.<br />
Tram mit Dampfzug-Anschluss<br />
<strong>Die</strong> Histotram verkehrt im Anschlussverkehr<br />
an die Dampfzüge. Neben dem elektrischen<br />
Tramwaybetrieb, zu deren betriebsfähigen<br />
Fahrzeuge auch die 1929<br />
gebaute Berliner Siemens-Werklok 1 (zuletzt<br />
Fritschmühle Wels) zählt, gibt es noch eine<br />
Besonderheit: <strong>Die</strong> Dampftramwaylok Ade-<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
71
Geschichte<br />
Im Sommer 2001<br />
erreichen die zwei<br />
Wiener Arbeitstriebwagen<br />
der Reihe<br />
BH anlässlich einer<br />
Probefahrt den<br />
Bahnhof Ferlach<br />
R. SCHREMPF<br />
le aus 1888 (ex Lok 5 der Budapester Lokalbahn)<br />
fährt zu angekündigten Terminen<br />
Dampftramwayzüge auf der Histotram und<br />
auch auf der museumseigenen „Fernstrecke“<br />
nach Weizelsdorf.<br />
<strong>Die</strong> Oldtimer-Autobuslinie als Verbindung<br />
zwischen dem Bahnhof Ferlach und<br />
dem Historama besteht weiterhin, aber mit<br />
geändertem Fahrplan und neuer Route.<br />
Dem Fahrgast und Besucher bietet sich neben<br />
dem Museumsbesuch das Mitfahrerlebnis<br />
in Dampfzug, Nostalgie-Tram und -Bus.<br />
Seetramway zwischen Minimundus<br />
und Wörthersee<br />
Seit fast 15 Jahren bemüht sich der Verein<br />
in Klagenfurt, eine weitere Museumstramway<br />
zu errichten. Unter dem Namen<br />
„Seetramway“ soll ein Teilstück der 1954<br />
eingestellten Seelinie der Städtischen Straßenbahn<br />
neu erstehen. Neben dem Wunsch<br />
nach einer meterspurigen Museumstramway<br />
mit längerer Fahrtstrecke besteht hier<br />
ein echtes Verkehrsbedürfnis, und zwar als<br />
Verbindung zwischen der Schiffsanlegestelle<br />
und der bei Touristen beliebten Modellstadt<br />
„Minimundus“, die alljährlich in der<br />
Sommersaison ca. 250.000 Besucher zählt.<br />
Von hier führt die geplante 2,1 km lange<br />
Strecke Richtung Norden am Planetarium<br />
und Reptilienzoo vorbei, um dann einen<br />
Bogen Richtung Westen zu beschreiben.<br />
Weiter entlang der ÖBB-Strecke und unter<br />
der Autobahnauffahrt hindurch wird die<br />
von der Stadt reservierte Fläche für eine Remisenanlage<br />
passiert.<br />
Maximal könnten hier eines Tages, in vier<br />
Hallen auf sechs Gleisen mit je 100 m, bis<br />
zu 70 Museumsfahrzeuge Platz finden. <strong>Die</strong><br />
Strecke führt anschließend beim Stockschießplatz<br />
und dem Hotel Plattenwirt vorbei,<br />
ehe das Seeufer erreicht wird, wo die<br />
Schiffsanlegestelle der Wörtherseeflotte gelegen<br />
ist. Mit diesen Schiffen fahren jährlich<br />
ca. 220.000 Fahrgäste, von denen ein großer<br />
Teil Minimundus – derzeit im Fußmarsch<br />
durch den Europapark – besucht.<br />
<strong>Die</strong> Strecke soll weiter parallel zum Seeufer<br />
Richtung Süden verlaufen und zwischen<br />
Strandbad und Campingplatz den Endpunkt<br />
erreichen. Wenige Schritte und der<br />
Lendkanal trennen dann die beiden Museumstramway-Strecken.<br />
Schon 1996 wurde<br />
vom Klagenfurter Gemeinderat der Grundsatzbeschluss<br />
für den Bau der Seetramway<br />
gefasst, 2008 abermals. Ein erstes Stück<br />
Gleis mit einem ausgestellten Straßenbahnwagen<br />
stellte im Herbst 2008 den Start zur<br />
Realisierung des Projekts „Seetramway“<br />
dar. Doch neben vielen rechtlichen und<br />
technischen Fragen scheiterte die Umsetzung<br />
bislang am doch enormen Investitionsvolumen<br />
von über fünf Millionen Euro.<br />
<strong>Die</strong> Realisierung der Seetramway wird<br />
noch Geduld erfordern. <strong>Die</strong> Planung ist abgeschlossen,<br />
die Trasse reserviert, weshalb<br />
die „Wartezeit“ für vorbereitende Maßnahmen<br />
wie etwa die Fahrzeugrestaurierung genützt<br />
wird. Für den Betrieb der Seetramway<br />
Betriebstage & Öffnungszeiten<br />
Betriebstage der Lendcanaltramway:<br />
• Jeden Samstag und Sonntag<br />
vom 6. Juli bis 1. September 2013<br />
Öffnungszeiten des Historama:<br />
• Täglich außer Montag vom 6. Juli bis 8. September<br />
2013 sowie an den Sonntagen 15.<br />
und 22. September 2013.<br />
Betriebszeiten der Histotram:<br />
• Jeden Samstag und Sonntag vom 6. Juli bis<br />
zum 8. September 2013 sowie an den Sonntagen<br />
15. und 22. September 2013<br />
• Tipp: Oldtimerfest „Nostalgie Total“ am 1.<br />
September 2013<br />
• Weitere Informationen siehe:<br />
www.nostalgiebahn.at<br />
sind bereits bzw. werden betriebsfähig aufgearbeitet:<br />
der Tw 10 und die Bw 60, 101,<br />
109 und 111 der Klagenfurter Straßenbahn;<br />
der Innsbrucker Tw 21 und Bw 122; die<br />
Pöstlingbergbahn-Tw III und XIV; der Stern<br />
& Hafferl-ET 26107 (ex Rheinbahn Düsseldorf<br />
118); aus Jena Tw 117 und Bw 166;<br />
aus Heidelberg Tw 62; Tw 200 und Bw<br />
1225 aus Basel.<br />
Insgesamt sind über 60 Meterspurfahrzeuge<br />
in Kärnten vorhanden, darunter auch<br />
Fahrzeuge aus Gmunden, Zagreb und Zürich.<br />
Weiteres sind für den Bau viele benötigte<br />
Materialien bereits vorhanden: Fahrleitungsmaste,<br />
Ausleger, Fahrdraht,<br />
Schienen, Weichen und Gleichrichterstationen.<br />
Als nächster Schritt soll eine erste Halle<br />
der Remise für 15 Fahrzeuge errichtet<br />
werden, das Baurechtsverfahren läuft.<br />
Eigene Museumswerkstätte<br />
Weitere Aktivitäten des Vereins NBiK mit<br />
seinen insgesamt ca. 90 aktiven Mitgliedern<br />
umfassen Nostalgie-Sonderfahrten mit Oldtimerbussen<br />
und Schienenfahrzeugen auf<br />
ÖBB-Strecken sowie nach Triest (Italien)<br />
und Laibach (Slowenien). Letztere sind im<br />
Museumsheizhaus in St. Veit an der Glan<br />
beheimatet. Seit 2000 betreiben die NBiK<br />
mit Nostalgieschiffen einen Charterverkehr<br />
und öffentliche Themenfahrten auf dem<br />
Wörthersee.<br />
Als Ergänzung zu allen Betrieben wurde in<br />
Ferlach eine Werkstattanlage geschaffen, in<br />
der historische Fahrzeuge aller Art sachkundig<br />
aufgearbeitet und repariert werden. Da<br />
das Wissen um die „alte Technik“ nicht verloren<br />
gehen darf und auch die Maschinen für<br />
die Herstellung von Ersatzteilen immer rarer<br />
werden, ist diese Werkstätte für den Verein<br />
von immenser Bedeutung. Fallweise werden<br />
auch „Fremdaufträge“ abgearbeitet, so wurden<br />
schon Fahrzeuge des Grazer Tramwaymuseums<br />
restauriert. ROBERT SCHREMPF<br />
72 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Fundstück des Monats<br />
FOLGE 4<br />
Liberec<br />
»Boveraclub«<br />
Im sächsischen Freiberg fanden Straßenbahnfreunde im September 2010 diesen meterspurigen T2D. Der zuletzt<br />
in Jena als Tw 144 eingesetzte Zweiachser befindet sich heute in Liberec/Reichenberg<br />
H. MAI<br />
Ein »tschechischer Gothaer«<br />
Seit Oktober 2010 befindet sich beim „Boveraclub“ im nordböhmischen Liberec (Reichenberg) ein<br />
ganz beson deres Fahrzeug. Bei seinem Anblick fragen sich nicht nur deutsche Straßenbahnfreunde:<br />
Was sucht ein „Gothaer“ in der Tschechischen Republik?<br />
Der zuletzt in Jena eingesetzte Tw 144 sieht von außen aus wie ein<br />
normaler zweiachsiger „Gothaer“ – doch bei diesem Fahrzeug handelt<br />
es sich um einen Vertreter der in Prag von CKD in Lizenz gebauten<br />
Wagen des Typs T2D!<br />
Seit vielen Jahren bestand der Wunsch des „Boveraclubs“ in Liberec,<br />
einen solchen T2D für die Sammlung zu gewinnen. Damit<br />
sollte das kurze, aber markante Kapitel der Straßenbahnproduktion<br />
in Prag-Smichov dokumentiert werden, stellten diese nur für<br />
DDR-Meterspurbetriebe gebauten 233 Wagen doch eine technologische<br />
Besonderheit im Produktionsprogramm von CKD dar. Fündig<br />
wurde der Verein <strong>letzten</strong>dlich 2010 im sächsischen Freiberg –<br />
aber wie kam er dorthin?<br />
Den 1968 unter der Fabrik-Nr. 156966 gebauten T2D lieferte<br />
CKD nach Halle (Saale). Dort wurde er unter der Nr. 812 bis 1973<br />
eingesetzt. Danach kam er nach Gera, wo er die typische orange/<br />
elfenbeinfarbene Lackierung und die Nr. 177 erhielt. Nach der Ankunft<br />
von neuen KT4D wurde er 1987 nicht mehr benötigt und so<br />
verkaufte ihn der Geraer Verkehrsbetrieb nach Jena. Dort erhielt der<br />
Tw zunächst die Nr. 114 und ab 1993 die Nr. 144. Mit dieser war<br />
er noch bis 1998 im Einsatz. Danach gelangte der Zweiachser ins<br />
sächsische Freiberg. Der Käufer wollte den Wagen in einer Diskothek<br />
als Bar verwenden. Doch dieser Plan zerschlug sich. Danach<br />
war geplant, den T2D als Verkaufsstätte für die Freiberger Porzellanmanufaktur<br />
zu nutzen. Doch dieses Vorhaben scheiterte ebenfalls.<br />
So fristete der Tw viele Jahre unter freiem Himmel und verfiel<br />
zusehends.<br />
Im September 2010 entdeckte den T2D ein Mitglied des „Bovaraclubs“.<br />
Nach kurzen Verhandlungen mit dem Grundstücksverwalter<br />
konnte der Wagen übernommen und mit einem Kran auf einen<br />
Schwerlasttransport verladen werden. Seit 15. Oktober 2010<br />
steht der Wagen trocken und geschützt in einer ausschließlich Mitgliedern<br />
des Vereins zugänglichen Halle. Es ist vorgesehen, ihn auf<br />
1.435 mm umzuspuren und in Liberec einzusetzen. Dazu soll er im<br />
Zustand als Geraer Tw 177 restauriert werden. HELGE MAI<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
73
■ Miniatur-Nahverkehr: Anlagen, Fahrzeuge, Tipps und Neuheiten<br />
<strong>Die</strong> Nürnberger<br />
Modelltram-<br />
Neuheiten. Teil 4<br />
Hier hat‘s gekracht und die Portram hängt auch schon bedrohlich durch. <strong>Die</strong> kleine Szene haben wir auf der Unitram-Anlage von Kato gesehen<br />
Geheime Modelle?<br />
Spielwarenmesse 2013 ■ Nicht alle Neuheiten können auch von jedem Hobbyfreund<br />
gekauft werden. Immer mehr Modelle sind nur in einem einzigen Laden zu bekommen<br />
Kurz vor der Jahresmitte,<br />
wenn die ersten Novitäten<br />
und Varianten bereits zur<br />
Auslieferung kommen, vollenden<br />
wir unseren Neuheitenbericht.<br />
Nach der letztjährigen Vakanz stellte<br />
Paul Sassen von Skiptram aus den<br />
Niederlanden heuer wieder zwei<br />
Neuheiten vor, natürlich nach Vorbildern<br />
seines Heimatlandes. Den eleganten<br />
Den Haager Vierachser von<br />
1949 haben wir im <strong>letzten</strong> SM bereits<br />
im Bild präsentiert. Der Aufbau wird<br />
wie der Bodenrahmen und die Drehgestellblenden<br />
in klassischer Resinbauweise<br />
nach Urmodell gegossen,<br />
der Antrieb besteht aus modifizierten<br />
Komponenten des Wiener C-Wagenmodells<br />
von Halling. <strong>Die</strong> zweite Neuheit<br />
hat die 1965 in Zusammenarbeit<br />
zwischen Werkspoor und Düwag<br />
für Rotterdam gebauten sechsachsigen<br />
Gelenkwagen 251-274 zum<br />
Vorbild. <strong>Die</strong>se Wagen entsprechen<br />
weitgehend den klassischen Düwag-<br />
Sechsachsern, allerdings verfügt das<br />
zweite Wagenteil über keine Mitteltüre<br />
und der Antrieb erfolgte über<br />
klassische Tatzlagermotoren. Das<br />
Skiptram-Modell wird in Kleinserie<br />
von Halling in Wien produziert, es<br />
soll später auch noch die achtach-<br />
74 strassenbahn magazin 6|2013
Spielwarenmesse 2013<br />
Auf dem Souvenirmodell<br />
des Wiener Gelenkwagens Typ E<br />
basiert dieses Messemuster der Rotterdamer Lizenznachbauten<br />
des weit verbreiteten Düwag-Sechsachsers, das<br />
Paul Sassen in Nürnberg präsentierte. Das endgültige Modell wird<br />
von Halling produziert und in allen Punkten dem Original entsprechen<br />
sige Variante folgen. Freunde des<br />
Hamburger Nahverkehrs werden<br />
auch in diesem Jahr von Stadt im<br />
Modell reichlich bedacht. Besonders<br />
hervorzuheben ist hier das Modell<br />
des V6E-Triebwagens, das ebenfalls<br />
in Zusammenarbeit mit VK-Modelle<br />
entsteht, wie der U-Bahntriebwagen<br />
DT5. Beide Modelle wird es in H0 mit<br />
Antrieb geben, während der V6E für<br />
N-Spur nur als unlackiertes Gehäuse<br />
gezeigt wurde, das im immer mehr<br />
verbreiteten 3-D-Druck produziert<br />
wird. <strong>Die</strong> Motorisierung wird dem<br />
versierten Bastler überlassen, angesichts<br />
der Zierlichkeit des Modells ein<br />
recht schwieriges Unterfangen.<br />
Modelle nach Hamburger Vorbildern<br />
angekündigt: Hervorzuheben sind<br />
hier der Mercedes-Benz O305 nach<br />
Hochbahn- und PVG-Vorbild sowie<br />
Varianten des Citaro-Busses MB<br />
O530 und des MAN Lion’sCity als<br />
dreitüriger Solo- und Gelenkwagen.<br />
Ebenfalls neu ist der Van Hool A330<br />
mit Heckwerbung für ein Hamburger<br />
Theater. Weitere Neuheiten sind das<br />
Hotelhochhaus, das in H0 stattliche<br />
80 Zentimeter Höhe erreicht, aber<br />
auch für N lieferbar sein<br />
wird. Großstädtische<br />
Ausmaße weist auch<br />
das ebenfalls für beide<br />
Baugrößen angebotene Kaufhaus<br />
nach historischem Hamburger Vorbild<br />
auf. Sehr interessant wirkt auch<br />
das Schulgebäude aus den 1960er-<br />
Jahren. In Lasercut-Technik werden<br />
zwei U-Bahn-Eingänge und verschiedene<br />
andere Ausstattungsteile<br />
produziert.<br />
U-Bahnen zum Jubiläum<br />
Auf einem motorisierten Industriefahrwerk<br />
basiert dagegen das N-<br />
Modell der Hamburger S-Bahn-Triebwagen<br />
ET 171. Das Gehäuse wird<br />
hierbei aus Kunststoff gegossen.<br />
Da es sich, wie auch beim ebenfalls<br />
angekündigten Modell des Nahverkehrstriebwagens<br />
VTA der AKN um<br />
ein Kleinserienmodell handelt, erfolgt<br />
die Fertigung nur bei ausreichendem<br />
Bestelleingang. Das H0-Pendant des<br />
AKN-Triebwagens soll dagegen im<br />
ersten Halbjahr 2013 ausgeliefert<br />
werden – im Laufe des Jahres folgt<br />
die S-Bahn ET 472/473. In Planung<br />
sind Modelle des ET 474 und 474.3.<br />
<strong>Die</strong> U-Bahn-Triebwagen DT2 bzw.<br />
DT2E wurden zwar nur als unfertige<br />
Muster gezeigt, ein gemischter Zug<br />
aus beiden Varianten ist aber als einmalige<br />
Sonderserie fürs Hochbahn-<br />
Jubiläum angekündigt. Auch auf<br />
dem Bussektor sind etliche neue H0-<br />
Unschwer erkennbar ist die Herkunft des Hallenser Fahrschulwagens als Umbau aus einem Linienfahrzeug des<br />
Typs Tatra T4D. Auch Herrmann & Partner nutzte für sein H0-Trammodell dieses Basisfahrzeug<br />
Wie die bereits vorgestellten Modelle der Henschel-Trolleybusse HS 160 OSL und HS 160 OSL-G stammt auch<br />
dieses H0-Resinmodell eines niederländischen Den-Oudsten-Busses vom tschechischen Hersteller HB. Irrtümlich<br />
hatten wir die Busmodelle einem Hersteller namens „NB“ zugeschrieben, den es aber gar nicht gibt<br />
strassenbahn magazin 6|2013
aßenbahn im Modell<br />
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TAGUNG 2013<br />
■ Unsere diesjährige Tagung findet<br />
vom 3. bis 11. August in Graz und<br />
Zagreb statt mit einigen Höhepunkten:<br />
• Vortagung „Tour de Styria“, GKB<br />
und „Stainzer Flascherlzug“. Höllenthalbahn<br />
Payerbach-Hirschwang,<br />
Schneebergbahn (Dampfzug).<br />
• „Straßenbahn“-Programm, Lokalbahn<br />
Mixnitz – St. Erhard. Nostalgiebahnen<br />
in Kärnten mit Museum für<br />
Technik und Verkehr in Klagenfurt,<br />
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des Historama, Fahrt mit historischen<br />
Fahrzeugen auf der Museumsstrecke.<br />
Sonderfahrt mit historischer Tram und<br />
Besuch des Tramway Museums in Graz.<br />
• Nachtagung in Zagreb (Kroatien),<br />
Sonderfahrt mit historischem Tramzug,<br />
Betriebsbesichtigung. Tagesausflug<br />
nach Osijek, Besichtigung und Sonderfahrt<br />
(angefragt). Rückfahrt nach Graz.<br />
DER VDVA<br />
STELLT SICH VOR<br />
■ Der Verband Deutscher Verkehrs-<br />
Amateure wurde 1956 gegründet, um<br />
den Straßenbahn- und Nahverkehrs-<br />
Vereinen „ein Dach“ zu bieten. <strong>Die</strong><br />
jährliche Tagung mit überregionalem<br />
Erfahrungsaustausch und ausgewählten<br />
Nahverkehrs-Exkursionen entwickelte<br />
sich schnell zum Hauptzweck des VDVA.<br />
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■ Wen unser Tagungsprogramm interessiert,<br />
kann auch als Nicht-Mitglied<br />
daran teilnehmen. Bitte fordern Sie<br />
die kompletten Tagungsunterlagen<br />
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10. Juni, Frühbucherrabatt noch bis<br />
25. Mai (bei Zahlung bis 15. Juni).<br />
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Hier sehen wir die türlose Seite des Kasseler Credé-Verbandswagens in Einrichtungsversion, den Herrmann &<br />
Partner neben der Ausführung in Beige auch in dieser creme-roten Lackierung herausbringt olga bandelowa (7)<br />
Swedtram-Chef Hans Josefson zeigte<br />
den bereits im Bild vorgestellten<br />
Osloer Hawa-Triebwagen in Spur 0.<br />
Der Triebwagen 149 ist als Museumswagen<br />
erhalten. Als Wiederauflage<br />
erscheint in H0 und 0 der Nürnberger<br />
Großraumzug Serie 200/1500.<br />
<strong>Die</strong>ser Zug ist alternativ mit Hallingoder<br />
SB-Antrieb erhältlich, sodass<br />
die Fahreigenschaften heutige Ansprüche<br />
erfüllen. Einige dieser Züge<br />
gelangten nach Ende ihres planmäßigen<br />
Einsatzes in die Türkei und in die<br />
polnische Partnerstadt Krakau. Ein<br />
Zug wird weiterhin als Museumsgarnitur<br />
in Nürnberg eingesetzt.<br />
Vieles noch in Planung<br />
Viel vorgenommen hat sich Thomas<br />
Hänsel von THS zum zehnten Jubiläum<br />
seiner Firma. Allein vier verschiedene<br />
Straßenbahnen nach Remscheider<br />
Vorbild sollen nach ausreichendem<br />
Bestelleingang erscheinen,<br />
neben einem Schörling-Schleifwagen<br />
von 1949 sind dies der Düwag-Niederflurwagen<br />
von 1942, der Aufbauwagen<br />
von 1951 und die Neuauflage<br />
des Westwaggon-Gelenkwagens, der<br />
auch in Darmstädter Ausführung geplant<br />
ist. Passend zu diesem wird es<br />
den Rathgeber-Verbandsbeiwagen<br />
geben. <strong>Die</strong> kompletten Verbandszüge<br />
(Trieb- und Beiwagen) sind<br />
außerdem nach Darmstädter, Regensburger<br />
und Würzburger Vorbild<br />
geplant. In Essener und Wuppertaler<br />
Ausführung will THS die Düwag-<br />
„Sänfte“ herausbringen. Dank VK-<br />
Modelle ist der lange geplante Metrobus<br />
MAN 750 nach Remscheider<br />
Vorbild endlich lieferbar, außerdem<br />
sollen der Henschel HS 160 USL bzw.<br />
USL-G erscheinen. Als Umbausatz für<br />
ein Lkw-Modell des Magirus S3500<br />
ist ein Turmwagenaufbau geplant.<br />
Überschaubare Ausmaße hat das<br />
Straßenbahndepot Naumburg/Saale,<br />
was so manchem Modellstraßenbahner<br />
entgegenkommt.<br />
Ein Füllhorn an Neuigkeiten präsentierte<br />
wieder einmal VK-Modelle. Es<br />
sind vor allem Varianten der Obusse<br />
Solaris Trollino 12 und Trollino 18.<br />
Ganz neu ist das H0-Modell des Niederflur-Stadtbusses<br />
Van Hool A330.<br />
In Deutschland fuhren die Busse des<br />
belgischen Herstellers unter anderem<br />
in Göttingen und Hamburg. Dem<br />
Vorbildtrend folgend, bringt VK-Modelle<br />
verschiedene<br />
Der SB-Antrieb für den Nürnberger Großraumwagen von Swedtram ist<br />
auch zur nachträglichen Motorisierung anderer H0-Vierachser geeignet<br />
Hybridbusse heraus. Das sind zum<br />
einen der Solaris U18 nach Dresdener,<br />
Leipziger, Frankfurter und<br />
anderen Vorbildern, zum anderen<br />
ganz neu die „SwissHybrid“-Busse<br />
des Schweizer Herstellers Hess, die<br />
zuerst in der Ausführung des Stadtverkehrs<br />
Lübeck erscheinen. <strong>Die</strong> Variante<br />
als „SwissTrolley“ erscheint<br />
anfangs in der viertürigen Variante<br />
Bislang nur als Zeichnung existiert der aus einem Ex-Remscheider Westwaggon-Gelenkwagen und einem Rathgeber-Verbandsbeiwagen<br />
bestehende Darmstädter Zug. THS produziert ihn in H0 bei genügendem Interesse<br />
76 strassenbahn magazin 6|2013
Spielwarenmesse 2013<br />
Fesch sieht die Neuauflage des Nürnberger Großraumzuges aus, die Swedtram-Chef Hans Josefson mit nach<br />
Nürnberg brachte. Das H0-Modell gibt es wahlweise mit Antrieben von Halling oder SB (siehe andere Seite)<br />
mit einfacher Vordertüre als Stadtbus<br />
Winterthur und der VBZ Zürich, die<br />
dreitürige Ausführung mit doppelter<br />
Vordertüre wird exklusiv für einen<br />
Händler in Arnheimer Lackierung<br />
und für das Obusmuseum Solingen<br />
im Dekor des Betriebes der Klingenstadt<br />
produziert. Der Hybrid- und der<br />
Obus unterscheiden sich vor allem<br />
durch die Dachgestaltung, außerdem<br />
sind beim Hybridbus die Räder der<br />
hinteren Achsen von durchgehenden<br />
Seitenschürzen verdeckt.<br />
Varianten nur für Händler<br />
In drei verschiedenen Formvarianten<br />
erscheint der Büssing-Ludewig-<br />
Anderthalbdecker. Nach dem Basismodell<br />
folgt eine Version mit neuer<br />
Frontspinne und ab sofort auch mit<br />
komplett verglasten Falttüren. Es erscheinen<br />
zuerst der Dreitürer in Bonner<br />
und Hagener Ausführung und für<br />
einen Händler der Hannoveraner Bus<br />
ohne Tür am Heck in neutraler Ausführung<br />
oder mit zwei verschiedenen<br />
Reklamen. Sowohl der Anderthalbdecker<br />
wie auch der MAN-Metrobus<br />
Anzeigen<br />
werden für einen anderen Händler in<br />
verschiedenen Versionen der ASEAG<br />
Aachen produziert. In nicht weniger<br />
als 15 weiteren Varianten, zum Teil<br />
als Händler- oder Kundenmodelle,<br />
erscheint der Metrobus im Laufe des<br />
Jahres. Dank der weiten Verbreitung<br />
des Vorbilds ist hier wohl noch einiges<br />
zu erwarten. <strong>Die</strong> interessierten<br />
Kunden werden aber nach den Bezugsmöglichkeiten<br />
dieser „Geheimmodelle“<br />
oft mühsam suchen müssen,<br />
da viele dieser Händlervarianten<br />
meist nur lokal und ohne entsprechende<br />
Bekanntmachung verkauft<br />
werden. <strong>Die</strong> Reihe des MAN/Göppel-<br />
Neueste Variante des Gelenkbusses Solaris U18 ist dieser Wagen der FER<br />
Rimini/Bologna (oben). Das VK-Modell besticht durch exzellente Detaillierung<br />
und Bedruckung, was auch auf den MAN-Metrobus 750 HO V11<br />
zutrifft, der in dieser Ausführung im Stadtverkehr Lindau/Bregenz lief<br />
Bei uns finden Sie sowohl<br />
skandinavische wie auch viele<br />
deutsche Trammodelle – alte<br />
und moderne Fahrzeuge aus<br />
Bremen, Nürnberg, Köln, Bonn,<br />
Essen, Kassel oder Stuttgart.<br />
Unsere H0- und 0-Modelle gibt<br />
es fertig oder als Bausatz. Sie<br />
sind mit allen Details ausgerüstet<br />
und verfügen über perfekt<br />
wirkende Fahrwerke.<br />
45 Minuten Arbeitsaufwand<br />
Arbeitaufwand 90 Minuten<br />
Tramfreunde<br />
aufgepasst!<br />
Midibusses NM 223.2 wird auch um<br />
zwölf unterschiedliche H0-Varianten<br />
erweitert. Zu allen genannten Bussen<br />
erscheinen im Laufe des Jahres<br />
die entsprechenden Radsätze als Zurüstteile.<br />
Keinen neuen Bus, dafür aber eine<br />
große Zahl an Pkw und Lkw nach<br />
neueren oder klassischen Vorbildern<br />
bringt Wiking heraus, hervorheben<br />
wollen wir hier den formneuen<br />
Renault R4, den BMW 2002 in der<br />
Ursprungsausführung, das Cabrio<br />
auf Basis des VW New Beetle, bei<br />
den Lastwagen den Magirus Sirius<br />
in zahlreichen Varianten und bei den<br />
Modellen nach aktuellen Vorbildern<br />
einen DHL-Wechselkoffer-Hängerzug<br />
auf MAN-TGX-Basis. Schon einige<br />
Zeit in limitierter H0-Auflage lieferbar<br />
ist der Budapester Straßenbahnzug<br />
Typ UV von Wumm.<br />
Damit endet die diesjährige Vorstellung<br />
aller fürs Hobby Modellstraßenbahn<br />
relevanten Neuheiten. In acht<br />
Monaten ist die wieder Messe.<br />
Ihre Arbeit<br />
gewinnt<br />
■ Haben Sie auch eine Tramanlage<br />
oder ein Modell gebaut? Dann<br />
bringen Sie den Bau- oder Gleisplan<br />
zu Papier, machen ein paar scharfe<br />
Fotos und schrei ben Sie uns einige<br />
Zeilen dazu. <strong>Die</strong> besten Arbeiten<br />
werden hier veröffentlicht und mit<br />
einem Freiabonnement für zwölf<br />
Ausgaben des <strong>STRASSENBAHN</strong><br />
<strong>MAGAZIN</strong> ausgezeichnet! Senden<br />
Sie ihren Vorschlag an: STRAS-<br />
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40 02 09, D-80702 München.<br />
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www.swedtram.se<br />
swedtram@swipnet.se<br />
strassenbahn magazin 6|2013 77
Ihre Seiten: Ergänzungen, Anmerkungen, Kritik und Anregung<br />
0 89 – 13 06 99-720<br />
ö 0 89 – 13 06 99-700<br />
: redaktion@geramond.de<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postfach 40 02 09 · 80702 München<br />
Zu „Das Chemnitzer Modell“<br />
(SM 3/2013)<br />
Hohe Kosten beachten<br />
In diesem ausführlichen Beitrag werden<br />
gleich mehrere Dinge deutlich: der<br />
Umbau des Netzes, der Einsatz von Zweisystemfahrzeugen<br />
auf einer Pilotstrecke<br />
sowie die Modernisierung des Chemnitzer<br />
Hauptbahnhofes einschließlich des<br />
Straßenbahnanschlusses parallel zu den<br />
Gleisen der DB Netz AG.<br />
Alle diese Dinge tragen wesentlich zur<br />
Verbesserung des ÖPNV in Chemnitz bei,<br />
wobei insbesondere der Mischbetrieb auf<br />
den DB-Gleisen eine Sonderstellung einnimmt<br />
und für mich bemerkenswert ist.<br />
NACH REDAKTIONSSCHLUSS<br />
EINGEGANGEN<br />
Doch bei den einzelnen Maßnahmen<br />
ergeben sich natürlich immens hoch wirkende<br />
Investitionssummen, deren Armortisation<br />
vermutlich Jahrzehnte in Anspruch<br />
nehmen dürfte!<br />
Uwe Schlüter, Hildesheim<br />
Zu verschiedenen Beiträgen im<br />
SM 3/2013<br />
Lob und Tadel<br />
Das Bild des Monats aus Nürnberg<br />
zeigt doch eines: Wenn man die Liniennummer<br />
mit „Pappschild“-Aufstellung<br />
ergänzen muss, damit der Fahrgast sie<br />
überhaupt erkennen kann (tut Basel übrigens<br />
auch), dann ist der Sinn neuzeit-<br />
licher Beschriftungsverfahren in Frage<br />
zu stellen.<br />
Danke für die älteren Fotos, als es in<br />
Rheingönheim (Seite 69) noch aussah<br />
wie zur gleichen Zeit in Liebertwolkwitz.<br />
Gern mehr davon!<br />
Im Leserbrief zu den Osteuropa-Abgaben<br />
wurde erneut vergessen, dass sich<br />
auch Magdeburg von T4D/B4D im Originalzustand<br />
„erleichtert“ hat.<br />
Wenn wir nach der Berechtigung fragen,<br />
Wagen auszusondern und zu verschrotten,<br />
dann sind die jetzt dem<br />
Materialkreislauf zuzuführenden Warschauer<br />
immerhin alt (und womöglich<br />
auch verbraucht) genug dafür. Es hingegen<br />
den Linzer Zehnachsern anzutun,<br />
war Frevel – Meterspurachsen hätten<br />
die Wagen anderswo noch nutzbar gemacht.<br />
Auch sich von den Bochumer M-<br />
/N-Wagen bzw. den Duisburger Grazern<br />
zu lösen, kommt – insbesondere zustandshalber<br />
– entschieden zu früh!<br />
Peter Söffner, Leipzig<br />
Zu „Neue Bahnen braucht das<br />
Land“ (SM 4/2013)<br />
Gute Darstellung<br />
Vielen Dank für diesen sehr ausführlichen<br />
Artikel über die neuesten Fahrzeugentwicklungen<br />
in verschiedenen deutschen<br />
Großstädten. Ob Flexity, Tramlink,<br />
Vamos, Variobahnen oder andere Typen<br />
– sie werden alle ausführlich beschrieben.<br />
Mit Spannung warte ich nun natürlich<br />
auf weitere Informationen zum TW<br />
3000 der Üstra Hannover.<br />
Uwe Schlüter, Hildesheim<br />
Fehler in Typen-Kürzel<br />
Zur auf Seite 37 abgebildeten Tabelle<br />
über die seit 1989 von deutschen Betrieben<br />
bestellten Niederflurwagen möchte<br />
ich korrigieren, dass es sich bei den<br />
Dresdner Niederflurstraßenbahnen um<br />
die Typen NGT6-DD, NGT8-DD (keine<br />
Drehgestelle, sondern feste Fahrwerke)<br />
sowie Classic NGTD8-DD und Classic<br />
NGTD12-DD (mit Drehgestellen) handelt.<br />
Benjamin Rannig, Dresden<br />
Zu „Mitten rein in die Stadt“<br />
(SM 4/2013)<br />
Gern mehr Zeichnungen<br />
<strong>Die</strong> Mitteleinstiegswagen der Berliner<br />
Straßenbahn sind ein sehr interessantes<br />
Kapitel, welches in dieser Ausgabe des<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> wie immer<br />
sehr ausführlich und gut behandelt worden<br />
ist.<br />
<strong>Die</strong> Zeichnungen sowie das Fotomaterial<br />
zu diesem Beitrag können sich ebenfalls<br />
sehen lassen. Weiter so bei allen<br />
Themen – und gern mit noch mehr Zeichnungen.<br />
Uwe Schlüter, Hildesheim<br />
Wie in alten Zeiten: Tw 40 begegnet am 10. März 2013 an der Unterführung<br />
Herbeder Straße in Witten einer V60<br />
J. GRÜNEBAUM<br />
Historisches Treffen<br />
Im Rahmen des 30. Jubiläums der Eisenbahnfreunde Witten kam es am Sonntag,<br />
dem 10. März 2013, zu einem historischen Zusammentreffen zweier Verkehrsmittel<br />
in Witten. Noch bis vor wenigen Jahren waren Begegnungen der Bogestra-<br />
Triebwagen des Typs GT6 und einer V 60 nichts Außergewöhnliches. <strong>Die</strong> beliebten<br />
Düwag-Straßenbahntriebwagen sind nun schon seit längerem von den Gleisen der<br />
Meterspur im Raum Bochum/Gelsenkirchen verschwunden, während auch heute<br />
noch ab und zu eine ehemalige Bundesbahn-V60 bei der Deutschen Bahn in Form<br />
einer Lokomotive der Baureihe 363 im Rangierdienst beobachtet werden kann. Zum<br />
Treffen ganz im Stil der 1980er-Jahre kam es am 10. März jedoch mit der V 60 615<br />
der Museumseisenbahn Hamm und dem Tw 40 der Verkehrshistorischen Arbeitsgemeinschaft<br />
der Bogestra.<br />
Jens Grünebaum, Witten<br />
Seitenansicht der 1933/34 entstandenen Mitteleinstiegswagen vom Typ<br />
TM 33 – eine Schnittansicht dieser Umbauwagen von oben gab es im<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 4/2013 auf Seite 64<br />
K.-H. GEWANDT<br />
78 <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013
Termine<br />
19. Mai, Bochum: Zwischen 11 und 17 Uhr fährt der<br />
»Muse umsExpress« der VhAG Bogestra mit historischen<br />
Straßenbahnen als Zu brin ger vom Hbf Bochum, Bstg. Linie<br />
308/318, zum Bahnhof Bo.-Dahl hausen, wo in den<br />
Pendel-Schienenbus zum Eisenbahnmuseum umgestiegen<br />
werden kann. Nähere Infos: www.vhag-bogestra.de<br />
19./20. Mai, Sehnde-Wehmingen: Straßenbahn selbst<br />
fahren im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser<br />
Straße 16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17<br />
Uhr, Gelegenheit, unter Anleitung eines HSM-Fahrlehrers<br />
selbst eine Straßenbahn zu fahren, Kosten: 15 EUR, siehe<br />
www.tram-museum.de<br />
25./26. Mai, Chemnitz: Tage der offenen Tür und die<br />
Museumsnacht im CVAG-Omnibusbetriebshof, Werner-<br />
Seelenbinder-Str. 13. Im Rahmen der 10. internationalen<br />
Modell-Straßenbahn-Ausstellung werden mehr als 20<br />
Modellstraßenbahnanlagen präsentiert. Geöffnet ist am<br />
Sonnabend von mittags 13 Uhr bis 1 Uhr nachts sowie<br />
am Sonntag von 12 bis 16 Uhr. Zeitgleich hat jeweils das<br />
Straßenbahnmuseum Chemnitz, Zwickauer Str. 164,<br />
geöffnet. Zu den Miniatur-Trams gibt es Auskünfte über<br />
kleinestrassenbahn2013@web.de, zum Museum über<br />
das Straßenbahnmuseum Chemnitz, strassenbahnchemnitz.de,<br />
claudia.mann@strassenbahn-chemnitz.de.<br />
25./26. Mai, Sehnde-Wehmingen: Modell-Truck-Treffen<br />
im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser<br />
Straße 16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr,<br />
zusätzlich Straßenbahn selbst fahren, Kosten: 15 EUR,<br />
weitere Informationen unter www.tram-museum.de<br />
oder vorstand@tram-museum.de<br />
26. Mai, München: MVG-Museum von 11 bis 17 Uhr<br />
geöffnet, Ständlerstraße 20, 81549 München<br />
1. Juni, Essen/Gelsenkirchen: <strong>Die</strong> historischen Straßenbahnen<br />
der VhAG EVAG, BOGESTRA und MVG fahren<br />
im Stundentakt zwischen Essen-Holsterhausen und<br />
Gelsenkirchen Hbf, zwischen Essen Hbf und Zeche Zollverein<br />
sogar alle 30 Minuten. Zustieg mit einem gültigen<br />
VRR-Ticket. Infos: www.vhag-bogestra.de<br />
1. Juni, Meißen/Döbeln: Sonderfahrt mit einem historischen<br />
Omnibus von Leipzig nach Meißen (u. a. mit<br />
Besichtigung der Güterlok der ehemaligen Meißner Straßenbahn)<br />
und zur Pferdebahn Döbeln. Details: www.diebimmel.de<br />
oder per E-Mail von g-wranik@t-online.de<br />
1. Juni, Augsburg: Rundfahrt mit Gt8 Tw 806, organisiert<br />
von den Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V.<br />
und den Verkehrsbetrieben. Start ist am Königsplatz<br />
(Bahnst. „H“ der Linie 2 Richtung Stadttheater) um<br />
13.05, 14.05 und 15.05 Uhr. <strong>Die</strong> Fahrt dauert ca. 40 Minuten<br />
und kostet 3 EUR für Erwachsene und 1,50 EUR<br />
für Kinder. Mitglieder anderer Nahverkehrsfreunde sind<br />
frei. Bitte beim Fahrbegleiter melden<br />
1. Juni, Berlin: Führungen durch den Betriebshof Niederschönhausen<br />
und die Sammlung historischer Straßenbahnen<br />
und Busse, <strong>Die</strong>tzgenstraße 100 (Haltestelle<br />
Nordend, Straßenbahnlinie M1, Buslinien 107 und 124),<br />
stündlich von 10 bis 15 Uhr; Eintritt: Erwachsene 2,–<br />
Euro, Kinder (6–14 Jahre) 1 Euro; weitere Infos unter<br />
www.dvn-berlin.de<br />
2., 9., 16., 23. und 30. Juni, Stuttgart: Jeden Sonntag<br />
verkehren die Straßenbahn-Oldtimerlinien 21 und 23<br />
zwischen Straßenbahnwelt Stuttgart und Hauptbahnhof<br />
bzw. Ruhbank (Fernsehturm). Info: www.strassenbahnwelt.com<br />
oder www.shb-ev.info. Infolge größerer Baumaßnahmen<br />
heißt es im Juli 2013 für voraussichtlich<br />
zwei Jahre Abschied nehmen von der Oldtimerlinie 23.<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong> 6 | 2013<br />
Ob Tag der offenen Tür, Sonderfahrt oder Sym posium:<br />
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Fax (0 89) 13 06 99-700 · E-Mail: redaktion@geramond.de<br />
Ein Ersatzkonzept mit historischen Omnibussen befindet<br />
sich in Arbeit, zur Umstellung ist eine größere Publikumsveranstaltung<br />
geplant<br />
6. Juni, Augsburg: Rundfahrt mit KSW, organisiert von<br />
den Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V. und den<br />
Verkehrsbetrieben. Start ist am Königsplatz (Bahnst. „H“<br />
der Linie 2 Richtung Stadttheater) um 13.05, 14.05 und<br />
15.05 Uhr. <strong>Die</strong> Fahrt dauert ca. 40 Minuten und kostet<br />
3 EUR für Erwachsene und 1,50 EUR für Kinder. Mitglieder<br />
anderer Nahverkehrsfreunde sind frei. Bitte beim<br />
Fahrbegleiter melden<br />
8. Juni, Liberec: Sonderfahrten anlässlich der Museumsnacht<br />
in der Stadt von 19 bis 24 Uhr zwischen Lidove<br />
Sady und Viadukt mit den Straßenbahnwagen 6MT<br />
117 und T2R 17, Veranstalter: Bovaraclub Liberec,<br />
www.boveraclub.czechtrams.com<br />
9./23. Juni, München: MVG-Museum von 11 bis 17<br />
Uhr geöffnet, Ständlerstraße 20, 81549 München<br />
9. Juni, Berlin: Themenfahrten mit historischen Straßenbahnen,<br />
ab Alexanderplatz/Dircksenstraße um 11 Uhr<br />
und 14 Uhr: Rundfahrten zu einigen im Regelbetrieb nur<br />
selten befahrenen Gleisschleifen im Nordosten der Stadt;<br />
Dauer: ca. 2,5 Stunden; Fahrpreise: Erwachsene 6 EUR,<br />
Kinder (6–14 Jahre) 3 EUR; Fahrscheine in den Wagen<br />
erhältlich, keine Platzreservierung; weitere Infos unter<br />
www.dvn-berlin.de<br />
15. Juni, Cottbus: Anlässlich des Jubiläums „110 Jahre<br />
Cottbuser Straßenbahn“ findet von 11 bis 17 Uhr auf<br />
dem Betriebshof Schmellwitz ein „Hoffest“ statt. Begonnen<br />
wird der Tag mit einem Straßenbahncorso ab 10 Uhr<br />
durch die Stadt. Nähere Infos: www.cottbusverkehr.de<br />
15. Juni, Bochum: »Werkstattfahrt«. In Zusammenarbeit<br />
mit dem Eisenbahn museum Bochum werden an diesem<br />
Tag zwei Bahn-Werkstätten besichtigt: der<br />
Bogestra-Betriebshof Engelsburg und das historische<br />
Bahnbetriebswerk in Dahl hausen. Beide Standorte werden<br />
per Straßenbahn und Schienenbus miteinander verbunden.<br />
Infos unter 02 34 – 49 25 16 oder unter<br />
www.vhag-bogestra.de<br />
30. Juni, Sehnde-Wehmingen: Straßenbahn selbst<br />
fahren im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser<br />
Straße 16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17<br />
Uhr, Gelegenheit, unter Anleitung eines HSM-Fahrlehrers<br />
selbst eine Straßenbahn zu fahren, Kosten: 15 EUR, siehe<br />
www.tram-museum.de<br />
5./6. Juli: Liberec: Sonderfahrten mit historischen Straßenbahnwagen,<br />
Veranstalter: Bovaraclub Liberec<br />
14./28. Juli, München: MVG-Museum von 11 bis 17<br />
Uhr geöffnet, Ständlerstraße 20, 81549 München<br />
28. Juli, Sehnde-Wehmingen: Straßenbahn selbst fahren<br />
im Hannoverschen Straßenbahn-Museum, Hohenfelser<br />
Straße 16, 31319 Sehnde, geöffnet von 11–17 Uhr,<br />
Gelegenheit, unter Anleitung eines HSM-Fahrlehrers<br />
selbst eine Straßenbahn zu fahren, Kosten: 15 EUR, siehe<br />
www.tram-museum.de<br />
3. August, Augsburg: Rundfahrt mit KSW, organisiert<br />
von den Freunden der Augsburger Straßenbahn e.V. und<br />
den Verkehrsbetrieben. Start ist am Königsplatz (Bahnst.<br />
„H“ der Linie 2 Richtung Stadttheater) um 13.05, 14.05<br />
und 15.05 Uhr <strong>Die</strong> Fahrt dauert ca. 40 Minuten und kostet<br />
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Literatur · Händlerverzeichnis · Impressum<br />
Nummer 284 • 6/2013 • Juni • 44. Jahrgang<br />
Durch Freiburg: Klein, aber oho!<br />
Seit Anfang dieses Jahres liegt vom Freiburger EK-Verlag<br />
aus der Reihe „stadtverkehr-Bildarchiv“ der zweite Band<br />
vor. Hatte sich Band 1 dem Busverkehr gewidmet, so kommen<br />
nun die Freunde des Trambetriebes auf ihre Kosten.<br />
Denn der um den Untertitel „Mit der Freiburger Verkehrs<br />
AG durch die Breisgaumetropole“ ergänzte Buchname<br />
„<strong>Die</strong> Freiburger Straßenbahn heute“ ist Programm!<br />
Gemeinsam mit drei anderen Fotografen laden die beiden<br />
Hauptautoren zu einer imaginären Rundfahrt durch<br />
die liebenswerte Stadt in Südbaden ein. Zuvor führen sie<br />
in die Entwicklung des Netzes seit 1901 sowie in den<br />
heute im Liniendienst genutzten Wagenpark ein. Unterstützt<br />
durch eine Tabelle erhält der Leser somit einen guten<br />
Überblick, welche GT4 und GT8 von Düwag sowie<br />
Siemens-Combino er aktuell in Freiburg antrifft.<br />
<strong>Die</strong> folgenden fotografischen Streckenporträts der vier betriebenen<br />
Linien (1, 2, 3 und 5) sind ein Augenschmaus! Als<br />
Redakteure haben die beiden Freiburger Autoren sich selbst<br />
sowie den anderen Bildgebern harte Bandagen angelegt –<br />
doch das Ergebnis kann sich sehen lassen! Neben den das<br />
Buch dominierenden erstklassigen Standardaufnahmen der<br />
Wagen schräg von vorn bei vollem Tageslicht findet der Leser<br />
tolle Dämmerungsaufnahmen sowie sogar ein faszinierendes<br />
Motiv bei Schneeregen (Seite 43).<br />
Eine unverzichtbare Bereicherung und Auflockerung stellt<br />
für den Rezensenten die Vorstellung der Arbeits- sowie Museumswagen<br />
der VAG dar. Wie bereits die im Liniendienst genutzten<br />
Fahrzeuge werden sie mit allen wichtigen Angaben<br />
vollständig aufgelistet, womit das Buch sogar als Nachschlagwerk<br />
empfohlen werden kann.<br />
Wer ein noch eingeschweißtes Exemplar des Buches in der<br />
Hand hält, möge sich also nicht davon irritieren lassen, dass<br />
der stabile Pappeinband fast ebenso stark wie die 96 Innenseiten<br />
ausgefallen ist. Schon beim ersten Durchblättern wird<br />
klar, dass das Buch durchaus knapp 20 EUR wert ist. Denn die<br />
Autoren haben es sich nicht nehmen lassen, ihre prachtvollen<br />
Aufnahmen mit ausführlichen und damit aussagestarken Texten<br />
zu versehen. Obwohl mit dem Titel natürlich ein Bildband<br />
vorliegt, so weist er dennoch einen extrem hohen Informationsgehalt<br />
auf. An dieser Stelle sei ein Manko des Buches angesprochen:<br />
<strong>Die</strong> für den Haupttext und die Bildtexte gewählten<br />
Schriften ähneln sich zu stark! Es fällt auf Mischseiten<br />
schwer, beide zu unterscheiden; auch wirken die grau unterlegten<br />
Tabellen mit Rahmen eher wie Todesanzeigen.<br />
Doch solche Details können an dem positiven Gesamteindruck<br />
des Büchleins kaum kratzen. Der kleine Bildband macht<br />
einfach nur Lust, den Betrieb am Fuße des Schwarzwaldes zu<br />
besuchen und dort selbst die Kamera auszupacken ...<br />
A. MARKS<br />
Norman Kampmann, Christian Wolf: <strong>Die</strong> Freiburger<br />
Straßenbahn heute, 96 Seiten, A5 quer, mit ca. 100 Farbaufnahmen,<br />
EK-Verlag Freiburg 2013,<br />
ISBN 978–3-88255–499-1, Preis 19,80 Euro<br />
www.strassenbahn-magazin.de<br />
Redaktionsanschrift:<br />
<strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong><br />
Postfach 40 02 09 · D-80702 München<br />
Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.720<br />
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Verantw. Redakteur:<br />
André Marks, andre.marks@geramond.de<br />
Redaktion:<br />
Michael Krische (Redaktionsleitung),<br />
Thomas Hanna-Daoud, Martin Weltner<br />
Redaktion Journal/aktuelle Meldungen:<br />
Philipp Krammer,<br />
philipp.krammer@geramond.de<br />
Redaktion Straßenbahn im Modell:<br />
Jens-Olaf Griese-Bande low,<br />
jobandelow@geramond.de<br />
Redaktionsteam:<br />
Berthold <strong>Die</strong>trich-Vandoninck, Wolfgang Kaiser,<br />
Michael Kochems, Bernhard Kuß magk,<br />
Ronald Glembotzky, Dr. Martin Pabst,<br />
Axel Reuther, Robert Schrempf, Michael Sperl<br />
Redaktionsassistenz: Brigitte Stuiber<br />
ABO –HOTLINE<br />
Leserservice, GeraMond-Programm<br />
Verlag:<br />
Betriebe<br />
Fahrzeuge<br />
Geschichte<br />
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leserservice@strassenbahn-magazin.de<br />
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Helmut Kramer<br />
Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.270<br />
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Anz.-leitung <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>:<br />
Helmut Gassner<br />
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helmut.gassner@verlagshaus.de<br />
Anzeigendispo <strong>STRASSENBAHN</strong> <strong>MAGAZIN</strong>:<br />
Tel. + 49 (0) 89.13 06 99.130<br />
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www.verlagshaus-media.de<br />
Es gilt Anzeigenpreisliste Nr. 23 vom 1.1.2013<br />
Layout: Axel Ladleif<br />
Litho: Cromika, Verona<br />
Druck: Stürtz GmbH, Würzburg<br />
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28217 Bremen, Wartburgstr. 59<br />
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Fachbuch handlung, 1040 Wien,<br />
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1140 Wien, Hackinger Str. 52 · Buchhandlung<br />
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Kramergasse 2-4<br />
Belgien<br />
Musée du Transport Urbain Bruxellois,<br />
1090 Brüssel, Boulevard de Smet de<br />
Naeyer 423/1<br />
Tschechien<br />
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Niederlande<br />
van Stockum Boekverkopers, 2512 GV,<br />
Den Haag, Westeinde 57 · Norsk<br />
Modell jernbane AS, 6815 ES, Arnheim,<br />
Kluizeweg 474<br />
GeraMond Verlag GmbH,<br />
Infanteriestraße 11a, 80797 München<br />
Geschäftsführung:<br />
Clemens Hahn, Carsten Leininger<br />
Herstellungsleitung:<br />
Sandra Kho<br />
Vertrieb Zeitschriften:<br />
Dr. Regine Hahn<br />
Vertrieb/Auslieferung Handel:<br />
MZV, Unterschleißheim<br />
Im selben Verlag erscheinen außerdem:<br />
Preise: Einzelheft Euro 8,50 (D), Euro 9,50 (A),<br />
sFr. 15,90 (CH), bei Einzelversand zzgl. Porto;<br />
Jahresabopreis (12 Hefte) Euro 91,80 (incl. MwSt.,<br />
im Ausland zzgl. Versandkosten)<br />
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erscheint monatlich. Sie erhalten die Reihe in Deutsch -<br />
land, in Österreich und in der Schweiz im Bahnhofs buch -<br />
handel, an gut sortierten Zeitschriftenki os ken, im Fachbuchhandel<br />
sowie direkt beim Verlag.<br />
© 2013 by GeraMond Verlag. <strong>Die</strong> Zeitschrift und alle ihre<br />
enthaltenen Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich<br />
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der Verlag das aus schließ liche Recht zur Ver öffentlichung.<br />
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Ver antwortlich für den redaktionellen Inhalt: André Marks;<br />
verantwortlich für Anzeigen: Helmut Kramer, beide Infanteriestr.<br />
11a, 80797 München.<br />
ISSN 0340-7071 • 10815<br />
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<strong>Vorschau</strong><br />
Liebe Leser,<br />
Sie haben<br />
Freunde, die<br />
sich ebenso<br />
für die<br />
Straßenbahn<br />
mit all Ihren<br />
Facetten begeistern<br />
wie Sie? Dann empfehlen<br />
Sie uns doch weiter! Ich freue mich<br />
über jeden neuen Leser<br />
TOPTHEMA »Tour de Ruhr« mit der Tram<br />
Trotz Schrumpfung und „U-Bahn-Wahn“ hat die Straßenbahn im Großraum Rhein-Ruhr immer noch ihren Reiz – und<br />
nach wie vor fährt sie auf Deutschlands größtem zusammenhängeden Straßenbahnschienennetz. Begeben Sie sich mit<br />
uns auf eine Reise von St. Tönis nach Heven Dorf. Erleben Sie dabei sechs Betriebe, zwei Spurweiten, unterirdische und<br />
aufgeständerte Strecken, „Oldies“ aus den 1970er-Jahren und brandneue Niederflurwagen sowie viel Revieratmosphäre<br />
– von Zechenanlagen und „Ruhrbarock“ aus Kaisers Zeiten bis hin zu hypermodernen Zweckbauten.<br />
Von Taucha bis Knautkleeberg<br />
durch Leipzig<br />
Mit der Liniennetzreform 2001 entstand in Leipzig eine neue<br />
Linie 3. Von der Endstellenschleife in Taucha im Nordosten<br />
der Messestadt führte sie zum Leipziger Hauptbahnhof und<br />
von dort weiter nach Süden – westlich der neu entstandenen<br />
Seenlandschaft. Das Porträt dieser äußerst abwechslungs -<br />
reichen Strecke stellt die Besonderheiten der Linie vor, auf<br />
der sich Leoliner und Tatrawagen den <strong>Die</strong>nst teilen.<br />
Mit 110,7 Promille<br />
durch Neunkirchen<br />
Weitere Themen der kommenden Ausgabe<br />
Ausgerechnet ein immens hoher Promillewert sicherte lange<br />
Zeit den Arbeitsplatz der Straßenbahnfahrer in Neunkirchen!<br />
Doch die Rede ist natürlich nicht vom Alkohol, sondern<br />
vom Steigungsabschnitt der Straßenbahn auf der<br />
Hüttenbergstraße. Auf ca. 300 Meter Länge bewältigte die<br />
1907 eröffnete Tram eine Steigung von 110,7 Promille.<br />
1978 endete die Straßenbahnherrlichkeit – ein Blick zurück.<br />
K. OEHLERT-SCHELLBERG<br />
Tramorte: Der Rheinsprung<br />
in Basel im Jahr 1980<br />
Basel, das ist heute eine Stadt der Wissenschaft und der<br />
Kultur, der Messen und Kongresse und – last but not least –<br />
der Industrie. Entsprechend gibt es viele modern geprägte<br />
Viertel, aber auch die historische Altstadt. Einen unvergleichbaren<br />
Blick aus dem Gestern auf die pulsierende<br />
Gegenwart bietet die schmale Gasse Rheinsprung am<br />
Münsterberg. <strong>Die</strong>sen Bereich prägt seit mehr als 100 Jahren<br />
auch die Basler Straßenbahn – Andreas Mausolf stellt seine<br />
Blicke auf Tram und Gasse aus dem Jahr 1980 vor.<br />
Exportwagen aus Wien<br />
Nicht nur gebrauchte Düwag- und Tatra-Wagen aus<br />
Deutschland waren in den vergangenen Jahren bei den<br />
Straßenbahnbetrieben in Osteuropa willkommene Fahr -<br />
zeuge – auch aus Wien wurde nicht mehr benötigte Wagen<br />
an Betriebe ins Ausland verkauft. Weltenbummler Wolfgang<br />
Kaiser ist den Fahrzeugen aus seiner Heimatstadt hinterher<br />
gereist und stellt sie an ihren neuen Einsatzorten vor.<br />
M. KOCHEMS<br />
A. MAUSOLF<br />
André Marks,<br />
verantwortlicher Redakteur<br />
Ende gut …?<br />
Haltestelle für<br />
einen Tag<br />
Es war kein vorgezogener Aprilscherz,<br />
dass die Stadtbahnhaltestelle<br />
„SSB-Zentrum“ am 28. März für<br />
einen einzigen Tag in „Klaus-<strong>Die</strong>ter-<br />
Lohrmann-Weg“ umbenannt und<br />
umbeschildert wurde. Dabei gibt es<br />
weit und breit weder einen Weg<br />
noch eine Straße dieses Namens.<br />
Des Rätsels Lösung: An besagtem<br />
Tag ging bei den Stuttgarter Straßenbahnen<br />
eine Ära zu Ende:<br />
Klaus-<strong>Die</strong>ter-Lohrmann, Unternehmensbereichsleiter<br />
Betrieb, ging<br />
nach 35-jähriger Betriebszugehörigkeit<br />
in den Ruhestand. <strong>Die</strong> von Kollegen<br />
und Mitarbeitern als Aufmerksamkeit<br />
gedachte Aktion erforderte<br />
einen richtiggehenden Verwaltungsakt.<br />
Schließlich bedarf eine solche<br />
Namensänderung der Zustimmung<br />
der Aufsichtsbehörde, in diesem Fall<br />
des Regierungspräsidiums Stuttgart.<br />
Seit 1987 hatte Lohrmann den<br />
größten Bereich des Unternehmens<br />
verantwortet, der unter anderem<br />
den Fahrdienst samt den Betriebshöfen,<br />
die Betriebssteuerung mit<br />
der Betriebsleitstelle, die Fahrschule,<br />
den Prüfdienst und die für Fahrplangestaltung<br />
und Fahrgastinformation<br />
zuständigen <strong>Die</strong>nststellen umfasst.<br />
Seit 2000 hatte der studierte Bauingenieur<br />
außerdem als oberster Betriebsleiter<br />
über die Sicherheit im<br />
Fahrbetrieb zu wachen. <strong>Die</strong> Über -<br />
raschung konnte übrigens nur gelingen,<br />
weil es für Lohrmann eine<br />
Selbstverständlichkeit war, beruflich<br />
wie privat öffentliche Verkehrsmittel<br />
zu benutzen …<br />
J. DAUR<br />
DAS <strong>STRASSENBAHN</strong>-<strong>MAGAZIN</strong> 7/2013 erscheint am 21. Juni 2013<br />
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im Wirtschafts -<br />
wunderland«
Das besondere Bild<br />
Das besondere Bild<br />
Im Herbst 1972<br />
fährt in Budapest<br />
dieser Triebwagen<br />
über die Freiheitsbrücke.<br />
Was war<br />
wohl der Grund<br />
für seine Bekränzung?<br />
Der letzte<br />
Arbeitstag oder ein<br />
Jubiläum des Fahrers?<br />
Wir wissen es<br />
nicht, aber es war<br />
sicher ein Glücksfall,<br />
diesen Zug vor<br />
die Linse zu bekommen.<br />
Das abgebildete<br />
Fahrzeug stammt<br />
aus einer der vielen<br />
Umbauserien von<br />
Altwagen, mit denen<br />
sich die Verkehrsbetriebe<br />
infolge<br />
Geldmangels<br />
lange Jahre behelfen<br />
mussten. Der<br />
fotografierte Wagen<br />
1546 wurde<br />
mit einem Stahlkasten<br />
erneuert.<br />
<strong>Die</strong> Autos der Marken<br />
Wolga und<br />
Lada waren typisch<br />
für diese Epoche,<br />
als es noch kaum<br />
Staus auf den Straßen<br />
gab.<br />
Das besondere Bild<br />
TEXT & FOTO:<br />
NICOLÁS MÜLLER
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